diff options
| -rw-r--r-- | .gitattributes | 4 | ||||
| -rw-r--r-- | LICENSE.txt | 11 | ||||
| -rw-r--r-- | README.md | 2 | ||||
| -rw-r--r-- | old/50296-0.txt | 11755 | ||||
| -rw-r--r-- | old/50296-0.zip | bin | 245102 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/50296-h.zip | bin | 334413 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/50296-h/50296-h.htm | 14483 | ||||
| -rw-r--r-- | old/50296-h/images/cover.jpg | bin | 42852 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/50296-h/images/signet.jpg | bin | 10539 -> 0 bytes |
9 files changed, 17 insertions, 26238 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..af0ae3f --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #50296 (https://www.gutenberg.org/ebooks/50296) diff --git a/old/50296-0.txt b/old/50296-0.txt deleted file mode 100644 index 5cdac0d..0000000 --- a/old/50296-0.txt +++ /dev/null @@ -1,11755 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Ludwig Tiecks Genoveva, als romantische -Dichtung betrachtet, by Johann Ranftl - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Ludwig Tiecks Genoveva, als romantische Dichtung betrachtet - -Author: Johann Ranftl - -Editor: Anton Emanuel Schönbach - Bernhard Seuffert - -Release Date: October 24, 2015 [EBook #50296] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LUDWIG TIECKS GENOVEVA, ALS *** - - - - -Produced by Karl Eichwalder, Chuck Greif, Reiner Ruf, and -the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned -images of public domain material from the Google Books -project.) - - - - - - ################################################################## - Anmerkungen zur Transkription - -Der vorliegende Text wurde anhand der 1899 erschienenen Buchausgabe -möglichst originalgetreu wiedergegeben. Die Zeichensetzung wurde -sinngemäß korrigiert; inkonsistente Schreibweisen wurden beibehalten. -Die folgenden Stellen wurden korrigiert: - - S. 2: „Skakespeare“ → „Shakespeare“ - S. 92: „räthelhaft“ → „räthselhaft“ - S. 166: doppeltes „und“; eines entfernt - S. 191: „vercshieden“ → „verschieden“ - S. 223: „Dass“ → „Das“ - S. 244: „Erscheineu“ → „Erscheinen“ - -Von der Nomalschrift abweichende Schriftschnitte wurden durch die -folgenden Sonderzeichen dargestellt: - - kursiv: _text_ - fett: #text# - gesperrt: ~text~ - Kapitälchen: %text% - -In den Fußnoten wurden einige Seitenangaben tiefgestellt wiedergegeben. -Dies wurde im vorliegenden Text durch /Schrägstriche/ symbolisiert. - - ################################################################## - - - - - GRAZER STUDIEN - - ZUR - - DEUTSCHEN PHILOLOGIE - - HERAUSGEGEBEN - - VON - - ANTON E. SCHÖNBACH UND BERNHARD SEUFFERT. - - ~GRAZ.~ - K. K. UNIVERSITÄTS-BUCHDRUCKEREI UND VERLAGS-BUCHHANDLUNG ‚STYRIA‘. - 1899. - - - - - K. K. UNIVERSITÄTS-BUCHDRUCKEREI ‚STYRIA‘ IN GRAZ. - - - - - LUDWIG TIECKS GENOVEVA. - - ALS - - ROMANTISCHE DICHTUNG - - BETRACHTET - - VON - - %Dr.% JOHANN RANFTL. - - - - -Vorwort. - - -Der Romantiker Ludwig Tieck ist eine bedeutende, einflussreiche und -interessante Persönlichkeit. Zu den allerersten, bahnbrechenden und -führenden Geistern unserer Literatur gehört er jedoch nicht. Es mag -daher keineswegs für jedermann selbstverständlich sein, dass man über -eine einzelne Dichtung dieses Mannes ein kleines Buch schreibt. Auch -mir schien es nicht selbstverständlich, bevor ich mich eingehender mit -der Entstehung wie mit dem geistigen und künstlerischen Charakter der -„Genoveva“ befasste. Bei näherer Betrachtung fällt sogleich auf, dass -Tieck selbst gerade diesem romantischen Drama eine besonders wichtige -Stelle in seinem geistigen Entwickelungsgange anweist, es mit Nachdruck -als „Epoche“ in seinem Leben bezeichnet. In seinen späteren Jahren, als -ihm der altdeutsch-religiöse Enthusiasmus der „Genoveva“ längst fremd -geworden war, kommt er mit einer gewissen Liebe und Zärtlichkeit gerade -auf dieses Gedicht immer wieder zurück, das nach seiner Versicherung -ganz aus seinem Gemüthe gekommen, das „gar nicht gemacht, sondern -geworden sei“. - -Auch im großen Leben unserer Literatur gieng Tiecks „Genoveva“ nicht -spurlos und unbemerkt vorüber. Goethe und Schiller und viele Kleinere, -die Theilnahme für geistige Erscheinungen empfanden, nahmen Stellung zu -dem Werke. Es machte den ästhetischen Gesinnungsverwandten Tiecks jenen -erfreulichen Eindruck, den der Dichter gewünscht hatte, es war den -echten Aufklärern ein Stein des Anstoßes, da sie es als Symptom einer -mächtig anwachsenden, ihnen feindlichen, geistigen und literarischen -Strömung ansehen mussten, und als Sammelpunkt des romantischen Geistes -erweckt es heute das lebhafte Interesse des Literarhistorikers -und erwirbt sich das Anrecht auf eine monographische Betrachtung. -Vielleicht ist Tiecks „Octavianus“ ein noch vollständigerer „orbis -pictus“ der Romantik als die „Genoveva“, dafür setzt aber dieses -Werk mit weniger Klügelei, unmittelbarer und frischer der ersten -Begeisterung entströmend dasjenige in dichterische Gestalt um, was -um 1800 die Gemüther der älteren Romantiker erfüllte. Was hier wie -von selbst dem Dichter aus der Seele quoll, wird im „Octavianus“ nur -bewusst erweitert und gesteigert. Darum blieb ich lieber bei der -„Genoveva“, um an diesem typischen Beispiele zu zeigen, wie damals ein -romantisches Kunstwerk entstand, mit welchen künstlerischen Mitteln der -Romantiker seine Theorie dichterisch verwirklichte, und welche Stellung -ein solches Werk in unserer Literatur-Entwickelung einnimmt. - -Mehrere Forscher, vor allem Haym, haben mit Sorgfalt und Scharfsinn -die schwere Aufgabe übernommen, aus dem Chaos von vieldeutigen, -schillernden Sentenzen und Aphorismen, wie aus den ziemlich unklaren -Manifesten der jugendlichen romantischen Stimmführer die leitenden -ästhetischen Gedanken herauszulesen und übersichtlich darzustellen. -In meiner Schrift soll eine Art Gegenprobe versucht und die Art -beleuchtet werden, wie damals jene nebelhaften Theorien in einer -einzelnen Dichtung Gestalt annahmen. Ich glaube, dass eine solche -Einzelbetrachtung zu noch anschaulicherer, genauerer und feinerer -Erkenntnis der romantischen Bestrebungen führen kann. Dass ein -gewisses Bedürfnis nach solchen Untersuchungen besteht, bezeugt die -Thatsache, dass fast gleichzeitig noch drei andere Schriftsteller auf -den nämlichen Gedanken verfielen. Poppenberg untersuchte Mystik und -Romantik in Z. Werners „Söhnen des Thals“, Kerr vertiefte sich in -Brentanos „Godwi“ und Busse in „Novalis’ Lyrik“. - -Eine Durchprüfung des gedruckten Materiales über Tiecks „Genoveva“ -gewährte auch genauere Aufschlüsse über die oft unbestimmt andeutenden -„Vorberichte“, über das Verhältnis des Dichters zu Jakob Böhme, wie -über die romantische Religion von 1800. Gerade über den letzteren -Punkt ist noch manches zu sagen, um Missverständnisse, die in den -Literaturgeschichten gerne wiederholt werden, zu beseitigen. In dieser -rein literar-historischen Untersuchung war natürlich kein Raum, auf den -theologischen Wert oder Unwert der romantischen Religionsanschauungen, -die zunächst meist nur der dichterischen Stimmung dienten, näher -einzugehen. Den mühsamen Versuch H. v. Friesens, Tiecks „Genoveva“ -für den Protestantismus zu „retten“, mit einem leichteren Gegenversuch -zu Gunsten des Katholicismus zu erwidern, scheint mir unnöthig, da mit -solchen Bemühungen nach meinem Dafürhalten dem Katholicismus sowenig -wie der Literaturgeschichte gedient ist. - -Wofern nicht ungedruckte Materialien über Tiecks Persönlichkeit und -Schaffen noch wesentliche neue Aufschlüsse für die in dieser Schrift -behandelte Periode bringen, hoffe ich, mit meiner Arbeit auch einen -brauchbaren Baustein für eine künftige Tieckbiographie geliefert zu -haben. - -Während mein Manuscript bereits für die Druckerei fertig lag, -erschien Bruno Golz’ „Pfalzgräfin Genoveva in der deutschen Dichtung“ -(Leipzig 1897). Über Tiecks Verhältnis zum Volksbuch wie zu Maler -Müllers Drama kommt Golz zu Ergebnissen, die sich mit dem Resultate -meiner Untersuchungen mehrfach decken. Der nothwendigen Abrundung -meiner Arbeit zuliebe, konnte ich aber die betreffenden Abschnitte, -die bereits im Jahre 1896, als ich diese Untersuchung an der Grazer -Universität als Dissertation vorlegte, ihre jetzige Gestalt hatten, -nicht mehr abkürzen, wenngleich sie jetzt nicht durchwegs Neues bringen. - -Zu besonderem Danke für die bereitwilligste Förderung dieser Arbeit -bin ich meinem hochverehrten Lehrer Herrn Prof. Dr. ~Bernhard -Seuffert~ verpflichtet, von dessen Anregungen im deutschen Seminar -diese Untersuchungen ihren Ausgang nahmen. Gerne spreche ich hier auch -den Herren Beamten der Grazer Bibliotheken für ihre Zuvorkommenheit -meinen Dank aus. - - ~Graz~, Pfingsten 1899. - - Johann Ranftl. - - - - -Inhalt. - - - Seite - - #Vorwort# V-VII - - - #I. Das Erwachen des Sinnes für Religion und deutsches - Alterthum# 1-30 - - Tiecks und Wackenroders Freundschaft. Erlangen und Nürnberg. Tiecks - geistige Wandlung. „Herzensergießungen“, „Sternbald“, „Phantasien“. - Tieck als „Klosterbruder“. -- Schleiermacher und Tieck. „Reden - über die Religion“. -- Tiecks Freundschaft mit Novalis. -- Wirkung - der Schleiermacher’schen „Reden“ auf die übrigen Romantiker. Fr. - Schlegels „Mythologie“. -- Tiecks Neigung für das Altdeutsche. - Tieck und die Volksbücher. Äußere Entstehungsgeschichte der - „Genoveva“. „Nicht gemacht, sondern geworden“. - - - #II. Das Volksbuch als Quelle von Tiecks „Genoveva“# 31-66 - - Vergleichung der Dichtung Tiecks mit dem Volksbuch. Tieck benützt - dasselbe im Sinne der Romantik. Erweiterungen im ersten und - enger Anschluss an die Vorlage im zweiten Theile der Tieck’schen - „Genoveva“. Die Angabe des „Vorberichtes“. Die Abänderungen - entsprechen der romantischen Doctrin. Romantische Universalpoesie. - - - #III. Literarische Einflüsse# 67-138 - - 1. ~Tieck und Maler Müller~. (Goethes „Götz“ und „Werther“) 67-84 - - Das aus Müller entlehnte Lied. Ähnliche Charaktere. Ähnliche - Scenen. Naturgefühl. Werther-Nachklänge. Müller’scher Einfluss auf - die Costümbehandlung. Anklänge an „Faust“. -- Tieck Plagiator? - Tieck und Müller geistig verwandt. Tieck passt das Entlehnte seiner - Eigenart an. - - 2. ~Tieck und Shakespeare~ 84-107 - - Tiecks Shakespearestudien. Vorliebe für den „Perikles“. „Gower“ - und „Bonifacius“. Gertrud und die Amme in Romeo und Julia. - Karl Martells Monolog. Macbeth und Abdorrhaman. Die Vorbilder - für die Balkonscene. Der sterbende Wolf und der sterbende - Gaunt. Anregungen für die Hexenscene. Geringer Einfluss des - Wintermärchens. Gerichtsscenen. Shakespeares und Tiecks - Schlachtscenen. Die unheimlichen Naturvorzeichen bei Shakespeare, - Goethe, Müller und Tieck. Formelle Reminiscenzen. -- Tiecks - „Genoveva“ wird durch das Entlehnte nicht wesentlich bestimmt. - Tieck schweigt im „Vorberichte“ von Shakespeare. - - 3. ~Tieck und Calderon~ 107-115 - - Tiecks spanische Studien. Calderon fördert die religiöse - Kunststimmung. Vers- und Strophenformen. Meist verschieden bei - Tieck und Calderon verwendet. Die lyrischen Ergüsse. Die Allegorie - des Todes. Kleinere Anklänge. -- Calderons Einfluss nur für Form - und Stimmung der „Genoveva“ bedeutend. - - 4. ~Tieck und Jakob Böhme~ 115-138 - - Tieck entdeckt die „Morgenröthe“. Die Zeugnisse für Tiecks - Böhmestudium. Warum bewundert Tieck Böhmes Mystik? „Die - Morgenröthe“. Böhmes Gedanken in der Rede des „Unbekannten“, in den - Reden der Hexe und in der Sterbevision. -- Die Art der Verwendung - von Böhmes Mystik bei Tieck. Die Böhmeschwärmerei der Romantiker. - - Überblick über die Anregungen und literarischen Einflüsse - auf die „Genoveva“. - - - #IV. Charakteristik der „Genoveva“# 139-242 - - 1. ~Das romantische Drama. -- Composition~ 139-153 - - Tieck erstrebt nicht stoffliche Neuheit. Möglichkeit und - Schwierigkeit, in verschiedenen Gattungsformen zu dichten. - Unausgeglichene Gegensätze bei Tieck. Die Heiligkeit der - „Tradition“. Alles Poetische darf in das romantische Werk - aufgenommen werden. Weder eine rechte Haupthandlung noch eine - führende Hauptperson. Entspricht der romantischen Theorie. - Willkürlicher Wechsel von Ort und Zeit. Ort und Zeit der Stimmung - dienstbar. Äußerliche Künstlichkeit: Symmetrie, Contraste, - Parallelen, ahnungsvolle Beziehungen. Tieck und Bernhardi mit der - äußeren Künstlichkeit zufrieden. - - 2. ~Das Religiöse~ 153-166 - - Die Religion stimmungsvolle Decoration. Reine und trübe religiöse - Anschauungen. Gut abgewogene Vertheilung auf die einzelnen Figuren. - Der religiöse „Ton“ nicht gleichmäßig festgehalten. Das unmittelbar - Gegenwärtige fehlt. Widersprüche. Romantische Religion. - - 3. ~Das Costüm~ 166-172 - - Tiecks Gedanken darüber. Anwendung auf die „Genoveva“. Tiecks - richtige Ansicht. -- Was erfahren wir von der äußeren Erscheinung - der einzelnen Figuren? Idealisierende Allgemeinheit. Das Auge. - - 4. ~Das Naturgefühl~ 172-187 - - Tiecks beständige Liebe zur Natur. Seine Worte über das poetische - Naturgefühl. Das sympathetische Naturgefühl in der „Genoveva“. - Abergläubische und mystische Naturanschauung. Das Grauen vor - der Natur. Religiöses Naturempfinden. Wirkung der Natur auf den - Menschen. Stimmungshintergrund und Contrast. Gleichnisse, Metaphern - und Composita aus dem Naturleben. Gewisse Zeiten als poetisch - bevorzugt. Licht, Glanz und Ton. Tieck und Goethes „Werther“. - Stimmung und Chronologie. Wenig religiöse Naturempfindung. Das - „Klima“. - - 5. ~Die Charaktere~ 187-193 - - Directe und indirecte Charakterzeichnung. Beides nicht immer - glücklich verbunden. Genoveva und Golo. Golo am besten dargestellt. - Matte Nebenfiguren. Urtheile über die Charakteristik. Romantische - Künstlichkeiten. - - 6. ~Der Stil~ 193-222 - - Petrichs Schrift über den romantischen Stil. Sprachliche - Darstellung des Religiösen. Fromme Redensarten. Schilderung - der Wunder und Visionen. Gebet und Erbauungsrede. Mystische - und fatalistische Redeweise. -- Romantische Vorliebe für den - Archaismus. Archaismen in der „Genoveva“. Solgers Urtheil. -- - Stimmungmalende und musikalische Darstellung des Naturgefühles. -- - Die lyrischen Monologe. Tieck entfernt sich vom Anschaulichen. Die - Worte für zeitliche und räumliche Fernen. Innigkeit im Ausdruck. - Die Sprache der Leidenschaft. Steigerung ins Ungewöhnliche. -- - Tropen und Figuren. -- Theatralisches in der Diction. Der Dialog. - -- Unklarheit des romantischen Stiles. Tieck ist auch in der - Sprache zugleich Stimmungsidealist und künstelnder Virtuose. - Nüancierung der Sprache. - - 7. ~Prosa und Metrik~ 222-242 - - A.W. Schlegel über Prosa und Rhythmus. Tieck über das Verhältnis - von metrischer Form und Inhalt. -- Die Prosa in der „Genoveva“. - Manchmal in Verse übergehend. -- Die romanischen Strophenformen: - Stanze, Sonett, Terzine, Redondille. Lieder. Freie Rhythmen. - Blankvers. Blankvers und Prosa. Shakespeare Tiecks Vorbild. Die - metrische Mannigfaltigkeit gefällt den Romantikern. -- - - Rückblick und zusammenfassende Charakteristik der romantischen - Dichtung „Genoveva“. Verwandtes in der gleichzeitigen Literatur. - Das Genovevadrama der Geniezeit und die Genovevadichtung der - Romantik. - - - ~V. Urtheile der Zeitgenossen über Tiecks „Genoveva“~ 243-256 - - Die Romantiker und ihre Freunde. Tieck und Heinrich Schmidt. Die - Brüder Schlegel. Mnioch. Karl v. Hardenberg. Bernhardi. A. v. - Arnim. Brentano. Eichendorff. H. v. Chezy. Rochlitz. Koberstein. - Tieck-Solger. Förster. Steffens. -- Goethe. Körner. Schiller. -- - Kotzebue. Iffland. -- Nicolai. Merkel. - - Tiecks „Romantische Dichtungen“. „Kaiser Octavianus“. Tiecks - Neuausgaben der „Genoveva“. -- „Die Klosterbrüder von S. Isidoro“. - Romantische Dramatiker nach Tieck. Chr. v. Schmid. - - #Register# 257-258 - - - - -I. - -Das Erwachen des Sinnes für Religion und deutsches Alterthum. - - -Tiecks „Genoveva“ bildet einen Markstein in der Entwickelung der -deutschen Romantik. Zwei geistige Richtungen sind es vor allem, aus -deren Kreuzung jene eigenthümliche Gefühls- und Gedankenwelt erwächst, -welche zuerst in der „Genoveva“ eine üppig reiche poetische Gestalt -gewinnt: die Liebe zur altdeutschen Vergangenheit und die poetische -Neigung zu katholisierender Religiosität. Diese Neigung und jene Liebe -kennzeichnen den echten Romantiker an der Scheide des 18. und 19. -Jahrhunderts. Die Liebe zur alten Zeit reicht bis in die Jahre des -Goethe’schen „Götz“ und seines Gefolges ritterlicher Dramen zurück, die -in Tiecks Jugendzeit die deutsche Bühne noch vielfach beherrschten.[1] -Die religiöse Kunstbegeisterung Tiecks leitet ihren Ursprung aus -den schönen Tagen der Jugendfreundschaft mit Wackenroder her. Diese -Freundschaft war für Tieck von den bedeutsamsten Folgen. Denn aus dem -Ideenaustausche mit Wackenroder erblüht dem Rationalisten erst die -rechte innige poetische Stimmung und mit ihm zusammen lernt er, was -Frömmigkeit ist, fühlen und er sucht sie aus der Kunst der alten Zeiten -wieder heraufzuholen. So verbinden sich bald religiöse Stimmung und -Sinn für deutsches Alterthum im Gemüthe der Freunde. - -Nicht die productive eigene Thätigkeit des früh geschiedenen Jünglings -Wackenroder (1798 starb der fünfundzwanzigjährige) sichert diesem -einen Platz in der deutschen Literatur- und Kunstgeschichte, sondern -seine richtunggebende Einwirkung auf andere empfängliche Gemüther, -in erster Linie auf Ludwig Tieck. Die beiden waren Freunde vom -Gedicke’schen Gymnasium her. 1792 gieng Tieck von Berlin fort auf -die Hallische Universität. Wackenroder musste nach dem Willen seines -Vaters, der ihn noch nicht für das akademische Studium reif hielt, in -Berlin zurückbleiben. Ein schwärmerischer Briefwechsel entschädigte -die Freunde für den persönlichen Verkehr. Tieck ist Wackenroders -Freund aus ganzer Seele. Er ist der reifere, erfahrenere, geistig -ältere und gewandtere, besonders in allen literarischen Dingen. Der -schwermüthige Dichter des „Abdallah“ durchlebt in Halle düstere -Stunden, in denen die Leiden und Zweifel des „William Lovell“ sein -Inneres durchstürmen. Seine Phantasie und sein Gefühl gehen jetzt -noch mehr auf das Erhabene als auf die „kleinen Empfindungen“. Neben -Goethe und Shakespeare begeistert ihn besonders der junge Schiller. -Die wilde Kraft der „Räuber“ ist es, die sein Inneres „zerreißt und -vernichtet“. Je unbefriedigter er in sich selbst ist, je düsterer sich -sein Gemüth umschattet, desto mehr Bedürfnis und Sehnsucht hat er -nach Freundschaft; je heftiger er nach Idealen ringt, die er selbst -nicht besitzt, desto nöthiger ist ihm ein idealischer Freund wie -Wackenroder. Wackenroder, der kindliche, schüchterne, noch unbeholfene, -eine Natur voll stiller Heiterkeit, Sinnigkeit und von anschmiegsamem -Wesen, eine Seele voll einfacher, schlichter Frömmigkeit, kennt in -seiner schwärmerischen Hingebung an Tieck keine Grenze. Er ist ganz -Herzlichkeit und Innigkeit und mädchenhafte Zärtlichkeit; er ist -berauscht und entzückt im Gefühle des Glückes, Tiecks Freund sein zu -dürfen, selig und zufrieden, wenn er nur ein Glied in der Kette ist, -die den trübsinnigen, mit Todesgedanken spielenden Genossen noch an -diese Erde fesselt. - -So erstehen die beiden Freunde vor dem Geiste des Betrachters, der -ihren Briefwechsel aus den Jahren 1792 und 1793 durchblättert.[2] -Den Sommer 1793 verlebten sie in glücklicher Gemeinschaft in der -Universitätsstadt Erlangen, den Winter 1793/94 in Göttingen. In -Erlangen tritt das süddeutsche Leben in ihren Gesichtskreis und wirkt -mächtig auf diese jungen empfänglichen Gemüther. Eine neue Welt thut -sich ihnen auf. In Bamberg, dem „deutschen Rom“,[3] ergötzt sich -ihre Phantasie an der Pracht des katholischen Gottesdienstes. In -Nürnberg steigt die gemüthsinnige, schlichte und tiefe altdeutsche -Kunst und altes Künstlerleben vor ihrem entzückten Geiste auf.[4] -Im Fichtelgebirge spricht die stille Waldeinsamkeit märchenhaft und -wundersam die jungen Gemüther an.[5] - -Bisher war in Tieck „die Mischung des Berlinischen Verstandes mit -dem erwachten Phantasie- und Gefühlsleben, dieser Zusammenstoß von -Reflexion und Enthusiasmus productiv geworden“.[6] Bis jetzt hatte -Tieck auch meist im Dienste anderer gedichtet, was ihm aufgetragen -worden war, ohne besonderen warmen Herzensantheil und ohne tieferen -Glauben an das, was er mit virtuoser, spielender Leichtigkeit -darstellte. Es war ein jugendlich leichtsinniges poetisches Schaffen. -Dies wird an Wackenroders Seite allgemach anders. Dieser Freund, dem -kaum ein leidlicher Vers gelingen wollte, war dafür von einem echten, -seelentiefen Enthusiasmus, von wahrer, herzlicher Andacht für Kunst -und Poesie erfüllt. Er glühte für das Nämliche, dem Tieck bisher nur -mit halber Seele gedient hatte. „Idealische Kunstschönheit ist der -Lieblingsgegenstand meines Geistes“ sagt Wackenroder von sich.[7] Bald -schreibt ihm auch Tieck: „Genau genommen solltest Du Dich ganz allein -mit der Musik, und ich mit der Dichtkunst beschäftigen; denn die Welt -ist wirklich nicht für uns, sowie wir nicht für die Welt...“[8] An -der Seite dieses Freundes erst lernt Tieck, der unstäte und haltlose, -der bis dahin in trüber und nüchterner Resignation hinter dem Großen -und Erhabenen Schein und Trug, hinter dem Wahren und Guten überall -die Engherzigkeit lauern sah, den Wert hingebungsvoller Verehrung, -positiven Empfindens, den wahren seelenerfüllenden Enthusiasmus so -recht kennen und schätzen. Wackenroders innerer Reichthum theilte sich -der unruhigen, abgehetzten Seele mit. Freundschaft und hingebende -Kunstbegeisterung beschwören die düsteren Geister, denen Tiecks Seele -seit langem verfallen war. Freundschaft und Kunstandacht verfeinern -und veredeln seine Gefühle und geben ihm neuen Lebensmuth.[9] Der -ernstere Kunstgenuss wird ihm eine Erlösung. „Das arme dürstende Herz -wird durch nichts in dieser Welt so gesättigt, als mit dem Genuss der -Kunst, der feinsten Art, sich selber zu fühlen und zu verstehen.“[10] - -Empfindung und Begeisterung für Kunst und Poesie waren das einigende -Band, welches diese Freundesherzen fest und dauernd aneinander -fesselte. In der „milden Temperatur eines künstlerischen Sinnes“ -athmeten ihre Seelen. In schöner Eintracht nahen die beiden, innig -verehrend, der Kunst in jeder Gestalt. Was ihre Seele dabei erfüllte, -findet in den „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ -(1797), in „Franz Sternbalds Wanderungen“ (1798) und in den „Phantasien -über die Kunst für Freunde der Kunst“ (1799) seinen literarischen -Ausdruck. Jedes Kunstwerk -- erfahren wir hier -- das die Menschenbrust -mit seinem Zauber anrührt, hat seine Berechtigung. Es ist ja „das -Kunstgefühl nur ein und derselbe himmlische Lichtstrahl, welcher -aber, durch das mannigfach geschliffene Glas der Sinnlichkeit unter -verschiedenen Zonen sich in tausenderlei verschiedene Farben bricht“, -und dem großen Schöpfer „ist der gothische Tempel so wohlgefällig -als der Tempel der Griechen.“[11] Jede künstlerische Eigenart muss -geachtet werden: Raphael, Michelangelo, Dürer, Watteau. Es ist Herders -Geist, der hier Wackenroders schlichte, fromme Sprache redet und in -schüchterner Ahnung für die Betrachtung der bildenden Künste ähnliche -Gedankenperspectiven eröffnet wie für die Dichtung die Schlegel’sche -Doctrin von der einen alles umfassenden romantischen Universalpoesie. - -Herders Anschauungsweise spricht auch aus der Art der -Wackenroder-Tieck’schen Kunstbetrachtung. Diese wird zur -„Herzensergießung“, niemals zum vernünftelnden Kritisieren oder zum -rationalistisch nüchternen Theoretisieren.[12] Es handelt sich beim -Anschauen der Kunstwerke darum, „dass man mit entgegenkommendem Herzen -in sie hineingehe, und in ihnen lebe und athme“[13] und „von der -echten Kunst sollte nie ohne Enthusiasmus gesprochen werden“.[14] Das -Gemüth ist hier das ästhetische Organ. Die wunderbaren Regungen „im -inneren Gemüthe“, das Betrachten „mit Ernst und Innigkeit“, das „innige -Verstehen“, das „innigliche Verehren“... das sind Lieblingsausdrücke, -die Wackenroders und Tiecks seelisch innerliche Richtung und -gemüthvolle Hingabe an die Kunst auch schon in ihrer Sprache -kennzeichnen. - -Das Kunstgefühl, hieß es, ist ein „himmlischer Strahl“ und Gott ist -es, der mit Wohlgefallen auf den gothischen und griechischen Tempel -herniederschaut. Ernste religiöse Anschauung, ein tief frommes Fühlen -beherrscht die reine Seele Wackenroders ganz und gar. Natur und Kunst -sind ihm zwei wunderbare Sprachen von geheimnisvoller Kraft, mit denen -Gott zum Menschen redet.[15] Sein frommes Denken geht von Gott aus und -kehrt zu Gott zurück „wie der Geist der Kunst -- wie aller Geist von -Ihm ausgeht, und durch die Atmosphäre der Erde, Ihm zum Opfer wieder -entgegendringt“.[16] Den edlen Kunstgenuss vergleicht er mit dem -Gebete. Beides muss der Mensch „zum Wohle seiner Seele gebrauchen“, zu -beiden darf er nur in stiller Sammlung hintreten, in seligen Stunden, -da die Gunst des Himmels das Herz mit hoher Offenbarung erleuchtet. -Bildersäle sollten nicht Jahrmärkte, sondern Tempel sein.[17] Die -geistliche Musik ist das Höchste und Edelste, die religiöse Malerei und -Poesie das Ehrwürdigste. Die Kunst ist dem Klosterbruder in der That -eine religiöse Liebe oder eine geliebte Religion. - -Ob auch viele Gedanken Wackenroders und Tiecks jeder positivgläubige -Katholik und Protestant unterschreiben kann, so wäre es trotzdem -irrthümlich und voreilig, an eine tiefere eigentlich religiöse -Beziehung der beiden zu irgend einer kirchlichen Confession zu denken. -In der Hauptsache ist und bleibt die Religion der beiden Freunde eine -Kunst- und Herzensreligion, die weiter um Bibel und kirchliche Dogmatik -vorläufig nicht fragt. Auf ein allgemeines, unbestimmtes religiöses -Bedürfnis, auf „eine Sehnsucht zum Religiösen“ deuten allerdings -manche spätern Äußerungen Tiecks.[18] Zunächst ist es ein subjectives -frommes Gefühl, das, durch das Medium der Begeisterung an katholischen -Kunstwerken hindurchgehend, allerdings mehr oder weniger katholische -Färbung annimmt.[19] - -Die Herzensergüsse Tiecks und Wackenroders über die alte Kunst und -die alten Zeiten bezeichnen auch ein neues Stadium in der Auffassung -des Mittelalters. Dem Aufklärer war dasselbe eine Zeit der Barbarei, -der Nacht und Finsternis auf allen geistigen und materiellen -Lebensgebieten. Noch das Buch des Professors Meiners, „Historische -Vergleichung der Sitten und Verfassungen, der Gesetze und Gewerbe, -des Handels und der Religion, der Wissenschaften und Lehranstalten -des Mittelalters mit denen unseres Jahrhunderts in Rücksicht auf die -Vortheile und Nachtheile der Aufklärung“, das 1793 und 1794 erschien, -enthält den Inbegriff alles dessen, was ein richtiger Aufklärer dem -Mittelalter Übles nachsagen konnte.[20] Allein schon zwei Jahrzehnte -zuvor hatte kein Geringerer als Herder in seiner kleinen Schrift -„Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit“ -(1774) es gewagt, der aufgeklärten Gegenwart ein langes Sündenregister -vorzuhalten und im verachteten Mittelalter eine Reihe von Vorzügen -zu entdecken. „Erklären“ wollte er das Mittelalter, wenn auch nicht -loben und preisen. Neben den Schattenseiten wollte er auch das Große, -Erhabene und Herrliche dieser verkannten Epoche nicht übersehen. -Für ihn ist das Mittelalter eine nothwendige Durchgangsstufe auf -dem Entwickelungswege der Menschheit. Wenn wir schon bei Herder -den boshaften Seufzer: „In unserem Jahrhundert ist leider! so viel -Licht!“ hören, so blicken wir unwillkürlich auf die kommende Romantik -voraus. Wenn der nämliche Herder auch in späteren Werken wieder -geringer vom Mittelalter denkt, in jenen früheren Ansichten, die dem -Sturm- und Dranggeiste entstammen, kann er als wahres Zwischenglied -zwischen Aufklärung und Romantik gelten. Verdammung und Verachtung des -Mittelalters beim Aufklärer, Erklärung des historisch Gewordenen und -Gewachsenen bei Herder, Bewunderung, Verehrung und Anbetung bei den -Romantikern Tieck und Wackenroder. - -Je tiefer die Freunde von ihrer poetisch-künstlerischen Frömmigkeit -ergriffen werden, desto herber empfinden sie, dass die aufgeklärte -Gegenwart, in der sich eine „Epidemie prosaischer Nüchternheit“ -über die ganze Bildung erstreckte, von den beseligenden wunderbaren -Geheimnissen des Gemüthes so gut wie nichts wisse.[21] - -Wie anders sei es in den herrlichen alten Zeiten Albrecht Dürers -gewesen. Da war die Religion den Menschen „das schöne Erklärungsbuch“, -wodurch sie das Leben erst recht verstehen lernten.[22] „Fromm -und einfach“ war Dürers Wandel; „wie er selbst, sind alle seine -Bilder“.[23] Auch Giovanni da Fiesole betet, bevor er an die Staffelei -tritt und er weint in frommer Rührung, wenn er Christi Leiden am -Kreuze malt.[24] Das waren die wahren und echten Künstler, die nur -darstellten, was voll und warm und innig ihr ganzes Gemüth belebte -und darum wieder so herzbewegend in ihren Werken sich aussprach -und den Beschauer mit heiliger Macht überwältigte. Ein fester und -fruchtbarer Zusammenhang zwischen der religiösen Lebensanschauung der -alten Künstler und der lebendigwirkenden Kraft ihrer Schöpfungen fällt -unseren Freunden allerwegen in die Augen. Eine hehre Weihe umschwebt -für sie daher noch heute das Alte, das dieser begnadeten Zeit entstammt -und „alt“ wird schon in den „Herzensergießungen“, im „Sternbald“ wie in -den „Phantasien“ ein schmückendes ehrendes Beiwort (die „alten“ Maler, -der „alte“ Vasari etc.).[25] - -Endlich dürfen wir nicht unbemerkt lassen, dass Wackenroder und -sein Freund mit einer eigenthümlichen Vorliebe beim Wunderbaren und -Geheimnisvollen verweilen, das dem künstlerischen Schaffen innewohnt, -das sie an übernatürliche Gnadenwirkungen und Eingebungen erinnert. -Es wird das Seltsame und Phantastische an Künstlerpersönlichkeiten -wie Piero di Cosimo in behaglicher Breite geschildert und ebenso die -außerordentliche herrliche Vielseitigkeit eines Geistes wie Lionardo -bewundernd verehrt. „Alle fühlen einen Hang nach dem Wunderbaren in -ihrem Busen“, behauptet Tieck in den „Phantasien“. Ganz besonders aber -die Romantiker, dürfen wir beisetzen. Die Gestalten von Dichtern und -Künstlern werden bald beliebt in romantischen Dichtungen. - -Ziemlich die gleichen Anschauungen und Empfindungen beherrschen die -„Herzensergießungen“, die „Phantasien“ und den ersten Theil des -„Sternbald“. Tieck versucht es mit aller Liebe, in den frommen, -herzlichen Ton seines Freundes einzustimmen. Er arbeitet ein wenig -mit an den „Herzensergießungen“, reichlich an den „Phantasien“ und -dichtet aus der nämlichen Stimmung heraus allein den „Sternbald“, -freilich, ohne im frommen Tone auszuharren bis ans Ende. Tieck bemüht -sich sichtbar, ein zweiter „Klosterbruder“ zu werden. Nur will die -Wackenroder’sche Kunstfrömmigkeit nicht so recht ernstlich von seiner -Seele Besitz ergreifen. Er gefällt sich immer ein wenig in der frommen -Rolle. Er bleibt auch immer ein eleganter Klosterbruder, ein Mönchlein, -das nicht so ganz aus innerem Beruf und Herzensdrang den Berliner -Salon mit der stillen Klosterzelle vertauschte. Ja Tieck geht, wie -manches allzurasch bekehrte Weltkind mit seltsam hastigem Eifer bei -seiner Frömmigkeit zuwerke und schießt dann über das Ziel hinaus. Er -will sich recht energisch fromm anstellen und tritt (alles nur in -der Phantasie selbstverständlich) gleich in Rom zum Katholicismus -über -- seiner Geliebten und seiner Kunst zuliebe. „Die Kunst hat -mich allmächtig hinübergezogen ... ich folgte bloß meinem innerlichen -Geiste, meinem Blute, von dem mir jetzt jeder Tropfen geläuterter -vorkömmt.“[26] Das leichtentzündliche Künstlerblut hat also das meiste -zu dieser poetischen Bekehrung gethan und der „innerliche Geist“ -ist auch nicht viel mehr als eine „prédilection d’artiste“. Der -Enthusiasmus für die Kunst ist immer das Alpha und das Omega. Nur die -Liebe zur Kunst befreundet das Herz dieses Enthusiasten auch mit dem -dargestellten Gegenstande dieser Kunst.[27] Im „Sternbald“ peitscht -Tieck seine Begeisterung für das Katholische so gewaltsam in die -Höhe, dass es immer wie Absicht aussieht, die verstimmt. Tieck stellt -paradox und geistreich den Gedanken Wackenroders, die Kunst müsse -religiös sein, auf den Kopf und sagt: die Andacht ist der höchste und -reinste Kunstgenuss, dessen die menschliche Seele nur in den schönsten -und erhabensten Stunden fähig ist.[28] Im „Sternbald“ finden sich -mancherlei enthusiastische religiöse Herzensergüsse[29] und Tieck lässt -hier bereits Ludovico eine Standrede gegen Luther halten,[30] gegen -den Mann, dem erst noch kurz zuvor der „Klosterbruder“ seine warme -Verehrung bezeugt hatte.[31] Von den Nachfolgern Luthers befürchtet -Sternbalds Freund Ludovico, dass sich „statt der Fülle einer göttlichen -Religion eine dürre, vernünftige Leerheit, die alle Herzen schmachtend -zurücklässt, erzeugt“. Eine poetische Hinneigung zur katholischen -Religion wird wiederholt mit nachdrücklichster Deutlichkeit -hervorgekehrt. Der Katholicismus ist eine Religion, „die wie ein -wunderbares Gedicht vor uns da liegt“. Dies ist aber auch alles. - -Tieck vermag viel im Anempfinden, ja im künstlerischen Einfühlen in -eine Rolle. Er besaß die nachschaffende Kraft des Schauspielers im -hohen Maße und galt im Freundeskreise als großes schauspielerisches -Talent. Aber in das harmonisch gestimmte Empfinden Wackenroders sich -einzuleben, wie er gerne möchte, gelingt ihm doch nicht ganz. Das eine -ist deutlich: Tieck ist in den Aufsätzen, die er zu den „Phantasien“ -beisteuerte und im „Sternbald“ ein ganz anderer geworden, als er in den -vorhergehenden Schauergeschichten und in den übermüthig verneinenden -satirischen Komödien war, wenn er auch die letzteren noch in die -neue Periode seines Dichtens mit hinübernimmt. Er fühlte auch selbst -freudig die beruhigende und segensreiche Wirkung des Wackenroder’schen -Geistes. Er ist beglückt, dass er endlich mit dem neuen Enthusiasmus -einen Mittelpunkt für sein Dasein gefunden zu haben glaubt.[32] Auch -A.W. Schlegel hat diese geistige Wandlung Tiecks in dessen Dichtungen -gespürt. „Seine Einbildungskraft, die sich im ‚William Lovell‘ zum -Theil in trüben Phantomen herumtrieb und ihre Flüge verschwendete, -ist seitdem auffallend zu größerer Heiterkeit und Klarheit -hindurchgedrungen. Das Trauerspiel ‚Karl von Berneck‘ und sonst hie und -da Spuren von Gewölk gehören noch dem ersten Morgennebel an...“[33] -Die Liebe zum Alten, zum Religiösen und Gemüthsinnigen, ein positives -Empfinden nach so viel Negation und Trübsinn, war der wertvolle Gewinn, -den Tieck seinem geliebten Freunde zu danken hatte, und dass er sich -dessen bewusst war, zeigen der „Traum“[34] und die vier Sonette, die er -trauernd zum Kranze auf das Grab seines Freundes flicht.[35] - - „Wenn das Gewühl der Welt mit tausend Banden - Um Auge, Sinn und Herz sich wollte stricken, - So durft’ ich nur in deine Augen blicken - Und alle Zweifel, alle Räthsel schwanden. - - -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- - - Dann sah ich dich in stiller, frommer Freude - Im ewigen Gebete niederkniend - Einsam Natur und Gott und Himmel lieben.“ - -Diese Eindrücke wirken fort in Tiecks Gemüth, bis sie verstärkt durch -andere Einflüsse, in der „Genoveva“ neue poetische Gestalt annehmen. -Ja, manche Einzelheiten in der „Genoveva“ weisen noch deutlich auf den -„Klosterbruder“ zurück und lassen die Verbindungsfäden sehen, die von -Wackenroder in die Hochblüte der Romantik hinüberführen.[36] - -Tieck war immer leicht empfänglich für Anregungen und Eindrücke -von außen; er hielt sie aber, wenn sie nicht seiner Natur homogen -waren, selten lange und energisch fest. Es drohte auch die hohe -romantisch-religiöse Klosterbruderstimmung ihm unter den Händen zu -entweichen. Gegen Ende des unvollendeten „Sternbald“ scheint es, als ob -das fromme, helle Feuer erlöschen und der keusche Genius, sein Antlitz -verhüllend, hinwegfliehen wollte. In den ziemlich leichtfertigen -Badescenen und den florentinischen Künstlergelagen muss Wackenroders -Vorbild dem des sinnlichen Heinse weichen. In welchem Geiste etwa -der Roman zu Ende geführt worden wäre, lässt sich aus der kleinen -Planskizze nicht entnehmen. Das eine Gefühl aber wird der Leser -nicht los, dass hier die Ideen und der glorreiche Enthusiasmus der -„Herzensergießungen“ gegen Ende zu schon stark verblassen und dass -damit der Weg, der zur „Genoveva“ hinführt, sich verliert. Vielleicht -hätte Tieck diesen Weg zur religiös hochgespannten Dichtung auch nicht -wieder gefunden, wenn ihn nicht eine neue starke Strömung ergriffen -hätte, die das vollendete, was Wackenroders Freundschaft begonnen -hatte, die Einflüsse nämlich, die von Schleiermacher und Novalis, von -Calderon und Jakob Böhme ausgiengen. - - * * - * - -Der persönliche Verkehr mit Schleiermacher scheint nicht von großer -Bedeutung für Tieck gewesen zu sein.[37] Der wortkarge Theologe, -der hartkantige Mann, die einsame „Beichtvaternatur“ war nicht -dazu geschaffen, Tieck gesellig zu fesseln. Was Schleiermachers -Persönlichkeit nicht vermochte, that sein erstes größeres Werk, das -den Verfasser mit einem Schlage berühmt machte, die „Reden über die -Religion“ (1799).[38] - -So wenig als Wackenroders Frömmigkeit und religiöse Kunstverehrung, -trägt Schleiermachers Religion in den „Reden“ eine Spur von Dogmatik -und Systematik an sich. Auch ihm ist im Grunde „Aberglaube lieber -als Systemglaube“. Seine religiösen Anschauungen sind durchaus -romantische.[39] Die Religion ist ihm etwas ganz und gar Individuelles -und Subjectives, sie ist Anschauung und Gefühl des Universums, -innerlich und unmittelbar. Diese religiöse Anschauung ergreift immer -das Ganze, wie die wahre und richtige ästhetische Betrachtung das -Gesammtkunstwerk. Nicht auf Erkenntnis des Universums, wie die -Metaphysik, nicht auf Leitung des menschlichen Handelns, wie die -Moral, zielt die Religion ab. Im Gemüthe und nur im Gemüthe und vor -dem inneren Sinne ist das Göttliche gegenwärtig. Als eine wundervolle -Erleuchtung kommt dieses Anschauen des Universums über die Seele des -Menschen.[40] Schleiermachers religiöses Gefühl ist ästhetischer Natur -oder wenigstens ästhetischen Stimmungen nahe verwandt.[41] - -Der Vortrag in Redeform ist von einem kraftvollen, mächtig -eindringlichen Pathos durchlodert. Denn, sagt Schleiermacher, Religion -verlangt die höchste Kunst und Kraft des Ausdrucks.[42] Es ist ein -Stil, der, wie Fr. Schlegel behauptet, als oratorische Leistung, „eines -Alten nicht unwürdig wäre“.[43] - -Dieser Recensent betrachtet die Reden „durchaus als Incitament für die -Religionsfähigen“.[44] Dass der Dichter der „Genoveva“, in dem die -Wackenroder’schen Anregungen noch leise nachtönten, der inzwischen -auch schon Böhmes „Morgenröthe“, Calderon und das schlichtfromme -Volksbüchlein von der heiligen Genoveva zur Hand genommen hatte, -der nach seinem eigenen Worte einen angeborenen „Instinct“ zur -Religion besaß,[45] zu den „Religionsfähigen“ gehörte, kann nicht -bezweifelt werden. Exactes, systematisches Denken in Religion und -Philosophie war freilich seine Sache nicht, und ein strenges Verfolgen -aller Gedankenwege der trotz aller Systemscheu durch und durch -philosophischen „Reden“ ist bei Tieck nicht vorauszusetzen. Sicher -musste aber die hinreißende oratorische Sprache, die sich öfters zu -einem dithyrambischen Feuer erhebt, in Tiecks Seele zünden und über sie -eine ernste, religiöse Weihestimmung ausgießen. Die feurige Sprache -musste seine Seele ergreifen; denn die „Reden“ Schleiermachers stehen -wie alle Redekunst hart an der Grenze dichterischen Schaffens. - -Über Tieck konnte Fr. Schlegel bald an Schleiermacher berichten: -„Was ich geweissagt, ist geschehen, dass nämlich Tieck von Deiner -Religion grausam begeistert ist.“[46] Diese „grausame Begeisterung“ -ist für Tiecks Seelenverfassung unmittelbar vor Abfassung seiner -„Genoveva“ entschieden wesentlich und bemerkenswert. Dass die bereits -geweckten allgemein religiösen Stimmungen, die poetische Neigung zu -religiösen Stoffen und zu religiöser Auffassung derselben durch die -„Reden“ Schleiermachers eine Steigerung erfahren mussten, ist recht -wohl begreiflich. Wenn Tieck an ernstliche Vertiefung in das Problem -der „Reden“ auch kaum dachte, so scheinen doch ein paar allgemeine -Anschauungen Schleiermachers einen tieferen Eindruck auf ihn gemacht zu -haben, so dass man die Nachwirkung in der „Genoveva“ noch einigermaßen -verfolgen kann. Daneben war auch manche Anschauung, die im Keime -oder in kindlicher Unreife schon in den „Herzensergießungen“ und -„Phantasien“ schüchtern auftauchte, hier zu männlicher Vollkraft und -Reife entwickelt. Ein persönlicher Zusammenhang zwischen Wackenroder -und Schleiermacher lässt sich zwar nicht erweisen,[47] und Wackenroder -war durch die Betrachtung religiöser Kunstwerke, Schleiermacher aber -durch die Betrachtung religiöser Menschen zu seinen Anschauungen -gekommen. Trotzdem ist Verwandtschaft da und kann nicht sonderlich -auffallen: denn sie liegt im gemeinsamen romantischen Geiste, woraus -sich auch erklärt, dass der Kreis der Berliner und Jenenser Genossen -beim Erscheinen der „Reden“ in freudige Erregung gerieth. - -Überdies hat auch Schleiermacher wie Wackenroder das Verhältnis von -Kunst und Religion besprochen, und was Poesie und Kunst berührte, -zündete unfehlbar in den Herzen der jungen Generation. Den schönen Bund -der Kunst mit der Religion, den Wackenroder in den alten Kunstzeiten -bewunderte, den August Wilh. Schlegel bereits in einem großen Gedichte -gefeiert hatte, sieht unser Redner eben im alten Griechenland -verwirklicht. „Da näherte sich“, sagt er, „der Kunstsinn der Religion, -um sie mit neuer Schönheit und Heiligkeit zu überschütten und ihre -ursprüngliche Beschränktheit zu mildern.“ Auch Schleiermacher findet -wie Wackenroder, dass es in der Gegenwart leider nicht so gut steht. -„Religion und Kunst stehen nebeneinander wie zwei befreundete Seelen, -deren innere Verwandtschaft, ob sie sie gleich ahnen, ihnen doch noch -unbekannt ist. Freundliche Worte und Ergießungen des Herzens schweben -ihnen immer auf den Lippen und kehren immer wieder zurück, weil sie die -rechte Art und den letzten Grund ihres Sinnens und Sehnens noch nicht -finden können. Sie harren einer näheren Offenbarung, und unter gleichem -Druck leidend und seufzend sehen sie einander dulden, mit inniger -Zuneigung und tiefem Gefühl vielleicht, aber doch ohne Liebe.“ Würden -beide in ein Bett zusammengeleitet, so könnte das die Religion zur -Vollendung bringen. An die kunstübenden Genossen und Freunde richtet -daher der Redner die Worte: „Sehet da, das Ziel Eurer gegenwärtigen -höchsten Anstrengungen ist zugleich die Auferstehung der Religion!“ -Schon sieht der Prophet „einige bedeutende Gestalten, eingeweiht in -diese Geheimnisse (seiner Religion) aus dem Heiligthum zurückkehren, -die sich nur noch reinigen und schmücken, um im priesterlichen Gewande -hervorzugehen.“[48] Schleiermacher denkt an die romantischen Genossen. -Es war dies ein Aufruf und eine Prophezeiung, die sich besonders -Novalis und Tieck zuherzen nahmen und sie wollten sie gemeinsam -verwirklichen in geistlichen Liedern und Predigten. - -Und Schleiermacher arbeitet ihnen dazu noch mehr vor. Er findet das, -was er für das echt Religiöse erkennt, nicht nur in sich und in den -religiös veranlagten Zeitgenossen, er sucht und findet es auch in -allen historischen Erscheinungsformen der Religion, in den positiven -Religionen, indem er allerdings die Begriffe und Anschauungen der alten -Religion nach seinen festgestellten Religionsbegriffen ausdeutet und -so ganz neue Werte in alte Worte kleidet. Er wendet sich dabei mit -scharfer Polemik gegen die „natürliche Religion“ der Aufklärer, die -alles Außerordentliche und Unbegreifliche scheut. Er eifert gegen das -unbestimmte, verwaschene, kraftlose Gebilde, das jener Masse gleicht, -die zwischen den Weltsystemen dünn und zerstreut schweben soll und ihre -Existenz erst erwartet.[49] „Wenn eine Religion nicht eine bestimmte -sein soll, so ist sie gar keine, sondern nur loser, unzusammenhängender -Stoff.“[50] - -Ein dünnes, unbestimmtes, abstractes Etwas ist aber für den Dichter -immer ein höchst undankbarer Vorwurf. Die positive Religion dagegen war -einst eine fruchtbare Grundlage für Kunst und Poesie. Die Gegenwart -bot nirgends, was die Vergangenheit besaß. Wenn nun die positive -Religion zu Ehren kommt, wie in den „Reden“, dann muss sich auch -ein Dichter aus dem aufgeklärten Berlin umsomehr ermuthigt fühlen, -die gestaltenreiche katholische Legende, an der sich schon das -Poetenauge heimlich ergötzte, in ihrer mittelalterlichen Auffassung -wieder aufzunehmen und dichterisch zu gestalten. Noch mehr. Sogar die -bei den nüchternen Großmeistern der Aufklärung genugsam verfehmten -Begriffe: Wunder, Weissagung, Offenbarung, Eingebung, Gnadenwirkung -sollten sich einer unverhofften Ehrenrettung erfreuen, wenn auch -wiederum umgewertet nach dem Maßstabe Schleiermacher’scher Auffassung. -Jeder wahrhaft religiöse Mensch sieht nach den „Reden“ Wunder, -erlebt Offenbarungen, Eingebungen, Gnadenwirkungen, und glaubt an -Weissagungen. Mochte bei solchen Gedanken die ehrsamen Nicolaiten und -alle Schildbürger und Philister im Reiche des aufgeklärten Verstandes -ein heimliches Bangen beschleichen, so fand Tieck dieselben bei seiner -Liebe zur Poesie und zum Sonderbaren[51] nur umso verständlicher und -anheimelnder. Schleiermachers Anerkennung des Wunderbaren konnte den -Dichter, dessen Phantasie sich bereits mit den Wundern, Offenbarungen -und Gnadenwirkungen, von denen das Volksbüchlein berichtet, -beschäftigte, nur ermuntern, die alte, schlichte Legende mit neuer -poetischer Schönheit zu überschütten. Ob Schleiermacher auch nicht die -Legendenwunder nach der alten Auffassung vertheidigte: eine solche -warme Vertheidigung des religiös Wunderbaren an sich nahm allein schon -viel vom Fluche des Lächerlichen von den missliebigen Begriffen hinweg, -vom Fluche, der auch für Tieck bisher gegolten hatte und, wenn auch -abgeschwächt, noch galt. Tiecks rationalistische Jugendeindrücke, -seine düstere Skepsis waren trotz Wackenroder noch lange nicht mit der -letzten Wurzel aus seiner Seele gerissen. Für ihn, der inzwischen auch -Nicolais Schildknappe gewesen war, bedurfte es eines solchen Zuspruches -für die Stärkung seines religiösen Stimmungslebens, um es poetisch -fruchtbar zu machen. - -Sehr wesentlich war für Tiecks Dichtung noch folgende -Gedanken-Entwickelung der „Reden“. Eine damals neue Entdeckung -Schleiermachers liegt in seinem Begriffe der Religion als Anschauung -und Gefühl des Universums, einem Gedanken, der sich auf das engste mit -der romantischen Hochschätzung und Überschätzung von Phantasie und -Gemüth berührt. Das intuitive Anschauen und das Gefühl des Universums -kommen nach seiner Darlegung für die Religion allein in Betracht. Die -Stärke der religiösen Anschauungen und Gefühle bedingt den Grad der -Religiosität eines Menschen. Verkehrt wäre die Forderung, das religiöse -Fühlen sollte etwa das menschliche Handeln bestimmen. Das sittliche -Handeln ist Sache der moralischen Kraft im Menschen und hat mit der -Religion nichts zu schaffen. „Alles eigentliche Handeln soll moralisch -sein und kann es auch, aber die religiösen Gefühle sollen wie eine -heilige Musik alles Thun des Menschen begleiten; er soll alles mit -Religion thun, nichts aus Religion.“ Die religiösen Gefühle lähmen -geradezu die Thatkraft des Menschen und laden ihn ein zum stillen, -hingegebenen Genuss. Daher verließen die religiösesten Menschen, -die nichts waren als religiös, so oft die Welt und ergaben sich der -müßigen Beschauung.[52] Die Thatsache, dass Tiecks „Genoveva“ dieser -Auffassung vom ausschließlich religiösen Menschen, dem contemplativen -Ideale so auffallend entspricht, kann nicht übersehen werden. Während -die Heilige des Volksbuches, das Tieck als Vorlage dient, in ihrem -Auftreten gegen Golo eine anerkennenswerte sittliche Energie zeigt, -scheint Tiecks Heldin von Anfang bis zum Ende an ihrer Willenskraft -wie gelähmt und ihr Dasein löst sich fast beständig in einen frommen -Gefühlsgenuss und in religiöse Stimmungsschwelgerei auf. Wenn auch -das Volksbuch ziemlich viel von Genovevas beschaulichem Leben -berichtet, so ist das süße Schwärmeln und Schwelgen in Gefühlen und -weichen Stimmungen bei Tieck noch um manchen Grad gesteigert. Andere -Dichter scheiden solchen lyrischen Überfluss eher aus oder verkürzen -ihn, wenn sie dramatisch gestalten wollen. Tieck ist aber von Hause -aus durch und durch ein Stimmungsdichter, der immer am liebsten den -ätherischen Duft und Geist der Erscheinungen in Worte und Verse fassen -möchte. Das zeigt seine Poesie ja schon vor der „Genoveva“. Man denke -an seine „Magelone“. Seine eigene Begabung und Neigung führte ihn -daher schon dazu, die Situationen der Legende möglichst nach ihrem -Stimmungswerte auszunützen. Die Gefühlsweichheit in der „Genoveva“ -darf darum nicht ausschließlich wie ein dichterisches Correlat zur -theoretischen Aufstellung der Schleiermacher’schen „Reden“ angesehen -werden. Aber es bleibt ein merkwürdiges Zusammentreffen, dass Tiecks -dichterische Neigung durch Schleiermachers Forderung einer durchaus -passiven Religiosität noch geradezu eine theologische Sanction -erhielt, die seine poetische Neigung zu befestigen und vor ihm selbst -zu rechtfertigen geeignet war. An die Mahnung Schleiermachers, eine -„heilige Musik“ religiöser Gefühle solle das ganze Leben ohne Aufhören -begleiten, wird der Leser der „Genoveva“ unwillkürlich erinnert, wenn -er bei Tieck im Kriegslager und auf dem Schlosse, in der Wüste so gut -wie in der Kapelle fast bei allem Thun und Denken wenigstens irgend -einen religiösen Klang tönen hört.[53] - -Wie die romantische Ästhetik das eine Urpoetische in den dichterischen -Äußerungen der verschiedenen Zeiten und Völker sucht, in der -höchsten Kunstpoesie sowie im unscheinbarsten Volksliede, so sucht -der romantische Theologe das eine Urreligiöse in allen Gestalten -und Verkleidungen, unter denen es je im Laufe der Zeiten unter den -Menschen erschienen ist. Alle Religionen erscheinen als ein großer -Organismus, dessen Glieder alle ihre gute Berechtigung haben. Der -stets künstlerischen romantischen Anschauung schließt sich immer das -Mannigfaltige zu einem Kosmos höherer Ordnung zusammen. Der wahrhaft -religiöse Mensch Schleiermachers ist darum tolerant. Es gibt ja für ihn -keinen Wesensunterschied etwa zwischen Pantheismus und Personalismus -im Gottesbegriffe.[54] Es sollen sich gerade unzählige Religionen -entwickeln, jeder Mensch kann sich seine eigene gründen.[55] Es webt -und wirkt ja doch in allen der nämliche Geist der einen, unendlichen -Religion.[56] Mag die einzelne Gestalt, die diese annimmt, wie immer -aussehen; wenn es nur Religion ist, so gibt sich damit der Fromme -zufrieden. Man muss wohl oder übel an eine freie Weiterbildung -dieser Ansicht Schleiermachers in Tiecks Dichtung glauben, will man -eine Erklärung für das Zusammenwürfeln so fremdartiger religiöser -Vorstellungen finden, wie es uns in der „Genoveva“ begegnet. Von der -Idee des romantischen Urreligiösen aus wird es sogar einigermaßen -erklärlich, wie in einer und derselben Persönlichkeit sich der -katholische Gottesbegriff mit dem Pantheismus, wie christliche -Gedanken und fatalistische Vorstellungen sich friedlich miteinander -verbinden und vertragen können. Zum weitaus größten Theile sind in der -„Genoveva“ allerdings die christlichen Vorstellungen festgehalten. -Die verschiedenen religiösen Elemente aber, die sich fremd dazwischen -drängen, fallen für Tieck und seine Freunde unter die höhere Kategorie -des allgemein Religiösen. Alle wirklichen Dissonanzen sind daher für -ihn nur scheinbar und lösen sich in dem höheren Einklang auf und wirken -zur allgemein religiösen Gesammtstimmung, auf welche Tiecks Dichtung -abzielt, ohne Störung mit. - -Wenn Genoveva ihre christlichen Vorstellungen vom Jenseits mit der -pantheistischen vom Aufgehen im Weltall verknüpft, so entspricht das -noch besonders Schleiermachers Ansichten; denn das Verlangen nach -persönlicher Fortdauer nach dem Tode findet er ganz irreligiös; der -Mensch soll geräuschlos im Unendlichen verschwinden; falls er es nicht -bewusst in seinem Denken und Sein vermag, soll er wenigstens den Tod -als willkommene Gelegenheit dazu ergreifen. Daher muss auch Genovevas -Seele „in dem Lebensmeer als Welle klingen“. - -Wahre Religion, führt Schleiermacher ferner aus, ist tolerant gegen -das Religiöse in jeder Gestalt, aber polemisch gegen alles Irreligiöse -in und außer sich. Es widerspricht darum nicht dem Wesen des -Christenthums und der Toleranz, zu kämpfen gegen alles, was ihm als -Irreligion erscheint. Tieck brauchte deshalb kein Bedenken zu tragen, -den Saracenenfeldzug als Kreuzzug in seine Dichtung einzuschalten. -Einen heiligen Krieg hat das Christenthum auch gegen alles Unheilige -in sich selbst beständig zu führen, damit alles Unreine ausgeschieden -werde. Einzelne Elemente und ganze Massen werden ausgestoßen. Dieser -immerwährende Kampf ist die in seinem Wesen begründete Geschichte des -Christenthums. „Ich bin nicht gekommen, Friede zu bringen, sondern -das Schwert“, sagt der Stifter desselben, freilich nicht um blutige -Bewegungen und elenden Wortstreit zu entfachen; nur die heiligen -Kriege, die aus dem Wesen seiner Lehre nothwendig entstehen, hat -er vorausgesehen und anbefohlen.[57] Die Rede Dragos[58] über den -beständigen Kampf im Leben der christlichen Kirche und des einzelnen -Christen, die auch mit dem gleichen evangelischen Citate beginnt, ist -hier im Keime gegeben. - -Schon beim flüchtigen Lesen fällt es auf, dass uns in der -katholisierenden „Genoveva“ eine ganz eigenthümliche Auffassung des -Priesterthums begegnet, die sich der katholischen hierarchischen -Ordnung gar nicht anbequemt. In Siegfrieds Burgkapelle hält ein -„Capellan“ eine religiöse Ansprache, aber auch der Diener Wendelin. -Der nämliche Capellan hält auch noch eine erbauliche Rede für -Genoveva, verschwindet dann aus der Dichtung und im weiteren nimmt -der Küchenmeister Drago die Stelle eines geistlichen Seelenleiters -ein. Also neben dem Bischof, der am Schlusse auftritt, und dem -Capellan predigen Diener und Küchenmeister. Die hier ziemlich deutlich -durchschimmernde Ansicht vom freien Priesterthum ist wieder ein Gedanke -aus Schleiermachers „Reden“. Schleiermacher will kein zunftmäßiges -Priesterthum. Ein Privatgeschäft sei die Mission des Priesters. Ein -jedes Privatzimmer mag ein Tempel sein.[59] Wen der religiöse Geist -ergreift, der übt auch das Priesteramt. Es gibt zwischen Geistlichen -und Laien keinen Unterschied der Personen, sondern nur einen -Unterschied „des Zustandes und der Verrichtung“.[60] In diesem Sinne -wird thatsächlich das Predigtamt in der „Genoveva“ geübt. - -Doch genug. Es darf für erwiesen gelten, dass ähnliche Ideenrichtungen -sich in den „Reden“ des romantischen Theologen und im Drama des -romantischen Dichters finden. Es ist freilich nicht vieles Einzelne, -was sich sicher greifen ließe. Wie sollte auch der Dichter aus dem -Buche, das sich vom Anfange bis zum Ende in lauter Abstractionen -bewegt, mehr entnehmen können als die eine oder andere grundsätzliche -Ideenrichtung? Hauptsache bleibt, dass Tiecks künstlerische -Begeisterung für Religion in den „Reden“ ein kräftiges „Incitament“ -gefunden hatte. - - * * - * - -Tieck ließ sich willig durch Schleiermacher begeistern, aber ein echter -und eigentlicher Schüler des Berliner Theologen war er darum noch -nicht. Ein solcher war Tiecks Freund Novalis-Hardenberg. Schleiermacher -und Novalis waren es allein, die unter den älteren Romantikern auf -eine Erweckung des eigentlich religiösen Sinnes abzielten, während die -übrigen nur an eine Erneuerung und Belebung von Kunst und Poesie durch -die Religion dachten. Schleiermacher selbst gedenkt in der zweiten -Auflage seiner „Reden“ schmerzergriffen des lieben Todten, des „zu -früh entschlafenen göttlichen Jünglings, dem alles Kunst ward, was -sein Geist berührte, seine ganze Weltbetrachtung unmittelbar zu Einem -großen Gedicht, den Ihr, wiewohl er kaum mehr als die ersten Laute -wirklich ausgesprochen hat, den reichsten Dichtern beigesellen müsst, -den seltenen, die ebenso tiefsinnig sind als klar und lebendig“. -Dieser Jüngling mit seiner Christusliebe erscheint Schleiermacher als -das edelste Vorbild des frommen Künstlers.[61] Novalis war wirklich -seiner Denkrichtung nach mit Schleiermacher nahe verwandt. Beide -Geister wurzeln ja auch im Herrnhuterthum. Beide bringen dieselbe -tiefreligiöse Veranlagung mit. Novalis ist daher von den „Reden“ am -meisten ergriffen unter den Jenenser Freunden.[62] Wie mächtig sie -sein ganzes Inneres erregten und verwandte Ideen und Stimmungen in -drängender Fülle auslösten, lässt sich auf Schritt und Tritt verfolgen. -Fast alle wesentlichen Gedanken Schleiermachers über die Religion -finden sich modificiert, subjectiv angewendet, besonders gerne in -Aphorismen voll kräftiger Poesie eingekleidet, bei dem jungen Dichter -wieder. Da heißt es: „Alle absolute Empfindung ist religiös.“[63] -„Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgend ist die -Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft.“[64] „Alle -unsere Neigungen scheinen nichts als angewandte Religion zu sein; das -Herz scheint gleichsam das religiöse Organ.“[65] Auch Novalis wendet -sich gegen die Aufklärer, die alles Wunderbare und Geheimnisvolle von -der Religion abwaschen möchten.[66] Aufklärung und Religionsverachtung -ist ihm ungefähr das nämliche und ebenso innigstes, höchstes Fühlen -und Religion. Sein Idealbild religiösen Lebens projiciert Novalis -in das Mittelalter, ähnlich wie Wackenroder, aber auch zugleich -hoffnungsfreudig in eine bessere Zukunft. Mit tiefer Sehnsucht schaut -er im Aufsatze „Die Christenheit oder Europa“ (1799)[67] in die alte -Zeit zurück, in der die Religion als die Centralsonne des Lebens galt. -Und nach dem Alten hatte er sich schon in den „Hymnen an die Nacht“ -gesehnt. - - „Was sollen wir auf dieser Welt - Mit unsrer Lieb’ und Treue? - Das Alte wird hintangestellt: - Was soll uns denn das Neue? - O! einsam steht und tiefbetrübt - Wer heiß und fromm die Vorzeit liebt.“[68] - -So wenig wie Wackenroder oder Schleiermacher, schließt sich Novalis -einer kirchlichen Lehre an, wenn er auch gerne seine Gedanken mit -kirchlichen Worten stilisiert und das katholische Mittelalter preist -und sogar innige Marienlieder dichtet.[69] Und wenn er auch mit -verschiedenen Gedanken katholischen Ideen recht nahe kommt: er meint -zunächst doch immer das phantastische Idealbild einer Religion, wie -es seine Dichterseele träumt. Pantheismus und Christenthum stehen -auch bei ihm hart nebeneinander. Wie Schleiermacher denkt auch -Novalis über das Wunder.[70] Wie für Schleiermacher Religion und -Kunst, sind für ihn Poesie und Mysticismus nahe Verwandte.[71] Auch -für Novalis gibt es kein abgeschlossenes System.[72] Novalis’ Seele -ist voll Schleiermacher’scher Frömmigkeit. Wohin wir blicken, die -Saat des Berliner Redners sprosst und treibt mit üppiger Kraft in den -geheimnisvollen Tiefen dieses merkwürdigen Gemüthes. Es ist von den -„Reden“ in der That „ganz eingenommen, durchdrungen, begeistert und -entzündet“.[73] - -Novalis verehrte schon Tieck als den Dichter der „Volksmärchen“, bevor -er ihm persönlich begegnete. In Jena nun treffen sich beide im Sommer -1799. Erstes Begegnen, entgegenkommendes Verstehen, schwärmerisches -Freundschaftschließen: all das war das Werk eines Tages.[74] Tieck -glaubte seinen Wackenroder in verklärter Gestalt wiederzubesitzen. -Leider musste er auch diesem Freunde gar bald Trauersonette als -Todtenopfer weihen.[75] Diese neue Freundschaft ist wieder so -enthusiastisch wie jene mit Wackenroder. Ist doch Novalis ebenso -herzlich und fromm und liebenswürdig und dabei mit einem weitreichenden -geistigen Blicke begabt, ein jugendfroh und gewaltig aufstrebender -Dichter und Denker, der bei aller Frömmigkeit auch alle Bildung des -Zeitalters, insbesondere die naturphilosophische, durstig in seine -Seele saugen und dichterisch in einer großen Romanserie verklären -möchte. Das war gewiss ein richtiger Umgang für Tieck, als er schon -an seiner „Genoveva“ arbeitete. In dieser Freundschaft konnte auch -seine religiöse Stimmung neues kräftiges Leben schöpfen und einzelne -Spuren des freundschaftlichen Gedankenaustausches sind wiederum in -Tiecks Dichtung erkennbar. Wie Novalis im Aufsatze: „Die Christenheit -oder Europa“ den Leser aus der nüchternen, unfrommen Gegenwart in die -schönen glänzenden Zeiten des katholischen Mittelalters führt, so weist -der heilige Bonifacius Tiecks als Prologsprecher in die gläubige, -altdeutsche Zeit zurück, die so ganz das Gegentheil der glaubenslosen -Jetztzeit war. Wenn Novalis auf den geheimnisvollen Weg nach innen -zeigt und nach Schleiermachers Beispiel eine Herzensreligion, eine -Frömmigkeit des innerlichsten Lebens fordert, so meint der Leser der -„Genoveva“ im Sonette des Capellans[76] einen Schüler Hardenbergs zu -vernehmen. Novalis war auch der erste im romantischen Kreise, der -direct die katholische Religion als solche im ganzen Umfange, wenn -auch subjectiv ausdeutend, mit Entzücken pries. Gemeinsam wollten -ferner die Freunde geistliche Lieder und Predigten herausgeben und sie -Schleiermacher widmen.[77] Novalis’ „Geistliche Lieder“ erwuchsen auch -bald aus dieser hochgesteigerten religiösen Stimmung heraus und auch -im „Ofterdingen“ sind Anklänge an die „Reden“ bemerkbar. Tieck wollten -die geistlichen Lieder nicht gelingen[78] und von den Predigten ist bei -ihm überhaupt nicht weiter die Rede. Wenn uns aber Tieck sagt, dass -er verschiedene „Vorsätze und poetische Stimmungen“, die ihn damals -beherrschten, in seine „Genoveva“ hineingearbeitet habe, so lassen -unsere Betrachtungen ahnen, was einmal unter den „Stimmungen“ gemeint -ist. Wohl nichts anderes, als die neue religiöse Begeisterung und die -Schwärmerei für altdeutsches Wesen, die sich Tiecks wie der übrigen -Genossen um diese Zeit bemächtigt hatte. Zu den „Stimmungen“ gehören -vielleicht auch jene „leidenschaftlichen Zustände und unerwarteten -Erfahrungen“ an sich selbst, über die sich nur eine dunkle Andeutung in -einem späten Briefe an Solger findet.[79] Die „Vorsätze“ dann beziehen -sich jedenfalls auf die geplanten geistlichen Lieder und Predigten.[80] -Spuren der projectierten Predigten lassen sich in der „Genoveva“ fast -noch erkennen. Novalis schrieb mehrere Einfälle über das Wesen der -Predigt nieder, wie er es sich dachte. Darunter finden sich Gedanken, -wie: „Die Predigt muss angewandte Religion enthalten.“[81] „Die -katholische Religion ist gewissermaßen schon angewandte christliche -Religion.“[82] „Predigten sollten eigentlich Legenden heißen, denn -der eigentliche Stoff der Predigten ist der Legendenstoff.“[83] Von -der wunderschönen Frau der Christenheit und von längst verstorbenen -himmlischen Menschen, von Heiligen, predigten einst die Priester im -schönen Mittelalter.[84] Jedermann kann Predigten halten und aus -dem Schatze seiner Erfahrung göttliche Geschichte mittheilen.[85] -(Freies Priesterthum wie bei Schleiermacher.) Nun sehen wir in Tiecks -„Genoveva“ den Diener Wendelin in der Kapelle zu den Heiligenbildern -hintreten und sie seinen Genossen, also einer kleinen Gemeinde, -predigend erklären.[86] Wir sehen ein andermal Drago im Anschluss -an die Lesung des Legendenbuches eine geistliche Anrede an Genoveva -halten.[87] Hier spielt allem Anscheine nach das Predigtproject der -beiden Freunde herein und das wäre vielleicht ein erkennbarer Rest -jener „Vorsätze“, die in der Dichtung nachwirkten. -- - -Novalis und Tieck waren nicht die einzigen Bewunderer der „Reden“. -Fast die ganze romantische Tafelrunde von Jena that wacker mit[88] und -verschiedene religiöse Poesien erwuchsen aus den neuen Anregungen. -Schon vor einem Jahre waren A.W. Schlegels Gemäldegespräche und -geistliche Sonette über einige religiöse Bilder der Dresdner Gallerie -sowie der bedeutsame Versuch romantischer Didaktik „Der Bund der Kirche -mit den Künsten“ im Anschluss an Wackenroder-Tieck entstanden. Unter -dem Einfluss der neuen religiösen Anregungen folgen die Neudichtungen -alter Legenden und noch andere Gedichte mit religiösen Motiven. Das -Christenthum ist in Jena bald „à l’ordre du jour“. Während es Hülsen -zwar bei einer hellenisierenden, pantheistischen Naturreligion sich -genügen lässt,[89] entfacht Steffens, ein junger Norweger und Tiecks -Freund, seine Andacht an der sistinischen Madonna in Dresden.[90] -Friedrich Schlegels „Ideen“ im „Athenäum“, die zwar manchmal von -Schleiermacher abweichen, sogar manche Spitzen gegen die „Reden“ -enthalten, sind nichtsdestoweniger nur ein Fortspinnen der in den -„Reden“ ausgeführten und im persönlichen Verkehr mit Schleiermacher -gewonnenen Anschauungen. Friedrich sinnt auf Mittel und Wege, die -neugewonnenen Ideen für Poesie und Kunst fruchtbar zu machen. Das -Ergebnis seines Nachdenkens ist im „Gespräch über die Poesie“ -niedergelegt. Das Studium der Griechen hatte ihn belehrt, dass eine -Mythologie, in der sich die tiefsten Welt- und Lebensanschauungen, -die höchsten Ideale eines Volkes in unvergänglichen Typen -zusammenkrystallisierten, in denen das, was sonst das Bewusstsein ewig -flieht, sinnlich geistig zu schauen festgehalten ist, für die Poesie -die allerwertvollste Basis sein kann. Diese richtige Beobachtung führt -aber Schlegel, der vielleicht Schelling’schen Anregungen folgte, auf -den bizarren Gedanken, die bewusste Schöpfung einer neuen Mythologie -zu verlangen. Er selbst war schon eine Zeitlang mit keiner geringeren -Absicht umgegangen, als der, eine neue Religion zu stiften.[91] -Aber ein absichtliches Verkörpernwollen von Ideen in mythologischer -Art bringt statt lebendiger Typen und Göttergestalten höchstens -den Wechselbalg Allegorie zum Vorschein.[92] Schlegel selbst meint -überdies, man könne auf verschiedenen Wegen dem neuen Ziele zustreben. -Die älteren Mythologien seien wieder zu erwecken, um das Werden der -neuen zu beschleunigen und das Studium der Naturphilosophie gewähre -die heiligsten Offenbarungen. Daneben begegnet uns der Gedanke, die -Deutschen müssten, um ihre Poesie zu erneuern, auf „die Quellen -ihrer eigenen Sprache und Dichtung zurückgehen“ und die alte Kraft -und den hohen Geist, der in den Urkunden der vaterländischen Vorzeit -schlummert, wieder frei machen.[93] Über Religion und Poesie spricht -Fr. Schlegel ähnlich wie Schleiermacher und Novalis.[94] - -Was Fr. Schlegel wünschte, führte Tieck gleichzeitig schon zum Theile -und in seiner Weise aus. Während Schlegel sich mit seiner Mythologie -abmühte, geht Tieck mit kühner Leichtigkeit den Weg, den ihm seine -lebendige religiöse Kunststimmung und die übrigen empfangenen -Anregungen wiesen. Statt der antiken Mythologie, die ihm sein Leben -lang fern blieb und statt der neuzuschaffenden, von der Schelling, -Schlegel und Novalis träumten und die noch in recht nebeliger Ferne -dämmerte, tritt bei Tieck die katholische Legende ein. Sie war für ihn -ja längst nimmer todt. Alte Kunst und Dichtung, Calderon voran, bürgten -ihm für die innere Lebenskraft derselben und er hatte auch mit eigenen -Augen in Süddeutschland katholisches Leben und den Cultus der Heiligen -in leibhafter Gegenwart mitangesehen. Er brauchte nur die Gestalten der -vergessenen Legende mit der reichen religiösen Begeisterung, die ihm -eben aus vielen Quellen zuströmte, zu durchwärmen und den Reichthum -seiner Phantasie der Erneuerung des alten Büchleins dienstbar zu machen -und es bedurfte für ihn keiner imaginären Mythologie mehr. Es war -das der nächste und selbstverständlichste Weg, seinen dichterischen -Wünschen Genüge zu thun. - -Die Freundschaft mit Wackenroder, die „Reden über die Religion“, der -Umgang mit Novalis und der, wenn auch weniger tief wirkende, mit -Friedrich Schlegel[95], die Lectüre von Calderon und Jakob Böhme, deren -Einfluss noch später besprochen werden soll, die gesammte geistige -Atmosphäre, in welcher die junge Dichtergeneration lebte und athmete: -alles half zusammen, Tieck aus der flachen Sandwüste Berlinischer -Aufklärung, in der Gemüth und Phantasie kläglich abgewelkt waren und -die Dichtung kein fruchtbares Erdreich fand, in die poetische Welt -des Religiösen, Wunderbaren, Alterthümlichen, Gefühlsinnigen und zur -katholischen Legende hinüberzuführen. Wer die Einwirkungen dieser -letzten Jahre im Auge behält, kann es nicht räthselhaft finden, -dass in Tieck sich jetzt mit seiner Liebe zum Altdeutschen noch die -hochreligiöse Auffassung eines alten Stoffes vermählt. - - * * - * - -Nun gewinnt der Dichter auch eine andere Stellung zu den Volksbüchern, -als er sie bisher einnahm. Die Neigung für die kräftige Poesie -dieser alten Volksromane war, wie erwähnt, schon längst in Tieck -lebendig. „Götz“ und die Ritterdramen, die seine jugendliche Phantasie -bestürmten, hatten zuerst sein Interesse für das Alte geweckt. Die -Sprache des „Faust“ empfand er als den „veredelten, tiefsinnigeren -Widerhall des alten, vergessenen deutschen Tones“ bei Hans Sachs. -„Die früheren Werke Goethes waren die erste Nahrung meines Geistes -gewesen. Ich hatte das Lesen gewissermaßen im Berlichingen gelernt. -Durch dieses Gedicht hatte meine Phantasie für immer eine Richtung nach -jenen Zeiten, Gegenden, Gestalten und Begebenheiten bekommen.“[96] -Sein eigenes richtiges Gefühl für das Poetische ließ ihn den Wert der -verkannten bescheidenen Volksbüchelchen erkennen und schätzen. Die -erste Erwähnung derselben treffen wir im „Karl von Berneck“.[97] Der -Dienst bei Nicolai vermochte die einmal erwachte Neigung, die Tieck -noch durch die Lectüre älterer Literatur (Hans Sachs, Moscherosch, -Grimmelshausen) nährte, nicht zu ersticken. Im „Peter Leberecht“ -spendet er den Volksbüchern reiches Lob.[98] Dann folgen die -verschiedenen Neubearbeitungen von Volksbüchern selbst. Schlichte, -holzschnittmäßige Nachbildung des alten Originals versucht er in -den „Haimonskindern“, lyrische Stimmungsmalerei in der „Magelone“. -Satirische Seitenwege geht er in den „Schildbürgern“ wie im „Blaubart“. -Abgesehen von den „Haimonskindern“, schaltet Tieck überall nach eigenem -Belieben in ziemlich freier Willkür mit dem alten Stoffe.[99] Die -Vorliebe für diese alten Poesien ist noch immer eine bedingte, zum -Theil eine Vorliebe aus Opposition gegen den platten aufgeklärten -Dienstherrn Nicolai. Hauptsächlich durch Wackenroders eigenthümliche -Geistesrichtung muss die tiefe Verehrung des Alten zur unbedingten, -schwärmerischen Begeisterung, zum „Phantastischen“[100] gesteigert -worden sein. Die übrigen Romantiker stimmen bald in diesen Lobpreis des -Alten mit ein. In ein paar Jahren hat sich die Meinung festgesetzt, -dass der „historische Weg“ das einzige Mittel sei, eine Besserung in -Kunst und Poesie einzuleiten.[101] So fließen denn unmittelbar vor -Entstehung der „Genoveva“ die höchste Begeisterung und Bewunderung für -das Altdeutsche und ein hochgesteigertes religiöses Stimmungsleben bei -Tieck ineinander, um sich vereint in die neue Schöpfung zu ergießen. - -Im Jahre 1800, bald nach Vollendung der „Genoveva“, dichtet Tieck -so nebenbei in einigen heiteren Stunden einen kleinen Schwank in -Hans Sachsens Manier, den „Neuen Hercules am Scheidewege“ (später -„Der Autor“ betitelt). In dieser Burleske zieht er lustig gegen die -Nützlichkeitsfanatiker und Aufklärer, gegen den „alten Mann“ Nicolai -und die unberufenen Lessingverehrer, gegen den ganzen Heerbann der -Antiromantiker vom Leder. Er feiert Goethe als Neubegründer der wahren, -vaterländischen, deutschen Poesie und verehrt den „großen deutschen -Jakob Böhme“. Jede Zeile deutet jene romantische Zeitstimmung an, -welcher die „Genoveva“ ihren Charakter verdankt. Der derbe „Altfrank“ -tritt wie ein Abgesandter des romantischen Geistes vor den Dichter hin -und ermuntert ihn zur Pflege der romantischen Dichtung: - - „Erwärme dein Herz in alter Liebe, - Erwecke in dir die alten Triebe, - Wenn dir die neue Zeit nicht gefällt, - So gedenk der braven alten Welt, - Mit Andacht geh zu den alten Ruinen, - Die auf den hohen Bergen verwittern, - Sie schaun dich an mit wehmüthigen Mienen - Und erzählen dir von Thaten und Rittern, - Besuche zumal die Wald-Kapellen, - Wo sich heilige Geschichten vor dich stellen, - Die alte katholische Religion, - Als sie noch schmückte ihren Thron, - Und schöner die Welt durchströmte, - Ein selger Tod die Märtrer krönte: - Als deutsche Freiheit noch stolzirte, - Vor ganz Europa hell pranchirte, - Das alles magst du kühnlich preisen, - Verkündigen in vollen Weisen, - Was sonst erregte deinen Muth, - Beseligte in Adern dein Blut, - Lebt nicht noch alles in einzeln Spuren, - Wandelst nicht noch auf denselbigen Fluren?“[102] - -Ähnliche Verse könnte man sich als Prolog vor die „Genoveva“ gesetzt -denken. - -Die näheren Umstände, welche die Entstehung der „Genoveva“ noch -begleiteten, gibt Tieck selbst und sein Biograph Köpke an.[103] Den -ersten maßgebenden äußeren Anstoß erhielt Tieck nicht durch das -Volksbuch, sondern durch ein Werk des Geniedichters Maler Müller, -nämlich durch dessen Drama „Golo und Genoveva“, das, 1775-1781 -entstanden, auch die alte Legende behandelt. Bei einem Besuche in -Hamburg (1797) erhielt Tieck durch Vermittlung des Malers Waagen -Einsicht in Müllers Manuscript, das noch immer des Verlegers harrte. -Die Lectüre war nach Tiecks Erzählung eine flüchtige. Nur das Lied: -„Mein Grab sei unter Weiden“ und die eigenthümliche Beziehung -desselben auf Golos Geschick machte ihm einen tiefen Eindruck. Im -übrigen behielt er nur ein sehr allgemeines, verschwommenes Bild vom -Werke in Erinnerung. Diese Bekanntschaft mit dem Werke Müllers hätte -am Ende noch nicht hingereicht, Tiecks Interesse bei diesem Stoffe -festzuhalten. Da fiel ihm aber ein Jahr darauf das Volksbüchlein von -der Pfalzgräfin Genoveva selbst in die Hände.[104] Es ist erklärlich, -dass Tiecks ganzes Gemüth, das eben jetzt von altdeutschen und -religiösen Kunststimmungen überquoll, sich mit Eifer und Liebe auf -den hier gebotenen Legendenstoff warf, der altdeutsche Schlichtheit -und innige Frömmigkeit so lehrend in sich vereinte und durch viele -Motive zur Verherrlichung der neuen romantischen Ideale einlud. Wenn -auch nicht mit tiefem Gemüthe (das besaß Tieck überhaupt kaum), so -doch mit ganzem Gemüthe ergriff er diese Legende, die ihn so traut -anmuthete und durch ihre stille Gewalt seine Phantasie in Bewegung -setzte. Schnell und leicht muss alles, was an poetischen Kräften in -ihm schlummerte, zusammengeströmt sein; denn im Sommer 1799 schrieb -er auf Giebichenstein den Prolog und die ersten Scenen. Im Herbste -vollendete er mit rascher Feder das Ganze und theilte es schon -im November seinen Freunden, im December Goethe, der den jungen -Romantikern ein wohlwollender Mentor war, mit, und im Jahre 1800 -erschien in Jena bei Friedrich Frommann das Trauerspiel „Leben und Tod -der heiligen Genoveva“, mit „Melusina“ und „Rothkäppchen“ zum zweiten -Bande der „Romantischen Dichtungen“ vereint. In unserem Zusammenhange -angesehen, ist es nicht befremdend, wie die Behandlung dieses alten -religiösen Stoffes in alter religiöser Auffassung für Tieck wirklich -ein poetisches Erlebnis werden und wie er später Solger gegenüber sagen -konnte: „Es (sc. Solgers Urtheil über „Genoveva“) interessiert mich -sehr, weil dieses Gedicht auch ganz aus dem Gemüthe gekommen ist, weil -es mich selbst überrascht hat, und gar nicht gemacht sondern geworden -ist.“[105] - - - - -II. - - -Das Volksbuch als Quelle von Tiecks „Genoveva“. - - -Das Volksbuch bildet nach Tiecks eigener Andeutung den Stamm, an den -sich verschiedene andere Theile und Theilchen seines Dramas ansetzen. -Unsere erste Frage muss daher die nach dem Verhältnisse des Volksbuches -zu Tiecks Neudichtung sein. Dieser Untersuchung wird ein Druck der -Legende, wie er am Ende des vorigen Jahrhunderts umgieng, zugrunde -gelegt und zwar ein Druck jener Fassung, die auf die Martin Cochem’sche -Bearbeitung zurückgeht.[106] Es wird sich kaum authentisch feststellen -lassen, welcher Druck Tieck 1798 in die Hände fiel. Dies verschlägt -jedoch wenig für eine derartige Untersuchung, da diese Volksbücher -in ihrem inhaltlichen und vielfach auch im sprachlichen Bestande zu -den conservativsten Elementen unserer Literatur gehören. Die Wahl der -Grundlage für diese Untersuchung muss eigentlich erst die Untersuchung -selbst rechtfertigen. - - -Der Abschied. - -_Volksbuch, 3 ff._ Die schlichte Erzählung des Volksbuches beginnt -mit der glücklichen Ehe, die Graf Siegfried mit Genoveva, der -Herzogstochter von Brabant, geschlossen hat und dem Aufgebote des -Frankenkönigs „Marcellus“, das Siegfried von der Seite seiner geliebten -Gemahlin hinweg in den Mohrenkrieg ruft. Denn der Mohrenkönig -„Abdarodam“ ist in Spanien eingefallen und bedroht Frankreich. Der -Abschied Siegfrieds von Genoveva ist überaus schmerzlich und kostet -die junge Frau eine zweifache Ohnmacht. Siegfried sucht sie zu trösten, -gibt ihr seinen treuesten Diener Golo an die Seite und reißt sich los. - -_Tieck_. Die äußere Lage der Dinge, den drohenden Mohrenkrieg und -Karl Martells Aufgebot, das Siegfried zu den Waffen ruft, nimmt Tieck -mit kleinen Erweiterungen in den Prolog auf.[107] Aus dem einfachen -Abschiede des Volksbuches, dessen einzelne Motive beibehalten werden, -entsteht ein reicher Complex von Abschieds-Scenen.[108] Eine kirchliche -Abschiedsfeier, ein häuslich-familiärer Abschied Siegfrieds von -Genoveva. (Mit Recht lässt es Tieck bei einer einmaligen Ohnmacht -bewenden.) Von Siegfried verabschieden sich auch seine Untergebenen, -Drago der Haushofmeister, Wolf, ein alter Ritter, und Golo, der zum -„Vogt“ über Siegfrieds Haus bestellt wird. Das Abschiednehmen pflanzt -sich noch in die unteren Schichten der Unterthanen Siegfrieds fort. -Der Köhler Grimoald sagt wehmüthig seinem Sohne Traugott Lebewohl. -Endlich erfahren wir noch den Eindruck des Abschiedes auf den Schäfer -Heinrich und seine Geliebte Else. Zwischen den kirchlichen und -häuslichen Abschied fügt Tieck ein Schäfer-Idyll ein, in dem nur ein -paar Erwähnungen des großen Abschiedes auf dem Schlosse uns leise an -die Hauptsituation erinnern. Es ist ein genrehaftes Stimmungsbild und -macht den Leser mit Golo, Golo selbst mit einem traurigen Liebesliede -bekannt, das ihn tief und räthselhaft ergreift. Ein wenig vom Vorleben -Genovevas erfahren wir beim Abschiede und abweichend vom Volksbuche -lässt Tieck sie eine Waise (damit man leichter erklärlich finde, warum -ihr gar niemand in ihrem Elende zuhilfe kommt) und eine Herzogstochter -von Burgund sein.[109] Den verballhornten Namen gibt Tieck eine bessere -Gestalt. - - -Der Krieg. - -Das Volksbuch erzählt die Schicksale Siegfrieds im Kriege und die -Begebenheiten daheim auf dem Schlosse synchronistisch, bis mit -Siegfrieds Rückkehr sich beide Fäden wiedervereinigen. Ebenso sucht -Tieck den gleichzeitigen Fortgang der Ereignisse zu Hause und im Kriege -dadurch in seinem Drama vorzuführen, dass er mit größter Freiheit des -Scenenwechsels uns bald auf den einen, bald auf den anderen Schauplatz -führt. - -_Volksbuch, 5_. Nach dem Eintreffen Siegfrieds und der anderen Fürsten -und Herren im Lager des Königs „Marcellus“ geht es in die Schlacht. Das -Christenheer besiegt die Mohren trotz ihrer Übermacht. Von den Mohren -fallen beiläufig fünfmal soviel als überhaupt kämpfen! Die Geschlagenen -fliehen in die Stadt „Arion“ (jedenfalls ein Druckfehler für das -spätere „Avion“ S. 15). Die Belagerung der Stadt bringt es mit sich, -dass Siegfried „über ein Jahr“ länger als er dachte, ausbleiben muss. -„In Gott und dem heiligen Gebet“ sucht indessen Genoveva ihren Trost. - -_Tieck_. Von Karl Martell wird Siegfried als der letzte, weil -entfernteste, erwartet. Diese Zeit des Wartens verkürzt uns der Dichter -durch Vorführung verschiedener Lagerscenen. Wir lernen in der ersten -derselben den blindgehorsamen Otho und einen raisonnierenden Hauptmann -kennen, dann gleich in der nächsten Scene den großen, klugen Feldherrn -Karl Martell selbst. Neben diesem steht der feurig vorstürmende, -junge Herzog von Aquitanien, der von künftigem Kriegsruhme träumt. Es -erscheinen die anmaßenden, stolzen Gesandten des Mohrenfürsten, die von -Karl gebürend abgefertigt werden. Nun kommt auch Siegfried an und Karls -Streitmacht ist damit beisammen. Die Schlacht könnte beginnen.[110] - -Tieck wirft aber noch zuvor einen Blick nach Siegfrieds Schloss, -wo Genoveva beständig an den Gatten denkt und wie im Volksbuch in -Andachtsübungen und Bibellesen Trost sucht, wo Golo bereits in seine -Herrin verliebt ist und Wolf, der alte Ritter, seine unheimlichen -astrologischen Neuigkeiten zum besten gibt.[111] - -Nach diesem Intermezzo eröffnet sich eine Nachtscene im saracenischen -Lager. Abdorrhaman, der Feldherr, ertheilt seine Befehle. Zulma, seine -Geliebte, ist ihm in Kriegerkleidung nachgeeilt, ohne von ihm sogleich -erkannt zu werden. Abdorrhaman trägt sich mit ehrgeizigen Plänen und -will sich von seinem Kalifen lossagen.[112] - -Mit einer ähnlichen Versuchung ringt Karl Martell. Für ihn ist es -nämlich ein verlockender Gedanke, sich die fränkische Königskrone aufs -Haupt zu setzen, nachdem er doch thatsächlich bereits die königliche -Macht in Händen hat. Er überwindet die lockenden Einflüsterungen des -Ehrgeizes.[113] - -Nun beginnt der Kampf der beiden Heere. Es eröffnet sich ein weites, -reichangelegtes Schlachtbild.[114] Zuerst fliehende Saracenen, deren -Muth durch die Tapferkeit ihres Führers neu belebt wird. Das Kampfglück -wechselt. Die Christen fliehen und der jugendliche, unvorsichtige, -voreilige Aquitanien wird gefangen. Nach den Massenscenen folgen -Einzelkämpfe. Ein Vierkampf: Abdorrhaman-Zulma gegen zwei Franken. Die -Befreiung des Herzogs von Aquitanien. Kleine Ruhepause. Zweikämpfe -zwischen Otho und Derar, zwischen Aquitanien und Abdorrhaman. -Schließlicher Sieg der Christen. Nach der Schlacht eine tragische -Liebes-Episode zwischen Zulma und Aquitanien. Tieck aber verfolgt das -Thema: Krieg und Schlacht noch weiter. Nach vollendeter Feldschlacht -gegen den äußeren Feind erscheint in der Ferne der Aufruhr im eigenen -Lande des Herzogs von Aquitanien einerseits; andererseits kommt „ein -Unbekannter“ voll mysteriöser Gelehrsamkeit zu Karl Martell und -entwickelt in prophetischer Rede die welthistorischen Folgen der großen -Schlacht, die eben geschlagen wurde. Noch immer ist Tieck nicht zu -Ende. Thun wir einen Blick in seine Dichtung nach vorwärts, so sehen -wir das Kriegsmotiv noch weiter fortgeführt. Nach dem Kriege im offenen -Felde erleben wir die Belagerung von Avignon.[115] (Die Belagerung von -„Avion“ erwähnt auch das Volksbuch im Vorübergehen.) Das Motiv erzeugt -auch in seiner neuen Wendung Scene auf Scene. Die Mohren sind in einer -ihnen feindlichen Stadt eingeschlossen, deren Bürger die Übergabe -wünschen. Die Mohren planen einen Ausfall und setzen ihn ins Werk. -Nächtlicher Kampf im Lager. Zuerst die Christen in Bedrängnis, danach -siegend. Der sterbende und der verwundete Krieger (Otho und Siegfried). -Kampf in der Stadt. Zweikampf zwischen Karl und Ali. Nächtlicher Brand -in Stadt und Lager. Die Bürger übergeben ihre Stadt den befreundeten -Belagerern. - -Was ist hier aus dem kahlen Berichte des Volksbuches nicht alles -geworden! Hier wie in den Eingangs-Scenen der „Genoveva“ wurde -thatsächlich die Imagination des Dichters derart „in Bewegung gesetzt“, -dass aus den einfachen Thatsachen: schmerzlicher Abschied, Schlacht und -Belagerung in Tiecks Phantasie ein wahres Lauffeuer von Motiven und -Scenen sich entwickelte. Es sind sozusagen alle möglichen kriegerischen -Verwicklungen behandelt, Massenkampf, Einzelkampf, offene Schlacht, -Belagerung, äußere Feinde, innere Feinde. Das Motiv soll möglichst -erschöpft werden, um in der Dichtung die romantische „Begeisterung des -Kriegers“, der für Christus kämpft, lebendig sprechen zu lassen. Drei -Seiten des kleinen Volksbüchleins dehnten sich zu mehr als sechzig -Seiten in der Tieck’schen Dichtung aus. - - -Golos Liebe. - -_Volksbuch, 6 ff_. Ausführlicher als in der Erzählung vom Mohrenkriege -ergeht sich das Volksbuch in der Schilderung der sündhaften Liebe -Golos. Der Satan -- heißt es -- will Genoveva in Schaden bringen. -Er gibt darum Golo unkeusche Gedanken ein. Golo gesteht Genoveva -seine Wünsche, wird aber mit dem directen Hinweis auf die schuldige -Gattentreue strenge von ihr zurückgewiesen. Doch seine Leidenschaft -dauert fort und wächst. Nachdem der direct ausgesprochene unsittliche -Antrag abgewiesen war, versucht es Golo indirect mit Hilfe eines -Bildes. Genovevas Porträt gibt ihm Gelegenheit zu einer zweiten etwas -verhüllten Liebeserklärung. Die fromme Gräfin erkennt die Absicht und -schickt Golo wieder mit einem scharfen Verweise heim. Die sinnliche -Begierde des Zudringlichen steigert sich aber aufs neue und nach der -Abendmahlzeit im Garten wagt er einen dritten Versuch, zu seinem Ziele -zu gelangen. Er versucht diesmal, die günstige Stunde auszunützen. -Genoveva droht jedoch erzürnt, alles ihrem Gatten zu berichten und -weist damit jedes Ansinnen von sich. Es wiederholt sich im wesentlichen -dreimal die nämliche Scene, und Golo, dem jede Hoffnung auf Erfüllung -seiner Wünsche schwindet, sinnt auf Rache. - -_Tieck_. Wesentlich anders tritt uns Golos Liebe im Werke Tiecks -entgegen. Hier sehen wir die Liebe und Leidenschaft entstehen. In der -Abschiedsscene ist von Golos Liebe nur in kaum merklichen Andeutungen -die Rede. Der Ritter möchte sogar noch in den Krieg ziehen.[116] -Bald jedoch wird Golo schwermüthig und eine geheime Macht zieht ihn -unbewusst in Genovevas Nähe.[117] Er spricht aber noch kein Wort von -Liebe, er weiß sich seinen Zustand nicht zu erklären und möchte ihn -am liebsten abschütteln. Golo will (ein künstlerisch feiner Zug!) -durch das Singen „der alten Liebesreime“ seine traurige Stimmung -vertreiben. In Ausdrücken religiöser Verehrung und Andacht spricht -er von seiner reinen Neigung zu Genoveva.[118] Als er aber das Lied -des verstoßenen Liebhabers singen will, brechen ihm Thränen hervor; -er wird sich seines inneren Zustandes bewusst, er fühlt bereits, dass -dieses Lied ihm selbst gilt.[119] Genoveva, die Arglose, merkt nur eben -eine Veränderung an Golo, die sie seiner treuen Sorge um Siegfried -zuschreibt.[120] Die Leidenschaft des Unglücklichen wird zum zehrenden -Feuer; er spricht sie aber noch immer nur in Liedern und versteckten -Andeutungen aus, ohne den Namen seiner Geliebten zu verrathen.[121] -Die verhaltene Leidenschaft weckt verzweifelte Stimmungen.[122] Das -in Liedern verschleierte Liebesgeständnis entspricht (rein äußerlich -genommen) dem ersten Antrage des Volksbuches. Tiecks Genoveva nimmt die -Sache nicht ernst, sondern für poetische „Erfindung“, für „Schwärmerei“ -und lehnt sie als solche in sanfter Weise ab.[123] - -Indessen gesteht Golo seiner Amme Gertrud, was seine Seele foltert. Es -ringen schon reine Liebe und Sinnlichkeit in ihm. Gertrud, die wir erst -noch in der Balkon- und in einer Schloss-Scene als Vertraute Genovevas -sahen, der diese ihr ganzes Herz enthüllte, zeigt sich nun plötzlich -als halbe Kupplerin, was man von ihr nicht vermuthet hätte.[124] Eine -halbe Kupplerin, -- denn Tieck sucht das Thun Gertruds mit ihrer -närrischen Liebe zu ihrem Pflegesohne beiläufig zu motivieren und so -das Abstoßende zu mildern. Darum erzählt die geschwätzige Amme auch -mit so liebevoller, wortreicher Freude von Golos Jugend und von seinen -Vorzügen.[125] Gertrud richtet Golo aus seiner dumpfen Stimmung zu -neuem Muthe und neuer Hoffnung wieder auf und so ist denn auch der -abermalige Angriff auf Genovevas Herz eingeleitet, der sich beim -Betrachten des Bildnisses der Gräfin abspielt.[126] Das Bild gibt also -Golo hier wie im Volksbuch die Gelegenheit zum zweiten Antrage. Auch -bei Tieck besieht Genoveva „fürwitzig“ ihr Bild und Golo kommt von -ungefähr dazu. Die entscheidende Stelle behandelt Tieck sehr genau nach -der Vorlage. Im Volksbuche (Seite 7) fragt Genoveva, „ob er (Golo) -vermeinte, dass diesem schönen Stück noch etwas abgehe?“ Da sprach -er zu ihr: „Gnädige Frau, wiewohl diesem Bild keine Schönheit mag -beykommen, so vermeine ich dannoch, es gehe ihm etwas ab, nemlich dass -es lebendig sey, und mir eigentlich zustehe.“ Tieck, 187, 23: - - ~Genoveva~: - - „-- -- Zwar hat er mir geschmeichelt, aber sonst - Scheint mir dem Bilde nichts zu fehlen.“ - - ~Golo~: - - „Nichts?“ - - ~Genoveva~: - - „Schaut es nur selber an.“ - - ~Golo~: - - „Das geht ihm ab, - Dass es nicht lebt und eigen mir gehört.“ - -Während aber im Volksbuche Genoveva sich „im Antlitz ganz erzürnt“ -zeigt, fragt Tiecks Genoveva gar naiv: „Wie meint ihr das, wie kann ein -Bildnis leben?“ Als Golo deutlicher wird, hält sie ihn für fieberkrank. -Nach dem leidenschaftlichen Ausbruche seiner Empfindung erinnert sie -ihn an Siegfried. (Im Volksbuch beim ersten und dritten Antrage.) Erst -als Golo sie in seine Arme reißen will, benimmt sie sich ungefähr wie -im Volksbuche.[127] - -Golo ist durch die Abweisung niedergeschmettert. Gertrud sucht ihm -wieder Hoffnung zu machen.[128] Seelische und sinnliche Neigung -steigern sich in ihm. Um die Abendmahlzeit erwartet er Genoveva -im Garten, wie im Volksbuche. Sein hochaufstrebendes Liebesgefühl -wird mehr und mehr von sinnlicher Sehnsucht erdrückt. Als Genoveva -erscheint, wird Golo zuerst durch die Erinnerung an sein Benehmen in -der Porträtscene in Schranken und Mäßigung gehalten.[129] Allmählich -bricht sich die Leidenschaft wieder Bahn, erst nur in Worten andeutend, -dann immer dringlicher und ungestümer. Genoveva, an der Tieck besonders -eine naive, unschuldige Hilflosigkeit, einen Mangel an Verständnis für -alles Schlechte herausarbeiten möchte, spricht von Golos Wahnsinn, -von Siegfried, sie sieht sich erst einmal um Hilfe um, und nun -endlich erfolgt die entschiedene Abweisung und Flucht. Jetzt flammt -in Golo neben der Liebe Eifersucht und Rachsucht auf, durch Gertruds -Einflüsterungen über Genoveva und Drago veranlasst.[130] - -Die Liebesverwickelung des Dramas folgt in ihrem äußeren Umrisse -(in den drei Stadien) und in manchen Einzelheiten allerdings dem -Volksbuche. Tieck schuf jedoch aus dem Rohstoffe hier etwas wesentlich -Neues und dichterisch Höherstehendes. Aus der dreimaligen Wiederholung -des nämlichen Antrages eines sinnlichen Gesellen sollte ein organisch -wachsender psychischer Process mit leisen Übergängen, mit Motivierung -der einzelnen Stufen sich entfalten. Der Golo des Volksbuches wird -aus dem „treuesten Diener“, für den er wenigstens anfangs gilt, ohne -weitere psychologische Aufklärung im Handumdrehen ein rabenschwarzer -Bösewicht, der den Einsprechungen des Satans willig Gehör schenkt. So -will es die drastische Holzschnittmanier des Volksbuches und so liebt -es der einfache Volksbuchleser. Bei Tieck, dem feineren Kunstdichter, -lernen wir zunächst einen Ritter voll bezaubernder Liebenswürdigkeit, -einen Mann mit herrlichen geistigen und körperlichen Vorzügen kennen, -den erst seine sündige Leidenschaft, nachdem er selbst ihr zu -widerstehen versucht hat, zu Treubruch und Verbrechen führt.[131] - -Wenn bisher Tiecks Phantasie die mageren Skizzen des Volksbuches, wie -wir zeigten, zu reichen bunten Gemälden erweiterte, so sehen wir hier -den Dichter in anderer Weise poetisierend thätig. Das Rohmaterial wird -umgeformt, die Charaktere psychologisch tiefer gefasst. Statt der -plötzlich fertigen sinnlichen Leidenschaft ein schrittweises Entwickeln -und Emporwachsen der Liebe von reiner unbewusster Neigung zum heftigen -Sturm sinnlichen Verlangens. Im Volksbuch rückt Golo ohne Scheu direct -mit seinen sündigen Anträgen heraus, bei Tieck schlägt er schüchtern -allerhand Umwege ein. Der Satan flüstert ihm nicht mehr von außen böse -Gedanken in die Seele, sondern er erwacht „als böser Geist“ in Golos -Herzen und reißt ihn dem Untergang entgegen.[132] Golo selbst fühlt, -dass „der wilde Satan“ ihm sinnliche Phantasien eingibt.[133] Die -fortreißende verheerende Leidenschaft dünkt ihm ein „Höllenwerk“.[134] -Was im Volksbuch nur wie eine äußerliche Maschinerie erscheint, wird -vom Dichter seelisch vertieft und verinnerlicht und so zugleich -menschlich erklärt. - -Das Volksbuch spricht wohl von einer Steigerung des sinnlichen -Verlangens in Golo, das ihn zu seiner dreifachen Werbung treibt, -aber es bleibt eine bloß quantitative Steigerung der sinnlichen Gier -und die drei Anträge sind darum nichts weiter als eine Wiederholung -der nämlichen Sache, wenn auch dabei die kleinen Nebenumstände -wechseln. Anders wird das Ganze bei Tieck. Wenn hier die Liebe als -reine seelische Neigung anhebt und erst allmählich sich die sinnliche -Begierde eindrängt, wenn es in Golos Seele erst einen harten Kampf -zwischen ehrfürchtiger Verehrung und niedrigem Verlangen gibt, bis -die sinnliche Leidenschaft dem aufwärtsstrebenden Zuge des Gemüthes -obsiegt, bis alles „geht bergunter zur Nacht hinunter“, so hat der -Dichter damit eine innere Grundlage für einen dreifachen Liebesantrag -gewonnen, der dann keine einförmige Wiederholung mehr ist. Zu dieser -inneren Motivierung und Ausgleichung kommt noch eine äußere, das -Eingreifen der Amme Gertrud in den Gang der Entwickelung, wie er oben -geschildert wurde. Sie bestärkt Golo in seinen Irrgängen nicht aus -Bosheit, sondern aus falscher Liebe. Golo lässt sich die Zweifel über -das Recht seiner Liebe ausreden und ist nun nicht mehr allein schuldig. -Diese Gestalt tritt im Volksbuch erst nach der Gefangensetzung -Genovevas in Thätigkeit. Während man den Bösewicht Golo im Volksbuch -von Anfang an verachten muss, gewinnt der ursprünglich gutgesinnte -und herrliche Ritter, den seine unglückliche Liebesleidenschaft ins -Verderben stürzt, unsere Theilnahme. - -Um diesen Entwickelungsgang in Golos Liebe zu ermöglichen, durfte -Genoveva nicht das Wesen der Volksbuchheiligen beibehalten. Diese -treue, strenge, energische Ehefrau, wie die Volksbuchlegende sie -vorführt, würde ohne viel Umstände dem Liebeswerben Golos nach der -ersten Annäherung ein jähes Ende bereiten, und jenes Austönenlassen -der Liebesempfindung in allen Graden und sogar in ihrer Gegenwart -selbst, darin sich Tiecks Golo gefällt, fände keinen Raum mehr. Für -eine dramatische Concentration des Stoffes wäre gewiss ein einmaliger -psychologisch motivierter Zusammenstoß wirksamer (Golos Leidenschaft -könnte keimen und wachsen, ohne dass er ein Geständnis wagte): allein -auf eine strenge Erfüllung dramatischer Anforderungen verzichtet Tieck -in dieser Dichtung von vornherein. - -Die Umbildung, die sich Genoveva in Tiecks Phantasie gefallen lässt, -gereicht ihr nicht ganz zum Vortheil. Sie muss sich (künstlerisch -genommen) eben Golo fügen, der in diesen Partien des Buches als -Alleinherrscher erscheint. Die strenge Frau des Volksbuches wird zu -einem naiven, arglos unschuldigen, unentschiedenen, fast schwächlichen -Wesen, jedoch zu einem Wesen von höchster Seelenreinheit, zu einem -Wesen voll nichts ahnender Unschuld umgeschaffen, und aus ihrer -kindlichen Herzensunschuld soll wohl ihre Arglosigkeit entspringen, aus -dieser naiven Arglosigkeit ihr schier unbegreiflich gütiges, bis zur -Schwäche nachsichtiges Benehmen gegen Golo. Ob es dem Dichter gelang, -dies glaubhaft zu machen, ist noch eine Frage für sich. Übrigens -hängt dieser passive Charakter Genovevas noch mit der eigenthümlichen -Schleiermacher-Tieck’schen Religions-Auffassung zusammen. - -Das Charakteristische für diesen Theil der neuen Dichtung ist: Tieck -nimmt für Golos Liebe aus der Vorlage das äußere Schema, hebt es aber -dadurch zu feinerer poetischer Gestaltung empor, dass er es in eigener -Weise vertieft und belebt und auch ethisch verständlicher macht. - - -Genovevas Gefangennahme. - -_Volksbuch, 8 ff_. Genovevas Freundlichkeit gegen den frommen -Küchenmeister Dragones benützt der rachsüchtige Golo als willkommenen -Anlass, die Gräfin bei seinen Freunden zu verdächtigen. Golo bringt -einige Diener auf seine Seite, schickt eines Tages Dragones, „den -frommen Tropf“, in Genovevas Zimmer, ertappt ihn daselbst, beschuldigt -ihn und Genoveva wegen dieses Vorfalles des Schlimmsten und spricht -von Liebespulver, das der Koch der Gräfin beigebracht haben soll. -Diese Verdächtigung spricht Golo den Dienern gegenüber aus, dann ruft -er Dragones zu sich und lässt ihn nach einer längeren Anklagerede in -den tiefsten Thurm werfen. Dragones beschwört wohl erschreckt seine -Unschuld. Es nützt ihm nichts. Er muss in den Thurm und schließlich in -der Haft zugrunde gehen. (Dass er vergiftet wird, erzählt das Volksbuch -erst später.) Als Dragones todt ist, erhebt Golo seine Anklage gegen -Genoveva und sperrt sie „bis auf weitere Ordre des Herrn Grafen“ -ein. Die Gefangennahme war „erbärmlich“ anzusehen. Die Unbild gieng -Genoveva, der schwangeren Frau, zu Herzen, und sie klagte Gott ihre -Unschuld. - -_Tieck_. Unser Romantiker verwendet alles Wesentliche auch für -seine Darstellung der Rache Golos, jedoch mit mehreren Änderungen. -Durch Gertrud wird Golo auf Drago aufmerksam gemacht und durch ihre -Worte wird die Rache und Eifersucht auf den harmlosen Hausmeister -hingelenkt.[135] Während Genoveva und Drago sich über die Bedeutung und -christliche Auffassung der irdischen Leiden besprechen, werden sie von -Golo und seinem Anhange überfallen. Dass Golo bereits Machinationen -im Sinne der Volksbucherzählung angestellt hat, ersieht man aus ein -paar unklaren Andeutungen.[136] Das lange, schwerfällige Hin und Her -des Volksbuches, das dort die Einkerkerung der beiden einleitet und -begleitet, lässt Tieck, der dramatischen Form seiner Dichtung Rechnung -tragend, hier ganz gut fallen. - -Drago ist auch in Tiecks Dichtung ein „frommer, andächtiger“ Mensch, -doch nicht gerade ein einfältiger „Tropf“, wie ihn das Volksbuch nennt. -Er ist vielmehr lernbegierig,[137] er weiß seiner Gebieterin manches im -Legendenbuche, sogar „lateinische Redensarten“ zu erklären[138] (etwas -viel zwar für einen Koch auf einer mittelalterlichen Ritterburg) und -pflegt mit ihr weitläufige religiös-didaktische Erörterungen.[139] Er -ist geradezu an die Stelle des Kapellans getreten. Während Dragones -im Volksbuch erst, als von Golos Rache die Rede ist, erwähnt wird, -lässt ihn Tieck schon von Anfang an wenigstens nebenbei auf die -Bühne treten. Auch hier erwirbt ihm seine Frömmigkeit die freundliche -Geneigtheit Genovevas. Beim Überfall betheuert er auch verzagt und -erschreckt seine Unschuld, wird aber in den Thurm geworfen und soll -dort sein Grab finden.[140] Da Genoveva gleichzeitig eingekerkert wird, -so muss sie in einen „andern Thurm“ wandern. - -Neu führt Tieck neben der Rachgier das Motiv der Eifersucht[141] ein, -lässt es aber gleich wieder fallen. Im Volksbuch gewinnt Golo einige -Diener für seinen Racheplan. Eine Spur davon blieb im Trinkgelde, mit -dem Benno, der Helfershelfer, und die Dienerschaft von Golo bedacht -werden.[142] Auch Tiecks Golo redet seinen zweifelhaften Anhang als -„Freunde“ an und beruft sich auf seine Pflicht, die Ehre des Grafen zu -schützen, auf seine Verantwortung, die er dem rückkehrenden Siegfried -schulde.[143] Wenn es im Volksbuch „erbärmlich“ anzusehen ist, wie -man die unschuldige Gräfin in die Gefangenschaft schleppt, so gibt -uns diesen Eindruck auch das Gespräch zwischen Wendelin und Else -wieder.[144] Genoveva sagt mit der hohen Sicherheit der Unschuld bloß -zu Golo: „Du, Golo, weißt, ich brauch’ mich nicht zu schämen.“ Man -erwartet, dass Genoveva für ihren unschuldigen Leidensgenossen ein Wort -sprechen würde und umgekehrt. Von Benno, dem Echo Golos, hören wir, -dass Genoveva „im Thurm bleiben wird, bis der Herr Graf wieder da ist, -dann mag er sie richten“. Die Schwangerschaft Genovevas und das Betonen -ihrer Unschuld kehrt bei Tieck in einer monologischen Klage wieder.[145] - -Tieck vereinfacht hier die unbeholfen weitläufige Erzählung der -Vorlage. Dragones’ Gestalt wird gehoben. Gertrud greift in der Weise -intriguierend ein, dass Golo wieder ein wenig von der Schuld entlastet -wird. Die unerquicklich lange Geschichte der zweifachen Verhaftung -wird dramatisch zu einer einzigen gleichzeitigen zusammengezogen. Der -Kapellan ist todt, der alte Wolf krank, um Genovevas Hilflosigkeit ins -stärkste Licht zu setzen. Im Unglück wird Tiecks Heilige, die erst noch -schwächlich und willenlahm erschien, zur würdevollen Dulderin, die uns -Rührung und Achtung einflößt. Hier wie sonst im Drama klingen (und das -ist Tiecks Beigabe) die Geschicke der Hauptpersonen in den Nebenscenen -nach und hier wie im vorhergehenden wechseln Kriegsscenen und -Schloss-Scenen, das einemal contrastierend, das anderemal in Parallele -gestellt. - - -Genovevas Kerkerhaft. - -_Volksbuch, 11 ff_. In den Kerker Genovevas hat außer Golo nur dessen -Amme Zutritt. Diese beiden sind es, welche der Gefangenen schwere Tage -bereiten. Golo besucht sie und will sie durch jedes Mittel seinen -Wünschen gefügig machen, durch gute und böse Worte, durch Verheißungen -und Drohungen, durch Liebkosen und Schmeicheln. Aber umsonst! Einmal -stößt ihn Genoveva „mit der Faust“ zurück und weist ihn, indem sie -ihn an ihr Seelenheil erinnert, mit größter Entschiedenheit ab. Sie -will lieber sterben, lieber im Kerker verfaulen, als den Wünschen des -Verführers irgendwie entgegenkommen. An einer späteren Stelle heißt -es, Genoveva sei „täglich von dem tyrannischen Golo mit Schmähworten -gespeiset worden“. Um den Willen der Widerstrebenden doch zu beugen, -dingt Golo noch seine Amme, die es an Zureden bei Genoveva nicht fehlen -lässt. Die „lose Vettel“ schlägt der Armen auch jede Hilfeleistung -für die bevorstehende Entbindung ab. Sie bringt Golo bald darauf die -Nachricht, dass nunmehr zwei Gefangene im Thurme wären und sagt ihm vom -Elende der Wöchnerin. Selbst bewegt durch diese Noth, sucht sie bei -Golo einige Bequemlichkeit für die Unglückliche zu erbitten. Nur ein -wenig mehr Wasser und Brot wird bewilligt. - -_Tieck_. Was Tieck in seiner Quelle vorfindet, verwertet er wieder -alles ziemlich sorgfältig. Wir finden das einemal Golo bei Genoveva, -wie er mit Bitten, Drohen und Verheißungen um ihre Neigung wirbt; aber -von Genovevas Persönlichkeit überwältigt und zur Ehrfurcht gezwungen, -entfernt er sich. Dieser schöne Zug, dass vor der hohen Seelenreinheit -und heiligen Unschuld der sittenstrengen Frau der Begehrliche -unwillkürlich zurückweicht, ist Tiecks Zugabe und dieser nämliche -Gedanke schimmert auch sonst noch ein paarmal im Drama durch.[146] In -einer anderen Scene tritt Golo höhnisch vor die Dulderin, auch wieder -verheißend und bittend. Genoveva wehrt ihn mit kräftigen Worten ab, -sie will lieber „sterben und verderben“, als ihm die geringste Gunst -erweisen. Alles Drohen, Bitten und Klagen ist unnütz und da schließlich -Genoveva den Bedränger zur Reue mahnt, verlässt er sie mit rohen -Schimpfreden.[147] - -Während im Volksbuch die Amme erst an dieser Stelle erscheint, -kennen wir Tiecks Gertrud bereits längere Zeit. Sie spielt hier der -Gefangenen gegenüber fast die gleiche Rolle wie im Volksbuch. Sie -sucht auch hier Genoveva im Sinne Golos zu bereden, wenigstens ein -freundliches Wort für ihn zu erwirken.[148] Doch es geschieht hier -nicht bloß in boshafter kupplerischer Weise, wie man es im Volksbuch -wohl auffassen muss, sondern falsche Liebe und sträfliches Mitleid -mit dem hinsiechenden Pflegesohne sprechen auch ein entscheidendes -Wort mit. Der Wöchnerin wird zwar die nothwendigste Pflege ebenfalls -verweigert, aber nicht auf Gertruds Anstiften. Diese weicht der Bitte -Genovevas bloß aus. Die Nachricht von der Geburt des Kindes und der -schlimmen Lage der Mutter überbringt Gertrud mit ganz ähnlichen Worten -wie ihr Vorbild.[149] Das Mitleid mit der Hilflosen äußert sich bei -Gertrud viel lauter und energischer, als bei der Amme im Volksbuch; -jene widerliche „Vettel“ bekommt auch hier wie sonst ein menschlicheres -Ansehen. Der Hinweis auf die Jagdhunde wird in Gertruds Bitte nicht -vergessen. Durch das gesteigerte Mitleid vergütet Tieck einigermaßen -den abstoßenden Eindruck, den das kupplerische Gebaren dieses Weibes im -vorhergehenden Theile der Dichtung machte. Die Sachlage verschiebt sich -ein wenig. Es erscheint nämlich bei Tieck Golo als der hartherzige. -Er gewährt die Bitte der Amme nur, um die Lästige loszubekommen. Auch -den Bitten und Zureden seines sterbenden Pflegevaters Wolf schenkt er -kein Gehör und will nur seine Rache kühlen.[150] Die größere Rachsucht -des verschmähten Buhlers soll der tieferen und heißeren Leidenschaft -entsprechen. So deutet es Tieck selbst ungefähr an.[151] Dieser -Gegensatz ist bedeutend und psychologisch richtig. Kriegsscenen sowie -die Episode vom sterbenden Wolf treten wieder zwischen die Scenen der -Haupthandlung. - - -Golos Bericht an Siegfried. - -_Volksbuch, 15 ff_. Siegfried konnte von den Vorgängen auf seinem -Schlosse bisher nichts erfahren, weil aus Furcht vor Golo es niemand -wagte, ihm zu berichten. Siegfried muss auch seiner Wunde wegen länger, -als er verhoffte, im Felde bleiben. Zwei Monate nach der Geburt -Schmerzenreichs sendet Golo einen Diener zu Siegfried mit einem Briefe, -dessen Inhalt das Geschehene verleumderisch andeutet. Die Wunde des -Grafen verschlimmert sich darüber. Der Diener berichtet ausführlicher, -wie Genoveva mit dem Koche verdächtige Gemeinschaft hatte. Öftere -Ermahnungen hätten nichts gefruchtet. Darum mussten beide eingesperrt -werden. Auch das Kind wird von den Hofleuten dem Koch zugeschrieben. -Ein Monat sei ja erst seit der Geburt desselben verflossen und der Graf -ist bereits eilf Monate fort. Siegfried wüthet und lästert auf Genoveva -und den Koch. Nach langem Besinnen gibt er den Befehl, die Gräfin von -allem Verkehre abzuschließen und den Koch „unter verdienten Martern“ -zu tödten. Mit diesem Befehle kommt der Diener zu Golo. Der Koch -wird vergiftet und sammt seinen Ketten in einer abscheulichen Grube -vergraben. Genoveva ist ohnehin schon im engsten Gewahrsam. Golo aber -fürchtet entdeckt zu werden, falls Genoveva am Leben bleibt. Denn viele -am Hofe missbilligen sein Thun. - -_Tieck_. Tieck schaltet vor der Absendung des Boten noch Genovevas -Klage im Gefängnisse, sowie Heinrichs des Schäfers Hochzeit als -Contrast-Episoden ein.[152] Dann hören wir Golos Auftrag an Benno.[153] -Dieser soll die seit Genovevas Niederkunft verflossene Zeit falsch -angeben. Eine kurze Klage Grimoalds um seinen gefallenen Sohn[154] -leitet vom Hause zum Lager über. Hier sehen wir die Wirkung der -Botschaft auf Siegfried, die sich, wie im Volksbuche, in einer -Verschlimmerung der Wunde äußerlich zeigt. Auch Benno bedauert, wie -der Diener im Volksbuche, solch schlimme Botschaft bringen zu müssen. -Auch Tiecks Siegfried wüthet: „O schmachvoll Weib, o heuchlerische -Schlange...“ Den Inhalt des Briefes im Volksbuch (Golo fürchtet -Siegfried zu betrüben. -- Alle Hausgenossen haben umsonst sorgsam -gewacht, wie die gräflichen Verwandten bezeugen können. -- Der Bote -wird glaubwürdig berichten. -- Der Graf möge seinen Willen kundthun) -verwendet Tieck dramatisierend für Bennos Reden. Siegfried hat zu wenig -aus dem Briefe erfahren. Das motiviert den Bericht Bennos, der die -wesentlichen Punkte der falschen Anklage wie im Volksbuche wiedergibt -und dazu noch das (im Volksbuche früher erwähnte) Liebespulver -fügt.[155] Die raffinierte Art, wie Benno durch seine Erzählung -Siegfrieds Entrüstung steigert und in diese Scene wirklich dramatisches -Leben bringt, ist Tiecks Eigenthum. Drago soll „nach dem Gesetze“, -nicht unter Martern sterben. Siegfried gibt in seinem Zorne ohne langes -Besinnen den Befehl zu Dragos Hinrichtung und Genovevas strengem -Gewahrsam. Wir erfahren noch von Golos Besorgnis vor Siegfrieds -Rückkehr. Auch manche Hofleute sind mit ihm unzufrieden. Gertrud räth, -ihre Schwester, die Zauberin in Straßburg, zuhilfe zu nehmen, um -Siegfried gründlicher zu bethören. Diese Scene muss zugleich die Zeit -der Rückreise Bennos ausfüllen helfen. Nach dieser Abmachung wird Drago -hinter der Scene vergiftet.[156] Die Hauptpunkte stimmen also mit der -Vorlage. Rohes und Hässliches wird gemildert. Einzelne Züge werden -geschickt an eine andere, dramatisch tauglichere Stelle gerückt. - - -Bei der Hexe in Straßburg. - -_Volksbuch, 18 ff_. Golo reitet Siegfried bis Straßburg entgegen -und sucht hier zuerst die Schwester seiner Amme, ein scheinheiliges -Weib und Hexe ihres Zeichens, auf. Diese wird von Golo bezahlt, um -Siegfried „ein Gespenst daher zu machen“. Bei Siegfried erzählt Golo -wieder seine Lügengeschichte und stellt sich schmerzlich berührt über -das Unglück, das seinen Herrn getroffen. Er hat den Koch heimlich -hinrichten lassen, um die Schande der Gräfin mehr zu verdecken. Der -Graf glaubt den Aussagen nicht ganz sicher. Golo weist ihn daher an die -„heilige Matrone“. Bei Anbruch der Nacht begeben sich beide dorthin. -Siegfried richtet seine Frage an die Alte. Die Hexe stellt sich recht -demüthig an und führt ihre Gäste in einen dunkeln Keller, „in welchem -ein grünes Licht brennete, so einen blauen Schein von sich gab“. Die -beiden Männer treten in zwei gezogene Kreise, die Hexe murmelt über -einem Spiegel, der im Wasser liegt, geheime Worte, macht wunderbare -Segen und anderen Zauberhocuspocus, so dass Siegfried dabei ein Schauer -anfasst. Sie lässt ihn im Spiegel den Ehebruch seiner Gattin sehen, -der sich in drei Stadien entwickelt: freundliches Reden und Liebkosen, -Wangenstreicheln und Küssen, endlich das Schlimmste selbst. Siegfried -erröthet für Genoveva. Er „speyete gleichsam Feuer“ und schickt Golo -mit dem Auftrag fort, Genoveva und ihr Kind eines schändlichen Todes -sterben zu lassen. Nach Golos Heimkehr verräth das Töchterchen der Amme -der gefangenen Genoveva durchs Kerkerfenster ihr bevorstehendes Los und -bringt der unschuldig Verurtheilten Feder und Tinte, womit diese den -Reinigungsbrief schreibt. - -_Tieck_. Schon bei der Berathung Golos mit Gertrud hörten wir von -Winfreda, der Schwester Gertruds. Es heißt, dass sich diese Hexe auf -Künste verstehe, bei denen „sich die Haare aufrichten“. Diese soll -Siegfried „ein Blendwerk vormachen“. In Straßburg sehen wir, wie Golo -die Hexe durch Geschenke für sich gewinnt und (seltsamerweise) sich -selbst Aufschlüsse über seine Herkunft geben lässt, also an ihre Kunst -glaubt.[157] Dann geht er wie im Volksbuch zu Siegfried, der den -Nachrichten über Genoveva nicht ganz traut. Tieck scheint wieder Golo -entlasten und die Schuld auf andere wälzen zu wollen. Golo, auch hier -wie im Volksbuch, voll heuchlerischer Theilnahme, berichtet Dragos -Hinrichtung wie in der Legende und weist zur vollen Beglaubigung -seiner Aussagen Siegfried an die Weissagerin. Siegfried äußert -religiöse Bedenken gegen die Zauberei, über die ihn Golo beschwichtigt. -Mit Anbruch der Nacht begeben sich beide zur Hexe.[158] Siegfried -behandelt sie als eine „heilige Frau“. Sie stellt sich demüthig und -bei ihren geheimnisvollen Reden erfasst den Grafen ein Schauer, es -sträuben sich seine Haare. Er trägt seine Bitte vor. Er bekommt auch -im Spiegel das Verlangte zu sehen. Dieser Zauberspiegel liegt hier -nicht im Wasser, sondern „hängt an seinem Orte“. Nachdem die Hexe ihre -Formeln gesprochen hat, sieht Siegfried die nämlichen Vorgänge wie -im Volksbuche abgespiegelt: freundliches Gespräch, Wangenstreicheln, -„Niedersinken in die Laube“. Auch hier muss Siegfried für Genoveva -erröthen. Es folgen Siegfrieds Zorn und der Befehl, Genoveva sammt dem -Kinde zu tödten. (Der „schändliche“ Tod fällt bei Tieck weg.)[159] - -Tieck gibt zur Erzählung der Legende nur den mysteriösen Inhalt der -Zaubersprüche, einige andere geheimnisvolle Reden der Hexe, Siegfrieds -Bedenken gegen die Zauberei, Golos Frage nach seiner Herkunft und eine -phantastischere Decoration des Hexen-Haushaltes hinzu. Sehen wir noch -vom Hängen des Zauberspiegels ab, so folgt alles übrige der Vorlage. - -Nach Golos Heimkunft weint im Drama wie im Volksbuch das Töchterlein -der Amme vor dem Kerkerfenster am Thurme und kündigt der Gefangenen -ihr Schicksal an. Diese erbittet sich Papier und Tinte, um ihren -Reinigungsbrief zu schreiben, dessen Inhalt das Volksbuch an dieser -Stelle, Tieck später bei der Auffindung des Briefes durch Siegfried -mittheilt.[160] Die Klage Genovevas im Volksbuche fehlt bei Tieck. - - -Genoveva und die Mörder. -- Ihre Rettung. - -_Volksbuch, 22 ff_. Golo gibt früh morgens zweien von seinen treuesten -Dienern den Befehl, Genoveva und ihr Kind zu tödten. Sie soll in den -Wald geführt und als Wahrzeichen der vollführten That sollen Augen und -Zunge zurückgebracht werden. Die genaue Ausführung seiner Anordnung -verspricht Golo zu belohnen, die Vernachlässigung strengstens zu -bestrafen. Die Diener führen das „unschuldige Schäflein“ und das -„unschuldige Lämmlein“ in den Wald hinaus. Genoveva beklagt den frühen -Verlust ihres Kindes. Die Diener sind dabei so gerührt, dass sie sich -schweren Herzens an ihr Werk machen. Genoveva darf sich aber erst noch -zum Tode bereiten. Während sie im Gebete kniet, wollen die beiden das -Kind umbringen. Genoveva springt auf, hält sie zurück und verlangt, -zuerst sterben zu dürfen. Sie zeigt aber den Beiden Mördern auch das -Verwerfliche ihres Vorhabens, da sie unschuldiges Blut vergießen -wollen. Beide fühlen sich durch Genovevas Worte so getroffen, dass sie -der Unschuldigen das Leben schenken gegen das Versprechen, dass sie -beständig im Walde bleibe. Als falsche Wahrzeichen des vollführten -Mordes bringen sie Augen und Zunge eines Windspieles heim. Golo lässt -die „Hurenaugen“ den Hunden vorwerfen. - -_Tieck_. Im Drama ist wieder das Meiste beibehalten, nur einzelne -Änderungen und Erweiterungen gestattet sich der Dichter. So müssen -sich die beiden Mörder erst Muth antrinken: ein realistisch gehaltenes -Motiv, wie es sonst nicht oft in der „Genoveva“ begegnet. Das Ganze -wickelt sich auch bei Tieck früh morgens ab, nur wird hier ein trüber -Herbstmorgen zugleich stimmungsvoller Hintergrund; denn hier wie sonst -ist Tiecks Verhältnis zur Natur und ihrer Stimmung ein ganz eigenes, -während das Volksbuch sich für eine sentimentale Naturauffassung -nirgends interessiert.[161] Wir erfahren die Wegführung Genovevas aus -Wendelins und Elsens Gespräch.[162] Was das Volksbuch hier von der -Rührung beider Mörder sagt,[163] gilt nur von einem bei Tieck, von -Grimoald mit dem weichen Gemüthe; dieser muss erst den rohen Benno -von seinem Vorhaben abbringen: das Einfache wird differenziert und -ein Contrast herausgearbeitet. Genovevas Rechtfertigungsrede ist -bei Tieck sehr breit behandelt. Das Kind wird auch hier das „liebe -Lamm“ genannt.[164] Ein wesentlicher neuer Zug an Tiecks Golo ist es, -dass dieser in den Wald nacheilt, um Genoveva zu retten und über die -vermeintlich geschehene That ernste Reue zeigt; das Volksbuch weiß -nichts von einer Reue Golos. Das rohe Gebot Golos, die Augen den Hunden -vorzuwerfen, lässt Tieck dementsprechend weg. Grimoald mag nimmer im -Lande bleiben, in dem so schlimme Dinge geschehen.[165] Das Wichtigste -ist in diesem Abschnitt, dass uns Golo wieder menschlich nähergebracht -werden soll. Er, der uns durch Härte und Roheit schon beinahe abstieß, -bekommt wieder ein paar Lichtseiten. - -Während das Volksbuch nach dem Gerichte über Genoveva ohne -Unterbrechung die siebenjährige Verbannung im Walde schildert, -nimmt Tieck nur ein kleines Stück davon voraus, um die Pause bis zu -Siegfrieds Heimkunft auszufüllen. Wir werden zugleich über Genovevas -Schicksal beruhigt, nachdem unsere Theilnahme schon den Höhepunkt -erreicht hat, und wir werden durch das Wunder mit der Hirschkuh auf -weitere Wunder vorbereitet. Die tragische Periode erhält nach dem -Ausspruche eines befreundeten Kritikers so ein „rührendes Ende“.[166] -Alle Erlebnisse der ersten Tage in der Einsamkeit, wie sie die -Legende erzählt, verwebt Tieck in den Monolog Genovevas. Tiecks -charakteristische Zugabe ist Genovevas Anruf an die Natur.[167] - - -Siegfrieds Reue. - -_Volksbuch, 41 ff_. Statt die Erzählung des einsamen Lebens -fortzusetzen, wie das Volksbuch thut, führt das Drama die Ereignisse -nach Siegfrieds Heimkehr vor. Wir müssen daher zum Vergleiche den -Anfang des folgenden Abschnittes der Legende vorausnehmen. Siegfried -bekommt etliche Tage nach der Rückkehr Gewissensbisse darüber, dass -er Genoveva ungerecht ohne Richterspruch verurtheilt habe. Im Traume -sieht er, wie ein Drache sein geliebtes Weib entführt und das verstärkt -seine Reue. Golo deutet den Traum mit Benützung des Namens „Dragones“ -auf den Koch und sucht Siegfried aus seinen melancholischen Träumen -aufzurütteln. Dazu veranstaltet er allerlei Kurzweil, wie Jagen, -Rennen, Gastereien, Tanz und Besuch von Freunden. Doch alles dies -kann Siegfrieds Herzenswunde nicht heilen. Nun findet der Graf noch -Genovevas Brief, dessen Inhalt ihn mit großem Herzeleid erfüllt und er -hätte Golo im Zorne getödtet, wenn dieser nicht eben auf einige Tage -sich entfernt hätte. Hernach weiß der Arglistige wieder den Grafen zu -seinen Gunsten umzustimmen. Doch gelingt dies nicht auf die Dauer, so -dass es Golo am Hofe unheimlich zu werden anfangt und er aus dem Lande -flieht. - -_Tieck_. Das Volksbuch ist für alles Wichtigere im Drama der -Ausgangspunkt. Siegfrieds Reue, sein Traum, Golos Deutung desselben, -sowie sein Bemühen um Siegfrieds Zerstreuung: alles kehrt auch bei -Tieck wieder.[168] Um die Art der Wiederauffindung Genovevas anzudeuten -und aus besonderer Vorliebe für die dichterische Schilderung freier -Waldnatur sucht sich der romantische Dichter von den verschiedenen -Belustigungen gerade die Jagd heraus, um sie in eigenen Scenen zu -entfalten.[169] Tieck eigenthümlich ist die Art, wie Golo während der -lustigen Jagd in schmerzliche Erinnerungen an der Stelle versinkt, -wo „Genovevas Augen und Zunge“ begraben sind.[170] Allein dieser Ort -ist für die ernste, wehmüthige Empfindungsaussprache kaum glücklich -gewählt. Das schöne, alte, poetische Motiv von Blumen, die an der -geliebten Stelle aufsprießen, bekommt einen Stich ins Komische, wenn -wir wissen, dass nur Augen und Zunge eines untergeschobenen Vierfüßlers -hier begraben liegen. Die Flucht Golos mit Benno wird erst beschlossen -und dann wirklich ausgeführt,[171] aber es ist nicht eine Flucht -„außer Landes“, sondern in echt romantischer Weise eine Flucht in die -verlassenste Waldeinsamkeit. - -Auch bei Tieck findet Siegfried vorher den Brief seiner Gattin, der in -Form eines Sonettes abgefasst ist, den -- und das ist dramatisch gut -berechnet -- Golo selbst lesen muss. Der Inhalt stimmt im wesentlichen -mit der Vorlage. (Abschiednehmen. -- Unschuldbetheuerung. -- Verzeihen -der erlittenen Ungerechtigkeit. -- Die Irreführung durch einen bösen -Mann hat alles verschuldet.) Golos Entschuldigung ist dieselbe wie -im Volksbuche, nur etwas ausführlicher. Siegfried lässt sich hier -wie in der Legende recht schnell umstimmen.