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-The Project Gutenberg EBook of Ludwig Tiecks Genoveva, als romantische
-Dichtung betrachtet, by Johann Ranftl
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Ludwig Tiecks Genoveva, als romantische Dichtung betrachtet
-
-Author: Johann Ranftl
-
-Editor: Anton Emanuel Schönbach
- Bernhard Seuffert
-
-Release Date: October 24, 2015 [EBook #50296]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LUDWIG TIECKS GENOVEVA, ALS ***
-
-
-
-
-Produced by Karl Eichwalder, Chuck Greif, Reiner Ruf, and
-the Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned
-images of public domain material from the Google Books
-project.)
-
-
-
-
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- ##################################################################
- Anmerkungen zur Transkription
-
-Der vorliegende Text wurde anhand der 1899 erschienenen Buchausgabe
-möglichst originalgetreu wiedergegeben. Die Zeichensetzung wurde
-sinngemäß korrigiert; inkonsistente Schreibweisen wurden beibehalten.
-Die folgenden Stellen wurden korrigiert:
-
- S. 2: „Skakespeare“ → „Shakespeare“
- S. 92: „räthelhaft“ → „räthselhaft“
- S. 166: doppeltes „und“; eines entfernt
- S. 191: „vercshieden“ → „verschieden“
- S. 223: „Dass“ → „Das“
- S. 244: „Erscheineu“ → „Erscheinen“
-
-Von der Nomalschrift abweichende Schriftschnitte wurden durch die
-folgenden Sonderzeichen dargestellt:
-
- kursiv: _text_
- fett: #text#
- gesperrt: ~text~
- Kapitälchen: %text%
-
-In den Fußnoten wurden einige Seitenangaben tiefgestellt wiedergegeben.
-Dies wurde im vorliegenden Text durch /Schrägstriche/ symbolisiert.
-
- ##################################################################
-
-
-
-
- GRAZER STUDIEN
-
- ZUR
-
- DEUTSCHEN PHILOLOGIE
-
- HERAUSGEGEBEN
-
- VON
-
- ANTON E. SCHÖNBACH UND BERNHARD SEUFFERT.
-
- ~GRAZ.~
- K. K. UNIVERSITÄTS-BUCHDRUCKEREI UND VERLAGS-BUCHHANDLUNG ‚STYRIA‘.
- 1899.
-
-
-
-
- K. K. UNIVERSITÄTS-BUCHDRUCKEREI ‚STYRIA‘ IN GRAZ.
-
-
-
-
- LUDWIG TIECKS GENOVEVA.
-
- ALS
-
- ROMANTISCHE DICHTUNG
-
- BETRACHTET
-
- VON
-
- %Dr.% JOHANN RANFTL.
-
-
-
-
-Vorwort.
-
-
-Der Romantiker Ludwig Tieck ist eine bedeutende, einflussreiche und
-interessante Persönlichkeit. Zu den allerersten, bahnbrechenden und
-führenden Geistern unserer Literatur gehört er jedoch nicht. Es mag
-daher keineswegs für jedermann selbstverständlich sein, dass man über
-eine einzelne Dichtung dieses Mannes ein kleines Buch schreibt. Auch
-mir schien es nicht selbstverständlich, bevor ich mich eingehender mit
-der Entstehung wie mit dem geistigen und künstlerischen Charakter der
-„Genoveva“ befasste. Bei näherer Betrachtung fällt sogleich auf, dass
-Tieck selbst gerade diesem romantischen Drama eine besonders wichtige
-Stelle in seinem geistigen Entwickelungsgange anweist, es mit Nachdruck
-als „Epoche“ in seinem Leben bezeichnet. In seinen späteren Jahren, als
-ihm der altdeutsch-religiöse Enthusiasmus der „Genoveva“ längst fremd
-geworden war, kommt er mit einer gewissen Liebe und Zärtlichkeit gerade
-auf dieses Gedicht immer wieder zurück, das nach seiner Versicherung
-ganz aus seinem Gemüthe gekommen, das „gar nicht gemacht, sondern
-geworden sei“.
-
-Auch im großen Leben unserer Literatur gieng Tiecks „Genoveva“ nicht
-spurlos und unbemerkt vorüber. Goethe und Schiller und viele Kleinere,
-die Theilnahme für geistige Erscheinungen empfanden, nahmen Stellung zu
-dem Werke. Es machte den ästhetischen Gesinnungsverwandten Tiecks jenen
-erfreulichen Eindruck, den der Dichter gewünscht hatte, es war den
-echten Aufklärern ein Stein des Anstoßes, da sie es als Symptom einer
-mächtig anwachsenden, ihnen feindlichen, geistigen und literarischen
-Strömung ansehen mussten, und als Sammelpunkt des romantischen Geistes
-erweckt es heute das lebhafte Interesse des Literarhistorikers
-und erwirbt sich das Anrecht auf eine monographische Betrachtung.
-Vielleicht ist Tiecks „Octavianus“ ein noch vollständigerer „orbis
-pictus“ der Romantik als die „Genoveva“, dafür setzt aber dieses
-Werk mit weniger Klügelei, unmittelbarer und frischer der ersten
-Begeisterung entströmend dasjenige in dichterische Gestalt um, was
-um 1800 die Gemüther der älteren Romantiker erfüllte. Was hier wie
-von selbst dem Dichter aus der Seele quoll, wird im „Octavianus“ nur
-bewusst erweitert und gesteigert. Darum blieb ich lieber bei der
-„Genoveva“, um an diesem typischen Beispiele zu zeigen, wie damals ein
-romantisches Kunstwerk entstand, mit welchen künstlerischen Mitteln der
-Romantiker seine Theorie dichterisch verwirklichte, und welche Stellung
-ein solches Werk in unserer Literatur-Entwickelung einnimmt.
-
-Mehrere Forscher, vor allem Haym, haben mit Sorgfalt und Scharfsinn
-die schwere Aufgabe übernommen, aus dem Chaos von vieldeutigen,
-schillernden Sentenzen und Aphorismen, wie aus den ziemlich unklaren
-Manifesten der jugendlichen romantischen Stimmführer die leitenden
-ästhetischen Gedanken herauszulesen und übersichtlich darzustellen.
-In meiner Schrift soll eine Art Gegenprobe versucht und die Art
-beleuchtet werden, wie damals jene nebelhaften Theorien in einer
-einzelnen Dichtung Gestalt annahmen. Ich glaube, dass eine solche
-Einzelbetrachtung zu noch anschaulicherer, genauerer und feinerer
-Erkenntnis der romantischen Bestrebungen führen kann. Dass ein
-gewisses Bedürfnis nach solchen Untersuchungen besteht, bezeugt die
-Thatsache, dass fast gleichzeitig noch drei andere Schriftsteller auf
-den nämlichen Gedanken verfielen. Poppenberg untersuchte Mystik und
-Romantik in Z. Werners „Söhnen des Thals“, Kerr vertiefte sich in
-Brentanos „Godwi“ und Busse in „Novalis’ Lyrik“.
-
-Eine Durchprüfung des gedruckten Materiales über Tiecks „Genoveva“
-gewährte auch genauere Aufschlüsse über die oft unbestimmt andeutenden
-„Vorberichte“, über das Verhältnis des Dichters zu Jakob Böhme, wie
-über die romantische Religion von 1800. Gerade über den letzteren
-Punkt ist noch manches zu sagen, um Missverständnisse, die in den
-Literaturgeschichten gerne wiederholt werden, zu beseitigen. In dieser
-rein literar-historischen Untersuchung war natürlich kein Raum, auf den
-theologischen Wert oder Unwert der romantischen Religionsanschauungen,
-die zunächst meist nur der dichterischen Stimmung dienten, näher
-einzugehen. Den mühsamen Versuch H. v. Friesens, Tiecks „Genoveva“
-für den Protestantismus zu „retten“, mit einem leichteren Gegenversuch
-zu Gunsten des Katholicismus zu erwidern, scheint mir unnöthig, da mit
-solchen Bemühungen nach meinem Dafürhalten dem Katholicismus sowenig
-wie der Literaturgeschichte gedient ist.
-
-Wofern nicht ungedruckte Materialien über Tiecks Persönlichkeit und
-Schaffen noch wesentliche neue Aufschlüsse für die in dieser Schrift
-behandelte Periode bringen, hoffe ich, mit meiner Arbeit auch einen
-brauchbaren Baustein für eine künftige Tieckbiographie geliefert zu
-haben.
-
-Während mein Manuscript bereits für die Druckerei fertig lag,
-erschien Bruno Golz’ „Pfalzgräfin Genoveva in der deutschen Dichtung“
-(Leipzig 1897). Über Tiecks Verhältnis zum Volksbuch wie zu Maler
-Müllers Drama kommt Golz zu Ergebnissen, die sich mit dem Resultate
-meiner Untersuchungen mehrfach decken. Der nothwendigen Abrundung
-meiner Arbeit zuliebe, konnte ich aber die betreffenden Abschnitte,
-die bereits im Jahre 1896, als ich diese Untersuchung an der Grazer
-Universität als Dissertation vorlegte, ihre jetzige Gestalt hatten,
-nicht mehr abkürzen, wenngleich sie jetzt nicht durchwegs Neues bringen.
-
-Zu besonderem Danke für die bereitwilligste Förderung dieser Arbeit
-bin ich meinem hochverehrten Lehrer Herrn Prof. Dr. ~Bernhard
-Seuffert~ verpflichtet, von dessen Anregungen im deutschen Seminar
-diese Untersuchungen ihren Ausgang nahmen. Gerne spreche ich hier auch
-den Herren Beamten der Grazer Bibliotheken für ihre Zuvorkommenheit
-meinen Dank aus.
-
- ~Graz~, Pfingsten 1899.
-
- Johann Ranftl.
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- Seite
-
- #Vorwort# V-VII
-
-
- #I. Das Erwachen des Sinnes für Religion und deutsches
- Alterthum# 1-30
-
- Tiecks und Wackenroders Freundschaft. Erlangen und Nürnberg. Tiecks
- geistige Wandlung. „Herzensergießungen“, „Sternbald“, „Phantasien“.
- Tieck als „Klosterbruder“. -- Schleiermacher und Tieck. „Reden
- über die Religion“. -- Tiecks Freundschaft mit Novalis. -- Wirkung
- der Schleiermacher’schen „Reden“ auf die übrigen Romantiker. Fr.
- Schlegels „Mythologie“. -- Tiecks Neigung für das Altdeutsche.
- Tieck und die Volksbücher. Äußere Entstehungsgeschichte der
- „Genoveva“. „Nicht gemacht, sondern geworden“.
-
-
- #II. Das Volksbuch als Quelle von Tiecks „Genoveva“# 31-66
-
- Vergleichung der Dichtung Tiecks mit dem Volksbuch. Tieck benützt
- dasselbe im Sinne der Romantik. Erweiterungen im ersten und
- enger Anschluss an die Vorlage im zweiten Theile der Tieck’schen
- „Genoveva“. Die Angabe des „Vorberichtes“. Die Abänderungen
- entsprechen der romantischen Doctrin. Romantische Universalpoesie.
-
-
- #III. Literarische Einflüsse# 67-138
-
- 1. ~Tieck und Maler Müller~. (Goethes „Götz“ und „Werther“) 67-84
-
- Das aus Müller entlehnte Lied. Ähnliche Charaktere. Ähnliche
- Scenen. Naturgefühl. Werther-Nachklänge. Müller’scher Einfluss auf
- die Costümbehandlung. Anklänge an „Faust“. -- Tieck Plagiator?
- Tieck und Müller geistig verwandt. Tieck passt das Entlehnte seiner
- Eigenart an.
-
- 2. ~Tieck und Shakespeare~ 84-107
-
- Tiecks Shakespearestudien. Vorliebe für den „Perikles“. „Gower“
- und „Bonifacius“. Gertrud und die Amme in Romeo und Julia.
- Karl Martells Monolog. Macbeth und Abdorrhaman. Die Vorbilder
- für die Balkonscene. Der sterbende Wolf und der sterbende
- Gaunt. Anregungen für die Hexenscene. Geringer Einfluss des
- Wintermärchens. Gerichtsscenen. Shakespeares und Tiecks
- Schlachtscenen. Die unheimlichen Naturvorzeichen bei Shakespeare,
- Goethe, Müller und Tieck. Formelle Reminiscenzen. -- Tiecks
- „Genoveva“ wird durch das Entlehnte nicht wesentlich bestimmt.
- Tieck schweigt im „Vorberichte“ von Shakespeare.
-
- 3. ~Tieck und Calderon~ 107-115
-
- Tiecks spanische Studien. Calderon fördert die religiöse
- Kunststimmung. Vers- und Strophenformen. Meist verschieden bei
- Tieck und Calderon verwendet. Die lyrischen Ergüsse. Die Allegorie
- des Todes. Kleinere Anklänge. -- Calderons Einfluss nur für Form
- und Stimmung der „Genoveva“ bedeutend.
-
- 4. ~Tieck und Jakob Böhme~ 115-138
-
- Tieck entdeckt die „Morgenröthe“. Die Zeugnisse für Tiecks
- Böhmestudium. Warum bewundert Tieck Böhmes Mystik? „Die
- Morgenröthe“. Böhmes Gedanken in der Rede des „Unbekannten“, in den
- Reden der Hexe und in der Sterbevision. -- Die Art der Verwendung
- von Böhmes Mystik bei Tieck. Die Böhmeschwärmerei der Romantiker.
-
- Überblick über die Anregungen und literarischen Einflüsse
- auf die „Genoveva“.
-
-
- #IV. Charakteristik der „Genoveva“# 139-242
-
- 1. ~Das romantische Drama. -- Composition~ 139-153
-
- Tieck erstrebt nicht stoffliche Neuheit. Möglichkeit und
- Schwierigkeit, in verschiedenen Gattungsformen zu dichten.
- Unausgeglichene Gegensätze bei Tieck. Die Heiligkeit der
- „Tradition“. Alles Poetische darf in das romantische Werk
- aufgenommen werden. Weder eine rechte Haupthandlung noch eine
- führende Hauptperson. Entspricht der romantischen Theorie.
- Willkürlicher Wechsel von Ort und Zeit. Ort und Zeit der Stimmung
- dienstbar. Äußerliche Künstlichkeit: Symmetrie, Contraste,
- Parallelen, ahnungsvolle Beziehungen. Tieck und Bernhardi mit der
- äußeren Künstlichkeit zufrieden.
-
- 2. ~Das Religiöse~ 153-166
-
- Die Religion stimmungsvolle Decoration. Reine und trübe religiöse
- Anschauungen. Gut abgewogene Vertheilung auf die einzelnen Figuren.
- Der religiöse „Ton“ nicht gleichmäßig festgehalten. Das unmittelbar
- Gegenwärtige fehlt. Widersprüche. Romantische Religion.
-
- 3. ~Das Costüm~ 166-172
-
- Tiecks Gedanken darüber. Anwendung auf die „Genoveva“. Tiecks
- richtige Ansicht. -- Was erfahren wir von der äußeren Erscheinung
- der einzelnen Figuren? Idealisierende Allgemeinheit. Das Auge.
-
- 4. ~Das Naturgefühl~ 172-187
-
- Tiecks beständige Liebe zur Natur. Seine Worte über das poetische
- Naturgefühl. Das sympathetische Naturgefühl in der „Genoveva“.
- Abergläubische und mystische Naturanschauung. Das Grauen vor
- der Natur. Religiöses Naturempfinden. Wirkung der Natur auf den
- Menschen. Stimmungshintergrund und Contrast. Gleichnisse, Metaphern
- und Composita aus dem Naturleben. Gewisse Zeiten als poetisch
- bevorzugt. Licht, Glanz und Ton. Tieck und Goethes „Werther“.
- Stimmung und Chronologie. Wenig religiöse Naturempfindung. Das
- „Klima“.
-
- 5. ~Die Charaktere~ 187-193
-
- Directe und indirecte Charakterzeichnung. Beides nicht immer
- glücklich verbunden. Genoveva und Golo. Golo am besten dargestellt.
- Matte Nebenfiguren. Urtheile über die Charakteristik. Romantische
- Künstlichkeiten.
-
- 6. ~Der Stil~ 193-222
-
- Petrichs Schrift über den romantischen Stil. Sprachliche
- Darstellung des Religiösen. Fromme Redensarten. Schilderung
- der Wunder und Visionen. Gebet und Erbauungsrede. Mystische
- und fatalistische Redeweise. -- Romantische Vorliebe für den
- Archaismus. Archaismen in der „Genoveva“. Solgers Urtheil. --
- Stimmungmalende und musikalische Darstellung des Naturgefühles. --
- Die lyrischen Monologe. Tieck entfernt sich vom Anschaulichen. Die
- Worte für zeitliche und räumliche Fernen. Innigkeit im Ausdruck.
- Die Sprache der Leidenschaft. Steigerung ins Ungewöhnliche. --
- Tropen und Figuren. -- Theatralisches in der Diction. Der Dialog.
- -- Unklarheit des romantischen Stiles. Tieck ist auch in der
- Sprache zugleich Stimmungsidealist und künstelnder Virtuose.
- Nüancierung der Sprache.
-
- 7. ~Prosa und Metrik~ 222-242
-
- A.W. Schlegel über Prosa und Rhythmus. Tieck über das Verhältnis
- von metrischer Form und Inhalt. -- Die Prosa in der „Genoveva“.
- Manchmal in Verse übergehend. -- Die romanischen Strophenformen:
- Stanze, Sonett, Terzine, Redondille. Lieder. Freie Rhythmen.
- Blankvers. Blankvers und Prosa. Shakespeare Tiecks Vorbild. Die
- metrische Mannigfaltigkeit gefällt den Romantikern. --
-
- Rückblick und zusammenfassende Charakteristik der romantischen
- Dichtung „Genoveva“. Verwandtes in der gleichzeitigen Literatur.
- Das Genovevadrama der Geniezeit und die Genovevadichtung der
- Romantik.
-
-
- ~V. Urtheile der Zeitgenossen über Tiecks „Genoveva“~ 243-256
-
- Die Romantiker und ihre Freunde. Tieck und Heinrich Schmidt. Die
- Brüder Schlegel. Mnioch. Karl v. Hardenberg. Bernhardi. A. v.
- Arnim. Brentano. Eichendorff. H. v. Chezy. Rochlitz. Koberstein.
- Tieck-Solger. Förster. Steffens. -- Goethe. Körner. Schiller. --
- Kotzebue. Iffland. -- Nicolai. Merkel.
-
- Tiecks „Romantische Dichtungen“. „Kaiser Octavianus“. Tiecks
- Neuausgaben der „Genoveva“. -- „Die Klosterbrüder von S. Isidoro“.
- Romantische Dramatiker nach Tieck. Chr. v. Schmid.
-
- #Register# 257-258
-
-
-
-
-I.
-
-Das Erwachen des Sinnes für Religion und deutsches Alterthum.
-
-
-Tiecks „Genoveva“ bildet einen Markstein in der Entwickelung der
-deutschen Romantik. Zwei geistige Richtungen sind es vor allem, aus
-deren Kreuzung jene eigenthümliche Gefühls- und Gedankenwelt erwächst,
-welche zuerst in der „Genoveva“ eine üppig reiche poetische Gestalt
-gewinnt: die Liebe zur altdeutschen Vergangenheit und die poetische
-Neigung zu katholisierender Religiosität. Diese Neigung und jene Liebe
-kennzeichnen den echten Romantiker an der Scheide des 18. und 19.
-Jahrhunderts. Die Liebe zur alten Zeit reicht bis in die Jahre des
-Goethe’schen „Götz“ und seines Gefolges ritterlicher Dramen zurück, die
-in Tiecks Jugendzeit die deutsche Bühne noch vielfach beherrschten.[1]
-Die religiöse Kunstbegeisterung Tiecks leitet ihren Ursprung aus
-den schönen Tagen der Jugendfreundschaft mit Wackenroder her. Diese
-Freundschaft war für Tieck von den bedeutsamsten Folgen. Denn aus dem
-Ideenaustausche mit Wackenroder erblüht dem Rationalisten erst die
-rechte innige poetische Stimmung und mit ihm zusammen lernt er, was
-Frömmigkeit ist, fühlen und er sucht sie aus der Kunst der alten Zeiten
-wieder heraufzuholen. So verbinden sich bald religiöse Stimmung und
-Sinn für deutsches Alterthum im Gemüthe der Freunde.
-
-Nicht die productive eigene Thätigkeit des früh geschiedenen Jünglings
-Wackenroder (1798 starb der fünfundzwanzigjährige) sichert diesem
-einen Platz in der deutschen Literatur- und Kunstgeschichte, sondern
-seine richtunggebende Einwirkung auf andere empfängliche Gemüther,
-in erster Linie auf Ludwig Tieck. Die beiden waren Freunde vom
-Gedicke’schen Gymnasium her. 1792 gieng Tieck von Berlin fort auf
-die Hallische Universität. Wackenroder musste nach dem Willen seines
-Vaters, der ihn noch nicht für das akademische Studium reif hielt, in
-Berlin zurückbleiben. Ein schwärmerischer Briefwechsel entschädigte
-die Freunde für den persönlichen Verkehr. Tieck ist Wackenroders
-Freund aus ganzer Seele. Er ist der reifere, erfahrenere, geistig
-ältere und gewandtere, besonders in allen literarischen Dingen. Der
-schwermüthige Dichter des „Abdallah“ durchlebt in Halle düstere
-Stunden, in denen die Leiden und Zweifel des „William Lovell“ sein
-Inneres durchstürmen. Seine Phantasie und sein Gefühl gehen jetzt
-noch mehr auf das Erhabene als auf die „kleinen Empfindungen“. Neben
-Goethe und Shakespeare begeistert ihn besonders der junge Schiller.
-Die wilde Kraft der „Räuber“ ist es, die sein Inneres „zerreißt und
-vernichtet“. Je unbefriedigter er in sich selbst ist, je düsterer sich
-sein Gemüth umschattet, desto mehr Bedürfnis und Sehnsucht hat er
-nach Freundschaft; je heftiger er nach Idealen ringt, die er selbst
-nicht besitzt, desto nöthiger ist ihm ein idealischer Freund wie
-Wackenroder. Wackenroder, der kindliche, schüchterne, noch unbeholfene,
-eine Natur voll stiller Heiterkeit, Sinnigkeit und von anschmiegsamem
-Wesen, eine Seele voll einfacher, schlichter Frömmigkeit, kennt in
-seiner schwärmerischen Hingebung an Tieck keine Grenze. Er ist ganz
-Herzlichkeit und Innigkeit und mädchenhafte Zärtlichkeit; er ist
-berauscht und entzückt im Gefühle des Glückes, Tiecks Freund sein zu
-dürfen, selig und zufrieden, wenn er nur ein Glied in der Kette ist,
-die den trübsinnigen, mit Todesgedanken spielenden Genossen noch an
-diese Erde fesselt.
-
-So erstehen die beiden Freunde vor dem Geiste des Betrachters, der
-ihren Briefwechsel aus den Jahren 1792 und 1793 durchblättert.[2]
-Den Sommer 1793 verlebten sie in glücklicher Gemeinschaft in der
-Universitätsstadt Erlangen, den Winter 1793/94 in Göttingen. In
-Erlangen tritt das süddeutsche Leben in ihren Gesichtskreis und wirkt
-mächtig auf diese jungen empfänglichen Gemüther. Eine neue Welt thut
-sich ihnen auf. In Bamberg, dem „deutschen Rom“,[3] ergötzt sich
-ihre Phantasie an der Pracht des katholischen Gottesdienstes. In
-Nürnberg steigt die gemüthsinnige, schlichte und tiefe altdeutsche
-Kunst und altes Künstlerleben vor ihrem entzückten Geiste auf.[4]
-Im Fichtelgebirge spricht die stille Waldeinsamkeit märchenhaft und
-wundersam die jungen Gemüther an.[5]
-
-Bisher war in Tieck „die Mischung des Berlinischen Verstandes mit
-dem erwachten Phantasie- und Gefühlsleben, dieser Zusammenstoß von
-Reflexion und Enthusiasmus productiv geworden“.[6] Bis jetzt hatte
-Tieck auch meist im Dienste anderer gedichtet, was ihm aufgetragen
-worden war, ohne besonderen warmen Herzensantheil und ohne tieferen
-Glauben an das, was er mit virtuoser, spielender Leichtigkeit
-darstellte. Es war ein jugendlich leichtsinniges poetisches Schaffen.
-Dies wird an Wackenroders Seite allgemach anders. Dieser Freund, dem
-kaum ein leidlicher Vers gelingen wollte, war dafür von einem echten,
-seelentiefen Enthusiasmus, von wahrer, herzlicher Andacht für Kunst
-und Poesie erfüllt. Er glühte für das Nämliche, dem Tieck bisher nur
-mit halber Seele gedient hatte. „Idealische Kunstschönheit ist der
-Lieblingsgegenstand meines Geistes“ sagt Wackenroder von sich.[7] Bald
-schreibt ihm auch Tieck: „Genau genommen solltest Du Dich ganz allein
-mit der Musik, und ich mit der Dichtkunst beschäftigen; denn die Welt
-ist wirklich nicht für uns, sowie wir nicht für die Welt...“[8] An
-der Seite dieses Freundes erst lernt Tieck, der unstäte und haltlose,
-der bis dahin in trüber und nüchterner Resignation hinter dem Großen
-und Erhabenen Schein und Trug, hinter dem Wahren und Guten überall
-die Engherzigkeit lauern sah, den Wert hingebungsvoller Verehrung,
-positiven Empfindens, den wahren seelenerfüllenden Enthusiasmus so
-recht kennen und schätzen. Wackenroders innerer Reichthum theilte sich
-der unruhigen, abgehetzten Seele mit. Freundschaft und hingebende
-Kunstbegeisterung beschwören die düsteren Geister, denen Tiecks Seele
-seit langem verfallen war. Freundschaft und Kunstandacht verfeinern
-und veredeln seine Gefühle und geben ihm neuen Lebensmuth.[9] Der
-ernstere Kunstgenuss wird ihm eine Erlösung. „Das arme dürstende Herz
-wird durch nichts in dieser Welt so gesättigt, als mit dem Genuss der
-Kunst, der feinsten Art, sich selber zu fühlen und zu verstehen.“[10]
-
-Empfindung und Begeisterung für Kunst und Poesie waren das einigende
-Band, welches diese Freundesherzen fest und dauernd aneinander
-fesselte. In der „milden Temperatur eines künstlerischen Sinnes“
-athmeten ihre Seelen. In schöner Eintracht nahen die beiden, innig
-verehrend, der Kunst in jeder Gestalt. Was ihre Seele dabei erfüllte,
-findet in den „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“
-(1797), in „Franz Sternbalds Wanderungen“ (1798) und in den „Phantasien
-über die Kunst für Freunde der Kunst“ (1799) seinen literarischen
-Ausdruck. Jedes Kunstwerk -- erfahren wir hier -- das die Menschenbrust
-mit seinem Zauber anrührt, hat seine Berechtigung. Es ist ja „das
-Kunstgefühl nur ein und derselbe himmlische Lichtstrahl, welcher
-aber, durch das mannigfach geschliffene Glas der Sinnlichkeit unter
-verschiedenen Zonen sich in tausenderlei verschiedene Farben bricht“,
-und dem großen Schöpfer „ist der gothische Tempel so wohlgefällig
-als der Tempel der Griechen.“[11] Jede künstlerische Eigenart muss
-geachtet werden: Raphael, Michelangelo, Dürer, Watteau. Es ist Herders
-Geist, der hier Wackenroders schlichte, fromme Sprache redet und in
-schüchterner Ahnung für die Betrachtung der bildenden Künste ähnliche
-Gedankenperspectiven eröffnet wie für die Dichtung die Schlegel’sche
-Doctrin von der einen alles umfassenden romantischen Universalpoesie.
-
-Herders Anschauungsweise spricht auch aus der Art der
-Wackenroder-Tieck’schen Kunstbetrachtung. Diese wird zur
-„Herzensergießung“, niemals zum vernünftelnden Kritisieren oder zum
-rationalistisch nüchternen Theoretisieren.[12] Es handelt sich beim
-Anschauen der Kunstwerke darum, „dass man mit entgegenkommendem Herzen
-in sie hineingehe, und in ihnen lebe und athme“[13] und „von der
-echten Kunst sollte nie ohne Enthusiasmus gesprochen werden“.[14] Das
-Gemüth ist hier das ästhetische Organ. Die wunderbaren Regungen „im
-inneren Gemüthe“, das Betrachten „mit Ernst und Innigkeit“, das „innige
-Verstehen“, das „innigliche Verehren“... das sind Lieblingsausdrücke,
-die Wackenroders und Tiecks seelisch innerliche Richtung und
-gemüthvolle Hingabe an die Kunst auch schon in ihrer Sprache
-kennzeichnen.
-
-Das Kunstgefühl, hieß es, ist ein „himmlischer Strahl“ und Gott ist
-es, der mit Wohlgefallen auf den gothischen und griechischen Tempel
-herniederschaut. Ernste religiöse Anschauung, ein tief frommes Fühlen
-beherrscht die reine Seele Wackenroders ganz und gar. Natur und Kunst
-sind ihm zwei wunderbare Sprachen von geheimnisvoller Kraft, mit denen
-Gott zum Menschen redet.[15] Sein frommes Denken geht von Gott aus und
-kehrt zu Gott zurück „wie der Geist der Kunst -- wie aller Geist von
-Ihm ausgeht, und durch die Atmosphäre der Erde, Ihm zum Opfer wieder
-entgegendringt“.[16] Den edlen Kunstgenuss vergleicht er mit dem
-Gebete. Beides muss der Mensch „zum Wohle seiner Seele gebrauchen“, zu
-beiden darf er nur in stiller Sammlung hintreten, in seligen Stunden,
-da die Gunst des Himmels das Herz mit hoher Offenbarung erleuchtet.
-Bildersäle sollten nicht Jahrmärkte, sondern Tempel sein.[17] Die
-geistliche Musik ist das Höchste und Edelste, die religiöse Malerei und
-Poesie das Ehrwürdigste. Die Kunst ist dem Klosterbruder in der That
-eine religiöse Liebe oder eine geliebte Religion.
-
-Ob auch viele Gedanken Wackenroders und Tiecks jeder positivgläubige
-Katholik und Protestant unterschreiben kann, so wäre es trotzdem
-irrthümlich und voreilig, an eine tiefere eigentlich religiöse
-Beziehung der beiden zu irgend einer kirchlichen Confession zu denken.
-In der Hauptsache ist und bleibt die Religion der beiden Freunde eine
-Kunst- und Herzensreligion, die weiter um Bibel und kirchliche Dogmatik
-vorläufig nicht fragt. Auf ein allgemeines, unbestimmtes religiöses
-Bedürfnis, auf „eine Sehnsucht zum Religiösen“ deuten allerdings
-manche spätern Äußerungen Tiecks.[18] Zunächst ist es ein subjectives
-frommes Gefühl, das, durch das Medium der Begeisterung an katholischen
-Kunstwerken hindurchgehend, allerdings mehr oder weniger katholische
-Färbung annimmt.[19]
-
-Die Herzensergüsse Tiecks und Wackenroders über die alte Kunst und
-die alten Zeiten bezeichnen auch ein neues Stadium in der Auffassung
-des Mittelalters. Dem Aufklärer war dasselbe eine Zeit der Barbarei,
-der Nacht und Finsternis auf allen geistigen und materiellen
-Lebensgebieten. Noch das Buch des Professors Meiners, „Historische
-Vergleichung der Sitten und Verfassungen, der Gesetze und Gewerbe,
-des Handels und der Religion, der Wissenschaften und Lehranstalten
-des Mittelalters mit denen unseres Jahrhunderts in Rücksicht auf die
-Vortheile und Nachtheile der Aufklärung“, das 1793 und 1794 erschien,
-enthält den Inbegriff alles dessen, was ein richtiger Aufklärer dem
-Mittelalter Übles nachsagen konnte.[20] Allein schon zwei Jahrzehnte
-zuvor hatte kein Geringerer als Herder in seiner kleinen Schrift
-„Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit“
-(1774) es gewagt, der aufgeklärten Gegenwart ein langes Sündenregister
-vorzuhalten und im verachteten Mittelalter eine Reihe von Vorzügen
-zu entdecken. „Erklären“ wollte er das Mittelalter, wenn auch nicht
-loben und preisen. Neben den Schattenseiten wollte er auch das Große,
-Erhabene und Herrliche dieser verkannten Epoche nicht übersehen.
-Für ihn ist das Mittelalter eine nothwendige Durchgangsstufe auf
-dem Entwickelungswege der Menschheit. Wenn wir schon bei Herder
-den boshaften Seufzer: „In unserem Jahrhundert ist leider! so viel
-Licht!“ hören, so blicken wir unwillkürlich auf die kommende Romantik
-voraus. Wenn der nämliche Herder auch in späteren Werken wieder
-geringer vom Mittelalter denkt, in jenen früheren Ansichten, die dem
-Sturm- und Dranggeiste entstammen, kann er als wahres Zwischenglied
-zwischen Aufklärung und Romantik gelten. Verdammung und Verachtung des
-Mittelalters beim Aufklärer, Erklärung des historisch Gewordenen und
-Gewachsenen bei Herder, Bewunderung, Verehrung und Anbetung bei den
-Romantikern Tieck und Wackenroder.
-
-Je tiefer die Freunde von ihrer poetisch-künstlerischen Frömmigkeit
-ergriffen werden, desto herber empfinden sie, dass die aufgeklärte
-Gegenwart, in der sich eine „Epidemie prosaischer Nüchternheit“
-über die ganze Bildung erstreckte, von den beseligenden wunderbaren
-Geheimnissen des Gemüthes so gut wie nichts wisse.[21]
-
-Wie anders sei es in den herrlichen alten Zeiten Albrecht Dürers
-gewesen. Da war die Religion den Menschen „das schöne Erklärungsbuch“,
-wodurch sie das Leben erst recht verstehen lernten.[22] „Fromm
-und einfach“ war Dürers Wandel; „wie er selbst, sind alle seine
-Bilder“.[23] Auch Giovanni da Fiesole betet, bevor er an die Staffelei
-tritt und er weint in frommer Rührung, wenn er Christi Leiden am
-Kreuze malt.[24] Das waren die wahren und echten Künstler, die nur
-darstellten, was voll und warm und innig ihr ganzes Gemüth belebte
-und darum wieder so herzbewegend in ihren Werken sich aussprach
-und den Beschauer mit heiliger Macht überwältigte. Ein fester und
-fruchtbarer Zusammenhang zwischen der religiösen Lebensanschauung der
-alten Künstler und der lebendigwirkenden Kraft ihrer Schöpfungen fällt
-unseren Freunden allerwegen in die Augen. Eine hehre Weihe umschwebt
-für sie daher noch heute das Alte, das dieser begnadeten Zeit entstammt
-und „alt“ wird schon in den „Herzensergießungen“, im „Sternbald“ wie in
-den „Phantasien“ ein schmückendes ehrendes Beiwort (die „alten“ Maler,
-der „alte“ Vasari etc.).[25]
-
-Endlich dürfen wir nicht unbemerkt lassen, dass Wackenroder und
-sein Freund mit einer eigenthümlichen Vorliebe beim Wunderbaren und
-Geheimnisvollen verweilen, das dem künstlerischen Schaffen innewohnt,
-das sie an übernatürliche Gnadenwirkungen und Eingebungen erinnert.
-Es wird das Seltsame und Phantastische an Künstlerpersönlichkeiten
-wie Piero di Cosimo in behaglicher Breite geschildert und ebenso die
-außerordentliche herrliche Vielseitigkeit eines Geistes wie Lionardo
-bewundernd verehrt. „Alle fühlen einen Hang nach dem Wunderbaren in
-ihrem Busen“, behauptet Tieck in den „Phantasien“. Ganz besonders aber
-die Romantiker, dürfen wir beisetzen. Die Gestalten von Dichtern und
-Künstlern werden bald beliebt in romantischen Dichtungen.
-
-Ziemlich die gleichen Anschauungen und Empfindungen beherrschen die
-„Herzensergießungen“, die „Phantasien“ und den ersten Theil des
-„Sternbald“. Tieck versucht es mit aller Liebe, in den frommen,
-herzlichen Ton seines Freundes einzustimmen. Er arbeitet ein wenig
-mit an den „Herzensergießungen“, reichlich an den „Phantasien“ und
-dichtet aus der nämlichen Stimmung heraus allein den „Sternbald“,
-freilich, ohne im frommen Tone auszuharren bis ans Ende. Tieck bemüht
-sich sichtbar, ein zweiter „Klosterbruder“ zu werden. Nur will die
-Wackenroder’sche Kunstfrömmigkeit nicht so recht ernstlich von seiner
-Seele Besitz ergreifen. Er gefällt sich immer ein wenig in der frommen
-Rolle. Er bleibt auch immer ein eleganter Klosterbruder, ein Mönchlein,
-das nicht so ganz aus innerem Beruf und Herzensdrang den Berliner
-Salon mit der stillen Klosterzelle vertauschte. Ja Tieck geht, wie
-manches allzurasch bekehrte Weltkind mit seltsam hastigem Eifer bei
-seiner Frömmigkeit zuwerke und schießt dann über das Ziel hinaus. Er
-will sich recht energisch fromm anstellen und tritt (alles nur in
-der Phantasie selbstverständlich) gleich in Rom zum Katholicismus
-über -- seiner Geliebten und seiner Kunst zuliebe. „Die Kunst hat
-mich allmächtig hinübergezogen ... ich folgte bloß meinem innerlichen
-Geiste, meinem Blute, von dem mir jetzt jeder Tropfen geläuterter
-vorkömmt.“[26] Das leichtentzündliche Künstlerblut hat also das meiste
-zu dieser poetischen Bekehrung gethan und der „innerliche Geist“
-ist auch nicht viel mehr als eine „prédilection d’artiste“. Der
-Enthusiasmus für die Kunst ist immer das Alpha und das Omega. Nur die
-Liebe zur Kunst befreundet das Herz dieses Enthusiasten auch mit dem
-dargestellten Gegenstande dieser Kunst.[27] Im „Sternbald“ peitscht
-Tieck seine Begeisterung für das Katholische so gewaltsam in die
-Höhe, dass es immer wie Absicht aussieht, die verstimmt. Tieck stellt
-paradox und geistreich den Gedanken Wackenroders, die Kunst müsse
-religiös sein, auf den Kopf und sagt: die Andacht ist der höchste und
-reinste Kunstgenuss, dessen die menschliche Seele nur in den schönsten
-und erhabensten Stunden fähig ist.[28] Im „Sternbald“ finden sich
-mancherlei enthusiastische religiöse Herzensergüsse[29] und Tieck lässt
-hier bereits Ludovico eine Standrede gegen Luther halten,[30] gegen
-den Mann, dem erst noch kurz zuvor der „Klosterbruder“ seine warme
-Verehrung bezeugt hatte.[31] Von den Nachfolgern Luthers befürchtet
-Sternbalds Freund Ludovico, dass sich „statt der Fülle einer göttlichen
-Religion eine dürre, vernünftige Leerheit, die alle Herzen schmachtend
-zurücklässt, erzeugt“. Eine poetische Hinneigung zur katholischen
-Religion wird wiederholt mit nachdrücklichster Deutlichkeit
-hervorgekehrt. Der Katholicismus ist eine Religion, „die wie ein
-wunderbares Gedicht vor uns da liegt“. Dies ist aber auch alles.
-
-Tieck vermag viel im Anempfinden, ja im künstlerischen Einfühlen in
-eine Rolle. Er besaß die nachschaffende Kraft des Schauspielers im
-hohen Maße und galt im Freundeskreise als großes schauspielerisches
-Talent. Aber in das harmonisch gestimmte Empfinden Wackenroders sich
-einzuleben, wie er gerne möchte, gelingt ihm doch nicht ganz. Das eine
-ist deutlich: Tieck ist in den Aufsätzen, die er zu den „Phantasien“
-beisteuerte und im „Sternbald“ ein ganz anderer geworden, als er in den
-vorhergehenden Schauergeschichten und in den übermüthig verneinenden
-satirischen Komödien war, wenn er auch die letzteren noch in die
-neue Periode seines Dichtens mit hinübernimmt. Er fühlte auch selbst
-freudig die beruhigende und segensreiche Wirkung des Wackenroder’schen
-Geistes. Er ist beglückt, dass er endlich mit dem neuen Enthusiasmus
-einen Mittelpunkt für sein Dasein gefunden zu haben glaubt.[32] Auch
-A.W. Schlegel hat diese geistige Wandlung Tiecks in dessen Dichtungen
-gespürt. „Seine Einbildungskraft, die sich im ‚William Lovell‘ zum
-Theil in trüben Phantomen herumtrieb und ihre Flüge verschwendete,
-ist seitdem auffallend zu größerer Heiterkeit und Klarheit
-hindurchgedrungen. Das Trauerspiel ‚Karl von Berneck‘ und sonst hie und
-da Spuren von Gewölk gehören noch dem ersten Morgennebel an...“[33]
-Die Liebe zum Alten, zum Religiösen und Gemüthsinnigen, ein positives
-Empfinden nach so viel Negation und Trübsinn, war der wertvolle Gewinn,
-den Tieck seinem geliebten Freunde zu danken hatte, und dass er sich
-dessen bewusst war, zeigen der „Traum“[34] und die vier Sonette, die er
-trauernd zum Kranze auf das Grab seines Freundes flicht.[35]
-
- „Wenn das Gewühl der Welt mit tausend Banden
- Um Auge, Sinn und Herz sich wollte stricken,
- So durft’ ich nur in deine Augen blicken
- Und alle Zweifel, alle Räthsel schwanden.
-
- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
-
- Dann sah ich dich in stiller, frommer Freude
- Im ewigen Gebete niederkniend
- Einsam Natur und Gott und Himmel lieben.“
-
-Diese Eindrücke wirken fort in Tiecks Gemüth, bis sie verstärkt durch
-andere Einflüsse, in der „Genoveva“ neue poetische Gestalt annehmen.
-Ja, manche Einzelheiten in der „Genoveva“ weisen noch deutlich auf den
-„Klosterbruder“ zurück und lassen die Verbindungsfäden sehen, die von
-Wackenroder in die Hochblüte der Romantik hinüberführen.[36]
-
-Tieck war immer leicht empfänglich für Anregungen und Eindrücke
-von außen; er hielt sie aber, wenn sie nicht seiner Natur homogen
-waren, selten lange und energisch fest. Es drohte auch die hohe
-romantisch-religiöse Klosterbruderstimmung ihm unter den Händen zu
-entweichen. Gegen Ende des unvollendeten „Sternbald“ scheint es, als ob
-das fromme, helle Feuer erlöschen und der keusche Genius, sein Antlitz
-verhüllend, hinwegfliehen wollte. In den ziemlich leichtfertigen
-Badescenen und den florentinischen Künstlergelagen muss Wackenroders
-Vorbild dem des sinnlichen Heinse weichen. In welchem Geiste etwa
-der Roman zu Ende geführt worden wäre, lässt sich aus der kleinen
-Planskizze nicht entnehmen. Das eine Gefühl aber wird der Leser
-nicht los, dass hier die Ideen und der glorreiche Enthusiasmus der
-„Herzensergießungen“ gegen Ende zu schon stark verblassen und dass
-damit der Weg, der zur „Genoveva“ hinführt, sich verliert. Vielleicht
-hätte Tieck diesen Weg zur religiös hochgespannten Dichtung auch nicht
-wieder gefunden, wenn ihn nicht eine neue starke Strömung ergriffen
-hätte, die das vollendete, was Wackenroders Freundschaft begonnen
-hatte, die Einflüsse nämlich, die von Schleiermacher und Novalis, von
-Calderon und Jakob Böhme ausgiengen.
-
- * *
- *
-
-Der persönliche Verkehr mit Schleiermacher scheint nicht von großer
-Bedeutung für Tieck gewesen zu sein.[37] Der wortkarge Theologe,
-der hartkantige Mann, die einsame „Beichtvaternatur“ war nicht
-dazu geschaffen, Tieck gesellig zu fesseln. Was Schleiermachers
-Persönlichkeit nicht vermochte, that sein erstes größeres Werk, das
-den Verfasser mit einem Schlage berühmt machte, die „Reden über die
-Religion“ (1799).[38]
-
-So wenig als Wackenroders Frömmigkeit und religiöse Kunstverehrung,
-trägt Schleiermachers Religion in den „Reden“ eine Spur von Dogmatik
-und Systematik an sich. Auch ihm ist im Grunde „Aberglaube lieber
-als Systemglaube“. Seine religiösen Anschauungen sind durchaus
-romantische.[39] Die Religion ist ihm etwas ganz und gar Individuelles
-und Subjectives, sie ist Anschauung und Gefühl des Universums,
-innerlich und unmittelbar. Diese religiöse Anschauung ergreift immer
-das Ganze, wie die wahre und richtige ästhetische Betrachtung das
-Gesammtkunstwerk. Nicht auf Erkenntnis des Universums, wie die
-Metaphysik, nicht auf Leitung des menschlichen Handelns, wie die
-Moral, zielt die Religion ab. Im Gemüthe und nur im Gemüthe und vor
-dem inneren Sinne ist das Göttliche gegenwärtig. Als eine wundervolle
-Erleuchtung kommt dieses Anschauen des Universums über die Seele des
-Menschen.[40] Schleiermachers religiöses Gefühl ist ästhetischer Natur
-oder wenigstens ästhetischen Stimmungen nahe verwandt.[41]
-
-Der Vortrag in Redeform ist von einem kraftvollen, mächtig
-eindringlichen Pathos durchlodert. Denn, sagt Schleiermacher, Religion
-verlangt die höchste Kunst und Kraft des Ausdrucks.[42] Es ist ein
-Stil, der, wie Fr. Schlegel behauptet, als oratorische Leistung, „eines
-Alten nicht unwürdig wäre“.[43]
-
-Dieser Recensent betrachtet die Reden „durchaus als Incitament für die
-Religionsfähigen“.[44] Dass der Dichter der „Genoveva“, in dem die
-Wackenroder’schen Anregungen noch leise nachtönten, der inzwischen
-auch schon Böhmes „Morgenröthe“, Calderon und das schlichtfromme
-Volksbüchlein von der heiligen Genoveva zur Hand genommen hatte,
-der nach seinem eigenen Worte einen angeborenen „Instinct“ zur
-Religion besaß,[45] zu den „Religionsfähigen“ gehörte, kann nicht
-bezweifelt werden. Exactes, systematisches Denken in Religion und
-Philosophie war freilich seine Sache nicht, und ein strenges Verfolgen
-aller Gedankenwege der trotz aller Systemscheu durch und durch
-philosophischen „Reden“ ist bei Tieck nicht vorauszusetzen. Sicher
-musste aber die hinreißende oratorische Sprache, die sich öfters zu
-einem dithyrambischen Feuer erhebt, in Tiecks Seele zünden und über sie
-eine ernste, religiöse Weihestimmung ausgießen. Die feurige Sprache
-musste seine Seele ergreifen; denn die „Reden“ Schleiermachers stehen
-wie alle Redekunst hart an der Grenze dichterischen Schaffens.
-
-Über Tieck konnte Fr. Schlegel bald an Schleiermacher berichten:
-„Was ich geweissagt, ist geschehen, dass nämlich Tieck von Deiner
-Religion grausam begeistert ist.“[46] Diese „grausame Begeisterung“
-ist für Tiecks Seelenverfassung unmittelbar vor Abfassung seiner
-„Genoveva“ entschieden wesentlich und bemerkenswert. Dass die bereits
-geweckten allgemein religiösen Stimmungen, die poetische Neigung zu
-religiösen Stoffen und zu religiöser Auffassung derselben durch die
-„Reden“ Schleiermachers eine Steigerung erfahren mussten, ist recht
-wohl begreiflich. Wenn Tieck an ernstliche Vertiefung in das Problem
-der „Reden“ auch kaum dachte, so scheinen doch ein paar allgemeine
-Anschauungen Schleiermachers einen tieferen Eindruck auf ihn gemacht zu
-haben, so dass man die Nachwirkung in der „Genoveva“ noch einigermaßen
-verfolgen kann. Daneben war auch manche Anschauung, die im Keime
-oder in kindlicher Unreife schon in den „Herzensergießungen“ und
-„Phantasien“ schüchtern auftauchte, hier zu männlicher Vollkraft und
-Reife entwickelt. Ein persönlicher Zusammenhang zwischen Wackenroder
-und Schleiermacher lässt sich zwar nicht erweisen,[47] und Wackenroder
-war durch die Betrachtung religiöser Kunstwerke, Schleiermacher aber
-durch die Betrachtung religiöser Menschen zu seinen Anschauungen
-gekommen. Trotzdem ist Verwandtschaft da und kann nicht sonderlich
-auffallen: denn sie liegt im gemeinsamen romantischen Geiste, woraus
-sich auch erklärt, dass der Kreis der Berliner und Jenenser Genossen
-beim Erscheinen der „Reden“ in freudige Erregung gerieth.
-
-Überdies hat auch Schleiermacher wie Wackenroder das Verhältnis von
-Kunst und Religion besprochen, und was Poesie und Kunst berührte,
-zündete unfehlbar in den Herzen der jungen Generation. Den schönen Bund
-der Kunst mit der Religion, den Wackenroder in den alten Kunstzeiten
-bewunderte, den August Wilh. Schlegel bereits in einem großen Gedichte
-gefeiert hatte, sieht unser Redner eben im alten Griechenland
-verwirklicht. „Da näherte sich“, sagt er, „der Kunstsinn der Religion,
-um sie mit neuer Schönheit und Heiligkeit zu überschütten und ihre
-ursprüngliche Beschränktheit zu mildern.“ Auch Schleiermacher findet
-wie Wackenroder, dass es in der Gegenwart leider nicht so gut steht.
-„Religion und Kunst stehen nebeneinander wie zwei befreundete Seelen,
-deren innere Verwandtschaft, ob sie sie gleich ahnen, ihnen doch noch
-unbekannt ist. Freundliche Worte und Ergießungen des Herzens schweben
-ihnen immer auf den Lippen und kehren immer wieder zurück, weil sie die
-rechte Art und den letzten Grund ihres Sinnens und Sehnens noch nicht
-finden können. Sie harren einer näheren Offenbarung, und unter gleichem
-Druck leidend und seufzend sehen sie einander dulden, mit inniger
-Zuneigung und tiefem Gefühl vielleicht, aber doch ohne Liebe.“ Würden
-beide in ein Bett zusammengeleitet, so könnte das die Religion zur
-Vollendung bringen. An die kunstübenden Genossen und Freunde richtet
-daher der Redner die Worte: „Sehet da, das Ziel Eurer gegenwärtigen
-höchsten Anstrengungen ist zugleich die Auferstehung der Religion!“
-Schon sieht der Prophet „einige bedeutende Gestalten, eingeweiht in
-diese Geheimnisse (seiner Religion) aus dem Heiligthum zurückkehren,
-die sich nur noch reinigen und schmücken, um im priesterlichen Gewande
-hervorzugehen.“[48] Schleiermacher denkt an die romantischen Genossen.
-Es war dies ein Aufruf und eine Prophezeiung, die sich besonders
-Novalis und Tieck zuherzen nahmen und sie wollten sie gemeinsam
-verwirklichen in geistlichen Liedern und Predigten.
-
-Und Schleiermacher arbeitet ihnen dazu noch mehr vor. Er findet das,
-was er für das echt Religiöse erkennt, nicht nur in sich und in den
-religiös veranlagten Zeitgenossen, er sucht und findet es auch in
-allen historischen Erscheinungsformen der Religion, in den positiven
-Religionen, indem er allerdings die Begriffe und Anschauungen der alten
-Religion nach seinen festgestellten Religionsbegriffen ausdeutet und
-so ganz neue Werte in alte Worte kleidet. Er wendet sich dabei mit
-scharfer Polemik gegen die „natürliche Religion“ der Aufklärer, die
-alles Außerordentliche und Unbegreifliche scheut. Er eifert gegen das
-unbestimmte, verwaschene, kraftlose Gebilde, das jener Masse gleicht,
-die zwischen den Weltsystemen dünn und zerstreut schweben soll und ihre
-Existenz erst erwartet.[49] „Wenn eine Religion nicht eine bestimmte
-sein soll, so ist sie gar keine, sondern nur loser, unzusammenhängender
-Stoff.“[50]
-
-Ein dünnes, unbestimmtes, abstractes Etwas ist aber für den Dichter
-immer ein höchst undankbarer Vorwurf. Die positive Religion dagegen war
-einst eine fruchtbare Grundlage für Kunst und Poesie. Die Gegenwart
-bot nirgends, was die Vergangenheit besaß. Wenn nun die positive
-Religion zu Ehren kommt, wie in den „Reden“, dann muss sich auch
-ein Dichter aus dem aufgeklärten Berlin umsomehr ermuthigt fühlen,
-die gestaltenreiche katholische Legende, an der sich schon das
-Poetenauge heimlich ergötzte, in ihrer mittelalterlichen Auffassung
-wieder aufzunehmen und dichterisch zu gestalten. Noch mehr. Sogar die
-bei den nüchternen Großmeistern der Aufklärung genugsam verfehmten
-Begriffe: Wunder, Weissagung, Offenbarung, Eingebung, Gnadenwirkung
-sollten sich einer unverhofften Ehrenrettung erfreuen, wenn auch
-wiederum umgewertet nach dem Maßstabe Schleiermacher’scher Auffassung.
-Jeder wahrhaft religiöse Mensch sieht nach den „Reden“ Wunder,
-erlebt Offenbarungen, Eingebungen, Gnadenwirkungen, und glaubt an
-Weissagungen. Mochte bei solchen Gedanken die ehrsamen Nicolaiten und
-alle Schildbürger und Philister im Reiche des aufgeklärten Verstandes
-ein heimliches Bangen beschleichen, so fand Tieck dieselben bei seiner
-Liebe zur Poesie und zum Sonderbaren[51] nur umso verständlicher und
-anheimelnder. Schleiermachers Anerkennung des Wunderbaren konnte den
-Dichter, dessen Phantasie sich bereits mit den Wundern, Offenbarungen
-und Gnadenwirkungen, von denen das Volksbüchlein berichtet,
-beschäftigte, nur ermuntern, die alte, schlichte Legende mit neuer
-poetischer Schönheit zu überschütten. Ob Schleiermacher auch nicht die
-Legendenwunder nach der alten Auffassung vertheidigte: eine solche
-warme Vertheidigung des religiös Wunderbaren an sich nahm allein schon
-viel vom Fluche des Lächerlichen von den missliebigen Begriffen hinweg,
-vom Fluche, der auch für Tieck bisher gegolten hatte und, wenn auch
-abgeschwächt, noch galt. Tiecks rationalistische Jugendeindrücke,
-seine düstere Skepsis waren trotz Wackenroder noch lange nicht mit der
-letzten Wurzel aus seiner Seele gerissen. Für ihn, der inzwischen auch
-Nicolais Schildknappe gewesen war, bedurfte es eines solchen Zuspruches
-für die Stärkung seines religiösen Stimmungslebens, um es poetisch
-fruchtbar zu machen.
-
-Sehr wesentlich war für Tiecks Dichtung noch folgende
-Gedanken-Entwickelung der „Reden“. Eine damals neue Entdeckung
-Schleiermachers liegt in seinem Begriffe der Religion als Anschauung
-und Gefühl des Universums, einem Gedanken, der sich auf das engste mit
-der romantischen Hochschätzung und Überschätzung von Phantasie und
-Gemüth berührt. Das intuitive Anschauen und das Gefühl des Universums
-kommen nach seiner Darlegung für die Religion allein in Betracht. Die
-Stärke der religiösen Anschauungen und Gefühle bedingt den Grad der
-Religiosität eines Menschen. Verkehrt wäre die Forderung, das religiöse
-Fühlen sollte etwa das menschliche Handeln bestimmen. Das sittliche
-Handeln ist Sache der moralischen Kraft im Menschen und hat mit der
-Religion nichts zu schaffen. „Alles eigentliche Handeln soll moralisch
-sein und kann es auch, aber die religiösen Gefühle sollen wie eine
-heilige Musik alles Thun des Menschen begleiten; er soll alles mit
-Religion thun, nichts aus Religion.“ Die religiösen Gefühle lähmen
-geradezu die Thatkraft des Menschen und laden ihn ein zum stillen,
-hingegebenen Genuss. Daher verließen die religiösesten Menschen,
-die nichts waren als religiös, so oft die Welt und ergaben sich der
-müßigen Beschauung.[52] Die Thatsache, dass Tiecks „Genoveva“ dieser
-Auffassung vom ausschließlich religiösen Menschen, dem contemplativen
-Ideale so auffallend entspricht, kann nicht übersehen werden. Während
-die Heilige des Volksbuches, das Tieck als Vorlage dient, in ihrem
-Auftreten gegen Golo eine anerkennenswerte sittliche Energie zeigt,
-scheint Tiecks Heldin von Anfang bis zum Ende an ihrer Willenskraft
-wie gelähmt und ihr Dasein löst sich fast beständig in einen frommen
-Gefühlsgenuss und in religiöse Stimmungsschwelgerei auf. Wenn auch
-das Volksbuch ziemlich viel von Genovevas beschaulichem Leben
-berichtet, so ist das süße Schwärmeln und Schwelgen in Gefühlen und
-weichen Stimmungen bei Tieck noch um manchen Grad gesteigert. Andere
-Dichter scheiden solchen lyrischen Überfluss eher aus oder verkürzen
-ihn, wenn sie dramatisch gestalten wollen. Tieck ist aber von Hause
-aus durch und durch ein Stimmungsdichter, der immer am liebsten den
-ätherischen Duft und Geist der Erscheinungen in Worte und Verse fassen
-möchte. Das zeigt seine Poesie ja schon vor der „Genoveva“. Man denke
-an seine „Magelone“. Seine eigene Begabung und Neigung führte ihn
-daher schon dazu, die Situationen der Legende möglichst nach ihrem
-Stimmungswerte auszunützen. Die Gefühlsweichheit in der „Genoveva“
-darf darum nicht ausschließlich wie ein dichterisches Correlat zur
-theoretischen Aufstellung der Schleiermacher’schen „Reden“ angesehen
-werden. Aber es bleibt ein merkwürdiges Zusammentreffen, dass Tiecks
-dichterische Neigung durch Schleiermachers Forderung einer durchaus
-passiven Religiosität noch geradezu eine theologische Sanction
-erhielt, die seine poetische Neigung zu befestigen und vor ihm selbst
-zu rechtfertigen geeignet war. An die Mahnung Schleiermachers, eine
-„heilige Musik“ religiöser Gefühle solle das ganze Leben ohne Aufhören
-begleiten, wird der Leser der „Genoveva“ unwillkürlich erinnert, wenn
-er bei Tieck im Kriegslager und auf dem Schlosse, in der Wüste so gut
-wie in der Kapelle fast bei allem Thun und Denken wenigstens irgend
-einen religiösen Klang tönen hört.[53]
-
-Wie die romantische Ästhetik das eine Urpoetische in den dichterischen
-Äußerungen der verschiedenen Zeiten und Völker sucht, in der
-höchsten Kunstpoesie sowie im unscheinbarsten Volksliede, so sucht
-der romantische Theologe das eine Urreligiöse in allen Gestalten
-und Verkleidungen, unter denen es je im Laufe der Zeiten unter den
-Menschen erschienen ist. Alle Religionen erscheinen als ein großer
-Organismus, dessen Glieder alle ihre gute Berechtigung haben. Der
-stets künstlerischen romantischen Anschauung schließt sich immer das
-Mannigfaltige zu einem Kosmos höherer Ordnung zusammen. Der wahrhaft
-religiöse Mensch Schleiermachers ist darum tolerant. Es gibt ja für ihn
-keinen Wesensunterschied etwa zwischen Pantheismus und Personalismus
-im Gottesbegriffe.[54] Es sollen sich gerade unzählige Religionen
-entwickeln, jeder Mensch kann sich seine eigene gründen.[55] Es webt
-und wirkt ja doch in allen der nämliche Geist der einen, unendlichen
-Religion.[56] Mag die einzelne Gestalt, die diese annimmt, wie immer
-aussehen; wenn es nur Religion ist, so gibt sich damit der Fromme
-zufrieden. Man muss wohl oder übel an eine freie Weiterbildung
-dieser Ansicht Schleiermachers in Tiecks Dichtung glauben, will man
-eine Erklärung für das Zusammenwürfeln so fremdartiger religiöser
-Vorstellungen finden, wie es uns in der „Genoveva“ begegnet. Von der
-Idee des romantischen Urreligiösen aus wird es sogar einigermaßen
-erklärlich, wie in einer und derselben Persönlichkeit sich der
-katholische Gottesbegriff mit dem Pantheismus, wie christliche
-Gedanken und fatalistische Vorstellungen sich friedlich miteinander
-verbinden und vertragen können. Zum weitaus größten Theile sind in der
-„Genoveva“ allerdings die christlichen Vorstellungen festgehalten.
-Die verschiedenen religiösen Elemente aber, die sich fremd dazwischen
-drängen, fallen für Tieck und seine Freunde unter die höhere Kategorie
-des allgemein Religiösen. Alle wirklichen Dissonanzen sind daher für
-ihn nur scheinbar und lösen sich in dem höheren Einklang auf und wirken
-zur allgemein religiösen Gesammtstimmung, auf welche Tiecks Dichtung
-abzielt, ohne Störung mit.
-
-Wenn Genoveva ihre christlichen Vorstellungen vom Jenseits mit der
-pantheistischen vom Aufgehen im Weltall verknüpft, so entspricht das
-noch besonders Schleiermachers Ansichten; denn das Verlangen nach
-persönlicher Fortdauer nach dem Tode findet er ganz irreligiös; der
-Mensch soll geräuschlos im Unendlichen verschwinden; falls er es nicht
-bewusst in seinem Denken und Sein vermag, soll er wenigstens den Tod
-als willkommene Gelegenheit dazu ergreifen. Daher muss auch Genovevas
-Seele „in dem Lebensmeer als Welle klingen“.
-
-Wahre Religion, führt Schleiermacher ferner aus, ist tolerant gegen
-das Religiöse in jeder Gestalt, aber polemisch gegen alles Irreligiöse
-in und außer sich. Es widerspricht darum nicht dem Wesen des
-Christenthums und der Toleranz, zu kämpfen gegen alles, was ihm als
-Irreligion erscheint. Tieck brauchte deshalb kein Bedenken zu tragen,
-den Saracenenfeldzug als Kreuzzug in seine Dichtung einzuschalten.
-Einen heiligen Krieg hat das Christenthum auch gegen alles Unheilige
-in sich selbst beständig zu führen, damit alles Unreine ausgeschieden
-werde. Einzelne Elemente und ganze Massen werden ausgestoßen. Dieser
-immerwährende Kampf ist die in seinem Wesen begründete Geschichte des
-Christenthums. „Ich bin nicht gekommen, Friede zu bringen, sondern
-das Schwert“, sagt der Stifter desselben, freilich nicht um blutige
-Bewegungen und elenden Wortstreit zu entfachen; nur die heiligen
-Kriege, die aus dem Wesen seiner Lehre nothwendig entstehen, hat
-er vorausgesehen und anbefohlen.[57] Die Rede Dragos[58] über den
-beständigen Kampf im Leben der christlichen Kirche und des einzelnen
-Christen, die auch mit dem gleichen evangelischen Citate beginnt, ist
-hier im Keime gegeben.
-
-Schon beim flüchtigen Lesen fällt es auf, dass uns in der
-katholisierenden „Genoveva“ eine ganz eigenthümliche Auffassung des
-Priesterthums begegnet, die sich der katholischen hierarchischen
-Ordnung gar nicht anbequemt. In Siegfrieds Burgkapelle hält ein
-„Capellan“ eine religiöse Ansprache, aber auch der Diener Wendelin.
-Der nämliche Capellan hält auch noch eine erbauliche Rede für
-Genoveva, verschwindet dann aus der Dichtung und im weiteren nimmt
-der Küchenmeister Drago die Stelle eines geistlichen Seelenleiters
-ein. Also neben dem Bischof, der am Schlusse auftritt, und dem
-Capellan predigen Diener und Küchenmeister. Die hier ziemlich deutlich
-durchschimmernde Ansicht vom freien Priesterthum ist wieder ein Gedanke
-aus Schleiermachers „Reden“. Schleiermacher will kein zunftmäßiges
-Priesterthum. Ein Privatgeschäft sei die Mission des Priesters. Ein
-jedes Privatzimmer mag ein Tempel sein.[59] Wen der religiöse Geist
-ergreift, der übt auch das Priesteramt. Es gibt zwischen Geistlichen
-und Laien keinen Unterschied der Personen, sondern nur einen
-Unterschied „des Zustandes und der Verrichtung“.[60] In diesem Sinne
-wird thatsächlich das Predigtamt in der „Genoveva“ geübt.
-
-Doch genug. Es darf für erwiesen gelten, dass ähnliche Ideenrichtungen
-sich in den „Reden“ des romantischen Theologen und im Drama des
-romantischen Dichters finden. Es ist freilich nicht vieles Einzelne,
-was sich sicher greifen ließe. Wie sollte auch der Dichter aus dem
-Buche, das sich vom Anfange bis zum Ende in lauter Abstractionen
-bewegt, mehr entnehmen können als die eine oder andere grundsätzliche
-Ideenrichtung? Hauptsache bleibt, dass Tiecks künstlerische
-Begeisterung für Religion in den „Reden“ ein kräftiges „Incitament“
-gefunden hatte.
-
- * *
- *
-
-Tieck ließ sich willig durch Schleiermacher begeistern, aber ein echter
-und eigentlicher Schüler des Berliner Theologen war er darum noch
-nicht. Ein solcher war Tiecks Freund Novalis-Hardenberg. Schleiermacher
-und Novalis waren es allein, die unter den älteren Romantikern auf
-eine Erweckung des eigentlich religiösen Sinnes abzielten, während die
-übrigen nur an eine Erneuerung und Belebung von Kunst und Poesie durch
-die Religion dachten. Schleiermacher selbst gedenkt in der zweiten
-Auflage seiner „Reden“ schmerzergriffen des lieben Todten, des „zu
-früh entschlafenen göttlichen Jünglings, dem alles Kunst ward, was
-sein Geist berührte, seine ganze Weltbetrachtung unmittelbar zu Einem
-großen Gedicht, den Ihr, wiewohl er kaum mehr als die ersten Laute
-wirklich ausgesprochen hat, den reichsten Dichtern beigesellen müsst,
-den seltenen, die ebenso tiefsinnig sind als klar und lebendig“.
-Dieser Jüngling mit seiner Christusliebe erscheint Schleiermacher als
-das edelste Vorbild des frommen Künstlers.[61] Novalis war wirklich
-seiner Denkrichtung nach mit Schleiermacher nahe verwandt. Beide
-Geister wurzeln ja auch im Herrnhuterthum. Beide bringen dieselbe
-tiefreligiöse Veranlagung mit. Novalis ist daher von den „Reden“ am
-meisten ergriffen unter den Jenenser Freunden.[62] Wie mächtig sie
-sein ganzes Inneres erregten und verwandte Ideen und Stimmungen in
-drängender Fülle auslösten, lässt sich auf Schritt und Tritt verfolgen.
-Fast alle wesentlichen Gedanken Schleiermachers über die Religion
-finden sich modificiert, subjectiv angewendet, besonders gerne in
-Aphorismen voll kräftiger Poesie eingekleidet, bei dem jungen Dichter
-wieder. Da heißt es: „Alle absolute Empfindung ist religiös.“[63]
-„Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgend ist die
-Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft.“[64] „Alle
-unsere Neigungen scheinen nichts als angewandte Religion zu sein; das
-Herz scheint gleichsam das religiöse Organ.“[65] Auch Novalis wendet
-sich gegen die Aufklärer, die alles Wunderbare und Geheimnisvolle von
-der Religion abwaschen möchten.[66] Aufklärung und Religionsverachtung
-ist ihm ungefähr das nämliche und ebenso innigstes, höchstes Fühlen
-und Religion. Sein Idealbild religiösen Lebens projiciert Novalis
-in das Mittelalter, ähnlich wie Wackenroder, aber auch zugleich
-hoffnungsfreudig in eine bessere Zukunft. Mit tiefer Sehnsucht schaut
-er im Aufsatze „Die Christenheit oder Europa“ (1799)[67] in die alte
-Zeit zurück, in der die Religion als die Centralsonne des Lebens galt.
-Und nach dem Alten hatte er sich schon in den „Hymnen an die Nacht“
-gesehnt.
-
- „Was sollen wir auf dieser Welt
- Mit unsrer Lieb’ und Treue?
- Das Alte wird hintangestellt:
- Was soll uns denn das Neue?
- O! einsam steht und tiefbetrübt
- Wer heiß und fromm die Vorzeit liebt.“[68]
-
-So wenig wie Wackenroder oder Schleiermacher, schließt sich Novalis
-einer kirchlichen Lehre an, wenn er auch gerne seine Gedanken mit
-kirchlichen Worten stilisiert und das katholische Mittelalter preist
-und sogar innige Marienlieder dichtet.[69] Und wenn er auch mit
-verschiedenen Gedanken katholischen Ideen recht nahe kommt: er meint
-zunächst doch immer das phantastische Idealbild einer Religion, wie
-es seine Dichterseele träumt. Pantheismus und Christenthum stehen
-auch bei ihm hart nebeneinander. Wie Schleiermacher denkt auch
-Novalis über das Wunder.[70] Wie für Schleiermacher Religion und
-Kunst, sind für ihn Poesie und Mysticismus nahe Verwandte.[71] Auch
-für Novalis gibt es kein abgeschlossenes System.[72] Novalis’ Seele
-ist voll Schleiermacher’scher Frömmigkeit. Wohin wir blicken, die
-Saat des Berliner Redners sprosst und treibt mit üppiger Kraft in den
-geheimnisvollen Tiefen dieses merkwürdigen Gemüthes. Es ist von den
-„Reden“ in der That „ganz eingenommen, durchdrungen, begeistert und
-entzündet“.[73]
-
-Novalis verehrte schon Tieck als den Dichter der „Volksmärchen“, bevor
-er ihm persönlich begegnete. In Jena nun treffen sich beide im Sommer
-1799. Erstes Begegnen, entgegenkommendes Verstehen, schwärmerisches
-Freundschaftschließen: all das war das Werk eines Tages.[74] Tieck
-glaubte seinen Wackenroder in verklärter Gestalt wiederzubesitzen.
-Leider musste er auch diesem Freunde gar bald Trauersonette als
-Todtenopfer weihen.[75] Diese neue Freundschaft ist wieder so
-enthusiastisch wie jene mit Wackenroder. Ist doch Novalis ebenso
-herzlich und fromm und liebenswürdig und dabei mit einem weitreichenden
-geistigen Blicke begabt, ein jugendfroh und gewaltig aufstrebender
-Dichter und Denker, der bei aller Frömmigkeit auch alle Bildung des
-Zeitalters, insbesondere die naturphilosophische, durstig in seine
-Seele saugen und dichterisch in einer großen Romanserie verklären
-möchte. Das war gewiss ein richtiger Umgang für Tieck, als er schon
-an seiner „Genoveva“ arbeitete. In dieser Freundschaft konnte auch
-seine religiöse Stimmung neues kräftiges Leben schöpfen und einzelne
-Spuren des freundschaftlichen Gedankenaustausches sind wiederum in
-Tiecks Dichtung erkennbar. Wie Novalis im Aufsatze: „Die Christenheit
-oder Europa“ den Leser aus der nüchternen, unfrommen Gegenwart in die
-schönen glänzenden Zeiten des katholischen Mittelalters führt, so weist
-der heilige Bonifacius Tiecks als Prologsprecher in die gläubige,
-altdeutsche Zeit zurück, die so ganz das Gegentheil der glaubenslosen
-Jetztzeit war. Wenn Novalis auf den geheimnisvollen Weg nach innen
-zeigt und nach Schleiermachers Beispiel eine Herzensreligion, eine
-Frömmigkeit des innerlichsten Lebens fordert, so meint der Leser der
-„Genoveva“ im Sonette des Capellans[76] einen Schüler Hardenbergs zu
-vernehmen. Novalis war auch der erste im romantischen Kreise, der
-direct die katholische Religion als solche im ganzen Umfange, wenn
-auch subjectiv ausdeutend, mit Entzücken pries. Gemeinsam wollten
-ferner die Freunde geistliche Lieder und Predigten herausgeben und sie
-Schleiermacher widmen.[77] Novalis’ „Geistliche Lieder“ erwuchsen auch
-bald aus dieser hochgesteigerten religiösen Stimmung heraus und auch
-im „Ofterdingen“ sind Anklänge an die „Reden“ bemerkbar. Tieck wollten
-die geistlichen Lieder nicht gelingen[78] und von den Predigten ist bei
-ihm überhaupt nicht weiter die Rede. Wenn uns aber Tieck sagt, dass
-er verschiedene „Vorsätze und poetische Stimmungen“, die ihn damals
-beherrschten, in seine „Genoveva“ hineingearbeitet habe, so lassen
-unsere Betrachtungen ahnen, was einmal unter den „Stimmungen“ gemeint
-ist. Wohl nichts anderes, als die neue religiöse Begeisterung und die
-Schwärmerei für altdeutsches Wesen, die sich Tiecks wie der übrigen
-Genossen um diese Zeit bemächtigt hatte. Zu den „Stimmungen“ gehören
-vielleicht auch jene „leidenschaftlichen Zustände und unerwarteten
-Erfahrungen“ an sich selbst, über die sich nur eine dunkle Andeutung in
-einem späten Briefe an Solger findet.[79] Die „Vorsätze“ dann beziehen
-sich jedenfalls auf die geplanten geistlichen Lieder und Predigten.[80]
-Spuren der projectierten Predigten lassen sich in der „Genoveva“ fast
-noch erkennen. Novalis schrieb mehrere Einfälle über das Wesen der
-Predigt nieder, wie er es sich dachte. Darunter finden sich Gedanken,
-wie: „Die Predigt muss angewandte Religion enthalten.“[81] „Die
-katholische Religion ist gewissermaßen schon angewandte christliche
-Religion.“[82] „Predigten sollten eigentlich Legenden heißen, denn
-der eigentliche Stoff der Predigten ist der Legendenstoff.“[83] Von
-der wunderschönen Frau der Christenheit und von längst verstorbenen
-himmlischen Menschen, von Heiligen, predigten einst die Priester im
-schönen Mittelalter.[84] Jedermann kann Predigten halten und aus
-dem Schatze seiner Erfahrung göttliche Geschichte mittheilen.[85]
-(Freies Priesterthum wie bei Schleiermacher.) Nun sehen wir in Tiecks
-„Genoveva“ den Diener Wendelin in der Kapelle zu den Heiligenbildern
-hintreten und sie seinen Genossen, also einer kleinen Gemeinde,
-predigend erklären.[86] Wir sehen ein andermal Drago im Anschluss
-an die Lesung des Legendenbuches eine geistliche Anrede an Genoveva
-halten.[87] Hier spielt allem Anscheine nach das Predigtproject der
-beiden Freunde herein und das wäre vielleicht ein erkennbarer Rest
-jener „Vorsätze“, die in der Dichtung nachwirkten. --
-
-Novalis und Tieck waren nicht die einzigen Bewunderer der „Reden“.
-Fast die ganze romantische Tafelrunde von Jena that wacker mit[88] und
-verschiedene religiöse Poesien erwuchsen aus den neuen Anregungen.
-Schon vor einem Jahre waren A.W. Schlegels Gemäldegespräche und
-geistliche Sonette über einige religiöse Bilder der Dresdner Gallerie
-sowie der bedeutsame Versuch romantischer Didaktik „Der Bund der Kirche
-mit den Künsten“ im Anschluss an Wackenroder-Tieck entstanden. Unter
-dem Einfluss der neuen religiösen Anregungen folgen die Neudichtungen
-alter Legenden und noch andere Gedichte mit religiösen Motiven. Das
-Christenthum ist in Jena bald „à l’ordre du jour“. Während es Hülsen
-zwar bei einer hellenisierenden, pantheistischen Naturreligion sich
-genügen lässt,[89] entfacht Steffens, ein junger Norweger und Tiecks
-Freund, seine Andacht an der sistinischen Madonna in Dresden.[90]
-Friedrich Schlegels „Ideen“ im „Athenäum“, die zwar manchmal von
-Schleiermacher abweichen, sogar manche Spitzen gegen die „Reden“
-enthalten, sind nichtsdestoweniger nur ein Fortspinnen der in den
-„Reden“ ausgeführten und im persönlichen Verkehr mit Schleiermacher
-gewonnenen Anschauungen. Friedrich sinnt auf Mittel und Wege, die
-neugewonnenen Ideen für Poesie und Kunst fruchtbar zu machen. Das
-Ergebnis seines Nachdenkens ist im „Gespräch über die Poesie“
-niedergelegt. Das Studium der Griechen hatte ihn belehrt, dass eine
-Mythologie, in der sich die tiefsten Welt- und Lebensanschauungen,
-die höchsten Ideale eines Volkes in unvergänglichen Typen
-zusammenkrystallisierten, in denen das, was sonst das Bewusstsein ewig
-flieht, sinnlich geistig zu schauen festgehalten ist, für die Poesie
-die allerwertvollste Basis sein kann. Diese richtige Beobachtung führt
-aber Schlegel, der vielleicht Schelling’schen Anregungen folgte, auf
-den bizarren Gedanken, die bewusste Schöpfung einer neuen Mythologie
-zu verlangen. Er selbst war schon eine Zeitlang mit keiner geringeren
-Absicht umgegangen, als der, eine neue Religion zu stiften.[91]
-Aber ein absichtliches Verkörpernwollen von Ideen in mythologischer
-Art bringt statt lebendiger Typen und Göttergestalten höchstens
-den Wechselbalg Allegorie zum Vorschein.[92] Schlegel selbst meint
-überdies, man könne auf verschiedenen Wegen dem neuen Ziele zustreben.
-Die älteren Mythologien seien wieder zu erwecken, um das Werden der
-neuen zu beschleunigen und das Studium der Naturphilosophie gewähre
-die heiligsten Offenbarungen. Daneben begegnet uns der Gedanke, die
-Deutschen müssten, um ihre Poesie zu erneuern, auf „die Quellen
-ihrer eigenen Sprache und Dichtung zurückgehen“ und die alte Kraft
-und den hohen Geist, der in den Urkunden der vaterländischen Vorzeit
-schlummert, wieder frei machen.[93] Über Religion und Poesie spricht
-Fr. Schlegel ähnlich wie Schleiermacher und Novalis.[94]
-
-Was Fr. Schlegel wünschte, führte Tieck gleichzeitig schon zum Theile
-und in seiner Weise aus. Während Schlegel sich mit seiner Mythologie
-abmühte, geht Tieck mit kühner Leichtigkeit den Weg, den ihm seine
-lebendige religiöse Kunststimmung und die übrigen empfangenen
-Anregungen wiesen. Statt der antiken Mythologie, die ihm sein Leben
-lang fern blieb und statt der neuzuschaffenden, von der Schelling,
-Schlegel und Novalis träumten und die noch in recht nebeliger Ferne
-dämmerte, tritt bei Tieck die katholische Legende ein. Sie war für ihn
-ja längst nimmer todt. Alte Kunst und Dichtung, Calderon voran, bürgten
-ihm für die innere Lebenskraft derselben und er hatte auch mit eigenen
-Augen in Süddeutschland katholisches Leben und den Cultus der Heiligen
-in leibhafter Gegenwart mitangesehen. Er brauchte nur die Gestalten der
-vergessenen Legende mit der reichen religiösen Begeisterung, die ihm
-eben aus vielen Quellen zuströmte, zu durchwärmen und den Reichthum
-seiner Phantasie der Erneuerung des alten Büchleins dienstbar zu machen
-und es bedurfte für ihn keiner imaginären Mythologie mehr. Es war
-das der nächste und selbstverständlichste Weg, seinen dichterischen
-Wünschen Genüge zu thun.
-
-Die Freundschaft mit Wackenroder, die „Reden über die Religion“, der
-Umgang mit Novalis und der, wenn auch weniger tief wirkende, mit
-Friedrich Schlegel[95], die Lectüre von Calderon und Jakob Böhme, deren
-Einfluss noch später besprochen werden soll, die gesammte geistige
-Atmosphäre, in welcher die junge Dichtergeneration lebte und athmete:
-alles half zusammen, Tieck aus der flachen Sandwüste Berlinischer
-Aufklärung, in der Gemüth und Phantasie kläglich abgewelkt waren und
-die Dichtung kein fruchtbares Erdreich fand, in die poetische Welt
-des Religiösen, Wunderbaren, Alterthümlichen, Gefühlsinnigen und zur
-katholischen Legende hinüberzuführen. Wer die Einwirkungen dieser
-letzten Jahre im Auge behält, kann es nicht räthselhaft finden,
-dass in Tieck sich jetzt mit seiner Liebe zum Altdeutschen noch die
-hochreligiöse Auffassung eines alten Stoffes vermählt.
-
- * *
- *
-
-Nun gewinnt der Dichter auch eine andere Stellung zu den Volksbüchern,
-als er sie bisher einnahm. Die Neigung für die kräftige Poesie
-dieser alten Volksromane war, wie erwähnt, schon längst in Tieck
-lebendig. „Götz“ und die Ritterdramen, die seine jugendliche Phantasie
-bestürmten, hatten zuerst sein Interesse für das Alte geweckt. Die
-Sprache des „Faust“ empfand er als den „veredelten, tiefsinnigeren
-Widerhall des alten, vergessenen deutschen Tones“ bei Hans Sachs.
-„Die früheren Werke Goethes waren die erste Nahrung meines Geistes
-gewesen. Ich hatte das Lesen gewissermaßen im Berlichingen gelernt.
-Durch dieses Gedicht hatte meine Phantasie für immer eine Richtung nach
-jenen Zeiten, Gegenden, Gestalten und Begebenheiten bekommen.“[96]
-Sein eigenes richtiges Gefühl für das Poetische ließ ihn den Wert der
-verkannten bescheidenen Volksbüchelchen erkennen und schätzen. Die
-erste Erwähnung derselben treffen wir im „Karl von Berneck“.[97] Der
-Dienst bei Nicolai vermochte die einmal erwachte Neigung, die Tieck
-noch durch die Lectüre älterer Literatur (Hans Sachs, Moscherosch,
-Grimmelshausen) nährte, nicht zu ersticken. Im „Peter Leberecht“
-spendet er den Volksbüchern reiches Lob.[98] Dann folgen die
-verschiedenen Neubearbeitungen von Volksbüchern selbst. Schlichte,
-holzschnittmäßige Nachbildung des alten Originals versucht er in
-den „Haimonskindern“, lyrische Stimmungsmalerei in der „Magelone“.
-Satirische Seitenwege geht er in den „Schildbürgern“ wie im „Blaubart“.
-Abgesehen von den „Haimonskindern“, schaltet Tieck überall nach eigenem
-Belieben in ziemlich freier Willkür mit dem alten Stoffe.[99] Die
-Vorliebe für diese alten Poesien ist noch immer eine bedingte, zum
-Theil eine Vorliebe aus Opposition gegen den platten aufgeklärten
-Dienstherrn Nicolai. Hauptsächlich durch Wackenroders eigenthümliche
-Geistesrichtung muss die tiefe Verehrung des Alten zur unbedingten,
-schwärmerischen Begeisterung, zum „Phantastischen“[100] gesteigert
-worden sein. Die übrigen Romantiker stimmen bald in diesen Lobpreis des
-Alten mit ein. In ein paar Jahren hat sich die Meinung festgesetzt,
-dass der „historische Weg“ das einzige Mittel sei, eine Besserung in
-Kunst und Poesie einzuleiten.[101] So fließen denn unmittelbar vor
-Entstehung der „Genoveva“ die höchste Begeisterung und Bewunderung für
-das Altdeutsche und ein hochgesteigertes religiöses Stimmungsleben bei
-Tieck ineinander, um sich vereint in die neue Schöpfung zu ergießen.
-
-Im Jahre 1800, bald nach Vollendung der „Genoveva“, dichtet Tieck
-so nebenbei in einigen heiteren Stunden einen kleinen Schwank in
-Hans Sachsens Manier, den „Neuen Hercules am Scheidewege“ (später
-„Der Autor“ betitelt). In dieser Burleske zieht er lustig gegen die
-Nützlichkeitsfanatiker und Aufklärer, gegen den „alten Mann“ Nicolai
-und die unberufenen Lessingverehrer, gegen den ganzen Heerbann der
-Antiromantiker vom Leder. Er feiert Goethe als Neubegründer der wahren,
-vaterländischen, deutschen Poesie und verehrt den „großen deutschen
-Jakob Böhme“. Jede Zeile deutet jene romantische Zeitstimmung an,
-welcher die „Genoveva“ ihren Charakter verdankt. Der derbe „Altfrank“
-tritt wie ein Abgesandter des romantischen Geistes vor den Dichter hin
-und ermuntert ihn zur Pflege der romantischen Dichtung:
-
- „Erwärme dein Herz in alter Liebe,
- Erwecke in dir die alten Triebe,
- Wenn dir die neue Zeit nicht gefällt,
- So gedenk der braven alten Welt,
- Mit Andacht geh zu den alten Ruinen,
- Die auf den hohen Bergen verwittern,
- Sie schaun dich an mit wehmüthigen Mienen
- Und erzählen dir von Thaten und Rittern,
- Besuche zumal die Wald-Kapellen,
- Wo sich heilige Geschichten vor dich stellen,
- Die alte katholische Religion,
- Als sie noch schmückte ihren Thron,
- Und schöner die Welt durchströmte,
- Ein selger Tod die Märtrer krönte:
- Als deutsche Freiheit noch stolzirte,
- Vor ganz Europa hell pranchirte,
- Das alles magst du kühnlich preisen,
- Verkündigen in vollen Weisen,
- Was sonst erregte deinen Muth,
- Beseligte in Adern dein Blut,
- Lebt nicht noch alles in einzeln Spuren,
- Wandelst nicht noch auf denselbigen Fluren?“[102]
-
-Ähnliche Verse könnte man sich als Prolog vor die „Genoveva“ gesetzt
-denken.
-
-Die näheren Umstände, welche die Entstehung der „Genoveva“ noch
-begleiteten, gibt Tieck selbst und sein Biograph Köpke an.[103] Den
-ersten maßgebenden äußeren Anstoß erhielt Tieck nicht durch das
-Volksbuch, sondern durch ein Werk des Geniedichters Maler Müller,
-nämlich durch dessen Drama „Golo und Genoveva“, das, 1775-1781
-entstanden, auch die alte Legende behandelt. Bei einem Besuche in
-Hamburg (1797) erhielt Tieck durch Vermittlung des Malers Waagen
-Einsicht in Müllers Manuscript, das noch immer des Verlegers harrte.
-Die Lectüre war nach Tiecks Erzählung eine flüchtige. Nur das Lied:
-„Mein Grab sei unter Weiden“ und die eigenthümliche Beziehung
-desselben auf Golos Geschick machte ihm einen tiefen Eindruck. Im
-übrigen behielt er nur ein sehr allgemeines, verschwommenes Bild vom
-Werke in Erinnerung. Diese Bekanntschaft mit dem Werke Müllers hätte
-am Ende noch nicht hingereicht, Tiecks Interesse bei diesem Stoffe
-festzuhalten. Da fiel ihm aber ein Jahr darauf das Volksbüchlein von
-der Pfalzgräfin Genoveva selbst in die Hände.[104] Es ist erklärlich,
-dass Tiecks ganzes Gemüth, das eben jetzt von altdeutschen und
-religiösen Kunststimmungen überquoll, sich mit Eifer und Liebe auf
-den hier gebotenen Legendenstoff warf, der altdeutsche Schlichtheit
-und innige Frömmigkeit so lehrend in sich vereinte und durch viele
-Motive zur Verherrlichung der neuen romantischen Ideale einlud. Wenn
-auch nicht mit tiefem Gemüthe (das besaß Tieck überhaupt kaum), so
-doch mit ganzem Gemüthe ergriff er diese Legende, die ihn so traut
-anmuthete und durch ihre stille Gewalt seine Phantasie in Bewegung
-setzte. Schnell und leicht muss alles, was an poetischen Kräften in
-ihm schlummerte, zusammengeströmt sein; denn im Sommer 1799 schrieb
-er auf Giebichenstein den Prolog und die ersten Scenen. Im Herbste
-vollendete er mit rascher Feder das Ganze und theilte es schon
-im November seinen Freunden, im December Goethe, der den jungen
-Romantikern ein wohlwollender Mentor war, mit, und im Jahre 1800
-erschien in Jena bei Friedrich Frommann das Trauerspiel „Leben und Tod
-der heiligen Genoveva“, mit „Melusina“ und „Rothkäppchen“ zum zweiten
-Bande der „Romantischen Dichtungen“ vereint. In unserem Zusammenhange
-angesehen, ist es nicht befremdend, wie die Behandlung dieses alten
-religiösen Stoffes in alter religiöser Auffassung für Tieck wirklich
-ein poetisches Erlebnis werden und wie er später Solger gegenüber sagen
-konnte: „Es (sc. Solgers Urtheil über „Genoveva“) interessiert mich
-sehr, weil dieses Gedicht auch ganz aus dem Gemüthe gekommen ist, weil
-es mich selbst überrascht hat, und gar nicht gemacht sondern geworden
-ist.“[105]
-
-
-
-
-II.
-
-
-Das Volksbuch als Quelle von Tiecks „Genoveva“.
-
-
-Das Volksbuch bildet nach Tiecks eigener Andeutung den Stamm, an den
-sich verschiedene andere Theile und Theilchen seines Dramas ansetzen.
-Unsere erste Frage muss daher die nach dem Verhältnisse des Volksbuches
-zu Tiecks Neudichtung sein. Dieser Untersuchung wird ein Druck der
-Legende, wie er am Ende des vorigen Jahrhunderts umgieng, zugrunde
-gelegt und zwar ein Druck jener Fassung, die auf die Martin Cochem’sche
-Bearbeitung zurückgeht.[106] Es wird sich kaum authentisch feststellen
-lassen, welcher Druck Tieck 1798 in die Hände fiel. Dies verschlägt
-jedoch wenig für eine derartige Untersuchung, da diese Volksbücher
-in ihrem inhaltlichen und vielfach auch im sprachlichen Bestande zu
-den conservativsten Elementen unserer Literatur gehören. Die Wahl der
-Grundlage für diese Untersuchung muss eigentlich erst die Untersuchung
-selbst rechtfertigen.
-
-
-Der Abschied.
-
-_Volksbuch, 3 ff._ Die schlichte Erzählung des Volksbuches beginnt
-mit der glücklichen Ehe, die Graf Siegfried mit Genoveva, der
-Herzogstochter von Brabant, geschlossen hat und dem Aufgebote des
-Frankenkönigs „Marcellus“, das Siegfried von der Seite seiner geliebten
-Gemahlin hinweg in den Mohrenkrieg ruft. Denn der Mohrenkönig
-„Abdarodam“ ist in Spanien eingefallen und bedroht Frankreich. Der
-Abschied Siegfrieds von Genoveva ist überaus schmerzlich und kostet
-die junge Frau eine zweifache Ohnmacht. Siegfried sucht sie zu trösten,
-gibt ihr seinen treuesten Diener Golo an die Seite und reißt sich los.
-
-_Tieck_. Die äußere Lage der Dinge, den drohenden Mohrenkrieg und
-Karl Martells Aufgebot, das Siegfried zu den Waffen ruft, nimmt Tieck
-mit kleinen Erweiterungen in den Prolog auf.[107] Aus dem einfachen
-Abschiede des Volksbuches, dessen einzelne Motive beibehalten werden,
-entsteht ein reicher Complex von Abschieds-Scenen.[108] Eine kirchliche
-Abschiedsfeier, ein häuslich-familiärer Abschied Siegfrieds von
-Genoveva. (Mit Recht lässt es Tieck bei einer einmaligen Ohnmacht
-bewenden.) Von Siegfried verabschieden sich auch seine Untergebenen,
-Drago der Haushofmeister, Wolf, ein alter Ritter, und Golo, der zum
-„Vogt“ über Siegfrieds Haus bestellt wird. Das Abschiednehmen pflanzt
-sich noch in die unteren Schichten der Unterthanen Siegfrieds fort.
-Der Köhler Grimoald sagt wehmüthig seinem Sohne Traugott Lebewohl.
-Endlich erfahren wir noch den Eindruck des Abschiedes auf den Schäfer
-Heinrich und seine Geliebte Else. Zwischen den kirchlichen und
-häuslichen Abschied fügt Tieck ein Schäfer-Idyll ein, in dem nur ein
-paar Erwähnungen des großen Abschiedes auf dem Schlosse uns leise an
-die Hauptsituation erinnern. Es ist ein genrehaftes Stimmungsbild und
-macht den Leser mit Golo, Golo selbst mit einem traurigen Liebesliede
-bekannt, das ihn tief und räthselhaft ergreift. Ein wenig vom Vorleben
-Genovevas erfahren wir beim Abschiede und abweichend vom Volksbuche
-lässt Tieck sie eine Waise (damit man leichter erklärlich finde, warum
-ihr gar niemand in ihrem Elende zuhilfe kommt) und eine Herzogstochter
-von Burgund sein.[109] Den verballhornten Namen gibt Tieck eine bessere
-Gestalt.
-
-
-Der Krieg.
-
-Das Volksbuch erzählt die Schicksale Siegfrieds im Kriege und die
-Begebenheiten daheim auf dem Schlosse synchronistisch, bis mit
-Siegfrieds Rückkehr sich beide Fäden wiedervereinigen. Ebenso sucht
-Tieck den gleichzeitigen Fortgang der Ereignisse zu Hause und im Kriege
-dadurch in seinem Drama vorzuführen, dass er mit größter Freiheit des
-Scenenwechsels uns bald auf den einen, bald auf den anderen Schauplatz
-führt.
-
-_Volksbuch, 5_. Nach dem Eintreffen Siegfrieds und der anderen Fürsten
-und Herren im Lager des Königs „Marcellus“ geht es in die Schlacht. Das
-Christenheer besiegt die Mohren trotz ihrer Übermacht. Von den Mohren
-fallen beiläufig fünfmal soviel als überhaupt kämpfen! Die Geschlagenen
-fliehen in die Stadt „Arion“ (jedenfalls ein Druckfehler für das
-spätere „Avion“ S. 15). Die Belagerung der Stadt bringt es mit sich,
-dass Siegfried „über ein Jahr“ länger als er dachte, ausbleiben muss.
-„In Gott und dem heiligen Gebet“ sucht indessen Genoveva ihren Trost.
-
-_Tieck_. Von Karl Martell wird Siegfried als der letzte, weil
-entfernteste, erwartet. Diese Zeit des Wartens verkürzt uns der Dichter
-durch Vorführung verschiedener Lagerscenen. Wir lernen in der ersten
-derselben den blindgehorsamen Otho und einen raisonnierenden Hauptmann
-kennen, dann gleich in der nächsten Scene den großen, klugen Feldherrn
-Karl Martell selbst. Neben diesem steht der feurig vorstürmende,
-junge Herzog von Aquitanien, der von künftigem Kriegsruhme träumt. Es
-erscheinen die anmaßenden, stolzen Gesandten des Mohrenfürsten, die von
-Karl gebürend abgefertigt werden. Nun kommt auch Siegfried an und Karls
-Streitmacht ist damit beisammen. Die Schlacht könnte beginnen.[110]
-
-Tieck wirft aber noch zuvor einen Blick nach Siegfrieds Schloss,
-wo Genoveva beständig an den Gatten denkt und wie im Volksbuch in
-Andachtsübungen und Bibellesen Trost sucht, wo Golo bereits in seine
-Herrin verliebt ist und Wolf, der alte Ritter, seine unheimlichen
-astrologischen Neuigkeiten zum besten gibt.[111]
-
-Nach diesem Intermezzo eröffnet sich eine Nachtscene im saracenischen
-Lager. Abdorrhaman, der Feldherr, ertheilt seine Befehle. Zulma, seine
-Geliebte, ist ihm in Kriegerkleidung nachgeeilt, ohne von ihm sogleich
-erkannt zu werden. Abdorrhaman trägt sich mit ehrgeizigen Plänen und
-will sich von seinem Kalifen lossagen.[112]
-
-Mit einer ähnlichen Versuchung ringt Karl Martell. Für ihn ist es
-nämlich ein verlockender Gedanke, sich die fränkische Königskrone aufs
-Haupt zu setzen, nachdem er doch thatsächlich bereits die königliche
-Macht in Händen hat. Er überwindet die lockenden Einflüsterungen des
-Ehrgeizes.[113]
-
-Nun beginnt der Kampf der beiden Heere. Es eröffnet sich ein weites,
-reichangelegtes Schlachtbild.[114] Zuerst fliehende Saracenen, deren
-Muth durch die Tapferkeit ihres Führers neu belebt wird. Das Kampfglück
-wechselt. Die Christen fliehen und der jugendliche, unvorsichtige,
-voreilige Aquitanien wird gefangen. Nach den Massenscenen folgen
-Einzelkämpfe. Ein Vierkampf: Abdorrhaman-Zulma gegen zwei Franken. Die
-Befreiung des Herzogs von Aquitanien. Kleine Ruhepause. Zweikämpfe
-zwischen Otho und Derar, zwischen Aquitanien und Abdorrhaman.
-Schließlicher Sieg der Christen. Nach der Schlacht eine tragische
-Liebes-Episode zwischen Zulma und Aquitanien. Tieck aber verfolgt das
-Thema: Krieg und Schlacht noch weiter. Nach vollendeter Feldschlacht
-gegen den äußeren Feind erscheint in der Ferne der Aufruhr im eigenen
-Lande des Herzogs von Aquitanien einerseits; andererseits kommt „ein
-Unbekannter“ voll mysteriöser Gelehrsamkeit zu Karl Martell und
-entwickelt in prophetischer Rede die welthistorischen Folgen der großen
-Schlacht, die eben geschlagen wurde. Noch immer ist Tieck nicht zu
-Ende. Thun wir einen Blick in seine Dichtung nach vorwärts, so sehen
-wir das Kriegsmotiv noch weiter fortgeführt. Nach dem Kriege im offenen
-Felde erleben wir die Belagerung von Avignon.[115] (Die Belagerung von
-„Avion“ erwähnt auch das Volksbuch im Vorübergehen.) Das Motiv erzeugt
-auch in seiner neuen Wendung Scene auf Scene. Die Mohren sind in einer
-ihnen feindlichen Stadt eingeschlossen, deren Bürger die Übergabe
-wünschen. Die Mohren planen einen Ausfall und setzen ihn ins Werk.
-Nächtlicher Kampf im Lager. Zuerst die Christen in Bedrängnis, danach
-siegend. Der sterbende und der verwundete Krieger (Otho und Siegfried).
-Kampf in der Stadt. Zweikampf zwischen Karl und Ali. Nächtlicher Brand
-in Stadt und Lager. Die Bürger übergeben ihre Stadt den befreundeten
-Belagerern.
-
-Was ist hier aus dem kahlen Berichte des Volksbuches nicht alles
-geworden! Hier wie in den Eingangs-Scenen der „Genoveva“ wurde
-thatsächlich die Imagination des Dichters derart „in Bewegung gesetzt“,
-dass aus den einfachen Thatsachen: schmerzlicher Abschied, Schlacht und
-Belagerung in Tiecks Phantasie ein wahres Lauffeuer von Motiven und
-Scenen sich entwickelte. Es sind sozusagen alle möglichen kriegerischen
-Verwicklungen behandelt, Massenkampf, Einzelkampf, offene Schlacht,
-Belagerung, äußere Feinde, innere Feinde. Das Motiv soll möglichst
-erschöpft werden, um in der Dichtung die romantische „Begeisterung des
-Kriegers“, der für Christus kämpft, lebendig sprechen zu lassen. Drei
-Seiten des kleinen Volksbüchleins dehnten sich zu mehr als sechzig
-Seiten in der Tieck’schen Dichtung aus.
-
-
-Golos Liebe.
-
-_Volksbuch, 6 ff_. Ausführlicher als in der Erzählung vom Mohrenkriege
-ergeht sich das Volksbuch in der Schilderung der sündhaften Liebe
-Golos. Der Satan -- heißt es -- will Genoveva in Schaden bringen.
-Er gibt darum Golo unkeusche Gedanken ein. Golo gesteht Genoveva
-seine Wünsche, wird aber mit dem directen Hinweis auf die schuldige
-Gattentreue strenge von ihr zurückgewiesen. Doch seine Leidenschaft
-dauert fort und wächst. Nachdem der direct ausgesprochene unsittliche
-Antrag abgewiesen war, versucht es Golo indirect mit Hilfe eines
-Bildes. Genovevas Porträt gibt ihm Gelegenheit zu einer zweiten etwas
-verhüllten Liebeserklärung. Die fromme Gräfin erkennt die Absicht und
-schickt Golo wieder mit einem scharfen Verweise heim. Die sinnliche
-Begierde des Zudringlichen steigert sich aber aufs neue und nach der
-Abendmahlzeit im Garten wagt er einen dritten Versuch, zu seinem Ziele
-zu gelangen. Er versucht diesmal, die günstige Stunde auszunützen.
-Genoveva droht jedoch erzürnt, alles ihrem Gatten zu berichten und
-weist damit jedes Ansinnen von sich. Es wiederholt sich im wesentlichen
-dreimal die nämliche Scene, und Golo, dem jede Hoffnung auf Erfüllung
-seiner Wünsche schwindet, sinnt auf Rache.
-
-_Tieck_. Wesentlich anders tritt uns Golos Liebe im Werke Tiecks
-entgegen. Hier sehen wir die Liebe und Leidenschaft entstehen. In der
-Abschiedsscene ist von Golos Liebe nur in kaum merklichen Andeutungen
-die Rede. Der Ritter möchte sogar noch in den Krieg ziehen.[116]
-Bald jedoch wird Golo schwermüthig und eine geheime Macht zieht ihn
-unbewusst in Genovevas Nähe.[117] Er spricht aber noch kein Wort von
-Liebe, er weiß sich seinen Zustand nicht zu erklären und möchte ihn
-am liebsten abschütteln. Golo will (ein künstlerisch feiner Zug!)
-durch das Singen „der alten Liebesreime“ seine traurige Stimmung
-vertreiben. In Ausdrücken religiöser Verehrung und Andacht spricht
-er von seiner reinen Neigung zu Genoveva.[118] Als er aber das Lied
-des verstoßenen Liebhabers singen will, brechen ihm Thränen hervor;
-er wird sich seines inneren Zustandes bewusst, er fühlt bereits, dass
-dieses Lied ihm selbst gilt.[119] Genoveva, die Arglose, merkt nur eben
-eine Veränderung an Golo, die sie seiner treuen Sorge um Siegfried
-zuschreibt.[120] Die Leidenschaft des Unglücklichen wird zum zehrenden
-Feuer; er spricht sie aber noch immer nur in Liedern und versteckten
-Andeutungen aus, ohne den Namen seiner Geliebten zu verrathen.[121]
-Die verhaltene Leidenschaft weckt verzweifelte Stimmungen.[122] Das
-in Liedern verschleierte Liebesgeständnis entspricht (rein äußerlich
-genommen) dem ersten Antrage des Volksbuches. Tiecks Genoveva nimmt die
-Sache nicht ernst, sondern für poetische „Erfindung“, für „Schwärmerei“
-und lehnt sie als solche in sanfter Weise ab.[123]
-
-Indessen gesteht Golo seiner Amme Gertrud, was seine Seele foltert. Es
-ringen schon reine Liebe und Sinnlichkeit in ihm. Gertrud, die wir erst
-noch in der Balkon- und in einer Schloss-Scene als Vertraute Genovevas
-sahen, der diese ihr ganzes Herz enthüllte, zeigt sich nun plötzlich
-als halbe Kupplerin, was man von ihr nicht vermuthet hätte.[124] Eine
-halbe Kupplerin, -- denn Tieck sucht das Thun Gertruds mit ihrer
-närrischen Liebe zu ihrem Pflegesohne beiläufig zu motivieren und so
-das Abstoßende zu mildern. Darum erzählt die geschwätzige Amme auch
-mit so liebevoller, wortreicher Freude von Golos Jugend und von seinen
-Vorzügen.[125] Gertrud richtet Golo aus seiner dumpfen Stimmung zu
-neuem Muthe und neuer Hoffnung wieder auf und so ist denn auch der
-abermalige Angriff auf Genovevas Herz eingeleitet, der sich beim
-Betrachten des Bildnisses der Gräfin abspielt.[126] Das Bild gibt also
-Golo hier wie im Volksbuch die Gelegenheit zum zweiten Antrage. Auch
-bei Tieck besieht Genoveva „fürwitzig“ ihr Bild und Golo kommt von
-ungefähr dazu. Die entscheidende Stelle behandelt Tieck sehr genau nach
-der Vorlage. Im Volksbuche (Seite 7) fragt Genoveva, „ob er (Golo)
-vermeinte, dass diesem schönen Stück noch etwas abgehe?“ Da sprach
-er zu ihr: „Gnädige Frau, wiewohl diesem Bild keine Schönheit mag
-beykommen, so vermeine ich dannoch, es gehe ihm etwas ab, nemlich dass
-es lebendig sey, und mir eigentlich zustehe.“ Tieck, 187, 23:
-
- ~Genoveva~:
-
- „-- -- Zwar hat er mir geschmeichelt, aber sonst
- Scheint mir dem Bilde nichts zu fehlen.“
-
- ~Golo~:
-
- „Nichts?“
-
- ~Genoveva~:
-
- „Schaut es nur selber an.“
-
- ~Golo~:
-
- „Das geht ihm ab,
- Dass es nicht lebt und eigen mir gehört.“
-
-Während aber im Volksbuche Genoveva sich „im Antlitz ganz erzürnt“
-zeigt, fragt Tiecks Genoveva gar naiv: „Wie meint ihr das, wie kann ein
-Bildnis leben?“ Als Golo deutlicher wird, hält sie ihn für fieberkrank.
-Nach dem leidenschaftlichen Ausbruche seiner Empfindung erinnert sie
-ihn an Siegfried. (Im Volksbuch beim ersten und dritten Antrage.) Erst
-als Golo sie in seine Arme reißen will, benimmt sie sich ungefähr wie
-im Volksbuche.[127]
-
-Golo ist durch die Abweisung niedergeschmettert. Gertrud sucht ihm
-wieder Hoffnung zu machen.[128] Seelische und sinnliche Neigung
-steigern sich in ihm. Um die Abendmahlzeit erwartet er Genoveva
-im Garten, wie im Volksbuche. Sein hochaufstrebendes Liebesgefühl
-wird mehr und mehr von sinnlicher Sehnsucht erdrückt. Als Genoveva
-erscheint, wird Golo zuerst durch die Erinnerung an sein Benehmen in
-der Porträtscene in Schranken und Mäßigung gehalten.[129] Allmählich
-bricht sich die Leidenschaft wieder Bahn, erst nur in Worten andeutend,
-dann immer dringlicher und ungestümer. Genoveva, an der Tieck besonders
-eine naive, unschuldige Hilflosigkeit, einen Mangel an Verständnis für
-alles Schlechte herausarbeiten möchte, spricht von Golos Wahnsinn,
-von Siegfried, sie sieht sich erst einmal um Hilfe um, und nun
-endlich erfolgt die entschiedene Abweisung und Flucht. Jetzt flammt
-in Golo neben der Liebe Eifersucht und Rachsucht auf, durch Gertruds
-Einflüsterungen über Genoveva und Drago veranlasst.[130]
-
-Die Liebesverwickelung des Dramas folgt in ihrem äußeren Umrisse
-(in den drei Stadien) und in manchen Einzelheiten allerdings dem
-Volksbuche. Tieck schuf jedoch aus dem Rohstoffe hier etwas wesentlich
-Neues und dichterisch Höherstehendes. Aus der dreimaligen Wiederholung
-des nämlichen Antrages eines sinnlichen Gesellen sollte ein organisch
-wachsender psychischer Process mit leisen Übergängen, mit Motivierung
-der einzelnen Stufen sich entfalten. Der Golo des Volksbuches wird
-aus dem „treuesten Diener“, für den er wenigstens anfangs gilt, ohne
-weitere psychologische Aufklärung im Handumdrehen ein rabenschwarzer
-Bösewicht, der den Einsprechungen des Satans willig Gehör schenkt. So
-will es die drastische Holzschnittmanier des Volksbuches und so liebt
-es der einfache Volksbuchleser. Bei Tieck, dem feineren Kunstdichter,
-lernen wir zunächst einen Ritter voll bezaubernder Liebenswürdigkeit,
-einen Mann mit herrlichen geistigen und körperlichen Vorzügen kennen,
-den erst seine sündige Leidenschaft, nachdem er selbst ihr zu
-widerstehen versucht hat, zu Treubruch und Verbrechen führt.[131]
-
-Wenn bisher Tiecks Phantasie die mageren Skizzen des Volksbuches, wie
-wir zeigten, zu reichen bunten Gemälden erweiterte, so sehen wir hier
-den Dichter in anderer Weise poetisierend thätig. Das Rohmaterial wird
-umgeformt, die Charaktere psychologisch tiefer gefasst. Statt der
-plötzlich fertigen sinnlichen Leidenschaft ein schrittweises Entwickeln
-und Emporwachsen der Liebe von reiner unbewusster Neigung zum heftigen
-Sturm sinnlichen Verlangens. Im Volksbuch rückt Golo ohne Scheu direct
-mit seinen sündigen Anträgen heraus, bei Tieck schlägt er schüchtern
-allerhand Umwege ein. Der Satan flüstert ihm nicht mehr von außen böse
-Gedanken in die Seele, sondern er erwacht „als böser Geist“ in Golos
-Herzen und reißt ihn dem Untergang entgegen.[132] Golo selbst fühlt,
-dass „der wilde Satan“ ihm sinnliche Phantasien eingibt.[133] Die
-fortreißende verheerende Leidenschaft dünkt ihm ein „Höllenwerk“.[134]
-Was im Volksbuch nur wie eine äußerliche Maschinerie erscheint, wird
-vom Dichter seelisch vertieft und verinnerlicht und so zugleich
-menschlich erklärt.
-
-Das Volksbuch spricht wohl von einer Steigerung des sinnlichen
-Verlangens in Golo, das ihn zu seiner dreifachen Werbung treibt,
-aber es bleibt eine bloß quantitative Steigerung der sinnlichen Gier
-und die drei Anträge sind darum nichts weiter als eine Wiederholung
-der nämlichen Sache, wenn auch dabei die kleinen Nebenumstände
-wechseln. Anders wird das Ganze bei Tieck. Wenn hier die Liebe als
-reine seelische Neigung anhebt und erst allmählich sich die sinnliche
-Begierde eindrängt, wenn es in Golos Seele erst einen harten Kampf
-zwischen ehrfürchtiger Verehrung und niedrigem Verlangen gibt, bis
-die sinnliche Leidenschaft dem aufwärtsstrebenden Zuge des Gemüthes
-obsiegt, bis alles „geht bergunter zur Nacht hinunter“, so hat der
-Dichter damit eine innere Grundlage für einen dreifachen Liebesantrag
-gewonnen, der dann keine einförmige Wiederholung mehr ist. Zu dieser
-inneren Motivierung und Ausgleichung kommt noch eine äußere, das
-Eingreifen der Amme Gertrud in den Gang der Entwickelung, wie er oben
-geschildert wurde. Sie bestärkt Golo in seinen Irrgängen nicht aus
-Bosheit, sondern aus falscher Liebe. Golo lässt sich die Zweifel über
-das Recht seiner Liebe ausreden und ist nun nicht mehr allein schuldig.
-Diese Gestalt tritt im Volksbuch erst nach der Gefangensetzung
-Genovevas in Thätigkeit. Während man den Bösewicht Golo im Volksbuch
-von Anfang an verachten muss, gewinnt der ursprünglich gutgesinnte
-und herrliche Ritter, den seine unglückliche Liebesleidenschaft ins
-Verderben stürzt, unsere Theilnahme.
-
-Um diesen Entwickelungsgang in Golos Liebe zu ermöglichen, durfte
-Genoveva nicht das Wesen der Volksbuchheiligen beibehalten. Diese
-treue, strenge, energische Ehefrau, wie die Volksbuchlegende sie
-vorführt, würde ohne viel Umstände dem Liebeswerben Golos nach der
-ersten Annäherung ein jähes Ende bereiten, und jenes Austönenlassen
-der Liebesempfindung in allen Graden und sogar in ihrer Gegenwart
-selbst, darin sich Tiecks Golo gefällt, fände keinen Raum mehr. Für
-eine dramatische Concentration des Stoffes wäre gewiss ein einmaliger
-psychologisch motivierter Zusammenstoß wirksamer (Golos Leidenschaft
-könnte keimen und wachsen, ohne dass er ein Geständnis wagte): allein
-auf eine strenge Erfüllung dramatischer Anforderungen verzichtet Tieck
-in dieser Dichtung von vornherein.
-
-Die Umbildung, die sich Genoveva in Tiecks Phantasie gefallen lässt,
-gereicht ihr nicht ganz zum Vortheil. Sie muss sich (künstlerisch
-genommen) eben Golo fügen, der in diesen Partien des Buches als
-Alleinherrscher erscheint. Die strenge Frau des Volksbuches wird zu
-einem naiven, arglos unschuldigen, unentschiedenen, fast schwächlichen
-Wesen, jedoch zu einem Wesen von höchster Seelenreinheit, zu einem
-Wesen voll nichts ahnender Unschuld umgeschaffen, und aus ihrer
-kindlichen Herzensunschuld soll wohl ihre Arglosigkeit entspringen, aus
-dieser naiven Arglosigkeit ihr schier unbegreiflich gütiges, bis zur
-Schwäche nachsichtiges Benehmen gegen Golo. Ob es dem Dichter gelang,
-dies glaubhaft zu machen, ist noch eine Frage für sich. Übrigens
-hängt dieser passive Charakter Genovevas noch mit der eigenthümlichen
-Schleiermacher-Tieck’schen Religions-Auffassung zusammen.
-
-Das Charakteristische für diesen Theil der neuen Dichtung ist: Tieck
-nimmt für Golos Liebe aus der Vorlage das äußere Schema, hebt es aber
-dadurch zu feinerer poetischer Gestaltung empor, dass er es in eigener
-Weise vertieft und belebt und auch ethisch verständlicher macht.
-
-
-Genovevas Gefangennahme.
-
-_Volksbuch, 8 ff_. Genovevas Freundlichkeit gegen den frommen
-Küchenmeister Dragones benützt der rachsüchtige Golo als willkommenen
-Anlass, die Gräfin bei seinen Freunden zu verdächtigen. Golo bringt
-einige Diener auf seine Seite, schickt eines Tages Dragones, „den
-frommen Tropf“, in Genovevas Zimmer, ertappt ihn daselbst, beschuldigt
-ihn und Genoveva wegen dieses Vorfalles des Schlimmsten und spricht
-von Liebespulver, das der Koch der Gräfin beigebracht haben soll.
-Diese Verdächtigung spricht Golo den Dienern gegenüber aus, dann ruft
-er Dragones zu sich und lässt ihn nach einer längeren Anklagerede in
-den tiefsten Thurm werfen. Dragones beschwört wohl erschreckt seine
-Unschuld. Es nützt ihm nichts. Er muss in den Thurm und schließlich in
-der Haft zugrunde gehen. (Dass er vergiftet wird, erzählt das Volksbuch
-erst später.) Als Dragones todt ist, erhebt Golo seine Anklage gegen
-Genoveva und sperrt sie „bis auf weitere Ordre des Herrn Grafen“
-ein. Die Gefangennahme war „erbärmlich“ anzusehen. Die Unbild gieng
-Genoveva, der schwangeren Frau, zu Herzen, und sie klagte Gott ihre
-Unschuld.
-
-_Tieck_. Unser Romantiker verwendet alles Wesentliche auch für
-seine Darstellung der Rache Golos, jedoch mit mehreren Änderungen.
-Durch Gertrud wird Golo auf Drago aufmerksam gemacht und durch ihre
-Worte wird die Rache und Eifersucht auf den harmlosen Hausmeister
-hingelenkt.[135] Während Genoveva und Drago sich über die Bedeutung und
-christliche Auffassung der irdischen Leiden besprechen, werden sie von
-Golo und seinem Anhange überfallen. Dass Golo bereits Machinationen
-im Sinne der Volksbucherzählung angestellt hat, ersieht man aus ein
-paar unklaren Andeutungen.[136] Das lange, schwerfällige Hin und Her
-des Volksbuches, das dort die Einkerkerung der beiden einleitet und
-begleitet, lässt Tieck, der dramatischen Form seiner Dichtung Rechnung
-tragend, hier ganz gut fallen.
-
-Drago ist auch in Tiecks Dichtung ein „frommer, andächtiger“ Mensch,
-doch nicht gerade ein einfältiger „Tropf“, wie ihn das Volksbuch nennt.
-Er ist vielmehr lernbegierig,[137] er weiß seiner Gebieterin manches im
-Legendenbuche, sogar „lateinische Redensarten“ zu erklären[138] (etwas
-viel zwar für einen Koch auf einer mittelalterlichen Ritterburg) und
-pflegt mit ihr weitläufige religiös-didaktische Erörterungen.[139] Er
-ist geradezu an die Stelle des Kapellans getreten. Während Dragones
-im Volksbuch erst, als von Golos Rache die Rede ist, erwähnt wird,
-lässt ihn Tieck schon von Anfang an wenigstens nebenbei auf die
-Bühne treten. Auch hier erwirbt ihm seine Frömmigkeit die freundliche
-Geneigtheit Genovevas. Beim Überfall betheuert er auch verzagt und
-erschreckt seine Unschuld, wird aber in den Thurm geworfen und soll
-dort sein Grab finden.[140] Da Genoveva gleichzeitig eingekerkert wird,
-so muss sie in einen „andern Thurm“ wandern.
-
-Neu führt Tieck neben der Rachgier das Motiv der Eifersucht[141] ein,
-lässt es aber gleich wieder fallen. Im Volksbuch gewinnt Golo einige
-Diener für seinen Racheplan. Eine Spur davon blieb im Trinkgelde, mit
-dem Benno, der Helfershelfer, und die Dienerschaft von Golo bedacht
-werden.[142] Auch Tiecks Golo redet seinen zweifelhaften Anhang als
-„Freunde“ an und beruft sich auf seine Pflicht, die Ehre des Grafen zu
-schützen, auf seine Verantwortung, die er dem rückkehrenden Siegfried
-schulde.[143] Wenn es im Volksbuch „erbärmlich“ anzusehen ist, wie
-man die unschuldige Gräfin in die Gefangenschaft schleppt, so gibt
-uns diesen Eindruck auch das Gespräch zwischen Wendelin und Else
-wieder.[144] Genoveva sagt mit der hohen Sicherheit der Unschuld bloß
-zu Golo: „Du, Golo, weißt, ich brauch’ mich nicht zu schämen.“ Man
-erwartet, dass Genoveva für ihren unschuldigen Leidensgenossen ein Wort
-sprechen würde und umgekehrt. Von Benno, dem Echo Golos, hören wir,
-dass Genoveva „im Thurm bleiben wird, bis der Herr Graf wieder da ist,
-dann mag er sie richten“. Die Schwangerschaft Genovevas und das Betonen
-ihrer Unschuld kehrt bei Tieck in einer monologischen Klage wieder.[145]
-
-Tieck vereinfacht hier die unbeholfen weitläufige Erzählung der
-Vorlage. Dragones’ Gestalt wird gehoben. Gertrud greift in der Weise
-intriguierend ein, dass Golo wieder ein wenig von der Schuld entlastet
-wird. Die unerquicklich lange Geschichte der zweifachen Verhaftung
-wird dramatisch zu einer einzigen gleichzeitigen zusammengezogen. Der
-Kapellan ist todt, der alte Wolf krank, um Genovevas Hilflosigkeit ins
-stärkste Licht zu setzen. Im Unglück wird Tiecks Heilige, die erst noch
-schwächlich und willenlahm erschien, zur würdevollen Dulderin, die uns
-Rührung und Achtung einflößt. Hier wie sonst im Drama klingen (und das
-ist Tiecks Beigabe) die Geschicke der Hauptpersonen in den Nebenscenen
-nach und hier wie im vorhergehenden wechseln Kriegsscenen und
-Schloss-Scenen, das einemal contrastierend, das anderemal in Parallele
-gestellt.
-
-
-Genovevas Kerkerhaft.
-
-_Volksbuch, 11 ff_. In den Kerker Genovevas hat außer Golo nur dessen
-Amme Zutritt. Diese beiden sind es, welche der Gefangenen schwere Tage
-bereiten. Golo besucht sie und will sie durch jedes Mittel seinen
-Wünschen gefügig machen, durch gute und böse Worte, durch Verheißungen
-und Drohungen, durch Liebkosen und Schmeicheln. Aber umsonst! Einmal
-stößt ihn Genoveva „mit der Faust“ zurück und weist ihn, indem sie
-ihn an ihr Seelenheil erinnert, mit größter Entschiedenheit ab. Sie
-will lieber sterben, lieber im Kerker verfaulen, als den Wünschen des
-Verführers irgendwie entgegenkommen. An einer späteren Stelle heißt
-es, Genoveva sei „täglich von dem tyrannischen Golo mit Schmähworten
-gespeiset worden“. Um den Willen der Widerstrebenden doch zu beugen,
-dingt Golo noch seine Amme, die es an Zureden bei Genoveva nicht fehlen
-lässt. Die „lose Vettel“ schlägt der Armen auch jede Hilfeleistung
-für die bevorstehende Entbindung ab. Sie bringt Golo bald darauf die
-Nachricht, dass nunmehr zwei Gefangene im Thurme wären und sagt ihm vom
-Elende der Wöchnerin. Selbst bewegt durch diese Noth, sucht sie bei
-Golo einige Bequemlichkeit für die Unglückliche zu erbitten. Nur ein
-wenig mehr Wasser und Brot wird bewilligt.
-
-_Tieck_. Was Tieck in seiner Quelle vorfindet, verwertet er wieder
-alles ziemlich sorgfältig. Wir finden das einemal Golo bei Genoveva,
-wie er mit Bitten, Drohen und Verheißungen um ihre Neigung wirbt; aber
-von Genovevas Persönlichkeit überwältigt und zur Ehrfurcht gezwungen,
-entfernt er sich. Dieser schöne Zug, dass vor der hohen Seelenreinheit
-und heiligen Unschuld der sittenstrengen Frau der Begehrliche
-unwillkürlich zurückweicht, ist Tiecks Zugabe und dieser nämliche
-Gedanke schimmert auch sonst noch ein paarmal im Drama durch.[146] In
-einer anderen Scene tritt Golo höhnisch vor die Dulderin, auch wieder
-verheißend und bittend. Genoveva wehrt ihn mit kräftigen Worten ab,
-sie will lieber „sterben und verderben“, als ihm die geringste Gunst
-erweisen. Alles Drohen, Bitten und Klagen ist unnütz und da schließlich
-Genoveva den Bedränger zur Reue mahnt, verlässt er sie mit rohen
-Schimpfreden.[147]
-
-Während im Volksbuch die Amme erst an dieser Stelle erscheint,
-kennen wir Tiecks Gertrud bereits längere Zeit. Sie spielt hier der
-Gefangenen gegenüber fast die gleiche Rolle wie im Volksbuch. Sie
-sucht auch hier Genoveva im Sinne Golos zu bereden, wenigstens ein
-freundliches Wort für ihn zu erwirken.[148] Doch es geschieht hier
-nicht bloß in boshafter kupplerischer Weise, wie man es im Volksbuch
-wohl auffassen muss, sondern falsche Liebe und sträfliches Mitleid
-mit dem hinsiechenden Pflegesohne sprechen auch ein entscheidendes
-Wort mit. Der Wöchnerin wird zwar die nothwendigste Pflege ebenfalls
-verweigert, aber nicht auf Gertruds Anstiften. Diese weicht der Bitte
-Genovevas bloß aus. Die Nachricht von der Geburt des Kindes und der
-schlimmen Lage der Mutter überbringt Gertrud mit ganz ähnlichen Worten
-wie ihr Vorbild.[149] Das Mitleid mit der Hilflosen äußert sich bei
-Gertrud viel lauter und energischer, als bei der Amme im Volksbuch;
-jene widerliche „Vettel“ bekommt auch hier wie sonst ein menschlicheres
-Ansehen. Der Hinweis auf die Jagdhunde wird in Gertruds Bitte nicht
-vergessen. Durch das gesteigerte Mitleid vergütet Tieck einigermaßen
-den abstoßenden Eindruck, den das kupplerische Gebaren dieses Weibes im
-vorhergehenden Theile der Dichtung machte. Die Sachlage verschiebt sich
-ein wenig. Es erscheint nämlich bei Tieck Golo als der hartherzige.
-Er gewährt die Bitte der Amme nur, um die Lästige loszubekommen. Auch
-den Bitten und Zureden seines sterbenden Pflegevaters Wolf schenkt er
-kein Gehör und will nur seine Rache kühlen.[150] Die größere Rachsucht
-des verschmähten Buhlers soll der tieferen und heißeren Leidenschaft
-entsprechen. So deutet es Tieck selbst ungefähr an.[151] Dieser
-Gegensatz ist bedeutend und psychologisch richtig. Kriegsscenen sowie
-die Episode vom sterbenden Wolf treten wieder zwischen die Scenen der
-Haupthandlung.
-
-
-Golos Bericht an Siegfried.
-
-_Volksbuch, 15 ff_. Siegfried konnte von den Vorgängen auf seinem
-Schlosse bisher nichts erfahren, weil aus Furcht vor Golo es niemand
-wagte, ihm zu berichten. Siegfried muss auch seiner Wunde wegen länger,
-als er verhoffte, im Felde bleiben. Zwei Monate nach der Geburt
-Schmerzenreichs sendet Golo einen Diener zu Siegfried mit einem Briefe,
-dessen Inhalt das Geschehene verleumderisch andeutet. Die Wunde des
-Grafen verschlimmert sich darüber. Der Diener berichtet ausführlicher,
-wie Genoveva mit dem Koche verdächtige Gemeinschaft hatte. Öftere
-Ermahnungen hätten nichts gefruchtet. Darum mussten beide eingesperrt
-werden. Auch das Kind wird von den Hofleuten dem Koch zugeschrieben.
-Ein Monat sei ja erst seit der Geburt desselben verflossen und der Graf
-ist bereits eilf Monate fort. Siegfried wüthet und lästert auf Genoveva
-und den Koch. Nach langem Besinnen gibt er den Befehl, die Gräfin von
-allem Verkehre abzuschließen und den Koch „unter verdienten Martern“
-zu tödten. Mit diesem Befehle kommt der Diener zu Golo. Der Koch
-wird vergiftet und sammt seinen Ketten in einer abscheulichen Grube
-vergraben. Genoveva ist ohnehin schon im engsten Gewahrsam. Golo aber
-fürchtet entdeckt zu werden, falls Genoveva am Leben bleibt. Denn viele
-am Hofe missbilligen sein Thun.
-
-_Tieck_. Tieck schaltet vor der Absendung des Boten noch Genovevas
-Klage im Gefängnisse, sowie Heinrichs des Schäfers Hochzeit als
-Contrast-Episoden ein.[152] Dann hören wir Golos Auftrag an Benno.[153]
-Dieser soll die seit Genovevas Niederkunft verflossene Zeit falsch
-angeben. Eine kurze Klage Grimoalds um seinen gefallenen Sohn[154]
-leitet vom Hause zum Lager über. Hier sehen wir die Wirkung der
-Botschaft auf Siegfried, die sich, wie im Volksbuche, in einer
-Verschlimmerung der Wunde äußerlich zeigt. Auch Benno bedauert, wie
-der Diener im Volksbuche, solch schlimme Botschaft bringen zu müssen.
-Auch Tiecks Siegfried wüthet: „O schmachvoll Weib, o heuchlerische
-Schlange...“ Den Inhalt des Briefes im Volksbuch (Golo fürchtet
-Siegfried zu betrüben. -- Alle Hausgenossen haben umsonst sorgsam
-gewacht, wie die gräflichen Verwandten bezeugen können. -- Der Bote
-wird glaubwürdig berichten. -- Der Graf möge seinen Willen kundthun)
-verwendet Tieck dramatisierend für Bennos Reden. Siegfried hat zu wenig
-aus dem Briefe erfahren. Das motiviert den Bericht Bennos, der die
-wesentlichen Punkte der falschen Anklage wie im Volksbuche wiedergibt
-und dazu noch das (im Volksbuche früher erwähnte) Liebespulver
-fügt.[155] Die raffinierte Art, wie Benno durch seine Erzählung
-Siegfrieds Entrüstung steigert und in diese Scene wirklich dramatisches
-Leben bringt, ist Tiecks Eigenthum. Drago soll „nach dem Gesetze“,
-nicht unter Martern sterben. Siegfried gibt in seinem Zorne ohne langes
-Besinnen den Befehl zu Dragos Hinrichtung und Genovevas strengem
-Gewahrsam. Wir erfahren noch von Golos Besorgnis vor Siegfrieds
-Rückkehr. Auch manche Hofleute sind mit ihm unzufrieden. Gertrud räth,
-ihre Schwester, die Zauberin in Straßburg, zuhilfe zu nehmen, um
-Siegfried gründlicher zu bethören. Diese Scene muss zugleich die Zeit
-der Rückreise Bennos ausfüllen helfen. Nach dieser Abmachung wird Drago
-hinter der Scene vergiftet.[156] Die Hauptpunkte stimmen also mit der
-Vorlage. Rohes und Hässliches wird gemildert. Einzelne Züge werden
-geschickt an eine andere, dramatisch tauglichere Stelle gerückt.
-
-
-Bei der Hexe in Straßburg.
-
-_Volksbuch, 18 ff_. Golo reitet Siegfried bis Straßburg entgegen
-und sucht hier zuerst die Schwester seiner Amme, ein scheinheiliges
-Weib und Hexe ihres Zeichens, auf. Diese wird von Golo bezahlt, um
-Siegfried „ein Gespenst daher zu machen“. Bei Siegfried erzählt Golo
-wieder seine Lügengeschichte und stellt sich schmerzlich berührt über
-das Unglück, das seinen Herrn getroffen. Er hat den Koch heimlich
-hinrichten lassen, um die Schande der Gräfin mehr zu verdecken. Der
-Graf glaubt den Aussagen nicht ganz sicher. Golo weist ihn daher an die
-„heilige Matrone“. Bei Anbruch der Nacht begeben sich beide dorthin.
-Siegfried richtet seine Frage an die Alte. Die Hexe stellt sich recht
-demüthig an und führt ihre Gäste in einen dunkeln Keller, „in welchem
-ein grünes Licht brennete, so einen blauen Schein von sich gab“. Die
-beiden Männer treten in zwei gezogene Kreise, die Hexe murmelt über
-einem Spiegel, der im Wasser liegt, geheime Worte, macht wunderbare
-Segen und anderen Zauberhocuspocus, so dass Siegfried dabei ein Schauer
-anfasst. Sie lässt ihn im Spiegel den Ehebruch seiner Gattin sehen,
-der sich in drei Stadien entwickelt: freundliches Reden und Liebkosen,
-Wangenstreicheln und Küssen, endlich das Schlimmste selbst. Siegfried
-erröthet für Genoveva. Er „speyete gleichsam Feuer“ und schickt Golo
-mit dem Auftrag fort, Genoveva und ihr Kind eines schändlichen Todes
-sterben zu lassen. Nach Golos Heimkehr verräth das Töchterchen der Amme
-der gefangenen Genoveva durchs Kerkerfenster ihr bevorstehendes Los und
-bringt der unschuldig Verurtheilten Feder und Tinte, womit diese den
-Reinigungsbrief schreibt.
-
-_Tieck_. Schon bei der Berathung Golos mit Gertrud hörten wir von
-Winfreda, der Schwester Gertruds. Es heißt, dass sich diese Hexe auf
-Künste verstehe, bei denen „sich die Haare aufrichten“. Diese soll
-Siegfried „ein Blendwerk vormachen“. In Straßburg sehen wir, wie Golo
-die Hexe durch Geschenke für sich gewinnt und (seltsamerweise) sich
-selbst Aufschlüsse über seine Herkunft geben lässt, also an ihre Kunst
-glaubt.[157] Dann geht er wie im Volksbuch zu Siegfried, der den
-Nachrichten über Genoveva nicht ganz traut. Tieck scheint wieder Golo
-entlasten und die Schuld auf andere wälzen zu wollen. Golo, auch hier
-wie im Volksbuch, voll heuchlerischer Theilnahme, berichtet Dragos
-Hinrichtung wie in der Legende und weist zur vollen Beglaubigung
-seiner Aussagen Siegfried an die Weissagerin. Siegfried äußert
-religiöse Bedenken gegen die Zauberei, über die ihn Golo beschwichtigt.
-Mit Anbruch der Nacht begeben sich beide zur Hexe.[158] Siegfried
-behandelt sie als eine „heilige Frau“. Sie stellt sich demüthig und
-bei ihren geheimnisvollen Reden erfasst den Grafen ein Schauer, es
-sträuben sich seine Haare. Er trägt seine Bitte vor. Er bekommt auch
-im Spiegel das Verlangte zu sehen. Dieser Zauberspiegel liegt hier
-nicht im Wasser, sondern „hängt an seinem Orte“. Nachdem die Hexe ihre
-Formeln gesprochen hat, sieht Siegfried die nämlichen Vorgänge wie
-im Volksbuche abgespiegelt: freundliches Gespräch, Wangenstreicheln,
-„Niedersinken in die Laube“. Auch hier muss Siegfried für Genoveva
-erröthen. Es folgen Siegfrieds Zorn und der Befehl, Genoveva sammt dem
-Kinde zu tödten. (Der „schändliche“ Tod fällt bei Tieck weg.)[159]
-
-Tieck gibt zur Erzählung der Legende nur den mysteriösen Inhalt der
-Zaubersprüche, einige andere geheimnisvolle Reden der Hexe, Siegfrieds
-Bedenken gegen die Zauberei, Golos Frage nach seiner Herkunft und eine
-phantastischere Decoration des Hexen-Haushaltes hinzu. Sehen wir noch
-vom Hängen des Zauberspiegels ab, so folgt alles übrige der Vorlage.
-
-Nach Golos Heimkunft weint im Drama wie im Volksbuch das Töchterlein
-der Amme vor dem Kerkerfenster am Thurme und kündigt der Gefangenen
-ihr Schicksal an. Diese erbittet sich Papier und Tinte, um ihren
-Reinigungsbrief zu schreiben, dessen Inhalt das Volksbuch an dieser
-Stelle, Tieck später bei der Auffindung des Briefes durch Siegfried
-mittheilt.[160] Die Klage Genovevas im Volksbuche fehlt bei Tieck.
-
-
-Genoveva und die Mörder. -- Ihre Rettung.
-
-_Volksbuch, 22 ff_. Golo gibt früh morgens zweien von seinen treuesten
-Dienern den Befehl, Genoveva und ihr Kind zu tödten. Sie soll in den
-Wald geführt und als Wahrzeichen der vollführten That sollen Augen und
-Zunge zurückgebracht werden. Die genaue Ausführung seiner Anordnung
-verspricht Golo zu belohnen, die Vernachlässigung strengstens zu
-bestrafen. Die Diener führen das „unschuldige Schäflein“ und das
-„unschuldige Lämmlein“ in den Wald hinaus. Genoveva beklagt den frühen
-Verlust ihres Kindes. Die Diener sind dabei so gerührt, dass sie sich
-schweren Herzens an ihr Werk machen. Genoveva darf sich aber erst noch
-zum Tode bereiten. Während sie im Gebete kniet, wollen die beiden das
-Kind umbringen. Genoveva springt auf, hält sie zurück und verlangt,
-zuerst sterben zu dürfen. Sie zeigt aber den Beiden Mördern auch das
-Verwerfliche ihres Vorhabens, da sie unschuldiges Blut vergießen
-wollen. Beide fühlen sich durch Genovevas Worte so getroffen, dass sie
-der Unschuldigen das Leben schenken gegen das Versprechen, dass sie
-beständig im Walde bleibe. Als falsche Wahrzeichen des vollführten
-Mordes bringen sie Augen und Zunge eines Windspieles heim. Golo lässt
-die „Hurenaugen“ den Hunden vorwerfen.
-
-_Tieck_. Im Drama ist wieder das Meiste beibehalten, nur einzelne
-Änderungen und Erweiterungen gestattet sich der Dichter. So müssen
-sich die beiden Mörder erst Muth antrinken: ein realistisch gehaltenes
-Motiv, wie es sonst nicht oft in der „Genoveva“ begegnet. Das Ganze
-wickelt sich auch bei Tieck früh morgens ab, nur wird hier ein trüber
-Herbstmorgen zugleich stimmungsvoller Hintergrund; denn hier wie sonst
-ist Tiecks Verhältnis zur Natur und ihrer Stimmung ein ganz eigenes,
-während das Volksbuch sich für eine sentimentale Naturauffassung
-nirgends interessiert.[161] Wir erfahren die Wegführung Genovevas aus
-Wendelins und Elsens Gespräch.[162] Was das Volksbuch hier von der
-Rührung beider Mörder sagt,[163] gilt nur von einem bei Tieck, von
-Grimoald mit dem weichen Gemüthe; dieser muss erst den rohen Benno
-von seinem Vorhaben abbringen: das Einfache wird differenziert und
-ein Contrast herausgearbeitet. Genovevas Rechtfertigungsrede ist
-bei Tieck sehr breit behandelt. Das Kind wird auch hier das „liebe
-Lamm“ genannt.[164] Ein wesentlicher neuer Zug an Tiecks Golo ist es,
-dass dieser in den Wald nacheilt, um Genoveva zu retten und über die
-vermeintlich geschehene That ernste Reue zeigt; das Volksbuch weiß
-nichts von einer Reue Golos. Das rohe Gebot Golos, die Augen den Hunden
-vorzuwerfen, lässt Tieck dementsprechend weg. Grimoald mag nimmer im
-Lande bleiben, in dem so schlimme Dinge geschehen.[165] Das Wichtigste
-ist in diesem Abschnitt, dass uns Golo wieder menschlich nähergebracht
-werden soll. Er, der uns durch Härte und Roheit schon beinahe abstieß,
-bekommt wieder ein paar Lichtseiten.
-
-Während das Volksbuch nach dem Gerichte über Genoveva ohne
-Unterbrechung die siebenjährige Verbannung im Walde schildert,
-nimmt Tieck nur ein kleines Stück davon voraus, um die Pause bis zu
-Siegfrieds Heimkunft auszufüllen. Wir werden zugleich über Genovevas
-Schicksal beruhigt, nachdem unsere Theilnahme schon den Höhepunkt
-erreicht hat, und wir werden durch das Wunder mit der Hirschkuh auf
-weitere Wunder vorbereitet. Die tragische Periode erhält nach dem
-Ausspruche eines befreundeten Kritikers so ein „rührendes Ende“.[166]
-Alle Erlebnisse der ersten Tage in der Einsamkeit, wie sie die
-Legende erzählt, verwebt Tieck in den Monolog Genovevas. Tiecks
-charakteristische Zugabe ist Genovevas Anruf an die Natur.[167]
-
-
-Siegfrieds Reue.
-
-_Volksbuch, 41 ff_. Statt die Erzählung des einsamen Lebens
-fortzusetzen, wie das Volksbuch thut, führt das Drama die Ereignisse
-nach Siegfrieds Heimkehr vor. Wir müssen daher zum Vergleiche den
-Anfang des folgenden Abschnittes der Legende vorausnehmen. Siegfried
-bekommt etliche Tage nach der Rückkehr Gewissensbisse darüber, dass
-er Genoveva ungerecht ohne Richterspruch verurtheilt habe. Im Traume
-sieht er, wie ein Drache sein geliebtes Weib entführt und das verstärkt
-seine Reue. Golo deutet den Traum mit Benützung des Namens „Dragones“
-auf den Koch und sucht Siegfried aus seinen melancholischen Träumen
-aufzurütteln. Dazu veranstaltet er allerlei Kurzweil, wie Jagen,
-Rennen, Gastereien, Tanz und Besuch von Freunden. Doch alles dies
-kann Siegfrieds Herzenswunde nicht heilen. Nun findet der Graf noch
-Genovevas Brief, dessen Inhalt ihn mit großem Herzeleid erfüllt und er
-hätte Golo im Zorne getödtet, wenn dieser nicht eben auf einige Tage
-sich entfernt hätte. Hernach weiß der Arglistige wieder den Grafen zu
-seinen Gunsten umzustimmen. Doch gelingt dies nicht auf die Dauer, so
-dass es Golo am Hofe unheimlich zu werden anfangt und er aus dem Lande
-flieht.
-
-_Tieck_. Das Volksbuch ist für alles Wichtigere im Drama der
-Ausgangspunkt. Siegfrieds Reue, sein Traum, Golos Deutung desselben,
-sowie sein Bemühen um Siegfrieds Zerstreuung: alles kehrt auch bei
-Tieck wieder.[168] Um die Art der Wiederauffindung Genovevas anzudeuten
-und aus besonderer Vorliebe für die dichterische Schilderung freier
-Waldnatur sucht sich der romantische Dichter von den verschiedenen
-Belustigungen gerade die Jagd heraus, um sie in eigenen Scenen zu
-entfalten.[169] Tieck eigenthümlich ist die Art, wie Golo während der
-lustigen Jagd in schmerzliche Erinnerungen an der Stelle versinkt,
-wo „Genovevas Augen und Zunge“ begraben sind.[170] Allein dieser Ort
-ist für die ernste, wehmüthige Empfindungsaussprache kaum glücklich
-gewählt. Das schöne, alte, poetische Motiv von Blumen, die an der
-geliebten Stelle aufsprießen, bekommt einen Stich ins Komische, wenn
-wir wissen, dass nur Augen und Zunge eines untergeschobenen Vierfüßlers
-hier begraben liegen. Die Flucht Golos mit Benno wird erst beschlossen
-und dann wirklich ausgeführt,[171] aber es ist nicht eine Flucht
-„außer Landes“, sondern in echt romantischer Weise eine Flucht in die
-verlassenste Waldeinsamkeit.
-
-Auch bei Tieck findet Siegfried vorher den Brief seiner Gattin, der in
-Form eines Sonettes abgefasst ist, den -- und das ist dramatisch gut
-berechnet -- Golo selbst lesen muss. Der Inhalt stimmt im wesentlichen
-mit der Vorlage. (Abschiednehmen. -- Unschuldbetheuerung. -- Verzeihen
-der erlittenen Ungerechtigkeit. -- Die Irreführung durch einen bösen
-Mann hat alles verschuldet.) Golos Entschuldigung ist dieselbe wie
-im Volksbuche, nur etwas ausführlicher. Siegfried lässt sich hier
-wie in der Legende recht schnell umstimmen.[172] Golo flieht in sein
-Waldversteck.
-
-
-Die sieben Jahre.
-
-Die Erlebnisse Siegfrieds und Genovevas innerhalb dieser Jahre lässt
-Tieck durch den heil. Bonifacius episch berichten.[173] Hier folgt
-Tieck fast überall auf das genaueste der Erzählung des Volksbuches,
-einmal, weil ihn Inhalt und Erzählung der Vorlage besonders ansprachen,
-wie er selbst andeutet, und weil ferner die epische Technik weit
-weniger Änderungen forderte als die dramatische. Zuerst lässt Tieck
-seinen heil. Bonifacius erzählen, was auf dem Schlosse Siegfrieds
-vorgieng. Dragos Geist erscheint nächtlicherweile dem Grafen und
-führt ihn unter schaurigen Geberden in den Zwinger der Burg, wo der
-Leichnam des Gemordeten eingescharrt worden war. Siegfried lässt die
-irdischen Reste Dragos an einem angemesseneren Orte zur Erde bestatten
-und Seelenmessen für den Verstorbenen lesen, dessen Geist nun Ruhe
-findet. Siegfried erkennt aus dem ganzen Vorgange, dass Genoveva
-und Drago unschuldig sind. Tieck folgt in der Schilderung dieser
-Vorgänge allenthalben, selbst in den Nebenumständen, der Erzählung des
-Volksbuches. Nur das Schlagen des Geistes an die Thür und sein Auf- und
-Abgehen im Zimmer Siegfrieds wird -- vielleicht als ungespenstisch --
-weggelassen. Und während Dragos Leichnam nach dem Volksbuch in einer
-„abscheulichen“ Grube verscharrt wurde, gibt Tieck als Ort den Zwinger
-an.
-
-Mit der Erwähnung von Genovevas Unschuld führt uns der Dichter in
-einem äußerlichen Übergange zur Verbannten selbst in die Wüste, um uns
-ihre und ihres Kindes Geschicke durch den heil. Bonifacius erzählen
-zu lassen. Ihre Leiden und Entbehrungen, die himmlischen Wunder und
-Tröstungen, der trauliche Verkehr Schmerzenreichs mit den Waldthierlein
-und die frommen Gespräche zwischen Genoveva und Schmerzenreich, alles
-wird Zug für Zug im Anschluss an das Volksbuch dargestellt. Ganz
-wenig nur wird von Tieck abgeändert. Das Volksbuch erwähnt z. B., dass
-Schmerzenreich sich bald seines traurigen Daseins bewusst wurde und mit
-der Mutter weinte: Tieck übergeht diesen Zug. Dafür gestaltet er das
-wunderbare Begebnis mit dem himmlischen Crucifix, das die Hand nach
-Genoveva ausstreckt, dadurch reicher, dass er während des Wunders einen
-unsichtbaren Chor, wie aus Engels Mund, singen lässt. Dieses Wunder
-nimmt eben eine poetisch weit höhere Stellung ein, als jenes natürlich
-alltägliche Ereignis. Tiecks Erweiterung sind auch die zwei Strophen,
-mit denen Bonifacius seine Erzählung einleitet[174] und ebenso drei
-Strophen der Trostrede, die Christus an Genoveva richtet.[175] Für
-die didaktische und moralisierende Anrede an den Leser: „O laß uns
-alle diesen Wandel führen...“ fand Tieck an einer anderen Stelle des
-Volksbuches Anregung und Vorbild, nämlich in dem Gebete: „O gottseelige
-Genoveva!... Ach theile mit mir deine Reinigkeit, und erwerbe mir bey
-Gott, deiner Tugend nachzufolgen.“[176]
-
-Der letzte Theil der epischen Einschaltung, die Bonifacius vorträgt,
-beschäftigt sich mit Schmerzenreich und nach dem Abgehen des Rhapsoden
-folgt ein religiöses, erbauliches Gespräch zwischen Genoveva und dem
-Kinde. Auch hier wird alles beibehalten, was Tieck in der Vorlage fand.
-Die Abweichungen von der Legende zeigen sich nur in geringfügigen
-Nebendingen und es ist nicht ausgeschlossen, dass auch der Reim der
-achtzeiligen Stanze an solchen kleinen inhaltlichen Verschiebungen
-schuld ist. Wie enge sich hier Tieck stellenweise an die Vorlage
-anschließt, mag ein Beispiel zeigen. S. 37 f. erzählt das Volksbuch:
-„Es fiengen auch die wilden Thiere von selbiger Zeit an mit ihnen gar
-gemein zu werden; daher sie täglich zu ihnen kamen, und dem lieben
-Kind manche Kurzweile machten; er ritte vielmal auf dem Wolf, der ihm
-das Schaafsfell gebracht hatte, und spielte oftmals mit den Haasen
-und anderen Thieren, so um dasselbige herumliefen. Die Vöglein flogen
-ihm gewöhnlich auf die Hand und Häuptlein, und erfreueten Kind und
-Mutter mit ihrem lieblichen Gesang. Wenn das Kind ausgienge, für die
-Mutter Kräuter zu suchen, so liefen unterschiedliche Thiere mit ihm,
-und zeigten ihm mit ihren Füssen, welches gute Kräuter wären. Es
-hatte auch die fromme Mutter große Freude in seiner Konversation, und
-verwunderte sich vielmal über seine weislichen Fragen und Antworten;
-sie lehrte ihn auch das Vater Unser und andere Gebetlein beten“, etc.
-Die entsprechenden Strophen bei Tieck lauten:
-
- „Es wurde auch das Wild zur selben Zeit
- Mit ihnen gar vertraulich und gemein,
- Das liebe Kind hat daran manche Freud’,
- Daß sie um ihn so schön ergötzlich sein.
- Er ritt auf seinem Wolf gar oftmals weit
- In Wald, die Hasen liefen hinterdrein,
- Die Vöglein sich auf Hand und Häuptlein schwungen,
- Erquickten ihn und sie, so wie sie sungen.
-
- Ging’s Kindlein aus, um Kräuter aufzulesen,
- So liefen auch die frommen Tierlein mit,
- Und zeigten ihm die guten von den bösen
- Mit ihren Füßen, folgten jedem Schritt:
- Dann kehrt’ er freudig, war er ausgewesen,
- Und brachte seiner Mutter Essen mit,
- Dann lehrte sie ihn Vater Unser sagen,
- Liebkosend in den schönen Sommertagen.“[177]
-
-Reim und Strophenform bedingen hie und da kleine inhaltliche
-Änderungen, besonders Erweiterungen. Das lässt sich schon am
-beigebrachten Beispiele verfolgen und das gilt auch für das
-darauffolgende Gespräch zwischen Genoveva und Schmerzenreich. Daraus
-erklärt sich die breitere Schilderung der himmlischen Freude und des
-irdischen Leidens. Die Endstrophe bringt nichts Neues, sie soll nur den
-Scenenschluss rechtfertigen. Mit der dramatischen Darstellung beginnt
-auch wieder der freie Scenenwechsel, welcher synchronistisch die
-Ereignisse auf Siegfrieds Schloss und in Genovevas und Golos einsamer
-Behausung nebeneinander hergehen lässt.
-
-
-Das Bekenntnis der Hexe
-
-_Volksbuch, 47 ff_. Nach einigen Jahren (d. i. einige Jahre nach der
-Erscheinung von Dragos Geist) wird die Straßburger Hexe gerichtlich
-eingezogen und sie legt vor ihrem Tode das Bekenntnis ab, dass sie
-Siegfried betrogen habe. Der Schmerz des Grafen erwacht bei dieser
-Nachricht mit furchtbarer Heftigkeit und bringt in Siegfried den
-Entschluss zur Reife, Golo zu bestrafen.
-
-_Tieck_. Das Hexengericht wird in Tiecks Darstellung nur wenig
-verändert, und zwar zu Gunsten der dramatischen Form. Siegfried
-ist hier selbst der Richter. Wir erfahren vom Verhöre der Hexe wie
-von Siegfrieds Gemüthszustand. Nur widerwillig lässt dieser die
-Verurtheilte noch ein zweitesmal vor sich kommen, eingedenk der
-Ungerechtigkeit, dass er einst Genoveva und Drago nicht einmal
-angehört hatte. Das Geständnis der Hexe, das Genovevas Unschuld
-bezeugt, wird wie im Volksbuch behandelt; nur dass es von Winfreda vor
-Siegfried selbst abgelegt wird. Dieser wüthet vor Schmerz und will nun
-endlich gegen Golo ernstlich vorgehen. Im Volksbuch wird uns nur ein
-Bericht aus der Ferne über die Hexe erstattet, Tieck gibt dem Ganzen
-dramatische Gegenwart und schafft einen wirksamen Gegensatz, indem er
-Siegfried selbst, der einst der Hexe wie einer Heiligen geglaubt, über
-diese Gericht halten lässt. Also hier ein ähnliches Confrontieren wie
-bei Golo, der den Reinigungsbrief selbst vorlesen muss.
-
-
-Genovevas Krankheit.
-
-_Volksbuch, 40 f_. Ungefähr gleichzeitig mit dem Hexenprocesse fällt
-Genoveva in eine schwere Krankheit. Zwei Engel bringen ihr wunderbare
-Heilung.
-
-_Tieck_. Das Drama behält das Ganze bei, einiges etwas erweiternd.[178]
-Hier legt Tieck Schmerzenreich das Verlangen in den Mund, mit in den
-Himmel reisen zu dürfen, wie zu Anfang des Dramas Genoveva von ihrem
-ausziehenden Gatten sich nicht trennen wollte. Wie Füllsel, um die
-Stanze fertig zu bringen, sehen manche Verse aus.[179] Unpassend, weil
-unmotiviert, ist die Furcht des Kindes: es möchte, wenn die Mutter fort
-ist, „verkehrt“, „gottlos“, „ungezogen“ werden.[180] Neu erscheint
-bei Tieck die Einführung des Todes als allegorischer Gestalt und die
-Danksagungsstrophen nach der Genesung, sowie der kindliche Gesang der
-beiden „Flügelkinder“. Mit Ausnahme dieser Kinderverse, welche die
-Englein singen, stolziert die ganze Scene in prunkenden Stanzen daher.
-
-
-Golo in der Einsamkeit. -- Siegfrieds Einladung.
-
-Wie das Volksbuch (48 ff.) nach dem Hexengericht sich wieder zu Golo
-wendet, so führt uns Tieck nach der wunderbaren Rettung Genovevas aus
-der Krankheit zurück zu Golo, der in der Verbannung lebt. Allein für
-die Nachtscene im Waldgebirge,[181] wohin Golo geflohen ist, wo er
-in dunklen Worten von seiner Seelenstimmung spricht und in lebhafter
-Erinnerung an Genoveva über deren vermeintlichen Mörder Benno derart
-ergrimmt, dass er ihn vom Bergesgipfel in die Tiefe stößt, konnte
-Tieck in seiner Vorlage nichts finden. Dass ein gewisser Verkehr
-zwischen Golo und Siegfried noch besteht, erfahren wir im Volksbuch
-wie im Drama. Begründet ist derselbe nirgends. Die Contrastfigur des
-nächtlichen Pilgrims, der Wallfahrtsörter und Wunderbilder besucht
-und seine Jugend bereut, während Golo jetzt nur mehr überall ein
-Walten des unabwendbaren Schicksals sieht, ist Tiecks Zugabe an
-dieser Stelle. Später übernimmt dieser Pilgrim die Rolle jenes Engels
-in Pilgrimskleidern, von dem die Legende erzählt. Oder richtiger
-gesagt, die Rolle des Pilgrims im Volksbuch wird von Tieck nach
-vorne erweitert, sowie die Rollen Dragos und Gertruds. Die Einladung
-Golos an Siegfrieds Hof erscheint im Volksbuch als ein Anlocken des
-„listigen Fuchses“. Bei Tieck ist es auch ein Herbeilocken durch
-Siegfrieds Briefe und verstellte freundliche Botschaft. Allein diese
-leicht zu durchschauende Einladung würde auf Tiecks Golo den Eindruck
-verfehlen, wenn nicht das sehnsüchtige Heimweh und der Wunsch, als
-Einsiedler an der Stätte zu wohnen, wo Genoveva begraben liegt, sein
-Gemüth mit tiefer Gewalt erfasste.[182] In einem Monologe bezeichnet
-Golo den Pilgrim als ein himmlisches Wesen und staunt darüber, wie
-dieser die verborgensten Dinge und Gedanken wisse. Unabhängig von der
-Legende führt hierauf Tieck seinen schwermüthigen Ritter auf dem Wege
-zu Siegfried mit dem Schäfer Heinrich zusammen,[183] den innerlich
-Verstörten mit dem harmlos Glücklichen, dem übrigens Golo selbst zu
-seinem Glücke verhalf. (Tragische Ironie und Contrast.) Heinrichs
-Kind fürchtet sich instinctiv vor Golo. Wehmüthige Erinnerung an die
-Vergangenheit klingt leise durch die ganze idyllische Scene. Während
-das Volksbuch nur kurz und trocken von den Geschehnissen berichtet,
-benützt Tieck in diesem Abschnitte jede Gelegenheit zum Ausmalen
-verschiedener Stimmungsbilder. Den Gang der Begebenheiten „sollte ein
-Spiel der Empfindungen entfaltend begleiten“, wie in der „Magelone“.
-
-
-Die Jagd. -- Das Wiedersehen.
-
-Das Volksbuch behandelt die Jagd, welche Siegfried und Genoveva
-wunderbar zusammenführt, ganz prosaisch als Mittel, um Wildbret für
-ein kommendes Fest zu beschaffen und dabei findet man zufällig den
-Aufenthalt der Todtgeglaubten. (S. 50.) Tieck macht die nämliche
-Sache poetisch beziehungsreicher, da bei ihm die Jagd eigentlich Golo
-gilt und mit ihm zugleich das noch edlere Wild erbeutet wird. Tiecks
-Freude an der Scenerie zeigt sich auch hier wie bei den Kriegsscenen,
-indem er zwei Scenen hintereinander folgen lässt, die eben nichts als
-Jagdbilder sind.[184] Golo fühlt sich in der That als gehetztes Wild
-bei Tieck, während er in der Legende bis zur Auffindung Genovevas
-einfach ganz verschwindet. Die äußeren Vorgänge beim Zusammentreffen
-Siegfrieds mit Genoveva wickeln sich im Volksbuch und Drama ganz gleich
-ab.[185] Von den Einzelheiten der Legende wird nur höchstens ganz
-Unbrauchbares, wie die „Kutsche“, welche Genoveva nach dem Schlosse
-führt, ausgeschieden und der schwer denkbare Sturz Siegfrieds vom
-Pferde auf die Knie abgeändert. Die „Ehrfurcht vor der Heiligen“, von
-der das Volksbuch spricht, äußert sich bei Tiecks Siegfried in der
-Scheu, Genoveva mit „Du“ anzusprechen. Bei Tieck bittet Siegfried,
-der seinen Gefühlen in langen Reden Ausdruck gibt, auch noch sein
-Kind um Verzeihung. Das Kosewort „herzgoldenes Kind“ des Volksbuches
-nimmt Tieck auf, steigert es zum „herzgüldenen Herzenskind“. Siegfried
-ergreift die Erinnerung an die alte Zeit. Er sucht Theilnehmer für
-seine neubelebte Freude. Darum (Tiecks poetische Motivierung) ruft er
-durch einen Hornstoß die Genossen zusammen. Golo sitzt unterdessen
-tiefdenkend um die Felsenecke und kümmert sich um nichts. Er wird
-gerufen, er glaubt „zu träumen“ und fleht Genoveva um Gnade an. Golo
-ist hier ganz weichfühlender Mensch und kein satanischer Bösewicht.
-Durch diese kleinen Zuthaten seelischer Art bekommt die Scene bei
-Tieck ein eigenes poetisches Colorit. Genoveva wird nun in einer
-Sänfte auf das Schloss getragen. Die Freude über die Wiedergefundene
-findet vielstimmigen Ausdruck bei Dienern, Kindern und Zuschauern. Das
-Motiv vom weggeworfenen und wunderbar wiedergefundenen Trauring nimmt
-Tieck genau aus dem Volksbuch, lässt es aber in der Ausgabe von 1820
-wieder weg. Die Magenbeschwerden Genovevas infolge ihrer langjährigen
-Wurzelkost, die das Volksbuch so pietätvoll erzählt, beseitigt Tieck
-mit Recht.
-
-
-Das Gericht über Golo.
-
-Den äußeren Verlauf der Scene bestimmt die Legende. Tieck beseitigt
-aber den grässlichen Schluss. In der Legende wird Golo von Ochsen
-zerrissen. Im Drama wird nur eine „Marter“ angedroht, aber auf
-Genovevas Fürbitte hin erlassen.[186] Jedoch sterben muss Golo an der
-Stelle, wo er Genoveva wollte tödten lassen.[187] Diese Wendung musste
-im Zusammenhange mit dem Liede „Dicht von Felsen eingeschlossen...“
-eingeführt werden. Hier hört man plötzlich und unnütz, Siegfrieds
-Bruder Matthias sei während Golos bösem Treiben in England gewesen.
-Diese Erklärung gibt Tieck etwas spät. Die Belohnung der gutgesinnten
-und die Bestrafung der schlechten Diener entfällt bei Tieck, weil
-ja außer Benno, der schon todt ist, keiner sonderlich ernst in die
-Vorgänge eingegriffen hat. Gertrud muss unterdessen gleichfalls
-gestorben sein, da uns zweimal berichtet wurde, sie liege im Sterben.
-
-
-Genovevas Tod.
-
-Das Hinsiechen Genovevas, von dem die Legende spricht, beseitigt
-Tieck als undramatisch und unpoetisch und führt nur noch den Tod
-der Heiligen vor.[188] Nach dem Volksbuch lebt Genoveva noch ein
-Vierteljahr. Bei Tieck entfällt jede Zeitbestimmung; denn am Schlusse
-seines romantischen Dramas soll alles möglichst ins Überirdische,
-Geheimnisvolle und Ewige verfließen.
-
-Eine kleine Verschiebung ist es, wenn den Trost, den im Volksbuche
-Genoveva dem Vater und Sohne gibt, hier der Sohn dem trauernden
-Vater spendet. Damit hat aber Tieck nichts verbessert; denn das Kind
-erscheint hier nur noch altklüger und unkindlicher als zuvor. Die
-Vision, die Genoveva nach dem Volksbuch „einige Zeit“ vor ihrem Tode
-hatte, wird von Tieck reicher ausgestaltet und sachlich und dramatisch
-wirksamer in die Todesstunde selbst verlegt. Das Contrastieren des
-leiblichen Sterbens und des übernatürlichen, ewigen Lebens ist ein
-Gedanke, der öfters in der Dichtung wiederkehrt. Der Dichter lässt auch
-den Bischof Hidulf als Spender der Sterbesacramente auftreten, wovon
-das Volksbuch nichts berichtet. Die allgemeine Trauer bei Genovevas
-Tod zeigt das Drama im Eindrucke auf die Umgebung.[189] Das Benehmen
-der wunderbaren Hirschin interessiert bei Tieck ganz richtig in erster
-Linie die naiv frommen Diener. Was Tieck hier beifügt oder ändert,
-läuft alles auf eine Steigerung des religiösen Colorites hinaus.
-
-
-Schluss.
-
-Von den Wunderdingen, die das Volksbuch am Schlusse noch reichlich
-bringt, nimmt Tieck nur wenig auf. Für den Engel in Pilgrimsgestalt
-tritt der pilgernde Geist Othos ein,[190] den wir bereits von seinem
-Zusammentreffen mit Golo her kennen. Dieser tröstet Siegfried ebenso
-rasch, als es ein Engel gekonnt hätte. Die übrigen Wunder bleiben weg,
-da es fast nur Variationen früherer Geschehnisse sind. Dadurch wird
-auch die Überführung der Leiche, welche durch jene Wunder verherrlicht
-wird, überflüssig und fällt fort. Siegfried und sein Sohn leisten den
-Verzicht auf ihre weltlichen Ansprüche,[191] wie in der Legende, doch
-nicht vor den Vettern und Verwandten, sondern vor dem Bischof Hidulf.
-Eine nicht recht verständliche und wenig geschickte, aber jedenfalls
-beabsichtigte Wendung ins kirchlich Religiöse der alten Zeit, wie Tieck
-es sich denkt und wie es den ganzen Schluss beherrscht. Siegfried
-verlangt vom Bischof die Erlaubnis, eine Kapelle (die im Drama wie
-im Volksbuch gleich darauf „Kirche“ heißt) bei Genovevas Höhle bauen
-zu dürfen und fügt auch gleich den Wunsch nach der Heiligsprechung
-der verstorbenen Gattin bei, worauf er aber keine eigentliche Antwort
-bekommt. Das „wunderthätige Bild“ im Epilog ist noch ein Rest der
-weggelassenen Wunder und soll den überzeugenden Eindruck erwecken,
-dass Genoveva nunmehr eine himmlische Heilige ist. Die Verehrung der
-Heiligen berichtet der Epilog, den der heil. Bonifacius in Sonettform
-spricht.[192]
-
- * *
- *
-
-Überschauen wir die angestellte Vergleichung zwischen dem Volksbuch
-und Tiecks Dichtung, so fällt als erstes bedeutsames Ergebnis in die
-Augen, dass Tieck mit großer Pietät dem alten Stoffe gegenübertrat
-und so viel als nur immer für ihn, den modernen Dichter, möglich
-war, von der Überlieferung beibehielt. Die Legende bildet im
-großen und ganzen das wesentliche Gerüste für Tiecks Dichtung,
-diese ist eine dramatische Nacherzählung der Vorlage, wie es die
-Nebeneinanderstellung fast Schritt für Schritt bewies. Wenn Tieck hier
-in dramatischer Form, also in einer Kunstform, die ihrem Wesen nach zu
-eigenmächtigem Verändern des gegebenen Stoffes, zum Verschieben und
-Verkürzen herausfordert[193], doch der Überlieferung so merkwürdig
-treu bleibt, so will dies noch weit mehr sagen, als wenn er etwa in
-den „Haimonskindern“ im Anschlusse an die alte Erzählung wieder
-eine Erzählung macht, die nur verkürzt und in einem erneuerten
-sprachlichen Gewande erscheint. Hier stehen wir einem dichterischen
-Verfahren gegenüber, das uns mitten in die Anschauungen der Romantik
-hineinversetzt und nur aus diesen Anschauungen heraus erklärbar ist.
-Eine heilige Ehrfurcht den Urkunden alter Poesie gegenüber ist es,
-die den Erneuerer der Genoveva-Legende überall leitet. Das aus der
-alten, poesiereichen Zeit Überlieferte, das Product einer Zeit, die an
-allen Enden das Gegenspiel der nüchternen, poesieleeren Gegenwart ist,
-einer Zeit, welche Tieck an Wackenroders Seite innig und sehnsüchtig
-verehren gelernt hatte, muss mit frommer Scheu bewahrt werden, der
-alte kostbare Edelstein darf höchstens eine neue Form und Fassung und
-Politur erhalten, es soll aber ja kein Splitterchen unnöthigerweise
-verloren gehen und Tieck selbst schreibt 1799 an Iffland: „Sie
-können sich ohngefähr eine Vorstellung davon (von der ‚Genoveva‘)
-machen, wenn Ihnen die alte Legende bekannt ist, an die ich mich im
-Ganzen sehr angeschlossen habe, weil sie so schön und ächt poetisch
-ist...“[194] Das ist die Meinung der Romantiker von den Überresten
-alter, volksthümlicher Poesie. Tieck hat seine ungemeine Hochschätzung
-der alten Volksbücher seit dem Jahre 1795 selbst, wie wir hörten,
-wiederholt bezeugt („Leberecht“, „Schildbürger“, „Sternbald“). Darum
-hat sein jetziges Vorgehen nichts sonderlich Überraschendes. Er hält
-an dieser hohen Meinung auch späterhin noch fest, als ihm die Stimmung
-der „Genoveva“ schon längst fremd geworden war. Im „Phantasus“ spricht
-er mit ebenderselben Wärme noch von den Volksbüchern und empfiehlt es
-als etwas Hochverdienstliches, die Nibelungen und Heldenbücher neu zu
-bearbeiten und unter das Volk zu bringen.[195] Auch den spanischen
-Kunstdichtern rühmt Tieck nach, dass sie es verstanden hätten,
-Volkssagen, Legenden und vaterländische Geschichten zu bearbeiten,
-ohne ihnen die Einfalt und Popularität zu nehmen.[196] Wie Tieck
-dachten auch seine romantischen Parteigenossen. In der Recension der
-Tieck’schen „Volksmärchen“ (1797)[197] äußerte z. B. A.W. Schlegel
-den Wunsch, man solle die „ehrlichen, alten Volkssagen“, denen es
-schwerlich ganz an poetischer Energie fehle, in ihrer „ursprünglichen
-rohen Treuherzigkeit“ wieder vorführen. Am besten geben die romantische
-Ehrfurcht vor dem Alten seine Worte in den Berliner Vorlesungen
-(1802-1803) wieder.[198] Nach Schlegels übertreibender Äußerung hat
-in Deutschland nur der gemeine Mann eine Literatur und das sind die
-unscheinbaren Büchelchen, „die schon in der Aufschrift: ‚gedruckt
-in diesem Jahr‘, das naive Zutrauen kundgeben, das sie nie veralten
-werden, und sie veralten auch wirklich nicht“. Denn sie haben unleugbar
-eine unvergängliche poetische Grundlage. „Bey einigen ist sogar die
-Ausführung vortrefflich, und wenn sie bey andern formlos erscheint, so
-ist dies vielleicht bloß die Schuld einer zufälligen Verwitterung vor
-Alter. Sie dürfen nur von einem wahren Dichter berührt und aufgefrischt
-werden, um sogleich in ihrer Herrlichkeit hervorzutreten.“ Nur im
-Hinblick auf diese tiefe Verehrung der alten, naturwüchsigen, echt
-poetischen Volksdichtung lässt sich verstehen, wie Bernhardi in seiner
-Recension der „Genoveva“[199] das überflüssige Nebenwerk der Dichtung
-unter anderem mit dem wiederholten, nachdrücklichen Hinweise auf
-„die historische Heiligkeit“ des überlieferten Stoffes rechtfertigt,
-und nur so versteht man auch die Worte, mit denen ein andermal A.W.
-Schlegel Ariostos eigenmächtiges Schalten mit den alten Ritterbüchern
-entschuldigt:[200] „Vielleicht stand er (Ariost) dem Zeitalter, wo
-die Ritterbücher entstanden, noch zu nahe, um den ganzen Wert dieser
-Dichtungen unter ihrer oft unscheinbaren Hülle einzusehen, und so
-behandelte er sie bloß als rohen durch seine Wahl und Willkür schon
-genug geehrten Stoff.“ Auch Friedrich Schlegel, der im „Gespräch über
-die Poesie“ zum Zurückgehen auf die alten Quellen unserer Sprache und
-Dichtung aufforderte, rühmt an der „Genoveva“ diese Seite der Dichtung
-am meisten. „Die Genoveva bleibt in dieser Rücksicht eine göttliche
-Erscheinung.“[201] Ebenso heben die Sonette der beiden Brüder
-Schlegel, die den Dichter der „Genoveva“ feiern, wieder gerade diese
-Richtung auf das Alte hervor.[202]
-
-Was die Poeten des 18. Jahrhunderts, die unter dem Stichworte
-„Retournons à la nature!“ auf das Volkslied zurückgriffen, sowie die
-weiteren lobenswerten Bemühungen um das Wiederverständnis altdeutscher
-Art und Kunst, an denen es im 18. Jahrhundert keineswegs fehlte,
-begonnen hatten, setzen nun die Romantiker eifrig und im weiteren
-Umfange und mit großem Erfolge fort.[203] Besonders Herder hatte die
-poetische Herrlichkeit des Volksliedes aufgedeckt, er hatte es gewagt,
-das Mittelalter zu vertheidigen und den poetischen Wert der alten
-Legenden den Aufklärern zum Trotz zu verfechten (1797) und der nämliche
-Herder hatte auch den vergessenen Jesuitendichter J. Balde aus seinem
-„lateinischen Grabe“ erweckt und wurde dafür von A.W. Schlegel in einer
-eingehenden Recension gelobt (1797).[204] Die Erneuerung verschollener
-Poesien bildete einen wichtigen Punkt in Herders großartigem
-Lebensprogramm. Diese Bestrebungen dürfen hier nicht unerwähnt bleiben.
-Wenn Wackenroder und Tieck auch zunächst, wie es scheint, auf eigenem
-Wege in Süddeutschland ihren Enthusiasmus für alte, religiöse und
-nationale Kunst wachriefen: in den letzten Neunzigerjahren scheint
-auch die Herder’sche Thätigkeit direct fördernd auf diese romantischen
-Tendenzen herübergewirkt zu haben. Diese hohe Ehrfurcht vor dem
-Alten, die in Dichtung und Wissenschaft noch lange höchst fruchtbar
-und gelegentlich auch nachtheilig wirkte, sehen wir also als einen
-wesentlichen und echt romantischen Zug in Tiecks Verhalten zum alten
-Genoveva-Volksbüchlein ausgeprägt.
-
-Bei aller Ehrfurcht vor der poetischen Kraft, die in den Motiven der
-alten Volksromane steckt, macht doch auch der geläuterte Geschmack
-des neueren Dichters, der inmitten der höchsten Entfaltung deutscher
-Kunstpoesie aufgewachsen war, seine Rechte geltend. Wenn Tieck von
-seiner alten Vorlage auch möglichst wenig ausscheidet, so sucht er
-dafür seinerseits manches zuzugeben, um eine reiche und abgerundete
-Fassung für sein altes Juwel zu gewinnen. Was im Volksbuche nur
-in wenigen Sätzen, im Stile einer trockenen Chronik abgethan wird,
-reizt mitunter den Bearbeiter zu vollständigerer Ausführung. Das
-geschieht beim Abschiede und beim Kriege, bei der Jagd wie bei der
-Wiederauffindung Genovevas. Die in der Legende gebotenen Motive
-werden bis in die letzten Verzweigungen zu Ende gedacht. Aus einer
-kurzen Erzählung des Abschiedes wächst eine Reihe verschiedenartiger
-Stimmungsbilder heraus; die dürftigen Angaben der Vorlage über
-den Krieg werden zu einem bunten, weitläufigen Bilde ritterlichen
-Kriegslebens erweitert, und diese verschiedenen Scenen sollen sich
-dann wieder zu einem großen Gemälde voll alterthümlicher Stimmung
-zusammenschließen, aus dem uns „die Begeisterung des Kriegers“ kräftig
-entgegenwehen soll.
-
-Wenn Abschied und Krieg in der Erzählung der Legende dem Geschmacke
-Tiecks zu kahl und farblos erschienen, so konnte ihm am Charakter
-Golos, der in echter alter Holzschnittmanier als unmenschlicher
-Bösewicht schroff contrastiert neben dem Engel Genoveva steht, das
-Niedrige, Rohe und psychologisch Unentwickelte nicht genügen. Hier
-greift darum der neuere Dichter wieder in seiner Weise poetisierend
-ein, indem er diesen Charakter auf eine menschlich höhere Stufe hebt,
-einen an sich edel veranlagten Menschen durch ungezügelte Leidenschaft,
-die zudem von einer aus falscher Liebe irreleitenden Pflegemutter
-gesteigert wird, tragisch untergehen lässt, und dabei findet auch der
-psychologisierende Poet, der Dichter des „Lovell“ und „Blaubart“,
-seine Aufgabe, wenn er die Liebesleidenschaft von der ersten keimenden
-Neigung bis zum elementaren, rasenden Sturm verfolgt und mit leichter,
-wohlgeübter Feder Scene um Scene, worin das Werden und Wachsen dieser
-Liebe vorgeführt wird, aufs Papier wirft. Für diese Partien der
-Legende fand also der Romantiker noch nicht genug von jener „wahren
-Erfindung“, die er den Volksbüchern im allgemeinen nachrühmt. Er musste
-das spärlich skizzierte Motiv selbst gestalten, ausführen, vertiefen
-und abrunden, wie es etwa Goethe in seiner Art mit eigenen Erlebnissen
-that. Goethe erlebte ein Fragment. Dieses wuchs aber in seiner
-Dichtung zum fertigen, in die letzten Consequenzen fortgedachten,
-schön gerundeten Ganzen aus. Diesem poetischen Processe lässt sich
-Tiecks Verfahren mit dem Stoffe in der ersten Hälfte seiner Dichtung
-einigermaßen an die Seite setzen.
-
-Anders wird das Verhältnis in der zweiten Hälfte der „Genoveva“, wenn
-auch für sie die frühere Erweiterung oder Vertiefung des Golocharakters
-selbstverständlich noch wirksam bleibt und die dramatische Form an
-einzelnen Stellen ihr Recht geltend macht. Von der Gefangennahme der
-Heldin an merkten wir einen viel engeren Anschluss an die Legende,
-ein Begnügen mit dem alten Überlieferten, das sich in den Stanzen
-des heiligen Bonifacius so weit steigert, dass man stellenweise
-fast nur von einem Umdichten der prosaischen Erzählung in Verse und
-Strophen reden kann. Ein wenig freier bewegt sich Tieck wieder von
-der Hexenscene an gegen das Ende zu. Hier herrschen die weichen und
-frommen Stimmungsbilder. Allein der Dichter erweitert hier seine
-Vorlage nirgends in dem Maße, wie es bei Abschied und Krieg geschah.
-Wenn man von den letzten Wundergeschichten der Legende absieht,
-die größtentheils wegfallen, so muss man sagen, dass der Dichter
-auch hier weitaus das Meiste und vieles ohne wesentliche Änderung
-beibehält. Im ganzen genommen scheint also für die zweite Hälfte der
-Tieck’schen Dichtung charakteristisch, dass hier dem Dichter der
-vorliegende Stoff, die Wunder und Visionen, das Leben und Leiden der
-Heiligen in der Waldeinsamkeit, sowie die Art des Wiederfindens der
-Todtgeglaubten schon jene ursprüngliche „Kraft der Poesie“, von der
-unser Romantiker bei den alten „Schartecken“ spricht, in sich zu tragen
-schien. Es bedurfte da nicht mehr vielen Umschmelzens und Läuterns,
-es brauchten nur Form und Vortragsweise hinzuzutreten und das alte
-Büchlein war aufgefrischt, wie es A.W. Schlegel verlangte. Poetischer
-Stimmungsduft und Naturgefühl durchziehen hier zwar reichlich das
-Ganze, sie umschleiern wohl die Vorgänge, ohne aber die alten Motive
-in ihrem inneren Wesen tiefer zu berühren. Gerade diese letzten Theile
-des Volksbuches, „die Schilderung der Einsamkeit, die Leiden der Frau
-in dieser und das wundersame Zusammentreffen mit dem Gemahl“ waren es
-zuvörderst, die Tiecks Imagination nach seinem eigenen Geständnisse in
-Bewegung setzten.[205] Auch der „schlichte Ton“, der Tieck beim Lesen
-der Legende so besonders rührte, kommt am wirksamsten in der zweiten
-Hälfte derselben zur Geltung. Tiecks Worte in der Einleitung zu seinen
-Schriften treffen mithin den wirklichen Thatbestand, nur dass sie in
-ihrer Allgemeinheit erst nach angestellter Untersuchung concret und
-deutlich werden.
-
-Für die größeren Erweiterungen des alten Stoffes ist noch ein zweiter
-Gesichtspunkt zu berücksichtigen. Die Legende, die in einfachster
-Art nur die menschlichen Conflicte und wunderbaren Begebenheiten in
-Genovevas Leben vorträgt, die auch nur die bedeutendsten Personen
-mit eigenem Namen versieht, diese bescheidene Legende wird von Tieck
-auch im Sinne der mannigfaltigen und alles umfassenden romantischen
-„Universalpoesie“, die dem Theoretiker Friedrich Schlegel angesichts
-des Romans „Wilhelm Meister“ zu einem wichtigen Postulate geworden
-war, stofflich bereichert, wie schon Hettner ausführt.[206] Die
-romantische Poesie soll ja „gleich dem Epos ein Spiegel der ganzen
-umgebenden Welt, ein Bild des Zeitalters werden“.[207] Im Rahmen
-der Geschichte Genovevas will Tieck in epischer Breite auch ein
-Bild mittelalterlichen Lebens aufrollen. Diesem Zwecke dienen die
-breiten Kreuzzugs-Scenen; denn „die Begeisterung des Kriegers“ soll
-sich entfalten, jener kriegerische Enthusiasmus, den Tieck öfter als
-romantisch bezeichnet.[208] Dabei wird es möglich, den Contrast von
-morgenländischem und abendländischem Wesen sammt seinen Differenzen
-in Glaubens- und Lebensanschauung ebenso das Verhältnis zwischen
-Lehensherrn und Vasallen zu zeigen. Gegenüber dem Kreuzzugsbilde sehen
-wir das Leben auf der Ritterburg, das Tieck mit einem mannigfaltigen
-Apparat zu bereichern sucht. Wir treten in die gothische Burgkapelle
-zum Gottesdienst. Das Ingesinde des Schlosses wird durch verschiedene
-Figuren vertreten, bis zum leibeigenen Schäfer herab. Hexenwahn und
-Hexenprocess, Ausübung der Gerichtsbarkeit durch die Sippe, das
-ritterliche Vergnügen der Jagd fehlen nicht. Wenn Golo selbst zu
-einem Liede „Wort und Weise“ findet, so scheint Tieck einen alten
-Minnesänger vor Augen zu haben. Das über die engeren Verhältnisse
-Hinausliegende, Staat und Kirche, erscheint wenigstens blass im
-Hintergrunde. Das Menschendasein soll seinen ganzen vielgestaltigen
-Reichthum von Motiven zeigen. Wir sehen Kinder, Jünglinge, Männer
-und Greise, Hochgestellte und Mächtige, Arme und Niedrige. Geburt,
-Verlöbnis, Hochzeit und Tod, Krieg und Frieden, frohe und traurige
-Stunden, alle möglichen Gemüthsstimmungen und Religionsanschauungen,
-Vergangenheit (Bonifacius), Gegenwart und Zukunft (Der Unbekannte,
-Ausblick in den Himmel), alles zieht wie ein bunter Traum vor unserer
-Phantasie vorüber. Seit den Schlegel’schen Aufstellungen kehrt
-das echt romantische Bestreben, ein Vielartiges zu einem Complex
-zusammenzuordnen, überall und in immer neuen Wendungen wieder. Vor
-dem Auftauchen dieses Gedankens ist der Dichtung Tiecks eine solche
-Vielgestaltigkeit fremd.
-
-Was Tieck im kleinen dort und da änderte, ward an den einzelnen
-Punkten unserer Vergleichung angemerkt und wir sahen, wie er das Rohe,
-Crasse, Hässliche mildert, das Energische und Kraftvolle abschwächt,
-Unebenheiten glättet, kleine Verschiebungen und Zusammenziehungen der
-dramatischen Form zuliebe vornimmt und kleine Zuthaten zur Motivierung
-einfügt. Öfters sind es recht glücklich gewählte Züge (z. B. Golos
-Heimweh nach den vertrauten Stätten). Das ist die Art, wie Tieck das
-Alte, wo er es unverkürzt aufnimmt, erneuert und auffrischt und die
-Spuren der „Verwitterung“ entfernt. Die Stellung des Dichters zu seiner
-alten Vorlage ist in allem Wesentlichen durch jenen Geist der Romantik
-bedingt, der um 1800 in unserer Literatur heimisch war.
-
-
-
-
-III.
-
-Literarische Einflüsse.
-
-
-1. Tieck und Maler Müller.
-
-(Goethes „Götz“ und „Werther“.)
-
-
-Dass Tieck nicht alles, was wir als Zuthat dem Volksbuche gegenüber
-erkannten, unvermittelt aus seiner eigenen Phantasie heraufholen
-konnte, sagt uns die gewöhnliche psychologische Erfahrung. Und wer
-bedenkt, welche Fähigkeit des Anempfindens und Nachempfindens Tieck
-eignete, wer sich erinnert, wie Lesen für ihn oft zum Erleben wurde,
-der sieht sich von selbst genöthigt, nach literarischen Vorbildern
-für seine „Genoveva“ auszuschauen. Und der Dichter erleichtert dem
-Forscher das Suchen. Wir hören von ihm selbst, dass sich „Erinnerungen,
-Vorsätze und poetische Stimmungen“ mit dem „Märchen“ von der heiligen
-Genoveva verbunden hätten. Was unter den „Vorsätzen“ und „Stimmungen“
-zu verstehen ist, sahen wir schon. Eine Richtung, aus welcher die
-„Erinnerungen“ auf ihn zukamen, hat uns Tieck selber angezeigt, wenn
-er auf Maler Müllers „Golo und Genoveva“ aufmerksam macht. Ein Jahr
-bevor er das Volksbuch las, hatte er bereits das Manuscript dieses
-Sturm- und Drang-Schauspiels gelesen. War diese Lectüre auch keine sehr
-intensive, so mag man doch von vornherein vermuthen, dass sie auch
-irgendwie befruchtend auf die Phantasie des Dichters wirkte, der an die
-Behandlung des gleichen Stoffes gieng.
-
-Den großen Eindruck, den beim Lesen des Müller’schen Manuscriptes das
-traurige Liebeslied: „Mein Grab sei unter Weiden“, das die wichtigsten
-Momente in Golos Geschick begleitet, auf Tieck machte, hebt dieser im
-Vorberichte zu seinen Schriften selbst hervor.[209] Die Einschaltung
-eines solchen Liedes nimmt er mit Bewusstsein aus Müllers Drama in das
-seine herüber.
-
-Vergleicht man das Lied bei Müller[210] (dessen Stimmung auch Werthers
-Worte: „Ach, ich wollte ihr begrübt mich am Wege, oder im einsamen
-Thale...“ schon ausdrücken) mit dem Tieck’schen[211] auf seinen Inhalt
-hin, so ergibt sich auf den ersten Blick eine Übereinstimmung in allem
-Wesentlichen. Todessehnsucht eines unglücklichen Liebhabers, geknüpft
-an den gleichen düsteren Naturhintergrund, ist der Vorwurf beider
-Gedichte. Den Wunsch nach dem einsamen Grabe, den die zwei ersten Verse
-Müllers aussprechen, behandelt die erste Strophe Tiecks. „Der Kummer“,
-der mit dem Grabe enden soll und den die folgenden Müller’schen Zeilen
-schildern, erfüllt die zweite Strophe Tiecks, welche den „Kummer“ als
-den Schmerz eines verstoßenen Liebhabers ausführlicher charakterisiert.
-Wie Müllers Lied in den Schlussversen zum Wunsch und Naturbild des
-Anfanges zurückkehrt, thut es auch Tiecks letzte Strophe. Also Inhalt
-und Gliederung des Inhaltes sind bei beiden Dichtern dieselben. Tieck
-bereichert und erweitert nur, was Müller in gedrängter Kürze sagt.
-Das eingehendere Verweilen bei der Naturscenerie ist bezeichnend für
-den Romantiker. Grund und Art der Todessehnsucht müssen bei Tieck
-genauer ausgeführt werden, weil das Lied nicht wie bei Müller bloß
-Empfindungs-Aussprache Golos ist, dessen Herzleid wir schon einen Act
-lang kennen und der daher mit dem einen Worte „Kummer“ deutlich macht,
-was er sagen will, während das Lied bei Tieck von einem unbekannten
-Verstoßenen stammt und auch zunächst von einem Unbetheiligten gesungen
-wird.
-
-Eine wesentliche Differenz liegt aber in der Verwendung des Liedes
-bei Müller und Tieck. In Müllers Drama ist es zweimal directer
-lyrischer Ausfluss von Golos Stimmung[212] und einmal soll es eine
-bestimmte Stimmung in ihm wecken.[213] Diese Art von Wiederholung
-lässt einen eigenthümlichen Ton weicher Schwermuth über dieses Drama
-hinschweben.[214] Bei Tieck tritt das Lied als etwas ganz Fremdes an
-Golo heran, aber es überwältigt sein Herz beim ersten Anhören mit einer
-geheimen räthselhaften Macht, dass ihm die Thränen nahe sind.[215]
-Etwas Ahnungsschweres liegt in dieser ersten Einführung des Liedes.
-Der verliebte Golo benützt im weiteren Verlaufe das Lied auch, um mit
-dessen Worten seine Empfindung zu entladen.[216] Vor dem Tode drängen
-sich die Verse des Liedes in sein Gebet.[217] Was der unbekannte
-Dichter in seinem Liede sagt und wünscht, erfüllt sich nach und nach
-an Golo; ein Grab unter Weiden, das jener sich wünscht, wird diesem
-zutheil. Golo betrachtet schließlich auch selbst das Lied als eine
-Schicksalsverkündung und beruft sich auf das Versprechen des Liedes,
-das sich an ihm erfüllen soll.[218] So hat das Lied bei Tieck eine
-ganz eigene Stellung gewonnen. Wie eine geheimnisvolle räthselhafte
-Schicksalsstimme klingt es erst zufällig an Golos Gemüth, wie die
-Stimme einer unbekannten Macht, die verborgen die Erlebnisse des
-Ritters zu lenken scheint, begleitet es dann Golo bis zum Grabe. Als
-schicksalsmäßigen Zuruf an Golo charakterisiert sich das Lied sogar
-stilistisch durch den Doppelsinn der Selbstanrede in der zweiten
-Person. „Such’ zum Troste dir ein Grab“ sagt zunächst der Dichter
-des Liedes zu sich selbst; „Such’ zum Troste dir ein Grab“ sagt das
-Lied zu Golo. Nach unmittelbarer, kräftiger Aussprache der Empfindung
-strebt Müller, der Dichter der Geniezeit: die geheimnisvoll anklingende
-Stimmung und die Kunst der feinen, ahnungsvollen Beziehungen und das
-Hereingreifen einer überirdischen Schicksalsmacht in das Menschenleben
-interessiert Tieck den Romantiker.
-
-Außer diesem Liede blieben Tieck noch „dunkle Erinnerungen“ vom Ganzen
-und klare von einzelnen Stellen des Müller’schen Dramas. Verschiedene
-Gestalten nahmen bei Tieck, wie gezeigt wurde, ein anderes Wesen
-an, als sie im Volksbuch hatten. Sollten nicht die „Erinnerungen“
-an das Drama gleichen Inhaltes als wirkende Kräfte bei diesen
-Verschiebungen mitgeholfen haben? Müllers Drama verdankt aber selbst
-wieder verschiedene Züge Goethes größeren Jugendwerken „Götz“ und
-„Werther“.[219] Die Lectüre dieser nämlichen Dichtungen Goethes ist
-auch für den jungen Tieck einst ein Ereignis gewesen. Den „Götz“ soll
-er so gut wie auswendig gewusst haben, „Werther“ hatte ihn aufs tiefste
-ergriffen. Dies gibt uns ein Recht, hier alle diese literarischen
-Erfahrungen Tiecks zusammenzunehmen und beim Vergleiche mit Müllers
-Drama ab und zu auch einen Blick auf „Götz“ und „Werther“ zu werfen.
-Die innerlich verwandten dichterischen Gestalten mussten auch als
-verwandte Erlebnisse und Kräfte in Tiecks Phantasie wirksam sein. Es
-wird eine resultierende aus mehreren verwandten Kräften.
-
-Tiecks Golo wird kaum seine Verwandtschaft mit der Gestalt, die Müller
-schuf, verleugnen können. Mehr als ein Zug von Familienähnlichkeit
-zeigt sich bei näherer Betrachtung. Müllers Golo ist vor seiner
-unglücklichen Liebe ein heiterer Ritter, der es versteht, angenehmen
-Zeitvertreib zu schaffen.[220] „Er ist auch Maler... Und Musikant;
-hat alle Talente.“[221] Seine Sangeskunst übt er gelegentlich aus.
-Ganz ähnlich hören wir im Eingange der Tieck’schen „Genoveva“ Golo
-schildern und auch dieser übt im Verlaufe des Stückes einzelnes von
-dem, was ihm hier beigelegt wird. Ein lustiger Reiter, der sein frohes
-Morgenlied singt, galoppiert er ins freie Feld. „Er kann alles,“ --
-versichert der Schäfer Heinrich -- „er singt, er musiciert, er kann
-Gemälde machen, er tanzt und ist auch ein Dichter“.[222] Tiecks Golo
-versteht es ebenfalls, die Menschen froh zu machen.[223] So war ja auch
-schon Weislingen im „Götz“ der „edelste, verständigste und angenehmste
-Ritter in Einer Person“ vor seiner Liebschaft mit Adelheid. Der „Maler“
-endlich geht auch bis auf den „Werther“ zurück.
-
-Die Art, wie der Stürmer und Dränger und der Romantiker die
-Liebes-Entwickelung an ihren Helden darstellen, zeigt auch manche
-auffallende Berührungspunkte. Aus dem abstoßenden Wüstling der Legende
-ist bei beiden Dichtern ein liebenswürdiger Ritter geworden, dessen
-erwachende Liebe zunächst eine reine Neigung ist, die mit religiöser
-Ehrfurcht zum geliebten Wesen aufblickt und in Ausdrücken religiöser
-Verehrung zu demselben spricht. „Götz“ und „Werther“ gehen auch hier
-als Vorbild voraus.
-
- ~Götz~ (Franz):
-
- „... ich fühlte in dem Augenblick, wie’s den Heiligen bei
- himmlischen Erscheinungen sein mag.“
-
- ~Werther~:
-
- „Leb’ wohl, Engel des Himmels!“ -- „Lippen! auf denen die Geister
- des Himmels schweben.“ -- „... habe ich nicht, gleich einem Kinde,
- ungenügsam allerlei Kleinigkeiten zu mir gerissen, die du Heilige
- berührt hattest!“
-
- ~Müller~:
-
- „Daß ich mich erquicke an ihren Spuren: Das sei es auch alles,
- reine Anbetung, wie die Liebe zum schönsten Gestirn, ... so sei
- mein Weben stiller Wunsch, Gebet zu ihr!“[224]
-
- ~Tieck~:
-
- „Ja, ihr habt recht, ihr seid ein göttlich Bild, Drum muss man euch
- Reliquien gleich verehren, Mit stummer Inbrunst und aus frommer
- Ferne.“[225]
-
-Müllers Golo wird von einem geheimen Zuge seines Herzens, über
-den er sich noch keine klare Rechenschaft gibt, in das Vorzimmer
-Genovevas geführt.[226] (Werther.) Auch bei Tieck sieht sich Golo
-unvermerkt in der Nähe seiner Geliebten.[227] Überall kämpfen reine
-Herzensneigung und Sinnlichkeit zuerst einen harten Kampf. Jeder von
-beiden muss sich die Berechtigung seiner Leidenschaft erst einreden.
-(Werther--Weislingen.) Jeder möchte der Gefahr entfliehen, aber es
-gelingt nicht. (Werther--Weislingen.) Jeder spricht in Liedern von
-seinem Liebeskummer zur Geliebten.
-
-Bei der reinen schwärmerischen Liebe bleibt es aber weder in dem
-einen noch im andern Falle. Die Leidenschaft wächst und wächst und
-wird zum zehrenden Gifte. Nach der fehlgeschlagenen Liebeswerbung ist
-Müllers Golo höchst rathlos und muss sich ganz und gar der führenden
-Hand Mathildens anvertrauen.[228] Nicht viel besser ergeht es Golo
-bei Tieck nach der Porträtscene; auch er wäre ohne seine Amme Gertrud
-hilflos.[229] In beiden Helden geht mit der wachsenden Liebe eine
-große Veränderung vor sich. Müllers Golo findet an seiner glänzenden
-Zukunft kein Interesse mehr.[230] Auch bei Tieck wird dem Ritter
-alles zuwider und gleichgiltig, was ihm sonst Freude machte.[231]
-(Werther.) Das Problem, wie ein „edler Mann“ durch seine ungezügelte
-Leidenschaft so „tief hinuntersinken“[232] muss, wollen Müller und
-Tieck[233] entwickeln. Wie der biedere, treue Adolf bei Müller, tadelt
-der alte Wolf bei Tieck diese schlimme Veränderung am Verliebten.[234]
-(Auch Adelheid an Weislingen.) -- Die Art des Empfindens beider
-Liebhaber hat auch viele Ähnlichkeit. Bei jedem entfacht sich eine
-tiefe Leidenschaft, die sich wohl in erregten und schwermüthigen
-Gefühlswallungen auslebt, dann wieder in weichen Sehnsuchtsstimmungen
-versinkend schwelgt, aber es fehlt dabei jeder kräftige Impuls zu
-entschlossenem Handeln. Am auffallendsten tritt diese Willensschwäche
-allerdings an Müllers Golo hervor, weil neben ihm das willenskräftige
-Machtweib Mathilde steht, die ihren weichlichen Schützling Schritt
-für Schritt vorwärts führen muss, während Tiecks kraftloser Held
-durch kein so übermächtiges Gegenspiel in Schatten gestellt wird.
-Beide liebesiechen Ritter gefallen sich in wehmüthigen Todesgedanken.
-Es muss aber hier auch angemerkt werden, dass Tiecks Gemüthsanlage
-und langgenährte Neigung für düstere Stimmungen dem Vorbilde aus der
-Wertherzeit besonders verwandt entgegenkam. Der „Werther“ selbst aber
-und verwandte Dichtungen waren für Tiecks Gemüth nicht ohne Einfluss.
-
-Müllers Golo sieht, nachdem er verschiedene Unthaten begangen hat und
-von Gewissensbissen gepeinigt wird, mit seinem überreizten Gehirn
-Gespenster,[235] er wüthet gegen die eigenen Freunde und Helfershelfer,
-er reißt Steffen zu Boden[236] und sticht nach Mathilden.[237] Vom
-Gespenstersehen zeigt sich bei Tieck nur noch eine schwache Spur,[238]
-wohl aber stürzt auch Tiecks Golo seinen einzigen treugebliebenen
-Benno, der die Rolle Steffens theilweise übernommen hat, in einem
-dumpfen Wuthanfall in den Abgrund.[239] -- Schon bei Müllers Helden
-(Weislingen -- Werther) legt sich die Liebesleidenschaft mit so
-unwiderstehlicher Gewalt auf die Seele, dass sich der Unglückliche
-unter dem Banne einer unbezwingbaren Schicksalsmacht fühlt.[240] Wie
-verwandt gerade diese Auffassung Tiecks eigener Anschauung war, zeigte
-schon die Betrachtung des traurigen Liedes und verschiedene andere
-Dichtungen bestätigen es. In „Abdallah“, „Lovell“, „Karl von Berneck“
-herrschen dunkle Gewalten über die Menschen, über Menschen, in denen
-sich keine eigene spontane Willenskraft zu regen scheint, sondern eine
-elementare geheime Naturgewalt bewegt sich in ihnen. Diese fremdartige
-Gemüthsrichtung Tiecks ist auch in der „Genoveva“ dort wirksam, wo
-sich Golo von einer dunkeln, unüberwindlichen Macht fortgestoßen
-fühlt.[241] Die literarischen Vorbilder nährten und entwickelten Tiecks
-Gemüthsrichtung selbstverständlich.
-
-Jene Episode, die bei Müller Golos Zusammentreffen mit dem Schäfer
-Brandfuchs schildert und das Los des unglücklichen Ritters mit
-dem harmlosen Glück des anspruchlosen Schäfers contrastiert,[242]
-scheint nicht ohne Einfluss auf Golos Zusammentreffen mit dem
-Schäfer Heinrich bei Tieck[243] geblieben zu sein. Jedesmal drängt
-sich auch das Erinnern an die vergangenen Zeiten und damit die
-gleiche Wehmuthstimmung ein. Tieck liebt solche Contraste und solche
-Stimmungsbildchen freilich noch mehr als Müller. -- Müllers Golo wird
-von den racheheischenden Rittern, mit denen er zur Jagd ausgezogen
-ist, wirklich gejagt wie ein Wild.[244] Tiecks Ritter fühlt sich nur
-wie ein gehetztes Wild.[245] Die wiedergefundene Genoveva erscheint
-dort Golo wie eine auferstandene Todte[246] (Weislingen--Maria): hier
-wie ein Traumbild.[247] Diese Abschwächung der äußeren, drastischen
-Handlung zur inneren Stimmung, des gestaltlich Greifbaren ins dämmernd
-Unbestimmte des Traumes entspricht wieder ganz der Neigung des
-romantischen Dichters. Die Verwendung des begleitenden Liedes in der
-Weise Müllers verlangte auch die gleiche Situation und Stimmung für die
-Todesscene Golos bei Tieck: unter dunkeln Weiden im einsamen Thale.
-Wie hier das einemal Golos Gegner ritterlichen Tod und Begräbnis
-verweigern, so verweigern Siegfrieds Bruder und Vetter das anderemal
-(abweichend vom Volksbuche) das ehrliche Begräbnis. Müllers Golo
-erreicht aber mit Gewalt,[248] was Tiecks Golo erbittet.[249] Wieder
-ein Entfernen des Drastischen.
-
-Lassen sich die Einwirkungen des Müller’schen Helden vielfach deutlich
-verfolgen, so sind die Nachwirkungen der Genovevagestalt Müllers auf
-ihre Nachfolgerin lange nicht so beträchtlich. Begreiflich, die ganz
-verschiedene Auffassung dieser Gestalt bei beiden Dichtern erklärt
-es. Dort und da nur blickt das Vorbild noch ein wenig hervor. Den
-glücklichen poetischen Griff, den Müller thut, wenn er seine Genoveva
-voll trüber Ahnung ihren Gatten dringlich bitten lässt, dass er sie
-mit in den Krieg nehme,[250] hat auch Tieck sofort empfunden und ihn
-für seine Heldin gleichfalls verwendet.[251] Tieck lässt aber wieder
-die trüben Stimmungen und Ahnungen, wovon die Abschiedsscene erfüllt
-ist, die bei seinem Vorgänger nur kurz anklingen, lange und behaglich
-austönen. -- Müllers Genoveva ist von argloser, naiver Gemüthsart und
-schürt ohne Wissen und Absicht Golos Liebe wie Tiecks höchst naive
-Heilige, wenn auch Tieck diese Naivetät und Arglosigkeit in einer Weise
-ausnützt, die das psychologisch Glaubhafte übersteigt. Das unbefangene,
-frische und heitere Gebaren Genovevas in der Porträtscene[252] bei
-Müller sowie in der Unterhaltung mit Mathilden in der Balkonscene[253]
-konnte recht wohl der Heldin Tiecks für ihre arglose Theilnahme, für
-ihr Zutrauen zu Golo ein wenig die Richtung angegeben haben.[254]
-Naivetät und Unschuld verbinden sich dort wie hier. Über Golos
-Traurigkeit äußern sich beide Frauen recht ähnlich. Das Volksbuch gab
-Tieck für diese Einzelzüge keinen Wink. -- Bei Müller und bei Tieck
-singt die Mutter im Kerker ihrem Kinde ein Schlummerliedchen.[255]
-
-Tiecks Siegfried erinnert an sein Vorbild besonders durch das, was
-ihm fehlt, nämlich Temperament und warmblütiges, individuelles Leben.
-Siegfried ist jedesmal ein herzlich unbedeutender biederer Ehemann und
-tüchtiger Kriegsmann, der nur dann ein wenig ins Feuer geräth, wenn
-er von der Untreue seiner Frau hört oder Golo entlarvt sieht. Tiecks
-Siegfried ist daneben ein wenig fromm, abergläubisch und sentimental;
-nichts in hervorstechendem Grade. Die Farben haben überall etwas
-Mattes, Verblichenes. Jeden von beiden beschleichen im Lager trübe
-Ahnungen.[256] Der Ausdruck ihrer Trauer um die verlorne Gattin ähnelt
-sich.[257] Der Gedanke Bernhards über die untreue Frau bei Müller[258]
-geht bei Tieck auf Siegfried über.[259]
-
-Golo bekommt als gesinnungstreuen Diener und Helfershelfer bei Müller
-den derben Kerl Steffen, der ein gut Theil des volksthümlichen
-Hanswurstes in sich birgt, an die Seite und beim Ritter Tiecks
-vertritt Benno dessen Stelle. Benno, obschon ein etwas weniger
-ruppiger Bursche als Steffen, müsste sich doch mit diesem ganz
-trefflich verstehen. Denn, wenn Steffen auf „Fressen und Saufen“
-hält,[260] so findet auch Benno beim Essen und Trinken am besten seine
-Rechnung[261] und „Wohlanständigkeit“ mag er dabei nicht leiden.[262]
--- Beim Überfall auf Dragones und Genoveva erscheinen „Mathilde mit
-Knechten und Steffen“.[263] Ebenso tritt bei Tieck Golo ein „mit
-Benno und anderen Knechten“.[264] -- Steffen und Benno werden als
-Boten mit der verleumderischen Nachricht an Siegfried geschickt.[265]
-Steffens Geldgier[266] verunziert, wenn auch in etwas minderem Grade,
-Benno.[267] Steffen und Benno bleiben bei Golo, nachdem sich dieser
-von Siegfrieds Hofe geflüchtet; beide werden von ihrem Herrn übel
-behandelt.
-
-Ist Steffen-Benno eine Art Vertrauter für Golo, so ist es wenigstes
-anfangs Mathilde-Gertrud für Genoveva. Der Dichter des Sturmes und
-Dranges macht, um den dramatischen Conflict zu verschärfen, die Amme
-der Legende zu Golos Mutter, während Tieck, der Legende folgend, die
-Amme beibehält. Das Weib voll dämonischen Zaubers, voll Thatkraft,
-Leidenschaft und Rücksichtslosigkeit, das Machtweib, das die Männer um
-sich her in den Untergang reißt, wie Mücken, die sich in die Flamme
-stürzen, verblasst zwar ganz in der Phantasie des Romantikers,[268]
-doch einige erkennbare Nachwirkungen dieser überaus lebendigen
-Gestalt vererbten sich immerhin auf die Amme Gertrud. Während die
-Amme des Volksbuches erst nach der Einkerkerung Genovevas in die
-Handlung eintritt, greifen Mathilde und Gertrud schon früher in
-Golos Liebesangelegenheit ein. Beide Dichter erweitern also die
-Rolle im gleichen Sinne. Mathilde macht dem verliebten Golo Hoffnung
-auf Erfüllung seiner Wünsche,[269] sie sucht ihm seine Schwermuth
-und seine Todesgedanken auszureden und belehrt ihn über die leichte
-Besiegbarkeit der Frauen;[270] all das thut auch Gertrud.[271] Mathilde
-und Gertrud missbilligen Golos unüberlegtes, rasches Darauflosgehen
-bei der Liebeserklärung.[272] Beide wecken in ihrem Liebling aufs neue
-die schlummernde Leidenschaft, nachdem sich diese unter dem ersten
-Misserfolge scheu zurückgezogen hatte. Doch Gertruds Einfluss ist lange
-nicht so energisch vorwärtstreibend wie der Mathildens. Gertruds Thun
-beschränkt sich auf ein Rathen, Vermitteln, Forthelfen. Mütterliche
-Liebe und Theilnahme für Golo entfaltet auch Gertrud, obschon sie bloß
-seine Amme ist. Müller und Tieck suchen das Widerliche an der Art der
-Amme, wie sie das Volksbuch vorführt, zu beseitigen und geben dem an
-sich unschönen Charakter eine verständlichere ethische Grundlage. Was
-Tieck von Müller übernimmt, sind äußerliche Züge. Das innere Wesen
-des „Machtweibes“ aus der Geniezeit, dämonische Schönheit, zügellose
-Sinnlichkeit, rücksichtslose Thatkraft, ein Übermenschenthum, das sich
-„jenseits von Gut und Böse“ ansiedelt, all diese hervorstechenden
-Züge haben an Tiecks Gertrud keine Spur zurückgelassen. So kommt es,
-dass bei Tieck wie im Volksbuch wieder Gertrud sich um eine bessere
-Verpflegung der gefangenen Wöchnerin bemühen kann,[273] während dies
-bei Müller eine Gärtnersfrau thun muss. Wenn Gertrud zu Golo sagt:
-„Ihr müsst durch die rauhe Zeit hindurch“ so eignet sie sich ein
-Lieblingswort Mathildens an, aber das an sich kräftige Wort verliert
-seine Kraft im Munde einer Gertrud. Diese wird schließlich „krank in
-ihrem Wahnsinn“ und verschwindet dann gänzlich aus dem Drama. Diese
-Nachricht, dass Gertrud hinter der Scene im Wahnsinn liege, ist auch
-nur ein blasser Reflex der grellen Sterbescene Mathildens.[274] Nach
-dem Höhepunkte der Verwickelung tritt Mathilde etwas, Gertrud ganz
-zurück. Mathilde und Gertrud sind also bei beiden Dichtern ähnlich
-zwischen Golo und Genoveva gestellt. Überall werden sie aus Vertrauten
-der Gräfin Genoveva zu deren Verfolgerinnen, und zwar immer dem
-vergötterten Schützling zuliebe.
-
-Treu zu Genoveva halten bei Müller Adolf, Dragones und die
-Gärtnerfamilie, bei Tieck Wolf, Drago, Wendelin, Heinrich und Else.
-
-Müllers Adolf, der alte biderbe Ritter und Schlosshauptmann, der
-gerne mit in den Mohrenkrieg zöge, wenn es in seinem Alter noch
-angienge,[275] ist derselbe Typus des alten treuen Unterthanen
-auf der Burg wie Tiecks Wolf, der nicht minder gern mit Siegfried
-ziehen möchte,[276] der sich ebenso närrisch über den heimgesandten
-Mohrensäbel freut[277] wie Adolf über den von seinem künftigen
-Schwiegersohne erbeuteten „Türkensäbel“.[278] Bei Müller wird dies
-Motiv weiter verwendet, bei Tieck verschwindet es ohne Spur aus der
-Dichtung. Adolf und Wolf tadeln Golos, des Liebeskranken, verändertes
-Wesen.
-
-Drago ist bei Tieck ganz nach dem Volksbuch gearbeitet. Er übernimmt
-außerdem eine religiöse Rolle, während ihn Müller fast ganz
-verweltlicht.
-
-Der Schäfer Brandfuchs singt einmal vor Golo das traurige
-Liebeslied,[279] ebenso der Schäfer Heinrich bei Tieck.[280]
-
-Die beiden Mörder, die Müller nach Shakespeare’scher Weise
-einführt[281] und deren Charakterverschiedenheit die Legende nur
-flüchtig andeutet, wirkten außer den Shakespeare’schen jedenfalls auf
-die beiden Gesellen bei Tieck nach.[282] Überall ist der eine ganz
-hart und fühllos, der andere menschlicher gesinnt; überall müssen sie
-sich für ihr Geschäft Muth antrinken. Tieck mildert aber das Rohe und
-Derbrealistische seines Vorgängers um viele Grade, wenn auch einiges
-davon in der Trinkscene und in Bennos sonstigen Reden übrig bleibt.
-
-Weniger deutlich als für die Charaktere und ihre Gruppierung, lässt
-sich Müllers Vorbild im scenischen Aufbau des Tieck’schen Dramas
-verfolgen. Da die erste Anregung zur Behandlung der Genoveva-Legende
-für Tieck von Müller ausgieng, so muss allerdings das eine auch
-festgehalten werden, dass Tieck von Müller lernte, Verschiedenes aus
-Shakespeare, „Götz“ und „Werther“ in die Dramatisierung des Volksbuches
-hereinzunehmen. Wie viel für den raschen Scenenwechsel sowie für die
-Art des sorgfältigen Wiedergebens aller nur möglichen Vorgänge vor
-den Augen des Zuschauers und des Zeitausfüllens für Vorgänge hinter
-der Scene bei Tieck auf Shakespeare zurückzuführen ist, wie weit
-dafür im einzelnen Falle Müller oder Goethe in Betracht kommen, lässt
-sich meines Erachtens nicht mehr feststellen, da der junge Goethe und
-Lenzens Dramen Tieck längst ebenso vertraut waren als Shakespeares
-Werke. Das nämliche gilt von der Einführung episodischer Figuren und
-paralleler Nebenhandlungen. All das sind eben Bestandstücke, die
-ebenso in Shakespeares Technik wie in jener der Stürmer und Dränger
-wiederkehren. Freilich wird man am liebsten immer zuerst an Shakespeare
-denken, wenn man Tiecks Begeisterung für diesen Dichter sich vor Augen
-hält.[283]
-
-Für die Ausführung der Abschiedsscene bei Tieck scheint Müller’scher
-Einfluss nicht gerade ausgeschlossen. Denn auch Müller macht schon
-aus dem einfachen Abschied der Legende eine bunte Gruppe von Scenen.
-Zwei davon sind als Abschiedsscenen in Parallele gestellt. Von hier
-ausgehend, reiht Tieck noch weitere Abschiedsscenen aneinander. Müllers
-breit gerathene Aufbruchsscenen sind aber neben Tiecks Schilderung des
-Abschiedes fast knapp zu nennen.
-
-Die Hingabe an die Natur und ihre Stimmung, die bei Müller, Goethe
-und Shakespeare bezeichnend hervortritt und die Art dieses Dichters,
-die Natur als Umgebung und Hintergrund für seelische Vorgänge wirksam
-zu benützen, konnte für Tieck außer seiner eigenen Neigung ein Anlass
-mehr sein, seine „Genoveva“ reichlich mit Naturstimmung zu durchweben
-und landschaftliche Hintergründe für gewisse Scenen zu schaffen.
-Die Balkonscene mit Serenade und Sommernachtzauber im Müller’schen
-Drama[284] konnte von Tieck unmöglich übersehen werden. Daneben musste
-sich dann auch das Original bei Shakespeare von selbst einstellen.
--- Müllers Adam sagt einmal vor Genovevas Gefängnis:[285] „Soll denn
-die Sonne scheinen jetzt? Möchte auch nicht scheinen, wenn ich Sonne
-wäre, herunter auf diesen jämmerlichen Erdball.“ Ähnlich spricht Tiecks
-Genoveva zu ihren Henkern:[286]
-
- „O seht, die Sonne will nicht niederscheinen
- Auf solche That, es will das Aug’ der Welt
- Nicht sehn, was euch auf immer nagen würde.“
-
-Hier müssen wir noch einen Blick auf „Werther“ werfen,[287] dessen
-Bedeutung für die Entwickelung des Naturgefühles in der deutschen
-Poesie nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Werther sieht die
-Naturumgebung immer im Lichte seiner Stimmung. Wenn auch nicht mit
-gleich tiefem Gemüthsantheile, so doch in verwandter Art fühlt Golo
-seine Empfindung in die Natur hinein. Die Todessehnsucht Golos, den der
-Wasserfall in seine Tiefe herabzulocken scheint, geht ohne Zweifel auf
-Werther’sche Empfindungen zurück. Werther schreibt: „Ach mit offenen
-Armen stand ich gegen den Abgrund und athmete hinab! hinab! und verlor
-mich in der Wonne, meine Qualen, meine Leiden da hinabzustürzen!
-dahinzubrausen, wie die Wellen!... O Wilhelm! wie gern hätte ich mein
-Menschsein drum gegeben, mit jenem Sturmwinde die Wolken zu zerreißen,
-die Fluten zu fassen!“ Golo:[288]
-
- „Geh’ ich den tiefen Wasserfall vorüber
- Und höre unten seine Wellen brausen
- Und sehe den lebend’gen mut’gen Schaum
- Und wie der Strom sich weit hinunterreißt:
- Ich kann nicht sagen, welch ein tief Gelüst
- Mich dann befällt, in die Strudel abzuspringen,
- Daß sie mich unterwälzen und verschlingen.“
-
-Der unglückliche Werther läuft in den Wäldern herum und stürzt in
-den Sturm hinaus. Der abgewiesene Golo ruft:[289] „Hinaus! dem Winde
-sei ein Spiel, den Regenwolken und dem Blitz ein Ziel!“ Werther
-verkehrt gerne mit einfachen Leuten, die der Natur nahestehen, die dem
-überfeinerten Menschen als unverfälschte Natur erscheinen und macht
-sie zutraulich: Golo thut das nämliche.[290] Die Empfindungsweise, die
-hauptsächlich von Rousseau ausgieng, sendet ihre schwächeren Wellenzüge
-bis in die romantische Dichtung herüber.
-
-Ahnungen und Träume spielen bei Müller (dem wieder „Götz“ und „Werther“
-vorangehen) ihre Rolle. Diese Elemente waren aber besonders geeignet,
-Tiecks Phantasie an einer sehr empfänglichen Seite zu berühren. Ahnung
-und Traum haben in seiner „Genoveva“ auch eine bedeutende Stelle.
-Wackenroder, Novalis und Tieck sind es, die mit großer Vorliebe in
-diesen geheimnisreichen Kreisen unseres Seelenlebens verweilen.
-
-Schwer lassen sich die Einflüsse nachweisen, welche für das ritterliche
-Costüm, besonders für Tiecks Kriegsdarstellung maßgebend waren. Der
-„Kreuzzug“ gegen die Saracenen, der breitangelegte Auszug der Ritter in
-den Krieg sowie die Lagerscenen bei Müller schlagen schon die Richtung
-der Ritterdramen ein. Das Leben und Treiben auf der Burg, wie es Müller
-schildert, konnte Tieck einzelne Winke geben und diese Scenen waren
-geeignet, Tieck, der nun einmal für das Altdeutsche ein hohes Interesse
-und warmes Gefühl hegte, zu veranlassen, dieses ritterliche Costüm noch
-weiter auszuführen. An Anregungen verschiedener Art fehlte es für Tieck
-hier nicht, da er die Herrschaft der Ritterstücke auf der Bühne selbst
-als junger Mensch miterlebt hatte. Und lassen wir die Dutzendware
-der Ritterdramen und Ritterromane beiseite, so müssen wir wieder
-hervorheben, dass Müller Tiecks associierende Erinnerung naturgemäß
-auf „Götz“ und Shakespeare zurückführen musste. Schlachtscenen,
-nächtlicher Kampf und Brand, der Contrast ehrlicher Ritter und falscher
-Feinde begegnete ihm im „Götz“. Noch mehr Schlachtscenen fand er bei
-Shakespeare. Wenn Tieck auch im allgemeinen mehr Sorgfalt für das
-alterthümliche Costüm und Colorit verwendet als Müller, so darf man
-doch auch bei ihm nicht zu viel erwarten. Das Costüm bleibt auch für
-ihn Nebensache, untergeordnetes Mittel zum Zweck, ein Mittel nämlich,
-die Stimmung des Alterthümlichen zu erregen.
-
-Als „klare Erinnerungen von einzelnen Stellen“ des Müller’schen
-Werkes ließe sich noch dies und jenes ansprechen. Die Nachrichten vom
-Kriegsschauplatze und das Heimsenden von Beutestücken gehen offenbar
-auf das gleiche Motiv des Vorläufers zurück.[291] Tieck beachtet aber
-den ursprünglichen Zweck und Sinn desselben, einen Contrast gegen
-Golos unthätiges „Verliegen“ auszudrücken, nicht mehr weiter. Er nimmt
-es als bloße Decoration für den Augenblick in sein Stück auf. Der
-Jagdscene mit dem Jagdliede bei Müller[292] entspricht die Jagdscene
-mit dem Liede bei Tieck.[293] Wie bei Müller Siegfrieds Vettern als
-Veranstalter der Jagd erscheinen,[294] so bei Tieck Siegfrieds Bruder
-und Vetter Kunz.[295] Der Inhalt des Reinigungsbriefes wird überall,
-abweichend vom Volksbuch, erst nach seiner Auffindung mitgetheilt und
-erscheint an einer dramatisch wirksameren Stelle. Namen und Namensform
-entlehnt Tieck nicht von Müller, wo er vom Volksbuch abweicht. Der
-Name „Wolf“ aber, der im Ritterdrama für alte Diener, Burgvögte und
-Leibknappen beliebt ist,[296] deutet darauf hin, dass Tieck wohl auch
-die anderen gut altdeutsch klingenden Namen Otho, Günther, Kunz,
-Gertrud u. s. w. in ähnlicher Absicht, wie die Ritterdramendichter
-einführt.
-
- * *
- *
-
-Betrachten wir das Müller’sche Gut und Eigenthum in Tiecks Drama,
-so will es in der That scheinen, die Vorwürfe, die Tieck einst
-wegen begangenen Plagiates zu hören bekam, seien doch nicht so ganz
-unberechtigt gewesen und Tiecks Bezeichnung dieser Entlehnungen als
-„dunkle Erinnerungen vom Ganzen und klare von einzelnen Stellen“ sei
-viel zu liebevoll und selbstgerecht. Dass Tieck in recht schonender
-Weise, weil in eigener Sache, spricht, kann nicht geleugnet werden, ist
-aber nicht allzuschwer begreiflich. Von einem Plagiate im gewöhnlichen
-üblen Sinne des Wortes darf man aber hier so wenig reden, als etwa bei
-Lessings vielberufenen Entlehnungen. Die zusammengelesenen Steinchen
-machen noch lange nicht das Mosaikbild aus und all die entlehnten
-Motive und Charakterzüge (und wäre selbst ein halbfertiger Charakter
-wie Golo darunter) noch weniger Tiecks ganze Dichtung.
-
-Wenn Tieck die verschiedenen Anleihen, die er bei Müller macht, nur
-als „dunkle Erinnerungen...“ behandelt, so lässt sich auch für diese
-Bezeichnung eine wohlwollendere Erklärung, als die seiner einstigen
-Gegner, finden. Tiecks Dichten gieng auch nicht „vom Buche zum Buche“,
-sondern „vom Leben zum Leben“, d. i. in diesem Falle vom inneren Erleben
-in der Phantasie zum Neuschaffen aus der Phantasie. Theater, Bücher und
-Kunst bieten Tieck die meisten Anregungen. Ganz anders, wie bei Goethe,
-dessen Poesie mehr dem Leben als den Büchern verdankt. Wenn Tieck
-„Götz“, „Werther“, Müller, Shakespeare u. s. w. liest, so leben ihm die
-Gestalten der Dichtungen leibhaftig in klarer Vision auf und besonders
-diese Gestalten haften in seiner Erinnerung mehr oder weniger lebendig,
-nicht aber die einzelnen Verse und Zeilen des Buches. Wenn dann Tieck
-das Volksbuch las, konnten sich recht gut Müllers Golo und von diesem
-herbeigerufen, Weislingen, Werther und andere Figuren einstellen
-und mit den aus dem Volksbuch aufwachsenden Gestalten unvermerkt
-zusammenfließen oder den Gestalten des Volksbuches eine bestimmte
-Färbung verleihen, ohne dass Tieck selbst es irgendwie deutlich merkte.
-Dass dabei auch einzelne Verse, Sätze, Bilder... sich bald klarer, bald
-minder klar reproducierten, hat nichts Auffallendes. Wollte Tieck,
-der die nämliche Legende dramatisch bearbeitete, die er schon einmal
-dramatisiert gelesen, jedes Nachwirken des Vorgängers genau vermeiden,
-er hätte Schritt für Schritt eigens gegen Erinnerungs-Contrebande
-kämpfen müssen. Dazu wäre zum mindesten auch nöthig gewesen, dass
-ihm jemand Müllers Manuscript, das er ein Jahr vorher gelesen hatte,
-zu beständigem gewissenhaften Vergleichen auf den Schreibtisch gelegt
-hätte.
-
-Neben der im ganzen identischen stofflichen Grundlage, die beiden
-Dichtern gemeinsam ist, kommt hier auch eine Art geistiger
-Verwandtschaft der Dichter selbst in Betracht. Diese äußerte sich
-in dem auffallend lebhaften Interesse, das Tieck stets für Müller
-hegte.[297] Vorliebe für das mittelalterliche Ritterleben und für
-Volksthümliches, die Neigung zum Lyrischen und Musikalischen,
-Verehrung Shakespeares und des jungen Goethe, ein reger Natursinn
-bieten in der That mannigfache Berührungspunkte. Es war daher mehr
-als ein bloß geistreicher Einfall, wenn man Müller den „Romantiker
-der Sturm- und Drangperiode“ nannte, wie Hettner that. Behält man
-diese innere Verwandtschaft beider Dichter im Auge, so erscheint es
-auch um vieles verzeihlicher, wenn Tieck manches in seiner „Genoveva“
-als rechtmäßigstes Eigenthum ansprechen mochte, was es vielleicht in
-Wirklichkeit nur zur Hälfte war und seine beharrliche Abwehr jeder
-Plagiatbeschuldigung wird um so begreiflicher. Unter solchen Umständen
-darf man wohl glauben, dass Tieck bona fide nur das herübergenommene
-Lied als nennenswerte Entlehnung betrachtete. Ein sorgfältiges
-Vergleichen seiner „Genoveva“ mit Müller und den anderen literarischen
-Vorbildern hätte Tieck später, als er dem eigenen Werke schon recht
-objectiv gegenüberstand, zu einer exacteren Sprache bewegen können.
-Gute Gelegenheit dazu hätte er gefunden, da er als erster Müllers
-Drama herausgab. Fühlte er sich aber des Plagiates schuldig, so hätte
-er die Herausgabe besser im eigenen Interesse unterlassen. Seine
-„Vorberichte“, die viele wertvolle Erinnerungen an seine dichterische
-Laufbahn enthalten und uns viele Aufschlüsse über das Wesen seiner
-Kunst gewähren, machen nicht den Eindruck, als ob Tieck je mit so
-ängstlicher philologischer Genauigkeit zuwerke gegangen wäre. Nicht zu
-vergessen, dass fast drei Decennien vorüber waren, als er darangieng,
-seine einstigen dichterischen Stimmungen und literarischen Beziehungen
-aus der Erinnerung darzustellen.
-
-Wie Tieck an dem, was er von Müller übernimmt, in seiner Art an
-allem Drastischen und Kraftvollen mildernd und abschwächend änderte
-(also ganz ähnlich wie beim Volksbuch), wie er Ahnung, Traum
-und Naturstimmung, also gerade jene Dinge, die seinem Empfinden
-wahlverwandt entgegenkamen, aufnahm und liebevoll erweiterte, wie er
-selbst dem begleitenden Liede, das er absichtlich und mit Bewusstsein
-entlehnt, eine andere Stellung in seiner Dichtung anwies, sahen wir im
-Verlaufe der Untersuchung. Das Wichtigste und Bemerkenswerteste bleibt,
-dass durch alle Entlehnungen aus Müller das Gesammtbild der Tieck’schen
-„Genoveva“ und die Gesammtauffassung derselben nicht wesentlich
-bestimmt wird. Alles dient nur zur Ergänzung und Ausfüllung der Legende
-des Volksbuches. Motive und Vorstellungen, die Tieck von außen her
-aufnimmt, gehen außerdem immer durch das Medium seiner Individualität
-hindurch und müssen sich der Auffassung des Ganzen unterordnen und
-diese Gesammtauffassung der Legende bei Tieck ist von der Müllers so
-verschieden, als eben Geniezeit und Romantik bei allen gegenseitigen
-Berührungspunkten doch immer verschieden sind.
-
-
-2. Tieck und Shakespeare.
-
-„Das Centrum meiner Liebe und Erkenntnis ist Shakespeares Geist, auf
-den ich alles unwillkürlich und oft, ohne dass ich es weiß, beziehe,
-alles, was ich erfahre und lerne, hat Zusammenhang mit ihm, meine
-Ideen so wie die Natur, alles erklärt ihn und er erklärt die andern
-Wesen, und so studiere ich ihn unaufhörlich.“[298] Diese Worte schrieb
-Tieck in sein „Poetisches Journal“, das im gleichen Jahre mit der
-„Genoveva“ erschien und sie kennzeichnen seine Stellung zum großen
-englischen Dramatiker, seine unbegrenzte Verehrung, seine ehrfürchtige
-Begeisterung.
-
-Shakespeare war von der Schulbank an Tiecks lieber Freund und
-Lebensgefährte. Als Gymnasiast hatte unser Poet heißhungrig einen Band
-der Eschenburg’schen Übersetzung um den andern verschlungen.[299]
-Sechzehnjährig huldigte er seinem Abgotte mit der kleinen Dichtung
-„Die Sommernacht“. In Göttingen (1792 bis 1793) gieng er an ein
-eifriges Studium Shakespeares und des altenglischen Theaters in der
-Originalsprache.[300] Die nächste Frucht dieser Beschäftigung war
-die Bearbeitung des „Sturm“ und zwei Abhandlungen über Shakespeare.
-Der Einfluss dieser Studien lässt sich im Costüm des „Lovell“ sowie
-in manchen Zügen des „Blaubart“ und „Zerbino“ erkennen.[301] A.W.
-Schlegels Übersetzung (von 1797 an erscheinend),[302] entzückt Tieck
-ganz besonders; denn hier findet er den Engländer in deutscher Sprache
-„gleichsam neu erschaffen“.[303] Im „Zerbino“ versetzt er ihn mit
-den größten Meistern der Weltliteratur in den Garten der Poesie.
-Gleichzeitig nimmt er das längstgeplante große Werk über Shakespeare
-in Angriff, kommt aber über die zwei „Briefe über Shakspeare“, die im
-„Poetischen Journal“ stehen und höchstens eine Einleitung zum Werke
-selbst abgeben könnten, zunächst nicht hinaus.[304] Diese „Briefe“ sind
-ein Erguss der tiefen schwärmerischen Verehrung, mit der Tieck vor dem
-britischen Heros auf die Knie sinkt. Auch zu diesem „Kunstheiligen“
-sieht er mit inniger Bewunderung, mit Andacht und Entzücken empor,
-wie er mit Wackenroder zum lieben, wackern Albrecht Dürer und zum
-göttlichen Rafael aufgeblickt hatte.[305]
-
-Nur tiefe Ehrfurcht und Enthusiasmus erfüllen seine Seele. Noch zeigt
-sich kaum eine Spur der späteren sachlichen Kritik der „Dramaturgischen
-Blätter“. Die Begeisterung in den „Briefen“ wird nur ab und zu
-durch missfällige, ironische Seitenblicke auf die „knaupelnden
-Schönheitszergliederer“ wie auf verschiedene zeitgenössische Tendenzen
-unterbrochen. Tieck hat noch kein offenes Auge für die historischen
-Bedingungen, die vor zwei Jahrhunderten den englischen Dichter umgaben.
-Es erscheint ihm an Shakespeare alles als höchste Vollkommenheit.
-Bei solch enthusiastischer Hingabe kann es dem Dichter Tieck leicht
-begegnen, dass er als erstrebenswerte Tugend nachahmt, was beim
-bewunderten Vorbild nicht höchste Leistung, sondern nur eine Noth und
-vorübergehender Zeitgeschmack war. Es ist dies dieselbe schrankenlose
-Bewunderung, wie sie die Romantiker den alten Volksbüchern
-entgegenbringen.[306] Ein solcher entzückter Verehrer kann sich bei der
-Nachahmung so gut vergreifen wie der Halbverständige.
-
-Es müsste wunderlich zugehen, wenn diese Hingebung an den einzig
-bewunderten Dramatiker an Tiecks dramatisierter Genoveva-Legende gar
-keine Spuren erkennen ließe, nachdem auch Tiecks Vorgänger Müller den
-nämlichen Stoff schon mit Shakespeare’schen Motiven bereichert und
-vielfach mit Shakespeare’scher Technik behandelt hatte. In seinen
-Vorberichten gedenkt freilich Tieck mit keinem Worte einer solchen
-Anregung. Wohl aber bemerkt Köpke im Vorübergehen,[307] dass unserem
-Dichter um jene Zeit der halbshakespeare’sche „Perikles“[308] wegen
-der eingeflochtenen epischen Partien besonders lieb gewesen sei. An
-Iffland schreibt der Dichter am 16. December 1799: „Ich habe den
-Versuch gemacht, in diesem Schauspiel die Shakespeare’sche Form
-mit der spanischen zu verbinden, wozu sich der Stoff auch sehr gut
-eignet.“[309] Noch deutlicher spricht Tieck endlich in einem Briefe an
-Solger:[310] „Es gehört zu meinen Eigenheiten, dass ich lange Jahre
-den Perikles von Shakespeare vielleicht übertrieben verehrt habe;
-ohne diesen wäre Zerbino nicht, noch weniger Genoveva und Octavian
-entstanden. Ich hatte mich in diese Form wie vergafft, die so wunderbar
-Epik und Drama verschmelzt; es schien mir möglich, selbst Lyrik
-hineinzuwerfen, und ich denke mit wahrem Entzücken an jene Stunden
-zurück, in denen Genoveva und später Octavian in meinem Gemüthe
-aufgiengen: Dies Entzücken wollte ich wohl zu körperlich, buchstäblich
-hineinbringen, und so entstand das Manierierte. -- --“ Hier sagt Tieck
-mit aller wünschenswerten Klarheit, dass gerade die untheatralische
-Form es war, die ihn so absonderlich am „Perikles“ anzog. Seine eigene
-phantastische Neigung, seine Lust zum Überspringen der hergebrachten
-und der natürlichen Grenzen der künstlerischen Gattungen, Fr. Schlegels
-Doctrin von der romantischen Universalpoesie, in der sich nach der
-Forderung dieses romantischen Gesetzgebers auch die verschiedenen
-künstlerischen Gattungen und Formen unauflöslich verschmelzen sollen,
-erklären es, wie sich Tieck gerade in die Form dieses Zwitterproductes
-„vergaffen“ konnte. Wenn Köpke Shakespeares Einfluss auf die „Genoveva“
-zu wenig betont, so thut Tieck selbst in diesem Briefe des Guten fast
-zuviel, wenn er sagt, dass ohne „Perikles“ nicht „Zerbino“ und noch
-weniger „Genoveva“ und „Octavian“ entstanden wären. So weit es sich
-um „Genoveva“ und „Octavian“ handelt, ist die Sache wohl nicht anders
-gemeint als: „Genoveva“ und „Octavian“ wären ohne „Perikles“ nicht
-die romantischen Dramen geworden, die wir vor uns haben. Warum Tieck
-diese Volksbücher nicht auch ohne „Perikles“ in der Art der „Magelone“
-oder „Melusine“ hätte bearbeiten sollen, ist schwer einzusehen. Für
-die romantisch-dramatische Behandlungsweise ist aber das Vorbild des
-„Perikles“ gewiss nicht zu unterschätzen.
-
-Wenn es im allgemeinen Shakespeare’sches Princip ist, möglichst viele
-Vorgänge dem Zuschauer auf der Bühne vor Augen zu führen (was bei der
-damaligen Bühneneinrichtung nicht schwer war), so sehen wir diese
-Darstellungsart im „Perikles“ bis zur äußersten Consequenz getrieben.
-Ohne straffe dramatische Composition werden uns die Schicksale und
-Abenteuer des Helden Perikles von Tyrus, die eine lange Reihe von
-Jahren ausfüllen, aufs gewissenhafteste vor Augen gestellt, und es
-sollte nichts vergessen und nichts weggelassen werden. Bei solchem
-Vorgehen stieß jedoch der Dichter bald auf die eine oder andere
-Schranke. Sollte alles scenisch erscheinen, so musste einmal das Stück
-eine Ausdehnung bekommen, die jeder Aufführung gespottet hätte. So
-griff er denn zum Auskunftsmittel des epischen Berichterstatters, der
-auf der altenglischen Bühne ohnehin längst heimisch war und gewährte
-ihm möglichst freien Spielraum. Dazu fanden sich in der Fabel des
-Stückes gerade Ereignisse, die sich bequem durch einen Erzähler an
-der Stelle abthun ließen, die ihnen chronologisch zukam, wie etwa die
-zweimalige Meeresfahrt. Anderes in diesen Zwischenerzählungen ist
-freilich auch nichts weiter, als Wiederholung und verdeutlichende
-Erklärung von Dingen, die wir auf der Bühne sehen oder es wird etwas
-erzählt, dass sich ebensogut im Dialoge mittheilen ließe. Ganz ähnlich
-steht es mit dem Chorus in „König Heinrich V.“ Im „Wintermärchen“
-dagegen soll die Zeit als Chorus den Verlauf von sechzehn Jahren
-markieren. Einen ähnlichen Chorus fand Tieck noch im „Locrine“ wie im
-„Lustigen Teufel von Edmonton“.[311] Dieser erzählende Chorus erscheint
-im „Perikles“ nicht nur zwischen den einzelnen Acten mit seinem
-Berichte, sondern zweimal sogar mitten im Verlaufe des Actes.
-
-Tieck will uns „Leben und Tod der heil. Genoveva“ dramatisch vorführen.
-Dieser Stoff umfasst ebenfalls die Ereignisse langer Jahre. Alles
-dramatisch zu formen, würde selbst einem Buchdrama, das nicht mit
-der Bühne des Theaters, sondern mit einer Bühne für die Phantasie
-rechnet,[312] eine zu unerfreuliche Länge verleihen. Ließ sich etwas
-an passender Stelle episch sagen, so konnte es Tieck nur lieb sein.
-Eine solche passende Stelle ist durch den Stoff der Genoveva-Legende
-selbst gegeben. Der siebenjährige Zeitraum, der durch Genovevas Dulden,
-Beten und wunderbare Erlebnisse und durch Schmerzenreichs einsame
-Jugend im Walde ausgefüllt wird (Siegfried erscheint indessen Dragos
-Geist), bietet fast lauter Momente, die für den psychologisierenden
-Epiker bequem, für den Dramatiker wegen ihrer Armut an innerer und
-äußerer Handlung undankbar sind. Dieser Theil der Legende gab also
-Tieck den deutlichen Wink, wo sein Rhapsode einzutreten habe. Es ist
-dies eine Eigenthümlichkeit, welche der Stoff des Genovevabüchleins
-mit dem Shakespeare’schen „Wintermärchen“ gemein hat. Zu beachten
-ist hier noch die technische Erwägung, dass die auffallend hohen
-Wunder sich im epischen Vortrag poetisch wahrer ausnehmen, als in
-dramatischer Vergegenwärtigung. Der letzterwähnte Grund ist kein vager
-Einfall; er entspricht der Auffassung Tiecks von der Darstellung des
-Wunderbaren.[313] Ähnlich beurtheilt auch Bernhardi diesen epischen
-Theil in seiner Recension der „Genoveva“.[314] So erklärt es sich,
-warum Tieck außer im Prologe und Epiloge den heil. Bonifacius
-gerade hier und nicht öfter eintreten lässt, wozu ihn das Vorbild
-des „Perikles“ immerhin hätte verleiten können. Die Verwendung des
-erzählenden Chorus, sowie das Beispiel einer dramatischen Behandlung
-von Ereignissen, die sich durch lange Jahre hinziehen, einer
-dramatischen Biographie, muss für Tieck entscheidend gewesen sein,
-auf eine gewöhnliche Dramatisierung der Legende hätte ihn am Ende
-Müllers Vorgang auch führen müssen. Denn bevor Tieck das Volksbüchlein
-las, hatte er eine dramatische Gestaltung des Genovevastoffes in den
-Händen gehabt. Seit dem „Wilhelm Meister“ geht aber ein epischer Zug
-durch unsere Literatur, der sich z. B. auch im „Wallenstein“ bemerkbar
-macht. Das episch gedehnte inhaltsreiche Drama, wie es Tieck anstrebt,
-nähert sich dem Roman, dem höchsten Ziele der Romantiker in den letzten
-neunziger Jahren.
-
-Hätten wir ohne „Perikles“ keine Tragödie „Genoveva“, so hätten
-wir auch ohne Gower keinen heiligen Bonifacius. Der Verfasser des
-„Perikles“ wählt sich zum Chorus den altenglischen Dichter John
-Gower, dessen „Confessio Amantis“ im achten Buche die Geschichte von
-„Perikles“ behandelt und die neben Lawrence Twines Novelle „The Pattern
-of painfull Adventures“ als Quelle für das Drama diente.[315] Die
-Beziehung Gowers als Erzählers einer Vorlage des Stückes war für die
-Wahl dieses Dichters zum Chorus maßgebend. Als Erzähler der Vorlage hat
-Gower schon äußerlich eine Verbindung mit der Neubearbeitung selbst.
-Die dramatische Neubehandlung seiner Erzählung ist ein Auferstehen vom
-Tode der Vergessenheit und da mag dann billig mit der alten Dichtung
-auch der alte Dichter erscheinen. Tieck wusste allerdings keinen
-Volksbuchschreiber zu finden, der etwa in der „Genoveva“ eine Stelle
-wie Gower im „Perikles“ einnehmen könnte. Hätte unser Romantiker Martin
-von Cochem und den Antheil dieses Schriftstellers am Genovevabüchlein
-gekannt, wer weiß, ob nicht dieser treffliche Kapuzinerpater den
-Part des heil. Bonifacius hätte übernehmen müssen? Tieck führt dafür
-den heil. Bonifacius ein, den er dichterisch frei zum Zeitgenossen
-Genovevas macht. Fehlt für Tieck auch eine ursprüngliche äußere
-Beziehung, wie sie zwischen Gower und Perikles besteht, so steht
-Bonifacius mit der Genoveva-Legende doch in einer gewissen inneren,
-geistigen Verbindung. Der berühmteste Heilige und Glaubensbote
-des deutschen Mittelalters erscheint ganz passend als Chorus in
-einem Drama, das uns in die Zeit mittelalterlicher Frömmigkeit und
-wunderbaren Glaubenslebens zurückversetzen will.
-
-Im „Perikles“ tritt Gower auf und beginnt:
-
- „Es kommt, zu künden einst’ge Mär’,
- Vom Grab der alte Gower her.“
-
-Er kommt ins Leben zurück, um die Menschen mit seiner alten Mär von
-Perikles zu erfreuen, an der sich schon die alte Zeit ergötzte.
-
- „Man sang die Mär’ beim Festgelag,
- Am Kirmiß- und Quatembertag;
- Auch lasen zur Erholung gern
- Zu ihrer Zeit sie Fraun und Herrn...“
-
-Wenn die später Lebenden und darum Gescheiteren der alten Geschichte
-etwas abgewinnen können, so will Gower sie gern ihnen vorführen. Er
-erzählt nun die Vorgeschichte des Dramas und schließt:
-
- „Was nun folgt, soll euer Aug’ erschaun,
- Das mag entscheiden, ob ihr mir dürft traun.“
-
-Seine nächste und noch andere Erzählungen schließt Gower mit dem
-Hinweis auf die auftretende Person:
-
- „Hier kommt er selbst, nun schweigt....“[316]
-
-Am Anfange von Tiecks „Genoveva“ tritt der heil. Bonifacius mit Schwert
-und Palmenzweige (Symbolen, wie sie der Dichter auf Märtyrerbildern
-sah) herein und beginnt mit ähnlicher Naivetät wie Gower:
-
- „Ich bin der wack’re Bonifacius,
- Der einst von Englands Ufern in die Wälder
- Der Deutschen Christus’ heil’gen Glauben brachte.“[317]
-
-Bonifacius schildert seine apostolische Thätigkeit. Wie an Gower,
-freute sich die Vorzeit auch an Bonifacius.
-
- „Das Alter sprach von mir, und meiner dachte
- Die Jugend mit des Herzens Innigkeit,..“
-
-Nachdem wir so die nöthige Aufklärung über die Persönlichkeit und das
-Erscheinen des Heiligen erhalten haben, schildert auch dieser die
-Vorgeschichte des Dramas und weist wie Gower die Zuschauer auf den
-auftretenden Grafen Siegfried hin.
-
- „Da geht der edle Mann, zum Streit gewappnet,[318]
- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
- So seid nun aufmerksam und lasst euch gern
- In alte deutsche Zeit zurückeführen.“
-
-Bonifacius fordert hier Aufmerksamkeit für das Folgende gerade wie
-Gower, der zum Schweigen mahnt und der sich seinerseits wieder nach den
-alten Mysterien richtete, in denen die Engel oder ein anderer Prologus
-das „Silete!“ riefen und Aufmerksamkeit heischten.
-
-Die Einführung der Prologsprecher und die Disposition der
-beiden Prologe, nämlich erst Selbstschilderung der auftretenden
-Persönlichkeit, dann Entwickelung der Vorgeschichte und Mahnung zur
-Aufmerksamkeit, ist so ähnlich, als ob Tieck sich förmlich bemüht
-hätte, den Eingang des schwächlichen altenglischen Stückes, das er
-damals so hoch verehrte, Zug für Zug nachzubilden. Tieck hat bei
-Herübernahme des Prologes seinem bewunderten Vorbilde auch sogar eine
-üble Seite abgeguckt. Im „Perikles“ so gut wie in der „Genoveva“
-erfahren wir die Thatsachen der Vorgeschichte, von denen der Prolog
-redet, im Stücke selbst noch einmal.[319]
-
-Neben diesen deutlichen Ähnlichkeiten im äußeren Aufbau springt auch
-der innere Unterschied beider Prologe sogleich in die Augen. Bonifacius
-tritt seinem Publicum nicht bloß als harmloser Geschichtenerzähler,
-sondern zugleich als strenger, religiöser Mahner, als Prediger in
-der Wüste entgegen und beklagt sich bitter (wie Wackenroder, Novalis
-und Tieck), dass der Sinn für die alte fromme Zeit in seinem lieben
-Deutschland so ganz geschwunden sei. Die breitausladende Rede des
-Heiligen ist -- wenn wir vom gequält naiven Eingange absehen -- ernst
-und voll feierlicher Würde und hüllt sich darum auch in das vornehmere
-Gewand des Blankverses, in dem an anderen Stellen auch Gower redet,
-während im Prologe und in den meisten epischen Zwischenstücken des
-„Perikles“ die vierhebigen Reimpaare der hausbackenen, schwerfälligen
-Rede die richtige Begleitung geben. Gower sagt klar und bündig, was er
-ist und was er auf dem Theater will. Er vergeudet sein neugewonnenes
-Leben wie Kerzenlicht zur Freude der Zuschauer. Bonifacius, der allem
-Anscheine nach eben aus der jenseitigen Welt gekommen ist, sagt noch
-obendrein:
-
- „Und oftmals geht in dieser späten Zeit
- Mein Geist umher...“
-
-Etwas räthselhaft. Dazu kommt das Zwiespältige, dass Bonifacius auf der
-einen Seite als Berichterstatter über die längstvergangene alte Zeit
-vor uns tritt, auf der andern wiederum dreimal im Drama als mitlebender
-Bischof nicht gerade auftritt, aber doch erwähnt wird.
-
-Dass Bonifacius nur an einer Stelle innerhalb des Stückes auftritt,
-sahen wir durch die Beschaffenheit des Stoffes und durch technische
-Erwägungen geboten. Gower ist, mit Bonifacius verglichen in seiner
-Erzählungsweise subjectiver und „ironischer“ im romantischen Sinne,
-indem er dem Zuschauer immer gegenwärtig hält, dass dieser im Theater
-sitzt, was Bonifacius alles vermeidet, um keine Störung in die ernste
-Rede zu bringen. Gower beschließt, entgegen seiner ersten Absicht im
-Prolog, wo er nur verheißt, seine Zuschauer zu erfreuen, das Drama
-mit einem ziemlich nüchternen moralisierenden Epilog. Bonifacius
-bleibt innerhalb seiner religiösen Sphäre und verkündet am Ende die
-Verklärung der heil. Genoveva. Das äußere Schema und einzelnes in der
-Stilisierung des Prologes nimmt also Tieck aus dem „Perikles“. Inhalt
-und Auffassung ist durch den allgemeinen Geist seines Stückes durch die
-alterthümlich-religiöse Stimmung bedingt.
-
-Mit diesem Einfluss des „Perikles“ auf die Form, auf die Verbindung
-von Erzählung und Drama ist aber Shakespeares Einwirkung auf Tiecks
-„Genoveva“ noch nicht erschöpft. Minor hat in seiner Ausgabe in kurzen
-Anmerkungen bereits auf die bedeutendsten Anklänge hingewiesen. Es
-sollen diese Notizen hier näher ausgeführt, begründet und an ein paar
-Stellen ergänzt und berichtigt werden. Einige Gestalten Tiecks zeigen
-in ihrem Charakter Verwandtschaft mit Shakespeare’schen Figuren. Da
-muss an erster Stelle der „wackeren“ Amme Gertrud gedacht werden.
-Das meiste für diese Nebenfigur gab dem Dichter das Volksbuch an die
-Hand, ihre Stellung im Drama wurde einigermaßen durch Maler Müllers
-Mathilde modificiert, von der Amme in „Romeo und Julia“ entlehnte
-aber Gertrud ihre „bösgeläufige“ Zunge. Denn die Erzählung von Golos
-Jugend ist unverkennbar in manchen Einzelheiten der Erzählung von
-Julias Jugend[320] nachgebildet. Wie Julias Amme eine Gespielin
-ihrer Pflegebefohlenen verlor, so muss Gertrud den Tod ihres eigenen
-Söhnchens beklagen, während Golo am Leben blieb. Beide erzählen mit
-der gleichen breiten Geschwätzigkeit und beide suchen mit wiederholten
-Ausrufen und Wendungen Gott in ihr Gerede hineinzuziehen. Für die
-leichtsinnigen geschlechtlichen Anspielungen der Amme Julias tritt bei
-Tieck das Lob des Bastards ein, das wieder sein eigenes Vorbild im
-Monologe Edmunds im „König Lear“[321] hat und die scherzhafte Bemerkung
-Gertruds:
-
- „Du lieber Gott, wie’s nun so in der Welt
- Einmal zu gehen pflegt, er war nun da
- Und fragte keinen, ob er kommen sollte.“[322]
-
-klingt ähnlich wie die Worte des alten Gloster über Edmund: „Obgleich
-dieser Schlingel etwas vorwitzig in die Welt kam, ehe er gerufen
-ward, so war doch seine Mutter schön...“ Wie Julias Amme refrainartig
-ihren Scherz wiederholt, so Gertrud ihr Erstaunen über das Wunderbare,
-das sie an Golo und seinem Schicksale zu bemerken glaubt. Die Gräfin
-Capulet sucht den unangenehmen Redeschwall der Wärterin einzudämmen.
-„Genug davon, ich bitte, halt dich ruhig.“ Genoveva, in der gleichen
-Lage, mahnt: „Du bist ein wenig zu geschwätzig, Gertrud, und sprichst
-daher mit bös’ geläuf’ger Zunge.“ Tieck schwächt wieder die derben
-Spässe, die der frommen Grundstimmung seiner Dichtung widerstreiten
-müssten, ab. Er nennt auch in einer späteren Abhandlung über „Romeo und
-Julia“ einmal das Geschwätz der Amme „gemeines Geschwätz“.[323]
-
-Im langen Monologe Karl Martells[324] will Minor deutliche Anklänge
-an die Monologe Macbeths bemerken, was mir aber nicht nachweisbar
-erscheint. Karl wiegt sich eine Zeitlang mit Lust in ehrgeizigen
-Gedanken und bekämpft sie dann im religiösen Sinne, wie sie eben ein
-guter Christ bekämpfen soll. Macbeth aber rechnet sich die quälenden
-Gewissensbisse vor, die der vollbrachten Mordthat folgen. Auch
-in einzelnen Gedanken und Wendungen lassen sich keine deutlichen
-Übereinstimmungen auffinden. Eher möchte man gewissen Äußerungen
-ehrgeiziger Prätendenten, z. B. im „König Heinrich VI.“ Keime
-einiger Gedanken Karl Martells vermuthen. In einer ehrgeizerfüllten
-Rede Yorks[325], in Richards herrschsüchtigen Worten[326], in
-Glosters Äußerungen[327], ferner in Hublas’ Rede[328] begegnen uns
-thatsächlich Gedanken, die manchen Impuls für Karl Martells Monolog
-bei Tieck gegeben haben könnten. „Könnten“, denn wörtliche und sicher
-nachweisbare Übereinstimmungen fehlen.
-
-Nicht unwahrscheinlich ist es aber, dass ein wenig von dem finsteren
-Heldentrotze, den Macbeth vor seinem Ende zeigt, auf Abdorrhaman
-übergieng. Der abergläubische Macbeth sieht nämlich, dass nach der
-doppelsinnigen Weissagung, welcher er unbedingt Glauben schenkt, sein
-Schicksal sich erfüllt; denn der Birnamwald rückt gegen Dunsinan und
-ein Gegner, der nicht vom Weibe „geboren“ ist, steht ihm gegenüber.
-Einen Augenblick bricht sein Muth zusammen, um sich sofort wieder
-todeskühn emporzurecken.[329] Macduffs, seines Gegners Aufforderung,
-die Waffen zu strecken, weist er mit stolzem Wort zurück. So benimmt
-sich auch der Saracenenführer Abdorrhaman in der Schlacht.[330] Obschon
-er sieht, dass Mahom, sein Schutzherr, ihn im Stiche lässt, stürmt er
-muthig und mit Todesverachtung in den Kampf und Aquitanien, der den
-Saracenen auffordert, sich zu ergeben, bekommt dieselbe trotzig-stolze
-Antwort wie Macduff.
-
-In anderen Fällen wieder merkt man Shakespeares Vorbild in der Anlage
-und herrschenden Stimmung der Scene. Da verweist Minor vor allem auf
-die Balkonscene Tiecks, die bei „Romeo und Julia“ und dem „Kaufmann von
-Venedig“ ihre Anleihen mache. Es wird aber nicht bloß an eine directe
-Anlehnung an Shakespeare zu denken sein, sondern Müllers Balkonscene
-tritt, wie schon bemerkt wurde, als Mittelglied zwischen Tieck und
-Shakespeare. Für den Shakespeareschwärmer Müller, der seiner Genoveva
-die ganze Heiligengloriole nimmt, um sie zu einer menschlichen,
-dramatisch wirksamen Gestalt umzubilden, liegt eine Nachbildung der
-Scene aus „Romeo und Julia“ nicht so fern. Für Tieck aber, der eine
-„heilige Genoveva“ schaffen will, musste jene leidenschaftdurchflammte
-Begegnung zwischen Romeo und Julia, in der eines die Liebe des anderen
-glühend erwidert, eigentlich ziemlich ferne liegen. Golos vergebliche
-Werbung ist das Motiv bei Tieck. Tritt aber einmal Müller dazwischen,
-der die Balkonscene sammt der Sommernacht mit Golo und Genoveva
-verbindet, so ist es begreiflicher, dass Tieck, der Romantiker, der
-dem Reize einer Sommernacht nie widerstehen kann, das Motiv aufnimmt
-und alle weichen Hauche und Töne träumerisch erklingen lässt. Müllers
-und Shakespeares Antheil ist übrigens noch ganz gut erkennbar. Wie
-bei Müller Genoveva und Mathilde, so betreten bei Tieck Genoveva
-und Gertrud den Balkon, um die Sommernacht zu genießen. Jedesmal
-bringt ihnen Golo eine Serenade, mit welcher er eine versteckte und
-erfolglose Liebeswerbung verbindet. Die Scene nimmt in beiden Dramen
-ungefähr die nämliche Stelle ein. So viel steuert Müller für die Scene
-bei. Darein verwebt nun Tieck verschiedene Dinge, die er direct aus
-Shakespeare herübernimmt und das sind erst die Reminiscenzen aus „Romeo
-und Julia“ sowie aus dem „Kaufmann von Venedig“, von denen Minor in
-seiner Anmerkung spricht. Einmal die Entwickelung des Dialoges. In
-„Romeo und Julia“ hebt die Scene mit einem Monologe Romeos an. Julia
-erscheint auf dem Balkon, wird von Romeo bemerkt ohne ihn selbst zu
-bemerken. Romeos Reden correspondieren etwa dreißig Zeilen hindurch
-mit Julias Selbstgespräch, ehe es zum eigentlichen Dialoge kommt.
-Auffallend ist die Ähnlichkeit dieses Sceneneinganges mit der Art,
-wie Tieck die nämliche Sache durchführt. Monolog Golos; Genoveva
-und Gertrud erscheinen auf dem Balkone; Genovevas Reden werden von
-Golo beantwortet, ohne dass er von den Frauen bemerkt wird und dann
-beginnt der Dialog selbst.[331] Alles wie bei Shakespeare. Auch
-Gedanken und Empfindungen Golos[332] berühren sich hin und wieder
-mit Romeos Monolog.[333] Überall erscheint die Frauenschönheit im
-Wettstreit mit den glänzendsten Erscheinungen der Natur. Der Liebende
-entbehrt gerne das Schönste in der Schöpfung, Sonne, Mond und Sterne,
-wenn ihm nur die Schönheit seiner Geliebten erglänzt; denn bei
-Tieck und Shakespeare muss sich die Natur durch den Reiz der einzig
-Vergötterten beschämen lassen.[334] Romeos auflodernde Phantasie
-sieht in Julia die holde Sonne, die Lunens Glanz ertödtet und seine
-Liebesseligkeit drängt sich in beständigen Anrufen an seine Geliebte
-aus dem Herzen. Golos Phantasie weilt lieber im dämmernden Reiche
-der Nacht. Seine Bilder entlehnt er von Mond und Sternen. Er richtet
-seine liebeerfüllten Ausrufe nicht so sehr an die Geliebte, sondern er
-haucht sie wie träumend in die umgebende nächtliche Natur ein. Hier
-beobachten wir deutlich Tiecks Abhängigkeit und eigene poetische Art
-dicht nebeneinander. Dazu gesellen sich noch die weichen Laute aus
-dem bekannten lyrischen Eingange des fünften Actes im „Kaufmann von
-Venedig“, deren auch Minor gedenkt. Die Worte Genovevas:
-
- „Wie still die Nacht des Tages Hitze kühlt,
- Wie sanft der Mondschein auf dem Grase spielt,
- Wie süß das Herz sich nun beruhigt fühlt,“
-
-athmen dieselbe Stimmung, wie Lorenzos vielcitierte Worte: „Wie süß das
-Mondlicht auf dem Hügel schläft...“[335]
-
-Die traumhaft weiche Sommernachtstimmung und der süße Zauber, der das
-lyrische Intermezzo im „Kaufmann von Venedig“ erfüllt, gehören zu
-dem, was Tieck und die Romantiker am meisten lieben und was auch jene
-Nachtscene der „Genoveva“ beherrscht. Es konnten sich hier sehr leicht
-einzelne Klänge, welche Tiecks eigenen Stimmungen verwandt sind, aus
-dem „Kaufmann von Venedig“ hereinstehlen, ohne dass der Dichter selbst
-es merkte und ohne dass er viel am Entlehnten hätte umbilden müssen.
-
-Zur Sterbescene des alten Wolf merkt Minor an, sie sei „deutlich
-der Scene mit dem sterbenden Gaunt in Richard II. nachgebildet“.
-Minor behält damit gewiss Recht. Jedesmal ist es ein alter Mann, das
-einemal Golos Pflegevater, das anderemal der treue Rathgeber König
-Richards, der einem jungen, auf schiefe Bahnen gerathenen Menschen vom
-Sterbebette aus ernste Mahnungen und Warnungen ertheilt. Weder das
-Volksbuch noch Müller gibt für diese Scene einen Anknüpfungspunkt.
-Es ist darum kein Zweifel, dass die große Scene in „König Richard
-II.“[336] für Tieck das Vorbild war. Im Inhalt und Ton des Ganzen geht
-Tieck freilich wieder seinen eigenen Weg. Religion und Gemüthsweichheit
-herrschen hier, Gaunts wild donnernder Zorn ist verschwunden. Wolf
-bittet und fleht und sucht durch religiöse Ermahnungen seinem
-entrathenen Sohne beizukommen. Den ausgesprochenen Fluch widerruft
-er sofort und stirbt unter sentimentalen Bitten. Gaunt ist zwar auch
-ein geduldiger und treuer Unterthan seines Königs, aber neben Wolf
-gehalten, redet aus ihm eine ernste, mächtige, derbe, reckenhafte
-Männlichkeit. Gaunt widerruft kein Wort, das er einmal gesprochen.[337]
-Die lieblos rohe Antwort Golos auf Wolfs Ermahnungen:
-
- „Eu’r Fabeln rührt vom großen Alter her,
- Ihr wißt nicht, was Ihr sprecht, drum sei’s verziehn.
- Auf meinen Kopf, was ich verfehlen mag,“
-
-stammt von der noch roheren Richards her:
-
- „Du, ein seichter und mondsücht’ger Narr,
- Auf eines Fiebers Vorrecht dich verlassend,
- Darfst uns mit deinen frost’gen Warnungen
- Die Wangen bleichen, unser fürstlich Blut
- Vor Zorn aus seinem Aufenthalt verjagen?“ u. s. w.
-
-Die ungewöhnliche Ausdehnung der Reden fällt in beiden Scenen auf.
-
-Tiecks Hexenscene soll nach Minor charakteristischer Weise den Einfluss
-Shakespeares (Macbeth und die Hexen) mit dem Goethes (Hexenscene im
-„Faust“) vereinigen. Allein schon der Vergleich mit dem Volksbuche
-lehrt, dass in dieser Anmerkung sicherlich zu viel gesagt ist; denn das
-Wesentliche und Thatsächliche, was sich in der Scene begibt, fand Tieck
-im Volksbuch vor. In den wirren Sprüchen und Formeln der Hexe zeigen
-sich Spuren verschiedener Gedanken aus Jakob Böhmes „Morgenröthe“. Es
-bleiben dann nur noch einige Äußerlichkeiten, die sich als Entlehnungen
-aus den genannten literarischen Vorbildern, Goethe und Shakespeare,
-erweisen lassen. In einem Punkte wenigstens thut Tieck, was Goethe und
-Shakespeare thaten. Diese Dichter beschränken sich in ihren Hexenscenen
-nicht ökonomisch auf das Nothwendigste, sondern sie schmücken jeder
-in seiner Weise das Treiben der unheimlichen Menschen malerisch aus.
-Es wird Verschiedenes vorgeführt, was nicht unmittelbar dem Zwecke
-der Scene dient. Malerisch und stimmungsvoll in diesem Sinne ist der
-Eingangsmonolog bei Tieck,[338] der die Zurüstungen Winfredas und die
-nächtliche Scenerie malt. Bei diesem Monologe denkt man aber nicht
-zuerst an „Macbeth“, sondern lieber an die Verse, mit denen Bolingbroke
-in „Heinrich VI.“[339] eine Geisterbeschwörung einleitet. Dieser, ein
-Theilnehmer am nächtlichen Werke, entwirft selbst, wie hier Winfreda,
-das düstere Nachtbild, nur dass es nicht monologisch geschieht.
-
- „Geduld nur! Zaub’rer wissen ihre Zeit.
- Die tiefe, finst’re Nacht, das Grau’n der Nacht;
- Die Zeit, da Troja ward in Brand gesteckt;
- Die Zeit, wo Eulen schrei’n und Hunde heulen,
- Wo Geister geh’n, ihr Grab Gespenster sprengen:
- Die ziemt sich für das Werk, womit wir umgeh’n.“
-
- ~Siegfried~:
-
- „So komm, vom Himmel zeigt sich schon die Nacht,
- Jetzt hat das Reich der Geister seine Macht.“ -- --
-
- ~Winfreda~:
-
- „An seinem Orte hängt der magische Spiegel,
- Schon weht die Nacht herauf mit schwarzem Flügel,
- Wolken zieh’n und flieh’n vor des Mondes Scheibe,
- Auf Kirchhöfen steh’n die Leichen mit blassem Leibe,
- In unterird’schen Grüften ein wühlendes Regen,
- In oberird’schen Lüften ein spielendes Bewegen,
- Geister schauern hernieder,
- Und geh’n und kommen wieder
- Auf der schwarzen Leiter der Nacht,...“
-
-Der Inhalt dieser Hexenworte berührt sich theilweise ziemlich deutlich
-mit der Bolingbroke’schen Schilderung. In „Macbeth“ und „Faust“ wird
-auch alles, was der Stimmungsmalerei dient, in Handlung umgesetzt,
-während Bolingbroke und Winfreda die Situation mit Worten schildern.
-Das Colorit der Tieck’schen Hexenscene ist zwar düster, aber es
-herrscht in dieser Hexenwohnung doch eine ganz andere Luft, als auf
-der gewitterdurchstürmten schottischen Heide. Goethes Hexenscene
-musste Tieck wegen ihres humoristischen Charakters (Humor ist in der
-„Genoveva“ grundsätzlich ausgeschlossen) ferne liegen.
-
-Ebensowenig durchgreifend erscheint Shakespeares Einfluss in der
-Episode, wo Gertrud bei Golo die Anwaltschaft für die gefangene
-Genoveva und ihr Kind übernimmt. Der Inhalt dieser Scene war Tieck
-bis ins einzelne herab durch die Legende geboten. Es ist ein
-merkwürdiger Zufall, dass der Inhalt der dritten Scene im zweiten
-Acte des „Wintermärchens“, das Minor im Auge hat, jener Stelle des
-Volksbuches so auffallend ähnelt. Jedesmal erscheint nämlich eine Frau
-als Fürbitterin für eine Gefangene und ihr Kind. Wenn Tieck nach dem
-Volksbuche das nämliche Motiv dichterisch behandelt, das schon vorher
-sein bewunderter Meister Shakespeare behandelte, so ist allerdings zu
-vermuthen, dass ihm dabei Shakespeare leicht ein wenig in die Phantasie
-hineinspielen konnte. Allein dies kann hier nur Einzelheiten betreffen.
-Golo und Leontes erblicken wir im Anfange der Scene in tiefer
-Gemüthsunruhe. Beide geben den Befehl, jeden störenden Besuch ferne zu
-halten und beide wollen die Frau, die sich stürmischerweise den Zutritt
-doch verschafft, energisch aus dem Hause weisen. In der Einleitung
-schließt sich also Tiecks Scene ohne Zweifel Shakespeare an, aber
-eine weitere und tiefer greifende Abhängigkeit wird sich schwerlich
-nachweisen lassen.
-
-Ebenso verhält es sich noch mit einer anderen Scene, nämlich mit
-dem Gerichte über Golo, das ein wenig nach Shakespeare stilisiert
-erscheint, und zwar nach dem Gerichte, das in „Richard II.“[340]
-Bolingbroke über Green und Bushy hält. Zuerst ein Befehl, die
-Delinquenten vorzuführen.
-
- ~Bolingbroke~:
-
- „Führt diese Männer vor.“
-
- ~Matthias~:
-
- „Jetzt lasst den Bösewicht herein...“
-
-Darauf hält der Vorsitzende des Gerichtes, Bolingbroke bei Shakespeare,
-bei Tieck Siegfried, den Schuldigen die begangenen Übelthaten vor.
-Der Inhalt dieser Anklagerede, Golos aufgezählte Frevel, stehen auch
-wieder im Volksbuch, nur für das äußere Arrangement der Scene kommt
-Shakespeare ein wenig in Rechnung.[341]
-
-Wir mussten bereits andeuten, dass Tieck, von Maler Müller geleitet,
-für die breitausgedehnten Schlachtscenen und ihr ritterliches
-Costüm manches aus Shakespeare entnahm. Dass es für Tieck nichts
-Gewagtes schien, bei Shakespeare in Sachen des ritterlichen Costüms
-zu lernen, beweisen seine eigenen Worte: „Shakespeares Zeitalter war
-gerade dasjenige, in welchem noch die letzten Spuren des kräftigen
-Mittelalters, des Geistes der Liebe, des Wunderglaubens und der
-Heldenthaten wie in einer neuen Herbstblüte zwar schwach aber doch
-erquicklich, da standen.“[342] Es finden sich vorzüglich in den
-„Historien“ Motive, die für Tieck anregend wirken konnten. Da begegnen
-uns die Gesandtschaft, die Beobachtung der Naturstimmung vor der
-Schlacht, das wechselnde Kriegsglück, der Zweikampf, der Aufruhr im
-eigenen Lande, während das Heer im Felde steht, Stadtbelagerung,
-nächtlicher Überfall, nächtliches Lagerbild, Verwirrung und Bedrängnis
-im nächtlichen Kampfe, der sterbende Krieger. Es lässt sich ja nicht
-leugnen, dass solche Motive in den Schlachtschilderungen fast aller
-Zeiten wiederkehren. Wenn wir aber bemerken, dass Tieck mit manchen
-anderen Zügen sich ziemlich enge an Shakespeare anlehnt, so liegt es
-nahe, auch hier gerade an die Vorbildlichkeit Shakespeares zu glauben.
-
-Wie der kämpfende Abdorrhaman an Macbeth in der Schlacht gemahnt, wurde
-schon in anderem Zusammenhange gezeigt.
-
-Die Gesandten entwickeln bei Shakespeare mitunter in ihren Forderungen
-dieselbe naive Unverfrorenheit wie Tiecks saracenische Botschafter. Sie
-benehmen sich, als ob sich der Gegner schon lange ohne Schwertstreich
-auf Gnade und Ungnade ergeben hätte.[343] In „Heinrich V.“ fordert
-Exeter schlankweg Übergabe, sonst gebe es blutigen Kampf. Die Franzosen
-möchten doch selbst ihre Leute schonen.[344] Gerade so redet Derar
-vor Karl Martell und nicht weniger verächtlich spricht Albanakt im
-„Locrine“ von seinen Gegnern. (Hornvilla im „Octavian“.) -- Der
-Schlachtplan, den Malcolm entwirft,[345] ist im wesentlichen derselbe
-wie jener, den der saracenische Kriegsrath bei Tieck zustande bringt.
--- Wenn Otho, auf dem Schlachtfelde sterbend, über das Kriegerleben,
-sein Aufblühen und Hinschwinden meditiert, so hören wir auch den
-sterbenden Warwick[346] seine ähnlichen Betrachtungen über die
-Vergänglichkeit der irdischen Herrlichkeit halten. -- Shakespeare,
-der „seine Göttin“ Natur nie vergessen mag, lauscht sogar auf dem
-Schlachtfelde dem Tone ihrer Stimmung.
-
- ~König Heinrich~:
-
- „Wie blutig über jenen busch’gen Hügel
- Die Sonne blickt hervor! Der Tag sieht bleich
- Ob ihrem kranken Schein.“
-
- ~Prinz Heinrich~:
-
- „Der Wind aus Süden
- Thut, was sie vorhat, als Trompeter kund,
- Und sagt, durch hohles Pfeifen in den Blättern,
- Uns Sturm vorher und einen rauhen Tag.“
-
- ~König Heinrich~:
-
- „So stimm’ er denn in der Verlierer Sinn,
- Denn nichts scheint denen trübe, die gewinnen.“[347]
-
-So fühlt sich auch Karl Martell von der Morgenstimmung vor der Schlacht
-ernst ergriffen.
-
- ~Karl Martell~:
-
- „Mit Purpur angethan zeucht Morgenröte
- Herauf und schreitet durch das Himmelblau,
- Es flammt die Glorie der frühen Röte
- Herab und spielet auf die grüne Au,
- Der Tod schaut nieder, welchen er ertöte,
- Weiß jener nur, jenseit des Himmelsblau.“
-
-Der ernsten Betrachtung contrastiert auch Tieck die zuversichtliche
-Empfindung des Jünglings Aquitanien:
-
- „Seht, fröhlich hat der Tag sich angethan,
- Er glänzt daher im festlichen Gewand...“[348]
-
-Einen Schritt weiter als dieses poetische Einfühlen in die Natur
-geht die astrologische oder die gewöhnliche abergläubische Deutung
-ungewöhnlicher Naturvorgänge, wie sie Tieck in der Unterredung
-zwischen Golo und Wolf verwertet.[349] Der uralte Volksglaube, dass
-ungewöhnliche Himmelserscheinungen und seltene atmosphärische Vorgänge
-Begleiterscheinungen ungewöhnlicher Vorgänge auf Erden seien, wird von
-Shakespeare nicht selten in wirkungsvoller Weise für ein Stimmungsbild
-ausgenützt oder in ein solches verwoben. Außerdem liegt für den Leser
-und Zuschauer in solchen Vorgängen eine ahnungweckende Vordeutung
-über künftige Ereignisse. In „Richard III.“[350] will ein Hauptmann
-aus verschiedenen düsteren Zeichen (darunter: „der blasse Mond
-scheint blutig auf die Erde“) auf den Tod des Königs schließen.[351]
-Im „Hamlet“[352] spricht Horatio von den unheimlichen Zeichen am
-Himmel und auf der Erde, die Cäsars Tod verkündeten „als Boten, die
-dem Schicksal stets vorangehn und Vorspiel der Entscheidung, die
-sich naht“. Ein andermal steht dem zeichengläubigen alten Gloster
-der junge Edmund gegenüber, der mit rationalistischer Skepsis den
-Glauben an diese Vorzeichen als „ausbündige Narrheit“ erklärt.[353]
-Von Shakespeare übernahm diese Mittel der unheimlichen Stimmung und
-Vorahnung Goethe in den „Götz“.[354] Bei Maler Müller erscheint mit
-einer neuen Nuance die verwandte Vorstellung, dass durch solche
-Zeichen verborgene Blutschuld offenbar wurde. Doch Golo fürchtet sich
-nicht davor. „Ich lache zu allem! Wenn auch gleich Sonnenfinsternis
-würde, Sterne blutig über mein Haupt herabwinkten und durch eine
-angedeutete Zuchtrute der Himmel mich bedräuen ließe: was liegt mir
-daran?“ Tieck hatte schon vor seiner „Genoveva“ gerne das unheimliche,
-unbestimmte Grauen vor Natur- und Schicksalsmächten in seine Dichtungen
-hereingebracht. („William Lovell“, „Blaubart“, „Der blonde Eckbert“,
-„Sternbald“, „Tannenhäuser“ und „Runenberg“.) Der eigenthümliche
-Zug seiner Phantasie musste durch die literarischen Vorbilder
-nur gesteigert werden. Diese sowie die eigentlich astrologischen
-Vorstellungen wurden auch noch durch Jakob Böhme und Schillers
-„Wallenstein“, den Tieck gewiss auf dem Berliner Theater gesehen hat,
-genährt. Aus dieser düster dämmernden Sphäre stammt die Scene mit
-dem alten Wolf und Golo. Welches von den verschiedenen Vorbildern
-den ersten Anstoß gab, wage ich nicht zu entscheiden, weil sich bei
-Tieck verschiedene Anschauungen kreuzen. Das Meer von Blut um den Mond
-erinnert an den blutig scheinenden Mond in „Richard III“. Daneben wird
-die unheimliche Erscheinung am Himmel von Wolf als Vordeutung über
-den Ausgang der Saracenenschlacht erklärt („Hamlet“, „Julius Cäsar“,
-„Locrine“), und wie Edmund Gloster seinem gläubigen Vater gegenüber,
-weist auch Golo eine solche Deutung zurück, nicht mit gleicher Schärfe,
-sondern mit dem milderen Hinweis auf die astrologischen Betrüger und
-auf den Widerstreit mit Vernunft und Religion. (Ungläubig verhält
-sich Golo hier und bei Müller solchen Warnungszeichen gegenüber.)
-Das an sich nebensächliche Motiv wird dadurch lehrreich, dass man
-sieht wie innerlich verschieden nuancierte und äußerlich ziemlich
-weit auseinanderliegende Vorstellungen in Tiecks Phantasie zu einem
-neuen Gebilde zusammenwachsen. Es wäre also hier ein ähnliches
-Vereinigen verschiedener Splitterchen zu einem neuen Mosaik, wie
-in den Schlachtscenen zu beobachten. Bezeichnend ist es wieder für
-den Romantiker, dass er Gelegenheit sucht, gerade jene Elemente des
-Aberglaubens, die einen dunklen Gemüthsschauer erwecken, in der
-Dichtung zu verwerten. A.W. Schlegel steht, wie wir hörten, für das
-Poetische der Astrologie ein und auch Jean Paul widmet bei Besprechung
-des Romantischen in seiner „Vorschule der Ästhetik“ der „Poesie des
-Aberglaubens“ einen eigenen Paragraphen.
-
-Auch das mystisch-sinnige Motiv alter Volkslieder, dass aus dem Grabe
-der Geliebten Blumen aufsprießen, wird wahrscheinlich aus Shakespeare
-und den Volksliedern zu Müller,[355] aus Müller und Shakespeare
-zu Tieck gewandert sein. Am nächsten verwandt sind Golos Worte am
-vermeintlichen Grabe Genovevas[356] mit jenen des Laertes an Opheliens
-Grabe.[357]
-
-Schwerer als inhaltliche Übereinstimmungen lassen sich formelle und
-stilistische Anlehnungen an ein Vorbild sicher feststellen. Allein
-manche sprachliche Eigenthümlichkeiten der „Genoveva“ weisen ziemlich
-fühlbar auf das Muster des großen Briten zurück. Dass Tieck im Wechsel
-von Vers und Prosa den Wegen Shakespeares folgt, hat schon Minor
-betont. Dazu käme noch der Wechsel gereimter und reimloser fünfhebiger
-Verse und die Verwendung von Strophen des Schemas _~ab ab cc~_,
-die sich z. B. in „Romeo und Julia“ finden. Der Gesang der erscheinenden
-Engel in der Wüste erinnert mit seinen ei-Reimen an jenen Spruch, den
-sich im „Kaufmann von Venedig“ der Prinz von Marokko aus dem Kästchen
-holt.[358] Allerdings nur in Schlegels Übersetzung stehen die ei-Reime,
-nicht im englischen Text. Wir dürfen eben nicht vergessen, dass neben
-dem englischen Original auch Schlegels Shakespeare-Übersetzung auf
-Tieck großen Eindruck machte und Einfluss gewann. Er sagt uns selbst,
-mit welchem Interesse er Schlegels Arbeit aufnahm, und zwar gerade in
-den zwei Jahren, die dem Entstehen der „Genoveva“ vorausgehen.[359]
--- Das Spielen mit dem eigenen Namen oder das Drehen und Wenden der
-Worte nach verschiedenen Seiten ihrer Bedeutung, das sich Shakespeare
-nicht selten gestattet, ahmt Tieck nach. In den seltsamen Worten Wolfs:
-„Wie rollt dir denn die Zung’ im Kopf so wild“ ist man im ersten
-Augenblick geneigt, einen Druckfehler zu verbessern und statt „die
-Zung’“, „das Aug’“ einzusetzen und doch wäre es gegen Tiecks Absicht,
-der sich durch den Shakespeare’schen Vers:[360] „die Zunge, die so
-wild im Kopf dir wirbelt“ zu der wunderlichen Wendung bestimmen ließ.
-Das „Morgenröte regnen“ in der „Genoveva“ fällt weniger auf, wenn man
-sich an Shakespeares „Rache regnen“,[361] „Freude regnen“,[362] „Düfte
-regnen“[363] erinnert. Die beliebte Benennung des Fürsten mit dem Namen
-seines Landes, z. B. „tapferer Österreich“,[364] treffen wir bei Tieck
-(„Tapf’rer Aquitanien“) so gut, wie in Schlegels „Shakespeare“.
-
-Hätten sich Tiecks einstige Gegner die Mühe genommen, diese
-verschiedenen größeren und kleineren Stückchen aus Shakespeare zu
-sammeln, so hätten sie mit einigem bösen Willen auch hier Plagiator!
-rufen können. Aber auch hier wie bei den Entlehnungen aus Müller
-mit geringem Rechte. Wir sahen auch hier in den verschiedensten
-Fällen, wie die fremden Bestandtheile den Geist der Romantik oder die
-poetische Neigung Tiecks entweder verwandt ansprachen oder für ihre
-neue Bestimmung umgebildet wurden. Das maßgebendste Vorbild für die
-„Genoveva“, und zwar in formeller Richtung, war entschieden „Perikles“,
-der so merkwürdig dem Wunsche nach einer alle Gattungen verschmelzenden
-Universalpoesie entgegenzukommen schien. Weil dies die bedeutendste von
-Shakespeare ausgehende Anregung war, so spricht Tieck Solger gegenüber
-auch nur von dieser. Was Tieck sonst aus Shakespeare herübernahm,
-waren nur einzelne Charakterzüge, einzelne Linien für einen und den
-anderen Scenengrundriss, einzelne Gedanken und Stimmungselemente, die
-sich organisch in das neue Werk hineinverschmelzen ließen und so zum
-Eigenthum des von Shakespeare abhängigen Dichters wurden. Sie reichen
-auch alle mitsammen nicht hin, die Gesammtauffassung und das „Klima“
-der romantischen Dichtung, die Tieck selbst als das Wertvollste
-daran erschien, irgendwie wesentlich zu bestimmen, während Müllers
-Auffassung des Golo und die Einkleidung in ritterliches Costüm immerhin
-bedeutender auf Tieck wirkten. Darum ist es auch kein schwerer Frevel,
-wenn er gar nicht weiter vom Verhältnis seiner Dichtung zu Shakespeare
-spricht. Dass der Dichter aber im „Vorberichte“ zu seinen Schriften
-von Shakespeares Einfluss überhaupt schweigt, während er ihn Iffland
-und Solger gegenüber stark betont, bleibt einigermaßen seltsam. War es
-nur Flüchtigkeit, wie in anderen Fällen auch? War es doch Berechnung?
-Tieck vertheidigt sich eben im nämlichen „Vorberichte“ gegen den
-Vorwurf des Plagiates an Müller. Da mochte er vielleicht dunkel oder
-deutlich fühlen, dass jedes vermeidbare Zugeständnis von Abhängigkeit
-irgendwelcher Art am besten vermieden werde; denn es konnte für
-missgünstige Kritiker vom Schlage Merkels eine Gelegenheit zu neuen
-Angriffen bieten. Freilich wäre dies nur eine halbkluge Maßregel für
-den Augenblick gewesen, weil Tieck dabei an seinen Brief an Solger
-nicht dachte, der schon zehn Jahre zuvor veröffentlicht worden war.
-Allein wie immer, ob Berechnung, ob Flüchtigkeit: Tieck hätte das
-offene Eingeständnis in den Augen einsichtiger Beurtheiler so wenig
-geschadet, als in den Augen seines Freundes Solger. Des Dichters
-verschiedene Äußerungen ergänzen sich und geben, zusammengenommen,
-den vollständigen Sachverhalt wieder. Sie sprechen kurz und gedrängt
-das Endergebnis dieser Untersuchungen aus und bestätigen das Resultat
-derselben.
-
-
-3. Tieck und Calderon.
-
-Neben dem größten englischen half auch der berühmteste spanische
-Dramatiker ein wenig an Tiecks „Genoveva“ mitschaffen, und noch bevor
-A.W. Schlegel Shakespeare und Calderon als die größten Vertreter der
-romantischen Dramatik proclamierte, hatte sie Tieck durch seine Praxis
-nebeneinander gestellt und ihnen gemeinsam gehuldigt, indem er von
-beiden für sein romantisches Trauerspiel zu lernen strebte. Tieck thut
-es mit vollem Bewusstsein, wie es seine Äußerung gegen Iffland genugsam
-bezeugt.
-
-Wie mit den Engländern, so beschäftigte sich Tieck auch schon
-frühzeitig mit den Spaniern und er gibt darüber in den „Vorberichten“
-Auskunft.[365] In Göttingen begann er 1793 seine spanischen
-Studien. Mit größerer Energie nahm er sie 1797 wieder auf, dem
-Wunsche A.W. Schlegels nach einer Übersetzung des „Don Quixote“ und
-einer buchhändlerischen Aufforderung dazu folgend. Auf Cervantes
-concentrierte sich das Hauptinteresse. Wie nun Tieck Shakespeare
-erst durch die Betrachtung seiner Stellung unter den Zeitgenossen,
-Vorläufern und Nachfolgern recht kennen lernen wollte, ebenso suchte
-er auch Cervantes in seiner literar-historischen Umgebung zu fassen
-und dies führte ihn zu den spanischen Dramatikern und Lyrikern. Wie
-wohl sich Tieck nach jenen Aussagen, die wir kennen lernten, bereits
-mit Leib und Seele Shakespeare verschrieben hatte, so erlaubte er
-sich doch, nach Entdeckung der Spanier, diese Götter neben jenem
-zu haben; denn er war, wie die Romantiker alle, nicht engherzig,
-er nahm das Poetische überall gerne auf, mochte es aus dieser oder
-jener Himmelsgegend stammen, in dieser oder jener Gestalt und
-Einkleidung ihm begegnen. Tieck war „von der reichen Aussicht in
-diese Poesie hinein entzückt“, er schwelgt im Reichthum, der ihm in
-den „entzückenden Träumen des Calderon und den wundersamen Bildern
-der spanischen Poeten“ entgegentritt.[366] Calderon wurde, wie schon
-bemerkt, auch ein wichtiges „Incitament“ jener religiösen Strömung
-unter den Romantikern, die Tiecks ganze Seele ergriff und mit sich
-fortriss; denn in Calderon vereinigten sich eine bedeutende poetische
-Energie und gläubige Frömmigkeit in seltenem Grade. Was A.W. Schlegel
-in seinen späteren „Vorlesungen“[367] aussprach, mochte auch Tieck,
-von dem die Calderonverehrung erst auf seinen Freund August Wilhelm
-übergieng, mehr oder weniger deutlich schon empfunden haben. „Sein
-(Calderons) Gemüth aber spricht sich am meisten in der Behandlung der
-religiösen Gegenstände aus. Die Liebe schildert er nur mit allgemeinen
-Zügen, er redet ihre dichterische Kunstsprache. Die Religion ist seine
-eigentliche Liebe, das Herz seines Herzens.“[368]
-
-Unter demjenigen, was Tieck für seine „Genoveva“ aus der Kenntnis
-der Spanier gewann, nennt er an erster Stelle die ihm „neue Art“,
-künstliche Versmaße in das Drama einzuführen.[369] Tieck und seine
-Genossen hatten ein unendlich feines und empfängliches Ohr für das
-Künstlerische und Musikalische in Sprache, Vers und Reim. In den
-prächtigen, klangvollen, südländischen Formen mit dem reichen Reimspiel
-fanden sie ein willkommenes Instrument, um damit ihre ahnungsvollen
-Gemüthsstimmungen in allen Tonarten erklingen zu machen. Aus den
-Briefen der Jenaer Zeit ersieht man, wie sie sich vor Freude über die
-neuentdeckten romanischen Formen kaum zu fassen vermögen und wie diese
-bald zu den romantischen Formen κατ’ ἐξοχήν werden.
-
-In Tiecks „Zerbino“ treten die südlichen Formen noch schüchtern auf,
-in der „Genoveva“ ziemlich reichlich, im „Octavian“ überwuchern sie
-die Dichtung in endloser, üppiger Fülle. Den metrischen Grundton
-im spanischen Drama bestimmt die alte nationale Romanze mit ihrer
-durchgehenden Assonanz. Im „Octavian“ macht Tieck in der That von
-dieser Form ausgiebigen Gebrauch, in der „Genoveva“ findet sich die
-eigentliche Romanze mit Assonanz noch nicht, wohl aber die aus den
-vierhebigen, auftaktlosen Romanzenversen gebildete Strophe mit den
-Reimen _~abba~_, die Redondille. Diese Strophe ist bei Lope die
-gewöhnliche Form für den dramatischen Dialog und auch bei Calderon
-begegnet sie uns nicht selten, besonders in reflectierenden und
-zärtlichen Partien sowie in Antithesenspielen.[370] Diese nämliche
-Form sehen wir in der Balkonscene der „Genoveva“ verwendet. In Zulmas
-Gesängen und Gebeten verbindet Tieck zwei- und dreihebige Verse
-nach dem Schema der Redondille. Diese Strophe ist überhaupt eine
-Lieblingsstrophe Tiecks, die er schon in den Liedern des „Sternbald“,
-der „Magelone“ und später noch unzähligemale gebraucht.
-
-Von den Spaniern wurden die ottave rime aus Italien importiert und
-vielfach im Drama verwendet. In pomphaften, getragenen Erzählungen,
-in würdevoller Rede,[371] in monologischen Beschreibungen und
-Betrachtungen,[372] im feierlichen Gebete[373] liebt sie Calderon. In
-ähnlichem Sinne gebraucht sie manchmal Tieck in seiner „Genoveva“.
-Vision, Gebet und feierliche Rede sehen wir auch hier im weihe- und
-würdevollen Gange der Octave einherschreiten. Die ganze Beschaffenheit
-der deutschen Stanze macht sie ja für solchen Inhalt besonders
-geeignet. Dass aber Tieck keineswegs überall gerade für einen gewissen
-Inhalt eine bestimmte Form nach Calderons Muster wählt, zeigt ein Blick
-auf die Erzählung des heil. Bonifacius. Bei Calderon würde dieser
-Abschnitt immer in Romanzenform erscheinen. Auch noch der Unterschied
-besteht zwischen Tieck und Calderon, dass letzterer weit ökonomischer
-vorgeht und die Stanze selten öfter als einmal im nämlichen Drama
-einführt, während sie Tieck an vielen Stellen bringt. Wo Calderon
-sie aber verwendet, da wird dann meist die ganze Scene, Monolog wie
-Dialog, in Stanzen durchgeführt.[374] Solche Stanzendialoge mochten den
-Formkünstler Tieck zur Nachahmung reizen. Dieses für einen deutschen
-Poeten sicher höchst schwierige Kunststück scheut denn auch Tieck
-durchaus nicht; auch er kleidet ganze Dialoge in Stanzen, er will als
-Formvirtuose hinter seinem spanischen Meister nicht zurückbleiben.
-
-Wie Tieck in der Verwendung der entlehnten Maße gewöhnlich seine
-eigenen Wege geht, bestätigen ferner die Sonette in der „Genoveva“.
-Sonette im Drama sind wieder eine Besonderheit der Spanier. Bei
-Calderon finden sie sich hin und wieder, aber nicht allzuhäufig.[375]
-Es wird z. B. ein heißer Erguss religiöser Andacht in Sonettform
-gebracht („Die Jungfrau des Heiligthums“), es werden lyrisch-didaktisch
-die Erdenfreuden den schnell welkenden Blumen und das flüchtige Glück
-den schnell verlöschenden Sternen verglichen („Der standhafte Prinz“).
-Diese letztere Verwendung berührt sich noch am nächsten mit einigen
-Sonetten Tiecks. Aber es ist dabei zu erwägen, dass das Sonett mit
-lyrisch-didaktischem Inhalt gerade um 1800 für die Romantiker eine
-Mode ist, wie etwa das Distichon für Goethe und Schiller. Ob an
-dieser Verwendung der italienischen Form in der „Genoveva“ Calderon
-einen besonderen Antheil hat, scheint mir daher schwer erweisbar.
-Calderonisch ist es nur, dass Sonette überhaupt in das Drama
-hereingebracht werden. Wie bei Verwendung der Octaven geht Tieck auch
-hier über die sparsame Art Calderons hinaus und zerfasert das Sonett
-gelegentlich im Dialoge.
-
-Endlich lernt Tieck noch von den Spaniern, die Terzine für sein Drama
-nutzbar zu machen, eine Strophe, die Lope oft für den getragenen
-und ernsten Dialog verwendet,[376] die aber seltener bei Calderon
-erscheint.[377] Tieck führt sie zweimal in die „Genoveva“ ein, in der
-Prophezeiung des „Unbekannten“ und im Dialoge zwischen Siegfried und
-Othos Geist.
-
-Hatte Tieck von Shakespeare den Wechsel zwischen Prosa und
-fünfhebigem Jambus sich angeeignet, so wird die formelle Ausstattung
-seiner Dichtung durch das Hereinnehmen der italienisch-spanischen
-Strophenformen noch um vieles bunter und reicher; es wird dadurch seine
-Poesie noch um eine Stufe höher über die gewöhnliche Prosa oder über
-die gleichmäßige metrische Form emporgehoben.
-
-Neben den spanischen Maßen führt Tieck die „lyrischen Ergüsse“ an, zu
-deren Einführung in sein Drama ihn die spanischen Vorbilder bewogen
-hätten.[378] Man denkt da zu allererst an die Lyrik der Balkonscene
-und Zulmas, die auch durch die metrische Form auf spanische Muster
-hinweist. Es lässt sich aber hier für die Vergleichung mit bestimmten
-Vorbildern kein sicherer Boden gewinnen. Wohl nimmt das lyrische
-Element in Calderons Dramen einen breiten Raum ein. Stücke, wie „die
-Andacht zum Kreuz“, „Die Brücke von Mantible“, „Der Schultheiß von
-Zalamea“ u. a. sind reich an lyrischen Partien im Dialoge. Aber an
-solchen lyrischen Stellen ist eigentlich auch bei Shakespeare kein
-Mangel. Man denke nur an „Romeo und Julia“, „Kaufmann von Venedig“,
-an den vierten Act des „Wintermärchens“. Es scheint, dass Tieck mit
-dem unbestimmten Ausdruck „lyrische Ergüsse“ nach spanischem Muster
-auch hier nichts anderes meint, als lyrische Ergüsse in südländischen
-Strophenformen. In der Einleitung zu Lenz wenigstens heißt es:[379]
-„Welche lyrische Ausbrüche der Leidenschaft, der Liebe, der Andacht
-in seinen (Calderons) Romanzen und canzonenartigen Versen. Welche
-Malerei, welches Feuer der Erzählung in eben diesen Lyren, Romanzen und
-Ottaven. Kein Schauspiel, fast kein Act ist ohne solche Prachtstücke,
-diese gehören recht eigentlich zum Wesen des spanischen Dramas, nur
-freilich sind sie eben auch mitunter nur kalte, hie und da schwülstige
-Prachtstücke, die sich zuweilen mit Bewusstsein, doch ein anderesmal,
-wohl auch ohne Absicht, selbst parodieren.“ Der letztere Satz ist
-auf Rechnung des kühleren Verhältnisses zu schreiben, das der ältere
-Tieck zu den Spaniern einnimmt. Das Vorhergehende gibt uns aber eine
-Andeutung, welche lyrischen Ergüsse in der „Genoveva“ Tieck etwa auf
-spanische Anregungen zurückführen mochte.
-
-Deutlicher spürt man Calderons Vorbildlichkeit wieder in der
-Einführung der allegorischen Gestalt des Todes. Tieck war nämlich
-von Haus aus ein Feind der Allegorie in der Dichtung. Er schreibt
-z. B. an Wackenroder:[380] „Mir scheint, als ob die ausgeführte
-Allegorie mehr in den zeichnenden und bildenden Künsten als in der
-Dichtkunst an ihrer Stelle wäre.“ Er spricht ein andermal der Allegorie
-jede täuschende Kraft ab.[381] Anders wurde es, als Tieck mit den
-Gedanken Friedrich Schlegels Bekanntschaft machte (1797), der die
-Allegorie für jede poetische Darstellung verlangt. Schlegel meint
-aber unter der Allegorie nur ungefähr das, was wir heute symbolisch
-nennen. Jedes wahre Dichtwerk muss hinter der sichtbaren Welt, die
-es veranschaulicht, eine unsichtbare, geistige, höhere Welt, in der
-Einzelerscheinung das All und Eins ahnen lassen. In dieser Auffassung
-vertritt auch Tieck nunmehr die Allegorie im „Sternbald“ und in den
-„Phantasien“. An der Hand Calderons endlich thut er den letzten Schritt
-zur eigentlichen Allegorie. „Vom Calderon für die allegorische Poesie
-begeistert,“[382] versuchte er im „Octavian“ seine Ansicht von der
-romantischen Poesie allegorisch, lyrisch und dramatisch niederzulegen.
-Mit der Einführung einer bunten allegorischen Gesellschaft in dieses
-Stück thut nun Tieck gerade das, was er vor wenigen Jahren noch als ein
-„Unding“ von sich wies. Diese Bekehrung zur Allegorie hatte Calderon
-zustande gebracht. Auch in den „Briefen über Shakespeare“, die in den
-letzten neunziger Jahren entstanden, spricht Tieck günstig von der
-Allegorie und wird diese überhaupt nimmer los,[383] obschon er später
-gegen Calderon selbst wieder kühler wird.[384] In der „Genoveva“
-sehen wir im Auftreten des Todes nur erst ein ganz kleines Vorspiel
-des überschwänglichen Allegorisierens, das sich bald im „Octavian“
-breit machen und „ins Blaue verschwimmen“ sollte. Dass hier gerade
-der spanische Einfluss dahinter steckt, darüber kann man nach dem
-Vorausgehenden kaum zweifelhaft sein.
-
-Mit den metrischen Formen, den „lyrischen Ergüssen“ und der Allegorie
-ist aber auch der spanische Einfluss, der sich in der „Genoveva“
-sicher als solcher erkennen lässt, erschöpft. Andere Calderon’sche
-Nachklänge lassen sich höchstens nur vermuthen. Das Hereingreifen
-des Übersinnlichen in die irdische Welt und in die Geschicke des
-Menschen, Wunder und Visionen, fallen dem protestantischen Nordländer
-in Calderons Poesien immer ganz besonders auf.[385] Als Tieck in den
-letzten neunziger Jahren Calderon eifrig las, hatte sich eben in seinem
-Gemüthe auch sonst schon jene Reaction gegen den kalten, flachen,
-phantasie- und gemüthscheuen Rationalismus energisch geltend gemacht.
-Die extremsten Gegensätze des Aufklärerthums waren ihm die liebsten.
-Seine Neigung zum Wunderbaren und Geheimnisvollen hätte außer Jakob
-Böhmes Theosophie kaum eine erwünschtere Lectüre finden können, als
-die spanischen Dramen, in denen Glaube und Wunder im Glanze einer
-prächtigen Poesie verklärt erscheinen. Ein Versenken in diese Poesie
-war daher so gut wie das Genoveva-Büchlein, Schleiermachers „Reden“
-oder Böhmes „Morgenröthe“ im höchsten Grade dazu angethan, Tiecks
-religiöse Stimmungen und seine poetische Vorliebe für katholische
-Kunst und Poesie zum Enthusiasmus zu steigern.[386] Liest man ein
-wenig in den Dramen Calderons, die Tieck sicher kannte, bevor er die
-„Genoveva“ schrieb, so stößt man bald dort, bald da auf ein Motiv, bei
-dem man sich sagt: das könnte in der „Genoveva“ nachgewirkt haben.
-Der „standhafte Prinz“ z. B. ersteht vom Tode und vollendet, was er
-im Leben nicht mehr vollbringen konnte: Othos Geist thut wenigstens
-zum Theile dasselbe. Calderons „Jungfrau des Heiligthums“ ist eine
-dramatisierte Legende, die vom Anfang bis zum Ende mit Wundern und
-Visionen reich durchwoben ist. Man ist fast zur Annahme genöthigt,
-dass Tieck dieses Stück kannte, wenn auch keine positive Nachricht
-darüber vorliegt. Denn im zweiten Acte desselben wird die Begebenheit
-erzählt, auf die Siegfrieds Worte:[387] „So ist Hispania durch ein Weib
-verdorben, die schuld war, dass die Mohren sind gekommen...“ anspielen.
-Der Saracenenkrieg wird dort auch als Strafe Gottes betrachtet, wie
-von Karl Martell.[388] Dem Saracenenfeldherrn Tarif folgt Luna, seine
-Braut, in den Krieg, wie Zulma ihrem Geliebten.[389] Weiter heißt es
-einmal in der Erzählung des Mohren Selim:
-
- „Heute, da dein Schwur gebrochen,
- Kann man sagen, treuer hielten
- Damals ja ihr Wort die Mohren,
- Als die Christen jetzt; denn Alles
- Hielten sie, was sie versprochen,
- Und du hieltest nichts von Allem.“
-
-Ist es die Erinnerung an diese Worte, welche Tiecks Karl Martell
-veranlasst, die sonst ganz unmotivierte Äußerung zu thun, das Recht
-der Gesandten sei den Heiden heiliger als den Christen? Kannte Tieck
-dieses Stück Calderons, so fand er hier auch Vorbilder für die
-Schilderung seiner Visionen. Jedoch allzuviel Gewicht soll auf diesen
-letzteren Punkt nicht gelegt werden. Wenngleich die Visionen bei beiden
-Dichtern ähnlich dargestellt werden, so kann daraus noch nicht auf eine
-besondere Abhängigkeit geschlossen werden, da Dichter und Maler oft und
-oft Visionen mit ähnlichen Zügen ausstatten, die wir in der „Genoveva“
-finden, und Tieck und Wackenroder standen vor manchem Gemälde, das
-eine himmlische Vision, eine Madonna in Licht und Glorie, von Engeln
-umgeben, vorführt. -- Auf eine Kleinigkeit mag noch hingewiesen werden.
-Wenn Tieck die „Andacht zum Kreuz“ las, so musste ihm auffallen, dass
-hier zu verschiedenenmalen mit so großem Nachdruck auf die Wichtigkeit
-der Beichte vor dem Tode hingewiesen wird und durch ein Wunder wird
-Eusebios letzter Wunsch nach der Beichte erfüllt. Es ist nicht
-unwahrscheinlich, dass Tieck so durch Calderon auf jene sonderbare
-Unterredung Othos mit Siegfried über das Thema, ob der gefallene
-Krieger wohl ohne „Sacrament und Ölung“ selig werden könne, gekommen
-ist.
-
-Ob Tieck noch ein paar solche kleine Züge mehr oder weniger von
-Calderon nahm, macht keinen großen Unterschied. Die bemerkenswerteste
-Neuerung, die Tieck, von den Spaniern geleitet, unternahm, ist
-entschieden die Einführung der verschiedenen südländischen
-Strophenformen in sein Drama. Tieck entlehnt die Formen, behält sich
-aber über die Verwendung derselben im einzelnen Falle meist seine
-eigene Entscheidung vor. Die Allegorie tritt in der „Genoveva“ nur
-im bescheidensten Maße auf. Höher anzuschlagen ist jedenfalls der
-mächtige Gesammteindruck dieser eigenartigen, von den Ideen der Ehre,
-Liebe und Religion beherrschten spanischen Poesie auf Tieck sowie der
-musikalischen Formenfülle und großen Künstlichkeit, die trotz aller
-Mannigfaltigkeit und Buntheit in diesen Dichtungen herrscht.[390]
-Dieser Eindruck lässt sich aber nicht wägen und nicht deutlich fassen.
-Er kann nur aus Tiecks eigenen Worten, die seine hohe Freude an dieser
-Poesie ausdrücken, erschlossen werden und eine Bestätigung ist noch
-Köpkes Bericht:[391] „Diese Gedichte passten ganz zu den religiösen
-Bewegungen, welche den Dichter mehr als je ergriffen hatten.“ Trotz
-aller Schwärmerei für Calderon gelang es Tieck aber nicht, von diesem
-Meister das Geheimnis zu erlauschen, wie der religiöse Dichter einen
-wirklich religiösen Charakter, etwa einen tiefgläubigen „standhaften
-Prinzen“, überzeugend schildert. Vielleicht war dies niemals Tiecks
-Absicht und vielleicht ist Tiecks poetische Art gar nicht auf strenge
-und klare Charakterzeichnung gerichtet. Beachtung verdient Tiecks
-Anlehnung an die Spanier schon deshalb, weil gerade er wieder mit
-seinem Beispiele in unserer Literatur vorangeht, wo es gilt, eine
-Periode spanischen Einflusses auf unser deutsches Drama einzuleiten,
-eines Einflusses, der unserer dramatischen Dichtung nicht durchwegs zum
-Heile gereichen sollte.
-
-
-4. Tieck und Jakob Böhme.
-
-In der Maurer’schen Buchhandlung in Berlin fand Tieck (um 1798) das
-alte Büchlein eines Mannes, der den Aufklärern als ein Urbild alberner
-Schwärmerei, als der Inbegriff von Abgeschmacktheit, Barbarei und
-Aberwitz erschien. Das Büchlein war Jakob Böhmes „Morgenröthe“. Tieck
-hatte noch nichts von dem merkwürdigen Manne gesehen und glaubte
-(diesmal dem allgemeinen Urtheile der Welt folgend) einen neuen
-Gegenstand für seinen übermüthigen Witz gefunden zu haben. Beim Lesen
-aber begegnete ihm das Seltsame, dass der philosophische Schuster von
-Görlitz den übelgesinnten Leser derart überraschte und gefangen nahm,
-dass dieser nimmer von ihm loskommen konnte und bald aus einem Spötter
-ein eifriger Bewunderer der geheimen Offenbarungen J. Böhmes wurde. Zu
-den übrigen religiösen Antrieben, die auf Tieck wirkten, gesellte sich
-nun noch dieses unscheinbare alte Büchlein, in dem Tieck am wenigsten
-eine so siegreiche Macht vermuthet hätte.[392]
-
-Nach Köpkes Erzählung scheint es, als ob Tiecks geistiges Wesen
-bereits vor der Abfassung von „Genoveva“ und „Octavian“ ganz und gar
-in der Mystik Böhmes aufgegangen sei, und auch Haym[393] spricht von
-Tiecks Böhmestudium vor der Entstehung der „Genoveva“ so, dass man
-weit mehr von dem mystischen Geiste des „philosophus teutonicus“ in
-dieser romantischen Dichtung suchen möchte, als sich darin thatsächlich
-findet. Die Sache klärt sich einigermaßen auf, wenn man die Briefe an
-Solger, in welchen Tieck sein Verhältnis zur Mystik selbst darlegt,
-zurathe zieht. Etwa um 1798 muss Tieck die „Morgenröthe“ aufgefunden
-haben. Über den Eindruck schreibt er später an Solger:[394] „Weil ich
-keinen dialogischen Philosophen bis dahin gefunden hatte, und mich
-die verschiedenen Systeme nicht befriedigten, besonders allen meinen
-Instinct zur Religion verletzten, so glaubte ich oft gar nicht für
-Speculation Sinn zu haben: meine Liebe zur Poesie, zum Sonderbaren
-und Alten führte mich anfangs fast mit frevlem Leichtsinn zu den
-Mystikern, vorzüglich zu J. Böhme, der sich binnen kurzem aller meiner
-Lebenskräfte bemächtigte: der Zauber dieses wundersamsten Tiefsinns
-und dieser lebendigsten Poesie beherrschte mich nach zwei Jahren
-so, dass ich von hier aus nur das Christenthum verstehen wollte,
-das lebendigste Wort im Abbild der ringenden und sich verklärenden
-Naturkräfte...“ Von hier aus betrachtete Tieck Fichte und Schelling,
-mit unheimlicher Leidenschaft überließ er sich seinem Triebe zur
-Mystik, leidenschaftliche Zustände und unerwartete Erfahrungen, über
-die er uns nichts weiter verräth, gesellten sich dazu, sein ganzer
-Geist ward so verschattet und verdunkelt, dass ihm die Lust zur Poesie
-und an Bildern als etwas Verwerfliches, Verfehltes erschien; „... so
-gab es nun viele Stunden, wo ich mich in die Abgeschiedenheit eines
-Klosters wünschte, um ganz meinem Böhme und Tauler und den Wundern
-meines Gemüths leben zu können. Dies hatte sich schon im Zerbino
-leicht poetisch, in der Genoveva dunkler und im Octavian verwirrter
-geregt. Meine Productionskraft, mein poetisches Talent schien mir auf
-immer zerbrochen. Ich kämpfte schmerzhaft, da sich mir die heitere
-Welt und mein Gemüth so mit Finsternis bedeckte, die mir anfangs im
-helleren Glanze geschienen hatten.“ Diese Selbstschilderung lässt
-einen Einblick thun in den merkwürdigen Aufruhr, den Jakob Böhme
-(mit diesem beschäftigt sich Tieck zuerst und am eifrigsten) in der
-Seele des Dichters allmählich heraufbeschwor. Nach und nach geräth
-sein Geist immer mehr in die mystischen Dinge hinein. Das allmähliche
-Hereinbrechen der Dunkelheit im Gemüthe des Dichters tritt aus dessen
-Erzählung nicht ganz scharf hervor, muss aber doch erschlossen werden.
-Erstlich bemächtigen sich die Mystiker und Jakob Böhme „binnen kurzem“
-aller Lebenskräfte Tiecks und ein paar Zeilen danach dauert es
-wieder zwei Jahre, bis er so von Böhme beherrscht wird, dass er das
-Christenthum nur von Böhme aus verstehen wollte. Die erste Wendung
-darf darum nicht allzu wörtlich genommen und nur als ein sehr reges
-und lebendiges Interesse am neuentdeckten Mystiker verstanden werden;
-die Poesie Tiecks in „Zerbino“, „Genoveva“ und „Octavian“ und in den
-gleichzeiligen kleineren Dichtungen ist keineswegs so energisch von
-Jakob Böhme beherrscht; von einer Modifikation des Christenthums
-im Geiste Jakob Böhmes ist in „Genoveva“ und „Octavian“ nur wenig,
-in „Zerbino“ nichts zu spüren. Dass diese Betrachtungsweise des
-Christenthums auch in seine Poesie übergegangen sei, behauptet Tieck
-eigentlich auch nirgends ausdrücklich. Am liebsten verknüpft er an
-gewissen Stellen naturphilosophische Gedanken mit denen Jakob Böhmes.
-Dies alles ließe sich mit einem völligen Untergehen aller Lebenskräfte
-in der Mystik unmöglich vereinbaren. Das Zusammenbrechen der poetischen
-Productionskraft unter dem Drucke mystischer Speculation, das Tieck
-wie eine unmittelbare Folge seiner Lectüre noch in die Zeit vor der
-Vollendung des „Octavian“ zu rücken scheint, kann vor dem Abschluss
-dieser Dichtung, dem dann allerdings viele fast unfruchtbare Jahre
-folgen, nicht gut angenommen werden. Im weiteren Verlaufe des Briefes
-spricht Tieck ohnehin wieder so, als ob die verdüsterten Stunden in
-den ersten Jahren nur sich zeitweise einstellten und nicht gleich
-eine dauernde Gemüthsverdüsterung herbeiführten. Dazu stimmt auch
-eine spätere Äußerung an Solger, nach welcher die düstersten und
-gedrücktesten Zeiten für Tieck in die Jahre 1801-1802 fallen, als
-er bereits in Dresden lebte. Erinnern wir uns auch noch der schönen
-Freundschaft, die ihn vor dieser Zeit mit Novalis verband, so haben
-wir einen Grund mehr, diese dunkeln Gemüthszustände nicht vor das Jahr
-1801 zurückzuverlegen. Und hätte vorher Jakob Böhme Tiecks Stimmungen
-verdüstert, so könnte der „Altfrank“ im „Autor“ (1800) kaum sagen:
-
- „So gab ich dir noch außer Göthe,
- Auroram, jene Morgenröthe,
- Von dem Propheten, den sie schelten,
- Dem aufgeschlossen alle Welten,
- Des heilger unentweihter Mund
- Der Gottheit Tiefe hat verkundt,
- Den großen deutschen Jakob Böhme,
- Daß er von dir die Schwermuth nähme,
- Jedwedes Wort in ihm dir lacht,
- Und all umzogen mit Glanz und Pracht,
- Er hat durchaus sich gesponnen ein
- In eitel Glori und Heiligenschein. --“[395]
-
-Wir müssen also annehmen, dass Tieck erst Schritt für Schritt in
-die Regionen der Mystik, in das „herrliche und furchtbare Gebirge“
-vordrang, nach dem „Octavian“ (1802) aber sich auf einige Jahre ganz in
-den dunklen Bezirken verlor. Tiecks Ausdrücke sind und bleiben dunkel
-und unpräcis. Nach siebzehn Jahren mochte sich ihm seine mystische
-Periode leicht ein wenig perspectivisch verengen und verschieben und
-wohl als Erlebnis im ganzen, nicht aber chronologisch klar und scharf
-gesondert nach allen Stadien in Erinnerung sein. Welches Gedächtnis
-wäre auch für solche vor längerer Zeit durchlebte Gemüthszustände
-absolut verlässlich?
-
-Der Betrachter des geistigen Entwickelungsganges Tiecks muss sich außer
-dessen „Instinkt zur Religion“ vor allem wieder den Wackenroder’schen
-Einfluss und die religiösen Eindrücke der Erlanger Zeit lebendig vor
-Augen halten, um zu begreifen, dass der „Meister Klügling“, der mit
-ironischen Absichten die „Morgenröthe“ zur Hand nimmt, so schnell
-ein ehrfürchtiger Verehrer des mystischen Buches werden konnte. Vom
-Dichter der Straußfederngeschichten und des „Gestiefelten Katers“ bis
-zum mystischen Grübler scheint es ein gar weiter Weg zu sein. Tiecks
-Briefwechsel mit Solger erklärt es jedoch ziemlich genügend, wie gerade
-die Art von Jakob Böhmes Denken seinem inneren Wesen entgegenkam.
-Zum Theile sagten uns schon die früher angeführten Worte, was Tieck
-in Böhmes Büchlein Bewundernswertes vorfand. Mit Jacobi und Fichte
-hatte sich unser Dichter nicht verständigen können.[396] Der Mann,
-dessen Geist fast ganz und beständig von Phantasie und Gemüthsstimmung
-gelenkt erscheint, verlangte von jeher ein philosophisches Denken, das
-auf Anschauung gegründet ist und wieder zur Anschauung zurückkehrt.
-Philosophie und Religion müssen ineinander fallen. Alles wahre Erkennen
-kann nur ein intuitives Erkennen sein, ein Erkennen durch Offenbarung
-und Begeisterung, das in allen Dingen die lebendige Gegenwart Gottes
-(= des Unendlichen) schaut. Dieses schauende Eindringen in das Wesen
-der Dinge ist aber der poetischen Begeisterung und religiösen Hingabe
-nach Solger sehr nahe verwandt und damit erräth Solger so recht die
-längstgehegten, intimen Gedanken Tiecks, der ihm darauf hocherfreut
-erwidert: „Längst war ich mit Ihrer Inspiration der Philosophie, mit
-der nahen Verwandtschaft derselben, ja Blutsfreundschaft und Selbstheit
-mit der Religion einverstanden, was mich nur einen kurzen Kampf
-kostete: denn die poetische Begeisterung erklärte mir ja das Factum
-hinlänglich, und dass ich es mehr wie einmal an mir selbst erlebt
-hatte, machte mir ja eben immer mein Sprechen mit den Philosophen von
-der Schule unmöglich.“[397] Dieser horror des Tieck’schen Geistes vor
-allem abstracten und formalistischen und systematischen Denken ist
-sicher der letzte und tiefste psychologische Grund, warum sein ganzes
-Wesen, das den eigentlichen großen Philosophen bisher beharrlich fern
-geblieben war, sich so widerstandslos gerade von Jakob Böhme fesseln
-ließ. Bei Böhme fließen wirklich religiöse Hingabe, dichterische
-Anschauung und philosophische Speculation in wunderlichster Weise
-ineinander. Es gibt bei ihm kein abstractes Grübeln, sondern Phantasie
-und Gemüth greifen immer auch werkthätig mit ein und L. Feuerbach
-trifft in den Kern der Sache, wenn er sagt:[398] „Die Grundlagen
-und Anhaltspunkte seiner (Böhmes) Gedanken sind die das reine
-Himmelslicht des Denkens an dem dunkeln Wolkengrunde des Gemüthes
-in die Regenbogenfarben der Phantasie zerstreuenden, theologischen
-Vorstellungen der früheren Zeit...“ Der phantastische Theosoph konnte
-für Tieck, als er sich hernach mit Schleiermachers „Reden“ befasste,
-eine Art Ergänzung des abstracten Theologen abgeben. Die Art und
-Weise, wie Böhme die Religionsgeschichte unter dem Bilde des mächtigen
-Fruchtbaumes skizziert,[399] zeigt, dass seiner barocken Phantasie
-ein großer Zug nicht fremd ist und die Schilderung der Geister und
-Geisterlein, die im einfachen Halme wirken und schaffen und das
-Gewächs in all seinen Theilen formieren, ist wieder von einer naiven
-Lieblichkeit, die in ihrem kindlich herzlichen Tone fast an wirkliche
-Märchendichtungen gemahnt. Die Art des Anschauens der Natur ist im
-Grunde bei Böhme und beim Märchendichter dieselbe, nur dass es Böhme
-nicht um die Poetenfreude am Märchenhaften zu thun ist, sondern ihm ist
-das Beleben, Beseelen und Verbildlichen der Naturvorgänge zugleich eine
-Entschleierung ihres innersten Wesens, ein metaphysisches Erkennen.
-Hier findet also Tieck jeden Gedanken über Natur und Welt und Gott
-bildlich, poetisch eingekleidet. Hier konnte er sein philosophisches
-Bedürfnis nach seiner Weise befriedigen. Wie Tieck der Sinn für
-Geschichte durch die Poesie aufgeht,[400] so nähert sich ihm das
-Religiöse und die Philosophie auch zumeist durch Kunst und Poesie oder
-in Form von Poesie.
-
-Was Tieck an den Volksbüchern entzückte, der schlichte, fromme,
-rührende Ton der Darstellung: das fand er auch in den theosophischen
-Phantasien Böhmes wieder. Böhme musste in jeder Weise der Liebe Tiecks
-zur Poesie, zum Sonderbaren und Alten entsprechen. Im „Autor“ ist es
-wieder der „Altfrank“, die verkörperte Liebe zum Alten, Sonderbaren und
-Poetischen, der den „großen deutschen Jakob Böhme“ preist.[401] Das
-Mitleid mit den alten, verkannten, missachteten Volksbüchlein wurde
-daher auch hier lebendig und zog ihn mit inniger Gewalt zum ungerecht
-verkannten armen Philosophen in der Handwerkerstube. Dieser Ton des
-Mitleids spricht auch aus dem Gedichte Hardenbergs „An Tieck“.[402]
-Hier redet nämlich Böhmes Geist zu Tieck:
-
- „Ich habe treulich aufgeschrieben,
- Was innre Lust mir offenbart,
- Und bin verkannt und arm geblieben,
- Bis ich zu Gott gerufen ward.“
-
-„Verkündiger der Morgenröthe, des Friedens Bote sollst du seyn“, ruft
-Novalis seinem Freunde zu und diese „Morgenröthe“ Böhmes ist es, von
-der einzelne ungewisse Strahlen in Tiecks „Genoveva“ hineinspielen.[403]
-
-Die „Morgenröthe“[404] (1612) ist Böhmes erstes Werk und behandelt,
-wenn auch noch weit unklarer als die folgenden Schriften, die Grundzüge
-seiner ganzen Weltanschauung und nennt sich „die Wurtzel oder Mutter
-der Philosophiae, Astrologiae und Theologiae, Aus rechtem Grunde“.
-In der „Philosophia“ soll Gottes Wesen erschlossen werden, die
-Beschaffenheit aller Dinge in Gott und ihr Ursprung aus Gott, sowie
-die Herrschaft der beiden „Qualitäten Gut und Bös“ in der Natur.
-Die „Astrologia“ handelt von den Kräften der Natur, den Sternen und
-Elementen, wie daraus alle Creaturen herausgekommen sind, also von der
-Entstehung und Bildung der Welt. Die „Theologia“ enthüllt das Reich
-Christi und der Hölle, die sich bekämpfen und spricht davon, wie sich
-die Menschen zu beiden Reichen verhalten und verhalten sollen.
-
-Die Gedanken Böhmes hier weiter zu verfolgen oder in Form eines
-Systemes (wenn es überhaupt möglich ist) zu skizzieren, ist unnöthig,
-weil Böhmes Anschauungen für Tiecks „Genoveva“ als System nicht in
-Betracht kommen.[405] Die Vorstellungen Böhmes, die Tieck in seine
-Dichtung einstreut, sind nur losgerissene Splitter, die keineswegs
-unter einheitlichem Gesichtspunkte erscheinen.
-
-Die ersten Spuren von Böhmes Gedanken in der „Genoveva“ begegnen uns
-in der prophetischen Rede des „Unbekannten“.[406] Das geheime Wissen,
-das er vorträgt, bevor er seine Weissagung über Karls Zukunft beginnt,
-lässt den Gedanken der damaligen Naturphilosophie durchblicken, dass
-das Universum ein zusammenhängender Organismus sei, in dem durch
-alle Gebiete hin sich dieselben Kräfte in sicherer Gesetzmäßigkeit
-bethätigen. Diese Vorstellung hatte bereits Schelling entwickelt und
-Tieck fand sie in Schleiermachers „Reden“ wieder; sie wurde überhaupt
-bald Gemeingut aller Literaturkundigen. Mit der Naturphilosophie gewann
-Tieck auch durch seinen Verkehr mit Steffens, dem Schellingjünger,
-einige Fühlung.[407] Der Gedanke der geschlossenen Natureinheit, der in
-der Rede des „Unbekannten“ wiederholt durchbricht, begegnet uns auch
-schon bei J. Böhme, wenn auch ohne die präcise Formulierung, die er
-bei Schelling fand. So war für Tieck die Möglichkeit gegeben, moderne
-naturphilosophische Ideen mit Anschauungen Böhmes zu verschmelzen.
-
- „Und was ich sag’ sollst du wahrhaftig finden,
- Denn Sterne können niemals Lüge sprechen,
- Wer sie verhöhnt, belastet sich mit Sünden:
- An dem wird sich Natur und Himmel rächen,
- Der furchtlos dies Gemüte in sich heget,
- Denn um ihn wird das Glück zusammenbrechen.“
-
-Wenn hier der Prophet die Wahrheit seiner geheimen „Weisheit“ („Kunst“)
-betheuert und die Spötter strenge verurtheilt, so fühlt man sich schon
-an Böhme erinnert, der sich nicht selten energisch gegen die Verächter
-seiner Offenbarungen wendet. „Darumb schawe zu und spiele nicht zu
-hönisch an diesem orthe / oder Du wirst für GOTT ein spötter erfunden
-werden / und darf Dir wohl gehen / wie dem König Lucifer.“[408]
-Während Böhme nur mit der Rache Gottes („des Himmels“) droht, gibt
-Tieck noch die „Natur“ als zweite Rächerin bei.
-
- „Was in den Himmelskreisen sich bewegt,
- Das muß auch bildlich auf der Erden walten,
- Das wird auch in des Menschen Brust erregt,...“
-
-J. Böhme legt auf den Zusammenhang zwischen Sternenlauf und
-Menschenschicksal wiederholt Gewicht. „Dan der Planeten und Sternen
-anfang / instehen / lauff und wesen ist anders nicht als der anfang
-und trieb oder das Regiment im Menschen. Wie nun das Menschliche
-Leben auffgehet / also ist auch die geburth der 7 Planeten und
-Sternen auffgangen / und ist in diesem gar kein unterscheidt.“[409]
-Ein andermal kehrt der nämliche Gedanke in pantheistischer Färbung
-wieder.[410] Der Lauf und die Beschaffenheit der Gestirne ist ein
-Abbild des Menschendaseins, was in den Himmelskreisen vorgeht,
-waltet also auch bei Böhme „bildlich“ auf Erden. -- „Das wird auch
-in des Menschen Brust erregt.“ Nicht bloß die äußeren Schicksale der
-Erdbewohner gleichen den Schicksalen der Gestirne: das Innenleben des
-Menschen wird sogar durch die Sterne regiert. Der Mensch ist nach Böhme
-ein Abbild des Weltalls,[411] ein Mikrokosmos. Die Sterne wirken in
-seinen Adern und Eingeweiden. „Die Adern bedeuten die krafft-gänge der
-sternen / und seind auch die krafft-gänge der sternen / dan die sternen
-mit ihrer krafft herrschen in den Adern / und treiben den Menschen in
-ihre gestalt. Das eingeweide oder därmer bedeut der sternen wurckung
-oder verzehrung / alles was aus ihrer krafft worden ist / was sie
-selber gemacht haben / das verzehren sie selber wieder / und bleibet
-in jhrer krafft: und die därmer seind auch die verzehrung alles des /
-was der Mensch in seine därmer scheubet / alles was aus der sternen
-krafft gewachsen ist.“[412] Ein andermal „qualifizieren“ die Sterne
-und Elemente in den fünf Sinnen des Menschen.[413] Der Einfluss der
-Gestirne auf den Menschen, der in J. Böhmes Vorstellung in erster
-Linie als ein physiologischer erscheint, konnte in dieser rohen Form
-den neueren Dichter nimmer ansprechen. Tieck lässt darum lieber die
-Kräfte „in des Menschen Brust“ durch das nämliche geheime Etwas erregt
-werden, das in den Sternen wirkt, und überträgt so den astrologischen
-Gedanken vom physiologischen auf das psychologische Gebiet. Das konnte
-er nicht mehr gut anders und besser einrichten, da, wie wir bemerkt
-haben, schon Shakespeare,[414] Calderon und Schiller durch ähnliche
-dichterische Vorstellungen für ihn eine gewisse ehrwürdige Tradition
-geschaffen hatten,[415] und „die Astrologie ist für die Poesie eine
-unentbehrliche Idee“, wie A.W. Schlegel behauptet.
-
- „Natur kann nichts in engen Grenzen halten,
- Ein Blitz, der aufwärts aus dem Centro dringet,
- Er spiegelt sich in jeglichen Gestalten,
- Und sich Gestirn und Mensch und Erde schwinget
- Gleichmäßig fort und eins des andern Spiegel,
- Der Ton durch alle Kreaturen dringet.“
-
-Wahrscheinlich will der Dichter sagen, dass ein wirkendes Princip
-in der Natur nicht auf ein Gebiet beschränkt bleibt, sondern in
-wechselnder Form im ganzen Universum wirkt. Die räthselhaften
-Zeilen lassen sich kaum klar durchblicken. Die Phrase vom „Blitz
-aus dem Centro“ stammt jedenfalls aus J. Böhme. Der Blitz, d. i. der
-Lichtschein, der vom Feuer ausgeht, kann bei Böhme verschiedenes
-bedeuten. In der Trinität heißt der heilige Geist der „Blitz“, der
-vom Herzen der Gottheit, vom Sohne ausgeht und die ganze Gottheit
-durchstrahlt.[416] Im Universum ist die Sonne ein Centrum, von dem
-aus der „Blitz“ die ganze Welt erleuchtet. Der „Blitz“ und der
-„Ton“ wirken auch mit bei der Bildung der irdischen Creaturen und
-da heißt es einmal:[417] „Der klangk aber oder stimme steiget im
-mittlern Centro auff in dem plitze / wo das liecht aus der hitze
-gebohren wird / da der plitz des lebens auffgehet.“ Hier haben wir
-„Blitz“ und „Ton“ verbunden, die uns auch bei Tieck nebeneinander
-begegnen. Der „Blitz“ erscheint endlich im Geistesleben des Menschen
-als eine psychologische Kraft und in erster Linie meint Böhme damit
-das intuitive mystische Erkennen.[418] Böhme gebraucht dabei auch
-wieder die Wendung vom „plitz, der im Centro auffgehet.“[419] Es ist
-nicht recht herauszubekommen, welche Wirksamkeit Tieck dem „Blitze“
-eigentlich zudenkt. Es muss vor allem das eindringliche Bild und der
-höchst mystische Sinn, den J. Böhme damit verbindet, Tiecks Phantasie
-gefesselt haben. -- Die Vorstellung, dass „sich Gestirn und Mensch und
-Erde schwinget gleichmäßig fort und eins des andern Spiegel“ stammt
-wohl aus Schleiermacher, der von Spinoza sagt:[420] „Ihn durchdrang der
-hohe Weltgeist, das Unendliche war sein Anfang und Ende, das Universum
-seine einzige und ewige Liebe, in heiliger Unschuld und tiefer Demuth
-spiegelte er sich in der ewigen Welt, und sah, wie auch Er ihr
-liebenswürdigster Spiegel war.“ Daran reiht sich wieder die Böhme’sche
-Vorstellung vom „Ton“ in den Creaturen, der für Tieck wahrscheinlich
-noch den Sinn von der Harmonie des Weltalls in sich schließt. Von Jakob
-Böhme wird der „Ton“, der uns schon in Verbindung mit dem „Blitze“
-begegnete, als schaffendes Princip für alles Tönende in der Welt (Gold,
-Silber, Kupfer u. s. w.) geschildert und einmal heißt es:[421] „auch so
-ist derselbe Schall in allen creaturen auf Erden / sonst were alles
-stille.“ Das deckt sich dem Wortlaute nach mit dem Verse Tiecks, nur
-dass bei diesem der Sinn in eine höhere Sphäre gerückt worden ist.
-
- „Drum wer die Weisheit kennt, kennt keine Zügel.
- Er sieht die ganze Welt in jedem Zeichen,
- Zur Sternenwelt trägt ihn der kühne Flügel.“
-
-Hier stehen wir wieder auf modernem romantischen Boden. Die
-Naturphilosophie lehrt, dass jede Idee unendlich ist. Unter diesem
-Gesichtswinkel schaut der Weise die Welt in jedem Zeichen. „Eine jede
-Idee ist als ein Unendlich-Endliches ein Abbild des ganzen Universums,
-und das Universum spiegelt sich in ihrer Form ganz, so dass nichts
-als ein abgesonderter Theil außer ihr gesucht werden darf.“[422] So
-Steffens. Ähnlich heißt es bei Schleiermacher:[423] „... und so alles
-Einzelne als einen Theil des Ganzen, alles Beschränkte als eine
-Darstellung des Unendlichen hinnehmen, das ist Religion.“
-
- „Nur von der Gottheit muß er niemals weichen,
- Sonst sinkt er aus der Kunst in irdisch Bangen
- Und Satans Kraft mag ihn alsdann erreichen.“
-
-Hier schwenkt Tiecks Phantasie wieder zum eigentlich Religiösen zurück.
-Nur der mit Gott verbundene Mensch erkennt jene überweltliche Weisheit;
-löst er seine Verbindung, dann bleibt er an der Scholle kleben und
-verfällt sammt seiner Weisheit dem Teufel. Das ist wieder aus Böhmes
-Anschauung heraus gesprochen, der seine Erkenntnis zunächst auf directe
-Erleuchtung durch das Licht Gottes zurückführt. „... nur so lange
-als der geist in mir beharret / weiter erkenne ich nichts / als nur
-von elementischen und irdischen Dingen dieser Welt / aber der geist
-sihet biß in die tieffe der Gottheit.“[424] „Solches (sc. die Gewächse
-und Figuren des himmlischen Lustgartens) ist meinem Leibe auch ganz
-verborgen / aber meinem animalischen (Seelischen) Geiste nicht / so
-lange er mit Gott inqualieret, so begreift ers / wan er aber in Sünden
-fället / so wird ihm die Thür verriegelt / welche ihm der Teuffel
-zuriegelt / die muß durch grosse Arbeit des Geistes wieder auffgemacht
-werden.“[425] Diese Sätze der „Morgenröthe“ enthalten genau den Sinn
-der Tieck’schen Terzine. Das pietistisch gefärbte „irdisch Bangen“
-scheint Tiecks eigenster Seelenstimmung anzugehören.[426]
-
- „Doch mich trieb nie ein eiteles Verlangen,
- Die reine Brust erhob ich zu den Sphären
- Und reinen Sinns küßt’ ich des Himmels Wangen.“
-
-Wie der „Unbekannte“ nicht aus eitlem Verlangen nach den tiefen
-Geheimnissen forschte, so betont auch Jakob Böhme stets seine Demuth
-und reine Absicht und sieht in dieser Demuth alle Erkenntnis nur als
-Gnade Gottes an. „Den allen (Spöttern und Verächtern nämlich) gebe
-ich zur antwort / daß ich nicht in die Gottheit bin gestiegen / dann
-mir / als einem geringen Menschen / solches auch nicht müglich wäre
-zu thun / sondern die Gottheit ist in mich gestiegen / und ist mir
-solches auß seiner Liebe offenbahr welches ich in meiner halbtodten
-fleischlichen Geburth sonst wol würde müssen lassen bleiben.“[427]
-Ähnlich redet er in der „Vorrede“. Die geschraubten Wendungen „die
-Brust zu den Sphären erheben“, „des Himmels Wangen küssen“ sowie das
-vorausgehende: „Zur Sternenwelt trägt ihn der kühne Flügel“, mit denen
-Tieck den Aufschwung des betrachtenden Geistes umschreibt, erinnern an
-die weltenüberfliegenden Bilder des jungen Schiller.
-
-Die Wendung vom „Ton“ und „Blitz“, der das Innere „durchblickt“,
-nimmt Karl Martell in seiner Antwort[428] wieder auf, jedoch in einem
-gewöhnlichen, verständlichen poetischen Sinne.
-
-Der Grundcharakter des „Unbekannten“ ist das Geheimnisvolle. Schon
-sein Erscheinen als Unbekannter, von dem niemand weiß, woher er
-kommt und wohin er geht, sein Prophetenthum, seine feierliche
-Rede in den langhinhallenden Terzinen (die für Tieck noch eigens
-den Eindruck des Alterthümlichen erwecken[429]), erhöhen die
-Stimmung des Geheimnisvollen. Gerade diesem Zwecke scheint auch
-die Verbindung moderner naturphilosophischer Vorstellungen mit
-den alten theosophischen Gedanken Jakob Böhmes zu dienen. Die
-naturphilosophischen Ideen erscheinen zunächst verständlich, ihre
-Formulierung mit Hilfe Böhme’scher Worte und Wendungen macht sie
-zugleich mystisch und dunkel und so oscilliert der Geist des Lesers
-bei diesen Strophen immer zwischen Verstehen und Nichtverstehen
-hin und her. So versetzt Tieck den Leser in jenes Dämmerlicht des
-Halbbewussten, Unbestimmten, das in der romantischen Dichtung so
-beliebt ist.[430]
-
-Nach langem finden wir Jakob Böhmes Weisheit wieder in den Reden der
-Straßburger Hexe.[431] Wenn Winfreda Golo erklärt:
-
- „Ihr könnt nicht anders, so sind die Gewalten,
- Die Sternenkräfte, die sich nur entfalten,
- Ein solcher Mensch ist nur ein Samenkorn,
- In welchem wächst und reift des Schicksals Zorn,
- Die andern traf ein lichter Sternenblick,
- In ihnen sproßt das Firmanentenglück,
- Trägt jeder um sich ein siderisch Haus
- Und kann aus seiner Heimat nicht heraus,“
-
-so hat sie diese Wahrheiten aus Böhmes „Morgenröthe“ geschöpft. Denn
-hier lesen wir:[432] „Das haupt (des Menschen) hat in sich die 5
-sinnen / als sehen / hören / riechen / schmäcken und fühlen / darinnen
-qualificieren die sternen und elementa, und entstehet darinnen der
-Siderische / Sternen- und Natur-geist in Menschen und Thieren / in
-diesen quillet böses und gutes / dann es ist ein hauß der sternen.
-Solche krafft nehmen die sternen vom himmel / dass sie im fleisch
-können einen lebendigen und bewegenden geist machen in Menschen und
-Thieren.“ Der Einfluss der Sterne auf die Menschen zum Guten und Bösen
-sowie die Vorstellung, dass jeder ein „siderisch Haus“ ist, finden wir
-hier und bei Tieck ganz ähnlich ausgesprochen. Mit seiner Neigung zum
-Fatalistischen weicht Tieck wieder von J. Böhme ab. Böses und Gutes in
-den Creaturen rührt nach Böhme[433] aus den Sternen her. Allein nur
-Engel und Teufel sind in entschiedener guter und böser Qualität. Für
-diese Geschöpfe gibt es kein Schwanken mehr. Im Menschen und in den
-anderen Creaturen kämpfen beide Qualitäten und der Mensch kann sich
-selbst dem Guten oder Bösen zuwenden. Während Böhme entschieden die
-freie Selbstbestimmung des Menschen aufrecht erhält, macht Tieck den
-Menschen zum „Samenkorn, in dem des Schicksals Zorn reift“.[434]
-
-Winfreda sagt zu ihren Besuchern:[435]
-
- „Ich bin so sündig wie die andern Menschen,
- Doch wurde mir seltsamer Weis’ verliehn,
- In innre Tiefe der Natur zu schauen.
- Da seh’ ich, was getrennt, zusammenhängen,
- Und was dem blöden Auge einig scheint,
- In ferne Grenzen auseinander fliehn,...“
-
-Die Hexe benimmt sich hier demüthig wie Jakob Böhme. Auch er erzählt,
-wie er, obwohl ein sündhafter Mensch, die Geheimnisse der Welt durch
-göttliche Erleuchtung durchschauen durfte.[436] „In diesem Liechte
-hat mein geist alsbald durch alles gesehen / und an allen Creaturen /
-sowohl an kraut und graß Gott erkennt / wer der sey / und wie der sey
-/ und waß sein willen sey: Auch so ist alsbald in diesem liechte mein
-willen gewachsen mit grossem trieb / das Wesen Gottes zu beschreiben.“
-Von seiner Sündhaftigkeit spricht Böhme besonders auch in der „Vorrede“
-zur „Morgenröthe“. Auch hier verquickt Tieck wiederum Naturphilosophie
-mit Jakob Böhme. Schleiermachers folgende Worte bezeugen es:[437]
-„Eine größere Ausbeute gewährt sie (die Natur) freilich uns, denen
-ein reicheres Zeitalter tiefer in ihr Innerstes zu dringen vergönnt
-hat; ihre chemischen Kräfte, die ewigen Gesetze, nach denen die Körper
-selbst gebildet und zerstört werden, diese sind es, in denen wir am
-klarsten und heiligsten das Universum anschauen. Sehet wie Neigung und
-Widerstreben alles bestimmt und überall ununterbrochen thätig ist;
-wie alle Verschiedenheit und alle Entgegensetzung nur scheinbar und
-relativ ist und alle Individualität nur ein leerer Name...“ Während
-Jakob Böhme christlich-religiös denkend alles von dem nämlichen Geiste
-Gottes formieren, erhalten und tragen lässt, schiebt Tieck hier die
-naturphilosophische Anschauung des Universums ein,[438] führt aber den
-Gedanken gleich wieder in Böhmes Vorstellungsweise weiter.
-
- „Wie Stern’ im Abgrund die Metalle formen...“
-
-„Also auch die Erde brächte keine Frucht / auch so wüchse darinnen
-kein Metall / weder gold / silber / kupfer / eißen noch stein / so die
-sternen nicht darinnen würketen / es wuchse auch kein gräselein daraus
-ohn würkung der sternen.“[439]
-
- „Wie Geister die Gewächse figurieren...“
-
-Jakob Böhme erklärt das Wachsthum des Baumes und sagt unter
-anderm:[440] „... alsbald aber der Frühling kompt / daß die Sonne
-mit ihren strahlen die Erde erreichet und erwärmet die / so wird der
-Geist in der hitze / in dem baume lebendig / und heben die geister des
-baumes an zu grünen / wachsen und blühen: dan der geist gehet in der
-hitze auff / und alle geister freuen sich darinnen / und ist eine
-hertzliche liebe zwischen ihnen.“ Ein andermal[441] schildert Jakob
-Böhme das merkwürdige Wesen, das die Qualitäten (d. i. die formierenden
-Geister) in den Gewächsen treiben, wie sie Halme, Knoten, Blätter,
-Blüten und Früchte bilden. „Alsdan wächst aus allen qualitäten / die
-in dem corpus seind / eine kolbe oder kopff / und wird ein newer leib
-in der kolben oder kopfe / und wird figuriret gleich wie erstlich die
-wurtzel in der Erden / allein daß es nun eine andere subtilere form
-krieget.“ Hier fand also Tieck auch sein alterthümliches Reimwort,
-das sich auch sonst ebenso wie der Terminus: „corporieren“ oft in der
-„Morgenröthe“ einstellt. Wenn letzterer auch nicht gerade in Verbindung
-mit „Gedank’ und Wille“ erscheint, so ist doch die Art, wie Gedanke und
-Wille entstehen, bei Böhme erörtert. Wenn die Hitze das Licht gebiert,
-so „entstehen die sinnen und gedanken, das eine qualität die andere
-/ die auch in ihr und mit ihr selber temperiret ist, siehet und mit
-ihrer schärffe approbiret / daß es ein wille wird / der in dem corpus
-auffsteiget in dem ersten quellbrunn in die herbe qualität.“[442]
-
- „Wie Phantasie zum Kern der Dinge dringt.
- Durch Einbildung Unmögliches gelingt...“
-
-Das intuitive Erkennen durch die Phantasie ist es, auf das auch
-Jakob Böhme immer wieder zurückkommt; „thue die augen deines geistes
-auff“,[443] „thue die Augen deines gemutes auf“,[444] ruft er gerne
-dem Leser zu. Das Erkennen und Sehen „im geiste / im trieb und wallen
-GOttes“ ist ihm neben der Bibel eine Quelle von Offenbarungen;[445]
-wenn er sich an Gottes Trieb und Wallen hingibt, so werden ihm
-„alle große geheimnusse offenbar“.[446] Die Phantasie lässt ihn
-Unergründliches erkennen, also Unmögliches gelingen. (Romantische
-Hochschätzung der Phantasie.)
-
-Der Vers „Alle Dinge nur sind der Geisterwelt ein Kleid“ scheint ein
-Compromiss der Worte des Erdgeistes im „Faust“: „... und wirke der
-Gottheit lebendiges Kleid“ mit Böhmes Anschauung, dass „die gantze
-Natur der gantze leib GOttes“ sei.[447] Gott und Geisterwelt sind nach
-manchen Äußerungen Böhmes auch identisch.
-
-Im weiteren Verlaufe der Hexenscene gilt es, für Siegfried Phantome
-zu schaffen. Diese Schöpfung, die Winfreda vollbringt, könnte man als
-„frei nach Jakob Böhme“ bezeichnen. Jakob Böhme abstrahiert aus der
-Anschauung der Natur verschiedene Qualitäten von dieser und macht diese
-Qualitäten wieder zu genetischen Principien, welche die Dinge in der
-Natur schaffen und einmal „Qualitäten“, das anderemal „Quellgeister“
-oder „Geister“ allein genannt werden. Winfreda will Phantome schaffen.
-Dazu braucht sie nicht so viele „Qualitäten“ aufzubieten, als zur
-Schöpfung wirklicher Dinge nöthig wären, sie braucht nur drei: Gestalt,
-Farbe und Leben. Diese drei Dinge werden zusammengebraut und auf den
-Ruf der Zauberin erscheinen die gewünschten Gebilde.
-
-Für die Einführung des ersten constitutiven Elementes, der Linien
-nämlich, welche die Gestalt der Phantome umschreiben müssen, ließe
-sich eine Anregung durch die „Morgenröthe“ vermuthen. Der „animalische
-Geist“, heißt es daselbst, der von den 7 Quellgeistern ausgeht, muss
-diesen, wenn ein Ding geschaffen werden soll, zuerst die Form weisen.
-Denn gerade wie der Zimmermann, der ein künstliches Haus baut oder
-der Handwerker, der ein künstliches Werk macht, nicht zuerst mit den
-Händen zugreift, sondern sich im Geiste die Form vorstellt, so „weiset
-der animalische Geist den 7 Geistern die Form. Alsdann bilden es die
-7 Geister und machen es begreiflich / alsdan arbeiten erst die Hände
-nach dem Bilde / dann must ein Werk vorhin erst in sinn bringen /
-wilstu es machen.“[448] Es ist hier nicht nur vom Linienumriss, sondern
-vom „model“ überhaupt die Rede. Eine gewisse Ähnlichkeit des Vorgehens
-dieser Geister und der Hexe ist immerhin vorhanden.
-
-Die Farben werden als zweites bildendes Princip von der Hexe gebraucht.
-Das Linienschema, der Umriss wird durch sie erst lebendig. Die seltsame
-Vorstellung von erstorbenen Geistern scheint Tieck aus Böhme genommen
-zu haben, welcher schreibt:[449] „Wan der zornige Feuer-Plitz die
-Geister der Natur / welche in der Erden im Tode stehen / mit seinem
-grimmen schrack auffwecket / und beweglich macht / so fangen die
-Geister an nach ihrem eigenthumblichen Göttlichen Rechte sich zu
-gebähren / wie sie von der Ewigkeit gethan haben / und figurieren
-einen Leib zusammen nach desselben Orths instehenden qualitäten.“
-Gleichnisweise wird an anderer Stelle von einem „todten Geiste“
-gesprochen. Die Verse, die von den „Unsichtbaren“ sprechen, die vom
-Nichtsein in den Lichtschein kommen, scheinen auch noch von der
-Vorstellung der „erstorbenen Geister“ auszugehen.[450]
-
-Im dritten Zauberspruche Winfredas wird das Feuer als belebendes
-Princip angesprochen, das den aus Linien und Farben geschaffenen
-Gebilden „Atem, Seele, die Natur“ gibt. Verwandt ist damit, was Jakob
-Böhme über die Hitze sagt.[451] Der Grundstoff zu einem Lebewesen wird
-von der herben, sauren und süßen Qualität zusammengefügt, muss aber
-erst durch die Hitze zum organischen Leben erweckt werden... „und die
-hitze ist der geist / oder die anzündung des Lebens / davon der geist
-im corpus entstehet / der in den ganzen corpus quallet / und außer dem
-corpus leuchtet / und macht die lebendige Bewegung in allen qualitäten
-des corpus.“ Hier ist die Anlehnung an Böhme wieder deutlicher.
-
-Ein klein wenig Licht fällt auch noch auf diese hypermystische
-Hexenkunst, wenn man den Abschnitt „die Farben“ aus den „Phantasieen
-über die Kunst“,[452] in denen sich auch schon Böhmes Einfluss zeigt,
-heranzieht. Formen, Farben und Töne in ihrem schönen Zusammenwirken
-entzücken (so phantasiert Tieck unter anderem) den sinnigen
-Naturbeobachter. Die menschliche Kunst trennt Sculptur, Malerei und
-Musik und jede dieser Künste wandelt ihren eigenen Weg. Aber wie schön
-müsste auch in der Kunst eine Vereinigung sein, wenn sich z. B. zu
-einem Gemälde das verbrüderte Tonstück fände und es belebte. Da wäre
-dann die Kunst die höchst verschönerte Natur. Wenn Tieck Umriss Farbe
-und Töne zu einem belebten Kunstwerke zusammenwirken sehen will, so
-ist es klar, dass er hier die Schlegel’sche Universalpoesie zu einer
-Art Universalkunst potenzieren möchte. Die Hexe belebt die Gebilde,
-die aus Umriss und Farbe sich entwickeln, durch die geheime Kraft
-des Feuers und ruft sie mit Hilfe der Töne vollends ins Dasein. Wie
-diese Geister, welche die Hexe ruft, so schweben auch die Urbilder
-der Kunstwerke irgendwo „körperlos in den schönsten Formen“. Wie das
-magische Liniennetz die Farben einfängt, so „spreitet die ganze Natur
-dem Sonnenglanze ihre Netze entgegen, um die funkelnden Schimmer
-festzuhalten und aufzufangen“. Es scheint also, dass das Thun der Hexe
-auch ein Zerrbild vom Schaffen des romantischen Idealkünstlers sein
-soll, und wie früher die Naturphilosophie wird hier noch zugleich eine
-ästhetische Gedankenreihe der Romantiker mit Gedanken Jakob Böhmes
-verquickt.
-
-In den Versen[453] „das muss das Leben in sie führen u. s. w.“ arbeitet
-Winfreda mit den nämlichen Vorstellungen und der „schwangere Drang“
-stammt auch wahrscheinlich aus Böhme; denn der Vergleich mit dem
-schwangeren Weibe ist bei ihm beliebt.[454]
-
-Die Worte:
-
- „So gewiss mein Hirn
- Bedeutet Gestirn...“
-
-im Fluche der Hexe gehen wahrscheinlich auf einen Vergleich Böhmes
-zurück.[455] „Und gleich wie der himmel einen schluß oder festung hat
-ober den sternen / und gehen doch alle kräfte aus dem himmel in die
-sternen: also hat das hirn einen schluß oder festung für dem leibe /
-nur gehen doch alle kräfte auß dem hirn in leib und in den gantzen
-Menschen.“
-
-Winfredas Worte:
-
- „Aus dem Licht kam Luft und Meer,
- Und die Erd’ mit Steinen schwer
- Und der Tier’ und Vögel Heer,“
-
-scheinen sich aus jenen Äußerungen Jakob Böhmes herzuleiten, in denen
-alles in der Schöpfung auf Sonne und Sterne zurückgeführt wird.
-„Erstlich schawe an die Sonne / die ist das Hertze oder der König aller
-sternen / und gibt allen sternen liecht vom auffgang zum niedergang...
-So du aber nicht glauben wilst / das in dieser Welt alles von den
-sternen herrühre, so wil ich dirs beweisen so du aber nicht ein klotz
-bist.“[456] „So man das gantze curriculum oder den gantzen umbcirck
-der Sternen betrachtet / so findet sichs bald / daß dasselbe sey die
-Mutter aller Dinge oder die Natur / daraus alle dinge worden seind und
-darinnen alle Dinge stehen und leben / und dadurch sich alles beweget
-/ und alle dinge seind auß denselben cräfften gemacht / und bleiben
-darinne ewiglich.“[457]
-
-Nun hätten wir endlich noch ein paar Nachklänge aus Jakob Böhme
-anzuführen, in denen seine mystische Offenbarung mit theologischen
-Lehren des Christenthums sich vereinigt und das ist auch die einzige
-Stelle in der „Genoveva“, an der man etwas von jener Betrachtung
-des Christenthums im Lichte Jakob Böhmes spürt. Es ist dies die
-Sterbevision der heil. Genoveva,[458] in der schon Friesen Böhmes
-Einfluss wahrnahm.[459] Genoveva sieht in der Ekstase die himmlische
-Herrlichkeit.
-
- „Wohin ich blickte, sah ich Blüten prangen,
- Aus Strahlen wuchsen Himmelsblumen auf...“
-
-Über diese himmlischen Blumen und Blüten handelt auch Böhme...[460]
-„auch so gehen in diesen (himmlischen) cräfften auff allerley blumen
-mit schönen himlischen farben und geruch“.
-
-In der Strophe über die Trinität schließt sich Tieck recht deutlich
-an Böhme an, dessen Ausdeutung des Trinitätsmysteriums sich von der
-kirchlich-theologischen auffallend unterscheidet.
-
- „Der Sohn war recht des Vaters Herz und Liebe,
- Der Vater schaffende Allgegenwart,
- Der Geist im unerforschlichen Getriebe,
- Das ew’ge Wort, das immer fort beharrt;
- Und alles wechselnd, nichts im Tode bliebe,
- Indes der Vater wirkt die Form und Art.
- So Lieb’ und Kraft und Wort in eins verschlungen,
- In ew’ger Liebesglut von sich durchdrungen.“
-
-„Also ist ein Gott / und 3 unterschiedliche Persohnen in einander / und
-kan keine die andere fassen oder aufhalten / oder der andern Vhrsprung
-ergründen / sondern der Vater gebähret den Sohn / und der Sohn ist des
-Vaters Hertze / und seine Liebe und sein Licht / und ist ein Ursprung
-der Freuden / und alles Lebens anfang.
-
-Und der Heilige Geist / ist des Lebens Geist / und ein Formirer und
-Schöpffer aller dinge / und ein Verrichter des Willens in GOtt / der
-hat formiret und geschaffen auß dem Leibe und in dem Leibe des Vaters
-alle Engel und Creaturen / und hält und formiret noch täglich alles
-/ und ist die schärffe und der lebendige Geist Gottes: Wie der Vater
-das Wort auß seinen Kräfften spricht / so formts der Geist.“[461]
-Tieck zupft aus diesem confusen Gewebe einzelne Fädchen heraus und
-webt sie aufs neue in seiner Stanze zusammen. Welcher es dem andern an
-geheimnisvoller Dunkelheit zuvorthut, ist schwer zu entscheiden. -- In
-der letzten Strophe der Vision heißt es:
-
- „Wie Strahlen giengen Engel aus und ein,
- Entzückt in der Dreieinigkeit zu spielen...“
-
-Dieses Spiel der Engel in Gott erwähnt auch die „Morgenröthe“ öfters.
-Bei Schilderung der Freude der Engel liest man:[462] „es war alles
-ein herztlich Liebe-spiel in GOtt...“ Wie Gott in seiner Veränderung
-unbegreiflich ist und in seinem Liebespiel, „Also sollten auch die
-Geisterlein oder die Liechterlein der Engel / welche seind wie der
-Sohn GOTTES / für dem Hertzen GOTTES in dem grossen Liechte fein sanft
-spielen / darmit die Freude im Hertzen Gottes möchte vermehret werden /
-und möchte also in GOtt ein Heiliges Spiel seyn.“[463]
-
-Hie und da trifft man noch eine Wendung in der „Genoveva“, der
-Vorstellungen aus Jakob Böhme zugrunde liegen. Böhmes Vorstellung
-von den verschiedenen Geistern, die im Menschen thätig sind, z. B.
-steckt in Phrasen, wie „alle Geister (sc. der Gebärenden) nach Hilfe
-schreien“[464] und „wenn sich die innern Geister alle lösen“ (beim
-Sterbenden).[465] Auch das „himmlisch Freudenreich“[466] wäre zu nennen.
-
-Die angestellte Beobachtung zeigt, dass man Böhmes Einfluss auf die
-„Genoveva“ nicht überschätzen darf. Am nächsten kommt dem Sachverhalte
-Tiecks Äußerung bei Förster:[467] „als ich die Genovefa schrieb, habe
-ich allerdings Jakob Böhme’s Schriften mit großem Interesse gelesen
-und so ist vielleicht Manches aus ihnen, mir bewußtlos, in mein Stück
-übergegangen“. Jakob Böhmes Theosophie verwebt Tieck fast nur an jenen
-Stellen in seine „Genoveva“, wo das Geheimnisvolle in Ton und Inhalt
-herrschen soll. Das Mysteriöse ist die Sphäre des „Unbekannten“, der
-ekstatisch verzückten Heldin und von der Hexe wird es zu schlechtem
-Zwecke missbraucht. Fast nirgends werden aber Böhmes Gedanken
-genau in ihrem ursprünglichen Sinne und in unvermischter Reinheit
-übernommen, sondern Tieck sucht jedesmal Alterthümliches und Modernes
-zu verschmelzen. Es leitete ihn dabei gewiss ein feiner künstlerischer
-Sinn. Die „Genoveva“ will alte Poesie auffrischen und in neues Gewand
-kleiden, sie will alterthümlich und modern zugleich sein. Da war denn
-Tieck nur consequent, wenn er Böhmes Mystik nicht in ihrer echten und
-ursprünglichen Gestalt seinem Gedichte aufklebte, sondern sie so gut
-wie möglich mit modernen Anschauungen zu amalgamieren trachtete und sie
-in moderner Einkleidung vortrug.
-
-Für den Anfang scheint es seltsam, dass die Worte hoher, heiliger
-„Weisheit“, die der fromme „Unbekannte“ und die heilige Heldin
-sprechen, auch die böse, betrügerische Hexe sich anmaßen darf. Wenn
-auch nicht deutlich ausgesprochen, gemeint ist aber jedenfalls, dass
-die Hexe das Heilige für ihre schnöden Zwecke missbraucht. Diese
-Auffassung deutet auch Bernhardi in seiner Recension an. Dass in den
-Hexensprüchen zugleich ein Nachäffen romantischen Kunstschaffens
-verborgen ist, reimt sich damit ganz gut zusammen.
-
-Für den heutigen Leser ist wohl das meiste von der Jakob Böhme’schen
-Mystik in der „Genoveva“ ganz unverständlich geworden. Wer kümmert sich
-heute um diese mystische Philosophie? Tieck dichtete aber zunächst
-für den engeren Kreis seiner Freunde, denen Jakob Böhme „Bibel“
-geworden. Hier kannte man den Schlüssel zu den geheimnisvollen Worten
-des „Unbekannten“ wie der Hexe. Die Romantiker waren um 1800 fast
-allesammt Adepten Jakob Böhmes und hätten gerne die mystische frohe
-Botschaft des Görlitzer Schusters aller Welt verkündet.[468] Tieck
-erneuert Böhmes Gedanken, soweit er sie seiner Dichtung einverleiben
-kann, ähnlich, wie er die Poesie der alten Volksbücher auffrischt und
-damit war allerdings schon ein Anfang mit der Popularisierung des
-verschollenen Mystikers gemacht. Außer Tieck und Novalis las diesen
-besonders F. Schlegel eifrig. Auch Ritter, Hülsen, sogar Schelling
-schlossen sich den Bewunderern an. Was die Romantiker in ihrem ersten
-Enthusiasmus mit dem „philosophus teutonicus“ vorhatten, sagen neben
-andern merkwürdigen Orakelsprüchen am besten F. Schlegels Worte, Worte
-eines Böhmeschwärmers, dem Tiecks Bemühungen noch viel zu geringwertig
-erschienen. Er schreibt an Schleiermacher:[469] „Fast möchte ich Dir
-zur Pflicht machen, den Jakob Böhme zu studieren. Es muss noch viel von
-ihm die Rede (sein), weil in ihm gerade das Christenthum mit 2 Sphären
-in Berührung steht, wo jetzt der revolutionäre Geist am schönsten wirkt
--- Physik und Poesie. Ritter hat ihn sehr studiert und will auch über
-seine Physik schreiben; das ist aber nur eine Seite. Tieck legt sich
-gewaltig auf ihn und wird ihn hinlänglich tieckisieren; denn in einen
-andern Geist einzudringen, das ist diesem Menschen nicht gegeben.
-Also wird Böhme für den Tieck etwas thun, Tieck für den Böhme aber
-gewiss sehr wenig. Noch ein Grund, warum ich es besonders schicklich
-finde, den Böhme zu predigen, ist, dass sein Name schon den größten
-Anstoß bei den Philistern erregt; kein anderer kann mehr polemische
-Energie haben.“ Dass Tieck seinen Böhme „tieckisiert,“ hat Schlegel
-richtig getroffen. Dasselbe that Tieck ohnehin auch mit seinen übrigen
-Vorbildern und er hatte als Dichter sein gutes Recht dazu. Er war aber
-dabei ein recht eifriger „Verkündiger der Morgenröthe“, persönlich
-unter seinen Freunden und in seiner Dichtung. Im „Zerbino“ hatte
-er Böhme in den „Garten der Poesie“ versetzt, in den „Phantasieen“
-merkt man schon die Spuren von Böhmes Ideen, im Fastnachtschwanke vom
-„Neuen Hercules“ („Der Autor“) wird er mit reichstem Lobe bedacht,
-in „Octavian“ und „Melusine“, in verschiedene kleine Gedichte werden
-Böhmes Gedanken eingestreut, wie in die „Genoveva“.
-
-Eine Wiedergeburt der Böhme’schen Mystik im größeren Stile erfolgte
-freilich erst später in Baaders Philosophie.
-
- * *
- *
-
-Ob mit dieser Untersuchung der persönlichen Einflüsse und Anregungen,
-der Quelle und der literarischen Vorbilder, die in Tiecks „Genoveva“
-nachwirkten, das ganze Erdreich genügend bloß gelegt ist, aus
-dem diese seltsame, vielgerühmte und vielgetadelte romantische
-Blüte hervorwuchs, wage ich nicht zu behaupten. Briefe und andere
-Aufzeichnungen können noch einmal neues und volleres Licht über manchen
-Punkt bringen. Ein ziemlich deutliches Gesammtbild der Bedingungen,
-welchen dieses romantische Werk sein Dasein verdankt, stellt sich aber
-immerhin aus der Betrachtung des zugänglichen Materiales her. Das
-Volksbuch, die altehrwürdige Legende, der Tieck mit tiefer Ehrfurcht
-naht, gibt den stofflichen Grundstock des ganzen Buches. Die Ehrfurcht
-vor dem Alten bewog den Romantiker, auch von der Anordnung des Stoffes,
-wie sie das Volksbuch bietet, nur dann abzugehen, wenn es gewichtige
-Gründe forderten. Shakespeares „Perikles“ und Maler Müller wiesen auf
-die dramatische Form, „Perikles“ gab noch insbesondere das Vorbild
-für die epischen Einlagen, während Calderon das Lyrische und die
-metrische Gestaltung vielfach beeinflusste. Müller, Shakespeare und
-Goethe bestimmten dort und da einige Linien eines Charakterbildes.
-Müller’sche und Shakespeare’sche Stimmungen, welche Tieck besonders
-verwandt ansprachen, giengen in seine Dichtung über. Müller, Goethe
-und Shakespeare haben auch ihren Antheil am Aufbau einzelner Scenen
-wie an der ritterlichen Costümierung. Jakob Böhmes alterthümliche und
-dunkle Mystik mit ihrer fremdartigen Terminologie half gewisse Scenen
-auf einen seltsam alterthümlichen und geheimnisvollen Ton stimmen.
-Aber jeder nach fremdem Vorbilde geführte Pinselstrich verräth doch
-auch immer Tiecks eigene Hand, die stets in selbständiger Weise das
-Fremde dem eigenen Zwecke dienstbar macht. Tiecks erwachte Abneigung
-gegen die saft- und kraftlose Nicolaitische Aufklärungssucht,
-die Erlanger Eindrücke sowie Wackenroders zart-frommer Sinn und
-Alterthums-Enthusiasmus, die mächtige religiöse Erregung, die durch
-Schleiermacher, Novalis und Friedr. Schlegel in den romantischen
-Kreis getragen wurde, religiöse Stimmungen, welche die Calderon- und
-Böhme-Lectüre weckte: alles vereinigte sich, um Tiecks Gemüth mit
-jenen innigen, alterthümlich-religiösen Kunststimmungen zu erfüllen,
-die das charakteristische, beherrschende Licht über sein romantisches
-Drama verbreiten und dieses trotz aller Entlehnungen zu einer durchaus
-selbstständigen Kunstschöpfung machen, wie sie eben nur aus dem
-romantischen Geiste, der sich vor hundert Jahren in unserer Dichtung
-entfaltete, erwachsen konnte.
-
-
-
-
-IV.
-
-Charakteristik der „Genoveva“.
-
-1. Das romantische Drama. -- Composition.
-
-
-Im Stofflichen, das Tieck in seiner „Genoveva“ verarbeitet, fanden
-wir allenthalben Entlehnungen und Anlehnungen. Die Geschichte und die
-Folge ihrer Entwickelung, gar manches in den Charakteren wie in den
-Motiven, die Verwendung von Vers und Prosa: all dies ist nicht neue
-Erfindung, sondern von anderen übernommen. Vollständig neu fanden
-wir eigentlich nur die Auffassung, welche diese Dichtung beherrscht,
-jene Auffassung, die aus gewissen zeitgenössischen Strömungen und
-persönlichen Eindrücken erwuchs. Dies ist nicht Zufall und nicht
-Armut an Erfindungskraft. Tieck legt eben keinen besonderen Wert auf
-das Neuerfinden des Stofflichen, wie uns eine bezeichnende Stelle
-des „Phantasus“ bestätigt.[470] Clara möchte nämlich „lieber“ eine
-Scene in „Was ihr wollt“ geschrieben haben, als die Novelle erfunden,
-aus welcher das Lustspiel entsprungen ist. Nicht wesentlich anders
-dachten die romantischen Collegen in Jena bereits vor der Entstehung
-der „Genoveva“. Nach A.W. Schlegel[471] setzt sogar Shakespeare
-das Wesen seines dichterischen Geschäftes nicht in die stoffliche
-Erfindung, sondern er wendet die ganze Macht seines Genius auf die
-Gestaltung eines vorgegebenen Stoffes. Tieck, der Schüler, will nicht
-über dem Meister sein. Er begnügt sich auch, seine ganze Kunst in der
-„Organisation“ und Darstellung des Stoffes zu zeigen.
-
-Tieck möchte in seiner „Genoveva“ ein „romantisches“ Kunstwerk
-schaffen, in dem sich Dramatisches mit Epischem und Lyrischem
-verschmelzen soll; denn es ist die Aufgabe der romantischen Poesie
-„alle getrennte Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen“.[472]
-Ohne Zweifel kann der echte Dichter das Poetische in jeder Form
-aussprechen. Warum sollte er es nicht auch in verschiedenen Formen
-können, die gleichzeitig nebeneinander stehen, die sich gegenseitig
-durchdringen und die organisch ineinander wachsen? Solange der
-Dichter das Poetische an sich, seinem inneren Wesen nach im Auge
-hat, braucht es keine Scheidung nach diesen oder jenen Kategorien
-der künstlerischen Erscheinung. Anders wird es, wenn er eine Wirkung
-nach außen anstrebt. Da ist vor allem der Dichter, der sich die
-bestimmte dramatische Gattungsform wählt, auch an die Gesetze dieser
-künstlerischen Gattung unwiderruflich gebunden. Theoretisch lässt sich
-gegen die Möglichkeit, verschiedene Gattungsformen in einem poetischen
-Werke zu verschmelzen nichts einwenden, die Schwierigkeiten aber,
-die sich von der künstlerischen Seite her erheben, sind so große,
-dass ein gutes Gelingen eines solchen romantischen Universalgedichtes
-wenig wahrscheinlich ist. Es muss dem Dichter bei solchem Vermengen
-der Gattungen recht schwer werden, dem Kunstwerk die unentbehrliche
-Einheit und Geschlossenheit der Erscheinung zu geben. Denn es haben
-die einzelnen Gattungen ihre eigenen stilistischen Gesetze und die
-Gesammtform jeder Dichtung bestimmt bis in die Glieder herab die
-Formgebung in eigenthümlicher Weise. Es müsste wohl ein Ingenium
-von höchster künstlerischer Begabung erstehen, das alle Hindernisse
-glücklich unter sich brächte und in das Mosaik verschieden gearteter
-Theile ohne ein Zuviel hier und ein Zuwenig dort Harmonie und
-künstlerisches Gleichgewicht zu zaubern und die Gewöhnung des Lesers
-an bestimmte Unterschiede der künstlerischen Erscheinung glücklich und
-ohne Störung zu täuschen vermöchte.
-
-In der „Genoveva“ überwiegt das Dramatische oder richtiger das
-Dialogische weitaus den epischen Theil, es bildet „die Basis“ der
-künstlerischen Gestalt. Dabei muss freilich bemerkt werden, dass sich
-auch schon in den Dialog verschiedene epische und lyrische Stücke
-einordnen. So z. B. die Erzählung Wolfs von seiner astrologischen
-Himmelsbeobachtung, die Erzählungen von Golos und Genovevas Jugend,
-die Prophezeiung des „Unbekannten“, die Schilderung der Sterbevision
-Genovevas u. a. Auch Lieder und lyrische Ergüsse sind in den Dialog
-verwoben oder als Monologe einem Dialoge voran- oder nachgestellt.
-So versucht es Tieck, in das Drama „Lyrik hineinzuwerfen“, wie er es
-schon vorher im „Zerbino“, in den Märchen und im „Sternbald“ that
-und wie er es bald reichlich im „Octavian“ thun sollte. Der Dichter
-versucht hier wirklich ein Verschmelzen der verschiedenen Gattungen.
-Aber man spürt auch schon dabei, wie sich manches Epische und Lyrische
-nur mit Widerstreben in das dramatische Gerüste zwingen lässt. Ein
-Beispiel dafür ist die Weissagung des „Unbekannten“. In einem Drama
-müsste diese Prophezeiung eigentlich bei strengster, aber allerdings
-häufig verletzter Consequenz im Gattungsstil auf der Bühne in Erfüllung
-gehen, soll die erregte Erwartung nicht getäuscht werden.[473] Ebenso
-müssten wir die heil. Genoveva in ihrer himmlischen Verklärung sehen
-und nicht bloß den Bericht des heil. Bonifacius über ihren Eingang in
-die Seligkeit zu hören bekommen; denn nur so wäre in beiden Fällen der
-Abschluss in dramatischer Form erreicht. Nachdem diese die Dichtung
-im Ganzen beherrscht, regt sich das Bedürfnis nach solchem Abschluss
-unwillkürlich. Das Epos, das weite Zeiträume in sich fasst und das
-unbegrenzte Reich der Phantasie ohne Einschränkung durchwandert,
-begnügt sich schon mit einem bloßen Ausblick in die Zukunft. Tieck
-denkt also manchmal trotz der äußerlich dramatischen Form episch;
-er denkt eben an ein gelesenes Gedicht, nicht an ein dargestelltes
-Theaterstück und unter dieser Voraussetzung unternimmt er es, die
-Phantasie in so weite Zukunftsfernen und selbst in die Ewigkeit zu
-führen. Allein der eigenthümliche innere Widerspruch zwischen dem
-epischen Charakter des Inhaltes und der äußeren dramatischen Gestalt
-wird auch unter dem Gesichtpunkte des Lesedramas nicht ohne Rest
-ausgeglichen.
-
-Griffe ein echter Dramatiker das Volksbuch auf, so würde dieser mit
-strenger planvoller Ökonomie eben das aus seiner Quelle entnehmen,
-was für sein Thema wesentlich und nothwendig ist und was hinreichte,
-dieses sein Thema künstlerisch zu verlebendigen und zu erschöpfen. Um
-die ungerecht bedrängte und wieder erkannte Unschuld, das dichterische
-Problem der Genoveva-Legende, darzustellen, genügen einem Dramatiker
-als Personen Genoveva (mit Schmerzenreich), Golo, Siegfried, Drago,
-die Hexe, Benno und Grimoald, Gertrud. An den Schicksalen dieser
-Personen könnte sich das ganze Problem entwickeln. Der ganze übrige
-reiche Aufwand von Nebenpersonen, die Tieck einführt, könnte fortfallen
-und damit entfielen auch die Scenen, die mit dem Hauptgedanken und
-dem Fortgange des Stückes in gar keiner innerlich nothwendigen oder
-nur in einer sehr losen Beziehung stehen wie die breiten Lager- und
-Kriegsgemälde, die Hirtenscenen, der heil. Bonifacius. So dächte ein
-Dramatiker, der mit der Bühne rechnet. Allein der romantische Poet
-denkt anders, er geht wieder, wenn auch in dramatischer Verkleidung,
-die Wege des Epikers. Die umfassende Fülle der romantischen Poesie muss
-nothwendig den straffen dramatischen Rahmen sprengen. Die Romantik
-drängt überhaupt zum Epischen hin.[474] Der Roman „tingiert“ ja
-die ganze moderne Poesie.[475] Tieck will „Leben und Tod der heil.
-Genoveva“ schildern und er will auch in seiner Ehrfurcht vor dem Alten
-das ganze Volksbuch, selbst seine unwesentlichen Bestandstücke, die nur
-der Stimmungsmalerei oder der Maskierung von Vorgängen hinter der Scene
-dienen können, beibehalten und in neuer Schönheit aufgefrischt erstehen
-lassen. Was das Volksbuch enthält, ist, wie uns die Romantiker schon
-belehrten, ein altehrwürdiges, heiliges Gut, von dem kein Gran verloren
-gehen darf. Auch diese Tendenz der Romantik hindert ein dramatisches
-Concentrieren. Sie begegnet sich aber in unserem Falle mit der Idee von
-der romantischen Universalpoesie.
-
-Der alte poetische Schatz darf durch neue Motive bereichert werden,
-wenn es dem Dichter gelingt, solche herbeizuschaffen, die neben dem
-Alten nicht unwürdig erscheinen. Poetisch oder nicht poetisch? Das ist
-die einzige Frage, nicht aber innere Nothwendigkeit, künstlerische
-Straffheit der Composition in Lessings Sinne. Die romantische
-Poesie „umfasst alles, was nur poetisch ist“.[476] „Poetisch“ und
-„romantisch“ fließen für Schlegel und Tieck allmählich ineinander.
-Das bunte, bewegte Bild eines Krieges, der dazu einem idealen
-Zwecke dient (Kreuzzug), eines Krieges im fernen Mittelalter, wo
-Morgenland und Abendland feindlich zusammentreffen, wo Schlachtenlärm
-und Liebesseufzer sich vermengen: in einem solchen Bilde ist alles
-außergewöhnlich, nichts platt und alltäglich, alles ist romantisch,
-poetisch.[477] Scenen, in denen Naturburschen, wie Schäfer und Köhler
-(Tiecks alte Vorliebe)[478] erscheinen, Menschen, deren Dasein so
-innig mit der Natur verwachsen ist, bieten eine andere Seite des
-Poetischen. Nur den sublimierten, poetischen Duft dieser Gestalten
-sucht Tieck festzuhalten. Darum streift er sorgsam alles alltäglich
-Schwere und Prosaische von ihnen ab. Fast nur der singende und der
-liebende Schäfer, der Schäfer voll Naturfreude darf hier wie im
-„Octavian“ in die Dichtung eintreten. Der „Unbekannte“, die Hexe, Tod
-und Engel, der Geisterpilgrim, Wesen, die mit der geheimnisvollen,
-überirdischen Welt verbunden sind oder aus derselben in unsere irdische
-Alltagswelt hereinkommen, all diese Gestalten gehören auch dem Reiche
-des Poetischen, des Romantischen an. Religion und Poesie gehören für
-den Romantiker ohneweiters zusammen.
-
- „Bist du in alter Blindheit ein Bewohner
- Von Religion und Poesie verstoßen?“
-
-sagt Dante zu Nestor-Nicolai im „Zerbino“. Die Figuren, die dem Gebiete
-des Glaubens angehören, gewähren der Phantasie durch ihr Erscheinen
-einen „bedeutenden Ausblick in die Ferne“, in eine geheimnisreiche
-Ferne, in die auch Wunder und Visionen und Träume den ahnenden Blick
-lenken. Solche „Ausblicke“ sind nach A.W. Schlegel ein Charakteristicum
-des Romantischen.[479] Die Natur in ihren geheimen Wechselbeziehungen
-mit dem Menschengemüthe, die das Volksbuch noch nicht kennt, ist eine
-poetische Macht, vor der sich selbst der gemüthsdürre Merkel beugt.
-Mit den Liedern und lyrischen Ergüssen, welche die Welt des Gemüthes
-selbst entschleiern, mit Ahnung und Erinnerung und Sehnsucht gelangen
-wir ins Centrum alles Poetischen, zur seelischen Empfindung.[480]
-All das darf in Tiecks romantisches Trauerspiel aufgenommen werden;
-denn nichts Poetisches ist von der romantischen Universalpoesie
-ausgeschlossen. Die unendliche Mannigfaltigkeit all dieser Motive ist
-dabei nicht etwa ein Product zügelloser Phantasie. Eine solche gibt es
-für den Romantiker gar nicht.[481] Das Mannigfaltige und Bunte ist ihm
-an sich poetisch. Shakespeare ist „um so poetischer (als die Spanier)
-als er mehr Mannigfaltigkeit entwickelt“.[482] Was Tieck für poetisch
-ansieht, erfahren wir ungefähr aus „Zerbino“ und „Octavian“. Die Scene,
-mit welcher der „Prolog“ des letzteren Dramas schließt, vereinigt in
-der Bühnenanweisung wie in einem Inhaltsverzeichnis die Elemente des
-Poetischen. „Musik. Mit Trompeten kommen die Krieger auf der einen, die
-Schäfer mit Flöten auf der andern Seite zurück. In der Mitte stehen
-Glaube und Liebe, zur Seite des Glaubens Tapferkeit, zwischen ihnen der
-Liebende und die Pilgerin, neben der Liebe der Scherz, zwischen diesen
-der Ritter und das Hirtenmädchen, im Vorgrunde der Dichter und die
-Romanze.“ Naturfreude, Lust an Farben und Tönen, Sehnsucht, Reiselust,
-Ahnung und Erinnerung begegnen uns im „Aufzug der Romanze“ wie im
-Garten der Poesie als Töne, die sich zum großen romantischen Accord
-vereinen. Der Garten der Poesie ist überdies eine blühende Wildnis.
-Große, seltsame Wunderblumen, wie sie der alte vernünftige Nestor nie
-in seinem Leben sah, blühen darin, alles im üppigen, phantastischen
-Überfluss und alles glänzt und tönt und singt und plaudert und spricht
-wundersame Geheimnisse aus, die als Ahnungen und Stimmungen ans
-Dichtergemüth klingen. Fast all diese poetischen Dinge treffen wir
-auch in der „Genoveva“, nur der Scherz und die contrastierende derbe
-Prosa fehlen, weil sie nach des Dichters Meinung den Legendenton der
-Dichtung stören würden. Es war gewiss ungerecht, wenn man in blinder,
-parteiischer Voreingenommenheit und in ödem Verständigkeitsfanatismus
-die diesen Motiven und Stimmungen immanente poetische Kraft hartnäckig
-übersah, wie es die rationalistischen Feinde der Romantik in ihren
-Recensionen thaten, die Nicolai und Merkel, die nur borniert witzelnd
-auf „die abgeschmackte Legende, zu der Tieck noch lächerliche
-Abenteuerlichkeiten hinzusetzte,“ von oben herabblickten.[483] Sie
-konnten allerdings nicht anders. „Trägt jeder um sich ein siderisch’
-Haus, kann aus seiner Heimat nicht heraus.“
-
-Soll aber die Freude des Genießenden am Kunstwerk rein und voll sein,
-dann darf das Poetische, das Phantasie und Gemüth erweckt und fesselt,
-nicht als chaotische, unüberschaubare Masse vor uns erscheinen, sondern
-Einheit und Geschlossenheit kommen einem anderen, dem eigentlich
-künstlerischen Bedürfnisse unseres Geistes, entgegen. A.W. Schlegel
-übersah diesen Sachverhalt nicht. Er findet im Verhältnis von Tag und
-Nacht ein zutreffendes Bild unseres geistigen Daseins. „Einige Dichter
-haben den gestirnten Himmel so vorgestellt, als ob die Sonne nach
-Endigung ihrer Laufbahn in alle jene unzähligen leuchtenden Funken
-zerstöbe: dieß ist ein vortreffliches Bild für das Verhältnis der
-Vernunft und Fantasie: in den verlorensten Ahndungen dieser ist noch
-Vernunft; beyde sind gleich schaffend und allmächtig, und ob sie sich
-wohl unendlich entgegengesetzt scheinen, indem die Vernunft unbedingt
-auf Einheit dringt, die Fantasie in grenzenloser Mannigfaltigkeit ihr
-Spiel treibt, sind sie doch die gemeinschaftliche Grundkraft unseres
-Wesens.“[484]
-
-Ein Centrum im Kunstwerke ist nöthig, in dem alle Linien
-zusammenlaufen.[485] Ein Hauptcharakter, eine Haupthandlung muss
-so in der Dichtung herrschen, dass nicht das Nebenwerk mit seiner
-Fülle das Ganze überwuchert. Die Empfindung dieser geschlossenen,
-gerundeten Einheit wirkt mit wohlthätiger Befriedigung auf den
-Geist des Genießenden. Wie sieht es aber in der „Genoveva“ aus? Bis
-in die Mitte des Stückes laufen nicht weniger als drei Handlungen
-nebeneinander her. Golos Liebeswerben, die Liebe zwischen Heinrich und
-Else und die Lagerscenen, die sich ihrerseits wieder als christliches
-und saracenisches Lager in zwei selbständigen Reihen entwickeln.
-Von der Eroberung Avignons bis zu Genovevas Verstoßung begleiten
-sich allerdings nur die Vorgänge auf dem Schlosse und in Straßburg.
-Im weiteren Verlaufe bis zur Auffindung der Verstoßenen haben wir
-aber wieder drei Fäden zu verfolgen: die Ereignisse auf Siegfrieds
-Schloss, Genoveva in der Wüste, Golo im Walde. Erst am Ende vereinigt
-sich wieder alles auf dem Schlosse, von dem die ganze Handlung
-ausgegangen war. Diese verschiedenen Reihen durchschneiden sich und
-kreuzen sich im bunten Wechsel, wie die Bilder eines Kaleidoskopes.
-Es gibt ein verwirrendes, traumhaftes Hin und Her. Das ist auch
-nicht verwunderlich, da Tieck selbst im Traumleben allen Ernstes das
-wahre Vorbild für das dichterische Schaffen sehen will.[486] Ein
-Lieblingsgedanke, auf den er immer wieder zurückkommt. Auch keine
-Persönlichkeit steht derart beherrschend in der Mitte, dass wir den
-Eindruck einer sicheren Einheit bekämen. Das erste Viertel der Dichtung
-beherrschen die Kriegsscenen mit Karl Martell an erster Stelle. Dann
-treten Golo und Genoveva in den Vordergrund. In der zweiten Hälfte
-fällt das meiste Licht auf die verbannte Dulderin. Also weder eine
-sicher geführte Haupthandlung noch eine das Ganze beherrschende
-Persönlichkeit gibt der Dichtung einen festen Halt. An ein
-symmetrisches Abwägen der einander entgegenstehenden Personengruppen
-nach Zahl und innerer Bedeutung, wie wir es an manchen Goethe’schen
-Dramen beobachten („Iphigenie“), wie es in hohen Kunstzeiten die
-bildende Kunst uns zeigt (Griechische Kunst, Frührenaissance),
-denkt Tieck in seinem romantischen Gedichte nicht. Es würde die
-Mannigfaltigkeit darunter leiden.
-
-Wenn auch niemand vom romantischen, episch denkenden Dramatiker jene
-„strenge gerade Linie“ verlangt, nach welcher einem Schiller’schen
-Worte gemäß der tragische Poet fortschreiten muss, so möchte man doch
-erwarten, dass ersterer sich wenigstens auf einer Hauptrichtung halten
-müsse, und zwar so, dass diese Hauptrichtung dem Leser nie ganz aus dem
-Gesichtskreise schwinde. Tieck mit seiner ästhetischen Traumtheorie und
-Fr. Schlegel, der romantische Gesetzgeber, denken aber einmal anders in
-diesen Dingen. Das Hervortreten und Zurückweichen der einzelnen Figuren
-in der „Genoveva“ lässt den Leser unwillkürlich an jenes Schlegel’sche
-Fragment denken, das vom Romanhelden sagt:[487] „Es ist nicht einmal
-ein feiner, sondern eigentlich ein recht grober Kitzel des Egoismus,
-wenn alle Personen in einem Roman sich um Einen bewegen wie Planeten um
-die Sonne, der dann gewöhnlich des Verfassers unartiges Schoßkind ist,
-und der Spiegel und Schmeichler des entzückten Lesers wird. Wie ein
-gebildeter Mensch nicht bloß Zweck sondern auch Mittel ist für sich und
-für andere, so sollten auch im gebildeten Gedicht alle zugleich Zweck
-und Mittel seyn. Die Verfassung sey republikanisch, wobey immer erlaubt
-bleibt, dass einige Theile activ andere passiv seyn.“ Es erscheint die
-„Genoveva“ beim ersten Lesen „wie ein Traumbild ohne Zusammenhang, ein
-Ensemble wunderbarer Dinge und Begebenheiten“. Wir dürfen auch nicht
-vergessen, dass es erstes Gesetz der romantischen Poesie ist, „dass die
-Willkür des Dichters kein Gesetz über sich leide“ und auch im „Zerbino“
-hebt und senkt sich der Vorhang sechsmal und nicht öfter „ohn’ alle
-Ursach’, wenn Willkür nicht hinreichend Ursach ist“.[488]
-
-Der bunten Mannigfaltigkeit und dem Reichthum an Handlung entspringt
-der schrankenlos willkürliche Wechsel des Schauplatzes. Die Scene
-wechselt in der „Genoveva“ einundsechzigmal. Man zählt achtundzwanzig
-voneinander verschiedene Örtlichkeiten. Und wie die Schranken des
-Raumes, so fallen für die souveräne romantische Phantasie auch jene der
-Zeit. Das Stück umschließt ungefähr einen Zeitraum von acht Jahren.
-Allerdings an eine festgefügte Chronologie im Stücke denkt der Dichter
-nicht; nur so nebenher bekommen wir die eine und andere Zeitangabe,
-wobei der Dichter aber nicht auf chronologische Klarheit abzielt.
-Es erscheinen bei Tieck die Tages- und Jahreszeiten gerade so wie
-die Örtlichkeiten fast nur als stimmungsvoller Hintergrund für die
-Vorgänge. Dieser Stimmungswert der Zeitmomente und Raumverhältnisse ist
-ihm das Wichtigste. Wie weit er dabei zu gehen vermag, sieht man aus
-der Aufeinanderfolge der Scenen „Gefängnis“ und „Dorf“.[489] Für die
-gefangene Mutter im Thurme braucht der Dichter die rauhe Jahreszeit,
-für die Schäferhochzeit den Frühling. Dass dem Stimmungsgehalt
-von Ort und Zeit ein weit höherer Wert beigelegt wird, als einer
-deutlichen chronologischen Folge innerhalb der Dichtung, entspricht
-der romantischen Hochschätzung der Stimmungen, die „allein glücklich
-machen“. „Der Wechsel der Zeiten und Örter, vorausgesetzt, daß sein
-Einfluß auf die Gemüther mitgeschildert ist,“ gehört nach A.W.
-Schlegel[490] zu den „wahren Schönheiten“ der romantischen Poesie.
-Wir hören wohl einmal, dass Siegfried drei Monate verheiratet sei,
-als er in den Krieg zieht. Das zehnmonatliche Fernsein wird erwähnt,
-um Genovevas Untreue zu begründen. Zwei Monate darauf ist Siegfried
-in Straßburg. Von da an ungefähr gerechnet, sieht Genoveva „sieben
-Frühlinge“ in der Wüste. Diese Angaben des Volksbuches beizubehalten
-verlangte schon die „Heiligkeit der Tradition“. Größere Zeiträume sind
-also beiläufig markiert; aber innerhalb derselben überlässt der Dichter
-alles weitere dem Leser oder er wählt die Zeit nur, um sie der Stimmung
-der Scene dienstbar zu machen. Was noch nach der Wiederauffindung
-Genovevas folgt, verschwimmt zeitlich ganz ins Unbestimmte. Es heißt
-nur, dass Genoveva noch kurze Zeit lebte. Wohl mit Absicht wird hier
-jede bestimmte Zeitangabe vermieden. Durch die unbestimmte Zeit führt
-der Dichter die Phantasie des Lesers am besten dem Punkte entgegen,
-wo Zeit und Ewigkeit ineinanderfließen und wo Genoveva erst visionär,
-dann wirklich in ein Reich eintritt, wo Zeitliches und Irdisches
-aufhören.[491] So will es wieder die romantische Phantasie, welche
-„bedeutende Ausblicke in die Ferne“ liebt. Der Prophetenblick des
-„Unbekannten“ schaute früher „weit hinab“ in irdische Zeitfernen,
-am Schlusse verliert sich der Blick über Raum und Zeit hinaus in
-die unbegrenzten Fernen der Ewigkeit. Auch nach rückwärts in die
-Vergangenheit ist die Zeit gewissermaßen schrankenlos: Bonifacius
-ersteht von den Todten und kommt aus ferner Zeit in die Gegenwart her,
-wenn er auch ein anderesmal als mitlebender Zeitgenosse auftritt.
-
-Nirgendwo sehen wir Tieck aus den Bedingungen der theatralischen
-Kunst heraus im größeren Umfange arbeiten, obschon er die dramatische
-Form zumeist in seiner Dichtung äußerlich festhält, sondern er erbaut
-sich in der Phantasie eine Bühne für die Phantasie[492] und auf
-dieser Bühne ziehen all diese Wunder vorüber. Das Ganze scheint, wie
-oben bemerkt wurde, beim ersten Anblick nur ein traumhaft bewegtes,
-phantastisch durcheinanderwirbelndes Chaos und alles künstlerisch
-Gesetzmäßige scheint grundsätzlich ausgeschaltet zu sein. Aber doch
-nur scheinbar. Wenn auch kein innerlich begründetes Maß und Gesetz
-die vorüberschwebenden Phantasien in schönem Gleichmaß belebend
-abtheilt, so sucht der Dichter den Leser in anderer Weise dafür
-zu entschädigen, indem er einmal eine äußerliche Symmetrie in die
-Disposition bringt. Der Höhepunkt der Verwickelung, die endgiltige
-Abweisung der Anträge Golos und der Umschlag seiner Liebe in Hass
-und Rachsucht fällt fast ganz genau in die Mitte des ganzen Werkes
-und dies fügt sich eben dadurch so merkwürdig, dass der Dichter die
-Kriegsscenen so außerordentlich ausdehnt. Der Hauptkörper der Dichtung,
-das „eigentliche Trauerspiel“, der Conflict zwischen Genoveva und Golo,
-wird symmetrisch flankiert von einer „Ouvertüre“ zum Ganzen und jenem
-Theile, in dem die tragischen Empfindungen beruhigend ausklingen, und
-die drei Theile sind durch epische Zwischenglieder getrennt.[493] Die
-Zumuthung einer so rein äußerlichen Gliederung scheint ja bei dem
-besprochenen Gesammtcharakter der Dichtung erst überraschend und
-pedantisch. Weniger unglaubhaft wird die Sache schon, wenn man Tieck
-im „Phantasus“ über Proportion und Symmetrie im Drama spintisieren
-hört.[494] Es war auch für den Romantiker das intellectuelle und
-ästhetische Bedürfnis einer gewissen Proportion der Theile vorhanden.
-Und dass man ihm derartiges zutrauen darf, dazu geben noch andere
-Künsteleien in der „Genoveva“, besonders das Spiel mit den schier
-zahllosen Contrasten, das sich durch das Stück zieht, ein Recht. Dieses
-contrastierende Beziehen der Vorgänge aufeinander soll offenbar auch
-die bunte, unharmonische Menge belebend abtheilen helfen. Der Contrast
-wird zwar von vielen anderen Dichtern auch als Compositionsmittel
-verwendet. Aber die Gegensätze wachsen z. B. in Schillers Dichtung
-natürlich und zwanglos aus dem Wesen des Inhaltes heraus: Tieck
-trägt sie meist willkürlich von außen hinein. Auf die Contraste im
-großen, die Contraste der Natur und Religion mit der Leidenschaft,
-des Wunderbaren mit dem Alltäglichen, dem allen zusammen wiederum der
-Krieg gegenübersteht, weist Tieck selbst hin.[495] Er thut aber in der
-Dichtung noch mehr, er führt die Contraste bis in kleine Einzelheiten
-herab durch. Schon in den Abschiedsscenen begegnet eine ganze Reihe von
-Gegensätzen. Geistliche Unterredung der Diener -- feierliche Ansprache
-des Capellans. Scene im Schloss -- Hirtenscene im Freien. Der Ritter
-und die Hirten. Das traurige Lied und das heitere Lied. Genoveva ist
-tiefbetrübt über den Abschied -- der Hirte Heinrich freut sich, dass
-es bald schöne Nachrichten gibt. Von der Hirtenscene geht es ins
-Kriegslager. Hier stehen sich Christen und Saracenen gegenüber, Karl
-der bedächtige Feldherr und Aquitanien der feurige Jüngling, Kriegslärm
-und romantische Liebe. Auf Siegfrieds Schloss sehen wir indessen
-Golo und Benno im weltlichen Gespräch -- Genoveva bei geistlicher
-Betrachtung. Vom Kriegsschauplatz versetzt uns der Dichter in den
-Garten und in die träumerisch weiche Sommernacht. Heitere Mahlzeit --
-Intrigantenscene. Im weiteren begleiten die Kriegsscenen im parallelen
-Widerspiele die Liebesscenen zwischen Golo und Genoveva. Die Franken
-möchten die Stadt erobern -- Golo möchte Genovevas Gunst erringen. Die
-Mohren planen einen Überfall -- Golo und Gertrud berathen den Angriff
-auf Genovevas Ehre. Der Überfall im Lager ist in die Mitte gestellt
-zwischen Golos Überfall im Garten und den Überfall auf Genovevas
-Zimmer. Siegfried wird verwundet, Otho getödtet, aber das christliche
-Heer bleibt siegreich -- Genoveva und Drago werden eingekerkert, sie
-sind aber die moralischen Sieger. Golo beschenkt Heinrich, der dann
-mit Elsen voll Glück und Jubel ist -- Golo selbst ist voll finsterm
-Trübsinn und lässt der unschuldig Gefangenen kaum das Nothdürftigste
-gewähren. Genoveva klagt im Thurme -- draußen jubelt die Hochzeit. Zwei
-Diener lassen sich als Mörder Genovevas dingen -- Else erweist sich
-Genoveva dienstbar und beklagt mit Wendelin das Schicksal der Herrin.
-Genovevas Klage in der Wüste -- Siegfrieds Trauer auf dem Schlosse.
-Lärmende Jagdlust -- Golos Trauer um Genoveva. Auch im letzten
-Abschnitte der „Genoveva“ setzen sich die Contraste fort. Tod der Hexe
--- erste Sterbescene Genovevas. Der unglückliche Golo beim glücklichen
-Schäfer Heinrich. Golo will jagen und fühlt sich selbst als gehetztes
-Wild. Endlich Golos trauriger Tod -- Genovevas verklärtes Hinscheiden.
-
-Was erst noch als chaotisches, phantastisches Gewühl durcheinander
-wogte, bekommt beim Verfolgen dieser contrastierenden Beziehungen auf
-einmal eine ganz andere Gestalt; das scheinbar Kunstlose, Wildwüchsige
-zeigt uns hier ein verstandesmäßiges, klügelndes zweites Gesicht.
-Wie den Scherz eines Vexierbildes muss man diese Künstlichkeit durch
-genaues Zusehen entdecken. Bernhardi verfolgt in der Besprechung,
-die er der Dichtung seines Freundes widmet,[496] mit sichtlichem
-Vergnügen dieses Aneinanderreihen von Contrasten und spendet dem Autor
-dafür reiches Lob. Mit Recht, soweit sich diese Gegenüberstellungen
-ungezwungen aus dem Inhalte ergeben. Tieck begnügt sich aber nicht mit
-diesen, er trägt allerhand Contraste allzuklügelnd hinein, versteckt
-und häuft sie vor allem zu sehr, so dass hier Merkel auch nicht ganz
-Unrecht hat, wenn er das Spiel mit den Gegensätzen „gemacht“ findet.
-
-Einen feineren und sinnreicheren Rapport stellen gewisse geheime, leise
-Fäden her, die einzelne Momente, Scenen und Schicksale leicht andeutend
-verknüpfen und mit diesen Andeutungen unbestimmte Ahnungen im Gemüthe
-des Lesers aufkeimen lassen. Die Kapelle mit der Morgenbeleuchtung
-am Anfange und Schlusse des Stückes. Golos Pferd stürzt beim ersten
-Erscheinen des Ritters im Drama, das traurige Lied ergreift ihn ganz
-räthselhaft -- sein Pferd stürzt wieder, als er Genoveva retten möchte
-und das Lied hat ihm prophetisch für sein Geschick geklungen. Den
-Schäfer Heinrich aber ficht das traurige Lied nicht an, er freut sich
-an seinem heiteren: auch dies ist ein ahnungsvolles Präludium für sein
-späteres Schicksal. Otho und Siegfried begrüßen sich anfangs freudig
-im Lager, nehmen nach der letzten Schlacht wehmüthig Abschied für
-immer, am Ende des Stückes kommt Othos Geist als Tröster zum trauernden
-Grafen. Gerade Siegfried macht eine thöricht herablassende Bemerkung
-über Zulmas Treue und gerade er muss dafür büßen; denn Zulma wird für
-ihn ein Beispiel unerschütterlicher Treue gegenüber der vermeintlichen
-Untreue Genovevas. Die Hexe gibt den letzten Anstoß für Genovevas
-Verurtheilung und ihr Bekenntnis bringt die Unschuld der Verstoßenen
-endgiltig ans Licht. Golo möchte Genoveva im „stillen Thale“
-verscharren lassen, ihm selbst wird dies Los zutheil. Auch Genovevas
-und Siegfrieds Ahnungen, die sich ganz oder theilweise erfüllen, müssen
-hieher gezählt werden. Es lässt sich an einzelnen dieser Fälle auch
-unschwer beobachten, wie Tieck diesen Beziehungen einen Anflug von
-tragischer Ironie gibt. Die Hauptsache aber bleibt ein ahnungerregendes
-Verbinden verschiedener Momente überhaupt. Das scheinbar Verworrene
-entfaltet sich so nach geheimen höheren Gesetzen. Es wird ein
-„vernünftiges Chaos“, eine „künstlerisch geordnete Verwirrung“, eine
-„reizende Verwirrung“, wie die romantischen Schlagworte lauten.
-Bernhardi findet dies ganz besonders herrlich und es entschädigt ihn
-für jede fehlende organische Gliederung des Stoffes. „Mit einem Worte,
-in diesem einzigen Punkte ist eine so lieblich verwirrende Perspective;
-ein so reizender, optischer Betrug und eine so leise Allegorie, dass
-man wirklich nicht weiß, wie man die Kunst, welche sich durch diese, in
-sich unendliche Künstlichkeit offenbart, genug bewundern soll.“[497]
-
-Durch dieses überkünstliche Schalten mit Contrasten, Parallelen
-und verborgenen Beziehungen, die wie ein Netz die ganze Dichtung
-überziehen, wird unser künstlerisches Bedürfnis noch nicht vollauf
-befriedigt, weil diese Dinge theils zu versteckt sind und theils
-zu äußerlich und spielerisch hineingetragen erscheinen und so nie
-imstande sind, eine klare Disposition und einheitliche Führung der
-Handlung zu ersetzen. Allein Tieck begnügt sich nun einmal mit dieser
-Art zu gliedern und zu verbinden. In der Zeit, als unsere Dichtung
-entstand, war von den Romantikern eben die freie, spielerische Willkür
-der dichterischen Phantasie in ihre Herrschaft eingesetzt worden.
-Wenige Jahre nachher tadelt es A.W. Schlegel bereits, dass man in
-dieser Periode die bloß spielende, müßige, träumerische Phantasie
-allzusehr zum herrschenden Bestandtheil der Dichtung gemacht habe.
-Tieck selbst hält länger an seiner Neigung fest. Noch im „Phantasus“
-versteht Lothar unter „dramatisieren“ nicht mehr als „Sinn und
-Zusammenhang“ in die Dinge bringen. Auch über die Nothwendigkeit eines
-inneren Mittelpunktes der Dichtung stellt Tieck noch 1828 ziemlich
-bescheidene Forderungen auf. Der „Paradoxe“ sagt einmal über die
-Lenzischen Werke: „Kann nicht, wie bei einem echten Kunstwerk, der
-regierende Geist aus dem inneren Mittelpunkte alle Theile, bis zu dem
-entferntesten durchdringen, so muß wenigstens von außen eine fast
-gewaltsame Regel die widerspenstigen Elemente in Ordnung halten, wenn
-sie diese natürlich auch nicht ganz bezwingen kann.“[498] Man möchte
-meinen, der „Paradoxe“ habe dabei auch ein wenig an Tiecks „Genoveva“
-gedacht, in der sich uns recht eigentlich „ein sentimentaler Stoff in
-einer phantastischen Form darstellt“.[499]
-
-
-2. Das Religiöse.
-
-Über den religiösen Grundzug, den die Auffassung der Genoveva-Legende
-in Tiecks Bearbeitung zum Unterschiede von den unmittelbaren Vorgängern
-und Nachfolgern, die den nämlichen Stoff behandelten, aufweist, war
-die Kritik im allgemeinen immer einig. Das hinderte aber nicht, dass
-die einzelnen religiösen Anschauungen, die Tieck in seinem Werke in
-reichlicher Menge vorträgt, sowie die Art ihrer Verwendung recht
-verschiedene Urtheile hervorriefen. Die religiöse Seite der „Genoveva“
-ist für den Geist der Romantik von 1800 ganz besonders bedeutsam und
-kennzeichnend. Eine eingehende Prüfung dieses religiösen Gehaltes
-und seiner Verwertung lässt sich daher in einer Charakteristik der
-„Genoveva“ nicht umgehen.
-
-Schon bei der Frage nach dem Einflusse Calderons musste die Bemerkung
-fallen, dass Tieck keinen Charakter schafft, dessen Denken und Thun
-so recht eigentlich aus religiösem Grund und Boden emporwächst, der
-in seiner ganzen Existenz klar und einfach von bestimmten religiösen
-Anschauungen beherrscht wird. Zum großen Theile gelingt ihm dies noch
-bei der Heldin Genoveva, wenn er das Leiden und Dulden der unschuldig
-Verstoßenen und ihre weichen frommen Stimmungen schildert. Nur ist
-hier das Verdienst des Dichters nicht allzugroß, weil ihm schon
-das Volksbuch das Beste, was seine Genoveva an wirklicher Religion
-besitzt, an die Hand gegeben hatte. Fehlt also dem Werke Tiecks in
-vielen Partien ein fester innerer religiöser Kern, ein ernst und tief
-empfundenes religiöses Leben, so klebt der Dichter umsomehr äußere
-Decoration an allen Ecken und Enden auf, um dem Ganzen eine religiöse,
-fast katholisch-kirchliche Färbung und Stimmung zu geben.
-
-Es wird in Tiecks Dichtung besonders viel von religiösen Dingen
-und Anschauungen geredet, bald ausführlich, bald im flüchtigen
-Vorübergehen. Wir hören da von Gott und der Dreieinigkeit.[500] Gott
-heißt der Erhalter der Welt,[501] er erscheint als der Spender alles
-Guten[502] und als Lenker aller Dinge,[503] zu dem man in Freude
-und Leid vertrauend aufblicken darf.[504] Zu ihm wird gebetet,[505]
-er wird als Zeuge für die Wahrheit im Schwure angerufen[506] und
-auch seine Heiligen erscheinen als Fürbitter für die Menschen.[507]
-Gott ist der Richter aller Menschen; darum ergreift den Sünder die
-Gewissensqual, der Reuige darf aber vom barmherzigen Gotte Verzeihung
-hoffen.[508] Gott greift ferner durch Wunder und Visionen hie und da
-in die Geschicke der Menschen ein[509] und das Eingreifen Gottes im
-größten Umfange zu Gunsten der Menschheit, die Erlösung durch Jesus
-Christus wird in einer Dichtung, wie die „Genoveva“ selbstverständlich
-nicht übergangen.[510] Es wird auch erörtert, wie die Christenheit das
-Werk des Erlösers fortzuführen und seinen heiligen Kampf gegen alle
-Widersacher des Guten zu kämpfen hat.[511] Hierarchie und christliches
-Kaiserthum, die beiden gewaltigsten Weltmächte des christlichen
-Mittelalters, werden im schwachen Umrisse angedeutet.[512] Es wird
-gelegentlich auch gezeigt, wie der einzelne Mensch durch den Unterricht
-in der Heilslehre[513] zu seiner christlichen Gesinnung kommt, wie er
-sich vervollkommnet und im Glauben erhält durch eifriges Lesen von
-Bibel und Legende,[514] durch Gebet und Theilnahme am Gottesdienst[515]
-und wie ihm Gottes Gnade in seinem geistlichen Leben zuhilfe kommen
-muss, die ihm besonders durch die Sacramente vermittelt wird.[516]
-Durch die Betrachtung des Beispieles Christi und der Heiligen lernt
-die heil. Genoveva Geduld, Verzeihen und Feindesliebe.[517] Sie löst
-sich immer mehr von der Erde los und blickt mit immer tieferem Sehnen
-nach der Ewigkeit hinüber, nach der das ganze Leben nur eine Wallfahrt
-ist.[518] Alle Erdengüter erscheinen als eitel und nichtig.[519] Dem
-heiligen Leben folgt endlich die himmlische Verklärung.[520]
-
-Die heilige Musik religiöser Gefühle soll, wie Schleiermacher wünscht,
-nie im Menschen verstummen. Darum führen die Figuren in der „Genoveva“
-bei jeder Gelegenheit religiöse Ausrufe und Redensarten im Munde.
-Diese wird man allerdings nur bei jenen ernst nehmen, deren fromme
-Gesinnung schon aus ihrem übrigen Gebaren deutlich ist; sonst hat ein
-„Gott Lob!“, „Wollte Gott!“ u. dgl. nicht viel zu sagen. Denn es
-treten, das Bild zu vervollständigen und durch Schatten zu erhöhen, der
-reinen Form des Christenthums noch verschiedene trübe Äußerungen des
-religiösen Triebes an die Seite: Sternencult und Schicksalsglaube,[521]
-Hexenwahn[522] und muhamedanisches Heidenthum.[523] Magie und
-Sternkunde, die mit Vorstellungen Jakob Böhmes und der Naturphilosophen
-versetzt sind, boten für Tieck kaum nach der religiösen Seite viel
-Anstößiges, da nach romantischer Auffassung alles Religiöse ja nur
-ein Zweig des einen Urreligiösen ist. Das Geheimnisvolle und zum
-Gemüthe Sprechende in der Religion ist immer poetisch und daher
-auch andererseits ein Bestandtheil der einen universalen, von den
-Romantikern gesuchten Urpoesie. Erst durch die Absicht, welche die Hexe
-mit der Magie verbindet, wird diese Kunst ethisch unterwertig. An sich
-hat die Magie für den Romantiker ihren hohen poetischen Wert.
-
-Soviel läßt sich von religiösen Anschauungen verschiedenster Art aus
-der „Genoveva“ herauslesen und diese reichliche Fülle, die so vielerlei
-aus der christlichen Glaubenslehre berührt, über die ganze Dichtung
-ausgebreitet, reicht ohne Zweifel aus, ein lebhaftes religiöses Colorit
-zu erzielen.
-
-Für das künstlerische Moment ist es nun von großer Wichtigkeit,
-daß sich diese Anschauungen in schönem Wechsel auf einzelne Träger
-vertheilen. In der Dichtung, die ein ideales Nachbild des Lebens ist,
-können ja naturgemäß nicht alle Leute gleich fromme Christen oder
-Vertreter derselben religiösen Anschauungsweise sein, da sie es im
-Leben auch nicht sind. Den reichsten Glanz religiöser Verklärung läßt
-Tieck auf die Titelheldin seines Werkes ausströmen, auf die „heilige
-Genoveva“. Bis auf geringe Schwankungen des Gemüthes erscheint ihr
-Denken, Reden und Handeln immer wenigstens in religiöser Beleuchtung.
-Wir blicken zurück bis in die Tage ihrer klösterlichen Erziehung, in
-denen sie sich durch eine himmlische Vision als außerordentliches
-Wesen ankündigt. Alle Arten frommer Übungen und strenge religiöse
-Pflichterfüllung sind der Hauptinhalt ihres Lebens. Gottvertrauen,
-Geduld und Ergebung, feste Gattentreue, die wenigstens theilweise
-religiös motiviert erscheint, fromme Muttersorgfalt, Feindesliebe,
-Weltentsagung sind ihre Tugenden. Der Himmel begnadet sie öfters in
-ihrem Leben mit Wundern und Visionen und als sie in die Seligkeit
-eingegangen ist, verehrt die Christenheit ihr wunderthätiges Bild auf
-den Altären. Tieck will eine Heilige des katholischen Mittelalters
-schildern, eine „Kirchenheilige“, so gut er es vermag. Die Ergebung,
-Aufopferung und das fromme Dulden ist ihm dabei die Hauptsache
-an seiner Heiligen, wie wenigstens des Dichters Freund Bernhardi
-versichert.[524] Unsicheres Schwanken ihres religiösen Sinnes zeigt
-Genovevas Verhalten gegen Golos Anträge, das eine leise Neigung für
-den Versucher in einem ganz versteckten Winkel ihres Herzens ahnen
-lässt.[525] Vielleicht hatte Tieck auch das Bedürfnis, dem langen
-Leiden wenigstens eine kleine Schuld vorangehen zu lassen, um so
-seine Heilige auch wieder ein wenig aus ihrer Höhe in die Sphäre
-allgemein menschlichen und des traditionellen tragischen Empfindens
-herabzurücken. Eine Beziehung zwischen dieser Verschuldung und dem
-späteren Leiden wird aber nicht angedeutet. Diese Neigung selbst
-erscheint Genoveva als große Sünde. Eine schiefe Auffassung; nicht
-diese Empfindung selbst kann sündhaft sein, sondern Genovevas Benehmen
-gegen Golo wäre es, wenn es nicht zu „naiv“ wäre. Möglich, dass Tieck
-seiner Heiligen die vom Evangelium verlangte Taubeneinfalt geben zu
-müssen glaubte. Die angestrebte unschuldige Einfalt wird dem Dichter
-aber unter den Händen zur peinlichen Einfalt. Die Meinung, dass eine
-Frau in der Ehe für „die Liebe Christi“ verloren sein müsse, das
-Seltsame, dass die fromme Klosterschülerin sich erst von Drago die
-Bedeutung der irdischen Leiden erklären lässt, eine gelegentliche
-fatalistische Äußerung, eine Bemerkung des heil. Bonifacius, die auf
-ein üppig behagliches Leben der Heiligen vor der Verbannung schließen
-lässt: all das sind Dinge, die den Leser zwar stören, die man aber
-Tieck bei seiner idealisierenden, nur auf die Gesammtstimmung, auf das
-„Totale“ abzielenden Dichtungsweise nicht mit allzu eiserner Logik
-nachrechnen darf. Zum guten Theile muss man solche Unebenheiten wohl
-auch der leidigen Gewohnheit des Dichters „alla prima zu malen“[526]
-zuschreiben.
-
-Um Genoveva gruppiert sich eine Reihe von Menschen, über welche die
-religiösen Lichter in mancherlei Abstufungen bald reicher, bald
-sparsamer hinspielen: Schmerzenreich und Siegfried, Wolf, der Kapellan
-und Drago, Wendelin und Else, Grimoald und Heinrich.
-
-Der frommen Mutter am nächsten zur Seite steht ihr Söhnchen
-Schmerzenreich, in dem der Dichter das kindliche Abbild der Mutter
-zu zeichnen sucht. Unter Gebeten, religiösen Gesprächen und
-Belehrungen wächst der Knabe in stiller Waldeinsamkeit auf. Er ist
-der selbstverständliche Theilnehmer an den Wundern und Visionen. Von
-allem irdisch sündhaften Wesen unberührt, wird die Himmelssehnsucht
-in der kindlichen Seele schon so mächtig, dass der unmündige Knabe
-auf das väterliche Erbe verzichtet, und die Mutter, sein Liebstes,
-ohne Schmerzgefühl sterben, d. i. zu Gott wandern sieht, womit der
-Dichter seinem kaum mehr als siebenjährigen Schmerzenreich und selbst
-dem frömmsten Leser ein wenig zu viel zumuthet. Schmerzenreich ist so
-das unvermischte, fleischgewordene religiöse Empfinden, wie Tieck es
-auffasst.
-
-Neben der heiligen Mutter und dem heiligen Kinde sehen wir im Vater
-Siegfried einen guten Christen, der seine religiösen Pflichten zu Hause
-erfüllt, der vor dem Auszuge die Sacramente empfängt und sich als
-biederer, frommer Rittersmann im Mohrenkriege für die christliche Sache
-bewährt. Einen schlimmen Fehltritt begeht er aber in seinem Verfahren
-gegen die unschuldige Gattin und schlecht lässt ihm auch sein Glaube
-an die Zauberei, gegen die er zuerst Bedenken hat, bis sie ihm als
-erlaubt bezeichnet wird. Er sühnt aber seine Sünden durch aufrichtige
-Reue, durch strenge Weltentsagung und Buße am Ende. Was Siegfried jetzt
-noch ist, das war der alte Wolf ehedem. Er kann nur mehr im Geiste am
-heiligen Kriege theilnehmen, sich über den Sieg der Christen freuen und
-über den Unglauben der Heiden verdrießlich sein. Wenn Siegfried sich
-durch die Zauberin bethören lässt, so hält es Wolf mit den Astrologen.
-Wie Siegfrieds Frömmigkeit am Ende der Dichtung in besonders hohem
-Grade zum Vorschein kommt, so auch die Wolfs in der letzten Mahnrede an
-Golo.
-
-Auf Siegfrieds Burg darf selbstverständlich ein Burgkapellan nicht
-fehlen, ein alter, frommer Lehrer und Rathgeber in allen religiösen
-Anliegen. Diese Rolle übernehmen bei Tieck zwei Personen, der Kapellan
-und Drago. Der erstere ist nur eine matte Randfigur, die nach einer
-Ansprache an die ausziehenden Kreuzfahrer und einer Erbauungsrede
-in Sonettform aus dem Stücke verschwindet, um Drago die Leitung der
-häuslichen Andachtsübungen zu überlassen. Damit ist das religiöse Thun
-beider erschöpft.
-
-Ein Jünger Dragos ist Wendelin, den Benno einen „halben Pfaffen“
-schilt. Er liest mit Drago fromme Erbauungsbücher, geht mit ihm
-gemeinsam zur Kirche und wie Drago bei Genoveva, möchte er gerne bei
-der Dienerschaft Prediger und Gewissensrath sein, findet aber nicht
-die beste Aufnahme. Das Kennzeichen von Wendelins Frömmigkeit ist eine
-gewisse naive Einfalt.[527] Unerklärt bleibt aber sein scrupelloses
-Lügen, durch das er Golo zu Siegfried lockt. Dass er der Gerechtigkeit
-mit einem übeln Mittel Vorschub leisten will, kann man vermuthen. Der
-Dichter lässt uns darüber im Unklaren. In der frommen Naivetät und
-Einfalt ist Else Wendelins weibliches Gegenbild, die wie er auf der
-Stelle ein Wunder vom Himmel zur Bestrafung der Bösewichter verlangt
-und die wie ihr Gatte Wendelin ihr frommes Gemüth gerade am Gebaren
-der wunderbaren Hirschkuh letzt. Als dritter im Bunde tritt zu beiden
-ein alter Vertreter frommer Einfalt, der Köhler Grimoald, der auch ein
-wunderbares Eingreifen Gottes für die verfolgten Gerechten fordert und
-im Mitlaufen des Windspiels zu Genovevas Richtstätte ein Wunder sieht.
-Mit einfältigem Unwillen wehrt er sich gegen die Brüderschaft mit dem
-Teufel, die ihm Benno scherzend zumuthet. Mehr als sein von ihm selbst
-betontes Gottvertrauen und seine Empfänglichkeit für die Morgenstimmung
-in der Kapelle erhärtet seinen religiösen Sinn die Furcht vor Sünde
-und Verantwortung, die ihn von der Ermordung Genovevas zurückschreckt.
-Alle diese Nebenpersonen gebrauchen gerne fromme Interjectionen,
-„Bei Gott!“ „Dass Gott erbarm!“ „O Gott!“ „Da solle einen Gott der
-Herr bewahren!“ u. s. w. und das erinnert uns stets, dass wir uns in
-christlicher Gesellschaft befinden. Diese eingestreuten religiösen
-Redewendungen sorgen dafür, dass die „heilige Musik“ in der Dichtung
-nie ganz verklinge. Das Christenthum des Schäfers Heinrich beschränkt
-sich ziemlich ganz auf diese frommen Ausrufe und für seinen Freund
-Dietrich fällt nicht einmal mehr ein solcher Ausruf ab.
-
-An der Grenze, wo sich die Bezirke der ehrlich gesinnten
-Christenmenschen und der gottlosen Leute scheiden, bewegt sich die Amme
-Gertrud. Sie bedient sich hin und wieder christlicher Alltagsphrasen
-und sieht dann wieder im Laufe des menschlichen Daseins nur
-Schicksalsfügung und Notwendigkeit. Tieck hält mit dieser unbestimmten
-religiösen Stellung die Amme ganz richtig auf einer unsicheren
-Grenzlinie, weil dies ihrer sonstigen Stellung zwischen den Parteien
-gut entspricht. Wie sie in der Liebesverwickelung zwischen Genoveva
-und Golo vermittelt, so führt uns ihr Schicksalsglaube auch hier zu
-Genovevas Gegenspieler Golo. Dieser scheint nicht viel von christlicher
-Religion nöthig zu haben. Seine Liebe und sein ritterliches Thun
-und Treiben füllen seine ganze Seele aus. Er sehnt sich nach keinem
-Jenseits und mit dem Diesseits findet er sich in der Regel mit Hilfe
-fatalistischer Gedanken ab,[528] einmal auch durch pantheistisches
-Versenken in die Natur. Einmal in seinem Leben, vor dem Tode nämlich,
-versucht er christlich zu beten; es gelingt aber nicht. Ein staunender
-Ausruf, wie etwa „Herr Jesu Christ!“ kommt bei ihm nicht sonderlich
-in Betracht. Fromme Leute (Genoveva, Wolf) sind ihm ehrwürdig, so
-lange sie seinen Gedanken und seiner Leidenschaft nicht ernstlich
-in die Quere kommen; geschieht aber dies letztere, so sind sie ihm
-verhasst. Über die astrologische Geheimkunde denkt der freisinnige
-Ritter auch nicht immer gleich. Einmal ruft er dagegen Vernunft und
-Religion an, das anderemal nimmt er die dunkle Kunst allen Ernstes
-für sich selbst zuhilfe. Nach den begangenen Frevelthaten wandelt ihn
-Gespensterfurcht an. Es ist ein beständiges irrlichtelierendes Hin und
-Her in seinen Empfindungen, wenn sie das religiöse Gebiet streifen.
-Am ernstesten scheint er es noch mit dem Schicksalsglauben zu meinen.
-Christliche Wendungen und Bilder gebraucht er gerne im profanen Sinne
-zum kräftigen Ausdrucke seiner Leidenschaft. Tieck führt uns in seinem
-religiösen Stücke den Bösewicht als unchristlichen Menschen vor, als
-wollte er negativ und indirect den Wert und die Erhabenheit frommer
-christlicher Gesinnung zeigen. Golo erscheint das einemal als eine Art
-Aufklärer, der den Aberglauben verwirft, aber auch der Aufgeklärte
-muss sich wieder der Religion gefangen geben, wenn sie auch nur als
-Gespensterfurcht oder als pantheistische Stimmung über seine Seele
-kommt. So könnte man etwa die Gegensätze zusammenreimen, über die
-uns der Dichter nicht aufklärt. Wer das unbesiegbare Hervortreten
-des religiösen Bedürfnisses an Golo, daneben ein wenig Aufklärerthum
-und den raschen Stimmungswechsel beachtet, denkt wie von selbst an
-den Schöpfer dieser Gestalt, in dessen Gemüth ebenso verschiedene
-und einander feindliche Geister heimisch waren. Golos gefügiges
-Werkzeug, Benno, ist auch in religiösen Dingen das vergröberte Abbild
-seines Herrn im kleinen. Er ist gleichgiltig und zweifelsüchtig, er
-ärgert sich über den frommen „Tuckmäuser“ Wendelin und von Else wird
-er ein „gottloser Mensch“ genannt. Er lässt sich gerne von Golo als
-lügenhafter Bote und Mordgeselle dingen.
-
-Die zweite Seite des religiösen Lebens in der romantischen Ritterzeit,
-die gewissermaßen als ein thätiges, religiöses Leben dem beschaulichen
-auf Siegfrieds Schlosse sich zugesellt, den Kampf gegen den Erbfeind
-des christlichen Namens, enthüllen die breiten Kriegsscenen, die nur
-durch Siegfrieds Theilnahme am Kampfe und durch die verschiedenen
-Contrastbeziehungen lose an die Haupthandlung geknüpft sind. Als Ideal
-des christlichen Helden steht hier Karl Martell in der Mitte. „Für Gott
-und Christum“ lautet seine Parole. Vor der Feldschlacht muss Karl noch
-den härteren Kampf mit seinen eigenen ehrgeizigen Gedanken auskämpfen,
-und nachdem er diesen Kampf, von religiösen Motiven unterstützt,
-glücklich bestanden, schenkt ihm der Himmel auch Sieg und Ruhm auf dem
-blutigen Felde. Das Gebot der christlichen Selbstbeherrschung wird
-stark betont, auch vom unbekannten Weisen, der Karls große Zukunft
-prophezeit. Karl Martell ist der christliche Feldherr. Den Typus des
-biederen christlichen Kriegsmannes, dessen bedeutendster Lebenszweck
-der Kampf für seine Religion ist, stellt Otho dar. Recht drastisch
-muss dieser Haudegen seine fromme Gesinnung noch damit zeigen, dass
-er sterbend auf dem Schlachtfelde seine Besorgnis äußert, ob er wohl
-„ohne Sacrament und Ölung“ selig werden könne und seine Sünden, die
-ihm im Leben nicht einmal bewusst waren (!), muss sein wallfahrender
-Geist bereuen und büßen. Eine dunkle Vorstellung vom Fegefeuer und
-Calderon’sche Anregungen dürften darin zu suchen sein. Siegfried
-und der noch farbloser gehaltene Günther sind Othos gleichgesinnte
-Waffengefährten. Zum Feldherrn und einfachen Kriegsmann tritt der
-vornehme feurige Jüngling Aquitanien, der sich nicht beherrschen und
-überwinden kann, ein kleines Gegenstück zu Golo, ein Held, dessen
-ganzes Denken dem hohen künftigen Kriegsruhme gehört, so dass bei ihm
-für die Religion nicht mehr übrig bleibt als ein paar Redensarten. Das
-sonstige Kriegsvolk ist eine nicht weiter individualisierte Masse.
-
-Als Feinde stehen dem Christenheere die Saracenen gegenüber, die
-ihrerseits den Krieg auch als einen „heiligen Krieg“ im Dienste
-Allahs und seines Propheten betrachten, zu dem sie beten, den sie
-in der Schlacht anrufen, dem Abdorrhaman Vorwürfe macht, wenn
-er nicht hilft.[529] Andeutungen eines Sternencultes und der
-Schicksalsbestimmung durch die Sterne sind bei den Orientalen in
-der Poesie immerhin am Platze. Diese Vorstellungen begegnen uns
-ziemlich gleichmäßig vertheilt an Abdorrhaman, Derar, Ali, Zulma. Hier
-unterlässt der Dichter ein mannigfaltigeres Abstufen des religiösen
-Charakters der einzelnen Gestalten.
-
-Wie in der Rede des „Unbekannten“ und in den Sprüchen der Hexe Jakob
-Böhmes Gedanken mit naturphilosophischen Ideen sich mischen, braucht
-hier nicht mehr wiederholt, sondern nur erwähnt zu werden. Dass
-Tieck besonders das poetisch Stimmungsvolle an diesen Geheimnissen
-interessierte, wurde auch bereits betont. Ob Tieck Bernhardis
-Ansicht[530] theilte, dass Hexenglaube und Hexenverfolgung in der
-„Genoveva“ zur Vervollständigung des katholischen Bildes nöthig waren
-(!?), wage ich nicht zu entscheiden. Unmöglich ist es gerade nicht, da
-er die Hexe bereits im Volksbuch fand, das für Tieck mittelalterlich
-und katholisch war.
-
-Die Vertheilung des religiösen Denkens und Fühlens in verschiedenen
-Graden auf eine Reihe von Figuren, die Stufenleiter, auf der so
-verschiedene Schattierungen von der hohen Heiligkeit angefangen bis
-zur bitteren Feindschaft gegen den christlichen Namen begegnen, zeugt
-entschieden für Tiecks künstlerisches Gefühl in der Vertheilung
-von Licht und Schatten. Er versteht es, die Farben in glücklicher
-Abwechselung und belebender Mannigfaltigkeit anzuordnen. Auch die
-Zusammenstellung bestimmter Gruppen, die einer gemeinsamen religiösen
-Richtung angehören, verdient ein kleines Lob. Um Genoveva bildet
-sich ein Kreis von Gleichgesinnten, dem Golo mit seinem Anhange
-gegenübersteht. Den zwei Gruppen auf dem Schlosse entsprechen die
-beiden Kriegslager, das christliche und das saracenische. Bunte
-Mannigfaltigkeit, künstlich gegliedert und zu einem Ganzen sich
-zusammenschließend: der bekannte romantische Lieblingsgedanke steht
-hier wieder vor uns. Nicht so ganz gelingt es Tieck nach unserem
-heutigen Gefühle mit dem Festhalten des religiösen „Tones“ im Stücke,
-den er selbst für sehr wichtig und wertvoll erklärt. „Die Religion
-nun, die Wüste, die Erscheinungen sind mir der Ton des Gemäldes,
-der alles zusammenhält, und diesen möchte ich nur vertheidigen und
-ihn nicht gerne unwahr, manieriert, einen der die Localfarben stört
-und auslöscht, nennen lassen.“[531] Manche Scenen nehmen aber an
-diesem religiösen Grundtone zu wenig theil. In den Schäferscenen
-spürt man z. B. gar nicht viel davon. In den Liebesscenen wird das
-Religiöse ziemlich von Golos Leidenschaft übertäubt oder durch
-Gertruds intrigante Reden aus dem Gesichtsfelde gerückt. Hier treten
-„die Localfarben“ als alleinherrschend aus dem Bilde heraus. In der
-Darstellung des Krieges und im ganzen zweiten Theile der Dichtung
-erreicht aber Tieck ohne Zweifel, was er anstrebt; hier herrscht der
-religiöse Ton bis in die letzten Fugen des Werkes hinein und das
-Anwachsen der frommen Stimmung gegen das Ende zu ist ebenfalls gut
-berechnet und wird schon von Bernhardi hervorgehoben.[532] Es wird
-freilich nicht jeder Leser von dem leicht hingehauchten religiösen
-Colorit voll befriedigt sein, obschon dieses in gewissen Scenen
-eine prunkende Leuchtkraft entwickelt. Es bleibt eben doch zumeist
-an der Oberfläche und dringt nicht in die Tiefe der Charaktere, um
-als treibende Kraft diese von innen heraus zu beleben. Auch die
-Widersprüche, die uns sofort auffallen, störten den romantischen Leser
-von 1800 nicht. Die Religion ergreift den Menschen, der es mit ihr
-ernst nimmt, viel zu sehr in der Tiefe seines Wesens, als dass es
-in der religiösen Poesie mit einer bloßen Stimmung des Gesammttones
-gethan wäre, wie ja Tieck eigentlich auch bei Schleiermacher hätte
-erfahren können, und schon Solger, der intime Freund des Dichters,
-macht gegen das Religiöse in der „Genoveva“ seine Bedenken geltend.
-Er vermisst darin das „unmittelbar Gegenwärtige“. Hettner und
-Haym[533] führen nach Solger aus, dass man an der Art, wie die
-Heilige sich in Wackenroder-Tiecks Manier in die alte fromme Zeit der
-Legenden zurücksehnt, nicht merkend, dass sie selbst in dieser Zeit
-lebt, keine rechte Freude gewinnen könne. Der Widerspruch zwischen
-Genovevas Frömmigkeit und der himmlischen Hilfe, die ihr zutheil
-wird, einerseits und dem Naturfatalismus Golos andererseits, ist am
-Ende nicht so verfänglich, als Hettner meint.[534] Warum sollten
-nicht an zwei so entgegengesetzten Naturen auch entgegengesetzte
-religiöse Anschauungen zutage treten? Das äußerlich angeflogene
-Mittelalter in der „Genoveva“ ist gerade auch kein Hindernis, solche
-Anschauungen nebeneinanderzustellen. Nur würde man erwarten, dass
-diese religiösen Gegensätze als solche in eine bestimmtere innere
-Beziehung gesetzt wären. Das Unbefriedigende für den Leser, der auch
-in der dichterischen Darstellung der Religion mehr als vage Stimmungen
-erwartet, liegt vielmehr darin, dass sich verschiedene Menschen
-Tiecks ohne ersichtlichen künstlerischen Grund und ohne dass wir vom
-Dichter einen rechten Aufschluss über das Warum erhalten, in ihrem
-eigenen Gedankenkreise unsicher fühlen und dass so Verschiedenartiges
-im nämlichen Charakter friedlich nebeneinander liegt. So, wenn Golo
-einmal gegen den astrologischen Aberglauben Stellung nimmt und ihn
-ein andermal selbst allen Ernstes zurathe zieht, wenn er meist
-fatalistisch denkt und dann plötzlich christlich betet; wenn Jakob
-Böhmes Lehre einmal mit Ehrfurcht behandelt wird und dann von einer
-Hexe missbraucht werden darf, ohne dass der Missbrauch als solcher
-deutlich genug gekennzeichnet wird. Oder Genoveva, die sonst immer als
-die fromme Christin des Volksbuches erscheint, überrascht den Leser
-mit einer fatalistischen Redensart oder einer Schleiermacher’schen
-pantheistischen Vorstellung. Wir wissen nicht, wie Wolf dazu kommt,
-solchen Luxus mit religiösen Ermahnungen Golo gegenüber zu treiben,
-nachdem wir vorher wenig Religiosität an ihm und noch weniger an
-Golo bemerkten. Seine ganzen Ermahnungen verfliegen auch wieder in
-Nichts. Tieck will, wie es scheint, einen gewissen Umschwung im
-Ganzen seiner Dichtung kommen lassen. Gegen Ende zu soll sich alles
-zu einer herrschenden frommen Gesammtstimmung vereinigen. Es muss
-darum möglichst viel Religion in die Dichtung geschafft werden.
-Diesem Gesammtzuge des Ganzen müssen dann mitunter Charaktere und
-Schicksale nachgeben. Die Gesammtstimmung ist der Romantik wichtiger
-als das klare, in reinen Umrissen erschaute und mit sicheren Strichen
-gezeichnete Charakterbild. Wir wissen auch nicht, ob Wendelin ehrlich
-fromm ist oder ein Heuchler, da wir für seine grobe Lüge im Stücke
-keine Erklärung bekommen. Der Kreuzzug, dessen Unternehmer aus ihrem
-christlichen Heldenthume so viel Wesens machen, ist, bei Lichte
-besehen, eigentlich gar kein Kreuzzug, sondern nur ein nothgedrungener
-Vertheidigungskrieg und nur durch eine stilistische pia fraus, durch
-immerwährendes Betonen des Kreuzzugscharakters dieses Krieges macht
-der Dichter schließlich den gutwilligen Leser an den „heiligen
-Krieg“ glauben. Daneben schiebt sich noch unvermittelt das Motiv vom
-„deutschen Denken“ und der „deutschen Sache“ ein.[535] Bernhardi
-begnügt sich mit diesem äußeren Anstrich, er findet den Religionskrieg
-„sehr gut“. Von all den verschiedenen religiösen Anschauungen wird in
-der „Genoveva“ nur das saracenische Heidenthum deutlich abgelehnt;
-alles übrige fließt zu einem wunderlichen Synkretismus ineinander,
-der dem unparteiischen Betrachter klärlich zeigt, dass Tiecks
-„Genoveva“ nicht so katholisch ist, als Eichendorff meint und nicht
-so protestantisch wie Friesen will. Tieck war damals kein orthodoxer
-Gläubiger irgendeiner Kirche, er hatte zu keiner ein Verhältnis, das
-ihn ganz ergriffen hätte; daher kann er kirchliches und confessionelles
-Leben nicht rein und überzeugend darstellen. Er will es auch nicht,
-er möchte nur seine ganze Dichtung in eine möglichst starke allgemein
-religiöse Beleuchtung stellen und man wird seiner Absicht, die Religion
-„als Ton des Gemäldes“ durch das Werk klingen zu lassen und dem
-wirklichen Sachverhalte am ehesten gerecht, wenn man den Charakter
-dieses poetischen religiösen Synkretismus, der nur der Gesammtstimmung
-zu dienen hat, als romantisch-religiös bezeichnet.
-
-Tieck steht nicht allein. Der revolutionäre Sturm und Drang, der die
-übrigen ästhetischen und socialen Anschauungen der jungen Generation
-in gährenden Aufruhr bringt, schont auch die religiösen Gedanken nicht.
-Neuplatonismus, Jakob Böhme, Hemsterhuys, Spinozismus und Christenthum
-flattern auch bei Fr. Schlegel und Novalis im lustigen Wirbel
-durcheinander. Und noch mehr. Sogar im Leben versuchten es andere
-mit dieser Religionsmischung. Christian Mayr, der wunderliche Freund
-Zach. Werners, „hörte oft an einem Tage des Morgens Messe auf seinem
-Angesicht liegend, predigte dann in der protestantischen Kirche und
-ertheilte die Kommunion und endete den Tag mit Besuch der Mennoniten,
-der Herrnhutergemeinde, der Synagoge und der Freimaurerloge.“[536]
-Und Z. Werner selbst sucht in einer gewissen Periode seines Lebens
-Herrnhuter und Freimaurer wie die katholischen Kirchen auf und genießt
-überall durch, was er an religiösen Stimmungen findet.[537] Einige
-poetische Reflexe dieser religiösen „Universalität“ lassen sich eben
-auch in der „Genoveva“ nicht verkennen. Bei allem Überwiegen des
-Christlichen thut Tieck in seiner stimmungmalenden Art dem Principe
-nach das Nämliche, was Adam Müller noch 1807 (also nach seiner
-Conversion) an Kleists „Amphitryon“ rühmt: „So ist er (Amphitryon)
-gerade aus der hohen Zeit entsprungen, in der sich endlich die Einheit
-alles Glaubens, die echte Gemeinschaft aller Religionen aufgethan.“[538]
-
-
-3. Das Costüm.
-
-Großen Fleiß verwendet Tieck darauf, recht viel religiöse Stimmung über
-seine Dichtung zu verbreiten; lange nicht so eifrig ist sein Bemühen,
-den Leser in die „alte deutsche Zeit“ zurückzuführen. Will man aber
-Tieck nicht unrecht thun, so darf man nicht die Forderungen an die
-Costümtreue aus unserer heutigen Zeit der culturhistorischen Romane für
-die Zeit vor hundert Jahren geltend machen, sondern es gilt auch hier,
-zuerst zu erfahren, wie Tieck über das Costüm denkt und wie er seine
-künstlerischen Anforderungen in diesem Punkte erfüllt.
-
-Tieck meint, wenn ein Dichter einen alten Stoff behandle, so
-müsse die Hauptsache sein, dass alle Welt mit ihren nur möglichen
-Mannigfaltigkeiten schon früher dunkel im Poeten liege, sonst werde er
-nie etwas ordentlich begreifen. Der Dichter hat Stoff und Motiv aus der
-alten Zeit von seinem eigenen Standpunkte aus mit jenem Maße zu messen,
-das er für das allgemein menschliche hält. Das ist das Wesentliche und
-so that Shakespeare. Einen schwerfälligen und umständlichen Weg, ein
-fernes Zeitalter zu begreifen, schlagen dagegen jene ein, die sich mit
-„Kenntnissen und Costüm, Sitten und Lebensweise“ ausrüsten, die sie
-mühsam aus hundert Büchern zusammengetragen haben.[539] So meint auch
-Albrecht Dürer im „Sternbald“ bündig:[540] „Ich will ja den, der meine
-„Bilder“ ansieht, nicht mit längstvergessenen Kleidungsstücken bekannt
-machen, sondern er soll die dargestellte Geschichte empfinden.“
-
-Nicht viel anders hält es Tieck in der „Genoveva“. Er thut für das
-Costüm der alten Ritterzeit so viel, als sich gerade bequem thun lässt
-und gerade so viel, als hinreicht, um eine Vorstellung und leichte
-Stimmung des Alterthümlichen zu erwecken. Bonifacius fordert im Prologe
-den Leser direct auf, in die alte Zeit zu folgen, da Christen und
-Saracenen im Kampfe lagen. Der Krieg wird in Frankreich localisiert,
-der Saracenenführer heißt Abdorrhaman, ist also jener geschichtliche
-Abderrhaman, der bei Tours mit Karl Martell kämpfte. Der Krieg wird
-anachronistisch und innerlich unsachgemäß zu einem Kreuzzug gestempelt,
-in dem das Christenheer unter einer Fahne mit rothem Kreuze kämpft. Ein
-paar Andeutungen weisen auf Hierarchie und Kaiserthum des Mittelalters
-hin. Das Alterthümliche der Ritterschlacht wird uns gegenwärtig, wenn
-wir von der ritterlichen Ausrüstung mit Harnisch, Schwert und Schild
-erfahren[541] und weiter hören, dass mit Äxten, Lanzen und Hellebarten
-gekämpft und Siegfried durch einen Pfeilschuss verwundet wird.[542]
-Golo wird später mit Spießen todtgestochen.[543]
-
-Auch über das Thun der Ritter zu Hause im Frieden erfahren wir
-einiges. Ziemlich allgemein und unbestimmt heißt es, dass Golo „in
-den Waffenkünsten unterrichtet wurde“[544] und dass er „Waffenwerk
-treibt“.[545] Etwas minnesingerisch klingt es, wenn er „alte
-Liebesreime singt“[546] und ein andermal zu einem Liede selbst „Wort
-und Weise findet“.[547]
-
-Die Pfalzgräfin Genoveva liest als vornehme Rittersfrau ein Buch, das
-ein Mönch geschrieben hat[548] und wie Drago wird sie von Golo, der zum
-Vogt über das Schloss bestellt worden war,[549] in das Burggefängnis,
-in den „Thurn“ geführt.[550]
-
-Wenn nicht Krieg ist, sollten die Ritter das Weidwerk treiben, meint
-Matthias.[551] Siegfried, der Lehensmann Karl Martells[552] ist
-Pfalzgraf, also eine echt mittelalterliche Amtsperson.[553] Er ist
-Richter in seinem Sprengel (den er einmal unversehens „Staat“ nennt)
-und übt die Gerichtsbarkeit, die „Pfalz“, in wichtigen Fällen im Verein
-mit seinen Verwandten aus.[554] Als ein selbstverständlicher Fall in
-seiner Praxis erscheint der Hexenprocess, wobei der Dichter noch mehr
-Jahrhunderte, als bei der Einführung des Kreuzzuges überspringt. Auch
-die Astrologie erweckt den Eindruck des Alterthümlichen, wenigstens im
-allgemeinen.
-
-Wie Tieck Thatsachen verschiedener Jahrhunderte in einander arbeitet
-(zum Theil auf Veranlassung des Volksbuches hin), so ist er auch in
-anderen Einzelheiten der Costümbehandlung nicht ängstlich. Seine
-Schäfer tragen nichts Alterthümliches an sich. Es ist von Genovevas
-„Zimmer“ die Rede.[555] Das Wort „Pfaffe“ ist bereits Schimpfwort, der
-naturphilosophische „Weltgeist“ spuckt schon im achten Jahrhundert
-u. s. w.
-
-Man sieht, Tieck ist in Sachen der Costümtreue nicht bedenklich,
-wie er es auch von anderen nicht verlangt; er nimmt mit sorglosem
-Griffe verschiedene Dinge zusammen, wenn sie nur einer vergangenen
-Zeit angehören und mögen sie in der Vergangenheit selbst auch wieder
-durch Jahrhunderte getrennt sein. Es genügt ihm, wenn das Ganze nur
-so einen leichten, alterthümelnden Hauch bekommt und der Leser das
-Gefühl nicht verliert, dass er sich in einer idealen, mittelalterlichen
-Vergangenheit bewegt. So viel erreicht Tieck auch durch die gegebenen
-Anhaltspunkte und mit diesem mäßigen Colorit ist er zufrieden. Wenn uns
-heute seine weitgehende Freiheit in der Costümbehandlung auch nimmer
-erträglich wäre, so behält Tieck noch immer wenigstens mit der Ansicht
-Recht, dass das Costüm in einer Dichtung nicht Hauptsache, sondern
-untergeordnete Nebensache sei.
-
-Die Freude am alterthümlichen Costüm gehört ebenso wie die
-Freude am alterthümlichen Stoffe zu den eigentlich romantischen
-Gefühlsrichtungen, die sich vorzugsweise seit Wackenroder in der
-deutschen Literatur geltend machen. Tieck hatte außerdem durch Hans
-Sachs und Goethe seine Freude am Altdeutschen genährt. Wenn auch für
-uns nimmer so lebhaft nachfühlbar, war es doch für die Romantiker
-vor hundert Jahren, wie uns ihre vielen Bekenntnisse bezeugen, eine
-wirkliche, innige poetische Freude, solche alterthümliche Stimmungen
-nachzuerleben und nachzuschaffen, eine Freude, ebenso ehrlich, wie
-das Entzücken an der Poesie des Religiösen. Das Wiederauffinden und
-Wiedererkennen des poetisch Vortrefflichen, das ungerecht verkannt
-und missachtet wurde, erweckte ihre enthusiastische Freude. Diese
-aufrichtige, ehrliche Freude müssen wir uns auch stets in Erinnerung
-rufen, wenn Tieck seine „Genoveva“ ein Erlebnis nennt.
-
- * *
- *
-
-Der Dichter denkt nicht an eine Darstellung seines Dramas[556] auf der
-Bühne, die seine Figuren dem leiblichen Auge des Zuschauers lebendig
-machen könnte, er rechnet nur auf das innere Auge des Lesers oder
-Hörers. Es liegt daher die Frage nahe, wie der Dichter diesen seinen
-Menschen, die er in eine alte Zeit und in mittelalterliche Verhältnisse
-versetzt, für die Phantasie Gestalt und zwar zunächst äußere Gestalt,
-sinnliche Farbe gibt.
-
-Von den Hauptpersonen bekommt der Leser zuerst ~Golo~ zu Gesicht.
-Wie sieht ~Golo~ aus? Von ihm wird berichtet, dass er schon als
-Kind schön gewesen sei, „wie ein Engel“. Als Genoveva auf das Schloss
-zog, kam er ihr entgegen als „ein Jüngling von bunter Tracht und
-adeligem Wesen und voll Demuth“, mit einem glänzenden Gesicht, so dass
-er sie an die Erscheinung Christi in der Vision erinnerte. Im Drama
-selbst sieht man ihn als schönen, edlen Herrn und Junker auftreten. Er
-hat ein „wackeres“ Aussehen. Er zeigt sich eingangs als ein stolzer
-Reiter auf stolzem, weißem Rosse (ein schönes, glänzendes Ross heißt
-es später). „Locken, Augen und Lächeln“ fallen Genoveva bei der ersten
-Begegnung auf. Weit mehr Aufmerksamkeit als allen anderen äußeren
-Eigenthümlichkeiten, die eigentlich recht verschwommen sind, schenkt
-der Dichter dem Auge, auf das wir oft und oft mit besonderem Nachdruck
-hingewiesen werden; denn das Auge scheint „dem Gedanken verwandter“ als
-die anderen Sinne.[557] Schon als Kind hatte Golo „etwas im Auge, so
-lieb und gut, so freudenreich und hell“, dass er jedermann anziehend
-erschien. Jugend und Freude sehen ihm aus den Augen. Sein „helles
-Auge“ muss jedes Herz erfrischen. Gertrud sagt dem Traurigen: „Wäre
-ich ein junger, wack’rer Herr mit Augen, wie Ihr...“ Von sich selbst
-sagt Golo: „Gern wollte ich die trüben Blicke lassen und wieder aus
-den muntern Augen seh’n“ u. s. f. Solange Golo gute Wege geht, erscheint
-er auch äußerlich herrlich. Als er zum Verbrecher wird, verwandelt
-sich sein Äußeres. „O seht die Tücke, wie sie sich in den stieren
-Augen malt, seht das verruchte, missgestalte Antlitz.“ Öfters lesen
-wir ganz allgemein nur von der „Gestalt“, vom „Antlitz“. Häufiger
-ist von der äußeren Erscheinung Genovevas, der Gegenspielerin Golos
-die Rede. Gleich anfangs ist sie die „schöne Gräfin“. Dann hören
-wir von der „hohen Gestalt“, der „herrlichen Gestalt“, von ihrem
-„hohen Gange“. Sie ist die „Holdeste“, „das holdsel’ge Bild“, „das
-schönste Kind“, „blühend, ein Wunder anzuschauen“. Sie besitzt „reine
-Züge und Schönheit“. Dass diese allgemeine Schönheit ein wenig mehr
-individualisiert wird, kommt daher, weil Golo sie mit sinnlichen Augen
-ansieht und weil es auch in der Natur der Sache zu liegen scheint,
-dass der Dichter sich um die äußere Erscheinung der Frauen mehr als
-um die der Männer kümmert. (Vgl. „Hermann und Dorothea“.) Auf Golo
-wirken die rothen Lippen, „deren Röte aus dem Herzen wegtrinkt mein
-rotes Blut“. Auch bei Genoveva steht wieder das Auge im Mittelpunkt des
-Interesses. Der „helle Bronn des Auges“ erweckt Golos Sinnlichkeit.
-An ihren „jungen Augen“ will Gertrud Liebe zu Golo lesen. Genoveva hat
-„den Himmel im Auge“, sie sieht Golo mit Augen an, „deren Glanz das
-Mark mir aussaugt“. Der Gräfin Augen sind „herzbannende Augen“, „holde
-Augen“, „helle Kreise“ und sie sehen durch den Schleier „so wie die
-Sonne hinter Wolken scheint“. Als der Kummer Genoveva schon „geältert“
-hat, sind „noch die Augen schön und lebhaft“. Ja selbst sterbend „lacht
-ihr helles Auge“. Golos sinnlicher Blick begnügt sich nicht mit Augen,
-Wangen und Lippen, er verfolgt „den Bau der schönen Glieder von der
-Brust zu den vollen Hüften nieder“. Er stellt sich Genoveva tanzend
-vor im schönen Gewande, „das eng und enger an die Glieder fliegt“. Der
-„holde Leib“ hat ihn berückt. Auch der Zauberspiegel bei der Hexe gibt
-von der Heldin ein Bild. Siegfried sieht darin seine Genoveva „in all
-ihrer Schönheit, im schwarzen Kleide mit goldenem Geschmeide“. In der
-Noth wird sie zum „Todtengerippe“, „Scheusal“ und „Gespenst“, wie Golo
-sie höhnend nennt.
-
-Unter den übrigen Personen wird Zulma noch fast am deutlichsten
-sichtbar. „Sieh mein Fürst, die Fülle der schwarzen Locken und die
-Mädchenwangen, den zartgeschlossnen Mund wie Rosenknospe, o Himmel,
-sieh den schönsten Busen...“ Sie hat „schöne, große Augen“. Mag sein,
-daß ihr der Dichter als einem Gegenbilde Genovevas ein größeres
-Interesse schenkt. Nur würde man dann auch ein deutliches Contrastieren
-der äußeren Erscheinung erwarten.
-
-Die anderen Gestalten sind für unsere Phantasie recht blass und noch
-schattenhafter als die Hauptperson. Schmerzenreich ist ein „schönes
-Kind“, ein „liebes Kind“. Seine „Augen“ und seine „Blicke“ sind
-Genovevas Freude. Drago ist „weder jung noch schön“. Siegfried ist
-alt. „Was soll das Bild doch sein“ ruft Schmerzenreich, als er ihn
-sieht. Das ist alles, was wir von seiner Erscheinung hören. Ein wenig
-deutlicher heißt Karl Martell „ein herrlicher, stattlicher Mann“ mit
-der „Miene voll Zorn“. Zulma preist des jungen Feldherrn Abdorrhaman
-„Schönheit und liebevollen Blick“; seine Augen sind „zwei Sonnen“.
-Aquitanien ist „ein Jüngling“. Wesen, Gestalt und das kühne Auge lassen
-die Hexe in Siegfrieds Augen als überirdisch erscheinen.
-
-Von einer plastischen, gegenständlichen Deutlichkeit kann nirgends die
-Rede sein. Es ist hier dieselbe idealisierende und leicht andeutende,
-unbestimmt gehaltene Darstellungsweise, wie sonst bei Tieck. Der
-schöne Golo mit den schönen Augen, die schöne Genoveva mit den schönen
-Augen, das ist ziemlich alles, was die Phantasie aus den verschiedenen
-allgemeinen Andeutungen entnehmen kann. Das Betonen des sinnlichen
-Reizes an Genoveva, sowie die Vorstellung von der tanzenden Heiligen
-und die derbrealistischen Ausdrücke wie „Scheusal“ u. s. w., die sich
-zwar an sich in Golos Munde nicht unzutreffend ausnehmen, bringen aber
-in das Gesammtbild der Legende etwas Fremdes, das sich zu ihrem übrigen
-Wesen so wenig schicken will, wie die ziemlich frivolen Badescenen zu
-der frommen Kunststimmung im „Sternbald“.[558] Eine Eigenthümlichkeit
-in Tiecks Personenschilderung ist die Vorliebe für das Auge. Der am
-meisten seelische Sinn ist für den Dichter auch der dankbarste und echt
-dichterisch und fein handelt Tieck, wenn er die lebhafte sinnliche
-Erscheinung mit einem psychologischen Vorgang geschickt verbindet, wie
-etwa: „es lacht ihr helles Auge“. Nicht immer wird dies in solcher
-Weise ausgenützt. Wie geläufig und wichtig Tieck die Vorstellung
-vom Auge wurde, sieht man erst, wenn man beachtet, wie sogar an der
-Hirschin die „lieben treuen Augen“ besonders erwähnt werden, wie auch
-Wald und Busch Golo „mit grimmen Augen“ ansehen, die goldene Nacht mit
-„tausend Augen“ sieht und in den Buchengang „hineinäugelt“.