[172] Golo flieht in sein -Waldversteck. - - -Die sieben Jahre. - -Die Erlebnisse Siegfrieds und Genovevas innerhalb dieser Jahre lässt -Tieck durch den heil. Bonifacius episch berichten.[173] Hier folgt -Tieck fast überall auf das genaueste der Erzählung des Volksbuches, -einmal, weil ihn Inhalt und Erzählung der Vorlage besonders ansprachen, -wie er selbst andeutet, und weil ferner die epische Technik weit -weniger Änderungen forderte als die dramatische. Zuerst lässt Tieck -seinen heil. Bonifacius erzählen, was auf dem Schlosse Siegfrieds -vorgieng. Dragos Geist erscheint nächtlicherweile dem Grafen und -führt ihn unter schaurigen Geberden in den Zwinger der Burg, wo der -Leichnam des Gemordeten eingescharrt worden war. Siegfried lässt die -irdischen Reste Dragos an einem angemesseneren Orte zur Erde bestatten -und Seelenmessen für den Verstorbenen lesen, dessen Geist nun Ruhe -findet. Siegfried erkennt aus dem ganzen Vorgange, dass Genoveva -und Drago unschuldig sind. Tieck folgt in der Schilderung dieser -Vorgänge allenthalben, selbst in den Nebenumständen, der Erzählung des -Volksbuches. Nur das Schlagen des Geistes an die Thür und sein Auf- und -Abgehen im Zimmer Siegfrieds wird -- vielleicht als ungespenstisch -- -weggelassen. Und während Dragos Leichnam nach dem Volksbuch in einer -„abscheulichen“ Grube verscharrt wurde, gibt Tieck als Ort den Zwinger -an. - -Mit der Erwähnung von Genovevas Unschuld führt uns der Dichter in -einem äußerlichen Übergange zur Verbannten selbst in die Wüste, um uns -ihre und ihres Kindes Geschicke durch den heil. Bonifacius erzählen -zu lassen. Ihre Leiden und Entbehrungen, die himmlischen Wunder und -Tröstungen, der trauliche Verkehr Schmerzenreichs mit den Waldthierlein -und die frommen Gespräche zwischen Genoveva und Schmerzenreich, alles -wird Zug für Zug im Anschluss an das Volksbuch dargestellt. Ganz -wenig nur wird von Tieck abgeändert. Das Volksbuch erwähnt z. B., dass -Schmerzenreich sich bald seines traurigen Daseins bewusst wurde und mit -der Mutter weinte: Tieck übergeht diesen Zug. Dafür gestaltet er das -wunderbare Begebnis mit dem himmlischen Crucifix, das die Hand nach -Genoveva ausstreckt, dadurch reicher, dass er während des Wunders einen -unsichtbaren Chor, wie aus Engels Mund, singen lässt. Dieses Wunder -nimmt eben eine poetisch weit höhere Stellung ein, als jenes natürlich -alltägliche Ereignis. Tiecks Erweiterung sind auch die zwei Strophen, -mit denen Bonifacius seine Erzählung einleitet[174] und ebenso drei -Strophen der Trostrede, die Christus an Genoveva richtet.[175] Für -die didaktische und moralisierende Anrede an den Leser: „O laß uns -alle diesen Wandel führen...“ fand Tieck an einer anderen Stelle des -Volksbuches Anregung und Vorbild, nämlich in dem Gebete: „O gottseelige -Genoveva!... Ach theile mit mir deine Reinigkeit, und erwerbe mir bey -Gott, deiner Tugend nachzufolgen.“[176] - -Der letzte Theil der epischen Einschaltung, die Bonifacius vorträgt, -beschäftigt sich mit Schmerzenreich und nach dem Abgehen des Rhapsoden -folgt ein religiöses, erbauliches Gespräch zwischen Genoveva und dem -Kinde. Auch hier wird alles beibehalten, was Tieck in der Vorlage fand. -Die Abweichungen von der Legende zeigen sich nur in geringfügigen -Nebendingen und es ist nicht ausgeschlossen, dass auch der Reim der -achtzeiligen Stanze an solchen kleinen inhaltlichen Verschiebungen -schuld ist. Wie enge sich hier Tieck stellenweise an die Vorlage -anschließt, mag ein Beispiel zeigen. S. 37 f. erzählt das Volksbuch: -„Es fiengen auch die wilden Thiere von selbiger Zeit an mit ihnen gar -gemein zu werden; daher sie täglich zu ihnen kamen, und dem lieben -Kind manche Kurzweile machten; er ritte vielmal auf dem Wolf, der ihm -das Schaafsfell gebracht hatte, und spielte oftmals mit den Haasen -und anderen Thieren, so um dasselbige herumliefen. Die Vöglein flogen -ihm gewöhnlich auf die Hand und Häuptlein, und erfreueten Kind und -Mutter mit ihrem lieblichen Gesang. Wenn das Kind ausgienge, für die -Mutter Kräuter zu suchen, so liefen unterschiedliche Thiere mit ihm, -und zeigten ihm mit ihren Füssen, welches gute Kräuter wären. Es -hatte auch die fromme Mutter große Freude in seiner Konversation, und -verwunderte sich vielmal über seine weislichen Fragen und Antworten; -sie lehrte ihn auch das Vater Unser und andere Gebetlein beten“, etc. -Die entsprechenden Strophen bei Tieck lauten: - - „Es wurde auch das Wild zur selben Zeit - Mit ihnen gar vertraulich und gemein, - Das liebe Kind hat daran manche Freud’, - Daß sie um ihn so schön ergötzlich sein. - Er ritt auf seinem Wolf gar oftmals weit - In Wald, die Hasen liefen hinterdrein, - Die Vöglein sich auf Hand und Häuptlein schwungen, - Erquickten ihn und sie, so wie sie sungen. - - Ging’s Kindlein aus, um Kräuter aufzulesen, - So liefen auch die frommen Tierlein mit, - Und zeigten ihm die guten von den bösen - Mit ihren Füßen, folgten jedem Schritt: - Dann kehrt’ er freudig, war er ausgewesen, - Und brachte seiner Mutter Essen mit, - Dann lehrte sie ihn Vater Unser sagen, - Liebkosend in den schönen Sommertagen.“[177] - -Reim und Strophenform bedingen hie und da kleine inhaltliche -Änderungen, besonders Erweiterungen. Das lässt sich schon am -beigebrachten Beispiele verfolgen und das gilt auch für das -darauffolgende Gespräch zwischen Genoveva und Schmerzenreich. Daraus -erklärt sich die breitere Schilderung der himmlischen Freude und des -irdischen Leidens. Die Endstrophe bringt nichts Neues, sie soll nur den -Scenenschluss rechtfertigen. Mit der dramatischen Darstellung beginnt -auch wieder der freie Scenenwechsel, welcher synchronistisch die -Ereignisse auf Siegfrieds Schloss und in Genovevas und Golos einsamer -Behausung nebeneinander hergehen lässt. - - -Das Bekenntnis der Hexe - -_Volksbuch, 47 ff_. Nach einigen Jahren (d. i. einige Jahre nach der -Erscheinung von Dragos Geist) wird die Straßburger Hexe gerichtlich -eingezogen und sie legt vor ihrem Tode das Bekenntnis ab, dass sie -Siegfried betrogen habe. Der Schmerz des Grafen erwacht bei dieser -Nachricht mit furchtbarer Heftigkeit und bringt in Siegfried den -Entschluss zur Reife, Golo zu bestrafen. - -_Tieck_. Das Hexengericht wird in Tiecks Darstellung nur wenig -verändert, und zwar zu Gunsten der dramatischen Form. Siegfried -ist hier selbst der Richter. Wir erfahren vom Verhöre der Hexe wie -von Siegfrieds Gemüthszustand. Nur widerwillig lässt dieser die -Verurtheilte noch ein zweitesmal vor sich kommen, eingedenk der -Ungerechtigkeit, dass er einst Genoveva und Drago nicht einmal -angehört hatte. Das Geständnis der Hexe, das Genovevas Unschuld -bezeugt, wird wie im Volksbuch behandelt; nur dass es von Winfreda vor -Siegfried selbst abgelegt wird. Dieser wüthet vor Schmerz und will nun -endlich gegen Golo ernstlich vorgehen. Im Volksbuch wird uns nur ein -Bericht aus der Ferne über die Hexe erstattet, Tieck gibt dem Ganzen -dramatische Gegenwart und schafft einen wirksamen Gegensatz, indem er -Siegfried selbst, der einst der Hexe wie einer Heiligen geglaubt, über -diese Gericht halten lässt. Also hier ein ähnliches Confrontieren wie -bei Golo, der den Reinigungsbrief selbst vorlesen muss. - - -Genovevas Krankheit. - -_Volksbuch, 40 f_. Ungefähr gleichzeitig mit dem Hexenprocesse fällt -Genoveva in eine schwere Krankheit. Zwei Engel bringen ihr wunderbare -Heilung. - -_Tieck_. Das Drama behält das Ganze bei, einiges etwas erweiternd.[178] -Hier legt Tieck Schmerzenreich das Verlangen in den Mund, mit in den -Himmel reisen zu dürfen, wie zu Anfang des Dramas Genoveva von ihrem -ausziehenden Gatten sich nicht trennen wollte. Wie Füllsel, um die -Stanze fertig zu bringen, sehen manche Verse aus.[179] Unpassend, weil -unmotiviert, ist die Furcht des Kindes: es möchte, wenn die Mutter fort -ist, „verkehrt“, „gottlos“, „ungezogen“ werden.[180] Neu erscheint -bei Tieck die Einführung des Todes als allegorischer Gestalt und die -Danksagungsstrophen nach der Genesung, sowie der kindliche Gesang der -beiden „Flügelkinder“. Mit Ausnahme dieser Kinderverse, welche die -Englein singen, stolziert die ganze Scene in prunkenden Stanzen daher. - - -Golo in der Einsamkeit. -- Siegfrieds Einladung. - -Wie das Volksbuch (48 ff.) nach dem Hexengericht sich wieder zu Golo -wendet, so führt uns Tieck nach der wunderbaren Rettung Genovevas aus -der Krankheit zurück zu Golo, der in der Verbannung lebt. Allein für -die Nachtscene im Waldgebirge,[181] wohin Golo geflohen ist, wo er -in dunklen Worten von seiner Seelenstimmung spricht und in lebhafter -Erinnerung an Genoveva über deren vermeintlichen Mörder Benno derart -ergrimmt, dass er ihn vom Bergesgipfel in die Tiefe stößt, konnte -Tieck in seiner Vorlage nichts finden. Dass ein gewisser Verkehr -zwischen Golo und Siegfried noch besteht, erfahren wir im Volksbuch -wie im Drama. Begründet ist derselbe nirgends. Die Contrastfigur des -nächtlichen Pilgrims, der Wallfahrtsörter und Wunderbilder besucht -und seine Jugend bereut, während Golo jetzt nur mehr überall ein -Walten des unabwendbaren Schicksals sieht, ist Tiecks Zugabe an -dieser Stelle. Später übernimmt dieser Pilgrim die Rolle jenes Engels -in Pilgrimskleidern, von dem die Legende erzählt. Oder richtiger -gesagt, die Rolle des Pilgrims im Volksbuch wird von Tieck nach -vorne erweitert, sowie die Rollen Dragos und Gertruds. Die Einladung -Golos an Siegfrieds Hof erscheint im Volksbuch als ein Anlocken des -„listigen Fuchses“. Bei Tieck ist es auch ein Herbeilocken durch -Siegfrieds Briefe und verstellte freundliche Botschaft. Allein diese -leicht zu durchschauende Einladung würde auf Tiecks Golo den Eindruck -verfehlen, wenn nicht das sehnsüchtige Heimweh und der Wunsch, als -Einsiedler an der Stätte zu wohnen, wo Genoveva begraben liegt, sein -Gemüth mit tiefer Gewalt erfasste.[182] In einem Monologe bezeichnet -Golo den Pilgrim als ein himmlisches Wesen und staunt darüber, wie -dieser die verborgensten Dinge und Gedanken wisse. Unabhängig von der -Legende führt hierauf Tieck seinen schwermüthigen Ritter auf dem Wege -zu Siegfried mit dem Schäfer Heinrich zusammen,[183] den innerlich -Verstörten mit dem harmlos Glücklichen, dem übrigens Golo selbst zu -seinem Glücke verhalf. (Tragische Ironie und Contrast.) Heinrichs -Kind fürchtet sich instinctiv vor Golo. Wehmüthige Erinnerung an die -Vergangenheit klingt leise durch die ganze idyllische Scene. Während -das Volksbuch nur kurz und trocken von den Geschehnissen berichtet, -benützt Tieck in diesem Abschnitte jede Gelegenheit zum Ausmalen -verschiedener Stimmungsbilder. Den Gang der Begebenheiten „sollte ein -Spiel der Empfindungen entfaltend begleiten“, wie in der „Magelone“. - - -Die Jagd. -- Das Wiedersehen. - -Das Volksbuch behandelt die Jagd, welche Siegfried und Genoveva -wunderbar zusammenführt, ganz prosaisch als Mittel, um Wildbret für -ein kommendes Fest zu beschaffen und dabei findet man zufällig den -Aufenthalt der Todtgeglaubten. (S. 50.) Tieck macht die nämliche -Sache poetisch beziehungsreicher, da bei ihm die Jagd eigentlich Golo -gilt und mit ihm zugleich das noch edlere Wild erbeutet wird. Tiecks -Freude an der Scenerie zeigt sich auch hier wie bei den Kriegsscenen, -indem er zwei Scenen hintereinander folgen lässt, die eben nichts als -Jagdbilder sind.[184] Golo fühlt sich in der That als gehetztes Wild -bei Tieck, während er in der Legende bis zur Auffindung Genovevas -einfach ganz verschwindet. Die äußeren Vorgänge beim Zusammentreffen -Siegfrieds mit Genoveva wickeln sich im Volksbuch und Drama ganz gleich -ab.[185] Von den Einzelheiten der Legende wird nur höchstens ganz -Unbrauchbares, wie die „Kutsche“, welche Genoveva nach dem Schlosse -führt, ausgeschieden und der schwer denkbare Sturz Siegfrieds vom -Pferde auf die Knie abgeändert. Die „Ehrfurcht vor der Heiligen“, von -der das Volksbuch spricht, äußert sich bei Tiecks Siegfried in der -Scheu, Genoveva mit „Du“ anzusprechen. Bei Tieck bittet Siegfried, -der seinen Gefühlen in langen Reden Ausdruck gibt, auch noch sein -Kind um Verzeihung. Das Kosewort „herzgoldenes Kind“ des Volksbuches -nimmt Tieck auf, steigert es zum „herzgüldenen Herzenskind“. Siegfried -ergreift die Erinnerung an die alte Zeit. Er sucht Theilnehmer für -seine neubelebte Freude. Darum (Tiecks poetische Motivierung) ruft er -durch einen Hornstoß die Genossen zusammen. Golo sitzt unterdessen -tiefdenkend um die Felsenecke und kümmert sich um nichts. Er wird -gerufen, er glaubt „zu träumen“ und fleht Genoveva um Gnade an. Golo -ist hier ganz weichfühlender Mensch und kein satanischer Bösewicht. -Durch diese kleinen Zuthaten seelischer Art bekommt die Scene bei -Tieck ein eigenes poetisches Colorit. Genoveva wird nun in einer -Sänfte auf das Schloss getragen. Die Freude über die Wiedergefundene -findet vielstimmigen Ausdruck bei Dienern, Kindern und Zuschauern. Das -Motiv vom weggeworfenen und wunderbar wiedergefundenen Trauring nimmt -Tieck genau aus dem Volksbuch, lässt es aber in der Ausgabe von 1820 -wieder weg. Die Magenbeschwerden Genovevas infolge ihrer langjährigen -Wurzelkost, die das Volksbuch so pietätvoll erzählt, beseitigt Tieck -mit Recht. - - -Das Gericht über Golo. - -Den äußeren Verlauf der Scene bestimmt die Legende. Tieck beseitigt -aber den grässlichen Schluss. In der Legende wird Golo von Ochsen -zerrissen. Im Drama wird nur eine „Marter“ angedroht, aber auf -Genovevas Fürbitte hin erlassen.[186] Jedoch sterben muss Golo an der -Stelle, wo er Genoveva wollte tödten lassen.[187] Diese Wendung musste -im Zusammenhange mit dem Liede „Dicht von Felsen eingeschlossen...“ -eingeführt werden. Hier hört man plötzlich und unnütz, Siegfrieds -Bruder Matthias sei während Golos bösem Treiben in England gewesen. -Diese Erklärung gibt Tieck etwas spät. Die Belohnung der gutgesinnten -und die Bestrafung der schlechten Diener entfällt bei Tieck, weil -ja außer Benno, der schon todt ist, keiner sonderlich ernst in die -Vorgänge eingegriffen hat. Gertrud muss unterdessen gleichfalls -gestorben sein, da uns zweimal berichtet wurde, sie liege im Sterben. - - -Genovevas Tod. - -Das Hinsiechen Genovevas, von dem die Legende spricht, beseitigt -Tieck als undramatisch und unpoetisch und führt nur noch den Tod -der Heiligen vor.[188] Nach dem Volksbuch lebt Genoveva noch ein -Vierteljahr. Bei Tieck entfällt jede Zeitbestimmung; denn am Schlusse -seines romantischen Dramas soll alles möglichst ins Überirdische, -Geheimnisvolle und Ewige verfließen. - -Eine kleine Verschiebung ist es, wenn den Trost, den im Volksbuche -Genoveva dem Vater und Sohne gibt, hier der Sohn dem trauernden -Vater spendet. Damit hat aber Tieck nichts verbessert; denn das Kind -erscheint hier nur noch altklüger und unkindlicher als zuvor. Die -Vision, die Genoveva nach dem Volksbuch „einige Zeit“ vor ihrem Tode -hatte, wird von Tieck reicher ausgestaltet und sachlich und dramatisch -wirksamer in die Todesstunde selbst verlegt. Das Contrastieren des -leiblichen Sterbens und des übernatürlichen, ewigen Lebens ist ein -Gedanke, der öfters in der Dichtung wiederkehrt. Der Dichter lässt auch -den Bischof Hidulf als Spender der Sterbesacramente auftreten, wovon -das Volksbuch nichts berichtet. Die allgemeine Trauer bei Genovevas -Tod zeigt das Drama im Eindrucke auf die Umgebung.[189] Das Benehmen -der wunderbaren Hirschin interessiert bei Tieck ganz richtig in erster -Linie die naiv frommen Diener. Was Tieck hier beifügt oder ändert, -läuft alles auf eine Steigerung des religiösen Colorites hinaus. - - -Schluss. - -Von den Wunderdingen, die das Volksbuch am Schlusse noch reichlich -bringt, nimmt Tieck nur wenig auf. Für den Engel in Pilgrimsgestalt -tritt der pilgernde Geist Othos ein,[190] den wir bereits von seinem -Zusammentreffen mit Golo her kennen. Dieser tröstet Siegfried ebenso -rasch, als es ein Engel gekonnt hätte. Die übrigen Wunder bleiben weg, -da es fast nur Variationen früherer Geschehnisse sind. Dadurch wird -auch die Überführung der Leiche, welche durch jene Wunder verherrlicht -wird, überflüssig und fällt fort. Siegfried und sein Sohn leisten den -Verzicht auf ihre weltlichen Ansprüche,[191] wie in der Legende, doch -nicht vor den Vettern und Verwandten, sondern vor dem Bischof Hidulf. -Eine nicht recht verständliche und wenig geschickte, aber jedenfalls -beabsichtigte Wendung ins kirchlich Religiöse der alten Zeit, wie Tieck -es sich denkt und wie es den ganzen Schluss beherrscht. Siegfried -verlangt vom Bischof die Erlaubnis, eine Kapelle (die im Drama wie -im Volksbuch gleich darauf „Kirche“ heißt) bei Genovevas Höhle bauen -zu dürfen und fügt auch gleich den Wunsch nach der Heiligsprechung -der verstorbenen Gattin bei, worauf er aber keine eigentliche Antwort -bekommt. Das „wunderthätige Bild“ im Epilog ist noch ein Rest der -weggelassenen Wunder und soll den überzeugenden Eindruck erwecken, -dass Genoveva nunmehr eine himmlische Heilige ist. Die Verehrung der -Heiligen berichtet der Epilog, den der heil. Bonifacius in Sonettform -spricht.[192] - - * * - * - -Überschauen wir die angestellte Vergleichung zwischen dem Volksbuch -und Tiecks Dichtung, so fällt als erstes bedeutsames Ergebnis in die -Augen, dass Tieck mit großer Pietät dem alten Stoffe gegenübertrat -und so viel als nur immer für ihn, den modernen Dichter, möglich -war, von der Überlieferung beibehielt. Die Legende bildet im -großen und ganzen das wesentliche Gerüste für Tiecks Dichtung, -diese ist eine dramatische Nacherzählung der Vorlage, wie es die -Nebeneinanderstellung fast Schritt für Schritt bewies. Wenn Tieck hier -in dramatischer Form, also in einer Kunstform, die ihrem Wesen nach zu -eigenmächtigem Verändern des gegebenen Stoffes, zum Verschieben und -Verkürzen herausfordert[193], doch der Überlieferung so merkwürdig -treu bleibt, so will dies noch weit mehr sagen, als wenn er etwa in -den „Haimonskindern“ im Anschlusse an die alte Erzählung wieder -eine Erzählung macht, die nur verkürzt und in einem erneuerten -sprachlichen Gewande erscheint. Hier stehen wir einem dichterischen -Verfahren gegenüber, das uns mitten in die Anschauungen der Romantik -hineinversetzt und nur aus diesen Anschauungen heraus erklärbar ist. -Eine heilige Ehrfurcht den Urkunden alter Poesie gegenüber ist es, -die den Erneuerer der Genoveva-Legende überall leitet. Das aus der -alten, poesiereichen Zeit Überlieferte, das Product einer Zeit, die an -allen Enden das Gegenspiel der nüchternen, poesieleeren Gegenwart ist, -einer Zeit, welche Tieck an Wackenroders Seite innig und sehnsüchtig -verehren gelernt hatte, muss mit frommer Scheu bewahrt werden, der -alte kostbare Edelstein darf höchstens eine neue Form und Fassung und -Politur erhalten, es soll aber ja kein Splitterchen unnöthigerweise -verloren gehen und Tieck selbst schreibt 1799 an Iffland: „Sie -können sich ohngefähr eine Vorstellung davon (von der ‚Genoveva‘) -machen, wenn Ihnen die alte Legende bekannt ist, an die ich mich im -Ganzen sehr angeschlossen habe, weil sie so schön und ächt poetisch -ist...“[194] Das ist die Meinung der Romantiker von den Überresten -alter, volksthümlicher Poesie. Tieck hat seine ungemeine Hochschätzung -der alten Volksbücher seit dem Jahre 1795 selbst, wie wir hörten, -wiederholt bezeugt („Leberecht“, „Schildbürger“, „Sternbald“). Darum -hat sein jetziges Vorgehen nichts sonderlich Überraschendes. Er hält -an dieser hohen Meinung auch späterhin noch fest, als ihm die Stimmung -der „Genoveva“ schon längst fremd geworden war. Im „Phantasus“ spricht -er mit ebenderselben Wärme noch von den Volksbüchern und empfiehlt es -als etwas Hochverdienstliches, die Nibelungen und Heldenbücher neu zu -bearbeiten und unter das Volk zu bringen.[195] Auch den spanischen -Kunstdichtern rühmt Tieck nach, dass sie es verstanden hätten, -Volkssagen, Legenden und vaterländische Geschichten zu bearbeiten, -ohne ihnen die Einfalt und Popularität zu nehmen.[196] Wie Tieck -dachten auch seine romantischen Parteigenossen. In der Recension der -Tieck’schen „Volksmärchen“ (1797)[197] äußerte z. B. A.W. Schlegel -den Wunsch, man solle die „ehrlichen, alten Volkssagen“, denen es -schwerlich ganz an poetischer Energie fehle, in ihrer „ursprünglichen -rohen Treuherzigkeit“ wieder vorführen. Am besten geben die romantische -Ehrfurcht vor dem Alten seine Worte in den Berliner Vorlesungen -(1802-1803) wieder.[198] Nach Schlegels übertreibender Äußerung hat -in Deutschland nur der gemeine Mann eine Literatur und das sind die -unscheinbaren Büchelchen, „die schon in der Aufschrift: ‚gedruckt -in diesem Jahr‘, das naive Zutrauen kundgeben, das sie nie veralten -werden, und sie veralten auch wirklich nicht“. Denn sie haben unleugbar -eine unvergängliche poetische Grundlage. „Bey einigen ist sogar die -Ausführung vortrefflich, und wenn sie bey andern formlos erscheint, so -ist dies vielleicht bloß die Schuld einer zufälligen Verwitterung vor -Alter. Sie dürfen nur von einem wahren Dichter berührt und aufgefrischt -werden, um sogleich in ihrer Herrlichkeit hervorzutreten.“ Nur im -Hinblick auf diese tiefe Verehrung der alten, naturwüchsigen, echt -poetischen Volksdichtung lässt sich verstehen, wie Bernhardi in seiner -Recension der „Genoveva“[199] das überflüssige Nebenwerk der Dichtung -unter anderem mit dem wiederholten, nachdrücklichen Hinweise auf -„die historische Heiligkeit“ des überlieferten Stoffes rechtfertigt, -und nur so versteht man auch die Worte, mit denen ein andermal A.W. -Schlegel Ariostos eigenmächtiges Schalten mit den alten Ritterbüchern -entschuldigt:[200] „Vielleicht stand er (Ariost) dem Zeitalter, wo -die Ritterbücher entstanden, noch zu nahe, um den ganzen Wert dieser -Dichtungen unter ihrer oft unscheinbaren Hülle einzusehen, und so -behandelte er sie bloß als rohen durch seine Wahl und Willkür schon -genug geehrten Stoff.“ Auch Friedrich Schlegel, der im „Gespräch über -die Poesie“ zum Zurückgehen auf die alten Quellen unserer Sprache und -Dichtung aufforderte, rühmt an der „Genoveva“ diese Seite der Dichtung -am meisten. „Die Genoveva bleibt in dieser Rücksicht eine göttliche -Erscheinung.“[201] Ebenso heben die Sonette der beiden Brüder -Schlegel, die den Dichter der „Genoveva“ feiern, wieder gerade diese -Richtung auf das Alte hervor.[202] - -Was die Poeten des 18. Jahrhunderts, die unter dem Stichworte -„Retournons à la nature!“ auf das Volkslied zurückgriffen, sowie die -weiteren lobenswerten Bemühungen um das Wiederverständnis altdeutscher -Art und Kunst, an denen es im 18. Jahrhundert keineswegs fehlte, -begonnen hatten, setzen nun die Romantiker eifrig und im weiteren -Umfange und mit großem Erfolge fort.[203] Besonders Herder hatte die -poetische Herrlichkeit des Volksliedes aufgedeckt, er hatte es gewagt, -das Mittelalter zu vertheidigen und den poetischen Wert der alten -Legenden den Aufklärern zum Trotz zu verfechten (1797) und der nämliche -Herder hatte auch den vergessenen Jesuitendichter J. Balde aus seinem -„lateinischen Grabe“ erweckt und wurde dafür von A.W. Schlegel in einer -eingehenden Recension gelobt (1797).[204] Die Erneuerung verschollener -Poesien bildete einen wichtigen Punkt in Herders großartigem -Lebensprogramm. Diese Bestrebungen dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. -Wenn Wackenroder und Tieck auch zunächst, wie es scheint, auf eigenem -Wege in Süddeutschland ihren Enthusiasmus für alte, religiöse und -nationale Kunst wachriefen: in den letzten Neunzigerjahren scheint -auch die Herder’sche Thätigkeit direct fördernd auf diese romantischen -Tendenzen herübergewirkt zu haben. Diese hohe Ehrfurcht vor dem -Alten, die in Dichtung und Wissenschaft noch lange höchst fruchtbar -und gelegentlich auch nachtheilig wirkte, sehen wir also als einen -wesentlichen und echt romantischen Zug in Tiecks Verhalten zum alten -Genoveva-Volksbüchlein ausgeprägt. - -Bei aller Ehrfurcht vor der poetischen Kraft, die in den Motiven der -alten Volksromane steckt, macht doch auch der geläuterte Geschmack -des neueren Dichters, der inmitten der höchsten Entfaltung deutscher -Kunstpoesie aufgewachsen war, seine Rechte geltend. Wenn Tieck von -seiner alten Vorlage auch möglichst wenig ausscheidet, so sucht er -dafür seinerseits manches zuzugeben, um eine reiche und abgerundete -Fassung für sein altes Juwel zu gewinnen. Was im Volksbuche nur -in wenigen Sätzen, im Stile einer trockenen Chronik abgethan wird, -reizt mitunter den Bearbeiter zu vollständigerer Ausführung. Das -geschieht beim Abschiede und beim Kriege, bei der Jagd wie bei der -Wiederauffindung Genovevas. Die in der Legende gebotenen Motive -werden bis in die letzten Verzweigungen zu Ende gedacht. Aus einer -kurzen Erzählung des Abschiedes wächst eine Reihe verschiedenartiger -Stimmungsbilder heraus; die dürftigen Angaben der Vorlage über -den Krieg werden zu einem bunten, weitläufigen Bilde ritterlichen -Kriegslebens erweitert, und diese verschiedenen Scenen sollen sich -dann wieder zu einem großen Gemälde voll alterthümlicher Stimmung -zusammenschließen, aus dem uns „die Begeisterung des Kriegers“ kräftig -entgegenwehen soll. - -Wenn Abschied und Krieg in der Erzählung der Legende dem Geschmacke -Tiecks zu kahl und farblos erschienen, so konnte ihm am Charakter -Golos, der in echter alter Holzschnittmanier als unmenschlicher -Bösewicht schroff contrastiert neben dem Engel Genoveva steht, das -Niedrige, Rohe und psychologisch Unentwickelte nicht genügen. Hier -greift darum der neuere Dichter wieder in seiner Weise poetisierend -ein, indem er diesen Charakter auf eine menschlich höhere Stufe hebt, -einen an sich edel veranlagten Menschen durch ungezügelte Leidenschaft, -die zudem von einer aus falscher Liebe irreleitenden Pflegemutter -gesteigert wird, tragisch untergehen lässt, und dabei findet auch der -psychologisierende Poet, der Dichter des „Lovell“ und „Blaubart“, -seine Aufgabe, wenn er die Liebesleidenschaft von der ersten keimenden -Neigung bis zum elementaren, rasenden Sturm verfolgt und mit leichter, -wohlgeübter Feder Scene um Scene, worin das Werden und Wachsen dieser -Liebe vorgeführt wird, aufs Papier wirft. Für diese Partien der -Legende fand also der Romantiker noch nicht genug von jener „wahren -Erfindung“, die er den Volksbüchern im allgemeinen nachrühmt. Er musste -das spärlich skizzierte Motiv selbst gestalten, ausführen, vertiefen -und abrunden, wie es etwa Goethe in seiner Art mit eigenen Erlebnissen -that. Goethe erlebte ein Fragment. Dieses wuchs aber in seiner -Dichtung zum fertigen, in die letzten Consequenzen fortgedachten, -schön gerundeten Ganzen aus. Diesem poetischen Processe lässt sich -Tiecks Verfahren mit dem Stoffe in der ersten Hälfte seiner Dichtung -einigermaßen an die Seite setzen. - -Anders wird das Verhältnis in der zweiten Hälfte der „Genoveva“, wenn -auch für sie die frühere Erweiterung oder Vertiefung des Golocharakters -selbstverständlich noch wirksam bleibt und die dramatische Form an -einzelnen Stellen ihr Recht geltend macht. Von der Gefangennahme der -Heldin an merkten wir einen viel engeren Anschluss an die Legende, -ein Begnügen mit dem alten Überlieferten, das sich in den Stanzen -des heiligen Bonifacius so weit steigert, dass man stellenweise -fast nur von einem Umdichten der prosaischen Erzählung in Verse und -Strophen reden kann. Ein wenig freier bewegt sich Tieck wieder von -der Hexenscene an gegen das Ende zu. Hier herrschen die weichen und -frommen Stimmungsbilder. Allein der Dichter erweitert hier seine -Vorlage nirgends in dem Maße, wie es bei Abschied und Krieg geschah. -Wenn man von den letzten Wundergeschichten der Legende absieht, -die größtentheils wegfallen, so muss man sagen, dass der Dichter -auch hier weitaus das Meiste und vieles ohne wesentliche Änderung -beibehält. Im ganzen genommen scheint also für die zweite Hälfte der -Tieck’schen Dichtung charakteristisch, dass hier dem Dichter der -vorliegende Stoff, die Wunder und Visionen, das Leben und Leiden der -Heiligen in der Waldeinsamkeit, sowie die Art des Wiederfindens der -Todtgeglaubten schon jene ursprüngliche „Kraft der Poesie“, von der -unser Romantiker bei den alten „Schartecken“ spricht, in sich zu tragen -schien. Es bedurfte da nicht mehr vielen Umschmelzens und Läuterns, -es brauchten nur Form und Vortragsweise hinzuzutreten und das alte -Büchlein war aufgefrischt, wie es A.W. Schlegel verlangte. Poetischer -Stimmungsduft und Naturgefühl durchziehen hier zwar reichlich das -Ganze, sie umschleiern wohl die Vorgänge, ohne aber die alten Motive -in ihrem inneren Wesen tiefer zu berühren. Gerade diese letzten Theile -des Volksbuches, „die Schilderung der Einsamkeit, die Leiden der Frau -in dieser und das wundersame Zusammentreffen mit dem Gemahl“ waren es -zuvörderst, die Tiecks Imagination nach seinem eigenen Geständnisse in -Bewegung setzten.[205] Auch der „schlichte Ton“, der Tieck beim Lesen -der Legende so besonders rührte, kommt am wirksamsten in der zweiten -Hälfte derselben zur Geltung. Tiecks Worte in der Einleitung zu seinen -Schriften treffen mithin den wirklichen Thatbestand, nur dass sie in -ihrer Allgemeinheit erst nach angestellter Untersuchung concret und -deutlich werden. - -Für die größeren Erweiterungen des alten Stoffes ist noch ein zweiter -Gesichtspunkt zu berücksichtigen. Die Legende, die in einfachster -Art nur die menschlichen Conflicte und wunderbaren Begebenheiten in -Genovevas Leben vorträgt, die auch nur die bedeutendsten Personen -mit eigenem Namen versieht, diese bescheidene Legende wird von Tieck -auch im Sinne der mannigfaltigen und alles umfassenden romantischen -„Universalpoesie“, die dem Theoretiker Friedrich Schlegel angesichts -des Romans „Wilhelm Meister“ zu einem wichtigen Postulate geworden -war, stofflich bereichert, wie schon Hettner ausführt.[206] Die -romantische Poesie soll ja „gleich dem Epos ein Spiegel der ganzen -umgebenden Welt, ein Bild des Zeitalters werden“.[207] Im Rahmen -der Geschichte Genovevas will Tieck in epischer Breite auch ein -Bild mittelalterlichen Lebens aufrollen. Diesem Zwecke dienen die -breiten Kreuzzugs-Scenen; denn „die Begeisterung des Kriegers“ soll -sich entfalten, jener kriegerische Enthusiasmus, den Tieck öfter als -romantisch bezeichnet.[208] Dabei wird es möglich, den Contrast von -morgenländischem und abendländischem Wesen sammt seinen Differenzen -in Glaubens- und Lebensanschauung ebenso das Verhältnis zwischen -Lehensherrn und Vasallen zu zeigen. Gegenüber dem Kreuzzugsbilde sehen -wir das Leben auf der Ritterburg, das Tieck mit einem mannigfaltigen -Apparat zu bereichern sucht. Wir treten in die gothische Burgkapelle -zum Gottesdienst. Das Ingesinde des Schlosses wird durch verschiedene -Figuren vertreten, bis zum leibeigenen Schäfer herab. Hexenwahn und -Hexenprocess, Ausübung der Gerichtsbarkeit durch die Sippe, das -ritterliche Vergnügen der Jagd fehlen nicht. Wenn Golo selbst zu -einem Liede „Wort und Weise“ findet, so scheint Tieck einen alten -Minnesänger vor Augen zu haben. Das über die engeren Verhältnisse -Hinausliegende, Staat und Kirche, erscheint wenigstens blass im -Hintergrunde. Das Menschendasein soll seinen ganzen vielgestaltigen -Reichthum von Motiven zeigen. Wir sehen Kinder, Jünglinge, Männer -und Greise, Hochgestellte und Mächtige, Arme und Niedrige. Geburt, -Verlöbnis, Hochzeit und Tod, Krieg und Frieden, frohe und traurige -Stunden, alle möglichen Gemüthsstimmungen und Religionsanschauungen, -Vergangenheit (Bonifacius), Gegenwart und Zukunft (Der Unbekannte, -Ausblick in den Himmel), alles zieht wie ein bunter Traum vor unserer -Phantasie vorüber. Seit den Schlegel’schen Aufstellungen kehrt -das echt romantische Bestreben, ein Vielartiges zu einem Complex -zusammenzuordnen, überall und in immer neuen Wendungen wieder. Vor -dem Auftauchen dieses Gedankens ist der Dichtung Tiecks eine solche -Vielgestaltigkeit fremd. - -Was Tieck im kleinen dort und da änderte, ward an den einzelnen -Punkten unserer Vergleichung angemerkt und wir sahen, wie er das Rohe, -Crasse, Hässliche mildert, das Energische und Kraftvolle abschwächt, -Unebenheiten glättet, kleine Verschiebungen und Zusammenziehungen der -dramatischen Form zuliebe vornimmt und kleine Zuthaten zur Motivierung -einfügt. Öfters sind es recht glücklich gewählte Züge (z. B. Golos -Heimweh nach den vertrauten Stätten). Das ist die Art, wie Tieck das -Alte, wo er es unverkürzt aufnimmt, erneuert und auffrischt und die -Spuren der „Verwitterung“ entfernt. Die Stellung des Dichters zu seiner -alten Vorlage ist in allem Wesentlichen durch jenen Geist der Romantik -bedingt, der um 1800 in unserer Literatur heimisch war. - - - - -III. - -Literarische Einflüsse. - - -1. Tieck und Maler Müller. - -(Goethes „Götz“ und „Werther“.) - - -Dass Tieck nicht alles, was wir als Zuthat dem Volksbuche gegenüber -erkannten, unvermittelt aus seiner eigenen Phantasie heraufholen -konnte, sagt uns die gewöhnliche psychologische Erfahrung. Und wer -bedenkt, welche Fähigkeit des Anempfindens und Nachempfindens Tieck -eignete, wer sich erinnert, wie Lesen für ihn oft zum Erleben wurde, -der sieht sich von selbst genöthigt, nach literarischen Vorbildern -für seine „Genoveva“ auszuschauen. Und der Dichter erleichtert dem -Forscher das Suchen. Wir hören von ihm selbst, dass sich „Erinnerungen, -Vorsätze und poetische Stimmungen“ mit dem „Märchen“ von der heiligen -Genoveva verbunden hätten. Was unter den „Vorsätzen“ und „Stimmungen“ -zu verstehen ist, sahen wir schon. Eine Richtung, aus welcher die -„Erinnerungen“ auf ihn zukamen, hat uns Tieck selber angezeigt, wenn -er auf Maler Müllers „Golo und Genoveva“ aufmerksam macht. Ein Jahr -bevor er das Volksbuch las, hatte er bereits das Manuscript dieses -Sturm- und Drang-Schauspiels gelesen. War diese Lectüre auch keine sehr -intensive, so mag man doch von vornherein vermuthen, dass sie auch -irgendwie befruchtend auf die Phantasie des Dichters wirkte, der an die -Behandlung des gleichen Stoffes gieng. - -Den großen Eindruck, den beim Lesen des Müller’schen Manuscriptes das -traurige Liebeslied: „Mein Grab sei unter Weiden“, das die wichtigsten -Momente in Golos Geschick begleitet, auf Tieck machte, hebt dieser im -Vorberichte zu seinen Schriften selbst hervor.[209] Die Einschaltung -eines solchen Liedes nimmt er mit Bewusstsein aus Müllers Drama in das -seine herüber. - -Vergleicht man das Lied bei Müller[210] (dessen Stimmung auch Werthers -Worte: „Ach, ich wollte ihr begrübt mich am Wege, oder im einsamen -Thale...“ schon ausdrücken) mit dem Tieck’schen[211] auf seinen Inhalt -hin, so ergibt sich auf den ersten Blick eine Übereinstimmung in allem -Wesentlichen. Todessehnsucht eines unglücklichen Liebhabers, geknüpft -an den gleichen düsteren Naturhintergrund, ist der Vorwurf beider -Gedichte. Den Wunsch nach dem einsamen Grabe, den die zwei ersten Verse -Müllers aussprechen, behandelt die erste Strophe Tiecks. „Der Kummer“, -der mit dem Grabe enden soll und den die folgenden Müller’schen Zeilen -schildern, erfüllt die zweite Strophe Tiecks, welche den „Kummer“ als -den Schmerz eines verstoßenen Liebhabers ausführlicher charakterisiert. -Wie Müllers Lied in den Schlussversen zum Wunsch und Naturbild des -Anfanges zurückkehrt, thut es auch Tiecks letzte Strophe. Also Inhalt -und Gliederung des Inhaltes sind bei beiden Dichtern dieselben. Tieck -bereichert und erweitert nur, was Müller in gedrängter Kürze sagt. -Das eingehendere Verweilen bei der Naturscenerie ist bezeichnend für -den Romantiker. Grund und Art der Todessehnsucht müssen bei Tieck -genauer ausgeführt werden, weil das Lied nicht wie bei Müller bloß -Empfindungs-Aussprache Golos ist, dessen Herzleid wir schon einen Act -lang kennen und der daher mit dem einen Worte „Kummer“ deutlich macht, -was er sagen will, während das Lied bei Tieck von einem unbekannten -Verstoßenen stammt und auch zunächst von einem Unbetheiligten gesungen -wird. - -Eine wesentliche Differenz liegt aber in der Verwendung des Liedes -bei Müller und Tieck. In Müllers Drama ist es zweimal directer -lyrischer Ausfluss von Golos Stimmung[212] und einmal soll es eine -bestimmte Stimmung in ihm wecken.[213] Diese Art von Wiederholung -lässt einen eigenthümlichen Ton weicher Schwermuth über dieses Drama -hinschweben.[214] Bei Tieck tritt das Lied als etwas ganz Fremdes an -Golo heran, aber es überwältigt sein Herz beim ersten Anhören mit einer -geheimen räthselhaften Macht, dass ihm die Thränen nahe sind.[215] -Etwas Ahnungsschweres liegt in dieser ersten Einführung des Liedes. -Der verliebte Golo benützt im weiteren Verlaufe das Lied auch, um mit -dessen Worten seine Empfindung zu entladen.[216] Vor dem Tode drängen -sich die Verse des Liedes in sein Gebet.[217] Was der unbekannte -Dichter in seinem Liede sagt und wünscht, erfüllt sich nach und nach -an Golo; ein Grab unter Weiden, das jener sich wünscht, wird diesem -zutheil. Golo betrachtet schließlich auch selbst das Lied als eine -Schicksalsverkündung und beruft sich auf das Versprechen des Liedes, -das sich an ihm erfüllen soll.[218] So hat das Lied bei Tieck eine -ganz eigene Stellung gewonnen. Wie eine geheimnisvolle räthselhafte -Schicksalsstimme klingt es erst zufällig an Golos Gemüth, wie die -Stimme einer unbekannten Macht, die verborgen die Erlebnisse des -Ritters zu lenken scheint, begleitet es dann Golo bis zum Grabe. Als -schicksalsmäßigen Zuruf an Golo charakterisiert sich das Lied sogar -stilistisch durch den Doppelsinn der Selbstanrede in der zweiten -Person. „Such’ zum Troste dir ein Grab“ sagt zunächst der Dichter -des Liedes zu sich selbst; „Such’ zum Troste dir ein Grab“ sagt das -Lied zu Golo. Nach unmittelbarer, kräftiger Aussprache der Empfindung -strebt Müller, der Dichter der Geniezeit: die geheimnisvoll anklingende -Stimmung und die Kunst der feinen, ahnungsvollen Beziehungen und das -Hereingreifen einer überirdischen Schicksalsmacht in das Menschenleben -interessiert Tieck den Romantiker. - -Außer diesem Liede blieben Tieck noch „dunkle Erinnerungen“ vom Ganzen -und klare von einzelnen Stellen des Müller’schen Dramas. Verschiedene -Gestalten nahmen bei Tieck, wie gezeigt wurde, ein anderes Wesen -an, als sie im Volksbuch hatten. Sollten nicht die „Erinnerungen“ -an das Drama gleichen Inhaltes als wirkende Kräfte bei diesen -Verschiebungen mitgeholfen haben? Müllers Drama verdankt aber selbst -wieder verschiedene Züge Goethes größeren Jugendwerken „Götz“ und -„Werther“.[219] Die Lectüre dieser nämlichen Dichtungen Goethes ist -auch für den jungen Tieck einst ein Ereignis gewesen. Den „Götz“ soll -er so gut wie auswendig gewusst haben, „Werther“ hatte ihn aufs tiefste -ergriffen. Dies gibt uns ein Recht, hier alle diese literarischen -Erfahrungen Tiecks zusammenzunehmen und beim Vergleiche mit Müllers -Drama ab und zu auch einen Blick auf „Götz“ und „Werther“ zu werfen. -Die innerlich verwandten dichterischen Gestalten mussten auch als -verwandte Erlebnisse und Kräfte in Tiecks Phantasie wirksam sein. Es -wird eine resultierende aus mehreren verwandten Kräften. - -Tiecks Golo wird kaum seine Verwandtschaft mit der Gestalt, die Müller -schuf, verleugnen können. Mehr als ein Zug von Familienähnlichkeit -zeigt sich bei näherer Betrachtung. Müllers Golo ist vor seiner -unglücklichen Liebe ein heiterer Ritter, der es versteht, angenehmen -Zeitvertreib zu schaffen.[220] „Er ist auch Maler... Und Musikant; -hat alle Talente.“[221] Seine Sangeskunst übt er gelegentlich aus. -Ganz ähnlich hören wir im Eingange der Tieck’schen „Genoveva“ Golo -schildern und auch dieser übt im Verlaufe des Stückes einzelnes von -dem, was ihm hier beigelegt wird. Ein lustiger Reiter, der sein frohes -Morgenlied singt, galoppiert er ins freie Feld. „Er kann alles,“ -- -versichert der Schäfer Heinrich -- „er singt, er musiciert, er kann -Gemälde machen, er tanzt und ist auch ein Dichter“.[222] Tiecks Golo -versteht es ebenfalls, die Menschen froh zu machen.[223] So war ja auch -schon Weislingen im „Götz“ der „edelste, verständigste und angenehmste -Ritter in Einer Person“ vor seiner Liebschaft mit Adelheid. Der „Maler“ -endlich geht auch bis auf den „Werther“ zurück. - -Die Art, wie der Stürmer und Dränger und der Romantiker die -Liebes-Entwickelung an ihren Helden darstellen, zeigt auch manche -auffallende Berührungspunkte. Aus dem abstoßenden Wüstling der Legende -ist bei beiden Dichtern ein liebenswürdiger Ritter geworden, dessen -erwachende Liebe zunächst eine reine Neigung ist, die mit religiöser -Ehrfurcht zum geliebten Wesen aufblickt und in Ausdrücken religiöser -Verehrung zu demselben spricht. „Götz“ und „Werther“ gehen auch hier -als Vorbild voraus. - - ~Götz~ (Franz): - - „... ich fühlte in dem Augenblick, wie’s den Heiligen bei - himmlischen Erscheinungen sein mag.“ - - ~Werther~: - - „Leb’ wohl, Engel des Himmels!“ -- „Lippen! auf denen die Geister - des Himmels schweben.“ -- „... habe ich nicht, gleich einem Kinde, - ungenügsam allerlei Kleinigkeiten zu mir gerissen, die du Heilige - berührt hattest!“ - - ~Müller~: - - „Daß ich mich erquicke an ihren Spuren: Das sei es auch alles, - reine Anbetung, wie die Liebe zum schönsten Gestirn, ... so sei - mein Weben stiller Wunsch, Gebet zu ihr!“[224] - - ~Tieck~: - - „Ja, ihr habt recht, ihr seid ein göttlich Bild, Drum muss man euch - Reliquien gleich verehren, Mit stummer Inbrunst und aus frommer - Ferne.“[225] - -Müllers Golo wird von einem geheimen Zuge seines Herzens, über -den er sich noch keine klare Rechenschaft gibt, in das Vorzimmer -Genovevas geführt.[226] (Werther.) Auch bei Tieck sieht sich Golo -unvermerkt in der Nähe seiner Geliebten.[227] Überall kämpfen reine -Herzensneigung und Sinnlichkeit zuerst einen harten Kampf. Jeder von -beiden muss sich die Berechtigung seiner Leidenschaft erst einreden. -(Werther--Weislingen.) Jeder möchte der Gefahr entfliehen, aber es -gelingt nicht. (Werther--Weislingen.) Jeder spricht in Liedern von -seinem Liebeskummer zur Geliebten. - -Bei der reinen schwärmerischen Liebe bleibt es aber weder in dem -einen noch im andern Falle. Die Leidenschaft wächst und wächst und -wird zum zehrenden Gifte. Nach der fehlgeschlagenen Liebeswerbung ist -Müllers Golo höchst rathlos und muss sich ganz und gar der führenden -Hand Mathildens anvertrauen.[228] Nicht viel besser ergeht es Golo -bei Tieck nach der Porträtscene; auch er wäre ohne seine Amme Gertrud -hilflos.[229] In beiden Helden geht mit der wachsenden Liebe eine -große Veränderung vor sich. Müllers Golo findet an seiner glänzenden -Zukunft kein Interesse mehr.[230] Auch bei Tieck wird dem Ritter -alles zuwider und gleichgiltig, was ihm sonst Freude machte.[231] -(Werther.) Das Problem, wie ein „edler Mann“ durch seine ungezügelte -Leidenschaft so „tief hinuntersinken“[232] muss, wollen Müller und -Tieck[233] entwickeln. Wie der biedere, treue Adolf bei Müller, tadelt -der alte Wolf bei Tieck diese schlimme Veränderung am Verliebten.[234] -(Auch Adelheid an Weislingen.) -- Die Art des Empfindens beider -Liebhaber hat auch viele Ähnlichkeit. Bei jedem entfacht sich eine -tiefe Leidenschaft, die sich wohl in erregten und schwermüthigen -Gefühlswallungen auslebt, dann wieder in weichen Sehnsuchtsstimmungen -versinkend schwelgt, aber es fehlt dabei jeder kräftige Impuls zu -entschlossenem Handeln. Am auffallendsten tritt diese Willensschwäche -allerdings an Müllers Golo hervor, weil neben ihm das willenskräftige -Machtweib Mathilde steht, die ihren weichlichen Schützling Schritt -für Schritt vorwärts führen muss, während Tiecks kraftloser Held -durch kein so übermächtiges Gegenspiel in Schatten gestellt wird. -Beide liebesiechen Ritter gefallen sich in wehmüthigen Todesgedanken. -Es muss aber hier auch angemerkt werden, dass Tiecks Gemüthsanlage -und langgenährte Neigung für düstere Stimmungen dem Vorbilde aus der -Wertherzeit besonders verwandt entgegenkam. Der „Werther“ selbst aber -und verwandte Dichtungen waren für Tiecks Gemüth nicht ohne Einfluss. - -Müllers Golo sieht, nachdem er verschiedene Unthaten begangen hat und -von Gewissensbissen gepeinigt wird, mit seinem überreizten Gehirn -Gespenster,[235] er wüthet gegen die eigenen Freunde und Helfershelfer, -er reißt Steffen zu Boden[236] und sticht nach Mathilden.[237] Vom -Gespenstersehen zeigt sich bei Tieck nur noch eine schwache Spur,[238] -wohl aber stürzt auch Tiecks Golo seinen einzigen treugebliebenen -Benno, der die Rolle Steffens theilweise übernommen hat, in einem -dumpfen Wuthanfall in den Abgrund.[239] -- Schon bei Müllers Helden -(Weislingen -- Werther) legt sich die Liebesleidenschaft mit so -unwiderstehlicher Gewalt auf die Seele, dass sich der Unglückliche -unter dem Banne einer unbezwingbaren Schicksalsmacht fühlt.[240] Wie -verwandt gerade diese Auffassung Tiecks eigener Anschauung war, zeigte -schon die Betrachtung des traurigen Liedes und verschiedene andere -Dichtungen bestätigen es. In „Abdallah“, „Lovell“, „Karl von Berneck“ -herrschen dunkle Gewalten über die Menschen, über Menschen, in denen -sich keine eigene spontane Willenskraft zu regen scheint, sondern eine -elementare geheime Naturgewalt bewegt sich in ihnen. Diese fremdartige -Gemüthsrichtung Tiecks ist auch in der „Genoveva“ dort wirksam, wo -sich Golo von einer dunkeln, unüberwindlichen Macht fortgestoßen -fühlt.[241] Die literarischen Vorbilder nährten und entwickelten Tiecks -Gemüthsrichtung selbstverständlich. - -Jene Episode, die bei Müller Golos Zusammentreffen mit dem Schäfer -Brandfuchs schildert und das Los des unglücklichen Ritters mit -dem harmlosen Glück des anspruchlosen Schäfers contrastiert,[242] -scheint nicht ohne Einfluss auf Golos Zusammentreffen mit dem -Schäfer Heinrich bei Tieck[243] geblieben zu sein. Jedesmal drängt -sich auch das Erinnern an die vergangenen Zeiten und damit die -gleiche Wehmuthstimmung ein. Tieck liebt solche Contraste und solche -Stimmungsbildchen freilich noch mehr als Müller. -- Müllers Golo wird -von den racheheischenden Rittern, mit denen er zur Jagd ausgezogen -ist, wirklich gejagt wie ein Wild.[244] Tiecks Ritter fühlt sich nur -wie ein gehetztes Wild.[245] Die wiedergefundene Genoveva erscheint -dort Golo wie eine auferstandene Todte[246] (Weislingen--Maria): hier -wie ein Traumbild.[247] Diese Abschwächung der äußeren, drastischen -Handlung zur inneren Stimmung, des gestaltlich Greifbaren ins dämmernd -Unbestimmte des Traumes entspricht wieder ganz der Neigung des -romantischen Dichters. Die Verwendung des begleitenden Liedes in der -Weise Müllers verlangte auch die gleiche Situation und Stimmung für die -Todesscene Golos bei Tieck: unter dunkeln Weiden im einsamen Thale. -Wie hier das einemal Golos Gegner ritterlichen Tod und Begräbnis -verweigern, so verweigern Siegfrieds Bruder und Vetter das anderemal -(abweichend vom Volksbuche) das ehrliche Begräbnis. Müllers Golo -erreicht aber mit Gewalt,[248] was Tiecks Golo erbittet.[249] Wieder -ein Entfernen des Drastischen. - -Lassen sich die Einwirkungen des Müller’schen Helden vielfach deutlich -verfolgen, so sind die Nachwirkungen der Genovevagestalt Müllers auf -ihre Nachfolgerin lange nicht so beträchtlich. Begreiflich, die ganz -verschiedene Auffassung dieser Gestalt bei beiden Dichtern erklärt -es. Dort und da nur blickt das Vorbild noch ein wenig hervor. Den -glücklichen poetischen Griff, den Müller thut, wenn er seine Genoveva -voll trüber Ahnung ihren Gatten dringlich bitten lässt, dass er sie -mit in den Krieg nehme,[250] hat auch Tieck sofort empfunden und ihn -für seine Heldin gleichfalls verwendet.[251] Tieck lässt aber wieder -die trüben Stimmungen und Ahnungen, wovon die Abschiedsscene erfüllt -ist, die bei seinem Vorgänger nur kurz anklingen, lange und behaglich -austönen. -- Müllers Genoveva ist von argloser, naiver Gemüthsart und -schürt ohne Wissen und Absicht Golos Liebe wie Tiecks höchst naive -Heilige, wenn auch Tieck diese Naivetät und Arglosigkeit in einer Weise -ausnützt, die das psychologisch Glaubhafte übersteigt. Das unbefangene, -frische und heitere Gebaren Genovevas in der Porträtscene[252] bei -Müller sowie in der Unterhaltung mit Mathilden in der Balkonscene[253] -konnte recht wohl der Heldin Tiecks für ihre arglose Theilnahme, für -ihr Zutrauen zu Golo ein wenig die Richtung angegeben haben.[254] -Naivetät und Unschuld verbinden sich dort wie hier. Über Golos -Traurigkeit äußern sich beide Frauen recht ähnlich. Das Volksbuch gab -Tieck für diese Einzelzüge keinen Wink. -- Bei Müller und bei Tieck -singt die Mutter im Kerker ihrem Kinde ein Schlummerliedchen.[255] - -Tiecks Siegfried erinnert an sein Vorbild besonders durch das, was -ihm fehlt, nämlich Temperament und warmblütiges, individuelles Leben. -Siegfried ist jedesmal ein herzlich unbedeutender biederer Ehemann und -tüchtiger Kriegsmann, der nur dann ein wenig ins Feuer geräth, wenn -er von der Untreue seiner Frau hört oder Golo entlarvt sieht. Tiecks -Siegfried ist daneben ein wenig fromm, abergläubisch und sentimental; -nichts in hervorstechendem Grade. Die Farben haben überall etwas -Mattes, Verblichenes. Jeden von beiden beschleichen im Lager trübe -Ahnungen.[256] Der Ausdruck ihrer Trauer um die verlorne Gattin ähnelt -sich.[257] Der Gedanke Bernhards über die untreue Frau bei Müller[258] -geht bei Tieck auf Siegfried über.[259] - -Golo bekommt als gesinnungstreuen Diener und Helfershelfer bei Müller -den derben Kerl Steffen, der ein gut Theil des volksthümlichen -Hanswurstes in sich birgt, an die Seite und beim Ritter Tiecks -vertritt Benno dessen Stelle. Benno, obschon ein etwas weniger -ruppiger Bursche als Steffen, müsste sich doch mit diesem ganz -trefflich verstehen. Denn, wenn Steffen auf „Fressen und Saufen“ -hält,[260] so findet auch Benno beim Essen und Trinken am besten seine -Rechnung[261] und „Wohlanständigkeit“ mag er dabei nicht leiden.[262] --- Beim Überfall auf Dragones und Genoveva erscheinen „Mathilde mit -Knechten und Steffen“.[263] Ebenso tritt bei Tieck Golo ein „mit -Benno und anderen Knechten“.[264] -- Steffen und Benno werden als -Boten mit der verleumderischen Nachricht an Siegfried geschickt.[265] -Steffens Geldgier[266] verunziert, wenn auch in etwas minderem Grade, -Benno.[267] Steffen und Benno bleiben bei Golo, nachdem sich dieser -von Siegfrieds Hofe geflüchtet; beide werden von ihrem Herrn übel -behandelt. - -Ist Steffen-Benno eine Art Vertrauter für Golo, so ist es wenigstes -anfangs Mathilde-Gertrud für Genoveva. Der Dichter des Sturmes und -Dranges macht, um den dramatischen Conflict zu verschärfen, die Amme -der Legende zu Golos Mutter, während Tieck, der Legende folgend, die -Amme beibehält. Das Weib voll dämonischen Zaubers, voll Thatkraft, -Leidenschaft und Rücksichtslosigkeit, das Machtweib, das die Männer um -sich her in den Untergang reißt, wie Mücken, die sich in die Flamme -stürzen, verblasst zwar ganz in der Phantasie des Romantikers,[268] -doch einige erkennbare Nachwirkungen dieser überaus lebendigen -Gestalt vererbten sich immerhin auf die Amme Gertrud. Während die -Amme des Volksbuches erst nach der Einkerkerung Genovevas in die -Handlung eintritt, greifen Mathilde und Gertrud schon früher in -Golos Liebesangelegenheit ein. Beide Dichter erweitern also die -Rolle im gleichen Sinne. Mathilde macht dem verliebten Golo Hoffnung -auf Erfüllung seiner Wünsche,[269] sie sucht ihm seine Schwermuth -und seine Todesgedanken auszureden und belehrt ihn über die leichte -Besiegbarkeit der Frauen;[270] all das thut auch Gertrud.[271] Mathilde -und Gertrud missbilligen Golos unüberlegtes, rasches Darauflosgehen -bei der Liebeserklärung.[272] Beide wecken in ihrem Liebling aufs neue -die schlummernde Leidenschaft, nachdem sich diese unter dem ersten -Misserfolge scheu zurückgezogen hatte. Doch Gertruds Einfluss ist lange -nicht so energisch vorwärtstreibend wie der Mathildens. Gertruds Thun -beschränkt sich auf ein Rathen, Vermitteln, Forthelfen. Mütterliche -Liebe und Theilnahme für Golo entfaltet auch Gertrud, obschon sie bloß -seine Amme ist. Müller und Tieck suchen das Widerliche an der Art der -Amme, wie sie das Volksbuch vorführt, zu beseitigen und geben dem an -sich unschönen Charakter eine verständlichere ethische Grundlage. Was -Tieck von Müller übernimmt, sind äußerliche Züge. Das innere Wesen -des „Machtweibes“ aus der Geniezeit, dämonische Schönheit, zügellose -Sinnlichkeit, rücksichtslose Thatkraft, ein Übermenschenthum, das sich -„jenseits von Gut und Böse“ ansiedelt, all diese hervorstechenden -Züge haben an Tiecks Gertrud keine Spur zurückgelassen. So kommt es, -dass bei Tieck wie im Volksbuch wieder Gertrud sich um eine bessere -Verpflegung der gefangenen Wöchnerin bemühen kann,[273] während dies -bei Müller eine Gärtnersfrau thun muss. Wenn Gertrud zu Golo sagt: -„Ihr müsst durch die rauhe Zeit hindurch“ so eignet sie sich ein -Lieblingswort Mathildens an, aber das an sich kräftige Wort verliert -seine Kraft im Munde einer Gertrud. Diese wird schließlich „krank in -ihrem Wahnsinn“ und verschwindet dann gänzlich aus dem Drama. Diese -Nachricht, dass Gertrud hinter der Scene im Wahnsinn liege, ist auch -nur ein blasser Reflex der grellen Sterbescene Mathildens.[274] Nach -dem Höhepunkte der Verwickelung tritt Mathilde etwas, Gertrud ganz -zurück. Mathilde und Gertrud sind also bei beiden Dichtern ähnlich -zwischen Golo und Genoveva gestellt. Überall werden sie aus Vertrauten -der Gräfin Genoveva zu deren Verfolgerinnen, und zwar immer dem -vergötterten Schützling zuliebe. - -Treu zu Genoveva halten bei Müller Adolf, Dragones und die -Gärtnerfamilie, bei Tieck Wolf, Drago, Wendelin, Heinrich und Else. - -Müllers Adolf, der alte biderbe Ritter und Schlosshauptmann, der -gerne mit in den Mohrenkrieg zöge, wenn es in seinem Alter noch -angienge,[275] ist derselbe Typus des alten treuen Unterthanen -auf der Burg wie Tiecks Wolf, der nicht minder gern mit Siegfried -ziehen möchte,[276] der sich ebenso närrisch über den heimgesandten -Mohrensäbel freut[277] wie Adolf über den von seinem künftigen -Schwiegersohne erbeuteten „Türkensäbel“.[278] Bei Müller wird dies -Motiv weiter verwendet, bei Tieck verschwindet es ohne Spur aus der -Dichtung. Adolf und Wolf tadeln Golos, des Liebeskranken, verändertes -Wesen. - -Drago ist bei Tieck ganz nach dem Volksbuch gearbeitet. Er übernimmt -außerdem eine religiöse Rolle, während ihn Müller fast ganz -verweltlicht. - -Der Schäfer Brandfuchs singt einmal vor Golo das traurige -Liebeslied,[279] ebenso der Schäfer Heinrich bei Tieck.[280] - -Die beiden Mörder, die Müller nach Shakespeare’scher Weise -einführt[281] und deren Charakterverschiedenheit die Legende nur -flüchtig andeutet, wirkten außer den Shakespeare’schen jedenfalls auf -die beiden Gesellen bei Tieck nach.[282] Überall ist der eine ganz -hart und fühllos, der andere menschlicher gesinnt; überall müssen sie -sich für ihr Geschäft Muth antrinken. Tieck mildert aber das Rohe und -Derbrealistische seines Vorgängers um viele Grade, wenn auch einiges -davon in der Trinkscene und in Bennos sonstigen Reden übrig bleibt. - -Weniger deutlich als für die Charaktere und ihre Gruppierung, lässt -sich Müllers Vorbild im scenischen Aufbau des Tieck’schen Dramas -verfolgen. Da die erste Anregung zur Behandlung der Genoveva-Legende -für Tieck von Müller ausgieng, so muss allerdings das eine auch -festgehalten werden, dass Tieck von Müller lernte, Verschiedenes aus -Shakespeare, „Götz“ und „Werther“ in die Dramatisierung des Volksbuches -hereinzunehmen. Wie viel für den raschen Scenenwechsel sowie für die -Art des sorgfältigen Wiedergebens aller nur möglichen Vorgänge vor -den Augen des Zuschauers und des Zeitausfüllens für Vorgänge hinter -der Scene bei Tieck auf Shakespeare zurückzuführen ist, wie weit -dafür im einzelnen Falle Müller oder Goethe in Betracht kommen, lässt -sich meines Erachtens nicht mehr feststellen, da der junge Goethe und -Lenzens Dramen Tieck längst ebenso vertraut waren als Shakespeares -Werke. Das nämliche gilt von der Einführung episodischer Figuren und -paralleler Nebenhandlungen. All das sind eben Bestandstücke, die -ebenso in Shakespeares Technik wie in jener der Stürmer und Dränger -wiederkehren. Freilich wird man am liebsten immer zuerst an Shakespeare -denken, wenn man Tiecks Begeisterung für diesen Dichter sich vor Augen -hält.[283] - -Für die Ausführung der Abschiedsscene bei Tieck scheint Müller’scher -Einfluss nicht gerade ausgeschlossen. Denn auch Müller macht schon -aus dem einfachen Abschied der Legende eine bunte Gruppe von Scenen. -Zwei davon sind als Abschiedsscenen in Parallele gestellt. Von hier -ausgehend, reiht Tieck noch weitere Abschiedsscenen aneinander. Müllers -breit gerathene Aufbruchsscenen sind aber neben Tiecks Schilderung des -Abschiedes fast knapp zu nennen. - -Die Hingabe an die Natur und ihre Stimmung, die bei Müller, Goethe -und Shakespeare bezeichnend hervortritt und die Art dieses Dichters, -die Natur als Umgebung und Hintergrund für seelische Vorgänge wirksam -zu benützen, konnte für Tieck außer seiner eigenen Neigung ein Anlass -mehr sein, seine „Genoveva“ reichlich mit Naturstimmung zu durchweben -und landschaftliche Hintergründe für gewisse Scenen zu schaffen. -Die Balkonscene mit Serenade und Sommernachtzauber im Müller’schen -Drama[284] konnte von Tieck unmöglich übersehen werden. Daneben musste -sich dann auch das Original bei Shakespeare von selbst einstellen. --- Müllers Adam sagt einmal vor Genovevas Gefängnis:[285] „Soll denn -die Sonne scheinen jetzt? Möchte auch nicht scheinen, wenn ich Sonne -wäre, herunter auf diesen jämmerlichen Erdball.“ Ähnlich spricht Tiecks -Genoveva zu ihren Henkern:[286] - - „O seht, die Sonne will nicht niederscheinen - Auf solche That, es will das Aug’ der Welt - Nicht sehn, was euch auf immer nagen würde.“ - -Hier müssen wir noch einen Blick auf „Werther“ werfen,[287] dessen -Bedeutung für die Entwickelung des Naturgefühles in der deutschen -Poesie nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Werther sieht die -Naturumgebung immer im Lichte seiner Stimmung. Wenn auch nicht mit -gleich tiefem Gemüthsantheile, so doch in verwandter Art fühlt Golo -seine Empfindung in die Natur hinein. Die Todessehnsucht Golos, den der -Wasserfall in seine Tiefe herabzulocken scheint, geht ohne Zweifel auf -Werther’sche Empfindungen zurück. Werther schreibt: „Ach mit offenen -Armen stand ich gegen den Abgrund und athmete hinab! hinab! und verlor -mich in der Wonne, meine Qualen, meine Leiden da hinabzustürzen! -dahinzubrausen, wie die Wellen!... O Wilhelm! wie gern hätte ich mein -Menschsein drum gegeben, mit jenem Sturmwinde die Wolken zu zerreißen, -die Fluten zu fassen!“ Golo:[288] - - „Geh’ ich den tiefen Wasserfall vorüber - Und höre unten seine Wellen brausen - Und sehe den lebend’gen mut’gen Schaum - Und wie der Strom sich weit hinunterreißt: - Ich kann nicht sagen, welch ein tief Gelüst - Mich dann befällt, in die Strudel abzuspringen, - Daß sie mich unterwälzen und verschlingen.“ - -Der unglückliche Werther läuft in den Wäldern herum und stürzt in -den Sturm hinaus. Der abgewiesene Golo ruft:[289] „Hinaus! dem Winde -sei ein Spiel, den Regenwolken und dem Blitz ein Ziel!“ Werther -verkehrt gerne mit einfachen Leuten, die der Natur nahestehen, die dem -überfeinerten Menschen als unverfälschte Natur erscheinen und macht -sie zutraulich: Golo thut das nämliche.[290] Die Empfindungsweise, die -hauptsächlich von Rousseau ausgieng, sendet ihre schwächeren Wellenzüge -bis in die romantische Dichtung herüber. - -Ahnungen und Träume spielen bei Müller (dem wieder „Götz“ und „Werther“ -vorangehen) ihre Rolle. Diese Elemente waren aber besonders geeignet, -Tiecks Phantasie an einer sehr empfänglichen Seite zu berühren. Ahnung -und Traum haben in seiner „Genoveva“ auch eine bedeutende Stelle. -Wackenroder, Novalis und Tieck sind es, die mit großer Vorliebe in -diesen geheimnisreichen Kreisen unseres Seelenlebens verweilen. - -Schwer lassen sich die Einflüsse nachweisen, welche für das ritterliche -Costüm, besonders für Tiecks Kriegsdarstellung maßgebend waren. Der -„Kreuzzug“ gegen die Saracenen, der breitangelegte Auszug der Ritter in -den Krieg sowie die Lagerscenen bei Müller schlagen schon die Richtung -der Ritterdramen ein. Das Leben und Treiben auf der Burg, wie es Müller -schildert, konnte Tieck einzelne Winke geben und diese Scenen waren -geeignet, Tieck, der nun einmal für das Altdeutsche ein hohes Interesse -und warmes Gefühl hegte, zu veranlassen, dieses ritterliche Costüm noch -weiter auszuführen. An Anregungen verschiedener Art fehlte es für Tieck -hier nicht, da er die Herrschaft der Ritterstücke auf der Bühne selbst -als junger Mensch miterlebt hatte. Und lassen wir die Dutzendware -der Ritterdramen und Ritterromane beiseite, so müssen wir wieder -hervorheben, dass Müller Tiecks associierende Erinnerung naturgemäß -auf „Götz“ und Shakespeare zurückführen musste. Schlachtscenen, -nächtlicher Kampf und Brand, der Contrast ehrlicher Ritter und falscher -Feinde begegnete ihm im „Götz“. Noch mehr Schlachtscenen fand er bei -Shakespeare. Wenn Tieck auch im allgemeinen mehr Sorgfalt für das -alterthümliche Costüm und Colorit verwendet als Müller, so darf man -doch auch bei ihm nicht zu viel erwarten. Das Costüm bleibt auch für -ihn Nebensache, untergeordnetes Mittel zum Zweck, ein Mittel nämlich, -die Stimmung des Alterthümlichen zu erregen. - -Als „klare Erinnerungen von einzelnen Stellen“ des Müller’schen -Werkes ließe sich noch dies und jenes ansprechen. Die Nachrichten vom -Kriegsschauplatze und das Heimsenden von Beutestücken gehen offenbar -auf das gleiche Motiv des Vorläufers zurück.[291] Tieck beachtet aber -den ursprünglichen Zweck und Sinn desselben, einen Contrast gegen -Golos unthätiges „Verliegen“ auszudrücken, nicht mehr weiter. Er nimmt -es als bloße Decoration für den Augenblick in sein Stück auf. Der -Jagdscene mit dem Jagdliede bei Müller[292] entspricht die Jagdscene -mit dem Liede bei Tieck.[293] Wie bei Müller Siegfrieds Vettern als -Veranstalter der Jagd erscheinen,[294] so bei Tieck Siegfrieds Bruder -und Vetter Kunz.[295] Der Inhalt des Reinigungsbriefes wird überall, -abweichend vom Volksbuch, erst nach seiner Auffindung mitgetheilt und -erscheint an einer dramatisch wirksameren Stelle. Namen und Namensform -entlehnt Tieck nicht von Müller, wo er vom Volksbuch abweicht. Der -Name „Wolf“ aber, der im Ritterdrama für alte Diener, Burgvögte und -Leibknappen beliebt ist,[296] deutet darauf hin, dass Tieck wohl auch -die anderen gut altdeutsch klingenden Namen Otho, Günther, Kunz, -Gertrud u. s. w. in ähnlicher Absicht, wie die Ritterdramendichter -einführt. - - * * - * - -Betrachten wir das Müller’sche Gut und Eigenthum in Tiecks Drama, -so will es in der That scheinen, die Vorwürfe, die Tieck einst -wegen begangenen Plagiates zu hören bekam, seien doch nicht so ganz -unberechtigt gewesen und Tiecks Bezeichnung dieser Entlehnungen als -„dunkle Erinnerungen vom Ganzen und klare von einzelnen Stellen“ sei -viel zu liebevoll und selbstgerecht. Dass Tieck in recht schonender -Weise, weil in eigener Sache, spricht, kann nicht geleugnet werden, ist -aber nicht allzuschwer begreiflich. Von einem Plagiate im gewöhnlichen -üblen Sinne des Wortes darf man aber hier so wenig reden, als etwa bei -Lessings vielberufenen Entlehnungen. Die zusammengelesenen Steinchen -machen noch lange nicht das Mosaikbild aus und all die entlehnten -Motive und Charakterzüge (und wäre selbst ein halbfertiger Charakter -wie Golo darunter) noch weniger Tiecks ganze Dichtung. - -Wenn Tieck die verschiedenen Anleihen, die er bei Müller macht, nur -als „dunkle Erinnerungen...“ behandelt, so lässt sich auch für diese -Bezeichnung eine wohlwollendere Erklärung, als die seiner einstigen -Gegner, finden. Tiecks Dichten gieng auch nicht „vom Buche zum Buche“, -sondern „vom Leben zum Leben“, d. i. in diesem Falle vom inneren Erleben -in der Phantasie zum Neuschaffen aus der Phantasie. Theater, Bücher und -Kunst bieten Tieck die meisten Anregungen. Ganz anders, wie bei Goethe, -dessen Poesie mehr dem Leben als den Büchern verdankt. Wenn Tieck -„Götz“, „Werther“, Müller, Shakespeare u. s. w. liest, so leben ihm die -Gestalten der Dichtungen leibhaftig in klarer Vision auf und besonders -diese Gestalten haften in seiner Erinnerung mehr oder weniger lebendig, -nicht aber die einzelnen Verse und Zeilen des Buches. Wenn dann Tieck -das Volksbuch las, konnten sich recht gut Müllers Golo und von diesem -herbeigerufen, Weislingen, Werther und andere Figuren einstellen -und mit den aus dem Volksbuch aufwachsenden Gestalten unvermerkt -zusammenfließen oder den Gestalten des Volksbuches eine bestimmte -Färbung verleihen, ohne dass Tieck selbst es irgendwie deutlich merkte. -Dass dabei auch einzelne Verse, Sätze, Bilder... sich bald klarer, bald -minder klar reproducierten, hat nichts Auffallendes. Wollte Tieck, -der die nämliche Legende dramatisch bearbeitete, die er schon einmal -dramatisiert gelesen, jedes Nachwirken des Vorgängers genau vermeiden, -er hätte Schritt für Schritt eigens gegen Erinnerungs-Contrebande -kämpfen müssen. Dazu wäre zum mindesten auch nöthig gewesen, dass -ihm jemand Müllers Manuscript, das er ein Jahr vorher gelesen hatte, -zu beständigem gewissenhaften Vergleichen auf den Schreibtisch gelegt -hätte. - -Neben der im ganzen identischen stofflichen Grundlage, die beiden -Dichtern gemeinsam ist, kommt hier auch eine Art geistiger -Verwandtschaft der Dichter selbst in Betracht. Diese äußerte sich -in dem auffallend lebhaften Interesse, das Tieck stets für Müller -hegte.[297] Vorliebe für das mittelalterliche Ritterleben und für -Volksthümliches, die Neigung zum Lyrischen und Musikalischen, -Verehrung Shakespeares und des jungen Goethe, ein reger Natursinn -bieten in der That mannigfache Berührungspunkte. Es war daher mehr -als ein bloß geistreicher Einfall, wenn man Müller den „Romantiker -der Sturm- und Drangperiode“ nannte, wie Hettner that. Behält man -diese innere Verwandtschaft beider Dichter im Auge, so erscheint es -auch um vieles verzeihlicher, wenn Tieck manches in seiner „Genoveva“ -als rechtmäßigstes Eigenthum ansprechen mochte, was es vielleicht in -Wirklichkeit nur zur Hälfte war und seine beharrliche Abwehr jeder -Plagiatbeschuldigung wird um so begreiflicher. Unter solchen Umständen -darf man wohl glauben, dass Tieck bona fide nur das herübergenommene -Lied als nennenswerte Entlehnung betrachtete. Ein sorgfältiges -Vergleichen seiner „Genoveva“ mit Müller und den anderen literarischen -Vorbildern hätte Tieck später, als er dem eigenen Werke schon recht -objectiv gegenüberstand, zu einer exacteren Sprache bewegen können. -Gute Gelegenheit dazu hätte er gefunden, da er als erster Müllers -Drama herausgab. Fühlte er sich aber des Plagiates schuldig, so hätte -er die Herausgabe besser im eigenen Interesse unterlassen. Seine -„Vorberichte“, die viele wertvolle Erinnerungen an seine dichterische -Laufbahn enthalten und uns viele Aufschlüsse über das Wesen seiner -Kunst gewähren, machen nicht den Eindruck, als ob Tieck je mit so -ängstlicher philologischer Genauigkeit zuwerke gegangen wäre. Nicht zu -vergessen, dass fast drei Decennien vorüber waren, als er darangieng, -seine einstigen dichterischen Stimmungen und literarischen Beziehungen -aus der Erinnerung darzustellen. - -Wie Tieck an dem, was er von Müller übernimmt, in seiner Art an -allem Drastischen und Kraftvollen mildernd und abschwächend änderte -(also ganz ähnlich wie beim Volksbuch), wie er Ahnung, Traum -und Naturstimmung, also gerade jene Dinge, die seinem Empfinden -wahlverwandt entgegenkamen, aufnahm und liebevoll erweiterte, wie er -selbst dem begleitenden Liede, das er absichtlich und mit Bewusstsein -entlehnt, eine andere Stellung in seiner Dichtung anwies, sahen wir im -Verlaufe der Untersuchung. Das Wichtigste und Bemerkenswerteste bleibt, -dass durch alle Entlehnungen aus Müller das Gesammtbild der Tieck’schen -„Genoveva“ und die Gesammtauffassung derselben nicht wesentlich -bestimmt wird. Alles dient nur zur Ergänzung und Ausfüllung der Legende -des Volksbuches. Motive und Vorstellungen, die Tieck von außen her -aufnimmt, gehen außerdem immer durch das Medium seiner Individualität -hindurch und müssen sich der Auffassung des Ganzen unterordnen und -diese Gesammtauffassung der Legende bei Tieck ist von der Müllers so -verschieden, als eben Geniezeit und Romantik bei allen gegenseitigen -Berührungspunkten doch immer verschieden sind. - - -2. Tieck und Shakespeare. - -„Das Centrum meiner Liebe und Erkenntnis ist Shakespeares Geist, auf -den ich alles unwillkürlich und oft, ohne dass ich es weiß, beziehe, -alles, was ich erfahre und lerne, hat Zusammenhang mit ihm, meine -Ideen so wie die Natur, alles erklärt ihn und er erklärt die andern -Wesen, und so studiere ich ihn unaufhörlich.“[298] Diese Worte schrieb -Tieck in sein „Poetisches Journal“, das im gleichen Jahre mit der -„Genoveva“ erschien und sie kennzeichnen seine Stellung zum großen -englischen Dramatiker, seine unbegrenzte Verehrung, seine ehrfürchtige -Begeisterung. - -Shakespeare war von der Schulbank an Tiecks lieber Freund und -Lebensgefährte. Als Gymnasiast hatte unser Poet heißhungrig einen Band -der Eschenburg’schen Übersetzung um den andern verschlungen.[299] -Sechzehnjährig huldigte er seinem Abgotte mit der kleinen Dichtung -„Die Sommernacht“. In Göttingen (1792 bis 1793) gieng er an ein -eifriges Studium Shakespeares und des altenglischen Theaters in der -Originalsprache.[300] Die nächste Frucht dieser Beschäftigung war -die Bearbeitung des „Sturm“ und zwei Abhandlungen über Shakespeare. -Der Einfluss dieser Studien lässt sich im Costüm des „Lovell“ sowie -in manchen Zügen des „Blaubart“ und „Zerbino“ erkennen.[301] A.W. -Schlegels Übersetzung (von 1797 an erscheinend),[302] entzückt Tieck -ganz besonders; denn hier findet er den Engländer in deutscher Sprache -„gleichsam neu erschaffen“.[303] Im „Zerbino“ versetzt er ihn mit -den größten Meistern der Weltliteratur in den Garten der Poesie. -Gleichzeitig nimmt er das längstgeplante große Werk über Shakespeare -in Angriff, kommt aber über die zwei „Briefe über Shakspeare“, die im -„Poetischen Journal“ stehen und höchstens eine Einleitung zum Werke -selbst abgeben könnten, zunächst nicht hinaus.[304] Diese „Briefe“ sind -ein Erguss der tiefen schwärmerischen Verehrung, mit der Tieck vor dem -britischen Heros auf die Knie sinkt. Auch zu diesem „Kunstheiligen“ -sieht er mit inniger Bewunderung, mit Andacht und Entzücken empor, -wie er mit Wackenroder zum lieben, wackern Albrecht Dürer und zum -göttlichen Rafael aufgeblickt hatte.[305] - -Nur tiefe Ehrfurcht und Enthusiasmus erfüllen seine Seele. Noch zeigt -sich kaum eine Spur der späteren sachlichen Kritik der „Dramaturgischen -Blätter“. Die Begeisterung in den „Briefen“ wird nur ab und zu -durch missfällige, ironische Seitenblicke auf die „knaupelnden -Schönheitszergliederer“ wie auf verschiedene zeitgenössische Tendenzen -unterbrochen. Tieck hat noch kein offenes Auge für die historischen -Bedingungen, die vor zwei Jahrhunderten den englischen Dichter umgaben. -Es erscheint ihm an Shakespeare alles als höchste Vollkommenheit. -Bei solch enthusiastischer Hingabe kann es dem Dichter Tieck leicht -begegnen, dass er als erstrebenswerte Tugend nachahmt, was beim -bewunderten Vorbild nicht höchste Leistung, sondern nur eine Noth und -vorübergehender Zeitgeschmack war. Es ist dies dieselbe schrankenlose -Bewunderung, wie sie die Romantiker den alten Volksbüchern -entgegenbringen.[306] Ein solcher entzückter Verehrer kann sich bei der -Nachahmung so gut vergreifen wie der Halbverständige. - -Es müsste wunderlich zugehen, wenn diese Hingebung an den einzig -bewunderten Dramatiker an Tiecks dramatisierter Genoveva-Legende gar -keine Spuren erkennen ließe, nachdem auch Tiecks Vorgänger Müller den -nämlichen Stoff schon mit Shakespeare’schen Motiven bereichert und -vielfach mit Shakespeare’scher Technik behandelt hatte. In seinen -Vorberichten gedenkt freilich Tieck mit keinem Worte einer solchen -Anregung. Wohl aber bemerkt Köpke im Vorübergehen,[307] dass unserem -Dichter um jene Zeit der halbshakespeare’sche „Perikles“[308] wegen -der eingeflochtenen epischen Partien besonders lieb gewesen sei. An -Iffland schreibt der Dichter am 16. December 1799: „Ich habe den -Versuch gemacht, in diesem Schauspiel die Shakespeare’sche Form -mit der spanischen zu verbinden, wozu sich der Stoff auch sehr gut -eignet.“[309] Noch deutlicher spricht Tieck endlich in einem Briefe an -Solger:[310] „Es gehört zu meinen Eigenheiten, dass ich lange Jahre -den Perikles von Shakespeare vielleicht übertrieben verehrt habe; -ohne diesen wäre Zerbino nicht, noch weniger Genoveva und Octavian -entstanden. Ich hatte mich in diese Form wie vergafft, die so wunderbar -Epik und Drama verschmelzt; es schien mir möglich, selbst Lyrik -hineinzuwerfen, und ich denke mit wahrem Entzücken an jene Stunden -zurück, in denen Genoveva und später Octavian in meinem Gemüthe -aufgiengen: Dies Entzücken wollte ich wohl zu körperlich, buchstäblich -hineinbringen, und so entstand das Manierierte. -- --“ Hier sagt Tieck -mit aller wünschenswerten Klarheit, dass gerade die untheatralische -Form es war, die ihn so absonderlich am „Perikles“ anzog. Seine eigene -phantastische Neigung, seine Lust zum Überspringen der hergebrachten -und der natürlichen Grenzen der künstlerischen Gattungen, Fr. Schlegels -Doctrin von der romantischen Universalpoesie, in der sich nach der -Forderung dieses romantischen Gesetzgebers auch die verschiedenen -künstlerischen Gattungen und Formen unauflöslich verschmelzen sollen, -erklären es, wie sich Tieck gerade in die Form dieses Zwitterproductes -„vergaffen“ konnte. Wenn Köpke Shakespeares Einfluss auf die „Genoveva“ -zu wenig betont, so thut Tieck selbst in diesem Briefe des Guten fast -zuviel, wenn er sagt, dass ohne „Perikles“ nicht „Zerbino“ und noch -weniger „Genoveva“ und „Octavian“ entstanden wären. So weit es sich -um „Genoveva“ und „Octavian“ handelt, ist die Sache wohl nicht anders -gemeint als: „Genoveva“ und „Octavian“ wären ohne „Perikles“ nicht -die romantischen Dramen geworden, die wir vor uns haben. Warum Tieck -diese Volksbücher nicht auch ohne „Perikles“ in der Art der „Magelone“ -oder „Melusine“ hätte bearbeiten sollen, ist schwer einzusehen. Für -die romantisch-dramatische Behandlungsweise ist aber das Vorbild des -„Perikles“ gewiss nicht zu unterschätzen. - -Wenn es im allgemeinen Shakespeare’sches Princip ist, möglichst viele -Vorgänge dem Zuschauer auf der Bühne vor Augen zu führen (was bei der -damaligen Bühneneinrichtung nicht schwer war), so sehen wir diese -Darstellungsart im „Perikles“ bis zur äußersten Consequenz getrieben. -Ohne straffe dramatische Composition werden uns die Schicksale und -Abenteuer des Helden Perikles von Tyrus, die eine lange Reihe von -Jahren ausfüllen, aufs gewissenhafteste vor Augen gestellt, und es -sollte nichts vergessen und nichts weggelassen werden. Bei solchem -Vorgehen stieß jedoch der Dichter bald auf die eine oder andere -Schranke. Sollte alles scenisch erscheinen, so musste einmal das Stück -eine Ausdehnung bekommen, die jeder Aufführung gespottet hätte. So -griff er denn zum Auskunftsmittel des epischen Berichterstatters, der -auf der altenglischen Bühne ohnehin längst heimisch war und gewährte -ihm möglichst freien Spielraum. Dazu fanden sich in der Fabel des -Stückes gerade Ereignisse, die sich bequem durch einen Erzähler an -der Stelle abthun ließen, die ihnen chronologisch zukam, wie etwa die -zweimalige Meeresfahrt. Anderes in diesen Zwischenerzählungen ist -freilich auch nichts weiter, als Wiederholung und verdeutlichende -Erklärung von Dingen, die wir auf der Bühne sehen oder es wird etwas -erzählt, dass sich ebensogut im Dialoge mittheilen ließe. Ganz ähnlich -steht es mit dem Chorus in „König Heinrich V.“ Im „Wintermärchen“ -dagegen soll die Zeit als Chorus den Verlauf von sechzehn Jahren -markieren. Einen ähnlichen Chorus fand Tieck noch im „Locrine“ wie im -„Lustigen Teufel von Edmonton“.[311] Dieser erzählende Chorus erscheint -im „Perikles“ nicht nur zwischen den einzelnen Acten mit seinem -Berichte, sondern zweimal sogar mitten im Verlaufe des Actes. - -Tieck will uns „Leben und Tod der heil. Genoveva“ dramatisch vorführen. -Dieser Stoff umfasst ebenfalls die Ereignisse langer Jahre. Alles -dramatisch zu formen, würde selbst einem Buchdrama, das nicht mit -der Bühne des Theaters, sondern mit einer Bühne für die Phantasie -rechnet,[312] eine zu unerfreuliche Länge verleihen. Ließ sich etwas -an passender Stelle episch sagen, so konnte es Tieck nur lieb sein. -Eine solche passende Stelle ist durch den Stoff der Genoveva-Legende -selbst gegeben. Der siebenjährige Zeitraum, der durch Genovevas Dulden, -Beten und wunderbare Erlebnisse und durch Schmerzenreichs einsame -Jugend im Walde ausgefüllt wird (Siegfried erscheint indessen Dragos -Geist), bietet fast lauter Momente, die für den psychologisierenden -Epiker bequem, für den Dramatiker wegen ihrer Armut an innerer und -äußerer Handlung undankbar sind. Dieser Theil der Legende gab also -Tieck den deutlichen Wink, wo sein Rhapsode einzutreten habe. Es ist -dies eine Eigenthümlichkeit, welche der Stoff des Genovevabüchleins -mit dem Shakespeare’schen „Wintermärchen“ gemein hat. Zu beachten -ist hier noch die technische Erwägung, dass die auffallend hohen -Wunder sich im epischen Vortrag poetisch wahrer ausnehmen, als in -dramatischer Vergegenwärtigung. Der letzterwähnte Grund ist kein vager -Einfall; er entspricht der Auffassung Tiecks von der Darstellung des -Wunderbaren.[313] Ähnlich beurtheilt auch Bernhardi diesen epischen -Theil in seiner Recension der „Genoveva“.[314] So erklärt es sich, -warum Tieck außer im Prologe und Epiloge den heil. Bonifacius -gerade hier und nicht öfter eintreten lässt, wozu ihn das Vorbild -des „Perikles“ immerhin hätte verleiten können. Die Verwendung des -erzählenden Chorus, sowie das Beispiel einer dramatischen Behandlung -von Ereignissen, die sich durch lange Jahre hinziehen, einer -dramatischen Biographie, muss für Tieck entscheidend gewesen sein, -auf eine gewöhnliche Dramatisierung der Legende hätte ihn am Ende -Müllers Vorgang auch führen müssen. Denn bevor Tieck das Volksbüchlein -las, hatte er eine dramatische Gestaltung des Genovevastoffes in den -Händen gehabt. Seit dem „Wilhelm Meister“ geht aber ein epischer Zug -durch unsere Literatur, der sich z. B. auch im „Wallenstein“ bemerkbar -macht. Das episch gedehnte inhaltsreiche Drama, wie es Tieck anstrebt, -nähert sich dem Roman, dem höchsten Ziele der Romantiker in den letzten -neunziger Jahren. - -Hätten wir ohne „Perikles“ keine Tragödie „Genoveva“, so hätten -wir auch ohne Gower keinen heiligen Bonifacius. Der Verfasser des -„Perikles“ wählt sich zum Chorus den altenglischen Dichter John -Gower, dessen „Confessio Amantis“ im achten Buche die Geschichte von -„Perikles“ behandelt und die neben Lawrence Twines Novelle „The Pattern -of painfull Adventures“ als Quelle für das Drama diente.[315] Die -Beziehung Gowers als Erzählers einer Vorlage des Stückes war für die -Wahl dieses Dichters zum Chorus maßgebend. Als Erzähler der Vorlage hat -Gower schon äußerlich eine Verbindung mit der Neubearbeitung selbst. -Die dramatische Neubehandlung seiner Erzählung ist ein Auferstehen vom -Tode der Vergessenheit und da mag dann billig mit der alten Dichtung -auch der alte Dichter erscheinen. Tieck wusste allerdings keinen -Volksbuchschreiber zu finden, der etwa in der „Genoveva“ eine Stelle -wie Gower im „Perikles“ einnehmen könnte. Hätte unser Romantiker Martin -von Cochem und den Antheil dieses Schriftstellers am Genovevabüchlein -gekannt, wer weiß, ob nicht dieser treffliche Kapuzinerpater den -Part des heil. Bonifacius hätte übernehmen müssen? Tieck führt dafür -den heil. Bonifacius ein, den er dichterisch frei zum Zeitgenossen -Genovevas macht. Fehlt für Tieck auch eine ursprüngliche äußere -Beziehung, wie sie zwischen Gower und Perikles besteht, so steht -Bonifacius mit der Genoveva-Legende doch in einer gewissen inneren, -geistigen Verbindung. Der berühmteste Heilige und Glaubensbote -des deutschen Mittelalters erscheint ganz passend als Chorus in -einem Drama, das uns in die Zeit mittelalterlicher Frömmigkeit und -wunderbaren Glaubenslebens zurückversetzen will. - -Im „Perikles“ tritt Gower auf und beginnt: - - „Es kommt, zu künden einst’ge Mär’, - Vom Grab der alte Gower her.“ - -Er kommt ins Leben zurück, um die Menschen mit seiner alten Mär von -Perikles zu erfreuen, an der sich schon die alte Zeit ergötzte. - - „Man sang die Mär’ beim Festgelag, - Am Kirmiß- und Quatembertag; - Auch lasen zur Erholung gern - Zu ihrer Zeit sie Fraun und Herrn...“ - -Wenn die später Lebenden und darum Gescheiteren der alten Geschichte -etwas abgewinnen können, so will Gower sie gern ihnen vorführen. Er -erzählt nun die Vorgeschichte des Dramas und schließt: - - „Was nun folgt, soll euer Aug’ erschaun, - Das mag entscheiden, ob ihr mir dürft traun.“ - -Seine nächste und noch andere Erzählungen schließt Gower mit dem -Hinweis auf die auftretende Person: - - „Hier kommt er selbst, nun schweigt....“[316] - -Am Anfange von Tiecks „Genoveva“ tritt der heil. Bonifacius mit Schwert -und Palmenzweige (Symbolen, wie sie der Dichter auf Märtyrerbildern -sah) herein und beginnt mit ähnlicher Naivetät wie Gower: - - „Ich bin der wack’re Bonifacius, - Der einst von Englands Ufern in die Wälder - Der Deutschen Christus’ heil’gen Glauben brachte.“[317] - -Bonifacius schildert seine apostolische Thätigkeit. Wie an Gower, -freute sich die Vorzeit auch an Bonifacius. - - „Das Alter sprach von mir, und meiner dachte - Die Jugend mit des Herzens Innigkeit,..“ - -Nachdem wir so die nöthige Aufklärung über die Persönlichkeit und das -Erscheinen des Heiligen erhalten haben, schildert auch dieser die -Vorgeschichte des Dramas und weist wie Gower die Zuschauer auf den -auftretenden Grafen Siegfried hin. - - „Da geht der edle Mann, zum Streit gewappnet,[318] - -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- - So seid nun aufmerksam und lasst euch gern - In alte deutsche Zeit zurückeführen.“ - -Bonifacius fordert hier Aufmerksamkeit für das Folgende gerade wie -Gower, der zum Schweigen mahnt und der sich seinerseits wieder nach den -alten Mysterien richtete, in denen die Engel oder ein anderer Prologus -das „Silete!“ riefen und Aufmerksamkeit heischten. - -Die Einführung der Prologsprecher und die Disposition der -beiden Prologe, nämlich erst Selbstschilderung der auftretenden -Persönlichkeit, dann Entwickelung der Vorgeschichte und Mahnung zur -Aufmerksamkeit, ist so ähnlich, als ob Tieck sich förmlich bemüht -hätte, den Eingang des schwächlichen altenglischen Stückes, das er -damals so hoch verehrte, Zug für Zug nachzubilden. Tieck hat bei -Herübernahme des Prologes seinem bewunderten Vorbilde auch sogar eine -üble Seite abgeguckt. Im „Perikles“ so gut wie in der „Genoveva“ -erfahren wir die Thatsachen der Vorgeschichte, von denen der Prolog -redet, im Stücke selbst noch einmal.[319] - -Neben diesen deutlichen Ähnlichkeiten im äußeren Aufbau springt auch -der innere Unterschied beider Prologe sogleich in die Augen. Bonifacius -tritt seinem Publicum nicht bloß als harmloser Geschichtenerzähler, -sondern zugleich als strenger, religiöser Mahner, als Prediger in -der Wüste entgegen und beklagt sich bitter (wie Wackenroder, Novalis -und Tieck), dass der Sinn für die alte fromme Zeit in seinem lieben -Deutschland so ganz geschwunden sei. Die breitausladende Rede des -Heiligen ist -- wenn wir vom gequält naiven Eingange absehen -- ernst -und voll feierlicher Würde und hüllt sich darum auch in das vornehmere -Gewand des Blankverses, in dem an anderen Stellen auch Gower redet, -während im Prologe und in den meisten epischen Zwischenstücken des -„Perikles“ die vierhebigen Reimpaare der hausbackenen, schwerfälligen -Rede die richtige Begleitung geben. Gower sagt klar und bündig, was er -ist und was er auf dem Theater will. Er vergeudet sein neugewonnenes -Leben wie Kerzenlicht zur Freude der Zuschauer. Bonifacius, der allem -Anscheine nach eben aus der jenseitigen Welt gekommen ist, sagt noch -obendrein: - - „Und oftmals geht in dieser späten Zeit - Mein Geist umher...“ - -Etwas räthselhaft. Dazu kommt das Zwiespältige, dass Bonifacius auf der -einen Seite als Berichterstatter über die längstvergangene alte Zeit -vor uns tritt, auf der andern wiederum dreimal im Drama als mitlebender -Bischof nicht gerade auftritt, aber doch erwähnt wird. - -Dass Bonifacius nur an einer Stelle innerhalb des Stückes auftritt, -sahen wir durch die Beschaffenheit des Stoffes und durch technische -Erwägungen geboten. Gower ist, mit Bonifacius verglichen in seiner -Erzählungsweise subjectiver und „ironischer“ im romantischen Sinne, -indem er dem Zuschauer immer gegenwärtig hält, dass dieser im Theater -sitzt, was Bonifacius alles vermeidet, um keine Störung in die ernste -Rede zu bringen. Gower beschließt, entgegen seiner ersten Absicht im -Prolog, wo er nur verheißt, seine Zuschauer zu erfreuen, das Drama -mit einem ziemlich nüchternen moralisierenden Epilog. Bonifacius -bleibt innerhalb seiner religiösen Sphäre und verkündet am Ende die -Verklärung der heil. Genoveva. Das äußere Schema und einzelnes in der -Stilisierung des Prologes nimmt also Tieck aus dem „Perikles“. Inhalt -und Auffassung ist durch den allgemeinen Geist seines Stückes durch die -alterthümlich-religiöse Stimmung bedingt. - -Mit diesem Einfluss des „Perikles“ auf die Form, auf die Verbindung -von Erzählung und Drama ist aber Shakespeares Einwirkung auf Tiecks -„Genoveva“ noch nicht erschöpft. Minor hat in seiner Ausgabe in kurzen -Anmerkungen bereits auf die bedeutendsten Anklänge hingewiesen. Es -sollen diese Notizen hier näher ausgeführt, begründet und an ein paar -Stellen ergänzt und berichtigt werden. Einige Gestalten Tiecks zeigen -in ihrem Charakter Verwandtschaft mit Shakespeare’schen Figuren. Da -muss an erster Stelle der „wackeren“ Amme Gertrud gedacht werden. -Das meiste für diese Nebenfigur gab dem Dichter das Volksbuch an die -Hand, ihre Stellung im Drama wurde einigermaßen durch Maler Müllers -Mathilde modificiert, von der Amme in „Romeo und Julia“ entlehnte -aber Gertrud ihre „bösgeläufige“ Zunge. Denn die Erzählung von Golos -Jugend ist unverkennbar in manchen Einzelheiten der Erzählung von -Julias Jugend[320] nachgebildet. Wie Julias Amme eine Gespielin -ihrer Pflegebefohlenen verlor, so muss Gertrud den Tod ihres eigenen -Söhnchens beklagen, während Golo am Leben blieb. Beide erzählen mit -der gleichen breiten Geschwätzigkeit und beide suchen mit wiederholten -Ausrufen und Wendungen Gott in ihr Gerede hineinzuziehen. Für die -leichtsinnigen geschlechtlichen Anspielungen der Amme Julias tritt bei -Tieck das Lob des Bastards ein, das wieder sein eigenes Vorbild im -Monologe Edmunds im „König Lear“[321] hat und die scherzhafte Bemerkung -Gertruds: - - „Du lieber Gott, wie’s nun so in der Welt - Einmal zu gehen pflegt, er war nun da - Und fragte keinen, ob er kommen sollte.“[322] - -klingt ähnlich wie die Worte des alten Gloster über Edmund: „Obgleich -dieser Schlingel etwas vorwitzig in die Welt kam, ehe er gerufen -ward, so war doch seine Mutter schön...“ Wie Julias Amme refrainartig -ihren Scherz wiederholt, so Gertrud ihr Erstaunen über das Wunderbare, -das sie an Golo und seinem Schicksale zu bemerken glaubt. Die Gräfin -Capulet sucht den unangenehmen Redeschwall der Wärterin einzudämmen. -„Genug davon, ich bitte, halt dich ruhig.“ Genoveva, in der gleichen -Lage, mahnt: „Du bist ein wenig zu geschwätzig, Gertrud, und sprichst -daher mit bös’ geläuf’ger Zunge.“ Tieck schwächt wieder die derben -Spässe, die der frommen Grundstimmung seiner Dichtung widerstreiten -müssten, ab. Er nennt auch in einer späteren Abhandlung über „Romeo und -Julia“ einmal das Geschwätz der Amme „gemeines Geschwätz“.[323] - -Im langen Monologe Karl Martells[324] will Minor deutliche Anklänge -an die Monologe Macbeths bemerken, was mir aber nicht nachweisbar -erscheint. Karl wiegt sich eine Zeitlang mit Lust in ehrgeizigen -Gedanken und bekämpft sie dann im religiösen Sinne, wie sie eben ein -guter Christ bekämpfen soll. Macbeth aber rechnet sich die quälenden -Gewissensbisse vor, die der vollbrachten Mordthat folgen. Auch -in einzelnen Gedanken und Wendungen lassen sich keine deutlichen -Übereinstimmungen auffinden. Eher möchte man gewissen Äußerungen -ehrgeiziger Prätendenten, z. B. im „König Heinrich VI.“ Keime -einiger Gedanken Karl Martells vermuthen. In einer ehrgeizerfüllten -Rede Yorks[325], in Richards herrschsüchtigen Worten[326], in -Glosters Äußerungen[327], ferner in Hublas’ Rede[328] begegnen uns -thatsächlich Gedanken, die manchen Impuls für Karl Martells Monolog -bei Tieck gegeben haben könnten. „Könnten“, denn wörtliche und sicher -nachweisbare Übereinstimmungen fehlen. - -Nicht unwahrscheinlich ist es aber, dass ein wenig von dem finsteren -Heldentrotze, den Macbeth vor seinem Ende zeigt, auf Abdorrhaman -übergieng. Der abergläubische Macbeth sieht nämlich, dass nach der -doppelsinnigen Weissagung, welcher er unbedingt Glauben schenkt, sein -Schicksal sich erfüllt; denn der Birnamwald rückt gegen Dunsinan und -ein Gegner, der nicht vom Weibe „geboren“ ist, steht ihm gegenüber. -Einen Augenblick bricht sein Muth zusammen, um sich sofort wieder -todeskühn emporzurecken.[329] Macduffs, seines Gegners Aufforderung, -die Waffen zu strecken, weist er mit stolzem Wort zurück. So benimmt -sich auch der Saracenenführer Abdorrhaman in der Schlacht.[330] Obschon -er sieht, dass Mahom, sein Schutzherr, ihn im Stiche lässt, stürmt er -muthig und mit Todesverachtung in den Kampf und Aquitanien, der den -Saracenen auffordert, sich zu ergeben, bekommt dieselbe trotzig-stolze -Antwort wie Macduff. - -In anderen Fällen wieder merkt man Shakespeares Vorbild in der Anlage -und herrschenden Stimmung der Scene. Da verweist Minor vor allem auf -die Balkonscene Tiecks, die bei „Romeo und Julia“ und dem „Kaufmann von -Venedig“ ihre Anleihen mache. Es wird aber nicht bloß an eine directe -Anlehnung an Shakespeare zu denken sein, sondern Müllers Balkonscene -tritt, wie schon bemerkt wurde, als Mittelglied zwischen Tieck und -Shakespeare. Für den Shakespeareschwärmer Müller, der seiner Genoveva -die ganze Heiligengloriole nimmt, um sie zu einer menschlichen, -dramatisch wirksamen Gestalt umzubilden, liegt eine Nachbildung der -Scene aus „Romeo und Julia“ nicht so fern. Für Tieck aber, der eine -„heilige Genoveva“ schaffen will, musste jene leidenschaftdurchflammte -Begegnung zwischen Romeo und Julia, in der eines die Liebe des anderen -glühend erwidert, eigentlich ziemlich ferne liegen. Golos vergebliche -Werbung ist das Motiv bei Tieck. Tritt aber einmal Müller dazwischen, -der die Balkonscene sammt der Sommernacht mit Golo und Genoveva -verbindet, so ist es begreiflicher, dass Tieck, der Romantiker, der -dem Reize einer Sommernacht nie widerstehen kann, das Motiv aufnimmt -und alle weichen Hauche und Töne träumerisch erklingen lässt. Müllers -und Shakespeares Antheil ist übrigens noch ganz gut erkennbar. Wie -bei Müller Genoveva und Mathilde, so betreten bei Tieck Genoveva -und Gertrud den Balkon, um die Sommernacht zu genießen. Jedesmal -bringt ihnen Golo eine Serenade, mit welcher er eine versteckte und -erfolglose Liebeswerbung verbindet. Die Scene nimmt in beiden Dramen -ungefähr die nämliche Stelle ein. So viel steuert Müller für die Scene -bei. Darein verwebt nun Tieck verschiedene Dinge, die er direct aus -Shakespeare herübernimmt und das sind erst die Reminiscenzen aus „Romeo -und Julia“ sowie aus dem „Kaufmann von Venedig“, von denen Minor in -seiner Anmerkung spricht. Einmal die Entwickelung des Dialoges. In -„Romeo und Julia“ hebt die Scene mit einem Monologe Romeos an. Julia -erscheint auf dem Balkon, wird von Romeo bemerkt ohne ihn selbst zu -bemerken. Romeos Reden correspondieren etwa dreißig Zeilen hindurch -mit Julias Selbstgespräch, ehe es zum eigentlichen Dialoge kommt. -Auffallend ist die Ähnlichkeit dieses Sceneneinganges mit der Art, -wie Tieck die nämliche Sache durchführt. Monolog Golos; Genoveva -und Gertrud erscheinen auf dem Balkone; Genovevas Reden werden von -Golo beantwortet, ohne dass er von den Frauen bemerkt wird und dann -beginnt der Dialog selbst.[331] Alles wie bei Shakespeare. Auch -Gedanken und Empfindungen Golos[332] berühren sich hin und wieder -mit Romeos Monolog.[333] Überall erscheint die Frauenschönheit im -Wettstreit mit den glänzendsten Erscheinungen der Natur. Der Liebende -entbehrt gerne das Schönste in der Schöpfung, Sonne, Mond und Sterne, -wenn ihm nur die Schönheit seiner Geliebten erglänzt; denn bei -Tieck und Shakespeare muss sich die Natur durch den Reiz der einzig -Vergötterten beschämen lassen.[334] Romeos auflodernde Phantasie -sieht in Julia die holde Sonne, die Lunens Glanz ertödtet und seine -Liebesseligkeit drängt sich in beständigen Anrufen an seine Geliebte -aus dem Herzen. Golos Phantasie weilt lieber im dämmernden Reiche -der Nacht. Seine Bilder entlehnt er von Mond und Sternen. Er richtet -seine liebeerfüllten Ausrufe nicht so sehr an die Geliebte, sondern er -haucht sie wie träumend in die umgebende nächtliche Natur ein. Hier -beobachten wir deutlich Tiecks Abhängigkeit und eigene poetische Art -dicht nebeneinander. Dazu gesellen sich noch die weichen Laute aus -dem bekannten lyrischen Eingange des fünften Actes im „Kaufmann von -Venedig“, deren auch Minor gedenkt. Die Worte Genovevas: - - „Wie still die Nacht des Tages Hitze kühlt, - Wie sanft der Mondschein auf dem Grase spielt, - Wie süß das Herz sich nun beruhigt fühlt,“ - -athmen dieselbe Stimmung, wie Lorenzos vielcitierte Worte: „Wie süß das -Mondlicht auf dem Hügel schläft...“[335] - -Die traumhaft weiche Sommernachtstimmung und der süße Zauber, der das -lyrische Intermezzo im „Kaufmann von Venedig“ erfüllt, gehören zu -dem, was Tieck und die Romantiker am meisten lieben und was auch jene -Nachtscene der „Genoveva“ beherrscht. Es konnten sich hier sehr leicht -einzelne Klänge, welche Tiecks eigenen Stimmungen verwandt sind, aus -dem „Kaufmann von Venedig“ hereinstehlen, ohne dass der Dichter selbst -es merkte und ohne dass er viel am Entlehnten hätte umbilden müssen. - -Zur Sterbescene des alten Wolf merkt Minor an, sie sei „deutlich -der Scene mit dem sterbenden Gaunt in Richard II. nachgebildet“. -Minor behält damit gewiss Recht. Jedesmal ist es ein alter Mann, das -einemal Golos Pflegevater, das anderemal der treue Rathgeber König -Richards, der einem jungen, auf schiefe Bahnen gerathenen Menschen vom -Sterbebette aus ernste Mahnungen und Warnungen ertheilt. Weder das -Volksbuch noch Müller gibt für diese Scene einen Anknüpfungspunkt. -Es ist darum kein Zweifel, dass die große Scene in „König Richard -II.“[336] für Tieck das Vorbild war. Im Inhalt und Ton des Ganzen geht -Tieck freilich wieder seinen eigenen Weg. Religion und Gemüthsweichheit -herrschen hier, Gaunts wild donnernder Zorn ist verschwunden. Wolf -bittet und fleht und sucht durch religiöse Ermahnungen seinem -entrathenen Sohne beizukommen. Den ausgesprochenen Fluch widerruft -er sofort und stirbt unter sentimentalen Bitten. Gaunt ist zwar auch -ein geduldiger und treuer Unterthan seines Königs, aber neben Wolf -gehalten, redet aus ihm eine ernste, mächtige, derbe, reckenhafte -Männlichkeit. Gaunt widerruft kein Wort, das er einmal gesprochen.[337] -Die lieblos rohe Antwort Golos auf Wolfs Ermahnungen: - - „Eu’r Fabeln rührt vom großen Alter her, - Ihr wißt nicht, was Ihr sprecht, drum sei’s verziehn. - Auf meinen Kopf, was ich verfehlen mag,“ - -stammt von der noch roheren Richards her: - - „Du, ein seichter und mondsücht’ger Narr, - Auf eines Fiebers Vorrecht dich verlassend, - Darfst uns mit deinen frost’gen Warnungen - Die Wangen bleichen, unser fürstlich Blut - Vor Zorn aus seinem Aufenthalt verjagen?“ u. s. w. - -Die ungewöhnliche Ausdehnung der Reden fällt in beiden Scenen auf. - -Tiecks Hexenscene soll nach Minor charakteristischer Weise den Einfluss -Shakespeares (Macbeth und die Hexen) mit dem Goethes (Hexenscene im -„Faust“) vereinigen. Allein schon der Vergleich mit dem Volksbuche -lehrt, dass in dieser Anmerkung sicherlich zu viel gesagt ist; denn das -Wesentliche und Thatsächliche, was sich in der Scene begibt, fand Tieck -im Volksbuch vor. In den wirren Sprüchen und Formeln der Hexe zeigen -sich Spuren verschiedener Gedanken aus Jakob Böhmes „Morgenröthe“. Es -bleiben dann nur noch einige Äußerlichkeiten, die sich als Entlehnungen -aus den genannten literarischen Vorbildern, Goethe und Shakespeare, -erweisen lassen. In einem Punkte wenigstens thut Tieck, was Goethe und -Shakespeare thaten. Diese Dichter beschränken sich in ihren Hexenscenen -nicht ökonomisch auf das Nothwendigste, sondern sie schmücken jeder -in seiner Weise das Treiben der unheimlichen Menschen malerisch aus. -Es wird Verschiedenes vorgeführt, was nicht unmittelbar dem Zwecke -der Scene dient. Malerisch und stimmungsvoll in diesem Sinne ist der -Eingangsmonolog bei Tieck,[338] der die Zurüstungen Winfredas und die -nächtliche Scenerie malt. Bei diesem Monologe denkt man aber nicht -zuerst an „Macbeth“, sondern lieber an die Verse, mit denen Bolingbroke -in „Heinrich VI.“[339] eine Geisterbeschwörung einleitet. Dieser, ein -Theilnehmer am nächtlichen Werke, entwirft selbst, wie hier Winfreda, -das düstere Nachtbild, nur dass es nicht monologisch geschieht. - - „Geduld nur! Zaub’rer wissen ihre Zeit. - Die tiefe, finst’re Nacht, das Grau’n der Nacht; - Die Zeit, da Troja ward in Brand gesteckt; - Die Zeit, wo Eulen schrei’n und Hunde heulen, - Wo Geister geh’n, ihr Grab Gespenster sprengen: - Die ziemt sich für das Werk, womit wir umgeh’n.“ - - ~Siegfried~: - - „So komm, vom Himmel zeigt sich schon die Nacht, - Jetzt hat das Reich der Geister seine Macht.“ -- -- - - ~Winfreda~: - - „An seinem Orte hängt der magische Spiegel, - Schon weht die Nacht herauf mit schwarzem Flügel, - Wolken zieh’n und flieh’n vor des Mondes Scheibe, - Auf Kirchhöfen steh’n die Leichen mit blassem Leibe, - In unterird’schen Grüften ein wühlendes Regen, - In oberird’schen Lüften ein spielendes Bewegen, - Geister schauern hernieder, - Und geh’n und kommen wieder - Auf der schwarzen Leiter der Nacht,...“ - -Der Inhalt dieser Hexenworte berührt sich theilweise ziemlich deutlich -mit der Bolingbroke’schen Schilderung. In „Macbeth“ und „Faust“ wird -auch alles, was der Stimmungsmalerei dient, in Handlung umgesetzt, -während Bolingbroke und Winfreda die Situation mit Worten schildern. -Das Colorit der Tieck’schen Hexenscene ist zwar düster, aber es -herrscht in dieser Hexenwohnung doch eine ganz andere Luft, als auf -der gewitterdurchstürmten schottischen Heide. Goethes Hexenscene -musste Tieck wegen ihres humoristischen Charakters (Humor ist in der -„Genoveva“ grundsätzlich ausgeschlossen) ferne liegen. - -Ebensowenig durchgreifend erscheint Shakespeares Einfluss in der -Episode, wo Gertrud bei Golo die Anwaltschaft für die gefangene -Genoveva und ihr Kind übernimmt. Der Inhalt dieser Scene war Tieck -bis ins einzelne herab durch die Legende geboten. Es ist ein -merkwürdiger Zufall, dass der Inhalt der dritten Scene im zweiten -Acte des „Wintermärchens“, das Minor im Auge hat, jener Stelle des -Volksbuches so auffallend ähnelt. Jedesmal erscheint nämlich eine Frau -als Fürbitterin für eine Gefangene und ihr Kind. Wenn Tieck nach dem -Volksbuche das nämliche Motiv dichterisch behandelt, das schon vorher -sein bewunderter Meister Shakespeare behandelte, so ist allerdings zu -vermuthen, dass ihm dabei Shakespeare leicht ein wenig in die Phantasie -hineinspielen konnte. Allein dies kann hier nur Einzelheiten betreffen. -Golo und Leontes erblicken wir im Anfange der Scene in tiefer -Gemüthsunruhe. Beide geben den Befehl, jeden störenden Besuch ferne zu -halten und beide wollen die Frau, die sich stürmischerweise den Zutritt -doch verschafft, energisch aus dem Hause weisen. In der Einleitung -schließt sich also Tiecks Scene ohne Zweifel Shakespeare an, aber -eine weitere und tiefer greifende Abhängigkeit wird sich schwerlich -nachweisen lassen. - -Ebenso verhält es sich noch mit einer anderen Scene, nämlich mit -dem Gerichte über Golo, das ein wenig nach Shakespeare stilisiert -erscheint, und zwar nach dem Gerichte, das in „Richard II.“[340] -Bolingbroke über Green und Bushy hält. Zuerst ein Befehl, die -Delinquenten vorzuführen. - - ~Bolingbroke~: - - „Führt diese Männer vor.“ - - ~Matthias~: - - „Jetzt lasst den Bösewicht herein...“ - -Darauf hält der Vorsitzende des Gerichtes, Bolingbroke bei Shakespeare, -bei Tieck Siegfried, den Schuldigen die begangenen Übelthaten vor. -Der Inhalt dieser Anklagerede, Golos aufgezählte Frevel, stehen auch -wieder im Volksbuch, nur für das äußere Arrangement der Scene kommt -Shakespeare ein wenig in Rechnung.[341] - -Wir mussten bereits andeuten, dass Tieck, von Maler Müller geleitet, -für die breitausgedehnten Schlachtscenen und ihr ritterliches -Costüm manches aus Shakespeare entnahm. Dass es für Tieck nichts -Gewagtes schien, bei Shakespeare in Sachen des ritterlichen Costüms -zu lernen, beweisen seine eigenen Worte: „Shakespeares Zeitalter war -gerade dasjenige, in welchem noch die letzten Spuren des kräftigen -Mittelalters, des Geistes der Liebe, des Wunderglaubens und der -Heldenthaten wie in einer neuen Herbstblüte zwar schwach aber doch -erquicklich, da standen.“[342] Es finden sich vorzüglich in den -„Historien“ Motive, die für Tieck anregend wirken konnten. Da begegnen -uns die Gesandtschaft, die Beobachtung der Naturstimmung vor der -Schlacht, das wechselnde Kriegsglück, der Zweikampf, der Aufruhr im -eigenen Lande, während das Heer im Felde steht, Stadtbelagerung, -nächtlicher Überfall, nächtliches Lagerbild, Verwirrung und Bedrängnis -im nächtlichen Kampfe, der sterbende Krieger. Es lässt sich ja nicht -leugnen, dass solche Motive in den Schlachtschilderungen fast aller -Zeiten wiederkehren. Wenn wir aber bemerken, dass Tieck mit manchen -anderen Zügen sich ziemlich enge an Shakespeare anlehnt, so liegt es -nahe, auch hier gerade an die Vorbildlichkeit Shakespeares zu glauben. - -Wie der kämpfende Abdorrhaman an Macbeth in der Schlacht gemahnt, wurde -schon in anderem Zusammenhange gezeigt. - -Die Gesandten entwickeln bei Shakespeare mitunter in ihren Forderungen -dieselbe naive Unverfrorenheit wie Tiecks saracenische Botschafter. Sie -benehmen sich, als ob sich der Gegner schon lange ohne Schwertstreich -auf Gnade und Ungnade ergeben hätte.[343] In „Heinrich V.“ fordert -Exeter schlankweg Übergabe, sonst gebe es blutigen Kampf. Die Franzosen -möchten doch selbst ihre Leute schonen.[344] Gerade so redet Derar -vor Karl Martell und nicht weniger verächtlich spricht Albanakt im -„Locrine“ von seinen Gegnern. (Hornvilla im „Octavian“.) -- Der -Schlachtplan, den Malcolm entwirft,[345] ist im wesentlichen derselbe -wie jener, den der saracenische Kriegsrath bei Tieck zustande bringt. --- Wenn Otho, auf dem Schlachtfelde sterbend, über das Kriegerleben, -sein Aufblühen und Hinschwinden meditiert, so hören wir auch den -sterbenden Warwick[346] seine ähnlichen Betrachtungen über die -Vergänglichkeit der irdischen Herrlichkeit halten. -- Shakespeare, -der „seine Göttin“ Natur nie vergessen mag, lauscht sogar auf dem -Schlachtfelde dem Tone ihrer Stimmung. - - ~König Heinrich~: - - „Wie blutig über jenen busch’gen Hügel - Die Sonne blickt hervor! Der Tag sieht bleich - Ob ihrem kranken Schein.“ - - ~Prinz Heinrich~: - - „Der Wind aus Süden - Thut, was sie vorhat, als Trompeter kund, - Und sagt, durch hohles Pfeifen in den Blättern, - Uns Sturm vorher und einen rauhen Tag.“ - - ~König Heinrich~: - - „So stimm’ er denn in der Verlierer Sinn, - Denn nichts scheint denen trübe, die gewinnen.“[347] - -So fühlt sich auch Karl Martell von der Morgenstimmung vor der Schlacht -ernst ergriffen. - - ~Karl Martell~: - - „Mit Purpur angethan zeucht Morgenröte - Herauf und schreitet durch das Himmelblau, - Es flammt die Glorie der frühen Röte - Herab und spielet auf die grüne Au, - Der Tod schaut nieder, welchen er ertöte, - Weiß jener nur, jenseit des Himmelsblau.“ - -Der ernsten Betrachtung contrastiert auch Tieck die zuversichtliche -Empfindung des Jünglings Aquitanien: - - „Seht, fröhlich hat der Tag sich angethan, - Er glänzt daher im festlichen Gewand...“[348] - -Einen Schritt weiter als dieses poetische Einfühlen in die Natur -geht die astrologische oder die gewöhnliche abergläubische Deutung -ungewöhnlicher Naturvorgänge, wie sie Tieck in der Unterredung -zwischen Golo und Wolf verwertet.[349] Der uralte Volksglaube, dass -ungewöhnliche Himmelserscheinungen und seltene atmosphärische Vorgänge -Begleiterscheinungen ungewöhnlicher Vorgänge auf Erden seien, wird von -Shakespeare nicht selten in wirkungsvoller Weise für ein Stimmungsbild -ausgenützt oder in ein solches verwoben. Außerdem liegt für den Leser -und Zuschauer in solchen Vorgängen eine ahnungweckende Vordeutung -über künftige Ereignisse. In „Richard III.“[350] will ein Hauptmann -aus verschiedenen düsteren Zeichen (darunter: „der blasse Mond -scheint blutig auf die Erde“) auf den Tod des Königs schließen.[351] -Im „Hamlet“[352] spricht Horatio von den unheimlichen Zeichen am -Himmel und auf der Erde, die Cäsars Tod verkündeten „als Boten, die -dem Schicksal stets vorangehn und Vorspiel der Entscheidung, die -sich naht“. Ein andermal steht dem zeichengläubigen alten Gloster -der junge Edmund gegenüber, der mit rationalistischer Skepsis den -Glauben an diese Vorzeichen als „ausbündige Narrheit“ erklärt.[353] -Von Shakespeare übernahm diese Mittel der unheimlichen Stimmung und -Vorahnung Goethe in den „Götz“.[354] Bei Maler Müller erscheint mit -einer neuen Nuance die verwandte Vorstellung, dass durch solche -Zeichen verborgene Blutschuld offenbar wurde. Doch Golo fürchtet sich -nicht davor. „Ich lache zu allem! Wenn auch gleich Sonnenfinsternis -würde, Sterne blutig über mein Haupt herabwinkten und durch eine -angedeutete Zuchtrute der Himmel mich bedräuen ließe: was liegt mir -daran?“ Tieck hatte schon vor seiner „Genoveva“ gerne das unheimliche, -unbestimmte Grauen vor Natur- und Schicksalsmächten in seine Dichtungen -hereingebracht. („William Lovell“, „Blaubart“, „Der blonde Eckbert“, -„Sternbald“, „Tannenhäuser“ und „Runenberg“.) Der eigenthümliche -Zug seiner Phantasie musste durch die literarischen Vorbilder -nur gesteigert werden. Diese sowie die eigentlich astrologischen -Vorstellungen wurden auch noch durch Jakob Böhme und Schillers -„Wallenstein“, den Tieck gewiss auf dem Berliner Theater gesehen hat, -genährt. Aus dieser düster dämmernden Sphäre stammt die Scene mit -dem alten Wolf und Golo. Welches von den verschiedenen Vorbildern -den ersten Anstoß gab, wage ich nicht zu entscheiden, weil sich bei -Tieck verschiedene Anschauungen kreuzen. Das Meer von Blut um den Mond -erinnert an den blutig scheinenden Mond in „Richard III“. Daneben wird -die unheimliche Erscheinung am Himmel von Wolf als Vordeutung über -den Ausgang der Saracenenschlacht erklärt („Hamlet“, „Julius Cäsar“, -„Locrine“), und wie Edmund Gloster seinem gläubigen Vater gegenüber, -weist auch Golo eine solche Deutung zurück, nicht mit gleicher Schärfe, -sondern mit dem milderen Hinweis auf die astrologischen Betrüger und -auf den Widerstreit mit Vernunft und Religion. (Ungläubig verhält -sich Golo hier und bei Müller solchen Warnungszeichen gegenüber.) -Das an sich nebensächliche Motiv wird dadurch lehrreich, dass man -sieht wie innerlich verschieden nuancierte und äußerlich ziemlich -weit auseinanderliegende Vorstellungen in Tiecks Phantasie zu einem -neuen Gebilde zusammenwachsen. Es wäre also hier ein ähnliches -Vereinigen verschiedener Splitterchen zu einem neuen Mosaik, wie -in den Schlachtscenen zu beobachten. Bezeichnend ist es wieder für -den Romantiker, dass er Gelegenheit sucht, gerade jene Elemente des -Aberglaubens, die einen dunklen Gemüthsschauer erwecken, in der -Dichtung zu verwerten. A.W. Schlegel steht, wie wir hörten, für das -Poetische der Astrologie ein und auch Jean Paul widmet bei Besprechung -des Romantischen in seiner „Vorschule der Ästhetik“ der „Poesie des -Aberglaubens“ einen eigenen Paragraphen. - -Auch das mystisch-sinnige Motiv alter Volkslieder, dass aus dem Grabe -der Geliebten Blumen aufsprießen, wird wahrscheinlich aus Shakespeare -und den Volksliedern zu Müller,[355] aus Müller und Shakespeare -zu Tieck gewandert sein. Am nächsten verwandt sind Golos Worte am -vermeintlichen Grabe Genovevas[356] mit jenen des Laertes an Opheliens -Grabe.[357] - -Schwerer als inhaltliche Übereinstimmungen lassen sich formelle und -stilistische Anlehnungen an ein Vorbild sicher feststellen. Allein -manche sprachliche Eigenthümlichkeiten der „Genoveva“ weisen ziemlich -fühlbar auf das Muster des großen Briten zurück. Dass Tieck im Wechsel -von Vers und Prosa den Wegen Shakespeares folgt, hat schon Minor -betont. Dazu käme noch der Wechsel gereimter und reimloser fünfhebiger -Verse und die Verwendung von Strophen des Schemas _~ab ab cc~_, -die sich z. B. in „Romeo und Julia“ finden. Der Gesang der erscheinenden -Engel in der Wüste erinnert mit seinen ei-Reimen an jenen Spruch, den -sich im „Kaufmann von Venedig“ der Prinz von Marokko aus dem Kästchen -holt.[358] Allerdings nur in Schlegels Übersetzung stehen die ei-Reime, -nicht im englischen Text. Wir dürfen eben nicht vergessen, dass neben -dem englischen Original auch Schlegels Shakespeare-Übersetzung auf -Tieck großen Eindruck machte und Einfluss gewann. Er sagt uns selbst, -mit welchem Interesse er Schlegels Arbeit aufnahm, und zwar gerade in -den zwei Jahren, die dem Entstehen der „Genoveva“ vorausgehen.[359] --- Das Spielen mit dem eigenen Namen oder das Drehen und Wenden der -Worte nach verschiedenen Seiten ihrer Bedeutung, das sich Shakespeare -nicht selten gestattet, ahmt Tieck nach. In den seltsamen Worten Wolfs: -„Wie rollt dir denn die Zung’ im Kopf so wild“ ist man im ersten -Augenblick geneigt, einen Druckfehler zu verbessern und statt „die -Zung’“, „das Aug’“ einzusetzen und doch wäre es gegen Tiecks Absicht, -der sich durch den Shakespeare’schen Vers:[360] „die Zunge, die so -wild im Kopf dir wirbelt“ zu der wunderlichen Wendung bestimmen ließ. -Das „Morgenröte regnen“ in der „Genoveva“ fällt weniger auf, wenn man -sich an Shakespeares „Rache regnen“,[361] „Freude regnen“,[362] „Düfte -regnen“[363] erinnert. Die beliebte Benennung des Fürsten mit dem Namen -seines Landes, z. B. „tapferer Österreich“,[364] treffen wir bei Tieck -(„Tapf’rer Aquitanien“) so gut, wie in Schlegels „Shakespeare“. - -Hätten sich Tiecks einstige Gegner die Mühe genommen, diese -verschiedenen größeren und kleineren Stückchen aus Shakespeare zu -sammeln, so hätten sie mit einigem bösen Willen auch hier Plagiator! -rufen können. Aber auch hier wie bei den Entlehnungen aus Müller -mit geringem Rechte. Wir sahen auch hier in den verschiedensten -Fällen, wie die fremden Bestandtheile den Geist der Romantik oder die -poetische Neigung Tiecks entweder verwandt ansprachen oder für ihre -neue Bestimmung umgebildet wurden. Das maßgebendste Vorbild für die -„Genoveva“, und zwar in formeller Richtung, war entschieden „Perikles“, -der so merkwürdig dem Wunsche nach einer alle Gattungen verschmelzenden -Universalpoesie entgegenzukommen schien. Weil dies die bedeutendste von -Shakespeare ausgehende Anregung war, so spricht Tieck Solger gegenüber -auch nur von dieser. Was Tieck sonst aus Shakespeare herübernahm, -waren nur einzelne Charakterzüge, einzelne Linien für einen und den -anderen Scenengrundriss, einzelne Gedanken und Stimmungselemente, die -sich organisch in das neue Werk hineinverschmelzen ließen und so zum -Eigenthum des von Shakespeare abhängigen Dichters wurden. Sie reichen -auch alle mitsammen nicht hin, die Gesammtauffassung und das „Klima“ -der romantischen Dichtung, die Tieck selbst als das Wertvollste -daran erschien, irgendwie wesentlich zu bestimmen, während Müllers -Auffassung des Golo und die Einkleidung in ritterliches Costüm immerhin -bedeutender auf Tieck wirkten. Darum ist es auch kein schwerer Frevel, -wenn er gar nicht weiter vom Verhältnis seiner Dichtung zu Shakespeare -spricht. Dass der Dichter aber im „Vorberichte“ zu seinen Schriften -von Shakespeares Einfluss überhaupt schweigt, während er ihn Iffland -und Solger gegenüber stark betont, bleibt einigermaßen seltsam. War es -nur Flüchtigkeit, wie in anderen Fällen auch? War es doch Berechnung? -Tieck vertheidigt sich eben im nämlichen „Vorberichte“ gegen den -Vorwurf des Plagiates an Müller. Da mochte er vielleicht dunkel oder -deutlich fühlen, dass jedes vermeidbare Zugeständnis von Abhängigkeit -irgendwelcher Art am besten vermieden werde; denn es konnte für -missgünstige Kritiker vom Schlage Merkels eine Gelegenheit zu neuen -Angriffen bieten. Freilich wäre dies nur eine halbkluge Maßregel für -den Augenblick gewesen, weil Tieck dabei an seinen Brief an Solger -nicht dachte, der schon zehn Jahre zuvor veröffentlicht worden war. -Allein wie immer, ob Berechnung, ob Flüchtigkeit: Tieck hätte das -offene Eingeständnis in den Augen einsichtiger Beurtheiler so wenig -geschadet, als in den Augen seines Freundes Solger. Des Dichters -verschiedene Äußerungen ergänzen sich und geben, zusammengenommen, -den vollständigen Sachverhalt wieder. Sie sprechen kurz und gedrängt -das Endergebnis dieser Untersuchungen aus und bestätigen das Resultat -derselben. - - -3. Tieck und Calderon. - -Neben dem größten englischen half auch der berühmteste spanische -Dramatiker ein wenig an Tiecks „Genoveva“ mitschaffen, und noch bevor -A.W. Schlegel Shakespeare und Calderon als die größten Vertreter der -romantischen Dramatik proclamierte, hatte sie Tieck durch seine Praxis -nebeneinander gestellt und ihnen gemeinsam gehuldigt, indem er von -beiden für sein romantisches Trauerspiel zu lernen strebte. Tieck thut -es mit vollem Bewusstsein, wie es seine Äußerung gegen Iffland genugsam -bezeugt. - -Wie mit den Engländern, so beschäftigte sich Tieck auch schon -frühzeitig mit den Spaniern und er gibt darüber in den „Vorberichten“ -Auskunft.[365] In Göttingen begann er 1793 seine spanischen -Studien. Mit größerer Energie nahm er sie 1797 wieder auf, dem -Wunsche A.W. Schlegels nach einer Übersetzung des „Don Quixote“ und -einer buchhändlerischen Aufforderung dazu folgend. Auf Cervantes -concentrierte sich das Hauptinteresse. Wie nun Tieck Shakespeare -erst durch die Betrachtung seiner Stellung unter den Zeitgenossen, -Vorläufern und Nachfolgern recht kennen lernen wollte, ebenso suchte -er auch Cervantes in seiner literar-historischen Umgebung zu fassen -und dies führte ihn zu den spanischen Dramatikern und Lyrikern. Wie -wohl sich Tieck nach jenen Aussagen, die wir kennen lernten, bereits -mit Leib und Seele Shakespeare verschrieben hatte, so erlaubte er -sich doch, nach Entdeckung der Spanier, diese Götter neben jenem -zu haben; denn er war, wie die Romantiker alle, nicht engherzig, -er nahm das Poetische überall gerne auf, mochte es aus dieser oder -jener Himmelsgegend stammen, in dieser oder jener Gestalt und -Einkleidung ihm begegnen. Tieck war „von der reichen Aussicht in -diese Poesie hinein entzückt“, er schwelgt im Reichthum, der ihm in -den „entzückenden Träumen des Calderon und den wundersamen Bildern -der spanischen Poeten“ entgegentritt.[366] Calderon wurde, wie schon -bemerkt, auch ein wichtiges „Incitament“ jener religiösen Strömung -unter den Romantikern, die Tiecks ganze Seele ergriff und mit sich -fortriss; denn in Calderon vereinigten sich eine bedeutende poetische -Energie und gläubige Frömmigkeit in seltenem Grade. Was A.W. Schlegel -in seinen späteren „Vorlesungen“[367] aussprach, mochte auch Tieck, -von dem die Calderonverehrung erst auf seinen Freund August Wilhelm -übergieng, mehr oder weniger deutlich schon empfunden haben. „Sein -(Calderons) Gemüth aber spricht sich am meisten in der Behandlung der -religiösen Gegenstände aus. Die Liebe schildert er nur mit allgemeinen -Zügen, er redet ihre dichterische Kunstsprache. Die Religion ist seine -eigentliche Liebe, das Herz seines Herzens.“[368] - -Unter demjenigen, was Tieck für seine „Genoveva“ aus der Kenntnis -der Spanier gewann, nennt er an erster Stelle die ihm „neue Art“, -künstliche Versmaße in das Drama einzuführen.[369] Tieck und seine -Genossen hatten ein unendlich feines und empfängliches Ohr für das -Künstlerische und Musikalische in Sprache, Vers und Reim. In den -prächtigen, klangvollen, südländischen Formen mit dem reichen Reimspiel -fanden sie ein willkommenes Instrument, um damit ihre ahnungsvollen -Gemüthsstimmungen in allen Tonarten erklingen zu machen. Aus den -Briefen der Jenaer Zeit ersieht man, wie sie sich vor Freude über die -neuentdeckten romanischen Formen kaum zu fassen vermögen und wie diese -bald zu den romantischen Formen κατ’ ἐξοχήν werden. - -In Tiecks „Zerbino“ treten die südlichen Formen noch schüchtern auf, -in der „Genoveva“ ziemlich reichlich, im „Octavian“ überwuchern sie -die Dichtung in endloser, üppiger Fülle. Den metrischen Grundton -im spanischen Drama bestimmt die alte nationale Romanze mit ihrer -durchgehenden Assonanz. Im „Octavian“ macht Tieck in der That von -dieser Form ausgiebigen Gebrauch, in der „Genoveva“ findet sich die -eigentliche Romanze mit Assonanz noch nicht, wohl aber die aus den -vierhebigen, auftaktlosen Romanzenversen gebildete Strophe mit den -Reimen _~abba~_, die Redondille. Diese Strophe ist bei Lope die -gewöhnliche Form für den dramatischen Dialog und auch bei Calderon -begegnet sie uns nicht selten, besonders in reflectierenden und -zärtlichen Partien sowie in Antithesenspielen.