-
-
-4. Das Naturgefühl.
-
-Ganz aus der alten Zeit heraustretend, als moderner Poet steht Tieck
-vor uns, wenn er von den Geheimnissen redet, die er mit seinem
-empfänglichen Dichtergemüthe der Natur abgelauscht hat. Hier konnte
-Tieck nichts aus dem Volksbuche nehmen und das Vorbild Müllers, der mit
-dem Blicke des Malers und mit realistischem Auge die Natur betrachtet,
-konnte dem zum Musikalischen neigenden Stimmungspoeten auch nicht
-allzuviel nützen. Hier mußte der Romantiker ganz er selbst sein.
-
-Tiecks Biographen betonen öfter, wie innig er die Natur liebte. In den
-schwersten Augenblicken bot sie ihm heilende Kraft.[559] Mit süßer
-Trunkenheit gibt er sich ihrer stillen Gewalt hin. Die Umgebung von
-Halle war für den jungen Sohn der märkischen Sandwüste ein kleines
-Paradies.[560] Der Sonnenuntergang, die magische Herrlichkeit des
-Mondglanzes, der Zauberhauch der Sommernacht, ein Licht, das durch die
-Nacht blitzte, ein ferner Laut erregten wunderbar sein Gefühl.[561]
-Abenteuerliche nächtliche Wanderungen mit halsbrecherischen
-Zwischenfällen unternahm Tieck gerne trotz des Scheltens seiner
-Freunde. Auf einer Harzreise blickt er mit hohem Entzücken der
-aufgehenden Sonne entgegen, die ihm „Gottes Erscheinung“ zeigt.[562]
-„Ich mußte stille stehen, um diese Vision ganz zu erleben...“[563]
-Von Erlangen aus wandert er mit Wackenroder ins Fichtelgebirge, wo
-er, verirrt in tannendunkeln Klüften, alle Wunder und Schauer der
-Waldeinsamkeit durchkostete. Aus der späten Herberge blickte er wieder
-in die mondbeglänzte Nacht hinaus, die träumerisch auf den einsamen
-Höhen lag, er lauschte den milden schwebenden Tönen eines Waldhorns
-und war unendlich glücklich.[564] Nach Jahren lebt im „Phantasus“ noch
-das Glück dieser Erlanger Zeit sowie die poetischen Nachtwanderungen,
-die Tieck in Jena mit Novalis unternahm, wehmüthig beseligend wieder
-auf.[565] Ein inniger, gefühlsreicher, poetischer Verkehr mit der Natur
-gehört so zu Tiecks eigenstem, intimstem Lebensgehalt.[566]
-
-Seit Goethe das ganze weite Reich der Natur für Poesie und Gemüth
-eroberte, versäumt es überhaupt kein Dichter mehr, sich von diesem ewig
-herrlichen Reiche wenigstens irgendeine Provinz zu eigen zu machen.
-Auch Tieck bleibt nicht zurück. Über die Beziehungen zwischen Natur und
-Dichter spricht er selbst die bemerkenswerten Worte:[567] „Können wir
-denn die Natur wirklich so schildern, wie sie ist? Jedes Auge muß sie
-in einem gewissen Zusammenhange mit dem Herzen sehen, oder es sieht
-nichts, was uns, in Versen wieder aufgezählt, gefallen könnte. Wird
-nicht jeder poetische Mensch in eine Stimmung versetzt, in der ihm
-Bäume und Blumen wie belebte und befreundete Wesen erscheinen, und ist
-dies nicht das Interesse, das wir an der Natur nehmen? Nicht die grünen
-Stauden und Gewächse entzücken uns, sondern die geheimen Ahndungen, die
-aus ihnen gleichsam herauf steigen und uns begrüßen. Dann entdeckt der
-Mensch neue und wunderbare Beziehungen zwischen sich und der Natur; sie
-ist Theilnehmerin seines Schmerzes oder seiner Leiden; er fühlt gegen
-die leblosen Gegenstände eine freundschaftliche Zuneigung, und dann
-bedarf es wahrlich keiner Verschönerungen, keiner erlogenen Zusätze,
-um schöne und entzückende Gedichte niederzuschreiben.“ Hier schildert
-Tieck die höchst entwickelte Stufe des poetischen Naturgefühles, das
-innige Erfassen der Natur mit dem Gemüthe, jenen merkwürdigen Vorgang
-in der Dichterseele, der gewöhnlich als poetische Naturbeseelung oder
-als poetisches Einfühlen in die Natur bezeichnet wird. Charakteristisch
-für den Romantiker und sein Verhältnis zur Natur sind dabei die
-Ausdrücke: „Stimmungen“, „geheime Ahndungen“ und „neue und wunderbare
-Beziehungen“.
-
-Von den untergeordneten Beziehungen des Dichters zur Natur schweigt
-hier Tieck zwar, er verwendet sie aber ausgiebig in seiner eigenen
-Dichtung. Die Natur tritt nämlich auch als selbständige Macht auf,
-die auf das Menschengemüth stimmungerregend einwirkt, sie wird
-stimmungerweckender Hintergrund für äußere und innere Vorgänge oder
-Contrast zu diesen Vorgängen. Auch Gleichnisse und Metaphern, aus dem
-Naturleben entnommen, dürfen nicht unterschätzt werden; denn ihre Art
-und Häufigkeit bildet auch einen Maßstab für das Naturgefühl des Poeten.
-
-Vor allem gibt Tieck den Hauptpersonen seiner „Genoveva“ ein
-feinfühlendes, für die Natur höchst empfängliches Gemüth. Sie leben mit
-ihr in beständigem, seelischem Contact. In ihren lyrischen Ergüssen
-herrscht „eine geheimnisvolle Innigkeit, ein sonderbares Einverständnis
-mit der Natur“. (Heine.) Golo, in dessen Herzen sich die ersten
-Keime einer heißen Liebe regen, fühlt die Lebensregungen des jungen
-Frühlings innig mit und er zeigt der traurigen Genoveva, wie „im Laube
-neues Leben spielet“, wie „hold“ die Bäume prangen, der Vogel „sich
-vergnüglich fühlet“, wie die ganze Welt „ein muntres Regen spürt“
-und sich dem Frühlingsglanz entgegendrängt.[568] Personificierende
-Ausdrücke und Worte seelischen Inhaltes deuten hier und im weiteren
-Verlaufe die zarten Fäden an, die Natur und Gemüth verbinden. Die
-erwachende Liebe lässt ihre Reflexe über die Natur hinspielen. --
-Der Frühling macht dem Sommer Platz. Genovevas weiche Seele versenkt
-sich in der Balkonscene mit Wonne in das träumerische Leben der
-Sommernacht, da „der Mondschein auf dem Grase spielet“, im Mondglanze
-die Töne sich entzünden, die Quellen „leiser, lieblicher fließen“,
-„stille Blumen“ am Spiegel ihrer Wellen sprießen, die Winde frohe Kunde
-bringen und die Bäume Lieder sumsen. Mit den märchenhaften Klängen
-dieser leise tönenden Nachtmusik verwirren sich wiederum die Klänge
-des Herzens. Dieses heimliche Leben und Klingen der Sommernacht, an
-dem sich Genoveva höchst unschuldig freut, spricht ganz anders den
-liebeskranken Ritter an. Ihm erscheint alles in der Beleuchtung seiner
-nun gesteigerten Liebessehnsucht. „Ernst und groß“ wie das warnende
-Gewissen schauen ihn zwar „der hohen Bäume heil’ge dunkle Gänge“ an.
-Dazwischen aber singt „die liebesbrünst’ge Nachtigall“ ihr Sirenenlied
-und lockt ihn ins Verderben.[569] Der Mondschein „saugt“ am Herzen
-des Sehnsüchtigen, die Sterne „zielen nach ihm mit Liebespfeilen“.
-Wenn aber dann Genoveva spricht, so verstummen Bächlein, Nachtigall
-und Bäume, weil alle ihr nur lauschen, weil alle Creaturen an ihr
-sich gerne freuen.[570] Eigenthümlich ist es, dass hier Tieck in die
-Naturbetrachtung die Sirene, die Hyder, antike Vorstellungen mengt,
-die uns sonst überhaupt selten in der „Genoveva“ oder in seinen
-anderen Dichtungen begegnen. Diese Vorstellungen ordnen sich aber
-gut und wirksam in das Erregte, beängstigend Leidenschaftliche ein,
-das in seinen Worten zittert.[571] -- Am reichsten entströmt die
-sympathetische Naturempfindung Golos Herzen in der nächtlichen Scene,
-in welcher er Genoveva seinen entscheidenden Liebesantrag macht.[572]
-Den Sternen klagt er zuerst sein Leid, bei ihnen schwört er, sie fragt
-er um Kunde von der Geliebten, von ihnen erfleht er sein Glück. Mit
-dem sehnsüchtig Harrenden wartet auch die ganze Schöpfung. Genoveva
-erscheint und freut sich ihrerseits in derselben harmlosen Art wie
-in der Balkonscene an den träumenden, flüsternden Blumen, am düsteren
-Walde, an der Nacht, die in den Buchengang „hineinäugelt“. Wie in
-jener Scene bezieht Golo auch hier in trunkenem Entzücken die ganze
-Naturherrlichkeit auf seine Geliebte, die ihm ein märchenhaftes Leben
-in die nächtliche Natur hineinzuzaubern scheint.
-
-Er spricht die charakteristischen Verse:
-
- „Ihr schreitet her und weckt aus verborgenen Tiefen
- Die hohen Wunder auf, die unten schliefen,
- Schaut um Euch, Holde, wo Ihr geht
- Ein dichtgedrängter Blumengarten steht,
- Die Bäume ziehn Euch nach, unter Euren Füßen
- Dringt kindisch grünes Gras hervor, den Fuß zu küssen,
- Die Blumen erwachen
- Vom tiefen Schlaf und lachen,
- Und röter wird der Rosen Mund,
- Die Wiese wird von Pflanzen bunt,
- Sommerlüftchen spielen aus den Zweigen,
- Sich häuslich ems’ge Bienen zeigen
- Die goldensten Mondstrahlen schmeichelnd niedersteigen,
- Um Euer holdes Haupt die Glorie zu flechten,
- Euch dient Natur mit allen ihren Mächten.“
-
-Am Schlusse der Scene aber, mit dem endgültigen Scheitern der
-Liebeshoffnung hat sich für Golo sogleich auch die Natur verändert,
-die düstere Schicksalsstimme spricht aus derselben zu ihm: „Hört,
-da singt’s in Wolken, aus Wassern, aus dem tiefen Thal herauf: Wo
-die stillen Bächlein gehn --“ Als Genoveva unschuldig zum Tode gehen
-soll, ist es ein „trüber Tag, dicke Nebel liegen auf den Bergen und
-Wäldern“.[573] Grimoald, dem das Mordhandwerk nicht recht vom Herzen
-gehen will, „zittert vor der Morgenluft“, die schwarzen Weiden im Thale
-rauschen, als wenn sie in die Klage der Mutter einstimmten und ihren
-Bitten Gehör gäben. Da ruft Genoveva den Mördern zu:
-
- „O seht, die Sonne will nicht niederscheinen
- Auf solche That, es will das Aug’ der Welt
- Nicht sehn, was euch auf immer nagen würde...“
-
-Ob die Seele in junger Liebeshoffnung träumt, ob sie in schwüler
-Leidenschaft erzittert, ob sie voll stiller Unschuld in die Schöpfung
-hineintritt oder in Todesangst erschauert: immer spiegelt sie nach
-demselben geheimnisvollen Gesetze ihre Empfindung in die umgebende
-Natur hinein und die verschiedenartigen Reflexe der Gemüthsstimmung
-ruhen auf Baum und Blume, leben in Luft und Wellen und scheinen den
-Menschen als „geheime Ahndungen“, die aus der Natur heraufsteigen, zu
-grüßen. Es wurden hier nur die besonders charakteristischen Stellen
-der „Genoveva“ hervorgehoben. An zahlreiche andere soll nur erinnert
-werden. So an Golos Morgenlied, an Zulmas Morgengebet und Todtenklage,
-an Karls und Aquitaniens Morgenbetrachtung vor der Schlacht, an Golos
-Lied „Sieh’ Laute, sieh’, so reiß’ ich dich in Stücke“ und dessen
-Monolog nach der Gemäldescene sowie am vermeintlichen Grabe der Augen
-und der Zunge Genovevas. Genovevas Hilferuf an die Natur gehört ganz,
-Wolfs mystische Abendbetrachtung theilweise hieher und von einer
-innigen freundschaftlichen Vertraulichkeit mit der Natur zeugt es, wenn
-Golo und Grimoald dem Walde und der Gegend, aus der sie fortgehen, wie
-alten mitfühlenden Freunden Lebewohl sagen, wie es nachher Schillers
-Johanna thut. Auch in der Ferne ist Golos Herz erfüllt von Heimweh nach
-den bekannten, liebgewordenen Stätten. Selbst Dinge, die nicht mehr
-gerade der ursprünglichen Natur angehören, aber mit dem menschlichen
-Gemüthsleben intim und enge verbunden sind, werden in derselben Weise,
-wie die Natur selbst, beseelt. Es schauen die Mauern auf Genoveva
-mit grimmigen Zügen. Nach ihrer beglückenden Vision aber lacht das
-Gebäu. Einsam und wüst sind die Mauern des Schlosses dem vereinsamten
-Siegfried. Das Kreuzbild scheint mit Genoveva zu sprechen und von ihrem
-Trauringe nimmt die Verstoßene wehmüthigen Abschied. Eine merkwürdige
-Tändelei, die aber dem eigentlichen romantischen Naturgefühle
-wieder näher steht, ist jener Baum, den der Köhler als Sinnbild und
-Erinnerungszeichen für seinen gefallenen Sohn im Walde pflanzt und mit
-dem er plaudern will.
-
-Abergläubisch färbt sich das Verhältnis zur Natur beim alten
-Wolf, naturphilosophisch und mystisch beim „Unbekannten“ und der
-Hexe. Zuweilen spielen die Anschauungen selbst ein wenig in den
-mythologischen Volksglauben hinüber, wie die „dämmernde Geisterwelt in
-sichtlicher Natur“[574] oder die Geister, die in Felsen oder auf Bergen
-hausen.[575]
-
-In Golos Naturanschauung bricht manchmal etwas ganz Fremdartiges
-hervor, das nicht mehr bloß ein einfühlendes, poetisches Versenken in
-die Natur ist, sondern Angst und Grauen vor den Naturmächten, die mit
-schicksalsmäßigem Zwang den Menschen beherrschen, ihn zum Wahnsinn
-treiben und zugrunde richten.[576] Es sind dies, wenn auch gedämpft,
-dieselben unheimlichen, gemüthbelastenden Stimmungen, die besonders
-im „Abdallah“, „Lovell“, „Eckbert“ und in den mit der „Genoveva“ fast
-gleichzeitigen Dichtungen „Tannenhäuser“ und „Runenberg“ herrschen,
-in den Werken aber, über denen Wackenroders Geist schützend schwebt,
-zum größten Theile verschwinden. So bricht auch in der „Genoveva“ nur
-ein und das anderemal dieses sonderbare, unbestimmte Grauen vor den
-Naturmächten hervor, die den Menschen wie ein tückisches Schicksal
-bedreuen, eine Stimmung, die aus Tiecks innerstem Seelengrunde
-emporwächst. Das freundliche Gegenstück zu dieser düsteren Seite
-der Natur ist der märchenhafte, herzliche Verkehr des kleinen
-Schmerzenreich mit den Thierlein des Waldes und die freundliche
-hilfreiche Natur, die gerne der unschuldig Verfolgten ihren Beistand
-leiht.
-
-Einen ganz kleinen Raum nur gewährte der Dichter jener eigentlich
-religiösen Naturbetrachtung, die im weiten Reich der Natur das
-Walten ihres Schöpfers spürt,[577] das Loblied der Natur auf Gott
-vernimmt[578] und so die Menschenseele zu frommer Gottesverehrung
-stimmt.[579]
-
-Bei dieser gemüthswarmen Naturandacht geht immer die charakteristische
-Beleuchtung, in welcher die Naturumgebung erscheint, von der Stimmung
-des Betrachters aus; es ist ein lebendiges Hineinwachsen und
-Hineinleben des Gemüthes in die Natur. Die Töne der Natur aber sind,
-wie Novalis sagt, auch wieder „Tasten höherer Saiten in uns“.[580]
-Werden die Tasten angeschlagen, so erklingen die Saiten unseres
-Gemüthes. Es wirkt die Natur auf den Menschen stimmungerregend ein.
-Auch diese Auffassung finden wir in Tiecks Dichtung. Die weiche
-Sommernacht z. B. senkt sich beruhigend auf Genovevas Seele.[581]
-In anderen Fällen erscheint wieder die Nacht recht als Feindin des
-Menschen; sie bethaut den Sinn mit Schwärmereien,[582] sie macht den
-Geist schlaff und trunken und verführt ihn geradezu zur Sünde,[583] sie
-entfesselt die Liebesleidenschaft, die der Tag neidisch „mit seinem
-leuchtenden Mantel“ verhüllte.[584] Der Glanz des Tages zeigt dem
-Gewissen die Sündhaftigkeit der nächtlichen Gedanken.[585] Die einsame,
-große nächtliche Gebirgswelt gibt dem innerlich Verstörten Freude
-und Sicherheit, freilich nur für einen Augenblick; denn sofort wacht
-der innere Dämon wieder auf und treibt Golo zu sinnloser Gewaltthat
-an seinem Diener, so dass dieser ruft: „... es macht die Nacht Euch
-toll.“[586] Wir sehen eine Art passives Gegenstück zum sympathetischen
-Naturgefühl. Bei diesem überschüttet der Mensch die Außenwelt mit
-seinem inneren Stimmungsreichthum. Dort lässt sich das Gemüth vom
-äußeren Eindruck beherrschen und leiten.
-
-Tieck liebt es sehr, die Natur als harmonisch gestimmten Hintergrund
-einem Vorgange, einer Seelenstimmung beizugeben. Wie Frühling,
-Sommer und der trübe Herbst die Hauptmomente in Golos und Genovevas
-Geschick begleiten, hat bereits Hettner ausgeführt. (Nur spricht er
-irrthümlich auch vom Winter.) Wir mussten die einzelnen Fälle bereits
-als Beispiele für das synthetische Naturgefühl heranziehen. Zweimal
-erscheint die Jahreszeit noch flüchtig. Frühling und Lust schwinden
-für Golo zugleich dahin[587] und während Genoveva im Thurme klagt,
-ist es auch draußen stürmische Zeit.[588] Von den Tageszeiten wirken
-außer dem Sommerabend und der Sommernacht noch Morgen und Nacht als
-begleitender Stimmungshintergrund. Mit dem Morgen, der bei Tieck
-gerne als Zeit der Abreise genommen wird („Magelone“, „Sternbald“),
-beginnt die „Genoveva“. Die frische Morgenfrühe taugt ja trefflich
-zur frohgemuthen Stimmung, mit der die Kreuzfahrer ausziehen; sie
-passt aber auch zur idyllischen Schäferscene und zu Golos munterem
-Ritte. Ernst und weihevoll wird aber das nämliche Morgenlicht, wenn
-es hier wie am Ende der Dichtung durch die gemalten Fenster der
-Kapelle hereinschaut.[589] Der helle Morgen beglänzt im Anfange eine
-kirchliche und allerhand bunte weltliche Scenen. Den Schluss bildet
-die morgenhelle Kapellenscene allein und wie ein sinnbildlicher
-Hintergrund, wie eine „leise Allegorie“ erscheint hier der helle
-Morgenglanz im Heiligthum; denn jetzt bricht für die heilige Heldin der
-ewige Lebenstag himmlischer Verklärung an. -- Die finstere Nacht ist
-die Zeit der Geister.[590] Ein grotesk phantastisches Nachtbild leitet
-daher die Hexenscene ein,[591] und der gespenstische Pilgrim wandert in
-finsterer Nacht.[592]
-
-Schon mit den Schlagworten der Scenenüberschriften markiert der Dichter
-manchmal eine gewisse Naturstimmung. „Freies Feld“, „Waldgebirge“,
-„Felsenthal“, „Garten. Mondschein“, „Wohnung der Zauberin. Nacht“,
-„Waldgebirge. Nacht. Mondschein“, „Kapelle. Schwach erleuchtet“ u. s. w.
-
-Das traurige Lied und der heitere Schäfergesang sind jedes in seinen
-entsprechenden Naturrahmen gefasst. Ebenso das Lied „Da irr’ ich
-unter Steinen“[593] und die dritte Strophe des Hochzeitbitters.[594]
-Im Hintergrunde erlischt die Flamme der brennenden Stadt, im
-Vordergrunde das Leben des gefallenen Kriegers.[595] Auch sogar in
-jenem Scheinbilde, das die Hexe Siegfried im Zauberspiegel sehen
-lässt,[596] fehlt die Naturumgebung nicht. Im zweiten Theile des
-Stückes, wo Genoveva in der Wüste betet und duldet und Schmerzenreich
-seine Kindheitsidylle durchlebt, rückt uns der Dichter in immer neuen
-Wendungen die Waldeinsamkeit ins Bewusstsein. Es ist dies aber eine
-freundliche Einsamkeit im Gegensatz zu jenem zerklüfteten Felsgebirge,
-in dessen öder Höhe Golo vergeblich Frieden für seine zerrissene Seele
-sucht, von wo er seinen Diener Benno bei Nacht in den brausenden
-Waldstrom hinabstürzt.[597]
-
-Sogar die himmlische Seligkeit entbehrt bei Tieck nicht der
-Naturfreude; denn auch im Paradiese der Heiligen prangen himmlische
-Blumen und Blüten und die verklärten Geister dürfen alle Herrlichkeiten
-des Weltalls von den Sternen bis in den Abyssus hinab überschauen.[598]
-Gewiss bezeichnend, dass der Romantiker den himmlischen Freuden auch
-die poetische Naturfreude zuzählt.
-
-Contrastierend erscheint die Natur selten, z. B. im Wettstreite mit
-der menschlichen Schönheit;[599] oder sie höhnt ein andermal den
-unglücklich Liebenden; sie erhört auch Genovevas Bitten nicht.
-
-Tiecks Dichtung glänzt und schimmert an vielen Stellen noch überdies im
-Flitterschmucke der Gleichnisse, Metaphern und Beiwörter, die aus dem
-Naturleben stammen. Sie glänzt und schimmert im wörtlichen Sinne; denn
-gerade Licht und Glanz sind hier sehr beliebte Vorstellungen. Licht und
-Glorie sind vor allem nöthig in der Vision. Daher die entsprechenden
-Gleichnisse. Eine Lichterglorie wallt in die Kirche nieder
-
- „... wie aus des Morgens purpurroten Thoren
- Der glanzgekrönte Ost dem Blick sich beut,..“
-
-Das Wunder zeigte sich
-
- „Wie wenn nach harten düstern Wintertagen
- Der Frühling durch die Finsternis will brechen,
- Und in dem Frühling Frühling sich entzündet,
- Aus Blumen sich noch eine Blüte windet.“
-
-Auch die Blume muss sich dem Glanze assimilieren; denn der Dichter
-setzt das Gleichnis fort: „Wie wenn das Morgenrot die Knospe
-wäre,...“[600] In der Sterbevision heißt es: „Wie Strahlen giengen
-Engel aus und ein...“[601] Das Liebliche in der menschlichen
-Erscheinung wird gerne mit lebhaften Lichterscheinungen verglichen.
-Genoveva schimmert „wie ein neuer Sternenhimmel, ein neuer Mond ist
-sie emporgestiegen.[602] Golos Antlitz war wie Morgenrot, die Augen
-wie junge Sterne“.[603] Genovevas Augen sieht man hinter dem Schleier
-„so wie die Sonne hinter Wolken scheint“;[604] auch ihre Worte sind
-wie die rothen Edelsteine, die durch Nacht und Dämmerung funkeln.[605]
-Eine bestimmte Nüancierung der Gleichnisse etwa nach dem Charakter der
-beiden Gegenspieler ist nicht zu bemerken. Mit dem Scheine des Feuers,
-das selbst wieder dem Morgenrothe gleicht, mit dem Feuer, das herrlich
-durch die Nacht strahlt und bald erlischt, wird das Kriegerleben
-verglichen. Aber auch die Wunden brennen wie Feuer. Wie nach der Nacht
-der Morgen, folgen die heiteren Lebenstage den traurigen.[606] Mit
-der Erhabenheit der Sterne über der Erde vergleicht Golo den Abstand
-seiner Liebe von gemeinem Sinne.[607] -- Als Christus vom Kreuze zu
-Genoveva redete, „da kam’s wie Blumen um sie her entsprossen“. Einzelne
-Vergleiche nimmt Tieck aus der großen Natur. „Wie ein Meer“ braust es
-während der Vision um Genovevas Ohren.[608] Ohne Zweifel ein biblischer
-Nachklang. Dem Meeresbrausen gleicht der Lärm im überfallenen
-Lager.[609] Wie Gottes Gewitter muss die Jagd hingehen:[610] Daneben
-ein paar Vergleiche von derber realistischer Art. „Anfallen wie
-ein grimmig Tier.“[611] „Wie von wilden Pferden fühl’ ich mich
-fortgerissen...“[612] Karl „tobt wie ein wütend Tier“;[613] ebenso
-Golo.[614] Mahoms Reich wütet gleich giftigen Gewürmen.[615] Ist
-das wilde Thier ein Bild entfesselter Leidenschaft, so nisten die
-unthätigen Krieger wiederum „wie träge Tiere“.[616] Vereinzelt steht
-der sprichwörtliche Vergleich „kalt und taub wie Erz und Stein“.[617]
-Der „Drache“ in Siegfrieds Traum ist ein Nachklang der Heldensage,
-durch das Volksbuch vermittelt. In ein Märchenland versetzt uns der
-Vergleich:[618]
-
- „Ist’s nicht so gut, als ob uns einer sagte,
- Daß über unsern Häuptern Länder hingen
- Mit wundervollen Bergen, Wald und Flüssen...“
-
-Ziemlich in die nämlichen Naturgebiete, denen die meisten Gleichnisse
-entstammen, weisen auch Tiecks Metaphern, Beiwörter, Composita.
-Erstlich wiederum Licht und Glanz. Der „Glanz“ des christlichen
-Glaubens, die „Feuerfunken“ in den Christenherzen, der „Blitz Gottes“
-Karl Martell, „die Schaaren all’ in wilder Wut entbrannt“, „das Feuer
-des Auges“, „die Augen zwei Sonnen“, „der Glanz des Thrones“, die
-Empörung „ein unzeit’ges Feuer flammt von der ein zur andern Grenze“,
-„liebesbrünst’ge Nachtigall“, „der Brand im Innern“, Genoveva ist für
-Golo eine „Hölle“, die seine Seele peinigt „mit ew’gen Flammen, mit
-rastlosen Flammen“ und noch zahlreiche ähnliche Fälle. Von geringerer
-Leuchtkraft sind Bilder wie der „Frühling“ des Lächelns, der „Himmel“
-im Auge, der „Frühling, der durch den Winter scheint“, der „künft’ge
-Morgen“ u. s. w. Auch die Blumen finden sich unter den Metaphern wieder.
-„Zarte Knospen“, „Rosenknospe“ (Mund), „sprießende“ Reue, „sprießende“
-Engel, „es sprießt ein neuer Sinn“. Einmal „thürmen sich die Wetter“.
-Das Lamm verdeutlicht die sanfte Gemüthsart, die arge Böswilligkeit der
-„hartherzige Hund“.
-
-Dasselbe wiederholt sich noch einmal, wenn wir die Composita und
-Beiwörter ansehen, die aus der Natur entlehnt sind. „Frühlingsschein“,
-„Strahlenaugen“, „Zauberschein“, „Sterngegenwart“, „Sternenkräfte“,
-„Sternenblick“, „Himmelsglanz“, „Himmelslicht“, „Lichtstrom“,
-„Freudenschein“, „Lebensschein“, „Feuerzorn“ u. s. w. Dazu gehören
-„glorreich Licht“ der Liebe, Glorie (= Himmelslicht), „glorreich“
-scheinende Sonne, die „goldensten“ Mondstrahlen, „gold’ner
-Schein“, „gold’ne Nacht“, „blendende Flammen“, „funkelndes Feuer“,
-„schimmervolle Kronen“. Die Blumen fehlen auch hier nicht ganz.
-„Blumenhöh’n“, „dichtgedrängter Blumengarten“, „blühende Lust“. Auch
-der Gegensatz des Lichtes tritt hie und da hervor. „Schwarze Nacht“,
-„dunkle Wüste“, „dämmernde Erinnerung“, „dämmernde Geisterwelt“.
-
-Von Anfang bis zum Ende durchathmet ein warm pulsierendes,
-träumerisches Naturgefühl Tiecks romantische Dichtung. Des Dichters
-Naturempfinden ist reich und mannigfaltig. Die Natur ist ihm aber
-nicht um ihrer selbst willen da, sondern meist als stimmunggebender
-Hintergrund. Auf das sympathetische Zusammenklingen von Natur und
-Gemüth wendet Tieck seinen besonderen Fleiß, wie seine eigenen Worte
-über die dichterische Naturauffassung vermuthen ließen. Er folgt
-hier den Wegen Goethes. Von Werthers Naturauffassung fühlte sich
-Tieck ja lebhaft ergriffen, wie er selbst sagt.[619] Wie Goethe im
-„Werther“ will Tieck die Tages- und Jahreszeiten wie die räumliche
-Umgebung auf einen Ton mit der Empfindung seiner Menschen stimmen.
-Der Naturhintergrund, der das menschliche Erlebnis in der Dichtung
-umrahmt, der Gedanken und Empfindungen verstärkt, seltener Stimmungen
-erweckt oder in Contrast zu ihnen tritt, spielt bei Tieck eine so
-wichtige Rolle, dass die Stimmung es meist über die Chronologie
-davonträgt. Die Jahreszeiten begleiten die Hauptereignisse, es kommt
-aber damit keineswegs zugleich ein festes chronologisches Gerüste
-für die Ereignisse der Dichtung zustande, wie man erwarten möchte.
-Klar begrenzte Zeiträume widersprechen der ins Unendliche strebenden
-romantischen Stimmungspoesie und dieser hat alles zu dienen. Wie
-gewaltsam Tieck gegen die Chronologie vorgehen kann, zeigt die
-Aufeinanderfolge der Thurmscene, in der Genoveva das Wiegenlied
-singt,[620] und der Schäferhochzeit. Bei genauerem Nachrechnen ergibt
-sich, dass es in der ersteren Scene Herbst oder Winter sein muss, was
-auch die Verse:
-
- „Draußen geht der Wind,
- Die dicken Mauern Beschützer sind“
-
-verrathen. In der nächsten Scene, die noch auf der gleichen Seite
-beginnt, ist es schon herrlicher Frühling, weil es die Hochzeitstimmung
-verlangt. Bei den Tageszeiten lässt sich, mit geringen Ausnahmen,
-ebenfalls kein chronologisches Moment beobachten, sondern auch
-hier ist es wieder nur der Stimmungswert der Zeit, den der Dichter
-berücksichtigt und dem sich die Chronologie zu fügen hat. Die äußere
-Natur bleibt immer dem Seelischen untergeordnet.
-
-Morgen, Abend und Nacht kehren in der „Genoveva“ wieder. Nur diesen
-Zeiten schenkt Tieck seine besondere dichterische Aufmerksamkeit
-wie die übrigen Romantiker auch. Die ahnungsvolle Dämmerung, das
-geheimnisreiche Dunkel und die belebende, gemütherfrischende, „in
-der Zukunft weisende“ Morgenstunde: das sind vor allem „poetische
-Zeiten“. Der Sommernacht wendet Tieck in zwei Scenen der „Genoveva“
-seine besondere Liebe zu. Im weichen Geisterlichte des Mondes wächst
-die Sehnsucht im Herzen, in stiller Nacht breitet Phantasus seinen
-Mantel auseinander und zeigt seinen bunten Reichthum und seine
-Traumherrlichkeit. Nacht und dämmerndes Zwielicht sind das sichtbare
-Widerspiel der unbestimmten, in die dunkelsten Seelentiefen sich
-verlierenden Stimmungen, die „allein glücklich machen“. (Novalis.) „Die
-plastische Sonne leuchtet einförmig wie das Wachen, der romantische
-Mond schimmert veränderlich wie das Träumen“, sagt Jean Paul.[621]
-Ein anderes kommt bei Darstellung der Visionen in Betracht. Hier wird
-Licht und Glanz in üppiger Fülle aufgeboten, um das Außerordentliche,
-überirdisch Heilige würdig einzukleiden, wie mit einem Goldgrund,
-der die Heiligen auf altdeutschen Gemälden mit schimmernder Glorie
-umgibt. Wenn Tieck auch Glanz und Schimmer verschwendet, so wird er
-dabei seiner unplastischen Weise keineswegs untreu; denn er zeigt uns
-nie hellbeglänzte Dinge im scharfen Umrisse, sondern Glanz und Schein
-selber und damit sind wir sofort wieder in unbegrenzter Unendlichkeit.
-Klare, deutliche Conturen in der Naturschilderung sind Tiecks Sache
-ganz und gar nicht. Ein organisch sich aufbauendes Naturbild sucht
-man in der „Genoveva“ vergebens. Alles erscheint in auflösender
-Beleuchtung. Tieck gibt hie und da ruhende Bilder und begnügt sich, sie
-mit einem leisen, seelischen Anhauche zu beleben. Am liebsten hätte
-er in dieser hochromantischen Periode in Tönen gedichtet, Worte nach
-ihrem Klangwerte rein musikalisch verbunden und am liebsten belauscht
-er auch die geheimen Töne der Natur oder richtiger, er hört aus der
-Natur geheime Töne heraus und sucht ihren nur dem Gemüth und der
-Phantasie vernehmbaren Klang in Worte zu fassen. Dieses eigenthümliche
-musikalische Auffassen der Natur weckt dann „geheime Ahndungen“ und
-„Stimmungen“. „Die Musik ist romantische Poesie durch das Ohr.“ (Jean
-Paul.)
-
-Im zweiten Theile unserer Dichtung herrscht außer dem fröstelnden
-Herbste bei der Verstoßung Genovevas in erster Linie die Stille
-der Waldeinsamkeit. Tieck liebt die Waldeinsamkeit. Er hat dieses
-poetische Wort gebildet. In den „blonden Eckbert“ dichtete er ihren
-ganzen Reiz hinein. Dass gerade das Motiv des waldeinsamen Lebens,
-das er im Volksbuch fand, seine Phantasie lebhaft anregte, erzählt
-er uns. Wie in der nächtlichen Stille, hebt hier in der Stille des
-Waldes die Sehnsucht im Gemüthe zu tönen an, die Sehnsucht nach dem
-Himmel in Genovevas Seele, in Schmerzenreich die Sehnsucht nach den
-fernen Menschen, die hinter’m Walde wohnen, „der ganz weitab im Scheine
-glänzt daher“. Der Romantiker sucht auch hier ahnungsreiche Ausblicke
-in weite, verschwimmende Fernen. Im ganzen überwiegt die freundliche
-und liebliche Seite der Natur in der „Genoveva“. Tieck, dessen Gefühle
-durch Wackenroder „verfeinert“ wurden, der im heiteren Genuss von Kunst
-und Poesie, in glücklicher Freundschaft und in anregender Geselligkeit
-lebt, ist nun selbst mehr auf das Zarte, Milde, Weiche und Heitere
-gestimmt. Seine Vorliebe für die freundlichen Blumen fällt Novalis
-auf.[622] Nur dort und da schleichen die Dämonen des Venusberges
-und des Runenberges heimlich heran und grinsen verstohlen durch das
-Kirchenfenster in Genovevas Heiligthum herein. Es sind die Nachwehen
-der Abdallah- und Lovellstimmung, die im „Tannenhäuser“ und „Runenberg“
-wieder ihre alte Macht gewinnt.
-
-Eines muss dem Betrachter der „Genoveva“ immerhin auffällig sein. Man
-sollte nämlich erwarten, dass der Dichter der „heiligen Genoveva“ die
-Natur soviel als möglich mit dem religiösen Sinne der geistlichen
-Poesie anschaute, „wo das fromme Gemüth aus der ganzen belebten und
-unbelebten Natur einen großen Lobgesang auf die Herrlichkeit ihres
-Schöpfers und Erhalters herauszuhören meint.“[623] Man möchte dies
-umsomehr erwarten, als die Natur in den „Herzensergießungen“ eine
-wunderbare Sprache Gottes ist, als Tieck im „Zerbino“ den Waldbruder
-das fromme Lied: „Wann das Abendroth im Haine“[624] singen lässt
-und in der ersten Ausgabe auch das alte „Komm’ Trost der Welt, Frau
-Nachtigall“ eingeschaltet hatte. Im „Sternbald“ wie in den „Phantasien“
-bricht das eigentlich religiöse Naturempfinden öfters recht auffallend
-durch. Dem Dichter war also eine solche Auffassung der Natur nicht
-fremd. Und in der „Genoveva“ ist dieselbe seltsamerweise bis auf
-geringe Reste verschwunden. Im Verkehre mit der Natur lässt sich
-Tieck hier weder vom „Klosterbruder“ noch von Jakob Böhme ernstlich
-beinflussen. Wenn auch seine Gemüthsverfassung mehr Heiterkeit und
-Ruhe zeigt als sonst, die Art des Empfindens bleibt seine eigene. Was
-die Biographen als Lieblingstimmungen des naturandächtigen Poeten
-erwähnen, findet sich in der That fast alles in irgend einer Form in
-der „Genoveva“ wieder und dass diese Naturstimmungen Tieck aus der
-Seele strömten, beweisen auch seine späteren Worte an Solger.[625] Mit
-Verschiedenem ist er nicht mehr zufrieden, aber „dies Klima (wie ich
-es nennen möchte), dieser Duft des Sommerabends, der Waldgeruch und
-spätere Herbstnebel ist mir noch ganz recht...“ --
-
-Die Religion, die das Menschengemüth vielseitig berührt oder den Geist
-zum Wunderbaren und Geheimnisvollen und Unendlichen hinführt, das
-Alterthümliche, das, der nüchternen Alltäglichkeit entrückt, in der
-Phantasie eine idealisierende Weihe empfangt und die innige, liebevolle
-Hingabe an die Stimmung der Natur, das ist der echt romantische
-Dreiklang, der bald leise tönend bald mächtiger anschwellend Tiecks
-„Genoveva“ durchzieht und die auseinander fallenden Theile der
-Composition durch einen durchgehenden Accord eint.
-
-
-5. Die Charaktere.
-
-Die vorausgehenden Beobachtungen versuchten dem „Klima“ in der
-„Genoveva“ näherzutreten, dem religiösfrommen wie dem altdeutschen
-Tone, die das Stück beherrschen und dem Naturstimmungsdufte, der das
-Ganze fühlbar durchzieht. Nur nebenbei wurde der Menschen selbst
-gedacht, die in diesem Klima leben. Der Dichter legt uns dieses
-Vorgehen nahe. Denn später, bei kühlerer Betrachtung seines Werkes
-misst er dem „Klima“ in demselben mehr Wert bei, als den meisten
-Personen, die in der Dichtung auftreten. Diesen soll nun auch einige
-Aufmerksamkeit geschenkt werden.
-
-Unser erstes Interesse bei Untersuchung der Charakterisierungsweise
-Tiecks richtet sich naturgemäß auf die Hauptpersonen Genoveva und Golo.
-Genovevas Charakter, der sich fast ganz mit ihrem Verhältnis zur
-Religion und Natur erschöpft, wird direct und indirect geschildert.
-Wir erhalten durch die Mitspieler (Bonifacius mit eingerechnet)
-verschiedene Auskünfte über ihre Charakterzüge.[626] Ein wichtiger Wink
-für die Auffassung ihres Wesens ist die Äußerung Golos:[627]
-
- „Sie weiß um ihre Schönheit nichts, und nichts
- Um ihre Lieblichkeit, sie hat den Himmel
- In ihrem Auge und verschönt die Erde.“
-
-
-Das unbewusst Naive an ihr soll hier als bedeutsamer Zug hervorgehoben
-und damit ihr sonst unbegreifliches Benehmen, ihre Taubeneinfalt bei
-Golos Liebesanträgen[628] erklärt werden. Ganz dürfte es aber dem
-Dichter trotz dieses Hinweises nicht gelungen sein, uns diese Seite
-seiner Heldin verständlich zu machen; denn ihr Benehmen geht über das
-Maß von Naivetät, das man nach Golos Worten erwartet, hinaus. Zudem
-ist die Gemäldescene ein directer Widerspruch gegen Golos Worte: „Sie
-weiß um ihre Schönheit nichts...“ Wir hören weiter noch von ihrer
-Frömmigkeit und Gattentreue und das soll wieder indirect bestätigt
-werden, wenn wir Genoveva Legenden lesen, fromme Belehrungen anhören
-und lieber die größte Schmach und Erniedrigung leiden, als ihrem
-Gewissen und ihrem Gatten untreu werden sehen. Die Abweisung Golos
-ist die einzige für den Fortgang des Stückes bedeutsame Handlung der
-Heiligen. Ihr inneres Leben spricht sich vorzugsweise in Monologen,
-Gebeten, Erzählungen aus, die einem Dialoge eingeordnet sind oder im
-frommen Zwiegespräche über ein geistliches Thema.[629] Sie bleibt bis
-auf kleine Trübungen von Anfang bis zum Ende dieselbe. Die Einführung
-der Titelheldin in das Stück ist auffallend knapp und dürftig. Als
-„schöne Gräfin“ und „edle Gräfin“ wird sie uns zuerst genannt.
-Daneben erscheint die Einführung Golos, ihres Gegenspielers, ungemein
-breit. In geschicktem Anschlusse an sein Auftreten wird der Leser
-über des Ritters äußere Erscheinung und vielfältige Charaktervorzüge
-unterrichtet. Der schöne Reiter ist ein wahres ritterliches Musterbild,
-wie es ein Romantiker ersinnen mochte. Er ist Sänger, Musiker,
-Maler, ein gewandter Tänzer und Dichter, eine Art romantischer
-Universalkünstler,[630] eine sensitive Natur, die von einem Liede
-räthselhaft überwältigt wird. Er ist herablassend, freigebig, geliebt
-von den einfachen Leuten wie von seinem Herrn. Später hören wir wieder
-von seinem bezaubernden Eindruck auf die Umgebung und selbst auf
-Genoveva. Bis auf Tanz und Malerei übt auch Golo hie und da die Künste,
-die ihm in der Exposition nachgerühmt werden. Diese Charaktervorzüge
-entsprechen der herrlichen äußeren Erscheinung des Reiters auf dem
-weißen Pferde. Er erscheint zuerst in lauter Licht und Glanz. Es
-soll die Möglichkeit in unseren Gesichtskreis gerückt werden, er
-sei eine Gefahr für Genoveva.[631] Andeutungen dazu fehlen auch im
-weiteren Verlaufe nicht. Jene ausführliche directe Schilderung Golos
-am Anfange ist aber für unser Gefühl schon darum entschieden zu breit
-gerathen, weil wir in der Erzählung seiner Amme noch einmal in Form
-einer Jugendgeschichte fast dasselbe erfahren, was hier in einfacher
-Aufzählung gegeben wird. Daran stieß sich der romantische Geschmack
-keineswegs. Wenn im echten Roman „alles Episode ist oder gar nichts“,
-warum sollte es im echten romantischen Drama anders sein. Neu im
-Berichte der Amme ist die Betonung des Wunderbaren in Golos Wesen.
-Nur seine Abkunft wird noch im Dunkeln gelassen. Die Abstammung des
-Ritters, sowie die Ursache der wildaufflammenden Leidenschaftlichkeit,
-die der Leser indessen bereits kennen gelernt hat, wird von der Hexe in
-astrologischer Sprache, fast in der Art der modernen Vererbungstheorie
-erklärt. Außer den Mittheilungen der Hexe wird im zweiten Theile wenig
-über Golo geredet, hier herrscht die indirecte Darstellung durch
-sein Benehmen und Handeln vor. Aber als Rückblick und Abschluss gibt
-Siegfried in der Gerichtsscene eine Zusammenfassung der üblen Seiten,
-die Golo besonders in der zweiten Hälfte des Stückes hervorgekehrt hat.
-Das Gegenstück zur lobpreisenden Exposition.
-
-An dieser Gestalt versucht Tieck auch eine Darstellung fortschreitender
-Charakterentfaltung. Der psychologische Hauptinhalt der Figur ist
-die tragische Liebe, welche Tieck sorgfältig in ihrem allmählichen
-Emporwachsen zeichnet. Golos Frage nach der „schönen Gräfin“ ist die
-erste Andeutung. Das Bemühen, an Genovevas Seite zu bleiben und die
-Frage „wo ist die Gräfin“ als Anfangsworte einer Scene sind ein kleiner
-Schritt nach vorwärts. Über die weitere Entwickelung des seelischen
-Processes unterrichten den Leser hauptsächlich Monologe, daneben der
-Dialog mit Gertrud und eingeschaltete Lieder. Golo möchte sich anfangs
-gegen die Wandlung in seinem Inneren noch wehren. Er verehrt Genoveva
-nur erst „mit stummer Inbrunst und aus frommer Ferne“. Genoveva
-versteht ihn nicht und Golo wird traurig. Ein Monolog sagt dem Leser
-wieder, dass bereits das ganze Innere Golos in leidenschaftlichem
-Aufruhr tobt, und dass es für ihn kein Zurück mehr gibt. In Liedern
-und andeutenden Worten sucht der Schmachtende sich seiner Herrin
-verständlich zu machen. Allein sie versteht ihn wieder nicht. In der
-Gemäldescene erklärt er zunächst in versteckter Umschreibung und
-endlich offen seine Liebe und wird abgewiesen. Bestürzung. Bald tritt
-auch das sinnliche Moment, das sich bisher nur schüchtern zeigte,
-deutlicher hervor und im langen Monologe der Gartenscene überströmt
-es schrankenlos die höhere, seelische Empfindung. Bis hieher lässt
-sich ein sorgfältig abgewogenes Crescendo der allmählich um sich
-greifenden Leidenschaft beobachten. Vor der Peripetie erleidet die
-Darstellung einen kleinen Stoß. Der kurze Zornesausruf gegen das
-„Heuchelbild“ (Genoveva)[632] und gegen den „Heuchler“ Drago[633] ist
-eine gewisse Vorbereitung für das Kommende. Aber nach meiner Empfindung
-hat Tieck diese vorbereitenden Momente zu flüchtig behandelt. Die
-Liebe Golos, die neben seiner Rachsucht noch fortdauert und ihn zwei
-weitere vergebliche Anträge im Gefängnis versuchen lässt, vermag
-den plötzlichen Umschlag in Golos Gesinnung auch nicht überzeugend
-auszugleichen. Eine Häufung des gleichen Motives ist die weitere Folge.
-Fünf Liebesanträge zwischen den zwei nämlichen Personen! Das Volksbuch
-ist dabei keine Rechtfertigung. Es ist es höchstens für den Romantiker.
-Auch das widerliche Benehmen des Ritters gegen eine hochschwangere
-Frau, an dem sich vielleicht die Holzschnittmanier des Volksbuches
-nicht stößt, wäre in der modernisierten Darstellung besser weggeblieben.
-
-Von diesem Punkte der Dichtung an wird Golo eine Zeitlang äußerlich
-activ und charakterisiert sich so indirect. Bei der Gefangennahme, bei
-der lügnerischen Botschaft an Siegfried, beim Betrug durch die Hexe und
-bei Vollstreckung des Urtheils greift Golo überall kräftig und leitend
-ein. Er benimmt sich dabei noch mürrisch gegen seine Umgebung. Nach
-Genovevas Verstoßung kommt wieder das Lyrische mehr zum Vorschein, Reue
-und Sehnsucht nach dem Zerstörten. Solange also Golo ein seelisches
-Ziel vor sich hat oder sein Sehnen an einem entschwundenen Glücke
-haftet, waltet das Lyrische vor; als ihm dieses Ziel eine Zeitlang
-aus den Augen schwindet, wird er von den Ereignissen ergriffen und
-muss sich selbst äußerlich activ zeigen. Trotz einiger Widersprüche
-und der überflüssigen Häufung directer und indirecter Charakteristik,
-was sich eben alles aus den romantischen Anschauungen heraus erklären
-lässt, ist die Gestalt Golos und besonders die Schilderung seiner Liebe
-eine bedeutende Leistung. Schon im „Blaubart“ hatte es Tieck ähnlich
-versucht, die Neugier der Agnes „von der leisesten Anregung allmählich
-zu einer unwiderstehlichen Gewalt“ sich steigern zu lassen, wie A.W.
-Schlegel rühmend anmerkte.[634]
-
-In verwandter Weise wechseln directe und indirecte Charakteristik
-bei den Nebenfiguren. Das Thun des „wackeren“ Grafen Siegfried gibt
-dem harten Urtheile der Amme, er sei „wenig behend und sinnreich“,
-vielmehr „blöden Sinnes“ zum Theile Recht. Das Kind Schmerzenreich will
-Tieck nicht recht gelingen. Neben einzelnen herzlichen und kindlichen
-Worten spricht der unschuldige Sohn des einsamen Waldes wieder viel
-zu unterrichtet und zu altklug von der bösen Welt und vor lauter
-Frömmigkeit vergisst er den natürlichsten und unschuldigsten Antheil am
-Tode seiner Mutter. Die Amme trägt ein paar deutliche markante Züge,
-sie ist geschwätzig und eine lügnerische Kupplerin. Aus Liebe zu Golo
-geht sie von Genoveva zu ihm über und hilft, ihre Herrin verderben.
-Das Motiv der Liebe zu ihrem Pflegesohne tritt aber an entscheidenden
-Stellen viel zu wenig hervor. Daher fehlt auch ihrer Gestalt das
-Gerundete, und wir sind unbefriedigt. Die übrigen Menschen zeigen
-immer nur den einen oder anderen Zug. Soweit sie Träger verschieden
-abgestufter Religiosität sind, wurden sie schon charakterisiert. Sie
-sind alle mitsammen ziemlich blasse nebelhafte Schemen.
-
-Bei der Würdigung von Tiecks Charakterisierungskunst kommen also
-eigentlich nur Genoveva und Golo vornehmlich in Rechnung. Sie sind in
-ihrer äußeren Erscheinung zwar einheitlich, aber für ein Drama, das nur
-auf einer Phantasiebühne spielt, vielleicht nicht deutlich und scharf
-genug gezeichnet. Nicht ganz consequent durchdacht ist ihr inneres
-Wesen. Man freut sich aber, dass wenigstens ein positives und sogar ein
-reiches innerliches Leben da ist, das vielen anderen Figuren mangelt,
-bei Genoveva religiöses Empfinden, bei Golo leidenschaftliche Liebe.
-Die directe Charakteristik wird reichlicher verwendet, als nöthig wäre.
-Genoveva ist fast ganz ein ruhendes, beharrendes Charakterbild. Golo
-ist zwar beim ersten Erscheinen auch zur Hälfte fertig gezeichnet,
-jedoch das Wachsen seiner Liebe, das Misslingen seiner Absichten und
-die Folgen davon bringen Bewegung und Fortschritt in sein Dasein. Er
-ist gewissermaßen der unstäte, veränderliche Mensch neben Genoveva,
-die als geborene Heilige fast wandellos über dem Irdischen steht,
-wie ein Heiligenbild in der Kirche, das heute in demselben Gold- und
-Farbenglanze erscheint, wie längst und ehedem. Siegfried, Gertrud
-und die anderen untergeordneten Personen zeigen nur die eine oder
-andere Willensregung und bleiben, was sie im Anfang sind. Für diese
-Nebenfiguren ist Merkels Spöttelei nicht ganz grundlos. Er schreibt
-nämlich:[635] „Haben seine (Tiecks) Personen uns gesagt: ‚ich bin das!<
-und sie kommen nach einer Reihe von Jahren wieder, so wissen sie nichts
-zu sagen, als: ‚ich bin es noch!‘“ Übrigens redet später Tieck selbst
-Solger gegenüber mit großer Objectivität von seinen Geschöpfen.[636]
-Mit Golo und Genoveva ist er noch zufrieden. „Nicht wahr, Golo ist
-fast durchaus, was man in der Malerei im edelen, großen Styl nennt? So
-das Meiste in Genoveva.“ „Im großen Styl“ nennt sonst Tieck Menschen
-voll mächtiger Leidenschaft im Gegensatz zu den kleinen, sanften,
-idyllischen Erscheinungen. Bei Genoveva kann er nur an das pompöse
-religiöse Pathos denken, wenn er vom „großen Styl“ spricht. „Otto, Karl
-Martell, Aquitanien, die Saracenen sind vielleicht gut gedacht als
-Gegensatz, aber ihre Großartigkeit ist manieriert; die Dienerschaft,
-Drago, selbst Wolf, Heinrich sind dem zu Ausgemalten gegenüber
-gleichsam nur in Umrissen.“
-
-Wie in der Composition, so stellen sich auch in der Stilisierung
-hie und da jene künstlichen Parallelen und Contraste ein, die Tieck
-so gerne einflicht. Golo wird als überaus herrlicher Junker in
-breiter Exposition eingeführt und stirbt schließlich als Verbrecher.
-Genoveva tritt daneben recht bescheiden in kurzer Erwähnung ein, am
-Ende ist die Schilderung der Heiligen lauter Glanz und Herrlichkeit.
-Andererseits werden beide auch anfangs mit heimlicher Andeutung
-nebeneinandergestellt als „edler Herr“ und „edle Gräfin“, am Ende sind
-sie weltweit voneinander getrennt. Wenn der Schäfer aufzählend, Gertrud
-erzählend an der Hand der Jugendgeschichte Golos gute Eigenschaften
-entwickeln, so rundet es sich wie eine Art Chiasmus ab, wenn in der
-zweiten Hälfte zuerst die Hexe durch die Erzählung von Golos Herkunft
-und Siegfried wiederum aufzählend in der Anklagerede die Schattenseiten
-seines Charakters vorführen. Das „Zurückbeleuchten aller früheren
-Gedanken“ lobt Tieck einmal auch an Solgers Darstellungsweise. Golo
-und Genoveva theilen mit ihrer äußeren Erscheinung dasselbe Schicksal,
-die körperliche Schönheit beider wird zur Hässlichkeit: Golo jedoch
-ist auch innerlich hässlich geworden, Genoveva wurde (oder blieb)
-eine Heilige. Es scheint zu Tiecks eigenstem künstlerischen Wesen zu
-gehören, dass sich ihm leicht und von selbst solche leise, unter der
-Oberfläche halb versteckte Beziehungen und Zusammenhänge anspinnen.
-Diese Neigung und eine idealisierende Allgemeinheit müssen wir als
-kennzeichnende Seite seiner Charakterschilderung festhalten. Über
-allerlei Widersprüche innerhalb der Charaktere gleitet der Blick des
-romantischen Dichters sorglos hinweg und der Meister der lyrischen
-Stimmung ist zufrieden, wenn die einzelne Scene ihren richtigen „Ton“
-erhält, wenn die Scenen bunt und mannigfaltig wechseln und erst
-das Ganze sich wieder zu einer gewissen Einheit zusammenschließt.
-„Vernünftiges Chaos.“
-
-
-6. Der Stil.
-
-Vom Charakter des romantischen Stiles, wie er sich in der Blütezeit
-der Schule (1797-1801) entfaltet, gibt Petrichs kleine Schrift „Drei
-Kapitel vom romantischen Stil“,[637] ein sehr lehrreiches Bild. L.
-Tieck steht theilweise im Mittelpunkte dieser Untersuchungen und auch
-auf seine „Genoveva“ wird in manchen Punkten Rücksicht genommen. Da
-Petrich aber eine zusammenfassende übersichtliche Darstellung im Auge
-hatte, so konnte eine einzelne Dichtung nach ihrer sprachlichen Seite
-naturgemäß nicht erschöpfend betrachtet werden. Indem ich dankbar
-annehme, was der Vorgänger bietet, versuche ich, die Untersuchung der
-einen Dichtung Tiecks zu vervollständigen.
-
-Im Sprachstile müssen wir immer den künstlerisch-sprachlichen Ausdruck
-dessen suchen, was die dichterische Einbildungskraft innerlich im
-Geiste sich formte, und Hauptaugenmerk der stilistischen Untersuchung
-muss es sein, die Wechselbeziehungen zwischen Inhalt und Ausdruck
-soweit als möglich zu verfolgen. Tiecks „Genoveva“, die inhaltlich
-eine romantische Universalpoesie im kleinen sein möchte, bildet ein
-sehr buntes Conglomerat von Motiven und Stimmungen. Man darf da im
-vorhinein nicht allzuviel von einem einheitlichen Stilcharakter
-erwarten. Ein solcher war vielleicht nicht einmal vom Dichter
-beabsichtigt. Da es den vorhergehenden Beobachtungen wenigstens
-gelang, drei wichtige Elemente zu greifen, welche die Dichtung zumeist
-beherrschen und ihre Physiognomie wesentlich bestimmen, das Religiöse,
-das Alterthümliche und ein eigenartiges Naturgefühl, so liegt es auch
-nahe, diese Grundströmungen in der Stilisierung zu verfolgen; denn
-diese eigenartigen Stimmungen müssen sich in angemessenen, eigenartigen
-Worten und Bildern äußern, um dem Gemüthe des Lesers wiederum ähnliche
-Stimmungen zu suggerieren.
-
-Die von der Naturphilosophie vielfach befruchtete Weltanschauung der
-meisten Romantiker ahnt und sucht hinter der sichtbaren Welt eine
-höhere, unsichtbare, geistige, und bemüht sich ohne Aufhören mit
-verlangendem Seherblick in dieses unbekannte Jenseits einzudringen.
-Das gibt auch ihrer Stilistik ein eigenartiges Gepräge.[638] Tiecks
-„Genoveva“, die nur an einzelnen Stellen von der Naturphilosophie
-berührt wird, ist überwiegend von der christlich religiösen
-Auffassung beherrscht. Die transscendentale Welt und was sonst zur
-Religion gehört, ist darum hier zum größten Theile identisch mit den
-christlichen Anschauungen von Leben und Jenseits und wird nur in
-geringerem Maße von Naturphilosophie und Böhmes Theosophie bestimmt.
-Die Stilmystik -- ein von Petrich geprägter Terminus -- in der die
-Beziehungen zwischen Welt und Überwelt sich spiegeln, wird darum
-hier eine vorwiegend christliche Färbung annehmen, die „Gefühle der
-Andacht“, „die Wunder der Legende“, das „Unglaubliche“ werden in erster
-Linie eine christliche Sprache reden.
-
-In ziemlicher Anzahl verwendet Tieck in der That religiöse Ausdrücke
-und Wendungen, wie sie in Gebet und Predigt und in Erbauungsbüchern
-einen ständigen Wortschatz bilden, z. B. „erbauen“, „frommes Herz“,
-„liebe treue Seele“, „unsere heilige Religion“, „Inbrunst“, das
-Schlusswort „Amen“, die fromme Grußformel: „Es segne Euch der Herr,
-behüte Euch, er sei mit Euch auf allen Euren Wegen“ oder „Nun
-gute Nacht, der Herr mag Euch bewahren mit seinen auserwählten
-Engelschaaren“ oder „Schön warmer Tag. Gelobt sei Jesus Christ“.
-Karl Martell citiert betend die Psalmworte: „Gedenk’ nicht meiner
-Sünde! Geh’, o Herr, nicht mit mir in’s Gericht!“ Biblische Worte
-werden verwendet in der Schilderung der Visionen,[639] in Dragos
-Erbauungsrede[640] und vereinzelt noch öfter. Genoveva gebraucht
-ein paarmal die Worte des Vaterunser.[641] -- Mit religiösen
-Gewohnheitsphrasen, wie „was Gott mir beschieden“, „mit Gottes Hilfe“,
-„wollte Gott“, „bewahre“, „Gott lass es ihm wohl geh’n“, „Gott
-helf’ mir meiner Sünde“, „Gottlob“, „Herr Gott“, „heiliger Gott“,
-„Gotteswelt“ u. dgl. ist Tiecks Stück reichlich bedacht und diese
-verschiedenen Ausrufe und Anrufe werden hier ohne Unterschied von guten
-und schlechten Christen gebraucht.
-
-Die Gefühle der Andacht entfalten sich im Gebete und in der frommen
-Betrachtung. Das Gebet erscheint in der „Genoveva“ gewöhnlich in
-der Form des feierlichen Anrufes. „O Auge Gottes, das vom Himmel
-schauet, nimm Du ihn gern in Deinen großen Schutz“...[642] Ein wenig
-lahm klingt daneben Karl Martells Aufforderung zum Preise Gottes an
-die Umgebung:[643] „Der Herr hat wundervoll für uns gestritten, man
-preise ihn durch laute Freudenlieder, man bring’ ihm Dank und lasst
-uns kindlich bitten.“ Die religiöse Belehrung und Ermahnung kleidet
-sich gern in die Form der Anrede. „So wird Euch Gott mit seinem Schirm
-geleiten...“[644] Wir finden auch die allgemeine Form des betrachtenden
-Vortrags, der nur lose in den Dialog eingehängt erscheint. Hieher
-gehört die Rede des Kapellans an Genoveva,[645] sowie die Betrachtung
-Dragos über die irdischen Leiden.[646] Da diese an die Lesung der
-Legende anknüpft, so gemahnt sie schon an jene Art von Predigten, die
-Novalis schreiben wollte. Noch mehr ist dies der Fall, wenn sich eine
-solche Rede an eine kleine Gemeinde richtet, wie Wendelins Erklärung
-der Heiligenbilder.[647]
-
-Um den Krieg Karl Martells als Kreuzzug erscheinen zu lassen und
-den Enthusiasmus des frommen ritterlichen Kämpfers zum Ausdruck zu
-bringen, nimmt der Dichter eine Reihe stilistischer Mittel zuhilfe. Mit
-Wendungen, wie „heiliger Krieg“, „für Christum fechten“, „in Christ
-bestehen“ und verwandten Phrasen wird nicht gespart. Es wird immer
-an Stellen, wo man hin und wieder auch „die Feinde“, „die Unseren“
-erwarten möchte, consequent „die Heiden“, „die Saracenen“, „der
-Muselmann“, „die Ungetauften“ und auf der anderen Seite „die Christen“
-eingesetzt. Die Mohren rufen: „Mahom!“ „Allah!“ „Beim Allah!“ die
-Christen: „in Gottes Namen denn!“ „Herr Christ, magst mir im Streit
-beisteh’n!“ u. s. f.
-
-Gegen Ende der Dichtung sehnt sich alles nach der Ewigkeit und diese
-Sehnsucht spricht auch aus manchem eigenthümlichen Worte heraus.
-Genoveva blickt aus der Wüste aus „in das schöne Land“.[648] „Schon
-schlaf’ ich ein, schon zieht mein Geist von hinnen.“[649] „O lass
-sie zieh’n, denn das ist ihr Verlangen, nach Himmelslichte steht
-ihr frommer Sinn.“[650] „Sie geht voraus, wir kommen nach in unsers
-Vaters Haus.“[651] „Ach Gott, magst... uns auch ein feines, sel’ges
-Ende geben.“[652] „Siegfried hofft in Gottes Licht zu funkeln.“[653]
-Das Leben ist eine „Wallfahrt“ nach dem Himmel. In all diesen Worten
-der Himmelssehnsucht liegt wegen ihrer schlichten Einfachheit eine
-große Kraft und immer erwecken sie die Vorstellung vom Hinwegsehnen
-und Hinausblicken aus dieser Welt nach einem fernen, schönen, seligen
-Lande. Dies gibt den letzten Theilen der „Genoveva“ einen sanften,
-wehmüthig-frohen Anhauch, der sich recht glücklich mit der großen
-Stille und Einsamkeit zu poetischer Wirkung eint. Wie wir früher die
-Poesie des Fernen in die Naturstimmung hereinklingen hörten, so mengt
-sich hier mit anderen religiösen Empfindungen dieser echt romantische
-Sehnsuchtsklang, den wir noch in Eichendorffs „Ewig träumen von den
-Fernen“ deutlich vernehmen.
-
-Ein Lieblingswort Tiecks und der Romantiker ist das Wörtlein
-„wunderbar“[654] und daran reihen sich verschiedene Synonyma. Nicht
-bloß das eigentlich Wunderbare wird bei Tieck als solches bezeichnet,
-sondern „wunderbar“, „wundervoll“ u. s. w. begegnen uns auch dort
-gerne, wo es sich nur um etwas Außerordentliches im gewöhnlichen
-Sinne handelt. Wir hören von Golos „wunderbarer Tugend“. Zulmas Thun
-ist „wundervoll“, sie ist ein „wunderbares, unglückselig Weib“. Die
-Saracenenschlacht ist „wundervoll“ und „wundersam“. Genoveva ist für
-Golo ein „Wunder“, sie „weckt die hohen Wunder auf aus verborgenen
-Tiefen“. „Wunder über Wunder“ ruft auch Gertrud bei Genovevas
-Einkerkerung. Dann begegnen uns wieder „Wunderschein“, „wunderthätig“,
-„wunderlich“, „Zauber“, „Zauberschein“ neben häufigem „seltsam“,
-„seltsamlich“. Solche Wörtchen sind allerdings einzeln genommen
-fast gewichtlose Atome, in Masse aber die Sprache erfüllend, sind
-sie imstande, selbst jenen Theilen der Dichtung, die nicht gerade
-Sammelpunkte religiösen Empfindens sind, eine Art religiöser Färbung
-zu verleihen und in uns beständig das Gefühl des Außerordentlichen
-anklingen zu lassen. In einer Dichtung, die das Unglaubliche in
-Verbindung mit der nächsten, überzeugenden Gegenwart zeigt, muss auch
-das Irdische dem Wunderbaren etwas näher gerückt werden, damit sich für
-unsere Phantasie nicht eine zu unübersteigliche Kluft zwischen beiden
-Welten aufthut.
-
-Das Wunderbare entfaltet aber seine besonders blendende Leuchtkraft
-in den Wundern und Visionen, die der Dichter jedesfalls selbst als
-die Gipfelpunkte des Religiösen in der „Genoveva“ ansah. Beide werden
-fast immer in Erzählungsform vorgeführt. Genoveva erzählt jedesmal
-selbst ihre Vision in einer feierlichen Rede, die von Vergleichen und
-Bildern förmlich überströmt. Alles, was Bilder von Licht und Glanz, von
-Gesang und himmlischem Klang in unserer Phantasie erwecken kann, wird
-zuhilfe gerufen, um den Eindruck der übernatürlichen Herrlichkeit zu
-erwecken. Dasselbe gilt auch von den Wundern in der Wüste, soweit sie
-mit himmlischen Dingen in Verbindung stehen. Die epische Erzählung wird
-gelegentlich mit Lyrik durchwoben. Der Dichter lässt die Erzählerin
-das einemal direct sagen, wie ihr zumuthe war. „Da fühlt’ ich erst
-die Kraft der Religion...“[655] „Mir war, als schaut’ ich schon den
-höchsten Thron...“[656] Ein andermal wieder erzählt der Dichter selbst:
-„Das kam wie Blumen um sie her entsprossen...“[657] Die überirdischen
-Dinge, die hier der Dichter schildern soll, sind Vorstellungen, die
-jede deutliche Darstellung, alle scharfen Contouren ausschließen,
-und Tieck wie seine Genossen lieben das Unbestimmte, Verschwimmende,
-weil es die Stimmung des Unendlichen erweckt. Darum die unbestimmten
-Vergleiche und hypothetischen Wendungen. Das Unbestimmte wird denn auch
-manchmal direct betont. „Wie er gestaltet, kann ich niemand sagen, was
-ich gefühlt, kann keine Zunge sprechen.“[658] Hypothetisch heißt es:
-„Wie wenn das Morgenroth die Knospe wäre...“[659] „Mir war, als schaut’
-ich...“[660] „Ich war in Angst, ich möchte...“[661] In der Schilderung
-der letzten Vision fallen aber die unbestimmten syntaktischen Fügungen
-weg. Es soll auch durch die Sprechweise der Eindruck erzielt werden,
-dass Genoveva, in die himmlischen Mysterien bereits eingeweiht, sich
-schon sicherer in diesen erhabenen Sphären fühlt. In der Darstellung
-dieser hohen Dinge herrschen die langen Perioden vor. Der großartige
-Inhalt und die Stanze fordern eine breitausmalende, reich hinflutende
-Sprache.
-
-Für die mehr märchenhaften und rührenden als eigentlich hohen Wunder
-von der Hirschin und den zutraulichen Thierlein der Wildnis sucht
-der Dichter auch seiner Sprache einen mehr naiv herzlichen Ton zu
-geben. „Komm, fromme Hirschin, du mir zugesandt, du blickst mich an
-mit treuen, lieben Augen.“[662] Besonders müssen hier die Deminutiva
-mithelfen.[663] „Die Vöglein sich auf Hand und Häuptlein schwungen...“
-„Gieng’s Kindlein aus... so liefen auch die frommen Tierlein mit.“
-„Die Tierlein kommen schon... die Vögelein sind dort...“ Die kindliche
-Sprache, die von den „Händen“ der Thierlein, eine Sprache, wo der
-Sprecher von sich in der dritten Person redet, ahmen die Worte
-Schmerzenreichs nach:[664]
-
- „Wo Kräuter sind, da setzen sie die Hände,
- Dass Schmerzenreich sie desto bälder fände.“
-
-Das Unheimliche, Ungreifbare der düsteren Geistererscheinung
-fordert wieder andere sprachliche Mittel. Unbestimmte Ausdrücke und
-Vorstellungen, die aber alle auf Grauen und Schrecken, auf Unheimliches
-hinzielen, wirken hier zusammen.[665] Situation: „In einer Nacht...“
-Siegfried „dünkt es“, dass ein „Wesen“ (also ganz unbestimmt, welcher
-Art) in seine Kammer trete. Das Wesen aber hebt „die kalte Hand“, sein
-„todter Blick verkündigt Pein und Jammer“. Es wächst das Gespenst
-so halbdeutlich aus dem Dunkel heraus. Es wälzt sich ins Bett, beim
-Hilferuf verschlingen es die Wände, es ist ein „Geist“. Das „Gespenst“
-erscheint wieder, es verwirrt Siegfried „Sinn und Glauben“, es macht
-ihn kalt erschaudern, es starrt mit todten Blicken. Als sich Siegfried
-hilfbereit erklärt, erhebt es die weißen Finger und winkend fängt es an
-hinwegzuschleichen. All diese Merkmale und Handlungen des Gespenstes
-in den angeführten charakteristischen Wendungen wirken sehr gut zum
-einheitlichen Eindruck des Unheimlichen zusammen.
-
-Wunder und Visionen werden vom Dichter meist und zwar in bewusster
-Absicht episch dargestellt und dieser Umstand verdient auch Beachtung.
-Der Epiker hat nach Tiecks Ansicht dem Wunderbaren gegenüber eine
-leichtere Stellung als der Dramatiker. Denn in der Erzählung wird das
-Wunderbare nicht so lebhaft vor das kritische Auge geführt als auf
-der Bühne und der Leser sieht es nur durch das Auge des Dichters.
-Die wunderbare Hirschin, Tod und Engel treten aber nichtsdestoweniger
-in der „Genoveva“ auf die Bühne. Um für ein solches Wunder Glauben zu
-erlangen, gilt es, dasselbe gehörig vorzubereiten, damit wir es als
-glaublich hinnehmen. Das thut Tieck auch. Wir leben bei ihm in einer
-wunderbaren Welt von Anfang an. Als dichterischer Traum ist das Ganze
-gedacht. Eine verwirrende Mannigfaltigkeit lässt den Geist nie so lange
-auf einer Erscheinung haften, dass diese allzu reale Existenz gewänne.
-Das katholische Mittelalter und das Gebiet der Legende ist für Tieck
-ein wunderbarer Boden, auf dem nichts Unglaubliches und Wunderbares
-überraschen kann. Der religiöse Ton der Sprache hält uns ziemlich das
-ganze Stück hindurch in der religiösen Sphäre fest. Die „wunderbare“
-Schlacht, der „Unbekannte“, die Erzählung der ersten Vision, Astrologie
-und Hexenkunst, die Rettung aus Mörderhand gehen voraus. Dann folgt
-das geringere Wunder mit der Hirschin, darauf die Erzählung der großen
-Wunder in der Wüste, und nun ist „der richtende Verstand soweit
-eingeschläfert“ und die Phantasie an das Wunderbare gewöhnt, dass
-selbst eine leibhaftige Engelserscheinung die künstlerische Illusion
-nicht mehr zerstören kann. Zu diesen Erwägungen gelangt man zwanglos,
-wenn man Tiecks Gedanken über das Wunderbare bei Shakespeare sich in
-Erinnerung ruft.[666]
-
-An einzelnen Stellen tritt in der Genoveva eine mystische
-Naturphilosophie auf, die sich mit Jakob Böhmes theosophischen
-Phantasien gerne vermengt. Wie dabei auch sprachlich ein Gemisch
-aus Altem und Modernem entsteht, zeigte uns die Betrachtung des
-Jakob Böhme’schen Einflusses auf die „Genoveva“. Auch der einzelnen
-pantheistischen Wendungen wurde schon gedacht.
-
-In die fromme Legende spricht zuweilen das Schicksal oder die
-unheimliche Natur ein düsteres Wort hinein. „Das Schicksal hat es so
-gefügt“, „die Fäden des Schicksals verlaufen“, ein geheimnisvolles
-„muß“ oder die unbestimmte Wendung „uns selber nicht gehört das
-ird’sche Leben“ sagen, dass ein unerklärtes und nur dem ahnenden und
-schauernden Gemüthe fühlbares Etwas den Menschen treibt und lenkt. Das
-Schicksal ist eine „wilde Macht, vom Himmel heruntersiegend“. „Oben das
-böse Verhängnis lacht.“
-
- „Himmel und Erd’ in ihrer Gewalt uns hegen,
- Die Sternenkreis’ um uns Gewinde legen,
- Allseitig in Ketten der hohen Natur geschlagen,
- Welche Kraft will sich durch all’ diese Netze wagen.“[667]
-
-Ähnlich sagt Golo von seiner Leidenschaft: „Hält mich ein Zauber
-doch in ehernen Netzen...“ Das ist die Sprache des Tieck’schen
-Naturfatalismus. Jedes Wort und jede Wendung soll ein Ausdruck des
-unheimlichen und unfassbaren Bangens und Schauerns vor dem eisernen
-Schicksalszwange sein und diese fatalistische Stimmung auch dem Leser
-mittheilen.
-
- * *
- *
-
-Mit der Vorliebe Tiecks für das Poetische an den „alten Urkunden“
-deutscher Poesie wuchs in ihm zugleich die Vorliebe für den
-archaistischen Stil.[668] Die Vorliebe führte zur Nachahmung und so
-tragen besonders jene Schriften, die in den Jahren der Freundschaft
-mit Wackenroder oder aus den Anregungen dieser Jahre entstanden, das
-alterthümliche Stilkleid in wenig verändertem Zuschnitte an sich.[669]
-A.W. Schlegel[670] betrachtet es 1801 als ein gutes Zeichen an der
-romantischen Dichtergeneration, dass sie auf die ältere, poetischere
-Sprache zurückgreift. Er meint, die Dichter seien berechtigt, nicht
-nur bis ins 17. Jahrhundert, „sondern bis zu den ältesten Denkmälern
-unserer Sprache zurückzukehren, um das brauchbare Veraltete, das noch
-verständlich sein kann, zu erneuern; wobei es sich zeigen wird, dass
-wir reicher an einheimischen Schätzen sind, als wir wissen“.[671] Nur
-ist es heute nicht mehr ganz leicht, den archaisierenden Charakter
-der romantischen Werke richtig abzuschätzen und auf die Bestrebungen
-dieser Dichter einzugehen; es liegt die Sache hier ähnlich, wie beim
-Costüm. Der Leser, der an Freytag und Scheffel sich seine Vorstellungen
-vom archaisierenden Stile bildete, bringt andere Forderungen und
-Vorstellungen mit, als der Leser, der vor hundert Jahren von den
-Werken der Classicisten kam. Wielands „Geron“ und Goethes „Faust“ waren
-nur vereinzelte Erscheinungen mit ähnlicher archaisierender Sprache.
-Vollends fremdartig erscheint uns, was Tieck selbst in der Zeit seiner
-alterthümelnden Schwärmerei eigentlich alles als Archaismus und somit
-als sprachlichen Vorzug einer Dichtung gelten ließ. Dies seine eigene
-Erklärung:[672] „... das Zufällige, Entstellte, die Abkürzungen, die
-oft die Sache dunkel und unverständlich machen, die Ungeschicklichkeit
-der Abschreiber und Umarbeiter, ja Schreib- und Druckfehler können
-am Ende, wenn die Vorliebe schon bis zum Phantastischen gesteigert
-ist, diesen Dingen (Volksbüchern) einen Wert geben, der natürlich
-bei abgekühlter Überlegung wieder verschwindet“. Diese seltsame
-Vernarrtheit in alles, was mit den alten „Schartecken“ zusammenhieng,
-lässt vielleicht manches in Tiecks eigener alterthümelnder
-Sprachweise als absichtlich und gewollt erscheinen, was man gerne im
-ersten Augenblicke als Druckfehler und Schleuderhaftigkeit ansehen
-möchte.[673] Denn nach seiner angeführten Erklärung kann eigentlich
-alles, was den Regeln der gewöhnlichen Schriftsprache laut oder
-leise Hohn spricht, als Archaismus sein Dasein rechtfertigen. Zu so
-argen Consequenzen kam er übrigens in seiner dichterischen Praxis
-glücklicherweise nicht. Aber manches wird nur vom Gesichtspunkte jener
-Äußerungen aus verständlich.
-
-Nicht alle in der „Genoveva“ eingestreuten Archaismen wirken
-gleich mächtig auf die Phantasie des Lesers. Am sichersten und
-kräftigsten wird diese von jenen Worten und Wendungen in die alte
-Zeit zurückgelenkt, die wirkliche Thatbestände einer vergangenen
-Culturperiode ausdrücken. Wenn Siegfried „seinem Lehensherrn“ Karl
-Martell als „wackrer Grafe“ dient, wenn er den „Knaben“ Golo zum „Vogt“
-seines Schlosses bestellt, wenn von „Freien und Vasallen“ die Rede
-ist, wenn Golo mit der „Armbrust“ auf der Jagd erscheint, so haben
-wir Worte vor uns, von denen jedes uns direct ins Mittelalter, oder
-wenigstens in eine ältere Zeitperiode (die Romantiker rechnen auch
-das 16. Jahrhundert noch zum Mittelalter) hineinführt. Mit dem bloßen
-Worte wird ein Complex von Vorstellungen älterer Culturzustände und
-Thatsachen vor unserer Phantasie sichtbar. Auch der „Sternengucker“ und
-die Hexe mit ihrem mystischen Welsch aus Jakob Böhme vom „Figurieren“
-und „Korporieren“ etc. versetzen uns in eine ältere Zeit zurück.
-
-Solche Archaismen ersten Ranges, wie sie wohl heißen könnten, sind
-in der „Genoveva“ nicht sehr häufig. Umso zahlreicher begegnen uns
-archaistische Worte, Wortformen, Wendungen und syntaktische Fügungen,
-die, über die Diction reichlich hingestreut, mehr äußerlich das
-alterthümliche Colorit verstärken helfen. Auch hier kommt nicht die
-Herkunft der Worte aus einer bestimmten älteren Periode, sondern
-aus einer älteren Zeit überhaupt in Betracht. Das ehrende Epitheton
-trefflicher Leute ist „wacker“. Wir lesen weiters „empfahen“, „Mauren“,
-„doppel“, „gläuben“, „fleug“, „zeucht“, „verbeut“, „beut“, „geneust“,
-„dann“ und „wann“ für „denn“ und „wenn“, „anjetzt“, „hernacher“,
-„heraußer“, „annoch“, „zumal“, „alleweil“, „allhie“, „allhier“, „letzt“
-= jüngst, „was“ als Conjunction für „wie“, „mit erstem“ = bei nächster
-Gelegenheit, „weil“ = während, „inskünftige“, „Urtel“, „Trutz“,
-„Schalk“ in der alten Bedeutung, „dick“ = dicht, „fein“ (ein „feines
-sel’ges Ende“), „frei“ als hervorhebendes Adverb, „spat“. -- Es finden
-sich vollere Formen aus der älteren Zeit. Die Anredeform „Lieben“,
-„lieben Brüder“, „lieben Freunde“. Dann „Grafe“, „Glücke“, „Herre“,
-„Gotte“, „Herze“, „Hofemeister“, „Siegefried“, „zurücke“, „drinne“,
-„leichte“, „edele“ etc. Nach Analogie dieser volleren Formen scheinen
-„deine“ = dein und „im Maie“ gebildet zu sein. Alterthümlich gemeint
-sind auch verkürzte Formen, wie „(ge)kommen“, häufiges „all“ = alles,
-„mal“ = einmal, „Wohlgefall“, „Kriegsmann(en)“, „schlug“ = erschlug,
-„ließest“ = verließest, „schüchtern“ = einschüchtern, „barmte“, „bost“,
-„rückkehren“, „mein(e) Genoveva“, „vorteilen“ = übervortheilen,
-„(er)kennen“, „(be)gründen“, „schweigen“ = schweigen machen, „du willt“
-= du willst, Präteritalformen, wie „schwungen“, „sungen“, „erklungen“,
-„gepreist“, „rennte“, „sie hätte mir bekennt“.
-
-Tieck verwendet Ausdrücke, die der gewöhnlichen neueren poetischen
-Sprache fremd sind. „Den Tod den Sündern geben“ = von der Hand der
-Sünder sterben, „er wäre besser (tauglicher), bei der Meß’ zu dienen“,
-„kann ich in’s Lager ein Gespötte bringen?“ „die Zunge rollt im Kopfe“,
-„als Bote stehen“ = das Botenamt versehen, „ein wachsam Auge führen“,
-„Rede geben“, „verkehren“ = moralisch schlecht machen, „die Töne
-thaten zu mir“, „die Erde muss geöffnet sein“ (werden), „damit es ein
-frommes Christenkind erfunden wäre“ (würde). -- Bei zusammengesetzten
-Ausdrücken fällt mitunter ein Bestandtheil weg. „Es geht (mit) uns
-schief“, „ich halte Euch (für) krank“, „denk (an) des Geduld, der
-dorten hängt am Kreuz“, „schon (ist es) Glück genug“, „(es) mag wohl
-(sein)“. Auch allerhand syntaktische Kühnheiten und Unebenheiten müssen
-nach Tiecks Auffassung zum Archaistischen gerechnet werden. Es wird
-z. B. der Satz ohne vorausgehendem Comparativ mit „als“ fortgesetzt.
-„Betet... kreuzigt die Brust, als dass Ihr so die heil’ge Kirchenstille
-stört“, „es ist Pflicht, man lässt sie nicht allein“, dass die Berge
-„von dem Hall geschlagener Waffen, Schilderklang ertönen“, „er sei
-der Dein’ im Tode oder Leben“, „(es) schwung sich (etwas) über meinem
-Haupte, wie ein Singen“, „wie (sie) Leib und Blut an Christi Tisch
-genossen, so mussten sie zum Dank ihm beides bringen“, „Ihr glaubt
-doch nun, was Ihr geseh’n, ihn Sünde mit der gnädigen Frau begehen“,
-„zu spät umzukehren (= da es zu spät ist, dass ich umkehre), muss der
-Frevel ewig währen“, „(ich) fürcht’ mich“, „es ist in wilder Wüst’ all’
-ihre Lust, und (sie) fürchtet...“. Die Zaubersprüche der Hexe, welche
-den Zweck haben, Siegfrieds Sinn zu verwirren, sind darum auch selbst
-syntaktisch verworren. Auch die Stanzen des heil. Bonifacius sind im
-Satzgefüge oft recht bequem gehalten. Z. B. „ihr war, als muß (müßte)“,
-„sie vernimmt im leisen Chore singen...“, „Das Bild streckt seinen
-Arm in während Klingen“. Zu den Eigenthümlichkeiten aus älterer Zeit
-gehört noch der Gebrauch des adversativen „und“. „Hoffend, und ich ward
-verstoßen“, „Eine Schlacht! Und bedenkt Ihr denn nicht...“, „Unschuldig
-ach! Und keiner steht mir bei“. Wir finden die Construction mit „thun“.
-„Sense thut schon blinken“, „Kein Gedanke mich hier erreichen thut“.
-Das Perfectum statt des Präteritums: „hat sie dann gesprochen“, „und
-wenn’s vor Kälte zittern dann gemußt“. In manchen Fügungen hört sich
-auch die Nachstellung des Attributes ein wenig alterthümlich an. „Es
-schändet Dich als einen Christen rein, verbunden mit dem Mohrenweibe
-sein“, „ein Ritter bieder“, „o Crucifix, o Jesu Christe bieder“,
-„dieser Knabe fein“.
-
-Entschieden archaisierend ist wiederum der Gebrauch lateinischer
-oder lateinisch flectierter Worte oder halblateinischer Wortformen.
-„Italia“, „Hispania“, „Carol“, „Carol Magnus“, „Karl Martellus“,
-„geistlich Regiment“, „Glorie“, „glorreich“, „vom St. Laurentio und
-Sebastian“, „Abatissin“, „Genovevam“, „Gebete rezitieren“, „das
-Paternoster nehmen“, „Ora pro nobis sancta Genoveva“. Tieck unterlässt
-es auch nicht, jenen auftretenden Personen, die er unabhängig vom
-Volksbuche einführt, gut altdeutsch klingende Namen zu geben, wie Kunz,
-Wolf, Otho, Günther, Gertrud, Else, Grimoald, Winfreda.
-
-„Ich bin der wackre Bonifacius“, „... seid aufmerksam und laßt Euch
-gern in alte deutsche Zeit zurückeführen“, „vernehmet die denkwürdige
-Geschicht’ von uns’rer Genoveva heil’gem Leben...“, der belehrende
-Zuruf an die Leser „o laßt uns alle diesen Wandel führen, daß wir
-die Tugendkron’ erlangen...“, diese Anreden und Ermahnungen an das
-Publicum, die altfränkische, naive Art, wie sich der heil. Bonifacius
-einführt, werden mit Bewusstsein von Tieck angewendet, um den rührenden
-Ton des alten Volksbüchleins nachzuahmen; denn gerade dieser hatte
-ihn auch besonders entzückt. In dieser Zeit hält Tieck technische
-Unbehilflichkeit noch für liebenswürdig.[674] Auf altväterische
-Herzlichkeit zielen jedesfalls auch die Verbindungen der Adjectiva mit
-einem „wohl“, „hoch“, „recht“, „aller“ u. dgl. ab. „Liebwerthestes
-Gemahl“, „dreimal edler Jüngling“, „vor dem allerteuersten
-Marienbilde“, „recht dunkelrotes Blut“, „allerliebster Golo“,
-„wohledele Frau Gräfin“, „das allerschönste Glück“, „das allerliebste
-Wohlgefallen“, „ein einzig armes Mal“, „allerreinste Tugend“. Eine alte
-Färbung der Sprache unterstützen die Adjectivbildungen auf „-lich“
-und besonders die auf „-iglich“. „Bedächtiglich“, „bescheidentlich“,
-„böslich“, „festiglich“, „fröhlichlich“, „leichtiglich“, „wonniglich“,
-„sänftlich“, „sündlich“, „seltsamlich“. Erwähnt sei noch die doppelte
-Negation. „Auch ziemt sich Stolz für keinen Christen nicht“, „nie keine
-Unthat“, „nimmer keine Lust“...
-
-Manche von diesen Proben ließen sich vermehren, ohne jedoch dadurch
-etwas Neues dem bisherigen Materiale beizufügen, das uns bereits
-einen Einblick in Art und Weise gewährt, wie Tieck seine „Genoveva“
-mit einer künstlichen, archaistischen Patina überzieht. Künstliche
-„Schreib- und Druckfehler“ zu machen unterlässt er zwar, aber eine
-gewisse Nachlässigkeit in der Schreibweise, ein absichtliches Abweichen
-vom Correcten, also eine Tendenz nach jener Schreibart hin, die er
-an den alten Volksbüchern abgöttisch bewunderte, lässt sich nicht
-verkennen. Der Reiz des Alterthümlichen und Seltsamen steht dem
-Romantiker höher als die frostige Correctheit, die man gerne den
-Rationalisten überlässt. Diese mochten sich aufs neue ärgern, wie sie
-sich einst über den Stil des „Götz“ geärgert hatten.[675] Wie bei der
-Behandlung des Costüms geht der Dichter auch hier nicht mit ängstlicher
-Consequenz zuwerke, er holt sich seine Archaismen nicht gerade aus
-einer bestimmten älteren Periode unserer Sprache her. Er wechselt
-manchmal zwischen altem und neuerem Ausdruck ohne ersichtlichen
-Grund und schreibt einmal „Thurn“, das anderemal „Thurm“, einmal
-„Grafe“, ein andermal „Graf“; er flectiert die Eigennamen „Christus“,
-„Genoveva“ bald deutsch, bald lateinisch. Rhythmus und Reim sprechen
-selbstverständlich in vielen Fällen ein Wörtlein mit, wie sich leicht
-beobachten lässt. So entscheidet der Rhythmus, ob „Herr“ oder „Herre“,
-„Siegfried“ oder „Siegefried“, „Hofmeister“ oder „Hofemeister“,
-„Karl“ oder „Karol“ gesetzt wird. Daher schreibt sich wohl zumeist
-diese durchgehende Abwechslung in den Formen. Dass Tieck sich auch
-in der Sprache keinen Zwang in consequenter Anwendung der Archaismen
-auferlegt, kommt dem Gesammteindrucke nur zugute. Allzu große
-Ängstlichkeit hierin würde das Alterthümliche nur gezwungener, steifer
-und verkünstelter erscheinen lassen, als diese leicht aufgetragene
-Färbung.
-
-Trotz der schweren Menge von Archaismen lässt sich andererseits bei
-einer so ausgedehnten Dichtung, wie es die „Genoveva“ ist, eigentlich
-nicht von einem Überflusse sprechen und Solgers Urtheil,[676] es
-sei in diesem Punkte „mehr als räthlich“ geschehen, ist nicht
-recht verständlich. Wahrscheinlich meint Solger, der jenen extrem
-romantischen Grundsatz, nach welchem selbst sprachliche Unebenheiten zu
-archaistischen Schönheiten werden, kaum je anerkannte, dass Tieck seine
-alterthümliche Sprachfärbung zu oft auf Kosten des neuhochdeutschen
-Sprachgefühles anstrebte und so kann man das „mehr als räthlich“ in der
-That auch heute unterschreiben.
-
- * *
- *
-
-In der sprachlichen Darstellung des Naturgefühles, das in der
-„Genoveva“ eine so bedeutende Rolle spielt, zeigt Tieck wieder recht
-seine Fähigkeit als Stimmungspoet. Die stilistische Behandlung ist
-hier nicht immer ganz gleichwertig. Dem Romantiker ist es beim
-Landschaftsbilde weniger um einen bestimmten Inhalt, als um die Seele,
-um den Stimmungshauch, der über der Naturscenerie schwebt, zu thun,
-wie uns die Kunstgespräche im „Sternbald“ belehren. Das hier von
-gemalten Landschaften Gesagte gilt natürlich auch vom dichterischen
-Landschaftsbild und Novalis kann sich wie Tieck Gedichte denken, „die
-bloß wohlklingend und voll schöner Worte sind, ohne allen Sinn und
-Zusammenhang, höchstens einzelne Strophen verständlich, wie Bruchstücke
-aus den verschiedenartigsten Dingen“. Tiecks Naturstimmungsbilder
-zeigen nicht selten dieses Zusammenhanglose und Verschwimmende. Davon
-schreibt sich ihre eigenthümliche Stilisierung her. Bezeichnend ist
-das Lied des Schäfers „Himmelblau, hellbegrünte Frühlingsau...“, das
-nur als musikalische Phantasie gedacht ist und im „Sternbald“ die
-Überschrift „Schalmeyklang“ trägt. In Golos Frühlingsschilderung[677]
-werden junges Laub, blühende Bäume, Vögel, Blumen, silberne Bächlein
-ohne rechten organischen Zusammenhang nebeneinander gestellt. Wir
-bekommen kein deutliches landschaftliches Bild. Der Leser hat die
-ersten Züge vergessen, wenn er bei den letzten anlangt. Strahlen,
-Farben und Töne im Verein mit Worten seelischen Inhaltes wirken
-zusammen, um eine allgemeine Frühlingsstimmung im Gemüthe des Lesers
-wachzurufen. Ein landschaftliches Bild bekommen wir nur einmal in der
-„Genoveva“ zu sehen und auch dieses ist ein dämmeriges Nachtbild.[678]
-Scenerie: Waldgebirge, Nacht, Mondschein. Mit Golo schauen wir von
-der Bergspitze in die Tiefe und hören zuerst den Waldstrom, erkennen
-dann die Wipfel im Mondlicht, darunter im Scheine „flimmende“ Fichten.
-Um uns Gebirge mit gespaltenen Klippen, Wälder, die sich rauschend
-neigen. Wieder ein Blick abwärts: schweigende Thäler, aufsteigende
-Nebelwolken. Ein Blick aufwärts: die Sterne und schwimmende Wolken und
-in diesem Raume, den das Auge durchmessen, hochaufgerichtet die Nacht.
-Es ist das Bild einer Gegend, aber es ist ein ruhendes Gemälde, ein
-Nebeneinander. Leben gewinnt es dadurch, dass wir einmal mit Golo den
-Blick über die Theile der Scenerie schweifen lassen und diese selbst
-verräth ein gewisses Leben durch das Brausen, Schäumen, Flimmen,
-Rauschend-Neigen, Nebelwolkensteigen und das Geh’n der schwimmenden
-Wolken. Sonst muss der Leser in den meisten Fällen die Naturscenerie
-sich aus den Scenenüberschriften zurechtlegen. Der Dichter sagt nur
-„Garten, Mondschein“, „Garten“, „die Wüste“. Die auftretenden Menschen
-sagen, was sie in dieser Umgebung empfinden und ihre Empfindung theilt
-sich dem Leser mit. Die Empfindung löst sich dabei mit Vorliebe in
-Ton und Schimmer auf, die ineinander strömen und sich durchdringen.
-Das classische Beispiel dafür ist die Balkonscene.[679] Da lässt die
-„Sirene“ Nachtigall ihre Lieder schallen, die süßen Klänge dringen in
-Golos Herz, der Klang lockt ihn zum Verderben hin. Dabei sind goldener
-Mondschein und flimmernde Sterne der Contrast zu seiner dunkeln
-Leidenschaft. Wenn diese höher auflodert, dann beglänzt sie auch die
-Natur unheimlicher, dann „saugt der Mondschein“ am Herzen, die Sterne
-„zielen mit Liebespfeilen“. Dazwischen wieder der freundliche Contrast:
-das „Spielen“ der Abendwinde, der „murmelnde Gang“ der Bäche. Glanz
-und sanfte Töne durchziehen die lyrische Scene und daraufhin sind die
-Ausdrücke gewählt. Die Quellen „leiser, lieblicher fließen“, „kleine,
-stille Blumen sprießen“, „Winde bringen Kunde“, „Bäume sumsen Lieder“,
-„Alles singt“,
-
- „In dem Herzen klingen Töne,
- Die sich mit der Nacht verwirren,
- Rieselnd durcheinander irren,
- All’ in Harmonie und Schöne.“
-
-Schöne, wohlklingende Worte, die rasch vorüberschwebende
-Phantasiebilder erwecken, helfen zusammen, das träumerische
-Stimmenspiel der Sommernacht zu malen. Die unbestimmten, klangreichen
-Worte haben eine „indirecte Wirkung wie die Musik“. (Novalis.) In
-Golos Anrede an Genoveva: „Ihr schreitet her und weckt...“[680] ist
-die Stimmung der geheimen Magie, mit der die Geliebte die ganze Natur
-beherrscht, auch in der Sprache glücklich festgehalten. Unheimlich
-gespensterhaft wird das Nachtbild vor der Hexenscene gemalt.[681]
-Es „weht die Nacht herauf mit schwarzem Flügel“, die Wolken „zieh’n
-und flieh’n“, Geister kommen und geh’n „auf der schwarzen Leiter der
-Nacht...“. Ähnliche Worte unheimlichen Grauens findet Wolf für die
-unheilkündenden Himmelszeichen. Während Genoveva nur die sanften Laute
-der Natur vernimmt, ist es der leidenschaftliche Golo, der wenigstens
-manchmal auch einen Blick auf die große, wildromantische Natur wirft
-und dafür das entsprechende Wort findet: „Hinaus! dem Winde sei ein
-Spiel, den Regenwolken, dem Blitz ein Ziel.“ „Der ferne Strom erklingt
-in seiner Macht.“ „So sollte unter uns die Welt verschwinden... es
-sollte alles mir gelingen, indess Naturen unter uns vergiengen.“ „Der
-Waldstrom braust und schäumt...“ Im ganzen überwiegen aber in der
-Dichtung die sanften Naturklänge und das freundliche Schimmern von Mond
-und Sternen.
-
-Das nämliche stilistische Mittel, mit dem der Dichter den Leser
-beständig in der alten Zeit wie in der religiösen Sphäre festzuhalten
-sucht, wendet er an, um im zweiten Theile neben der religiösen und
-alterthümlichen Stimmung in uns auch das Gefühl der Waldeinsamkeit rege
-zu erhalten. Immer neue Wendungen lassen den Leser nicht vergessen,
-dass er im tiefen Walde ist. „Wie schauerlich und einsam ist der
-Platz.“ „Auch wüßt’ ich nicht den Weg zu finden aus diesen verworrenen
-wüsten Felsen.“ „Die Wüstenei.“ „Hier tief im Berge.“ „Hinter jenem
-Walde, der ganz weitab im Scheine glänzt daher.“ „Daß wir allhier, der
-Einsamkeit ergeben...“ u. s. w.
-
-Die Beispiele für die Gleichnisse, Metaphern, Composita, die Glanz
-und Licht und Blumen bevorzugen, wurden bereits bei Besprechung des
-Naturgefühles zusammengestellt.
-
-Das Eigenthümliche in Tiecks Art, das Naturgefühl auszudrücken, ist,
-dass der Dichter nie auf die Zeichnung deutlicher, scharf und rein
-gesehener Umrisse ausgeht. Schon das Beseelte und Bewegte in seinen
-Naturbildern hindert einen scharfen Contour. Aber auch kein organisch
-in zusammenhängender Folge sich entwickelnder Naturvorgang wird
-vorgeführt, wobei der Leser activ mitschaffend theilnehmen könnte,
-sondern Tieck geht auf Stimmungen, höchstens auf ein malerisches
-Stimmungsbild aus. Eine Vorstellung wird in der Phantasie angeregt;
-bevor sie einen festen Umriss gewinnt, drängt schon eine zweite
-verwandte oder wenigstens aus derselben Sphäre entnommene nach, die
-aber nicht die vorausgehende deutlich fortsetzt und abrundet, sondern
-verändert und theilweise verwischt. Die Bilder und Vorstellungen,
-aus denen sich ein Landschaftsbild zusammensetzen könnte, werden in
-bunter Verwirrung durcheinander geworfen. Bei einem solchen Kommen
-und Gehen und leisen Durcheinanderfließen der Phantasiebilder,
-unterstützt durch den sinnlichen Klang von Wort und Reim, bildet sich
-jener unbestimmte, zart-schwebende Ton im Gemüthe, den wir Stimmung
-nennen. Der Leser ist nie gezwungen zum energischen Nachbilden der
-dichterischen Anschauungen, er wird auch nicht in ein bestimmtes Gefühl
-hineingezogen, sondern er gibt sich rein passiv wie bei der Musik dem
-wohligen Spiele der vorüberschwebenden Bilder und Klänge, die nur von
-unklaren Vorstellungen begleitet sind, hin. Diese leicht über Dinge
-hinschwebende Sprache, die der Seele des Lesers nur einen flüchtigen
-Stimmungshauch suggeriert, gefiel den Romantikern außerordentlich.
-Es war ihnen die richtige Sprache der rein künstlerischen Stimmung.
-A.W. Schlegel schreibt z. B. über die Lieder in der „Magelone“, die
-verwandten Charakter zeigen: „Die Sprache hat sich alles Körperlichen
-begeben und löst sich in einen geistigen Hauch auf. Die Worte scheinen
-kaum ausgesprochen zu werden, so dass es fast noch zarter wie Gesang
-lautet.“ Novalis nennt die bestimmten Gedanken und Empfindungen
-die Consonanten, die unbestimmten Stimmungen die Vocale und Töne
-im Seelenleben. Diesen Anschauungen entspricht die romantische
-Stilisierungsart.
-
- * *
- *
-
-Unsere bisher geführte Untersuchung wollte einige Eigenthümlichkeiten
-in Tiecks Stilistik feststellen, die sich ziemlich gleichmäßig
-über die ganze Dichtung hin verfolgen lassen. Es erübrigt noch,
-einige Beobachtungen zu versuchen, die sich mehr auf einzelne
-Bestandtheile des bunten, vielgestaltigen Werkes richten. Einzelne
-von den längeren lyrischen Monologen verdienen unsere Aufmerksamkeit.
-Der ausgedehnteste darunter ist jene Einleitung zu Golos letztem
-Liebesantrag. Situation: Garten. Hereinbrechender Sommerabend. Golo
-schaut in sein Inneres hinein, das im allgemeinen Aufruhr begriffen
-ist. Aus dem Gewirre drängt sich der Gedanke an die nahende Geliebte
-hervor. Mit dem Gedanken verbindet sich der Wunsch, sie zu umarmen.
-Dem Wunsche folgt das Phantasiebild von der Erfüllung des Wunsches.
-Aber der Träumer merkt, dass es nur Phantasie ist und bittet die
-Sterne um Verwirklichung des erträumten Glückes. Recitativisch, in
-freien Rhythmen, voll rhetorischer Figuren stürmen diese Wünsche
-dahin. Feine und allmähliche Übergänge fehlen. -- In ein erhabeneres
-Bild eingekleidet, das Sinnliche weniger offen hervorkehrend, in
-feierlichen Stanzen gewinnt der nämliche innere Vorgang folgende
-Gestalt: Die ganze Natur erwartet Genoveva; die ganze Natur mag
-unter Golo in Trümmer stürzen, wenn er nur die Geliebte in den Armen
-halten könnte. -- Anknüpfend an Genovevas Kleid, an ihren Gang und
-Tanz schwelgt hierauf wieder Golo in wilderen, sinnlichen Phantasien
-und wieder freirhythmisch wie das erstemal. -- Nach diesem Aufwallen
-ebbt die Gefühlswelle wieder in eine ruhige Bahn zurück. In einem
-weichen, wehmüthigen Anruf an die Sehnsucht verlangt Golo, wenigstens
-in seinem letzten Augenblicke von einem Wahnbilde Genovevas beglückt
-zu werden. Diese ernste, wehmüthige Bitte an die Sehnsucht erscheint
-wieder in Stanzenform. Im „Getreuen Eckart“[682] sagt der Dichter
-einmal: „Eckart schaute seinen inneren Gedanken zu.“ Das nämliche
-thut hier Golo monologisch. Er schaut zu und schildert zugleich, wie
-in seinem Gemüthe die Leidenschaft bald wild aufschäumt, bald ruhiger
-und gemessener hinströmt, und danach wechselt die stilistische und
-metrische Einkleidung. Ein ähnliches Variieren lässt sich beobachten in
-Golos Monolog: „Ihr hohen Bäume, heilge, dunkle Gänge“,[683] deutlich
-in Karls Betrachtungen über den Ehrgeiz,[684] nicht mehr so deutlich in
-Zulmas Monolog vor dem Zelte ihres Geliebten.[685] Diese Gefühlsergüsse
-erscheinen wie romantische Poesien im kleineren Maßstabe, wie
-„einfache, poetische Systeme“. Eine Gesammtstimmung beherrscht das
-Ganze. Innerhalb dieser Atmosphäre wogt es bunt und mannigfaltig
-durcheinander. Wie es Novalis von den Theilen des Romanes verlangt,
-wird auch hier das lyrische Stück „ein eigenes Ganzes“. Ähnliches lässt
-sich an den lyrischen Theilen des „Zerbino“ und „Octavian“ beobachten.
-
-Eine sonderbare Art, die gegenwärtige Gemüthsverfassung auszudrücken,
-ist es, wenn Tiecks Personen dieselbe mit vergangenen Gemüthszuständen
-vergleichen. Hieher gehört Golos Monolog: „Was willst Du hier?“[686]
-Genovevas Sonett in der Balkonscene[687] und Golos Lieder: „Da irr’
-ich unter Steinen“[688] und „Sieh’ Laute, sieh’, so reiß ich dich in
-Splitter“.[689] Ebenso die lange Rede Golos im Dialog mit Gertrud: „Nur
-einmal ihren Busen an den Mund“[690] und die Klagen und Mahnreden des
-sterbenden Wolf.[691] Durch solch künstelndes Parallelisieren, durch
-das spielende Schweben über der Empfindung wird der kräftige Eindruck
-des unmittelbar Gegenwärtigen verhindert, das Ganze verflüchtigt. Eine
-einfachere, aus dem Gemüthe kommende Sprache führt das Lied „Dicht von
-Felsen eingeschlossen“, „Deine Worte sind im Dunkeln“ und die klagende
-Genoveva in der Wüste.
-
-Auch im religiösen Empfinden vermisste Solger das „unmittelbar
-Gegenwärtige“ und er dachte dabei gewiss an jene Stellen, wo Genoveva
-sagt, dass sie „nicht so Andacht“ als „die Liebe zu den alten Zeiten“
-am Legendenbuche erfreue. Die Menschen in der „Genoveva“ sehen auf die
-Vergangenheit mit gleicher Ehrfurcht zurück, wie die Romantiker, und
-aus dem Gefühle der Ehrfurcht und Hochschätzung der frommen Vorzeit
-heraus spricht man von „frühern Zeiten“, „alten Zeiten“, „fabelhaften
-Zeiten“, „der alten, deutschen Zeit“, „den vor’gen Helden“, „dem
-alten Liede“, „den alten Liebesreimen“. Wolf ist ein „Abbild der
-verfloss’nen, treuen Zeit“. Es ist die Rede von „alt verlaufenen
-Geschichten“, von „Fabel und Gedicht aus ferner Zeit“, „von alten
-Mären“ wie in den Schriften Wackenroders oder im „Sternbald“. Im
-„Octavian“ spricht man dann von „alten, edlen Liedern“ und Florens
-setzt sich wie Don Quixote durch das Lesen von Ritterbüchern und
-Liedern allerhand Hirngespinste in den Kopf. Tieck hat seine Freude am
-Alten und seine Sehnsucht danach „zu körperlich und zu buchstäblich“
-in seine Dichtungen hineingebracht und dies empfand Solger als
-„manieriert“.
-
-Neben den Ausblicken in die ferne Vorzeit finden wir auch die
-Perspectiven in räumliche Fernen und für diese Ausblicke findet Tieck
-seine eigenen ahnungsreichen Worte. „Wo bist du Glück in Himmelsbahnen,
-wo schwingst du in Räumen die hochrothen Fahnen?“ „Der Wald, der ganz
-weitab im Scheine glänzt daher“, „jene Weiten“, „dort hinterm fernsten
-Walde liegt ein Schloß“. „Jenseit des Himmelsblau.“ Erinnern wir uns
-jener Ausblicke in die ferne Zukunft („Weit hinab schaut des Propheten
-Blick“) und in die Ewigkeit, so haben wir eine Reihe von Worten und
-Wendungen beisammen, aus denen der Eindruck des Ahnungsvollen, in der
-Ferne Verschwimmenden, des Unendlichen resultiert. In der Entfernung
-wird alles Poesie. Wendungen und Worte, die den inneren Sinn in Zeit-
-und Raumfernen lenken, lassen die Ahnung des Unendlichen anklingen, sie
-leihen „der Aussicht eine Seele“.[692] „Die Bilder der Romantik sollten
-mehr erwecken als bezeichnen“, sagt Heine.
-
-In der Freundschaft mit Wackenroder lernte Tieck den Wert positiven,
-innigen Empfindens schätzen, in Novalis fand er einen Freund, der
-selbst die „herzliche Phantasie“ einen Grundzug seines Wesens nannte.
-Dabei lernte Tieck selbst Innerlichkeit und Empfindungen, die ganz und
-voll die Seele füllen, schätzen. Das merkt man auch seiner Sprache
-an. Das Betonen des Innigen und Herzlichen in der Darstellung der
-religiösen Gefühle und reinen Liebesempfindungen fällt dem Leser der
-„Genoveva“ und der ihr zeitlich nahestehenden Dichtungen unwillkürlich
-auf. Eine Reihe bezeichnender Wendungen bewegt sich in dieser Richtung.
-Von Bonifacius sprach das Alter, dachte die Jugend „mit des Herzens
-Innigkeit“, „so spricht mein armes Herz“, „des Herz mir so vom Herzen
-ist ergeben“, „so dass sie (die Weise) mich bis in mein Herz bewegte“,
-„da ihr’s so schlicht und herzlich singt“, „wenn ich Euch liebe und
-mit treu’stem Herzen in dieser Liebe Leben, Herz verzehre“, „der
-Ton ist mir in’s tiefste Herz gedrungen“, „herzlich sei im Herzen
-der verflucht, der mich...“, „inniglich so Geist wie Herz bewegen“,
-„das innere Weh der Trennung“, „da ward mir recht im innern Herzen
-bange“, „innig lieben“, „herzinnig bereuen“, „innig überzeugt sein“,
-„vom Herzen und mit ganzer Seele“, „im Gemüthe erwägen“, „Wie ich
-noch tief im Seelenfleh’n befangen“, „Ich war im tiefsten Beten noch
-verloren“, „sich in tiefes Sinnen versenken“, „ich bin mit meinem Gram
-allein“, „mit der Seele nach dem Himmel streben“, „ich will in mein
-Gemüth zurücke geh’n“, „Laß’ sie mich martern, wenn sie nur das Herz
-mir lassen, denk’ ich Dein im Tode noch“, „Ihr seid zu finster in Euch
-selbst verschlossen“, „ein seelerfreuter Mann“, „mit inbrünst’gem
-Herzen“, „inbrünstige Angst“. Innig hört sich auch das Beiwort „lieb“
-an, das Tieck mit beseelten und unbeseelten Dingen verbindet. „Liebe
-Berge“, „das liebe Lamm“, „liebe treue Augen“, „lieber, heller Morgen“
-u. s. w. Es macht fast den Eindruck, als ob Tieck diese poetisch
-schönen, gemüthreichen Wendungen durch zu häufigen Gebrauch und
-besonders durch die wortspielerische Art, die er nicht lassen mag, in
-ihrer Kraft beeinträchtige.
-
-Wie für die edlen Empfindungen, so hat Tieck auch für die entfesselte
-wilde Leidenschaft seine wiederkehrenden Lieblingsworte. Solche
-sind „rasen“, „toben“, „toll“, „wild“ u. dgl. „Tolle Worte“, „die
-Nacht macht Euch toll“, „der wilde Sinn“, „die wilde Macht“, „habe
-fast die Wildheit Euch verzieh’n“, „o schafft mir Gnade vor den
-wilden Freunden“, „so wild, so rasend“, „die große Raserei dem Pöbel
-predigen“, „rasende Sinnen“, „Ihr könnt mein Rasen seh’n?“, „was ras’
-ich denn?“, „es rasen Freund’ und Feinde durcheinander“, „die Wuth
-macht Euch stammeln“, „o Wuth -- o Feuerflamme...“ Golo „rast und tobt
-wie ein wildes Tier“, „es ist nicht die Rede, herzurasen wie ein wildes
-Tier“, Karl Martell „tobt wie ein wütend’ Tier“, Golo „wütet, rast...“
-Daneben begegnen noch „verrückt“, „unsinnig“, „Gefühl und Wunsch und
-Wahnsinn durcheinanderirren“. Mit diesen und ähnlichen starken Bildern
-wirken die Vergleiche mit dem Feuer, dem wilden Tiere zusammen und dazu
-kommen an besonders erregten Stellen abgerissene, kurze, gestammelte
-Sätze. Diese erregte, ans Excentrische und Überreizte streifende
-Diction ist die passende Sprache der Leidenschaft für Golo.
-
-Auch dort, wo es sich nicht um eine hochgespannte leidenschaftliche
-Erregung handelt, spürt man die Neigung zum Ungewöhnlichen, zum
-Heraustreten aus der Sprache der gewöhnlichen Alltäglichkeit. Es ist
-dies das selbstverständliche Vorrecht jeder poetischen Sprache; nur
-nimmt der Vorgang beim Romantiker gelegentlich seine ganz eigene
-Gestalt an. A.W. Schlegel meint:[693] „Es ist ein erhabener Geschmack,
-die Dinge immer in der zweiten Potenz vorzuziehen.“ Damit macht
-Tieck in seiner Sprache nicht selten Ernst und bringt damit etwas
-Ungewöhnliches, Nachdrückliches und Überschwängliches in dieselbe.
-Es verstärken sich wiederholte Worte. „Ich suche Schutz und finde
-keinen, keinen als in Euch“, „ein leises, leises Rauschen“, „der süße,
-süße Name König“, „dass es endlich, endlich dem schlagenden Herzen
-genügt“ u. s. w. Beliebt ist die Verstärkung eines Begriffes durch sich
-selbst oder durch ein Attribut aus gleichem Stamme. „Des Herz mir so
-vom Herzen ist ergeben“, „auf Dein eignes Glück Dein Glück zu wagen“,
-„in dem Frühling Frühling sich entzündet, aus Blumen sich noch eine
-Blüte windet“, „das heil’ge Feuer... das den Glanz beglänzt und Licht
-der Sonne leiht“. Tieck ist imstande, einen psychologischen Vorgang
-in einen zweiten einzuschachteln: in ihrer Erzählung von der eigenen
-Jugend erinnert sich Genoveva ihrer Erinnerungen.[694] Bei solchen
-Kunststücken fällt einem Fr. Schlegels Wort über die reflectierende
-romantische Poesie ein, die ihre Reflexion „immer wieder potenzieren
-und wie in einer endlosen Reihe von Spiegeln verfielfältigen“
-kann.[695] Diese Sprache strebt ins Außergewöhnliche, aber sie
-verwischt zugleich die klaren Umrisse.
-
-Jene Merkmale, aus denen Petrich die allgemeine Unklarheit des
-romantischen Stiles herleitet, lassen sich natürlich auch in der
-„Genoveva“ beobachten und die Beispiele, die Petrich anführt, könnten
-durch verwandte aus dieser Dichtung bereichert werden. Für Bilder
-und Gleichnisse werden auch hier Traum und Schlaf,[696] sogar das
-Gefühl des auferstehenden Todten[697] verwendet! Das Gebiet des
-Gehörsinns und die undeutlicheren Wahrnehmungen des Gesichtssinnes
-liefern für Bild und Gleichnis auch manchen Beitrag und die bekannte
-romantische „Gütergemeinschaft der Sinne“ besteht in der „Genoveva“
-gleichfalls zu Recht. Nur möchte ich nicht, wie Petrich, in diesem
-Vermengen der Vorstellungen „ein Mittel andeutender Unbestimmtheit des
-Ausdruckes“ sehen, sondern es ist (abgesehen von Tiecks natürlicher
-Neigung zur Stimmungspoesie) nur ein Versuch, auch in der Sprache so
-viele Anschauungsgebiete als möglich, auf einmal zu umfassen. Die
-„Phantasieen über Kunst“ geben darüber deutliche Auskunft. Es ist der
-nämliche Zug nach Universalität auch im dichterischen Worte, den die
-Romantik überall bethätigt, sei es, dass sie „der Bildung Strahlen
-all in Eins zu fassen“, sei es, dass sie die künstlerischen Gattungen
-oder die verschiedenen Religionen in Eins zu mischen strebt. Manche
-Äußerungen Fr. Schlegels scheinen auf eine absichtliche Unklarheit
-abzuzielen, bei Tieck ist diese sicher nicht Zweck, sondern nur die
-Folge des Bemühens, zu Verschiedenartiges auf einmal im Worte zu
-greifen, die Folge seiner ganzen dichterischen Wesensart.
-
-Die Häufung verschiedener Bilder finden wir in der „Genoveva“ ebenso
-wieder,[698] wie die Unklarheit im Ausdrucke der Bilder selbst.[699]
-Beabsichtigt kann die Unklarheit nur in den Reden des „Unbekannten“
-und in den Sprüchen der Hexe sein. -- Das Fehlen des Artikels,
-fehlende Copula, fehlendes „zu“ beim Infinitiv, der freiere Gebrauch
-der Präpositionen, sowie die Limitation des Urtheiles durch ein
-„vielleicht“, „ist es nicht, als wenn...“, „mir ist, als ob...“ lassen
-sich in der „Genoveva“ in gleichem Maße verfolgen, wie es Petrich bei
-den Romantikern im allgemeinen thut. Nehmen wir noch dazu das Wörtchen
-„abwärts“ mit den verwandten Vorstellungen, die uns in der „Genoveva“,
-im „Sternbald“ wie in den übrigen gleichzeitigen Dichtungen in Menge
-begegnen, so haben wir die wichtigsten, fassbaren stilistischen
-Merkmale in der „Genoveva“ ziemlich erschöpfend verzeichnet.
-
-Von der alltäglichen Sprache entfernen sich auch die Tropen und
-Figuren. Tropischer Ausdruck ist in der „Genoveva“ häufig verwertet.
-Allein bezeichnend für die Stilfarbe sind nur jene bereits erwähnten
-Vorstellungen, die aus der Sphäre von Glanz, Feuer, Klang und
-Blumen entnommen sind. Andere, wie „süßer Odem“, „einsamer Wald“,
-„trüber Blick“... sind ziemlich jeder poetischen Diction eigen. Als
-Eigenthümlichkeiten, die gerade bei Tieck gerne wiederkehren, seien
-noch genannt: Der Vergleich mit dem Netze,[700] das Wort „spielen“ in
-verschiedenster Verwendung,[701] „regieren“ vom Beherrschen seelischer
-Vorgänge durch den Willen.[702] Letzteres hängt vielleicht mit der
-astrologischen Vorstellung von den „regierenden“ Gestirnen zusammen.
-
-Noch häufiger als der tropische Ausdruck sind in der „Genoveva“
-die rhetorischen Figuren. Es herrschen besonders die Anaphora, die
-rhetorische Frage, Ausruf und Anruf, die noch gerne mit „O“ und „Ja“
-verstärkt werden. Die scharfe rhetorische Inversion mit „nein“ sowie
-die Klimax fehlen nicht.
-
-Die Figuren trennen und verbinden syntaktische Glieder. Sie sind ein
-Gerüste, das eine Masse gliedern, belebend abtheilen hilft und auch
-eine äußerliche Hilfe, um Unverbundenes zu verbinden. Wie Tieck für die
-Gesammtcomposition äußerliche Mittel reichlich verwendet, so verschmäht
-er sie auch im einzelnen nicht. Wie dort in der Composition, begegnet
-uns auch hier in der Sprache der Contrast. Wir finden ihn in einzelnen
-Versen, ja selbst in einzelnen Begriffen.
-
- „Es stellt den heiligen Laurentius vor,
- Der in des Feuers Schmach den Leib verzehrte,
- Die Heiden legten ihn in Feuerbrunst,
- Die Seele stand in lichter Himmelbrunst,
- Wie sich Elias hob im Himmelsfeuer,
- Ward er erhoben durch ein irdisch Feuer,
- Sie wollten ihm die härt’ste Qual bereiten
- Und gaben ihm des Himmels Seeligkeiten.“[703]
-
-Ein solches Fangballspielen mit Contrasten ist gar nichts Seltenes
-in der „Genoveva“.[704] Auch ein einzelner Vers kann in künstlicher
-Zuspitzung den Gegensatz in sich schließen. „Die Christen färben rot
-die grüne Flur“, „ein Mann und Thränen?“, „an Worten arm, an Thaten
-sollt Ihr kennen den treuen Knecht...“, „ich schlug den Gatten, du
-hast mich erschlagen“, „daß es (das Bild) nicht leben kann, das ist
-mein Tod“, „nur das Grab kann kühl die Flamme mir ersticken“ u. s. f.
-Bis in den einzelnen Begriff drängt sich der Contrast hinein und formt
-sich zum Oxymoron. „Sei gütig böser, holder, liebster Satan“, „das
-Mögliche, das doch unmöglich ist“, „Tod ein blütenvolles Leben“...
-Die contrastierenden Verse erscheinen öfter wieder im syntaktischen
-Parallelismus; es treten sich gleichgebaute Sätze gegenüber.[705]
-Auch Gruppen von Sätzen[706] oder Strophen des Sonettes[707] werden
-contrastiert. Die Anaphora führt ihrer Natur nach zum syntaktischen
-Parallelisieren.[708] Tieck vermeidet aber doch wieder dabei eine
-allzugenaue Symmetrie, die eintönig werden müsste.
-
-Auf den syntaktischen Bau übt daneben besonders die Strophenform der
-Octave einen bedeutenden Einfluss. Sechsundfünfzigmal (von 122), also
-beiläufig in der Hälfte der Octaven versucht es der Dichter, die ganze
-groß aufgebaute Strophe mit einer einzigen Periode zu füllen. Die
-Form dieser Strophe ist deutlich auf Zweitheiligkeit (6+2) berechnet.
-Mit diesem Schema rechnet dann auch der Bau der Periode. Es enthalten
-das einemal die zwei letzten Verse die Spitze der Gedankenreihe, die
-sich in den sechs vorausgehenden Zeilen entwickelte oder ein andermal
-einen Contrast, ein drittesmal die Folgerung aus dem Vorausgehenden.
-Im einzelnen ist der Satzbau innerhalb der Stanze ein sehr
-verschiedenartiger, dem romantischen Gesetze von der „reizenden Ordnung
-in der Verwirrung“ folgend.[709]
-
-Die vielen rhetorischen Mittel, Anaphora, Frage, Ausruf u. s. w.,
-Mittel, die für das gesprochene Wort von großem Werte sind, gehören
-auch vor allem der Sprache des Theaters an. Ihr häufiger Gebrauch
-erweckt den Anschein, als ob Tieck trotz seiner Abwendung vom Theater
-doch wieder heimlich ein theatralisch gesprochener, wenigstens ein
-laut gelesener Dialog vorgeschwebt hätte. Wozu sonst auch die dem
-theatralischen Drama eigene Stichomythie, die wenigstens in kleineren
-Ansätzen auch in der „Genoveva“ vorkommt?[710] Wozu das Auffangen der
-Worte des einen Sprechers durch seinen Partner, das uns ziemlich oft
-begegnet? Hin und wieder finden sich auch jene der theatralischen
-Sprache natürlichen scheinbar subject- oder prädicatlosen Sätze, wie:
-„Seht her!“, „seht“, „auf ihn, auf ihn!“, „So nackt?“, „in dieser
-Haut?“, „wie, Genoveva?“... Geberde und Geste des Schauspielers
-müssen hier die Sprache ergänzen, damit die Verbindung der Worte
-eine sinnvolle, ein vollendeter Satz wird. -- Wenn in der „Genoveva“
-die Sprache auf sinnliche Dinge der Außenwelt kommt, so wird der
-Leser, der für das dichterische Phantasiebild eine gewisses Maß von
-Deutlichkeit verlangt, in seinen Ansprüchen zuweilen verkürzt, weil er
-alles nur durch das Medium der unplastisch sehenden Sprecher schauen
-darf. Schon die Naturstimmungen zerfließen manchmal in einen sehr
-dünnen Äther, doch bei ihnen lässt sich die flüchtige Stimmung noch
-empfinden. Schlecht befriedigt es aber den Leser, wenn Wendelin das
-ganze Laurentiusbild in lauter Betrachtung über das Bild auflöst. Wem
-nicht die eigene Erinnerung gleich ein Laurentiusbild vor die Phantasie
-führt, kann nicht errathen, wie das von Wendelin erklärte Gemälde
-aussehen mag. So darf der Dramatiker vorgehen, der an die Bühne denkt,
-auf der das Gemälde sichtbar vor uns hängt. Tieck überspringt auch ein
-Zwischenglied, das der Regisseur ergänzen müsste. Im „Saale auf dem
-Schlosse“ beginnt Golo ohneweiters: „Schaut um Euch, wie der Frühling
-aufgegangen...“ Auf der Bühne müsste Golo wenigstens ans Fenster
-treten und der Epiker würde mit einer Andeutung nachhelfen. In der
-„Genoveva“ ist der Leser genöthigt, sich selbst zu helfen, wie er kann.
-Er muss sich zuweilen wie der Leser eines Bühnendramas sich die Bühne
-vorstellen. Spricht das Bisherige dafür, dass sich Tiecks Phantasie
-nicht in allen Fällen von der realen Bühne fernzuhalten vermochte, dass
-er unwillkürlich dort und da an das Theater dachte, so muss umgekehrt
-das Hineinweben jener geheimen Fäden, die Ahnung und Erfüllung und
-allerhand bedeutsame Parallelen verbinden, als untheatralisch, ja als
-undankbar selbst für das gelesene Drama gelten. Denn der Epiker hat
-seine bequemen Mittel und Fingerzeige, um die Verbindung zwischen
-Ahnung und Erfüllung nicht aus dem Gesichtskreise entschwinden zu
-lassen: in der „Genoveva“ muss sie der Leser erst mühsam klügelnd
-entziffern.
-
-Tiecks Dialog zeigt selten einen halbwegs energischen, auf ein
-bestimmtes Ziel lossteuernden Fortgang, so dass die Scene mit einem
-bestimmten Resultate schließen könnte. Wenn sich solche Scenen finden,
-so sind es Ausnahmen, wie die Gesandtenscene, die Eroberung von
-Avignon, die Gefangennahme Genovevas, die Botschaft an Siegfried.
-In den meisten Fällen unterreden sich auch nur zwei Personen. Ein
-paarmal lässt sich der eine Unterredner überaus schnell überzeugen
-und seine Antwort schließt sich wie ein Refrain an die Rede des
-Partners an.[711] Meist begnügt sich der Dialog mit dem behaglichen
-Besprechen eines oder mehrerer Themen und mit dem Ausmalen der
-Situation. Die Scenen, die sich um den Abschied gruppieren, die Scene
-auf „Siegfrieds Schloss“,[712] die musikalische Balkonscene, die
-längeren Gartenscenen,[713] die lange Scene mit dem sterbenden Wolf,
-die ohne Effect verläuft, seien als Beispiele genannt. Wiederholte
-lange Reden, Erzählungen, Lieder und lyrische Ergüsse werden sich
-schwerlich ohne Widerspruch in den Dialog fügen; denn ein Fortschritt
-auf ein bestimmtes Ziel gehört zum Wesen eines künstlerischen Dialoges,
-der nicht langweilig werden soll. Das Bemühen der Romantiker, die
-künstlerischen Gattungen in eins zu verweben, musste zu den breiten,
-zerfließenden Dialogen führen. Der heutige Leser der „Genoveva“ hat
-das deutliche Gefühl, dass es Tieck auch stilistisch nicht gelang, die
-Gegensätze der künstlerischen Gattungen allerwärts auszugleichen. Auch
-Tieck selbst sagt später:[714] „Dagegen ist mir vieles in Genoveva
-(z. B. die Amme zu ihrem Schmerzenreich, die Gemälde im Anfang und so
-vieles einzelne) wie zu emsig, fleißig und altdeutsch ausgemalt.“
-
-Eine Rückschau auf diese Untersuchung von Stil und Sprache zeigt, wie
-Tieck auch auf diesem Gebiete seiner dichterischen Art zumeist treu
-geblieben ist. Sein Vergleich des dichterischen Schaffens mit dem
-Traume fällt dem Leser unwillkürlich auch hier wieder ein und daneben
-seine Ironisierung des Bestimmten und Klaren,[715] das für ihn das
-Nüchterne bedeutet. Er denkt wie Novalis:[716] „Stimmungen, unbestimmte
-Empfindungen, nicht bestimmte Empfindungen und Gefühle machen
-glücklich.“
-
-Nicht ein plastisches, deutliches Darstellen, sondern ein dämmerndes
-Helldunkel, ein leichtes, fast spielendes Berühren der Dinge ist
-daher das Ziel seiner Sprache und Tiecks Sprache thut diese Wirkung,
-sie beleuchtet ahnungsvoll, aber sie formt und bildet nicht. Du
-„breitest Dich leicht wie ein Duft gleich über alle Gegenstände“
-schreibt einmal Novalis an unseren Dichter. Entsprechend der frommen
-und alterthümelnden Auffassung des Stoffes nimmt die Sprache eine
-religiöse und alterthümelnde Färbung an. Die Naturstimmung klingt in
-einer musikalisch wirkenden, bloß stimmungerregenden Sprache wieder.
-Die idealisierende Tendenz zeigt sich auch in der allgemein und
-undeutlich gehaltenen äußeren Zeichnung der Figuren und Scenerien, und
-das Innenleben, die Leidenschaft, die hie und da sich in stärkeren,
-energischeren Worten entladet, ist ihrem Wesen nach immer mehr oder
-weniger unbestimmt und unplastisch, so dass der Dichter auch hier
-seine Art nicht verlässt. „Die Poesie ist Musik für das innere Ohr
-und Malerei für das innere Auge: aber gedämpfte Musik, verschwebende
-Malerei.“[717]
-
-Neben dem Unbestimmten, Stimmungsidealistischen ist die zweite Seite
-von Tiecks Darstellungsart, das Künsteln und Überkünsteln auch in Stil
-und Sprache wieder anzutreffen. Der Berliner Verstand folgt wie ein
-unzertrennlicher Schatten dem romantischen, träumenden Phantasus.
-
-Tieck hatte sich sprachlich an den größten Mustern unserer Literatur
-schulen können. Darum im allgemeinen das Glatte, Sichere und
-Abgerundete im Satz- und Periodenbau, darum das Anpassen der Sprache
-an die Versform, darum das Streben nach leichter, künstlerischer
-Nüancierung in seiner Darstellung. „Die Begeisterung des Kriegers, die
-Leidenschaft des Liebenden, die Vision und das Wunder sollte jedes
-in einem ihm geziemenden Tone vorgetragen... werden.“[718] So fanden
-wir es auch. In inhaltlich verschiedenen Partien herrschte in Sprache
-und Stil ein verschieden nüancierter Ton und das Verschiedenartige im
-sprachlichen Stil soll wieder durch die Trias Religion, Alterthum und
-Natur zusammengefasst werden. „Sollte der Roman alle Gattungen des
-Styls in einer durch den gemeinsamen Geist verschiedentlich gebundenen
-Folge begreifen?“ lautet ein Hardenberg’scher Einfall.
-
-Obschon nun im ganzen ein idealisierender Stil, eine alterthümliche und
-religiöse Färbung die Dichtung durchziehen, so ist dieser Stilcharakter
-doch nicht überall so ebenmäßig und harmonisch gerathen, so fühlbar
-herrschend, dass nicht Tieck selbst Solger gegenüber hätte zugeben
-müssen:[719] „... was eigentliche Zeichnung, Färbung, Styl betrifft, da
-bin ich unzufrieden und finde die Disharmonie.“
-
-
-7. Prosa und Metrik.
-
-Nicht so eingehend wie der Sprachstil soll hier die metrische Kunst
-Tiecks im einzelnen untersucht werden. Eine solche Untersuchung könnte
-nur bei Beobachtung einer großen Entwickelungsreihe zu befriedigenden
-Ergebnissen führen. Die eingehende und weitläufige Untersuchung der
-romantischen Metrik liegt außerhalb des Rahmens vorliegender Arbeit.
-Hier kann es sich nur darum handeln, den Stilwert der prosaischen und
-verschiedenen metrischen Theile im allgemeinen zu erklären.
-
-A.W. Schlegel vertheidigt in seinem Horenaufsatz „Etwas über William
-Shakespeare bei Gelegenheit Wilhelm Meisters“[720] die Rhythmisierung
-neben der Prosa in Shakespeares Dramen und zeigt, wie die gebundene
-Rede ganz besonders den sinnlichen Schein einer höheren Wahrheit und
-Natürlichkeit erzeugt und wie bei Shakespeare immer einem bestimmten
-Inhalte die entsprechende rhythmische beziehungsweise prosaische Form
-gegeben wird.
-
-Diesen Gedanken holt auch Tieck in seiner Recension der Musenalmanache
-von 1798 wieder hervor und betont mit großer Emphase den unberufenen
-Versemachern gegenüber, dass die Versart eines Gedichtes nicht bloß
-vom Zufall und von der Gewohnheit abhängen dürfe. „Der Wechsel der
-Reime und die Länge der Verse, die Composition der Strophe müssen
-von einer leisen Regel regiert werden, damit das Silbenmaß als eine
-feine Musik das Gedicht begleite.“ Inhalt und metrische Form müssen in
-unzertrennlicher Verbindung ineinander wachsen. Dies wäre nicht der
-Fall, wenn ein Dichter gewaltsam ein beliebiges Versmaß einem Inhalte
-aufdrängte. Freundlich, wie von selbst müsse sich der Gedanke an das
-Silbenmaß schmiegen.[721] In der „Genoveva“ entfaltet Tieck eine bunte
-Menge verschiedener Bilder und Stimmungen, bunt und vielgestaltig, wie
-die romantische Poesie eben sein soll. Da ist es dann auch nicht anders
-möglich, als dass jene begleitende „feine Musik“ sich in immer neuer
-Tonart mit dem jeweiligen Inhalte vereine und, wenn es dieser Inhalt
-verlangt, auch der prosaischen Rede Platz mache. Wenn Tieck gerade ein
-Jahr vor der Abfassung seiner „Genoveva“ mit so strengen metrischen
-Forderungen an seine dichterischen Zeitgenossen herantrat, so muss
-man selbstredend annehmen, dass er bei der Schöpfung seines eigenen
-Gedichtes auch sich selbst nicht von diesen künstlerischen Forderungen
-freisprechen, und dass der Gebrauch der verschiedenen Maße und Strophen
-sowie das Unterlassen des Rhythmisierens nicht einem bloßen Spiele der
-Willkür entstammen konnte.
-
-Geht man die prosaischen Theile der „Genoveva“ durch, so drängt sich
-deutlich als erste Thatsache auf, dass besonders die „niedrigen“
-Leute in Prosa reden, aber auch diese nur dann, wenn der Inhalt des
-Gespräches einen mehr gewöhnlichen, vertraulichen und behaglichen Ton
-verlangt. Das lässt sich an den Dienerscenen gut beobachten. Auch
-wenn einmal eine höhere Persönlichkeit sich zu den Untergeordneten
-herablässt, so drückt sich diese Herablassung gleichfalls in der
-prosaischen Form der Rede aus, in der sie mit dem tiefer Stehenden
-spricht. In verschiedenen Fällen bemerkt man, wie mit dem höher
-gestimmten Inhalt auch sogleich die Prosa in Rhythmus übergeht.
-Es plaudern Grimoald und Benno in der Kapelle zunächst prosaisch
-von ihren Privatangelegenheiten. Wendelin mahnt sie in Versen zum
-Gebete, richtet in Versen seine religiösen Anreden an sie und auch
-die Angeredeten antworten nun in Versen.[722] Der Disput, den Otho,
-Günther und andere Kriegsleute über Gehorsam und eigenes Denken in
-Prosa unter sich führen, endigt, als Karl Martell erscheint und mit
-seiner Umgebung und den Gesandten über den Krieg verhandelt. Wenn sich
-jetzt Otho, der zuvor prosaisch sprach, in die höher gestimmte Rede
-mischt, so muss es rhythmisch geschehen.[723] Solange Golo mit Benno
-in alltäglicher Rede sich bespricht, geschieht es in Prosa. Daran
-schließt sich seine monologische Selbstbetrachtung und diese greift
-sofort zum Rhythmus.[724] Die schmausenden Diener unterhalten sich in
-Prosa. Drago, vom Gottesdienste kommend und daher noch voll andächtiger
-Stimmung, mahnt sie zu gottgefälligem Anstande und seine Mahnworte sind
-rhythmisch.[725] Wendelin redet prosaisch mit dem Schergen; nachdem
-sich dieser entfernt hat, drückt Wendelin seine Empfindung und Klage
-über das Erfahrene im rhythmischen Monologe aus.[726] Nicht ganz
-verständlich ist die Prosa einer Scene auf Siegfrieds Schloss,[727] in
-der man wenigstens für die erste Hälfte, die Golos trübe Ahnungen und
-die feierlichen Sätze: „Wird es nicht alle Tage Abend...“ enthält, eine
-rhythmische Einkleidung erwarten möchte. Nicht ganz leicht zu erklären
-sind auch die beiden Prosaabschnitte in der letzten Kerkerscene.[728]
-Diese stürmische Leidenschaft würde man sich nach allen vorausgehenden
-Beispielen eher in freien Rhythmen denken, die auch sogar in der
-nämlichen Scene verwendet werden. Vielleicht gibt uns der trotzige,
-niedrig höhnende Ton, der sich der leidenschaftlichen Rede beimischt,
-einen Wink für die Ursache der Prosa an dieser Stelle. Es könnte Tieck
-daneben beabsichtigt haben, einen sehr schroffen Contrast zwischen
-beiden Sprechern auch in der Form zu betonen. Genoveva spricht in
-feierlichen Stanzen ihre entschiedene Abweisung aus und richtet das
-zweitemal eine milde Ermahnung in gereimten Blankversen an ihren
-Versucher. Der Gegensatz zwischen dem tief erniedrigten Ritter und der
-heiligen Dulderin tritt so auch im Gegensatze von rhythmischer und
-prosaischer Rede hervor.
-
-Es empfiehlt sich, nach der Prosa zunächst ihren Gegenpol, die
-künstlichen Strophen anzusehen; denn an den Extremen lässt sich hier
-leichter ein Resultat finden, als an den Übergangsstufen zwischen
-Prosa und höherer Kunstform. Stanzen, Sonette und Terzinen kommen
-hier zuerst in Frage. Hätten wir gar keine Nachricht von Tiecks
-Beschäftigung mit den spanischen Dramatikern, die neben der Romanze
-gerade diese Formen gerne verwenden und die für Tieck hierin das
-maßgebendste Vorbild waren, so würde es doch nicht allzusehr
-wundernehmen, wenn wir diese Formen voll Klangreichthum und Wohllaut
-in seiner „Genoveva“ träfen. Diese südländischen Maße waren die
-officielle Sprachform am romantischen Musenhofe von Jena. Dorothea
-Veith schreibt sich das Verdienst zu, „die Stanzenwuth“ in ihrem Kreise
-entfesselt zu haben. Ihr „Florentin“ muss in Stanzen improvisieren.
-Friedrich Schlegel verdunkelt durch seinen Glanz alles in diesem
-Genre.[729] Selbst Schelling wird angesteckt.[730] „Wir dichten in
-italienischen und spanischen Weisen.“[731] A.W. Schlegel verkündet
-1799, dass die Stanze bei Ariost „das schöne Gleichgewicht zwischen
-phantastischer Willkür und heiterer Besonnenheit“ bewirke, welches
-die Darstellung des Italieners so reizend charakterisiert.[732] Die
-weiblichen Reime hält Wilhelm zwar für die schönsten,[733] er empfiehlt
-aber doch den Wechsel zwischen männlichen und weiblichen.[734] Zur
-Lectüre der Spanier gesellt sich also für Tieck noch das Beispiel der
-Genossen und A.W. Schlegels theoretische Anregungen. Umtönt von einer
-förmlichen Sonetten- und Stanzenmusik dichtet Tieck den größten Theil
-seiner „Genoveva“. Was im „Zerbino“ und in den „Phantasien“ sich nur
-vereinzelt ankündigte, entfaltet sich daher auch hier zu reicher Fülle,
-um im „Octavian“ zum überschwänglichen, luxuriösen Reichthum zu werden.
-
-Die Erfahrung, dass die Octave der Italiener im Deutschen „lyrischen
-Ton athmet“, bezeugt Platen, der in rhythmischen Dingen feinhörig
-war wie kaum einer. Die dreimalige Wiederkehr gleichgeordneter Reime
-ist für den deutschen Dichter, dem lange nicht die unerschöpfliche
-Reimfülle der italienischen und spanischen Sprache zuströmt, eine
-schwierige Aufgabe. (Wieland hielt eine genau und streng gebaute Stanze
-im Deutschen für unmöglich.) Eine reiche Bilderfülle sowie synonyme
-Erweiterungen müssen oft das Maß bis zum Rande füllen helfen. Diese
-Nothwendigkeit und die langen Verse selbst in ihrer gleichmäßigen
-Wiederkehr geben der Strophe eine pompöse Pracht und feierliche Würde.
-Es ist daher gar nicht überraschend, wenn sich in der „Genoveva“
-gerade Gebete und feierliche, getragene Reden mit Vorliebe in Octaven
-ergießen.[735] Daran reihen sich die prunkvollen Schilderungen der
-himmlischen Visionen,[736] die feierliche Betheuerung,[737] der
-Ausdruck besonders gehobener Seelenstimmung überhaupt, wie sie z. B.
-Karl Martell beherrscht, nachdem er die Prophezeiung seiner großen
-Zukunft vernommen.[738] Liebessehnsucht, in der mehr die hochgespannte
-seelische Stimmung als die sinnliche Leidenschaft vorwaltet,[739] und
-das breite malerische Frühlingsgemälde[740] bedienen sich gleichfalls
-der Octave. Weniger klar ist der Grund ihrer Verwendung für Genovevas
-trübe Ahnungen.[741] Der umfangreichste Abschnitt in Stanzen aber
-ist die Erzählung des heil. Bonifacius.[742] Der Erzähler versucht
-anfangs in einem einfachen, naiven Tone zu reden, der zugleich
-archaistisch gefärbt erscheint. Verwandt damit ist der Schluss, der
-von Schmerzenreich handelt. Dazwischen steht die prächtig geschmückte
-Schilderung der Wunder. Hier ist die mächtig tönende Octave nichts
-Fremdes; allein wie passt die stolze Prachtstrophe zum einfach und
-alterthümlich sein wollenden Vortrag der übrigen Erzählung? Hier muss
-uns wohl Tiecks Bekenntnis über die Stanzen in der fast gleichzeitigen
-„Melusine“ aushelfen.[743] „Es reizte mich, die Stanze auch einmal so
-treuherzig, wie alte Prosa erklingen zu lassen, ein Ton, der schon
-viele Stellen des Morgante so wunderbar anziehend macht, indem das
-Possierliche und Edle sich in diesem merkwürdigen Gedichte mit dem
-alterthümlich Ehrbaren so wunderbar verbinden.“ Wir gehen kaum irre,
-wenn wir annehmen, dass Tieck das nämliche Experiment, das er für die
-zeitlich ganz nahestehende Dichtung einbekennt, auch schon theilweise
-in den Bonifacius-Stanzen versuchte. Diese und die Melusine-Strophen
-hintereinander gelesen, lassen den verwandten Ton auch gar nicht
-undeutlich spüren. Der Versuch, die reichklingende Strophe für eine
-einfache treuherzige Erzählung zu wählen ist schon die Anwendung
-der bald auftauchenden hyperromantischen Meinung, dass sich gerade
-in den südländischen Formen alles Poetische am besten sagen lasse.
-„Besser als in sapphischen Strophen kann das, was man damit wollen
-kann, durch romantische Formen erreicht werden“, schreibt bald darauf
-Schleiermacher.[744] Nach Calderons Vorbild lässt Tieck seine Menschen
-hie und da sogar einen Dialog in Stanzen führen. Das ist dort noch
-erträglicher, wo zumeist ganze Strophen auf einen Sprecher kommen;[745]
-es wird aber zum verkünstelten Kunststück, wenn die Strophe in kleine
-Stücke[746] oder gar in kleine Splitter[747] zerschlagen wird.
-
-Neben der häufig verwerteten Stanze begegnen wir in der Genoveva
-achtmal dem Sonette. Der Charakter der einheitlich geschlossenen Form
-mochte Tieck passend erscheinen, die Rede des Kapellan, welche die
-Novalis-Schleiermacher’sche Religionsauffassung in nuce vorträgt,
-den Abschied Genovevas von ihrem Kinde, den Abschied vom Gatten
-(Reinigungsbrief) und endlich die Verkündigung von ihrer Aufnahme in
-die Seligkeit in je einem Sonette wiederzugeben. In der Balkonscene
-spricht Genoveva die Erinnerung an eine vergangene Nachtstimmung,
-die sie mit der gegenwärtigen vergleicht, in einem Sonette aus. Das
-Sonett, das Golos Versuchung zur Sünde ausdrückt, will ähnlich wie
-Karl Martells Lobrede auf den Ehrgeiz nur das Thema des Monologes
-in etwas veränderter Auffassung variieren, wie die Stanzen die
-Liebessehnsucht in der Gartenscene. Die Auftheilung eines Sonettes
-in den Dialog[748] ist wieder nicht mehr als ein Virtuosenscherz,
-zu dem sich der Formkünstler Tieck eben „gereizt“ fühlte, wie
-zu den treuherzig alterthümelnden Stanzen. Sonette in das Drama
-einzuflechten, lernte Tieck gleichfalls bei Calderon. In der Art der
-Verwendung dieser Form geht er die Wege A.W. Schlegels. Das Sonett
-mit seinem reichen Reimklange, mit seiner bestimmten Gliederung und
-„organisch articulierten Form“, die nach Schlegel ein Gefäß für Lyrik
-und Didaktik, die sogar dramatisch werden kann, die eine so „große
-Universalität“ zeigt, wurde zur romantischen Lieblingsform. Seit 1798
-verwendet sie Schlegel besonders zu lyrisch-didaktischen Zwecken
-Gemäldesonette. Er strebt der italienischen Idealform nach, die
-fünfhebige Verse mit Auftakt, Quartette mit umschließenden Reimen und
-weibliche Reime verlangt. Letztere gehören, wie Schlegel meint, zum
-„großen Styl“ des Sonettes. Tieck thut in der Verwendung und im Baue
-dieser Form in seinem Drama ziemlich das gleiche wie A.W. Schlegel
-in seiner Sonettendichtung. Lyrische, traumhafte Verschwommenheit an
-einzelnen Stellen (Balkonscene), das Zerreißen des Sonettes im Dialoge
-sind Tiecks Besonderheit.[749]
-
-Die Terzine verwendet Tieck für die Prophezeiung des „Unbekannten“ und
-für den Dialog zwischen dem trauernden Siegfried und Othos pilgerndem
-Geiste. Diese Strophe mit ihrer fortlaufenden Reimverkettung ist die
-naturgemäße Form für eine fortschreitende Erzählung und das ist auch
-die Prophezeiung. Die einförmige Wiederholung derselben langen Verse
-gibt dem Maße eine „feierliche Stimmung“[750] und das entspricht jeder
-der beiden Situationen, in denen sie Tieck verwertet. Dem Dialoge
-widerstrebt die Form gewiss dann, wenn sie in so kleine Stücke zerhackt
-wird, wie es am Anfange der zweiten Stelle in der „Genoveva“ geschieht,
-so dass man den Eindruck der Strophe nicht mehr gewinnt. Tieck sagt uns
-noch obendrein, dass ihm die Terzine den Eindruck des Alterthümlichen
-mache. Die Association Terzine-Dante-Mittelalter ist auch gar nicht
-auffälliger, als wenn der Hexameter Schiller „unausbleiblich an die
-griechische Welt erinnert“.
-
-Die vierte metrische Form, die Tieck aus dem spanischen Drama entlehnt,
-ist der Romanzenvers ohne Auftakt und zwar werden diese vierhebigen
-Trochäen zur Strophenform der Redondille (abba) vereinigt, die Calderon
-im Dialog benützt. Bei Tieck erscheint sie nur an lyrischen Stellen.
-Die durchwegs weiblichen Reime geben der Strophe in der Balkonscene
-eine besonders träumerische Weichheit, die klangvollen Reimworte
-dazu eine musikalische Fülle, und auf diesen weichen, vollen Klängen
-schwebt die magische Traumstimmung der Sommernacht einschmeichelnd und
-lieblich dahin. Ein lyrischer Erguss Genovevas formt sich in diesen
-Strophen, die sich dann in der Antwort Golos fortsetzen. Solange
-seine Liebesgedanken mit der freundlichen Sommernachtstimmung sich
-verflechten, gehen sie auch im nämlichen weichen Ebenmaße fort; als
-aber die Vorstellung von den Augen Genovevas auftaucht, flackert es
-unruhig in Golo auf (wir kennen den Zusammenhang zwischen Genovevas
-Augen und Golos Empfindung) und das Versmaß springt aus dem ruhigen
-Gleichmaße heraus bei den Worten „Deine Blicke schießende Sterne...“
-Zulmas Sehnsucht, Gebet und Klage[751] behalten das Reimschema der
-Redondille bei, aber an Stelle der vierhebigen Trochäen treten Verse
-mit zwei und drei Hebungen und auch klingende und stumpfe Reime
-wechseln. Einen besonderen Grund für die Verwendung dieser Strophen,
-die nur noch ungefähr dem spanischen Vorbilde ähnlich sehen, kann ich
-nicht angeben. Es konnte aber den Dichter immerhin eine äußerliche
-Association dazu geführt haben. Die romantische Mohrin kommt aus
-Spanien, dem gelobten Lande der Romantik; da ziemt sich’s, dass ihre
-Lieder auch äußerlich ein wenig an ihre Herkunft erinnern. Einzelne
-inhaltliche Calderon’sche Reminiscenzen konnten wir ohnehin auch gerade
-in diesen Partien der Dichtung aufzeigen. Im Monologe Zulmas vor dem
-Zelte, der die Sehnsucht nach dem Geliebten variiert, schlägt auch ein
-wenig der vierhebige Romanzenvers durch.
-
-Mit diesen sangbaren Strophen sind wir schon bei den Liedern angelangt,
-die Tieck reichlich in sein Drama einstreut. Sie weichen metrisch sehr
-voneinander ab. Die einen sind freirhythmische Ergüsse, in anderen
-ist ein strenger Strophenbau durchgeführt. Nach welchem Grundsatze
-wechselt nun Tieck die Form? Manche Andeutungen (z. B. ein „altes Lied“)
-scheinen auf eine Unterscheidung improvisierter und künstlerisch
-ausgereifter Lieder hinzuweisen. Allein die Untersuchung der
-einzelnen Stücke gibt dieser Vermuthung nicht Recht. Wahrscheinlicher
-sieht Folgendes aus. Golo kleidet, kunstmäßig dichtend, seine
-Lieder in gleichmäßige Strophen, die gewöhnlichen Leute, Schäfer,
-Hochzeitbitter, die schmausenden Diener gebärden sich nachlässiger
-im Vers- und Strophenbau. Danach ließe sich alles vertheilen, bis
-auf Golos sechszeiligen Morgengesang. Möglich, dass Tieck sich von
-einem ähnlichen Gedanken führen ließ, wahrscheinlicher noch, dass er
-bloß romantischer Willkür folgte. -- Die acht Verse der zwei Engelein
-sind nur eine Tändelei. Die acht ei-Reime könnten als Begleitung des
-heiteren Inhaltes angesehen werden.
-
-Freie Rhythmen begegnen uns mehrmals in besonders erregten,
-leidenschaftlichen Reden und Monologen. Das meiste davon gehört Golo
-an. Dazu kommt Genovevas Klage im Thurme und in der Wüste, die Sprüche
-der Hexe sowie der Chor der Jäger. Die unruhig lodernde Leidenschaft,
-die heftige Klage stammeln in ungleichmäßigen Absätzen. In den Reden
-der Hexe soll der verworrene Rhythmus dem wirren Inhalte der Formeln
-sich anpassen. Dazu gesellen sich die gehäuften Reime. „Wie freier
--- das Feuer -- wie munter -- und bunter -- in Formen mannigfach
-glimmt -- in Farben tausendfach flimmt“ u. s. w. Der Hörer vernimmt nur
-durcheinander irrende klangvolle Reimworte und dieses Gewirre muss im
-Verein mit dem unheimlich dunkeln Inhalt Siegfrieds Sinn umnebeln.[752]
-Der freie Rhythmus im Chorlied der Jäger ist schwer zu begründen. Bis
-auf diesen letzten Fall ist also auch der freie Rhythmus stets in ein
-gewisses engeres Verhältnis zum Inhalt gesetzt.
-
-In der Mitte zwischen den kunstvolleren rhythmischen Gebilden und
-der einfachen Prosa steht der fünffüßige Jambus, der damals schon
-gewöhnliche dramatische Vers. Die Rede, die in diesem gleichmäßigen
-Rhythmus einherschreitet, wird immer als eine erhöhte empfunden.
-Der Rhythmus lässt einen ungreifbaren „geistigen Hauch“ über die
-Diction hinschweben. A.W. Schlegel nennt den rhythmischen Theil
-in Shakespeares Dramen kurzweg den „poetischen“.[753] Diese
-rhythmisierte Sprache entfernt sich aber doch auch nicht so weit von
-der gewöhnlichen Rede, wie etwa die kunstvolle Strophe. In diesem
-erhöhten Durchschnittsrhythmus des Dramas sprechen auch die Personen
-in der „Genoveva“ immer dann, wenn sich der Inhalt ihrer Rede über das
-Vertrauliche und Gewöhnliche erhebt, aber doch den hohen Schwung der
-außerordentlichen seelischen Momente nicht erreicht, für welche die
-kunstvolleren rhythmischen Formen aufgespart sind. In dieser Mittelhöhe
-setzt der Prolog ein. Siegfrieds und Genovevas Abschiedsgespräch,
-die Feldherrnscenen, die Dialoge zwischen Golo und Gertrud, Golo und
-Genoveva sind meist auf diese mittlere rhythmische Höhe gestimmt.
-
-Auch untergeordnete Leute reden in Versen, wenn ein erhöhter Inhalt
-ihrer Rede es verlangt. Übergänge von der Prosa in den Rhythmus wurden
-schon verzeichnet. Es muss hier noch an die Scenen erinnert werden,
-in denen die Sprache der Geringen sich jener der Vornehmen ganz
-assimiliert. Hier sind zu nennen die Scene, die uns die Dienerschaft in
-ihrer gehobenen Stimmung über den Sieg zeigt,[754] Gertrud bei Genoveva
-im Gefängnis,[755] Benno und Golo und die für Genoveva bittende
-Gertrud,[756] die Mörder in Gesellschaft Genovevas u. s. w.[757] Wenn
-es der Inhalt fordert, sprechen auch die Diener unter sich in Versen.
-Wendelin und Else beklagen Genoveva,[758] Grimoald pflanzt seinen
-Baum,[759] Wendelin, Heinrich und Else reden über die Wunder, die sie
-erlebten.[760] Unklar bleibt wieder, warum Tieck eine Schlachtscene
-theilweise in Prosa schreibt[761] und eine andere,[762] in der es
-ebenso stürmisch hergeht, in Versen.
-
-Unsere Aufstellungen gewinnen an Wahrscheinlichkeit und eine gewisse
-Begründung aus der Romantik selbst heraus durch eine andere Thatsache.
-Es ist nämlich interessant zu verfolgen, wie die Art der Vertheilung
-von Vers und Prosa bei Tieck im großen und ganzen jenen Principien
-folgt, die A.W. Schlegel aus seinen Beobachtungen an Shakespeare
-gefolgert und im schon früher angezogenen Horenaufsatze „Etwas über
-W. Shakespeare“ niedergelegt hat. Prosa, heißt es dort, entspricht
-dem vertraulichen Tone des Umgangs, „Poesie“ einem edleren Gang der
-Rede. Der Gebrauch der einen oder anderen Stilart hängt nicht so
-sehr am Stande, als am Charakter und an der Gemüthsstimmung der
-redenden Personen. Aber eine „gewisse Anständigkeit der Sitten,
-die sowohl Tugend als Laster überkleidet und auch unter heftigen
-Leidenschaften nicht ganz verschwindet“, trifft man meist, wenn
-gleich nicht ausschließend, in höheren Ständen und daher sprechen
-gerade Bürger, Bauern, Soldaten, Matrosen, Bediente, hauptsächlich
-Narren und Possenreißer bei Shakespeare fast ohne Ausnahme im Tone
-ihres wirklichen Lebens. Allein, wenn innere Würde der Gesinnungen
-bei niederen Personen sich äußert, so thut sie es auch hier mit einem
-gewissen äußeren Anstande (rhythmisch), und so gilt bei Shakespeare
-die Rangordnung der Natur und der Sittlichkeit mehr wie die
-bürgerliche.[763] Ob Vers, ob Prosa, entscheidet die innere seelische
-Höhe. Ferner, sagt Schlegel, kann es selbst im Dasein des erhabensten
-Helden Augenblicke des seelischen Nachlassens geben, und dann spricht
-auch er wieder in Prosa (Hamlet, der sich wahnsinnig stellt, die
-Höflinge zum besten hält, die Schauspieler unterrichtet oder sich in
-die Spässe des Todtengräbers einlässt). Jene Gestalten Shakespeares,
-die der Pomp des Ranges beständig umgibt, denen ein gleichförmiger
-Ernst natürlich ist oder die eine „erweckende Leidenschaft“ beherrscht,
-verfallen nie in die vertrauliche Prosa. Es ist nicht schwer und
-gewaltsam, dieses Vorgehen wenigstens im allgemeinen in Tiecks
-„Genoveva“ wiederzufinden. Beim „Pompe des Ranges“ denkt man gleich
-auch an Karl Martell und die Feldherrn, beim gleichförmigen Ernst etwa
-an den heil. Bonifacius, Siegfried und besonders an die Heldin Genoveva
-selbst, die alle drei keinen arrhythmischen Satz in der ganzen Dichtung
-sprechen. Der Blankvers ist das Grenzgebiet, auf dem sich in der
-„Genoveva“ hoch und niedrig noch begegnet. Die Diener gelangen nicht
-höher, als bis zum gereimten Blankvers, Genoveva, Siegfried, Bonifacius
-steigen nie unter den Blankvers hinab.
-
-Über die Verwendung des Reimes bei Shakespeare sagt uns Schlegel,
-dass sich darüber nicht ganz so bestimmt sprechen lasse; er hebt
-aber hervor, dass sinnreiche Sprüche, besonders in symmetrischer und
-antithetischer Ordnung, Scenenschlüsse, zuweilen mit epigrammatischer
-Wendung, gereimt sind. Fortgehend reime Shakespeare, wo Feierlichkeit
-und theatralischer Pomp passend ist, vielleicht, wo gefällige Spiele
-der Phantasie dem Stoffe gemäß sind (Sommernachtstraum, Romeo und
-Julia). „Es mag immer sein, dass er mitunter auch aus keinem anderen
-Grunde in Reimen gedichtet, als weil er grade Lust daran fand.“[764]
-Ein Blick in die „Genoveva“ überzeugt uns, dass Tieck im Gebrauche
-des Reimes wieder ähnliche Wege geht, wie Shakespeare. Auch er reimt
-sentenzenhafte Verse und verschiedene Antithesenspiele gar nicht
-ungern. Tieck liebt es, durch ein Reimpaar oder durch mehrere Reime
-einen Einschnitt innerhalb der Scene[765] oder den Scenenschluss
-selber[766] auszuzeichnen. Manchmal bildet sogar eine Stanze, ein Drei-
-oder Vierreim den Abschluss. Nur etwa beim dritten Theile jener Scenen,
-die nicht ganz in gereimten Maßen erscheinen, fehlt der gereimte
-Abschluss.[767]
-
-„Theatralischen Pomp“, der den fortlaufenden Reim veranlasst, darf
-man nicht mit Unrecht in Karl Martells Antwort an die Gesandten sehen
-und in manchen anderen Reden der Kriegsscenen. Jene Antwort Karls
-bewegt sich eine Zeitlang sogar strophisch, um aber schließlich
-in einfache Reimpaare zu verlaufen. An manchen Stellen, an denen
-bei Tieck Reime als Schmuck des Blankverses auftreten, lässt sich
-eine Steigerung des rhetorischen Pathos und der Gefühlswärme und
-eine gewisse „Feierlichkeit“ erkennen. So im Prologe, in Golos
-zweitem Monologe.[768] Wenn Wolf und Genoveva, erfreut über die
-Siegesnachricht, aus dem Gespräche ins Gebet übergehen, so stellt
-sich der Reim ein. Auch Wolfs Entzücken über den Mohrensäbel ist
-gereimt.[769] Wolfs feierliche Ermahnungen vom Sterbebette aus sind
-zumeist gereimt.[770] Allein für verschiedene andere gereimte Stellen
-will sich kein deutlicher innerer Grund finden lassen. Nun, was
-Schlegel an Shakespeare vermuthet, dass er nämlich öfters reimte, weil
-er eben Lust daran fand, das dürfen wir bei Tieck sicher mit ebensoviel
-Recht vermuthen.
-
-Die Gegner der Romantik verurtheilen das bunte Rhythmen- und
-Strophengewebe der romantischen Dramen ohne Mitleid. Merkel nennt
-diese Mannigfaltigkeit einen „Unsinn“, der jede Regel der Vernunft
-überspringe. Das eine ist richtig, der Eindruck des Gemachten,
-Willkürlichen und Gekünstelten wird keineswegs überall in der
-„Genoveva“ vermieden. Tieck sucht mitunter zu ferne Liegendes, in
-seinem Wesen Verschiedenes zu vereinigen. Die südländlische prunkvolle
-Stanze, die zugleich altdeutsch treuherzig erklingen soll, die nämliche
-pathetische Strophe für die kindliche Redeweise Schmerzenreichs, Sonett
-und Stanze im Dialoge zerfasert: dies sind so innerlich fremdartige
-Momente, dass sich kaum eine harmonische Verschmelzung derselben und
-ein befriedigender künstlerischer Eindruck erwarten lässt; wenigstens
-Tieck ist es nicht gelungen, das Widerstreitende zu versöhnen. Allein
-die Dissonanzen sind, wie unsere Betrachtung zeigte, doch nur auf
-einzelne Punkte in der Dichtung beschränkt und auf weiten Gebieten der
-Dichtung konnten wir ein natürliches, zwangloses Ineinandergreifen von
-Form und Inhalt beobachten und nachempfinden. Hier wird durchaus nicht
-jede Regel der Vernunft übersprungen. Ein einheitlicher Gesammteindruck
-des Werkes wird freilich durch die metrische Vielgestaltigkeit so wenig
-gefördert als etwa durch die allzu reich abgestufte Sprache oder durch
-den Mangel einer organischen Composition und Einheit von innen heraus.
-Aber wir dürfen nur nicht vergessen, dass wir in der „Genoveva“ einen
-romantischen Dichtertraum durchträumen. Die Romantiker von 1800 waren
-einmal auf dieses Traumbild erpicht und wir müssen hier wiederum den
-Autor zuerst aus sich und seinem Gedankenkreise heraus commentieren
-und verstehen. Das einzelne vorüberschwebende Bild und seine Stimmung
-haben selbständigen Wert und dabei hören wir Inhalt, Sprache und
-Rhythmus meistens auf das wirksamste zusammenklingen. Auch Rhythmus
-und musikalischer Reimwohlklang haben in der Schätzung des Romantikers
-eigenen Wert für sich. Für die einzelnen Situationen unserer Dichtung
-sind die metrischen Formen eine anschmiegsam begleitende Musik:
-für das Ganze aber wieder nicht mehr, als eine Regel von außen, um
-„widerspenstige Elemente in Ordnung zu halten“.
-
-Auch für die metrische Einkleidung wirken die zwei großen Vorbilder
-der Romantik, Shakespeare und Calderon, maßgebend in der „Genoveva“
-zusammen. Die Shakespearische Form wird nach Tiecks eigenem Worte mit
-der spanischen verbunden. Das heißt mit bewusster Folgerichtigkeit von
-Tieck gehandelt. Der Geist der romantischen Poesie hatte in Shakespeare
-und Calderon verwandte aber zugleich auch verschiedene Organe
-gefunden. Die neuen Romantiker, die wieder zur einen romantischen
-Urpoesie zurückstreben, machen sich keines Widerspruches schuldig,
-wenn sie auch die Darstellungsweisen ihrer höchsten Meister zu
-vereinigen und so zu einer höheren Synthese fortzuschreiten suchen.
-Bernhardi, der romantische Kritiker, ist mit Tiecks Vorgehen ganz und
-gar einverstanden und macht sich anheischig, die einzelnen Silbenmaße
-in der „Genoveva“ in einer eigenen Abhandlung zu rechtfertigen.
-Vorläufig fällt er nur das allgemeine und im ganzen nicht unzutreffende
-Urtheil:[771] „Prose und Silbenmaß und die mannigfaltigsten Arten
-desselben wechseln miteinander ab, und aus dem Stoffe ergibt sich die
-jedesmalige Darstellung durch ein bestimmtes Silbenmaß als nothwendig.“
-
- * *
- *
-
-Tiecks „Genoveva“ ward aus dem Geiste der Romantik geboren und wirkte
-entscheidend für das mächtige Anwachsen der katholisierenden Strömung
-in Deutschland am Anfange unseres Jahrhunderts und wies so selbst
-wiederum der Entwickelung des romantischen Geistes eine neue Richtung.
-Auch die alterthümelnde, auf das Deutsche und Vaterländische abzielende
-Bewegung bekam einen neuen mächtigen Antrieb. Hettner nennt das Werk
-mit Recht die Wetterscheide der Romantik. Tieck selbst nennt sie eine
-„Epoche“ in seinem Leben.
-
-Man kann nicht gerade sagen, dass Tieck nur durch Fr. Schlegels
-ästhetische Lehren „verdorben“ worden sei. Tiecks eigene vorausgehende
-Production und Schlegels Doctrin sowie der romantische Geist von 1800
-überhaupt begegneten sich auf halbem Wege. Tiecks phantastische Anlage
-und Neigung fanden in Schlegels Gedanken Förderung und Aufmunterung,
-das vollendete Werk des einen entsprach daher leicht verschiedenen
-theoretischen Wünschen des Genossen; denn die „Genoveva“ wurde
-recht eigentlich „die Darstellung eines sentimentalen Stoffes in
-phantastischer Form“.
-
-Tieck und Wackenroder entdecken die Poesie des Alten und Religiösen.
-Durch Schleiermacher, Novalis, Calderon und Jakob Böhme erhielt
-die neue Richtung des immer beweglichen, empfänglichen und leicht
-anempfindenden Dichters mächtige Impulse und es sammelten sich in
-seinem Gemüthe jene Stimmungen und Vorsätze, die sich an den Stoff
-des Genovevabüchleins anschlossen, nachdem noch ein anderer lebhafter
-Anstoß durch Maler Müllers Drama vorausgegangen war. Tiecks und der
-Romantiker neue Richtung ist zugleich eine energische Opposition gegen
-die den Zeitgeist beherrschende Aufklärung. Mit hoher Ehrfurcht tritt
-Tieck an das Volksbuch heran, an die ehrwürdige Urkunde alter deutscher
-Volkspoesie und dramatisiert die Erzählung von Anfang bis zum Ende
-und dieses pietätvolle Festhalten am alten poetischen Stoffe war, wie
-wir sahen, ein Verdienst in den Augen romantischer Kunstrichter. Nur
-das Allzukarge wird erweitert und abgerundet. Tieck nimmt für die
-Bereicherung seines Werkes Motive und Reminiscenzen aus Maler Müller,
-Shakespeare, Calderon und verschiedene Gedanken Jakob Böhmes auf, welch
-letztere er ein wenig mit zeitgenössischer Naturphilosophie „tingiert“.
-Alles, was von geistigen Anregungen damals auf ihn eindrang, findet
-in der „Genoveva“ seinen sanften Widerhall. Das Werk wird ein Spiegel
-seines Schöpfers und das ist wieder echt romantisch. Fr. Schlegel
-verlangt ja vom Roman (und damit von der romantischen Poesie),
-er solle eine „Encyklopädie des gesammten geistigen Lebens eines
-genialischen Individuums sein“. Die Motive, welche Tieck anderswoher
-nimmt, werden „tieckisiert“ und so sein Eigenthum. Die einfache
-Legende wird in ihrer neuen Gestalt auch zu einem episch breiten
-Zeitbilde erweitert und das geschieht wieder im Sinne der romantischen
-Doctrin, der zufolge das romantische Drama das ganze bunte Schauspiel
-des Lebens in sich fassen soll. Die Auffassung des Stoffes ist eine
-durchgehend legendenmäßig-religiöse, von dem altdeutsch-frommen Sinn
-beherrschte und da im Mittelalter die Religion der erste Leitstern
-des Denkens und Lebens war, wie Wackenroder und Novalis lehrten und
-wie es Schleiermacher für die Gegenwart wieder forderte, so wird
-auch das ganze breite Gemälde in religiöse Beleuchtung gestellt.
-Alles Komische ist als störend ausgeschlossen. Tiecks Religion ist
-aber dabei ein weiches, weichliches Empfinden, unter dessen Einfluss
-verschiedene Gestalten die Dichtung, besonders die Heldin selbst zu
-kraft- und marklosen Wesen werden. Schleiermachers Gefühlsreligion
-gieng durch Tiecks weiches Gemüth hindurch und wurde zum bloßen
-poetischen Stimmungshauche. Die Religion in der „Genoveva“ erscheint
-zwar überwiegend als Christenthum, zum Theile sogar als ausgesprochen
-katholisches Christenthum. Es ist dies aber keine Confession, die
-aus Tiecks religiöser gläubiger Überzeugung entspringt, sondern eine
-religiöse Kunststimmung, eine „prédilection d’artiste“. Eine geheime
-Unterströmung wirklich religiöser Sehnsucht begleitet wohl diese
-Kunststimmungen. Die Idee einer synkretistischen, echt romantischen
-Religion steht im Hintergrunde.
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-Stimmung, Licht und Luft, das „Klima“ der Begebenheiten ist für Tieck
-wichtiger, als die im festen Causalnexus gegliederte Handlung, als
-energisch und klar gezeichnete Charaktere und deren Schicksale. Die
-Figuren sind mit wenigen Ausnahmen matt und schemenhaft gerathen oder
-vielmehr beabsichtigt. In der Stimmung, besonders in der religiösen
-sowie in der Liebe, liegt Unendlichkeit. Auch Zeit und Ewigkeit
-berühren sich. Die Religion gewährt „bedeutende Ausblicke“ in die
-Ferne. Der Glaube ist unendlich. Kein Wunder, dass die Vermählung von
-Religion und Poesie um 1800 zum unerlässlichen Punkte des romantischen
-Programmes wird. Dem überschwänglich gesunden Menschenverstande des
-Oberaufklärers Nicolai zum Hohn sollte Phantasus den romantischen
-Dichtergarten beherrschen.
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-Nicht bloß stoffliche Universalität verlangt die romantische Theorie,
-auch Poesie und Prosa und „alle Gattungen der Poesie“ sollen zum Strome
-einer unendlichen Urpoesie wieder zusammenfließen. Auch dies geschieht
-in der „Genoveva“, soweit es eben im einzelnen Werke geschehen kann.
-Nach Shakespeares Muster werden Epik und Drama ineinandergeflochten und
-Vers und Prosa müssen reichlich wechseln.
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-Lange ausklingende Lyrica und der Formenreichthum der Südländer kommen
-unter dem Einflusse Calderons, des zweiten romantischen Großmeisters,
-dazu und potenzieren die Künstlichkeit der Form zu nie dagewesener
-Höhe. Um das Zusammenweben aller Formen und Gattungen zur freien, auf
-die Phantasie gestellten Universalpoesie zu ermöglichen, hatte man
-noch das Gesetz geschaffen, dass die Willkür des Dichters kein Gesetz
-über sich leide. Dies geschah und so konnte der Poet mit Zeit und Ort
-in freiester Kühnheit schalten. Traumartig schweben die Bilder in bunt
-wechselnder Mannigfaltigkeit vor unserer Phantasie vorüber, nur durch
-den höchst dehnbaren Rahmen von Prolog und Epilog zusammengehalten.
-Das monarchische Princip, die Herrschaft eines Helden im dichterischen
-Werke, ist gestürzt und eine republikanische Verfassung proclamiert.
-Tieck schiebt bald die eine, bald die andere Figur in den Vordergrund,
-wie es Fr. Schlegel im Roman verlangte.
-
-Trotz alledem soll aber die romantische Poesie nicht ganz von
-aller Zucht und Ordnung losgebunden und so eine unkünstlerische,
-ungegliederte wüste Masse sein. Sie soll ein „vernünftiges Chaos“
-werden. Sie ist der allseitigsten Bildung fähig „von innen heraus“ und
-„von außen hinein, indem sie jedem, was ein Ganzes in ihren Producten
-sein soll, alle Theile gleich organisiert“. Auch Tieck sucht Vernunft
-in das phantastische Chaos zu bringen. Das bewerkstelligt er durch
-die Künstlichkeit einer äußerlichen Symmetrie, durch Contrastieren,
-Parallelisieren und allerlei sinnreiche ahnungweckende Beziehungen.
-Die Bildung „von innen heraus“, einen alles organisierenden
-Geist muss bei ihm die gemeinsame Auffassung, ein durchgehender
-„alterthümlich-religiöser Ton“ ersetzen. Tiecks romantische
-Künstlichkeit erreicht aber nicht, was Fr. Schlegel im steten Hinblick
-auf „Wilhelm Meister“ fordert.
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-Für die altdeutsche Legende wird außerdem noch dem Costüm einige
-Aufmerksamkeit gewidmet, aber jede pedantische Genauigkeit dabei
-vermieden. Die ganze archaisierende Dichtung wird von reichlichen
-weichen und innigen Naturstimmungen durchwoben. Das Freundliche und
-Milde der Natur herrscht, das düstere Grauen ist bis auf kleine Spuren
-verschwunden. Hochromantisch ist die sympathetische Beseelung sowie die
-malerische und musikalische Auffassung der Natur. Tieck lauscht „dem
-wunderbaren Liede, das in den Dingen schläft“. Das Alterthümliche sowie
-die romantische Naturandacht bilden im Verein mit dem Religiösen den
-einigenden Ton, der außer dem umschließenden Prologe und Epiloge die
-verschiedenen Theile zusammenfasst.
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-Ein Seitenstück zur künstlichen und künstelnden Composition ist die
-künstliche und oft auch verkünstelte Sprache und Metrik. Tieck ist
-ein souveräner Beherrscher der Sprache; er versteht es, die Perioden
-und Sätze zu runden und abzuschleifen, wenn er nicht absichtlich
-Unebenheiten dem Archaismus zuliebe einstreut. Es ist keine energisch
-charakterisierende, sondern eine idealisierende, nivellierende Sprache,
-die sich von der Wirklichkeit entfernt und nur im Äther der reinen
-Kunst schweben will. Innerhalb dieser idealisierenden Diction zeigt
-sich der Virtuose wieder im Nüancieren nach allen Richtungen. Jedem
-Inhalte gibt Tieck mit Leichtigkeit das entsprechende sprachliche
-Kleid und zur Sprache tritt der Rhythmus, der sich gleichfalls meist
-mit höchster Elasticität dem Inhalte der einzelnen Situationen
-anschmiegt. Im ganzen wenigstens gelingt es fühlbar; dort und da fehlt
-es nicht an störender Willkür. Eine hohe Künstlichkeit und universale
-Mannigfaltigkeit, ein eigenartiger Formenreiz -- lauter romantische
-desideria -- werden erreicht.
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-Selbst die romantische Ironie darf nicht ganz fehlen, das bewusste
-Schweben des Dichters über seinem Stoffe auf den Flügeln der poetischen
-Reflexion, das Darstellen des Spieles des Lebens als wirkliches
-Spiel. Sie tritt in der Einkleidung der „Genoveva“ hervor. Das
-ganze ist als auftauchender und wieder verschwebender poetischer
-Traum gekennzeichnet, der nur auf poetische, durch die Phantasie
-gerechtfertigte Wahrheit Anspruch macht. --
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-Die Stimmungen, aus denen die „Genoveva“ erwuchs, beherrschten um 1800
-den romantischen Dichterkreis. Allein selbst über diesen hinaus lassen
-sich ihre Spuren verfolgen. Tieck thut sich etwas darauf zugute, dass
-sein Werk nicht nur auf Zach. Werner und ein Heer von katholischen
-Dichtern, sondern selbst auf Schillers „Maria Stuart“ und „Jungfrau von
-Orleans“ gewirkt habe.[772] Allzu hoch darf aber diese Einwirkung auf
-Schiller nicht angeschlagen werden, da Schiller auf einem ganz anderen
-eigenen Wege zu einer verwandten Richtung und künstlerischen Anschauung
-gelangte. Die Verbindung des Schicksalsmäßigen mit einem katholischen
-mittelalterlichen Stoffe konnte Schiller noch am verwandtesten
-berühren, wenn er Tiecks Dichtung las. Auffallend ist es immerhin,
-dass bei Schiller das Mittelalterliche, der äußere romantische
-Prunk, Troubadourmäßiges und kriegerische Bilder, die Verklärung der
-Heiligen am Schlusse, das Lyrisch-Musikalische, die vielen Motive,
-die episierende Zwanglosigkeit, der Wechsel metrischer Maße sich
-in merkwürdig ähnlichen Geleisen bewegen, wie Tiecks romantische
-Poesie. Das Katholische und eingeschaltete Lyrik treffen wir schon in
-„Maria Stuart“. Lyrisches, Christenthum und Fatalismus begegnen uns
-wieder in der „Braut von Messina“. Das Biographische, der episierende
-Charakter, das bunte reiche Zeitbild, wortreiche Personen, viel directe
-Charakteristik, ein beinahe leidender Held: all das begegnet uns
-bereits im „Wallenstein“. In Goethes „Natürlicher Tochter“ findet sich
-auch das epische Verweilen bei der Situation, das romantisch Dämmernde,
-die höchst idealisierende Form und Sprache. An Herders Wirken, das sich
-mehr und mehr den Tendenzen der Romantik nähert, sei nur noch erinnert.
-Es geht ein gemeinsamer verwandter Zug durch die Literatur. „Wilhelm
-Meister“, an dem sich Schiller und die Romantiker begeistern, ist ein
-wichtiges Ferment im großen Processe. Nicht allzu voreilig wird man
-also bei verwandten Erscheinungen außerhalb des engeren romantischen
-Kreises auf directe Einwirkung von dieser Seite her schließen.
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-Von hier aus dürfen wir noch einen Blick in jene Literaturperiode
-zurückwerfen, in die manche Wurzeln der Romantik gesenkt sind, in
-die Sturm- und Drangjahre und auf das Genovevadrama dieser Zeit, das
-zwar mit seiner Entstehung um zwei Decennien vor der Romantik der
-„heiligen Genoveva“ liegt, aber doch eine directe Verbindung dieser
-mit der Geniezeit herstellt. Damals trat Möser zuerst mit weitsehendem
-Blicke an das Mittelalter heran. Herder und Goethe wurden von seiner
-Begeisterung für das Alte ergriffen.
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-Im „Götz“ stieg die romantische Ritterzeit lebenstrotzend aus dem
-Grabe der Vergessenheit herauf und Herder erweckt das Volkslied mit
-seiner ganzen innigen Gemüthsfülle zu neuem Leben. Ritterthum und
-deutsche Vergangenheit wurden ein Lieblingsthema der Geniemänner. Unter
-dem Trosse der Ritterdramen, die dem „Götz“ folgten, ragte Müllers
-„Golo und Genoveva“ ansehnlich hervor, das Stück, welches für Tieck
-in besonderer Art bedeutend wurde. Beide Dichter, Müller und Tieck,
-greifen in die deutsche Vergangenheit zurück und nehmen denselben
-alten, volksthümlichen Legendenstoff zur dramatischen Behandlung auf,
-Müller das Puppenspiel, Tieck das Volksbuch. Beide bereichern in
-mannigfacher Weise ihre Vorlage und sind dabei von älteren und neueren
-literarischen Vorbildern abhängig. Shakespeare, „Götz“ und „Werther“
-wirken auf beide Dichter; allein für Tieck vermittelt Müller selbst
-die Verwertung jener Vorbilder. Eine shakespearesierende Technik,
-ein Sprengen des einheitlichen dramatischen Baues und ein Ausdehnen
-in die Breite der dialogisierten Biographie herrscht im Drama der
-Geniezeit und ebenso im Werke des Romantikers, die Einschaltung
-weicher Lyrica finden wir bei Müller wie bei Tieck. Nicht unbedeutende
-Züge giengen direct von Müller auf Tieck über. Ein „eigen Herz“,
-freies Entfalten und Ausleben aller Lebenskräfte ist der höchste
-Wunsch der Originalgenies in den siebziger Jahren und ein ähnliches
-Lebensideal verfolgt die Romantik der Genossen von Jena. Müllers
-Mathilde und Tiecks Golo möchten ihre Individualität in schrankenloser
-Selbstherrlichkeit gewähren lassen; Golo will freie Bahn für seine
-excentrische Leidenschaft, Mathilde für ihre titanische Willenskraft.
-Ins Ungewöhnliche streben beide Richtungen hinaus. Beide hassen ja
-von Haus aus das Alltägliche, Platte, Nicolaitische. Beide Dichter
-arbeiten ziemlich viel Naturempfindung in ihre Werke hinein, Müller
-naturalistisch malend, Tieck musikalische Stimmungen erweckend. Dem
-Costüm gegenüber sind beide ziemlich sorglos, aber sorgloser und
-eigenmächtiger als Tieck ist Müller.
-
-So viele Verbindungsfäden nun auch aus der Geniezeit in die
-Romantik herüberleiten, in den zwanzig Jahren, die zwischen beiden
-Dichterkreisen liegen, hat sich manches in der deutschen Literatur
-begeben, unter dessen Einwirkung die Romantik ihre eigenen Wege geht.
-Müller und Tieck behandeln den gleichen volksthümlichen Stoff, sie
-nehmen aber eine ganz verschiedene Stellung zu ihrer Vorlage ein.
-Müllers Auffassung der Legende ist eine rein weltliche, jene Tiecks
-durchaus religiös. Müllers Genoveva hat ihre Heiligenaureole abgelegt,
-sie ist zum natürlich unschuldigen Weibe geworden, das Religiöse
-ist auf das engste beschränkt. Tieck sucht eine mittelalterliche
-Heilige auf schimmerndem Goldgrund zu malen, religiöse Stimmung in
-allen Schattierungen beherrscht seine Dichtung. Das Schicksalsmäßige
-wird bei Müller mehr im übertragenen Sinne der unwiderstehlichen
-Leidenschaft nachgesagt, bei Tieck tritt mitunter ein wirklicher
-Naturfatalismus ein. Der romantischen Auffassung entspricht es, dass
-Calderon und Jakob Böhme als Vorbilder bei Tieck neben den auch für
-Müller maßgebenden Shakespeare treten. Müller nimmt nur die Grundzüge
-der Überlieferung auf und schaltet frei und selbständig mit seiner
-Vorlage, Tieck hütet sich vor jedem allzukühnen Eingriff in die
-geheiligte Tradition. Müller tritt als Dramatiker an die Legende heran
-und was seinem Zwecke nicht dient, wird ausgeschieden. Es bleiben zwar
-bei ihm noch manche Weitschweifigkeiten, aber nirgends verleugnet
-sich bei ihm ein frischer dramatischer Pulsschlag. Tieck führt die
-dramatische Form äußerlich auch zumeist durch, aber er geht trotzdem
-fast immer als Erzähler und Stimmungsmaler und als romantischer Poet
-vor, der „alle Gattungen von Poesie“ vereinigen möchte. Die Romantiker
-beurtheilen das Schauspiel nach den Gesetzen des Romans. Ein Vergleich
-etwa zwischen Müllers Kerkerscene voll dramatischen Lebens und der
-Tieck’schen Kerkerscene voll Empfindungsweichheit und breiter Reden
-ohne Vorwärtsbewegung ergibt sprechend die Differenzen zwischen beiden
-dichterischen Generationen. Bei Müller treffen wir wenige Scenen,
-die bloß um ihrer selbst willen da sind, bei Tieck könnte man eine
-lange Reihe streichen, ohne den Fortgang der eigentlichen Handlung zu
-stören. Die Sprache endlich ist bei Müller eine leidenschaftbebende,
-drastische, oft derbe Prosa, die bis zum Dialect herabsteigt, bei Tieck
-ein idealisierender, beflügelter, über die Dinge leicht hinschwebender
-Stil, der sich mit einem reichen Chor südländischer Strophenformen
-zu gemeinsamem Wohllaut vereinigt. Tieck ist einmal eine vielfach
-anders veranlagte dichterische Persönlichkeit als Müller und er hat
-zugleich auch an den classischen Vorbildern, die zwischen Geniezeit
-und Romantik treten, seine Sprache und Formkunst geschult und treibt
-diese bis zur raffinierten Künstlichkeit, die ganz besonders mithilft,
-das Ganze in einen hyperidealistischen Hauch zu verflüchtigen.[773]
-A.W. Schlegel formulierte schon 1806 den Gegensatz zwischen Geniezeit
-und Romantik mit den Worten: „Wie Goethe, als er zuerst auftrat,
-und seine Zeitgenossen Klinger, Lenz u. s. w. (diese mit roheren
-Missverständnissen) ihre ganze Zuversicht auf die Darstellung der
-Leidenschaften setzten, und zwar mehr ihres äußeren Ungestüms als ihrer
-inneren Tiefe, so meine ich, haben die Dichter der letzten Epoche die
-Phantasie, und zwar die bloß spielende, müßige, träumerische Phantasie,
-allzusehr zum herrschenden Bestandtheil ihrer Dichtungen gemacht.“[774]
-
-Das halbe Menschenalter, das zwischen dem Sturm und Drang und den
-Blütentagen der Romantik verfloss, hat der romantischen Dichtung eine
-neue Signatur aufgedrückt. Die literarische Strömung der siebziger
-Jahre wirkt noch deutlich in der jungen Generation nach, aber diese ist
-doch auch zugleich in ihrem inneren Wesen und in ihrer künstlerischen
-Erscheinung eine andere geworden.
-
-
-
-
-V.
-
-Urtheile der Zeitgenossen über Tiecks „Genoveva“.
-
-
-Die Aufnahme, welche Tiecks Werk bei den Zeitgenossen fand, soll kurz
-skizziert werden; denn auch sie beweist, dass die „Genoveva“ ein
-richtiges Kind der Romantik war; sie theilt im Urtheile der Mitlebenden
-ziemlich genau das Geschick der Romantik selbst. Schrankenlos bewundert
-wurde die Dichtung zumeist von den Freunden und gallig verhöhnt von
-den rationalistischen Gegnern. Tieck berichtet nur,[775] dass sein
-Gedicht bei Freunden wie bei Unbekannten und Fremden einen erfreulichen
-Eindruck gemacht und ihm manchen Freund erworben habe. Der Dichter sagt
-damit nicht zu viel. Ein Verehrer Tiecks, Heinrich Schmidt aus Brünn,
-der in Jena studierte, als die „Genoveva“ erschien, erzählt in einem
-späteren Briefe,[776] wie er und „einige zwanzig Bursche“ bis in die
-Mitternachtstunde Tiecks neues Gedicht lasen, wie innig sie Golos Rolle
-nachempfanden und mit Ehrfurcht zur nicht unempfindlichen und doch
-heiligen Genoveva aufblickten.
-
-Es widerfährt Tieck aber nur von jenen Gerechtigkeit, die sich A.W.
-Schlegels Grundsatz vor Augen hielten:[777] „Niemand soll vor einer
-Gerichtsbarkeit belangt werden, unter die er nicht gehört.“ Und da
-waren es natürlich nur Tiecks romantische Genossen, die im romantischen
-Gesetzescodex Bescheid wussten und diesen zugleich als zu Recht
-bestehend anerkannten. Die beiden kritischen Meister äußern sich zu
-verschiedenenmalen, aber nie in einer ausführlichen Recension. Friedr.
-Schlegel schreibt zunächst an Schleiermacher:[778] „Die Genoveva
-habe ich gelesen und wünsche doch, dass Du sie bald auch gründlich
-lesest. Mir ist das Charakteristische im Eindruck das Schöne und
-Liebenswürdige. Sie macht einen sehr sanften und zarten Eindruck
-auf mich. Ad extra ist wohl die Energie der Leidenschaft das Beste
-darin, die den Leuten imponieren muss.“ In der „Europa“[779] lobt er
-eine andere Seite des Werkes. Es ist ihm als „mythische Poesie“ eine
-„göttliche Erscheinung“ und er meint: wäre das Pittoreske in der ersten
-und das Musikalische in der zweiten Hälfte mehr herausgehoben, so würde
-sie sogar dramatisch wirksam sein. In einem Sonette an Tieck[780]
-endlich fühlt Fr. Schlegel, dass, als Genoveva „in frommer Schöne“
-nahte, die Poesie gekommen sei und kindlich in holder Klarheit blühe.
-In die „Europa“[781] nahm Friedrich auch von einem H. v. Hastfer
-herrührende „Gespräche über Tiecks Poesie“ auf, in denen der „Genoveva“
-außerordentliches Lob gespendet wird. Die „Genoveva“ war und blieb
-Friedrich das liebste von Tiecks Werken.
-
-In die Begeisterung stimmt Wilhelms Sonett[782] ein und feiert Tieck
-als den Wiedererwecker der alten frommen Poesie in neuer Gestalt:
-
- „Du, in der Dichterbildung reichster Blüte,
- Bringst uns verwandelt wieder jene Zeiten,
- Wo Adam auf der Bühn’ erschien und Eva.
- Ja, Dank sei Deinem kindlichen Gemüthe,
- Heiligst die Kunst, verschönerst Heiligkeiten,
- Und machst zum Lied das Leid der Genoveva.“
-
-Ein wenig nüchterner spricht schon 1806 der „Brief an Fouqué“[783]
-und die Wiener „Vorlesungen“ von 1808[784] nennen zwar die „Genoveva“
-nicht, aber sie tadeln die romanhafte Breite sowie das Überwiegen des
-Musikalischen und Malerischen in der neuen romantischen Dramatik,
-die eben durch Tiecks „Genoveva“ und den ihr folgenden verwandten
-„Octavian“ hauptsächlich vertreten war.
-
-Ein Jahr nach dem Erscheinen der „Genoveva“ 1801 kommt von J.J.
-Mnioch aus Warschau eine Epistel[785] voll Bewunderung. „Die
-Genoveva wird gefeiert unter den Freunden“ und Mnioch vertheidigt
-die Verschiedenartigkeit der Formen gegen die Tadler derselben.
-Gleichzeitig ist Karl v. Hardenberg von der „Genoveva“ „erquickt und
-begeistert“.[786]
-
-Die ausführlichste Kritik stammt aus der Feder des dem romantischen
-Kreise und besonders Tieck nahe befreundeten Wilhelm Bernhardi. Sie
-erschien im „Berlinischen Archiv der Zeit und ihres Geschmackes“.
-Die entscheidenden Gedanken derselben wurden in unserer Untersuchung
-bereits berücksichtigt. Bernhardi kritisiert nach den romantischen
-Grundgesetzen; er lobt in etwas zu hoher Pietät alles an der „Genoveva“
-und berührt keine Schwäche des Werkes. Er sucht aber sein Lob jedesmal
-zu begründen. Bernhardi empfindet das Poetische der Volksbuchmotive,
-aber mit noch liebevollerem Eifer verfolgt er Tiecks große und kleine
-Künstlichkeiten und lobt auch Tiecks Festhalten an der „geheiligten
-Tradition“. Er findet daher auch die katholische Auffassung ganz
-begründet. Auch die vielen Nebenpersonen werden gerechtfertigt; sie
-sind Contrastbilder zu den Hauptfiguren, theils für den Fortschritt
-wichtig, theils durch die Tradition verlangt. Die Nebenscenen sind
-auch nicht unnütz. Theils verdanken sie wieder der Vorlage ihr Dasein
-oder sie sind Ruhepunkte nach den „angreifendsten oder effectvollsten
-Scenen“ oder sie sind „Andeutungen des freien Spieles“, da jedes
-Kunstwerk ein Product der Freiheit mit dem Bewusstsein ist, oder sie
-dienen dem Contraste und dem Colorite und manches endlich gehört zur
-„Kategorie der Begreiflichkeit, das ist: es dient zur Bildung des
-Ganzen als Verstandesbegriff“. Der Recensent sucht die Stellung des
-heil. Bonifacius zu würdigen und die verschiedenen Metren, in denen er
-spricht, zu erklären. Die wechselnden Formen finden hohes Lob. Hie und
-da legt Bernhardi in seinem freundschaftlichen Eifer sogar mehr in die
-Dichtung hinein, als vermuthlich Tieck selbst.
-
-Ein jüngerer Romantiker, Achim von Arnim, stellt in der „Zeitung
-für Einsiedler“ (1808 Nr. 13) einen Vergleich zwischen Tiecks und
-Müllers Drama an und sucht beide aus der Stimmung ihrer Zeit heraus zu
-erklären. Auch anderen Romantikern liegt die „Genoveva“ im Sinne. Es
-wird in ihren Dichtungen auf sie angespielt oder auf das Volksbuch,
-das durch Tieck zu neuen Ehren gekommen war. So in Brentanos „Godwi“
-und „Märchen“. In Eichendorffs „Ahnung und Gegenwart“ liest der Held
-das Volksbuch und er besitzt ein Gemälde, das die Auffindung Genovevas
-darstellt. In seiner Literaturgeschichte,[787] in der Eichendorff
-besonders den religiösen Gehalt der Dichtungen prüft, spendet er
-der „Genoveva“ Tiecks folgendes Lob: „Eine durchaus katholische
-Weltanschauung endlich waltet in seinem unstreitig vollendetsten Werke,
-in der Genoveva, bis in den kleinsten Beischmuck hinab. Das Ganze
-wird vom Prolog und Epilog des heil. Bonifacius wie ein Altarbild von
-altkirchlichem Goldrahmen eingefasst; die Verherrlichung der Kirche ist
-der geheimnisvolle Mittelpunkt, um den alles gläubig oder widerstrebend
-sich bewegt. Genoveva erscheint von vorneherein nicht etwa als bloße
-moralische Ehefrau, sondern als die Kirchenheilige, die gottgeweihte
-Märtyrin, welche Christus, ihr im Traume die weiße Rechte reichend,
-sich zur Braut erkoren und ihr das bevorstehende Leiden verkündet
-hat.“ Eichendorff legt aber dabei gewiss manches als erfüllt in Tiecks
-Dichtung hinein, was nur sein eigener, ehrlicher Wunsch war und nimmt
-selbst gleich nachher sein Lob zum Theile wieder zurück.
-
-Helmine v. Chezy verdankt der „Genoveva“ und dem „Sternbald“ manche
-religiös erbauliche Stunde[788] und F. Rochlitz hohen poetischen
-Genuss.[789] Koberstein las 1819 die „Genoveva“ als erstes Buch, das
-ihm von Tieck bekannt wurde und der Eindruck war „unbeschreiblich und
-entscheidend“ für sein ganzes Leben.[790]
-
-Interessant ist noch vor allem Tiecks Briefwechsel mit seinem Freunde
-Solger, dem romantischen Ästhetiker. Verschiedenes daraus wurde
-schon gelegentlich angeführt. Tieck und Solger führen nämlich 1816
-eine ausführliche Discussion über die „Genoveva“. Solger schreibt in
-einem Briefe[791] eine Art Recension, in welcher er vieles an der
-Dichtung lobt. So Genovevas Hang zu Gott, ihre Vision. Die Täuschung
-Siegfrieds durch Hexerei als Contrast zur Vision sei „herrlich und
-tief“. Die „herrliche“ Entwickelung von Golos Charakter ist Solger
-zu „psychologisch“. Keine bedeutende Beziehung findet er darin, dass
-Golo Othos Sohn ist. Solger führt eine Reihe von Scenen und Stellen
-auf, die ihm besonders gefallen, darunter die Zulma-Episode und das
-traurige Lied. Das Spielende im Religiösen spricht ihn an. Die Scenen
-der Landleute aber wirken nicht zum Ganzen, sie sollten besser komisch
-sein. Heinrich und Else sind als Contrast zu absichtlich. Es fehlt
-der dramatische Nerv und die Weihe der Ironie. Die Sprache dünkt ihn
-ungleich. Besonders fehlt das Gegenwärtige und Nothwendige in der
-Sinnesart, im Alterthümlichen, in der Charakteristik. Die Composition
-ist ihm zu wenig gerundet, der Schluss enthält zu viel Erzählung.
-Manches gibt Tieck zu, nur vertheidigt er die Wahrheit seiner
-Empfindung, den ernsten religiösen „Ton des Gemäldes“, das „Klima“ und
-die Hauptfiguren. Auch in den „Skizzen“ Försters spricht Tieck über
-seine „Genoveva“, über Böhmes Einfluss, über die schlechten Nachahmer
-und die Einwirkung auf Schiller und gibt zu, dass ihm manches darin
-nimmer genüge. Man erkennt deutlich, dass Solger und Tieck so gut wie
-A.W. Schlegel nicht mehr den extrem romantischen Ansichten von 1800
-huldigen, die in der „Genoveva“ zutage treten. Einst war auch Solger
-höher begeistert.[792] Tieck hat sich indessen wieder mit dem Theater
-versöhnt und somit den Traum von der romantischen Universalpoesie
-halb und halb ausgeträumt.[793] Auch Tiecks Freund Steffens, der zur
-Zeit der „Genoveva“ ein warmer Anhänger der Jenenser Romantiker war,
-urtheilt nach langen Jahren (1841) ziemlich kühl über Tiecks berühmtes
-Werk.[794]
-
-Außerhalb der romantischen ecclesiola fand die „Genoveva“ ebenfalls
-einige Beachtung. Tieck selbst weist mit Freude auf Goethes Anerkennung
-hin.[795] Goethe empfand, als Tieck ihm das Werk vorlas, jedenfalls
-verschiedene poetische Seiten sofort heraus und sah vielleicht auch
-mit Wohlgefallen auf Tiecks Virtuosität in Sprache und Versification.
-Wenn man aber Goethes verschiedene Äußerungen über die „Genoveva“
-zusammenhält, so spürt man im Lobe mehr Höflichkeit als ernstliche
-Anerkennung. Goethe musste gegen die mittelalterlich fromme und
-marklos zerfließende Dichtung sehr viel auf dem Herzen haben, aber
-er wollte nur dem jungen Poeten, der so voll Verehrung zu seinen
-Füßen saß, nicht wehe thun.[796] Deutlicher sprechen Körner und
-Schiller von ihrem classicistischen, Schiller auch noch ein wenig von
-seinem persönlichen Standpunkte aus.[797] Körner lobt das poetische
-Talent Tiecks, er findet Phantasie und Innigkeit und Gewandtheit in
-Sprache und Vers, aber der „Geschmack“ fehle ihm. Schiller ist damit
-einverstanden und schreibt:[798] „Er (Tieck) ist eine graziöse,
-phantasiereiche und zarte Natur, nur fehlt es ihm an Kraft und Tiefe
-und wird ihm stets daran fehlen. Leider hat die Schlegel’sche Schule
-schon viel an ihm verdorben; er wird es nie ganz verwinden. Sein
-Geschmack ist noch unreif, er verhält sich nicht gleich in seinen
-Werken und es ist sogar viel Leeres darin.“
-
-Kotzebue wollte Tiecks Drama für die Bühne einrichten, ward aber von
-Tieck zu unfreundlich behandelt und das Project zerrann.[799] Ebenso
-ergieng es mit Iffland.
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-Nahmen die Classiker von Weimar eine halb freundliche, halb kühle
-Mittelstellung ein, so waren im Lager der Berliner Aufklärer alle bösen
-Geister los. Nicolai[800] schimpfte aus Leibeskräften über die tolle
-Legende, die unter der nachhelfenden Hand des Romantikers noch zehnmal
-toller geworden sei. Dem Raume und der Zeit werde übel mitgespielt,
-die Prosa sei dürr, die Verse schlecht u. s. w. Nicolai tritt, soweit er
-sich überhaupt in sachliche Dinge einlässt, mit den Forderungen eines
-Theatralikers an die „Genoveva“ heran und dabei muss diese in Grund
-und Boden versinken. Dasselbe thut Garlieb Merkel, der Todfeind der
-Romantiker,[801] in den „Briefen an ein Frauenzimmer“. Er weiß seiner
-nörgelnden Feindseligkeit am besten dadurch Luft zu machen, dass er
-seine Recension zum größten Theile als einen Vergleich Tiecks mit
-Shakespeare stilisiert. Auf die poetische Seite der verwerteten Motive
-wird keine Rücksicht genommen. Die Regellosigkeit, die sich an die drei
-Einheiten nicht kehrt, der Mangel eines dramatischen Planes und inneren
-Mittelpunktes, die lose Verknüpfung von Haupt- und Nebenhandlung,
-die schlechte Charakteristik werden durchgehechelt. Merkel nimmt es
-mit seiner kritischen Ehrlichkeit nicht sonderlich genau. Einige
-Züge von Golo werden z. B. ausgehoben, die ein ganz schiefes Bild von
-der Gestalt geben und dies wird als Beispiel für Tiecks schlechte
-Charakteristik hingestellt. Selbst die Inhaltsangabe des Stückes ist in
-manchen Punkten falsch. Um Tiecks jämmerliche Stilistik aufzuzeigen,
-werden wieder einige Splitter abgespalten, von denen man (ein Beispiel
-gekünstelter Antithesen ausgenommen) nicht weiß, was sie beweisen
-sollen. Die verschiedenen metrischen Formen sind nach Merkel Unsinn,
-die archaistische Sprache Thorheit. Im übrigen reibt sich Merkel nur
-noch an Kleinigkeiten.
-
-Merkel ist der Antipode Bernhardis. Jener verschweigt alles Gute,
-dieser alles Schlimme. Bernhardi redet nur im Tone höchster Ehrfurcht
-von seinem romantischen Herrn und Meister, Merkel in einer fade
-höhnenden Weise, die an altweibisches Gekeife bedenklich erinnert. Das
-Gebaren beider Kritiker ist nicht unbegreiflich. Welche Gemeinschaft
-sollte zwischen der schal gewordenen Aufklärung und der jungen Romantik
-bestehen? Die Wahrheit liegt, wie so oft beim erbitterten Kampfe zweier
-geistiger Heerlager, in der Mitte. Um dem Wollen der Romantiker gerecht
-zu werden, muss man sie zuerst vor das Forum der Romantik selbst
-bescheiden.
-
- * *
- *
-
-Die „Genoveva“ ist das glänzendste Stück unter jenen Poesien, die in
-den zwei Bänden der „Romantischen Dichtungen“ vereinigt sind. Den
-ersten Band eröffnet die satirische Märchenkomödie „Prinz Zerbino“,
-ein Ausläufer der vorhergehenden Periode des Tieck’schen Schaffens,
-jener Periode der Negation, die noch in die Zeit der frommen,
-innigen, alterthumsfrohen Genovevastimmungen hereinreicht und die
-eine wesentliche Seite von Tiecks geistiger Art vergegenwärtigt. Das
-ganze endlose Lustspiel ist nichts anderes als ein lustiger Krieg
-gegen alle Tendenzen, welche der Romantik feindlich oder gleichgiltig
-entgegentraten. Die Antiromantiker bekommen bald einzeln, bald
-scharenweise den übermüthigsten Humor des Dichters zu verkosten. Neben
-diesem satirischen Muthwillen bemerken wir aber auch in einer Reihe
-von Scenen, wie sich schon die weichen, traumhaften, lyrisch-süßen,
-die eigentlich romantischen Stimmungen ankündigen und der Garten
-der Poesie, wo Bäume, Blumen, Vögel und Farben singen, sprechen und
-flüstern, wo die größten Dichter aller Zeiten sammt Jakob Böhme als
-Hofstaat um die Göttin der Poesie versammelt sind, taucht wie eine
-wundersame stille Märcheninsel aus den Gewässern der Verneinung auf. Im
-Märchen „der getreue Eckart und der Tannenhäuser“, der zweiten Dichtung
-des ersten Bandes, erzählt Tieck die alte Sage vom Berge der Frau Venus
-und verkettet sie mit der Sage vom Rattenfänger von Hameln. Hier gibt
-es keinen satirischen Übermuth. Alte Sagen werden mit den Mitteln der
-romantischen Kunst aufgefrischt. Ein düsterer, schwüler Gesammtton
-beherrscht das Ganze und hält es künstlerisch zusammen. Es offenbaren
-sich hier noch jene düsteren unheimlichen Stimmungen, die vor dem
-freundlich beruhigenden Einflusse Wackenroders den Dichter zeitweise
-ganz und gefährlich beherrschten, die sich aber jetzt nur noch von Zeit
-zu Zeit anmelden.
-
-Der „Genoveva“ gesellen sich im zweiten Bande die Nacherzählung
-des Märchens von der „Melusina“ und das dramatisierte Märchen vom
-„Rothkäppchen“ bei. In letzterem fallen einzelne Hiebe auf die
-Rationalisten. Sonst vermeidet der Dichter in allen Stücken dieses
-Bandes jede große und kleine Bosheit. Interessant ist es, wie Tieck
-im „Rothkäppchen“ gerade durch das oft wiederkehrende Roth einen
-bestimmten Stimmungseffect erzielt und wie so das kleine Drama eine Art
-„Symphonie in Roth“ wird.
-
-Was wir als echte Romantik in der „Genoveva“ kennen lernten, begegnet
-uns fast alles, theils zerstreut, theils in größere Massen gesammelt,
-in den anderen „romantischen Dichtungen“ wieder. Tieck hatte mit
-dem Titel, wie er sagt, nur die Absicht, das Wunderbare in diesen
-Poesien damit anzudeuten. Aber auch ohne besondere Absicht ist all
-das, was man bald mit dem Schlagworte „Romantik“ bezeichnen sollte,
-in diese Dichtungen hineingeströmt. Der romantische Geist waltet
-fühlbar in ihnen. Daher ist es recht begreiflich, dass gerade diese
-Überschrift zusammen mit den theoretischen Erörterungen der Schlegel
-sehr wesentlich dazu beitrug, der Schule ihren Namen zu verschaffen.
-Theilweise sind die „romantischen Dichtungen“ Erneuerungen alter,
-volksthümlicher Sagen und Märchen, also „mythische Poesie“, wie
-sie Friedrich Schlegel wünschte. Das Religiöse, Geheimnisvolle,
-Märchenhafte, Ahnungen und Vordeutungen, Jakob Böhmes Mystik,
-Astrologie und Aberglaube spielen bald dort bald da herein. Das
-träumerische Naturgefühl Tiecks treffen wir gleichfalls an. Ritter,
-Schäfer, Einsiedler, der Kampf mit Heiden und wilden Riesen,
-Tapferkeit, Liebe, Gottesfurcht: lauter Motive und Gefühle, die wir
-als richtige Romantik bezeichnen mussten, sehen wir verwertet. Auch
-in Form und Sprache blühende Romantik. Drama, Epik und Lyrik weben
-sich im „Zerbino“ ineinander, Erzählungen mit Gesang sind „Eckart“
-und „Melusina“, ein Drama mit epischen und lyrischen Einlagen ist
-das „Rothkäppchen“. Contraste und Parallelen als äußere Hilfe der
-Composition fehlen selten. Prosa und Verse wechseln, südländische
-Strophen, Sonette, Stanzen, Terzinen wirft Tieck mitten in die
-schlichte, volksthümliche Prosa der „Melusina“ hinein. Prosa,
-alterthümelnder Balladenton und freirhythmische Lyrik vereinigt er
-im „getreuen Eckart“. Auch die klingelnde Musik gehäufter Reime
-bemerkt man vereinzelt. Der Sprache wird wie in der „Genoveva“ ein
-leicht archaistischer Anstrich gegeben und gewisse stilistische
-Lieblingswendungen der „Genoveva“ begegnen uns in den anderen Stücken
-allenthalben. Mit einem Worte, was Tieck an romantischen Elementen
-in der „Genoveva“ sammelt und verwendet, treffen wir in den übrigen
-gleichzeitigen Werken, wenn auch mehr verstreut, wieder an. Ein
-gemeinsamer Geist lebt und webt in all diesen Erzählungen und Dramen,
-der, könnte man im Sinne der Romantik sagen, ein Mannigfaltiges zu
-höherer Einheit verbindet.
-
-Was nur an romantischen Ideen, Stimmungen und Motiven in diesen
-zwei Bänden sich ansammelte, wird von Tieck noch einmal im „Kaiser
-Octavianus“ (1801-1803) glänzend und prunkvoll zur Schau gestellt,
-einem romantischen Drama, das sich ebenfalls auf der Grundlage eines
-alten Volksbüchleins aufbaut, dessen erster Theil sich wie eine
-Variation des Genovevamotivs liest. Eine unschuldig verleumdete und von
-ihrem Gatten verurtheilte Frau wird mit ihren Kindern in die Wildnis
-hinausgestoßen. Eine Intrigantin ist am ganzen Unglück schuld und
-wird darüber wahnsinnig. Der Gatte erkennt sein Unrecht und trauert
-in tiefer Reue. Die nämlichen Situationen bedingen oft einen nahe
-verwandten sprachlichen Ausdruck. Eine unendliche Fülle von Personen
-und Abenteuern wird in den Rahmen des Stückes hineingearbeitet.
-Genialität und Kritik verbinden sich der romantischen Forderung gemäß;
-denn allegorisch, lyrisch und dramatisch will der Dichter seine Ansicht
-der romantischen Poesie hier niederlegen. Calderon, Shakespeare, Jakob
-Böhme, Religion und weiche Naturstimmung, romantische Universalität,
-Verschmelzung der künstlerischen Gattungen, eine archaisierende
-Sprache und vielfältig erklingende Metrik, eine Metrik und Sprache
-in allen Abstufungen vom derben Prosahumor bis zum pompösen Klang
-der Ottave rime: alles findet wieder Platz im Rahmen einer alten
-Volksbucherzählung. Mit Ausnahme des Humors, der derben Prosa wie
-der Hans Sachsischen Knittelverse finden wir hier allerdings wenig,
-was der „Genoveva“ gegenüber neu wäre. Nur gesteigert, üppiger,
-absichtsvoller erscheint alles im Inhalte wie in der Form. Es ist, als
-ob der eigenthümliche Geist der Jenenser Romantik, dem die „Genoveva“
-als erste, volle, reiche Blüte entsprosste, noch einmal seine Kraft
-zusammengerafft hätte, um in einem hell und bunt aufleuchtenden
-Phantasiefeuerwerk glorreich und flüchtig zu versprühen. Denn mit dem
-„Octavian“ ist eigentlich jene Poesie, die ganz von den Stimmungen
-der Genovevaromantik gesättigt ist, so gut wie vorüber. In Tiecks
-Schaffen tritt bald eine Pause ein und die romantische Gesellschaft von
-Jena, die erst noch so jugendlich stolz und hoffnungsfreudig die Welt
-romantisieren wollte, zerstreut sich in kurzem nach allen vier Winden.
---
-
-Noch zweimal lässt Tieck bei Lebzeiten seine „Genoveva“ in die
-Welt wandern. 1820 erscheint bei Reimer in Berlin eine „neue
-verbesserte Auflage“, die 1828 in den zweiten Band der „Schriften“
-wieder aufgenommen wurde. Eine Reihe von Verbesserungen der ersten
-Neuauflage besteht in der Beseitigung schwerfälliger, unzutreffender
-und undeutlicher Ausdrücke. „Du schönster Thron, aus lauter Licht
-gewebt“: „Du schönster Thron, aus lauter Licht erbaut“. -- „Ihr lasst
-mir Hoffnung hier und Andacht, liebe Freunde“: „Ihr lasst mir Andacht,
-Hoffnung hier als liebe Freunde“. -- „Wen er (der Tod) will von dannen
-tragen“: „Wen er will als Beute schlagen“. Die Verse:
-
- „So ist Hispania durch ein Weib verdorben,
- Die Schuld war, dass die Mohren sind gekommen,
- So litt die Christenheit durch böse Lust
- Des Königs Roderich: so sind wohl Reiche,
- Paläste, große Städte eingestürzt
- In aller Zeit durch unerlaubte Liebe.“
-
-lauten verbessert:
-
- „So ist Hispania durch ein Weib verdorben,
- Die Schuld war, dass die Mohren eingebrochen,
- So litt die Christenheit durch böse Liebe
- Des Roderich: so sind wohl Reich, und Städte
- Schon oft gestürzt durch Schändlichkeit und Lust.“
-
-Ausdrücke, die dem Dichter einst vielleicht schlicht oder archaistisch
-vorkamen, genügen ihm nimmer, sie werden durch höhere, poetischere
-ersetzt. „Die thörichte Bitte“: „Der Bitte Thorheit“. -- „Die Waffen
-von euch allen“: „Die Waffen eurer Scharen“. -- „Herunterschauen“:
-„Herniederschauen“. -- „Mahom sei gepreist“: „Gepriesen sei Mahom“.
--- Das Erscheinen und Thun der rettenden Hirschin wird 1820 ohne
-Bühnenanweisung durch die bloße Aussprache von Genovevas Empfindung,
-die den Vorgang begleitet, dargestellt.
-
-Öfters wird in der verbesserten Auflage durch Inversionen der Sinn
-kräftiger und nachdrücklicher hervorgehoben. Mit „Ich“ beginnende
-Sätze, die wohl auch einstmals für einfach und schlicht galten, werden
-umgeformt. „... er (Sebastian) ist an einen Baum gebunden“: „... an
-einen Baum ist er gebunden“. -- „Ich fühl’ die Liebe, doch ich muss
-nun fort“: „Die Liebe fühl’ ich...“ -- „Ich habe meine Ehr’ durch
-ihn gelöst“: „Durch ihn ist meine Ehre nun gelöst“. -- Unangenehme
-Wiederholungen desselben Wortes in nächster Nähe werden beseitigt.[802]
-Zwei größere Stücke lässt Tieck gänzlich weg, die Scene „In der Stadt
-Avignon“[803] und die Episode vom weggeworfenen und wiedergefundenen
-Trauringe Genovevas.[804] Einzelne Verse dürften dem Dichter als
-überflüssige Wiederholungen des nämlichen Gedankens störend erschienen
-sein.[805]
-
-Diese Änderungen und Verbesserungen sind keine tief einschneidenden,
-sie betreffen fast nur stilistische Einzelheiten und beabsichtigen im
-allgemeinen nur eine sorgfältige Glättung des sprachlichen Ausdrucks.
-Die Dichtung als Ganzes war ihrem Schöpfer nach wie vor als Document
-jener inneren Erlebnisse, die in seiner geistigen Entwickelung eine
-Epoche bedeuteten, heilig, und er rührte nicht gerne daran. „Die
-Ganzheit und Unverletztheit des Gedichtes“ lag ihm also auch noch in
-späteren Jahren am Herzen, so gut wie damals, als er es nicht gerne
-sah, wenn es durch Auslassung, Abkürzung und Umgestaltung für die
-Bühne eingerichtet würde. Man war schon nahe daran gewesen, Iffland
-und Kotzebue, die beiden Theaterbeherrscher, interessierten sich wie
-gesagt dafür. Es kam aber zu keiner Aufführung. Tieck setzte keinen
-sonderlichen Ehrgeiz darein, seine Heilige auf dem Theater zu sehen.
-Dies beweist auch genugsam der Umstand, dass er später während seiner
-Dresdener Zeit keinen Schritt für die Aufführung des Stückes that,
-wo es ihm doch recht leicht gewesen wäre, dasselbe auf die Bühne zu
-bringen. Nur als Operntext und in parodierter Gestalt sollte Genoveva
-das Licht der Rampe erblicken.
-
-Wenn Tiecks Drama auch der Bühne des Theaters fremd blieb, so entzückte
-es doch von der idealen Phantasiebühne aus einst viele Leser, es regte
-bildende Künstler und Dichter an. Die „Genoveva“ im Verein mit den
-„Herzensergießungen“, den „Phantasien“ und dem „Sternbald“ weckte einen
-ganz neuen Geist in jener Künstlergeneration, welche in den ersten
-Decennien des 19. Jahrhunderts unsere Kunst beherrschte. An Stelle
-des classischen Alterthums tritt hier das christliche Mittelalter,
-die Begeisterung für die alte deutsche Art und Kunst. Die Dichtung
-Tiecks selbst regte manchen Künstler zu bildlichen Darstellungen an.
-Die Brüder Riepenhausen zeichneten 1806 einen Genoveva-Cyklus und
-keine Geringeren als Führich, Schwind und Richter folgten mit ihren
-Compositionen nach. Der Traum des „kunstliebenden Klosterbruders“ von
-einer Kunst im Bunde mit der Religion sollte sich erfüllen, wie die
-Vermählung von Religion und Poesie in der „Genoveva“ sich vollzogen
-hatte. Jenen Traum und Wunsch machten nämlich zur Wirklichkeit „die
-Klosterbrüder von San Isidoro“, jene Gruppe von deutschen Künstlern in
-Rom, die sich im Jahre 1810 mit Friedrich Overbeck, dem neuen Giovanni
-da Fiesole an der Spitze, in den verlassenen Zellen des Klosters San
-Isidoro auf dem Monte Pincio ansiedelten und mit wenig Geld und viel
-Begeisterung das Werk der Neubelebung religiöser Kunst mit Ernst und
-Eifer in Angriff nahmen. Der Übertritt zum Katholicismus, mit dem
-einst Tieck poetisch spielend kokettierte, wird für manchen von diesen
-Männern überzeugungsvoller Ernst. Eine fruchtbare Zeit religiösen
-Kunstschaffens brach für Deutschland an, als die Freunde und Schüler
-der Cornelius und Overbeck mit ihren Meistern um die Wette eine rege
-Thätigkeit entfalteten. Alte Bauwerke werden vollendet und restauriert,
-alte Gemälde und Statuen mit pietätvollem Eifer gesammelt und hoch in
-Ehren gehalten. (Kölner Dom. Die Brüder Boisserée.)
-
-Die Begeisterung für das Alterthümliche, besonders für die große
-Vergangenheit altdeutscher Dichtung, gibt der deutschen Wissenschaft
-manchen wirksamen Antrieb und folgenreiche Anregungen, sie bereitet
-auch jene vaterländische Begeisterung vor, die nach wenigen Jahren die
-deutschen Gemüther wie ein machtvoller heiliger Sturm erfassen sollte
-und die Dichtung der nächstfolgenden Zeit entzieht sich ebenfalls
-nicht ganz dem Eindrucke, den Tiecks Werk auf die Gemüther machte,
-wenn die Nachwirkungen auch weniger lebhaft als in der bildenden Kunst
-zu spüren sind. Der bedeutendste romantische Dramatiker, auf den
-Tiecks „Genoveva“ und „Octavian“ im Vereine mit der Schlegel’schen
-Ästhetik entscheidend einwirkte, ist Zacharias Werner. Dieser seltsame
-Mann versucht es, die Bühne des Theaters dem romantischen Geiste zu
-erobern. Seine „Söhne des Thals“ wie „Kunigunde die Heilige“ können das
-romantische Vorbild, dem sie nacheifern, gar nicht verleugnen. Dass
-auch die Dramatik der Brentano, Arnim, Eichendorff, Öhlenschläger,
-Hertz, Atterbom, Andersen, Immermann theils vom Geiste, theils von
-der Kunst der „Genoveva“ beeinflusst ist, wurde schon von mehreren
-Forschern betont.[806]
-
-Nach langer Wanderschaft durch alle möglichen Gebiete unserer
-Literatur, nachdem noch Dramatiker wie Friedrich Hebbel und Otto
-Ludwig die Gestaltung der Legende versucht hatten, gelangte sie auch
-zum trefflichen Erzähler Christoph v. Schmid, der aus dem alten
-Volksbüchlein ein neues machte. Von einem namhaften Einfluss Tiecks auf
-Schmids Erzählung lässt sich kaum reden. Dass die Einleitung derselben
-uns in die Zeit zurückführt, da die Morgenröthe des Christenthums in
-Deutschland aufgieng, dass die trüben Vorahnungen Genovevas betont
-werden und Golo als glänzende ritterliche Erscheinung geschildert
-wird, dass ferner für Genovevas Todesgang trüber Herbst (allerdings
-Nacht) den Hintergrund bildet und die Natur vom traurigen Schauspiele
-sich abwendet: das sind allerdings kleine Züge, die ein wenig auf
-Tiecks Dichtung zurückweisen. Im übrigen bietet Schmid eine einfache
-Neubearbeitung des Volksbuches mit Umgestaltungen und Erweiterungen,
-die den pädagogischen Absichten des Verfassers entsprechen. Alles
-Wunderbare und Übernatürliche wird abgestreift oder rationalistisch
-gedeutet. (Ähnlich gieng Maler Müller vor.) Das Wesentliche
-von den rührenden Motiven ist aber beibehalten. Der schlichte,
-gemeinverständliche und anheimelnde Ton ist glücklich getroffen. In
-dieser Gestalt konnte die alte Legende wieder zu den Hütten des Volkes
-zurückkehren, wo sie schon so lange heimisch war. Dort fand das neue
-Volksbüchlein neben dem alten gute Aufnahme. Am schönen Sommersonntag
-wie am düsteren Winterabend lesen Hirtenjunge und Bauernmädchen mit
-freudiger Rührung im kleinen Büchlein und weihen eine herzliche Thräne
-dem Schicksale der edlen Gräfin Genoveva.
-
-
-
-
-Register.
-
-
-#A#ndersen 255.
-
-Ariosto 61, 255.
-
-Arnim L. A. v. 245, 255.
-
-Atterbom 255.
-
-
-#B#alde J. 62.
-
-Bernhardi A. F. 61, 151 f., 157, 162 f., 165, 234, 245.
-
-Böhme J. 11 f., 26, 98, 113, 115 ff., 156, 162, 164, 166, 187, 194,
-200, 250 ff.
-
-Boisserée (Die Brüder) 255.
-
-Brentano Cl. 246, 255.
-
-
-#C#alderon 11 f., 26, 107 ff., 124, 153, 161, 227 f., 234, 252.
-
-Cervantes 107.
-
-Chezy H. v. 246.
-
-Cochem M. v. 31, 89.
-
-Cornelius P. v. 255.
-
-
-#D#ante 228.
-
-Dürer A. 4, 7, 85, 167.
-
-
-#E#ichendorff J. v. 165, 246, 255.
-
-
-#F#euerbach L. 119.
-
-Fichte J. G. 116.
-
-Freytag G. 201.
-
-Friesen H. v. 165.
-
-Führich J. v. 254.
-
-
-#G#oethe 1, 2, 26 f., 29, 63, 65, 71 ff., 79, 89, 93, 98 f., 103, 147,
-169, 173, 184, 202, 247.
-
-Giovanni da Fiesole 7.
-
-Gower J. 89.
-
-Grimmelshausen 27.
-
-
-#H#aym 116, 164.
-
-Hardenberg Karl v. 245.
-
-Hebbel, F. 255.
-
-Heine H. 174, 213.
-
-Heinse W. 11.
-
-Hemsterhuys 166.
-
-Herder 4, 6, 62.
-
-Hertz 255.
-
-Hettner 65, 83, 164, 179, 235.
-
-Hülsen A. L. 24, 137
-
-
-#I#ffland 60, 106, 248, 254.
-
-Immermann 255.
-
-
-#K#leist H. v. 166.
-
-Koberstein 246.
-
-Köpke R. 28, 115.
-
-Körner Ch. G. 248.
-
-Kotzebue 248, 254.
-
-
-#L#enz R. 153.
-
-Lessing 82, 143.
-
-Lionardo da Vinci 8.
-
-Ludwig O. 255.
-
-
-#M#ayr Chr. 166.
-
-Meiners 6.
-
-Merkel G. 106, 144 f., 192, 233, 248.
-
-Michelangelo 4.
-
-Minor J. 92, 94 f., 98.
-
-Mnioch J. J. 244.
-
-Moscherosch 27.
-
-Müller Adam 166.
-
-Müller Fr. (Maler) 29, 67 ff., 103, 172, 256.
-
-
-#N#icolai Fr. 27 f., 143, 145,[*] 248.[*]
-
-Novalis-Hardenberg 11, 14, 20 ff., 120, 137, 166, 173, 178, 185 f., 207
-f., 210, 212 f., 220 f.
-
-
-#Ö#hlenschläger 255.
-
-Overbeck Fr. 254 f.
-
-
-#P#aul Jean 104, 185.
-
-Petrich 193 ff., 215 f.
-
-Piero di Cosimo 8.
-
-Platen 225.
-
-
-#R#aphael 4, 85.
-
-Richter L. 254.
-
-Riepenhausen 254.
-
-Ritter J. W. 137.
-
-
-#S#achs Hans 26 f., 169, 252.
-
-Schiller 2, 103, 124, 147, 150, 177, 228, 239, 248.
-
-Scheffel 201.
-
-Schelling 25, 116, 122, 137, 225.
-
-Schlegel A. W. 10, 13, 24, 61 f., 64, 85, 104, 107 f., 124, 139, 144
-f., 147 f., 191, 201, 210, 215, 222, 225, 227 f., 230 f., 243 f.
-
-Schlegel Fr. 12, 24 f., 61 f., 65, 112, 137, 147, 166, 215 f., 225, 243
-f., 251.
-
-Schleiermacher 11 ff., 20, 113, 155, 163, 227.
-
-Schmid Christoph v. 255 f.
-
-Schmidt Heinrich 243.
-
-Schwind M. v. 254.
-
-Shakespeare 2, 7 f., 81, 84 ff., 111, 124, 139, 167, 200, 222, 230 f.,
-234, 252.
-
-Solger 30, 86, 106, 116 ff., 164, 187, 192 f., 206, 213, 246 f.
-
-Steffens H. 24, 122, 125.
-
-
-#T#auler J. 116.
-
-Tieck L.
-
- Abdallah 2, 73, 178.
- Blaubart 27, 63, 85, 103, 191.
- Briefe über Shakespeare 85, 112.
- Ekbert 103, 178, 186.
- Der getreue Eckart und der Tannenhäuser 103, 178, 186, 211, 250.
- Dramaturg. Blätter 85.
- Heymonskinder 27, 59.
- Der neue Hercules am Scheidewege (Der Autor) 27 f., 118, 120, 137.
- Karl von Berneck 10, 27, 73.
- Peter Leberecht 27, 60.
- Lovell 2, 63, 73, 85, 103, 178.
- Magelone 17, 27, 87, 108, 179, 210.
- Melusine 29, 87, 137, 226, 250.
- Octavianus 86 f., 101, 108, 112, 117 f. 137, 141, 144, 212, 225,
- 251 f., 254.
- Phantasien 4, 8 ff., 13, 112, 132, 137, 186, 216, 225, 254.
- Phantasus 60, 139, 150, 153, 173.
- Poetisches Journal 84 f.
- Romantische Dichtungen 29, 249 ff.
- Rothkäppchen 29, 250.
- Runenberg 103, 178, 186.
- Schildbürger 27, 60.
- Sommernacht 84.
- Sternbald 4, 8 f., 60, 103, 108, 112, 141, 167, 172, 179, 186, 207,
- 212, 216, 254.
- Der Traum 10.
- Volksmärchen 60.
- Zerbino 85, 87, 108, 117, 137, 141, 143 f., 147, 186, 225, 249.
-
-Twine L. 89.
-
-
-#V#eith Dor. 25.
-
-
-#W#ackenroder 1 ff., 13, 15, 60, 111, 169, 173, 186, 212 f.
-
-Waagen 29.
-
-Watteau 4.
-
-Werner Z. 166, 255.
-
-Wieland 202.
-
-
-[*] Allerdings kann ich seine Autorschaft an der Recension nur
-vermuthen und nicht beweisen; sie ist mit „Im“ unterzeichnet, wofür
-Partheys Mitarbeiter-Verzeichnis bei diesem Jahrgang keine Auflösung
-gibt.
-
-
-
-
-Fußnoten:
-
-[Fußnote 1: L. ~Tieck~, Schriften, 5, 272 („Phantasus“); Fr.
-~Schlegel~, Sämmtliche Werke, 2, 205.]
-
-[Fußnote 2: ~Holtei~, Briefe an L. Tieck, Breslau 1864, 4, 169 ff.;
-~Holtei~, Dreihundert Briefe aus zwei Jahrhunderten, 4. Theil, 27
-ff.; R. ~Haym~, Die romantische Schule, Berlin 1870, 52 ff., 117 ff.;
-~Dilthey~, Leben Schleiermachers, 279 ff.; Tieck und Wackenroder, hrg.
-v. J. ~Minor~, Stuttgart (Spemann), Einleitung. Wegen der Zeilenzählung
-wird, soweit möglich, ~Minors~ Tieck-Ausgabe in Kürschners
-National-Literatur benützt.]
-
-[Fußnote 3: ~Tieck~, Schriften, 4, 15.]
-
-[Fußnote 4: Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders,
-Berlin 1797, 100; Phantasien über die Kunst (in ~Minors~ Tieck und
-Wackenroder), 11 ff.; Rud. ~Köpke~, L. Tieck, Leipzig 1855, 1, 154 ff.;
-H. v. ~Friesen~, L. Tieck, Wien 1871, 2, 140.]
-
-[Fußnote 5: ~Köpke~, 1, 161 ff.; ~Friesen~, 2, 141 ff.]
-
-[Fußnote 6: ~Haym~, 413.]
-
-[Fußnote 7: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 4, 240.]
-
-[Fußnote 8: ~Holtei~, Dreihundert Briefe, 4, 69, 71; vgl. Phantasien ü.
-K., 76.]
-
-[Fußnote 9: ~Holtei~, Dreihundert Briefe, 4, 34 ff.]
-
-[Fußnote 10: Phantasien, 81.]
-
-[Fußnote 11: Herzenserg., 105, 100; vgl. ~Tieck~, Schriften, 4, 46.]
-
-[Fußnote 12: Herzenserg., 6, 11 ff., 40, 106, 165.]
-
-[Fußnote 13: Herzenserg., 162, 171; vgl. ~Tieck~, Schriften, 4, 100 f.]
-
-[Fußnote 14: Phantasien, 39.]
-
-[Fußnote 15: Herzenserg., 131 ff.]
-
-[Fußnote 16: Herzenserg., 108.]
-
-[Fußnote 17: Herzenserg., 158 ff.; vgl. Phantasien, 56, 92.]
-
-[Fußnote 18: Vgl. Schriften, 11, LXXIII.]
-
-[Fußnote 19: Über Kunst und Religion noch Herzenserg., 22, 40 f., 55,
-60 f., 192; Phantasien, 33, 62, 84; ~Tieck~, Schriften, 4, 63.]
-
-[Fußnote 20: Vgl. W. ~Scherer~, Vorträge und Aufsätze zur Geschichte
-des geistigen Lebens in Deutschland und Österreich, Berlin 1874, S.
-323.]
-
-[Fußnote 21: Herzenserg., 114 ff.; vgl. A.W. ~Schlegel~, W.W., 10, 364.]
-
-[Fußnote 22: Herzenserg., 28, 34; Phantasien, 5 ff.]
-
-[Fußnote 23: Herzenserg., 196.]
-
-[Fußnote 24: Herzenserg., 224 f.]
-
-[Fußnote 25: Über die Vorliebe für das Alte: Herzenserg., 9, 27, 34,
-64, 80, 130; Sternbald (Minors Ausgabe), 120 ff., 158 f., 167, 171 f.,
-188 f., 372; Poetisches Journal von ~L. Tieck~, Jena 1800, 1. Stück,
-145 ff.; ~Tieck~, Schriften, 4, 11 f., 56 f., 425.]
-
-[Fußnote 26: Herzenserg., 179-193.]
-
-[Fußnote 27: Herzenserg., 192; vgl. A.W. ~Schlegel~, Recension der
-Herzensergießungen, Sämmtliche Werke, Leipzig 1847, 10. Bd., 363 ff.;
-~Tieck~, Schriften, 11. Bd., LXVIII ff.; vgl. A.W. ~Schlegel~, Berliner
-Vorlesungen über schöne Literatur und Kunst (ed. Minor), Heilbronn
-1884, II, 46. Zum Begriffe „Religion“ wird von Schlegel angemerkt: „Es
-versteht sich, dass mit diesem Namen hier nicht die christliche oder
-irgend eine andere bestimmte, sondern Religion überhaupt gemeynt ist.“]
-
-[Fußnote 28: Sternbald, 161.]
-
-[Fußnote 29: Vgl. Sternbald, 123, 125, 128, 130 f., 153, 180, 184 ff.,
-204 f., 323 etc.]
-
-[Fußnote 30: Sternbald, 346.]
-
-[Fußnote 31: Herzenserg., 116 f.]
-
-[Fußnote 32: Phantasien, 39 ff.]
-
-[Fußnote 33: WW., 11, 35.]
-
-[Fußnote 34: Phantasien, 98 ff.]
-
-[Fußnote 35: Poetisches Journal, 2. Stück, 475 ff.]
-
-[Fußnote 36: An das Wunder mit dem heil. Sebastian in den
-„Herzensergießungen“ (S. 137) denken Wendelin und Else, wenn sie von
-Gott Genovevas wunderbare Befreiung verlangen (Genoveva, 253). --
-Das Land des unerreichbaren Ideals wird in den „Phantasien“ wie in
-der „Genoveva“ als paradiesisches Märchenland über unseren Häuptern
-geschildert. -- Gemeinsame stilistische Eigenthümlichkeiten.]
-
-[Fußnote 37: ~Dilthey~, Schleiermacher, 279.]
-
-[Fußnote 38: Friedrich ~Schleiermacher~, Reden über die Religion, krit.
-Ausgabe von G. Ch. Bernhard Pünjer, Braunschweig 1879.]
-
-[Fußnote 39: ~Kirn~, Schleiermacher und die Romantik, Basel 1895, 23
-ff.; ~Haym~, 419, 430 f.; ~Dilthey~, 304 ff.]
-
-[Fußnote 40: Reden, 32 ff.; Friedrich Schlegel, 1794-1802, hrg. v.
-~Minor~, 2. Bd., 308.]
-
-[Fußnote 41: Vgl. ~Scherer~, Vorträge und Aufsätze, 385.]
-
-[Fußnote 42: Reden, 184.]
-
-[Fußnote 43: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2, 308.]
-
-[Fußnote 44: Ebd., 313.]
-
-[Fußnote 45: Solgers nachgelassene Schriften und Briefwechsel, Leipzig
-1826, 1. Bd., 538.]
-
-[Fußnote 46: Aus Schleiermachers Leben, in Briefen, Berlin 1858-1863,
-3. Bd., 115.]
-
-[Fußnote 47: ~Dilthey~, 281; ~Haym~, 458.]
-
-[Fußnote 48: Reden, 172 ff.]
-
-[Fußnote 49: Reden, 269 f.]
-
-[Fußnote 50: Ebd., 271.]
-
-[Fußnote 51: ~Solger~, a. a. O., 538.]
-
-[Fußnote 52: Reden, 71 f. Es ist, als ob diese Gedanken eine
-Renaissance der alten _vita contemplativa_ einleiten möchten.
-Schleiermacher kommt eben von der Herrnhutischen Brüdergemeinde her.]
-
-[Fußnote 53: „Schön warmer Tag“; „Gelobt sei Jesus Christ“ und
-ähnliches.]
-
-[Fußnote 54: Reden, 254.]
-
-[Fußnote 55: Reden, 258.]
-
-[Fußnote 56: Damit berührt sich noch eine späte Äußerung ~Tiecks~ in
-Schriften, XI, LXXI.]
-
-[Fußnote 57: Reden, 281.]
-
-[Fußnote 58: Genoveva, 211 ff.]
-
-[Fußnote 59: Reden, 211.]
-
-[Fußnote 60: Reden, 186, 214.]
-
-[Fußnote 61: Reden, 53.]
-
-[Fußnote 62: ~Dilthey~, 434; ~Haym~, 460 ff.; Just ~Bing~, Novalis,
-Hamburg und Leipzig 1893, 72 ff.]
-
-[Fußnote 63: ~Novalis~, Schriften, 3. Theil, Berlin 1846, 204.]
-
-[Fußnote 64: ~Novalis~, Schriften, Berlin 1826, 4. Aufl., 2. Theil,
-189.]
-
-[Fußnote 65: ~Novalis~, 2. Theil, 193.]
-
-[Fußnote 66: ~Raich~, Novalis’ Briefwechsel, Mainz 1880, 171.]
-
-[Fußnote 67: ~Raich~, Novalis, 143 ff.]
-
-[Fußnote 68: ~Novalis~, 2. Theil, 13; vgl. 3. Theil, 205; ~Raich~,
-Novalis, 184; „Heinrich von Ofterdingen“.]
-
-[Fußnote 69: ~Novalis~, 2. Theil, 32 ff.]
-
-[Fußnote 70: ~Novalis~, 2. Theil, 98 f.; Dr. C. ~Busse~ macht in
-seiner Schrift „Novalis’ Lyrik“ (Oppeln 1898) den Versuch, den
-protestantisch-kirchlichen Charakter der „Geistlichen Lieder“
-nachzuweisen, nicht überzeugend, wie mir scheinen will.]
-
-[Fußnote 71: ~Novalis~, 2. Theil, 163, 194, 3. Theil, 229 f.]
-
-[Fußnote 72: ~Novalis~, 2. Theil, 190 f., 3. Theil, 194; ~Raich~,
-Novalis, 184 f.]
-
-[Fußnote 73: Aus Schleiermachers Leben, 3, 125.]
-
-[Fußnote 74: ~Köpke~, 1, 247 ff.; ~Tieck~, Schriften, 4, 89; vgl.
-~Raich~, Dorothea Schlegel, Mainz 1881, 1. Bd., 15, 19.]
-
-[Fußnote 75: Im „Musen-Almanach“ für das Jahr 1802, hrg. v. A.W.
-~Schlegel~ und L. Tieck, Tübingen 1802, 187 f.]
-
-[Fußnote 76: Genoveva, 135.]
-
-[Fußnote 77: Aus Schleiermachers Leben, 3, 115, 125, 132, 134.]
-
-[Fußnote 78: Ebd., 3, 134.]
-
-[Fußnote 79: ~Solger~, 1, 539.]
-
-[Fußnote 80: ~Tieck~, Schriften, 1, Einleitung XXVIII; vgl. Aus
-Schleiermachers Leben, 3, 126; ~Raich~, Dorothea Schlegel, 1, 20.]
-
-[Fußnote 81: ~Novalis~, 2. Theil, 194, 197.]
-
-[Fußnote 82: Ebd., 194.]
-
-[Fußnote 83: ~Novalis~, 3. Theil, 195.]
-
-[Fußnote 84: ~Raich~, Novalis, 156.]
-
-[Fußnote 85: ~Novalis~, 2. Theil, 192.]
-
-[Fußnote 86: Genoveva, 110 f. Hier muss erwähnt werden, dass es
-auch ein poetisches Lieblingsspiel der Romantiker war, bildliche
-Darstellungen episch zu schildern, „Gemälde in Worten zu malen“. Tieck
-und Wackenroder thun es in den „Herzensergießungen“, Tieck wiederholt
-es im „Sternbald“, A.W. Schlegel schließt sich mit den Sonetten über
-die Dresdener Gemälde an, Brentano ahmt die Sitte im „Godwi“ nach.
-Kunstgespräche und theoretische Auseinandersetzungen in Dichtungen
-einzuschalten, „Genialität und Kritik“ zu verbinden, entspricht
-der romantischen Kunsttheorie. Als anregende Vorbilder für dieses
-Theoretisieren im Kunstwerke gehen Goethes Analysen des „Hamlet“ im
-„Wilhelm Meister“ und Heinses Gemäldeschilderungen im „Ardinghello“
-voraus. Die Erklärung der gemalten Legenden für eine Zuhörerschaft gibt
-der Sache in der „Genoveva“ etwas Predigtmäßiges. (Vgl. A. ~Kerr~,
-Godwi, Berlin 1898, 19 ff.; A.W. ~Schlegel~, WW., 8, 16.)]
-
-[Fußnote 87: Genoveva, 211 ff.]
-
-[Fußnote 88: ~Haym~, 456 ff.; ~Dilthey~, 427 ff.]
-
-[Fußnote 89: Über Hülsen vgl. ~Haym~, 445 ff.]
-
-[Fußnote 90: ~Waitz~, Caroline, Leipzig 1871, 71 f.]
-
-[Fußnote 91: ~Raich~, Novalis, 84 ff.]
-
-[Fußnote 92: ~Dilthey~, 438 f.]
-
-[Fußnote 93: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2, 353; vgl. ebd., 302, 304,
-„Europa“, I, 47 ff.]
-
-[Fußnote 94: Ebd., 290 f., 293, 296, 298.]
-
-[Fußnote 95: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 11, LXVII, „Novalis,
-Schleiermacher, Friedrich Schlegel und auch das Gedicht von der
-Genoveva...“.]
-
-[Fußnote 96: Tieck, Schriften, 6, VI, 11, LXII f.; Schriften, 10, 280
-f.; vgl. ~Tieck~, Einleitung zu „Gesammelte Schriften“ von J.M.R. Lenz
-(Berlin 1828), S. LXI u. LXVIII.]
-
-[Fußnote 97: Tieck, Schriften, 11, 14.]
-
-[Fußnote 98: Tieck, Schriften, 15, 21.]
-
-[Fußnote 99: Über Tieck und die Volksbücher handelt Bernh. ~Steiner~ in
-„L. Tieck und die Volksbücher“, Berlin 1893; vgl. A.W. ~Schlegel~, WW.,
-12, 27 ff.]
-
-[Fußnote 100: ~Tieck~, Schriften, 11, Einleitung XLI f.]
-
-[Fußnote 101: A.W. ~Schlegel~, „Vorlesungen“ (Minor), II, 41.]
-
-[Fußnote 102: ~Tieck~, Schriften, 13, 327.]
-
-[Fußnote 103: ~Tieck~, Schriften, 1, Einleitung XXVI ff.; ~Köpke~, 1.
-Bd., 236 ff. und 2. Bd., 172; B. ~Seuffert~, Maler Müller, Berlin 1881,
-145, 176; ~Haym~, 480 ff.]
-
-[Fußnote 104: Die Stelle über die Volksbücher im „Peter Leberecht“
-(Schriften, XV, 21) scheint auf eine frühere Bekanntschaft mit dem
-Genoveva-Volksbuch hinzudeuten, von der uns Tieck aber sonst nirgends
-berichtet. Wie sich die Sache auch verhalten mag, von Bedeutung für
-seine „Genoveva“ ist jene frühe Bekanntschaft mit der Legende nicht.]
-
-[Fußnote 105: ~Solger~, 1, 453; vgl. ebd., 301, 487; vgl. ~Friesen~, 2.
-Bd., 181 ff.]
-
-[Fußnote 106: Eine schöne, anmuthige und lesenswürdige Historie von
-der unschuldig bedrängten heiligen Pfalzgräfin Genoveva, wie es ihr
-in Abwesenheit ihres herzlieben Ehegemahls ergangen. Gedruckt in
-diesem Jahr. Über die Entstehung und Schicksale der Legende vgl. B.
-~Seuffert~, Die Legende von der Pfalzgräfin Genoveva, Würzburg 1877.]
-
-[Fußnote 107: Genoveva, 108 f.]
-
-[Fußnote 108: Genoveva, 109-123.]
-
-[Fußnote 109: Diese Angabe fehlt in der „Genoveva“-Ausgabe von 1820.]
-
-[Fußnote 110: Genoveva, 123-130.]
-
-[Fußnote 111: Ebd., 131-138.]
-
-[Fußnote 112: Ebd., 138-142.]
-
-[Fußnote 113: Genoveva, 142 ff.]
-
-[Fußnote 114: Ebd., 145-160.]
-
-[Fußnote 115: Ebd., 190 f., 202-210.]
-
-[Fußnote 116: Genoveva, 119, /12 ff./]
-
-[Fußnote 117: Genoveva, 131, /26 ff/.]
-
-[Fußnote 118: Ebd., 136, /10 ff/.]
-
-[Fußnote 119: Ebd., 137, /28 ff/.]
-
-[Fußnote 120: Ebd., 138, /1 ff/.]
-
-[Fußnote 121: Ebd., 161 ff.]
-
-[Fußnote 122: Vgl. die Lieder 164 und 166.]
-
-[Fußnote 123: Genoveva, 164, /5/; 165, /32 ff/.]
-
-[Fußnote 124: Ebd., 179-184.]
-
-[Fußnote 125: Ebd., 169 ff.]
-
-[Fußnote 126: Genoveva, 187.]
-
-[Fußnote 127: Ebd., 188 f.]
-
-[Fußnote 128: Ebd., 191 ff.]
-
-[Fußnote 129: Genoveva, 199.]
-
-[Fußnote 130: Ebd., 200-202.]
-
-[Fußnote 131: Biographische und literarische Skizzen aus dem Leben und
-der Zeit Karl Försters, Dresden 1846, S. 284.]
-
-[Fußnote 132: Genoveva, 182, /4/.]
-
-[Fußnote 133: Ebd., 197, /28 f/.]
-
-[Fußnote 134: Ebd., 217, /28, 31/.]
-
-[Fußnote 135: Genoveva, 191, /31 f/.]
-
-[Fußnote 136: Ebd., 213, /36/; 214, /25/.]
-
-[Fußnote 137: Ebd., 136, /32/.]
-
-[Fußnote 138: Ebd., 186, /25 ff/.]
-
-[Fußnote 139: Ebd., 211 ff.]
-
-[Fußnote 140: Genoveva, 214.]
-
-[Fußnote 141: Ebd., 202, 5 ff.]
-
-[Fußnote 142: Ebd., 131, 20.]
-
-[Fußnote 143: Ebd., 214.]
-
-[Fußnote 144: Ebd., 216.]
-
-[Fußnote 145: Ebd., 217.]
-
-[Fußnote 146: Genoveva, 217 f.; vgl. 136 u. 198 f.]
-
-[Fußnote 147: Genoveva, 223-226.]
-
-[Fußnote 148: Ebd., 223.]
-
-[Fußnote 149: Ebd., 229.]
-
-[Fußnote 150: Ebd., 219 ff., 230.]
-
-[Fußnote 151: Ebd., 230, 5 ff.]
-
-[Fußnote 152: Genoveva, 231-233.]
-
-[Fußnote 153: Ebd., 234.]
-
-[Fußnote 154: Ebd., 234.]
-
-[Fußnote 155: Genoveva, 235-238.]
-
-[Fußnote 156: Ebd., 239-241.]
-
-[Fußnote 157: Genoveva, 241 f.]
-
-[Fußnote 158: Ebd., 242-244.]
-
-[Fußnote 159: Genoveva, 244-251.]
-
-[Fußnote 160: Ebd., 251 f.]
-
-[Fußnote 161: Genoveva, 252.]
-
-[Fußnote 162: Ebd., 253 f.]
-
-[Fußnote 163: An späterer Stelle spricht auch das Volksbuch nur von
-einem Mörder, der mild gesinnt war.]
-
-[Fußnote 164: Genoveva, 255-260.]
-
-[Fußnote 165: Ebd., 260 ff.]
-
-[Fußnote 166: Vgl. Bernhardis Recension in „Berlinisches Archiv der
-Zeit und ihres Geschmackes“, 1800, 1. Bd., 465.]
-
-[Fußnote 167: Genoveva, 262 ff.]
-
-[Fußnote 168: Ebd., 264-266.]
-
-[Fußnote 169: Ebd., 266-268.]
-
-[Fußnote 170: Genoveva, 267, 24 ff.]
-
-[Fußnote 171: Ebd., 270.]
-
-[Fußnote 172: Ebd., 268-270.]
-
-[Fußnote 173: Ebd., 271-278.]
-
-[Fußnote 174: Genoveva, 271, 1-19.]
-
-[Fußnote 175: Ebd., 276, 25 bis 277, 12.]
-
-[Fußnote 176: Volksbuch, 13.]
-
-[Fußnote 177: Genoveva, 277 f.]
-
-[Fußnote 178: Genoveva, 284-288.]
-
-[Fußnote 179: Ebd., 284, 33-34.]
-
-[Fußnote 180: Ebd., 285, 19, 27.]
-
-[Fußnote 181: Ebd., 288-293.]
-
-[Fußnote 182: Genoveva, 294 f.]
-
-[Fußnote 183: Ebd., 297 f.]
-
-[Fußnote 184: Ebd., 296 ff.]
-
-[Fußnote 185: Ebd., 298-306.]
-
-[Fußnote 186: Genoveva, 308 ff.]
-
-[Fußnote 187: Ebd., 311 f.]
-
-[Fußnote 188: Genoveva, 313-316.]
-
-[Fußnote 189: Ebd., 216 f.]
-
-[Fußnote 190: Ebd., 319 f.]
-
-[Fußnote 191: Genoveva, 321.]
-
-[Fußnote 192: Ebd., 322.]
-
-[Fußnote 193: Vgl. darüber ~Tiecks~ Äußerung in Schriften, 1, VIII.]
-
-[Fußnote 194: J.V. Teichmanns literarischer Nachlass, hrg. v.
-~Dingelstedt~, Stuttgart 1863, S. 282; vgl. ~Tieck~, Schriften, 1,
-VIII.]
-
-[Fußnote 195: ~Tieck~, Schriften, 4, 362 ff.]
-
-[Fußnote 196: Altenglisches Theater I, in ~Tieck~, Sämmtliche Werke,
-21. Bd., Wien 1820, Einleitung.]
-
-[Fußnote 197: A.W. ~Schlegel~, WW., 12, 30.]
-
-[Fußnote 198: A.W. Schlegels Vorlesungen, hrg. v. J. ~Minor~ in B.
-Seufferts Deutschen Literaturdenkmalen, Heilbronn 1884, Nr. 17-19, 2.
-Theil, 18 f.; vgl. 3. Theil, 128, 138, 149, und A.W. ~Schlegel~, WW.,
-7, 272 ff., 9, 264 f., 11, 144; vgl. ~Schlegels~ Äußerung über die
-Bearbeitung des „Tristan“ bei Haym, 813.]
-
-[Fußnote 199: Archiv der Zeit, 1800, 459, 462, 466.]
-
-[Fußnote 200: A.W. ~Schlegel~, WW., 12, 287.]
-
-[Fußnote 201: Europa, hrg. v. Fr. ~Schlegel~, Frankfurt a. M. 1803, 1.
-Bd., 1. St., 57.]
-
-[Fußnote 202: A.W. ~Schlegel~, WW., 1, 367 und Fr. ~Schlegel~, WW., 10,
-20. Über diese Seite der Romantik vgl. ~Holtei~, Br. a. Tieck, 4, 228;
-~Köpke~, Tieck, 2, 172; ~Tieck~, Schriften, 4, 289; Poetisches Journal,
-1. Jahrg., 2. Stück, 56 ff.]
-
-[Fußnote 203: ~Seuffert~, Pfalzgräfin Genoveva, 1 ff.]
-
-[Fußnote 204: A.W. ~Schlegel~, WW., 10, 376 ff.]
-
-[Fußnote 205: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXVIII.]
-
-[Fußnote 206: H. ~Hettner~, Die romantische Schule in ihrem inneren
-Zusammenhange mit Goethe und Schiller, Braunschweig 1850, 155.]
-
-[Fußnote 207: ~Minor~, Fr. Schlegel, 2. Bd., 220; vgl. 225, 242, 244,
-288.]
-
-[Fußnote 208: Altenglisches Theater, Einleitung VI.]
-
-[Fußnote 209: ~Tieck~, Schriften, 1 Bd., XXVII.]
-
-[Fußnote 210: „Golo und Genoveva“ in Kürschners „Deutsche
-Nationalliteratur“, 81. Bd., hrg. v. ~Sauer~, S. 30.]
-
-[Fußnote 211: ~Tieck~, Genoveva, 113.]
-
-[Fußnote 212: Golo und Genoveva, 30, 103.]
-
-[Fußnote 213: Ebd., 143 f.]
-
-[Fußnote 214: ~Seuffert~, Maler Müller, 171.]
-
-[Fußnote 215: ~Tieck~, Genoveva, 113.]
-
-[Fußnote 216: Ebd., 137, 190, 202.]
-
-[Fußnote 217: Ebd., 311.]
-
-[Fußnote 218: Ebd., 312.]
-
-[Fußnote 219: ~Seuffert~, Maler Müller, 159-163.]
-
-[Fußnote 220: Golo und Genoveva, 16, 33.]
-
-[Fußnote 221: Ebd., 19, 29 f.]
-
-[Fußnote 222: ~Tieck~, Genoveva, 112.]
-
-[Fußnote 223: Ebd., 131, 9 ff.]
-
-[Fußnote 224: Golo und Genoveva, 18.]
-
-[Fußnote 225: ~Tieck~, Genoveva, 136; vgl. 180, 17, 225, 10.]
-
-[Fußnote 226: Golo und Genoveva, 18.]
-
-[Fußnote 227: ~Tieck~, Genoveva, 131.]
-
-[Fußnote 228: Golo und Genoveva, 58 ff.]
-
-[Fußnote 229: ~Tieck~, Genoveva, 191 ff.]
-
-[Fußnote 230: Golo und Genoveva, 33.]
-
-[Fußnote 231: ~Tieck~, Genoveva, 131, 164, 182.]
-
-[Fußnote 232: Golo und Genoveva, 73, 103, 122.]
-
-[Fußnote 233: ~Förster~, Biographische und literarische Skizzen, 284.]
-
-[Fußnote 234: ~Tieck~, Genoveva, 195.]
-
-[Fußnote 235: Golo und Genoveva, 119, /25 f/.]
-
-[Fußnote 236: Ebd., 120.]
-
-[Fußnote 237: Ebd., 126.]
-
-[Fußnote 238: ~Tieck~, Genoveva, 268, /3 ff/.]
-
-[Fußnote 239: ~Tieck~, Genoveva, 292.]
-
-[Fußnote 240: Golo und Genoveva, 34, /4/, 103, /9/, 159, /14/.]
-
-[Fußnote 241: ~Tieck~, Genoveva, 172, /6 ff/., 182, /22/, 202, /14/,
-261, /3/, 293, /14 ff/.]
-
-[Fußnote 242: Golo und Genoveva, 143 f.]
-
-[Fußnote 243: ~Tieck~, Genoveva, 295 f.]
-
-[Fußnote 244: Golo und Genoveva, 152 f.]
-
-[Fußnote 245: ~Tieck~, Genoveva, 298.]
-
-[Fußnote 246: Golo und Genoveva, 156.]
-
-[Fußnote 247: ~Tieck~, Genoveva, 305.]
-
-[Fußnote 248: Golo und Genoveva, 158 f.]
-
-[Fußnote 249: ~Tieck~, Genoveva, 311 f.]
-
-[Fußnote 250: Golo und Genoveva, 8 f.]
-
-[Fußnote 251: ~Tieck~, Genoveva, 120.]
-
-[Fußnote 252: Golo und Genoveva, 18 ff.]
-
-[Fußnote 253: Ebd., 44 ff.]
-
-[Fußnote 254: ~Tieck~, Genoveva, 136, 187.]
-
-[Fußnote 255: Golo und Genoveva, 97, und Tieck, Genoveva, 231.]
-
-[Fußnote 256: Golo und Genoveva, 86, 88; Tieck, Genoveva, 202 f.]
-
-[Fußnote 257: Golo und Genoveva, 129, /34 ff./; Tieck, Genoveva, 264,
-/20 ff./]
-
-[Fußnote 258: Golo und Genoveva, 91.]
-
-[Fußnote 259: ~Tieck~, Genoveva, 237, /9 ff./]
-
-[Fußnote 260: Golo und Genoveva, 29, 86, 150, /10/.]
-
-[Fußnote 261: ~Tieck~, Genoveva, 131, 177, /28/, 179, /10/.]
-
-[Fußnote 262: Ebd., 178.]
-
-[Fußnote 263: Golo und Genoveva, 68.]
-
-[Fußnote 264: ~Tieck~, Genoveva, 213.]
-
-[Fußnote 265: Golo und Genoveva, 82, 85 ff.; Tieck, Genoveva, 234 ff.]
-
-[Fußnote 266: Golo und Genoveva, 86.]
-
-[Fußnote 267: ~Tieck~, Genoveva, 262.]
-
-[Fußnote 268: ~Seuffert~, Maler Müller, 172.]
-
-[Fußnote 269: Golo und Genoveva, 38 ff.]
-
-[Fußnote 270: Ebd., 58 ff.]
-
-[Fußnote 271: ~Tieck~, Genoveva, 179 ff.]
-
-[Fußnote 272: Golo und Genoveva, 69; ~Tieck~, Genoveva, 193, 202.]
-
-[Fußnote 273: ~Tieck~, Genoveva, 229.]
-
-[Fußnote 274: Golo und Genoveva, 146.]
-
-[Fußnote 275: Ebd., 7, 14.]
-
-[Fußnote 276: ~Tieck~, Genoveva, 118, /36/, 119, /1 ff./]
-
-[Fußnote 277: Ebd., 168.]
-
-[Fußnote 278: Golo und Genoveva, 31, /20/, 62, /30/.]
-
-[Fußnote 279: Golo und Genoveva, 143.]
-
-[Fußnote 280: ~Tieck~, Genoveva, 113.]
-
-[Fußnote 281: Golo und Genoveva, 114 ff.]
-
-[Fußnote 282: ~Tieck~, Genoveva, 252, 254 ff.]
-
-[Fußnote 283: Vgl. ~Solger~, 502; Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1.
-Stück, 27.]
-
-[Fußnote 284: Golo und Genoveva, 44 ff.]
-
-[Fußnote 285: Ebd., 82; vgl. „Locrine“, 88 (Altenglisches Theater, II).]
-
-[Fußnote 286: ~Tieck~, Genoveva, 257.]
-
-[Fußnote 287: ~Tieck~, Krit. Schriften, 1. Bd., 82.]
-
-[Fußnote 288: ~Tieck~, Genoveva, 192.]
-
-[Fußnote 289: Ebd., 190.]
-
-[Fußnote 290: Ebd., 112 ff.]
-
-[Fußnote 291: Golo und Genoveva, 31, 39, 62; ~Tieck~, Genoveva, 167 f.]
-
-[Fußnote 292: Golo und Genoveva, 151 f.]
-
-[Fußnote 293: ~Tieck~, Genoveva, 266 f.]
-
-[Fußnote 294: Golo und Genoveva, 139 f.]
-
-[Fußnote 295: ~Tieck~, Genoveva, 297.]
-
-[Fußnote 296: Vgl. O. ~Brahm~, Das deutsche Ritterdrama des 18.
-Jahrhunderts, Straßburg 1880.]
-
-[Fußnote 297: Vgl. ~Köpke~, 1. Bd., 323 ff., 349; ~Tieck~, Schriften,
-1. Bd., XXXII ff., 4. Bd., 418 f.]
-
-[Fußnote 298: Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stück, 27.]
-
-[Fußnote 299: ~Haym~, 22.]
-
-[Fußnote 300: ~Holtei~, Dreihundert Briefe, 4, 30, 32, 68.]
-
-[Fußnote 301: ~Haym~, 51, 91, 105.]
-
-[Fußnote 302: Von den Stücken, die für die „Genoveva“ mehr oder
-minder in Betracht kommen, erschienen bis 1799: Romeo und Julia.
-Sommernachtstraum. Julius Cäsar. Was ihr wollt. Der Sturm. Hamlet. Der
-Kaufmann von Venedig. Wie es euch gefällt. König Johann. König Richard
-II.]
-
-[Fußnote 303: Poetisches Journal, 35 f.; vgl. Altenglisches Theater,
-Einleitung XV.]
-
-[Fußnote 304: ~Haym~, 701 ff.]
-
-[Fußnote 305: Vgl. Phantasien, 23, 103; ~Lenz~, WW., Einleitung II.]
-
-[Fußnote 306: Noch in der Einleitung zu Lenz (LXIV) behauptet Tieck,
-dass in der Regel der Tadel, den die verschiedenen Schriftsteller
-versuchten, „wenn man in den Dichter eingedrungen ist, zum Lobe wird“.]
-
-[Fußnote 307: ~Köpke~, L. Tieck, 1. Bd., 241 f.]
-
-[Fußnote 308: Über Shakespeares Antheil an „Perikles“ vgl. ~Delius~’
-Einleitung zu seiner Übersetzung des Stückes in der Hallberger’schen
-Ausgabe; Tieck betrachtet ihn als Shakespeare’sches Jugendwerk.
-(Altenglisches Theater, I, XX f.)]
-
-[Fußnote 309: Teichmanns „Literarischer Nachlass“, hrg. v.
-~Dingelstedt~, Stuttgart 1863, S. 281.]
-
-[Fußnote 310: ~Solger~, Nachgel. Schriften, 502; Brief vom 2. Februar
-1817.]
-
-[Fußnote 311: Beide Stücke im „Altenglischen Theater“.]
-
-[Fußnote 312: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 1, XXX f., und XL; ferner 6, LII
-und 11, XXXIX, an welchen Stellen Tieck über das Untheatralische seiner
-Stücke spricht. Vgl. auch Teichmanns „Literarischer Nachlass“, 281.]
-
-[Fußnote 313: Krit. Schriften, 1. Bd., 37 ff., und 4. Bd., 154.]
-
-[Fußnote 314: Archiv der Zeit, 1800, 466. Dass Tieck zumeist für eine
-„phantastische Bühne“ dichtet, hindert ihn nicht, einzelne Stellen
-wieder theatralisch zu behandeln.]
-
-[Fußnote 315: ~Delius~, a. a. O.]
-
-[Fußnote 316: Im „Locrine“ spricht Ate Prolog und Epilog. Im „Zerbino“
-tritt ein Jäger als Prologsprecher auf.]
-
-[Fußnote 317: Vgl. die Marionette des Polykomikus im „Zerbino“;
-Schriften, 10, 211.]
-
-[Fußnote 318: Während im „Perikles“ ein stummes Spiel auf der Bühne die
-Worte des Prologsprechers begleitet, führt der Prolog des „Lustigen
-Teufels“ ähnlich in die Handlung über, wie die Worte des Bonifacius,
-indem dort der Sprecher selbst den Vorhang aufzieht und auf die
-beginnende erste Scene hinweist.]
-
-[Fußnote 319: G. Merkel macht sich darüber nicht mit Unrecht lustig in
-„Briefe an ein Frauenzimmer über die wichtigsten Producte der schönen
-Literatur“, Berlin 1800. Auch die Prologe im „Locrine“ enthalten solche
-Wiederholungen.]
-
-[Fußnote 320: 1. Act, 3.]
-
-[Fußnote 321: 1. Act, 2.]
-
-[Fußnote 322: Dieser eigenthümliche Tonfall hier und in anderen
-Reden Gertruds, die auch gerne Sentenzen und Sprichwörter einflicht,
-erinnert zugleich an gewisse Reden der Martha Schwerdtlein. Der freie
-Scenenwechsel, das Epische im „Faust“, der auch den Charakter einer
-dramatischen Biographie annimmt, kann Tieck schwerlich übersehen haben,
-wenn er in den „Einleitungen“ auch zuvörderst den alterthümlichen Ton
-dieser Dichtung als dasjenige rühmt, was ihn am vertrautesten ansprach.
-Ein paar kleine Reminiscenzen aus dem „Faust“ können hier ebenfalls
-erwähnt werden. Bei Golos Worten:
-
- „Es reißt mich fort, in allen meinen Sinnen
- Fühl’ ich ein Treiben, innerliches Wühlen...“
-
-denkt man leicht an Fausts Worte:
-
- „Ha! wie’s in meinem Herzen reißt!
- Zu neuen Gefühlen
- All meine Sinnen sich erwühlen!“
-
-Margarethens Geständnis:
-
- „Allein gewiss, ich war recht bös’ auf mich,
- Dass ich auf euch nicht böser werden konnte!“
-
-klingt wie Genovevas:
-
- „O lasst mich, bei den hocherhabenen Gestirnen,
- Ich kann auf euch nicht so, wie ich wohl möchte, zürnen.“]
-
-[Fußnote 323: L. ~Tieck~., Dramaturgische Blätter, Breslau 1826, 1.
-Bd., 263.]
-
-[Fußnote 324: ~Tieck~, Genoveva, 142 ff.]
-
-[Fußnote 325: Heinrich VI., 2. Theil, 3. Act, 1.]
-
-[Fußnote 326: Heinrich VI., 2. Theil, 1. Act, 2.]
-
-[Fußnote 327: Heinrich VI., 3. Theil, 3. Act, 2.]
-
-[Fußnote 328: „Locrine“, Altenglisches Theater, II, 58.]
-
-[Fußnote 329: Macbeth, 5. Act, 7.]
-
-[Fußnote 330: Genoveva, 150 f.; vgl. „Locrine“, Altenglisches Theater,
-II, 45.]
-
-[Fußnote 331: ~Tieck~, Genoveva, 163, /26 ff./]
-
-[Fußnote 332: Ebd., 162, /4 ff./]
-
-[Fußnote 333: Romeo und Julia, 2. Act, 1.]
-
-[Fußnote 334: Vgl. noch Sommernachtstraum, 2. Act, 1; 3. Act, 2.
-Verlorene Liebesmüh’, 4. Act, 1.]
-
-[Fußnote 335: Selbst die Wortfolge und der Tonfall in Gertruds Äußerung:
-
- „Die Nacht ist schön, in einer solchen Nacht
- Ward Golo mir von einem Mann gebracht...“
-
-erinnert an Lorenzos:
-
- „Der Mond scheint hell, in einer solchen Nacht
- Wie diese -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
- Erstieg wohl Troilus die Mauern Trojas.“
-
- ~Gertrud~:
-
- „Es geht ein Mann dort in des Gartens Stille.“
-
- ~Jessica~:
-
- „Doch horch, ich hör’ den Fußtritt eines Mannes.“
-
- ~Lorenzo~:
-
- „Wer kommt so eilig in der stillen Nacht?“]
-
-[Fußnote 336: König Richard II., 2. Act, 2.]
-
-[Fußnote 337: Bei Shakespeare beginnt die Scene: „London. Ein Zimmer im
-Ely-Haus. (Gaunt auf einem Ruhebette; der Herzog von York und andere um
-ihn her stehend.)“
-
- ~Gaunt~:
-
- „Sagt, kommt der König...?“
-
-Tiecks Einleitung: „Zimmer. Wolf auf dem Bette. Ein Diener.“
-
- ~Wolf~:
-
- „Er (Golo) wollte kommen?“]
-
-[Fußnote 338: ~Tieck~, Genoveva, 244 f.]
-
-[Fußnote 339: König Heinrich VI., 2. Theil, 1. Act, 4.]
-
-[Fußnote 340: König Richard II., 3. Act, 2.]
-
-[Fußnote 341: Vgl. eine ähnliche zusammenfassende Wiederholung am
-Schlusse des Stückes im älteren „König Lear“, Altenglisches Theater,
-II, 262 f., und „Octavian“, Schriften, 1, 399.]
-
-[Fußnote 342: Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stück, 44.]
-
-[Fußnote 343: König Johann, 1. Act, 1. König Heinrich VI., 1. Theil, 4.
-Act, 2.]
-
-[Fußnote 344: König Heinrich V., 2. Act, 4.]
-
-[Fußnote 345: Macbeth, 5. Act, 6. Vgl. auch Humbers Anordnung im
-„Locrine“ (Altenglisches Theater, II, 36).]
-
-[Fußnote 346: König Heinrich VI., 3. Theil, 5. Act, 2.]
-
-[Fußnote 347: König Heinrich IV., 1. Theil, 5. Act, 1.]
-
-[Fußnote 348: ~Tieck~, Genoveva, 144.]
-
-[Fußnote 349: Ebd., 133 f.]
-
-[Fußnote 350: 3. Act, 1.]
-
-[Fußnote 351: Vgl. König Johann, 4. Act, 2. Heinrich VI., 1. Theil, 3.
-Act, 1. „Locrine“, Altenglisches Theater, II, 91.]
-
-[Fußnote 352: 1. Act, 1. Vgl. Julius Cäsar, 1. Act, 3; 2. Act, 2.
-Heinrich VI., 3. Theil, 2. Act, 1.]
-
-[Fußnote 353: König Lear, 1. Act, 2. Vgl. König Johann, 3. Act, 4.]
-
-[Fußnote 354: 4. Act, Ende. (Komet, Sturmwind, gekreuzte Schwerter in
-der Luft.)]
-
-[Fußnote 355: Golo und Genoveva, 51.]
-
-[Fußnote 356: ~Tieck~, Genoveva, 267.]
-
-[Fußnote 357: Hamlet, 5. Act, 1.]
-
-[Fußnote 358: 2. Act, 7.]
-
-[Fußnote 359: Vgl. Poetisches Journal, 35 f.]
-
-[Fußnote 360: König Richard II., 2. Act, 2. Mit obigen Worten übersetzt
-nämlich Schlegel: „This tongue that runs so roundly in thy head“...]
-
-[Fußnote 361: Richard II., 1. Act, 2.]
-
-[Fußnote 362: Kaufmann von Venedig, 3. Act, 2.]
-
-[Fußnote 363: Was ihr wollt, 3. Act, 1.]
-
-[Fußnote 364: König Johann, 2. Act, 1.]
-
-[Fußnote 365: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXVIII; 6. Bd., XVIII. Mit
-Tiecks Angaben deckt sich im wesentlichen, was seine Biographen sagen.
-Vgl. Köpke, 239 f. ~Friesen~, 2. Bd., 67 ff., 177.]
-
-[Fußnote 366: ~Tieck~, Schriften, 6. Bd., XVIII f.]
-
-[Fußnote 367: ~A.W. Schlegel~, WW., 6. Bd., 397.]
-
-[Fußnote 368: Tieck kannte sicher jene Calderon’schen Stücke, die
-Schlegel bald im „Spanischen Theater“ übersetzte: „Die Andacht zum
-Kreuz“, „Der standhafte Prinz“, „Die Schärpe und die Blume“, „Die
-Brücke von Mantible“, „Der Schultheiß von Zalamea“, „Über allen Zaubern
-Liebe“. Vgl. ~Friesen~, 2, 177.]
-
-[Fußnote 369: ~Tieck~, Schriften, 1, XXVIII f. Einleitung zu Lenz,
-XXIII. Altenglisches Theater, I, VI f.]
-
-[Fußnote 370: Vgl. ~Schack~, Geschichte der dramatischen Kunst und
-Literatur in Spanien, Frankfurt a. M. 1854, 2. Bd., 84. Beispiele in
-„Die Andacht zum Kreuz“, „Die Brücke von Mantible“, „Der Schultheiß von
-Zalamea“, „Die Schärpe und die Blume“ etc.]
-
-[Fußnote 371: Z. B. die Rede des Gesandten in der „Jungfrau des
-Heiligthums“.]
-
-[Fußnote 372: „Der standhafte Prinz“, „Die Brücke von Mantible“, „Das
-Leben ein Traum“.]
-
-[Fußnote 373: „Fegefeuer des heil. Patricius“; vgl. ~Schack~, a. a. O.,
-84.]
-
-[Fußnote 374: „Die Andacht zum Kreuz“, „Die Brücke von Mantible“, „Das
-Leben ein Traum“.]
-
-[Fußnote 375: „Der standhafte Prinz“, „Die Jungfrau des Heiligthums“.]
-
-[Fußnote 376: ~Schack~, a. a. O., 84 f.]
-
-[Fußnote 377: „Der standhafte Prinz“.]
-
-[Fußnote 378: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXIX.]
-
-[Fußnote 379: Lenz’ WW., Einleitung XXII f.]
-
-[Fußnote 380: ~Holtei~, Dreihundert Briefe, 4, 58 f.]
-
-[Fußnote 381: Krit. Schriften, 1. Bd., 35 ff.; vgl. ebd. 78 f.]
-
-[Fußnote 382: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXXVIII.]
-
-[Fußnote 383: ~Solger~, a. a. O., 302, 652, 688, 698.]
-
-[Fußnote 384: Ebd., 696; vgl. Krit. Schriften, 4, 152 und 156,
-Einleitung zu Lenz, LXXV.]
-
-[Fußnote 385: ~Köpke~, 1. Bd., 241; ~A.W. Schlegel~, WW., 6. Bd., 393
-ff.]
-
-[Fußnote 386: ~Köpke~, 1. Bd., 241.]
-
-[Fußnote 387: ~Tieck~, Genoveva, 238.]
-
-[Fußnote 388: Ebd., 128.]
-
-[Fußnote 389: Mit diesem Motive verbanden sich vielleicht einzelne
-Züge aus der Liebesgeschichte Locrines und Estrildens. (Altenglisches
-Theater, II, 70 ff.)]
-
-[Fußnote 390: Altenglisches Theater, I, VI f.]
-
-[Fußnote 391: ~Köpke~, I, 240 f.]
-
-[Fußnote 392: ~Köpke~, 1. Bd., 239 f.; ~Friesen~, 2, 159 ff.; ~Tieck~,
-Schriften, 11. Bd., LXXIII f.]
-
-[Fußnote 393: Romantische Schule, 472.]
-
-[Fußnote 394: ~Solger~, Nachgel. Schriften, 538 ff. Brief vom 24. März
-1817.]
-
-[Fußnote 395: ~Tieck~, Schriften, 13, 323.]
-
-[Fußnote 396: ~Solger~, a. a. O., 538.]
-
-[Fußnote 397: Vgl. ~Friesen~, 2. Bd., 184.]
-
-[Fußnote 398: Ludwig ~Feuerbach~, Sämmtliche Werke, 4. Bd., 132.]
-
-[Fußnote 399: Vorrede zur „Morgenröthe“. Wenn Tieck in J. Böhme auch
-„Dialektik, gründliche Forschung, Strenge der Folgerungen, kurz
-philosophische Kraft und Kunst“ gefunden zu haben behauptet, so kann
-dies kaum im gewöhnlichen Sinne dieser Ausdrücke zu verstehen sein.
-Vgl. Schriften, 11, LXXIV.]
-
-[Fußnote 400: ~Tieck~, Schriften, 6. Bd., XIII.]
-
-[Fußnote 401: ~Tieck~, Schriften, 13. Bd., 323 ff.]
-
-[Fußnote 402: ~Novalis~, Schriften, 2. Bd., 36.]
-
-[Fußnote 403: Es ist unter den Jenaer romantischen Freunden immer nur
-von Böhme und seiner „Morgenröthe“ die Sprache. Tauler und die anderen
-Mystiker kamen wenigstens für Tieck erst später an die Reihe, und
-so ist es erklärlich, dass sich in der „Genoveva“ von Tauler keine
-deutliche Spur auffinden lässt.]
-
-[Fußnote 404: Benützt wurde für die folgende Untersuchung eine Ausgabe
-der „Morgenröthe“ mit dem Titel: „Morgen-Röte im Aufgangk das ist:
-Die Wurtzel oder Mutter der Philosophiae, Astrologiae und Theologiae,
-Aus rechtem grunde. Oder Beschreibung der NATUR Wie Alles gewesen und
-im anfangk worden ist: wie die Natur und Elementa Creatürlich worden
-seind; auch von beyden qualitäten Bösen und Guten / woher alle Ding
-seinen Vrsprung hat / und wie es am Ende dieser Zeit werden wird: auch
-wie Gottes- und der Höllen-Reich beschaffen ist / und wie die Menschen
-in jedes Creatirlich wirken. Alles aus Rechtem Grunde / in Erkentnus
-des Geistes im wallen GOttes mit fleiß gestellet durch Jacob Böhmen In
-Görlitz / im Jahr Christi 1612 seines Alters 37. Jahr / Dingstag in
-Pfingsten. Gedruckt zu Amsterdam 1656“.]
-
-[Fußnote 405: Böhmes Lehren finden sich ausführlicher wiedergegeben
-bei Ludwig ~Feuerbach~, Sämmtliche WW., 4, 131-183. Vgl. ~Zeller~,
-Geschichte der deutschen Philosophie seit Leibniz, München 1875, 12 ff.]
-
-[Fußnote 406: ~Tieck~, Genoveva, 157 ff.]
-
-[Fußnote 407: ~Haym~, Romantische Schule, 630 f. In den „Grundzügen der
-philosophischen Naturwissenschaft“ (Berlin 1806), worin Steffens seine
-Naturphilosophie aphoristisch skizziert, heißt es in einem Fragmente,
-S. 11: „Die Geschichte sowohl als die Natur sind geschlossene
-Totalitäten; in beiden offenbart sich die ganze Totalität.“]
-
-[Fußnote 408: Morgenröthe, 198.]
-
-[Fußnote 409: Morgenröthe, 584.]
-
-[Fußnote 410: Ebd., 12, 503.]
-
-[Fußnote 411: Ebd., 12 ff.]
-
-[Fußnote 412: Ebd., 14.]
-
-[Fußnote 413: Ebd., 17.]
-
-[Fußnote 414: Vgl. auch „Locrine“ (Altenglisches Theater, II, 27).]
-
-[Fußnote 415: Vgl. noch Genoveva, 134, 5 ff. Octavian in ~Tieck~,
-Schriften, 1, 52.]
-
-[Fußnote 416: Morgenröthe, 113 f.]
-
-[Fußnote 417: Ebd., 141 f.]
-
-[Fußnote 418: Ebd., 147 f.]
-
-[Fußnote 419: Ebd., 189 u. 198.]
-
-[Fußnote 420: Reden, 52.]
-
-[Fußnote 421: Morgenröthe, 45.]
-
-[Fußnote 422: ~Steffens~, Grundzüge der philosophischen
-Naturwissenschaft, 19.]
-
-[Fußnote 423: Reden, 57; vgl. 88, 91, 95. Vgl. A.W. ~Schlegels~
-„Vorlesungen“ (Minor) II, 6. Schlegel überträgt hier obige
-Betrachtungsweise auf Kunst und Literaturgeschichte. „Wer ein großes
-poetisches Meisterwerk verstünde“, meint er, „würde die gesammte übrige
-Poesie darin finden; denn wie in der Natur, so ist auch in der Kunst
-jede ächte, vollständige und deutlich umgrenzte Einheit ein Spiegel des
-großen Ganzen. Wiederum, wer die Poesie recht versteht, dem wird durch
-sie der Geist der übrigen Künste in innerer Ahndung aufgehen, wenn es
-ihm auch an Entwickelung des äußeren Organes dazu fehlt.“]
-
-[Fußnote 424: Morgenröthe, 77; vgl. 129, 134, 158, 186 f., 223 und
-Vorrede.]
-
-[Fußnote 425: Ebd., 322; vgl. 423.]
-
-[Fußnote 426: ~Solger~, 539 f.]
-
-[Fußnote 427: Morgenröthe, 356; vgl. 386 ff.; ~Novalis~, Schriften, 2,
-35 f.]
-
-[Fußnote 428: ~Tieck~, Genoveva, 160.]
-
-[Fußnote 429: Krit. Schriften, 1. Bd., 108; Phantasien, 27.]
-
-[Fußnote 430: Fast dieselbe geheime Weisheit, wie der „Unbekannte“
-besitzt auch der sternenkundige Ritter Emmerich in ~Tiecks~ „Melusina“,
-Schriften, 13, 74 f.]
-
-[Fußnote 431: ~Tieck~, Genoveva, 242 ff.]
-
-[Fußnote 432: Morgenröthe, 17; vgl. 12, 15. Hieher gehören auch Golos
-Worte, 270, 22 ff.]
-
-[Fußnote 433: Morgenröthe, 8 f., auch die „Vorrede“.]
-
-[Fußnote 434: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 1, 81 (Octavian).]
-
-[Fußnote 435: ~Tieck~, Genoveva, 245.]
-
-[Fußnote 436: Morgenröthe, 389; vgl. ~Tieck~, Schriften, 13, 323, und
-~Novalis~, 2, 36.]
-
-[Fußnote 437: Reden, 91; vgl. Phantasien, 72.]
-
-[Fußnote 438: Vgl. Phantasien, 43.]
-
-[Fußnote 439: Morgenröthe, 15; vgl. ~Tieck~, Schriften, 4, 209, und 1,
-137.]
-
-[Fußnote 440: Ebd., 132 f.]
-
-[Fußnote 441: Morgenröthe, 104 ff.; vgl. ~Tieck~, Schriften, 4, 211.]
-
-[Fußnote 442: Morgenröthe, 101.]
-
-[Fußnote 443: Ebd., 17.]
-
-[Fußnote 444: Ebd., 36.]
-
-[Fußnote 445: Ebd., 39.]
-
-[Fußnote 446: Ebd., 40 f. Vgl. ~Tieck~, Schriften, 1, 11. „Nur
-Phantasie schaut in das ewge Weben...“]
-
-[Fußnote 447: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 11, 13.]
-
-[Fußnote 448: Morgenröthe, 305 f.]
-
-[Fußnote 449: Ebd., 494.]
-
-[Fußnote 450: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 1, 93 (Octavian); Phantasien,
-39, 101.]
-
-[Fußnote 451: Morgenröthe, 100.]
-
-[Fußnote 452: 42 ff.]
-
-[Fußnote 453: ~Tieck~, Genoveva, 249.]
-
-[Fußnote 454: Morgenröthe, 106, 130, 142, 153, 167.]
-
-[Fußnote 455: Ebd., 17.]
-
-[Fußnote 456: Ebd., 10.]
-
-[Fußnote 457: Morgenröthe, 12; vgl. 51.]
-
-[Fußnote 458: ~Tieck~, Genoveva, 315 f.]
-
-[Fußnote 459: ~Friesen~, 2. Bd., 159.]
-
-[Fußnote 460: Morgenröthe, 44 ff.]
-
-[Fußnote 461: Morgenröthe, 519.]
-
-[Fußnote 462: Ebd., 280.]
-
-[Fußnote 463: Ebd., 236.]
-
-[Fußnote 464: ~Tieck~, Genoveva, 229, /13-14/.]
-
-[Fußnote 465: Ebd., 198, /13/. Vgl. 147, /16/; 151, /5/.]
-
-[Fußnote 466: Ebd., 267, /33/; 314, /7/.]
-
-[Fußnote 467: ~Förster~, Biographie und literarische Skizzen, 283.]
-
-[Fußnote 468: ~Novalis~, Schriften, 2. Bd., 36.]
-
-[Fußnote 469: Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 192 f.]
-
-[Fußnote 470: Schriften, 4, 171.]
-
-[Fußnote 471: WW., 7, 71 f.; vgl. Sternbald, 194 f.]
-
-[Fußnote 472: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220. Vgl. ~Solger~,
-2. Bd., 502. Wackenroder ahnte „eine geheime Verwandtschaft der
-Künste“, in denen allenthalben dieselbe göttliche Flamme wehe.
-(Herzenserg., 78.) Sternbald glaubt auch, dass Musik, Poesie und
-Malerei sich oft die Hand bieten und ein und dasselbe auf ihren Wegen
-erreichen könnten. (Sternbald, 317; vgl. Phantasien, 91.) Der Roman
-soll nach Fr. Schlegel „gemischt sein aus Erzählung, Gesang und
-anderen Formen“. Erzählungen mit Gesang und Dramen mit Gesang werden
-von A.W. Schlegel in der Recension der Tieck’schen „Volksmärchen“
-als möglich empfohlen. Die Vorbilder von Shakespeare und Calderon
-treten neben „Wilhelm Meister“ und bald begegnet uns eine lange Reihe
-von Erzählungen mit Gesang, Dramen mit Gesang und selbst Dramen mit
-Erzählung und Gesang zugleich. Noch in späten Jahren glaubt Tieck, dass
-die drei Hauptarten der Poesie „sich in allen Gattungen durchdringen
-können, wenn auch die eine immer die Basis bleiben muss“. (Einleitung
-zu Lenz, XXV; vgl. Schriften, 10, 251.)]
-
-[Fußnote 473: Vgl. Tiecks Bemerkung über Goethes „Egmont“ in der
-Einleitung zu Lenz, XXXV f. Zu erinnern wäre andererseits an „Faust“,
-2. Theil.]
-
-[Fußnote 474: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220, 366 f.]
-
-[Fußnote 475: ~A.W. Schlegel~, WW., 8, 24; vgl. ~Haym~, 255, und
-~Tieck~, Schriften, 4, 361.]
-
-[Fußnote 476: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220.]
-
-[Fußnote 477: Ebd., 369. Vgl. ~Bernhardi~, Archiv der Zeit, 1800, 460
-f. Die Poesie des Krieges erörtert Novalis im „Ofterdingen“ (I, 111),
-und das Morgenland begegnet uns dort gleichfalls (I, 47 und 109).]
-
-[Fußnote 478: Schon früh nährte Tieck seine Neigung zum Sanften,
-Schäferlichen durch alte und neue Schäferdichtungen, vgl. ~Holtei~,
-Dreihundert Briefe, 4, 41, 62. Die Schäferscene am Schluss der
-„Magelone“ ist „seiner Imagination angenehmer“ als die Spitalscene.
-„Phantasus“ in Schriften, 4, 358. Vgl. „Phantasien“ 16, und „Zerbino“,
-Schriften, 10, 245: „Sternbald“, 366 f.; „Octavian“, Schriften, 1, 6
-ff.]
-
-[Fußnote 479: ~A.W. Schlegel~, WW., 6, 162 f. Hier haben wir uns zu
-erinnern an alles, was Wackenroder, Fr. Schlegel, Schleiermacher,
-Novalis und Tieck über die Verwandtschaft von Religion und Poesie
-sagen. Vom Traum behauptet A.W. Schlegel, er sei „ein sehr poetisches
-Element und die Poesie, wohl eingedenk, daß sie selbst nur ein schöner
-Traum sey, hegt und pflegt ihn“. (Vorlesungen, ed. Minor, II, 72.) Über
-die Poesie des Aberglaubens und der Astrologie vgl. ebd. S. 61 f. und
-S. 73, und ~J. Paul~, „Vorschule der Aesthetik“, V. Programm, § 24.]
-
-[Fußnote 480: A.W. Schlegel, WW., 6, 161 und 163; ~Bernhardi~, Archiv
-der Zeit, 460. Die Naturtöne der Liebe, des Schmerzes und der Sehnsucht
-bewundert Tieck im „Faust“ (Schriften, 11, LXIII); vgl. „Phantasien“,
-57, 58, 72. Florestans Worte im „Sternbald“, 283. „Poesie ist
-Gemüthserregungskunst“ sagt ~Novalis~, II, 163. Über die Ahnung eine
-Bemerkung Tiecks in Einleitung zu Lenz, L.]
-
-[Fußnote 481: ~A.W. Schlegel~, Vorlesungen (Minor), II, 84.]
-
-[Fußnote 482: Tieck, Einleitung zu Lenz, XXV; vgl. das Gedicht
-„Phantasie“ im „Sternbald“, 368 ff.]
-
-[Fußnote 483: ~Merkel~, Briefe an ein Frauenzimmer über die wichtigsten
-Producte der schönen Literatur, Berlin 1800, 1. Bd., 21. Vgl. ~Nicolai~
-in der „Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek“, Berlin und Stettin
-1801, LVIII, S. 352. Über die „Romantische Universalpoesie“ vgl. noch
-~Tieck~, Schriften, 4, 360 f. ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 225,
-242, 244, 338, 371, 382.]
-
-[Fußnote 484: Vorlesungen (Minor), II, 69; vgl. WW., 6, 157; vgl. die
-etwas unklaren Gedanken Tiecks vom Beherrschen der Gedankenheere durch
-die Vernunft in den „Phantasien“, 90.]
-
-[Fußnote 485: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 373.]
-
-[Fußnote 486: ~Tieck~, Krit. Schriften, 1. Bd., 44; Herzenserg., 19
-f.; Phantasien, 55; „Phantasus“, Schriften, 4, 95; vgl. „Zerbino“,
-Schriften, 10, 5 f.; „Sternbald“, 117; vgl. auch ~Novalis~, II, 170;
-~A.W. Schlegel~, Vorlesungen (Minor), II, 72.]
-
-[Fußnote 487: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 221; vgl. 192, 14
-ff; 197, 8 ff. Vgl. ~Novalis~, II, 169.]
-
-[Fußnote 488: Schriften, 10, 311.]
-
-[Fußnote 489: ~Tieck~, Genoveva, 231.]
-
-[Fußnote 490: WW., 6. Bd., 163.]
-
-[Fußnote 491: Vgl. ~Bernhardi~, Archiv der Zeit, 468.]
-
-[Fußnote 492: ~Tieck~, Schriften, 4, 361.]
-
-[Fußnote 493: Vgl. ~Bernhardi~, Archiv der Zeit, 459.]
-
-[Fußnote 494: ~Tieck~, Schriften, 5, 153 f.]
-
-[Fußnote 495: Ebd., 1. Bd., XXIX; vgl. ~Solger~, 1, 501.]
-
-[Fußnote 496: Archiv der Zeit, 460 ff.]
-
-[Fußnote 497: Archiv der Zeit, 469.]
-
-[Fußnote 498: Einleitung zu Lenz, IX.]
-
-[Fußnote 499: Fr. ~Schlegel~ (Minor), II, 370.]
-
-[Fußnote 500: ~Tieck~, Genoveva, 128, /30/, 316, 321, /20/.]
-
-[Fußnote 501: Ebd., 316.]
-
-[Fußnote 502: Ebd., 171, /15/, 278, /34 f./]
-
-[Fußnote 503: Ebd., 118, 127, /29/, 171, /9/, 176, /28/, 255, 260, 288,
-/15/, 301, /27/, 320.]
-
-[Fußnote 504: Ebd., 111, 122, /2/, 134, 135, 176, /8/, 217, /38/, 234.]
-
-[Fußnote 505: Ebd., 138, 143, /29/, 167, /25/, 169, 206, /18/, /38/,
-210, /15/, 211, /4/, 224, /2/, 260, 263, 271, /27/, 272, /28/, 275 ff.,
-298, 303, 305, /33 f./, 314 f.]
-
-[Fußnote 506: Ebd., 119, /30 ff./, 128, /7/, 214 f., 217, /38/.]
-
-[Fußnote 507: Ebd., 128, /34/, 221, /23/, 224, /1/, 253, /34/, 254,
-/1/, 274, /13/, 285, /25/, 298, /32/, 315, /30/, 322, /15 ff./ Die
-Heiligenverehrung, der Mariencultus (109, /22/, 147, /25/, 285)
-begegnen uns zwar in der „Genoveva“, aber keineswegs so stark betont,
-als man bei einer absichtlich katholisierenden Dichtung wohl erwarten
-möchte.]
-
-[Fußnote 508: Ebd., 111, /23/, 143, /18 ff./, 144, 147, 158, 176, 220,
-226, 235, 256 ff., 264, 281, 282, /2/, 293, 309, 311, 315.]
-
-[Fußnote 509: ~Tieck~, Genoveva, 172, 253, 260, 263, 272 ff., 287, 292,
-317 f.]
-
-[Fußnote 510: Ebd., 117, 211, 301.]
-
-[Fußnote 511: Ebd., 108, 111, 125 ff., 128 f., 143, 158, 197, 213, 217,
-219, 237, 249, 280 ff.]
-
-[Fußnote 512: Ebd., 142 f., 159 f.]
-
-[Fußnote 513: Ebd., 135, 162, 172, 211, 268, 277 ff.]
-
-[Fußnote 514: Ebd., 131 f., 136, 186.]
-
-[Fußnote 515: Ebd., 109, 169, 178, 321 f.]
-
-[Fußnote 516: Ebd., 144, 209, 225, 309, 314, 326.]
-
-[Fußnote 517: Ebd., 110, 255, 269, 273, /14 f./, 274, /25/, 276, 286,
-310.]
-
-[Fußnote 518: Ebd., 208, 212 f., 218, 231, 259, 279, 286, 313, 315.]
-
-[Fußnote 519: Ebd., 277, 319.]
-
-[Fußnote 520: Ebd., 323.]
-
-[Fußnote 521: ~Tieck~: Genoveva, 131, /28 f./, 134, 139, /36/, 159 ff.,
-172, /9/, 175, /9/, 196, /10/, 210, /32/, 242, /12 ff/., 245, /2/, 261,
-/3/, 270, /22 ff/., 289, /23 f/., 293, /14 ff/.]
-
-[Fußnote 522: Ebd., 240, 241 ff.]
-
-[Fußnote 523: Ebd., 126 ff.]
-
-[Fußnote 524: Archiv der Zeit, 467.]
-
-[Fußnote 525: Genoveva, 176, 20 ff., 177, 11 ff.]
-
-[Fußnote 526: A.W. ~Schlegel~, WW., 11. Bd., 145; vgl. ~Solger~, 1.
-Bd., 397. ~Tieck~, Schriften, 1, XVI, und ~Tieck~, Schriften, 6, XX.]
-
-[Fußnote 527: Vgl. Archiv der Zeit, 464.]
-
-[Fußnote 528: Bernhardi findet am Schicksalsmäßigen nichts auszusetzen.
-Archiv der Zeit, 463.]
-
-[Fußnote 529: Im „Octavian“ wird Mahomets Bildnis verunehrt, weil es
-nicht Hilfe bringt.]
-
-[Fußnote 530: Recension im „Archiv der Zeit“, 1800.]
-
-[Fußnote 531: ~Solger~, Nachgel. Schriften, 1. Bd., 502.]
-
-[Fußnote 532: Archiv der Zeit, 467.]
-
-[Fußnote 533: ~Hettner~, Die romantische Schule, 156 f. ~Haym~, 477 f.;
-vgl. ~Solger~, 1. Bd., 301, 453 ff.]
-
-[Fußnote 534: Romantische Schule, 155.]
-
-[Fußnote 535: ~Tieck~, Genoveva, 116, /5/, 148, /7/, 159, /14/, 184,
-/15/, 204, /13/, 208, /15/.]
-
-[Fußnote 536: Frl. ~Poppenberg~, Zacharias Werner, Berlin 1893, S. 19.]
-
-[Fußnote 537: Vgl. ~Minor~, Die Schicksalstragödie in ihren
-Hauptvertretern, Frankfurt 1883, S. 61.]
-
-[Fußnote 538: Julian ~Schmidt~, Geschichte der deutschen Litteratur, 4.
-Bd., 357. Vgl. ~Tieck~, Schriften. 11, LXXI.]
-
-[Fußnote 539: Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stück, 42 f.]
-
-[Fußnote 540: Sternbald, 196. Vgl. ~Tieck~, Krit. Schriften, 1. Bd.,
-30; 4. Bd., 4 ff. ~Friesen~, 1. Bd., 172 ff. A.W. ~Schlegel~, WW., 6.
-Bd., 4.]
-
-[Fußnote 541: ~Tieck~, Genoveva, 183, 203.]
-
-[Fußnote 542: Ebd., 204 ff.]
-
-[Fußnote 543: Ebd., 310.]
-
-[Fußnote 544: ~Tieck~, Genoveva, 170.]
-
-[Fußnote 545: Ebd., 132, /13./]
-
-[Fußnote 546: Ebd., 132, /11./]
-
-[Fußnote 547: Ebd., 165, /19./]
-
-[Fußnote 548: Ebd., 136.]
-
-[Fußnote 549: Ebd., 119, /19./]
-
-[Fußnote 550: Ebd., 214 f.]
-
-[Fußnote 551: Ebd., 297.]
-
-[Fußnote 552: Ebd., 116, /15./]
-
-[Fußnote 553: Ebd., 170, 214.]
-
-[Fußnote 554: Ebd., 310.]
-
-[Fußnote 555: Ebd., 137, /8./]
-
-[Fußnote 556: Vgl. S. 88.]
-
-[Fußnote 557: ~Tieck~, Schriften, 4. Bd., 74 („Phantasus“).]
-
-[Fußnote 558: Die Schilderung des Tanzes der Genoveva ist in der That
-jener der tanzenden Laura im „Sternbald“ (397) verwandt!]
-
-[Fußnote 559: ~Köpke~, L. Tieck, 1. Bd., 139.]
-
-[Fußnote 560: ~Köpke~, a. a. O., 139; vgl. ~Friesen~, 2. Bd., 136.]
-
-[Fußnote 561: ~Köpke~, 1. Bd., 140; vgl. „Phantasus“ in den Schriften,
-4, 113.]
-
-[Fußnote 562: ~Köpke~, 1. Bd., 142 f.]
-
-[Fußnote 563: Tiecks Worte bei ~Friesen~, 2. Bd., 138.]
-
-[Fußnote 564: ~Köpke~, 1. Bd., 163 f.]
-
-[Fußnote 565: ~Tieck~, Schriften, 4, 89.]
-
-[Fußnote 566: Vgl. „Phantasus“ in den Schriften, 4. Bd., 18, 57 f., 77
-ff., 83 f., 85 f., 106, 127 f.]
-
-[Fußnote 567: Tieck, Krit. Schriften. 1. Bd., 82 f.; vgl. Phantasien,
-43. Sternbald, 299 f. ~Novalis~, I, 103; II, 75.]
-
-[Fußnote 568: ~Tieck~, Genoveva, 122.]
-
-[Fußnote 569: ~Tieck~, Genoveva, 160 f.]
-
-[Fußnote 570: Ebd., 163, /17 ff./]
-
-[Fußnote 571: Solche antike Vorstellungen (Hydra, Fortuna u. s. w.) zu
-verwerten, wurde Tieck durch das englische Renaissancedrama veranlasst.
-Vgl. „Locrine“, Altenglisches Theater, II, 53, 54, 63, 78.]
-
-[Fußnote 572: Genoveva, 194 ff.]
-
-[Fußnote 573: ~Tieck~, Genoveva, 252; für das Weitere, 254 ff.]
-
-[Fußnote 574: ~Tieck~, Genoveva, 188, /8./]
-
-[Fußnote 575: Ebd., 248, /19/; 289, /22/; 319, /13 f./]
-
-[Fußnote 576: ~Tieck~, Genoveva, 196; vgl. 242, 270, 289. Über die
-freundliche und unheimliche Seite der Natur in Tiecks Auffassung vgl.
-„Phantasien“, 26, 79, und „Phantasus“ in Schriften, 4. Bd., 127 ff.,
-142 ff., 283.]
-
-[Fußnote 577: Genoveva, 278, /35./]
-
-[Fußnote 578: Ebd., 316, /3 f./]
-
-[Fußnote 579: Ebd., 263, /23, 35 ff./; 317, 15 /ff./]
-
-[Fußnote 580: ~Novalis~, Schriften, 2. Bd., 130.]
-
-[Fußnote 581: Ähnlich „Sternbald“, 131.]
-
-[Fußnote 582: ~Tieck~, Genoveva, 165, /34./]
-
-[Fußnote 583: Ebd., 176 f.; 193, /29/; 200, /34./]
-
-[Fußnote 584: Ebd., 201, /9 ff./; vgl. ~Tieck~, Schriften, 10, 73.]
-
-[Fußnote 585: Tieck, Genoveva, 177, ~9 ff.~]
-
-[Fußnote 586: Ebd., 289 ff.; vgl. ~Holtei~, Dreihundert Briefe, 4, 50.]
-
-[Fußnote 587: ~Tieck~, Genoveva, 165, /23 f./]
-
-[Fußnote 588: Ebd., 231.]
-
-[Fußnote 589: ~Tieck~, Genoveva, 109 ff., 320.]
-
-[Fußnote 590: Ebd., 244, /21./]
-
-[Fußnote 591: Ebd., 244 f.]
-
-[Fußnote 592: Ebd., 318.]
-
-[Fußnote 593: Ebd., 164 f.]
-
-[Fußnote 594: Ebd., 232.]
-
-[Fußnote 595: Ebd., 209.]
-
-[Fußnote 596: Ebd., 249.]
-
-[Fußnote 597: Ebd., 288 ff.]
-
-[Fußnote 598: ~Tieck~, Genoveva, 315 f.]
-
-[Fußnote 599: Ebd., 161 f.]
-
-[Fußnote 600: Ebd., 174.]
-
-[Fußnote 601: Ebd., 316.]
-
-[Fußnote 602: Ebd., 162.]
-
-[Fußnote 603: Ebd., 169.]
-
-[Fußnote 604: ~Tieck~, Genoveva, 254 f.]
-
-[Fußnote 605: Ebd., 163.]
-
-[Fußnote 606: Ebd., 239.]
-
-[Fußnote 607: Ebd., 220.]
-
-[Fußnote 608: Ebd., 174, /3./]
-
-[Fußnote 609: Ebd., 203, /35./]
-
-[Fußnote 610: Ebd., 296, /34 f./]
-
-[Fußnote 611: Ebd., 193, /15./]
-
-[Fußnote 612: Ebd., 196, /7./]
-
-[Fußnote 613: Ebd., 205, /19./]
-
-[Fußnote 614: Ebd., 215, /35./]
-
-[Fußnote 615: Ebd., 213, /16./]
-
-[Fußnote 616: Ebd., 203, /3./]
-
-[Fußnote 617: Ebd., 211, /28./]
-
-[Fußnote 618: Ebd., 193, /3 ff./]
-
-[Fußnote 619: ~Tieck~, Kritische Schriften, 1. Bd., 82; vgl. ~Holtei~,
-Dreihundert Briefe, 4, 90.]
-
-[Fußnote 620: ~Tieck~, Genoveva, 231.]
-
-[Fußnote 621: Vorschule der Ästhetik, V, § 25.]
-
-[Fußnote 622: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 1. Bd., 305.]
-
-[Fußnote 623: ~Koberstein~, Vermischte Aufsätze zur Literaturgeschichte
-und Ästhetik, Leipzig 1858, S. 7.]
-
-[Fußnote 624: Schriften, 10. Bd., 196.]
-
-[Fußnote 625: ~Solger~, a. a. O., 1. Bd., 501.]
-
-[Fußnote 626: Genoveva, 115, 131, 272 ff., 314, 322.]
-
-[Fußnote 627: Ebd., 181.]
-
-[Fußnote 628: Ebd., 136, 164 ff., 187 ff., 199 ff.]
-
-[Fußnote 629: Ebd., 138, 172 ff., 176 f., 211 ff., 216 f., 262 ff., 278
-ff., 284 ff., 315 f.]
-
-[Fußnote 630: Vgl. die Schilderung Leonardos in „Herzensergießungen“,
-65.]
-
-[Fußnote 631: Wird von Bernhardi gelobt.]
-
-[Fußnote 632: ~Tieck~, Genoveva, 190, /13 ff./]
-
-[Fußnote 633: Ebd., 191, /34 ff./]
-
-[Fußnote 634: WW., 11, 138.]
-
-[Fußnote 635: Briefe an ein Frauenzimmer, 26.]
-
-[Fußnote 636: Nachgel. Schriften, 1. Bd., 501.]
-
-[Fußnote 637: Leipzig 1878.]
-
-[Fußnote 638: ~Petrich~, 26 ff.]
-
-[Fußnote 639: Genoveva, 173 f., 315 f.]
-
-[Fußnote 640: Ebd., 211 ff.]
-
-[Fußnote 641: Ebd., 301, 310.]
-
-[Fußnote 642: Ebd., 138; vgl. 143, 167, 206, 255.]
-
-[Fußnote 643: Ebd., 152; vgl. 169, 210.]
-
-[Fußnote 644: Genoveva, 111; vgl. 277 ff.]
-
-[Fußnote 645: Ebd., 135.]
-
-[Fußnote 646: Ebd., 211 ff.]
-
-[Fußnote 647: Ebd., 110 f.]
-
-[Fußnote 648: Ebd., 284.]
-
-[Fußnote 649: Ebd., 286.]
-
-[Fußnote 650: Ebd., 313.]
-
-[Fußnote 651: Ebd., 314.]
-
-[Fußnote 652: Ebd., 317.]
-
-[Fußnote 653: Ebd., 320.]
-
-[Fußnote 654: Vgl. ~Petrich~, 101 ff.]
-
-[Fußnote 655: ~Tieck~, Genoveva, 174, /33/.]
-
-[Fußnote 656: Ebd., 174, /35/.]
-
-[Fußnote 657: Ebd., 277, /5/, 275, /7/, 275, /29/.]
-
-[Fußnote 658: Ebd., 174, /17 f./]
-
-[Fußnote 659: Ebd., 174, /25/.]
-
-[Fußnote 660: Ebd., 174, /35/.]
-
-[Fußnote 661: Ebd., 175, /3/, 288, /6 ff./]
-
-[Fußnote 662: ~Tieck~, Genoveva, 264.]
-
-[Fußnote 663: Ebd., 277 ff.]
-
-[Fußnote 664: Ebd., 280.]
-
-[Fußnote 665: Ebd., 271 f.]
-
-[Fußnote 666: Vgl. Krit. Schriften, 4, 154.]
-
-[Fußnote 667: ~Tieck~, Genoveva, 289.]
-
-[Fußnote 668: ~Tieck~, Schriften, 11, LXII ff.]
-
-[Fußnote 669: Vgl. ~Petrich~, 47 ff.]
-
-[Fußnote 670: ~A.W. Schlegel~, WW., 10. Bd., 183. Auch Novalis verlangt
-für eine romantische Dichtung eine „gewisse Alterthümlichkeit des
-Stiles“. (Schriften, 3, 236.)]
-
-[Fußnote 671: Wie nahe sich die Gedanken der Romantiker mit denen
-berühren, die Herder, der Theoretiker der Sturm- und Drangzeit, in den
-„Fragmenten zur deutschen Litteratur“ aussprach, liegt auf der Hand.]
-
-[Fußnote 672: ~Tieck~, Schriften, 11. Bd., XLII.]
-
-[Fußnote 673: Diese Meinung wird noch durch den Umstand bestärkt, dass
-Tieck auch in den späteren Neuausgaben fast alles stehen ließ, wie es
-in der ersten Ausgabe stand.]
-
-[Fußnote 674: Kühler urtheilt er hierüber nach zehn Jahren in der
-Vorrede zum „Altenglischen Theater“, II, XIII.]
-
-[Fußnote 675: Vgl. E. ~Schmidt~, Richardson, Rousseau und Goethe, Jena
-1875, S. 258 und 274.]
-
-[Fußnote 676: ~Solger~, a. a. O., 1. Bd., 8.]
-
-[Fußnote 677: ~Tieck~, Genoveva, 122.]
-
-[Fußnote 678: Ebd., 289.]
-
-[Fußnote 679: ~Tieck~, Genoveva, 160 ff.; vgl. 133, 196 f.]
-
-[Fußnote 680: ~Tieck~, Genoveva, 198 f.]
-
-[Fußnote 681: Ebd., 244.]
-
-[Fußnote 682: ~Tieck~, Schriften, 4. Bd., 191.]
-
-[Fußnote 683: ~Tieck~, Genoveva, 160 f.]
-
-[Fußnote 684: Ebd., 142 ff.]
-
-[Fußnote 685: Ebd., 140.]
-
-[Fußnote 686: ~Tieck~, Genoveva, 131 f.]
-
-[Fußnote 687: Ebd., 162.]
-
-[Fußnote 688: Ebd., 164.]
-
-[Fußnote 689: Ebd., 166.]
-
-[Fußnote 690: Ebd., 182 f.]
-
-[Fußnote 691: Ebd., 220 ff; vgl. 225 f., 264.]
-
-[Fußnote 692: A.W. ~Schlegel~, WW., 6. Bd., 163. Vgl. ~Novalis~, II,
-165. Für die übrigen Romantiker ~Petrich~, 123.]
-
-[Fußnote 693: A.W. ~Schlegel~, WW., 8. Bd., 14.]
-
-[Fußnote 694: ~Tieck~, Genoveva, 172.]
-
-[Fußnote 695: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220.]
-
-[Fußnote 696: ~Tieck~, Genoveva, 190, /4 ff./, 198, /19/, 199, /12/,
-211, /35/, 243, /8 f./, 304, /7 f./]
-
-[Fußnote 697: Ebd., 277, /9 f./]
-
-[Fußnote 698: Genoveva, 188, /15 f./, 194, /8 f./, 200, /18 ff./, 277,
-/5 f./]
-
-[Fußnote 699: Ebd., 135, /30/, 273, /24/, 281, /14/, 288, /11./]
-
-[Fußnote 700: ~Tieck~, Genoveva, 186, /11/, 200, /32/, 225, /37/, 247,
-/4/, 289, /23/.]
-
-[Fußnote 701: Die Abendwinde spielen, die Morgenröthe spielt, neues
-Leben spielt, der Mondschein spielt, Sommerlüftchen spielen, in
-„oberirdischen Lüften ein spielendes Bewegen“ u. dgl.]
-
-[Fußnote 702: ~Tieck~, Genoveva, 171, /22/, 136, /5/, 194, /33/, 267,
-/7/, 274, /20./]
-
-[Fußnote 703: Ebd., 110 f.]
-
-[Fußnote 704: Ebd., 122, /29 ff./, 135, 161 f., 182 f., 188, 219, 235.]
-
-[Fußnote 705: ~Tieck~, Genoveva, 111, 122, 154, 182, 219.]
-
-[Fußnote 706: Ebd., 161 f.]
-
-[Fußnote 707: Ebd., 135.]
-
-[Fußnote 708: Ebd., 108, 113, 120, 127, 128, 132, 140, 141 u. ö.]
-
-[Fußnote 709: Vgl. A.W. ~Schlegel~, WW., 12. Bd., 272; 11. Bd., 384.]
-
-[Fußnote 710: Z. B. Genoveva, 110, /24 ff./, 148, /5 ff./, 199, /5 ff./,
-306, /6 ff./]
-
-[Fußnote 711: Genoveva, 117, 213.]
-
-[Fußnote 712: Ebd., 131 ff.]
-
-[Fußnote 713: Ebd., 179 ff., 191 ff.]
-
-[Fußnote 714: ~Solger~, a. a. O., 501.]
-
-[Fußnote 715: ~Tieck~, Schriften, 10. Bd., 319 („Zerbino“).]
-
-[Fußnote 716: ~Novalis~, Schriften, 2. Bd., 32.]
-
-[Fußnote 717: A.W. ~Schlegel~, WW., 8, 15.]
-
-[Fußnote 718: ~Solger~, a. a. O., 501.]
-
-[Fußnote 719: ~Solger~, a. a. O., 501.]
-
-[Fußnote 720: A.W. ~Schlegel~, WW., 7. Bd., 27 ff.]
-
-[Fußnote 721: ~Tieck~, Krit. Schriften, 1. Bd., 108 f. Vgl. ~A.W.
-Schlegel~, Vorlesungen (Minor), II, 10.]
-
-[Fußnote 722: ~Tieck~, Genoveva, 109 ff.]
-
-[Fußnote 723: Ebd., 123 ff.]
-
-[Fußnote 724: ~Tieck~, Genoveva, 131 f.]
-
-[Fußnote 725: Ebd., 178.]
-
-[Fußnote 726: Ebd., 240 f. Zu vgl. noch 235, 280, 288, 307 f., 311,
-313.]
-
-[Fußnote 727: Ebd., 239 f.]
-
-[Fußnote 728: Ebd., 223 ff.]
-
-[Fußnote 729: Dorothea Schlegel, hrg. v. ~Raich~, 1. Bd., 25.]
-
-[Fußnote 730: Ebd., 25, und Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 146.]
-
-[Fußnote 731: Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 161, 165; vgl.
-Dorothea Schlegel, 1. Bd., 26.]
-
-[Fußnote 732: WW., 11. Bd., 384; 12. Bd., 272.]
-
-[Fußnote 733: Ebd., 12. Bd., 251.]
-
-[Fußnote 734: Ebd., 12. Bd., 256.]
-
-[Fußnote 735: ~Tieck~, Genoveva, 111, 138, 143 f., 152, 176 f., 212,
-263, 287 f., 298, 305.]
-
-[Fußnote 736: Ebd., 173 f., 313 f.]
-
-[Fußnote 737: Ebd., 156, 224 f.]
-
-[Fußnote 738: Ebd., 160.]
-
-[Fußnote 739: Ebd., 183, 194 f., 197, 198.]
-
-[Fußnote 740: Ebd., 122.]
-
-[Fußnote 741: Ebd., 117.]
-
-[Fußnote 742: Ebd., 271 ff.]
-
-[Fußnote 743: ~Tieck~, Schriften, 11. Bd., LIX.]
-
-[Fußnote 744: Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 192.]
-
-[Fußnote 745: ~Tieck~, Genoveva, 813 ff, 320 f.]
-
-[Fußnote 746: Ebd., 278 ff.]
-
-[Fußnote 747: Ebd., 284 ff., 306.]
-
-[Fußnote 748: Ebd., 165 f.]
-
-[Fußnote 749: Vgl. ~Welti~, Geschichte des Sonettes in der deutschen
-Dichtung, Leipzig 1884, 162 ff., 176 ff., und Schlegels Vorlesung über
-das Sonett im Anhange daselbst.]
-
-[Fußnote 750: Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe, Stuttgart,
-Spemann, 2. Bd., S. 46. Dante singt nach Tieck „in prophetischen,
-wunderbar verschlungenen Terzinen seine Dichtung, nirgend ein
-Stillstand, nirgend wo die Pracht der gewaltigen Verse aufhörte...“
-Phantasien, 27.]
-
-[Fußnote 751: ~Tieck~, Genoveva, 140, 145, 153.]
-
-[Fußnote 752: Tieck liebt das Spiel mit gehäuften Reimen auch sonst,
-schon bloß des musikalischen Klanges wegen. (Schäferlied, Zulmas
-Monolog, Golos Lieder.) Vgl. A. ~Kerr~, Godwi, 99 ff., und ~Tieck~,
-Schriften, 13, 310 ff.]
-
-[Fußnote 753: WW., 7, 41.]
-
-[Fußnote 754: ~Tieck~, Genoveva, 167.]
-
-[Fußnote 755: Ebd., 223.]
-
-[Fußnote 756: Ebd., 228 ff.]
-
-[Fußnote 757: Ebd., 254 ff.; vgl. 260 ff., 264 ff., 268, 289 ff., 293
-ff.]
-
-[Fußnote 758: Ebd., 253 f.]
-
-[Fußnote 759: Ebd., 234.]
-
-[Fußnote 760: Ebd., 316 f.]
-
-[Fußnote 761: Ebd., 202 ff.]
-
-[Fußnote 762: Ebd., 145 ff.]
-
-[Fußnote 763: A.W. ~Schlegel~, WW., 7. Bd., 41 f.]
-
-[Fußnote 764: A.W. ~Schlegel~, WW., 7. Bd., 43.]
-
-[Fußnote 765: ~Tieck~, Genoveva, 119, 128, 129, 145, 146, /5 ff./, 151,
-/25 f./, 152, 156, 201, 267, 283.]
-
-[Fußnote 766: Ebd., 146, 149, 184, 185, 202, 244, 254, 264, 266, 270,
-312, 317.]
-
-[Fußnote 767: Auffallend ist das Fehlen der Schlussreime von S. 211 in
-der gleichen Situation wie S. 152.]
-
-[Fußnote 768: ~Tieck~, Genoveva, 132.]
-
-[Fußnote 769: Ebd., 167 f.; vgl. 181 f.; 211.]
-
-[Fußnote 770: Ebd., 218 ff.; vgl. 241 f.]
-
-[Fußnote 771: Archiv der Zeit, a. a. O., 470.]
-
-[Fußnote 772: Vgl. ~Solger~, 1. Bd., 501, und ~Tieck~, Schriften, 1.
-Bd., XXXII.]
-
-[Fußnote 773: Vgl. ~Seuffert~, Maler Müller, 147 ff.]
-
-[Fußnote 774: WW., 8, 143 f.]
-
-[Fußnote 775: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXX.]
-
-[Fußnote 776: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 3. Bd., 362.]
-
-[Fußnote 777: A.W. ~Schlegel~, WW., 6. Bd., 158; vgl. „Europa“, 1. Bd.,
-2. St., 74.]
-
-[Fußnote 778: Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 171.]
-
-[Fußnote 779: „Europa“, 1. Bd., 1. St., 57.]
-
-[Fußnote 780: WW., 10. Bd., 20.]
-
-[Fußnote 781: „Europa“, 2. Bd., 95 ff.]
-
-[Fußnote 782: A.W. ~Schlegel~, WW., 1. Bd., 867.]
-
-[Fußnote 783: Ebd., 8. Bd., 146 f.]
-
-[Fußnote 784: Ebd., 6. Bd., 431, und 11. Bd., 145.]
-
-[Fußnote 785: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 2. Bd., 363 f.]
-
-[Fußnote 786: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 1. Bd., 312.]
-
-[Fußnote 787: Geschichte der poetischen Litteratur Deutschlands,
-Paderborn 1866, 2. Theil, S. 68.]
-
-[Fußnote 788: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 1. Bd., 136.]
-
-[Fußnote 789: Ebd., 3. Bd., 174.]
-
-[Fußnote 790: Ebd., 2. Bd., 187.]
-
-[Fußnote 791: ~Solger~, 1. Bd., 465 ff. Tiecks Antwort, 500 ff.]
-
-[Fußnote 792: Vgl. die Tagebuchnotiz im 1. Bd., S. 7 f.]
-
-[Fußnote 793: Schriften, 1. Bd., XXXI.]
-
-[Fußnote 794: „Was ich erlebte“, 4. Bd., 389.]
-
-[Fußnote 795: Schriften, 1. Bd., XXXII.]
-
-[Fußnote 796: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXXII; ~Köpke~, L.
-Tieck, 1. Bd., 260; ~Holtei~, Briefe an Tieck, 1. Bd., 241 f.; „Vierzig
-Jahre“, Breslau 1845, 5. Bd., 61. Schriften der Goethe-Gesellschaft,
-13. Bd., XLIV.]
-
-[Fußnote 797: Schillers Briefwechsel mit Körner, hrg. v. ~Gödecke~,
-Leipzig 1874, 2. Theil, 362.]
-
-[Fußnote 798: Ebd., 364.]
-
-[Fußnote 799: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXX f.]
-
-[Fußnote 800: Neue allgemeine deutsche Bibliothek, 58. Bd., 352 ff.
-(1801).]
-
-[Fußnote 801: Briefe, 4. Bd., 98 ff., 232, 552.]
-
-[Fußnote 802: Genoveva, 183, /2-3/, 223, /7-8/, 239, /7./]
-
-[Fußnote 803: Ebd., 210.]
-
-[Fußnote 804: Ebd., 255 und 307 f.]
-
-[Fußnote 805: Ebd., 233, /25-33/, 243, /18-20./]
-
-[Fußnote 806: Vgl. G.L. ~Klee~, Tiecks Werke, 1. Bd., 175 ff.
-~Poppenberg~, Zacharias Werner, 63 ff. ~Minor~, Die Schicksalstragödie,
-10 ff.]
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Ludwig Tiecks Genoveva, als
-romantische Dichtung betrac, by Johann Ranftl
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LUDWIG TIECKS GENOVEVA, ALS ***
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- </head>
-<body>
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-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Ludwig Tiecks Genoveva, als romantische
-Dichtung betrachtet, by Johann Ranftl
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Ludwig Tiecks Genoveva, als romantische Dichtung betrachtet
-
-Author: Johann Ranftl
-
-Editor: Anton Emanuel Schnbach
- Bernhard Seuffert
-
-Release Date: October 24, 2015 [EBook #50296]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LUDWIG TIECKS GENOVEVA, ALS ***
-
-
-
-
-Produced by Karl Eichwalder, Chuck Greif, Reiner Ruf, and
-the Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned
-images of public domain material from the Google Books
-project.)
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-
-<div class="frontmatter mbot3">
-
-<p class="mtop2 mbot15 s1 center">GRAZER STUDIEN</p>
-
-<p class="s4 mbot15">ZUR</p>
-
-<p class="s0">DEUTSCHEN PHILOLOGIE</p>
-
-<p class="s4 p4 mbot2">HERAUSGEGEBEN</p>
-
-<p class="s5 mtop1 mbot1">VON</p>
-
-<p class="s3 mbot3">ANTON E. SCHNBACH <span class="smaller">UND</span> BERNHARD SEUFFERT.</p>
-
-<div class="figcenter">
- <a id="signet" name="signet"></a>
- <img src="images/signet.jpg"
- alt="Signet" />
-</div>
-
-<p class="s3 p6 mtop3"><em class="gesperrt">GRAZ.</em></p>
-
-<p class="s5">K. K. UNIVERSITTS-BUCHDRUCKEREI UND VERLAGS-BUCHHANDLUNG &#8218;STYRIA&#8216;.</p>
-
-<p class="s4">1899.</p>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter p4">
-
-<p class="s5 tdl">K. K. UNIVERSITTS-BUCHDRUCKEREI &#8218;STYRIA&#8216; IN GRAZ.</p>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter mbot3">
-
-<h1 class="p4 mbot1" id="LUDWIG_TIECKS_GENOVEVA">LUDWIG TIECKS GENOVEVA.</h1>
-
-<p class="s5">ALS</p>
-
-<p class="s3 mtop15 mbot15">ROMANTISCHE DICHTUNG</p>
-
-<p class="s5">BETRACHTET</p>
-
-<p class="s5 mtop2 mbot2">VON</p>
-
-<p class="s3">D<span class="smaller">R</span>. JOHANN RANFTL.</p>
-
-</div>
-
-<hr class="full" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_v" id="Seite_v">[S. v]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 id="Vorwort">Vorwort.</h2>
-
-<p class="initial">Der Romantiker Ludwig Tieck ist eine bedeutende, einflussreiche und
-interessante Persnlichkeit. Zu den allerersten, bahnbrechenden und
-fhrenden Geistern unserer Literatur gehrt er jedoch nicht. Es mag
-daher keineswegs fr jedermann selbstverstndlich sein, dass man ber
-eine einzelne Dichtung dieses Mannes ein kleines Buch schreibt. Auch
-mir schien es nicht selbstverstndlich, bevor ich mich eingehender mit
-der Entstehung wie mit dem geistigen und knstlerischen Charakter der
-&#8222;Genoveva&#8220; befasste. Bei nherer Betrachtung fllt sogleich auf, dass
-Tieck selbst gerade diesem romantischen Drama eine besonders wichtige
-Stelle in seinem geistigen Entwickelungsgange anweist, es mit Nachdruck
-als &#8222;Epoche&#8220; in seinem Leben bezeichnet. In seinen spteren Jahren, als
-ihm der altdeutsch-religise Enthusiasmus der &#8222;Genoveva&#8220; lngst fremd
-geworden war, kommt er mit einer gewissen Liebe und Zrtlichkeit gerade
-auf dieses Gedicht immer wieder zurck, das nach seiner Versicherung
-ganz aus seinem Gemthe gekommen, das &#8222;gar nicht gemacht, sondern
-geworden sei&#8220;.</p>
-
-<p>Auch im groen Leben unserer Literatur gieng Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; nicht
-spurlos und unbemerkt vorber. Goethe und Schiller und viele Kleinere,
-die Theilnahme fr geistige Erscheinungen empfanden, nahmen Stellung zu
-dem Werke. Es machte den sthetischen Gesinnungsverwandten Tiecks jenen
-erfreulichen Eindruck, den der Dichter gewnscht hatte, es war den
-echten Aufklrern ein Stein des Anstoes, da sie es als Symptom einer
-mchtig anwachsenden, ihnen feindlichen, geistigen und literarischen
-Strmung ansehen mussten, und als Sammelpunkt des romantischen Geistes
-erweckt es heute das lebhafte Interesse des Literarhistorikers
-und erwirbt sich das Anrecht auf eine monographische Betrachtung.
-Vielleicht ist Tiecks<span class="pagenum"><a name="Seite_vi" id="Seite_vi">[S. vi]</a></span> &#8222;Octavianus&#8220; ein noch vollstndigerer &#8222;orbis
-pictus&#8220; der Romantik als die &#8222;Genoveva&#8220;, dafr setzt aber dieses
-Werk mit weniger Klgelei, unmittelbarer und frischer der ersten
-Begeisterung entstrmend dasjenige in dichterische Gestalt um, was
-um 1800 die Gemther der lteren Romantiker erfllte. Was hier wie
-von selbst dem Dichter aus der Seele quoll, wird im &#8222;Octavianus&#8220; nur
-bewusst erweitert und gesteigert. Darum blieb ich lieber bei der
-&#8222;Genoveva&#8220;, um an diesem typischen Beispiele zu zeigen, wie damals ein
-romantisches Kunstwerk entstand, mit welchen knstlerischen Mitteln der
-Romantiker seine Theorie dichterisch verwirklichte, und welche Stellung
-ein solches Werk in unserer Literatur-Entwickelung einnimmt.</p>
-
-<p>Mehrere Forscher, vor allem Haym, haben mit Sorgfalt und Scharfsinn
-die schwere Aufgabe bernommen, aus dem Chaos von vieldeutigen,
-schillernden Sentenzen und Aphorismen, wie aus den ziemlich unklaren
-Manifesten der jugendlichen romantischen Stimmfhrer die leitenden
-sthetischen Gedanken herauszulesen und bersichtlich darzustellen.
-In meiner Schrift soll eine Art Gegenprobe versucht und die Art
-beleuchtet werden, wie damals jene nebelhaften Theorien in einer
-einzelnen Dichtung Gestalt annahmen. Ich glaube, dass eine solche
-Einzelbetrachtung zu noch anschaulicherer, genauerer und feinerer
-Erkenntnis der romantischen Bestrebungen fhren kann. Dass ein
-gewisses Bedrfnis nach solchen Untersuchungen besteht, bezeugt die
-Thatsache, dass fast gleichzeitig noch drei andere Schriftsteller auf
-den nmlichen Gedanken verfielen. Poppenberg untersuchte Mystik und
-Romantik in Z. Werners &#8222;Shnen des Thals&#8220;, Kerr vertiefte sich in
-Brentanos &#8222;Godwi&#8220; und Busse in &#8222;Novalis&#8217; Lyrik&#8220;.</p>
-
-<p>Eine Durchprfung des gedruckten Materiales ber Tiecks &#8222;Genoveva&#8220;
-gewhrte auch genauere Aufschlsse ber die oft unbestimmt andeutenden
-&#8222;Vorberichte&#8220;, ber das Verhltnis des Dichters zu Jakob Bhme, wie
-ber die romantische Religion von 1800. Gerade ber den letzteren
-Punkt ist noch manches zu sagen, um Missverstndnisse, die in den
-Literaturgeschichten gerne wiederholt werden, zu beseitigen. In dieser
-rein literar-historischen Untersuchung war natrlich kein Raum, auf den
-theologischen Wert oder Unwert der romantischen Religionsanschauungen,
-die zunchst meist nur der dichterischen Stimmung dienten, nher
-einzugehen. Den mhsamen Versuch H. v. Friesens,<span class="pagenum"><a name="Seite_vii" id="Seite_vii">[S. vii]</a></span> Tiecks &#8222;Genoveva&#8220;
-fr den Protestantismus zu &#8222;retten&#8220;, mit einem leichteren Gegenversuch
-zu Gunsten des Katholicismus zu erwidern, scheint mir unnthig, da mit
-solchen Bemhungen nach meinem Dafrhalten dem Katholicismus sowenig
-wie der Literaturgeschichte gedient ist.</p>
-
-<p>Wofern nicht ungedruckte Materialien ber Tiecks Persnlichkeit und
-Schaffen noch wesentliche neue Aufschlsse fr die in dieser Schrift
-behandelte Periode bringen, hoffe ich, mit meiner Arbeit auch einen
-brauchbaren Baustein fr eine knftige Tieckbiographie geliefert zu
-haben.</p>
-
-<p>Whrend mein Manuscript bereits fr die Druckerei fertig lag,
-erschien Bruno Golz&#8217; &#8222;Pfalzgrfin Genoveva in der deutschen Dichtung&#8220;
-(Leipzig 1897). ber Tiecks Verhltnis zum Volksbuch wie zu Maler
-Mllers Drama kommt Golz zu Ergebnissen, die sich mit dem Resultate
-meiner Untersuchungen mehrfach decken. Der nothwendigen Abrundung
-meiner Arbeit zuliebe, konnte ich aber die betreffenden Abschnitte,
-die bereits im Jahre 1896, als ich diese Untersuchung an der Grazer
-Universitt als Dissertation vorlegte, ihre jetzige Gestalt hatten,
-nicht mehr abkrzen, wenngleich sie jetzt nicht durchwegs Neues bringen.</p>
-
-<p>Zu besonderem Danke fr die bereitwilligste Frderung dieser Arbeit
-bin ich meinem hochverehrten Lehrer Herrn Prof. Dr. <em class="gesperrt">Bernhard
-Seuffert</em> verpflichtet, von dessen Anregungen im deutschen Seminar
-diese Untersuchungen ihren Ausgang nahmen. Gerne spreche ich hier auch
-den Herren Beamten der Grazer Bibliotheken fr ihre Zuvorkommenheit
-meinen Dank aus.</p>
-
-<p class="mleft2"><em class="gesperrt">Graz</em>, Pfingsten 1899.</p>
-
-<p class="s4 tdr mright2"><b>Johann Ranftl.</b></p>
-
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_ix" id="Seite_ix">[S. ix]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 id="Inhalt">Inhalt.</h2>
-
-<table class="toc" summary="ToC">
- <tr>
- <td class="tdr padr1" colspan="4">
- Seite
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl padtb03" colspan="3">
- <b>Vorwort</b>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Vorwort">V&minus;VII</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl padtb03" colspan="3">
- <b>I. Das Erwachen des Sinnes fr Religion und deutsches Alterthum</b>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#I">1&minus;30</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Tiecks und Wackenroders Freundschaft. Erlangen und Nrnberg.
- Tiecks geistige Wandlung. &#8222;Herzensergieungen&#8220;,
- &#8222;Sternbald&#8220;, &#8222;Phantasien&#8220;. Tieck als
- &#8222;Klosterbruder&#8220;. &mdash; Schleiermacher und Tieck.
- &#8222;Reden ber die Religion&#8220;. &mdash; Tiecks Freundschaft
- mit Novalis. &mdash; Wirkung der Schleiermacher&#8217;schen
- &#8222;Reden&#8220; auf die brigen Romantiker. Fr. Schlegels
- &#8222;Mythologie&#8220;. &mdash; Tiecks Neigung fr das Altdeutsche.
- Tieck und die Volksbcher. uere Entstehungsgeschichte
- der &#8222;Genoveva&#8220;. &#8222;Nicht gemacht, sondern
- geworden&#8220;.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl padtb03" colspan="3">
- <b>II. Das Volksbuch als Quelle von Tiecks &#8222;Genoveva&#8220;</b>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#II">31&minus;66</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Vergleichung der Dichtung Tiecks mit dem Volksbuch. Tieck bentzt
- dasselbe im Sinne der Romantik. Erweiterungen im ersten und enger
- Anschluss an die Vorlage im zweiten Theile der Tieck&#8217;schen
- &#8222;Genoveva&#8220;. Die Angabe des &#8222;Vorberichtes&#8220;.
- Die Abnderungen entsprechen der romantischen Doctrin. Romantische
- Universalpoesie.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl padtb03" colspan="3">
- <b>III. Literarische Einflsse</b>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#III">67&minus;138</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 1. <em class="gesperrt">Tieck und Maler Mller</em>. (Goethes &#8222;Gtz&#8220; und &#8222;Werther&#8220;)
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Tieck_und_Maler_Mueller">67&minus;84</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Das aus Mller entlehnte Lied. hnliche Charaktere. hnliche
- Scenen. Naturgefhl. Werther-Nachklnge. Mller&#8217;scher
- Einfluss auf die Costmbehandlung. Anklnge an &#8222;Faust&#8220;.
- &mdash; Tieck Plagiator? Tieck und Mller geistig verwandt. Tieck
- passt das Entlehnte seiner Eigenart an.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 2. <em class="gesperrt">Tieck und Shakespeare</em>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Tieck_und_Shakespeare">84&minus;107</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Tiecks Shakespearestudien. Vorliebe fr den &#8222;Perikles&#8220;.
- &#8222;Gower&#8220; und &#8222;Bonifacius&#8220;. Gertrud und die Amme in
- Romeo und Julia. Karl Martells Monolog. Macbeth und
-<span class="pagenum"><a name="Seite_x" id="Seite_x">[S. x]</a></span>
- Abdorrhaman. Die Vorbilder fr die Balkonscene. Der
- sterbende Wolf und der sterbende Gaunt. Anregungen fr
- die Hexenscene. Geringer Einfluss des Wintermrchens.
- Gerichtsscenen. Shakespeares und Tiecks Schlachtscenen.
- Die unheimlichen Naturvorzeichen bei Shakespeare,
- Goethe, Mller und Tieck. Formelle Reminiscenzen. &mdash;
- Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; wird durch das Entlehnte nicht
- wesentlich bestimmt. Tieck schweigt im &#8222;Vorberichte&#8220;
- von Shakespeare.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 3. <em class="gesperrt">Tieck und Calderon</em>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Tieck_und_Calderon">107&minus;115</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Tiecks spanische Studien. Calderon frdert die religise
- Kunststimmung. Vers- und Strophenformen. Meist
- verschieden bei Tieck und Calderon verwendet. Die
- lyrischen Ergsse. Die Allegorie des Todes. Kleinere
- Anklnge. &mdash; Calderons Einfluss nur fr Form und
- Stimmung der &#8222;Genoveva&#8220; bedeutend.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 4. <em class="gesperrt">Tieck und Jakob Bhme</em>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Tieck_und_Boehme">115&minus;138</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- <div class="mbot05">Tieck entdeckt die &#8222;Morgenrthe&#8220;. Die Zeugnisse
- fr Tiecks Bhmestudium. Warum bewundert Tieck
- Bhmes Mystik? &#8222;Die Morgenrthe&#8220;. Bhmes Gedanken
- in der Rede des &#8222;Unbekannten&#8220;, in den Reden der Hexe
- und in der Sterbevision. &mdash; Die Art der Verwendung von
- Bhmes Mystik bei Tieck. Die Bhmeschwrmerei der
- Romantiker.</div>
- berblick ber die Anregungen und literarischen Einflsse
- auf die &#8222;Genoveva&#8220;.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl padtb03" colspan="3">
- <b>IV. Charakteristik der &#8222;Genoveva&#8220;</b>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#IV">139&minus;242</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 1. <em class="gesperrt">Das romantische Drama. &mdash; Composition</em>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Composition">139&minus;153</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Tieck erstrebt nicht stoffliche Neuheit. Mglichkeit
- und Schwierigkeit, in verschiedenen Gattungsformen zu
- dichten. Unausgeglichene Gegenstze bei Tieck. Die
- Heiligkeit der &#8222;Tradition&#8220;. Alles Poetische darf in das
- romantische Werk aufgenommen werden. Weder eine
- rechte Haupthandlung noch eine fhrende Hauptperson.
- Entspricht der romantischen Theorie. Willkrlicher
- Wechsel von Ort und Zeit. Ort und Zeit der Stimmung
- dienstbar. uerliche Knstlichkeit: Symmetrie, Contraste,
- Parallelen, ahnungsvolle Beziehungen. Tieck und
- Bernhardi mit der ueren Knstlichkeit zufrieden.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 2. <em class="gesperrt">Das Religise</em>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Das_Religioese">153&minus;166</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Die Religion stimmungsvolle Decoration. Reine und
- trbe religise Anschauungen. Gut abgewogene Vertheilung
- auf die einzelnen Figuren. Der religise &#8222;Ton&#8220;
- nicht gleichmig festgehalten. Das unmittelbar Gegenwrtige
- fehlt. Widersprche. Romantische Religion.
-<span class="pagenum"><a name="Seite_xi" id="Seite_xi">[S. xi]</a></span>
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 3. <em class="gesperrt">Das Costm</em>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Das_Costuem">166&minus;172</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Tiecks Gedanken darber. Anwendung auf die &#8222;Genoveva&#8220;.
- Tiecks richtige Ansicht. &mdash; Was erfahren wir von
- der ueren Erscheinung der einzelnen Figuren? Idealisierende
- Allgemeinheit. Das Auge.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 4. <em class="gesperrt">Das Naturgefhl</em>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Das_Naturgefuehl">172&minus;187</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Tiecks bestndige Liebe zur Natur. Seine Worte ber
- das poetische Naturgefhl. Das sympathetische Naturgefhl
- in der &#8222;Genoveva&#8220;. Aberglubische und mystische
- Naturanschauung. Das Grauen vor der Natur. Religises
- Naturempfinden. Wirkung der Natur auf den Menschen.
- Stimmungshintergrund und Contrast. Gleichnisse, Metaphern
- und Composita aus dem Naturleben. Gewisse
- Zeiten als poetisch bevorzugt. Licht, Glanz und Ton.
- Tieck und Goethes &#8222;Werther&#8220;. Stimmung und Chronologie.
- Wenig religise Naturempfindung. Das &#8222;Klima&#8220;.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 5. <em class="gesperrt">Die Charaktere</em>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Charaktere">187&minus;193</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Directe und indirecte Charakterzeichnung. Beides nicht
- immer glcklich verbunden. Genoveva und Golo. Golo
- am besten dargestellt. Matte Nebenfiguren. Urtheile ber
- die Charakteristik. Romantische Knstlichkeiten.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 6. <em class="gesperrt">Der Stil</em>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Stil">193&minus;222</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- Petrichs Schrift ber den romantischen Stil. Sprachliche
- Darstellung des Religisen. Fromme Redensarten.
- Schilderung der Wunder und Visionen. Gebet und Erbauungsrede.
- Mystische und fatalistische Redeweise. &mdash; Romantische
- Vorliebe fr den Archaismus. Archaismen
- in der &#8222;Genoveva&#8220;. Solgers Urtheil. &mdash; Stimmungmalende
- und musikalische Darstellung des Naturgefhles. &mdash; Die
- lyrischen Monologe. Tieck entfernt sich vom Anschaulichen.
- Die Worte fr zeitliche und rumliche Fernen.
- Innigkeit im Ausdruck. Die Sprache der Leidenschaft.
- Steigerung ins Ungewhnliche. &mdash; Tropen und Figuren. &mdash;
- Theatralisches in der Diction. Der Dialog. &mdash; Unklarheit
- des romantischen Stiles. Tieck ist auch in der
- Sprache zugleich Stimmungsidealist und knstelnder
- Virtuose. Nancierung der Sprache.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padlr03">
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdl" colspan="2">
- 7. <em class="gesperrt">Prosa und Metrik</em>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Prosa_Metrik">222&minus;242</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- <div class="padb05">A.W. Schlegel ber Prosa und Rhythmus. Tieck ber
- das Verhltnis von metrischer Form und Inhalt. &mdash; Die
- Prosa in der &#8222;Genoveva&#8220;. Manchmal in Verse bergehend.
- &mdash; Die romanischen Strophenformen: Stanze,
- Sonett, Terzine, Redondille. Lieder. Freie Rhythmen.
- Blankvers. Blankvers und Prosa. Shakespeare Tiecks Vorbild.
- Die metrische Mannigfaltigkeit gefllt den Romantikern. &mdash;</div>
-<span class="pagenum"><a name="Seite_xii" id="Seite_xii">[S. xii]</a></span>
- Rckblick und zusammenfassende Charakteristik der
- romantischen Dichtung &#8222;Genoveva&#8220;. Verwandtes in der
- gleichzeitigen Literatur. Das Genovevadrama der Geniezeit
- und die Genovevadichtung der Romantik.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl padtb03" colspan="3">
- <b>V. Urtheile der Zeitgenossen ber Tiecks &#8222;Genoveva&#8220;</b>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#V">243&minus;256</a>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- <td class="tdj padlr07">
- <div class="padb05">Die Romantiker und ihre Freunde. Tieck und Heinrich
- Schmidt. Die Brder Schlegel. Mnioch. Karl v. Hardenberg.
- Bernhardi. A. v. Arnim. Brentano. Eichendorff.
- H. v. Chezy. Rochlitz. Koberstein. Tieck-Solger. Frster.
- Steffens. &mdash; Goethe. Krner. Schiller. &mdash; Kotzebue. Iffland.
- &mdash; Nicolai. Merkel.</div>
- Tiecks &#8222;Romantische Dichtungen&#8220;. &#8222;Kaiser Octavianus&#8220;.
- Tiecks Neuausgaben der &#8222;Genoveva&#8220;. &mdash; &#8222;Die
- Klosterbrder von S. Isidoro&#8220;. Romantische Dramatiker
- nach Tieck. Chr. v. Schmid.
- </td>
- <td>
- &nbsp;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl padtb03" colspan="3">
- <b>Register</b>
- </td>
- <td class="pgnum">
- <a href="#Register">257&minus;258</a>
- </td>
- </tr>
-</table>
-
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_1" id="Seite_1">[S. 1]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="mbot2" id="I">I.<br />
-
-Das Erwachen des Sinnes fr Religion und deutsches Alterthum.</h2>
-
-<p class="initial">Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; bildet einen Markstein in der Entwickelung der
-deutschen Romantik. Zwei geistige Richtungen sind es vor allem, aus
-deren Kreuzung jene eigenthmliche Gefhls- und Gedankenwelt erwchst,
-welche zuerst in der &#8222;Genoveva&#8220; eine ppig reiche poetische Gestalt
-gewinnt: die Liebe zur altdeutschen Vergangenheit und die poetische
-Neigung zu katholisierender Religiositt. Diese Neigung und jene Liebe
-kennzeichnen den echten Romantiker an der Scheide des 18. und 19.
-Jahrhunderts. Die Liebe zur alten Zeit reicht bis in die Jahre des
-Goethe&#8217;schen &#8222;Gtz&#8220; und seines Gefolges ritterlicher Dramen zurck, die
-in Tiecks Jugendzeit die deutsche Bhne noch vielfach beherrschten.<a name="FNAnker_1_1" id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a>
-Die religise Kunstbegeisterung Tiecks leitet ihren Ursprung aus
-den schnen Tagen der Jugendfreundschaft mit Wackenroder her. Diese
-Freundschaft war fr Tieck von den bedeutsamsten Folgen. Denn aus dem
-Ideenaustausche mit Wackenroder erblht dem Rationalisten erst die
-rechte innige poetische Stimmung und mit ihm zusammen lernt er, was
-Frmmigkeit ist, fhlen und er sucht sie aus der Kunst der alten Zeiten
-wieder heraufzuholen. So verbinden sich bald religise Stimmung und
-Sinn fr deutsches Alterthum im Gemthe der Freunde.</p>
-
-<p>Nicht die productive eigene Thtigkeit des frh geschiedenen Jnglings
-Wackenroder (1798 starb der fnfundzwanzigjhrige) sichert diesem
-einen Platz in der deutschen Literatur- und Kunstgeschichte, sondern
-seine richtunggebende Einwirkung auf andere empfngliche Gemther,
-in erster Linie auf Ludwig Tieck. Die beiden waren Freunde vom
-Gedicke&#8217;schen Gymnasium her. 1792 gieng Tieck von Berlin fort auf
-die Hallische Universitt. Wackenroder musste nach dem Willen seines
-Vaters,<span class="pagenum"><a name="Seite_2" id="Seite_2">[S. 2]</a></span> der ihn noch nicht fr das akademische Studium reif hielt, in
-Berlin zurckbleiben. Ein schwrmerischer Briefwechsel entschdigte
-die Freunde fr den persnlichen Verkehr. Tieck ist Wackenroders
-Freund aus ganzer Seele. Er ist der reifere, erfahrenere, geistig
-ltere und gewandtere, besonders in allen literarischen Dingen. Der
-schwermthige Dichter des &#8222;Abdallah&#8220; durchlebt in Halle dstere
-Stunden, in denen die Leiden und Zweifel des &#8222;William Lovell&#8220; sein
-Inneres durchstrmen. Seine Phantasie und sein Gefhl gehen jetzt
-noch mehr auf das Erhabene als auf die &#8222;kleinen Empfindungen&#8220;. Neben
-Goethe und <a name="Shakespeare" id="Shakespeare"></a>Shakespeare begeistert ihn besonders der junge Schiller.
-Die wilde Kraft der &#8222;Ruber&#8220; ist es, die sein Inneres &#8222;zerreit und
-vernichtet&#8220;. Je unbefriedigter er in sich selbst ist, je dsterer sich
-sein Gemth umschattet, desto mehr Bedrfnis und Sehnsucht hat er
-nach Freundschaft; je heftiger er nach Idealen ringt, die er selbst
-nicht besitzt, desto nthiger ist ihm ein idealischer Freund wie
-Wackenroder. Wackenroder, der kindliche, schchterne, noch unbeholfene,
-eine Natur voll stiller Heiterkeit, Sinnigkeit und von anschmiegsamem
-Wesen, eine Seele voll einfacher, schlichter Frmmigkeit, kennt in
-seiner schwrmerischen Hingebung an Tieck keine Grenze. Er ist ganz
-Herzlichkeit und Innigkeit und mdchenhafte Zrtlichkeit; er ist
-berauscht und entzckt im Gefhle des Glckes, Tiecks Freund sein zu
-drfen, selig und zufrieden, wenn er nur ein Glied in der Kette ist,
-die den trbsinnigen, mit Todesgedanken spielenden Genossen noch an
-diese Erde fesselt.</p>
-
-<p>So erstehen die beiden Freunde vor dem Geiste des Betrachters, der
-ihren Briefwechsel aus den Jahren 1792 und 1793 durchblttert.<a name="FNAnker_2_2" id="FNAnker_2_2"></a><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a>
-Den Sommer 1793 verlebten sie in glcklicher Gemeinschaft in der
-Universittsstadt Erlangen, den Winter 1793/94 in Gttingen. In
-Erlangen tritt das sddeutsche Leben in ihren Gesichtskreis und wirkt
-mchtig auf diese jungen empfnglichen Gemther. Eine neue Welt thut
-sich ihnen auf. In Bamberg, dem &#8222;deutschen Rom&#8220;,<a name="FNAnker_3_3" id="FNAnker_3_3"></a><a href="#Fussnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a> ergtzt sich
-ihre Phantasie<span class="pagenum"><a name="Seite_3" id="Seite_3">[S. 3]</a></span> an der Pracht des katholischen Gottesdienstes. In
-Nrnberg steigt die gemthsinnige, schlichte und tiefe altdeutsche
-Kunst und altes Knstlerleben vor ihrem entzckten Geiste auf.<a name="FNAnker_4_4" id="FNAnker_4_4"></a><a href="#Fussnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a>
-Im Fichtelgebirge spricht die stille Waldeinsamkeit mrchenhaft und
-wundersam die jungen Gemther an.<a name="FNAnker_5_5" id="FNAnker_5_5"></a><a href="#Fussnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a></p>
-
-<p>Bisher war in Tieck &#8222;die Mischung des Berlinischen Verstandes mit
-dem erwachten Phantasie- und Gefhlsleben, dieser Zusammensto von
-Reflexion und Enthusiasmus productiv geworden&#8220;.<a name="FNAnker_6_6" id="FNAnker_6_6"></a><a href="#Fussnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a> Bis jetzt hatte
-Tieck auch meist im Dienste anderer gedichtet, was ihm aufgetragen
-worden war, ohne besonderen warmen Herzensantheil und ohne tieferen
-Glauben an das, was er mit virtuoser, spielender Leichtigkeit
-darstellte. Es war ein jugendlich leichtsinniges poetisches Schaffen.
-Dies wird an Wackenroders Seite allgemach anders. Dieser Freund, dem
-kaum ein leidlicher Vers gelingen wollte, war dafr von einem echten,
-seelentiefen Enthusiasmus, von wahrer, herzlicher Andacht fr Kunst
-und Poesie erfllt. Er glhte fr das Nmliche, dem Tieck bisher nur
-mit halber Seele gedient hatte. &#8222;Idealische Kunstschnheit ist der
-Lieblingsgegenstand meines Geistes&#8220; sagt Wackenroder von sich.<a name="FNAnker_7_7" id="FNAnker_7_7"></a><a href="#Fussnote_7_7" class="fnanchor">[7]</a> Bald
-schreibt ihm auch Tieck: &#8222;Genau genommen solltest Du Dich ganz allein
-mit der Musik, und ich mit der Dichtkunst beschftigen; denn die Welt
-ist wirklich nicht fr uns, sowie wir nicht fr die Welt...&#8220;<a name="FNAnker_8_8" id="FNAnker_8_8"></a><a href="#Fussnote_8_8" class="fnanchor">[8]</a> An
-der Seite dieses Freundes erst lernt Tieck, der unstte und haltlose,
-der bis dahin in trber und nchterner Resignation hinter dem Groen
-und Erhabenen Schein und Trug, hinter dem Wahren und Guten berall
-die Engherzigkeit lauern sah, den Wert hingebungsvoller Verehrung,
-positiven Empfindens, den wahren seelenerfllenden Enthusiasmus so
-recht kennen und schtzen. Wackenroders innerer Reichthum theilte sich
-der unruhigen, abgehetzten Seele mit. Freundschaft und hingebende
-Kunstbegeisterung beschwren die dsteren Geister, denen Tiecks Seele
-seit langem verfallen<span class="pagenum"><a name="Seite_4" id="Seite_4">[S. 4]</a></span> war. Freundschaft und Kunstandacht verfeinern
-und veredeln seine Gefhle und geben ihm neuen Lebensmuth.<a name="FNAnker_9_9" id="FNAnker_9_9"></a><a href="#Fussnote_9_9" class="fnanchor">[9]</a> Der
-ernstere Kunstgenuss wird ihm eine Erlsung. &#8222;Das arme drstende Herz
-wird durch nichts in dieser Welt so gesttigt, als mit dem Genuss der
-Kunst, der feinsten Art, sich selber zu fhlen und zu verstehen.&#8220;<a name="FNAnker_10_10" id="FNAnker_10_10"></a><a href="#Fussnote_10_10" class="fnanchor">[10]</a></p>
-
-<p>Empfindung und Begeisterung fr Kunst und Poesie waren das einigende
-Band, welches diese Freundesherzen fest und dauernd aneinander
-fesselte. In der &#8222;milden Temperatur eines knstlerischen Sinnes&#8220;
-athmeten ihre Seelen. In schner Eintracht nahen die beiden, innig
-verehrend, der Kunst in jeder Gestalt. Was ihre Seele dabei erfllte,
-findet in den &#8222;Herzensergieungen eines kunstliebenden Klosterbruders&#8220;
-(1797), in &#8222;Franz Sternbalds Wanderungen&#8220; (1798) und in den &#8222;Phantasien
-ber die Kunst fr Freunde der Kunst&#8220; (1799) seinen literarischen
-Ausdruck. Jedes Kunstwerk &mdash; erfahren wir hier &mdash; das die Menschenbrust
-mit seinem Zauber anrhrt, hat seine Berechtigung. Es ist ja &#8222;das
-Kunstgefhl nur ein und derselbe himmlische Lichtstrahl, welcher
-aber, durch das mannigfach geschliffene Glas der Sinnlichkeit unter
-verschiedenen Zonen sich in tausenderlei verschiedene Farben bricht&#8220;,
-und dem groen Schpfer &#8222;ist der gothische Tempel so wohlgefllig
-als der Tempel der Griechen.&#8220;<a name="FNAnker_11_11" id="FNAnker_11_11"></a><a href="#Fussnote_11_11" class="fnanchor">[11]</a> Jede knstlerische Eigenart muss
-geachtet werden: Raphael, Michelangelo, Drer, Watteau. Es ist Herders
-Geist, der hier Wackenroders schlichte, fromme Sprache redet und in
-schchterner Ahnung fr die Betrachtung der bildenden Knste hnliche
-Gedankenperspectiven erffnet wie fr die Dichtung die Schlegel&#8217;sche
-Doctrin von der einen alles umfassenden romantischen Universalpoesie.</p>
-
-<p>Herders Anschauungsweise spricht auch aus der Art der
-Wackenroder-Tieck&#8217;schen Kunstbetrachtung. Diese wird zur
-&#8222;Herzensergieung&#8220;, niemals zum vernnftelnden Kritisieren oder zum
-rationalistisch nchternen Theoretisieren.<a name="FNAnker_12_12" id="FNAnker_12_12"></a><a href="#Fussnote_12_12" class="fnanchor">[12]</a> Es handelt sich beim
-Anschauen der Kunstwerke darum, &#8222;dass man mit entgegenkommendem Herzen
-in sie hineingehe, und in ihnen<span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span> lebe und athme&#8220;<a name="FNAnker_13_13" id="FNAnker_13_13"></a><a href="#Fussnote_13_13" class="fnanchor">[13]</a> und &#8222;von der
-echten Kunst sollte nie ohne Enthusiasmus gesprochen werden&#8220;.<a name="FNAnker_14_14" id="FNAnker_14_14"></a><a href="#Fussnote_14_14" class="fnanchor">[14]</a> Das
-Gemth ist hier das sthetische Organ. Die wunderbaren Regungen &#8222;im
-inneren Gemthe&#8220;, das Betrachten &#8222;mit Ernst und Innigkeit&#8220;, das &#8222;innige
-Verstehen&#8220;, das &#8222;innigliche Verehren&#8220;... das sind Lieblingsausdrcke,
-die Wackenroders und Tiecks seelisch innerliche Richtung und
-gemthvolle Hingabe an die Kunst auch schon in ihrer Sprache
-kennzeichnen.</p>
-
-<p>Das Kunstgefhl, hie es, ist ein &#8222;himmlischer Strahl&#8220; und Gott ist
-es, der mit Wohlgefallen auf den gothischen und griechischen Tempel
-herniederschaut. Ernste religise Anschauung, ein tief frommes Fhlen
-beherrscht die reine Seele Wackenroders ganz und gar. Natur und Kunst
-sind ihm zwei wunderbare Sprachen von geheimnisvoller Kraft, mit denen
-Gott zum Menschen redet.<a name="FNAnker_15_15" id="FNAnker_15_15"></a><a href="#Fussnote_15_15" class="fnanchor">[15]</a> Sein frommes Denken geht von Gott aus und
-kehrt zu Gott zurck &#8222;wie der Geist der Kunst &mdash; wie aller Geist von
-Ihm ausgeht, und durch die Atmosphre der Erde, Ihm zum Opfer wieder
-entgegendringt&#8220;.<a name="FNAnker_16_16" id="FNAnker_16_16"></a><a href="#Fussnote_16_16" class="fnanchor">[16]</a> Den edlen Kunstgenuss vergleicht er mit dem
-Gebete. Beides muss der Mensch &#8222;zum Wohle seiner Seele gebrauchen&#8220;, zu
-beiden darf er nur in stiller Sammlung hintreten, in seligen Stunden,
-da die Gunst des Himmels das Herz mit hoher Offenbarung erleuchtet.
-Bildersle sollten nicht Jahrmrkte, sondern Tempel sein.<a name="FNAnker_17_17" id="FNAnker_17_17"></a><a href="#Fussnote_17_17" class="fnanchor">[17]</a> Die
-geistliche Musik ist das Hchste und Edelste, die religise Malerei und
-Poesie das Ehrwrdigste. Die Kunst ist dem Klosterbruder in der That
-eine religise Liebe oder eine geliebte Religion.</p>
-
-<p>Ob auch viele Gedanken Wackenroders und Tiecks jeder positivglubige
-Katholik und Protestant unterschreiben kann, so wre es trotzdem
-irrthmlich und voreilig, an eine tiefere eigentlich religise
-Beziehung der beiden zu irgend einer kirchlichen Confession zu denken.
-In der Hauptsache ist und bleibt die Religion der beiden Freunde eine
-Kunst- und Herzensreligion, die weiter um Bibel und kirchliche Dogmatik
-vorlufig nicht fragt. Auf ein allgemeines, unbestimmtes religises
-Bedrfnis, auf &#8222;eine Sehnsucht zum Religisen&#8220; deuten allerdings
-manche<span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">[S. 6]</a></span> sptern uerungen Tiecks.<a name="FNAnker_18_18" id="FNAnker_18_18"></a><a href="#Fussnote_18_18" class="fnanchor">[18]</a> Zunchst ist es ein subjectives
-frommes Gefhl, das, durch das Medium der Begeisterung an katholischen
-Kunstwerken hindurchgehend, allerdings mehr oder weniger katholische
-Frbung annimmt.<a name="FNAnker_19_19" id="FNAnker_19_19"></a><a href="#Fussnote_19_19" class="fnanchor">[19]</a></p>
-
-<p>Die Herzensergsse Tiecks und Wackenroders ber die alte Kunst und
-die alten Zeiten bezeichnen auch ein neues Stadium in der Auffassung
-des Mittelalters. Dem Aufklrer war dasselbe eine Zeit der Barbarei,
-der Nacht und Finsternis auf allen geistigen und materiellen
-Lebensgebieten. Noch das Buch des Professors Meiners, &#8222;Historische
-Vergleichung der Sitten und Verfassungen, der Gesetze und Gewerbe,
-des Handels und der Religion, der Wissenschaften und Lehranstalten
-des Mittelalters mit denen unseres Jahrhunderts in Rcksicht auf die
-Vortheile und Nachtheile der Aufklrung&#8220;, das 1793 und 1794 erschien,
-enthlt den Inbegriff alles dessen, was ein richtiger Aufklrer dem
-Mittelalter bles nachsagen konnte.<a name="FNAnker_20_20" id="FNAnker_20_20"></a><a href="#Fussnote_20_20" class="fnanchor">[20]</a> Allein schon zwei Jahrzehnte
-zuvor hatte kein Geringerer als Herder in seiner kleinen Schrift
-&#8222;Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit&#8220;
-(1774) es gewagt, der aufgeklrten Gegenwart ein langes Sndenregister
-vorzuhalten und im verachteten Mittelalter eine Reihe von Vorzgen
-zu entdecken. &#8222;Erklren&#8220; wollte er das Mittelalter, wenn auch nicht
-loben und preisen. Neben den Schattenseiten wollte er auch das Groe,
-Erhabene und Herrliche dieser verkannten Epoche nicht bersehen.
-Fr ihn ist das Mittelalter eine nothwendige Durchgangsstufe auf
-dem Entwickelungswege der Menschheit. Wenn wir schon bei Herder
-den boshaften Seufzer: &#8222;In unserem Jahrhundert ist leider! so viel
-Licht!&#8220; hren, so blicken wir unwillkrlich auf die kommende Romantik
-voraus. Wenn der nmliche Herder auch in spteren Werken wieder
-geringer vom Mittelalter denkt, in jenen frheren Ansichten, die dem
-Sturm- und Dranggeiste entstammen, kann er als wahres Zwischenglied
-zwischen Aufklrung und Romantik gelten. Verdammung und Verachtung des
-Mittelalters beim Aufklrer, Erklrung des historisch Gewordenen und
-Ge<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">[S. 7]</a></span>wachsenen bei Herder, Bewunderung, Verehrung und Anbetung bei den
-Romantikern Tieck und Wackenroder.</p>
-
-<p>Je tiefer die Freunde von ihrer poetisch-knstlerischen Frmmigkeit
-ergriffen werden, desto herber empfinden sie, dass die aufgeklrte
-Gegenwart, in der sich eine &#8222;Epidemie prosaischer Nchternheit&#8220;
-ber die ganze Bildung erstreckte, von den beseligenden wunderbaren
-Geheimnissen des Gemthes so gut wie nichts wisse.<a name="FNAnker_21_21" id="FNAnker_21_21"></a><a href="#Fussnote_21_21" class="fnanchor">[21]</a></p>
-
-<p>Wie anders sei es in den herrlichen alten Zeiten Albrecht Drers
-gewesen. Da war die Religion den Menschen &#8222;das schne Erklrungsbuch&#8220;,
-wodurch sie das Leben erst recht verstehen lernten.<a name="FNAnker_22_22" id="FNAnker_22_22"></a><a href="#Fussnote_22_22" class="fnanchor">[22]</a> &#8222;Fromm
-und einfach&#8220; war Drers Wandel; &#8222;wie er selbst, sind alle seine
-Bilder&#8220;.<a name="FNAnker_23_23" id="FNAnker_23_23"></a><a href="#Fussnote_23_23" class="fnanchor">[23]</a> Auch Giovanni da Fiesole betet, bevor er an die Staffelei
-tritt und er weint in frommer Rhrung, wenn er Christi Leiden am
-Kreuze malt.<a name="FNAnker_24_24" id="FNAnker_24_24"></a><a href="#Fussnote_24_24" class="fnanchor">[24]</a> Das waren die wahren und echten Knstler, die nur
-darstellten, was voll und warm und innig ihr ganzes Gemth belebte
-und darum wieder so herzbewegend in ihren Werken sich aussprach
-und den Beschauer mit heiliger Macht berwltigte. Ein fester und
-fruchtbarer Zusammenhang zwischen der religisen Lebensanschauung der
-alten Knstler und der lebendigwirkenden Kraft ihrer Schpfungen fllt
-unseren Freunden allerwegen in die Augen. Eine hehre Weihe umschwebt
-fr sie daher noch heute das Alte, das dieser begnadeten Zeit entstammt
-und &#8222;alt&#8220; wird schon in den &#8222;Herzensergieungen&#8220;, im &#8222;Sternbald&#8220; wie in
-den &#8222;Phantasien&#8220; ein schmckendes ehrendes Beiwort (die &#8222;alten&#8220; Maler,
-der &#8222;alte&#8220; Vasari etc.).<a name="FNAnker_25_25" id="FNAnker_25_25"></a><a href="#Fussnote_25_25" class="fnanchor">[25]</a></p>
-
-<p>Endlich drfen wir nicht unbemerkt lassen, dass Wackenroder und
-sein Freund mit einer eigenthmlichen Vorliebe beim Wunderbaren und
-Geheimnisvollen verweilen, das dem knstlerischen Schaffen innewohnt,
-das sie an bernatrliche Gnadenwirkungen und Eingebungen erinnert.
-Es wird das Seltsame und<span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">[S. 8]</a></span> Phantastische an Knstlerpersnlichkeiten
-wie Piero di Cosimo in behaglicher Breite geschildert und ebenso die
-auerordentliche herrliche Vielseitigkeit eines Geistes wie Lionardo
-bewundernd verehrt. &#8222;Alle fhlen einen Hang nach dem Wunderbaren in
-ihrem Busen&#8220;, behauptet Tieck in den &#8222;Phantasien&#8220;. Ganz besonders aber
-die Romantiker, drfen wir beisetzen. Die Gestalten von Dichtern und
-Knstlern werden bald beliebt in romantischen Dichtungen.</p>
-
-<p>Ziemlich die gleichen Anschauungen und Empfindungen beherrschen die
-&#8222;Herzensergieungen&#8220;, die &#8222;Phantasien&#8220; und den ersten Theil des
-&#8222;Sternbald&#8220;. Tieck versucht es mit aller Liebe, in den frommen,
-herzlichen Ton seines Freundes einzustimmen. Er arbeitet ein wenig
-mit an den &#8222;Herzensergieungen&#8220;, reichlich an den &#8222;Phantasien&#8220; und
-dichtet aus der nmlichen Stimmung heraus allein den &#8222;Sternbald&#8220;,
-freilich, ohne im frommen Tone auszuharren bis ans Ende. Tieck bemht
-sich sichtbar, ein zweiter &#8222;Klosterbruder&#8220; zu werden. Nur will die
-Wackenroder&#8217;sche Kunstfrmmigkeit nicht so recht ernstlich von seiner
-Seele Besitz ergreifen. Er gefllt sich immer ein wenig in der frommen
-Rolle. Er bleibt auch immer ein eleganter Klosterbruder, ein Mnchlein,
-das nicht so ganz aus innerem Beruf und Herzensdrang den Berliner
-Salon mit der stillen Klosterzelle vertauschte. Ja Tieck geht, wie
-manches allzurasch bekehrte Weltkind mit seltsam hastigem Eifer bei
-seiner Frmmigkeit zuwerke und schiet dann ber das Ziel hinaus. Er
-will sich recht energisch fromm anstellen und tritt (alles nur in
-der Phantasie selbstverstndlich) gleich in Rom zum Katholicismus
-ber &mdash; seiner Geliebten und seiner Kunst zuliebe. &#8222;Die Kunst hat
-mich allmchtig hinbergezogen... ich folgte blo meinem innerlichen
-Geiste, meinem Blute, von dem mir jetzt jeder Tropfen geluterter
-vorkmmt.&#8220;<a name="FNAnker_26_26" id="FNAnker_26_26"></a><a href="#Fussnote_26_26" class="fnanchor">[26]</a> Das leichtentzndliche Knstlerblut hat also das meiste
-zu dieser poetischen Bekehrung gethan und der &#8222;innerliche Geist&#8220;
-ist auch nicht viel mehr als eine &#8222;prdilection d&#8217;artiste&#8220;. Der
-Enthusiasmus fr die Kunst ist immer das Alpha und das Omega. Nur die
-Liebe zur Kunst befreundet das Herz dieses Enthusiasten auch mit dem
-dargestellten Gegenstande dieser Kunst.<a name="FNAnker_27_27" id="FNAnker_27_27"></a><a href="#Fussnote_27_27" class="fnanchor">[27]</a> Im<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">[S. 9]</a></span> &#8222;Sternbald&#8220; peitscht
-Tieck seine Begeisterung fr das Katholische so gewaltsam in die
-Hhe, dass es immer wie Absicht aussieht, die verstimmt. Tieck stellt
-paradox und geistreich den Gedanken Wackenroders, die Kunst msse
-religis sein, auf den Kopf und sagt: die Andacht ist der hchste und
-reinste Kunstgenuss, dessen die menschliche Seele nur in den schnsten
-und erhabensten Stunden fhig ist.<a name="FNAnker_28_28" id="FNAnker_28_28"></a><a href="#Fussnote_28_28" class="fnanchor">[28]</a> Im &#8222;Sternbald&#8220; finden sich
-mancherlei enthusiastische religise Herzensergsse<a name="FNAnker_29_29" id="FNAnker_29_29"></a><a href="#Fussnote_29_29" class="fnanchor">[29]</a> und Tieck lsst
-hier bereits Ludovico eine Standrede gegen Luther halten,<a name="FNAnker_30_30" id="FNAnker_30_30"></a><a href="#Fussnote_30_30" class="fnanchor">[30]</a> gegen
-den Mann, dem erst noch kurz zuvor der &#8222;Klosterbruder&#8220; seine warme
-Verehrung bezeugt hatte.<a name="FNAnker_31_31" id="FNAnker_31_31"></a><a href="#Fussnote_31_31" class="fnanchor">[31]</a> Von den Nachfolgern Luthers befrchtet
-Sternbalds Freund Ludovico, dass sich &#8222;statt der Flle einer gttlichen
-Religion eine drre, vernnftige Leerheit, die alle Herzen schmachtend
-zurcklsst, erzeugt&#8220;. Eine poetische Hinneigung zur katholischen
-Religion wird wiederholt mit nachdrcklichster Deutlichkeit
-hervorgekehrt. Der Katholicismus ist eine Religion, &#8222;die wie ein
-wunderbares Gedicht vor uns da liegt&#8220;. Dies ist aber auch alles.</p>
-
-<p>Tieck vermag viel im Anempfinden, ja im knstlerischen Einfhlen in
-eine Rolle. Er besa die nachschaffende Kraft des Schauspielers im
-hohen Mae und galt im Freundeskreise als groes schauspielerisches
-Talent. Aber in das harmonisch gestimmte Empfinden Wackenroders sich
-einzuleben, wie er gerne mchte, gelingt ihm doch nicht ganz. Das eine
-ist deutlich: Tieck ist in den Aufstzen, die er zu den &#8222;Phantasien&#8220;
-beisteuerte und im &#8222;Sternbald&#8220; ein ganz anderer geworden, als er in den
-vorhergehenden Schauergeschichten und in den bermthig verneinenden
-satirischen Komdien war, wenn er auch die letzteren noch in die
-neue Periode seines Dichtens mit hinbernimmt. Er fhlte auch selbst
-freudig die beruhigende und segensreiche Wirkung des Wackenroder&#8217;schen
-Geistes. Er ist beglckt, dass er endlich mit dem neuen Enthusiasmus
-einen<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">[S. 10]</a></span> Mittelpunkt fr sein Dasein gefunden zu haben glaubt.<a name="FNAnker_32_32" id="FNAnker_32_32"></a><a href="#Fussnote_32_32" class="fnanchor">[32]</a> Auch
-A.W. Schlegel hat diese geistige Wandlung Tiecks in dessen Dichtungen
-gesprt. &#8222;Seine Einbildungskraft, die sich im &#8218;William Lovell&#8216; zum
-Theil in trben Phantomen herumtrieb und ihre Flge verschwendete,
-ist seitdem auffallend zu grerer Heiterkeit und Klarheit
-hindurchgedrungen. Das Trauerspiel &#8218;Karl von Berneck&#8216; und sonst hie und
-da Spuren von Gewlk gehren noch dem ersten Morgennebel an...&#8220;<a name="FNAnker_33_33" id="FNAnker_33_33"></a><a href="#Fussnote_33_33" class="fnanchor">[33]</a>
-Die Liebe zum Alten, zum Religisen und Gemthsinnigen, ein positives
-Empfinden nach so viel Negation und Trbsinn, war der wertvolle Gewinn,
-den Tieck seinem geliebten Freunde zu danken hatte, und dass er sich
-dessen bewusst war, zeigen der &#8222;Traum&#8220;<a name="FNAnker_34_34" id="FNAnker_34_34"></a><a href="#Fussnote_34_34" class="fnanchor">[34]</a> und die vier Sonette, die er
-trauernd zum Kranze auf das Grab seines Freundes flicht.<a name="FNAnker_35_35" id="FNAnker_35_35"></a><a href="#Fussnote_35_35" class="fnanchor">[35]</a></p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wenn das Gewhl der Welt mit tausend Banden</div>
- <div class="verse">Um Auge, Sinn und Herz sich wollte stricken,</div>
- <div class="verse">So durft&#8217; ich nur in deine Augen blicken</div>
- <div class="verse">Und alle Zweifel, alle Rthsel schwanden.</div>
- <div class="verse mleft1">&mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;</div>
- <div class="verse">Dann sah ich dich in stiller, frommer Freude</div>
- <div class="verse">Im ewigen Gebete niederkniend</div>
- <div class="verse">Einsam Natur und Gott und Himmel lieben.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Diese Eindrcke wirken fort in Tiecks Gemth, bis sie verstrkt durch
-andere Einflsse, in der &#8222;Genoveva&#8220; neue poetische Gestalt annehmen.
-Ja, manche Einzelheiten in der &#8222;Genoveva&#8220; weisen noch deutlich auf den
-&#8222;Klosterbruder&#8220; zurck und lassen die Verbindungsfden sehen, die von
-Wackenroder in die Hochblte der Romantik hinberfhren.<a name="FNAnker_36_36" id="FNAnker_36_36"></a><a href="#Fussnote_36_36" class="fnanchor">[36]</a></p>
-
-<p>Tieck war immer leicht empfnglich fr Anregungen und Eindrcke
-von auen; er hielt sie aber, wenn sie nicht seiner Natur homogen
-waren, selten lange und energisch fest. Es<span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">[S. 11]</a></span> drohte auch die hohe
-romantisch-religise Klosterbruderstimmung ihm unter den Hnden zu
-entweichen. Gegen Ende des unvollendeten &#8222;Sternbald&#8220; scheint es, als ob
-das fromme, helle Feuer erlschen und der keusche Genius, sein Antlitz
-verhllend, hinwegfliehen wollte. In den ziemlich leichtfertigen
-Badescenen und den florentinischen Knstlergelagen muss Wackenroders
-Vorbild dem des sinnlichen Heinse weichen. In welchem Geiste etwa
-der Roman zu Ende gefhrt worden wre, lsst sich aus der kleinen
-Planskizze nicht entnehmen. Das eine Gefhl aber wird der Leser
-nicht los, dass hier die Ideen und der glorreiche Enthusiasmus der
-&#8222;Herzensergieungen&#8220; gegen Ende zu schon stark verblassen und dass
-damit der Weg, der zur &#8222;Genoveva&#8220; hinfhrt, sich verliert. Vielleicht
-htte Tieck diesen Weg zur religis hochgespannten Dichtung auch nicht
-wieder gefunden, wenn ihn nicht eine neue starke Strmung ergriffen
-htte, die das vollendete, was Wackenroders Freundschaft begonnen
-hatte, die Einflsse nmlich, die von Schleiermacher und Novalis, von
-Calderon und Jakob Bhme ausgiengen.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Der persnliche Verkehr mit Schleiermacher scheint nicht von groer
-Bedeutung fr Tieck gewesen zu sein.<a name="FNAnker_37_37" id="FNAnker_37_37"></a><a href="#Fussnote_37_37" class="fnanchor">[37]</a> Der wortkarge Theologe,
-der hartkantige Mann, die einsame &#8222;Beichtvaternatur&#8220; war nicht
-dazu geschaffen, Tieck gesellig zu fesseln. Was Schleiermachers
-Persnlichkeit nicht vermochte, that sein erstes greres Werk, das
-den Verfasser mit einem Schlage berhmt machte, die &#8222;Reden ber die
-Religion&#8220; (1799).<a name="FNAnker_38_38" id="FNAnker_38_38"></a><a href="#Fussnote_38_38" class="fnanchor">[38]</a></p>
-
-<p>So wenig als Wackenroders Frmmigkeit und religise Kunstverehrung,
-trgt Schleiermachers Religion in den &#8222;Reden&#8220; eine Spur von Dogmatik
-und Systematik an sich. Auch ihm ist im Grunde &#8222;Aberglaube lieber
-als Systemglaube&#8220;. Seine religisen Anschauungen sind durchaus
-romantische.<a name="FNAnker_39_39" id="FNAnker_39_39"></a><a href="#Fussnote_39_39" class="fnanchor">[39]</a> Die Religion ist ihm etwas ganz und gar Individuelles
-und Subjectives, sie ist Anschauung und Gefhl des Universums,
-innerlich und unmittelbar. Diese religise Anschauung ergreift immer
-das Ganze, wie die wahre<span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span> und richtige sthetische Betrachtung das
-Gesammtkunstwerk. Nicht auf Erkenntnis des Universums, wie die
-Metaphysik, nicht auf Leitung des menschlichen Handelns, wie die
-Moral, zielt die Religion ab. Im Gemthe und nur im Gemthe und vor
-dem inneren Sinne ist das Gttliche gegenwrtig. Als eine wundervolle
-Erleuchtung kommt dieses Anschauen des Universums ber die Seele des
-Menschen.<a name="FNAnker_40_40" id="FNAnker_40_40"></a><a href="#Fussnote_40_40" class="fnanchor">[40]</a> Schleiermachers religises Gefhl ist sthetischer Natur
-oder wenigstens sthetischen Stimmungen nahe verwandt.<a name="FNAnker_41_41" id="FNAnker_41_41"></a><a href="#Fussnote_41_41" class="fnanchor">[41]</a></p>
-
-<p>Der Vortrag in Redeform ist von einem kraftvollen, mchtig
-eindringlichen Pathos durchlodert. Denn, sagt Schleiermacher, Religion
-verlangt die hchste Kunst und Kraft des Ausdrucks.<a name="FNAnker_42_42" id="FNAnker_42_42"></a><a href="#Fussnote_42_42" class="fnanchor">[42]</a> Es ist ein
-Stil, der, wie Fr. Schlegel behauptet, als oratorische Leistung, &#8222;eines
-Alten nicht unwrdig wre&#8220;.<a name="FNAnker_43_43" id="FNAnker_43_43"></a><a href="#Fussnote_43_43" class="fnanchor">[43]</a></p>
-
-<p>Dieser Recensent betrachtet die Reden &#8222;durchaus als Incitament fr die
-Religionsfhigen&#8220;.<a name="FNAnker_44_44" id="FNAnker_44_44"></a><a href="#Fussnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a> Dass der Dichter der &#8222;Genoveva&#8220;, in dem die
-Wackenroder&#8217;schen Anregungen noch leise nachtnten, der inzwischen
-auch schon Bhmes &#8222;Morgenrthe&#8220;, Calderon und das schlichtfromme
-Volksbchlein von der heiligen Genoveva zur Hand genommen hatte,
-der nach seinem eigenen Worte einen angeborenen &#8222;Instinct&#8220; zur
-Religion besa,<a name="FNAnker_45_45" id="FNAnker_45_45"></a><a href="#Fussnote_45_45" class="fnanchor">[45]</a> zu den &#8222;Religionsfhigen&#8220; gehrte, kann nicht
-bezweifelt werden. Exactes, systematisches Denken in Religion und
-Philosophie war freilich seine Sache nicht, und ein strenges Verfolgen
-aller Gedankenwege der trotz aller Systemscheu durch und durch
-philosophischen &#8222;Reden&#8220; ist bei Tieck nicht vorauszusetzen. Sicher
-musste aber die hinreiende oratorische Sprache, die sich fters zu
-einem dithyrambischen Feuer erhebt, in Tiecks Seele znden und ber sie
-eine ernste, religise Weihestimmung ausgieen. Die feurige Sprache
-musste seine Seele ergreifen; denn die &#8222;Reden&#8220; Schleiermachers stehen
-wie alle Redekunst hart an der Grenze dichterischen Schaffens.</p>
-
-<p>ber Tieck konnte Fr. Schlegel bald an Schleiermacher<span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">[S. 13]</a></span> berichten:
-&#8222;Was ich geweissagt, ist geschehen, dass nmlich Tieck von Deiner
-Religion grausam begeistert ist.&#8220;<a name="FNAnker_46_46" id="FNAnker_46_46"></a><a href="#Fussnote_46_46" class="fnanchor">[46]</a> Diese &#8222;grausame Begeisterung&#8220;
-ist fr Tiecks Seelenverfassung unmittelbar vor Abfassung seiner
-&#8222;Genoveva&#8220; entschieden wesentlich und bemerkenswert. Dass die bereits
-geweckten allgemein religisen Stimmungen, die poetische Neigung zu
-religisen Stoffen und zu religiser Auffassung derselben durch die
-&#8222;Reden&#8220; Schleiermachers eine Steigerung erfahren mussten, ist recht
-wohl begreiflich. Wenn Tieck an ernstliche Vertiefung in das Problem
-der &#8222;Reden&#8220; auch kaum dachte, so scheinen doch ein paar allgemeine
-Anschauungen Schleiermachers einen tieferen Eindruck auf ihn gemacht zu
-haben, so dass man die Nachwirkung in der &#8222;Genoveva&#8220; noch einigermaen
-verfolgen kann. Daneben war auch manche Anschauung, die im Keime
-oder in kindlicher Unreife schon in den &#8222;Herzensergieungen&#8220; und
-&#8222;Phantasien&#8220; schchtern auftauchte, hier zu mnnlicher Vollkraft und
-Reife entwickelt. Ein persnlicher Zusammenhang zwischen Wackenroder
-und Schleiermacher lsst sich zwar nicht erweisen,<a name="FNAnker_47_47" id="FNAnker_47_47"></a><a href="#Fussnote_47_47" class="fnanchor">[47]</a> und Wackenroder
-war durch die Betrachtung religiser Kunstwerke, Schleiermacher aber
-durch die Betrachtung religiser Menschen zu seinen Anschauungen
-gekommen. Trotzdem ist Verwandtschaft da und kann nicht sonderlich
-auffallen: denn sie liegt im gemeinsamen romantischen Geiste, woraus
-sich auch erklrt, dass der Kreis der Berliner und Jenenser Genossen
-beim Erscheinen der &#8222;Reden&#8220; in freudige Erregung gerieth.</p>
-
-<p>berdies hat auch Schleiermacher wie Wackenroder das Verhltnis von
-Kunst und Religion besprochen, und was Poesie und Kunst berhrte,
-zndete unfehlbar in den Herzen der jungen Generation. Den schnen Bund
-der Kunst mit der Religion, den Wackenroder in den alten Kunstzeiten
-bewunderte, den August Wilh. Schlegel bereits in einem groen Gedichte
-gefeiert hatte, sieht unser Redner eben im alten Griechenland
-verwirklicht. &#8222;Da nherte sich&#8220;, sagt er, &#8222;der Kunstsinn der Religion,
-um sie mit neuer Schnheit und Heiligkeit zu berschtten und ihre
-ursprngliche Beschrnktheit zu mildern.&#8220; Auch Schleiermacher findet
-wie Wackenroder, dass es in der Gegenwart leider nicht so gut steht.
-&#8222;Religion und Kunst stehen nebeneinander wie<span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">[S. 14]</a></span> zwei befreundete Seelen,
-deren innere Verwandtschaft, ob sie sie gleich ahnen, ihnen doch noch
-unbekannt ist. Freundliche Worte und Ergieungen des Herzens schweben
-ihnen immer auf den Lippen und kehren immer wieder zurck, weil sie die
-rechte Art und den letzten Grund ihres Sinnens und Sehnens noch nicht
-finden knnen. Sie harren einer nheren Offenbarung, und unter gleichem
-Druck leidend und seufzend sehen sie einander dulden, mit inniger
-Zuneigung und tiefem Gefhl vielleicht, aber doch ohne Liebe.&#8220; Wrden
-beide in ein Bett zusammengeleitet, so knnte das die Religion zur
-Vollendung bringen. An die kunstbenden Genossen und Freunde richtet
-daher der Redner die Worte: &#8222;Sehet da, das Ziel Eurer gegenwrtigen
-hchsten Anstrengungen ist zugleich die Auferstehung der Religion!&#8220;
-Schon sieht der Prophet &#8222;einige bedeutende Gestalten, eingeweiht in
-diese Geheimnisse (seiner Religion) aus dem Heiligthum zurckkehren,
-die sich nur noch reinigen und schmcken, um im priesterlichen Gewande
-hervorzugehen.&#8220;<a name="FNAnker_48_48" id="FNAnker_48_48"></a><a href="#Fussnote_48_48" class="fnanchor">[48]</a> Schleiermacher denkt an die romantischen Genossen.
-Es war dies ein Aufruf und eine Prophezeiung, die sich besonders
-Novalis und Tieck zuherzen nahmen und sie wollten sie gemeinsam
-verwirklichen in geistlichen Liedern und Predigten.</p>
-
-<p>Und Schleiermacher arbeitet ihnen dazu noch mehr vor. Er findet das,
-was er fr das echt Religise erkennt, nicht nur in sich und in den
-religis veranlagten Zeitgenossen, er sucht und findet es auch in
-allen historischen Erscheinungsformen der Religion, in den positiven
-Religionen, indem er allerdings die Begriffe und Anschauungen der alten
-Religion nach seinen festgestellten Religionsbegriffen ausdeutet und
-so ganz neue Werte in alte Worte kleidet. Er wendet sich dabei mit
-scharfer Polemik gegen die &#8222;natrliche Religion&#8220; der Aufklrer, die
-alles Auerordentliche und Unbegreifliche scheut. Er eifert gegen das
-unbestimmte, verwaschene, kraftlose Gebilde, das jener Masse gleicht,
-die zwischen den Weltsystemen dnn und zerstreut schweben soll und ihre
-Existenz erst erwartet.<a name="FNAnker_49_49" id="FNAnker_49_49"></a><a href="#Fussnote_49_49" class="fnanchor">[49]</a> &#8222;Wenn eine Religion nicht eine bestimmte
-sein soll, so ist sie gar keine, sondern nur loser, unzusammenhngender
-Stoff.&#8220;<a name="FNAnker_50_50" id="FNAnker_50_50"></a><a href="#Fussnote_50_50" class="fnanchor">[50]</a></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">[S. 15]</a></span></p>
-
-<p>Ein dnnes, unbestimmtes, abstractes Etwas ist aber fr den Dichter
-immer ein hchst undankbarer Vorwurf. Die positive Religion dagegen war
-einst eine fruchtbare Grundlage fr Kunst und Poesie. Die Gegenwart
-bot nirgends, was die Vergangenheit besa. Wenn nun die positive
-Religion zu Ehren kommt, wie in den &#8222;Reden&#8220;, dann muss sich auch
-ein Dichter aus dem aufgeklrten Berlin umsomehr ermuthigt fhlen,
-die gestaltenreiche katholische Legende, an der sich schon das
-Poetenauge heimlich ergtzte, in ihrer mittelalterlichen Auffassung
-wieder aufzunehmen und dichterisch zu gestalten. Noch mehr. Sogar die
-bei den nchternen Gromeistern der Aufklrung genugsam verfehmten
-Begriffe: Wunder, Weissagung, Offenbarung, Eingebung, Gnadenwirkung
-sollten sich einer unverhofften Ehrenrettung erfreuen, wenn auch
-wiederum umgewertet nach dem Mastabe Schleiermacher&#8217;scher Auffassung.
-Jeder wahrhaft religise Mensch sieht nach den &#8222;Reden&#8220; Wunder,
-erlebt Offenbarungen, Eingebungen, Gnadenwirkungen, und glaubt an
-Weissagungen. Mochte bei solchen Gedanken die ehrsamen Nicolaiten und
-alle Schildbrger und Philister im Reiche des aufgeklrten Verstandes
-ein heimliches Bangen beschleichen, so fand Tieck dieselben bei seiner
-Liebe zur Poesie und zum Sonderbaren<a name="FNAnker_51_51" id="FNAnker_51_51"></a><a href="#Fussnote_51_51" class="fnanchor">[51]</a> nur umso verstndlicher und
-anheimelnder. Schleiermachers Anerkennung des Wunderbaren konnte den
-Dichter, dessen Phantasie sich bereits mit den Wundern, Offenbarungen
-und Gnadenwirkungen, von denen das Volksbchlein berichtet,
-beschftigte, nur ermuntern, die alte, schlichte Legende mit neuer
-poetischer Schnheit zu berschtten. Ob Schleiermacher auch nicht die
-Legendenwunder nach der alten Auffassung vertheidigte: eine solche
-warme Vertheidigung des religis Wunderbaren an sich nahm allein schon
-viel vom Fluche des Lcherlichen von den missliebigen Begriffen hinweg,
-vom Fluche, der auch fr Tieck bisher gegolten hatte und, wenn auch
-abgeschwcht, noch galt. Tiecks rationalistische Jugendeindrcke,
-seine dstere Skepsis waren trotz Wackenroder noch lange nicht mit der
-letzten Wurzel aus seiner Seele gerissen. Fr ihn, der inzwischen auch
-Nicolais Schildknappe gewesen war, bedurfte es eines solchen Zuspruches
-fr die Strkung seines religisen Stimmungslebens, um es poetisch
-fruchtbar zu machen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span></p>
-
-<p>Sehr wesentlich war fr Tiecks Dichtung noch folgende
-Gedanken-Entwickelung der &#8222;Reden&#8220;. Eine damals neue Entdeckung
-Schleiermachers liegt in seinem Begriffe der Religion als Anschauung
-und Gefhl des Universums, einem Gedanken, der sich auf das engste mit
-der romantischen Hochschtzung und berschtzung von Phantasie und
-Gemth berhrt. Das intuitive Anschauen und das Gefhl des Universums
-kommen nach seiner Darlegung fr die Religion allein in Betracht. Die
-Strke der religisen Anschauungen und Gefhle bedingt den Grad der
-Religiositt eines Menschen. Verkehrt wre die Forderung, das religise
-Fhlen sollte etwa das menschliche Handeln bestimmen. Das sittliche
-Handeln ist Sache der moralischen Kraft im Menschen und hat mit der
-Religion nichts zu schaffen. &#8222;Alles eigentliche Handeln soll moralisch
-sein und kann es auch, aber die religisen Gefhle sollen wie eine
-heilige Musik alles Thun des Menschen begleiten; er soll alles mit
-Religion thun, nichts aus Religion.&#8220; Die religisen Gefhle lhmen
-geradezu die Thatkraft des Menschen und laden ihn ein zum stillen,
-hingegebenen Genuss. Daher verlieen die religisesten Menschen,
-die nichts waren als religis, so oft die Welt und ergaben sich der
-migen Beschauung.<a name="FNAnker_52_52" id="FNAnker_52_52"></a><a href="#Fussnote_52_52" class="fnanchor">[52]</a> Die Thatsache, dass Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; dieser
-Auffassung vom ausschlielich religisen Menschen, dem contemplativen
-Ideale so auffallend entspricht, kann nicht bersehen werden. Whrend
-die Heilige des Volksbuches, das Tieck als Vorlage dient, in ihrem
-Auftreten gegen Golo eine anerkennenswerte sittliche Energie zeigt,
-scheint Tiecks Heldin von Anfang bis zum Ende an ihrer Willenskraft
-wie gelhmt und ihr Dasein lst sich fast bestndig in einen frommen
-Gefhlsgenuss und in religise Stimmungsschwelgerei auf. Wenn auch
-das Volksbuch ziemlich viel von Genovevas beschaulichem Leben
-berichtet, so ist das se Schwrmeln und Schwelgen in Gefhlen und
-weichen Stimmungen bei Tieck noch um manchen Grad gesteigert. Andere
-Dichter scheiden solchen lyrischen berfluss eher aus oder verkrzen
-ihn, wenn sie dramatisch gestalten wollen. Tieck ist aber von Hause
-aus durch und durch ein Stimmungsdichter, der immer am liebsten den
-therischen Duft und Geist der Erscheinungen<span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">[S. 17]</a></span> in Worte und Verse fassen
-mchte. Das zeigt seine Poesie ja schon vor der &#8222;Genoveva&#8220;. Man denke
-an seine &#8222;Magelone&#8220;. Seine eigene Begabung und Neigung fhrte ihn
-daher schon dazu, die Situationen der Legende mglichst nach ihrem
-Stimmungswerte auszuntzen. Die Gefhlsweichheit in der &#8222;Genoveva&#8220;
-darf darum nicht ausschlielich wie ein dichterisches Correlat zur
-theoretischen Aufstellung der Schleiermacher&#8217;schen &#8222;Reden&#8220; angesehen
-werden. Aber es bleibt ein merkwrdiges Zusammentreffen, dass Tiecks
-dichterische Neigung durch Schleiermachers Forderung einer durchaus
-passiven Religiositt noch geradezu eine theologische Sanction
-erhielt, die seine poetische Neigung zu befestigen und vor ihm selbst
-zu rechtfertigen geeignet war. An die Mahnung Schleiermachers, eine
-&#8222;heilige Musik&#8220; religiser Gefhle solle das ganze Leben ohne Aufhren
-begleiten, wird der Leser der &#8222;Genoveva&#8220; unwillkrlich erinnert, wenn
-er bei Tieck im Kriegslager und auf dem Schlosse, in der Wste so gut
-wie in der Kapelle fast bei allem Thun und Denken wenigstens irgend
-einen religisen Klang tnen hrt.<a name="FNAnker_53_53" id="FNAnker_53_53"></a><a href="#Fussnote_53_53" class="fnanchor">[53]</a></p>
-
-<p>Wie die romantische sthetik das eine Urpoetische in den dichterischen
-uerungen der verschiedenen Zeiten und Vlker sucht, in der
-hchsten Kunstpoesie sowie im unscheinbarsten Volksliede, so sucht
-der romantische Theologe das eine Urreligise in allen Gestalten
-und Verkleidungen, unter denen es je im Laufe der Zeiten unter den
-Menschen erschienen ist. Alle Religionen erscheinen als ein groer
-Organismus, dessen Glieder alle ihre gute Berechtigung haben. Der
-stets knstlerischen romantischen Anschauung schliet sich immer das
-Mannigfaltige zu einem Kosmos hherer Ordnung zusammen. Der wahrhaft
-religise Mensch Schleiermachers ist darum tolerant. Es gibt ja fr ihn
-keinen Wesensunterschied etwa zwischen Pantheismus und Personalismus
-im Gottesbegriffe.<a name="FNAnker_54_54" id="FNAnker_54_54"></a><a href="#Fussnote_54_54" class="fnanchor">[54]</a> Es sollen sich gerade unzhlige Religionen
-entwickeln, jeder Mensch kann sich seine eigene grnden.<a name="FNAnker_55_55" id="FNAnker_55_55"></a><a href="#Fussnote_55_55" class="fnanchor">[55]</a> Es webt
-und wirkt ja doch in allen der nmliche Geist der einen, unendlichen
-Religion.<a name="FNAnker_56_56" id="FNAnker_56_56"></a><a href="#Fussnote_56_56" class="fnanchor">[56]</a> Mag die einzelne Gestalt, die diese annimmt, wie immer
-aussehen; wenn es nur<span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span> Religion ist, so gibt sich damit der Fromme
-zufrieden. Man muss wohl oder bel an eine freie Weiterbildung
-dieser Ansicht Schleiermachers in Tiecks Dichtung glauben, will man
-eine Erklrung fr das Zusammenwrfeln so fremdartiger religiser
-Vorstellungen finden, wie es uns in der &#8222;Genoveva&#8220; begegnet. Von der
-Idee des romantischen Urreligisen aus wird es sogar einigermaen
-erklrlich, wie in einer und derselben Persnlichkeit sich der
-katholische Gottesbegriff mit dem Pantheismus, wie christliche
-Gedanken und fatalistische Vorstellungen sich friedlich miteinander
-verbinden und vertragen knnen. Zum weitaus grten Theile sind in der
-&#8222;Genoveva&#8220; allerdings die christlichen Vorstellungen festgehalten.
-Die verschiedenen religisen Elemente aber, die sich fremd dazwischen
-drngen, fallen fr Tieck und seine Freunde unter die hhere Kategorie
-des allgemein Religisen. Alle wirklichen Dissonanzen sind daher fr
-ihn nur scheinbar und lsen sich in dem hheren Einklang auf und wirken
-zur allgemein religisen Gesammtstimmung, auf welche Tiecks Dichtung
-abzielt, ohne Strung mit.</p>
-
-<p>Wenn Genoveva ihre christlichen Vorstellungen vom Jenseits mit der
-pantheistischen vom Aufgehen im Weltall verknpft, so entspricht das
-noch besonders Schleiermachers Ansichten; denn das Verlangen nach
-persnlicher Fortdauer nach dem Tode findet er ganz irreligis; der
-Mensch soll geruschlos im Unendlichen verschwinden; falls er es nicht
-bewusst in seinem Denken und Sein vermag, soll er wenigstens den Tod
-als willkommene Gelegenheit dazu ergreifen. Daher muss auch Genovevas
-Seele &#8222;in dem Lebensmeer als Welle klingen&#8220;.</p>
-
-<p>Wahre Religion, fhrt Schleiermacher ferner aus, ist tolerant gegen
-das Religise in jeder Gestalt, aber polemisch gegen alles Irreligise
-in und auer sich. Es widerspricht darum nicht dem Wesen des
-Christenthums und der Toleranz, zu kmpfen gegen alles, was ihm als
-Irreligion erscheint. Tieck brauchte deshalb kein Bedenken zu tragen,
-den Saracenenfeldzug als Kreuzzug in seine Dichtung einzuschalten.
-Einen heiligen Krieg hat das Christenthum auch gegen alles Unheilige
-in sich selbst bestndig zu fhren, damit alles Unreine ausgeschieden
-werde. Einzelne Elemente und ganze Massen werden ausgestoen. Dieser
-immerwhrende Kampf ist die in seinem Wesen begrndete Geschichte des
-Christenthums. &#8222;Ich bin nicht gekommen, Friede zu bringen, sondern
-das Schwert&#8220;, sagt der Stifter desselben, freilich nicht<span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">[S. 19]</a></span> um blutige
-Bewegungen und elenden Wortstreit zu entfachen; nur die heiligen
-Kriege, die aus dem Wesen seiner Lehre nothwendig entstehen, hat
-er vorausgesehen und anbefohlen.<a name="FNAnker_57_57" id="FNAnker_57_57"></a><a href="#Fussnote_57_57" class="fnanchor">[57]</a> Die Rede Dragos<a name="FNAnker_58_58" id="FNAnker_58_58"></a><a href="#Fussnote_58_58" class="fnanchor">[58]</a> ber den
-bestndigen Kampf im Leben der christlichen Kirche und des einzelnen
-Christen, die auch mit dem gleichen evangelischen Citate beginnt, ist
-hier im Keime gegeben.</p>
-
-<p>Schon beim flchtigen Lesen fllt es auf, dass uns in der
-katholisierenden &#8222;Genoveva&#8220; eine ganz eigenthmliche Auffassung des
-Priesterthums begegnet, die sich der katholischen hierarchischen
-Ordnung gar nicht anbequemt. In Siegfrieds Burgkapelle hlt ein
-&#8222;Capellan&#8220; eine religise Ansprache, aber auch der Diener Wendelin.
-Der nmliche Capellan hlt auch noch eine erbauliche Rede fr
-Genoveva, verschwindet dann aus der Dichtung und im weiteren nimmt
-der Kchenmeister Drago die Stelle eines geistlichen Seelenleiters
-ein. Also neben dem Bischof, der am Schlusse auftritt, und dem
-Capellan predigen Diener und Kchenmeister. Die hier ziemlich deutlich
-durchschimmernde Ansicht vom freien Priesterthum ist wieder ein Gedanke
-aus Schleiermachers &#8222;Reden&#8220;. Schleiermacher will kein zunftmiges
-Priesterthum. Ein Privatgeschft sei die Mission des Priesters. Ein
-jedes Privatzimmer mag ein Tempel sein.<a name="FNAnker_59_59" id="FNAnker_59_59"></a><a href="#Fussnote_59_59" class="fnanchor">[59]</a> Wen der religise Geist
-ergreift, der bt auch das Priesteramt. Es gibt zwischen Geistlichen
-und Laien keinen Unterschied der Personen, sondern nur einen
-Unterschied &#8222;des Zustandes und der Verrichtung&#8220;.<a name="FNAnker_60_60" id="FNAnker_60_60"></a><a href="#Fussnote_60_60" class="fnanchor">[60]</a> In diesem Sinne
-wird thatschlich das Predigtamt in der &#8222;Genoveva&#8220; gebt.</p>
-
-<p>Doch genug. Es darf fr erwiesen gelten, dass hnliche Ideenrichtungen
-sich in den &#8222;Reden&#8220; des romantischen Theologen und im Drama des
-romantischen Dichters finden. Es ist freilich nicht vieles Einzelne,
-was sich sicher greifen liee. Wie sollte auch der Dichter aus dem
-Buche, das sich vom Anfange bis zum Ende in lauter Abstractionen
-bewegt, mehr entnehmen knnen als die eine oder andere grundstzliche
-Ideenrichtung? Hauptsache bleibt, dass Tiecks knstlerische
-Begeisterung fr Religion in den &#8222;Reden&#8220; ein krftiges &#8222;Incitament&#8220;
-gefunden hatte.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">[S. 20]</a></span></p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Tieck lie sich willig durch Schleiermacher begeistern, aber ein echter
-und eigentlicher Schler des Berliner Theologen war er darum noch
-nicht. Ein solcher war Tiecks Freund Novalis-Hardenberg. Schleiermacher
-und Novalis waren es allein, die unter den lteren Romantikern auf
-eine Erweckung des eigentlich religisen Sinnes abzielten, whrend die
-brigen nur an eine Erneuerung und Belebung von Kunst und Poesie durch
-die Religion dachten. Schleiermacher selbst gedenkt in der zweiten
-Auflage seiner &#8222;Reden&#8220; schmerzergriffen des lieben Todten, des &#8222;zu
-frh entschlafenen gttlichen Jnglings, dem alles Kunst ward, was
-sein Geist berhrte, seine ganze Weltbetrachtung unmittelbar zu Einem
-groen Gedicht, den Ihr, wiewohl er kaum mehr als die ersten Laute
-wirklich ausgesprochen hat, den reichsten Dichtern beigesellen msst,
-den seltenen, die ebenso tiefsinnig sind als klar und lebendig&#8220;.
-Dieser Jngling mit seiner Christusliebe erscheint Schleiermacher als
-das edelste Vorbild des frommen Knstlers.<a name="FNAnker_61_61" id="FNAnker_61_61"></a><a href="#Fussnote_61_61" class="fnanchor">[61]</a> Novalis war wirklich
-seiner Denkrichtung nach mit Schleiermacher nahe verwandt. Beide
-Geister wurzeln ja auch im Herrnhuterthum. Beide bringen dieselbe
-tiefreligise Veranlagung mit. Novalis ist daher von den &#8222;Reden&#8220; am
-meisten ergriffen unter den Jenenser Freunden.<a name="FNAnker_62_62" id="FNAnker_62_62"></a><a href="#Fussnote_62_62" class="fnanchor">[62]</a> Wie mchtig sie
-sein ganzes Inneres erregten und verwandte Ideen und Stimmungen in
-drngender Flle auslsten, lsst sich auf Schritt und Tritt verfolgen.
-Fast alle wesentlichen Gedanken Schleiermachers ber die Religion
-finden sich modificiert, subjectiv angewendet, besonders gerne in
-Aphorismen voll krftiger Poesie eingekleidet, bei dem jungen Dichter
-wieder. Da heit es: &#8222;Alle absolute Empfindung ist religis.&#8220;<a name="FNAnker_63_63" id="FNAnker_63_63"></a><a href="#Fussnote_63_63" class="fnanchor">[63]</a>
-&#8222;Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgend ist die
-Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft.&#8220;<a name="FNAnker_64_64" id="FNAnker_64_64"></a><a href="#Fussnote_64_64" class="fnanchor">[64]</a> &#8222;Alle
-unsere Neigungen scheinen nichts als angewandte Religion zu sein; das
-Herz scheint gleichsam das religise Organ.&#8220;<a name="FNAnker_65_65" id="FNAnker_65_65"></a><a href="#Fussnote_65_65" class="fnanchor">[65]</a> Auch Novalis wendet
-sich gegen die Aufklrer, die alles Wunderbare und Geheimnisvolle von
-der Religion abwaschen mchten.<a name="FNAnker_66_66" id="FNAnker_66_66"></a><a href="#Fussnote_66_66" class="fnanchor">[66]</a> Aufklrung<span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">[S. 21]</a></span> und Religionsverachtung
-ist ihm ungefhr das nmliche und ebenso innigstes, hchstes Fhlen
-und Religion. Sein Idealbild religisen Lebens projiciert Novalis
-in das Mittelalter, hnlich wie Wackenroder, aber auch zugleich
-hoffnungsfreudig in eine bessere Zukunft. Mit tiefer Sehnsucht schaut
-er im Aufsatze &#8222;Die Christenheit oder Europa&#8220; (1799)<a name="FNAnker_67_67" id="FNAnker_67_67"></a><a href="#Fussnote_67_67" class="fnanchor">[67]</a> in die alte
-Zeit zurck, in der die Religion als die Centralsonne des Lebens galt.
-Und nach dem Alten hatte er sich schon in den &#8222;Hymnen an die Nacht&#8220;
-gesehnt.</p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Was sollen wir auf dieser Welt</div>
- <div class="verse">Mit unsrer Lieb&#8217; und Treue?</div>
- <div class="verse">Das Alte wird hintangestellt:</div>
- <div class="verse">Was soll uns denn das Neue?</div>
- <div class="verse">O! einsam steht und tiefbetrbt</div>
- <div class="verse">Wer hei und fromm die Vorzeit liebt.&#8220;<a name="FNAnker_68_68" id="FNAnker_68_68"></a><a href="#Fussnote_68_68" class="fnanchor">[68]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>So wenig wie Wackenroder oder Schleiermacher, schliet sich Novalis
-einer kirchlichen Lehre an, wenn er auch gerne seine Gedanken mit
-kirchlichen Worten stilisiert und das katholische Mittelalter preist
-und sogar innige Marienlieder dichtet.<a name="FNAnker_69_69" id="FNAnker_69_69"></a><a href="#Fussnote_69_69" class="fnanchor">[69]</a> Und wenn er auch mit
-verschiedenen Gedanken katholischen Ideen recht nahe kommt: er meint
-zunchst doch immer das phantastische Idealbild einer Religion, wie
-es seine Dichterseele trumt. Pantheismus und Christenthum stehen
-auch bei ihm hart nebeneinander. Wie Schleiermacher denkt auch
-Novalis ber das Wunder.<a name="FNAnker_70_70" id="FNAnker_70_70"></a><a href="#Fussnote_70_70" class="fnanchor">[70]</a> Wie fr Schleiermacher Religion und
-Kunst, sind fr ihn Poesie und Mysticismus nahe Verwandte.<a name="FNAnker_71_71" id="FNAnker_71_71"></a><a href="#Fussnote_71_71" class="fnanchor">[71]</a> Auch
-fr Novalis gibt es kein abgeschlossenes System.<a name="FNAnker_72_72" id="FNAnker_72_72"></a><a href="#Fussnote_72_72" class="fnanchor">[72]</a> Novalis&#8217; Seele
-ist voll Schleiermacher&#8217;scher Frmmigkeit. Wohin wir blicken, die
-Saat des Berliner Redners sprosst und treibt mit ppiger Kraft in den
-geheimnisvollen Tiefen dieses merkwrdigen Gemthes. Es ist von den
-&#8222;Reden&#8220; in der That &#8222;ganz eingenommen, durchdrungen, begeistert und
-entzndet&#8220;.<a name="FNAnker_73_73" id="FNAnker_73_73"></a><a href="#Fussnote_73_73" class="fnanchor">[73]</a></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">[S. 22]</a></span></p>
-
-<p>Novalis verehrte schon Tieck als den Dichter der &#8222;Volksmrchen&#8220;, bevor
-er ihm persnlich begegnete. In Jena nun treffen sich beide im Sommer
-1799. Erstes Begegnen, entgegenkommendes Verstehen, schwrmerisches
-Freundschaftschlieen: all das war das Werk eines Tages.<a name="FNAnker_74_74" id="FNAnker_74_74"></a><a href="#Fussnote_74_74" class="fnanchor">[74]</a> Tieck
-glaubte seinen Wackenroder in verklrter Gestalt wiederzubesitzen.
-Leider musste er auch diesem Freunde gar bald Trauersonette als
-Todtenopfer weihen.<a name="FNAnker_75_75" id="FNAnker_75_75"></a><a href="#Fussnote_75_75" class="fnanchor">[75]</a> Diese neue Freundschaft ist wieder so
-enthusiastisch wie jene mit Wackenroder. Ist doch Novalis ebenso
-herzlich und fromm und liebenswrdig und dabei mit einem weitreichenden
-geistigen Blicke begabt, ein jugendfroh und gewaltig aufstrebender
-Dichter und Denker, der bei aller Frmmigkeit auch alle Bildung des
-Zeitalters, insbesondere die naturphilosophische, durstig in seine
-Seele saugen und dichterisch in einer groen Romanserie verklren
-mchte. Das war gewiss ein richtiger Umgang fr Tieck, als er schon
-an seiner &#8222;Genoveva&#8220; arbeitete. In dieser Freundschaft konnte auch
-seine religise Stimmung neues krftiges Leben schpfen und einzelne
-Spuren des freundschaftlichen Gedankenaustausches sind wiederum in
-Tiecks Dichtung erkennbar. Wie Novalis im Aufsatze: &#8222;Die Christenheit
-oder Europa&#8220; den Leser aus der nchternen, unfrommen Gegenwart in die
-schnen glnzenden Zeiten des katholischen Mittelalters fhrt, so weist
-der heilige Bonifacius Tiecks als Prologsprecher in die glubige,
-altdeutsche Zeit zurck, die so ganz das Gegentheil der glaubenslosen
-Jetztzeit war. Wenn Novalis auf den geheimnisvollen Weg nach innen
-zeigt und nach Schleiermachers Beispiel eine Herzensreligion, eine
-Frmmigkeit des innerlichsten Lebens fordert, so meint der Leser der
-&#8222;Genoveva&#8220; im Sonette des Capellans<a name="FNAnker_76_76" id="FNAnker_76_76"></a><a href="#Fussnote_76_76" class="fnanchor">[76]</a> einen Schler Hardenbergs zu
-vernehmen. Novalis war auch der erste im romantischen Kreise, der
-direct die katholische Religion als solche im ganzen Umfange, wenn
-auch subjectiv ausdeutend, mit Entzcken pries. Gemeinsam wollten
-ferner die Freunde geistliche Lieder und Predigten herausgeben und sie
-Schleiermacher widmen.<a name="FNAnker_77_77" id="FNAnker_77_77"></a><a href="#Fussnote_77_77" class="fnanchor">[77]</a> Novalis&#8217; &#8222;Geistliche Lieder&#8220; erwuchsen auch<span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">[S. 23]</a></span>
-bald aus dieser hochgesteigerten religisen Stimmung heraus und auch
-im &#8222;Ofterdingen&#8220; sind Anklnge an die &#8222;Reden&#8220; bemerkbar. Tieck wollten
-die geistlichen Lieder nicht gelingen<a name="FNAnker_78_78" id="FNAnker_78_78"></a><a href="#Fussnote_78_78" class="fnanchor">[78]</a> und von den Predigten ist bei
-ihm berhaupt nicht weiter die Rede. Wenn uns aber Tieck sagt, dass
-er verschiedene &#8222;Vorstze und poetische Stimmungen&#8220;, die ihn damals
-beherrschten, in seine &#8222;Genoveva&#8220; hineingearbeitet habe, so lassen
-unsere Betrachtungen ahnen, was einmal unter den &#8222;Stimmungen&#8220; gemeint
-ist. Wohl nichts anderes, als die neue religise Begeisterung und die
-Schwrmerei fr altdeutsches Wesen, die sich Tiecks wie der brigen
-Genossen um diese Zeit bemchtigt hatte. Zu den &#8222;Stimmungen&#8220; gehren
-vielleicht auch jene &#8222;leidenschaftlichen Zustnde und unerwarteten
-Erfahrungen&#8220; an sich selbst, ber die sich nur eine dunkle Andeutung in
-einem spten Briefe an Solger findet.<a name="FNAnker_79_79" id="FNAnker_79_79"></a><a href="#Fussnote_79_79" class="fnanchor">[79]</a> Die &#8222;Vorstze&#8220; dann beziehen
-sich jedenfalls auf die geplanten geistlichen Lieder und Predigten.<a name="FNAnker_80_80" id="FNAnker_80_80"></a><a href="#Fussnote_80_80" class="fnanchor">[80]</a>
-Spuren der projectierten Predigten lassen sich in der &#8222;Genoveva&#8220; fast
-noch erkennen. Novalis schrieb mehrere Einflle ber das Wesen der
-Predigt nieder, wie er es sich dachte. Darunter finden sich Gedanken,
-wie: &#8222;Die Predigt muss angewandte Religion enthalten.&#8220;<a name="FNAnker_81_81" id="FNAnker_81_81"></a><a href="#Fussnote_81_81" class="fnanchor">[81]</a> &#8222;Die
-katholische Religion ist gewissermaen schon angewandte christliche
-Religion.&#8220;<a name="FNAnker_82_82" id="FNAnker_82_82"></a><a href="#Fussnote_82_82" class="fnanchor">[82]</a> &#8222;Predigten sollten eigentlich Legenden heien, denn
-der eigentliche Stoff der Predigten ist der Legendenstoff.&#8220;<a name="FNAnker_83_83" id="FNAnker_83_83"></a><a href="#Fussnote_83_83" class="fnanchor">[83]</a> Von
-der wunderschnen Frau der Christenheit und von lngst verstorbenen
-himmlischen Menschen, von Heiligen, predigten einst die Priester im
-schnen Mittelalter.<a name="FNAnker_84_84" id="FNAnker_84_84"></a><a href="#Fussnote_84_84" class="fnanchor">[84]</a> Jedermann kann Predigten halten und aus
-dem Schatze seiner Erfahrung gttliche Geschichte mittheilen.<a name="FNAnker_85_85" id="FNAnker_85_85"></a><a href="#Fussnote_85_85" class="fnanchor">[85]</a>
-(Freies Priesterthum wie bei Schleiermacher.) Nun sehen wir in Tiecks
-&#8222;Genoveva&#8220; den Diener Wendelin in der Kapelle zu den Heiligenbildern
-hintreten und sie seinen Genossen, also einer kleinen Gemeinde,<span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">[S. 24]</a></span>
-predigend erklren.<a name="FNAnker_86_86" id="FNAnker_86_86"></a><a href="#Fussnote_86_86" class="fnanchor">[86]</a> Wir sehen ein andermal Drago im Anschluss
-an die Lesung des Legendenbuches eine geistliche Anrede an Genoveva
-halten.<a name="FNAnker_87_87" id="FNAnker_87_87"></a><a href="#Fussnote_87_87" class="fnanchor">[87]</a> Hier spielt allem Anscheine nach das Predigtproject der
-beiden Freunde herein und das wre vielleicht ein erkennbarer Rest
-jener &#8222;Vorstze&#8220;, die in der Dichtung nachwirkten. &mdash;</p>
-
-<p>Novalis und Tieck waren nicht die einzigen Bewunderer der &#8222;Reden&#8220;.
-Fast die ganze romantische Tafelrunde von Jena that wacker mit<a name="FNAnker_88_88" id="FNAnker_88_88"></a><a href="#Fussnote_88_88" class="fnanchor">[88]</a> und
-verschiedene religise Poesien erwuchsen aus den neuen Anregungen.
-Schon vor einem Jahre waren A.W. Schlegels Gemldegesprche und
-geistliche Sonette ber einige religise Bilder der Dresdner Gallerie
-sowie der bedeutsame Versuch romantischer Didaktik &#8222;Der Bund der Kirche
-mit den Knsten&#8220; im Anschluss an Wackenroder-Tieck entstanden. Unter
-dem Einfluss der neuen religisen Anregungen folgen die Neudichtungen
-alter Legenden und noch andere Gedichte mit religisen Motiven. Das
-Christenthum ist in Jena bald &#8222; l&#8217;ordre du jour&#8220;. Whrend es Hlsen
-zwar bei einer hellenisierenden, pantheistischen Naturreligion sich
-gengen lsst,<a name="FNAnker_89_89" id="FNAnker_89_89"></a><a href="#Fussnote_89_89" class="fnanchor">[89]</a> entfacht Steffens, ein junger Norweger und Tiecks
-Freund, seine Andacht an der sistinischen Madonna in Dresden.<a name="FNAnker_90_90" id="FNAnker_90_90"></a><a href="#Fussnote_90_90" class="fnanchor">[90]</a>
-Friedrich Schlegels &#8222;Ideen&#8220; im &#8222;Athenum&#8220;, die zwar manchmal von
-Schleiermacher abweichen, sogar manche Spitzen gegen die &#8222;Reden&#8220;
-enthalten, sind nichtsdestoweniger nur ein Fortspinnen der in den
-&#8222;Reden&#8220; ausgefhrten und im persnlichen Verkehr<span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">[S. 25]</a></span> mit Schleiermacher
-gewonnenen Anschauungen. Friedrich sinnt auf Mittel und Wege, die
-neugewonnenen Ideen fr Poesie und Kunst fruchtbar zu machen. Das
-Ergebnis seines Nachdenkens ist im &#8222;Gesprch ber die Poesie&#8220;
-niedergelegt. Das Studium der Griechen hatte ihn belehrt, dass eine
-Mythologie, in der sich die tiefsten Welt- und Lebensanschauungen,
-die hchsten Ideale eines Volkes in unvergnglichen Typen
-zusammenkrystallisierten, in denen das, was sonst das Bewusstsein ewig
-flieht, sinnlich geistig zu schauen festgehalten ist, fr die Poesie
-die allerwertvollste Basis sein kann. Diese richtige Beobachtung fhrt
-aber Schlegel, der vielleicht Schelling&#8217;schen Anregungen folgte, auf
-den bizarren Gedanken, die bewusste Schpfung einer neuen Mythologie
-zu verlangen. Er selbst war schon eine Zeitlang mit keiner geringeren
-Absicht umgegangen, als der, eine neue Religion zu stiften.<a name="FNAnker_91_91" id="FNAnker_91_91"></a><a href="#Fussnote_91_91" class="fnanchor">[91]</a>
-Aber ein absichtliches Verkrpernwollen von Ideen in mythologischer
-Art bringt statt lebendiger Typen und Gttergestalten hchstens
-den Wechselbalg Allegorie zum Vorschein.<a name="FNAnker_92_92" id="FNAnker_92_92"></a><a href="#Fussnote_92_92" class="fnanchor">[92]</a> Schlegel selbst meint
-berdies, man knne auf verschiedenen Wegen dem neuen Ziele zustreben.
-Die lteren Mythologien seien wieder zu erwecken, um das Werden der
-neuen zu beschleunigen und das Studium der Naturphilosophie gewhre
-die heiligsten Offenbarungen. Daneben begegnet uns der Gedanke, die
-Deutschen mssten, um ihre Poesie zu erneuern, auf &#8222;die Quellen
-ihrer eigenen Sprache und Dichtung zurckgehen&#8220; und die alte Kraft
-und den hohen Geist, der in den Urkunden der vaterlndischen Vorzeit
-schlummert, wieder frei machen.<a name="FNAnker_93_93" id="FNAnker_93_93"></a><a href="#Fussnote_93_93" class="fnanchor">[93]</a> ber Religion und Poesie spricht
-Fr. Schlegel hnlich wie Schleiermacher und Novalis.<a name="FNAnker_94_94" id="FNAnker_94_94"></a><a href="#Fussnote_94_94" class="fnanchor">[94]</a></p>
-
-<p>Was Fr. Schlegel wnschte, fhrte Tieck gleichzeitig schon zum Theile
-und in seiner Weise aus. Whrend Schlegel sich mit seiner Mythologie
-abmhte, geht Tieck mit khner Leichtigkeit den Weg, den ihm seine
-lebendige religise Kunststimmung und die brigen empfangenen
-Anregungen wiesen. Statt der antiken Mythologie, die ihm sein Leben
-lang fern blieb und statt der neuzuschaffenden, von der Schelling,
-Schlegel und Novalis trumten und die noch in recht nebeliger Ferne
-dmmerte, tritt<span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">[S. 26]</a></span> bei Tieck die katholische Legende ein. Sie war fr ihn
-ja lngst nimmer todt. Alte Kunst und Dichtung, Calderon voran, brgten
-ihm fr die innere Lebenskraft derselben und er hatte auch mit eigenen
-Augen in Sddeutschland katholisches Leben und den Cultus der Heiligen
-in leibhafter Gegenwart mitangesehen. Er brauchte nur die Gestalten der
-vergessenen Legende mit der reichen religisen Begeisterung, die ihm
-eben aus vielen Quellen zustrmte, zu durchwrmen und den Reichthum
-seiner Phantasie der Erneuerung des alten Bchleins dienstbar zu machen
-und es bedurfte fr ihn keiner imaginren Mythologie mehr. Es war
-das der nchste und selbstverstndlichste Weg, seinen dichterischen
-Wnschen Genge zu thun.</p>
-
-<p>Die Freundschaft mit Wackenroder, die &#8222;Reden ber die Religion&#8220;, der
-Umgang mit Novalis und der, wenn auch weniger tief wirkende, mit
-Friedrich Schlegel<a name="FNAnker_95_95" id="FNAnker_95_95"></a><a href="#Fussnote_95_95" class="fnanchor">[95]</a>, die Lectre von Calderon und Jakob Bhme, deren
-Einfluss noch spter besprochen werden soll, die gesammte geistige
-Atmosphre, in welcher die junge Dichtergeneration lebte und athmete:
-alles half zusammen, Tieck aus der flachen Sandwste Berlinischer
-Aufklrung, in der Gemth und Phantasie klglich abgewelkt waren und
-die Dichtung kein fruchtbares Erdreich fand, in die poetische Welt
-des Religisen, Wunderbaren, Alterthmlichen, Gefhlsinnigen und zur
-katholischen Legende hinberzufhren. Wer die Einwirkungen dieser
-letzten Jahre im Auge behlt, kann es nicht rthselhaft finden,
-dass in Tieck sich jetzt mit seiner Liebe zum Altdeutschen noch die
-hochreligise Auffassung eines alten Stoffes vermhlt.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Nun gewinnt der Dichter auch eine andere Stellung zu den Volksbchern,
-als er sie bisher einnahm. Die Neigung fr die krftige Poesie
-dieser alten Volksromane war, wie erwhnt, schon lngst in Tieck
-lebendig. &#8222;Gtz&#8220; und die Ritterdramen, die seine jugendliche Phantasie
-bestrmten, hatten zuerst sein Interesse fr das Alte geweckt. Die
-Sprache des &#8222;Faust&#8220; empfand er als den &#8222;veredelten, tiefsinnigeren
-Widerhall des alten, vergessenen deutschen Tones&#8220; bei Hans Sachs.
-&#8222;Die frheren Werke Goethes waren die erste Nahrung meines Geistes
-gewesen. Ich hatte das Lesen gewissermaen im Berlichingen gelernt.<span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">[S. 27]</a></span>
-Durch dieses Gedicht hatte meine Phantasie fr immer eine Richtung nach
-jenen Zeiten, Gegenden, Gestalten und Begebenheiten bekommen.&#8220;<a name="FNAnker_96_96" id="FNAnker_96_96"></a><a href="#Fussnote_96_96" class="fnanchor">[96]</a>
-Sein eigenes richtiges Gefhl fr das Poetische lie ihn den Wert der
-verkannten bescheidenen Volksbchelchen erkennen und schtzen. Die
-erste Erwhnung derselben treffen wir im &#8222;Karl von Berneck&#8220;.<a name="FNAnker_97_97" id="FNAnker_97_97"></a><a href="#Fussnote_97_97" class="fnanchor">[97]</a> Der
-Dienst bei Nicolai vermochte die einmal erwachte Neigung, die Tieck
-noch durch die Lectre lterer Literatur (Hans Sachs, Moscherosch,
-Grimmelshausen) nhrte, nicht zu ersticken. Im &#8222;Peter Leberecht&#8220;
-spendet er den Volksbchern reiches Lob.<a name="FNAnker_98_98" id="FNAnker_98_98"></a><a href="#Fussnote_98_98" class="fnanchor">[98]</a> Dann folgen die
-verschiedenen Neubearbeitungen von Volksbchern selbst. Schlichte,
-holzschnittmige Nachbildung des alten Originals versucht er in
-den &#8222;Haimonskindern&#8220;, lyrische Stimmungsmalerei in der &#8222;Magelone&#8220;.
-Satirische Seitenwege geht er in den &#8222;Schildbrgern&#8220; wie im &#8222;Blaubart&#8220;.
-Abgesehen von den &#8222;Haimonskindern&#8220;, schaltet Tieck berall nach eigenem
-Belieben in ziemlich freier Willkr mit dem alten Stoffe.<a name="FNAnker_99_99" id="FNAnker_99_99"></a><a href="#Fussnote_99_99" class="fnanchor">[99]</a> Die
-Vorliebe fr diese alten Poesien ist noch immer eine bedingte, zum
-Theil eine Vorliebe aus Opposition gegen den platten aufgeklrten
-Dienstherrn Nicolai. Hauptschlich durch Wackenroders eigenthmliche
-Geistesrichtung muss die tiefe Verehrung des Alten zur unbedingten,
-schwrmerischen Begeisterung, zum &#8222;Phantastischen&#8220;<a name="FNAnker_100_100" id="FNAnker_100_100"></a><a href="#Fussnote_100_100" class="fnanchor">[100]</a> gesteigert
-worden sein. Die brigen Romantiker stimmen bald in diesen Lobpreis des
-Alten mit ein. In ein paar Jahren hat sich die Meinung festgesetzt,
-dass der &#8222;historische Weg&#8220; das einzige Mittel sei, eine Besserung in
-Kunst und Poesie einzuleiten.<a name="FNAnker_101_101" id="FNAnker_101_101"></a><a href="#Fussnote_101_101" class="fnanchor">[101]</a> So flieen denn unmittelbar vor
-Entstehung der &#8222;Genoveva&#8220; die hchste Begeisterung und Bewunderung fr
-das Altdeutsche und ein hochgesteigertes religises Stimmungsleben bei
-Tieck ineinander, um sich vereint in die neue Schpfung zu ergieen.</p>
-
-<p>Im Jahre 1800, bald nach Vollendung der &#8222;Genoveva&#8220;, dichtet Tieck
-so nebenbei in einigen heiteren Stunden einen<span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">[S. 28]</a></span> kleinen Schwank in
-Hans Sachsens Manier, den &#8222;Neuen Hercules am Scheidewege&#8220; (spter
-&#8222;Der Autor&#8220; betitelt). In dieser Burleske zieht er lustig gegen die
-Ntzlichkeitsfanatiker und Aufklrer, gegen den &#8222;alten Mann&#8220; Nicolai
-und die unberufenen Lessingverehrer, gegen den ganzen Heerbann der
-Antiromantiker vom Leder. Er feiert Goethe als Neubegrnder der wahren,
-vaterlndischen, deutschen Poesie und verehrt den &#8222;groen deutschen
-Jakob Bhme&#8220;. Jede Zeile deutet jene romantische Zeitstimmung an,
-welcher die &#8222;Genoveva&#8220; ihren Charakter verdankt. Der derbe &#8222;Altfrank&#8220;
-tritt wie ein Abgesandter des romantischen Geistes vor den Dichter hin
-und ermuntert ihn zur Pflege der romantischen Dichtung:</p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Erwrme dein Herz in alter Liebe,</div>
- <div class="verse">Erwecke in dir die alten Triebe,</div>
- <div class="verse">Wenn dir die neue Zeit nicht gefllt,</div>
- <div class="verse">So gedenk der braven alten Welt,</div>
- <div class="verse">Mit Andacht geh zu den alten Ruinen,</div>
- <div class="verse">Die auf den hohen Bergen verwittern,</div>
- <div class="verse">Sie schaun dich an mit wehmthigen Mienen</div>
- <div class="verse">Und erzhlen dir von Thaten und Rittern,</div>
- <div class="verse">Besuche zumal die Wald-Kapellen,</div>
- <div class="verse">Wo sich heilige Geschichten vor dich stellen,</div>
- <div class="verse">Die alte katholische Religion,</div>
- <div class="verse">Als sie noch schmckte ihren Thron,</div>
- <div class="verse">Und schner die Welt durchstrmte,</div>
- <div class="verse">Ein selger Tod die Mrtrer krnte:</div>
- <div class="verse">Als deutsche Freiheit noch stolzirte,</div>
- <div class="verse">Vor ganz Europa hell pranchirte,</div>
- <div class="verse">Das alles magst du khnlich preisen,</div>
- <div class="verse">Verkndigen in vollen Weisen,</div>
- <div class="verse">Was sonst erregte deinen Muth,</div>
- <div class="verse">Beseligte in Adern dein Blut,</div>
- <div class="verse">Lebt nicht noch alles in einzeln Spuren,</div>
- <div class="verse">Wandelst nicht noch auf denselbigen Fluren?&#8220;<a name="FNAnker_102_102" id="FNAnker_102_102"></a><a href="#Fussnote_102_102" class="fnanchor">[102]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>hnliche Verse knnte man sich als Prolog vor die &#8222;Genoveva&#8220; gesetzt
-denken.</p>
-
-<p>Die nheren Umstnde, welche die Entstehung der &#8222;Genoveva&#8220; noch
-begleiteten, gibt Tieck selbst und sein Biograph Kpke an.<a name="FNAnker_103_103" id="FNAnker_103_103"></a><a href="#Fussnote_103_103" class="fnanchor">[103]</a> Den
-ersten magebenden ueren Ansto erhielt<span class="pagenum"><a name="Seite_29" id="Seite_29">[S. 29]</a></span> Tieck nicht durch das
-Volksbuch, sondern durch ein Werk des Geniedichters Maler Mller,
-nmlich durch dessen Drama &#8222;Golo und Genoveva&#8220;, das, 1775&ndash;1781
-entstanden, auch die alte Legende behandelt. Bei einem Besuche in
-Hamburg (1797) erhielt Tieck durch Vermittlung des Malers Waagen
-Einsicht in Mllers Manuscript, das noch immer des Verlegers harrte.
-Die Lectre war nach Tiecks Erzhlung eine flchtige. Nur das Lied:
-&#8222;Mein Grab sei unter Weiden&#8220; und die eigenthmliche Beziehung
-desselben auf Golos Geschick machte ihm einen tiefen Eindruck. Im
-brigen behielt er nur ein sehr allgemeines, verschwommenes Bild vom
-Werke in Erinnerung. Diese Bekanntschaft mit dem Werke Mllers htte
-am Ende noch nicht hingereicht, Tiecks Interesse bei diesem Stoffe
-festzuhalten. Da fiel ihm aber ein Jahr darauf das Volksbchlein von
-der Pfalzgrfin Genoveva selbst in die Hnde.<a name="FNAnker_104_104" id="FNAnker_104_104"></a><a href="#Fussnote_104_104" class="fnanchor">[104]</a> Es ist erklrlich,
-dass Tiecks ganzes Gemth, das eben jetzt von altdeutschen und
-religisen Kunststimmungen berquoll, sich mit Eifer und Liebe auf
-den hier gebotenen Legendenstoff warf, der altdeutsche Schlichtheit
-und innige Frmmigkeit so lehrend in sich vereinte und durch viele
-Motive zur Verherrlichung der neuen romantischen Ideale einlud. Wenn
-auch nicht mit tiefem Gemthe (das besa Tieck berhaupt kaum), so
-doch mit ganzem Gemthe ergriff er diese Legende, die ihn so traut
-anmuthete und durch ihre stille Gewalt seine Phantasie in Bewegung
-setzte. Schnell und leicht muss alles, was an poetischen Krften in
-ihm schlummerte, zusammengestrmt sein; denn im Sommer 1799 schrieb
-er auf Giebichenstein den Prolog und die ersten Scenen. Im Herbste
-vollendete er mit rascher Feder das Ganze und theilte es schon
-im November seinen Freunden, im December Goethe, der den jungen
-Romantikern ein wohlwollender Mentor war, mit, und im Jahre 1800
-erschien in Jena bei Friedrich Frommann das Trauerspiel &#8222;Leben und Tod
-der heiligen Genoveva&#8220;, mit &#8222;Melusina&#8220; und &#8222;Rothkppchen&#8220; zum zweiten
-Bande der &#8222;Romantischen Dichtungen&#8220; vereint. In unserem Zusammenhange
-angesehen, ist es nicht befremdend, wie die Behandlung dieses alten<span class="pagenum"><a name="Seite_30" id="Seite_30">[S. 30]</a></span>
-religisen Stoffes in alter religiser Auffassung fr Tieck wirklich
-ein poetisches Erlebnis werden und wie er spter Solger gegenber sagen
-konnte: &#8222;Es (sc. Solgers Urtheil ber &#8222;Genoveva&#8220;) interessiert mich
-sehr, weil dieses Gedicht auch ganz aus dem Gemthe gekommen ist, weil
-es mich selbst berrascht hat, und gar nicht gemacht sondern geworden
-ist.&#8220;<a name="FNAnker_105_105" id="FNAnker_105_105"></a><a href="#Fussnote_105_105" class="fnanchor">[105]</a></p>
-
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_31" id="Seite_31">[S. 31]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="mbot2" id="II">II.<br />
-
-Das Volksbuch als Quelle von Tiecks &#8222;Genoveva&#8220;.</h2>
-
-<p>Das Volksbuch bildet nach Tiecks eigener Andeutung den Stamm, an den
-sich verschiedene andere Theile und Theilchen seines Dramas ansetzen.
-Unsere erste Frage muss daher die nach dem Verhltnisse des Volksbuches
-zu Tiecks Neudichtung sein. Dieser Untersuchung wird ein Druck der
-Legende, wie er am Ende des vorigen Jahrhunderts umgieng, zugrunde
-gelegt und zwar ein Druck jener Fassung, die auf die Martin Cochem&#8217;sche
-Bearbeitung zurckgeht.<a name="FNAnker_106_106" id="FNAnker_106_106"></a><a href="#Fussnote_106_106" class="fnanchor">[106]</a> Es wird sich kaum authentisch feststellen
-lassen, welcher Druck Tieck 1798 in die Hnde fiel. Dies verschlgt
-jedoch wenig fr eine derartige Untersuchung, da diese Volksbcher
-in ihrem inhaltlichen und vielfach auch im sprachlichen Bestande zu
-den conservativsten Elementen unserer Literatur gehren. Die Wahl der
-Grundlage fr diese Untersuchung muss eigentlich erst die Untersuchung
-selbst rechtfertigen.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Der Abschied.</h4>
-
-<p><i>Volksbuch, 3 ff.</i> Die schlichte Erzhlung des Volksbuches beginnt
-mit der glcklichen Ehe, die Graf Siegfried mit Genoveva, der
-Herzogstochter von Brabant, geschlossen hat und dem Aufgebote des
-Frankenknigs &#8222;Marcellus&#8220;, das Siegfried von der Seite seiner geliebten
-Gemahlin hinweg in den Mohrenkrieg ruft. Denn der Mohrenknig
-&#8222;Abdarodam&#8220; ist in Spanien eingefallen und bedroht Frankreich. Der
-Abschied Siegfrieds von Genoveva<span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32">[S. 32]</a></span> ist beraus schmerzlich und kostet
-die junge Frau eine zweifache Ohnmacht. Siegfried sucht sie zu trsten,
-gibt ihr seinen treuesten Diener Golo an die Seite und reit sich los.</p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Die uere Lage der Dinge, den drohenden Mohrenkrieg und
-Karl Martells Aufgebot, das Siegfried zu den Waffen ruft, nimmt Tieck
-mit kleinen Erweiterungen in den Prolog auf.<a name="FNAnker_107_107" id="FNAnker_107_107"></a><a href="#Fussnote_107_107" class="fnanchor">[107]</a> Aus dem einfachen
-Abschiede des Volksbuches, dessen einzelne Motive beibehalten werden,
-entsteht ein reicher Complex von Abschieds-Scenen.<a name="FNAnker_108_108" id="FNAnker_108_108"></a><a href="#Fussnote_108_108" class="fnanchor">[108]</a> Eine kirchliche
-Abschiedsfeier, ein huslich-familirer Abschied Siegfrieds von
-Genoveva. (Mit Recht lsst es Tieck bei einer einmaligen Ohnmacht
-bewenden.) Von Siegfried verabschieden sich auch seine Untergebenen,
-Drago der Haushofmeister, Wolf, ein alter Ritter, und Golo, der zum
-&#8222;Vogt&#8220; ber Siegfrieds Haus bestellt wird. Das Abschiednehmen pflanzt
-sich noch in die unteren Schichten der Unterthanen Siegfrieds fort.
-Der Khler Grimoald sagt wehmthig seinem Sohne Traugott Lebewohl.
-Endlich erfahren wir noch den Eindruck des Abschiedes auf den Schfer
-Heinrich und seine Geliebte Else. Zwischen den kirchlichen und
-huslichen Abschied fgt Tieck ein Schfer-Idyll ein, in dem nur ein
-paar Erwhnungen des groen Abschiedes auf dem Schlosse uns leise an
-die Hauptsituation erinnern. Es ist ein genrehaftes Stimmungsbild und
-macht den Leser mit Golo, Golo selbst mit einem traurigen Liebesliede
-bekannt, das ihn tief und rthselhaft ergreift. Ein wenig vom Vorleben
-Genovevas erfahren wir beim Abschiede und abweichend vom Volksbuche
-lsst Tieck sie eine Waise (damit man leichter erklrlich finde, warum
-ihr gar niemand in ihrem Elende zuhilfe kommt) und eine Herzogstochter
-von Burgund sein.<a name="FNAnker_109_109" id="FNAnker_109_109"></a><a href="#Fussnote_109_109" class="fnanchor">[109]</a> Den verballhornten Namen gibt Tieck eine bessere
-Gestalt.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Der Krieg.</h4>
-
-<p>Das Volksbuch erzhlt die Schicksale Siegfrieds im Kriege und die
-Begebenheiten daheim auf dem Schlosse synchronistisch, bis mit
-Siegfrieds Rckkehr sich beide Fden wiedervereinigen. Ebenso sucht
-Tieck den gleichzeitigen Fortgang der Ereignisse zu Hause und im Kriege
-dadurch in seinem Drama vorzufhren,<span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">[S. 33]</a></span> dass er mit grter Freiheit des
-Scenenwechsels uns bald auf den einen, bald auf den anderen Schauplatz
-fhrt.</p>
-
-<p><i>Volksbuch, 5</i>. Nach dem Eintreffen Siegfrieds und der anderen Frsten
-und Herren im Lager des Knigs &#8222;Marcellus&#8220; geht es in die Schlacht. Das
-Christenheer besiegt die Mohren trotz ihrer bermacht. Von den Mohren
-fallen beilufig fnfmal soviel als berhaupt kmpfen! Die Geschlagenen
-fliehen in die Stadt &#8222;Arion&#8220; (jedenfalls ein Druckfehler fr das
-sptere &#8222;Avion&#8220; S. 15). Die Belagerung der Stadt bringt es mit sich,
-dass Siegfried &#8222;ber ein Jahr&#8220; lnger als er dachte, ausbleiben muss.
-&#8222;In Gott und dem heiligen Gebet&#8220; sucht indessen Genoveva ihren Trost.</p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Von Karl Martell wird Siegfried als der letzte, weil
-entfernteste, erwartet. Diese Zeit des Wartens verkrzt uns der Dichter
-durch Vorfhrung verschiedener Lagerscenen. Wir lernen in der ersten
-derselben den blindgehorsamen Otho und einen raisonnierenden Hauptmann
-kennen, dann gleich in der nchsten Scene den groen, klugen Feldherrn
-Karl Martell selbst. Neben diesem steht der feurig vorstrmende,
-junge Herzog von Aquitanien, der von knftigem Kriegsruhme trumt. Es
-erscheinen die anmaenden, stolzen Gesandten des Mohrenfrsten, die von
-Karl gebrend abgefertigt werden. Nun kommt auch Siegfried an und Karls
-Streitmacht ist damit beisammen. Die Schlacht knnte beginnen.<a name="FNAnker_110_110" id="FNAnker_110_110"></a><a href="#Fussnote_110_110" class="fnanchor">[110]</a></p>
-
-<p>Tieck wirft aber noch zuvor einen Blick nach Siegfrieds Schloss,
-wo Genoveva bestndig an den Gatten denkt und wie im Volksbuch in
-Andachtsbungen und Bibellesen Trost sucht, wo Golo bereits in seine
-Herrin verliebt ist und Wolf, der alte Ritter, seine unheimlichen
-astrologischen Neuigkeiten zum besten gibt.<a name="FNAnker_111_111" id="FNAnker_111_111"></a><a href="#Fussnote_111_111" class="fnanchor">[111]</a></p>
-
-<p>Nach diesem Intermezzo erffnet sich eine Nachtscene im saracenischen
-Lager. Abdorrhaman, der Feldherr, ertheilt seine Befehle. Zulma, seine
-Geliebte, ist ihm in Kriegerkleidung nachgeeilt, ohne von ihm sogleich
-erkannt zu werden. Abdorrhaman trgt sich mit ehrgeizigen Plnen und
-will sich von seinem Kalifen lossagen.<a name="FNAnker_112_112" id="FNAnker_112_112"></a><a href="#Fussnote_112_112" class="fnanchor">[112]</a></p>
-
-<p>Mit einer hnlichen Versuchung ringt Karl Martell. Fr ihn ist es
-nmlich ein verlockender Gedanke, sich die frnkische<span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34">[S. 34]</a></span> Knigskrone aufs
-Haupt zu setzen, nachdem er doch thatschlich bereits die knigliche
-Macht in Hnden hat. Er berwindet die lockenden Einflsterungen des
-Ehrgeizes.<a name="FNAnker_113_113" id="FNAnker_113_113"></a><a href="#Fussnote_113_113" class="fnanchor">[113]</a></p>
-
-<p>Nun beginnt der Kampf der beiden Heere. Es erffnet sich ein weites,
-reichangelegtes Schlachtbild.<a name="FNAnker_114_114" id="FNAnker_114_114"></a><a href="#Fussnote_114_114" class="fnanchor">[114]</a> Zuerst fliehende Saracenen, deren
-Muth durch die Tapferkeit ihres Fhrers neu belebt wird. Das Kampfglck
-wechselt. Die Christen fliehen und der jugendliche, unvorsichtige,
-voreilige Aquitanien wird gefangen. Nach den Massenscenen folgen
-Einzelkmpfe. Ein Vierkampf: Abdorrhaman-Zulma gegen zwei Franken. Die
-Befreiung des Herzogs von Aquitanien. Kleine Ruhepause. Zweikmpfe
-zwischen Otho und Derar, zwischen Aquitanien und Abdorrhaman.
-Schlielicher Sieg der Christen. Nach der Schlacht eine tragische
-Liebes-Episode zwischen Zulma und Aquitanien. Tieck aber verfolgt das
-Thema: Krieg und Schlacht noch weiter. Nach vollendeter Feldschlacht
-gegen den ueren Feind erscheint in der Ferne der Aufruhr im eigenen
-Lande des Herzogs von Aquitanien einerseits; andererseits kommt &#8222;ein
-Unbekannter&#8220; voll mysteriser Gelehrsamkeit zu Karl Martell und
-entwickelt in prophetischer Rede die welthistorischen Folgen der groen
-Schlacht, die eben geschlagen wurde. Noch immer ist Tieck nicht zu
-Ende. Thun wir einen Blick in seine Dichtung nach vorwrts, so sehen
-wir das Kriegsmotiv noch weiter fortgefhrt. Nach dem Kriege im offenen
-Felde erleben wir die Belagerung von Avignon.<a name="FNAnker_115_115" id="FNAnker_115_115"></a><a href="#Fussnote_115_115" class="fnanchor">[115]</a> (Die Belagerung von
-&#8222;Avion&#8220; erwhnt auch das Volksbuch im Vorbergehen.) Das Motiv erzeugt
-auch in seiner neuen Wendung Scene auf Scene. Die Mohren sind in einer
-ihnen feindlichen Stadt eingeschlossen, deren Brger die bergabe
-wnschen. Die Mohren planen einen Ausfall und setzen ihn ins Werk.
-Nchtlicher Kampf im Lager. Zuerst die Christen in Bedrngnis, danach
-siegend. Der sterbende und der verwundete Krieger (Otho und Siegfried).
-Kampf in der Stadt. Zweikampf zwischen Karl und Ali. Nchtlicher Brand
-in Stadt und Lager. Die Brger bergeben ihre Stadt den befreundeten
-Belagerern.</p>
-
-<p>Was ist hier aus dem kahlen Berichte des Volksbuches nicht alles
-geworden! Hier wie in den Eingangs-Scenen der<span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">[S. 35]</a></span> &#8222;Genoveva&#8220; wurde
-thatschlich die Imagination des Dichters derart &#8222;in Bewegung gesetzt&#8220;,
-dass aus den einfachen Thatsachen: schmerzlicher Abschied, Schlacht und
-Belagerung in Tiecks Phantasie ein wahres Lauffeuer von Motiven und
-Scenen sich entwickelte. Es sind sozusagen alle mglichen kriegerischen
-Verwicklungen behandelt, Massenkampf, Einzelkampf, offene Schlacht,
-Belagerung, uere Feinde, innere Feinde. Das Motiv soll mglichst
-erschpft werden, um in der Dichtung die romantische &#8222;Begeisterung des
-Kriegers&#8220;, der fr Christus kmpft, lebendig sprechen zu lassen. Drei
-Seiten des kleinen Volksbchleins dehnten sich zu mehr als sechzig
-Seiten in der Tieck&#8217;schen Dichtung aus.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Golos Liebe.</h4>
-
-<p><i>Volksbuch, 6 ff</i>. Ausfhrlicher als in der Erzhlung vom Mohrenkriege
-ergeht sich das Volksbuch in der Schilderung der sndhaften Liebe
-Golos. Der Satan &mdash; heit es &mdash; will Genoveva in Schaden bringen.
-Er gibt darum Golo unkeusche Gedanken ein. Golo gesteht Genoveva
-seine Wnsche, wird aber mit dem directen Hinweis auf die schuldige
-Gattentreue strenge von ihr zurckgewiesen. Doch seine Leidenschaft
-dauert fort und wchst. Nachdem der direct ausgesprochene unsittliche
-Antrag abgewiesen war, versucht es Golo indirect mit Hilfe eines
-Bildes. Genovevas Portrt gibt ihm Gelegenheit zu einer zweiten etwas
-verhllten Liebeserklrung. Die fromme Grfin erkennt die Absicht und
-schickt Golo wieder mit einem scharfen Verweise heim. Die sinnliche
-Begierde des Zudringlichen steigert sich aber aufs neue und nach der
-Abendmahlzeit im Garten wagt er einen dritten Versuch, zu seinem Ziele
-zu gelangen. Er versucht diesmal, die gnstige Stunde auszuntzen.
-Genoveva droht jedoch erzrnt, alles ihrem Gatten zu berichten und
-weist damit jedes Ansinnen von sich. Es wiederholt sich im wesentlichen
-dreimal die nmliche Scene, und Golo, dem jede Hoffnung auf Erfllung
-seiner Wnsche schwindet, sinnt auf Rache.</p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Wesentlich anders tritt uns Golos Liebe im Werke Tiecks
-entgegen. Hier sehen wir die Liebe und Leidenschaft entstehen. In der
-Abschiedsscene ist von Golos Liebe nur in kaum merklichen Andeutungen
-die Rede. Der Ritter mchte sogar noch in den Krieg ziehen.<a name="FNAnker_116_116" id="FNAnker_116_116"></a><a href="#Fussnote_116_116" class="fnanchor">[116]</a>
-Bald jedoch wird Golo schwer<span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">[S. 36]</a></span>mthig und eine geheime Macht zieht ihn
-unbewusst in Genovevas Nhe.<a name="FNAnker_117_117" id="FNAnker_117_117"></a><a href="#Fussnote_117_117" class="fnanchor">[117]</a> Er spricht aber noch kein Wort von
-Liebe, er wei sich seinen Zustand nicht zu erklren und mchte ihn
-am liebsten abschtteln. Golo will (ein knstlerisch feiner Zug!)