[370] Diese nämliche -Form sehen wir in der Balkonscene der „Genoveva“ verwendet. In Zulmas -Gesängen und Gebeten verbindet Tieck zwei- und dreihebige Verse -nach dem Schema der Redondille. Diese Strophe ist überhaupt eine -Lieblingsstrophe Tiecks, die er schon in den Liedern des „Sternbald“, -der „Magelone“ und später noch unzähligemale gebraucht. - -Von den Spaniern wurden die ottave rime aus Italien importiert und -vielfach im Drama verwendet. In pomphaften, getragenen Erzählungen, -in würdevoller Rede,[371] in monologischen Beschreibungen und -Betrachtungen,[372] im feierlichen Gebete[373] liebt sie Calderon. In -ähnlichem Sinne gebraucht sie manchmal Tieck in seiner „Genoveva“. -Vision, Gebet und feierliche Rede sehen wir auch hier im weihe- und -würdevollen Gange der Octave einherschreiten. Die ganze Beschaffenheit -der deutschen Stanze macht sie ja für solchen Inhalt besonders -geeignet. Dass aber Tieck keineswegs überall gerade für einen gewissen -Inhalt eine bestimmte Form nach Calderons Muster wählt, zeigt ein Blick -auf die Erzählung des heil. Bonifacius. Bei Calderon würde dieser -Abschnitt immer in Romanzenform erscheinen. Auch noch der Unterschied -besteht zwischen Tieck und Calderon, dass letzterer weit ökonomischer -vorgeht und die Stanze selten öfter als einmal im nämlichen Drama -einführt, während sie Tieck an vielen Stellen bringt. Wo Calderon -sie aber verwendet, da wird dann meist die ganze Scene, Monolog wie -Dialog, in Stanzen durchgeführt.[374] Solche Stanzendialoge mochten den -Formkünstler Tieck zur Nachahmung reizen. Dieses für einen deutschen -Poeten sicher höchst schwierige Kunststück scheut denn auch Tieck -durchaus nicht; auch er kleidet ganze Dialoge in Stanzen, er will als -Formvirtuose hinter seinem spanischen Meister nicht zurückbleiben. - -Wie Tieck in der Verwendung der entlehnten Maße gewöhnlich seine -eigenen Wege geht, bestätigen ferner die Sonette in der „Genoveva“. -Sonette im Drama sind wieder eine Besonderheit der Spanier. Bei -Calderon finden sie sich hin und wieder, aber nicht allzuhäufig.[375] -Es wird z. B. ein heißer Erguss religiöser Andacht in Sonettform -gebracht („Die Jungfrau des Heiligthums“), es werden lyrisch-didaktisch -die Erdenfreuden den schnell welkenden Blumen und das flüchtige Glück -den schnell verlöschenden Sternen verglichen („Der standhafte Prinz“). -Diese letztere Verwendung berührt sich noch am nächsten mit einigen -Sonetten Tiecks. Aber es ist dabei zu erwägen, dass das Sonett mit -lyrisch-didaktischem Inhalt gerade um 1800 für die Romantiker eine -Mode ist, wie etwa das Distichon für Goethe und Schiller. Ob an -dieser Verwendung der italienischen Form in der „Genoveva“ Calderon -einen besonderen Antheil hat, scheint mir daher schwer erweisbar. -Calderonisch ist es nur, dass Sonette überhaupt in das Drama -hereingebracht werden. Wie bei Verwendung der Octaven geht Tieck auch -hier über die sparsame Art Calderons hinaus und zerfasert das Sonett -gelegentlich im Dialoge. - -Endlich lernt Tieck noch von den Spaniern, die Terzine für sein Drama -nutzbar zu machen, eine Strophe, die Lope oft für den getragenen -und ernsten Dialog verwendet,[376] die aber seltener bei Calderon -erscheint.[377] Tieck führt sie zweimal in die „Genoveva“ ein, in der -Prophezeiung des „Unbekannten“ und im Dialoge zwischen Siegfried und -Othos Geist. - -Hatte Tieck von Shakespeare den Wechsel zwischen Prosa und -fünfhebigem Jambus sich angeeignet, so wird die formelle Ausstattung -seiner Dichtung durch das Hereinnehmen der italienisch-spanischen -Strophenformen noch um vieles bunter und reicher; es wird dadurch seine -Poesie noch um eine Stufe höher über die gewöhnliche Prosa oder über -die gleichmäßige metrische Form emporgehoben. - -Neben den spanischen Maßen führt Tieck die „lyrischen Ergüsse“ an, zu -deren Einführung in sein Drama ihn die spanischen Vorbilder bewogen -hätten.[378] Man denkt da zu allererst an die Lyrik der Balkonscene -und Zulmas, die auch durch die metrische Form auf spanische Muster -hinweist. Es lässt sich aber hier für die Vergleichung mit bestimmten -Vorbildern kein sicherer Boden gewinnen. Wohl nimmt das lyrische -Element in Calderons Dramen einen breiten Raum ein. Stücke, wie „die -Andacht zum Kreuz“, „Die Brücke von Mantible“, „Der Schultheiß von -Zalamea“ u. a. sind reich an lyrischen Partien im Dialoge. Aber an -solchen lyrischen Stellen ist eigentlich auch bei Shakespeare kein -Mangel. Man denke nur an „Romeo und Julia“, „Kaufmann von Venedig“, -an den vierten Act des „Wintermärchens“. Es scheint, dass Tieck mit -dem unbestimmten Ausdruck „lyrische Ergüsse“ nach spanischem Muster -auch hier nichts anderes meint, als lyrische Ergüsse in südländischen -Strophenformen. In der Einleitung zu Lenz wenigstens heißt es:[379] -„Welche lyrische Ausbrüche der Leidenschaft, der Liebe, der Andacht -in seinen (Calderons) Romanzen und canzonenartigen Versen. Welche -Malerei, welches Feuer der Erzählung in eben diesen Lyren, Romanzen und -Ottaven. Kein Schauspiel, fast kein Act ist ohne solche Prachtstücke, -diese gehören recht eigentlich zum Wesen des spanischen Dramas, nur -freilich sind sie eben auch mitunter nur kalte, hie und da schwülstige -Prachtstücke, die sich zuweilen mit Bewusstsein, doch ein anderesmal, -wohl auch ohne Absicht, selbst parodieren.“ Der letztere Satz ist -auf Rechnung des kühleren Verhältnisses zu schreiben, das der ältere -Tieck zu den Spaniern einnimmt. Das Vorhergehende gibt uns aber eine -Andeutung, welche lyrischen Ergüsse in der „Genoveva“ Tieck etwa auf -spanische Anregungen zurückführen mochte. - -Deutlicher spürt man Calderons Vorbildlichkeit wieder in der -Einführung der allegorischen Gestalt des Todes. Tieck war nämlich -von Haus aus ein Feind der Allegorie in der Dichtung. Er schreibt -z. B. an Wackenroder:[380] „Mir scheint, als ob die ausgeführte -Allegorie mehr in den zeichnenden und bildenden Künsten als in der -Dichtkunst an ihrer Stelle wäre.“ Er spricht ein andermal der Allegorie -jede täuschende Kraft ab.[381] Anders wurde es, als Tieck mit den -Gedanken Friedrich Schlegels Bekanntschaft machte (1797), der die -Allegorie für jede poetische Darstellung verlangt. Schlegel meint -aber unter der Allegorie nur ungefähr das, was wir heute symbolisch -nennen. Jedes wahre Dichtwerk muss hinter der sichtbaren Welt, die -es veranschaulicht, eine unsichtbare, geistige, höhere Welt, in der -Einzelerscheinung das All und Eins ahnen lassen. In dieser Auffassung -vertritt auch Tieck nunmehr die Allegorie im „Sternbald“ und in den -„Phantasien“. An der Hand Calderons endlich thut er den letzten Schritt -zur eigentlichen Allegorie. „Vom Calderon für die allegorische Poesie -begeistert,“[382] versuchte er im „Octavian“ seine Ansicht von der -romantischen Poesie allegorisch, lyrisch und dramatisch niederzulegen. -Mit der Einführung einer bunten allegorischen Gesellschaft in dieses -Stück thut nun Tieck gerade das, was er vor wenigen Jahren noch als ein -„Unding“ von sich wies. Diese Bekehrung zur Allegorie hatte Calderon -zustande gebracht. Auch in den „Briefen über Shakespeare“, die in den -letzten neunziger Jahren entstanden, spricht Tieck günstig von der -Allegorie und wird diese überhaupt nimmer los,[383] obschon er später -gegen Calderon selbst wieder kühler wird.[384] In der „Genoveva“ -sehen wir im Auftreten des Todes nur erst ein ganz kleines Vorspiel -des überschwänglichen Allegorisierens, das sich bald im „Octavian“ -breit machen und „ins Blaue verschwimmen“ sollte. Dass hier gerade -der spanische Einfluss dahinter steckt, darüber kann man nach dem -Vorausgehenden kaum zweifelhaft sein. - -Mit den metrischen Formen, den „lyrischen Ergüssen“ und der Allegorie -ist aber auch der spanische Einfluss, der sich in der „Genoveva“ -sicher als solcher erkennen lässt, erschöpft. Andere Calderon’sche -Nachklänge lassen sich höchstens nur vermuthen. Das Hereingreifen -des Übersinnlichen in die irdische Welt und in die Geschicke des -Menschen, Wunder und Visionen, fallen dem protestantischen Nordländer -in Calderons Poesien immer ganz besonders auf.[385] Als Tieck in den -letzten neunziger Jahren Calderon eifrig las, hatte sich eben in seinem -Gemüthe auch sonst schon jene Reaction gegen den kalten, flachen, -phantasie- und gemüthscheuen Rationalismus energisch geltend gemacht. -Die extremsten Gegensätze des Aufklärerthums waren ihm die liebsten. -Seine Neigung zum Wunderbaren und Geheimnisvollen hätte außer Jakob -Böhmes Theosophie kaum eine erwünschtere Lectüre finden können, als -die spanischen Dramen, in denen Glaube und Wunder im Glanze einer -prächtigen Poesie verklärt erscheinen. Ein Versenken in diese Poesie -war daher so gut wie das Genoveva-Büchlein, Schleiermachers „Reden“ -oder Böhmes „Morgenröthe“ im höchsten Grade dazu angethan, Tiecks -religiöse Stimmungen und seine poetische Vorliebe für katholische -Kunst und Poesie zum Enthusiasmus zu steigern.[386] Liest man ein -wenig in den Dramen Calderons, die Tieck sicher kannte, bevor er die -„Genoveva“ schrieb, so stößt man bald dort, bald da auf ein Motiv, bei -dem man sich sagt: das könnte in der „Genoveva“ nachgewirkt haben. -Der „standhafte Prinz“ z. B. ersteht vom Tode und vollendet, was er -im Leben nicht mehr vollbringen konnte: Othos Geist thut wenigstens -zum Theile dasselbe. Calderons „Jungfrau des Heiligthums“ ist eine -dramatisierte Legende, die vom Anfang bis zum Ende mit Wundern und -Visionen reich durchwoben ist. Man ist fast zur Annahme genöthigt, -dass Tieck dieses Stück kannte, wenn auch keine positive Nachricht -darüber vorliegt. Denn im zweiten Acte desselben wird die Begebenheit -erzählt, auf die Siegfrieds Worte:[387] „So ist Hispania durch ein Weib -verdorben, die schuld war, dass die Mohren sind gekommen...“ anspielen. -Der Saracenenkrieg wird dort auch als Strafe Gottes betrachtet, wie -von Karl Martell.[388] Dem Saracenenfeldherrn Tarif folgt Luna, seine -Braut, in den Krieg, wie Zulma ihrem Geliebten.[389] Weiter heißt es -einmal in der Erzählung des Mohren Selim: - - „Heute, da dein Schwur gebrochen, - Kann man sagen, treuer hielten - Damals ja ihr Wort die Mohren, - Als die Christen jetzt; denn Alles - Hielten sie, was sie versprochen, - Und du hieltest nichts von Allem.“ - -Ist es die Erinnerung an diese Worte, welche Tiecks Karl Martell -veranlasst, die sonst ganz unmotivierte Äußerung zu thun, das Recht -der Gesandten sei den Heiden heiliger als den Christen? Kannte Tieck -dieses Stück Calderons, so fand er hier auch Vorbilder für die -Schilderung seiner Visionen. Jedoch allzuviel Gewicht soll auf diesen -letzteren Punkt nicht gelegt werden. Wenngleich die Visionen bei beiden -Dichtern ähnlich dargestellt werden, so kann daraus noch nicht auf eine -besondere Abhängigkeit geschlossen werden, da Dichter und Maler oft und -oft Visionen mit ähnlichen Zügen ausstatten, die wir in der „Genoveva“ -finden, und Tieck und Wackenroder standen vor manchem Gemälde, das -eine himmlische Vision, eine Madonna in Licht und Glorie, von Engeln -umgeben, vorführt. -- Auf eine Kleinigkeit mag noch hingewiesen werden. -Wenn Tieck die „Andacht zum Kreuz“ las, so musste ihm auffallen, dass -hier zu verschiedenenmalen mit so großem Nachdruck auf die Wichtigkeit -der Beichte vor dem Tode hingewiesen wird und durch ein Wunder wird -Eusebios letzter Wunsch nach der Beichte erfüllt. Es ist nicht -unwahrscheinlich, dass Tieck so durch Calderon auf jene sonderbare -Unterredung Othos mit Siegfried über das Thema, ob der gefallene -Krieger wohl ohne „Sacrament und Ölung“ selig werden könne, gekommen -ist. - -Ob Tieck noch ein paar solche kleine Züge mehr oder weniger von -Calderon nahm, macht keinen großen Unterschied. Die bemerkenswerteste -Neuerung, die Tieck, von den Spaniern geleitet, unternahm, ist -entschieden die Einführung der verschiedenen südländischen -Strophenformen in sein Drama. Tieck entlehnt die Formen, behält sich -aber über die Verwendung derselben im einzelnen Falle meist seine -eigene Entscheidung vor. Die Allegorie tritt in der „Genoveva“ nur -im bescheidensten Maße auf. Höher anzuschlagen ist jedenfalls der -mächtige Gesammteindruck dieser eigenartigen, von den Ideen der Ehre, -Liebe und Religion beherrschten spanischen Poesie auf Tieck sowie der -musikalischen Formenfülle und großen Künstlichkeit, die trotz aller -Mannigfaltigkeit und Buntheit in diesen Dichtungen herrscht.[390] -Dieser Eindruck lässt sich aber nicht wägen und nicht deutlich fassen. -Er kann nur aus Tiecks eigenen Worten, die seine hohe Freude an dieser -Poesie ausdrücken, erschlossen werden und eine Bestätigung ist noch -Köpkes Bericht:[391] „Diese Gedichte passten ganz zu den religiösen -Bewegungen, welche den Dichter mehr als je ergriffen hatten.“ Trotz -aller Schwärmerei für Calderon gelang es Tieck aber nicht, von diesem -Meister das Geheimnis zu erlauschen, wie der religiöse Dichter einen -wirklich religiösen Charakter, etwa einen tiefgläubigen „standhaften -Prinzen“, überzeugend schildert. Vielleicht war dies niemals Tiecks -Absicht und vielleicht ist Tiecks poetische Art gar nicht auf strenge -und klare Charakterzeichnung gerichtet. Beachtung verdient Tiecks -Anlehnung an die Spanier schon deshalb, weil gerade er wieder mit -seinem Beispiele in unserer Literatur vorangeht, wo es gilt, eine -Periode spanischen Einflusses auf unser deutsches Drama einzuleiten, -eines Einflusses, der unserer dramatischen Dichtung nicht durchwegs zum -Heile gereichen sollte. - - -4. Tieck und Jakob Böhme. - -In der Maurer’schen Buchhandlung in Berlin fand Tieck (um 1798) das -alte Büchlein eines Mannes, der den Aufklärern als ein Urbild alberner -Schwärmerei, als der Inbegriff von Abgeschmacktheit, Barbarei und -Aberwitz erschien. Das Büchlein war Jakob Böhmes „Morgenröthe“. Tieck -hatte noch nichts von dem merkwürdigen Manne gesehen und glaubte -(diesmal dem allgemeinen Urtheile der Welt folgend) einen neuen -Gegenstand für seinen übermüthigen Witz gefunden zu haben. Beim Lesen -aber begegnete ihm das Seltsame, dass der philosophische Schuster von -Görlitz den übelgesinnten Leser derart überraschte und gefangen nahm, -dass dieser nimmer von ihm loskommen konnte und bald aus einem Spötter -ein eifriger Bewunderer der geheimen Offenbarungen J. Böhmes wurde. Zu -den übrigen religiösen Antrieben, die auf Tieck wirkten, gesellte sich -nun noch dieses unscheinbare alte Büchlein, in dem Tieck am wenigsten -eine so siegreiche Macht vermuthet hätte.[392] - -Nach Köpkes Erzählung scheint es, als ob Tiecks geistiges Wesen -bereits vor der Abfassung von „Genoveva“ und „Octavian“ ganz und gar -in der Mystik Böhmes aufgegangen sei, und auch Haym[393] spricht von -Tiecks Böhmestudium vor der Entstehung der „Genoveva“ so, dass man -weit mehr von dem mystischen Geiste des „philosophus teutonicus“ in -dieser romantischen Dichtung suchen möchte, als sich darin thatsächlich -findet. Die Sache klärt sich einigermaßen auf, wenn man die Briefe an -Solger, in welchen Tieck sein Verhältnis zur Mystik selbst darlegt, -zurathe zieht. Etwa um 1798 muss Tieck die „Morgenröthe“ aufgefunden -haben. Über den Eindruck schreibt er später an Solger:[394] „Weil ich -keinen dialogischen Philosophen bis dahin gefunden hatte, und mich -die verschiedenen Systeme nicht befriedigten, besonders allen meinen -Instinct zur Religion verletzten, so glaubte ich oft gar nicht für -Speculation Sinn zu haben: meine Liebe zur Poesie, zum Sonderbaren -und Alten führte mich anfangs fast mit frevlem Leichtsinn zu den -Mystikern, vorzüglich zu J. Böhme, der sich binnen kurzem aller meiner -Lebenskräfte bemächtigte: der Zauber dieses wundersamsten Tiefsinns -und dieser lebendigsten Poesie beherrschte mich nach zwei Jahren -so, dass ich von hier aus nur das Christenthum verstehen wollte, -das lebendigste Wort im Abbild der ringenden und sich verklärenden -Naturkräfte...“ Von hier aus betrachtete Tieck Fichte und Schelling, -mit unheimlicher Leidenschaft überließ er sich seinem Triebe zur -Mystik, leidenschaftliche Zustände und unerwartete Erfahrungen, über -die er uns nichts weiter verräth, gesellten sich dazu, sein ganzer -Geist ward so verschattet und verdunkelt, dass ihm die Lust zur Poesie -und an Bildern als etwas Verwerfliches, Verfehltes erschien; „... so -gab es nun viele Stunden, wo ich mich in die Abgeschiedenheit eines -Klosters wünschte, um ganz meinem Böhme und Tauler und den Wundern -meines Gemüths leben zu können. Dies hatte sich schon im Zerbino -leicht poetisch, in der Genoveva dunkler und im Octavian verwirrter -geregt. Meine Productionskraft, mein poetisches Talent schien mir auf -immer zerbrochen. Ich kämpfte schmerzhaft, da sich mir die heitere -Welt und mein Gemüth so mit Finsternis bedeckte, die mir anfangs im -helleren Glanze geschienen hatten.“ Diese Selbstschilderung lässt -einen Einblick thun in den merkwürdigen Aufruhr, den Jakob Böhme -(mit diesem beschäftigt sich Tieck zuerst und am eifrigsten) in der -Seele des Dichters allmählich heraufbeschwor. Nach und nach geräth -sein Geist immer mehr in die mystischen Dinge hinein. Das allmähliche -Hereinbrechen der Dunkelheit im Gemüthe des Dichters tritt aus dessen -Erzählung nicht ganz scharf hervor, muss aber doch erschlossen werden. -Erstlich bemächtigen sich die Mystiker und Jakob Böhme „binnen kurzem“ -aller Lebenskräfte Tiecks und ein paar Zeilen danach dauert es -wieder zwei Jahre, bis er so von Böhme beherrscht wird, dass er das -Christenthum nur von Böhme aus verstehen wollte. Die erste Wendung -darf darum nicht allzu wörtlich genommen und nur als ein sehr reges -und lebendiges Interesse am neuentdeckten Mystiker verstanden werden; -die Poesie Tiecks in „Zerbino“, „Genoveva“ und „Octavian“ und in den -gleichzeiligen kleineren Dichtungen ist keineswegs so energisch von -Jakob Böhme beherrscht; von einer Modifikation des Christenthums -im Geiste Jakob Böhmes ist in „Genoveva“ und „Octavian“ nur wenig, -in „Zerbino“ nichts zu spüren. Dass diese Betrachtungsweise des -Christenthums auch in seine Poesie übergegangen sei, behauptet Tieck -eigentlich auch nirgends ausdrücklich. Am liebsten verknüpft er an -gewissen Stellen naturphilosophische Gedanken mit denen Jakob Böhmes. -Dies alles ließe sich mit einem völligen Untergehen aller Lebenskräfte -in der Mystik unmöglich vereinbaren. Das Zusammenbrechen der poetischen -Productionskraft unter dem Drucke mystischer Speculation, das Tieck -wie eine unmittelbare Folge seiner Lectüre noch in die Zeit vor der -Vollendung des „Octavian“ zu rücken scheint, kann vor dem Abschluss -dieser Dichtung, dem dann allerdings viele fast unfruchtbare Jahre -folgen, nicht gut angenommen werden. Im weiteren Verlaufe des Briefes -spricht Tieck ohnehin wieder so, als ob die verdüsterten Stunden in -den ersten Jahren nur sich zeitweise einstellten und nicht gleich -eine dauernde Gemüthsverdüsterung herbeiführten. Dazu stimmt auch -eine spätere Äußerung an Solger, nach welcher die düstersten und -gedrücktesten Zeiten für Tieck in die Jahre 1801-1802 fallen, als -er bereits in Dresden lebte. Erinnern wir uns auch noch der schönen -Freundschaft, die ihn vor dieser Zeit mit Novalis verband, so haben -wir einen Grund mehr, diese dunkeln Gemüthszustände nicht vor das Jahr -1801 zurückzuverlegen. Und hätte vorher Jakob Böhme Tiecks Stimmungen -verdüstert, so könnte der „Altfrank“ im „Autor“ (1800) kaum sagen: - - „So gab ich dir noch außer Göthe, - Auroram, jene Morgenröthe, - Von dem Propheten, den sie schelten, - Dem aufgeschlossen alle Welten, - Des heilger unentweihter Mund - Der Gottheit Tiefe hat verkundt, - Den großen deutschen Jakob Böhme, - Daß er von dir die Schwermuth nähme, - Jedwedes Wort in ihm dir lacht, - Und all umzogen mit Glanz und Pracht, - Er hat durchaus sich gesponnen ein - In eitel Glori und Heiligenschein. --“[395] - -Wir müssen also annehmen, dass Tieck erst Schritt für Schritt in -die Regionen der Mystik, in das „herrliche und furchtbare Gebirge“ -vordrang, nach dem „Octavian“ (1802) aber sich auf einige Jahre ganz in -den dunklen Bezirken verlor. Tiecks Ausdrücke sind und bleiben dunkel -und unpräcis. Nach siebzehn Jahren mochte sich ihm seine mystische -Periode leicht ein wenig perspectivisch verengen und verschieben und -wohl als Erlebnis im ganzen, nicht aber chronologisch klar und scharf -gesondert nach allen Stadien in Erinnerung sein. Welches Gedächtnis -wäre auch für solche vor längerer Zeit durchlebte Gemüthszustände -absolut verlässlich? - -Der Betrachter des geistigen Entwickelungsganges Tiecks muss sich außer -dessen „Instinkt zur Religion“ vor allem wieder den Wackenroder’schen -Einfluss und die religiösen Eindrücke der Erlanger Zeit lebendig vor -Augen halten, um zu begreifen, dass der „Meister Klügling“, der mit -ironischen Absichten die „Morgenröthe“ zur Hand nimmt, so schnell -ein ehrfürchtiger Verehrer des mystischen Buches werden konnte. Vom -Dichter der Straußfederngeschichten und des „Gestiefelten Katers“ bis -zum mystischen Grübler scheint es ein gar weiter Weg zu sein. Tiecks -Briefwechsel mit Solger erklärt es jedoch ziemlich genügend, wie gerade -die Art von Jakob Böhmes Denken seinem inneren Wesen entgegenkam. -Zum Theile sagten uns schon die früher angeführten Worte, was Tieck -in Böhmes Büchlein Bewundernswertes vorfand. Mit Jacobi und Fichte -hatte sich unser Dichter nicht verständigen können.[396] Der Mann, -dessen Geist fast ganz und beständig von Phantasie und Gemüthsstimmung -gelenkt erscheint, verlangte von jeher ein philosophisches Denken, das -auf Anschauung gegründet ist und wieder zur Anschauung zurückkehrt. -Philosophie und Religion müssen ineinander fallen. Alles wahre Erkennen -kann nur ein intuitives Erkennen sein, ein Erkennen durch Offenbarung -und Begeisterung, das in allen Dingen die lebendige Gegenwart Gottes -(= des Unendlichen) schaut. Dieses schauende Eindringen in das Wesen -der Dinge ist aber der poetischen Begeisterung und religiösen Hingabe -nach Solger sehr nahe verwandt und damit erräth Solger so recht die -längstgehegten, intimen Gedanken Tiecks, der ihm darauf hocherfreut -erwidert: „Längst war ich mit Ihrer Inspiration der Philosophie, mit -der nahen Verwandtschaft derselben, ja Blutsfreundschaft und Selbstheit -mit der Religion einverstanden, was mich nur einen kurzen Kampf -kostete: denn die poetische Begeisterung erklärte mir ja das Factum -hinlänglich, und dass ich es mehr wie einmal an mir selbst erlebt -hatte, machte mir ja eben immer mein Sprechen mit den Philosophen von -der Schule unmöglich.“[397] Dieser horror des Tieck’schen Geistes vor -allem abstracten und formalistischen und systematischen Denken ist -sicher der letzte und tiefste psychologische Grund, warum sein ganzes -Wesen, das den eigentlichen großen Philosophen bisher beharrlich fern -geblieben war, sich so widerstandslos gerade von Jakob Böhme fesseln -ließ. Bei Böhme fließen wirklich religiöse Hingabe, dichterische -Anschauung und philosophische Speculation in wunderlichster Weise -ineinander. Es gibt bei ihm kein abstractes Grübeln, sondern Phantasie -und Gemüth greifen immer auch werkthätig mit ein und L. Feuerbach -trifft in den Kern der Sache, wenn er sagt:[398] „Die Grundlagen -und Anhaltspunkte seiner (Böhmes) Gedanken sind die das reine -Himmelslicht des Denkens an dem dunkeln Wolkengrunde des Gemüthes -in die Regenbogenfarben der Phantasie zerstreuenden, theologischen -Vorstellungen der früheren Zeit...“ Der phantastische Theosoph konnte -für Tieck, als er sich hernach mit Schleiermachers „Reden“ befasste, -eine Art Ergänzung des abstracten Theologen abgeben. Die Art und -Weise, wie Böhme die Religionsgeschichte unter dem Bilde des mächtigen -Fruchtbaumes skizziert,[399] zeigt, dass seiner barocken Phantasie -ein großer Zug nicht fremd ist und die Schilderung der Geister und -Geisterlein, die im einfachen Halme wirken und schaffen und das -Gewächs in all seinen Theilen formieren, ist wieder von einer naiven -Lieblichkeit, die in ihrem kindlich herzlichen Tone fast an wirkliche -Märchendichtungen gemahnt. Die Art des Anschauens der Natur ist im -Grunde bei Böhme und beim Märchendichter dieselbe, nur dass es Böhme -nicht um die Poetenfreude am Märchenhaften zu thun ist, sondern ihm ist -das Beleben, Beseelen und Verbildlichen der Naturvorgänge zugleich eine -Entschleierung ihres innersten Wesens, ein metaphysisches Erkennen. -Hier findet also Tieck jeden Gedanken über Natur und Welt und Gott -bildlich, poetisch eingekleidet. Hier konnte er sein philosophisches -Bedürfnis nach seiner Weise befriedigen. Wie Tieck der Sinn für -Geschichte durch die Poesie aufgeht,[400] so nähert sich ihm das -Religiöse und die Philosophie auch zumeist durch Kunst und Poesie oder -in Form von Poesie. - -Was Tieck an den Volksbüchern entzückte, der schlichte, fromme, -rührende Ton der Darstellung: das fand er auch in den theosophischen -Phantasien Böhmes wieder. Böhme musste in jeder Weise der Liebe Tiecks -zur Poesie, zum Sonderbaren und Alten entsprechen. Im „Autor“ ist es -wieder der „Altfrank“, die verkörperte Liebe zum Alten, Sonderbaren und -Poetischen, der den „großen deutschen Jakob Böhme“ preist.[401] Das -Mitleid mit den alten, verkannten, missachteten Volksbüchlein wurde -daher auch hier lebendig und zog ihn mit inniger Gewalt zum ungerecht -verkannten armen Philosophen in der Handwerkerstube. Dieser Ton des -Mitleids spricht auch aus dem Gedichte Hardenbergs „An Tieck“.[402] -Hier redet nämlich Böhmes Geist zu Tieck: - - „Ich habe treulich aufgeschrieben, - Was innre Lust mir offenbart, - Und bin verkannt und arm geblieben, - Bis ich zu Gott gerufen ward.“ - -„Verkündiger der Morgenröthe, des Friedens Bote sollst du seyn“, ruft -Novalis seinem Freunde zu und diese „Morgenröthe“ Böhmes ist es, von -der einzelne ungewisse Strahlen in Tiecks „Genoveva“ hineinspielen.[403] - -Die „Morgenröthe“[404] (1612) ist Böhmes erstes Werk und behandelt, -wenn auch noch weit unklarer als die folgenden Schriften, die Grundzüge -seiner ganzen Weltanschauung und nennt sich „die Wurtzel oder Mutter -der Philosophiae, Astrologiae und Theologiae, Aus rechtem Grunde“. -In der „Philosophia“ soll Gottes Wesen erschlossen werden, die -Beschaffenheit aller Dinge in Gott und ihr Ursprung aus Gott, sowie -die Herrschaft der beiden „Qualitäten Gut und Bös“ in der Natur. -Die „Astrologia“ handelt von den Kräften der Natur, den Sternen und -Elementen, wie daraus alle Creaturen herausgekommen sind, also von der -Entstehung und Bildung der Welt. Die „Theologia“ enthüllt das Reich -Christi und der Hölle, die sich bekämpfen und spricht davon, wie sich -die Menschen zu beiden Reichen verhalten und verhalten sollen. - -Die Gedanken Böhmes hier weiter zu verfolgen oder in Form eines -Systemes (wenn es überhaupt möglich ist) zu skizzieren, ist unnöthig, -weil Böhmes Anschauungen für Tiecks „Genoveva“ als System nicht in -Betracht kommen.[405] Die Vorstellungen Böhmes, die Tieck in seine -Dichtung einstreut, sind nur losgerissene Splitter, die keineswegs -unter einheitlichem Gesichtspunkte erscheinen. - -Die ersten Spuren von Böhmes Gedanken in der „Genoveva“ begegnen uns -in der prophetischen Rede des „Unbekannten“.[406] Das geheime Wissen, -das er vorträgt, bevor er seine Weissagung über Karls Zukunft beginnt, -lässt den Gedanken der damaligen Naturphilosophie durchblicken, dass -das Universum ein zusammenhängender Organismus sei, in dem durch -alle Gebiete hin sich dieselben Kräfte in sicherer Gesetzmäßigkeit -bethätigen. Diese Vorstellung hatte bereits Schelling entwickelt und -Tieck fand sie in Schleiermachers „Reden“ wieder; sie wurde überhaupt -bald Gemeingut aller Literaturkundigen. Mit der Naturphilosophie gewann -Tieck auch durch seinen Verkehr mit Steffens, dem Schellingjünger, -einige Fühlung.[407] Der Gedanke der geschlossenen Natureinheit, der in -der Rede des „Unbekannten“ wiederholt durchbricht, begegnet uns auch -schon bei J. Böhme, wenn auch ohne die präcise Formulierung, die er -bei Schelling fand. So war für Tieck die Möglichkeit gegeben, moderne -naturphilosophische Ideen mit Anschauungen Böhmes zu verschmelzen. - - „Und was ich sag’ sollst du wahrhaftig finden, - Denn Sterne können niemals Lüge sprechen, - Wer sie verhöhnt, belastet sich mit Sünden: - An dem wird sich Natur und Himmel rächen, - Der furchtlos dies Gemüte in sich heget, - Denn um ihn wird das Glück zusammenbrechen.“ - -Wenn hier der Prophet die Wahrheit seiner geheimen „Weisheit“ („Kunst“) -betheuert und die Spötter strenge verurtheilt, so fühlt man sich schon -an Böhme erinnert, der sich nicht selten energisch gegen die Verächter -seiner Offenbarungen wendet. „Darumb schawe zu und spiele nicht zu -hönisch an diesem orthe / oder Du wirst für GOTT ein spötter erfunden -werden / und darf Dir wohl gehen / wie dem König Lucifer.“[408] -Während Böhme nur mit der Rache Gottes („des Himmels“) droht, gibt -Tieck noch die „Natur“ als zweite Rächerin bei. - - „Was in den Himmelskreisen sich bewegt, - Das muß auch bildlich auf der Erden walten, - Das wird auch in des Menschen Brust erregt,...“ - -J. Böhme legt auf den Zusammenhang zwischen Sternenlauf und -Menschenschicksal wiederholt Gewicht. „Dan der Planeten und Sternen -anfang / instehen / lauff und wesen ist anders nicht als der anfang -und trieb oder das Regiment im Menschen. Wie nun das Menschliche -Leben auffgehet / also ist auch die geburth der 7 Planeten und -Sternen auffgangen / und ist in diesem gar kein unterscheidt.“[409] -Ein andermal kehrt der nämliche Gedanke in pantheistischer Färbung -wieder.[410] Der Lauf und die Beschaffenheit der Gestirne ist ein -Abbild des Menschendaseins, was in den Himmelskreisen vorgeht, -waltet also auch bei Böhme „bildlich“ auf Erden. -- „Das wird auch -in des Menschen Brust erregt.“ Nicht bloß die äußeren Schicksale der -Erdbewohner gleichen den Schicksalen der Gestirne: das Innenleben des -Menschen wird sogar durch die Sterne regiert. Der Mensch ist nach Böhme -ein Abbild des Weltalls,[411] ein Mikrokosmos. Die Sterne wirken in -seinen Adern und Eingeweiden. „Die Adern bedeuten die krafft-gänge der -sternen / und seind auch die krafft-gänge der sternen / dan die sternen -mit ihrer krafft herrschen in den Adern / und treiben den Menschen in -ihre gestalt. Das eingeweide oder därmer bedeut der sternen wurckung -oder verzehrung / alles was aus ihrer krafft worden ist / was sie -selber gemacht haben / das verzehren sie selber wieder / und bleibet -in jhrer krafft: und die därmer seind auch die verzehrung alles des / -was der Mensch in seine därmer scheubet / alles was aus der sternen -krafft gewachsen ist.“[412] Ein andermal „qualifizieren“ die Sterne -und Elemente in den fünf Sinnen des Menschen.[413] Der Einfluss der -Gestirne auf den Menschen, der in J. Böhmes Vorstellung in erster -Linie als ein physiologischer erscheint, konnte in dieser rohen Form -den neueren Dichter nimmer ansprechen. Tieck lässt darum lieber die -Kräfte „in des Menschen Brust“ durch das nämliche geheime Etwas erregt -werden, das in den Sternen wirkt, und überträgt so den astrologischen -Gedanken vom physiologischen auf das psychologische Gebiet. Das konnte -er nicht mehr gut anders und besser einrichten, da, wie wir bemerkt -haben, schon Shakespeare,[414] Calderon und Schiller durch ähnliche -dichterische Vorstellungen für ihn eine gewisse ehrwürdige Tradition -geschaffen hatten,[415] und „die Astrologie ist für die Poesie eine -unentbehrliche Idee“, wie A.W. Schlegel behauptet. - - „Natur kann nichts in engen Grenzen halten, - Ein Blitz, der aufwärts aus dem Centro dringet, - Er spiegelt sich in jeglichen Gestalten, - Und sich Gestirn und Mensch und Erde schwinget - Gleichmäßig fort und eins des andern Spiegel, - Der Ton durch alle Kreaturen dringet.“ - -Wahrscheinlich will der Dichter sagen, dass ein wirkendes Princip -in der Natur nicht auf ein Gebiet beschränkt bleibt, sondern in -wechselnder Form im ganzen Universum wirkt. Die räthselhaften -Zeilen lassen sich kaum klar durchblicken. Die Phrase vom „Blitz -aus dem Centro“ stammt jedenfalls aus J. Böhme. Der Blitz, d. i. der -Lichtschein, der vom Feuer ausgeht, kann bei Böhme verschiedenes -bedeuten. In der Trinität heißt der heilige Geist der „Blitz“, der -vom Herzen der Gottheit, vom Sohne ausgeht und die ganze Gottheit -durchstrahlt.[416] Im Universum ist die Sonne ein Centrum, von dem -aus der „Blitz“ die ganze Welt erleuchtet. Der „Blitz“ und der -„Ton“ wirken auch mit bei der Bildung der irdischen Creaturen und -da heißt es einmal:[417] „Der klangk aber oder stimme steiget im -mittlern Centro auff in dem plitze / wo das liecht aus der hitze -gebohren wird / da der plitz des lebens auffgehet.“ Hier haben wir -„Blitz“ und „Ton“ verbunden, die uns auch bei Tieck nebeneinander -begegnen. Der „Blitz“ erscheint endlich im Geistesleben des Menschen -als eine psychologische Kraft und in erster Linie meint Böhme damit -das intuitive mystische Erkennen.[418] Böhme gebraucht dabei auch -wieder die Wendung vom „plitz, der im Centro auffgehet.“[419] Es ist -nicht recht herauszubekommen, welche Wirksamkeit Tieck dem „Blitze“ -eigentlich zudenkt. Es muss vor allem das eindringliche Bild und der -höchst mystische Sinn, den J. Böhme damit verbindet, Tiecks Phantasie -gefesselt haben. -- Die Vorstellung, dass „sich Gestirn und Mensch und -Erde schwinget gleichmäßig fort und eins des andern Spiegel“ stammt -wohl aus Schleiermacher, der von Spinoza sagt:[420] „Ihn durchdrang der -hohe Weltgeist, das Unendliche war sein Anfang und Ende, das Universum -seine einzige und ewige Liebe, in heiliger Unschuld und tiefer Demuth -spiegelte er sich in der ewigen Welt, und sah, wie auch Er ihr -liebenswürdigster Spiegel war.“ Daran reiht sich wieder die Böhme’sche -Vorstellung vom „Ton“ in den Creaturen, der für Tieck wahrscheinlich -noch den Sinn von der Harmonie des Weltalls in sich schließt. Von Jakob -Böhme wird der „Ton“, der uns schon in Verbindung mit dem „Blitze“ -begegnete, als schaffendes Princip für alles Tönende in der Welt (Gold, -Silber, Kupfer u. s. w.) geschildert und einmal heißt es:[421] „auch so -ist derselbe Schall in allen creaturen auf Erden / sonst were alles -stille.“ Das deckt sich dem Wortlaute nach mit dem Verse Tiecks, nur -dass bei diesem der Sinn in eine höhere Sphäre gerückt worden ist. - - „Drum wer die Weisheit kennt, kennt keine Zügel. - Er sieht die ganze Welt in jedem Zeichen, - Zur Sternenwelt trägt ihn der kühne Flügel.“ - -Hier stehen wir wieder auf modernem romantischen Boden. Die -Naturphilosophie lehrt, dass jede Idee unendlich ist. Unter diesem -Gesichtswinkel schaut der Weise die Welt in jedem Zeichen. „Eine jede -Idee ist als ein Unendlich-Endliches ein Abbild des ganzen Universums, -und das Universum spiegelt sich in ihrer Form ganz, so dass nichts -als ein abgesonderter Theil außer ihr gesucht werden darf.“[422] So -Steffens. Ähnlich heißt es bei Schleiermacher:[423] „... und so alles -Einzelne als einen Theil des Ganzen, alles Beschränkte als eine -Darstellung des Unendlichen hinnehmen, das ist Religion.“ - - „Nur von der Gottheit muß er niemals weichen, - Sonst sinkt er aus der Kunst in irdisch Bangen - Und Satans Kraft mag ihn alsdann erreichen.“ - -Hier schwenkt Tiecks Phantasie wieder zum eigentlich Religiösen zurück. -Nur der mit Gott verbundene Mensch erkennt jene überweltliche Weisheit; -löst er seine Verbindung, dann bleibt er an der Scholle kleben und -verfällt sammt seiner Weisheit dem Teufel. Das ist wieder aus Böhmes -Anschauung heraus gesprochen, der seine Erkenntnis zunächst auf directe -Erleuchtung durch das Licht Gottes zurückführt. „... nur so lange -als der geist in mir beharret / weiter erkenne ich nichts / als nur -von elementischen und irdischen Dingen dieser Welt / aber der geist -sihet biß in die tieffe der Gottheit.“[424] „Solches (sc. die Gewächse -und Figuren des himmlischen Lustgartens) ist meinem Leibe auch ganz -verborgen / aber meinem animalischen (Seelischen) Geiste nicht / so -lange er mit Gott inqualieret, so begreift ers / wan er aber in Sünden -fället / so wird ihm die Thür verriegelt / welche ihm der Teuffel -zuriegelt / die muß durch grosse Arbeit des Geistes wieder auffgemacht -werden.“[425] Diese Sätze der „Morgenröthe“ enthalten genau den Sinn -der Tieck’schen Terzine. Das pietistisch gefärbte „irdisch Bangen“ -scheint Tiecks eigenster Seelenstimmung anzugehören.[426] - - „Doch mich trieb nie ein eiteles Verlangen, - Die reine Brust erhob ich zu den Sphären - Und reinen Sinns küßt’ ich des Himmels Wangen.“ - -Wie der „Unbekannte“ nicht aus eitlem Verlangen nach den tiefen -Geheimnissen forschte, so betont auch Jakob Böhme stets seine Demuth -und reine Absicht und sieht in dieser Demuth alle Erkenntnis nur als -Gnade Gottes an. „Den allen (Spöttern und Verächtern nämlich) gebe -ich zur antwort / daß ich nicht in die Gottheit bin gestiegen / dann -mir / als einem geringen Menschen / solches auch nicht müglich wäre -zu thun / sondern die Gottheit ist in mich gestiegen / und ist mir -solches auß seiner Liebe offenbahr welches ich in meiner halbtodten -fleischlichen Geburth sonst wol würde müssen lassen bleiben.“[427] -Ähnlich redet er in der „Vorrede“. Die geschraubten Wendungen „die -Brust zu den Sphären erheben“, „des Himmels Wangen küssen“ sowie das -vorausgehende: „Zur Sternenwelt trägt ihn der kühne Flügel“, mit denen -Tieck den Aufschwung des betrachtenden Geistes umschreibt, erinnern an -die weltenüberfliegenden Bilder des jungen Schiller. - -Die Wendung vom „Ton“ und „Blitz“, der das Innere „durchblickt“, -nimmt Karl Martell in seiner Antwort[428] wieder auf, jedoch in einem -gewöhnlichen, verständlichen poetischen Sinne. - -Der Grundcharakter des „Unbekannten“ ist das Geheimnisvolle. Schon -sein Erscheinen als Unbekannter, von dem niemand weiß, woher er -kommt und wohin er geht, sein Prophetenthum, seine feierliche -Rede in den langhinhallenden Terzinen (die für Tieck noch eigens -den Eindruck des Alterthümlichen erwecken[429]), erhöhen die -Stimmung des Geheimnisvollen. Gerade diesem Zwecke scheint auch -die Verbindung moderner naturphilosophischer Vorstellungen mit -den alten theosophischen Gedanken Jakob Böhmes zu dienen. Die -naturphilosophischen Ideen erscheinen zunächst verständlich, ihre -Formulierung mit Hilfe Böhme’scher Worte und Wendungen macht sie -zugleich mystisch und dunkel und so oscilliert der Geist des Lesers -bei diesen Strophen immer zwischen Verstehen und Nichtverstehen -hin und her. So versetzt Tieck den Leser in jenes Dämmerlicht des -Halbbewussten, Unbestimmten, das in der romantischen Dichtung so -beliebt ist.[430] - -Nach langem finden wir Jakob Böhmes Weisheit wieder in den Reden der -Straßburger Hexe.[431] Wenn Winfreda Golo erklärt: - - „Ihr könnt nicht anders, so sind die Gewalten, - Die Sternenkräfte, die sich nur entfalten, - Ein solcher Mensch ist nur ein Samenkorn, - In welchem wächst und reift des Schicksals Zorn, - Die andern traf ein lichter Sternenblick, - In ihnen sproßt das Firmanentenglück, - Trägt jeder um sich ein siderisch Haus - Und kann aus seiner Heimat nicht heraus,“ - -so hat sie diese Wahrheiten aus Böhmes „Morgenröthe“ geschöpft. Denn -hier lesen wir:[432] „Das haupt (des Menschen) hat in sich die 5 -sinnen / als sehen / hören / riechen / schmäcken und fühlen / darinnen -qualificieren die sternen und elementa, und entstehet darinnen der -Siderische / Sternen- und Natur-geist in Menschen und Thieren / in -diesen quillet böses und gutes / dann es ist ein hauß der sternen. -Solche krafft nehmen die sternen vom himmel / dass sie im fleisch -können einen lebendigen und bewegenden geist machen in Menschen und -Thieren.“ Der Einfluss der Sterne auf die Menschen zum Guten und Bösen -sowie die Vorstellung, dass jeder ein „siderisch Haus“ ist, finden wir -hier und bei Tieck ganz ähnlich ausgesprochen. Mit seiner Neigung zum -Fatalistischen weicht Tieck wieder von J. Böhme ab. Böses und Gutes in -den Creaturen rührt nach Böhme[433] aus den Sternen her. Allein nur -Engel und Teufel sind in entschiedener guter und böser Qualität. Für -diese Geschöpfe gibt es kein Schwanken mehr. Im Menschen und in den -anderen Creaturen kämpfen beide Qualitäten und der Mensch kann sich -selbst dem Guten oder Bösen zuwenden. Während Böhme entschieden die -freie Selbstbestimmung des Menschen aufrecht erhält, macht Tieck den -Menschen zum „Samenkorn, in dem des Schicksals Zorn reift“.[434] - -Winfreda sagt zu ihren Besuchern:[435] - - „Ich bin so sündig wie die andern Menschen, - Doch wurde mir seltsamer Weis’ verliehn, - In innre Tiefe der Natur zu schauen. - Da seh’ ich, was getrennt, zusammenhängen, - Und was dem blöden Auge einig scheint, - In ferne Grenzen auseinander fliehn,...“ - -Die Hexe benimmt sich hier demüthig wie Jakob Böhme. Auch er erzählt, -wie er, obwohl ein sündhafter Mensch, die Geheimnisse der Welt durch -göttliche Erleuchtung durchschauen durfte.[436] „In diesem Liechte -hat mein geist alsbald durch alles gesehen / und an allen Creaturen / -sowohl an kraut und graß Gott erkennt / wer der sey / und wie der sey -/ und waß sein willen sey: Auch so ist alsbald in diesem liechte mein -willen gewachsen mit grossem trieb / das Wesen Gottes zu beschreiben.“ -Von seiner Sündhaftigkeit spricht Böhme besonders auch in der „Vorrede“ -zur „Morgenröthe“. Auch hier verquickt Tieck wiederum Naturphilosophie -mit Jakob Böhme. Schleiermachers folgende Worte bezeugen es:[437] -„Eine größere Ausbeute gewährt sie (die Natur) freilich uns, denen -ein reicheres Zeitalter tiefer in ihr Innerstes zu dringen vergönnt -hat; ihre chemischen Kräfte, die ewigen Gesetze, nach denen die Körper -selbst gebildet und zerstört werden, diese sind es, in denen wir am -klarsten und heiligsten das Universum anschauen. Sehet wie Neigung und -Widerstreben alles bestimmt und überall ununterbrochen thätig ist; -wie alle Verschiedenheit und alle Entgegensetzung nur scheinbar und -relativ ist und alle Individualität nur ein leerer Name...“ Während -Jakob Böhme christlich-religiös denkend alles von dem nämlichen Geiste -Gottes formieren, erhalten und tragen lässt, schiebt Tieck hier die -naturphilosophische Anschauung des Universums ein,[438] führt aber den -Gedanken gleich wieder in Böhmes Vorstellungsweise weiter. - - „Wie Stern’ im Abgrund die Metalle formen...“ - -„Also auch die Erde brächte keine Frucht / auch so wüchse darinnen -kein Metall / weder gold / silber / kupfer / eißen noch stein / so die -sternen nicht darinnen würketen / es wuchse auch kein gräselein daraus -ohn würkung der sternen.“[439] - - „Wie Geister die Gewächse figurieren...“ - -Jakob Böhme erklärt das Wachsthum des Baumes und sagt unter -anderm:[440] „... alsbald aber der Frühling kompt / daß die Sonne -mit ihren strahlen die Erde erreichet und erwärmet die / so wird der -Geist in der hitze / in dem baume lebendig / und heben die geister des -baumes an zu grünen / wachsen und blühen: dan der geist gehet in der -hitze auff / und alle geister freuen sich darinnen / und ist eine -hertzliche liebe zwischen ihnen.“ Ein andermal[441] schildert Jakob -Böhme das merkwürdige Wesen, das die Qualitäten (d. i. die formierenden -Geister) in den Gewächsen treiben, wie sie Halme, Knoten, Blätter, -Blüten und Früchte bilden. „Alsdan wächst aus allen qualitäten / die -in dem corpus seind / eine kolbe oder kopff / und wird ein newer leib -in der kolben oder kopfe / und wird figuriret gleich wie erstlich die -wurtzel in der Erden / allein daß es nun eine andere subtilere form -krieget.“ Hier fand also Tieck auch sein alterthümliches Reimwort, -das sich auch sonst ebenso wie der Terminus: „corporieren“ oft in der -„Morgenröthe“ einstellt. Wenn letzterer auch nicht gerade in Verbindung -mit „Gedank’ und Wille“ erscheint, so ist doch die Art, wie Gedanke und -Wille entstehen, bei Böhme erörtert. Wenn die Hitze das Licht gebiert, -so „entstehen die sinnen und gedanken, das eine qualität die andere -/ die auch in ihr und mit ihr selber temperiret ist, siehet und mit -ihrer schärffe approbiret / daß es ein wille wird / der in dem corpus -auffsteiget in dem ersten quellbrunn in die herbe qualität.“[442] - - „Wie Phantasie zum Kern der Dinge dringt. - Durch Einbildung Unmögliches gelingt...“ - -Das intuitive Erkennen durch die Phantasie ist es, auf das auch -Jakob Böhme immer wieder zurückkommt; „thue die augen deines geistes -auff“,[443] „thue die Augen deines gemutes auf“,[444] ruft er gerne -dem Leser zu. Das Erkennen und Sehen „im geiste / im trieb und wallen -GOttes“ ist ihm neben der Bibel eine Quelle von Offenbarungen;[445] -wenn er sich an Gottes Trieb und Wallen hingibt, so werden ihm -„alle große geheimnusse offenbar“.[446] Die Phantasie lässt ihn -Unergründliches erkennen, also Unmögliches gelingen. (Romantische -Hochschätzung der Phantasie.) - -Der Vers „Alle Dinge nur sind der Geisterwelt ein Kleid“ scheint ein -Compromiss der Worte des Erdgeistes im „Faust“: „... und wirke der -Gottheit lebendiges Kleid“ mit Böhmes Anschauung, dass „die gantze -Natur der gantze leib GOttes“ sei.[447] Gott und Geisterwelt sind nach -manchen Äußerungen Böhmes auch identisch. - -Im weiteren Verlaufe der Hexenscene gilt es, für Siegfried Phantome -zu schaffen. Diese Schöpfung, die Winfreda vollbringt, könnte man als -„frei nach Jakob Böhme“ bezeichnen. Jakob Böhme abstrahiert aus der -Anschauung der Natur verschiedene Qualitäten von dieser und macht diese -Qualitäten wieder zu genetischen Principien, welche die Dinge in der -Natur schaffen und einmal „Qualitäten“, das anderemal „Quellgeister“ -oder „Geister“ allein genannt werden. Winfreda will Phantome schaffen. -Dazu braucht sie nicht so viele „Qualitäten“ aufzubieten, als zur -Schöpfung wirklicher Dinge nöthig wären, sie braucht nur drei: Gestalt, -Farbe und Leben. Diese drei Dinge werden zusammengebraut und auf den -Ruf der Zauberin erscheinen die gewünschten Gebilde. - -Für die Einführung des ersten constitutiven Elementes, der Linien -nämlich, welche die Gestalt der Phantome umschreiben müssen, ließe -sich eine Anregung durch die „Morgenröthe“ vermuthen. Der „animalische -Geist“, heißt es daselbst, der von den 7 Quellgeistern ausgeht, muss -diesen, wenn ein Ding geschaffen werden soll, zuerst die Form weisen. -Denn gerade wie der Zimmermann, der ein künstliches Haus baut oder -der Handwerker, der ein künstliches Werk macht, nicht zuerst mit den -Händen zugreift, sondern sich im Geiste die Form vorstellt, so „weiset -der animalische Geist den 7 Geistern die Form. Alsdann bilden es die -7 Geister und machen es begreiflich / alsdan arbeiten erst die Hände -nach dem Bilde / dann must ein Werk vorhin erst in sinn bringen / -wilstu es machen.“[448] Es ist hier nicht nur vom Linienumriss, sondern -vom „model“ überhaupt die Rede. Eine gewisse Ähnlichkeit des Vorgehens -dieser Geister und der Hexe ist immerhin vorhanden. - -Die Farben werden als zweites bildendes Princip von der Hexe gebraucht. -Das Linienschema, der Umriss wird durch sie erst lebendig. Die seltsame -Vorstellung von erstorbenen Geistern scheint Tieck aus Böhme genommen -zu haben, welcher schreibt:[449] „Wan der zornige Feuer-Plitz die -Geister der Natur / welche in der Erden im Tode stehen / mit seinem -grimmen schrack auffwecket / und beweglich macht / so fangen die -Geister an nach ihrem eigenthumblichen Göttlichen Rechte sich zu -gebähren / wie sie von der Ewigkeit gethan haben / und figurieren -einen Leib zusammen nach desselben Orths instehenden qualitäten.“ -Gleichnisweise wird an anderer Stelle von einem „todten Geiste“ -gesprochen. Die Verse, die von den „Unsichtbaren“ sprechen, die vom -Nichtsein in den Lichtschein kommen, scheinen auch noch von der -Vorstellung der „erstorbenen Geister“ auszugehen.[450] - -Im dritten Zauberspruche Winfredas wird das Feuer als belebendes -Princip angesprochen, das den aus Linien und Farben geschaffenen -Gebilden „Atem, Seele, die Natur“ gibt. Verwandt ist damit, was Jakob -Böhme über die Hitze sagt.[451] Der Grundstoff zu einem Lebewesen wird -von der herben, sauren und süßen Qualität zusammengefügt, muss aber -erst durch die Hitze zum organischen Leben erweckt werden... „und die -hitze ist der geist / oder die anzündung des Lebens / davon der geist -im corpus entstehet / der in den ganzen corpus quallet / und außer dem -corpus leuchtet / und macht die lebendige Bewegung in allen qualitäten -des corpus.“ Hier ist die Anlehnung an Böhme wieder deutlicher. - -Ein klein wenig Licht fällt auch noch auf diese hypermystische -Hexenkunst, wenn man den Abschnitt „die Farben“ aus den „Phantasieen -über die Kunst“,[452] in denen sich auch schon Böhmes Einfluss zeigt, -heranzieht. Formen, Farben und Töne in ihrem schönen Zusammenwirken -entzücken (so phantasiert Tieck unter anderem) den sinnigen -Naturbeobachter. Die menschliche Kunst trennt Sculptur, Malerei und -Musik und jede dieser Künste wandelt ihren eigenen Weg. Aber wie schön -müsste auch in der Kunst eine Vereinigung sein, wenn sich z. B. zu -einem Gemälde das verbrüderte Tonstück fände und es belebte. Da wäre -dann die Kunst die höchst verschönerte Natur. Wenn Tieck Umriss Farbe -und Töne zu einem belebten Kunstwerke zusammenwirken sehen will, so -ist es klar, dass er hier die Schlegel’sche Universalpoesie zu einer -Art Universalkunst potenzieren möchte. Die Hexe belebt die Gebilde, -die aus Umriss und Farbe sich entwickeln, durch die geheime Kraft -des Feuers und ruft sie mit Hilfe der Töne vollends ins Dasein. Wie -diese Geister, welche die Hexe ruft, so schweben auch die Urbilder -der Kunstwerke irgendwo „körperlos in den schönsten Formen“. Wie das -magische Liniennetz die Farben einfängt, so „spreitet die ganze Natur -dem Sonnenglanze ihre Netze entgegen, um die funkelnden Schimmer -festzuhalten und aufzufangen“. Es scheint also, dass das Thun der Hexe -auch ein Zerrbild vom Schaffen des romantischen Idealkünstlers sein -soll, und wie früher die Naturphilosophie wird hier noch zugleich eine -ästhetische Gedankenreihe der Romantiker mit Gedanken Jakob Böhmes -verquickt. - -In den Versen[453] „das muss das Leben in sie führen u. s. w.“ arbeitet -Winfreda mit den nämlichen Vorstellungen und der „schwangere Drang“ -stammt auch wahrscheinlich aus Böhme; denn der Vergleich mit dem -schwangeren Weibe ist bei ihm beliebt.[454] - -Die Worte: - - „So gewiss mein Hirn - Bedeutet Gestirn...“ - -im Fluche der Hexe gehen wahrscheinlich auf einen Vergleich Böhmes -zurück.[455] „Und gleich wie der himmel einen schluß oder festung hat -ober den sternen / und gehen doch alle kräfte aus dem himmel in die -sternen: also hat das hirn einen schluß oder festung für dem leibe / -nur gehen doch alle kräfte auß dem hirn in leib und in den gantzen -Menschen.“ - -Winfredas Worte: - - „Aus dem Licht kam Luft und Meer, - Und die Erd’ mit Steinen schwer - Und der Tier’ und Vögel Heer,“ - -scheinen sich aus jenen Äußerungen Jakob Böhmes herzuleiten, in denen -alles in der Schöpfung auf Sonne und Sterne zurückgeführt wird. -„Erstlich schawe an die Sonne / die ist das Hertze oder der König aller -sternen / und gibt allen sternen liecht vom auffgang zum niedergang... -So du aber nicht glauben wilst / das in dieser Welt alles von den -sternen herrühre, so wil ich dirs beweisen so du aber nicht ein klotz -bist.“[456] „So man das gantze curriculum oder den gantzen umbcirck -der Sternen betrachtet / so findet sichs bald / daß dasselbe sey die -Mutter aller Dinge oder die Natur / daraus alle dinge worden seind und -darinnen alle Dinge stehen und leben / und dadurch sich alles beweget -/ und alle dinge seind auß denselben cräfften gemacht / und bleiben -darinne ewiglich.“[457] - -Nun hätten wir endlich noch ein paar Nachklänge aus Jakob Böhme -anzuführen, in denen seine mystische Offenbarung mit theologischen -Lehren des Christenthums sich vereinigt und das ist auch die einzige -Stelle in der „Genoveva“, an der man etwas von jener Betrachtung -des Christenthums im Lichte Jakob Böhmes spürt. Es ist dies die -Sterbevision der heil. Genoveva,[458] in der schon Friesen Böhmes -Einfluss wahrnahm.[459] Genoveva sieht in der Ekstase die himmlische -Herrlichkeit. - - „Wohin ich blickte, sah ich Blüten prangen, - Aus Strahlen wuchsen Himmelsblumen auf...“ - -Über diese himmlischen Blumen und Blüten handelt auch Böhme...[460] -„auch so gehen in diesen (himmlischen) cräfften auff allerley blumen -mit schönen himlischen farben und geruch“. - -In der Strophe über die Trinität schließt sich Tieck recht deutlich -an Böhme an, dessen Ausdeutung des Trinitätsmysteriums sich von der -kirchlich-theologischen auffallend unterscheidet. - - „Der Sohn war recht des Vaters Herz und Liebe, - Der Vater schaffende Allgegenwart, - Der Geist im unerforschlichen Getriebe, - Das ew’ge Wort, das immer fort beharrt; - Und alles wechselnd, nichts im Tode bliebe, - Indes der Vater wirkt die Form und Art. - So Lieb’ und Kraft und Wort in eins verschlungen, - In ew’ger Liebesglut von sich durchdrungen.“ - -„Also ist ein Gott / und 3 unterschiedliche Persohnen in einander / und -kan keine die andere fassen oder aufhalten / oder der andern Vhrsprung -ergründen / sondern der Vater gebähret den Sohn / und der Sohn ist des -Vaters Hertze / und seine Liebe und sein Licht / und ist ein Ursprung -der Freuden / und alles Lebens anfang. - -Und der Heilige Geist / ist des Lebens Geist / und ein Formirer und -Schöpffer aller dinge / und ein Verrichter des Willens in GOtt / der -hat formiret und geschaffen auß dem Leibe und in dem Leibe des Vaters -alle Engel und Creaturen / und hält und formiret noch täglich alles -/ und ist die schärffe und der lebendige Geist Gottes: Wie der Vater -das Wort auß seinen Kräfften spricht / so formts der Geist.“[461] -Tieck zupft aus diesem confusen Gewebe einzelne Fädchen heraus und -webt sie aufs neue in seiner Stanze zusammen. Welcher es dem andern an -geheimnisvoller Dunkelheit zuvorthut, ist schwer zu entscheiden. -- In -der letzten Strophe der Vision heißt es: - - „Wie Strahlen giengen Engel aus und ein, - Entzückt in der Dreieinigkeit zu spielen...“ - -Dieses Spiel der Engel in Gott erwähnt auch die „Morgenröthe“ öfters. -Bei Schilderung der Freude der Engel liest man:[462] „es war alles -ein herztlich Liebe-spiel in GOtt...“ Wie Gott in seiner Veränderung -unbegreiflich ist und in seinem Liebespiel, „Also sollten auch die -Geisterlein oder die Liechterlein der Engel / welche seind wie der -Sohn GOTTES / für dem Hertzen GOTTES in dem grossen Liechte fein sanft -spielen / darmit die Freude im Hertzen Gottes möchte vermehret werden / -und möchte also in GOtt ein Heiliges Spiel seyn.“[463] - -Hie und da trifft man noch eine Wendung in der „Genoveva“, der -Vorstellungen aus Jakob Böhme zugrunde liegen. Böhmes Vorstellung -von den verschiedenen Geistern, die im Menschen thätig sind, z. B. -steckt in Phrasen, wie „alle Geister (sc. der Gebärenden) nach Hilfe -schreien“[464] und „wenn sich die innern Geister alle lösen“ (beim -Sterbenden).[465] Auch das „himmlisch Freudenreich“[466] wäre zu nennen. - -Die angestellte Beobachtung zeigt, dass man Böhmes Einfluss auf die -„Genoveva“ nicht überschätzen darf. Am nächsten kommt dem Sachverhalte -Tiecks Äußerung bei Förster:[467] „als ich die Genovefa schrieb, habe -ich allerdings Jakob Böhme’s Schriften mit großem Interesse gelesen -und so ist vielleicht Manches aus ihnen, mir bewußtlos, in mein Stück -übergegangen“. Jakob Böhmes Theosophie verwebt Tieck fast nur an jenen -Stellen in seine „Genoveva“, wo das Geheimnisvolle in Ton und Inhalt -herrschen soll. Das Mysteriöse ist die Sphäre des „Unbekannten“, der -ekstatisch verzückten Heldin und von der Hexe wird es zu schlechtem -Zwecke missbraucht. Fast nirgends werden aber Böhmes Gedanken -genau in ihrem ursprünglichen Sinne und in unvermischter Reinheit -übernommen, sondern Tieck sucht jedesmal Alterthümliches und Modernes -zu verschmelzen. Es leitete ihn dabei gewiss ein feiner künstlerischer -Sinn. Die „Genoveva“ will alte Poesie auffrischen und in neues Gewand -kleiden, sie will alterthümlich und modern zugleich sein. Da war denn -Tieck nur consequent, wenn er Böhmes Mystik nicht in ihrer echten und -ursprünglichen Gestalt seinem Gedichte aufklebte, sondern sie so gut -wie möglich mit modernen Anschauungen zu amalgamieren trachtete und sie -in moderner Einkleidung vortrug. - -Für den Anfang scheint es seltsam, dass die Worte hoher, heiliger -„Weisheit“, die der fromme „Unbekannte“ und die heilige Heldin -sprechen, auch die böse, betrügerische Hexe sich anmaßen darf. Wenn -auch nicht deutlich ausgesprochen, gemeint ist aber jedenfalls, dass -die Hexe das Heilige für ihre schnöden Zwecke missbraucht. Diese -Auffassung deutet auch Bernhardi in seiner Recension an. Dass in den -Hexensprüchen zugleich ein Nachäffen romantischen Kunstschaffens -verborgen ist, reimt sich damit ganz gut zusammen. - -Für den heutigen Leser ist wohl das meiste von der Jakob Böhme’schen -Mystik in der „Genoveva“ ganz unverständlich geworden. Wer kümmert sich -heute um diese mystische Philosophie? Tieck dichtete aber zunächst -für den engeren Kreis seiner Freunde, denen Jakob Böhme „Bibel“ -geworden. Hier kannte man den Schlüssel zu den geheimnisvollen Worten -des „Unbekannten“ wie der Hexe. Die Romantiker waren um 1800 fast -allesammt Adepten Jakob Böhmes und hätten gerne die mystische frohe -Botschaft des Görlitzer Schusters aller Welt verkündet.[468] Tieck -erneuert Böhmes Gedanken, soweit er sie seiner Dichtung einverleiben -kann, ähnlich, wie er die Poesie der alten Volksbücher auffrischt und -damit war allerdings schon ein Anfang mit der Popularisierung des -verschollenen Mystikers gemacht. Außer Tieck und Novalis las diesen -besonders F. Schlegel eifrig. Auch Ritter, Hülsen, sogar Schelling -schlossen sich den Bewunderern an. Was die Romantiker in ihrem ersten -Enthusiasmus mit dem „philosophus teutonicus“ vorhatten, sagen neben -andern merkwürdigen Orakelsprüchen am besten F. Schlegels Worte, Worte -eines Böhmeschwärmers, dem Tiecks Bemühungen noch viel zu geringwertig -erschienen. Er schreibt an Schleiermacher:[469] „Fast möchte ich Dir -zur Pflicht machen, den Jakob Böhme zu studieren. Es muss noch viel von -ihm die Rede (sein), weil in ihm gerade das Christenthum mit 2 Sphären -in Berührung steht, wo jetzt der revolutionäre Geist am schönsten wirkt --- Physik und Poesie. Ritter hat ihn sehr studiert und will auch über -seine Physik schreiben; das ist aber nur eine Seite. Tieck legt sich -gewaltig auf ihn und wird ihn hinlänglich tieckisieren; denn in einen -andern Geist einzudringen, das ist diesem Menschen nicht gegeben. -Also wird Böhme für den Tieck etwas thun, Tieck für den Böhme aber -gewiss sehr wenig. Noch ein Grund, warum ich es besonders schicklich -finde, den Böhme zu predigen, ist, dass sein Name schon den größten -Anstoß bei den Philistern erregt; kein anderer kann mehr polemische -Energie haben.“ Dass Tieck seinen Böhme „tieckisiert,“ hat Schlegel -richtig getroffen. Dasselbe that Tieck ohnehin auch mit seinen übrigen -Vorbildern und er hatte als Dichter sein gutes Recht dazu. Er war aber -dabei ein recht eifriger „Verkündiger der Morgenröthe“, persönlich -unter seinen Freunden und in seiner Dichtung. Im „Zerbino“ hatte -er Böhme in den „Garten der Poesie“ versetzt, in den „Phantasieen“ -merkt man schon die Spuren von Böhmes Ideen, im Fastnachtschwanke vom -„Neuen Hercules“ („Der Autor“) wird er mit reichstem Lobe bedacht, -in „Octavian“ und „Melusine“, in verschiedene kleine Gedichte werden -Böhmes Gedanken eingestreut, wie in die „Genoveva“. - -Eine Wiedergeburt der Böhme’schen Mystik im größeren Stile erfolgte -freilich erst später in Baaders Philosophie. - - * * - * - -Ob mit dieser Untersuchung der persönlichen Einflüsse und Anregungen, -der Quelle und der literarischen Vorbilder, die in Tiecks „Genoveva“ -nachwirkten, das ganze Erdreich genügend bloß gelegt ist, aus -dem diese seltsame, vielgerühmte und vielgetadelte romantische -Blüte hervorwuchs, wage ich nicht zu behaupten. Briefe und andere -Aufzeichnungen können noch einmal neues und volleres Licht über manchen -Punkt bringen. Ein ziemlich deutliches Gesammtbild der Bedingungen, -welchen dieses romantische Werk sein Dasein verdankt, stellt sich aber -immerhin aus der Betrachtung des zugänglichen Materiales her. Das -Volksbuch, die altehrwürdige Legende, der Tieck mit tiefer Ehrfurcht -naht, gibt den stofflichen Grundstock des ganzen Buches. Die Ehrfurcht -vor dem Alten bewog den Romantiker, auch von der Anordnung des Stoffes, -wie sie das Volksbuch bietet, nur dann abzugehen, wenn es gewichtige -Gründe forderten. Shakespeares „Perikles“ und Maler Müller wiesen auf -die dramatische Form, „Perikles“ gab noch insbesondere das Vorbild -für die epischen Einlagen, während Calderon das Lyrische und die -metrische Gestaltung vielfach beeinflusste. Müller, Shakespeare und -Goethe bestimmten dort und da einige Linien eines Charakterbildes. -Müller’sche und Shakespeare’sche Stimmungen, welche Tieck besonders -verwandt ansprachen, giengen in seine Dichtung über. Müller, Goethe -und Shakespeare haben auch ihren Antheil am Aufbau einzelner Scenen -wie an der ritterlichen Costümierung. Jakob Böhmes alterthümliche und -dunkle Mystik mit ihrer fremdartigen Terminologie half gewisse Scenen -auf einen seltsam alterthümlichen und geheimnisvollen Ton stimmen. -Aber jeder nach fremdem Vorbilde geführte Pinselstrich verräth doch -auch immer Tiecks eigene Hand, die stets in selbständiger Weise das -Fremde dem eigenen Zwecke dienstbar macht. Tiecks erwachte Abneigung -gegen die saft- und kraftlose Nicolaitische Aufklärungssucht, -die Erlanger Eindrücke sowie Wackenroders zart-frommer Sinn und -Alterthums-Enthusiasmus, die mächtige religiöse Erregung, die durch -Schleiermacher, Novalis und Friedr. Schlegel in den romantischen -Kreis getragen wurde, religiöse Stimmungen, welche die Calderon- und -Böhme-Lectüre weckte: alles vereinigte sich, um Tiecks Gemüth mit -jenen innigen, alterthümlich-religiösen Kunststimmungen zu erfüllen, -die das charakteristische, beherrschende Licht über sein romantisches -Drama verbreiten und dieses trotz aller Entlehnungen zu einer durchaus -selbstständigen Kunstschöpfung machen, wie sie eben nur aus dem -romantischen Geiste, der sich vor hundert Jahren in unserer Dichtung -entfaltete, erwachsen konnte. - - - - -IV. - -Charakteristik der „Genoveva“. - -1. Das romantische Drama. -- Composition. - - -Im Stofflichen, das Tieck in seiner „Genoveva“ verarbeitet, fanden -wir allenthalben Entlehnungen und Anlehnungen. Die Geschichte und die -Folge ihrer Entwickelung, gar manches in den Charakteren wie in den -Motiven, die Verwendung von Vers und Prosa: all dies ist nicht neue -Erfindung, sondern von anderen übernommen. Vollständig neu fanden -wir eigentlich nur die Auffassung, welche diese Dichtung beherrscht, -jene Auffassung, die aus gewissen zeitgenössischen Strömungen und -persönlichen Eindrücken erwuchs. Dies ist nicht Zufall und nicht -Armut an Erfindungskraft. Tieck legt eben keinen besonderen Wert auf -das Neuerfinden des Stofflichen, wie uns eine bezeichnende Stelle -des „Phantasus“ bestätigt.[470] Clara möchte nämlich „lieber“ eine -Scene in „Was ihr wollt“ geschrieben haben, als die Novelle erfunden, -aus welcher das Lustspiel entsprungen ist. Nicht wesentlich anders -dachten die romantischen Collegen in Jena bereits vor der Entstehung -der „Genoveva“. Nach A.W. Schlegel[471] setzt sogar Shakespeare -das Wesen seines dichterischen Geschäftes nicht in die stoffliche -Erfindung, sondern er wendet die ganze Macht seines Genius auf die -Gestaltung eines vorgegebenen Stoffes. Tieck, der Schüler, will nicht -über dem Meister sein. Er begnügt sich auch, seine ganze Kunst in der -„Organisation“ und Darstellung des Stoffes zu zeigen. - -Tieck möchte in seiner „Genoveva“ ein „romantisches“ Kunstwerk -schaffen, in dem sich Dramatisches mit Epischem und Lyrischem -verschmelzen soll; denn es ist die Aufgabe der romantischen Poesie -„alle getrennte Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen“.[472] -Ohne Zweifel kann der echte Dichter das Poetische in jeder Form -aussprechen. Warum sollte er es nicht auch in verschiedenen Formen -können, die gleichzeitig nebeneinander stehen, die sich gegenseitig -durchdringen und die organisch ineinander wachsen? Solange der -Dichter das Poetische an sich, seinem inneren Wesen nach im Auge -hat, braucht es keine Scheidung nach diesen oder jenen Kategorien -der künstlerischen Erscheinung. Anders wird es, wenn er eine Wirkung -nach außen anstrebt. Da ist vor allem der Dichter, der sich die -bestimmte dramatische Gattungsform wählt, auch an die Gesetze dieser -künstlerischen Gattung unwiderruflich gebunden. Theoretisch lässt sich -gegen die Möglichkeit, verschiedene Gattungsformen in einem poetischen -Werke zu verschmelzen nichts einwenden, die Schwierigkeiten aber, -die sich von der künstlerischen Seite her erheben, sind so große, -dass ein gutes Gelingen eines solchen romantischen Universalgedichtes -wenig wahrscheinlich ist. Es muss dem Dichter bei solchem Vermengen -der Gattungen recht schwer werden, dem Kunstwerk die unentbehrliche -Einheit und Geschlossenheit der Erscheinung zu geben. Denn es haben -die einzelnen Gattungen ihre eigenen stilistischen Gesetze und die -Gesammtform jeder Dichtung bestimmt bis in die Glieder herab die -Formgebung in eigenthümlicher Weise. Es müsste wohl ein Ingenium -von höchster künstlerischer Begabung erstehen, das alle Hindernisse -glücklich unter sich brächte und in das Mosaik verschieden gearteter -Theile ohne ein Zuviel hier und ein Zuwenig dort Harmonie und -künstlerisches Gleichgewicht zu zaubern und die Gewöhnung des Lesers -an bestimmte Unterschiede der künstlerischen Erscheinung glücklich und -ohne Störung zu täuschen vermöchte. - -In der „Genoveva“ überwiegt das Dramatische oder richtiger das -Dialogische weitaus den epischen Theil, es bildet „die Basis“ der -künstlerischen Gestalt. Dabei muss freilich bemerkt werden, dass sich -auch schon in den Dialog verschiedene epische und lyrische Stücke -einordnen. So z. B. die Erzählung Wolfs von seiner astrologischen -Himmelsbeobachtung, die Erzählungen von Golos und Genovevas Jugend, -die Prophezeiung des „Unbekannten“, die Schilderung der Sterbevision -Genovevas u. a. Auch Lieder und lyrische Ergüsse sind in den Dialog -verwoben oder als Monologe einem Dialoge voran- oder nachgestellt. -So versucht es Tieck, in das Drama „Lyrik hineinzuwerfen“, wie er es -schon vorher im „Zerbino“, in den Märchen und im „Sternbald“ that -und wie er es bald reichlich im „Octavian“ thun sollte. Der Dichter -versucht hier wirklich ein Verschmelzen der verschiedenen Gattungen. -Aber man spürt auch schon dabei, wie sich manches Epische und Lyrische -nur mit Widerstreben in das dramatische Gerüste zwingen lässt. Ein -Beispiel dafür ist die Weissagung des „Unbekannten“. In einem Drama -müsste diese Prophezeiung eigentlich bei strengster, aber allerdings -häufig verletzter Consequenz im Gattungsstil auf der Bühne in Erfüllung -gehen, soll die erregte Erwartung nicht getäuscht werden.[473] Ebenso -müssten wir die heil. Genoveva in ihrer himmlischen Verklärung sehen -und nicht bloß den Bericht des heil. Bonifacius über ihren Eingang in -die Seligkeit zu hören bekommen; denn nur so wäre in beiden Fällen der -Abschluss in dramatischer Form erreicht. Nachdem diese die Dichtung -im Ganzen beherrscht, regt sich das Bedürfnis nach solchem Abschluss -unwillkürlich. Das Epos, das weite Zeiträume in sich fasst und das -unbegrenzte Reich der Phantasie ohne Einschränkung durchwandert, -begnügt sich schon mit einem bloßen Ausblick in die Zukunft. Tieck -denkt also manchmal trotz der äußerlich dramatischen Form episch; -er denkt eben an ein gelesenes Gedicht, nicht an ein dargestelltes -Theaterstück und unter dieser Voraussetzung unternimmt er es, die -Phantasie in so weite Zukunftsfernen und selbst in die Ewigkeit zu -führen. Allein der eigenthümliche innere Widerspruch zwischen dem -epischen Charakter des Inhaltes und der äußeren dramatischen Gestalt -wird auch unter dem Gesichtpunkte des Lesedramas nicht ohne Rest -ausgeglichen. - -Griffe ein echter Dramatiker das Volksbuch auf, so würde dieser mit -strenger planvoller Ökonomie eben das aus seiner Quelle entnehmen, -was für sein Thema wesentlich und nothwendig ist und was hinreichte, -dieses sein Thema künstlerisch zu verlebendigen und zu erschöpfen. Um -die ungerecht bedrängte und wieder erkannte Unschuld, das dichterische -Problem der Genoveva-Legende, darzustellen, genügen einem Dramatiker -als Personen Genoveva (mit Schmerzenreich), Golo, Siegfried, Drago, -die Hexe, Benno und Grimoald, Gertrud. An den Schicksalen dieser -Personen könnte sich das ganze Problem entwickeln. Der ganze übrige -reiche Aufwand von Nebenpersonen, die Tieck einführt, könnte fortfallen -und damit entfielen auch die Scenen, die mit dem Hauptgedanken und -dem Fortgange des Stückes in gar keiner innerlich nothwendigen oder -nur in einer sehr losen Beziehung stehen wie die breiten Lager- und -Kriegsgemälde, die Hirtenscenen, der heil. Bonifacius. So dächte ein -Dramatiker, der mit der Bühne rechnet. Allein der romantische Poet -denkt anders, er geht wieder, wenn auch in dramatischer Verkleidung, -die Wege des Epikers. Die umfassende Fülle der romantischen Poesie muss -nothwendig den straffen dramatischen Rahmen sprengen. Die Romantik -drängt überhaupt zum Epischen hin.[474] Der Roman „tingiert“ ja -die ganze moderne Poesie.[475] Tieck will „Leben und Tod der heil. -Genoveva“ schildern und er will auch in seiner Ehrfurcht vor dem Alten -das ganze Volksbuch, selbst seine unwesentlichen Bestandstücke, die nur -der Stimmungsmalerei oder der Maskierung von Vorgängen hinter der Scene -dienen können, beibehalten und in neuer Schönheit aufgefrischt erstehen -lassen. Was das Volksbuch enthält, ist, wie uns die Romantiker schon -belehrten, ein altehrwürdiges, heiliges Gut, von dem kein Gran verloren -gehen darf. Auch diese Tendenz der Romantik hindert ein dramatisches -Concentrieren. Sie begegnet sich aber in unserem Falle mit der Idee von -der romantischen Universalpoesie. - -Der alte poetische Schatz darf durch neue Motive bereichert werden, -wenn es dem Dichter gelingt, solche herbeizuschaffen, die neben dem -Alten nicht unwürdig erscheinen. Poetisch oder nicht poetisch? Das ist -die einzige Frage, nicht aber innere Nothwendigkeit, künstlerische -Straffheit der Composition in Lessings Sinne. Die romantische -Poesie „umfasst alles, was nur poetisch ist“.[476] „Poetisch“ und -„romantisch“ fließen für Schlegel und Tieck allmählich ineinander. -Das bunte, bewegte Bild eines Krieges, der dazu einem idealen -Zwecke dient (Kreuzzug), eines Krieges im fernen Mittelalter, wo -Morgenland und Abendland feindlich zusammentreffen, wo Schlachtenlärm -und Liebesseufzer sich vermengen: in einem solchen Bilde ist alles -außergewöhnlich, nichts platt und alltäglich, alles ist romantisch, -poetisch.[477] Scenen, in denen Naturburschen, wie Schäfer und Köhler -(Tiecks alte Vorliebe)[478] erscheinen, Menschen, deren Dasein so -innig mit der Natur verwachsen ist, bieten eine andere Seite des -Poetischen. Nur den sublimierten, poetischen Duft dieser Gestalten -sucht Tieck festzuhalten. Darum streift er sorgsam alles alltäglich -Schwere und Prosaische von ihnen ab. Fast nur der singende und der -liebende Schäfer, der Schäfer voll Naturfreude darf hier wie im -„Octavian“ in die Dichtung eintreten. Der „Unbekannte“, die Hexe, Tod -und Engel, der Geisterpilgrim, Wesen, die mit der geheimnisvollen, -überirdischen Welt verbunden sind oder aus derselben in unsere irdische -Alltagswelt hereinkommen, all diese Gestalten gehören auch dem Reiche -des Poetischen, des Romantischen an. Religion und Poesie gehören für -den Romantiker ohneweiters zusammen. - - „Bist du in alter Blindheit ein Bewohner - Von Religion und Poesie verstoßen?“ - -sagt Dante zu Nestor-Nicolai im „Zerbino“. Die Figuren, die dem Gebiete -des Glaubens angehören, gewähren der Phantasie durch ihr Erscheinen -einen „bedeutenden Ausblick in die Ferne“, in eine geheimnisreiche -Ferne, in die auch Wunder und Visionen und Träume den ahnenden Blick -lenken. Solche „Ausblicke“ sind nach A.W. Schlegel ein Charakteristicum -des Romantischen.[479] Die Natur in ihren geheimen Wechselbeziehungen -mit dem Menschengemüthe, die das Volksbuch noch nicht kennt, ist eine -poetische Macht, vor der sich selbst der gemüthsdürre Merkel beugt. -Mit den Liedern und lyrischen Ergüssen, welche die Welt des Gemüthes -selbst entschleiern, mit Ahnung und Erinnerung und Sehnsucht gelangen -wir ins Centrum alles Poetischen, zur seelischen Empfindung.[480] -All das darf in Tiecks romantisches Trauerspiel aufgenommen werden; -denn nichts Poetisches ist von der romantischen Universalpoesie -ausgeschlossen. Die unendliche Mannigfaltigkeit all dieser Motive ist -dabei nicht etwa ein Product zügelloser Phantasie. Eine solche gibt es -für den Romantiker gar nicht.[481] Das Mannigfaltige und Bunte ist ihm -an sich poetisch. Shakespeare ist „um so poetischer (als die Spanier) -als er mehr Mannigfaltigkeit entwickelt“.[482] Was Tieck für poetisch -ansieht, erfahren wir ungefähr aus „Zerbino“ und „Octavian“. Die Scene, -mit welcher der „Prolog“ des letzteren Dramas schließt, vereinigt in -der Bühnenanweisung wie in einem Inhaltsverzeichnis die Elemente des -Poetischen. „Musik. Mit Trompeten kommen die Krieger auf der einen, die -Schäfer mit Flöten auf der andern Seite zurück. In der Mitte stehen -Glaube und Liebe, zur Seite des Glaubens Tapferkeit, zwischen ihnen der -Liebende und die Pilgerin, neben der Liebe der Scherz, zwischen diesen -der Ritter und das Hirtenmädchen, im Vorgrunde der Dichter und die -Romanze.“ Naturfreude, Lust an Farben und Tönen, Sehnsucht, Reiselust, -Ahnung und Erinnerung begegnen uns im „Aufzug der Romanze“ wie im -Garten der Poesie als Töne, die sich zum großen romantischen Accord -vereinen. Der Garten der Poesie ist überdies eine blühende Wildnis. -Große, seltsame Wunderblumen, wie sie der alte vernünftige Nestor nie -in seinem Leben sah, blühen darin, alles im üppigen, phantastischen -Überfluss und alles glänzt und tönt und singt und plaudert und spricht -wundersame Geheimnisse aus, die als Ahnungen und Stimmungen ans -Dichtergemüth klingen. Fast all diese poetischen Dinge treffen wir -auch in der „Genoveva“, nur der Scherz und die contrastierende derbe -Prosa fehlen, weil sie nach des Dichters Meinung den Legendenton der -Dichtung stören würden. Es war gewiss ungerecht, wenn man in blinder, -parteiischer Voreingenommenheit und in ödem Verständigkeitsfanatismus -die diesen Motiven und Stimmungen immanente poetische Kraft hartnäckig -übersah, wie es die rationalistischen Feinde der Romantik in ihren -Recensionen thaten, die Nicolai und Merkel, die nur borniert witzelnd -auf „die abgeschmackte Legende, zu der Tieck noch lächerliche -Abenteuerlichkeiten hinzusetzte,“ von oben herabblickten.[483] Sie -konnten allerdings nicht anders. „Trägt jeder um sich ein siderisch’ -Haus, kann aus seiner Heimat nicht heraus.“ - -Soll aber die Freude des Genießenden am Kunstwerk rein und voll sein, -dann darf das Poetische, das Phantasie und Gemüth erweckt und fesselt, -nicht als chaotische, unüberschaubare Masse vor uns erscheinen, sondern -Einheit und Geschlossenheit kommen einem anderen, dem eigentlich -künstlerischen Bedürfnisse unseres Geistes, entgegen. A.W. Schlegel -übersah diesen Sachverhalt nicht. Er findet im Verhältnis von Tag und -Nacht ein zutreffendes Bild unseres geistigen Daseins. „Einige Dichter -haben den gestirnten Himmel so vorgestellt, als ob die Sonne nach -Endigung ihrer Laufbahn in alle jene unzähligen leuchtenden Funken -zerstöbe: dieß ist ein vortreffliches Bild für das Verhältnis der -Vernunft und Fantasie: in den verlorensten Ahndungen dieser ist noch -Vernunft; beyde sind gleich schaffend und allmächtig, und ob sie sich -wohl unendlich entgegengesetzt scheinen, indem die Vernunft unbedingt -auf Einheit dringt, die Fantasie in grenzenloser Mannigfaltigkeit ihr -Spiel treibt, sind sie doch die gemeinschaftliche Grundkraft unseres -Wesens.“[484] - -Ein Centrum im Kunstwerke ist nöthig, in dem alle Linien -zusammenlaufen.[485] Ein Hauptcharakter, eine Haupthandlung muss -so in der Dichtung herrschen, dass nicht das Nebenwerk mit seiner -Fülle das Ganze überwuchert. Die Empfindung dieser geschlossenen, -gerundeten Einheit wirkt mit wohlthätiger Befriedigung auf den -Geist des Genießenden. Wie sieht es aber in der „Genoveva“ aus? Bis -in die Mitte des Stückes laufen nicht weniger als drei Handlungen -nebeneinander her. Golos Liebeswerben, die Liebe zwischen Heinrich und -Else und die Lagerscenen, die sich ihrerseits wieder als christliches -und saracenisches Lager in zwei selbständigen Reihen entwickeln. -Von der Eroberung Avignons bis zu Genovevas Verstoßung begleiten -sich allerdings nur die Vorgänge auf dem Schlosse und in Straßburg. -Im weiteren Verlaufe bis zur Auffindung der Verstoßenen haben wir -aber wieder drei Fäden zu verfolgen: die Ereignisse auf Siegfrieds -Schloss, Genoveva in der Wüste, Golo im Walde. Erst am Ende vereinigt -sich wieder alles auf dem Schlosse, von dem die ganze Handlung -ausgegangen war. Diese verschiedenen Reihen durchschneiden sich und -kreuzen sich im bunten Wechsel, wie die Bilder eines Kaleidoskopes. -Es gibt ein verwirrendes, traumhaftes Hin und Her. Das ist auch -nicht verwunderlich, da Tieck selbst im Traumleben allen Ernstes das -wahre Vorbild für das dichterische Schaffen sehen will.[486] Ein -Lieblingsgedanke, auf den er immer wieder zurückkommt. Auch keine -Persönlichkeit steht derart beherrschend in der Mitte, dass wir den -Eindruck einer sicheren Einheit bekämen. Das erste Viertel der Dichtung -beherrschen die Kriegsscenen mit Karl Martell an erster Stelle. Dann -treten Golo und Genoveva in den Vordergrund. In der zweiten Hälfte -fällt das meiste Licht auf die verbannte Dulderin. Also weder eine -sicher geführte Haupthandlung noch eine das Ganze beherrschende -Persönlichkeit gibt der Dichtung einen festen Halt. An ein -symmetrisches Abwägen der einander entgegenstehenden Personengruppen -nach Zahl und innerer Bedeutung, wie wir es an manchen Goethe’schen -Dramen beobachten („Iphigenie“), wie es in hohen Kunstzeiten die -bildende Kunst uns zeigt (Griechische Kunst, Frührenaissance), -denkt Tieck in seinem romantischen Gedichte nicht. Es würde die -Mannigfaltigkeit darunter leiden. - -Wenn auch niemand vom romantischen, episch denkenden Dramatiker jene -„strenge gerade Linie“ verlangt, nach welcher einem Schiller’schen -Worte gemäß der tragische Poet fortschreiten muss, so möchte man doch -erwarten, dass ersterer sich wenigstens auf einer Hauptrichtung halten -müsse, und zwar so, dass diese Hauptrichtung dem Leser nie ganz aus dem -Gesichtskreise schwinde. Tieck mit seiner ästhetischen Traumtheorie und -Fr. Schlegel, der romantische Gesetzgeber, denken aber einmal anders in -diesen Dingen. Das Hervortreten und Zurückweichen der einzelnen Figuren -in der „Genoveva“ lässt den Leser unwillkürlich an jenes Schlegel’sche -Fragment denken, das vom Romanhelden sagt:[487] „Es ist nicht einmal -ein feiner, sondern eigentlich ein recht grober Kitzel des Egoismus, -wenn alle Personen in einem Roman sich um Einen bewegen wie Planeten um -die Sonne, der dann gewöhnlich des Verfassers unartiges Schoßkind ist, -und der Spiegel und Schmeichler des entzückten Lesers wird. Wie ein -gebildeter Mensch nicht bloß Zweck sondern auch Mittel ist für sich und -für andere, so sollten auch im gebildeten Gedicht alle zugleich Zweck -und Mittel seyn. Die Verfassung sey republikanisch, wobey immer erlaubt -bleibt, dass einige Theile activ andere passiv seyn.“ Es erscheint die -„Genoveva“ beim ersten Lesen „wie ein Traumbild ohne Zusammenhang, ein -Ensemble wunderbarer Dinge und Begebenheiten“. Wir dürfen auch nicht -vergessen, dass es erstes Gesetz der romantischen Poesie ist, „dass die -Willkür des Dichters kein Gesetz über sich leide“ und auch im „Zerbino“ -hebt und senkt sich der Vorhang sechsmal und nicht öfter „ohn’ alle -Ursach’, wenn Willkür nicht hinreichend Ursach ist“.[488] - -Der bunten Mannigfaltigkeit und dem Reichthum an Handlung entspringt -der schrankenlos willkürliche Wechsel des Schauplatzes. Die Scene -wechselt in der „Genoveva“ einundsechzigmal. Man zählt achtundzwanzig -voneinander verschiedene Örtlichkeiten. Und wie die Schranken des -Raumes, so fallen für die souveräne romantische Phantasie auch jene der -Zeit. Das Stück umschließt ungefähr einen Zeitraum von acht Jahren. -Allerdings an eine festgefügte Chronologie im Stücke denkt der Dichter -nicht; nur so nebenher bekommen wir die eine und andere Zeitangabe, -wobei der Dichter aber nicht auf chronologische Klarheit abzielt. -Es erscheinen bei Tieck die Tages- und Jahreszeiten gerade so wie -die Örtlichkeiten fast nur als stimmungsvoller Hintergrund für die -Vorgänge. Dieser Stimmungswert der Zeitmomente und Raumverhältnisse ist -ihm das Wichtigste. Wie weit er dabei zu gehen vermag, sieht man aus -der Aufeinanderfolge der Scenen „Gefängnis“ und „Dorf“.[489] Für die -gefangene Mutter im Thurme braucht der Dichter die rauhe Jahreszeit, -für die Schäferhochzeit den Frühling. Dass dem Stimmungsgehalt -von Ort und Zeit ein weit höherer Wert beigelegt wird, als einer -deutlichen chronologischen Folge innerhalb der Dichtung, entspricht -der romantischen Hochschätzung der Stimmungen, die „allein glücklich -machen“. „Der Wechsel der Zeiten und Örter, vorausgesetzt, daß sein -Einfluß auf die Gemüther mitgeschildert ist,“ gehört nach A.W. -Schlegel[490] zu den „wahren Schönheiten“ der romantischen Poesie. -Wir hören wohl einmal, dass Siegfried drei Monate verheiratet sei, -als er in den Krieg zieht. Das zehnmonatliche Fernsein wird erwähnt, -um Genovevas Untreue zu begründen. Zwei Monate darauf ist Siegfried -in Straßburg. Von da an ungefähr gerechnet, sieht Genoveva „sieben -Frühlinge“ in der Wüste. Diese Angaben des Volksbuches beizubehalten -verlangte schon die „Heiligkeit der Tradition“. Größere Zeiträume sind -also beiläufig markiert; aber innerhalb derselben überlässt der Dichter -alles weitere dem Leser oder er wählt die Zeit nur, um sie der Stimmung -der Scene dienstbar zu machen. Was noch nach der Wiederauffindung -Genovevas folgt, verschwimmt zeitlich ganz ins Unbestimmte. Es heißt -nur, dass Genoveva noch kurze Zeit lebte. Wohl mit Absicht wird hier -jede bestimmte Zeitangabe vermieden. Durch die unbestimmte Zeit führt -der Dichter die Phantasie des Lesers am besten dem Punkte entgegen, -wo Zeit und Ewigkeit ineinanderfließen und wo Genoveva erst visionär, -dann wirklich in ein Reich eintritt, wo Zeitliches und Irdisches -aufhören.[491] So will es wieder die romantische Phantasie, welche -„bedeutende Ausblicke in die Ferne“ liebt. Der Prophetenblick des -„Unbekannten“ schaute früher „weit hinab“ in irdische Zeitfernen, -am Schlusse verliert sich der Blick über Raum und Zeit hinaus in -die unbegrenzten Fernen der Ewigkeit. Auch nach rückwärts in die -Vergangenheit ist die Zeit gewissermaßen schrankenlos: Bonifacius -ersteht von den Todten und kommt aus ferner Zeit in die Gegenwart her, -wenn er auch ein anderesmal als mitlebender Zeitgenosse auftritt. - -Nirgendwo sehen wir Tieck aus den Bedingungen der theatralischen -Kunst heraus im größeren Umfange arbeiten, obschon er die dramatische -Form zumeist in seiner Dichtung äußerlich festhält, sondern er erbaut -sich in der Phantasie eine Bühne für die Phantasie[492] und auf -dieser Bühne ziehen all diese Wunder vorüber. Das Ganze scheint, wie -oben bemerkt wurde, beim ersten Anblick nur ein traumhaft bewegtes, -phantastisch durcheinanderwirbelndes Chaos und alles künstlerisch -Gesetzmäßige scheint grundsätzlich ausgeschaltet zu sein. Aber doch -nur scheinbar. Wenn auch kein innerlich begründetes Maß und Gesetz -die vorüberschwebenden Phantasien in schönem Gleichmaß belebend -abtheilt, so sucht der Dichter den Leser in anderer Weise dafür -zu entschädigen, indem er einmal eine äußerliche Symmetrie in die -Disposition bringt. Der Höhepunkt der Verwickelung, die endgiltige -Abweisung der Anträge Golos und der Umschlag seiner Liebe in Hass -und Rachsucht fällt fast ganz genau in die Mitte des ganzen Werkes -und dies fügt sich eben dadurch so merkwürdig, dass der Dichter die -Kriegsscenen so außerordentlich ausdehnt. Der Hauptkörper der Dichtung, -das „eigentliche Trauerspiel“, der Conflict zwischen Genoveva und Golo, -wird symmetrisch flankiert von einer „Ouvertüre“ zum Ganzen und jenem -Theile, in dem die tragischen Empfindungen beruhigend ausklingen, und -die drei Theile sind durch epische Zwischenglieder getrennt.[493] Die -Zumuthung einer so rein äußerlichen Gliederung scheint ja bei dem -besprochenen Gesammtcharakter der Dichtung erst überraschend und -pedantisch. Weniger unglaubhaft wird die Sache schon, wenn man Tieck -im „Phantasus“ über Proportion und Symmetrie im Drama spintisieren -hört.[494] Es war auch für den Romantiker das intellectuelle und -ästhetische Bedürfnis einer gewissen Proportion der Theile vorhanden. -Und dass man ihm derartiges zutrauen darf, dazu geben noch andere -Künsteleien in der „Genoveva“, besonders das Spiel mit den schier -zahllosen Contrasten, das sich durch das Stück zieht, ein Recht. Dieses -contrastierende Beziehen der Vorgänge aufeinander soll offenbar auch -die bunte, unharmonische Menge belebend abtheilen helfen. Der Contrast -wird zwar von vielen anderen Dichtern auch als Compositionsmittel -verwendet. Aber die Gegensätze wachsen z. B. in Schillers Dichtung -natürlich und zwanglos aus dem Wesen des Inhaltes heraus: Tieck -trägt sie meist willkürlich von außen hinein. Auf die Contraste im -großen, die Contraste der Natur und Religion mit der Leidenschaft, -des Wunderbaren mit dem Alltäglichen, dem allen zusammen wiederum der -Krieg gegenübersteht, weist Tieck selbst hin.[495] Er thut aber in der -Dichtung noch mehr, er führt die Contraste bis in kleine Einzelheiten -herab durch. Schon in den Abschiedsscenen begegnet eine ganze Reihe von -Gegensätzen. Geistliche Unterredung der Diener -- feierliche Ansprache -des Capellans. Scene im Schloss -- Hirtenscene im Freien. Der Ritter -und die Hirten. Das traurige Lied und das heitere Lied. Genoveva ist -tiefbetrübt über den Abschied -- der Hirte Heinrich freut sich, dass -es bald schöne Nachrichten gibt. Von der Hirtenscene geht es ins -Kriegslager. Hier stehen sich Christen und Saracenen gegenüber, Karl -der bedächtige Feldherr und Aquitanien der feurige Jüngling, Kriegslärm -und romantische Liebe. Auf Siegfrieds Schloss sehen wir indessen -Golo und Benno im weltlichen Gespräch -- Genoveva bei geistlicher -Betrachtung. Vom Kriegsschauplatz versetzt uns der Dichter in den -Garten und in die träumerisch weiche Sommernacht. Heitere Mahlzeit -- -Intrigantenscene. Im weiteren begleiten die Kriegsscenen im parallelen -Widerspiele die Liebesscenen zwischen Golo und Genoveva. Die Franken -möchten die Stadt erobern -- Golo möchte Genovevas Gunst erringen. Die -Mohren planen einen Überfall -- Golo und Gertrud berathen den Angriff -auf Genovevas Ehre. Der Überfall im Lager ist in die Mitte gestellt -zwischen Golos Überfall im Garten und den Überfall auf Genovevas -Zimmer. Siegfried wird verwundet, Otho getödtet, aber das christliche -Heer bleibt siegreich -- Genoveva und Drago werden eingekerkert, sie -sind aber die moralischen Sieger. Golo beschenkt Heinrich, der dann -mit Elsen voll Glück und Jubel ist -- Golo selbst ist voll finsterm -Trübsinn und lässt der unschuldig Gefangenen kaum das Nothdürftigste -gewähren. Genoveva klagt im Thurme -- draußen jubelt die Hochzeit. Zwei -Diener lassen sich als Mörder Genovevas dingen -- Else erweist sich -Genoveva dienstbar und beklagt mit Wendelin das Schicksal der Herrin. -Genovevas Klage in der Wüste -- Siegfrieds Trauer auf dem Schlosse. -Lärmende Jagdlust -- Golos Trauer um Genoveva. Auch im letzten -Abschnitte der „Genoveva“ setzen sich die Contraste fort. Tod der Hexe --- erste Sterbescene Genovevas. Der unglückliche Golo beim glücklichen -Schäfer Heinrich. Golo will jagen und fühlt sich selbst als gehetztes -Wild. Endlich Golos trauriger Tod -- Genovevas verklärtes Hinscheiden. - -Was erst noch als chaotisches, phantastisches Gewühl durcheinander -wogte, bekommt beim Verfolgen dieser contrastierenden Beziehungen auf -einmal eine ganz andere Gestalt; das scheinbar Kunstlose, Wildwüchsige -zeigt uns hier ein verstandesmäßiges, klügelndes zweites Gesicht. -Wie den Scherz eines Vexierbildes muss man diese Künstlichkeit durch -genaues Zusehen entdecken. Bernhardi verfolgt in der Besprechung, -die er der Dichtung seines Freundes widmet,[496] mit sichtlichem -Vergnügen dieses Aneinanderreihen von Contrasten und spendet dem Autor -dafür reiches Lob. Mit Recht, soweit sich diese Gegenüberstellungen -ungezwungen aus dem Inhalte ergeben. Tieck begnügt sich aber nicht mit -diesen, er trägt allerhand Contraste allzuklügelnd hinein, versteckt -und häuft sie vor allem zu sehr, so dass hier Merkel auch nicht ganz -Unrecht hat, wenn er das Spiel mit den Gegensätzen „gemacht“ findet. - -Einen feineren und sinnreicheren Rapport stellen gewisse geheime, leise -Fäden her, die einzelne Momente, Scenen und Schicksale leicht andeutend -verknüpfen und mit diesen Andeutungen unbestimmte Ahnungen im Gemüthe -des Lesers aufkeimen lassen. Die Kapelle mit der Morgenbeleuchtung -am Anfange und Schlusse des Stückes. Golos Pferd stürzt beim ersten -Erscheinen des Ritters im Drama, das traurige Lied ergreift ihn ganz -räthselhaft -- sein Pferd stürzt wieder, als er Genoveva retten möchte -und das Lied hat ihm prophetisch für sein Geschick geklungen. Den -Schäfer Heinrich aber ficht das traurige Lied nicht an, er freut sich -an seinem heiteren: auch dies ist ein ahnungsvolles Präludium für sein -späteres Schicksal. Otho und Siegfried begrüßen sich anfangs freudig -im Lager, nehmen nach der letzten Schlacht wehmüthig Abschied für -immer, am Ende des Stückes kommt Othos Geist als Tröster zum trauernden -Grafen. Gerade Siegfried macht eine thöricht herablassende Bemerkung -über Zulmas Treue und gerade er muss dafür büßen; denn Zulma wird für -ihn ein Beispiel unerschütterlicher Treue gegenüber der vermeintlichen -Untreue Genovevas. Die Hexe gibt den letzten Anstoß für Genovevas -Verurtheilung und ihr Bekenntnis bringt die Unschuld der Verstoßenen -endgiltig ans Licht. Golo möchte Genoveva im „stillen Thale“ -verscharren lassen, ihm selbst wird dies Los zutheil. Auch Genovevas -und Siegfrieds Ahnungen, die sich ganz oder theilweise erfüllen, müssen -hieher gezählt werden. Es lässt sich an einzelnen dieser Fälle auch -unschwer beobachten, wie Tieck diesen Beziehungen einen Anflug von -tragischer Ironie gibt. Die Hauptsache aber bleibt ein ahnungerregendes -Verbinden verschiedener Momente überhaupt. Das scheinbar Verworrene -entfaltet sich so nach geheimen höheren Gesetzen. Es wird ein -„vernünftiges Chaos“, eine „künstlerisch geordnete Verwirrung“, eine -„reizende Verwirrung“, wie die romantischen Schlagworte lauten. -Bernhardi findet dies ganz besonders herrlich und es entschädigt ihn -für jede fehlende organische Gliederung des Stoffes. „Mit einem Worte, -in diesem einzigen Punkte ist eine so lieblich verwirrende Perspective; -ein so reizender, optischer Betrug und eine so leise Allegorie, dass -man wirklich nicht weiß, wie man die Kunst, welche sich durch diese, in -sich unendliche Künstlichkeit offenbart, genug bewundern soll.“[497] - -Durch dieses überkünstliche Schalten mit Contrasten, Parallelen -und verborgenen Beziehungen, die wie ein Netz die ganze Dichtung -überziehen, wird unser künstlerisches Bedürfnis noch nicht vollauf -befriedigt, weil diese Dinge theils zu versteckt sind und theils -zu äußerlich und spielerisch hineingetragen erscheinen und so nie -imstande sind, eine klare Disposition und einheitliche Führung der -Handlung zu ersetzen. Allein Tieck begnügt sich nun einmal mit dieser -Art zu gliedern und zu verbinden. In der Zeit, als unsere Dichtung -entstand, war von den Romantikern eben die freie, spielerische Willkür -der dichterischen Phantasie in ihre Herrschaft eingesetzt worden. -Wenige Jahre nachher tadelt es A.W. Schlegel bereits, dass man in -dieser Periode die bloß spielende, müßige, träumerische Phantasie -allzusehr zum herrschenden Bestandtheil der Dichtung gemacht habe. -Tieck selbst hält länger an seiner Neigung fest. Noch im „Phantasus“ -versteht Lothar unter „dramatisieren“ nicht mehr als „Sinn und -Zusammenhang“ in die Dinge bringen. Auch über die Nothwendigkeit eines -inneren Mittelpunktes der Dichtung stellt Tieck noch 1828 ziemlich -bescheidene Forderungen auf. Der „Paradoxe“ sagt einmal über die -Lenzischen Werke: „Kann nicht, wie bei einem echten Kunstwerk, der -regierende Geist aus dem inneren Mittelpunkte alle Theile, bis zu dem -entferntesten durchdringen, so muß wenigstens von außen eine fast -gewaltsame Regel die widerspenstigen Elemente in Ordnung halten, wenn -sie diese natürlich auch nicht ganz bezwingen kann.“[498] Man möchte -meinen, der „Paradoxe“ habe dabei auch ein wenig an Tiecks „Genoveva“ -gedacht, in der sich uns recht eigentlich „ein sentimentaler Stoff in -einer phantastischen Form darstellt“.[499] - - -2. Das Religiöse. - -Über den religiösen Grundzug, den die Auffassung der Genoveva-Legende -in Tiecks Bearbeitung zum Unterschiede von den unmittelbaren Vorgängern -und Nachfolgern, die den nämlichen Stoff behandelten, aufweist, war -die Kritik im allgemeinen immer einig. Das hinderte aber nicht, dass -die einzelnen religiösen Anschauungen, die Tieck in seinem Werke in -reichlicher Menge vorträgt, sowie die Art ihrer Verwendung recht -verschiedene Urtheile hervorriefen. Die religiöse Seite der „Genoveva“ -ist für den Geist der Romantik von 1800 ganz besonders bedeutsam und -kennzeichnend. Eine eingehende Prüfung dieses religiösen Gehaltes -und seiner Verwertung lässt sich daher in einer Charakteristik der -„Genoveva“ nicht umgehen. - -Schon bei der Frage nach dem Einflusse Calderons musste die Bemerkung -fallen, dass Tieck keinen Charakter schafft, dessen Denken und Thun -so recht eigentlich aus religiösem Grund und Boden emporwächst, der -in seiner ganzen Existenz klar und einfach von bestimmten religiösen -Anschauungen beherrscht wird. Zum großen Theile gelingt ihm dies noch -bei der Heldin Genoveva, wenn er das Leiden und Dulden der unschuldig -Verstoßenen und ihre weichen frommen Stimmungen schildert. Nur ist -hier das Verdienst des Dichters nicht allzugroß, weil ihm schon -das Volksbuch das Beste, was seine Genoveva an wirklicher Religion -besitzt, an die Hand gegeben hatte. Fehlt also dem Werke Tiecks in -vielen Partien ein fester innerer religiöser Kern, ein ernst und tief -empfundenes religiöses Leben, so klebt der Dichter umsomehr äußere -Decoration an allen Ecken und Enden auf, um dem Ganzen eine religiöse, -fast katholisch-kirchliche Färbung und Stimmung zu geben. - -Es wird in Tiecks Dichtung besonders viel von religiösen Dingen -und Anschauungen geredet, bald ausführlich, bald im flüchtigen -Vorübergehen. Wir hören da von Gott und der Dreieinigkeit.[500] Gott -heißt der Erhalter der Welt,[501] er erscheint als der Spender alles -Guten[502] und als Lenker aller Dinge,[503] zu dem man in Freude -und Leid vertrauend aufblicken darf.[504] Zu ihm wird gebetet,[505] -er wird als Zeuge für die Wahrheit im Schwure angerufen[506] und -auch seine Heiligen erscheinen als Fürbitter für die Menschen.[507] -Gott ist der Richter aller Menschen; darum ergreift den Sünder die -Gewissensqual, der Reuige darf aber vom barmherzigen Gotte Verzeihung -hoffen.[508] Gott greift ferner durch Wunder und Visionen hie und da -in die Geschicke der Menschen ein[509] und das Eingreifen Gottes im -größten Umfange zu Gunsten der Menschheit, die Erlösung durch Jesus -Christus wird in einer Dichtung, wie die „Genoveva“ selbstverständlich -nicht übergangen.[510] Es wird auch erörtert, wie die Christenheit das -Werk des Erlösers fortzuführen und seinen heiligen Kampf gegen alle -Widersacher des Guten zu kämpfen hat.[511] Hierarchie und christliches -Kaiserthum, die beiden gewaltigsten Weltmächte des christlichen -Mittelalters, werden im schwachen Umrisse angedeutet.[512] Es wird -gelegentlich auch gezeigt, wie der einzelne Mensch durch den Unterricht -in der Heilslehre[513] zu seiner christlichen Gesinnung kommt, wie er -sich vervollkommnet und im Glauben erhält durch eifriges Lesen von -Bibel und Legende,[514] durch Gebet und Theilnahme am Gottesdienst[515] -und wie ihm Gottes Gnade in seinem geistlichen Leben zuhilfe kommen -muss, die ihm besonders durch die Sacramente vermittelt wird.[516] -Durch die Betrachtung des Beispieles Christi und der Heiligen lernt -die heil. Genoveva Geduld, Verzeihen und Feindesliebe.[517] Sie löst -sich immer mehr von der Erde los und blickt mit immer tieferem Sehnen -nach der Ewigkeit hinüber, nach der das ganze Leben nur eine Wallfahrt -ist.[518] Alle Erdengüter erscheinen als eitel und nichtig.[519] Dem -heiligen Leben folgt endlich die himmlische Verklärung.[520] - -Die heilige Musik religiöser Gefühle soll, wie Schleiermacher wünscht, -nie im Menschen verstummen. Darum führen die Figuren in der „Genoveva“ -bei jeder Gelegenheit religiöse Ausrufe und Redensarten im Munde. -Diese wird man allerdings nur bei jenen ernst nehmen, deren fromme -Gesinnung schon aus ihrem übrigen Gebaren deutlich ist; sonst hat ein -„Gott Lob!“, „Wollte Gott!“ u. dgl. nicht viel zu sagen. Denn es -treten, das Bild zu vervollständigen und durch Schatten zu erhöhen, der -reinen Form des Christenthums noch verschiedene trübe Äußerungen des -religiösen Triebes an die Seite: Sternencult und Schicksalsglaube,[521] -Hexenwahn[522] und muhamedanisches Heidenthum.[523] Magie und -Sternkunde, die mit Vorstellungen Jakob Böhmes und der Naturphilosophen -versetzt sind, boten für Tieck kaum nach der religiösen Seite viel -Anstößiges, da nach romantischer Auffassung alles Religiöse ja nur -ein Zweig des einen Urreligiösen ist. Das Geheimnisvolle und zum -Gemüthe Sprechende in der Religion ist immer poetisch und daher -auch andererseits ein Bestandtheil der einen universalen, von den -Romantikern gesuchten Urpoesie. Erst durch die Absicht, welche die Hexe -mit der Magie verbindet, wird diese Kunst ethisch unterwertig. An sich -hat die Magie für den Romantiker ihren hohen poetischen Wert. - -Soviel läßt sich von religiösen Anschauungen verschiedenster Art aus -der „Genoveva“ herauslesen und diese reichliche Fülle, die so vielerlei -aus der christlichen Glaubenslehre berührt, über die ganze Dichtung -ausgebreitet, reicht ohne Zweifel aus, ein lebhaftes religiöses Colorit -zu erzielen. - -Für das künstlerische Moment ist es nun von großer Wichtigkeit, -daß sich diese Anschauungen in schönem Wechsel auf einzelne Träger -vertheilen. In der Dichtung, die ein ideales Nachbild des Lebens ist, -können ja naturgemäß nicht alle Leute gleich fromme Christen oder -Vertreter derselben religiösen Anschauungsweise sein, da sie es im -Leben auch nicht sind. Den reichsten Glanz religiöser Verklärung läßt -Tieck auf die Titelheldin seines Werkes ausströmen, auf die „heilige -Genoveva“. Bis auf geringe Schwankungen des Gemüthes erscheint ihr -Denken, Reden und Handeln immer wenigstens in religiöser Beleuchtung. -Wir blicken zurück bis in die Tage ihrer klösterlichen Erziehung, in -denen sie sich durch eine himmlische Vision als außerordentliches -Wesen ankündigt. Alle Arten frommer Übungen und strenge religiöse -Pflichterfüllung sind der Hauptinhalt ihres Lebens. Gottvertrauen, -Geduld und Ergebung, feste Gattentreue, die wenigstens theilweise -religiös motiviert erscheint, fromme Muttersorgfalt, Feindesliebe, -Weltentsagung sind ihre Tugenden. Der Himmel begnadet sie öfters in -ihrem Leben mit Wundern und Visionen und als sie in die Seligkeit -eingegangen ist, verehrt die Christenheit ihr wunderthätiges Bild auf -den Altären. Tieck will eine Heilige des katholischen Mittelalters -schildern, eine „Kirchenheilige“, so gut er es vermag. Die Ergebung, -Aufopferung und das fromme Dulden ist ihm dabei die Hauptsache -an seiner Heiligen, wie wenigstens des Dichters Freund Bernhardi -versichert.[524] Unsicheres Schwanken ihres religiösen Sinnes zeigt -Genovevas Verhalten gegen Golos Anträge, das eine leise Neigung für -den Versucher in einem ganz versteckten Winkel ihres Herzens ahnen -lässt.[525] Vielleicht hatte Tieck auch das Bedürfnis, dem langen -Leiden wenigstens eine kleine Schuld vorangehen zu lassen, um so -seine Heilige auch wieder ein wenig aus ihrer Höhe in die Sphäre -allgemein menschlichen und des traditionellen tragischen Empfindens -herabzurücken. Eine Beziehung zwischen dieser Verschuldung und dem -späteren Leiden wird aber nicht angedeutet. Diese Neigung selbst -erscheint Genoveva als große Sünde. Eine schiefe Auffassung; nicht -diese Empfindung selbst kann sündhaft sein, sondern Genovevas Benehmen -gegen Golo wäre es, wenn es nicht zu „naiv“ wäre. Möglich, dass Tieck -seiner Heiligen die vom Evangelium verlangte Taubeneinfalt geben zu -müssen glaubte. Die angestrebte unschuldige Einfalt wird dem Dichter -aber unter den Händen zur peinlichen Einfalt. Die Meinung, dass eine -Frau in der Ehe für „die Liebe Christi“ verloren sein müsse, das -Seltsame, dass die fromme Klosterschülerin sich erst von Drago die -Bedeutung der irdischen Leiden erklären lässt, eine gelegentliche -fatalistische Äußerung, eine Bemerkung des heil. Bonifacius, die auf -ein üppig behagliches Leben der Heiligen vor der Verbannung schließen -lässt: all das sind Dinge, die den Leser zwar stören, die man aber -Tieck bei seiner idealisierenden, nur auf die Gesammtstimmung, auf das -„Totale“ abzielenden Dichtungsweise nicht mit allzu eiserner Logik -nachrechnen darf. Zum guten Theile muss man solche Unebenheiten wohl -auch der leidigen Gewohnheit des Dichters „alla prima zu malen“[526] -zuschreiben. - -Um Genoveva gruppiert sich eine Reihe von Menschen, über welche die -religiösen Lichter in mancherlei Abstufungen bald reicher, bald -sparsamer hinspielen: Schmerzenreich und Siegfried, Wolf, der Kapellan -und Drago, Wendelin und Else, Grimoald und Heinrich. - -Der frommen Mutter am nächsten zur Seite steht ihr Söhnchen -Schmerzenreich, in dem der Dichter das kindliche Abbild der Mutter -zu zeichnen sucht. Unter Gebeten, religiösen Gesprächen und -Belehrungen wächst der Knabe in stiller Waldeinsamkeit auf. Er ist -der selbstverständliche Theilnehmer an den Wundern und Visionen. Von -allem irdisch sündhaften Wesen unberührt, wird die Himmelssehnsucht -in der kindlichen Seele schon so mächtig, dass der unmündige Knabe -auf das väterliche Erbe verzichtet, und die Mutter, sein Liebstes, -ohne Schmerzgefühl sterben, d. i. zu Gott wandern sieht, womit der -Dichter seinem kaum mehr als siebenjährigen Schmerzenreich und selbst -dem frömmsten Leser ein wenig zu viel zumuthet. Schmerzenreich ist so -das unvermischte, fleischgewordene religiöse Empfinden, wie Tieck es -auffasst. - -Neben der heiligen Mutter und dem heiligen Kinde sehen wir im Vater -Siegfried einen guten Christen, der seine religiösen Pflichten zu Hause -erfüllt, der vor dem Auszuge die Sacramente empfängt und sich als -biederer, frommer Rittersmann im Mohrenkriege für die christliche Sache -bewährt. Einen schlimmen Fehltritt begeht er aber in seinem Verfahren -gegen die unschuldige Gattin und schlecht lässt ihm auch sein Glaube -an die Zauberei, gegen die er zuerst Bedenken hat, bis sie ihm als -erlaubt bezeichnet wird. Er sühnt aber seine Sünden durch aufrichtige -Reue, durch strenge Weltentsagung und Buße am Ende. Was Siegfried jetzt -noch ist, das war der alte Wolf ehedem. Er kann nur mehr im Geiste am -heiligen Kriege theilnehmen, sich über den Sieg der Christen freuen und -über den Unglauben der Heiden verdrießlich sein. Wenn Siegfried sich -durch die Zauberin bethören lässt, so hält es Wolf mit den Astrologen. -Wie Siegfrieds Frömmigkeit am Ende der Dichtung in besonders hohem -Grade zum Vorschein kommt, so auch die Wolfs in der letzten Mahnrede an -Golo. - -Auf Siegfrieds Burg darf selbstverständlich ein Burgkapellan nicht -fehlen, ein alter, frommer Lehrer und Rathgeber in allen religiösen -Anliegen. Diese Rolle übernehmen bei Tieck zwei Personen, der Kapellan -und Drago. Der erstere ist nur eine matte Randfigur, die nach einer -Ansprache an die ausziehenden Kreuzfahrer und einer Erbauungsrede -in Sonettform aus dem Stücke verschwindet, um Drago die Leitung der -häuslichen Andachtsübungen zu überlassen. Damit ist das religiöse Thun -beider erschöpft. - -Ein Jünger Dragos ist Wendelin, den Benno einen „halben Pfaffen“ -schilt. Er liest mit Drago fromme Erbauungsbücher, geht mit ihm -gemeinsam zur Kirche und wie Drago bei Genoveva, möchte er gerne bei -der Dienerschaft Prediger und Gewissensrath sein, findet aber nicht -die beste Aufnahme. Das Kennzeichen von Wendelins Frömmigkeit ist eine -gewisse naive Einfalt.[527] Unerklärt bleibt aber sein scrupelloses -Lügen, durch das er Golo zu Siegfried lockt. Dass er der Gerechtigkeit -mit einem übeln Mittel Vorschub leisten will, kann man vermuthen. Der -Dichter lässt uns darüber im Unklaren. In der frommen Naivetät und -Einfalt ist Else Wendelins weibliches Gegenbild, die wie er auf der -Stelle ein Wunder vom Himmel zur Bestrafung der Bösewichter verlangt -und die wie ihr Gatte Wendelin ihr frommes Gemüth gerade am Gebaren -der wunderbaren Hirschkuh letzt. Als dritter im Bunde tritt zu beiden -ein alter Vertreter frommer Einfalt, der Köhler Grimoald, der auch ein -wunderbares Eingreifen Gottes für die verfolgten Gerechten fordert und -im Mitlaufen des Windspiels zu Genovevas Richtstätte ein Wunder sieht. -Mit einfältigem Unwillen wehrt er sich gegen die Brüderschaft mit dem -Teufel, die ihm Benno scherzend zumuthet. Mehr als sein von ihm selbst -betontes Gottvertrauen und seine Empfänglichkeit für die Morgenstimmung -in der Kapelle erhärtet seinen religiösen Sinn die Furcht vor Sünde -und Verantwortung, die ihn von der Ermordung Genovevas zurückschreckt. -Alle diese Nebenpersonen gebrauchen gerne fromme Interjectionen, -„Bei Gott!“ „Dass Gott erbarm!“ „O Gott!“ „Da solle einen Gott der -Herr bewahren!“ u. s. w. und das erinnert uns stets, dass wir uns in -christlicher Gesellschaft befinden. Diese eingestreuten religiösen -Redewendungen sorgen dafür, dass die „heilige Musik“ in der Dichtung -nie ganz verklinge. Das Christenthum des Schäfers Heinrich beschränkt -sich ziemlich ganz auf diese frommen Ausrufe und für seinen Freund -Dietrich fällt nicht einmal mehr ein solcher Ausruf ab. - -An der Grenze, wo sich die Bezirke der ehrlich gesinnten -Christenmenschen und der gottlosen Leute scheiden, bewegt sich die Amme -Gertrud. Sie bedient sich hin und wieder christlicher Alltagsphrasen -und sieht dann wieder im Laufe des menschlichen Daseins nur -Schicksalsfügung und Notwendigkeit. Tieck hält mit dieser unbestimmten -religiösen Stellung die Amme ganz richtig auf einer unsicheren -Grenzlinie, weil dies ihrer sonstigen Stellung zwischen den Parteien -gut entspricht. Wie sie in der Liebesverwickelung zwischen Genoveva -und Golo vermittelt, so führt uns ihr Schicksalsglaube auch hier zu -Genovevas Gegenspieler Golo. Dieser scheint nicht viel von christlicher -Religion nöthig zu haben. Seine Liebe und sein ritterliches Thun -und Treiben füllen seine ganze Seele aus. Er sehnt sich nach keinem -Jenseits und mit dem Diesseits findet er sich in der Regel mit Hilfe -fatalistischer Gedanken ab,[528] einmal auch durch pantheistisches -Versenken in die Natur. Einmal in seinem Leben, vor dem Tode nämlich, -versucht er christlich zu beten; es gelingt aber nicht. Ein staunender -Ausruf, wie etwa „Herr Jesu Christ!“ kommt bei ihm nicht sonderlich -in Betracht. Fromme Leute (Genoveva, Wolf) sind ihm ehrwürdig, so -lange sie seinen Gedanken und seiner Leidenschaft nicht ernstlich -in die Quere kommen; geschieht aber dies letztere, so sind sie ihm -verhasst. Über die astrologische Geheimkunde denkt der freisinnige -Ritter auch nicht immer gleich. Einmal ruft er dagegen Vernunft und -Religion an, das anderemal nimmt er die dunkle Kunst allen Ernstes -für sich selbst zuhilfe. Nach den begangenen Frevelthaten wandelt ihn -Gespensterfurcht an. Es ist ein beständiges irrlichtelierendes Hin und -Her in seinen Empfindungen, wenn sie das religiöse Gebiet streifen. -Am ernstesten scheint er es noch mit dem Schicksalsglauben zu meinen. -Christliche Wendungen und Bilder gebraucht er gerne im profanen Sinne -zum kräftigen Ausdrucke seiner Leidenschaft. Tieck führt uns in seinem -religiösen Stücke den Bösewicht als unchristlichen Menschen vor, als -wollte er negativ und indirect den Wert und die Erhabenheit frommer -christlicher Gesinnung zeigen. Golo erscheint das einemal als eine Art -Aufklärer, der den Aberglauben verwirft, aber auch der Aufgeklärte -muss sich wieder der Religion gefangen geben, wenn sie auch nur als -Gespensterfurcht oder als pantheistische Stimmung über seine Seele -kommt. So könnte man etwa die Gegensätze zusammenreimen, über die -uns der Dichter nicht aufklärt. Wer das unbesiegbare Hervortreten -des religiösen Bedürfnisses an Golo, daneben ein wenig Aufklärerthum -und den raschen Stimmungswechsel beachtet, denkt wie von selbst an -den Schöpfer dieser Gestalt, in dessen Gemüth ebenso verschiedene -und einander feindliche Geister heimisch waren. Golos gefügiges -Werkzeug, Benno, ist auch in religiösen Dingen das vergröberte Abbild -seines Herrn im kleinen. Er ist gleichgiltig und zweifelsüchtig, er -ärgert sich über den frommen „Tuckmäuser“ Wendelin und von Else wird -er ein „gottloser Mensch“ genannt. Er lässt sich gerne von Golo als -lügenhafter Bote und Mordgeselle dingen. - -Die zweite Seite des religiösen Lebens in der romantischen Ritterzeit, -die gewissermaßen als ein thätiges, religiöses Leben dem beschaulichen -auf Siegfrieds Schlosse sich zugesellt, den Kampf gegen den Erbfeind -des christlichen Namens, enthüllen die breiten Kriegsscenen, die nur -durch Siegfrieds Theilnahme am Kampfe und durch die verschiedenen -Contrastbeziehungen lose an die Haupthandlung geknüpft sind. Als Ideal -des christlichen Helden steht hier Karl Martell in der Mitte. „Für Gott -und Christum“ lautet seine Parole. Vor der Feldschlacht muss Karl noch -den härteren Kampf mit seinen eigenen ehrgeizigen Gedanken auskämpfen, -und nachdem er diesen Kampf, von religiösen Motiven unterstützt, -glücklich bestanden, schenkt ihm der Himmel auch Sieg und Ruhm auf dem -blutigen Felde. Das Gebot der christlichen Selbstbeherrschung wird -stark betont, auch vom unbekannten Weisen, der Karls große Zukunft -prophezeit. Karl Martell ist der christliche Feldherr. Den Typus des -biederen christlichen Kriegsmannes, dessen bedeutendster Lebenszweck -der Kampf für seine Religion ist, stellt Otho dar. Recht drastisch -muss dieser Haudegen seine fromme Gesinnung noch damit zeigen, dass -er sterbend auf dem Schlachtfelde seine Besorgnis äußert, ob er wohl -„ohne Sacrament und Ölung“ selig werden könne und seine Sünden, die -ihm im Leben nicht einmal bewusst waren (!), muss sein wallfahrender -Geist bereuen und büßen. Eine dunkle Vorstellung vom Fegefeuer und -Calderon’sche Anregungen dürften darin zu suchen sein. Siegfried -und der noch farbloser gehaltene Günther sind Othos gleichgesinnte -Waffengefährten. Zum Feldherrn und einfachen Kriegsmann tritt der -vornehme feurige Jüngling Aquitanien, der sich nicht beherrschen und -überwinden kann, ein kleines Gegenstück zu Golo, ein Held, dessen -ganzes Denken dem hohen künftigen Kriegsruhme gehört, so dass bei ihm -für die Religion nicht mehr übrig bleibt als ein paar Redensarten. Das -sonstige Kriegsvolk ist eine nicht weiter individualisierte Masse. - -Als Feinde stehen dem Christenheere die Saracenen gegenüber, die -ihrerseits den Krieg auch als einen „heiligen Krieg“ im Dienste -Allahs und seines Propheten betrachten, zu dem sie beten, den sie -in der Schlacht anrufen, dem Abdorrhaman Vorwürfe macht, wenn -er nicht hilft.[529] Andeutungen eines Sternencultes und der -Schicksalsbestimmung durch die Sterne sind bei den Orientalen in -der Poesie immerhin am Platze. Diese Vorstellungen begegnen uns -ziemlich gleichmäßig vertheilt an Abdorrhaman, Derar, Ali, Zulma. Hier -unterlässt der Dichter ein mannigfaltigeres Abstufen des religiösen -Charakters der einzelnen Gestalten. - -Wie in der Rede des „Unbekannten“ und in den Sprüchen der Hexe Jakob -Böhmes Gedanken mit naturphilosophischen Ideen sich mischen, braucht -hier nicht mehr wiederholt, sondern nur erwähnt zu werden. Dass -Tieck besonders das poetisch Stimmungsvolle an diesen Geheimnissen -interessierte, wurde auch bereits betont. Ob Tieck Bernhardis -Ansicht[530] theilte, dass Hexenglaube und Hexenverfolgung in der -„Genoveva“ zur Vervollständigung des katholischen Bildes nöthig waren -(!?), wage ich nicht zu entscheiden. Unmöglich ist es gerade nicht, da -er die Hexe bereits im Volksbuch fand, das für Tieck mittelalterlich -und katholisch war. - -Die Vertheilung des religiösen Denkens und Fühlens in verschiedenen -Graden auf eine Reihe von Figuren, die Stufenleiter, auf der so -verschiedene Schattierungen von der hohen Heiligkeit angefangen bis -zur bitteren Feindschaft gegen den christlichen Namen begegnen, zeugt -entschieden für Tiecks künstlerisches Gefühl in der Vertheilung -von Licht und Schatten. Er versteht es, die Farben in glücklicher -Abwechselung und belebender Mannigfaltigkeit anzuordnen. Auch die -Zusammenstellung bestimmter Gruppen, die einer gemeinsamen religiösen -Richtung angehören, verdient ein kleines Lob. Um Genoveva bildet -sich ein Kreis von Gleichgesinnten, dem Golo mit seinem Anhange -gegenübersteht. Den zwei Gruppen auf dem Schlosse entsprechen die -beiden Kriegslager, das christliche und das saracenische. Bunte -Mannigfaltigkeit, künstlich gegliedert und zu einem Ganzen sich -zusammenschließend: der bekannte romantische Lieblingsgedanke steht -hier wieder vor uns. Nicht so ganz gelingt es Tieck nach unserem -heutigen Gefühle mit dem Festhalten des religiösen „Tones“ im Stücke, -den er selbst für sehr wichtig und wertvoll erklärt. „Die Religion -nun, die Wüste, die Erscheinungen sind mir der Ton des Gemäldes, -der alles zusammenhält, und diesen möchte ich nur vertheidigen und -ihn nicht gerne unwahr, manieriert, einen der die Localfarben stört -und auslöscht, nennen lassen.“[531] Manche Scenen nehmen aber an -diesem religiösen Grundtone zu wenig theil. In den Schäferscenen -spürt man z. B. gar nicht viel davon. In den Liebesscenen wird das -Religiöse ziemlich von Golos Leidenschaft übertäubt oder durch -Gertruds intrigante Reden aus dem Gesichtsfelde gerückt. Hier treten -„die Localfarben“ als alleinherrschend aus dem Bilde heraus. In der -Darstellung des Krieges und im ganzen zweiten Theile der Dichtung -erreicht aber Tieck ohne Zweifel, was er anstrebt; hier herrscht der -religiöse Ton bis in die letzten Fugen des Werkes hinein und das -Anwachsen der frommen Stimmung gegen das Ende zu ist ebenfalls gut -berechnet und wird schon von Bernhardi hervorgehoben.[532] Es wird -freilich nicht jeder Leser von dem leicht hingehauchten religiösen -Colorit voll befriedigt sein, obschon dieses in gewissen Scenen -eine prunkende Leuchtkraft entwickelt. Es bleibt eben doch zumeist -an der Oberfläche und dringt nicht in die Tiefe der Charaktere, um -als treibende Kraft diese von innen heraus zu beleben. Auch die -Widersprüche, die uns sofort auffallen, störten den romantischen Leser -von 1800 nicht. Die Religion ergreift den Menschen, der es mit ihr -ernst nimmt, viel zu sehr in der Tiefe seines Wesens, als dass es -in der religiösen Poesie mit einer bloßen Stimmung des Gesammttones -gethan wäre, wie ja Tieck eigentlich auch bei Schleiermacher hätte -erfahren können, und schon Solger, der intime Freund des Dichters, -macht gegen das Religiöse in der „Genoveva“ seine Bedenken geltend. -Er vermisst darin das „unmittelbar Gegenwärtige“. Hettner und -Haym[533] führen nach Solger aus, dass man an der Art, wie die -Heilige sich in Wackenroder-Tiecks Manier in die alte fromme Zeit der -Legenden zurücksehnt, nicht merkend, dass sie selbst in dieser Zeit -lebt, keine rechte Freude gewinnen könne. Der Widerspruch zwischen -Genovevas Frömmigkeit und der himmlischen Hilfe, die ihr zutheil -wird, einerseits und dem Naturfatalismus Golos andererseits, ist am -Ende nicht so verfänglich, als Hettner meint.[534] Warum sollten -nicht an zwei so entgegengesetzten Naturen auch entgegengesetzte -religiöse Anschauungen zutage treten? Das äußerlich angeflogene -Mittelalter in der „Genoveva“ ist gerade auch kein Hindernis, solche -Anschauungen nebeneinanderzustellen. Nur würde man erwarten, dass -diese religiösen Gegensätze als solche in eine bestimmtere innere -Beziehung gesetzt wären. Das Unbefriedigende für den Leser, der auch -in der dichterischen Darstellung der Religion mehr als vage Stimmungen -erwartet, liegt vielmehr darin, dass sich verschiedene Menschen -Tiecks ohne ersichtlichen künstlerischen Grund und ohne dass wir vom -Dichter einen rechten Aufschluss über das Warum erhalten, in ihrem -eigenen Gedankenkreise unsicher fühlen und dass so Verschiedenartiges -im nämlichen Charakter friedlich nebeneinander liegt. So, wenn Golo -einmal gegen den astrologischen Aberglauben Stellung nimmt und ihn -ein andermal selbst allen Ernstes zurathe zieht, wenn er meist -fatalistisch denkt und dann plötzlich christlich betet; wenn Jakob -Böhmes Lehre einmal mit Ehrfurcht behandelt wird und dann von einer -Hexe missbraucht werden darf, ohne dass der Missbrauch als solcher -deutlich genug gekennzeichnet wird. Oder Genoveva, die sonst immer als -die fromme Christin des Volksbuches erscheint, überrascht den Leser -mit einer fatalistischen Redensart oder einer Schleiermacher’schen -pantheistischen Vorstellung. Wir wissen nicht, wie Wolf dazu kommt, -solchen Luxus mit religiösen Ermahnungen Golo gegenüber zu treiben, -nachdem wir vorher wenig Religiosität an ihm und noch weniger an -Golo bemerkten. Seine ganzen Ermahnungen verfliegen auch wieder in -Nichts. Tieck will, wie es scheint, einen gewissen Umschwung im -Ganzen seiner Dichtung kommen lassen. Gegen Ende zu soll sich alles -zu einer herrschenden frommen Gesammtstimmung vereinigen. Es muss -darum möglichst viel Religion in die Dichtung geschafft werden. -Diesem Gesammtzuge des Ganzen müssen dann mitunter Charaktere und -Schicksale nachgeben. Die Gesammtstimmung ist der Romantik wichtiger -als das klare, in reinen Umrissen erschaute und mit sicheren Strichen -gezeichnete Charakterbild. Wir wissen auch nicht, ob Wendelin ehrlich -fromm ist oder ein Heuchler, da wir für seine grobe Lüge im Stücke -keine Erklärung bekommen. Der Kreuzzug, dessen Unternehmer aus ihrem -christlichen Heldenthume so viel Wesens machen, ist, bei Lichte -besehen, eigentlich gar kein Kreuzzug, sondern nur ein nothgedrungener -Vertheidigungskrieg und nur durch eine stilistische pia fraus, durch -immerwährendes Betonen des Kreuzzugscharakters dieses Krieges macht -der Dichter schließlich den gutwilligen Leser an den „heiligen -Krieg“ glauben. Daneben schiebt sich noch unvermittelt das Motiv vom -„deutschen Denken“ und der „deutschen Sache“ ein.[535] Bernhardi -begnügt sich mit diesem äußeren Anstrich, er findet den Religionskrieg -„sehr gut“. Von all den verschiedenen religiösen Anschauungen wird in -der „Genoveva“ nur das saracenische Heidenthum deutlich abgelehnt; -alles übrige fließt zu einem wunderlichen Synkretismus ineinander, -der dem unparteiischen Betrachter klärlich zeigt, dass Tiecks -„Genoveva“ nicht so katholisch ist, als Eichendorff meint und nicht -so protestantisch wie Friesen will. Tieck war damals kein orthodoxer -Gläubiger irgendeiner Kirche, er hatte zu keiner ein Verhältnis, das -ihn ganz ergriffen hätte; daher kann er kirchliches und confessionelles -Leben nicht rein und überzeugend darstellen. Er will es auch nicht, -er möchte nur seine ganze Dichtung in eine möglichst starke allgemein -religiöse Beleuchtung stellen und man wird seiner Absicht, die Religion -„als Ton des Gemäldes“ durch das Werk klingen zu lassen und dem -wirklichen Sachverhalte am ehesten gerecht, wenn man den Charakter -dieses poetischen religiösen Synkretismus, der nur der Gesammtstimmung -zu dienen hat, als romantisch-religiös bezeichnet. - -Tieck steht nicht allein. Der revolutionäre Sturm und Drang, der die -übrigen ästhetischen und socialen Anschauungen der jungen Generation -in gährenden Aufruhr bringt, schont auch die religiösen Gedanken nicht. -Neuplatonismus, Jakob Böhme, Hemsterhuys, Spinozismus und Christenthum -flattern auch bei Fr. Schlegel und Novalis im lustigen Wirbel -durcheinander. Und noch mehr. Sogar im Leben versuchten es andere -mit dieser Religionsmischung. Christian Mayr, der wunderliche Freund -Zach. Werners, „hörte oft an einem Tage des Morgens Messe auf seinem -Angesicht liegend, predigte dann in der protestantischen Kirche und -ertheilte die Kommunion und endete den Tag mit Besuch der Mennoniten, -der Herrnhutergemeinde, der Synagoge und der Freimaurerloge.“[536] -Und Z. Werner selbst sucht in einer gewissen Periode seines Lebens -Herrnhuter und Freimaurer wie die katholischen Kirchen auf und genießt -überall durch, was er an religiösen Stimmungen findet.[537] Einige -poetische Reflexe dieser religiösen „Universalität“ lassen sich eben -auch in der „Genoveva“ nicht verkennen. Bei allem Überwiegen des -Christlichen thut Tieck in seiner stimmungmalenden Art dem Principe -nach das Nämliche, was Adam Müller noch 1807 (also nach seiner -Conversion) an Kleists „Amphitryon“ rühmt: „So ist er (Amphitryon) -gerade aus der hohen Zeit entsprungen, in der sich endlich die Einheit -alles Glaubens, die echte Gemeinschaft aller Religionen aufgethan.“[538] - - -3. Das Costüm. - -Großen Fleiß verwendet Tieck darauf, recht viel religiöse Stimmung über -seine Dichtung zu verbreiten; lange nicht so eifrig ist sein Bemühen, -den Leser in die „alte deutsche Zeit“ zurückzuführen. Will man aber -Tieck nicht unrecht thun, so darf man nicht die Forderungen an die -Costümtreue aus unserer heutigen Zeit der culturhistorischen Romane für -die Zeit vor hundert Jahren geltend machen, sondern es gilt auch hier, -zuerst zu erfahren, wie Tieck über das Costüm denkt und wie er seine -künstlerischen Anforderungen in diesem Punkte erfüllt. - -Tieck meint, wenn ein Dichter einen alten Stoff behandle, so -müsse die Hauptsache sein, dass alle Welt mit ihren nur möglichen -Mannigfaltigkeiten schon früher dunkel im Poeten liege, sonst werde er -nie etwas ordentlich begreifen. Der Dichter hat Stoff und Motiv aus der -alten Zeit von seinem eigenen Standpunkte aus mit jenem Maße zu messen, -das er für das allgemein menschliche hält. Das ist das Wesentliche und -so that Shakespeare. Einen schwerfälligen und umständlichen Weg, ein -fernes Zeitalter zu begreifen, schlagen dagegen jene ein, die sich mit -„Kenntnissen und Costüm, Sitten und Lebensweise“ ausrüsten, die sie -mühsam aus hundert Büchern zusammengetragen haben.[539] So meint auch -Albrecht Dürer im „Sternbald“ bündig:[540] „Ich will ja den, der meine -„Bilder“ ansieht, nicht mit längstvergessenen Kleidungsstücken bekannt -machen, sondern er soll die dargestellte Geschichte empfinden.“ - -Nicht viel anders hält es Tieck in der „Genoveva“. Er thut für das -Costüm der alten Ritterzeit so viel, als sich gerade bequem thun lässt -und gerade so viel, als hinreicht, um eine Vorstellung und leichte -Stimmung des Alterthümlichen zu erwecken. Bonifacius fordert im Prologe -den Leser direct auf, in die alte Zeit zu folgen, da Christen und -Saracenen im Kampfe lagen. Der Krieg wird in Frankreich localisiert, -der Saracenenführer heißt Abdorrhaman, ist also jener geschichtliche -Abderrhaman, der bei Tours mit Karl Martell kämpfte. Der Krieg wird -anachronistisch und innerlich unsachgemäß zu einem Kreuzzug gestempelt, -in dem das Christenheer unter einer Fahne mit rothem Kreuze kämpft. Ein -paar Andeutungen weisen auf Hierarchie und Kaiserthum des Mittelalters -hin. Das Alterthümliche der Ritterschlacht wird uns gegenwärtig, wenn -wir von der ritterlichen Ausrüstung mit Harnisch, Schwert und Schild -erfahren[541] und weiter hören, dass mit Äxten, Lanzen und Hellebarten -gekämpft und Siegfried durch einen Pfeilschuss verwundet wird.[542] -Golo wird später mit Spießen todtgestochen.[543] - -Auch über das Thun der Ritter zu Hause im Frieden erfahren wir -einiges. Ziemlich allgemein und unbestimmt heißt es, dass Golo „in -den Waffenkünsten unterrichtet wurde“[544] und dass er „Waffenwerk -treibt“.[545] Etwas minnesingerisch klingt es, wenn er „alte -Liebesreime singt“[546] und ein andermal zu einem Liede selbst „Wort -und Weise findet“.[547] - -Die Pfalzgräfin Genoveva liest als vornehme Rittersfrau ein Buch, das -ein Mönch geschrieben hat[548] und wie Drago wird sie von Golo, der zum -Vogt über das Schloss bestellt worden war,[549] in das Burggefängnis, -in den „Thurn“ geführt.[550] - -Wenn nicht Krieg ist, sollten die Ritter das Weidwerk treiben, meint -Matthias.[551] Siegfried, der Lehensmann Karl Martells[552] ist -Pfalzgraf, also eine echt mittelalterliche Amtsperson.[553] Er ist -Richter in seinem Sprengel (den er einmal unversehens „Staat“ nennt) -und übt die Gerichtsbarkeit, die „Pfalz“, in wichtigen Fällen im Verein -mit seinen Verwandten aus.[554] Als ein selbstverständlicher Fall in -seiner Praxis erscheint der Hexenprocess, wobei der Dichter noch mehr -Jahrhunderte, als bei der Einführung des Kreuzzuges überspringt. Auch -die Astrologie erweckt den Eindruck des Alterthümlichen, wenigstens im -allgemeinen. - -Wie Tieck Thatsachen verschiedener Jahrhunderte in einander arbeitet -(zum Theil auf Veranlassung des Volksbuches hin), so ist er auch in -anderen Einzelheiten der Costümbehandlung nicht ängstlich. Seine -Schäfer tragen nichts Alterthümliches an sich. Es ist von Genovevas -„Zimmer“ die Rede.[555] Das Wort „Pfaffe“ ist bereits Schimpfwort, der -naturphilosophische „Weltgeist“ spuckt schon im achten Jahrhundert -u. s. w. - -Man sieht, Tieck ist in Sachen der Costümtreue nicht bedenklich, -wie er es auch von anderen nicht verlangt; er nimmt mit sorglosem -Griffe verschiedene Dinge zusammen, wenn sie nur einer vergangenen -Zeit angehören und mögen sie in der Vergangenheit selbst auch wieder -durch Jahrhunderte getrennt sein. Es genügt ihm, wenn das Ganze nur -so einen leichten, alterthümelnden Hauch bekommt und der Leser das -Gefühl nicht verliert, dass er sich in einer idealen, mittelalterlichen -Vergangenheit bewegt. So viel erreicht Tieck auch durch die gegebenen -Anhaltspunkte und mit diesem mäßigen Colorit ist er zufrieden. Wenn uns -heute seine weitgehende Freiheit in der Costümbehandlung auch nimmer -erträglich wäre, so behält Tieck noch immer wenigstens mit der Ansicht -Recht, dass das Costüm in einer Dichtung nicht Hauptsache, sondern -untergeordnete Nebensache sei. - -Die Freude am alterthümlichen Costüm gehört ebenso wie die -Freude am alterthümlichen Stoffe zu den eigentlich romantischen -Gefühlsrichtungen, die sich vorzugsweise seit Wackenroder in der -deutschen Literatur geltend machen. Tieck hatte außerdem durch Hans -Sachs und Goethe seine Freude am Altdeutschen genährt. Wenn auch für -uns nimmer so lebhaft nachfühlbar, war es doch für die Romantiker -vor hundert Jahren, wie uns ihre vielen Bekenntnisse bezeugen, eine -wirkliche, innige poetische Freude, solche alterthümliche Stimmungen -nachzuerleben und nachzuschaffen, eine Freude, ebenso ehrlich, wie -das Entzücken an der Poesie des Religiösen. Das Wiederauffinden und -Wiedererkennen des poetisch Vortrefflichen, das ungerecht verkannt -und missachtet wurde, erweckte ihre enthusiastische Freude. Diese -aufrichtige, ehrliche Freude müssen wir uns auch stets in Erinnerung -rufen, wenn Tieck seine „Genoveva“ ein Erlebnis nennt. - - * * - * - -Der Dichter denkt nicht an eine Darstellung seines Dramas[556] auf der -Bühne, die seine Figuren dem leiblichen Auge des Zuschauers lebendig -machen könnte, er rechnet nur auf das innere Auge des Lesers oder -Hörers. Es liegt daher die Frage nahe, wie der Dichter diesen seinen -Menschen, die er in eine alte Zeit und in mittelalterliche Verhältnisse -versetzt, für die Phantasie Gestalt und zwar zunächst äußere Gestalt, -sinnliche Farbe gibt. - -Von den Hauptpersonen bekommt der Leser zuerst ~Golo~ zu Gesicht. -Wie sieht ~Golo~ aus? Von ihm wird berichtet, dass er schon als -Kind schön gewesen sei, „wie ein Engel“. Als Genoveva auf das Schloss -zog, kam er ihr entgegen als „ein Jüngling von bunter Tracht und -adeligem Wesen und voll Demuth“, mit einem glänzenden Gesicht, so dass -er sie an die Erscheinung Christi in der Vision erinnerte. Im Drama -selbst sieht man ihn als schönen, edlen Herrn und Junker auftreten. Er -hat ein „wackeres“ Aussehen. Er zeigt sich eingangs als ein stolzer -Reiter auf stolzem, weißem Rosse (ein schönes, glänzendes Ross heißt -es später). „Locken, Augen und Lächeln“ fallen Genoveva bei der ersten -Begegnung auf. Weit mehr Aufmerksamkeit als allen anderen äußeren -Eigenthümlichkeiten, die eigentlich recht verschwommen sind, schenkt -der Dichter dem Auge, auf das wir oft und oft mit besonderem Nachdruck -hingewiesen werden; denn das Auge scheint „dem Gedanken verwandter“ als -die anderen Sinne.[557] Schon als Kind hatte Golo „etwas im Auge, so -lieb und gut, so freudenreich und hell“, dass er jedermann anziehend -erschien. Jugend und Freude sehen ihm aus den Augen. Sein „helles -Auge“ muss jedes Herz erfrischen. Gertrud sagt dem Traurigen: „Wäre -ich ein junger, wack’rer Herr mit Augen, wie Ihr...“ Von sich selbst -sagt Golo: „Gern wollte ich die trüben Blicke lassen und wieder aus -den muntern Augen seh’n“ u. s. f. Solange Golo gute Wege geht, erscheint -er auch äußerlich herrlich. Als er zum Verbrecher wird, verwandelt -sich sein Äußeres. „O seht die Tücke, wie sie sich in den stieren -Augen malt, seht das verruchte, missgestalte Antlitz.“ Öfters lesen -wir ganz allgemein nur von der „Gestalt“, vom „Antlitz“. Häufiger -ist von der äußeren Erscheinung Genovevas, der Gegenspielerin Golos -die Rede. Gleich anfangs ist sie die „schöne Gräfin“. Dann hören -wir von der „hohen Gestalt“, der „herrlichen Gestalt“, von ihrem -„hohen Gange“. Sie ist die „Holdeste“, „das holdsel’ge Bild“, „das -schönste Kind“, „blühend, ein Wunder anzuschauen“. Sie besitzt „reine -Züge und Schönheit“. Dass diese allgemeine Schönheit ein wenig mehr -individualisiert wird, kommt daher, weil Golo sie mit sinnlichen Augen -ansieht und weil es auch in der Natur der Sache zu liegen scheint, -dass der Dichter sich um die äußere Erscheinung der Frauen mehr als -um die der Männer kümmert. (Vgl. „Hermann und Dorothea“.) Auf Golo -wirken die rothen Lippen, „deren Röte aus dem Herzen wegtrinkt mein -rotes Blut“. Auch bei Genoveva steht wieder das Auge im Mittelpunkt des -Interesses. Der „helle Bronn des Auges“ erweckt Golos Sinnlichkeit. -An ihren „jungen Augen“ will Gertrud Liebe zu Golo lesen. Genoveva hat -„den Himmel im Auge“, sie sieht Golo mit Augen an, „deren Glanz das -Mark mir aussaugt“. Der Gräfin Augen sind „herzbannende Augen“, „holde -Augen“, „helle Kreise“ und sie sehen durch den Schleier „so wie die -Sonne hinter Wolken scheint“. Als der Kummer Genoveva schon „geältert“ -hat, sind „noch die Augen schön und lebhaft“. Ja selbst sterbend „lacht -ihr helles Auge“. Golos sinnlicher Blick begnügt sich nicht mit Augen, -Wangen und Lippen, er verfolgt „den Bau der schönen Glieder von der -Brust zu den vollen Hüften nieder“. Er stellt sich Genoveva tanzend -vor im schönen Gewande, „das eng und enger an die Glieder fliegt“. Der -„holde Leib“ hat ihn berückt. Auch der Zauberspiegel bei der Hexe gibt -von der Heldin ein Bild. Siegfried sieht darin seine Genoveva „in all -ihrer Schönheit, im schwarzen Kleide mit goldenem Geschmeide“. In der -Noth wird sie zum „Todtengerippe“, „Scheusal“ und „Gespenst“, wie Golo -sie höhnend nennt. - -Unter den übrigen Personen wird Zulma noch fast am deutlichsten -sichtbar. „Sieh mein Fürst, die Fülle der schwarzen Locken und die -Mädchenwangen, den zartgeschlossnen Mund wie Rosenknospe, o Himmel, -sieh den schönsten Busen...“ Sie hat „schöne, große Augen“. Mag sein, -daß ihr der Dichter als einem Gegenbilde Genovevas ein größeres -Interesse schenkt. Nur würde man dann auch ein deutliches Contrastieren -der äußeren Erscheinung erwarten. - -Die anderen Gestalten sind für unsere Phantasie recht blass und noch -schattenhafter als die Hauptperson. Schmerzenreich ist ein „schönes -Kind“, ein „liebes Kind“. Seine „Augen“ und seine „Blicke“ sind -Genovevas Freude. Drago ist „weder jung noch schön“. Siegfried ist -alt. „Was soll das Bild doch sein“ ruft Schmerzenreich, als er ihn -sieht. Das ist alles, was wir von seiner Erscheinung hören. Ein wenig -deutlicher heißt Karl Martell „ein herrlicher, stattlicher Mann“ mit -der „Miene voll Zorn“. Zulma preist des jungen Feldherrn Abdorrhaman -„Schönheit und liebevollen Blick“; seine Augen sind „zwei Sonnen“. -Aquitanien ist „ein Jüngling“. Wesen, Gestalt und das kühne Auge lassen -die Hexe in Siegfrieds Augen als überirdisch erscheinen. - -Von einer plastischen, gegenständlichen Deutlichkeit kann nirgends die -Rede sein. Es ist hier dieselbe idealisierende und leicht andeutende, -unbestimmt gehaltene Darstellungsweise, wie sonst bei Tieck. Der -schöne Golo mit den schönen Augen, die schöne Genoveva mit den schönen -Augen, das ist ziemlich alles, was die Phantasie aus den verschiedenen -allgemeinen Andeutungen entnehmen kann. Das Betonen des sinnlichen -Reizes an Genoveva, sowie die Vorstellung von der tanzenden Heiligen -und die derbrealistischen Ausdrücke wie „Scheusal“ u. s. w., die sich -zwar an sich in Golos Munde nicht unzutreffend ausnehmen, bringen aber -in das Gesammtbild der Legende etwas Fremdes, das sich zu ihrem übrigen -Wesen so wenig schicken will, wie die ziemlich frivolen Badescenen zu -der frommen Kunststimmung im „Sternbald“.[558] Eine Eigenthümlichkeit -in Tiecks Personenschilderung ist die Vorliebe für das Auge. Der am -meisten seelische Sinn ist für den Dichter auch der dankbarste und echt -dichterisch und fein handelt Tieck, wenn er die lebhafte sinnliche -Erscheinung mit einem psychologischen Vorgang geschickt verbindet, wie -etwa: „es lacht ihr helles Auge“. Nicht immer wird dies in solcher -Weise ausgenützt. Wie geläufig und wichtig Tieck die Vorstellung -vom Auge wurde, sieht man erst, wenn man beachtet, wie sogar an der -Hirschin die „lieben treuen Augen“ besonders erwähnt werden, wie auch -Wald und Busch Golo „mit grimmen Augen“ ansehen, die goldene Nacht mit -„tausend Augen“ sieht und in den Buchengang „hineinäugelt“. - - -4. Das Naturgefühl. - -Ganz aus der alten Zeit heraustretend, als moderner Poet steht Tieck -vor uns, wenn er von den Geheimnissen redet, die er mit seinem -empfänglichen Dichtergemüthe der Natur abgelauscht hat. Hier konnte -Tieck nichts aus dem Volksbuche nehmen und das Vorbild Müllers, der mit -dem Blicke des Malers und mit realistischem Auge die Natur betrachtet, -konnte dem zum Musikalischen neigenden Stimmungspoeten auch nicht -allzuviel nützen. Hier mußte der Romantiker ganz er selbst sein. - -Tiecks Biographen betonen öfter, wie innig er die Natur liebte. In den -schwersten Augenblicken bot sie ihm heilende Kraft.[559] Mit süßer -Trunkenheit gibt er sich ihrer stillen Gewalt hin. Die Umgebung von -Halle war für den jungen Sohn der märkischen Sandwüste ein kleines -Paradies.[560] Der Sonnenuntergang, die magische Herrlichkeit des -Mondglanzes, der Zauberhauch der Sommernacht, ein Licht, das durch die -Nacht blitzte, ein ferner Laut erregten wunderbar sein Gefühl.[561] -Abenteuerliche nächtliche Wanderungen mit halsbrecherischen -Zwischenfällen unternahm Tieck gerne trotz des Scheltens seiner -Freunde. Auf einer Harzreise blickt er mit hohem Entzücken der -aufgehenden Sonne entgegen, die ihm „Gottes Erscheinung“ zeigt.[562] -„Ich mußte stille stehen, um diese Vision ganz zu erleben...“[563] -Von Erlangen aus wandert er mit Wackenroder ins Fichtelgebirge, wo -er, verirrt in tannendunkeln Klüften, alle Wunder und Schauer der -Waldeinsamkeit durchkostete. Aus der späten Herberge blickte er wieder -in die mondbeglänzte Nacht hinaus, die träumerisch auf den einsamen -Höhen lag, er lauschte den milden schwebenden Tönen eines Waldhorns -und war unendlich glücklich.[564] Nach Jahren lebt im „Phantasus“ noch -das Glück dieser Erlanger Zeit sowie die poetischen Nachtwanderungen, -die Tieck in Jena mit Novalis unternahm, wehmüthig beseligend wieder -auf.[565] Ein inniger, gefühlsreicher, poetischer Verkehr mit der Natur -gehört so zu Tiecks eigenstem, intimstem Lebensgehalt.[566] - -Seit Goethe das ganze weite Reich der Natur für Poesie und Gemüth -eroberte, versäumt es überhaupt kein Dichter mehr, sich von diesem ewig -herrlichen Reiche wenigstens irgendeine Provinz zu eigen zu machen. -Auch Tieck bleibt nicht zurück. Über die Beziehungen zwischen Natur und -Dichter spricht er selbst die bemerkenswerten Worte:[567] „Können wir -denn die Natur wirklich so schildern, wie sie ist? Jedes Auge muß sie -in einem gewissen Zusammenhange mit dem Herzen sehen, oder es sieht -nichts, was uns, in Versen wieder aufgezählt, gefallen könnte. Wird -nicht jeder poetische Mensch in eine Stimmung versetzt, in der ihm -Bäume und Blumen wie belebte und befreundete Wesen erscheinen, und ist -dies nicht das Interesse, das wir an der Natur nehmen? Nicht die grünen -Stauden und Gewächse entzücken uns, sondern die geheimen Ahndungen, die -aus ihnen gleichsam herauf steigen und uns begrüßen. Dann entdeckt der -Mensch neue und wunderbare Beziehungen zwischen sich und der Natur; sie -ist Theilnehmerin seines Schmerzes oder seiner Leiden; er fühlt gegen -die leblosen Gegenstände eine freundschaftliche Zuneigung, und dann -bedarf es wahrlich keiner Verschönerungen, keiner erlogenen Zusätze, -um schöne und entzückende Gedichte niederzuschreiben.“ Hier schildert -Tieck die höchst entwickelte Stufe des poetischen Naturgefühles, das -innige Erfassen der Natur mit dem Gemüthe, jenen merkwürdigen Vorgang -in der Dichterseele, der gewöhnlich als poetische Naturbeseelung oder -als poetisches Einfühlen in die Natur bezeichnet wird. Charakteristisch -für den Romantiker und sein Verhältnis zur Natur sind dabei die -Ausdrücke: „Stimmungen“, „geheime Ahndungen“ und „neue und wunderbare -Beziehungen“. - -Von den untergeordneten Beziehungen des Dichters zur Natur schweigt -hier Tieck zwar, er verwendet sie aber ausgiebig in seiner eigenen -Dichtung. Die Natur tritt nämlich auch als selbständige Macht auf, -die auf das Menschengemüth stimmungerregend einwirkt, sie wird -stimmungerweckender Hintergrund für äußere und innere Vorgänge oder -Contrast zu diesen Vorgängen. Auch Gleichnisse und Metaphern, aus dem -Naturleben entnommen, dürfen nicht unterschätzt werden; denn ihre Art -und Häufigkeit bildet auch einen Maßstab für das Naturgefühl des Poeten. - -Vor allem gibt Tieck den Hauptpersonen seiner „Genoveva“ ein -feinfühlendes, für die Natur höchst empfängliches Gemüth. Sie leben mit -ihr in beständigem, seelischem Contact. In ihren lyrischen Ergüssen -herrscht „eine geheimnisvolle Innigkeit, ein sonderbares Einverständnis -mit der Natur“. (Heine.) Golo, in dessen Herzen sich die ersten -Keime einer heißen Liebe regen, fühlt die Lebensregungen des jungen -Frühlings innig mit und er zeigt der traurigen Genoveva, wie „im Laube -neues Leben spielet“, wie „hold“ die Bäume prangen, der Vogel „sich -vergnüglich fühlet“, wie die ganze Welt „ein muntres Regen spürt“ -und sich dem Frühlingsglanz entgegendrängt.[568] Personificierende -Ausdrücke und Worte seelischen Inhaltes deuten hier und im weiteren -Verlaufe die zarten Fäden an, die Natur und Gemüth verbinden. Die -erwachende Liebe lässt ihre Reflexe über die Natur hinspielen. -- -Der Frühling macht dem Sommer Platz. Genovevas weiche Seele versenkt -sich in der Balkonscene mit Wonne in das träumerische Leben der -Sommernacht, da „der Mondschein auf dem Grase spielet“, im Mondglanze -die Töne sich entzünden, die Quellen „leiser, lieblicher fließen“, -„stille Blumen“ am Spiegel ihrer Wellen sprießen, die Winde frohe Kunde -bringen und die Bäume Lieder sumsen. Mit den märchenhaften Klängen -dieser leise tönenden Nachtmusik verwirren sich wiederum die Klänge -des Herzens. Dieses heimliche Leben und Klingen der Sommernacht, an -dem sich Genoveva höchst unschuldig freut, spricht ganz anders den -liebeskranken Ritter an. Ihm erscheint alles in der Beleuchtung seiner -nun gesteigerten Liebessehnsucht. „Ernst und groß“ wie das warnende -Gewissen schauen ihn zwar „der hohen Bäume heil’ge dunkle Gänge“ an. -Dazwischen aber singt „die liebesbrünst’ge Nachtigall“ ihr Sirenenlied -und lockt ihn ins Verderben.[569] Der Mondschein „saugt“ am Herzen -des Sehnsüchtigen, die Sterne „zielen nach ihm mit Liebespfeilen“. -Wenn aber dann Genoveva spricht, so verstummen Bächlein, Nachtigall -und Bäume, weil alle ihr nur lauschen, weil alle Creaturen an ihr -sich gerne freuen.[570] Eigenthümlich ist es, dass hier Tieck in die -Naturbetrachtung die Sirene, die Hyder, antike Vorstellungen mengt, -die uns sonst überhaupt selten in der „Genoveva“ oder in seinen -anderen Dichtungen begegnen. Diese Vorstellungen ordnen sich aber -gut und wirksam in das Erregte, beängstigend Leidenschaftliche ein, -das in seinen Worten zittert.[571] -- Am reichsten entströmt die -sympathetische Naturempfindung Golos Herzen in der nächtlichen Scene, -in welcher er Genoveva seinen entscheidenden Liebesantrag macht.[572] -Den Sternen klagt er zuerst sein Leid, bei ihnen schwört er, sie fragt -er um Kunde von der Geliebten, von ihnen erfleht er sein Glück. Mit -dem sehnsüchtig Harrenden wartet auch die ganze Schöpfung. Genoveva -erscheint und freut sich ihrerseits in derselben harmlosen Art wie -in der Balkonscene an den träumenden, flüsternden Blumen, am düsteren -Walde, an der Nacht, die in den Buchengang „hineinäugelt“. Wie in -jener Scene bezieht Golo auch hier in trunkenem Entzücken die ganze -Naturherrlichkeit auf seine Geliebte, die ihm ein märchenhaftes Leben -in die nächtliche Natur hineinzuzaubern scheint. - -Er spricht die charakteristischen Verse: - - „Ihr schreitet her und weckt aus verborgenen Tiefen - Die hohen Wunder auf, die unten schliefen, - Schaut um Euch, Holde, wo Ihr geht - Ein dichtgedrängter Blumengarten steht, - Die Bäume ziehn Euch nach, unter Euren Füßen - Dringt kindisch grünes Gras hervor, den Fuß zu küssen, - Die Blumen erwachen - Vom tiefen Schlaf und lachen, - Und röter wird der Rosen Mund, - Die Wiese wird von Pflanzen bunt, - Sommerlüftchen spielen aus den Zweigen, - Sich häuslich ems’ge Bienen zeigen - Die goldensten Mondstrahlen schmeichelnd niedersteigen, - Um Euer holdes Haupt die Glorie zu flechten, - Euch dient Natur mit allen ihren Mächten.“ - -Am Schlusse der Scene aber, mit dem endgültigen Scheitern der -Liebeshoffnung hat sich für Golo sogleich auch die Natur verändert, -die düstere Schicksalsstimme spricht aus derselben zu ihm: „Hört, -da singt’s in Wolken, aus Wassern, aus dem tiefen Thal herauf: Wo -die stillen Bächlein gehn --“ Als Genoveva unschuldig zum Tode gehen -soll, ist es ein „trüber Tag, dicke Nebel liegen auf den Bergen und -Wäldern“.[573] Grimoald, dem das Mordhandwerk nicht recht vom Herzen -gehen will, „zittert vor der Morgenluft“, die schwarzen Weiden im Thale -rauschen, als wenn sie in die Klage der Mutter einstimmten und ihren -Bitten Gehör gäben. Da ruft Genoveva den Mördern zu: - - „O seht, die Sonne will nicht niederscheinen - Auf solche That, es will das Aug’ der Welt - Nicht sehn, was euch auf immer nagen würde...“ - -Ob die Seele in junger Liebeshoffnung träumt, ob sie in schwüler -Leidenschaft erzittert, ob sie voll stiller Unschuld in die Schöpfung -hineintritt oder in Todesangst erschauert: immer spiegelt sie nach -demselben geheimnisvollen Gesetze ihre Empfindung in die umgebende -Natur hinein und die verschiedenartigen Reflexe der Gemüthsstimmung -ruhen auf Baum und Blume, leben in Luft und Wellen und scheinen den -Menschen als „geheime Ahndungen“, die aus der Natur heraufsteigen, zu -grüßen. Es wurden hier nur die besonders charakteristischen Stellen -der „Genoveva“ hervorgehoben. An zahlreiche andere soll nur erinnert -werden. So an Golos Morgenlied, an Zulmas Morgengebet und Todtenklage, -an Karls und Aquitaniens Morgenbetrachtung vor der Schlacht, an Golos -Lied „Sieh’ Laute, sieh’, so reiß’ ich dich in Stücke“ und dessen -Monolog nach der Gemäldescene sowie am vermeintlichen Grabe der Augen -und der Zunge Genovevas. Genovevas Hilferuf an die Natur gehört ganz, -Wolfs mystische Abendbetrachtung theilweise hieher und von einer -innigen freundschaftlichen Vertraulichkeit mit der Natur zeugt es, wenn -Golo und Grimoald dem Walde und der Gegend, aus der sie fortgehen, wie -alten mitfühlenden Freunden Lebewohl sagen, wie es nachher Schillers -Johanna thut. Auch in der Ferne ist Golos Herz erfüllt von Heimweh nach -den bekannten, liebgewordenen Stätten. Selbst Dinge, die nicht mehr -gerade der ursprünglichen Natur angehören, aber mit dem menschlichen -Gemüthsleben intim und enge verbunden sind, werden in derselben Weise, -wie die Natur selbst, beseelt. Es schauen die Mauern auf Genoveva -mit grimmigen Zügen. Nach ihrer beglückenden Vision aber lacht das -Gebäu. Einsam und wüst sind die Mauern des Schlosses dem vereinsamten -Siegfried. Das Kreuzbild scheint mit Genoveva zu sprechen und von ihrem -Trauringe nimmt die Verstoßene wehmüthigen Abschied. Eine merkwürdige -Tändelei, die aber dem eigentlichen romantischen Naturgefühle -wieder näher steht, ist jener Baum, den der Köhler als Sinnbild und -Erinnerungszeichen für seinen gefallenen Sohn im Walde pflanzt und mit -dem er plaudern will. - -Abergläubisch färbt sich das Verhältnis zur Natur beim alten -Wolf, naturphilosophisch und mystisch beim „Unbekannten“ und der -Hexe. Zuweilen spielen die Anschauungen selbst ein wenig in den -mythologischen Volksglauben hinüber, wie die „dämmernde Geisterwelt in -sichtlicher Natur“[574] oder die Geister, die in Felsen oder auf Bergen -hausen.[575] - -In Golos Naturanschauung bricht manchmal etwas ganz Fremdartiges -hervor, das nicht mehr bloß ein einfühlendes, poetisches Versenken in -die Natur ist, sondern Angst und Grauen vor den Naturmächten, die mit -schicksalsmäßigem Zwang den Menschen beherrschen, ihn zum Wahnsinn -treiben und zugrunde richten.[576] Es sind dies, wenn auch gedämpft, -dieselben unheimlichen, gemüthbelastenden Stimmungen, die besonders -im „Abdallah“, „Lovell“, „Eckbert“ und in den mit der „Genoveva“ fast -gleichzeitigen Dichtungen „Tannenhäuser“ und „Runenberg“ herrschen, -in den Werken aber, über denen Wackenroders Geist schützend schwebt, -zum größten Theile verschwinden. So bricht auch in der „Genoveva“ nur -ein und das anderemal dieses sonderbare, unbestimmte Grauen vor den -Naturmächten hervor, die den Menschen wie ein tückisches Schicksal -bedreuen, eine Stimmung, die aus Tiecks innerstem Seelengrunde -emporwächst. Das freundliche Gegenstück zu dieser düsteren Seite -der Natur ist der märchenhafte, herzliche Verkehr des kleinen -Schmerzenreich mit den Thierlein des Waldes und die freundliche -hilfreiche Natur, die gerne der unschuldig Verfolgten ihren Beistand -leiht. - -Einen ganz kleinen Raum nur gewährte der Dichter jener eigentlich -religiösen Naturbetrachtung, die im weiten Reich der Natur das -Walten ihres Schöpfers spürt,[577] das Loblied der Natur auf Gott -vernimmt[578] und so die Menschenseele zu frommer Gottesverehrung -stimmt.[579] - -Bei dieser gemüthswarmen Naturandacht geht immer die charakteristische -Beleuchtung, in welcher die Naturumgebung erscheint, von der Stimmung -des Betrachters aus; es ist ein lebendiges Hineinwachsen und -Hineinleben des Gemüthes in die Natur. Die Töne der Natur aber sind, -wie Novalis sagt, auch wieder „Tasten höherer Saiten in uns“.[580] -Werden die Tasten angeschlagen, so erklingen die Saiten unseres -Gemüthes. Es wirkt die Natur auf den Menschen stimmungerregend ein. -Auch diese Auffassung finden wir in Tiecks Dichtung. Die weiche -Sommernacht z. B. senkt sich beruhigend auf Genovevas Seele.[581] -In anderen Fällen erscheint wieder die Nacht recht als Feindin des -Menschen; sie bethaut den Sinn mit Schwärmereien,[582] sie macht den -Geist schlaff und trunken und verführt ihn geradezu zur Sünde,[583] sie -entfesselt die Liebesleidenschaft, die der Tag neidisch „mit seinem -leuchtenden Mantel“ verhüllte.[584] Der Glanz des Tages zeigt dem -Gewissen die Sündhaftigkeit der nächtlichen Gedanken.[585] Die einsame, -große nächtliche Gebirgswelt gibt dem innerlich Verstörten Freude -und Sicherheit, freilich nur für einen Augenblick; denn sofort wacht -der innere Dämon wieder auf und treibt Golo zu sinnloser Gewaltthat -an seinem Diener, so dass dieser ruft: „... es macht die Nacht Euch -toll.“[586] Wir sehen eine Art passives Gegenstück zum sympathetischen -Naturgefühl. Bei diesem überschüttet der Mensch die Außenwelt mit -seinem inneren Stimmungsreichthum. Dort lässt sich das Gemüth vom -äußeren Eindruck beherrschen und leiten. - -Tieck liebt es sehr, die Natur als harmonisch gestimmten Hintergrund -einem Vorgange, einer Seelenstimmung beizugeben. Wie Frühling, -Sommer und der trübe Herbst die Hauptmomente in Golos und Genovevas -Geschick begleiten, hat bereits Hettner ausgeführt. (Nur spricht er -irrthümlich auch vom Winter.) Wir mussten die einzelnen Fälle bereits -als Beispiele für das synthetische Naturgefühl heranziehen. Zweimal -erscheint die Jahreszeit noch flüchtig. Frühling und Lust schwinden -für Golo zugleich dahin[587] und während Genoveva im Thurme klagt, -ist es auch draußen stürmische Zeit.[588] Von den Tageszeiten wirken -außer dem Sommerabend und der Sommernacht noch Morgen und Nacht als -begleitender Stimmungshintergrund. Mit dem Morgen, der bei Tieck -gerne als Zeit der Abreise genommen wird („Magelone“, „Sternbald“), -beginnt die „Genoveva“. Die frische Morgenfrühe taugt ja trefflich -zur frohgemuthen Stimmung, mit der die Kreuzfahrer ausziehen; sie -passt aber auch zur idyllischen Schäferscene und zu Golos munterem -Ritte. Ernst und weihevoll wird aber das nämliche Morgenlicht, wenn -es hier wie am Ende der Dichtung durch die gemalten Fenster der -Kapelle hereinschaut.[589] Der helle Morgen beglänzt im Anfange eine -kirchliche und allerhand bunte weltliche Scenen. Den Schluss bildet -die morgenhelle Kapellenscene allein und wie ein sinnbildlicher -Hintergrund, wie eine „leise Allegorie“ erscheint hier der helle -Morgenglanz im Heiligthum; denn jetzt bricht für die heilige Heldin der -ewige Lebenstag himmlischer Verklärung an. -- Die finstere Nacht ist -die Zeit der Geister.[590] Ein grotesk phantastisches Nachtbild leitet -daher die Hexenscene ein,[591] und der gespenstische Pilgrim wandert in -finsterer Nacht.[592] - -Schon mit den Schlagworten der Scenenüberschriften markiert der Dichter -manchmal eine gewisse Naturstimmung. „Freies Feld“, „Waldgebirge“, -„Felsenthal“, „Garten. Mondschein“, „Wohnung der Zauberin. Nacht“, -„Waldgebirge. Nacht. Mondschein“, „Kapelle. Schwach erleuchtet“ u. s. w. - -Das traurige Lied und der heitere Schäfergesang sind jedes in seinen -entsprechenden Naturrahmen gefasst. Ebenso das Lied „Da irr’ ich -unter Steinen“[593] und die dritte Strophe des Hochzeitbitters.[594] -Im Hintergrunde erlischt die Flamme der brennenden Stadt, im -Vordergrunde das Leben des gefallenen Kriegers.[595] Auch sogar in -jenem Scheinbilde, das die Hexe Siegfried im Zauberspiegel sehen -lässt,[596] fehlt die Naturumgebung nicht. Im zweiten Theile des -Stückes, wo Genoveva in der Wüste betet und duldet und Schmerzenreich -seine Kindheitsidylle durchlebt, rückt uns der Dichter in immer neuen -Wendungen die Waldeinsamkeit ins Bewusstsein. Es ist dies aber eine -freundliche Einsamkeit im Gegensatz zu jenem zerklüfteten Felsgebirge, -in dessen öder Höhe Golo vergeblich Frieden für seine zerrissene Seele -sucht, von wo er seinen Diener Benno bei Nacht in den brausenden -Waldstrom hinabstürzt.[597] - -Sogar die himmlische Seligkeit entbehrt bei Tieck nicht der -Naturfreude; denn auch im Paradiese der Heiligen prangen himmlische -Blumen und Blüten und die verklärten Geister dürfen alle Herrlichkeiten -des Weltalls von den Sternen bis in den Abyssus hinab überschauen.[598] -Gewiss bezeichnend, dass der Romantiker den himmlischen Freuden auch -die poetische Naturfreude zuzählt. - -Contrastierend erscheint die Natur selten, z. B. im Wettstreite mit -der menschlichen Schönheit;[599] oder sie höhnt ein andermal den -unglücklich Liebenden; sie erhört auch Genovevas Bitten nicht. - -Tiecks Dichtung glänzt und schimmert an vielen Stellen noch überdies im -Flitterschmucke der Gleichnisse, Metaphern und Beiwörter, die aus dem -Naturleben stammen. Sie glänzt und schimmert im wörtlichen Sinne; denn -gerade Licht und Glanz sind hier sehr beliebte Vorstellungen. Licht und -Glorie sind vor allem nöthig in der Vision. Daher die entsprechenden -Gleichnisse. Eine Lichterglorie wallt in die Kirche nieder - - „... wie aus des Morgens purpurroten Thoren - Der glanzgekrönte Ost dem Blick sich beut,..“ - -Das Wunder zeigte sich - - „Wie wenn nach harten düstern Wintertagen - Der Frühling durch die Finsternis will brechen, - Und in dem Frühling Frühling sich entzündet, - Aus Blumen sich noch eine Blüte windet.“ - -Auch die Blume muss sich dem Glanze assimilieren; denn der Dichter -setzt das Gleichnis fort: „Wie wenn das Morgenrot die Knospe -wäre,...“[600] In der Sterbevision heißt es: „Wie Strahlen giengen -Engel aus und ein...“[601] Das Liebliche in der menschlichen -Erscheinung wird gerne mit lebhaften Lichterscheinungen verglichen. -Genoveva schimmert „wie ein neuer Sternenhimmel, ein neuer Mond ist -sie emporgestiegen.[602] Golos Antlitz war wie Morgenrot, die Augen -wie junge Sterne“.[603] Genovevas Augen sieht man hinter dem Schleier -„so wie die Sonne hinter Wolken scheint“;[604] auch ihre Worte sind -wie die rothen Edelsteine, die durch Nacht und Dämmerung funkeln.[605] -Eine bestimmte Nüancierung der Gleichnisse etwa nach dem Charakter der -beiden Gegenspieler ist nicht zu bemerken. Mit dem Scheine des Feuers, -das selbst wieder dem Morgenrothe gleicht, mit dem Feuer, das herrlich -durch die Nacht strahlt und bald erlischt, wird das Kriegerleben -verglichen. Aber auch die Wunden brennen wie Feuer. Wie nach der Nacht -der Morgen, folgen die heiteren Lebenstage den traurigen.[606] Mit -der Erhabenheit der Sterne über der Erde vergleicht Golo den Abstand -seiner Liebe von gemeinem Sinne.[607] -- Als Christus vom Kreuze zu -Genoveva redete, „da kam’s wie Blumen um sie her entsprossen“. Einzelne -Vergleiche nimmt Tieck aus der großen Natur. „Wie ein Meer“ braust es -während der Vision um Genovevas Ohren.[608] Ohne Zweifel ein biblischer -Nachklang. Dem Meeresbrausen gleicht der Lärm im überfallenen -Lager.[609] Wie Gottes Gewitter muss die Jagd hingehen:[610] Daneben -ein paar Vergleiche von derber realistischer Art. „Anfallen wie -ein grimmig Tier.“[611] „Wie von wilden Pferden fühl’ ich mich -fortgerissen...“[612] Karl „tobt wie ein wütend Tier“;[613] ebenso -Golo.[614] Mahoms Reich wütet gleich giftigen Gewürmen.[615] Ist -das wilde Thier ein Bild entfesselter Leidenschaft, so nisten die -unthätigen Krieger wiederum „wie träge Tiere“.[616] Vereinzelt steht -der sprichwörtliche Vergleich „kalt und taub wie Erz und Stein“.[617] -Der „Drache“ in Siegfrieds Traum ist ein Nachklang der Heldensage, -durch das Volksbuch vermittelt. In ein Märchenland versetzt uns der -Vergleich:[618] - - „Ist’s nicht so gut, als ob uns einer sagte, - Daß über unsern Häuptern Länder hingen - Mit wundervollen Bergen, Wald und Flüssen...“ - -Ziemlich in die nämlichen Naturgebiete, denen die meisten Gleichnisse -entstammen, weisen auch Tiecks Metaphern, Beiwörter, Composita. -Erstlich wiederum Licht und Glanz. Der „Glanz“ des christlichen -Glaubens, die „Feuerfunken“ in den Christenherzen, der „Blitz Gottes“ -Karl Martell, „die Schaaren all’ in wilder Wut entbrannt“, „das Feuer -des Auges“, „die Augen zwei Sonnen“, „der Glanz des Thrones“, die -Empörung „ein unzeit’ges Feuer flammt von der ein zur andern Grenze“, -„liebesbrünst’ge Nachtigall“, „der Brand im Innern“, Genoveva ist für -Golo eine „Hölle“, die seine Seele peinigt „mit ew’gen Flammen, mit -rastlosen Flammen“ und noch zahlreiche ähnliche Fälle. Von geringerer -Leuchtkraft sind Bilder wie der „Frühling“ des Lächelns, der „Himmel“ -im Auge, der „Frühling, der durch den Winter scheint“, der „künft’ge -Morgen“ u. s. w. Auch die Blumen finden sich unter den Metaphern wieder. -„Zarte Knospen“, „Rosenknospe“ (Mund), „sprießende“ Reue, „sprießende“ -Engel, „es sprießt ein neuer Sinn“. Einmal „thürmen sich die Wetter“. -Das Lamm verdeutlicht die sanfte Gemüthsart, die arge Böswilligkeit der -„hartherzige Hund“. - -Dasselbe wiederholt sich noch einmal, wenn wir die Composita und -Beiwörter ansehen, die aus der Natur entlehnt sind. „Frühlingsschein“, -„Strahlenaugen“, „Zauberschein“, „Sterngegenwart“, „Sternenkräfte“, -„Sternenblick“, „Himmelsglanz“, „Himmelslicht“, „Lichtstrom“, -„Freudenschein“, „Lebensschein“, „Feuerzorn“ u. s. w. Dazu gehören -„glorreich Licht“ der Liebe, Glorie (= Himmelslicht), „glorreich“ -scheinende Sonne, die „goldensten“ Mondstrahlen, „gold’ner -Schein“, „gold’ne Nacht“, „blendende Flammen“, „funkelndes Feuer“, -„schimmervolle Kronen“. Die Blumen fehlen auch hier nicht ganz. -„Blumenhöh’n“, „dichtgedrängter Blumengarten“, „blühende Lust“. Auch -der Gegensatz des Lichtes tritt hie und da hervor. „Schwarze Nacht“, -„dunkle Wüste“, „dämmernde Erinnerung“, „dämmernde Geisterwelt“. - -Von Anfang bis zum Ende durchathmet ein warm pulsierendes, -träumerisches Naturgefühl Tiecks romantische Dichtung. Des Dichters -Naturempfinden ist reich und mannigfaltig. Die Natur ist ihm aber -nicht um ihrer selbst willen da, sondern meist als stimmunggebender -Hintergrund. Auf das sympathetische Zusammenklingen von Natur und -Gemüth wendet Tieck seinen besonderen Fleiß, wie seine eigenen Worte -über die dichterische Naturauffassung vermuthen ließen. Er folgt -hier den Wegen Goethes. Von Werthers Naturauffassung fühlte sich -Tieck ja lebhaft ergriffen, wie er selbst sagt.[619] Wie Goethe im -„Werther“ will Tieck die Tages- und Jahreszeiten wie die räumliche -Umgebung auf einen Ton mit der Empfindung seiner Menschen stimmen. -Der Naturhintergrund, der das menschliche Erlebnis in der Dichtung -umrahmt, der Gedanken und Empfindungen verstärkt, seltener Stimmungen -erweckt oder in Contrast zu ihnen tritt, spielt bei Tieck eine so -wichtige Rolle, dass die Stimmung es meist über die Chronologie -davonträgt. Die Jahreszeiten begleiten die Hauptereignisse, es kommt -aber damit keineswegs zugleich ein festes chronologisches Gerüste -für die Ereignisse der Dichtung zustande, wie man erwarten möchte. -Klar begrenzte Zeiträume widersprechen der ins Unendliche strebenden -romantischen Stimmungspoesie und dieser hat alles zu dienen. Wie -gewaltsam Tieck gegen die Chronologie vorgehen kann, zeigt die -Aufeinanderfolge der Thurmscene, in der Genoveva das Wiegenlied -singt,[620] und der Schäferhochzeit. Bei genauerem Nachrechnen ergibt -sich, dass es in der ersteren Scene Herbst oder Winter sein muss, was -auch die Verse: - - „Draußen geht der Wind, - Die dicken Mauern Beschützer sind“ - -verrathen. In der nächsten Scene, die noch auf der gleichen Seite -beginnt, ist es schon herrlicher Frühling, weil es die Hochzeitstimmung -verlangt. Bei den Tageszeiten lässt sich, mit geringen Ausnahmen, -ebenfalls kein chronologisches Moment beobachten, sondern auch -hier ist es wieder nur der Stimmungswert der Zeit, den der Dichter -berücksichtigt und dem sich die Chronologie zu fügen hat. Die äußere -Natur bleibt immer dem Seelischen untergeordnet. - -Morgen, Abend und Nacht kehren in der „Genoveva“ wieder. Nur diesen -Zeiten schenkt Tieck seine besondere dichterische Aufmerksamkeit -wie die übrigen Romantiker auch. Die ahnungsvolle Dämmerung, das -geheimnisreiche Dunkel und die belebende, gemütherfrischende, „in -der Zukunft weisende“ Morgenstunde: das sind vor allem „poetische -Zeiten“. Der Sommernacht wendet Tieck in zwei Scenen der „Genoveva“ -seine besondere Liebe zu. Im weichen Geisterlichte des Mondes wächst -die Sehnsucht im Herzen, in stiller Nacht breitet Phantasus seinen -Mantel auseinander und zeigt seinen bunten Reichthum und seine -Traumherrlichkeit. Nacht und dämmerndes Zwielicht sind das sichtbare -Widerspiel der unbestimmten, in die dunkelsten Seelentiefen sich -verlierenden Stimmungen, die „allein glücklich machen“. (Novalis.) „Die -plastische Sonne leuchtet einförmig wie das Wachen, der romantische -Mond schimmert veränderlich wie das Träumen“, sagt Jean Paul.[621] -Ein anderes kommt bei Darstellung der Visionen in Betracht. Hier wird -Licht und Glanz in üppiger Fülle aufgeboten, um das Außerordentliche, -überirdisch Heilige würdig einzukleiden, wie mit einem Goldgrund, -der die Heiligen auf altdeutschen Gemälden mit schimmernder Glorie -umgibt. Wenn Tieck auch Glanz und Schimmer verschwendet, so wird er -dabei seiner unplastischen Weise keineswegs untreu; denn er zeigt uns -nie hellbeglänzte Dinge im scharfen Umrisse, sondern Glanz und Schein -selber und damit sind wir sofort wieder in unbegrenzter Unendlichkeit. -Klare, deutliche Conturen in der Naturschilderung sind Tiecks Sache -ganz und gar nicht. Ein organisch sich aufbauendes Naturbild sucht -man in der „Genoveva“ vergebens. Alles erscheint in auflösender -Beleuchtung. Tieck gibt hie und da ruhende Bilder und begnügt sich, sie -mit einem leisen, seelischen Anhauche zu beleben. Am liebsten hätte -er in dieser hochromantischen Periode in Tönen gedichtet, Worte nach -ihrem Klangwerte rein musikalisch verbunden und am liebsten belauscht -er auch die geheimen Töne der Natur oder richtiger, er hört aus der -Natur geheime Töne heraus und sucht ihren nur dem Gemüth und der -Phantasie vernehmbaren Klang in Worte zu fassen. Dieses eigenthümliche -musikalische Auffassen der Natur weckt dann „geheime Ahndungen“ und -„Stimmungen“. „Die Musik ist romantische Poesie durch das Ohr.“ (Jean -Paul.) - -Im zweiten Theile unserer Dichtung herrscht außer dem fröstelnden -Herbste bei der Verstoßung Genovevas in erster Linie die Stille -der Waldeinsamkeit. Tieck liebt die Waldeinsamkeit. Er hat dieses -poetische Wort gebildet. In den „blonden Eckbert“ dichtete er ihren -ganzen Reiz hinein. Dass gerade das Motiv des waldeinsamen Lebens, -das er im Volksbuch fand, seine Phantasie lebhaft anregte, erzählt -er uns. Wie in der nächtlichen Stille, hebt hier in der Stille des -Waldes die Sehnsucht im Gemüthe zu tönen an, die Sehnsucht nach dem -Himmel in Genovevas Seele, in Schmerzenreich die Sehnsucht nach den -fernen Menschen, die hinter’m Walde wohnen, „der ganz weitab im Scheine -glänzt daher“. Der Romantiker sucht auch hier ahnungsreiche Ausblicke -in weite, verschwimmende Fernen. Im ganzen überwiegt die freundliche -und liebliche Seite der Natur in der „Genoveva“. Tieck, dessen Gefühle -durch Wackenroder „verfeinert“ wurden, der im heiteren Genuss von Kunst -und Poesie, in glücklicher Freundschaft und in anregender Geselligkeit -lebt, ist nun selbst mehr auf das Zarte, Milde, Weiche und Heitere -gestimmt. Seine Vorliebe für die freundlichen Blumen fällt Novalis -auf.[622] Nur dort und da schleichen die Dämonen des Venusberges -und des Runenberges heimlich heran und grinsen verstohlen durch das -Kirchenfenster in Genovevas Heiligthum herein. Es sind die Nachwehen -der Abdallah- und Lovellstimmung, die im „Tannenhäuser“ und „Runenberg“ -wieder ihre alte Macht gewinnt. - -Eines muss dem Betrachter der „Genoveva“ immerhin auffällig sein. Man -sollte nämlich erwarten, dass der Dichter der „heiligen Genoveva“ die -Natur soviel als möglich mit dem religiösen Sinne der geistlichen -Poesie anschaute, „wo das fromme Gemüth aus der ganzen belebten und -unbelebten Natur einen großen Lobgesang auf die Herrlichkeit ihres -Schöpfers und Erhalters herauszuhören meint.“[623] Man möchte dies -umsomehr erwarten, als die Natur in den „Herzensergießungen“ eine -wunderbare Sprache Gottes ist, als Tieck im „Zerbino“ den Waldbruder -das fromme Lied: „Wann das Abendroth im Haine“[624] singen lässt -und in der ersten Ausgabe auch das alte „Komm’ Trost der Welt, Frau -Nachtigall“ eingeschaltet hatte. Im „Sternbald“ wie in den „Phantasien“ -bricht das eigentlich religiöse Naturempfinden öfters recht auffallend -durch. Dem Dichter war also eine solche Auffassung der Natur nicht -fremd. Und in der „Genoveva“ ist dieselbe seltsamerweise bis auf -geringe Reste verschwunden. Im Verkehre mit der Natur lässt sich -Tieck hier weder vom „Klosterbruder“ noch von Jakob Böhme ernstlich -beinflussen. Wenn auch seine Gemüthsverfassung mehr Heiterkeit und -Ruhe zeigt als sonst, die Art des Empfindens bleibt seine eigene. Was -die Biographen als Lieblingstimmungen des naturandächtigen Poeten -erwähnen, findet sich in der That fast alles in irgend einer Form in -der „Genoveva“ wieder und dass diese Naturstimmungen Tieck aus der -Seele strömten, beweisen auch seine späteren Worte an Solger.[625] Mit -Verschiedenem ist er nicht mehr zufrieden, aber „dies Klima (wie ich -es nennen möchte), dieser Duft des Sommerabends, der Waldgeruch und -spätere Herbstnebel ist mir noch ganz recht...“ -- - -Die Religion, die das Menschengemüth vielseitig berührt oder den Geist -zum Wunderbaren und Geheimnisvollen und Unendlichen hinführt, das -Alterthümliche, das, der nüchternen Alltäglichkeit entrückt, in der -Phantasie eine idealisierende Weihe empfangt und die innige, liebevolle -Hingabe an die Stimmung der Natur, das ist der echt romantische -Dreiklang, der bald leise tönend bald mächtiger anschwellend Tiecks -„Genoveva“ durchzieht und die auseinander fallenden Theile der -Composition durch einen durchgehenden Accord eint. - - -5. Die Charaktere. - -Die vorausgehenden Beobachtungen versuchten dem „Klima“ in der -„Genoveva“ näherzutreten, dem religiösfrommen wie dem altdeutschen -Tone, die das Stück beherrschen und dem Naturstimmungsdufte, der das -Ganze fühlbar durchzieht. Nur nebenbei wurde der Menschen selbst -gedacht, die in diesem Klima leben. Der Dichter legt uns dieses -Vorgehen nahe. Denn später, bei kühlerer Betrachtung seines Werkes -misst er dem „Klima“ in demselben mehr Wert bei, als den meisten -Personen, die in der Dichtung auftreten. Diesen soll nun auch einige -Aufmerksamkeit geschenkt werden. - -Unser erstes Interesse bei Untersuchung der Charakterisierungsweise -Tiecks richtet sich naturgemäß auf die Hauptpersonen Genoveva und Golo. -Genovevas Charakter, der sich fast ganz mit ihrem Verhältnis zur -Religion und Natur erschöpft, wird direct und indirect geschildert. -Wir erhalten durch die Mitspieler (Bonifacius mit eingerechnet) -verschiedene Auskünfte über ihre Charakterzüge.[626] Ein wichtiger Wink -für die Auffassung ihres Wesens ist die Äußerung Golos:[627] - - „Sie weiß um ihre Schönheit nichts, und nichts - Um ihre Lieblichkeit, sie hat den Himmel - In ihrem Auge und verschönt die Erde.“ - - -Das unbewusst Naive an ihr soll hier als bedeutsamer Zug hervorgehoben -und damit ihr sonst unbegreifliches Benehmen, ihre Taubeneinfalt bei -Golos Liebesanträgen[628] erklärt werden. Ganz dürfte es aber dem -Dichter trotz dieses Hinweises nicht gelungen sein, uns diese Seite -seiner Heldin verständlich zu machen; denn ihr Benehmen geht über das -Maß von Naivetät, das man nach Golos Worten erwartet, hinaus. Zudem -ist die Gemäldescene ein directer Widerspruch gegen Golos Worte: „Sie -weiß um ihre Schönheit nichts...“ Wir hören weiter noch von ihrer -Frömmigkeit und Gattentreue und das soll wieder indirect bestätigt -werden, wenn wir Genoveva Legenden lesen, fromme Belehrungen anhören -und lieber die größte Schmach und Erniedrigung leiden, als ihrem -Gewissen und ihrem Gatten untreu werden sehen. Die Abweisung Golos -ist die einzige für den Fortgang des Stückes bedeutsame Handlung der -Heiligen. Ihr inneres Leben spricht sich vorzugsweise in Monologen, -Gebeten, Erzählungen aus, die einem Dialoge eingeordnet sind oder im -frommen Zwiegespräche über ein geistliches Thema.[629] Sie bleibt bis -auf kleine Trübungen von Anfang bis zum Ende dieselbe. Die Einführung -der Titelheldin in das Stück ist auffallend knapp und dürftig. Als -„schöne Gräfin“ und „edle Gräfin“ wird sie uns zuerst genannt. -Daneben erscheint die Einführung Golos, ihres Gegenspielers, ungemein -breit. In geschicktem Anschlusse an sein Auftreten wird der Leser -über des Ritters äußere Erscheinung und vielfältige Charaktervorzüge -unterrichtet. Der schöne Reiter ist ein wahres ritterliches Musterbild, -wie es ein Romantiker ersinnen mochte. Er ist Sänger, Musiker, -Maler, ein gewandter Tänzer und Dichter, eine Art romantischer -Universalkünstler,[630] eine sensitive Natur, die von einem Liede -räthselhaft überwältigt wird. Er ist herablassend, freigebig, geliebt -von den einfachen Leuten wie von seinem Herrn. Später hören wir wieder -von seinem bezaubernden Eindruck auf die Umgebung und selbst auf -Genoveva. Bis auf Tanz und Malerei übt auch Golo hie und da die Künste, -die ihm in der Exposition nachgerühmt werden. Diese Charaktervorzüge -entsprechen der herrlichen äußeren Erscheinung des Reiters auf dem -weißen Pferde. Er erscheint zuerst in lauter Licht und Glanz. Es -soll die Möglichkeit in unseren Gesichtskreis gerückt werden, er -sei eine Gefahr für Genoveva.[631] Andeutungen dazu fehlen auch im -weiteren Verlaufe nicht. Jene ausführliche directe Schilderung Golos -am Anfange ist aber für unser Gefühl schon darum entschieden zu breit -gerathen, weil wir in der Erzählung seiner Amme noch einmal in Form -einer Jugendgeschichte fast dasselbe erfahren, was hier in einfacher -Aufzählung gegeben wird. Daran stieß sich der romantische Geschmack -keineswegs. Wenn im echten Roman „alles Episode ist oder gar nichts“, -warum sollte es im echten romantischen Drama anders sein. Neu im -Berichte der Amme ist die Betonung des Wunderbaren in Golos Wesen. -Nur seine Abkunft wird noch im Dunkeln gelassen. Die Abstammung des -Ritters, sowie die Ursache der wildaufflammenden Leidenschaftlichkeit, -die der Leser indessen bereits kennen gelernt hat, wird von der Hexe in -astrologischer Sprache, fast in der Art der modernen Vererbungstheorie -erklärt. Außer den Mittheilungen der Hexe wird im zweiten Theile wenig -über Golo geredet, hier herrscht die indirecte Darstellung durch -sein Benehmen und Handeln vor. Aber als Rückblick und Abschluss gibt -Siegfried in der Gerichtsscene eine Zusammenfassung der üblen Seiten, -die Golo besonders in der zweiten Hälfte des Stückes hervorgekehrt hat. -Das Gegenstück zur lobpreisenden Exposition. - -An dieser Gestalt versucht Tieck auch eine Darstellung fortschreitender -Charakterentfaltung. Der psychologische Hauptinhalt der Figur ist -die tragische Liebe, welche Tieck sorgfältig in ihrem allmählichen -Emporwachsen zeichnet. Golos Frage nach der „schönen Gräfin“ ist die -erste Andeutung. Das Bemühen, an Genovevas Seite zu bleiben und die -Frage „wo ist die Gräfin“ als Anfangsworte einer Scene sind ein kleiner -Schritt nach vorwärts. Über die weitere Entwickelung des seelischen -Processes unterrichten den Leser hauptsächlich Monologe, daneben der -Dialog mit Gertrud und eingeschaltete Lieder. Golo möchte sich anfangs -gegen die Wandlung in seinem Inneren noch wehren. Er verehrt Genoveva -nur erst „mit stummer Inbrunst und aus frommer Ferne“. Genoveva -versteht ihn nicht und Golo wird traurig. Ein Monolog sagt dem Leser -wieder, dass bereits das ganze Innere Golos in leidenschaftlichem -Aufruhr tobt, und dass es für ihn kein Zurück mehr gibt. In Liedern -und andeutenden Worten sucht der Schmachtende sich seiner Herrin -verständlich zu machen. Allein sie versteht ihn wieder nicht. In der -Gemäldescene erklärt er zunächst in versteckter Umschreibung und -endlich offen seine Liebe und wird abgewiesen. Bestürzung. Bald tritt -auch das sinnliche Moment, das sich bisher nur schüchtern zeigte, -deutlicher hervor und im langen Monologe der Gartenscene überströmt -es schrankenlos die höhere, seelische Empfindung. Bis hieher lässt -sich ein sorgfältig abgewogenes Crescendo der allmählich um sich -greifenden Leidenschaft beobachten. Vor der Peripetie erleidet die -Darstellung einen kleinen Stoß. Der kurze Zornesausruf gegen das -„Heuchelbild“ (Genoveva)[632] und gegen den „Heuchler“ Drago[633] ist -eine gewisse Vorbereitung für das Kommende. Aber nach meiner Empfindung -hat Tieck diese vorbereitenden Momente zu flüchtig behandelt. Die -Liebe Golos, die neben seiner Rachsucht noch fortdauert und ihn zwei -weitere vergebliche Anträge im Gefängnis versuchen lässt, vermag -den plötzlichen Umschlag in Golos Gesinnung auch nicht überzeugend -auszugleichen. Eine Häufung des gleichen Motives ist die weitere Folge. -Fünf Liebesanträge zwischen den zwei nämlichen Personen! Das Volksbuch -ist dabei keine Rechtfertigung. Es ist es höchstens für den Romantiker. -Auch das widerliche Benehmen des Ritters gegen eine hochschwangere -Frau, an dem sich vielleicht die Holzschnittmanier des Volksbuches -nicht stößt, wäre in der modernisierten Darstellung besser weggeblieben. - -Von diesem Punkte der Dichtung an wird Golo eine Zeitlang äußerlich -activ und charakterisiert sich so indirect. Bei der Gefangennahme, bei -der lügnerischen Botschaft an Siegfried, beim Betrug durch die Hexe und -bei Vollstreckung des Urtheils greift Golo überall kräftig und leitend -ein. Er benimmt sich dabei noch mürrisch gegen seine Umgebung. Nach -Genovevas Verstoßung kommt wieder das Lyrische mehr zum Vorschein, Reue -und Sehnsucht nach dem Zerstörten. Solange also Golo ein seelisches -Ziel vor sich hat oder sein Sehnen an einem entschwundenen Glücke -haftet, waltet das Lyrische vor; als ihm dieses Ziel eine Zeitlang -aus den Augen schwindet, wird er von den Ereignissen ergriffen und -muss sich selbst äußerlich activ zeigen. Trotz einiger Widersprüche -und der überflüssigen Häufung directer und indirecter Charakteristik, -was sich eben alles aus den romantischen Anschauungen heraus erklären -lässt, ist die Gestalt Golos und besonders die Schilderung seiner Liebe -eine bedeutende Leistung. Schon im „Blaubart“ hatte es Tieck ähnlich -versucht, die Neugier der Agnes „von der leisesten Anregung allmählich -zu einer unwiderstehlichen Gewalt“ sich steigern zu lassen, wie A.W. -Schlegel rühmend anmerkte.[634] - -In verwandter Weise wechseln directe und indirecte Charakteristik -bei den Nebenfiguren. Das Thun des „wackeren“ Grafen Siegfried gibt -dem harten Urtheile der Amme, er sei „wenig behend und sinnreich“, -vielmehr „blöden Sinnes“ zum Theile Recht. Das Kind Schmerzenreich will -Tieck nicht recht gelingen. Neben einzelnen herzlichen und kindlichen -Worten spricht der unschuldige Sohn des einsamen Waldes wieder viel -zu unterrichtet und zu altklug von der bösen Welt und vor lauter -Frömmigkeit vergisst er den natürlichsten und unschuldigsten Antheil am -Tode seiner Mutter. Die Amme trägt ein paar deutliche markante Züge, -sie ist geschwätzig und eine lügnerische Kupplerin. Aus Liebe zu Golo -geht sie von Genoveva zu ihm über und hilft, ihre Herrin verderben. -Das Motiv der Liebe zu ihrem Pflegesohne tritt aber an entscheidenden -Stellen viel zu wenig hervor. Daher fehlt auch ihrer Gestalt das -Gerundete, und wir sind unbefriedigt. Die übrigen Menschen zeigen -immer nur den einen oder anderen Zug. Soweit sie Träger verschieden -abgestufter Religiosität sind, wurden sie schon charakterisiert. Sie -sind alle mitsammen ziemlich blasse nebelhafte Schemen. - -Bei der Würdigung von Tiecks Charakterisierungskunst kommen also -eigentlich nur Genoveva und Golo vornehmlich in Rechnung. Sie sind in -ihrer äußeren Erscheinung zwar einheitlich, aber für ein Drama, das nur -auf einer Phantasiebühne spielt, vielleicht nicht deutlich und scharf -genug gezeichnet. Nicht ganz consequent durchdacht ist ihr inneres -Wesen. Man freut sich aber, dass wenigstens ein positives und sogar ein -reiches innerliches Leben da ist, das vielen anderen Figuren mangelt, -bei Genoveva religiöses Empfinden, bei Golo leidenschaftliche Liebe. -Die directe Charakteristik wird reichlicher verwendet, als nöthig wäre. -Genoveva ist fast ganz ein ruhendes, beharrendes Charakterbild. Golo -ist zwar beim ersten Erscheinen auch zur Hälfte fertig gezeichnet, -jedoch das Wachsen seiner Liebe, das Misslingen seiner Absichten und -die Folgen davon bringen Bewegung und Fortschritt in sein Dasein. Er -ist gewissermaßen der unstäte, veränderliche Mensch neben Genoveva, -die als geborene Heilige fast wandellos über dem Irdischen steht, -wie ein Heiligenbild in der Kirche, das heute in demselben Gold- und -Farbenglanze erscheint, wie längst und ehedem. Siegfried, Gertrud -und die anderen untergeordneten Personen zeigen nur die eine oder -andere Willensregung und bleiben, was sie im Anfang sind. Für diese -Nebenfiguren ist Merkels Spöttelei nicht ganz grundlos. Er schreibt -nämlich:[635] „Haben seine (Tiecks) Personen uns gesagt: ‚ich bin das!< -und sie kommen nach einer Reihe von Jahren wieder, so wissen sie nichts -zu sagen, als: ‚ich bin es noch!‘“ Übrigens redet später Tieck selbst -Solger gegenüber mit großer Objectivität von seinen Geschöpfen.[636] -Mit Golo und Genoveva ist er noch zufrieden. „Nicht wahr, Golo ist -fast durchaus, was man in der Malerei im edelen, großen Styl nennt? So -das Meiste in Genoveva.“ „Im großen Styl“ nennt sonst Tieck Menschen -voll mächtiger Leidenschaft im Gegensatz zu den kleinen, sanften, -idyllischen Erscheinungen. Bei Genoveva kann er nur an das pompöse -religiöse Pathos denken, wenn er vom „großen Styl“ spricht. „Otto, Karl -Martell, Aquitanien, die Saracenen sind vielleicht gut gedacht als -Gegensatz, aber ihre Großartigkeit ist manieriert; die Dienerschaft, -Drago, selbst Wolf, Heinrich sind dem zu Ausgemalten gegenüber -gleichsam nur in Umrissen.“ - -Wie in der Composition, so stellen sich auch in der Stilisierung -hie und da jene künstlichen Parallelen und Contraste ein, die Tieck -so gerne einflicht. Golo wird als überaus herrlicher Junker in -breiter Exposition eingeführt und stirbt schließlich als Verbrecher. -Genoveva tritt daneben recht bescheiden in kurzer Erwähnung ein, am -Ende ist die Schilderung der Heiligen lauter Glanz und Herrlichkeit. -Andererseits werden beide auch anfangs mit heimlicher Andeutung -nebeneinandergestellt als „edler Herr“ und „edle Gräfin“, am Ende sind -sie weltweit voneinander getrennt. Wenn der Schäfer aufzählend, Gertrud -erzählend an der Hand der Jugendgeschichte Golos gute Eigenschaften -entwickeln, so rundet es sich wie eine Art Chiasmus ab, wenn in der -zweiten Hälfte zuerst die Hexe durch die Erzählung von Golos Herkunft -und Siegfried wiederum aufzählend in der Anklagerede die Schattenseiten -seines Charakters vorführen. Das „Zurückbeleuchten aller früheren -Gedanken“ lobt Tieck einmal auch an Solgers Darstellungsweise. Golo -und Genoveva theilen mit ihrer äußeren Erscheinung dasselbe Schicksal, -die körperliche Schönheit beider wird zur Hässlichkeit: Golo jedoch -ist auch innerlich hässlich geworden, Genoveva wurde (oder blieb) -eine Heilige. Es scheint zu Tiecks eigenstem künstlerischen Wesen zu -gehören, dass sich ihm leicht und von selbst solche leise, unter der -Oberfläche halb versteckte Beziehungen und Zusammenhänge anspinnen. -Diese Neigung und eine idealisierende Allgemeinheit müssen wir als -kennzeichnende Seite seiner Charakterschilderung festhalten. Über -allerlei Widersprüche innerhalb der Charaktere gleitet der Blick des -romantischen Dichters sorglos hinweg und der Meister der lyrischen -Stimmung ist zufrieden, wenn die einzelne Scene ihren richtigen „Ton“ -erhält, wenn die Scenen bunt und mannigfaltig wechseln und erst -das Ganze sich wieder zu einer gewissen Einheit zusammenschließt. -„Vernünftiges Chaos.“ - - -6. Der Stil. - -Vom Charakter des romantischen Stiles, wie er sich in der Blütezeit -der Schule (1797-1801) entfaltet, gibt Petrichs kleine Schrift „Drei -Kapitel vom romantischen Stil“,[637] ein sehr lehrreiches Bild. L. -Tieck steht theilweise im Mittelpunkte dieser Untersuchungen und auch -auf seine „Genoveva“ wird in manchen Punkten Rücksicht genommen. Da -Petrich aber eine zusammenfassende übersichtliche Darstellung im Auge -hatte, so konnte eine einzelne Dichtung nach ihrer sprachlichen Seite -naturgemäß nicht erschöpfend betrachtet werden. Indem ich dankbar -annehme, was der Vorgänger bietet, versuche ich, die Untersuchung der -einen Dichtung Tiecks zu vervollständigen. - -Im Sprachstile müssen wir immer den künstlerisch-sprachlichen Ausdruck -dessen suchen, was die dichterische Einbildungskraft innerlich im -Geiste sich formte, und Hauptaugenmerk der stilistischen Untersuchung -muss es sein, die Wechselbeziehungen zwischen Inhalt und Ausdruck -soweit als möglich zu verfolgen. Tiecks „Genoveva“, die inhaltlich -eine romantische Universalpoesie im kleinen sein möchte, bildet ein -sehr buntes Conglomerat von Motiven und Stimmungen. Man darf da im -vorhinein nicht allzuviel von einem einheitlichen Stilcharakter -erwarten. Ein solcher war vielleicht nicht einmal vom Dichter -beabsichtigt. Da es den vorhergehenden Beobachtungen wenigstens -gelang, drei wichtige Elemente zu greifen, welche die Dichtung zumeist -beherrschen und ihre Physiognomie wesentlich bestimmen, das Religiöse, -das Alterthümliche und ein eigenartiges Naturgefühl, so liegt es auch -nahe, diese Grundströmungen in der Stilisierung zu verfolgen; denn -diese eigenartigen Stimmungen müssen sich in angemessenen, eigenartigen -Worten und Bildern äußern, um dem Gemüthe des Lesers wiederum ähnliche -Stimmungen zu suggerieren. - -Die von der Naturphilosophie vielfach befruchtete Weltanschauung der -meisten Romantiker ahnt und sucht hinter der sichtbaren Welt eine -höhere, unsichtbare, geistige, und bemüht sich ohne Aufhören mit -verlangendem Seherblick in dieses unbekannte Jenseits einzudringen. -Das gibt auch ihrer Stilistik ein eigenartiges Gepräge.[638] Tiecks -„Genoveva“, die nur an einzelnen Stellen von der Naturphilosophie -berührt wird, ist überwiegend von der christlich religiösen -Auffassung beherrscht. Die transscendentale Welt und was sonst zur -Religion gehört, ist darum hier zum größten Theile identisch mit den -christlichen Anschauungen von Leben und Jenseits und wird nur in -geringerem Maße von Naturphilosophie und Böhmes Theosophie bestimmt. -Die Stilmystik -- ein von Petrich geprägter Terminus -- in der die -Beziehungen zwischen Welt und Überwelt sich spiegeln, wird darum -hier eine vorwiegend christliche Färbung annehmen, die „Gefühle der -Andacht“, „die Wunder der Legende“, das „Unglaubliche“ werden in erster -Linie eine christliche Sprache reden. - -In ziemlicher Anzahl verwendet Tieck in der That religiöse Ausdrücke -und Wendungen, wie sie in Gebet und Predigt und in Erbauungsbüchern -einen ständigen Wortschatz bilden, z. B. „erbauen“, „frommes Herz“, -„liebe treue Seele“, „unsere heilige Religion“, „Inbrunst“, das -Schlusswort „Amen“, die fromme Grußformel: „Es segne Euch der Herr, -behüte Euch, er sei mit Euch auf allen Euren Wegen“ oder „Nun -gute Nacht, der Herr mag Euch bewahren mit seinen auserwählten -Engelschaaren“ oder „Schön warmer Tag. Gelobt sei Jesus Christ“. -Karl Martell citiert betend die Psalmworte: „Gedenk’ nicht meiner -Sünde! Geh’, o Herr, nicht mit mir in’s Gericht!“ Biblische Worte -werden verwendet in der Schilderung der Visionen,[639] in Dragos -Erbauungsrede[640] und vereinzelt noch öfter. Genoveva gebraucht -ein paarmal die Worte des Vaterunser.[641] -- Mit religiösen -Gewohnheitsphrasen, wie „was Gott mir beschieden“, „mit Gottes Hilfe“, -„wollte Gott“, „bewahre“, „Gott lass es ihm wohl geh’n“, „Gott -helf’ mir meiner Sünde“, „Gottlob“, „Herr Gott“, „heiliger Gott“, -„Gotteswelt“ u. dgl. ist Tiecks Stück reichlich bedacht und diese -verschiedenen Ausrufe und Anrufe werden hier ohne Unterschied von guten -und schlechten Christen gebraucht. - -Die Gefühle der Andacht entfalten sich im Gebete und in der frommen -Betrachtung. Das Gebet erscheint in der „Genoveva“ gewöhnlich in -der Form des feierlichen Anrufes. „O Auge Gottes, das vom Himmel -schauet, nimm Du ihn gern in Deinen großen Schutz“...[642] Ein wenig -lahm klingt daneben Karl Martells Aufforderung zum Preise Gottes an -die Umgebung:[643] „Der Herr hat wundervoll für uns gestritten, man -preise ihn durch laute Freudenlieder, man bring’ ihm Dank und lasst -uns kindlich bitten.“ Die religiöse Belehrung und Ermahnung kleidet -sich gern in die Form der Anrede. „So wird Euch Gott mit seinem Schirm -geleiten...“[644] Wir finden auch die allgemeine Form des betrachtenden -Vortrags, der nur lose in den Dialog eingehängt erscheint. Hieher -gehört die Rede des Kapellans an Genoveva,[645] sowie die Betrachtung -Dragos über die irdischen Leiden.[646] Da diese an die Lesung der -Legende anknüpft, so gemahnt sie schon an jene Art von Predigten, die -Novalis schreiben wollte. Noch mehr ist dies der Fall, wenn sich eine -solche Rede an eine kleine Gemeinde richtet, wie Wendelins Erklärung -der Heiligenbilder.[647] - -Um den Krieg Karl Martells als Kreuzzug erscheinen zu lassen und -den Enthusiasmus des frommen ritterlichen Kämpfers zum Ausdruck zu -bringen, nimmt der Dichter eine Reihe stilistischer Mittel zuhilfe. Mit -Wendungen, wie „heiliger Krieg“, „für Christum fechten“, „in Christ -bestehen“ und verwandten Phrasen wird nicht gespart. Es wird immer -an Stellen, wo man hin und wieder auch „die Feinde“, „die Unseren“ -erwarten möchte, consequent „die Heiden“, „die Saracenen“, „der -Muselmann“, „die Ungetauften“ und auf der anderen Seite „die Christen“ -eingesetzt. Die Mohren rufen: „Mahom!“ „Allah!“ „Beim Allah!“ die -Christen: „in Gottes Namen denn!“ „Herr Christ, magst mir im Streit -beisteh’n!“ u. s. f. - -Gegen Ende der Dichtung sehnt sich alles nach der Ewigkeit und diese -Sehnsucht spricht auch aus manchem eigenthümlichen Worte heraus. -Genoveva blickt aus der Wüste aus „in das schöne Land“.[648] „Schon -schlaf’ ich ein, schon zieht mein Geist von hinnen.“[649] „O lass -sie zieh’n, denn das ist ihr Verlangen, nach Himmelslichte steht -ihr frommer Sinn.“[650] „Sie geht voraus, wir kommen nach in unsers -Vaters Haus.“[651] „Ach Gott, magst... uns auch ein feines, sel’ges -Ende geben.“[652] „Siegfried hofft in Gottes Licht zu funkeln.“[653] -Das Leben ist eine „Wallfahrt“ nach dem Himmel. In all diesen Worten -der Himmelssehnsucht liegt wegen ihrer schlichten Einfachheit eine -große Kraft und immer erwecken sie die Vorstellung vom Hinwegsehnen -und Hinausblicken aus dieser Welt nach einem fernen, schönen, seligen -Lande. Dies gibt den letzten Theilen der „Genoveva“ einen sanften, -wehmüthig-frohen Anhauch, der sich recht glücklich mit der großen -Stille und Einsamkeit zu poetischer Wirkung eint. Wie wir früher die -Poesie des Fernen in die Naturstimmung hereinklingen hörten, so mengt -sich hier mit anderen religiösen Empfindungen dieser echt romantische -Sehnsuchtsklang, den wir noch in Eichendorffs „Ewig träumen von den -Fernen“ deutlich vernehmen. - -Ein Lieblingswort Tiecks und der Romantiker ist das Wörtlein -„wunderbar“[654] und daran reihen sich verschiedene Synonyma. Nicht -bloß das eigentlich Wunderbare wird bei Tieck als solches bezeichnet, -sondern „wunderbar“, „wundervoll“ u. s. w. begegnen uns auch dort -gerne, wo es sich nur um etwas Außerordentliches im gewöhnlichen -Sinne handelt. Wir hören von Golos „wunderbarer Tugend“. Zulmas Thun -ist „wundervoll“, sie ist ein „wunderbares, unglückselig Weib“. Die -Saracenenschlacht ist „wundervoll“ und „wundersam“. Genoveva ist für -Golo ein „Wunder“, sie „weckt die hohen Wunder auf aus verborgenen -Tiefen“. „Wunder über Wunder“ ruft auch Gertrud bei Genovevas -Einkerkerung. Dann begegnen uns wieder „Wunderschein“, „wunderthätig“, -„wunderlich“, „Zauber“, „Zauberschein“ neben häufigem „seltsam“, -„seltsamlich“. Solche Wörtchen sind allerdings einzeln genommen -fast gewichtlose Atome, in Masse aber die Sprache erfüllend, sind -sie imstande, selbst jenen Theilen der Dichtung, die nicht gerade -Sammelpunkte religiösen Empfindens sind, eine Art religiöser Färbung -zu verleihen und in uns beständig das Gefühl des Außerordentlichen -anklingen zu lassen. In einer Dichtung, die das Unglaubliche in -Verbindung mit der nächsten, überzeugenden Gegenwart zeigt, muss auch -das Irdische dem Wunderbaren etwas näher gerückt werden, damit sich für -unsere Phantasie nicht eine zu unübersteigliche Kluft zwischen beiden -Welten aufthut. - -Das Wunderbare entfaltet aber seine besonders blendende Leuchtkraft -in den Wundern und Visionen, die der Dichter jedesfalls selbst als -die Gipfelpunkte des Religiösen in der „Genoveva“ ansah. Beide werden -fast immer in Erzählungsform vorgeführt. Genoveva erzählt jedesmal -selbst ihre Vision in einer feierlichen Rede, die von Vergleichen und -Bildern förmlich überströmt. Alles, was Bilder von Licht und Glanz, von -Gesang und himmlischem Klang in unserer Phantasie erwecken kann, wird -zuhilfe gerufen, um den Eindruck der übernatürlichen Herrlichkeit zu -erwecken. Dasselbe gilt auch von den Wundern in der Wüste, soweit sie -mit himmlischen Dingen in Verbindung stehen. Die epische Erzählung wird -gelegentlich mit Lyrik durchwoben. Der Dichter lässt die Erzählerin -das einemal direct sagen, wie ihr zumuthe war. „Da fühlt’ ich erst -die Kraft der Religion...“[655] „Mir war, als schaut’ ich schon den -höchsten Thron...“[656] Ein andermal wieder erzählt der Dichter selbst: -„Das kam wie Blumen um sie her entsprossen...“[657] Die überirdischen -Dinge, die hier der Dichter schildern soll, sind Vorstellungen, die -jede deutliche Darstellung, alle scharfen Contouren ausschließen, -und Tieck wie seine Genossen lieben das Unbestimmte, Verschwimmende, -weil es die Stimmung des Unendlichen erweckt. Darum die unbestimmten -Vergleiche und hypothetischen Wendungen. Das Unbestimmte wird denn auch -manchmal direct betont. „Wie er gestaltet, kann ich niemand sagen, was -ich gefühlt, kann keine Zunge sprechen.“[658] Hypothetisch heißt es: -„Wie wenn das Morgenroth die Knospe wäre...“[659] „Mir war, als schaut’ -ich...“[660] „Ich war in Angst, ich möchte...“[661] In der Schilderung -der letzten Vision fallen aber die unbestimmten syntaktischen Fügungen -weg. Es soll auch durch die Sprechweise der Eindruck erzielt werden, -dass Genoveva, in die himmlischen Mysterien bereits eingeweiht, sich -schon sicherer in diesen erhabenen Sphären fühlt. In der Darstellung -dieser hohen Dinge herrschen die langen Perioden vor. Der großartige -Inhalt und die Stanze fordern eine breitausmalende, reich hinflutende -Sprache. - -Für die mehr märchenhaften und rührenden als eigentlich hohen Wunder -von der Hirschin und den zutraulichen Thierlein der Wildnis sucht -der Dichter auch seiner Sprache einen mehr naiv herzlichen Ton zu -geben. „Komm, fromme Hirschin, du mir zugesandt, du blickst mich an -mit treuen, lieben Augen.“[662] Besonders müssen hier die Deminutiva -mithelfen.[663] „Die Vöglein sich auf Hand und Häuptlein schwungen...“ -„Gieng’s Kindlein aus... so liefen auch die frommen Tierlein mit.“ -„Die Tierlein kommen schon... die Vögelein sind dort...“ Die kindliche -Sprache, die von den „Händen“ der Thierlein, eine Sprache, wo der -Sprecher von sich in der dritten Person redet, ahmen die Worte -Schmerzenreichs nach:[664] - - „Wo Kräuter sind, da setzen sie die Hände, - Dass Schmerzenreich sie desto bälder fände.“ - -Das Unheimliche, Ungreifbare der düsteren Geistererscheinung -fordert wieder andere sprachliche Mittel. Unbestimmte Ausdrücke und -Vorstellungen, die aber alle auf Grauen und Schrecken, auf Unheimliches -hinzielen, wirken hier zusammen.[665] Situation: „In einer Nacht...“ -Siegfried „dünkt es“, dass ein „Wesen“ (also ganz unbestimmt, welcher -Art) in seine Kammer trete. Das Wesen aber hebt „die kalte Hand“, sein -„todter Blick verkündigt Pein und Jammer“. Es wächst das Gespenst -so halbdeutlich aus dem Dunkel heraus. Es wälzt sich ins Bett, beim -Hilferuf verschlingen es die Wände, es ist ein „Geist“. Das „Gespenst“ -erscheint wieder, es verwirrt Siegfried „Sinn und Glauben“, es macht -ihn kalt erschaudern, es starrt mit todten Blicken. Als sich Siegfried -hilfbereit erklärt, erhebt es die weißen Finger und winkend fängt es an -hinwegzuschleichen. All diese Merkmale und Handlungen des Gespenstes -in den angeführten charakteristischen Wendungen wirken sehr gut zum -einheitlichen Eindruck des Unheimlichen zusammen. - -Wunder und Visionen werden vom Dichter meist und zwar in bewusster -Absicht episch dargestellt und dieser Umstand verdient auch Beachtung. -Der Epiker hat nach Tiecks Ansicht dem Wunderbaren gegenüber eine -leichtere Stellung als der Dramatiker. Denn in der Erzählung wird das -Wunderbare nicht so lebhaft vor das kritische Auge geführt als auf -der Bühne und der Leser sieht es nur durch das Auge des Dichters. -Die wunderbare Hirschin, Tod und Engel treten aber nichtsdestoweniger -in der „Genoveva“ auf die Bühne. Um für ein solches Wunder Glauben zu -erlangen, gilt es, dasselbe gehörig vorzubereiten, damit wir es als -glaublich hinnehmen. Das thut Tieck auch. Wir leben bei ihm in einer -wunderbaren Welt von Anfang an. Als dichterischer Traum ist das Ganze -gedacht. Eine verwirrende Mannigfaltigkeit lässt den Geist nie so lange -auf einer Erscheinung haften, dass diese allzu reale Existenz gewänne. -Das katholische Mittelalter und das Gebiet der Legende ist für Tieck -ein wunderbarer Boden, auf dem nichts Unglaubliches und Wunderbares -überraschen kann. Der religiöse Ton der Sprache hält uns ziemlich das -ganze Stück hindurch in der religiösen Sphäre fest. Die „wunderbare“ -Schlacht, der „Unbekannte“, die Erzählung der ersten Vision, Astrologie -und Hexenkunst, die Rettung aus Mörderhand gehen voraus. Dann folgt -das geringere Wunder mit der Hirschin, darauf die Erzählung der großen -Wunder in der Wüste, und nun ist „der richtende Verstand soweit -eingeschläfert“ und die Phantasie an das Wunderbare gewöhnt, dass -selbst eine leibhaftige Engelserscheinung die künstlerische Illusion -nicht mehr zerstören kann. Zu diesen Erwägungen gelangt man zwanglos, -wenn man Tiecks Gedanken über das Wunderbare bei Shakespeare sich in -Erinnerung ruft.[666] - -An einzelnen Stellen tritt in der Genoveva eine mystische -Naturphilosophie auf, die sich mit Jakob Böhmes theosophischen -Phantasien gerne vermengt. Wie dabei auch sprachlich ein Gemisch -aus Altem und Modernem entsteht, zeigte uns die Betrachtung des -Jakob Böhme’schen Einflusses auf die „Genoveva“. Auch der einzelnen -pantheistischen Wendungen wurde schon gedacht. - -In die fromme Legende spricht zuweilen das Schicksal oder die -unheimliche Natur ein düsteres Wort hinein. „Das Schicksal hat es so -gefügt“, „die Fäden des Schicksals verlaufen“, ein geheimnisvolles -„muß“ oder die unbestimmte Wendung „uns selber nicht gehört das -ird’sche Leben“ sagen, dass ein unerklärtes und nur dem ahnenden und -schauernden Gemüthe fühlbares Etwas den Menschen treibt und lenkt. Das -Schicksal ist eine „wilde Macht, vom Himmel heruntersiegend“. „Oben das -böse Verhängnis lacht.“ - - „Himmel und Erd’ in ihrer Gewalt uns hegen, - Die Sternenkreis’ um uns Gewinde legen, - Allseitig in Ketten der hohen Natur geschlagen, - Welche Kraft will sich durch all’ diese Netze wagen.“[667] - -Ähnlich sagt Golo von seiner Leidenschaft: „Hält mich ein Zauber -doch in ehernen Netzen...“ Das ist die Sprache des Tieck’schen -Naturfatalismus. Jedes Wort und jede Wendung soll ein Ausdruck des -unheimlichen und unfassbaren Bangens und Schauerns vor dem eisernen -Schicksalszwange sein und diese fatalistische Stimmung auch dem Leser -mittheilen. - - * * - * - -Mit der Vorliebe Tiecks für das Poetische an den „alten Urkunden“ -deutscher Poesie wuchs in ihm zugleich die Vorliebe für den -archaistischen Stil.[668] Die Vorliebe führte zur Nachahmung und so -tragen besonders jene Schriften, die in den Jahren der Freundschaft -mit Wackenroder oder aus den Anregungen dieser Jahre entstanden, das -alterthümliche Stilkleid in wenig verändertem Zuschnitte an sich.[669] -A.W. Schlegel[670] betrachtet es 1801 als ein gutes Zeichen an der -romantischen Dichtergeneration, dass sie auf die ältere, poetischere -Sprache zurückgreift. Er meint, die Dichter seien berechtigt, nicht -nur bis ins 17. Jahrhundert, „sondern bis zu den ältesten Denkmälern -unserer Sprache zurückzukehren, um das brauchbare Veraltete, das noch -verständlich sein kann, zu erneuern; wobei es sich zeigen wird, dass -wir reicher an einheimischen Schätzen sind, als wir wissen“.[671] Nur -ist es heute nicht mehr ganz leicht, den archaisierenden Charakter -der romantischen Werke richtig abzuschätzen und auf die Bestrebungen -dieser Dichter einzugehen; es liegt die Sache hier ähnlich, wie beim -Costüm. Der Leser, der an Freytag und Scheffel sich seine Vorstellungen -vom archaisierenden Stile bildete, bringt andere Forderungen und -Vorstellungen mit, als der Leser, der vor hundert Jahren von den -Werken der Classicisten kam. Wielands „Geron“ und Goethes „Faust“ waren -nur vereinzelte Erscheinungen mit ähnlicher archaisierender Sprache. -Vollends fremdartig erscheint uns, was Tieck selbst in der Zeit seiner -alterthümelnden Schwärmerei eigentlich alles als Archaismus und somit -als sprachlichen Vorzug einer Dichtung gelten ließ. Dies seine eigene -Erklärung:[672] „... das Zufällige, Entstellte, die Abkürzungen, die -oft die Sache dunkel und unverständlich machen, die Ungeschicklichkeit -der Abschreiber und Umarbeiter, ja Schreib- und Druckfehler können -am Ende, wenn die Vorliebe schon bis zum Phantastischen gesteigert -ist, diesen Dingen (Volksbüchern) einen Wert geben, der natürlich -bei abgekühlter Überlegung wieder verschwindet“. Diese seltsame -Vernarrtheit in alles, was mit den alten „Schartecken“ zusammenhieng, -lässt vielleicht manches in Tiecks eigener alterthümelnder -Sprachweise als absichtlich und gewollt erscheinen, was man gerne im -ersten Augenblicke als Druckfehler und Schleuderhaftigkeit ansehen -möchte.[673] Denn nach seiner angeführten Erklärung kann eigentlich -alles, was den Regeln der gewöhnlichen Schriftsprache laut oder -leise Hohn spricht, als Archaismus sein Dasein rechtfertigen. Zu so -argen Consequenzen kam er übrigens in seiner dichterischen Praxis -glücklicherweise nicht. Aber manches wird nur vom Gesichtspunkte jener -Äußerungen aus verständlich. - -Nicht alle in der „Genoveva“ eingestreuten Archaismen wirken -gleich mächtig auf die Phantasie des Lesers. Am sichersten und -kräftigsten wird diese von jenen Worten und Wendungen in die alte -Zeit zurückgelenkt, die wirkliche Thatbestände einer vergangenen -Culturperiode ausdrücken. Wenn Siegfried „seinem Lehensherrn“ Karl -Martell als „wackrer Grafe“ dient, wenn er den „Knaben“ Golo zum „Vogt“ -seines Schlosses bestellt, wenn von „Freien und Vasallen“ die Rede -ist, wenn Golo mit der „Armbrust“ auf der Jagd erscheint, so haben -wir Worte vor uns, von denen jedes uns direct ins Mittelalter, oder -wenigstens in eine ältere Zeitperiode (die Romantiker rechnen auch -das 16. Jahrhundert noch zum Mittelalter) hineinführt. Mit dem bloßen -Worte wird ein Complex von Vorstellungen älterer Culturzustände und -Thatsachen vor unserer Phantasie sichtbar. Auch der „Sternengucker“ und -die Hexe mit ihrem mystischen Welsch aus Jakob Böhme vom „Figurieren“ -und „Korporieren“ etc. versetzen uns in eine ältere Zeit zurück. - -Solche Archaismen ersten Ranges, wie sie wohl heißen könnten, sind -in der „Genoveva“ nicht sehr häufig. Umso zahlreicher begegnen uns -archaistische Worte, Wortformen, Wendungen und syntaktische Fügungen, -die, über die Diction reichlich hingestreut, mehr äußerlich das -alterthümliche Colorit verstärken helfen. Auch hier kommt nicht die -Herkunft der Worte aus einer bestimmten älteren Periode, sondern -aus einer älteren Zeit überhaupt in Betracht. Das ehrende Epitheton -trefflicher Leute ist „wacker“. Wir lesen weiters „empfahen“, „Mauren“, -„doppel“, „gläuben“, „fleug“, „zeucht“, „verbeut“, „beut“, „geneust“, -„dann“ und „wann“ für „denn“ und „wenn“, „anjetzt“, „hernacher“, -„heraußer“, „annoch“, „zumal“, „alleweil“, „allhie“, „allhier“, „letzt“ -= jüngst, „was“ als Conjunction für „wie“, „mit erstem“ = bei nächster -Gelegenheit, „weil“ = während, „inskünftige“, „Urtel“, „Trutz“, -„Schalk“ in der alten Bedeutung, „dick“ = dicht, „fein“ (ein „feines -sel’ges Ende“), „frei“ als hervorhebendes Adverb, „spat“. -- Es finden -sich vollere Formen aus der älteren Zeit. Die Anredeform „Lieben“, -„lieben Brüder“, „lieben Freunde“. Dann „Grafe“, „Glücke“, „Herre“, -„Gotte“, „Herze“, „Hofemeister“, „Siegefried“, „zurücke“, „drinne“, -„leichte“, „edele“ etc. Nach Analogie dieser volleren Formen scheinen -„deine“ = dein und „im Maie“ gebildet zu sein. Alterthümlich gemeint -sind auch verkürzte Formen, wie „(ge)kommen“, häufiges „all“ = alles, -„mal“ = einmal, „Wohlgefall“, „Kriegsmann(en)“, „schlug“ = erschlug, -„ließest“ = verließest, „schüchtern“ = einschüchtern, „barmte“, „bost“, -„rückkehren“, „mein(e) Genoveva“, „vorteilen“ = übervortheilen, -„(er)kennen“, „(be)gründen“, „schweigen“ = schweigen machen, „du willt“ -= du willst, Präteritalformen, wie „schwungen“, „sungen“, „erklungen“, -„gepreist“, „rennte“, „sie hätte mir bekennt“. - -Tieck verwendet Ausdrücke, die der gewöhnlichen neueren poetischen -Sprache fremd sind. „Den Tod den Sündern geben“ = von der Hand der -Sünder sterben, „er wäre besser (tauglicher), bei der Meß’ zu dienen“, -„kann ich in’s Lager ein Gespötte bringen?“ „die Zunge rollt im Kopfe“, -„als Bote stehen“ = das Botenamt versehen, „ein wachsam Auge führen“, -„Rede geben“, „verkehren“ = moralisch schlecht machen, „die Töne -thaten zu mir“, „die Erde muss geöffnet sein“ (werden), „damit es ein -frommes Christenkind erfunden wäre“ (würde). -- Bei zusammengesetzten -Ausdrücken fällt mitunter ein Bestandtheil weg. „Es geht (mit) uns -schief“, „ich halte Euch (für) krank“, „denk (an) des Geduld, der -dorten hängt am Kreuz“, „schon (ist es) Glück genug“, „(es) mag wohl -(sein)“. Auch allerhand syntaktische Kühnheiten und Unebenheiten müssen -nach Tiecks Auffassung zum Archaistischen gerechnet werden. Es wird -z. B. der Satz ohne vorausgehendem Comparativ mit „als“ fortgesetzt. -„Betet... kreuzigt die Brust, als dass Ihr so die heil’ge Kirchenstille -stört“, „es ist Pflicht, man lässt sie nicht allein“, dass die Berge -„von dem Hall geschlagener Waffen, Schilderklang ertönen“, „er sei -der Dein’ im Tode oder Leben“, „(es) schwung sich (etwas) über meinem -Haupte, wie ein Singen“, „wie (sie) Leib und Blut an Christi Tisch -genossen, so mussten sie zum Dank ihm beides bringen“, „Ihr glaubt -doch nun, was Ihr geseh’n, ihn Sünde mit der gnädigen Frau begehen“, -„zu spät umzukehren (= da es zu spät ist, dass ich umkehre), muss der -Frevel ewig währen“, „(ich) fürcht’ mich“, „es ist in wilder Wüst’ all’ -ihre Lust, und (sie) fürchtet...“. Die Zaubersprüche der Hexe, welche -den Zweck haben, Siegfrieds Sinn zu verwirren, sind darum auch selbst -syntaktisch verworren. Auch die Stanzen des heil. Bonifacius sind im -Satzgefüge oft recht bequem gehalten. Z. B. „ihr war, als muß (müßte)“, -„sie vernimmt im leisen Chore singen...“, „Das Bild streckt seinen -Arm in während Klingen“. Zu den Eigenthümlichkeiten aus älterer Zeit -gehört noch der Gebrauch des adversativen „und“. „Hoffend, und ich ward -verstoßen“, „Eine Schlacht! Und bedenkt Ihr denn nicht...“, „Unschuldig -ach! Und keiner steht mir bei“. Wir finden die Construction mit „thun“. -„Sense thut schon blinken“, „Kein Gedanke mich hier erreichen thut“. -Das Perfectum statt des Präteritums: „hat sie dann gesprochen“, „und -wenn’s vor Kälte zittern dann gemußt“. In manchen Fügungen hört sich -auch die Nachstellung des Attributes ein wenig alterthümlich an. „Es -schändet Dich als einen Christen rein, verbunden mit dem Mohrenweibe -sein“, „ein Ritter bieder“, „o Crucifix, o Jesu Christe bieder“, -„dieser Knabe fein“. - -Entschieden archaisierend ist wiederum der Gebrauch lateinischer -oder lateinisch flectierter Worte oder halblateinischer Wortformen. -„Italia“, „Hispania“, „Carol“, „Carol Magnus“, „Karl Martellus“, -„geistlich Regiment“, „Glorie“, „glorreich“, „vom St. Laurentio und -Sebastian“, „Abatissin“, „Genovevam“, „Gebete rezitieren“, „das -Paternoster nehmen“, „Ora pro nobis sancta Genoveva“. Tieck unterlässt -es auch nicht, jenen auftretenden Personen, die er unabhängig vom -Volksbuche einführt, gut altdeutsch klingende Namen zu geben, wie Kunz, -Wolf, Otho, Günther, Gertrud, Else, Grimoald, Winfreda. - -„Ich bin der wackre Bonifacius“, „... seid aufmerksam und laßt Euch -gern in alte deutsche Zeit zurückeführen“, „vernehmet die denkwürdige -Geschicht’ von uns’rer Genoveva heil’gem Leben...“, der belehrende -Zuruf an die Leser „o laßt uns alle diesen Wandel führen, daß wir -die Tugendkron’ erlangen...“, diese Anreden und Ermahnungen an das -Publicum, die altfränkische, naive Art, wie sich der heil. Bonifacius -einführt, werden mit Bewusstsein von Tieck angewendet, um den rührenden -Ton des alten Volksbüchleins nachzuahmen; denn gerade dieser hatte -ihn auch besonders entzückt. In dieser Zeit hält Tieck technische -Unbehilflichkeit noch für liebenswürdig.[674] Auf altväterische -Herzlichkeit zielen jedesfalls auch die Verbindungen der Adjectiva mit -einem „wohl“, „hoch“, „recht“, „aller“ u. dgl. ab. „Liebwerthestes -Gemahl“, „dreimal edler Jüngling“, „vor dem allerteuersten -Marienbilde“, „recht dunkelrotes Blut“, „allerliebster Golo“, -„wohledele Frau Gräfin“, „das allerschönste Glück“, „das allerliebste -Wohlgefallen“, „ein einzig armes Mal“, „allerreinste Tugend“. Eine alte -Färbung der Sprache unterstützen die Adjectivbildungen auf „-lich“ -und besonders die auf „-iglich“. „Bedächtiglich“, „bescheidentlich“, -„böslich“, „festiglich“, „fröhlichlich“, „leichtiglich“, „wonniglich“, -„sänftlich“, „sündlich“, „seltsamlich“. Erwähnt sei noch die doppelte -Negation. „Auch ziemt sich Stolz für keinen Christen nicht“, „nie keine -Unthat“, „nimmer keine Lust“... - -Manche von diesen Proben ließen sich vermehren, ohne jedoch dadurch -etwas Neues dem bisherigen Materiale beizufügen, das uns bereits -einen Einblick in Art und Weise gewährt, wie Tieck seine „Genoveva“ -mit einer künstlichen, archaistischen Patina überzieht. Künstliche -„Schreib- und Druckfehler“ zu machen unterlässt er zwar, aber eine -gewisse Nachlässigkeit in der Schreibweise, ein absichtliches Abweichen -vom Correcten, also eine Tendenz nach jener Schreibart hin, die er -an den alten Volksbüchern abgöttisch bewunderte, lässt sich nicht -verkennen. Der Reiz des Alterthümlichen und Seltsamen steht dem -Romantiker höher als die frostige Correctheit, die man gerne den -Rationalisten überlässt. Diese mochten sich aufs neue ärgern, wie sie -sich einst über den Stil des „Götz“ geärgert hatten.[675] Wie bei der -Behandlung des Costüms geht der Dichter auch hier nicht mit ängstlicher -Consequenz zuwerke, er holt sich seine Archaismen nicht gerade aus -einer bestimmten älteren Periode unserer Sprache her. Er wechselt -manchmal zwischen altem und neuerem Ausdruck ohne ersichtlichen -Grund und schreibt einmal „Thurn“, das anderemal „Thurm“, einmal -„Grafe“, ein andermal „Graf“; er flectiert die Eigennamen „Christus“, -„Genoveva“ bald deutsch, bald lateinisch. Rhythmus und Reim sprechen -selbstverständlich in vielen Fällen ein Wörtlein mit, wie sich leicht -beobachten lässt. So entscheidet der Rhythmus, ob „Herr“ oder „Herre“, -„Siegfried“ oder „Siegefried“, „Hofmeister“ oder „Hofemeister“, -„Karl“ oder „Karol“ gesetzt wird. Daher schreibt sich wohl zumeist -diese durchgehende Abwechslung in den Formen. Dass Tieck sich auch -in der Sprache keinen Zwang in consequenter Anwendung der Archaismen -auferlegt, kommt dem Gesammteindrucke nur zugute. Allzu große -Ängstlichkeit hierin würde das Alterthümliche nur gezwungener, steifer -und verkünstelter erscheinen lassen, als diese leicht aufgetragene -Färbung. - -Trotz der schweren Menge von Archaismen lässt sich andererseits bei -einer so ausgedehnten Dichtung, wie es die „Genoveva“ ist, eigentlich -nicht von einem Überflusse sprechen und Solgers Urtheil,[676] es -sei in diesem Punkte „mehr als räthlich“ geschehen, ist nicht -recht verständlich. Wahrscheinlich meint Solger, der jenen extrem -romantischen Grundsatz, nach welchem selbst sprachliche Unebenheiten zu -archaistischen Schönheiten werden, kaum je anerkannte, dass Tieck seine -alterthümliche Sprachfärbung zu oft auf Kosten des neuhochdeutschen -Sprachgefühles anstrebte und so kann man das „mehr als räthlich“ in der -That auch heute unterschreiben. - - * * - * - -In der sprachlichen Darstellung des Naturgefühles, das in der -„Genoveva“ eine so bedeutende Rolle spielt, zeigt Tieck wieder recht -seine Fähigkeit als Stimmungspoet. Die stilistische Behandlung ist -hier nicht immer ganz gleichwertig. Dem Romantiker ist es beim -Landschaftsbilde weniger um einen bestimmten Inhalt, als um die Seele, -um den Stimmungshauch, der über der Naturscenerie schwebt, zu thun, -wie uns die Kunstgespräche im „Sternbald“ belehren. Das hier von -gemalten Landschaften Gesagte gilt natürlich auch vom dichterischen -Landschaftsbild und Novalis kann sich wie Tieck Gedichte denken, „die -bloß wohlklingend und voll schöner Worte sind, ohne allen Sinn und -Zusammenhang, höchstens einzelne Strophen verständlich, wie Bruchstücke -aus den verschiedenartigsten Dingen“. Tiecks Naturstimmungsbilder -zeigen nicht selten dieses Zusammenhanglose und Verschwimmende. Davon -schreibt sich ihre eigenthümliche Stilisierung her. Bezeichnend ist -das Lied des Schäfers „Himmelblau, hellbegrünte Frühlingsau...“, das -nur als musikalische Phantasie gedacht ist und im „Sternbald“ die -Überschrift „Schalmeyklang“ trägt. In Golos Frühlingsschilderung[677] -werden junges Laub, blühende Bäume, Vögel, Blumen, silberne Bächlein -ohne rechten organischen Zusammenhang nebeneinander gestellt. Wir -bekommen kein deutliches landschaftliches Bild. Der Leser hat die -ersten Züge vergessen, wenn er bei den letzten anlangt. Strahlen, -Farben und Töne im Verein mit Worten seelischen Inhaltes wirken -zusammen, um eine allgemeine Frühlingsstimmung im Gemüthe des Lesers -wachzurufen. Ein landschaftliches Bild bekommen wir nur einmal in der -„Genoveva“ zu sehen und auch dieses ist ein dämmeriges Nachtbild.[678] -Scenerie: Waldgebirge, Nacht, Mondschein. Mit Golo schauen wir von -der Bergspitze in die Tiefe und hören zuerst den Waldstrom, erkennen -dann die Wipfel im Mondlicht, darunter im Scheine „flimmende“ Fichten. -Um uns Gebirge mit gespaltenen Klippen, Wälder, die sich rauschend -neigen. Wieder ein Blick abwärts: schweigende Thäler, aufsteigende -Nebelwolken. Ein Blick aufwärts: die Sterne und schwimmende Wolken und -in diesem Raume, den das Auge durchmessen, hochaufgerichtet die Nacht. -Es ist das Bild einer Gegend, aber es ist ein ruhendes Gemälde, ein -Nebeneinander. Leben gewinnt es dadurch, dass wir einmal mit Golo den -Blick über die Theile der Scenerie schweifen lassen und diese selbst -verräth ein gewisses Leben durch das Brausen, Schäumen, Flimmen, -Rauschend-Neigen, Nebelwolkensteigen und das Geh’n der schwimmenden -Wolken. Sonst muss der Leser in den meisten Fällen die Naturscenerie -sich aus den Scenenüberschriften zurechtlegen. Der Dichter sagt nur -„Garten, Mondschein“, „Garten“, „die Wüste“. Die auftretenden Menschen -sagen, was sie in dieser Umgebung empfinden und ihre Empfindung theilt -sich dem Leser mit. Die Empfindung löst sich dabei mit Vorliebe in -Ton und Schimmer auf, die ineinander strömen und sich durchdringen. -Das classische Beispiel dafür ist die Balkonscene.[679] Da lässt die -„Sirene“ Nachtigall ihre Lieder schallen, die süßen Klänge dringen in -Golos Herz, der Klang lockt ihn zum Verderben hin. Dabei sind goldener -Mondschein und flimmernde Sterne der Contrast zu seiner dunkeln -Leidenschaft. Wenn diese höher auflodert, dann beglänzt sie auch die -Natur unheimlicher, dann „saugt der Mondschein“ am Herzen, die Sterne -„zielen mit Liebespfeilen“. Dazwischen wieder der freundliche Contrast: -das „Spielen“ der Abendwinde, der „murmelnde Gang“ der Bäche. Glanz -und sanfte Töne durchziehen die lyrische Scene und daraufhin sind die -Ausdrücke gewählt. Die Quellen „leiser, lieblicher fließen“, „kleine, -stille Blumen sprießen“, „Winde bringen Kunde“, „Bäume sumsen Lieder“, -„Alles singt“, - - „In dem Herzen klingen Töne, - Die sich mit der Nacht verwirren, - Rieselnd durcheinander irren, - All’ in Harmonie und Schöne.“ - -Schöne, wohlklingende Worte, die rasch vorüberschwebende -Phantasiebilder erwecken, helfen zusammen, das träumerische -Stimmenspiel der Sommernacht zu malen. Die unbestimmten, klangreichen -Worte haben eine „indirecte Wirkung wie die Musik“. (Novalis.) In -Golos Anrede an Genoveva: „Ihr schreitet her und weckt...“[680] ist -die Stimmung der geheimen Magie, mit der die Geliebte die ganze Natur -beherrscht, auch in der Sprache glücklich festgehalten. Unheimlich -gespensterhaft wird das Nachtbild vor der Hexenscene gemalt.[681] -Es „weht die Nacht herauf mit schwarzem Flügel“, die Wolken „zieh’n -und flieh’n“, Geister kommen und geh’n „auf der schwarzen Leiter der -Nacht...“. Ähnliche Worte unheimlichen Grauens findet Wolf für die -unheilkündenden Himmelszeichen. Während Genoveva nur die sanften Laute -der Natur vernimmt, ist es der leidenschaftliche Golo, der wenigstens -manchmal auch einen Blick auf die große, wildromantische Natur wirft -und dafür das entsprechende Wort findet: „Hinaus! dem Winde sei ein -Spiel, den Regenwolken, dem Blitz ein Ziel.“ „Der ferne Strom erklingt -in seiner Macht.“ „So sollte unter uns die Welt verschwinden... es -sollte alles mir gelingen, indess Naturen unter uns vergiengen.“ „Der -Waldstrom braust und schäumt...“ Im ganzen überwiegen aber in der -Dichtung die sanften Naturklänge und das freundliche Schimmern von Mond -und Sternen. - -Das nämliche stilistische Mittel, mit dem der Dichter den Leser -beständig in der alten Zeit wie in der religiösen Sphäre festzuhalten -sucht, wendet er an, um im zweiten Theile neben der religiösen und -alterthümlichen Stimmung in uns auch das Gefühl der Waldeinsamkeit rege -zu erhalten. Immer neue Wendungen lassen den Leser nicht vergessen, -dass er im tiefen Walde ist. „Wie schauerlich und einsam ist der -Platz.“ „Auch wüßt’ ich nicht den Weg zu finden aus diesen verworrenen -wüsten Felsen.“ „Die Wüstenei.“ „Hier tief im Berge.“ „Hinter jenem -Walde, der ganz weitab im Scheine glänzt daher.“ „Daß wir allhier, der -Einsamkeit ergeben...“ u. s. w. - -Die Beispiele für die Gleichnisse, Metaphern, Composita, die Glanz -und Licht und Blumen bevorzugen, wurden bereits bei Besprechung des -Naturgefühles zusammengestellt. - -Das Eigenthümliche in Tiecks Art, das Naturgefühl auszudrücken, ist, -dass der Dichter nie auf die Zeichnung deutlicher, scharf und rein -gesehener Umrisse ausgeht. Schon das Beseelte und Bewegte in seinen -Naturbildern hindert einen scharfen Contour. Aber auch kein organisch -in zusammenhängender Folge sich entwickelnder Naturvorgang wird -vorgeführt, wobei der Leser activ mitschaffend theilnehmen könnte, -sondern Tieck geht auf Stimmungen, höchstens auf ein malerisches -Stimmungsbild aus. Eine Vorstellung wird in der Phantasie angeregt; -bevor sie einen festen Umriss gewinnt, drängt schon eine zweite -verwandte oder wenigstens aus derselben Sphäre entnommene nach, die -aber nicht die vorausgehende deutlich fortsetzt und abrundet, sondern -verändert und theilweise verwischt. Die Bilder und Vorstellungen, -aus denen sich ein Landschaftsbild zusammensetzen könnte, werden in -bunter Verwirrung durcheinander geworfen. Bei einem solchen Kommen -und Gehen und leisen Durcheinanderfließen der Phantasiebilder, -unterstützt durch den sinnlichen Klang von Wort und Reim, bildet sich -jener unbestimmte, zart-schwebende Ton im Gemüthe, den wir Stimmung -nennen. Der Leser ist nie gezwungen zum energischen Nachbilden der -dichterischen Anschauungen, er wird auch nicht in ein bestimmtes Gefühl -hineingezogen, sondern er gibt sich rein passiv wie bei der Musik dem -wohligen Spiele der vorüberschwebenden Bilder und Klänge, die nur von -unklaren Vorstellungen begleitet sind, hin. Diese leicht über Dinge -hinschwebende Sprache, die der Seele des Lesers nur einen flüchtigen -Stimmungshauch suggeriert, gefiel den Romantikern außerordentlich. -Es war ihnen die richtige Sprache der rein künstlerischen Stimmung. -A.W. Schlegel schreibt z. B. über die Lieder in der „Magelone“, die -verwandten Charakter zeigen: „Die Sprache hat sich alles Körperlichen -begeben und löst sich in einen geistigen Hauch auf. Die Worte scheinen -kaum ausgesprochen zu werden, so dass es fast noch zarter wie Gesang -lautet.“ Novalis nennt die bestimmten Gedanken und Empfindungen -die Consonanten, die unbestimmten Stimmungen die Vocale und Töne -im Seelenleben. Diesen Anschauungen entspricht die romantische -Stilisierungsart. - - * * - * - -Unsere bisher geführte Untersuchung wollte einige Eigenthümlichkeiten -in Tiecks Stilistik feststellen, die sich ziemlich gleichmäßig -über die ganze Dichtung hin verfolgen lassen. Es erübrigt noch, -einige Beobachtungen zu versuchen, die sich mehr auf einzelne -Bestandtheile des bunten, vielgestaltigen Werkes richten. Einzelne -von den längeren lyrischen Monologen verdienen unsere Aufmerksamkeit. -Der ausgedehnteste darunter ist jene Einleitung zu Golos letztem -Liebesantrag. Situation: Garten. Hereinbrechender Sommerabend. Golo -schaut in sein Inneres hinein, das im allgemeinen Aufruhr begriffen -ist. Aus dem Gewirre drängt sich der Gedanke an die nahende Geliebte -hervor. Mit dem Gedanken verbindet sich der Wunsch, sie zu umarmen. -Dem Wunsche folgt das Phantasiebild von der Erfüllung des Wunsches. -Aber der Träumer merkt, dass es nur Phantasie ist und bittet die -Sterne um Verwirklichung des erträumten Glückes. Recitativisch, in -freien Rhythmen, voll rhetorischer Figuren stürmen diese Wünsche -dahin. Feine und allmähliche Übergänge fehlen. -- In ein erhabeneres -Bild eingekleidet, das Sinnliche weniger offen hervorkehrend, in -feierlichen Stanzen gewinnt der nämliche innere Vorgang folgende -Gestalt: Die ganze Natur erwartet Genoveva; die ganze Natur mag -unter Golo in Trümmer stürzen, wenn er nur die Geliebte in den Armen -halten könnte. -- Anknüpfend an Genovevas Kleid, an ihren Gang und -Tanz schwelgt hierauf wieder Golo in wilderen, sinnlichen Phantasien -und wieder freirhythmisch wie das erstemal. -- Nach diesem Aufwallen -ebbt die Gefühlswelle wieder in eine ruhige Bahn zurück. In einem -weichen, wehmüthigen Anruf an die Sehnsucht verlangt Golo, wenigstens -in seinem letzten Augenblicke von einem Wahnbilde Genovevas beglückt -zu werden. Diese ernste, wehmüthige Bitte an die Sehnsucht erscheint -wieder in Stanzenform. Im „Getreuen Eckart“[682] sagt der Dichter -einmal: „Eckart schaute seinen inneren Gedanken zu.“ Das nämliche -thut hier Golo monologisch. Er schaut zu und schildert zugleich, wie -in seinem Gemüthe die Leidenschaft bald wild aufschäumt, bald ruhiger -und gemessener hinströmt, und danach wechselt die stilistische und -metrische Einkleidung. Ein ähnliches Variieren lässt sich beobachten in -Golos Monolog: „Ihr hohen Bäume, heilge, dunkle Gänge“,[683] deutlich -in Karls Betrachtungen über den Ehrgeiz,[684] nicht mehr so deutlich in -Zulmas Monolog vor dem Zelte ihres Geliebten.[685] Diese Gefühlsergüsse -erscheinen wie romantische Poesien im kleineren Maßstabe, wie -„einfache, poetische Systeme“. Eine Gesammtstimmung beherrscht das -Ganze. Innerhalb dieser Atmosphäre wogt es bunt und mannigfaltig -durcheinander. Wie es Novalis von den Theilen des Romanes verlangt, -wird auch hier das lyrische Stück „ein eigenes Ganzes“. Ähnliches lässt -sich an den lyrischen Theilen des „Zerbino“ und „Octavian“ beobachten. - -Eine sonderbare Art, die gegenwärtige Gemüthsverfassung auszudrücken, -ist es, wenn Tiecks Personen dieselbe mit vergangenen Gemüthszuständen -vergleichen. Hieher gehört Golos Monolog: „Was willst Du hier?“[686] -Genovevas Sonett in der Balkonscene[687] und Golos Lieder: „Da irr’ -ich unter Steinen“[688] und „Sieh’ Laute, sieh’, so reiß ich dich in -Splitter“.[689] Ebenso die lange Rede Golos im Dialog mit Gertrud: „Nur -einmal ihren Busen an den Mund“[690] und die Klagen und Mahnreden des -sterbenden Wolf.[691] Durch solch künstelndes Parallelisieren, durch -das spielende Schweben über der Empfindung wird der kräftige Eindruck -des unmittelbar Gegenwärtigen verhindert, das Ganze verflüchtigt. Eine -einfachere, aus dem Gemüthe kommende Sprache führt das Lied „Dicht von -Felsen eingeschlossen“, „Deine Worte sind im Dunkeln“ und die klagende -Genoveva in der Wüste. - -Auch im religiösen Empfinden vermisste Solger das „unmittelbar -Gegenwärtige“ und er dachte dabei gewiss an jene Stellen, wo Genoveva -sagt, dass sie „nicht so Andacht“ als „die Liebe zu den alten Zeiten“ -am Legendenbuche erfreue. Die Menschen in der „Genoveva“ sehen auf die -Vergangenheit mit gleicher Ehrfurcht zurück, wie die Romantiker, und -aus dem Gefühle der Ehrfurcht und Hochschätzung der frommen Vorzeit -heraus spricht man von „frühern Zeiten“, „alten Zeiten“, „fabelhaften -Zeiten“, „der alten, deutschen Zeit“, „den vor’gen Helden“, „dem -alten Liede“, „den alten Liebesreimen“. Wolf ist ein „Abbild der -verfloss’nen, treuen Zeit“. Es ist die Rede von „alt verlaufenen -Geschichten“, von „Fabel und Gedicht aus ferner Zeit“, „von alten -Mären“ wie in den Schriften Wackenroders oder im „Sternbald“. Im -„Octavian“ spricht man dann von „alten, edlen Liedern“ und Florens -setzt sich wie Don Quixote durch das Lesen von Ritterbüchern und -Liedern allerhand Hirngespinste in den Kopf. Tieck hat seine Freude am -Alten und seine Sehnsucht danach „zu körperlich und zu buchstäblich“ -in seine Dichtungen hineingebracht und dies empfand Solger als -„manieriert“. - -Neben den Ausblicken in die ferne Vorzeit finden wir auch die -Perspectiven in räumliche Fernen und für diese Ausblicke findet Tieck -seine eigenen ahnungsreichen Worte. „Wo bist du Glück in Himmelsbahnen, -wo schwingst du in Räumen die hochrothen Fahnen?“ „Der Wald, der ganz -weitab im Scheine glänzt daher“, „jene Weiten“, „dort hinterm fernsten -Walde liegt ein Schloß“. „Jenseit des Himmelsblau.“ Erinnern wir uns -jener Ausblicke in die ferne Zukunft („Weit hinab schaut des Propheten -Blick“) und in die Ewigkeit, so haben wir eine Reihe von Worten und -Wendungen beisammen, aus denen der Eindruck des Ahnungsvollen, in der -Ferne Verschwimmenden, des Unendlichen resultiert. In der Entfernung -wird alles Poesie. Wendungen und Worte, die den inneren Sinn in Zeit- -und Raumfernen lenken, lassen die Ahnung des Unendlichen anklingen, sie -leihen „der Aussicht eine Seele“.[692] „Die Bilder der Romantik sollten -mehr erwecken als bezeichnen“, sagt Heine. - -In der Freundschaft mit Wackenroder lernte Tieck den Wert positiven, -innigen Empfindens schätzen, in Novalis fand er einen Freund, der -selbst die „herzliche Phantasie“ einen Grundzug seines Wesens nannte. -Dabei lernte Tieck selbst Innerlichkeit und Empfindungen, die ganz und -voll die Seele füllen, schätzen. Das merkt man auch seiner Sprache -an. Das Betonen des Innigen und Herzlichen in der Darstellung der -religiösen Gefühle und reinen Liebesempfindungen fällt dem Leser der -„Genoveva“ und der ihr zeitlich nahestehenden Dichtungen unwillkürlich -auf. Eine Reihe bezeichnender Wendungen bewegt sich in dieser Richtung. -Von Bonifacius sprach das Alter, dachte die Jugend „mit des Herzens -Innigkeit“, „so spricht mein armes Herz“, „des Herz mir so vom Herzen -ist ergeben“, „so dass sie (die Weise) mich bis in mein Herz bewegte“, -„da ihr’s so schlicht und herzlich singt“, „wenn ich Euch liebe und -mit treu’stem Herzen in dieser Liebe Leben, Herz verzehre“, „der -Ton ist mir in’s tiefste Herz gedrungen“, „herzlich sei im Herzen -der verflucht, der mich...“, „inniglich so Geist wie Herz bewegen“, -„das innere Weh der Trennung“, „da ward mir recht im innern Herzen -bange“, „innig lieben“, „herzinnig bereuen“, „innig überzeugt sein“, -„vom Herzen und mit ganzer Seele“, „im Gemüthe erwägen“, „Wie ich -noch tief im Seelenfleh’n befangen“, „Ich war im tiefsten Beten noch -verloren“, „sich in tiefes Sinnen versenken“, „ich bin mit meinem Gram -allein“, „mit der Seele nach dem Himmel streben“, „ich will in mein -Gemüth zurücke geh’n“, „Laß’ sie mich martern, wenn sie nur das Herz -mir lassen, denk’ ich Dein im Tode noch“, „Ihr seid zu finster in Euch -selbst verschlossen“, „ein seelerfreuter Mann“, „mit inbrünst’gem -Herzen“, „inbrünstige Angst“. Innig hört sich auch das Beiwort „lieb“ -an, das Tieck mit beseelten und unbeseelten Dingen verbindet. „Liebe -Berge“, „das liebe Lamm“, „liebe treue Augen“, „lieber, heller Morgen“ -u. s. w. Es macht fast den Eindruck, als ob Tieck diese poetisch -schönen, gemüthreichen Wendungen durch zu häufigen Gebrauch und -besonders durch die wortspielerische Art, die er nicht lassen mag, in -ihrer Kraft beeinträchtige. - -Wie für die edlen Empfindungen, so hat Tieck auch für die entfesselte -wilde Leidenschaft seine wiederkehrenden Lieblingsworte. Solche -sind „rasen“, „toben“, „toll“, „wild“ u. dgl. „Tolle Worte“, „die -Nacht macht Euch toll“, „der wilde Sinn“, „die wilde Macht“, „habe -fast die Wildheit Euch verzieh’n“, „o schafft mir Gnade vor den -wilden Freunden“, „so wild, so rasend“, „die große Raserei dem Pöbel -predigen“, „rasende Sinnen“, „Ihr könnt mein Rasen seh’n?“, „was ras’ -ich denn?“, „es rasen Freund’ und Feinde durcheinander“, „die Wuth -macht Euch stammeln“, „o Wuth -- o Feuerflamme...“ Golo „rast und tobt -wie ein wildes Tier“, „es ist nicht die Rede, herzurasen wie ein wildes -Tier“, Karl Martell „tobt wie ein wütend’ Tier“, Golo „wütet, rast...“ -Daneben begegnen noch „verrückt“, „unsinnig“, „Gefühl und Wunsch und -Wahnsinn durcheinanderirren“. Mit diesen und ähnlichen starken Bildern -wirken die Vergleiche mit dem Feuer, dem wilden Tiere zusammen und dazu -kommen an besonders erregten Stellen abgerissene, kurze, gestammelte -Sätze. Diese erregte, ans Excentrische und Überreizte streifende -Diction ist die passende Sprache der Leidenschaft für Golo. - -Auch dort, wo es sich nicht um eine hochgespannte leidenschaftliche -Erregung handelt, spürt man die Neigung zum Ungewöhnlichen, zum -Heraustreten aus der Sprache der gewöhnlichen Alltäglichkeit. Es ist -dies das selbstverständliche Vorrecht jeder poetischen Sprache; nur -nimmt der Vorgang beim Romantiker gelegentlich seine ganz eigene -Gestalt an. A.W. Schlegel meint:[693] „Es ist ein erhabener Geschmack, -die Dinge immer in der zweiten Potenz vorzuziehen.“ Damit macht -Tieck in seiner Sprache nicht selten Ernst und bringt damit etwas -Ungewöhnliches, Nachdrückliches und Überschwängliches in dieselbe. -Es verstärken sich wiederholte Worte. „Ich suche Schutz und finde -keinen, keinen als in Euch“, „ein leises, leises Rauschen“, „der süße, -süße Name König“, „dass es endlich, endlich dem schlagenden Herzen -genügt“ u. s. w. Beliebt ist die Verstärkung eines Begriffes durch sich -selbst oder durch ein Attribut aus gleichem Stamme. „Des Herz mir so -vom Herzen ist ergeben“, „auf Dein eignes Glück Dein Glück zu wagen“, -„in dem Frühling Frühling sich entzündet, aus Blumen sich noch eine -Blüte windet“, „das heil’ge Feuer... das den Glanz beglänzt und Licht -der Sonne leiht“. Tieck ist imstande, einen psychologischen Vorgang -in einen zweiten einzuschachteln: in ihrer Erzählung von der eigenen -Jugend erinnert sich Genoveva ihrer Erinnerungen.[694] Bei solchen -Kunststücken fällt einem Fr. Schlegels Wort über die reflectierende -romantische Poesie ein, die ihre Reflexion „immer wieder potenzieren -und wie in einer endlosen Reihe von Spiegeln verfielfältigen“ -kann.[695] Diese Sprache strebt ins Außergewöhnliche, aber sie -verwischt zugleich die klaren Umrisse. - -Jene Merkmale, aus denen Petrich die allgemeine Unklarheit des -romantischen Stiles herleitet, lassen sich natürlich auch in der -„Genoveva“ beobachten und die Beispiele, die Petrich anführt, könnten -durch verwandte aus dieser Dichtung bereichert werden. Für Bilder -und Gleichnisse werden auch hier Traum und Schlaf,[696] sogar das -Gefühl des auferstehenden Todten[697] verwendet! Das Gebiet des -Gehörsinns und die undeutlicheren Wahrnehmungen des Gesichtssinnes -liefern für Bild und Gleichnis auch manchen Beitrag und die bekannte -romantische „Gütergemeinschaft der Sinne“ besteht in der „Genoveva“ -gleichfalls zu Recht. Nur möchte ich nicht, wie Petrich, in diesem -Vermengen der Vorstellungen „ein Mittel andeutender Unbestimmtheit des -Ausdruckes“ sehen, sondern es ist (abgesehen von Tiecks natürlicher -Neigung zur Stimmungspoesie) nur ein Versuch, auch in der Sprache so -viele Anschauungsgebiete als möglich, auf einmal zu umfassen. Die -„Phantasieen über Kunst“ geben darüber deutliche Auskunft. Es ist der -nämliche Zug nach Universalität auch im dichterischen Worte, den die -Romantik überall bethätigt, sei es, dass sie „der Bildung Strahlen -all in Eins zu fassen“, sei es, dass sie die künstlerischen Gattungen -oder die verschiedenen Religionen in Eins zu mischen strebt. Manche -Äußerungen Fr. Schlegels scheinen auf eine absichtliche Unklarheit -abzuzielen, bei Tieck ist diese sicher nicht Zweck, sondern nur die -Folge des Bemühens, zu Verschiedenartiges auf einmal im Worte zu -greifen, die Folge seiner ganzen dichterischen Wesensart. - -Die Häufung verschiedener Bilder finden wir in der „Genoveva“ ebenso -wieder,[698] wie die Unklarheit im Ausdrucke der Bilder selbst.[699] -Beabsichtigt kann die Unklarheit nur in den Reden des „Unbekannten“ -und in den Sprüchen der Hexe sein. -- Das Fehlen des Artikels, -fehlende Copula, fehlendes „zu“ beim Infinitiv, der freiere Gebrauch -der Präpositionen, sowie die Limitation des Urtheiles durch ein -„vielleicht“, „ist es nicht, als wenn...“, „mir ist, als ob...“ lassen -sich in der „Genoveva“ in gleichem Maße verfolgen, wie es Petrich bei -den Romantikern im allgemeinen thut. Nehmen wir noch dazu das Wörtchen -„abwärts“ mit den verwandten Vorstellungen, die uns in der „Genoveva“, -im „Sternbald“ wie in den übrigen gleichzeitigen Dichtungen in Menge -begegnen, so haben wir die wichtigsten, fassbaren stilistischen -Merkmale in der „Genoveva“ ziemlich erschöpfend verzeichnet. - -Von der alltäglichen Sprache entfernen sich auch die Tropen und -Figuren. Tropischer Ausdruck ist in der „Genoveva“ häufig verwertet. -Allein bezeichnend für die Stilfarbe sind nur jene bereits erwähnten -Vorstellungen, die aus der Sphäre von Glanz, Feuer, Klang und -Blumen entnommen sind. Andere, wie „süßer Odem“, „einsamer Wald“, -„trüber Blick“... sind ziemlich jeder poetischen Diction eigen. Als -Eigenthümlichkeiten, die gerade bei Tieck gerne wiederkehren, seien -noch genannt: Der Vergleich mit dem Netze,[700] das Wort „spielen“ in -verschiedenster Verwendung,[701] „regieren“ vom Beherrschen seelischer -Vorgänge durch den Willen.[702] Letzteres hängt vielleicht mit der -astrologischen Vorstellung von den „regierenden“ Gestirnen zusammen. - -Noch häufiger als der tropische Ausdruck sind in der „Genoveva“ -die rhetorischen Figuren. Es herrschen besonders die Anaphora, die -rhetorische Frage, Ausruf und Anruf, die noch gerne mit „O“ und „Ja“ -verstärkt werden. Die scharfe rhetorische Inversion mit „nein“ sowie -die Klimax fehlen nicht. - -Die Figuren trennen und verbinden syntaktische Glieder. Sie sind ein -Gerüste, das eine Masse gliedern, belebend abtheilen hilft und auch -eine äußerliche Hilfe, um Unverbundenes zu verbinden. Wie Tieck für die -Gesammtcomposition äußerliche Mittel reichlich verwendet, so verschmäht -er sie auch im einzelnen nicht. Wie dort in der Composition, begegnet -uns auch hier in der Sprache der Contrast. Wir finden ihn in einzelnen -Versen, ja selbst in einzelnen Begriffen. - - „Es stellt den heiligen Laurentius vor, - Der in des Feuers Schmach den Leib verzehrte, - Die Heiden legten ihn in Feuerbrunst, - Die Seele stand in lichter Himmelbrunst, - Wie sich Elias hob im Himmelsfeuer, - Ward er erhoben durch ein irdisch Feuer, - Sie wollten ihm die härt’ste Qual bereiten - Und gaben ihm des Himmels Seeligkeiten.“[703] - -Ein solches Fangballspielen mit Contrasten ist gar nichts Seltenes -in der „Genoveva“.[704] Auch ein einzelner Vers kann in künstlicher -Zuspitzung den Gegensatz in sich schließen. „Die Christen färben rot -die grüne Flur“, „ein Mann und Thränen?“, „an Worten arm, an Thaten -sollt Ihr kennen den treuen Knecht...“, „ich schlug den Gatten, du -hast mich erschlagen“, „daß es (das Bild) nicht leben kann, das ist -mein Tod“, „nur das Grab kann kühl die Flamme mir ersticken“ u. s. f. -Bis in den einzelnen Begriff drängt sich der Contrast hinein und formt -sich zum Oxymoron. „Sei gütig böser, holder, liebster Satan“, „das -Mögliche, das doch unmöglich ist“, „Tod ein blütenvolles Leben“... -Die contrastierenden Verse erscheinen öfter wieder im syntaktischen -Parallelismus; es treten sich gleichgebaute Sätze gegenüber.[705] -Auch Gruppen von Sätzen[706] oder Strophen des Sonettes[707] werden -contrastiert. Die Anaphora führt ihrer Natur nach zum syntaktischen -Parallelisieren.[708] Tieck vermeidet aber doch wieder dabei eine -allzugenaue Symmetrie, die eintönig werden müsste. - -Auf den syntaktischen Bau übt daneben besonders die Strophenform der -Octave einen bedeutenden Einfluss. Sechsundfünfzigmal (von 122), also -beiläufig in der Hälfte der Octaven versucht es der Dichter, die ganze -groß aufgebaute Strophe mit einer einzigen Periode zu füllen. Die -Form dieser Strophe ist deutlich auf Zweitheiligkeit (6+2) berechnet. -Mit diesem Schema rechnet dann auch der Bau der Periode. Es enthalten -das einemal die zwei letzten Verse die Spitze der Gedankenreihe, die -sich in den sechs vorausgehenden Zeilen entwickelte oder ein andermal -einen Contrast, ein drittesmal die Folgerung aus dem Vorausgehenden. -Im einzelnen ist der Satzbau innerhalb der Stanze ein sehr -verschiedenartiger, dem romantischen Gesetze von der „reizenden Ordnung -in der Verwirrung“ folgend.[709] - -Die vielen rhetorischen Mittel, Anaphora, Frage, Ausruf u. s. w., -Mittel, die für das gesprochene Wort von großem Werte sind, gehören -auch vor allem der Sprache des Theaters an. Ihr häufiger Gebrauch -erweckt den Anschein, als ob Tieck trotz seiner Abwendung vom Theater -doch wieder heimlich ein theatralisch gesprochener, wenigstens ein -laut gelesener Dialog vorgeschwebt hätte. Wozu sonst auch die dem -theatralischen Drama eigene Stichomythie, die wenigstens in kleineren -Ansätzen auch in der „Genoveva“ vorkommt?[710] Wozu das Auffangen der -Worte des einen Sprechers durch seinen Partner, das uns ziemlich oft -begegnet? Hin und wieder finden sich auch jene der theatralischen -Sprache natürlichen scheinbar subject- oder prädicatlosen Sätze, wie: -„Seht her!“, „seht“, „auf ihn, auf ihn!“, „So nackt?“, „in dieser -Haut?“, „wie, Genoveva?“... Geberde und Geste des Schauspielers -müssen hier die Sprache ergänzen, damit die Verbindung der Worte -eine sinnvolle, ein vollendeter Satz wird. -- Wenn in der „Genoveva“ -die Sprache auf sinnliche Dinge der Außenwelt kommt, so wird der -Leser, der für das dichterische Phantasiebild eine gewisses Maß von -Deutlichkeit verlangt, in seinen Ansprüchen zuweilen verkürzt, weil er -alles nur durch das Medium der unplastisch sehenden Sprecher schauen -darf. Schon die Naturstimmungen zerfließen manchmal in einen sehr -dünnen Äther, doch bei ihnen lässt sich die flüchtige Stimmung noch -empfinden. Schlecht befriedigt es aber den Leser, wenn Wendelin das -ganze Laurentiusbild in lauter Betrachtung über das Bild auflöst. Wem -nicht die eigene Erinnerung gleich ein Laurentiusbild vor die Phantasie -führt, kann nicht errathen, wie das von Wendelin erklärte Gemälde -aussehen mag. So darf der Dramatiker vorgehen, der an die Bühne denkt, -auf der das Gemälde sichtbar vor uns hängt. Tieck überspringt auch ein -Zwischenglied, das der Regisseur ergänzen müsste. Im „Saale auf dem -Schlosse“ beginnt Golo ohneweiters: „Schaut um Euch, wie der Frühling -aufgegangen...“ Auf der Bühne müsste Golo wenigstens ans Fenster -treten und der Epiker würde mit einer Andeutung nachhelfen. In der -„Genoveva“ ist der Leser genöthigt, sich selbst zu helfen, wie er kann. -Er muss sich zuweilen wie der Leser eines Bühnendramas sich die Bühne -vorstellen. Spricht das Bisherige dafür, dass sich Tiecks Phantasie -nicht in allen Fällen von der realen Bühne fernzuhalten vermochte, dass -er unwillkürlich dort und da an das Theater dachte, so muss umgekehrt -das Hineinweben jener geheimen Fäden, die Ahnung und Erfüllung und -allerhand bedeutsame Parallelen verbinden, als untheatralisch, ja als -undankbar selbst für das gelesene Drama gelten. Denn der Epiker hat -seine bequemen Mittel und Fingerzeige, um die Verbindung zwischen -Ahnung und Erfüllung nicht aus dem Gesichtskreise entschwinden zu -lassen: in der „Genoveva“ muss sie der Leser erst mühsam klügelnd -entziffern. - -Tiecks Dialog zeigt selten einen halbwegs energischen, auf ein -bestimmtes Ziel lossteuernden Fortgang, so dass die Scene mit einem -bestimmten Resultate schließen könnte. Wenn sich solche Scenen finden, -so sind es Ausnahmen, wie die Gesandtenscene, die Eroberung von -Avignon, die Gefangennahme Genovevas, die Botschaft an Siegfried. -In den meisten Fällen unterreden sich auch nur zwei Personen. Ein -paarmal lässt sich der eine Unterredner überaus schnell überzeugen -und seine Antwort schließt sich wie ein Refrain an die Rede des -Partners an.