-durch das Singen &#8222;der alten Liebesreime&#8220; seine traurige Stimmung
-vertreiben. In Ausdrcken religiser Verehrung und Andacht spricht
-er von seiner reinen Neigung zu Genoveva.<a name="FNAnker_118_118" id="FNAnker_118_118"></a><a href="#Fussnote_118_118" class="fnanchor">[118]</a> Als er aber das Lied
-des verstoenen Liebhabers singen will, brechen ihm Thrnen hervor;
-er wird sich seines inneren Zustandes bewusst, er fhlt bereits, dass
-dieses Lied ihm selbst gilt.<a name="FNAnker_119_119" id="FNAnker_119_119"></a><a href="#Fussnote_119_119" class="fnanchor">[119]</a> Genoveva, die Arglose, merkt nur eben
-eine Vernderung an Golo, die sie seiner treuen Sorge um Siegfried
-zuschreibt.<a name="FNAnker_120_120" id="FNAnker_120_120"></a><a href="#Fussnote_120_120" class="fnanchor">[120]</a> Die Leidenschaft des Unglcklichen wird zum zehrenden
-Feuer; er spricht sie aber noch immer nur in Liedern und versteckten
-Andeutungen aus, ohne den Namen seiner Geliebten zu verrathen.<a name="FNAnker_121_121" id="FNAnker_121_121"></a><a href="#Fussnote_121_121" class="fnanchor">[121]</a>
-Die verhaltene Leidenschaft weckt verzweifelte Stimmungen.<a name="FNAnker_122_122" id="FNAnker_122_122"></a><a href="#Fussnote_122_122" class="fnanchor">[122]</a> Das
-in Liedern verschleierte Liebesgestndnis entspricht (rein uerlich
-genommen) dem ersten Antrage des Volksbuches. Tiecks Genoveva nimmt die
-Sache nicht ernst, sondern fr poetische &#8222;Erfindung&#8220;, fr &#8222;Schwrmerei&#8220;
-und lehnt sie als solche in sanfter Weise ab.<a name="FNAnker_123_123" id="FNAnker_123_123"></a><a href="#Fussnote_123_123" class="fnanchor">[123]</a></p>
-
-<p>Indessen gesteht Golo seiner Amme Gertrud, was seine Seele foltert. Es
-ringen schon reine Liebe und Sinnlichkeit in ihm. Gertrud, die wir erst
-noch in der Balkon- und in einer Schloss-Scene als Vertraute Genovevas
-sahen, der diese ihr ganzes Herz enthllte, zeigt sich nun pltzlich
-als halbe Kupplerin, was man von ihr nicht vermuthet htte.<a name="FNAnker_124_124" id="FNAnker_124_124"></a><a href="#Fussnote_124_124" class="fnanchor">[124]</a> Eine
-halbe Kupplerin, &mdash; denn Tieck sucht das Thun Gertruds mit ihrer
-nrrischen Liebe zu ihrem Pflegesohne beilufig zu motivieren und so
-das Abstoende zu mildern. Darum erzhlt die geschwtzige Amme auch
-mit so liebevoller, wortreicher Freude von Golos Jugend und von seinen
-Vorzgen.<a name="FNAnker_125_125" id="FNAnker_125_125"></a><a href="#Fussnote_125_125" class="fnanchor">[125]</a> Gertrud richtet Golo aus seiner<span class="pagenum"><a name="Seite_37" id="Seite_37">[S. 37]</a></span> dumpfen Stimmung zu
-neuem Muthe und neuer Hoffnung wieder auf und so ist denn auch der
-abermalige Angriff auf Genovevas Herz eingeleitet, der sich beim
-Betrachten des Bildnisses der Grfin abspielt.<a name="FNAnker_126_126" id="FNAnker_126_126"></a><a href="#Fussnote_126_126" class="fnanchor">[126]</a> Das Bild gibt also
-Golo hier wie im Volksbuch die Gelegenheit zum zweiten Antrage. Auch
-bei Tieck besieht Genoveva &#8222;frwitzig&#8220; ihr Bild und Golo kommt von
-ungefhr dazu. Die entscheidende Stelle behandelt Tieck sehr genau nach
-der Vorlage. Im Volksbuche (Seite 7) fragt Genoveva, &#8222;ob er (Golo)
-vermeinte, dass diesem schnen Stck noch etwas abgehe?&#8220; Da sprach
-er zu ihr: &#8222;Gndige Frau, wiewohl diesem Bild keine Schnheit mag
-beykommen, so vermeine ich dannoch, es gehe ihm etwas ab, nemlich dass
-es lebendig sey, und mir eigentlich zustehe.&#8220; Tieck, 187, 23:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft85"><em class="gesperrt">Genoveva</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;&mdash; &mdash; Zwar hat er mir geschmeichelt, aber sonst</div>
- <div class="verse">Scheint mir dem Bilde nichts zu fehlen.&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft98"><em class="gesperrt">Golo</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft16">&#8222;Nichts?&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft85"><em class="gesperrt">Genoveva</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft98">&#8222;Schaut es nur selber an.&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft98"><em class="gesperrt">Golo</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft12">&#8222;Das geht ihm ab,</div>
- <div class="verse mleft4">Dass es nicht lebt und eigen mir gehrt.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Whrend aber im Volksbuche Genoveva sich &#8222;im Antlitz ganz erzrnt&#8220;
-zeigt, fragt Tiecks Genoveva gar naiv: &#8222;Wie meint ihr das, wie kann ein
-Bildnis leben?&#8220; Als Golo deutlicher wird, hlt sie ihn fr fieberkrank.
-Nach dem leidenschaftlichen Ausbruche seiner Empfindung erinnert sie
-ihn an Siegfried. (Im Volksbuch beim ersten und dritten Antrage.) Erst
-als Golo sie in seine Arme reien will, benimmt sie sich ungefhr wie
-im Volksbuche.<a name="FNAnker_127_127" id="FNAnker_127_127"></a><a href="#Fussnote_127_127" class="fnanchor">[127]</a></p>
-
-<p>Golo ist durch die Abweisung niedergeschmettert. Gertrud sucht ihm
-wieder Hoffnung zu machen.<a name="FNAnker_128_128" id="FNAnker_128_128"></a><a href="#Fussnote_128_128" class="fnanchor">[128]</a> Seelische und sinnliche Neigung
-steigern sich in ihm. Um die Abendmahlzeit erwartet er Genoveva
-im Garten, wie im Volksbuche. Sein hochaufstrebendes Liebesgefhl
-wird mehr und mehr von sinnlicher Sehnsucht erdrckt. Als Genoveva
-erscheint, wird Golo zuerst durch die Erinnerung an sein Benehmen in
-der Portrtscene in<span class="pagenum"><a name="Seite_38" id="Seite_38">[S. 38]</a></span> Schranken und Migung gehalten.<a name="FNAnker_129_129" id="FNAnker_129_129"></a><a href="#Fussnote_129_129" class="fnanchor">[129]</a> Allmhlich
-bricht sich die Leidenschaft wieder Bahn, erst nur in Worten andeutend,
-dann immer dringlicher und ungestmer. Genoveva, an der Tieck besonders
-eine naive, unschuldige Hilflosigkeit, einen Mangel an Verstndnis fr
-alles Schlechte herausarbeiten mchte, spricht von Golos Wahnsinn,
-von Siegfried, sie sieht sich erst einmal um Hilfe um, und nun
-endlich erfolgt die entschiedene Abweisung und Flucht. Jetzt flammt
-in Golo neben der Liebe Eifersucht und Rachsucht auf, durch Gertruds
-Einflsterungen ber Genoveva und Drago veranlasst.<a name="FNAnker_130_130" id="FNAnker_130_130"></a><a href="#Fussnote_130_130" class="fnanchor">[130]</a></p>
-
-<p>Die Liebesverwickelung des Dramas folgt in ihrem ueren Umrisse
-(in den drei Stadien) und in manchen Einzelheiten allerdings dem
-Volksbuche. Tieck schuf jedoch aus dem Rohstoffe hier etwas wesentlich
-Neues und dichterisch Hherstehendes. Aus der dreimaligen Wiederholung
-des nmlichen Antrages eines sinnlichen Gesellen sollte ein organisch
-wachsender psychischer Process mit leisen bergngen, mit Motivierung
-der einzelnen Stufen sich entfalten. Der Golo des Volksbuches wird
-aus dem &#8222;treuesten Diener&#8220;, fr den er wenigstens anfangs gilt, ohne
-weitere psychologische Aufklrung im Handumdrehen ein rabenschwarzer
-Bsewicht, der den Einsprechungen des Satans willig Gehr schenkt. So
-will es die drastische Holzschnittmanier des Volksbuches und so liebt
-es der einfache Volksbuchleser. Bei Tieck, dem feineren Kunstdichter,
-lernen wir zunchst einen Ritter voll bezaubernder Liebenswrdigkeit,
-einen Mann mit herrlichen geistigen und krperlichen Vorzgen kennen,
-den erst seine sndige Leidenschaft, nachdem er selbst ihr zu
-widerstehen versucht hat, zu Treubruch und Verbrechen fhrt.<a name="FNAnker_131_131" id="FNAnker_131_131"></a><a href="#Fussnote_131_131" class="fnanchor">[131]</a></p>
-
-<p>Wenn bisher Tiecks Phantasie die mageren Skizzen des Volksbuches, wie
-wir zeigten, zu reichen bunten Gemlden erweiterte, so sehen wir hier
-den Dichter in anderer Weise poetisierend thtig. Das Rohmaterial wird
-umgeformt, die Charaktere psychologisch tiefer gefasst. Statt der
-pltzlich fertigen sinnlichen Leidenschaft ein schrittweises Entwickeln
-und Emporwachsen der Liebe von reiner unbewusster Neigung zum heftigen
-Sturm sinnlichen Verlangens. Im Volksbuch rckt Golo ohne Scheu<span class="pagenum"><a name="Seite_39" id="Seite_39">[S. 39]</a></span> direct
-mit seinen sndigen Antrgen heraus, bei Tieck schlgt er schchtern
-allerhand Umwege ein. Der Satan flstert ihm nicht mehr von auen bse
-Gedanken in die Seele, sondern er erwacht &#8222;als bser Geist&#8220; in Golos
-Herzen und reit ihn dem Untergang entgegen.<a name="FNAnker_132_132" id="FNAnker_132_132"></a><a href="#Fussnote_132_132" class="fnanchor">[132]</a> Golo selbst fhlt,
-dass &#8222;der wilde Satan&#8220; ihm sinnliche Phantasien eingibt.<a name="FNAnker_133_133" id="FNAnker_133_133"></a><a href="#Fussnote_133_133" class="fnanchor">[133]</a> Die
-fortreiende verheerende Leidenschaft dnkt ihm ein &#8222;Hllenwerk&#8220;.<a name="FNAnker_134_134" id="FNAnker_134_134"></a><a href="#Fussnote_134_134" class="fnanchor">[134]</a>
-Was im Volksbuch nur wie eine uerliche Maschinerie erscheint, wird
-vom Dichter seelisch vertieft und verinnerlicht und so zugleich
-menschlich erklrt.</p>
-
-<p>Das Volksbuch spricht wohl von einer Steigerung des sinnlichen
-Verlangens in Golo, das ihn zu seiner dreifachen Werbung treibt,
-aber es bleibt eine blo quantitative Steigerung der sinnlichen Gier
-und die drei Antrge sind darum nichts weiter als eine Wiederholung
-der nmlichen Sache, wenn auch dabei die kleinen Nebenumstnde
-wechseln. Anders wird das Ganze bei Tieck. Wenn hier die Liebe als
-reine seelische Neigung anhebt und erst allmhlich sich die sinnliche
-Begierde eindrngt, wenn es in Golos Seele erst einen harten Kampf
-zwischen ehrfrchtiger Verehrung und niedrigem Verlangen gibt, bis
-die sinnliche Leidenschaft dem aufwrtsstrebenden Zuge des Gemthes
-obsiegt, bis alles &#8222;geht bergunter zur Nacht hinunter&#8220;, so hat der
-Dichter damit eine innere Grundlage fr einen dreifachen Liebesantrag
-gewonnen, der dann keine einfrmige Wiederholung mehr ist. Zu dieser
-inneren Motivierung und Ausgleichung kommt noch eine uere, das
-Eingreifen der Amme Gertrud in den Gang der Entwickelung, wie er oben
-geschildert wurde. Sie bestrkt Golo in seinen Irrgngen nicht aus
-Bosheit, sondern aus falscher Liebe. Golo lsst sich die Zweifel ber
-das Recht seiner Liebe ausreden und ist nun nicht mehr allein schuldig.
-Diese Gestalt tritt im Volksbuch erst nach der Gefangensetzung
-Genovevas in Thtigkeit. Whrend man den Bsewicht Golo im Volksbuch
-von Anfang an verachten muss, gewinnt der ursprnglich gutgesinnte
-und herrliche Ritter, den seine unglckliche Liebesleidenschaft ins
-Verderben strzt, unsere Theilnahme.</p>
-
-<p>Um diesen Entwickelungsgang in Golos Liebe zu ermglichen, durfte
-Genoveva nicht das Wesen der Volksbuchheiligen<span class="pagenum"><a name="Seite_40" id="Seite_40">[S. 40]</a></span> beibehalten. Diese
-treue, strenge, energische Ehefrau, wie die Volksbuchlegende sie
-vorfhrt, wrde ohne viel Umstnde dem Liebeswerben Golos nach der
-ersten Annherung ein jhes Ende bereiten, und jenes Austnenlassen
-der Liebesempfindung in allen Graden und sogar in ihrer Gegenwart
-selbst, darin sich Tiecks Golo gefllt, fnde keinen Raum mehr. Fr
-eine dramatische Concentration des Stoffes wre gewiss ein einmaliger
-psychologisch motivierter Zusammensto wirksamer (Golos Leidenschaft
-knnte keimen und wachsen, ohne dass er ein Gestndnis wagte): allein
-auf eine strenge Erfllung dramatischer Anforderungen verzichtet Tieck
-in dieser Dichtung von vornherein.</p>
-
-<p>Die Umbildung, die sich Genoveva in Tiecks Phantasie gefallen lsst,
-gereicht ihr nicht ganz zum Vortheil. Sie muss sich (knstlerisch
-genommen) eben Golo fgen, der in diesen Partien des Buches als
-Alleinherrscher erscheint. Die strenge Frau des Volksbuches wird zu
-einem naiven, arglos unschuldigen, unentschiedenen, fast schwchlichen
-Wesen, jedoch zu einem Wesen von hchster Seelenreinheit, zu einem
-Wesen voll nichts ahnender Unschuld umgeschaffen, und aus ihrer
-kindlichen Herzensunschuld soll wohl ihre Arglosigkeit entspringen, aus
-dieser naiven Arglosigkeit ihr schier unbegreiflich gtiges, bis zur
-Schwche nachsichtiges Benehmen gegen Golo. Ob es dem Dichter gelang,
-dies glaubhaft zu machen, ist noch eine Frage fr sich. brigens
-hngt dieser passive Charakter Genovevas noch mit der eigenthmlichen
-Schleiermacher-Tieck&#8217;schen Religions-Auffassung zusammen.</p>
-
-<p>Das Charakteristische fr diesen Theil der neuen Dichtung ist: Tieck
-nimmt fr Golos Liebe aus der Vorlage das uere Schema, hebt es aber
-dadurch zu feinerer poetischer Gestaltung empor, dass er es in eigener
-Weise vertieft und belebt und auch ethisch verstndlicher macht.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Genovevas Gefangennahme.</h4>
-
-<p><i>Volksbuch, 8 ff</i>. Genovevas Freundlichkeit gegen den frommen
-Kchenmeister Dragones bentzt der rachschtige Golo als willkommenen
-Anlass, die Grfin bei seinen Freunden zu verdchtigen. Golo bringt
-einige Diener auf seine Seite, schickt eines Tages Dragones, &#8222;den
-frommen Tropf&#8220;, in Genovevas Zimmer, ertappt ihn daselbst, beschuldigt
-ihn und Genoveva wegen dieses Vorfalles des Schlimmsten und spricht
-von Liebespulver, das<span class="pagenum"><a name="Seite_41" id="Seite_41">[S. 41]</a></span> der Koch der Grfin beigebracht haben soll.
-Diese Verdchtigung spricht Golo den Dienern gegenber aus, dann ruft
-er Dragones zu sich und lsst ihn nach einer lngeren Anklagerede in
-den tiefsten Thurm werfen. Dragones beschwrt wohl erschreckt seine
-Unschuld. Es ntzt ihm nichts. Er muss in den Thurm und schlielich in
-der Haft zugrunde gehen. (Dass er vergiftet wird, erzhlt das Volksbuch
-erst spter.) Als Dragones todt ist, erhebt Golo seine Anklage gegen
-Genoveva und sperrt sie &#8222;bis auf weitere Ordre des Herrn Grafen&#8220;
-ein. Die Gefangennahme war &#8222;erbrmlich&#8220; anzusehen. Die Unbild gieng
-Genoveva, der schwangeren Frau, zu Herzen, und sie klagte Gott ihre
-Unschuld.</p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Unser Romantiker verwendet alles Wesentliche auch fr
-seine Darstellung der Rache Golos, jedoch mit mehreren nderungen.
-Durch Gertrud wird Golo auf Drago aufmerksam gemacht und durch ihre
-Worte wird die Rache und Eifersucht auf den harmlosen Hausmeister
-hingelenkt.<a name="FNAnker_135_135" id="FNAnker_135_135"></a><a href="#Fussnote_135_135" class="fnanchor">[135]</a> Whrend Genoveva und Drago sich ber die Bedeutung und
-christliche Auffassung der irdischen Leiden besprechen, werden sie von
-Golo und seinem Anhange berfallen. Dass Golo bereits Machinationen
-im Sinne der Volksbucherzhlung angestellt hat, ersieht man aus ein
-paar unklaren Andeutungen.<a name="FNAnker_136_136" id="FNAnker_136_136"></a><a href="#Fussnote_136_136" class="fnanchor">[136]</a> Das lange, schwerfllige Hin und Her
-des Volksbuches, das dort die Einkerkerung der beiden einleitet und
-begleitet, lsst Tieck, der dramatischen Form seiner Dichtung Rechnung
-tragend, hier ganz gut fallen.</p>
-
-<p>Drago ist auch in Tiecks Dichtung ein &#8222;frommer, andchtiger&#8220; Mensch,
-doch nicht gerade ein einfltiger &#8222;Tropf&#8220;, wie ihn das Volksbuch nennt.
-Er ist vielmehr lernbegierig,<a name="FNAnker_137_137" id="FNAnker_137_137"></a><a href="#Fussnote_137_137" class="fnanchor">[137]</a> er wei seiner Gebieterin manches im
-Legendenbuche, sogar &#8222;lateinische Redensarten&#8220; zu erklren<a name="FNAnker_138_138" id="FNAnker_138_138"></a><a href="#Fussnote_138_138" class="fnanchor">[138]</a> (etwas
-viel zwar fr einen Koch auf einer mittelalterlichen Ritterburg) und
-pflegt mit ihr weitlufige religis-didaktische Errterungen.<a name="FNAnker_139_139" id="FNAnker_139_139"></a><a href="#Fussnote_139_139" class="fnanchor">[139]</a> Er
-ist geradezu an die Stelle des Kapellans getreten. Whrend Dragones
-im Volksbuch erst, als von Golos Rache die Rede ist, erwhnt wird,
-lsst ihn Tieck schon von Anfang an wenigstens nebenbei auf die<span class="pagenum"><a name="Seite_42" id="Seite_42">[S. 42]</a></span>
-Bhne treten. Auch hier erwirbt ihm seine Frmmigkeit die freundliche
-Geneigtheit Genovevas. Beim berfall betheuert er auch verzagt und
-erschreckt seine Unschuld, wird aber in den Thurm geworfen und soll
-dort sein Grab finden.<a name="FNAnker_140_140" id="FNAnker_140_140"></a><a href="#Fussnote_140_140" class="fnanchor">[140]</a> Da Genoveva gleichzeitig eingekerkert wird,
-so muss sie in einen &#8222;andern Thurm&#8220; wandern.</p>
-
-<p>Neu fhrt Tieck neben der Rachgier das Motiv der Eifersucht<a name="FNAnker_141_141" id="FNAnker_141_141"></a><a href="#Fussnote_141_141" class="fnanchor">[141]</a> ein,
-lsst es aber gleich wieder fallen. Im Volksbuch gewinnt Golo einige
-Diener fr seinen Racheplan. Eine Spur davon blieb im Trinkgelde, mit
-dem Benno, der Helfershelfer, und die Dienerschaft von Golo bedacht
-werden.<a name="FNAnker_142_142" id="FNAnker_142_142"></a><a href="#Fussnote_142_142" class="fnanchor">[142]</a> Auch Tiecks Golo redet seinen zweifelhaften Anhang als
-&#8222;Freunde&#8220; an und beruft sich auf seine Pflicht, die Ehre des Grafen zu
-schtzen, auf seine Verantwortung, die er dem rckkehrenden Siegfried
-schulde.<a name="FNAnker_143_143" id="FNAnker_143_143"></a><a href="#Fussnote_143_143" class="fnanchor">[143]</a> Wenn es im Volksbuch &#8222;erbrmlich&#8220; anzusehen ist, wie
-man die unschuldige Grfin in die Gefangenschaft schleppt, so gibt
-uns diesen Eindruck auch das Gesprch zwischen Wendelin und Else
-wieder.<a name="FNAnker_144_144" id="FNAnker_144_144"></a><a href="#Fussnote_144_144" class="fnanchor">[144]</a> Genoveva sagt mit der hohen Sicherheit der Unschuld blo
-zu Golo: &#8222;Du, Golo, weit, ich brauch&#8217; mich nicht zu schmen.&#8220; Man
-erwartet, dass Genoveva fr ihren unschuldigen Leidensgenossen ein Wort
-sprechen wrde und umgekehrt. Von Benno, dem Echo Golos, hren wir,
-dass Genoveva &#8222;im Thurm bleiben wird, bis der Herr Graf wieder da ist,
-dann mag er sie richten&#8220;. Die Schwangerschaft Genovevas und das Betonen
-ihrer Unschuld kehrt bei Tieck in einer monologischen Klage wieder.<a name="FNAnker_145_145" id="FNAnker_145_145"></a><a href="#Fussnote_145_145" class="fnanchor">[145]</a></p>
-
-<p>Tieck vereinfacht hier die unbeholfen weitlufige Erzhlung der
-Vorlage. Dragones&#8217; Gestalt wird gehoben. Gertrud greift in der Weise
-intriguierend ein, dass Golo wieder ein wenig von der Schuld entlastet
-wird. Die unerquicklich lange Geschichte der zweifachen Verhaftung
-wird dramatisch zu einer einzigen gleichzeitigen zusammengezogen. Der
-Kapellan ist todt, der alte Wolf krank, um Genovevas Hilflosigkeit ins
-strkste Licht zu setzen. Im Unglck wird Tiecks Heilige, die erst noch
-schwchlich und willenlahm erschien, zur wrdevollen Dulderin, die uns<span class="pagenum"><a name="Seite_43" id="Seite_43">[S. 43]</a></span>
-Rhrung und Achtung einflt. Hier wie sonst im Drama klingen (und das
-ist Tiecks Beigabe) die Geschicke der Hauptpersonen in den Nebenscenen
-nach und hier wie im vorhergehenden wechseln Kriegsscenen und
-Schloss-Scenen, das einemal contrastierend, das anderemal in Parallele
-gestellt.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Genovevas Kerkerhaft.</h4>
-
-<p><i>Volksbuch, 11 ff</i>. In den Kerker Genovevas hat auer Golo nur dessen
-Amme Zutritt. Diese beiden sind es, welche der Gefangenen schwere Tage
-bereiten. Golo besucht sie und will sie durch jedes Mittel seinen
-Wnschen gefgig machen, durch gute und bse Worte, durch Verheiungen
-und Drohungen, durch Liebkosen und Schmeicheln. Aber umsonst! Einmal
-stt ihn Genoveva &#8222;mit der Faust&#8220; zurck und weist ihn, indem sie
-ihn an ihr Seelenheil erinnert, mit grter Entschiedenheit ab. Sie
-will lieber sterben, lieber im Kerker verfaulen, als den Wnschen des
-Verfhrers irgendwie entgegenkommen. An einer spteren Stelle heit
-es, Genoveva sei &#8222;tglich von dem tyrannischen Golo mit Schmhworten
-gespeiset worden&#8220;. Um den Willen der Widerstrebenden doch zu beugen,
-dingt Golo noch seine Amme, die es an Zureden bei Genoveva nicht fehlen
-lsst. Die &#8222;lose Vettel&#8220; schlgt der Armen auch jede Hilfeleistung
-fr die bevorstehende Entbindung ab. Sie bringt Golo bald darauf die
-Nachricht, dass nunmehr zwei Gefangene im Thurme wren und sagt ihm vom
-Elende der Wchnerin. Selbst bewegt durch diese Noth, sucht sie bei
-Golo einige Bequemlichkeit fr die Unglckliche zu erbitten. Nur ein
-wenig mehr Wasser und Brot wird bewilligt.</p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Was Tieck in seiner Quelle vorfindet, verwertet er wieder
-alles ziemlich sorgfltig. Wir finden das einemal Golo bei Genoveva,
-wie er mit Bitten, Drohen und Verheiungen um ihre Neigung wirbt; aber
-von Genovevas Persnlichkeit berwltigt und zur Ehrfurcht gezwungen,
-entfernt er sich. Dieser schne Zug, dass vor der hohen Seelenreinheit
-und heiligen Unschuld der sittenstrengen Frau der Begehrliche
-unwillkrlich zurckweicht, ist Tiecks Zugabe und dieser nmliche
-Gedanke schimmert auch sonst noch ein paarmal im Drama durch.<a name="FNAnker_146_146" id="FNAnker_146_146"></a><a href="#Fussnote_146_146" class="fnanchor">[146]</a> In
-einer anderen Scene tritt Golo hhnisch vor die Dulderin, auch wieder
-verheiend und bittend. Genoveva wehrt ihn mit krftigen Worten<span class="pagenum"><a name="Seite_44" id="Seite_44">[S. 44]</a></span> ab,
-sie will lieber &#8222;sterben und verderben&#8220;, als ihm die geringste Gunst
-erweisen. Alles Drohen, Bitten und Klagen ist unntz und da schlielich
-Genoveva den Bedrnger zur Reue mahnt, verlsst er sie mit rohen
-Schimpfreden.<a name="FNAnker_147_147" id="FNAnker_147_147"></a><a href="#Fussnote_147_147" class="fnanchor">[147]</a></p>
-
-<p>Whrend im Volksbuch die Amme erst an dieser Stelle erscheint,
-kennen wir Tiecks Gertrud bereits lngere Zeit. Sie spielt hier der
-Gefangenen gegenber fast die gleiche Rolle wie im Volksbuch. Sie
-sucht auch hier Genoveva im Sinne Golos zu bereden, wenigstens ein
-freundliches Wort fr ihn zu erwirken.<a name="FNAnker_148_148" id="FNAnker_148_148"></a><a href="#Fussnote_148_148" class="fnanchor">[148]</a> Doch es geschieht hier
-nicht blo in boshafter kupplerischer Weise, wie man es im Volksbuch
-wohl auffassen muss, sondern falsche Liebe und strfliches Mitleid
-mit dem hinsiechenden Pflegesohne sprechen auch ein entscheidendes
-Wort mit. Der Wchnerin wird zwar die nothwendigste Pflege ebenfalls
-verweigert, aber nicht auf Gertruds Anstiften. Diese weicht der Bitte
-Genovevas blo aus. Die Nachricht von der Geburt des Kindes und der
-schlimmen Lage der Mutter berbringt Gertrud mit ganz hnlichen Worten
-wie ihr Vorbild.<a name="FNAnker_149_149" id="FNAnker_149_149"></a><a href="#Fussnote_149_149" class="fnanchor">[149]</a> Das Mitleid mit der Hilflosen uert sich bei
-Gertrud viel lauter und energischer, als bei der Amme im Volksbuch;
-jene widerliche &#8222;Vettel&#8220; bekommt auch hier wie sonst ein menschlicheres
-Ansehen. Der Hinweis auf die Jagdhunde wird in Gertruds Bitte nicht
-vergessen. Durch das gesteigerte Mitleid vergtet Tieck einigermaen
-den abstoenden Eindruck, den das kupplerische Gebaren dieses Weibes im
-vorhergehenden Theile der Dichtung machte. Die Sachlage verschiebt sich
-ein wenig. Es erscheint nmlich bei Tieck Golo als der hartherzige.
-Er gewhrt die Bitte der Amme nur, um die Lstige loszubekommen. Auch
-den Bitten und Zureden seines sterbenden Pflegevaters Wolf schenkt er
-kein Gehr und will nur seine Rache khlen.<a name="FNAnker_150_150" id="FNAnker_150_150"></a><a href="#Fussnote_150_150" class="fnanchor">[150]</a> Die grere Rachsucht
-des verschmhten Buhlers soll der tieferen und heieren Leidenschaft
-entsprechen. So deutet es Tieck selbst ungefhr an.<a name="FNAnker_151_151" id="FNAnker_151_151"></a><a href="#Fussnote_151_151" class="fnanchor">[151]</a> Dieser
-Gegensatz ist bedeutend und psychologisch richtig. Kriegsscenen sowie
-die Episode vom sterbenden Wolf treten wieder zwischen die Scenen der
-Haupthandlung.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_45" id="Seite_45">[S. 45]</a></span></p>
-
-<h4 class="gesperrt">Golos Bericht an Siegfried.</h4>
-
-<p><i>Volksbuch, 15 ff</i>. Siegfried konnte von den Vorgngen auf seinem
-Schlosse bisher nichts erfahren, weil aus Furcht vor Golo es niemand
-wagte, ihm zu berichten. Siegfried muss auch seiner Wunde wegen lnger,
-als er verhoffte, im Felde bleiben. Zwei Monate nach der Geburt
-Schmerzenreichs sendet Golo einen Diener zu Siegfried mit einem Briefe,
-dessen Inhalt das Geschehene verleumderisch andeutet. Die Wunde des
-Grafen verschlimmert sich darber. Der Diener berichtet ausfhrlicher,
-wie Genoveva mit dem Koche verdchtige Gemeinschaft hatte. ftere
-Ermahnungen htten nichts gefruchtet. Darum mussten beide eingesperrt
-werden. Auch das Kind wird von den Hofleuten dem Koch zugeschrieben.
-Ein Monat sei ja erst seit der Geburt desselben verflossen und der Graf
-ist bereits eilf Monate fort. Siegfried wthet und lstert auf Genoveva
-und den Koch. Nach langem Besinnen gibt er den Befehl, die Grfin von
-allem Verkehre abzuschlieen und den Koch &#8222;unter verdienten Martern&#8220;
-zu tdten. Mit diesem Befehle kommt der Diener zu Golo. Der Koch
-wird vergiftet und sammt seinen Ketten in einer abscheulichen Grube
-vergraben. Genoveva ist ohnehin schon im engsten Gewahrsam. Golo aber
-frchtet entdeckt zu werden, falls Genoveva am Leben bleibt. Denn viele
-am Hofe missbilligen sein Thun.</p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Tieck schaltet vor der Absendung des Boten noch Genovevas
-Klage im Gefngnisse, sowie Heinrichs des Schfers Hochzeit als
-Contrast-Episoden ein.<a name="FNAnker_152_152" id="FNAnker_152_152"></a><a href="#Fussnote_152_152" class="fnanchor">[152]</a> Dann hren wir Golos Auftrag an Benno.<a name="FNAnker_153_153" id="FNAnker_153_153"></a><a href="#Fussnote_153_153" class="fnanchor">[153]</a>
-Dieser soll die seit Genovevas Niederkunft verflossene Zeit falsch
-angeben. Eine kurze Klage Grimoalds um seinen gefallenen Sohn<a name="FNAnker_154_154" id="FNAnker_154_154"></a><a href="#Fussnote_154_154" class="fnanchor">[154]</a>
-leitet vom Hause zum Lager ber. Hier sehen wir die Wirkung der
-Botschaft auf Siegfried, die sich, wie im Volksbuche, in einer
-Verschlimmerung der Wunde uerlich zeigt. Auch Benno bedauert, wie
-der Diener im Volksbuche, solch schlimme Botschaft bringen zu mssen.
-Auch Tiecks Siegfried wthet: &#8222;O schmachvoll Weib, o heuchlerische
-Schlange...&#8220; Den Inhalt des Briefes im Volksbuch (Golo frchtet
-Siegfried zu betrben. &mdash; Alle Hausgenossen haben umsonst sorgsam
-gewacht, wie die grflichen Verwandten bezeugen knnen. &mdash;<span class="pagenum"><a name="Seite_46" id="Seite_46">[S. 46]</a></span> Der Bote
-wird glaubwrdig berichten. &mdash; Der Graf mge seinen Willen kundthun)
-verwendet Tieck dramatisierend fr Bennos Reden. Siegfried hat zu wenig
-aus dem Briefe erfahren. Das motiviert den Bericht Bennos, der die
-wesentlichen Punkte der falschen Anklage wie im Volksbuche wiedergibt
-und dazu noch das (im Volksbuche frher erwhnte) Liebespulver
-fgt.<a name="FNAnker_155_155" id="FNAnker_155_155"></a><a href="#Fussnote_155_155" class="fnanchor">[155]</a> Die raffinierte Art, wie Benno durch seine Erzhlung
-Siegfrieds Entrstung steigert und in diese Scene wirklich dramatisches
-Leben bringt, ist Tiecks Eigenthum. Drago soll &#8222;nach dem Gesetze&#8220;,
-nicht unter Martern sterben. Siegfried gibt in seinem Zorne ohne langes
-Besinnen den Befehl zu Dragos Hinrichtung und Genovevas strengem
-Gewahrsam. Wir erfahren noch von Golos Besorgnis vor Siegfrieds
-Rckkehr. Auch manche Hofleute sind mit ihm unzufrieden. Gertrud rth,
-ihre Schwester, die Zauberin in Straburg, zuhilfe zu nehmen, um
-Siegfried grndlicher zu bethren. Diese Scene muss zugleich die Zeit
-der Rckreise Bennos ausfllen helfen. Nach dieser Abmachung wird Drago
-hinter der Scene vergiftet.<a name="FNAnker_156_156" id="FNAnker_156_156"></a><a href="#Fussnote_156_156" class="fnanchor">[156]</a> Die Hauptpunkte stimmen also mit der
-Vorlage. Rohes und Hssliches wird gemildert. Einzelne Zge werden
-geschickt an eine andere, dramatisch tauglichere Stelle gerckt.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Bei der Hexe in Straburg.</h4>
-
-<p><i>Volksbuch, 18 ff</i>. Golo reitet Siegfried bis Straburg entgegen
-und sucht hier zuerst die Schwester seiner Amme, ein scheinheiliges
-Weib und Hexe ihres Zeichens, auf. Diese wird von Golo bezahlt, um
-Siegfried &#8222;ein Gespenst daher zu machen&#8220;. Bei Siegfried erzhlt Golo
-wieder seine Lgengeschichte und stellt sich schmerzlich berhrt ber
-das Unglck, das seinen Herrn getroffen. Er hat den Koch heimlich
-hinrichten lassen, um die Schande der Grfin mehr zu verdecken. Der
-Graf glaubt den Aussagen nicht ganz sicher. Golo weist ihn daher an die
-&#8222;heilige Matrone&#8220;. Bei Anbruch der Nacht begeben sich beide dorthin.
-Siegfried richtet seine Frage an die Alte. Die Hexe stellt sich recht
-demthig an und fhrt ihre Gste in einen dunkeln Keller, &#8222;in welchem
-ein grnes Licht brennete, so einen blauen Schein von sich gab&#8220;. Die
-beiden Mnner treten in zwei gezogene Kreise, die Hexe murmelt ber
-einem Spiegel, der im<span class="pagenum"><a name="Seite_47" id="Seite_47">[S. 47]</a></span> Wasser liegt, geheime Worte, macht wunderbare
-Segen und anderen Zauberhocuspocus, so dass Siegfried dabei ein Schauer
-anfasst. Sie lsst ihn im Spiegel den Ehebruch seiner Gattin sehen,
-der sich in drei Stadien entwickelt: freundliches Reden und Liebkosen,
-Wangenstreicheln und Kssen, endlich das Schlimmste selbst. Siegfried
-errthet fr Genoveva. Er &#8222;speyete gleichsam Feuer&#8220; und schickt Golo
-mit dem Auftrag fort, Genoveva und ihr Kind eines schndlichen Todes
-sterben zu lassen. Nach Golos Heimkehr verrth das Tchterchen der Amme
-der gefangenen Genoveva durchs Kerkerfenster ihr bevorstehendes Los und
-bringt der unschuldig Verurtheilten Feder und Tinte, womit diese den
-Reinigungsbrief schreibt.</p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Schon bei der Berathung Golos mit Gertrud hrten wir von
-Winfreda, der Schwester Gertruds. Es heit, dass sich diese Hexe auf
-Knste verstehe, bei denen &#8222;sich die Haare aufrichten&#8220;. Diese soll
-Siegfried &#8222;ein Blendwerk vormachen&#8220;. In Straburg sehen wir, wie Golo
-die Hexe durch Geschenke fr sich gewinnt und (seltsamerweise) sich
-selbst Aufschlsse ber seine Herkunft geben lsst, also an ihre Kunst
-glaubt.<a name="FNAnker_157_157" id="FNAnker_157_157"></a><a href="#Fussnote_157_157" class="fnanchor">[157]</a> Dann geht er wie im Volksbuch zu Siegfried, der den
-Nachrichten ber Genoveva nicht ganz traut. Tieck scheint wieder Golo
-entlasten und die Schuld auf andere wlzen zu wollen. Golo, auch hier
-wie im Volksbuch, voll heuchlerischer Theilnahme, berichtet Dragos
-Hinrichtung wie in der Legende und weist zur vollen Beglaubigung
-seiner Aussagen Siegfried an die Weissagerin. Siegfried uert
-religise Bedenken gegen die Zauberei, ber die ihn Golo beschwichtigt.
-Mit Anbruch der Nacht begeben sich beide zur Hexe.<a name="FNAnker_158_158" id="FNAnker_158_158"></a><a href="#Fussnote_158_158" class="fnanchor">[158]</a> Siegfried
-behandelt sie als eine &#8222;heilige Frau&#8220;. Sie stellt sich demthig und
-bei ihren geheimnisvollen Reden erfasst den Grafen ein Schauer, es
-struben sich seine Haare. Er trgt seine Bitte vor. Er bekommt auch
-im Spiegel das Verlangte zu sehen. Dieser Zauberspiegel liegt hier
-nicht im Wasser, sondern &#8222;hngt an seinem Orte&#8220;. Nachdem die Hexe ihre
-Formeln gesprochen hat, sieht Siegfried die nmlichen Vorgnge wie
-im Volksbuche abgespiegelt: freundliches Gesprch, Wangenstreicheln,
-&#8222;Niedersinken in die Laube&#8220;. Auch hier muss Siegfried fr Genoveva
-errthen. Es folgen Siegfrieds Zorn und<span class="pagenum"><a name="Seite_48" id="Seite_48">[S. 48]</a></span> der Befehl, Genoveva sammt dem
-Kinde zu tdten. (Der &#8222;schndliche&#8220; Tod fllt bei Tieck weg.)<a name="FNAnker_159_159" id="FNAnker_159_159"></a><a href="#Fussnote_159_159" class="fnanchor">[159]</a></p>
-
-<p>Tieck gibt zur Erzhlung der Legende nur den mysterisen Inhalt der
-Zaubersprche, einige andere geheimnisvolle Reden der Hexe, Siegfrieds
-Bedenken gegen die Zauberei, Golos Frage nach seiner Herkunft und eine
-phantastischere Decoration des Hexen-Haushaltes hinzu. Sehen wir noch
-vom Hngen des Zauberspiegels ab, so folgt alles brige der Vorlage.</p>
-
-<p>Nach Golos Heimkunft weint im Drama wie im Volksbuch das Tchterlein
-der Amme vor dem Kerkerfenster am Thurme und kndigt der Gefangenen
-ihr Schicksal an. Diese erbittet sich Papier und Tinte, um ihren
-Reinigungsbrief zu schreiben, dessen Inhalt das Volksbuch an dieser
-Stelle, Tieck spter bei der Auffindung des Briefes durch Siegfried
-mittheilt.<a name="FNAnker_160_160" id="FNAnker_160_160"></a><a href="#Fussnote_160_160" class="fnanchor">[160]</a> Die Klage Genovevas im Volksbuche fehlt bei Tieck.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Genoveva und die Mrder. &mdash; Ihre Rettung.</h4>
-
-<p><i>Volksbuch, 22 ff</i>. Golo gibt frh morgens zweien von seinen treuesten
-Dienern den Befehl, Genoveva und ihr Kind zu tdten. Sie soll in den
-Wald gefhrt und als Wahrzeichen der vollfhrten That sollen Augen und
-Zunge zurckgebracht werden. Die genaue Ausfhrung seiner Anordnung
-verspricht Golo zu belohnen, die Vernachlssigung strengstens zu
-bestrafen. Die Diener fhren das &#8222;unschuldige Schflein&#8220; und das
-&#8222;unschuldige Lmmlein&#8220; in den Wald hinaus. Genoveva beklagt den frhen
-Verlust ihres Kindes. Die Diener sind dabei so gerhrt, dass sie sich
-schweren Herzens an ihr Werk machen. Genoveva darf sich aber erst noch
-zum Tode bereiten. Whrend sie im Gebete kniet, wollen die beiden das
-Kind umbringen. Genoveva springt auf, hlt sie zurck und verlangt,
-zuerst sterben zu drfen. Sie zeigt aber den Beiden Mrdern auch das
-Verwerfliche ihres Vorhabens, da sie unschuldiges Blut vergieen
-wollen. Beide fhlen sich durch Genovevas Worte so getroffen, dass sie
-der Unschuldigen das Leben schenken gegen das Versprechen, dass sie
-bestndig im Walde bleibe. Als falsche Wahrzeichen des vollfhrten
-Mordes bringen sie Augen und Zunge eines Windspieles heim. Golo lsst
-die &#8222;Hurenaugen&#8220; den Hunden vorwerfen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_49" id="Seite_49">[S. 49]</a></span></p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Im Drama ist wieder das Meiste beibehalten, nur einzelne
-nderungen und Erweiterungen gestattet sich der Dichter. So mssen
-sich die beiden Mrder erst Muth antrinken: ein realistisch gehaltenes
-Motiv, wie es sonst nicht oft in der &#8222;Genoveva&#8220; begegnet. Das Ganze
-wickelt sich auch bei Tieck frh morgens ab, nur wird hier ein trber
-Herbstmorgen zugleich stimmungsvoller Hintergrund; denn hier wie sonst
-ist Tiecks Verhltnis zur Natur und ihrer Stimmung ein ganz eigenes,
-whrend das Volksbuch sich fr eine sentimentale Naturauffassung
-nirgends interessiert.<a name="FNAnker_161_161" id="FNAnker_161_161"></a><a href="#Fussnote_161_161" class="fnanchor">[161]</a> Wir erfahren die Wegfhrung Genovevas aus
-Wendelins und Elsens Gesprch.<a name="FNAnker_162_162" id="FNAnker_162_162"></a><a href="#Fussnote_162_162" class="fnanchor">[162]</a> Was das Volksbuch hier von der
-Rhrung beider Mrder sagt,<a name="FNAnker_163_163" id="FNAnker_163_163"></a><a href="#Fussnote_163_163" class="fnanchor">[163]</a> gilt nur von einem bei Tieck, von
-Grimoald mit dem weichen Gemthe; dieser muss erst den rohen Benno
-von seinem Vorhaben abbringen: das Einfache wird differenziert und
-ein Contrast herausgearbeitet. Genovevas Rechtfertigungsrede ist
-bei Tieck sehr breit behandelt. Das Kind wird auch hier das &#8222;liebe
-Lamm&#8220; genannt.<a name="FNAnker_164_164" id="FNAnker_164_164"></a><a href="#Fussnote_164_164" class="fnanchor">[164]</a> Ein wesentlicher neuer Zug an Tiecks Golo ist es,
-dass dieser in den Wald nacheilt, um Genoveva zu retten und ber die
-vermeintlich geschehene That ernste Reue zeigt; das Volksbuch wei
-nichts von einer Reue Golos. Das rohe Gebot Golos, die Augen den Hunden
-vorzuwerfen, lsst Tieck dementsprechend weg. Grimoald mag nimmer im
-Lande bleiben, in dem so schlimme Dinge geschehen.<a name="FNAnker_165_165" id="FNAnker_165_165"></a><a href="#Fussnote_165_165" class="fnanchor">[165]</a> Das Wichtigste
-ist in diesem Abschnitt, dass uns Golo wieder menschlich nhergebracht
-werden soll. Er, der uns durch Hrte und Roheit schon beinahe abstie,
-bekommt wieder ein paar Lichtseiten.</p>
-
-<p>Whrend das Volksbuch nach dem Gerichte ber Genoveva ohne
-Unterbrechung die siebenjhrige Verbannung im Walde schildert,
-nimmt Tieck nur ein kleines Stck davon voraus, um die Pause bis zu
-Siegfrieds Heimkunft auszufllen. Wir werden zugleich ber Genovevas
-Schicksal beruhigt, nachdem unsere Theilnahme schon den Hhepunkt
-erreicht hat, und wir werden durch das Wunder mit der Hirschkuh auf
-weitere Wunder vor<span class="pagenum"><a name="Seite_50" id="Seite_50">[S. 50]</a></span>bereitet. Die tragische Periode erhlt nach dem
-Ausspruche eines befreundeten Kritikers so ein &#8222;rhrendes Ende&#8220;.<a name="FNAnker_166_166" id="FNAnker_166_166"></a><a href="#Fussnote_166_166" class="fnanchor">[166]</a>
-Alle Erlebnisse der ersten Tage in der Einsamkeit, wie sie die
-Legende erzhlt, verwebt Tieck in den Monolog Genovevas. Tiecks
-charakteristische Zugabe ist Genovevas Anruf an die Natur.<a name="FNAnker_167_167" id="FNAnker_167_167"></a><a href="#Fussnote_167_167" class="fnanchor">[167]</a></p>
-
-<h4 class="gesperrt">Siegfrieds Reue.</h4>
-
-<p><i>Volksbuch, 41 ff</i>. Statt die Erzhlung des einsamen Lebens
-fortzusetzen, wie das Volksbuch thut, fhrt das Drama die Ereignisse
-nach Siegfrieds Heimkehr vor. Wir mssen daher zum Vergleiche den
-Anfang des folgenden Abschnittes der Legende vorausnehmen. Siegfried
-bekommt etliche Tage nach der Rckkehr Gewissensbisse darber, dass
-er Genoveva ungerecht ohne Richterspruch verurtheilt habe. Im Traume
-sieht er, wie ein Drache sein geliebtes Weib entfhrt und das verstrkt
-seine Reue. Golo deutet den Traum mit Bentzung des Namens &#8222;Dragones&#8220;
-auf den Koch und sucht Siegfried aus seinen melancholischen Trumen
-aufzurtteln. Dazu veranstaltet er allerlei Kurzweil, wie Jagen,
-Rennen, Gastereien, Tanz und Besuch von Freunden. Doch alles dies
-kann Siegfrieds Herzenswunde nicht heilen. Nun findet der Graf noch
-Genovevas Brief, dessen Inhalt ihn mit groem Herzeleid erfllt und er
-htte Golo im Zorne getdtet, wenn dieser nicht eben auf einige Tage
-sich entfernt htte. Hernach wei der Arglistige wieder den Grafen zu
-seinen Gunsten umzustimmen. Doch gelingt dies nicht auf die Dauer, so
-dass es Golo am Hofe unheimlich zu werden anfangt und er aus dem Lande
-flieht.</p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Das Volksbuch ist fr alles Wichtigere im Drama der
-Ausgangspunkt. Siegfrieds Reue, sein Traum, Golos Deutung desselben,
-sowie sein Bemhen um Siegfrieds Zerstreuung: alles kehrt auch bei
-Tieck wieder.<a name="FNAnker_168_168" id="FNAnker_168_168"></a><a href="#Fussnote_168_168" class="fnanchor">[168]</a> Um die Art der Wiederauffindung Genovevas anzudeuten
-und aus besonderer Vorliebe fr die dichterische Schilderung freier
-Waldnatur sucht sich der romantische Dichter von den verschiedenen
-Belustigungen gerade die Jagd heraus, um sie in eigenen Scenen zu
-entfalten.<a name="FNAnker_169_169" id="FNAnker_169_169"></a><a href="#Fussnote_169_169" class="fnanchor">[169]</a> Tieck<span class="pagenum"><a name="Seite_51" id="Seite_51">[S. 51]</a></span> eigenthmlich ist die Art, wie Golo whrend der
-lustigen Jagd in schmerzliche Erinnerungen an der Stelle versinkt,
-wo &#8222;Genovevas Augen und Zunge&#8220; begraben sind.<a name="FNAnker_170_170" id="FNAnker_170_170"></a><a href="#Fussnote_170_170" class="fnanchor">[170]</a> Allein dieser Ort
-ist fr die ernste, wehmthige Empfindungsaussprache kaum glcklich
-gewhlt. Das schne, alte, poetische Motiv von Blumen, die an der
-geliebten Stelle aufsprieen, bekommt einen Stich ins Komische, wenn
-wir wissen, dass nur Augen und Zunge eines untergeschobenen Vierflers
-hier begraben liegen. Die Flucht Golos mit Benno wird erst beschlossen
-und dann wirklich ausgefhrt,<a name="FNAnker_171_171" id="FNAnker_171_171"></a><a href="#Fussnote_171_171" class="fnanchor">[171]</a> aber es ist nicht eine Flucht
-&#8222;auer Landes&#8220;, sondern in echt romantischer Weise eine Flucht in die
-verlassenste Waldeinsamkeit.</p>
-
-<p>Auch bei Tieck findet Siegfried vorher den Brief seiner Gattin, der in
-Form eines Sonettes abgefasst ist, den &mdash; und das ist dramatisch gut
-berechnet &mdash; Golo selbst lesen muss. Der Inhalt stimmt im wesentlichen
-mit der Vorlage. (Abschiednehmen. &mdash; Unschuldbetheuerung. &mdash; Verzeihen
-der erlittenen Ungerechtigkeit. &mdash; Die Irrefhrung durch einen bsen
-Mann hat alles verschuldet.) Golos Entschuldigung ist dieselbe wie
-im Volksbuche, nur etwas ausfhrlicher. Siegfried lsst sich hier
-wie in der Legende recht schnell umstimmen.<a name="FNAnker_172_172" id="FNAnker_172_172"></a><a href="#Fussnote_172_172" class="fnanchor">[172]</a> Golo flieht in sein
-Waldversteck.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Die sieben Jahre.</h4>
-
-<p>Die Erlebnisse Siegfrieds und Genovevas innerhalb dieser Jahre lsst
-Tieck durch den heil. Bonifacius episch berichten.<a name="FNAnker_173_173" id="FNAnker_173_173"></a><a href="#Fussnote_173_173" class="fnanchor">[173]</a> Hier folgt
-Tieck fast berall auf das genaueste der Erzhlung des Volksbuches,
-einmal, weil ihn Inhalt und Erzhlung der Vorlage besonders ansprachen,
-wie er selbst andeutet, und weil ferner die epische Technik weit
-weniger nderungen forderte als die dramatische. Zuerst lsst Tieck
-seinen heil. Bonifacius erzhlen, was auf dem Schlosse Siegfrieds
-vorgieng. Dragos Geist erscheint nchtlicherweile dem Grafen und
-fhrt ihn unter schaurigen Geberden in den Zwinger der Burg, wo der
-Leichnam des Gemordeten eingescharrt worden war. Siegfried lsst die
-irdischen Reste Dragos an einem angemesseneren Orte zur Erde bestatten<span class="pagenum"><a name="Seite_52" id="Seite_52">[S. 52]</a></span>
-und Seelenmessen fr den Verstorbenen lesen, dessen Geist nun Ruhe
-findet. Siegfried erkennt aus dem ganzen Vorgange, dass Genoveva
-und Drago unschuldig sind. Tieck folgt in der Schilderung dieser
-Vorgnge allenthalben, selbst in den Nebenumstnden, der Erzhlung des
-Volksbuches. Nur das Schlagen des Geistes an die Thr und sein Auf- und
-Abgehen im Zimmer Siegfrieds wird &mdash; vielleicht als ungespenstisch &mdash;
-weggelassen. Und whrend Dragos Leichnam nach dem Volksbuch in einer
-&#8222;abscheulichen&#8220; Grube verscharrt wurde, gibt Tieck als Ort den Zwinger
-an.</p>
-
-<p>Mit der Erwhnung von Genovevas Unschuld fhrt uns der Dichter in
-einem uerlichen bergange zur Verbannten selbst in die Wste, um uns
-ihre und ihres Kindes Geschicke durch den heil. Bonifacius erzhlen
-zu lassen. Ihre Leiden und Entbehrungen, die himmlischen Wunder und
-Trstungen, der trauliche Verkehr Schmerzenreichs mit den Waldthierlein
-und die frommen Gesprche zwischen Genoveva und Schmerzenreich, alles
-wird Zug fr Zug im Anschluss an das Volksbuch dargestellt. Ganz
-wenig nur wird von Tieck abgendert. Das Volksbuch erwhnt z.B., dass
-Schmerzenreich sich bald seines traurigen Daseins bewusst wurde und mit
-der Mutter weinte: Tieck bergeht diesen Zug. Dafr gestaltet er das
-wunderbare Begebnis mit dem himmlischen Crucifix, das die Hand nach
-Genoveva ausstreckt, dadurch reicher, dass er whrend des Wunders einen
-unsichtbaren Chor, wie aus Engels Mund, singen lsst. Dieses Wunder
-nimmt eben eine poetisch weit hhere Stellung ein, als jenes natrlich
-alltgliche Ereignis. Tiecks Erweiterung sind auch die zwei Strophen,
-mit denen Bonifacius seine Erzhlung einleitet<a name="FNAnker_174_174" id="FNAnker_174_174"></a><a href="#Fussnote_174_174" class="fnanchor">[174]</a> und ebenso drei
-Strophen der Trostrede, die Christus an Genoveva richtet.<a name="FNAnker_175_175" id="FNAnker_175_175"></a><a href="#Fussnote_175_175" class="fnanchor">[175]</a> Fr
-die didaktische und moralisierende Anrede an den Leser: &#8222;O la uns
-alle diesen Wandel fhren...&#8220; fand Tieck an einer anderen Stelle des
-Volksbuches Anregung und Vorbild, nmlich in dem Gebete: &#8222;O gottseelige
-Genoveva!... Ach theile mit mir deine Reinigkeit, und erwerbe mir bey
-Gott, deiner Tugend nachzufolgen.&#8220;<a name="FNAnker_176_176" id="FNAnker_176_176"></a><a href="#Fussnote_176_176" class="fnanchor">[176]</a></p>
-
-<p>Der letzte Theil der epischen Einschaltung, die Bonifacius vortrgt,
-beschftigt sich mit Schmerzenreich und nach dem Abgehen des Rhapsoden
-folgt ein religises, erbauliches Ge<span class="pagenum"><a name="Seite_53" id="Seite_53">[S. 53]</a></span>sprch zwischen Genoveva und dem
-Kinde. Auch hier wird alles beibehalten, was Tieck in der Vorlage fand.
-Die Abweichungen von der Legende zeigen sich nur in geringfgigen
-Nebendingen und es ist nicht ausgeschlossen, dass auch der Reim der
-achtzeiligen Stanze an solchen kleinen inhaltlichen Verschiebungen
-schuld ist. Wie enge sich hier Tieck stellenweise an die Vorlage
-anschliet, mag ein Beispiel zeigen. S. 37 f. erzhlt das Volksbuch:
-&#8222;Es fiengen auch die wilden Thiere von selbiger Zeit an mit ihnen gar
-gemein zu werden; daher sie tglich zu ihnen kamen, und dem lieben
-Kind manche Kurzweile machten; er ritte vielmal auf dem Wolf, der ihm
-das Schaafsfell gebracht hatte, und spielte oftmals mit den Haasen
-und anderen Thieren, so um dasselbige herumliefen. Die Vglein flogen
-ihm gewhnlich auf die Hand und Huptlein, und erfreueten Kind und
-Mutter mit ihrem lieblichen Gesang. Wenn das Kind ausgienge, fr die
-Mutter Kruter zu suchen, so liefen unterschiedliche Thiere mit ihm,
-und zeigten ihm mit ihren Fssen, welches gute Kruter wren. Es
-hatte auch die fromme Mutter groe Freude in seiner Konversation, und
-verwunderte sich vielmal ber seine weislichen Fragen und Antworten;
-sie lehrte ihn auch das Vater Unser und andere Gebetlein beten&#8220;, etc.
-Die entsprechenden Strophen bei Tieck lauten:</p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Es wurde auch das Wild zur selben Zeit</div>
- <div class="verse">Mit ihnen gar vertraulich und gemein,</div>
- <div class="verse">Das liebe Kind hat daran manche Freud&#8217;,</div>
- <div class="verse">Da sie um ihn so schn ergtzlich sein.</div>
- <div class="verse">Er ritt auf seinem Wolf gar oftmals weit</div>
- <div class="verse">In Wald, die Hasen liefen hinterdrein,</div>
- <div class="verse">Die Vglein sich auf Hand und Huptlein schwungen,</div>
- <div class="verse">Erquickten ihn und sie, so wie sie sungen.</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">Ging&#8217;s Kindlein aus, um Kruter aufzulesen,</div>
- <div class="verse">So liefen auch die frommen Tierlein mit,</div>
- <div class="verse">Und zeigten ihm die guten von den bsen</div>
- <div class="verse">Mit ihren Fen, folgten jedem Schritt:</div>
- <div class="verse">Dann kehrt&#8217; er freudig, war er ausgewesen,</div>
- <div class="verse">Und brachte seiner Mutter Essen mit,</div>
- <div class="verse">Dann lehrte sie ihn Vater Unser sagen,</div>
- <div class="verse">Liebkosend in den schnen Sommertagen.&#8220;<a name="FNAnker_177_177" id="FNAnker_177_177"></a><a href="#Fussnote_177_177" class="fnanchor">[177]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Reim und Strophenform bedingen hie und da kleine inhaltliche
-nderungen, besonders Erweiterungen. Das lsst sich<span class="pagenum"><a name="Seite_54" id="Seite_54">[S. 54]</a></span> schon am
-beigebrachten Beispiele verfolgen und das gilt auch fr das
-darauffolgende Gesprch zwischen Genoveva und Schmerzenreich. Daraus
-erklrt sich die breitere Schilderung der himmlischen Freude und des
-irdischen Leidens. Die Endstrophe bringt nichts Neues, sie soll nur den
-Scenenschluss rechtfertigen. Mit der dramatischen Darstellung beginnt
-auch wieder der freie Scenenwechsel, welcher synchronistisch die
-Ereignisse auf Siegfrieds Schloss und in Genovevas und Golos einsamer
-Behausung nebeneinander hergehen lsst.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Das Bekenntnis der Hexe</h4>
-
-<p><i>Volksbuch, 47 ff</i>. Nach einigen Jahren (d.i. einige Jahre nach der
-Erscheinung von Dragos Geist) wird die Straburger Hexe gerichtlich
-eingezogen und sie legt vor ihrem Tode das Bekenntnis ab, dass sie
-Siegfried betrogen habe. Der Schmerz des Grafen erwacht bei dieser
-Nachricht mit furchtbarer Heftigkeit und bringt in Siegfried den
-Entschluss zur Reife, Golo zu bestrafen.</p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Das Hexengericht wird in Tiecks Darstellung nur wenig
-verndert, und zwar zu Gunsten der dramatischen Form. Siegfried
-ist hier selbst der Richter. Wir erfahren vom Verhre der Hexe wie
-von Siegfrieds Gemthszustand. Nur widerwillig lsst dieser die
-Verurtheilte noch ein zweitesmal vor sich kommen, eingedenk der
-Ungerechtigkeit, dass er einst Genoveva und Drago nicht einmal
-angehrt hatte. Das Gestndnis der Hexe, das Genovevas Unschuld
-bezeugt, wird wie im Volksbuch behandelt; nur dass es von Winfreda vor
-Siegfried selbst abgelegt wird. Dieser wthet vor Schmerz und will nun
-endlich gegen Golo ernstlich vorgehen. Im Volksbuch wird uns nur ein
-Bericht aus der Ferne ber die Hexe erstattet, Tieck gibt dem Ganzen
-dramatische Gegenwart und schafft einen wirksamen Gegensatz, indem er
-Siegfried selbst, der einst der Hexe wie einer Heiligen geglaubt, ber
-diese Gericht halten lsst. Also hier ein hnliches Confrontieren wie
-bei Golo, der den Reinigungsbrief selbst vorlesen muss.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Genovevas Krankheit.</h4>
-
-<p><i>Volksbuch, 40 f</i>. Ungefhr gleichzeitig mit dem Hexenprocesse fllt
-Genoveva in eine schwere Krankheit. Zwei Engel bringen ihr wunderbare
-Heilung.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_55" id="Seite_55">[S. 55]</a></span></p>
-
-<p><i>Tieck</i>. Das Drama behlt das Ganze bei, einiges etwas erweiternd.<a name="FNAnker_178_178" id="FNAnker_178_178"></a><a href="#Fussnote_178_178" class="fnanchor">[178]</a>
-Hier legt Tieck Schmerzenreich das Verlangen in den Mund, mit in den
-Himmel reisen zu drfen, wie zu Anfang des Dramas Genoveva von ihrem
-ausziehenden Gatten sich nicht trennen wollte. Wie Fllsel, um die
-Stanze fertig zu bringen, sehen manche Verse aus.<a name="FNAnker_179_179" id="FNAnker_179_179"></a><a href="#Fussnote_179_179" class="fnanchor">[179]</a> Unpassend, weil
-unmotiviert, ist die Furcht des Kindes: es mchte, wenn die Mutter fort
-ist, &#8222;verkehrt&#8220;, &#8222;gottlos&#8220;, &#8222;ungezogen&#8220; werden.<a name="FNAnker_180_180" id="FNAnker_180_180"></a><a href="#Fussnote_180_180" class="fnanchor">[180]</a> Neu erscheint
-bei Tieck die Einfhrung des Todes als allegorischer Gestalt und die
-Danksagungsstrophen nach der Genesung, sowie der kindliche Gesang der
-beiden &#8222;Flgelkinder&#8220;. Mit Ausnahme dieser Kinderverse, welche die
-Englein singen, stolziert die ganze Scene in prunkenden Stanzen daher.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Golo in der Einsamkeit. &mdash; Siegfrieds Einladung.</h4>
-
-<p>Wie das Volksbuch (48 ff.) nach dem Hexengericht sich wieder zu Golo
-wendet, so fhrt uns Tieck nach der wunderbaren Rettung Genovevas aus
-der Krankheit zurck zu Golo, der in der Verbannung lebt. Allein fr
-die Nachtscene im Waldgebirge,<a name="FNAnker_181_181" id="FNAnker_181_181"></a><a href="#Fussnote_181_181" class="fnanchor">[181]</a> wohin Golo geflohen ist, wo er
-in dunklen Worten von seiner Seelenstimmung spricht und in lebhafter
-Erinnerung an Genoveva ber deren vermeintlichen Mrder Benno derart
-ergrimmt, dass er ihn vom Bergesgipfel in die Tiefe stt, konnte
-Tieck in seiner Vorlage nichts finden. Dass ein gewisser Verkehr
-zwischen Golo und Siegfried noch besteht, erfahren wir im Volksbuch
-wie im Drama. Begrndet ist derselbe nirgends. Die Contrastfigur des
-nchtlichen Pilgrims, der Wallfahrtsrter und Wunderbilder besucht
-und seine Jugend bereut, whrend Golo jetzt nur mehr berall ein
-Walten des unabwendbaren Schicksals sieht, ist Tiecks Zugabe an
-dieser Stelle. Spter bernimmt dieser Pilgrim die Rolle jenes Engels
-in Pilgrimskleidern, von dem die Legende erzhlt. Oder richtiger
-gesagt, die Rolle des Pilgrims im Volksbuch wird von Tieck nach
-vorne erweitert, sowie die Rollen Dragos und Gertruds. Die Einladung
-Golos an Siegfrieds Hof erscheint im Volksbuch als ein Anlocken des
-&#8222;listigen Fuchses&#8220;. Bei Tieck ist es auch ein Herbeilocken durch
-Sieg<span class="pagenum"><a name="Seite_56" id="Seite_56">[S. 56]</a></span>frieds Briefe und verstellte freundliche Botschaft. Allein diese
-leicht zu durchschauende Einladung wrde auf Tiecks Golo den Eindruck
-verfehlen, wenn nicht das sehnschtige Heimweh und der Wunsch, als
-Einsiedler an der Sttte zu wohnen, wo Genoveva begraben liegt, sein
-Gemth mit tiefer Gewalt erfasste.<a name="FNAnker_182_182" id="FNAnker_182_182"></a><a href="#Fussnote_182_182" class="fnanchor">[182]</a> In einem Monologe bezeichnet
-Golo den Pilgrim als ein himmlisches Wesen und staunt darber, wie
-dieser die verborgensten Dinge und Gedanken wisse. Unabhngig von der
-Legende fhrt hierauf Tieck seinen schwermthigen Ritter auf dem Wege
-zu Siegfried mit dem Schfer Heinrich zusammen,<a name="FNAnker_183_183" id="FNAnker_183_183"></a><a href="#Fussnote_183_183" class="fnanchor">[183]</a> den innerlich
-Verstrten mit dem harmlos Glcklichen, dem brigens Golo selbst zu
-seinem Glcke verhalf. (Tragische Ironie und Contrast.) Heinrichs
-Kind frchtet sich instinctiv vor Golo. Wehmthige Erinnerung an die
-Vergangenheit klingt leise durch die ganze idyllische Scene. Whrend
-das Volksbuch nur kurz und trocken von den Geschehnissen berichtet,
-bentzt Tieck in diesem Abschnitte jede Gelegenheit zum Ausmalen
-verschiedener Stimmungsbilder. Den Gang der Begebenheiten &#8222;sollte ein
-Spiel der Empfindungen entfaltend begleiten&#8220;, wie in der &#8222;Magelone&#8220;.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Die Jagd. &mdash; Das Wiedersehen.</h4>
-
-<p>Das Volksbuch behandelt die Jagd, welche Siegfried und Genoveva
-wunderbar zusammenfhrt, ganz prosaisch als Mittel, um Wildbret fr
-ein kommendes Fest zu beschaffen und dabei findet man zufllig den
-Aufenthalt der Todtgeglaubten. (S. 50.) Tieck macht die nmliche
-Sache poetisch beziehungsreicher, da bei ihm die Jagd eigentlich Golo
-gilt und mit ihm zugleich das noch edlere Wild erbeutet wird. Tiecks
-Freude an der Scenerie zeigt sich auch hier wie bei den Kriegsscenen,
-indem er zwei Scenen hintereinander folgen lsst, die eben nichts als
-Jagdbilder sind.<a name="FNAnker_184_184" id="FNAnker_184_184"></a><a href="#Fussnote_184_184" class="fnanchor">[184]</a> Golo fhlt sich in der That als gehetztes Wild
-bei Tieck, whrend er in der Legende bis zur Auffindung Genovevas
-einfach ganz verschwindet. Die ueren Vorgnge beim Zusammentreffen
-Siegfrieds mit Genoveva wickeln sich im Volksbuch und Drama ganz gleich
-ab.<a name="FNAnker_185_185" id="FNAnker_185_185"></a><a href="#Fussnote_185_185" class="fnanchor">[185]</a> Von den Einzelheiten der<span class="pagenum"><a name="Seite_57" id="Seite_57">[S. 57]</a></span> Legende wird nur hchstens ganz
-Unbrauchbares, wie die &#8222;Kutsche&#8220;, welche Genoveva nach dem Schlosse
-fhrt, ausgeschieden und der schwer denkbare Sturz Siegfrieds vom
-Pferde auf die Knie abgendert. Die &#8222;Ehrfurcht vor der Heiligen&#8220;, von
-der das Volksbuch spricht, uert sich bei Tiecks Siegfried in der
-Scheu, Genoveva mit &#8222;Du&#8220; anzusprechen. Bei Tieck bittet Siegfried,
-der seinen Gefhlen in langen Reden Ausdruck gibt, auch noch sein
-Kind um Verzeihung. Das Kosewort &#8222;herzgoldenes Kind&#8220; des Volksbuches
-nimmt Tieck auf, steigert es zum &#8222;herzgldenen Herzenskind&#8220;. Siegfried
-ergreift die Erinnerung an die alte Zeit. Er sucht Theilnehmer fr
-seine neubelebte Freude. Darum (Tiecks poetische Motivierung) ruft er
-durch einen Hornsto die Genossen zusammen. Golo sitzt unterdessen
-tiefdenkend um die Felsenecke und kmmert sich um nichts. Er wird
-gerufen, er glaubt &#8222;zu trumen&#8220; und fleht Genoveva um Gnade an. Golo
-ist hier ganz weichfhlender Mensch und kein satanischer Bsewicht.
-Durch diese kleinen Zuthaten seelischer Art bekommt die Scene bei
-Tieck ein eigenes poetisches Colorit. Genoveva wird nun in einer
-Snfte auf das Schloss getragen. Die Freude ber die Wiedergefundene
-findet vielstimmigen Ausdruck bei Dienern, Kindern und Zuschauern. Das
-Motiv vom weggeworfenen und wunderbar wiedergefundenen Trauring nimmt
-Tieck genau aus dem Volksbuch, lsst es aber in der Ausgabe von 1820
-wieder weg. Die Magenbeschwerden Genovevas infolge ihrer langjhrigen
-Wurzelkost, die das Volksbuch so piettvoll erzhlt, beseitigt Tieck
-mit Recht.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Das Gericht ber Golo.</h4>
-
-<p>Den ueren Verlauf der Scene bestimmt die Legende. Tieck beseitigt
-aber den grsslichen Schluss. In der Legende wird Golo von Ochsen
-zerrissen. Im Drama wird nur eine &#8222;Marter&#8220; angedroht, aber auf
-Genovevas Frbitte hin erlassen.<a name="FNAnker_186_186" id="FNAnker_186_186"></a><a href="#Fussnote_186_186" class="fnanchor">[186]</a> Jedoch sterben muss Golo an der
-Stelle, wo er Genoveva wollte tdten lassen.<a name="FNAnker_187_187" id="FNAnker_187_187"></a><a href="#Fussnote_187_187" class="fnanchor">[187]</a> Diese Wendung musste
-im Zusammenhange mit dem Liede &#8222;Dicht von Felsen eingeschlossen...&#8220;
-eingefhrt werden. Hier hrt man pltzlich und unntz, Siegfrieds
-Bruder Matthias sei whrend Golos bsem Treiben in England gewesen.
-Diese<span class="pagenum"><a name="Seite_58" id="Seite_58">[S. 58]</a></span> Erklrung gibt Tieck etwas spt. Die Belohnung der gutgesinnten
-und die Bestrafung der schlechten Diener entfllt bei Tieck, weil
-ja auer Benno, der schon todt ist, keiner sonderlich ernst in die
-Vorgnge eingegriffen hat. Gertrud muss unterdessen gleichfalls
-gestorben sein, da uns zweimal berichtet wurde, sie liege im Sterben.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Genovevas Tod.</h4>
-
-<p>Das Hinsiechen Genovevas, von dem die Legende spricht, beseitigt
-Tieck als undramatisch und unpoetisch und fhrt nur noch den Tod
-der Heiligen vor.<a name="FNAnker_188_188" id="FNAnker_188_188"></a><a href="#Fussnote_188_188" class="fnanchor">[188]</a> Nach dem Volksbuch lebt Genoveva noch ein
-Vierteljahr. Bei Tieck entfllt jede Zeitbestimmung; denn am Schlusse
-seines romantischen Dramas soll alles mglichst ins berirdische,
-Geheimnisvolle und Ewige verflieen.</p>
-
-<p>Eine kleine Verschiebung ist es, wenn den Trost, den im Volksbuche
-Genoveva dem Vater und Sohne gibt, hier der Sohn dem trauernden
-Vater spendet. Damit hat aber Tieck nichts verbessert; denn das Kind
-erscheint hier nur noch altklger und unkindlicher als zuvor. Die
-Vision, die Genoveva nach dem Volksbuch &#8222;einige Zeit&#8220; vor ihrem Tode
-hatte, wird von Tieck reicher ausgestaltet und sachlich und dramatisch
-wirksamer in die Todesstunde selbst verlegt. Das Contrastieren des
-leiblichen Sterbens und des bernatrlichen, ewigen Lebens ist ein
-Gedanke, der fters in der Dichtung wiederkehrt. Der Dichter lsst auch
-den Bischof Hidulf als Spender der Sterbesacramente auftreten, wovon
-das Volksbuch nichts berichtet. Die allgemeine Trauer bei Genovevas
-Tod zeigt das Drama im Eindrucke auf die Umgebung.<a name="FNAnker_189_189" id="FNAnker_189_189"></a><a href="#Fussnote_189_189" class="fnanchor">[189]</a> Das Benehmen
-der wunderbaren Hirschin interessiert bei Tieck ganz richtig in erster
-Linie die naiv frommen Diener. Was Tieck hier beifgt oder ndert,
-luft alles auf eine Steigerung des religisen Colorites hinaus.</p>
-
-<h4 class="gesperrt">Schluss.</h4>
-
-<p>Von den Wunderdingen, die das Volksbuch am Schlusse noch reichlich
-bringt, nimmt Tieck nur wenig auf. Fr den Engel in Pilgrimsgestalt
-tritt der pilgernde Geist Othos ein,<a name="FNAnker_190_190" id="FNAnker_190_190"></a><a href="#Fussnote_190_190" class="fnanchor">[190]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_59" id="Seite_59">[S. 59]</a></span> den wir bereits von seinem
-Zusammentreffen mit Golo her kennen. Dieser trstet Siegfried ebenso
-rasch, als es ein Engel gekonnt htte. Die brigen Wunder bleiben weg,
-da es fast nur Variationen frherer Geschehnisse sind. Dadurch wird
-auch die berfhrung der Leiche, welche durch jene Wunder verherrlicht
-wird, berflssig und fllt fort. Siegfried und sein Sohn leisten den
-Verzicht auf ihre weltlichen Ansprche,<a name="FNAnker_191_191" id="FNAnker_191_191"></a><a href="#Fussnote_191_191" class="fnanchor">[191]</a> wie in der Legende, doch
-nicht vor den Vettern und Verwandten, sondern vor dem Bischof Hidulf.
-Eine nicht recht verstndliche und wenig geschickte, aber jedenfalls
-beabsichtigte Wendung ins kirchlich Religise der alten Zeit, wie Tieck
-es sich denkt und wie es den ganzen Schluss beherrscht. Siegfried
-verlangt vom Bischof die Erlaubnis, eine Kapelle (die im Drama wie
-im Volksbuch gleich darauf &#8222;Kirche&#8220; heit) bei Genovevas Hhle bauen
-zu drfen und fgt auch gleich den Wunsch nach der Heiligsprechung
-der verstorbenen Gattin bei, worauf er aber keine eigentliche Antwort
-bekommt. Das &#8222;wunderthtige Bild&#8220; im Epilog ist noch ein Rest der
-weggelassenen Wunder und soll den berzeugenden Eindruck erwecken,
-dass Genoveva nunmehr eine himmlische Heilige ist. Die Verehrung der
-Heiligen berichtet der Epilog, den der heil. Bonifacius in Sonettform
-spricht.<a name="FNAnker_192_192" id="FNAnker_192_192"></a><a href="#Fussnote_192_192" class="fnanchor">[192]</a></p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>berschauen wir die angestellte Vergleichung zwischen dem Volksbuch
-und Tiecks Dichtung, so fllt als erstes bedeutsames Ergebnis in die
-Augen, dass Tieck mit groer Piett dem alten Stoffe gegenbertrat
-und so viel als nur immer fr ihn, den modernen Dichter, mglich
-war, von der berlieferung beibehielt. Die Legende bildet im
-groen und ganzen das wesentliche Gerste fr Tiecks Dichtung,
-diese ist eine dramatische Nacherzhlung der Vorlage, wie es die
-Nebeneinanderstellung fast Schritt fr Schritt bewies. Wenn Tieck hier
-in dramatischer Form, also in einer Kunstform, die ihrem Wesen nach zu
-eigenmchtigem Verndern des gegebenen Stoffes, zum Verschieben und
-Verkrzen herausfordert<a name="FNAnker_193_193" id="FNAnker_193_193"></a><a href="#Fussnote_193_193" class="fnanchor">[193]</a>, doch der berlieferung so merkwrdig
-treu bleibt, so will dies noch weit mehr sagen, als wenn er etwa in
-den &#8222;Haimonskindern&#8220; im Anschlusse an die alte Er<span class="pagenum"><a name="Seite_60" id="Seite_60">[S. 60]</a></span>zhlung wieder
-eine Erzhlung macht, die nur verkrzt und in einem erneuerten
-sprachlichen Gewande erscheint. Hier stehen wir einem dichterischen
-Verfahren gegenber, das uns mitten in die Anschauungen der Romantik
-hineinversetzt und nur aus diesen Anschauungen heraus erklrbar ist.
-Eine heilige Ehrfurcht den Urkunden alter Poesie gegenber ist es,
-die den Erneuerer der Genoveva-Legende berall leitet. Das aus der
-alten, poesiereichen Zeit berlieferte, das Product einer Zeit, die an
-allen Enden das Gegenspiel der nchternen, poesieleeren Gegenwart ist,
-einer Zeit, welche Tieck an Wackenroders Seite innig und sehnschtig
-verehren gelernt hatte, muss mit frommer Scheu bewahrt werden, der
-alte kostbare Edelstein darf hchstens eine neue Form und Fassung und
-Politur erhalten, es soll aber ja kein Splitterchen unnthigerweise
-verloren gehen und Tieck selbst schreibt 1799 an Iffland: &#8222;Sie
-knnen sich ohngefhr eine Vorstellung davon (von der &#8218;Genoveva&#8216;)
-machen, wenn Ihnen die alte Legende bekannt ist, an die ich mich im
-Ganzen sehr angeschlossen habe, weil sie so schn und cht poetisch
-ist...&#8220;<a name="FNAnker_194_194" id="FNAnker_194_194"></a><a href="#Fussnote_194_194" class="fnanchor">[194]</a> Das ist die Meinung der Romantiker von den berresten
-alter, volksthmlicher Poesie. Tieck hat seine ungemeine Hochschtzung
-der alten Volksbcher seit dem Jahre 1795 selbst, wie wir hrten,
-wiederholt bezeugt (&#8222;Leberecht&#8220;, &#8222;Schildbrger&#8220;, &#8222;Sternbald&#8220;). Darum
-hat sein jetziges Vorgehen nichts sonderlich berraschendes. Er hlt
-an dieser hohen Meinung auch spterhin noch fest, als ihm die Stimmung
-der &#8222;Genoveva&#8220; schon lngst fremd geworden war. Im &#8222;Phantasus&#8220; spricht
-er mit ebenderselben Wrme noch von den Volksbchern und empfiehlt es
-als etwas Hochverdienstliches, die Nibelungen und Heldenbcher neu zu
-bearbeiten und unter das Volk zu bringen.<a name="FNAnker_195_195" id="FNAnker_195_195"></a><a href="#Fussnote_195_195" class="fnanchor">[195]</a> Auch den spanischen
-Kunstdichtern rhmt Tieck nach, dass sie es verstanden htten,
-Volkssagen, Legenden und vaterlndische Geschichten zu bearbeiten,
-ohne ihnen die Einfalt und Popularitt zu nehmen.<a name="FNAnker_196_196" id="FNAnker_196_196"></a><a href="#Fussnote_196_196" class="fnanchor">[196]</a> Wie Tieck
-dachten auch seine romantischen Parteigenossen. In der Recension der
-Tieck&#8217;schen &#8222;Volksmrchen&#8220; (1797)<a name="FNAnker_197_197" id="FNAnker_197_197"></a><a href="#Fussnote_197_197" class="fnanchor">[197]</a> uerte<span class="pagenum"><a name="Seite_61" id="Seite_61">[S. 61]</a></span> z.B. A.W. Schlegel
-den Wunsch, man solle die &#8222;ehrlichen, alten Volkssagen&#8220;, denen es
-schwerlich ganz an poetischer Energie fehle, in ihrer &#8222;ursprnglichen
-rohen Treuherzigkeit&#8220; wieder vorfhren. Am besten geben die romantische
-Ehrfurcht vor dem Alten seine Worte in den Berliner Vorlesungen
-(1802&ndash;1803) wieder.<a name="FNAnker_198_198" id="FNAnker_198_198"></a><a href="#Fussnote_198_198" class="fnanchor">[198]</a> Nach Schlegels bertreibender uerung hat
-in Deutschland nur der gemeine Mann eine Literatur und das sind die
-unscheinbaren Bchelchen, &#8222;die schon in der Aufschrift: &#8218;gedruckt
-in diesem Jahr&#8216;, das naive Zutrauen kundgeben, das sie nie veralten
-werden, und sie veralten auch wirklich nicht&#8220;. Denn sie haben unleugbar
-eine unvergngliche poetische Grundlage. &#8222;Bey einigen ist sogar die
-Ausfhrung vortrefflich, und wenn sie bey andern formlos erscheint, so
-ist dies vielleicht blo die Schuld einer zuflligen Verwitterung vor
-Alter. Sie drfen nur von einem wahren Dichter berhrt und aufgefrischt
-werden, um sogleich in ihrer Herrlichkeit hervorzutreten.&#8220; Nur im
-Hinblick auf diese tiefe Verehrung der alten, naturwchsigen, echt
-poetischen Volksdichtung lsst sich verstehen, wie Bernhardi in seiner
-Recension der &#8222;Genoveva&#8220;<a name="FNAnker_199_199" id="FNAnker_199_199"></a><a href="#Fussnote_199_199" class="fnanchor">[199]</a> das berflssige Nebenwerk der Dichtung
-unter anderem mit dem wiederholten, nachdrcklichen Hinweise auf
-&#8222;die historische Heiligkeit&#8220; des berlieferten Stoffes rechtfertigt,
-und nur so versteht man auch die Worte, mit denen ein andermal A.W.
-Schlegel Ariostos eigenmchtiges Schalten mit den alten Ritterbchern
-entschuldigt:<a name="FNAnker_200_200" id="FNAnker_200_200"></a><a href="#Fussnote_200_200" class="fnanchor">[200]</a> &#8222;Vielleicht stand er (Ariost) dem Zeitalter, wo
-die Ritterbcher entstanden, noch zu nahe, um den ganzen Wert dieser
-Dichtungen unter ihrer oft unscheinbaren Hlle einzusehen, und so
-behandelte er sie blo als rohen durch seine Wahl und Willkr schon
-genug geehrten Stoff.&#8220; Auch Friedrich Schlegel, der im &#8222;Gesprch ber
-die Poesie&#8220; zum Zurckgehen auf die alten Quellen unserer Sprache und
-Dichtung aufforderte, rhmt an der &#8222;Genoveva&#8220; diese Seite der Dichtung
-am meisten. &#8222;Die Genoveva bleibt in dieser Rcksicht eine gttliche
-Erscheinung.&#8220;<a name="FNAnker_201_201" id="FNAnker_201_201"></a><a href="#Fussnote_201_201" class="fnanchor">[201]</a> Ebenso heben die Sonette<span class="pagenum"><a name="Seite_62" id="Seite_62">[S. 62]</a></span> der beiden Brder
-Schlegel, die den Dichter der &#8222;Genoveva&#8220; feiern, wieder gerade diese
-Richtung auf das Alte hervor.<a name="FNAnker_202_202" id="FNAnker_202_202"></a><a href="#Fussnote_202_202" class="fnanchor">[202]</a></p>
-
-<p>Was die Poeten des 18. Jahrhunderts, die unter dem Stichworte
-&#8222;Retournons la nature!&#8220; auf das Volkslied zurckgriffen, sowie die
-weiteren lobenswerten Bemhungen um das Wiederverstndnis altdeutscher
-Art und Kunst, an denen es im 18. Jahrhundert keineswegs fehlte,
-begonnen hatten, setzen nun die Romantiker eifrig und im weiteren
-Umfange und mit groem Erfolge fort.<a name="FNAnker_203_203" id="FNAnker_203_203"></a><a href="#Fussnote_203_203" class="fnanchor">[203]</a> Besonders Herder hatte die
-poetische Herrlichkeit des Volksliedes aufgedeckt, er hatte es gewagt,
-das Mittelalter zu vertheidigen und den poetischen Wert der alten
-Legenden den Aufklrern zum Trotz zu verfechten (1797) und der nmliche
-Herder hatte auch den vergessenen Jesuitendichter J. Balde aus seinem
-&#8222;lateinischen Grabe&#8220; erweckt und wurde dafr von A.W. Schlegel in einer
-eingehenden Recension gelobt (1797).<a name="FNAnker_204_204" id="FNAnker_204_204"></a><a href="#Fussnote_204_204" class="fnanchor">[204]</a> Die Erneuerung verschollener
-Poesien bildete einen wichtigen Punkt in Herders groartigem
-Lebensprogramm. Diese Bestrebungen drfen hier nicht unerwhnt bleiben.
-Wenn Wackenroder und Tieck auch zunchst, wie es scheint, auf eigenem
-Wege in Sddeutschland ihren Enthusiasmus fr alte, religise und
-nationale Kunst wachriefen: in den letzten Neunzigerjahren scheint
-auch die Herder&#8217;sche Thtigkeit direct frdernd auf diese romantischen
-Tendenzen herbergewirkt zu haben. Diese hohe Ehrfurcht vor dem
-Alten, die in Dichtung und Wissenschaft noch lange hchst fruchtbar
-und gelegentlich auch nachtheilig wirkte, sehen wir also als einen
-wesentlichen und echt romantischen Zug in Tiecks Verhalten zum alten
-Genoveva-Volksbchlein ausgeprgt.</p>
-
-<p>Bei aller Ehrfurcht vor der poetischen Kraft, die in den Motiven der
-alten Volksromane steckt, macht doch auch der geluterte Geschmack
-des neueren Dichters, der inmitten der hchsten Entfaltung deutscher
-Kunstpoesie aufgewachsen war, seine Rechte geltend. Wenn Tieck von
-seiner alten Vorlage auch mglichst wenig ausscheidet, so sucht er
-dafr seinerseits manches zuzugeben, um eine reiche und abgerundete
-Fassung fr sein<span class="pagenum"><a name="Seite_63" id="Seite_63">[S. 63]</a></span> altes Juwel zu gewinnen. Was im Volksbuche nur
-in wenigen Stzen, im Stile einer trockenen Chronik abgethan wird,
-reizt mitunter den Bearbeiter zu vollstndigerer Ausfhrung. Das
-geschieht beim Abschiede und beim Kriege, bei der Jagd wie bei der
-Wiederauffindung Genovevas. Die in der Legende gebotenen Motive
-werden bis in die letzten Verzweigungen zu Ende gedacht. Aus einer
-kurzen Erzhlung des Abschiedes wchst eine Reihe verschiedenartiger
-Stimmungsbilder heraus; die drftigen Angaben der Vorlage ber
-den Krieg werden zu einem bunten, weitlufigen Bilde ritterlichen
-Kriegslebens erweitert, und diese verschiedenen Scenen sollen sich
-dann wieder zu einem groen Gemlde voll alterthmlicher Stimmung
-zusammenschlieen, aus dem uns &#8222;die Begeisterung des Kriegers&#8220; krftig
-entgegenwehen soll.</p>
-
-<p>Wenn Abschied und Krieg in der Erzhlung der Legende dem Geschmacke
-Tiecks zu kahl und farblos erschienen, so konnte ihm am Charakter
-Golos, der in echter alter Holzschnittmanier als unmenschlicher
-Bsewicht schroff contrastiert neben dem Engel Genoveva steht, das
-Niedrige, Rohe und psychologisch Unentwickelte nicht gengen. Hier
-greift darum der neuere Dichter wieder in seiner Weise poetisierend
-ein, indem er diesen Charakter auf eine menschlich hhere Stufe hebt,
-einen an sich edel veranlagten Menschen durch ungezgelte Leidenschaft,
-die zudem von einer aus falscher Liebe irreleitenden Pflegemutter
-gesteigert wird, tragisch untergehen lsst, und dabei findet auch der
-psychologisierende Poet, der Dichter des &#8222;Lovell&#8220; und &#8222;Blaubart&#8220;,
-seine Aufgabe, wenn er die Liebesleidenschaft von der ersten keimenden
-Neigung bis zum elementaren, rasenden Sturm verfolgt und mit leichter,
-wohlgebter Feder Scene um Scene, worin das Werden und Wachsen dieser
-Liebe vorgefhrt wird, aufs Papier wirft. Fr diese Partien der
-Legende fand also der Romantiker noch nicht genug von jener &#8222;wahren
-Erfindung&#8220;, die er den Volksbchern im allgemeinen nachrhmt. Er musste
-das sprlich skizzierte Motiv selbst gestalten, ausfhren, vertiefen
-und abrunden, wie es etwa Goethe in seiner Art mit eigenen Erlebnissen
-that. Goethe erlebte ein Fragment. Dieses wuchs aber in seiner
-Dichtung zum fertigen, in die letzten Consequenzen fortgedachten,
-schn gerundeten Ganzen aus. Diesem poetischen Processe lsst sich
-Tiecks Verfahren mit dem Stoffe in der ersten Hlfte seiner Dichtung
-einigermaen an die Seite setzen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_64" id="Seite_64">[S. 64]</a></span></p>
-
-<p>Anders wird das Verhltnis in der zweiten Hlfte der &#8222;Genoveva&#8220;, wenn
-auch fr sie die frhere Erweiterung oder Vertiefung des Golocharakters
-selbstverstndlich noch wirksam bleibt und die dramatische Form an
-einzelnen Stellen ihr Recht geltend macht. Von der Gefangennahme der
-Heldin an merkten wir einen viel engeren Anschluss an die Legende,
-ein Begngen mit dem alten berlieferten, das sich in den Stanzen
-des heiligen Bonifacius so weit steigert, dass man stellenweise
-fast nur von einem Umdichten der prosaischen Erzhlung in Verse und
-Strophen reden kann. Ein wenig freier bewegt sich Tieck wieder von
-der Hexenscene an gegen das Ende zu. Hier herrschen die weichen und
-frommen Stimmungsbilder. Allein der Dichter erweitert hier seine
-Vorlage nirgends in dem Mae, wie es bei Abschied und Krieg geschah.
-Wenn man von den letzten Wundergeschichten der Legende absieht,
-die grtentheils wegfallen, so muss man sagen, dass der Dichter
-auch hier weitaus das Meiste und vieles ohne wesentliche nderung
-beibehlt. Im ganzen genommen scheint also fr die zweite Hlfte der
-Tieck&#8217;schen Dichtung charakteristisch, dass hier dem Dichter der
-vorliegende Stoff, die Wunder und Visionen, das Leben und Leiden der
-Heiligen in der Waldeinsamkeit, sowie die Art des Wiederfindens der
-Todtgeglaubten schon jene ursprngliche &#8222;Kraft der Poesie&#8220;, von der
-unser Romantiker bei den alten &#8222;Schartecken&#8220; spricht, in sich zu tragen
-schien. Es bedurfte da nicht mehr vielen Umschmelzens und Luterns,
-es brauchten nur Form und Vortragsweise hinzuzutreten und das alte
-Bchlein war aufgefrischt, wie es A.W. Schlegel verlangte. Poetischer
-Stimmungsduft und Naturgefhl durchziehen hier zwar reichlich das
-Ganze, sie umschleiern wohl die Vorgnge, ohne aber die alten Motive
-in ihrem inneren Wesen tiefer zu berhren. Gerade diese letzten Theile
-des Volksbuches, &#8222;die Schilderung der Einsamkeit, die Leiden der Frau
-in dieser und das wundersame Zusammentreffen mit dem Gemahl&#8220; waren es
-zuvrderst, die Tiecks Imagination nach seinem eigenen Gestndnisse in
-Bewegung setzten.<a name="FNAnker_205_205" id="FNAnker_205_205"></a><a href="#Fussnote_205_205" class="fnanchor">[205]</a> Auch der &#8222;schlichte Ton&#8220;, der Tieck beim Lesen
-der Legende so besonders rhrte, kommt am wirksamsten in der zweiten
-Hlfte derselben zur Geltung. Tiecks Worte in der Einleitung zu seinen
-Schriften treffen mithin den wirklichen Thatbestand, nur dass sie<span class="pagenum"><a name="Seite_65" id="Seite_65">[S. 65]</a></span> in
-ihrer Allgemeinheit erst nach angestellter Untersuchung concret und
-deutlich werden.</p>
-
-<p>Fr die greren Erweiterungen des alten Stoffes ist noch ein zweiter
-Gesichtspunkt zu bercksichtigen. Die Legende, die in einfachster
-Art nur die menschlichen Conflicte und wunderbaren Begebenheiten in
-Genovevas Leben vortrgt, die auch nur die bedeutendsten Personen
-mit eigenem Namen versieht, diese bescheidene Legende wird von Tieck
-auch im Sinne der mannigfaltigen und alles umfassenden romantischen
-&#8222;Universalpoesie&#8220;, die dem Theoretiker Friedrich Schlegel angesichts
-des Romans &#8222;Wilhelm Meister&#8220; zu einem wichtigen Postulate geworden
-war, stofflich bereichert, wie schon Hettner ausfhrt.<a name="FNAnker_206_206" id="FNAnker_206_206"></a><a href="#Fussnote_206_206" class="fnanchor">[206]</a> Die
-romantische Poesie soll ja &#8222;gleich dem Epos ein Spiegel der ganzen
-umgebenden Welt, ein Bild des Zeitalters werden&#8220;.<a name="FNAnker_207_207" id="FNAnker_207_207"></a><a href="#Fussnote_207_207" class="fnanchor">[207]</a> Im Rahmen
-der Geschichte Genovevas will Tieck in epischer Breite auch ein
-Bild mittelalterlichen Lebens aufrollen. Diesem Zwecke dienen die
-breiten Kreuzzugs-Scenen; denn &#8222;die Begeisterung des Kriegers&#8220; soll
-sich entfalten, jener kriegerische Enthusiasmus, den Tieck fter als
-romantisch bezeichnet.<a name="FNAnker_208_208" id="FNAnker_208_208"></a><a href="#Fussnote_208_208" class="fnanchor">[208]</a> Dabei wird es mglich, den Contrast von
-morgenlndischem und abendlndischem Wesen sammt seinen Differenzen
-in Glaubens- und Lebensanschauung ebenso das Verhltnis zwischen
-Lehensherrn und Vasallen zu zeigen. Gegenber dem Kreuzzugsbilde sehen
-wir das Leben auf der Ritterburg, das Tieck mit einem mannigfaltigen
-Apparat zu bereichern sucht. Wir treten in die gothische Burgkapelle
-zum Gottesdienst. Das Ingesinde des Schlosses wird durch verschiedene
-Figuren vertreten, bis zum leibeigenen Schfer herab. Hexenwahn und
-Hexenprocess, Ausbung der Gerichtsbarkeit durch die Sippe, das
-ritterliche Vergngen der Jagd fehlen nicht. Wenn Golo selbst zu
-einem Liede &#8222;Wort und Weise&#8220; findet, so scheint Tieck einen alten
-Minnesnger vor Augen zu haben. Das ber die engeren Verhltnisse
-Hinausliegende, Staat und Kirche, erscheint wenigstens blass im
-Hintergrunde. Das Menschendasein soll seinen ganzen vielgestaltigen
-Reichthum von Motiven zeigen. Wir sehen Kinder, Jnglinge, Mnner
-und Greise, Hochgestellte und Mchtige, Arme und Niedrige. Geburt,
-Verlbnis,<span class="pagenum"><a name="Seite_66" id="Seite_66">[S. 66]</a></span> Hochzeit und Tod, Krieg und Frieden, frohe und traurige
-Stunden, alle mglichen Gemthsstimmungen und Religionsanschauungen,
-Vergangenheit (Bonifacius), Gegenwart und Zukunft (Der Unbekannte,
-Ausblick in den Himmel), alles zieht wie ein bunter Traum vor unserer
-Phantasie vorber. Seit den Schlegel&#8217;schen Aufstellungen kehrt
-das echt romantische Bestreben, ein Vielartiges zu einem Complex
-zusammenzuordnen, berall und in immer neuen Wendungen wieder. Vor
-dem Auftauchen dieses Gedankens ist der Dichtung Tiecks eine solche
-Vielgestaltigkeit fremd.</p>
-
-<p>Was Tieck im kleinen dort und da nderte, ward an den einzelnen
-Punkten unserer Vergleichung angemerkt und wir sahen, wie er das Rohe,
-Crasse, Hssliche mildert, das Energische und Kraftvolle abschwcht,
-Unebenheiten glttet, kleine Verschiebungen und Zusammenziehungen der
-dramatischen Form zuliebe vornimmt und kleine Zuthaten zur Motivierung
-einfgt. fters sind es recht glcklich gewhlte Zge (z.B. Golos
-Heimweh nach den vertrauten Sttten). Das ist die Art, wie Tieck das
-Alte, wo er es unverkrzt aufnimmt, erneuert und auffrischt und die
-Spuren der &#8222;Verwitterung&#8220; entfernt. Die Stellung des Dichters zu seiner
-alten Vorlage ist in allem Wesentlichen durch jenen Geist der Romantik
-bedingt, der um 1800 in unserer Literatur heimisch war.</p>
-
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_67" id="Seite_67">[S. 67]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="mbot2" id="III">III.<br />
-
-Literarische Einflsse.</h2>
-
-<h3 id="Tieck_und_Maler_Mueller">1. Tieck und Maler Mller.<br />
-
-<span class="smaller gesperrt">(Goethes &#8222;Gtz&#8220; und &#8222;Werther&#8220;.)</span></h3>
-
-<p>Dass Tieck nicht alles, was wir als Zuthat dem Volksbuche gegenber
-erkannten, unvermittelt aus seiner eigenen Phantasie heraufholen
-konnte, sagt uns die gewhnliche psychologische Erfahrung. Und wer
-bedenkt, welche Fhigkeit des Anempfindens und Nachempfindens Tieck
-eignete, wer sich erinnert, wie Lesen fr ihn oft zum Erleben wurde,
-der sieht sich von selbst genthigt, nach literarischen Vorbildern
-fr seine &#8222;Genoveva&#8220; auszuschauen. Und der Dichter erleichtert dem
-Forscher das Suchen. Wir hren von ihm selbst, dass sich &#8222;Erinnerungen,
-Vorstze und poetische Stimmungen&#8220; mit dem &#8222;Mrchen&#8220; von der heiligen
-Genoveva verbunden htten. Was unter den &#8222;Vorstzen&#8220; und &#8222;Stimmungen&#8220;
-zu verstehen ist, sahen wir schon. Eine Richtung, aus welcher die
-&#8222;Erinnerungen&#8220; auf ihn zukamen, hat uns Tieck selber angezeigt, wenn
-er auf Maler Mllers &#8222;Golo und Genoveva&#8220; aufmerksam macht. Ein Jahr
-bevor er das Volksbuch las, hatte er bereits das Manuscript dieses
-Sturm- und Drang-Schauspiels gelesen. War diese Lectre auch keine sehr
-intensive, so mag man doch von vornherein vermuthen, dass sie auch
-irgendwie befruchtend auf die Phantasie des Dichters wirkte, der an die
-Behandlung des gleichen Stoffes gieng.</p>
-
-<p>Den groen Eindruck, den beim Lesen des Mller&#8217;schen Manuscriptes das
-traurige Liebeslied: &#8222;Mein Grab sei unter Weiden&#8220;, das die wichtigsten
-Momente in Golos Geschick begleitet, auf Tieck machte, hebt dieser im
-Vorberichte zu seinen Schriften selbst hervor.<a name="FNAnker_209_209" id="FNAnker_209_209"></a><a href="#Fussnote_209_209" class="fnanchor">[209]</a> Die Einschaltung
-eines solchen Liedes<span class="pagenum"><a name="Seite_68" id="Seite_68">[S. 68]</a></span> nimmt er mit Bewusstsein aus Mllers Drama in das
-seine herber.</p>
-
-<p>Vergleicht man das Lied bei Mller<a name="FNAnker_210_210" id="FNAnker_210_210"></a><a href="#Fussnote_210_210" class="fnanchor">[210]</a> (dessen Stimmung auch Werthers
-Worte: &#8222;Ach, ich wollte ihr begrbt mich am Wege, oder im einsamen
-Thale...&#8220; schon ausdrcken) mit dem Tieck&#8217;schen<a name="FNAnker_211_211" id="FNAnker_211_211"></a><a href="#Fussnote_211_211" class="fnanchor">[211]</a> auf seinen Inhalt
-hin, so ergibt sich auf den ersten Blick eine bereinstimmung in allem
-Wesentlichen. Todessehnsucht eines unglcklichen Liebhabers, geknpft
-an den gleichen dsteren Naturhintergrund, ist der Vorwurf beider
-Gedichte. Den Wunsch nach dem einsamen Grabe, den die zwei ersten Verse
-Mllers aussprechen, behandelt die erste Strophe Tiecks. &#8222;Der Kummer&#8220;,
-der mit dem Grabe enden soll und den die folgenden Mller&#8217;schen Zeilen
-schildern, erfllt die zweite Strophe Tiecks, welche den &#8222;Kummer&#8220; als
-den Schmerz eines verstoenen Liebhabers ausfhrlicher charakterisiert.
-Wie Mllers Lied in den Schlussversen zum Wunsch und Naturbild des
-Anfanges zurckkehrt, thut es auch Tiecks letzte Strophe. Also Inhalt
-und Gliederung des Inhaltes sind bei beiden Dichtern dieselben. Tieck
-bereichert und erweitert nur, was Mller in gedrngter Krze sagt.
-Das eingehendere Verweilen bei der Naturscenerie ist bezeichnend fr
-den Romantiker. Grund und Art der Todessehnsucht mssen bei Tieck
-genauer ausgefhrt werden, weil das Lied nicht wie bei Mller blo
-Empfindungs-Aussprache Golos ist, dessen Herzleid wir schon einen Act
-lang kennen und der daher mit dem einen Worte &#8222;Kummer&#8220; deutlich macht,
-was er sagen will, whrend das Lied bei Tieck von einem unbekannten
-Verstoenen stammt und auch zunchst von einem Unbetheiligten gesungen
-wird.</p>
-
-<p>Eine wesentliche Differenz liegt aber in der Verwendung des Liedes
-bei Mller und Tieck. In Mllers Drama ist es zweimal directer
-lyrischer Ausfluss von Golos Stimmung<a name="FNAnker_212_212" id="FNAnker_212_212"></a><a href="#Fussnote_212_212" class="fnanchor">[212]</a> und einmal soll es eine
-bestimmte Stimmung in ihm wecken.<a name="FNAnker_213_213" id="FNAnker_213_213"></a><a href="#Fussnote_213_213" class="fnanchor">[213]</a> Diese Art von Wiederholung
-lsst einen eigenthmlichen Ton weicher Schwermuth ber dieses Drama
-hinschweben.<a name="FNAnker_214_214" id="FNAnker_214_214"></a><a href="#Fussnote_214_214" class="fnanchor">[214]</a> Bei Tieck tritt<span class="pagenum"><a name="Seite_69" id="Seite_69">[S. 69]</a></span> das Lied als etwas ganz Fremdes an
-Golo heran, aber es berwltigt sein Herz beim ersten Anhren mit einer
-geheimen rthselhaften Macht, dass ihm die Thrnen nahe sind.<a name="FNAnker_215_215" id="FNAnker_215_215"></a><a href="#Fussnote_215_215" class="fnanchor">[215]</a>
-Etwas Ahnungsschweres liegt in dieser ersten Einfhrung des Liedes.
-Der verliebte Golo bentzt im weiteren Verlaufe das Lied auch, um mit
-dessen Worten seine Empfindung zu entladen.<a name="FNAnker_216_216" id="FNAnker_216_216"></a><a href="#Fussnote_216_216" class="fnanchor">[216]</a> Vor dem Tode drngen
-sich die Verse des Liedes in sein Gebet.<a name="FNAnker_217_217" id="FNAnker_217_217"></a><a href="#Fussnote_217_217" class="fnanchor">[217]</a> Was der unbekannte
-Dichter in seinem Liede sagt und wnscht, erfllt sich nach und nach
-an Golo; ein Grab unter Weiden, das jener sich wnscht, wird diesem
-zutheil. Golo betrachtet schlielich auch selbst das Lied als eine
-Schicksalsverkndung und beruft sich auf das Versprechen des Liedes,
-das sich an ihm erfllen soll.<a name="FNAnker_218_218" id="FNAnker_218_218"></a><a href="#Fussnote_218_218" class="fnanchor">[218]</a> So hat das Lied bei Tieck eine
-ganz eigene Stellung gewonnen. Wie eine geheimnisvolle rthselhafte
-Schicksalsstimme klingt es erst zufllig an Golos Gemth, wie die
-Stimme einer unbekannten Macht, die verborgen die Erlebnisse des
-Ritters zu lenken scheint, begleitet es dann Golo bis zum Grabe. Als
-schicksalsmigen Zuruf an Golo charakterisiert sich das Lied sogar
-stilistisch durch den Doppelsinn der Selbstanrede in der zweiten
-Person. &#8222;Such&#8217; zum Troste dir ein Grab&#8220; sagt zunchst der Dichter
-des Liedes zu sich selbst; &#8222;Such&#8217; zum Troste dir ein Grab&#8220; sagt das
-Lied zu Golo. Nach unmittelbarer, krftiger Aussprache der Empfindung
-strebt Mller, der Dichter der Geniezeit: die geheimnisvoll anklingende
-Stimmung und die Kunst der feinen, ahnungsvollen Beziehungen und das
-Hereingreifen einer berirdischen Schicksalsmacht in das Menschenleben
-interessiert Tieck den Romantiker.</p>
-
-<p>Auer diesem Liede blieben Tieck noch &#8222;dunkle Erinnerungen&#8220; vom Ganzen
-und klare von einzelnen Stellen des Mller&#8217;schen Dramas. Verschiedene
-Gestalten nahmen bei Tieck, wie gezeigt wurde, ein anderes Wesen
-an, als sie im Volksbuch hatten. Sollten nicht die &#8222;Erinnerungen&#8220;
-an das Drama gleichen Inhaltes als wirkende Krfte bei diesen
-Verschiebungen mitgeholfen haben? Mllers Drama verdankt aber selbst
-wieder verschiedene Zge Goethes greren Jugendwerken &#8222;Gtz&#8220; und<span class="pagenum"><a name="Seite_70" id="Seite_70">[S. 70]</a></span>
-&#8222;Werther&#8220;.<a name="FNAnker_219_219" id="FNAnker_219_219"></a><a href="#Fussnote_219_219" class="fnanchor">[219]</a> Die Lectre dieser nmlichen Dichtungen Goethes ist
-auch fr den jungen Tieck einst ein Ereignis gewesen. Den &#8222;Gtz&#8220; soll
-er so gut wie auswendig gewusst haben, &#8222;Werther&#8220; hatte ihn aufs tiefste
-ergriffen. Dies gibt uns ein Recht, hier alle diese literarischen
-Erfahrungen Tiecks zusammenzunehmen und beim Vergleiche mit Mllers
-Drama ab und zu auch einen Blick auf &#8222;Gtz&#8220; und &#8222;Werther&#8220; zu werfen.
-Die innerlich verwandten dichterischen Gestalten mussten auch als
-verwandte Erlebnisse und Krfte in Tiecks Phantasie wirksam sein. Es
-wird eine resultierende aus mehreren verwandten Krften.</p>
-
-<p>Tiecks Golo wird kaum seine Verwandtschaft mit der Gestalt, die Mller
-schuf, verleugnen knnen. Mehr als ein Zug von Familienhnlichkeit
-zeigt sich bei nherer Betrachtung. Mllers Golo ist vor seiner
-unglcklichen Liebe ein heiterer Ritter, der es versteht, angenehmen
-Zeitvertreib zu schaffen.<a name="FNAnker_220_220" id="FNAnker_220_220"></a><a href="#Fussnote_220_220" class="fnanchor">[220]</a> &#8222;Er ist auch Maler... Und Musikant;
-hat alle Talente.&#8220;<a name="FNAnker_221_221" id="FNAnker_221_221"></a><a href="#Fussnote_221_221" class="fnanchor">[221]</a> Seine Sangeskunst bt er gelegentlich aus.
-Ganz hnlich hren wir im Eingange der Tieck&#8217;schen &#8222;Genoveva&#8220; Golo
-schildern und auch dieser bt im Verlaufe des Stckes einzelnes von
-dem, was ihm hier beigelegt wird. Ein lustiger Reiter, der sein frohes
-Morgenlied singt, galoppiert er ins freie Feld. &#8222;Er kann alles,&#8220; &mdash;
-versichert der Schfer Heinrich &mdash; &#8222;er singt, er musiciert, er kann
-Gemlde machen, er tanzt und ist auch ein Dichter&#8220;.<a name="FNAnker_222_222" id="FNAnker_222_222"></a><a href="#Fussnote_222_222" class="fnanchor">[222]</a> Tiecks Golo
-versteht es ebenfalls, die Menschen froh zu machen.<a name="FNAnker_223_223" id="FNAnker_223_223"></a><a href="#Fussnote_223_223" class="fnanchor">[223]</a> So war ja auch
-schon Weislingen im &#8222;Gtz&#8220; der &#8222;edelste, verstndigste und angenehmste
-Ritter in Einer Person&#8220; vor seiner Liebschaft mit Adelheid. Der &#8222;Maler&#8220;
-endlich geht auch bis auf den &#8222;Werther&#8220; zurck.</p>
-
-<p>Die Art, wie der Strmer und Drnger und der Romantiker die
-Liebes-Entwickelung an ihren Helden darstellen, zeigt auch manche
-auffallende Berhrungspunkte. Aus dem abstoenden Wstling der Legende
-ist bei beiden Dichtern ein liebenswrdiger Ritter geworden, dessen
-erwachende Liebe zunchst eine reine Neigung ist, die mit religiser
-Ehrfurcht zum geliebten Wesen aufblickt und in Ausdrcken religiser
-Verehrung zu<span class="pagenum"><a name="Seite_71" id="Seite_71">[S. 71]</a></span> demselben spricht. &#8222;Gtz&#8220; und &#8222;Werther&#8220; gehen auch hier
-als Vorbild voraus.</p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse center"><em class="gesperrt">Gtz</em> (Franz):</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse tdl">&#8222;... ich fhlte in dem Augenblick, wie&#8217;s den Heiligen bei himmlischen
- Erscheinungen sein mag.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse center"><em class="gesperrt">Werther</em>:</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse tdl">&#8222;Leb&#8217; wohl, Engel des Himmels!&#8220; &mdash; &#8222;Lippen! auf denen die Geister
- des Himmels schweben.&#8220; &mdash; &#8222;... habe ich nicht, gleich einem Kinde, ungengsam
- allerlei Kleinigkeiten zu mir gerissen, die du Heilige berhrt hattest!&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse center"><em class="gesperrt">Mller</em>:</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Da ich mich erquicke an ihren Spuren: Das sei es auch alles, reine
- Anbetung, wie die Liebe zum schnsten Gestirn, ... so sei mein Weben
- stiller Wunsch, Gebet zu ihr!&#8220;<a name="FNAnker_224_224" id="FNAnker_224_224"></a><a href="#Fussnote_224_224" class="fnanchor">[224]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse center"><em class="gesperrt">Tieck</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Ja, ihr habt recht, ihr seid ein gttlich Bild,</div>
- <div class="verse">Drum muss man euch Reliquien gleich verehren,</div>
- <div class="verse">Mit stummer Inbrunst und aus frommer Ferne.&#8220;<a name="FNAnker_225_225" id="FNAnker_225_225"></a><a href="#Fussnote_225_225" class="fnanchor">[225]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Mllers Golo wird von einem geheimen Zuge seines Herzens, ber
-den er sich noch keine klare Rechenschaft gibt, in das Vorzimmer
-Genovevas gefhrt.<a name="FNAnker_226_226" id="FNAnker_226_226"></a><a href="#Fussnote_226_226" class="fnanchor">[226]</a> (Werther.) Auch bei Tieck sieht sich Golo
-unvermerkt in der Nhe seiner Geliebten.<a name="FNAnker_227_227" id="FNAnker_227_227"></a><a href="#Fussnote_227_227" class="fnanchor">[227]</a> berall kmpfen reine
-Herzensneigung und Sinnlichkeit zuerst einen harten Kampf. Jeder von
-beiden muss sich die Berechtigung seiner Leidenschaft erst einreden.
-(Werther&mdash;Weislingen.) Jeder mchte der Gefahr entfliehen, aber es
-gelingt nicht. (Werther&mdash;Weislingen.) Jeder spricht in Liedern von
-seinem Liebeskummer zur Geliebten.</p>
-
-<p>Bei der reinen schwrmerischen Liebe bleibt es aber weder in dem
-einen noch im andern Falle. Die Leidenschaft wchst und wchst und
-wird zum zehrenden Gifte. Nach der fehlgeschlagenen Liebeswerbung ist
-Mllers Golo hchst rathlos und muss sich ganz und gar der fhrenden
-Hand Mathildens anvertrauen.<a name="FNAnker_228_228" id="FNAnker_228_228"></a><a href="#Fussnote_228_228" class="fnanchor">[228]</a> Nicht viel besser ergeht es Golo
-bei Tieck nach der Portrtscene; auch er wre ohne seine Amme Gertrud
-hilflos.<a name="FNAnker_229_229" id="FNAnker_229_229"></a><a href="#Fussnote_229_229" class="fnanchor">[229]</a> In beiden Helden geht mit der wachsenden Liebe eine
-groe Vernderung vor sich. Mllers Golo findet an seiner glnzenden<span class="pagenum"><a name="Seite_72" id="Seite_72">[S. 72]</a></span>
-Zukunft kein Interesse mehr.<a name="FNAnker_230_230" id="FNAnker_230_230"></a><a href="#Fussnote_230_230" class="fnanchor">[230]</a> Auch bei Tieck wird dem Ritter
-alles zuwider und gleichgiltig, was ihm sonst Freude machte.<a name="FNAnker_231_231" id="FNAnker_231_231"></a><a href="#Fussnote_231_231" class="fnanchor">[231]</a>
-(Werther.) Das Problem, wie ein &#8222;edler Mann&#8220; durch seine ungezgelte
-Leidenschaft so &#8222;tief hinuntersinken&#8220;<a name="FNAnker_232_232" id="FNAnker_232_232"></a><a href="#Fussnote_232_232" class="fnanchor">[232]</a> muss, wollen Mller und
-Tieck<a name="FNAnker_233_233" id="FNAnker_233_233"></a><a href="#Fussnote_233_233" class="fnanchor">[233]</a> entwickeln. Wie der biedere, treue Adolf bei Mller, tadelt
-der alte Wolf bei Tieck diese schlimme Vernderung am Verliebten.<a name="FNAnker_234_234" id="FNAnker_234_234"></a><a href="#Fussnote_234_234" class="fnanchor">[234]</a>
-(Auch Adelheid an Weislingen.) &mdash; Die Art des Empfindens beider
-Liebhaber hat auch viele hnlichkeit. Bei jedem entfacht sich eine
-tiefe Leidenschaft, die sich wohl in erregten und schwermthigen
-Gefhlswallungen auslebt, dann wieder in weichen Sehnsuchtsstimmungen
-versinkend schwelgt, aber es fehlt dabei jeder krftige Impuls zu
-entschlossenem Handeln. Am auffallendsten tritt diese Willensschwche
-allerdings an Mllers Golo hervor, weil neben ihm das willenskrftige
-Machtweib Mathilde steht, die ihren weichlichen Schtzling Schritt
-fr Schritt vorwrts fhren muss, whrend Tiecks kraftloser Held
-durch kein so bermchtiges Gegenspiel in Schatten gestellt wird.
-Beide liebesiechen Ritter gefallen sich in wehmthigen Todesgedanken.
-Es muss aber hier auch angemerkt werden, dass Tiecks Gemthsanlage
-und langgenhrte Neigung fr dstere Stimmungen dem Vorbilde aus der
-Wertherzeit besonders verwandt entgegenkam. Der &#8222;Werther&#8220; selbst aber
-und verwandte Dichtungen waren fr Tiecks Gemth nicht ohne Einfluss.</p>
-
-<p>Mllers Golo sieht, nachdem er verschiedene Unthaten begangen hat und
-von Gewissensbissen gepeinigt wird, mit seinem berreizten Gehirn
-Gespenster,<a name="FNAnker_235_235" id="FNAnker_235_235"></a><a href="#Fussnote_235_235" class="fnanchor">[235]</a> er wthet gegen die eigenen Freunde und Helfershelfer,
-er reit Steffen zu Boden<a name="FNAnker_236_236" id="FNAnker_236_236"></a><a href="#Fussnote_236_236" class="fnanchor">[236]</a> und sticht nach Mathilden.<a name="FNAnker_237_237" id="FNAnker_237_237"></a><a href="#Fussnote_237_237" class="fnanchor">[237]</a> Vom
-Gespenstersehen zeigt sich bei Tieck nur noch eine schwache Spur,<a name="FNAnker_238_238" id="FNAnker_238_238"></a><a href="#Fussnote_238_238" class="fnanchor">[238]</a>
-wohl aber strzt auch Tiecks Golo seinen einzigen treugebliebenen
-Benno, der die Rolle Steffens theilweise bernommen hat, in einem
-dumpfen Wuthanfall in<span class="pagenum"><a name="Seite_73" id="Seite_73">[S. 73]</a></span> den Abgrund.<a name="FNAnker_239_239" id="FNAnker_239_239"></a><a href="#Fussnote_239_239" class="fnanchor">[239]</a> &mdash; Schon bei Mllers Helden
-(Weislingen &mdash; Werther) legt sich die Liebesleidenschaft mit so
-unwiderstehlicher Gewalt auf die Seele, dass sich der Unglckliche
-unter dem Banne einer unbezwingbaren Schicksalsmacht fhlt.<a name="FNAnker_240_240" id="FNAnker_240_240"></a><a href="#Fussnote_240_240" class="fnanchor">[240]</a> Wie
-verwandt gerade diese Auffassung Tiecks eigener Anschauung war, zeigte
-schon die Betrachtung des traurigen Liedes und verschiedene andere
-Dichtungen besttigen es. In &#8222;Abdallah&#8220;, &#8222;Lovell&#8220;, &#8222;Karl von Berneck&#8220;
-herrschen dunkle Gewalten ber die Menschen, ber Menschen, in denen
-sich keine eigene spontane Willenskraft zu regen scheint, sondern eine
-elementare geheime Naturgewalt bewegt sich in ihnen. Diese fremdartige
-Gemthsrichtung Tiecks ist auch in der &#8222;Genoveva&#8220; dort wirksam, wo
-sich Golo von einer dunkeln, unberwindlichen Macht fortgestoen
-fhlt.<a name="FNAnker_241_241" id="FNAnker_241_241"></a><a href="#Fussnote_241_241" class="fnanchor">[241]</a> Die literarischen Vorbilder nhrten und entwickelten Tiecks
-Gemthsrichtung selbstverstndlich.</p>
-
-<p>Jene Episode, die bei Mller Golos Zusammentreffen mit dem Schfer
-Brandfuchs schildert und das Los des unglcklichen Ritters mit
-dem harmlosen Glck des anspruchlosen Schfers contrastiert,<a name="FNAnker_242_242" id="FNAnker_242_242"></a><a href="#Fussnote_242_242" class="fnanchor">[242]</a>
-scheint nicht ohne Einfluss auf Golos Zusammentreffen mit dem
-Schfer Heinrich bei Tieck<a name="FNAnker_243_243" id="FNAnker_243_243"></a><a href="#Fussnote_243_243" class="fnanchor">[243]</a> geblieben zu sein. Jedesmal drngt
-sich auch das Erinnern an die vergangenen Zeiten und damit die
-gleiche Wehmuthstimmung ein. Tieck liebt solche Contraste und solche
-Stimmungsbildchen freilich noch mehr als Mller. &mdash; Mllers Golo wird
-von den racheheischenden Rittern, mit denen er zur Jagd ausgezogen
-ist, wirklich gejagt wie ein Wild.<a name="FNAnker_244_244" id="FNAnker_244_244"></a><a href="#Fussnote_244_244" class="fnanchor">[244]</a> Tiecks Ritter fhlt sich nur
-wie ein gehetztes Wild.<a name="FNAnker_245_245" id="FNAnker_245_245"></a><a href="#Fussnote_245_245" class="fnanchor">[245]</a> Die wiedergefundene Genoveva erscheint
-dort Golo wie eine auferstandene Todte<a name="FNAnker_246_246" id="FNAnker_246_246"></a><a href="#Fussnote_246_246" class="fnanchor">[246]</a> (Weislingen&mdash;Maria): hier
-wie ein Traumbild.<a name="FNAnker_247_247" id="FNAnker_247_247"></a><a href="#Fussnote_247_247" class="fnanchor">[247]</a> Diese Abschwchung der ueren, drastischen
-Handlung zur inneren Stimmung, des gestaltlich Greifbaren ins dmmernd
-Unbestimmte des Traumes entspricht wieder ganz der Neigung<span class="pagenum"><a name="Seite_74" id="Seite_74">[S. 74]</a></span> des
-romantischen Dichters. Die Verwendung des begleitenden Liedes in der
-Weise Mllers verlangte auch die gleiche Situation und Stimmung fr die
-Todesscene Golos bei Tieck: unter dunkeln Weiden im einsamen Thale.
-Wie hier das einemal Golos Gegner ritterlichen Tod und Begrbnis
-verweigern, so verweigern Siegfrieds Bruder und Vetter das anderemal
-(abweichend vom Volksbuche) das ehrliche Begrbnis. Mllers Golo
-erreicht aber mit Gewalt,<a name="FNAnker_248_248" id="FNAnker_248_248"></a><a href="#Fussnote_248_248" class="fnanchor">[248]</a> was Tiecks Golo erbittet.<a name="FNAnker_249_249" id="FNAnker_249_249"></a><a href="#Fussnote_249_249" class="fnanchor">[249]</a> Wieder
-ein Entfernen des Drastischen.</p>
-
-<p>Lassen sich die Einwirkungen des Mller&#8217;schen Helden vielfach deutlich
-verfolgen, so sind die Nachwirkungen der Genovevagestalt Mllers auf
-ihre Nachfolgerin lange nicht so betrchtlich. Begreiflich, die ganz
-verschiedene Auffassung dieser Gestalt bei beiden Dichtern erklrt
-es. Dort und da nur blickt das Vorbild noch ein wenig hervor. Den
-glcklichen poetischen Griff, den Mller thut, wenn er seine Genoveva
-voll trber Ahnung ihren Gatten dringlich bitten lsst, dass er sie
-mit in den Krieg nehme,<a name="FNAnker_250_250" id="FNAnker_250_250"></a><a href="#Fussnote_250_250" class="fnanchor">[250]</a> hat auch Tieck sofort empfunden und ihn
-fr seine Heldin gleichfalls verwendet.<a name="FNAnker_251_251" id="FNAnker_251_251"></a><a href="#Fussnote_251_251" class="fnanchor">[251]</a> Tieck lsst aber wieder
-die trben Stimmungen und Ahnungen, wovon die Abschiedsscene erfllt
-ist, die bei seinem Vorgnger nur kurz anklingen, lange und behaglich
-austnen. &mdash; Mllers Genoveva ist von argloser, naiver Gemthsart und
-schrt ohne Wissen und Absicht Golos Liebe wie Tiecks hchst naive
-Heilige, wenn auch Tieck diese Naivett und Arglosigkeit in einer Weise
-ausntzt, die das psychologisch Glaubhafte bersteigt. Das unbefangene,
-frische und heitere Gebaren Genovevas in der Portrtscene<a name="FNAnker_252_252" id="FNAnker_252_252"></a><a href="#Fussnote_252_252" class="fnanchor">[252]</a> bei
-Mller sowie in der Unterhaltung mit Mathilden in der Balkonscene<a name="FNAnker_253_253" id="FNAnker_253_253"></a><a href="#Fussnote_253_253" class="fnanchor">[253]</a>
-konnte recht wohl der Heldin Tiecks fr ihre arglose Theilnahme, fr
-ihr Zutrauen zu Golo ein wenig die Richtung angegeben haben.<a name="FNAnker_254_254" id="FNAnker_254_254"></a><a href="#Fussnote_254_254" class="fnanchor">[254]</a>
-Naivett und Unschuld verbinden sich dort wie hier. ber Golos
-Traurigkeit uern sich beide Frauen recht hnlich. Das Volksbuch gab
-Tieck fr diese Einzelzge keinen Wink. &mdash; Bei Mller<span class="pagenum"><a name="Seite_75" id="Seite_75">[S. 75]</a></span> und bei Tieck
-singt die Mutter im Kerker ihrem Kinde ein Schlummerliedchen.<a name="FNAnker_255_255" id="FNAnker_255_255"></a><a href="#Fussnote_255_255" class="fnanchor">[255]</a></p>
-
-<p>Tiecks Siegfried erinnert an sein Vorbild besonders durch das, was
-ihm fehlt, nmlich Temperament und warmbltiges, individuelles Leben.
-Siegfried ist jedesmal ein herzlich unbedeutender biederer Ehemann und
-tchtiger Kriegsmann, der nur dann ein wenig ins Feuer gerth, wenn
-er von der Untreue seiner Frau hrt oder Golo entlarvt sieht. Tiecks
-Siegfried ist daneben ein wenig fromm, aberglubisch und sentimental;
-nichts in hervorstechendem Grade. Die Farben haben berall etwas
-Mattes, Verblichenes. Jeden von beiden beschleichen im Lager trbe
-Ahnungen.<a name="FNAnker_256_256" id="FNAnker_256_256"></a><a href="#Fussnote_256_256" class="fnanchor">[256]</a> Der Ausdruck ihrer Trauer um die verlorne Gattin hnelt
-sich.<a name="FNAnker_257_257" id="FNAnker_257_257"></a><a href="#Fussnote_257_257" class="fnanchor">[257]</a> Der Gedanke Bernhards ber die untreue Frau bei Mller<a name="FNAnker_258_258" id="FNAnker_258_258"></a><a href="#Fussnote_258_258" class="fnanchor">[258]</a>
-geht bei Tieck auf Siegfried ber.<a name="FNAnker_259_259" id="FNAnker_259_259"></a><a href="#Fussnote_259_259" class="fnanchor">[259]</a></p>
-
-<p>Golo bekommt als gesinnungstreuen Diener und Helfershelfer bei Mller
-den derben Kerl Steffen, der ein gut Theil des volksthmlichen
-Hanswurstes in sich birgt, an die Seite und beim Ritter Tiecks
-vertritt Benno dessen Stelle. Benno, obschon ein etwas weniger
-ruppiger Bursche als Steffen, msste sich doch mit diesem ganz
-trefflich verstehen. Denn, wenn Steffen auf &#8222;Fressen und Saufen&#8220;
-hlt,<a name="FNAnker_260_260" id="FNAnker_260_260"></a><a href="#Fussnote_260_260" class="fnanchor">[260]</a> so findet auch Benno beim Essen und Trinken am besten seine
-Rechnung<a name="FNAnker_261_261" id="FNAnker_261_261"></a><a href="#Fussnote_261_261" class="fnanchor">[261]</a> und &#8222;Wohlanstndigkeit&#8220; mag er dabei nicht leiden.<a name="FNAnker_262_262" id="FNAnker_262_262"></a><a href="#Fussnote_262_262" class="fnanchor">[262]</a>
-&mdash; Beim berfall auf Dragones und Genoveva erscheinen &#8222;Mathilde mit
-Knechten und Steffen&#8220;.<a name="FNAnker_263_263" id="FNAnker_263_263"></a><a href="#Fussnote_263_263" class="fnanchor">[263]</a> Ebenso tritt bei Tieck Golo ein &#8222;mit
-Benno und anderen Knechten&#8220;.<a name="FNAnker_264_264" id="FNAnker_264_264"></a><a href="#Fussnote_264_264" class="fnanchor">[264]</a> &mdash; Steffen und Benno werden als
-Boten mit der verleumderischen Nachricht an Siegfried geschickt.<a name="FNAnker_265_265" id="FNAnker_265_265"></a><a href="#Fussnote_265_265" class="fnanchor">[265]</a>
-Steffens Geldgier<a name="FNAnker_266_266" id="FNAnker_266_266"></a><a href="#Fussnote_266_266" class="fnanchor">[266]</a> verunziert, wenn auch in etwas minderem Grade,
-Benno.<a name="FNAnker_267_267" id="FNAnker_267_267"></a><a href="#Fussnote_267_267" class="fnanchor">[267]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_76" id="Seite_76">[S. 76]</a></span> Steffen und Benno bleiben bei Golo, nachdem sich dieser
-von Siegfrieds Hofe geflchtet; beide werden von ihrem Herrn bel
-behandelt.</p>
-
-<p>Ist Steffen-Benno eine Art Vertrauter fr Golo, so ist es wenigstes
-anfangs Mathilde-Gertrud fr Genoveva. Der Dichter des Sturmes und
-Dranges macht, um den dramatischen Conflict zu verschrfen, die Amme
-der Legende zu Golos Mutter, whrend Tieck, der Legende folgend, die
-Amme beibehlt. Das Weib voll dmonischen Zaubers, voll Thatkraft,
-Leidenschaft und Rcksichtslosigkeit, das Machtweib, das die Mnner um
-sich her in den Untergang reit, wie Mcken, die sich in die Flamme
-strzen, verblasst zwar ganz in der Phantasie des Romantikers,<a name="FNAnker_268_268" id="FNAnker_268_268"></a><a href="#Fussnote_268_268" class="fnanchor">[268]</a>
-doch einige erkennbare Nachwirkungen dieser beraus lebendigen
-Gestalt vererbten sich immerhin auf die Amme Gertrud. Whrend die
-Amme des Volksbuches erst nach der Einkerkerung Genovevas in die
-Handlung eintritt, greifen Mathilde und Gertrud schon frher in
-Golos Liebesangelegenheit ein. Beide Dichter erweitern also die
-Rolle im gleichen Sinne. Mathilde macht dem verliebten Golo Hoffnung
-auf Erfllung seiner Wnsche,<a name="FNAnker_269_269" id="FNAnker_269_269"></a><a href="#Fussnote_269_269" class="fnanchor">[269]</a> sie sucht ihm seine Schwermuth
-und seine Todesgedanken auszureden und belehrt ihn ber die leichte
-Besiegbarkeit der Frauen;<a name="FNAnker_270_270" id="FNAnker_270_270"></a><a href="#Fussnote_270_270" class="fnanchor">[270]</a> all das thut auch Gertrud.<a name="FNAnker_271_271" id="FNAnker_271_271"></a><a href="#Fussnote_271_271" class="fnanchor">[271]</a> Mathilde
-und Gertrud missbilligen Golos unberlegtes, rasches Darauflosgehen
-bei der Liebeserklrung.<a name="FNAnker_272_272" id="FNAnker_272_272"></a><a href="#Fussnote_272_272" class="fnanchor">[272]</a> Beide wecken in ihrem Liebling aufs neue
-die schlummernde Leidenschaft, nachdem sich diese unter dem ersten
-Misserfolge scheu zurckgezogen hatte. Doch Gertruds Einfluss ist lange
-nicht so energisch vorwrtstreibend wie der Mathildens. Gertruds Thun
-beschrnkt sich auf ein Rathen, Vermitteln, Forthelfen. Mtterliche
-Liebe und Theilnahme fr Golo entfaltet auch Gertrud, obschon sie blo
-seine Amme ist. Mller und Tieck suchen das Widerliche an der Art der
-Amme, wie sie das Volksbuch vorfhrt, zu beseitigen und geben dem an
-sich unschnen Charakter eine verstndlichere ethische Grundlage. Was
-Tieck von Mller bernimmt, sind uerliche Zge. Das innere Wesen
-des &#8222;Machtweibes&#8220; aus der Geniezeit, dmonische Schnheit, zgel<span class="pagenum"><a name="Seite_77" id="Seite_77">[S. 77]</a></span>lose
-Sinnlichkeit, rcksichtslose Thatkraft, ein bermenschenthum, das sich
-&#8222;jenseits von Gut und Bse&#8220; ansiedelt, all diese hervorstechenden
-Zge haben an Tiecks Gertrud keine Spur zurckgelassen. So kommt es,
-dass bei Tieck wie im Volksbuch wieder Gertrud sich um eine bessere
-Verpflegung der gefangenen Wchnerin bemhen kann,<a name="FNAnker_273_273" id="FNAnker_273_273"></a><a href="#Fussnote_273_273" class="fnanchor">[273]</a> whrend dies
-bei Mller eine Grtnersfrau thun muss. Wenn Gertrud zu Golo sagt:
-&#8222;Ihr msst durch die rauhe Zeit hindurch&#8220; so eignet sie sich ein
-Lieblingswort Mathildens an, aber das an sich krftige Wort verliert
-seine Kraft im Munde einer Gertrud. Diese wird schlielich &#8222;krank in
-ihrem Wahnsinn&#8220; und verschwindet dann gnzlich aus dem Drama. Diese
-Nachricht, dass Gertrud hinter der Scene im Wahnsinn liege, ist auch
-nur ein blasser Reflex der grellen Sterbescene Mathildens.<a name="FNAnker_274_274" id="FNAnker_274_274"></a><a href="#Fussnote_274_274" class="fnanchor">[274]</a> Nach
-dem Hhepunkte der Verwickelung tritt Mathilde etwas, Gertrud ganz
-zurck. Mathilde und Gertrud sind also bei beiden Dichtern hnlich
-zwischen Golo und Genoveva gestellt. berall werden sie aus Vertrauten
-der Grfin Genoveva zu deren Verfolgerinnen, und zwar immer dem
-vergtterten Schtzling zuliebe.</p>
-
-<p>Treu zu Genoveva halten bei Mller Adolf, Dragones und die
-Grtnerfamilie, bei Tieck Wolf, Drago, Wendelin, Heinrich und Else.</p>
-
-<p>Mllers Adolf, der alte biderbe Ritter und Schlosshauptmann, der
-gerne mit in den Mohrenkrieg zge, wenn es in seinem Alter noch
-angienge,<a name="FNAnker_275_275" id="FNAnker_275_275"></a><a href="#Fussnote_275_275" class="fnanchor">[275]</a> ist derselbe Typus des alten treuen Unterthanen
-auf der Burg wie Tiecks Wolf, der nicht minder gern mit Siegfried
-ziehen mchte,<a name="FNAnker_276_276" id="FNAnker_276_276"></a><a href="#Fussnote_276_276" class="fnanchor">[276]</a> der sich ebenso nrrisch ber den heimgesandten
-Mohrensbel freut<a name="FNAnker_277_277" id="FNAnker_277_277"></a><a href="#Fussnote_277_277" class="fnanchor">[277]</a> wie Adolf ber den von seinem knftigen
-Schwiegersohne erbeuteten &#8222;Trkensbel&#8220;.<a name="FNAnker_278_278" id="FNAnker_278_278"></a><a href="#Fussnote_278_278" class="fnanchor">[278]</a> Bei Mller wird dies
-Motiv weiter verwendet, bei Tieck verschwindet es ohne Spur aus der
-Dichtung. Adolf und Wolf tadeln Golos, des Liebeskranken, verndertes
-Wesen.</p>
-
-<p>Drago ist bei Tieck ganz nach dem Volksbuch gearbeitet. Er bernimmt
-auerdem eine religise Rolle, whrend ihn Mller fast ganz
-verweltlicht.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_78" id="Seite_78">[S. 78]</a></span></p>
-
-<p>Der Schfer Brandfuchs singt einmal vor Golo das traurige
-Liebeslied,<a name="FNAnker_279_279" id="FNAnker_279_279"></a><a href="#Fussnote_279_279" class="fnanchor">[279]</a> ebenso der Schfer Heinrich bei Tieck.<a name="FNAnker_280_280" id="FNAnker_280_280"></a><a href="#Fussnote_280_280" class="fnanchor">[280]</a></p>
-
-<p>Die beiden Mrder, die Mller nach Shakespeare&#8217;scher Weise
-einfhrt<a name="FNAnker_281_281" id="FNAnker_281_281"></a><a href="#Fussnote_281_281" class="fnanchor">[281]</a> und deren Charakterverschiedenheit die Legende nur
-flchtig andeutet, wirkten auer den Shakespeare&#8217;schen jedenfalls auf
-die beiden Gesellen bei Tieck nach.<a name="FNAnker_282_282" id="FNAnker_282_282"></a><a href="#Fussnote_282_282" class="fnanchor">[282]</a> berall ist der eine ganz
-hart und fhllos, der andere menschlicher gesinnt; berall mssen sie
-sich fr ihr Geschft Muth antrinken. Tieck mildert aber das Rohe und
-Derbrealistische seines Vorgngers um viele Grade, wenn auch einiges
-davon in der Trinkscene und in Bennos sonstigen Reden brig bleibt.</p>
-
-<p>Weniger deutlich als fr die Charaktere und ihre Gruppierung, lsst
-sich Mllers Vorbild im scenischen Aufbau des Tieck&#8217;schen Dramas
-verfolgen. Da die erste Anregung zur Behandlung der Genoveva-Legende
-fr Tieck von Mller ausgieng, so muss allerdings das eine auch
-festgehalten werden, dass Tieck von Mller lernte, Verschiedenes aus
-Shakespeare, &#8222;Gtz&#8220; und &#8222;Werther&#8220; in die Dramatisierung des Volksbuches
-hereinzunehmen. Wie viel fr den raschen Scenenwechsel sowie fr die
-Art des sorgfltigen Wiedergebens aller nur mglichen Vorgnge vor
-den Augen des Zuschauers und des Zeitausfllens fr Vorgnge hinter
-der Scene bei Tieck auf Shakespeare zurckzufhren ist, wie weit
-dafr im einzelnen Falle Mller oder Goethe in Betracht kommen, lsst
-sich meines Erachtens nicht mehr feststellen, da der junge Goethe und
-Lenzens Dramen Tieck lngst ebenso vertraut waren als Shakespeares
-Werke. Das nmliche gilt von der Einfhrung episodischer Figuren und
-paralleler Nebenhandlungen. All das sind eben Bestandstcke, die
-ebenso in Shakespeares Technik wie in jener der Strmer und Drnger
-wiederkehren. Freilich wird man am liebsten immer zuerst an Shakespeare
-denken, wenn man Tiecks Begeisterung fr diesen Dichter sich vor Augen
-hlt.<a name="FNAnker_283_283" id="FNAnker_283_283"></a><a href="#Fussnote_283_283" class="fnanchor">[283]</a></p>
-
-<p>Fr die Ausfhrung der Abschiedsscene bei Tieck scheint Mller&#8217;scher
-Einfluss nicht gerade ausgeschlossen. Denn auch Mller macht schon
-aus dem einfachen Abschied der Legende<span class="pagenum"><a name="Seite_79" id="Seite_79">[S. 79]</a></span> eine bunte Gruppe von Scenen.
-Zwei davon sind als Abschiedsscenen in Parallele gestellt. Von hier
-ausgehend, reiht Tieck noch weitere Abschiedsscenen aneinander. Mllers
-breit gerathene Aufbruchsscenen sind aber neben Tiecks Schilderung des
-Abschiedes fast knapp zu nennen.</p>
-
-<p>Die Hingabe an die Natur und ihre Stimmung, die bei Mller, Goethe
-und Shakespeare bezeichnend hervortritt und die Art dieses Dichters,
-die Natur als Umgebung und Hintergrund fr seelische Vorgnge wirksam
-zu bentzen, konnte fr Tieck auer seiner eigenen Neigung ein Anlass
-mehr sein, seine &#8222;Genoveva&#8220; reichlich mit Naturstimmung zu durchweben
-und landschaftliche Hintergrnde fr gewisse Scenen zu schaffen.
-Die Balkonscene mit Serenade und Sommernachtzauber im Mller&#8217;schen
-Drama<a name="FNAnker_284_284" id="FNAnker_284_284"></a><a href="#Fussnote_284_284" class="fnanchor">[284]</a> konnte von Tieck unmglich bersehen werden. Daneben musste
-sich dann auch das Original bei Shakespeare von selbst einstellen.
-&mdash; Mllers Adam sagt einmal vor Genovevas Gefngnis:<a name="FNAnker_285_285" id="FNAnker_285_285"></a><a href="#Fussnote_285_285" class="fnanchor">[285]</a> &#8222;Soll denn
-die Sonne scheinen jetzt? Mchte auch nicht scheinen, wenn ich Sonne
-wre, herunter auf diesen jmmerlichen Erdball.&#8220; hnlich spricht Tiecks
-Genoveva zu ihren Henkern:<a name="FNAnker_286_286" id="FNAnker_286_286"></a><a href="#Fussnote_286_286" class="fnanchor">[286]</a></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;O seht, die Sonne will nicht niederscheinen</div>
- <div class="verse">Auf solche That, es will das Aug&#8217; der Welt</div>
- <div class="verse">Nicht sehn, was euch auf immer nagen wrde.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Hier mssen wir noch einen Blick auf &#8222;Werther&#8220; werfen,<a name="FNAnker_287_287" id="FNAnker_287_287"></a><a href="#Fussnote_287_287" class="fnanchor">[287]</a> dessen
-Bedeutung fr die Entwickelung des Naturgefhles in der deutschen
-Poesie nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Werther sieht die
-Naturumgebung immer im Lichte seiner Stimmung. Wenn auch nicht mit
-gleich tiefem Gemthsantheile, so doch in verwandter Art fhlt Golo
-seine Empfindung in die Natur hinein. Die Todessehnsucht Golos, den der
-Wasserfall in seine Tiefe herabzulocken scheint, geht ohne Zweifel auf
-Werther&#8217;sche Empfindungen zurck. Werther schreibt: &#8222;Ach mit offenen
-Armen stand ich gegen den Abgrund und athmete hinab! hinab! und verlor
-mich in der Wonne, meine Qualen, meine Leiden da hinabzustrzen!
-dahinzubrausen, wie die Wellen!... O Wilhelm! wie gern htte ich mein
-Menschsein drum gegeben, mit jenem<span class="pagenum"><a name="Seite_80" id="Seite_80">[S. 80]</a></span> Sturmwinde die Wolken zu zerreien,
-die Fluten zu fassen!&#8220; Golo:<a name="FNAnker_288_288" id="FNAnker_288_288"></a><a href="#Fussnote_288_288" class="fnanchor">[288]</a></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Geh&#8217; ich den tiefen Wasserfall vorber</div>
- <div class="verse">Und hre unten seine Wellen brausen</div>
- <div class="verse">Und sehe den lebend&#8217;gen mut&#8217;gen Schaum</div>
- <div class="verse">Und wie der Strom sich weit hinunterreit:</div>
- <div class="verse">Ich kann nicht sagen, welch ein tief Gelst</div>
- <div class="verse">Mich dann befllt, in die Strudel abzuspringen,</div>
- <div class="verse">Da sie mich unterwlzen und verschlingen.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Der unglckliche Werther luft in den Wldern herum und strzt in
-den Sturm hinaus. Der abgewiesene Golo ruft:<a name="FNAnker_289_289" id="FNAnker_289_289"></a><a href="#Fussnote_289_289" class="fnanchor">[289]</a> &#8222;Hinaus! dem Winde
-sei ein Spiel, den Regenwolken und dem Blitz ein Ziel!&#8220; Werther
-verkehrt gerne mit einfachen Leuten, die der Natur nahestehen, die dem
-berfeinerten Menschen als unverflschte Natur erscheinen und macht
-sie zutraulich: Golo thut das nmliche.<a name="FNAnker_290_290" id="FNAnker_290_290"></a><a href="#Fussnote_290_290" class="fnanchor">[290]</a> Die Empfindungsweise, die
-hauptschlich von Rousseau ausgieng, sendet ihre schwcheren Wellenzge
-bis in die romantische Dichtung herber.</p>
-
-<p>Ahnungen und Trume spielen bei Mller (dem wieder &#8222;Gtz&#8220; und &#8222;Werther&#8220;
-vorangehen) ihre Rolle. Diese Elemente waren aber besonders geeignet,
-Tiecks Phantasie an einer sehr empfnglichen Seite zu berhren. Ahnung
-und Traum haben in seiner &#8222;Genoveva&#8220; auch eine bedeutende Stelle.
-Wackenroder, Novalis und Tieck sind es, die mit groer Vorliebe in
-diesen geheimnisreichen Kreisen unseres Seelenlebens verweilen.</p>
-
-<p>Schwer lassen sich die Einflsse nachweisen, welche fr das ritterliche
-Costm, besonders fr Tiecks Kriegsdarstellung magebend waren. Der
-&#8222;Kreuzzug&#8220; gegen die Saracenen, der breitangelegte Auszug der Ritter in
-den Krieg sowie die Lagerscenen bei Mller schlagen schon die Richtung
-der Ritterdramen ein. Das Leben und Treiben auf der Burg, wie es Mller
-schildert, konnte Tieck einzelne Winke geben und diese Scenen waren
-geeignet, Tieck, der nun einmal fr das Altdeutsche ein hohes Interesse
-und warmes Gefhl hegte, zu veranlassen, dieses ritterliche Costm noch
-weiter auszufhren. An Anregungen verschiedener Art fehlte es fr Tieck
-hier nicht, da er die Herrschaft der Ritterstcke auf der Bhne selbst
-als junger Mensch mit<span class="pagenum"><a name="Seite_81" id="Seite_81">[S. 81]</a></span>erlebt hatte. Und lassen wir die Dutzendware
-der Ritterdramen und Ritterromane beiseite, so mssen wir wieder
-hervorheben, dass Mller Tiecks associierende Erinnerung naturgem
-auf &#8222;Gtz&#8220; und Shakespeare zurckfhren musste. Schlachtscenen,
-nchtlicher Kampf und Brand, der Contrast ehrlicher Ritter und falscher
-Feinde begegnete ihm im &#8222;Gtz&#8220;. Noch mehr Schlachtscenen fand er bei
-Shakespeare. Wenn Tieck auch im allgemeinen mehr Sorgfalt fr das
-alterthmliche Costm und Colorit verwendet als Mller, so darf man
-doch auch bei ihm nicht zu viel erwarten. Das Costm bleibt auch fr
-ihn Nebensache, untergeordnetes Mittel zum Zweck, ein Mittel nmlich,
-die Stimmung des Alterthmlichen zu erregen.</p>
-
-<p>Als &#8222;klare Erinnerungen von einzelnen Stellen&#8220; des Mller&#8217;schen
-Werkes liee sich noch dies und jenes ansprechen. Die Nachrichten vom
-Kriegsschauplatze und das Heimsenden von Beutestcken gehen offenbar
-auf das gleiche Motiv des Vorlufers zurck.<a name="FNAnker_291_291" id="FNAnker_291_291"></a><a href="#Fussnote_291_291" class="fnanchor">[291]</a> Tieck beachtet aber
-den ursprnglichen Zweck und Sinn desselben, einen Contrast gegen
-Golos unthtiges &#8222;Verliegen&#8220; auszudrcken, nicht mehr weiter. Er nimmt
-es als bloe Decoration fr den Augenblick in sein Stck auf. Der
-Jagdscene mit dem Jagdliede bei Mller<a name="FNAnker_292_292" id="FNAnker_292_292"></a><a href="#Fussnote_292_292" class="fnanchor">[292]</a> entspricht die Jagdscene
-mit dem Liede bei Tieck.<a name="FNAnker_293_293" id="FNAnker_293_293"></a><a href="#Fussnote_293_293" class="fnanchor">[293]</a> Wie bei Mller Siegfrieds Vettern als
-Veranstalter der Jagd erscheinen,<a name="FNAnker_294_294" id="FNAnker_294_294"></a><a href="#Fussnote_294_294" class="fnanchor">[294]</a> so bei Tieck Siegfrieds Bruder
-und Vetter Kunz.<a name="FNAnker_295_295" id="FNAnker_295_295"></a><a href="#Fussnote_295_295" class="fnanchor">[295]</a> Der Inhalt des Reinigungsbriefes wird berall,
-abweichend vom Volksbuch, erst nach seiner Auffindung mitgetheilt und
-erscheint an einer dramatisch wirksameren Stelle. Namen und Namensform
-entlehnt Tieck nicht von Mller, wo er vom Volksbuch abweicht. Der
-Name &#8222;Wolf&#8220; aber, der im Ritterdrama fr alte Diener, Burgvgte und
-Leibknappen beliebt ist,<a name="FNAnker_296_296" id="FNAnker_296_296"></a><a href="#Fussnote_296_296" class="fnanchor">[296]</a> deutet darauf hin, dass Tieck wohl auch
-die anderen gut altdeutsch klingenden Namen Otho, Gnther, Kunz,
-Gertrud u.s.w. in hnlicher Absicht, wie die Ritterdramendichter
-einfhrt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_82" id="Seite_82">[S. 82]</a></span></p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Betrachten wir das Mller&#8217;sche Gut und Eigenthum in Tiecks Drama,
-so will es in der That scheinen, die Vorwrfe, die Tieck einst
-wegen begangenen Plagiates zu hren bekam, seien doch nicht so ganz
-unberechtigt gewesen und Tiecks Bezeichnung dieser Entlehnungen als
-&#8222;dunkle Erinnerungen vom Ganzen und klare von einzelnen Stellen&#8220; sei
-viel zu liebevoll und selbstgerecht. Dass Tieck in recht schonender
-Weise, weil in eigener Sache, spricht, kann nicht geleugnet werden, ist
-aber nicht allzuschwer begreiflich. Von einem Plagiate im gewhnlichen
-blen Sinne des Wortes darf man aber hier so wenig reden, als etwa bei
-Lessings vielberufenen Entlehnungen. Die zusammengelesenen Steinchen
-machen noch lange nicht das Mosaikbild aus und all die entlehnten
-Motive und Charakterzge (und wre selbst ein halbfertiger Charakter
-wie Golo darunter) noch weniger Tiecks ganze Dichtung.</p>
-
-<p>Wenn Tieck die verschiedenen Anleihen, die er bei Mller macht, nur
-als &#8222;dunkle Erinnerungen...&#8220; behandelt, so lsst sich auch fr diese
-Bezeichnung eine wohlwollendere Erklrung, als die seiner einstigen
-Gegner, finden. Tiecks Dichten gieng auch nicht &#8222;vom Buche zum Buche&#8220;,
-sondern &#8222;vom Leben zum Leben&#8220;, d.i. in diesem Falle vom inneren Erleben
-in der Phantasie zum Neuschaffen aus der Phantasie. Theater, Bcher und
-Kunst bieten Tieck die meisten Anregungen. Ganz anders, wie bei Goethe,
-dessen Poesie mehr dem Leben als den Bchern verdankt. Wenn Tieck
-&#8222;Gtz&#8220;, &#8222;Werther&#8220;, Mller, Shakespeare u.s.w. liest, so leben ihm die
-Gestalten der Dichtungen leibhaftig in klarer Vision auf und besonders
-diese Gestalten haften in seiner Erinnerung mehr oder weniger lebendig,
-nicht aber die einzelnen Verse und Zeilen des Buches. Wenn dann Tieck
-das Volksbuch las, konnten sich recht gut Mllers Golo und von diesem
-herbeigerufen, Weislingen, Werther und andere Figuren einstellen
-und mit den aus dem Volksbuch aufwachsenden Gestalten unvermerkt
-zusammenflieen oder den Gestalten des Volksbuches eine bestimmte
-Frbung verleihen, ohne dass Tieck selbst es irgendwie deutlich merkte.
-Dass dabei auch einzelne Verse, Stze, Bilder... sich bald klarer, bald
-minder klar reproducierten, hat nichts Auffallendes. Wollte Tieck,
-der die nmliche Legende dramatisch bearbeitete, die er schon einmal
-dramatisiert gelesen, jedes Nachwirken des Vorgngers genau vermeiden,
-er htte Schritt fr Schritt eigens gegen Erinnerungs-Contrebande
-kmpfen<span class="pagenum"><a name="Seite_83" id="Seite_83">[S. 83]</a></span> mssen. Dazu wre zum mindesten auch nthig gewesen, dass
-ihm jemand Mllers Manuscript, das er ein Jahr vorher gelesen hatte,
-zu bestndigem gewissenhaften Vergleichen auf den Schreibtisch gelegt
-htte.</p>
-
-<p>Neben der im ganzen identischen stofflichen Grundlage, die beiden
-Dichtern gemeinsam ist, kommt hier auch eine Art geistiger
-Verwandtschaft der Dichter selbst in Betracht. Diese uerte sich
-in dem auffallend lebhaften Interesse, das Tieck stets fr Mller
-hegte.<a name="FNAnker_297_297" id="FNAnker_297_297"></a><a href="#Fussnote_297_297" class="fnanchor">[297]</a> Vorliebe fr das mittelalterliche Ritterleben und fr
-Volksthmliches, die Neigung zum Lyrischen und Musikalischen,
-Verehrung Shakespeares und des jungen Goethe, ein reger Natursinn
-bieten in der That mannigfache Berhrungspunkte. Es war daher mehr
-als ein blo geistreicher Einfall, wenn man Mller den &#8222;Romantiker
-der Sturm- und Drangperiode&#8220; nannte, wie Hettner that. Behlt man
-diese innere Verwandtschaft beider Dichter im Auge, so erscheint es
-auch um vieles verzeihlicher, wenn Tieck manches in seiner &#8222;Genoveva&#8220;
-als rechtmigstes Eigenthum ansprechen mochte, was es vielleicht in
-Wirklichkeit nur zur Hlfte war und seine beharrliche Abwehr jeder
-Plagiatbeschuldigung wird um so begreiflicher. Unter solchen Umstnden
-darf man wohl glauben, dass Tieck bona fide nur das herbergenommene
-Lied als nennenswerte Entlehnung betrachtete. Ein sorgfltiges
-Vergleichen seiner &#8222;Genoveva&#8220; mit Mller und den anderen literarischen
-Vorbildern htte Tieck spter, als er dem eigenen Werke schon recht
-objectiv gegenberstand, zu einer exacteren Sprache bewegen knnen.
-Gute Gelegenheit dazu htte er gefunden, da er als erster Mllers
-Drama herausgab. Fhlte er sich aber des Plagiates schuldig, so htte
-er die Herausgabe besser im eigenen Interesse unterlassen. Seine
-&#8222;Vorberichte&#8220;, die viele wertvolle Erinnerungen an seine dichterische
-Laufbahn enthalten und uns viele Aufschlsse ber das Wesen seiner
-Kunst gewhren, machen nicht den Eindruck, als ob Tieck je mit so
-ngstlicher philologischer Genauigkeit zuwerke gegangen wre. Nicht zu
-vergessen, dass fast drei Decennien vorber waren, als er darangieng,
-seine einstigen dichterischen Stimmungen und literarischen Beziehungen
-aus der Erinnerung darzustellen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_84" id="Seite_84">[S. 84]</a></span></p>
-
-<p>Wie Tieck an dem, was er von Mller bernimmt, in seiner Art an
-allem Drastischen und Kraftvollen mildernd und abschwchend nderte
-(also ganz hnlich wie beim Volksbuch), wie er Ahnung, Traum
-und Naturstimmung, also gerade jene Dinge, die seinem Empfinden
-wahlverwandt entgegenkamen, aufnahm und liebevoll erweiterte, wie er
-selbst dem begleitenden Liede, das er absichtlich und mit Bewusstsein
-entlehnt, eine andere Stellung in seiner Dichtung anwies, sahen wir im
-Verlaufe der Untersuchung. Das Wichtigste und Bemerkenswerteste bleibt,
-dass durch alle Entlehnungen aus Mller das Gesammtbild der Tieck&#8217;schen
-&#8222;Genoveva&#8220; und die Gesammtauffassung derselben nicht wesentlich
-bestimmt wird. Alles dient nur zur Ergnzung und Ausfllung der Legende
-des Volksbuches. Motive und Vorstellungen, die Tieck von auen her
-aufnimmt, gehen auerdem immer durch das Medium seiner Individualitt
-hindurch und mssen sich der Auffassung des Ganzen unterordnen und
-diese Gesammtauffassung der Legende bei Tieck ist von der Mllers so
-verschieden, als eben Geniezeit und Romantik bei allen gegenseitigen
-Berhrungspunkten doch immer verschieden sind.</p>
-
-<h3 class="mtop15" id="Tieck_und_Shakespeare">2. Tieck und Shakespeare.</h3>
-
-<p>&#8222;Das Centrum meiner Liebe und Erkenntnis ist Shakespeares Geist, auf
-den ich alles unwillkrlich und oft, ohne dass ich es wei, beziehe,
-alles, was ich erfahre und lerne, hat Zusammenhang mit ihm, meine
-Ideen so wie die Natur, alles erklrt ihn und er erklrt die andern
-Wesen, und so studiere ich ihn unaufhrlich.&#8220;<a name="FNAnker_298_298" id="FNAnker_298_298"></a><a href="#Fussnote_298_298" class="fnanchor">[298]</a> Diese Worte schrieb
-Tieck in sein &#8222;Poetisches Journal&#8220;, das im gleichen Jahre mit der
-&#8222;Genoveva&#8220; erschien und sie kennzeichnen seine Stellung zum groen
-englischen Dramatiker, seine unbegrenzte Verehrung, seine ehrfrchtige
-Begeisterung.</p>
-
-<p>Shakespeare war von der Schulbank an Tiecks lieber Freund und
-Lebensgefhrte. Als Gymnasiast hatte unser Poet heihungrig einen Band
-der Eschenburg&#8217;schen bersetzung um den andern verschlungen.<a name="FNAnker_299_299" id="FNAnker_299_299"></a><a href="#Fussnote_299_299" class="fnanchor">[299]</a>
-Sechzehnjhrig huldigte er seinem Abgotte mit der kleinen Dichtung
-&#8222;Die Sommernacht&#8220;. In Gttingen (1792 bis 1793) gieng er an ein
-eifriges Studium Shakespeares und des<span class="pagenum"><a name="Seite_85" id="Seite_85">[S. 85]</a></span> altenglischen Theaters in der
-Originalsprache.<a name="FNAnker_300_300" id="FNAnker_300_300"></a><a href="#Fussnote_300_300" class="fnanchor">[300]</a> Die nchste Frucht dieser Beschftigung war
-die Bearbeitung des &#8222;Sturm&#8220; und zwei Abhandlungen ber Shakespeare.
-Der Einfluss dieser Studien lsst sich im Costm des &#8222;Lovell&#8220; sowie
-in manchen Zgen des &#8222;Blaubart&#8220; und &#8222;Zerbino&#8220; erkennen.<a name="FNAnker_301_301" id="FNAnker_301_301"></a><a href="#Fussnote_301_301" class="fnanchor">[301]</a> A.W.
-Schlegels bersetzung (von 1797 an erscheinend),<a name="FNAnker_302_302" id="FNAnker_302_302"></a><a href="#Fussnote_302_302" class="fnanchor">[302]</a> entzckt Tieck
-ganz besonders; denn hier findet er den Englnder in deutscher Sprache
-&#8222;gleichsam neu erschaffen&#8220;.<a name="FNAnker_303_303" id="FNAnker_303_303"></a><a href="#Fussnote_303_303" class="fnanchor">[303]</a> Im &#8222;Zerbino&#8220; versetzt er ihn mit
-den grten Meistern der Weltliteratur in den Garten der Poesie.
-Gleichzeitig nimmt er das lngstgeplante groe Werk ber Shakespeare
-in Angriff, kommt aber ber die zwei &#8222;Briefe ber Shakspeare&#8220;, die im
-&#8222;Poetischen Journal&#8220; stehen und hchstens eine Einleitung zum Werke
-selbst abgeben knnten, zunchst nicht hinaus.<a name="FNAnker_304_304" id="FNAnker_304_304"></a><a href="#Fussnote_304_304" class="fnanchor">[304]</a> Diese &#8222;Briefe&#8220; sind
-ein Erguss der tiefen schwrmerischen Verehrung, mit der Tieck vor dem
-britischen Heros auf die Knie sinkt. Auch zu diesem &#8222;Kunstheiligen&#8220;
-sieht er mit inniger Bewunderung, mit Andacht und Entzcken empor,
-wie er mit Wackenroder zum lieben, wackern Albrecht Drer und zum
-gttlichen Rafael aufgeblickt hatte.<a name="FNAnker_305_305" id="FNAnker_305_305"></a><a href="#Fussnote_305_305" class="fnanchor">[305]</a></p>
-
-<p>Nur tiefe Ehrfurcht und Enthusiasmus erfllen seine Seele. Noch zeigt
-sich kaum eine Spur der spteren sachlichen Kritik der &#8222;Dramaturgischen
-Bltter&#8220;. Die Begeisterung in den &#8222;Briefen&#8220; wird nur ab und zu
-durch missfllige, ironische Seitenblicke auf die &#8222;knaupelnden
-Schnheitszergliederer&#8220; wie auf verschiedene zeitgenssische Tendenzen
-unterbrochen. Tieck hat noch kein offenes Auge fr die historischen
-Bedingungen, die vor zwei Jahrhunderten den englischen Dichter umgaben.
-Es erscheint ihm an Shakespeare alles als hchste Vollkommenheit.
-Bei solch enthusiastischer Hingabe kann es dem Dichter Tieck leicht
-begegnen, dass er als erstrebenswerte Tugend nachahmt, was beim
-bewunderten Vorbild nicht hchste Leistung, sondern nur eine<span class="pagenum"><a name="Seite_86" id="Seite_86">[S. 86]</a></span> Noth und
-vorbergehender Zeitgeschmack war. Es ist dies dieselbe schrankenlose
-Bewunderung, wie sie die Romantiker den alten Volksbchern
-entgegenbringen.<a name="FNAnker_306_306" id="FNAnker_306_306"></a><a href="#Fussnote_306_306" class="fnanchor">[306]</a> Ein solcher entzckter Verehrer kann sich bei der
-Nachahmung so gut vergreifen wie der Halbverstndige.</p>
-
-<p>Es msste wunderlich zugehen, wenn diese Hingebung an den einzig
-bewunderten Dramatiker an Tiecks dramatisierter Genoveva-Legende gar
-keine Spuren erkennen liee, nachdem auch Tiecks Vorgnger Mller den
-nmlichen Stoff schon mit Shakespeare&#8217;schen Motiven bereichert und
-vielfach mit Shakespeare&#8217;scher Technik behandelt hatte. In seinen
-Vorberichten gedenkt freilich Tieck mit keinem Worte einer solchen
-Anregung. Wohl aber bemerkt Kpke im Vorbergehen,<a name="FNAnker_307_307" id="FNAnker_307_307"></a><a href="#Fussnote_307_307" class="fnanchor">[307]</a> dass unserem
-Dichter um jene Zeit der halbshakespeare&#8217;sche &#8222;Perikles&#8220;<a name="FNAnker_308_308" id="FNAnker_308_308"></a><a href="#Fussnote_308_308" class="fnanchor">[308]</a> wegen
-der eingeflochtenen epischen Partien besonders lieb gewesen sei. An
-Iffland schreibt der Dichter am 16. December 1799: &#8222;Ich habe den
-Versuch gemacht, in diesem Schauspiel die Shakespeare&#8217;sche Form
-mit der spanischen zu verbinden, wozu sich der Stoff auch sehr gut
-eignet.&#8220;<a name="FNAnker_309_309" id="FNAnker_309_309"></a><a href="#Fussnote_309_309" class="fnanchor">[309]</a> Noch deutlicher spricht Tieck endlich in einem Briefe an
-Solger:<a name="FNAnker_310_310" id="FNAnker_310_310"></a><a href="#Fussnote_310_310" class="fnanchor">[310]</a> &#8222;Es gehrt zu meinen Eigenheiten, dass ich lange Jahre
-den Perikles von Shakespeare vielleicht bertrieben verehrt habe;
-ohne diesen wre Zerbino nicht, noch weniger Genoveva und Octavian
-entstanden. Ich hatte mich in diese Form wie vergafft, die so wunderbar
-Epik und Drama verschmelzt; es schien mir mglich, selbst Lyrik
-hineinzuwerfen, und ich denke mit wahrem Entzcken an jene Stunden
-zurck, in denen Genoveva und spter Octavian in meinem Gemthe
-aufgiengen: Dies Entzcken wollte ich wohl zu krperlich, buchstblich
-hineinbringen, und so entstand das Manierierte. &mdash; &mdash;&#8220; Hier sagt Tieck
-mit aller wnschenswerten Klarheit, dass<span class="pagenum"><a name="Seite_87" id="Seite_87">[S. 87]</a></span> gerade die untheatralische
-Form es war, die ihn so absonderlich am &#8222;Perikles&#8220; anzog. Seine eigene
-phantastische Neigung, seine Lust zum berspringen der hergebrachten
-und der natrlichen Grenzen der knstlerischen Gattungen, Fr. Schlegels
-Doctrin von der romantischen Universalpoesie, in der sich nach der
-Forderung dieses romantischen Gesetzgebers auch die verschiedenen
-knstlerischen Gattungen und Formen unauflslich verschmelzen sollen,
-erklren es, wie sich Tieck gerade in die Form dieses Zwitterproductes
-&#8222;vergaffen&#8220; konnte. Wenn Kpke Shakespeares Einfluss auf die &#8222;Genoveva&#8220;
-zu wenig betont, so thut Tieck selbst in diesem Briefe des Guten fast
-zuviel, wenn er sagt, dass ohne &#8222;Perikles&#8220; nicht &#8222;Zerbino&#8220; und noch
-weniger &#8222;Genoveva&#8220; und &#8222;Octavian&#8220; entstanden wren. So weit es sich
-um &#8222;Genoveva&#8220; und &#8222;Octavian&#8220; handelt, ist die Sache wohl nicht anders
-gemeint als: &#8222;Genoveva&#8220; und &#8222;Octavian&#8220; wren ohne &#8222;Perikles&#8220; nicht
-die romantischen Dramen geworden, die wir vor uns haben. Warum Tieck
-diese Volksbcher nicht auch ohne &#8222;Perikles&#8220; in der Art der &#8222;Magelone&#8220;
-oder &#8222;Melusine&#8220; htte bearbeiten sollen, ist schwer einzusehen. Fr
-die romantisch-dramatische Behandlungsweise ist aber das Vorbild des
-&#8222;Perikles&#8220; gewiss nicht zu unterschtzen.</p>
-
-<p>Wenn es im allgemeinen Shakespeare&#8217;sches Princip ist, mglichst viele
-Vorgnge dem Zuschauer auf der Bhne vor Augen zu fhren (was bei der
-damaligen Bhneneinrichtung nicht schwer war), so sehen wir diese
-Darstellungsart im &#8222;Perikles&#8220; bis zur uersten Consequenz getrieben.
-Ohne straffe dramatische Composition werden uns die Schicksale und
-Abenteuer des Helden Perikles von Tyrus, die eine lange Reihe von
-Jahren ausfllen, aufs gewissenhafteste vor Augen gestellt, und es
-sollte nichts vergessen und nichts weggelassen werden. Bei solchem
-Vorgehen stie jedoch der Dichter bald auf die eine oder andere
-Schranke. Sollte alles scenisch erscheinen, so musste einmal das Stck
-eine Ausdehnung bekommen, die jeder Auffhrung gespottet htte. So
-griff er denn zum Auskunftsmittel des epischen Berichterstatters, der
-auf der altenglischen Bhne ohnehin lngst heimisch war und gewhrte
-ihm mglichst freien Spielraum. Dazu fanden sich in der Fabel des
-Stckes gerade Ereignisse, die sich bequem durch einen Erzhler an
-der Stelle abthun lieen, die ihnen chronologisch zukam, wie etwa die
-zweimalige Meeresfahrt. Anderes in diesen Zwischenerzh<span class="pagenum"><a name="Seite_88" id="Seite_88">[S. 88]</a></span>lungen ist
-freilich auch nichts weiter, als Wiederholung und verdeutlichende
-Erklrung von Dingen, die wir auf der Bhne sehen oder es wird etwas
-erzhlt, dass sich ebensogut im Dialoge mittheilen liee. Ganz hnlich
-steht es mit dem Chorus in &#8222;Knig Heinrich V.&#8220; Im &#8222;Wintermrchen&#8220;
-dagegen soll die Zeit als Chorus den Verlauf von sechzehn Jahren
-markieren. Einen hnlichen Chorus fand Tieck noch im &#8222;Locrine&#8220; wie im
-&#8222;Lustigen Teufel von Edmonton&#8220;.<a name="FNAnker_311_311" id="FNAnker_311_311"></a><a href="#Fussnote_311_311" class="fnanchor">[311]</a> Dieser erzhlende Chorus erscheint
-im &#8222;Perikles&#8220; nicht nur zwischen den einzelnen Acten mit seinem
-Berichte, sondern zweimal sogar mitten im Verlaufe des Actes.</p>
-
-<p>Tieck will uns &#8222;Leben und Tod der heil. Genoveva&#8220; dramatisch vorfhren.
-Dieser Stoff umfasst ebenfalls die Ereignisse langer Jahre. Alles
-dramatisch zu formen, wrde selbst einem Buchdrama, das nicht mit
-der Bhne des Theaters, sondern mit einer Bhne fr die Phantasie
-rechnet,<a name="FNAnker_312_312" id="FNAnker_312_312"></a><a href="#Fussnote_312_312" class="fnanchor">[312]</a> eine zu unerfreuliche Lnge verleihen. Lie sich etwas
-an passender Stelle episch sagen, so konnte es Tieck nur lieb sein.
-Eine solche passende Stelle ist durch den Stoff der Genoveva-Legende
-selbst gegeben. Der siebenjhrige Zeitraum, der durch Genovevas Dulden,
-Beten und wunderbare Erlebnisse und durch Schmerzenreichs einsame
-Jugend im Walde ausgefllt wird (Siegfried erscheint indessen Dragos
-Geist), bietet fast lauter Momente, die fr den psychologisierenden
-Epiker bequem, fr den Dramatiker wegen ihrer Armut an innerer und
-uerer Handlung undankbar sind. Dieser Theil der Legende gab also
-Tieck den deutlichen Wink, wo sein Rhapsode einzutreten habe. Es ist
-dies eine Eigenthmlichkeit, welche der Stoff des Genovevabchleins
-mit dem Shakespeare&#8217;schen &#8222;Wintermrchen&#8220; gemein hat. Zu beachten
-ist hier noch die technische Erwgung, dass die auffallend hohen
-Wunder sich im epischen Vortrag poetisch wahrer ausnehmen, als in
-dramatischer Vergegenwrtigung. Der letzterwhnte Grund ist kein vager
-Einfall; er entspricht der Auffassung Tiecks von der Darstellung des
-Wunderbaren.<a name="FNAnker_313_313" id="FNAnker_313_313"></a><a href="#Fussnote_313_313" class="fnanchor">[313]</a> hnlich beurtheilt auch Bernhardi diesen epischen
-Theil in seiner Recension der &#8222;Genoveva&#8220;.<a name="FNAnker_314_314" id="FNAnker_314_314"></a><a href="#Fussnote_314_314" class="fnanchor">[314]</a> So<span class="pagenum"><a name="Seite_89" id="Seite_89">[S. 89]</a></span> erklrt es sich,
-warum Tieck auer im Prologe und Epiloge den heil. Bonifacius
-gerade hier und nicht fter eintreten lsst, wozu ihn das Vorbild
-des &#8222;Perikles&#8220; immerhin htte verleiten knnen. Die Verwendung des
-erzhlenden Chorus, sowie das Beispiel einer dramatischen Behandlung
-von Ereignissen, die sich durch lange Jahre hinziehen, einer
-dramatischen Biographie, muss fr Tieck entscheidend gewesen sein,
-auf eine gewhnliche Dramatisierung der Legende htte ihn am Ende
-Mllers Vorgang auch fhren mssen. Denn bevor Tieck das Volksbchlein
-las, hatte er eine dramatische Gestaltung des Genovevastoffes in den
-Hnden gehabt. Seit dem &#8222;Wilhelm Meister&#8220; geht aber ein epischer Zug
-durch unsere Literatur, der sich z.B. auch im &#8222;Wallenstein&#8220; bemerkbar
-macht. Das episch gedehnte inhaltsreiche Drama, wie es Tieck anstrebt,
-nhert sich dem Roman, dem hchsten Ziele der Romantiker in den letzten
-neunziger Jahren.</p>
-
-<p>Htten wir ohne &#8222;Perikles&#8220; keine Tragdie &#8222;Genoveva&#8220;, so htten
-wir auch ohne Gower keinen heiligen Bonifacius. Der Verfasser des
-&#8222;Perikles&#8220; whlt sich zum Chorus den altenglischen Dichter John
-Gower, dessen &#8222;Confessio Amantis&#8220; im achten Buche die Geschichte von
-&#8222;Perikles&#8220; behandelt und die neben Lawrence Twines Novelle &#8222;The Pattern
-of painfull Adventures&#8220; als Quelle fr das Drama diente.<a name="FNAnker_315_315" id="FNAnker_315_315"></a><a href="#Fussnote_315_315" class="fnanchor">[315]</a> Die
-Beziehung Gowers als Erzhlers einer Vorlage des Stckes war fr die
-Wahl dieses Dichters zum Chorus magebend. Als Erzhler der Vorlage hat
-Gower schon uerlich eine Verbindung mit der Neubearbeitung selbst.
-Die dramatische Neubehandlung seiner Erzhlung ist ein Auferstehen vom
-Tode der Vergessenheit und da mag dann billig mit der alten Dichtung
-auch der alte Dichter erscheinen. Tieck wusste allerdings keinen
-Volksbuchschreiber zu finden, der etwa in der &#8222;Genoveva&#8220; eine Stelle
-wie Gower im &#8222;Perikles&#8220; einnehmen knnte. Htte unser Romantiker Martin
-von Cochem und den Antheil dieses Schriftstellers am Genovevabchlein
-gekannt, wer wei, ob nicht dieser treffliche Kapuzinerpater den
-Part des heil. Bonifacius htte bernehmen mssen? Tieck fhrt dafr
-den heil. Bonifacius ein, den er dichterisch frei zum Zeitgenossen
-Genovevas macht. Fehlt fr Tieck auch eine ursprng<span class="pagenum"><a name="Seite_90" id="Seite_90">[S. 90]</a></span>liche uere
-Beziehung, wie sie zwischen Gower und Perikles besteht, so steht
-Bonifacius mit der Genoveva-Legende doch in einer gewissen inneren,
-geistigen Verbindung. Der berhmteste Heilige und Glaubensbote
-des deutschen Mittelalters erscheint ganz passend als Chorus in
-einem Drama, das uns in die Zeit mittelalterlicher Frmmigkeit und
-wunderbaren Glaubenslebens zurckversetzen will.</p>
-
-<p>Im &#8222;Perikles&#8220; tritt Gower auf und beginnt:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Es kommt, zu knden einst&#8217;ge Mr&#8217;,</div>
- <div class="verse">Vom Grab der alte Gower her.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Er kommt ins Leben zurck, um die Menschen mit seiner alten Mr von
-Perikles zu erfreuen, an der sich schon die alte Zeit ergtzte.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Man sang die Mr&#8217; beim Festgelag,</div>
- <div class="verse">Am Kirmi- und Quatembertag;</div>
- <div class="verse">Auch lasen zur Erholung gern</div>
- <div class="verse">Zu ihrer Zeit sie Fraun und Herrn...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Wenn die spter Lebenden und darum Gescheiteren der alten Geschichte
-etwas abgewinnen knnen, so will Gower sie gern ihnen vorfhren. Er
-erzhlt nun die Vorgeschichte des Dramas und schliet:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Was nun folgt, soll euer Aug&#8217; erschaun,</div>
- <div class="verse">Das mag entscheiden, ob ihr mir drft traun.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Seine nchste und noch andere Erzhlungen schliet Gower mit dem
-Hinweis auf die auftretende Person:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Hier kommt er selbst, nun schweigt....&#8220;<a name="FNAnker_316_316" id="FNAnker_316_316"></a><a href="#Fussnote_316_316" class="fnanchor">[316]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Am Anfange von Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; tritt der heil. Bonifacius mit Schwert
-und Palmenzweige (Symbolen, wie sie der Dichter auf Mrtyrerbildern
-sah) herein und beginnt mit hnlicher Naivett wie Gower:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Ich bin der wack&#8217;re Bonifacius,</div>
- <div class="verse">Der einst von Englands Ufern in die Wlder</div>
- <div class="verse">Der Deutschen Christus&#8217; heil&#8217;gen Glauben brachte.&#8220;<a name="FNAnker_317_317" id="FNAnker_317_317"></a><a href="#Fussnote_317_317" class="fnanchor">[317]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Bonifacius schildert seine apostolische Thtigkeit. Wie an Gower,
-freute sich die Vorzeit auch an Bonifacius.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Das Alter sprach von mir, und meiner dachte</div>
- <div class="verse">Die Jugend mit des Herzens Innigkeit,..&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_91" id="Seite_91">[S. 91]</a></span></p>
-
-<p>Nachdem wir so die nthige Aufklrung ber die Persnlichkeit und das
-Erscheinen des Heiligen erhalten haben, schildert auch dieser die
-Vorgeschichte des Dramas und weist wie Gower die Zuschauer auf den
-auftretenden Grafen Siegfried hin.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Da geht der edle Mann, zum Streit gewappnet,<a name="FNAnker_318_318" id="FNAnker_318_318"></a><a href="#Fussnote_318_318" class="fnanchor">[318]</a></div>
- <div class="verse">&mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;</div>
- <div class="verse">So seid nun aufmerksam und lasst euch gern</div>
- <div class="verse">In alte deutsche Zeit zurckefhren.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Bonifacius fordert hier Aufmerksamkeit fr das Folgende gerade wie
-Gower, der zum Schweigen mahnt und der sich seinerseits wieder nach den
-alten Mysterien richtete, in denen die Engel oder ein anderer Prologus
-das &#8222;Silete!&#8220; riefen und Aufmerksamkeit heischten.</p>
-
-<p>Die Einfhrung der Prologsprecher und die Disposition der
-beiden Prologe, nmlich erst Selbstschilderung der auftretenden
-Persnlichkeit, dann Entwickelung der Vorgeschichte und Mahnung zur
-Aufmerksamkeit, ist so hnlich, als ob Tieck sich frmlich bemht
-htte, den Eingang des schwchlichen altenglischen Stckes, das er
-damals so hoch verehrte, Zug fr Zug nachzubilden. Tieck hat bei
-Herbernahme des Prologes seinem bewunderten Vorbilde auch sogar eine
-ble Seite abgeguckt. Im &#8222;Perikles&#8220; so gut wie in der &#8222;Genoveva&#8220;
-erfahren wir die Thatsachen der Vorgeschichte, von denen der Prolog
-redet, im Stcke selbst noch einmal.<a name="FNAnker_319_319" id="FNAnker_319_319"></a><a href="#Fussnote_319_319" class="fnanchor">[319]</a></p>
-
-<p>Neben diesen deutlichen hnlichkeiten im ueren Aufbau springt auch
-der innere Unterschied beider Prologe sogleich in die Augen. Bonifacius
-tritt seinem Publicum nicht blo als harmloser Geschichtenerzhler,
-sondern zugleich als strenger, religiser Mahner, als Prediger in
-der Wste entgegen und beklagt sich bitter (wie Wackenroder, Novalis
-und Tieck), dass der Sinn fr die alte fromme Zeit in seinem lieben
-Deutschland so ganz geschwunden sei. Die breitausladende Rede des
-Heiligen ist &mdash; wenn wir vom geqult naiven Eingange absehen &mdash; ernst
-und<span class="pagenum"><a name="Seite_92" id="Seite_92">[S. 92]</a></span> voll feierlicher Wrde und hllt sich darum auch in das vornehmere
-Gewand des Blankverses, in dem an anderen Stellen auch Gower redet,
-whrend im Prologe und in den meisten epischen Zwischenstcken des
-&#8222;Perikles&#8220; die vierhebigen Reimpaare der hausbackenen, schwerflligen
-Rede die richtige Begleitung geben. Gower sagt klar und bndig, was er
-ist und was er auf dem Theater will. Er vergeudet sein neugewonnenes
-Leben wie Kerzenlicht zur Freude der Zuschauer. Bonifacius, der allem
-Anscheine nach eben aus der jenseitigen Welt gekommen ist, sagt noch
-obendrein:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Und oftmals geht in dieser spten Zeit</div>
- <div class="verse">Mein Geist umher...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Etwas <a name="raethselhaft" id="raethselhaft"></a>rthselhaft. Dazu kommt das Zwiespltige, dass Bonifacius auf der
-einen Seite als Berichterstatter ber die lngstvergangene alte Zeit
-vor uns tritt, auf der andern wiederum dreimal im Drama als mitlebender
-Bischof nicht gerade auftritt, aber doch erwhnt wird.</p>
-
-<p>Dass Bonifacius nur an einer Stelle innerhalb des Stckes auftritt,
-sahen wir durch die Beschaffenheit des Stoffes und durch technische
-Erwgungen geboten. Gower ist, mit Bonifacius verglichen in seiner
-Erzhlungsweise subjectiver und &#8222;ironischer&#8220; im romantischen Sinne,
-indem er dem Zuschauer immer gegenwrtig hlt, dass dieser im Theater
-sitzt, was Bonifacius alles vermeidet, um keine Strung in die ernste
-Rede zu bringen. Gower beschliet, entgegen seiner ersten Absicht im
-Prolog, wo er nur verheit, seine Zuschauer zu erfreuen, das Drama
-mit einem ziemlich nchternen moralisierenden Epilog. Bonifacius
-bleibt innerhalb seiner religisen Sphre und verkndet am Ende die
-Verklrung der heil. Genoveva. Das uere Schema und einzelnes in der
-Stilisierung des Prologes nimmt also Tieck aus dem &#8222;Perikles&#8220;. Inhalt
-und Auffassung ist durch den allgemeinen Geist seines Stckes durch die
-alterthmlich-religise Stimmung bedingt.</p>
-
-<p>Mit diesem Einfluss des &#8222;Perikles&#8220; auf die Form, auf die Verbindung
-von Erzhlung und Drama ist aber Shakespeares Einwirkung auf Tiecks
-&#8222;Genoveva&#8220; noch nicht erschpft. Minor hat in seiner Ausgabe in kurzen
-Anmerkungen bereits auf die bedeutendsten Anklnge hingewiesen. Es
-sollen diese Notizen hier nher ausgefhrt, begrndet und an ein paar
-Stellen ergnzt und berichtigt werden. Einige Gestalten Tiecks zeigen<span class="pagenum"><a name="Seite_93" id="Seite_93">[S. 93]</a></span>
-in ihrem Charakter Verwandtschaft mit Shakespeare&#8217;schen Figuren. Da
-muss an erster Stelle der &#8222;wackeren&#8220; Amme Gertrud gedacht werden.
-Das meiste fr diese Nebenfigur gab dem Dichter das Volksbuch an die
-Hand, ihre Stellung im Drama wurde einigermaen durch Maler Mllers
-Mathilde modificiert, von der Amme in &#8222;Romeo und Julia&#8220; entlehnte
-aber Gertrud ihre &#8222;bsgelufige&#8220; Zunge. Denn die Erzhlung von Golos
-Jugend ist unverkennbar in manchen Einzelheiten der Erzhlung von
-Julias Jugend<a name="FNAnker_320_320" id="FNAnker_320_320"></a><a href="#Fussnote_320_320" class="fnanchor">[320]</a> nachgebildet. Wie Julias Amme eine Gespielin
-ihrer Pflegebefohlenen verlor, so muss Gertrud den Tod ihres eigenen
-Shnchens beklagen, whrend Golo am Leben blieb. Beide erzhlen mit
-der gleichen breiten Geschwtzigkeit und beide suchen mit wiederholten
-Ausrufen und Wendungen Gott in ihr Gerede hineinzuziehen. Fr die
-leichtsinnigen geschlechtlichen Anspielungen der Amme Julias tritt bei
-Tieck das Lob des Bastards ein, das wieder sein eigenes Vorbild im
-Monologe Edmunds im &#8222;Knig Lear&#8220;<a name="FNAnker_321_321" id="FNAnker_321_321"></a><a href="#Fussnote_321_321" class="fnanchor">[321]</a> hat und die scherzhafte Bemerkung
-Gertruds:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Du lieber Gott, wie&#8217;s nun so in der Welt</div>
- <div class="verse">Einmal zu gehen pflegt, er war nun da</div>
- <div class="verse">Und fragte keinen, ob er kommen sollte.&#8220;<a name="FNAnker_322_322" id="FNAnker_322_322"></a><a href="#Fussnote_322_322" class="fnanchor">[322]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>klingt hnlich wie die Worte des alten Gloster ber Edmund: &#8222;Obgleich
-dieser Schlingel etwas vorwitzig in die Welt kam, ehe<span class="pagenum"><a name="Seite_94" id="Seite_94">[S. 94]</a></span> er gerufen
-ward, so war doch seine Mutter schn...&#8220; Wie Julias Amme refrainartig
-ihren Scherz wiederholt, so Gertrud ihr Erstaunen ber das Wunderbare,
-das sie an Golo und seinem Schicksale zu bemerken glaubt. Die Grfin
-Capulet sucht den unangenehmen Redeschwall der Wrterin einzudmmen.
-&#8222;Genug davon, ich bitte, halt dich ruhig.&#8220; Genoveva, in der gleichen
-Lage, mahnt: &#8222;Du bist ein wenig zu geschwtzig, Gertrud, und sprichst
-daher mit bs&#8217; geluf&#8217;ger Zunge.&#8220; Tieck schwcht wieder die derben
-Spsse, die der frommen Grundstimmung seiner Dichtung widerstreiten
-mssten, ab. Er nennt auch in einer spteren Abhandlung ber &#8222;Romeo und
-Julia&#8220; einmal das Geschwtz der Amme &#8222;gemeines Geschwtz&#8220;.<a name="FNAnker_323_323" id="FNAnker_323_323"></a><a href="#Fussnote_323_323" class="fnanchor">[323]</a></p>
-
-<p>Im langen Monologe Karl Martells<a name="FNAnker_324_324" id="FNAnker_324_324"></a><a href="#Fussnote_324_324" class="fnanchor">[324]</a> will Minor deutliche Anklnge
-an die Monologe Macbeths bemerken, was mir aber nicht nachweisbar
-erscheint. Karl wiegt sich eine Zeitlang mit Lust in ehrgeizigen
-Gedanken und bekmpft sie dann im religisen Sinne, wie sie eben ein
-guter Christ bekmpfen soll. Macbeth aber rechnet sich die qulenden
-Gewissensbisse vor, die der vollbrachten Mordthat folgen. Auch
-in einzelnen Gedanken und Wendungen lassen sich keine deutlichen
-bereinstimmungen auffinden. Eher mchte man gewissen uerungen
-ehrgeiziger Prtendenten, z.B. im &#8222;Knig Heinrich VI.&#8220; Keime
-einiger Gedanken Karl Martells vermuthen. In einer ehrgeizerfllten
-Rede Yorks<a name="FNAnker_325_325" id="FNAnker_325_325"></a><a href="#Fussnote_325_325" class="fnanchor">[325]</a>, in Richards herrschschtigen Worten<a name="FNAnker_326_326" id="FNAnker_326_326"></a><a href="#Fussnote_326_326" class="fnanchor">[326]</a>, in
-Glosters uerungen<a name="FNAnker_327_327" id="FNAnker_327_327"></a><a href="#Fussnote_327_327" class="fnanchor">[327]</a>, ferner in Hublas&#8217; Rede<a name="FNAnker_328_328" id="FNAnker_328_328"></a><a href="#Fussnote_328_328" class="fnanchor">[328]</a> begegnen uns
-thatschlich Gedanken, die manchen Impuls fr Karl Martells Monolog
-bei Tieck gegeben haben knnten. &#8222;Knnten&#8220;, denn wrtliche und sicher
-nachweisbare bereinstimmungen fehlen.</p>
-
-<p>Nicht unwahrscheinlich ist es aber, dass ein wenig von dem finsteren
-Heldentrotze, den Macbeth vor seinem Ende zeigt, auf Abdorrhaman
-bergieng. Der aberglubische Macbeth sieht nmlich, dass nach der
-doppelsinnigen Weissagung, welcher er unbedingt Glauben schenkt, sein
-Schicksal sich erfllt; denn der Birnamwald rckt gegen Dunsinan und
-ein Gegner, der nicht<span class="pagenum"><a name="Seite_95" id="Seite_95">[S. 95]</a></span> vom Weibe &#8222;geboren&#8220; ist, steht ihm gegenber.
-Einen Augenblick bricht sein Muth zusammen, um sich sofort wieder
-todeskhn emporzurecken.<a name="FNAnker_329_329" id="FNAnker_329_329"></a><a href="#Fussnote_329_329" class="fnanchor">[329]</a> Macduffs, seines Gegners Aufforderung,
-die Waffen zu strecken, weist er mit stolzem Wort zurck. So benimmt
-sich auch der Saracenenfhrer Abdorrhaman in der Schlacht.<a name="FNAnker_330_330" id="FNAnker_330_330"></a><a href="#Fussnote_330_330" class="fnanchor">[330]</a> Obschon
-er sieht, dass Mahom, sein Schutzherr, ihn im Stiche lsst, strmt er
-muthig und mit Todesverachtung in den Kampf und Aquitanien, der den
-Saracenen auffordert, sich zu ergeben, bekommt dieselbe trotzig-stolze
-Antwort wie Macduff.</p>
-
-<p>In anderen Fllen wieder merkt man Shakespeares Vorbild in der Anlage
-und herrschenden Stimmung der Scene. Da verweist Minor vor allem auf
-die Balkonscene Tiecks, die bei &#8222;Romeo und Julia&#8220; und dem &#8222;Kaufmann von
-Venedig&#8220; ihre Anleihen mache. Es wird aber nicht blo an eine directe
-Anlehnung an Shakespeare zu denken sein, sondern Mllers Balkonscene
-tritt, wie schon bemerkt wurde, als Mittelglied zwischen Tieck und
-Shakespeare. Fr den Shakespeareschwrmer Mller, der seiner Genoveva
-die ganze Heiligengloriole nimmt, um sie zu einer menschlichen,
-dramatisch wirksamen Gestalt umzubilden, liegt eine Nachbildung der
-Scene aus &#8222;Romeo und Julia&#8220; nicht so fern. Fr Tieck aber, der eine
-&#8222;heilige Genoveva&#8220; schaffen will, musste jene leidenschaftdurchflammte
-Begegnung zwischen Romeo und Julia, in der eines die Liebe des anderen
-glhend erwidert, eigentlich ziemlich ferne liegen. Golos vergebliche
-Werbung ist das Motiv bei Tieck. Tritt aber einmal Mller dazwischen,
-der die Balkonscene sammt der Sommernacht mit Golo und Genoveva
-verbindet, so ist es begreiflicher, dass Tieck, der Romantiker, der
-dem Reize einer Sommernacht nie widerstehen kann, das Motiv aufnimmt
-und alle weichen Hauche und Tne trumerisch erklingen lsst. Mllers
-und Shakespeares Antheil ist brigens noch ganz gut erkennbar. Wie
-bei Mller Genoveva und Mathilde, so betreten bei Tieck Genoveva
-und Gertrud den Balkon, um die Sommernacht zu genieen. Jedesmal
-bringt ihnen Golo eine Serenade, mit welcher er eine versteckte und
-erfolglose Liebeswerbung verbindet. Die Scene nimmt in beiden Dramen
-ungefhr die nmliche Stelle ein. So viel steuert Mller fr die Scene
-bei. Darein verwebt nun Tieck verschiedene Dinge, die er direct aus<span class="pagenum"><a name="Seite_96" id="Seite_96">[S. 96]</a></span>
-Shakespeare herbernimmt und das sind erst die Reminiscenzen aus &#8222;Romeo
-und Julia&#8220; sowie aus dem &#8222;Kaufmann von Venedig&#8220;, von denen Minor in
-seiner Anmerkung spricht. Einmal die Entwickelung des Dialoges. In
-&#8222;Romeo und Julia&#8220; hebt die Scene mit einem Monologe Romeos an. Julia
-erscheint auf dem Balkon, wird von Romeo bemerkt ohne ihn selbst zu
-bemerken. Romeos Reden correspondieren etwa dreiig Zeilen hindurch
-mit Julias Selbstgesprch, ehe es zum eigentlichen Dialoge kommt.
-Auffallend ist die hnlichkeit dieses Sceneneinganges mit der Art,
-wie Tieck die nmliche Sache durchfhrt. Monolog Golos; Genoveva
-und Gertrud erscheinen auf dem Balkone; Genovevas Reden werden von
-Golo beantwortet, ohne dass er von den Frauen bemerkt wird und dann
-beginnt der Dialog selbst.<a name="FNAnker_331_331" id="FNAnker_331_331"></a><a href="#Fussnote_331_331" class="fnanchor">[331]</a> Alles wie bei Shakespeare. Auch
-Gedanken und Empfindungen Golos<a name="FNAnker_332_332" id="FNAnker_332_332"></a><a href="#Fussnote_332_332" class="fnanchor">[332]</a> berhren sich hin und wieder
-mit Romeos Monolog.<a name="FNAnker_333_333" id="FNAnker_333_333"></a><a href="#Fussnote_333_333" class="fnanchor">[333]</a> berall erscheint die Frauenschnheit im
-Wettstreit mit den glnzendsten Erscheinungen der Natur. Der Liebende
-entbehrt gerne das Schnste in der Schpfung, Sonne, Mond und Sterne,
-wenn ihm nur die Schnheit seiner Geliebten erglnzt; denn bei
-Tieck und Shakespeare muss sich die Natur durch den Reiz der einzig
-Vergtterten beschmen lassen.<a name="FNAnker_334_334" id="FNAnker_334_334"></a><a href="#Fussnote_334_334" class="fnanchor">[334]</a> Romeos auflodernde Phantasie
-sieht in Julia die holde Sonne, die Lunens Glanz ertdtet und seine
-Liebesseligkeit drngt sich in bestndigen Anrufen an seine Geliebte
-aus dem Herzen. Golos Phantasie weilt lieber im dmmernden Reiche
-der Nacht. Seine Bilder entlehnt er von Mond und Sternen. Er richtet
-seine liebeerfllten Ausrufe nicht so sehr an die Geliebte, sondern er
-haucht sie wie trumend in die umgebende nchtliche Natur ein. Hier
-beobachten wir deutlich Tiecks Abhngigkeit und eigene poetische Art
-dicht nebeneinander. Dazu gesellen sich noch die weichen Laute aus
-dem bekannten lyrischen Eingange des fnften Actes im &#8222;Kaufmann von
-Venedig&#8220;, deren auch Minor gedenkt. Die Worte Genovevas:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wie still die Nacht des Tages Hitze khlt,</div>
- <div class="verse">Wie sanft der Mondschein auf dem Grase spielt,</div>
- <div class="verse">Wie s das Herz sich nun beruhigt fhlt,&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_97" id="Seite_97">[S. 97]</a></span></p>
-
-<p>athmen dieselbe Stimmung, wie Lorenzos vielcitierte Worte: &#8222;Wie s das
-Mondlicht auf dem Hgel schlft...&#8220;<a name="FNAnker_335_335" id="FNAnker_335_335"></a><a href="#Fussnote_335_335" class="fnanchor">[335]</a></p>
-
-<p>Die traumhaft weiche Sommernachtstimmung und der se Zauber, der das
-lyrische Intermezzo im &#8222;Kaufmann von Venedig&#8220; erfllt, gehren zu
-dem, was Tieck und die Romantiker am meisten lieben und was auch jene
-Nachtscene der &#8222;Genoveva&#8220; beherrscht. Es konnten sich hier sehr leicht
-einzelne Klnge, welche Tiecks eigenen Stimmungen verwandt sind, aus
-dem &#8222;Kaufmann von Venedig&#8220; hereinstehlen, ohne dass der Dichter selbst
-es merkte und ohne dass er viel am Entlehnten htte umbilden mssen.</p>
-
-<p>Zur Sterbescene des alten Wolf merkt Minor an, sie sei &#8222;deutlich
-der Scene mit dem sterbenden Gaunt in Richard II. nachgebildet&#8220;.
-Minor behlt damit gewiss Recht. Jedesmal ist es ein alter Mann, das
-einemal Golos Pflegevater, das anderemal der treue Rathgeber Knig
-Richards, der einem jungen, auf schiefe Bahnen gerathenen Menschen vom
-Sterbebette aus ernste Mahnungen und Warnungen ertheilt. Weder das
-Volksbuch noch Mller gibt fr diese Scene einen Anknpfungspunkt.
-Es ist darum kein Zweifel, dass die groe Scene in &#8222;Knig Richard
-II.&#8220;<a name="FNAnker_336_336" id="FNAnker_336_336"></a><a href="#Fussnote_336_336" class="fnanchor">[336]</a> fr Tieck das Vorbild war. Im Inhalt und Ton des Ganzen geht
-Tieck freilich wieder seinen eigenen Weg. Religion und Gemthsweichheit
-herrschen hier, Gaunts wild donnernder Zorn ist verschwunden. Wolf
-bittet und fleht und sucht durch religise Ermahnungen seinem
-entrathenen Sohne beizukommen. Den ausgesprochenen Fluch widerruft
-er sofort und stirbt unter sentimentalen Bitten. Gaunt ist zwar auch
-ein geduldiger und treuer<span class="pagenum"><a name="Seite_98" id="Seite_98">[S. 98]</a></span> Unterthan seines Knigs, aber neben Wolf
-gehalten, redet aus ihm eine ernste, mchtige, derbe, reckenhafte
-Mnnlichkeit. Gaunt widerruft kein Wort, das er einmal gesprochen.<a name="FNAnker_337_337" id="FNAnker_337_337"></a><a href="#Fussnote_337_337" class="fnanchor">[337]</a>
-Die lieblos rohe Antwort Golos auf Wolfs Ermahnungen:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Eu&#8217;r Fabeln rhrt vom groen Alter her,</div>
- <div class="verse">Ihr wit nicht, was Ihr sprecht, drum sei&#8217;s verziehn.</div>
- <div class="verse">Auf meinen Kopf, was ich verfehlen mag,&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>stammt von der noch roheren Richards her:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Du, ein seichter und mondscht&#8217;ger Narr,</div>
- <div class="verse">Auf eines Fiebers Vorrecht dich verlassend,</div>
- <div class="verse">Darfst uns mit deinen frost&#8217;gen Warnungen</div>
- <div class="verse">Die Wangen bleichen, unser frstlich Blut</div>
- <div class="verse">Vor Zorn aus seinem Aufenthalt verjagen?&#8220; u. s. w.</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Die ungewhnliche Ausdehnung der Reden fllt in beiden Scenen auf.</p>
-
-<p>Tiecks Hexenscene soll nach Minor charakteristischer Weise den Einfluss
-Shakespeares (Macbeth und die Hexen) mit dem Goethes (Hexenscene im
-&#8222;Faust&#8220;) vereinigen. Allein schon der Vergleich mit dem Volksbuche
-lehrt, dass in dieser Anmerkung sicherlich zu viel gesagt ist; denn das
-Wesentliche und Thatschliche, was sich in der Scene begibt, fand Tieck
-im Volksbuch vor. In den wirren Sprchen und Formeln der Hexe zeigen
-sich Spuren verschiedener Gedanken aus Jakob Bhmes &#8222;Morgenrthe&#8220;. Es
-bleiben dann nur noch einige uerlichkeiten, die sich als Entlehnungen
-aus den genannten literarischen Vorbildern, Goethe und Shakespeare,
-erweisen lassen. In einem Punkte wenigstens thut Tieck, was Goethe und
-Shakespeare thaten. Diese Dichter beschrnken sich in ihren Hexenscenen
-nicht konomisch auf das Nothwendigste, sondern sie schmcken jeder
-in seiner Weise das Treiben der unheimlichen Menschen malerisch aus.
-Es wird Verschiedenes vorgefhrt, was nicht unmittelbar dem Zwecke
-der Scene dient. Malerisch und stimmungsvoll in<span class="pagenum"><a name="Seite_99" id="Seite_99">[S. 99]</a></span> diesem Sinne ist der
-Eingangsmonolog bei Tieck,<a name="FNAnker_338_338" id="FNAnker_338_338"></a><a href="#Fussnote_338_338" class="fnanchor">[338]</a> der die Zurstungen Winfredas und die
-nchtliche Scenerie malt. Bei diesem Monologe denkt man aber nicht
-zuerst an &#8222;Macbeth&#8220;, sondern lieber an die Verse, mit denen Bolingbroke
-in &#8222;Heinrich VI.&#8220;<a name="FNAnker_339_339" id="FNAnker_339_339"></a><a href="#Fussnote_339_339" class="fnanchor">[339]</a> eine Geisterbeschwrung einleitet. Dieser, ein
-Theilnehmer am nchtlichen Werke, entwirft selbst, wie hier Winfreda,
-das dstere Nachtbild, nur dass es nicht monologisch geschieht.</p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Geduld nur! Zaub&#8217;rer wissen ihre Zeit.</div>
- <div class="verse">Die tiefe, finst&#8217;re Nacht, das Grau&#8217;n der Nacht;</div>
- <div class="verse">Die Zeit, da Troja ward in Brand gesteckt;</div>
- <div class="verse">Die Zeit, wo Eulen schrei&#8217;n und Hunde heulen,</div>
- <div class="verse">Wo Geister geh&#8217;n, ihr Grab Gespenster sprengen:</div>
- <div class="verse">Die ziemt sich fr das Werk, womit wir umgeh&#8217;n.&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft7"><em class="gesperrt">Siegfried</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;So komm, vom Himmel zeigt sich schon die Nacht,</div>
- <div class="verse">Jetzt hat das Reich der Geister seine Macht.&#8220; &mdash; &mdash;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft7"><em class="gesperrt">Winfreda</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;An seinem Orte hngt der magische Spiegel,</div>
- <div class="verse">Schon weht die Nacht herauf mit schwarzem Flgel,</div>
- <div class="verse">Wolken zieh&#8217;n und flieh&#8217;n vor des Mondes Scheibe,</div>
- <div class="verse">Auf Kirchhfen steh&#8217;n die Leichen mit blassem Leibe,</div>
- <div class="verse">In unterird&#8217;schen Grften ein whlendes Regen,</div>
- <div class="verse">In oberird&#8217;schen Lften ein spielendes Bewegen,</div>
- <div class="verse">Geister schauern hernieder,</div>
- <div class="verse">Und geh&#8217;n und kommen wieder</div>
- <div class="verse">Auf der schwarzen Leiter der Nacht,...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Der Inhalt dieser Hexenworte berhrt sich theilweise ziemlich deutlich
-mit der Bolingbroke&#8217;schen Schilderung. In &#8222;Macbeth&#8220; und &#8222;Faust&#8220; wird
-auch alles, was der Stimmungsmalerei dient, in Handlung umgesetzt,
-whrend Bolingbroke und Winfreda die Situation mit Worten schildern.
-Das Colorit der Tieck&#8217;schen Hexenscene ist zwar dster, aber es
-herrscht in dieser Hexenwohnung doch eine ganz andere Luft, als auf
-der gewitterdurchstrmten schottischen Heide. Goethes Hexenscene
-musste Tieck wegen ihres humoristischen Charakters (Humor ist in der
-&#8222;Genoveva&#8220; grundstzlich ausgeschlossen) ferne liegen.</p>
-
-<p>Ebensowenig durchgreifend erscheint Shakespeares Einfluss in der
-Episode, wo Gertrud bei Golo die Anwaltschaft fr<span class="pagenum"><a name="Seite_100" id="Seite_100">[S. 100]</a></span> die gefangene
-Genoveva und ihr Kind bernimmt. Der Inhalt dieser Scene war Tieck
-bis ins einzelne herab durch die Legende geboten. Es ist ein
-merkwrdiger Zufall, dass der Inhalt der dritten Scene im zweiten
-Acte des &#8222;Wintermrchens&#8220;, das Minor im Auge hat, jener Stelle des
-Volksbuches so auffallend hnelt. Jedesmal erscheint nmlich eine Frau
-als Frbitterin fr eine Gefangene und ihr Kind. Wenn Tieck nach dem
-Volksbuche das nmliche Motiv dichterisch behandelt, das schon vorher
-sein bewunderter Meister Shakespeare behandelte, so ist allerdings zu
-vermuthen, dass ihm dabei Shakespeare leicht ein wenig in die Phantasie
-hineinspielen konnte. Allein dies kann hier nur Einzelheiten betreffen.
-Golo und Leontes erblicken wir im Anfange der Scene in tiefer
-Gemthsunruhe. Beide geben den Befehl, jeden strenden Besuch ferne zu
-halten und beide wollen die Frau, die sich strmischerweise den Zutritt
-doch verschafft, energisch aus dem Hause weisen. In der Einleitung
-schliet sich also Tiecks Scene ohne Zweifel Shakespeare an, aber
-eine weitere und tiefer greifende Abhngigkeit wird sich schwerlich
-nachweisen lassen.</p>
-
-<p>Ebenso verhlt es sich noch mit einer anderen Scene, nmlich mit
-dem Gerichte ber Golo, das ein wenig nach Shakespeare stilisiert
-erscheint, und zwar nach dem Gerichte, das in &#8222;Richard II.&#8220;<a name="FNAnker_340_340" id="FNAnker_340_340"></a><a href="#Fussnote_340_340" class="fnanchor">[340]</a>
-Bolingbroke ber Green und Bushy hlt. Zuerst ein Befehl, die
-Delinquenten vorzufhren.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft4"><em class="gesperrt">Bolingbroke</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Fhrt diese Mnner vor.&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft5"><em class="gesperrt">Matthias</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Jetzt lasst den Bsewicht herein...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Darauf hlt der Vorsitzende des Gerichtes, Bolingbroke bei Shakespeare,
-bei Tieck Siegfried, den Schuldigen die begangenen belthaten vor.
-Der Inhalt dieser Anklagerede, Golos aufgezhlte Frevel, stehen auch
-wieder im Volksbuch, nur fr das uere Arrangement der Scene kommt
-Shakespeare ein wenig in Rechnung.<a name="FNAnker_341_341" id="FNAnker_341_341"></a><a href="#Fussnote_341_341" class="fnanchor">[341]</a></p>
-
-<p>Wir mussten bereits andeuten, dass Tieck, von Maler Mller geleitet,
-fr die breitausgedehnten Schlachtscenen und ihr ritter<span class="pagenum"><a name="Seite_101" id="Seite_101">[S. 101]</a></span>liches
-Costm manches aus Shakespeare entnahm. Dass es fr Tieck nichts
-Gewagtes schien, bei Shakespeare in Sachen des ritterlichen Costms
-zu lernen, beweisen seine eigenen Worte: &#8222;Shakespeares Zeitalter war
-gerade dasjenige, in welchem noch die letzten Spuren des krftigen
-Mittelalters, des Geistes der Liebe, des Wunderglaubens und der
-Heldenthaten wie in einer neuen Herbstblte zwar schwach aber doch
-erquicklich, da standen.&#8220;<a name="FNAnker_342_342" id="FNAnker_342_342"></a><a href="#Fussnote_342_342" class="fnanchor">[342]</a> Es finden sich vorzglich in den
-&#8222;Historien&#8220; Motive, die fr Tieck anregend wirken konnten. Da begegnen
-uns die Gesandtschaft, die Beobachtung der Naturstimmung vor der
-Schlacht, das wechselnde Kriegsglck, der Zweikampf, der Aufruhr im
-eigenen Lande, whrend das Heer im Felde steht, Stadtbelagerung,
-nchtlicher berfall, nchtliches Lagerbild, Verwirrung und Bedrngnis
-im nchtlichen Kampfe, der sterbende Krieger. Es lsst sich ja nicht
-leugnen, dass solche Motive in den Schlachtschilderungen fast aller
-Zeiten wiederkehren. Wenn wir aber bemerken, dass Tieck mit manchen
-anderen Zgen sich ziemlich enge an Shakespeare anlehnt, so liegt es
-nahe, auch hier gerade an die Vorbildlichkeit Shakespeares zu glauben.</p>
-
-<p>Wie der kmpfende Abdorrhaman an Macbeth in der Schlacht gemahnt, wurde
-schon in anderem Zusammenhange gezeigt.</p>
-
-<p>Die Gesandten entwickeln bei Shakespeare mitunter in ihren Forderungen
-dieselbe naive Unverfrorenheit wie Tiecks saracenische Botschafter. Sie
-benehmen sich, als ob sich der Gegner schon lange ohne Schwertstreich
-auf Gnade und Ungnade ergeben htte.<a name="FNAnker_343_343" id="FNAnker_343_343"></a><a href="#Fussnote_343_343" class="fnanchor">[343]</a> In &#8222;Heinrich V.&#8220; fordert
-Exeter schlankweg bergabe, sonst gebe es blutigen Kampf. Die Franzosen
-mchten doch selbst ihre Leute schonen.<a name="FNAnker_344_344" id="FNAnker_344_344"></a><a href="#Fussnote_344_344" class="fnanchor">[344]</a> Gerade so redet Derar
-vor Karl Martell und nicht weniger verchtlich spricht Albanakt im
-&#8222;Locrine&#8220; von seinen Gegnern. (Hornvilla im &#8222;Octavian&#8220;.) &mdash; Der
-Schlachtplan, den Malcolm entwirft,<a name="FNAnker_345_345" id="FNAnker_345_345"></a><a href="#Fussnote_345_345" class="fnanchor">[345]</a> ist im wesentlichen derselbe
-wie jener, den der saracenische Kriegsrath bei Tieck zustande bringt.
-&mdash; Wenn Otho, auf dem Schlachtfelde sterbend, ber das Kriegerleben,
-sein Aufblhen und Hinschwinden<span class="pagenum"><a name="Seite_102" id="Seite_102">[S. 102]</a></span> meditiert, so hren wir auch den
-sterbenden Warwick<a name="FNAnker_346_346" id="FNAnker_346_346"></a><a href="#Fussnote_346_346" class="fnanchor">[346]</a> seine hnlichen Betrachtungen ber die
-Vergnglichkeit der irdischen Herrlichkeit halten. &mdash; Shakespeare,
-der &#8222;seine Gttin&#8220; Natur nie vergessen mag, lauscht sogar auf dem
-Schlachtfelde dem Tone ihrer Stimmung.</p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft5"><em class="gesperrt">Knig Heinrich</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wie blutig ber jenen busch&#8217;gen Hgel</div>
- <div class="verse">Die Sonne blickt hervor! Der Tag sieht bleich</div>
- <div class="verse">Ob ihrem kranken Schein.&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft5"><em class="gesperrt">Prinz Heinrich</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft98">&#8222;Der Wind aus Sden</div>
- <div class="verse">Thut, was sie vorhat, als Trompeter kund,</div>
- <div class="verse">Und sagt, durch hohles Pfeifen in den Blttern,</div>
- <div class="verse">Uns Sturm vorher und einen rauhen Tag.&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft5"><em class="gesperrt">Knig Heinrich</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;So stimm&#8217; er denn in der Verlierer Sinn,</div>
- <div class="verse">Denn nichts scheint denen trbe, die gewinnen.&#8220;<a name="FNAnker_347_347" id="FNAnker_347_347"></a><a href="#Fussnote_347_347" class="fnanchor">[347]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>So fhlt sich auch Karl Martell von der Morgenstimmung vor der Schlacht
-ernst ergriffen.</p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft5"><em class="gesperrt">Karl Martell</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Mit Purpur angethan zeucht Morgenrte</div>
- <div class="verse">Herauf und schreitet durch das Himmelblau,</div>
- <div class="verse">Es flammt die Glorie der frhen Rte</div>
- <div class="verse">Herab und spielet auf die grne Au,</div>
- <div class="verse">Der Tod schaut nieder, welchen er ertte,</div>
- <div class="verse">Wei jener nur, jenseit des Himmelsblau.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Der ernsten Betrachtung contrastiert auch Tieck die zuversichtliche
-Empfindung des Jnglings Aquitanien:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Seht, frhlich hat der Tag sich angethan,</div>
- <div class="verse">Er glnzt daher im festlichen Gewand...&#8220;<a name="FNAnker_348_348" id="FNAnker_348_348"></a><a href="#Fussnote_348_348" class="fnanchor">[348]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Einen Schritt weiter als dieses poetische Einfhlen in die Natur
-geht die astrologische oder die gewhnliche aberglubische Deutung
-ungewhnlicher Naturvorgnge, wie sie Tieck in der Unterredung
-zwischen Golo und Wolf verwertet.<a name="FNAnker_349_349" id="FNAnker_349_349"></a><a href="#Fussnote_349_349" class="fnanchor">[349]</a> Der uralte Volksglaube, dass
-ungewhnliche Himmelserscheinungen und<span class="pagenum"><a name="Seite_103" id="Seite_103">[S. 103]</a></span> seltene atmosphrische Vorgnge
-Begleiterscheinungen ungewhnlicher Vorgnge auf Erden seien, wird von
-Shakespeare nicht selten in wirkungsvoller Weise fr ein Stimmungsbild
-ausgentzt oder in ein solches verwoben. Auerdem liegt fr den Leser
-und Zuschauer in solchen Vorgngen eine ahnungweckende Vordeutung
-ber knftige Ereignisse. In &#8222;Richard III.&#8220;<a name="FNAnker_350_350" id="FNAnker_350_350"></a><a href="#Fussnote_350_350" class="fnanchor">[350]</a> will ein Hauptmann
-aus verschiedenen dsteren Zeichen (darunter: &#8222;der blasse Mond
-scheint blutig auf die Erde&#8220;) auf den Tod des Knigs schlieen.<a name="FNAnker_351_351" id="FNAnker_351_351"></a><a href="#Fussnote_351_351" class="fnanchor">[351]</a>
-Im &#8222;Hamlet&#8220;<a name="FNAnker_352_352" id="FNAnker_352_352"></a><a href="#Fussnote_352_352" class="fnanchor">[352]</a> spricht Horatio von den unheimlichen Zeichen am
-Himmel und auf der Erde, die Csars Tod verkndeten &#8222;als Boten, die
-dem Schicksal stets vorangehn und Vorspiel der Entscheidung, die
-sich naht&#8220;. Ein andermal steht dem zeichenglubigen alten Gloster
-der junge Edmund gegenber, der mit rationalistischer Skepsis den
-Glauben an diese Vorzeichen als &#8222;ausbndige Narrheit&#8220; erklrt.<a name="FNAnker_353_353" id="FNAnker_353_353"></a><a href="#Fussnote_353_353" class="fnanchor">[353]</a>
-Von Shakespeare bernahm diese Mittel der unheimlichen Stimmung und
-Vorahnung Goethe in den &#8222;Gtz&#8220;.<a name="FNAnker_354_354" id="FNAnker_354_354"></a><a href="#Fussnote_354_354" class="fnanchor">[354]</a> Bei Maler Mller erscheint mit
-einer neuen Nuance die verwandte Vorstellung, dass durch solche
-Zeichen verborgene Blutschuld offenbar wurde. Doch Golo frchtet sich
-nicht davor. &#8222;Ich lache zu allem! Wenn auch gleich Sonnenfinsternis
-wrde, Sterne blutig ber mein Haupt herabwinkten und durch eine
-angedeutete Zuchtrute der Himmel mich bedruen liee: was liegt mir
-daran?&#8220; Tieck hatte schon vor seiner &#8222;Genoveva&#8220; gerne das unheimliche,
-unbestimmte Grauen vor Natur- und Schicksalsmchten in seine Dichtungen
-hereingebracht. (&#8222;William Lovell&#8220;, &#8222;Blaubart&#8220;, &#8222;Der blonde Eckbert&#8220;,
-&#8222;Sternbald&#8220;, &#8222;Tannenhuser&#8220; und &#8222;Runenberg&#8220;.) Der eigenthmliche
-Zug seiner Phantasie musste durch die literarischen Vorbilder
-nur gesteigert werden. Diese sowie die eigentlich astrologischen
-Vorstellungen wurden auch noch durch Jakob Bhme und Schillers
-&#8222;Wallenstein&#8220;, den Tieck gewiss auf dem Berliner Theater gesehen hat,
-genhrt. Aus dieser dster dmmernden Sphre stammt die Scene mit
-dem alten Wolf und Golo. Welches<span class="pagenum"><a name="Seite_104" id="Seite_104">[S. 104]</a></span> von den verschiedenen Vorbildern
-den ersten Ansto gab, wage ich nicht zu entscheiden, weil sich bei
-Tieck verschiedene Anschauungen kreuzen. Das Meer von Blut um den Mond
-erinnert an den blutig scheinenden Mond in &#8222;Richard III&#8220;. Daneben wird
-die unheimliche Erscheinung am Himmel von Wolf als Vordeutung ber
-den Ausgang der Saracenenschlacht erklrt (&#8222;Hamlet&#8220;, &#8222;Julius Csar&#8220;,
-&#8222;Locrine&#8220;), und wie Edmund Gloster seinem glubigen Vater gegenber,
-weist auch Golo eine solche Deutung zurck, nicht mit gleicher Schrfe,
-sondern mit dem milderen Hinweis auf die astrologischen Betrger und
-auf den Widerstreit mit Vernunft und Religion. (Unglubig verhlt
-sich Golo hier und bei Mller solchen Warnungszeichen gegenber.)
-Das an sich nebenschliche Motiv wird dadurch lehrreich, dass man
-sieht wie innerlich verschieden nuancierte und uerlich ziemlich
-weit auseinanderliegende Vorstellungen in Tiecks Phantasie zu einem
-neuen Gebilde zusammenwachsen. Es wre also hier ein hnliches
-Vereinigen verschiedener Splitterchen zu einem neuen Mosaik, wie
-in den Schlachtscenen zu beobachten. Bezeichnend ist es wieder fr
-den Romantiker, dass er Gelegenheit sucht, gerade jene Elemente des
-Aberglaubens, die einen dunklen Gemthsschauer erwecken, in der
-Dichtung zu verwerten. A.W. Schlegel steht, wie wir hrten, fr das
-Poetische der Astrologie ein und auch Jean Paul widmet bei Besprechung
-des Romantischen in seiner &#8222;Vorschule der sthetik&#8220; der &#8222;Poesie des
-Aberglaubens&#8220; einen eigenen Paragraphen.</p>
-
-<p>Auch das mystisch-sinnige Motiv alter Volkslieder, dass aus dem Grabe
-der Geliebten Blumen aufsprieen, wird wahrscheinlich aus Shakespeare
-und den Volksliedern zu Mller,<a name="FNAnker_355_355" id="FNAnker_355_355"></a><a href="#Fussnote_355_355" class="fnanchor">[355]</a> aus Mller und Shakespeare
-zu Tieck gewandert sein. Am nchsten verwandt sind Golos Worte am
-vermeintlichen Grabe Genovevas<a name="FNAnker_356_356" id="FNAnker_356_356"></a><a href="#Fussnote_356_356" class="fnanchor">[356]</a> mit jenen des Laertes an Opheliens
-Grabe.<a name="FNAnker_357_357" id="FNAnker_357_357"></a><a href="#Fussnote_357_357" class="fnanchor">[357]</a></p>
-
-<p>Schwerer als inhaltliche bereinstimmungen lassen sich formelle und
-stilistische Anlehnungen an ein Vorbild sicher feststellen. Allein
-manche sprachliche Eigenthmlichkeiten der &#8222;Genoveva&#8220; weisen ziemlich
-fhlbar auf das Muster des groen Briten zurck. Dass Tieck im Wechsel
-von Vers und Prosa den Wegen<span class="pagenum"><a name="Seite_105" id="Seite_105">[S. 105]</a></span> Shakespeares folgt, hat schon Minor
-betont. Dazu kme noch der Wechsel gereimter und reimloser fnfhebiger
-Verse und die Verwendung von Strophen des Schemas <em class="gesperrt"><i>ab ab cc</i></em>,
-die sich z.B. in &#8222;Romeo und Julia&#8220; finden. Der Gesang der erscheinenden
-Engel in der Wste erinnert mit seinen ei-Reimen an jenen Spruch, den
-sich im &#8222;Kaufmann von Venedig&#8220; der Prinz von Marokko aus dem Kstchen
-holt.<a name="FNAnker_358_358" id="FNAnker_358_358"></a><a href="#Fussnote_358_358" class="fnanchor">[358]</a> Allerdings nur in Schlegels bersetzung stehen die ei-Reime,
-nicht im englischen Text. Wir drfen eben nicht vergessen, dass neben
-dem englischen Original auch Schlegels Shakespeare-bersetzung auf
-Tieck groen Eindruck machte und Einfluss gewann. Er sagt uns selbst,
-mit welchem Interesse er Schlegels Arbeit aufnahm, und zwar gerade in
-den zwei Jahren, die dem Entstehen der &#8222;Genoveva&#8220; vorausgehen.<a name="FNAnker_359_359" id="FNAnker_359_359"></a><a href="#Fussnote_359_359" class="fnanchor">[359]</a>
-&mdash; Das Spielen mit dem eigenen Namen oder das Drehen und Wenden der
-Worte nach verschiedenen Seiten ihrer Bedeutung, das sich Shakespeare
-nicht selten gestattet, ahmt Tieck nach. In den seltsamen Worten Wolfs:
-&#8222;Wie rollt dir denn die Zung&#8217; im Kopf so wild&#8220; ist man im ersten
-Augenblick geneigt, einen Druckfehler zu verbessern und statt &#8222;die
-Zung&#8217;&#8220;, &#8222;das Aug&#8217;&#8220; einzusetzen und doch wre es gegen Tiecks Absicht,
-der sich durch den Shakespeare&#8217;schen Vers:<a name="FNAnker_360_360" id="FNAnker_360_360"></a><a href="#Fussnote_360_360" class="fnanchor">[360]</a> &#8222;die Zunge, die so
-wild im Kopf dir wirbelt&#8220; zu der wunderlichen Wendung bestimmen lie.
-Das &#8222;Morgenrte regnen&#8220; in der &#8222;Genoveva&#8220; fllt weniger auf, wenn man
-sich an Shakespeares &#8222;Rache regnen&#8220;,<a name="FNAnker_361_361" id="FNAnker_361_361"></a><a href="#Fussnote_361_361" class="fnanchor">[361]</a> &#8222;Freude regnen&#8220;,<a name="FNAnker_362_362" id="FNAnker_362_362"></a><a href="#Fussnote_362_362" class="fnanchor">[362]</a> &#8222;Dfte
-regnen&#8220;<a name="FNAnker_363_363" id="FNAnker_363_363"></a><a href="#Fussnote_363_363" class="fnanchor">[363]</a> erinnert. Die beliebte Benennung des Frsten mit dem Namen
-seines Landes, z.B. &#8222;tapferer sterreich&#8220;,<a name="FNAnker_364_364" id="FNAnker_364_364"></a><a href="#Fussnote_364_364" class="fnanchor">[364]</a> treffen wir bei Tieck
-(&#8222;Tapf&#8217;rer Aquitanien&#8220;) so gut, wie in Schlegels &#8222;Shakespeare&#8220;.</p>
-
-<p>Htten sich Tiecks einstige Gegner die Mhe genommen, diese
-verschiedenen greren und kleineren Stckchen aus Shakespeare zu
-sammeln, so htten sie mit einigem bsen Willen auch hier Plagiator!