[711] Meist begnügt sich der Dialog mit dem behaglichen -Besprechen eines oder mehrerer Themen und mit dem Ausmalen der -Situation. Die Scenen, die sich um den Abschied gruppieren, die Scene -auf „Siegfrieds Schloss“,[712] die musikalische Balkonscene, die -längeren Gartenscenen,[713] die lange Scene mit dem sterbenden Wolf, -die ohne Effect verläuft, seien als Beispiele genannt. Wiederholte -lange Reden, Erzählungen, Lieder und lyrische Ergüsse werden sich -schwerlich ohne Widerspruch in den Dialog fügen; denn ein Fortschritt -auf ein bestimmtes Ziel gehört zum Wesen eines künstlerischen Dialoges, -der nicht langweilig werden soll. Das Bemühen der Romantiker, die -künstlerischen Gattungen in eins zu verweben, musste zu den breiten, -zerfließenden Dialogen führen. Der heutige Leser der „Genoveva“ hat -das deutliche Gefühl, dass es Tieck auch stilistisch nicht gelang, die -Gegensätze der künstlerischen Gattungen allerwärts auszugleichen. Auch -Tieck selbst sagt später:[714] „Dagegen ist mir vieles in Genoveva -(z. B. die Amme zu ihrem Schmerzenreich, die Gemälde im Anfang und so -vieles einzelne) wie zu emsig, fleißig und altdeutsch ausgemalt.“ - -Eine Rückschau auf diese Untersuchung von Stil und Sprache zeigt, wie -Tieck auch auf diesem Gebiete seiner dichterischen Art zumeist treu -geblieben ist. Sein Vergleich des dichterischen Schaffens mit dem -Traume fällt dem Leser unwillkürlich auch hier wieder ein und daneben -seine Ironisierung des Bestimmten und Klaren,[715] das für ihn das -Nüchterne bedeutet. Er denkt wie Novalis:[716] „Stimmungen, unbestimmte -Empfindungen, nicht bestimmte Empfindungen und Gefühle machen -glücklich.“ - -Nicht ein plastisches, deutliches Darstellen, sondern ein dämmerndes -Helldunkel, ein leichtes, fast spielendes Berühren der Dinge ist -daher das Ziel seiner Sprache und Tiecks Sprache thut diese Wirkung, -sie beleuchtet ahnungsvoll, aber sie formt und bildet nicht. Du -„breitest Dich leicht wie ein Duft gleich über alle Gegenstände“ -schreibt einmal Novalis an unseren Dichter. Entsprechend der frommen -und alterthümelnden Auffassung des Stoffes nimmt die Sprache eine -religiöse und alterthümelnde Färbung an. Die Naturstimmung klingt in -einer musikalisch wirkenden, bloß stimmungerregenden Sprache wieder. -Die idealisierende Tendenz zeigt sich auch in der allgemein und -undeutlich gehaltenen äußeren Zeichnung der Figuren und Scenerien, und -das Innenleben, die Leidenschaft, die hie und da sich in stärkeren, -energischeren Worten entladet, ist ihrem Wesen nach immer mehr oder -weniger unbestimmt und unplastisch, so dass der Dichter auch hier -seine Art nicht verlässt. „Die Poesie ist Musik für das innere Ohr -und Malerei für das innere Auge: aber gedämpfte Musik, verschwebende -Malerei.“[717] - -Neben dem Unbestimmten, Stimmungsidealistischen ist die zweite Seite -von Tiecks Darstellungsart, das Künsteln und Überkünsteln auch in Stil -und Sprache wieder anzutreffen. Der Berliner Verstand folgt wie ein -unzertrennlicher Schatten dem romantischen, träumenden Phantasus. - -Tieck hatte sich sprachlich an den größten Mustern unserer Literatur -schulen können. Darum im allgemeinen das Glatte, Sichere und -Abgerundete im Satz- und Periodenbau, darum das Anpassen der Sprache -an die Versform, darum das Streben nach leichter, künstlerischer -Nüancierung in seiner Darstellung. „Die Begeisterung des Kriegers, die -Leidenschaft des Liebenden, die Vision und das Wunder sollte jedes -in einem ihm geziemenden Tone vorgetragen... werden.“[718] So fanden -wir es auch. In inhaltlich verschiedenen Partien herrschte in Sprache -und Stil ein verschieden nüancierter Ton und das Verschiedenartige im -sprachlichen Stil soll wieder durch die Trias Religion, Alterthum und -Natur zusammengefasst werden. „Sollte der Roman alle Gattungen des -Styls in einer durch den gemeinsamen Geist verschiedentlich gebundenen -Folge begreifen?“ lautet ein Hardenberg’scher Einfall. - -Obschon nun im ganzen ein idealisierender Stil, eine alterthümliche und -religiöse Färbung die Dichtung durchziehen, so ist dieser Stilcharakter -doch nicht überall so ebenmäßig und harmonisch gerathen, so fühlbar -herrschend, dass nicht Tieck selbst Solger gegenüber hätte zugeben -müssen:[719] „... was eigentliche Zeichnung, Färbung, Styl betrifft, da -bin ich unzufrieden und finde die Disharmonie.“ - - -7. Prosa und Metrik. - -Nicht so eingehend wie der Sprachstil soll hier die metrische Kunst -Tiecks im einzelnen untersucht werden. Eine solche Untersuchung könnte -nur bei Beobachtung einer großen Entwickelungsreihe zu befriedigenden -Ergebnissen führen. Die eingehende und weitläufige Untersuchung der -romantischen Metrik liegt außerhalb des Rahmens vorliegender Arbeit. -Hier kann es sich nur darum handeln, den Stilwert der prosaischen und -verschiedenen metrischen Theile im allgemeinen zu erklären. - -A.W. Schlegel vertheidigt in seinem Horenaufsatz „Etwas über William -Shakespeare bei Gelegenheit Wilhelm Meisters“[720] die Rhythmisierung -neben der Prosa in Shakespeares Dramen und zeigt, wie die gebundene -Rede ganz besonders den sinnlichen Schein einer höheren Wahrheit und -Natürlichkeit erzeugt und wie bei Shakespeare immer einem bestimmten -Inhalte die entsprechende rhythmische beziehungsweise prosaische Form -gegeben wird. - -Diesen Gedanken holt auch Tieck in seiner Recension der Musenalmanache -von 1798 wieder hervor und betont mit großer Emphase den unberufenen -Versemachern gegenüber, dass die Versart eines Gedichtes nicht bloß -vom Zufall und von der Gewohnheit abhängen dürfe. „Der Wechsel der -Reime und die Länge der Verse, die Composition der Strophe müssen -von einer leisen Regel regiert werden, damit das Silbenmaß als eine -feine Musik das Gedicht begleite.“ Inhalt und metrische Form müssen in -unzertrennlicher Verbindung ineinander wachsen. Dies wäre nicht der -Fall, wenn ein Dichter gewaltsam ein beliebiges Versmaß einem Inhalte -aufdrängte. Freundlich, wie von selbst müsse sich der Gedanke an das -Silbenmaß schmiegen.[721] In der „Genoveva“ entfaltet Tieck eine bunte -Menge verschiedener Bilder und Stimmungen, bunt und vielgestaltig, wie -die romantische Poesie eben sein soll. Da ist es dann auch nicht anders -möglich, als dass jene begleitende „feine Musik“ sich in immer neuer -Tonart mit dem jeweiligen Inhalte vereine und, wenn es dieser Inhalt -verlangt, auch der prosaischen Rede Platz mache. Wenn Tieck gerade ein -Jahr vor der Abfassung seiner „Genoveva“ mit so strengen metrischen -Forderungen an seine dichterischen Zeitgenossen herantrat, so muss -man selbstredend annehmen, dass er bei der Schöpfung seines eigenen -Gedichtes auch sich selbst nicht von diesen künstlerischen Forderungen -freisprechen, und dass der Gebrauch der verschiedenen Maße und Strophen -sowie das Unterlassen des Rhythmisierens nicht einem bloßen Spiele der -Willkür entstammen konnte. - -Geht man die prosaischen Theile der „Genoveva“ durch, so drängt sich -deutlich als erste Thatsache auf, dass besonders die „niedrigen“ -Leute in Prosa reden, aber auch diese nur dann, wenn der Inhalt des -Gespräches einen mehr gewöhnlichen, vertraulichen und behaglichen Ton -verlangt. Das lässt sich an den Dienerscenen gut beobachten. Auch -wenn einmal eine höhere Persönlichkeit sich zu den Untergeordneten -herablässt, so drückt sich diese Herablassung gleichfalls in der -prosaischen Form der Rede aus, in der sie mit dem tiefer Stehenden -spricht. In verschiedenen Fällen bemerkt man, wie mit dem höher -gestimmten Inhalt auch sogleich die Prosa in Rhythmus übergeht. -Es plaudern Grimoald und Benno in der Kapelle zunächst prosaisch -von ihren Privatangelegenheiten. Wendelin mahnt sie in Versen zum -Gebete, richtet in Versen seine religiösen Anreden an sie und auch -die Angeredeten antworten nun in Versen.[722] Der Disput, den Otho, -Günther und andere Kriegsleute über Gehorsam und eigenes Denken in -Prosa unter sich führen, endigt, als Karl Martell erscheint und mit -seiner Umgebung und den Gesandten über den Krieg verhandelt. Wenn sich -jetzt Otho, der zuvor prosaisch sprach, in die höher gestimmte Rede -mischt, so muss es rhythmisch geschehen.[723] Solange Golo mit Benno -in alltäglicher Rede sich bespricht, geschieht es in Prosa. Daran -schließt sich seine monologische Selbstbetrachtung und diese greift -sofort zum Rhythmus.[724] Die schmausenden Diener unterhalten sich in -Prosa. Drago, vom Gottesdienste kommend und daher noch voll andächtiger -Stimmung, mahnt sie zu gottgefälligem Anstande und seine Mahnworte sind -rhythmisch.[725] Wendelin redet prosaisch mit dem Schergen; nachdem -sich dieser entfernt hat, drückt Wendelin seine Empfindung und Klage -über das Erfahrene im rhythmischen Monologe aus.[726] Nicht ganz -verständlich ist die Prosa einer Scene auf Siegfrieds Schloss,[727] in -der man wenigstens für die erste Hälfte, die Golos trübe Ahnungen und -die feierlichen Sätze: „Wird es nicht alle Tage Abend...“ enthält, eine -rhythmische Einkleidung erwarten möchte. Nicht ganz leicht zu erklären -sind auch die beiden Prosaabschnitte in der letzten Kerkerscene.[728] -Diese stürmische Leidenschaft würde man sich nach allen vorausgehenden -Beispielen eher in freien Rhythmen denken, die auch sogar in der -nämlichen Scene verwendet werden. Vielleicht gibt uns der trotzige, -niedrig höhnende Ton, der sich der leidenschaftlichen Rede beimischt, -einen Wink für die Ursache der Prosa an dieser Stelle. Es könnte Tieck -daneben beabsichtigt haben, einen sehr schroffen Contrast zwischen -beiden Sprechern auch in der Form zu betonen. Genoveva spricht in -feierlichen Stanzen ihre entschiedene Abweisung aus und richtet das -zweitemal eine milde Ermahnung in gereimten Blankversen an ihren -Versucher. Der Gegensatz zwischen dem tief erniedrigten Ritter und der -heiligen Dulderin tritt so auch im Gegensatze von rhythmischer und -prosaischer Rede hervor. - -Es empfiehlt sich, nach der Prosa zunächst ihren Gegenpol, die -künstlichen Strophen anzusehen; denn an den Extremen lässt sich hier -leichter ein Resultat finden, als an den Übergangsstufen zwischen -Prosa und höherer Kunstform. Stanzen, Sonette und Terzinen kommen -hier zuerst in Frage. Hätten wir gar keine Nachricht von Tiecks -Beschäftigung mit den spanischen Dramatikern, die neben der Romanze -gerade diese Formen gerne verwenden und die für Tieck hierin das -maßgebendste Vorbild waren, so würde es doch nicht allzusehr -wundernehmen, wenn wir diese Formen voll Klangreichthum und Wohllaut -in seiner „Genoveva“ träfen. Diese südländischen Maße waren die -officielle Sprachform am romantischen Musenhofe von Jena. Dorothea -Veith schreibt sich das Verdienst zu, „die Stanzenwuth“ in ihrem Kreise -entfesselt zu haben. Ihr „Florentin“ muss in Stanzen improvisieren. -Friedrich Schlegel verdunkelt durch seinen Glanz alles in diesem -Genre.[729] Selbst Schelling wird angesteckt.[730] „Wir dichten in -italienischen und spanischen Weisen.“[731] A.W. Schlegel verkündet -1799, dass die Stanze bei Ariost „das schöne Gleichgewicht zwischen -phantastischer Willkür und heiterer Besonnenheit“ bewirke, welches -die Darstellung des Italieners so reizend charakterisiert.[732] Die -weiblichen Reime hält Wilhelm zwar für die schönsten,[733] er empfiehlt -aber doch den Wechsel zwischen männlichen und weiblichen.[734] Zur -Lectüre der Spanier gesellt sich also für Tieck noch das Beispiel der -Genossen und A.W. Schlegels theoretische Anregungen. Umtönt von einer -förmlichen Sonetten- und Stanzenmusik dichtet Tieck den größten Theil -seiner „Genoveva“. Was im „Zerbino“ und in den „Phantasien“ sich nur -vereinzelt ankündigte, entfaltet sich daher auch hier zu reicher Fülle, -um im „Octavian“ zum überschwänglichen, luxuriösen Reichthum zu werden. - -Die Erfahrung, dass die Octave der Italiener im Deutschen „lyrischen -Ton athmet“, bezeugt Platen, der in rhythmischen Dingen feinhörig -war wie kaum einer. Die dreimalige Wiederkehr gleichgeordneter Reime -ist für den deutschen Dichter, dem lange nicht die unerschöpfliche -Reimfülle der italienischen und spanischen Sprache zuströmt, eine -schwierige Aufgabe. (Wieland hielt eine genau und streng gebaute Stanze -im Deutschen für unmöglich.) Eine reiche Bilderfülle sowie synonyme -Erweiterungen müssen oft das Maß bis zum Rande füllen helfen. Diese -Nothwendigkeit und die langen Verse selbst in ihrer gleichmäßigen -Wiederkehr geben der Strophe eine pompöse Pracht und feierliche Würde. -Es ist daher gar nicht überraschend, wenn sich in der „Genoveva“ -gerade Gebete und feierliche, getragene Reden mit Vorliebe in Octaven -ergießen.[735] Daran reihen sich die prunkvollen Schilderungen der -himmlischen Visionen,[736] die feierliche Betheuerung,[737] der -Ausdruck besonders gehobener Seelenstimmung überhaupt, wie sie z. B. -Karl Martell beherrscht, nachdem er die Prophezeiung seiner großen -Zukunft vernommen.[738] Liebessehnsucht, in der mehr die hochgespannte -seelische Stimmung als die sinnliche Leidenschaft vorwaltet,[739] und -das breite malerische Frühlingsgemälde[740] bedienen sich gleichfalls -der Octave. Weniger klar ist der Grund ihrer Verwendung für Genovevas -trübe Ahnungen.[741] Der umfangreichste Abschnitt in Stanzen aber -ist die Erzählung des heil. Bonifacius.[742] Der Erzähler versucht -anfangs in einem einfachen, naiven Tone zu reden, der zugleich -archaistisch gefärbt erscheint. Verwandt damit ist der Schluss, der -von Schmerzenreich handelt. Dazwischen steht die prächtig geschmückte -Schilderung der Wunder. Hier ist die mächtig tönende Octave nichts -Fremdes; allein wie passt die stolze Prachtstrophe zum einfach und -alterthümlich sein wollenden Vortrag der übrigen Erzählung? Hier muss -uns wohl Tiecks Bekenntnis über die Stanzen in der fast gleichzeitigen -„Melusine“ aushelfen.[743] „Es reizte mich, die Stanze auch einmal so -treuherzig, wie alte Prosa erklingen zu lassen, ein Ton, der schon -viele Stellen des Morgante so wunderbar anziehend macht, indem das -Possierliche und Edle sich in diesem merkwürdigen Gedichte mit dem -alterthümlich Ehrbaren so wunderbar verbinden.“ Wir gehen kaum irre, -wenn wir annehmen, dass Tieck das nämliche Experiment, das er für die -zeitlich ganz nahestehende Dichtung einbekennt, auch schon theilweise -in den Bonifacius-Stanzen versuchte. Diese und die Melusine-Strophen -hintereinander gelesen, lassen den verwandten Ton auch gar nicht -undeutlich spüren. Der Versuch, die reichklingende Strophe für eine -einfache treuherzige Erzählung zu wählen ist schon die Anwendung -der bald auftauchenden hyperromantischen Meinung, dass sich gerade -in den südländischen Formen alles Poetische am besten sagen lasse. -„Besser als in sapphischen Strophen kann das, was man damit wollen -kann, durch romantische Formen erreicht werden“, schreibt bald darauf -Schleiermacher.[744] Nach Calderons Vorbild lässt Tieck seine Menschen -hie und da sogar einen Dialog in Stanzen führen. Das ist dort noch -erträglicher, wo zumeist ganze Strophen auf einen Sprecher kommen;[745] -es wird aber zum verkünstelten Kunststück, wenn die Strophe in kleine -Stücke[746] oder gar in kleine Splitter[747] zerschlagen wird. - -Neben der häufig verwerteten Stanze begegnen wir in der Genoveva -achtmal dem Sonette. Der Charakter der einheitlich geschlossenen Form -mochte Tieck passend erscheinen, die Rede des Kapellan, welche die -Novalis-Schleiermacher’sche Religionsauffassung in nuce vorträgt, -den Abschied Genovevas von ihrem Kinde, den Abschied vom Gatten -(Reinigungsbrief) und endlich die Verkündigung von ihrer Aufnahme in -die Seligkeit in je einem Sonette wiederzugeben. In der Balkonscene -spricht Genoveva die Erinnerung an eine vergangene Nachtstimmung, -die sie mit der gegenwärtigen vergleicht, in einem Sonette aus. Das -Sonett, das Golos Versuchung zur Sünde ausdrückt, will ähnlich wie -Karl Martells Lobrede auf den Ehrgeiz nur das Thema des Monologes -in etwas veränderter Auffassung variieren, wie die Stanzen die -Liebessehnsucht in der Gartenscene. Die Auftheilung eines Sonettes -in den Dialog[748] ist wieder nicht mehr als ein Virtuosenscherz, -zu dem sich der Formkünstler Tieck eben „gereizt“ fühlte, wie -zu den treuherzig alterthümelnden Stanzen. Sonette in das Drama -einzuflechten, lernte Tieck gleichfalls bei Calderon. In der Art der -Verwendung dieser Form geht er die Wege A.W. Schlegels. Das Sonett -mit seinem reichen Reimklange, mit seiner bestimmten Gliederung und -„organisch articulierten Form“, die nach Schlegel ein Gefäß für Lyrik -und Didaktik, die sogar dramatisch werden kann, die eine so „große -Universalität“ zeigt, wurde zur romantischen Lieblingsform. Seit 1798 -verwendet sie Schlegel besonders zu lyrisch-didaktischen Zwecken -Gemäldesonette. Er strebt der italienischen Idealform nach, die -fünfhebige Verse mit Auftakt, Quartette mit umschließenden Reimen und -weibliche Reime verlangt. Letztere gehören, wie Schlegel meint, zum -„großen Styl“ des Sonettes. Tieck thut in der Verwendung und im Baue -dieser Form in seinem Drama ziemlich das gleiche wie A.W. Schlegel -in seiner Sonettendichtung. Lyrische, traumhafte Verschwommenheit an -einzelnen Stellen (Balkonscene), das Zerreißen des Sonettes im Dialoge -sind Tiecks Besonderheit.[749] - -Die Terzine verwendet Tieck für die Prophezeiung des „Unbekannten“ und -für den Dialog zwischen dem trauernden Siegfried und Othos pilgerndem -Geiste. Diese Strophe mit ihrer fortlaufenden Reimverkettung ist die -naturgemäße Form für eine fortschreitende Erzählung und das ist auch -die Prophezeiung. Die einförmige Wiederholung derselben langen Verse -gibt dem Maße eine „feierliche Stimmung“[750] und das entspricht jeder -der beiden Situationen, in denen sie Tieck verwertet. Dem Dialoge -widerstrebt die Form gewiss dann, wenn sie in so kleine Stücke zerhackt -wird, wie es am Anfange der zweiten Stelle in der „Genoveva“ geschieht, -so dass man den Eindruck der Strophe nicht mehr gewinnt. Tieck sagt uns -noch obendrein, dass ihm die Terzine den Eindruck des Alterthümlichen -mache. Die Association Terzine-Dante-Mittelalter ist auch gar nicht -auffälliger, als wenn der Hexameter Schiller „unausbleiblich an die -griechische Welt erinnert“. - -Die vierte metrische Form, die Tieck aus dem spanischen Drama entlehnt, -ist der Romanzenvers ohne Auftakt und zwar werden diese vierhebigen -Trochäen zur Strophenform der Redondille (abba) vereinigt, die Calderon -im Dialog benützt. Bei Tieck erscheint sie nur an lyrischen Stellen. -Die durchwegs weiblichen Reime geben der Strophe in der Balkonscene -eine besonders träumerische Weichheit, die klangvollen Reimworte -dazu eine musikalische Fülle, und auf diesen weichen, vollen Klängen -schwebt die magische Traumstimmung der Sommernacht einschmeichelnd und -lieblich dahin. Ein lyrischer Erguss Genovevas formt sich in diesen -Strophen, die sich dann in der Antwort Golos fortsetzen. Solange -seine Liebesgedanken mit der freundlichen Sommernachtstimmung sich -verflechten, gehen sie auch im nämlichen weichen Ebenmaße fort; als -aber die Vorstellung von den Augen Genovevas auftaucht, flackert es -unruhig in Golo auf (wir kennen den Zusammenhang zwischen Genovevas -Augen und Golos Empfindung) und das Versmaß springt aus dem ruhigen -Gleichmaße heraus bei den Worten „Deine Blicke schießende Sterne...“ -Zulmas Sehnsucht, Gebet und Klage[751] behalten das Reimschema der -Redondille bei, aber an Stelle der vierhebigen Trochäen treten Verse -mit zwei und drei Hebungen und auch klingende und stumpfe Reime -wechseln. Einen besonderen Grund für die Verwendung dieser Strophen, -die nur noch ungefähr dem spanischen Vorbilde ähnlich sehen, kann ich -nicht angeben. Es konnte aber den Dichter immerhin eine äußerliche -Association dazu geführt haben. Die romantische Mohrin kommt aus -Spanien, dem gelobten Lande der Romantik; da ziemt sich’s, dass ihre -Lieder auch äußerlich ein wenig an ihre Herkunft erinnern. Einzelne -inhaltliche Calderon’sche Reminiscenzen konnten wir ohnehin auch gerade -in diesen Partien der Dichtung aufzeigen. Im Monologe Zulmas vor dem -Zelte, der die Sehnsucht nach dem Geliebten variiert, schlägt auch ein -wenig der vierhebige Romanzenvers durch. - -Mit diesen sangbaren Strophen sind wir schon bei den Liedern angelangt, -die Tieck reichlich in sein Drama einstreut. Sie weichen metrisch sehr -voneinander ab. Die einen sind freirhythmische Ergüsse, in anderen -ist ein strenger Strophenbau durchgeführt. Nach welchem Grundsatze -wechselt nun Tieck die Form? Manche Andeutungen (z. B. ein „altes Lied“) -scheinen auf eine Unterscheidung improvisierter und künstlerisch -ausgereifter Lieder hinzuweisen. Allein die Untersuchung der -einzelnen Stücke gibt dieser Vermuthung nicht Recht. Wahrscheinlicher -sieht Folgendes aus. Golo kleidet, kunstmäßig dichtend, seine -Lieder in gleichmäßige Strophen, die gewöhnlichen Leute, Schäfer, -Hochzeitbitter, die schmausenden Diener gebärden sich nachlässiger -im Vers- und Strophenbau. Danach ließe sich alles vertheilen, bis -auf Golos sechszeiligen Morgengesang. Möglich, dass Tieck sich von -einem ähnlichen Gedanken führen ließ, wahrscheinlicher noch, dass er -bloß romantischer Willkür folgte. -- Die acht Verse der zwei Engelein -sind nur eine Tändelei. Die acht ei-Reime könnten als Begleitung des -heiteren Inhaltes angesehen werden. - -Freie Rhythmen begegnen uns mehrmals in besonders erregten, -leidenschaftlichen Reden und Monologen. Das meiste davon gehört Golo -an. Dazu kommt Genovevas Klage im Thurme und in der Wüste, die Sprüche -der Hexe sowie der Chor der Jäger. Die unruhig lodernde Leidenschaft, -die heftige Klage stammeln in ungleichmäßigen Absätzen. In den Reden -der Hexe soll der verworrene Rhythmus dem wirren Inhalte der Formeln -sich anpassen. Dazu gesellen sich die gehäuften Reime. „Wie freier --- das Feuer -- wie munter -- und bunter -- in Formen mannigfach -glimmt -- in Farben tausendfach flimmt“ u. s. w. Der Hörer vernimmt nur -durcheinander irrende klangvolle Reimworte und dieses Gewirre muss im -Verein mit dem unheimlich dunkeln Inhalt Siegfrieds Sinn umnebeln.[752] -Der freie Rhythmus im Chorlied der Jäger ist schwer zu begründen. Bis -auf diesen letzten Fall ist also auch der freie Rhythmus stets in ein -gewisses engeres Verhältnis zum Inhalt gesetzt. - -In der Mitte zwischen den kunstvolleren rhythmischen Gebilden und -der einfachen Prosa steht der fünffüßige Jambus, der damals schon -gewöhnliche dramatische Vers. Die Rede, die in diesem gleichmäßigen -Rhythmus einherschreitet, wird immer als eine erhöhte empfunden. -Der Rhythmus lässt einen ungreifbaren „geistigen Hauch“ über die -Diction hinschweben. A.W. Schlegel nennt den rhythmischen Theil -in Shakespeares Dramen kurzweg den „poetischen“.[753] Diese -rhythmisierte Sprache entfernt sich aber doch auch nicht so weit von -der gewöhnlichen Rede, wie etwa die kunstvolle Strophe. In diesem -erhöhten Durchschnittsrhythmus des Dramas sprechen auch die Personen -in der „Genoveva“ immer dann, wenn sich der Inhalt ihrer Rede über das -Vertrauliche und Gewöhnliche erhebt, aber doch den hohen Schwung der -außerordentlichen seelischen Momente nicht erreicht, für welche die -kunstvolleren rhythmischen Formen aufgespart sind. In dieser Mittelhöhe -setzt der Prolog ein. Siegfrieds und Genovevas Abschiedsgespräch, -die Feldherrnscenen, die Dialoge zwischen Golo und Gertrud, Golo und -Genoveva sind meist auf diese mittlere rhythmische Höhe gestimmt. - -Auch untergeordnete Leute reden in Versen, wenn ein erhöhter Inhalt -ihrer Rede es verlangt. Übergänge von der Prosa in den Rhythmus wurden -schon verzeichnet. Es muss hier noch an die Scenen erinnert werden, -in denen die Sprache der Geringen sich jener der Vornehmen ganz -assimiliert. Hier sind zu nennen die Scene, die uns die Dienerschaft in -ihrer gehobenen Stimmung über den Sieg zeigt,[754] Gertrud bei Genoveva -im Gefängnis,[755] Benno und Golo und die für Genoveva bittende -Gertrud,[756] die Mörder in Gesellschaft Genovevas u. s. w.[757] Wenn -es der Inhalt fordert, sprechen auch die Diener unter sich in Versen. -Wendelin und Else beklagen Genoveva,[758] Grimoald pflanzt seinen -Baum,[759] Wendelin, Heinrich und Else reden über die Wunder, die sie -erlebten.[760] Unklar bleibt wieder, warum Tieck eine Schlachtscene -theilweise in Prosa schreibt[761] und eine andere,[762] in der es -ebenso stürmisch hergeht, in Versen. - -Unsere Aufstellungen gewinnen an Wahrscheinlichkeit und eine gewisse -Begründung aus der Romantik selbst heraus durch eine andere Thatsache. -Es ist nämlich interessant zu verfolgen, wie die Art der Vertheilung -von Vers und Prosa bei Tieck im großen und ganzen jenen Principien -folgt, die A.W. Schlegel aus seinen Beobachtungen an Shakespeare -gefolgert und im schon früher angezogenen Horenaufsatze „Etwas über -W. Shakespeare“ niedergelegt hat. Prosa, heißt es dort, entspricht -dem vertraulichen Tone des Umgangs, „Poesie“ einem edleren Gang der -Rede. Der Gebrauch der einen oder anderen Stilart hängt nicht so -sehr am Stande, als am Charakter und an der Gemüthsstimmung der -redenden Personen. Aber eine „gewisse Anständigkeit der Sitten, -die sowohl Tugend als Laster überkleidet und auch unter heftigen -Leidenschaften nicht ganz verschwindet“, trifft man meist, wenn -gleich nicht ausschließend, in höheren Ständen und daher sprechen -gerade Bürger, Bauern, Soldaten, Matrosen, Bediente, hauptsächlich -Narren und Possenreißer bei Shakespeare fast ohne Ausnahme im Tone -ihres wirklichen Lebens. Allein, wenn innere Würde der Gesinnungen -bei niederen Personen sich äußert, so thut sie es auch hier mit einem -gewissen äußeren Anstande (rhythmisch), und so gilt bei Shakespeare -die Rangordnung der Natur und der Sittlichkeit mehr wie die -bürgerliche.[763] Ob Vers, ob Prosa, entscheidet die innere seelische -Höhe. Ferner, sagt Schlegel, kann es selbst im Dasein des erhabensten -Helden Augenblicke des seelischen Nachlassens geben, und dann spricht -auch er wieder in Prosa (Hamlet, der sich wahnsinnig stellt, die -Höflinge zum besten hält, die Schauspieler unterrichtet oder sich in -die Spässe des Todtengräbers einlässt). Jene Gestalten Shakespeares, -die der Pomp des Ranges beständig umgibt, denen ein gleichförmiger -Ernst natürlich ist oder die eine „erweckende Leidenschaft“ beherrscht, -verfallen nie in die vertrauliche Prosa. Es ist nicht schwer und -gewaltsam, dieses Vorgehen wenigstens im allgemeinen in Tiecks -„Genoveva“ wiederzufinden. Beim „Pompe des Ranges“ denkt man gleich -auch an Karl Martell und die Feldherrn, beim gleichförmigen Ernst etwa -an den heil. Bonifacius, Siegfried und besonders an die Heldin Genoveva -selbst, die alle drei keinen arrhythmischen Satz in der ganzen Dichtung -sprechen. Der Blankvers ist das Grenzgebiet, auf dem sich in der -„Genoveva“ hoch und niedrig noch begegnet. Die Diener gelangen nicht -höher, als bis zum gereimten Blankvers, Genoveva, Siegfried, Bonifacius -steigen nie unter den Blankvers hinab. - -Über die Verwendung des Reimes bei Shakespeare sagt uns Schlegel, -dass sich darüber nicht ganz so bestimmt sprechen lasse; er hebt -aber hervor, dass sinnreiche Sprüche, besonders in symmetrischer und -antithetischer Ordnung, Scenenschlüsse, zuweilen mit epigrammatischer -Wendung, gereimt sind. Fortgehend reime Shakespeare, wo Feierlichkeit -und theatralischer Pomp passend ist, vielleicht, wo gefällige Spiele -der Phantasie dem Stoffe gemäß sind (Sommernachtstraum, Romeo und -Julia). „Es mag immer sein, dass er mitunter auch aus keinem anderen -Grunde in Reimen gedichtet, als weil er grade Lust daran fand.“[764] -Ein Blick in die „Genoveva“ überzeugt uns, dass Tieck im Gebrauche -des Reimes wieder ähnliche Wege geht, wie Shakespeare. Auch er reimt -sentenzenhafte Verse und verschiedene Antithesenspiele gar nicht -ungern. Tieck liebt es, durch ein Reimpaar oder durch mehrere Reime -einen Einschnitt innerhalb der Scene[765] oder den Scenenschluss -selber[766] auszuzeichnen. Manchmal bildet sogar eine Stanze, ein Drei- -oder Vierreim den Abschluss. Nur etwa beim dritten Theile jener Scenen, -die nicht ganz in gereimten Maßen erscheinen, fehlt der gereimte -Abschluss.[767] - -„Theatralischen Pomp“, der den fortlaufenden Reim veranlasst, darf -man nicht mit Unrecht in Karl Martells Antwort an die Gesandten sehen -und in manchen anderen Reden der Kriegsscenen. Jene Antwort Karls -bewegt sich eine Zeitlang sogar strophisch, um aber schließlich -in einfache Reimpaare zu verlaufen. An manchen Stellen, an denen -bei Tieck Reime als Schmuck des Blankverses auftreten, lässt sich -eine Steigerung des rhetorischen Pathos und der Gefühlswärme und -eine gewisse „Feierlichkeit“ erkennen. So im Prologe, in Golos -zweitem Monologe.[768] Wenn Wolf und Genoveva, erfreut über die -Siegesnachricht, aus dem Gespräche ins Gebet übergehen, so stellt -sich der Reim ein. Auch Wolfs Entzücken über den Mohrensäbel ist -gereimt.[769] Wolfs feierliche Ermahnungen vom Sterbebette aus sind -zumeist gereimt.[770] Allein für verschiedene andere gereimte Stellen -will sich kein deutlicher innerer Grund finden lassen. Nun, was -Schlegel an Shakespeare vermuthet, dass er nämlich öfters reimte, weil -er eben Lust daran fand, das dürfen wir bei Tieck sicher mit ebensoviel -Recht vermuthen. - -Die Gegner der Romantik verurtheilen das bunte Rhythmen- und -Strophengewebe der romantischen Dramen ohne Mitleid. Merkel nennt -diese Mannigfaltigkeit einen „Unsinn“, der jede Regel der Vernunft -überspringe. Das eine ist richtig, der Eindruck des Gemachten, -Willkürlichen und Gekünstelten wird keineswegs überall in der -„Genoveva“ vermieden. Tieck sucht mitunter zu ferne Liegendes, in -seinem Wesen Verschiedenes zu vereinigen. Die südländlische prunkvolle -Stanze, die zugleich altdeutsch treuherzig erklingen soll, die nämliche -pathetische Strophe für die kindliche Redeweise Schmerzenreichs, Sonett -und Stanze im Dialoge zerfasert: dies sind so innerlich fremdartige -Momente, dass sich kaum eine harmonische Verschmelzung derselben und -ein befriedigender künstlerischer Eindruck erwarten lässt; wenigstens -Tieck ist es nicht gelungen, das Widerstreitende zu versöhnen. Allein -die Dissonanzen sind, wie unsere Betrachtung zeigte, doch nur auf -einzelne Punkte in der Dichtung beschränkt und auf weiten Gebieten der -Dichtung konnten wir ein natürliches, zwangloses Ineinandergreifen von -Form und Inhalt beobachten und nachempfinden. Hier wird durchaus nicht -jede Regel der Vernunft übersprungen. Ein einheitlicher Gesammteindruck -des Werkes wird freilich durch die metrische Vielgestaltigkeit so wenig -gefördert als etwa durch die allzu reich abgestufte Sprache oder durch -den Mangel einer organischen Composition und Einheit von innen heraus. -Aber wir dürfen nur nicht vergessen, dass wir in der „Genoveva“ einen -romantischen Dichtertraum durchträumen. Die Romantiker von 1800 waren -einmal auf dieses Traumbild erpicht und wir müssen hier wiederum den -Autor zuerst aus sich und seinem Gedankenkreise heraus commentieren -und verstehen. Das einzelne vorüberschwebende Bild und seine Stimmung -haben selbständigen Wert und dabei hören wir Inhalt, Sprache und -Rhythmus meistens auf das wirksamste zusammenklingen. Auch Rhythmus -und musikalischer Reimwohlklang haben in der Schätzung des Romantikers -eigenen Wert für sich. Für die einzelnen Situationen unserer Dichtung -sind die metrischen Formen eine anschmiegsam begleitende Musik: -für das Ganze aber wieder nicht mehr, als eine Regel von außen, um -„widerspenstige Elemente in Ordnung zu halten“. - -Auch für die metrische Einkleidung wirken die zwei großen Vorbilder -der Romantik, Shakespeare und Calderon, maßgebend in der „Genoveva“ -zusammen. Die Shakespearische Form wird nach Tiecks eigenem Worte mit -der spanischen verbunden. Das heißt mit bewusster Folgerichtigkeit von -Tieck gehandelt. Der Geist der romantischen Poesie hatte in Shakespeare -und Calderon verwandte aber zugleich auch verschiedene Organe -gefunden. Die neuen Romantiker, die wieder zur einen romantischen -Urpoesie zurückstreben, machen sich keines Widerspruches schuldig, -wenn sie auch die Darstellungsweisen ihrer höchsten Meister zu -vereinigen und so zu einer höheren Synthese fortzuschreiten suchen. -Bernhardi, der romantische Kritiker, ist mit Tiecks Vorgehen ganz und -gar einverstanden und macht sich anheischig, die einzelnen Silbenmaße -in der „Genoveva“ in einer eigenen Abhandlung zu rechtfertigen. -Vorläufig fällt er nur das allgemeine und im ganzen nicht unzutreffende -Urtheil:[771] „Prose und Silbenmaß und die mannigfaltigsten Arten -desselben wechseln miteinander ab, und aus dem Stoffe ergibt sich die -jedesmalige Darstellung durch ein bestimmtes Silbenmaß als nothwendig.“ - - * * - * - -Tiecks „Genoveva“ ward aus dem Geiste der Romantik geboren und wirkte -entscheidend für das mächtige Anwachsen der katholisierenden Strömung -in Deutschland am Anfange unseres Jahrhunderts und wies so selbst -wiederum der Entwickelung des romantischen Geistes eine neue Richtung. -Auch die alterthümelnde, auf das Deutsche und Vaterländische abzielende -Bewegung bekam einen neuen mächtigen Antrieb. Hettner nennt das Werk -mit Recht die Wetterscheide der Romantik. Tieck selbst nennt sie eine -„Epoche“ in seinem Leben. - -Man kann nicht gerade sagen, dass Tieck nur durch Fr. Schlegels -ästhetische Lehren „verdorben“ worden sei. Tiecks eigene vorausgehende -Production und Schlegels Doctrin sowie der romantische Geist von 1800 -überhaupt begegneten sich auf halbem Wege. Tiecks phantastische Anlage -und Neigung fanden in Schlegels Gedanken Förderung und Aufmunterung, -das vollendete Werk des einen entsprach daher leicht verschiedenen -theoretischen Wünschen des Genossen; denn die „Genoveva“ wurde -recht eigentlich „die Darstellung eines sentimentalen Stoffes in -phantastischer Form“. - -Tieck und Wackenroder entdecken die Poesie des Alten und Religiösen. -Durch Schleiermacher, Novalis, Calderon und Jakob Böhme erhielt -die neue Richtung des immer beweglichen, empfänglichen und leicht -anempfindenden Dichters mächtige Impulse und es sammelten sich in -seinem Gemüthe jene Stimmungen und Vorsätze, die sich an den Stoff -des Genovevabüchleins anschlossen, nachdem noch ein anderer lebhafter -Anstoß durch Maler Müllers Drama vorausgegangen war. Tiecks und der -Romantiker neue Richtung ist zugleich eine energische Opposition gegen -die den Zeitgeist beherrschende Aufklärung. Mit hoher Ehrfurcht tritt -Tieck an das Volksbuch heran, an die ehrwürdige Urkunde alter deutscher -Volkspoesie und dramatisiert die Erzählung von Anfang bis zum Ende -und dieses pietätvolle Festhalten am alten poetischen Stoffe war, wie -wir sahen, ein Verdienst in den Augen romantischer Kunstrichter. Nur -das Allzukarge wird erweitert und abgerundet. Tieck nimmt für die -Bereicherung seines Werkes Motive und Reminiscenzen aus Maler Müller, -Shakespeare, Calderon und verschiedene Gedanken Jakob Böhmes auf, welch -letztere er ein wenig mit zeitgenössischer Naturphilosophie „tingiert“. -Alles, was von geistigen Anregungen damals auf ihn eindrang, findet -in der „Genoveva“ seinen sanften Widerhall. Das Werk wird ein Spiegel -seines Schöpfers und das ist wieder echt romantisch. Fr. Schlegel -verlangt ja vom Roman (und damit von der romantischen Poesie), -er solle eine „Encyklopädie des gesammten geistigen Lebens eines -genialischen Individuums sein“. Die Motive, welche Tieck anderswoher -nimmt, werden „tieckisiert“ und so sein Eigenthum. Die einfache -Legende wird in ihrer neuen Gestalt auch zu einem episch breiten -Zeitbilde erweitert und das geschieht wieder im Sinne der romantischen -Doctrin, der zufolge das romantische Drama das ganze bunte Schauspiel -des Lebens in sich fassen soll. Die Auffassung des Stoffes ist eine -durchgehend legendenmäßig-religiöse, von dem altdeutsch-frommen Sinn -beherrschte und da im Mittelalter die Religion der erste Leitstern -des Denkens und Lebens war, wie Wackenroder und Novalis lehrten und -wie es Schleiermacher für die Gegenwart wieder forderte, so wird -auch das ganze breite Gemälde in religiöse Beleuchtung gestellt. -Alles Komische ist als störend ausgeschlossen. Tiecks Religion ist -aber dabei ein weiches, weichliches Empfinden, unter dessen Einfluss -verschiedene Gestalten die Dichtung, besonders die Heldin selbst zu -kraft- und marklosen Wesen werden. Schleiermachers Gefühlsreligion -gieng durch Tiecks weiches Gemüth hindurch und wurde zum bloßen -poetischen Stimmungshauche. Die Religion in der „Genoveva“ erscheint -zwar überwiegend als Christenthum, zum Theile sogar als ausgesprochen -katholisches Christenthum. Es ist dies aber keine Confession, die -aus Tiecks religiöser gläubiger Überzeugung entspringt, sondern eine -religiöse Kunststimmung, eine „prédilection d’artiste“. Eine geheime -Unterströmung wirklich religiöser Sehnsucht begleitet wohl diese -Kunststimmungen. Die Idee einer synkretistischen, echt romantischen -Religion steht im Hintergrunde. - -Stimmung, Licht und Luft, das „Klima“ der Begebenheiten ist für Tieck -wichtiger, als die im festen Causalnexus gegliederte Handlung, als -energisch und klar gezeichnete Charaktere und deren Schicksale. Die -Figuren sind mit wenigen Ausnahmen matt und schemenhaft gerathen oder -vielmehr beabsichtigt. In der Stimmung, besonders in der religiösen -sowie in der Liebe, liegt Unendlichkeit. Auch Zeit und Ewigkeit -berühren sich. Die Religion gewährt „bedeutende Ausblicke“ in die -Ferne. Der Glaube ist unendlich. Kein Wunder, dass die Vermählung von -Religion und Poesie um 1800 zum unerlässlichen Punkte des romantischen -Programmes wird. Dem überschwänglich gesunden Menschenverstande des -Oberaufklärers Nicolai zum Hohn sollte Phantasus den romantischen -Dichtergarten beherrschen. - -Nicht bloß stoffliche Universalität verlangt die romantische Theorie, -auch Poesie und Prosa und „alle Gattungen der Poesie“ sollen zum Strome -einer unendlichen Urpoesie wieder zusammenfließen. Auch dies geschieht -in der „Genoveva“, soweit es eben im einzelnen Werke geschehen kann. -Nach Shakespeares Muster werden Epik und Drama ineinandergeflochten und -Vers und Prosa müssen reichlich wechseln. - -Lange ausklingende Lyrica und der Formenreichthum der Südländer kommen -unter dem Einflusse Calderons, des zweiten romantischen Großmeisters, -dazu und potenzieren die Künstlichkeit der Form zu nie dagewesener -Höhe. Um das Zusammenweben aller Formen und Gattungen zur freien, auf -die Phantasie gestellten Universalpoesie zu ermöglichen, hatte man -noch das Gesetz geschaffen, dass die Willkür des Dichters kein Gesetz -über sich leide. Dies geschah und so konnte der Poet mit Zeit und Ort -in freiester Kühnheit schalten. Traumartig schweben die Bilder in bunt -wechselnder Mannigfaltigkeit vor unserer Phantasie vorüber, nur durch -den höchst dehnbaren Rahmen von Prolog und Epilog zusammengehalten. -Das monarchische Princip, die Herrschaft eines Helden im dichterischen -Werke, ist gestürzt und eine republikanische Verfassung proclamiert. -Tieck schiebt bald die eine, bald die andere Figur in den Vordergrund, -wie es Fr. Schlegel im Roman verlangte. - -Trotz alledem soll aber die romantische Poesie nicht ganz von -aller Zucht und Ordnung losgebunden und so eine unkünstlerische, -ungegliederte wüste Masse sein. Sie soll ein „vernünftiges Chaos“ -werden. Sie ist der allseitigsten Bildung fähig „von innen heraus“ und -„von außen hinein, indem sie jedem, was ein Ganzes in ihren Producten -sein soll, alle Theile gleich organisiert“. Auch Tieck sucht Vernunft -in das phantastische Chaos zu bringen. Das bewerkstelligt er durch -die Künstlichkeit einer äußerlichen Symmetrie, durch Contrastieren, -Parallelisieren und allerlei sinnreiche ahnungweckende Beziehungen. -Die Bildung „von innen heraus“, einen alles organisierenden -Geist muss bei ihm die gemeinsame Auffassung, ein durchgehender -„alterthümlich-religiöser Ton“ ersetzen. Tiecks romantische -Künstlichkeit erreicht aber nicht, was Fr. Schlegel im steten Hinblick -auf „Wilhelm Meister“ fordert. - -Für die altdeutsche Legende wird außerdem noch dem Costüm einige -Aufmerksamkeit gewidmet, aber jede pedantische Genauigkeit dabei -vermieden. Die ganze archaisierende Dichtung wird von reichlichen -weichen und innigen Naturstimmungen durchwoben. Das Freundliche und -Milde der Natur herrscht, das düstere Grauen ist bis auf kleine Spuren -verschwunden. Hochromantisch ist die sympathetische Beseelung sowie die -malerische und musikalische Auffassung der Natur. Tieck lauscht „dem -wunderbaren Liede, das in den Dingen schläft“. Das Alterthümliche sowie -die romantische Naturandacht bilden im Verein mit dem Religiösen den -einigenden Ton, der außer dem umschließenden Prologe und Epiloge die -verschiedenen Theile zusammenfasst. - -Ein Seitenstück zur künstlichen und künstelnden Composition ist die -künstliche und oft auch verkünstelte Sprache und Metrik. Tieck ist -ein souveräner Beherrscher der Sprache; er versteht es, die Perioden -und Sätze zu runden und abzuschleifen, wenn er nicht absichtlich -Unebenheiten dem Archaismus zuliebe einstreut. Es ist keine energisch -charakterisierende, sondern eine idealisierende, nivellierende Sprache, -die sich von der Wirklichkeit entfernt und nur im Äther der reinen -Kunst schweben will. Innerhalb dieser idealisierenden Diction zeigt -sich der Virtuose wieder im Nüancieren nach allen Richtungen. Jedem -Inhalte gibt Tieck mit Leichtigkeit das entsprechende sprachliche -Kleid und zur Sprache tritt der Rhythmus, der sich gleichfalls meist -mit höchster Elasticität dem Inhalte der einzelnen Situationen -anschmiegt. Im ganzen wenigstens gelingt es fühlbar; dort und da fehlt -es nicht an störender Willkür. Eine hohe Künstlichkeit und universale -Mannigfaltigkeit, ein eigenartiger Formenreiz -- lauter romantische -desideria -- werden erreicht. - -Selbst die romantische Ironie darf nicht ganz fehlen, das bewusste -Schweben des Dichters über seinem Stoffe auf den Flügeln der poetischen -Reflexion, das Darstellen des Spieles des Lebens als wirkliches -Spiel. Sie tritt in der Einkleidung der „Genoveva“ hervor. Das -ganze ist als auftauchender und wieder verschwebender poetischer -Traum gekennzeichnet, der nur auf poetische, durch die Phantasie -gerechtfertigte Wahrheit Anspruch macht. -- - -Die Stimmungen, aus denen die „Genoveva“ erwuchs, beherrschten um 1800 -den romantischen Dichterkreis. Allein selbst über diesen hinaus lassen -sich ihre Spuren verfolgen. Tieck thut sich etwas darauf zugute, dass -sein Werk nicht nur auf Zach. Werner und ein Heer von katholischen -Dichtern, sondern selbst auf Schillers „Maria Stuart“ und „Jungfrau von -Orleans“ gewirkt habe.[772] Allzu hoch darf aber diese Einwirkung auf -Schiller nicht angeschlagen werden, da Schiller auf einem ganz anderen -eigenen Wege zu einer verwandten Richtung und künstlerischen Anschauung -gelangte. Die Verbindung des Schicksalsmäßigen mit einem katholischen -mittelalterlichen Stoffe konnte Schiller noch am verwandtesten -berühren, wenn er Tiecks Dichtung las. Auffallend ist es immerhin, -dass bei Schiller das Mittelalterliche, der äußere romantische -Prunk, Troubadourmäßiges und kriegerische Bilder, die Verklärung der -Heiligen am Schlusse, das Lyrisch-Musikalische, die vielen Motive, -die episierende Zwanglosigkeit, der Wechsel metrischer Maße sich -in merkwürdig ähnlichen Geleisen bewegen, wie Tiecks romantische -Poesie. Das Katholische und eingeschaltete Lyrik treffen wir schon in -„Maria Stuart“. Lyrisches, Christenthum und Fatalismus begegnen uns -wieder in der „Braut von Messina“. Das Biographische, der episierende -Charakter, das bunte reiche Zeitbild, wortreiche Personen, viel directe -Charakteristik, ein beinahe leidender Held: all das begegnet uns -bereits im „Wallenstein“. In Goethes „Natürlicher Tochter“ findet sich -auch das epische Verweilen bei der Situation, das romantisch Dämmernde, -die höchst idealisierende Form und Sprache. An Herders Wirken, das sich -mehr und mehr den Tendenzen der Romantik nähert, sei nur noch erinnert. -Es geht ein gemeinsamer verwandter Zug durch die Literatur. „Wilhelm -Meister“, an dem sich Schiller und die Romantiker begeistern, ist ein -wichtiges Ferment im großen Processe. Nicht allzu voreilig wird man -also bei verwandten Erscheinungen außerhalb des engeren romantischen -Kreises auf directe Einwirkung von dieser Seite her schließen. - -Von hier aus dürfen wir noch einen Blick in jene Literaturperiode -zurückwerfen, in die manche Wurzeln der Romantik gesenkt sind, in -die Sturm- und Drangjahre und auf das Genovevadrama dieser Zeit, das -zwar mit seiner Entstehung um zwei Decennien vor der Romantik der -„heiligen Genoveva“ liegt, aber doch eine directe Verbindung dieser -mit der Geniezeit herstellt. Damals trat Möser zuerst mit weitsehendem -Blicke an das Mittelalter heran. Herder und Goethe wurden von seiner -Begeisterung für das Alte ergriffen. - -Im „Götz“ stieg die romantische Ritterzeit lebenstrotzend aus dem -Grabe der Vergessenheit herauf und Herder erweckt das Volkslied mit -seiner ganzen innigen Gemüthsfülle zu neuem Leben. Ritterthum und -deutsche Vergangenheit wurden ein Lieblingsthema der Geniemänner. Unter -dem Trosse der Ritterdramen, die dem „Götz“ folgten, ragte Müllers -„Golo und Genoveva“ ansehnlich hervor, das Stück, welches für Tieck -in besonderer Art bedeutend wurde. Beide Dichter, Müller und Tieck, -greifen in die deutsche Vergangenheit zurück und nehmen denselben -alten, volksthümlichen Legendenstoff zur dramatischen Behandlung auf, -Müller das Puppenspiel, Tieck das Volksbuch. Beide bereichern in -mannigfacher Weise ihre Vorlage und sind dabei von älteren und neueren -literarischen Vorbildern abhängig. Shakespeare, „Götz“ und „Werther“ -wirken auf beide Dichter; allein für Tieck vermittelt Müller selbst -die Verwertung jener Vorbilder. Eine shakespearesierende Technik, -ein Sprengen des einheitlichen dramatischen Baues und ein Ausdehnen -in die Breite der dialogisierten Biographie herrscht im Drama der -Geniezeit und ebenso im Werke des Romantikers, die Einschaltung -weicher Lyrica finden wir bei Müller wie bei Tieck. Nicht unbedeutende -Züge giengen direct von Müller auf Tieck über. Ein „eigen Herz“, -freies Entfalten und Ausleben aller Lebenskräfte ist der höchste -Wunsch der Originalgenies in den siebziger Jahren und ein ähnliches -Lebensideal verfolgt die Romantik der Genossen von Jena. Müllers -Mathilde und Tiecks Golo möchten ihre Individualität in schrankenloser -Selbstherrlichkeit gewähren lassen; Golo will freie Bahn für seine -excentrische Leidenschaft, Mathilde für ihre titanische Willenskraft. -Ins Ungewöhnliche streben beide Richtungen hinaus. Beide hassen ja -von Haus aus das Alltägliche, Platte, Nicolaitische. Beide Dichter -arbeiten ziemlich viel Naturempfindung in ihre Werke hinein, Müller -naturalistisch malend, Tieck musikalische Stimmungen erweckend. Dem -Costüm gegenüber sind beide ziemlich sorglos, aber sorgloser und -eigenmächtiger als Tieck ist Müller. - -So viele Verbindungsfäden nun auch aus der Geniezeit in die -Romantik herüberleiten, in den zwanzig Jahren, die zwischen beiden -Dichterkreisen liegen, hat sich manches in der deutschen Literatur -begeben, unter dessen Einwirkung die Romantik ihre eigenen Wege geht. -Müller und Tieck behandeln den gleichen volksthümlichen Stoff, sie -nehmen aber eine ganz verschiedene Stellung zu ihrer Vorlage ein. -Müllers Auffassung der Legende ist eine rein weltliche, jene Tiecks -durchaus religiös. Müllers Genoveva hat ihre Heiligenaureole abgelegt, -sie ist zum natürlich unschuldigen Weibe geworden, das Religiöse -ist auf das engste beschränkt. Tieck sucht eine mittelalterliche -Heilige auf schimmerndem Goldgrund zu malen, religiöse Stimmung in -allen Schattierungen beherrscht seine Dichtung. Das Schicksalsmäßige -wird bei Müller mehr im übertragenen Sinne der unwiderstehlichen -Leidenschaft nachgesagt, bei Tieck tritt mitunter ein wirklicher -Naturfatalismus ein. Der romantischen Auffassung entspricht es, dass -Calderon und Jakob Böhme als Vorbilder bei Tieck neben den auch für -Müller maßgebenden Shakespeare treten. Müller nimmt nur die Grundzüge -der Überlieferung auf und schaltet frei und selbständig mit seiner -Vorlage, Tieck hütet sich vor jedem allzukühnen Eingriff in die -geheiligte Tradition. Müller tritt als Dramatiker an die Legende heran -und was seinem Zwecke nicht dient, wird ausgeschieden. Es bleiben zwar -bei ihm noch manche Weitschweifigkeiten, aber nirgends verleugnet -sich bei ihm ein frischer dramatischer Pulsschlag. Tieck führt die -dramatische Form äußerlich auch zumeist durch, aber er geht trotzdem -fast immer als Erzähler und Stimmungsmaler und als romantischer Poet -vor, der „alle Gattungen von Poesie“ vereinigen möchte. Die Romantiker -beurtheilen das Schauspiel nach den Gesetzen des Romans. Ein Vergleich -etwa zwischen Müllers Kerkerscene voll dramatischen Lebens und der -Tieck’schen Kerkerscene voll Empfindungsweichheit und breiter Reden -ohne Vorwärtsbewegung ergibt sprechend die Differenzen zwischen beiden -dichterischen Generationen. Bei Müller treffen wir wenige Scenen, -die bloß um ihrer selbst willen da sind, bei Tieck könnte man eine -lange Reihe streichen, ohne den Fortgang der eigentlichen Handlung zu -stören. Die Sprache endlich ist bei Müller eine leidenschaftbebende, -drastische, oft derbe Prosa, die bis zum Dialect herabsteigt, bei Tieck -ein idealisierender, beflügelter, über die Dinge leicht hinschwebender -Stil, der sich mit einem reichen Chor südländischer Strophenformen -zu gemeinsamem Wohllaut vereinigt. Tieck ist einmal eine vielfach -anders veranlagte dichterische Persönlichkeit als Müller und er hat -zugleich auch an den classischen Vorbildern, die zwischen Geniezeit -und Romantik treten, seine Sprache und Formkunst geschult und treibt -diese bis zur raffinierten Künstlichkeit, die ganz besonders mithilft, -das Ganze in einen hyperidealistischen Hauch zu verflüchtigen.[773] -A.W. Schlegel formulierte schon 1806 den Gegensatz zwischen Geniezeit -und Romantik mit den Worten: „Wie Goethe, als er zuerst auftrat, -und seine Zeitgenossen Klinger, Lenz u. s. w. (diese mit roheren -Missverständnissen) ihre ganze Zuversicht auf die Darstellung der -Leidenschaften setzten, und zwar mehr ihres äußeren Ungestüms als ihrer -inneren Tiefe, so meine ich, haben die Dichter der letzten Epoche die -Phantasie, und zwar die bloß spielende, müßige, träumerische Phantasie, -allzusehr zum herrschenden Bestandtheil ihrer Dichtungen gemacht.“[774] - -Das halbe Menschenalter, das zwischen dem Sturm und Drang und den -Blütentagen der Romantik verfloss, hat der romantischen Dichtung eine -neue Signatur aufgedrückt. Die literarische Strömung der siebziger -Jahre wirkt noch deutlich in der jungen Generation nach, aber diese ist -doch auch zugleich in ihrem inneren Wesen und in ihrer künstlerischen -Erscheinung eine andere geworden. - - - - -V. - -Urtheile der Zeitgenossen über Tiecks „Genoveva“. - - -Die Aufnahme, welche Tiecks Werk bei den Zeitgenossen fand, soll kurz -skizziert werden; denn auch sie beweist, dass die „Genoveva“ ein -richtiges Kind der Romantik war; sie theilt im Urtheile der Mitlebenden -ziemlich genau das Geschick der Romantik selbst. Schrankenlos bewundert -wurde die Dichtung zumeist von den Freunden und gallig verhöhnt von -den rationalistischen Gegnern. Tieck berichtet nur,[775] dass sein -Gedicht bei Freunden wie bei Unbekannten und Fremden einen erfreulichen -Eindruck gemacht und ihm manchen Freund erworben habe. Der Dichter sagt -damit nicht zu viel. Ein Verehrer Tiecks, Heinrich Schmidt aus Brünn, -der in Jena studierte, als die „Genoveva“ erschien, erzählt in einem -späteren Briefe,[776] wie er und „einige zwanzig Bursche“ bis in die -Mitternachtstunde Tiecks neues Gedicht lasen, wie innig sie Golos Rolle -nachempfanden und mit Ehrfurcht zur nicht unempfindlichen und doch -heiligen Genoveva aufblickten. - -Es widerfährt Tieck aber nur von jenen Gerechtigkeit, die sich A.W. -Schlegels Grundsatz vor Augen hielten:[777] „Niemand soll vor einer -Gerichtsbarkeit belangt werden, unter die er nicht gehört.“ Und da -waren es natürlich nur Tiecks romantische Genossen, die im romantischen -Gesetzescodex Bescheid wussten und diesen zugleich als zu Recht -bestehend anerkannten. Die beiden kritischen Meister äußern sich zu -verschiedenenmalen, aber nie in einer ausführlichen Recension. Friedr. -Schlegel schreibt zunächst an Schleiermacher:[778] „Die Genoveva -habe ich gelesen und wünsche doch, dass Du sie bald auch gründlich -lesest. Mir ist das Charakteristische im Eindruck das Schöne und -Liebenswürdige. Sie macht einen sehr sanften und zarten Eindruck -auf mich. Ad extra ist wohl die Energie der Leidenschaft das Beste -darin, die den Leuten imponieren muss.“ In der „Europa“[779] lobt er -eine andere Seite des Werkes. Es ist ihm als „mythische Poesie“ eine -„göttliche Erscheinung“ und er meint: wäre das Pittoreske in der ersten -und das Musikalische in der zweiten Hälfte mehr herausgehoben, so würde -sie sogar dramatisch wirksam sein. In einem Sonette an Tieck[780] -endlich fühlt Fr. Schlegel, dass, als Genoveva „in frommer Schöne“ -nahte, die Poesie gekommen sei und kindlich in holder Klarheit blühe. -In die „Europa“[781] nahm Friedrich auch von einem H. v. Hastfer -herrührende „Gespräche über Tiecks Poesie“ auf, in denen der „Genoveva“ -außerordentliches Lob gespendet wird. Die „Genoveva“ war und blieb -Friedrich das liebste von Tiecks Werken. - -In die Begeisterung stimmt Wilhelms Sonett[782] ein und feiert Tieck -als den Wiedererwecker der alten frommen Poesie in neuer Gestalt: - - „Du, in der Dichterbildung reichster Blüte, - Bringst uns verwandelt wieder jene Zeiten, - Wo Adam auf der Bühn’ erschien und Eva. - Ja, Dank sei Deinem kindlichen Gemüthe, - Heiligst die Kunst, verschönerst Heiligkeiten, - Und machst zum Lied das Leid der Genoveva.“ - -Ein wenig nüchterner spricht schon 1806 der „Brief an Fouqué“[783] -und die Wiener „Vorlesungen“ von 1808[784] nennen zwar die „Genoveva“ -nicht, aber sie tadeln die romanhafte Breite sowie das Überwiegen des -Musikalischen und Malerischen in der neuen romantischen Dramatik, -die eben durch Tiecks „Genoveva“ und den ihr folgenden verwandten -„Octavian“ hauptsächlich vertreten war. - -Ein Jahr nach dem Erscheinen der „Genoveva“ 1801 kommt von J.J. -Mnioch aus Warschau eine Epistel[785] voll Bewunderung. „Die -Genoveva wird gefeiert unter den Freunden“ und Mnioch vertheidigt -die Verschiedenartigkeit der Formen gegen die Tadler derselben. -Gleichzeitig ist Karl v. Hardenberg von der „Genoveva“ „erquickt und -begeistert“.[786] - -Die ausführlichste Kritik stammt aus der Feder des dem romantischen -Kreise und besonders Tieck nahe befreundeten Wilhelm Bernhardi. Sie -erschien im „Berlinischen Archiv der Zeit und ihres Geschmackes“. -Die entscheidenden Gedanken derselben wurden in unserer Untersuchung -bereits berücksichtigt. Bernhardi kritisiert nach den romantischen -Grundgesetzen; er lobt in etwas zu hoher Pietät alles an der „Genoveva“ -und berührt keine Schwäche des Werkes. Er sucht aber sein Lob jedesmal -zu begründen. Bernhardi empfindet das Poetische der Volksbuchmotive, -aber mit noch liebevollerem Eifer verfolgt er Tiecks große und kleine -Künstlichkeiten und lobt auch Tiecks Festhalten an der „geheiligten -Tradition“. Er findet daher auch die katholische Auffassung ganz -begründet. Auch die vielen Nebenpersonen werden gerechtfertigt; sie -sind Contrastbilder zu den Hauptfiguren, theils für den Fortschritt -wichtig, theils durch die Tradition verlangt. Die Nebenscenen sind -auch nicht unnütz. Theils verdanken sie wieder der Vorlage ihr Dasein -oder sie sind Ruhepunkte nach den „angreifendsten oder effectvollsten -Scenen“ oder sie sind „Andeutungen des freien Spieles“, da jedes -Kunstwerk ein Product der Freiheit mit dem Bewusstsein ist, oder sie -dienen dem Contraste und dem Colorite und manches endlich gehört zur -„Kategorie der Begreiflichkeit, das ist: es dient zur Bildung des -Ganzen als Verstandesbegriff“. Der Recensent sucht die Stellung des -heil. Bonifacius zu würdigen und die verschiedenen Metren, in denen er -spricht, zu erklären. Die wechselnden Formen finden hohes Lob. Hie und -da legt Bernhardi in seinem freundschaftlichen Eifer sogar mehr in die -Dichtung hinein, als vermuthlich Tieck selbst. - -Ein jüngerer Romantiker, Achim von Arnim, stellt in der „Zeitung -für Einsiedler“ (1808 Nr. 13) einen Vergleich zwischen Tiecks und -Müllers Drama an und sucht beide aus der Stimmung ihrer Zeit heraus zu -erklären. Auch anderen Romantikern liegt die „Genoveva“ im Sinne. Es -wird in ihren Dichtungen auf sie angespielt oder auf das Volksbuch, -das durch Tieck zu neuen Ehren gekommen war. So in Brentanos „Godwi“ -und „Märchen“. In Eichendorffs „Ahnung und Gegenwart“ liest der Held -das Volksbuch und er besitzt ein Gemälde, das die Auffindung Genovevas -darstellt. In seiner Literaturgeschichte,[787] in der Eichendorff -besonders den religiösen Gehalt der Dichtungen prüft, spendet er -der „Genoveva“ Tiecks folgendes Lob: „Eine durchaus katholische -Weltanschauung endlich waltet in seinem unstreitig vollendetsten Werke, -in der Genoveva, bis in den kleinsten Beischmuck hinab. Das Ganze -wird vom Prolog und Epilog des heil. Bonifacius wie ein Altarbild von -altkirchlichem Goldrahmen eingefasst; die Verherrlichung der Kirche ist -der geheimnisvolle Mittelpunkt, um den alles gläubig oder widerstrebend -sich bewegt. Genoveva erscheint von vorneherein nicht etwa als bloße -moralische Ehefrau, sondern als die Kirchenheilige, die gottgeweihte -Märtyrin, welche Christus, ihr im Traume die weiße Rechte reichend, -sich zur Braut erkoren und ihr das bevorstehende Leiden verkündet -hat.“ Eichendorff legt aber dabei gewiss manches als erfüllt in Tiecks -Dichtung hinein, was nur sein eigener, ehrlicher Wunsch war und nimmt -selbst gleich nachher sein Lob zum Theile wieder zurück. - -Helmine v. Chezy verdankt der „Genoveva“ und dem „Sternbald“ manche -religiös erbauliche Stunde[788] und F. Rochlitz hohen poetischen -Genuss.[789] Koberstein las 1819 die „Genoveva“ als erstes Buch, das -ihm von Tieck bekannt wurde und der Eindruck war „unbeschreiblich und -entscheidend“ für sein ganzes Leben.[790] - -Interessant ist noch vor allem Tiecks Briefwechsel mit seinem Freunde -Solger, dem romantischen Ästhetiker. Verschiedenes daraus wurde -schon gelegentlich angeführt. Tieck und Solger führen nämlich 1816 -eine ausführliche Discussion über die „Genoveva“. Solger schreibt in -einem Briefe[791] eine Art Recension, in welcher er vieles an der -Dichtung lobt. So Genovevas Hang zu Gott, ihre Vision. Die Täuschung -Siegfrieds durch Hexerei als Contrast zur Vision sei „herrlich und -tief“. Die „herrliche“ Entwickelung von Golos Charakter ist Solger -zu „psychologisch“. Keine bedeutende Beziehung findet er darin, dass -Golo Othos Sohn ist. Solger führt eine Reihe von Scenen und Stellen -auf, die ihm besonders gefallen, darunter die Zulma-Episode und das -traurige Lied. Das Spielende im Religiösen spricht ihn an. Die Scenen -der Landleute aber wirken nicht zum Ganzen, sie sollten besser komisch -sein. Heinrich und Else sind als Contrast zu absichtlich. Es fehlt -der dramatische Nerv und die Weihe der Ironie. Die Sprache dünkt ihn -ungleich. Besonders fehlt das Gegenwärtige und Nothwendige in der -Sinnesart, im Alterthümlichen, in der Charakteristik. Die Composition -ist ihm zu wenig gerundet, der Schluss enthält zu viel Erzählung. -Manches gibt Tieck zu, nur vertheidigt er die Wahrheit seiner -Empfindung, den ernsten religiösen „Ton des Gemäldes“, das „Klima“ und -die Hauptfiguren. Auch in den „Skizzen“ Försters spricht Tieck über -seine „Genoveva“, über Böhmes Einfluss, über die schlechten Nachahmer -und die Einwirkung auf Schiller und gibt zu, dass ihm manches darin -nimmer genüge. Man erkennt deutlich, dass Solger und Tieck so gut wie -A.W. Schlegel nicht mehr den extrem romantischen Ansichten von 1800 -huldigen, die in der „Genoveva“ zutage treten. Einst war auch Solger -höher begeistert.[792] Tieck hat sich indessen wieder mit dem Theater -versöhnt und somit den Traum von der romantischen Universalpoesie -halb und halb ausgeträumt.[793] Auch Tiecks Freund Steffens, der zur -Zeit der „Genoveva“ ein warmer Anhänger der Jenenser Romantiker war, -urtheilt nach langen Jahren (1841) ziemlich kühl über Tiecks berühmtes -Werk.[794] - -Außerhalb der romantischen ecclesiola fand die „Genoveva“ ebenfalls -einige Beachtung. Tieck selbst weist mit Freude auf Goethes Anerkennung -hin.[795] Goethe empfand, als Tieck ihm das Werk vorlas, jedenfalls -verschiedene poetische Seiten sofort heraus und sah vielleicht auch -mit Wohlgefallen auf Tiecks Virtuosität in Sprache und Versification. -Wenn man aber Goethes verschiedene Äußerungen über die „Genoveva“ -zusammenhält, so spürt man im Lobe mehr Höflichkeit als ernstliche -Anerkennung. Goethe musste gegen die mittelalterlich fromme und -marklos zerfließende Dichtung sehr viel auf dem Herzen haben, aber -er wollte nur dem jungen Poeten, der so voll Verehrung zu seinen -Füßen saß, nicht wehe thun.[796] Deutlicher sprechen Körner und -Schiller von ihrem classicistischen, Schiller auch noch ein wenig von -seinem persönlichen Standpunkte aus.[797] Körner lobt das poetische -Talent Tiecks, er findet Phantasie und Innigkeit und Gewandtheit in -Sprache und Vers, aber der „Geschmack“ fehle ihm. Schiller ist damit -einverstanden und schreibt:[798] „Er (Tieck) ist eine graziöse, -phantasiereiche und zarte Natur, nur fehlt es ihm an Kraft und Tiefe -und wird ihm stets daran fehlen. Leider hat die Schlegel’sche Schule -schon viel an ihm verdorben; er wird es nie ganz verwinden. Sein -Geschmack ist noch unreif, er verhält sich nicht gleich in seinen -Werken und es ist sogar viel Leeres darin.“ - -Kotzebue wollte Tiecks Drama für die Bühne einrichten, ward aber von -Tieck zu unfreundlich behandelt und das Project zerrann.[799] Ebenso -ergieng es mit Iffland. - -Nahmen die Classiker von Weimar eine halb freundliche, halb kühle -Mittelstellung ein, so waren im Lager der Berliner Aufklärer alle bösen -Geister los. Nicolai[800] schimpfte aus Leibeskräften über die tolle -Legende, die unter der nachhelfenden Hand des Romantikers noch zehnmal -toller geworden sei. Dem Raume und der Zeit werde übel mitgespielt, -die Prosa sei dürr, die Verse schlecht u. s. w. Nicolai tritt, soweit er -sich überhaupt in sachliche Dinge einlässt, mit den Forderungen eines -Theatralikers an die „Genoveva“ heran und dabei muss diese in Grund -und Boden versinken. Dasselbe thut Garlieb Merkel, der Todfeind der -Romantiker,[801] in den „Briefen an ein Frauenzimmer“. Er weiß seiner -nörgelnden Feindseligkeit am besten dadurch Luft zu machen, dass er -seine Recension zum größten Theile als einen Vergleich Tiecks mit -Shakespeare stilisiert. Auf die poetische Seite der verwerteten Motive -wird keine Rücksicht genommen. Die Regellosigkeit, die sich an die drei -Einheiten nicht kehrt, der Mangel eines dramatischen Planes und inneren -Mittelpunktes, die lose Verknüpfung von Haupt- und Nebenhandlung, -die schlechte Charakteristik werden durchgehechelt. Merkel nimmt es -mit seiner kritischen Ehrlichkeit nicht sonderlich genau. Einige -Züge von Golo werden z. B. ausgehoben, die ein ganz schiefes Bild von -der Gestalt geben und dies wird als Beispiel für Tiecks schlechte -Charakteristik hingestellt. Selbst die Inhaltsangabe des Stückes ist in -manchen Punkten falsch. Um Tiecks jämmerliche Stilistik aufzuzeigen, -werden wieder einige Splitter abgespalten, von denen man (ein Beispiel -gekünstelter Antithesen ausgenommen) nicht weiß, was sie beweisen -sollen. Die verschiedenen metrischen Formen sind nach Merkel Unsinn, -die archaistische Sprache Thorheit. Im übrigen reibt sich Merkel nur -noch an Kleinigkeiten. - -Merkel ist der Antipode Bernhardis. Jener verschweigt alles Gute, -dieser alles Schlimme. Bernhardi redet nur im Tone höchster Ehrfurcht -von seinem romantischen Herrn und Meister, Merkel in einer fade -höhnenden Weise, die an altweibisches Gekeife bedenklich erinnert. Das -Gebaren beider Kritiker ist nicht unbegreiflich. Welche Gemeinschaft -sollte zwischen der schal gewordenen Aufklärung und der jungen Romantik -bestehen? Die Wahrheit liegt, wie so oft beim erbitterten Kampfe zweier -geistiger Heerlager, in der Mitte. Um dem Wollen der Romantiker gerecht -zu werden, muss man sie zuerst vor das Forum der Romantik selbst -bescheiden. - - * * - * - -Die „Genoveva“ ist das glänzendste Stück unter jenen Poesien, die in -den zwei Bänden der „Romantischen Dichtungen“ vereinigt sind. Den -ersten Band eröffnet die satirische Märchenkomödie „Prinz Zerbino“, -ein Ausläufer der vorhergehenden Periode des Tieck’schen Schaffens, -jener Periode der Negation, die noch in die Zeit der frommen, -innigen, alterthumsfrohen Genovevastimmungen hereinreicht und die -eine wesentliche Seite von Tiecks geistiger Art vergegenwärtigt. Das -ganze endlose Lustspiel ist nichts anderes als ein lustiger Krieg -gegen alle Tendenzen, welche der Romantik feindlich oder gleichgiltig -entgegentraten. Die Antiromantiker bekommen bald einzeln, bald -scharenweise den übermüthigsten Humor des Dichters zu verkosten. Neben -diesem satirischen Muthwillen bemerken wir aber auch in einer Reihe -von Scenen, wie sich schon die weichen, traumhaften, lyrisch-süßen, -die eigentlich romantischen Stimmungen ankündigen und der Garten -der Poesie, wo Bäume, Blumen, Vögel und Farben singen, sprechen und -flüstern, wo die größten Dichter aller Zeiten sammt Jakob Böhme als -Hofstaat um die Göttin der Poesie versammelt sind, taucht wie eine -wundersame stille Märcheninsel aus den Gewässern der Verneinung auf. Im -Märchen „der getreue Eckart und der Tannenhäuser“, der zweiten Dichtung -des ersten Bandes, erzählt Tieck die alte Sage vom Berge der Frau Venus -und verkettet sie mit der Sage vom Rattenfänger von Hameln. Hier gibt -es keinen satirischen Übermuth. Alte Sagen werden mit den Mitteln der -romantischen Kunst aufgefrischt. Ein düsterer, schwüler Gesammtton -beherrscht das Ganze und hält es künstlerisch zusammen. Es offenbaren -sich hier noch jene düsteren unheimlichen Stimmungen, die vor dem -freundlich beruhigenden Einflusse Wackenroders den Dichter zeitweise -ganz und gefährlich beherrschten, die sich aber jetzt nur noch von Zeit -zu Zeit anmelden. - -Der „Genoveva“ gesellen sich im zweiten Bande die Nacherzählung -des Märchens von der „Melusina“ und das dramatisierte Märchen vom -„Rothkäppchen“ bei. In letzterem fallen einzelne Hiebe auf die -Rationalisten. Sonst vermeidet der Dichter in allen Stücken dieses -Bandes jede große und kleine Bosheit. Interessant ist es, wie Tieck -im „Rothkäppchen“ gerade durch das oft wiederkehrende Roth einen -bestimmten Stimmungseffect erzielt und wie so das kleine Drama eine Art -„Symphonie in Roth“ wird. - -Was wir als echte Romantik in der „Genoveva“ kennen lernten, begegnet -uns fast alles, theils zerstreut, theils in größere Massen gesammelt, -in den anderen „romantischen Dichtungen“ wieder. Tieck hatte mit -dem Titel, wie er sagt, nur die Absicht, das Wunderbare in diesen -Poesien damit anzudeuten. Aber auch ohne besondere Absicht ist all -das, was man bald mit dem Schlagworte „Romantik“ bezeichnen sollte, -in diese Dichtungen hineingeströmt. Der romantische Geist waltet -fühlbar in ihnen. Daher ist es recht begreiflich, dass gerade diese -Überschrift zusammen mit den theoretischen Erörterungen der Schlegel -sehr wesentlich dazu beitrug, der Schule ihren Namen zu verschaffen. -Theilweise sind die „romantischen Dichtungen“ Erneuerungen alter, -volksthümlicher Sagen und Märchen, also „mythische Poesie“, wie -sie Friedrich Schlegel wünschte. Das Religiöse, Geheimnisvolle, -Märchenhafte, Ahnungen und Vordeutungen, Jakob Böhmes Mystik, -Astrologie und Aberglaube spielen bald dort bald da herein. Das -träumerische Naturgefühl Tiecks treffen wir gleichfalls an. Ritter, -Schäfer, Einsiedler, der Kampf mit Heiden und wilden Riesen, -Tapferkeit, Liebe, Gottesfurcht: lauter Motive und Gefühle, die wir -als richtige Romantik bezeichnen mussten, sehen wir verwertet. Auch -in Form und Sprache blühende Romantik. Drama, Epik und Lyrik weben -sich im „Zerbino“ ineinander, Erzählungen mit Gesang sind „Eckart“ -und „Melusina“, ein Drama mit epischen und lyrischen Einlagen ist -das „Rothkäppchen“. Contraste und Parallelen als äußere Hilfe der -Composition fehlen selten. Prosa und Verse wechseln, südländische -Strophen, Sonette, Stanzen, Terzinen wirft Tieck mitten in die -schlichte, volksthümliche Prosa der „Melusina“ hinein. Prosa, -alterthümelnder Balladenton und freirhythmische Lyrik vereinigt er -im „getreuen Eckart“. Auch die klingelnde Musik gehäufter Reime -bemerkt man vereinzelt. Der Sprache wird wie in der „Genoveva“ ein -leicht archaistischer Anstrich gegeben und gewisse stilistische -Lieblingswendungen der „Genoveva“ begegnen uns in den anderen Stücken -allenthalben. Mit einem Worte, was Tieck an romantischen Elementen -in der „Genoveva“ sammelt und verwendet, treffen wir in den übrigen -gleichzeitigen Werken, wenn auch mehr verstreut, wieder an. Ein -gemeinsamer Geist lebt und webt in all diesen Erzählungen und Dramen, -der, könnte man im Sinne der Romantik sagen, ein Mannigfaltiges zu -höherer Einheit verbindet. - -Was nur an romantischen Ideen, Stimmungen und Motiven in diesen -zwei Bänden sich ansammelte, wird von Tieck noch einmal im „Kaiser -Octavianus“ (1801-1803) glänzend und prunkvoll zur Schau gestellt, -einem romantischen Drama, das sich ebenfalls auf der Grundlage eines -alten Volksbüchleins aufbaut, dessen erster Theil sich wie eine -Variation des Genovevamotivs liest. Eine unschuldig verleumdete und von -ihrem Gatten verurtheilte Frau wird mit ihren Kindern in die Wildnis -hinausgestoßen. Eine Intrigantin ist am ganzen Unglück schuld und -wird darüber wahnsinnig. Der Gatte erkennt sein Unrecht und trauert -in tiefer Reue. Die nämlichen Situationen bedingen oft einen nahe -verwandten sprachlichen Ausdruck. Eine unendliche Fülle von Personen -und Abenteuern wird in den Rahmen des Stückes hineingearbeitet. -Genialität und Kritik verbinden sich der romantischen Forderung gemäß; -denn allegorisch, lyrisch und dramatisch will der Dichter seine Ansicht -der romantischen Poesie hier niederlegen. Calderon, Shakespeare, Jakob -Böhme, Religion und weiche Naturstimmung, romantische Universalität, -Verschmelzung der künstlerischen Gattungen, eine archaisierende -Sprache und vielfältig erklingende Metrik, eine Metrik und Sprache -in allen Abstufungen vom derben Prosahumor bis zum pompösen Klang -der Ottave rime: alles findet wieder Platz im Rahmen einer alten -Volksbucherzählung. Mit Ausnahme des Humors, der derben Prosa wie -der Hans Sachsischen Knittelverse finden wir hier allerdings wenig, -was der „Genoveva“ gegenüber neu wäre. Nur gesteigert, üppiger, -absichtsvoller erscheint alles im Inhalte wie in der Form. Es ist, als -ob der eigenthümliche Geist der Jenenser Romantik, dem die „Genoveva“ -als erste, volle, reiche Blüte entsprosste, noch einmal seine Kraft -zusammengerafft hätte, um in einem hell und bunt aufleuchtenden -Phantasiefeuerwerk glorreich und flüchtig zu versprühen. Denn mit dem -„Octavian“ ist eigentlich jene Poesie, die ganz von den Stimmungen -der Genovevaromantik gesättigt ist, so gut wie vorüber. In Tiecks -Schaffen tritt bald eine Pause ein und die romantische Gesellschaft von -Jena, die erst noch so jugendlich stolz und hoffnungsfreudig die Welt -romantisieren wollte, zerstreut sich in kurzem nach allen vier Winden. --- - -Noch zweimal lässt Tieck bei Lebzeiten seine „Genoveva“ in die -Welt wandern. 1820 erscheint bei Reimer in Berlin eine „neue -verbesserte Auflage“, die 1828 in den zweiten Band der „Schriften“ -wieder aufgenommen wurde. Eine Reihe von Verbesserungen der ersten -Neuauflage besteht in der Beseitigung schwerfälliger, unzutreffender -und undeutlicher Ausdrücke. „Du schönster Thron, aus lauter Licht -gewebt“: „Du schönster Thron, aus lauter Licht erbaut“. -- „Ihr lasst -mir Hoffnung hier und Andacht, liebe Freunde“: „Ihr lasst mir Andacht, -Hoffnung hier als liebe Freunde“. -- „Wen er (der Tod) will von dannen -tragen“: „Wen er will als Beute schlagen“. Die Verse: - - „So ist Hispania durch ein Weib verdorben, - Die Schuld war, dass die Mohren sind gekommen, - So litt die Christenheit durch böse Lust - Des Königs Roderich: so sind wohl Reiche, - Paläste, große Städte eingestürzt - In aller Zeit durch unerlaubte Liebe.“ - -lauten verbessert: - - „So ist Hispania durch ein Weib verdorben, - Die Schuld war, dass die Mohren eingebrochen, - So litt die Christenheit durch böse Liebe - Des Roderich: so sind wohl Reich, und Städte - Schon oft gestürzt durch Schändlichkeit und Lust.“ - -Ausdrücke, die dem Dichter einst vielleicht schlicht oder archaistisch -vorkamen, genügen ihm nimmer, sie werden durch höhere, poetischere -ersetzt. „Die thörichte Bitte“: „Der Bitte Thorheit“. -- „Die Waffen -von euch allen“: „Die Waffen eurer Scharen“. -- „Herunterschauen“: -„Herniederschauen“. -- „Mahom sei gepreist“: „Gepriesen sei Mahom“. --- Das Erscheinen und Thun der rettenden Hirschin wird 1820 ohne -Bühnenanweisung durch die bloße Aussprache von Genovevas Empfindung, -die den Vorgang begleitet, dargestellt. - -Öfters wird in der verbesserten Auflage durch Inversionen der Sinn -kräftiger und nachdrücklicher hervorgehoben. Mit „Ich“ beginnende -Sätze, die wohl auch einstmals für einfach und schlicht galten, werden -umgeformt. „... er (Sebastian) ist an einen Baum gebunden“: „... an -einen Baum ist er gebunden“. -- „Ich fühl’ die Liebe, doch ich muss -nun fort“: „Die Liebe fühl’ ich...“ -- „Ich habe meine Ehr’ durch -ihn gelöst“: „Durch ihn ist meine Ehre nun gelöst“. -- Unangenehme -Wiederholungen desselben Wortes in nächster Nähe werden beseitigt.[802] -Zwei größere Stücke lässt Tieck gänzlich weg, die Scene „In der Stadt -Avignon“[803] und die Episode vom weggeworfenen und wiedergefundenen -Trauringe Genovevas.[804] Einzelne Verse dürften dem Dichter als -überflüssige Wiederholungen des nämlichen Gedankens störend erschienen -sein.[805] - -Diese Änderungen und Verbesserungen sind keine tief einschneidenden, -sie betreffen fast nur stilistische Einzelheiten und beabsichtigen im -allgemeinen nur eine sorgfältige Glättung des sprachlichen Ausdrucks. -Die Dichtung als Ganzes war ihrem Schöpfer nach wie vor als Document -jener inneren Erlebnisse, die in seiner geistigen Entwickelung eine -Epoche bedeuteten, heilig, und er rührte nicht gerne daran. „Die -Ganzheit und Unverletztheit des Gedichtes“ lag ihm also auch noch in -späteren Jahren am Herzen, so gut wie damals, als er es nicht gerne -sah, wenn es durch Auslassung, Abkürzung und Umgestaltung für die -Bühne eingerichtet würde. Man war schon nahe daran gewesen, Iffland -und Kotzebue, die beiden Theaterbeherrscher, interessierten sich wie -gesagt dafür. Es kam aber zu keiner Aufführung. Tieck setzte keinen -sonderlichen Ehrgeiz darein, seine Heilige auf dem Theater zu sehen. -Dies beweist auch genugsam der Umstand, dass er später während seiner -Dresdener Zeit keinen Schritt für die Aufführung des Stückes that, -wo es ihm doch recht leicht gewesen wäre, dasselbe auf die Bühne zu -bringen. Nur als Operntext und in parodierter Gestalt sollte Genoveva -das Licht der Rampe erblicken. - -Wenn Tiecks Drama auch der Bühne des Theaters fremd blieb, so entzückte -es doch von der idealen Phantasiebühne aus einst viele Leser, es regte -bildende Künstler und Dichter an. Die „Genoveva“ im Verein mit den -„Herzensergießungen“, den „Phantasien“ und dem „Sternbald“ weckte einen -ganz neuen Geist in jener Künstlergeneration, welche in den ersten -Decennien des 19. Jahrhunderts unsere Kunst beherrschte. An Stelle -des classischen Alterthums tritt hier das christliche Mittelalter, -die Begeisterung für die alte deutsche Art und Kunst. Die Dichtung -Tiecks selbst regte manchen Künstler zu bildlichen Darstellungen an. -Die Brüder Riepenhausen zeichneten 1806 einen Genoveva-Cyklus und -keine Geringeren als Führich, Schwind und Richter folgten mit ihren -Compositionen nach. Der Traum des „kunstliebenden Klosterbruders“ von -einer Kunst im Bunde mit der Religion sollte sich erfüllen, wie die -Vermählung von Religion und Poesie in der „Genoveva“ sich vollzogen -hatte. Jenen Traum und Wunsch machten nämlich zur Wirklichkeit „die -Klosterbrüder von San Isidoro“, jene Gruppe von deutschen Künstlern in -Rom, die sich im Jahre 1810 mit Friedrich Overbeck, dem neuen Giovanni -da Fiesole an der Spitze, in den verlassenen Zellen des Klosters San -Isidoro auf dem Monte Pincio ansiedelten und mit wenig Geld und viel -Begeisterung das Werk der Neubelebung religiöser Kunst mit Ernst und -Eifer in Angriff nahmen. Der Übertritt zum Katholicismus, mit dem -einst Tieck poetisch spielend kokettierte, wird für manchen von diesen -Männern überzeugungsvoller Ernst. Eine fruchtbare Zeit religiösen -Kunstschaffens brach für Deutschland an, als die Freunde und Schüler -der Cornelius und Overbeck mit ihren Meistern um die Wette eine rege -Thätigkeit entfalteten. Alte Bauwerke werden vollendet und restauriert, -alte Gemälde und Statuen mit pietätvollem Eifer gesammelt und hoch in -Ehren gehalten. (Kölner Dom. Die Brüder Boisserée.) - -Die Begeisterung für das Alterthümliche, besonders für die große -Vergangenheit altdeutscher Dichtung, gibt der deutschen Wissenschaft -manchen wirksamen Antrieb und folgenreiche Anregungen, sie bereitet -auch jene vaterländische Begeisterung vor, die nach wenigen Jahren die -deutschen Gemüther wie ein machtvoller heiliger Sturm erfassen sollte -und die Dichtung der nächstfolgenden Zeit entzieht sich ebenfalls -nicht ganz dem Eindrucke, den Tiecks Werk auf die Gemüther machte, -wenn die Nachwirkungen auch weniger lebhaft als in der bildenden Kunst -zu spüren sind. Der bedeutendste romantische Dramatiker, auf den -Tiecks „Genoveva“ und „Octavian“ im Vereine mit der Schlegel’schen -Ästhetik entscheidend einwirkte, ist Zacharias Werner. Dieser seltsame -Mann versucht es, die Bühne des Theaters dem romantischen Geiste zu -erobern. Seine „Söhne des Thals“ wie „Kunigunde die Heilige“ können das -romantische Vorbild, dem sie nacheifern, gar nicht verleugnen. Dass -auch die Dramatik der Brentano, Arnim, Eichendorff, Öhlenschläger, -Hertz, Atterbom, Andersen, Immermann theils vom Geiste, theils von -der Kunst der „Genoveva“ beeinflusst ist, wurde schon von mehreren -Forschern betont.[806] - -Nach langer Wanderschaft durch alle möglichen Gebiete unserer -Literatur, nachdem noch Dramatiker wie Friedrich Hebbel und Otto -Ludwig die Gestaltung der Legende versucht hatten, gelangte sie auch -zum trefflichen Erzähler Christoph v. Schmid, der aus dem alten -Volksbüchlein ein neues machte. Von einem namhaften Einfluss Tiecks auf -Schmids Erzählung lässt sich kaum reden. Dass die Einleitung derselben -uns in die Zeit zurückführt, da die Morgenröthe des Christenthums in -Deutschland aufgieng, dass die trüben Vorahnungen Genovevas betont -werden und Golo als glänzende ritterliche Erscheinung geschildert -wird, dass ferner für Genovevas Todesgang trüber Herbst (allerdings -Nacht) den Hintergrund bildet und die Natur vom traurigen Schauspiele -sich abwendet: das sind allerdings kleine Züge, die ein wenig auf -Tiecks Dichtung zurückweisen. Im übrigen bietet Schmid eine einfache -Neubearbeitung des Volksbuches mit Umgestaltungen und Erweiterungen, -die den pädagogischen Absichten des Verfassers entsprechen. Alles -Wunderbare und Übernatürliche wird abgestreift oder rationalistisch -gedeutet. (Ähnlich gieng Maler Müller vor.) Das Wesentliche -von den rührenden Motiven ist aber beibehalten. Der schlichte, -gemeinverständliche und anheimelnde Ton ist glücklich getroffen. In -dieser Gestalt konnte die alte Legende wieder zu den Hütten des Volkes -zurückkehren, wo sie schon so lange heimisch war. Dort fand das neue -Volksbüchlein neben dem alten gute Aufnahme. Am schönen Sommersonntag -wie am düsteren Winterabend lesen Hirtenjunge und Bauernmädchen mit -freudiger Rührung im kleinen Büchlein und weihen eine herzliche Thräne -dem Schicksale der edlen Gräfin Genoveva. - - - - -Register. - - -#A#ndersen 255. - -Ariosto 61, 255. - -Arnim L. A. v. 245, 255. - -Atterbom 255. - - -#B#alde J. 62. - -Bernhardi A. F. 61, 151 f., 157, 162 f., 165, 234, 245. - -Böhme J. 11 f., 26, 98, 113, 115 ff., 156, 162, 164, 166, 187, 194, -200, 250 ff. - -Boisserée (Die Brüder) 255. - -Brentano Cl. 246, 255. - - -#C#alderon 11 f., 26, 107 ff., 124, 153, 161, 227 f., 234, 252. - -Cervantes 107. - -Chezy H. v. 246. - -Cochem M. v. 31, 89. - -Cornelius P. v. 255. - - -#D#ante 228. - -Dürer A. 4, 7, 85, 167. - - -#E#ichendorff J. v. 165, 246, 255. - - -#F#euerbach L. 119. - -Fichte J. G. 116. - -Freytag G. 201. - -Friesen H. v. 165. - -Führich J. v. 254. - - -#G#oethe 1, 2, 26 f., 29, 63, 65, 71 ff., 79, 89, 93, 98 f., 103, 147, -169, 173, 184, 202, 247. - -Giovanni da Fiesole 7. - -Gower J. 89. - -Grimmelshausen 27. - - -#H#aym 116, 164. - -Hardenberg Karl v. 245. - -Hebbel, F. 255. - -Heine H. 174, 213. - -Heinse W. 11. - -Hemsterhuys 166. - -Herder 4, 6, 62. - -Hertz 255. - -Hettner 65, 83, 164, 179, 235. - -Hülsen A. L. 24, 137 - - -#I#ffland 60, 106, 248, 254. - -Immermann 255. - - -#K#leist H. v. 166. - -Koberstein 246. - -Köpke R. 28, 115. - -Körner Ch. G. 248. - -Kotzebue 248, 254. - - -#L#enz R. 153. - -Lessing 82, 143. - -Lionardo da Vinci 8. - -Ludwig O. 255. - - -#M#ayr Chr. 166. - -Meiners 6. - -Merkel G. 106, 144 f., 192, 233, 248. - -Michelangelo 4. - -Minor J. 92, 94 f., 98. - -Mnioch J. J. 244. - -Moscherosch 27. - -Müller Adam 166. - -Müller Fr. (Maler) 29, 67 ff., 103, 172, 256. - - -#N#icolai Fr. 27 f., 143, 145,[*] 248.[*] - -Novalis-Hardenberg 11, 14, 20 ff., 120, 137, 166, 173, 178, 185 f., 207 -f., 210, 212 f., 220 f. - - -#Ö#hlenschläger 255. - -Overbeck Fr. 254 f. - - -#P#aul Jean 104, 185. - -Petrich 193 ff., 215 f. - -Piero di Cosimo 8. - -Platen 225. - - -#R#aphael 4, 85. - -Richter L. 254. - -Riepenhausen 254. - -Ritter J. W. 137. - - -#S#achs Hans 26 f., 169, 252. - -Schiller 2, 103, 124, 147, 150, 177, 228, 239, 248. - -Scheffel 201. - -Schelling 25, 116, 122, 137, 225. - -Schlegel A. W. 10, 13, 24, 61 f., 64, 85, 104, 107 f., 124, 139, 144 -f., 147 f., 191, 201, 210, 215, 222, 225, 227 f., 230 f., 243 f. - -Schlegel Fr. 12, 24 f., 61 f., 65, 112, 137, 147, 166, 215 f., 225, 243 -f., 251. - -Schleiermacher 11 ff., 20, 113, 155, 163, 227. - -Schmid Christoph v. 255 f. - -Schmidt Heinrich 243. - -Schwind M. v. 254. - -Shakespeare 2, 7 f., 81, 84 ff., 111, 124, 139, 167, 200, 222, 230 f., -234, 252. - -Solger 30, 86, 106, 116 ff., 164, 187, 192 f., 206, 213, 246 f. - -Steffens H. 24, 122, 125. - - -#T#auler J. 116. - -Tieck L. - - Abdallah 2, 73, 178. - Blaubart 27, 63, 85, 103, 191. - Briefe über Shakespeare 85, 112. - Ekbert 103, 178, 186. - Der getreue Eckart und der Tannenhäuser 103, 178, 186, 211, 250. - Dramaturg. Blätter 85. - Heymonskinder 27, 59. - Der neue Hercules am Scheidewege (Der Autor) 27 f., 118, 120, 137. - Karl von Berneck 10, 27, 73. - Peter Leberecht 27, 60. - Lovell 2, 63, 73, 85, 103, 178. - Magelone 17, 27, 87, 108, 179, 210. - Melusine 29, 87, 137, 226, 250. - Octavianus 86 f., 101, 108, 112, 117 f. 137, 141, 144, 212, 225, - 251 f., 254. - Phantasien 4, 8 ff., 13, 112, 132, 137, 186, 216, 225, 254. - Phantasus 60, 139, 150, 153, 173. - Poetisches Journal 84 f. - Romantische Dichtungen 29, 249 ff. - Rothkäppchen 29, 250. - Runenberg 103, 178, 186. - Schildbürger 27, 60. - Sommernacht 84. - Sternbald 4, 8 f., 60, 103, 108, 112, 141, 167, 172, 179, 186, 207, - 212, 216, 254. - Der Traum 10. - Volksmärchen 60. - Zerbino 85, 87, 108, 117, 137, 141, 143 f., 147, 186, 225, 249. - -Twine L. 89. - - -#V#eith Dor. 25. - - -#W#ackenroder 1 ff., 13, 15, 60, 111, 169, 173, 186, 212 f. - -Waagen 29. - -Watteau 4. - -Werner Z. 166, 255. - -Wieland 202. - - -[*] Allerdings kann ich seine Autorschaft an der Recension nur -vermuthen und nicht beweisen; sie ist mit „Im“ unterzeichnet, wofür -Partheys Mitarbeiter-Verzeichnis bei diesem Jahrgang keine Auflösung -gibt. - - - - -Fußnoten: - -[Fußnote 1: L. ~Tieck~, Schriften, 5, 272 („Phantasus“); Fr. -~Schlegel~, Sämmtliche Werke, 2, 205.] - -[Fußnote 2: ~Holtei~, Briefe an L. Tieck, Breslau 1864, 4, 169 ff.; -~Holtei~, Dreihundert Briefe aus zwei Jahrhunderten, 4. Theil, 27 -ff.; R. ~Haym~, Die romantische Schule, Berlin 1870, 52 ff., 117 ff.; -~Dilthey~, Leben Schleiermachers, 279 ff.; Tieck und Wackenroder, hrg. -v. J. ~Minor~, Stuttgart (Spemann), Einleitung. Wegen der Zeilenzählung -wird, soweit möglich, ~Minors~ Tieck-Ausgabe in Kürschners -National-Literatur benützt.] - -[Fußnote 3: ~Tieck~, Schriften, 4, 15.] - -[Fußnote 4: Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders, -Berlin 1797, 100; Phantasien über die Kunst (in ~Minors~ Tieck und -Wackenroder), 11 ff.; Rud. ~Köpke~, L. Tieck, Leipzig 1855, 1, 154 ff.; -H. v. ~Friesen~, L. Tieck, Wien 1871, 2, 140.] - -[Fußnote 5: ~Köpke~, 1, 161 ff.; ~Friesen~, 2, 141 ff.] - -[Fußnote 6: ~Haym~, 413.] - -[Fußnote 7: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 4, 240.] - -[Fußnote 8: ~Holtei~, Dreihundert Briefe, 4, 69, 71; vgl. Phantasien ü. -K., 76.] - -[Fußnote 9: ~Holtei~, Dreihundert Briefe, 4, 34 ff.] - -[Fußnote 10: Phantasien, 81.] - -[Fußnote 11: Herzenserg., 105, 100; vgl. ~Tieck~, Schriften, 4, 46.] - -[Fußnote 12: Herzenserg., 6, 11 ff., 40, 106, 165.] - -[Fußnote 13: Herzenserg., 162, 171; vgl. ~Tieck~, Schriften, 4, 100 f.] - -[Fußnote 14: Phantasien, 39.] - -[Fußnote 15: Herzenserg., 131 ff.] - -[Fußnote 16: Herzenserg., 108.] - -[Fußnote 17: Herzenserg., 158 ff.; vgl. Phantasien, 56, 92.] - -[Fußnote 18: Vgl. Schriften, 11, LXXIII.] - -[Fußnote 19: Über Kunst und Religion noch Herzenserg., 22, 40 f., 55, -60 f., 192; Phantasien, 33, 62, 84; ~Tieck~, Schriften, 4, 63.] - -[Fußnote 20: Vgl. W. ~Scherer~, Vorträge und Aufsätze zur Geschichte -des geistigen Lebens in Deutschland und Österreich, Berlin 1874, S. -323.] - -[Fußnote 21: Herzenserg., 114 ff.; vgl. A.W. ~Schlegel~, W.W., 10, 364.] - -[Fußnote 22: Herzenserg., 28, 34; Phantasien, 5 ff.] - -[Fußnote 23: Herzenserg., 196.] - -[Fußnote 24: Herzenserg., 224 f.] - -[Fußnote 25: Über die Vorliebe für das Alte: Herzenserg., 9, 27, 34, -64, 80, 130; Sternbald (Minors Ausgabe), 120 ff., 158 f., 167, 171 f., -188 f., 372; Poetisches Journal von ~L. Tieck~, Jena 1800, 1. Stück, -145 ff.; ~Tieck~, Schriften, 4, 11 f., 56 f., 425.] - -[Fußnote 26: Herzenserg., 179-193.] - -[Fußnote 27: Herzenserg., 192; vgl. A.W. ~Schlegel~, Recension der -Herzensergießungen, Sämmtliche Werke, Leipzig 1847, 10. Bd., 363 ff.; -~Tieck~, Schriften, 11. Bd., LXVIII ff.; vgl. A.W. ~Schlegel~, Berliner -Vorlesungen über schöne Literatur und Kunst (ed. Minor), Heilbronn -1884, II, 46. Zum Begriffe „Religion“ wird von Schlegel angemerkt: „Es -versteht sich, dass mit diesem Namen hier nicht die christliche oder -irgend eine andere bestimmte, sondern Religion überhaupt gemeynt ist.“] - -[Fußnote 28: Sternbald, 161.] - -[Fußnote 29: Vgl. Sternbald, 123, 125, 128, 130 f., 153, 180, 184 ff., -204 f., 323 etc.] - -[Fußnote 30: Sternbald, 346.] - -[Fußnote 31: Herzenserg., 116 f.] - -[Fußnote 32: Phantasien, 39 ff.] - -[Fußnote 33: WW., 11, 35.] - -[Fußnote 34: Phantasien, 98 ff.] - -[Fußnote 35: Poetisches Journal, 2. Stück, 475 ff.] - -[Fußnote 36: An das Wunder mit dem heil. Sebastian in den -„Herzensergießungen“ (S. 137) denken Wendelin und Else, wenn sie von -Gott Genovevas wunderbare Befreiung verlangen (Genoveva, 253). -- -Das Land des unerreichbaren Ideals wird in den „Phantasien“ wie in -der „Genoveva“ als paradiesisches Märchenland über unseren Häuptern -geschildert. -- Gemeinsame stilistische Eigenthümlichkeiten.] - -[Fußnote 37: ~Dilthey~, Schleiermacher, 279.] - -[Fußnote 38: Friedrich ~Schleiermacher~, Reden über die Religion, krit. -Ausgabe von G. Ch. Bernhard Pünjer, Braunschweig 1879.] - -[Fußnote 39: ~Kirn~, Schleiermacher und die Romantik, Basel 1895, 23 -ff.; ~Haym~, 419, 430 f.; ~Dilthey~, 304 ff.] - -[Fußnote 40: Reden, 32 ff.; Friedrich Schlegel, 1794-1802, hrg. v. -~Minor~, 2. Bd., 308.] - -[Fußnote 41: Vgl. ~Scherer~, Vorträge und Aufsätze, 385.] - -[Fußnote 42: Reden, 184.] - -[Fußnote 43: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2, 308.] - -[Fußnote 44: Ebd., 313.] - -[Fußnote 45: Solgers nachgelassene Schriften und Briefwechsel, Leipzig -1826, 1. Bd., 538.] - -[Fußnote 46: Aus Schleiermachers Leben, in Briefen, Berlin 1858-1863, -3. Bd., 115.] - -[Fußnote 47: ~Dilthey~, 281; ~Haym~, 458.] - -[Fußnote 48: Reden, 172 ff.] - -[Fußnote 49: Reden, 269 f.] - -[Fußnote 50: Ebd., 271.] - -[Fußnote 51: ~Solger~, a. a. O., 538.] - -[Fußnote 52: Reden, 71 f. Es ist, als ob diese Gedanken eine -Renaissance der alten _vita contemplativa_ einleiten möchten. -Schleiermacher kommt eben von der Herrnhutischen Brüdergemeinde her.] - -[Fußnote 53: „Schön warmer Tag“; „Gelobt sei Jesus Christ“ und -ähnliches.] - -[Fußnote 54: Reden, 254.] - -[Fußnote 55: Reden, 258.] - -[Fußnote 56: Damit berührt sich noch eine späte Äußerung ~Tiecks~ in -Schriften, XI, LXXI.] - -[Fußnote 57: Reden, 281.] - -[Fußnote 58: Genoveva, 211 ff.] - -[Fußnote 59: Reden, 211.] - -[Fußnote 60: Reden, 186, 214.] - -[Fußnote 61: Reden, 53.] - -[Fußnote 62: ~Dilthey~, 434; ~Haym~, 460 ff.; Just ~Bing~, Novalis, -Hamburg und Leipzig 1893, 72 ff.] - -[Fußnote 63: ~Novalis~, Schriften, 3. Theil, Berlin 1846, 204.] - -[Fußnote 64: ~Novalis~, Schriften, Berlin 1826, 4. Aufl., 2. Theil, -189.] - -[Fußnote 65: ~Novalis~, 2. Theil, 193.] - -[Fußnote 66: ~Raich~, Novalis’ Briefwechsel, Mainz 1880, 171.] - -[Fußnote 67: ~Raich~, Novalis, 143 ff.] - -[Fußnote 68: ~Novalis~, 2. Theil, 13; vgl. 3. Theil, 205; ~Raich~, -Novalis, 184; „Heinrich von Ofterdingen“.] - -[Fußnote 69: ~Novalis~, 2. Theil, 32 ff.] - -[Fußnote 70: ~Novalis~, 2. Theil, 98 f.; Dr. C. ~Busse~ macht in -seiner Schrift „Novalis’ Lyrik“ (Oppeln 1898) den Versuch, den -protestantisch-kirchlichen Charakter der „Geistlichen Lieder“ -nachzuweisen, nicht überzeugend, wie mir scheinen will.] - -[Fußnote 71: ~Novalis~, 2. Theil, 163, 194, 3. Theil, 229 f.] - -[Fußnote 72: ~Novalis~, 2. Theil, 190 f., 3. Theil, 194; ~Raich~, -Novalis, 184 f.] - -[Fußnote 73: Aus Schleiermachers Leben, 3, 125.] - -[Fußnote 74: ~Köpke~, 1, 247 ff.; ~Tieck~, Schriften, 4, 89; vgl. -~Raich~, Dorothea Schlegel, Mainz 1881, 1. Bd., 15, 19.] - -[Fußnote 75: Im „Musen-Almanach“ für das Jahr 1802, hrg. v. A.W. -~Schlegel~ und L. Tieck, Tübingen 1802, 187 f.] - -[Fußnote 76: Genoveva, 135.] - -[Fußnote 77: Aus Schleiermachers Leben, 3, 115, 125, 132, 134.] - -[Fußnote 78: Ebd., 3, 134.] - -[Fußnote 79: ~Solger~, 1, 539.] - -[Fußnote 80: ~Tieck~, Schriften, 1, Einleitung XXVIII; vgl. Aus -Schleiermachers Leben, 3, 126; ~Raich~, Dorothea Schlegel, 1, 20.] - -[Fußnote 81: ~Novalis~, 2. Theil, 194, 197.] - -[Fußnote 82: Ebd., 194.] - -[Fußnote 83: ~Novalis~, 3. Theil, 195.] - -[Fußnote 84: ~Raich~, Novalis, 156.] - -[Fußnote 85: ~Novalis~, 2. Theil, 192.] - -[Fußnote 86: Genoveva, 110 f. Hier muss erwähnt werden, dass es -auch ein poetisches Lieblingsspiel der Romantiker war, bildliche -Darstellungen episch zu schildern, „Gemälde in Worten zu malen“. Tieck -und Wackenroder thun es in den „Herzensergießungen“, Tieck wiederholt -es im „Sternbald“, A.W. Schlegel schließt sich mit den Sonetten über -die Dresdener Gemälde an, Brentano ahmt die Sitte im „Godwi“ nach. -Kunstgespräche und theoretische Auseinandersetzungen in Dichtungen -einzuschalten, „Genialität und Kritik“ zu verbinden, entspricht -der romantischen Kunsttheorie. Als anregende Vorbilder für dieses -Theoretisieren im Kunstwerke gehen Goethes Analysen des „Hamlet“ im -„Wilhelm Meister“ und Heinses Gemäldeschilderungen im „Ardinghello“ -voraus. Die Erklärung der gemalten Legenden für eine Zuhörerschaft gibt -der Sache in der „Genoveva“ etwas Predigtmäßiges. (Vgl. A. ~Kerr~, -Godwi, Berlin 1898, 19 ff.; A.W. ~Schlegel~, WW., 8, 16.)] - -[Fußnote 87: Genoveva, 211 ff.] - -[Fußnote 88: ~Haym~, 456 ff.; ~Dilthey~, 427 ff.] - -[Fußnote 89: Über Hülsen vgl. ~Haym~, 445 ff.] - -[Fußnote 90: ~Waitz~, Caroline, Leipzig 1871, 71 f.] - -[Fußnote 91: ~Raich~, Novalis, 84 ff.] - -[Fußnote 92: ~Dilthey~, 438 f.] - -[Fußnote 93: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2, 353; vgl. ebd., 302, 304, -„Europa“, I, 47 ff.] - -[Fußnote 94: Ebd., 290 f., 293, 296, 298.] - -[Fußnote 95: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 11, LXVII, „Novalis, -Schleiermacher, Friedrich Schlegel und auch das Gedicht von der -Genoveva...“.] - -[Fußnote 96: Tieck, Schriften, 6, VI, 11, LXII f.; Schriften, 10, 280 -f.; vgl. ~Tieck~, Einleitung zu „Gesammelte Schriften“ von J.M.R. Lenz -(Berlin 1828), S. LXI u. LXVIII.] - -[Fußnote 97: Tieck, Schriften, 11, 14.] - -[Fußnote 98: Tieck, Schriften, 15, 21.] - -[Fußnote 99: Über Tieck und die Volksbücher handelt Bernh. ~Steiner~ in -„L. Tieck und die Volksbücher“, Berlin 1893; vgl. A.W. ~Schlegel~, WW., -12, 27 ff.] - -[Fußnote 100: ~Tieck~, Schriften, 11, Einleitung XLI f.] - -[Fußnote 101: A.W. ~Schlegel~, „Vorlesungen“ (Minor), II, 41.] - -[Fußnote 102: ~Tieck~, Schriften, 13, 327.] - -[Fußnote 103: ~Tieck~, Schriften, 1, Einleitung XXVI ff.; ~Köpke~, 1. -Bd., 236 ff. und 2. Bd., 172; B. ~Seuffert~, Maler Müller, Berlin 1881, -145, 176; ~Haym~, 480 ff.] - -[Fußnote 104: Die Stelle über die Volksbücher im „Peter Leberecht“ -(Schriften, XV, 21) scheint auf eine frühere Bekanntschaft mit dem -Genoveva-Volksbuch hinzudeuten, von der uns Tieck aber sonst nirgends -berichtet. Wie sich die Sache auch verhalten mag, von Bedeutung für -seine „Genoveva“ ist jene frühe Bekanntschaft mit der Legende nicht.] - -[Fußnote 105: ~Solger~, 1, 453; vgl. ebd., 301, 487; vgl. ~Friesen~, 2. -Bd., 181 ff.] - -[Fußnote 106: Eine schöne, anmuthige und lesenswürdige Historie von -der unschuldig bedrängten heiligen Pfalzgräfin Genoveva, wie es ihr -in Abwesenheit ihres herzlieben Ehegemahls ergangen. Gedruckt in -diesem Jahr. Über die Entstehung und Schicksale der Legende vgl. B. -~Seuffert~, Die Legende von der Pfalzgräfin Genoveva, Würzburg 1877.] - -[Fußnote 107: Genoveva, 108 f.] - -[Fußnote 108: Genoveva, 109-123.] - -[Fußnote 109: Diese Angabe fehlt in der „Genoveva“-Ausgabe von 1820.] - -[Fußnote 110: Genoveva, 123-130.] - -[Fußnote 111: Ebd., 131-138.] - -[Fußnote 112: Ebd., 138-142.] - -[Fußnote 113: Genoveva, 142 ff.] - -[Fußnote 114: Ebd., 145-160.] - -[Fußnote 115: Ebd., 190 f., 202-210.] - -[Fußnote 116: Genoveva, 119, /12 ff./] - -[Fußnote 117: Genoveva, 131, /26 ff/.] - -[Fußnote 118: Ebd., 136, /10 ff/.] - -[Fußnote 119: Ebd., 137, /28 ff/.] - -[Fußnote 120: Ebd., 138, /1 ff/.] - -[Fußnote 121: Ebd., 161 ff.] - -[Fußnote 122: Vgl. die Lieder 164 und 166.] - -[Fußnote 123: Genoveva, 164, /5/; 165, /32 ff/.] - -[Fußnote 124: Ebd., 179-184.] - -[Fußnote 125: Ebd., 169 ff.] - -[Fußnote 126: Genoveva, 187.] - -[Fußnote 127: Ebd., 188 f.] - -[Fußnote 128: Ebd., 191 ff.] - -[Fußnote 129: Genoveva, 199.] - -[Fußnote 130: Ebd., 200-202.] - -[Fußnote 131: Biographische und literarische Skizzen aus dem Leben und -der Zeit Karl Försters, Dresden 1846, S. 284.] - -[Fußnote 132: Genoveva, 182, /4/.] - -[Fußnote 133: Ebd., 197, /28 f/.] - -[Fußnote 134: Ebd., 217, /28, 31/.] - -[Fußnote 135: Genoveva, 191, /31 f/.] - -[Fußnote 136: Ebd., 213, /36/; 214, /25/.] - -[Fußnote 137: Ebd., 136, /32/.] - -[Fußnote 138: Ebd., 186, /25 ff/.] - -[Fußnote 139: Ebd., 211 ff.] - -[Fußnote 140: Genoveva, 214.] - -[Fußnote 141: Ebd., 202, 5 ff.] - -[Fußnote 142: Ebd., 131, 20.] - -[Fußnote 143: Ebd., 214.] - -[Fußnote 144: Ebd., 216.] - -[Fußnote 145: Ebd., 217.] - -[Fußnote 146: Genoveva, 217 f.; vgl. 136 u. 198 f.] - -[Fußnote 147: Genoveva, 223-226.] - -[Fußnote 148: Ebd., 223.] - -[Fußnote 149: Ebd., 229.] - -[Fußnote 150: Ebd., 219 ff., 230.] - -[Fußnote 151: Ebd., 230, 5 ff.] - -[Fußnote 152: Genoveva, 231-233.] - -[Fußnote 153: Ebd., 234.] - -[Fußnote 154: Ebd., 234.] - -[Fußnote 155: Genoveva, 235-238.] - -[Fußnote 156: Ebd., 239-241.] - -[Fußnote 157: Genoveva, 241 f.] - -[Fußnote 158: Ebd., 242-244.] - -[Fußnote 159: Genoveva, 244-251.] - -[Fußnote 160: Ebd., 251 f.] - -[Fußnote 161: Genoveva, 252.] - -[Fußnote 162: Ebd., 253 f.] - -[Fußnote 163: An späterer Stelle spricht auch das Volksbuch nur von -einem Mörder, der mild gesinnt war.] - -[Fußnote 164: Genoveva, 255-260.] - -[Fußnote 165: Ebd., 260 ff.] - -[Fußnote 166: Vgl. Bernhardis Recension in „Berlinisches Archiv der -Zeit und ihres Geschmackes“, 1800, 1. Bd., 465.] - -[Fußnote 167: Genoveva, 262 ff.] - -[Fußnote 168: Ebd., 264-266.] - -[Fußnote 169: Ebd., 266-268.] - -[Fußnote 170: Genoveva, 267, 24 ff.] - -[Fußnote 171: Ebd., 270.] - -[Fußnote 172: Ebd., 268-270.] - -[Fußnote 173: Ebd., 271-278.] - -[Fußnote 174: Genoveva, 271, 1-19.] - -[Fußnote 175: Ebd., 276, 25 bis 277, 12.] - -[Fußnote 176: Volksbuch, 13.] - -[Fußnote 177: Genoveva, 277 f.] - -[Fußnote 178: Genoveva, 284-288.] - -[Fußnote 179: Ebd., 284, 33-34.] - -[Fußnote 180: Ebd., 285, 19, 27.] - -[Fußnote 181: Ebd., 288-293.] - -[Fußnote 182: Genoveva, 294 f.] - -[Fußnote 183: Ebd., 297 f.] - -[Fußnote 184: Ebd., 296 ff.] - -[Fußnote 185: Ebd., 298-306.] - -[Fußnote 186: Genoveva, 308 ff.] - -[Fußnote 187: Ebd., 311 f.] - -[Fußnote 188: Genoveva, 313-316.] - -[Fußnote 189: Ebd., 216 f.] - -[Fußnote 190: Ebd., 319 f.] - -[Fußnote 191: Genoveva, 321.] - -[Fußnote 192: Ebd., 322.] - -[Fußnote 193: Vgl. darüber ~Tiecks~ Äußerung in Schriften, 1, VIII.] - -[Fußnote 194: J.V. Teichmanns literarischer Nachlass, hrg. v. -~Dingelstedt~, Stuttgart 1863, S. 282; vgl. ~Tieck~, Schriften, 1, -VIII.] - -[Fußnote 195: ~Tieck~, Schriften, 4, 362 ff.] - -[Fußnote 196: Altenglisches Theater I, in ~Tieck~, Sämmtliche Werke, -21. Bd., Wien 1820, Einleitung.] - -[Fußnote 197: A.W. ~Schlegel~, WW., 12, 30.] - -[Fußnote 198: A.W. Schlegels Vorlesungen, hrg. v. J. ~Minor~ in B. -Seufferts Deutschen Literaturdenkmalen, Heilbronn 1884, Nr. 17-19, 2. -Theil, 18 f.; vgl. 3. Theil, 128, 138, 149, und A.W. ~Schlegel~, WW., -7, 272 ff., 9, 264 f., 11, 144; vgl. ~Schlegels~ Äußerung über die -Bearbeitung des „Tristan“ bei Haym, 813.] - -[Fußnote 199: Archiv der Zeit, 1800, 459, 462, 466.] - -[Fußnote 200: A.W. ~Schlegel~, WW., 12, 287.] - -[Fußnote 201: Europa, hrg. v. Fr. ~Schlegel~, Frankfurt a. M. 1803, 1. -Bd., 1. St., 57.] - -[Fußnote 202: A.W. ~Schlegel~, WW., 1, 367 und Fr. ~Schlegel~, WW., 10, -20. Über diese Seite der Romantik vgl. ~Holtei~, Br. a. Tieck, 4, 228; -~Köpke~, Tieck, 2, 172; ~Tieck~, Schriften, 4, 289; Poetisches Journal, -1. Jahrg., 2. Stück, 56 ff.] - -[Fußnote 203: ~Seuffert~, Pfalzgräfin Genoveva, 1 ff.] - -[Fußnote 204: A.W. ~Schlegel~, WW., 10, 376 ff.] - -[Fußnote 205: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXVIII.] - -[Fußnote 206: H. ~Hettner~, Die romantische Schule in ihrem inneren -Zusammenhange mit Goethe und Schiller, Braunschweig 1850, 155.] - -[Fußnote 207: ~Minor~, Fr. Schlegel, 2. Bd., 220; vgl. 225, 242, 244, -288.] - -[Fußnote 208: Altenglisches Theater, Einleitung VI.] - -[Fußnote 209: ~Tieck~, Schriften, 1 Bd., XXVII.] - -[Fußnote 210: „Golo und Genoveva“ in Kürschners „Deutsche -Nationalliteratur“, 81. Bd., hrg. v. ~Sauer~, S. 30.] - -[Fußnote 211: ~Tieck~, Genoveva, 113.] - -[Fußnote 212: Golo und Genoveva, 30, 103.] - -[Fußnote 213: Ebd., 143 f.] - -[Fußnote 214: ~Seuffert~, Maler Müller, 171.] - -[Fußnote 215: ~Tieck~, Genoveva, 113.] - -[Fußnote 216: Ebd., 137, 190, 202.] - -[Fußnote 217: Ebd., 311.] - -[Fußnote 218: Ebd., 312.] - -[Fußnote 219: ~Seuffert~, Maler Müller, 159-163.] - -[Fußnote 220: Golo und Genoveva, 16, 33.] - -[Fußnote 221: Ebd., 19, 29 f.] - -[Fußnote 222: ~Tieck~, Genoveva, 112.] - -[Fußnote 223: Ebd., 131, 9 ff.] - -[Fußnote 224: Golo und Genoveva, 18.] - -[Fußnote 225: ~Tieck~, Genoveva, 136; vgl. 180, 17, 225, 10.] - -[Fußnote 226: Golo und Genoveva, 18.] - -[Fußnote 227: ~Tieck~, Genoveva, 131.] - -[Fußnote 228: Golo und Genoveva, 58 ff.] - -[Fußnote 229: ~Tieck~, Genoveva, 191 ff.] - -[Fußnote 230: Golo und Genoveva, 33.] - -[Fußnote 231: ~Tieck~, Genoveva, 131, 164, 182.] - -[Fußnote 232: Golo und Genoveva, 73, 103, 122.] - -[Fußnote 233: ~Förster~, Biographische und literarische Skizzen, 284.] - -[Fußnote 234: ~Tieck~, Genoveva, 195.] - -[Fußnote 235: Golo und Genoveva, 119, /25 f/.] - -[Fußnote 236: Ebd., 120.] - -[Fußnote 237: Ebd., 126.] - -[Fußnote 238: ~Tieck~, Genoveva, 268, /3 ff/.] - -[Fußnote 239: ~Tieck~, Genoveva, 292.] - -[Fußnote 240: Golo und Genoveva, 34, /4/, 103, /9/, 159, /14/.] - -[Fußnote 241: ~Tieck~, Genoveva, 172, /6 ff/., 182, /22/, 202, /14/, -261, /3/, 293, /14 ff/.] - -[Fußnote 242: Golo und Genoveva, 143 f.] - -[Fußnote 243: ~Tieck~, Genoveva, 295 f.] - -[Fußnote 244: Golo und Genoveva, 152 f.] - -[Fußnote 245: ~Tieck~, Genoveva, 298.] - -[Fußnote 246: Golo und Genoveva, 156.] - -[Fußnote 247: ~Tieck~, Genoveva, 305.] - -[Fußnote 248: Golo und Genoveva, 158 f.] - -[Fußnote 249: ~Tieck~, Genoveva, 311 f.] - -[Fußnote 250: Golo und Genoveva, 8 f.] - -[Fußnote 251: ~Tieck~, Genoveva, 120.] - -[Fußnote 252: Golo und Genoveva, 18 ff.] - -[Fußnote 253: Ebd., 44 ff.] - -[Fußnote 254: ~Tieck~, Genoveva, 136, 187.] - -[Fußnote 255: Golo und Genoveva, 97, und Tieck, Genoveva, 231.] - -[Fußnote 256: Golo und Genoveva, 86, 88; Tieck, Genoveva, 202 f.] - -[Fußnote 257: Golo und Genoveva, 129, /34 ff./; Tieck, Genoveva, 264, -/20 ff./] - -[Fußnote 258: Golo und Genoveva, 91.] - -[Fußnote 259: ~Tieck~, Genoveva, 237, /9 ff./] - -[Fußnote 260: Golo und Genoveva, 29, 86, 150, /10/.] - -[Fußnote 261: ~Tieck~, Genoveva, 131, 177, /28/, 179, /10/.] - -[Fußnote 262: Ebd., 178.] - -[Fußnote 263: Golo und Genoveva, 68.] - -[Fußnote 264: ~Tieck~, Genoveva, 213.] - -[Fußnote 265: Golo und Genoveva, 82, 85 ff.; Tieck, Genoveva, 234 ff.] - -[Fußnote 266: Golo und Genoveva, 86.] - -[Fußnote 267: ~Tieck~, Genoveva, 262.] - -[Fußnote 268: ~Seuffert~, Maler Müller, 172.] - -[Fußnote 269: Golo und Genoveva, 38 ff.] - -[Fußnote 270: Ebd., 58 ff.] - -[Fußnote 271: ~Tieck~, Genoveva, 179 ff.] - -[Fußnote 272: Golo und Genoveva, 69; ~Tieck~, Genoveva, 193, 202.] - -[Fußnote 273: ~Tieck~, Genoveva, 229.] - -[Fußnote 274: Golo und Genoveva, 146.] - -[Fußnote 275: Ebd., 7, 14.] - -[Fußnote 276: ~Tieck~, Genoveva, 118, /36/, 119, /1 ff./] - -[Fußnote 277: Ebd., 168.] - -[Fußnote 278: Golo und Genoveva, 31, /20/, 62, /30/.] - -[Fußnote 279: Golo und Genoveva, 143.] - -[Fußnote 280: ~Tieck~, Genoveva, 113.] - -[Fußnote 281: Golo und Genoveva, 114 ff.] - -[Fußnote 282: ~Tieck~, Genoveva, 252, 254 ff.] - -[Fußnote 283: Vgl. ~Solger~, 502; Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. -Stück, 27.] - -[Fußnote 284: Golo und Genoveva, 44 ff.] - -[Fußnote 285: Ebd., 82; vgl. „Locrine“, 88 (Altenglisches Theater, II).] - -[Fußnote 286: ~Tieck~, Genoveva, 257.] - -[Fußnote 287: ~Tieck~, Krit. Schriften, 1. Bd., 82.] - -[Fußnote 288: ~Tieck~, Genoveva, 192.] - -[Fußnote 289: Ebd., 190.] - -[Fußnote 290: Ebd., 112 ff.] - -[Fußnote 291: Golo und Genoveva, 31, 39, 62; ~Tieck~, Genoveva, 167 f.] - -[Fußnote 292: Golo und Genoveva, 151 f.] - -[Fußnote 293: ~Tieck~, Genoveva, 266 f.] - -[Fußnote 294: Golo und Genoveva, 139 f.] - -[Fußnote 295: ~Tieck~, Genoveva, 297.] - -[Fußnote 296: Vgl. O. ~Brahm~, Das deutsche Ritterdrama des 18. -Jahrhunderts, Straßburg 1880.] - -[Fußnote 297: Vgl. ~Köpke~, 1. Bd., 323 ff., 349; ~Tieck~, Schriften, -1. Bd., XXXII ff., 4. Bd., 418 f.] - -[Fußnote 298: Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stück, 27.] - -[Fußnote 299: ~Haym~, 22.] - -[Fußnote 300: ~Holtei~, Dreihundert Briefe, 4, 30, 32, 68.] - -[Fußnote 301: ~Haym~, 51, 91, 105.] - -[Fußnote 302: Von den Stücken, die für die „Genoveva“ mehr oder -minder in Betracht kommen, erschienen bis 1799: Romeo und Julia. -Sommernachtstraum. Julius Cäsar. Was ihr wollt. Der Sturm. Hamlet. Der -Kaufmann von Venedig. Wie es euch gefällt. König Johann. König Richard -II.] - -[Fußnote 303: Poetisches Journal, 35 f.; vgl. Altenglisches Theater, -Einleitung XV.] - -[Fußnote 304: ~Haym~, 701 ff.] - -[Fußnote 305: Vgl. Phantasien, 23, 103; ~Lenz~, WW., Einleitung II.] - -[Fußnote 306: Noch in der Einleitung zu Lenz (LXIV) behauptet Tieck, -dass in der Regel der Tadel, den die verschiedenen Schriftsteller -versuchten, „wenn man in den Dichter eingedrungen ist, zum Lobe wird“.] - -[Fußnote 307: ~Köpke~, L. Tieck, 1. Bd., 241 f.] - -[Fußnote 308: Über Shakespeares Antheil an „Perikles“ vgl. ~Delius~’ -Einleitung zu seiner Übersetzung des Stückes in der Hallberger’schen -Ausgabe; Tieck betrachtet ihn als Shakespeare’sches Jugendwerk. -(Altenglisches Theater, I, XX f.)] - -[Fußnote 309: Teichmanns „Literarischer Nachlass“, hrg. v. -~Dingelstedt~, Stuttgart 1863, S. 281.] - -[Fußnote 310: ~Solger~, Nachgel. Schriften, 502; Brief vom 2. Februar -1817.] - -[Fußnote 311: Beide Stücke im „Altenglischen Theater“.] - -[Fußnote 312: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 1, XXX f., und XL; ferner 6, LII -und 11, XXXIX, an welchen Stellen Tieck über das Untheatralische seiner -Stücke spricht. Vgl. auch Teichmanns „Literarischer Nachlass“, 281.] - -[Fußnote 313: Krit. Schriften, 1. Bd., 37 ff., und 4. Bd., 154.] - -[Fußnote 314: Archiv der Zeit, 1800, 466. Dass Tieck zumeist für eine -„phantastische Bühne“ dichtet, hindert ihn nicht, einzelne Stellen -wieder theatralisch zu behandeln.] - -[Fußnote 315: ~Delius~, a. a. O.] - -[Fußnote 316: Im „Locrine“ spricht Ate Prolog und Epilog. Im „Zerbino“ -tritt ein Jäger als Prologsprecher auf.] - -[Fußnote 317: Vgl. die Marionette des Polykomikus im „Zerbino“; -Schriften, 10, 211.] - -[Fußnote 318: Während im „Perikles“ ein stummes Spiel auf der Bühne die -Worte des Prologsprechers begleitet, führt der Prolog des „Lustigen -Teufels“ ähnlich in die Handlung über, wie die Worte des Bonifacius, -indem dort der Sprecher selbst den Vorhang aufzieht und auf die -beginnende erste Scene hinweist.] - -[Fußnote 319: G. Merkel macht sich darüber nicht mit Unrecht lustig in -„Briefe an ein Frauenzimmer über die wichtigsten Producte der schönen -Literatur“, Berlin 1800. Auch die Prologe im „Locrine“ enthalten solche -Wiederholungen.] - -[Fußnote 320: 1. Act, 3.] - -[Fußnote 321: 1. Act, 2.] - -[Fußnote 322: Dieser eigenthümliche Tonfall hier und in anderen -Reden Gertruds, die auch gerne Sentenzen und Sprichwörter einflicht, -erinnert zugleich an gewisse Reden der Martha Schwerdtlein. Der freie -Scenenwechsel, das Epische im „Faust“, der auch den Charakter einer -dramatischen Biographie annimmt, kann Tieck schwerlich übersehen haben, -wenn er in den „Einleitungen“ auch zuvörderst den alterthümlichen Ton -dieser Dichtung als dasjenige rühmt, was ihn am vertrautesten ansprach. -Ein paar kleine Reminiscenzen aus dem „Faust“ können hier ebenfalls -erwähnt werden. Bei Golos Worten: - - „Es reißt mich fort, in allen meinen Sinnen - Fühl’ ich ein Treiben, innerliches Wühlen...“ - -denkt man leicht an Fausts Worte: - - „Ha! wie’s in meinem Herzen reißt! - Zu neuen Gefühlen - All meine Sinnen sich erwühlen!“ - -Margarethens Geständnis: - - „Allein gewiss, ich war recht bös’ auf mich, - Dass ich auf euch nicht böser werden konnte!“ - -klingt wie Genovevas: - - „O lasst mich, bei den hocherhabenen Gestirnen, - Ich kann auf euch nicht so, wie ich wohl möchte, zürnen.“] - -[Fußnote 323: L. ~Tieck~., Dramaturgische Blätter, Breslau 1826, 1. -Bd., 263.] - -[Fußnote 324: ~Tieck~, Genoveva, 142 ff.] - -[Fußnote 325: Heinrich VI., 2. Theil, 3. Act, 1.] - -[Fußnote 326: Heinrich VI., 2. Theil, 1. Act, 2.] - -[Fußnote 327: Heinrich VI., 3. Theil, 3. Act, 2.] - -[Fußnote 328: „Locrine“, Altenglisches Theater, II, 58.] - -[Fußnote 329: Macbeth, 5. Act, 7.] - -[Fußnote 330: Genoveva, 150 f.; vgl. „Locrine“, Altenglisches Theater, -II, 45.] - -[Fußnote 331: ~Tieck~, Genoveva, 163, /26 ff./] - -[Fußnote 332: Ebd., 162, /4 ff./] - -[Fußnote 333: Romeo und Julia, 2. Act, 1.] - -[Fußnote 334: Vgl. noch Sommernachtstraum, 2. Act, 1; 3. Act, 2. -Verlorene Liebesmüh’, 4. Act, 1.] - -[Fußnote 335: Selbst die Wortfolge und der Tonfall in Gertruds Äußerung: - - „Die Nacht ist schön, in einer solchen Nacht - Ward Golo mir von einem Mann gebracht...“ - -erinnert an Lorenzos: - - „Der Mond scheint hell, in einer solchen Nacht - Wie diese -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- - Erstieg wohl Troilus die Mauern Trojas.“ - - ~Gertrud~: - - „Es geht ein Mann dort in des Gartens Stille.“ - - ~Jessica~: - - „Doch horch, ich hör’ den Fußtritt eines Mannes.“ - - ~Lorenzo~: - - „Wer kommt so eilig in der stillen Nacht?“] - -[Fußnote 336: König Richard II., 2. Act, 2.] - -[Fußnote 337: Bei Shakespeare beginnt die Scene: „London. Ein Zimmer im -Ely-Haus. (Gaunt auf einem Ruhebette; der Herzog von York und andere um -ihn her stehend.)“ - - ~Gaunt~: - - „Sagt, kommt der König...?“ - -Tiecks Einleitung: „Zimmer. Wolf auf dem Bette. Ein Diener.“ - - ~Wolf~: - - „Er (Golo) wollte kommen?“] - -[Fußnote 338: ~Tieck~, Genoveva, 244 f.] - -[Fußnote 339: König Heinrich VI., 2. Theil, 1. Act, 4.] - -[Fußnote 340: König Richard II., 3. Act, 2.] - -[Fußnote 341: Vgl. eine ähnliche zusammenfassende Wiederholung am -Schlusse des Stückes im älteren „König Lear“, Altenglisches Theater, -II, 262 f., und „Octavian“, Schriften, 1, 399.] - -[Fußnote 342: Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stück, 44.] - -[Fußnote 343: König Johann, 1. Act, 1. König Heinrich VI., 1. Theil, 4. -Act, 2.] - -[Fußnote 344: König Heinrich V., 2. Act, 4.] - -[Fußnote 345: Macbeth, 5. Act, 6. Vgl. auch Humbers Anordnung im -„Locrine“ (Altenglisches Theater, II, 36).] - -[Fußnote 346: König Heinrich VI., 3. Theil, 5. Act, 2.] - -[Fußnote 347: König Heinrich IV., 1. Theil, 5. Act, 1.] - -[Fußnote 348: ~Tieck~, Genoveva, 144.] - -[Fußnote 349: Ebd., 133 f.] - -[Fußnote 350: 3. Act, 1.] - -[Fußnote 351: Vgl. König Johann, 4. Act, 2. Heinrich VI., 1. Theil, 3. -Act, 1. „Locrine“, Altenglisches Theater, II, 91.] - -[Fußnote 352: 1. Act, 1. Vgl. Julius Cäsar, 1. Act, 3; 2. Act, 2. -Heinrich VI., 3. Theil, 2. Act, 1.] - -[Fußnote 353: König Lear, 1. Act, 2. Vgl. König Johann, 3. Act, 4.] - -[Fußnote 354: 4. Act, Ende. (Komet, Sturmwind, gekreuzte Schwerter in -der Luft.)] - -[Fußnote 355: Golo und Genoveva, 51.] - -[Fußnote 356: ~Tieck~, Genoveva, 267.] - -[Fußnote 357: Hamlet, 5. Act, 1.] - -[Fußnote 358: 2. Act, 7.] - -[Fußnote 359: Vgl. Poetisches Journal, 35 f.] - -[Fußnote 360: König Richard II., 2. Act, 2. Mit obigen Worten übersetzt -nämlich Schlegel: „This tongue that runs so roundly in thy head“...] - -[Fußnote 361: Richard II., 1. Act, 2.] - -[Fußnote 362: Kaufmann von Venedig, 3. Act, 2.] - -[Fußnote 363: Was ihr wollt, 3. Act, 1.] - -[Fußnote 364: König Johann, 2. Act, 1.] - -[Fußnote 365: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXVIII; 6. Bd., XVIII. Mit -Tiecks Angaben deckt sich im wesentlichen, was seine Biographen sagen. -Vgl. Köpke, 239 f. ~Friesen~, 2. Bd., 67 ff., 177.] - -[Fußnote 366: ~Tieck~, Schriften, 6. Bd., XVIII f.] - -[Fußnote 367: ~A.W. Schlegel~, WW., 6. Bd., 397.] - -[Fußnote 368: Tieck kannte sicher jene Calderon’schen Stücke, die -Schlegel bald im „Spanischen Theater“ übersetzte: „Die Andacht zum -Kreuz“, „Der standhafte Prinz“, „Die Schärpe und die Blume“, „Die -Brücke von Mantible“, „Der Schultheiß von Zalamea“, „Über allen Zaubern -Liebe“. Vgl. ~Friesen~, 2, 177.] - -[Fußnote 369: ~Tieck~, Schriften, 1, XXVIII f. Einleitung zu Lenz, -XXIII. Altenglisches Theater, I, VI f.] - -[Fußnote 370: Vgl. ~Schack~, Geschichte der dramatischen Kunst und -Literatur in Spanien, Frankfurt a. M. 1854, 2. Bd., 84. Beispiele in -„Die Andacht zum Kreuz“, „Die Brücke von Mantible“, „Der Schultheiß von -Zalamea“, „Die Schärpe und die Blume“ etc.] - -[Fußnote 371: Z. B. die Rede des Gesandten in der „Jungfrau des -Heiligthums“.] - -[Fußnote 372: „Der standhafte Prinz“, „Die Brücke von Mantible“, „Das -Leben ein Traum“.] - -[Fußnote 373: „Fegefeuer des heil. Patricius“; vgl. ~Schack~, a. a. O., -84.] - -[Fußnote 374: „Die Andacht zum Kreuz“, „Die Brücke von Mantible“, „Das -Leben ein Traum“.] - -[Fußnote 375: „Der standhafte Prinz“, „Die Jungfrau des Heiligthums“.] - -[Fußnote 376: ~Schack~, a. a. O., 84 f.] - -[Fußnote 377: „Der standhafte Prinz“.] - -[Fußnote 378: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXIX.] - -[Fußnote 379: Lenz’ WW., Einleitung XXII f.] - -[Fußnote 380: ~Holtei~, Dreihundert Briefe, 4, 58 f.] - -[Fußnote 381: Krit. Schriften, 1. Bd., 35 ff.; vgl. ebd. 78 f.] - -[Fußnote 382: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXXVIII.] - -[Fußnote 383: ~Solger~, a. a. O., 302, 652, 688, 698.] - -[Fußnote 384: Ebd., 696; vgl. Krit. Schriften, 4, 152 und 156, -Einleitung zu Lenz, LXXV.] - -[Fußnote 385: ~Köpke~, 1. Bd., 241; ~A.W. Schlegel~, WW., 6. Bd., 393 -ff.] - -[Fußnote 386: ~Köpke~, 1. Bd., 241.] - -[Fußnote 387: ~Tieck~, Genoveva, 238.] - -[Fußnote 388: Ebd., 128.] - -[Fußnote 389: Mit diesem Motive verbanden sich vielleicht einzelne -Züge aus der Liebesgeschichte Locrines und Estrildens. (Altenglisches -Theater, II, 70 ff.)] - -[Fußnote 390: Altenglisches Theater, I, VI f.] - -[Fußnote 391: ~Köpke~, I, 240 f.] - -[Fußnote 392: ~Köpke~, 1. Bd., 239 f.; ~Friesen~, 2, 159 ff.; ~Tieck~, -Schriften, 11. Bd., LXXIII f.] - -[Fußnote 393: Romantische Schule, 472.] - -[Fußnote 394: ~Solger~, Nachgel. Schriften, 538 ff. Brief vom 24. März -1817.] - -[Fußnote 395: ~Tieck~, Schriften, 13, 323.] - -[Fußnote 396: ~Solger~, a. a. O., 538.] - -[Fußnote 397: Vgl. ~Friesen~, 2. Bd., 184.] - -[Fußnote 398: Ludwig ~Feuerbach~, Sämmtliche Werke, 4. Bd., 132.] - -[Fußnote 399: Vorrede zur „Morgenröthe“. Wenn Tieck in J. Böhme auch -„Dialektik, gründliche Forschung, Strenge der Folgerungen, kurz -philosophische Kraft und Kunst“ gefunden zu haben behauptet, so kann -dies kaum im gewöhnlichen Sinne dieser Ausdrücke zu verstehen sein. -Vgl. Schriften, 11, LXXIV.] - -[Fußnote 400: ~Tieck~, Schriften, 6. Bd., XIII.] - -[Fußnote 401: ~Tieck~, Schriften, 13. Bd., 323 ff.] - -[Fußnote 402: ~Novalis~, Schriften, 2. Bd., 36.] - -[Fußnote 403: Es ist unter den Jenaer romantischen Freunden immer nur -von Böhme und seiner „Morgenröthe“ die Sprache. Tauler und die anderen -Mystiker kamen wenigstens für Tieck erst später an die Reihe, und -so ist es erklärlich, dass sich in der „Genoveva“ von Tauler keine -deutliche Spur auffinden lässt.] - -[Fußnote 404: Benützt wurde für die folgende Untersuchung eine Ausgabe -der „Morgenröthe“ mit dem Titel: „Morgen-Röte im Aufgangk das ist: -Die Wurtzel oder Mutter der Philosophiae, Astrologiae und Theologiae, -Aus rechtem grunde. Oder Beschreibung der NATUR Wie Alles gewesen und -im anfangk worden ist: wie die Natur und Elementa Creatürlich worden -seind; auch von beyden qualitäten Bösen und Guten / woher alle Ding -seinen Vrsprung hat / und wie es am Ende dieser Zeit werden wird: auch -wie Gottes- und der Höllen-Reich beschaffen ist / und wie die Menschen -in jedes Creatirlich wirken. Alles aus Rechtem Grunde / in Erkentnus -des Geistes im wallen GOttes mit fleiß gestellet durch Jacob Böhmen In -Görlitz / im Jahr Christi 1612 seines Alters 37. Jahr / Dingstag in -Pfingsten. Gedruckt zu Amsterdam 1656“.] - -[Fußnote 405: Böhmes Lehren finden sich ausführlicher wiedergegeben -bei Ludwig ~Feuerbach~, Sämmtliche WW., 4, 131-183. Vgl. ~Zeller~, -Geschichte der deutschen Philosophie seit Leibniz, München 1875, 12 ff.] - -[Fußnote 406: ~Tieck~, Genoveva, 157 ff.] - -[Fußnote 407: ~Haym~, Romantische Schule, 630 f. In den „Grundzügen der -philosophischen Naturwissenschaft“ (Berlin 1806), worin Steffens seine -Naturphilosophie aphoristisch skizziert, heißt es in einem Fragmente, -S. 11: „Die Geschichte sowohl als die Natur sind geschlossene -Totalitäten; in beiden offenbart sich die ganze Totalität.“] - -[Fußnote 408: Morgenröthe, 198.] - -[Fußnote 409: Morgenröthe, 584.] - -[Fußnote 410: Ebd., 12, 503.] - -[Fußnote 411: Ebd., 12 ff.] - -[Fußnote 412: Ebd., 14.] - -[Fußnote 413: Ebd., 17.] - -[Fußnote 414: Vgl. auch „Locrine“ (Altenglisches Theater, II, 27).] - -[Fußnote 415: Vgl. noch Genoveva, 134, 5 ff. Octavian in ~Tieck~, -Schriften, 1, 52.] - -[Fußnote 416: Morgenröthe, 113 f.] - -[Fußnote 417: Ebd., 141 f.] - -[Fußnote 418: Ebd., 147 f.] - -[Fußnote 419: Ebd., 189 u. 198.] - -[Fußnote 420: Reden, 52.] - -[Fußnote 421: Morgenröthe, 45.] - -[Fußnote 422: ~Steffens~, Grundzüge der philosophischen -Naturwissenschaft, 19.] - -[Fußnote 423: Reden, 57; vgl. 88, 91, 95. Vgl. A.W. ~Schlegels~ -„Vorlesungen“ (Minor) II, 6. Schlegel überträgt hier obige -Betrachtungsweise auf Kunst und Literaturgeschichte. „Wer ein großes -poetisches Meisterwerk verstünde“, meint er, „würde die gesammte übrige -Poesie darin finden; denn wie in der Natur, so ist auch in der Kunst -jede ächte, vollständige und deutlich umgrenzte Einheit ein Spiegel des -großen Ganzen. Wiederum, wer die Poesie recht versteht, dem wird durch -sie der Geist der übrigen Künste in innerer Ahndung aufgehen, wenn es -ihm auch an Entwickelung des äußeren Organes dazu fehlt.“] - -[Fußnote 424: Morgenröthe, 77; vgl. 129, 134, 158, 186 f., 223 und -Vorrede.] - -[Fußnote 425: Ebd., 322; vgl. 423.] - -[Fußnote 426: ~Solger~, 539 f.] - -[Fußnote 427: Morgenröthe, 356; vgl. 386 ff.; ~Novalis~, Schriften, 2, -35 f.] - -[Fußnote 428: ~Tieck~, Genoveva, 160.] - -[Fußnote 429: Krit. Schriften, 1. Bd., 108; Phantasien, 27.] - -[Fußnote 430: Fast dieselbe geheime Weisheit, wie der „Unbekannte“ -besitzt auch der sternenkundige Ritter Emmerich in ~Tiecks~ „Melusina“, -Schriften, 13, 74 f.] - -[Fußnote 431: ~Tieck~, Genoveva, 242 ff.] - -[Fußnote 432: Morgenröthe, 17; vgl. 12, 15. Hieher gehören auch Golos -Worte, 270, 22 ff.] - -[Fußnote 433: Morgenröthe, 8 f., auch die „Vorrede“.] - -[Fußnote 434: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 1, 81 (Octavian).] - -[Fußnote 435: ~Tieck~, Genoveva, 245.] - -[Fußnote 436: Morgenröthe, 389; vgl. ~Tieck~, Schriften, 13, 323, und -~Novalis~, 2, 36.] - -[Fußnote 437: Reden, 91; vgl. Phantasien, 72.] - -[Fußnote 438: Vgl. Phantasien, 43.] - -[Fußnote 439: Morgenröthe, 15; vgl. ~Tieck~, Schriften, 4, 209, und 1, -137.] - -[Fußnote 440: Ebd., 132 f.] - -[Fußnote 441: Morgenröthe, 104 ff.; vgl. ~Tieck~, Schriften, 4, 211.] - -[Fußnote 442: Morgenröthe, 101.] - -[Fußnote 443: Ebd., 17.] - -[Fußnote 444: Ebd., 36.] - -[Fußnote 445: Ebd., 39.] - -[Fußnote 446: Ebd., 40 f. Vgl. ~Tieck~, Schriften, 1, 11. „Nur -Phantasie schaut in das ewge Weben...“] - -[Fußnote 447: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 11, 13.] - -[Fußnote 448: Morgenröthe, 305 f.] - -[Fußnote 449: Ebd., 494.] - -[Fußnote 450: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 1, 93 (Octavian); Phantasien, -39, 101.] - -[Fußnote 451: Morgenröthe, 100.] - -[Fußnote 452: 42 ff.] - -[Fußnote 453: ~Tieck~, Genoveva, 249.] - -[Fußnote 454: Morgenröthe, 106, 130, 142, 153, 167.] - -[Fußnote 455: Ebd., 17.] - -[Fußnote 456: Ebd., 10.] - -[Fußnote 457: Morgenröthe, 12; vgl. 51.] - -[Fußnote 458: ~Tieck~, Genoveva, 315 f.] - -[Fußnote 459: ~Friesen~, 2. Bd., 159.] - -[Fußnote 460: Morgenröthe, 44 ff.] - -[Fußnote 461: Morgenröthe, 519.] - -[Fußnote 462: Ebd., 280.] - -[Fußnote 463: Ebd., 236.] - -[Fußnote 464: ~Tieck~, Genoveva, 229, /13-14/.] - -[Fußnote 465: Ebd., 198, /13/. Vgl. 147, /16/; 151, /5/.] - -[Fußnote 466: Ebd., 267, /33/; 314, /7/.] - -[Fußnote 467: ~Förster~, Biographie und literarische Skizzen, 283.] - -[Fußnote 468: ~Novalis~, Schriften, 2. Bd., 36.] - -[Fußnote 469: Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 192 f.] - -[Fußnote 470: Schriften, 4, 171.] - -[Fußnote 471: WW., 7, 71 f.; vgl. Sternbald, 194 f.] - -[Fußnote 472: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220. Vgl. ~Solger~, -2. Bd., 502. Wackenroder ahnte „eine geheime Verwandtschaft der -Künste“, in denen allenthalben dieselbe göttliche Flamme wehe. -(Herzenserg., 78.) Sternbald glaubt auch, dass Musik, Poesie und -Malerei sich oft die Hand bieten und ein und dasselbe auf ihren Wegen -erreichen könnten. (Sternbald, 317; vgl. Phantasien, 91.) Der Roman -soll nach Fr. Schlegel „gemischt sein aus Erzählung, Gesang und -anderen Formen“. Erzählungen mit Gesang und Dramen mit Gesang werden -von A.W. Schlegel in der Recension der Tieck’schen „Volksmärchen“ -als möglich empfohlen. Die Vorbilder von Shakespeare und Calderon -treten neben „Wilhelm Meister“ und bald begegnet uns eine lange Reihe -von Erzählungen mit Gesang, Dramen mit Gesang und selbst Dramen mit -Erzählung und Gesang zugleich. Noch in späten Jahren glaubt Tieck, dass -die drei Hauptarten der Poesie „sich in allen Gattungen durchdringen -können, wenn auch die eine immer die Basis bleiben muss“. (Einleitung -zu Lenz, XXV; vgl. Schriften, 10, 251.)] - -[Fußnote 473: Vgl. Tiecks Bemerkung über Goethes „Egmont“ in der -Einleitung zu Lenz, XXXV f. Zu erinnern wäre andererseits an „Faust“, -2. Theil.] - -[Fußnote 474: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220, 366 f.] - -[Fußnote 475: ~A.W. Schlegel~, WW., 8, 24; vgl. ~Haym~, 255, und -~Tieck~, Schriften, 4, 361.] - -[Fußnote 476: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220.] - -[Fußnote 477: Ebd., 369. Vgl. ~Bernhardi~, Archiv der Zeit, 1800, 460 -f. Die Poesie des Krieges erörtert Novalis im „Ofterdingen“ (I, 111), -und das Morgenland begegnet uns dort gleichfalls (I, 47 und 109).] - -[Fußnote 478: Schon früh nährte Tieck seine Neigung zum Sanften, -Schäferlichen durch alte und neue Schäferdichtungen, vgl. ~Holtei~, -Dreihundert Briefe, 4, 41, 62. Die Schäferscene am Schluss der -„Magelone“ ist „seiner Imagination angenehmer“ als die Spitalscene. -„Phantasus“ in Schriften, 4, 358. Vgl. „Phantasien“ 16, und „Zerbino“, -Schriften, 10, 245: „Sternbald“, 366 f.; „Octavian“, Schriften, 1, 6 -ff.] - -[Fußnote 479: ~A.W. Schlegel~, WW., 6, 162 f. Hier haben wir uns zu -erinnern an alles, was Wackenroder, Fr. Schlegel, Schleiermacher, -Novalis und Tieck über die Verwandtschaft von Religion und Poesie -sagen. Vom Traum behauptet A.W. Schlegel, er sei „ein sehr poetisches -Element und die Poesie, wohl eingedenk, daß sie selbst nur ein schöner -Traum sey, hegt und pflegt ihn“. (Vorlesungen, ed. Minor, II, 72.) Über -die Poesie des Aberglaubens und der Astrologie vgl. ebd. S. 61 f. und -S. 73, und ~J. Paul~, „Vorschule der Aesthetik“, V. Programm, § 24.] - -[Fußnote 480: A.W. Schlegel, WW., 6, 161 und 163; ~Bernhardi~, Archiv -der Zeit, 460. Die Naturtöne der Liebe, des Schmerzes und der Sehnsucht -bewundert Tieck im „Faust“ (Schriften, 11, LXIII); vgl. „Phantasien“, -57, 58, 72. Florestans Worte im „Sternbald“, 283. „Poesie ist -Gemüthserregungskunst“ sagt ~Novalis~, II, 163. Über die Ahnung eine -Bemerkung Tiecks in Einleitung zu Lenz, L.] - -[Fußnote 481: ~A.W. Schlegel~, Vorlesungen (Minor), II, 84.] - -[Fußnote 482: Tieck, Einleitung zu Lenz, XXV; vgl. das Gedicht -„Phantasie“ im „Sternbald“, 368 ff.] - -[Fußnote 483: ~Merkel~, Briefe an ein Frauenzimmer über die wichtigsten -Producte der schönen Literatur, Berlin 1800, 1. Bd., 21. Vgl. ~Nicolai~ -in der „Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek“, Berlin und Stettin -1801, LVIII, S. 352. Über die „Romantische Universalpoesie“ vgl. noch -~Tieck~, Schriften, 4, 360 f. ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 225, -242, 244, 338, 371, 382.] - -[Fußnote 484: Vorlesungen (Minor), II, 69; vgl. WW., 6, 157; vgl. die -etwas unklaren Gedanken Tiecks vom Beherrschen der Gedankenheere durch -die Vernunft in den „Phantasien“, 90.] - -[Fußnote 485: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 373.] - -[Fußnote 486: ~Tieck~, Krit. Schriften, 1. Bd., 44; Herzenserg., 19 -f.; Phantasien, 55; „Phantasus“, Schriften, 4, 95; vgl. „Zerbino“, -Schriften, 10, 5 f.; „Sternbald“, 117; vgl. auch ~Novalis~, II, 170; -~A.W. Schlegel~, Vorlesungen (Minor), II, 72.] - -[Fußnote 487: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 221; vgl. 192, 14 -ff; 197, 8 ff. Vgl. ~Novalis~, II, 169.] - -[Fußnote 488: Schriften, 10, 311.] - -[Fußnote 489: ~Tieck~, Genoveva, 231.] - -[Fußnote 490: WW., 6. Bd., 163.] - -[Fußnote 491: Vgl. ~Bernhardi~, Archiv der Zeit, 468.] - -[Fußnote 492: ~Tieck~, Schriften, 4, 361.] - -[Fußnote 493: Vgl. ~Bernhardi~, Archiv der Zeit, 459.] - -[Fußnote 494: ~Tieck~, Schriften, 5, 153 f.] - -[Fußnote 495: Ebd., 1. Bd., XXIX; vgl. ~Solger~, 1, 501.] - -[Fußnote 496: Archiv der Zeit, 460 ff.] - -[Fußnote 497: Archiv der Zeit, 469.] - -[Fußnote 498: Einleitung zu Lenz, IX.] - -[Fußnote 499: Fr. ~Schlegel~ (Minor), II, 370.] - -[Fußnote 500: ~Tieck~, Genoveva, 128, /30/, 316, 321, /20/.] - -[Fußnote 501: Ebd., 316.] - -[Fußnote 502: Ebd., 171, /15/, 278, /34 f./] - -[Fußnote 503: Ebd., 118, 127, /29/, 171, /9/, 176, /28/, 255, 260, 288, -/15/, 301, /27/, 320.] - -[Fußnote 504: Ebd., 111, 122, /2/, 134, 135, 176, /8/, 217, /38/, 234.] - -[Fußnote 505: Ebd., 138, 143, /29/, 167, /25/, 169, 206, /18/, /38/, -210, /15/, 211, /4/, 224, /2/, 260, 263, 271, /27/, 272, /28/, 275 ff., -298, 303, 305, /33 f./, 314 f.] - -[Fußnote 506: Ebd., 119, /30 ff./, 128, /7/, 214 f., 217, /38/.] - -[Fußnote 507: Ebd., 128, /34/, 221, /23/, 224, /1/, 253, /34/, 254, -/1/, 274, /13/, 285, /25/, 298, /32/, 315, /30/, 322, /15 ff./ Die -Heiligenverehrung, der Mariencultus (109, /22/, 147, /25/, 285) -begegnen uns zwar in der „Genoveva“, aber keineswegs so stark betont, -als man bei einer absichtlich katholisierenden Dichtung wohl erwarten -möchte.] - -[Fußnote 508: Ebd., 111, /23/, 143, /18 ff./, 144, 147, 158, 176, 220, -226, 235, 256 ff., 264, 281, 282, /2/, 293, 309, 311, 315.] - -[Fußnote 509: ~Tieck~, Genoveva, 172, 253, 260, 263, 272 ff., 287, 292, -317 f.] - -[Fußnote 510: Ebd., 117, 211, 301.] - -[Fußnote 511: Ebd., 108, 111, 125 ff., 128 f., 143, 158, 197, 213, 217, -219, 237, 249, 280 ff.] - -[Fußnote 512: Ebd., 142 f., 159 f.] - -[Fußnote 513: Ebd., 135, 162, 172, 211, 268, 277 ff.] - -[Fußnote 514: Ebd., 131 f., 136, 186.] - -[Fußnote 515: Ebd., 109, 169, 178, 321 f.] - -[Fußnote 516: Ebd., 144, 209, 225, 309, 314, 326.] - -[Fußnote 517: Ebd., 110, 255, 269, 273, /14 f./, 274, /25/, 276, 286, -310.] - -[Fußnote 518: Ebd., 208, 212 f., 218, 231, 259, 279, 286, 313, 315.] - -[Fußnote 519: Ebd., 277, 319.] - -[Fußnote 520: Ebd., 323.] - -[Fußnote 521: ~Tieck~: Genoveva, 131, /28 f./, 134, 139, /36/, 159 ff., -172, /9/, 175, /9/, 196, /10/, 210, /32/, 242, /12 ff/., 245, /2/, 261, -/3/, 270, /22 ff/., 289, /23 f/., 293, /14 ff/.] - -[Fußnote 522: Ebd., 240, 241 ff.] - -[Fußnote 523: Ebd., 126 ff.] - -[Fußnote 524: Archiv der Zeit, 467.] - -[Fußnote 525: Genoveva, 176, 20 ff., 177, 11 ff.] - -[Fußnote 526: A.W. ~Schlegel~, WW., 11. Bd., 145; vgl. ~Solger~, 1. -Bd., 397. ~Tieck~, Schriften, 1, XVI, und ~Tieck~, Schriften, 6, XX.] - -[Fußnote 527: Vgl. Archiv der Zeit, 464.] - -[Fußnote 528: Bernhardi findet am Schicksalsmäßigen nichts auszusetzen. -Archiv der Zeit, 463.] - -[Fußnote 529: Im „Octavian“ wird Mahomets Bildnis verunehrt, weil es -nicht Hilfe bringt.] - -[Fußnote 530: Recension im „Archiv der Zeit“, 1800.] - -[Fußnote 531: ~Solger~, Nachgel. Schriften, 1. Bd., 502.] - -[Fußnote 532: Archiv der Zeit, 467.] - -[Fußnote 533: ~Hettner~, Die romantische Schule, 156 f. ~Haym~, 477 f.; -vgl. ~Solger~, 1. Bd., 301, 453 ff.] - -[Fußnote 534: Romantische Schule, 155.] - -[Fußnote 535: ~Tieck~, Genoveva, 116, /5/, 148, /7/, 159, /14/, 184, -/15/, 204, /13/, 208, /15/.] - -[Fußnote 536: Frl. ~Poppenberg~, Zacharias Werner, Berlin 1893, S. 19.] - -[Fußnote 537: Vgl. ~Minor~, Die Schicksalstragödie in ihren -Hauptvertretern, Frankfurt 1883, S. 61.] - -[Fußnote 538: Julian ~Schmidt~, Geschichte der deutschen Litteratur, 4. -Bd., 357. Vgl. ~Tieck~, Schriften. 11, LXXI.] - -[Fußnote 539: Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stück, 42 f.] - -[Fußnote 540: Sternbald, 196. Vgl. ~Tieck~, Krit. Schriften, 1. Bd., -30; 4. Bd., 4 ff. ~Friesen~, 1. Bd., 172 ff. A.W. ~Schlegel~, WW., 6. -Bd., 4.] - -[Fußnote 541: ~Tieck~, Genoveva, 183, 203.] - -[Fußnote 542: Ebd., 204 ff.] - -[Fußnote 543: Ebd., 310.] - -[Fußnote 544: ~Tieck~, Genoveva, 170.] - -[Fußnote 545: Ebd., 132, /13./] - -[Fußnote 546: Ebd., 132, /11./] - -[Fußnote 547: Ebd., 165, /19./] - -[Fußnote 548: Ebd., 136.] - -[Fußnote 549: Ebd., 119, /19./] - -[Fußnote 550: Ebd., 214 f.] - -[Fußnote 551: Ebd., 297.] - -[Fußnote 552: Ebd., 116, /15./] - -[Fußnote 553: Ebd., 170, 214.] - -[Fußnote 554: Ebd., 310.] - -[Fußnote 555: Ebd., 137, /8./] - -[Fußnote 556: Vgl. S. 88.] - -[Fußnote 557: ~Tieck~, Schriften, 4. Bd., 74 („Phantasus“).] - -[Fußnote 558: Die Schilderung des Tanzes der Genoveva ist in der That -jener der tanzenden Laura im „Sternbald“ (397) verwandt!] - -[Fußnote 559: ~Köpke~, L. Tieck, 1. Bd., 139.] - -[Fußnote 560: ~Köpke~, a. a. O., 139; vgl. ~Friesen~, 2. Bd., 136.] - -[Fußnote 561: ~Köpke~, 1. Bd., 140; vgl. „Phantasus“ in den Schriften, -4, 113.] - -[Fußnote 562: ~Köpke~, 1. Bd., 142 f.] - -[Fußnote 563: Tiecks Worte bei ~Friesen~, 2. Bd., 138.] - -[Fußnote 564: ~Köpke~, 1. Bd., 163 f.] - -[Fußnote 565: ~Tieck~, Schriften, 4, 89.] - -[Fußnote 566: Vgl. „Phantasus“ in den Schriften, 4. Bd., 18, 57 f., 77 -ff., 83 f., 85 f., 106, 127 f.] - -[Fußnote 567: Tieck, Krit. Schriften. 1. Bd., 82 f.; vgl. Phantasien, -43. Sternbald, 299 f. ~Novalis~, I, 103; II, 75.] - -[Fußnote 568: ~Tieck~, Genoveva, 122.] - -[Fußnote 569: ~Tieck~, Genoveva, 160 f.] - -[Fußnote 570: Ebd., 163, /17 ff./] - -[Fußnote 571: Solche antike Vorstellungen (Hydra, Fortuna u. s. w.) zu -verwerten, wurde Tieck durch das englische Renaissancedrama veranlasst. -Vgl. „Locrine“, Altenglisches Theater, II, 53, 54, 63, 78.] - -[Fußnote 572: Genoveva, 194 ff.] - -[Fußnote 573: ~Tieck~, Genoveva, 252; für das Weitere, 254 ff.] - -[Fußnote 574: ~Tieck~, Genoveva, 188, /8./] - -[Fußnote 575: Ebd., 248, /19/; 289, /22/; 319, /13 f./] - -[Fußnote 576: ~Tieck~, Genoveva, 196; vgl. 242, 270, 289. Über die -freundliche und unheimliche Seite der Natur in Tiecks Auffassung vgl. -„Phantasien“, 26, 79, und „Phantasus“ in Schriften, 4. Bd., 127 ff., -142 ff., 283.] - -[Fußnote 577: Genoveva, 278, /35./] - -[Fußnote 578: Ebd., 316, /3 f./] - -[Fußnote 579: Ebd., 263, /23, 35 ff./; 317, 15 /ff./] - -[Fußnote 580: ~Novalis~, Schriften, 2. Bd., 130.] - -[Fußnote 581: Ähnlich „Sternbald“, 131.] - -[Fußnote 582: ~Tieck~, Genoveva, 165, /34./] - -[Fußnote 583: Ebd., 176 f.; 193, /29/; 200, /34./] - -[Fußnote 584: Ebd., 201, /9 ff./; vgl. ~Tieck~, Schriften, 10, 73.] - -[Fußnote 585: Tieck, Genoveva, 177, ~9 ff.~] - -[Fußnote 586: Ebd., 289 ff.; vgl. ~Holtei~, Dreihundert Briefe, 4, 50.] - -[Fußnote 587: ~Tieck~, Genoveva, 165, /23 f./] - -[Fußnote 588: Ebd., 231.] - -[Fußnote 589: ~Tieck~, Genoveva, 109 ff., 320.] - -[Fußnote 590: Ebd., 244, /21./] - -[Fußnote 591: Ebd., 244 f.] - -[Fußnote 592: Ebd., 318.] - -[Fußnote 593: Ebd., 164 f.] - -[Fußnote 594: Ebd., 232.] - -[Fußnote 595: Ebd., 209.] - -[Fußnote 596: Ebd., 249.] - -[Fußnote 597: Ebd., 288 ff.] - -[Fußnote 598: ~Tieck~, Genoveva, 315 f.] - -[Fußnote 599: Ebd., 161 f.] - -[Fußnote 600: Ebd., 174.] - -[Fußnote 601: Ebd., 316.] - -[Fußnote 602: Ebd., 162.] - -[Fußnote 603: Ebd., 169.] - -[Fußnote 604: ~Tieck~, Genoveva, 254 f.] - -[Fußnote 605: Ebd., 163.] - -[Fußnote 606: Ebd., 239.] - -[Fußnote 607: Ebd., 220.] - -[Fußnote 608: Ebd., 174, /3./] - -[Fußnote 609: Ebd., 203, /35./] - -[Fußnote 610: Ebd., 296, /34 f./] - -[Fußnote 611: Ebd., 193, /15./] - -[Fußnote 612: Ebd., 196, /7./] - -[Fußnote 613: Ebd., 205, /19./] - -[Fußnote 614: Ebd., 215, /35./] - -[Fußnote 615: Ebd., 213, /16./] - -[Fußnote 616: Ebd., 203, /3./] - -[Fußnote 617: Ebd., 211, /28./] - -[Fußnote 618: Ebd., 193, /3 ff./] - -[Fußnote 619: ~Tieck~, Kritische Schriften, 1. Bd., 82; vgl. ~Holtei~, -Dreihundert Briefe, 4, 90.] - -[Fußnote 620: ~Tieck~, Genoveva, 231.] - -[Fußnote 621: Vorschule der Ästhetik, V, § 25.] - -[Fußnote 622: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 1. Bd., 305.] - -[Fußnote 623: ~Koberstein~, Vermischte Aufsätze zur Literaturgeschichte -und Ästhetik, Leipzig 1858, S. 7.] - -[Fußnote 624: Schriften, 10. Bd., 196.] - -[Fußnote 625: ~Solger~, a. a. O., 1. Bd., 501.] - -[Fußnote 626: Genoveva, 115, 131, 272 ff., 314, 322.] - -[Fußnote 627: Ebd., 181.] - -[Fußnote 628: Ebd., 136, 164 ff., 187 ff., 199 ff.] - -[Fußnote 629: Ebd., 138, 172 ff., 176 f., 211 ff., 216 f., 262 ff., 278 -ff., 284 ff., 315 f.] - -[Fußnote 630: Vgl. die Schilderung Leonardos in „Herzensergießungen“, -65.] - -[Fußnote 631: Wird von Bernhardi gelobt.] - -[Fußnote 632: ~Tieck~, Genoveva, 190, /13 ff./] - -[Fußnote 633: Ebd., 191, /34 ff./] - -[Fußnote 634: WW., 11, 138.] - -[Fußnote 635: Briefe an ein Frauenzimmer, 26.] - -[Fußnote 636: Nachgel. Schriften, 1. Bd., 501.] - -[Fußnote 637: Leipzig 1878.] - -[Fußnote 638: ~Petrich~, 26 ff.] - -[Fußnote 639: Genoveva, 173 f., 315 f.] - -[Fußnote 640: Ebd., 211 ff.] - -[Fußnote 641: Ebd., 301, 310.] - -[Fußnote 642: Ebd., 138; vgl. 143, 167, 206, 255.] - -[Fußnote 643: Ebd., 152; vgl. 169, 210.] - -[Fußnote 644: Genoveva, 111; vgl. 277 ff.] - -[Fußnote 645: Ebd., 135.] - -[Fußnote 646: Ebd., 211 ff.] - -[Fußnote 647: Ebd., 110 f.] - -[Fußnote 648: Ebd., 284.] - -[Fußnote 649: Ebd., 286.] - -[Fußnote 650: Ebd., 313.] - -[Fußnote 651: Ebd., 314.] - -[Fußnote 652: Ebd., 317.] - -[Fußnote 653: Ebd., 320.] - -[Fußnote 654: Vgl. ~Petrich~, 101 ff.] - -[Fußnote 655: ~Tieck~, Genoveva, 174, /33/.] - -[Fußnote 656: Ebd., 174, /35/.] - -[Fußnote 657: Ebd., 277, /5/, 275, /7/, 275, /29/.] - -[Fußnote 658: Ebd., 174, /17 f./] - -[Fußnote 659: Ebd., 174, /25/.] - -[Fußnote 660: Ebd., 174, /35/.] - -[Fußnote 661: Ebd., 175, /3/, 288, /6 ff./] - -[Fußnote 662: ~Tieck~, Genoveva, 264.] - -[Fußnote 663: Ebd., 277 ff.] - -[Fußnote 664: Ebd., 280.] - -[Fußnote 665: Ebd., 271 f.] - -[Fußnote 666: Vgl. Krit. Schriften, 4, 154.] - -[Fußnote 667: ~Tieck~, Genoveva, 289.] - -[Fußnote 668: ~Tieck~, Schriften, 11, LXII ff.] - -[Fußnote 669: Vgl. ~Petrich~, 47 ff.] - -[Fußnote 670: ~A.W. Schlegel~, WW., 10. Bd., 183. Auch Novalis verlangt -für eine romantische Dichtung eine „gewisse Alterthümlichkeit des -Stiles“. (Schriften, 3, 236.)] - -[Fußnote 671: Wie nahe sich die Gedanken der Romantiker mit denen -berühren, die Herder, der Theoretiker der Sturm- und Drangzeit, in den -„Fragmenten zur deutschen Litteratur“ aussprach, liegt auf der Hand.] - -[Fußnote 672: ~Tieck~, Schriften, 11. Bd., XLII.] - -[Fußnote 673: Diese Meinung wird noch durch den Umstand bestärkt, dass -Tieck auch in den späteren Neuausgaben fast alles stehen ließ, wie es -in der ersten Ausgabe stand.] - -[Fußnote 674: Kühler urtheilt er hierüber nach zehn Jahren in der -Vorrede zum „Altenglischen Theater“, II, XIII.] - -[Fußnote 675: Vgl. E. ~Schmidt~, Richardson, Rousseau und Goethe, Jena -1875, S. 258 und 274.] - -[Fußnote 676: ~Solger~, a. a. O., 1. Bd., 8.] - -[Fußnote 677: ~Tieck~, Genoveva, 122.] - -[Fußnote 678: Ebd., 289.] - -[Fußnote 679: ~Tieck~, Genoveva, 160 ff.; vgl. 133, 196 f.] - -[Fußnote 680: ~Tieck~, Genoveva, 198 f.] - -[Fußnote 681: Ebd., 244.] - -[Fußnote 682: ~Tieck~, Schriften, 4. Bd., 191.] - -[Fußnote 683: ~Tieck~, Genoveva, 160 f.] - -[Fußnote 684: Ebd., 142 ff.] - -[Fußnote 685: Ebd., 140.] - -[Fußnote 686: ~Tieck~, Genoveva, 131 f.] - -[Fußnote 687: Ebd., 162.] - -[Fußnote 688: Ebd., 164.] - -[Fußnote 689: Ebd., 166.] - -[Fußnote 690: Ebd., 182 f.] - -[Fußnote 691: Ebd., 220 ff; vgl. 225 f., 264.] - -[Fußnote 692: A.W. ~Schlegel~, WW., 6. Bd., 163. Vgl. ~Novalis~, II, -165. Für die übrigen Romantiker ~Petrich~, 123.] - -[Fußnote 693: A.W. ~Schlegel~, WW., 8. Bd., 14.] - -[Fußnote 694: ~Tieck~, Genoveva, 172.] - -[Fußnote 695: ~Minor~, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220.] - -[Fußnote 696: ~Tieck~, Genoveva, 190, /4 ff./, 198, /19/, 199, /12/, -211, /35/, 243, /8 f./, 304, /7 f./] - -[Fußnote 697: Ebd., 277, /9 f./] - -[Fußnote 698: Genoveva, 188, /15 f./, 194, /8 f./, 200, /18 ff./, 277, -/5 f./] - -[Fußnote 699: Ebd., 135, /30/, 273, /24/, 281, /14/, 288, /11./] - -[Fußnote 700: ~Tieck~, Genoveva, 186, /11/, 200, /32/, 225, /37/, 247, -/4/, 289, /23/.] - -[Fußnote 701: Die Abendwinde spielen, die Morgenröthe spielt, neues -Leben spielt, der Mondschein spielt, Sommerlüftchen spielen, in -„oberirdischen Lüften ein spielendes Bewegen“ u. dgl.] - -[Fußnote 702: ~Tieck~, Genoveva, 171, /22/, 136, /5/, 194, /33/, 267, -/7/, 274, /20./] - -[Fußnote 703: Ebd., 110 f.] - -[Fußnote 704: Ebd., 122, /29 ff./, 135, 161 f., 182 f., 188, 219, 235.] - -[Fußnote 705: ~Tieck~, Genoveva, 111, 122, 154, 182, 219.] - -[Fußnote 706: Ebd., 161 f.] - -[Fußnote 707: Ebd., 135.] - -[Fußnote 708: Ebd., 108, 113, 120, 127, 128, 132, 140, 141 u. ö.] - -[Fußnote 709: Vgl. A.W. ~Schlegel~, WW., 12. Bd., 272; 11. Bd., 384.] - -[Fußnote 710: Z. B. Genoveva, 110, /24 ff./, 148, /5 ff./, 199, /5 ff./, -306, /6 ff./] - -[Fußnote 711: Genoveva, 117, 213.] - -[Fußnote 712: Ebd., 131 ff.] - -[Fußnote 713: Ebd., 179 ff., 191 ff.] - -[Fußnote 714: ~Solger~, a. a. O., 501.] - -[Fußnote 715: ~Tieck~, Schriften, 10. Bd., 319 („Zerbino“).] - -[Fußnote 716: ~Novalis~, Schriften, 2. Bd., 32.] - -[Fußnote 717: A.W. ~Schlegel~, WW., 8, 15.] - -[Fußnote 718: ~Solger~, a. a. O., 501.] - -[Fußnote 719: ~Solger~, a. a. O., 501.] - -[Fußnote 720: A.W. ~Schlegel~, WW., 7. Bd., 27 ff.] - -[Fußnote 721: ~Tieck~, Krit. Schriften, 1. Bd., 108 f. Vgl. ~A.W. -Schlegel~, Vorlesungen (Minor), II, 10.] - -[Fußnote 722: ~Tieck~, Genoveva, 109 ff.] - -[Fußnote 723: Ebd., 123 ff.] - -[Fußnote 724: ~Tieck~, Genoveva, 131 f.] - -[Fußnote 725: Ebd., 178.] - -[Fußnote 726: Ebd., 240 f. Zu vgl. noch 235, 280, 288, 307 f., 311, -313.] - -[Fußnote 727: Ebd., 239 f.] - -[Fußnote 728: Ebd., 223 ff.] - -[Fußnote 729: Dorothea Schlegel, hrg. v. ~Raich~, 1. Bd., 25.] - -[Fußnote 730: Ebd., 25, und Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 146.] - -[Fußnote 731: Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 161, 165; vgl. -Dorothea Schlegel, 1. Bd., 26.] - -[Fußnote 732: WW., 11. Bd., 384; 12. Bd., 272.] - -[Fußnote 733: Ebd., 12. Bd., 251.] - -[Fußnote 734: Ebd., 12. Bd., 256.] - -[Fußnote 735: ~Tieck~, Genoveva, 111, 138, 143 f., 152, 176 f., 212, -263, 287 f., 298, 305.] - -[Fußnote 736: Ebd., 173 f., 313 f.] - -[Fußnote 737: Ebd., 156, 224 f.] - -[Fußnote 738: Ebd., 160.] - -[Fußnote 739: Ebd., 183, 194 f., 197, 198.] - -[Fußnote 740: Ebd., 122.] - -[Fußnote 741: Ebd., 117.] - -[Fußnote 742: Ebd., 271 ff.] - -[Fußnote 743: ~Tieck~, Schriften, 11. Bd., LIX.] - -[Fußnote 744: Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 192.] - -[Fußnote 745: ~Tieck~, Genoveva, 813 ff, 320 f.] - -[Fußnote 746: Ebd., 278 ff.] - -[Fußnote 747: Ebd., 284 ff., 306.] - -[Fußnote 748: Ebd., 165 f.] - -[Fußnote 749: Vgl. ~Welti~, Geschichte des Sonettes in der deutschen -Dichtung, Leipzig 1884, 162 ff., 176 ff., und Schlegels Vorlesung über -das Sonett im Anhange daselbst.] - -[Fußnote 750: Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe, Stuttgart, -Spemann, 2. Bd., S. 46. Dante singt nach Tieck „in prophetischen, -wunderbar verschlungenen Terzinen seine Dichtung, nirgend ein -Stillstand, nirgend wo die Pracht der gewaltigen Verse aufhörte...“ -Phantasien, 27.] - -[Fußnote 751: ~Tieck~, Genoveva, 140, 145, 153.] - -[Fußnote 752: Tieck liebt das Spiel mit gehäuften Reimen auch sonst, -schon bloß des musikalischen Klanges wegen. (Schäferlied, Zulmas -Monolog, Golos Lieder.) Vgl. A. ~Kerr~, Godwi, 99 ff., und ~Tieck~, -Schriften, 13, 310 ff.] - -[Fußnote 753: WW., 7, 41.] - -[Fußnote 754: ~Tieck~, Genoveva, 167.] - -[Fußnote 755: Ebd., 223.] - -[Fußnote 756: Ebd., 228 ff.] - -[Fußnote 757: Ebd., 254 ff.; vgl. 260 ff., 264 ff., 268, 289 ff., 293 -ff.] - -[Fußnote 758: Ebd., 253 f.] - -[Fußnote 759: Ebd., 234.] - -[Fußnote 760: Ebd., 316 f.] - -[Fußnote 761: Ebd., 202 ff.] - -[Fußnote 762: Ebd., 145 ff.] - -[Fußnote 763: A.W. ~Schlegel~, WW., 7. Bd., 41 f.] - -[Fußnote 764: A.W. ~Schlegel~, WW., 7. Bd., 43.] - -[Fußnote 765: ~Tieck~, Genoveva, 119, 128, 129, 145, 146, /5 ff./, 151, -/25 f./, 152, 156, 201, 267, 283.] - -[Fußnote 766: Ebd., 146, 149, 184, 185, 202, 244, 254, 264, 266, 270, -312, 317.] - -[Fußnote 767: Auffallend ist das Fehlen der Schlussreime von S. 211 in -der gleichen Situation wie S. 152.] - -[Fußnote 768: ~Tieck~, Genoveva, 132.] - -[Fußnote 769: Ebd., 167 f.; vgl. 181 f.; 211.] - -[Fußnote 770: Ebd., 218 ff.; vgl. 241 f.] - -[Fußnote 771: Archiv der Zeit, a. a. O., 470.] - -[Fußnote 772: Vgl. ~Solger~, 1. Bd., 501, und ~Tieck~, Schriften, 1. -Bd., XXXII.] - -[Fußnote 773: Vgl. ~Seuffert~, Maler Müller, 147 ff.] - -[Fußnote 774: WW., 8, 143 f.] - -[Fußnote 775: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXX.] - -[Fußnote 776: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 3. Bd., 362.] - -[Fußnote 777: A.W. ~Schlegel~, WW., 6. Bd., 158; vgl. „Europa“, 1. Bd., -2. St., 74.] - -[Fußnote 778: Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 171.] - -[Fußnote 779: „Europa“, 1. Bd., 1. St., 57.] - -[Fußnote 780: WW., 10. Bd., 20.] - -[Fußnote 781: „Europa“, 2. Bd., 95 ff.] - -[Fußnote 782: A.W. ~Schlegel~, WW., 1. Bd., 867.] - -[Fußnote 783: Ebd., 8. Bd., 146 f.] - -[Fußnote 784: Ebd., 6. Bd., 431, und 11. Bd., 145.] - -[Fußnote 785: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 2. Bd., 363 f.] - -[Fußnote 786: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 1. Bd., 312.] - -[Fußnote 787: Geschichte der poetischen Litteratur Deutschlands, -Paderborn 1866, 2. Theil, S. 68.] - -[Fußnote 788: ~Holtei~, Briefe an Tieck, 1. Bd., 136.] - -[Fußnote 789: Ebd., 3. Bd., 174.] - -[Fußnote 790: Ebd., 2. Bd., 187.] - -[Fußnote 791: ~Solger~, 1. Bd., 465 ff. Tiecks Antwort, 500 ff.] - -[Fußnote 792: Vgl. die Tagebuchnotiz im 1. Bd., S. 7 f.] - -[Fußnote 793: Schriften, 1. Bd., XXXI.] - -[Fußnote 794: „Was ich erlebte“, 4. Bd., 389.] - -[Fußnote 795: Schriften, 1. Bd., XXXII.] - -[Fußnote 796: Vgl. ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXXII; ~Köpke~, L. -Tieck, 1. Bd., 260; ~Holtei~, Briefe an Tieck, 1. Bd., 241 f.; „Vierzig -Jahre“, Breslau 1845, 5. Bd., 61. Schriften der Goethe-Gesellschaft, -13. Bd., XLIV.] - -[Fußnote 797: Schillers Briefwechsel mit Körner, hrg. v. ~Gödecke~, -Leipzig 1874, 2. Theil, 362.] - -[Fußnote 798: Ebd., 364.] - -[Fußnote 799: ~Tieck~, Schriften, 1. Bd., XXX f.] - -[Fußnote 800: Neue allgemeine deutsche Bibliothek, 58. Bd., 352 ff. -(1801).] - -[Fußnote 801: Briefe, 4. Bd., 98 ff., 232, 552.] - -[Fußnote 802: Genoveva, 183, /2-3/, 223, /7-8/, 239, /7./] - -[Fußnote 803: Ebd., 210.] - -[Fußnote 804: Ebd., 255 und 307 f.] - -[Fußnote 805: Ebd., 233, /25-33/, 243, /18-20./] - -[Fußnote 806: Vgl. G.L. ~Klee~, Tiecks Werke, 1. Bd., 175 ff. -~Poppenberg~, Zacharias Werner, 63 ff. ~Minor~, Die Schicksalstragödie, -10 ff.] - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Ludwig Tiecks Genoveva, als -romantische Dichtung betrac, by Johann Ranftl - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LUDWIG TIECKS GENOVEVA, ALS *** - -***** This file should be named 50296-0.txt or 50296-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/2/9/50296/ - -Produced by Karl Eichwalder, Chuck Greif, Reiner Ruf, and -the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned -images of public domain material from the Google Books -project.) - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - diff --git a/old/50296-0.zip b/old/50296-0.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 5f6c768..0000000 --- a/old/50296-0.zip +++ /dev/null diff --git a/old/50296-h.zip b/old/50296-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 5d6a2d0..0000000 --- a/old/50296-h.zip +++ /dev/null diff --git a/old/50296-h/50296-h.htm b/old/50296-h/50296-h.htm deleted file mode 100644 index da4e2e0..0000000 --- a/old/50296-h/50296-h.htm +++ /dev/null @@ -1,14483 +0,0 @@ -<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" - "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> -<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de"> - <head> - <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> - <meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css" /> - <title> - The Project Gutenberg eBook of Ludwig Tiecks Genoveva, by Johann Ranftl. - </title> - <link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> - <style type="text/css"> - -body { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; -} - -div.frontmatter { - margin: 5% auto 5% auto; - page-break-after: always;} - -div.index { - margin-left: 5%; - margin-right: 20%; - padding-left: 2em;} - -div.index p b {font-size: 115%; font-family: sans-serif,serif;} - -div.chapter {page-break-before: always;} - - h1,h2,h3,h4,.s0,.s1,.s3,.s4,.s5 { - text-align: center; - font-weight: normal; - clear: both; -} - -.antiqua { - font-size: 75%; - vertical-align: -10%;} - -.sans {font-family: sans-serif, serif;} - - .s0 {font-size: 250%;} - h1,.s1 {font-size: 220%;} - h2 {font-size: 150%;} - h3,.s3 {font-size: 130%;} - h4,.s4 {font-size: 110%;} - .s5 {font-size: 90%;} - - h2 {line-height: 1.5em;} - h3 {line-height: 1.3em;} - h4 {margin-top: 1.5em;} - -p { - margin-top: .51em; - text-align: justify; - margin-bottom: .49em; -} - -p.initial:first-letter { - font-size: 200%;} - -.p4 {margin-top: 4em;} -.p6 {margin-top: 6em;} - -.mtop1 {margin-top: 1em;} -.mtop15 {margin-top: 1.5em;} -.mtop2 {margin-top: 2em;} -.mtop3 {margin-top: 3em;} -.mbot05 {margin-bottom: 0.5em;} -.mbot1 {margin-bottom: 1em;} -.mbot15 {margin-bottom: 1.5em;} -.mbot2 {margin-bottom: 2em;} -.mbot3 {margin-bottom: 3em;} -.mleft1 {margin-left: 1em;} -.mleft2 {margin-left: 2em;} -.mleft4 {margin-left: 4em;} -.mleft5 {margin-left: 5em;} -.mleft7 {margin-left: 8em;} -.mleft85 {margin-left: 8.5em;} -.mleft98 {margin-left: 9.8em;} -.mleft12 {margin-left: 13em;} -.mleft16 {margin-left: 16em;} -.mright2 {margin-right: 2em;} - -hr { - width: 33%; - margin-top: 2em; - margin-bottom: 2em; - margin-left: auto; - margin-right: auto; - clear: both; - height: 0.05em;} - -hr.tb { - width: 35%; - margin: 0 32.5% 0 32.5%;} -hr.chap { - width: 65%; - margin: 2em 17.5% 2em 17.5%;} -hr.full { - width: 95%; - margin: 0 2.5% 0 2.5%;} - -table { - margin-left: auto; - margin-right: auto; -} - -table.toc {font-size: 90%} - -table .pgnum { - vertical-align: top; - text-align: left;} - - .padtb03 {padding: 0.3em 0 0.3em 0;} - .padlr03 {padding: 0 0.3em 0 0.3em;} - .padlr07 {padding: 0 0.7em 0 0.7em;} - .padr1 {padding-right: 1em;} - .padb05 {padding-bottom: 0.5em;} - - .tdl {text-align: left;} - .tdr {text-align: right;} - .tdj {text-align: justify;} - -.pagenum { /* uncomment the next line for invisible page numbers */ - /* visibility: hidden; */ - position: absolute; - left: 92%; - font-size: smaller; - text-align: right; -} /* page numbers */ - -.smaller {font-size: smaller;} - -.center {text-align: center;} - -.gesperrt -{ - letter-spacing: 0.2em; - margin-right: -0.2em; -} - -em.gesperrt -{ - font-style: normal; -} - -/* Images */ -.figcenter { - margin: auto; - text-align: center; -} - -/* Footnotes */ -.footnotes { - border: dashed thin; - background-color: #f5fffa;} - -.footnote {margin-left: 10%; margin-right: 10%; font-size: 0.9em;} - -.footnote .label {position: absolute; right: 84%; text-align: right;} - -.fnanchor { - vertical-align: top; - font-size: .7em; - text-decoration: none;} - -/* Poetry */ - -.poetry-container { - text-align: center; - font-size: 90%} - -.poetry { - display: inline-block; - text-align: left;} - -.poetry .stanza {margin: 0.5em auto;} - -.poetry .verse{ - text-indent: -3em; - padding-left: 3em;} - -.transnote {background-color: #E6E6FA; - color: black; - font-size:smaller; - padding:0.5em; - margin-bottom:5em; - border: thin solid;} - -.htmlinvis {display: none;} - -@media print { -.footnotes,.transnote {background-color: #ffffff;} -} - -@media handheld { - -.gesperrt,em.gesperrt { - letter-spacing: 0em; - margin-right: 0em; - font-family: sans-serif;} - -.poetry { - display: block; - margin-left: 4em;} - - .htmlinvis {display: inline;} -} - - </style> - </head> -<body> - - -<pre> - -The Project Gutenberg EBook of Ludwig Tiecks Genoveva, als romantische -Dichtung betrachtet, by Johann Ranftl - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Ludwig Tiecks Genoveva, als romantische Dichtung betrachtet - -Author: Johann Ranftl - -Editor: Anton Emanuel Schnbach - Bernhard Seuffert - -Release Date: October 24, 2015 [EBook #50296] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LUDWIG TIECKS GENOVEVA, ALS *** - - - - -Produced by Karl Eichwalder, Chuck Greif, Reiner Ruf, and -the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned -images of public domain material from the Google Books -project.) - - - - - - -</pre> - - -<div class="frontmatter mbot3"> - -<p class="mtop2 mbot15 s1 center">GRAZER STUDIEN</p> - -<p class="s4 mbot15">ZUR</p> - -<p class="s0">DEUTSCHEN PHILOLOGIE</p> - -<p class="s4 p4 mbot2">HERAUSGEGEBEN</p> - -<p class="s5 mtop1 mbot1">VON</p> - -<p class="s3 mbot3">ANTON E. SCHNBACH <span class="smaller">UND</span> BERNHARD SEUFFERT.</p> - -<div class="figcenter"> - <a id="signet" name="signet"></a> - <img src="images/signet.jpg" - alt="Signet" /> -</div> - -<p class="s3 p6 mtop3"><em class="gesperrt">GRAZ.</em></p> - -<p class="s5">K. K. UNIVERSITTS-BUCHDRUCKEREI UND VERLAGS-BUCHHANDLUNG ‚STYRIA‘.</p> - -<p class="s4">1899.</p> - -</div> - -<div class="frontmatter p4"> - -<p class="s5 tdl">K. K. UNIVERSITTS-BUCHDRUCKEREI ‚STYRIA‘ IN GRAZ.</p> - -</div> - -<div class="frontmatter mbot3"> - -<h1 class="p4 mbot1" id="LUDWIG_TIECKS_GENOVEVA">LUDWIG TIECKS GENOVEVA.</h1> - -<p class="s5">ALS</p> - -<p class="s3 mtop15 mbot15">ROMANTISCHE DICHTUNG</p> - -<p class="s5">BETRACHTET</p> - -<p class="s5 mtop2 mbot2">VON</p> - -<p class="s3">D<span class="smaller">R</span>. JOHANN RANFTL.</p> - -</div> - -<hr class="full" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_v" id="Seite_v">[S. v]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Vorwort">Vorwort.</h2> - -<p class="initial">Der Romantiker Ludwig Tieck ist eine bedeutende, einflussreiche und -interessante Persnlichkeit. Zu den allerersten, bahnbrechenden und -fhrenden Geistern unserer Literatur gehrt er jedoch nicht. Es mag -daher keineswegs fr jedermann selbstverstndlich sein, dass man ber -eine einzelne Dichtung dieses Mannes ein kleines Buch schreibt. Auch -mir schien es nicht selbstverstndlich, bevor ich mich eingehender mit -der Entstehung wie mit dem geistigen und knstlerischen Charakter der -„Genoveva“ befasste. Bei nherer Betrachtung fllt sogleich auf, dass -Tieck selbst gerade diesem romantischen Drama eine besonders wichtige -Stelle in seinem geistigen Entwickelungsgange anweist, es mit Nachdruck -als „Epoche“ in seinem Leben bezeichnet. In seinen spteren Jahren, als -ihm der altdeutsch-religise Enthusiasmus der „Genoveva“ lngst fremd -geworden war, kommt er mit einer gewissen Liebe und Zrtlichkeit gerade -auf dieses Gedicht immer wieder zurck, das nach seiner Versicherung -ganz aus seinem Gemthe gekommen, das „gar nicht gemacht, sondern -geworden sei“.</p> - -<p>Auch im groen Leben unserer Literatur gieng Tiecks „Genoveva“ nicht -spurlos und unbemerkt vorber. Goethe und Schiller und viele Kleinere, -die Theilnahme fr geistige Erscheinungen empfanden, nahmen Stellung zu -dem Werke. Es machte den sthetischen Gesinnungsverwandten Tiecks jenen -erfreulichen Eindruck, den der Dichter gewnscht hatte, es war den -echten Aufklrern ein Stein des Anstoes, da sie es als Symptom einer -mchtig anwachsenden, ihnen feindlichen, geistigen und literarischen -Strmung ansehen mussten, und als Sammelpunkt des romantischen Geistes -erweckt es heute das lebhafte Interesse des Literarhistorikers -und erwirbt sich das Anrecht auf eine monographische Betrachtung. -Vielleicht ist Tiecks<span class="pagenum"><a name="Seite_vi" id="Seite_vi">[S. vi]</a></span> „Octavianus“ ein noch vollstndigerer „orbis -pictus“ der Romantik als die „Genoveva“, dafr setzt aber dieses -Werk mit weniger Klgelei, unmittelbarer und frischer der ersten -Begeisterung entstrmend dasjenige in dichterische Gestalt um, was -um 1800 die Gemther der lteren Romantiker erfllte. Was hier wie -von selbst dem Dichter aus der Seele quoll, wird im „Octavianus“ nur -bewusst erweitert und gesteigert. Darum blieb ich lieber bei der -„Genoveva“, um an diesem typischen Beispiele zu zeigen, wie damals ein -romantisches Kunstwerk entstand, mit welchen knstlerischen Mitteln der -Romantiker seine Theorie dichterisch verwirklichte, und welche Stellung -ein solches Werk in unserer Literatur-Entwickelung einnimmt.</p> - -<p>Mehrere Forscher, vor allem Haym, haben mit Sorgfalt und Scharfsinn -die schwere Aufgabe bernommen, aus dem Chaos von vieldeutigen, -schillernden Sentenzen und Aphorismen, wie aus den ziemlich unklaren -Manifesten der jugendlichen romantischen Stimmfhrer die leitenden -sthetischen Gedanken herauszulesen und bersichtlich darzustellen. -In meiner Schrift soll eine Art Gegenprobe versucht und die Art -beleuchtet werden, wie damals jene nebelhaften Theorien in einer -einzelnen Dichtung Gestalt annahmen. Ich glaube, dass eine solche -Einzelbetrachtung zu noch anschaulicherer, genauerer und feinerer -Erkenntnis der romantischen Bestrebungen fhren kann. Dass ein -gewisses Bedrfnis nach solchen Untersuchungen besteht, bezeugt die -Thatsache, dass fast gleichzeitig noch drei andere Schriftsteller auf -den nmlichen Gedanken verfielen. Poppenberg untersuchte Mystik und -Romantik in Z. Werners „Shnen des Thals“, Kerr vertiefte sich in -Brentanos „Godwi“ und Busse in „Novalis’ Lyrik“.</p> - -<p>Eine Durchprfung des gedruckten Materiales ber Tiecks „Genoveva“ -gewhrte auch genauere Aufschlsse ber die oft unbestimmt andeutenden -„Vorberichte“, ber das Verhltnis des Dichters zu Jakob Bhme, wie -ber die romantische Religion von 1800. Gerade ber den letzteren -Punkt ist noch manches zu sagen, um Missverstndnisse, die in den -Literaturgeschichten gerne wiederholt werden, zu beseitigen. In dieser -rein literar-historischen Untersuchung war natrlich kein Raum, auf den -theologischen Wert oder Unwert der romantischen Religionsanschauungen, -die zunchst meist nur der dichterischen Stimmung dienten, nher -einzugehen. Den mhsamen Versuch H. v. Friesens,<span class="pagenum"><a name="Seite_vii" id="Seite_vii">[S. vii]</a></span> Tiecks „Genoveva“ -fr den Protestantismus zu „retten“, mit einem leichteren Gegenversuch -zu Gunsten des Katholicismus zu erwidern, scheint mir unnthig, da mit -solchen Bemhungen nach meinem Dafrhalten dem Katholicismus sowenig -wie der Literaturgeschichte gedient ist.</p> - -<p>Wofern nicht ungedruckte Materialien ber Tiecks Persnlichkeit und -Schaffen noch wesentliche neue Aufschlsse fr die in dieser Schrift -behandelte Periode bringen, hoffe ich, mit meiner Arbeit auch einen -brauchbaren Baustein fr eine knftige Tieckbiographie geliefert zu -haben.</p> - -<p>Whrend mein Manuscript bereits fr die Druckerei fertig lag, -erschien Bruno Golz’ „Pfalzgrfin Genoveva in der deutschen Dichtung“ -(Leipzig 1897). ber Tiecks Verhltnis zum Volksbuch wie zu Maler -Mllers Drama kommt Golz zu Ergebnissen, die sich mit dem Resultate -meiner Untersuchungen mehrfach decken. Der nothwendigen Abrundung -meiner Arbeit zuliebe, konnte ich aber die betreffenden Abschnitte, -die bereits im Jahre 1896, als ich diese Untersuchung an der Grazer -Universitt als Dissertation vorlegte, ihre jetzige Gestalt hatten, -nicht mehr abkrzen, wenngleich sie jetzt nicht durchwegs Neues bringen.</p> - -<p>Zu besonderem Danke fr die bereitwilligste Frderung dieser Arbeit -bin ich meinem hochverehrten Lehrer Herrn Prof. Dr. <em class="gesperrt">Bernhard -Seuffert</em> verpflichtet, von dessen Anregungen im deutschen Seminar -diese Untersuchungen ihren Ausgang nahmen. Gerne spreche ich hier auch -den Herren Beamten der Grazer Bibliotheken fr ihre Zuvorkommenheit -meinen Dank aus.</p> - -<p class="mleft2"><em class="gesperrt">Graz</em>, Pfingsten 1899.</p> - -<p class="s4 tdr mright2"><b>Johann Ranftl.</b></p> - -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_ix" id="Seite_ix">[S. ix]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Inhalt">Inhalt.</h2> - -<table class="toc" summary="ToC"> - <tr> - <td class="tdr padr1" colspan="4"> - Seite - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padtb03" colspan="3"> - <b>Vorwort</b> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Vorwort">V−VII</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padtb03" colspan="3"> - <b>I. Das Erwachen des Sinnes fr Religion und deutsches Alterthum</b> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#I">1−30</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Tiecks und Wackenroders Freundschaft. Erlangen und Nrnberg. - Tiecks geistige Wandlung. „Herzensergieungen“, - „Sternbald“, „Phantasien“. Tieck als - „Klosterbruder“. — Schleiermacher und Tieck. - „Reden ber die Religion“. — Tiecks Freundschaft - mit Novalis. — Wirkung der Schleiermacher’schen - „Reden“ auf die brigen Romantiker. Fr. Schlegels - „Mythologie“. — Tiecks Neigung fr das Altdeutsche. - Tieck und die Volksbcher. uere Entstehungsgeschichte - der „Genoveva“. „Nicht gemacht, sondern - geworden“. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padtb03" colspan="3"> - <b>II. Das Volksbuch als Quelle von Tiecks „Genoveva“</b> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#II">31−66</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Vergleichung der Dichtung Tiecks mit dem Volksbuch. Tieck bentzt - dasselbe im Sinne der Romantik. Erweiterungen im ersten und enger - Anschluss an die Vorlage im zweiten Theile der Tieck’schen - „Genoveva“. Die Angabe des „Vorberichtes“. - Die Abnderungen entsprechen der romantischen Doctrin. Romantische - Universalpoesie. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padtb03" colspan="3"> - <b>III. Literarische Einflsse</b> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#III">67−138</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 1. <em class="gesperrt">Tieck und Maler Mller</em>. (Goethes „Gtz“ und „Werther“) - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Tieck_und_Maler_Mueller">67−84</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Das aus Mller entlehnte Lied. hnliche Charaktere. hnliche - Scenen. Naturgefhl. Werther-Nachklnge. Mller’scher - Einfluss auf die Costmbehandlung. Anklnge an „Faust“. - — Tieck Plagiator? Tieck und Mller geistig verwandt. Tieck - passt das Entlehnte seiner Eigenart an. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 2. <em class="gesperrt">Tieck und Shakespeare</em> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Tieck_und_Shakespeare">84−107</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Tiecks Shakespearestudien. Vorliebe fr den „Perikles“. - „Gower“ und „Bonifacius“. Gertrud und die Amme in - Romeo und Julia. Karl Martells Monolog. Macbeth und -<span class="pagenum"><a name="Seite_x" id="Seite_x">[S. x]</a></span> - Abdorrhaman. Die Vorbilder fr die Balkonscene. Der - sterbende Wolf und der sterbende Gaunt. Anregungen fr - die Hexenscene. Geringer Einfluss des Wintermrchens. - Gerichtsscenen. Shakespeares und Tiecks Schlachtscenen. - Die unheimlichen Naturvorzeichen bei Shakespeare, - Goethe, Mller und Tieck. Formelle Reminiscenzen. — - Tiecks „Genoveva“ wird durch das Entlehnte nicht - wesentlich bestimmt. Tieck schweigt im „Vorberichte“ - von Shakespeare. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 3. <em class="gesperrt">Tieck und Calderon</em> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Tieck_und_Calderon">107−115</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Tiecks spanische Studien. Calderon frdert die religise - Kunststimmung. Vers- und Strophenformen. Meist - verschieden bei Tieck und Calderon verwendet. Die - lyrischen Ergsse. Die Allegorie des Todes. Kleinere - Anklnge. — Calderons Einfluss nur fr Form und - Stimmung der „Genoveva“ bedeutend. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 4. <em class="gesperrt">Tieck und Jakob Bhme</em> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Tieck_und_Boehme">115−138</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - <div class="mbot05">Tieck entdeckt die „Morgenrthe“. Die Zeugnisse - fr Tiecks Bhmestudium. Warum bewundert Tieck - Bhmes Mystik? „Die Morgenrthe“. Bhmes Gedanken - in der Rede des „Unbekannten“, in den Reden der Hexe - und in der Sterbevision. — Die Art der Verwendung von - Bhmes Mystik bei Tieck. Die Bhmeschwrmerei der - Romantiker.</div> - berblick ber die Anregungen und literarischen Einflsse - auf die „Genoveva“. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padtb03" colspan="3"> - <b>IV. Charakteristik der „Genoveva“</b> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#IV">139−242</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 1. <em class="gesperrt">Das romantische Drama. — Composition</em> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Composition">139−153</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Tieck erstrebt nicht stoffliche Neuheit. Mglichkeit - und Schwierigkeit, in verschiedenen Gattungsformen zu - dichten. Unausgeglichene Gegenstze bei Tieck. Die - Heiligkeit der „Tradition“. Alles Poetische darf in das - romantische Werk aufgenommen werden. Weder eine - rechte Haupthandlung noch eine fhrende Hauptperson. - Entspricht der romantischen Theorie. Willkrlicher - Wechsel von Ort und Zeit. Ort und Zeit der Stimmung - dienstbar. uerliche Knstlichkeit: Symmetrie, Contraste, - Parallelen, ahnungsvolle Beziehungen. Tieck und - Bernhardi mit der ueren Knstlichkeit zufrieden. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 2. <em class="gesperrt">Das Religise</em> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Das_Religioese">153−166</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Die Religion stimmungsvolle Decoration. Reine und - trbe religise Anschauungen. Gut abgewogene Vertheilung - auf die einzelnen Figuren. Der religise „Ton“ - nicht gleichmig festgehalten. Das unmittelbar Gegenwrtige - fehlt. Widersprche. Romantische Religion. -<span class="pagenum"><a name="Seite_xi" id="Seite_xi">[S. xi]</a></span> - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 3. <em class="gesperrt">Das Costm</em> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Das_Costuem">166−172</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Tiecks Gedanken darber. Anwendung auf die „Genoveva“. - Tiecks richtige Ansicht. — Was erfahren wir von - der ueren Erscheinung der einzelnen Figuren? Idealisierende - Allgemeinheit. Das Auge. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 4. <em class="gesperrt">Das Naturgefhl</em> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Das_Naturgefuehl">172−187</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Tiecks bestndige Liebe zur Natur. Seine Worte ber - das poetische Naturgefhl. Das sympathetische Naturgefhl - in der „Genoveva“. Aberglubische und mystische - Naturanschauung. Das Grauen vor der Natur. Religises - Naturempfinden. Wirkung der Natur auf den Menschen. - Stimmungshintergrund und Contrast. Gleichnisse, Metaphern - und Composita aus dem Naturleben. Gewisse - Zeiten als poetisch bevorzugt. Licht, Glanz und Ton. - Tieck und Goethes „Werther“. Stimmung und Chronologie. - Wenig religise Naturempfindung. Das „Klima“. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 5. <em class="gesperrt">Die Charaktere</em> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Charaktere">187−193</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Directe und indirecte Charakterzeichnung. Beides nicht - immer glcklich verbunden. Genoveva und Golo. Golo - am besten dargestellt. Matte Nebenfiguren. Urtheile ber - die Charakteristik. Romantische Knstlichkeiten. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 6. <em class="gesperrt">Der Stil</em> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Stil">193−222</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - Petrichs Schrift ber den romantischen Stil. Sprachliche - Darstellung des Religisen. Fromme Redensarten. - Schilderung der Wunder und Visionen. Gebet und Erbauungsrede. - Mystische und fatalistische Redeweise. — Romantische - Vorliebe fr den Archaismus. Archaismen - in der „Genoveva“. Solgers Urtheil. — Stimmungmalende - und musikalische Darstellung des Naturgefhles. — Die - lyrischen Monologe. Tieck entfernt sich vom Anschaulichen. - Die Worte fr zeitliche und rumliche Fernen. - Innigkeit im Ausdruck. Die Sprache der Leidenschaft. - Steigerung ins Ungewhnliche. — Tropen und Figuren. — - Theatralisches in der Diction. Der Dialog. — Unklarheit - des romantischen Stiles. Tieck ist auch in der - Sprache zugleich Stimmungsidealist und knstelnder - Virtuose. Nancierung der Sprache. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="padlr03"> - - </td> - <td class="tdl" colspan="2"> - 7. <em class="gesperrt">Prosa und Metrik</em> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Prosa_Metrik">222−242</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - <div class="padb05">A.W. Schlegel ber Prosa und Rhythmus. Tieck ber - das Verhltnis von metrischer Form und Inhalt. — Die - Prosa in der „Genoveva“. Manchmal in Verse bergehend. - — Die romanischen Strophenformen: Stanze, - Sonett, Terzine, Redondille. Lieder. Freie Rhythmen. - Blankvers. Blankvers und Prosa. Shakespeare Tiecks Vorbild. - Die metrische Mannigfaltigkeit gefllt den Romantikern. —</div> -<span class="pagenum"><a name="Seite_xii" id="Seite_xii">[S. xii]</a></span> - Rckblick und zusammenfassende Charakteristik der - romantischen Dichtung „Genoveva“. Verwandtes in der - gleichzeitigen Literatur. Das Genovevadrama der Geniezeit - und die Genovevadichtung der Romantik. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padtb03" colspan="3"> - <b>V. Urtheile der Zeitgenossen ber Tiecks „Genoveva“</b> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#V">243−256</a> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - - </td> - <td> - - </td> - <td class="tdj padlr07"> - <div class="padb05">Die Romantiker und ihre Freunde. Tieck und Heinrich - Schmidt. Die Brder Schlegel. Mnioch. Karl v. Hardenberg. - Bernhardi. A. v. Arnim. Brentano. Eichendorff. - H. v. Chezy. Rochlitz. Koberstein. Tieck-Solger. Frster. - Steffens. — Goethe. Krner. Schiller. — Kotzebue. Iffland. - — Nicolai. Merkel.</div> - Tiecks „Romantische Dichtungen“. „Kaiser Octavianus“. - Tiecks Neuausgaben der „Genoveva“. — „Die - Klosterbrder von S. Isidoro“. Romantische Dramatiker - nach Tieck. Chr. v. Schmid. - </td> - <td> - - </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl padtb03" colspan="3"> - <b>Register</b> - </td> - <td class="pgnum"> - <a href="#Register">257−258</a> - </td> - </tr> -</table> - -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_1" id="Seite_1">[S. 1]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="mbot2" id="I">I.<br /> - -Das Erwachen des Sinnes fr Religion und deutsches Alterthum.</h2> - -<p class="initial">Tiecks „Genoveva“ bildet einen Markstein in der Entwickelung der -deutschen Romantik. Zwei geistige Richtungen sind es vor allem, aus -deren Kreuzung jene eigenthmliche Gefhls- und Gedankenwelt erwchst, -welche zuerst in der „Genoveva“ eine ppig reiche poetische Gestalt -gewinnt: die Liebe zur altdeutschen Vergangenheit und die poetische -Neigung zu katholisierender Religiositt. Diese Neigung und jene Liebe -kennzeichnen den echten Romantiker an der Scheide des 18. und 19. -Jahrhunderts. Die Liebe zur alten Zeit reicht bis in die Jahre des -Goethe’schen „Gtz“ und seines Gefolges ritterlicher Dramen zurck, die -in Tiecks Jugendzeit die deutsche Bhne noch vielfach beherrschten.<a name="FNAnker_1_1" id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> -Die religise Kunstbegeisterung Tiecks leitet ihren Ursprung aus -den schnen Tagen der Jugendfreundschaft mit Wackenroder her. Diese -Freundschaft war fr Tieck von den bedeutsamsten Folgen. Denn aus dem -Ideenaustausche mit Wackenroder erblht dem Rationalisten erst die -rechte innige poetische Stimmung und mit ihm zusammen lernt er, was -Frmmigkeit ist, fhlen und er sucht sie aus der Kunst der alten Zeiten -wieder heraufzuholen. So verbinden sich bald religise Stimmung und -Sinn fr deutsches Alterthum im Gemthe der Freunde.</p> - -<p>Nicht die productive eigene Thtigkeit des frh geschiedenen Jnglings -Wackenroder (1798 starb der fnfundzwanzigjhrige) sichert diesem -einen Platz in der deutschen Literatur- und Kunstgeschichte, sondern -seine richtunggebende Einwirkung auf andere empfngliche Gemther, -in erster Linie auf Ludwig Tieck. Die beiden waren Freunde vom -Gedicke’schen Gymnasium her. 1792 gieng Tieck von Berlin fort auf -die Hallische Universitt. Wackenroder musste nach dem Willen seines -Vaters,<span class="pagenum"><a name="Seite_2" id="Seite_2">[S. 2]</a></span> der ihn noch nicht fr das akademische Studium reif hielt, in -Berlin zurckbleiben. Ein schwrmerischer Briefwechsel entschdigte -die Freunde fr den persnlichen Verkehr. Tieck ist Wackenroders -Freund aus ganzer Seele. Er ist der reifere, erfahrenere, geistig -ltere und gewandtere, besonders in allen literarischen Dingen. Der -schwermthige Dichter des „Abdallah“ durchlebt in Halle dstere -Stunden, in denen die Leiden und Zweifel des „William Lovell“ sein -Inneres durchstrmen. Seine Phantasie und sein Gefhl gehen jetzt -noch mehr auf das Erhabene als auf die „kleinen Empfindungen“. Neben -Goethe und <a name="Shakespeare" id="Shakespeare"></a>Shakespeare begeistert ihn besonders der junge Schiller. -Die wilde Kraft der „Ruber“ ist es, die sein Inneres „zerreit und -vernichtet“. Je unbefriedigter er in sich selbst ist, je dsterer sich -sein Gemth umschattet, desto mehr Bedrfnis und Sehnsucht hat er -nach Freundschaft; je heftiger er nach Idealen ringt, die er selbst -nicht besitzt, desto nthiger ist ihm ein idealischer Freund wie -Wackenroder. Wackenroder, der kindliche, schchterne, noch unbeholfene, -eine Natur voll stiller Heiterkeit, Sinnigkeit und von anschmiegsamem -Wesen, eine Seele voll einfacher, schlichter Frmmigkeit, kennt in -seiner schwrmerischen Hingebung an Tieck keine Grenze. Er ist ganz -Herzlichkeit und Innigkeit und mdchenhafte Zrtlichkeit; er ist -berauscht und entzckt im Gefhle des Glckes, Tiecks Freund sein zu -drfen, selig und zufrieden, wenn er nur ein Glied in der Kette ist, -die den trbsinnigen, mit Todesgedanken spielenden Genossen noch an -diese Erde fesselt.</p> - -<p>So erstehen die beiden Freunde vor dem Geiste des Betrachters, der -ihren Briefwechsel aus den Jahren 1792 und 1793 durchblttert.<a name="FNAnker_2_2" id="FNAnker_2_2"></a><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a> -Den Sommer 1793 verlebten sie in glcklicher Gemeinschaft in der -Universittsstadt Erlangen, den Winter 1793/94 in Gttingen. In -Erlangen tritt das sddeutsche Leben in ihren Gesichtskreis und wirkt -mchtig auf diese jungen empfnglichen Gemther. Eine neue Welt thut -sich ihnen auf. In Bamberg, dem „deutschen Rom“,<a name="FNAnker_3_3" id="FNAnker_3_3"></a><a href="#Fussnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a> ergtzt sich -ihre Phantasie<span class="pagenum"><a name="Seite_3" id="Seite_3">[S. 3]</a></span> an der Pracht des katholischen Gottesdienstes. In -Nrnberg steigt die gemthsinnige, schlichte und tiefe altdeutsche -Kunst und altes Knstlerleben vor ihrem entzckten Geiste auf.<a name="FNAnker_4_4" id="FNAnker_4_4"></a><a href="#Fussnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a> -Im Fichtelgebirge spricht die stille Waldeinsamkeit mrchenhaft und -wundersam die jungen Gemther an.<a name="FNAnker_5_5" id="FNAnker_5_5"></a><a href="#Fussnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a></p> - -<p>Bisher war in Tieck „die Mischung des Berlinischen Verstandes mit -dem erwachten Phantasie- und Gefhlsleben, dieser Zusammensto von -Reflexion und Enthusiasmus productiv geworden“.<a name="FNAnker_6_6" id="FNAnker_6_6"></a><a href="#Fussnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a> Bis jetzt hatte -Tieck auch meist im Dienste anderer gedichtet, was ihm aufgetragen -worden war, ohne besonderen warmen Herzensantheil und ohne tieferen -Glauben an das, was er mit virtuoser, spielender Leichtigkeit -darstellte. Es war ein jugendlich leichtsinniges poetisches Schaffen. -Dies wird an Wackenroders Seite allgemach anders. Dieser Freund, dem -kaum ein leidlicher Vers gelingen wollte, war dafr von einem echten, -seelentiefen Enthusiasmus, von wahrer, herzlicher Andacht fr Kunst -und Poesie erfllt. Er glhte fr das Nmliche, dem Tieck bisher nur -mit halber Seele gedient hatte. „Idealische Kunstschnheit ist der -Lieblingsgegenstand meines Geistes“ sagt Wackenroder von sich.<a name="FNAnker_7_7" id="FNAnker_7_7"></a><a href="#Fussnote_7_7" class="fnanchor">[7]</a> Bald -schreibt ihm auch Tieck: „Genau genommen solltest Du Dich ganz allein -mit der Musik, und ich mit der Dichtkunst beschftigen; denn die Welt -ist wirklich nicht fr uns, sowie wir nicht fr die Welt...“<a name="FNAnker_8_8" id="FNAnker_8_8"></a><a href="#Fussnote_8_8" class="fnanchor">[8]</a> An -der Seite dieses Freundes erst lernt Tieck, der unstte und haltlose, -der bis dahin in trber und nchterner Resignation hinter dem Groen -und Erhabenen Schein und Trug, hinter dem Wahren und Guten berall -die Engherzigkeit lauern sah, den Wert hingebungsvoller Verehrung, -positiven Empfindens, den wahren seelenerfllenden Enthusiasmus so -recht kennen und schtzen. Wackenroders innerer Reichthum theilte sich -der unruhigen, abgehetzten Seele mit. Freundschaft und hingebende -Kunstbegeisterung beschwren die dsteren Geister, denen Tiecks Seele -seit langem verfallen<span class="pagenum"><a name="Seite_4" id="Seite_4">[S. 4]</a></span> war. Freundschaft und Kunstandacht verfeinern -und veredeln seine Gefhle und geben ihm neuen Lebensmuth.<a name="FNAnker_9_9" id="FNAnker_9_9"></a><a href="#Fussnote_9_9" class="fnanchor">[9]</a> Der -ernstere Kunstgenuss wird ihm eine Erlsung. „Das arme drstende Herz -wird durch nichts in dieser Welt so gesttigt, als mit dem Genuss der -Kunst, der feinsten Art, sich selber zu fhlen und zu verstehen.“<a name="FNAnker_10_10" id="FNAnker_10_10"></a><a href="#Fussnote_10_10" class="fnanchor">[10]</a></p> - -<p>Empfindung und Begeisterung fr Kunst und Poesie waren das einigende -Band, welches diese Freundesherzen fest und dauernd aneinander -fesselte. In der „milden Temperatur eines knstlerischen Sinnes“ -athmeten ihre Seelen. In schner Eintracht nahen die beiden, innig -verehrend, der Kunst in jeder Gestalt. Was ihre Seele dabei erfllte, -findet in den „Herzensergieungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ -(1797), in „Franz Sternbalds Wanderungen“ (1798) und in den „Phantasien -ber die Kunst fr Freunde der Kunst“ (1799) seinen literarischen -Ausdruck. Jedes Kunstwerk — erfahren wir hier — das die Menschenbrust -mit seinem Zauber anrhrt, hat seine Berechtigung. Es ist ja „das -Kunstgefhl nur ein und derselbe himmlische Lichtstrahl, welcher -aber, durch das mannigfach geschliffene Glas der Sinnlichkeit unter -verschiedenen Zonen sich in tausenderlei verschiedene Farben bricht“, -und dem groen Schpfer „ist der gothische Tempel so wohlgefllig -als der Tempel der Griechen.“<a name="FNAnker_11_11" id="FNAnker_11_11"></a><a href="#Fussnote_11_11" class="fnanchor">[11]</a> Jede knstlerische Eigenart muss -geachtet werden: Raphael, Michelangelo, Drer, Watteau. Es ist Herders -Geist, der hier Wackenroders schlichte, fromme Sprache redet und in -schchterner Ahnung fr die Betrachtung der bildenden Knste hnliche -Gedankenperspectiven erffnet wie fr die Dichtung die Schlegel’sche -Doctrin von der einen alles umfassenden romantischen Universalpoesie.</p> - -<p>Herders Anschauungsweise spricht auch aus der Art der -Wackenroder-Tieck’schen Kunstbetrachtung. Diese wird zur -„Herzensergieung“, niemals zum vernnftelnden Kritisieren oder zum -rationalistisch nchternen Theoretisieren.<a name="FNAnker_12_12" id="FNAnker_12_12"></a><a href="#Fussnote_12_12" class="fnanchor">[12]</a> Es handelt sich beim -Anschauen der Kunstwerke darum, „dass man mit entgegenkommendem Herzen -in sie hineingehe, und in ihnen<span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span> lebe und athme“<a name="FNAnker_13_13" id="FNAnker_13_13"></a><a href="#Fussnote_13_13" class="fnanchor">[13]</a> und „von der -echten Kunst sollte nie ohne Enthusiasmus gesprochen werden“.<a name="FNAnker_14_14" id="FNAnker_14_14"></a><a href="#Fussnote_14_14" class="fnanchor">[14]</a> Das -Gemth ist hier das sthetische Organ. Die wunderbaren Regungen „im -inneren Gemthe“, das Betrachten „mit Ernst und Innigkeit“, das „innige -Verstehen“, das „innigliche Verehren“... das sind Lieblingsausdrcke, -die Wackenroders und Tiecks seelisch innerliche Richtung und -gemthvolle Hingabe an die Kunst auch schon in ihrer Sprache -kennzeichnen.</p> - -<p>Das Kunstgefhl, hie es, ist ein „himmlischer Strahl“ und Gott ist -es, der mit Wohlgefallen auf den gothischen und griechischen Tempel -herniederschaut. Ernste religise Anschauung, ein tief frommes Fhlen -beherrscht die reine Seele Wackenroders ganz und gar. Natur und Kunst -sind ihm zwei wunderbare Sprachen von geheimnisvoller Kraft, mit denen -Gott zum Menschen redet.<a name="FNAnker_15_15" id="FNAnker_15_15"></a><a href="#Fussnote_15_15" class="fnanchor">[15]</a> Sein frommes Denken geht von Gott aus und -kehrt zu Gott zurck „wie der Geist der Kunst — wie aller Geist von -Ihm ausgeht, und durch die Atmosphre der Erde, Ihm zum Opfer wieder -entgegendringt“.<a name="FNAnker_16_16" id="FNAnker_16_16"></a><a href="#Fussnote_16_16" class="fnanchor">[16]</a> Den edlen Kunstgenuss vergleicht er mit dem -Gebete. Beides muss der Mensch „zum Wohle seiner Seele gebrauchen“, zu -beiden darf er nur in stiller Sammlung hintreten, in seligen Stunden, -da die Gunst des Himmels das Herz mit hoher Offenbarung erleuchtet. -Bildersle sollten nicht Jahrmrkte, sondern Tempel sein.<a name="FNAnker_17_17" id="FNAnker_17_17"></a><a href="#Fussnote_17_17" class="fnanchor">[17]</a> Die -geistliche Musik ist das Hchste und Edelste, die religise Malerei und -Poesie das Ehrwrdigste. Die Kunst ist dem Klosterbruder in der That -eine religise Liebe oder eine geliebte Religion.</p> - -<p>Ob auch viele Gedanken Wackenroders und Tiecks jeder positivglubige -Katholik und Protestant unterschreiben kann, so wre es trotzdem -irrthmlich und voreilig, an eine tiefere eigentlich religise -Beziehung der beiden zu irgend einer kirchlichen Confession zu denken. -In der Hauptsache ist und bleibt die Religion der beiden Freunde eine -Kunst- und Herzensreligion, die weiter um Bibel und kirchliche Dogmatik -vorlufig nicht fragt. Auf ein allgemeines, unbestimmtes religises -Bedrfnis, auf „eine Sehnsucht zum Religisen“ deuten allerdings -manche<span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">[S. 6]</a></span> sptern uerungen Tiecks.<a name="FNAnker_18_18" id="FNAnker_18_18"></a><a href="#Fussnote_18_18" class="fnanchor">[18]</a> Zunchst ist es ein subjectives -frommes Gefhl, das, durch das Medium der Begeisterung an katholischen -Kunstwerken hindurchgehend, allerdings mehr oder weniger katholische -Frbung annimmt.<a name="FNAnker_19_19" id="FNAnker_19_19"></a><a href="#Fussnote_19_19" class="fnanchor">[19]</a></p> - -<p>Die Herzensergsse Tiecks und Wackenroders ber die alte Kunst und -die alten Zeiten bezeichnen auch ein neues Stadium in der Auffassung -des Mittelalters. Dem Aufklrer war dasselbe eine Zeit der Barbarei, -der Nacht und Finsternis auf allen geistigen und materiellen -Lebensgebieten. Noch das Buch des Professors Meiners, „Historische -Vergleichung der Sitten und Verfassungen, der Gesetze und Gewerbe, -des Handels und der Religion, der Wissenschaften und Lehranstalten -des Mittelalters mit denen unseres Jahrhunderts in Rcksicht auf die -Vortheile und Nachtheile der Aufklrung“, das 1793 und 1794 erschien, -enthlt den Inbegriff alles dessen, was ein richtiger Aufklrer dem -Mittelalter bles nachsagen konnte.<a name="FNAnker_20_20" id="FNAnker_20_20"></a><a href="#Fussnote_20_20" class="fnanchor">[20]</a> Allein schon zwei Jahrzehnte -zuvor hatte kein Geringerer als Herder in seiner kleinen Schrift -„Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit“ -(1774) es gewagt, der aufgeklrten Gegenwart ein langes Sndenregister -vorzuhalten und im verachteten Mittelalter eine Reihe von Vorzgen -zu entdecken. „Erklren“ wollte er das Mittelalter, wenn auch nicht -loben und preisen. Neben den Schattenseiten wollte er auch das Groe, -Erhabene und Herrliche dieser verkannten Epoche nicht bersehen. -Fr ihn ist das Mittelalter eine nothwendige Durchgangsstufe auf -dem Entwickelungswege der Menschheit. Wenn wir schon bei Herder -den boshaften Seufzer: „In unserem Jahrhundert ist leider! so viel -Licht!“ hren, so blicken wir unwillkrlich auf die kommende Romantik -voraus. Wenn der nmliche Herder auch in spteren Werken wieder -geringer vom Mittelalter denkt, in jenen frheren Ansichten, die dem -Sturm- und Dranggeiste entstammen, kann er als wahres Zwischenglied -zwischen Aufklrung und Romantik gelten. Verdammung und Verachtung des -Mittelalters beim Aufklrer, Erklrung des historisch Gewordenen und -Ge<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">[S. 7]</a></span>wachsenen bei Herder, Bewunderung, Verehrung und Anbetung bei den -Romantikern Tieck und Wackenroder.</p> - -<p>Je tiefer die Freunde von ihrer poetisch-knstlerischen Frmmigkeit -ergriffen werden, desto herber empfinden sie, dass die aufgeklrte -Gegenwart, in der sich eine „Epidemie prosaischer Nchternheit“ -ber die ganze Bildung erstreckte, von den beseligenden wunderbaren -Geheimnissen des Gemthes so gut wie nichts wisse.<a name="FNAnker_21_21" id="FNAnker_21_21"></a><a href="#Fussnote_21_21" class="fnanchor">[21]</a></p> - -<p>Wie anders sei es in den herrlichen alten Zeiten Albrecht Drers -gewesen. Da war die Religion den Menschen „das schne Erklrungsbuch“, -wodurch sie das Leben erst recht verstehen lernten.<a name="FNAnker_22_22" id="FNAnker_22_22"></a><a href="#Fussnote_22_22" class="fnanchor">[22]</a> „Fromm -und einfach“ war Drers Wandel; „wie er selbst, sind alle seine -Bilder“.<a name="FNAnker_23_23" id="FNAnker_23_23"></a><a href="#Fussnote_23_23" class="fnanchor">[23]</a> Auch Giovanni da Fiesole betet, bevor er an die Staffelei -tritt und er weint in frommer Rhrung, wenn er Christi Leiden am -Kreuze malt.<a name="FNAnker_24_24" id="FNAnker_24_24"></a><a href="#Fussnote_24_24" class="fnanchor">[24]</a> Das waren die wahren und echten Knstler, die nur -darstellten, was voll und warm und innig ihr ganzes Gemth belebte -und darum wieder so herzbewegend in ihren Werken sich aussprach -und den Beschauer mit heiliger Macht berwltigte. Ein fester und -fruchtbarer Zusammenhang zwischen der religisen Lebensanschauung der -alten Knstler und der lebendigwirkenden Kraft ihrer Schpfungen fllt -unseren Freunden allerwegen in die Augen. Eine hehre Weihe umschwebt -fr sie daher noch heute das Alte, das dieser begnadeten Zeit entstammt -und „alt“ wird schon in den „Herzensergieungen“, im „Sternbald“ wie in -den „Phantasien“ ein schmckendes ehrendes Beiwort (die „alten“ Maler, -der „alte“ Vasari etc.).<a name="FNAnker_25_25" id="FNAnker_25_25"></a><a href="#Fussnote_25_25" class="fnanchor">[25]</a></p> - -<p>Endlich drfen wir nicht unbemerkt lassen, dass Wackenroder und -sein Freund mit einer eigenthmlichen Vorliebe beim Wunderbaren und -Geheimnisvollen verweilen, das dem knstlerischen Schaffen innewohnt, -das sie an bernatrliche Gnadenwirkungen und Eingebungen erinnert. -Es wird das Seltsame und<span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">[S. 8]</a></span> Phantastische an Knstlerpersnlichkeiten -wie Piero di Cosimo in behaglicher Breite geschildert und ebenso die -auerordentliche herrliche Vielseitigkeit eines Geistes wie Lionardo -bewundernd verehrt. „Alle fhlen einen Hang nach dem Wunderbaren in -ihrem Busen“, behauptet Tieck in den „Phantasien“. Ganz besonders aber -die Romantiker, drfen wir beisetzen. Die Gestalten von Dichtern und -Knstlern werden bald beliebt in romantischen Dichtungen.</p> - -<p>Ziemlich die gleichen Anschauungen und Empfindungen beherrschen die -„Herzensergieungen“, die „Phantasien“ und den ersten Theil des -„Sternbald“. Tieck versucht es mit aller Liebe, in den frommen, -herzlichen Ton seines Freundes einzustimmen. Er arbeitet ein wenig -mit an den „Herzensergieungen“, reichlich an den „Phantasien“ und -dichtet aus der nmlichen Stimmung heraus allein den „Sternbald“, -freilich, ohne im frommen Tone auszuharren bis ans Ende. Tieck bemht -sich sichtbar, ein zweiter „Klosterbruder“ zu werden. Nur will die -Wackenroder’sche Kunstfrmmigkeit nicht so recht ernstlich von seiner -Seele Besitz ergreifen. Er gefllt sich immer ein wenig in der frommen -Rolle. Er bleibt auch immer ein eleganter Klosterbruder, ein Mnchlein, -das nicht so ganz aus innerem Beruf und Herzensdrang den Berliner -Salon mit der stillen Klosterzelle vertauschte. Ja Tieck geht, wie -manches allzurasch bekehrte Weltkind mit seltsam hastigem Eifer bei -seiner Frmmigkeit zuwerke und schiet dann ber das Ziel hinaus. Er -will sich recht energisch fromm anstellen und tritt (alles nur in -der Phantasie selbstverstndlich) gleich in Rom zum Katholicismus -ber — seiner Geliebten und seiner Kunst zuliebe. „Die Kunst hat -mich allmchtig hinbergezogen... ich folgte blo meinem innerlichen -Geiste, meinem Blute, von dem mir jetzt jeder Tropfen geluterter -vorkmmt.“<a name="FNAnker_26_26" id="FNAnker_26_26"></a><a href="#Fussnote_26_26" class="fnanchor">[26]</a> Das leichtentzndliche Knstlerblut hat also das meiste -zu dieser poetischen Bekehrung gethan und der „innerliche Geist“ -ist auch nicht viel mehr als eine „prdilection d’artiste“. Der -Enthusiasmus fr die Kunst ist immer das Alpha und das Omega. Nur die -Liebe zur Kunst befreundet das Herz dieses Enthusiasten auch mit dem -dargestellten Gegenstande dieser Kunst.<a name="FNAnker_27_27" id="FNAnker_27_27"></a><a href="#Fussnote_27_27" class="fnanchor">[27]</a> Im<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">[S. 9]</a></span> „Sternbald“ peitscht -Tieck seine Begeisterung fr das Katholische so gewaltsam in die -Hhe, dass es immer wie Absicht aussieht, die verstimmt. Tieck stellt -paradox und geistreich den Gedanken Wackenroders, die Kunst msse -religis sein, auf den Kopf und sagt: die Andacht ist der hchste und -reinste Kunstgenuss, dessen die menschliche Seele nur in den schnsten -und erhabensten Stunden fhig ist.<a name="FNAnker_28_28" id="FNAnker_28_28"></a><a href="#Fussnote_28_28" class="fnanchor">[28]</a> Im „Sternbald“ finden sich -mancherlei enthusiastische religise Herzensergsse<a name="FNAnker_29_29" id="FNAnker_29_29"></a><a href="#Fussnote_29_29" class="fnanchor">[29]</a> und Tieck lsst -hier bereits Ludovico eine Standrede gegen Luther halten,<a name="FNAnker_30_30" id="FNAnker_30_30"></a><a href="#Fussnote_30_30" class="fnanchor">[30]</a> gegen -den Mann, dem erst noch kurz zuvor der „Klosterbruder“ seine warme -Verehrung bezeugt hatte.<a name="FNAnker_31_31" id="FNAnker_31_31"></a><a href="#Fussnote_31_31" class="fnanchor">[31]</a> Von den Nachfolgern Luthers befrchtet -Sternbalds Freund Ludovico, dass sich „statt der Flle einer gttlichen -Religion eine drre, vernnftige Leerheit, die alle Herzen schmachtend -zurcklsst, erzeugt“. Eine poetische Hinneigung zur katholischen -Religion wird wiederholt mit nachdrcklichster Deutlichkeit -hervorgekehrt. Der Katholicismus ist eine Religion, „die wie ein -wunderbares Gedicht vor uns da liegt“. Dies ist aber auch alles.</p> - -<p>Tieck vermag viel im Anempfinden, ja im knstlerischen Einfhlen in -eine Rolle. Er besa die nachschaffende Kraft des Schauspielers im -hohen Mae und galt im Freundeskreise als groes schauspielerisches -Talent. Aber in das harmonisch gestimmte Empfinden Wackenroders sich -einzuleben, wie er gerne mchte, gelingt ihm doch nicht ganz. Das eine -ist deutlich: Tieck ist in den Aufstzen, die er zu den „Phantasien“ -beisteuerte und im „Sternbald“ ein ganz anderer geworden, als er in den -vorhergehenden Schauergeschichten und in den bermthig verneinenden -satirischen Komdien war, wenn er auch die letzteren noch in die -neue Periode seines Dichtens mit hinbernimmt. Er fhlte auch selbst -freudig die beruhigende und segensreiche Wirkung des Wackenroder’schen -Geistes. Er ist beglckt, dass er endlich mit dem neuen Enthusiasmus -einen<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">[S. 10]</a></span> Mittelpunkt fr sein Dasein gefunden zu haben glaubt.<a name="FNAnker_32_32" id="FNAnker_32_32"></a><a href="#Fussnote_32_32" class="fnanchor">[32]</a> Auch -A.W. Schlegel hat diese geistige Wandlung Tiecks in dessen Dichtungen -gesprt. „Seine Einbildungskraft, die sich im ‚William Lovell‘ zum -Theil in trben Phantomen herumtrieb und ihre Flge verschwendete, -ist seitdem auffallend zu grerer Heiterkeit und Klarheit -hindurchgedrungen. Das Trauerspiel ‚Karl von Berneck‘ und sonst hie und -da Spuren von Gewlk gehren noch dem ersten Morgennebel an...“<a name="FNAnker_33_33" id="FNAnker_33_33"></a><a href="#Fussnote_33_33" class="fnanchor">[33]</a> -Die Liebe zum Alten, zum Religisen und Gemthsinnigen, ein positives -Empfinden nach so viel Negation und Trbsinn, war der wertvolle Gewinn, -den Tieck seinem geliebten Freunde zu danken hatte, und dass er sich -dessen bewusst war, zeigen der „Traum“<a name="FNAnker_34_34" id="FNAnker_34_34"></a><a href="#Fussnote_34_34" class="fnanchor">[34]</a> und die vier Sonette, die er -trauernd zum Kranze auf das Grab seines Freundes flicht.<a name="FNAnker_35_35" id="FNAnker_35_35"></a><a href="#Fussnote_35_35" class="fnanchor">[35]</a></p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wenn das Gewhl der Welt mit tausend Banden</div> - <div class="verse">Um Auge, Sinn und Herz sich wollte stricken,</div> - <div class="verse">So durft’ ich nur in deine Augen blicken</div> - <div class="verse">Und alle Zweifel, alle Rthsel schwanden.</div> - <div class="verse mleft1">— — — — — — — — — — — — — —</div> - <div class="verse">Dann sah ich dich in stiller, frommer Freude</div> - <div class="verse">Im ewigen Gebete niederkniend</div> - <div class="verse">Einsam Natur und Gott und Himmel lieben.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Diese Eindrcke wirken fort in Tiecks Gemth, bis sie verstrkt durch -andere Einflsse, in der „Genoveva“ neue poetische Gestalt annehmen. -Ja, manche Einzelheiten in der „Genoveva“ weisen noch deutlich auf den -„Klosterbruder“ zurck und lassen die Verbindungsfden sehen, die von -Wackenroder in die Hochblte der Romantik hinberfhren.<a name="FNAnker_36_36" id="FNAnker_36_36"></a><a href="#Fussnote_36_36" class="fnanchor">[36]</a></p> - -<p>Tieck war immer leicht empfnglich fr Anregungen und Eindrcke -von auen; er hielt sie aber, wenn sie nicht seiner Natur homogen -waren, selten lange und energisch fest. Es<span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">[S. 11]</a></span> drohte auch die hohe -romantisch-religise Klosterbruderstimmung ihm unter den Hnden zu -entweichen. Gegen Ende des unvollendeten „Sternbald“ scheint es, als ob -das fromme, helle Feuer erlschen und der keusche Genius, sein Antlitz -verhllend, hinwegfliehen wollte. In den ziemlich leichtfertigen -Badescenen und den florentinischen Knstlergelagen muss Wackenroders -Vorbild dem des sinnlichen Heinse weichen. In welchem Geiste etwa -der Roman zu Ende gefhrt worden wre, lsst sich aus der kleinen -Planskizze nicht entnehmen. Das eine Gefhl aber wird der Leser -nicht los, dass hier die Ideen und der glorreiche Enthusiasmus der -„Herzensergieungen“ gegen Ende zu schon stark verblassen und dass -damit der Weg, der zur „Genoveva“ hinfhrt, sich verliert. Vielleicht -htte Tieck diesen Weg zur religis hochgespannten Dichtung auch nicht -wieder gefunden, wenn ihn nicht eine neue starke Strmung ergriffen -htte, die das vollendete, was Wackenroders Freundschaft begonnen -hatte, die Einflsse nmlich, die von Schleiermacher und Novalis, von -Calderon und Jakob Bhme ausgiengen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Der persnliche Verkehr mit Schleiermacher scheint nicht von groer -Bedeutung fr Tieck gewesen zu sein.<a name="FNAnker_37_37" id="FNAnker_37_37"></a><a href="#Fussnote_37_37" class="fnanchor">[37]</a> Der wortkarge Theologe, -der hartkantige Mann, die einsame „Beichtvaternatur“ war nicht -dazu geschaffen, Tieck gesellig zu fesseln. Was Schleiermachers -Persnlichkeit nicht vermochte, that sein erstes greres Werk, das -den Verfasser mit einem Schlage berhmt machte, die „Reden ber die -Religion“ (1799).<a name="FNAnker_38_38" id="FNAnker_38_38"></a><a href="#Fussnote_38_38" class="fnanchor">[38]</a></p> - -<p>So wenig als Wackenroders Frmmigkeit und religise Kunstverehrung, -trgt Schleiermachers Religion in den „Reden“ eine Spur von Dogmatik -und Systematik an sich. Auch ihm ist im Grunde „Aberglaube lieber -als Systemglaube“. Seine religisen Anschauungen sind durchaus -romantische.<a name="FNAnker_39_39" id="FNAnker_39_39"></a><a href="#Fussnote_39_39" class="fnanchor">[39]</a> Die Religion ist ihm etwas ganz und gar Individuelles -und Subjectives, sie ist Anschauung und Gefhl des Universums, -innerlich und unmittelbar. Diese religise Anschauung ergreift immer -das Ganze, wie die wahre<span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span> und richtige sthetische Betrachtung das -Gesammtkunstwerk. Nicht auf Erkenntnis des Universums, wie die -Metaphysik, nicht auf Leitung des menschlichen Handelns, wie die -Moral, zielt die Religion ab. Im Gemthe und nur im Gemthe und vor -dem inneren Sinne ist das Gttliche gegenwrtig. Als eine wundervolle -Erleuchtung kommt dieses Anschauen des Universums ber die Seele des -Menschen.<a name="FNAnker_40_40" id="FNAnker_40_40"></a><a href="#Fussnote_40_40" class="fnanchor">[40]</a> Schleiermachers religises Gefhl ist sthetischer Natur -oder wenigstens sthetischen Stimmungen nahe verwandt.<a name="FNAnker_41_41" id="FNAnker_41_41"></a><a href="#Fussnote_41_41" class="fnanchor">[41]</a></p> - -<p>Der Vortrag in Redeform ist von einem kraftvollen, mchtig -eindringlichen Pathos durchlodert. Denn, sagt Schleiermacher, Religion -verlangt die hchste Kunst und Kraft des Ausdrucks.<a name="FNAnker_42_42" id="FNAnker_42_42"></a><a href="#Fussnote_42_42" class="fnanchor">[42]</a> Es ist ein -Stil, der, wie Fr. Schlegel behauptet, als oratorische Leistung, „eines -Alten nicht unwrdig wre“.<a name="FNAnker_43_43" id="FNAnker_43_43"></a><a href="#Fussnote_43_43" class="fnanchor">[43]</a></p> - -<p>Dieser Recensent betrachtet die Reden „durchaus als Incitament fr die -Religionsfhigen“.<a name="FNAnker_44_44" id="FNAnker_44_44"></a><a href="#Fussnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a> Dass der Dichter der „Genoveva“, in dem die -Wackenroder’schen Anregungen noch leise nachtnten, der inzwischen -auch schon Bhmes „Morgenrthe“, Calderon und das schlichtfromme -Volksbchlein von der heiligen Genoveva zur Hand genommen hatte, -der nach seinem eigenen Worte einen angeborenen „Instinct“ zur -Religion besa,<a name="FNAnker_45_45" id="FNAnker_45_45"></a><a href="#Fussnote_45_45" class="fnanchor">[45]</a> zu den „Religionsfhigen“ gehrte, kann nicht -bezweifelt werden. Exactes, systematisches Denken in Religion und -Philosophie war freilich seine Sache nicht, und ein strenges Verfolgen -aller Gedankenwege der trotz aller Systemscheu durch und durch -philosophischen „Reden“ ist bei Tieck nicht vorauszusetzen. Sicher -musste aber die hinreiende oratorische Sprache, die sich fters zu -einem dithyrambischen Feuer erhebt, in Tiecks Seele znden und ber sie -eine ernste, religise Weihestimmung ausgieen. Die feurige Sprache -musste seine Seele ergreifen; denn die „Reden“ Schleiermachers stehen -wie alle Redekunst hart an der Grenze dichterischen Schaffens.</p> - -<p>ber Tieck konnte Fr. Schlegel bald an Schleiermacher<span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">[S. 13]</a></span> berichten: -„Was ich geweissagt, ist geschehen, dass nmlich Tieck von Deiner -Religion grausam begeistert ist.“<a name="FNAnker_46_46" id="FNAnker_46_46"></a><a href="#Fussnote_46_46" class="fnanchor">[46]</a> Diese „grausame Begeisterung“ -ist fr Tiecks Seelenverfassung unmittelbar vor Abfassung seiner -„Genoveva“ entschieden wesentlich und bemerkenswert. Dass die bereits -geweckten allgemein religisen Stimmungen, die poetische Neigung zu -religisen Stoffen und zu religiser Auffassung derselben durch die -„Reden“ Schleiermachers eine Steigerung erfahren mussten, ist recht -wohl begreiflich. Wenn Tieck an ernstliche Vertiefung in das Problem -der „Reden“ auch kaum dachte, so scheinen doch ein paar allgemeine -Anschauungen Schleiermachers einen tieferen Eindruck auf ihn gemacht zu -haben, so dass man die Nachwirkung in der „Genoveva“ noch einigermaen -verfolgen kann. Daneben war auch manche Anschauung, die im Keime -oder in kindlicher Unreife schon in den „Herzensergieungen“ und -„Phantasien“ schchtern auftauchte, hier zu mnnlicher Vollkraft und -Reife entwickelt. Ein persnlicher Zusammenhang zwischen Wackenroder -und Schleiermacher lsst sich zwar nicht erweisen,<a name="FNAnker_47_47" id="FNAnker_47_47"></a><a href="#Fussnote_47_47" class="fnanchor">[47]</a> und Wackenroder -war durch die Betrachtung religiser Kunstwerke, Schleiermacher aber -durch die Betrachtung religiser Menschen zu seinen Anschauungen -gekommen. Trotzdem ist Verwandtschaft da und kann nicht sonderlich -auffallen: denn sie liegt im gemeinsamen romantischen Geiste, woraus -sich auch erklrt, dass der Kreis der Berliner und Jenenser Genossen -beim Erscheinen der „Reden“ in freudige Erregung gerieth.</p> - -<p>berdies hat auch Schleiermacher wie Wackenroder das Verhltnis von -Kunst und Religion besprochen, und was Poesie und Kunst berhrte, -zndete unfehlbar in den Herzen der jungen Generation. Den schnen Bund -der Kunst mit der Religion, den Wackenroder in den alten Kunstzeiten -bewunderte, den August Wilh. Schlegel bereits in einem groen Gedichte -gefeiert hatte, sieht unser Redner eben im alten Griechenland -verwirklicht. „Da nherte sich“, sagt er, „der Kunstsinn der Religion, -um sie mit neuer Schnheit und Heiligkeit zu berschtten und ihre -ursprngliche Beschrnktheit zu mildern.“ Auch Schleiermacher findet -wie Wackenroder, dass es in der Gegenwart leider nicht so gut steht. -„Religion und Kunst stehen nebeneinander wie<span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">[S. 14]</a></span> zwei befreundete Seelen, -deren innere Verwandtschaft, ob sie sie gleich ahnen, ihnen doch noch -unbekannt ist. Freundliche Worte und Ergieungen des Herzens schweben -ihnen immer auf den Lippen und kehren immer wieder zurck, weil sie die -rechte Art und den letzten Grund ihres Sinnens und Sehnens noch nicht -finden knnen. Sie harren einer nheren Offenbarung, und unter gleichem -Druck leidend und seufzend sehen sie einander dulden, mit inniger -Zuneigung und tiefem Gefhl vielleicht, aber doch ohne Liebe.“ Wrden -beide in ein Bett zusammengeleitet, so knnte das die Religion zur -Vollendung bringen. An die kunstbenden Genossen und Freunde richtet -daher der Redner die Worte: „Sehet da, das Ziel Eurer gegenwrtigen -hchsten Anstrengungen ist zugleich die Auferstehung der Religion!“ -Schon sieht der Prophet „einige bedeutende Gestalten, eingeweiht in -diese Geheimnisse (seiner Religion) aus dem Heiligthum zurckkehren, -die sich nur noch reinigen und schmcken, um im priesterlichen Gewande -hervorzugehen.“<a name="FNAnker_48_48" id="FNAnker_48_48"></a><a href="#Fussnote_48_48" class="fnanchor">[48]</a> Schleiermacher denkt an die romantischen Genossen. -Es war dies ein Aufruf und eine Prophezeiung, die sich besonders -Novalis und Tieck zuherzen nahmen und sie wollten sie gemeinsam -verwirklichen in geistlichen Liedern und Predigten.</p> - -<p>Und Schleiermacher arbeitet ihnen dazu noch mehr vor. Er findet das, -was er fr das echt Religise erkennt, nicht nur in sich und in den -religis veranlagten Zeitgenossen, er sucht und findet es auch in -allen historischen Erscheinungsformen der Religion, in den positiven -Religionen, indem er allerdings die Begriffe und Anschauungen der alten -Religion nach seinen festgestellten Religionsbegriffen ausdeutet und -so ganz neue Werte in alte Worte kleidet. Er wendet sich dabei mit -scharfer Polemik gegen die „natrliche Religion“ der Aufklrer, die -alles Auerordentliche und Unbegreifliche scheut. Er eifert gegen das -unbestimmte, verwaschene, kraftlose Gebilde, das jener Masse gleicht, -die zwischen den Weltsystemen dnn und zerstreut schweben soll und ihre -Existenz erst erwartet.<a name="FNAnker_49_49" id="FNAnker_49_49"></a><a href="#Fussnote_49_49" class="fnanchor">[49]</a> „Wenn eine Religion nicht eine bestimmte -sein soll, so ist sie gar keine, sondern nur loser, unzusammenhngender -Stoff.“<a name="FNAnker_50_50" id="FNAnker_50_50"></a><a href="#Fussnote_50_50" class="fnanchor">[50]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">[S. 15]</a></span></p> - -<p>Ein dnnes, unbestimmtes, abstractes Etwas ist aber fr den Dichter -immer ein hchst undankbarer Vorwurf. Die positive Religion dagegen war -einst eine fruchtbare Grundlage fr Kunst und Poesie. Die Gegenwart -bot nirgends, was die Vergangenheit besa. Wenn nun die positive -Religion zu Ehren kommt, wie in den „Reden“, dann muss sich auch -ein Dichter aus dem aufgeklrten Berlin umsomehr ermuthigt fhlen, -die gestaltenreiche katholische Legende, an der sich schon das -Poetenauge heimlich ergtzte, in ihrer mittelalterlichen Auffassung -wieder aufzunehmen und dichterisch zu gestalten. Noch mehr. Sogar die -bei den nchternen Gromeistern der Aufklrung genugsam verfehmten -Begriffe: Wunder, Weissagung, Offenbarung, Eingebung, Gnadenwirkung -sollten sich einer unverhofften Ehrenrettung erfreuen, wenn auch -wiederum umgewertet nach dem Mastabe Schleiermacher’scher Auffassung. -Jeder wahrhaft religise Mensch sieht nach den „Reden“ Wunder, -erlebt Offenbarungen, Eingebungen, Gnadenwirkungen, und glaubt an -Weissagungen. Mochte bei solchen Gedanken die ehrsamen Nicolaiten und -alle Schildbrger und Philister im Reiche des aufgeklrten Verstandes -ein heimliches Bangen beschleichen, so fand Tieck dieselben bei seiner -Liebe zur Poesie und zum Sonderbaren<a name="FNAnker_51_51" id="FNAnker_51_51"></a><a href="#Fussnote_51_51" class="fnanchor">[51]</a> nur umso verstndlicher und -anheimelnder. Schleiermachers Anerkennung des Wunderbaren konnte den -Dichter, dessen Phantasie sich bereits mit den Wundern, Offenbarungen -und Gnadenwirkungen, von denen das Volksbchlein berichtet, -beschftigte, nur ermuntern, die alte, schlichte Legende mit neuer -poetischer Schnheit zu berschtten. Ob Schleiermacher auch nicht die -Legendenwunder nach der alten Auffassung vertheidigte: eine solche -warme Vertheidigung des religis Wunderbaren an sich nahm allein schon -viel vom Fluche des Lcherlichen von den missliebigen Begriffen hinweg, -vom Fluche, der auch fr Tieck bisher gegolten hatte und, wenn auch -abgeschwcht, noch galt. Tiecks rationalistische Jugendeindrcke, -seine dstere Skepsis waren trotz Wackenroder noch lange nicht mit der -letzten Wurzel aus seiner Seele gerissen. Fr ihn, der inzwischen auch -Nicolais Schildknappe gewesen war, bedurfte es eines solchen Zuspruches -fr die Strkung seines religisen Stimmungslebens, um es poetisch -fruchtbar zu machen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span></p> - -<p>Sehr wesentlich war fr Tiecks Dichtung noch folgende -Gedanken-Entwickelung der „Reden“. Eine damals neue Entdeckung -Schleiermachers liegt in seinem Begriffe der Religion als Anschauung -und Gefhl des Universums, einem Gedanken, der sich auf das engste mit -der romantischen Hochschtzung und berschtzung von Phantasie und -Gemth berhrt. Das intuitive Anschauen und das Gefhl des Universums -kommen nach seiner Darlegung fr die Religion allein in Betracht. Die -Strke der religisen Anschauungen und Gefhle bedingt den Grad der -Religiositt eines Menschen. Verkehrt wre die Forderung, das religise -Fhlen sollte etwa das menschliche Handeln bestimmen. Das sittliche -Handeln ist Sache der moralischen Kraft im Menschen und hat mit der -Religion nichts zu schaffen. „Alles eigentliche Handeln soll moralisch -sein und kann es auch, aber die religisen Gefhle sollen wie eine -heilige Musik alles Thun des Menschen begleiten; er soll alles mit -Religion thun, nichts aus Religion.“ Die religisen Gefhle lhmen -geradezu die Thatkraft des Menschen und laden ihn ein zum stillen, -hingegebenen Genuss. Daher verlieen die religisesten Menschen, -die nichts waren als religis, so oft die Welt und ergaben sich der -migen Beschauung.<a name="FNAnker_52_52" id="FNAnker_52_52"></a><a href="#Fussnote_52_52" class="fnanchor">[52]</a> Die Thatsache, dass Tiecks „Genoveva“ dieser -Auffassung vom ausschlielich religisen Menschen, dem contemplativen -Ideale so auffallend entspricht, kann nicht bersehen werden. Whrend -die Heilige des Volksbuches, das Tieck als Vorlage dient, in ihrem -Auftreten gegen Golo eine anerkennenswerte sittliche Energie zeigt, -scheint Tiecks Heldin von Anfang bis zum Ende an ihrer Willenskraft -wie gelhmt und ihr Dasein lst sich fast bestndig in einen frommen -Gefhlsgenuss und in religise Stimmungsschwelgerei auf. Wenn auch -das Volksbuch ziemlich viel von Genovevas beschaulichem Leben -berichtet, so ist das se Schwrmeln und Schwelgen in Gefhlen und -weichen Stimmungen bei Tieck noch um manchen Grad gesteigert. Andere -Dichter scheiden solchen lyrischen berfluss eher aus oder verkrzen -ihn, wenn sie dramatisch gestalten wollen. Tieck ist aber von Hause -aus durch und durch ein Stimmungsdichter, der immer am liebsten den -therischen Duft und Geist der Erscheinungen<span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">[S. 17]</a></span> in Worte und Verse fassen -mchte. Das zeigt seine Poesie ja schon vor der „Genoveva“. Man denke -an seine „Magelone“. Seine eigene Begabung und Neigung fhrte ihn -daher schon dazu, die Situationen der Legende mglichst nach ihrem -Stimmungswerte auszuntzen. Die Gefhlsweichheit in der „Genoveva“ -darf darum nicht ausschlielich wie ein dichterisches Correlat zur -theoretischen Aufstellung der Schleiermacher’schen „Reden“ angesehen -werden. Aber es bleibt ein merkwrdiges Zusammentreffen, dass Tiecks -dichterische Neigung durch Schleiermachers Forderung einer durchaus -passiven Religiositt noch geradezu eine theologische Sanction -erhielt, die seine poetische Neigung zu befestigen und vor ihm selbst -zu rechtfertigen geeignet war. An die Mahnung Schleiermachers, eine -„heilige Musik“ religiser Gefhle solle das ganze Leben ohne Aufhren -begleiten, wird der Leser der „Genoveva“ unwillkrlich erinnert, wenn -er bei Tieck im Kriegslager und auf dem Schlosse, in der Wste so gut -wie in der Kapelle fast bei allem Thun und Denken wenigstens irgend -einen religisen Klang tnen hrt.<a name="FNAnker_53_53" id="FNAnker_53_53"></a><a href="#Fussnote_53_53" class="fnanchor">[53]</a></p> - -<p>Wie die romantische sthetik das eine Urpoetische in den dichterischen -uerungen der verschiedenen Zeiten und Vlker sucht, in der -hchsten Kunstpoesie sowie im unscheinbarsten Volksliede, so sucht -der romantische Theologe das eine Urreligise in allen Gestalten -und Verkleidungen, unter denen es je im Laufe der Zeiten unter den -Menschen erschienen ist. Alle Religionen erscheinen als ein groer -Organismus, dessen Glieder alle ihre gute Berechtigung haben. Der -stets knstlerischen romantischen Anschauung schliet sich immer das -Mannigfaltige zu einem Kosmos hherer Ordnung zusammen. Der wahrhaft -religise Mensch Schleiermachers ist darum tolerant. Es gibt ja fr ihn -keinen Wesensunterschied etwa zwischen Pantheismus und Personalismus -im Gottesbegriffe.<a name="FNAnker_54_54" id="FNAnker_54_54"></a><a href="#Fussnote_54_54" class="fnanchor">[54]</a> Es sollen sich gerade unzhlige Religionen -entwickeln, jeder Mensch kann sich seine eigene grnden.<a name="FNAnker_55_55" id="FNAnker_55_55"></a><a href="#Fussnote_55_55" class="fnanchor">[55]</a> Es webt -und wirkt ja doch in allen der nmliche Geist der einen, unendlichen -Religion.<a name="FNAnker_56_56" id="FNAnker_56_56"></a><a href="#Fussnote_56_56" class="fnanchor">[56]</a> Mag die einzelne Gestalt, die diese annimmt, wie immer -aussehen; wenn es nur<span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span> Religion ist, so gibt sich damit der Fromme -zufrieden. Man muss wohl oder bel an eine freie Weiterbildung -dieser Ansicht Schleiermachers in Tiecks Dichtung glauben, will man -eine Erklrung fr das Zusammenwrfeln so fremdartiger religiser -Vorstellungen finden, wie es uns in der „Genoveva“ begegnet. Von der -Idee des romantischen Urreligisen aus wird es sogar einigermaen -erklrlich, wie in einer und derselben Persnlichkeit sich der -katholische Gottesbegriff mit dem Pantheismus, wie christliche -Gedanken und fatalistische Vorstellungen sich friedlich miteinander -verbinden und vertragen knnen. Zum weitaus grten Theile sind in der -„Genoveva“ allerdings die christlichen Vorstellungen festgehalten. -Die verschiedenen religisen Elemente aber, die sich fremd dazwischen -drngen, fallen fr Tieck und seine Freunde unter die hhere Kategorie -des allgemein Religisen. Alle wirklichen Dissonanzen sind daher fr -ihn nur scheinbar und lsen sich in dem hheren Einklang auf und wirken -zur allgemein religisen Gesammtstimmung, auf welche Tiecks Dichtung -abzielt, ohne Strung mit.</p> - -<p>Wenn Genoveva ihre christlichen Vorstellungen vom Jenseits mit der -pantheistischen vom Aufgehen im Weltall verknpft, so entspricht das -noch besonders Schleiermachers Ansichten; denn das Verlangen nach -persnlicher Fortdauer nach dem Tode findet er ganz irreligis; der -Mensch soll geruschlos im Unendlichen verschwinden; falls er es nicht -bewusst in seinem Denken und Sein vermag, soll er wenigstens den Tod -als willkommene Gelegenheit dazu ergreifen. Daher muss auch Genovevas -Seele „in dem Lebensmeer als Welle klingen“.</p> - -<p>Wahre Religion, fhrt Schleiermacher ferner aus, ist tolerant gegen -das Religise in jeder Gestalt, aber polemisch gegen alles Irreligise -in und auer sich. Es widerspricht darum nicht dem Wesen des -Christenthums und der Toleranz, zu kmpfen gegen alles, was ihm als -Irreligion erscheint. Tieck brauchte deshalb kein Bedenken zu tragen, -den Saracenenfeldzug als Kreuzzug in seine Dichtung einzuschalten. -Einen heiligen Krieg hat das Christenthum auch gegen alles Unheilige -in sich selbst bestndig zu fhren, damit alles Unreine ausgeschieden -werde. Einzelne Elemente und ganze Massen werden ausgestoen. Dieser -immerwhrende Kampf ist die in seinem Wesen begrndete Geschichte des -Christenthums. „Ich bin nicht gekommen, Friede zu bringen, sondern -das Schwert“, sagt der Stifter desselben, freilich nicht<span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">[S. 19]</a></span> um blutige -Bewegungen und elenden Wortstreit zu entfachen; nur die heiligen -Kriege, die aus dem Wesen seiner Lehre nothwendig entstehen, hat -er vorausgesehen und anbefohlen.<a name="FNAnker_57_57" id="FNAnker_57_57"></a><a href="#Fussnote_57_57" class="fnanchor">[57]</a> Die Rede Dragos<a name="FNAnker_58_58" id="FNAnker_58_58"></a><a href="#Fussnote_58_58" class="fnanchor">[58]</a> ber den -bestndigen Kampf im Leben der christlichen Kirche und des einzelnen -Christen, die auch mit dem gleichen evangelischen Citate beginnt, ist -hier im Keime gegeben.</p> - -<p>Schon beim flchtigen Lesen fllt es auf, dass uns in der -katholisierenden „Genoveva“ eine ganz eigenthmliche Auffassung des -Priesterthums begegnet, die sich der katholischen hierarchischen -Ordnung gar nicht anbequemt. In Siegfrieds Burgkapelle hlt ein -„Capellan“ eine religise Ansprache, aber auch der Diener Wendelin. -Der nmliche Capellan hlt auch noch eine erbauliche Rede fr -Genoveva, verschwindet dann aus der Dichtung und im weiteren nimmt -der Kchenmeister Drago die Stelle eines geistlichen Seelenleiters -ein. Also neben dem Bischof, der am Schlusse auftritt, und dem -Capellan predigen Diener und Kchenmeister. Die hier ziemlich deutlich -durchschimmernde Ansicht vom freien Priesterthum ist wieder ein Gedanke -aus Schleiermachers „Reden“. Schleiermacher will kein zunftmiges -Priesterthum. Ein Privatgeschft sei die Mission des Priesters. Ein -jedes Privatzimmer mag ein Tempel sein.<a name="FNAnker_59_59" id="FNAnker_59_59"></a><a href="#Fussnote_59_59" class="fnanchor">[59]</a> Wen der religise Geist -ergreift, der bt auch das Priesteramt. Es gibt zwischen Geistlichen -und Laien keinen Unterschied der Personen, sondern nur einen -Unterschied „des Zustandes und der Verrichtung“.<a name="FNAnker_60_60" id="FNAnker_60_60"></a><a href="#Fussnote_60_60" class="fnanchor">[60]</a> In diesem Sinne -wird thatschlich das Predigtamt in der „Genoveva“ gebt.</p> - -<p>Doch genug. Es darf fr erwiesen gelten, dass hnliche Ideenrichtungen -sich in den „Reden“ des romantischen Theologen und im Drama des -romantischen Dichters finden. Es ist freilich nicht vieles Einzelne, -was sich sicher greifen liee. Wie sollte auch der Dichter aus dem -Buche, das sich vom Anfange bis zum Ende in lauter Abstractionen -bewegt, mehr entnehmen knnen als die eine oder andere grundstzliche -Ideenrichtung? Hauptsache bleibt, dass Tiecks knstlerische -Begeisterung fr Religion in den „Reden“ ein krftiges „Incitament“ -gefunden hatte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">[S. 20]</a></span></p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Tieck lie sich willig durch Schleiermacher begeistern, aber ein echter -und eigentlicher Schler des Berliner Theologen war er darum noch -nicht. Ein solcher war Tiecks Freund Novalis-Hardenberg. Schleiermacher -und Novalis waren es allein, die unter den lteren Romantikern auf -eine Erweckung des eigentlich religisen Sinnes abzielten, whrend die -brigen nur an eine Erneuerung und Belebung von Kunst und Poesie durch -die Religion dachten. Schleiermacher selbst gedenkt in der zweiten -Auflage seiner „Reden“ schmerzergriffen des lieben Todten, des „zu -frh entschlafenen gttlichen Jnglings, dem alles Kunst ward, was -sein Geist berhrte, seine ganze Weltbetrachtung unmittelbar zu Einem -groen Gedicht, den Ihr, wiewohl er kaum mehr als die ersten Laute -wirklich ausgesprochen hat, den reichsten Dichtern beigesellen msst, -den seltenen, die ebenso tiefsinnig sind als klar und lebendig“. -Dieser Jngling mit seiner Christusliebe erscheint Schleiermacher als -das edelste Vorbild des frommen Knstlers.<a name="FNAnker_61_61" id="FNAnker_61_61"></a><a href="#Fussnote_61_61" class="fnanchor">[61]</a> Novalis war wirklich -seiner Denkrichtung nach mit Schleiermacher nahe verwandt. Beide -Geister wurzeln ja auch im Herrnhuterthum. Beide bringen dieselbe -tiefreligise Veranlagung mit. Novalis ist daher von den „Reden“ am -meisten ergriffen unter den Jenenser Freunden.<a name="FNAnker_62_62" id="FNAnker_62_62"></a><a href="#Fussnote_62_62" class="fnanchor">[62]</a> Wie mchtig sie -sein ganzes Inneres erregten und verwandte Ideen und Stimmungen in -drngender Flle auslsten, lsst sich auf Schritt und Tritt verfolgen. -Fast alle wesentlichen Gedanken Schleiermachers ber die Religion -finden sich modificiert, subjectiv angewendet, besonders gerne in -Aphorismen voll krftiger Poesie eingekleidet, bei dem jungen Dichter -wieder. Da heit es: „Alle absolute Empfindung ist religis.“<a name="FNAnker_63_63" id="FNAnker_63_63"></a><a href="#Fussnote_63_63" class="fnanchor">[63]</a> -„Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgend ist die -Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft.“<a name="FNAnker_64_64" id="FNAnker_64_64"></a><a href="#Fussnote_64_64" class="fnanchor">[64]</a> „Alle -unsere Neigungen scheinen nichts als angewandte Religion zu sein; das -Herz scheint gleichsam das religise Organ.“<a name="FNAnker_65_65" id="FNAnker_65_65"></a><a href="#Fussnote_65_65" class="fnanchor">[65]</a> Auch Novalis wendet -sich gegen die Aufklrer, die alles Wunderbare und Geheimnisvolle von -der Religion abwaschen mchten.<a name="FNAnker_66_66" id="FNAnker_66_66"></a><a href="#Fussnote_66_66" class="fnanchor">[66]</a> Aufklrung<span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">[S. 21]</a></span> und Religionsverachtung -ist ihm ungefhr das nmliche und ebenso innigstes, hchstes Fhlen -und Religion. Sein Idealbild religisen Lebens projiciert Novalis -in das Mittelalter, hnlich wie Wackenroder, aber auch zugleich -hoffnungsfreudig in eine bessere Zukunft. Mit tiefer Sehnsucht schaut -er im Aufsatze „Die Christenheit oder Europa“ (1799)<a name="FNAnker_67_67" id="FNAnker_67_67"></a><a href="#Fussnote_67_67" class="fnanchor">[67]</a> in die alte -Zeit zurck, in der die Religion als die Centralsonne des Lebens galt. -Und nach dem Alten hatte er sich schon in den „Hymnen an die Nacht“ -gesehnt.</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Was sollen wir auf dieser Welt</div> - <div class="verse">Mit unsrer Lieb’ und Treue?</div> - <div class="verse">Das Alte wird hintangestellt:</div> - <div class="verse">Was soll uns denn das Neue?</div> - <div class="verse">O! einsam steht und tiefbetrbt</div> - <div class="verse">Wer hei und fromm die Vorzeit liebt.“<a name="FNAnker_68_68" id="FNAnker_68_68"></a><a href="#Fussnote_68_68" class="fnanchor">[68]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>So wenig wie Wackenroder oder Schleiermacher, schliet sich Novalis -einer kirchlichen Lehre an, wenn er auch gerne seine Gedanken mit -kirchlichen Worten stilisiert und das katholische Mittelalter preist -und sogar innige Marienlieder dichtet.<a name="FNAnker_69_69" id="FNAnker_69_69"></a><a href="#Fussnote_69_69" class="fnanchor">[69]</a> Und wenn er auch mit -verschiedenen Gedanken katholischen Ideen recht nahe kommt: er meint -zunchst doch immer das phantastische Idealbild einer Religion, wie -es seine Dichterseele trumt. Pantheismus und Christenthum stehen -auch bei ihm hart nebeneinander. Wie Schleiermacher denkt auch -Novalis ber das Wunder.<a name="FNAnker_70_70" id="FNAnker_70_70"></a><a href="#Fussnote_70_70" class="fnanchor">[70]</a> Wie fr Schleiermacher Religion und -Kunst, sind fr ihn Poesie und Mysticismus nahe Verwandte.<a name="FNAnker_71_71" id="FNAnker_71_71"></a><a href="#Fussnote_71_71" class="fnanchor">[71]</a> Auch -fr Novalis gibt es kein abgeschlossenes System.<a name="FNAnker_72_72" id="FNAnker_72_72"></a><a href="#Fussnote_72_72" class="fnanchor">[72]</a> Novalis’ Seele -ist voll Schleiermacher’scher Frmmigkeit. Wohin wir blicken, die -Saat des Berliner Redners sprosst und treibt mit ppiger Kraft in den -geheimnisvollen Tiefen dieses merkwrdigen Gemthes. Es ist von den -„Reden“ in der That „ganz eingenommen, durchdrungen, begeistert und -entzndet“.<a name="FNAnker_73_73" id="FNAnker_73_73"></a><a href="#Fussnote_73_73" class="fnanchor">[73]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">[S. 22]</a></span></p> - -<p>Novalis verehrte schon Tieck als den Dichter der „Volksmrchen“, bevor -er ihm persnlich begegnete. In Jena nun treffen sich beide im Sommer -1799. Erstes Begegnen, entgegenkommendes Verstehen, schwrmerisches -Freundschaftschlieen: all das war das Werk eines Tages.<a name="FNAnker_74_74" id="FNAnker_74_74"></a><a href="#Fussnote_74_74" class="fnanchor">[74]</a> Tieck -glaubte seinen Wackenroder in verklrter Gestalt wiederzubesitzen. -Leider musste er auch diesem Freunde gar bald Trauersonette als -Todtenopfer weihen.<a name="FNAnker_75_75" id="FNAnker_75_75"></a><a href="#Fussnote_75_75" class="fnanchor">[75]</a> Diese neue Freundschaft ist wieder so -enthusiastisch wie jene mit Wackenroder. Ist doch Novalis ebenso -herzlich und fromm und liebenswrdig und dabei mit einem weitreichenden -geistigen Blicke begabt, ein jugendfroh und gewaltig aufstrebender -Dichter und Denker, der bei aller Frmmigkeit auch alle Bildung des -Zeitalters, insbesondere die naturphilosophische, durstig in seine -Seele saugen und dichterisch in einer groen Romanserie verklren -mchte. Das war gewiss ein richtiger Umgang fr Tieck, als er schon -an seiner „Genoveva“ arbeitete. In dieser Freundschaft konnte auch -seine religise Stimmung neues krftiges Leben schpfen und einzelne -Spuren des freundschaftlichen Gedankenaustausches sind wiederum in -Tiecks Dichtung erkennbar. Wie Novalis im Aufsatze: „Die Christenheit -oder Europa“ den Leser aus der nchternen, unfrommen Gegenwart in die -schnen glnzenden Zeiten des katholischen Mittelalters fhrt, so weist -der heilige Bonifacius Tiecks als Prologsprecher in die glubige, -altdeutsche Zeit zurck, die so ganz das Gegentheil der glaubenslosen -Jetztzeit war. Wenn Novalis auf den geheimnisvollen Weg nach innen -zeigt und nach Schleiermachers Beispiel eine Herzensreligion, eine -Frmmigkeit des innerlichsten Lebens fordert, so meint der Leser der -„Genoveva“ im Sonette des Capellans<a name="FNAnker_76_76" id="FNAnker_76_76"></a><a href="#Fussnote_76_76" class="fnanchor">[76]</a> einen Schler Hardenbergs zu -vernehmen. Novalis war auch der erste im romantischen Kreise, der -direct die katholische Religion als solche im ganzen Umfange, wenn -auch subjectiv ausdeutend, mit Entzcken pries. Gemeinsam wollten -ferner die Freunde geistliche Lieder und Predigten herausgeben und sie -Schleiermacher widmen.<a name="FNAnker_77_77" id="FNAnker_77_77"></a><a href="#Fussnote_77_77" class="fnanchor">[77]</a> Novalis’ „Geistliche Lieder“ erwuchsen auch<span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">[S. 23]</a></span> -bald aus dieser hochgesteigerten religisen Stimmung heraus und auch -im „Ofterdingen“ sind Anklnge an die „Reden“ bemerkbar. Tieck wollten -die geistlichen Lieder nicht gelingen<a name="FNAnker_78_78" id="FNAnker_78_78"></a><a href="#Fussnote_78_78" class="fnanchor">[78]</a> und von den Predigten ist bei -ihm berhaupt nicht weiter die Rede. Wenn uns aber Tieck sagt, dass -er verschiedene „Vorstze und poetische Stimmungen“, die ihn damals -beherrschten, in seine „Genoveva“ hineingearbeitet habe, so lassen -unsere Betrachtungen ahnen, was einmal unter den „Stimmungen“ gemeint -ist. Wohl nichts anderes, als die neue religise Begeisterung und die -Schwrmerei fr altdeutsches Wesen, die sich Tiecks wie der brigen -Genossen um diese Zeit bemchtigt hatte. Zu den „Stimmungen“ gehren -vielleicht auch jene „leidenschaftlichen Zustnde und unerwarteten -Erfahrungen“ an sich selbst, ber die sich nur eine dunkle Andeutung in -einem spten Briefe an Solger findet.<a name="FNAnker_79_79" id="FNAnker_79_79"></a><a href="#Fussnote_79_79" class="fnanchor">[79]</a> Die „Vorstze“ dann beziehen -sich jedenfalls auf die geplanten geistlichen Lieder und Predigten.<a name="FNAnker_80_80" id="FNAnker_80_80"></a><a href="#Fussnote_80_80" class="fnanchor">[80]</a> -Spuren der projectierten Predigten lassen sich in der „Genoveva“ fast -noch erkennen. Novalis schrieb mehrere Einflle ber das Wesen der -Predigt nieder, wie er es sich dachte. Darunter finden sich Gedanken, -wie: „Die Predigt muss angewandte Religion enthalten.“<a name="FNAnker_81_81" id="FNAnker_81_81"></a><a href="#Fussnote_81_81" class="fnanchor">[81]</a> „Die -katholische Religion ist gewissermaen schon angewandte christliche -Religion.“<a name="FNAnker_82_82" id="FNAnker_82_82"></a><a href="#Fussnote_82_82" class="fnanchor">[82]</a> „Predigten sollten eigentlich Legenden heien, denn -der eigentliche Stoff der Predigten ist der Legendenstoff.“<a name="FNAnker_83_83" id="FNAnker_83_83"></a><a href="#Fussnote_83_83" class="fnanchor">[83]</a> Von -der wunderschnen Frau der Christenheit und von lngst verstorbenen -himmlischen Menschen, von Heiligen, predigten einst die Priester im -schnen Mittelalter.<a name="FNAnker_84_84" id="FNAnker_84_84"></a><a href="#Fussnote_84_84" class="fnanchor">[84]</a> Jedermann kann Predigten halten und aus -dem Schatze seiner Erfahrung gttliche Geschichte mittheilen.<a name="FNAnker_85_85" id="FNAnker_85_85"></a><a href="#Fussnote_85_85" class="fnanchor">[85]</a> -(Freies Priesterthum wie bei Schleiermacher.) Nun sehen wir in Tiecks -„Genoveva“ den Diener Wendelin in der Kapelle zu den Heiligenbildern -hintreten und sie seinen Genossen, also einer kleinen Gemeinde,<span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">[S. 24]</a></span> -predigend erklren.<a name="FNAnker_86_86" id="FNAnker_86_86"></a><a href="#Fussnote_86_86" class="fnanchor">[86]</a> Wir sehen ein andermal Drago im Anschluss -an die Lesung des Legendenbuches eine geistliche Anrede an Genoveva -halten.<a name="FNAnker_87_87" id="FNAnker_87_87"></a><a href="#Fussnote_87_87" class="fnanchor">[87]</a> Hier spielt allem Anscheine nach das Predigtproject der -beiden Freunde herein und das wre vielleicht ein erkennbarer Rest -jener „Vorstze“, die in der Dichtung nachwirkten. —</p> - -<p>Novalis und Tieck waren nicht die einzigen Bewunderer der „Reden“. -Fast die ganze romantische Tafelrunde von Jena that wacker mit<a name="FNAnker_88_88" id="FNAnker_88_88"></a><a href="#Fussnote_88_88" class="fnanchor">[88]</a> und -verschiedene religise Poesien erwuchsen aus den neuen Anregungen. -Schon vor einem Jahre waren A.W. Schlegels Gemldegesprche und -geistliche Sonette ber einige religise Bilder der Dresdner Gallerie -sowie der bedeutsame Versuch romantischer Didaktik „Der Bund der Kirche -mit den Knsten“ im Anschluss an Wackenroder-Tieck entstanden. Unter -dem Einfluss der neuen religisen Anregungen folgen die Neudichtungen -alter Legenden und noch andere Gedichte mit religisen Motiven. Das -Christenthum ist in Jena bald „ l’ordre du jour“. Whrend es Hlsen -zwar bei einer hellenisierenden, pantheistischen Naturreligion sich -gengen lsst,<a name="FNAnker_89_89" id="FNAnker_89_89"></a><a href="#Fussnote_89_89" class="fnanchor">[89]</a> entfacht Steffens, ein junger Norweger und Tiecks -Freund, seine Andacht an der sistinischen Madonna in Dresden.<a name="FNAnker_90_90" id="FNAnker_90_90"></a><a href="#Fussnote_90_90" class="fnanchor">[90]</a> -Friedrich Schlegels „Ideen“ im „Athenum“, die zwar manchmal von -Schleiermacher abweichen, sogar manche Spitzen gegen die „Reden“ -enthalten, sind nichtsdestoweniger nur ein Fortspinnen der in den -„Reden“ ausgefhrten und im persnlichen Verkehr<span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">[S. 25]</a></span> mit Schleiermacher -gewonnenen Anschauungen. Friedrich sinnt auf Mittel und Wege, die -neugewonnenen Ideen fr Poesie und Kunst fruchtbar zu machen. Das -Ergebnis seines Nachdenkens ist im „Gesprch ber die Poesie“ -niedergelegt. Das Studium der Griechen hatte ihn belehrt, dass eine -Mythologie, in der sich die tiefsten Welt- und Lebensanschauungen, -die hchsten Ideale eines Volkes in unvergnglichen Typen -zusammenkrystallisierten, in denen das, was sonst das Bewusstsein ewig -flieht, sinnlich geistig zu schauen festgehalten ist, fr die Poesie -die allerwertvollste Basis sein kann. Diese richtige Beobachtung fhrt -aber Schlegel, der vielleicht Schelling’schen Anregungen folgte, auf -den bizarren Gedanken, die bewusste Schpfung einer neuen Mythologie -zu verlangen. Er selbst war schon eine Zeitlang mit keiner geringeren -Absicht umgegangen, als der, eine neue Religion zu stiften.<a name="FNAnker_91_91" id="FNAnker_91_91"></a><a href="#Fussnote_91_91" class="fnanchor">[91]</a> -Aber ein absichtliches Verkrpernwollen von Ideen in mythologischer -Art bringt statt lebendiger Typen und Gttergestalten hchstens -den Wechselbalg Allegorie zum Vorschein.<a name="FNAnker_92_92" id="FNAnker_92_92"></a><a href="#Fussnote_92_92" class="fnanchor">[92]</a> Schlegel selbst meint -berdies, man knne auf verschiedenen Wegen dem neuen Ziele zustreben. -Die lteren Mythologien seien wieder zu erwecken, um das Werden der -neuen zu beschleunigen und das Studium der Naturphilosophie gewhre -die heiligsten Offenbarungen. Daneben begegnet uns der Gedanke, die -Deutschen mssten, um ihre Poesie zu erneuern, auf „die Quellen -ihrer eigenen Sprache und Dichtung zurckgehen“ und die alte Kraft -und den hohen Geist, der in den Urkunden der vaterlndischen Vorzeit -schlummert, wieder frei machen.<a name="FNAnker_93_93" id="FNAnker_93_93"></a><a href="#Fussnote_93_93" class="fnanchor">[93]</a> ber Religion und Poesie spricht -Fr. Schlegel hnlich wie Schleiermacher und Novalis.<a name="FNAnker_94_94" id="FNAnker_94_94"></a><a href="#Fussnote_94_94" class="fnanchor">[94]</a></p> - -<p>Was Fr. Schlegel wnschte, fhrte Tieck gleichzeitig schon zum Theile -und in seiner Weise aus. Whrend Schlegel sich mit seiner Mythologie -abmhte, geht Tieck mit khner Leichtigkeit den Weg, den ihm seine -lebendige religise Kunststimmung und die brigen empfangenen -Anregungen wiesen. Statt der antiken Mythologie, die ihm sein Leben -lang fern blieb und statt der neuzuschaffenden, von der Schelling, -Schlegel und Novalis trumten und die noch in recht nebeliger Ferne -dmmerte, tritt<span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">[S. 26]</a></span> bei Tieck die katholische Legende ein. Sie war fr ihn -ja lngst nimmer todt. Alte Kunst und Dichtung, Calderon voran, brgten -ihm fr die innere Lebenskraft derselben und er hatte auch mit eigenen -Augen in Sddeutschland katholisches Leben und den Cultus der Heiligen -in leibhafter Gegenwart mitangesehen. Er brauchte nur die Gestalten der -vergessenen Legende mit der reichen religisen Begeisterung, die ihm -eben aus vielen Quellen zustrmte, zu durchwrmen und den Reichthum -seiner Phantasie der Erneuerung des alten Bchleins dienstbar zu machen -und es bedurfte fr ihn keiner imaginren Mythologie mehr. Es war -das der nchste und selbstverstndlichste Weg, seinen dichterischen -Wnschen Genge zu thun.</p> - -<p>Die Freundschaft mit Wackenroder, die „Reden ber die Religion“, der -Umgang mit Novalis und der, wenn auch weniger tief wirkende, mit -Friedrich Schlegel<a name="FNAnker_95_95" id="FNAnker_95_95"></a><a href="#Fussnote_95_95" class="fnanchor">[95]</a>, die Lectre von Calderon und Jakob Bhme, deren -Einfluss noch spter besprochen werden soll, die gesammte geistige -Atmosphre, in welcher die junge Dichtergeneration lebte und athmete: -alles half zusammen, Tieck aus der flachen Sandwste Berlinischer -Aufklrung, in der Gemth und Phantasie klglich abgewelkt waren und -die Dichtung kein fruchtbares Erdreich fand, in die poetische Welt -des Religisen, Wunderbaren, Alterthmlichen, Gefhlsinnigen und zur -katholischen Legende hinberzufhren. Wer die Einwirkungen dieser -letzten Jahre im Auge behlt, kann es nicht rthselhaft finden, -dass in Tieck sich jetzt mit seiner Liebe zum Altdeutschen noch die -hochreligise Auffassung eines alten Stoffes vermhlt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Nun gewinnt der Dichter auch eine andere Stellung zu den Volksbchern, -als er sie bisher einnahm. Die Neigung fr die krftige Poesie -dieser alten Volksromane war, wie erwhnt, schon lngst in Tieck -lebendig. „Gtz“ und die Ritterdramen, die seine jugendliche Phantasie -bestrmten, hatten zuerst sein Interesse fr das Alte geweckt. Die -Sprache des „Faust“ empfand er als den „veredelten, tiefsinnigeren -Widerhall des alten, vergessenen deutschen Tones“ bei Hans Sachs. -„Die frheren Werke Goethes waren die erste Nahrung meines Geistes -gewesen. Ich hatte das Lesen gewissermaen im Berlichingen gelernt.<span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">[S. 27]</a></span> -Durch dieses Gedicht hatte meine Phantasie fr immer eine Richtung nach -jenen Zeiten, Gegenden, Gestalten und Begebenheiten bekommen.“<a name="FNAnker_96_96" id="FNAnker_96_96"></a><a href="#Fussnote_96_96" class="fnanchor">[96]</a> -Sein eigenes richtiges Gefhl fr das Poetische lie ihn den Wert der -verkannten bescheidenen Volksbchelchen erkennen und schtzen. Die -erste Erwhnung derselben treffen wir im „Karl von Berneck“.<a name="FNAnker_97_97" id="FNAnker_97_97"></a><a href="#Fussnote_97_97" class="fnanchor">[97]</a> Der -Dienst bei Nicolai vermochte die einmal erwachte Neigung, die Tieck -noch durch die Lectre lterer Literatur (Hans Sachs, Moscherosch, -Grimmelshausen) nhrte, nicht zu ersticken. Im „Peter Leberecht“ -spendet er den Volksbchern reiches Lob.<a name="FNAnker_98_98" id="FNAnker_98_98"></a><a href="#Fussnote_98_98" class="fnanchor">[98]</a> Dann folgen die -verschiedenen Neubearbeitungen von Volksbchern selbst. Schlichte, -holzschnittmige Nachbildung des alten Originals versucht er in -den „Haimonskindern“, lyrische Stimmungsmalerei in der „Magelone“. -Satirische Seitenwege geht er in den „Schildbrgern“ wie im „Blaubart“. -Abgesehen von den „Haimonskindern“, schaltet Tieck berall nach eigenem -Belieben in ziemlich freier Willkr mit dem alten Stoffe.<a name="FNAnker_99_99" id="FNAnker_99_99"></a><a href="#Fussnote_99_99" class="fnanchor">[99]</a> Die -Vorliebe fr diese alten Poesien ist noch immer eine bedingte, zum -Theil eine Vorliebe aus Opposition gegen den platten aufgeklrten -Dienstherrn Nicolai. Hauptschlich durch Wackenroders eigenthmliche -Geistesrichtung muss die tiefe Verehrung des Alten zur unbedingten, -schwrmerischen Begeisterung, zum „Phantastischen“<a name="FNAnker_100_100" id="FNAnker_100_100"></a><a href="#Fussnote_100_100" class="fnanchor">[100]</a> gesteigert -worden sein. Die brigen Romantiker stimmen bald in diesen Lobpreis des -Alten mit ein. In ein paar Jahren hat sich die Meinung festgesetzt, -dass der „historische Weg“ das einzige Mittel sei, eine Besserung in -Kunst und Poesie einzuleiten.<a name="FNAnker_101_101" id="FNAnker_101_101"></a><a href="#Fussnote_101_101" class="fnanchor">[101]</a> So flieen denn unmittelbar vor -Entstehung der „Genoveva“ die hchste Begeisterung und Bewunderung fr -das Altdeutsche und ein hochgesteigertes religises Stimmungsleben bei -Tieck ineinander, um sich vereint in die neue Schpfung zu ergieen.</p> - -<p>Im Jahre 1800, bald nach Vollendung der „Genoveva“, dichtet Tieck -so nebenbei in einigen heiteren Stunden einen<span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">[S. 28]</a></span> kleinen Schwank in -Hans Sachsens Manier, den „Neuen Hercules am Scheidewege“ (spter -„Der Autor“ betitelt). In dieser Burleske zieht er lustig gegen die -Ntzlichkeitsfanatiker und Aufklrer, gegen den „alten Mann“ Nicolai -und die unberufenen Lessingverehrer, gegen den ganzen Heerbann der -Antiromantiker vom Leder. Er feiert Goethe als Neubegrnder der wahren, -vaterlndischen, deutschen Poesie und verehrt den „groen deutschen -Jakob Bhme“. Jede Zeile deutet jene romantische Zeitstimmung an, -welcher die „Genoveva“ ihren Charakter verdankt. Der derbe „Altfrank“ -tritt wie ein Abgesandter des romantischen Geistes vor den Dichter hin -und ermuntert ihn zur Pflege der romantischen Dichtung:</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Erwrme dein Herz in alter Liebe,</div> - <div class="verse">Erwecke in dir die alten Triebe,</div> - <div class="verse">Wenn dir die neue Zeit nicht gefllt,</div> - <div class="verse">So gedenk der braven alten Welt,</div> - <div class="verse">Mit Andacht geh zu den alten Ruinen,</div> - <div class="verse">Die auf den hohen Bergen verwittern,</div> - <div class="verse">Sie schaun dich an mit wehmthigen Mienen</div> - <div class="verse">Und erzhlen dir von Thaten und Rittern,</div> - <div class="verse">Besuche zumal die Wald-Kapellen,</div> - <div class="verse">Wo sich heilige Geschichten vor dich stellen,</div> - <div class="verse">Die alte katholische Religion,</div> - <div class="verse">Als sie noch schmckte ihren Thron,</div> - <div class="verse">Und schner die Welt durchstrmte,</div> - <div class="verse">Ein selger Tod die Mrtrer krnte:</div> - <div class="verse">Als deutsche Freiheit noch stolzirte,</div> - <div class="verse">Vor ganz Europa hell pranchirte,</div> - <div class="verse">Das alles magst du khnlich preisen,</div> - <div class="verse">Verkndigen in vollen Weisen,</div> - <div class="verse">Was sonst erregte deinen Muth,</div> - <div class="verse">Beseligte in Adern dein Blut,</div> - <div class="verse">Lebt nicht noch alles in einzeln Spuren,</div> - <div class="verse">Wandelst nicht noch auf denselbigen Fluren?“<a name="FNAnker_102_102" id="FNAnker_102_102"></a><a href="#Fussnote_102_102" class="fnanchor">[102]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>hnliche Verse knnte man sich als Prolog vor die „Genoveva“ gesetzt -denken.</p> - -<p>Die nheren Umstnde, welche die Entstehung der „Genoveva“ noch -begleiteten, gibt Tieck selbst und sein Biograph Kpke an.