-rufen knnen. Aber auch hier wie bei den Ent<span class="pagenum"><a name="Seite_106" id="Seite_106">[S. 106]</a></span>lehnungen aus Mller
-mit geringem Rechte. Wir sahen auch hier in den verschiedensten
-Fllen, wie die fremden Bestandtheile den Geist der Romantik oder die
-poetische Neigung Tiecks entweder verwandt ansprachen oder fr ihre
-neue Bestimmung umgebildet wurden. Das magebendste Vorbild fr die
-&#8222;Genoveva&#8220;, und zwar in formeller Richtung, war entschieden &#8222;Perikles&#8220;,
-der so merkwrdig dem Wunsche nach einer alle Gattungen verschmelzenden
-Universalpoesie entgegenzukommen schien. Weil dies die bedeutendste von
-Shakespeare ausgehende Anregung war, so spricht Tieck Solger gegenber
-auch nur von dieser. Was Tieck sonst aus Shakespeare herbernahm,
-waren nur einzelne Charakterzge, einzelne Linien fr einen und den
-anderen Scenengrundriss, einzelne Gedanken und Stimmungselemente, die
-sich organisch in das neue Werk hineinverschmelzen lieen und so zum
-Eigenthum des von Shakespeare abhngigen Dichters wurden. Sie reichen
-auch alle mitsammen nicht hin, die Gesammtauffassung und das &#8222;Klima&#8220;
-der romantischen Dichtung, die Tieck selbst als das Wertvollste
-daran erschien, irgendwie wesentlich zu bestimmen, whrend Mllers
-Auffassung des Golo und die Einkleidung in ritterliches Costm immerhin
-bedeutender auf Tieck wirkten. Darum ist es auch kein schwerer Frevel,
-wenn er gar nicht weiter vom Verhltnis seiner Dichtung zu Shakespeare
-spricht. Dass der Dichter aber im &#8222;Vorberichte&#8220; zu seinen Schriften
-von Shakespeares Einfluss berhaupt schweigt, whrend er ihn Iffland
-und Solger gegenber stark betont, bleibt einigermaen seltsam. War es
-nur Flchtigkeit, wie in anderen Fllen auch? War es doch Berechnung?
-Tieck vertheidigt sich eben im nmlichen &#8222;Vorberichte&#8220; gegen den
-Vorwurf des Plagiates an Mller. Da mochte er vielleicht dunkel oder
-deutlich fhlen, dass jedes vermeidbare Zugestndnis von Abhngigkeit
-irgendwelcher Art am besten vermieden werde; denn es konnte fr
-missgnstige Kritiker vom Schlage Merkels eine Gelegenheit zu neuen
-Angriffen bieten. Freilich wre dies nur eine halbkluge Maregel fr
-den Augenblick gewesen, weil Tieck dabei an seinen Brief an Solger
-nicht dachte, der schon zehn Jahre zuvor verffentlicht worden war.
-Allein wie immer, ob Berechnung, ob Flchtigkeit: Tieck htte das
-offene Eingestndnis in den Augen einsichtiger Beurtheiler so wenig
-geschadet, als in den Augen seines Freundes Solger. Des Dichters
-verschiedene uerungen ergnzen sich und geben, zusammengenommen,
-den vollstndigen<span class="pagenum"><a name="Seite_107" id="Seite_107">[S. 107]</a></span> Sachverhalt wieder. Sie sprechen kurz und gedrngt
-das Endergebnis dieser Untersuchungen aus und besttigen das Resultat
-derselben.</p>
-
-<h3 class="mtop15" id="Tieck_und_Calderon">3. Tieck und Calderon.</h3>
-
-<p>Neben dem grten englischen half auch der berhmteste spanische
-Dramatiker ein wenig an Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; mitschaffen, und noch bevor
-A.W. Schlegel Shakespeare und Calderon als die grten Vertreter der
-romantischen Dramatik proclamierte, hatte sie Tieck durch seine Praxis
-nebeneinander gestellt und ihnen gemeinsam gehuldigt, indem er von
-beiden fr sein romantisches Trauerspiel zu lernen strebte. Tieck thut
-es mit vollem Bewusstsein, wie es seine uerung gegen Iffland genugsam
-bezeugt.</p>
-
-<p>Wie mit den Englndern, so beschftigte sich Tieck auch schon
-frhzeitig mit den Spaniern und er gibt darber in den &#8222;Vorberichten&#8220;
-Auskunft.<a name="FNAnker_365_365" id="FNAnker_365_365"></a><a href="#Fussnote_365_365" class="fnanchor">[365]</a> In Gttingen begann er 1793 seine spanischen
-Studien. Mit grerer Energie nahm er sie 1797 wieder auf, dem
-Wunsche A.W. Schlegels nach einer bersetzung des &#8222;Don Quixote&#8220; und
-einer buchhndlerischen Aufforderung dazu folgend. Auf Cervantes
-concentrierte sich das Hauptinteresse. Wie nun Tieck Shakespeare
-erst durch die Betrachtung seiner Stellung unter den Zeitgenossen,
-Vorlufern und Nachfolgern recht kennen lernen wollte, ebenso suchte
-er auch Cervantes in seiner literar-historischen Umgebung zu fassen
-und dies fhrte ihn zu den spanischen Dramatikern und Lyrikern. Wie
-wohl sich Tieck nach jenen Aussagen, die wir kennen lernten, bereits
-mit Leib und Seele Shakespeare verschrieben hatte, so erlaubte er
-sich doch, nach Entdeckung der Spanier, diese Gtter neben jenem
-zu haben; denn er war, wie die Romantiker alle, nicht engherzig,
-er nahm das Poetische berall gerne auf, mochte es aus dieser oder
-jener Himmelsgegend stammen, in dieser oder jener Gestalt und
-Einkleidung ihm begegnen. Tieck war &#8222;von der reichen Aussicht in
-diese Poesie hinein entzckt&#8220;, er schwelgt im Reichthum, der ihm in
-den &#8222;entzckenden Trumen des Calderon und den wundersamen Bildern
-der spanischen Poeten&#8220; entgegentritt.<a name="FNAnker_366_366" id="FNAnker_366_366"></a><a href="#Fussnote_366_366" class="fnanchor">[366]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_108" id="Seite_108">[S. 108]</a></span> Calderon wurde, wie schon
-bemerkt, auch ein wichtiges &#8222;Incitament&#8220; jener religisen Strmung
-unter den Romantikern, die Tiecks ganze Seele ergriff und mit sich
-fortriss; denn in Calderon vereinigten sich eine bedeutende poetische
-Energie und glubige Frmmigkeit in seltenem Grade. Was A.W. Schlegel
-in seinen spteren &#8222;Vorlesungen&#8220;<a name="FNAnker_367_367" id="FNAnker_367_367"></a><a href="#Fussnote_367_367" class="fnanchor">[367]</a> aussprach, mochte auch Tieck,
-von dem die Calderonverehrung erst auf seinen Freund August Wilhelm
-bergieng, mehr oder weniger deutlich schon empfunden haben. &#8222;Sein
-(Calderons) Gemth aber spricht sich am meisten in der Behandlung der
-religisen Gegenstnde aus. Die Liebe schildert er nur mit allgemeinen
-Zgen, er redet ihre dichterische Kunstsprache. Die Religion ist seine
-eigentliche Liebe, das Herz seines Herzens.&#8220;<a name="FNAnker_368_368" id="FNAnker_368_368"></a><a href="#Fussnote_368_368" class="fnanchor">[368]</a></p>
-
-<p>Unter demjenigen, was Tieck fr seine &#8222;Genoveva&#8220; aus der Kenntnis
-der Spanier gewann, nennt er an erster Stelle die ihm &#8222;neue Art&#8220;,
-knstliche Versmae in das Drama einzufhren.<a name="FNAnker_369_369" id="FNAnker_369_369"></a><a href="#Fussnote_369_369" class="fnanchor">[369]</a> Tieck und seine
-Genossen hatten ein unendlich feines und empfngliches Ohr fr das
-Knstlerische und Musikalische in Sprache, Vers und Reim. In den
-prchtigen, klangvollen, sdlndischen Formen mit dem reichen Reimspiel
-fanden sie ein willkommenes Instrument, um damit ihre ahnungsvollen
-Gemthsstimmungen in allen Tonarten erklingen zu machen. Aus den
-Briefen der Jenaer Zeit ersieht man, wie sie sich vor Freude ber die
-neuentdeckten romanischen Formen kaum zu fassen vermgen und wie diese
-bald zu den romantischen Formen &#954;&#945;&#964;&#8217; &#7952;&#958;&#959;&#967;&#942;&#957; werden.</p>
-
-<p>In Tiecks &#8222;Zerbino&#8220; treten die sdlichen Formen noch schchtern auf,
-in der &#8222;Genoveva&#8220; ziemlich reichlich, im &#8222;Octavian&#8220; berwuchern sie
-die Dichtung in endloser, ppiger Flle. Den metrischen Grundton
-im spanischen Drama bestimmt die alte nationale Romanze mit ihrer
-durchgehenden Assonanz. Im &#8222;Octavian&#8220; macht Tieck in der That von
-dieser Form ausgiebigen Gebrauch, in der &#8222;Genoveva&#8220; findet sich die
-eigentliche Romanze<span class="pagenum"><a name="Seite_109" id="Seite_109">[S. 109]</a></span> mit Assonanz noch nicht, wohl aber die aus den
-vierhebigen, auftaktlosen Romanzenversen gebildete Strophe mit den
-Reimen <i><em class="gesperrt">abba</em></i>, die Redondille. Diese Strophe ist bei Lope die
-gewhnliche Form fr den dramatischen Dialog und auch bei Calderon
-begegnet sie uns nicht selten, besonders in reflectierenden und
-zrtlichen Partien sowie in Antithesenspielen.<a name="FNAnker_370_370" id="FNAnker_370_370"></a><a href="#Fussnote_370_370" class="fnanchor">[370]</a> Diese nmliche
-Form sehen wir in der Balkonscene der &#8222;Genoveva&#8220; verwendet. In Zulmas
-Gesngen und Gebeten verbindet Tieck zwei- und dreihebige Verse
-nach dem Schema der Redondille. Diese Strophe ist berhaupt eine
-Lieblingsstrophe Tiecks, die er schon in den Liedern des &#8222;Sternbald&#8220;,
-der &#8222;Magelone&#8220; und spter noch unzhligemale gebraucht.</p>
-
-<p>Von den Spaniern wurden die ottave rime aus Italien importiert und
-vielfach im Drama verwendet. In pomphaften, getragenen Erzhlungen,
-in wrdevoller Rede,<a name="FNAnker_371_371" id="FNAnker_371_371"></a><a href="#Fussnote_371_371" class="fnanchor">[371]</a> in monologischen Beschreibungen und
-Betrachtungen,<a name="FNAnker_372_372" id="FNAnker_372_372"></a><a href="#Fussnote_372_372" class="fnanchor">[372]</a> im feierlichen Gebete<a name="FNAnker_373_373" id="FNAnker_373_373"></a><a href="#Fussnote_373_373" class="fnanchor">[373]</a> liebt sie Calderon. In
-hnlichem Sinne gebraucht sie manchmal Tieck in seiner &#8222;Genoveva&#8220;.
-Vision, Gebet und feierliche Rede sehen wir auch hier im weihe- und
-wrdevollen Gange der Octave einherschreiten. Die ganze Beschaffenheit
-der deutschen Stanze macht sie ja fr solchen Inhalt besonders
-geeignet. Dass aber Tieck keineswegs berall gerade fr einen gewissen
-Inhalt eine bestimmte Form nach Calderons Muster whlt, zeigt ein Blick
-auf die Erzhlung des heil. Bonifacius. Bei Calderon wrde dieser
-Abschnitt immer in Romanzenform erscheinen. Auch noch der Unterschied
-besteht zwischen Tieck und Calderon, dass letzterer weit konomischer
-vorgeht und die Stanze selten fter als einmal im nmlichen Drama
-einfhrt, whrend sie Tieck an vielen Stellen bringt. Wo Calderon
-sie aber verwendet, da wird dann meist die ganze Scene, Monolog wie
-Dialog, in Stanzen durchgefhrt.<a name="FNAnker_374_374" id="FNAnker_374_374"></a><a href="#Fussnote_374_374" class="fnanchor">[374]</a> Solche Stanzendialoge mochten den
-Formknstler<span class="pagenum"><a name="Seite_110" id="Seite_110">[S. 110]</a></span> Tieck zur Nachahmung reizen. Dieses fr einen deutschen
-Poeten sicher hchst schwierige Kunststck scheut denn auch Tieck
-durchaus nicht; auch er kleidet ganze Dialoge in Stanzen, er will als
-Formvirtuose hinter seinem spanischen Meister nicht zurckbleiben.</p>
-
-<p>Wie Tieck in der Verwendung der entlehnten Mae gewhnlich seine
-eigenen Wege geht, besttigen ferner die Sonette in der &#8222;Genoveva&#8220;.
-Sonette im Drama sind wieder eine Besonderheit der Spanier. Bei
-Calderon finden sie sich hin und wieder, aber nicht allzuhufig.<a name="FNAnker_375_375" id="FNAnker_375_375"></a><a href="#Fussnote_375_375" class="fnanchor">[375]</a>
-Es wird z.B. ein heier Erguss religiser Andacht in Sonettform
-gebracht (&#8222;Die Jungfrau des Heiligthums&#8220;), es werden lyrisch-didaktisch
-die Erdenfreuden den schnell welkenden Blumen und das flchtige Glck
-den schnell verlschenden Sternen verglichen (&#8222;Der standhafte Prinz&#8220;).
-Diese letztere Verwendung berhrt sich noch am nchsten mit einigen
-Sonetten Tiecks. Aber es ist dabei zu erwgen, dass das Sonett mit
-lyrisch-didaktischem Inhalt gerade um 1800 fr die Romantiker eine
-Mode ist, wie etwa das Distichon fr Goethe und Schiller. Ob an
-dieser Verwendung der italienischen Form in der &#8222;Genoveva&#8220; Calderon
-einen besonderen Antheil hat, scheint mir daher schwer erweisbar.
-Calderonisch ist es nur, dass Sonette berhaupt in das Drama
-hereingebracht werden. Wie bei Verwendung der Octaven geht Tieck auch
-hier ber die sparsame Art Calderons hinaus und zerfasert das Sonett
-gelegentlich im Dialoge.</p>
-
-<p>Endlich lernt Tieck noch von den Spaniern, die Terzine fr sein Drama
-nutzbar zu machen, eine Strophe, die Lope oft fr den getragenen
-und ernsten Dialog verwendet,<a name="FNAnker_376_376" id="FNAnker_376_376"></a><a href="#Fussnote_376_376" class="fnanchor">[376]</a> die aber seltener bei Calderon
-erscheint.<a name="FNAnker_377_377" id="FNAnker_377_377"></a><a href="#Fussnote_377_377" class="fnanchor">[377]</a> Tieck fhrt sie zweimal in die &#8222;Genoveva&#8220; ein, in der
-Prophezeiung des &#8222;Unbekannten&#8220; und im Dialoge zwischen Siegfried und
-Othos Geist.</p>
-
-<p>Hatte Tieck von Shakespeare den Wechsel zwischen Prosa und
-fnfhebigem Jambus sich angeeignet, so wird die formelle Ausstattung
-seiner Dichtung durch das Hereinnehmen der italienisch-spanischen
-Strophenformen noch um vieles bunter und reicher; es wird dadurch seine
-Poesie noch um eine Stufe hher<span class="pagenum"><a name="Seite_111" id="Seite_111">[S. 111]</a></span> ber die gewhnliche Prosa oder ber
-die gleichmige metrische Form emporgehoben.</p>
-
-<p>Neben den spanischen Maen fhrt Tieck die &#8222;lyrischen Ergsse&#8220; an, zu
-deren Einfhrung in sein Drama ihn die spanischen Vorbilder bewogen
-htten.<a name="FNAnker_378_378" id="FNAnker_378_378"></a><a href="#Fussnote_378_378" class="fnanchor">[378]</a> Man denkt da zu allererst an die Lyrik der Balkonscene
-und Zulmas, die auch durch die metrische Form auf spanische Muster
-hinweist. Es lsst sich aber hier fr die Vergleichung mit bestimmten
-Vorbildern kein sicherer Boden gewinnen. Wohl nimmt das lyrische
-Element in Calderons Dramen einen breiten Raum ein. Stcke, wie &#8222;die
-Andacht zum Kreuz&#8220;, &#8222;Die Brcke von Mantible&#8220;, &#8222;Der Schulthei von
-Zalamea&#8220; u.a. sind reich an lyrischen Partien im Dialoge. Aber an
-solchen lyrischen Stellen ist eigentlich auch bei Shakespeare kein
-Mangel. Man denke nur an &#8222;Romeo und Julia&#8220;, &#8222;Kaufmann von Venedig&#8220;,
-an den vierten Act des &#8222;Wintermrchens&#8220;. Es scheint, dass Tieck mit
-dem unbestimmten Ausdruck &#8222;lyrische Ergsse&#8220; nach spanischem Muster
-auch hier nichts anderes meint, als lyrische Ergsse in sdlndischen
-Strophenformen. In der Einleitung zu Lenz wenigstens heit es:<a name="FNAnker_379_379" id="FNAnker_379_379"></a><a href="#Fussnote_379_379" class="fnanchor">[379]</a>
-&#8222;Welche lyrische Ausbrche der Leidenschaft, der Liebe, der Andacht
-in seinen (Calderons) Romanzen und canzonenartigen Versen. Welche
-Malerei, welches Feuer der Erzhlung in eben diesen Lyren, Romanzen und
-Ottaven. Kein Schauspiel, fast kein Act ist ohne solche Prachtstcke,
-diese gehren recht eigentlich zum Wesen des spanischen Dramas, nur
-freilich sind sie eben auch mitunter nur kalte, hie und da schwlstige
-Prachtstcke, die sich zuweilen mit Bewusstsein, doch ein anderesmal,
-wohl auch ohne Absicht, selbst parodieren.&#8220; Der letztere Satz ist
-auf Rechnung des khleren Verhltnisses zu schreiben, das der ltere
-Tieck zu den Spaniern einnimmt. Das Vorhergehende gibt uns aber eine
-Andeutung, welche lyrischen Ergsse in der &#8222;Genoveva&#8220; Tieck etwa auf
-spanische Anregungen zurckfhren mochte.</p>
-
-<p>Deutlicher sprt man Calderons Vorbildlichkeit wieder in der
-Einfhrung der allegorischen Gestalt des Todes. Tieck war nmlich
-von Haus aus ein Feind der Allegorie in der Dichtung. Er schreibt
-z.B. an Wackenroder:<a name="FNAnker_380_380" id="FNAnker_380_380"></a><a href="#Fussnote_380_380" class="fnanchor">[380]</a> &#8222;Mir scheint, als ob die aus<span class="pagenum"><a name="Seite_112" id="Seite_112">[S. 112]</a></span>gefhrte
-Allegorie mehr in den zeichnenden und bildenden Knsten als in der
-Dichtkunst an ihrer Stelle wre.&#8220; Er spricht ein andermal der Allegorie
-jede tuschende Kraft ab.<a name="FNAnker_381_381" id="FNAnker_381_381"></a><a href="#Fussnote_381_381" class="fnanchor">[381]</a> Anders wurde es, als Tieck mit den
-Gedanken Friedrich Schlegels Bekanntschaft machte (1797), der die
-Allegorie fr jede poetische Darstellung verlangt. Schlegel meint
-aber unter der Allegorie nur ungefhr das, was wir heute symbolisch
-nennen. Jedes wahre Dichtwerk muss hinter der sichtbaren Welt, die
-es veranschaulicht, eine unsichtbare, geistige, hhere Welt, in der
-Einzelerscheinung das All und Eins ahnen lassen. In dieser Auffassung
-vertritt auch Tieck nunmehr die Allegorie im &#8222;Sternbald&#8220; und in den
-&#8222;Phantasien&#8220;. An der Hand Calderons endlich thut er den letzten Schritt
-zur eigentlichen Allegorie. &#8222;Vom Calderon fr die allegorische Poesie
-begeistert,&#8220;<a name="FNAnker_382_382" id="FNAnker_382_382"></a><a href="#Fussnote_382_382" class="fnanchor">[382]</a> versuchte er im &#8222;Octavian&#8220; seine Ansicht von der
-romantischen Poesie allegorisch, lyrisch und dramatisch niederzulegen.
-Mit der Einfhrung einer bunten allegorischen Gesellschaft in dieses
-Stck thut nun Tieck gerade das, was er vor wenigen Jahren noch als ein
-&#8222;Unding&#8220; von sich wies. Diese Bekehrung zur Allegorie hatte Calderon
-zustande gebracht. Auch in den &#8222;Briefen ber Shakespeare&#8220;, die in den
-letzten neunziger Jahren entstanden, spricht Tieck gnstig von der
-Allegorie und wird diese berhaupt nimmer los,<a name="FNAnker_383_383" id="FNAnker_383_383"></a><a href="#Fussnote_383_383" class="fnanchor">[383]</a> obschon er spter
-gegen Calderon selbst wieder khler wird.<a name="FNAnker_384_384" id="FNAnker_384_384"></a><a href="#Fussnote_384_384" class="fnanchor">[384]</a> In der &#8222;Genoveva&#8220;
-sehen wir im Auftreten des Todes nur erst ein ganz kleines Vorspiel
-des berschwnglichen Allegorisierens, das sich bald im &#8222;Octavian&#8220;
-breit machen und &#8222;ins Blaue verschwimmen&#8220; sollte. Dass hier gerade
-der spanische Einfluss dahinter steckt, darber kann man nach dem
-Vorausgehenden kaum zweifelhaft sein.</p>
-
-<p>Mit den metrischen Formen, den &#8222;lyrischen Ergssen&#8220; und der Allegorie
-ist aber auch der spanische Einfluss, der sich in der &#8222;Genoveva&#8220;
-sicher als solcher erkennen lsst, erschpft. Andere Calderon&#8217;sche
-Nachklnge lassen sich hchstens nur vermuthen. Das Hereingreifen
-des bersinnlichen in die irdische Welt und in die Geschicke des
-Menschen, Wunder und Visionen,<span class="pagenum"><a name="Seite_113" id="Seite_113">[S. 113]</a></span> fallen dem protestantischen Nordlnder
-in Calderons Poesien immer ganz besonders auf.<a name="FNAnker_385_385" id="FNAnker_385_385"></a><a href="#Fussnote_385_385" class="fnanchor">[385]</a> Als Tieck in den
-letzten neunziger Jahren Calderon eifrig las, hatte sich eben in seinem
-Gemthe auch sonst schon jene Reaction gegen den kalten, flachen,
-phantasie- und gemthscheuen Rationalismus energisch geltend gemacht.
-Die extremsten Gegenstze des Aufklrerthums waren ihm die liebsten.
-Seine Neigung zum Wunderbaren und Geheimnisvollen htte auer Jakob
-Bhmes Theosophie kaum eine erwnschtere Lectre finden knnen, als
-die spanischen Dramen, in denen Glaube und Wunder im Glanze einer
-prchtigen Poesie verklrt erscheinen. Ein Versenken in diese Poesie
-war daher so gut wie das Genoveva-Bchlein, Schleiermachers &#8222;Reden&#8220;
-oder Bhmes &#8222;Morgenrthe&#8220; im hchsten Grade dazu angethan, Tiecks
-religise Stimmungen und seine poetische Vorliebe fr katholische
-Kunst und Poesie zum Enthusiasmus zu steigern.<a name="FNAnker_386_386" id="FNAnker_386_386"></a><a href="#Fussnote_386_386" class="fnanchor">[386]</a> Liest man ein
-wenig in den Dramen Calderons, die Tieck sicher kannte, bevor er die
-&#8222;Genoveva&#8220; schrieb, so stt man bald dort, bald da auf ein Motiv, bei
-dem man sich sagt: das knnte in der &#8222;Genoveva&#8220; nachgewirkt haben.
-Der &#8222;standhafte Prinz&#8220; z.B. ersteht vom Tode und vollendet, was er
-im Leben nicht mehr vollbringen konnte: Othos Geist thut wenigstens
-zum Theile dasselbe. Calderons &#8222;Jungfrau des Heiligthums&#8220; ist eine
-dramatisierte Legende, die vom Anfang bis zum Ende mit Wundern und
-Visionen reich durchwoben ist. Man ist fast zur Annahme genthigt,
-dass Tieck dieses Stck kannte, wenn auch keine positive Nachricht
-darber vorliegt. Denn im zweiten Acte desselben wird die Begebenheit
-erzhlt, auf die Siegfrieds Worte:<a name="FNAnker_387_387" id="FNAnker_387_387"></a><a href="#Fussnote_387_387" class="fnanchor">[387]</a> &#8222;So ist Hispania durch ein Weib
-verdorben, die schuld war, dass die Mohren sind gekommen...&#8220; anspielen.
-Der Saracenenkrieg wird dort auch als Strafe Gottes betrachtet, wie
-von Karl Martell.<a name="FNAnker_388_388" id="FNAnker_388_388"></a><a href="#Fussnote_388_388" class="fnanchor">[388]</a> Dem Saracenenfeldherrn Tarif folgt Luna, seine
-Braut, in den Krieg, wie Zulma ihrem Geliebten.<a name="FNAnker_389_389" id="FNAnker_389_389"></a><a href="#Fussnote_389_389" class="fnanchor">[389]</a> Weiter heit es
-einmal in der Erzhlung des Mohren Selim:</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_114" id="Seite_114">[S. 114]</a></span></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Heute, da dein Schwur gebrochen,</div>
- <div class="verse">Kann man sagen, treuer hielten</div>
- <div class="verse">Damals ja ihr Wort die Mohren,</div>
- <div class="verse">Als die Christen jetzt; denn Alles</div>
- <div class="verse">Hielten sie, was sie versprochen,</div>
- <div class="verse">Und du hieltest nichts von Allem.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Ist es die Erinnerung an diese Worte, welche Tiecks Karl Martell
-veranlasst, die sonst ganz unmotivierte uerung zu thun, das Recht
-der Gesandten sei den Heiden heiliger als den Christen? Kannte Tieck
-dieses Stck Calderons, so fand er hier auch Vorbilder fr die
-Schilderung seiner Visionen. Jedoch allzuviel Gewicht soll auf diesen
-letzteren Punkt nicht gelegt werden. Wenngleich die Visionen bei beiden
-Dichtern hnlich dargestellt werden, so kann daraus noch nicht auf eine
-besondere Abhngigkeit geschlossen werden, da Dichter und Maler oft und
-oft Visionen mit hnlichen Zgen ausstatten, die wir in der &#8222;Genoveva&#8220;
-finden, und Tieck und Wackenroder standen vor manchem Gemlde, das
-eine himmlische Vision, eine Madonna in Licht und Glorie, von Engeln
-umgeben, vorfhrt. &mdash; Auf eine Kleinigkeit mag noch hingewiesen werden.
-Wenn Tieck die &#8222;Andacht zum Kreuz&#8220; las, so musste ihm auffallen, dass
-hier zu verschiedenenmalen mit so groem Nachdruck auf die Wichtigkeit
-der Beichte vor dem Tode hingewiesen wird und durch ein Wunder wird
-Eusebios letzter Wunsch nach der Beichte erfllt. Es ist nicht
-unwahrscheinlich, dass Tieck so durch Calderon auf jene sonderbare
-Unterredung Othos mit Siegfried ber das Thema, ob der gefallene
-Krieger wohl ohne &#8222;Sacrament und lung&#8220; selig werden knne, gekommen
-ist.</p>
-
-<p>Ob Tieck noch ein paar solche kleine Zge mehr oder weniger von
-Calderon nahm, macht keinen groen Unterschied. Die bemerkenswerteste
-Neuerung, die Tieck, von den Spaniern geleitet, unternahm, ist
-entschieden die Einfhrung der verschiedenen sdlndischen
-Strophenformen in sein Drama. Tieck entlehnt die Formen, behlt sich
-aber ber die Verwendung derselben im einzelnen Falle meist seine
-eigene Entscheidung vor. Die Allegorie tritt in der &#8222;Genoveva&#8220; nur
-im bescheidensten Mae auf. Hher anzuschlagen ist jedenfalls der
-mchtige Gesammteindruck dieser eigenartigen, von den Ideen der Ehre,
-Liebe und Religion beherrschten spanischen Poesie auf Tieck sowie der
-musikalischen Formenflle und groen Knstlichkeit, die trotz aller
-Mannigfaltigkeit und Buntheit in diesen Dich<span class="pagenum"><a name="Seite_115" id="Seite_115">[S. 115]</a></span>tungen herrscht.<a name="FNAnker_390_390" id="FNAnker_390_390"></a><a href="#Fussnote_390_390" class="fnanchor">[390]</a>
-Dieser Eindruck lsst sich aber nicht wgen und nicht deutlich fassen.
-Er kann nur aus Tiecks eigenen Worten, die seine hohe Freude an dieser
-Poesie ausdrcken, erschlossen werden und eine Besttigung ist noch
-Kpkes Bericht:<a name="FNAnker_391_391" id="FNAnker_391_391"></a><a href="#Fussnote_391_391" class="fnanchor">[391]</a> &#8222;Diese Gedichte passten ganz zu den religisen
-Bewegungen, welche den Dichter mehr als je ergriffen hatten.&#8220; Trotz
-aller Schwrmerei fr Calderon gelang es Tieck aber nicht, von diesem
-Meister das Geheimnis zu erlauschen, wie der religise Dichter einen
-wirklich religisen Charakter, etwa einen tiefglubigen &#8222;standhaften
-Prinzen&#8220;, berzeugend schildert. Vielleicht war dies niemals Tiecks
-Absicht und vielleicht ist Tiecks poetische Art gar nicht auf strenge
-und klare Charakterzeichnung gerichtet. Beachtung verdient Tiecks
-Anlehnung an die Spanier schon deshalb, weil gerade er wieder mit
-seinem Beispiele in unserer Literatur vorangeht, wo es gilt, eine
-Periode spanischen Einflusses auf unser deutsches Drama einzuleiten,
-eines Einflusses, der unserer dramatischen Dichtung nicht durchwegs zum
-Heile gereichen sollte.</p>
-
-<h3 class="mtop15" id="Tieck_und_Boehme">4. Tieck und Jakob Bhme.</h3>
-
-<p>In der Maurer&#8217;schen Buchhandlung in Berlin fand Tieck (um 1798) das
-alte Bchlein eines Mannes, der den Aufklrern als ein Urbild alberner
-Schwrmerei, als der Inbegriff von Abgeschmacktheit, Barbarei und
-Aberwitz erschien. Das Bchlein war Jakob Bhmes &#8222;Morgenrthe&#8220;. Tieck
-hatte noch nichts von dem merkwrdigen Manne gesehen und glaubte
-(diesmal dem allgemeinen Urtheile der Welt folgend) einen neuen
-Gegenstand fr seinen bermthigen Witz gefunden zu haben. Beim Lesen
-aber begegnete ihm das Seltsame, dass der philosophische Schuster von
-Grlitz den belgesinnten Leser derart berraschte und gefangen nahm,
-dass dieser nimmer von ihm loskommen konnte und bald aus einem Sptter
-ein eifriger Bewunderer der geheimen Offenbarungen J. Bhmes wurde. Zu
-den brigen religisen Antrieben, die auf Tieck wirkten, gesellte sich
-nun noch dieses unscheinbare alte Bchlein, in dem Tieck am wenigsten
-eine so siegreiche Macht vermuthet htte.<a name="FNAnker_392_392" id="FNAnker_392_392"></a><a href="#Fussnote_392_392" class="fnanchor">[392]</a></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_116" id="Seite_116">[S. 116]</a></span></p>
-
-<p>Nach Kpkes Erzhlung scheint es, als ob Tiecks geistiges Wesen
-bereits vor der Abfassung von &#8222;Genoveva&#8220; und &#8222;Octavian&#8220; ganz und gar
-in der Mystik Bhmes aufgegangen sei, und auch Haym<a name="FNAnker_393_393" id="FNAnker_393_393"></a><a href="#Fussnote_393_393" class="fnanchor">[393]</a> spricht von
-Tiecks Bhmestudium vor der Entstehung der &#8222;Genoveva&#8220; so, dass man
-weit mehr von dem mystischen Geiste des &#8222;philosophus teutonicus&#8220; in
-dieser romantischen Dichtung suchen mchte, als sich darin thatschlich
-findet. Die Sache klrt sich einigermaen auf, wenn man die Briefe an
-Solger, in welchen Tieck sein Verhltnis zur Mystik selbst darlegt,
-zurathe zieht. Etwa um 1798 muss Tieck die &#8222;Morgenrthe&#8220; aufgefunden
-haben. ber den Eindruck schreibt er spter an Solger:<a name="FNAnker_394_394" id="FNAnker_394_394"></a><a href="#Fussnote_394_394" class="fnanchor">[394]</a> &#8222;Weil ich
-keinen dialogischen Philosophen bis dahin gefunden hatte, und mich
-die verschiedenen Systeme nicht befriedigten, besonders allen meinen
-Instinct zur Religion verletzten, so glaubte ich oft gar nicht fr
-Speculation Sinn zu haben: meine Liebe zur Poesie, zum Sonderbaren
-und Alten fhrte mich anfangs fast mit frevlem Leichtsinn zu den
-Mystikern, vorzglich zu J. Bhme, der sich binnen kurzem aller meiner
-Lebenskrfte bemchtigte: der Zauber dieses wundersamsten Tiefsinns
-und dieser lebendigsten Poesie beherrschte mich nach zwei Jahren
-so, dass ich von hier aus nur das Christenthum verstehen wollte,
-das lebendigste Wort im Abbild der ringenden und sich verklrenden
-Naturkrfte...&#8220; Von hier aus betrachtete Tieck Fichte und Schelling,
-mit unheimlicher Leidenschaft berlie er sich seinem Triebe zur
-Mystik, leidenschaftliche Zustnde und unerwartete Erfahrungen, ber
-die er uns nichts weiter verrth, gesellten sich dazu, sein ganzer
-Geist ward so verschattet und verdunkelt, dass ihm die Lust zur Poesie
-und an Bildern als etwas Verwerfliches, Verfehltes erschien; &#8222;... so
-gab es nun viele Stunden, wo ich mich in die Abgeschiedenheit eines
-Klosters wnschte, um ganz meinem Bhme und Tauler und den Wundern
-meines Gemths leben zu knnen. Dies hatte sich schon im Zerbino
-leicht poetisch, in der Genoveva dunkler und im Octavian verwirrter
-geregt. Meine Productionskraft, mein poetisches Talent schien mir auf
-immer zerbrochen. Ich kmpfte schmerzhaft, da sich mir die heitere
-Welt und mein Gemth so mit Finsternis bedeckte, die mir anfangs im
-helleren Glanze ge<span class="pagenum"><a name="Seite_117" id="Seite_117">[S. 117]</a></span>schienen hatten.&#8220; Diese Selbstschilderung lsst
-einen Einblick thun in den merkwrdigen Aufruhr, den Jakob Bhme
-(mit diesem beschftigt sich Tieck zuerst und am eifrigsten) in der
-Seele des Dichters allmhlich heraufbeschwor. Nach und nach gerth
-sein Geist immer mehr in die mystischen Dinge hinein. Das allmhliche
-Hereinbrechen der Dunkelheit im Gemthe des Dichters tritt aus dessen
-Erzhlung nicht ganz scharf hervor, muss aber doch erschlossen werden.
-Erstlich bemchtigen sich die Mystiker und Jakob Bhme &#8222;binnen kurzem&#8220;
-aller Lebenskrfte Tiecks und ein paar Zeilen danach dauert es
-wieder zwei Jahre, bis er so von Bhme beherrscht wird, dass er das
-Christenthum nur von Bhme aus verstehen wollte. Die erste Wendung
-darf darum nicht allzu wrtlich genommen und nur als ein sehr reges
-und lebendiges Interesse am neuentdeckten Mystiker verstanden werden;
-die Poesie Tiecks in &#8222;Zerbino&#8220;, &#8222;Genoveva&#8220; und &#8222;Octavian&#8220; und in den
-gleichzeiligen kleineren Dichtungen ist keineswegs so energisch von
-Jakob Bhme beherrscht; von einer Modifikation des Christenthums
-im Geiste Jakob Bhmes ist in &#8222;Genoveva&#8220; und &#8222;Octavian&#8220; nur wenig,
-in &#8222;Zerbino&#8220; nichts zu spren. Dass diese Betrachtungsweise des
-Christenthums auch in seine Poesie bergegangen sei, behauptet Tieck
-eigentlich auch nirgends ausdrcklich. Am liebsten verknpft er an
-gewissen Stellen naturphilosophische Gedanken mit denen Jakob Bhmes.
-Dies alles liee sich mit einem vlligen Untergehen aller Lebenskrfte
-in der Mystik unmglich vereinbaren. Das Zusammenbrechen der poetischen
-Productionskraft unter dem Drucke mystischer Speculation, das Tieck
-wie eine unmittelbare Folge seiner Lectre noch in die Zeit vor der
-Vollendung des &#8222;Octavian&#8220; zu rcken scheint, kann vor dem Abschluss
-dieser Dichtung, dem dann allerdings viele fast unfruchtbare Jahre
-folgen, nicht gut angenommen werden. Im weiteren Verlaufe des Briefes
-spricht Tieck ohnehin wieder so, als ob die verdsterten Stunden in
-den ersten Jahren nur sich zeitweise einstellten und nicht gleich
-eine dauernde Gemthsverdsterung herbeifhrten. Dazu stimmt auch
-eine sptere uerung an Solger, nach welcher die dstersten und
-gedrcktesten Zeiten fr Tieck in die Jahre 1801&ndash;1802 fallen, als
-er bereits in Dresden lebte. Erinnern wir uns auch noch der schnen
-Freundschaft, die ihn vor dieser Zeit mit Novalis verband, so haben
-wir einen Grund mehr, diese dunkeln Gemthszustnde nicht vor das Jahr
-1801 zurckzuverlegen. Und htte<span class="pagenum"><a name="Seite_118" id="Seite_118">[S. 118]</a></span> vorher Jakob Bhme Tiecks Stimmungen
-verdstert, so knnte der &#8222;Altfrank&#8220; im &#8222;Autor&#8220; (1800) kaum sagen:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;So gab ich dir noch auer Gthe,</div>
- <div class="verse">Auroram, jene Morgenrthe,</div>
- <div class="verse">Von dem Propheten, den sie schelten,</div>
- <div class="verse">Dem aufgeschlossen alle Welten,</div>
- <div class="verse">Des heilger unentweihter Mund</div>
- <div class="verse">Der Gottheit Tiefe hat verkundt,</div>
- <div class="verse">Den groen deutschen Jakob Bhme,</div>
- <div class="verse">Da er von dir die Schwermuth nhme,</div>
- <div class="verse">Jedwedes Wort in ihm dir lacht,</div>
- <div class="verse">Und all umzogen mit Glanz und Pracht,</div>
- <div class="verse">Er hat durchaus sich gesponnen ein</div>
- <div class="verse">In eitel Glori und Heiligenschein. &mdash;&#8220;<a name="FNAnker_395_395" id="FNAnker_395_395"></a><a href="#Fussnote_395_395" class="fnanchor">[395]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Wir mssen also annehmen, dass Tieck erst Schritt fr Schritt in
-die Regionen der Mystik, in das &#8222;herrliche und furchtbare Gebirge&#8220;
-vordrang, nach dem &#8222;Octavian&#8220; (1802) aber sich auf einige Jahre ganz in
-den dunklen Bezirken verlor. Tiecks Ausdrcke sind und bleiben dunkel
-und unprcis. Nach siebzehn Jahren mochte sich ihm seine mystische
-Periode leicht ein wenig perspectivisch verengen und verschieben und
-wohl als Erlebnis im ganzen, nicht aber chronologisch klar und scharf
-gesondert nach allen Stadien in Erinnerung sein. Welches Gedchtnis
-wre auch fr solche vor lngerer Zeit durchlebte Gemthszustnde
-absolut verlsslich?</p>
-
-<p>Der Betrachter des geistigen Entwickelungsganges Tiecks muss sich auer
-dessen &#8222;Instinkt zur Religion&#8220; vor allem wieder den Wackenroder&#8217;schen
-Einfluss und die religisen Eindrcke der Erlanger Zeit lebendig vor
-Augen halten, um zu begreifen, dass der &#8222;Meister Klgling&#8220;, der mit
-ironischen Absichten die &#8222;Morgenrthe&#8220; zur Hand nimmt, so schnell
-ein ehrfrchtiger Verehrer des mystischen Buches werden konnte. Vom
-Dichter der Straufederngeschichten und des &#8222;Gestiefelten Katers&#8220; bis
-zum mystischen Grbler scheint es ein gar weiter Weg zu sein. Tiecks
-Briefwechsel mit Solger erklrt es jedoch ziemlich gengend, wie gerade
-die Art von Jakob Bhmes Denken seinem inneren Wesen entgegenkam.
-Zum Theile sagten uns schon die frher angefhrten Worte, was Tieck
-in Bhmes Bchlein Bewundernswertes vorfand. Mit Jacobi und Fichte
-hatte sich unser Dichter<span class="pagenum"><a name="Seite_119" id="Seite_119">[S. 119]</a></span> nicht verstndigen knnen.<a name="FNAnker_396_396" id="FNAnker_396_396"></a><a href="#Fussnote_396_396" class="fnanchor">[396]</a> Der Mann,
-dessen Geist fast ganz und bestndig von Phantasie und Gemthsstimmung
-gelenkt erscheint, verlangte von jeher ein philosophisches Denken, das
-auf Anschauung gegrndet ist und wieder zur Anschauung zurckkehrt.
-Philosophie und Religion mssen ineinander fallen. Alles wahre Erkennen
-kann nur ein intuitives Erkennen sein, ein Erkennen durch Offenbarung
-und Begeisterung, das in allen Dingen die lebendige Gegenwart Gottes
-(= des Unendlichen) schaut. Dieses schauende Eindringen in das Wesen
-der Dinge ist aber der poetischen Begeisterung und religisen Hingabe
-nach Solger sehr nahe verwandt und damit errth Solger so recht die
-lngstgehegten, intimen Gedanken Tiecks, der ihm darauf hocherfreut
-erwidert: &#8222;Lngst war ich mit Ihrer Inspiration der Philosophie, mit
-der nahen Verwandtschaft derselben, ja Blutsfreundschaft und Selbstheit
-mit der Religion einverstanden, was mich nur einen kurzen Kampf
-kostete: denn die poetische Begeisterung erklrte mir ja das Factum
-hinlnglich, und dass ich es mehr wie einmal an mir selbst erlebt
-hatte, machte mir ja eben immer mein Sprechen mit den Philosophen von
-der Schule unmglich.&#8220;<a name="FNAnker_397_397" id="FNAnker_397_397"></a><a href="#Fussnote_397_397" class="fnanchor">[397]</a> Dieser horror des Tieck&#8217;schen Geistes vor
-allem abstracten und formalistischen und systematischen Denken ist
-sicher der letzte und tiefste psychologische Grund, warum sein ganzes
-Wesen, das den eigentlichen groen Philosophen bisher beharrlich fern
-geblieben war, sich so widerstandslos gerade von Jakob Bhme fesseln
-lie. Bei Bhme flieen wirklich religise Hingabe, dichterische
-Anschauung und philosophische Speculation in wunderlichster Weise
-ineinander. Es gibt bei ihm kein abstractes Grbeln, sondern Phantasie
-und Gemth greifen immer auch werkthtig mit ein und L. Feuerbach
-trifft in den Kern der Sache, wenn er sagt:<a name="FNAnker_398_398" id="FNAnker_398_398"></a><a href="#Fussnote_398_398" class="fnanchor">[398]</a> &#8222;Die Grundlagen
-und Anhaltspunkte seiner (Bhmes) Gedanken sind die das reine
-Himmelslicht des Denkens an dem dunkeln Wolkengrunde des Gemthes
-in die Regenbogenfarben der Phantasie zerstreuenden, theologischen
-Vorstellungen der frheren Zeit...&#8220; Der phantastische Theosoph konnte
-fr Tieck, als er sich hernach mit Schleiermachers &#8222;Reden&#8220; befasste,
-eine Art Ergnzung des abstracten Theologen<span class="pagenum"><a name="Seite_120" id="Seite_120">[S. 120]</a></span> abgeben. Die Art und
-Weise, wie Bhme die Religionsgeschichte unter dem Bilde des mchtigen
-Fruchtbaumes skizziert,<a name="FNAnker_399_399" id="FNAnker_399_399"></a><a href="#Fussnote_399_399" class="fnanchor">[399]</a> zeigt, dass seiner barocken Phantasie
-ein groer Zug nicht fremd ist und die Schilderung der Geister und
-Geisterlein, die im einfachen Halme wirken und schaffen und das
-Gewchs in all seinen Theilen formieren, ist wieder von einer naiven
-Lieblichkeit, die in ihrem kindlich herzlichen Tone fast an wirkliche
-Mrchendichtungen gemahnt. Die Art des Anschauens der Natur ist im
-Grunde bei Bhme und beim Mrchendichter dieselbe, nur dass es Bhme
-nicht um die Poetenfreude am Mrchenhaften zu thun ist, sondern ihm ist
-das Beleben, Beseelen und Verbildlichen der Naturvorgnge zugleich eine
-Entschleierung ihres innersten Wesens, ein metaphysisches Erkennen.
-Hier findet also Tieck jeden Gedanken ber Natur und Welt und Gott
-bildlich, poetisch eingekleidet. Hier konnte er sein philosophisches
-Bedrfnis nach seiner Weise befriedigen. Wie Tieck der Sinn fr
-Geschichte durch die Poesie aufgeht,<a name="FNAnker_400_400" id="FNAnker_400_400"></a><a href="#Fussnote_400_400" class="fnanchor">[400]</a> so nhert sich ihm das
-Religise und die Philosophie auch zumeist durch Kunst und Poesie oder
-in Form von Poesie.</p>
-
-<p>Was Tieck an den Volksbchern entzckte, der schlichte, fromme,
-rhrende Ton der Darstellung: das fand er auch in den theosophischen
-Phantasien Bhmes wieder. Bhme musste in jeder Weise der Liebe Tiecks
-zur Poesie, zum Sonderbaren und Alten entsprechen. Im &#8222;Autor&#8220; ist es
-wieder der &#8222;Altfrank&#8220;, die verkrperte Liebe zum Alten, Sonderbaren und
-Poetischen, der den &#8222;groen deutschen Jakob Bhme&#8220; preist.<a name="FNAnker_401_401" id="FNAnker_401_401"></a><a href="#Fussnote_401_401" class="fnanchor">[401]</a> Das
-Mitleid mit den alten, verkannten, missachteten Volksbchlein wurde
-daher auch hier lebendig und zog ihn mit inniger Gewalt zum ungerecht
-verkannten armen Philosophen in der Handwerkerstube. Dieser Ton des
-Mitleids spricht auch aus dem Gedichte Hardenbergs &#8222;An Tieck&#8220;.<a name="FNAnker_402_402" id="FNAnker_402_402"></a><a href="#Fussnote_402_402" class="fnanchor">[402]</a>
-Hier redet nmlich Bhmes Geist zu Tieck:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Ich habe treulich aufgeschrieben,</div>
- <div class="verse">Was innre Lust mir offenbart,</div>
- <div class="verse">Und bin verkannt und arm geblieben,</div>
- <div class="verse">Bis ich zu Gott gerufen ward.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_121" id="Seite_121">[S. 121]</a></span></p>
-
-<p>&#8222;Verkndiger der Morgenrthe, des Friedens Bote sollst du seyn&#8220;, ruft
-Novalis seinem Freunde zu und diese &#8222;Morgenrthe&#8220; Bhmes ist es, von
-der einzelne ungewisse Strahlen in Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; hineinspielen.<a name="FNAnker_403_403" id="FNAnker_403_403"></a><a href="#Fussnote_403_403" class="fnanchor">[403]</a></p>
-
-<p>Die &#8222;Morgenrthe&#8220;<a name="FNAnker_404_404" id="FNAnker_404_404"></a><a href="#Fussnote_404_404" class="fnanchor">[404]</a> (1612) ist Bhmes erstes Werk und behandelt,
-wenn auch noch weit unklarer als die folgenden Schriften, die Grundzge
-seiner ganzen Weltanschauung und nennt sich &#8222;die Wurtzel oder Mutter
-der Philosophiae, Astrologiae und Theologiae, Aus rechtem Grunde&#8220;.
-In der &#8222;Philosophia&#8220; soll Gottes Wesen erschlossen werden, die
-Beschaffenheit aller Dinge in Gott und ihr Ursprung aus Gott, sowie
-die Herrschaft der beiden &#8222;Qualitten Gut und Bs&#8220; in der Natur.
-Die &#8222;Astrologia&#8220; handelt von den Krften der Natur, den Sternen und
-Elementen, wie daraus alle Creaturen herausgekommen sind, also von der
-Entstehung und Bildung der Welt. Die &#8222;Theologia&#8220; enthllt das Reich
-Christi und der Hlle, die sich bekmpfen und spricht davon, wie sich
-die Menschen zu beiden Reichen verhalten und verhalten sollen.</p>
-
-<p>Die Gedanken Bhmes hier weiter zu verfolgen oder in Form eines
-Systemes (wenn es berhaupt mglich ist) zu skizzieren, ist unnthig,
-weil Bhmes Anschauungen fr Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; als System nicht in
-Betracht kommen.<a name="FNAnker_405_405" id="FNAnker_405_405"></a><a href="#Fussnote_405_405" class="fnanchor">[405]</a> Die Vorstellungen<span class="pagenum"><a name="Seite_122" id="Seite_122">[S. 122]</a></span> Bhmes, die Tieck in seine
-Dichtung einstreut, sind nur losgerissene Splitter, die keineswegs
-unter einheitlichem Gesichtspunkte erscheinen.</p>
-
-<p>Die ersten Spuren von Bhmes Gedanken in der &#8222;Genoveva&#8220; begegnen uns
-in der prophetischen Rede des &#8222;Unbekannten&#8220;.<a name="FNAnker_406_406" id="FNAnker_406_406"></a><a href="#Fussnote_406_406" class="fnanchor">[406]</a> Das geheime Wissen,
-das er vortrgt, bevor er seine Weissagung ber Karls Zukunft beginnt,
-lsst den Gedanken der damaligen Naturphilosophie durchblicken, dass
-das Universum ein zusammenhngender Organismus sei, in dem durch
-alle Gebiete hin sich dieselben Krfte in sicherer Gesetzmigkeit
-bethtigen. Diese Vorstellung hatte bereits Schelling entwickelt und
-Tieck fand sie in Schleiermachers &#8222;Reden&#8220; wieder; sie wurde berhaupt
-bald Gemeingut aller Literaturkundigen. Mit der Naturphilosophie gewann
-Tieck auch durch seinen Verkehr mit Steffens, dem Schellingjnger,
-einige Fhlung.<a name="FNAnker_407_407" id="FNAnker_407_407"></a><a href="#Fussnote_407_407" class="fnanchor">[407]</a> Der Gedanke der geschlossenen Natureinheit, der in
-der Rede des &#8222;Unbekannten&#8220; wiederholt durchbricht, begegnet uns auch
-schon bei J. Bhme, wenn auch ohne die prcise Formulierung, die er
-bei Schelling fand. So war fr Tieck die Mglichkeit gegeben, moderne
-naturphilosophische Ideen mit Anschauungen Bhmes zu verschmelzen.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Und was ich sag&#8217; sollst du wahrhaftig finden,</div>
- <div class="verse">Denn Sterne knnen niemals Lge sprechen,</div>
- <div class="verse">Wer sie verhhnt, belastet sich mit Snden:</div>
- <div class="verse">An dem wird sich Natur und Himmel rchen,</div>
- <div class="verse">Der furchtlos dies Gemte in sich heget,</div>
- <div class="verse">Denn um ihn wird das Glck zusammenbrechen.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Wenn hier der Prophet die Wahrheit seiner geheimen &#8222;Weisheit&#8220; (&#8222;Kunst&#8220;)
-betheuert und die Sptter strenge verurtheilt, so fhlt man sich schon
-an Bhme erinnert, der sich nicht selten energisch gegen die Verchter
-seiner Offenbarungen wendet. &#8222;Darumb schawe zu und spiele nicht zu
-hnisch an diesem orthe / oder Du wirst fr GOTT ein sptter erfunden
-werden / und darf Dir wohl gehen / wie dem Knig Lucifer.&#8220;<a name="FNAnker_408_408" id="FNAnker_408_408"></a><a href="#Fussnote_408_408" class="fnanchor">[408]</a>
-Whrend<span class="pagenum"><a name="Seite_123" id="Seite_123">[S. 123]</a></span> Bhme nur mit der Rache Gottes (&#8222;des Himmels&#8220;) droht, gibt
-Tieck noch die &#8222;Natur&#8220; als zweite Rcherin bei.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Was in den Himmelskreisen sich bewegt,</div>
- <div class="verse">Das mu auch bildlich auf der Erden walten,</div>
- <div class="verse">Das wird auch in des Menschen Brust erregt,...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>J. Bhme legt auf den Zusammenhang zwischen Sternenlauf und
-Menschenschicksal wiederholt Gewicht. &#8222;Dan der Planeten und Sternen
-anfang / instehen / lauff und wesen ist anders nicht als der anfang
-und trieb oder das Regiment im Menschen. Wie nun das Menschliche
-Leben auffgehet / also ist auch die geburth der 7 Planeten und
-Sternen auffgangen / und ist in diesem gar kein unterscheidt.&#8220;<a name="FNAnker_409_409" id="FNAnker_409_409"></a><a href="#Fussnote_409_409" class="fnanchor">[409]</a>
-Ein andermal kehrt der nmliche Gedanke in pantheistischer Frbung
-wieder.<a name="FNAnker_410_410" id="FNAnker_410_410"></a><a href="#Fussnote_410_410" class="fnanchor">[410]</a> Der Lauf und die Beschaffenheit der Gestirne ist ein
-Abbild des Menschendaseins, was in den Himmelskreisen vorgeht,
-waltet also auch bei Bhme &#8222;bildlich&#8220; auf Erden. &mdash; &#8222;Das wird auch
-in des Menschen Brust erregt.&#8220; Nicht blo die ueren Schicksale der
-Erdbewohner gleichen den Schicksalen der Gestirne: das Innenleben des
-Menschen wird sogar durch die Sterne regiert. Der Mensch ist nach Bhme
-ein Abbild des Weltalls,<a name="FNAnker_411_411" id="FNAnker_411_411"></a><a href="#Fussnote_411_411" class="fnanchor">[411]</a> ein Mikrokosmos. Die Sterne wirken in
-seinen Adern und Eingeweiden. &#8222;Die Adern bedeuten die krafft-gnge der
-sternen / und seind auch die krafft-gnge der sternen / dan die sternen
-mit ihrer krafft herrschen in den Adern / und treiben den Menschen in
-ihre gestalt. Das eingeweide oder drmer bedeut der sternen wurckung
-oder verzehrung / alles was aus ihrer krafft worden ist / was sie
-selber gemacht haben / das verzehren sie selber wieder / und bleibet
-in jhrer krafft: und die drmer seind auch die verzehrung alles des /
-was der Mensch in seine drmer scheubet / alles was aus der sternen
-krafft gewachsen ist.&#8220;<a name="FNAnker_412_412" id="FNAnker_412_412"></a><a href="#Fussnote_412_412" class="fnanchor">[412]</a> Ein andermal &#8222;qualifizieren&#8220; die Sterne
-und Elemente in den fnf Sinnen des Menschen.<a name="FNAnker_413_413" id="FNAnker_413_413"></a><a href="#Fussnote_413_413" class="fnanchor">[413]</a> Der Einfluss der
-Gestirne auf den Menschen, der in J. Bhmes Vorstellung in erster
-Linie als ein physiologischer erscheint, konnte in dieser rohen Form
-den neueren Dichter nimmer ansprechen. Tieck lsst darum lieber die
-Krfte &#8222;in des Menschen Brust&#8220; durch das nmliche geheime<span class="pagenum"><a name="Seite_124" id="Seite_124">[S. 124]</a></span> Etwas erregt
-werden, das in den Sternen wirkt, und bertrgt so den astrologischen
-Gedanken vom physiologischen auf das psychologische Gebiet. Das konnte
-er nicht mehr gut anders und besser einrichten, da, wie wir bemerkt
-haben, schon Shakespeare,<a name="FNAnker_414_414" id="FNAnker_414_414"></a><a href="#Fussnote_414_414" class="fnanchor">[414]</a> Calderon und Schiller durch hnliche
-dichterische Vorstellungen fr ihn eine gewisse ehrwrdige Tradition
-geschaffen hatten,<a name="FNAnker_415_415" id="FNAnker_415_415"></a><a href="#Fussnote_415_415" class="fnanchor">[415]</a> und &#8222;die Astrologie ist fr die Poesie eine
-unentbehrliche Idee&#8220;, wie A.W. Schlegel behauptet.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Natur kann nichts in engen Grenzen halten,</div>
- <div class="verse">Ein Blitz, der aufwrts aus dem Centro dringet,</div>
- <div class="verse">Er spiegelt sich in jeglichen Gestalten,</div>
- <div class="verse">Und sich Gestirn und Mensch und Erde schwinget</div>
- <div class="verse">Gleichmig fort und eins des andern Spiegel,</div>
- <div class="verse">Der Ton durch alle Kreaturen dringet.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Wahrscheinlich will der Dichter sagen, dass ein wirkendes Princip
-in der Natur nicht auf ein Gebiet beschrnkt bleibt, sondern in
-wechselnder Form im ganzen Universum wirkt. Die rthselhaften
-Zeilen lassen sich kaum klar durchblicken. Die Phrase vom &#8222;Blitz
-aus dem Centro&#8220; stammt jedenfalls aus J. Bhme. Der Blitz, d.i. der
-Lichtschein, der vom Feuer ausgeht, kann bei Bhme verschiedenes
-bedeuten. In der Trinitt heit der heilige Geist der &#8222;Blitz&#8220;, der
-vom Herzen der Gottheit, vom Sohne ausgeht und die ganze Gottheit
-durchstrahlt.<a name="FNAnker_416_416" id="FNAnker_416_416"></a><a href="#Fussnote_416_416" class="fnanchor">[416]</a> Im Universum ist die Sonne ein Centrum, von dem
-aus der &#8222;Blitz&#8220; die ganze Welt erleuchtet. Der &#8222;Blitz&#8220; und der
-&#8222;Ton&#8220; wirken auch mit bei der Bildung der irdischen Creaturen und
-da heit es einmal:<a name="FNAnker_417_417" id="FNAnker_417_417"></a><a href="#Fussnote_417_417" class="fnanchor">[417]</a> &#8222;Der klangk aber oder stimme steiget im
-mittlern Centro auff in dem plitze / wo das liecht aus der hitze
-gebohren wird / da der plitz des lebens auffgehet.&#8220; Hier haben wir
-&#8222;Blitz&#8220; und &#8222;Ton&#8220; verbunden, die uns auch bei Tieck nebeneinander
-begegnen. Der &#8222;Blitz&#8220; erscheint endlich im Geistesleben des Menschen
-als eine psychologische Kraft und in erster Linie meint Bhme damit
-das intuitive mystische Erkennen.<a name="FNAnker_418_418" id="FNAnker_418_418"></a><a href="#Fussnote_418_418" class="fnanchor">[418]</a> Bhme gebraucht dabei auch
-wieder die Wendung vom &#8222;plitz, der im Centro auffgehet.&#8220;<a name="FNAnker_419_419" id="FNAnker_419_419"></a><a href="#Fussnote_419_419" class="fnanchor">[419]</a> Es ist
-nicht recht herauszubekommen, welche<span class="pagenum"><a name="Seite_125" id="Seite_125">[S. 125]</a></span> Wirksamkeit Tieck dem &#8222;Blitze&#8220;
-eigentlich zudenkt. Es muss vor allem das eindringliche Bild und der
-hchst mystische Sinn, den J. Bhme damit verbindet, Tiecks Phantasie
-gefesselt haben. &mdash; Die Vorstellung, dass &#8222;sich Gestirn und Mensch und
-Erde schwinget gleichmig fort und eins des andern Spiegel&#8220; stammt
-wohl aus Schleiermacher, der von Spinoza sagt:<a name="FNAnker_420_420" id="FNAnker_420_420"></a><a href="#Fussnote_420_420" class="fnanchor">[420]</a> &#8222;Ihn durchdrang der
-hohe Weltgeist, das Unendliche war sein Anfang und Ende, das Universum
-seine einzige und ewige Liebe, in heiliger Unschuld und tiefer Demuth
-spiegelte er sich in der ewigen Welt, und sah, wie auch Er ihr
-liebenswrdigster Spiegel war.&#8220; Daran reiht sich wieder die Bhme&#8217;sche
-Vorstellung vom &#8222;Ton&#8220; in den Creaturen, der fr Tieck wahrscheinlich
-noch den Sinn von der Harmonie des Weltalls in sich schliet. Von Jakob
-Bhme wird der &#8222;Ton&#8220;, der uns schon in Verbindung mit dem &#8222;Blitze&#8220;
-begegnete, als schaffendes Princip fr alles Tnende in der Welt (Gold,
-Silber, Kupfer u.s.w.) geschildert und einmal heit es:<a name="FNAnker_421_421" id="FNAnker_421_421"></a><a href="#Fussnote_421_421" class="fnanchor">[421]</a> &#8222;auch so
-ist derselbe Schall in allen creaturen auf Erden / sonst were alles
-stille.&#8220; Das deckt sich dem Wortlaute nach mit dem Verse Tiecks, nur
-dass bei diesem der Sinn in eine hhere Sphre gerckt worden ist.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Drum wer die Weisheit kennt, kennt keine Zgel.</div>
- <div class="verse">Er sieht die ganze Welt in jedem Zeichen,</div>
- <div class="verse">Zur Sternenwelt trgt ihn der khne Flgel.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Hier stehen wir wieder auf modernem romantischen Boden. Die
-Naturphilosophie lehrt, dass jede Idee unendlich ist. Unter diesem
-Gesichtswinkel schaut der Weise die Welt in jedem Zeichen. &#8222;Eine jede
-Idee ist als ein Unendlich-Endliches ein Abbild des ganzen Universums,
-und das Universum spiegelt sich in ihrer Form ganz, so dass nichts
-als ein abgesonderter Theil auer ihr gesucht werden darf.&#8220;<a name="FNAnker_422_422" id="FNAnker_422_422"></a><a href="#Fussnote_422_422" class="fnanchor">[422]</a> So
-Steffens. hnlich heit es bei Schleiermacher:<a name="FNAnker_423_423" id="FNAnker_423_423"></a><a href="#Fussnote_423_423" class="fnanchor">[423]</a> &#8222;... und so alles
-Einzelne als einen Theil<span class="pagenum"><a name="Seite_126" id="Seite_126">[S. 126]</a></span> des Ganzen, alles Beschrnkte als eine
-Darstellung des Unendlichen hinnehmen, das ist Religion.&#8220;</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Nur von der Gottheit mu er niemals weichen,</div>
- <div class="verse">Sonst sinkt er aus der Kunst in irdisch Bangen</div>
- <div class="verse">Und Satans Kraft mag ihn alsdann erreichen.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Hier schwenkt Tiecks Phantasie wieder zum eigentlich Religisen zurck.
-Nur der mit Gott verbundene Mensch erkennt jene berweltliche Weisheit;
-lst er seine Verbindung, dann bleibt er an der Scholle kleben und
-verfllt sammt seiner Weisheit dem Teufel. Das ist wieder aus Bhmes
-Anschauung heraus gesprochen, der seine Erkenntnis zunchst auf directe
-Erleuchtung durch das Licht Gottes zurckfhrt. &#8222;... nur so lange
-als der geist in mir beharret / weiter erkenne ich nichts / als nur
-von elementischen und irdischen Dingen dieser Welt / aber der geist
-sihet bi in die tieffe der Gottheit.&#8220;<a name="FNAnker_424_424" id="FNAnker_424_424"></a><a href="#Fussnote_424_424" class="fnanchor">[424]</a> &#8222;Solches (sc. die Gewchse
-und Figuren des himmlischen Lustgartens) ist meinem Leibe auch ganz
-verborgen / aber meinem animalischen (Seelischen) Geiste nicht / so
-lange er mit Gott inqualieret, so begreift ers / wan er aber in Snden
-fllet / so wird ihm die Thr verriegelt / welche ihm der Teuffel
-zuriegelt / die mu durch grosse Arbeit des Geistes wieder auffgemacht
-werden.&#8220;<a name="FNAnker_425_425" id="FNAnker_425_425"></a><a href="#Fussnote_425_425" class="fnanchor">[425]</a> Diese Stze der &#8222;Morgenrthe&#8220; enthalten genau den Sinn
-der Tieck&#8217;schen Terzine. Das pietistisch gefrbte &#8222;irdisch Bangen&#8220;
-scheint Tiecks eigenster Seelenstimmung anzugehren.<a name="FNAnker_426_426" id="FNAnker_426_426"></a><a href="#Fussnote_426_426" class="fnanchor">[426]</a></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Doch mich trieb nie ein eiteles Verlangen,</div>
- <div class="verse">Die reine Brust erhob ich zu den Sphren</div>
- <div class="verse">Und reinen Sinns kt&#8217; ich des Himmels Wangen.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Wie der &#8222;Unbekannte&#8220; nicht aus eitlem Verlangen nach den tiefen
-Geheimnissen forschte, so betont auch Jakob Bhme stets seine Demuth
-und reine Absicht und sieht in dieser Demuth alle Erkenntnis nur als
-Gnade Gottes an. &#8222;Den allen (Spttern und Verchtern nmlich) gebe
-ich zur antwort / da ich nicht in die Gottheit bin gestiegen / dann
-mir / als einem geringen Menschen / solches auch nicht mglich wre
-zu thun /<span class="pagenum"><a name="Seite_127" id="Seite_127">[S. 127]</a></span> sondern die Gottheit ist in mich gestiegen / und ist mir
-solches au seiner Liebe offenbahr welches ich in meiner halbtodten
-fleischlichen Geburth sonst wol wrde mssen lassen bleiben.&#8220;<a name="FNAnker_427_427" id="FNAnker_427_427"></a><a href="#Fussnote_427_427" class="fnanchor">[427]</a>
-hnlich redet er in der &#8222;Vorrede&#8220;. Die geschraubten Wendungen &#8222;die
-Brust zu den Sphren erheben&#8220;, &#8222;des Himmels Wangen kssen&#8220; sowie das
-vorausgehende: &#8222;Zur Sternenwelt trgt ihn der khne Flgel&#8220;, mit denen
-Tieck den Aufschwung des betrachtenden Geistes umschreibt, erinnern an
-die weltenberfliegenden Bilder des jungen Schiller.</p>
-
-<p>Die Wendung vom &#8222;Ton&#8220; und &#8222;Blitz&#8220;, der das Innere &#8222;durchblickt&#8220;,
-nimmt Karl Martell in seiner Antwort<a name="FNAnker_428_428" id="FNAnker_428_428"></a><a href="#Fussnote_428_428" class="fnanchor">[428]</a> wieder auf, jedoch in einem
-gewhnlichen, verstndlichen poetischen Sinne.</p>
-
-<p>Der Grundcharakter des &#8222;Unbekannten&#8220; ist das Geheimnisvolle. Schon
-sein Erscheinen als Unbekannter, von dem niemand wei, woher er
-kommt und wohin er geht, sein Prophetenthum, seine feierliche
-Rede in den langhinhallenden Terzinen (die fr Tieck noch eigens
-den Eindruck des Alterthmlichen erwecken<a name="FNAnker_429_429" id="FNAnker_429_429"></a><a href="#Fussnote_429_429" class="fnanchor">[429]</a>), erhhen die
-Stimmung des Geheimnisvollen. Gerade diesem Zwecke scheint auch
-die Verbindung moderner naturphilosophischer Vorstellungen mit
-den alten theosophischen Gedanken Jakob Bhmes zu dienen. Die
-naturphilosophischen Ideen erscheinen zunchst verstndlich, ihre
-Formulierung mit Hilfe Bhme&#8217;scher Worte und Wendungen macht sie
-zugleich mystisch und dunkel und so oscilliert der Geist des Lesers
-bei diesen Strophen immer zwischen Verstehen und Nichtverstehen
-hin und her. So versetzt Tieck den Leser in jenes Dmmerlicht des
-Halbbewussten, Unbestimmten, das in der romantischen Dichtung so
-beliebt ist.<a name="FNAnker_430_430" id="FNAnker_430_430"></a><a href="#Fussnote_430_430" class="fnanchor">[430]</a></p>
-
-<p>Nach langem finden wir Jakob Bhmes Weisheit wieder in den Reden der
-Straburger Hexe.<a name="FNAnker_431_431" id="FNAnker_431_431"></a><a href="#Fussnote_431_431" class="fnanchor">[431]</a> Wenn Winfreda Golo erklrt:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Ihr knnt nicht anders, so sind die Gewalten,</div>
- <div class="verse">Die Sternenkrfte, die sich nur entfalten,</div>
- <div class="verse">Ein solcher Mensch ist nur ein Samenkorn,</div>
- <div class="verse">In welchem wchst und reift des Schicksals Zorn,</div>
-<span class="pagenum"><a name="Seite_128" id="Seite_128">[S. 128]</a></span>
- <div class="verse">Die andern traf ein lichter Sternenblick,</div>
- <div class="verse">In ihnen sprot das Firmanentenglck,</div>
- <div class="verse">Trgt jeder um sich ein siderisch Haus</div>
- <div class="verse">Und kann aus seiner Heimat nicht heraus,&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>so hat sie diese Wahrheiten aus Bhmes &#8222;Morgenrthe&#8220; geschpft. Denn
-hier lesen wir:<a name="FNAnker_432_432" id="FNAnker_432_432"></a><a href="#Fussnote_432_432" class="fnanchor">[432]</a> &#8222;Das haupt (des Menschen) hat in sich die 5
-sinnen / als sehen / hren / riechen / schmcken und fhlen / darinnen
-qualificieren die sternen und elementa, und entstehet darinnen der
-Siderische / Sternen- und Natur-geist in Menschen und Thieren / in
-diesen quillet bses und gutes / dann es ist ein hau der sternen.
-Solche krafft nehmen die sternen vom himmel / dass sie im fleisch
-knnen einen lebendigen und bewegenden geist machen in Menschen und
-Thieren.&#8220; Der Einfluss der Sterne auf die Menschen zum Guten und Bsen
-sowie die Vorstellung, dass jeder ein &#8222;siderisch Haus&#8220; ist, finden wir
-hier und bei Tieck ganz hnlich ausgesprochen. Mit seiner Neigung zum
-Fatalistischen weicht Tieck wieder von J. Bhme ab. Bses und Gutes in
-den Creaturen rhrt nach Bhme<a name="FNAnker_433_433" id="FNAnker_433_433"></a><a href="#Fussnote_433_433" class="fnanchor">[433]</a> aus den Sternen her. Allein nur
-Engel und Teufel sind in entschiedener guter und bser Qualitt. Fr
-diese Geschpfe gibt es kein Schwanken mehr. Im Menschen und in den
-anderen Creaturen kmpfen beide Qualitten und der Mensch kann sich
-selbst dem Guten oder Bsen zuwenden. Whrend Bhme entschieden die
-freie Selbstbestimmung des Menschen aufrecht erhlt, macht Tieck den
-Menschen zum &#8222;Samenkorn, in dem des Schicksals Zorn reift&#8220;.<a name="FNAnker_434_434" id="FNAnker_434_434"></a><a href="#Fussnote_434_434" class="fnanchor">[434]</a></p>
-
-<p>Winfreda sagt zu ihren Besuchern:<a name="FNAnker_435_435" id="FNAnker_435_435"></a><a href="#Fussnote_435_435" class="fnanchor">[435]</a></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Ich bin so sndig wie die andern Menschen,</div>
- <div class="verse">Doch wurde mir seltsamer Weis&#8217; verliehn,</div>
- <div class="verse">In innre Tiefe der Natur zu schauen.</div>
- <div class="verse">Da seh&#8217; ich, was getrennt, zusammenhngen,</div>
- <div class="verse">Und was dem blden Auge einig scheint,</div>
- <div class="verse">In ferne Grenzen auseinander fliehn,...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Die Hexe benimmt sich hier demthig wie Jakob Bhme. Auch er erzhlt,
-wie er, obwohl ein sndhafter Mensch, die Geheimnisse der Welt durch
-gttliche Erleuchtung durchschauen<span class="pagenum"><a name="Seite_129" id="Seite_129">[S. 129]</a></span> durfte.<a name="FNAnker_436_436" id="FNAnker_436_436"></a><a href="#Fussnote_436_436" class="fnanchor">[436]</a> &#8222;In diesem Liechte
-hat mein geist alsbald durch alles gesehen / und an allen Creaturen /
-sowohl an kraut und gra Gott erkennt / wer der sey / und wie der sey
-/ und wa sein willen sey: Auch so ist alsbald in diesem liechte mein
-willen gewachsen mit grossem trieb / das Wesen Gottes zu beschreiben.&#8220;
-Von seiner Sndhaftigkeit spricht Bhme besonders auch in der &#8222;Vorrede&#8220;
-zur &#8222;Morgenrthe&#8220;. Auch hier verquickt Tieck wiederum Naturphilosophie
-mit Jakob Bhme. Schleiermachers folgende Worte bezeugen es:<a name="FNAnker_437_437" id="FNAnker_437_437"></a><a href="#Fussnote_437_437" class="fnanchor">[437]</a>
-&#8222;Eine grere Ausbeute gewhrt sie (die Natur) freilich uns, denen
-ein reicheres Zeitalter tiefer in ihr Innerstes zu dringen vergnnt
-hat; ihre chemischen Krfte, die ewigen Gesetze, nach denen die Krper
-selbst gebildet und zerstrt werden, diese sind es, in denen wir am
-klarsten und heiligsten das Universum anschauen. Sehet wie Neigung und
-Widerstreben alles bestimmt und berall ununterbrochen thtig ist;
-wie alle Verschiedenheit und alle Entgegensetzung nur scheinbar und
-relativ ist und alle Individualitt nur ein leerer Name...&#8220; Whrend
-Jakob Bhme christlich-religis denkend alles von dem nmlichen Geiste
-Gottes formieren, erhalten und tragen lsst, schiebt Tieck hier die
-naturphilosophische Anschauung des Universums ein,<a name="FNAnker_438_438" id="FNAnker_438_438"></a><a href="#Fussnote_438_438" class="fnanchor">[438]</a> fhrt aber den
-Gedanken gleich wieder in Bhmes Vorstellungsweise weiter.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wie Stern&#8217; im Abgrund die Metalle formen...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>&#8222;Also auch die Erde brchte keine Frucht / auch so wchse darinnen
-kein Metall / weder gold / silber / kupfer / eien noch stein / so die
-sternen nicht darinnen wrketen / es wuchse auch kein grselein daraus
-ohn wrkung der sternen.&#8220;<a name="FNAnker_439_439" id="FNAnker_439_439"></a><a href="#Fussnote_439_439" class="fnanchor">[439]</a></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wie Geister die Gewchse figurieren...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Jakob Bhme erklrt das Wachsthum des Baumes und sagt unter
-anderm:<a name="FNAnker_440_440" id="FNAnker_440_440"></a><a href="#Fussnote_440_440" class="fnanchor">[440]</a> &#8222;... alsbald aber der Frhling kompt / da die Sonne
-mit ihren strahlen die Erde erreichet und erwrmet die / so wird der
-Geist in der hitze / in dem baume lebendig / und heben die geister des
-baumes an zu grnen / wachsen und blhen: dan der geist gehet in der
-hitze auff /<span class="pagenum"><a name="Seite_130" id="Seite_130">[S. 130]</a></span> und alle geister freuen sich darinnen / und ist eine
-hertzliche liebe zwischen ihnen.&#8220; Ein andermal<a name="FNAnker_441_441" id="FNAnker_441_441"></a><a href="#Fussnote_441_441" class="fnanchor">[441]</a> schildert Jakob
-Bhme das merkwrdige Wesen, das die Qualitten (d.i. die formierenden
-Geister) in den Gewchsen treiben, wie sie Halme, Knoten, Bltter,
-Blten und Frchte bilden. &#8222;Alsdan wchst aus allen qualitten / die
-in dem corpus seind / eine kolbe oder kopff / und wird ein newer leib
-in der kolben oder kopfe / und wird figuriret gleich wie erstlich die
-wurtzel in der Erden / allein da es nun eine andere subtilere form
-krieget.&#8220; Hier fand also Tieck auch sein alterthmliches Reimwort,
-das sich auch sonst ebenso wie der Terminus: &#8222;corporieren&#8220; oft in der
-&#8222;Morgenrthe&#8220; einstellt. Wenn letzterer auch nicht gerade in Verbindung
-mit &#8222;Gedank&#8217; und Wille&#8220; erscheint, so ist doch die Art, wie Gedanke und
-Wille entstehen, bei Bhme errtert. Wenn die Hitze das Licht gebiert,
-so &#8222;entstehen die sinnen und gedanken, das eine qualitt die andere
-/ die auch in ihr und mit ihr selber temperiret ist, siehet und mit
-ihrer schrffe approbiret / da es ein wille wird / der in dem corpus
-auffsteiget in dem ersten quellbrunn in die herbe qualitt.&#8220;<a name="FNAnker_442_442" id="FNAnker_442_442"></a><a href="#Fussnote_442_442" class="fnanchor">[442]</a></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wie Phantasie zum Kern der Dinge dringt.</div>
- <div class="verse">Durch Einbildung Unmgliches gelingt...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Das intuitive Erkennen durch die Phantasie ist es, auf das auch
-Jakob Bhme immer wieder zurckkommt; &#8222;thue die augen deines geistes
-auff&#8220;,<a name="FNAnker_443_443" id="FNAnker_443_443"></a><a href="#Fussnote_443_443" class="fnanchor">[443]</a> &#8222;thue die Augen deines gemutes auf&#8220;,<a name="FNAnker_444_444" id="FNAnker_444_444"></a><a href="#Fussnote_444_444" class="fnanchor">[444]</a> ruft er gerne
-dem Leser zu. Das Erkennen und Sehen &#8222;im geiste / im trieb und wallen
-GOttes&#8220; ist ihm neben der Bibel eine Quelle von Offenbarungen;<a name="FNAnker_445_445" id="FNAnker_445_445"></a><a href="#Fussnote_445_445" class="fnanchor">[445]</a>
-wenn er sich an Gottes Trieb und Wallen hingibt, so werden ihm
-&#8222;alle groe geheimnusse offenbar&#8220;.<a name="FNAnker_446_446" id="FNAnker_446_446"></a><a href="#Fussnote_446_446" class="fnanchor">[446]</a> Die Phantasie lsst ihn
-Unergrndliches erkennen, also Unmgliches gelingen. (Romantische
-Hochschtzung der Phantasie.)</p>
-
-<p>Der Vers &#8222;Alle Dinge nur sind der Geisterwelt ein Kleid&#8220; scheint ein
-Compromiss der Worte des Erdgeistes im &#8222;Faust&#8220;: &#8222;... und wirke der
-Gottheit lebendiges Kleid&#8220; mit Bhmes<span class="pagenum"><a name="Seite_131" id="Seite_131">[S. 131]</a></span> Anschauung, dass &#8222;die gantze
-Natur der gantze leib GOttes&#8220; sei.<a name="FNAnker_447_447" id="FNAnker_447_447"></a><a href="#Fussnote_447_447" class="fnanchor">[447]</a> Gott und Geisterwelt sind nach
-manchen uerungen Bhmes auch identisch.</p>
-
-<p>Im weiteren Verlaufe der Hexenscene gilt es, fr Siegfried Phantome
-zu schaffen. Diese Schpfung, die Winfreda vollbringt, knnte man als
-&#8222;frei nach Jakob Bhme&#8220; bezeichnen. Jakob Bhme abstrahiert aus der
-Anschauung der Natur verschiedene Qualitten von dieser und macht diese
-Qualitten wieder zu genetischen Principien, welche die Dinge in der
-Natur schaffen und einmal &#8222;Qualitten&#8220;, das anderemal &#8222;Quellgeister&#8220;
-oder &#8222;Geister&#8220; allein genannt werden. Winfreda will Phantome schaffen.
-Dazu braucht sie nicht so viele &#8222;Qualitten&#8220; aufzubieten, als zur
-Schpfung wirklicher Dinge nthig wren, sie braucht nur drei: Gestalt,
-Farbe und Leben. Diese drei Dinge werden zusammengebraut und auf den
-Ruf der Zauberin erscheinen die gewnschten Gebilde.</p>
-
-<p>Fr die Einfhrung des ersten constitutiven Elementes, der Linien
-nmlich, welche die Gestalt der Phantome umschreiben mssen, liee
-sich eine Anregung durch die &#8222;Morgenrthe&#8220; vermuthen. Der &#8222;animalische
-Geist&#8220;, heit es daselbst, der von den 7 Quellgeistern ausgeht, muss
-diesen, wenn ein Ding geschaffen werden soll, zuerst die Form weisen.
-Denn gerade wie der Zimmermann, der ein knstliches Haus baut oder
-der Handwerker, der ein knstliches Werk macht, nicht zuerst mit den
-Hnden zugreift, sondern sich im Geiste die Form vorstellt, so &#8222;weiset
-der animalische Geist den 7 Geistern die Form. Alsdann bilden es die
-7 Geister und machen es begreiflich / alsdan arbeiten erst die Hnde
-nach dem Bilde / dann must ein Werk vorhin erst in sinn bringen /
-wilstu es machen.&#8220;<a name="FNAnker_448_448" id="FNAnker_448_448"></a><a href="#Fussnote_448_448" class="fnanchor">[448]</a> Es ist hier nicht nur vom Linienumriss, sondern
-vom &#8222;model&#8220; berhaupt die Rede. Eine gewisse hnlichkeit des Vorgehens
-dieser Geister und der Hexe ist immerhin vorhanden.</p>
-
-<p>Die Farben werden als zweites bildendes Princip von der Hexe gebraucht.
-Das Linienschema, der Umriss wird durch sie erst lebendig. Die seltsame
-Vorstellung von erstorbenen Geistern scheint Tieck aus Bhme genommen
-zu haben, welcher schreibt:<a name="FNAnker_449_449" id="FNAnker_449_449"></a><a href="#Fussnote_449_449" class="fnanchor">[449]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_132" id="Seite_132">[S. 132]</a></span> &#8222;Wan der zornige Feuer-Plitz die
-Geister der Natur / welche in der Erden im Tode stehen / mit seinem
-grimmen schrack auffwecket / und beweglich macht / so fangen die
-Geister an nach ihrem eigenthumblichen Gttlichen Rechte sich zu
-gebhren / wie sie von der Ewigkeit gethan haben / und figurieren
-einen Leib zusammen nach desselben Orths instehenden qualitten.&#8220;
-Gleichnisweise wird an anderer Stelle von einem &#8222;todten Geiste&#8220;
-gesprochen. Die Verse, die von den &#8222;Unsichtbaren&#8220; sprechen, die vom
-Nichtsein in den Lichtschein kommen, scheinen auch noch von der
-Vorstellung der &#8222;erstorbenen Geister&#8220; auszugehen.<a name="FNAnker_450_450" id="FNAnker_450_450"></a><a href="#Fussnote_450_450" class="fnanchor">[450]</a></p>
-
-<p>Im dritten Zauberspruche Winfredas wird das Feuer als belebendes
-Princip angesprochen, das den aus Linien und Farben geschaffenen
-Gebilden &#8222;Atem, Seele, die Natur&#8220; gibt. Verwandt ist damit, was Jakob
-Bhme ber die Hitze sagt.<a name="FNAnker_451_451" id="FNAnker_451_451"></a><a href="#Fussnote_451_451" class="fnanchor">[451]</a> Der Grundstoff zu einem Lebewesen wird
-von der herben, sauren und sen Qualitt zusammengefgt, muss aber
-erst durch die Hitze zum organischen Leben erweckt werden... &#8222;und die
-hitze ist der geist / oder die anzndung des Lebens / davon der geist
-im corpus entstehet / der in den ganzen corpus quallet / und auer dem
-corpus leuchtet / und macht die lebendige Bewegung in allen qualitten
-des corpus.&#8220; Hier ist die Anlehnung an Bhme wieder deutlicher.</p>
-
-<p>Ein klein wenig Licht fllt auch noch auf diese hypermystische
-Hexenkunst, wenn man den Abschnitt &#8222;die Farben&#8220; aus den &#8222;Phantasieen
-ber die Kunst&#8220;,<a name="FNAnker_452_452" id="FNAnker_452_452"></a><a href="#Fussnote_452_452" class="fnanchor">[452]</a> in denen sich auch schon Bhmes Einfluss zeigt,
-heranzieht. Formen, Farben und Tne in ihrem schnen Zusammenwirken
-entzcken (so phantasiert Tieck unter anderem) den sinnigen
-Naturbeobachter. Die menschliche Kunst trennt Sculptur, Malerei und
-Musik und jede dieser Knste wandelt ihren eigenen Weg. Aber wie schn
-msste auch in der Kunst eine Vereinigung sein, wenn sich z.B. zu
-einem Gemlde das verbrderte Tonstck fnde und es belebte. Da wre
-dann die Kunst die hchst verschnerte Natur. Wenn Tieck Umriss Farbe
-und Tne zu einem belebten Kunstwerke zusammenwirken sehen will, so
-ist es klar, dass er hier die Schlegel&#8217;sche Universalpoesie zu einer
-Art Universalkunst potenzieren mchte. Die Hexe<span class="pagenum"><a name="Seite_133" id="Seite_133">[S. 133]</a></span> belebt die Gebilde,
-die aus Umriss und Farbe sich entwickeln, durch die geheime Kraft
-des Feuers und ruft sie mit Hilfe der Tne vollends ins Dasein. Wie
-diese Geister, welche die Hexe ruft, so schweben auch die Urbilder
-der Kunstwerke irgendwo &#8222;krperlos in den schnsten Formen&#8220;. Wie das
-magische Liniennetz die Farben einfngt, so &#8222;spreitet die ganze Natur
-dem Sonnenglanze ihre Netze entgegen, um die funkelnden Schimmer
-festzuhalten und aufzufangen&#8220;. Es scheint also, dass das Thun der Hexe
-auch ein Zerrbild vom Schaffen des romantischen Idealknstlers sein
-soll, und wie frher die Naturphilosophie wird hier noch zugleich eine
-sthetische Gedankenreihe der Romantiker mit Gedanken Jakob Bhmes
-verquickt.</p>
-
-<p>In den Versen<a name="FNAnker_453_453" id="FNAnker_453_453"></a><a href="#Fussnote_453_453" class="fnanchor">[453]</a> &#8222;das muss das Leben in sie fhren u.s.w.&#8220; arbeitet
-Winfreda mit den nmlichen Vorstellungen und der &#8222;schwangere Drang&#8220;
-stammt auch wahrscheinlich aus Bhme; denn der Vergleich mit dem
-schwangeren Weibe ist bei ihm beliebt.<a name="FNAnker_454_454" id="FNAnker_454_454"></a><a href="#Fussnote_454_454" class="fnanchor">[454]</a></p>
-
-<p>Die Worte:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;So gewiss mein Hirn</div>
- <div class="verse">Bedeutet Gestirn...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>im Fluche der Hexe gehen wahrscheinlich auf einen Vergleich Bhmes
-zurck.<a name="FNAnker_455_455" id="FNAnker_455_455"></a><a href="#Fussnote_455_455" class="fnanchor">[455]</a> &#8222;Und gleich wie der himmel einen schlu oder festung hat
-ober den sternen / und gehen doch alle krfte aus dem himmel in die
-sternen: also hat das hirn einen schlu oder festung fr dem leibe /
-nur gehen doch alle krfte au dem hirn in leib und in den gantzen
-Menschen.&#8220;</p>
-
-<p>Winfredas Worte:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Aus dem Licht kam Luft und Meer,</div>
- <div class="verse">Und die Erd&#8217; mit Steinen schwer</div>
- <div class="verse">Und der Tier&#8217; und Vgel Heer,&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>scheinen sich aus jenen uerungen Jakob Bhmes herzuleiten, in denen
-alles in der Schpfung auf Sonne und Sterne zurckgefhrt wird.
-&#8222;Erstlich schawe an die Sonne / die ist das Hertze oder der Knig aller
-sternen / und gibt allen sternen liecht vom auffgang zum niedergang...
-So du aber nicht glauben wilst / das in dieser Welt alles von den
-sternen herrhre, so wil ich dirs beweisen so du aber nicht ein klotz
-bist.&#8220;<a name="FNAnker_456_456" id="FNAnker_456_456"></a><a href="#Fussnote_456_456" class="fnanchor">[456]</a> &#8222;So man das<span class="pagenum"><a name="Seite_134" id="Seite_134">[S. 134]</a></span> gantze curriculum oder den gantzen umbcirck
-der Sternen betrachtet / so findet sichs bald / da dasselbe sey die
-Mutter aller Dinge oder die Natur / daraus alle dinge worden seind und
-darinnen alle Dinge stehen und leben / und dadurch sich alles beweget
-/ und alle dinge seind au denselben crfften gemacht / und bleiben
-darinne ewiglich.&#8220;<a name="FNAnker_457_457" id="FNAnker_457_457"></a><a href="#Fussnote_457_457" class="fnanchor">[457]</a></p>
-
-<p>Nun htten wir endlich noch ein paar Nachklnge aus Jakob Bhme
-anzufhren, in denen seine mystische Offenbarung mit theologischen
-Lehren des Christenthums sich vereinigt und das ist auch die einzige
-Stelle in der &#8222;Genoveva&#8220;, an der man etwas von jener Betrachtung
-des Christenthums im Lichte Jakob Bhmes sprt. Es ist dies die
-Sterbevision der heil. Genoveva,<a name="FNAnker_458_458" id="FNAnker_458_458"></a><a href="#Fussnote_458_458" class="fnanchor">[458]</a> in der schon Friesen Bhmes
-Einfluss wahrnahm.<a name="FNAnker_459_459" id="FNAnker_459_459"></a><a href="#Fussnote_459_459" class="fnanchor">[459]</a> Genoveva sieht in der Ekstase die himmlische
-Herrlichkeit.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wohin ich blickte, sah ich Blten prangen,</div>
- <div class="verse">Aus Strahlen wuchsen Himmelsblumen auf...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>ber diese himmlischen Blumen und Blten handelt auch Bhme...<a name="FNAnker_460_460" id="FNAnker_460_460"></a><a href="#Fussnote_460_460" class="fnanchor">[460]</a>
-&#8222;auch so gehen in diesen (himmlischen) crfften auff allerley blumen
-mit schnen himlischen farben und geruch&#8220;.</p>
-
-<p>In der Strophe ber die Trinitt schliet sich Tieck recht deutlich
-an Bhme an, dessen Ausdeutung des Trinittsmysteriums sich von der
-kirchlich-theologischen auffallend unterscheidet.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Der Sohn war recht des Vaters Herz und Liebe,</div>
- <div class="verse">Der Vater schaffende Allgegenwart,</div>
- <div class="verse">Der Geist im unerforschlichen Getriebe,</div>
- <div class="verse">Das ew&#8217;ge Wort, das immer fort beharrt;</div>
- <div class="verse">Und alles wechselnd, nichts im Tode bliebe,</div>
- <div class="verse">Indes der Vater wirkt die Form und Art.</div>
- <div class="verse">So Lieb&#8217; und Kraft und Wort in eins verschlungen,</div>
- <div class="verse">In ew&#8217;ger Liebesglut von sich durchdrungen.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>&#8222;Also ist ein Gott / und 3 unterschiedliche Persohnen in einander / und
-kan keine die andere fassen oder aufhalten / oder der andern Vhrsprung
-ergrnden / sondern der Vater gebhret den Sohn / und der Sohn ist des
-Vaters Hertze / und seine Liebe und sein Licht / und ist ein Ursprung
-der Freuden / und alles Lebens anfang.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_135" id="Seite_135">[S. 135]</a></span></p>
-
-<p>Und der Heilige Geist / ist des Lebens Geist / und ein Formirer und
-Schpffer aller dinge / und ein Verrichter des Willens in GOtt / der
-hat formiret und geschaffen au dem Leibe und in dem Leibe des Vaters
-alle Engel und Creaturen / und hlt und formiret noch tglich alles
-/ und ist die schrffe und der lebendige Geist Gottes: Wie der Vater
-das Wort au seinen Krfften spricht / so formts der Geist.&#8220;<a name="FNAnker_461_461" id="FNAnker_461_461"></a><a href="#Fussnote_461_461" class="fnanchor">[461]</a>
-Tieck zupft aus diesem confusen Gewebe einzelne Fdchen heraus und
-webt sie aufs neue in seiner Stanze zusammen. Welcher es dem andern an
-geheimnisvoller Dunkelheit zuvorthut, ist schwer zu entscheiden. &mdash; In
-der letzten Strophe der Vision heit es:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wie Strahlen giengen Engel aus und ein,</div>
- <div class="verse">Entzckt in der Dreieinigkeit zu spielen...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Dieses Spiel der Engel in Gott erwhnt auch die &#8222;Morgenrthe&#8220; fters.
-Bei Schilderung der Freude der Engel liest man:<a name="FNAnker_462_462" id="FNAnker_462_462"></a><a href="#Fussnote_462_462" class="fnanchor">[462]</a> &#8222;es war alles
-ein herztlich Liebe-spiel in GOtt...&#8220; Wie Gott in seiner Vernderung
-unbegreiflich ist und in seinem Liebespiel, &#8222;Also sollten auch die
-Geisterlein oder die Liechterlein der Engel / welche seind wie der
-Sohn GOTTES / fr dem Hertzen GOTTES in dem grossen Liechte fein sanft
-spielen / darmit die Freude im Hertzen Gottes mchte vermehret werden /
-und mchte also in GOtt ein Heiliges Spiel seyn.&#8220;<a name="FNAnker_463_463" id="FNAnker_463_463"></a><a href="#Fussnote_463_463" class="fnanchor">[463]</a></p>
-
-<p>Hie und da trifft man noch eine Wendung in der &#8222;Genoveva&#8220;, der
-Vorstellungen aus Jakob Bhme zugrunde liegen. Bhmes Vorstellung
-von den verschiedenen Geistern, die im Menschen thtig sind, z.B.
-steckt in Phrasen, wie &#8222;alle Geister (sc. der Gebrenden) nach Hilfe
-schreien&#8220;<a name="FNAnker_464_464" id="FNAnker_464_464"></a><a href="#Fussnote_464_464" class="fnanchor">[464]</a> und &#8222;wenn sich die innern Geister alle lsen&#8220; (beim
-Sterbenden).<a name="FNAnker_465_465" id="FNAnker_465_465"></a><a href="#Fussnote_465_465" class="fnanchor">[465]</a> Auch das &#8222;himmlisch Freudenreich&#8220;<a name="FNAnker_466_466" id="FNAnker_466_466"></a><a href="#Fussnote_466_466" class="fnanchor">[466]</a> wre zu nennen.</p>
-
-<p>Die angestellte Beobachtung zeigt, dass man Bhmes Einfluss auf die
-&#8222;Genoveva&#8220; nicht berschtzen darf. Am nchsten kommt dem Sachverhalte
-Tiecks uerung bei Frster:<a name="FNAnker_467_467" id="FNAnker_467_467"></a><a href="#Fussnote_467_467" class="fnanchor">[467]</a> &#8222;als ich die Genovefa schrieb, habe
-ich allerdings Jakob Bhme&#8217;s<span class="pagenum"><a name="Seite_136" id="Seite_136">[S. 136]</a></span> Schriften mit groem Interesse gelesen
-und so ist vielleicht Manches aus ihnen, mir bewutlos, in mein Stck
-bergegangen&#8220;. Jakob Bhmes Theosophie verwebt Tieck fast nur an jenen
-Stellen in seine &#8222;Genoveva&#8220;, wo das Geheimnisvolle in Ton und Inhalt
-herrschen soll. Das Mysterise ist die Sphre des &#8222;Unbekannten&#8220;, der
-ekstatisch verzckten Heldin und von der Hexe wird es zu schlechtem
-Zwecke missbraucht. Fast nirgends werden aber Bhmes Gedanken
-genau in ihrem ursprnglichen Sinne und in unvermischter Reinheit
-bernommen, sondern Tieck sucht jedesmal Alterthmliches und Modernes
-zu verschmelzen. Es leitete ihn dabei gewiss ein feiner knstlerischer
-Sinn. Die &#8222;Genoveva&#8220; will alte Poesie auffrischen und in neues Gewand
-kleiden, sie will alterthmlich und modern zugleich sein. Da war denn
-Tieck nur consequent, wenn er Bhmes Mystik nicht in ihrer echten und
-ursprnglichen Gestalt seinem Gedichte aufklebte, sondern sie so gut
-wie mglich mit modernen Anschauungen zu amalgamieren trachtete und sie
-in moderner Einkleidung vortrug.</p>
-
-<p>Fr den Anfang scheint es seltsam, dass die Worte hoher, heiliger
-&#8222;Weisheit&#8220;, die der fromme &#8222;Unbekannte&#8220; und die heilige Heldin
-sprechen, auch die bse, betrgerische Hexe sich anmaen darf. Wenn
-auch nicht deutlich ausgesprochen, gemeint ist aber jedenfalls, dass
-die Hexe das Heilige fr ihre schnden Zwecke missbraucht. Diese
-Auffassung deutet auch Bernhardi in seiner Recension an. Dass in den
-Hexensprchen zugleich ein Nachffen romantischen Kunstschaffens
-verborgen ist, reimt sich damit ganz gut zusammen.</p>
-
-<p>Fr den heutigen Leser ist wohl das meiste von der Jakob Bhme&#8217;schen
-Mystik in der &#8222;Genoveva&#8220; ganz unverstndlich geworden. Wer kmmert sich
-heute um diese mystische Philosophie? Tieck dichtete aber zunchst
-fr den engeren Kreis seiner Freunde, denen Jakob Bhme &#8222;Bibel&#8220;
-geworden. Hier kannte man den Schlssel zu den geheimnisvollen Worten
-des &#8222;Unbekannten&#8220; wie der Hexe. Die Romantiker waren um 1800 fast
-allesammt Adepten Jakob Bhmes und htten gerne die mystische frohe
-Botschaft des Grlitzer Schusters aller Welt verkndet.<a name="FNAnker_468_468" id="FNAnker_468_468"></a><a href="#Fussnote_468_468" class="fnanchor">[468]</a> Tieck
-erneuert Bhmes Gedanken, soweit er sie seiner Dichtung einverleiben
-kann, hnlich, wie er die Poesie der alten Volksbcher auffrischt und
-damit war allerdings schon<span class="pagenum"><a name="Seite_137" id="Seite_137">[S. 137]</a></span> ein Anfang mit der Popularisierung des
-verschollenen Mystikers gemacht. Auer Tieck und Novalis las diesen
-besonders F. Schlegel eifrig. Auch Ritter, Hlsen, sogar Schelling
-schlossen sich den Bewunderern an. Was die Romantiker in ihrem ersten
-Enthusiasmus mit dem &#8222;philosophus teutonicus&#8220; vorhatten, sagen neben
-andern merkwrdigen Orakelsprchen am besten F. Schlegels Worte, Worte
-eines Bhmeschwrmers, dem Tiecks Bemhungen noch viel zu geringwertig
-erschienen. Er schreibt an Schleiermacher:<a name="FNAnker_469_469" id="FNAnker_469_469"></a><a href="#Fussnote_469_469" class="fnanchor">[469]</a> &#8222;Fast mchte ich Dir
-zur Pflicht machen, den Jakob Bhme zu studieren. Es muss noch viel von
-ihm die Rede (sein), weil in ihm gerade das Christenthum mit 2 Sphren
-in Berhrung steht, wo jetzt der revolutionre Geist am schnsten wirkt
-&mdash; Physik und Poesie. Ritter hat ihn sehr studiert und will auch ber
-seine Physik schreiben; das ist aber nur eine Seite. Tieck legt sich
-gewaltig auf ihn und wird ihn hinlnglich tieckisieren; denn in einen
-andern Geist einzudringen, das ist diesem Menschen nicht gegeben.
-Also wird Bhme fr den Tieck etwas thun, Tieck fr den Bhme aber
-gewiss sehr wenig. Noch ein Grund, warum ich es besonders schicklich
-finde, den Bhme zu predigen, ist, dass sein Name schon den grten
-Ansto bei den Philistern erregt; kein anderer kann mehr polemische
-Energie haben.&#8220; Dass Tieck seinen Bhme &#8222;tieckisiert,&#8220; hat Schlegel
-richtig getroffen. Dasselbe that Tieck ohnehin auch mit seinen brigen
-Vorbildern und er hatte als Dichter sein gutes Recht dazu. Er war aber
-dabei ein recht eifriger &#8222;Verkndiger der Morgenrthe&#8220;, persnlich
-unter seinen Freunden und in seiner Dichtung. Im &#8222;Zerbino&#8220; hatte
-er Bhme in den &#8222;Garten der Poesie&#8220; versetzt, in den &#8222;Phantasieen&#8220;
-merkt man schon die Spuren von Bhmes Ideen, im Fastnachtschwanke vom
-&#8222;Neuen Hercules&#8220; (&#8222;Der Autor&#8220;) wird er mit reichstem Lobe bedacht,
-in &#8222;Octavian&#8220; und &#8222;Melusine&#8220;, in verschiedene kleine Gedichte werden
-Bhmes Gedanken eingestreut, wie in die &#8222;Genoveva&#8220;.</p>
-
-<p>Eine Wiedergeburt der Bhme&#8217;schen Mystik im greren Stile erfolgte
-freilich erst spter in Baaders Philosophie.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Ob mit dieser Untersuchung der persnlichen Einflsse und Anregungen,
-der Quelle und der literarischen Vorbilder, die in Tiecks &#8222;Genoveva&#8220;
-nachwirkten, das ganze Erdreich gengend<span class="pagenum"><a name="Seite_138" id="Seite_138">[S. 138]</a></span> blo gelegt ist, aus
-dem diese seltsame, vielgerhmte und vielgetadelte romantische
-Blte hervorwuchs, wage ich nicht zu behaupten. Briefe und andere
-Aufzeichnungen knnen noch einmal neues und volleres Licht ber manchen
-Punkt bringen. Ein ziemlich deutliches Gesammtbild der Bedingungen,
-welchen dieses romantische Werk sein Dasein verdankt, stellt sich aber
-immerhin aus der Betrachtung des zugnglichen Materiales her. Das
-Volksbuch, die altehrwrdige Legende, der Tieck mit tiefer Ehrfurcht
-naht, gibt den stofflichen Grundstock des ganzen Buches. Die Ehrfurcht
-vor dem Alten bewog den Romantiker, auch von der Anordnung des Stoffes,
-wie sie das Volksbuch bietet, nur dann abzugehen, wenn es gewichtige
-Grnde forderten. Shakespeares &#8222;Perikles&#8220; und Maler Mller wiesen auf
-die dramatische Form, &#8222;Perikles&#8220; gab noch insbesondere das Vorbild
-fr die epischen Einlagen, whrend Calderon das Lyrische und die
-metrische Gestaltung vielfach beeinflusste. Mller, Shakespeare und
-Goethe bestimmten dort und da einige Linien eines Charakterbildes.
-Mller&#8217;sche und Shakespeare&#8217;sche Stimmungen, welche Tieck besonders
-verwandt ansprachen, giengen in seine Dichtung ber. Mller, Goethe
-und Shakespeare haben auch ihren Antheil am Aufbau einzelner Scenen
-wie an der ritterlichen Costmierung. Jakob Bhmes alterthmliche und
-dunkle Mystik mit ihrer fremdartigen Terminologie half gewisse Scenen
-auf einen seltsam alterthmlichen und geheimnisvollen Ton stimmen.
-Aber jeder nach fremdem Vorbilde gefhrte Pinselstrich verrth doch
-auch immer Tiecks eigene Hand, die stets in selbstndiger Weise das
-Fremde dem eigenen Zwecke dienstbar macht. Tiecks erwachte Abneigung
-gegen die saft- und kraftlose Nicolaitische Aufklrungssucht,
-die Erlanger Eindrcke sowie Wackenroders zart-frommer Sinn und
-Alterthums-Enthusiasmus, die mchtige religise Erregung, die durch
-Schleiermacher, Novalis und Friedr. Schlegel in den romantischen
-Kreis getragen wurde, religise Stimmungen, welche die Calderon- und
-Bhme-Lectre weckte: alles vereinigte sich, um Tiecks Gemth mit
-jenen innigen, alterthmlich-religisen Kunststimmungen zu erfllen,
-die das charakteristische, beherrschende Licht ber sein romantisches
-Drama verbreiten und dieses trotz aller Entlehnungen zu einer durchaus
-selbststndigen Kunstschpfung machen, wie sie eben nur aus dem
-romantischen Geiste, der sich vor hundert Jahren in unserer Dichtung
-entfaltete, erwachsen konnte.</p>
-
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_139" id="Seite_139">[S. 139]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="mbot2" id="IV">IV.<br />
-
-Charakteristik der &#8222;Genoveva&#8220;.</h2>
-
-<h3 id="Composition">1. Das romantische Drama. &mdash; Composition.</h3>
-
-<p>Im Stofflichen, das Tieck in seiner &#8222;Genoveva&#8220; verarbeitet, fanden
-wir allenthalben Entlehnungen und Anlehnungen. Die Geschichte und die
-Folge ihrer Entwickelung, gar manches in den Charakteren wie in den
-Motiven, die Verwendung von Vers und Prosa: all dies ist nicht neue
-Erfindung, sondern von anderen bernommen. Vollstndig neu fanden
-wir eigentlich nur die Auffassung, welche diese Dichtung beherrscht,
-jene Auffassung, die aus gewissen zeitgenssischen Strmungen und
-persnlichen Eindrcken erwuchs. Dies ist nicht Zufall und nicht
-Armut an Erfindungskraft. Tieck legt eben keinen besonderen Wert auf
-das Neuerfinden des Stofflichen, wie uns eine bezeichnende Stelle
-des &#8222;Phantasus&#8220; besttigt.<a name="FNAnker_470_470" id="FNAnker_470_470"></a><a href="#Fussnote_470_470" class="fnanchor">[470]</a> Clara mchte nmlich &#8222;lieber&#8220; eine
-Scene in &#8222;Was ihr wollt&#8220; geschrieben haben, als die Novelle erfunden,
-aus welcher das Lustspiel entsprungen ist. Nicht wesentlich anders
-dachten die romantischen Collegen in Jena bereits vor der Entstehung
-der &#8222;Genoveva&#8220;. Nach A.W. Schlegel<a name="FNAnker_471_471" id="FNAnker_471_471"></a><a href="#Fussnote_471_471" class="fnanchor">[471]</a> setzt sogar Shakespeare
-das Wesen seines dichterischen Geschftes nicht in die stoffliche
-Erfindung, sondern er wendet die ganze Macht seines Genius auf die
-Gestaltung eines vorgegebenen Stoffes. Tieck, der Schler, will nicht
-ber dem Meister sein. Er begngt sich auch, seine ganze Kunst in der
-&#8222;Organisation&#8220; und Darstellung des Stoffes zu zeigen.</p>
-
-<p>Tieck mchte in seiner &#8222;Genoveva&#8220; ein &#8222;romantisches&#8220; Kunstwerk
-schaffen, in dem sich Dramatisches mit Epischem und Lyrischem
-verschmelzen soll; denn es ist die Aufgabe der romantischen Poesie
-&#8222;alle getrennte Gattungen der Poesie wieder<span class="pagenum"><a name="Seite_140" id="Seite_140">[S. 140]</a></span> zu vereinigen&#8220;.<a name="FNAnker_472_472" id="FNAnker_472_472"></a><a href="#Fussnote_472_472" class="fnanchor">[472]</a>
-Ohne Zweifel kann der echte Dichter das Poetische in jeder Form
-aussprechen. Warum sollte er es nicht auch in verschiedenen Formen
-knnen, die gleichzeitig nebeneinander stehen, die sich gegenseitig
-durchdringen und die organisch ineinander wachsen? Solange der
-Dichter das Poetische an sich, seinem inneren Wesen nach im Auge
-hat, braucht es keine Scheidung nach diesen oder jenen Kategorien
-der knstlerischen Erscheinung. Anders wird es, wenn er eine Wirkung
-nach auen anstrebt. Da ist vor allem der Dichter, der sich die
-bestimmte dramatische Gattungsform whlt, auch an die Gesetze dieser
-knstlerischen Gattung unwiderruflich gebunden. Theoretisch lsst sich
-gegen die Mglichkeit, verschiedene Gattungsformen in einem poetischen
-Werke zu verschmelzen nichts einwenden, die Schwierigkeiten aber,
-die sich von der knstlerischen Seite her erheben, sind so groe,
-dass ein gutes Gelingen eines solchen romantischen Universalgedichtes
-wenig wahrscheinlich ist. Es muss dem Dichter bei solchem Vermengen
-der Gattungen recht schwer werden, dem Kunstwerk die unentbehrliche
-Einheit und Geschlossenheit der Erscheinung zu geben. Denn es haben
-die einzelnen Gattungen ihre eigenen stilistischen Gesetze und die
-Gesammtform jeder Dichtung bestimmt bis in die Glieder herab die
-Formgebung in eigenthmlicher Weise. Es msste wohl ein Ingenium
-von hchster knstlerischer Begabung erstehen, das alle Hindernisse
-glcklich unter sich brchte und in das Mosaik verschieden gearteter
-Theile ohne ein Zuviel hier und ein Zuwenig dort Harmonie und
-knstlerisches Gleichgewicht zu<span class="pagenum"><a name="Seite_141" id="Seite_141">[S. 141]</a></span> zaubern und die Gewhnung des Lesers
-an bestimmte Unterschiede der knstlerischen Erscheinung glcklich und
-ohne Strung zu tuschen vermchte.</p>
-
-<p>In der &#8222;Genoveva&#8220; berwiegt das Dramatische oder richtiger das
-Dialogische weitaus den epischen Theil, es bildet &#8222;die Basis&#8220; der
-knstlerischen Gestalt. Dabei muss freilich bemerkt werden, dass sich
-auch schon in den Dialog verschiedene epische und lyrische Stcke
-einordnen. So z.B. die Erzhlung Wolfs von seiner astrologischen
-Himmelsbeobachtung, die Erzhlungen von Golos und Genovevas Jugend,
-die Prophezeiung des &#8222;Unbekannten&#8220;, die Schilderung der Sterbevision
-Genovevas u.a. Auch Lieder und lyrische Ergsse sind in den Dialog
-verwoben oder als Monologe einem Dialoge voran- oder nachgestellt.
-So versucht es Tieck, in das Drama &#8222;Lyrik hineinzuwerfen&#8220;, wie er es
-schon vorher im &#8222;Zerbino&#8220;, in den Mrchen und im &#8222;Sternbald&#8220; that
-und wie er es bald reichlich im &#8222;Octavian&#8220; thun sollte. Der Dichter
-versucht hier wirklich ein Verschmelzen der verschiedenen Gattungen.
-Aber man sprt auch schon dabei, wie sich manches Epische und Lyrische
-nur mit Widerstreben in das dramatische Gerste zwingen lsst. Ein
-Beispiel dafr ist die Weissagung des &#8222;Unbekannten&#8220;. In einem Drama
-msste diese Prophezeiung eigentlich bei strengster, aber allerdings
-hufig verletzter Consequenz im Gattungsstil auf der Bhne in Erfllung
-gehen, soll die erregte Erwartung nicht getuscht werden.<a name="FNAnker_473_473" id="FNAnker_473_473"></a><a href="#Fussnote_473_473" class="fnanchor">[473]</a> Ebenso
-mssten wir die heil. Genoveva in ihrer himmlischen Verklrung sehen
-und nicht blo den Bericht des heil. Bonifacius ber ihren Eingang in
-die Seligkeit zu hren bekommen; denn nur so wre in beiden Fllen der
-Abschluss in dramatischer Form erreicht. Nachdem diese die Dichtung
-im Ganzen beherrscht, regt sich das Bedrfnis nach solchem Abschluss
-unwillkrlich. Das Epos, das weite Zeitrume in sich fasst und das
-unbegrenzte Reich der Phantasie ohne Einschrnkung durchwandert,
-begngt sich schon mit einem bloen Ausblick in die Zukunft. Tieck
-denkt also manchmal trotz der uerlich dramatischen Form episch;
-er denkt eben an ein gelesenes Gedicht, nicht an ein dargestelltes
-Theaterstck und unter dieser Voraussetzung unternimmt er es, die
-Phantasie in so weite Zukunftsfernen und selbst in die<span class="pagenum"><a name="Seite_142" id="Seite_142">[S. 142]</a></span> Ewigkeit zu
-fhren. Allein der eigenthmliche innere Widerspruch zwischen dem
-epischen Charakter des Inhaltes und der ueren dramatischen Gestalt
-wird auch unter dem Gesichtpunkte des Lesedramas nicht ohne Rest
-ausgeglichen.</p>
-
-<p>Griffe ein echter Dramatiker das Volksbuch auf, so wrde dieser mit
-strenger planvoller konomie eben das aus seiner Quelle entnehmen,
-was fr sein Thema wesentlich und nothwendig ist und was hinreichte,
-dieses sein Thema knstlerisch zu verlebendigen und zu erschpfen. Um
-die ungerecht bedrngte und wieder erkannte Unschuld, das dichterische
-Problem der Genoveva-Legende, darzustellen, gengen einem Dramatiker
-als Personen Genoveva (mit Schmerzenreich), Golo, Siegfried, Drago,
-die Hexe, Benno und Grimoald, Gertrud. An den Schicksalen dieser
-Personen knnte sich das ganze Problem entwickeln. Der ganze brige
-reiche Aufwand von Nebenpersonen, die Tieck einfhrt, knnte fortfallen
-und damit entfielen auch die Scenen, die mit dem Hauptgedanken und
-dem Fortgange des Stckes in gar keiner innerlich nothwendigen oder
-nur in einer sehr losen Beziehung stehen wie die breiten Lager- und
-Kriegsgemlde, die Hirtenscenen, der heil. Bonifacius. So dchte ein
-Dramatiker, der mit der Bhne rechnet. Allein der romantische Poet
-denkt anders, er geht wieder, wenn auch in dramatischer Verkleidung,
-die Wege des Epikers. Die umfassende Flle der romantischen Poesie muss
-nothwendig den straffen dramatischen Rahmen sprengen. Die Romantik
-drngt berhaupt zum Epischen hin.<a name="FNAnker_474_474" id="FNAnker_474_474"></a><a href="#Fussnote_474_474" class="fnanchor">[474]</a> Der Roman &#8222;tingiert&#8220; ja
-die ganze moderne Poesie.<a name="FNAnker_475_475" id="FNAnker_475_475"></a><a href="#Fussnote_475_475" class="fnanchor">[475]</a> Tieck will &#8222;Leben und Tod der heil.
-Genoveva&#8220; schildern und er will auch in seiner Ehrfurcht vor dem Alten
-das ganze Volksbuch, selbst seine unwesentlichen Bestandstcke, die nur
-der Stimmungsmalerei oder der Maskierung von Vorgngen hinter der Scene
-dienen knnen, beibehalten und in neuer Schnheit aufgefrischt erstehen
-lassen. Was das Volksbuch enthlt, ist, wie uns die Romantiker schon
-belehrten, ein altehrwrdiges, heiliges Gut, von dem kein Gran verloren
-gehen darf. Auch diese Tendenz der Romantik hindert ein dramatisches
-Concentrieren. Sie begegnet sich aber in unserem Falle mit der Idee von
-der romantischen Universalpoesie.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_143" id="Seite_143">[S. 143]</a></span></p>
-
-<p>Der alte poetische Schatz darf durch neue Motive bereichert werden,
-wenn es dem Dichter gelingt, solche herbeizuschaffen, die neben dem
-Alten nicht unwrdig erscheinen. Poetisch oder nicht poetisch? Das ist
-die einzige Frage, nicht aber innere Nothwendigkeit, knstlerische
-Straffheit der Composition in Lessings Sinne. Die romantische
-Poesie &#8222;umfasst alles, was nur poetisch ist&#8220;.<a name="FNAnker_476_476" id="FNAnker_476_476"></a><a href="#Fussnote_476_476" class="fnanchor">[476]</a> &#8222;Poetisch&#8220; und
-&#8222;romantisch&#8220; flieen fr Schlegel und Tieck allmhlich ineinander.
-Das bunte, bewegte Bild eines Krieges, der dazu einem idealen
-Zwecke dient (Kreuzzug), eines Krieges im fernen Mittelalter, wo
-Morgenland und Abendland feindlich zusammentreffen, wo Schlachtenlrm
-und Liebesseufzer sich vermengen: in einem solchen Bilde ist alles
-auergewhnlich, nichts platt und alltglich, alles ist romantisch,
-poetisch.<a name="FNAnker_477_477" id="FNAnker_477_477"></a><a href="#Fussnote_477_477" class="fnanchor">[477]</a> Scenen, in denen Naturburschen, wie Schfer und Khler
-(Tiecks alte Vorliebe)<a name="FNAnker_478_478" id="FNAnker_478_478"></a><a href="#Fussnote_478_478" class="fnanchor">[478]</a> erscheinen, Menschen, deren Dasein so
-innig mit der Natur verwachsen ist, bieten eine andere Seite des
-Poetischen. Nur den sublimierten, poetischen Duft dieser Gestalten
-sucht Tieck festzuhalten. Darum streift er sorgsam alles alltglich
-Schwere und Prosaische von ihnen ab. Fast nur der singende und der
-liebende Schfer, der Schfer voll Naturfreude darf hier wie im
-&#8222;Octavian&#8220; in die Dichtung eintreten. Der &#8222;Unbekannte&#8220;, die Hexe, Tod
-und Engel, der Geisterpilgrim, Wesen, die mit der geheimnisvollen,
-berirdischen Welt verbunden sind oder aus derselben in unsere irdische
-Alltagswelt hereinkommen, all diese Gestalten gehren auch dem Reiche
-des Poetischen, des Romantischen an. Religion und Poesie gehren fr
-den Romantiker ohneweiters zusammen.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Bist du in alter Blindheit ein Bewohner</div>
- <div class="verse">Von Religion und Poesie verstoen?&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>sagt Dante zu Nestor-Nicolai im &#8222;Zerbino&#8220;. Die Figuren, die dem Gebiete
-des Glaubens angehren, gewhren der Phantasie durch ihr Erscheinen
-einen &#8222;bedeutenden Ausblick in die Ferne&#8220;,<span class="pagenum"><a name="Seite_144" id="Seite_144">[S. 144]</a></span> in eine geheimnisreiche
-Ferne, in die auch Wunder und Visionen und Trume den ahnenden Blick
-lenken. Solche &#8222;Ausblicke&#8220; sind nach A.W. Schlegel ein Charakteristicum
-des Romantischen.<a name="FNAnker_479_479" id="FNAnker_479_479"></a><a href="#Fussnote_479_479" class="fnanchor">[479]</a> Die Natur in ihren geheimen Wechselbeziehungen
-mit dem Menschengemthe, die das Volksbuch noch nicht kennt, ist eine
-poetische Macht, vor der sich selbst der gemthsdrre Merkel beugt.
-Mit den Liedern und lyrischen Ergssen, welche die Welt des Gemthes
-selbst entschleiern, mit Ahnung und Erinnerung und Sehnsucht gelangen
-wir ins Centrum alles Poetischen, zur seelischen Empfindung.<a name="FNAnker_480_480" id="FNAnker_480_480"></a><a href="#Fussnote_480_480" class="fnanchor">[480]</a>
-All das darf in Tiecks romantisches Trauerspiel aufgenommen werden;
-denn nichts Poetisches ist von der romantischen Universalpoesie
-ausgeschlossen. Die unendliche Mannigfaltigkeit all dieser Motive ist
-dabei nicht etwa ein Product zgelloser Phantasie. Eine solche gibt es
-fr den Romantiker gar nicht.<a name="FNAnker_481_481" id="FNAnker_481_481"></a><a href="#Fussnote_481_481" class="fnanchor">[481]</a> Das Mannigfaltige und Bunte ist ihm
-an sich poetisch. Shakespeare ist &#8222;um so poetischer (als die Spanier)
-als er mehr Mannigfaltigkeit entwickelt&#8220;.<a name="FNAnker_482_482" id="FNAnker_482_482"></a><a href="#Fussnote_482_482" class="fnanchor">[482]</a> Was Tieck fr poetisch
-ansieht, erfahren wir ungefhr aus &#8222;Zerbino&#8220; und &#8222;Octavian&#8220;. Die Scene,
-mit welcher der &#8222;Prolog&#8220; des letzteren Dramas schliet, vereinigt in
-der Bhnenanweisung wie in einem Inhaltsverzeichnis die Elemente des
-Poetischen. &#8222;Musik. Mit Trompeten kommen die Krieger auf der einen, die
-Schfer mit Flten auf der andern Seite zurck. In der Mitte stehen
-Glaube und Liebe, zur Seite des Glaubens Tapferkeit, zwischen ihnen der
-Liebende und die Pilgerin, neben der Liebe der Scherz,<span class="pagenum"><a name="Seite_145" id="Seite_145">[S. 145]</a></span> zwischen diesen
-der Ritter und das Hirtenmdchen, im Vorgrunde der Dichter und die
-Romanze.&#8220; Naturfreude, Lust an Farben und Tnen, Sehnsucht, Reiselust,
-Ahnung und Erinnerung begegnen uns im &#8222;Aufzug der Romanze&#8220; wie im
-Garten der Poesie als Tne, die sich zum groen romantischen Accord
-vereinen. Der Garten der Poesie ist berdies eine blhende Wildnis.
-Groe, seltsame Wunderblumen, wie sie der alte vernnftige Nestor nie
-in seinem Leben sah, blhen darin, alles im ppigen, phantastischen
-berfluss und alles glnzt und tnt und singt und plaudert und spricht
-wundersame Geheimnisse aus, die als Ahnungen und Stimmungen ans
-Dichtergemth klingen. Fast all diese poetischen Dinge treffen wir
-auch in der &#8222;Genoveva&#8220;, nur der Scherz und die contrastierende derbe
-Prosa fehlen, weil sie nach des Dichters Meinung den Legendenton der
-Dichtung stren wrden. Es war gewiss ungerecht, wenn man in blinder,
-parteiischer Voreingenommenheit und in dem Verstndigkeitsfanatismus
-die diesen Motiven und Stimmungen immanente poetische Kraft hartnckig
-bersah, wie es die rationalistischen Feinde der Romantik in ihren
-Recensionen thaten, die Nicolai und Merkel, die nur borniert witzelnd
-auf &#8222;die abgeschmackte Legende, zu der Tieck noch lcherliche
-Abenteuerlichkeiten hinzusetzte,&#8220; von oben herabblickten.<a name="FNAnker_483_483" id="FNAnker_483_483"></a><a href="#Fussnote_483_483" class="fnanchor">[483]</a> Sie
-konnten allerdings nicht anders. &#8222;Trgt jeder um sich ein siderisch&#8217;
-Haus, kann aus seiner Heimat nicht heraus.&#8220;</p>
-
-<p>Soll aber die Freude des Genieenden am Kunstwerk rein und voll sein,
-dann darf das Poetische, das Phantasie und Gemth erweckt und fesselt,
-nicht als chaotische, unberschaubare Masse vor uns erscheinen, sondern
-Einheit und Geschlossenheit kommen einem anderen, dem eigentlich
-knstlerischen Bedrfnisse unseres Geistes, entgegen. A.W. Schlegel
-bersah diesen Sachverhalt nicht. Er findet im Verhltnis von Tag und
-Nacht ein zutreffendes Bild unseres geistigen Daseins. &#8222;Einige Dichter
-haben den gestirnten Himmel so vorgestellt, als ob die Sonne nach
-Endigung ihrer Laufbahn in alle jene unzhligen leuchtenden Funken
-zerstbe: die ist ein vortreffliches Bild fr das Verhltnis der
-Vernunft<span class="pagenum"><a name="Seite_146" id="Seite_146">[S. 146]</a></span> und Fantasie: in den verlorensten Ahndungen dieser ist noch
-Vernunft; beyde sind gleich schaffend und allmchtig, und ob sie sich
-wohl unendlich entgegengesetzt scheinen, indem die Vernunft unbedingt
-auf Einheit dringt, die Fantasie in grenzenloser Mannigfaltigkeit ihr
-Spiel treibt, sind sie doch die gemeinschaftliche Grundkraft unseres
-Wesens.&#8220;<a name="FNAnker_484_484" id="FNAnker_484_484"></a><a href="#Fussnote_484_484" class="fnanchor">[484]</a></p>
-
-<p>Ein Centrum im Kunstwerke ist nthig, in dem alle Linien
-zusammenlaufen.<a name="FNAnker_485_485" id="FNAnker_485_485"></a><a href="#Fussnote_485_485" class="fnanchor">[485]</a> Ein Hauptcharakter, eine Haupthandlung muss
-so in der Dichtung herrschen, dass nicht das Nebenwerk mit seiner
-Flle das Ganze berwuchert. Die Empfindung dieser geschlossenen,
-gerundeten Einheit wirkt mit wohlthtiger Befriedigung auf den
-Geist des Genieenden. Wie sieht es aber in der &#8222;Genoveva&#8220; aus? Bis
-in die Mitte des Stckes laufen nicht weniger als drei Handlungen
-nebeneinander her. Golos Liebeswerben, die Liebe zwischen Heinrich und
-Else und die Lagerscenen, die sich ihrerseits wieder als christliches
-und saracenisches Lager in zwei selbstndigen Reihen entwickeln.
-Von der Eroberung Avignons bis zu Genovevas Verstoung begleiten
-sich allerdings nur die Vorgnge auf dem Schlosse und in Straburg.
-Im weiteren Verlaufe bis zur Auffindung der Verstoenen haben wir
-aber wieder drei Fden zu verfolgen: die Ereignisse auf Siegfrieds
-Schloss, Genoveva in der Wste, Golo im Walde. Erst am Ende vereinigt
-sich wieder alles auf dem Schlosse, von dem die ganze Handlung
-ausgegangen war. Diese verschiedenen Reihen durchschneiden sich und
-kreuzen sich im bunten Wechsel, wie die Bilder eines Kaleidoskopes.
-Es gibt ein verwirrendes, traumhaftes Hin und Her. Das ist auch
-nicht verwunderlich, da Tieck selbst im Traumleben allen Ernstes das
-wahre Vorbild fr das dichterische Schaffen sehen will.<a name="FNAnker_486_486" id="FNAnker_486_486"></a><a href="#Fussnote_486_486" class="fnanchor">[486]</a> Ein
-Lieblingsgedanke, auf den er immer wieder zurckkommt. Auch keine
-Persnlichkeit steht derart beherrschend in der Mitte, dass wir den
-Eindruck einer sicheren Einheit bekmen. Das erste Viertel der Dichtung
-beherrschen die Kriegsscenen mit Karl Martell an erster Stelle. Dann
-treten Golo und Genoveva in den Vordergrund. In der<span class="pagenum"><a name="Seite_147" id="Seite_147">[S. 147]</a></span> zweiten Hlfte
-fllt das meiste Licht auf die verbannte Dulderin. Also weder eine
-sicher gefhrte Haupthandlung noch eine das Ganze beherrschende
-Persnlichkeit gibt der Dichtung einen festen Halt. An ein
-symmetrisches Abwgen der einander entgegenstehenden Personengruppen
-nach Zahl und innerer Bedeutung, wie wir es an manchen Goethe&#8217;schen
-Dramen beobachten (&#8222;Iphigenie&#8220;), wie es in hohen Kunstzeiten die
-bildende Kunst uns zeigt (Griechische Kunst, Frhrenaissance),
-denkt Tieck in seinem romantischen Gedichte nicht. Es wrde die
-Mannigfaltigkeit darunter leiden.</p>
-
-<p>Wenn auch niemand vom romantischen, episch denkenden Dramatiker jene
-&#8222;strenge gerade Linie&#8220; verlangt, nach welcher einem Schiller&#8217;schen
-Worte gem der tragische Poet fortschreiten muss, so mchte man doch
-erwarten, dass ersterer sich wenigstens auf einer Hauptrichtung halten
-msse, und zwar so, dass diese Hauptrichtung dem Leser nie ganz aus dem
-Gesichtskreise schwinde. Tieck mit seiner sthetischen Traumtheorie und
-Fr. Schlegel, der romantische Gesetzgeber, denken aber einmal anders in
-diesen Dingen. Das Hervortreten und Zurckweichen der einzelnen Figuren
-in der &#8222;Genoveva&#8220; lsst den Leser unwillkrlich an jenes Schlegel&#8217;sche
-Fragment denken, das vom Romanhelden sagt:<a name="FNAnker_487_487" id="FNAnker_487_487"></a><a href="#Fussnote_487_487" class="fnanchor">[487]</a> &#8222;Es ist nicht einmal
-ein feiner, sondern eigentlich ein recht grober Kitzel des Egoismus,
-wenn alle Personen in einem Roman sich um Einen bewegen wie Planeten um
-die Sonne, der dann gewhnlich des Verfassers unartiges Schokind ist,
-und der Spiegel und Schmeichler des entzckten Lesers wird. Wie ein
-gebildeter Mensch nicht blo Zweck sondern auch Mittel ist fr sich und
-fr andere, so sollten auch im gebildeten Gedicht alle zugleich Zweck
-und Mittel seyn. Die Verfassung sey republikanisch, wobey immer erlaubt
-bleibt, dass einige Theile activ andere passiv seyn.&#8220; Es erscheint die
-&#8222;Genoveva&#8220; beim ersten Lesen &#8222;wie ein Traumbild ohne Zusammenhang, ein
-Ensemble wunderbarer Dinge und Begebenheiten&#8220;. Wir drfen auch nicht
-vergessen, dass es erstes Gesetz der romantischen Poesie ist, &#8222;dass die
-Willkr des Dichters kein Gesetz ber sich leide&#8220; und auch im &#8222;Zerbino&#8220;
-hebt und senkt sich der Vorhang sechsmal und nicht fter &#8222;ohn&#8217; alle
-Ursach&#8217;, wenn Willkr nicht hinreichend Ursach ist&#8220;.<a name="FNAnker_488_488" id="FNAnker_488_488"></a><a href="#Fussnote_488_488" class="fnanchor">[488]</a></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_148" id="Seite_148">[S. 148]</a></span></p>
-
-<p>Der bunten Mannigfaltigkeit und dem Reichthum an Handlung entspringt
-der schrankenlos willkrliche Wechsel des Schauplatzes. Die Scene
-wechselt in der &#8222;Genoveva&#8220; einundsechzigmal. Man zhlt achtundzwanzig
-voneinander verschiedene rtlichkeiten. Und wie die Schranken des
-Raumes, so fallen fr die souverne romantische Phantasie auch jene der
-Zeit. Das Stck umschliet ungefhr einen Zeitraum von acht Jahren.
-Allerdings an eine festgefgte Chronologie im Stcke denkt der Dichter
-nicht; nur so nebenher bekommen wir die eine und andere Zeitangabe,
-wobei der Dichter aber nicht auf chronologische Klarheit abzielt.
-Es erscheinen bei Tieck die Tages- und Jahreszeiten gerade so wie
-die rtlichkeiten fast nur als stimmungsvoller Hintergrund fr die
-Vorgnge. Dieser Stimmungswert der Zeitmomente und Raumverhltnisse ist
-ihm das Wichtigste. Wie weit er dabei zu gehen vermag, sieht man aus
-der Aufeinanderfolge der Scenen &#8222;Gefngnis&#8220; und &#8222;Dorf&#8220;.<a name="FNAnker_489_489" id="FNAnker_489_489"></a><a href="#Fussnote_489_489" class="fnanchor">[489]</a> Fr die
-gefangene Mutter im Thurme braucht der Dichter die rauhe Jahreszeit,
-fr die Schferhochzeit den Frhling. Dass dem Stimmungsgehalt
-von Ort und Zeit ein weit hherer Wert beigelegt wird, als einer
-deutlichen chronologischen Folge innerhalb der Dichtung, entspricht
-der romantischen Hochschtzung der Stimmungen, die &#8222;allein glcklich
-machen&#8220;. &#8222;Der Wechsel der Zeiten und rter, vorausgesetzt, da sein
-Einflu auf die Gemther mitgeschildert ist,&#8220; gehrt nach A.W.
-Schlegel<a name="FNAnker_490_490" id="FNAnker_490_490"></a><a href="#Fussnote_490_490" class="fnanchor">[490]</a> zu den &#8222;wahren Schnheiten&#8220; der romantischen Poesie.
-Wir hren wohl einmal, dass Siegfried drei Monate verheiratet sei,
-als er in den Krieg zieht. Das zehnmonatliche Fernsein wird erwhnt,
-um Genovevas Untreue zu begrnden. Zwei Monate darauf ist Siegfried
-in Straburg. Von da an ungefhr gerechnet, sieht Genoveva &#8222;sieben
-Frhlinge&#8220; in der Wste. Diese Angaben des Volksbuches beizubehalten
-verlangte schon die &#8222;Heiligkeit der Tradition&#8220;. Grere Zeitrume sind
-also beilufig markiert; aber innerhalb derselben berlsst der Dichter
-alles weitere dem Leser oder er whlt die Zeit nur, um sie der Stimmung
-der Scene dienstbar zu machen. Was noch nach der Wiederauffindung
-Genovevas folgt, verschwimmt zeitlich ganz ins Unbestimmte. Es heit
-nur, dass Genoveva noch kurze Zeit lebte. Wohl mit Absicht wird hier
-jede bestimmte Zeitangabe vermieden. Durch die unbestimmte Zeit fhrt
-der<span class="pagenum"><a name="Seite_149" id="Seite_149">[S. 149]</a></span> Dichter die Phantasie des Lesers am besten dem Punkte entgegen,
-wo Zeit und Ewigkeit ineinanderflieen und wo Genoveva erst visionr,
-dann wirklich in ein Reich eintritt, wo Zeitliches und Irdisches
-aufhren.<a name="FNAnker_491_491" id="FNAnker_491_491"></a><a href="#Fussnote_491_491" class="fnanchor">[491]</a> So will es wieder die romantische Phantasie, welche
-&#8222;bedeutende Ausblicke in die Ferne&#8220; liebt. Der Prophetenblick des
-&#8222;Unbekannten&#8220; schaute frher &#8222;weit hinab&#8220; in irdische Zeitfernen,
-am Schlusse verliert sich der Blick ber Raum und Zeit hinaus in
-die unbegrenzten Fernen der Ewigkeit. Auch nach rckwrts in die
-Vergangenheit ist die Zeit gewissermaen schrankenlos: Bonifacius
-ersteht von den Todten und kommt aus ferner Zeit in die Gegenwart her,
-wenn er auch ein anderesmal als mitlebender Zeitgenosse auftritt.</p>
-
-<p>Nirgendwo sehen wir Tieck aus den Bedingungen der theatralischen
-Kunst heraus im greren Umfange arbeiten, obschon er die dramatische
-Form zumeist in seiner Dichtung uerlich festhlt, sondern er erbaut
-sich in der Phantasie eine Bhne fr die Phantasie<a name="FNAnker_492_492" id="FNAnker_492_492"></a><a href="#Fussnote_492_492" class="fnanchor">[492]</a> und auf
-dieser Bhne ziehen all diese Wunder vorber. Das Ganze scheint, wie
-oben bemerkt wurde, beim ersten Anblick nur ein traumhaft bewegtes,
-phantastisch durcheinanderwirbelndes Chaos und alles knstlerisch
-Gesetzmige scheint grundstzlich ausgeschaltet zu sein. Aber doch
-nur scheinbar. Wenn auch kein innerlich begrndetes Ma und Gesetz
-die vorberschwebenden Phantasien in schnem Gleichma belebend
-abtheilt, so sucht der Dichter den Leser in anderer Weise dafr
-zu entschdigen, indem er einmal eine uerliche Symmetrie in die
-Disposition bringt. Der Hhepunkt der Verwickelung, die endgiltige
-Abweisung der Antrge Golos und der Umschlag seiner Liebe in Hass
-und Rachsucht fllt fast ganz genau in die Mitte des ganzen Werkes
-und dies fgt sich eben dadurch so merkwrdig, dass der Dichter die
-Kriegsscenen so auerordentlich ausdehnt. Der Hauptkrper der Dichtung,
-das &#8222;eigentliche Trauerspiel&#8220;, der Conflict zwischen Genoveva und Golo,
-wird symmetrisch flankiert von einer &#8222;Ouvertre&#8220; zum Ganzen und jenem
-Theile, in dem die tragischen Empfindungen beruhigend ausklingen, und
-die drei Theile sind durch epische Zwischenglieder getrennt.<a name="FNAnker_493_493" id="FNAnker_493_493"></a><a href="#Fussnote_493_493" class="fnanchor">[493]</a> Die
-Zumuthung einer so rein uerlichen Gliederung scheint ja bei dem
-besprochenen Gesammt<span class="pagenum"><a name="Seite_150" id="Seite_150">[S. 150]</a></span>charakter der Dichtung erst berraschend und
-pedantisch. Weniger unglaubhaft wird die Sache schon, wenn man Tieck
-im &#8222;Phantasus&#8220; ber Proportion und Symmetrie im Drama spintisieren
-hrt.<a name="FNAnker_494_494" id="FNAnker_494_494"></a><a href="#Fussnote_494_494" class="fnanchor">[494]</a> Es war auch fr den Romantiker das intellectuelle und
-sthetische Bedrfnis einer gewissen Proportion der Theile vorhanden.
-Und dass man ihm derartiges zutrauen darf, dazu geben noch andere
-Knsteleien in der &#8222;Genoveva&#8220;, besonders das Spiel mit den schier
-zahllosen Contrasten, das sich durch das Stck zieht, ein Recht. Dieses
-contrastierende Beziehen der Vorgnge aufeinander soll offenbar auch
-die bunte, unharmonische Menge belebend abtheilen helfen. Der Contrast
-wird zwar von vielen anderen Dichtern auch als Compositionsmittel
-verwendet. Aber die Gegenstze wachsen z.B. in Schillers Dichtung
-natrlich und zwanglos aus dem Wesen des Inhaltes heraus: Tieck
-trgt sie meist willkrlich von auen hinein. Auf die Contraste im
-groen, die Contraste der Natur und Religion mit der Leidenschaft,
-des Wunderbaren mit dem Alltglichen, dem allen zusammen wiederum der
-Krieg gegenbersteht, weist Tieck selbst hin.<a name="FNAnker_495_495" id="FNAnker_495_495"></a><a href="#Fussnote_495_495" class="fnanchor">[495]</a> Er thut aber in der
-Dichtung noch mehr, er fhrt die Contraste bis in kleine Einzelheiten
-herab durch. Schon in den Abschiedsscenen begegnet eine ganze Reihe von
-Gegenstzen. Geistliche Unterredung der Diener &mdash; feierliche Ansprache
-des Capellans. Scene im Schloss &mdash; Hirtenscene im Freien. Der Ritter
-und die Hirten. Das traurige Lied und das heitere Lied. Genoveva ist
-tiefbetrbt ber den Abschied &mdash; der Hirte Heinrich freut sich, dass
-es bald schne Nachrichten gibt. Von der Hirtenscene geht es ins
-Kriegslager. Hier stehen sich Christen und Saracenen gegenber, Karl
-der bedchtige Feldherr und Aquitanien der feurige Jngling, Kriegslrm
-und romantische Liebe. Auf Siegfrieds Schloss sehen wir indessen
-Golo und Benno im weltlichen Gesprch &mdash; Genoveva bei geistlicher
-Betrachtung. Vom Kriegsschauplatz versetzt uns der Dichter in den
-Garten und in die trumerisch weiche Sommernacht. Heitere Mahlzeit &mdash;
-Intrigantenscene. Im weiteren begleiten die Kriegsscenen im parallelen
-Widerspiele die Liebesscenen zwischen Golo und Genoveva. Die Franken
-mchten die Stadt erobern &mdash; Golo mchte Genovevas Gunst erringen. Die
-Mohren planen einen berfall &mdash; Golo und Gertrud berathen den Angriff
-auf Genovevas Ehre.<span class="pagenum"><a name="Seite_151" id="Seite_151">[S. 151]</a></span> Der berfall im Lager ist in die Mitte gestellt
-zwischen Golos berfall im Garten und den berfall auf Genovevas
-Zimmer. Siegfried wird verwundet, Otho getdtet, aber das christliche
-Heer bleibt siegreich &mdash; Genoveva und Drago werden eingekerkert, sie
-sind aber die moralischen Sieger. Golo beschenkt Heinrich, der dann
-mit Elsen voll Glck und Jubel ist &mdash; Golo selbst ist voll finsterm
-Trbsinn und lsst der unschuldig Gefangenen kaum das Nothdrftigste
-gewhren. Genoveva klagt im Thurme &mdash; drauen jubelt die Hochzeit. Zwei
-Diener lassen sich als Mrder Genovevas dingen &mdash; Else erweist sich
-Genoveva dienstbar und beklagt mit Wendelin das Schicksal der Herrin.
-Genovevas Klage in der Wste &mdash; Siegfrieds Trauer auf dem Schlosse.
-Lrmende Jagdlust &mdash; Golos Trauer um Genoveva. Auch im letzten
-Abschnitte der &#8222;Genoveva&#8220; setzen sich die Contraste fort. Tod der Hexe
-&mdash; erste Sterbescene Genovevas. Der unglckliche Golo beim glcklichen
-Schfer Heinrich. Golo will jagen und fhlt sich selbst als gehetztes
-Wild. Endlich Golos trauriger Tod &mdash; Genovevas verklrtes Hinscheiden.</p>
-
-<p>Was erst noch als chaotisches, phantastisches Gewhl durcheinander
-wogte, bekommt beim Verfolgen dieser contrastierenden Beziehungen auf
-einmal eine ganz andere Gestalt; das scheinbar Kunstlose, Wildwchsige
-zeigt uns hier ein verstandesmiges, klgelndes zweites Gesicht.
-Wie den Scherz eines Vexierbildes muss man diese Knstlichkeit durch
-genaues Zusehen entdecken. Bernhardi verfolgt in der Besprechung,
-die er der Dichtung seines Freundes widmet,<a name="FNAnker_496_496" id="FNAnker_496_496"></a><a href="#Fussnote_496_496" class="fnanchor">[496]</a> mit sichtlichem
-Vergngen dieses Aneinanderreihen von Contrasten und spendet dem Autor
-dafr reiches Lob. Mit Recht, soweit sich diese Gegenberstellungen
-ungezwungen aus dem Inhalte ergeben. Tieck begngt sich aber nicht mit
-diesen, er trgt allerhand Contraste allzuklgelnd hinein, versteckt
-und huft sie vor allem zu sehr, so dass hier Merkel auch nicht ganz
-Unrecht hat, wenn er das Spiel mit den Gegenstzen &#8222;gemacht&#8220; findet.</p>
-
-<p>Einen feineren und sinnreicheren Rapport stellen gewisse geheime, leise
-Fden her, die einzelne Momente, Scenen und Schicksale leicht andeutend
-verknpfen und mit diesen Andeutungen unbestimmte Ahnungen im Gemthe
-des Lesers aufkeimen lassen. Die Kapelle mit der Morgenbeleuchtung
-am An<span class="pagenum"><a name="Seite_152" id="Seite_152">[S. 152]</a></span>fange und Schlusse des Stckes. Golos Pferd strzt beim ersten
-Erscheinen des Ritters im Drama, das traurige Lied ergreift ihn ganz
-rthselhaft &mdash; sein Pferd strzt wieder, als er Genoveva retten mchte
-und das Lied hat ihm prophetisch fr sein Geschick geklungen. Den
-Schfer Heinrich aber ficht das traurige Lied nicht an, er freut sich
-an seinem heiteren: auch dies ist ein ahnungsvolles Prludium fr sein
-spteres Schicksal. Otho und Siegfried begren sich anfangs freudig
-im Lager, nehmen nach der letzten Schlacht wehmthig Abschied fr
-immer, am Ende des Stckes kommt Othos Geist als Trster zum trauernden
-Grafen. Gerade Siegfried macht eine thricht herablassende Bemerkung
-ber Zulmas Treue und gerade er muss dafr ben; denn Zulma wird fr
-ihn ein Beispiel unerschtterlicher Treue gegenber der vermeintlichen
-Untreue Genovevas. Die Hexe gibt den letzten Ansto fr Genovevas
-Verurtheilung und ihr Bekenntnis bringt die Unschuld der Verstoenen
-endgiltig ans Licht. Golo mchte Genoveva im &#8222;stillen Thale&#8220;
-verscharren lassen, ihm selbst wird dies Los zutheil. Auch Genovevas
-und Siegfrieds Ahnungen, die sich ganz oder theilweise erfllen, mssen
-hieher gezhlt werden. Es lsst sich an einzelnen dieser Flle auch
-unschwer beobachten, wie Tieck diesen Beziehungen einen Anflug von
-tragischer Ironie gibt. Die Hauptsache aber bleibt ein ahnungerregendes
-Verbinden verschiedener Momente berhaupt. Das scheinbar Verworrene
-entfaltet sich so nach geheimen hheren Gesetzen. Es wird ein
-&#8222;vernnftiges Chaos&#8220;, eine &#8222;knstlerisch geordnete Verwirrung&#8220;, eine
-&#8222;reizende Verwirrung&#8220;, wie die romantischen Schlagworte lauten.
-Bernhardi findet dies ganz besonders herrlich und es entschdigt ihn
-fr jede fehlende organische Gliederung des Stoffes. &#8222;Mit einem Worte,
-in diesem einzigen Punkte ist eine so lieblich verwirrende Perspective;
-ein so reizender, optischer Betrug und eine so leise Allegorie, dass
-man wirklich nicht wei, wie man die Kunst, welche sich durch diese, in
-sich unendliche Knstlichkeit offenbart, genug bewundern soll.&#8220;<a name="FNAnker_497_497" id="FNAnker_497_497"></a><a href="#Fussnote_497_497" class="fnanchor">[497]</a></p>
-
-<p>Durch dieses berknstliche Schalten mit Contrasten, Parallelen
-und verborgenen Beziehungen, die wie ein Netz die ganze Dichtung
-berziehen, wird unser knstlerisches Bedrfnis noch nicht vollauf
-befriedigt, weil diese Dinge theils zu versteckt sind und theils
-zu uerlich und spielerisch hineingetragen<span class="pagenum"><a name="Seite_153" id="Seite_153">[S. 153]</a></span> erscheinen und so nie
-imstande sind, eine klare Disposition und einheitliche Fhrung der
-Handlung zu ersetzen. Allein Tieck begngt sich nun einmal mit dieser
-Art zu gliedern und zu verbinden. In der Zeit, als unsere Dichtung
-entstand, war von den Romantikern eben die freie, spielerische Willkr
-der dichterischen Phantasie in ihre Herrschaft eingesetzt worden.
-Wenige Jahre nachher tadelt es A.W. Schlegel bereits, dass man in
-dieser Periode die blo spielende, mige, trumerische Phantasie
-allzusehr zum herrschenden Bestandtheil der Dichtung gemacht habe.
-Tieck selbst hlt lnger an seiner Neigung fest. Noch im &#8222;Phantasus&#8220;
-versteht Lothar unter &#8222;dramatisieren&#8220; nicht mehr als &#8222;Sinn und
-Zusammenhang&#8220; in die Dinge bringen. Auch ber die Nothwendigkeit eines
-inneren Mittelpunktes der Dichtung stellt Tieck noch 1828 ziemlich
-bescheidene Forderungen auf. Der &#8222;Paradoxe&#8220; sagt einmal ber die
-Lenzischen Werke: &#8222;Kann nicht, wie bei einem echten Kunstwerk, der
-regierende Geist aus dem inneren Mittelpunkte alle Theile, bis zu dem
-entferntesten durchdringen, so mu wenigstens von auen eine fast
-gewaltsame Regel die widerspenstigen Elemente in Ordnung halten, wenn
-sie diese natrlich auch nicht ganz bezwingen kann.&#8220;<a name="FNAnker_498_498" id="FNAnker_498_498"></a><a href="#Fussnote_498_498" class="fnanchor">[498]</a> Man mchte
-meinen, der &#8222;Paradoxe&#8220; habe dabei auch ein wenig an Tiecks &#8222;Genoveva&#8220;
-gedacht, in der sich uns recht eigentlich &#8222;ein sentimentaler Stoff in
-einer phantastischen Form darstellt&#8220;.<a name="FNAnker_499_499" id="FNAnker_499_499"></a><a href="#Fussnote_499_499" class="fnanchor">[499]</a></p>
-
-<h3 class="mtop15" id="Das_Religioese">2. Das Religise.</h3>
-
-<p>ber den religisen Grundzug, den die Auffassung der Genoveva-Legende
-in Tiecks Bearbeitung zum Unterschiede von den unmittelbaren Vorgngern
-und Nachfolgern, die den nmlichen Stoff behandelten, aufweist, war
-die Kritik im allgemeinen immer einig. Das hinderte aber nicht, dass
-die einzelnen religisen Anschauungen, die Tieck in seinem Werke in
-reichlicher Menge vortrgt, sowie die Art ihrer Verwendung recht
-verschiedene Urtheile hervorriefen. Die religise Seite der &#8222;Genoveva&#8220;
-ist fr den Geist der Romantik von 1800 ganz besonders bedeutsam und
-kennzeichnend. Eine eingehende Prfung dieses religisen Gehaltes
-und seiner Verwertung lsst sich daher in einer Charakteristik der
-&#8222;Genoveva&#8220; nicht umgehen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_154" id="Seite_154">[S. 154]</a></span></p>
-
-<p>Schon bei der Frage nach dem Einflusse Calderons musste die Bemerkung
-fallen, dass Tieck keinen Charakter schafft, dessen Denken und Thun
-so recht eigentlich aus religisem Grund und Boden emporwchst, der
-in seiner ganzen Existenz klar und einfach von bestimmten religisen
-Anschauungen beherrscht wird. Zum groen Theile gelingt ihm dies noch
-bei der Heldin Genoveva, wenn er das Leiden und Dulden der unschuldig
-Verstoenen und ihre weichen frommen Stimmungen schildert. Nur ist
-hier das Verdienst des Dichters nicht allzugro, weil ihm schon
-das Volksbuch das Beste, was seine Genoveva an wirklicher Religion
-besitzt, an die Hand gegeben hatte. Fehlt also dem Werke Tiecks in
-vielen Partien ein fester innerer religiser Kern, ein ernst und tief
-empfundenes religises Leben, so klebt der Dichter umsomehr uere
-Decoration an allen Ecken und Enden auf, um dem Ganzen eine religise,
-fast katholisch-kirchliche Frbung und Stimmung zu geben.</p>
-
-<p>Es wird in Tiecks Dichtung besonders viel von religisen Dingen
-und Anschauungen geredet, bald ausfhrlich, bald im flchtigen
-Vorbergehen. Wir hren da von Gott und der Dreieinigkeit.<a name="FNAnker_500_500" id="FNAnker_500_500"></a><a href="#Fussnote_500_500" class="fnanchor">[500]</a> Gott
-heit der Erhalter der Welt,<a name="FNAnker_501_501" id="FNAnker_501_501"></a><a href="#Fussnote_501_501" class="fnanchor">[501]</a> er erscheint als der Spender alles
-Guten<a name="FNAnker_502_502" id="FNAnker_502_502"></a><a href="#Fussnote_502_502" class="fnanchor">[502]</a> und als Lenker aller Dinge,<a name="FNAnker_503_503" id="FNAnker_503_503"></a><a href="#Fussnote_503_503" class="fnanchor">[503]</a> zu dem man in Freude
-und Leid vertrauend aufblicken darf.<a name="FNAnker_504_504" id="FNAnker_504_504"></a><a href="#Fussnote_504_504" class="fnanchor">[504]</a> Zu ihm wird gebetet,<a name="FNAnker_505_505" id="FNAnker_505_505"></a><a href="#Fussnote_505_505" class="fnanchor">[505]</a>
-er wird als Zeuge fr die Wahrheit im Schwure angerufen<a name="FNAnker_506_506" id="FNAnker_506_506"></a><a href="#Fussnote_506_506" class="fnanchor">[506]</a> und
-auch seine Heiligen erscheinen als Frbitter fr die Menschen.<a name="FNAnker_507_507" id="FNAnker_507_507"></a><a href="#Fussnote_507_507" class="fnanchor">[507]</a>
-Gott ist der Richter aller Menschen; darum ergreift den Snder die
-Gewissensqual, der Reuige darf aber vom barmherzigen Gotte Verzeihung
-hoffen.<a name="FNAnker_508_508" id="FNAnker_508_508"></a><a href="#Fussnote_508_508" class="fnanchor">[508]</a> Gott greift ferner durch<span class="pagenum"><a name="Seite_155" id="Seite_155">[S. 155]</a></span> Wunder und Visionen hie und da
-in die Geschicke der Menschen ein<a name="FNAnker_509_509" id="FNAnker_509_509"></a><a href="#Fussnote_509_509" class="fnanchor">[509]</a> und das Eingreifen Gottes im
-grten Umfange zu Gunsten der Menschheit, die Erlsung durch Jesus
-Christus wird in einer Dichtung, wie die &#8222;Genoveva&#8220; selbstverstndlich
-nicht bergangen.<a name="FNAnker_510_510" id="FNAnker_510_510"></a><a href="#Fussnote_510_510" class="fnanchor">[510]</a> Es wird auch errtert, wie die Christenheit das
-Werk des Erlsers fortzufhren und seinen heiligen Kampf gegen alle
-Widersacher des Guten zu kmpfen hat.<a name="FNAnker_511_511" id="FNAnker_511_511"></a><a href="#Fussnote_511_511" class="fnanchor">[511]</a> Hierarchie und christliches
-Kaiserthum, die beiden gewaltigsten Weltmchte des christlichen
-Mittelalters, werden im schwachen Umrisse angedeutet.<a name="FNAnker_512_512" id="FNAnker_512_512"></a><a href="#Fussnote_512_512" class="fnanchor">[512]</a> Es wird
-gelegentlich auch gezeigt, wie der einzelne Mensch durch den Unterricht
-in der Heilslehre<a name="FNAnker_513_513" id="FNAnker_513_513"></a><a href="#Fussnote_513_513" class="fnanchor">[513]</a> zu seiner christlichen Gesinnung kommt, wie er
-sich vervollkommnet und im Glauben erhlt durch eifriges Lesen von
-Bibel und Legende,<a name="FNAnker_514_514" id="FNAnker_514_514"></a><a href="#Fussnote_514_514" class="fnanchor">[514]</a> durch Gebet und Theilnahme am Gottesdienst<a name="FNAnker_515_515" id="FNAnker_515_515"></a><a href="#Fussnote_515_515" class="fnanchor">[515]</a>
-und wie ihm Gottes Gnade in seinem geistlichen Leben zuhilfe kommen
-muss, die ihm besonders durch die Sacramente vermittelt wird.<a name="FNAnker_516_516" id="FNAnker_516_516"></a><a href="#Fussnote_516_516" class="fnanchor">[516]</a>
-Durch die Betrachtung des Beispieles Christi und der Heiligen lernt
-die heil. Genoveva Geduld, Verzeihen und Feindesliebe.<a name="FNAnker_517_517" id="FNAnker_517_517"></a><a href="#Fussnote_517_517" class="fnanchor">[517]</a> Sie lst
-sich immer mehr von der Erde los und blickt mit immer tieferem Sehnen
-nach der Ewigkeit hinber, nach der das ganze Leben nur eine Wallfahrt
-ist.<a name="FNAnker_518_518" id="FNAnker_518_518"></a><a href="#Fussnote_518_518" class="fnanchor">[518]</a> Alle Erdengter erscheinen als eitel und nichtig.<a name="FNAnker_519_519" id="FNAnker_519_519"></a><a href="#Fussnote_519_519" class="fnanchor">[519]</a> Dem
-heiligen Leben folgt endlich die himmlische Verklrung.<a name="FNAnker_520_520" id="FNAnker_520_520"></a><a href="#Fussnote_520_520" class="fnanchor">[520]</a></p>
-
-<p>Die heilige Musik religiser Gefhle soll, wie Schleiermacher wnscht,
-nie im Menschen verstummen. Darum fhren die Figuren in der &#8222;Genoveva&#8220;
-bei jeder Gelegenheit religise Ausrufe und Redensarten im Munde.
-Diese wird man allerdings nur bei jenen ernst nehmen, deren fromme
-Gesinnung schon aus ihrem brigen Gebaren deutlich ist; sonst hat ein
-&#8222;Gott Lob!&#8220;, &#8222;Wollte Gott!<span class="pagenum"><a name="Seite_156" id="Seite_156">[S. 156]</a></span>&#8220; u. dgl. nicht viel zu sagen. Denn es
-treten, das Bild zu vervollstndigen und durch Schatten zu erhhen, der
-reinen Form des Christenthums noch verschiedene trbe uerungen des
-religisen Triebes an die Seite: Sternencult und Schicksalsglaube,<a name="FNAnker_521_521" id="FNAnker_521_521"></a><a href="#Fussnote_521_521" class="fnanchor">[521]</a>
-Hexenwahn<a name="FNAnker_522_522" id="FNAnker_522_522"></a><a href="#Fussnote_522_522" class="fnanchor">[522]</a> und muhamedanisches Heidenthum.<a name="FNAnker_523_523" id="FNAnker_523_523"></a><a href="#Fussnote_523_523" class="fnanchor">[523]</a> Magie und
-Sternkunde, die mit Vorstellungen Jakob Bhmes und der Naturphilosophen
-versetzt sind, boten fr Tieck kaum nach der religisen Seite viel
-Anstiges, da nach romantischer Auffassung alles Religise ja nur
-ein Zweig des einen Urreligisen ist. Das Geheimnisvolle und zum
-Gemthe Sprechende in der Religion ist immer poetisch und daher
-auch andererseits ein Bestandtheil der einen universalen, von den
-Romantikern gesuchten Urpoesie. Erst durch die Absicht, welche die Hexe
-mit der Magie verbindet, wird diese Kunst ethisch unterwertig. An sich
-hat die Magie fr den Romantiker ihren hohen poetischen Wert.</p>
-
-<p>Soviel lt sich von religisen Anschauungen verschiedenster Art aus
-der &#8222;Genoveva&#8220; herauslesen und diese reichliche Flle, die so vielerlei
-aus der christlichen Glaubenslehre berhrt, ber die ganze Dichtung
-ausgebreitet, reicht ohne Zweifel aus, ein lebhaftes religises Colorit
-zu erzielen.</p>
-
-<p>Fr das knstlerische Moment ist es nun von groer Wichtigkeit,
-da sich diese Anschauungen in schnem Wechsel auf einzelne Trger
-vertheilen. In der Dichtung, die ein ideales Nachbild des Lebens ist,
-knnen ja naturgem nicht alle Leute gleich fromme Christen oder
-Vertreter derselben religisen Anschauungsweise sein, da sie es im
-Leben auch nicht sind. Den reichsten Glanz religiser Verklrung lt
-Tieck auf die Titelheldin seines Werkes ausstrmen, auf die &#8222;heilige
-Genoveva&#8220;. Bis auf geringe Schwankungen des Gemthes erscheint ihr
-Denken, Reden und Handeln immer wenigstens in religiser Beleuchtung.
-Wir blicken zurck bis in die Tage ihrer klsterlichen Erziehung, in
-denen sie sich durch eine himmlische Vision als auerordentliches
-Wesen ankndigt. Alle Arten frommer bungen und strenge religise
-Pflichterfllung sind der Hauptinhalt ihres Lebens. Gottvertrauen,
-Geduld und Ergebung, feste Gattentreue, die wenigstens theilweise
-religis motiviert erscheint, fromme Mutter<span class="pagenum"><a name="Seite_157" id="Seite_157">[S. 157]</a></span>sorgfalt, Feindesliebe,
-Weltentsagung sind ihre Tugenden. Der Himmel begnadet sie fters in
-ihrem Leben mit Wundern und Visionen und als sie in die Seligkeit
-eingegangen ist, verehrt die Christenheit ihr wunderthtiges Bild auf
-den Altren. Tieck will eine Heilige des katholischen Mittelalters
-schildern, eine &#8222;Kirchenheilige&#8220;, so gut er es vermag. Die Ergebung,
-Aufopferung und das fromme Dulden ist ihm dabei die Hauptsache
-an seiner Heiligen, wie wenigstens des Dichters Freund Bernhardi
-versichert.<a name="FNAnker_524_524" id="FNAnker_524_524"></a><a href="#Fussnote_524_524" class="fnanchor">[524]</a> Unsicheres Schwanken ihres religisen Sinnes zeigt
-Genovevas Verhalten gegen Golos Antrge, das eine leise Neigung fr
-den Versucher in einem ganz versteckten Winkel ihres Herzens ahnen
-lsst.<a name="FNAnker_525_525" id="FNAnker_525_525"></a><a href="#Fussnote_525_525" class="fnanchor">[525]</a> Vielleicht hatte Tieck auch das Bedrfnis, dem langen
-Leiden wenigstens eine kleine Schuld vorangehen zu lassen, um so
-seine Heilige auch wieder ein wenig aus ihrer Hhe in die Sphre
-allgemein menschlichen und des traditionellen tragischen Empfindens
-herabzurcken. Eine Beziehung zwischen dieser Verschuldung und dem
-spteren Leiden wird aber nicht angedeutet. Diese Neigung selbst
-erscheint Genoveva als groe Snde. Eine schiefe Auffassung; nicht
-diese Empfindung selbst kann sndhaft sein, sondern Genovevas Benehmen
-gegen Golo wre es, wenn es nicht zu &#8222;naiv&#8220; wre. Mglich, dass Tieck
-seiner Heiligen die vom Evangelium verlangte Taubeneinfalt geben zu
-mssen glaubte. Die angestrebte unschuldige Einfalt wird dem Dichter
-aber unter den Hnden zur peinlichen Einfalt. Die Meinung, dass eine
-Frau in der Ehe fr &#8222;die Liebe Christi&#8220; verloren sein msse, das
-Seltsame, dass die fromme Klosterschlerin sich erst von Drago die
-Bedeutung der irdischen Leiden erklren lsst, eine gelegentliche
-fatalistische uerung, eine Bemerkung des heil. Bonifacius, die auf
-ein ppig behagliches Leben der Heiligen vor der Verbannung schlieen
-lsst: all das sind Dinge, die den Leser zwar stren, die man aber
-Tieck bei seiner idealisierenden, nur auf die Gesammtstimmung, auf das
-&#8222;Totale&#8220; abzielenden Dichtungsweise nicht mit allzu eiserner Logik
-nachrechnen darf. Zum guten Theile muss man solche Unebenheiten wohl
-auch der leidigen Gewohnheit des Dichters &#8222;alla prima zu malen&#8220;<a name="FNAnker_526_526" id="FNAnker_526_526"></a><a href="#Fussnote_526_526" class="fnanchor">[526]</a>
-zuschreiben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_158" id="Seite_158">[S. 158]</a></span></p>
-
-<p>Um Genoveva gruppiert sich eine Reihe von Menschen, ber welche die
-religisen Lichter in mancherlei Abstufungen bald reicher, bald
-sparsamer hinspielen: Schmerzenreich und Siegfried, Wolf, der Kapellan
-und Drago, Wendelin und Else, Grimoald und Heinrich.</p>
-
-<p>Der frommen Mutter am nchsten zur Seite steht ihr Shnchen
-Schmerzenreich, in dem der Dichter das kindliche Abbild der Mutter
-zu zeichnen sucht. Unter Gebeten, religisen Gesprchen und
-Belehrungen wchst der Knabe in stiller Waldeinsamkeit auf. Er ist
-der selbstverstndliche Theilnehmer an den Wundern und Visionen. Von
-allem irdisch sndhaften Wesen unberhrt, wird die Himmelssehnsucht
-in der kindlichen Seele schon so mchtig, dass der unmndige Knabe
-auf das vterliche Erbe verzichtet, und die Mutter, sein Liebstes,
-ohne Schmerzgefhl sterben, d.i. zu Gott wandern sieht, womit der
-Dichter seinem kaum mehr als siebenjhrigen Schmerzenreich und selbst
-dem frmmsten Leser ein wenig zu viel zumuthet. Schmerzenreich ist so
-das unvermischte, fleischgewordene religise Empfinden, wie Tieck es
-auffasst.</p>
-
-<p>Neben der heiligen Mutter und dem heiligen Kinde sehen wir im Vater
-Siegfried einen guten Christen, der seine religisen Pflichten zu Hause
-erfllt, der vor dem Auszuge die Sacramente empfngt und sich als
-biederer, frommer Rittersmann im Mohrenkriege fr die christliche Sache
-bewhrt. Einen schlimmen Fehltritt begeht er aber in seinem Verfahren
-gegen die unschuldige Gattin und schlecht lsst ihm auch sein Glaube
-an die Zauberei, gegen die er zuerst Bedenken hat, bis sie ihm als
-erlaubt bezeichnet wird. Er shnt aber seine Snden durch aufrichtige
-Reue, durch strenge Weltentsagung und Bue am Ende. Was Siegfried jetzt
-noch ist, das war der alte Wolf ehedem. Er kann nur mehr im Geiste am
-heiligen Kriege theilnehmen, sich ber den Sieg der Christen freuen und
-ber den Unglauben der Heiden verdrielich sein. Wenn Siegfried sich
-durch die Zauberin bethren lsst, so hlt es Wolf mit den Astrologen.
-Wie Siegfrieds Frmmigkeit am Ende der Dichtung in besonders hohem
-Grade zum Vorschein kommt, so auch die Wolfs in der letzten Mahnrede an
-Golo.</p>
-
-<p>Auf Siegfrieds Burg darf selbstverstndlich ein Burgkapellan nicht
-fehlen, ein alter, frommer Lehrer und Rathgeber in allen religisen
-Anliegen. Diese Rolle bernehmen bei Tieck zwei<span class="pagenum"><a name="Seite_159" id="Seite_159">[S. 159]</a></span> Personen, der Kapellan
-und Drago. Der erstere ist nur eine matte Randfigur, die nach einer
-Ansprache an die ausziehenden Kreuzfahrer und einer Erbauungsrede
-in Sonettform aus dem Stcke verschwindet, um Drago die Leitung der
-huslichen Andachtsbungen zu berlassen. Damit ist das religise Thun
-beider erschpft.</p>
-
-<p>Ein Jnger Dragos ist Wendelin, den Benno einen &#8222;halben Pfaffen&#8220;
-schilt. Er liest mit Drago fromme Erbauungsbcher, geht mit ihm
-gemeinsam zur Kirche und wie Drago bei Genoveva, mchte er gerne bei
-der Dienerschaft Prediger und Gewissensrath sein, findet aber nicht
-die beste Aufnahme. Das Kennzeichen von Wendelins Frmmigkeit ist eine
-gewisse naive Einfalt.<a name="FNAnker_527_527" id="FNAnker_527_527"></a><a href="#Fussnote_527_527" class="fnanchor">[527]</a> Unerklrt bleibt aber sein scrupelloses
-Lgen, durch das er Golo zu Siegfried lockt. Dass er der Gerechtigkeit
-mit einem beln Mittel Vorschub leisten will, kann man vermuthen. Der
-Dichter lsst uns darber im Unklaren. In der frommen Naivett und
-Einfalt ist Else Wendelins weibliches Gegenbild, die wie er auf der
-Stelle ein Wunder vom Himmel zur Bestrafung der Bsewichter verlangt
-und die wie ihr Gatte Wendelin ihr frommes Gemth gerade am Gebaren
-der wunderbaren Hirschkuh letzt. Als dritter im Bunde tritt zu beiden
-ein alter Vertreter frommer Einfalt, der Khler Grimoald, der auch ein
-wunderbares Eingreifen Gottes fr die verfolgten Gerechten fordert und
-im Mitlaufen des Windspiels zu Genovevas Richtsttte ein Wunder sieht.
-Mit einfltigem Unwillen wehrt er sich gegen die Brderschaft mit dem
-Teufel, die ihm Benno scherzend zumuthet. Mehr als sein von ihm selbst
-betontes Gottvertrauen und seine Empfnglichkeit fr die Morgenstimmung
-in der Kapelle erhrtet seinen religisen Sinn die Furcht vor Snde
-und Verantwortung, die ihn von der Ermordung Genovevas zurckschreckt.
-Alle diese Nebenpersonen gebrauchen gerne fromme Interjectionen,
-&#8222;Bei Gott!&#8220; &#8222;Dass Gott erbarm!&#8220; &#8222;O Gott!&#8220; &#8222;Da solle einen Gott der
-Herr bewahren!&#8220; u.s.w. und das erinnert uns stets, dass wir uns in
-christlicher Gesellschaft befinden. Diese eingestreuten religisen
-Redewendungen sorgen dafr, dass die &#8222;heilige Musik&#8220; in der Dichtung
-nie ganz verklinge. Das Christenthum des Schfers Heinrich beschrnkt
-sich ziemlich ganz auf diese frommen Ausrufe und fr seinen Freund
-Dietrich fllt nicht einmal mehr ein solcher Ausruf ab.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_160" id="Seite_160">[S. 160]</a></span></p>
-
-<p>An der Grenze, wo sich die Bezirke der ehrlich gesinnten
-Christenmenschen und der gottlosen Leute scheiden, bewegt sich die Amme
-Gertrud. Sie bedient sich hin und wieder christlicher Alltagsphrasen
-und sieht dann wieder im Laufe des menschlichen Daseins nur
-Schicksalsfgung und Notwendigkeit. Tieck hlt mit dieser unbestimmten
-religisen Stellung die Amme ganz richtig auf einer unsicheren
-Grenzlinie, weil dies ihrer sonstigen Stellung zwischen den Parteien
-gut entspricht. Wie sie in der Liebesverwickelung zwischen Genoveva
-und Golo vermittelt, so fhrt uns ihr Schicksalsglaube auch hier zu
-Genovevas Gegenspieler Golo. Dieser scheint nicht viel von christlicher
-Religion nthig zu haben. Seine Liebe und sein ritterliches Thun
-und Treiben fllen seine ganze Seele aus. Er sehnt sich nach keinem
-Jenseits und mit dem Diesseits findet er sich in der Regel mit Hilfe
-fatalistischer Gedanken ab,<a name="FNAnker_528_528" id="FNAnker_528_528"></a><a href="#Fussnote_528_528" class="fnanchor">[528]</a> einmal auch durch pantheistisches
-Versenken in die Natur. Einmal in seinem Leben, vor dem Tode nmlich,
-versucht er christlich zu beten; es gelingt aber nicht. Ein staunender
-Ausruf, wie etwa &#8222;Herr Jesu Christ!&#8220; kommt bei ihm nicht sonderlich
-in Betracht. Fromme Leute (Genoveva, Wolf) sind ihm ehrwrdig, so
-lange sie seinen Gedanken und seiner Leidenschaft nicht ernstlich
-in die Quere kommen; geschieht aber dies letztere, so sind sie ihm
-verhasst. ber die astrologische Geheimkunde denkt der freisinnige
-Ritter auch nicht immer gleich. Einmal ruft er dagegen Vernunft und
-Religion an, das anderemal nimmt er die dunkle Kunst allen Ernstes
-fr sich selbst zuhilfe. Nach den begangenen Frevelthaten wandelt ihn
-Gespensterfurcht an. Es ist ein bestndiges irrlichtelierendes Hin und
-Her in seinen Empfindungen, wenn sie das religise Gebiet streifen.
-Am ernstesten scheint er es noch mit dem Schicksalsglauben zu meinen.
-Christliche Wendungen und Bilder gebraucht er gerne im profanen Sinne
-zum krftigen Ausdrucke seiner Leidenschaft. Tieck fhrt uns in seinem
-religisen Stcke den Bsewicht als unchristlichen Menschen vor, als
-wollte er negativ und indirect den Wert und die Erhabenheit frommer
-christlicher Gesinnung zeigen. Golo erscheint das einemal als eine Art
-Aufklrer, der den Aberglauben verwirft, aber auch der Aufgeklrte
-muss sich wieder der Religion<span class="pagenum"><a name="Seite_161" id="Seite_161">[S. 161]</a></span> gefangen geben, wenn sie auch nur als
-Gespensterfurcht oder als pantheistische Stimmung ber seine Seele
-kommt. So knnte man etwa die Gegenstze zusammenreimen, ber die
-uns der Dichter nicht aufklrt. Wer das unbesiegbare Hervortreten
-des religisen Bedrfnisses an Golo, daneben ein wenig Aufklrerthum
-und den raschen Stimmungswechsel beachtet, denkt wie von selbst an
-den Schpfer dieser Gestalt, in dessen Gemth ebenso verschiedene
-und einander feindliche Geister heimisch waren. Golos gefgiges
-Werkzeug, Benno, ist auch in religisen Dingen das vergrberte Abbild
-seines Herrn im kleinen. Er ist gleichgiltig und zweifelschtig, er
-rgert sich ber den frommen &#8222;Tuckmuser&#8220; Wendelin und von Else wird
-er ein &#8222;gottloser Mensch&#8220; genannt. Er lsst sich gerne von Golo als
-lgenhafter Bote und Mordgeselle dingen.</p>
-
-<p>Die zweite Seite des religisen Lebens in der romantischen Ritterzeit,
-die gewissermaen als ein thtiges, religises Leben dem beschaulichen
-auf Siegfrieds Schlosse sich zugesellt, den Kampf gegen den Erbfeind
-des christlichen Namens, enthllen die breiten Kriegsscenen, die nur
-durch Siegfrieds Theilnahme am Kampfe und durch die verschiedenen
-Contrastbeziehungen lose an die Haupthandlung geknpft sind. Als Ideal
-des christlichen Helden steht hier Karl Martell in der Mitte. &#8222;Fr Gott
-und Christum&#8220; lautet seine Parole. Vor der Feldschlacht muss Karl noch
-den hrteren Kampf mit seinen eigenen ehrgeizigen Gedanken auskmpfen,
-und nachdem er diesen Kampf, von religisen Motiven untersttzt,
-glcklich bestanden, schenkt ihm der Himmel auch Sieg und Ruhm auf dem
-blutigen Felde. Das Gebot der christlichen Selbstbeherrschung wird
-stark betont, auch vom unbekannten Weisen, der Karls groe Zukunft
-prophezeit. Karl Martell ist der christliche Feldherr. Den Typus des
-biederen christlichen Kriegsmannes, dessen bedeutendster Lebenszweck
-der Kampf fr seine Religion ist, stellt Otho dar. Recht drastisch
-muss dieser Haudegen seine fromme Gesinnung noch damit zeigen, dass
-er sterbend auf dem Schlachtfelde seine Besorgnis uert, ob er wohl
-&#8222;ohne Sacrament und lung&#8220; selig werden knne und seine Snden, die
-ihm im Leben nicht einmal bewusst waren (!), muss sein wallfahrender
-Geist bereuen und ben. Eine dunkle Vorstellung vom Fegefeuer und
-Calderon&#8217;sche Anregungen drften darin zu suchen sein. Siegfried
-und der noch farbloser gehaltene Gnther sind Othos gleichgesinnte
-Waffen<span class="pagenum"><a name="Seite_162" id="Seite_162">[S. 162]</a></span>gefhrten. Zum Feldherrn und einfachen Kriegsmann tritt der
-vornehme feurige Jngling Aquitanien, der sich nicht beherrschen und
-berwinden kann, ein kleines Gegenstck zu Golo, ein Held, dessen
-ganzes Denken dem hohen knftigen Kriegsruhme gehrt, so dass bei ihm
-fr die Religion nicht mehr brig bleibt als ein paar Redensarten. Das
-sonstige Kriegsvolk ist eine nicht weiter individualisierte Masse.</p>
-
-<p>Als Feinde stehen dem Christenheere die Saracenen gegenber, die
-ihrerseits den Krieg auch als einen &#8222;heiligen Krieg&#8220; im Dienste
-Allahs und seines Propheten betrachten, zu dem sie beten, den sie
-in der Schlacht anrufen, dem Abdorrhaman Vorwrfe macht, wenn
-er nicht hilft.<a name="FNAnker_529_529" id="FNAnker_529_529"></a><a href="#Fussnote_529_529" class="fnanchor">[529]</a> Andeutungen eines Sternencultes und der
-Schicksalsbestimmung durch die Sterne sind bei den Orientalen in
-der Poesie immerhin am Platze. Diese Vorstellungen begegnen uns
-ziemlich gleichmig vertheilt an Abdorrhaman, Derar, Ali, Zulma. Hier
-unterlsst der Dichter ein mannigfaltigeres Abstufen des religisen
-Charakters der einzelnen Gestalten.</p>
-
-<p>Wie in der Rede des &#8222;Unbekannten&#8220; und in den Sprchen der Hexe Jakob
-Bhmes Gedanken mit naturphilosophischen Ideen sich mischen, braucht
-hier nicht mehr wiederholt, sondern nur erwhnt zu werden. Dass
-Tieck besonders das poetisch Stimmungsvolle an diesen Geheimnissen
-interessierte, wurde auch bereits betont. Ob Tieck Bernhardis
-Ansicht<a name="FNAnker_530_530" id="FNAnker_530_530"></a><a href="#Fussnote_530_530" class="fnanchor">[530]</a> theilte, dass Hexenglaube und Hexenverfolgung in der
-&#8222;Genoveva&#8220; zur Vervollstndigung des katholischen Bildes nthig waren
-(!?), wage ich nicht zu entscheiden. Unmglich ist es gerade nicht, da
-er die Hexe bereits im Volksbuch fand, das fr Tieck mittelalterlich
-und katholisch war.</p>
-
-<p>Die Vertheilung des religisen Denkens und Fhlens in verschiedenen
-Graden auf eine Reihe von Figuren, die Stufenleiter, auf der so
-verschiedene Schattierungen von der hohen Heiligkeit angefangen bis
-zur bitteren Feindschaft gegen den christlichen Namen begegnen, zeugt
-entschieden fr Tiecks knstlerisches Gefhl in der Vertheilung
-von Licht und Schatten. Er versteht es, die Farben in glcklicher
-Abwechselung und belebender Mannigfaltigkeit anzuordnen. Auch die
-Zusammen<span class="pagenum"><a name="Seite_163" id="Seite_163">[S. 163]</a></span>stellung bestimmter Gruppen, die einer gemeinsamen religisen
-Richtung angehren, verdient ein kleines Lob. Um Genoveva bildet
-sich ein Kreis von Gleichgesinnten, dem Golo mit seinem Anhange
-gegenbersteht. Den zwei Gruppen auf dem Schlosse entsprechen die
-beiden Kriegslager, das christliche und das saracenische. Bunte
-Mannigfaltigkeit, knstlich gegliedert und zu einem Ganzen sich
-zusammenschlieend: der bekannte romantische Lieblingsgedanke steht
-hier wieder vor uns. Nicht so ganz gelingt es Tieck nach unserem
-heutigen Gefhle mit dem Festhalten des religisen &#8222;Tones&#8220; im Stcke,
-den er selbst fr sehr wichtig und wertvoll erklrt. &#8222;Die Religion
-nun, die Wste, die Erscheinungen sind mir der Ton des Gemldes,
-der alles zusammenhlt, und diesen mchte ich nur vertheidigen und
-ihn nicht gerne unwahr, manieriert, einen der die Localfarben strt
-und auslscht, nennen lassen.&#8220;<a name="FNAnker_531_531" id="FNAnker_531_531"></a><a href="#Fussnote_531_531" class="fnanchor">[531]</a> Manche Scenen nehmen aber an
-diesem religisen Grundtone zu wenig theil. In den Schferscenen
-sprt man z.B. gar nicht viel davon. In den Liebesscenen wird das
-Religise ziemlich von Golos Leidenschaft bertubt oder durch
-Gertruds intrigante Reden aus dem Gesichtsfelde gerckt. Hier treten
-&#8222;die Localfarben&#8220; als alleinherrschend aus dem Bilde heraus. In der
-Darstellung des Krieges und im ganzen zweiten Theile der Dichtung
-erreicht aber Tieck ohne Zweifel, was er anstrebt; hier herrscht der
-religise Ton bis in die letzten Fugen des Werkes hinein und das
-Anwachsen der frommen Stimmung gegen das Ende zu ist ebenfalls gut
-berechnet und wird schon von Bernhardi hervorgehoben.<a name="FNAnker_532_532" id="FNAnker_532_532"></a><a href="#Fussnote_532_532" class="fnanchor">[532]</a> Es wird
-freilich nicht jeder Leser von dem leicht hingehauchten religisen
-Colorit voll befriedigt sein, obschon dieses in gewissen Scenen
-eine prunkende Leuchtkraft entwickelt. Es bleibt eben doch zumeist
-an der Oberflche und dringt nicht in die Tiefe der Charaktere, um
-als treibende Kraft diese von innen heraus zu beleben. Auch die
-Widersprche, die uns sofort auffallen, strten den romantischen Leser
-von 1800 nicht. Die Religion ergreift den Menschen, der es mit ihr
-ernst nimmt, viel zu sehr in der Tiefe seines Wesens, als dass es
-in der religisen Poesie mit einer bloen Stimmung des Gesammttones
-gethan wre, wie ja Tieck eigentlich auch bei Schleiermacher htte
-erfahren knnen,<span class="pagenum"><a name="Seite_164" id="Seite_164">[S. 164]</a></span> und schon Solger, der intime Freund des Dichters,
-macht gegen das Religise in der &#8222;Genoveva&#8220; seine Bedenken geltend.
-Er vermisst darin das &#8222;unmittelbar Gegenwrtige&#8220;. Hettner und
-Haym<a name="FNAnker_533_533" id="FNAnker_533_533"></a><a href="#Fussnote_533_533" class="fnanchor">[533]</a> fhren nach Solger aus, dass man an der Art, wie die
-Heilige sich in Wackenroder-Tiecks Manier in die alte fromme Zeit der
-Legenden zurcksehnt, nicht merkend, dass sie selbst in dieser Zeit
-lebt, keine rechte Freude gewinnen knne. Der Widerspruch zwischen
-Genovevas Frmmigkeit und der himmlischen Hilfe, die ihr zutheil
-wird, einerseits und dem Naturfatalismus Golos andererseits, ist am
-Ende nicht so verfnglich, als Hettner meint.<a name="FNAnker_534_534" id="FNAnker_534_534"></a><a href="#Fussnote_534_534" class="fnanchor">[534]</a> Warum sollten
-nicht an zwei so entgegengesetzten Naturen auch entgegengesetzte
-religise Anschauungen zutage treten? Das uerlich angeflogene
-Mittelalter in der &#8222;Genoveva&#8220; ist gerade auch kein Hindernis, solche
-Anschauungen nebeneinanderzustellen. Nur wrde man erwarten, dass
-diese religisen Gegenstze als solche in eine bestimmtere innere
-Beziehung gesetzt wren. Das Unbefriedigende fr den Leser, der auch
-in der dichterischen Darstellung der Religion mehr als vage Stimmungen
-erwartet, liegt vielmehr darin, dass sich verschiedene Menschen
-Tiecks ohne ersichtlichen knstlerischen Grund und ohne dass wir vom
-Dichter einen rechten Aufschluss ber das Warum erhalten, in ihrem
-eigenen Gedankenkreise unsicher fhlen und dass so Verschiedenartiges
-im nmlichen Charakter friedlich nebeneinander liegt. So, wenn Golo
-einmal gegen den astrologischen Aberglauben Stellung nimmt und ihn
-ein andermal selbst allen Ernstes zurathe zieht, wenn er meist
-fatalistisch denkt und dann pltzlich christlich betet; wenn Jakob
-Bhmes Lehre einmal mit Ehrfurcht behandelt wird und dann von einer
-Hexe missbraucht werden darf, ohne dass der Missbrauch als solcher
-deutlich genug gekennzeichnet wird. Oder Genoveva, die sonst immer als
-die fromme Christin des Volksbuches erscheint, berrascht den Leser
-mit einer fatalistischen Redensart oder einer Schleiermacher&#8217;schen
-pantheistischen Vorstellung. Wir wissen nicht, wie Wolf dazu kommt,
-solchen Luxus mit religisen Ermahnungen Golo gegenber zu treiben,
-nachdem wir vorher wenig Religiositt an ihm und noch weniger an
-Golo bemerkten. Seine ganzen Ermahnungen verfliegen auch wieder in
-Nichts. Tieck will, wie es scheint, einen<span class="pagenum"><a name="Seite_165" id="Seite_165">[S. 165]</a></span> gewissen Umschwung im
-Ganzen seiner Dichtung kommen lassen. Gegen Ende zu soll sich alles
-zu einer herrschenden frommen Gesammtstimmung vereinigen. Es muss
-darum mglichst viel Religion in die Dichtung geschafft werden.
-Diesem Gesammtzuge des Ganzen mssen dann mitunter Charaktere und
-Schicksale nachgeben. Die Gesammtstimmung ist der Romantik wichtiger
-als das klare, in reinen Umrissen erschaute und mit sicheren Strichen
-gezeichnete Charakterbild. Wir wissen auch nicht, ob Wendelin ehrlich
-fromm ist oder ein Heuchler, da wir fr seine grobe Lge im Stcke
-keine Erklrung bekommen. Der Kreuzzug, dessen Unternehmer aus ihrem
-christlichen Heldenthume so viel Wesens machen, ist, bei Lichte
-besehen, eigentlich gar kein Kreuzzug, sondern nur ein nothgedrungener
-Vertheidigungskrieg und nur durch eine stilistische pia fraus, durch
-immerwhrendes Betonen des Kreuzzugscharakters dieses Krieges macht
-der Dichter schlielich den gutwilligen Leser an den &#8222;heiligen
-Krieg&#8220; glauben. Daneben schiebt sich noch unvermittelt das Motiv vom
-&#8222;deutschen Denken&#8220; und der &#8222;deutschen Sache&#8220; ein.<a name="FNAnker_535_535" id="FNAnker_535_535"></a><a href="#Fussnote_535_535" class="fnanchor">[535]</a> Bernhardi
-begngt sich mit diesem ueren Anstrich, er findet den Religionskrieg
-&#8222;sehr gut&#8220;. Von all den verschiedenen religisen Anschauungen wird in
-der &#8222;Genoveva&#8220; nur das saracenische Heidenthum deutlich abgelehnt;
-alles brige fliet zu einem wunderlichen Synkretismus ineinander,
-der dem unparteiischen Betrachter klrlich zeigt, dass Tiecks
-&#8222;Genoveva&#8220; nicht so katholisch ist, als Eichendorff meint und nicht
-so protestantisch wie Friesen will. Tieck war damals kein orthodoxer
-Glubiger irgendeiner Kirche, er hatte zu keiner ein Verhltnis, das
-ihn ganz ergriffen htte; daher kann er kirchliches und confessionelles
-Leben nicht rein und berzeugend darstellen. Er will es auch nicht,
-er mchte nur seine ganze Dichtung in eine mglichst starke allgemein
-religise Beleuchtung stellen und man wird seiner Absicht, die Religion
-&#8222;als Ton des Gemldes&#8220; durch das Werk klingen zu lassen und dem
-wirklichen Sachverhalte am ehesten gerecht, wenn man den Charakter
-dieses poetischen religisen Synkretismus, der nur der Gesammtstimmung
-zu dienen hat, als romantisch-religis bezeichnet.</p>
-
-<p>Tieck steht nicht allein. Der revolutionre Sturm und Drang, der die
-brigen sthetischen und socialen Anschauungen<span class="pagenum"><a name="Seite_166" id="Seite_166">[S. 166]</a></span> der jungen Generation
-in ghrenden Aufruhr bringt, schont auch die religisen Gedanken nicht.
-Neuplatonismus, Jakob Bhme, Hemsterhuys, Spinozismus und Christenthum
-flattern auch bei Fr. Schlegel und Novalis im lustigen Wirbel
-durcheinander. Und noch mehr. Sogar im Leben versuchten es andere
-mit dieser Religionsmischung. Christian Mayr, der wunderliche Freund
-Zach. Werners, &#8222;hrte oft an einem Tage des Morgens Messe auf seinem
-Angesicht liegend, predigte dann in der protestantischen Kirche und
-ertheilte die Kommunion und endete den Tag mit Besuch der Mennoniten,
-der Herrnhutergemeinde, der Synagoge <a name="und" id="und"></a>und der Freimaurerloge.&#8220;<a name="FNAnker_536_536" id="FNAnker_536_536"></a><a href="#Fussnote_536_536" class="fnanchor">[536]</a>
-Und Z. Werner selbst sucht in einer gewissen Periode seines Lebens
-Herrnhuter und Freimaurer wie die katholischen Kirchen auf und geniet
-berall durch, was er an religisen Stimmungen findet.<a name="FNAnker_537_537" id="FNAnker_537_537"></a><a href="#Fussnote_537_537" class="fnanchor">[537]</a> Einige
-poetische Reflexe dieser religisen &#8222;Universalitt&#8220; lassen sich eben
-auch in der &#8222;Genoveva&#8220; nicht verkennen. Bei allem berwiegen des
-Christlichen thut Tieck in seiner stimmungmalenden Art dem Principe
-nach das Nmliche, was Adam Mller noch 1807 (also nach seiner
-Conversion) an Kleists &#8222;Amphitryon&#8220; rhmt: &#8222;So ist er (Amphitryon)
-gerade aus der hohen Zeit entsprungen, in der sich endlich die Einheit
-alles Glaubens, die echte Gemeinschaft aller Religionen aufgethan.&#8220;<a name="FNAnker_538_538" id="FNAnker_538_538"></a><a href="#Fussnote_538_538" class="fnanchor">[538]</a></p>
-
-<h3 class="mtop15" id="Das_Costuem">3. Das Costm.</h3>
-
-<p>Groen Flei verwendet Tieck darauf, recht viel religise Stimmung ber
-seine Dichtung zu verbreiten; lange nicht so eifrig ist sein Bemhen,
-den Leser in die &#8222;alte deutsche Zeit&#8220; zurckzufhren. Will man aber
-Tieck nicht unrecht thun, so darf man nicht die Forderungen an die
-Costmtreue aus unserer heutigen Zeit der culturhistorischen Romane fr
-die Zeit vor hundert Jahren geltend machen, sondern es gilt auch hier,
-zuerst zu erfahren, wie Tieck ber das Costm denkt und wie er seine
-knstlerischen Anforderungen in diesem Punkte erfllt.</p>
-
-<p>Tieck meint, wenn ein Dichter einen alten Stoff behandle,<span class="pagenum"><a name="Seite_167" id="Seite_167">[S. 167]</a></span> so
-msse die Hauptsache sein, dass alle Welt mit ihren nur mglichen
-Mannigfaltigkeiten schon frher dunkel im Poeten liege, sonst werde er
-nie etwas ordentlich begreifen. Der Dichter hat Stoff und Motiv aus der
-alten Zeit von seinem eigenen Standpunkte aus mit jenem Mae zu messen,
-das er fr das allgemein menschliche hlt. Das ist das Wesentliche und
-so that Shakespeare. Einen schwerflligen und umstndlichen Weg, ein
-fernes Zeitalter zu begreifen, schlagen dagegen jene ein, die sich mit
-&#8222;Kenntnissen und Costm, Sitten und Lebensweise&#8220; ausrsten, die sie
-mhsam aus hundert Bchern zusammengetragen haben.<a name="FNAnker_539_539" id="FNAnker_539_539"></a><a href="#Fussnote_539_539" class="fnanchor">[539]</a> So meint auch
-Albrecht Drer im &#8222;Sternbald&#8220; bndig:<a name="FNAnker_540_540" id="FNAnker_540_540"></a><a href="#Fussnote_540_540" class="fnanchor">[540]</a> &#8222;Ich will ja den, der meine
-&#8222;Bilder&#8220; ansieht, nicht mit lngstvergessenen Kleidungsstcken bekannt
-machen, sondern er soll die dargestellte Geschichte empfinden.&#8220;</p>
-
-<p>Nicht viel anders hlt es Tieck in der &#8222;Genoveva&#8220;. Er thut fr das
-Costm der alten Ritterzeit so viel, als sich gerade bequem thun lsst
-und gerade so viel, als hinreicht, um eine Vorstellung und leichte
-Stimmung des Alterthmlichen zu erwecken. Bonifacius fordert im Prologe
-den Leser direct auf, in die alte Zeit zu folgen, da Christen und
-Saracenen im Kampfe lagen. Der Krieg wird in Frankreich localisiert,
-der Saracenenfhrer heit Abdorrhaman, ist also jener geschichtliche
-Abderrhaman, der bei Tours mit Karl Martell kmpfte. Der Krieg wird
-anachronistisch und innerlich unsachgem zu einem Kreuzzug gestempelt,
-in dem das Christenheer unter einer Fahne mit rothem Kreuze kmpft. Ein
-paar Andeutungen weisen auf Hierarchie und Kaiserthum des Mittelalters
-hin. Das Alterthmliche der Ritterschlacht wird uns gegenwrtig, wenn
-wir von der ritterlichen Ausrstung mit Harnisch, Schwert und Schild
-erfahren<a name="FNAnker_541_541" id="FNAnker_541_541"></a><a href="#Fussnote_541_541" class="fnanchor">[541]</a> und weiter hren, dass mit xten, Lanzen und Hellebarten
-gekmpft und Siegfried durch einen Pfeilschuss verwundet wird.<a name="FNAnker_542_542" id="FNAnker_542_542"></a><a href="#Fussnote_542_542" class="fnanchor">[542]</a>
-Golo wird spter mit Spieen todtgestochen.<a name="FNAnker_543_543" id="FNAnker_543_543"></a><a href="#Fussnote_543_543" class="fnanchor">[543]</a></p>
-
-<p>Auch ber das Thun der Ritter zu Hause im Frieden erfahren wir
-einiges. Ziemlich allgemein und unbestimmt heit es,<span class="pagenum"><a name="Seite_168" id="Seite_168">[S. 168]</a></span> dass Golo &#8222;in
-den Waffenknsten unterrichtet wurde&#8220;<a name="FNAnker_544_544" id="FNAnker_544_544"></a><a href="#Fussnote_544_544" class="fnanchor">[544]</a> und dass er &#8222;Waffenwerk
-treibt&#8220;.<a name="FNAnker_545_545" id="FNAnker_545_545"></a><a href="#Fussnote_545_545" class="fnanchor">[545]</a> Etwas minnesingerisch klingt es, wenn er &#8222;alte
-Liebesreime singt&#8220;<a name="FNAnker_546_546" id="FNAnker_546_546"></a><a href="#Fussnote_546_546" class="fnanchor">[546]</a> und ein andermal zu einem Liede selbst &#8222;Wort
-und Weise findet&#8220;.<a name="FNAnker_547_547" id="FNAnker_547_547"></a><a href="#Fussnote_547_547" class="fnanchor">[547]</a></p>
-
-<p>Die Pfalzgrfin Genoveva liest als vornehme Rittersfrau ein Buch, das
-ein Mnch geschrieben hat<a name="FNAnker_548_548" id="FNAnker_548_548"></a><a href="#Fussnote_548_548" class="fnanchor">[548]</a> und wie Drago wird sie von Golo, der zum
-Vogt ber das Schloss bestellt worden war,<a name="FNAnker_549_549" id="FNAnker_549_549"></a><a href="#Fussnote_549_549" class="fnanchor">[549]</a> in das Burggefngnis,
-in den &#8222;Thurn&#8220; gefhrt.<a name="FNAnker_550_550" id="FNAnker_550_550"></a><a href="#Fussnote_550_550" class="fnanchor">[550]</a></p>
-
-<p>Wenn nicht Krieg ist, sollten die Ritter das Weidwerk treiben, meint
-Matthias.<a name="FNAnker_551_551" id="FNAnker_551_551"></a><a href="#Fussnote_551_551" class="fnanchor">[551]</a> Siegfried, der Lehensmann Karl Martells<a name="FNAnker_552_552" id="FNAnker_552_552"></a><a href="#Fussnote_552_552" class="fnanchor">[552]</a> ist
-Pfalzgraf, also eine echt mittelalterliche Amtsperson.<a name="FNAnker_553_553" id="FNAnker_553_553"></a><a href="#Fussnote_553_553" class="fnanchor">[553]</a> Er ist
-Richter in seinem Sprengel (den er einmal unversehens &#8222;Staat&#8220; nennt)
-und bt die Gerichtsbarkeit, die &#8222;Pfalz&#8220;, in wichtigen Fllen im Verein
-mit seinen Verwandten aus.<a name="FNAnker_554_554" id="FNAnker_554_554"></a><a href="#Fussnote_554_554" class="fnanchor">[554]</a> Als ein selbstverstndlicher Fall in
-seiner Praxis erscheint der Hexenprocess, wobei der Dichter noch mehr
-Jahrhunderte, als bei der Einfhrung des Kreuzzuges berspringt. Auch
-die Astrologie erweckt den Eindruck des Alterthmlichen, wenigstens im
-allgemeinen.</p>
-
-<p>Wie Tieck Thatsachen verschiedener Jahrhunderte in einander arbeitet
-(zum Theil auf Veranlassung des Volksbuches hin), so ist er auch in
-anderen Einzelheiten der Costmbehandlung nicht ngstlich. Seine
-Schfer tragen nichts Alterthmliches an sich. Es ist von Genovevas
-&#8222;Zimmer&#8220; die Rede.<a name="FNAnker_555_555" id="FNAnker_555_555"></a><a href="#Fussnote_555_555" class="fnanchor">[555]</a> Das Wort &#8222;Pfaffe&#8220; ist bereits Schimpfwort, der
-naturphilosophische &#8222;Weltgeist&#8220; spuckt schon im achten Jahrhundert
-u.s.w.</p>
-
-<p>Man sieht, Tieck ist in Sachen der Costmtreue nicht bedenklich,
-wie er es auch von anderen nicht verlangt; er nimmt mit sorglosem
-Griffe verschiedene Dinge zusammen, wenn sie<span class="pagenum"><a name="Seite_169" id="Seite_169">[S. 169]</a></span> nur einer vergangenen
-Zeit angehren und mgen sie in der Vergangenheit selbst auch wieder
-durch Jahrhunderte getrennt sein. Es gengt ihm, wenn das Ganze nur
-so einen leichten, alterthmelnden Hauch bekommt und der Leser das
-Gefhl nicht verliert, dass er sich in einer idealen, mittelalterlichen
-Vergangenheit bewegt. So viel erreicht Tieck auch durch die gegebenen
-Anhaltspunkte und mit diesem migen Colorit ist er zufrieden. Wenn uns
-heute seine weitgehende Freiheit in der Costmbehandlung auch nimmer
-ertrglich wre, so behlt Tieck noch immer wenigstens mit der Ansicht
-Recht, dass das Costm in einer Dichtung nicht Hauptsache, sondern
-untergeordnete Nebensache sei.</p>
-
-<p>Die Freude am alterthmlichen Costm gehrt ebenso wie die
-Freude am alterthmlichen Stoffe zu den eigentlich romantischen
-Gefhlsrichtungen, die sich vorzugsweise seit Wackenroder in der
-deutschen Literatur geltend machen. Tieck hatte auerdem durch Hans
-Sachs und Goethe seine Freude am Altdeutschen genhrt. Wenn auch fr
-uns nimmer so lebhaft nachfhlbar, war es doch fr die Romantiker
-vor hundert Jahren, wie uns ihre vielen Bekenntnisse bezeugen, eine
-wirkliche, innige poetische Freude, solche alterthmliche Stimmungen
-nachzuerleben und nachzuschaffen, eine Freude, ebenso ehrlich, wie
-das Entzcken an der Poesie des Religisen. Das Wiederauffinden und
-Wiedererkennen des poetisch Vortrefflichen, das ungerecht verkannt
-und missachtet wurde, erweckte ihre enthusiastische Freude. Diese
-aufrichtige, ehrliche Freude mssen wir uns auch stets in Erinnerung
-rufen, wenn Tieck seine &#8222;Genoveva&#8220; ein Erlebnis nennt.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Der Dichter denkt nicht an eine Darstellung seines Dramas<a name="FNAnker_556_556" id="FNAnker_556_556"></a><a href="#Fussnote_556_556" class="fnanchor">[556]</a> auf der
-Bhne, die seine Figuren dem leiblichen Auge des Zuschauers lebendig
-machen knnte, er rechnet nur auf das innere Auge des Lesers oder
-Hrers. Es liegt daher die Frage nahe, wie der Dichter diesen seinen
-Menschen, die er in eine alte Zeit und in mittelalterliche Verhltnisse
-versetzt, fr die Phantasie Gestalt und zwar zunchst uere Gestalt,
-sinnliche Farbe gibt.</p>
-
-<p>Von den Hauptpersonen bekommt der Leser zuerst <em class="gesperrt">Golo</em> zu Gesicht.
-Wie sieht <em class="gesperrt">Golo</em> aus? Von ihm wird berichtet, dass er schon als
-Kind schn gewesen sei, &#8222;wie ein Engel&#8220;. Als Genoveva auf das Schloss
-zog, kam er ihr entgegen als &#8222;ein<span class="pagenum"><a name="Seite_170" id="Seite_170">[S. 170]</a></span> Jngling von bunter Tracht und
-adeligem Wesen und voll Demuth&#8220;, mit einem glnzenden Gesicht, so dass
-er sie an die Erscheinung Christi in der Vision erinnerte. Im Drama
-selbst sieht man ihn als schnen, edlen Herrn und Junker auftreten. Er
-hat ein &#8222;wackeres&#8220; Aussehen. Er zeigt sich eingangs als ein stolzer
-Reiter auf stolzem, weiem Rosse (ein schnes, glnzendes Ross heit
-es spter). &#8222;Locken, Augen und Lcheln&#8220; fallen Genoveva bei der ersten
-Begegnung auf. Weit mehr Aufmerksamkeit als allen anderen ueren
-Eigenthmlichkeiten, die eigentlich recht verschwommen sind, schenkt
-der Dichter dem Auge, auf das wir oft und oft mit besonderem Nachdruck
-hingewiesen werden; denn das Auge scheint &#8222;dem Gedanken verwandter&#8220; als
-die anderen Sinne.<a name="FNAnker_557_557" id="FNAnker_557_557"></a><a href="#Fussnote_557_557" class="fnanchor">[557]</a> Schon als Kind hatte Golo &#8222;etwas im Auge, so
-lieb und gut, so freudenreich und hell&#8220;, dass er jedermann anziehend
-erschien. Jugend und Freude sehen ihm aus den Augen. Sein &#8222;helles
-Auge&#8220; muss jedes Herz erfrischen. Gertrud sagt dem Traurigen: &#8222;Wre
-ich ein junger, wack&#8217;rer Herr mit Augen, wie Ihr...&#8220; Von sich selbst
-sagt Golo: &#8222;Gern wollte ich die trben Blicke lassen und wieder aus
-den muntern Augen seh&#8217;n&#8220; u.s.f. Solange Golo gute Wege geht, erscheint
-er auch uerlich herrlich. Als er zum Verbrecher wird, verwandelt
-sich sein ueres. &#8222;O seht die Tcke, wie sie sich in den stieren
-Augen malt, seht das verruchte, missgestalte Antlitz.&#8220; fters lesen
-wir ganz allgemein nur von der &#8222;Gestalt&#8220;, vom &#8222;Antlitz&#8220;. Hufiger
-ist von der ueren Erscheinung Genovevas, der Gegenspielerin Golos
-die Rede. Gleich anfangs ist sie die &#8222;schne Grfin&#8220;. Dann hren
-wir von der &#8222;hohen Gestalt&#8220;, der &#8222;herrlichen Gestalt&#8220;, von ihrem
-&#8222;hohen Gange&#8220;. Sie ist die &#8222;Holdeste&#8220;, &#8222;das holdsel&#8217;ge Bild&#8220;, &#8222;das
-schnste Kind&#8220;, &#8222;blhend, ein Wunder anzuschauen&#8220;. Sie besitzt &#8222;reine
-Zge und Schnheit&#8220;. Dass diese allgemeine Schnheit ein wenig mehr
-individualisiert wird, kommt daher, weil Golo sie mit sinnlichen Augen
-ansieht und weil es auch in der Natur der Sache zu liegen scheint,
-dass der Dichter sich um die uere Erscheinung der Frauen mehr als
-um die der Mnner kmmert. (Vgl. &#8222;Hermann und Dorothea&#8220;.) Auf Golo
-wirken die rothen Lippen, &#8222;deren Rte aus dem Herzen wegtrinkt mein
-rotes Blut&#8220;. Auch bei Genoveva steht wieder das Auge im Mittelpunkt des
-Interesses.<span class="pagenum"><a name="Seite_171" id="Seite_171">[S. 171]</a></span> Der &#8222;helle Bronn des Auges&#8220; erweckt Golos Sinnlichkeit.
-An ihren &#8222;jungen Augen&#8220; will Gertrud Liebe zu Golo lesen. Genoveva hat
-&#8222;den Himmel im Auge&#8220;, sie sieht Golo mit Augen an, &#8222;deren Glanz das
-Mark mir aussaugt&#8220;. Der Grfin Augen sind &#8222;herzbannende Augen&#8220;, &#8222;holde
-Augen&#8220;, &#8222;helle Kreise&#8220; und sie sehen durch den Schleier &#8222;so wie die
-Sonne hinter Wolken scheint&#8220;. Als der Kummer Genoveva schon &#8222;geltert&#8220;
-hat, sind &#8222;noch die Augen schn und lebhaft&#8220;. Ja selbst sterbend &#8222;lacht
-ihr helles Auge&#8220;. Golos sinnlicher Blick begngt sich nicht mit Augen,
-Wangen und Lippen, er verfolgt &#8222;den Bau der schnen Glieder von der
-Brust zu den vollen Hften nieder&#8220;. Er stellt sich Genoveva tanzend
-vor im schnen Gewande, &#8222;das eng und enger an die Glieder fliegt&#8220;. Der
-&#8222;holde Leib&#8220; hat ihn berckt. Auch der Zauberspiegel bei der Hexe gibt
-von der Heldin ein Bild. Siegfried sieht darin seine Genoveva &#8222;in all
-ihrer Schnheit, im schwarzen Kleide mit goldenem Geschmeide&#8220;. In der
-Noth wird sie zum &#8222;Todtengerippe&#8220;, &#8222;Scheusal&#8220; und &#8222;Gespenst&#8220;, wie Golo
-sie hhnend nennt.</p>
-
-<p>Unter den brigen Personen wird Zulma noch fast am deutlichsten
-sichtbar. &#8222;Sieh mein Frst, die Flle der schwarzen Locken und die
-Mdchenwangen, den zartgeschlossnen Mund wie Rosenknospe, o Himmel,
-sieh den schnsten Busen...&#8220; Sie hat &#8222;schne, groe Augen&#8220;. Mag sein,
-da ihr der Dichter als einem Gegenbilde Genovevas ein greres
-Interesse schenkt. Nur wrde man dann auch ein deutliches Contrastieren
-der ueren Erscheinung erwarten.</p>
-
-<p>Die anderen Gestalten sind fr unsere Phantasie recht blass und noch
-schattenhafter als die Hauptperson. Schmerzenreich ist ein &#8222;schnes
-Kind&#8220;, ein &#8222;liebes Kind&#8220;. Seine &#8222;Augen&#8220; und seine &#8222;Blicke&#8220; sind
-Genovevas Freude. Drago ist &#8222;weder jung noch schn&#8220;. Siegfried ist
-alt. &#8222;Was soll das Bild doch sein&#8220; ruft Schmerzenreich, als er ihn
-sieht. Das ist alles, was wir von seiner Erscheinung hren. Ein wenig
-deutlicher heit Karl Martell &#8222;ein herrlicher, stattlicher Mann&#8220; mit
-der &#8222;Miene voll Zorn&#8220;. Zulma preist des jungen Feldherrn Abdorrhaman
-&#8222;Schnheit und liebevollen Blick&#8220;; seine Augen sind &#8222;zwei Sonnen&#8220;.
-Aquitanien ist &#8222;ein Jngling&#8220;. Wesen, Gestalt und das khne Auge lassen
-die Hexe in Siegfrieds Augen als berirdisch erscheinen.</p>
-
-<p>Von einer plastischen, gegenstndlichen Deutlichkeit kann nirgends die
-Rede sein. Es ist hier dieselbe idealisierende und<span class="pagenum"><a name="Seite_172" id="Seite_172">[S. 172]</a></span> leicht andeutende,
-unbestimmt gehaltene Darstellungsweise, wie sonst bei Tieck. Der
-schne Golo mit den schnen Augen, die schne Genoveva mit den schnen
-Augen, das ist ziemlich alles, was die Phantasie aus den verschiedenen
-allgemeinen Andeutungen entnehmen kann. Das Betonen des sinnlichen
-Reizes an Genoveva, sowie die Vorstellung von der tanzenden Heiligen
-und die derbrealistischen Ausdrcke wie &#8222;Scheusal&#8220; u.s.w., die sich
-zwar an sich in Golos Munde nicht unzutreffend ausnehmen, bringen aber
-in das Gesammtbild der Legende etwas Fremdes, das sich zu ihrem brigen
-Wesen so wenig schicken will, wie die ziemlich frivolen Badescenen zu
-der frommen Kunststimmung im &#8222;Sternbald&#8220;.<a name="FNAnker_558_558" id="FNAnker_558_558"></a><a href="#Fussnote_558_558" class="fnanchor">[558]</a> Eine Eigenthmlichkeit
-in Tiecks Personenschilderung ist die Vorliebe fr das Auge. Der am
-meisten seelische Sinn ist fr den Dichter auch der dankbarste und echt
-dichterisch und fein handelt Tieck, wenn er die lebhafte sinnliche
-Erscheinung mit einem psychologischen Vorgang geschickt verbindet, wie
-etwa: &#8222;es lacht ihr helles Auge&#8220;. Nicht immer wird dies in solcher
-Weise ausgentzt. Wie gelufig und wichtig Tieck die Vorstellung
-vom Auge wurde, sieht man erst, wenn man beachtet, wie sogar an der
-Hirschin die &#8222;lieben treuen Augen&#8220; besonders erwhnt werden, wie auch
-Wald und Busch Golo &#8222;mit grimmen Augen&#8220; ansehen, die goldene Nacht mit
-&#8222;tausend Augen&#8220; sieht und in den Buchengang &#8222;hineinugelt&#8220;.</p>
-
-<h3 class="mtop15" id="Das_Naturgefuehl">4. Das Naturgefhl.</h3>
-
-<p>Ganz aus der alten Zeit heraustretend, als moderner Poet steht Tieck
-vor uns, wenn er von den Geheimnissen redet, die er mit seinem
-empfnglichen Dichtergemthe der Natur abgelauscht hat. Hier konnte
-Tieck nichts aus dem Volksbuche nehmen und das Vorbild Mllers, der mit
-dem Blicke des Malers und mit realistischem Auge die Natur betrachtet,
-konnte dem zum Musikalischen neigenden Stimmungspoeten auch nicht
-allzuviel ntzen. Hier mute der Romantiker ganz er selbst sein.</p>
-
-<p>Tiecks Biographen betonen fter, wie innig er die Natur liebte. In den
-schwersten Augenblicken bot sie ihm heilende Kraft.<a name="FNAnker_559_559" id="FNAnker_559_559"></a><a href="#Fussnote_559_559" class="fnanchor">[559]</a> Mit ser
-Trunkenheit gibt er sich ihrer stillen Gewalt<span class="pagenum"><a name="Seite_173" id="Seite_173">[S. 173]</a></span> hin. Die Umgebung von
-Halle war fr den jungen Sohn der mrkischen Sandwste ein kleines
-Paradies.<a name="FNAnker_560_560" id="FNAnker_560_560"></a><a href="#Fussnote_560_560" class="fnanchor">[560]</a> Der Sonnenuntergang, die magische Herrlichkeit des
-Mondglanzes, der Zauberhauch der Sommernacht, ein Licht, das durch die
-Nacht blitzte, ein ferner Laut erregten wunderbar sein Gefhl.<a name="FNAnker_561_561" id="FNAnker_561_561"></a><a href="#Fussnote_561_561" class="fnanchor">[561]</a>
-Abenteuerliche nchtliche Wanderungen mit halsbrecherischen
-Zwischenfllen unternahm Tieck gerne trotz des Scheltens seiner
-Freunde. Auf einer Harzreise blickt er mit hohem Entzcken der
-aufgehenden Sonne entgegen, die ihm &#8222;Gottes Erscheinung&#8220; zeigt.<a name="FNAnker_562_562" id="FNAnker_562_562"></a><a href="#Fussnote_562_562" class="fnanchor">[562]</a>
-&#8222;Ich mute stille stehen, um diese Vision ganz zu erleben...&#8220;<a name="FNAnker_563_563" id="FNAnker_563_563"></a><a href="#Fussnote_563_563" class="fnanchor">[563]</a>
-Von Erlangen aus wandert er mit Wackenroder ins Fichtelgebirge, wo
-er, verirrt in tannendunkeln Klften, alle Wunder und Schauer der
-Waldeinsamkeit durchkostete. Aus der spten Herberge blickte er wieder
-in die mondbeglnzte Nacht hinaus, die trumerisch auf den einsamen
-Hhen lag, er lauschte den milden schwebenden Tnen eines Waldhorns
-und war unendlich glcklich.<a name="FNAnker_564_564" id="FNAnker_564_564"></a><a href="#Fussnote_564_564" class="fnanchor">[564]</a> Nach Jahren lebt im &#8222;Phantasus&#8220; noch
-das Glck dieser Erlanger Zeit sowie die poetischen Nachtwanderungen,
-die Tieck in Jena mit Novalis unternahm, wehmthig beseligend wieder
-auf.<a name="FNAnker_565_565" id="FNAnker_565_565"></a><a href="#Fussnote_565_565" class="fnanchor">[565]</a> Ein inniger, gefhlsreicher, poetischer Verkehr mit der Natur
-gehrt so zu Tiecks eigenstem, intimstem Lebensgehalt.<a name="FNAnker_566_566" id="FNAnker_566_566"></a><a href="#Fussnote_566_566" class="fnanchor">[566]</a></p>
-
-<p>Seit Goethe das ganze weite Reich der Natur fr Poesie und Gemth
-eroberte, versumt es berhaupt kein Dichter mehr, sich von diesem ewig
-herrlichen Reiche wenigstens irgendeine Provinz zu eigen zu machen.
-Auch Tieck bleibt nicht zurck. ber die Beziehungen zwischen Natur und
-Dichter spricht er selbst die bemerkenswerten Worte:<a name="FNAnker_567_567" id="FNAnker_567_567"></a><a href="#Fussnote_567_567" class="fnanchor">[567]</a> &#8222;Knnen wir
-denn die Natur wirklich so schildern, wie sie ist? Jedes Auge mu sie
-in einem gewissen Zusammenhange mit dem Herzen sehen, oder es sieht
-nichts, was uns, in Versen wieder aufgezhlt, gefallen knnte. Wird
-nicht jeder poetische Mensch in eine Stimmung<span class="pagenum"><a name="Seite_174" id="Seite_174">[S. 174]</a></span> versetzt, in der ihm
-Bume und Blumen wie belebte und befreundete Wesen erscheinen, und ist
-dies nicht das Interesse, das wir an der Natur nehmen? Nicht die grnen
-Stauden und Gewchse entzcken uns, sondern die geheimen Ahndungen, die
-aus ihnen gleichsam herauf steigen und uns begren. Dann entdeckt der
-Mensch neue und wunderbare Beziehungen zwischen sich und der Natur; sie
-ist Theilnehmerin seines Schmerzes oder seiner Leiden; er fhlt gegen
-die leblosen Gegenstnde eine freundschaftliche Zuneigung, und dann
-bedarf es wahrlich keiner Verschnerungen, keiner erlogenen Zustze,
-um schne und entzckende Gedichte niederzuschreiben.&#8220; Hier schildert
-Tieck die hchst entwickelte Stufe des poetischen Naturgefhles, das
-innige Erfassen der Natur mit dem Gemthe, jenen merkwrdigen Vorgang
-in der Dichterseele, der gewhnlich als poetische Naturbeseelung oder
-als poetisches Einfhlen in die Natur bezeichnet wird. Charakteristisch
-fr den Romantiker und sein Verhltnis zur Natur sind dabei die
-Ausdrcke: &#8222;Stimmungen&#8220;, &#8222;geheime Ahndungen&#8220; und &#8222;neue und wunderbare
-Beziehungen&#8220;.</p>
-
-<p>Von den untergeordneten Beziehungen des Dichters zur Natur schweigt
-hier Tieck zwar, er verwendet sie aber ausgiebig in seiner eigenen
-Dichtung. Die Natur tritt nmlich auch als selbstndige Macht auf,
-die auf das Menschengemth stimmungerregend einwirkt, sie wird
-stimmungerweckender Hintergrund fr uere und innere Vorgnge oder
-Contrast zu diesen Vorgngen. Auch Gleichnisse und Metaphern, aus dem
-Naturleben entnommen, drfen nicht unterschtzt werden; denn ihre Art
-und Hufigkeit bildet auch einen Mastab fr das Naturgefhl des Poeten.</p>
-
-<p>Vor allem gibt Tieck den Hauptpersonen seiner &#8222;Genoveva&#8220; ein
-feinfhlendes, fr die Natur hchst empfngliches Gemth. Sie leben mit
-ihr in bestndigem, seelischem Contact. In ihren lyrischen Ergssen
-herrscht &#8222;eine geheimnisvolle Innigkeit, ein sonderbares Einverstndnis
-mit der Natur&#8220;. (Heine.) Golo, in dessen Herzen sich die ersten
-Keime einer heien Liebe regen, fhlt die Lebensregungen des jungen
-Frhlings innig mit und er zeigt der traurigen Genoveva, wie &#8222;im Laube
-neues Leben spielet&#8220;, wie &#8222;hold&#8220; die Bume prangen, der Vogel &#8222;sich
-vergnglich fhlet&#8220;, wie die ganze Welt &#8222;ein muntres Regen sprt&#8220;
-und sich dem Frhlingsglanz entgegendrngt.<a name="FNAnker_568_568" id="FNAnker_568_568"></a><a href="#Fussnote_568_568" class="fnanchor">[568]</a> Personificierende
-Ausdrcke<span class="pagenum"><a name="Seite_175" id="Seite_175">[S. 175]</a></span> und Worte seelischen Inhaltes deuten hier und im weiteren
-Verlaufe die zarten Fden an, die Natur und Gemth verbinden. Die
-erwachende Liebe lsst ihre Reflexe ber die Natur hinspielen. &mdash;
-Der Frhling macht dem Sommer Platz. Genovevas weiche Seele versenkt
-sich in der Balkonscene mit Wonne in das trumerische Leben der
-Sommernacht, da &#8222;der Mondschein auf dem Grase spielet&#8220;, im Mondglanze
-die Tne sich entznden, die Quellen &#8222;leiser, lieblicher flieen&#8220;,
-&#8222;stille Blumen&#8220; am Spiegel ihrer Wellen sprieen, die Winde frohe Kunde
-bringen und die Bume Lieder sumsen. Mit den mrchenhaften Klngen
-dieser leise tnenden Nachtmusik verwirren sich wiederum die Klnge
-des Herzens. Dieses heimliche Leben und Klingen der Sommernacht, an
-dem sich Genoveva hchst unschuldig freut, spricht ganz anders den
-liebeskranken Ritter an. Ihm erscheint alles in der Beleuchtung seiner
-nun gesteigerten Liebessehnsucht. &#8222;Ernst und gro&#8220; wie das warnende
-Gewissen schauen ihn zwar &#8222;der hohen Bume heil&#8217;ge dunkle Gnge&#8220; an.
-Dazwischen aber singt &#8222;die liebesbrnst&#8217;ge Nachtigall&#8220; ihr Sirenenlied
-und lockt ihn ins Verderben.<a name="FNAnker_569_569" id="FNAnker_569_569"></a><a href="#Fussnote_569_569" class="fnanchor">[569]</a> Der Mondschein &#8222;saugt&#8220; am Herzen
-des Sehnschtigen, die Sterne &#8222;zielen nach ihm mit Liebespfeilen&#8220;.
-Wenn aber dann Genoveva spricht, so verstummen Bchlein, Nachtigall
-und Bume, weil alle ihr nur lauschen, weil alle Creaturen an ihr
-sich gerne freuen.<a name="FNAnker_570_570" id="FNAnker_570_570"></a><a href="#Fussnote_570_570" class="fnanchor">[570]</a> Eigenthmlich ist es, dass hier Tieck in die
-Naturbetrachtung die Sirene, die Hyder, antike Vorstellungen mengt,
-die uns sonst berhaupt selten in der &#8222;Genoveva&#8220; oder in seinen
-anderen Dichtungen begegnen. Diese Vorstellungen ordnen sich aber
-gut und wirksam in das Erregte, bengstigend Leidenschaftliche ein,
-das in seinen Worten zittert.<a name="FNAnker_571_571" id="FNAnker_571_571"></a><a href="#Fussnote_571_571" class="fnanchor">[571]</a> &mdash; Am reichsten entstrmt die
-sympathetische Naturempfindung Golos Herzen in der nchtlichen Scene,
-in welcher er Genoveva seinen entscheidenden Liebesantrag macht.<a name="FNAnker_572_572" id="FNAnker_572_572"></a><a href="#Fussnote_572_572" class="fnanchor">[572]</a>
-Den Sternen klagt er zuerst sein Leid, bei ihnen schwrt er, sie fragt
-er um Kunde von der Geliebten, von ihnen erfleht er sein Glck. Mit
-dem sehnschtig Harrenden wartet auch die ganze Schpfung. Genoveva
-erscheint und freut<span class="pagenum"><a name="Seite_176" id="Seite_176">[S. 176]</a></span> sich ihrerseits in derselben harmlosen Art wie
-in der Balkonscene an den trumenden, flsternden Blumen, am dsteren
-Walde, an der Nacht, die in den Buchengang &#8222;hineinugelt&#8220;. Wie in
-jener Scene bezieht Golo auch hier in trunkenem Entzcken die ganze
-Naturherrlichkeit auf seine Geliebte, die ihm ein mrchenhaftes Leben
-in die nchtliche Natur hineinzuzaubern scheint.</p>
-
-<p>Er spricht die charakteristischen Verse:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Ihr schreitet her und weckt aus verborgenen Tiefen</div>
- <div class="verse">Die hohen Wunder auf, die unten schliefen,</div>
- <div class="verse">Schaut um Euch, Holde, wo Ihr geht</div>
- <div class="verse">Ein dichtgedrngter Blumengarten steht,</div>
- <div class="verse">Die Bume ziehn Euch nach, unter Euren Fen</div>
- <div class="verse">Dringt kindisch grnes Gras hervor, den Fu zu kssen,</div>
- <div class="verse">Die Blumen erwachen</div>
- <div class="verse">Vom tiefen Schlaf und lachen,</div>
- <div class="verse">Und rter wird der Rosen Mund,</div>
- <div class="verse">Die Wiese wird von Pflanzen bunt,</div>
- <div class="verse">Sommerlftchen spielen aus den Zweigen,</div>
- <div class="verse">Sich huslich ems&#8217;ge Bienen zeigen</div>
- <div class="verse">Die goldensten Mondstrahlen schmeichelnd niedersteigen,</div>
- <div class="verse">Um Euer holdes Haupt die Glorie zu flechten,</div>
- <div class="verse">Euch dient Natur mit allen ihren Mchten.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Am Schlusse der Scene aber, mit dem endgltigen Scheitern der
-Liebeshoffnung hat sich fr Golo sogleich auch die Natur verndert,
-die dstere Schicksalsstimme spricht aus derselben zu ihm: &#8222;Hrt,
-da singt&#8217;s in Wolken, aus Wassern, aus dem tiefen Thal herauf: Wo
-die stillen Bchlein gehn &mdash;&#8220; Als Genoveva unschuldig zum Tode gehen
-soll, ist es ein &#8222;trber Tag, dicke Nebel liegen auf den Bergen und
-Wldern&#8220;.<a name="FNAnker_573_573" id="FNAnker_573_573"></a><a href="#Fussnote_573_573" class="fnanchor">[573]</a> Grimoald, dem das Mordhandwerk nicht recht vom Herzen
-gehen will, &#8222;zittert vor der Morgenluft&#8220;, die schwarzen Weiden im Thale
-rauschen, als wenn sie in die Klage der Mutter einstimmten und ihren
-Bitten Gehr gben. Da ruft Genoveva den Mrdern zu:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;O seht, die Sonne will nicht niederscheinen</div>
- <div class="verse">Auf solche That, es will das Aug&#8217; der Welt</div>
- <div class="verse">Nicht sehn, was euch auf immer nagen wrde...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Ob die Seele in junger Liebeshoffnung trumt, ob sie in schwler
-Leidenschaft erzittert, ob sie voll stiller Unschuld in die Schpfung
-hineintritt oder in Todesangst erschauert: immer<span class="pagenum"><a name="Seite_177" id="Seite_177">[S. 177]</a></span> spiegelt sie nach
-demselben geheimnisvollen Gesetze ihre Empfindung in die umgebende
-Natur hinein und die verschiedenartigen Reflexe der Gemthsstimmung
-ruhen auf Baum und Blume, leben in Luft und Wellen und scheinen den
-Menschen als &#8222;geheime Ahndungen&#8220;, die aus der Natur heraufsteigen, zu
-gren. Es wurden hier nur die besonders charakteristischen Stellen
-der &#8222;Genoveva&#8220; hervorgehoben. An zahlreiche andere soll nur erinnert
-werden. So an Golos Morgenlied, an Zulmas Morgengebet und Todtenklage,
-an Karls und Aquitaniens Morgenbetrachtung vor der Schlacht, an Golos
-Lied &#8222;Sieh&#8217; Laute, sieh&#8217;, so rei&#8217; ich dich in Stcke&#8220; und dessen
-Monolog nach der Gemldescene sowie am vermeintlichen Grabe der Augen
-und der Zunge Genovevas. Genovevas Hilferuf an die Natur gehrt ganz,
-Wolfs mystische Abendbetrachtung theilweise hieher und von einer
-innigen freundschaftlichen Vertraulichkeit mit der Natur zeugt es, wenn
-Golo und Grimoald dem Walde und der Gegend, aus der sie fortgehen, wie
-alten mitfhlenden Freunden Lebewohl sagen, wie es nachher Schillers
-Johanna thut. Auch in der Ferne ist Golos Herz erfllt von Heimweh nach
-den bekannten, liebgewordenen Sttten. Selbst Dinge, die nicht mehr
-gerade der ursprnglichen Natur angehren, aber mit dem menschlichen
-Gemthsleben intim und enge verbunden sind, werden in derselben Weise,
-wie die Natur selbst, beseelt. Es schauen die Mauern auf Genoveva
-mit grimmigen Zgen. Nach ihrer beglckenden Vision aber lacht das
-Gebu. Einsam und wst sind die Mauern des Schlosses dem vereinsamten
-Siegfried. Das Kreuzbild scheint mit Genoveva zu sprechen und von ihrem
-Trauringe nimmt die Verstoene wehmthigen Abschied. Eine merkwrdige
-Tndelei, die aber dem eigentlichen romantischen Naturgefhle
-wieder nher steht, ist jener Baum, den der Khler als Sinnbild und
-Erinnerungszeichen fr seinen gefallenen Sohn im Walde pflanzt und mit
-dem er plaudern will.</p>
-
-<p>Aberglubisch frbt sich das Verhltnis zur Natur beim alten
-Wolf, naturphilosophisch und mystisch beim &#8222;Unbekannten&#8220; und der
-Hexe. Zuweilen spielen die Anschauungen selbst ein wenig in den
-mythologischen Volksglauben hinber, wie die &#8222;dmmernde Geisterwelt in
-sichtlicher Natur&#8220;<a name="FNAnker_574_574" id="FNAnker_574_574"></a><a href="#Fussnote_574_574" class="fnanchor">[574]</a> oder die Geister, die in Felsen oder auf Bergen
-hausen.<a name="FNAnker_575_575" id="FNAnker_575_575"></a><a href="#Fussnote_575_575" class="fnanchor">[575]</a></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_178" id="Seite_178">[S. 178]</a></span></p>
-
-<p>In Golos Naturanschauung bricht manchmal etwas ganz Fremdartiges
-hervor, das nicht mehr blo ein einfhlendes, poetisches Versenken in
-die Natur ist, sondern Angst und Grauen vor den Naturmchten, die mit
-schicksalsmigem Zwang den Menschen beherrschen, ihn zum Wahnsinn
-treiben und zugrunde richten.<a name="FNAnker_576_576" id="FNAnker_576_576"></a><a href="#Fussnote_576_576" class="fnanchor">[576]</a> Es sind dies, wenn auch gedmpft,
-dieselben unheimlichen, gemthbelastenden Stimmungen, die besonders
-im &#8222;Abdallah&#8220;, &#8222;Lovell&#8220;, &#8222;Eckbert&#8220; und in den mit der &#8222;Genoveva&#8220; fast
-gleichzeitigen Dichtungen &#8222;Tannenhuser&#8220; und &#8222;Runenberg&#8220; herrschen,
-in den Werken aber, ber denen Wackenroders Geist schtzend schwebt,
-zum grten Theile verschwinden. So bricht auch in der &#8222;Genoveva&#8220; nur
-ein und das anderemal dieses sonderbare, unbestimmte Grauen vor den
-Naturmchten hervor, die den Menschen wie ein tckisches Schicksal
-bedreuen, eine Stimmung, die aus Tiecks innerstem Seelengrunde
-emporwchst. Das freundliche Gegenstck zu dieser dsteren Seite
-der Natur ist der mrchenhafte, herzliche Verkehr des kleinen
-Schmerzenreich mit den Thierlein des Waldes und die freundliche
-hilfreiche Natur, die gerne der unschuldig Verfolgten ihren Beistand
-leiht.</p>
-
-<p>Einen ganz kleinen Raum nur gewhrte der Dichter jener eigentlich
-religisen Naturbetrachtung, die im weiten Reich der Natur das
-Walten ihres Schpfers sprt,<a name="FNAnker_577_577" id="FNAnker_577_577"></a><a href="#Fussnote_577_577" class="fnanchor">[577]</a> das Loblied der Natur auf Gott
-vernimmt<a name="FNAnker_578_578" id="FNAnker_578_578"></a><a href="#Fussnote_578_578" class="fnanchor">[578]</a> und so die Menschenseele zu frommer Gottesverehrung
-stimmt.<a name="FNAnker_579_579" id="FNAnker_579_579"></a><a href="#Fussnote_579_579" class="fnanchor">[579]</a></p>
-
-<p>Bei dieser gemthswarmen Naturandacht geht immer die charakteristische
-Beleuchtung, in welcher die Naturumgebung erscheint, von der Stimmung
-des Betrachters aus; es ist ein lebendiges Hineinwachsen und
-Hineinleben des Gemthes in die Natur. Die Tne der Natur aber sind,
-wie Novalis sagt, auch wieder &#8222;Tasten hherer Saiten in uns&#8220;.<a name="FNAnker_580_580" id="FNAnker_580_580"></a><a href="#Fussnote_580_580" class="fnanchor">[580]</a>
-Werden die Tasten angeschlagen, so erklingen die Saiten unseres
-Gemthes. Es wirkt die Natur auf den Menschen stimmungerregend ein.
-Auch diese Auffassung finden wir in Tiecks Dichtung. Die weiche
-Sommer<span class="pagenum"><a name="Seite_179" id="Seite_179">[S. 179]</a></span>nacht z.B. senkt sich beruhigend auf Genovevas Seele.<a name="FNAnker_581_581" id="FNAnker_581_581"></a><a href="#Fussnote_581_581" class="fnanchor">[581]</a>
-In anderen Fllen erscheint wieder die Nacht recht als Feindin des
-Menschen; sie bethaut den Sinn mit Schwrmereien,<a name="FNAnker_582_582" id="FNAnker_582_582"></a><a href="#Fussnote_582_582" class="fnanchor">[582]</a> sie macht den
-Geist schlaff und trunken und verfhrt ihn geradezu zur Snde,<a name="FNAnker_583_583" id="FNAnker_583_583"></a><a href="#Fussnote_583_583" class="fnanchor">[583]</a> sie
-entfesselt die Liebesleidenschaft, die der Tag neidisch &#8222;mit seinem
-leuchtenden Mantel&#8220; verhllte.<a name="FNAnker_584_584" id="FNAnker_584_584"></a><a href="#Fussnote_584_584" class="fnanchor">[584]</a> Der Glanz des Tages zeigt dem
-Gewissen die Sndhaftigkeit der nchtlichen Gedanken.<a name="FNAnker_585_585" id="FNAnker_585_585"></a><a href="#Fussnote_585_585" class="fnanchor">[585]</a> Die einsame,
-groe nchtliche Gebirgswelt gibt dem innerlich Verstrten Freude
-und Sicherheit, freilich nur fr einen Augenblick; denn sofort wacht
-der innere Dmon wieder auf und treibt Golo zu sinnloser Gewaltthat
-an seinem Diener, so dass dieser ruft: &#8222;... es macht die Nacht Euch
-toll.&#8220;<a name="FNAnker_586_586" id="FNAnker_586_586"></a><a href="#Fussnote_586_586" class="fnanchor">[586]</a> Wir sehen eine Art passives Gegenstck zum sympathetischen
-Naturgefhl. Bei diesem berschttet der Mensch die Auenwelt mit
-seinem inneren Stimmungsreichthum. Dort lsst sich das Gemth vom
-ueren Eindruck beherrschen und leiten.</p>
-
-<p>Tieck liebt es sehr, die Natur als harmonisch gestimmten Hintergrund
-einem Vorgange, einer Seelenstimmung beizugeben. Wie Frhling,
-Sommer und der trbe Herbst die Hauptmomente in Golos und Genovevas
-Geschick begleiten, hat bereits Hettner ausgefhrt. (Nur spricht er
-irrthmlich auch vom Winter.) Wir mussten die einzelnen Flle bereits
-als Beispiele fr das synthetische Naturgefhl heranziehen. Zweimal
-erscheint die Jahreszeit noch flchtig. Frhling und Lust schwinden
-fr Golo zugleich dahin<a name="FNAnker_587_587" id="FNAnker_587_587"></a><a href="#Fussnote_587_587" class="fnanchor">[587]</a> und whrend Genoveva im Thurme klagt,
-ist es auch drauen strmische Zeit.<a name="FNAnker_588_588" id="FNAnker_588_588"></a><a href="#Fussnote_588_588" class="fnanchor">[588]</a> Von den Tageszeiten wirken
-auer dem Sommerabend und der Sommernacht noch Morgen und Nacht als
-begleitender Stimmungshintergrund. Mit dem Morgen, der bei Tieck
-gerne als Zeit der Abreise genommen wird (&#8222;Magelone&#8220;, &#8222;Sternbald&#8220;),
-beginnt die &#8222;Genoveva&#8220;. Die frische Morgenfrhe taugt ja trefflich
-zur frohgemuthen Stimmung, mit der die Kreuzfahrer ausziehen; sie
-passt aber auch<span class="pagenum"><a name="Seite_180" id="Seite_180">[S. 180]</a></span> zur idyllischen Schferscene und zu Golos munterem
-Ritte. Ernst und weihevoll wird aber das nmliche Morgenlicht, wenn
-es hier wie am Ende der Dichtung durch die gemalten Fenster der
-Kapelle hereinschaut.<a name="FNAnker_589_589" id="FNAnker_589_589"></a><a href="#Fussnote_589_589" class="fnanchor">[589]</a> Der helle Morgen beglnzt im Anfange eine
-kirchliche und allerhand bunte weltliche Scenen. Den Schluss bildet
-die morgenhelle Kapellenscene allein und wie ein sinnbildlicher
-Hintergrund, wie eine &#8222;leise Allegorie&#8220; erscheint hier der helle
-Morgenglanz im Heiligthum; denn jetzt bricht fr die heilige Heldin der
-ewige Lebenstag himmlischer Verklrung an. &mdash; Die finstere Nacht ist
-die Zeit der Geister.<a name="FNAnker_590_590" id="FNAnker_590_590"></a><a href="#Fussnote_590_590" class="fnanchor">[590]</a> Ein grotesk phantastisches Nachtbild leitet
-daher die Hexenscene ein,<a name="FNAnker_591_591" id="FNAnker_591_591"></a><a href="#Fussnote_591_591" class="fnanchor">[591]</a> und der gespenstische Pilgrim wandert in
-finsterer Nacht.<a name="FNAnker_592_592" id="FNAnker_592_592"></a><a href="#Fussnote_592_592" class="fnanchor">[592]</a></p>
-
-<p>Schon mit den Schlagworten der Scenenberschriften markiert der Dichter
-manchmal eine gewisse Naturstimmung. &#8222;Freies Feld&#8220;, &#8222;Waldgebirge&#8220;,
-&#8222;Felsenthal&#8220;, &#8222;Garten. Mondschein&#8220;, &#8222;Wohnung der Zauberin. Nacht&#8220;,
-&#8222;Waldgebirge. Nacht. Mondschein&#8220;, &#8222;Kapelle. Schwach erleuchtet&#8220; u.s.w.</p>
-
-<p>Das traurige Lied und der heitere Schfergesang sind jedes in seinen
-entsprechenden Naturrahmen gefasst. Ebenso das Lied &#8222;Da irr&#8217; ich
-unter Steinen&#8220;<a name="FNAnker_593_593" id="FNAnker_593_593"></a><a href="#Fussnote_593_593" class="fnanchor">[593]</a> und die dritte Strophe des Hochzeitbitters.<a name="FNAnker_594_594" id="FNAnker_594_594"></a><a href="#Fussnote_594_594" class="fnanchor">[594]</a>
-Im Hintergrunde erlischt die Flamme der brennenden Stadt, im
-Vordergrunde das Leben des gefallenen Kriegers.<a name="FNAnker_595_595" id="FNAnker_595_595"></a><a href="#Fussnote_595_595" class="fnanchor">[595]</a> Auch sogar in
-jenem Scheinbilde, das die Hexe Siegfried im Zauberspiegel sehen
-lsst,<a name="FNAnker_596_596" id="FNAnker_596_596"></a><a href="#Fussnote_596_596" class="fnanchor">[596]</a> fehlt die Naturumgebung nicht. Im zweiten Theile des
-Stckes, wo Genoveva in der Wste betet und duldet und Schmerzenreich
-seine Kindheitsidylle durchlebt, rckt uns der Dichter in immer neuen
-Wendungen die Waldeinsamkeit ins Bewusstsein. Es ist dies aber eine
-freundliche Einsamkeit im Gegensatz zu jenem zerklfteten Felsgebirge,
-in dessen der Hhe Golo vergeblich Frieden fr seine zerrissene Seele
-sucht, von wo er seinen Diener Benno bei Nacht in den brausenden
-Waldstrom hinabstrzt.<a name="FNAnker_597_597" id="FNAnker_597_597"></a><a href="#Fussnote_597_597" class="fnanchor">[597]</a></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_181" id="Seite_181">[S. 181]</a></span></p>
-
-<p>Sogar die himmlische Seligkeit entbehrt bei Tieck nicht der
-Naturfreude; denn auch im Paradiese der Heiligen prangen himmlische
-Blumen und Blten und die verklrten Geister drfen alle Herrlichkeiten
-des Weltalls von den Sternen bis in den Abyssus hinab berschauen.<a name="FNAnker_598_598" id="FNAnker_598_598"></a><a href="#Fussnote_598_598" class="fnanchor">[598]</a>
-Gewiss bezeichnend, dass der Romantiker den himmlischen Freuden auch
-die poetische Naturfreude zuzhlt.</p>
-
-<p>Contrastierend erscheint die Natur selten, z.B. im Wettstreite mit
-der menschlichen Schnheit;<a name="FNAnker_599_599" id="FNAnker_599_599"></a><a href="#Fussnote_599_599" class="fnanchor">[599]</a> oder sie hhnt ein andermal den
-unglcklich Liebenden; sie erhrt auch Genovevas Bitten nicht.</p>
-
-<p>Tiecks Dichtung glnzt und schimmert an vielen Stellen noch berdies im
-Flitterschmucke der Gleichnisse, Metaphern und Beiwrter, die aus dem
-Naturleben stammen. Sie glnzt und schimmert im wrtlichen Sinne; denn
-gerade Licht und Glanz sind hier sehr beliebte Vorstellungen. Licht und
-Glorie sind vor allem nthig in der Vision. Daher die entsprechenden
-Gleichnisse. Eine Lichterglorie wallt in die Kirche nieder</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;...wie aus des Morgens purpurroten Thoren</div>
- <div class="verse">Der glanzgekrnte Ost dem Blick sich beut,..&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Das Wunder zeigte sich</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wie wenn nach harten dstern Wintertagen</div>
- <div class="verse">Der Frhling durch die Finsternis will brechen,</div>
- <div class="verse">Und in dem Frhling Frhling sich entzndet,</div>
- <div class="verse">Aus Blumen sich noch eine Blte windet.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Auch die Blume muss sich dem Glanze assimilieren; denn der Dichter
-setzt das Gleichnis fort: &#8222;Wie wenn das Morgenrot die Knospe
-wre,...&#8220;<a name="FNAnker_600_600" id="FNAnker_600_600"></a><a href="#Fussnote_600_600" class="fnanchor">[600]</a> In der Sterbevision heit es: &#8222;Wie Strahlen giengen
-Engel aus und ein...&#8220;<a name="FNAnker_601_601" id="FNAnker_601_601"></a><a href="#Fussnote_601_601" class="fnanchor">[601]</a> Das Liebliche in der menschlichen
-Erscheinung wird gerne mit lebhaften Lichterscheinungen verglichen.
-Genoveva schimmert &#8222;wie ein neuer Sternenhimmel, ein neuer Mond ist
-sie emporgestiegen.<a name="FNAnker_602_602" id="FNAnker_602_602"></a><a href="#Fussnote_602_602" class="fnanchor">[602]</a> Golos Antlitz war wie Morgenrot, die Augen
-wie junge Sterne&#8220;.<a name="FNAnker_603_603" id="FNAnker_603_603"></a><a href="#Fussnote_603_603" class="fnanchor">[603]</a> Geno<span class="pagenum"><a name="Seite_182" id="Seite_182">[S. 182]</a></span>vevas Augen sieht man hinter dem Schleier
-&#8222;so wie die Sonne hinter Wolken scheint&#8220;;<a name="FNAnker_604_604" id="FNAnker_604_604"></a><a href="#Fussnote_604_604" class="fnanchor">[604]</a> auch ihre Worte sind
-wie die rothen Edelsteine, die durch Nacht und Dmmerung funkeln.<a name="FNAnker_605_605" id="FNAnker_605_605"></a><a href="#Fussnote_605_605" class="fnanchor">[605]</a>
-Eine bestimmte Nancierung der Gleichnisse etwa nach dem Charakter der
-beiden Gegenspieler ist nicht zu bemerken. Mit dem Scheine des Feuers,
-das selbst wieder dem Morgenrothe gleicht, mit dem Feuer, das herrlich
-durch die Nacht strahlt und bald erlischt, wird das Kriegerleben
-verglichen. Aber auch die Wunden brennen wie Feuer. Wie nach der Nacht
-der Morgen, folgen die heiteren Lebenstage den traurigen.<a name="FNAnker_606_606" id="FNAnker_606_606"></a><a href="#Fussnote_606_606" class="fnanchor">[606]</a> Mit
-der Erhabenheit der Sterne ber der Erde vergleicht Golo den Abstand
-seiner Liebe von gemeinem Sinne.<a name="FNAnker_607_607" id="FNAnker_607_607"></a><a href="#Fussnote_607_607" class="fnanchor">[607]</a> &mdash; Als Christus vom Kreuze zu
-Genoveva redete, &#8222;da kam&#8217;s wie Blumen um sie her entsprossen&#8220;. Einzelne
-Vergleiche nimmt Tieck aus der groen Natur. &#8222;Wie ein Meer&#8220; braust es
-whrend der Vision um Genovevas Ohren.<a name="FNAnker_608_608" id="FNAnker_608_608"></a><a href="#Fussnote_608_608" class="fnanchor">[608]</a> Ohne Zweifel ein biblischer
-Nachklang. Dem Meeresbrausen gleicht der Lrm im berfallenen
-Lager.<a name="FNAnker_609_609" id="FNAnker_609_609"></a><a href="#Fussnote_609_609" class="fnanchor">[609]</a> Wie Gottes Gewitter muss die Jagd hingehen:<a name="FNAnker_610_610" id="FNAnker_610_610"></a><a href="#Fussnote_610_610" class="fnanchor">[610]</a> Daneben
-ein paar Vergleiche von derber realistischer Art. &#8222;Anfallen wie
-ein grimmig Tier.&#8220;<a name="FNAnker_611_611" id="FNAnker_611_611"></a><a href="#Fussnote_611_611" class="fnanchor">[611]</a> &#8222;Wie von wilden Pferden fhl&#8217; ich mich
-fortgerissen...&#8220;<a name="FNAnker_612_612" id="FNAnker_612_612"></a><a href="#Fussnote_612_612" class="fnanchor">[612]</a> Karl &#8222;tobt wie ein wtend Tier&#8220;;<a name="FNAnker_613_613" id="FNAnker_613_613"></a><a href="#Fussnote_613_613" class="fnanchor">[613]</a> ebenso
-Golo.<a name="FNAnker_614_614" id="FNAnker_614_614"></a><a href="#Fussnote_614_614" class="fnanchor">[614]</a> Mahoms Reich wtet gleich giftigen Gewrmen.<a name="FNAnker_615_615" id="FNAnker_615_615"></a><a href="#Fussnote_615_615" class="fnanchor">[615]</a> Ist
-das wilde Thier ein Bild entfesselter Leidenschaft, so nisten die
-unthtigen Krieger wiederum &#8222;wie trge Tiere&#8220;.<a name="FNAnker_616_616" id="FNAnker_616_616"></a><a href="#Fussnote_616_616" class="fnanchor">[616]</a> Vereinzelt steht
-der sprichwrtliche Vergleich &#8222;kalt und taub wie Erz und Stein&#8220;.<a name="FNAnker_617_617" id="FNAnker_617_617"></a><a href="#Fussnote_617_617" class="fnanchor">[617]</a>
-Der &#8222;Drache&#8220; in Siegfrieds Traum ist ein Nachklang der Heldensage,
-durch das Volksbuch vermittelt. In ein Mrchenland versetzt uns der
-Vergleich:<a name="FNAnker_618_618" id="FNAnker_618_618"></a><a href="#Fussnote_618_618" class="fnanchor">[618]</a></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_183" id="Seite_183">[S. 183]</a></span></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Ist&#8217;s nicht so gut, als ob uns einer sagte,</div>
- <div class="verse">Da ber unsern Huptern Lnder hingen</div>
- <div class="verse">Mit wundervollen Bergen, Wald und Flssen...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Ziemlich in die nmlichen Naturgebiete, denen die meisten Gleichnisse
-entstammen, weisen auch Tiecks Metaphern, Beiwrter, Composita.
-Erstlich wiederum Licht und Glanz. Der &#8222;Glanz&#8220; des christlichen
-Glaubens, die &#8222;Feuerfunken&#8220; in den Christenherzen, der &#8222;Blitz Gottes&#8220;
-Karl Martell, &#8222;die Schaaren all&#8217; in wilder Wut entbrannt&#8220;, &#8222;das Feuer
-des Auges&#8220;, &#8222;die Augen zwei Sonnen&#8220;, &#8222;der Glanz des Thrones&#8220;, die
-Emprung &#8222;ein unzeit&#8217;ges Feuer flammt von der ein zur andern Grenze&#8220;,
-&#8222;liebesbrnst&#8217;ge Nachtigall&#8220;, &#8222;der Brand im Innern&#8220;, Genoveva ist fr
-Golo eine &#8222;Hlle&#8220;, die seine Seele peinigt &#8222;mit ew&#8217;gen Flammen, mit
-rastlosen Flammen&#8220; und noch zahlreiche hnliche Flle. Von geringerer
-Leuchtkraft sind Bilder wie der &#8222;Frhling&#8220; des Lchelns, der &#8222;Himmel&#8220;
-im Auge, der &#8222;Frhling, der durch den Winter scheint&#8220;, der &#8222;knft&#8217;ge
-Morgen&#8220; u.s.w. Auch die Blumen finden sich unter den Metaphern wieder.
-&#8222;Zarte Knospen&#8220;, &#8222;Rosenknospe&#8220; (Mund), &#8222;sprieende&#8220; Reue, &#8222;sprieende&#8220;
-Engel, &#8222;es spriet ein neuer Sinn&#8220;. Einmal &#8222;thrmen sich die Wetter&#8220;.
-Das Lamm verdeutlicht die sanfte Gemthsart, die arge Bswilligkeit der
-&#8222;hartherzige Hund&#8220;.</p>
-
-<p>Dasselbe wiederholt sich noch einmal, wenn wir die Composita und
-Beiwrter ansehen, die aus der Natur entlehnt sind. &#8222;Frhlingsschein&#8220;,
-&#8222;Strahlenaugen&#8220;, &#8222;Zauberschein&#8220;, &#8222;Sterngegenwart&#8220;, &#8222;Sternenkrfte&#8220;,
-&#8222;Sternenblick&#8220;, &#8222;Himmelsglanz&#8220;, &#8222;Himmelslicht&#8220;, &#8222;Lichtstrom&#8220;,
-&#8222;Freudenschein&#8220;, &#8222;Lebensschein&#8220;, &#8222;Feuerzorn&#8220; u.s.w. Dazu gehren
-&#8222;glorreich Licht&#8220; der Liebe, Glorie (= Himmelslicht), &#8222;glorreich&#8220;
-scheinende Sonne, die &#8222;goldensten&#8220; Mondstrahlen, &#8222;gold&#8217;ner
-Schein&#8220;, &#8222;gold&#8217;ne Nacht&#8220;, &#8222;blendende Flammen&#8220;, &#8222;funkelndes Feuer&#8220;,
-&#8222;schimmervolle Kronen&#8220;. Die Blumen fehlen auch hier nicht ganz.
-&#8222;Blumenhh&#8217;n&#8220;, &#8222;dichtgedrngter Blumengarten&#8220;, &#8222;blhende Lust&#8220;. Auch
-der Gegensatz des Lichtes tritt hie und da hervor. &#8222;Schwarze Nacht&#8220;,
-&#8222;dunkle Wste&#8220;, &#8222;dmmernde Erinnerung&#8220;, &#8222;dmmernde Geisterwelt&#8220;.</p>
-
-<p>Von Anfang bis zum Ende durchathmet ein warm pulsierendes,
-trumerisches Naturgefhl Tiecks romantische Dichtung. Des Dichters
-Naturempfinden ist reich und mannigfaltig. Die Natur ist ihm aber
-nicht um ihrer selbst willen da, sondern<span class="pagenum"><a name="Seite_184" id="Seite_184">[S. 184]</a></span> meist als stimmunggebender
-Hintergrund. Auf das sympathetische Zusammenklingen von Natur und
-Gemth wendet Tieck seinen besonderen Flei, wie seine eigenen Worte
-ber die dichterische Naturauffassung vermuthen lieen. Er folgt
-hier den Wegen Goethes. Von Werthers Naturauffassung fhlte sich
-Tieck ja lebhaft ergriffen, wie er selbst sagt.<a name="FNAnker_619_619" id="FNAnker_619_619"></a><a href="#Fussnote_619_619" class="fnanchor">[619]</a> Wie Goethe im
-&#8222;Werther&#8220; will Tieck die Tages- und Jahreszeiten wie die rumliche
-Umgebung auf einen Ton mit der Empfindung seiner Menschen stimmen.
-Der Naturhintergrund, der das menschliche Erlebnis in der Dichtung
-umrahmt, der Gedanken und Empfindungen verstrkt, seltener Stimmungen
-erweckt oder in Contrast zu ihnen tritt, spielt bei Tieck eine so
-wichtige Rolle, dass die Stimmung es meist ber die Chronologie
-davontrgt. Die Jahreszeiten begleiten die Hauptereignisse, es kommt
-aber damit keineswegs zugleich ein festes chronologisches Gerste
-fr die Ereignisse der Dichtung zustande, wie man erwarten mchte.
-Klar begrenzte Zeitrume widersprechen der ins Unendliche strebenden
-romantischen Stimmungspoesie und dieser hat alles zu dienen. Wie
-gewaltsam Tieck gegen die Chronologie vorgehen kann, zeigt die
-Aufeinanderfolge der Thurmscene, in der Genoveva das Wiegenlied
-singt,<a name="FNAnker_620_620" id="FNAnker_620_620"></a><a href="#Fussnote_620_620" class="fnanchor">[620]</a> und der Schferhochzeit. Bei genauerem Nachrechnen ergibt
-sich, dass es in der ersteren Scene Herbst oder Winter sein muss, was
-auch die Verse:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Drauen geht der Wind,</div>
- <div class="verse">Die dicken Mauern Beschtzer sind&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>verrathen. In der nchsten Scene, die noch auf der gleichen Seite
-beginnt, ist es schon herrlicher Frhling, weil es die Hochzeitstimmung
-verlangt. Bei den Tageszeiten lsst sich, mit geringen Ausnahmen,
-ebenfalls kein chronologisches Moment beobachten, sondern auch
-hier ist es wieder nur der Stimmungswert der Zeit, den der Dichter
-bercksichtigt und dem sich die Chronologie zu fgen hat. Die uere
-Natur bleibt immer dem Seelischen untergeordnet.</p>
-
-<p>Morgen, Abend und Nacht kehren in der &#8222;Genoveva&#8220; wieder. Nur diesen
-Zeiten schenkt Tieck seine besondere dichterische Aufmerksamkeit
-wie die brigen Romantiker auch. Die ahnungs<span class="pagenum"><a name="Seite_185" id="Seite_185">[S. 185]</a></span>volle Dmmerung, das
-geheimnisreiche Dunkel und die belebende, gemtherfrischende, &#8222;in
-der Zukunft weisende&#8220; Morgenstunde: das sind vor allem &#8222;poetische
-Zeiten&#8220;. Der Sommernacht wendet Tieck in zwei Scenen der &#8222;Genoveva&#8220;
-seine besondere Liebe zu. Im weichen Geisterlichte des Mondes wchst
-die Sehnsucht im Herzen, in stiller Nacht breitet Phantasus seinen
-Mantel auseinander und zeigt seinen bunten Reichthum und seine
-Traumherrlichkeit. Nacht und dmmerndes Zwielicht sind das sichtbare
-Widerspiel der unbestimmten, in die dunkelsten Seelentiefen sich
-verlierenden Stimmungen, die &#8222;allein glcklich machen&#8220;. (Novalis.) &#8222;Die
-plastische Sonne leuchtet einfrmig wie das Wachen, der romantische
-Mond schimmert vernderlich wie das Trumen&#8220;, sagt Jean Paul.<a name="FNAnker_621_621" id="FNAnker_621_621"></a><a href="#Fussnote_621_621" class="fnanchor">[621]</a>
-Ein anderes kommt bei Darstellung der Visionen in Betracht. Hier wird
-Licht und Glanz in ppiger Flle aufgeboten, um das Auerordentliche,
-berirdisch Heilige wrdig einzukleiden, wie mit einem Goldgrund,
-der die Heiligen auf altdeutschen Gemlden mit schimmernder Glorie
-umgibt. Wenn Tieck auch Glanz und Schimmer verschwendet, so wird er
-dabei seiner unplastischen Weise keineswegs untreu; denn er zeigt uns
-nie hellbeglnzte Dinge im scharfen Umrisse, sondern Glanz und Schein
-selber und damit sind wir sofort wieder in unbegrenzter Unendlichkeit.
-Klare, deutliche Conturen in der Naturschilderung sind Tiecks Sache
-ganz und gar nicht. Ein organisch sich aufbauendes Naturbild sucht
-man in der &#8222;Genoveva&#8220; vergebens. Alles erscheint in auflsender
-Beleuchtung. Tieck gibt hie und da ruhende Bilder und begngt sich, sie
-mit einem leisen, seelischen Anhauche zu beleben. Am liebsten htte
-er in dieser hochromantischen Periode in Tnen gedichtet, Worte nach
-ihrem Klangwerte rein musikalisch verbunden und am liebsten belauscht
-er auch die geheimen Tne der Natur oder richtiger, er hrt aus der
-Natur geheime Tne heraus und sucht ihren nur dem Gemth und der
-Phantasie vernehmbaren Klang in Worte zu fassen. Dieses eigenthmliche
-musikalische Auffassen der Natur weckt dann &#8222;geheime Ahndungen&#8220; und
-&#8222;Stimmungen&#8220;. &#8222;Die Musik ist romantische Poesie durch das Ohr.&#8220; (Jean
-Paul.)</p>
-
-<p>Im zweiten Theile unserer Dichtung herrscht auer dem frstelnden
-Herbste bei der Verstoung Genovevas in erster Linie die Stille
-der Waldeinsamkeit. Tieck liebt die Waldeinsam<span class="pagenum"><a name="Seite_186" id="Seite_186">[S. 186]</a></span>keit. Er hat dieses
-poetische Wort gebildet. In den &#8222;blonden Eckbert&#8220; dichtete er ihren
-ganzen Reiz hinein. Dass gerade das Motiv des waldeinsamen Lebens,
-das er im Volksbuch fand, seine Phantasie lebhaft anregte, erzhlt
-er uns. Wie in der nchtlichen Stille, hebt hier in der Stille des
-Waldes die Sehnsucht im Gemthe zu tnen an, die Sehnsucht nach dem
-Himmel in Genovevas Seele, in Schmerzenreich die Sehnsucht nach den
-fernen Menschen, die hinter&#8217;m Walde wohnen, &#8222;der ganz weitab im Scheine
-glnzt daher&#8220;. Der Romantiker sucht auch hier ahnungsreiche Ausblicke
-in weite, verschwimmende Fernen. Im ganzen berwiegt die freundliche
-und liebliche Seite der Natur in der &#8222;Genoveva&#8220;. Tieck, dessen Gefhle
-durch Wackenroder &#8222;verfeinert&#8220; wurden, der im heiteren Genuss von Kunst
-und Poesie, in glcklicher Freundschaft und in anregender Geselligkeit
-lebt, ist nun selbst mehr auf das Zarte, Milde, Weiche und Heitere
-gestimmt. Seine Vorliebe fr die freundlichen Blumen fllt Novalis
-auf.<a name="FNAnker_622_622" id="FNAnker_622_622"></a><a href="#Fussnote_622_622" class="fnanchor">[622]</a> Nur dort und da schleichen die Dmonen des Venusberges
-und des Runenberges heimlich heran und grinsen verstohlen durch das
-Kirchenfenster in Genovevas Heiligthum herein. Es sind die Nachwehen
-der Abdallah- und Lovellstimmung, die im &#8222;Tannenhuser&#8220; und &#8222;Runenberg&#8220;
-wieder ihre alte Macht gewinnt.</p>
-
-<p>Eines muss dem Betrachter der &#8222;Genoveva&#8220; immerhin auffllig sein. Man
-sollte nmlich erwarten, dass der Dichter der &#8222;heiligen Genoveva&#8220; die
-Natur soviel als mglich mit dem religisen Sinne der geistlichen
-Poesie anschaute, &#8222;wo das fromme Gemth aus der ganzen belebten und
-unbelebten Natur einen groen Lobgesang auf die Herrlichkeit ihres
-Schpfers und Erhalters herauszuhren meint.&#8220;<a name="FNAnker_623_623" id="FNAnker_623_623"></a><a href="#Fussnote_623_623" class="fnanchor">[623]</a> Man mchte dies
-umsomehr erwarten, als die Natur in den &#8222;Herzensergieungen&#8220; eine
-wunderbare Sprache Gottes ist, als Tieck im &#8222;Zerbino&#8220; den Waldbruder
-das fromme Lied: &#8222;Wann das Abendroth im Haine&#8220;<a name="FNAnker_624_624" id="FNAnker_624_624"></a><a href="#Fussnote_624_624" class="fnanchor">[624]</a> singen lsst
-und in der ersten Ausgabe auch das alte &#8222;Komm&#8217; Trost der Welt, Frau
-Nachtigall&#8220; eingeschaltet hatte. Im &#8222;Sternbald&#8220; wie in den &#8222;Phantasien&#8220;
-bricht das eigentlich religise Naturempfinden fters recht auffallend
-durch. Dem Dichter war also eine solche Auffassung der Natur nicht
-fremd. Und in der &#8222;Genoveva&#8220; ist die<span class="pagenum"><a name="Seite_187" id="Seite_187">[S. 187]</a></span>selbe seltsamerweise bis auf
-geringe Reste verschwunden. Im Verkehre mit der Natur lsst sich
-Tieck hier weder vom &#8222;Klosterbruder&#8220; noch von Jakob Bhme ernstlich
-beinflussen. Wenn auch seine Gemthsverfassung mehr Heiterkeit und
-Ruhe zeigt als sonst, die Art des Empfindens bleibt seine eigene. Was
-die Biographen als Lieblingstimmungen des naturandchtigen Poeten
-erwhnen, findet sich in der That fast alles in irgend einer Form in
-der &#8222;Genoveva&#8220; wieder und dass diese Naturstimmungen Tieck aus der
-Seele strmten, beweisen auch seine spteren Worte an Solger.<a name="FNAnker_625_625" id="FNAnker_625_625"></a><a href="#Fussnote_625_625" class="fnanchor">[625]</a> Mit
-Verschiedenem ist er nicht mehr zufrieden, aber &#8222;dies Klima (wie ich
-es nennen mchte), dieser Duft des Sommerabends, der Waldgeruch und
-sptere Herbstnebel ist mir noch ganz recht...&#8220; &mdash;</p>
-
-<p>Die Religion, die das Menschengemth vielseitig berhrt oder den Geist
-zum Wunderbaren und Geheimnisvollen und Unendlichen hinfhrt, das
-Alterthmliche, das, der nchternen Alltglichkeit entrckt, in der
-Phantasie eine idealisierende Weihe empfangt und die innige, liebevolle
-Hingabe an die Stimmung der Natur, das ist der echt romantische
-Dreiklang, der bald leise tnend bald mchtiger anschwellend Tiecks
-&#8222;Genoveva&#8220; durchzieht und die auseinander fallenden Theile der
-Composition durch einen durchgehenden Accord eint.</p>
-
-<h3 class="mtop15" id="Charaktere">5. Die Charaktere.</h3>
-
-<p>Die vorausgehenden Beobachtungen versuchten dem &#8222;Klima&#8220; in der
-&#8222;Genoveva&#8220; nherzutreten, dem religisfrommen wie dem altdeutschen
-Tone, die das Stck beherrschen und dem Naturstimmungsdufte, der das
-Ganze fhlbar durchzieht. Nur nebenbei wurde der Menschen selbst
-gedacht, die in diesem Klima leben. Der Dichter legt uns dieses
-Vorgehen nahe. Denn spter, bei khlerer Betrachtung seines Werkes
-misst er dem &#8222;Klima&#8220; in demselben mehr Wert bei, als den meisten
-Personen, die in der Dichtung auftreten. Diesen soll nun auch einige
-Aufmerksamkeit geschenkt werden.</p>
-
-<p>Unser erstes Interesse bei Untersuchung der Charakterisierungsweise
-Tiecks richtet sich naturgem auf die Hauptpersonen Genoveva und Golo.
-Genovevas Charakter, der sich<span class="pagenum"><a name="Seite_188" id="Seite_188">[S. 188]</a></span> fast ganz mit ihrem Verhltnis zur
-Religion und Natur erschpft, wird direct und indirect geschildert.
-Wir erhalten durch die Mitspieler (Bonifacius mit eingerechnet)
-verschiedene Ausknfte ber ihre Charakterzge.<a name="FNAnker_626_626" id="FNAnker_626_626"></a><a href="#Fussnote_626_626" class="fnanchor">[626]</a> Ein wichtiger Wink
-fr die Auffassung ihres Wesens ist die uerung Golos:<a name="FNAnker_627_627" id="FNAnker_627_627"></a><a href="#Fussnote_627_627" class="fnanchor">[627]</a></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Sie wei um ihre Schnheit nichts, und nichts</div>
- <div class="verse">Um ihre Lieblichkeit, sie hat den Himmel</div>
- <div class="verse">In ihrem Auge und verschnt die Erde.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Das unbewusst Naive an ihr soll hier als bedeutsamer Zug hervorgehoben
-und damit ihr sonst unbegreifliches Benehmen, ihre Taubeneinfalt bei
-Golos Liebesantrgen<a name="FNAnker_628_628" id="FNAnker_628_628"></a><a href="#Fussnote_628_628" class="fnanchor">[628]</a> erklrt werden. Ganz drfte es aber dem
-Dichter trotz dieses Hinweises nicht gelungen sein, uns diese Seite
-seiner Heldin verstndlich zu machen; denn ihr Benehmen geht ber das
-Ma von Naivett, das man nach Golos Worten erwartet, hinaus. Zudem
-ist die Gemldescene ein directer Widerspruch gegen Golos Worte: &#8222;Sie
-wei um ihre Schnheit nichts...&#8220; Wir hren weiter noch von ihrer
-Frmmigkeit und Gattentreue und das soll wieder indirect besttigt
-werden, wenn wir Genoveva Legenden lesen, fromme Belehrungen anhren
-und lieber die grte Schmach und Erniedrigung leiden, als ihrem
-Gewissen und ihrem Gatten untreu werden sehen. Die Abweisung Golos
-ist die einzige fr den Fortgang des Stckes bedeutsame Handlung der
-Heiligen. Ihr inneres Leben spricht sich vorzugsweise in Monologen,
-Gebeten, Erzhlungen aus, die einem Dialoge eingeordnet sind oder im
-frommen Zwiegesprche ber ein geistliches Thema.<a name="FNAnker_629_629" id="FNAnker_629_629"></a><a href="#Fussnote_629_629" class="fnanchor">[629]</a> Sie bleibt bis
-auf kleine Trbungen von Anfang bis zum Ende dieselbe. Die Einfhrung
-der Titelheldin in das Stck ist auffallend knapp und drftig. Als
-&#8222;schne Grfin&#8220; und &#8222;edle Grfin&#8220; wird sie uns zuerst genannt.
-Daneben erscheint die Einfhrung Golos, ihres Gegenspielers, ungemein
-breit. In geschicktem Anschlusse an sein Auftreten wird der Leser
-ber des Ritters uere Erscheinung und vielfltige Charaktervorzge
-unterrichtet. Der schne Reiter ist ein wahres ritterliches Musterbild,
-wie es ein Romantiker ersinnen mochte. Er ist Snger, Musiker,
-Maler, ein gewandter<span class="pagenum"><a name="Seite_189" id="Seite_189">[S. 189]</a></span> Tnzer und Dichter, eine Art romantischer
-Universalknstler,<a name="FNAnker_630_630" id="FNAnker_630_630"></a><a href="#Fussnote_630_630" class="fnanchor">[630]</a> eine sensitive Natur, die von einem Liede
-rthselhaft berwltigt wird. Er ist herablassend, freigebig, geliebt
-von den einfachen Leuten wie von seinem Herrn. Spter hren wir wieder
-von seinem bezaubernden Eindruck auf die Umgebung und selbst auf
-Genoveva. Bis auf Tanz und Malerei bt auch Golo hie und da die Knste,
-die ihm in der Exposition nachgerhmt werden. Diese Charaktervorzge
-entsprechen der herrlichen ueren Erscheinung des Reiters auf dem
-weien Pferde. Er erscheint zuerst in lauter Licht und Glanz. Es
-soll die Mglichkeit in unseren Gesichtskreis gerckt werden, er
-sei eine Gefahr fr Genoveva.<a name="FNAnker_631_631" id="FNAnker_631_631"></a><a href="#Fussnote_631_631" class="fnanchor">[631]</a> Andeutungen dazu fehlen auch im
-weiteren Verlaufe nicht. Jene ausfhrliche directe Schilderung Golos
-am Anfange ist aber fr unser Gefhl schon darum entschieden zu breit
-gerathen, weil wir in der Erzhlung seiner Amme noch einmal in Form
-einer Jugendgeschichte fast dasselbe erfahren, was hier in einfacher
-Aufzhlung gegeben wird. Daran stie sich der romantische Geschmack
-keineswegs. Wenn im echten Roman &#8222;alles Episode ist oder gar nichts&#8220;,
-warum sollte es im echten romantischen Drama anders sein. Neu im
-Berichte der Amme ist die Betonung des Wunderbaren in Golos Wesen.
-Nur seine Abkunft wird noch im Dunkeln gelassen. Die Abstammung des
-Ritters, sowie die Ursache der wildaufflammenden Leidenschaftlichkeit,
-die der Leser indessen bereits kennen gelernt hat, wird von der Hexe in
-astrologischer Sprache, fast in der Art der modernen Vererbungstheorie
-erklrt. Auer den Mittheilungen der Hexe wird im zweiten Theile wenig
-ber Golo geredet, hier herrscht die indirecte Darstellung durch
-sein Benehmen und Handeln vor. Aber als Rckblick und Abschluss gibt
-Siegfried in der Gerichtsscene eine Zusammenfassung der blen Seiten,
-die Golo besonders in der zweiten Hlfte des Stckes hervorgekehrt hat.
-Das Gegenstck zur lobpreisenden Exposition.</p>
-
-<p>An dieser Gestalt versucht Tieck auch eine Darstellung fortschreitender
-Charakterentfaltung. Der psychologische Hauptinhalt der Figur ist
-die tragische Liebe, welche Tieck sorgfltig in ihrem allmhlichen
-Emporwachsen zeichnet. Golos Frage nach der &#8222;schnen Grfin&#8220; ist die
-erste Andeutung. Das Bemhen,<span class="pagenum"><a name="Seite_190" id="Seite_190">[S. 190]</a></span> an Genovevas Seite zu bleiben und die
-Frage &#8222;wo ist die Grfin&#8220; als Anfangsworte einer Scene sind ein kleiner
-Schritt nach vorwrts. ber die weitere Entwickelung des seelischen
-Processes unterrichten den Leser hauptschlich Monologe, daneben der
-Dialog mit Gertrud und eingeschaltete Lieder. Golo mchte sich anfangs
-gegen die Wandlung in seinem Inneren noch wehren. Er verehrt Genoveva
-nur erst &#8222;mit stummer Inbrunst und aus frommer Ferne&#8220;. Genoveva
-versteht ihn nicht und Golo wird traurig. Ein Monolog sagt dem Leser
-wieder, dass bereits das ganze Innere Golos in leidenschaftlichem
-Aufruhr tobt, und dass es fr ihn kein Zurck mehr gibt. In Liedern
-und andeutenden Worten sucht der Schmachtende sich seiner Herrin
-verstndlich zu machen. Allein sie versteht ihn wieder nicht. In der
-Gemldescene erklrt er zunchst in versteckter Umschreibung und
-endlich offen seine Liebe und wird abgewiesen. Bestrzung. Bald tritt
-auch das sinnliche Moment, das sich bisher nur schchtern zeigte,
-deutlicher hervor und im langen Monologe der Gartenscene berstrmt
-es schrankenlos die hhere, seelische Empfindung. Bis hieher lsst
-sich ein sorgfltig abgewogenes Crescendo der allmhlich um sich
-greifenden Leidenschaft beobachten. Vor der Peripetie erleidet die
-Darstellung einen kleinen Sto. Der kurze Zornesausruf gegen das
-&#8222;Heuchelbild&#8220; (Genoveva)<a name="FNAnker_632_632" id="FNAnker_632_632"></a><a href="#Fussnote_632_632" class="fnanchor">[632]</a> und gegen den &#8222;Heuchler&#8220; Drago<a name="FNAnker_633_633" id="FNAnker_633_633"></a><a href="#Fussnote_633_633" class="fnanchor">[633]</a> ist
-eine gewisse Vorbereitung fr das Kommende. Aber nach meiner Empfindung
-hat Tieck diese vorbereitenden Momente zu flchtig behandelt. Die
-Liebe Golos, die neben seiner Rachsucht noch fortdauert und ihn zwei
-weitere vergebliche Antrge im Gefngnis versuchen lsst, vermag
-den pltzlichen Umschlag in Golos Gesinnung auch nicht berzeugend
-auszugleichen. Eine Hufung des gleichen Motives ist die weitere Folge.
-Fnf Liebesantrge zwischen den zwei nmlichen Personen! Das Volksbuch
-ist dabei keine Rechtfertigung. Es ist es hchstens fr den Romantiker.
-Auch das widerliche Benehmen des Ritters gegen eine hochschwangere
-Frau, an dem sich vielleicht die Holzschnittmanier des Volksbuches
-nicht stt, wre in der modernisierten Darstellung besser weggeblieben.</p>
-
-<p>Von diesem Punkte der Dichtung an wird Golo eine Zeit<span class="pagenum"><a name="Seite_191" id="Seite_191">[S. 191]</a></span>lang uerlich
-activ und charakterisiert sich so indirect. Bei der Gefangennahme, bei
-der lgnerischen Botschaft an Siegfried, beim Betrug durch die Hexe und
-bei Vollstreckung des Urtheils greift Golo berall krftig und leitend
-ein. Er benimmt sich dabei noch mrrisch gegen seine Umgebung. Nach
-Genovevas Verstoung kommt wieder das Lyrische mehr zum Vorschein, Reue
-und Sehnsucht nach dem Zerstrten. Solange also Golo ein seelisches
-Ziel vor sich hat oder sein Sehnen an einem entschwundenen Glcke
-haftet, waltet das Lyrische vor; als ihm dieses Ziel eine Zeitlang
-aus den Augen schwindet, wird er von den Ereignissen ergriffen und
-muss sich selbst uerlich activ zeigen. Trotz einiger Widersprche
-und der berflssigen Hufung directer und indirecter Charakteristik,
-was sich eben alles aus den romantischen Anschauungen heraus erklren
-lsst, ist die Gestalt Golos und besonders die Schilderung seiner Liebe
-eine bedeutende Leistung. Schon im &#8222;Blaubart&#8220; hatte es Tieck hnlich
-versucht, die Neugier der Agnes &#8222;von der leisesten Anregung allmhlich
-zu einer unwiderstehlichen Gewalt&#8220; sich steigern zu lassen, wie A.W.
-Schlegel rhmend anmerkte.<a name="FNAnker_634_634" id="FNAnker_634_634"></a><a href="#Fussnote_634_634" class="fnanchor">[634]</a></p>
-
-<p>In verwandter Weise wechseln directe und indirecte Charakteristik
-bei den Nebenfiguren. Das Thun des &#8222;wackeren&#8220; Grafen Siegfried gibt
-dem harten Urtheile der Amme, er sei &#8222;wenig behend und sinnreich&#8220;,
-vielmehr &#8222;blden Sinnes&#8220; zum Theile Recht. Das Kind Schmerzenreich will
-Tieck nicht recht gelingen. Neben einzelnen herzlichen und kindlichen
-Worten spricht der unschuldige Sohn des einsamen Waldes wieder viel
-zu unterrichtet und zu altklug von der bsen Welt und vor lauter
-Frmmigkeit vergisst er den natrlichsten und unschuldigsten Antheil am
-Tode seiner Mutter. Die Amme trgt ein paar deutliche markante Zge,
-sie ist geschwtzig und eine lgnerische Kupplerin. Aus Liebe zu Golo
-geht sie von Genoveva zu ihm ber und hilft, ihre Herrin verderben.
-Das Motiv der Liebe zu ihrem Pflegesohne tritt aber an entscheidenden
-Stellen viel zu wenig hervor. Daher fehlt auch ihrer Gestalt das
-Gerundete, und wir sind unbefriedigt. Die brigen Menschen zeigen
-immer nur den einen oder anderen Zug. Soweit sie Trger <a name="verschieden" id="verschieden"></a>verschieden
-abgestufter Religiositt sind, wurden sie schon charakterisiert. Sie
-sind alle mitsammen ziemlich blasse nebelhafte Schemen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_192" id="Seite_192">[S. 192]</a></span></p>
-
-<p>Bei der Wrdigung von Tiecks Charakterisierungskunst kommen also
-eigentlich nur Genoveva und Golo vornehmlich in Rechnung. Sie sind in
-ihrer ueren Erscheinung zwar einheitlich, aber fr ein Drama, das nur
-auf einer Phantasiebhne spielt, vielleicht nicht deutlich und scharf
-genug gezeichnet. Nicht ganz consequent durchdacht ist ihr inneres
-Wesen. Man freut sich aber, dass wenigstens ein positives und sogar ein
-reiches innerliches Leben da ist, das vielen anderen Figuren mangelt,
-bei Genoveva religises Empfinden, bei Golo leidenschaftliche Liebe.
-Die directe Charakteristik wird reichlicher verwendet, als nthig wre.
-Genoveva ist fast ganz ein ruhendes, beharrendes Charakterbild. Golo
-ist zwar beim ersten Erscheinen auch zur Hlfte fertig gezeichnet,
-jedoch das Wachsen seiner Liebe, das Misslingen seiner Absichten und
-die Folgen davon bringen Bewegung und Fortschritt in sein Dasein. Er
-ist gewissermaen der unstte, vernderliche Mensch neben Genoveva,
-die als geborene Heilige fast wandellos ber dem Irdischen steht,
-wie ein Heiligenbild in der Kirche, das heute in demselben Gold- und
-Farbenglanze erscheint, wie lngst und ehedem. Siegfried, Gertrud
-und die anderen untergeordneten Personen zeigen nur die eine oder
-andere Willensregung und bleiben, was sie im Anfang sind. Fr diese
-Nebenfiguren ist Merkels Spttelei nicht ganz grundlos. Er schreibt
-nmlich:<a name="FNAnker_635_635" id="FNAnker_635_635"></a><a href="#Fussnote_635_635" class="fnanchor">[635]</a> &#8222;Haben seine (Tiecks) Personen uns gesagt: &#8218;ich bin das!&lt;
-und sie kommen nach einer Reihe von Jahren wieder, so wissen sie nichts
-zu sagen, als: &#8218;ich bin es noch!&#8216;&#8220; brigens redet spter Tieck selbst
-Solger gegenber mit groer Objectivitt von seinen Geschpfen.<a name="FNAnker_636_636" id="FNAnker_636_636"></a><a href="#Fussnote_636_636" class="fnanchor">[636]</a>
-Mit Golo und Genoveva ist er noch zufrieden. &#8222;Nicht wahr, Golo ist
-fast durchaus, was man in der Malerei im edelen, groen Styl nennt? So
-das Meiste in Genoveva.&#8220; &#8222;Im groen Styl&#8220; nennt sonst Tieck Menschen
-voll mchtiger Leidenschaft im Gegensatz zu den kleinen, sanften,
-idyllischen Erscheinungen. Bei Genoveva kann er nur an das pompse
-religise Pathos denken, wenn er vom &#8222;groen Styl&#8220; spricht. &#8222;Otto, Karl
-Martell, Aquitanien, die Saracenen sind vielleicht gut gedacht als
-Gegensatz, aber ihre Groartigkeit ist manieriert; die Dienerschaft,
-Drago, selbst Wolf, Heinrich sind dem zu Ausgemalten gegenber
-gleichsam nur in Umrissen.&#8220;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_193" id="Seite_193">[S. 193]</a></span></p>
-
-<p>Wie in der Composition, so stellen sich auch in der Stilisierung
-hie und da jene knstlichen Parallelen und Contraste ein, die Tieck
-so gerne einflicht. Golo wird als beraus herrlicher Junker in
-breiter Exposition eingefhrt und stirbt schlielich als Verbrecher.
-Genoveva tritt daneben recht bescheiden in kurzer Erwhnung ein, am
-Ende ist die Schilderung der Heiligen lauter Glanz und Herrlichkeit.
-Andererseits werden beide auch anfangs mit heimlicher Andeutung
-nebeneinandergestellt als &#8222;edler Herr&#8220; und &#8222;edle Grfin&#8220;, am Ende sind
-sie weltweit voneinander getrennt. Wenn der Schfer aufzhlend, Gertrud
-erzhlend an der Hand der Jugendgeschichte Golos gute Eigenschaften
-entwickeln, so rundet es sich wie eine Art Chiasmus ab, wenn in der
-zweiten Hlfte zuerst die Hexe durch die Erzhlung von Golos Herkunft
-und Siegfried wiederum aufzhlend in der Anklagerede die Schattenseiten
-seines Charakters vorfhren. Das &#8222;Zurckbeleuchten aller frheren
-Gedanken&#8220; lobt Tieck einmal auch an Solgers Darstellungsweise. Golo
-und Genoveva theilen mit ihrer ueren Erscheinung dasselbe Schicksal,
-die krperliche Schnheit beider wird zur Hsslichkeit: Golo jedoch
-ist auch innerlich hsslich geworden, Genoveva wurde (oder blieb)
-eine Heilige. Es scheint zu Tiecks eigenstem knstlerischen Wesen zu
-gehren, dass sich ihm leicht und von selbst solche leise, unter der
-Oberflche halb versteckte Beziehungen und Zusammenhnge anspinnen.
-Diese Neigung und eine idealisierende Allgemeinheit mssen wir als
-kennzeichnende Seite seiner Charakterschilderung festhalten. ber
-allerlei Widersprche innerhalb der Charaktere gleitet der Blick des
-romantischen Dichters sorglos hinweg und der Meister der lyrischen
-Stimmung ist zufrieden, wenn die einzelne Scene ihren richtigen &#8222;Ton&#8220;
-erhlt, wenn die Scenen bunt und mannigfaltig wechseln und erst
-das Ganze sich wieder zu einer gewissen Einheit zusammenschliet.
-&#8222;Vernnftiges Chaos.&#8220;</p>
-
-<h3 class="mtop15" id="Stil">6. Der Stil.</h3>
-
-<p>Vom Charakter des romantischen Stiles, wie er sich in der Bltezeit
-der Schule (1797&ndash;1801) entfaltet, gibt Petrichs kleine Schrift &#8222;Drei
-Kapitel vom romantischen Stil&#8220;,<a name="FNAnker_637_637" id="FNAnker_637_637"></a><a href="#Fussnote_637_637" class="fnanchor">[637]</a> ein sehr lehrreiches Bild. L.
-Tieck steht theilweise im Mittelpunkte dieser<span class="pagenum"><a name="Seite_194" id="Seite_194">[S. 194]</a></span> Untersuchungen und auch
-auf seine &#8222;Genoveva&#8220; wird in manchen Punkten Rcksicht genommen. Da
-Petrich aber eine zusammenfassende bersichtliche Darstellung im Auge
-hatte, so konnte eine einzelne Dichtung nach ihrer sprachlichen Seite
-naturgem nicht erschpfend betrachtet werden. Indem ich dankbar
-annehme, was der Vorgnger bietet, versuche ich, die Untersuchung der
-einen Dichtung Tiecks zu vervollstndigen.</p>
-
-<p>Im Sprachstile mssen wir immer den knstlerisch-sprachlichen Ausdruck
-dessen suchen, was die dichterische Einbildungskraft innerlich im
-Geiste sich formte, und Hauptaugenmerk der stilistischen Untersuchung
-muss es sein, die Wechselbeziehungen zwischen Inhalt und Ausdruck
-soweit als mglich zu verfolgen. Tiecks &#8222;Genoveva&#8220;, die inhaltlich
-eine romantische Universalpoesie im kleinen sein mchte, bildet ein
-sehr buntes Conglomerat von Motiven und Stimmungen. Man darf da im
-vorhinein nicht allzuviel von einem einheitlichen Stilcharakter
-erwarten. Ein solcher war vielleicht nicht einmal vom Dichter
-beabsichtigt. Da es den vorhergehenden Beobachtungen wenigstens
-gelang, drei wichtige Elemente zu greifen, welche die Dichtung zumeist
-beherrschen und ihre Physiognomie wesentlich bestimmen, das Religise,
-das Alterthmliche und ein eigenartiges Naturgefhl, so liegt es auch
-nahe, diese Grundstrmungen in der Stilisierung zu verfolgen; denn
-diese eigenartigen Stimmungen mssen sich in angemessenen, eigenartigen
-Worten und Bildern uern, um dem Gemthe des Lesers wiederum hnliche
-Stimmungen zu suggerieren.</p>
-
-<p>Die von der Naturphilosophie vielfach befruchtete Weltanschauung der
-meisten Romantiker ahnt und sucht hinter der sichtbaren Welt eine
-hhere, unsichtbare, geistige, und bemht sich ohne Aufhren mit
-verlangendem Seherblick in dieses unbekannte Jenseits einzudringen.
-Das gibt auch ihrer Stilistik ein eigenartiges Geprge.<a name="FNAnker_638_638" id="FNAnker_638_638"></a><a href="#Fussnote_638_638" class="fnanchor">[638]</a> Tiecks
-&#8222;Genoveva&#8220;, die nur an einzelnen Stellen von der Naturphilosophie
-berhrt wird, ist berwiegend von der christlich religisen
-Auffassung beherrscht. Die transscendentale Welt und was sonst zur
-Religion gehrt, ist darum hier zum grten Theile identisch mit den
-christlichen Anschauungen von Leben und Jenseits und wird nur in
-geringerem Mae von Naturphilosophie und Bhmes Theosophie bestimmt.<span class="pagenum"><a name="Seite_195" id="Seite_195">[S. 195]</a></span>
-Die Stilmystik &mdash; ein von Petrich geprgter Terminus &mdash; in der die
-Beziehungen zwischen Welt und berwelt sich spiegeln, wird darum
-hier eine vorwiegend christliche Frbung annehmen, die &#8222;Gefhle der
-Andacht&#8220;, &#8222;die Wunder der Legende&#8220;, das &#8222;Unglaubliche&#8220; werden in erster
-Linie eine christliche Sprache reden.</p>
-
-<p>In ziemlicher Anzahl verwendet Tieck in der That religise Ausdrcke
-und Wendungen, wie sie in Gebet und Predigt und in Erbauungsbchern
-einen stndigen Wortschatz bilden, z.B. &#8222;erbauen&#8220;, &#8222;frommes Herz&#8220;,
-&#8222;liebe treue Seele&#8220;, &#8222;unsere heilige Religion&#8220;, &#8222;Inbrunst&#8220;, das
-Schlusswort &#8222;Amen&#8220;, die fromme Gruformel: &#8222;Es segne Euch der Herr,
-behte Euch, er sei mit Euch auf allen Euren Wegen&#8220; oder &#8222;Nun
-gute Nacht, der Herr mag Euch bewahren mit seinen auserwhlten
-Engelschaaren&#8220; oder &#8222;Schn warmer Tag. Gelobt sei Jesus Christ&#8220;.
-Karl Martell citiert betend die Psalmworte: &#8222;Gedenk&#8217; nicht meiner
-Snde! Geh&#8217;, o Herr, nicht mit mir in&#8217;s Gericht!&#8220; Biblische Worte
-werden verwendet in der Schilderung der Visionen,<a name="FNAnker_639_639" id="FNAnker_639_639"></a><a href="#Fussnote_639_639" class="fnanchor">[639]</a> in Dragos
-Erbauungsrede<a name="FNAnker_640_640" id="FNAnker_640_640"></a><a href="#Fussnote_640_640" class="fnanchor">[640]</a> und vereinzelt noch fter. Genoveva gebraucht
-ein paarmal die Worte des Vaterunser.<a name="FNAnker_641_641" id="FNAnker_641_641"></a><a href="#Fussnote_641_641" class="fnanchor">[641]</a> &mdash; Mit religisen
-Gewohnheitsphrasen, wie &#8222;was Gott mir beschieden&#8220;, &#8222;mit Gottes Hilfe&#8220;,
-&#8222;wollte Gott&#8220;, &#8222;bewahre&#8220;, &#8222;Gott lass es ihm wohl geh&#8217;n&#8220;, &#8222;Gott
-helf&#8217; mir meiner Snde&#8220;, &#8222;Gottlob&#8220;, &#8222;Herr Gott&#8220;, &#8222;heiliger Gott&#8220;,
-&#8222;Gotteswelt&#8220; u.dgl. ist Tiecks Stck reichlich bedacht und diese
-verschiedenen Ausrufe und Anrufe werden hier ohne Unterschied von guten
-und schlechten Christen gebraucht.</p>
-
-<p>Die Gefhle der Andacht entfalten sich im Gebete und in der frommen
-Betrachtung. Das Gebet erscheint in der &#8222;Genoveva&#8220; gewhnlich in
-der Form des feierlichen Anrufes. &#8222;O Auge Gottes, das vom Himmel
-schauet, nimm Du ihn gern in Deinen groen Schutz&#8220;...<a name="FNAnker_642_642" id="FNAnker_642_642"></a><a href="#Fussnote_642_642" class="fnanchor">[642]</a> Ein wenig
-lahm klingt daneben Karl Martells Aufforderung zum Preise Gottes an
-die Umgebung:<a name="FNAnker_643_643" id="FNAnker_643_643"></a><a href="#Fussnote_643_643" class="fnanchor">[643]</a> &#8222;Der Herr hat wundervoll fr uns gestritten, man
-preise ihn durch laute Freudenlieder, man bring&#8217; ihm Dank und lasst
-uns kindlich bitten.&#8220; Die religise Belehrung und Ermahnung kleidet<span class="pagenum"><a name="Seite_196" id="Seite_196">[S. 196]</a></span>
-sich gern in die Form der Anrede. &#8222;So wird Euch Gott mit seinem Schirm
-geleiten...&#8220;<a name="FNAnker_644_644" id="FNAnker_644_644"></a><a href="#Fussnote_644_644" class="fnanchor">[644]</a> Wir finden auch die allgemeine Form des betrachtenden
-Vortrags, der nur lose in den Dialog eingehngt erscheint. Hieher
-gehrt die Rede des Kapellans an Genoveva,<a name="FNAnker_645_645" id="FNAnker_645_645"></a><a href="#Fussnote_645_645" class="fnanchor">[645]</a> sowie die Betrachtung
-Dragos ber die irdischen Leiden.<a name="FNAnker_646_646" id="FNAnker_646_646"></a><a href="#Fussnote_646_646" class="fnanchor">[646]</a> Da diese an die Lesung der
-Legende anknpft, so gemahnt sie schon an jene Art von Predigten, die
-Novalis schreiben wollte. Noch mehr ist dies der Fall, wenn sich eine
-solche Rede an eine kleine Gemeinde richtet, wie Wendelins Erklrung
-der Heiligenbilder.<a name="FNAnker_647_647" id="FNAnker_647_647"></a><a href="#Fussnote_647_647" class="fnanchor">[647]</a></p>
-
-<p>Um den Krieg Karl Martells als Kreuzzug erscheinen zu lassen und
-den Enthusiasmus des frommen ritterlichen Kmpfers zum Ausdruck zu
-bringen, nimmt der Dichter eine Reihe stilistischer Mittel zuhilfe. Mit
-Wendungen, wie &#8222;heiliger Krieg&#8220;, &#8222;fr Christum fechten&#8220;, &#8222;in Christ
-bestehen&#8220; und verwandten Phrasen wird nicht gespart. Es wird immer
-an Stellen, wo man hin und wieder auch &#8222;die Feinde&#8220;, &#8222;die Unseren&#8220;
-erwarten mchte, consequent &#8222;die Heiden&#8220;, &#8222;die Saracenen&#8220;, &#8222;der
-Muselmann&#8220;, &#8222;die Ungetauften&#8220; und auf der anderen Seite &#8222;die Christen&#8220;
-eingesetzt. Die Mohren rufen: &#8222;Mahom!&#8220; &#8222;Allah!&#8220; &#8222;Beim Allah!&#8220; die
-Christen: &#8222;in Gottes Namen denn!&#8220; &#8222;Herr Christ, magst mir im Streit
-beisteh&#8217;n!&#8220; u.s.f.</p>
-
-<p>Gegen Ende der Dichtung sehnt sich alles nach der Ewigkeit und diese
-Sehnsucht spricht auch aus manchem eigenthmlichen Worte heraus.
-Genoveva blickt aus der Wste aus &#8222;in das schne Land&#8220;.<a name="FNAnker_648_648" id="FNAnker_648_648"></a><a href="#Fussnote_648_648" class="fnanchor">[648]</a> &#8222;Schon
-schlaf&#8217; ich ein, schon zieht mein Geist von hinnen.&#8220;<a name="FNAnker_649_649" id="FNAnker_649_649"></a><a href="#Fussnote_649_649" class="fnanchor">[649]</a> &#8222;O lass
-sie zieh&#8217;n, denn das ist ihr Verlangen, nach Himmelslichte steht
-ihr frommer Sinn.&#8220;<a name="FNAnker_650_650" id="FNAnker_650_650"></a><a href="#Fussnote_650_650" class="fnanchor">[650]</a> &#8222;Sie geht voraus, wir kommen nach in unsers
-Vaters Haus.&#8220;<a name="FNAnker_651_651" id="FNAnker_651_651"></a><a href="#Fussnote_651_651" class="fnanchor">[651]</a> &#8222;Ach Gott, magst... uns auch ein feines, sel&#8217;ges
-Ende geben.&#8220;<a name="FNAnker_652_652" id="FNAnker_652_652"></a><a href="#Fussnote_652_652" class="fnanchor">[652]</a> &#8222;Siegfried hofft in Gottes Licht zu funkeln.&#8220;<a name="FNAnker_653_653" id="FNAnker_653_653"></a><a href="#Fussnote_653_653" class="fnanchor">[653]</a>
-Das Leben ist eine &#8222;Wall<span class="pagenum"><a name="Seite_197" id="Seite_197">[S. 197]</a></span>fahrt&#8220; nach dem Himmel. In all diesen Worten
-der Himmelssehnsucht liegt wegen ihrer schlichten Einfachheit eine
-groe Kraft und immer erwecken sie die Vorstellung vom Hinwegsehnen
-und Hinausblicken aus dieser Welt nach einem fernen, schnen, seligen
-Lande. Dies gibt den letzten Theilen der &#8222;Genoveva&#8220; einen sanften,
-wehmthig-frohen Anhauch, der sich recht glcklich mit der groen
-Stille und Einsamkeit zu poetischer Wirkung eint. Wie wir frher die
-Poesie des Fernen in die Naturstimmung hereinklingen hrten, so mengt
-sich hier mit anderen religisen Empfindungen dieser echt romantische
-Sehnsuchtsklang, den wir noch in Eichendorffs &#8222;Ewig trumen von den
-Fernen&#8220; deutlich vernehmen.</p>
-
-<p>Ein Lieblingswort Tiecks und der Romantiker ist das Wrtlein
-&#8222;wunderbar&#8220;<a name="FNAnker_654_654" id="FNAnker_654_654"></a><a href="#Fussnote_654_654" class="fnanchor">[654]</a> und daran reihen sich verschiedene Synonyma. Nicht
-blo das eigentlich Wunderbare wird bei Tieck als solches bezeichnet,
-sondern &#8222;wunderbar&#8220;, &#8222;wundervoll&#8220; u.s.w. begegnen uns auch dort
-gerne, wo es sich nur um etwas Auerordentliches im gewhnlichen
-Sinne handelt. Wir hren von Golos &#8222;wunderbarer Tugend&#8220;. Zulmas Thun
-ist &#8222;wundervoll&#8220;, sie ist ein &#8222;wunderbares, unglckselig Weib&#8220;. Die
-Saracenenschlacht ist &#8222;wundervoll&#8220; und &#8222;wundersam&#8220;. Genoveva ist fr
-Golo ein &#8222;Wunder&#8220;, sie &#8222;weckt die hohen Wunder auf aus verborgenen
-Tiefen&#8220;. &#8222;Wunder ber Wunder&#8220; ruft auch Gertrud bei Genovevas
-Einkerkerung. Dann begegnen uns wieder &#8222;Wunderschein&#8220;, &#8222;wunderthtig&#8220;,
-&#8222;wunderlich&#8220;, &#8222;Zauber&#8220;, &#8222;Zauberschein&#8220; neben hufigem &#8222;seltsam&#8220;,
-&#8222;seltsamlich&#8220;. Solche Wrtchen sind allerdings einzeln genommen
-fast gewichtlose Atome, in Masse aber die Sprache erfllend, sind
-sie imstande, selbst jenen Theilen der Dichtung, die nicht gerade
-Sammelpunkte religisen Empfindens sind, eine Art religiser Frbung
-zu verleihen und in uns bestndig das Gefhl des Auerordentlichen
-anklingen zu lassen. In einer Dichtung, die das Unglaubliche in
-Verbindung mit der nchsten, berzeugenden Gegenwart zeigt, muss auch
-das Irdische dem Wunderbaren etwas nher gerckt werden, damit sich fr
-unsere Phantasie nicht eine zu unbersteigliche Kluft zwischen beiden
-Welten aufthut.</p>
-
-<p>Das Wunderbare entfaltet aber seine besonders blendende Leuchtkraft
-in den Wundern und Visionen, die der Dichter<span class="pagenum"><a name="Seite_198" id="Seite_198">[S. 198]</a></span> jedesfalls selbst als
-die Gipfelpunkte des Religisen in der &#8222;Genoveva&#8220; ansah. Beide werden
-fast immer in Erzhlungsform vorgefhrt. Genoveva erzhlt jedesmal
-selbst ihre Vision in einer feierlichen Rede, die von Vergleichen und
-Bildern frmlich berstrmt. Alles, was Bilder von Licht und Glanz, von
-Gesang und himmlischem Klang in unserer Phantasie erwecken kann, wird
-zuhilfe gerufen, um den Eindruck der bernatrlichen Herrlichkeit zu
-erwecken. Dasselbe gilt auch von den Wundern in der Wste, soweit sie
-mit himmlischen Dingen in Verbindung stehen. Die epische Erzhlung wird
-gelegentlich mit Lyrik durchwoben. Der Dichter lsst die Erzhlerin
-das einemal direct sagen, wie ihr zumuthe war. &#8222;Da fhlt&#8217; ich erst
-die Kraft der Religion...&#8220;<a name="FNAnker_655_655" id="FNAnker_655_655"></a><a href="#Fussnote_655_655" class="fnanchor">[655]</a> &#8222;Mir war, als schaut&#8217; ich schon den
-hchsten Thron...&#8220;<a name="FNAnker_656_656" id="FNAnker_656_656"></a><a href="#Fussnote_656_656" class="fnanchor">[656]</a> Ein andermal wieder erzhlt der Dichter selbst:
-&#8222;Das kam wie Blumen um sie her entsprossen...&#8220;<a name="FNAnker_657_657" id="FNAnker_657_657"></a><a href="#Fussnote_657_657" class="fnanchor">[657]</a> Die berirdischen
-Dinge, die hier der Dichter schildern soll, sind Vorstellungen, die
-jede deutliche Darstellung, alle scharfen Contouren ausschlieen,
-und Tieck wie seine Genossen lieben das Unbestimmte, Verschwimmende,
-weil es die Stimmung des Unendlichen erweckt. Darum die unbestimmten
-Vergleiche und hypothetischen Wendungen. Das Unbestimmte wird denn auch
-manchmal direct betont. &#8222;Wie er gestaltet, kann ich niemand sagen, was
-ich gefhlt, kann keine Zunge sprechen.&#8220;<a name="FNAnker_658_658" id="FNAnker_658_658"></a><a href="#Fussnote_658_658" class="fnanchor">[658]</a> Hypothetisch heit es:
-&#8222;Wie wenn das Morgenroth die Knospe wre...&#8220;<a name="FNAnker_659_659" id="FNAnker_659_659"></a><a href="#Fussnote_659_659" class="fnanchor">[659]</a> &#8222;Mir war, als schaut&#8217;
-ich...&#8220;<a name="FNAnker_660_660" id="FNAnker_660_660"></a><a href="#Fussnote_660_660" class="fnanchor">[660]</a> &#8222;Ich war in Angst, ich mchte...&#8220;<a name="FNAnker_661_661" id="FNAnker_661_661"></a><a href="#Fussnote_661_661" class="fnanchor">[661]</a> In der Schilderung
-der letzten Vision fallen aber die unbestimmten syntaktischen Fgungen
-weg. Es soll auch durch die Sprechweise der Eindruck erzielt werden,
-dass Genoveva, in die himmlischen Mysterien bereits eingeweiht, sich
-schon sicherer in diesen erhabenen Sphren fhlt. In der Darstellung
-dieser hohen Dinge herrschen die langen Perioden vor. Der groartige
-Inhalt und die Stanze fordern eine breitausmalende, reich hinflutende
-Sprache.</p>
-
-<p>Fr die mehr mrchenhaften und rhrenden als eigentlich hohen Wunder
-von der Hirschin und den zutraulichen<span class="pagenum"><a name="Seite_199" id="Seite_199">[S. 199]</a></span> Thierlein der Wildnis sucht
-der Dichter auch seiner Sprache einen mehr naiv herzlichen Ton zu
-geben. &#8222;Komm, fromme Hirschin, du mir zugesandt, du blickst mich an
-mit treuen, lieben Augen.&#8220;<a name="FNAnker_662_662" id="FNAnker_662_662"></a><a href="#Fussnote_662_662" class="fnanchor">[662]</a> Besonders mssen hier die Deminutiva
-mithelfen.<a name="FNAnker_663_663" id="FNAnker_663_663"></a><a href="#Fussnote_663_663" class="fnanchor">[663]</a> &#8222;Die Vglein sich auf Hand und Huptlein schwungen...&#8220;
-&#8222;Gieng&#8217;s Kindlein aus... so liefen auch die frommen Tierlein mit.&#8220;
-&#8222;Die Tierlein kommen schon... die Vgelein sind dort...&#8220; Die kindliche
-Sprache, die von den &#8222;Hnden&#8220; der Thierlein, eine Sprache, wo der
-Sprecher von sich in der dritten Person redet, ahmen die Worte
-Schmerzenreichs nach:<a name="FNAnker_664_664" id="FNAnker_664_664"></a><a href="#Fussnote_664_664" class="fnanchor">[664]</a></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wo Kruter sind, da setzen sie die Hnde,</div>
- <div class="verse">Dass Schmerzenreich sie desto blder fnde.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Das Unheimliche, Ungreifbare der dsteren Geistererscheinung
-fordert wieder andere sprachliche Mittel. Unbestimmte Ausdrcke und
-Vorstellungen, die aber alle auf Grauen und Schrecken, auf Unheimliches
-hinzielen, wirken hier zusammen.<a name="FNAnker_665_665" id="FNAnker_665_665"></a><a href="#Fussnote_665_665" class="fnanchor">[665]</a> Situation: &#8222;In einer Nacht...&#8220;
-Siegfried &#8222;dnkt es&#8220;, dass ein &#8222;Wesen&#8220; (also ganz unbestimmt, welcher
-Art) in seine Kammer trete. Das Wesen aber hebt &#8222;die kalte Hand&#8220;, sein
-&#8222;todter Blick verkndigt Pein und Jammer&#8220;. Es wchst das Gespenst
-so halbdeutlich aus dem Dunkel heraus. Es wlzt sich ins Bett, beim
-Hilferuf verschlingen es die Wnde, es ist ein &#8222;Geist&#8220;. Das &#8222;Gespenst&#8220;
-erscheint wieder, es verwirrt Siegfried &#8222;Sinn und Glauben&#8220;, es macht
-ihn kalt erschaudern, es starrt mit todten Blicken. Als sich Siegfried
-hilfbereit erklrt, erhebt es die weien Finger und winkend fngt es an
-hinwegzuschleichen. All diese Merkmale und Handlungen des Gespenstes
-in den angefhrten charakteristischen Wendungen wirken sehr gut zum
-einheitlichen Eindruck des Unheimlichen zusammen.</p>
-
-<p>Wunder und Visionen werden vom Dichter meist und zwar in bewusster
-Absicht episch dargestellt und dieser Umstand verdient auch Beachtung.
-Der Epiker hat nach Tiecks Ansicht dem Wunderbaren gegenber eine
-leichtere Stellung als der Dramatiker. Denn in der Erzhlung wird das
-Wunderbare nicht so lebhaft vor das kritische Auge gefhrt als auf
-der Bhne und der<span class="pagenum"><a name="Seite_200" id="Seite_200">[S. 200]</a></span> Leser sieht es nur durch das Auge des Dichters.
-Die wunderbare Hirschin, Tod und Engel treten aber nichtsdestoweniger
-in der &#8222;Genoveva&#8220; auf die Bhne. Um fr ein solches Wunder Glauben zu
-erlangen, gilt es, dasselbe gehrig vorzubereiten, damit wir es als
-glaublich hinnehmen. Das thut Tieck auch. Wir leben bei ihm in einer
-wunderbaren Welt von Anfang an. Als dichterischer Traum ist das Ganze
-gedacht. Eine verwirrende Mannigfaltigkeit lsst den Geist nie so lange
-auf einer Erscheinung haften, dass diese allzu reale Existenz gewnne.
-Das katholische Mittelalter und das Gebiet der Legende ist fr Tieck
-ein wunderbarer Boden, auf dem nichts Unglaubliches und Wunderbares
-berraschen kann. Der religise Ton der Sprache hlt uns ziemlich das
-ganze Stck hindurch in der religisen Sphre fest. Die &#8222;wunderbare&#8220;
-Schlacht, der &#8222;Unbekannte&#8220;, die Erzhlung der ersten Vision, Astrologie
-und Hexenkunst, die Rettung aus Mrderhand gehen voraus. Dann folgt
-das geringere Wunder mit der Hirschin, darauf die Erzhlung der groen
-Wunder in der Wste, und nun ist &#8222;der richtende Verstand soweit
-eingeschlfert&#8220; und die Phantasie an das Wunderbare gewhnt, dass
-selbst eine leibhaftige Engelserscheinung die knstlerische Illusion
-nicht mehr zerstren kann. Zu diesen Erwgungen gelangt man zwanglos,
-wenn man Tiecks Gedanken ber das Wunderbare bei Shakespeare sich in
-Erinnerung ruft.<a name="FNAnker_666_666" id="FNAnker_666_666"></a><a href="#Fussnote_666_666" class="fnanchor">[666]</a></p>
-
-<p>An einzelnen Stellen tritt in der Genoveva eine mystische
-Naturphilosophie auf, die sich mit Jakob Bhmes theosophischen
-Phantasien gerne vermengt. Wie dabei auch sprachlich ein Gemisch
-aus Altem und Modernem entsteht, zeigte uns die Betrachtung des
-Jakob Bhme&#8217;schen Einflusses auf die &#8222;Genoveva&#8220;. Auch der einzelnen
-pantheistischen Wendungen wurde schon gedacht.</p>
-
-<p>In die fromme Legende spricht zuweilen das Schicksal oder die
-unheimliche Natur ein dsteres Wort hinein. &#8222;Das Schicksal hat es so
-gefgt&#8220;, &#8222;die Fden des Schicksals verlaufen&#8220;, ein geheimnisvolles
-&#8222;mu&#8220; oder die unbestimmte Wendung &#8222;uns selber nicht gehrt das
-ird&#8217;sche Leben&#8220; sagen, dass ein unerklrtes und nur dem ahnenden und
-schauernden Gemthe fhlbares Etwas den Menschen treibt und lenkt. Das
-Schicksal ist eine &#8222;wilde Macht, vom Himmel heruntersiegend&#8220;. &#8222;Oben das
-bse Verhngnis lacht.&#8220;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_201" id="Seite_201">[S. 201]</a></span></p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Himmel und Erd&#8217; in ihrer Gewalt uns hegen,</div>
- <div class="verse">Die Sternenkreis&#8217; um uns Gewinde legen,</div>
- <div class="verse">Allseitig in Ketten der hohen Natur geschlagen,</div>
- <div class="verse">Welche Kraft will sich durch all&#8217; diese Netze wagen.&#8220;<a name="FNAnker_667_667" id="FNAnker_667_667"></a><a href="#Fussnote_667_667" class="fnanchor">[667]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>hnlich sagt Golo von seiner Leidenschaft: &#8222;Hlt mich ein Zauber
-doch in ehernen Netzen...&#8220; Das ist die Sprache des Tieck&#8217;schen
-Naturfatalismus. Jedes Wort und jede Wendung soll ein Ausdruck des
-unheimlichen und unfassbaren Bangens und Schauerns vor dem eisernen
-Schicksalszwange sein und diese fatalistische Stimmung auch dem Leser
-mittheilen.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Mit der Vorliebe Tiecks fr das Poetische an den &#8222;alten Urkunden&#8220;
-deutscher Poesie wuchs in ihm zugleich die Vorliebe fr den
-archaistischen Stil.<a name="FNAnker_668_668" id="FNAnker_668_668"></a><a href="#Fussnote_668_668" class="fnanchor">[668]</a> Die Vorliebe fhrte zur Nachahmung und so
-tragen besonders jene Schriften, die in den Jahren der Freundschaft
-mit Wackenroder oder aus den Anregungen dieser Jahre entstanden, das
-alterthmliche Stilkleid in wenig verndertem Zuschnitte an sich.<a name="FNAnker_669_669" id="FNAnker_669_669"></a><a href="#Fussnote_669_669" class="fnanchor">[669]</a>
-A.W. Schlegel<a name="FNAnker_670_670" id="FNAnker_670_670"></a><a href="#Fussnote_670_670" class="fnanchor">[670]</a> betrachtet es 1801 als ein gutes Zeichen an der
-romantischen Dichtergeneration, dass sie auf die ltere, poetischere
-Sprache zurckgreift. Er meint, die Dichter seien berechtigt, nicht
-nur bis ins 17. Jahrhundert, &#8222;sondern bis zu den ltesten Denkmlern
-unserer Sprache zurckzukehren, um das brauchbare Veraltete, das noch
-verstndlich sein kann, zu erneuern; wobei es sich zeigen wird, dass
-wir reicher an einheimischen Schtzen sind, als wir wissen&#8220;.<a name="FNAnker_671_671" id="FNAnker_671_671"></a><a href="#Fussnote_671_671" class="fnanchor">[671]</a> Nur
-ist es heute nicht mehr ganz leicht, den archaisierenden Charakter
-der romantischen Werke richtig abzuschtzen und auf die Bestrebungen
-dieser Dichter einzugehen; es liegt die Sache hier hnlich, wie beim
-Costm. Der Leser, der an Freytag und Scheffel sich seine Vorstellungen
-vom archaisierenden Stile bildete, bringt andere Forderungen und
-Vorstellungen mit, als<span class="pagenum"><a name="Seite_202" id="Seite_202">[S. 202]</a></span> der Leser, der vor hundert Jahren von den
-Werken der Classicisten kam. Wielands &#8222;Geron&#8220; und Goethes &#8222;Faust&#8220; waren
-nur vereinzelte Erscheinungen mit hnlicher archaisierender Sprache.
-Vollends fremdartig erscheint uns, was Tieck selbst in der Zeit seiner
-alterthmelnden Schwrmerei eigentlich alles als Archaismus und somit
-als sprachlichen Vorzug einer Dichtung gelten lie. Dies seine eigene
-Erklrung:<a name="FNAnker_672_672" id="FNAnker_672_672"></a><a href="#Fussnote_672_672" class="fnanchor">[672]</a> &#8222;... das Zufllige, Entstellte, die Abkrzungen, die
-oft die Sache dunkel und unverstndlich machen, die Ungeschicklichkeit
-der Abschreiber und Umarbeiter, ja Schreib- und Druckfehler knnen
-am Ende, wenn die Vorliebe schon bis zum Phantastischen gesteigert
-ist, diesen Dingen (Volksbchern) einen Wert geben, der natrlich
-bei abgekhlter berlegung wieder verschwindet&#8220;. Diese seltsame
-Vernarrtheit in alles, was mit den alten &#8222;Schartecken&#8220; zusammenhieng,
-lsst vielleicht manches in Tiecks eigener alterthmelnder
-Sprachweise als absichtlich und gewollt erscheinen, was man gerne im
-ersten Augenblicke als Druckfehler und Schleuderhaftigkeit ansehen
-mchte.<a name="FNAnker_673_673" id="FNAnker_673_673"></a><a href="#Fussnote_673_673" class="fnanchor">[673]</a> Denn nach seiner angefhrten Erklrung kann eigentlich
-alles, was den Regeln der gewhnlichen Schriftsprache laut oder
-leise Hohn spricht, als Archaismus sein Dasein rechtfertigen. Zu so
-argen Consequenzen kam er brigens in seiner dichterischen Praxis
-glcklicherweise nicht. Aber manches wird nur vom Gesichtspunkte jener
-uerungen aus verstndlich.</p>
-
-<p>Nicht alle in der &#8222;Genoveva&#8220; eingestreuten Archaismen wirken
-gleich mchtig auf die Phantasie des Lesers. Am sichersten und
-krftigsten wird diese von jenen Worten und Wendungen in die alte
-Zeit zurckgelenkt, die wirkliche Thatbestnde einer vergangenen
-Culturperiode ausdrcken. Wenn Siegfried &#8222;seinem Lehensherrn&#8220; Karl
-Martell als &#8222;wackrer Grafe&#8220; dient, wenn er den &#8222;Knaben&#8220; Golo zum &#8222;Vogt&#8220;
-seines Schlosses bestellt, wenn von &#8222;Freien und Vasallen&#8220; die Rede
-ist, wenn Golo mit der &#8222;Armbrust&#8220; auf der Jagd erscheint, so haben
-wir Worte vor uns, von denen jedes uns direct ins Mittelalter, oder
-wenigstens in eine ltere Zeitperiode (die Romantiker rechnen auch
-das 16. Jahrhundert noch zum Mittelalter) hineinfhrt. Mit dem bloen
-Worte wird ein Complex von Vorstellungen lterer Cultur<span class="pagenum"><a name="Seite_203" id="Seite_203">[S. 203]</a></span>zustnde und
-Thatsachen vor unserer Phantasie sichtbar. Auch der &#8222;Sternengucker&#8220; und
-die Hexe mit ihrem mystischen Welsch aus Jakob Bhme vom &#8222;Figurieren&#8220;
-und &#8222;Korporieren&#8220; etc. versetzen uns in eine ltere Zeit zurck.</p>
-
-<p>Solche Archaismen ersten Ranges, wie sie wohl heien knnten, sind
-in der &#8222;Genoveva&#8220; nicht sehr hufig. Umso zahlreicher begegnen uns
-archaistische Worte, Wortformen, Wendungen und syntaktische Fgungen,
-die, ber die Diction reichlich hingestreut, mehr uerlich das
-alterthmliche Colorit verstrken helfen. Auch hier kommt nicht die
-Herkunft der Worte aus einer bestimmten lteren Periode, sondern
-aus einer lteren Zeit berhaupt in Betracht. Das ehrende Epitheton
-trefflicher Leute ist &#8222;wacker&#8220;. Wir lesen weiters &#8222;empfahen&#8220;, &#8222;Mauren&#8220;,
-&#8222;doppel&#8220;, &#8222;gluben&#8220;, &#8222;fleug&#8220;, &#8222;zeucht&#8220;, &#8222;verbeut&#8220;, &#8222;beut&#8220;, &#8222;geneust&#8220;,
-&#8222;dann&#8220; und &#8222;wann&#8220; fr &#8222;denn&#8220; und &#8222;wenn&#8220;, &#8222;anjetzt&#8220;, &#8222;hernacher&#8220;,
-&#8222;herauer&#8220;, &#8222;annoch&#8220;, &#8222;zumal&#8220;, &#8222;alleweil&#8220;, &#8222;allhie&#8220;, &#8222;allhier&#8220;, &#8222;letzt&#8220;
-= jngst, &#8222;was&#8220; als Conjunction fr &#8222;wie&#8220;, &#8222;mit erstem&#8220; = bei nchster
-Gelegenheit, &#8222;weil&#8220; = whrend, &#8222;insknftige&#8220;, &#8222;Urtel&#8220;, &#8222;Trutz&#8220;,
-&#8222;Schalk&#8220; in der alten Bedeutung, &#8222;dick&#8220; = dicht, &#8222;fein&#8220; (ein &#8222;feines
-sel&#8217;ges Ende&#8220;), &#8222;frei&#8220; als hervorhebendes Adverb, &#8222;spat&#8220;. &mdash; Es finden
-sich vollere Formen aus der lteren Zeit. Die Anredeform &#8222;Lieben&#8220;,
-&#8222;lieben Brder&#8220;, &#8222;lieben Freunde&#8220;. Dann &#8222;Grafe&#8220;, &#8222;Glcke&#8220;, &#8222;Herre&#8220;,
-&#8222;Gotte&#8220;, &#8222;Herze&#8220;, &#8222;Hofemeister&#8220;, &#8222;Siegefried&#8220;, &#8222;zurcke&#8220;, &#8222;drinne&#8220;,
-&#8222;leichte&#8220;, &#8222;edele&#8220; etc. Nach Analogie dieser volleren Formen scheinen
-&#8222;deine&#8220; = dein und &#8222;im Maie&#8220; gebildet zu sein. Alterthmlich gemeint
-sind auch verkrzte Formen, wie &#8222;(ge)kommen&#8220;, hufiges &#8222;all&#8220; = alles,
-&#8222;mal&#8220; = einmal, &#8222;Wohlgefall&#8220;, &#8222;Kriegsmann(en)&#8220;, &#8222;schlug&#8220; = erschlug,
-&#8222;lieest&#8220; = verlieest, &#8222;schchtern&#8220; = einschchtern, &#8222;barmte&#8220;, &#8222;bost&#8220;,
-&#8222;rckkehren&#8220;, &#8222;mein(e) Genoveva&#8220;, &#8222;vorteilen&#8220; = bervortheilen,
-&#8222;(er)kennen&#8220;, &#8222;(be)grnden&#8220;, &#8222;schweigen&#8220; = schweigen machen, &#8222;du willt&#8220;
-= du willst, Prteritalformen, wie &#8222;schwungen&#8220;, &#8222;sungen&#8220;, &#8222;erklungen&#8220;,
-&#8222;gepreist&#8220;, &#8222;rennte&#8220;, &#8222;sie htte mir bekennt&#8220;.</p>
-
-<p>Tieck verwendet Ausdrcke, die der gewhnlichen neueren poetischen
-Sprache fremd sind. &#8222;Den Tod den Sndern geben&#8220; = von der Hand der
-Snder sterben, &#8222;er wre besser (tauglicher), bei der Me&#8217; zu dienen&#8220;,
-&#8222;kann ich in&#8217;s Lager ein Gesptte bringen?&#8220; &#8222;die Zunge rollt im Kopfe&#8220;,
-&#8222;als Bote stehen&#8220; =<span class="pagenum"><a name="Seite_204" id="Seite_204">[S. 204]</a></span> das Botenamt versehen, &#8222;ein wachsam Auge fhren&#8220;,
-&#8222;Rede geben&#8220;, &#8222;verkehren&#8220; = moralisch schlecht machen, &#8222;die Tne
-thaten zu mir&#8220;, &#8222;die Erde muss geffnet sein&#8220; (werden), &#8222;damit es ein
-frommes Christenkind erfunden wre&#8220; (wrde). &mdash; Bei zusammengesetzten
-Ausdrcken fllt mitunter ein Bestandtheil weg. &#8222;Es geht (mit) uns
-schief&#8220;, &#8222;ich halte Euch (fr) krank&#8220;, &#8222;denk (an) des Geduld, der
-dorten hngt am Kreuz&#8220;, &#8222;schon (ist es) Glck genug&#8220;, &#8222;(es) mag wohl
-(sein)&#8220;. Auch allerhand syntaktische Khnheiten und Unebenheiten mssen
-nach Tiecks Auffassung zum Archaistischen gerechnet werden. Es wird
-z.B. der Satz ohne vorausgehendem Comparativ mit &#8222;als&#8220; fortgesetzt.
-&#8222;Betet... kreuzigt die Brust, als dass Ihr so die heil&#8217;ge Kirchenstille
-strt&#8220;, &#8222;es ist Pflicht, man lsst sie nicht allein&#8220;, dass die Berge
-&#8222;von dem Hall geschlagener Waffen, Schilderklang ertnen&#8220;, &#8222;er sei
-der Dein&#8217; im Tode oder Leben&#8220;, &#8222;(es) schwung sich (etwas) ber meinem
-Haupte, wie ein Singen&#8220;, &#8222;wie (sie) Leib und Blut an Christi Tisch
-genossen, so mussten sie zum Dank ihm beides bringen&#8220;, &#8222;Ihr glaubt
-doch nun, was Ihr geseh&#8217;n, ihn Snde mit der gndigen Frau begehen&#8220;,
-&#8222;zu spt umzukehren (= da es zu spt ist, dass ich umkehre), muss der
-Frevel ewig whren&#8220;, &#8222;(ich) frcht&#8217; mich&#8220;, &#8222;es ist in wilder Wst&#8217; all&#8217;
-ihre Lust, und (sie) frchtet...&#8220;. Die Zaubersprche der Hexe, welche
-den Zweck haben, Siegfrieds Sinn zu verwirren, sind darum auch selbst
-syntaktisch verworren. Auch die Stanzen des heil. Bonifacius sind im
-Satzgefge oft recht bequem gehalten. Z.B. &#8222;ihr war, als mu (mte)&#8220;,
-&#8222;sie vernimmt im leisen Chore singen...&#8220;, &#8222;Das Bild streckt seinen
-Arm in whrend Klingen&#8220;. Zu den Eigenthmlichkeiten aus lterer Zeit
-gehrt noch der Gebrauch des adversativen &#8222;und&#8220;. &#8222;Hoffend, und ich ward
-verstoen&#8220;, &#8222;Eine Schlacht! Und bedenkt Ihr denn nicht...&#8220;, &#8222;Unschuldig
-ach! Und keiner steht mir bei&#8220;. Wir finden die Construction mit &#8222;thun&#8220;.
-&#8222;Sense thut schon blinken&#8220;, &#8222;Kein Gedanke mich hier erreichen thut&#8220;.
-Das Perfectum statt des Prteritums: &#8222;hat sie dann gesprochen&#8220;, &#8222;und
-wenn&#8217;s vor Klte zittern dann gemut&#8220;. In manchen Fgungen hrt sich
-auch die Nachstellung des Attributes ein wenig alterthmlich an. &#8222;Es
-schndet Dich als einen Christen rein, verbunden mit dem Mohrenweibe
-sein&#8220;, &#8222;ein Ritter bieder&#8220;, &#8222;o Crucifix, o Jesu Christe bieder&#8220;,
-&#8222;dieser Knabe fein&#8220;.</p>
-
-<p>Entschieden archaisierend ist wiederum der Gebrauch<span class="pagenum"><a name="Seite_205" id="Seite_205">[S. 205]</a></span> lateinischer
-oder lateinisch flectierter Worte oder halblateinischer Wortformen.
-&#8222;Italia&#8220;, &#8222;Hispania&#8220;, &#8222;Carol&#8220;, &#8222;Carol Magnus&#8220;, &#8222;Karl Martellus&#8220;,
-&#8222;geistlich Regiment&#8220;, &#8222;Glorie&#8220;, &#8222;glorreich&#8220;, &#8222;vom St. Laurentio und
-Sebastian&#8220;, &#8222;Abatissin&#8220;, &#8222;Genovevam&#8220;, &#8222;Gebete rezitieren&#8220;, &#8222;das
-Paternoster nehmen&#8220;, &#8222;Ora pro nobis sancta Genoveva&#8220;. Tieck unterlsst
-es auch nicht, jenen auftretenden Personen, die er unabhngig vom
-Volksbuche einfhrt, gut altdeutsch klingende Namen zu geben, wie Kunz,
-Wolf, Otho, Gnther, Gertrud, Else, Grimoald, Winfreda.</p>
-
-<p>&#8222;Ich bin der wackre Bonifacius&#8220;, &#8222;... seid aufmerksam und lat Euch
-gern in alte deutsche Zeit zurckefhren&#8220;, &#8222;vernehmet die denkwrdige
-Geschicht&#8217; von uns&#8217;rer Genoveva heil&#8217;gem Leben...&#8220;, der belehrende
-Zuruf an die Leser &#8222;o lat uns alle diesen Wandel fhren, da wir
-die Tugendkron&#8217; erlangen...&#8220;, diese Anreden und Ermahnungen an das
-Publicum, die altfrnkische, naive Art, wie sich der heil. Bonifacius
-einfhrt, werden mit Bewusstsein von Tieck angewendet, um den rhrenden
-Ton des alten Volksbchleins nachzuahmen; denn gerade dieser hatte
-ihn auch besonders entzckt. In dieser Zeit hlt Tieck technische
-Unbehilflichkeit noch fr liebenswrdig.<a name="FNAnker_674_674" id="FNAnker_674_674"></a><a href="#Fussnote_674_674" class="fnanchor">[674]</a> Auf altvterische
-Herzlichkeit zielen jedesfalls auch die Verbindungen der Adjectiva mit
-einem &#8222;wohl&#8220;, &#8222;hoch&#8220;, &#8222;recht&#8220;, &#8222;aller&#8220; u. dgl. ab. &#8222;Liebwerthestes
-Gemahl&#8220;, &#8222;dreimal edler Jngling&#8220;, &#8222;vor dem allerteuersten
-Marienbilde&#8220;, &#8222;recht dunkelrotes Blut&#8220;, &#8222;allerliebster Golo&#8220;,
-&#8222;wohledele Frau Grfin&#8220;, &#8222;das allerschnste Glck&#8220;, &#8222;das allerliebste
-Wohlgefallen&#8220;, &#8222;ein einzig armes Mal&#8220;, &#8222;allerreinste Tugend&#8220;. Eine alte
-Frbung der Sprache untersttzen die Adjectivbildungen auf &#8222;-lich&#8220;
-und besonders die auf &#8222;-iglich&#8220;. &#8222;Bedchtiglich&#8220;, &#8222;bescheidentlich&#8220;,
-&#8222;bslich&#8220;, &#8222;festiglich&#8220;, &#8222;frhlichlich&#8220;, &#8222;leichtiglich&#8220;, &#8222;wonniglich&#8220;,
-&#8222;snftlich&#8220;, &#8222;sndlich&#8220;, &#8222;seltsamlich&#8220;. Erwhnt sei noch die doppelte
-Negation. &#8222;Auch ziemt sich Stolz fr keinen Christen nicht&#8220;, &#8222;nie keine
-Unthat&#8220;, &#8222;nimmer keine Lust&#8220;...</p>
-
-<p>Manche von diesen Proben lieen sich vermehren, ohne jedoch dadurch
-etwas Neues dem bisherigen Materiale beizufgen, das uns bereits
-einen Einblick in Art und Weise gewhrt, wie Tieck seine &#8222;Genoveva&#8220;
-mit einer knstlichen, archaistischen<span class="pagenum"><a name="Seite_206" id="Seite_206">[S. 206]</a></span> Patina berzieht. Knstliche
-&#8222;Schreib- und Druckfehler&#8220; zu machen unterlsst er zwar, aber eine
-gewisse Nachlssigkeit in der Schreibweise, ein absichtliches Abweichen
-vom Correcten, also eine Tendenz nach jener Schreibart hin, die er
-an den alten Volksbchern abgttisch bewunderte, lsst sich nicht
-verkennen. Der Reiz des Alterthmlichen und Seltsamen steht dem
-Romantiker hher als die frostige Correctheit, die man gerne den
-Rationalisten berlsst. Diese mochten sich aufs neue rgern, wie sie
-sich einst ber den Stil des &#8222;Gtz&#8220; gergert hatten.<a name="FNAnker_675_675" id="FNAnker_675_675"></a><a href="#Fussnote_675_675" class="fnanchor">[675]</a> Wie bei der
-Behandlung des Costms geht der Dichter auch hier nicht mit ngstlicher
-Consequenz zuwerke, er holt sich seine Archaismen nicht gerade aus
-einer bestimmten lteren Periode unserer Sprache her. Er wechselt
-manchmal zwischen altem und neuerem Ausdruck ohne ersichtlichen
-Grund und schreibt einmal &#8222;Thurn&#8220;, das anderemal &#8222;Thurm&#8220;, einmal
-&#8222;Grafe&#8220;, ein andermal &#8222;Graf&#8220;; er flectiert die Eigennamen &#8222;Christus&#8220;,
-&#8222;Genoveva&#8220; bald deutsch, bald lateinisch. Rhythmus und Reim sprechen
-selbstverstndlich in vielen Fllen ein Wrtlein mit, wie sich leicht
-beobachten lsst. So entscheidet der Rhythmus, ob &#8222;Herr&#8220; oder &#8222;Herre&#8220;,
-&#8222;Siegfried&#8220; oder &#8222;Siegefried&#8220;, &#8222;Hofmeister&#8220; oder &#8222;Hofemeister&#8220;,
-&#8222;Karl&#8220; oder &#8222;Karol&#8220; gesetzt wird. Daher schreibt sich wohl zumeist
-diese durchgehende Abwechslung in den Formen. Dass Tieck sich auch
-in der Sprache keinen Zwang in consequenter Anwendung der Archaismen
-auferlegt, kommt dem Gesammteindrucke nur zugute. Allzu groe
-ngstlichkeit hierin wrde das Alterthmliche nur gezwungener, steifer
-und verknstelter erscheinen lassen, als diese leicht aufgetragene
-Frbung.</p>
-
-<p>Trotz der schweren Menge von Archaismen lsst sich andererseits bei
-einer so ausgedehnten Dichtung, wie es die &#8222;Genoveva&#8220; ist, eigentlich
-nicht von einem berflusse sprechen und Solgers Urtheil,<a name="FNAnker_676_676" id="FNAnker_676_676"></a><a href="#Fussnote_676_676" class="fnanchor">[676]</a> es
-sei in diesem Punkte &#8222;mehr als rthlich&#8220; geschehen, ist nicht
-recht verstndlich. Wahrscheinlich meint Solger, der jenen extrem
-romantischen Grundsatz, nach welchem selbst sprachliche Unebenheiten zu
-archaistischen Schnheiten werden, kaum je anerkannte, dass Tieck seine
-alterthmliche<span class="pagenum"><a name="Seite_207" id="Seite_207">[S. 207]</a></span> Sprachfrbung zu oft auf Kosten des neuhochdeutschen
-Sprachgefhles anstrebte und so kann man das &#8222;mehr als rthlich&#8220; in der
-That auch heute unterschreiben.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>In der sprachlichen Darstellung des Naturgefhles, das in der
-&#8222;Genoveva&#8220; eine so bedeutende Rolle spielt, zeigt Tieck wieder recht
-seine Fhigkeit als Stimmungspoet. Die stilistische Behandlung ist
-hier nicht immer ganz gleichwertig. Dem Romantiker ist es beim
-Landschaftsbilde weniger um einen bestimmten Inhalt, als um die Seele,
-um den Stimmungshauch, der ber der Naturscenerie schwebt, zu thun,
-wie uns die Kunstgesprche im &#8222;Sternbald&#8220; belehren. Das hier von
-gemalten Landschaften Gesagte gilt natrlich auch vom dichterischen
-Landschaftsbild und Novalis kann sich wie Tieck Gedichte denken, &#8222;die
-blo wohlklingend und voll schner Worte sind, ohne allen Sinn und
-Zusammenhang, hchstens einzelne Strophen verstndlich, wie Bruchstcke
-aus den verschiedenartigsten Dingen&#8220;. Tiecks Naturstimmungsbilder
-zeigen nicht selten dieses Zusammenhanglose und Verschwimmende. Davon
-schreibt sich ihre eigenthmliche Stilisierung her. Bezeichnend ist
-das Lied des Schfers &#8222;Himmelblau, hellbegrnte Frhlingsau...&#8220;, das
-nur als musikalische Phantasie gedacht ist und im &#8222;Sternbald&#8220; die
-berschrift &#8222;Schalmeyklang&#8220; trgt. In Golos Frhlingsschilderung<a name="FNAnker_677_677" id="FNAnker_677_677"></a><a href="#Fussnote_677_677" class="fnanchor">[677]</a>
-werden junges Laub, blhende Bume, Vgel, Blumen, silberne Bchlein
-ohne rechten organischen Zusammenhang nebeneinander gestellt. Wir
-bekommen kein deutliches landschaftliches Bild. Der Leser hat die
-ersten Zge vergessen, wenn er bei den letzten anlangt. Strahlen,
-Farben und Tne im Verein mit Worten seelischen Inhaltes wirken
-zusammen, um eine allgemeine Frhlingsstimmung im Gemthe des Lesers
-wachzurufen. Ein landschaftliches Bild bekommen wir nur einmal in der
-&#8222;Genoveva&#8220; zu sehen und auch dieses ist ein dmmeriges Nachtbild.<a name="FNAnker_678_678" id="FNAnker_678_678"></a><a href="#Fussnote_678_678" class="fnanchor">[678]</a>
-Scenerie: Waldgebirge, Nacht, Mondschein. Mit Golo schauen wir von
-der Bergspitze in die Tiefe und hren zuerst den Waldstrom, erkennen
-dann die Wipfel im Mondlicht, darunter im Scheine &#8222;flimmende&#8220; Fichten.
-Um uns Gebirge mit gespaltenen Klippen,<span class="pagenum"><a name="Seite_208" id="Seite_208">[S. 208]</a></span> Wlder, die sich rauschend
-neigen. Wieder ein Blick abwrts: schweigende Thler, aufsteigende
-Nebelwolken. Ein Blick aufwrts: die Sterne und schwimmende Wolken und
-in diesem Raume, den das Auge durchmessen, hochaufgerichtet die Nacht.
-Es ist das Bild einer Gegend, aber es ist ein ruhendes Gemlde, ein
-Nebeneinander. Leben gewinnt es dadurch, dass wir einmal mit Golo den
-Blick ber die Theile der Scenerie schweifen lassen und diese selbst
-verrth ein gewisses Leben durch das Brausen, Schumen, Flimmen,
-Rauschend-Neigen, Nebelwolkensteigen und das Geh&#8217;n der schwimmenden
-Wolken. Sonst muss der Leser in den meisten Fllen die Naturscenerie
-sich aus den Scenenberschriften zurechtlegen. Der Dichter sagt nur
-&#8222;Garten, Mondschein&#8220;, &#8222;Garten&#8220;, &#8222;die Wste&#8220;. Die auftretenden Menschen
-sagen, was sie in dieser Umgebung empfinden und ihre Empfindung theilt
-sich dem Leser mit. Die Empfindung lst sich dabei mit Vorliebe in
-Ton und Schimmer auf, die ineinander strmen und sich durchdringen.
-Das classische Beispiel dafr ist die Balkonscene.<a name="FNAnker_679_679" id="FNAnker_679_679"></a><a href="#Fussnote_679_679" class="fnanchor">[679]</a> Da lsst die
-&#8222;Sirene&#8220; Nachtigall ihre Lieder schallen, die sen Klnge dringen in
-Golos Herz, der Klang lockt ihn zum Verderben hin. Dabei sind goldener
-Mondschein und flimmernde Sterne der Contrast zu seiner dunkeln
-Leidenschaft. Wenn diese hher auflodert, dann beglnzt sie auch die
-Natur unheimlicher, dann &#8222;saugt der Mondschein&#8220; am Herzen, die Sterne
-&#8222;zielen mit Liebespfeilen&#8220;. Dazwischen wieder der freundliche Contrast:
-das &#8222;Spielen&#8220; der Abendwinde, der &#8222;murmelnde Gang&#8220; der Bche. Glanz
-und sanfte Tne durchziehen die lyrische Scene und daraufhin sind die
-Ausdrcke gewhlt. Die Quellen &#8222;leiser, lieblicher flieen&#8220;, &#8222;kleine,
-stille Blumen sprieen&#8220;, &#8222;Winde bringen Kunde&#8220;, &#8222;Bume sumsen Lieder&#8220;,
-&#8222;Alles singt&#8220;,</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;In dem Herzen klingen Tne,</div>
- <div class="verse">Die sich mit der Nacht verwirren,</div>
- <div class="verse">Rieselnd durcheinander irren,</div>
- <div class="verse">All&#8217; in Harmonie und Schne.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Schne, wohlklingende Worte, die rasch vorberschwebende
-Phantasiebilder erwecken, helfen zusammen, das trumerische
-Stimmenspiel der Sommernacht zu malen. Die unbestimmten, klangreichen
-Worte haben eine &#8222;indirecte Wirkung wie die Musik&#8220;. (Novalis.) In
-Golos Anrede an Genoveva: &#8222;Ihr schreitet her und<span class="pagenum"><a name="Seite_209" id="Seite_209">[S. 209]</a></span> weckt...&#8220;<a name="FNAnker_680_680" id="FNAnker_680_680"></a><a href="#Fussnote_680_680" class="fnanchor">[680]</a> ist
-die Stimmung der geheimen Magie, mit der die Geliebte die ganze Natur
-beherrscht, auch in der Sprache glcklich festgehalten. Unheimlich
-gespensterhaft wird das Nachtbild vor der Hexenscene gemalt.<a name="FNAnker_681_681" id="FNAnker_681_681"></a><a href="#Fussnote_681_681" class="fnanchor">[681]</a>
-Es &#8222;weht die Nacht herauf mit schwarzem Flgel&#8220;, die Wolken &#8222;zieh&#8217;n
-und flieh&#8217;n&#8220;, Geister kommen und geh&#8217;n &#8222;auf der schwarzen Leiter der
-Nacht...&#8220;. hnliche Worte unheimlichen Grauens findet Wolf fr die
-unheilkndenden Himmelszeichen. Whrend Genoveva nur die sanften Laute
-der Natur vernimmt, ist es der leidenschaftliche Golo, der wenigstens
-manchmal auch einen Blick auf die groe, wildromantische Natur wirft
-und dafr das entsprechende Wort findet: &#8222;Hinaus! dem Winde sei ein
-Spiel, den Regenwolken, dem Blitz ein Ziel.&#8220; &#8222;Der ferne Strom erklingt
-in seiner Macht.&#8220; &#8222;So sollte unter uns die Welt verschwinden... es
-sollte alles mir gelingen, indess Naturen unter uns vergiengen.&#8220; &#8222;Der
-Waldstrom braust und schumt...&#8220; Im ganzen berwiegen aber in der
-Dichtung die sanften Naturklnge und das freundliche Schimmern von Mond
-und Sternen.</p>
-
-<p>Das nmliche stilistische Mittel, mit dem der Dichter den Leser
-bestndig in der alten Zeit wie in der religisen Sphre festzuhalten
-sucht, wendet er an, um im zweiten Theile neben der religisen und
-alterthmlichen Stimmung in uns auch das Gefhl der Waldeinsamkeit rege
-zu erhalten. Immer neue Wendungen lassen den Leser nicht vergessen,
-dass er im tiefen Walde ist. &#8222;Wie schauerlich und einsam ist der
-Platz.&#8220; &#8222;Auch wt&#8217; ich nicht den Weg zu finden aus diesen verworrenen
-wsten Felsen.&#8220; &#8222;Die Wstenei.&#8220; &#8222;Hier tief im Berge.&#8220; &#8222;Hinter jenem
-Walde, der ganz weitab im Scheine glnzt daher.&#8220; &#8222;Da wir allhier, der
-Einsamkeit ergeben...&#8220; u.s.w.</p>
-
-<p>Die Beispiele fr die Gleichnisse, Metaphern, Composita, die Glanz
-und Licht und Blumen bevorzugen, wurden bereits bei Besprechung des
-Naturgefhles zusammengestellt.</p>
-
-<p>Das Eigenthmliche in Tiecks Art, das Naturgefhl auszudrcken, ist,
-dass der Dichter nie auf die Zeichnung deutlicher, scharf und rein
-gesehener Umrisse ausgeht. Schon das Beseelte und Bewegte in seinen
-Naturbildern hindert einen scharfen Contour. Aber auch kein organisch
-in zusammenhngender Folge<span class="pagenum"><a name="Seite_210" id="Seite_210">[S. 210]</a></span> sich entwickelnder Naturvorgang wird
-vorgefhrt, wobei der Leser activ mitschaffend theilnehmen knnte,
-sondern Tieck geht auf Stimmungen, hchstens auf ein malerisches
-Stimmungsbild aus. Eine Vorstellung wird in der Phantasie angeregt;
-bevor sie einen festen Umriss gewinnt, drngt schon eine zweite
-verwandte oder wenigstens aus derselben Sphre entnommene nach, die
-aber nicht die vorausgehende deutlich fortsetzt und abrundet, sondern
-verndert und theilweise verwischt. Die Bilder und Vorstellungen,
-aus denen sich ein Landschaftsbild zusammensetzen knnte, werden in
-bunter Verwirrung durcheinander geworfen. Bei einem solchen Kommen
-und Gehen und leisen Durcheinanderflieen der Phantasiebilder,
-untersttzt durch den sinnlichen Klang von Wort und Reim, bildet sich
-jener unbestimmte, zart-schwebende Ton im Gemthe, den wir Stimmung
-nennen. Der Leser ist nie gezwungen zum energischen Nachbilden der
-dichterischen Anschauungen, er wird auch nicht in ein bestimmtes Gefhl
-hineingezogen, sondern er gibt sich rein passiv wie bei der Musik dem
-wohligen Spiele der vorberschwebenden Bilder und Klnge, die nur von
-unklaren Vorstellungen begleitet sind, hin. Diese leicht ber Dinge
-hinschwebende Sprache, die der Seele des Lesers nur einen flchtigen
-Stimmungshauch suggeriert, gefiel den Romantikern auerordentlich.
-Es war ihnen die richtige Sprache der rein knstlerischen Stimmung.
-A.W. Schlegel schreibt z.B. ber die Lieder in der &#8222;Magelone&#8220;, die
-verwandten Charakter zeigen: &#8222;Die Sprache hat sich alles Krperlichen
-begeben und lst sich in einen geistigen Hauch auf. Die Worte scheinen
-kaum ausgesprochen zu werden, so dass es fast noch zarter wie Gesang
-lautet.&#8220; Novalis nennt die bestimmten Gedanken und Empfindungen
-die Consonanten, die unbestimmten Stimmungen die Vocale und Tne
-im Seelenleben. Diesen Anschauungen entspricht die romantische
-Stilisierungsart.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Unsere bisher gefhrte Untersuchung wollte einige Eigenthmlichkeiten
-in Tiecks Stilistik feststellen, die sich ziemlich gleichmig
-ber die ganze Dichtung hin verfolgen lassen. Es erbrigt noch,
-einige Beobachtungen zu versuchen, die sich mehr auf einzelne
-Bestandtheile des bunten, vielgestaltigen Werkes richten. Einzelne
-von den lngeren lyrischen Monologen verdienen unsere Aufmerksamkeit.
-Der ausgedehnteste darunter ist<span class="pagenum"><a name="Seite_211" id="Seite_211">[S. 211]</a></span> jene Einleitung zu Golos letztem
-Liebesantrag. Situation: Garten. Hereinbrechender Sommerabend. Golo
-schaut in sein Inneres hinein, das im allgemeinen Aufruhr begriffen
-ist. Aus dem Gewirre drngt sich der Gedanke an die nahende Geliebte
-hervor. Mit dem Gedanken verbindet sich der Wunsch, sie zu umarmen.
-Dem Wunsche folgt das Phantasiebild von der Erfllung des Wunsches.
-Aber der Trumer merkt, dass es nur Phantasie ist und bittet die
-Sterne um Verwirklichung des ertrumten Glckes. Recitativisch, in
-freien Rhythmen, voll rhetorischer Figuren strmen diese Wnsche
-dahin. Feine und allmhliche bergnge fehlen. &mdash; In ein erhabeneres
-Bild eingekleidet, das Sinnliche weniger offen hervorkehrend, in
-feierlichen Stanzen gewinnt der nmliche innere Vorgang folgende
-Gestalt: Die ganze Natur erwartet Genoveva; die ganze Natur mag
-unter Golo in Trmmer strzen, wenn er nur die Geliebte in den Armen
-halten knnte. &mdash; Anknpfend an Genovevas Kleid, an ihren Gang und
-Tanz schwelgt hierauf wieder Golo in wilderen, sinnlichen Phantasien
-und wieder freirhythmisch wie das erstemal. &mdash; Nach diesem Aufwallen
-ebbt die Gefhlswelle wieder in eine ruhige Bahn zurck. In einem
-weichen, wehmthigen Anruf an die Sehnsucht verlangt Golo, wenigstens
-in seinem letzten Augenblicke von einem Wahnbilde Genovevas beglckt
-zu werden. Diese ernste, wehmthige Bitte an die Sehnsucht erscheint
-wieder in Stanzenform. Im &#8222;Getreuen Eckart&#8220;<a name="FNAnker_682_682" id="FNAnker_682_682"></a><a href="#Fussnote_682_682" class="fnanchor">[682]</a> sagt der Dichter
-einmal: &#8222;Eckart schaute seinen inneren Gedanken zu.&#8220; Das nmliche
-thut hier Golo monologisch. Er schaut zu und schildert zugleich, wie
-in seinem Gemthe die Leidenschaft bald wild aufschumt, bald ruhiger
-und gemessener hinstrmt, und danach wechselt die stilistische und
-metrische Einkleidung. Ein hnliches Variieren lsst sich beobachten in
-Golos Monolog: &#8222;Ihr hohen Bume, heilge, dunkle Gnge&#8220;,<a name="FNAnker_683_683" id="FNAnker_683_683"></a><a href="#Fussnote_683_683" class="fnanchor">[683]</a> deutlich
-in Karls Betrachtungen ber den Ehrgeiz,<a name="FNAnker_684_684" id="FNAnker_684_684"></a><a href="#Fussnote_684_684" class="fnanchor">[684]</a> nicht mehr so deutlich in
-Zulmas Monolog vor dem Zelte ihres Geliebten.<a name="FNAnker_685_685" id="FNAnker_685_685"></a><a href="#Fussnote_685_685" class="fnanchor">[685]</a> Diese Gefhlsergsse
-erscheinen wie romantische Poesien im kleineren Mastabe, wie
-&#8222;einfache, poetische Systeme&#8220;. Eine Gesammtstimmung beherrscht das
-Ganze. Innerhalb dieser Atmosphre wogt es bunt und mannig<span class="pagenum"><a name="Seite_212" id="Seite_212">[S. 212]</a></span>faltig
-durcheinander. Wie es Novalis von den Theilen des Romanes verlangt,
-wird auch hier das lyrische Stck &#8222;ein eigenes Ganzes&#8220;. hnliches lsst
-sich an den lyrischen Theilen des &#8222;Zerbino&#8220; und &#8222;Octavian&#8220; beobachten.</p>
-
-<p>Eine sonderbare Art, die gegenwrtige Gemthsverfassung auszudrcken,
-ist es, wenn Tiecks Personen dieselbe mit vergangenen Gemthszustnden
-vergleichen. Hieher gehrt Golos Monolog: &#8222;Was willst Du hier?&#8220;<a name="FNAnker_686_686" id="FNAnker_686_686"></a><a href="#Fussnote_686_686" class="fnanchor">[686]</a>
-Genovevas Sonett in der Balkonscene<a name="FNAnker_687_687" id="FNAnker_687_687"></a><a href="#Fussnote_687_687" class="fnanchor">[687]</a> und Golos Lieder: &#8222;Da irr&#8217;
-ich unter Steinen&#8220;<a name="FNAnker_688_688" id="FNAnker_688_688"></a><a href="#Fussnote_688_688" class="fnanchor">[688]</a> und &#8222;Sieh&#8217; Laute, sieh&#8217;, so rei ich dich in
-Splitter&#8220;.<a name="FNAnker_689_689" id="FNAnker_689_689"></a><a href="#Fussnote_689_689" class="fnanchor">[689]</a> Ebenso die lange Rede Golos im Dialog mit Gertrud: &#8222;Nur
-einmal ihren Busen an den Mund&#8220;<a name="FNAnker_690_690" id="FNAnker_690_690"></a><a href="#Fussnote_690_690" class="fnanchor">[690]</a> und die Klagen und Mahnreden des
-sterbenden Wolf.<a name="FNAnker_691_691" id="FNAnker_691_691"></a><a href="#Fussnote_691_691" class="fnanchor">[691]</a> Durch solch knstelndes Parallelisieren, durch
-das spielende Schweben ber der Empfindung wird der krftige Eindruck
-des unmittelbar Gegenwrtigen verhindert, das Ganze verflchtigt. Eine
-einfachere, aus dem Gemthe kommende Sprache fhrt das Lied &#8222;Dicht von
-Felsen eingeschlossen&#8220;, &#8222;Deine Worte sind im Dunkeln&#8220; und die klagende
-Genoveva in der Wste.</p>
-
-<p>Auch im religisen Empfinden vermisste Solger das &#8222;unmittelbar
-Gegenwrtige&#8220; und er dachte dabei gewiss an jene Stellen, wo Genoveva
-sagt, dass sie &#8222;nicht so Andacht&#8220; als &#8222;die Liebe zu den alten Zeiten&#8220;
-am Legendenbuche erfreue. Die Menschen in der &#8222;Genoveva&#8220; sehen auf die
-Vergangenheit mit gleicher Ehrfurcht zurck, wie die Romantiker, und
-aus dem Gefhle der Ehrfurcht und Hochschtzung der frommen Vorzeit
-heraus spricht man von &#8222;frhern Zeiten&#8220;, &#8222;alten Zeiten&#8220;, &#8222;fabelhaften
-Zeiten&#8220;, &#8222;der alten, deutschen Zeit&#8220;, &#8222;den vor&#8217;gen Helden&#8220;, &#8222;dem
-alten Liede&#8220;, &#8222;den alten Liebesreimen&#8220;. Wolf ist ein &#8222;Abbild der
-verfloss&#8217;nen, treuen Zeit&#8220;. Es ist die Rede von &#8222;alt verlaufenen
-Geschichten&#8220;, von &#8222;Fabel und Gedicht aus ferner Zeit&#8220;, &#8222;von alten
-Mren&#8220; wie in den Schriften Wackenroders oder im &#8222;Sternbald&#8220;. Im
-&#8222;Octavian&#8220; spricht man dann von &#8222;alten, edlen Liedern&#8220; und Florens
-setzt sich wie Don Quixote<span class="pagenum"><a name="Seite_213" id="Seite_213">[S. 213]</a></span> durch das Lesen von Ritterbchern und
-Liedern allerhand Hirngespinste in den Kopf. Tieck hat seine Freude am
-Alten und seine Sehnsucht danach &#8222;zu krperlich und zu buchstblich&#8220;
-in seine Dichtungen hineingebracht und dies empfand Solger als
-&#8222;manieriert&#8220;.</p>
-
-<p>Neben den Ausblicken in die ferne Vorzeit finden wir auch die
-Perspectiven in rumliche Fernen und fr diese Ausblicke findet Tieck
-seine eigenen ahnungsreichen Worte. &#8222;Wo bist du Glck in Himmelsbahnen,
-wo schwingst du in Rumen die hochrothen Fahnen?&#8220; &#8222;Der Wald, der ganz
-weitab im Scheine glnzt daher&#8220;, &#8222;jene Weiten&#8220;, &#8222;dort hinterm fernsten
-Walde liegt ein Schlo&#8220;. &#8222;Jenseit des Himmelsblau.&#8220; Erinnern wir uns
-jener Ausblicke in die ferne Zukunft (&#8222;Weit hinab schaut des Propheten
-Blick&#8220;) und in die Ewigkeit, so haben wir eine Reihe von Worten und
-Wendungen beisammen, aus denen der Eindruck des Ahnungsvollen, in der
-Ferne Verschwimmenden, des Unendlichen resultiert. In der Entfernung
-wird alles Poesie. Wendungen und Worte, die den inneren Sinn in Zeit-
-und Raumfernen lenken, lassen die Ahnung des Unendlichen anklingen, sie
-leihen &#8222;der Aussicht eine Seele&#8220;.<a name="FNAnker_692_692" id="FNAnker_692_692"></a><a href="#Fussnote_692_692" class="fnanchor">[692]</a> &#8222;Die Bilder der Romantik sollten
-mehr erwecken als bezeichnen&#8220;, sagt Heine.</p>
-
-<p>In der Freundschaft mit Wackenroder lernte Tieck den Wert positiven,
-innigen Empfindens schtzen, in Novalis fand er einen Freund, der
-selbst die &#8222;herzliche Phantasie&#8220; einen Grundzug seines Wesens nannte.
-Dabei lernte Tieck selbst Innerlichkeit und Empfindungen, die ganz und
-voll die Seele fllen, schtzen. Das merkt man auch seiner Sprache
-an. Das Betonen des Innigen und Herzlichen in der Darstellung der
-religisen Gefhle und reinen Liebesempfindungen fllt dem Leser der
-&#8222;Genoveva&#8220; und der ihr zeitlich nahestehenden Dichtungen unwillkrlich
-auf. Eine Reihe bezeichnender Wendungen bewegt sich in dieser Richtung.
-Von Bonifacius sprach das Alter, dachte die Jugend &#8222;mit des Herzens
-Innigkeit&#8220;, &#8222;so spricht mein armes Herz&#8220;, &#8222;des Herz mir so vom Herzen
-ist ergeben&#8220;, &#8222;so dass sie (die Weise) mich bis in mein Herz bewegte&#8220;,
-&#8222;da ihr&#8217;s so schlicht und herzlich singt&#8220;, &#8222;wenn ich Euch liebe und
-mit treu&#8217;stem Herzen in dieser Liebe Leben, Herz verzehre&#8220;, &#8222;der<span class="pagenum"><a name="Seite_214" id="Seite_214">[S. 214]</a></span>
-Ton ist mir in&#8217;s tiefste Herz gedrungen&#8220;, &#8222;herzlich sei im Herzen
-der verflucht, der mich...&#8220;, &#8222;inniglich so Geist wie Herz bewegen&#8220;,
-&#8222;das innere Weh der Trennung&#8220;, &#8222;da ward mir recht im innern Herzen
-bange&#8220;, &#8222;innig lieben&#8220;, &#8222;herzinnig bereuen&#8220;, &#8222;innig berzeugt sein&#8220;,
-&#8222;vom Herzen und mit ganzer Seele&#8220;, &#8222;im Gemthe erwgen&#8220;, &#8222;Wie ich
-noch tief im Seelenfleh&#8217;n befangen&#8220;, &#8222;Ich war im tiefsten Beten noch
-verloren&#8220;, &#8222;sich in tiefes Sinnen versenken&#8220;, &#8222;ich bin mit meinem Gram
-allein&#8220;, &#8222;mit der Seele nach dem Himmel streben&#8220;, &#8222;ich will in mein
-Gemth zurcke geh&#8217;n&#8220;, &#8222;La&#8217; sie mich martern, wenn sie nur das Herz
-mir lassen, denk&#8217; ich Dein im Tode noch&#8220;, &#8222;Ihr seid zu finster in Euch
-selbst verschlossen&#8220;, &#8222;ein seelerfreuter Mann&#8220;, &#8222;mit inbrnst&#8217;gem
-Herzen&#8220;, &#8222;inbrnstige Angst&#8220;. Innig hrt sich auch das Beiwort &#8222;lieb&#8220;
-an, das Tieck mit beseelten und unbeseelten Dingen verbindet. &#8222;Liebe
-Berge&#8220;, &#8222;das liebe Lamm&#8220;, &#8222;liebe treue Augen&#8220;, &#8222;lieber, heller Morgen&#8220;
-u.s.w. Es macht fast den Eindruck, als ob Tieck diese poetisch schnen,
-gemthreichen Wendungen durch zu hufigen Gebrauch und besonders durch
-die wortspielerische Art, die er nicht lassen mag, in ihrer Kraft
-beeintrchtige.</p>
-
-<p>Wie fr die edlen Empfindungen, so hat Tieck auch fr die entfesselte
-wilde Leidenschaft seine wiederkehrenden Lieblingsworte. Solche
-sind &#8222;rasen&#8220;, &#8222;toben&#8220;, &#8222;toll&#8220;, &#8222;wild&#8220; u.dgl. &#8222;Tolle Worte&#8220;, &#8222;die
-Nacht macht Euch toll&#8220;, &#8222;der wilde Sinn&#8220;, &#8222;die wilde Macht&#8220;, &#8222;habe
-fast die Wildheit Euch verzieh&#8217;n&#8220;, &#8222;o schafft mir Gnade vor den
-wilden Freunden&#8220;, &#8222;so wild, so rasend&#8220;, &#8222;die groe Raserei dem Pbel
-predigen&#8220;, &#8222;rasende Sinnen&#8220;, &#8222;Ihr knnt mein Rasen seh&#8217;n?&#8220;, &#8222;was ras&#8217;
-ich denn?&#8220;, &#8222;es rasen Freund&#8217; und Feinde durcheinander&#8220;, &#8222;die Wuth
-macht Euch stammeln&#8220;, &#8222;o Wuth &mdash; o Feuerflamme...&#8220; Golo &#8222;rast und tobt
-wie ein wildes Tier&#8220;, &#8222;es ist nicht die Rede, herzurasen wie ein wildes
-Tier&#8220;, Karl Martell &#8222;tobt wie ein wtend&#8217; Tier&#8220;, Golo &#8222;wtet, rast...&#8220;
-Daneben begegnen noch &#8222;verrckt&#8220;, &#8222;unsinnig&#8220;, &#8222;Gefhl und Wunsch und
-Wahnsinn durcheinanderirren&#8220;. Mit diesen und hnlichen starken Bildern
-wirken die Vergleiche mit dem Feuer, dem wilden Tiere zusammen und dazu
-kommen an besonders erregten Stellen abgerissene, kurze, gestammelte
-Stze. Diese erregte, ans Excentrische und berreizte streifende
-Diction ist die passende Sprache der Leidenschaft fr Golo.</p>
-
-<p>Auch dort, wo es sich nicht um eine hochgespannte leiden<span class="pagenum"><a name="Seite_215" id="Seite_215">[S. 215]</a></span>schaftliche
-Erregung handelt, sprt man die Neigung zum Ungewhnlichen, zum
-Heraustreten aus der Sprache der gewhnlichen Alltglichkeit. Es ist
-dies das selbstverstndliche Vorrecht jeder poetischen Sprache; nur
-nimmt der Vorgang beim Romantiker gelegentlich seine ganz eigene
-Gestalt an. A.W. Schlegel meint:<a name="FNAnker_693_693" id="FNAnker_693_693"></a><a href="#Fussnote_693_693" class="fnanchor">[693]</a> &#8222;Es ist ein erhabener Geschmack,
-die Dinge immer in der zweiten Potenz vorzuziehen.&#8220; Damit macht
-Tieck in seiner Sprache nicht selten Ernst und bringt damit etwas
-Ungewhnliches, Nachdrckliches und berschwngliches in dieselbe.
-Es verstrken sich wiederholte Worte. &#8222;Ich suche Schutz und finde
-keinen, keinen als in Euch&#8220;, &#8222;ein leises, leises Rauschen&#8220;, &#8222;der se,
-se Name Knig&#8220;, &#8222;dass es endlich, endlich dem schlagenden Herzen
-gengt&#8220; u.s.w. Beliebt ist die Verstrkung eines Begriffes durch sich
-selbst oder durch ein Attribut aus gleichem Stamme. &#8222;Des Herz mir so
-vom Herzen ist ergeben&#8220;, &#8222;auf Dein eignes Glck Dein Glck zu wagen&#8220;,
-&#8222;in dem Frhling Frhling sich entzndet, aus Blumen sich noch eine
-Blte windet&#8220;, &#8222;das heil&#8217;ge Feuer... das den Glanz beglnzt und Licht
-der Sonne leiht&#8220;. Tieck ist imstande, einen psychologischen Vorgang
-in einen zweiten einzuschachteln: in ihrer Erzhlung von der eigenen
-Jugend erinnert sich Genoveva ihrer Erinnerungen.<a name="FNAnker_694_694" id="FNAnker_694_694"></a><a href="#Fussnote_694_694" class="fnanchor">[694]</a> Bei solchen
-Kunststcken fllt einem Fr. Schlegels Wort ber die reflectierende
-romantische Poesie ein, die ihre Reflexion &#8222;immer wieder potenzieren
-und wie in einer endlosen Reihe von Spiegeln verfielfltigen&#8220;
-kann.<a name="FNAnker_695_695" id="FNAnker_695_695"></a><a href="#Fussnote_695_695" class="fnanchor">[695]</a> Diese Sprache strebt ins Auergewhnliche, aber sie
-verwischt zugleich die klaren Umrisse.</p>
-
-<p>Jene Merkmale, aus denen Petrich die allgemeine Unklarheit des
-romantischen Stiles herleitet, lassen sich natrlich auch in der
-&#8222;Genoveva&#8220; beobachten und die Beispiele, die Petrich anfhrt, knnten
-durch verwandte aus dieser Dichtung bereichert werden. Fr Bilder
-und Gleichnisse werden auch hier Traum und Schlaf,<a name="FNAnker_696_696" id="FNAnker_696_696"></a><a href="#Fussnote_696_696" class="fnanchor">[696]</a> sogar das
-Gefhl des auferstehenden Todten<a name="FNAnker_697_697" id="FNAnker_697_697"></a><a href="#Fussnote_697_697" class="fnanchor">[697]</a> verwendet! Das Gebiet des
-Gehrsinns und die undeutlicheren Wahrnehmungen des Gesichtssinnes
-liefern fr Bild und Gleichnis auch manchen Beitrag und die bekannte
-romantische &#8222;Gter<span class="pagenum"><a name="Seite_216" id="Seite_216">[S. 216]</a></span>gemeinschaft der Sinne&#8220; besteht in der &#8222;Genoveva&#8220;
-gleichfalls zu Recht. Nur mchte ich nicht, wie Petrich, in diesem
-Vermengen der Vorstellungen &#8222;ein Mittel andeutender Unbestimmtheit des
-Ausdruckes&#8220; sehen, sondern es ist (abgesehen von Tiecks natrlicher
-Neigung zur Stimmungspoesie) nur ein Versuch, auch in der Sprache so
-viele Anschauungsgebiete als mglich, auf einmal zu umfassen. Die
-&#8222;Phantasieen ber Kunst&#8220; geben darber deutliche Auskunft. Es ist der
-nmliche Zug nach Universalitt auch im dichterischen Worte, den die
-Romantik berall bethtigt, sei es, dass sie &#8222;der Bildung Strahlen
-all in Eins zu fassen&#8220;, sei es, dass sie die knstlerischen Gattungen
-oder die verschiedenen Religionen in Eins zu mischen strebt. Manche
-uerungen Fr. Schlegels scheinen auf eine absichtliche Unklarheit
-abzuzielen, bei Tieck ist diese sicher nicht Zweck, sondern nur die
-Folge des Bemhens, zu Verschiedenartiges auf einmal im Worte zu
-greifen, die Folge seiner ganzen dichterischen Wesensart.</p>
-
-<p>Die Hufung verschiedener Bilder finden wir in der &#8222;Genoveva&#8220; ebenso
-wieder,<a name="FNAnker_698_698" id="FNAnker_698_698"></a><a href="#Fussnote_698_698" class="fnanchor">[698]</a> wie die Unklarheit im Ausdrucke der Bilder selbst.<a name="FNAnker_699_699" id="FNAnker_699_699"></a><a href="#Fussnote_699_699" class="fnanchor">[699]</a>
-Beabsichtigt kann die Unklarheit nur in den Reden des &#8222;Unbekannten&#8220;
-und in den Sprchen der Hexe sein. &mdash; Das Fehlen des Artikels,
-fehlende Copula, fehlendes &#8222;zu&#8220; beim Infinitiv, der freiere Gebrauch
-der Prpositionen, sowie die Limitation des Urtheiles durch ein
-&#8222;vielleicht&#8220;, &#8222;ist es nicht, als wenn...&#8220;, &#8222;mir ist, als ob...&#8220; lassen
-sich in der &#8222;Genoveva&#8220; in gleichem Mae verfolgen, wie es Petrich bei
-den Romantikern im allgemeinen thut. Nehmen wir noch dazu das Wrtchen
-&#8222;abwrts&#8220; mit den verwandten Vorstellungen, die uns in der &#8222;Genoveva&#8220;,
-im &#8222;Sternbald&#8220; wie in den brigen gleichzeitigen Dichtungen in Menge
-begegnen, so haben wir die wichtigsten, fassbaren stilistischen
-Merkmale in der &#8222;Genoveva&#8220; ziemlich erschpfend verzeichnet.</p>
-
-<p>Von der alltglichen Sprache entfernen sich auch die Tropen und
-Figuren. Tropischer Ausdruck ist in der &#8222;Genoveva&#8220; hufig verwertet.
-Allein bezeichnend fr die Stilfarbe sind nur jene bereits erwhnten
-Vorstellungen, die aus der Sphre von Glanz, Feuer, Klang und
-Blumen entnommen sind. Andere, wie &#8222;ser<span class="pagenum"><a name="Seite_217" id="Seite_217">[S. 217]</a></span> Odem&#8220;, &#8222;einsamer Wald&#8220;,
-&#8222;trber Blick&#8220;... sind ziemlich jeder poetischen Diction eigen. Als
-Eigenthmlichkeiten, die gerade bei Tieck gerne wiederkehren, seien
-noch genannt: Der Vergleich mit dem Netze,<a name="FNAnker_700_700" id="FNAnker_700_700"></a><a href="#Fussnote_700_700" class="fnanchor">[700]</a> das Wort &#8222;spielen&#8220; in
-verschiedenster Verwendung,<a name="FNAnker_701_701" id="FNAnker_701_701"></a><a href="#Fussnote_701_701" class="fnanchor">[701]</a> &#8222;regieren&#8220; vom Beherrschen seelischer
-Vorgnge durch den Willen.<a name="FNAnker_702_702" id="FNAnker_702_702"></a><a href="#Fussnote_702_702" class="fnanchor">[702]</a> Letzteres hngt vielleicht mit der
-astrologischen Vorstellung von den &#8222;regierenden&#8220; Gestirnen zusammen.</p>
-
-<p>Noch hufiger als der tropische Ausdruck sind in der &#8222;Genoveva&#8220;
-die rhetorischen Figuren. Es herrschen besonders die Anaphora, die
-rhetorische Frage, Ausruf und Anruf, die noch gerne mit &#8222;O&#8220; und &#8222;Ja&#8220;
-verstrkt werden. Die scharfe rhetorische Inversion mit &#8222;nein&#8220; sowie
-die Klimax fehlen nicht.</p>
-
-<p>Die Figuren trennen und verbinden syntaktische Glieder. Sie sind ein
-Gerste, das eine Masse gliedern, belebend abtheilen hilft und auch
-eine uerliche Hilfe, um Unverbundenes zu verbinden. Wie Tieck fr die
-Gesammtcomposition uerliche Mittel reichlich verwendet, so verschmht
-er sie auch im einzelnen nicht. Wie dort in der Composition, begegnet
-uns auch hier in der Sprache der Contrast. Wir finden ihn in einzelnen
-Versen, ja selbst in einzelnen Begriffen.</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Es stellt den heiligen Laurentius vor,</div>
- <div class="verse">Der in des Feuers Schmach den Leib verzehrte,</div>
- <div class="verse">Die Heiden legten ihn in Feuerbrunst,</div>
- <div class="verse">Die Seele stand in lichter Himmelbrunst,</div>
- <div class="verse">Wie sich Elias hob im Himmelsfeuer,</div>
- <div class="verse">Ward er erhoben durch ein irdisch Feuer,</div>
- <div class="verse">Sie wollten ihm die hrt&#8217;ste Qual bereiten</div>
- <div class="verse">Und gaben ihm des Himmels Seeligkeiten.&#8220;<a name="FNAnker_703_703" id="FNAnker_703_703"></a><a href="#Fussnote_703_703" class="fnanchor">[703]</a></div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Ein solches Fangballspielen mit Contrasten ist gar nichts Seltenes
-in der &#8222;Genoveva&#8220;.<a name="FNAnker_704_704" id="FNAnker_704_704"></a><a href="#Fussnote_704_704" class="fnanchor">[704]</a> Auch ein einzelner Vers kann in knstlicher
-Zuspitzung den Gegensatz in sich schlieen. &#8222;Die Christen frben rot
-die grne Flur&#8220;, &#8222;ein Mann und Thrnen?&#8220;, &#8222;an Worten arm, an Thaten
-sollt Ihr kennen den treuen Knecht...&#8220;,<span class="pagenum"><a name="Seite_218" id="Seite_218">[S. 218]</a></span> &#8222;ich schlug den Gatten, du
-hast mich erschlagen&#8220;, &#8222;da es (das Bild) nicht leben kann, das ist
-mein Tod&#8220;, &#8222;nur das Grab kann khl die Flamme mir ersticken&#8220; u.s.f.
-Bis in den einzelnen Begriff drngt sich der Contrast hinein und formt
-sich zum Oxymoron. &#8222;Sei gtig bser, holder, liebster Satan&#8220;, &#8222;das
-Mgliche, das doch unmglich ist&#8220;, &#8222;Tod ein bltenvolles Leben&#8220;...
-Die contrastierenden Verse erscheinen fter wieder im syntaktischen
-Parallelismus; es treten sich gleichgebaute Stze gegenber.<a name="FNAnker_705_705" id="FNAnker_705_705"></a><a href="#Fussnote_705_705" class="fnanchor">[705]</a>
-Auch Gruppen von Stzen<a name="FNAnker_706_706" id="FNAnker_706_706"></a><a href="#Fussnote_706_706" class="fnanchor">[706]</a> oder Strophen des Sonettes<a name="FNAnker_707_707" id="FNAnker_707_707"></a><a href="#Fussnote_707_707" class="fnanchor">[707]</a> werden
-contrastiert. Die Anaphora fhrt ihrer Natur nach zum syntaktischen
-Parallelisieren.<a name="FNAnker_708_708" id="FNAnker_708_708"></a><a href="#Fussnote_708_708" class="fnanchor">[708]</a> Tieck vermeidet aber doch wieder dabei eine
-allzugenaue Symmetrie, die eintnig werden msste.</p>
-
-<p>Auf den syntaktischen Bau bt daneben besonders die Strophenform der
-Octave einen bedeutenden Einfluss. Sechsundfnfzigmal (von 122), also
-beilufig in der Hlfte der Octaven versucht es der Dichter, die ganze
-gro aufgebaute Strophe mit einer einzigen Periode zu fllen. Die
-Form dieser Strophe ist deutlich auf Zweitheiligkeit (6+2) berechnet.
-Mit diesem Schema rechnet dann auch der Bau der Periode. Es enthalten
-das einemal die zwei letzten Verse die Spitze der Gedankenreihe, die
-sich in den sechs vorausgehenden Zeilen entwickelte oder ein andermal
-einen Contrast, ein drittesmal die Folgerung aus dem Vorausgehenden.
-Im einzelnen ist der Satzbau innerhalb der Stanze ein sehr
-verschiedenartiger, dem romantischen Gesetze von der &#8222;reizenden Ordnung
-in der Verwirrung&#8220; folgend.<a name="FNAnker_709_709" id="FNAnker_709_709"></a><a href="#Fussnote_709_709" class="fnanchor">[709]</a></p>
-
-<p>Die vielen rhetorischen Mittel, Anaphora, Frage, Ausruf u.s.w., Mittel,
-die fr das gesprochene Wort von groem Werte sind, gehren auch vor
-allem der Sprache des Theaters an. Ihr hufiger Gebrauch erweckt den
-Anschein, als ob Tieck trotz seiner Abwendung vom Theater doch wieder
-heimlich ein theatralisch gesprochener, wenigstens ein laut gelesener
-Dialog vorgeschwebt htte. Wozu sonst auch die dem theatralischen
-Drama eigene Stichomythie, die wenigstens in kleineren Anstzen auch
-in der &#8222;Genoveva&#8220; vorkommt?<a name="FNAnker_710_710" id="FNAnker_710_710"></a><a href="#Fussnote_710_710" class="fnanchor">[710]</a> Wozu das Auffangen der Worte<span class="pagenum"><a name="Seite_219" id="Seite_219">[S. 219]</a></span> des
-einen Sprechers durch seinen Partner, das uns ziemlich oft begegnet?
-Hin und wieder finden sich auch jene der theatralischen Sprache
-natrlichen scheinbar subject- oder prdicatlosen Stze, wie: &#8222;Seht
-her!&#8220;, &#8222;seht&#8220;, &#8222;auf ihn, auf ihn!&#8220;, &#8222;So nackt?&#8220;, &#8222;in dieser Haut?&#8220;,
-&#8222;wie, Genoveva?&#8220;... Geberde und Geste des Schauspielers mssen hier
-die Sprache ergnzen, damit die Verbindung der Worte eine sinnvolle,
-ein vollendeter Satz wird. &mdash; Wenn in der &#8222;Genoveva&#8220; die Sprache auf
-sinnliche Dinge der Auenwelt kommt, so wird der Leser, der fr das
-dichterische Phantasiebild eine gewisses Ma von Deutlichkeit verlangt,
-in seinen Ansprchen zuweilen verkrzt, weil er alles nur durch das
-Medium der unplastisch sehenden Sprecher schauen darf. Schon die
-Naturstimmungen zerflieen manchmal in einen sehr dnnen ther, doch
-bei ihnen lsst sich die flchtige Stimmung noch empfinden. Schlecht
-befriedigt es aber den Leser, wenn Wendelin das ganze Laurentiusbild
-in lauter Betrachtung ber das Bild auflst. Wem nicht die eigene
-Erinnerung gleich ein Laurentiusbild vor die Phantasie fhrt, kann
-nicht errathen, wie das von Wendelin erklrte Gemlde aussehen
-mag. So darf der Dramatiker vorgehen, der an die Bhne denkt, auf
-der das Gemlde sichtbar vor uns hngt. Tieck berspringt auch ein
-Zwischenglied, das der Regisseur ergnzen msste. Im &#8222;Saale auf dem
-Schlosse&#8220; beginnt Golo ohneweiters: &#8222;Schaut um Euch, wie der Frhling
-aufgegangen...&#8220; Auf der Bhne msste Golo wenigstens ans Fenster
-treten und der Epiker wrde mit einer Andeutung nachhelfen. In der
-&#8222;Genoveva&#8220; ist der Leser genthigt, sich selbst zu helfen, wie er kann.
-Er muss sich zuweilen wie der Leser eines Bhnendramas sich die Bhne
-vorstellen. Spricht das Bisherige dafr, dass sich Tiecks Phantasie
-nicht in allen Fllen von der realen Bhne fernzuhalten vermochte, dass
-er unwillkrlich dort und da an das Theater dachte, so muss umgekehrt
-das Hineinweben jener geheimen Fden, die Ahnung und Erfllung und
-allerhand bedeutsame Parallelen verbinden, als untheatralisch, ja als
-undankbar selbst fr das gelesene Drama gelten. Denn der Epiker hat
-seine bequemen Mittel und Fingerzeige, um die Verbindung zwischen
-Ahnung und Erfllung nicht aus dem Gesichtskreise entschwinden zu
-lassen: in der &#8222;Genoveva&#8220; muss sie der Leser erst mhsam klgelnd
-entziffern.</p>
-
-<p>Tiecks Dialog zeigt selten einen halbwegs energischen, auf ein
-bestimmtes Ziel lossteuernden Fortgang, so dass die Scene<span class="pagenum"><a name="Seite_220" id="Seite_220">[S. 220]</a></span> mit einem
-bestimmten Resultate schlieen knnte. Wenn sich solche Scenen finden,
-so sind es Ausnahmen, wie die Gesandtenscene, die Eroberung von
-Avignon, die Gefangennahme Genovevas, die Botschaft an Siegfried.
-In den meisten Fllen unterreden sich auch nur zwei Personen. Ein
-paarmal lsst sich der eine Unterredner beraus schnell berzeugen
-und seine Antwort schliet sich wie ein Refrain an die Rede des
-Partners an.<a name="FNAnker_711_711" id="FNAnker_711_711"></a><a href="#Fussnote_711_711" class="fnanchor">[711]</a> Meist begngt sich der Dialog mit dem behaglichen
-Besprechen eines oder mehrerer Themen und mit dem Ausmalen der
-Situation. Die Scenen, die sich um den Abschied gruppieren, die Scene
-auf &#8222;Siegfrieds Schloss&#8220;,<a name="FNAnker_712_712" id="FNAnker_712_712"></a><a href="#Fussnote_712_712" class="fnanchor">[712]</a> die musikalische Balkonscene, die
-lngeren Gartenscenen,<a name="FNAnker_713_713" id="FNAnker_713_713"></a><a href="#Fussnote_713_713" class="fnanchor">[713]</a> die lange Scene mit dem sterbenden Wolf,
-die ohne Effect verluft, seien als Beispiele genannt. Wiederholte
-lange Reden, Erzhlungen, Lieder und lyrische Ergsse werden sich
-schwerlich ohne Widerspruch in den Dialog fgen; denn ein Fortschritt
-auf ein bestimmtes Ziel gehrt zum Wesen eines knstlerischen Dialoges,
-der nicht langweilig werden soll. Das Bemhen der Romantiker, die
-knstlerischen Gattungen in eins zu verweben, musste zu den breiten,
-zerflieenden Dialogen fhren. Der heutige Leser der &#8222;Genoveva&#8220; hat
-das deutliche Gefhl, dass es Tieck auch stilistisch nicht gelang, die
-Gegenstze der knstlerischen Gattungen allerwrts auszugleichen. Auch
-Tieck selbst sagt spter:<a name="FNAnker_714_714" id="FNAnker_714_714"></a><a href="#Fussnote_714_714" class="fnanchor">[714]</a> &#8222;Dagegen ist mir vieles in Genoveva
-(z.B. die Amme zu ihrem Schmerzenreich, die Gemlde im Anfang und so
-vieles einzelne) wie zu emsig, fleiig und altdeutsch ausgemalt.&#8220;</p>
-
-<p>Eine Rckschau auf diese Untersuchung von Stil und Sprache zeigt, wie
-Tieck auch auf diesem Gebiete seiner dichterischen Art zumeist treu
-geblieben ist. Sein Vergleich des dichterischen Schaffens mit dem
-Traume fllt dem Leser unwillkrlich auch hier wieder ein und daneben
-seine Ironisierung des Bestimmten und Klaren,<a name="FNAnker_715_715" id="FNAnker_715_715"></a><a href="#Fussnote_715_715" class="fnanchor">[715]</a> das fr ihn das
-Nchterne bedeutet. Er denkt wie Novalis:<a name="FNAnker_716_716" id="FNAnker_716_716"></a><a href="#Fussnote_716_716" class="fnanchor">[716]</a> &#8222;Stimmungen, unbestimmte
-Empfindungen, nicht bestimmte Empfindungen und Gefhle machen
-glcklich.&#8220;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_221" id="Seite_221">[S. 221]</a></span></p>
-
-<p>Nicht ein plastisches, deutliches Darstellen, sondern ein dmmerndes
-Helldunkel, ein leichtes, fast spielendes Berhren der Dinge ist
-daher das Ziel seiner Sprache und Tiecks Sprache thut diese Wirkung,
-sie beleuchtet ahnungsvoll, aber sie formt und bildet nicht. Du
-&#8222;breitest Dich leicht wie ein Duft gleich ber alle Gegenstnde&#8220;
-schreibt einmal Novalis an unseren Dichter. Entsprechend der frommen
-und alterthmelnden Auffassung des Stoffes nimmt die Sprache eine
-religise und alterthmelnde Frbung an. Die Naturstimmung klingt in
-einer musikalisch wirkenden, blo stimmungerregenden Sprache wieder.
-Die idealisierende Tendenz zeigt sich auch in der allgemein und
-undeutlich gehaltenen ueren Zeichnung der Figuren und Scenerien, und
-das Innenleben, die Leidenschaft, die hie und da sich in strkeren,
-energischeren Worten entladet, ist ihrem Wesen nach immer mehr oder
-weniger unbestimmt und unplastisch, so dass der Dichter auch hier
-seine Art nicht verlsst. &#8222;Die Poesie ist Musik fr das innere Ohr
-und Malerei fr das innere Auge: aber gedmpfte Musik, verschwebende
-Malerei.&#8220;<a name="FNAnker_717_717" id="FNAnker_717_717"></a><a href="#Fussnote_717_717" class="fnanchor">[717]</a></p>
-
-<p>Neben dem Unbestimmten, Stimmungsidealistischen ist die zweite Seite
-von Tiecks Darstellungsart, das Knsteln und berknsteln auch in Stil
-und Sprache wieder anzutreffen. Der Berliner Verstand folgt wie ein
-unzertrennlicher Schatten dem romantischen, trumenden Phantasus.</p>
-
-<p>Tieck hatte sich sprachlich an den grten Mustern unserer Literatur
-schulen knnen. Darum im allgemeinen das Glatte, Sichere und
-Abgerundete im Satz- und Periodenbau, darum das Anpassen der Sprache
-an die Versform, darum das Streben nach leichter, knstlerischer
-Nancierung in seiner Darstellung. &#8222;Die Begeisterung des Kriegers, die
-Leidenschaft des Liebenden, die Vision und das Wunder sollte jedes
-in einem ihm geziemenden Tone vorgetragen... werden.&#8220;<a name="FNAnker_718_718" id="FNAnker_718_718"></a><a href="#Fussnote_718_718" class="fnanchor">[718]</a> So fanden
-wir es auch. In inhaltlich verschiedenen Partien herrschte in Sprache
-und Stil ein verschieden nancierter Ton und das Verschiedenartige im
-sprachlichen Stil soll wieder durch die Trias Religion, Alterthum und
-Natur zusammengefasst werden. &#8222;Sollte der Roman alle Gattungen des
-Styls in einer durch den gemeinsamen Geist verschiedentlich gebundenen
-Folge begreifen?&#8220; lautet ein Hardenberg&#8217;scher Einfall.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_222" id="Seite_222">[S. 222]</a></span></p>
-
-<p>Obschon nun im ganzen ein idealisierender Stil, eine alterthmliche und
-religise Frbung die Dichtung durchziehen, so ist dieser Stilcharakter
-doch nicht berall so ebenmig und harmonisch gerathen, so fhlbar
-herrschend, dass nicht Tieck selbst Solger gegenber htte zugeben
-mssen:<a name="FNAnker_719_719" id="FNAnker_719_719"></a><a href="#Fussnote_719_719" class="fnanchor">[719]</a> &#8222;... was eigentliche Zeichnung, Frbung, Styl betrifft, da
-bin ich unzufrieden und finde die Disharmonie.&#8220;</p>
-
-<h3 class="mtop15" id="Prosa_Metrik">7. Prosa und Metrik.</h3>
-
-<p>Nicht so eingehend wie der Sprachstil soll hier die metrische Kunst
-Tiecks im einzelnen untersucht werden. Eine solche Untersuchung knnte
-nur bei Beobachtung einer groen Entwickelungsreihe zu befriedigenden
-Ergebnissen fhren. Die eingehende und weitlufige Untersuchung der
-romantischen Metrik liegt auerhalb des Rahmens vorliegender Arbeit.
-Hier kann es sich nur darum handeln, den Stilwert der prosaischen und
-verschiedenen metrischen Theile im allgemeinen zu erklren.</p>
-
-<p>A.W. Schlegel vertheidigt in seinem Horenaufsatz &#8222;Etwas ber William
-Shakespeare bei Gelegenheit Wilhelm Meisters&#8220;<a name="FNAnker_720_720" id="FNAnker_720_720"></a><a href="#Fussnote_720_720" class="fnanchor">[720]</a> die Rhythmisierung
-neben der Prosa in Shakespeares Dramen und zeigt, wie die gebundene
-Rede ganz besonders den sinnlichen Schein einer hheren Wahrheit und
-Natrlichkeit erzeugt und wie bei Shakespeare immer einem bestimmten
-Inhalte die entsprechende rhythmische beziehungsweise prosaische Form
-gegeben wird.</p>
-
-<p>Diesen Gedanken holt auch Tieck in seiner Recension der Musenalmanache
-von 1798 wieder hervor und betont mit groer Emphase den unberufenen
-Versemachern gegenber, dass die Versart eines Gedichtes nicht blo
-vom Zufall und von der Gewohnheit abhngen drfe. &#8222;Der Wechsel der
-Reime und die Lnge der Verse, die Composition der Strophe mssen
-von einer leisen Regel regiert werden, damit das Silbenma als eine
-feine Musik das Gedicht begleite.&#8220; Inhalt und metrische Form mssen in
-unzertrennlicher Verbindung ineinander wachsen. Dies wre nicht der
-Fall, wenn ein Dichter gewaltsam ein beliebiges Versma einem Inhalte
-aufdrngte. Freundlich, wie von selbst msse<span class="pagenum"><a name="Seite_223" id="Seite_223">[S. 223]</a></span> sich der Gedanke an das
-Silbenma schmiegen.<a name="FNAnker_721_721" id="FNAnker_721_721"></a><a href="#Fussnote_721_721" class="fnanchor">[721]</a> In der &#8222;Genoveva&#8220; entfaltet Tieck eine bunte
-Menge verschiedener Bilder und Stimmungen, bunt und vielgestaltig, wie
-die romantische Poesie eben sein soll. Da ist es dann auch nicht anders
-mglich, als dass jene begleitende &#8222;feine Musik&#8220; sich in immer neuer
-Tonart mit dem jeweiligen Inhalte vereine und, wenn es dieser Inhalt
-verlangt, auch der prosaischen Rede Platz mache. Wenn Tieck gerade ein
-Jahr vor der Abfassung seiner &#8222;Genoveva&#8220; mit so strengen metrischen
-Forderungen an seine dichterischen Zeitgenossen herantrat, so muss
-man selbstredend annehmen, dass er bei der Schpfung seines eigenen
-Gedichtes auch sich selbst nicht von diesen knstlerischen Forderungen
-freisprechen, und dass der Gebrauch der verschiedenen Mae und Strophen
-sowie das Unterlassen des Rhythmisierens nicht einem bloen Spiele der
-Willkr entstammen konnte.</p>
-
-<p>Geht man die prosaischen Theile der &#8222;Genoveva&#8220; durch, so drngt sich
-deutlich als erste Thatsache auf, dass besonders die &#8222;niedrigen&#8220;
-Leute in Prosa reden, aber auch diese nur dann, wenn der Inhalt des
-Gesprches einen mehr gewhnlichen, vertraulichen und behaglichen Ton
-verlangt. <a name="Das" id="Das"></a>Das lsst sich an den Dienerscenen gut beobachten. Auch
-wenn einmal eine hhere Persnlichkeit sich zu den Untergeordneten
-herablsst, so drckt sich diese Herablassung gleichfalls in der
-prosaischen Form der Rede aus, in der sie mit dem tiefer Stehenden
-spricht. In verschiedenen Fllen bemerkt man, wie mit dem hher
-gestimmten Inhalt auch sogleich die Prosa in Rhythmus bergeht.
-Es plaudern Grimoald und Benno in der Kapelle zunchst prosaisch
-von ihren Privatangelegenheiten. Wendelin mahnt sie in Versen zum
-Gebete, richtet in Versen seine religisen Anreden an sie und auch
-die Angeredeten antworten nun in Versen.<a name="FNAnker_722_722" id="FNAnker_722_722"></a><a href="#Fussnote_722_722" class="fnanchor">[722]</a> Der Disput, den Otho,
-Gnther und andere Kriegsleute ber Gehorsam und eigenes Denken in
-Prosa unter sich fhren, endigt, als Karl Martell erscheint und mit
-seiner Umgebung und den Gesandten ber den Krieg verhandelt. Wenn sich
-jetzt Otho, der zuvor prosaisch sprach, in die hher gestimmte Rede
-mischt, so muss es rhythmisch geschehen.<a name="FNAnker_723_723" id="FNAnker_723_723"></a><a href="#Fussnote_723_723" class="fnanchor">[723]</a> Solange Golo mit Benno
-in alltg<span class="pagenum"><a name="Seite_224" id="Seite_224">[S. 224]</a></span>licher Rede sich bespricht, geschieht es in Prosa. Daran
-schliet sich seine monologische Selbstbetrachtung und diese greift
-sofort zum Rhythmus.<a name="FNAnker_724_724" id="FNAnker_724_724"></a><a href="#Fussnote_724_724" class="fnanchor">[724]</a> Die schmausenden Diener unterhalten sich in
-Prosa. Drago, vom Gottesdienste kommend und daher noch voll andchtiger
-Stimmung, mahnt sie zu gottgeflligem Anstande und seine Mahnworte sind
-rhythmisch.<a name="FNAnker_725_725" id="FNAnker_725_725"></a><a href="#Fussnote_725_725" class="fnanchor">[725]</a> Wendelin redet prosaisch mit dem Schergen; nachdem
-sich dieser entfernt hat, drckt Wendelin seine Empfindung und Klage
-ber das Erfahrene im rhythmischen Monologe aus.<a name="FNAnker_726_726" id="FNAnker_726_726"></a><a href="#Fussnote_726_726" class="fnanchor">[726]</a> Nicht ganz
-verstndlich ist die Prosa einer Scene auf Siegfrieds Schloss,<a name="FNAnker_727_727" id="FNAnker_727_727"></a><a href="#Fussnote_727_727" class="fnanchor">[727]</a> in
-der man wenigstens fr die erste Hlfte, die Golos trbe Ahnungen und
-die feierlichen Stze: &#8222;Wird es nicht alle Tage Abend...&#8220; enthlt, eine
-rhythmische Einkleidung erwarten mchte. Nicht ganz leicht zu erklren
-sind auch die beiden Prosaabschnitte in der letzten Kerkerscene.<a name="FNAnker_728_728" id="FNAnker_728_728"></a><a href="#Fussnote_728_728" class="fnanchor">[728]</a>
-Diese strmische Leidenschaft wrde man sich nach allen vorausgehenden
-Beispielen eher in freien Rhythmen denken, die auch sogar in der
-nmlichen Scene verwendet werden. Vielleicht gibt uns der trotzige,
-niedrig hhnende Ton, der sich der leidenschaftlichen Rede beimischt,
-einen Wink fr die Ursache der Prosa an dieser Stelle. Es knnte Tieck
-daneben beabsichtigt haben, einen sehr schroffen Contrast zwischen
-beiden Sprechern auch in der Form zu betonen. Genoveva spricht in
-feierlichen Stanzen ihre entschiedene Abweisung aus und richtet das
-zweitemal eine milde Ermahnung in gereimten Blankversen an ihren
-Versucher. Der Gegensatz zwischen dem tief erniedrigten Ritter und der
-heiligen Dulderin tritt so auch im Gegensatze von rhythmischer und
-prosaischer Rede hervor.</p>
-
-<p>Es empfiehlt sich, nach der Prosa zunchst ihren Gegenpol, die
-knstlichen Strophen anzusehen; denn an den Extremen lsst sich hier
-leichter ein Resultat finden, als an den bergangsstufen zwischen
-Prosa und hherer Kunstform. Stanzen, Sonette und Terzinen kommen
-hier zuerst in Frage. Htten wir gar keine Nachricht von Tiecks
-Beschftigung mit den spanischen Dramatikern, die neben der Romanze
-gerade diese Formen gerne verwenden und die fr Tieck hierin das
-magebendste Vorbild<span class="pagenum"><a name="Seite_225" id="Seite_225">[S. 225]</a></span> waren, so wrde es doch nicht allzusehr
-wundernehmen, wenn wir diese Formen voll Klangreichthum und Wohllaut
-in seiner &#8222;Genoveva&#8220; trfen. Diese sdlndischen Mae waren die
-officielle Sprachform am romantischen Musenhofe von Jena. Dorothea
-Veith schreibt sich das Verdienst zu, &#8222;die Stanzenwuth&#8220; in ihrem Kreise
-entfesselt zu haben. Ihr &#8222;Florentin&#8220; muss in Stanzen improvisieren.
-Friedrich Schlegel verdunkelt durch seinen Glanz alles in diesem
-Genre.<a name="FNAnker_729_729" id="FNAnker_729_729"></a><a href="#Fussnote_729_729" class="fnanchor">[729]</a> Selbst Schelling wird angesteckt.<a name="FNAnker_730_730" id="FNAnker_730_730"></a><a href="#Fussnote_730_730" class="fnanchor">[730]</a> &#8222;Wir dichten in
-italienischen und spanischen Weisen.&#8220;<a name="FNAnker_731_731" id="FNAnker_731_731"></a><a href="#Fussnote_731_731" class="fnanchor">[731]</a> A.W. Schlegel verkndet
-1799, dass die Stanze bei Ariost &#8222;das schne Gleichgewicht zwischen
-phantastischer Willkr und heiterer Besonnenheit&#8220; bewirke, welches
-die Darstellung des Italieners so reizend charakterisiert.<a name="FNAnker_732_732" id="FNAnker_732_732"></a><a href="#Fussnote_732_732" class="fnanchor">[732]</a> Die
-weiblichen Reime hlt Wilhelm zwar fr die schnsten,<a name="FNAnker_733_733" id="FNAnker_733_733"></a><a href="#Fussnote_733_733" class="fnanchor">[733]</a> er empfiehlt
-aber doch den Wechsel zwischen mnnlichen und weiblichen.<a name="FNAnker_734_734" id="FNAnker_734_734"></a><a href="#Fussnote_734_734" class="fnanchor">[734]</a> Zur
-Lectre der Spanier gesellt sich also fr Tieck noch das Beispiel der
-Genossen und A.W. Schlegels theoretische Anregungen. Umtnt von einer
-frmlichen Sonetten- und Stanzenmusik dichtet Tieck den grten Theil
-seiner &#8222;Genoveva&#8220;. Was im &#8222;Zerbino&#8220; und in den &#8222;Phantasien&#8220; sich nur
-vereinzelt ankndigte, entfaltet sich daher auch hier zu reicher Flle,
-um im &#8222;Octavian&#8220; zum berschwnglichen, luxurisen Reichthum zu werden.</p>
-
-<p>Die Erfahrung, dass die Octave der Italiener im Deutschen &#8222;lyrischen
-Ton athmet&#8220;, bezeugt Platen, der in rhythmischen Dingen feinhrig
-war wie kaum einer. Die dreimalige Wiederkehr gleichgeordneter Reime
-ist fr den deutschen Dichter, dem lange nicht die unerschpfliche
-Reimflle der italienischen und spanischen Sprache zustrmt, eine
-schwierige Aufgabe. (Wieland hielt eine genau und streng gebaute Stanze
-im Deutschen fr unmglich.) Eine reiche Bilderflle sowie synonyme
-Erweiterungen mssen oft das Ma bis zum Rande fllen helfen. Diese
-Nothwendigkeit und die langen Verse selbst in ihrer gleichmigen
-Wiederkehr geben der Strophe eine pompse Pracht und feier<span class="pagenum"><a name="Seite_226" id="Seite_226">[S. 226]</a></span>liche Wrde.
-Es ist daher gar nicht berraschend, wenn sich in der &#8222;Genoveva&#8220;
-gerade Gebete und feierliche, getragene Reden mit Vorliebe in Octaven
-ergieen.<a name="FNAnker_735_735" id="FNAnker_735_735"></a><a href="#Fussnote_735_735" class="fnanchor">[735]</a> Daran reihen sich die prunkvollen Schilderungen der
-himmlischen Visionen,<a name="FNAnker_736_736" id="FNAnker_736_736"></a><a href="#Fussnote_736_736" class="fnanchor">[736]</a> die feierliche Betheuerung,<a name="FNAnker_737_737" id="FNAnker_737_737"></a><a href="#Fussnote_737_737" class="fnanchor">[737]</a> der
-Ausdruck besonders gehobener Seelenstimmung berhaupt, wie sie z.B.
-Karl Martell beherrscht, nachdem er die Prophezeiung seiner groen
-Zukunft vernommen.<a name="FNAnker_738_738" id="FNAnker_738_738"></a><a href="#Fussnote_738_738" class="fnanchor">[738]</a> Liebessehnsucht, in der mehr die hochgespannte
-seelische Stimmung als die sinnliche Leidenschaft vorwaltet,<a name="FNAnker_739_739" id="FNAnker_739_739"></a><a href="#Fussnote_739_739" class="fnanchor">[739]</a> und
-das breite malerische Frhlingsgemlde<a name="FNAnker_740_740" id="FNAnker_740_740"></a><a href="#Fussnote_740_740" class="fnanchor">[740]</a> bedienen sich gleichfalls
-der Octave. Weniger klar ist der Grund ihrer Verwendung fr Genovevas
-trbe Ahnungen.<a name="FNAnker_741_741" id="FNAnker_741_741"></a><a href="#Fussnote_741_741" class="fnanchor">[741]</a> Der umfangreichste Abschnitt in Stanzen aber
-ist die Erzhlung des heil. Bonifacius.<a name="FNAnker_742_742" id="FNAnker_742_742"></a><a href="#Fussnote_742_742" class="fnanchor">[742]</a> Der Erzhler versucht
-anfangs in einem einfachen, naiven Tone zu reden, der zugleich
-archaistisch gefrbt erscheint. Verwandt damit ist der Schluss, der
-von Schmerzenreich handelt. Dazwischen steht die prchtig geschmckte
-Schilderung der Wunder. Hier ist die mchtig tnende Octave nichts
-Fremdes; allein wie passt die stolze Prachtstrophe zum einfach und
-alterthmlich sein wollenden Vortrag der brigen Erzhlung? Hier muss
-uns wohl Tiecks Bekenntnis ber die Stanzen in der fast gleichzeitigen
-&#8222;Melusine&#8220; aushelfen.<a name="FNAnker_743_743" id="FNAnker_743_743"></a><a href="#Fussnote_743_743" class="fnanchor">[743]</a> &#8222;Es reizte mich, die Stanze auch einmal so
-treuherzig, wie alte Prosa erklingen zu lassen, ein Ton, der schon
-viele Stellen des Morgante so wunderbar anziehend macht, indem das
-Possierliche und Edle sich in diesem merkwrdigen Gedichte mit dem
-alterthmlich Ehrbaren so wunderbar verbinden.&#8220; Wir gehen kaum irre,
-wenn wir annehmen, dass Tieck das nmliche Experiment, das er fr die
-zeitlich ganz nahestehende Dichtung einbekennt, auch schon theilweise
-in den Bonifacius-Stanzen versuchte. Diese und die Melusine-Strophen
-hintereinander gelesen, lassen den verwandten Ton auch<span class="pagenum"><a name="Seite_227" id="Seite_227">[S. 227]</a></span> gar nicht
-undeutlich spren. Der Versuch, die reichklingende Strophe fr eine
-einfache treuherzige Erzhlung zu whlen ist schon die Anwendung
-der bald auftauchenden hyperromantischen Meinung, dass sich gerade
-in den sdlndischen Formen alles Poetische am besten sagen lasse.
-&#8222;Besser als in sapphischen Strophen kann das, was man damit wollen
-kann, durch romantische Formen erreicht werden&#8220;, schreibt bald darauf
-Schleiermacher.<a name="FNAnker_744_744" id="FNAnker_744_744"></a><a href="#Fussnote_744_744" class="fnanchor">[744]</a> Nach Calderons Vorbild lsst Tieck seine Menschen
-hie und da sogar einen Dialog in Stanzen fhren. Das ist dort noch
-ertrglicher, wo zumeist ganze Strophen auf einen Sprecher kommen;<a name="FNAnker_745_745" id="FNAnker_745_745"></a><a href="#Fussnote_745_745" class="fnanchor">[745]</a>
-es wird aber zum verknstelten Kunststck, wenn die Strophe in kleine
-Stcke<a name="FNAnker_746_746" id="FNAnker_746_746"></a><a href="#Fussnote_746_746" class="fnanchor">[746]</a> oder gar in kleine Splitter<a name="FNAnker_747_747" id="FNAnker_747_747"></a><a href="#Fussnote_747_747" class="fnanchor">[747]</a> zerschlagen wird.</p>
-
-<p>Neben der hufig verwerteten Stanze begegnen wir in der Genoveva
-achtmal dem Sonette. Der Charakter der einheitlich geschlossenen Form
-mochte Tieck passend erscheinen, die Rede des Kapellan, welche die
-Novalis-Schleiermacher&#8217;sche Religionsauffassung in nuce vortrgt,
-den Abschied Genovevas von ihrem Kinde, den Abschied vom Gatten
-(Reinigungsbrief) und endlich die Verkndigung von ihrer Aufnahme in
-die Seligkeit in je einem Sonette wiederzugeben. In der Balkonscene
-spricht Genoveva die Erinnerung an eine vergangene Nachtstimmung,
-die sie mit der gegenwrtigen vergleicht, in einem Sonette aus. Das
-Sonett, das Golos Versuchung zur Snde ausdrckt, will hnlich wie
-Karl Martells Lobrede auf den Ehrgeiz nur das Thema des Monologes
-in etwas vernderter Auffassung variieren, wie die Stanzen die
-Liebessehnsucht in der Gartenscene. Die Auftheilung eines Sonettes
-in den Dialog<a name="FNAnker_748_748" id="FNAnker_748_748"></a><a href="#Fussnote_748_748" class="fnanchor">[748]</a> ist wieder nicht mehr als ein Virtuosenscherz,
-zu dem sich der Formknstler Tieck eben &#8222;gereizt&#8220; fhlte, wie
-zu den treuherzig alterthmelnden Stanzen. Sonette in das Drama
-einzuflechten, lernte Tieck gleichfalls bei Calderon. In der Art der
-Verwendung dieser Form geht er die Wege A.W. Schlegels. Das Sonett
-mit seinem reichen Reimklange, mit seiner bestimmten Gliederung und
-&#8222;organisch articulierten Form&#8220;, die nach Schlegel ein Gef fr Lyrik
-und<span class="pagenum"><a name="Seite_228" id="Seite_228">[S. 228]</a></span> Didaktik, die sogar dramatisch werden kann, die eine so &#8222;groe
-Universalitt&#8220; zeigt, wurde zur romantischen Lieblingsform. Seit 1798
-verwendet sie Schlegel besonders zu lyrisch-didaktischen Zwecken
-Gemldesonette. Er strebt der italienischen Idealform nach, die
-fnfhebige Verse mit Auftakt, Quartette mit umschlieenden Reimen und
-weibliche Reime verlangt. Letztere gehren, wie Schlegel meint, zum
-&#8222;groen Styl&#8220; des Sonettes. Tieck thut in der Verwendung und im Baue
-dieser Form in seinem Drama ziemlich das gleiche wie A.W. Schlegel
-in seiner Sonettendichtung. Lyrische, traumhafte Verschwommenheit an
-einzelnen Stellen (Balkonscene), das Zerreien des Sonettes im Dialoge
-sind Tiecks Besonderheit.<a name="FNAnker_749_749" id="FNAnker_749_749"></a><a href="#Fussnote_749_749" class="fnanchor">[749]</a></p>
-
-<p>Die Terzine verwendet Tieck fr die Prophezeiung des &#8222;Unbekannten&#8220; und
-fr den Dialog zwischen dem trauernden Siegfried und Othos pilgerndem
-Geiste. Diese Strophe mit ihrer fortlaufenden Reimverkettung ist die
-naturgeme Form fr eine fortschreitende Erzhlung und das ist auch
-die Prophezeiung. Die einfrmige Wiederholung derselben langen Verse
-gibt dem Mae eine &#8222;feierliche Stimmung&#8220;<a name="FNAnker_750_750" id="FNAnker_750_750"></a><a href="#Fussnote_750_750" class="fnanchor">[750]</a> und das entspricht jeder
-der beiden Situationen, in denen sie Tieck verwertet. Dem Dialoge
-widerstrebt die Form gewiss dann, wenn sie in so kleine Stcke zerhackt
-wird, wie es am Anfange der zweiten Stelle in der &#8222;Genoveva&#8220; geschieht,
-so dass man den Eindruck der Strophe nicht mehr gewinnt. Tieck sagt uns
-noch obendrein, dass ihm die Terzine den Eindruck des Alterthmlichen
-mache. Die Association Terzine-Dante-Mittelalter ist auch gar nicht
-aufflliger, als wenn der Hexameter Schiller &#8222;unausbleiblich an die
-griechische Welt erinnert&#8220;.</p>
-
-<p>Die vierte metrische Form, die Tieck aus dem spanischen Drama entlehnt,
-ist der Romanzenvers ohne Auftakt und zwar werden diese vierhebigen
-Trochen zur Strophenform der Redondille (abba) vereinigt, die Calderon
-im Dialog bentzt. Bei Tieck erscheint sie nur an lyrischen Stellen.
-Die durchwegs<span class="pagenum"><a name="Seite_229" id="Seite_229">[S. 229]</a></span> weiblichen Reime geben der Strophe in der Balkonscene
-eine besonders trumerische Weichheit, die klangvollen Reimworte
-dazu eine musikalische Flle, und auf diesen weichen, vollen Klngen
-schwebt die magische Traumstimmung der Sommernacht einschmeichelnd und
-lieblich dahin. Ein lyrischer Erguss Genovevas formt sich in diesen
-Strophen, die sich dann in der Antwort Golos fortsetzen. Solange
-seine Liebesgedanken mit der freundlichen Sommernachtstimmung sich
-verflechten, gehen sie auch im nmlichen weichen Ebenmae fort; als
-aber die Vorstellung von den Augen Genovevas auftaucht, flackert es
-unruhig in Golo auf (wir kennen den Zusammenhang zwischen Genovevas
-Augen und Golos Empfindung) und das Versma springt aus dem ruhigen
-Gleichmae heraus bei den Worten &#8222;Deine Blicke schieende Sterne...&#8220;
-Zulmas Sehnsucht, Gebet und Klage<a name="FNAnker_751_751" id="FNAnker_751_751"></a><a href="#Fussnote_751_751" class="fnanchor">[751]</a> behalten das Reimschema der
-Redondille bei, aber an Stelle der vierhebigen Trochen treten Verse
-mit zwei und drei Hebungen und auch klingende und stumpfe Reime
-wechseln. Einen besonderen Grund fr die Verwendung dieser Strophen,
-die nur noch ungefhr dem spanischen Vorbilde hnlich sehen, kann ich
-nicht angeben. Es konnte aber den Dichter immerhin eine uerliche
-Association dazu gefhrt haben. Die romantische Mohrin kommt aus
-Spanien, dem gelobten Lande der Romantik; da ziemt sich&#8217;s, dass ihre
-Lieder auch uerlich ein wenig an ihre Herkunft erinnern. Einzelne
-inhaltliche Calderon&#8217;sche Reminiscenzen konnten wir ohnehin auch gerade
-in diesen Partien der Dichtung aufzeigen. Im Monologe Zulmas vor dem
-Zelte, der die Sehnsucht nach dem Geliebten variiert, schlgt auch ein
-wenig der vierhebige Romanzenvers durch.</p>
-
-<p>Mit diesen sangbaren Strophen sind wir schon bei den Liedern angelangt,
-die Tieck reichlich in sein Drama einstreut. Sie weichen metrisch sehr
-voneinander ab. Die einen sind freirhythmische Ergsse, in anderen
-ist ein strenger Strophenbau durchgefhrt. Nach welchem Grundsatze
-wechselt nun Tieck die Form? Manche Andeutungen (z.B. ein &#8222;altes Lied&#8220;)
-scheinen auf eine Unterscheidung improvisierter und knstlerisch
-ausgereifter Lieder hinzuweisen. Allein die Untersuchung der
-einzelnen Stcke gibt dieser Vermuthung nicht Recht. Wahrscheinlicher
-sieht Folgendes aus. Golo kleidet, kunstmig dichtend, seine
-Lieder in<span class="pagenum"><a name="Seite_230" id="Seite_230">[S. 230]</a></span> gleichmige Strophen, die gewhnlichen Leute, Schfer,
-Hochzeitbitter, die schmausenden Diener gebrden sich nachlssiger
-im Vers- und Strophenbau. Danach liee sich alles vertheilen, bis
-auf Golos sechszeiligen Morgengesang. Mglich, dass Tieck sich von
-einem hnlichen Gedanken fhren lie, wahrscheinlicher noch, dass er
-blo romantischer Willkr folgte. &mdash; Die acht Verse der zwei Engelein
-sind nur eine Tndelei. Die acht ei-Reime knnten als Begleitung des
-heiteren Inhaltes angesehen werden.</p>
-
-<p>Freie Rhythmen begegnen uns mehrmals in besonders erregten,
-leidenschaftlichen Reden und Monologen. Das meiste davon gehrt Golo
-an. Dazu kommt Genovevas Klage im Thurme und in der Wste, die Sprche
-der Hexe sowie der Chor der Jger. Die unruhig lodernde Leidenschaft,
-die heftige Klage stammeln in ungleichmigen Abstzen. In den Reden
-der Hexe soll der verworrene Rhythmus dem wirren Inhalte der Formeln
-sich anpassen. Dazu gesellen sich die gehuften Reime. &#8222;Wie freier
-&mdash; das Feuer &mdash; wie munter &mdash; und bunter &mdash; in Formen mannigfach
-glimmt &mdash; in Farben tausendfach flimmt&#8220; u.s.w. Der Hrer vernimmt nur
-durcheinander irrende klangvolle Reimworte und dieses Gewirre muss im
-Verein mit dem unheimlich dunkeln Inhalt Siegfrieds Sinn umnebeln.<a name="FNAnker_752_752" id="FNAnker_752_752"></a><a href="#Fussnote_752_752" class="fnanchor">[752]</a>
-Der freie Rhythmus im Chorlied der Jger ist schwer zu begrnden. Bis
-auf diesen letzten Fall ist also auch der freie Rhythmus stets in ein
-gewisses engeres Verhltnis zum Inhalt gesetzt.</p>
-
-<p>In der Mitte zwischen den kunstvolleren rhythmischen Gebilden und
-der einfachen Prosa steht der fnffige Jambus, der damals schon
-gewhnliche dramatische Vers. Die Rede, die in diesem gleichmigen
-Rhythmus einherschreitet, wird immer als eine erhhte empfunden.
-Der Rhythmus lsst einen ungreifbaren &#8222;geistigen Hauch&#8220; ber die
-Diction hinschweben. A.W. Schlegel nennt den rhythmischen Theil
-in Shakespeares Dramen kurzweg den &#8222;poetischen&#8220;.<a name="FNAnker_753_753" id="FNAnker_753_753"></a><a href="#Fussnote_753_753" class="fnanchor">[753]</a> Diese
-rhythmisierte Sprache entfernt sich aber doch auch nicht so weit von
-der gewhnlichen Rede, wie etwa die kunstvolle Strophe. In diesem
-erhhten Durchschnittsrhythmus des Dramas sprechen auch die Personen
-in der &#8222;Genoveva&#8220; immer dann, wenn sich der Inhalt ihrer Rede ber das
-Ver<span class="pagenum"><a name="Seite_231" id="Seite_231">[S. 231]</a></span>trauliche und Gewhnliche erhebt, aber doch den hohen Schwung der
-auerordentlichen seelischen Momente nicht erreicht, fr welche die
-kunstvolleren rhythmischen Formen aufgespart sind. In dieser Mittelhhe
-setzt der Prolog ein. Siegfrieds und Genovevas Abschiedsgesprch,
-die Feldherrnscenen, die Dialoge zwischen Golo und Gertrud, Golo und
-Genoveva sind meist auf diese mittlere rhythmische Hhe gestimmt.</p>
-
-<p>Auch untergeordnete Leute reden in Versen, wenn ein erhhter Inhalt
-ihrer Rede es verlangt. bergnge von der Prosa in den Rhythmus wurden
-schon verzeichnet. Es muss hier noch an die Scenen erinnert werden,
-in denen die Sprache der Geringen sich jener der Vornehmen ganz
-assimiliert. Hier sind zu nennen die Scene, die uns die Dienerschaft in
-ihrer gehobenen Stimmung ber den Sieg zeigt,<a name="FNAnker_754_754" id="FNAnker_754_754"></a><a href="#Fussnote_754_754" class="fnanchor">[754]</a> Gertrud bei Genoveva
-im Gefngnis,<a name="FNAnker_755_755" id="FNAnker_755_755"></a><a href="#Fussnote_755_755" class="fnanchor">[755]</a> Benno und Golo und die fr Genoveva bittende
-Gertrud,<a name="FNAnker_756_756" id="FNAnker_756_756"></a><a href="#Fussnote_756_756" class="fnanchor">[756]</a> die Mrder in Gesellschaft Genovevas u.s.w.<a name="FNAnker_757_757" id="FNAnker_757_757"></a><a href="#Fussnote_757_757" class="fnanchor">[757]</a> Wenn
-es der Inhalt fordert, sprechen auch die Diener unter sich in Versen.
-Wendelin und Else beklagen Genoveva,<a name="FNAnker_758_758" id="FNAnker_758_758"></a><a href="#Fussnote_758_758" class="fnanchor">[758]</a> Grimoald pflanzt seinen
-Baum,<a name="FNAnker_759_759" id="FNAnker_759_759"></a><a href="#Fussnote_759_759" class="fnanchor">[759]</a> Wendelin, Heinrich und Else reden ber die Wunder, die sie
-erlebten.<a name="FNAnker_760_760" id="FNAnker_760_760"></a><a href="#Fussnote_760_760" class="fnanchor">[760]</a> Unklar bleibt wieder, warum Tieck eine Schlachtscene
-theilweise in Prosa schreibt<a name="FNAnker_761_761" id="FNAnker_761_761"></a><a href="#Fussnote_761_761" class="fnanchor">[761]</a> und eine andere,<a name="FNAnker_762_762" id="FNAnker_762_762"></a><a href="#Fussnote_762_762" class="fnanchor">[762]</a> in der es
-ebenso strmisch hergeht, in Versen.</p>
-
-<p>Unsere Aufstellungen gewinnen an Wahrscheinlichkeit und eine gewisse
-Begrndung aus der Romantik selbst heraus durch eine andere Thatsache.
-Es ist nmlich interessant zu verfolgen, wie die Art der Vertheilung
-von Vers und Prosa bei Tieck im groen und ganzen jenen Principien
-folgt, die A.W. Schlegel aus seinen Beobachtungen an Shakespeare
-gefolgert und im schon frher angezogenen Horenaufsatze &#8222;Etwas ber
-W. Shakespeare&#8220; niedergelegt hat. Prosa, heit es dort, entspricht
-dem vertraulichen Tone des Umgangs, &#8222;Poesie&#8220; einem edleren Gang der
-Rede. Der Gebrauch der einen oder anderen Stilart hngt nicht so
-sehr am Stande, als am Charakter und an der Gemths<span class="pagenum"><a name="Seite_232" id="Seite_232">[S. 232]</a></span>stimmung der
-redenden Personen. Aber eine &#8222;gewisse Anstndigkeit der Sitten,
-die sowohl Tugend als Laster berkleidet und auch unter heftigen
-Leidenschaften nicht ganz verschwindet&#8220;, trifft man meist, wenn
-gleich nicht ausschlieend, in hheren Stnden und daher sprechen
-gerade Brger, Bauern, Soldaten, Matrosen, Bediente, hauptschlich
-Narren und Possenreier bei Shakespeare fast ohne Ausnahme im Tone
-ihres wirklichen Lebens. Allein, wenn innere Wrde der Gesinnungen
-bei niederen Personen sich uert, so thut sie es auch hier mit einem
-gewissen ueren Anstande (rhythmisch), und so gilt bei Shakespeare
-die Rangordnung der Natur und der Sittlichkeit mehr wie die
-brgerliche.<a name="FNAnker_763_763" id="FNAnker_763_763"></a><a href="#Fussnote_763_763" class="fnanchor">[763]</a> Ob Vers, ob Prosa, entscheidet die innere seelische
-Hhe. Ferner, sagt Schlegel, kann es selbst im Dasein des erhabensten
-Helden Augenblicke des seelischen Nachlassens geben, und dann spricht
-auch er wieder in Prosa (Hamlet, der sich wahnsinnig stellt, die
-Hflinge zum besten hlt, die Schauspieler unterrichtet oder sich in
-die Spsse des Todtengrbers einlsst). Jene Gestalten Shakespeares,
-die der Pomp des Ranges bestndig umgibt, denen ein gleichfrmiger
-Ernst natrlich ist oder die eine &#8222;erweckende Leidenschaft&#8220; beherrscht,
-verfallen nie in die vertrauliche Prosa. Es ist nicht schwer und
-gewaltsam, dieses Vorgehen wenigstens im allgemeinen in Tiecks
-&#8222;Genoveva&#8220; wiederzufinden. Beim &#8222;Pompe des Ranges&#8220; denkt man gleich
-auch an Karl Martell und die Feldherrn, beim gleichfrmigen Ernst etwa
-an den heil. Bonifacius, Siegfried und besonders an die Heldin Genoveva
-selbst, die alle drei keinen arrhythmischen Satz in der ganzen Dichtung
-sprechen. Der Blankvers ist das Grenzgebiet, auf dem sich in der
-&#8222;Genoveva&#8220; hoch und niedrig noch begegnet. Die Diener gelangen nicht
-hher, als bis zum gereimten Blankvers, Genoveva, Siegfried, Bonifacius
-steigen nie unter den Blankvers hinab.</p>
-
-<p>ber die Verwendung des Reimes bei Shakespeare sagt uns Schlegel,
-dass sich darber nicht ganz so bestimmt sprechen lasse; er hebt
-aber hervor, dass sinnreiche Sprche, besonders in symmetrischer und
-antithetischer Ordnung, Scenenschlsse, zuweilen mit epigrammatischer
-Wendung, gereimt sind. Fortgehend reime Shakespeare, wo Feierlichkeit
-und theatralischer Pomp passend ist, vielleicht, wo gefllige Spiele
-der Phantasie<span class="pagenum"><a name="Seite_233" id="Seite_233">[S. 233]</a></span> dem Stoffe gem sind (Sommernachtstraum, Romeo und
-Julia). &#8222;Es mag immer sein, dass er mitunter auch aus keinem anderen
-Grunde in Reimen gedichtet, als weil er grade Lust daran fand.&#8220;<a name="FNAnker_764_764" id="FNAnker_764_764"></a><a href="#Fussnote_764_764" class="fnanchor">[764]</a>
-Ein Blick in die &#8222;Genoveva&#8220; berzeugt uns, dass Tieck im Gebrauche
-des Reimes wieder hnliche Wege geht, wie Shakespeare. Auch er reimt
-sentenzenhafte Verse und verschiedene Antithesenspiele gar nicht
-ungern. Tieck liebt es, durch ein Reimpaar oder durch mehrere Reime
-einen Einschnitt innerhalb der Scene<a name="FNAnker_765_765" id="FNAnker_765_765"></a><a href="#Fussnote_765_765" class="fnanchor">[765]</a> oder den Scenenschluss
-selber<a name="FNAnker_766_766" id="FNAnker_766_766"></a><a href="#Fussnote_766_766" class="fnanchor">[766]</a> auszuzeichnen. Manchmal bildet sogar eine Stanze, ein Drei-
-oder Vierreim den Abschluss. Nur etwa beim dritten Theile jener Scenen,
-die nicht ganz in gereimten Maen erscheinen, fehlt der gereimte
-Abschluss.<a name="FNAnker_767_767" id="FNAnker_767_767"></a><a href="#Fussnote_767_767" class="fnanchor">[767]</a></p>
-
-<p>&#8222;Theatralischen Pomp&#8220;, der den fortlaufenden Reim veranlasst, darf
-man nicht mit Unrecht in Karl Martells Antwort an die Gesandten sehen
-und in manchen anderen Reden der Kriegsscenen. Jene Antwort Karls
-bewegt sich eine Zeitlang sogar strophisch, um aber schlielich
-in einfache Reimpaare zu verlaufen. An manchen Stellen, an denen
-bei Tieck Reime als Schmuck des Blankverses auftreten, lsst sich
-eine Steigerung des rhetorischen Pathos und der Gefhlswrme und
-eine gewisse &#8222;Feierlichkeit&#8220; erkennen. So im Prologe, in Golos
-zweitem Monologe.<a name="FNAnker_768_768" id="FNAnker_768_768"></a><a href="#Fussnote_768_768" class="fnanchor">[768]</a> Wenn Wolf und Genoveva, erfreut ber die
-Siegesnachricht, aus dem Gesprche ins Gebet bergehen, so stellt
-sich der Reim ein. Auch Wolfs Entzcken ber den Mohrensbel ist
-gereimt.<a name="FNAnker_769_769" id="FNAnker_769_769"></a><a href="#Fussnote_769_769" class="fnanchor">[769]</a> Wolfs feierliche Ermahnungen vom Sterbebette aus sind
-zumeist gereimt.<a name="FNAnker_770_770" id="FNAnker_770_770"></a><a href="#Fussnote_770_770" class="fnanchor">[770]</a> Allein fr verschiedene andere gereimte Stellen
-will sich kein deutlicher innerer Grund finden lassen. Nun, was
-Schlegel an Shakespeare vermuthet, dass er nmlich fters reimte, weil
-er eben Lust daran fand, das drfen wir bei Tieck sicher mit ebensoviel
-Recht vermuthen.</p>
-
-<p>Die Gegner der Romantik verurtheilen das bunte Rhythmen- und
-Strophengewebe der romantischen Dramen ohne Mitleid. Merkel nennt
-diese Mannigfaltigkeit einen &#8222;Unsinn&#8220;, der jede<span class="pagenum"><a name="Seite_234" id="Seite_234">[S. 234]</a></span> Regel der Vernunft
-berspringe. Das eine ist richtig, der Eindruck des Gemachten,
-Willkrlichen und Geknstelten wird keineswegs berall in der
-&#8222;Genoveva&#8220; vermieden. Tieck sucht mitunter zu ferne Liegendes, in
-seinem Wesen Verschiedenes zu vereinigen. Die sdlndlische prunkvolle
-Stanze, die zugleich altdeutsch treuherzig erklingen soll, die nmliche
-pathetische Strophe fr die kindliche Redeweise Schmerzenreichs, Sonett
-und Stanze im Dialoge zerfasert: dies sind so innerlich fremdartige
-Momente, dass sich kaum eine harmonische Verschmelzung derselben und
-ein befriedigender knstlerischer Eindruck erwarten lsst; wenigstens
-Tieck ist es nicht gelungen, das Widerstreitende zu vershnen. Allein
-die Dissonanzen sind, wie unsere Betrachtung zeigte, doch nur auf
-einzelne Punkte in der Dichtung beschrnkt und auf weiten Gebieten der
-Dichtung konnten wir ein natrliches, zwangloses Ineinandergreifen von
-Form und Inhalt beobachten und nachempfinden. Hier wird durchaus nicht
-jede Regel der Vernunft bersprungen. Ein einheitlicher Gesammteindruck
-des Werkes wird freilich durch die metrische Vielgestaltigkeit so wenig
-gefrdert als etwa durch die allzu reich abgestufte Sprache oder durch
-den Mangel einer organischen Composition und Einheit von innen heraus.
-Aber wir drfen nur nicht vergessen, dass wir in der &#8222;Genoveva&#8220; einen
-romantischen Dichtertraum durchtrumen. Die Romantiker von 1800 waren
-einmal auf dieses Traumbild erpicht und wir mssen hier wiederum den
-Autor zuerst aus sich und seinem Gedankenkreise heraus commentieren
-und verstehen. Das einzelne vorberschwebende Bild und seine Stimmung
-haben selbstndigen Wert und dabei hren wir Inhalt, Sprache und
-Rhythmus meistens auf das wirksamste zusammenklingen. Auch Rhythmus
-und musikalischer Reimwohlklang haben in der Schtzung des Romantikers
-eigenen Wert fr sich. Fr die einzelnen Situationen unserer Dichtung
-sind die metrischen Formen eine anschmiegsam begleitende Musik:
-fr das Ganze aber wieder nicht mehr, als eine Regel von auen, um
-&#8222;widerspenstige Elemente in Ordnung zu halten&#8220;.</p>
-
-<p>Auch fr die metrische Einkleidung wirken die zwei groen Vorbilder
-der Romantik, Shakespeare und Calderon, magebend in der &#8222;Genoveva&#8220;
-zusammen. Die Shakespearische Form wird nach Tiecks eigenem Worte mit
-der spanischen verbunden. Das heit mit bewusster Folgerichtigkeit von
-Tieck gehandelt. Der Geist der romantischen Poesie hatte in Shakespeare
-und Calderon<span class="pagenum"><a name="Seite_235" id="Seite_235">[S. 235]</a></span> verwandte aber zugleich auch verschiedene Organe
-gefunden. Die neuen Romantiker, die wieder zur einen romantischen
-Urpoesie zurckstreben, machen sich keines Widerspruches schuldig,
-wenn sie auch die Darstellungsweisen ihrer hchsten Meister zu
-vereinigen und so zu einer hheren Synthese fortzuschreiten suchen.
-Bernhardi, der romantische Kritiker, ist mit Tiecks Vorgehen ganz und
-gar einverstanden und macht sich anheischig, die einzelnen Silbenmae
-in der &#8222;Genoveva&#8220; in einer eigenen Abhandlung zu rechtfertigen.
-Vorlufig fllt er nur das allgemeine und im ganzen nicht unzutreffende
-Urtheil:<a name="FNAnker_771_771" id="FNAnker_771_771"></a><a href="#Fussnote_771_771" class="fnanchor">[771]</a> &#8222;Prose und Silbenma und die mannigfaltigsten Arten
-desselben wechseln miteinander ab, und aus dem Stoffe ergibt sich die
-jedesmalige Darstellung durch ein bestimmtes Silbenma als nothwendig.&#8220;</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; ward aus dem Geiste der Romantik geboren und wirkte
-entscheidend fr das mchtige Anwachsen der katholisierenden Strmung
-in Deutschland am Anfange unseres Jahrhunderts und wies so selbst
-wiederum der Entwickelung des romantischen Geistes eine neue Richtung.
-Auch die alterthmelnde, auf das Deutsche und Vaterlndische abzielende
-Bewegung bekam einen neuen mchtigen Antrieb. Hettner nennt das Werk
-mit Recht die Wetterscheide der Romantik. Tieck selbst nennt sie eine
-&#8222;Epoche&#8220; in seinem Leben.</p>
-
-<p>Man kann nicht gerade sagen, dass Tieck nur durch Fr. Schlegels
-sthetische Lehren &#8222;verdorben&#8220; worden sei. Tiecks eigene vorausgehende
-Production und Schlegels Doctrin sowie der romantische Geist von 1800
-berhaupt begegneten sich auf halbem Wege. Tiecks phantastische Anlage
-und Neigung fanden in Schlegels Gedanken Frderung und Aufmunterung,
-das vollendete Werk des einen entsprach daher leicht verschiedenen
-theoretischen Wnschen des Genossen; denn die &#8222;Genoveva&#8220; wurde
-recht eigentlich &#8222;die Darstellung eines sentimentalen Stoffes in
-phantastischer Form&#8220;.</p>
-
-<p>Tieck und Wackenroder entdecken die Poesie des Alten und Religisen.
-Durch Schleiermacher, Novalis, Calderon und Jakob Bhme erhielt
-die neue Richtung des immer beweglichen, empfnglichen und leicht
-anempfindenden Dichters mchtige Impulse und es sammelten sich in
-seinem Gemthe jene Stim<span class="pagenum"><a name="Seite_236" id="Seite_236">[S. 236]</a></span>mungen und Vorstze, die sich an den Stoff
-des Genovevabchleins anschlossen, nachdem noch ein anderer lebhafter
-Ansto durch Maler Mllers Drama vorausgegangen war. Tiecks und der
-Romantiker neue Richtung ist zugleich eine energische Opposition gegen
-die den Zeitgeist beherrschende Aufklrung. Mit hoher Ehrfurcht tritt
-Tieck an das Volksbuch heran, an die ehrwrdige Urkunde alter deutscher
-Volkspoesie und dramatisiert die Erzhlung von Anfang bis zum Ende
-und dieses piettvolle Festhalten am alten poetischen Stoffe war, wie
-wir sahen, ein Verdienst in den Augen romantischer Kunstrichter. Nur
-das Allzukarge wird erweitert und abgerundet. Tieck nimmt fr die
-Bereicherung seines Werkes Motive und Reminiscenzen aus Maler Mller,
-Shakespeare, Calderon und verschiedene Gedanken Jakob Bhmes auf, welch
-letztere er ein wenig mit zeitgenssischer Naturphilosophie &#8222;tingiert&#8220;.
-Alles, was von geistigen Anregungen damals auf ihn eindrang, findet
-in der &#8222;Genoveva&#8220; seinen sanften Widerhall. Das Werk wird ein Spiegel
-seines Schpfers und das ist wieder echt romantisch. Fr. Schlegel
-verlangt ja vom Roman (und damit von der romantischen Poesie),
-er solle eine &#8222;Encyklopdie des gesammten geistigen Lebens eines
-genialischen Individuums sein&#8220;. Die Motive, welche Tieck anderswoher
-nimmt, werden &#8222;tieckisiert&#8220; und so sein Eigenthum. Die einfache
-Legende wird in ihrer neuen Gestalt auch zu einem episch breiten
-Zeitbilde erweitert und das geschieht wieder im Sinne der romantischen
-Doctrin, der zufolge das romantische Drama das ganze bunte Schauspiel
-des Lebens in sich fassen soll. Die Auffassung des Stoffes ist eine
-durchgehend legendenmig-religise, von dem altdeutsch-frommen Sinn
-beherrschte und da im Mittelalter die Religion der erste Leitstern
-des Denkens und Lebens war, wie Wackenroder und Novalis lehrten und
-wie es Schleiermacher fr die Gegenwart wieder forderte, so wird
-auch das ganze breite Gemlde in religise Beleuchtung gestellt.
-Alles Komische ist als strend ausgeschlossen. Tiecks Religion ist
-aber dabei ein weiches, weichliches Empfinden, unter dessen Einfluss
-verschiedene Gestalten die Dichtung, besonders die Heldin selbst zu
-kraft- und marklosen Wesen werden. Schleiermachers Gefhlsreligion
-gieng durch Tiecks weiches Gemth hindurch und wurde zum bloen
-poetischen Stimmungshauche. Die Religion in der &#8222;Genoveva&#8220; erscheint
-zwar berwiegend als Christenthum, zum Theile sogar als ausgesprochen
-katholisches Christenthum. Es<span class="pagenum"><a name="Seite_237" id="Seite_237">[S. 237]</a></span> ist dies aber keine Confession, die
-aus Tiecks religiser glubiger berzeugung entspringt, sondern eine
-religise Kunststimmung, eine &#8222;prdilection d&#8217;artiste&#8220;. Eine geheime
-Unterstrmung wirklich religiser Sehnsucht begleitet wohl diese
-Kunststimmungen. Die Idee einer synkretistischen, echt romantischen
-Religion steht im Hintergrunde.</p>
-
-<p>Stimmung, Licht und Luft, das &#8222;Klima&#8220; der Begebenheiten ist fr Tieck
-wichtiger, als die im festen Causalnexus gegliederte Handlung, als
-energisch und klar gezeichnete Charaktere und deren Schicksale. Die
-Figuren sind mit wenigen Ausnahmen matt und schemenhaft gerathen oder
-vielmehr beabsichtigt. In der Stimmung, besonders in der religisen
-sowie in der Liebe, liegt Unendlichkeit. Auch Zeit und Ewigkeit
-berhren sich. Die Religion gewhrt &#8222;bedeutende Ausblicke&#8220; in die
-Ferne. Der Glaube ist unendlich. Kein Wunder, dass die Vermhlung von
-Religion und Poesie um 1800 zum unerlsslichen Punkte des romantischen
-Programmes wird. Dem berschwnglich gesunden Menschenverstande des
-Oberaufklrers Nicolai zum Hohn sollte Phantasus den romantischen
-Dichtergarten beherrschen.</p>
-
-<p>Nicht blo stoffliche Universalitt verlangt die romantische Theorie,
-auch Poesie und Prosa und &#8222;alle Gattungen der Poesie&#8220; sollen zum Strome
-einer unendlichen Urpoesie wieder zusammenflieen. Auch dies geschieht
-in der &#8222;Genoveva&#8220;, soweit es eben im einzelnen Werke geschehen kann.
-Nach Shakespeares Muster werden Epik und Drama ineinandergeflochten und
-Vers und Prosa mssen reichlich wechseln.</p>
-
-<p>Lange ausklingende Lyrica und der Formenreichthum der Sdlnder kommen
-unter dem Einflusse Calderons, des zweiten romantischen Gromeisters,
-dazu und potenzieren die Knstlichkeit der Form zu nie dagewesener
-Hhe. Um das Zusammenweben aller Formen und Gattungen zur freien, auf
-die Phantasie gestellten Universalpoesie zu ermglichen, hatte man
-noch das Gesetz geschaffen, dass die Willkr des Dichters kein Gesetz
-ber sich leide. Dies geschah und so konnte der Poet mit Zeit und Ort
-in freiester Khnheit schalten. Traumartig schweben die Bilder in bunt
-wechselnder Mannigfaltigkeit vor unserer Phantasie vorber, nur durch
-den hchst dehnbaren Rahmen von Prolog und Epilog zusammengehalten.
-Das monarchische Princip, die Herrschaft eines Helden im dichterischen
-Werke, ist gestrzt und eine republikanische Verfassung proclamiert.
-Tieck schiebt<span class="pagenum"><a name="Seite_238" id="Seite_238">[S. 238]</a></span> bald die eine, bald die andere Figur in den Vordergrund,
-wie es Fr. Schlegel im Roman verlangte.</p>
-
-<p>Trotz alledem soll aber die romantische Poesie nicht ganz von
-aller Zucht und Ordnung losgebunden und so eine unknstlerische,
-ungegliederte wste Masse sein. Sie soll ein &#8222;vernnftiges Chaos&#8220;
-werden. Sie ist der allseitigsten Bildung fhig &#8222;von innen heraus&#8220; und
-&#8222;von auen hinein, indem sie jedem, was ein Ganzes in ihren Producten
-sein soll, alle Theile gleich organisiert&#8220;. Auch Tieck sucht Vernunft
-in das phantastische Chaos zu bringen. Das bewerkstelligt er durch
-die Knstlichkeit einer uerlichen Symmetrie, durch Contrastieren,
-Parallelisieren und allerlei sinnreiche ahnungweckende Beziehungen.
-Die Bildung &#8222;von innen heraus&#8220;, einen alles organisierenden
-Geist muss bei ihm die gemeinsame Auffassung, ein durchgehender
-&#8222;alterthmlich-religiser Ton&#8220; ersetzen. Tiecks romantische
-Knstlichkeit erreicht aber nicht, was Fr. Schlegel im steten Hinblick
-auf &#8222;Wilhelm Meister&#8220; fordert.</p>
-
-<p>Fr die altdeutsche Legende wird auerdem noch dem Costm einige
-Aufmerksamkeit gewidmet, aber jede pedantische Genauigkeit dabei
-vermieden. Die ganze archaisierende Dichtung wird von reichlichen
-weichen und innigen Naturstimmungen durchwoben. Das Freundliche und
-Milde der Natur herrscht, das dstere Grauen ist bis auf kleine Spuren
-verschwunden. Hochromantisch ist die sympathetische Beseelung sowie die
-malerische und musikalische Auffassung der Natur. Tieck lauscht &#8222;dem
-wunderbaren Liede, das in den Dingen schlft&#8220;. Das Alterthmliche sowie
-die romantische Naturandacht bilden im Verein mit dem Religisen den
-einigenden Ton, der auer dem umschlieenden Prologe und Epiloge die
-verschiedenen Theile zusammenfasst.</p>
-
-<p>Ein Seitenstck zur knstlichen und knstelnden Composition ist die
-knstliche und oft auch verknstelte Sprache und Metrik. Tieck ist
-ein souverner Beherrscher der Sprache; er versteht es, die Perioden
-und Stze zu runden und abzuschleifen, wenn er nicht absichtlich
-Unebenheiten dem Archaismus zuliebe einstreut. Es ist keine energisch
-charakterisierende, sondern eine idealisierende, nivellierende Sprache,
-die sich von der Wirklichkeit entfernt und nur im ther der reinen
-Kunst schweben will. Innerhalb dieser idealisierenden Diction zeigt
-sich der Virtuose wieder im Nancieren nach allen Richtungen. Jedem
-Inhalte gibt Tieck mit Leichtigkeit das entsprechende sprach<span class="pagenum"><a name="Seite_239" id="Seite_239">[S. 239]</a></span>liche
-Kleid und zur Sprache tritt der Rhythmus, der sich gleichfalls meist
-mit hchster Elasticitt dem Inhalte der einzelnen Situationen
-anschmiegt. Im ganzen wenigstens gelingt es fhlbar; dort und da fehlt
-es nicht an strender Willkr. Eine hohe Knstlichkeit und universale
-Mannigfaltigkeit, ein eigenartiger Formenreiz &mdash; lauter romantische
-desideria &mdash; werden erreicht.</p>
-
-<p>Selbst die romantische Ironie darf nicht ganz fehlen, das bewusste
-Schweben des Dichters ber seinem Stoffe auf den Flgeln der poetischen
-Reflexion, das Darstellen des Spieles des Lebens als wirkliches
-Spiel. Sie tritt in der Einkleidung der &#8222;Genoveva&#8220; hervor. Das
-ganze ist als auftauchender und wieder verschwebender poetischer
-Traum gekennzeichnet, der nur auf poetische, durch die Phantasie
-gerechtfertigte Wahrheit Anspruch macht. &mdash;</p>
-
-<p>Die Stimmungen, aus denen die &#8222;Genoveva&#8220; erwuchs, beherrschten um 1800
-den romantischen Dichterkreis. Allein selbst ber diesen hinaus lassen
-sich ihre Spuren verfolgen. Tieck thut sich etwas darauf zugute, dass
-sein Werk nicht nur auf Zach. Werner und ein Heer von katholischen
-Dichtern, sondern selbst auf Schillers &#8222;Maria Stuart&#8220; und &#8222;Jungfrau von
-Orleans&#8220; gewirkt habe.<a name="FNAnker_772_772" id="FNAnker_772_772"></a><a href="#Fussnote_772_772" class="fnanchor">[772]</a> Allzu hoch darf aber diese Einwirkung auf
-Schiller nicht angeschlagen werden, da Schiller auf einem ganz anderen
-eigenen Wege zu einer verwandten Richtung und knstlerischen Anschauung
-gelangte. Die Verbindung des Schicksalsmigen mit einem katholischen
-mittelalterlichen Stoffe konnte Schiller noch am verwandtesten
-berhren, wenn er Tiecks Dichtung las. Auffallend ist es immerhin,
-dass bei Schiller das Mittelalterliche, der uere romantische
-Prunk, Troubadourmiges und kriegerische Bilder, die Verklrung der
-Heiligen am Schlusse, das Lyrisch-Musikalische, die vielen Motive,
-die episierende Zwanglosigkeit, der Wechsel metrischer Mae sich
-in merkwrdig hnlichen Geleisen bewegen, wie Tiecks romantische
-Poesie. Das Katholische und eingeschaltete Lyrik treffen wir schon in
-&#8222;Maria Stuart&#8220;. Lyrisches, Christenthum und Fatalismus begegnen uns
-wieder in der &#8222;Braut von Messina&#8220;. Das Biographische, der episierende
-Charakter, das bunte reiche Zeitbild, wortreiche Personen, viel directe
-Charakteristik, ein beinahe leidender Held: all das begegnet uns
-bereits im &#8222;Wallen<span class="pagenum"><a name="Seite_240" id="Seite_240">[S. 240]</a></span>stein&#8220;. In Goethes &#8222;Natrlicher Tochter&#8220; findet sich
-auch das epische Verweilen bei der Situation, das romantisch Dmmernde,
-die hchst idealisierende Form und Sprache. An Herders Wirken, das sich
-mehr und mehr den Tendenzen der Romantik nhert, sei nur noch erinnert.
-Es geht ein gemeinsamer verwandter Zug durch die Literatur. &#8222;Wilhelm
-Meister&#8220;, an dem sich Schiller und die Romantiker begeistern, ist ein
-wichtiges Ferment im groen Processe. Nicht allzu voreilig wird man
-also bei verwandten Erscheinungen auerhalb des engeren romantischen
-Kreises auf directe Einwirkung von dieser Seite her schlieen.</p>
-
-<p>Von hier aus drfen wir noch einen Blick in jene Literaturperiode
-zurckwerfen, in die manche Wurzeln der Romantik gesenkt sind, in
-die Sturm- und Drangjahre und auf das Genovevadrama dieser Zeit, das
-zwar mit seiner Entstehung um zwei Decennien vor der Romantik der
-&#8222;heiligen Genoveva&#8220; liegt, aber doch eine directe Verbindung dieser
-mit der Geniezeit herstellt. Damals trat Mser zuerst mit weitsehendem
-Blicke an das Mittelalter heran. Herder und Goethe wurden von seiner
-Begeisterung fr das Alte ergriffen.</p>
-
-<p>Im &#8222;Gtz&#8220; stieg die romantische Ritterzeit lebenstrotzend aus dem
-Grabe der Vergessenheit herauf und Herder erweckt das Volkslied mit
-seiner ganzen innigen Gemthsflle zu neuem Leben. Ritterthum und
-deutsche Vergangenheit wurden ein Lieblingsthema der Geniemnner. Unter
-dem Trosse der Ritterdramen, die dem &#8222;Gtz&#8220; folgten, ragte Mllers
-&#8222;Golo und Genoveva&#8220; ansehnlich hervor, das Stck, welches fr Tieck
-in besonderer Art bedeutend wurde. Beide Dichter, Mller und Tieck,
-greifen in die deutsche Vergangenheit zurck und nehmen denselben
-alten, volksthmlichen Legendenstoff zur dramatischen Behandlung auf,
-Mller das Puppenspiel, Tieck das Volksbuch. Beide bereichern in
-mannigfacher Weise ihre Vorlage und sind dabei von lteren und neueren
-literarischen Vorbildern abhngig. Shakespeare, &#8222;Gtz&#8220; und &#8222;Werther&#8220;
-wirken auf beide Dichter; allein fr Tieck vermittelt Mller selbst
-die Verwertung jener Vorbilder. Eine shakespearesierende Technik,
-ein Sprengen des einheitlichen dramatischen Baues und ein Ausdehnen
-in die Breite der dialogisierten Biographie herrscht im Drama der
-Geniezeit und ebenso im Werke des Romantikers, die Einschaltung
-weicher Lyrica finden wir bei Mller wie bei Tieck. Nicht unbedeutende
-Zge giengen direct von Mller auf Tieck ber.<span class="pagenum"><a name="Seite_241" id="Seite_241">[S. 241]</a></span> Ein &#8222;eigen Herz&#8220;,
-freies Entfalten und Ausleben aller Lebenskrfte ist der hchste
-Wunsch der Originalgenies in den siebziger Jahren und ein hnliches
-Lebensideal verfolgt die Romantik der Genossen von Jena. Mllers
-Mathilde und Tiecks Golo mchten ihre Individualitt in schrankenloser
-Selbstherrlichkeit gewhren lassen; Golo will freie Bahn fr seine
-excentrische Leidenschaft, Mathilde fr ihre titanische Willenskraft.
-Ins Ungewhnliche streben beide Richtungen hinaus. Beide hassen ja
-von Haus aus das Alltgliche, Platte, Nicolaitische. Beide Dichter
-arbeiten ziemlich viel Naturempfindung in ihre Werke hinein, Mller
-naturalistisch malend, Tieck musikalische Stimmungen erweckend. Dem
-Costm gegenber sind beide ziemlich sorglos, aber sorgloser und
-eigenmchtiger als Tieck ist Mller.</p>
-
-<p>So viele Verbindungsfden nun auch aus der Geniezeit in die
-Romantik herberleiten, in den zwanzig Jahren, die zwischen beiden
-Dichterkreisen liegen, hat sich manches in der deutschen Literatur
-begeben, unter dessen Einwirkung die Romantik ihre eigenen Wege geht.
-Mller und Tieck behandeln den gleichen volksthmlichen Stoff, sie
-nehmen aber eine ganz verschiedene Stellung zu ihrer Vorlage ein.