<a name="FNAnker_103_103" id="FNAnker_103_103"></a><a href="#Fussnote_103_103" class="fnanchor">[103]</a> Den -ersten magebenden ueren Ansto erhielt<span class="pagenum"><a name="Seite_29" id="Seite_29">[S. 29]</a></span> Tieck nicht durch das -Volksbuch, sondern durch ein Werk des Geniedichters Maler Mller, -nmlich durch dessen Drama „Golo und Genoveva“, das, 1775–1781 -entstanden, auch die alte Legende behandelt. Bei einem Besuche in -Hamburg (1797) erhielt Tieck durch Vermittlung des Malers Waagen -Einsicht in Mllers Manuscript, das noch immer des Verlegers harrte. -Die Lectre war nach Tiecks Erzhlung eine flchtige. Nur das Lied: -„Mein Grab sei unter Weiden“ und die eigenthmliche Beziehung -desselben auf Golos Geschick machte ihm einen tiefen Eindruck. Im -brigen behielt er nur ein sehr allgemeines, verschwommenes Bild vom -Werke in Erinnerung. Diese Bekanntschaft mit dem Werke Mllers htte -am Ende noch nicht hingereicht, Tiecks Interesse bei diesem Stoffe -festzuhalten. Da fiel ihm aber ein Jahr darauf das Volksbchlein von -der Pfalzgrfin Genoveva selbst in die Hnde.<a name="FNAnker_104_104" id="FNAnker_104_104"></a><a href="#Fussnote_104_104" class="fnanchor">[104]</a> Es ist erklrlich, -dass Tiecks ganzes Gemth, das eben jetzt von altdeutschen und -religisen Kunststimmungen berquoll, sich mit Eifer und Liebe auf -den hier gebotenen Legendenstoff warf, der altdeutsche Schlichtheit -und innige Frmmigkeit so lehrend in sich vereinte und durch viele -Motive zur Verherrlichung der neuen romantischen Ideale einlud. Wenn -auch nicht mit tiefem Gemthe (das besa Tieck berhaupt kaum), so -doch mit ganzem Gemthe ergriff er diese Legende, die ihn so traut -anmuthete und durch ihre stille Gewalt seine Phantasie in Bewegung -setzte. Schnell und leicht muss alles, was an poetischen Krften in -ihm schlummerte, zusammengestrmt sein; denn im Sommer 1799 schrieb -er auf Giebichenstein den Prolog und die ersten Scenen. Im Herbste -vollendete er mit rascher Feder das Ganze und theilte es schon -im November seinen Freunden, im December Goethe, der den jungen -Romantikern ein wohlwollender Mentor war, mit, und im Jahre 1800 -erschien in Jena bei Friedrich Frommann das Trauerspiel „Leben und Tod -der heiligen Genoveva“, mit „Melusina“ und „Rothkppchen“ zum zweiten -Bande der „Romantischen Dichtungen“ vereint. In unserem Zusammenhange -angesehen, ist es nicht befremdend, wie die Behandlung dieses alten<span class="pagenum"><a name="Seite_30" id="Seite_30">[S. 30]</a></span> -religisen Stoffes in alter religiser Auffassung fr Tieck wirklich -ein poetisches Erlebnis werden und wie er spter Solger gegenber sagen -konnte: „Es (sc. Solgers Urtheil ber „Genoveva“) interessiert mich -sehr, weil dieses Gedicht auch ganz aus dem Gemthe gekommen ist, weil -es mich selbst berrascht hat, und gar nicht gemacht sondern geworden -ist.“<a name="FNAnker_105_105" id="FNAnker_105_105"></a><a href="#Fussnote_105_105" class="fnanchor">[105]</a></p> - -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_31" id="Seite_31">[S. 31]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="mbot2" id="II">II.<br /> - -Das Volksbuch als Quelle von Tiecks „Genoveva“.</h2> - -<p>Das Volksbuch bildet nach Tiecks eigener Andeutung den Stamm, an den -sich verschiedene andere Theile und Theilchen seines Dramas ansetzen. -Unsere erste Frage muss daher die nach dem Verhltnisse des Volksbuches -zu Tiecks Neudichtung sein. Dieser Untersuchung wird ein Druck der -Legende, wie er am Ende des vorigen Jahrhunderts umgieng, zugrunde -gelegt und zwar ein Druck jener Fassung, die auf die Martin Cochem’sche -Bearbeitung zurckgeht.<a name="FNAnker_106_106" id="FNAnker_106_106"></a><a href="#Fussnote_106_106" class="fnanchor">[106]</a> Es wird sich kaum authentisch feststellen -lassen, welcher Druck Tieck 1798 in die Hnde fiel. Dies verschlgt -jedoch wenig fr eine derartige Untersuchung, da diese Volksbcher -in ihrem inhaltlichen und vielfach auch im sprachlichen Bestande zu -den conservativsten Elementen unserer Literatur gehren. Die Wahl der -Grundlage fr diese Untersuchung muss eigentlich erst die Untersuchung -selbst rechtfertigen.</p> - -<h4 class="gesperrt">Der Abschied.</h4> - -<p><i>Volksbuch, 3 ff.</i> Die schlichte Erzhlung des Volksbuches beginnt -mit der glcklichen Ehe, die Graf Siegfried mit Genoveva, der -Herzogstochter von Brabant, geschlossen hat und dem Aufgebote des -Frankenknigs „Marcellus“, das Siegfried von der Seite seiner geliebten -Gemahlin hinweg in den Mohrenkrieg ruft. Denn der Mohrenknig -„Abdarodam“ ist in Spanien eingefallen und bedroht Frankreich. Der -Abschied Siegfrieds von Genoveva<span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32">[S. 32]</a></span> ist beraus schmerzlich und kostet -die junge Frau eine zweifache Ohnmacht. Siegfried sucht sie zu trsten, -gibt ihr seinen treuesten Diener Golo an die Seite und reit sich los.</p> - -<p><i>Tieck</i>. Die uere Lage der Dinge, den drohenden Mohrenkrieg und -Karl Martells Aufgebot, das Siegfried zu den Waffen ruft, nimmt Tieck -mit kleinen Erweiterungen in den Prolog auf.<a name="FNAnker_107_107" id="FNAnker_107_107"></a><a href="#Fussnote_107_107" class="fnanchor">[107]</a> Aus dem einfachen -Abschiede des Volksbuches, dessen einzelne Motive beibehalten werden, -entsteht ein reicher Complex von Abschieds-Scenen.<a name="FNAnker_108_108" id="FNAnker_108_108"></a><a href="#Fussnote_108_108" class="fnanchor">[108]</a> Eine kirchliche -Abschiedsfeier, ein huslich-familirer Abschied Siegfrieds von -Genoveva. (Mit Recht lsst es Tieck bei einer einmaligen Ohnmacht -bewenden.) Von Siegfried verabschieden sich auch seine Untergebenen, -Drago der Haushofmeister, Wolf, ein alter Ritter, und Golo, der zum -„Vogt“ ber Siegfrieds Haus bestellt wird. Das Abschiednehmen pflanzt -sich noch in die unteren Schichten der Unterthanen Siegfrieds fort. -Der Khler Grimoald sagt wehmthig seinem Sohne Traugott Lebewohl. -Endlich erfahren wir noch den Eindruck des Abschiedes auf den Schfer -Heinrich und seine Geliebte Else. Zwischen den kirchlichen und -huslichen Abschied fgt Tieck ein Schfer-Idyll ein, in dem nur ein -paar Erwhnungen des groen Abschiedes auf dem Schlosse uns leise an -die Hauptsituation erinnern. Es ist ein genrehaftes Stimmungsbild und -macht den Leser mit Golo, Golo selbst mit einem traurigen Liebesliede -bekannt, das ihn tief und rthselhaft ergreift. Ein wenig vom Vorleben -Genovevas erfahren wir beim Abschiede und abweichend vom Volksbuche -lsst Tieck sie eine Waise (damit man leichter erklrlich finde, warum -ihr gar niemand in ihrem Elende zuhilfe kommt) und eine Herzogstochter -von Burgund sein.<a name="FNAnker_109_109" id="FNAnker_109_109"></a><a href="#Fussnote_109_109" class="fnanchor">[109]</a> Den verballhornten Namen gibt Tieck eine bessere -Gestalt.</p> - -<h4 class="gesperrt">Der Krieg.</h4> - -<p>Das Volksbuch erzhlt die Schicksale Siegfrieds im Kriege und die -Begebenheiten daheim auf dem Schlosse synchronistisch, bis mit -Siegfrieds Rckkehr sich beide Fden wiedervereinigen. Ebenso sucht -Tieck den gleichzeitigen Fortgang der Ereignisse zu Hause und im Kriege -dadurch in seinem Drama vorzufhren,<span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">[S. 33]</a></span> dass er mit grter Freiheit des -Scenenwechsels uns bald auf den einen, bald auf den anderen Schauplatz -fhrt.</p> - -<p><i>Volksbuch, 5</i>. Nach dem Eintreffen Siegfrieds und der anderen Frsten -und Herren im Lager des Knigs „Marcellus“ geht es in die Schlacht. Das -Christenheer besiegt die Mohren trotz ihrer bermacht. Von den Mohren -fallen beilufig fnfmal soviel als berhaupt kmpfen! Die Geschlagenen -fliehen in die Stadt „Arion“ (jedenfalls ein Druckfehler fr das -sptere „Avion“ S. 15). Die Belagerung der Stadt bringt es mit sich, -dass Siegfried „ber ein Jahr“ lnger als er dachte, ausbleiben muss. -„In Gott und dem heiligen Gebet“ sucht indessen Genoveva ihren Trost.</p> - -<p><i>Tieck</i>. Von Karl Martell wird Siegfried als der letzte, weil -entfernteste, erwartet. Diese Zeit des Wartens verkrzt uns der Dichter -durch Vorfhrung verschiedener Lagerscenen. Wir lernen in der ersten -derselben den blindgehorsamen Otho und einen raisonnierenden Hauptmann -kennen, dann gleich in der nchsten Scene den groen, klugen Feldherrn -Karl Martell selbst. Neben diesem steht der feurig vorstrmende, -junge Herzog von Aquitanien, der von knftigem Kriegsruhme trumt. Es -erscheinen die anmaenden, stolzen Gesandten des Mohrenfrsten, die von -Karl gebrend abgefertigt werden. Nun kommt auch Siegfried an und Karls -Streitmacht ist damit beisammen. Die Schlacht knnte beginnen.<a name="FNAnker_110_110" id="FNAnker_110_110"></a><a href="#Fussnote_110_110" class="fnanchor">[110]</a></p> - -<p>Tieck wirft aber noch zuvor einen Blick nach Siegfrieds Schloss, -wo Genoveva bestndig an den Gatten denkt und wie im Volksbuch in -Andachtsbungen und Bibellesen Trost sucht, wo Golo bereits in seine -Herrin verliebt ist und Wolf, der alte Ritter, seine unheimlichen -astrologischen Neuigkeiten zum besten gibt.<a name="FNAnker_111_111" id="FNAnker_111_111"></a><a href="#Fussnote_111_111" class="fnanchor">[111]</a></p> - -<p>Nach diesem Intermezzo erffnet sich eine Nachtscene im saracenischen -Lager. Abdorrhaman, der Feldherr, ertheilt seine Befehle. Zulma, seine -Geliebte, ist ihm in Kriegerkleidung nachgeeilt, ohne von ihm sogleich -erkannt zu werden. Abdorrhaman trgt sich mit ehrgeizigen Plnen und -will sich von seinem Kalifen lossagen.<a name="FNAnker_112_112" id="FNAnker_112_112"></a><a href="#Fussnote_112_112" class="fnanchor">[112]</a></p> - -<p>Mit einer hnlichen Versuchung ringt Karl Martell. Fr ihn ist es -nmlich ein verlockender Gedanke, sich die frnkische<span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34">[S. 34]</a></span> Knigskrone aufs -Haupt zu setzen, nachdem er doch thatschlich bereits die knigliche -Macht in Hnden hat. Er berwindet die lockenden Einflsterungen des -Ehrgeizes.<a name="FNAnker_113_113" id="FNAnker_113_113"></a><a href="#Fussnote_113_113" class="fnanchor">[113]</a></p> - -<p>Nun beginnt der Kampf der beiden Heere. Es erffnet sich ein weites, -reichangelegtes Schlachtbild.<a name="FNAnker_114_114" id="FNAnker_114_114"></a><a href="#Fussnote_114_114" class="fnanchor">[114]</a> Zuerst fliehende Saracenen, deren -Muth durch die Tapferkeit ihres Fhrers neu belebt wird. Das Kampfglck -wechselt. Die Christen fliehen und der jugendliche, unvorsichtige, -voreilige Aquitanien wird gefangen. Nach den Massenscenen folgen -Einzelkmpfe. Ein Vierkampf: Abdorrhaman-Zulma gegen zwei Franken. Die -Befreiung des Herzogs von Aquitanien. Kleine Ruhepause. Zweikmpfe -zwischen Otho und Derar, zwischen Aquitanien und Abdorrhaman. -Schlielicher Sieg der Christen. Nach der Schlacht eine tragische -Liebes-Episode zwischen Zulma und Aquitanien. Tieck aber verfolgt das -Thema: Krieg und Schlacht noch weiter. Nach vollendeter Feldschlacht -gegen den ueren Feind erscheint in der Ferne der Aufruhr im eigenen -Lande des Herzogs von Aquitanien einerseits; andererseits kommt „ein -Unbekannter“ voll mysteriser Gelehrsamkeit zu Karl Martell und -entwickelt in prophetischer Rede die welthistorischen Folgen der groen -Schlacht, die eben geschlagen wurde. Noch immer ist Tieck nicht zu -Ende. Thun wir einen Blick in seine Dichtung nach vorwrts, so sehen -wir das Kriegsmotiv noch weiter fortgefhrt. Nach dem Kriege im offenen -Felde erleben wir die Belagerung von Avignon.<a name="FNAnker_115_115" id="FNAnker_115_115"></a><a href="#Fussnote_115_115" class="fnanchor">[115]</a> (Die Belagerung von -„Avion“ erwhnt auch das Volksbuch im Vorbergehen.) Das Motiv erzeugt -auch in seiner neuen Wendung Scene auf Scene. Die Mohren sind in einer -ihnen feindlichen Stadt eingeschlossen, deren Brger die bergabe -wnschen. Die Mohren planen einen Ausfall und setzen ihn ins Werk. -Nchtlicher Kampf im Lager. Zuerst die Christen in Bedrngnis, danach -siegend. Der sterbende und der verwundete Krieger (Otho und Siegfried). -Kampf in der Stadt. Zweikampf zwischen Karl und Ali. Nchtlicher Brand -in Stadt und Lager. Die Brger bergeben ihre Stadt den befreundeten -Belagerern.</p> - -<p>Was ist hier aus dem kahlen Berichte des Volksbuches nicht alles -geworden! Hier wie in den Eingangs-Scenen der<span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">[S. 35]</a></span> „Genoveva“ wurde -thatschlich die Imagination des Dichters derart „in Bewegung gesetzt“, -dass aus den einfachen Thatsachen: schmerzlicher Abschied, Schlacht und -Belagerung in Tiecks Phantasie ein wahres Lauffeuer von Motiven und -Scenen sich entwickelte. Es sind sozusagen alle mglichen kriegerischen -Verwicklungen behandelt, Massenkampf, Einzelkampf, offene Schlacht, -Belagerung, uere Feinde, innere Feinde. Das Motiv soll mglichst -erschpft werden, um in der Dichtung die romantische „Begeisterung des -Kriegers“, der fr Christus kmpft, lebendig sprechen zu lassen. Drei -Seiten des kleinen Volksbchleins dehnten sich zu mehr als sechzig -Seiten in der Tieck’schen Dichtung aus.</p> - -<h4 class="gesperrt">Golos Liebe.</h4> - -<p><i>Volksbuch, 6 ff</i>. Ausfhrlicher als in der Erzhlung vom Mohrenkriege -ergeht sich das Volksbuch in der Schilderung der sndhaften Liebe -Golos. Der Satan — heit es — will Genoveva in Schaden bringen. -Er gibt darum Golo unkeusche Gedanken ein. Golo gesteht Genoveva -seine Wnsche, wird aber mit dem directen Hinweis auf die schuldige -Gattentreue strenge von ihr zurckgewiesen. Doch seine Leidenschaft -dauert fort und wchst. Nachdem der direct ausgesprochene unsittliche -Antrag abgewiesen war, versucht es Golo indirect mit Hilfe eines -Bildes. Genovevas Portrt gibt ihm Gelegenheit zu einer zweiten etwas -verhllten Liebeserklrung. Die fromme Grfin erkennt die Absicht und -schickt Golo wieder mit einem scharfen Verweise heim. Die sinnliche -Begierde des Zudringlichen steigert sich aber aufs neue und nach der -Abendmahlzeit im Garten wagt er einen dritten Versuch, zu seinem Ziele -zu gelangen. Er versucht diesmal, die gnstige Stunde auszuntzen. -Genoveva droht jedoch erzrnt, alles ihrem Gatten zu berichten und -weist damit jedes Ansinnen von sich. Es wiederholt sich im wesentlichen -dreimal die nmliche Scene, und Golo, dem jede Hoffnung auf Erfllung -seiner Wnsche schwindet, sinnt auf Rache.</p> - -<p><i>Tieck</i>. Wesentlich anders tritt uns Golos Liebe im Werke Tiecks -entgegen. Hier sehen wir die Liebe und Leidenschaft entstehen. In der -Abschiedsscene ist von Golos Liebe nur in kaum merklichen Andeutungen -die Rede. Der Ritter mchte sogar noch in den Krieg ziehen.<a name="FNAnker_116_116" id="FNAnker_116_116"></a><a href="#Fussnote_116_116" class="fnanchor">[116]</a> -Bald jedoch wird Golo schwer<span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">[S. 36]</a></span>mthig und eine geheime Macht zieht ihn -unbewusst in Genovevas Nhe.<a name="FNAnker_117_117" id="FNAnker_117_117"></a><a href="#Fussnote_117_117" class="fnanchor">[117]</a> Er spricht aber noch kein Wort von -Liebe, er wei sich seinen Zustand nicht zu erklren und mchte ihn -am liebsten abschtteln. Golo will (ein knstlerisch feiner Zug!) -durch das Singen „der alten Liebesreime“ seine traurige Stimmung -vertreiben. In Ausdrcken religiser Verehrung und Andacht spricht -er von seiner reinen Neigung zu Genoveva.<a name="FNAnker_118_118" id="FNAnker_118_118"></a><a href="#Fussnote_118_118" class="fnanchor">[118]</a> Als er aber das Lied -des verstoenen Liebhabers singen will, brechen ihm Thrnen hervor; -er wird sich seines inneren Zustandes bewusst, er fhlt bereits, dass -dieses Lied ihm selbst gilt.<a name="FNAnker_119_119" id="FNAnker_119_119"></a><a href="#Fussnote_119_119" class="fnanchor">[119]</a> Genoveva, die Arglose, merkt nur eben -eine Vernderung an Golo, die sie seiner treuen Sorge um Siegfried -zuschreibt.<a name="FNAnker_120_120" id="FNAnker_120_120"></a><a href="#Fussnote_120_120" class="fnanchor">[120]</a> Die Leidenschaft des Unglcklichen wird zum zehrenden -Feuer; er spricht sie aber noch immer nur in Liedern und versteckten -Andeutungen aus, ohne den Namen seiner Geliebten zu verrathen.<a name="FNAnker_121_121" id="FNAnker_121_121"></a><a href="#Fussnote_121_121" class="fnanchor">[121]</a> -Die verhaltene Leidenschaft weckt verzweifelte Stimmungen.<a name="FNAnker_122_122" id="FNAnker_122_122"></a><a href="#Fussnote_122_122" class="fnanchor">[122]</a> Das -in Liedern verschleierte Liebesgestndnis entspricht (rein uerlich -genommen) dem ersten Antrage des Volksbuches. Tiecks Genoveva nimmt die -Sache nicht ernst, sondern fr poetische „Erfindung“, fr „Schwrmerei“ -und lehnt sie als solche in sanfter Weise ab.<a name="FNAnker_123_123" id="FNAnker_123_123"></a><a href="#Fussnote_123_123" class="fnanchor">[123]</a></p> - -<p>Indessen gesteht Golo seiner Amme Gertrud, was seine Seele foltert. Es -ringen schon reine Liebe und Sinnlichkeit in ihm. Gertrud, die wir erst -noch in der Balkon- und in einer Schloss-Scene als Vertraute Genovevas -sahen, der diese ihr ganzes Herz enthllte, zeigt sich nun pltzlich -als halbe Kupplerin, was man von ihr nicht vermuthet htte.<a name="FNAnker_124_124" id="FNAnker_124_124"></a><a href="#Fussnote_124_124" class="fnanchor">[124]</a> Eine -halbe Kupplerin, — denn Tieck sucht das Thun Gertruds mit ihrer -nrrischen Liebe zu ihrem Pflegesohne beilufig zu motivieren und so -das Abstoende zu mildern. Darum erzhlt die geschwtzige Amme auch -mit so liebevoller, wortreicher Freude von Golos Jugend und von seinen -Vorzgen.<a name="FNAnker_125_125" id="FNAnker_125_125"></a><a href="#Fussnote_125_125" class="fnanchor">[125]</a> Gertrud richtet Golo aus seiner<span class="pagenum"><a name="Seite_37" id="Seite_37">[S. 37]</a></span> dumpfen Stimmung zu -neuem Muthe und neuer Hoffnung wieder auf und so ist denn auch der -abermalige Angriff auf Genovevas Herz eingeleitet, der sich beim -Betrachten des Bildnisses der Grfin abspielt.<a name="FNAnker_126_126" id="FNAnker_126_126"></a><a href="#Fussnote_126_126" class="fnanchor">[126]</a> Das Bild gibt also -Golo hier wie im Volksbuch die Gelegenheit zum zweiten Antrage. Auch -bei Tieck besieht Genoveva „frwitzig“ ihr Bild und Golo kommt von -ungefhr dazu. Die entscheidende Stelle behandelt Tieck sehr genau nach -der Vorlage. Im Volksbuche (Seite 7) fragt Genoveva, „ob er (Golo) -vermeinte, dass diesem schnen Stck noch etwas abgehe?“ Da sprach -er zu ihr: „Gndige Frau, wiewohl diesem Bild keine Schnheit mag -beykommen, so vermeine ich dannoch, es gehe ihm etwas ab, nemlich dass -es lebendig sey, und mir eigentlich zustehe.“ Tieck, 187, 23:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft85"><em class="gesperrt">Genoveva</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„— — Zwar hat er mir geschmeichelt, aber sonst</div> - <div class="verse">Scheint mir dem Bilde nichts zu fehlen.“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft98"><em class="gesperrt">Golo</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft16">„Nichts?“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft85"><em class="gesperrt">Genoveva</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft98">„Schaut es nur selber an.“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft98"><em class="gesperrt">Golo</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft12">„Das geht ihm ab,</div> - <div class="verse mleft4">Dass es nicht lebt und eigen mir gehrt.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Whrend aber im Volksbuche Genoveva sich „im Antlitz ganz erzrnt“ -zeigt, fragt Tiecks Genoveva gar naiv: „Wie meint ihr das, wie kann ein -Bildnis leben?“ Als Golo deutlicher wird, hlt sie ihn fr fieberkrank. -Nach dem leidenschaftlichen Ausbruche seiner Empfindung erinnert sie -ihn an Siegfried. (Im Volksbuch beim ersten und dritten Antrage.) Erst -als Golo sie in seine Arme reien will, benimmt sie sich ungefhr wie -im Volksbuche.<a name="FNAnker_127_127" id="FNAnker_127_127"></a><a href="#Fussnote_127_127" class="fnanchor">[127]</a></p> - -<p>Golo ist durch die Abweisung niedergeschmettert. Gertrud sucht ihm -wieder Hoffnung zu machen.<a name="FNAnker_128_128" id="FNAnker_128_128"></a><a href="#Fussnote_128_128" class="fnanchor">[128]</a> Seelische und sinnliche Neigung -steigern sich in ihm. Um die Abendmahlzeit erwartet er Genoveva -im Garten, wie im Volksbuche. Sein hochaufstrebendes Liebesgefhl -wird mehr und mehr von sinnlicher Sehnsucht erdrckt. Als Genoveva -erscheint, wird Golo zuerst durch die Erinnerung an sein Benehmen in -der Portrtscene in<span class="pagenum"><a name="Seite_38" id="Seite_38">[S. 38]</a></span> Schranken und Migung gehalten.<a name="FNAnker_129_129" id="FNAnker_129_129"></a><a href="#Fussnote_129_129" class="fnanchor">[129]</a> Allmhlich -bricht sich die Leidenschaft wieder Bahn, erst nur in Worten andeutend, -dann immer dringlicher und ungestmer. Genoveva, an der Tieck besonders -eine naive, unschuldige Hilflosigkeit, einen Mangel an Verstndnis fr -alles Schlechte herausarbeiten mchte, spricht von Golos Wahnsinn, -von Siegfried, sie sieht sich erst einmal um Hilfe um, und nun -endlich erfolgt die entschiedene Abweisung und Flucht. Jetzt flammt -in Golo neben der Liebe Eifersucht und Rachsucht auf, durch Gertruds -Einflsterungen ber Genoveva und Drago veranlasst.<a name="FNAnker_130_130" id="FNAnker_130_130"></a><a href="#Fussnote_130_130" class="fnanchor">[130]</a></p> - -<p>Die Liebesverwickelung des Dramas folgt in ihrem ueren Umrisse -(in den drei Stadien) und in manchen Einzelheiten allerdings dem -Volksbuche. Tieck schuf jedoch aus dem Rohstoffe hier etwas wesentlich -Neues und dichterisch Hherstehendes. Aus der dreimaligen Wiederholung -des nmlichen Antrages eines sinnlichen Gesellen sollte ein organisch -wachsender psychischer Process mit leisen bergngen, mit Motivierung -der einzelnen Stufen sich entfalten. Der Golo des Volksbuches wird -aus dem „treuesten Diener“, fr den er wenigstens anfangs gilt, ohne -weitere psychologische Aufklrung im Handumdrehen ein rabenschwarzer -Bsewicht, der den Einsprechungen des Satans willig Gehr schenkt. So -will es die drastische Holzschnittmanier des Volksbuches und so liebt -es der einfache Volksbuchleser. Bei Tieck, dem feineren Kunstdichter, -lernen wir zunchst einen Ritter voll bezaubernder Liebenswrdigkeit, -einen Mann mit herrlichen geistigen und krperlichen Vorzgen kennen, -den erst seine sndige Leidenschaft, nachdem er selbst ihr zu -widerstehen versucht hat, zu Treubruch und Verbrechen fhrt.<a name="FNAnker_131_131" id="FNAnker_131_131"></a><a href="#Fussnote_131_131" class="fnanchor">[131]</a></p> - -<p>Wenn bisher Tiecks Phantasie die mageren Skizzen des Volksbuches, wie -wir zeigten, zu reichen bunten Gemlden erweiterte, so sehen wir hier -den Dichter in anderer Weise poetisierend thtig. Das Rohmaterial wird -umgeformt, die Charaktere psychologisch tiefer gefasst. Statt der -pltzlich fertigen sinnlichen Leidenschaft ein schrittweises Entwickeln -und Emporwachsen der Liebe von reiner unbewusster Neigung zum heftigen -Sturm sinnlichen Verlangens. Im Volksbuch rckt Golo ohne Scheu<span class="pagenum"><a name="Seite_39" id="Seite_39">[S. 39]</a></span> direct -mit seinen sndigen Antrgen heraus, bei Tieck schlgt er schchtern -allerhand Umwege ein. Der Satan flstert ihm nicht mehr von auen bse -Gedanken in die Seele, sondern er erwacht „als bser Geist“ in Golos -Herzen und reit ihn dem Untergang entgegen.<a name="FNAnker_132_132" id="FNAnker_132_132"></a><a href="#Fussnote_132_132" class="fnanchor">[132]</a> Golo selbst fhlt, -dass „der wilde Satan“ ihm sinnliche Phantasien eingibt.<a name="FNAnker_133_133" id="FNAnker_133_133"></a><a href="#Fussnote_133_133" class="fnanchor">[133]</a> Die -fortreiende verheerende Leidenschaft dnkt ihm ein „Hllenwerk“.<a name="FNAnker_134_134" id="FNAnker_134_134"></a><a href="#Fussnote_134_134" class="fnanchor">[134]</a> -Was im Volksbuch nur wie eine uerliche Maschinerie erscheint, wird -vom Dichter seelisch vertieft und verinnerlicht und so zugleich -menschlich erklrt.</p> - -<p>Das Volksbuch spricht wohl von einer Steigerung des sinnlichen -Verlangens in Golo, das ihn zu seiner dreifachen Werbung treibt, -aber es bleibt eine blo quantitative Steigerung der sinnlichen Gier -und die drei Antrge sind darum nichts weiter als eine Wiederholung -der nmlichen Sache, wenn auch dabei die kleinen Nebenumstnde -wechseln. Anders wird das Ganze bei Tieck. Wenn hier die Liebe als -reine seelische Neigung anhebt und erst allmhlich sich die sinnliche -Begierde eindrngt, wenn es in Golos Seele erst einen harten Kampf -zwischen ehrfrchtiger Verehrung und niedrigem Verlangen gibt, bis -die sinnliche Leidenschaft dem aufwrtsstrebenden Zuge des Gemthes -obsiegt, bis alles „geht bergunter zur Nacht hinunter“, so hat der -Dichter damit eine innere Grundlage fr einen dreifachen Liebesantrag -gewonnen, der dann keine einfrmige Wiederholung mehr ist. Zu dieser -inneren Motivierung und Ausgleichung kommt noch eine uere, das -Eingreifen der Amme Gertrud in den Gang der Entwickelung, wie er oben -geschildert wurde. Sie bestrkt Golo in seinen Irrgngen nicht aus -Bosheit, sondern aus falscher Liebe. Golo lsst sich die Zweifel ber -das Recht seiner Liebe ausreden und ist nun nicht mehr allein schuldig. -Diese Gestalt tritt im Volksbuch erst nach der Gefangensetzung -Genovevas in Thtigkeit. Whrend man den Bsewicht Golo im Volksbuch -von Anfang an verachten muss, gewinnt der ursprnglich gutgesinnte -und herrliche Ritter, den seine unglckliche Liebesleidenschaft ins -Verderben strzt, unsere Theilnahme.</p> - -<p>Um diesen Entwickelungsgang in Golos Liebe zu ermglichen, durfte -Genoveva nicht das Wesen der Volksbuchheiligen<span class="pagenum"><a name="Seite_40" id="Seite_40">[S. 40]</a></span> beibehalten. Diese -treue, strenge, energische Ehefrau, wie die Volksbuchlegende sie -vorfhrt, wrde ohne viel Umstnde dem Liebeswerben Golos nach der -ersten Annherung ein jhes Ende bereiten, und jenes Austnenlassen -der Liebesempfindung in allen Graden und sogar in ihrer Gegenwart -selbst, darin sich Tiecks Golo gefllt, fnde keinen Raum mehr. Fr -eine dramatische Concentration des Stoffes wre gewiss ein einmaliger -psychologisch motivierter Zusammensto wirksamer (Golos Leidenschaft -knnte keimen und wachsen, ohne dass er ein Gestndnis wagte): allein -auf eine strenge Erfllung dramatischer Anforderungen verzichtet Tieck -in dieser Dichtung von vornherein.</p> - -<p>Die Umbildung, die sich Genoveva in Tiecks Phantasie gefallen lsst, -gereicht ihr nicht ganz zum Vortheil. Sie muss sich (knstlerisch -genommen) eben Golo fgen, der in diesen Partien des Buches als -Alleinherrscher erscheint. Die strenge Frau des Volksbuches wird zu -einem naiven, arglos unschuldigen, unentschiedenen, fast schwchlichen -Wesen, jedoch zu einem Wesen von hchster Seelenreinheit, zu einem -Wesen voll nichts ahnender Unschuld umgeschaffen, und aus ihrer -kindlichen Herzensunschuld soll wohl ihre Arglosigkeit entspringen, aus -dieser naiven Arglosigkeit ihr schier unbegreiflich gtiges, bis zur -Schwche nachsichtiges Benehmen gegen Golo. Ob es dem Dichter gelang, -dies glaubhaft zu machen, ist noch eine Frage fr sich. brigens -hngt dieser passive Charakter Genovevas noch mit der eigenthmlichen -Schleiermacher-Tieck’schen Religions-Auffassung zusammen.</p> - -<p>Das Charakteristische fr diesen Theil der neuen Dichtung ist: Tieck -nimmt fr Golos Liebe aus der Vorlage das uere Schema, hebt es aber -dadurch zu feinerer poetischer Gestaltung empor, dass er es in eigener -Weise vertieft und belebt und auch ethisch verstndlicher macht.</p> - -<h4 class="gesperrt">Genovevas Gefangennahme.</h4> - -<p><i>Volksbuch, 8 ff</i>. Genovevas Freundlichkeit gegen den frommen -Kchenmeister Dragones bentzt der rachschtige Golo als willkommenen -Anlass, die Grfin bei seinen Freunden zu verdchtigen. Golo bringt -einige Diener auf seine Seite, schickt eines Tages Dragones, „den -frommen Tropf“, in Genovevas Zimmer, ertappt ihn daselbst, beschuldigt -ihn und Genoveva wegen dieses Vorfalles des Schlimmsten und spricht -von Liebespulver, das<span class="pagenum"><a name="Seite_41" id="Seite_41">[S. 41]</a></span> der Koch der Grfin beigebracht haben soll. -Diese Verdchtigung spricht Golo den Dienern gegenber aus, dann ruft -er Dragones zu sich und lsst ihn nach einer lngeren Anklagerede in -den tiefsten Thurm werfen. Dragones beschwrt wohl erschreckt seine -Unschuld. Es ntzt ihm nichts. Er muss in den Thurm und schlielich in -der Haft zugrunde gehen. (Dass er vergiftet wird, erzhlt das Volksbuch -erst spter.) Als Dragones todt ist, erhebt Golo seine Anklage gegen -Genoveva und sperrt sie „bis auf weitere Ordre des Herrn Grafen“ -ein. Die Gefangennahme war „erbrmlich“ anzusehen. Die Unbild gieng -Genoveva, der schwangeren Frau, zu Herzen, und sie klagte Gott ihre -Unschuld.</p> - -<p><i>Tieck</i>. Unser Romantiker verwendet alles Wesentliche auch fr -seine Darstellung der Rache Golos, jedoch mit mehreren nderungen. -Durch Gertrud wird Golo auf Drago aufmerksam gemacht und durch ihre -Worte wird die Rache und Eifersucht auf den harmlosen Hausmeister -hingelenkt.<a name="FNAnker_135_135" id="FNAnker_135_135"></a><a href="#Fussnote_135_135" class="fnanchor">[135]</a> Whrend Genoveva und Drago sich ber die Bedeutung und -christliche Auffassung der irdischen Leiden besprechen, werden sie von -Golo und seinem Anhange berfallen. Dass Golo bereits Machinationen -im Sinne der Volksbucherzhlung angestellt hat, ersieht man aus ein -paar unklaren Andeutungen.<a name="FNAnker_136_136" id="FNAnker_136_136"></a><a href="#Fussnote_136_136" class="fnanchor">[136]</a> Das lange, schwerfllige Hin und Her -des Volksbuches, das dort die Einkerkerung der beiden einleitet und -begleitet, lsst Tieck, der dramatischen Form seiner Dichtung Rechnung -tragend, hier ganz gut fallen.</p> - -<p>Drago ist auch in Tiecks Dichtung ein „frommer, andchtiger“ Mensch, -doch nicht gerade ein einfltiger „Tropf“, wie ihn das Volksbuch nennt. -Er ist vielmehr lernbegierig,<a name="FNAnker_137_137" id="FNAnker_137_137"></a><a href="#Fussnote_137_137" class="fnanchor">[137]</a> er wei seiner Gebieterin manches im -Legendenbuche, sogar „lateinische Redensarten“ zu erklren<a name="FNAnker_138_138" id="FNAnker_138_138"></a><a href="#Fussnote_138_138" class="fnanchor">[138]</a> (etwas -viel zwar fr einen Koch auf einer mittelalterlichen Ritterburg) und -pflegt mit ihr weitlufige religis-didaktische Errterungen.<a name="FNAnker_139_139" id="FNAnker_139_139"></a><a href="#Fussnote_139_139" class="fnanchor">[139]</a> Er -ist geradezu an die Stelle des Kapellans getreten. Whrend Dragones -im Volksbuch erst, als von Golos Rache die Rede ist, erwhnt wird, -lsst ihn Tieck schon von Anfang an wenigstens nebenbei auf die<span class="pagenum"><a name="Seite_42" id="Seite_42">[S. 42]</a></span> -Bhne treten. Auch hier erwirbt ihm seine Frmmigkeit die freundliche -Geneigtheit Genovevas. Beim berfall betheuert er auch verzagt und -erschreckt seine Unschuld, wird aber in den Thurm geworfen und soll -dort sein Grab finden.<a name="FNAnker_140_140" id="FNAnker_140_140"></a><a href="#Fussnote_140_140" class="fnanchor">[140]</a> Da Genoveva gleichzeitig eingekerkert wird, -so muss sie in einen „andern Thurm“ wandern.</p> - -<p>Neu fhrt Tieck neben der Rachgier das Motiv der Eifersucht<a name="FNAnker_141_141" id="FNAnker_141_141"></a><a href="#Fussnote_141_141" class="fnanchor">[141]</a> ein, -lsst es aber gleich wieder fallen. Im Volksbuch gewinnt Golo einige -Diener fr seinen Racheplan. Eine Spur davon blieb im Trinkgelde, mit -dem Benno, der Helfershelfer, und die Dienerschaft von Golo bedacht -werden.<a name="FNAnker_142_142" id="FNAnker_142_142"></a><a href="#Fussnote_142_142" class="fnanchor">[142]</a> Auch Tiecks Golo redet seinen zweifelhaften Anhang als -„Freunde“ an und beruft sich auf seine Pflicht, die Ehre des Grafen zu -schtzen, auf seine Verantwortung, die er dem rckkehrenden Siegfried -schulde.<a name="FNAnker_143_143" id="FNAnker_143_143"></a><a href="#Fussnote_143_143" class="fnanchor">[143]</a> Wenn es im Volksbuch „erbrmlich“ anzusehen ist, wie -man die unschuldige Grfin in die Gefangenschaft schleppt, so gibt -uns diesen Eindruck auch das Gesprch zwischen Wendelin und Else -wieder.<a name="FNAnker_144_144" id="FNAnker_144_144"></a><a href="#Fussnote_144_144" class="fnanchor">[144]</a> Genoveva sagt mit der hohen Sicherheit der Unschuld blo -zu Golo: „Du, Golo, weit, ich brauch’ mich nicht zu schmen.“ Man -erwartet, dass Genoveva fr ihren unschuldigen Leidensgenossen ein Wort -sprechen wrde und umgekehrt. Von Benno, dem Echo Golos, hren wir, -dass Genoveva „im Thurm bleiben wird, bis der Herr Graf wieder da ist, -dann mag er sie richten“. Die Schwangerschaft Genovevas und das Betonen -ihrer Unschuld kehrt bei Tieck in einer monologischen Klage wieder.<a name="FNAnker_145_145" id="FNAnker_145_145"></a><a href="#Fussnote_145_145" class="fnanchor">[145]</a></p> - -<p>Tieck vereinfacht hier die unbeholfen weitlufige Erzhlung der -Vorlage. Dragones’ Gestalt wird gehoben. Gertrud greift in der Weise -intriguierend ein, dass Golo wieder ein wenig von der Schuld entlastet -wird. Die unerquicklich lange Geschichte der zweifachen Verhaftung -wird dramatisch zu einer einzigen gleichzeitigen zusammengezogen. Der -Kapellan ist todt, der alte Wolf krank, um Genovevas Hilflosigkeit ins -strkste Licht zu setzen. Im Unglck wird Tiecks Heilige, die erst noch -schwchlich und willenlahm erschien, zur wrdevollen Dulderin, die uns<span class="pagenum"><a name="Seite_43" id="Seite_43">[S. 43]</a></span> -Rhrung und Achtung einflt. Hier wie sonst im Drama klingen (und das -ist Tiecks Beigabe) die Geschicke der Hauptpersonen in den Nebenscenen -nach und hier wie im vorhergehenden wechseln Kriegsscenen und -Schloss-Scenen, das einemal contrastierend, das anderemal in Parallele -gestellt.</p> - -<h4 class="gesperrt">Genovevas Kerkerhaft.</h4> - -<p><i>Volksbuch, 11 ff</i>. In den Kerker Genovevas hat auer Golo nur dessen -Amme Zutritt. Diese beiden sind es, welche der Gefangenen schwere Tage -bereiten. Golo besucht sie und will sie durch jedes Mittel seinen -Wnschen gefgig machen, durch gute und bse Worte, durch Verheiungen -und Drohungen, durch Liebkosen und Schmeicheln. Aber umsonst! Einmal -stt ihn Genoveva „mit der Faust“ zurck und weist ihn, indem sie -ihn an ihr Seelenheil erinnert, mit grter Entschiedenheit ab. Sie -will lieber sterben, lieber im Kerker verfaulen, als den Wnschen des -Verfhrers irgendwie entgegenkommen. An einer spteren Stelle heit -es, Genoveva sei „tglich von dem tyrannischen Golo mit Schmhworten -gespeiset worden“. Um den Willen der Widerstrebenden doch zu beugen, -dingt Golo noch seine Amme, die es an Zureden bei Genoveva nicht fehlen -lsst. Die „lose Vettel“ schlgt der Armen auch jede Hilfeleistung -fr die bevorstehende Entbindung ab. Sie bringt Golo bald darauf die -Nachricht, dass nunmehr zwei Gefangene im Thurme wren und sagt ihm vom -Elende der Wchnerin. Selbst bewegt durch diese Noth, sucht sie bei -Golo einige Bequemlichkeit fr die Unglckliche zu erbitten. Nur ein -wenig mehr Wasser und Brot wird bewilligt.</p> - -<p><i>Tieck</i>. Was Tieck in seiner Quelle vorfindet, verwertet er wieder -alles ziemlich sorgfltig. Wir finden das einemal Golo bei Genoveva, -wie er mit Bitten, Drohen und Verheiungen um ihre Neigung wirbt; aber -von Genovevas Persnlichkeit berwltigt und zur Ehrfurcht gezwungen, -entfernt er sich. Dieser schne Zug, dass vor der hohen Seelenreinheit -und heiligen Unschuld der sittenstrengen Frau der Begehrliche -unwillkrlich zurckweicht, ist Tiecks Zugabe und dieser nmliche -Gedanke schimmert auch sonst noch ein paarmal im Drama durch.<a name="FNAnker_146_146" id="FNAnker_146_146"></a><a href="#Fussnote_146_146" class="fnanchor">[146]</a> In -einer anderen Scene tritt Golo hhnisch vor die Dulderin, auch wieder -verheiend und bittend. Genoveva wehrt ihn mit krftigen Worten<span class="pagenum"><a name="Seite_44" id="Seite_44">[S. 44]</a></span> ab, -sie will lieber „sterben und verderben“, als ihm die geringste Gunst -erweisen. Alles Drohen, Bitten und Klagen ist unntz und da schlielich -Genoveva den Bedrnger zur Reue mahnt, verlsst er sie mit rohen -Schimpfreden.<a name="FNAnker_147_147" id="FNAnker_147_147"></a><a href="#Fussnote_147_147" class="fnanchor">[147]</a></p> - -<p>Whrend im Volksbuch die Amme erst an dieser Stelle erscheint, -kennen wir Tiecks Gertrud bereits lngere Zeit. Sie spielt hier der -Gefangenen gegenber fast die gleiche Rolle wie im Volksbuch. Sie -sucht auch hier Genoveva im Sinne Golos zu bereden, wenigstens ein -freundliches Wort fr ihn zu erwirken.<a name="FNAnker_148_148" id="FNAnker_148_148"></a><a href="#Fussnote_148_148" class="fnanchor">[148]</a> Doch es geschieht hier -nicht blo in boshafter kupplerischer Weise, wie man es im Volksbuch -wohl auffassen muss, sondern falsche Liebe und strfliches Mitleid -mit dem hinsiechenden Pflegesohne sprechen auch ein entscheidendes -Wort mit. Der Wchnerin wird zwar die nothwendigste Pflege ebenfalls -verweigert, aber nicht auf Gertruds Anstiften. Diese weicht der Bitte -Genovevas blo aus. Die Nachricht von der Geburt des Kindes und der -schlimmen Lage der Mutter berbringt Gertrud mit ganz hnlichen Worten -wie ihr Vorbild.<a name="FNAnker_149_149" id="FNAnker_149_149"></a><a href="#Fussnote_149_149" class="fnanchor">[149]</a> Das Mitleid mit der Hilflosen uert sich bei -Gertrud viel lauter und energischer, als bei der Amme im Volksbuch; -jene widerliche „Vettel“ bekommt auch hier wie sonst ein menschlicheres -Ansehen. Der Hinweis auf die Jagdhunde wird in Gertruds Bitte nicht -vergessen. Durch das gesteigerte Mitleid vergtet Tieck einigermaen -den abstoenden Eindruck, den das kupplerische Gebaren dieses Weibes im -vorhergehenden Theile der Dichtung machte. Die Sachlage verschiebt sich -ein wenig. Es erscheint nmlich bei Tieck Golo als der hartherzige. -Er gewhrt die Bitte der Amme nur, um die Lstige loszubekommen. Auch -den Bitten und Zureden seines sterbenden Pflegevaters Wolf schenkt er -kein Gehr und will nur seine Rache khlen.<a name="FNAnker_150_150" id="FNAnker_150_150"></a><a href="#Fussnote_150_150" class="fnanchor">[150]</a> Die grere Rachsucht -des verschmhten Buhlers soll der tieferen und heieren Leidenschaft -entsprechen. So deutet es Tieck selbst ungefhr an.<a name="FNAnker_151_151" id="FNAnker_151_151"></a><a href="#Fussnote_151_151" class="fnanchor">[151]</a> Dieser -Gegensatz ist bedeutend und psychologisch richtig. Kriegsscenen sowie -die Episode vom sterbenden Wolf treten wieder zwischen die Scenen der -Haupthandlung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_45" id="Seite_45">[S. 45]</a></span></p> - -<h4 class="gesperrt">Golos Bericht an Siegfried.</h4> - -<p><i>Volksbuch, 15 ff</i>. Siegfried konnte von den Vorgngen auf seinem -Schlosse bisher nichts erfahren, weil aus Furcht vor Golo es niemand -wagte, ihm zu berichten. Siegfried muss auch seiner Wunde wegen lnger, -als er verhoffte, im Felde bleiben. Zwei Monate nach der Geburt -Schmerzenreichs sendet Golo einen Diener zu Siegfried mit einem Briefe, -dessen Inhalt das Geschehene verleumderisch andeutet. Die Wunde des -Grafen verschlimmert sich darber. Der Diener berichtet ausfhrlicher, -wie Genoveva mit dem Koche verdchtige Gemeinschaft hatte. ftere -Ermahnungen htten nichts gefruchtet. Darum mussten beide eingesperrt -werden. Auch das Kind wird von den Hofleuten dem Koch zugeschrieben. -Ein Monat sei ja erst seit der Geburt desselben verflossen und der Graf -ist bereits eilf Monate fort. Siegfried wthet und lstert auf Genoveva -und den Koch. Nach langem Besinnen gibt er den Befehl, die Grfin von -allem Verkehre abzuschlieen und den Koch „unter verdienten Martern“ -zu tdten. Mit diesem Befehle kommt der Diener zu Golo. Der Koch -wird vergiftet und sammt seinen Ketten in einer abscheulichen Grube -vergraben. Genoveva ist ohnehin schon im engsten Gewahrsam. Golo aber -frchtet entdeckt zu werden, falls Genoveva am Leben bleibt. Denn viele -am Hofe missbilligen sein Thun.</p> - -<p><i>Tieck</i>. Tieck schaltet vor der Absendung des Boten noch Genovevas -Klage im Gefngnisse, sowie Heinrichs des Schfers Hochzeit als -Contrast-Episoden ein.<a name="FNAnker_152_152" id="FNAnker_152_152"></a><a href="#Fussnote_152_152" class="fnanchor">[152]</a> Dann hren wir Golos Auftrag an Benno.<a name="FNAnker_153_153" id="FNAnker_153_153"></a><a href="#Fussnote_153_153" class="fnanchor">[153]</a> -Dieser soll die seit Genovevas Niederkunft verflossene Zeit falsch -angeben. Eine kurze Klage Grimoalds um seinen gefallenen Sohn<a name="FNAnker_154_154" id="FNAnker_154_154"></a><a href="#Fussnote_154_154" class="fnanchor">[154]</a> -leitet vom Hause zum Lager ber. Hier sehen wir die Wirkung der -Botschaft auf Siegfried, die sich, wie im Volksbuche, in einer -Verschlimmerung der Wunde uerlich zeigt. Auch Benno bedauert, wie -der Diener im Volksbuche, solch schlimme Botschaft bringen zu mssen. -Auch Tiecks Siegfried wthet: „O schmachvoll Weib, o heuchlerische -Schlange...“ Den Inhalt des Briefes im Volksbuch (Golo frchtet -Siegfried zu betrben. — Alle Hausgenossen haben umsonst sorgsam -gewacht, wie die grflichen Verwandten bezeugen knnen. —<span class="pagenum"><a name="Seite_46" id="Seite_46">[S. 46]</a></span> Der Bote -wird glaubwrdig berichten. — Der Graf mge seinen Willen kundthun) -verwendet Tieck dramatisierend fr Bennos Reden. Siegfried hat zu wenig -aus dem Briefe erfahren. Das motiviert den Bericht Bennos, der die -wesentlichen Punkte der falschen Anklage wie im Volksbuche wiedergibt -und dazu noch das (im Volksbuche frher erwhnte) Liebespulver -fgt.<a name="FNAnker_155_155" id="FNAnker_155_155"></a><a href="#Fussnote_155_155" class="fnanchor">[155]</a> Die raffinierte Art, wie Benno durch seine Erzhlung -Siegfrieds Entrstung steigert und in diese Scene wirklich dramatisches -Leben bringt, ist Tiecks Eigenthum. Drago soll „nach dem Gesetze“, -nicht unter Martern sterben. Siegfried gibt in seinem Zorne ohne langes -Besinnen den Befehl zu Dragos Hinrichtung und Genovevas strengem -Gewahrsam. Wir erfahren noch von Golos Besorgnis vor Siegfrieds -Rckkehr. Auch manche Hofleute sind mit ihm unzufrieden. Gertrud rth, -ihre Schwester, die Zauberin in Straburg, zuhilfe zu nehmen, um -Siegfried grndlicher zu bethren. Diese Scene muss zugleich die Zeit -der Rckreise Bennos ausfllen helfen. Nach dieser Abmachung wird Drago -hinter der Scene vergiftet.<a name="FNAnker_156_156" id="FNAnker_156_156"></a><a href="#Fussnote_156_156" class="fnanchor">[156]</a> Die Hauptpunkte stimmen also mit der -Vorlage. Rohes und Hssliches wird gemildert. Einzelne Zge werden -geschickt an eine andere, dramatisch tauglichere Stelle gerckt.</p> - -<h4 class="gesperrt">Bei der Hexe in Straburg.</h4> - -<p><i>Volksbuch, 18 ff</i>. Golo reitet Siegfried bis Straburg entgegen -und sucht hier zuerst die Schwester seiner Amme, ein scheinheiliges -Weib und Hexe ihres Zeichens, auf. Diese wird von Golo bezahlt, um -Siegfried „ein Gespenst daher zu machen“. Bei Siegfried erzhlt Golo -wieder seine Lgengeschichte und stellt sich schmerzlich berhrt ber -das Unglck, das seinen Herrn getroffen. Er hat den Koch heimlich -hinrichten lassen, um die Schande der Grfin mehr zu verdecken. Der -Graf glaubt den Aussagen nicht ganz sicher. Golo weist ihn daher an die -„heilige Matrone“. Bei Anbruch der Nacht begeben sich beide dorthin. -Siegfried richtet seine Frage an die Alte. Die Hexe stellt sich recht -demthig an und fhrt ihre Gste in einen dunkeln Keller, „in welchem -ein grnes Licht brennete, so einen blauen Schein von sich gab“. Die -beiden Mnner treten in zwei gezogene Kreise, die Hexe murmelt ber -einem Spiegel, der im<span class="pagenum"><a name="Seite_47" id="Seite_47">[S. 47]</a></span> Wasser liegt, geheime Worte, macht wunderbare -Segen und anderen Zauberhocuspocus, so dass Siegfried dabei ein Schauer -anfasst. Sie lsst ihn im Spiegel den Ehebruch seiner Gattin sehen, -der sich in drei Stadien entwickelt: freundliches Reden und Liebkosen, -Wangenstreicheln und Kssen, endlich das Schlimmste selbst. Siegfried -errthet fr Genoveva. Er „speyete gleichsam Feuer“ und schickt Golo -mit dem Auftrag fort, Genoveva und ihr Kind eines schndlichen Todes -sterben zu lassen. Nach Golos Heimkehr verrth das Tchterchen der Amme -der gefangenen Genoveva durchs Kerkerfenster ihr bevorstehendes Los und -bringt der unschuldig Verurtheilten Feder und Tinte, womit diese den -Reinigungsbrief schreibt.</p> - -<p><i>Tieck</i>. Schon bei der Berathung Golos mit Gertrud hrten wir von -Winfreda, der Schwester Gertruds. Es heit, dass sich diese Hexe auf -Knste verstehe, bei denen „sich die Haare aufrichten“. Diese soll -Siegfried „ein Blendwerk vormachen“. In Straburg sehen wir, wie Golo -die Hexe durch Geschenke fr sich gewinnt und (seltsamerweise) sich -selbst Aufschlsse ber seine Herkunft geben lsst, also an ihre Kunst -glaubt.<a name="FNAnker_157_157" id="FNAnker_157_157"></a><a href="#Fussnote_157_157" class="fnanchor">[157]</a> Dann geht er wie im Volksbuch zu Siegfried, der den -Nachrichten ber Genoveva nicht ganz traut. Tieck scheint wieder Golo -entlasten und die Schuld auf andere wlzen zu wollen. Golo, auch hier -wie im Volksbuch, voll heuchlerischer Theilnahme, berichtet Dragos -Hinrichtung wie in der Legende und weist zur vollen Beglaubigung -seiner Aussagen Siegfried an die Weissagerin. Siegfried uert -religise Bedenken gegen die Zauberei, ber die ihn Golo beschwichtigt. -Mit Anbruch der Nacht begeben sich beide zur Hexe.<a name="FNAnker_158_158" id="FNAnker_158_158"></a><a href="#Fussnote_158_158" class="fnanchor">[158]</a> Siegfried -behandelt sie als eine „heilige Frau“. Sie stellt sich demthig und -bei ihren geheimnisvollen Reden erfasst den Grafen ein Schauer, es -struben sich seine Haare. Er trgt seine Bitte vor. Er bekommt auch -im Spiegel das Verlangte zu sehen. Dieser Zauberspiegel liegt hier -nicht im Wasser, sondern „hngt an seinem Orte“. Nachdem die Hexe ihre -Formeln gesprochen hat, sieht Siegfried die nmlichen Vorgnge wie -im Volksbuche abgespiegelt: freundliches Gesprch, Wangenstreicheln, -„Niedersinken in die Laube“. Auch hier muss Siegfried fr Genoveva -errthen. Es folgen Siegfrieds Zorn und<span class="pagenum"><a name="Seite_48" id="Seite_48">[S. 48]</a></span> der Befehl, Genoveva sammt dem -Kinde zu tdten. (Der „schndliche“ Tod fllt bei Tieck weg.)<a name="FNAnker_159_159" id="FNAnker_159_159"></a><a href="#Fussnote_159_159" class="fnanchor">[159]</a></p> - -<p>Tieck gibt zur Erzhlung der Legende nur den mysterisen Inhalt der -Zaubersprche, einige andere geheimnisvolle Reden der Hexe, Siegfrieds -Bedenken gegen die Zauberei, Golos Frage nach seiner Herkunft und eine -phantastischere Decoration des Hexen-Haushaltes hinzu. Sehen wir noch -vom Hngen des Zauberspiegels ab, so folgt alles brige der Vorlage.</p> - -<p>Nach Golos Heimkunft weint im Drama wie im Volksbuch das Tchterlein -der Amme vor dem Kerkerfenster am Thurme und kndigt der Gefangenen -ihr Schicksal an. Diese erbittet sich Papier und Tinte, um ihren -Reinigungsbrief zu schreiben, dessen Inhalt das Volksbuch an dieser -Stelle, Tieck spter bei der Auffindung des Briefes durch Siegfried -mittheilt.<a name="FNAnker_160_160" id="FNAnker_160_160"></a><a href="#Fussnote_160_160" class="fnanchor">[160]</a> Die Klage Genovevas im Volksbuche fehlt bei Tieck.</p> - -<h4 class="gesperrt">Genoveva und die Mrder. — Ihre Rettung.</h4> - -<p><i>Volksbuch, 22 ff</i>. Golo gibt frh morgens zweien von seinen treuesten -Dienern den Befehl, Genoveva und ihr Kind zu tdten. Sie soll in den -Wald gefhrt und als Wahrzeichen der vollfhrten That sollen Augen und -Zunge zurckgebracht werden. Die genaue Ausfhrung seiner Anordnung -verspricht Golo zu belohnen, die Vernachlssigung strengstens zu -bestrafen. Die Diener fhren das „unschuldige Schflein“ und das -„unschuldige Lmmlein“ in den Wald hinaus. Genoveva beklagt den frhen -Verlust ihres Kindes. Die Diener sind dabei so gerhrt, dass sie sich -schweren Herzens an ihr Werk machen. Genoveva darf sich aber erst noch -zum Tode bereiten. Whrend sie im Gebete kniet, wollen die beiden das -Kind umbringen. Genoveva springt auf, hlt sie zurck und verlangt, -zuerst sterben zu drfen. Sie zeigt aber den Beiden Mrdern auch das -Verwerfliche ihres Vorhabens, da sie unschuldiges Blut vergieen -wollen. Beide fhlen sich durch Genovevas Worte so getroffen, dass sie -der Unschuldigen das Leben schenken gegen das Versprechen, dass sie -bestndig im Walde bleibe. Als falsche Wahrzeichen des vollfhrten -Mordes bringen sie Augen und Zunge eines Windspieles heim. Golo lsst -die „Hurenaugen“ den Hunden vorwerfen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_49" id="Seite_49">[S. 49]</a></span></p> - -<p><i>Tieck</i>. Im Drama ist wieder das Meiste beibehalten, nur einzelne -nderungen und Erweiterungen gestattet sich der Dichter. So mssen -sich die beiden Mrder erst Muth antrinken: ein realistisch gehaltenes -Motiv, wie es sonst nicht oft in der „Genoveva“ begegnet. Das Ganze -wickelt sich auch bei Tieck frh morgens ab, nur wird hier ein trber -Herbstmorgen zugleich stimmungsvoller Hintergrund; denn hier wie sonst -ist Tiecks Verhltnis zur Natur und ihrer Stimmung ein ganz eigenes, -whrend das Volksbuch sich fr eine sentimentale Naturauffassung -nirgends interessiert.<a name="FNAnker_161_161" id="FNAnker_161_161"></a><a href="#Fussnote_161_161" class="fnanchor">[161]</a> Wir erfahren die Wegfhrung Genovevas aus -Wendelins und Elsens Gesprch.<a name="FNAnker_162_162" id="FNAnker_162_162"></a><a href="#Fussnote_162_162" class="fnanchor">[162]</a> Was das Volksbuch hier von der -Rhrung beider Mrder sagt,<a name="FNAnker_163_163" id="FNAnker_163_163"></a><a href="#Fussnote_163_163" class="fnanchor">[163]</a> gilt nur von einem bei Tieck, von -Grimoald mit dem weichen Gemthe; dieser muss erst den rohen Benno -von seinem Vorhaben abbringen: das Einfache wird differenziert und -ein Contrast herausgearbeitet. Genovevas Rechtfertigungsrede ist -bei Tieck sehr breit behandelt. Das Kind wird auch hier das „liebe -Lamm“ genannt.<a name="FNAnker_164_164" id="FNAnker_164_164"></a><a href="#Fussnote_164_164" class="fnanchor">[164]</a> Ein wesentlicher neuer Zug an Tiecks Golo ist es, -dass dieser in den Wald nacheilt, um Genoveva zu retten und ber die -vermeintlich geschehene That ernste Reue zeigt; das Volksbuch wei -nichts von einer Reue Golos. Das rohe Gebot Golos, die Augen den Hunden -vorzuwerfen, lsst Tieck dementsprechend weg. Grimoald mag nimmer im -Lande bleiben, in dem so schlimme Dinge geschehen.<a name="FNAnker_165_165" id="FNAnker_165_165"></a><a href="#Fussnote_165_165" class="fnanchor">[165]</a> Das Wichtigste -ist in diesem Abschnitt, dass uns Golo wieder menschlich nhergebracht -werden soll. Er, der uns durch Hrte und Roheit schon beinahe abstie, -bekommt wieder ein paar Lichtseiten.</p> - -<p>Whrend das Volksbuch nach dem Gerichte ber Genoveva ohne -Unterbrechung die siebenjhrige Verbannung im Walde schildert, -nimmt Tieck nur ein kleines Stck davon voraus, um die Pause bis zu -Siegfrieds Heimkunft auszufllen. Wir werden zugleich ber Genovevas -Schicksal beruhigt, nachdem unsere Theilnahme schon den Hhepunkt -erreicht hat, und wir werden durch das Wunder mit der Hirschkuh auf -weitere Wunder vor<span class="pagenum"><a name="Seite_50" id="Seite_50">[S. 50]</a></span>bereitet. Die tragische Periode erhlt nach dem -Ausspruche eines befreundeten Kritikers so ein „rhrendes Ende“.<a name="FNAnker_166_166" id="FNAnker_166_166"></a><a href="#Fussnote_166_166" class="fnanchor">[166]</a> -Alle Erlebnisse der ersten Tage in der Einsamkeit, wie sie die -Legende erzhlt, verwebt Tieck in den Monolog Genovevas. Tiecks -charakteristische Zugabe ist Genovevas Anruf an die Natur.<a name="FNAnker_167_167" id="FNAnker_167_167"></a><a href="#Fussnote_167_167" class="fnanchor">[167]</a></p> - -<h4 class="gesperrt">Siegfrieds Reue.</h4> - -<p><i>Volksbuch, 41 ff</i>. Statt die Erzhlung des einsamen Lebens -fortzusetzen, wie das Volksbuch thut, fhrt das Drama die Ereignisse -nach Siegfrieds Heimkehr vor. Wir mssen daher zum Vergleiche den -Anfang des folgenden Abschnittes der Legende vorausnehmen. Siegfried -bekommt etliche Tage nach der Rckkehr Gewissensbisse darber, dass -er Genoveva ungerecht ohne Richterspruch verurtheilt habe. Im Traume -sieht er, wie ein Drache sein geliebtes Weib entfhrt und das verstrkt -seine Reue. Golo deutet den Traum mit Bentzung des Namens „Dragones“ -auf den Koch und sucht Siegfried aus seinen melancholischen Trumen -aufzurtteln. Dazu veranstaltet er allerlei Kurzweil, wie Jagen, -Rennen, Gastereien, Tanz und Besuch von Freunden. Doch alles dies -kann Siegfrieds Herzenswunde nicht heilen. Nun findet der Graf noch -Genovevas Brief, dessen Inhalt ihn mit groem Herzeleid erfllt und er -htte Golo im Zorne getdtet, wenn dieser nicht eben auf einige Tage -sich entfernt htte. Hernach wei der Arglistige wieder den Grafen zu -seinen Gunsten umzustimmen. Doch gelingt dies nicht auf die Dauer, so -dass es Golo am Hofe unheimlich zu werden anfangt und er aus dem Lande -flieht.</p> - -<p><i>Tieck</i>. Das Volksbuch ist fr alles Wichtigere im Drama der -Ausgangspunkt. Siegfrieds Reue, sein Traum, Golos Deutung desselben, -sowie sein Bemhen um Siegfrieds Zerstreuung: alles kehrt auch bei -Tieck wieder.<a name="FNAnker_168_168" id="FNAnker_168_168"></a><a href="#Fussnote_168_168" class="fnanchor">[168]</a> Um die Art der Wiederauffindung Genovevas anzudeuten -und aus besonderer Vorliebe fr die dichterische Schilderung freier -Waldnatur sucht sich der romantische Dichter von den verschiedenen -Belustigungen gerade die Jagd heraus, um sie in eigenen Scenen zu -entfalten.<a name="FNAnker_169_169" id="FNAnker_169_169"></a><a href="#Fussnote_169_169" class="fnanchor">[169]</a> Tieck<span class="pagenum"><a name="Seite_51" id="Seite_51">[S. 51]</a></span> eigenthmlich ist die Art, wie Golo whrend der -lustigen Jagd in schmerzliche Erinnerungen an der Stelle versinkt, -wo „Genovevas Augen und Zunge“ begraben sind.<a name="FNAnker_170_170" id="FNAnker_170_170"></a><a href="#Fussnote_170_170" class="fnanchor">[170]</a> Allein dieser Ort -ist fr die ernste, wehmthige Empfindungsaussprache kaum glcklich -gewhlt. Das schne, alte, poetische Motiv von Blumen, die an der -geliebten Stelle aufsprieen, bekommt einen Stich ins Komische, wenn -wir wissen, dass nur Augen und Zunge eines untergeschobenen Vierflers -hier begraben liegen. Die Flucht Golos mit Benno wird erst beschlossen -und dann wirklich ausgefhrt,<a name="FNAnker_171_171" id="FNAnker_171_171"></a><a href="#Fussnote_171_171" class="fnanchor">[171]</a> aber es ist nicht eine Flucht -„auer Landes“, sondern in echt romantischer Weise eine Flucht in die -verlassenste Waldeinsamkeit.</p> - -<p>Auch bei Tieck findet Siegfried vorher den Brief seiner Gattin, der in -Form eines Sonettes abgefasst ist, den — und das ist dramatisch gut -berechnet — Golo selbst lesen muss. Der Inhalt stimmt im wesentlichen -mit der Vorlage. (Abschiednehmen. — Unschuldbetheuerung. — Verzeihen -der erlittenen Ungerechtigkeit. — Die Irrefhrung durch einen bsen -Mann hat alles verschuldet.) Golos Entschuldigung ist dieselbe wie -im Volksbuche, nur etwas ausfhrlicher. Siegfried lsst sich hier -wie in der Legende recht schnell umstimmen.<a name="FNAnker_172_172" id="FNAnker_172_172"></a><a href="#Fussnote_172_172" class="fnanchor">[172]</a> Golo flieht in sein -Waldversteck.</p> - -<h4 class="gesperrt">Die sieben Jahre.</h4> - -<p>Die Erlebnisse Siegfrieds und Genovevas innerhalb dieser Jahre lsst -Tieck durch den heil. Bonifacius episch berichten.<a name="FNAnker_173_173" id="FNAnker_173_173"></a><a href="#Fussnote_173_173" class="fnanchor">[173]</a> Hier folgt -Tieck fast berall auf das genaueste der Erzhlung des Volksbuches, -einmal, weil ihn Inhalt und Erzhlung der Vorlage besonders ansprachen, -wie er selbst andeutet, und weil ferner die epische Technik weit -weniger nderungen forderte als die dramatische. Zuerst lsst Tieck -seinen heil. Bonifacius erzhlen, was auf dem Schlosse Siegfrieds -vorgieng. Dragos Geist erscheint nchtlicherweile dem Grafen und -fhrt ihn unter schaurigen Geberden in den Zwinger der Burg, wo der -Leichnam des Gemordeten eingescharrt worden war. Siegfried lsst die -irdischen Reste Dragos an einem angemesseneren Orte zur Erde bestatten<span class="pagenum"><a name="Seite_52" id="Seite_52">[S. 52]</a></span> -und Seelenmessen fr den Verstorbenen lesen, dessen Geist nun Ruhe -findet. Siegfried erkennt aus dem ganzen Vorgange, dass Genoveva -und Drago unschuldig sind. Tieck folgt in der Schilderung dieser -Vorgnge allenthalben, selbst in den Nebenumstnden, der Erzhlung des -Volksbuches. Nur das Schlagen des Geistes an die Thr und sein Auf- und -Abgehen im Zimmer Siegfrieds wird — vielleicht als ungespenstisch — -weggelassen. Und whrend Dragos Leichnam nach dem Volksbuch in einer -„abscheulichen“ Grube verscharrt wurde, gibt Tieck als Ort den Zwinger -an.</p> - -<p>Mit der Erwhnung von Genovevas Unschuld fhrt uns der Dichter in -einem uerlichen bergange zur Verbannten selbst in die Wste, um uns -ihre und ihres Kindes Geschicke durch den heil. Bonifacius erzhlen -zu lassen. Ihre Leiden und Entbehrungen, die himmlischen Wunder und -Trstungen, der trauliche Verkehr Schmerzenreichs mit den Waldthierlein -und die frommen Gesprche zwischen Genoveva und Schmerzenreich, alles -wird Zug fr Zug im Anschluss an das Volksbuch dargestellt. Ganz -wenig nur wird von Tieck abgendert. Das Volksbuch erwhnt z.B., dass -Schmerzenreich sich bald seines traurigen Daseins bewusst wurde und mit -der Mutter weinte: Tieck bergeht diesen Zug. Dafr gestaltet er das -wunderbare Begebnis mit dem himmlischen Crucifix, das die Hand nach -Genoveva ausstreckt, dadurch reicher, dass er whrend des Wunders einen -unsichtbaren Chor, wie aus Engels Mund, singen lsst. Dieses Wunder -nimmt eben eine poetisch weit hhere Stellung ein, als jenes natrlich -alltgliche Ereignis. Tiecks Erweiterung sind auch die zwei Strophen, -mit denen Bonifacius seine Erzhlung einleitet<a name="FNAnker_174_174" id="FNAnker_174_174"></a><a href="#Fussnote_174_174" class="fnanchor">[174]</a> und ebenso drei -Strophen der Trostrede, die Christus an Genoveva richtet.<a name="FNAnker_175_175" id="FNAnker_175_175"></a><a href="#Fussnote_175_175" class="fnanchor">[175]</a> Fr -die didaktische und moralisierende Anrede an den Leser: „O la uns -alle diesen Wandel fhren...“ fand Tieck an einer anderen Stelle des -Volksbuches Anregung und Vorbild, nmlich in dem Gebete: „O gottseelige -Genoveva!... Ach theile mit mir deine Reinigkeit, und erwerbe mir bey -Gott, deiner Tugend nachzufolgen.“<a name="FNAnker_176_176" id="FNAnker_176_176"></a><a href="#Fussnote_176_176" class="fnanchor">[176]</a></p> - -<p>Der letzte Theil der epischen Einschaltung, die Bonifacius vortrgt, -beschftigt sich mit Schmerzenreich und nach dem Abgehen des Rhapsoden -folgt ein religises, erbauliches Ge<span class="pagenum"><a name="Seite_53" id="Seite_53">[S. 53]</a></span>sprch zwischen Genoveva und dem -Kinde. Auch hier wird alles beibehalten, was Tieck in der Vorlage fand. -Die Abweichungen von der Legende zeigen sich nur in geringfgigen -Nebendingen und es ist nicht ausgeschlossen, dass auch der Reim der -achtzeiligen Stanze an solchen kleinen inhaltlichen Verschiebungen -schuld ist. Wie enge sich hier Tieck stellenweise an die Vorlage -anschliet, mag ein Beispiel zeigen. S. 37 f. erzhlt das Volksbuch: -„Es fiengen auch die wilden Thiere von selbiger Zeit an mit ihnen gar -gemein zu werden; daher sie tglich zu ihnen kamen, und dem lieben -Kind manche Kurzweile machten; er ritte vielmal auf dem Wolf, der ihm -das Schaafsfell gebracht hatte, und spielte oftmals mit den Haasen -und anderen Thieren, so um dasselbige herumliefen. Die Vglein flogen -ihm gewhnlich auf die Hand und Huptlein, und erfreueten Kind und -Mutter mit ihrem lieblichen Gesang. Wenn das Kind ausgienge, fr die -Mutter Kruter zu suchen, so liefen unterschiedliche Thiere mit ihm, -und zeigten ihm mit ihren Fssen, welches gute Kruter wren. Es -hatte auch die fromme Mutter groe Freude in seiner Konversation, und -verwunderte sich vielmal ber seine weislichen Fragen und Antworten; -sie lehrte ihn auch das Vater Unser und andere Gebetlein beten“, etc. -Die entsprechenden Strophen bei Tieck lauten:</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Es wurde auch das Wild zur selben Zeit</div> - <div class="verse">Mit ihnen gar vertraulich und gemein,</div> - <div class="verse">Das liebe Kind hat daran manche Freud’,</div> - <div class="verse">Da sie um ihn so schn ergtzlich sein.</div> - <div class="verse">Er ritt auf seinem Wolf gar oftmals weit</div> - <div class="verse">In Wald, die Hasen liefen hinterdrein,</div> - <div class="verse">Die Vglein sich auf Hand und Huptlein schwungen,</div> - <div class="verse">Erquickten ihn und sie, so wie sie sungen.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">Ging’s Kindlein aus, um Kruter aufzulesen,</div> - <div class="verse">So liefen auch die frommen Tierlein mit,</div> - <div class="verse">Und zeigten ihm die guten von den bsen</div> - <div class="verse">Mit ihren Fen, folgten jedem Schritt:</div> - <div class="verse">Dann kehrt’ er freudig, war er ausgewesen,</div> - <div class="verse">Und brachte seiner Mutter Essen mit,</div> - <div class="verse">Dann lehrte sie ihn Vater Unser sagen,</div> - <div class="verse">Liebkosend in den schnen Sommertagen.“<a name="FNAnker_177_177" id="FNAnker_177_177"></a><a href="#Fussnote_177_177" class="fnanchor">[177]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Reim und Strophenform bedingen hie und da kleine inhaltliche -nderungen, besonders Erweiterungen. Das lsst sich<span class="pagenum"><a name="Seite_54" id="Seite_54">[S. 54]</a></span> schon am -beigebrachten Beispiele verfolgen und das gilt auch fr das -darauffolgende Gesprch zwischen Genoveva und Schmerzenreich. Daraus -erklrt sich die breitere Schilderung der himmlischen Freude und des -irdischen Leidens. Die Endstrophe bringt nichts Neues, sie soll nur den -Scenenschluss rechtfertigen. Mit der dramatischen Darstellung beginnt -auch wieder der freie Scenenwechsel, welcher synchronistisch die -Ereignisse auf Siegfrieds Schloss und in Genovevas und Golos einsamer -Behausung nebeneinander hergehen lsst.</p> - -<h4 class="gesperrt">Das Bekenntnis der Hexe</h4> - -<p><i>Volksbuch, 47 ff</i>. Nach einigen Jahren (d.i. einige Jahre nach der -Erscheinung von Dragos Geist) wird die Straburger Hexe gerichtlich -eingezogen und sie legt vor ihrem Tode das Bekenntnis ab, dass sie -Siegfried betrogen habe. Der Schmerz des Grafen erwacht bei dieser -Nachricht mit furchtbarer Heftigkeit und bringt in Siegfried den -Entschluss zur Reife, Golo zu bestrafen.</p> - -<p><i>Tieck</i>. Das Hexengericht wird in Tiecks Darstellung nur wenig -verndert, und zwar zu Gunsten der dramatischen Form. Siegfried -ist hier selbst der Richter. Wir erfahren vom Verhre der Hexe wie -von Siegfrieds Gemthszustand. Nur widerwillig lsst dieser die -Verurtheilte noch ein zweitesmal vor sich kommen, eingedenk der -Ungerechtigkeit, dass er einst Genoveva und Drago nicht einmal -angehrt hatte. Das Gestndnis der Hexe, das Genovevas Unschuld -bezeugt, wird wie im Volksbuch behandelt; nur dass es von Winfreda vor -Siegfried selbst abgelegt wird. Dieser wthet vor Schmerz und will nun -endlich gegen Golo ernstlich vorgehen. Im Volksbuch wird uns nur ein -Bericht aus der Ferne ber die Hexe erstattet, Tieck gibt dem Ganzen -dramatische Gegenwart und schafft einen wirksamen Gegensatz, indem er -Siegfried selbst, der einst der Hexe wie einer Heiligen geglaubt, ber -diese Gericht halten lsst. Also hier ein hnliches Confrontieren wie -bei Golo, der den Reinigungsbrief selbst vorlesen muss.</p> - -<h4 class="gesperrt">Genovevas Krankheit.</h4> - -<p><i>Volksbuch, 40 f</i>. Ungefhr gleichzeitig mit dem Hexenprocesse fllt -Genoveva in eine schwere Krankheit. Zwei Engel bringen ihr wunderbare -Heilung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_55" id="Seite_55">[S. 55]</a></span></p> - -<p><i>Tieck</i>. Das Drama behlt das Ganze bei, einiges etwas erweiternd.<a name="FNAnker_178_178" id="FNAnker_178_178"></a><a href="#Fussnote_178_178" class="fnanchor">[178]</a> -Hier legt Tieck Schmerzenreich das Verlangen in den Mund, mit in den -Himmel reisen zu drfen, wie zu Anfang des Dramas Genoveva von ihrem -ausziehenden Gatten sich nicht trennen wollte. Wie Fllsel, um die -Stanze fertig zu bringen, sehen manche Verse aus.<a name="FNAnker_179_179" id="FNAnker_179_179"></a><a href="#Fussnote_179_179" class="fnanchor">[179]</a> Unpassend, weil -unmotiviert, ist die Furcht des Kindes: es mchte, wenn die Mutter fort -ist, „verkehrt“, „gottlos“, „ungezogen“ werden.<a name="FNAnker_180_180" id="FNAnker_180_180"></a><a href="#Fussnote_180_180" class="fnanchor">[180]</a> Neu erscheint -bei Tieck die Einfhrung des Todes als allegorischer Gestalt und die -Danksagungsstrophen nach der Genesung, sowie der kindliche Gesang der -beiden „Flgelkinder“. Mit Ausnahme dieser Kinderverse, welche die -Englein singen, stolziert die ganze Scene in prunkenden Stanzen daher.</p> - -<h4 class="gesperrt">Golo in der Einsamkeit. — Siegfrieds Einladung.</h4> - -<p>Wie das Volksbuch (48 ff.) nach dem Hexengericht sich wieder zu Golo -wendet, so fhrt uns Tieck nach der wunderbaren Rettung Genovevas aus -der Krankheit zurck zu Golo, der in der Verbannung lebt. Allein fr -die Nachtscene im Waldgebirge,<a name="FNAnker_181_181" id="FNAnker_181_181"></a><a href="#Fussnote_181_181" class="fnanchor">[181]</a> wohin Golo geflohen ist, wo er -in dunklen Worten von seiner Seelenstimmung spricht und in lebhafter -Erinnerung an Genoveva ber deren vermeintlichen Mrder Benno derart -ergrimmt, dass er ihn vom Bergesgipfel in die Tiefe stt, konnte -Tieck in seiner Vorlage nichts finden. Dass ein gewisser Verkehr -zwischen Golo und Siegfried noch besteht, erfahren wir im Volksbuch -wie im Drama. Begrndet ist derselbe nirgends. Die Contrastfigur des -nchtlichen Pilgrims, der Wallfahrtsrter und Wunderbilder besucht -und seine Jugend bereut, whrend Golo jetzt nur mehr berall ein -Walten des unabwendbaren Schicksals sieht, ist Tiecks Zugabe an -dieser Stelle. Spter bernimmt dieser Pilgrim die Rolle jenes Engels -in Pilgrimskleidern, von dem die Legende erzhlt. Oder richtiger -gesagt, die Rolle des Pilgrims im Volksbuch wird von Tieck nach -vorne erweitert, sowie die Rollen Dragos und Gertruds. Die Einladung -Golos an Siegfrieds Hof erscheint im Volksbuch als ein Anlocken des -„listigen Fuchses“. Bei Tieck ist es auch ein Herbeilocken durch -Sieg<span class="pagenum"><a name="Seite_56" id="Seite_56">[S. 56]</a></span>frieds Briefe und verstellte freundliche Botschaft. Allein diese -leicht zu durchschauende Einladung wrde auf Tiecks Golo den Eindruck -verfehlen, wenn nicht das sehnschtige Heimweh und der Wunsch, als -Einsiedler an der Sttte zu wohnen, wo Genoveva begraben liegt, sein -Gemth mit tiefer Gewalt erfasste.<a name="FNAnker_182_182" id="FNAnker_182_182"></a><a href="#Fussnote_182_182" class="fnanchor">[182]</a> In einem Monologe bezeichnet -Golo den Pilgrim als ein himmlisches Wesen und staunt darber, wie -dieser die verborgensten Dinge und Gedanken wisse. Unabhngig von der -Legende fhrt hierauf Tieck seinen schwermthigen Ritter auf dem Wege -zu Siegfried mit dem Schfer Heinrich zusammen,<a name="FNAnker_183_183" id="FNAnker_183_183"></a><a href="#Fussnote_183_183" class="fnanchor">[183]</a> den innerlich -Verstrten mit dem harmlos Glcklichen, dem brigens Golo selbst zu -seinem Glcke verhalf. (Tragische Ironie und Contrast.) Heinrichs -Kind frchtet sich instinctiv vor Golo. Wehmthige Erinnerung an die -Vergangenheit klingt leise durch die ganze idyllische Scene. Whrend -das Volksbuch nur kurz und trocken von den Geschehnissen berichtet, -bentzt Tieck in diesem Abschnitte jede Gelegenheit zum Ausmalen -verschiedener Stimmungsbilder. Den Gang der Begebenheiten „sollte ein -Spiel der Empfindungen entfaltend begleiten“, wie in der „Magelone“.</p> - -<h4 class="gesperrt">Die Jagd. — Das Wiedersehen.</h4> - -<p>Das Volksbuch behandelt die Jagd, welche Siegfried und Genoveva -wunderbar zusammenfhrt, ganz prosaisch als Mittel, um Wildbret fr -ein kommendes Fest zu beschaffen und dabei findet man zufllig den -Aufenthalt der Todtgeglaubten. (S. 50.) Tieck macht die nmliche -Sache poetisch beziehungsreicher, da bei ihm die Jagd eigentlich Golo -gilt und mit ihm zugleich das noch edlere Wild erbeutet wird. Tiecks -Freude an der Scenerie zeigt sich auch hier wie bei den Kriegsscenen, -indem er zwei Scenen hintereinander folgen lsst, die eben nichts als -Jagdbilder sind.<a name="FNAnker_184_184" id="FNAnker_184_184"></a><a href="#Fussnote_184_184" class="fnanchor">[184]</a> Golo fhlt sich in der That als gehetztes Wild -bei Tieck, whrend er in der Legende bis zur Auffindung Genovevas -einfach ganz verschwindet. Die ueren Vorgnge beim Zusammentreffen -Siegfrieds mit Genoveva wickeln sich im Volksbuch und Drama ganz gleich -ab.<a name="FNAnker_185_185" id="FNAnker_185_185"></a><a href="#Fussnote_185_185" class="fnanchor">[185]</a> Von den Einzelheiten der<span class="pagenum"><a name="Seite_57" id="Seite_57">[S. 57]</a></span> Legende wird nur hchstens ganz -Unbrauchbares, wie die „Kutsche“, welche Genoveva nach dem Schlosse -fhrt, ausgeschieden und der schwer denkbare Sturz Siegfrieds vom -Pferde auf die Knie abgendert. Die „Ehrfurcht vor der Heiligen“, von -der das Volksbuch spricht, uert sich bei Tiecks Siegfried in der -Scheu, Genoveva mit „Du“ anzusprechen. Bei Tieck bittet Siegfried, -der seinen Gefhlen in langen Reden Ausdruck gibt, auch noch sein -Kind um Verzeihung. Das Kosewort „herzgoldenes Kind“ des Volksbuches -nimmt Tieck auf, steigert es zum „herzgldenen Herzenskind“. Siegfried -ergreift die Erinnerung an die alte Zeit. Er sucht Theilnehmer fr -seine neubelebte Freude. Darum (Tiecks poetische Motivierung) ruft er -durch einen Hornsto die Genossen zusammen. Golo sitzt unterdessen -tiefdenkend um die Felsenecke und kmmert sich um nichts. Er wird -gerufen, er glaubt „zu trumen“ und fleht Genoveva um Gnade an. Golo -ist hier ganz weichfhlender Mensch und kein satanischer Bsewicht. -Durch diese kleinen Zuthaten seelischer Art bekommt die Scene bei -Tieck ein eigenes poetisches Colorit. Genoveva wird nun in einer -Snfte auf das Schloss getragen. Die Freude ber die Wiedergefundene -findet vielstimmigen Ausdruck bei Dienern, Kindern und Zuschauern. Das -Motiv vom weggeworfenen und wunderbar wiedergefundenen Trauring nimmt -Tieck genau aus dem Volksbuch, lsst es aber in der Ausgabe von 1820 -wieder weg. Die Magenbeschwerden Genovevas infolge ihrer langjhrigen -Wurzelkost, die das Volksbuch so piettvoll erzhlt, beseitigt Tieck -mit Recht.</p> - -<h4 class="gesperrt">Das Gericht ber Golo.</h4> - -<p>Den ueren Verlauf der Scene bestimmt die Legende. Tieck beseitigt -aber den grsslichen Schluss. In der Legende wird Golo von Ochsen -zerrissen. Im Drama wird nur eine „Marter“ angedroht, aber auf -Genovevas Frbitte hin erlassen.<a name="FNAnker_186_186" id="FNAnker_186_186"></a><a href="#Fussnote_186_186" class="fnanchor">[186]</a> Jedoch sterben muss Golo an der -Stelle, wo er Genoveva wollte tdten lassen.<a name="FNAnker_187_187" id="FNAnker_187_187"></a><a href="#Fussnote_187_187" class="fnanchor">[187]</a> Diese Wendung musste -im Zusammenhange mit dem Liede „Dicht von Felsen eingeschlossen...“ -eingefhrt werden. Hier hrt man pltzlich und unntz, Siegfrieds -Bruder Matthias sei whrend Golos bsem Treiben in England gewesen. -Diese<span class="pagenum"><a name="Seite_58" id="Seite_58">[S. 58]</a></span> Erklrung gibt Tieck etwas spt. Die Belohnung der gutgesinnten -und die Bestrafung der schlechten Diener entfllt bei Tieck, weil -ja auer Benno, der schon todt ist, keiner sonderlich ernst in die -Vorgnge eingegriffen hat. Gertrud muss unterdessen gleichfalls -gestorben sein, da uns zweimal berichtet wurde, sie liege im Sterben.</p> - -<h4 class="gesperrt">Genovevas Tod.</h4> - -<p>Das Hinsiechen Genovevas, von dem die Legende spricht, beseitigt -Tieck als undramatisch und unpoetisch und fhrt nur noch den Tod -der Heiligen vor.<a name="FNAnker_188_188" id="FNAnker_188_188"></a><a href="#Fussnote_188_188" class="fnanchor">[188]</a> Nach dem Volksbuch lebt Genoveva noch ein -Vierteljahr. Bei Tieck entfllt jede Zeitbestimmung; denn am Schlusse -seines romantischen Dramas soll alles mglichst ins berirdische, -Geheimnisvolle und Ewige verflieen.</p> - -<p>Eine kleine Verschiebung ist es, wenn den Trost, den im Volksbuche -Genoveva dem Vater und Sohne gibt, hier der Sohn dem trauernden -Vater spendet. Damit hat aber Tieck nichts verbessert; denn das Kind -erscheint hier nur noch altklger und unkindlicher als zuvor. Die -Vision, die Genoveva nach dem Volksbuch „einige Zeit“ vor ihrem Tode -hatte, wird von Tieck reicher ausgestaltet und sachlich und dramatisch -wirksamer in die Todesstunde selbst verlegt. Das Contrastieren des -leiblichen Sterbens und des bernatrlichen, ewigen Lebens ist ein -Gedanke, der fters in der Dichtung wiederkehrt. Der Dichter lsst auch -den Bischof Hidulf als Spender der Sterbesacramente auftreten, wovon -das Volksbuch nichts berichtet. Die allgemeine Trauer bei Genovevas -Tod zeigt das Drama im Eindrucke auf die Umgebung.<a name="FNAnker_189_189" id="FNAnker_189_189"></a><a href="#Fussnote_189_189" class="fnanchor">[189]</a> Das Benehmen -der wunderbaren Hirschin interessiert bei Tieck ganz richtig in erster -Linie die naiv frommen Diener. Was Tieck hier beifgt oder ndert, -luft alles auf eine Steigerung des religisen Colorites hinaus.</p> - -<h4 class="gesperrt">Schluss.</h4> - -<p>Von den Wunderdingen, die das Volksbuch am Schlusse noch reichlich -bringt, nimmt Tieck nur wenig auf. Fr den Engel in Pilgrimsgestalt -tritt der pilgernde Geist Othos ein,<a name="FNAnker_190_190" id="FNAnker_190_190"></a><a href="#Fussnote_190_190" class="fnanchor">[190]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_59" id="Seite_59">[S. 59]</a></span> den wir bereits von seinem -Zusammentreffen mit Golo her kennen. Dieser trstet Siegfried ebenso -rasch, als es ein Engel gekonnt htte. Die brigen Wunder bleiben weg, -da es fast nur Variationen frherer Geschehnisse sind. Dadurch wird -auch die berfhrung der Leiche, welche durch jene Wunder verherrlicht -wird, berflssig und fllt fort. Siegfried und sein Sohn leisten den -Verzicht auf ihre weltlichen Ansprche,<a name="FNAnker_191_191" id="FNAnker_191_191"></a><a href="#Fussnote_191_191" class="fnanchor">[191]</a> wie in der Legende, doch -nicht vor den Vettern und Verwandten, sondern vor dem Bischof Hidulf. -Eine nicht recht verstndliche und wenig geschickte, aber jedenfalls -beabsichtigte Wendung ins kirchlich Religise der alten Zeit, wie Tieck -es sich denkt und wie es den ganzen Schluss beherrscht. Siegfried -verlangt vom Bischof die Erlaubnis, eine Kapelle (die im Drama wie -im Volksbuch gleich darauf „Kirche“ heit) bei Genovevas Hhle bauen -zu drfen und fgt auch gleich den Wunsch nach der Heiligsprechung -der verstorbenen Gattin bei, worauf er aber keine eigentliche Antwort -bekommt. Das „wunderthtige Bild“ im Epilog ist noch ein Rest der -weggelassenen Wunder und soll den berzeugenden Eindruck erwecken, -dass Genoveva nunmehr eine himmlische Heilige ist. Die Verehrung der -Heiligen berichtet der Epilog, den der heil. Bonifacius in Sonettform -spricht.<a name="FNAnker_192_192" id="FNAnker_192_192"></a><a href="#Fussnote_192_192" class="fnanchor">[192]</a></p> - -<hr class="tb" /> - -<p>berschauen wir die angestellte Vergleichung zwischen dem Volksbuch -und Tiecks Dichtung, so fllt als erstes bedeutsames Ergebnis in die -Augen, dass Tieck mit groer Piett dem alten Stoffe gegenbertrat -und so viel als nur immer fr ihn, den modernen Dichter, mglich -war, von der berlieferung beibehielt. Die Legende bildet im -groen und ganzen das wesentliche Gerste fr Tiecks Dichtung, -diese ist eine dramatische Nacherzhlung der Vorlage, wie es die -Nebeneinanderstellung fast Schritt fr Schritt bewies. Wenn Tieck hier -in dramatischer Form, also in einer Kunstform, die ihrem Wesen nach zu -eigenmchtigem Verndern des gegebenen Stoffes, zum Verschieben und -Verkrzen herausfordert<a name="FNAnker_193_193" id="FNAnker_193_193"></a><a href="#Fussnote_193_193" class="fnanchor">[193]</a>, doch der berlieferung so merkwrdig -treu bleibt, so will dies noch weit mehr sagen, als wenn er etwa in -den „Haimonskindern“ im Anschlusse an die alte Er<span class="pagenum"><a name="Seite_60" id="Seite_60">[S. 60]</a></span>zhlung wieder -eine Erzhlung macht, die nur verkrzt und in einem erneuerten -sprachlichen Gewande erscheint. Hier stehen wir einem dichterischen -Verfahren gegenber, das uns mitten in die Anschauungen der Romantik -hineinversetzt und nur aus diesen Anschauungen heraus erklrbar ist. -Eine heilige Ehrfurcht den Urkunden alter Poesie gegenber ist es, -die den Erneuerer der Genoveva-Legende berall leitet. Das aus der -alten, poesiereichen Zeit berlieferte, das Product einer Zeit, die an -allen Enden das Gegenspiel der nchternen, poesieleeren Gegenwart ist, -einer Zeit, welche Tieck an Wackenroders Seite innig und sehnschtig -verehren gelernt hatte, muss mit frommer Scheu bewahrt werden, der -alte kostbare Edelstein darf hchstens eine neue Form und Fassung und -Politur erhalten, es soll aber ja kein Splitterchen unnthigerweise -verloren gehen und Tieck selbst schreibt 1799 an Iffland: „Sie -knnen sich ohngefhr eine Vorstellung davon (von der ‚Genoveva‘) -machen, wenn Ihnen die alte Legende bekannt ist, an die ich mich im -Ganzen sehr angeschlossen habe, weil sie so schn und cht poetisch -ist...“<a name="FNAnker_194_194" id="FNAnker_194_194"></a><a href="#Fussnote_194_194" class="fnanchor">[194]</a> Das ist die Meinung der Romantiker von den berresten -alter, volksthmlicher Poesie. Tieck hat seine ungemeine Hochschtzung -der alten Volksbcher seit dem Jahre 1795 selbst, wie wir hrten, -wiederholt bezeugt („Leberecht“, „Schildbrger“, „Sternbald“). Darum -hat sein jetziges Vorgehen nichts sonderlich berraschendes. Er hlt -an dieser hohen Meinung auch spterhin noch fest, als ihm die Stimmung -der „Genoveva“ schon lngst fremd geworden war. Im „Phantasus“ spricht -er mit ebenderselben Wrme noch von den Volksbchern und empfiehlt es -als etwas Hochverdienstliches, die Nibelungen und Heldenbcher neu zu -bearbeiten und unter das Volk zu bringen.<a name="FNAnker_195_195" id="FNAnker_195_195"></a><a href="#Fussnote_195_195" class="fnanchor">[195]</a> Auch den spanischen -Kunstdichtern rhmt Tieck nach, dass sie es verstanden htten, -Volkssagen, Legenden und vaterlndische Geschichten zu bearbeiten, -ohne ihnen die Einfalt und Popularitt zu nehmen.<a name="FNAnker_196_196" id="FNAnker_196_196"></a><a href="#Fussnote_196_196" class="fnanchor">[196]</a> Wie Tieck -dachten auch seine romantischen Parteigenossen. In der Recension der -Tieck’schen „Volksmrchen“ (1797)<a name="FNAnker_197_197" id="FNAnker_197_197"></a><a href="#Fussnote_197_197" class="fnanchor">[197]</a> uerte<span class="pagenum"><a name="Seite_61" id="Seite_61">[S. 61]</a></span> z.B. A.W. Schlegel -den Wunsch, man solle die „ehrlichen, alten Volkssagen“, denen es -schwerlich ganz an poetischer Energie fehle, in ihrer „ursprnglichen -rohen Treuherzigkeit“ wieder vorfhren. Am besten geben die romantische -Ehrfurcht vor dem Alten seine Worte in den Berliner Vorlesungen -(1802–1803) wieder.<a name="FNAnker_198_198" id="FNAnker_198_198"></a><a href="#Fussnote_198_198" class="fnanchor">[198]</a> Nach Schlegels bertreibender uerung hat -in Deutschland nur der gemeine Mann eine Literatur und das sind die -unscheinbaren Bchelchen, „die schon in der Aufschrift: ‚gedruckt -in diesem Jahr‘, das naive Zutrauen kundgeben, das sie nie veralten -werden, und sie veralten auch wirklich nicht“. Denn sie haben unleugbar -eine unvergngliche poetische Grundlage. „Bey einigen ist sogar die -Ausfhrung vortrefflich, und wenn sie bey andern formlos erscheint, so -ist dies vielleicht blo die Schuld einer zuflligen Verwitterung vor -Alter. Sie drfen nur von einem wahren Dichter berhrt und aufgefrischt -werden, um sogleich in ihrer Herrlichkeit hervorzutreten.“ Nur im -Hinblick auf diese tiefe Verehrung der alten, naturwchsigen, echt -poetischen Volksdichtung lsst sich verstehen, wie Bernhardi in seiner -Recension der „Genoveva“<a name="FNAnker_199_199" id="FNAnker_199_199"></a><a href="#Fussnote_199_199" class="fnanchor">[199]</a> das berflssige Nebenwerk der Dichtung -unter anderem mit dem wiederholten, nachdrcklichen Hinweise auf -„die historische Heiligkeit“ des berlieferten Stoffes rechtfertigt, -und nur so versteht man auch die Worte, mit denen ein andermal A.W. -Schlegel Ariostos eigenmchtiges Schalten mit den alten Ritterbchern -entschuldigt:<a name="FNAnker_200_200" id="FNAnker_200_200"></a><a href="#Fussnote_200_200" class="fnanchor">[200]</a> „Vielleicht stand er (Ariost) dem Zeitalter, wo -die Ritterbcher entstanden, noch zu nahe, um den ganzen Wert dieser -Dichtungen unter ihrer oft unscheinbaren Hlle einzusehen, und so -behandelte er sie blo als rohen durch seine Wahl und Willkr schon -genug geehrten Stoff.“ Auch Friedrich Schlegel, der im „Gesprch ber -die Poesie“ zum Zurckgehen auf die alten Quellen unserer Sprache und -Dichtung aufforderte, rhmt an der „Genoveva“ diese Seite der Dichtung -am meisten. „Die Genoveva bleibt in dieser Rcksicht eine gttliche -Erscheinung.“<a name="FNAnker_201_201" id="FNAnker_201_201"></a><a href="#Fussnote_201_201" class="fnanchor">[201]</a> Ebenso heben die Sonette<span class="pagenum"><a name="Seite_62" id="Seite_62">[S. 62]</a></span> der beiden Brder -Schlegel, die den Dichter der „Genoveva“ feiern, wieder gerade diese -Richtung auf das Alte hervor.<a name="FNAnker_202_202" id="FNAnker_202_202"></a><a href="#Fussnote_202_202" class="fnanchor">[202]</a></p> - -<p>Was die Poeten des 18. Jahrhunderts, die unter dem Stichworte -„Retournons la nature!“ auf das Volkslied zurckgriffen, sowie die -weiteren lobenswerten Bemhungen um das Wiederverstndnis altdeutscher -Art und Kunst, an denen es im 18. Jahrhundert keineswegs fehlte, -begonnen hatten, setzen nun die Romantiker eifrig und im weiteren -Umfange und mit groem Erfolge fort.<a name="FNAnker_203_203" id="FNAnker_203_203"></a><a href="#Fussnote_203_203" class="fnanchor">[203]</a> Besonders Herder hatte die -poetische Herrlichkeit des Volksliedes aufgedeckt, er hatte es gewagt, -das Mittelalter zu vertheidigen und den poetischen Wert der alten -Legenden den Aufklrern zum Trotz zu verfechten (1797) und der nmliche -Herder hatte auch den vergessenen Jesuitendichter J. Balde aus seinem -„lateinischen Grabe“ erweckt und wurde dafr von A.W. Schlegel in einer -eingehenden Recension gelobt (1797).<a name="FNAnker_204_204" id="FNAnker_204_204"></a><a href="#Fussnote_204_204" class="fnanchor">[204]</a> Die Erneuerung verschollener -Poesien bildete einen wichtigen Punkt in Herders groartigem -Lebensprogramm. Diese Bestrebungen drfen hier nicht unerwhnt bleiben. -Wenn Wackenroder und Tieck auch zunchst, wie es scheint, auf eigenem -Wege in Sddeutschland ihren Enthusiasmus fr alte, religise und -nationale Kunst wachriefen: in den letzten Neunzigerjahren scheint -auch die Herder’sche Thtigkeit direct frdernd auf diese romantischen -Tendenzen herbergewirkt zu haben. Diese hohe Ehrfurcht vor dem -Alten, die in Dichtung und Wissenschaft noch lange hchst fruchtbar -und gelegentlich auch nachtheilig wirkte, sehen wir also als einen -wesentlichen und echt romantischen Zug in Tiecks Verhalten zum alten -Genoveva-Volksbchlein ausgeprgt.</p> - -<p>Bei aller Ehrfurcht vor der poetischen Kraft, die in den Motiven der -alten Volksromane steckt, macht doch auch der geluterte Geschmack -des neueren Dichters, der inmitten der hchsten Entfaltung deutscher -Kunstpoesie aufgewachsen war, seine Rechte geltend. Wenn Tieck von -seiner alten Vorlage auch mglichst wenig ausscheidet, so sucht er -dafr seinerseits manches zuzugeben, um eine reiche und abgerundete -Fassung fr sein<span class="pagenum"><a name="Seite_63" id="Seite_63">[S. 63]</a></span> altes Juwel zu gewinnen. Was im Volksbuche nur -in wenigen Stzen, im Stile einer trockenen Chronik abgethan wird, -reizt mitunter den Bearbeiter zu vollstndigerer Ausfhrung. Das -geschieht beim Abschiede und beim Kriege, bei der Jagd wie bei der -Wiederauffindung Genovevas. Die in der Legende gebotenen Motive -werden bis in die letzten Verzweigungen zu Ende gedacht. Aus einer -kurzen Erzhlung des Abschiedes wchst eine Reihe verschiedenartiger -Stimmungsbilder heraus; die drftigen Angaben der Vorlage ber -den Krieg werden zu einem bunten, weitlufigen Bilde ritterlichen -Kriegslebens erweitert, und diese verschiedenen Scenen sollen sich -dann wieder zu einem groen Gemlde voll alterthmlicher Stimmung -zusammenschlieen, aus dem uns „die Begeisterung des Kriegers“ krftig -entgegenwehen soll.</p> - -<p>Wenn Abschied und Krieg in der Erzhlung der Legende dem Geschmacke -Tiecks zu kahl und farblos erschienen, so konnte ihm am Charakter -Golos, der in echter alter Holzschnittmanier als unmenschlicher -Bsewicht schroff contrastiert neben dem Engel Genoveva steht, das -Niedrige, Rohe und psychologisch Unentwickelte nicht gengen. Hier -greift darum der neuere Dichter wieder in seiner Weise poetisierend -ein, indem er diesen Charakter auf eine menschlich hhere Stufe hebt, -einen an sich edel veranlagten Menschen durch ungezgelte Leidenschaft, -die zudem von einer aus falscher Liebe irreleitenden Pflegemutter -gesteigert wird, tragisch untergehen lsst, und dabei findet auch der -psychologisierende Poet, der Dichter des „Lovell“ und „Blaubart“, -seine Aufgabe, wenn er die Liebesleidenschaft von der ersten keimenden -Neigung bis zum elementaren, rasenden Sturm verfolgt und mit leichter, -wohlgebter Feder Scene um Scene, worin das Werden und Wachsen dieser -Liebe vorgefhrt wird, aufs Papier wirft. Fr diese Partien der -Legende fand also der Romantiker noch nicht genug von jener „wahren -Erfindung“, die er den Volksbchern im allgemeinen nachrhmt. Er musste -das sprlich skizzierte Motiv selbst gestalten, ausfhren, vertiefen -und abrunden, wie es etwa Goethe in seiner Art mit eigenen Erlebnissen -that. Goethe erlebte ein Fragment. Dieses wuchs aber in seiner -Dichtung zum fertigen, in die letzten Consequenzen fortgedachten, -schn gerundeten Ganzen aus. Diesem poetischen Processe lsst sich -Tiecks Verfahren mit dem Stoffe in der ersten Hlfte seiner Dichtung -einigermaen an die Seite setzen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_64" id="Seite_64">[S. 64]</a></span></p> - -<p>Anders wird das Verhltnis in der zweiten Hlfte der „Genoveva“, wenn -auch fr sie die frhere Erweiterung oder Vertiefung des Golocharakters -selbstverstndlich noch wirksam bleibt und die dramatische Form an -einzelnen Stellen ihr Recht geltend macht. Von der Gefangennahme der -Heldin an merkten wir einen viel engeren Anschluss an die Legende, -ein Begngen mit dem alten berlieferten, das sich in den Stanzen -des heiligen Bonifacius so weit steigert, dass man stellenweise -fast nur von einem Umdichten der prosaischen Erzhlung in Verse und -Strophen reden kann. Ein wenig freier bewegt sich Tieck wieder von -der Hexenscene an gegen das Ende zu. Hier herrschen die weichen und -frommen Stimmungsbilder. Allein der Dichter erweitert hier seine -Vorlage nirgends in dem Mae, wie es bei Abschied und Krieg geschah. -Wenn man von den letzten Wundergeschichten der Legende absieht, -die grtentheils wegfallen, so muss man sagen, dass der Dichter -auch hier weitaus das Meiste und vieles ohne wesentliche nderung -beibehlt. Im ganzen genommen scheint also fr die zweite Hlfte der -Tieck’schen Dichtung charakteristisch, dass hier dem Dichter der -vorliegende Stoff, die Wunder und Visionen, das Leben und Leiden der -Heiligen in der Waldeinsamkeit, sowie die Art des Wiederfindens der -Todtgeglaubten schon jene ursprngliche „Kraft der Poesie“, von der -unser Romantiker bei den alten „Schartecken“ spricht, in sich zu tragen -schien. Es bedurfte da nicht mehr vielen Umschmelzens und Luterns, -es brauchten nur Form und Vortragsweise hinzuzutreten und das alte -Bchlein war aufgefrischt, wie es A.W. Schlegel verlangte. Poetischer -Stimmungsduft und Naturgefhl durchziehen hier zwar reichlich das -Ganze, sie umschleiern wohl die Vorgnge, ohne aber die alten Motive -in ihrem inneren Wesen tiefer zu berhren. Gerade diese letzten Theile -des Volksbuches, „die Schilderung der Einsamkeit, die Leiden der Frau -in dieser und das wundersame Zusammentreffen mit dem Gemahl“ waren es -zuvrderst, die Tiecks Imagination nach seinem eigenen Gestndnisse in -Bewegung setzten.<a name="FNAnker_205_205" id="FNAnker_205_205"></a><a href="#Fussnote_205_205" class="fnanchor">[205]</a> Auch der „schlichte Ton“, der Tieck beim Lesen -der Legende so besonders rhrte, kommt am wirksamsten in der zweiten -Hlfte derselben zur Geltung. Tiecks Worte in der Einleitung zu seinen -Schriften treffen mithin den wirklichen Thatbestand, nur dass sie<span class="pagenum"><a name="Seite_65" id="Seite_65">[S. 65]</a></span> in -ihrer Allgemeinheit erst nach angestellter Untersuchung concret und -deutlich werden.</p> - -<p>Fr die greren Erweiterungen des alten Stoffes ist noch ein zweiter -Gesichtspunkt zu bercksichtigen. Die Legende, die in einfachster -Art nur die menschlichen Conflicte und wunderbaren Begebenheiten in -Genovevas Leben vortrgt, die auch nur die bedeutendsten Personen -mit eigenem Namen versieht, diese bescheidene Legende wird von Tieck -auch im Sinne der mannigfaltigen und alles umfassenden romantischen -„Universalpoesie“, die dem Theoretiker Friedrich Schlegel angesichts -des Romans „Wilhelm Meister“ zu einem wichtigen Postulate geworden -war, stofflich bereichert, wie schon Hettner ausfhrt.<a name="FNAnker_206_206" id="FNAnker_206_206"></a><a href="#Fussnote_206_206" class="fnanchor">[206]</a> Die -romantische Poesie soll ja „gleich dem Epos ein Spiegel der ganzen -umgebenden Welt, ein Bild des Zeitalters werden“.<a name="FNAnker_207_207" id="FNAnker_207_207"></a><a href="#Fussnote_207_207" class="fnanchor">[207]</a> Im Rahmen -der Geschichte Genovevas will Tieck in epischer Breite auch ein -Bild mittelalterlichen Lebens aufrollen. Diesem Zwecke dienen die -breiten Kreuzzugs-Scenen; denn „die Begeisterung des Kriegers“ soll -sich entfalten, jener kriegerische Enthusiasmus, den Tieck fter als -romantisch bezeichnet.<a name="FNAnker_208_208" id="FNAnker_208_208"></a><a href="#Fussnote_208_208" class="fnanchor">[208]</a> Dabei wird es mglich, den Contrast von -morgenlndischem und abendlndischem Wesen sammt seinen Differenzen -in Glaubens- und Lebensanschauung ebenso das Verhltnis zwischen -Lehensherrn und Vasallen zu zeigen. Gegenber dem Kreuzzugsbilde sehen -wir das Leben auf der Ritterburg, das Tieck mit einem mannigfaltigen -Apparat zu bereichern sucht. Wir treten in die gothische Burgkapelle -zum Gottesdienst. Das Ingesinde des Schlosses wird durch verschiedene -Figuren vertreten, bis zum leibeigenen Schfer herab. Hexenwahn und -Hexenprocess, Ausbung der Gerichtsbarkeit durch die Sippe, das -ritterliche Vergngen der Jagd fehlen nicht. Wenn Golo selbst zu -einem Liede „Wort und Weise“ findet, so scheint Tieck einen alten -Minnesnger vor Augen zu haben. Das ber die engeren Verhltnisse -Hinausliegende, Staat und Kirche, erscheint wenigstens blass im -Hintergrunde. Das Menschendasein soll seinen ganzen vielgestaltigen -Reichthum von Motiven zeigen. Wir sehen Kinder, Jnglinge, Mnner -und Greise, Hochgestellte und Mchtige, Arme und Niedrige. Geburt, -Verlbnis,<span class="pagenum"><a name="Seite_66" id="Seite_66">[S. 66]</a></span> Hochzeit und Tod, Krieg und Frieden, frohe und traurige -Stunden, alle mglichen Gemthsstimmungen und Religionsanschauungen, -Vergangenheit (Bonifacius), Gegenwart und Zukunft (Der Unbekannte, -Ausblick in den Himmel), alles zieht wie ein bunter Traum vor unserer -Phantasie vorber. Seit den Schlegel’schen Aufstellungen kehrt -das echt romantische Bestreben, ein Vielartiges zu einem Complex -zusammenzuordnen, berall und in immer neuen Wendungen wieder. Vor -dem Auftauchen dieses Gedankens ist der Dichtung Tiecks eine solche -Vielgestaltigkeit fremd.</p> - -<p>Was Tieck im kleinen dort und da nderte, ward an den einzelnen -Punkten unserer Vergleichung angemerkt und wir sahen, wie er das Rohe, -Crasse, Hssliche mildert, das Energische und Kraftvolle abschwcht, -Unebenheiten glttet, kleine Verschiebungen und Zusammenziehungen der -dramatischen Form zuliebe vornimmt und kleine Zuthaten zur Motivierung -einfgt. fters sind es recht glcklich gewhlte Zge (z.B. Golos -Heimweh nach den vertrauten Sttten). Das ist die Art, wie Tieck das -Alte, wo er es unverkrzt aufnimmt, erneuert und auffrischt und die -Spuren der „Verwitterung“ entfernt. Die Stellung des Dichters zu seiner -alten Vorlage ist in allem Wesentlichen durch jenen Geist der Romantik -bedingt, der um 1800 in unserer Literatur heimisch war.</p> - -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_67" id="Seite_67">[S. 67]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="mbot2" id="III">III.<br /> - -Literarische Einflsse.</h2> - -<h3 id="Tieck_und_Maler_Mueller">1. Tieck und Maler Mller.<br /> - -<span class="smaller gesperrt">(Goethes „Gtz“ und „Werther“.)</span></h3> - -<p>Dass Tieck nicht alles, was wir als Zuthat dem Volksbuche gegenber -erkannten, unvermittelt aus seiner eigenen Phantasie heraufholen -konnte, sagt uns die gewhnliche psychologische Erfahrung. Und wer -bedenkt, welche Fhigkeit des Anempfindens und Nachempfindens Tieck -eignete, wer sich erinnert, wie Lesen fr ihn oft zum Erleben wurde, -der sieht sich von selbst genthigt, nach literarischen Vorbildern -fr seine „Genoveva“ auszuschauen. Und der Dichter erleichtert dem -Forscher das Suchen. Wir hren von ihm selbst, dass sich „Erinnerungen, -Vorstze und poetische Stimmungen“ mit dem „Mrchen“ von der heiligen -Genoveva verbunden htten. Was unter den „Vorstzen“ und „Stimmungen“ -zu verstehen ist, sahen wir schon. Eine Richtung, aus welcher die -„Erinnerungen“ auf ihn zukamen, hat uns Tieck selber angezeigt, wenn -er auf Maler Mllers „Golo und Genoveva“ aufmerksam macht. Ein Jahr -bevor er das Volksbuch las, hatte er bereits das Manuscript dieses -Sturm- und Drang-Schauspiels gelesen. War diese Lectre auch keine sehr -intensive, so mag man doch von vornherein vermuthen, dass sie auch -irgendwie befruchtend auf die Phantasie des Dichters wirkte, der an die -Behandlung des gleichen Stoffes gieng.</p> - -<p>Den groen Eindruck, den beim Lesen des Mller’schen Manuscriptes das -traurige Liebeslied: „Mein Grab sei unter Weiden“, das die wichtigsten -Momente in Golos Geschick begleitet, auf Tieck machte, hebt dieser im -Vorberichte zu seinen Schriften selbst hervor.<a name="FNAnker_209_209" id="FNAnker_209_209"></a><a href="#Fussnote_209_209" class="fnanchor">[209]</a> Die Einschaltung -eines solchen Liedes<span class="pagenum"><a name="Seite_68" id="Seite_68">[S. 68]</a></span> nimmt er mit Bewusstsein aus Mllers Drama in das -seine herber.</p> - -<p>Vergleicht man das Lied bei Mller<a name="FNAnker_210_210" id="FNAnker_210_210"></a><a href="#Fussnote_210_210" class="fnanchor">[210]</a> (dessen Stimmung auch Werthers -Worte: „Ach, ich wollte ihr begrbt mich am Wege, oder im einsamen -Thale...“ schon ausdrcken) mit dem Tieck’schen<a name="FNAnker_211_211" id="FNAnker_211_211"></a><a href="#Fussnote_211_211" class="fnanchor">[211]</a> auf seinen Inhalt -hin, so ergibt sich auf den ersten Blick eine bereinstimmung in allem -Wesentlichen. Todessehnsucht eines unglcklichen Liebhabers, geknpft -an den gleichen dsteren Naturhintergrund, ist der Vorwurf beider -Gedichte. Den Wunsch nach dem einsamen Grabe, den die zwei ersten Verse -Mllers aussprechen, behandelt die erste Strophe Tiecks. „Der Kummer“, -der mit dem Grabe enden soll und den die folgenden Mller’schen Zeilen -schildern, erfllt die zweite Strophe Tiecks, welche den „Kummer“ als -den Schmerz eines verstoenen Liebhabers ausfhrlicher charakterisiert. -Wie Mllers Lied in den Schlussversen zum Wunsch und Naturbild des -Anfanges zurckkehrt, thut es auch Tiecks letzte Strophe. Also Inhalt -und Gliederung des Inhaltes sind bei beiden Dichtern dieselben. Tieck -bereichert und erweitert nur, was Mller in gedrngter Krze sagt. -Das eingehendere Verweilen bei der Naturscenerie ist bezeichnend fr -den Romantiker. Grund und Art der Todessehnsucht mssen bei Tieck -genauer ausgefhrt werden, weil das Lied nicht wie bei Mller blo -Empfindungs-Aussprache Golos ist, dessen Herzleid wir schon einen Act -lang kennen und der daher mit dem einen Worte „Kummer“ deutlich macht, -was er sagen will, whrend das Lied bei Tieck von einem unbekannten -Verstoenen stammt und auch zunchst von einem Unbetheiligten gesungen -wird.</p> - -<p>Eine wesentliche Differenz liegt aber in der Verwendung des Liedes -bei Mller und Tieck. In Mllers Drama ist es zweimal directer -lyrischer Ausfluss von Golos Stimmung<a name="FNAnker_212_212" id="FNAnker_212_212"></a><a href="#Fussnote_212_212" class="fnanchor">[212]</a> und einmal soll es eine -bestimmte Stimmung in ihm wecken.<a name="FNAnker_213_213" id="FNAnker_213_213"></a><a href="#Fussnote_213_213" class="fnanchor">[213]</a> Diese Art von Wiederholung -lsst einen eigenthmlichen Ton weicher Schwermuth ber dieses Drama -hinschweben.<a name="FNAnker_214_214" id="FNAnker_214_214"></a><a href="#Fussnote_214_214" class="fnanchor">[214]</a> Bei Tieck tritt<span class="pagenum"><a name="Seite_69" id="Seite_69">[S. 69]</a></span> das Lied als etwas ganz Fremdes an -Golo heran, aber es berwltigt sein Herz beim ersten Anhren mit einer -geheimen rthselhaften Macht, dass ihm die Thrnen nahe sind.<a name="FNAnker_215_215" id="FNAnker_215_215"></a><a href="#Fussnote_215_215" class="fnanchor">[215]</a> -Etwas Ahnungsschweres liegt in dieser ersten Einfhrung des Liedes. -Der verliebte Golo bentzt im weiteren Verlaufe das Lied auch, um mit -dessen Worten seine Empfindung zu entladen.<a name="FNAnker_216_216" id="FNAnker_216_216"></a><a href="#Fussnote_216_216" class="fnanchor">[216]</a> Vor dem Tode drngen -sich die Verse des Liedes in sein Gebet.<a name="FNAnker_217_217" id="FNAnker_217_217"></a><a href="#Fussnote_217_217" class="fnanchor">[217]</a> Was der unbekannte -Dichter in seinem Liede sagt und wnscht, erfllt sich nach und nach -an Golo; ein Grab unter Weiden, das jener sich wnscht, wird diesem -zutheil. Golo betrachtet schlielich auch selbst das Lied als eine -Schicksalsverkndung und beruft sich auf das Versprechen des Liedes, -das sich an ihm erfllen soll.<a name="FNAnker_218_218" id="FNAnker_218_218"></a><a href="#Fussnote_218_218" class="fnanchor">[218]</a> So hat das Lied bei Tieck eine -ganz eigene Stellung gewonnen. Wie eine geheimnisvolle rthselhafte -Schicksalsstimme klingt es erst zufllig an Golos Gemth, wie die -Stimme einer unbekannten Macht, die verborgen die Erlebnisse des -Ritters zu lenken scheint, begleitet es dann Golo bis zum Grabe. Als -schicksalsmigen Zuruf an Golo charakterisiert sich das Lied sogar -stilistisch durch den Doppelsinn der Selbstanrede in der zweiten -Person. „Such’ zum Troste dir ein Grab“ sagt zunchst der Dichter -des Liedes zu sich selbst; „Such’ zum Troste dir ein Grab“ sagt das -Lied zu Golo. Nach unmittelbarer, krftiger Aussprache der Empfindung -strebt Mller, der Dichter der Geniezeit: die geheimnisvoll anklingende -Stimmung und die Kunst der feinen, ahnungsvollen Beziehungen und das -Hereingreifen einer berirdischen Schicksalsmacht in das Menschenleben -interessiert Tieck den Romantiker.</p> - -<p>Auer diesem Liede blieben Tieck noch „dunkle Erinnerungen“ vom Ganzen -und klare von einzelnen Stellen des Mller’schen Dramas. Verschiedene -Gestalten nahmen bei Tieck, wie gezeigt wurde, ein anderes Wesen -an, als sie im Volksbuch hatten. Sollten nicht die „Erinnerungen“ -an das Drama gleichen Inhaltes als wirkende Krfte bei diesen -Verschiebungen mitgeholfen haben? Mllers Drama verdankt aber selbst -wieder verschiedene Zge Goethes greren Jugendwerken „Gtz“ und<span class="pagenum"><a name="Seite_70" id="Seite_70">[S. 70]</a></span> -„Werther“.<a name="FNAnker_219_219" id="FNAnker_219_219"></a><a href="#Fussnote_219_219" class="fnanchor">[219]</a> Die Lectre dieser nmlichen Dichtungen Goethes ist -auch fr den jungen Tieck einst ein Ereignis gewesen. Den „Gtz“ soll -er so gut wie auswendig gewusst haben, „Werther“ hatte ihn aufs tiefste -ergriffen. Dies gibt uns ein Recht, hier alle diese literarischen -Erfahrungen Tiecks zusammenzunehmen und beim Vergleiche mit Mllers -Drama ab und zu auch einen Blick auf „Gtz“ und „Werther“ zu werfen. -Die innerlich verwandten dichterischen Gestalten mussten auch als -verwandte Erlebnisse und Krfte in Tiecks Phantasie wirksam sein. Es -wird eine resultierende aus mehreren verwandten Krften.</p> - -<p>Tiecks Golo wird kaum seine Verwandtschaft mit der Gestalt, die Mller -schuf, verleugnen knnen. Mehr als ein Zug von Familienhnlichkeit -zeigt sich bei nherer Betrachtung. Mllers Golo ist vor seiner -unglcklichen Liebe ein heiterer Ritter, der es versteht, angenehmen -Zeitvertreib zu schaffen.<a name="FNAnker_220_220" id="FNAnker_220_220"></a><a href="#Fussnote_220_220" class="fnanchor">[220]</a> „Er ist auch Maler... Und Musikant; -hat alle Talente.“<a name="FNAnker_221_221" id="FNAnker_221_221"></a><a href="#Fussnote_221_221" class="fnanchor">[221]</a> Seine Sangeskunst bt er gelegentlich aus. -Ganz hnlich hren wir im Eingange der Tieck’schen „Genoveva“ Golo -schildern und auch dieser bt im Verlaufe des Stckes einzelnes von -dem, was ihm hier beigelegt wird. Ein lustiger Reiter, der sein frohes -Morgenlied singt, galoppiert er ins freie Feld. „Er kann alles,“ — -versichert der Schfer Heinrich — „er singt, er musiciert, er kann -Gemlde machen, er tanzt und ist auch ein Dichter“.<a name="FNAnker_222_222" id="FNAnker_222_222"></a><a href="#Fussnote_222_222" class="fnanchor">[222]</a> Tiecks Golo -versteht es ebenfalls, die Menschen froh zu machen.<a name="FNAnker_223_223" id="FNAnker_223_223"></a><a href="#Fussnote_223_223" class="fnanchor">[223]</a> So war ja auch -schon Weislingen im „Gtz“ der „edelste, verstndigste und angenehmste -Ritter in Einer Person“ vor seiner Liebschaft mit Adelheid. Der „Maler“ -endlich geht auch bis auf den „Werther“ zurck.</p> - -<p>Die Art, wie der Strmer und Drnger und der Romantiker die -Liebes-Entwickelung an ihren Helden darstellen, zeigt auch manche -auffallende Berhrungspunkte. Aus dem abstoenden Wstling der Legende -ist bei beiden Dichtern ein liebenswrdiger Ritter geworden, dessen -erwachende Liebe zunchst eine reine Neigung ist, die mit religiser -Ehrfurcht zum geliebten Wesen aufblickt und in Ausdrcken religiser -Verehrung zu<span class="pagenum"><a name="Seite_71" id="Seite_71">[S. 71]</a></span> demselben spricht. „Gtz“ und „Werther“ gehen auch hier -als Vorbild voraus.</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse center"><em class="gesperrt">Gtz</em> (Franz):</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse tdl">„... ich fhlte in dem Augenblick, wie’s den Heiligen bei himmlischen - Erscheinungen sein mag.“</div> - </div> - </div> -</div> -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse center"><em class="gesperrt">Werther</em>:</div> - </div> - </div> -</div> -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse tdl">„Leb’ wohl, Engel des Himmels!“ — „Lippen! auf denen die Geister - des Himmels schweben.“ — „... habe ich nicht, gleich einem Kinde, ungengsam - allerlei Kleinigkeiten zu mir gerissen, die du Heilige berhrt hattest!“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse center"><em class="gesperrt">Mller</em>:</div> - </div> - </div> -</div> -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Da ich mich erquicke an ihren Spuren: Das sei es auch alles, reine - Anbetung, wie die Liebe zum schnsten Gestirn, ... so sei mein Weben - stiller Wunsch, Gebet zu ihr!“<a name="FNAnker_224_224" id="FNAnker_224_224"></a><a href="#Fussnote_224_224" class="fnanchor">[224]</a></div> - </div> - </div> -</div> -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse center"><em class="gesperrt">Tieck</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Ja, ihr habt recht, ihr seid ein gttlich Bild,</div> - <div class="verse">Drum muss man euch Reliquien gleich verehren,</div> - <div class="verse">Mit stummer Inbrunst und aus frommer Ferne.“<a name="FNAnker_225_225" id="FNAnker_225_225"></a><a href="#Fussnote_225_225" class="fnanchor">[225]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Mllers Golo wird von einem geheimen Zuge seines Herzens, ber -den er sich noch keine klare Rechenschaft gibt, in das Vorzimmer -Genovevas gefhrt.<a name="FNAnker_226_226" id="FNAnker_226_226"></a><a href="#Fussnote_226_226" class="fnanchor">[226]</a> (Werther.) Auch bei Tieck sieht sich Golo -unvermerkt in der Nhe seiner Geliebten.<a name="FNAnker_227_227" id="FNAnker_227_227"></a><a href="#Fussnote_227_227" class="fnanchor">[227]</a> berall kmpfen reine -Herzensneigung und Sinnlichkeit zuerst einen harten Kampf. Jeder von -beiden muss sich die Berechtigung seiner Leidenschaft erst einreden. -(Werther—Weislingen.) Jeder mchte der Gefahr entfliehen, aber es -gelingt nicht. (Werther—Weislingen.) Jeder spricht in Liedern von -seinem Liebeskummer zur Geliebten.</p> - -<p>Bei der reinen schwrmerischen Liebe bleibt es aber weder in dem -einen noch im andern Falle. Die Leidenschaft wchst und wchst und -wird zum zehrenden Gifte. Nach der fehlgeschlagenen Liebeswerbung ist -Mllers Golo hchst rathlos und muss sich ganz und gar der fhrenden -Hand Mathildens anvertrauen.<a name="FNAnker_228_228" id="FNAnker_228_228"></a><a href="#Fussnote_228_228" class="fnanchor">[228]</a> Nicht viel besser ergeht es Golo -bei Tieck nach der Portrtscene; auch er wre ohne seine Amme Gertrud -hilflos.<a name="FNAnker_229_229" id="FNAnker_229_229"></a><a href="#Fussnote_229_229" class="fnanchor">[229]</a> In beiden Helden geht mit der wachsenden Liebe eine -groe Vernderung vor sich. Mllers Golo findet an seiner glnzenden<span class="pagenum"><a name="Seite_72" id="Seite_72">[S. 72]</a></span> -Zukunft kein Interesse mehr.<a name="FNAnker_230_230" id="FNAnker_230_230"></a><a href="#Fussnote_230_230" class="fnanchor">[230]</a> Auch bei Tieck wird dem Ritter -alles zuwider und gleichgiltig, was ihm sonst Freude machte.<a name="FNAnker_231_231" id="FNAnker_231_231"></a><a href="#Fussnote_231_231" class="fnanchor">[231]</a> -(Werther.) Das Problem, wie ein „edler Mann“ durch seine ungezgelte -Leidenschaft so „tief hinuntersinken“<a name="FNAnker_232_232" id="FNAnker_232_232"></a><a href="#Fussnote_232_232" class="fnanchor">[232]</a> muss, wollen Mller und -Tieck<a name="FNAnker_233_233" id="FNAnker_233_233"></a><a href="#Fussnote_233_233" class="fnanchor">[233]</a> entwickeln. Wie der biedere, treue Adolf bei Mller, tadelt -der alte Wolf bei Tieck diese schlimme Vernderung am Verliebten.<a name="FNAnker_234_234" id="FNAnker_234_234"></a><a href="#Fussnote_234_234" class="fnanchor">[234]</a> -(Auch Adelheid an Weislingen.) — Die Art des Empfindens beider -Liebhaber hat auch viele hnlichkeit. Bei jedem entfacht sich eine -tiefe Leidenschaft, die sich wohl in erregten und schwermthigen -Gefhlswallungen auslebt, dann wieder in weichen Sehnsuchtsstimmungen -versinkend schwelgt, aber es fehlt dabei jeder krftige Impuls zu -entschlossenem Handeln. Am auffallendsten tritt diese Willensschwche -allerdings an Mllers Golo hervor, weil neben ihm das willenskrftige -Machtweib Mathilde steht, die ihren weichlichen Schtzling Schritt -fr Schritt vorwrts fhren muss, whrend Tiecks kraftloser Held -durch kein so bermchtiges Gegenspiel in Schatten gestellt wird. -Beide liebesiechen Ritter gefallen sich in wehmthigen Todesgedanken. -Es muss aber hier auch angemerkt werden, dass Tiecks Gemthsanlage -und langgenhrte Neigung fr dstere Stimmungen dem Vorbilde aus der -Wertherzeit besonders verwandt entgegenkam. Der „Werther“ selbst aber -und verwandte Dichtungen waren fr Tiecks Gemth nicht ohne Einfluss.</p> - -<p>Mllers Golo sieht, nachdem er verschiedene Unthaten begangen hat und -von Gewissensbissen gepeinigt wird, mit seinem berreizten Gehirn -Gespenster,<a name="FNAnker_235_235" id="FNAnker_235_235"></a><a href="#Fussnote_235_235" class="fnanchor">[235]</a> er wthet gegen die eigenen Freunde und Helfershelfer, -er reit Steffen zu Boden<a name="FNAnker_236_236" id="FNAnker_236_236"></a><a href="#Fussnote_236_236" class="fnanchor">[236]</a> und sticht nach Mathilden.<a name="FNAnker_237_237" id="FNAnker_237_237"></a><a href="#Fussnote_237_237" class="fnanchor">[237]</a> Vom -Gespenstersehen zeigt sich bei Tieck nur noch eine schwache Spur,<a name="FNAnker_238_238" id="FNAnker_238_238"></a><a href="#Fussnote_238_238" class="fnanchor">[238]</a> -wohl aber strzt auch Tiecks Golo seinen einzigen treugebliebenen -Benno, der die Rolle Steffens theilweise bernommen hat, in einem -dumpfen Wuthanfall in<span class="pagenum"><a name="Seite_73" id="Seite_73">[S. 73]</a></span> den Abgrund.<a name="FNAnker_239_239" id="FNAnker_239_239"></a><a href="#Fussnote_239_239" class="fnanchor">[239]</a> — Schon bei Mllers Helden -(Weislingen — Werther) legt sich die Liebesleidenschaft mit so -unwiderstehlicher Gewalt auf die Seele, dass sich der Unglckliche -unter dem Banne einer unbezwingbaren Schicksalsmacht fhlt.<a name="FNAnker_240_240" id="FNAnker_240_240"></a><a href="#Fussnote_240_240" class="fnanchor">[240]</a> Wie -verwandt gerade diese Auffassung Tiecks eigener Anschauung war, zeigte -schon die Betrachtung des traurigen Liedes und verschiedene andere -Dichtungen besttigen es. In „Abdallah“, „Lovell“, „Karl von Berneck“ -herrschen dunkle Gewalten ber die Menschen, ber Menschen, in denen -sich keine eigene spontane Willenskraft zu regen scheint, sondern eine -elementare geheime Naturgewalt bewegt sich in ihnen. Diese fremdartige -Gemthsrichtung Tiecks ist auch in der „Genoveva“ dort wirksam, wo -sich Golo von einer dunkeln, unberwindlichen Macht fortgestoen -fhlt.<a name="FNAnker_241_241" id="FNAnker_241_241"></a><a href="#Fussnote_241_241" class="fnanchor">[241]</a> Die literarischen Vorbilder nhrten und entwickelten Tiecks -Gemthsrichtung selbstverstndlich.</p> - -<p>Jene Episode, die bei Mller Golos Zusammentreffen mit dem Schfer -Brandfuchs schildert und das Los des unglcklichen Ritters mit -dem harmlosen Glck des anspruchlosen Schfers contrastiert,<a name="FNAnker_242_242" id="FNAnker_242_242"></a><a href="#Fussnote_242_242" class="fnanchor">[242]</a> -scheint nicht ohne Einfluss auf Golos Zusammentreffen mit dem -Schfer Heinrich bei Tieck<a name="FNAnker_243_243" id="FNAnker_243_243"></a><a href="#Fussnote_243_243" class="fnanchor">[243]</a> geblieben zu sein. Jedesmal drngt -sich auch das Erinnern an die vergangenen Zeiten und damit die -gleiche Wehmuthstimmung ein. Tieck liebt solche Contraste und solche -Stimmungsbildchen freilich noch mehr als Mller. — Mllers Golo wird -von den racheheischenden Rittern, mit denen er zur Jagd ausgezogen -ist, wirklich gejagt wie ein Wild.<a name="FNAnker_244_244" id="FNAnker_244_244"></a><a href="#Fussnote_244_244" class="fnanchor">[244]</a> Tiecks Ritter fhlt sich nur -wie ein gehetztes Wild.<a name="FNAnker_245_245" id="FNAnker_245_245"></a><a href="#Fussnote_245_245" class="fnanchor">[245]</a> Die wiedergefundene Genoveva erscheint -dort Golo wie eine auferstandene Todte<a name="FNAnker_246_246" id="FNAnker_246_246"></a><a href="#Fussnote_246_246" class="fnanchor">[246]</a> (Weislingen—Maria): hier -wie ein Traumbild.<a name="FNAnker_247_247" id="FNAnker_247_247"></a><a href="#Fussnote_247_247" class="fnanchor">[247]</a> Diese Abschwchung der ueren, drastischen -Handlung zur inneren Stimmung, des gestaltlich Greifbaren ins dmmernd -Unbestimmte des Traumes entspricht wieder ganz der Neigung<span class="pagenum"><a name="Seite_74" id="Seite_74">[S. 74]</a></span> des -romantischen Dichters. Die Verwendung des begleitenden Liedes in der -Weise Mllers verlangte auch die gleiche Situation und Stimmung fr die -Todesscene Golos bei Tieck: unter dunkeln Weiden im einsamen Thale. -Wie hier das einemal Golos Gegner ritterlichen Tod und Begrbnis -verweigern, so verweigern Siegfrieds Bruder und Vetter das anderemal -(abweichend vom Volksbuche) das ehrliche Begrbnis. Mllers Golo -erreicht aber mit Gewalt,<a name="FNAnker_248_248" id="FNAnker_248_248"></a><a href="#Fussnote_248_248" class="fnanchor">[248]</a> was Tiecks Golo erbittet.<a name="FNAnker_249_249" id="FNAnker_249_249"></a><a href="#Fussnote_249_249" class="fnanchor">[249]</a> Wieder -ein Entfernen des Drastischen.</p> - -<p>Lassen sich die Einwirkungen des Mller’schen Helden vielfach deutlich -verfolgen, so sind die Nachwirkungen der Genovevagestalt Mllers auf -ihre Nachfolgerin lange nicht so betrchtlich. Begreiflich, die ganz -verschiedene Auffassung dieser Gestalt bei beiden Dichtern erklrt -es. Dort und da nur blickt das Vorbild noch ein wenig hervor. Den -glcklichen poetischen Griff, den Mller thut, wenn er seine Genoveva -voll trber Ahnung ihren Gatten dringlich bitten lsst, dass er sie -mit in den Krieg nehme,<a name="FNAnker_250_250" id="FNAnker_250_250"></a><a href="#Fussnote_250_250" class="fnanchor">[250]</a> hat auch Tieck sofort empfunden und ihn -fr seine Heldin gleichfalls verwendet.<a name="FNAnker_251_251" id="FNAnker_251_251"></a><a href="#Fussnote_251_251" class="fnanchor">[251]</a> Tieck lsst aber wieder -die trben Stimmungen und Ahnungen, wovon die Abschiedsscene erfllt -ist, die bei seinem Vorgnger nur kurz anklingen, lange und behaglich -austnen. — Mllers Genoveva ist von argloser, naiver Gemthsart und -schrt ohne Wissen und Absicht Golos Liebe wie Tiecks hchst naive -Heilige, wenn auch Tieck diese Naivett und Arglosigkeit in einer Weise -ausntzt, die das psychologisch Glaubhafte bersteigt. Das unbefangene, -frische und heitere Gebaren Genovevas in der Portrtscene<a name="FNAnker_252_252" id="FNAnker_252_252"></a><a href="#Fussnote_252_252" class="fnanchor">[252]</a> bei -Mller sowie in der Unterhaltung mit Mathilden in der Balkonscene<a name="FNAnker_253_253" id="FNAnker_253_253"></a><a href="#Fussnote_253_253" class="fnanchor">[253]</a> -konnte recht wohl der Heldin Tiecks fr ihre arglose Theilnahme, fr -ihr Zutrauen zu Golo ein wenig die Richtung angegeben haben.<a name="FNAnker_254_254" id="FNAnker_254_254"></a><a href="#Fussnote_254_254" class="fnanchor">[254]</a> -Naivett und Unschuld verbinden sich dort wie hier. ber Golos -Traurigkeit uern sich beide Frauen recht hnlich. Das Volksbuch gab -Tieck fr diese Einzelzge keinen Wink. — Bei Mller<span class="pagenum"><a name="Seite_75" id="Seite_75">[S. 75]</a></span> und bei Tieck -singt die Mutter im Kerker ihrem Kinde ein Schlummerliedchen.<a name="FNAnker_255_255" id="FNAnker_255_255"></a><a href="#Fussnote_255_255" class="fnanchor">[255]</a></p> - -<p>Tiecks Siegfried erinnert an sein Vorbild besonders durch das, was -ihm fehlt, nmlich Temperament und warmbltiges, individuelles Leben. -Siegfried ist jedesmal ein herzlich unbedeutender biederer Ehemann und -tchtiger Kriegsmann, der nur dann ein wenig ins Feuer gerth, wenn -er von der Untreue seiner Frau hrt oder Golo entlarvt sieht. Tiecks -Siegfried ist daneben ein wenig fromm, aberglubisch und sentimental; -nichts in hervorstechendem Grade. Die Farben haben berall etwas -Mattes, Verblichenes. Jeden von beiden beschleichen im Lager trbe -Ahnungen.<a name="FNAnker_256_256" id="FNAnker_256_256"></a><a href="#Fussnote_256_256" class="fnanchor">[256]</a> Der Ausdruck ihrer Trauer um die verlorne Gattin hnelt -sich.<a name="FNAnker_257_257" id="FNAnker_257_257"></a><a href="#Fussnote_257_257" class="fnanchor">[257]</a> Der Gedanke Bernhards ber die untreue Frau bei Mller<a name="FNAnker_258_258" id="FNAnker_258_258"></a><a href="#Fussnote_258_258" class="fnanchor">[258]</a> -geht bei Tieck auf Siegfried ber.<a name="FNAnker_259_259" id="FNAnker_259_259"></a><a href="#Fussnote_259_259" class="fnanchor">[259]</a></p> - -<p>Golo bekommt als gesinnungstreuen Diener und Helfershelfer bei Mller -den derben Kerl Steffen, der ein gut Theil des volksthmlichen -Hanswurstes in sich birgt, an die Seite und beim Ritter Tiecks -vertritt Benno dessen Stelle. Benno, obschon ein etwas weniger -ruppiger Bursche als Steffen, msste sich doch mit diesem ganz -trefflich verstehen. Denn, wenn Steffen auf „Fressen und Saufen“ -hlt,<a name="FNAnker_260_260" id="FNAnker_260_260"></a><a href="#Fussnote_260_260" class="fnanchor">[260]</a> so findet auch Benno beim Essen und Trinken am besten seine -Rechnung<a name="FNAnker_261_261" id="FNAnker_261_261"></a><a href="#Fussnote_261_261" class="fnanchor">[261]</a> und „Wohlanstndigkeit“ mag er dabei nicht leiden.<a name="FNAnker_262_262" id="FNAnker_262_262"></a><a href="#Fussnote_262_262" class="fnanchor">[262]</a> -— Beim berfall auf Dragones und Genoveva erscheinen „Mathilde mit -Knechten und Steffen“.<a name="FNAnker_263_263" id="FNAnker_263_263"></a><a href="#Fussnote_263_263" class="fnanchor">[263]</a> Ebenso tritt bei Tieck Golo ein „mit -Benno und anderen Knechten“.<a name="FNAnker_264_264" id="FNAnker_264_264"></a><a href="#Fussnote_264_264" class="fnanchor">[264]</a> — Steffen und Benno werden als -Boten mit der verleumderischen Nachricht an Siegfried geschickt.<a name="FNAnker_265_265" id="FNAnker_265_265"></a><a href="#Fussnote_265_265" class="fnanchor">[265]</a> -Steffens Geldgier<a name="FNAnker_266_266" id="FNAnker_266_266"></a><a href="#Fussnote_266_266" class="fnanchor">[266]</a> verunziert, wenn auch in etwas minderem Grade, -Benno.<a name="FNAnker_267_267" id="FNAnker_267_267"></a><a href="#Fussnote_267_267" class="fnanchor">[267]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_76" id="Seite_76">[S. 76]</a></span> Steffen und Benno bleiben bei Golo, nachdem sich dieser -von Siegfrieds Hofe geflchtet; beide werden von ihrem Herrn bel -behandelt.</p> - -<p>Ist Steffen-Benno eine Art Vertrauter fr Golo, so ist es wenigstes -anfangs Mathilde-Gertrud fr Genoveva. Der Dichter des Sturmes und -Dranges macht, um den dramatischen Conflict zu verschrfen, die Amme -der Legende zu Golos Mutter, whrend Tieck, der Legende folgend, die -Amme beibehlt. Das Weib voll dmonischen Zaubers, voll Thatkraft, -Leidenschaft und Rcksichtslosigkeit, das Machtweib, das die Mnner um -sich her in den Untergang reit, wie Mcken, die sich in die Flamme -strzen, verblasst zwar ganz in der Phantasie des Romantikers,<a name="FNAnker_268_268" id="FNAnker_268_268"></a><a href="#Fussnote_268_268" class="fnanchor">[268]</a> -doch einige erkennbare Nachwirkungen dieser beraus lebendigen -Gestalt vererbten sich immerhin auf die Amme Gertrud. Whrend die -Amme des Volksbuches erst nach der Einkerkerung Genovevas in die -Handlung eintritt, greifen Mathilde und Gertrud schon frher in -Golos Liebesangelegenheit ein. Beide Dichter erweitern also die -Rolle im gleichen Sinne. Mathilde macht dem verliebten Golo Hoffnung -auf Erfllung seiner Wnsche,<a name="FNAnker_269_269" id="FNAnker_269_269"></a><a href="#Fussnote_269_269" class="fnanchor">[269]</a> sie sucht ihm seine Schwermuth -und seine Todesgedanken auszureden und belehrt ihn ber die leichte -Besiegbarkeit der Frauen;<a name="FNAnker_270_270" id="FNAnker_270_270"></a><a href="#Fussnote_270_270" class="fnanchor">[270]</a> all das thut auch Gertrud.