-Mllers Auffassung der Legende ist eine rein weltliche, jene Tiecks
-durchaus religis. Mllers Genoveva hat ihre Heiligenaureole abgelegt,
-sie ist zum natrlich unschuldigen Weibe geworden, das Religise
-ist auf das engste beschrnkt. Tieck sucht eine mittelalterliche
-Heilige auf schimmerndem Goldgrund zu malen, religise Stimmung in
-allen Schattierungen beherrscht seine Dichtung. Das Schicksalsmige
-wird bei Mller mehr im bertragenen Sinne der unwiderstehlichen
-Leidenschaft nachgesagt, bei Tieck tritt mitunter ein wirklicher
-Naturfatalismus ein. Der romantischen Auffassung entspricht es, dass
-Calderon und Jakob Bhme als Vorbilder bei Tieck neben den auch fr
-Mller magebenden Shakespeare treten. Mller nimmt nur die Grundzge
-der berlieferung auf und schaltet frei und selbstndig mit seiner
-Vorlage, Tieck htet sich vor jedem allzukhnen Eingriff in die
-geheiligte Tradition. Mller tritt als Dramatiker an die Legende heran
-und was seinem Zwecke nicht dient, wird ausgeschieden. Es bleiben zwar
-bei ihm noch manche Weitschweifigkeiten, aber nirgends verleugnet
-sich bei ihm ein frischer dramatischer Pulsschlag. Tieck fhrt die
-dramatische Form uerlich auch zumeist durch, aber er geht trotzdem
-fast immer als Erzhler und Stimmungsmaler und als romantischer<span class="pagenum"><a name="Seite_242" id="Seite_242">[S. 242]</a></span> Poet
-vor, der &#8222;alle Gattungen von Poesie&#8220; vereinigen mchte. Die Romantiker
-beurtheilen das Schauspiel nach den Gesetzen des Romans. Ein Vergleich
-etwa zwischen Mllers Kerkerscene voll dramatischen Lebens und der
-Tieck&#8217;schen Kerkerscene voll Empfindungsweichheit und breiter Reden
-ohne Vorwrtsbewegung ergibt sprechend die Differenzen zwischen beiden
-dichterischen Generationen. Bei Mller treffen wir wenige Scenen,
-die blo um ihrer selbst willen da sind, bei Tieck knnte man eine
-lange Reihe streichen, ohne den Fortgang der eigentlichen Handlung zu
-stren. Die Sprache endlich ist bei Mller eine leidenschaftbebende,
-drastische, oft derbe Prosa, die bis zum Dialect herabsteigt, bei Tieck
-ein idealisierender, beflgelter, ber die Dinge leicht hinschwebender
-Stil, der sich mit einem reichen Chor sdlndischer Strophenformen
-zu gemeinsamem Wohllaut vereinigt. Tieck ist einmal eine vielfach
-anders veranlagte dichterische Persnlichkeit als Mller und er hat
-zugleich auch an den classischen Vorbildern, die zwischen Geniezeit
-und Romantik treten, seine Sprache und Formkunst geschult und treibt
-diese bis zur raffinierten Knstlichkeit, die ganz besonders mithilft,
-das Ganze in einen hyperidealistischen Hauch zu verflchtigen.<a name="FNAnker_773_773" id="FNAnker_773_773"></a><a href="#Fussnote_773_773" class="fnanchor">[773]</a>
-A.W. Schlegel formulierte schon 1806 den Gegensatz zwischen Geniezeit
-und Romantik mit den Worten: &#8222;Wie Goethe, als er zuerst auftrat,
-und seine Zeitgenossen Klinger, Lenz u.s.w. (diese mit roheren
-Missverstndnissen) ihre ganze Zuversicht auf die Darstellung der
-Leidenschaften setzten, und zwar mehr ihres ueren Ungestms als ihrer
-inneren Tiefe, so meine ich, haben die Dichter der letzten Epoche die
-Phantasie, und zwar die blo spielende, mige, trumerische Phantasie,
-allzusehr zum herrschenden Bestandtheil ihrer Dichtungen gemacht.&#8220;<a name="FNAnker_774_774" id="FNAnker_774_774"></a><a href="#Fussnote_774_774" class="fnanchor">[774]</a></p>
-
-<p>Das halbe Menschenalter, das zwischen dem Sturm und Drang und den
-Bltentagen der Romantik verfloss, hat der romantischen Dichtung eine
-neue Signatur aufgedrckt. Die literarische Strmung der siebziger
-Jahre wirkt noch deutlich in der jungen Generation nach, aber diese ist
-doch auch zugleich in ihrem inneren Wesen und in ihrer knstlerischen
-Erscheinung eine andere geworden.</p>
-
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_243" id="Seite_243">[S. 243]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="mbot2" id="V">V.<br />
-
-Urtheile der Zeitgenossen ber Tiecks &#8222;Genoveva&#8220;.</h2>
-
-<p>Die Aufnahme, welche Tiecks Werk bei den Zeitgenossen fand, soll kurz
-skizziert werden; denn auch sie beweist, dass die &#8222;Genoveva&#8220; ein
-richtiges Kind der Romantik war; sie theilt im Urtheile der Mitlebenden
-ziemlich genau das Geschick der Romantik selbst. Schrankenlos bewundert
-wurde die Dichtung zumeist von den Freunden und gallig verhhnt von
-den rationalistischen Gegnern. Tieck berichtet nur,<a name="FNAnker_775_775" id="FNAnker_775_775"></a><a href="#Fussnote_775_775" class="fnanchor">[775]</a> dass sein
-Gedicht bei Freunden wie bei Unbekannten und Fremden einen erfreulichen
-Eindruck gemacht und ihm manchen Freund erworben habe. Der Dichter sagt
-damit nicht zu viel. Ein Verehrer Tiecks, Heinrich Schmidt aus Brnn,
-der in Jena studierte, als die &#8222;Genoveva&#8220; erschien, erzhlt in einem
-spteren Briefe,<a name="FNAnker_776_776" id="FNAnker_776_776"></a><a href="#Fussnote_776_776" class="fnanchor">[776]</a> wie er und &#8222;einige zwanzig Bursche&#8220; bis in die
-Mitternachtstunde Tiecks neues Gedicht lasen, wie innig sie Golos Rolle
-nachempfanden und mit Ehrfurcht zur nicht unempfindlichen und doch
-heiligen Genoveva aufblickten.</p>
-
-<p>Es widerfhrt Tieck aber nur von jenen Gerechtigkeit, die sich A.W.
-Schlegels Grundsatz vor Augen hielten:<a name="FNAnker_777_777" id="FNAnker_777_777"></a><a href="#Fussnote_777_777" class="fnanchor">[777]</a> &#8222;Niemand soll vor einer
-Gerichtsbarkeit belangt werden, unter die er nicht gehrt.&#8220; Und da
-waren es natrlich nur Tiecks romantische Genossen, die im romantischen
-Gesetzescodex Bescheid wussten und diesen zugleich als zu Recht
-bestehend anerkannten. Die beiden kritischen Meister uern sich zu
-verschiedenenmalen, aber nie in einer ausfhrlichen Recension. Friedr.
-Schlegel schreibt zunchst an Schleiermacher:<a name="FNAnker_778_778" id="FNAnker_778_778"></a><a href="#Fussnote_778_778" class="fnanchor">[778]</a> &#8222;Die Genoveva
-habe ich gelesen<span class="pagenum"><a name="Seite_244" id="Seite_244">[S. 244]</a></span> und wnsche doch, dass Du sie bald auch grndlich
-lesest. Mir ist das Charakteristische im Eindruck das Schne und
-Liebenswrdige. Sie macht einen sehr sanften und zarten Eindruck
-auf mich. Ad extra ist wohl die Energie der Leidenschaft das Beste
-darin, die den Leuten imponieren muss.&#8220; In der &#8222;Europa&#8220;<a name="FNAnker_779_779" id="FNAnker_779_779"></a><a href="#Fussnote_779_779" class="fnanchor">[779]</a> lobt er
-eine andere Seite des Werkes. Es ist ihm als &#8222;mythische Poesie&#8220; eine
-&#8222;gttliche Erscheinung&#8220; und er meint: wre das Pittoreske in der ersten
-und das Musikalische in der zweiten Hlfte mehr herausgehoben, so wrde
-sie sogar dramatisch wirksam sein. In einem Sonette an Tieck<a name="FNAnker_780_780" id="FNAnker_780_780"></a><a href="#Fussnote_780_780" class="fnanchor">[780]</a>
-endlich fhlt Fr. Schlegel, dass, als Genoveva &#8222;in frommer Schne&#8220;
-nahte, die Poesie gekommen sei und kindlich in holder Klarheit blhe.
-In die &#8222;Europa&#8220;<a name="FNAnker_781_781" id="FNAnker_781_781"></a><a href="#Fussnote_781_781" class="fnanchor">[781]</a> nahm Friedrich auch von einem H. v. Hastfer
-herrhrende &#8222;Gesprche ber Tiecks Poesie&#8220; auf, in denen der &#8222;Genoveva&#8220;
-auerordentliches Lob gespendet wird. Die &#8222;Genoveva&#8220; war und blieb
-Friedrich das liebste von Tiecks Werken.</p>
-
-<p>In die Begeisterung stimmt Wilhelms Sonett<a name="FNAnker_782_782" id="FNAnker_782_782"></a><a href="#Fussnote_782_782" class="fnanchor">[782]</a> ein und feiert Tieck
-als den Wiedererwecker der alten frommen Poesie in neuer Gestalt:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Du, in der Dichterbildung reichster Blte,</div>
- <div class="verse">Bringst uns verwandelt wieder jene Zeiten,</div>
- <div class="verse">Wo Adam auf der Bhn&#8217; erschien und Eva.</div>
- <div class="verse">Ja, Dank sei Deinem kindlichen Gemthe,</div>
- <div class="verse">Heiligst die Kunst, verschnerst Heiligkeiten,</div>
- <div class="verse">Und machst zum Lied das Leid der Genoveva.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Ein wenig nchterner spricht schon 1806 der &#8222;Brief an Fouqu&#8220;<a name="FNAnker_783_783" id="FNAnker_783_783"></a><a href="#Fussnote_783_783" class="fnanchor">[783]</a>
-und die Wiener &#8222;Vorlesungen&#8220; von 1808<a name="FNAnker_784_784" id="FNAnker_784_784"></a><a href="#Fussnote_784_784" class="fnanchor">[784]</a> nennen zwar die &#8222;Genoveva&#8220;
-nicht, aber sie tadeln die romanhafte Breite sowie das berwiegen des
-Musikalischen und Malerischen in der neuen romantischen Dramatik,
-die eben durch Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; und den ihr folgenden verwandten
-&#8222;Octavian&#8220; hauptschlich vertreten war.</p>
-
-<p>Ein Jahr nach dem <a name="Erscheinen" id="Erscheinen"></a>Erscheinen der &#8222;Genoveva&#8220; 1801 kommt von J.J.
-Mnioch aus Warschau eine Epistel<a name="FNAnker_785_785" id="FNAnker_785_785"></a><a href="#Fussnote_785_785" class="fnanchor">[785]</a> voll Bewunderung.<span class="pagenum"><a name="Seite_245" id="Seite_245">[S. 245]</a></span> &#8222;Die
-Genoveva wird gefeiert unter den Freunden&#8220; und Mnioch vertheidigt
-die Verschiedenartigkeit der Formen gegen die Tadler derselben.
-Gleichzeitig ist Karl v. Hardenberg von der &#8222;Genoveva&#8220; &#8222;erquickt und
-begeistert&#8220;.<a name="FNAnker_786_786" id="FNAnker_786_786"></a><a href="#Fussnote_786_786" class="fnanchor">[786]</a></p>
-
-<p>Die ausfhrlichste Kritik stammt aus der Feder des dem romantischen
-Kreise und besonders Tieck nahe befreundeten Wilhelm Bernhardi. Sie
-erschien im &#8222;Berlinischen Archiv der Zeit und ihres Geschmackes&#8220;.
-Die entscheidenden Gedanken derselben wurden in unserer Untersuchung
-bereits bercksichtigt. Bernhardi kritisiert nach den romantischen
-Grundgesetzen; er lobt in etwas zu hoher Piett alles an der &#8222;Genoveva&#8220;
-und berhrt keine Schwche des Werkes. Er sucht aber sein Lob jedesmal
-zu begrnden. Bernhardi empfindet das Poetische der Volksbuchmotive,
-aber mit noch liebevollerem Eifer verfolgt er Tiecks groe und kleine
-Knstlichkeiten und lobt auch Tiecks Festhalten an der &#8222;geheiligten
-Tradition&#8220;. Er findet daher auch die katholische Auffassung ganz
-begrndet. Auch die vielen Nebenpersonen werden gerechtfertigt; sie
-sind Contrastbilder zu den Hauptfiguren, theils fr den Fortschritt
-wichtig, theils durch die Tradition verlangt. Die Nebenscenen sind
-auch nicht unntz. Theils verdanken sie wieder der Vorlage ihr Dasein
-oder sie sind Ruhepunkte nach den &#8222;angreifendsten oder effectvollsten
-Scenen&#8220; oder sie sind &#8222;Andeutungen des freien Spieles&#8220;, da jedes
-Kunstwerk ein Product der Freiheit mit dem Bewusstsein ist, oder sie
-dienen dem Contraste und dem Colorite und manches endlich gehrt zur
-&#8222;Kategorie der Begreiflichkeit, das ist: es dient zur Bildung des
-Ganzen als Verstandesbegriff&#8220;. Der Recensent sucht die Stellung des
-heil. Bonifacius zu wrdigen und die verschiedenen Metren, in denen er
-spricht, zu erklren. Die wechselnden Formen finden hohes Lob. Hie und
-da legt Bernhardi in seinem freundschaftlichen Eifer sogar mehr in die
-Dichtung hinein, als vermuthlich Tieck selbst.</p>
-
-<p>Ein jngerer Romantiker, Achim von Arnim, stellt in der &#8222;Zeitung
-fr Einsiedler&#8220; (1808 Nr. 13) einen Vergleich zwischen Tiecks und
-Mllers Drama an und sucht beide aus der Stimmung ihrer Zeit heraus zu
-erklren. Auch anderen Romantikern liegt die &#8222;Genoveva&#8220; im Sinne. Es
-wird in ihren Dichtungen auf sie angespielt oder auf das Volksbuch,
-das durch Tieck zu neuen<span class="pagenum"><a name="Seite_246" id="Seite_246">[S. 246]</a></span> Ehren gekommen war. So in Brentanos &#8222;Godwi&#8220;
-und &#8222;Mrchen&#8220;. In Eichendorffs &#8222;Ahnung und Gegenwart&#8220; liest der Held
-das Volksbuch und er besitzt ein Gemlde, das die Auffindung Genovevas
-darstellt. In seiner Literaturgeschichte,<a name="FNAnker_787_787" id="FNAnker_787_787"></a><a href="#Fussnote_787_787" class="fnanchor">[787]</a> in der Eichendorff
-besonders den religisen Gehalt der Dichtungen prft, spendet er
-der &#8222;Genoveva&#8220; Tiecks folgendes Lob: &#8222;Eine durchaus katholische
-Weltanschauung endlich waltet in seinem unstreitig vollendetsten Werke,
-in der Genoveva, bis in den kleinsten Beischmuck hinab. Das Ganze
-wird vom Prolog und Epilog des heil. Bonifacius wie ein Altarbild von
-altkirchlichem Goldrahmen eingefasst; die Verherrlichung der Kirche ist
-der geheimnisvolle Mittelpunkt, um den alles glubig oder widerstrebend
-sich bewegt. Genoveva erscheint von vorneherein nicht etwa als bloe
-moralische Ehefrau, sondern als die Kirchenheilige, die gottgeweihte
-Mrtyrin, welche Christus, ihr im Traume die weie Rechte reichend,
-sich zur Braut erkoren und ihr das bevorstehende Leiden verkndet
-hat.&#8220; Eichendorff legt aber dabei gewiss manches als erfllt in Tiecks
-Dichtung hinein, was nur sein eigener, ehrlicher Wunsch war und nimmt
-selbst gleich nachher sein Lob zum Theile wieder zurck.</p>
-
-<p>Helmine v. Chezy verdankt der &#8222;Genoveva&#8220; und dem &#8222;Sternbald&#8220; manche
-religis erbauliche Stunde<a name="FNAnker_788_788" id="FNAnker_788_788"></a><a href="#Fussnote_788_788" class="fnanchor">[788]</a> und F. Rochlitz hohen poetischen
-Genuss.<a name="FNAnker_789_789" id="FNAnker_789_789"></a><a href="#Fussnote_789_789" class="fnanchor">[789]</a> Koberstein las 1819 die &#8222;Genoveva&#8220; als erstes Buch, das
-ihm von Tieck bekannt wurde und der Eindruck war &#8222;unbeschreiblich und
-entscheidend&#8220; fr sein ganzes Leben.<a name="FNAnker_790_790" id="FNAnker_790_790"></a><a href="#Fussnote_790_790" class="fnanchor">[790]</a></p>
-
-<p>Interessant ist noch vor allem Tiecks Briefwechsel mit seinem Freunde
-Solger, dem romantischen sthetiker. Verschiedenes daraus wurde
-schon gelegentlich angefhrt. Tieck und Solger fhren nmlich 1816
-eine ausfhrliche Discussion ber die &#8222;Genoveva&#8220;. Solger schreibt in
-einem Briefe<a name="FNAnker_791_791" id="FNAnker_791_791"></a><a href="#Fussnote_791_791" class="fnanchor">[791]</a> eine Art Recension, in welcher er vieles an der
-Dichtung lobt. So Genovevas Hang zu Gott, ihre Vision. Die Tuschung
-Siegfrieds durch Hexerei als Contrast zur Vision sei &#8222;herrlich und
-tief&#8220;. Die &#8222;herrliche&#8220; Ent<span class="pagenum"><a name="Seite_247" id="Seite_247">[S. 247]</a></span>wickelung von Golos Charakter ist Solger
-zu &#8222;psychologisch&#8220;. Keine bedeutende Beziehung findet er darin, dass
-Golo Othos Sohn ist. Solger fhrt eine Reihe von Scenen und Stellen
-auf, die ihm besonders gefallen, darunter die Zulma-Episode und das
-traurige Lied. Das Spielende im Religisen spricht ihn an. Die Scenen
-der Landleute aber wirken nicht zum Ganzen, sie sollten besser komisch
-sein. Heinrich und Else sind als Contrast zu absichtlich. Es fehlt
-der dramatische Nerv und die Weihe der Ironie. Die Sprache dnkt ihn
-ungleich. Besonders fehlt das Gegenwrtige und Nothwendige in der
-Sinnesart, im Alterthmlichen, in der Charakteristik. Die Composition
-ist ihm zu wenig gerundet, der Schluss enthlt zu viel Erzhlung.
-Manches gibt Tieck zu, nur vertheidigt er die Wahrheit seiner
-Empfindung, den ernsten religisen &#8222;Ton des Gemldes&#8220;, das &#8222;Klima&#8220; und
-die Hauptfiguren. Auch in den &#8222;Skizzen&#8220; Frsters spricht Tieck ber
-seine &#8222;Genoveva&#8220;, ber Bhmes Einfluss, ber die schlechten Nachahmer
-und die Einwirkung auf Schiller und gibt zu, dass ihm manches darin
-nimmer genge. Man erkennt deutlich, dass Solger und Tieck so gut wie
-A.W. Schlegel nicht mehr den extrem romantischen Ansichten von 1800
-huldigen, die in der &#8222;Genoveva&#8220; zutage treten. Einst war auch Solger
-hher begeistert.<a name="FNAnker_792_792" id="FNAnker_792_792"></a><a href="#Fussnote_792_792" class="fnanchor">[792]</a> Tieck hat sich indessen wieder mit dem Theater
-vershnt und somit den Traum von der romantischen Universalpoesie
-halb und halb ausgetrumt.<a name="FNAnker_793_793" id="FNAnker_793_793"></a><a href="#Fussnote_793_793" class="fnanchor">[793]</a> Auch Tiecks Freund Steffens, der zur
-Zeit der &#8222;Genoveva&#8220; ein warmer Anhnger der Jenenser Romantiker war,
-urtheilt nach langen Jahren (1841) ziemlich khl ber Tiecks berhmtes
-Werk.<a name="FNAnker_794_794" id="FNAnker_794_794"></a><a href="#Fussnote_794_794" class="fnanchor">[794]</a></p>
-
-<p>Auerhalb der romantischen ecclesiola fand die &#8222;Genoveva&#8220; ebenfalls
-einige Beachtung. Tieck selbst weist mit Freude auf Goethes Anerkennung
-hin.<a name="FNAnker_795_795" id="FNAnker_795_795"></a><a href="#Fussnote_795_795" class="fnanchor">[795]</a> Goethe empfand, als Tieck ihm das Werk vorlas, jedenfalls
-verschiedene poetische Seiten sofort heraus und sah vielleicht auch
-mit Wohlgefallen auf Tiecks Virtuositt in Sprache und Versification.
-Wenn man aber Goethes verschiedene uerungen ber die &#8222;Genoveva&#8220;
-zusammenhlt, so sprt man im Lobe mehr Hflichkeit als ernstliche
-Anerkennung. Goethe musste gegen die mittelalterlich fromme und<span class="pagenum"><a name="Seite_248" id="Seite_248">[S. 248]</a></span>
-marklos zerflieende Dichtung sehr viel auf dem Herzen haben, aber
-er wollte nur dem jungen Poeten, der so voll Verehrung zu seinen
-Fen sa, nicht wehe thun.<a name="FNAnker_796_796" id="FNAnker_796_796"></a><a href="#Fussnote_796_796" class="fnanchor">[796]</a> Deutlicher sprechen Krner und
-Schiller von ihrem classicistischen, Schiller auch noch ein wenig von
-seinem persnlichen Standpunkte aus.<a name="FNAnker_797_797" id="FNAnker_797_797"></a><a href="#Fussnote_797_797" class="fnanchor">[797]</a> Krner lobt das poetische
-Talent Tiecks, er findet Phantasie und Innigkeit und Gewandtheit in
-Sprache und Vers, aber der &#8222;Geschmack&#8220; fehle ihm. Schiller ist damit
-einverstanden und schreibt:<a name="FNAnker_798_798" id="FNAnker_798_798"></a><a href="#Fussnote_798_798" class="fnanchor">[798]</a> &#8222;Er (Tieck) ist eine grazise,
-phantasiereiche und zarte Natur, nur fehlt es ihm an Kraft und Tiefe
-und wird ihm stets daran fehlen. Leider hat die Schlegel&#8217;sche Schule
-schon viel an ihm verdorben; er wird es nie ganz verwinden. Sein
-Geschmack ist noch unreif, er verhlt sich nicht gleich in seinen
-Werken und es ist sogar viel Leeres darin.&#8220;</p>
-
-<p>Kotzebue wollte Tiecks Drama fr die Bhne einrichten, ward aber von
-Tieck zu unfreundlich behandelt und das Project zerrann.<a name="FNAnker_799_799" id="FNAnker_799_799"></a><a href="#Fussnote_799_799" class="fnanchor">[799]</a> Ebenso
-ergieng es mit Iffland.</p>
-
-<p>Nahmen die Classiker von Weimar eine halb freundliche, halb khle
-Mittelstellung ein, so waren im Lager der Berliner Aufklrer alle bsen
-Geister los. Nicolai<a name="FNAnker_800_800" id="FNAnker_800_800"></a><a href="#Fussnote_800_800" class="fnanchor">[800]</a> schimpfte aus Leibeskrften ber die tolle
-Legende, die unter der nachhelfenden Hand des Romantikers noch zehnmal
-toller geworden sei. Dem Raume und der Zeit werde bel mitgespielt,
-die Prosa sei drr, die Verse schlecht u.s.w. Nicolai tritt, soweit er
-sich berhaupt in sachliche Dinge einlsst, mit den Forderungen eines
-Theatralikers an die &#8222;Genoveva&#8220; heran und dabei muss diese in Grund
-und Boden versinken. Dasselbe thut Garlieb Merkel, der Todfeind der
-Romantiker,<a name="FNAnker_801_801" id="FNAnker_801_801"></a><a href="#Fussnote_801_801" class="fnanchor">[801]</a> in den &#8222;Briefen an ein Frauenzimmer&#8220;. Er wei seiner
-nrgelnden Feindseligkeit am besten dadurch Luft zu machen, dass er
-seine Recension zum grten Theile als einen Vergleich Tiecks mit
-Shakespeare stilisiert. Auf die poetische<span class="pagenum"><a name="Seite_249" id="Seite_249">[S. 249]</a></span> Seite der verwerteten Motive
-wird keine Rcksicht genommen. Die Regellosigkeit, die sich an die drei
-Einheiten nicht kehrt, der Mangel eines dramatischen Planes und inneren
-Mittelpunktes, die lose Verknpfung von Haupt- und Nebenhandlung,
-die schlechte Charakteristik werden durchgehechelt. Merkel nimmt es
-mit seiner kritischen Ehrlichkeit nicht sonderlich genau. Einige
-Zge von Golo werden z.B. ausgehoben, die ein ganz schiefes Bild von
-der Gestalt geben und dies wird als Beispiel fr Tiecks schlechte
-Charakteristik hingestellt. Selbst die Inhaltsangabe des Stckes ist in
-manchen Punkten falsch. Um Tiecks jmmerliche Stilistik aufzuzeigen,
-werden wieder einige Splitter abgespalten, von denen man (ein Beispiel
-geknstelter Antithesen ausgenommen) nicht wei, was sie beweisen
-sollen. Die verschiedenen metrischen Formen sind nach Merkel Unsinn,
-die archaistische Sprache Thorheit. Im brigen reibt sich Merkel nur
-noch an Kleinigkeiten.</p>
-
-<p>Merkel ist der Antipode Bernhardis. Jener verschweigt alles Gute,
-dieser alles Schlimme. Bernhardi redet nur im Tone hchster Ehrfurcht
-von seinem romantischen Herrn und Meister, Merkel in einer fade
-hhnenden Weise, die an altweibisches Gekeife bedenklich erinnert. Das
-Gebaren beider Kritiker ist nicht unbegreiflich. Welche Gemeinschaft
-sollte zwischen der schal gewordenen Aufklrung und der jungen Romantik
-bestehen? Die Wahrheit liegt, wie so oft beim erbitterten Kampfe zweier
-geistiger Heerlager, in der Mitte. Um dem Wollen der Romantiker gerecht
-zu werden, muss man sie zuerst vor das Forum der Romantik selbst
-bescheiden.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Die &#8222;Genoveva&#8220; ist das glnzendste Stck unter jenen Poesien, die in
-den zwei Bnden der &#8222;Romantischen Dichtungen&#8220; vereinigt sind. Den
-ersten Band erffnet die satirische Mrchenkomdie &#8222;Prinz Zerbino&#8220;,
-ein Auslufer der vorhergehenden Periode des Tieck&#8217;schen Schaffens,
-jener Periode der Negation, die noch in die Zeit der frommen,
-innigen, alterthumsfrohen Genovevastimmungen hereinreicht und die
-eine wesentliche Seite von Tiecks geistiger Art vergegenwrtigt. Das
-ganze endlose Lustspiel ist nichts anderes als ein lustiger Krieg
-gegen alle Tendenzen, welche der Romantik feindlich oder gleichgiltig
-entgegentraten. Die Antiromantiker bekommen bald einzeln, bald<span class="pagenum"><a name="Seite_250" id="Seite_250">[S. 250]</a></span>
-scharenweise den bermthigsten Humor des Dichters zu verkosten. Neben
-diesem satirischen Muthwillen bemerken wir aber auch in einer Reihe
-von Scenen, wie sich schon die weichen, traumhaften, lyrisch-sen,
-die eigentlich romantischen Stimmungen ankndigen und der Garten
-der Poesie, wo Bume, Blumen, Vgel und Farben singen, sprechen und
-flstern, wo die grten Dichter aller Zeiten sammt Jakob Bhme als
-Hofstaat um die Gttin der Poesie versammelt sind, taucht wie eine
-wundersame stille Mrcheninsel aus den Gewssern der Verneinung auf. Im
-Mrchen &#8222;der getreue Eckart und der Tannenhuser&#8220;, der zweiten Dichtung
-des ersten Bandes, erzhlt Tieck die alte Sage vom Berge der Frau Venus
-und verkettet sie mit der Sage vom Rattenfnger von Hameln. Hier gibt
-es keinen satirischen bermuth. Alte Sagen werden mit den Mitteln der
-romantischen Kunst aufgefrischt. Ein dsterer, schwler Gesammtton
-beherrscht das Ganze und hlt es knstlerisch zusammen. Es offenbaren
-sich hier noch jene dsteren unheimlichen Stimmungen, die vor dem
-freundlich beruhigenden Einflusse Wackenroders den Dichter zeitweise
-ganz und gefhrlich beherrschten, die sich aber jetzt nur noch von Zeit
-zu Zeit anmelden.</p>
-
-<p>Der &#8222;Genoveva&#8220; gesellen sich im zweiten Bande die Nacherzhlung
-des Mrchens von der &#8222;Melusina&#8220; und das dramatisierte Mrchen vom
-&#8222;Rothkppchen&#8220; bei. In letzterem fallen einzelne Hiebe auf die
-Rationalisten. Sonst vermeidet der Dichter in allen Stcken dieses
-Bandes jede groe und kleine Bosheit. Interessant ist es, wie Tieck
-im &#8222;Rothkppchen&#8220; gerade durch das oft wiederkehrende Roth einen
-bestimmten Stimmungseffect erzielt und wie so das kleine Drama eine Art
-&#8222;Symphonie in Roth&#8220; wird.</p>
-
-<p>Was wir als echte Romantik in der &#8222;Genoveva&#8220; kennen lernten, begegnet
-uns fast alles, theils zerstreut, theils in grere Massen gesammelt,
-in den anderen &#8222;romantischen Dichtungen&#8220; wieder. Tieck hatte mit
-dem Titel, wie er sagt, nur die Absicht, das Wunderbare in diesen
-Poesien damit anzudeuten. Aber auch ohne besondere Absicht ist all
-das, was man bald mit dem Schlagworte &#8222;Romantik&#8220; bezeichnen sollte,
-in diese Dichtungen hineingestrmt. Der romantische Geist waltet
-fhlbar in ihnen. Daher ist es recht begreiflich, dass gerade diese
-berschrift zusammen mit den theoretischen Errterungen der Schlegel
-sehr wesentlich dazu beitrug, der Schule ihren Namen zu verschaffen.<span class="pagenum"><a name="Seite_251" id="Seite_251">[S. 251]</a></span>
-Theilweise sind die &#8222;romantischen Dichtungen&#8220; Erneuerungen alter,
-volksthmlicher Sagen und Mrchen, also &#8222;mythische Poesie&#8220;, wie
-sie Friedrich Schlegel wnschte. Das Religise, Geheimnisvolle,
-Mrchenhafte, Ahnungen und Vordeutungen, Jakob Bhmes Mystik,
-Astrologie und Aberglaube spielen bald dort bald da herein. Das
-trumerische Naturgefhl Tiecks treffen wir gleichfalls an. Ritter,
-Schfer, Einsiedler, der Kampf mit Heiden und wilden Riesen,
-Tapferkeit, Liebe, Gottesfurcht: lauter Motive und Gefhle, die wir
-als richtige Romantik bezeichnen mussten, sehen wir verwertet. Auch
-in Form und Sprache blhende Romantik. Drama, Epik und Lyrik weben
-sich im &#8222;Zerbino&#8220; ineinander, Erzhlungen mit Gesang sind &#8222;Eckart&#8220;
-und &#8222;Melusina&#8220;, ein Drama mit epischen und lyrischen Einlagen ist
-das &#8222;Rothkppchen&#8220;. Contraste und Parallelen als uere Hilfe der
-Composition fehlen selten. Prosa und Verse wechseln, sdlndische
-Strophen, Sonette, Stanzen, Terzinen wirft Tieck mitten in die
-schlichte, volksthmliche Prosa der &#8222;Melusina&#8220; hinein. Prosa,
-alterthmelnder Balladenton und freirhythmische Lyrik vereinigt er
-im &#8222;getreuen Eckart&#8220;. Auch die klingelnde Musik gehufter Reime
-bemerkt man vereinzelt. Der Sprache wird wie in der &#8222;Genoveva&#8220; ein
-leicht archaistischer Anstrich gegeben und gewisse stilistische
-Lieblingswendungen der &#8222;Genoveva&#8220; begegnen uns in den anderen Stcken
-allenthalben. Mit einem Worte, was Tieck an romantischen Elementen
-in der &#8222;Genoveva&#8220; sammelt und verwendet, treffen wir in den brigen
-gleichzeitigen Werken, wenn auch mehr verstreut, wieder an. Ein
-gemeinsamer Geist lebt und webt in all diesen Erzhlungen und Dramen,
-der, knnte man im Sinne der Romantik sagen, ein Mannigfaltiges zu
-hherer Einheit verbindet.</p>
-
-<p>Was nur an romantischen Ideen, Stimmungen und Motiven in diesen
-zwei Bnden sich ansammelte, wird von Tieck noch einmal im &#8222;Kaiser
-Octavianus&#8220; (1801&ndash;1803) glnzend und prunkvoll zur Schau gestellt,
-einem romantischen Drama, das sich ebenfalls auf der Grundlage eines
-alten Volksbchleins aufbaut, dessen erster Theil sich wie eine
-Variation des Genovevamotivs liest. Eine unschuldig verleumdete und von
-ihrem Gatten verurtheilte Frau wird mit ihren Kindern in die Wildnis
-hinausgestoen. Eine Intrigantin ist am ganzen Unglck schuld und
-wird darber wahnsinnig. Der Gatte erkennt sein Unrecht und trauert
-in tiefer Reue. Die nmlichen Situationen bedingen oft einen nahe
-ver<span class="pagenum"><a name="Seite_252" id="Seite_252">[S. 252]</a></span>wandten sprachlichen Ausdruck. Eine unendliche Flle von Personen
-und Abenteuern wird in den Rahmen des Stckes hineingearbeitet.
-Genialitt und Kritik verbinden sich der romantischen Forderung gem;
-denn allegorisch, lyrisch und dramatisch will der Dichter seine Ansicht
-der romantischen Poesie hier niederlegen. Calderon, Shakespeare, Jakob
-Bhme, Religion und weiche Naturstimmung, romantische Universalitt,
-Verschmelzung der knstlerischen Gattungen, eine archaisierende
-Sprache und vielfltig erklingende Metrik, eine Metrik und Sprache
-in allen Abstufungen vom derben Prosahumor bis zum pompsen Klang
-der Ottave rime: alles findet wieder Platz im Rahmen einer alten
-Volksbucherzhlung. Mit Ausnahme des Humors, der derben Prosa wie
-der Hans Sachsischen Knittelverse finden wir hier allerdings wenig,
-was der &#8222;Genoveva&#8220; gegenber neu wre. Nur gesteigert, ppiger,
-absichtsvoller erscheint alles im Inhalte wie in der Form. Es ist, als
-ob der eigenthmliche Geist der Jenenser Romantik, dem die &#8222;Genoveva&#8220;
-als erste, volle, reiche Blte entsprosste, noch einmal seine Kraft
-zusammengerafft htte, um in einem hell und bunt aufleuchtenden
-Phantasiefeuerwerk glorreich und flchtig zu versprhen. Denn mit dem
-&#8222;Octavian&#8220; ist eigentlich jene Poesie, die ganz von den Stimmungen
-der Genovevaromantik gesttigt ist, so gut wie vorber. In Tiecks
-Schaffen tritt bald eine Pause ein und die romantische Gesellschaft von
-Jena, die erst noch so jugendlich stolz und hoffnungsfreudig die Welt
-romantisieren wollte, zerstreut sich in kurzem nach allen vier Winden.
-&mdash;</p>
-
-<p>Noch zweimal lsst Tieck bei Lebzeiten seine &#8222;Genoveva&#8220; in die
-Welt wandern. 1820 erscheint bei Reimer in Berlin eine &#8222;neue
-verbesserte Auflage&#8220;, die 1828 in den zweiten Band der &#8222;Schriften&#8220;
-wieder aufgenommen wurde. Eine Reihe von Verbesserungen der ersten
-Neuauflage besteht in der Beseitigung schwerflliger, unzutreffender
-und undeutlicher Ausdrcke. &#8222;Du schnster Thron, aus lauter Licht
-gewebt&#8220;: &#8222;Du schnster Thron, aus lauter Licht erbaut&#8220;. &mdash; &#8222;Ihr lasst
-mir Hoffnung hier und Andacht, liebe Freunde&#8220;: &#8222;Ihr lasst mir Andacht,
-Hoffnung hier als liebe Freunde&#8220;. &mdash; &#8222;Wen er (der Tod) will von dannen
-tragen&#8220;: &#8222;Wen er will als Beute schlagen&#8220;. Die Verse:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;So ist Hispania durch ein Weib verdorben,</div>
- <div class="verse">Die Schuld war, dass die Mohren sind gekommen,</div>
- <div class="verse">So litt die Christenheit durch bse Lust</div>
-<span class="pagenum"><a name="Seite_253" id="Seite_253">[S. 253]</a></span>
- <div class="verse">Des Knigs Roderich: so sind wohl Reiche,</div>
- <div class="verse">Palste, groe Stdte eingestrzt</div>
- <div class="verse">In aller Zeit durch unerlaubte Liebe.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>lauten verbessert:</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;So ist Hispania durch ein Weib verdorben,</div>
- <div class="verse">Die Schuld war, dass die Mohren eingebrochen,</div>
- <div class="verse">So litt die Christenheit durch bse Liebe</div>
- <div class="verse">Des Roderich: so sind wohl Reich, und Stdte</div>
- <div class="verse">Schon oft gestrzt durch Schndlichkeit und Lust.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Ausdrcke, die dem Dichter einst vielleicht schlicht oder archaistisch
-vorkamen, gengen ihm nimmer, sie werden durch hhere, poetischere
-ersetzt. &#8222;Die thrichte Bitte&#8220;: &#8222;Der Bitte Thorheit&#8220;. &mdash; &#8222;Die Waffen
-von euch allen&#8220;: &#8222;Die Waffen eurer Scharen&#8220;. &mdash; &#8222;Herunterschauen&#8220;:
-&#8222;Herniederschauen&#8220;. &mdash; &#8222;Mahom sei gepreist&#8220;: &#8222;Gepriesen sei Mahom&#8220;.
-&mdash; Das Erscheinen und Thun der rettenden Hirschin wird 1820 ohne
-Bhnenanweisung durch die bloe Aussprache von Genovevas Empfindung,
-die den Vorgang begleitet, dargestellt.</p>
-
-<p>fters wird in der verbesserten Auflage durch Inversionen der Sinn
-krftiger und nachdrcklicher hervorgehoben. Mit &#8222;Ich&#8220; beginnende
-Stze, die wohl auch einstmals fr einfach und schlicht galten, werden
-umgeformt. &#8222;... er (Sebastian) ist an einen Baum gebunden&#8220;: &#8222;... an
-einen Baum ist er gebunden&#8220;. &mdash; &#8222;Ich fhl&#8217; die Liebe, doch ich muss
-nun fort&#8220;: &#8222;Die Liebe fhl&#8217; ich...&#8220; &mdash; &#8222;Ich habe meine Ehr&#8217; durch
-ihn gelst&#8220;: &#8222;Durch ihn ist meine Ehre nun gelst&#8220;. &mdash; Unangenehme
-Wiederholungen desselben Wortes in nchster Nhe werden beseitigt.<a name="FNAnker_802_802" id="FNAnker_802_802"></a><a href="#Fussnote_802_802" class="fnanchor">[802]</a>
-Zwei grere Stcke lsst Tieck gnzlich weg, die Scene &#8222;In der Stadt
-Avignon&#8220;<a name="FNAnker_803_803" id="FNAnker_803_803"></a><a href="#Fussnote_803_803" class="fnanchor">[803]</a> und die Episode vom weggeworfenen und wiedergefundenen
-Trauringe Genovevas.<a name="FNAnker_804_804" id="FNAnker_804_804"></a><a href="#Fussnote_804_804" class="fnanchor">[804]</a> Einzelne Verse drften dem Dichter als
-berflssige Wiederholungen des nmlichen Gedankens strend erschienen
-sein.<a name="FNAnker_805_805" id="FNAnker_805_805"></a><a href="#Fussnote_805_805" class="fnanchor">[805]</a></p>
-
-<p>Diese nderungen und Verbesserungen sind keine tief einschneidenden,
-sie betreffen fast nur stilistische Einzelheiten und beabsichtigen im
-allgemeinen nur eine sorgfltige Glttung des sprachlichen Ausdrucks.
-Die Dichtung als Ganzes war ihrem<span class="pagenum"><a name="Seite_254" id="Seite_254">[S. 254]</a></span> Schpfer nach wie vor als Document
-jener inneren Erlebnisse, die in seiner geistigen Entwickelung eine
-Epoche bedeuteten, heilig, und er rhrte nicht gerne daran. &#8222;Die
-Ganzheit und Unverletztheit des Gedichtes&#8220; lag ihm also auch noch in
-spteren Jahren am Herzen, so gut wie damals, als er es nicht gerne
-sah, wenn es durch Auslassung, Abkrzung und Umgestaltung fr die
-Bhne eingerichtet wrde. Man war schon nahe daran gewesen, Iffland
-und Kotzebue, die beiden Theaterbeherrscher, interessierten sich wie
-gesagt dafr. Es kam aber zu keiner Auffhrung. Tieck setzte keinen
-sonderlichen Ehrgeiz darein, seine Heilige auf dem Theater zu sehen.
-Dies beweist auch genugsam der Umstand, dass er spter whrend seiner
-Dresdener Zeit keinen Schritt fr die Auffhrung des Stckes that,
-wo es ihm doch recht leicht gewesen wre, dasselbe auf die Bhne zu
-bringen. Nur als Operntext und in parodierter Gestalt sollte Genoveva
-das Licht der Rampe erblicken.</p>
-
-<p>Wenn Tiecks Drama auch der Bhne des Theaters fremd blieb, so entzckte
-es doch von der idealen Phantasiebhne aus einst viele Leser, es regte
-bildende Knstler und Dichter an. Die &#8222;Genoveva&#8220; im Verein mit den
-&#8222;Herzensergieungen&#8220;, den &#8222;Phantasien&#8220; und dem &#8222;Sternbald&#8220; weckte einen
-ganz neuen Geist in jener Knstlergeneration, welche in den ersten
-Decennien des 19. Jahrhunderts unsere Kunst beherrschte. An Stelle
-des classischen Alterthums tritt hier das christliche Mittelalter,
-die Begeisterung fr die alte deutsche Art und Kunst. Die Dichtung
-Tiecks selbst regte manchen Knstler zu bildlichen Darstellungen an.
-Die Brder Riepenhausen zeichneten 1806 einen Genoveva-Cyklus und
-keine Geringeren als Fhrich, Schwind und Richter folgten mit ihren
-Compositionen nach. Der Traum des &#8222;kunstliebenden Klosterbruders&#8220; von
-einer Kunst im Bunde mit der Religion sollte sich erfllen, wie die
-Vermhlung von Religion und Poesie in der &#8222;Genoveva&#8220; sich vollzogen
-hatte. Jenen Traum und Wunsch machten nmlich zur Wirklichkeit &#8222;die
-Klosterbrder von San Isidoro&#8220;, jene Gruppe von deutschen Knstlern in
-Rom, die sich im Jahre 1810 mit Friedrich Overbeck, dem neuen Giovanni
-da Fiesole an der Spitze, in den verlassenen Zellen des Klosters San
-Isidoro auf dem Monte Pincio ansiedelten und mit wenig Geld und viel
-Begeisterung das Werk der Neubelebung religiser Kunst mit Ernst und
-Eifer in Angriff nahmen. Der bertritt zum Katholicismus, mit dem
-einst<span class="pagenum"><a name="Seite_255" id="Seite_255">[S. 255]</a></span> Tieck poetisch spielend kokettierte, wird fr manchen von diesen
-Mnnern berzeugungsvoller Ernst. Eine fruchtbare Zeit religisen
-Kunstschaffens brach fr Deutschland an, als die Freunde und Schler
-der Cornelius und Overbeck mit ihren Meistern um die Wette eine rege
-Thtigkeit entfalteten. Alte Bauwerke werden vollendet und restauriert,
-alte Gemlde und Statuen mit piettvollem Eifer gesammelt und hoch in
-Ehren gehalten. (Klner Dom. Die Brder Boissere.)</p>
-
-<p>Die Begeisterung fr das Alterthmliche, besonders fr die groe
-Vergangenheit altdeutscher Dichtung, gibt der deutschen Wissenschaft
-manchen wirksamen Antrieb und folgenreiche Anregungen, sie bereitet
-auch jene vaterlndische Begeisterung vor, die nach wenigen Jahren die
-deutschen Gemther wie ein machtvoller heiliger Sturm erfassen sollte
-und die Dichtung der nchstfolgenden Zeit entzieht sich ebenfalls
-nicht ganz dem Eindrucke, den Tiecks Werk auf die Gemther machte,
-wenn die Nachwirkungen auch weniger lebhaft als in der bildenden Kunst
-zu spren sind. Der bedeutendste romantische Dramatiker, auf den
-Tiecks &#8222;Genoveva&#8220; und &#8222;Octavian&#8220; im Vereine mit der Schlegel&#8217;schen
-sthetik entscheidend einwirkte, ist Zacharias Werner. Dieser seltsame
-Mann versucht es, die Bhne des Theaters dem romantischen Geiste zu
-erobern. Seine &#8222;Shne des Thals&#8220; wie &#8222;Kunigunde die Heilige&#8220; knnen das
-romantische Vorbild, dem sie nacheifern, gar nicht verleugnen. Dass
-auch die Dramatik der Brentano, Arnim, Eichendorff, hlenschlger,
-Hertz, Atterbom, Andersen, Immermann theils vom Geiste, theils von
-der Kunst der &#8222;Genoveva&#8220; beeinflusst ist, wurde schon von mehreren
-Forschern betont.<a name="FNAnker_806_806" id="FNAnker_806_806"></a><a href="#Fussnote_806_806" class="fnanchor">[806]</a></p>
-
-<p>Nach langer Wanderschaft durch alle mglichen Gebiete unserer
-Literatur, nachdem noch Dramatiker wie Friedrich Hebbel und Otto
-Ludwig die Gestaltung der Legende versucht hatten, gelangte sie auch
-zum trefflichen Erzhler Christoph v. Schmid, der aus dem alten
-Volksbchlein ein neues machte. Von einem namhaften Einfluss Tiecks auf
-Schmids Erzhlung lsst sich kaum reden. Dass die Einleitung derselben
-uns in die Zeit zurckfhrt, da die Morgenrthe des Christenthums in
-Deutschland aufgieng, dass die trben Vorahnungen Genovevas betont
-werden<span class="pagenum"><a name="Seite_256" id="Seite_256">[S. 256]</a></span> und Golo als glnzende ritterliche Erscheinung geschildert
-wird, dass ferner fr Genovevas Todesgang trber Herbst (allerdings
-Nacht) den Hintergrund bildet und die Natur vom traurigen Schauspiele
-sich abwendet: das sind allerdings kleine Zge, die ein wenig auf
-Tiecks Dichtung zurckweisen. Im brigen bietet Schmid eine einfache
-Neubearbeitung des Volksbuches mit Umgestaltungen und Erweiterungen,
-die den pdagogischen Absichten des Verfassers entsprechen. Alles
-Wunderbare und bernatrliche wird abgestreift oder rationalistisch
-gedeutet. (hnlich gieng Maler Mller vor.) Das Wesentliche
-von den rhrenden Motiven ist aber beibehalten. Der schlichte,
-gemeinverstndliche und anheimelnde Ton ist glcklich getroffen. In
-dieser Gestalt konnte die alte Legende wieder zu den Htten des Volkes
-zurckkehren, wo sie schon so lange heimisch war. Dort fand das neue
-Volksbchlein neben dem alten gute Aufnahme. Am schnen Sommersonntag
-wie am dsteren Winterabend lesen Hirtenjunge und Bauernmdchen mit
-freudiger Rhrung im kleinen Bchlein und weihen eine herzliche Thrne
-dem Schicksale der edlen Grfin Genoveva.</p>
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-<hr class="chap" />
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-<div class="chapter">
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-<h2 id="Register">Register.</h2>
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-<div class="index">
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-<p><b>A</b>ndersen <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
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-<p>Ariosto <a href="#Seite_61">61</a>, <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
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-<p>Arnim L. A. v. <a href="#Seite_245">245</a>, <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
-
-<p class="mbot15">Atterbom <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
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-<p><b>B</b>alde J. <a href="#Seite_62">62</a>.</p>
-
-<p>Bernhardi A. F. <a href="#Seite_61">61</a>, <a href="#Seite_151">151</a> f., <a href="#Seite_157">157</a>, <a href="#Seite_162">162</a> f., <a href="#Seite_165">165</a>, <a href="#Seite_234">234</a>, <a href="#Seite_245">245</a>.</p>
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-<p>Bhme J. <a href="#Seite_11">11</a> f., <a href="#Seite_26">26</a>, <a href="#Seite_98">98</a>, <a href="#Seite_113">113</a>, <a href="#Seite_115">115</a> ff., <a href="#Seite_156">156</a>, <a href="#Seite_162">162</a>, <a href="#Seite_164">164</a>, <a href="#Seite_166">166</a>, <a href="#Seite_187">187</a>, <a href="#Seite_194">194</a>,
-<a href="#Seite_200">200</a>, <a href="#Seite_250">250</a> ff.</p>
-
-<p>Boissere (Die Brder) <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
-
-<p class="mbot15">Brentano Cl. <a href="#Seite_246">246</a>, <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
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-<p><b>C</b>alderon <a href="#Seite_11">11</a> f., <a href="#Seite_26">26</a>, <a href="#Seite_107">107</a> ff., <a href="#Seite_124">124</a>, <a href="#Seite_153">153</a>, <a href="#Seite_161">161</a>, <a href="#Seite_227">227</a> f., <a href="#Seite_234">234</a>, <a href="#Seite_252">252</a>.</p>
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-<p>Cervantes <a href="#Seite_107">107</a>.</p>
-
-<p>Chezy H. v. <a href="#Seite_246">246</a>.</p>
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-<p>Cochem M. v. <a href="#Seite_31">31</a>, <a href="#Seite_89">89</a>.</p>
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-<p class="mbot15">Cornelius P. v. <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
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-<p><b>D</b>ante <a href="#Seite_228">228</a>.</p>
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-<p class="mbot15">Drer A. <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_7">7</a>, <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_167">167</a>.</p>
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-<p class="mbot15"><b>E</b>ichendorff J. v. <a href="#Seite_165">165</a>, <a href="#Seite_246">246</a>, <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
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-<p><b>F</b>euerbach L. <a href="#Seite_119">119</a>.</p>
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-<p>Fichte J. G. <a href="#Seite_116">116</a>.</p>
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-<p>Freytag G. <a href="#Seite_201">201</a>.</p>
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-<p>Friesen H. v. <a href="#Seite_165">165</a>.</p>
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-<p class="mbot15">Fhrich J. v. <a href="#Seite_254">254</a>.</p>
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-<p><b>G</b>oethe <a href="#Seite_1">1</a>, <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_26">26</a> f., <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_63">63</a>, <a href="#Seite_65">65</a>, <a href="#Seite_71">71</a> ff., <a href="#Seite_79">79</a>, <a href="#Seite_89">89</a>, <a href="#Seite_93">93</a>, <a href="#Seite_98">98</a> f., <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_147">147</a>,
-<a href="#Seite_169">169</a>, <a href="#Seite_173">173</a>, <a href="#Seite_184">184</a>, <a href="#Seite_202">202</a>, <a href="#Seite_247">247</a>.</p>
-
-<p>Giovanni da Fiesole <a href="#Seite_7">7</a>.</p>
-
-<p>Gower J. <a href="#Seite_89">89</a>.</p>
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-<p class="mbot15">Grimmelshausen <a href="#Seite_27">27</a>.</p>
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-<p><b>H</b>aym <a href="#Seite_116">116</a>, <a href="#Seite_164">164</a>.</p>
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-<p>Hardenberg Karl v. <a href="#Seite_245">245</a>.</p>
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-<p>Hebbel, F. <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
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-<p>Heine H. <a href="#Seite_174">174</a>, <a href="#Seite_213">213</a>.</p>
-
-<p>Heinse W. <a href="#Seite_11">11</a>.</p>
-
-<p>Hemsterhuys <a href="#Seite_166">166</a>.</p>
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-<p>Herder <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_6">6</a>, <a href="#Seite_62">62</a>.</p>
-
-<p>Hertz <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
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-<p>Hettner <a href="#Seite_65">65</a>, <a href="#Seite_83">83</a>, <a href="#Seite_164">164</a>, <a href="#Seite_179">179</a>, <a href="#Seite_235">235</a>.</p>
-
-<p class="mbot15">Hlsen A. L. <a href="#Seite_24">24</a>, <a href="#Seite_137">137</a></p>
-
-<p><b>I</b>ffland <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_106">106</a>, <a href="#Seite_248">248</a>, <a href="#Seite_254">254</a>.</p>
-
-<p class="mbot15">Immermann <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
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-<p><b>K</b>leist H. v. <a href="#Seite_166">166</a>.</p>
-
-<p>Koberstein <a href="#Seite_246">246</a>.</p>
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-<p>Kpke R. <a href="#Seite_28">28</a>, <a href="#Seite_115">115</a>.</p>
-
-<p>Krner Ch. G. <a href="#Seite_248">248</a>.</p>
-
-<p class="mbot15">Kotzebue <a href="#Seite_248">248</a>, <a href="#Seite_254">254</a>.</p>
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-<p><b>L</b>enz R. <a href="#Seite_153">153</a>.</p>
-
-<p>Lessing <a href="#Seite_82">82</a>, <a href="#Seite_143">143</a>.</p>
-
-<p>Lionardo da Vinci <a href="#Seite_8">8</a>.</p>
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-<p class="mbot15">Ludwig O. <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
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-<p><b>M</b>ayr Chr. <a href="#Seite_166">166</a>.</p>
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-<p>Meiners <a href="#Seite_6">6</a>.</p>
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-<p>Merkel G. <a href="#Seite_106">106</a>, <a href="#Seite_144">144</a> f., <a href="#Seite_192">192</a>, <a href="#Seite_233">233</a>, <a href="#Seite_248">248</a>.</p>
-
-<p>Michelangelo <a href="#Seite_4">4</a>.</p>
-
-<p>Minor J. <a href="#Seite_92">92</a>, <a href="#Seite_94">94</a> f., <a href="#Seite_98">98</a>.</p>
-
-<p>Mnioch J. J. <a href="#Seite_244">244</a>.</p>
-
-<p>Moscherosch <a href="#Seite_27">27</a>.</p>
-
-<p>Mller Adam <a href="#Seite_166">166</a>.</p>
-
-<p class="mbot15">Mller Fr. (Maler) <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_67">67</a> ff., <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_172">172</a>, <a href="#Seite_256">256</a>.</p>
-
-<p><b>N</b>icolai Fr. <a href="#Seite_27">27</a> f., <a href="#Seite_143">143</a>, <a href="#Seite_145">145</a>,<a name="FNAnker_998" id="FNAnker_998"></a><a href="#Fussnote_998" class="fnanchor">[*]</a>
-<a href="#Seite_248">248</a>.<a name="FNAnker_999" id="FNAnker_999"></a><a href="#Fussnote_999" class="fnanchor">[*]</a></p>
-
-<p class="mbot15">Novalis-Hardenberg <a href="#Seite_11">11</a>, <a href="#Seite_14">14</a>, <a href="#Seite_20">20</a> ff., <a href="#Seite_120">120</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_166">166</a>, <a href="#Seite_173">173</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_185">185</a> f., <a href="#Seite_207">207</a>
-f., <a href="#Seite_210">210</a>, <a href="#Seite_212">212</a> f., <a href="#Seite_220">220</a> f.</p>
-
-<p><b></b>hlenschlger <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
-
-<p class="mbot15">Overbeck Fr. <a href="#Seite_254">254</a> f.</p>
-
-<p><b>P</b>aul Jean <a href="#Seite_104">104</a>, <a href="#Seite_185">185</a>.</p>
-
-<p>Petrich <a href="#Seite_193">193</a> ff., <a href="#Seite_215">215</a> f.</p>
-
-<p>Piero di Cosimo <a href="#Seite_8">8</a>.</p>
-
-<p class="mbot15">Platen <a href="#Seite_225">225</a>.</p>
-
-<p><b>R</b>aphael <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_85">85</a>.</p>
-
-<p>Richter L. <a href="#Seite_254">254</a>.</p>
-
-<p>Riepenhausen <a href="#Seite_254">254</a>.</p>
-
-<p class="mbot15">Ritter J. W. <a href="#Seite_137">137</a>.</p>
-
-<p><b>S</b>achs Hans <a href="#Seite_26">26</a> f., <a href="#Seite_169">169</a>, <a href="#Seite_252">252</a>.</p>
-
-<p>Schiller <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_124">124</a>, <a href="#Seite_147">147</a>, <a href="#Seite_150">150</a>, <a href="#Seite_177">177</a>, <a href="#Seite_228">228</a>, <a href="#Seite_239">239</a>, <a href="#Seite_248">248</a>.</p>
-
-<p>Scheffel <a href="#Seite_201">201</a>.</p>
-
-<p>Schelling <a href="#Seite_25">25</a>, <a href="#Seite_116">116</a>, <a href="#Seite_122">122</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_225">225</a>.</p>
-
-<p>Schlegel A. W. <a href="#Seite_10">10</a>, <a href="#Seite_13">13</a>, <a href="#Seite_24">24</a>, <a href="#Seite_61">61</a> f., <a href="#Seite_64">64</a>, <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_104">104</a>, <a href="#Seite_107">107</a> f., <a href="#Seite_124">124</a>, <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_144">144</a>
-f., <a href="#Seite_147">147</a> f., <a href="#Seite_191">191</a>, <a href="#Seite_201">201</a>, <a href="#Seite_210">210</a>, <a href="#Seite_215">215</a>, <a href="#Seite_222">222</a>, <a href="#Seite_225">225</a>, <a href="#Seite_227">227</a> f., <a href="#Seite_230">230</a> f., <a href="#Seite_243">243</a> f.</p>
-
-<p>Schlegel Fr. <a href="#Seite_12">12</a>, <a href="#Seite_24">24</a> f., <a href="#Seite_61">61</a> f., <a href="#Seite_65">65</a>, <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_147">147</a>, <a href="#Seite_166">166</a>, <a href="#Seite_215">215</a> f., <a href="#Seite_225">225</a>, <a href="#Seite_243">243</a>
-f., <a href="#Seite_251">251</a>.</p>
-
-<p>Schleiermacher <a href="#Seite_11">11</a> ff., <a href="#Seite_20">20</a>, <a href="#Seite_113">113</a>, <a href="#Seite_155">155</a>, <a href="#Seite_163">163</a>, <a href="#Seite_227">227</a>.</p>
-
-<p>Schmid Christoph v. <a href="#Seite_255">255</a> f.</p>
-
-<p>Schmidt Heinrich <a href="#Seite_243">243</a>.</p>
-
-<p>Schwind M. v. <a href="#Seite_254">254</a>.</p>
-
-<p>Shakespeare <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_7">7</a> f., <a href="#Seite_81">81</a>, <a href="#Seite_84">84</a> ff., <a href="#Seite_111">111</a>, <a href="#Seite_124">124</a>, <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_167">167</a>, <a href="#Seite_200">200</a>, <a href="#Seite_222">222</a>, <a href="#Seite_230">230</a> f.,
-<a href="#Seite_234">234</a>, <a href="#Seite_252">252</a>.</p>
-
-<p>Solger <a href="#Seite_30">30</a>, <a href="#Seite_86">86</a>, <a href="#Seite_106">106</a>, <a href="#Seite_116">116</a> ff., <a href="#Seite_164">164</a>, <a href="#Seite_187">187</a>, <a href="#Seite_192">192</a> f., <a href="#Seite_206">206</a>, <a href="#Seite_213">213</a>, <a href="#Seite_246">246</a> f.</p>
-
-<p class="mbot15">Steffens H. <a href="#Seite_24">24</a>, <a href="#Seite_122">122</a>, <a href="#Seite_125">125</a>.</p>
-
-<p><b>T</b>auler J. <a href="#Seite_116">116</a>.</p>
-
-<p>Tieck L.</p>
-
-<p class="mleft2">Abdallah <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_73">73</a>, <a href="#Seite_178">178</a>.<br />
-Blaubart <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_63">63</a>, <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_191">191</a>.<br />
-Briefe ber Shakespeare <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_112">112</a>.<br />
-Ekbert <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_186">186</a>.<br />
-Der getreue Eckart und der Tannenhuser <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_186">186</a>, <a href="#Seite_211">211</a>, <a href="#Seite_250">250</a>.<br />
-Dramaturg. Bltter <a href="#Seite_85">85</a>.<br />
-Heymonskinder <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_59">59</a>.<br />
-Der neue Hercules am Scheidewege (Der Autor) <a href="#Seite_27">27</a> f., <a href="#Seite_118">118</a>, <a href="#Seite_120">120</a>, <a href="#Seite_137">137</a>.<br />
-Karl von Berneck <a href="#Seite_10">10</a>, <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_73">73</a>.<br />
-Peter Leberecht <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_60">60</a>.<br />
-Lovell <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_63">63</a>, <a href="#Seite_73">73</a>, <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_178">178</a>.<br />
-Magelone <a href="#Seite_17">17</a>, <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_87">87</a>, <a href="#Seite_108">108</a>, <a href="#Seite_179">179</a>, <a href="#Seite_210">210</a>.<br />
-Melusine <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_87">87</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_226">226</a>, <a href="#Seite_250">250</a>.<br />
-Octavianus <a href="#Seite_86">86</a> f., <a href="#Seite_101">101</a>, <a href="#Seite_108">108</a>, <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_117">117</a> f. <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_141">141</a>, <a href="#Seite_144">144</a>, <a href="#Seite_212">212</a>, <a href="#Seite_225">225</a>,
-<a href="#Seite_251">251</a> f., <a href="#Seite_254">254</a>.<br />
-Phantasien <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_8">8</a> ff., <a href="#Seite_13">13</a>, <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_132">132</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_186">186</a>, <a href="#Seite_216">216</a>, <a href="#Seite_225">225</a>, <a href="#Seite_254">254</a>.<br />
-Phantasus <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_150">150</a>, <a href="#Seite_153">153</a>, <a href="#Seite_173">173</a>.<br />
-Poetisches Journal <a href="#Seite_84">84</a> f.<br />
-Romantische Dichtungen <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_249">249</a> ff.<br />
-Rothkppchen <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_250">250</a>.<br />
-Runenberg <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_186">186</a>.<br />
-Schildbrger <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_60">60</a>.<br />
-Sommernacht <a href="#Seite_84">84</a>.<br />
-Sternbald <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_8">8</a> f., <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_108">108</a>, <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_141">141</a>, <a href="#Seite_167">167</a>, <a href="#Seite_172">172</a>, <a href="#Seite_179">179</a>, <a href="#Seite_186">186</a>, <a href="#Seite_207">207</a>,
-<a href="#Seite_212">212</a>, <a href="#Seite_216">216</a>, <a href="#Seite_254">254</a>.<br />
-Der Traum <a href="#Seite_10">10</a>.<br />
-Volksmrchen <a href="#Seite_60">60</a>.<br />
-Zerbino <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_87">87</a>, <a href="#Seite_108">108</a>, <a href="#Seite_117">117</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_141">141</a>, <a href="#Seite_143">143</a> f., <a href="#Seite_147">147</a>, <a href="#Seite_186">186</a>, <a href="#Seite_225">225</a>, <a href="#Seite_249">249</a>.</p>
-
-<p class="mbot15">Twine L. <a href="#Seite_89">89</a>.</p>
-
-<p class="mbot15"><b>V</b>eith Dor. <a href="#Seite_25">25</a>.</p>
-
-<p><b>W</b>ackenroder <a href="#Seite_1">1</a> ff., <a href="#Seite_13">13</a>, <a href="#Seite_15">15</a>, <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_111">111</a>, <a href="#Seite_169">169</a>, <a href="#Seite_173">173</a>, <a href="#Seite_186">186</a>, <a href="#Seite_212">212</a> f.</p>
-
-<p>Waagen <a href="#Seite_29">29</a>.</p>
-
-<p>Watteau <a href="#Seite_4">4</a>.</p>
-
-<p>Werner Z. <a href="#Seite_166">166</a>, <a href="#Seite_255">255</a>.</p>
-
-<p>Wieland <a href="#Seite_202">202</a>.</p>
-
-<p class="mtop2 smaller"><a name="Fussnote_998" id="Fussnote_998"></a><a href="#FNAnker_998"></a><a name="Fussnote_999" id="Fussnote_999"></a><a href="#FNAnker_999">[*]</a> Allerdings kann ich seine Autorschaft an der Recension nur
-vermuthen und nicht beweisen; sie ist mit &#8222;Im&#8220; unterzeichnet, wofr
-Partheys Mitarbeiter-Verzeichnis bei diesem Jahrgang keine Auflsung
-gibt.</p>
-
-</div>
-
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 id="FOOTNOTES">Funoten:</h2>
-
-<div class="footnotes">
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_1_1" id="Fussnote_1_1"></a><a href="#FNAnker_1_1"><span class="label">[1]</span></a> L. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 5, 272 (&#8222;Phantasus&#8220;); Fr.
-<em class="gesperrt">Schlegel</em>, Smmtliche Werke, 2, 205.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_2_2" id="Fussnote_2_2"></a><a href="#FNAnker_2_2"><span class="label">[2]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an L. Tieck, Breslau 1864, 4, 169
-ff.; <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe aus zwei Jahrhunderten, 4.
-Theil, 27 ff.; R. <em class="gesperrt">Haym</em>, Die romantische Schule, Berlin 1870,
-52 ff., 117 ff.; <em class="gesperrt">Dilthey</em>, Leben Schleiermachers, 279 ff.;
-Tieck und Wackenroder, hrg. v. J. <em class="gesperrt">Minor</em>, Stuttgart (Spemann),
-Einleitung. Wegen der Zeilenzhlung wird, soweit mglich, <em class="gesperrt">Minors</em>
-Tieck-Ausgabe in Krschners National-Literatur bentzt.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_3_3" id="Fussnote_3_3"></a><a href="#FNAnker_3_3"><span class="label">[3]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 15.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_4_4" id="Fussnote_4_4"></a><a href="#FNAnker_4_4"><span class="label">[4]</span></a> Herzensergieungen eines kunstliebenden Klosterbruders,
-Berlin 1797, 100; Phantasien ber die Kunst (in <em class="gesperrt">Minors</em> Tieck und
-Wackenroder), 11 ff.; Rud. <em class="gesperrt">Kpke</em>, L. Tieck, Leipzig 1855, 1, 154
-ff.; H. v. <em class="gesperrt">Friesen</em>, L. Tieck, Wien 1871, 2, 140.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_5_5" id="Fussnote_5_5"></a><a href="#FNAnker_5_5"><span class="label">[5]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1, 161 ff.; <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2, 141 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_6_6" id="Fussnote_6_6"></a><a href="#FNAnker_6_6"><span class="label">[6]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, 413.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_7_7" id="Fussnote_7_7"></a><a href="#FNAnker_7_7"><span class="label">[7]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 4, 240.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_8_8" id="Fussnote_8_8"></a><a href="#FNAnker_8_8"><span class="label">[8]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 69, 71; vgl.
-Phantasien . K., 76.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_9_9" id="Fussnote_9_9"></a><a href="#FNAnker_9_9"><span class="label">[9]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 34 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_10_10" id="Fussnote_10_10"></a><a href="#FNAnker_10_10"><span class="label">[10]</span></a> Phantasien, 81.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_11_11" id="Fussnote_11_11"></a><a href="#FNAnker_11_11"><span class="label">[11]</span></a> Herzenserg., 105, 100; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4,
-46.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_12_12" id="Fussnote_12_12"></a><a href="#FNAnker_12_12"><span class="label">[12]</span></a> Herzenserg., 6, 11 ff., 40, 106, 165.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_13_13" id="Fussnote_13_13"></a><a href="#FNAnker_13_13"><span class="label">[13]</span></a> Herzenserg., 162, 171; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4,
-100 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_14_14" id="Fussnote_14_14"></a><a href="#FNAnker_14_14"><span class="label">[14]</span></a> Phantasien, 39.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_15_15" id="Fussnote_15_15"></a><a href="#FNAnker_15_15"><span class="label">[15]</span></a> Herzenserg., 131 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_16_16" id="Fussnote_16_16"></a><a href="#FNAnker_16_16"><span class="label">[16]</span></a> Herzenserg., 108.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_17_17" id="Fussnote_17_17"></a><a href="#FNAnker_17_17"><span class="label">[17]</span></a> Herzenserg., 158 ff.; vgl. Phantasien, 56, 92.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_18_18" id="Fussnote_18_18"></a><a href="#FNAnker_18_18"><span class="label">[18]</span></a> Vgl. Schriften, 11, LXXIII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_19_19" id="Fussnote_19_19"></a><a href="#FNAnker_19_19"><span class="label">[19]</span></a> ber Kunst und Religion noch Herzenserg., 22, 40 f., 55,
-60 f., 192; Phantasien, 33, 62, 84; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 63.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_20_20" id="Fussnote_20_20"></a><a href="#FNAnker_20_20"><span class="label">[20]</span></a> Vgl. W. <em class="gesperrt">Scherer</em>, Vortrge und Aufstze zur
-Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland und sterreich, Berlin
-1874, S. 323.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_21_21" id="Fussnote_21_21"></a><a href="#FNAnker_21_21"><span class="label">[21]</span></a> Herzenserg., 114 ff.; vgl. A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, W.W.,
-10, 364.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_22_22" id="Fussnote_22_22"></a><a href="#FNAnker_22_22"><span class="label">[22]</span></a> Herzenserg., 28, 34; Phantasien, 5 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_23_23" id="Fussnote_23_23"></a><a href="#FNAnker_23_23"><span class="label">[23]</span></a> Herzenserg., 196.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_24_24" id="Fussnote_24_24"></a><a href="#FNAnker_24_24"><span class="label">[24]</span></a> Herzenserg., 224 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_25_25" id="Fussnote_25_25"></a><a href="#FNAnker_25_25"><span class="label">[25]</span></a> ber die Vorliebe fr das Alte: Herzenserg., 9, 27, 34,
-64, 80, 130; Sternbald (Minors Ausgabe), 120 ff., 158 f., 167, 171 f.,
-188 f., 372; Poetisches Journal von <em class="gesperrt">L. Tieck</em>, Jena 1800, 1.
-Stck, 145 ff.; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 11 f., 56 f., 425.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_26_26" id="Fussnote_26_26"></a><a href="#FNAnker_26_26"><span class="label">[26]</span></a> Herzenserg., 179&ndash;193.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_27_27" id="Fussnote_27_27"></a><a href="#FNAnker_27_27"><span class="label">[27]</span></a> Herzenserg., 192; vgl. A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, Recension
-der Herzensergieungen, Smmtliche Werke, Leipzig 1847, 10. Bd.,
-363 ff.; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11. Bd., LXVIII ff.; vgl. A.W.
-<em class="gesperrt">Schlegel</em>, Berliner Vorlesungen ber schne Literatur und Kunst
-(ed. Minor), Heilbronn 1884, II, 46. Zum Begriffe &#8222;Religion&#8220; wird von
-Schlegel angemerkt: &#8222;Es versteht sich, dass mit diesem Namen hier nicht
-die christliche oder irgend eine andere bestimmte, sondern Religion
-berhaupt gemeynt ist.&#8220;</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_28_28" id="Fussnote_28_28"></a><a href="#FNAnker_28_28"><span class="label">[28]</span></a> Sternbald, 161.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_29_29" id="Fussnote_29_29"></a><a href="#FNAnker_29_29"><span class="label">[29]</span></a> Vgl. Sternbald, 123, 125, 128, 130 f., 153, 180, 184 ff.,
-204 f., 323 etc.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_30_30" id="Fussnote_30_30"></a><a href="#FNAnker_30_30"><span class="label">[30]</span></a> Sternbald, 346.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_31_31" id="Fussnote_31_31"></a><a href="#FNAnker_31_31"><span class="label">[31]</span></a> Herzenserg., 116 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_32_32" id="Fussnote_32_32"></a><a href="#FNAnker_32_32"><span class="label">[32]</span></a> Phantasien, 39 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_33_33" id="Fussnote_33_33"></a><a href="#FNAnker_33_33"><span class="label">[33]</span></a> WW., 11, 35.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_34_34" id="Fussnote_34_34"></a><a href="#FNAnker_34_34"><span class="label">[34]</span></a> Phantasien, 98 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_35_35" id="Fussnote_35_35"></a><a href="#FNAnker_35_35"><span class="label">[35]</span></a> Poetisches Journal, 2. Stck, 475 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_36_36" id="Fussnote_36_36"></a><a href="#FNAnker_36_36"><span class="label">[36]</span></a> An das Wunder mit dem heil. Sebastian in den
-&#8222;Herzensergieungen&#8220; (S. 137) denken Wendelin und Else, wenn sie von
-Gott Genovevas wunderbare Befreiung verlangen (Genoveva, 253). &mdash;
-Das Land des unerreichbaren Ideals wird in den &#8222;Phantasien&#8220; wie in
-der &#8222;Genoveva&#8220; als paradiesisches Mrchenland ber unseren Huptern
-geschildert. &mdash; Gemeinsame stilistische Eigenthmlichkeiten.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_37_37" id="Fussnote_37_37"></a><a href="#FNAnker_37_37"><span class="label">[37]</span></a> <em class="gesperrt">Dilthey</em>, Schleiermacher, 279.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_38_38" id="Fussnote_38_38"></a><a href="#FNAnker_38_38"><span class="label">[38]</span></a> Friedrich <em class="gesperrt">Schleiermacher</em>, Reden ber die Religion,
-krit. Ausgabe von G. Ch. Bernhard Pnjer, Braunschweig 1879.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_39_39" id="Fussnote_39_39"></a><a href="#FNAnker_39_39"><span class="label">[39]</span></a> <em class="gesperrt">Kirn</em>, Schleiermacher und die Romantik, Basel 1895,
-23 ff.; <em class="gesperrt">Haym</em>, 419, 430 f.; <em class="gesperrt">Dilthey</em>, 304 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_40_40" id="Fussnote_40_40"></a><a href="#FNAnker_40_40"><span class="label">[40]</span></a> Reden, 32 ff.; Friedrich Schlegel, 1794&ndash;1802, hrg. v.
-<em class="gesperrt">Minor</em>, 2. Bd., 308.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_41_41" id="Fussnote_41_41"></a><a href="#FNAnker_41_41"><span class="label">[41]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Scherer</em>, Vortrge und Aufstze, 385.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_42_42" id="Fussnote_42_42"></a><a href="#FNAnker_42_42"><span class="label">[42]</span></a> Reden, 184.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_43_43" id="Fussnote_43_43"></a><a href="#FNAnker_43_43"><span class="label">[43]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2, 308.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_44_44" id="Fussnote_44_44"></a><a href="#FNAnker_44_44"><span class="label">[44]</span></a> Ebd., 313.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_45_45" id="Fussnote_45_45"></a><a href="#FNAnker_45_45"><span class="label">[45]</span></a> Solgers nachgelassene Schriften und Briefwechsel, Leipzig
-1826, 1. Bd., 538.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_46_46" id="Fussnote_46_46"></a><a href="#FNAnker_46_46"><span class="label">[46]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, in Briefen, Berlin 1858&ndash;1863,
-3. Bd., 115.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_47_47" id="Fussnote_47_47"></a><a href="#FNAnker_47_47"><span class="label">[47]</span></a> <em class="gesperrt">Dilthey</em>, 281; <em class="gesperrt">Haym</em>, 458.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_48_48" id="Fussnote_48_48"></a><a href="#FNAnker_48_48"><span class="label">[48]</span></a> Reden, 172 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_49_49" id="Fussnote_49_49"></a><a href="#FNAnker_49_49"><span class="label">[49]</span></a> Reden, 269 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_50_50" id="Fussnote_50_50"></a><a href="#FNAnker_50_50"><span class="label">[50]</span></a> Ebd., 271.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_51_51" id="Fussnote_51_51"></a><a href="#FNAnker_51_51"><span class="label">[51]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 538.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_52_52" id="Fussnote_52_52"></a><a href="#FNAnker_52_52"><span class="label">[52]</span></a> Reden, 71 f. Es ist, als ob diese Gedanken eine
-Renaissance der alten <i>vita contemplativa</i> einleiten mchten.
-Schleiermacher kommt eben von der Herrnhutischen Brdergemeinde her.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_53_53" id="Fussnote_53_53"></a><a href="#FNAnker_53_53"><span class="label">[53]</span></a> &#8222;Schn warmer Tag&#8220;; &#8222;Gelobt sei Jesus Christ&#8220; und
-hnliches.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_54_54" id="Fussnote_54_54"></a><a href="#FNAnker_54_54"><span class="label">[54]</span></a> Reden, 254.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_55_55" id="Fussnote_55_55"></a><a href="#FNAnker_55_55"><span class="label">[55]</span></a> Reden, 258.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_56_56" id="Fussnote_56_56"></a><a href="#FNAnker_56_56"><span class="label">[56]</span></a> Damit berhrt sich noch eine spte uerung <em class="gesperrt">Tiecks</em>
-in Schriften, XI, LXXI.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_57_57" id="Fussnote_57_57"></a><a href="#FNAnker_57_57"><span class="label">[57]</span></a> Reden, 281.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_58_58" id="Fussnote_58_58"></a><a href="#FNAnker_58_58"><span class="label">[58]</span></a> Genoveva, 211 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_59_59" id="Fussnote_59_59"></a><a href="#FNAnker_59_59"><span class="label">[59]</span></a> Reden, 211.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_60_60" id="Fussnote_60_60"></a><a href="#FNAnker_60_60"><span class="label">[60]</span></a> Reden, 186, 214.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_61_61" id="Fussnote_61_61"></a><a href="#FNAnker_61_61"><span class="label">[61]</span></a> Reden, 53.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_62_62" id="Fussnote_62_62"></a><a href="#FNAnker_62_62"><span class="label">[62]</span></a> <em class="gesperrt">Dilthey</em>, 434; <em class="gesperrt">Haym</em>, 460 ff.; Just
-<em class="gesperrt">Bing</em>, Novalis, Hamburg und Leipzig 1893, 72 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_63_63" id="Fussnote_63_63"></a><a href="#FNAnker_63_63"><span class="label">[63]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, 3. Theil, Berlin 1846, 204.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_64_64" id="Fussnote_64_64"></a><a href="#FNAnker_64_64"><span class="label">[64]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, Berlin 1826, 4. Aufl., 2.
-Theil, 189.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_65_65" id="Fussnote_65_65"></a><a href="#FNAnker_65_65"><span class="label">[65]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 193.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_66_66" id="Fussnote_66_66"></a><a href="#FNAnker_66_66"><span class="label">[66]</span></a> <em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis&#8217; Briefwechsel, Mainz 1880, 171.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_67_67" id="Fussnote_67_67"></a><a href="#FNAnker_67_67"><span class="label">[67]</span></a> <em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis, 143 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_68_68" id="Fussnote_68_68"></a><a href="#FNAnker_68_68"><span class="label">[68]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 13; vgl. 3. Theil, 205;
-<em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis, 184; &#8222;Heinrich von Ofterdingen&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_69_69" id="Fussnote_69_69"></a><a href="#FNAnker_69_69"><span class="label">[69]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 32 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_70_70" id="Fussnote_70_70"></a><a href="#FNAnker_70_70"><span class="label">[70]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 98 f.; Dr. C. <em class="gesperrt">Busse</em>
-macht in seiner Schrift &#8222;Novalis&#8217; Lyrik&#8220; (Oppeln 1898) den Versuch,
-den protestantisch-kirchlichen Charakter der &#8222;Geistlichen Lieder&#8220;
-nachzuweisen, nicht berzeugend, wie mir scheinen will.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_71_71" id="Fussnote_71_71"></a><a href="#FNAnker_71_71"><span class="label">[71]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 163, 194, 3. Theil, 229 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_72_72" id="Fussnote_72_72"></a><a href="#FNAnker_72_72"><span class="label">[72]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 190 f., 3. Theil, 194;
-<em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis, 184 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_73_73" id="Fussnote_73_73"></a><a href="#FNAnker_73_73"><span class="label">[73]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3, 125.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_74_74" id="Fussnote_74_74"></a><a href="#FNAnker_74_74"><span class="label">[74]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1, 247 ff.; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 89;
-vgl. <em class="gesperrt">Raich</em>, Dorothea Schlegel, Mainz 1881, 1. Bd., 15, 19.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_75_75" id="Fussnote_75_75"></a><a href="#FNAnker_75_75"><span class="label">[75]</span></a> Im &#8222;Musen-Almanach&#8220; fr das Jahr 1802, hrg. v. A.W.
-<em class="gesperrt">Schlegel</em> und L. Tieck, Tbingen 1802, 187 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_76_76" id="Fussnote_76_76"></a><a href="#FNAnker_76_76"><span class="label">[76]</span></a> Genoveva, 135.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_77_77" id="Fussnote_77_77"></a><a href="#FNAnker_77_77"><span class="label">[77]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3, 115, 125, 132, 134.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_78_78" id="Fussnote_78_78"></a><a href="#FNAnker_78_78"><span class="label">[78]</span></a> Ebd., 3, 134.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_79_79" id="Fussnote_79_79"></a><a href="#FNAnker_79_79"><span class="label">[79]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, 1, 539.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_80_80" id="Fussnote_80_80"></a><a href="#FNAnker_80_80"><span class="label">[80]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, Einleitung XXVIII; vgl. Aus
-Schleiermachers Leben, 3, 126; <em class="gesperrt">Raich</em>, Dorothea Schlegel, 1, 20.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_81_81" id="Fussnote_81_81"></a><a href="#FNAnker_81_81"><span class="label">[81]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 194, 197.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_82_82" id="Fussnote_82_82"></a><a href="#FNAnker_82_82"><span class="label">[82]</span></a> Ebd., 194.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_83_83" id="Fussnote_83_83"></a><a href="#FNAnker_83_83"><span class="label">[83]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 3. Theil, 195.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_84_84" id="Fussnote_84_84"></a><a href="#FNAnker_84_84"><span class="label">[84]</span></a> <em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis, 156.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_85_85" id="Fussnote_85_85"></a><a href="#FNAnker_85_85"><span class="label">[85]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 192.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_86_86" id="Fussnote_86_86"></a><a href="#FNAnker_86_86"><span class="label">[86]</span></a> Genoveva, 110 f. Hier muss erwhnt werden, dass es
-auch ein poetisches Lieblingsspiel der Romantiker war, bildliche
-Darstellungen episch zu schildern, &#8222;Gemlde in Worten zu malen&#8220;. Tieck
-und Wackenroder thun es in den &#8222;Herzensergieungen&#8220;, Tieck wiederholt
-es im &#8222;Sternbald&#8220;, A.W. Schlegel schliet sich mit den Sonetten ber
-die Dresdener Gemlde an, Brentano ahmt die Sitte im &#8222;Godwi&#8220; nach.
-Kunstgesprche und theoretische Auseinandersetzungen in Dichtungen
-einzuschalten, &#8222;Genialitt und Kritik&#8220; zu verbinden, entspricht
-der romantischen Kunsttheorie. Als anregende Vorbilder fr dieses
-Theoretisieren im Kunstwerke gehen Goethes Analysen des &#8222;Hamlet&#8220; im
-&#8222;Wilhelm Meister&#8220; und Heinses Gemldeschilderungen im &#8222;Ardinghello&#8220;
-voraus. Die Erklrung der gemalten Legenden fr eine Zuhrerschaft gibt
-der Sache in der &#8222;Genoveva&#8220; etwas Predigtmiges. (Vgl. A. <em class="gesperrt">Kerr</em>,
-Godwi, Berlin 1898, 19 ff.; A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 8, 16.)</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_87_87" id="Fussnote_87_87"></a><a href="#FNAnker_87_87"><span class="label">[87]</span></a> Genoveva, 211 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_88_88" id="Fussnote_88_88"></a><a href="#FNAnker_88_88"><span class="label">[88]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, 456 ff.; <em class="gesperrt">Dilthey</em>, 427 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_89_89" id="Fussnote_89_89"></a><a href="#FNAnker_89_89"><span class="label">[89]</span></a> ber Hlsen vgl. <em class="gesperrt">Haym</em>, 445 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_90_90" id="Fussnote_90_90"></a><a href="#FNAnker_90_90"><span class="label">[90]</span></a> <em class="gesperrt">Waitz</em>, Caroline, Leipzig 1871, 71 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_91_91" id="Fussnote_91_91"></a><a href="#FNAnker_91_91"><span class="label">[91]</span></a> <em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis, 84 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_92_92" id="Fussnote_92_92"></a><a href="#FNAnker_92_92"><span class="label">[92]</span></a> <em class="gesperrt">Dilthey</em>, 438 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_93_93" id="Fussnote_93_93"></a><a href="#FNAnker_93_93"><span class="label">[93]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2, 353; vgl. ebd., 302,
-304, &#8222;Europa&#8220;, I, 47 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_94_94" id="Fussnote_94_94"></a><a href="#FNAnker_94_94"><span class="label">[94]</span></a> Ebd., 290 f., 293, 296, 298.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_95_95" id="Fussnote_95_95"></a><a href="#FNAnker_95_95"><span class="label">[95]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11, LXVII, &#8222;Novalis,
-Schleiermacher, Friedrich Schlegel und auch das Gedicht von der
-Genoveva...&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_96_96" id="Fussnote_96_96"></a><a href="#FNAnker_96_96"><span class="label">[96]</span></a> Tieck, Schriften, 6, VI, 11, LXII f.; Schriften, 10, 280
-f.; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Einleitung zu &#8222;Gesammelte Schriften&#8220; von J.M.R.
-Lenz (Berlin 1828), S. LXI u. LXVIII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_97_97" id="Fussnote_97_97"></a><a href="#FNAnker_97_97"><span class="label">[97]</span></a> Tieck, Schriften, 11, 14.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_98_98" id="Fussnote_98_98"></a><a href="#FNAnker_98_98"><span class="label">[98]</span></a> Tieck, Schriften, 15, 21.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_99_99" id="Fussnote_99_99"></a><a href="#FNAnker_99_99"><span class="label">[99]</span></a> ber Tieck und die Volksbcher handelt Bernh.
-<em class="gesperrt">Steiner</em> in &#8222;L. Tieck und die Volksbcher&#8220;, Berlin 1893; vgl.
-A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 12, 27 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_100_100" id="Fussnote_100_100"></a><a href="#FNAnker_100_100"><span class="label">[100]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11, Einleitung XLI f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_101_101" id="Fussnote_101_101"></a><a href="#FNAnker_101_101"><span class="label">[101]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, &#8222;Vorlesungen&#8220; (Minor), II, 41.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_102_102" id="Fussnote_102_102"></a><a href="#FNAnker_102_102"><span class="label">[102]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 13, 327.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_103_103" id="Fussnote_103_103"></a><a href="#FNAnker_103_103"><span class="label">[103]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, Einleitung XXVI ff.;
-<em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 236 ff. und 2. Bd., 172; B. <em class="gesperrt">Seuffert</em>,
-Maler Mller, Berlin 1881, 145, 176; <em class="gesperrt">Haym</em>, 480 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_104_104" id="Fussnote_104_104"></a><a href="#FNAnker_104_104"><span class="label">[104]</span></a> Die Stelle ber die Volksbcher im &#8222;Peter Leberecht&#8220;
-(Schriften, XV, 21) scheint auf eine frhere Bekanntschaft mit dem
-Genoveva-Volksbuch hinzudeuten, von der uns Tieck aber sonst nirgends
-berichtet. Wie sich die Sache auch verhalten mag, von Bedeutung fr
-seine &#8222;Genoveva&#8220; ist jene frhe Bekanntschaft mit der Legende nicht.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_105_105" id="Fussnote_105_105"></a><a href="#FNAnker_105_105"><span class="label">[105]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, 1, 453; vgl. ebd., 301, 487; vgl.
-<em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., 181 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_106_106" id="Fussnote_106_106"></a><a href="#FNAnker_106_106"><span class="label">[106]</span></a> Eine schne, anmuthige und lesenswrdige Historie von
-der unschuldig bedrngten heiligen Pfalzgrfin Genoveva, wie es ihr
-in Abwesenheit ihres herzlieben Ehegemahls ergangen. Gedruckt in
-diesem Jahr. ber die Entstehung und Schicksale der Legende vgl. B.
-<em class="gesperrt">Seuffert</em>, Die Legende von der Pfalzgrfin Genoveva, Wrzburg
-1877.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_107_107" id="Fussnote_107_107"></a><a href="#FNAnker_107_107"><span class="label">[107]</span></a> Genoveva, 108 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_108_108" id="Fussnote_108_108"></a><a href="#FNAnker_108_108"><span class="label">[108]</span></a> Genoveva, 109&ndash;123.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_109_109" id="Fussnote_109_109"></a><a href="#FNAnker_109_109"><span class="label">[109]</span></a> Diese Angabe fehlt in der &#8222;Genoveva&#8220;-Ausgabe von 1820.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_110_110" id="Fussnote_110_110"></a><a href="#FNAnker_110_110"><span class="label">[110]</span></a> Genoveva, 123&ndash;130.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_111_111" id="Fussnote_111_111"></a><a href="#FNAnker_111_111"><span class="label">[111]</span></a> Ebd., 131&ndash;138.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_112_112" id="Fussnote_112_112"></a><a href="#FNAnker_112_112"><span class="label">[112]</span></a> Ebd., 138&ndash;142.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_113_113" id="Fussnote_113_113"></a><a href="#FNAnker_113_113"><span class="label">[113]</span></a> Genoveva, 142 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_114_114" id="Fussnote_114_114"></a><a href="#FNAnker_114_114"><span class="label">[114]</span></a> Ebd., 145&ndash;160.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_115_115" id="Fussnote_115_115"></a><a href="#FNAnker_115_115"><span class="label">[115]</span></a> Ebd., 190 f., 202&ndash;210.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_116_116" id="Fussnote_116_116"></a><a href="#FNAnker_116_116"><span class="label">[116]</span></a> Genoveva, 119, <span class="antiqua">12 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_117_117" id="Fussnote_117_117"></a><a href="#FNAnker_117_117"><span class="label">[117]</span></a> Genoveva, 131, <span class="antiqua">26 ff</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_118_118" id="Fussnote_118_118"></a><a href="#FNAnker_118_118"><span class="label">[118]</span></a> Ebd., 136, <span class="antiqua">10 ff</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_119_119" id="Fussnote_119_119"></a><a href="#FNAnker_119_119"><span class="label">[119]</span></a> Ebd., 137, <span class="antiqua">28 ff</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_120_120" id="Fussnote_120_120"></a><a href="#FNAnker_120_120"><span class="label">[120]</span></a> Ebd., 138, <span class="antiqua">1 ff</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_121_121" id="Fussnote_121_121"></a><a href="#FNAnker_121_121"><span class="label">[121]</span></a> Ebd., 161 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_122_122" id="Fussnote_122_122"></a><a href="#FNAnker_122_122"><span class="label">[122]</span></a> Vgl. die Lieder 164 und 166.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_123_123" id="Fussnote_123_123"></a><a href="#FNAnker_123_123"><span class="label">[123]</span></a> Genoveva, 164, <span class="antiqua">5</span>; 165, <span class="antiqua">32 ff</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_124_124" id="Fussnote_124_124"></a><a href="#FNAnker_124_124"><span class="label">[124]</span></a> Ebd., 179&ndash;184.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_125_125" id="Fussnote_125_125"></a><a href="#FNAnker_125_125"><span class="label">[125]</span></a> Ebd., 169 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_126_126" id="Fussnote_126_126"></a><a href="#FNAnker_126_126"><span class="label">[126]</span></a> Genoveva, 187.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_127_127" id="Fussnote_127_127"></a><a href="#FNAnker_127_127"><span class="label">[127]</span></a> Ebd., 188 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_128_128" id="Fussnote_128_128"></a><a href="#FNAnker_128_128"><span class="label">[128]</span></a> Ebd., 191 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_129_129" id="Fussnote_129_129"></a><a href="#FNAnker_129_129"><span class="label">[129]</span></a> Genoveva, 199.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_130_130" id="Fussnote_130_130"></a><a href="#FNAnker_130_130"><span class="label">[130]</span></a> Ebd., 200&ndash;202.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_131_131" id="Fussnote_131_131"></a><a href="#FNAnker_131_131"><span class="label">[131]</span></a> Biographische und literarische Skizzen aus dem Leben und
-der Zeit Karl Frsters, Dresden 1846, S. 284.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_132_132" id="Fussnote_132_132"></a><a href="#FNAnker_132_132"><span class="label">[132]</span></a> Genoveva, 182, <span class="antiqua">4</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_133_133" id="Fussnote_133_133"></a><a href="#FNAnker_133_133"><span class="label">[133]</span></a> Ebd., 197, <span class="antiqua">28 f</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_134_134" id="Fussnote_134_134"></a><a href="#FNAnker_134_134"><span class="label">[134]</span></a> Ebd., 217, <span class="antiqua">28, 31</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_135_135" id="Fussnote_135_135"></a><a href="#FNAnker_135_135"><span class="label">[135]</span></a> Genoveva, 191, <span class="antiqua">31 f</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_136_136" id="Fussnote_136_136"></a><a href="#FNAnker_136_136"><span class="label">[136]</span></a> Ebd., 213, <span class="antiqua">36</span>; 214, <span class="antiqua">25</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_137_137" id="Fussnote_137_137"></a><a href="#FNAnker_137_137"><span class="label">[137]</span></a> Ebd., 136, <span class="antiqua">32</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_138_138" id="Fussnote_138_138"></a><a href="#FNAnker_138_138"><span class="label">[138]</span></a> Ebd., 186, <span class="antiqua">25 ff</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_139_139" id="Fussnote_139_139"></a><a href="#FNAnker_139_139"><span class="label">[139]</span></a> Ebd., 211 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_140_140" id="Fussnote_140_140"></a><a href="#FNAnker_140_140"><span class="label">[140]</span></a> Genoveva, 214.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_141_141" id="Fussnote_141_141"></a><a href="#FNAnker_141_141"><span class="label">[141]</span></a> Ebd., 202, 5 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_142_142" id="Fussnote_142_142"></a><a href="#FNAnker_142_142"><span class="label">[142]</span></a> Ebd., 131, 20.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_143_143" id="Fussnote_143_143"></a><a href="#FNAnker_143_143"><span class="label">[143]</span></a> Ebd., 214.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_144_144" id="Fussnote_144_144"></a><a href="#FNAnker_144_144"><span class="label">[144]</span></a> Ebd., 216.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_145_145" id="Fussnote_145_145"></a><a href="#FNAnker_145_145"><span class="label">[145]</span></a> Ebd., 217.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_146_146" id="Fussnote_146_146"></a><a href="#FNAnker_146_146"><span class="label">[146]</span></a> Genoveva, 217 f.; vgl. 136 u. 198 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_147_147" id="Fussnote_147_147"></a><a href="#FNAnker_147_147"><span class="label">[147]</span></a> Genoveva, 223&ndash;226.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_148_148" id="Fussnote_148_148"></a><a href="#FNAnker_148_148"><span class="label">[148]</span></a> Ebd., 223.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_149_149" id="Fussnote_149_149"></a><a href="#FNAnker_149_149"><span class="label">[149]</span></a> Ebd., 229.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_150_150" id="Fussnote_150_150"></a><a href="#FNAnker_150_150"><span class="label">[150]</span></a> Ebd., 219 ff., 230.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_151_151" id="Fussnote_151_151"></a><a href="#FNAnker_151_151"><span class="label">[151]</span></a> Ebd., 230, 5 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_152_152" id="Fussnote_152_152"></a><a href="#FNAnker_152_152"><span class="label">[152]</span></a> Genoveva, 231&ndash;233.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_153_153" id="Fussnote_153_153"></a><a href="#FNAnker_153_153"><span class="label">[153]</span></a> Ebd., 234.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_154_154" id="Fussnote_154_154"></a><a href="#FNAnker_154_154"><span class="label">[154]</span></a> Ebd., 234.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_155_155" id="Fussnote_155_155"></a><a href="#FNAnker_155_155"><span class="label">[155]</span></a> Genoveva, 235&ndash;238.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_156_156" id="Fussnote_156_156"></a><a href="#FNAnker_156_156"><span class="label">[156]</span></a> Ebd., 239&ndash;241.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_157_157" id="Fussnote_157_157"></a><a href="#FNAnker_157_157"><span class="label">[157]</span></a> Genoveva, 241 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_158_158" id="Fussnote_158_158"></a><a href="#FNAnker_158_158"><span class="label">[158]</span></a> Ebd., 242&ndash;244.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_159_159" id="Fussnote_159_159"></a><a href="#FNAnker_159_159"><span class="label">[159]</span></a> Genoveva, 244&ndash;251.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_160_160" id="Fussnote_160_160"></a><a href="#FNAnker_160_160"><span class="label">[160]</span></a> Ebd., 251 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_161_161" id="Fussnote_161_161"></a><a href="#FNAnker_161_161"><span class="label">[161]</span></a> Genoveva, 252.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_162_162" id="Fussnote_162_162"></a><a href="#FNAnker_162_162"><span class="label">[162]</span></a> Ebd., 253 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_163_163" id="Fussnote_163_163"></a><a href="#FNAnker_163_163"><span class="label">[163]</span></a> An spterer Stelle spricht auch das Volksbuch nur von
-einem Mrder, der mild gesinnt war.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_164_164" id="Fussnote_164_164"></a><a href="#FNAnker_164_164"><span class="label">[164]</span></a> Genoveva, 255&ndash;260.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_165_165" id="Fussnote_165_165"></a><a href="#FNAnker_165_165"><span class="label">[165]</span></a> Ebd., 260 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_166_166" id="Fussnote_166_166"></a><a href="#FNAnker_166_166"><span class="label">[166]</span></a> Vgl. Bernhardis Recension in &#8222;Berlinisches Archiv der
-Zeit und ihres Geschmackes&#8220;, 1800, 1. Bd., 465.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_167_167" id="Fussnote_167_167"></a><a href="#FNAnker_167_167"><span class="label">[167]</span></a> Genoveva, 262 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_168_168" id="Fussnote_168_168"></a><a href="#FNAnker_168_168"><span class="label">[168]</span></a> Ebd., 264&ndash;266.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_169_169" id="Fussnote_169_169"></a><a href="#FNAnker_169_169"><span class="label">[169]</span></a> Ebd., 266&ndash;268.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_170_170" id="Fussnote_170_170"></a><a href="#FNAnker_170_170"><span class="label">[170]</span></a> Genoveva, 267, 24 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_171_171" id="Fussnote_171_171"></a><a href="#FNAnker_171_171"><span class="label">[171]</span></a> Ebd., 270.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_172_172" id="Fussnote_172_172"></a><a href="#FNAnker_172_172"><span class="label">[172]</span></a> Ebd., 268&ndash;270.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_173_173" id="Fussnote_173_173"></a><a href="#FNAnker_173_173"><span class="label">[173]</span></a> Ebd., 271&ndash;278.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_174_174" id="Fussnote_174_174"></a><a href="#FNAnker_174_174"><span class="label">[174]</span></a> Genoveva, 271, 1&ndash;19.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_175_175" id="Fussnote_175_175"></a><a href="#FNAnker_175_175"><span class="label">[175]</span></a> Ebd., 276, 25 bis 277, 12.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_176_176" id="Fussnote_176_176"></a><a href="#FNAnker_176_176"><span class="label">[176]</span></a> Volksbuch, 13.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_177_177" id="Fussnote_177_177"></a><a href="#FNAnker_177_177"><span class="label">[177]</span></a> Genoveva, 277 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_178_178" id="Fussnote_178_178"></a><a href="#FNAnker_178_178"><span class="label">[178]</span></a> Genoveva, 284&ndash;288.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_179_179" id="Fussnote_179_179"></a><a href="#FNAnker_179_179"><span class="label">[179]</span></a> Ebd., 284, 33&ndash;34.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_180_180" id="Fussnote_180_180"></a><a href="#FNAnker_180_180"><span class="label">[180]</span></a> Ebd., 285, 19, 27.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_181_181" id="Fussnote_181_181"></a><a href="#FNAnker_181_181"><span class="label">[181]</span></a> Ebd., 288&ndash;293.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_182_182" id="Fussnote_182_182"></a><a href="#FNAnker_182_182"><span class="label">[182]</span></a> Genoveva, 294 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_183_183" id="Fussnote_183_183"></a><a href="#FNAnker_183_183"><span class="label">[183]</span></a> Ebd., 297 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_184_184" id="Fussnote_184_184"></a><a href="#FNAnker_184_184"><span class="label">[184]</span></a> Ebd., 296 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_185_185" id="Fussnote_185_185"></a><a href="#FNAnker_185_185"><span class="label">[185]</span></a> Ebd., 298&ndash;306.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_186_186" id="Fussnote_186_186"></a><a href="#FNAnker_186_186"><span class="label">[186]</span></a> Genoveva, 308 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_187_187" id="Fussnote_187_187"></a><a href="#FNAnker_187_187"><span class="label">[187]</span></a> Ebd., 311 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_188_188" id="Fussnote_188_188"></a><a href="#FNAnker_188_188"><span class="label">[188]</span></a> Genoveva, 313&ndash;316.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_189_189" id="Fussnote_189_189"></a><a href="#FNAnker_189_189"><span class="label">[189]</span></a> Ebd., 216 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_190_190" id="Fussnote_190_190"></a><a href="#FNAnker_190_190"><span class="label">[190]</span></a> Ebd., 319 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_191_191" id="Fussnote_191_191"></a><a href="#FNAnker_191_191"><span class="label">[191]</span></a> Genoveva, 321.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_192_192" id="Fussnote_192_192"></a><a href="#FNAnker_192_192"><span class="label">[192]</span></a> Ebd., 322.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_193_193" id="Fussnote_193_193"></a><a href="#FNAnker_193_193"><span class="label">[193]</span></a> Vgl. darber <em class="gesperrt">Tiecks</em> uerung in Schriften, 1,
-VIII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_194_194" id="Fussnote_194_194"></a><a href="#FNAnker_194_194"><span class="label">[194]</span></a> J.V. Teichmanns literarischer Nachlass, hrg. v.
-<em class="gesperrt">Dingelstedt</em>, Stuttgart 1863, S. 282; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>,
-Schriften, 1, VIII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_195_195" id="Fussnote_195_195"></a><a href="#FNAnker_195_195"><span class="label">[195]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 362 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_196_196" id="Fussnote_196_196"></a><a href="#FNAnker_196_196"><span class="label">[196]</span></a> Altenglisches Theater I, in <em class="gesperrt">Tieck</em>, Smmtliche
-Werke, 21. Bd., Wien 1820, Einleitung.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_197_197" id="Fussnote_197_197"></a><a href="#FNAnker_197_197"><span class="label">[197]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 12, 30.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_198_198" id="Fussnote_198_198"></a><a href="#FNAnker_198_198"><span class="label">[198]</span></a> A.W. Schlegels Vorlesungen, hrg. v. J. <em class="gesperrt">Minor</em>
-in B. Seufferts Deutschen Literaturdenkmalen, Heilbronn 1884,
-Nr. 17&ndash;19, 2. Theil, 18 f.; vgl. 3. Theil, 128, 138, 149, und
-A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 7, 272 ff., 9, 264 f., 11, 144; vgl.
-<em class="gesperrt">Schlegels</em> uerung ber die Bearbeitung des &#8222;Tristan&#8220; bei Haym,
-813.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_199_199" id="Fussnote_199_199"></a><a href="#FNAnker_199_199"><span class="label">[199]</span></a> Archiv der Zeit, 1800, 459, 462, 466.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_200_200" id="Fussnote_200_200"></a><a href="#FNAnker_200_200"><span class="label">[200]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 12, 287.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_201_201" id="Fussnote_201_201"></a><a href="#FNAnker_201_201"><span class="label">[201]</span></a> Europa, hrg. v. Fr. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, Frankfurt a.M.
-1803, 1. Bd., 1. St., 57.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_202_202" id="Fussnote_202_202"></a><a href="#FNAnker_202_202"><span class="label">[202]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 1, 367 und Fr.
-<em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 10, 20. ber diese Seite der Romantik vgl.
-<em class="gesperrt">Holtei</em>, Br. a. Tieck, 4, 228; <em class="gesperrt">Kpke</em>, Tieck, 2, 172;
-<em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 289; Poetisches Journal, 1. Jahrg., 2.
-Stck, 56 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_203_203" id="Fussnote_203_203"></a><a href="#FNAnker_203_203"><span class="label">[203]</span></a> <em class="gesperrt">Seuffert</em>, Pfalzgrfin Genoveva, 1 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_204_204" id="Fussnote_204_204"></a><a href="#FNAnker_204_204"><span class="label">[204]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 10, 376 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_205_205" id="Fussnote_205_205"></a><a href="#FNAnker_205_205"><span class="label">[205]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXVIII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_206_206" id="Fussnote_206_206"></a><a href="#FNAnker_206_206"><span class="label">[206]</span></a> H. <em class="gesperrt">Hettner</em>, Die romantische Schule in ihrem
-inneren Zusammenhange mit Goethe und Schiller, Braunschweig 1850, 155.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_207_207" id="Fussnote_207_207"></a><a href="#FNAnker_207_207"><span class="label">[207]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Fr. Schlegel, 2. Bd., 220; vgl. 225, 242,
-244, 288.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_208_208" id="Fussnote_208_208"></a><a href="#FNAnker_208_208"><span class="label">[208]</span></a> Altenglisches Theater, Einleitung VI.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_209_209" id="Fussnote_209_209"></a><a href="#FNAnker_209_209"><span class="label">[209]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1 Bd., XXVII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_210_210" id="Fussnote_210_210"></a><a href="#FNAnker_210_210"><span class="label">[210]</span></a> &#8222;Golo und Genoveva&#8220; in Krschners &#8222;Deutsche
-Nationalliteratur&#8220;, 81. Bd., hrg. v. <em class="gesperrt">Sauer</em>, S. 30.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_211_211" id="Fussnote_211_211"></a><a href="#FNAnker_211_211"><span class="label">[211]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 113.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_212_212" id="Fussnote_212_212"></a><a href="#FNAnker_212_212"><span class="label">[212]</span></a> Golo und Genoveva, 30, 103.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_213_213" id="Fussnote_213_213"></a><a href="#FNAnker_213_213"><span class="label">[213]</span></a> Ebd., 143 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_214_214" id="Fussnote_214_214"></a><a href="#FNAnker_214_214"><span class="label">[214]</span></a> <em class="gesperrt">Seuffert</em>, Maler Mller, 171.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_215_215" id="Fussnote_215_215"></a><a href="#FNAnker_215_215"><span class="label">[215]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 113.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_216_216" id="Fussnote_216_216"></a><a href="#FNAnker_216_216"><span class="label">[216]</span></a> Ebd., 137, 190, 202.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_217_217" id="Fussnote_217_217"></a><a href="#FNAnker_217_217"><span class="label">[217]</span></a> Ebd., 311.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_218_218" id="Fussnote_218_218"></a><a href="#FNAnker_218_218"><span class="label">[218]</span></a> Ebd., 312.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_219_219" id="Fussnote_219_219"></a><a href="#FNAnker_219_219"><span class="label">[219]</span></a> <em class="gesperrt">Seuffert</em>, Maler Mller, 159&ndash;163.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_220_220" id="Fussnote_220_220"></a><a href="#FNAnker_220_220"><span class="label">[220]</span></a> Golo und Genoveva, 16, 33.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_221_221" id="Fussnote_221_221"></a><a href="#FNAnker_221_221"><span class="label">[221]</span></a> Ebd., 19, 29 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_222_222" id="Fussnote_222_222"></a><a href="#FNAnker_222_222"><span class="label">[222]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 112.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_223_223" id="Fussnote_223_223"></a><a href="#FNAnker_223_223"><span class="label">[223]</span></a> Ebd., 131, 9 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_224_224" id="Fussnote_224_224"></a><a href="#FNAnker_224_224"><span class="label">[224]</span></a> Golo und Genoveva, 18.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_225_225" id="Fussnote_225_225"></a><a href="#FNAnker_225_225"><span class="label">[225]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 136; vgl. 180, 17, 225, 10.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_226_226" id="Fussnote_226_226"></a><a href="#FNAnker_226_226"><span class="label">[226]</span></a> Golo und Genoveva, 18.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_227_227" id="Fussnote_227_227"></a><a href="#FNAnker_227_227"><span class="label">[227]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 131.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_228_228" id="Fussnote_228_228"></a><a href="#FNAnker_228_228"><span class="label">[228]</span></a> Golo und Genoveva, 58 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_229_229" id="Fussnote_229_229"></a><a href="#FNAnker_229_229"><span class="label">[229]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 191 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_230_230" id="Fussnote_230_230"></a><a href="#FNAnker_230_230"><span class="label">[230]</span></a> Golo und Genoveva, 33.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_231_231" id="Fussnote_231_231"></a><a href="#FNAnker_231_231"><span class="label">[231]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 131, 164, 182.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_232_232" id="Fussnote_232_232"></a><a href="#FNAnker_232_232"><span class="label">[232]</span></a> Golo und Genoveva, 73, 103, 122.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_233_233" id="Fussnote_233_233"></a><a href="#FNAnker_233_233"><span class="label">[233]</span></a> <em class="gesperrt">Frster</em>, Biographische und literarische Skizzen,
-284.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_234_234" id="Fussnote_234_234"></a><a href="#FNAnker_234_234"><span class="label">[234]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 195.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_235_235" id="Fussnote_235_235"></a><a href="#FNAnker_235_235"><span class="label">[235]</span></a> Golo und Genoveva, 119, <span class="antiqua">25 f</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_236_236" id="Fussnote_236_236"></a><a href="#FNAnker_236_236"><span class="label">[236]</span></a> Ebd., 120.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_237_237" id="Fussnote_237_237"></a><a href="#FNAnker_237_237"><span class="label">[237]</span></a> Ebd., 126.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_238_238" id="Fussnote_238_238"></a><a href="#FNAnker_238_238"><span class="label">[238]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 268, <span class="antiqua">3 ff</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_239_239" id="Fussnote_239_239"></a><a href="#FNAnker_239_239"><span class="label">[239]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 292.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_240_240" id="Fussnote_240_240"></a><a href="#FNAnker_240_240"><span class="label">[240]</span></a> Golo und Genoveva, 34, <span class="antiqua">4</span>, 103, <span class="antiqua">9</span>, 159,
-<span class="antiqua">14</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_241_241" id="Fussnote_241_241"></a><a href="#FNAnker_241_241"><span class="label">[241]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 172, <span class="antiqua">6 ff</span>., 182,
-<span class="antiqua">22</span>, 202, <span class="antiqua">14</span>, 261, <span class="antiqua">3</span>, 293, <span class="antiqua">14 ff</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_242_242" id="Fussnote_242_242"></a><a href="#FNAnker_242_242"><span class="label">[242]</span></a> Golo und Genoveva, 143 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_243_243" id="Fussnote_243_243"></a><a href="#FNAnker_243_243"><span class="label">[243]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 295 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_244_244" id="Fussnote_244_244"></a><a href="#FNAnker_244_244"><span class="label">[244]</span></a> Golo und Genoveva, 152 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_245_245" id="Fussnote_245_245"></a><a href="#FNAnker_245_245"><span class="label">[245]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 298.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_246_246" id="Fussnote_246_246"></a><a href="#FNAnker_246_246"><span class="label">[246]</span></a> Golo und Genoveva, 156.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_247_247" id="Fussnote_247_247"></a><a href="#FNAnker_247_247"><span class="label">[247]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 305.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_248_248" id="Fussnote_248_248"></a><a href="#FNAnker_248_248"><span class="label">[248]</span></a> Golo und Genoveva, 158 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_249_249" id="Fussnote_249_249"></a><a href="#FNAnker_249_249"><span class="label">[249]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 311 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_250_250" id="Fussnote_250_250"></a><a href="#FNAnker_250_250"><span class="label">[250]</span></a> Golo und Genoveva, 8 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_251_251" id="Fussnote_251_251"></a><a href="#FNAnker_251_251"><span class="label">[251]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 120.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_252_252" id="Fussnote_252_252"></a><a href="#FNAnker_252_252"><span class="label">[252]</span></a> Golo und Genoveva, 18 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_253_253" id="Fussnote_253_253"></a><a href="#FNAnker_253_253"><span class="label">[253]</span></a> Ebd., 44 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_254_254" id="Fussnote_254_254"></a><a href="#FNAnker_254_254"><span class="label">[254]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 136, 187.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_255_255" id="Fussnote_255_255"></a><a href="#FNAnker_255_255"><span class="label">[255]</span></a> Golo und Genoveva, 97, und Tieck, Genoveva, 231.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_256_256" id="Fussnote_256_256"></a><a href="#FNAnker_256_256"><span class="label">[256]</span></a> Golo und Genoveva, 86, 88; Tieck, Genoveva, 202 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_257_257" id="Fussnote_257_257"></a><a href="#FNAnker_257_257"><span class="label">[257]</span></a> Golo und Genoveva, 129, <span class="antiqua">34 ff.</span>; Tieck, Genoveva,
-264, <span class="antiqua">20 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_258_258" id="Fussnote_258_258"></a><a href="#FNAnker_258_258"><span class="label">[258]</span></a> Golo und Genoveva, 91.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_259_259" id="Fussnote_259_259"></a><a href="#FNAnker_259_259"><span class="label">[259]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 237, <span class="antiqua">9 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_260_260" id="Fussnote_260_260"></a><a href="#FNAnker_260_260"><span class="label">[260]</span></a> Golo und Genoveva, 29, 86, 150, <span class="antiqua">10</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_261_261" id="Fussnote_261_261"></a><a href="#FNAnker_261_261"><span class="label">[261]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 131, 177, <span class="antiqua">28</span>, 179,
-<span class="antiqua">10</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_262_262" id="Fussnote_262_262"></a><a href="#FNAnker_262_262"><span class="label">[262]</span></a> Ebd., 178.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_263_263" id="Fussnote_263_263"></a><a href="#FNAnker_263_263"><span class="label">[263]</span></a> Golo und Genoveva, 68.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_264_264" id="Fussnote_264_264"></a><a href="#FNAnker_264_264"><span class="label">[264]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 213.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_265_265" id="Fussnote_265_265"></a><a href="#FNAnker_265_265"><span class="label">[265]</span></a> Golo und Genoveva, 82, 85 ff.; Tieck, Genoveva, 234 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_266_266" id="Fussnote_266_266"></a><a href="#FNAnker_266_266"><span class="label">[266]</span></a> Golo und Genoveva, 86.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_267_267" id="Fussnote_267_267"></a><a href="#FNAnker_267_267"><span class="label">[267]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 262.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_268_268" id="Fussnote_268_268"></a><a href="#FNAnker_268_268"><span class="label">[268]</span></a> <em class="gesperrt">Seuffert</em>, Maler Mller, 172.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_269_269" id="Fussnote_269_269"></a><a href="#FNAnker_269_269"><span class="label">[269]</span></a> Golo und Genoveva, 38 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_270_270" id="Fussnote_270_270"></a><a href="#FNAnker_270_270"><span class="label">[270]</span></a> Ebd., 58 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_271_271" id="Fussnote_271_271"></a><a href="#FNAnker_271_271"><span class="label">[271]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 179 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_272_272" id="Fussnote_272_272"></a><a href="#FNAnker_272_272"><span class="label">[272]</span></a> Golo und Genoveva, 69; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 193, 202.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_273_273" id="Fussnote_273_273"></a><a href="#FNAnker_273_273"><span class="label">[273]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 229.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_274_274" id="Fussnote_274_274"></a><a href="#FNAnker_274_274"><span class="label">[274]</span></a> Golo und Genoveva, 146.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_275_275" id="Fussnote_275_275"></a><a href="#FNAnker_275_275"><span class="label">[275]</span></a> Ebd., 7, 14.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_276_276" id="Fussnote_276_276"></a><a href="#FNAnker_276_276"><span class="label">[276]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 118, <span class="antiqua">36</span>, 119, <span class="antiqua">1
-ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_277_277" id="Fussnote_277_277"></a><a href="#FNAnker_277_277"><span class="label">[277]</span></a> Ebd., 168.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_278_278" id="Fussnote_278_278"></a><a href="#FNAnker_278_278"><span class="label">[278]</span></a> Golo und Genoveva, 31, <span class="antiqua">20</span>, 62, <span class="antiqua">30</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_279_279" id="Fussnote_279_279"></a><a href="#FNAnker_279_279"><span class="label">[279]</span></a> Golo und Genoveva, 143.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_280_280" id="Fussnote_280_280"></a><a href="#FNAnker_280_280"><span class="label">[280]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 113.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_281_281" id="Fussnote_281_281"></a><a href="#FNAnker_281_281"><span class="label">[281]</span></a> Golo und Genoveva, 114 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_282_282" id="Fussnote_282_282"></a><a href="#FNAnker_282_282"><span class="label">[282]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 252, 254 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_283_283" id="Fussnote_283_283"></a><a href="#FNAnker_283_283"><span class="label">[283]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Solger</em>, 502; Poetisches Journal, 1. Jahrg.,
-1. Stck, 27.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_284_284" id="Fussnote_284_284"></a><a href="#FNAnker_284_284"><span class="label">[284]</span></a> Golo und Genoveva, 44 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_285_285" id="Fussnote_285_285"></a><a href="#FNAnker_285_285"><span class="label">[285]</span></a> Ebd., 82; vgl. &#8222;Locrine&#8220;, 88 (Altenglisches Theater,
-II).</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_286_286" id="Fussnote_286_286"></a><a href="#FNAnker_286_286"><span class="label">[286]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 257.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_287_287" id="Fussnote_287_287"></a><a href="#FNAnker_287_287"><span class="label">[287]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Krit. Schriften, 1. Bd., 82.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_288_288" id="Fussnote_288_288"></a><a href="#FNAnker_288_288"><span class="label">[288]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 192.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_289_289" id="Fussnote_289_289"></a><a href="#FNAnker_289_289"><span class="label">[289]</span></a> Ebd., 190.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_290_290" id="Fussnote_290_290"></a><a href="#FNAnker_290_290"><span class="label">[290]</span></a> Ebd., 112 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_291_291" id="Fussnote_291_291"></a><a href="#FNAnker_291_291"><span class="label">[291]</span></a> Golo und Genoveva, 31, 39, 62; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva,
-167 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_292_292" id="Fussnote_292_292"></a><a href="#FNAnker_292_292"><span class="label">[292]</span></a> Golo und Genoveva, 151 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_293_293" id="Fussnote_293_293"></a><a href="#FNAnker_293_293"><span class="label">[293]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 266 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_294_294" id="Fussnote_294_294"></a><a href="#FNAnker_294_294"><span class="label">[294]</span></a> Golo und Genoveva, 139 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_295_295" id="Fussnote_295_295"></a><a href="#FNAnker_295_295"><span class="label">[295]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 297.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_296_296" id="Fussnote_296_296"></a><a href="#FNAnker_296_296"><span class="label">[296]</span></a> Vgl. O. <em class="gesperrt">Brahm</em>, Das deutsche Ritterdrama des 18.
-Jahrhunderts, Straburg 1880.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_297_297" id="Fussnote_297_297"></a><a href="#FNAnker_297_297"><span class="label">[297]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 323 ff., 349; <em class="gesperrt">Tieck</em>,
-Schriften, 1. Bd., XXXII ff., 4. Bd., 418 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_298_298" id="Fussnote_298_298"></a><a href="#FNAnker_298_298"><span class="label">[298]</span></a> Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stck, 27.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_299_299" id="Fussnote_299_299"></a><a href="#FNAnker_299_299"><span class="label">[299]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, 22.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_300_300" id="Fussnote_300_300"></a><a href="#FNAnker_300_300"><span class="label">[300]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 30, 32, 68.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_301_301" id="Fussnote_301_301"></a><a href="#FNAnker_301_301"><span class="label">[301]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, 51, 91, 105.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_302_302" id="Fussnote_302_302"></a><a href="#FNAnker_302_302"><span class="label">[302]</span></a> Von den Stcken, die fr die &#8222;Genoveva&#8220; mehr oder
-minder in Betracht kommen, erschienen bis 1799: Romeo und Julia.
-Sommernachtstraum. Julius Csar. Was ihr wollt. Der Sturm. Hamlet. Der
-Kaufmann von Venedig. Wie es euch gefllt. Knig Johann. Knig Richard
-II.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_303_303" id="Fussnote_303_303"></a><a href="#FNAnker_303_303"><span class="label">[303]</span></a> Poetisches Journal, 35 f.; vgl. Altenglisches Theater,
-Einleitung XV.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_304_304" id="Fussnote_304_304"></a><a href="#FNAnker_304_304"><span class="label">[304]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, 701 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_305_305" id="Fussnote_305_305"></a><a href="#FNAnker_305_305"><span class="label">[305]</span></a> Vgl. Phantasien, 23, 103; <em class="gesperrt">Lenz</em>, WW., Einleitung
-II.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_306_306" id="Fussnote_306_306"></a><a href="#FNAnker_306_306"><span class="label">[306]</span></a> Noch in der Einleitung zu Lenz (LXIV) behauptet Tieck,
-dass in der Regel der Tadel, den die verschiedenen Schriftsteller
-versuchten, &#8222;wenn man in den Dichter eingedrungen ist, zum Lobe wird&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_307_307" id="Fussnote_307_307"></a><a href="#FNAnker_307_307"><span class="label">[307]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, L. Tieck, 1. Bd., 241 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_308_308" id="Fussnote_308_308"></a><a href="#FNAnker_308_308"><span class="label">[308]</span></a> ber Shakespeares Antheil an &#8222;Perikles&#8220; vgl.
-<em class="gesperrt">Delius</em>&#8217; Einleitung zu seiner bersetzung des Stckes in der
-Hallberger&#8217;schen Ausgabe; Tieck betrachtet ihn als Shakespeare&#8217;sches
-Jugendwerk. (Altenglisches Theater, I, XX f.)</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_309_309" id="Fussnote_309_309"></a><a href="#FNAnker_309_309"><span class="label">[309]</span></a> Teichmanns &#8222;Literarischer Nachlass&#8220;, hrg. v.
-<em class="gesperrt">Dingelstedt</em>, Stuttgart 1863, S. 281.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_310_310" id="Fussnote_310_310"></a><a href="#FNAnker_310_310"><span class="label">[310]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, Nachgel. Schriften, 502; Brief vom 2.
-Februar 1817.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_311_311" id="Fussnote_311_311"></a><a href="#FNAnker_311_311"><span class="label">[311]</span></a> Beide Stcke im &#8222;Altenglischen Theater&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_312_312" id="Fussnote_312_312"></a><a href="#FNAnker_312_312"><span class="label">[312]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, XXX f., und XL; ferner
-6, LII und 11, XXXIX, an welchen Stellen Tieck ber das Untheatralische
-seiner Stcke spricht. Vgl. auch Teichmanns &#8222;Literarischer Nachlass&#8220;,
-281.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_313_313" id="Fussnote_313_313"></a><a href="#FNAnker_313_313"><span class="label">[313]</span></a> Krit. Schriften, 1. Bd., 37 ff., und 4. Bd., 154.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_314_314" id="Fussnote_314_314"></a><a href="#FNAnker_314_314"><span class="label">[314]</span></a> Archiv der Zeit, 1800, 466. Dass Tieck zumeist fr eine
-&#8222;phantastische Bhne&#8220; dichtet, hindert ihn nicht, einzelne Stellen
-wieder theatralisch zu behandeln.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_315_315" id="Fussnote_315_315"></a><a href="#FNAnker_315_315"><span class="label">[315]</span></a> <em class="gesperrt">Delius</em>, a.a.O.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_316_316" id="Fussnote_316_316"></a><a href="#FNAnker_316_316"><span class="label">[316]</span></a> Im &#8222;Locrine&#8220; spricht Ate Prolog und Epilog. Im &#8222;Zerbino&#8220;
-tritt ein Jger als Prologsprecher auf.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_317_317" id="Fussnote_317_317"></a><a href="#FNAnker_317_317"><span class="label">[317]</span></a> Vgl. die Marionette des Polykomikus im &#8222;Zerbino&#8220;;
-Schriften, 10, 211.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_318_318" id="Fussnote_318_318"></a><a href="#FNAnker_318_318"><span class="label">[318]</span></a> Whrend im &#8222;Perikles&#8220; ein stummes Spiel auf der Bhne
-die Worte des Prologsprechers begleitet, fhrt der Prolog des &#8222;Lustigen
-Teufels&#8220; hnlich in die Handlung ber, wie die Worte des Bonifacius,
-indem dort der Sprecher selbst den Vorhang aufzieht und auf die
-beginnende erste Scene hinweist.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_319_319" id="Fussnote_319_319"></a><a href="#FNAnker_319_319"><span class="label">[319]</span></a> G. Merkel macht sich darber nicht mit Unrecht lustig in
-&#8222;Briefe an ein Frauenzimmer ber die wichtigsten Producte der schnen
-Literatur&#8220;, Berlin 1800. Auch die Prologe im &#8222;Locrine&#8220; enthalten solche
-Wiederholungen.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_320_320" id="Fussnote_320_320"></a><a href="#FNAnker_320_320"><span class="label">[320]</span></a> 1. Act, 3.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_321_321" id="Fussnote_321_321"></a><a href="#FNAnker_321_321"><span class="label">[321]</span></a> 1. Act, 2.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_322_322" id="Fussnote_322_322"></a><a href="#FNAnker_322_322"><span class="label">[322]</span></a> Dieser eigenthmliche Tonfall hier und in anderen
-Reden Gertruds, die auch gerne Sentenzen und Sprichwrter einflicht,
-erinnert zugleich an gewisse Reden der Martha Schwerdtlein. Der freie
-Scenenwechsel, das Epische im &#8222;Faust&#8220;, der auch den Charakter einer
-dramatischen Biographie annimmt, kann Tieck schwerlich bersehen haben,
-wenn er in den &#8222;Einleitungen&#8220; auch zuvrderst den alterthmlichen Ton
-dieser Dichtung als dasjenige rhmt, was ihn am vertrautesten ansprach.
-Ein paar kleine Reminiscenzen aus dem &#8222;Faust&#8220; knnen hier ebenfalls
-erwhnt werden. Bei Golos Worten:
-</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Es reit mich fort, in allen meinen Sinnen</div>
- <div class="verse">Fhl&#8217; ich ein Treiben, innerliches Whlen...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>
-denkt man leicht an Fausts Worte:
-</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Ha! wie&#8217;s in meinem Herzen reit!</div>
- <div class="verse">Zu neuen Gefhlen</div>
- <div class="verse">All meine Sinnen sich erwhlen!&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>
-Margarethens Gestndnis:
-</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Allein gewiss, ich war recht bs&#8217; auf mich,</div>
- <div class="verse">Dass ich auf euch nicht bser werden konnte!&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>
-klingt wie Genovevas:
-</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;O lasst mich, bei den hocherhabenen Gestirnen,</div>
- <div class="verse">Ich kann auf euch nicht so, wie ich wohl mchte, zrnen.&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_323_323" id="Fussnote_323_323"></a><a href="#FNAnker_323_323"><span class="label">[323]</span></a> L. <em class="gesperrt">Tieck</em>., Dramaturgische Bltter, Breslau 1826,
-1. Bd., 263.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_324_324" id="Fussnote_324_324"></a><a href="#FNAnker_324_324"><span class="label">[324]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 142 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_325_325" id="Fussnote_325_325"></a><a href="#FNAnker_325_325"><span class="label">[325]</span></a> Heinrich VI., 2. Theil, 3. Act, 1.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_326_326" id="Fussnote_326_326"></a><a href="#FNAnker_326_326"><span class="label">[326]</span></a> Heinrich VI., 2. Theil, 1. Act, 2.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_327_327" id="Fussnote_327_327"></a><a href="#FNAnker_327_327"><span class="label">[327]</span></a> Heinrich VI., 3. Theil, 3. Act, 2.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_328_328" id="Fussnote_328_328"></a><a href="#FNAnker_328_328"><span class="label">[328]</span></a> &#8222;Locrine&#8220;, Altenglisches Theater, II, 58.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_329_329" id="Fussnote_329_329"></a><a href="#FNAnker_329_329"><span class="label">[329]</span></a> Macbeth, 5. Act, 7.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_330_330" id="Fussnote_330_330"></a><a href="#FNAnker_330_330"><span class="label">[330]</span></a> Genoveva, 150 f.; vgl. &#8222;Locrine&#8220;, Altenglisches Theater,
-II, 45.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_331_331" id="Fussnote_331_331"></a><a href="#FNAnker_331_331"><span class="label">[331]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 163, <span class="antiqua">26 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_332_332" id="Fussnote_332_332"></a><a href="#FNAnker_332_332"><span class="label">[332]</span></a> Ebd., 162, <span class="antiqua">4 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_333_333" id="Fussnote_333_333"></a><a href="#FNAnker_333_333"><span class="label">[333]</span></a> Romeo und Julia, 2. Act, 1.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_334_334" id="Fussnote_334_334"></a><a href="#FNAnker_334_334"><span class="label">[334]</span></a> Vgl. noch Sommernachtstraum, 2. Act, 1; 3. Act, 2.
-Verlorene Liebesmh&#8217;, 4. Act, 1.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_335_335" id="Fussnote_335_335"></a><a href="#FNAnker_335_335"><span class="label">[335]</span></a> Selbst die Wortfolge und der Tonfall in Gertruds
-uerung:
-</p>
-
-<div class="poetry-container mbot1">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Die Nacht ist schn, in einer solchen Nacht</div>
- <div class="verse">Ward Golo mir von einem Mann gebracht...&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>erinnert an Lorenzos:</p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Der Mond scheint hell, in einer solchen Nacht</div>
- <div class="verse">Wie diese &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;</div>
- <div class="verse">Erstieg wohl Troilus die Mauern Trojas.&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft7"><em class="gesperrt">Gertrud</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Es geht ein Mann dort in des Gartens Stille.&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft7"><em class="gesperrt">Jessica</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Doch horch, ich hr&#8217; den Futritt eines Mannes.&#8220;</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft7"><em class="gesperrt">Lorenzo</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Wer kommt so eilig in der stillen Nacht?&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_336_336" id="Fussnote_336_336"></a><a href="#FNAnker_336_336"><span class="label">[336]</span></a> Knig Richard II., 2. Act, 2.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_337_337" id="Fussnote_337_337"></a><a href="#FNAnker_337_337"><span class="label">[337]</span></a> Bei Shakespeare beginnt die Scene: &#8222;London. Ein Zimmer
-im Ely-Haus. (Gaunt auf einem Ruhebette; der Herzog von York und andere
-um ihn her stehend.)&#8220;
-</p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft4"><em class="gesperrt">Gaunt</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Sagt, kommt der Knig...?&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Tiecks Einleitung: &#8222;Zimmer. Wolf auf dem Bette. Ein Diener.&#8220;</p>
-
-<div class="poetry-container">
- <div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse mleft4"><em class="gesperrt">Wolf</em>:</div>
- </div>
- <div class="stanza">
- <div class="verse">&#8222;Er (Golo) wollte kommen?&#8220;</div>
- </div>
- </div>
-</div>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_338_338" id="Fussnote_338_338"></a><a href="#FNAnker_338_338"><span class="label">[338]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 244 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_339_339" id="Fussnote_339_339"></a><a href="#FNAnker_339_339"><span class="label">[339]</span></a> Knig Heinrich VI., 2. Theil, 1. Act, 4.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_340_340" id="Fussnote_340_340"></a><a href="#FNAnker_340_340"><span class="label">[340]</span></a> Knig Richard II., 3. Act, 2.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_341_341" id="Fussnote_341_341"></a><a href="#FNAnker_341_341"><span class="label">[341]</span></a> Vgl. eine hnliche zusammenfassende Wiederholung am
-Schlusse des Stckes im lteren &#8222;Knig Lear&#8220;, Altenglisches Theater,
-II, 262 f., und &#8222;Octavian&#8220;, Schriften, 1, 399.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_342_342" id="Fussnote_342_342"></a><a href="#FNAnker_342_342"><span class="label">[342]</span></a> Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stck, 44.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_343_343" id="Fussnote_343_343"></a><a href="#FNAnker_343_343"><span class="label">[343]</span></a> Knig Johann, 1. Act, 1. Knig Heinrich VI., 1. Theil,
-4. Act, 2.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_344_344" id="Fussnote_344_344"></a><a href="#FNAnker_344_344"><span class="label">[344]</span></a> Knig Heinrich V., 2. Act, 4.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_345_345" id="Fussnote_345_345"></a><a href="#FNAnker_345_345"><span class="label">[345]</span></a> Macbeth, 5. Act, 6. Vgl. auch Humbers Anordnung im
-&#8222;Locrine&#8220; (Altenglisches Theater, II, 36).</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_346_346" id="Fussnote_346_346"></a><a href="#FNAnker_346_346"><span class="label">[346]</span></a> Knig Heinrich VI., 3. Theil, 5. Act, 2.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_347_347" id="Fussnote_347_347"></a><a href="#FNAnker_347_347"><span class="label">[347]</span></a> Knig Heinrich IV., 1. Theil, 5. Act, 1.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_348_348" id="Fussnote_348_348"></a><a href="#FNAnker_348_348"><span class="label">[348]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 144.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_349_349" id="Fussnote_349_349"></a><a href="#FNAnker_349_349"><span class="label">[349]</span></a> Ebd., 133 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_350_350" id="Fussnote_350_350"></a><a href="#FNAnker_350_350"><span class="label">[350]</span></a> 3. Act, 1.</p></div>
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-<div class="footnote">
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-<p><a name="Fussnote_351_351" id="Fussnote_351_351"></a><a href="#FNAnker_351_351"><span class="label">[351]</span></a> Vgl. Knig Johann, 4. Act, 2. Heinrich VI., 1. Theil, 3.
-Act, 1. &#8222;Locrine&#8220;, Altenglisches Theater, II, 91.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_352_352" id="Fussnote_352_352"></a><a href="#FNAnker_352_352"><span class="label">[352]</span></a> 1. Act, 1. Vgl. Julius Csar, 1. Act, 3; 2. Act, 2.
-Heinrich VI., 3. Theil, 2. Act, 1.</p></div>
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-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_353_353" id="Fussnote_353_353"></a><a href="#FNAnker_353_353"><span class="label">[353]</span></a> Knig Lear, 1. Act, 2. Vgl. Knig Johann, 3. Act, 4.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_354_354" id="Fussnote_354_354"></a><a href="#FNAnker_354_354"><span class="label">[354]</span></a> 4. Act, Ende. (Komet, Sturmwind, gekreuzte Schwerter in
-der Luft.)</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_355_355" id="Fussnote_355_355"></a><a href="#FNAnker_355_355"><span class="label">[355]</span></a> Golo und Genoveva, 51.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_356_356" id="Fussnote_356_356"></a><a href="#FNAnker_356_356"><span class="label">[356]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 267.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_357_357" id="Fussnote_357_357"></a><a href="#FNAnker_357_357"><span class="label">[357]</span></a> Hamlet, 5. Act, 1.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_358_358" id="Fussnote_358_358"></a><a href="#FNAnker_358_358"><span class="label">[358]</span></a> 2. Act, 7.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_359_359" id="Fussnote_359_359"></a><a href="#FNAnker_359_359"><span class="label">[359]</span></a> Vgl. Poetisches Journal, 35 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_360_360" id="Fussnote_360_360"></a><a href="#FNAnker_360_360"><span class="label">[360]</span></a> Knig Richard II., 2. Act, 2. Mit obigen Worten
-bersetzt nmlich Schlegel: &#8222;This tongue that runs so roundly in thy
-head&#8220;...</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_361_361" id="Fussnote_361_361"></a><a href="#FNAnker_361_361"><span class="label">[361]</span></a> Richard II., 1. Act, 2.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_362_362" id="Fussnote_362_362"></a><a href="#FNAnker_362_362"><span class="label">[362]</span></a> Kaufmann von Venedig, 3. Act, 2.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_363_363" id="Fussnote_363_363"></a><a href="#FNAnker_363_363"><span class="label">[363]</span></a> Was ihr wollt, 3. Act, 1.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_364_364" id="Fussnote_364_364"></a><a href="#FNAnker_364_364"><span class="label">[364]</span></a> Knig Johann, 2. Act, 1.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_365_365" id="Fussnote_365_365"></a><a href="#FNAnker_365_365"><span class="label">[365]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXVIII; 6. Bd., XVIII.
-Mit Tiecks Angaben deckt sich im wesentlichen, was seine Biographen
-sagen. Vgl. Kpke, 239 f. <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., 67 ff., 177.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_366_366" id="Fussnote_366_366"></a><a href="#FNAnker_366_366"><span class="label">[366]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 6. Bd., XVIII f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_367_367" id="Fussnote_367_367"></a><a href="#FNAnker_367_367"><span class="label">[367]</span></a> <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, WW., 6. Bd., 397.</p></div>
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-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_368_368" id="Fussnote_368_368"></a><a href="#FNAnker_368_368"><span class="label">[368]</span></a> Tieck kannte sicher jene Calderon&#8217;schen Stcke, die
-Schlegel bald im &#8222;Spanischen Theater&#8220; bersetzte: &#8222;Die Andacht zum
-Kreuz&#8220;, &#8222;Der standhafte Prinz&#8220;, &#8222;Die Schrpe und die Blume&#8220;, &#8222;Die
-Brcke von Mantible&#8220;, &#8222;Der Schulthei von Zalamea&#8220;, &#8222;ber allen Zaubern
-Liebe&#8220;. Vgl. <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2, 177.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_369_369" id="Fussnote_369_369"></a><a href="#FNAnker_369_369"><span class="label">[369]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, XXVIII f. Einleitung zu
-Lenz, XXIII. Altenglisches Theater, I, VI f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_370_370" id="Fussnote_370_370"></a><a href="#FNAnker_370_370"><span class="label">[370]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Schack</em>, Geschichte der dramatischen Kunst
-und Literatur in Spanien, Frankfurt a.M. 1854, 2. Bd., 84. Beispiele in
-&#8222;Die Andacht zum Kreuz&#8220;, &#8222;Die Brcke von Mantible&#8220;, &#8222;Der Schulthei von
-Zalamea&#8220;, &#8222;Die Schrpe und die Blume&#8220; etc.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_371_371" id="Fussnote_371_371"></a><a href="#FNAnker_371_371"><span class="label">[371]</span></a> Z.B. die Rede des Gesandten in der &#8222;Jungfrau des
-Heiligthums&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_372_372" id="Fussnote_372_372"></a><a href="#FNAnker_372_372"><span class="label">[372]</span></a> &#8222;Der standhafte Prinz&#8220;, &#8222;Die Brcke von Mantible&#8220;, &#8222;Das
-Leben ein Traum&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_373_373" id="Fussnote_373_373"></a><a href="#FNAnker_373_373"><span class="label">[373]</span></a> &#8222;Fegefeuer des heil. Patricius&#8220;; vgl. <em class="gesperrt">Schack</em>,
-a.a.O., 84.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_374_374" id="Fussnote_374_374"></a><a href="#FNAnker_374_374"><span class="label">[374]</span></a> &#8222;Die Andacht zum Kreuz&#8220;, &#8222;Die Brcke von Mantible&#8220;, &#8222;Das
-Leben ein Traum&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_375_375" id="Fussnote_375_375"></a><a href="#FNAnker_375_375"><span class="label">[375]</span></a> &#8222;Der standhafte Prinz&#8220;, &#8222;Die Jungfrau des Heiligthums&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_376_376" id="Fussnote_376_376"></a><a href="#FNAnker_376_376"><span class="label">[376]</span></a> <em class="gesperrt">Schack</em>, a.a.O., 84 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_377_377" id="Fussnote_377_377"></a><a href="#FNAnker_377_377"><span class="label">[377]</span></a> &#8222;Der standhafte Prinz&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_378_378" id="Fussnote_378_378"></a><a href="#FNAnker_378_378"><span class="label">[378]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXIX.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_379_379" id="Fussnote_379_379"></a><a href="#FNAnker_379_379"><span class="label">[379]</span></a> Lenz&#8217; WW., Einleitung XXII f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_380_380" id="Fussnote_380_380"></a><a href="#FNAnker_380_380"><span class="label">[380]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 58 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_381_381" id="Fussnote_381_381"></a><a href="#FNAnker_381_381"><span class="label">[381]</span></a> Krit. Schriften, 1. Bd., 35 ff.; vgl. ebd. 78 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_382_382" id="Fussnote_382_382"></a><a href="#FNAnker_382_382"><span class="label">[382]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXXVIII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_383_383" id="Fussnote_383_383"></a><a href="#FNAnker_383_383"><span class="label">[383]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 302, 652, 688, 698.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_384_384" id="Fussnote_384_384"></a><a href="#FNAnker_384_384"><span class="label">[384]</span></a> Ebd., 696; vgl. Krit. Schriften, 4, 152 und 156,
-Einleitung zu Lenz, LXXV.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_385_385" id="Fussnote_385_385"></a><a href="#FNAnker_385_385"><span class="label">[385]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 241; <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, WW., 6.
-Bd., 393 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_386_386" id="Fussnote_386_386"></a><a href="#FNAnker_386_386"><span class="label">[386]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 241.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_387_387" id="Fussnote_387_387"></a><a href="#FNAnker_387_387"><span class="label">[387]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 238.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_388_388" id="Fussnote_388_388"></a><a href="#FNAnker_388_388"><span class="label">[388]</span></a> Ebd., 128.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_389_389" id="Fussnote_389_389"></a><a href="#FNAnker_389_389"><span class="label">[389]</span></a> Mit diesem Motive verbanden sich vielleicht einzelne
-Zge aus der Liebesgeschichte Locrines und Estrildens. (Altenglisches
-Theater, II, 70 ff.)</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_390_390" id="Fussnote_390_390"></a><a href="#FNAnker_390_390"><span class="label">[390]</span></a> Altenglisches Theater, I, VI f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_391_391" id="Fussnote_391_391"></a><a href="#FNAnker_391_391"><span class="label">[391]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, I, 240 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_392_392" id="Fussnote_392_392"></a><a href="#FNAnker_392_392"><span class="label">[392]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 239 f.; <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2, 159
-ff.; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11. Bd., LXXIII f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_393_393" id="Fussnote_393_393"></a><a href="#FNAnker_393_393"><span class="label">[393]</span></a> Romantische Schule, 472.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_394_394" id="Fussnote_394_394"></a><a href="#FNAnker_394_394"><span class="label">[394]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, Nachgel. Schriften, 538 ff. Brief vom 24.
-Mrz 1817.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_395_395" id="Fussnote_395_395"></a><a href="#FNAnker_395_395"><span class="label">[395]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 13, 323.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_396_396" id="Fussnote_396_396"></a><a href="#FNAnker_396_396"><span class="label">[396]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 538.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_397_397" id="Fussnote_397_397"></a><a href="#FNAnker_397_397"><span class="label">[397]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., 184.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_398_398" id="Fussnote_398_398"></a><a href="#FNAnker_398_398"><span class="label">[398]</span></a> Ludwig <em class="gesperrt">Feuerbach</em>, Smmtliche Werke, 4. Bd., 132.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_399_399" id="Fussnote_399_399"></a><a href="#FNAnker_399_399"><span class="label">[399]</span></a> Vorrede zur &#8222;Morgenrthe&#8220;. Wenn Tieck in J. Bhme
-auch &#8222;Dialektik, grndliche Forschung, Strenge der Folgerungen, kurz
-philosophische Kraft und Kunst&#8220; gefunden zu haben behauptet, so kann
-dies kaum im gewhnlichen Sinne dieser Ausdrcke zu verstehen sein.
-Vgl. Schriften, 11, LXXIV.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_400_400" id="Fussnote_400_400"></a><a href="#FNAnker_400_400"><span class="label">[400]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 6. Bd., XIII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_401_401" id="Fussnote_401_401"></a><a href="#FNAnker_401_401"><span class="label">[401]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 13. Bd., 323 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_402_402" id="Fussnote_402_402"></a><a href="#FNAnker_402_402"><span class="label">[402]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, 2. Bd., 36.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_403_403" id="Fussnote_403_403"></a><a href="#FNAnker_403_403"><span class="label">[403]</span></a> Es ist unter den Jenaer romantischen Freunden immer
-nur von Bhme und seiner &#8222;Morgenrthe&#8220; die Sprache. Tauler und die
-anderen Mystiker kamen wenigstens fr Tieck erst spter an die Reihe,
-und so ist es erklrlich, dass sich in der &#8222;Genoveva&#8220; von Tauler keine
-deutliche Spur auffinden lsst.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_404_404" id="Fussnote_404_404"></a><a href="#FNAnker_404_404"><span class="label">[404]</span></a> Bentzt wurde fr die folgende Untersuchung eine Ausgabe
-der &#8222;Morgenrthe&#8220; mit dem Titel: &#8222;Morgen-Rte im Aufgangk das ist:
-Die Wurtzel oder Mutter der Philosophiae, Astrologiae und Theologiae,
-Aus rechtem grunde. Oder Beschreibung der NATUR Wie Alles gewesen und
-im anfangk worden ist: wie die Natur und Elementa Creatrlich worden
-seind; auch von beyden qualitten Bsen und Guten / woher alle Ding
-seinen Vrsprung hat / und wie es am Ende dieser Zeit werden wird: auch
-wie Gottes- und der Hllen-Reich beschaffen ist / und wie die Menschen
-in jedes Creatirlich wirken. Alles aus Rechtem Grunde / in Erkentnus
-des Geistes im wallen GOttes mit flei gestellet durch Jacob Bhmen In
-Grlitz / im Jahr Christi 1612 seines Alters 37. Jahr / Dingstag in
-Pfingsten. Gedruckt zu Amsterdam 1656&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_405_405" id="Fussnote_405_405"></a><a href="#FNAnker_405_405"><span class="label">[405]</span></a> Bhmes Lehren finden sich ausfhrlicher wiedergegeben
-bei Ludwig <em class="gesperrt">Feuerbach</em>, Smmtliche WW., 4, 131&ndash;183. Vgl.
-<em class="gesperrt">Zeller</em>, Geschichte der deutschen Philosophie seit Leibniz,
-Mnchen 1875, 12 ff.</p></div>
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-<div class="footnote">
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-<p><a name="Fussnote_406_406" id="Fussnote_406_406"></a><a href="#FNAnker_406_406"><span class="label">[406]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 157 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_407_407" id="Fussnote_407_407"></a><a href="#FNAnker_407_407"><span class="label">[407]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, Romantische Schule, 630 f. In den
-&#8222;Grundzgen der philosophischen Naturwissenschaft&#8220; (Berlin 1806),
-worin Steffens seine Naturphilosophie aphoristisch skizziert, heit
-es in einem Fragmente, S. 11: &#8222;Die Geschichte sowohl als die Natur
-sind geschlossene Totalitten; in beiden offenbart sich die ganze
-Totalitt.&#8220;</p></div>
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-<div class="footnote">
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-<p><a name="Fussnote_408_408" id="Fussnote_408_408"></a><a href="#FNAnker_408_408"><span class="label">[408]</span></a> Morgenrthe, 198.</p></div>
-
-<div class="footnote">
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-<p><a name="Fussnote_409_409" id="Fussnote_409_409"></a><a href="#FNAnker_409_409"><span class="label">[409]</span></a> Morgenrthe, 584.</p></div>
-
-<div class="footnote">
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-<p><a name="Fussnote_410_410" id="Fussnote_410_410"></a><a href="#FNAnker_410_410"><span class="label">[410]</span></a> Ebd., 12, 503.</p></div>
-
-<div class="footnote">
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-<p><a name="Fussnote_411_411" id="Fussnote_411_411"></a><a href="#FNAnker_411_411"><span class="label">[411]</span></a> Ebd., 12 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
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-<p><a name="Fussnote_412_412" id="Fussnote_412_412"></a><a href="#FNAnker_412_412"><span class="label">[412]</span></a> Ebd., 14.</p></div>
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-<div class="footnote">
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-<p><a name="Fussnote_413_413" id="Fussnote_413_413"></a><a href="#FNAnker_413_413"><span class="label">[413]</span></a> Ebd., 17.</p></div>
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-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_414_414" id="Fussnote_414_414"></a><a href="#FNAnker_414_414"><span class="label">[414]</span></a> Vgl. auch &#8222;Locrine&#8220; (Altenglisches Theater, II, 27).</p></div>
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-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_415_415" id="Fussnote_415_415"></a><a href="#FNAnker_415_415"><span class="label">[415]</span></a> Vgl. noch Genoveva, 134, 5 ff. Octavian in <em class="gesperrt">Tieck</em>,
-Schriften, 1, 52.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_416_416" id="Fussnote_416_416"></a><a href="#FNAnker_416_416"><span class="label">[416]</span></a> Morgenrthe, 113 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_417_417" id="Fussnote_417_417"></a><a href="#FNAnker_417_417"><span class="label">[417]</span></a> Ebd., 141 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_418_418" id="Fussnote_418_418"></a><a href="#FNAnker_418_418"><span class="label">[418]</span></a> Ebd., 147 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_419_419" id="Fussnote_419_419"></a><a href="#FNAnker_419_419"><span class="label">[419]</span></a> Ebd., 189 u. 198.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_420_420" id="Fussnote_420_420"></a><a href="#FNAnker_420_420"><span class="label">[420]</span></a> Reden, 52.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_421_421" id="Fussnote_421_421"></a><a href="#FNAnker_421_421"><span class="label">[421]</span></a> Morgenrthe, 45.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_422_422" id="Fussnote_422_422"></a><a href="#FNAnker_422_422"><span class="label">[422]</span></a> <em class="gesperrt">Steffens</em>, Grundzge der philosophischen
-Naturwissenschaft, 19.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_423_423" id="Fussnote_423_423"></a><a href="#FNAnker_423_423"><span class="label">[423]</span></a> Reden, 57; vgl. 88, 91, 95. Vgl. A.W. <em class="gesperrt">Schlegels</em>
-&#8222;Vorlesungen&#8220; (Minor) II, 6. Schlegel bertrgt hier obige
-Betrachtungsweise auf Kunst und Literaturgeschichte. &#8222;Wer ein groes
-poetisches Meisterwerk verstnde&#8220;, meint er, &#8222;wrde die gesammte brige
-Poesie darin finden; denn wie in der Natur, so ist auch in der Kunst
-jede chte, vollstndige und deutlich umgrenzte Einheit ein Spiegel des
-groen Ganzen. Wiederum, wer die Poesie recht versteht, dem wird durch
-sie der Geist der brigen Knste in innerer Ahndung aufgehen, wenn es
-ihm auch an Entwickelung des ueren Organes dazu fehlt.&#8220;</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_424_424" id="Fussnote_424_424"></a><a href="#FNAnker_424_424"><span class="label">[424]</span></a> Morgenrthe, 77; vgl. 129, 134, 158, 186 f., 223 und
-Vorrede.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_425_425" id="Fussnote_425_425"></a><a href="#FNAnker_425_425"><span class="label">[425]</span></a> Ebd., 322; vgl. 423.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_426_426" id="Fussnote_426_426"></a><a href="#FNAnker_426_426"><span class="label">[426]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, 539 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_427_427" id="Fussnote_427_427"></a><a href="#FNAnker_427_427"><span class="label">[427]</span></a> Morgenrthe, 356; vgl. 386 ff.; <em class="gesperrt">Novalis</em>,
-Schriften, 2, 35 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_428_428" id="Fussnote_428_428"></a><a href="#FNAnker_428_428"><span class="label">[428]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 160.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_429_429" id="Fussnote_429_429"></a><a href="#FNAnker_429_429"><span class="label">[429]</span></a> Krit. Schriften, 1. Bd., 108; Phantasien, 27.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_430_430" id="Fussnote_430_430"></a><a href="#FNAnker_430_430"><span class="label">[430]</span></a> Fast dieselbe geheime Weisheit, wie der &#8222;Unbekannte&#8220;
-besitzt auch der sternenkundige Ritter Emmerich in <em class="gesperrt">Tiecks</em>
-&#8222;Melusina&#8220;, Schriften, 13, 74 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_431_431" id="Fussnote_431_431"></a><a href="#FNAnker_431_431"><span class="label">[431]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 242 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_432_432" id="Fussnote_432_432"></a><a href="#FNAnker_432_432"><span class="label">[432]</span></a> Morgenrthe, 17; vgl. 12, 15. Hieher gehren auch Golos
-Worte, 270, 22 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_433_433" id="Fussnote_433_433"></a><a href="#FNAnker_433_433"><span class="label">[433]</span></a> Morgenrthe, 8 f., auch die &#8222;Vorrede&#8220;.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_434_434" id="Fussnote_434_434"></a><a href="#FNAnker_434_434"><span class="label">[434]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, 81 (Octavian).</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_435_435" id="Fussnote_435_435"></a><a href="#FNAnker_435_435"><span class="label">[435]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 245.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_436_436" id="Fussnote_436_436"></a><a href="#FNAnker_436_436"><span class="label">[436]</span></a> Morgenrthe, 389; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 13, 323,
-und <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2, 36.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_437_437" id="Fussnote_437_437"></a><a href="#FNAnker_437_437"><span class="label">[437]</span></a> Reden, 91; vgl. Phantasien, 72.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_438_438" id="Fussnote_438_438"></a><a href="#FNAnker_438_438"><span class="label">[438]</span></a> Vgl. Phantasien, 43.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_439_439" id="Fussnote_439_439"></a><a href="#FNAnker_439_439"><span class="label">[439]</span></a> Morgenrthe, 15; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 209,
-und 1, 137.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_440_440" id="Fussnote_440_440"></a><a href="#FNAnker_440_440"><span class="label">[440]</span></a> Ebd., 132 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_441_441" id="Fussnote_441_441"></a><a href="#FNAnker_441_441"><span class="label">[441]</span></a> Morgenrthe, 104 ff.; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4,
-211.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_442_442" id="Fussnote_442_442"></a><a href="#FNAnker_442_442"><span class="label">[442]</span></a> Morgenrthe, 101.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_443_443" id="Fussnote_443_443"></a><a href="#FNAnker_443_443"><span class="label">[443]</span></a> Ebd., 17.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_444_444" id="Fussnote_444_444"></a><a href="#FNAnker_444_444"><span class="label">[444]</span></a> Ebd., 36.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_445_445" id="Fussnote_445_445"></a><a href="#FNAnker_445_445"><span class="label">[445]</span></a> Ebd., 39.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_446_446" id="Fussnote_446_446"></a><a href="#FNAnker_446_446"><span class="label">[446]</span></a> Ebd., 40 f. Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, 11. &#8222;Nur
-Phantasie schaut in das ewge Weben...&#8220;</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_447_447" id="Fussnote_447_447"></a><a href="#FNAnker_447_447"><span class="label">[447]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11, 13.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_448_448" id="Fussnote_448_448"></a><a href="#FNAnker_448_448"><span class="label">[448]</span></a> Morgenrthe, 305 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_449_449" id="Fussnote_449_449"></a><a href="#FNAnker_449_449"><span class="label">[449]</span></a> Ebd., 494.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_450_450" id="Fussnote_450_450"></a><a href="#FNAnker_450_450"><span class="label">[450]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, 93 (Octavian);
-Phantasien, 39, 101.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_451_451" id="Fussnote_451_451"></a><a href="#FNAnker_451_451"><span class="label">[451]</span></a> Morgenrthe, 100.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_452_452" id="Fussnote_452_452"></a><a href="#FNAnker_452_452"><span class="label">[452]</span></a> 42 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_453_453" id="Fussnote_453_453"></a><a href="#FNAnker_453_453"><span class="label">[453]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 249.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_454_454" id="Fussnote_454_454"></a><a href="#FNAnker_454_454"><span class="label">[454]</span></a> Morgenrthe, 106, 130, 142, 153, 167.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_455_455" id="Fussnote_455_455"></a><a href="#FNAnker_455_455"><span class="label">[455]</span></a> Ebd., 17.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_456_456" id="Fussnote_456_456"></a><a href="#FNAnker_456_456"><span class="label">[456]</span></a> Ebd., 10.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_457_457" id="Fussnote_457_457"></a><a href="#FNAnker_457_457"><span class="label">[457]</span></a> Morgenrthe, 12; vgl. 51.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_458_458" id="Fussnote_458_458"></a><a href="#FNAnker_458_458"><span class="label">[458]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 315 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_459_459" id="Fussnote_459_459"></a><a href="#FNAnker_459_459"><span class="label">[459]</span></a> <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., 159.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_460_460" id="Fussnote_460_460"></a><a href="#FNAnker_460_460"><span class="label">[460]</span></a> Morgenrthe, 44 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_461_461" id="Fussnote_461_461"></a><a href="#FNAnker_461_461"><span class="label">[461]</span></a> Morgenrthe, 519.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_462_462" id="Fussnote_462_462"></a><a href="#FNAnker_462_462"><span class="label">[462]</span></a> Ebd., 280.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_463_463" id="Fussnote_463_463"></a><a href="#FNAnker_463_463"><span class="label">[463]</span></a> Ebd., 236.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_464_464" id="Fussnote_464_464"></a><a href="#FNAnker_464_464"><span class="label">[464]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 229, <span class="antiqua">13&ndash;14</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_465_465" id="Fussnote_465_465"></a><a href="#FNAnker_465_465"><span class="label">[465]</span></a> Ebd., 198, <span class="antiqua">13</span>. Vgl. 147, <span class="antiqua">16</span>; 151,
-<span class="antiqua">5</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_466_466" id="Fussnote_466_466"></a><a href="#FNAnker_466_466"><span class="label">[466]</span></a> Ebd., 267, <span class="antiqua">33</span>; 314, <span class="antiqua">7</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_467_467" id="Fussnote_467_467"></a><a href="#FNAnker_467_467"><span class="label">[467]</span></a> <em class="gesperrt">Frster</em>, Biographie und literarische Skizzen,
-283.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_468_468" id="Fussnote_468_468"></a><a href="#FNAnker_468_468"><span class="label">[468]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, 2. Bd., 36.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_469_469" id="Fussnote_469_469"></a><a href="#FNAnker_469_469"><span class="label">[469]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 192 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_470_470" id="Fussnote_470_470"></a><a href="#FNAnker_470_470"><span class="label">[470]</span></a> Schriften, 4, 171.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_471_471" id="Fussnote_471_471"></a><a href="#FNAnker_471_471"><span class="label">[471]</span></a> WW., 7, 71 f.; vgl. Sternbald, 194 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_472_472" id="Fussnote_472_472"></a><a href="#FNAnker_472_472"><span class="label">[472]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220.
-Vgl. <em class="gesperrt">Solger</em>, 2. Bd., 502. Wackenroder ahnte &#8222;eine geheime
-Verwandtschaft der Knste&#8220;, in denen allenthalben dieselbe gttliche
-Flamme wehe. (Herzenserg., 78.) Sternbald glaubt auch, dass Musik,
-Poesie und Malerei sich oft die Hand bieten und ein und dasselbe auf
-ihren Wegen erreichen knnten. (Sternbald, 317; vgl. Phantasien,
-91.) Der Roman soll nach Fr. Schlegel &#8222;gemischt sein aus Erzhlung,
-Gesang und anderen Formen&#8220;. Erzhlungen mit Gesang und Dramen mit
-Gesang werden von A.W. Schlegel in der Recension der Tieck&#8217;schen
-&#8222;Volksmrchen&#8220; als mglich empfohlen. Die Vorbilder von Shakespeare
-und Calderon treten neben &#8222;Wilhelm Meister&#8220; und bald begegnet uns eine
-lange Reihe von Erzhlungen mit Gesang, Dramen mit Gesang und selbst
-Dramen mit Erzhlung und Gesang zugleich. Noch in spten Jahren glaubt
-Tieck, dass die drei Hauptarten der Poesie &#8222;sich in allen Gattungen
-durchdringen knnen, wenn auch die eine immer die Basis bleiben muss&#8220;.
-(Einleitung zu Lenz, XXV; vgl. Schriften, 10, 251.)</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_473_473" id="Fussnote_473_473"></a><a href="#FNAnker_473_473"><span class="label">[473]</span></a> Vgl. Tiecks Bemerkung ber Goethes &#8222;Egmont&#8220; in der
-Einleitung zu Lenz, XXXV f. Zu erinnern wre andererseits an &#8222;Faust&#8220;,
-2. Theil.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_474_474" id="Fussnote_474_474"></a><a href="#FNAnker_474_474"><span class="label">[474]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220, 366 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_475_475" id="Fussnote_475_475"></a><a href="#FNAnker_475_475"><span class="label">[475]</span></a> <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, WW., 8, 24; vgl. <em class="gesperrt">Haym</em>, 255,
-und <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 361.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_476_476" id="Fussnote_476_476"></a><a href="#FNAnker_476_476"><span class="label">[476]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_477_477" id="Fussnote_477_477"></a><a href="#FNAnker_477_477"><span class="label">[477]</span></a> Ebd., 369. Vgl. <em class="gesperrt">Bernhardi</em>, Archiv der Zeit, 1800,
-460 f. Die Poesie des Krieges errtert Novalis im &#8222;Ofterdingen&#8220; (I,
-111), und das Morgenland begegnet uns dort gleichfalls (I, 47 und 109).</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_478_478" id="Fussnote_478_478"></a><a href="#FNAnker_478_478"><span class="label">[478]</span></a> Schon frh nhrte Tieck seine Neigung zum Sanften,
-Schferlichen durch alte und neue Schferdichtungen, vgl.
-<em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 41, 62. Die Schferscene am
-Schluss der &#8222;Magelone&#8220; ist &#8222;seiner Imagination angenehmer&#8220; als die
-Spitalscene. &#8222;Phantasus&#8220; in Schriften, 4, 358. Vgl. &#8222;Phantasien&#8220; 16,
-und &#8222;Zerbino&#8220;, Schriften, 10, 245: &#8222;Sternbald&#8220;, 366 f.; &#8222;Octavian&#8220;,
-Schriften, 1, 6 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_479_479" id="Fussnote_479_479"></a><a href="#FNAnker_479_479"><span class="label">[479]</span></a> <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, WW., 6, 162 f. Hier haben wir uns
-zu erinnern an alles, was Wackenroder, Fr. Schlegel, Schleiermacher,
-Novalis und Tieck ber die Verwandtschaft von Religion und Poesie
-sagen. Vom Traum behauptet A.W. Schlegel, er sei &#8222;ein sehr poetisches
-Element und die Poesie, wohl eingedenk, da sie selbst nur ein schner
-Traum sey, hegt und pflegt ihn&#8220;. (Vorlesungen, ed. Minor, II, 72.) ber
-die Poesie des Aberglaubens und der Astrologie vgl. ebd. S. 61 f. und
-S. 73, und <em class="gesperrt">J. Paul</em>, &#8222;Vorschule der Aesthetik&#8220;, V. Programm,
-24.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_480_480" id="Fussnote_480_480"></a><a href="#FNAnker_480_480"><span class="label">[480]</span></a> A.W. Schlegel, WW., 6, 161 und 163; <em class="gesperrt">Bernhardi</em>,
-Archiv der Zeit, 460. Die Naturtne der Liebe, des Schmerzes und der
-Sehnsucht bewundert Tieck im &#8222;Faust&#8220; (Schriften, 11, LXIII); vgl.
-&#8222;Phantasien&#8220;, 57, 58, 72. Florestans Worte im &#8222;Sternbald&#8220;, 283. &#8222;Poesie
-ist Gemthserregungskunst&#8220; sagt <em class="gesperrt">Novalis</em>, II, 163. ber die
-Ahnung eine Bemerkung Tiecks in Einleitung zu Lenz, L.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_481_481" id="Fussnote_481_481"></a><a href="#FNAnker_481_481"><span class="label">[481]</span></a> <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, Vorlesungen (Minor), II, 84.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_482_482" id="Fussnote_482_482"></a><a href="#FNAnker_482_482"><span class="label">[482]</span></a> Tieck, Einleitung zu Lenz, XXV; vgl. das Gedicht
-&#8222;Phantasie&#8220; im &#8222;Sternbald&#8220;, 368 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_483_483" id="Fussnote_483_483"></a><a href="#FNAnker_483_483"><span class="label">[483]</span></a> <em class="gesperrt">Merkel</em>, Briefe an ein Frauenzimmer ber die
-wichtigsten Producte der schnen Literatur, Berlin 1800, 1. Bd., 21.
-Vgl. <em class="gesperrt">Nicolai</em> in der &#8222;Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek&#8220;,
-Berlin und Stettin 1801, LVIII, S. 352. ber die &#8222;Romantische
-Universalpoesie&#8220; vgl. noch <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 360 f.
-<em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 225, 242, 244, 338, 371, 382.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_484_484" id="Fussnote_484_484"></a><a href="#FNAnker_484_484"><span class="label">[484]</span></a> Vorlesungen (Minor), II, 69; vgl. WW., 6, 157; vgl. die
-etwas unklaren Gedanken Tiecks vom Beherrschen der Gedankenheere durch
-die Vernunft in den &#8222;Phantasien&#8220;, 90.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_485_485" id="Fussnote_485_485"></a><a href="#FNAnker_485_485"><span class="label">[485]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 373.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_486_486" id="Fussnote_486_486"></a><a href="#FNAnker_486_486"><span class="label">[486]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Krit. Schriften, 1. Bd., 44; Herzenserg.,
-19 f.; Phantasien, 55; &#8222;Phantasus&#8220;, Schriften, 4, 95; vgl. &#8222;Zerbino&#8220;,
-Schriften, 10, 5 f.; &#8222;Sternbald&#8220;, 117; vgl. auch <em class="gesperrt">Novalis</em>, II,
-170; <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, Vorlesungen (Minor), II, 72.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_487_487" id="Fussnote_487_487"></a><a href="#FNAnker_487_487"><span class="label">[487]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 221; vgl. 192,
-14 ff; 197, 8 ff. Vgl. <em class="gesperrt">Novalis</em>, II, 169.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_488_488" id="Fussnote_488_488"></a><a href="#FNAnker_488_488"><span class="label">[488]</span></a> Schriften, 10, 311.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_489_489" id="Fussnote_489_489"></a><a href="#FNAnker_489_489"><span class="label">[489]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 231.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_490_490" id="Fussnote_490_490"></a><a href="#FNAnker_490_490"><span class="label">[490]</span></a> WW., 6. Bd., 163.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_491_491" id="Fussnote_491_491"></a><a href="#FNAnker_491_491"><span class="label">[491]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Bernhardi</em>, Archiv der Zeit, 468.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_492_492" id="Fussnote_492_492"></a><a href="#FNAnker_492_492"><span class="label">[492]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 361.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_493_493" id="Fussnote_493_493"></a><a href="#FNAnker_493_493"><span class="label">[493]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Bernhardi</em>, Archiv der Zeit, 459.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_494_494" id="Fussnote_494_494"></a><a href="#FNAnker_494_494"><span class="label">[494]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 5, 153 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_495_495" id="Fussnote_495_495"></a><a href="#FNAnker_495_495"><span class="label">[495]</span></a> Ebd., 1. Bd., XXIX; vgl. <em class="gesperrt">Solger</em>, 1, 501.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_496_496" id="Fussnote_496_496"></a><a href="#FNAnker_496_496"><span class="label">[496]</span></a> Archiv der Zeit, 460 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_497_497" id="Fussnote_497_497"></a><a href="#FNAnker_497_497"><span class="label">[497]</span></a> Archiv der Zeit, 469.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_498_498" id="Fussnote_498_498"></a><a href="#FNAnker_498_498"><span class="label">[498]</span></a> Einleitung zu Lenz, IX.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_499_499" id="Fussnote_499_499"></a><a href="#FNAnker_499_499"><span class="label">[499]</span></a> Fr. <em class="gesperrt">Schlegel</em> (Minor), II, 370.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_500_500" id="Fussnote_500_500"></a><a href="#FNAnker_500_500"><span class="label">[500]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 128, <span class="antiqua">30</span>, 316, 321,
-<span class="antiqua">20</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_501_501" id="Fussnote_501_501"></a><a href="#FNAnker_501_501"><span class="label">[501]</span></a> Ebd., 316.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_502_502" id="Fussnote_502_502"></a><a href="#FNAnker_502_502"><span class="label">[502]</span></a> Ebd., 171, <span class="antiqua">15</span>, 278, <span class="antiqua">34 f.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_503_503" id="Fussnote_503_503"></a><a href="#FNAnker_503_503"><span class="label">[503]</span></a> Ebd., 118, 127, <span class="antiqua">29</span>, 171, <span class="antiqua">9</span>, 176,
-<span class="antiqua">28</span>, 255, 260, 288, <span class="antiqua">15</span>, 301, <span class="antiqua">27</span>, 320.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_504_504" id="Fussnote_504_504"></a><a href="#FNAnker_504_504"><span class="label">[504]</span></a> Ebd., 111, 122, <span class="antiqua">2</span>, 134, 135, 176, <span class="antiqua">8</span>, 217,
-<span class="antiqua">38</span>, 234.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_505_505" id="Fussnote_505_505"></a><a href="#FNAnker_505_505"><span class="label">[505]</span></a> Ebd., 138, 143, <span class="antiqua">29</span>, 167, <span class="antiqua">25</span>, 169, 206,
-<span class="antiqua">18</span>, <span class="antiqua">38</span>, 210, <span class="antiqua">15</span>, 211, <span class="antiqua">4</span>, 224, <span class="antiqua">2</span>,
-260, 263, 271, <span class="antiqua">27</span>, 272, <span class="antiqua">28</span>, 275 ff., 298, 303, 305, <span class="antiqua">33
-f.</span>, 314 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_506_506" id="Fussnote_506_506"></a><a href="#FNAnker_506_506"><span class="label">[506]</span></a> Ebd., 119, <span class="antiqua">30 ff.</span>, 128, <span class="antiqua">7</span>, 214 f., 217,
-<span class="antiqua">38</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_507_507" id="Fussnote_507_507"></a><a href="#FNAnker_507_507"><span class="label">[507]</span></a> Ebd., 128, <span class="antiqua">34</span>, 221, <span class="antiqua">23</span>, 224, <span class="antiqua">1</span>,
-253, <span class="antiqua">34</span>, 254, <span class="antiqua">1</span>, 274, <span class="antiqua">13</span>, 285, <span class="antiqua">25</span>, 298,
-<span class="antiqua">32</span>, 315, <span class="antiqua">30</span>, 322, <span class="antiqua">15 ff.</span> Die Heiligenverehrung,
-der Mariencultus (109, <span class="antiqua">22</span>, 147, <span class="antiqua">25</span>, 285) begegnen uns
-zwar in der &#8222;Genoveva&#8220;, aber keineswegs so stark betont, als man bei
-einer absichtlich katholisierenden Dichtung wohl erwarten mchte.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_508_508" id="Fussnote_508_508"></a><a href="#FNAnker_508_508"><span class="label">[508]</span></a> Ebd., 111, <span class="antiqua">23</span>, 143, <span class="antiqua">18 ff.</span>, 144, 147, 158,
-176, 220, 226, 235, 256 ff., 264, 281, 282, <span class="antiqua">2</span>, 293, 309, 311,
-315.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_509_509" id="Fussnote_509_509"></a><a href="#FNAnker_509_509"><span class="label">[509]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 172, 253, 260, 263, 272 ff.,
-287, 292, 317 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_510_510" id="Fussnote_510_510"></a><a href="#FNAnker_510_510"><span class="label">[510]</span></a> Ebd., 117, 211, 301.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_511_511" id="Fussnote_511_511"></a><a href="#FNAnker_511_511"><span class="label">[511]</span></a> Ebd., 108, 111, 125 ff., 128 f., 143, 158, 197, 213,
-217, 219, 237, 249, 280 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_512_512" id="Fussnote_512_512"></a><a href="#FNAnker_512_512"><span class="label">[512]</span></a> Ebd., 142 f., 159 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_513_513" id="Fussnote_513_513"></a><a href="#FNAnker_513_513"><span class="label">[513]</span></a> Ebd., 135, 162, 172, 211, 268, 277 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_514_514" id="Fussnote_514_514"></a><a href="#FNAnker_514_514"><span class="label">[514]</span></a> Ebd., 131 f., 136, 186.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_515_515" id="Fussnote_515_515"></a><a href="#FNAnker_515_515"><span class="label">[515]</span></a> Ebd., 109, 169, 178, 321 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_516_516" id="Fussnote_516_516"></a><a href="#FNAnker_516_516"><span class="label">[516]</span></a> Ebd., 144, 209, 225, 309, 314, 326.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_517_517" id="Fussnote_517_517"></a><a href="#FNAnker_517_517"><span class="label">[517]</span></a> Ebd., 110, 255, 269, 273, <span class="antiqua">14 f.</span>, 274, <span class="antiqua">25</span>,
-276, 286, 310.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_518_518" id="Fussnote_518_518"></a><a href="#FNAnker_518_518"><span class="label">[518]</span></a> Ebd., 208, 212 f., 218, 231, 259, 279, 286, 313, 315.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_519_519" id="Fussnote_519_519"></a><a href="#FNAnker_519_519"><span class="label">[519]</span></a> Ebd., 277, 319.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_520_520" id="Fussnote_520_520"></a><a href="#FNAnker_520_520"><span class="label">[520]</span></a> Ebd., 323.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_521_521" id="Fussnote_521_521"></a><a href="#FNAnker_521_521"><span class="label">[521]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>: Genoveva, 131, <span class="antiqua">28 f.</span>, 134, 139,
-<span class="antiqua">36</span>, 159 ff., 172, <span class="antiqua">9</span>, 175, <span class="antiqua">9</span>, 196, <span class="antiqua">10</span>, 210,
-<span class="antiqua">32</span>, 242, <span class="antiqua">12 ff</span>., 245, <span class="antiqua">2</span>, 261, <span class="antiqua">3</span>, 270, <span class="antiqua">22
-ff</span>., 289, <span class="antiqua">23 f</span>., 293, <span class="antiqua">14 ff</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_522_522" id="Fussnote_522_522"></a><a href="#FNAnker_522_522"><span class="label">[522]</span></a> Ebd., 240, 241 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_523_523" id="Fussnote_523_523"></a><a href="#FNAnker_523_523"><span class="label">[523]</span></a> Ebd., 126 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_524_524" id="Fussnote_524_524"></a><a href="#FNAnker_524_524"><span class="label">[524]</span></a> Archiv der Zeit, 467.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_525_525" id="Fussnote_525_525"></a><a href="#FNAnker_525_525"><span class="label">[525]</span></a> Genoveva, 176, 20 ff., 177, 11 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_526_526" id="Fussnote_526_526"></a><a href="#FNAnker_526_526"><span class="label">[526]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 11. Bd., 145; vgl.
-<em class="gesperrt">Solger</em>, 1. Bd., 397. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, XVI, und
-<em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 6, XX.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_527_527" id="Fussnote_527_527"></a><a href="#FNAnker_527_527"><span class="label">[527]</span></a> Vgl. Archiv der Zeit, 464.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_528_528" id="Fussnote_528_528"></a><a href="#FNAnker_528_528"><span class="label">[528]</span></a> Bernhardi findet am Schicksalsmigen nichts
-auszusetzen. Archiv der Zeit, 463.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_529_529" id="Fussnote_529_529"></a><a href="#FNAnker_529_529"><span class="label">[529]</span></a> Im &#8222;Octavian&#8220; wird Mahomets Bildnis verunehrt, weil es
-nicht Hilfe bringt.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_530_530" id="Fussnote_530_530"></a><a href="#FNAnker_530_530"><span class="label">[530]</span></a> Recension im &#8222;Archiv der Zeit&#8220;, 1800.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_531_531" id="Fussnote_531_531"></a><a href="#FNAnker_531_531"><span class="label">[531]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, Nachgel. Schriften, 1. Bd., 502.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_532_532" id="Fussnote_532_532"></a><a href="#FNAnker_532_532"><span class="label">[532]</span></a> Archiv der Zeit, 467.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_533_533" id="Fussnote_533_533"></a><a href="#FNAnker_533_533"><span class="label">[533]</span></a> <em class="gesperrt">Hettner</em>, Die romantische Schule, 156 f.
-<em class="gesperrt">Haym</em>, 477 f.; vgl. <em class="gesperrt">Solger</em>, 1. Bd., 301, 453 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_534_534" id="Fussnote_534_534"></a><a href="#FNAnker_534_534"><span class="label">[534]</span></a> Romantische Schule, 155.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_535_535" id="Fussnote_535_535"></a><a href="#FNAnker_535_535"><span class="label">[535]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 116, <span class="antiqua">5</span>, 148, <span class="antiqua">7</span>,
-159, <span class="antiqua">14</span>, 184, <span class="antiqua">15</span>, 204, <span class="antiqua">13</span>, 208, <span class="antiqua">15</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_536_536" id="Fussnote_536_536"></a><a href="#FNAnker_536_536"><span class="label">[536]</span></a> Frl. <em class="gesperrt">Poppenberg</em>, Zacharias Werner, Berlin 1893,
-S. 19.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_537_537" id="Fussnote_537_537"></a><a href="#FNAnker_537_537"><span class="label">[537]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Minor</em>, Die Schicksalstragdie in ihren
-Hauptvertretern, Frankfurt 1883, S. 61.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_538_538" id="Fussnote_538_538"></a><a href="#FNAnker_538_538"><span class="label">[538]</span></a> Julian <em class="gesperrt">Schmidt</em>, Geschichte der deutschen
-Litteratur, 4. Bd., 357. Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften. 11, LXXI.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_539_539" id="Fussnote_539_539"></a><a href="#FNAnker_539_539"><span class="label">[539]</span></a> Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stck, 42 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_540_540" id="Fussnote_540_540"></a><a href="#FNAnker_540_540"><span class="label">[540]</span></a> Sternbald, 196. Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Krit. Schriften,
-1. Bd., 30; 4. Bd., 4 ff. <em class="gesperrt">Friesen</em>, 1. Bd., 172 ff. A.W.
-<em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 6. Bd., 4.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_541_541" id="Fussnote_541_541"></a><a href="#FNAnker_541_541"><span class="label">[541]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 183, 203.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_542_542" id="Fussnote_542_542"></a><a href="#FNAnker_542_542"><span class="label">[542]</span></a> Ebd., 204 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_543_543" id="Fussnote_543_543"></a><a href="#FNAnker_543_543"><span class="label">[543]</span></a> Ebd., 310.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_544_544" id="Fussnote_544_544"></a><a href="#FNAnker_544_544"><span class="label">[544]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 170.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_545_545" id="Fussnote_545_545"></a><a href="#FNAnker_545_545"><span class="label">[545]</span></a> Ebd., 132, <span class="antiqua">13.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_546_546" id="Fussnote_546_546"></a><a href="#FNAnker_546_546"><span class="label">[546]</span></a> Ebd., 132, <span class="antiqua">11.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_547_547" id="Fussnote_547_547"></a><a href="#FNAnker_547_547"><span class="label">[547]</span></a> Ebd., 165, <span class="antiqua">19.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_548_548" id="Fussnote_548_548"></a><a href="#FNAnker_548_548"><span class="label">[548]</span></a> Ebd., 136.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_549_549" id="Fussnote_549_549"></a><a href="#FNAnker_549_549"><span class="label">[549]</span></a> Ebd., 119, <span class="antiqua">19.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_550_550" id="Fussnote_550_550"></a><a href="#FNAnker_550_550"><span class="label">[550]</span></a> Ebd., 214 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_551_551" id="Fussnote_551_551"></a><a href="#FNAnker_551_551"><span class="label">[551]</span></a> Ebd., 297.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_552_552" id="Fussnote_552_552"></a><a href="#FNAnker_552_552"><span class="label">[552]</span></a> Ebd., 116, <span class="antiqua">15.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_553_553" id="Fussnote_553_553"></a><a href="#FNAnker_553_553"><span class="label">[553]</span></a> Ebd., 170, 214.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_554_554" id="Fussnote_554_554"></a><a href="#FNAnker_554_554"><span class="label">[554]</span></a> Ebd., 310.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_555_555" id="Fussnote_555_555"></a><a href="#FNAnker_555_555"><span class="label">[555]</span></a> Ebd., 137, <span class="antiqua">8.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_556_556" id="Fussnote_556_556"></a><a href="#FNAnker_556_556"><span class="label">[556]</span></a> Vgl. S. 88.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_557_557" id="Fussnote_557_557"></a><a href="#FNAnker_557_557"><span class="label">[557]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4. Bd., 74 (&#8222;Phantasus&#8220;).</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_558_558" id="Fussnote_558_558"></a><a href="#FNAnker_558_558"><span class="label">[558]</span></a> Die Schilderung des Tanzes der Genoveva ist in der That
-jener der tanzenden Laura im &#8222;Sternbald&#8220; (397) verwandt!</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_559_559" id="Fussnote_559_559"></a><a href="#FNAnker_559_559"><span class="label">[559]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, L. Tieck, 1. Bd., 139.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_560_560" id="Fussnote_560_560"></a><a href="#FNAnker_560_560"><span class="label">[560]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, a.a.O., 139; vgl. <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd.,
-136.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_561_561" id="Fussnote_561_561"></a><a href="#FNAnker_561_561"><span class="label">[561]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 140; vgl. &#8222;Phantasus&#8220; in den
-Schriften, 4, 113.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_562_562" id="Fussnote_562_562"></a><a href="#FNAnker_562_562"><span class="label">[562]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 142 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_563_563" id="Fussnote_563_563"></a><a href="#FNAnker_563_563"><span class="label">[563]</span></a> Tiecks Worte bei <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., 138.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_564_564" id="Fussnote_564_564"></a><a href="#FNAnker_564_564"><span class="label">[564]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 163 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_565_565" id="Fussnote_565_565"></a><a href="#FNAnker_565_565"><span class="label">[565]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 89.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_566_566" id="Fussnote_566_566"></a><a href="#FNAnker_566_566"><span class="label">[566]</span></a> Vgl. &#8222;Phantasus&#8220; in den Schriften, 4. Bd., 18, 57 f., 77
-ff., 83 f., 85 f., 106, 127 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_567_567" id="Fussnote_567_567"></a><a href="#FNAnker_567_567"><span class="label">[567]</span></a> Tieck, Krit. Schriften. 1. Bd., 82 f.; vgl. Phantasien,
-43. Sternbald, 299 f. <em class="gesperrt">Novalis</em>, I, 103; II, 75.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_568_568" id="Fussnote_568_568"></a><a href="#FNAnker_568_568"><span class="label">[568]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 122.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_569_569" id="Fussnote_569_569"></a><a href="#FNAnker_569_569"><span class="label">[569]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 160 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_570_570" id="Fussnote_570_570"></a><a href="#FNAnker_570_570"><span class="label">[570]</span></a> Ebd., 163, <span class="antiqua">17 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_571_571" id="Fussnote_571_571"></a><a href="#FNAnker_571_571"><span class="label">[571]</span></a> Solche antike Vorstellungen (Hydra, Fortuna u.s.w.) zu
-verwerten, wurde Tieck durch das englische Renaissancedrama veranlasst.
-Vgl. &#8222;Locrine&#8220;, Altenglisches Theater, II, 53, 54, 63, 78.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_572_572" id="Fussnote_572_572"></a><a href="#FNAnker_572_572"><span class="label">[572]</span></a> Genoveva, 194 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_573_573" id="Fussnote_573_573"></a><a href="#FNAnker_573_573"><span class="label">[573]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 252; fr das Weitere, 254 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_574_574" id="Fussnote_574_574"></a><a href="#FNAnker_574_574"><span class="label">[574]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 188, <span class="antiqua">8.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_575_575" id="Fussnote_575_575"></a><a href="#FNAnker_575_575"><span class="label">[575]</span></a> Ebd., 248, <span class="antiqua">19</span>; 289, <span class="antiqua">22</span>; 319, <span class="antiqua">13 f.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_576_576" id="Fussnote_576_576"></a><a href="#FNAnker_576_576"><span class="label">[576]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 196; vgl. 242, 270, 289. ber
-die freundliche und unheimliche Seite der Natur in Tiecks Auffassung
-vgl. &#8222;Phantasien&#8220;, 26, 79, und &#8222;Phantasus&#8220; in Schriften, 4. Bd., 127
-ff., 142 ff., 283.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_577_577" id="Fussnote_577_577"></a><a href="#FNAnker_577_577"><span class="label">[577]</span></a> Genoveva, 278, <span class="antiqua">35.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_578_578" id="Fussnote_578_578"></a><a href="#FNAnker_578_578"><span class="label">[578]</span></a> Ebd., 316, <span class="antiqua">3 f.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_579_579" id="Fussnote_579_579"></a><a href="#FNAnker_579_579"><span class="label">[579]</span></a> Ebd., 263, <span class="antiqua">23, 35 ff.</span>; 317, 15 <span class="antiqua">ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_580_580" id="Fussnote_580_580"></a><a href="#FNAnker_580_580"><span class="label">[580]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, 2. Bd., 130.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_581_581" id="Fussnote_581_581"></a><a href="#FNAnker_581_581"><span class="label">[581]</span></a> hnlich &#8222;Sternbald&#8220;, 131.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_582_582" id="Fussnote_582_582"></a><a href="#FNAnker_582_582"><span class="label">[582]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 165, <span class="antiqua">34.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_583_583" id="Fussnote_583_583"></a><a href="#FNAnker_583_583"><span class="label">[583]</span></a> Ebd., 176 f.; 193, <span class="antiqua">29</span>; 200, <span class="antiqua">34.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_584_584" id="Fussnote_584_584"></a><a href="#FNAnker_584_584"><span class="label">[584]</span></a> Ebd., 201, <span class="antiqua">9 ff.</span>; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften,
-10, 73.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_585_585" id="Fussnote_585_585"></a><a href="#FNAnker_585_585"><span class="label">[585]</span></a> Tieck, Genoveva, 177, <em class="gesperrt">9 ff.</em></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_586_586" id="Fussnote_586_586"></a><a href="#FNAnker_586_586"><span class="label">[586]</span></a> Ebd., 289 ff.; vgl. <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe,
-4, 50.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_587_587" id="Fussnote_587_587"></a><a href="#FNAnker_587_587"><span class="label">[587]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 165, <span class="antiqua">23 f.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_588_588" id="Fussnote_588_588"></a><a href="#FNAnker_588_588"><span class="label">[588]</span></a> Ebd., 231.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_589_589" id="Fussnote_589_589"></a><a href="#FNAnker_589_589"><span class="label">[589]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 109 ff., 320.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_590_590" id="Fussnote_590_590"></a><a href="#FNAnker_590_590"><span class="label">[590]</span></a> Ebd., 244, <span class="antiqua">21.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_591_591" id="Fussnote_591_591"></a><a href="#FNAnker_591_591"><span class="label">[591]</span></a> Ebd., 244 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_592_592" id="Fussnote_592_592"></a><a href="#FNAnker_592_592"><span class="label">[592]</span></a> Ebd., 318.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_593_593" id="Fussnote_593_593"></a><a href="#FNAnker_593_593"><span class="label">[593]</span></a> Ebd., 164 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_594_594" id="Fussnote_594_594"></a><a href="#FNAnker_594_594"><span class="label">[594]</span></a> Ebd., 232.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_595_595" id="Fussnote_595_595"></a><a href="#FNAnker_595_595"><span class="label">[595]</span></a> Ebd., 209.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_596_596" id="Fussnote_596_596"></a><a href="#FNAnker_596_596"><span class="label">[596]</span></a> Ebd., 249.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_597_597" id="Fussnote_597_597"></a><a href="#FNAnker_597_597"><span class="label">[597]</span></a> Ebd., 288 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_598_598" id="Fussnote_598_598"></a><a href="#FNAnker_598_598"><span class="label">[598]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 315 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_599_599" id="Fussnote_599_599"></a><a href="#FNAnker_599_599"><span class="label">[599]</span></a> Ebd., 161 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_600_600" id="Fussnote_600_600"></a><a href="#FNAnker_600_600"><span class="label">[600]</span></a> Ebd., 174.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_601_601" id="Fussnote_601_601"></a><a href="#FNAnker_601_601"><span class="label">[601]</span></a> Ebd., 316.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_602_602" id="Fussnote_602_602"></a><a href="#FNAnker_602_602"><span class="label">[602]</span></a> Ebd., 162.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_603_603" id="Fussnote_603_603"></a><a href="#FNAnker_603_603"><span class="label">[603]</span></a> Ebd., 169.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_604_604" id="Fussnote_604_604"></a><a href="#FNAnker_604_604"><span class="label">[604]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 254 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_605_605" id="Fussnote_605_605"></a><a href="#FNAnker_605_605"><span class="label">[605]</span></a> Ebd., 163.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_606_606" id="Fussnote_606_606"></a><a href="#FNAnker_606_606"><span class="label">[606]</span></a> Ebd., 239.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_607_607" id="Fussnote_607_607"></a><a href="#FNAnker_607_607"><span class="label">[607]</span></a> Ebd., 220.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_608_608" id="Fussnote_608_608"></a><a href="#FNAnker_608_608"><span class="label">[608]</span></a> Ebd., 174, <span class="antiqua">3.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_609_609" id="Fussnote_609_609"></a><a href="#FNAnker_609_609"><span class="label">[609]</span></a> Ebd., 203, <span class="antiqua">35.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_610_610" id="Fussnote_610_610"></a><a href="#FNAnker_610_610"><span class="label">[610]</span></a> Ebd., 296, <span class="antiqua">34 f.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_611_611" id="Fussnote_611_611"></a><a href="#FNAnker_611_611"><span class="label">[611]</span></a> Ebd., 193, <span class="antiqua">15.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_612_612" id="Fussnote_612_612"></a><a href="#FNAnker_612_612"><span class="label">[612]</span></a> Ebd., 196, <span class="antiqua">7.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_613_613" id="Fussnote_613_613"></a><a href="#FNAnker_613_613"><span class="label">[613]</span></a> Ebd., 205, <span class="antiqua">19.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_614_614" id="Fussnote_614_614"></a><a href="#FNAnker_614_614"><span class="label">[614]</span></a> Ebd., 215, <span class="antiqua">35.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_615_615" id="Fussnote_615_615"></a><a href="#FNAnker_615_615"><span class="label">[615]</span></a> Ebd., 213, <span class="antiqua">16.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_616_616" id="Fussnote_616_616"></a><a href="#FNAnker_616_616"><span class="label">[616]</span></a> Ebd., 203, <span class="antiqua">3.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_617_617" id="Fussnote_617_617"></a><a href="#FNAnker_617_617"><span class="label">[617]</span></a> Ebd., 211, <span class="antiqua">28.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_618_618" id="Fussnote_618_618"></a><a href="#FNAnker_618_618"><span class="label">[618]</span></a> Ebd., 193, <span class="antiqua">3 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_619_619" id="Fussnote_619_619"></a><a href="#FNAnker_619_619"><span class="label">[619]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Kritische Schriften, 1. Bd., 82; vgl.
-<em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 90.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_620_620" id="Fussnote_620_620"></a><a href="#FNAnker_620_620"><span class="label">[620]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 231.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_621_621" id="Fussnote_621_621"></a><a href="#FNAnker_621_621"><span class="label">[621]</span></a> Vorschule der sthetik, V, 25.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_622_622" id="Fussnote_622_622"></a><a href="#FNAnker_622_622"><span class="label">[622]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 1. Bd., 305.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_623_623" id="Fussnote_623_623"></a><a href="#FNAnker_623_623"><span class="label">[623]</span></a> <em class="gesperrt">Koberstein</em>, Vermischte Aufstze zur
-Literaturgeschichte und sthetik, Leipzig 1858, S. 7.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_624_624" id="Fussnote_624_624"></a><a href="#FNAnker_624_624"><span class="label">[624]</span></a> Schriften, 10. Bd., 196.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_625_625" id="Fussnote_625_625"></a><a href="#FNAnker_625_625"><span class="label">[625]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 1. Bd., 501.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_626_626" id="Fussnote_626_626"></a><a href="#FNAnker_626_626"><span class="label">[626]</span></a> Genoveva, 115, 131, 272 ff., 314, 322.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_627_627" id="Fussnote_627_627"></a><a href="#FNAnker_627_627"><span class="label">[627]</span></a> Ebd., 181.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_628_628" id="Fussnote_628_628"></a><a href="#FNAnker_628_628"><span class="label">[628]</span></a> Ebd., 136, 164 ff., 187 ff., 199 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_629_629" id="Fussnote_629_629"></a><a href="#FNAnker_629_629"><span class="label">[629]</span></a> Ebd., 138, 172 ff., 176 f., 211 ff., 216 f., 262 ff.,
-278 ff., 284 ff., 315 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_630_630" id="Fussnote_630_630"></a><a href="#FNAnker_630_630"><span class="label">[630]</span></a> Vgl. die Schilderung Leonardos in &#8222;Herzensergieungen&#8220;,
-65.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_631_631" id="Fussnote_631_631"></a><a href="#FNAnker_631_631"><span class="label">[631]</span></a> Wird von Bernhardi gelobt.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_632_632" id="Fussnote_632_632"></a><a href="#FNAnker_632_632"><span class="label">[632]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 190, <span class="antiqua">13 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_633_633" id="Fussnote_633_633"></a><a href="#FNAnker_633_633"><span class="label">[633]</span></a> Ebd., 191, <span class="antiqua">34 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_634_634" id="Fussnote_634_634"></a><a href="#FNAnker_634_634"><span class="label">[634]</span></a> WW., 11, 138.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_635_635" id="Fussnote_635_635"></a><a href="#FNAnker_635_635"><span class="label">[635]</span></a> Briefe an ein Frauenzimmer, 26.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_636_636" id="Fussnote_636_636"></a><a href="#FNAnker_636_636"><span class="label">[636]</span></a> Nachgel. Schriften, 1. Bd., 501.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_637_637" id="Fussnote_637_637"></a><a href="#FNAnker_637_637"><span class="label">[637]</span></a> Leipzig 1878.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_638_638" id="Fussnote_638_638"></a><a href="#FNAnker_638_638"><span class="label">[638]</span></a> <em class="gesperrt">Petrich</em>, 26 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_639_639" id="Fussnote_639_639"></a><a href="#FNAnker_639_639"><span class="label">[639]</span></a> Genoveva, 173 f., 315 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_640_640" id="Fussnote_640_640"></a><a href="#FNAnker_640_640"><span class="label">[640]</span></a> Ebd., 211 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_641_641" id="Fussnote_641_641"></a><a href="#FNAnker_641_641"><span class="label">[641]</span></a> Ebd., 301, 310.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_642_642" id="Fussnote_642_642"></a><a href="#FNAnker_642_642"><span class="label">[642]</span></a> Ebd., 138; vgl. 143, 167, 206, 255.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_643_643" id="Fussnote_643_643"></a><a href="#FNAnker_643_643"><span class="label">[643]</span></a> Ebd., 152; vgl. 169, 210.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_644_644" id="Fussnote_644_644"></a><a href="#FNAnker_644_644"><span class="label">[644]</span></a> Genoveva, 111; vgl. 277 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_645_645" id="Fussnote_645_645"></a><a href="#FNAnker_645_645"><span class="label">[645]</span></a> Ebd., 135.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_646_646" id="Fussnote_646_646"></a><a href="#FNAnker_646_646"><span class="label">[646]</span></a> Ebd., 211 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_647_647" id="Fussnote_647_647"></a><a href="#FNAnker_647_647"><span class="label">[647]</span></a> Ebd., 110 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_648_648" id="Fussnote_648_648"></a><a href="#FNAnker_648_648"><span class="label">[648]</span></a> Ebd., 284.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_649_649" id="Fussnote_649_649"></a><a href="#FNAnker_649_649"><span class="label">[649]</span></a> Ebd., 286.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_650_650" id="Fussnote_650_650"></a><a href="#FNAnker_650_650"><span class="label">[650]</span></a> Ebd., 313.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_651_651" id="Fussnote_651_651"></a><a href="#FNAnker_651_651"><span class="label">[651]</span></a> Ebd., 314.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_652_652" id="Fussnote_652_652"></a><a href="#FNAnker_652_652"><span class="label">[652]</span></a> Ebd., 317.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_653_653" id="Fussnote_653_653"></a><a href="#FNAnker_653_653"><span class="label">[653]</span></a> Ebd., 320.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_654_654" id="Fussnote_654_654"></a><a href="#FNAnker_654_654"><span class="label">[654]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Petrich</em>, 101 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_655_655" id="Fussnote_655_655"></a><a href="#FNAnker_655_655"><span class="label">[655]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 174, <span class="antiqua">33</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_656_656" id="Fussnote_656_656"></a><a href="#FNAnker_656_656"><span class="label">[656]</span></a> Ebd., 174, <span class="antiqua">35</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_657_657" id="Fussnote_657_657"></a><a href="#FNAnker_657_657"><span class="label">[657]</span></a> Ebd., 277, <span class="antiqua">5</span>, 275, <span class="antiqua">7</span>, 275, <span class="antiqua">29</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_658_658" id="Fussnote_658_658"></a><a href="#FNAnker_658_658"><span class="label">[658]</span></a> Ebd., 174, <span class="antiqua">17 f.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_659_659" id="Fussnote_659_659"></a><a href="#FNAnker_659_659"><span class="label">[659]</span></a> Ebd., 174, <span class="antiqua">25</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_660_660" id="Fussnote_660_660"></a><a href="#FNAnker_660_660"><span class="label">[660]</span></a> Ebd., 174, <span class="antiqua">35</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_661_661" id="Fussnote_661_661"></a><a href="#FNAnker_661_661"><span class="label">[661]</span></a> Ebd., 175, <span class="antiqua">3</span>, 288, <span class="antiqua">6 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_662_662" id="Fussnote_662_662"></a><a href="#FNAnker_662_662"><span class="label">[662]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 264.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_663_663" id="Fussnote_663_663"></a><a href="#FNAnker_663_663"><span class="label">[663]</span></a> Ebd., 277 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_664_664" id="Fussnote_664_664"></a><a href="#FNAnker_664_664"><span class="label">[664]</span></a> Ebd., 280.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_665_665" id="Fussnote_665_665"></a><a href="#FNAnker_665_665"><span class="label">[665]</span></a> Ebd., 271 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_666_666" id="Fussnote_666_666"></a><a href="#FNAnker_666_666"><span class="label">[666]</span></a> Vgl. Krit. Schriften, 4, 154.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_667_667" id="Fussnote_667_667"></a><a href="#FNAnker_667_667"><span class="label">[667]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 289.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_668_668" id="Fussnote_668_668"></a><a href="#FNAnker_668_668"><span class="label">[668]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11, LXII ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_669_669" id="Fussnote_669_669"></a><a href="#FNAnker_669_669"><span class="label">[669]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Petrich</em>, 47 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_670_670" id="Fussnote_670_670"></a><a href="#FNAnker_670_670"><span class="label">[670]</span></a> <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, WW., 10. Bd., 183. Auch Novalis
-verlangt fr eine romantische Dichtung eine &#8222;gewisse Alterthmlichkeit
-des Stiles&#8220;. (Schriften, 3, 236.)</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_671_671" id="Fussnote_671_671"></a><a href="#FNAnker_671_671"><span class="label">[671]</span></a> Wie nahe sich die Gedanken der Romantiker mit denen
-berhren, die Herder, der Theoretiker der Sturm- und Drangzeit, in den
-&#8222;Fragmenten zur deutschen Litteratur&#8220; aussprach, liegt auf der Hand.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_672_672" id="Fussnote_672_672"></a><a href="#FNAnker_672_672"><span class="label">[672]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11. Bd., XLII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_673_673" id="Fussnote_673_673"></a><a href="#FNAnker_673_673"><span class="label">[673]</span></a> Diese Meinung wird noch durch den Umstand bestrkt, dass
-Tieck auch in den spteren Neuausgaben fast alles stehen lie, wie es
-in der ersten Ausgabe stand.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_674_674" id="Fussnote_674_674"></a><a href="#FNAnker_674_674"><span class="label">[674]</span></a> Khler urtheilt er hierber nach zehn Jahren in der
-Vorrede zum &#8222;Altenglischen Theater&#8220;, II, XIII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_675_675" id="Fussnote_675_675"></a><a href="#FNAnker_675_675"><span class="label">[675]</span></a> Vgl. E. <em class="gesperrt">Schmidt</em>, Richardson, Rousseau und Goethe,
-Jena 1875, S. 258 und 274.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_676_676" id="Fussnote_676_676"></a><a href="#FNAnker_676_676"><span class="label">[676]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 1. Bd., 8.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_677_677" id="Fussnote_677_677"></a><a href="#FNAnker_677_677"><span class="label">[677]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 122.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_678_678" id="Fussnote_678_678"></a><a href="#FNAnker_678_678"><span class="label">[678]</span></a> Ebd., 289.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_679_679" id="Fussnote_679_679"></a><a href="#FNAnker_679_679"><span class="label">[679]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 160 ff.; vgl. 133, 196 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_680_680" id="Fussnote_680_680"></a><a href="#FNAnker_680_680"><span class="label">[680]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 198 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_681_681" id="Fussnote_681_681"></a><a href="#FNAnker_681_681"><span class="label">[681]</span></a> Ebd., 244.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_682_682" id="Fussnote_682_682"></a><a href="#FNAnker_682_682"><span class="label">[682]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4. Bd., 191.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_683_683" id="Fussnote_683_683"></a><a href="#FNAnker_683_683"><span class="label">[683]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 160 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_684_684" id="Fussnote_684_684"></a><a href="#FNAnker_684_684"><span class="label">[684]</span></a> Ebd., 142 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_685_685" id="Fussnote_685_685"></a><a href="#FNAnker_685_685"><span class="label">[685]</span></a> Ebd., 140.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_686_686" id="Fussnote_686_686"></a><a href="#FNAnker_686_686"><span class="label">[686]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 131 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_687_687" id="Fussnote_687_687"></a><a href="#FNAnker_687_687"><span class="label">[687]</span></a> Ebd., 162.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_688_688" id="Fussnote_688_688"></a><a href="#FNAnker_688_688"><span class="label">[688]</span></a> Ebd., 164.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_689_689" id="Fussnote_689_689"></a><a href="#FNAnker_689_689"><span class="label">[689]</span></a> Ebd., 166.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_690_690" id="Fussnote_690_690"></a><a href="#FNAnker_690_690"><span class="label">[690]</span></a> Ebd., 182 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_691_691" id="Fussnote_691_691"></a><a href="#FNAnker_691_691"><span class="label">[691]</span></a> Ebd., 220 ff; vgl. 225 f., 264.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_692_692" id="Fussnote_692_692"></a><a href="#FNAnker_692_692"><span class="label">[692]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 6. Bd., 163. Vgl.
-<em class="gesperrt">Novalis</em>, II, 165. Fr die brigen Romantiker <em class="gesperrt">Petrich</em>,
-123.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_693_693" id="Fussnote_693_693"></a><a href="#FNAnker_693_693"><span class="label">[693]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 8. Bd., 14.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_694_694" id="Fussnote_694_694"></a><a href="#FNAnker_694_694"><span class="label">[694]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 172.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_695_695" id="Fussnote_695_695"></a><a href="#FNAnker_695_695"><span class="label">[695]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_696_696" id="Fussnote_696_696"></a><a href="#FNAnker_696_696"><span class="label">[696]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 190, <span class="antiqua">4 ff.</span>, 198,
-<span class="antiqua">19</span>, 199, <span class="antiqua">12</span>, 211, <span class="antiqua">35</span>, 243, <span class="antiqua">8 f.</span>, 304, <span class="antiqua">7
-f.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_697_697" id="Fussnote_697_697"></a><a href="#FNAnker_697_697"><span class="label">[697]</span></a> Ebd., 277, <span class="antiqua">9 f.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_698_698" id="Fussnote_698_698"></a><a href="#FNAnker_698_698"><span class="label">[698]</span></a> Genoveva, 188, <span class="antiqua">15 f.</span>, 194, <span class="antiqua">8 f.</span>, 200,
-<span class="antiqua">18 ff.</span>, 277, <span class="antiqua">5 f.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_699_699" id="Fussnote_699_699"></a><a href="#FNAnker_699_699"><span class="label">[699]</span></a> Ebd., 135, <span class="antiqua">30</span>, 273, <span class="antiqua">24</span>, 281, <span class="antiqua">14</span>,
-288, <span class="antiqua">11.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_700_700" id="Fussnote_700_700"></a><a href="#FNAnker_700_700"><span class="label">[700]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 186, <span class="antiqua">11</span>, 200, <span class="antiqua">32</span>,
-225, <span class="antiqua">37</span>, 247, <span class="antiqua">4</span>, 289, <span class="antiqua">23</span>.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_701_701" id="Fussnote_701_701"></a><a href="#FNAnker_701_701"><span class="label">[701]</span></a> Die Abendwinde spielen, die Morgenrthe spielt, neues
-Leben spielt, der Mondschein spielt, Sommerlftchen spielen, in
-&#8222;oberirdischen Lften ein spielendes Bewegen&#8220; u.dgl.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_702_702" id="Fussnote_702_702"></a><a href="#FNAnker_702_702"><span class="label">[702]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 171, <span class="antiqua">22</span>, 136, <span class="antiqua">5</span>,
-194, <span class="antiqua">33</span>, 267, <span class="antiqua">7</span>, 274, <span class="antiqua">20.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_703_703" id="Fussnote_703_703"></a><a href="#FNAnker_703_703"><span class="label">[703]</span></a> Ebd., 110 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_704_704" id="Fussnote_704_704"></a><a href="#FNAnker_704_704"><span class="label">[704]</span></a> Ebd., 122, <span class="antiqua">29 ff.</span>, 135, 161 f., 182 f., 188, 219,
-235.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_705_705" id="Fussnote_705_705"></a><a href="#FNAnker_705_705"><span class="label">[705]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 111, 122, 154, 182, 219.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_706_706" id="Fussnote_706_706"></a><a href="#FNAnker_706_706"><span class="label">[706]</span></a> Ebd., 161 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_707_707" id="Fussnote_707_707"></a><a href="#FNAnker_707_707"><span class="label">[707]</span></a> Ebd., 135.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_708_708" id="Fussnote_708_708"></a><a href="#FNAnker_708_708"><span class="label">[708]</span></a> Ebd., 108, 113, 120, 127, 128, 132, 140, 141 u..</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_709_709" id="Fussnote_709_709"></a><a href="#FNAnker_709_709"><span class="label">[709]</span></a> Vgl. A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 12. Bd., 272; 11. Bd.,
-384.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_710_710" id="Fussnote_710_710"></a><a href="#FNAnker_710_710"><span class="label">[710]</span></a> Z.B. Genoveva, 110, <span class="antiqua">24 ff.</span>, 148, <span class="antiqua">5 ff.</span>,
-199, <span class="antiqua">5 ff.</span>, 306, <span class="antiqua">6 ff.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_711_711" id="Fussnote_711_711"></a><a href="#FNAnker_711_711"><span class="label">[711]</span></a> Genoveva, 117, 213.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_712_712" id="Fussnote_712_712"></a><a href="#FNAnker_712_712"><span class="label">[712]</span></a> Ebd., 131 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_713_713" id="Fussnote_713_713"></a><a href="#FNAnker_713_713"><span class="label">[713]</span></a> Ebd., 179 ff., 191 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_714_714" id="Fussnote_714_714"></a><a href="#FNAnker_714_714"><span class="label">[714]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 501.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_715_715" id="Fussnote_715_715"></a><a href="#FNAnker_715_715"><span class="label">[715]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 10. Bd., 319 (&#8222;Zerbino&#8220;).</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_716_716" id="Fussnote_716_716"></a><a href="#FNAnker_716_716"><span class="label">[716]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, 2. Bd., 32.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_717_717" id="Fussnote_717_717"></a><a href="#FNAnker_717_717"><span class="label">[717]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 8, 15.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_718_718" id="Fussnote_718_718"></a><a href="#FNAnker_718_718"><span class="label">[718]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 501.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_719_719" id="Fussnote_719_719"></a><a href="#FNAnker_719_719"><span class="label">[719]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 501.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_720_720" id="Fussnote_720_720"></a><a href="#FNAnker_720_720"><span class="label">[720]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 7. Bd., 27 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_721_721" id="Fussnote_721_721"></a><a href="#FNAnker_721_721"><span class="label">[721]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Krit. Schriften, 1. Bd., 108 f. Vgl.
-<em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, Vorlesungen (Minor), II, 10.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_722_722" id="Fussnote_722_722"></a><a href="#FNAnker_722_722"><span class="label">[722]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 109 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_723_723" id="Fussnote_723_723"></a><a href="#FNAnker_723_723"><span class="label">[723]</span></a> Ebd., 123 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_724_724" id="Fussnote_724_724"></a><a href="#FNAnker_724_724"><span class="label">[724]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 131 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_725_725" id="Fussnote_725_725"></a><a href="#FNAnker_725_725"><span class="label">[725]</span></a> Ebd., 178.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_726_726" id="Fussnote_726_726"></a><a href="#FNAnker_726_726"><span class="label">[726]</span></a> Ebd., 240 f. Zu vgl. noch 235, 280, 288, 307 f., 311,
-313.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_727_727" id="Fussnote_727_727"></a><a href="#FNAnker_727_727"><span class="label">[727]</span></a> Ebd., 239 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_728_728" id="Fussnote_728_728"></a><a href="#FNAnker_728_728"><span class="label">[728]</span></a> Ebd., 223 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_729_729" id="Fussnote_729_729"></a><a href="#FNAnker_729_729"><span class="label">[729]</span></a> Dorothea Schlegel, hrg. v. <em class="gesperrt">Raich</em>, 1. Bd., 25.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_730_730" id="Fussnote_730_730"></a><a href="#FNAnker_730_730"><span class="label">[730]</span></a> Ebd., 25, und Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 146.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_731_731" id="Fussnote_731_731"></a><a href="#FNAnker_731_731"><span class="label">[731]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 161, 165; vgl.
-Dorothea Schlegel, 1. Bd., 26.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_732_732" id="Fussnote_732_732"></a><a href="#FNAnker_732_732"><span class="label">[732]</span></a> WW., 11. Bd., 384; 12. Bd., 272.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_733_733" id="Fussnote_733_733"></a><a href="#FNAnker_733_733"><span class="label">[733]</span></a> Ebd., 12. Bd., 251.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_734_734" id="Fussnote_734_734"></a><a href="#FNAnker_734_734"><span class="label">[734]</span></a> Ebd., 12. Bd., 256.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_735_735" id="Fussnote_735_735"></a><a href="#FNAnker_735_735"><span class="label">[735]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 111, 138, 143 f., 152, 176 f.,
-212, 263, 287 f., 298, 305.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_736_736" id="Fussnote_736_736"></a><a href="#FNAnker_736_736"><span class="label">[736]</span></a> Ebd., 173 f., 313 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_737_737" id="Fussnote_737_737"></a><a href="#FNAnker_737_737"><span class="label">[737]</span></a> Ebd., 156, 224 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_738_738" id="Fussnote_738_738"></a><a href="#FNAnker_738_738"><span class="label">[738]</span></a> Ebd., 160.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_739_739" id="Fussnote_739_739"></a><a href="#FNAnker_739_739"><span class="label">[739]</span></a> Ebd., 183, 194 f., 197, 198.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_740_740" id="Fussnote_740_740"></a><a href="#FNAnker_740_740"><span class="label">[740]</span></a> Ebd., 122.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_741_741" id="Fussnote_741_741"></a><a href="#FNAnker_741_741"><span class="label">[741]</span></a> Ebd., 117.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_742_742" id="Fussnote_742_742"></a><a href="#FNAnker_742_742"><span class="label">[742]</span></a> Ebd., 271 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_743_743" id="Fussnote_743_743"></a><a href="#FNAnker_743_743"><span class="label">[743]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11. Bd., LIX.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_744_744" id="Fussnote_744_744"></a><a href="#FNAnker_744_744"><span class="label">[744]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 192.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_745_745" id="Fussnote_745_745"></a><a href="#FNAnker_745_745"><span class="label">[745]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 813 ff, 320 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_746_746" id="Fussnote_746_746"></a><a href="#FNAnker_746_746"><span class="label">[746]</span></a> Ebd., 278 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_747_747" id="Fussnote_747_747"></a><a href="#FNAnker_747_747"><span class="label">[747]</span></a> Ebd., 284 ff., 306.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_748_748" id="Fussnote_748_748"></a><a href="#FNAnker_748_748"><span class="label">[748]</span></a> Ebd., 165 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_749_749" id="Fussnote_749_749"></a><a href="#FNAnker_749_749"><span class="label">[749]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Welti</em>, Geschichte des Sonettes in der
-deutschen Dichtung, Leipzig 1884, 162 ff., 176 ff., und Schlegels
-Vorlesung ber das Sonett im Anhange daselbst.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_750_750" id="Fussnote_750_750"></a><a href="#FNAnker_750_750"><span class="label">[750]</span></a> Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe, Stuttgart,
-Spemann, 2. Bd., S. 46. Dante singt nach Tieck &#8222;in prophetischen,
-wunderbar verschlungenen Terzinen seine Dichtung, nirgend ein
-Stillstand, nirgend wo die Pracht der gewaltigen Verse aufhrte...&#8220;
-Phantasien, 27.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_751_751" id="Fussnote_751_751"></a><a href="#FNAnker_751_751"><span class="label">[751]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 140, 145, 153.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_752_752" id="Fussnote_752_752"></a><a href="#FNAnker_752_752"><span class="label">[752]</span></a> Tieck liebt das Spiel mit gehuften Reimen auch sonst,
-schon blo des musikalischen Klanges wegen. (Schferlied, Zulmas
-Monolog, Golos Lieder.) Vgl. A. <em class="gesperrt">Kerr</em>, Godwi, 99 ff., und
-<em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 13, 310 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_753_753" id="Fussnote_753_753"></a><a href="#FNAnker_753_753"><span class="label">[753]</span></a> WW., 7, 41.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_754_754" id="Fussnote_754_754"></a><a href="#FNAnker_754_754"><span class="label">[754]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 167.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_755_755" id="Fussnote_755_755"></a><a href="#FNAnker_755_755"><span class="label">[755]</span></a> Ebd., 223.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_756_756" id="Fussnote_756_756"></a><a href="#FNAnker_756_756"><span class="label">[756]</span></a> Ebd., 228 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_757_757" id="Fussnote_757_757"></a><a href="#FNAnker_757_757"><span class="label">[757]</span></a> Ebd., 254 ff.; vgl. 260 ff., 264 ff., 268, 289 ff., 293
-ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_758_758" id="Fussnote_758_758"></a><a href="#FNAnker_758_758"><span class="label">[758]</span></a> Ebd., 253 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_759_759" id="Fussnote_759_759"></a><a href="#FNAnker_759_759"><span class="label">[759]</span></a> Ebd., 234.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_760_760" id="Fussnote_760_760"></a><a href="#FNAnker_760_760"><span class="label">[760]</span></a> Ebd., 316 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_761_761" id="Fussnote_761_761"></a><a href="#FNAnker_761_761"><span class="label">[761]</span></a> Ebd., 202 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_762_762" id="Fussnote_762_762"></a><a href="#FNAnker_762_762"><span class="label">[762]</span></a> Ebd., 145 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_763_763" id="Fussnote_763_763"></a><a href="#FNAnker_763_763"><span class="label">[763]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 7. Bd., 41 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_764_764" id="Fussnote_764_764"></a><a href="#FNAnker_764_764"><span class="label">[764]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 7. Bd., 43.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_765_765" id="Fussnote_765_765"></a><a href="#FNAnker_765_765"><span class="label">[765]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 119, 128, 129, 145, 146, <span class="antiqua">5
-ff.</span>, 151, <span class="antiqua">25 f.</span>, 152, 156, 201, 267, 283.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_766_766" id="Fussnote_766_766"></a><a href="#FNAnker_766_766"><span class="label">[766]</span></a> Ebd., 146, 149, 184, 185, 202, 244, 254, 264, 266, 270,
-312, 317.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_767_767" id="Fussnote_767_767"></a><a href="#FNAnker_767_767"><span class="label">[767]</span></a> Auffallend ist das Fehlen der Schlussreime von S. 211 in
-der gleichen Situation wie S. 152.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_768_768" id="Fussnote_768_768"></a><a href="#FNAnker_768_768"><span class="label">[768]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 132.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_769_769" id="Fussnote_769_769"></a><a href="#FNAnker_769_769"><span class="label">[769]</span></a> Ebd., 167 f.; vgl. 181 f.; 211.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_770_770" id="Fussnote_770_770"></a><a href="#FNAnker_770_770"><span class="label">[770]</span></a> Ebd., 218 ff.; vgl. 241 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_771_771" id="Fussnote_771_771"></a><a href="#FNAnker_771_771"><span class="label">[771]</span></a> Archiv der Zeit, a.a.O., 470.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_772_772" id="Fussnote_772_772"></a><a href="#FNAnker_772_772"><span class="label">[772]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Solger</em>, 1. Bd., 501, und <em class="gesperrt">Tieck</em>,
-Schriften, 1. Bd., XXXII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_773_773" id="Fussnote_773_773"></a><a href="#FNAnker_773_773"><span class="label">[773]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Seuffert</em>, Maler Mller, 147 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_774_774" id="Fussnote_774_774"></a><a href="#FNAnker_774_774"><span class="label">[774]</span></a> WW., 8, 143 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_775_775" id="Fussnote_775_775"></a><a href="#FNAnker_775_775"><span class="label">[775]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXX.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_776_776" id="Fussnote_776_776"></a><a href="#FNAnker_776_776"><span class="label">[776]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 3. Bd., 362.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_777_777" id="Fussnote_777_777"></a><a href="#FNAnker_777_777"><span class="label">[777]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 6. Bd., 158; vgl. &#8222;Europa&#8220;,
-1. Bd., 2. St., 74.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_778_778" id="Fussnote_778_778"></a><a href="#FNAnker_778_778"><span class="label">[778]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 171.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_779_779" id="Fussnote_779_779"></a><a href="#FNAnker_779_779"><span class="label">[779]</span></a> &#8222;Europa&#8220;, 1. Bd., 1. St., 57.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_780_780" id="Fussnote_780_780"></a><a href="#FNAnker_780_780"><span class="label">[780]</span></a> WW., 10. Bd., 20.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_781_781" id="Fussnote_781_781"></a><a href="#FNAnker_781_781"><span class="label">[781]</span></a> &#8222;Europa&#8220;, 2. Bd., 95 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_782_782" id="Fussnote_782_782"></a><a href="#FNAnker_782_782"><span class="label">[782]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 1. Bd., 867.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_783_783" id="Fussnote_783_783"></a><a href="#FNAnker_783_783"><span class="label">[783]</span></a> Ebd., 8. Bd., 146 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_784_784" id="Fussnote_784_784"></a><a href="#FNAnker_784_784"><span class="label">[784]</span></a> Ebd., 6. Bd., 431, und 11. Bd., 145.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_785_785" id="Fussnote_785_785"></a><a href="#FNAnker_785_785"><span class="label">[785]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 2. Bd., 363 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_786_786" id="Fussnote_786_786"></a><a href="#FNAnker_786_786"><span class="label">[786]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 1. Bd., 312.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_787_787" id="Fussnote_787_787"></a><a href="#FNAnker_787_787"><span class="label">[787]</span></a> Geschichte der poetischen Litteratur Deutschlands,
-Paderborn 1866, 2. Theil, S. 68.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_788_788" id="Fussnote_788_788"></a><a href="#FNAnker_788_788"><span class="label">[788]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 1. Bd., 136.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_789_789" id="Fussnote_789_789"></a><a href="#FNAnker_789_789"><span class="label">[789]</span></a> Ebd., 3. Bd., 174.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_790_790" id="Fussnote_790_790"></a><a href="#FNAnker_790_790"><span class="label">[790]</span></a> Ebd., 2. Bd., 187.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_791_791" id="Fussnote_791_791"></a><a href="#FNAnker_791_791"><span class="label">[791]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, 1. Bd., 465 ff. Tiecks Antwort, 500 ff.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_792_792" id="Fussnote_792_792"></a><a href="#FNAnker_792_792"><span class="label">[792]</span></a> Vgl. die Tagebuchnotiz im 1. Bd., S. 7 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_793_793" id="Fussnote_793_793"></a><a href="#FNAnker_793_793"><span class="label">[793]</span></a> Schriften, 1. Bd., XXXI.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_794_794" id="Fussnote_794_794"></a><a href="#FNAnker_794_794"><span class="label">[794]</span></a> &#8222;Was ich erlebte&#8220;, 4. Bd., 389.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_795_795" id="Fussnote_795_795"></a><a href="#FNAnker_795_795"><span class="label">[795]</span></a> Schriften, 1. Bd., XXXII.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_796_796" id="Fussnote_796_796"></a><a href="#FNAnker_796_796"><span class="label">[796]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXXII;
-<em class="gesperrt">Kpke</em>, L. Tieck, 1. Bd., 260; <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 1.
-Bd., 241 f.; &#8222;Vierzig Jahre&#8220;, Breslau 1845, 5. Bd., 61. Schriften der
-Goethe-Gesellschaft, 13. Bd., XLIV.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_797_797" id="Fussnote_797_797"></a><a href="#FNAnker_797_797"><span class="label">[797]</span></a> Schillers Briefwechsel mit Krner, hrg. v.
-<em class="gesperrt">Gdecke</em>, Leipzig 1874, 2. Theil, 362.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_798_798" id="Fussnote_798_798"></a><a href="#FNAnker_798_798"><span class="label">[798]</span></a> Ebd., 364.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_799_799" id="Fussnote_799_799"></a><a href="#FNAnker_799_799"><span class="label">[799]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXX f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_800_800" id="Fussnote_800_800"></a><a href="#FNAnker_800_800"><span class="label">[800]</span></a> Neue allgemeine deutsche Bibliothek, 58. Bd., 352 ff.
-(1801).</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_801_801" id="Fussnote_801_801"></a><a href="#FNAnker_801_801"><span class="label">[801]</span></a> Briefe, 4. Bd., 98 ff., 232, 552.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_802_802" id="Fussnote_802_802"></a><a href="#FNAnker_802_802"><span class="label">[802]</span></a> Genoveva, 183, <span class="antiqua">2&ndash;3</span>, 223, <span class="antiqua">7&ndash;8</span>, 239,
-<span class="antiqua">7.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_803_803" id="Fussnote_803_803"></a><a href="#FNAnker_803_803"><span class="label">[803]</span></a> Ebd., 210.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_804_804" id="Fussnote_804_804"></a><a href="#FNAnker_804_804"><span class="label">[804]</span></a> Ebd., 255 und 307 f.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_805_805" id="Fussnote_805_805"></a><a href="#FNAnker_805_805"><span class="label">[805]</span></a> Ebd., 233, <span class="antiqua">25&ndash;33</span>, 243, <span class="antiqua">18&ndash;20.</span></p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a name="Fussnote_806_806" id="Fussnote_806_806"></a><a href="#FNAnker_806_806"><span class="label">[806]</span></a> Vgl. G.L. <em class="gesperrt">Klee</em>, Tiecks Werke, 1. Bd., 175
-ff. <em class="gesperrt">Poppenberg</em>, Zacharias Werner, 63 ff. <em class="gesperrt">Minor</em>, Die
-Schicksalstragdie, 10 ff.</p></div>
-
-</div>
-
-<div class="transnote mtop1">
-
-<p class="mbot1 center"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p>Der vorliegende Text wurde anhand der 1899 erschienenen Buchausgabe
-mglichst originalgetreu wiedergegeben. Die Zeichensetzung wurde
-sinngem korrigiert; inkonsistente Schreibweisen wurden beibehalten.
-<span class="htmlinvis">Gesperrte Textstellen wurden in <span class="sans">serifenloser
-Schrift</span> dargestellt.</span> Die folgenden Stellen wurden korrigiert:</p>
-
-<ul>
-<li>S. 2: &bdquo;Skakespeare&ldquo; &rarr; &bdquo;<a href="#Shakespeare">Shakespeare</a>&ldquo;</li>
-<li>S. 92: &bdquo;rthelhaft&ldquo; &rarr; &bdquo;<a href="#raethselhaft">rthselhaft</a>&ldquo;</li>
-<li>S. 166: doppeltes &bdquo;<a href="#und">und</a>&ldquo;; eines entfernt</li>
-<li>S. 191: &bdquo;vercshieden&ldquo; &rarr; &bdquo;<a href="#verschieden">verschieden</a>&ldquo;</li>
-<li>S. 223: &bdquo;Dass&ldquo; &rarr; &bdquo;<a href="#Das">Das</a>&ldquo;</li>
-<li>S. 244: &bdquo;Erscheineu&ldquo; &rarr; &bdquo;<a href="#Erscheinen">Erscheinen</a>&ldquo;</li>
-</ul>
-
-</div>
-
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Ludwig Tiecks Genoveva, als
-romantische Dichtung betrachtet, by Johann Ranftl
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LUDWIG TIECKS GENOVEVA, ALS ***
-
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