<a name="FNAnker_271_271" id="FNAnker_271_271"></a><a href="#Fussnote_271_271" class="fnanchor">[271]</a> Mathilde -und Gertrud missbilligen Golos unberlegtes, rasches Darauflosgehen -bei der Liebeserklrung.<a name="FNAnker_272_272" id="FNAnker_272_272"></a><a href="#Fussnote_272_272" class="fnanchor">[272]</a> Beide wecken in ihrem Liebling aufs neue -die schlummernde Leidenschaft, nachdem sich diese unter dem ersten -Misserfolge scheu zurckgezogen hatte. Doch Gertruds Einfluss ist lange -nicht so energisch vorwrtstreibend wie der Mathildens. Gertruds Thun -beschrnkt sich auf ein Rathen, Vermitteln, Forthelfen. Mtterliche -Liebe und Theilnahme fr Golo entfaltet auch Gertrud, obschon sie blo -seine Amme ist. Mller und Tieck suchen das Widerliche an der Art der -Amme, wie sie das Volksbuch vorfhrt, zu beseitigen und geben dem an -sich unschnen Charakter eine verstndlichere ethische Grundlage. Was -Tieck von Mller bernimmt, sind uerliche Zge. Das innere Wesen -des „Machtweibes“ aus der Geniezeit, dmonische Schnheit, zgel<span class="pagenum"><a name="Seite_77" id="Seite_77">[S. 77]</a></span>lose -Sinnlichkeit, rcksichtslose Thatkraft, ein bermenschenthum, das sich -„jenseits von Gut und Bse“ ansiedelt, all diese hervorstechenden -Zge haben an Tiecks Gertrud keine Spur zurckgelassen. So kommt es, -dass bei Tieck wie im Volksbuch wieder Gertrud sich um eine bessere -Verpflegung der gefangenen Wchnerin bemhen kann,<a name="FNAnker_273_273" id="FNAnker_273_273"></a><a href="#Fussnote_273_273" class="fnanchor">[273]</a> whrend dies -bei Mller eine Grtnersfrau thun muss. Wenn Gertrud zu Golo sagt: -„Ihr msst durch die rauhe Zeit hindurch“ so eignet sie sich ein -Lieblingswort Mathildens an, aber das an sich krftige Wort verliert -seine Kraft im Munde einer Gertrud. Diese wird schlielich „krank in -ihrem Wahnsinn“ und verschwindet dann gnzlich aus dem Drama. Diese -Nachricht, dass Gertrud hinter der Scene im Wahnsinn liege, ist auch -nur ein blasser Reflex der grellen Sterbescene Mathildens.<a name="FNAnker_274_274" id="FNAnker_274_274"></a><a href="#Fussnote_274_274" class="fnanchor">[274]</a> Nach -dem Hhepunkte der Verwickelung tritt Mathilde etwas, Gertrud ganz -zurck. Mathilde und Gertrud sind also bei beiden Dichtern hnlich -zwischen Golo und Genoveva gestellt. berall werden sie aus Vertrauten -der Grfin Genoveva zu deren Verfolgerinnen, und zwar immer dem -vergtterten Schtzling zuliebe.</p> - -<p>Treu zu Genoveva halten bei Mller Adolf, Dragones und die -Grtnerfamilie, bei Tieck Wolf, Drago, Wendelin, Heinrich und Else.</p> - -<p>Mllers Adolf, der alte biderbe Ritter und Schlosshauptmann, der -gerne mit in den Mohrenkrieg zge, wenn es in seinem Alter noch -angienge,<a name="FNAnker_275_275" id="FNAnker_275_275"></a><a href="#Fussnote_275_275" class="fnanchor">[275]</a> ist derselbe Typus des alten treuen Unterthanen -auf der Burg wie Tiecks Wolf, der nicht minder gern mit Siegfried -ziehen mchte,<a name="FNAnker_276_276" id="FNAnker_276_276"></a><a href="#Fussnote_276_276" class="fnanchor">[276]</a> der sich ebenso nrrisch ber den heimgesandten -Mohrensbel freut<a name="FNAnker_277_277" id="FNAnker_277_277"></a><a href="#Fussnote_277_277" class="fnanchor">[277]</a> wie Adolf ber den von seinem knftigen -Schwiegersohne erbeuteten „Trkensbel“.<a name="FNAnker_278_278" id="FNAnker_278_278"></a><a href="#Fussnote_278_278" class="fnanchor">[278]</a> Bei Mller wird dies -Motiv weiter verwendet, bei Tieck verschwindet es ohne Spur aus der -Dichtung. Adolf und Wolf tadeln Golos, des Liebeskranken, verndertes -Wesen.</p> - -<p>Drago ist bei Tieck ganz nach dem Volksbuch gearbeitet. Er bernimmt -auerdem eine religise Rolle, whrend ihn Mller fast ganz -verweltlicht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_78" id="Seite_78">[S. 78]</a></span></p> - -<p>Der Schfer Brandfuchs singt einmal vor Golo das traurige -Liebeslied,<a name="FNAnker_279_279" id="FNAnker_279_279"></a><a href="#Fussnote_279_279" class="fnanchor">[279]</a> ebenso der Schfer Heinrich bei Tieck.<a name="FNAnker_280_280" id="FNAnker_280_280"></a><a href="#Fussnote_280_280" class="fnanchor">[280]</a></p> - -<p>Die beiden Mrder, die Mller nach Shakespeare’scher Weise -einfhrt<a name="FNAnker_281_281" id="FNAnker_281_281"></a><a href="#Fussnote_281_281" class="fnanchor">[281]</a> und deren Charakterverschiedenheit die Legende nur -flchtig andeutet, wirkten auer den Shakespeare’schen jedenfalls auf -die beiden Gesellen bei Tieck nach.<a name="FNAnker_282_282" id="FNAnker_282_282"></a><a href="#Fussnote_282_282" class="fnanchor">[282]</a> berall ist der eine ganz -hart und fhllos, der andere menschlicher gesinnt; berall mssen sie -sich fr ihr Geschft Muth antrinken. Tieck mildert aber das Rohe und -Derbrealistische seines Vorgngers um viele Grade, wenn auch einiges -davon in der Trinkscene und in Bennos sonstigen Reden brig bleibt.</p> - -<p>Weniger deutlich als fr die Charaktere und ihre Gruppierung, lsst -sich Mllers Vorbild im scenischen Aufbau des Tieck’schen Dramas -verfolgen. Da die erste Anregung zur Behandlung der Genoveva-Legende -fr Tieck von Mller ausgieng, so muss allerdings das eine auch -festgehalten werden, dass Tieck von Mller lernte, Verschiedenes aus -Shakespeare, „Gtz“ und „Werther“ in die Dramatisierung des Volksbuches -hereinzunehmen. Wie viel fr den raschen Scenenwechsel sowie fr die -Art des sorgfltigen Wiedergebens aller nur mglichen Vorgnge vor -den Augen des Zuschauers und des Zeitausfllens fr Vorgnge hinter -der Scene bei Tieck auf Shakespeare zurckzufhren ist, wie weit -dafr im einzelnen Falle Mller oder Goethe in Betracht kommen, lsst -sich meines Erachtens nicht mehr feststellen, da der junge Goethe und -Lenzens Dramen Tieck lngst ebenso vertraut waren als Shakespeares -Werke. Das nmliche gilt von der Einfhrung episodischer Figuren und -paralleler Nebenhandlungen. All das sind eben Bestandstcke, die -ebenso in Shakespeares Technik wie in jener der Strmer und Drnger -wiederkehren. Freilich wird man am liebsten immer zuerst an Shakespeare -denken, wenn man Tiecks Begeisterung fr diesen Dichter sich vor Augen -hlt.<a name="FNAnker_283_283" id="FNAnker_283_283"></a><a href="#Fussnote_283_283" class="fnanchor">[283]</a></p> - -<p>Fr die Ausfhrung der Abschiedsscene bei Tieck scheint Mller’scher -Einfluss nicht gerade ausgeschlossen. Denn auch Mller macht schon -aus dem einfachen Abschied der Legende<span class="pagenum"><a name="Seite_79" id="Seite_79">[S. 79]</a></span> eine bunte Gruppe von Scenen. -Zwei davon sind als Abschiedsscenen in Parallele gestellt. Von hier -ausgehend, reiht Tieck noch weitere Abschiedsscenen aneinander. Mllers -breit gerathene Aufbruchsscenen sind aber neben Tiecks Schilderung des -Abschiedes fast knapp zu nennen.</p> - -<p>Die Hingabe an die Natur und ihre Stimmung, die bei Mller, Goethe -und Shakespeare bezeichnend hervortritt und die Art dieses Dichters, -die Natur als Umgebung und Hintergrund fr seelische Vorgnge wirksam -zu bentzen, konnte fr Tieck auer seiner eigenen Neigung ein Anlass -mehr sein, seine „Genoveva“ reichlich mit Naturstimmung zu durchweben -und landschaftliche Hintergrnde fr gewisse Scenen zu schaffen. -Die Balkonscene mit Serenade und Sommernachtzauber im Mller’schen -Drama<a name="FNAnker_284_284" id="FNAnker_284_284"></a><a href="#Fussnote_284_284" class="fnanchor">[284]</a> konnte von Tieck unmglich bersehen werden. Daneben musste -sich dann auch das Original bei Shakespeare von selbst einstellen. -— Mllers Adam sagt einmal vor Genovevas Gefngnis:<a name="FNAnker_285_285" id="FNAnker_285_285"></a><a href="#Fussnote_285_285" class="fnanchor">[285]</a> „Soll denn -die Sonne scheinen jetzt? Mchte auch nicht scheinen, wenn ich Sonne -wre, herunter auf diesen jmmerlichen Erdball.“ hnlich spricht Tiecks -Genoveva zu ihren Henkern:<a name="FNAnker_286_286" id="FNAnker_286_286"></a><a href="#Fussnote_286_286" class="fnanchor">[286]</a></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„O seht, die Sonne will nicht niederscheinen</div> - <div class="verse">Auf solche That, es will das Aug’ der Welt</div> - <div class="verse">Nicht sehn, was euch auf immer nagen wrde.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Hier mssen wir noch einen Blick auf „Werther“ werfen,<a name="FNAnker_287_287" id="FNAnker_287_287"></a><a href="#Fussnote_287_287" class="fnanchor">[287]</a> dessen -Bedeutung fr die Entwickelung des Naturgefhles in der deutschen -Poesie nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Werther sieht die -Naturumgebung immer im Lichte seiner Stimmung. Wenn auch nicht mit -gleich tiefem Gemthsantheile, so doch in verwandter Art fhlt Golo -seine Empfindung in die Natur hinein. Die Todessehnsucht Golos, den der -Wasserfall in seine Tiefe herabzulocken scheint, geht ohne Zweifel auf -Werther’sche Empfindungen zurck. Werther schreibt: „Ach mit offenen -Armen stand ich gegen den Abgrund und athmete hinab! hinab! und verlor -mich in der Wonne, meine Qualen, meine Leiden da hinabzustrzen! -dahinzubrausen, wie die Wellen!... O Wilhelm! wie gern htte ich mein -Menschsein drum gegeben, mit jenem<span class="pagenum"><a name="Seite_80" id="Seite_80">[S. 80]</a></span> Sturmwinde die Wolken zu zerreien, -die Fluten zu fassen!“ Golo:<a name="FNAnker_288_288" id="FNAnker_288_288"></a><a href="#Fussnote_288_288" class="fnanchor">[288]</a></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Geh’ ich den tiefen Wasserfall vorber</div> - <div class="verse">Und hre unten seine Wellen brausen</div> - <div class="verse">Und sehe den lebend’gen mut’gen Schaum</div> - <div class="verse">Und wie der Strom sich weit hinunterreit:</div> - <div class="verse">Ich kann nicht sagen, welch ein tief Gelst</div> - <div class="verse">Mich dann befllt, in die Strudel abzuspringen,</div> - <div class="verse">Da sie mich unterwlzen und verschlingen.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Der unglckliche Werther luft in den Wldern herum und strzt in -den Sturm hinaus. Der abgewiesene Golo ruft:<a name="FNAnker_289_289" id="FNAnker_289_289"></a><a href="#Fussnote_289_289" class="fnanchor">[289]</a> „Hinaus! dem Winde -sei ein Spiel, den Regenwolken und dem Blitz ein Ziel!“ Werther -verkehrt gerne mit einfachen Leuten, die der Natur nahestehen, die dem -berfeinerten Menschen als unverflschte Natur erscheinen und macht -sie zutraulich: Golo thut das nmliche.<a name="FNAnker_290_290" id="FNAnker_290_290"></a><a href="#Fussnote_290_290" class="fnanchor">[290]</a> Die Empfindungsweise, die -hauptschlich von Rousseau ausgieng, sendet ihre schwcheren Wellenzge -bis in die romantische Dichtung herber.</p> - -<p>Ahnungen und Trume spielen bei Mller (dem wieder „Gtz“ und „Werther“ -vorangehen) ihre Rolle. Diese Elemente waren aber besonders geeignet, -Tiecks Phantasie an einer sehr empfnglichen Seite zu berhren. Ahnung -und Traum haben in seiner „Genoveva“ auch eine bedeutende Stelle. -Wackenroder, Novalis und Tieck sind es, die mit groer Vorliebe in -diesen geheimnisreichen Kreisen unseres Seelenlebens verweilen.</p> - -<p>Schwer lassen sich die Einflsse nachweisen, welche fr das ritterliche -Costm, besonders fr Tiecks Kriegsdarstellung magebend waren. Der -„Kreuzzug“ gegen die Saracenen, der breitangelegte Auszug der Ritter in -den Krieg sowie die Lagerscenen bei Mller schlagen schon die Richtung -der Ritterdramen ein. Das Leben und Treiben auf der Burg, wie es Mller -schildert, konnte Tieck einzelne Winke geben und diese Scenen waren -geeignet, Tieck, der nun einmal fr das Altdeutsche ein hohes Interesse -und warmes Gefhl hegte, zu veranlassen, dieses ritterliche Costm noch -weiter auszufhren. An Anregungen verschiedener Art fehlte es fr Tieck -hier nicht, da er die Herrschaft der Ritterstcke auf der Bhne selbst -als junger Mensch mit<span class="pagenum"><a name="Seite_81" id="Seite_81">[S. 81]</a></span>erlebt hatte. Und lassen wir die Dutzendware -der Ritterdramen und Ritterromane beiseite, so mssen wir wieder -hervorheben, dass Mller Tiecks associierende Erinnerung naturgem -auf „Gtz“ und Shakespeare zurckfhren musste. Schlachtscenen, -nchtlicher Kampf und Brand, der Contrast ehrlicher Ritter und falscher -Feinde begegnete ihm im „Gtz“. Noch mehr Schlachtscenen fand er bei -Shakespeare. Wenn Tieck auch im allgemeinen mehr Sorgfalt fr das -alterthmliche Costm und Colorit verwendet als Mller, so darf man -doch auch bei ihm nicht zu viel erwarten. Das Costm bleibt auch fr -ihn Nebensache, untergeordnetes Mittel zum Zweck, ein Mittel nmlich, -die Stimmung des Alterthmlichen zu erregen.</p> - -<p>Als „klare Erinnerungen von einzelnen Stellen“ des Mller’schen -Werkes liee sich noch dies und jenes ansprechen. Die Nachrichten vom -Kriegsschauplatze und das Heimsenden von Beutestcken gehen offenbar -auf das gleiche Motiv des Vorlufers zurck.<a name="FNAnker_291_291" id="FNAnker_291_291"></a><a href="#Fussnote_291_291" class="fnanchor">[291]</a> Tieck beachtet aber -den ursprnglichen Zweck und Sinn desselben, einen Contrast gegen -Golos unthtiges „Verliegen“ auszudrcken, nicht mehr weiter. Er nimmt -es als bloe Decoration fr den Augenblick in sein Stck auf. Der -Jagdscene mit dem Jagdliede bei Mller<a name="FNAnker_292_292" id="FNAnker_292_292"></a><a href="#Fussnote_292_292" class="fnanchor">[292]</a> entspricht die Jagdscene -mit dem Liede bei Tieck.<a name="FNAnker_293_293" id="FNAnker_293_293"></a><a href="#Fussnote_293_293" class="fnanchor">[293]</a> Wie bei Mller Siegfrieds Vettern als -Veranstalter der Jagd erscheinen,<a name="FNAnker_294_294" id="FNAnker_294_294"></a><a href="#Fussnote_294_294" class="fnanchor">[294]</a> so bei Tieck Siegfrieds Bruder -und Vetter Kunz.<a name="FNAnker_295_295" id="FNAnker_295_295"></a><a href="#Fussnote_295_295" class="fnanchor">[295]</a> Der Inhalt des Reinigungsbriefes wird berall, -abweichend vom Volksbuch, erst nach seiner Auffindung mitgetheilt und -erscheint an einer dramatisch wirksameren Stelle. Namen und Namensform -entlehnt Tieck nicht von Mller, wo er vom Volksbuch abweicht. Der -Name „Wolf“ aber, der im Ritterdrama fr alte Diener, Burgvgte und -Leibknappen beliebt ist,<a name="FNAnker_296_296" id="FNAnker_296_296"></a><a href="#Fussnote_296_296" class="fnanchor">[296]</a> deutet darauf hin, dass Tieck wohl auch -die anderen gut altdeutsch klingenden Namen Otho, Gnther, Kunz, -Gertrud u.s.w. in hnlicher Absicht, wie die Ritterdramendichter -einfhrt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_82" id="Seite_82">[S. 82]</a></span></p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Betrachten wir das Mller’sche Gut und Eigenthum in Tiecks Drama, -so will es in der That scheinen, die Vorwrfe, die Tieck einst -wegen begangenen Plagiates zu hren bekam, seien doch nicht so ganz -unberechtigt gewesen und Tiecks Bezeichnung dieser Entlehnungen als -„dunkle Erinnerungen vom Ganzen und klare von einzelnen Stellen“ sei -viel zu liebevoll und selbstgerecht. Dass Tieck in recht schonender -Weise, weil in eigener Sache, spricht, kann nicht geleugnet werden, ist -aber nicht allzuschwer begreiflich. Von einem Plagiate im gewhnlichen -blen Sinne des Wortes darf man aber hier so wenig reden, als etwa bei -Lessings vielberufenen Entlehnungen. Die zusammengelesenen Steinchen -machen noch lange nicht das Mosaikbild aus und all die entlehnten -Motive und Charakterzge (und wre selbst ein halbfertiger Charakter -wie Golo darunter) noch weniger Tiecks ganze Dichtung.</p> - -<p>Wenn Tieck die verschiedenen Anleihen, die er bei Mller macht, nur -als „dunkle Erinnerungen...“ behandelt, so lsst sich auch fr diese -Bezeichnung eine wohlwollendere Erklrung, als die seiner einstigen -Gegner, finden. Tiecks Dichten gieng auch nicht „vom Buche zum Buche“, -sondern „vom Leben zum Leben“, d.i. in diesem Falle vom inneren Erleben -in der Phantasie zum Neuschaffen aus der Phantasie. Theater, Bcher und -Kunst bieten Tieck die meisten Anregungen. Ganz anders, wie bei Goethe, -dessen Poesie mehr dem Leben als den Bchern verdankt. Wenn Tieck -„Gtz“, „Werther“, Mller, Shakespeare u.s.w. liest, so leben ihm die -Gestalten der Dichtungen leibhaftig in klarer Vision auf und besonders -diese Gestalten haften in seiner Erinnerung mehr oder weniger lebendig, -nicht aber die einzelnen Verse und Zeilen des Buches. Wenn dann Tieck -das Volksbuch las, konnten sich recht gut Mllers Golo und von diesem -herbeigerufen, Weislingen, Werther und andere Figuren einstellen -und mit den aus dem Volksbuch aufwachsenden Gestalten unvermerkt -zusammenflieen oder den Gestalten des Volksbuches eine bestimmte -Frbung verleihen, ohne dass Tieck selbst es irgendwie deutlich merkte. -Dass dabei auch einzelne Verse, Stze, Bilder... sich bald klarer, bald -minder klar reproducierten, hat nichts Auffallendes. Wollte Tieck, -der die nmliche Legende dramatisch bearbeitete, die er schon einmal -dramatisiert gelesen, jedes Nachwirken des Vorgngers genau vermeiden, -er htte Schritt fr Schritt eigens gegen Erinnerungs-Contrebande -kmpfen<span class="pagenum"><a name="Seite_83" id="Seite_83">[S. 83]</a></span> mssen. Dazu wre zum mindesten auch nthig gewesen, dass -ihm jemand Mllers Manuscript, das er ein Jahr vorher gelesen hatte, -zu bestndigem gewissenhaften Vergleichen auf den Schreibtisch gelegt -htte.</p> - -<p>Neben der im ganzen identischen stofflichen Grundlage, die beiden -Dichtern gemeinsam ist, kommt hier auch eine Art geistiger -Verwandtschaft der Dichter selbst in Betracht. Diese uerte sich -in dem auffallend lebhaften Interesse, das Tieck stets fr Mller -hegte.<a name="FNAnker_297_297" id="FNAnker_297_297"></a><a href="#Fussnote_297_297" class="fnanchor">[297]</a> Vorliebe fr das mittelalterliche Ritterleben und fr -Volksthmliches, die Neigung zum Lyrischen und Musikalischen, -Verehrung Shakespeares und des jungen Goethe, ein reger Natursinn -bieten in der That mannigfache Berhrungspunkte. Es war daher mehr -als ein blo geistreicher Einfall, wenn man Mller den „Romantiker -der Sturm- und Drangperiode“ nannte, wie Hettner that. Behlt man -diese innere Verwandtschaft beider Dichter im Auge, so erscheint es -auch um vieles verzeihlicher, wenn Tieck manches in seiner „Genoveva“ -als rechtmigstes Eigenthum ansprechen mochte, was es vielleicht in -Wirklichkeit nur zur Hlfte war und seine beharrliche Abwehr jeder -Plagiatbeschuldigung wird um so begreiflicher. Unter solchen Umstnden -darf man wohl glauben, dass Tieck bona fide nur das herbergenommene -Lied als nennenswerte Entlehnung betrachtete. Ein sorgfltiges -Vergleichen seiner „Genoveva“ mit Mller und den anderen literarischen -Vorbildern htte Tieck spter, als er dem eigenen Werke schon recht -objectiv gegenberstand, zu einer exacteren Sprache bewegen knnen. -Gute Gelegenheit dazu htte er gefunden, da er als erster Mllers -Drama herausgab. Fhlte er sich aber des Plagiates schuldig, so htte -er die Herausgabe besser im eigenen Interesse unterlassen. Seine -„Vorberichte“, die viele wertvolle Erinnerungen an seine dichterische -Laufbahn enthalten und uns viele Aufschlsse ber das Wesen seiner -Kunst gewhren, machen nicht den Eindruck, als ob Tieck je mit so -ngstlicher philologischer Genauigkeit zuwerke gegangen wre. Nicht zu -vergessen, dass fast drei Decennien vorber waren, als er darangieng, -seine einstigen dichterischen Stimmungen und literarischen Beziehungen -aus der Erinnerung darzustellen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_84" id="Seite_84">[S. 84]</a></span></p> - -<p>Wie Tieck an dem, was er von Mller bernimmt, in seiner Art an -allem Drastischen und Kraftvollen mildernd und abschwchend nderte -(also ganz hnlich wie beim Volksbuch), wie er Ahnung, Traum -und Naturstimmung, also gerade jene Dinge, die seinem Empfinden -wahlverwandt entgegenkamen, aufnahm und liebevoll erweiterte, wie er -selbst dem begleitenden Liede, das er absichtlich und mit Bewusstsein -entlehnt, eine andere Stellung in seiner Dichtung anwies, sahen wir im -Verlaufe der Untersuchung. Das Wichtigste und Bemerkenswerteste bleibt, -dass durch alle Entlehnungen aus Mller das Gesammtbild der Tieck’schen -„Genoveva“ und die Gesammtauffassung derselben nicht wesentlich -bestimmt wird. Alles dient nur zur Ergnzung und Ausfllung der Legende -des Volksbuches. Motive und Vorstellungen, die Tieck von auen her -aufnimmt, gehen auerdem immer durch das Medium seiner Individualitt -hindurch und mssen sich der Auffassung des Ganzen unterordnen und -diese Gesammtauffassung der Legende bei Tieck ist von der Mllers so -verschieden, als eben Geniezeit und Romantik bei allen gegenseitigen -Berhrungspunkten doch immer verschieden sind.</p> - -<h3 class="mtop15" id="Tieck_und_Shakespeare">2. Tieck und Shakespeare.</h3> - -<p>„Das Centrum meiner Liebe und Erkenntnis ist Shakespeares Geist, auf -den ich alles unwillkrlich und oft, ohne dass ich es wei, beziehe, -alles, was ich erfahre und lerne, hat Zusammenhang mit ihm, meine -Ideen so wie die Natur, alles erklrt ihn und er erklrt die andern -Wesen, und so studiere ich ihn unaufhrlich.“<a name="FNAnker_298_298" id="FNAnker_298_298"></a><a href="#Fussnote_298_298" class="fnanchor">[298]</a> Diese Worte schrieb -Tieck in sein „Poetisches Journal“, das im gleichen Jahre mit der -„Genoveva“ erschien und sie kennzeichnen seine Stellung zum groen -englischen Dramatiker, seine unbegrenzte Verehrung, seine ehrfrchtige -Begeisterung.</p> - -<p>Shakespeare war von der Schulbank an Tiecks lieber Freund und -Lebensgefhrte. Als Gymnasiast hatte unser Poet heihungrig einen Band -der Eschenburg’schen bersetzung um den andern verschlungen.<a name="FNAnker_299_299" id="FNAnker_299_299"></a><a href="#Fussnote_299_299" class="fnanchor">[299]</a> -Sechzehnjhrig huldigte er seinem Abgotte mit der kleinen Dichtung -„Die Sommernacht“. In Gttingen (1792 bis 1793) gieng er an ein -eifriges Studium Shakespeares und des<span class="pagenum"><a name="Seite_85" id="Seite_85">[S. 85]</a></span> altenglischen Theaters in der -Originalsprache.<a name="FNAnker_300_300" id="FNAnker_300_300"></a><a href="#Fussnote_300_300" class="fnanchor">[300]</a> Die nchste Frucht dieser Beschftigung war -die Bearbeitung des „Sturm“ und zwei Abhandlungen ber Shakespeare. -Der Einfluss dieser Studien lsst sich im Costm des „Lovell“ sowie -in manchen Zgen des „Blaubart“ und „Zerbino“ erkennen.<a name="FNAnker_301_301" id="FNAnker_301_301"></a><a href="#Fussnote_301_301" class="fnanchor">[301]</a> A.W. -Schlegels bersetzung (von 1797 an erscheinend),<a name="FNAnker_302_302" id="FNAnker_302_302"></a><a href="#Fussnote_302_302" class="fnanchor">[302]</a> entzckt Tieck -ganz besonders; denn hier findet er den Englnder in deutscher Sprache -„gleichsam neu erschaffen“.<a name="FNAnker_303_303" id="FNAnker_303_303"></a><a href="#Fussnote_303_303" class="fnanchor">[303]</a> Im „Zerbino“ versetzt er ihn mit -den grten Meistern der Weltliteratur in den Garten der Poesie. -Gleichzeitig nimmt er das lngstgeplante groe Werk ber Shakespeare -in Angriff, kommt aber ber die zwei „Briefe ber Shakspeare“, die im -„Poetischen Journal“ stehen und hchstens eine Einleitung zum Werke -selbst abgeben knnten, zunchst nicht hinaus.<a name="FNAnker_304_304" id="FNAnker_304_304"></a><a href="#Fussnote_304_304" class="fnanchor">[304]</a> Diese „Briefe“ sind -ein Erguss der tiefen schwrmerischen Verehrung, mit der Tieck vor dem -britischen Heros auf die Knie sinkt. Auch zu diesem „Kunstheiligen“ -sieht er mit inniger Bewunderung, mit Andacht und Entzcken empor, -wie er mit Wackenroder zum lieben, wackern Albrecht Drer und zum -gttlichen Rafael aufgeblickt hatte.<a name="FNAnker_305_305" id="FNAnker_305_305"></a><a href="#Fussnote_305_305" class="fnanchor">[305]</a></p> - -<p>Nur tiefe Ehrfurcht und Enthusiasmus erfllen seine Seele. Noch zeigt -sich kaum eine Spur der spteren sachlichen Kritik der „Dramaturgischen -Bltter“. Die Begeisterung in den „Briefen“ wird nur ab und zu -durch missfllige, ironische Seitenblicke auf die „knaupelnden -Schnheitszergliederer“ wie auf verschiedene zeitgenssische Tendenzen -unterbrochen. Tieck hat noch kein offenes Auge fr die historischen -Bedingungen, die vor zwei Jahrhunderten den englischen Dichter umgaben. -Es erscheint ihm an Shakespeare alles als hchste Vollkommenheit. -Bei solch enthusiastischer Hingabe kann es dem Dichter Tieck leicht -begegnen, dass er als erstrebenswerte Tugend nachahmt, was beim -bewunderten Vorbild nicht hchste Leistung, sondern nur eine<span class="pagenum"><a name="Seite_86" id="Seite_86">[S. 86]</a></span> Noth und -vorbergehender Zeitgeschmack war. Es ist dies dieselbe schrankenlose -Bewunderung, wie sie die Romantiker den alten Volksbchern -entgegenbringen.<a name="FNAnker_306_306" id="FNAnker_306_306"></a><a href="#Fussnote_306_306" class="fnanchor">[306]</a> Ein solcher entzckter Verehrer kann sich bei der -Nachahmung so gut vergreifen wie der Halbverstndige.</p> - -<p>Es msste wunderlich zugehen, wenn diese Hingebung an den einzig -bewunderten Dramatiker an Tiecks dramatisierter Genoveva-Legende gar -keine Spuren erkennen liee, nachdem auch Tiecks Vorgnger Mller den -nmlichen Stoff schon mit Shakespeare’schen Motiven bereichert und -vielfach mit Shakespeare’scher Technik behandelt hatte. In seinen -Vorberichten gedenkt freilich Tieck mit keinem Worte einer solchen -Anregung. Wohl aber bemerkt Kpke im Vorbergehen,<a name="FNAnker_307_307" id="FNAnker_307_307"></a><a href="#Fussnote_307_307" class="fnanchor">[307]</a> dass unserem -Dichter um jene Zeit der halbshakespeare’sche „Perikles“<a name="FNAnker_308_308" id="FNAnker_308_308"></a><a href="#Fussnote_308_308" class="fnanchor">[308]</a> wegen -der eingeflochtenen epischen Partien besonders lieb gewesen sei. An -Iffland schreibt der Dichter am 16. December 1799: „Ich habe den -Versuch gemacht, in diesem Schauspiel die Shakespeare’sche Form -mit der spanischen zu verbinden, wozu sich der Stoff auch sehr gut -eignet.“<a name="FNAnker_309_309" id="FNAnker_309_309"></a><a href="#Fussnote_309_309" class="fnanchor">[309]</a> Noch deutlicher spricht Tieck endlich in einem Briefe an -Solger:<a name="FNAnker_310_310" id="FNAnker_310_310"></a><a href="#Fussnote_310_310" class="fnanchor">[310]</a> „Es gehrt zu meinen Eigenheiten, dass ich lange Jahre -den Perikles von Shakespeare vielleicht bertrieben verehrt habe; -ohne diesen wre Zerbino nicht, noch weniger Genoveva und Octavian -entstanden. Ich hatte mich in diese Form wie vergafft, die so wunderbar -Epik und Drama verschmelzt; es schien mir mglich, selbst Lyrik -hineinzuwerfen, und ich denke mit wahrem Entzcken an jene Stunden -zurck, in denen Genoveva und spter Octavian in meinem Gemthe -aufgiengen: Dies Entzcken wollte ich wohl zu krperlich, buchstblich -hineinbringen, und so entstand das Manierierte. — —“ Hier sagt Tieck -mit aller wnschenswerten Klarheit, dass<span class="pagenum"><a name="Seite_87" id="Seite_87">[S. 87]</a></span> gerade die untheatralische -Form es war, die ihn so absonderlich am „Perikles“ anzog. Seine eigene -phantastische Neigung, seine Lust zum berspringen der hergebrachten -und der natrlichen Grenzen der knstlerischen Gattungen, Fr. Schlegels -Doctrin von der romantischen Universalpoesie, in der sich nach der -Forderung dieses romantischen Gesetzgebers auch die verschiedenen -knstlerischen Gattungen und Formen unauflslich verschmelzen sollen, -erklren es, wie sich Tieck gerade in die Form dieses Zwitterproductes -„vergaffen“ konnte. Wenn Kpke Shakespeares Einfluss auf die „Genoveva“ -zu wenig betont, so thut Tieck selbst in diesem Briefe des Guten fast -zuviel, wenn er sagt, dass ohne „Perikles“ nicht „Zerbino“ und noch -weniger „Genoveva“ und „Octavian“ entstanden wren. So weit es sich -um „Genoveva“ und „Octavian“ handelt, ist die Sache wohl nicht anders -gemeint als: „Genoveva“ und „Octavian“ wren ohne „Perikles“ nicht -die romantischen Dramen geworden, die wir vor uns haben. Warum Tieck -diese Volksbcher nicht auch ohne „Perikles“ in der Art der „Magelone“ -oder „Melusine“ htte bearbeiten sollen, ist schwer einzusehen. Fr -die romantisch-dramatische Behandlungsweise ist aber das Vorbild des -„Perikles“ gewiss nicht zu unterschtzen.</p> - -<p>Wenn es im allgemeinen Shakespeare’sches Princip ist, mglichst viele -Vorgnge dem Zuschauer auf der Bhne vor Augen zu fhren (was bei der -damaligen Bhneneinrichtung nicht schwer war), so sehen wir diese -Darstellungsart im „Perikles“ bis zur uersten Consequenz getrieben. -Ohne straffe dramatische Composition werden uns die Schicksale und -Abenteuer des Helden Perikles von Tyrus, die eine lange Reihe von -Jahren ausfllen, aufs gewissenhafteste vor Augen gestellt, und es -sollte nichts vergessen und nichts weggelassen werden. Bei solchem -Vorgehen stie jedoch der Dichter bald auf die eine oder andere -Schranke. Sollte alles scenisch erscheinen, so musste einmal das Stck -eine Ausdehnung bekommen, die jeder Auffhrung gespottet htte. So -griff er denn zum Auskunftsmittel des epischen Berichterstatters, der -auf der altenglischen Bhne ohnehin lngst heimisch war und gewhrte -ihm mglichst freien Spielraum. Dazu fanden sich in der Fabel des -Stckes gerade Ereignisse, die sich bequem durch einen Erzhler an -der Stelle abthun lieen, die ihnen chronologisch zukam, wie etwa die -zweimalige Meeresfahrt. Anderes in diesen Zwischenerzh<span class="pagenum"><a name="Seite_88" id="Seite_88">[S. 88]</a></span>lungen ist -freilich auch nichts weiter, als Wiederholung und verdeutlichende -Erklrung von Dingen, die wir auf der Bhne sehen oder es wird etwas -erzhlt, dass sich ebensogut im Dialoge mittheilen liee. Ganz hnlich -steht es mit dem Chorus in „Knig Heinrich V.“ Im „Wintermrchen“ -dagegen soll die Zeit als Chorus den Verlauf von sechzehn Jahren -markieren. Einen hnlichen Chorus fand Tieck noch im „Locrine“ wie im -„Lustigen Teufel von Edmonton“.<a name="FNAnker_311_311" id="FNAnker_311_311"></a><a href="#Fussnote_311_311" class="fnanchor">[311]</a> Dieser erzhlende Chorus erscheint -im „Perikles“ nicht nur zwischen den einzelnen Acten mit seinem -Berichte, sondern zweimal sogar mitten im Verlaufe des Actes.</p> - -<p>Tieck will uns „Leben und Tod der heil. Genoveva“ dramatisch vorfhren. -Dieser Stoff umfasst ebenfalls die Ereignisse langer Jahre. Alles -dramatisch zu formen, wrde selbst einem Buchdrama, das nicht mit -der Bhne des Theaters, sondern mit einer Bhne fr die Phantasie -rechnet,<a name="FNAnker_312_312" id="FNAnker_312_312"></a><a href="#Fussnote_312_312" class="fnanchor">[312]</a> eine zu unerfreuliche Lnge verleihen. Lie sich etwas -an passender Stelle episch sagen, so konnte es Tieck nur lieb sein. -Eine solche passende Stelle ist durch den Stoff der Genoveva-Legende -selbst gegeben. Der siebenjhrige Zeitraum, der durch Genovevas Dulden, -Beten und wunderbare Erlebnisse und durch Schmerzenreichs einsame -Jugend im Walde ausgefllt wird (Siegfried erscheint indessen Dragos -Geist), bietet fast lauter Momente, die fr den psychologisierenden -Epiker bequem, fr den Dramatiker wegen ihrer Armut an innerer und -uerer Handlung undankbar sind. Dieser Theil der Legende gab also -Tieck den deutlichen Wink, wo sein Rhapsode einzutreten habe. Es ist -dies eine Eigenthmlichkeit, welche der Stoff des Genovevabchleins -mit dem Shakespeare’schen „Wintermrchen“ gemein hat. Zu beachten -ist hier noch die technische Erwgung, dass die auffallend hohen -Wunder sich im epischen Vortrag poetisch wahrer ausnehmen, als in -dramatischer Vergegenwrtigung. Der letzterwhnte Grund ist kein vager -Einfall; er entspricht der Auffassung Tiecks von der Darstellung des -Wunderbaren.<a name="FNAnker_313_313" id="FNAnker_313_313"></a><a href="#Fussnote_313_313" class="fnanchor">[313]</a> hnlich beurtheilt auch Bernhardi diesen epischen -Theil in seiner Recension der „Genoveva“.<a name="FNAnker_314_314" id="FNAnker_314_314"></a><a href="#Fussnote_314_314" class="fnanchor">[314]</a> So<span class="pagenum"><a name="Seite_89" id="Seite_89">[S. 89]</a></span> erklrt es sich, -warum Tieck auer im Prologe und Epiloge den heil. Bonifacius -gerade hier und nicht fter eintreten lsst, wozu ihn das Vorbild -des „Perikles“ immerhin htte verleiten knnen. Die Verwendung des -erzhlenden Chorus, sowie das Beispiel einer dramatischen Behandlung -von Ereignissen, die sich durch lange Jahre hinziehen, einer -dramatischen Biographie, muss fr Tieck entscheidend gewesen sein, -auf eine gewhnliche Dramatisierung der Legende htte ihn am Ende -Mllers Vorgang auch fhren mssen. Denn bevor Tieck das Volksbchlein -las, hatte er eine dramatische Gestaltung des Genovevastoffes in den -Hnden gehabt. Seit dem „Wilhelm Meister“ geht aber ein epischer Zug -durch unsere Literatur, der sich z.B. auch im „Wallenstein“ bemerkbar -macht. Das episch gedehnte inhaltsreiche Drama, wie es Tieck anstrebt, -nhert sich dem Roman, dem hchsten Ziele der Romantiker in den letzten -neunziger Jahren.</p> - -<p>Htten wir ohne „Perikles“ keine Tragdie „Genoveva“, so htten -wir auch ohne Gower keinen heiligen Bonifacius. Der Verfasser des -„Perikles“ whlt sich zum Chorus den altenglischen Dichter John -Gower, dessen „Confessio Amantis“ im achten Buche die Geschichte von -„Perikles“ behandelt und die neben Lawrence Twines Novelle „The Pattern -of painfull Adventures“ als Quelle fr das Drama diente.<a name="FNAnker_315_315" id="FNAnker_315_315"></a><a href="#Fussnote_315_315" class="fnanchor">[315]</a> Die -Beziehung Gowers als Erzhlers einer Vorlage des Stckes war fr die -Wahl dieses Dichters zum Chorus magebend. Als Erzhler der Vorlage hat -Gower schon uerlich eine Verbindung mit der Neubearbeitung selbst. -Die dramatische Neubehandlung seiner Erzhlung ist ein Auferstehen vom -Tode der Vergessenheit und da mag dann billig mit der alten Dichtung -auch der alte Dichter erscheinen. Tieck wusste allerdings keinen -Volksbuchschreiber zu finden, der etwa in der „Genoveva“ eine Stelle -wie Gower im „Perikles“ einnehmen knnte. Htte unser Romantiker Martin -von Cochem und den Antheil dieses Schriftstellers am Genovevabchlein -gekannt, wer wei, ob nicht dieser treffliche Kapuzinerpater den -Part des heil. Bonifacius htte bernehmen mssen? Tieck fhrt dafr -den heil. Bonifacius ein, den er dichterisch frei zum Zeitgenossen -Genovevas macht. Fehlt fr Tieck auch eine ursprng<span class="pagenum"><a name="Seite_90" id="Seite_90">[S. 90]</a></span>liche uere -Beziehung, wie sie zwischen Gower und Perikles besteht, so steht -Bonifacius mit der Genoveva-Legende doch in einer gewissen inneren, -geistigen Verbindung. Der berhmteste Heilige und Glaubensbote -des deutschen Mittelalters erscheint ganz passend als Chorus in -einem Drama, das uns in die Zeit mittelalterlicher Frmmigkeit und -wunderbaren Glaubenslebens zurckversetzen will.</p> - -<p>Im „Perikles“ tritt Gower auf und beginnt:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Es kommt, zu knden einst’ge Mr’,</div> - <div class="verse">Vom Grab der alte Gower her.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Er kommt ins Leben zurck, um die Menschen mit seiner alten Mr von -Perikles zu erfreuen, an der sich schon die alte Zeit ergtzte.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Man sang die Mr’ beim Festgelag,</div> - <div class="verse">Am Kirmi- und Quatembertag;</div> - <div class="verse">Auch lasen zur Erholung gern</div> - <div class="verse">Zu ihrer Zeit sie Fraun und Herrn...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Wenn die spter Lebenden und darum Gescheiteren der alten Geschichte -etwas abgewinnen knnen, so will Gower sie gern ihnen vorfhren. Er -erzhlt nun die Vorgeschichte des Dramas und schliet:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Was nun folgt, soll euer Aug’ erschaun,</div> - <div class="verse">Das mag entscheiden, ob ihr mir drft traun.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Seine nchste und noch andere Erzhlungen schliet Gower mit dem -Hinweis auf die auftretende Person:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Hier kommt er selbst, nun schweigt....“<a name="FNAnker_316_316" id="FNAnker_316_316"></a><a href="#Fussnote_316_316" class="fnanchor">[316]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Am Anfange von Tiecks „Genoveva“ tritt der heil. Bonifacius mit Schwert -und Palmenzweige (Symbolen, wie sie der Dichter auf Mrtyrerbildern -sah) herein und beginnt mit hnlicher Naivett wie Gower:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Ich bin der wack’re Bonifacius,</div> - <div class="verse">Der einst von Englands Ufern in die Wlder</div> - <div class="verse">Der Deutschen Christus’ heil’gen Glauben brachte.“<a name="FNAnker_317_317" id="FNAnker_317_317"></a><a href="#Fussnote_317_317" class="fnanchor">[317]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Bonifacius schildert seine apostolische Thtigkeit. Wie an Gower, -freute sich die Vorzeit auch an Bonifacius.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Das Alter sprach von mir, und meiner dachte</div> - <div class="verse">Die Jugend mit des Herzens Innigkeit,..“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_91" id="Seite_91">[S. 91]</a></span></p> - -<p>Nachdem wir so die nthige Aufklrung ber die Persnlichkeit und das -Erscheinen des Heiligen erhalten haben, schildert auch dieser die -Vorgeschichte des Dramas und weist wie Gower die Zuschauer auf den -auftretenden Grafen Siegfried hin.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Da geht der edle Mann, zum Streit gewappnet,<a name="FNAnker_318_318" id="FNAnker_318_318"></a><a href="#Fussnote_318_318" class="fnanchor">[318]</a></div> - <div class="verse">— — — — — — — — — — — — — — — —</div> - <div class="verse">So seid nun aufmerksam und lasst euch gern</div> - <div class="verse">In alte deutsche Zeit zurckefhren.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Bonifacius fordert hier Aufmerksamkeit fr das Folgende gerade wie -Gower, der zum Schweigen mahnt und der sich seinerseits wieder nach den -alten Mysterien richtete, in denen die Engel oder ein anderer Prologus -das „Silete!“ riefen und Aufmerksamkeit heischten.</p> - -<p>Die Einfhrung der Prologsprecher und die Disposition der -beiden Prologe, nmlich erst Selbstschilderung der auftretenden -Persnlichkeit, dann Entwickelung der Vorgeschichte und Mahnung zur -Aufmerksamkeit, ist so hnlich, als ob Tieck sich frmlich bemht -htte, den Eingang des schwchlichen altenglischen Stckes, das er -damals so hoch verehrte, Zug fr Zug nachzubilden. Tieck hat bei -Herbernahme des Prologes seinem bewunderten Vorbilde auch sogar eine -ble Seite abgeguckt. Im „Perikles“ so gut wie in der „Genoveva“ -erfahren wir die Thatsachen der Vorgeschichte, von denen der Prolog -redet, im Stcke selbst noch einmal.<a name="FNAnker_319_319" id="FNAnker_319_319"></a><a href="#Fussnote_319_319" class="fnanchor">[319]</a></p> - -<p>Neben diesen deutlichen hnlichkeiten im ueren Aufbau springt auch -der innere Unterschied beider Prologe sogleich in die Augen. Bonifacius -tritt seinem Publicum nicht blo als harmloser Geschichtenerzhler, -sondern zugleich als strenger, religiser Mahner, als Prediger in -der Wste entgegen und beklagt sich bitter (wie Wackenroder, Novalis -und Tieck), dass der Sinn fr die alte fromme Zeit in seinem lieben -Deutschland so ganz geschwunden sei. Die breitausladende Rede des -Heiligen ist — wenn wir vom geqult naiven Eingange absehen — ernst -und<span class="pagenum"><a name="Seite_92" id="Seite_92">[S. 92]</a></span> voll feierlicher Wrde und hllt sich darum auch in das vornehmere -Gewand des Blankverses, in dem an anderen Stellen auch Gower redet, -whrend im Prologe und in den meisten epischen Zwischenstcken des -„Perikles“ die vierhebigen Reimpaare der hausbackenen, schwerflligen -Rede die richtige Begleitung geben. Gower sagt klar und bndig, was er -ist und was er auf dem Theater will. Er vergeudet sein neugewonnenes -Leben wie Kerzenlicht zur Freude der Zuschauer. Bonifacius, der allem -Anscheine nach eben aus der jenseitigen Welt gekommen ist, sagt noch -obendrein:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Und oftmals geht in dieser spten Zeit</div> - <div class="verse">Mein Geist umher...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Etwas <a name="raethselhaft" id="raethselhaft"></a>rthselhaft. Dazu kommt das Zwiespltige, dass Bonifacius auf der -einen Seite als Berichterstatter ber die lngstvergangene alte Zeit -vor uns tritt, auf der andern wiederum dreimal im Drama als mitlebender -Bischof nicht gerade auftritt, aber doch erwhnt wird.</p> - -<p>Dass Bonifacius nur an einer Stelle innerhalb des Stckes auftritt, -sahen wir durch die Beschaffenheit des Stoffes und durch technische -Erwgungen geboten. Gower ist, mit Bonifacius verglichen in seiner -Erzhlungsweise subjectiver und „ironischer“ im romantischen Sinne, -indem er dem Zuschauer immer gegenwrtig hlt, dass dieser im Theater -sitzt, was Bonifacius alles vermeidet, um keine Strung in die ernste -Rede zu bringen. Gower beschliet, entgegen seiner ersten Absicht im -Prolog, wo er nur verheit, seine Zuschauer zu erfreuen, das Drama -mit einem ziemlich nchternen moralisierenden Epilog. Bonifacius -bleibt innerhalb seiner religisen Sphre und verkndet am Ende die -Verklrung der heil. Genoveva. Das uere Schema und einzelnes in der -Stilisierung des Prologes nimmt also Tieck aus dem „Perikles“. Inhalt -und Auffassung ist durch den allgemeinen Geist seines Stckes durch die -alterthmlich-religise Stimmung bedingt.</p> - -<p>Mit diesem Einfluss des „Perikles“ auf die Form, auf die Verbindung -von Erzhlung und Drama ist aber Shakespeares Einwirkung auf Tiecks -„Genoveva“ noch nicht erschpft. Minor hat in seiner Ausgabe in kurzen -Anmerkungen bereits auf die bedeutendsten Anklnge hingewiesen. Es -sollen diese Notizen hier nher ausgefhrt, begrndet und an ein paar -Stellen ergnzt und berichtigt werden. Einige Gestalten Tiecks zeigen<span class="pagenum"><a name="Seite_93" id="Seite_93">[S. 93]</a></span> -in ihrem Charakter Verwandtschaft mit Shakespeare’schen Figuren. Da -muss an erster Stelle der „wackeren“ Amme Gertrud gedacht werden. -Das meiste fr diese Nebenfigur gab dem Dichter das Volksbuch an die -Hand, ihre Stellung im Drama wurde einigermaen durch Maler Mllers -Mathilde modificiert, von der Amme in „Romeo und Julia“ entlehnte -aber Gertrud ihre „bsgelufige“ Zunge. Denn die Erzhlung von Golos -Jugend ist unverkennbar in manchen Einzelheiten der Erzhlung von -Julias Jugend<a name="FNAnker_320_320" id="FNAnker_320_320"></a><a href="#Fussnote_320_320" class="fnanchor">[320]</a> nachgebildet. Wie Julias Amme eine Gespielin -ihrer Pflegebefohlenen verlor, so muss Gertrud den Tod ihres eigenen -Shnchens beklagen, whrend Golo am Leben blieb. Beide erzhlen mit -der gleichen breiten Geschwtzigkeit und beide suchen mit wiederholten -Ausrufen und Wendungen Gott in ihr Gerede hineinzuziehen. Fr die -leichtsinnigen geschlechtlichen Anspielungen der Amme Julias tritt bei -Tieck das Lob des Bastards ein, das wieder sein eigenes Vorbild im -Monologe Edmunds im „Knig Lear“<a name="FNAnker_321_321" id="FNAnker_321_321"></a><a href="#Fussnote_321_321" class="fnanchor">[321]</a> hat und die scherzhafte Bemerkung -Gertruds:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Du lieber Gott, wie’s nun so in der Welt</div> - <div class="verse">Einmal zu gehen pflegt, er war nun da</div> - <div class="verse">Und fragte keinen, ob er kommen sollte.“<a name="FNAnker_322_322" id="FNAnker_322_322"></a><a href="#Fussnote_322_322" class="fnanchor">[322]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>klingt hnlich wie die Worte des alten Gloster ber Edmund: „Obgleich -dieser Schlingel etwas vorwitzig in die Welt kam, ehe<span class="pagenum"><a name="Seite_94" id="Seite_94">[S. 94]</a></span> er gerufen -ward, so war doch seine Mutter schn...“ Wie Julias Amme refrainartig -ihren Scherz wiederholt, so Gertrud ihr Erstaunen ber das Wunderbare, -das sie an Golo und seinem Schicksale zu bemerken glaubt. Die Grfin -Capulet sucht den unangenehmen Redeschwall der Wrterin einzudmmen. -„Genug davon, ich bitte, halt dich ruhig.“ Genoveva, in der gleichen -Lage, mahnt: „Du bist ein wenig zu geschwtzig, Gertrud, und sprichst -daher mit bs’ geluf’ger Zunge.“ Tieck schwcht wieder die derben -Spsse, die der frommen Grundstimmung seiner Dichtung widerstreiten -mssten, ab. Er nennt auch in einer spteren Abhandlung ber „Romeo und -Julia“ einmal das Geschwtz der Amme „gemeines Geschwtz“.<a name="FNAnker_323_323" id="FNAnker_323_323"></a><a href="#Fussnote_323_323" class="fnanchor">[323]</a></p> - -<p>Im langen Monologe Karl Martells<a name="FNAnker_324_324" id="FNAnker_324_324"></a><a href="#Fussnote_324_324" class="fnanchor">[324]</a> will Minor deutliche Anklnge -an die Monologe Macbeths bemerken, was mir aber nicht nachweisbar -erscheint. Karl wiegt sich eine Zeitlang mit Lust in ehrgeizigen -Gedanken und bekmpft sie dann im religisen Sinne, wie sie eben ein -guter Christ bekmpfen soll. Macbeth aber rechnet sich die qulenden -Gewissensbisse vor, die der vollbrachten Mordthat folgen. Auch -in einzelnen Gedanken und Wendungen lassen sich keine deutlichen -bereinstimmungen auffinden. Eher mchte man gewissen uerungen -ehrgeiziger Prtendenten, z.B. im „Knig Heinrich VI.“ Keime -einiger Gedanken Karl Martells vermuthen. In einer ehrgeizerfllten -Rede Yorks<a name="FNAnker_325_325" id="FNAnker_325_325"></a><a href="#Fussnote_325_325" class="fnanchor">[325]</a>, in Richards herrschschtigen Worten<a name="FNAnker_326_326" id="FNAnker_326_326"></a><a href="#Fussnote_326_326" class="fnanchor">[326]</a>, in -Glosters uerungen<a name="FNAnker_327_327" id="FNAnker_327_327"></a><a href="#Fussnote_327_327" class="fnanchor">[327]</a>, ferner in Hublas’ Rede<a name="FNAnker_328_328" id="FNAnker_328_328"></a><a href="#Fussnote_328_328" class="fnanchor">[328]</a> begegnen uns -thatschlich Gedanken, die manchen Impuls fr Karl Martells Monolog -bei Tieck gegeben haben knnten. „Knnten“, denn wrtliche und sicher -nachweisbare bereinstimmungen fehlen.</p> - -<p>Nicht unwahrscheinlich ist es aber, dass ein wenig von dem finsteren -Heldentrotze, den Macbeth vor seinem Ende zeigt, auf Abdorrhaman -bergieng. Der aberglubische Macbeth sieht nmlich, dass nach der -doppelsinnigen Weissagung, welcher er unbedingt Glauben schenkt, sein -Schicksal sich erfllt; denn der Birnamwald rckt gegen Dunsinan und -ein Gegner, der nicht<span class="pagenum"><a name="Seite_95" id="Seite_95">[S. 95]</a></span> vom Weibe „geboren“ ist, steht ihm gegenber. -Einen Augenblick bricht sein Muth zusammen, um sich sofort wieder -todeskhn emporzurecken.<a name="FNAnker_329_329" id="FNAnker_329_329"></a><a href="#Fussnote_329_329" class="fnanchor">[329]</a> Macduffs, seines Gegners Aufforderung, -die Waffen zu strecken, weist er mit stolzem Wort zurck. So benimmt -sich auch der Saracenenfhrer Abdorrhaman in der Schlacht.<a name="FNAnker_330_330" id="FNAnker_330_330"></a><a href="#Fussnote_330_330" class="fnanchor">[330]</a> Obschon -er sieht, dass Mahom, sein Schutzherr, ihn im Stiche lsst, strmt er -muthig und mit Todesverachtung in den Kampf und Aquitanien, der den -Saracenen auffordert, sich zu ergeben, bekommt dieselbe trotzig-stolze -Antwort wie Macduff.</p> - -<p>In anderen Fllen wieder merkt man Shakespeares Vorbild in der Anlage -und herrschenden Stimmung der Scene. Da verweist Minor vor allem auf -die Balkonscene Tiecks, die bei „Romeo und Julia“ und dem „Kaufmann von -Venedig“ ihre Anleihen mache. Es wird aber nicht blo an eine directe -Anlehnung an Shakespeare zu denken sein, sondern Mllers Balkonscene -tritt, wie schon bemerkt wurde, als Mittelglied zwischen Tieck und -Shakespeare. Fr den Shakespeareschwrmer Mller, der seiner Genoveva -die ganze Heiligengloriole nimmt, um sie zu einer menschlichen, -dramatisch wirksamen Gestalt umzubilden, liegt eine Nachbildung der -Scene aus „Romeo und Julia“ nicht so fern. Fr Tieck aber, der eine -„heilige Genoveva“ schaffen will, musste jene leidenschaftdurchflammte -Begegnung zwischen Romeo und Julia, in der eines die Liebe des anderen -glhend erwidert, eigentlich ziemlich ferne liegen. Golos vergebliche -Werbung ist das Motiv bei Tieck. Tritt aber einmal Mller dazwischen, -der die Balkonscene sammt der Sommernacht mit Golo und Genoveva -verbindet, so ist es begreiflicher, dass Tieck, der Romantiker, der -dem Reize einer Sommernacht nie widerstehen kann, das Motiv aufnimmt -und alle weichen Hauche und Tne trumerisch erklingen lsst. Mllers -und Shakespeares Antheil ist brigens noch ganz gut erkennbar. Wie -bei Mller Genoveva und Mathilde, so betreten bei Tieck Genoveva -und Gertrud den Balkon, um die Sommernacht zu genieen. Jedesmal -bringt ihnen Golo eine Serenade, mit welcher er eine versteckte und -erfolglose Liebeswerbung verbindet. Die Scene nimmt in beiden Dramen -ungefhr die nmliche Stelle ein. So viel steuert Mller fr die Scene -bei. Darein verwebt nun Tieck verschiedene Dinge, die er direct aus<span class="pagenum"><a name="Seite_96" id="Seite_96">[S. 96]</a></span> -Shakespeare herbernimmt und das sind erst die Reminiscenzen aus „Romeo -und Julia“ sowie aus dem „Kaufmann von Venedig“, von denen Minor in -seiner Anmerkung spricht. Einmal die Entwickelung des Dialoges. In -„Romeo und Julia“ hebt die Scene mit einem Monologe Romeos an. Julia -erscheint auf dem Balkon, wird von Romeo bemerkt ohne ihn selbst zu -bemerken. Romeos Reden correspondieren etwa dreiig Zeilen hindurch -mit Julias Selbstgesprch, ehe es zum eigentlichen Dialoge kommt. -Auffallend ist die hnlichkeit dieses Sceneneinganges mit der Art, -wie Tieck die nmliche Sache durchfhrt. Monolog Golos; Genoveva -und Gertrud erscheinen auf dem Balkone; Genovevas Reden werden von -Golo beantwortet, ohne dass er von den Frauen bemerkt wird und dann -beginnt der Dialog selbst.<a name="FNAnker_331_331" id="FNAnker_331_331"></a><a href="#Fussnote_331_331" class="fnanchor">[331]</a> Alles wie bei Shakespeare. Auch -Gedanken und Empfindungen Golos<a name="FNAnker_332_332" id="FNAnker_332_332"></a><a href="#Fussnote_332_332" class="fnanchor">[332]</a> berhren sich hin und wieder -mit Romeos Monolog.<a name="FNAnker_333_333" id="FNAnker_333_333"></a><a href="#Fussnote_333_333" class="fnanchor">[333]</a> berall erscheint die Frauenschnheit im -Wettstreit mit den glnzendsten Erscheinungen der Natur. Der Liebende -entbehrt gerne das Schnste in der Schpfung, Sonne, Mond und Sterne, -wenn ihm nur die Schnheit seiner Geliebten erglnzt; denn bei -Tieck und Shakespeare muss sich die Natur durch den Reiz der einzig -Vergtterten beschmen lassen.<a name="FNAnker_334_334" id="FNAnker_334_334"></a><a href="#Fussnote_334_334" class="fnanchor">[334]</a> Romeos auflodernde Phantasie -sieht in Julia die holde Sonne, die Lunens Glanz ertdtet und seine -Liebesseligkeit drngt sich in bestndigen Anrufen an seine Geliebte -aus dem Herzen. Golos Phantasie weilt lieber im dmmernden Reiche -der Nacht. Seine Bilder entlehnt er von Mond und Sternen. Er richtet -seine liebeerfllten Ausrufe nicht so sehr an die Geliebte, sondern er -haucht sie wie trumend in die umgebende nchtliche Natur ein. Hier -beobachten wir deutlich Tiecks Abhngigkeit und eigene poetische Art -dicht nebeneinander. Dazu gesellen sich noch die weichen Laute aus -dem bekannten lyrischen Eingange des fnften Actes im „Kaufmann von -Venedig“, deren auch Minor gedenkt. Die Worte Genovevas:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wie still die Nacht des Tages Hitze khlt,</div> - <div class="verse">Wie sanft der Mondschein auf dem Grase spielt,</div> - <div class="verse">Wie s das Herz sich nun beruhigt fhlt,“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_97" id="Seite_97">[S. 97]</a></span></p> - -<p>athmen dieselbe Stimmung, wie Lorenzos vielcitierte Worte: „Wie s das -Mondlicht auf dem Hgel schlft...“<a name="FNAnker_335_335" id="FNAnker_335_335"></a><a href="#Fussnote_335_335" class="fnanchor">[335]</a></p> - -<p>Die traumhaft weiche Sommernachtstimmung und der se Zauber, der das -lyrische Intermezzo im „Kaufmann von Venedig“ erfllt, gehren zu -dem, was Tieck und die Romantiker am meisten lieben und was auch jene -Nachtscene der „Genoveva“ beherrscht. Es konnten sich hier sehr leicht -einzelne Klnge, welche Tiecks eigenen Stimmungen verwandt sind, aus -dem „Kaufmann von Venedig“ hereinstehlen, ohne dass der Dichter selbst -es merkte und ohne dass er viel am Entlehnten htte umbilden mssen.</p> - -<p>Zur Sterbescene des alten Wolf merkt Minor an, sie sei „deutlich -der Scene mit dem sterbenden Gaunt in Richard II. nachgebildet“. -Minor behlt damit gewiss Recht. Jedesmal ist es ein alter Mann, das -einemal Golos Pflegevater, das anderemal der treue Rathgeber Knig -Richards, der einem jungen, auf schiefe Bahnen gerathenen Menschen vom -Sterbebette aus ernste Mahnungen und Warnungen ertheilt. Weder das -Volksbuch noch Mller gibt fr diese Scene einen Anknpfungspunkt. -Es ist darum kein Zweifel, dass die groe Scene in „Knig Richard -II.“<a name="FNAnker_336_336" id="FNAnker_336_336"></a><a href="#Fussnote_336_336" class="fnanchor">[336]</a> fr Tieck das Vorbild war. Im Inhalt und Ton des Ganzen geht -Tieck freilich wieder seinen eigenen Weg. Religion und Gemthsweichheit -herrschen hier, Gaunts wild donnernder Zorn ist verschwunden. Wolf -bittet und fleht und sucht durch religise Ermahnungen seinem -entrathenen Sohne beizukommen. Den ausgesprochenen Fluch widerruft -er sofort und stirbt unter sentimentalen Bitten. Gaunt ist zwar auch -ein geduldiger und treuer<span class="pagenum"><a name="Seite_98" id="Seite_98">[S. 98]</a></span> Unterthan seines Knigs, aber neben Wolf -gehalten, redet aus ihm eine ernste, mchtige, derbe, reckenhafte -Mnnlichkeit. Gaunt widerruft kein Wort, das er einmal gesprochen.<a name="FNAnker_337_337" id="FNAnker_337_337"></a><a href="#Fussnote_337_337" class="fnanchor">[337]</a> -Die lieblos rohe Antwort Golos auf Wolfs Ermahnungen:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Eu’r Fabeln rhrt vom groen Alter her,</div> - <div class="verse">Ihr wit nicht, was Ihr sprecht, drum sei’s verziehn.</div> - <div class="verse">Auf meinen Kopf, was ich verfehlen mag,“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>stammt von der noch roheren Richards her:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Du, ein seichter und mondscht’ger Narr,</div> - <div class="verse">Auf eines Fiebers Vorrecht dich verlassend,</div> - <div class="verse">Darfst uns mit deinen frost’gen Warnungen</div> - <div class="verse">Die Wangen bleichen, unser frstlich Blut</div> - <div class="verse">Vor Zorn aus seinem Aufenthalt verjagen?“ u. s. w.</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Die ungewhnliche Ausdehnung der Reden fllt in beiden Scenen auf.</p> - -<p>Tiecks Hexenscene soll nach Minor charakteristischer Weise den Einfluss -Shakespeares (Macbeth und die Hexen) mit dem Goethes (Hexenscene im -„Faust“) vereinigen. Allein schon der Vergleich mit dem Volksbuche -lehrt, dass in dieser Anmerkung sicherlich zu viel gesagt ist; denn das -Wesentliche und Thatschliche, was sich in der Scene begibt, fand Tieck -im Volksbuch vor. In den wirren Sprchen und Formeln der Hexe zeigen -sich Spuren verschiedener Gedanken aus Jakob Bhmes „Morgenrthe“. Es -bleiben dann nur noch einige uerlichkeiten, die sich als Entlehnungen -aus den genannten literarischen Vorbildern, Goethe und Shakespeare, -erweisen lassen. In einem Punkte wenigstens thut Tieck, was Goethe und -Shakespeare thaten. Diese Dichter beschrnken sich in ihren Hexenscenen -nicht konomisch auf das Nothwendigste, sondern sie schmcken jeder -in seiner Weise das Treiben der unheimlichen Menschen malerisch aus. -Es wird Verschiedenes vorgefhrt, was nicht unmittelbar dem Zwecke -der Scene dient. Malerisch und stimmungsvoll in<span class="pagenum"><a name="Seite_99" id="Seite_99">[S. 99]</a></span> diesem Sinne ist der -Eingangsmonolog bei Tieck,<a name="FNAnker_338_338" id="FNAnker_338_338"></a><a href="#Fussnote_338_338" class="fnanchor">[338]</a> der die Zurstungen Winfredas und die -nchtliche Scenerie malt. Bei diesem Monologe denkt man aber nicht -zuerst an „Macbeth“, sondern lieber an die Verse, mit denen Bolingbroke -in „Heinrich VI.“<a name="FNAnker_339_339" id="FNAnker_339_339"></a><a href="#Fussnote_339_339" class="fnanchor">[339]</a> eine Geisterbeschwrung einleitet. Dieser, ein -Theilnehmer am nchtlichen Werke, entwirft selbst, wie hier Winfreda, -das dstere Nachtbild, nur dass es nicht monologisch geschieht.</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Geduld nur! Zaub’rer wissen ihre Zeit.</div> - <div class="verse">Die tiefe, finst’re Nacht, das Grau’n der Nacht;</div> - <div class="verse">Die Zeit, da Troja ward in Brand gesteckt;</div> - <div class="verse">Die Zeit, wo Eulen schrei’n und Hunde heulen,</div> - <div class="verse">Wo Geister geh’n, ihr Grab Gespenster sprengen:</div> - <div class="verse">Die ziemt sich fr das Werk, womit wir umgeh’n.“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft7"><em class="gesperrt">Siegfried</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„So komm, vom Himmel zeigt sich schon die Nacht,</div> - <div class="verse">Jetzt hat das Reich der Geister seine Macht.“ — —</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft7"><em class="gesperrt">Winfreda</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„An seinem Orte hngt der magische Spiegel,</div> - <div class="verse">Schon weht die Nacht herauf mit schwarzem Flgel,</div> - <div class="verse">Wolken zieh’n und flieh’n vor des Mondes Scheibe,</div> - <div class="verse">Auf Kirchhfen steh’n die Leichen mit blassem Leibe,</div> - <div class="verse">In unterird’schen Grften ein whlendes Regen,</div> - <div class="verse">In oberird’schen Lften ein spielendes Bewegen,</div> - <div class="verse">Geister schauern hernieder,</div> - <div class="verse">Und geh’n und kommen wieder</div> - <div class="verse">Auf der schwarzen Leiter der Nacht,...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Der Inhalt dieser Hexenworte berhrt sich theilweise ziemlich deutlich -mit der Bolingbroke’schen Schilderung. In „Macbeth“ und „Faust“ wird -auch alles, was der Stimmungsmalerei dient, in Handlung umgesetzt, -whrend Bolingbroke und Winfreda die Situation mit Worten schildern. -Das Colorit der Tieck’schen Hexenscene ist zwar dster, aber es -herrscht in dieser Hexenwohnung doch eine ganz andere Luft, als auf -der gewitterdurchstrmten schottischen Heide. Goethes Hexenscene -musste Tieck wegen ihres humoristischen Charakters (Humor ist in der -„Genoveva“ grundstzlich ausgeschlossen) ferne liegen.</p> - -<p>Ebensowenig durchgreifend erscheint Shakespeares Einfluss in der -Episode, wo Gertrud bei Golo die Anwaltschaft fr<span class="pagenum"><a name="Seite_100" id="Seite_100">[S. 100]</a></span> die gefangene -Genoveva und ihr Kind bernimmt. Der Inhalt dieser Scene war Tieck -bis ins einzelne herab durch die Legende geboten. Es ist ein -merkwrdiger Zufall, dass der Inhalt der dritten Scene im zweiten -Acte des „Wintermrchens“, das Minor im Auge hat, jener Stelle des -Volksbuches so auffallend hnelt. Jedesmal erscheint nmlich eine Frau -als Frbitterin fr eine Gefangene und ihr Kind. Wenn Tieck nach dem -Volksbuche das nmliche Motiv dichterisch behandelt, das schon vorher -sein bewunderter Meister Shakespeare behandelte, so ist allerdings zu -vermuthen, dass ihm dabei Shakespeare leicht ein wenig in die Phantasie -hineinspielen konnte. Allein dies kann hier nur Einzelheiten betreffen. -Golo und Leontes erblicken wir im Anfange der Scene in tiefer -Gemthsunruhe. Beide geben den Befehl, jeden strenden Besuch ferne zu -halten und beide wollen die Frau, die sich strmischerweise den Zutritt -doch verschafft, energisch aus dem Hause weisen. In der Einleitung -schliet sich also Tiecks Scene ohne Zweifel Shakespeare an, aber -eine weitere und tiefer greifende Abhngigkeit wird sich schwerlich -nachweisen lassen.</p> - -<p>Ebenso verhlt es sich noch mit einer anderen Scene, nmlich mit -dem Gerichte ber Golo, das ein wenig nach Shakespeare stilisiert -erscheint, und zwar nach dem Gerichte, das in „Richard II.“<a name="FNAnker_340_340" id="FNAnker_340_340"></a><a href="#Fussnote_340_340" class="fnanchor">[340]</a> -Bolingbroke ber Green und Bushy hlt. Zuerst ein Befehl, die -Delinquenten vorzufhren.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft4"><em class="gesperrt">Bolingbroke</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Fhrt diese Mnner vor.“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft5"><em class="gesperrt">Matthias</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Jetzt lasst den Bsewicht herein...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Darauf hlt der Vorsitzende des Gerichtes, Bolingbroke bei Shakespeare, -bei Tieck Siegfried, den Schuldigen die begangenen belthaten vor. -Der Inhalt dieser Anklagerede, Golos aufgezhlte Frevel, stehen auch -wieder im Volksbuch, nur fr das uere Arrangement der Scene kommt -Shakespeare ein wenig in Rechnung.<a name="FNAnker_341_341" id="FNAnker_341_341"></a><a href="#Fussnote_341_341" class="fnanchor">[341]</a></p> - -<p>Wir mussten bereits andeuten, dass Tieck, von Maler Mller geleitet, -fr die breitausgedehnten Schlachtscenen und ihr ritter<span class="pagenum"><a name="Seite_101" id="Seite_101">[S. 101]</a></span>liches -Costm manches aus Shakespeare entnahm. Dass es fr Tieck nichts -Gewagtes schien, bei Shakespeare in Sachen des ritterlichen Costms -zu lernen, beweisen seine eigenen Worte: „Shakespeares Zeitalter war -gerade dasjenige, in welchem noch die letzten Spuren des krftigen -Mittelalters, des Geistes der Liebe, des Wunderglaubens und der -Heldenthaten wie in einer neuen Herbstblte zwar schwach aber doch -erquicklich, da standen.“<a name="FNAnker_342_342" id="FNAnker_342_342"></a><a href="#Fussnote_342_342" class="fnanchor">[342]</a> Es finden sich vorzglich in den -„Historien“ Motive, die fr Tieck anregend wirken konnten. Da begegnen -uns die Gesandtschaft, die Beobachtung der Naturstimmung vor der -Schlacht, das wechselnde Kriegsglck, der Zweikampf, der Aufruhr im -eigenen Lande, whrend das Heer im Felde steht, Stadtbelagerung, -nchtlicher berfall, nchtliches Lagerbild, Verwirrung und Bedrngnis -im nchtlichen Kampfe, der sterbende Krieger. Es lsst sich ja nicht -leugnen, dass solche Motive in den Schlachtschilderungen fast aller -Zeiten wiederkehren. Wenn wir aber bemerken, dass Tieck mit manchen -anderen Zgen sich ziemlich enge an Shakespeare anlehnt, so liegt es -nahe, auch hier gerade an die Vorbildlichkeit Shakespeares zu glauben.</p> - -<p>Wie der kmpfende Abdorrhaman an Macbeth in der Schlacht gemahnt, wurde -schon in anderem Zusammenhange gezeigt.</p> - -<p>Die Gesandten entwickeln bei Shakespeare mitunter in ihren Forderungen -dieselbe naive Unverfrorenheit wie Tiecks saracenische Botschafter. Sie -benehmen sich, als ob sich der Gegner schon lange ohne Schwertstreich -auf Gnade und Ungnade ergeben htte.<a name="FNAnker_343_343" id="FNAnker_343_343"></a><a href="#Fussnote_343_343" class="fnanchor">[343]</a> In „Heinrich V.“ fordert -Exeter schlankweg bergabe, sonst gebe es blutigen Kampf. Die Franzosen -mchten doch selbst ihre Leute schonen.<a name="FNAnker_344_344" id="FNAnker_344_344"></a><a href="#Fussnote_344_344" class="fnanchor">[344]</a> Gerade so redet Derar -vor Karl Martell und nicht weniger verchtlich spricht Albanakt im -„Locrine“ von seinen Gegnern. (Hornvilla im „Octavian“.) — Der -Schlachtplan, den Malcolm entwirft,<a name="FNAnker_345_345" id="FNAnker_345_345"></a><a href="#Fussnote_345_345" class="fnanchor">[345]</a> ist im wesentlichen derselbe -wie jener, den der saracenische Kriegsrath bei Tieck zustande bringt. -— Wenn Otho, auf dem Schlachtfelde sterbend, ber das Kriegerleben, -sein Aufblhen und Hinschwinden<span class="pagenum"><a name="Seite_102" id="Seite_102">[S. 102]</a></span> meditiert, so hren wir auch den -sterbenden Warwick<a name="FNAnker_346_346" id="FNAnker_346_346"></a><a href="#Fussnote_346_346" class="fnanchor">[346]</a> seine hnlichen Betrachtungen ber die -Vergnglichkeit der irdischen Herrlichkeit halten. — Shakespeare, -der „seine Gttin“ Natur nie vergessen mag, lauscht sogar auf dem -Schlachtfelde dem Tone ihrer Stimmung.</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft5"><em class="gesperrt">Knig Heinrich</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wie blutig ber jenen busch’gen Hgel</div> - <div class="verse">Die Sonne blickt hervor! Der Tag sieht bleich</div> - <div class="verse">Ob ihrem kranken Schein.“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft5"><em class="gesperrt">Prinz Heinrich</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft98">„Der Wind aus Sden</div> - <div class="verse">Thut, was sie vorhat, als Trompeter kund,</div> - <div class="verse">Und sagt, durch hohles Pfeifen in den Blttern,</div> - <div class="verse">Uns Sturm vorher und einen rauhen Tag.“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft5"><em class="gesperrt">Knig Heinrich</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„So stimm’ er denn in der Verlierer Sinn,</div> - <div class="verse">Denn nichts scheint denen trbe, die gewinnen.“<a name="FNAnker_347_347" id="FNAnker_347_347"></a><a href="#Fussnote_347_347" class="fnanchor">[347]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>So fhlt sich auch Karl Martell von der Morgenstimmung vor der Schlacht -ernst ergriffen.</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft5"><em class="gesperrt">Karl Martell</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Mit Purpur angethan zeucht Morgenrte</div> - <div class="verse">Herauf und schreitet durch das Himmelblau,</div> - <div class="verse">Es flammt die Glorie der frhen Rte</div> - <div class="verse">Herab und spielet auf die grne Au,</div> - <div class="verse">Der Tod schaut nieder, welchen er ertte,</div> - <div class="verse">Wei jener nur, jenseit des Himmelsblau.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Der ernsten Betrachtung contrastiert auch Tieck die zuversichtliche -Empfindung des Jnglings Aquitanien:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Seht, frhlich hat der Tag sich angethan,</div> - <div class="verse">Er glnzt daher im festlichen Gewand...“<a name="FNAnker_348_348" id="FNAnker_348_348"></a><a href="#Fussnote_348_348" class="fnanchor">[348]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Einen Schritt weiter als dieses poetische Einfhlen in die Natur -geht die astrologische oder die gewhnliche aberglubische Deutung -ungewhnlicher Naturvorgnge, wie sie Tieck in der Unterredung -zwischen Golo und Wolf verwertet.<a name="FNAnker_349_349" id="FNAnker_349_349"></a><a href="#Fussnote_349_349" class="fnanchor">[349]</a> Der uralte Volksglaube, dass -ungewhnliche Himmelserscheinungen und<span class="pagenum"><a name="Seite_103" id="Seite_103">[S. 103]</a></span> seltene atmosphrische Vorgnge -Begleiterscheinungen ungewhnlicher Vorgnge auf Erden seien, wird von -Shakespeare nicht selten in wirkungsvoller Weise fr ein Stimmungsbild -ausgentzt oder in ein solches verwoben. Auerdem liegt fr den Leser -und Zuschauer in solchen Vorgngen eine ahnungweckende Vordeutung -ber knftige Ereignisse. In „Richard III.“<a name="FNAnker_350_350" id="FNAnker_350_350"></a><a href="#Fussnote_350_350" class="fnanchor">[350]</a> will ein Hauptmann -aus verschiedenen dsteren Zeichen (darunter: „der blasse Mond -scheint blutig auf die Erde“) auf den Tod des Knigs schlieen.<a name="FNAnker_351_351" id="FNAnker_351_351"></a><a href="#Fussnote_351_351" class="fnanchor">[351]</a> -Im „Hamlet“<a name="FNAnker_352_352" id="FNAnker_352_352"></a><a href="#Fussnote_352_352" class="fnanchor">[352]</a> spricht Horatio von den unheimlichen Zeichen am -Himmel und auf der Erde, die Csars Tod verkndeten „als Boten, die -dem Schicksal stets vorangehn und Vorspiel der Entscheidung, die -sich naht“. Ein andermal steht dem zeichenglubigen alten Gloster -der junge Edmund gegenber, der mit rationalistischer Skepsis den -Glauben an diese Vorzeichen als „ausbndige Narrheit“ erklrt.<a name="FNAnker_353_353" id="FNAnker_353_353"></a><a href="#Fussnote_353_353" class="fnanchor">[353]</a> -Von Shakespeare bernahm diese Mittel der unheimlichen Stimmung und -Vorahnung Goethe in den „Gtz“.<a name="FNAnker_354_354" id="FNAnker_354_354"></a><a href="#Fussnote_354_354" class="fnanchor">[354]</a> Bei Maler Mller erscheint mit -einer neuen Nuance die verwandte Vorstellung, dass durch solche -Zeichen verborgene Blutschuld offenbar wurde. Doch Golo frchtet sich -nicht davor. „Ich lache zu allem! Wenn auch gleich Sonnenfinsternis -wrde, Sterne blutig ber mein Haupt herabwinkten und durch eine -angedeutete Zuchtrute der Himmel mich bedruen liee: was liegt mir -daran?“ Tieck hatte schon vor seiner „Genoveva“ gerne das unheimliche, -unbestimmte Grauen vor Natur- und Schicksalsmchten in seine Dichtungen -hereingebracht. („William Lovell“, „Blaubart“, „Der blonde Eckbert“, -„Sternbald“, „Tannenhuser“ und „Runenberg“.) Der eigenthmliche -Zug seiner Phantasie musste durch die literarischen Vorbilder -nur gesteigert werden. Diese sowie die eigentlich astrologischen -Vorstellungen wurden auch noch durch Jakob Bhme und Schillers -„Wallenstein“, den Tieck gewiss auf dem Berliner Theater gesehen hat, -genhrt. Aus dieser dster dmmernden Sphre stammt die Scene mit -dem alten Wolf und Golo. Welches<span class="pagenum"><a name="Seite_104" id="Seite_104">[S. 104]</a></span> von den verschiedenen Vorbildern -den ersten Ansto gab, wage ich nicht zu entscheiden, weil sich bei -Tieck verschiedene Anschauungen kreuzen. Das Meer von Blut um den Mond -erinnert an den blutig scheinenden Mond in „Richard III“. Daneben wird -die unheimliche Erscheinung am Himmel von Wolf als Vordeutung ber -den Ausgang der Saracenenschlacht erklrt („Hamlet“, „Julius Csar“, -„Locrine“), und wie Edmund Gloster seinem glubigen Vater gegenber, -weist auch Golo eine solche Deutung zurck, nicht mit gleicher Schrfe, -sondern mit dem milderen Hinweis auf die astrologischen Betrger und -auf den Widerstreit mit Vernunft und Religion. (Unglubig verhlt -sich Golo hier und bei Mller solchen Warnungszeichen gegenber.) -Das an sich nebenschliche Motiv wird dadurch lehrreich, dass man -sieht wie innerlich verschieden nuancierte und uerlich ziemlich -weit auseinanderliegende Vorstellungen in Tiecks Phantasie zu einem -neuen Gebilde zusammenwachsen. Es wre also hier ein hnliches -Vereinigen verschiedener Splitterchen zu einem neuen Mosaik, wie -in den Schlachtscenen zu beobachten. Bezeichnend ist es wieder fr -den Romantiker, dass er Gelegenheit sucht, gerade jene Elemente des -Aberglaubens, die einen dunklen Gemthsschauer erwecken, in der -Dichtung zu verwerten. A.W. Schlegel steht, wie wir hrten, fr das -Poetische der Astrologie ein und auch Jean Paul widmet bei Besprechung -des Romantischen in seiner „Vorschule der sthetik“ der „Poesie des -Aberglaubens“ einen eigenen Paragraphen.</p> - -<p>Auch das mystisch-sinnige Motiv alter Volkslieder, dass aus dem Grabe -der Geliebten Blumen aufsprieen, wird wahrscheinlich aus Shakespeare -und den Volksliedern zu Mller,<a name="FNAnker_355_355" id="FNAnker_355_355"></a><a href="#Fussnote_355_355" class="fnanchor">[355]</a> aus Mller und Shakespeare -zu Tieck gewandert sein. Am nchsten verwandt sind Golos Worte am -vermeintlichen Grabe Genovevas<a name="FNAnker_356_356" id="FNAnker_356_356"></a><a href="#Fussnote_356_356" class="fnanchor">[356]</a> mit jenen des Laertes an Opheliens -Grabe.<a name="FNAnker_357_357" id="FNAnker_357_357"></a><a href="#Fussnote_357_357" class="fnanchor">[357]</a></p> - -<p>Schwerer als inhaltliche bereinstimmungen lassen sich formelle und -stilistische Anlehnungen an ein Vorbild sicher feststellen. Allein -manche sprachliche Eigenthmlichkeiten der „Genoveva“ weisen ziemlich -fhlbar auf das Muster des groen Briten zurck. Dass Tieck im Wechsel -von Vers und Prosa den Wegen<span class="pagenum"><a name="Seite_105" id="Seite_105">[S. 105]</a></span> Shakespeares folgt, hat schon Minor -betont. Dazu kme noch der Wechsel gereimter und reimloser fnfhebiger -Verse und die Verwendung von Strophen des Schemas <em class="gesperrt"><i>ab ab cc</i></em>, -die sich z.B. in „Romeo und Julia“ finden. Der Gesang der erscheinenden -Engel in der Wste erinnert mit seinen ei-Reimen an jenen Spruch, den -sich im „Kaufmann von Venedig“ der Prinz von Marokko aus dem Kstchen -holt.<a name="FNAnker_358_358" id="FNAnker_358_358"></a><a href="#Fussnote_358_358" class="fnanchor">[358]</a> Allerdings nur in Schlegels bersetzung stehen die ei-Reime, -nicht im englischen Text. Wir drfen eben nicht vergessen, dass neben -dem englischen Original auch Schlegels Shakespeare-bersetzung auf -Tieck groen Eindruck machte und Einfluss gewann. Er sagt uns selbst, -mit welchem Interesse er Schlegels Arbeit aufnahm, und zwar gerade in -den zwei Jahren, die dem Entstehen der „Genoveva“ vorausgehen.<a name="FNAnker_359_359" id="FNAnker_359_359"></a><a href="#Fussnote_359_359" class="fnanchor">[359]</a> -— Das Spielen mit dem eigenen Namen oder das Drehen und Wenden der -Worte nach verschiedenen Seiten ihrer Bedeutung, das sich Shakespeare -nicht selten gestattet, ahmt Tieck nach. In den seltsamen Worten Wolfs: -„Wie rollt dir denn die Zung’ im Kopf so wild“ ist man im ersten -Augenblick geneigt, einen Druckfehler zu verbessern und statt „die -Zung’“, „das Aug’“ einzusetzen und doch wre es gegen Tiecks Absicht, -der sich durch den Shakespeare’schen Vers:<a name="FNAnker_360_360" id="FNAnker_360_360"></a><a href="#Fussnote_360_360" class="fnanchor">[360]</a> „die Zunge, die so -wild im Kopf dir wirbelt“ zu der wunderlichen Wendung bestimmen lie. -Das „Morgenrte regnen“ in der „Genoveva“ fllt weniger auf, wenn man -sich an Shakespeares „Rache regnen“,<a name="FNAnker_361_361" id="FNAnker_361_361"></a><a href="#Fussnote_361_361" class="fnanchor">[361]</a> „Freude regnen“,<a name="FNAnker_362_362" id="FNAnker_362_362"></a><a href="#Fussnote_362_362" class="fnanchor">[362]</a> „Dfte -regnen“<a name="FNAnker_363_363" id="FNAnker_363_363"></a><a href="#Fussnote_363_363" class="fnanchor">[363]</a> erinnert. Die beliebte Benennung des Frsten mit dem Namen -seines Landes, z.B. „tapferer sterreich“,<a name="FNAnker_364_364" id="FNAnker_364_364"></a><a href="#Fussnote_364_364" class="fnanchor">[364]</a> treffen wir bei Tieck -(„Tapf’rer Aquitanien“) so gut, wie in Schlegels „Shakespeare“.</p> - -<p>Htten sich Tiecks einstige Gegner die Mhe genommen, diese -verschiedenen greren und kleineren Stckchen aus Shakespeare zu -sammeln, so htten sie mit einigem bsen Willen auch hier Plagiator! -rufen knnen. Aber auch hier wie bei den Ent<span class="pagenum"><a name="Seite_106" id="Seite_106">[S. 106]</a></span>lehnungen aus Mller -mit geringem Rechte. Wir sahen auch hier in den verschiedensten -Fllen, wie die fremden Bestandtheile den Geist der Romantik oder die -poetische Neigung Tiecks entweder verwandt ansprachen oder fr ihre -neue Bestimmung umgebildet wurden. Das magebendste Vorbild fr die -„Genoveva“, und zwar in formeller Richtung, war entschieden „Perikles“, -der so merkwrdig dem Wunsche nach einer alle Gattungen verschmelzenden -Universalpoesie entgegenzukommen schien. Weil dies die bedeutendste von -Shakespeare ausgehende Anregung war, so spricht Tieck Solger gegenber -auch nur von dieser. Was Tieck sonst aus Shakespeare herbernahm, -waren nur einzelne Charakterzge, einzelne Linien fr einen und den -anderen Scenengrundriss, einzelne Gedanken und Stimmungselemente, die -sich organisch in das neue Werk hineinverschmelzen lieen und so zum -Eigenthum des von Shakespeare abhngigen Dichters wurden. Sie reichen -auch alle mitsammen nicht hin, die Gesammtauffassung und das „Klima“ -der romantischen Dichtung, die Tieck selbst als das Wertvollste -daran erschien, irgendwie wesentlich zu bestimmen, whrend Mllers -Auffassung des Golo und die Einkleidung in ritterliches Costm immerhin -bedeutender auf Tieck wirkten. Darum ist es auch kein schwerer Frevel, -wenn er gar nicht weiter vom Verhltnis seiner Dichtung zu Shakespeare -spricht. Dass der Dichter aber im „Vorberichte“ zu seinen Schriften -von Shakespeares Einfluss berhaupt schweigt, whrend er ihn Iffland -und Solger gegenber stark betont, bleibt einigermaen seltsam. War es -nur Flchtigkeit, wie in anderen Fllen auch? War es doch Berechnung? -Tieck vertheidigt sich eben im nmlichen „Vorberichte“ gegen den -Vorwurf des Plagiates an Mller. Da mochte er vielleicht dunkel oder -deutlich fhlen, dass jedes vermeidbare Zugestndnis von Abhngigkeit -irgendwelcher Art am besten vermieden werde; denn es konnte fr -missgnstige Kritiker vom Schlage Merkels eine Gelegenheit zu neuen -Angriffen bieten. Freilich wre dies nur eine halbkluge Maregel fr -den Augenblick gewesen, weil Tieck dabei an seinen Brief an Solger -nicht dachte, der schon zehn Jahre zuvor verffentlicht worden war. -Allein wie immer, ob Berechnung, ob Flchtigkeit: Tieck htte das -offene Eingestndnis in den Augen einsichtiger Beurtheiler so wenig -geschadet, als in den Augen seines Freundes Solger. Des Dichters -verschiedene uerungen ergnzen sich und geben, zusammengenommen, -den vollstndigen<span class="pagenum"><a name="Seite_107" id="Seite_107">[S. 107]</a></span> Sachverhalt wieder. Sie sprechen kurz und gedrngt -das Endergebnis dieser Untersuchungen aus und besttigen das Resultat -derselben.</p> - -<h3 class="mtop15" id="Tieck_und_Calderon">3. Tieck und Calderon.</h3> - -<p>Neben dem grten englischen half auch der berhmteste spanische -Dramatiker ein wenig an Tiecks „Genoveva“ mitschaffen, und noch bevor -A.W. Schlegel Shakespeare und Calderon als die grten Vertreter der -romantischen Dramatik proclamierte, hatte sie Tieck durch seine Praxis -nebeneinander gestellt und ihnen gemeinsam gehuldigt, indem er von -beiden fr sein romantisches Trauerspiel zu lernen strebte. Tieck thut -es mit vollem Bewusstsein, wie es seine uerung gegen Iffland genugsam -bezeugt.</p> - -<p>Wie mit den Englndern, so beschftigte sich Tieck auch schon -frhzeitig mit den Spaniern und er gibt darber in den „Vorberichten“ -Auskunft.<a name="FNAnker_365_365" id="FNAnker_365_365"></a><a href="#Fussnote_365_365" class="fnanchor">[365]</a> In Gttingen begann er 1793 seine spanischen -Studien. Mit grerer Energie nahm er sie 1797 wieder auf, dem -Wunsche A.W. Schlegels nach einer bersetzung des „Don Quixote“ und -einer buchhndlerischen Aufforderung dazu folgend. Auf Cervantes -concentrierte sich das Hauptinteresse. Wie nun Tieck Shakespeare -erst durch die Betrachtung seiner Stellung unter den Zeitgenossen, -Vorlufern und Nachfolgern recht kennen lernen wollte, ebenso suchte -er auch Cervantes in seiner literar-historischen Umgebung zu fassen -und dies fhrte ihn zu den spanischen Dramatikern und Lyrikern. Wie -wohl sich Tieck nach jenen Aussagen, die wir kennen lernten, bereits -mit Leib und Seele Shakespeare verschrieben hatte, so erlaubte er -sich doch, nach Entdeckung der Spanier, diese Gtter neben jenem -zu haben; denn er war, wie die Romantiker alle, nicht engherzig, -er nahm das Poetische berall gerne auf, mochte es aus dieser oder -jener Himmelsgegend stammen, in dieser oder jener Gestalt und -Einkleidung ihm begegnen. Tieck war „von der reichen Aussicht in -diese Poesie hinein entzckt“, er schwelgt im Reichthum, der ihm in -den „entzckenden Trumen des Calderon und den wundersamen Bildern -der spanischen Poeten“ entgegentritt.<a name="FNAnker_366_366" id="FNAnker_366_366"></a><a href="#Fussnote_366_366" class="fnanchor">[366]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_108" id="Seite_108">[S. 108]</a></span> Calderon wurde, wie schon -bemerkt, auch ein wichtiges „Incitament“ jener religisen Strmung -unter den Romantikern, die Tiecks ganze Seele ergriff und mit sich -fortriss; denn in Calderon vereinigten sich eine bedeutende poetische -Energie und glubige Frmmigkeit in seltenem Grade. Was A.W. Schlegel -in seinen spteren „Vorlesungen“<a name="FNAnker_367_367" id="FNAnker_367_367"></a><a href="#Fussnote_367_367" class="fnanchor">[367]</a> aussprach, mochte auch Tieck, -von dem die Calderonverehrung erst auf seinen Freund August Wilhelm -bergieng, mehr oder weniger deutlich schon empfunden haben. „Sein -(Calderons) Gemth aber spricht sich am meisten in der Behandlung der -religisen Gegenstnde aus. Die Liebe schildert er nur mit allgemeinen -Zgen, er redet ihre dichterische Kunstsprache. Die Religion ist seine -eigentliche Liebe, das Herz seines Herzens.“<a name="FNAnker_368_368" id="FNAnker_368_368"></a><a href="#Fussnote_368_368" class="fnanchor">[368]</a></p> - -<p>Unter demjenigen, was Tieck fr seine „Genoveva“ aus der Kenntnis -der Spanier gewann, nennt er an erster Stelle die ihm „neue Art“, -knstliche Versmae in das Drama einzufhren.<a name="FNAnker_369_369" id="FNAnker_369_369"></a><a href="#Fussnote_369_369" class="fnanchor">[369]</a> Tieck und seine -Genossen hatten ein unendlich feines und empfngliches Ohr fr das -Knstlerische und Musikalische in Sprache, Vers und Reim. In den -prchtigen, klangvollen, sdlndischen Formen mit dem reichen Reimspiel -fanden sie ein willkommenes Instrument, um damit ihre ahnungsvollen -Gemthsstimmungen in allen Tonarten erklingen zu machen. Aus den -Briefen der Jenaer Zeit ersieht man, wie sie sich vor Freude ber die -neuentdeckten romanischen Formen kaum zu fassen vermgen und wie diese -bald zu den romantischen Formen κατ’ ἐξοχήν werden.</p> - -<p>In Tiecks „Zerbino“ treten die sdlichen Formen noch schchtern auf, -in der „Genoveva“ ziemlich reichlich, im „Octavian“ berwuchern sie -die Dichtung in endloser, ppiger Flle. Den metrischen Grundton -im spanischen Drama bestimmt die alte nationale Romanze mit ihrer -durchgehenden Assonanz. Im „Octavian“ macht Tieck in der That von -dieser Form ausgiebigen Gebrauch, in der „Genoveva“ findet sich die -eigentliche Romanze<span class="pagenum"><a name="Seite_109" id="Seite_109">[S. 109]</a></span> mit Assonanz noch nicht, wohl aber die aus den -vierhebigen, auftaktlosen Romanzenversen gebildete Strophe mit den -Reimen <i><em class="gesperrt">abba</em></i>, die Redondille. Diese Strophe ist bei Lope die -gewhnliche Form fr den dramatischen Dialog und auch bei Calderon -begegnet sie uns nicht selten, besonders in reflectierenden und -zrtlichen Partien sowie in Antithesenspielen.<a name="FNAnker_370_370" id="FNAnker_370_370"></a><a href="#Fussnote_370_370" class="fnanchor">[370]</a> Diese nmliche -Form sehen wir in der Balkonscene der „Genoveva“ verwendet. In Zulmas -Gesngen und Gebeten verbindet Tieck zwei- und dreihebige Verse -nach dem Schema der Redondille. Diese Strophe ist berhaupt eine -Lieblingsstrophe Tiecks, die er schon in den Liedern des „Sternbald“, -der „Magelone“ und spter noch unzhligemale gebraucht.</p> - -<p>Von den Spaniern wurden die ottave rime aus Italien importiert und -vielfach im Drama verwendet. In pomphaften, getragenen Erzhlungen, -in wrdevoller Rede,<a name="FNAnker_371_371" id="FNAnker_371_371"></a><a href="#Fussnote_371_371" class="fnanchor">[371]</a> in monologischen Beschreibungen und -Betrachtungen,<a name="FNAnker_372_372" id="FNAnker_372_372"></a><a href="#Fussnote_372_372" class="fnanchor">[372]</a> im feierlichen Gebete<a name="FNAnker_373_373" id="FNAnker_373_373"></a><a href="#Fussnote_373_373" class="fnanchor">[373]</a> liebt sie Calderon. In -hnlichem Sinne gebraucht sie manchmal Tieck in seiner „Genoveva“. -Vision, Gebet und feierliche Rede sehen wir auch hier im weihe- und -wrdevollen Gange der Octave einherschreiten. Die ganze Beschaffenheit -der deutschen Stanze macht sie ja fr solchen Inhalt besonders -geeignet. Dass aber Tieck keineswegs berall gerade fr einen gewissen -Inhalt eine bestimmte Form nach Calderons Muster whlt, zeigt ein Blick -auf die Erzhlung des heil. Bonifacius. Bei Calderon wrde dieser -Abschnitt immer in Romanzenform erscheinen. Auch noch der Unterschied -besteht zwischen Tieck und Calderon, dass letzterer weit konomischer -vorgeht und die Stanze selten fter als einmal im nmlichen Drama -einfhrt, whrend sie Tieck an vielen Stellen bringt. Wo Calderon -sie aber verwendet, da wird dann meist die ganze Scene, Monolog wie -Dialog, in Stanzen durchgefhrt.<a name="FNAnker_374_374" id="FNAnker_374_374"></a><a href="#Fussnote_374_374" class="fnanchor">[374]</a> Solche Stanzendialoge mochten den -Formknstler<span class="pagenum"><a name="Seite_110" id="Seite_110">[S. 110]</a></span> Tieck zur Nachahmung reizen. Dieses fr einen deutschen -Poeten sicher hchst schwierige Kunststck scheut denn auch Tieck -durchaus nicht; auch er kleidet ganze Dialoge in Stanzen, er will als -Formvirtuose hinter seinem spanischen Meister nicht zurckbleiben.</p> - -<p>Wie Tieck in der Verwendung der entlehnten Mae gewhnlich seine -eigenen Wege geht, besttigen ferner die Sonette in der „Genoveva“. -Sonette im Drama sind wieder eine Besonderheit der Spanier. Bei -Calderon finden sie sich hin und wieder, aber nicht allzuhufig.<a name="FNAnker_375_375" id="FNAnker_375_375"></a><a href="#Fussnote_375_375" class="fnanchor">[375]</a> -Es wird z.B. ein heier Erguss religiser Andacht in Sonettform -gebracht („Die Jungfrau des Heiligthums“), es werden lyrisch-didaktisch -die Erdenfreuden den schnell welkenden Blumen und das flchtige Glck -den schnell verlschenden Sternen verglichen („Der standhafte Prinz“). -Diese letztere Verwendung berhrt sich noch am nchsten mit einigen -Sonetten Tiecks. Aber es ist dabei zu erwgen, dass das Sonett mit -lyrisch-didaktischem Inhalt gerade um 1800 fr die Romantiker eine -Mode ist, wie etwa das Distichon fr Goethe und Schiller. Ob an -dieser Verwendung der italienischen Form in der „Genoveva“ Calderon -einen besonderen Antheil hat, scheint mir daher schwer erweisbar. -Calderonisch ist es nur, dass Sonette berhaupt in das Drama -hereingebracht werden. Wie bei Verwendung der Octaven geht Tieck auch -hier ber die sparsame Art Calderons hinaus und zerfasert das Sonett -gelegentlich im Dialoge.</p> - -<p>Endlich lernt Tieck noch von den Spaniern, die Terzine fr sein Drama -nutzbar zu machen, eine Strophe, die Lope oft fr den getragenen -und ernsten Dialog verwendet,<a name="FNAnker_376_376" id="FNAnker_376_376"></a><a href="#Fussnote_376_376" class="fnanchor">[376]</a> die aber seltener bei Calderon -erscheint.<a name="FNAnker_377_377" id="FNAnker_377_377"></a><a href="#Fussnote_377_377" class="fnanchor">[377]</a> Tieck fhrt sie zweimal in die „Genoveva“ ein, in der -Prophezeiung des „Unbekannten“ und im Dialoge zwischen Siegfried und -Othos Geist.</p> - -<p>Hatte Tieck von Shakespeare den Wechsel zwischen Prosa und -fnfhebigem Jambus sich angeeignet, so wird die formelle Ausstattung -seiner Dichtung durch das Hereinnehmen der italienisch-spanischen -Strophenformen noch um vieles bunter und reicher; es wird dadurch seine -Poesie noch um eine Stufe hher<span class="pagenum"><a name="Seite_111" id="Seite_111">[S. 111]</a></span> ber die gewhnliche Prosa oder ber -die gleichmige metrische Form emporgehoben.</p> - -<p>Neben den spanischen Maen fhrt Tieck die „lyrischen Ergsse“ an, zu -deren Einfhrung in sein Drama ihn die spanischen Vorbilder bewogen -htten.<a name="FNAnker_378_378" id="FNAnker_378_378"></a><a href="#Fussnote_378_378" class="fnanchor">[378]</a> Man denkt da zu allererst an die Lyrik der Balkonscene -und Zulmas, die auch durch die metrische Form auf spanische Muster -hinweist. Es lsst sich aber hier fr die Vergleichung mit bestimmten -Vorbildern kein sicherer Boden gewinnen. Wohl nimmt das lyrische -Element in Calderons Dramen einen breiten Raum ein. Stcke, wie „die -Andacht zum Kreuz“, „Die Brcke von Mantible“, „Der Schulthei von -Zalamea“ u.a. sind reich an lyrischen Partien im Dialoge. Aber an -solchen lyrischen Stellen ist eigentlich auch bei Shakespeare kein -Mangel. Man denke nur an „Romeo und Julia“, „Kaufmann von Venedig“, -an den vierten Act des „Wintermrchens“. Es scheint, dass Tieck mit -dem unbestimmten Ausdruck „lyrische Ergsse“ nach spanischem Muster -auch hier nichts anderes meint, als lyrische Ergsse in sdlndischen -Strophenformen. In der Einleitung zu Lenz wenigstens heit es:<a name="FNAnker_379_379" id="FNAnker_379_379"></a><a href="#Fussnote_379_379" class="fnanchor">[379]</a> -„Welche lyrische Ausbrche der Leidenschaft, der Liebe, der Andacht -in seinen (Calderons) Romanzen und canzonenartigen Versen. Welche -Malerei, welches Feuer der Erzhlung in eben diesen Lyren, Romanzen und -Ottaven. Kein Schauspiel, fast kein Act ist ohne solche Prachtstcke, -diese gehren recht eigentlich zum Wesen des spanischen Dramas, nur -freilich sind sie eben auch mitunter nur kalte, hie und da schwlstige -Prachtstcke, die sich zuweilen mit Bewusstsein, doch ein anderesmal, -wohl auch ohne Absicht, selbst parodieren.“ Der letztere Satz ist -auf Rechnung des khleren Verhltnisses zu schreiben, das der ltere -Tieck zu den Spaniern einnimmt. Das Vorhergehende gibt uns aber eine -Andeutung, welche lyrischen Ergsse in der „Genoveva“ Tieck etwa auf -spanische Anregungen zurckfhren mochte.</p> - -<p>Deutlicher sprt man Calderons Vorbildlichkeit wieder in der -Einfhrung der allegorischen Gestalt des Todes. Tieck war nmlich -von Haus aus ein Feind der Allegorie in der Dichtung. Er schreibt -z.B. an Wackenroder:<a name="FNAnker_380_380" id="FNAnker_380_380"></a><a href="#Fussnote_380_380" class="fnanchor">[380]</a> „Mir scheint, als ob die aus<span class="pagenum"><a name="Seite_112" id="Seite_112">[S. 112]</a></span>gefhrte -Allegorie mehr in den zeichnenden und bildenden Knsten als in der -Dichtkunst an ihrer Stelle wre.“ Er spricht ein andermal der Allegorie -jede tuschende Kraft ab.<a name="FNAnker_381_381" id="FNAnker_381_381"></a><a href="#Fussnote_381_381" class="fnanchor">[381]</a> Anders wurde es, als Tieck mit den -Gedanken Friedrich Schlegels Bekanntschaft machte (1797), der die -Allegorie fr jede poetische Darstellung verlangt. Schlegel meint -aber unter der Allegorie nur ungefhr das, was wir heute symbolisch -nennen. Jedes wahre Dichtwerk muss hinter der sichtbaren Welt, die -es veranschaulicht, eine unsichtbare, geistige, hhere Welt, in der -Einzelerscheinung das All und Eins ahnen lassen. In dieser Auffassung -vertritt auch Tieck nunmehr die Allegorie im „Sternbald“ und in den -„Phantasien“. An der Hand Calderons endlich thut er den letzten Schritt -zur eigentlichen Allegorie. „Vom Calderon fr die allegorische Poesie -begeistert,“<a name="FNAnker_382_382" id="FNAnker_382_382"></a><a href="#Fussnote_382_382" class="fnanchor">[382]</a> versuchte er im „Octavian“ seine Ansicht von der -romantischen Poesie allegorisch, lyrisch und dramatisch niederzulegen. -Mit der Einfhrung einer bunten allegorischen Gesellschaft in dieses -Stck thut nun Tieck gerade das, was er vor wenigen Jahren noch als ein -„Unding“ von sich wies. Diese Bekehrung zur Allegorie hatte Calderon -zustande gebracht. Auch in den „Briefen ber Shakespeare“, die in den -letzten neunziger Jahren entstanden, spricht Tieck gnstig von der -Allegorie und wird diese berhaupt nimmer los,<a name="FNAnker_383_383" id="FNAnker_383_383"></a><a href="#Fussnote_383_383" class="fnanchor">[383]</a> obschon er spter -gegen Calderon selbst wieder khler wird.<a name="FNAnker_384_384" id="FNAnker_384_384"></a><a href="#Fussnote_384_384" class="fnanchor">[384]</a> In der „Genoveva“ -sehen wir im Auftreten des Todes nur erst ein ganz kleines Vorspiel -des berschwnglichen Allegorisierens, das sich bald im „Octavian“ -breit machen und „ins Blaue verschwimmen“ sollte. Dass hier gerade -der spanische Einfluss dahinter steckt, darber kann man nach dem -Vorausgehenden kaum zweifelhaft sein.</p> - -<p>Mit den metrischen Formen, den „lyrischen Ergssen“ und der Allegorie -ist aber auch der spanische Einfluss, der sich in der „Genoveva“ -sicher als solcher erkennen lsst, erschpft. Andere Calderon’sche -Nachklnge lassen sich hchstens nur vermuthen. Das Hereingreifen -des bersinnlichen in die irdische Welt und in die Geschicke des -Menschen, Wunder und Visionen,<span class="pagenum"><a name="Seite_113" id="Seite_113">[S. 113]</a></span> fallen dem protestantischen Nordlnder -in Calderons Poesien immer ganz besonders auf.<a name="FNAnker_385_385" id="FNAnker_385_385"></a><a href="#Fussnote_385_385" class="fnanchor">[385]</a> Als Tieck in den -letzten neunziger Jahren Calderon eifrig las, hatte sich eben in seinem -Gemthe auch sonst schon jene Reaction gegen den kalten, flachen, -phantasie- und gemthscheuen Rationalismus energisch geltend gemacht. -Die extremsten Gegenstze des Aufklrerthums waren ihm die liebsten. -Seine Neigung zum Wunderbaren und Geheimnisvollen htte auer Jakob -Bhmes Theosophie kaum eine erwnschtere Lectre finden knnen, als -die spanischen Dramen, in denen Glaube und Wunder im Glanze einer -prchtigen Poesie verklrt erscheinen. Ein Versenken in diese Poesie -war daher so gut wie das Genoveva-Bchlein, Schleiermachers „Reden“ -oder Bhmes „Morgenrthe“ im hchsten Grade dazu angethan, Tiecks -religise Stimmungen und seine poetische Vorliebe fr katholische -Kunst und Poesie zum Enthusiasmus zu steigern.<a name="FNAnker_386_386" id="FNAnker_386_386"></a><a href="#Fussnote_386_386" class="fnanchor">[386]</a> Liest man ein -wenig in den Dramen Calderons, die Tieck sicher kannte, bevor er die -„Genoveva“ schrieb, so stt man bald dort, bald da auf ein Motiv, bei -dem man sich sagt: das knnte in der „Genoveva“ nachgewirkt haben. -Der „standhafte Prinz“ z.B. ersteht vom Tode und vollendet, was er -im Leben nicht mehr vollbringen konnte: Othos Geist thut wenigstens -zum Theile dasselbe. Calderons „Jungfrau des Heiligthums“ ist eine -dramatisierte Legende, die vom Anfang bis zum Ende mit Wundern und -Visionen reich durchwoben ist. Man ist fast zur Annahme genthigt, -dass Tieck dieses Stck kannte, wenn auch keine positive Nachricht -darber vorliegt. Denn im zweiten Acte desselben wird die Begebenheit -erzhlt, auf die Siegfrieds Worte:<a name="FNAnker_387_387" id="FNAnker_387_387"></a><a href="#Fussnote_387_387" class="fnanchor">[387]</a> „So ist Hispania durch ein Weib -verdorben, die schuld war, dass die Mohren sind gekommen...“ anspielen. -Der Saracenenkrieg wird dort auch als Strafe Gottes betrachtet, wie -von Karl Martell.<a name="FNAnker_388_388" id="FNAnker_388_388"></a><a href="#Fussnote_388_388" class="fnanchor">[388]</a> Dem Saracenenfeldherrn Tarif folgt Luna, seine -Braut, in den Krieg, wie Zulma ihrem Geliebten.<a name="FNAnker_389_389" id="FNAnker_389_389"></a><a href="#Fussnote_389_389" class="fnanchor">[389]</a> Weiter heit es -einmal in der Erzhlung des Mohren Selim:</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_114" id="Seite_114">[S. 114]</a></span></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Heute, da dein Schwur gebrochen,</div> - <div class="verse">Kann man sagen, treuer hielten</div> - <div class="verse">Damals ja ihr Wort die Mohren,</div> - <div class="verse">Als die Christen jetzt; denn Alles</div> - <div class="verse">Hielten sie, was sie versprochen,</div> - <div class="verse">Und du hieltest nichts von Allem.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Ist es die Erinnerung an diese Worte, welche Tiecks Karl Martell -veranlasst, die sonst ganz unmotivierte uerung zu thun, das Recht -der Gesandten sei den Heiden heiliger als den Christen? Kannte Tieck -dieses Stck Calderons, so fand er hier auch Vorbilder fr die -Schilderung seiner Visionen. Jedoch allzuviel Gewicht soll auf diesen -letzteren Punkt nicht gelegt werden. Wenngleich die Visionen bei beiden -Dichtern hnlich dargestellt werden, so kann daraus noch nicht auf eine -besondere Abhngigkeit geschlossen werden, da Dichter und Maler oft und -oft Visionen mit hnlichen Zgen ausstatten, die wir in der „Genoveva“ -finden, und Tieck und Wackenroder standen vor manchem Gemlde, das -eine himmlische Vision, eine Madonna in Licht und Glorie, von Engeln -umgeben, vorfhrt. — Auf eine Kleinigkeit mag noch hingewiesen werden. -Wenn Tieck die „Andacht zum Kreuz“ las, so musste ihm auffallen, dass -hier zu verschiedenenmalen mit so groem Nachdruck auf die Wichtigkeit -der Beichte vor dem Tode hingewiesen wird und durch ein Wunder wird -Eusebios letzter Wunsch nach der Beichte erfllt. Es ist nicht -unwahrscheinlich, dass Tieck so durch Calderon auf jene sonderbare -Unterredung Othos mit Siegfried ber das Thema, ob der gefallene -Krieger wohl ohne „Sacrament und lung“ selig werden knne, gekommen -ist.</p> - -<p>Ob Tieck noch ein paar solche kleine Zge mehr oder weniger von -Calderon nahm, macht keinen groen Unterschied. Die bemerkenswerteste -Neuerung, die Tieck, von den Spaniern geleitet, unternahm, ist -entschieden die Einfhrung der verschiedenen sdlndischen -Strophenformen in sein Drama. Tieck entlehnt die Formen, behlt sich -aber ber die Verwendung derselben im einzelnen Falle meist seine -eigene Entscheidung vor. Die Allegorie tritt in der „Genoveva“ nur -im bescheidensten Mae auf. Hher anzuschlagen ist jedenfalls der -mchtige Gesammteindruck dieser eigenartigen, von den Ideen der Ehre, -Liebe und Religion beherrschten spanischen Poesie auf Tieck sowie der -musikalischen Formenflle und groen Knstlichkeit, die trotz aller -Mannigfaltigkeit und Buntheit in diesen Dich<span class="pagenum"><a name="Seite_115" id="Seite_115">[S. 115]</a></span>tungen herrscht.<a name="FNAnker_390_390" id="FNAnker_390_390"></a><a href="#Fussnote_390_390" class="fnanchor">[390]</a> -Dieser Eindruck lsst sich aber nicht wgen und nicht deutlich fassen. -Er kann nur aus Tiecks eigenen Worten, die seine hohe Freude an dieser -Poesie ausdrcken, erschlossen werden und eine Besttigung ist noch -Kpkes Bericht:<a name="FNAnker_391_391" id="FNAnker_391_391"></a><a href="#Fussnote_391_391" class="fnanchor">[391]</a> „Diese Gedichte passten ganz zu den religisen -Bewegungen, welche den Dichter mehr als je ergriffen hatten.“ Trotz -aller Schwrmerei fr Calderon gelang es Tieck aber nicht, von diesem -Meister das Geheimnis zu erlauschen, wie der religise Dichter einen -wirklich religisen Charakter, etwa einen tiefglubigen „standhaften -Prinzen“, berzeugend schildert. Vielleicht war dies niemals Tiecks -Absicht und vielleicht ist Tiecks poetische Art gar nicht auf strenge -und klare Charakterzeichnung gerichtet. Beachtung verdient Tiecks -Anlehnung an die Spanier schon deshalb, weil gerade er wieder mit -seinem Beispiele in unserer Literatur vorangeht, wo es gilt, eine -Periode spanischen Einflusses auf unser deutsches Drama einzuleiten, -eines Einflusses, der unserer dramatischen Dichtung nicht durchwegs zum -Heile gereichen sollte.</p> - -<h3 class="mtop15" id="Tieck_und_Boehme">4. Tieck und Jakob Bhme.</h3> - -<p>In der Maurer’schen Buchhandlung in Berlin fand Tieck (um 1798) das -alte Bchlein eines Mannes, der den Aufklrern als ein Urbild alberner -Schwrmerei, als der Inbegriff von Abgeschmacktheit, Barbarei und -Aberwitz erschien. Das Bchlein war Jakob Bhmes „Morgenrthe“. Tieck -hatte noch nichts von dem merkwrdigen Manne gesehen und glaubte -(diesmal dem allgemeinen Urtheile der Welt folgend) einen neuen -Gegenstand fr seinen bermthigen Witz gefunden zu haben. Beim Lesen -aber begegnete ihm das Seltsame, dass der philosophische Schuster von -Grlitz den belgesinnten Leser derart berraschte und gefangen nahm, -dass dieser nimmer von ihm loskommen konnte und bald aus einem Sptter -ein eifriger Bewunderer der geheimen Offenbarungen J. Bhmes wurde. Zu -den brigen religisen Antrieben, die auf Tieck wirkten, gesellte sich -nun noch dieses unscheinbare alte Bchlein, in dem Tieck am wenigsten -eine so siegreiche Macht vermuthet htte.<a name="FNAnker_392_392" id="FNAnker_392_392"></a><a href="#Fussnote_392_392" class="fnanchor">[392]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_116" id="Seite_116">[S. 116]</a></span></p> - -<p>Nach Kpkes Erzhlung scheint es, als ob Tiecks geistiges Wesen -bereits vor der Abfassung von „Genoveva“ und „Octavian“ ganz und gar -in der Mystik Bhmes aufgegangen sei, und auch Haym<a name="FNAnker_393_393" id="FNAnker_393_393"></a><a href="#Fussnote_393_393" class="fnanchor">[393]</a> spricht von -Tiecks Bhmestudium vor der Entstehung der „Genoveva“ so, dass man -weit mehr von dem mystischen Geiste des „philosophus teutonicus“ in -dieser romantischen Dichtung suchen mchte, als sich darin thatschlich -findet. Die Sache klrt sich einigermaen auf, wenn man die Briefe an -Solger, in welchen Tieck sein Verhltnis zur Mystik selbst darlegt, -zurathe zieht. Etwa um 1798 muss Tieck die „Morgenrthe“ aufgefunden -haben. ber den Eindruck schreibt er spter an Solger:<a name="FNAnker_394_394" id="FNAnker_394_394"></a><a href="#Fussnote_394_394" class="fnanchor">[394]</a> „Weil ich -keinen dialogischen Philosophen bis dahin gefunden hatte, und mich -die verschiedenen Systeme nicht befriedigten, besonders allen meinen -Instinct zur Religion verletzten, so glaubte ich oft gar nicht fr -Speculation Sinn zu haben: meine Liebe zur Poesie, zum Sonderbaren -und Alten fhrte mich anfangs fast mit frevlem Leichtsinn zu den -Mystikern, vorzglich zu J. Bhme, der sich binnen kurzem aller meiner -Lebenskrfte bemchtigte: der Zauber dieses wundersamsten Tiefsinns -und dieser lebendigsten Poesie beherrschte mich nach zwei Jahren -so, dass ich von hier aus nur das Christenthum verstehen wollte, -das lebendigste Wort im Abbild der ringenden und sich verklrenden -Naturkrfte...“ Von hier aus betrachtete Tieck Fichte und Schelling, -mit unheimlicher Leidenschaft berlie er sich seinem Triebe zur -Mystik, leidenschaftliche Zustnde und unerwartete Erfahrungen, ber -die er uns nichts weiter verrth, gesellten sich dazu, sein ganzer -Geist ward so verschattet und verdunkelt, dass ihm die Lust zur Poesie -und an Bildern als etwas Verwerfliches, Verfehltes erschien; „... so -gab es nun viele Stunden, wo ich mich in die Abgeschiedenheit eines -Klosters wnschte, um ganz meinem Bhme und Tauler und den Wundern -meines Gemths leben zu knnen. Dies hatte sich schon im Zerbino -leicht poetisch, in der Genoveva dunkler und im Octavian verwirrter -geregt. Meine Productionskraft, mein poetisches Talent schien mir auf -immer zerbrochen. Ich kmpfte schmerzhaft, da sich mir die heitere -Welt und mein Gemth so mit Finsternis bedeckte, die mir anfangs im -helleren Glanze ge<span class="pagenum"><a name="Seite_117" id="Seite_117">[S. 117]</a></span>schienen hatten.“ Diese Selbstschilderung lsst -einen Einblick thun in den merkwrdigen Aufruhr, den Jakob Bhme -(mit diesem beschftigt sich Tieck zuerst und am eifrigsten) in der -Seele des Dichters allmhlich heraufbeschwor. Nach und nach gerth -sein Geist immer mehr in die mystischen Dinge hinein. Das allmhliche -Hereinbrechen der Dunkelheit im Gemthe des Dichters tritt aus dessen -Erzhlung nicht ganz scharf hervor, muss aber doch erschlossen werden. -Erstlich bemchtigen sich die Mystiker und Jakob Bhme „binnen kurzem“ -aller Lebenskrfte Tiecks und ein paar Zeilen danach dauert es -wieder zwei Jahre, bis er so von Bhme beherrscht wird, dass er das -Christenthum nur von Bhme aus verstehen wollte. Die erste Wendung -darf darum nicht allzu wrtlich genommen und nur als ein sehr reges -und lebendiges Interesse am neuentdeckten Mystiker verstanden werden; -die Poesie Tiecks in „Zerbino“, „Genoveva“ und „Octavian“ und in den -gleichzeiligen kleineren Dichtungen ist keineswegs so energisch von -Jakob Bhme beherrscht; von einer Modifikation des Christenthums -im Geiste Jakob Bhmes ist in „Genoveva“ und „Octavian“ nur wenig, -in „Zerbino“ nichts zu spren. Dass diese Betrachtungsweise des -Christenthums auch in seine Poesie bergegangen sei, behauptet Tieck -eigentlich auch nirgends ausdrcklich. Am liebsten verknpft er an -gewissen Stellen naturphilosophische Gedanken mit denen Jakob Bhmes. -Dies alles liee sich mit einem vlligen Untergehen aller Lebenskrfte -in der Mystik unmglich vereinbaren. Das Zusammenbrechen der poetischen -Productionskraft unter dem Drucke mystischer Speculation, das Tieck -wie eine unmittelbare Folge seiner Lectre noch in die Zeit vor der -Vollendung des „Octavian“ zu rcken scheint, kann vor dem Abschluss -dieser Dichtung, dem dann allerdings viele fast unfruchtbare Jahre -folgen, nicht gut angenommen werden. Im weiteren Verlaufe des Briefes -spricht Tieck ohnehin wieder so, als ob die verdsterten Stunden in -den ersten Jahren nur sich zeitweise einstellten und nicht gleich -eine dauernde Gemthsverdsterung herbeifhrten. Dazu stimmt auch -eine sptere uerung an Solger, nach welcher die dstersten und -gedrcktesten Zeiten fr Tieck in die Jahre 1801–1802 fallen, als -er bereits in Dresden lebte. Erinnern wir uns auch noch der schnen -Freundschaft, die ihn vor dieser Zeit mit Novalis verband, so haben -wir einen Grund mehr, diese dunkeln Gemthszustnde nicht vor das Jahr -1801 zurckzuverlegen. Und htte<span class="pagenum"><a name="Seite_118" id="Seite_118">[S. 118]</a></span> vorher Jakob Bhme Tiecks Stimmungen -verdstert, so knnte der „Altfrank“ im „Autor“ (1800) kaum sagen:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„So gab ich dir noch auer Gthe,</div> - <div class="verse">Auroram, jene Morgenrthe,</div> - <div class="verse">Von dem Propheten, den sie schelten,</div> - <div class="verse">Dem aufgeschlossen alle Welten,</div> - <div class="verse">Des heilger unentweihter Mund</div> - <div class="verse">Der Gottheit Tiefe hat verkundt,</div> - <div class="verse">Den groen deutschen Jakob Bhme,</div> - <div class="verse">Da er von dir die Schwermuth nhme,</div> - <div class="verse">Jedwedes Wort in ihm dir lacht,</div> - <div class="verse">Und all umzogen mit Glanz und Pracht,</div> - <div class="verse">Er hat durchaus sich gesponnen ein</div> - <div class="verse">In eitel Glori und Heiligenschein. —“<a name="FNAnker_395_395" id="FNAnker_395_395"></a><a href="#Fussnote_395_395" class="fnanchor">[395]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Wir mssen also annehmen, dass Tieck erst Schritt fr Schritt in -die Regionen der Mystik, in das „herrliche und furchtbare Gebirge“ -vordrang, nach dem „Octavian“ (1802) aber sich auf einige Jahre ganz in -den dunklen Bezirken verlor. Tiecks Ausdrcke sind und bleiben dunkel -und unprcis. Nach siebzehn Jahren mochte sich ihm seine mystische -Periode leicht ein wenig perspectivisch verengen und verschieben und -wohl als Erlebnis im ganzen, nicht aber chronologisch klar und scharf -gesondert nach allen Stadien in Erinnerung sein. Welches Gedchtnis -wre auch fr solche vor lngerer Zeit durchlebte Gemthszustnde -absolut verlsslich?</p> - -<p>Der Betrachter des geistigen Entwickelungsganges Tiecks muss sich auer -dessen „Instinkt zur Religion“ vor allem wieder den Wackenroder’schen -Einfluss und die religisen Eindrcke der Erlanger Zeit lebendig vor -Augen halten, um zu begreifen, dass der „Meister Klgling“, der mit -ironischen Absichten die „Morgenrthe“ zur Hand nimmt, so schnell -ein ehrfrchtiger Verehrer des mystischen Buches werden konnte. Vom -Dichter der Straufederngeschichten und des „Gestiefelten Katers“ bis -zum mystischen Grbler scheint es ein gar weiter Weg zu sein. Tiecks -Briefwechsel mit Solger erklrt es jedoch ziemlich gengend, wie gerade -die Art von Jakob Bhmes Denken seinem inneren Wesen entgegenkam. -Zum Theile sagten uns schon die frher angefhrten Worte, was Tieck -in Bhmes Bchlein Bewundernswertes vorfand. Mit Jacobi und Fichte -hatte sich unser Dichter<span class="pagenum"><a name="Seite_119" id="Seite_119">[S. 119]</a></span> nicht verstndigen knnen.<a name="FNAnker_396_396" id="FNAnker_396_396"></a><a href="#Fussnote_396_396" class="fnanchor">[396]</a> Der Mann, -dessen Geist fast ganz und bestndig von Phantasie und Gemthsstimmung -gelenkt erscheint, verlangte von jeher ein philosophisches Denken, das -auf Anschauung gegrndet ist und wieder zur Anschauung zurckkehrt. -Philosophie und Religion mssen ineinander fallen. Alles wahre Erkennen -kann nur ein intuitives Erkennen sein, ein Erkennen durch Offenbarung -und Begeisterung, das in allen Dingen die lebendige Gegenwart Gottes -(= des Unendlichen) schaut. Dieses schauende Eindringen in das Wesen -der Dinge ist aber der poetischen Begeisterung und religisen Hingabe -nach Solger sehr nahe verwandt und damit errth Solger so recht die -lngstgehegten, intimen Gedanken Tiecks, der ihm darauf hocherfreut -erwidert: „Lngst war ich mit Ihrer Inspiration der Philosophie, mit -der nahen Verwandtschaft derselben, ja Blutsfreundschaft und Selbstheit -mit der Religion einverstanden, was mich nur einen kurzen Kampf -kostete: denn die poetische Begeisterung erklrte mir ja das Factum -hinlnglich, und dass ich es mehr wie einmal an mir selbst erlebt -hatte, machte mir ja eben immer mein Sprechen mit den Philosophen von -der Schule unmglich.“<a name="FNAnker_397_397" id="FNAnker_397_397"></a><a href="#Fussnote_397_397" class="fnanchor">[397]</a> Dieser horror des Tieck’schen Geistes vor -allem abstracten und formalistischen und systematischen Denken ist -sicher der letzte und tiefste psychologische Grund, warum sein ganzes -Wesen, das den eigentlichen groen Philosophen bisher beharrlich fern -geblieben war, sich so widerstandslos gerade von Jakob Bhme fesseln -lie. Bei Bhme flieen wirklich religise Hingabe, dichterische -Anschauung und philosophische Speculation in wunderlichster Weise -ineinander. Es gibt bei ihm kein abstractes Grbeln, sondern Phantasie -und Gemth greifen immer auch werkthtig mit ein und L. Feuerbach -trifft in den Kern der Sache, wenn er sagt:<a name="FNAnker_398_398" id="FNAnker_398_398"></a><a href="#Fussnote_398_398" class="fnanchor">[398]</a> „Die Grundlagen -und Anhaltspunkte seiner (Bhmes) Gedanken sind die das reine -Himmelslicht des Denkens an dem dunkeln Wolkengrunde des Gemthes -in die Regenbogenfarben der Phantasie zerstreuenden, theologischen -Vorstellungen der frheren Zeit...“ Der phantastische Theosoph konnte -fr Tieck, als er sich hernach mit Schleiermachers „Reden“ befasste, -eine Art Ergnzung des abstracten Theologen<span class="pagenum"><a name="Seite_120" id="Seite_120">[S. 120]</a></span> abgeben. Die Art und -Weise, wie Bhme die Religionsgeschichte unter dem Bilde des mchtigen -Fruchtbaumes skizziert,<a name="FNAnker_399_399" id="FNAnker_399_399"></a><a href="#Fussnote_399_399" class="fnanchor">[399]</a> zeigt, dass seiner barocken Phantasie -ein groer Zug nicht fremd ist und die Schilderung der Geister und -Geisterlein, die im einfachen Halme wirken und schaffen und das -Gewchs in all seinen Theilen formieren, ist wieder von einer naiven -Lieblichkeit, die in ihrem kindlich herzlichen Tone fast an wirkliche -Mrchendichtungen gemahnt. Die Art des Anschauens der Natur ist im -Grunde bei Bhme und beim Mrchendichter dieselbe, nur dass es Bhme -nicht um die Poetenfreude am Mrchenhaften zu thun ist, sondern ihm ist -das Beleben, Beseelen und Verbildlichen der Naturvorgnge zugleich eine -Entschleierung ihres innersten Wesens, ein metaphysisches Erkennen. -Hier findet also Tieck jeden Gedanken ber Natur und Welt und Gott -bildlich, poetisch eingekleidet. Hier konnte er sein philosophisches -Bedrfnis nach seiner Weise befriedigen. Wie Tieck der Sinn fr -Geschichte durch die Poesie aufgeht,<a name="FNAnker_400_400" id="FNAnker_400_400"></a><a href="#Fussnote_400_400" class="fnanchor">[400]</a> so nhert sich ihm das -Religise und die Philosophie auch zumeist durch Kunst und Poesie oder -in Form von Poesie.</p> - -<p>Was Tieck an den Volksbchern entzckte, der schlichte, fromme, -rhrende Ton der Darstellung: das fand er auch in den theosophischen -Phantasien Bhmes wieder. Bhme musste in jeder Weise der Liebe Tiecks -zur Poesie, zum Sonderbaren und Alten entsprechen. Im „Autor“ ist es -wieder der „Altfrank“, die verkrperte Liebe zum Alten, Sonderbaren und -Poetischen, der den „groen deutschen Jakob Bhme“ preist.<a name="FNAnker_401_401" id="FNAnker_401_401"></a><a href="#Fussnote_401_401" class="fnanchor">[401]</a> Das -Mitleid mit den alten, verkannten, missachteten Volksbchlein wurde -daher auch hier lebendig und zog ihn mit inniger Gewalt zum ungerecht -verkannten armen Philosophen in der Handwerkerstube. Dieser Ton des -Mitleids spricht auch aus dem Gedichte Hardenbergs „An Tieck“.<a name="FNAnker_402_402" id="FNAnker_402_402"></a><a href="#Fussnote_402_402" class="fnanchor">[402]</a> -Hier redet nmlich Bhmes Geist zu Tieck:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Ich habe treulich aufgeschrieben,</div> - <div class="verse">Was innre Lust mir offenbart,</div> - <div class="verse">Und bin verkannt und arm geblieben,</div> - <div class="verse">Bis ich zu Gott gerufen ward.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_121" id="Seite_121">[S. 121]</a></span></p> - -<p>„Verkndiger der Morgenrthe, des Friedens Bote sollst du seyn“, ruft -Novalis seinem Freunde zu und diese „Morgenrthe“ Bhmes ist es, von -der einzelne ungewisse Strahlen in Tiecks „Genoveva“ hineinspielen.<a name="FNAnker_403_403" id="FNAnker_403_403"></a><a href="#Fussnote_403_403" class="fnanchor">[403]</a></p> - -<p>Die „Morgenrthe“<a name="FNAnker_404_404" id="FNAnker_404_404"></a><a href="#Fussnote_404_404" class="fnanchor">[404]</a> (1612) ist Bhmes erstes Werk und behandelt, -wenn auch noch weit unklarer als die folgenden Schriften, die Grundzge -seiner ganzen Weltanschauung und nennt sich „die Wurtzel oder Mutter -der Philosophiae, Astrologiae und Theologiae, Aus rechtem Grunde“. -In der „Philosophia“ soll Gottes Wesen erschlossen werden, die -Beschaffenheit aller Dinge in Gott und ihr Ursprung aus Gott, sowie -die Herrschaft der beiden „Qualitten Gut und Bs“ in der Natur. -Die „Astrologia“ handelt von den Krften der Natur, den Sternen und -Elementen, wie daraus alle Creaturen herausgekommen sind, also von der -Entstehung und Bildung der Welt. Die „Theologia“ enthllt das Reich -Christi und der Hlle, die sich bekmpfen und spricht davon, wie sich -die Menschen zu beiden Reichen verhalten und verhalten sollen.</p> - -<p>Die Gedanken Bhmes hier weiter zu verfolgen oder in Form eines -Systemes (wenn es berhaupt mglich ist) zu skizzieren, ist unnthig, -weil Bhmes Anschauungen fr Tiecks „Genoveva“ als System nicht in -Betracht kommen.<a name="FNAnker_405_405" id="FNAnker_405_405"></a><a href="#Fussnote_405_405" class="fnanchor">[405]</a> Die Vorstellungen<span class="pagenum"><a name="Seite_122" id="Seite_122">[S. 122]</a></span> Bhmes, die Tieck in seine -Dichtung einstreut, sind nur losgerissene Splitter, die keineswegs -unter einheitlichem Gesichtspunkte erscheinen.</p> - -<p>Die ersten Spuren von Bhmes Gedanken in der „Genoveva“ begegnen uns -in der prophetischen Rede des „Unbekannten“.<a name="FNAnker_406_406" id="FNAnker_406_406"></a><a href="#Fussnote_406_406" class="fnanchor">[406]</a> Das geheime Wissen, -das er vortrgt, bevor er seine Weissagung ber Karls Zukunft beginnt, -lsst den Gedanken der damaligen Naturphilosophie durchblicken, dass -das Universum ein zusammenhngender Organismus sei, in dem durch -alle Gebiete hin sich dieselben Krfte in sicherer Gesetzmigkeit -bethtigen. Diese Vorstellung hatte bereits Schelling entwickelt und -Tieck fand sie in Schleiermachers „Reden“ wieder; sie wurde berhaupt -bald Gemeingut aller Literaturkundigen. Mit der Naturphilosophie gewann -Tieck auch durch seinen Verkehr mit Steffens, dem Schellingjnger, -einige Fhlung.<a name="FNAnker_407_407" id="FNAnker_407_407"></a><a href="#Fussnote_407_407" class="fnanchor">[407]</a> Der Gedanke der geschlossenen Natureinheit, der in -der Rede des „Unbekannten“ wiederholt durchbricht, begegnet uns auch -schon bei J. Bhme, wenn auch ohne die prcise Formulierung, die er -bei Schelling fand. So war fr Tieck die Mglichkeit gegeben, moderne -naturphilosophische Ideen mit Anschauungen Bhmes zu verschmelzen.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Und was ich sag’ sollst du wahrhaftig finden,</div> - <div class="verse">Denn Sterne knnen niemals Lge sprechen,</div> - <div class="verse">Wer sie verhhnt, belastet sich mit Snden:</div> - <div class="verse">An dem wird sich Natur und Himmel rchen,</div> - <div class="verse">Der furchtlos dies Gemte in sich heget,</div> - <div class="verse">Denn um ihn wird das Glck zusammenbrechen.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Wenn hier der Prophet die Wahrheit seiner geheimen „Weisheit“ („Kunst“) -betheuert und die Sptter strenge verurtheilt, so fhlt man sich schon -an Bhme erinnert, der sich nicht selten energisch gegen die Verchter -seiner Offenbarungen wendet. „Darumb schawe zu und spiele nicht zu -hnisch an diesem orthe / oder Du wirst fr GOTT ein sptter erfunden -werden / und darf Dir wohl gehen / wie dem Knig Lucifer.“<a name="FNAnker_408_408" id="FNAnker_408_408"></a><a href="#Fussnote_408_408" class="fnanchor">[408]</a> -Whrend<span class="pagenum"><a name="Seite_123" id="Seite_123">[S. 123]</a></span> Bhme nur mit der Rache Gottes („des Himmels“) droht, gibt -Tieck noch die „Natur“ als zweite Rcherin bei.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Was in den Himmelskreisen sich bewegt,</div> - <div class="verse">Das mu auch bildlich auf der Erden walten,</div> - <div class="verse">Das wird auch in des Menschen Brust erregt,...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>J. Bhme legt auf den Zusammenhang zwischen Sternenlauf und -Menschenschicksal wiederholt Gewicht. „Dan der Planeten und Sternen -anfang / instehen / lauff und wesen ist anders nicht als der anfang -und trieb oder das Regiment im Menschen. Wie nun das Menschliche -Leben auffgehet / also ist auch die geburth der 7 Planeten und -Sternen auffgangen / und ist in diesem gar kein unterscheidt.“<a name="FNAnker_409_409" id="FNAnker_409_409"></a><a href="#Fussnote_409_409" class="fnanchor">[409]</a> -Ein andermal kehrt der nmliche Gedanke in pantheistischer Frbung -wieder.<a name="FNAnker_410_410" id="FNAnker_410_410"></a><a href="#Fussnote_410_410" class="fnanchor">[410]</a> Der Lauf und die Beschaffenheit der Gestirne ist ein -Abbild des Menschendaseins, was in den Himmelskreisen vorgeht, -waltet also auch bei Bhme „bildlich“ auf Erden. — „Das wird auch -in des Menschen Brust erregt.“ Nicht blo die ueren Schicksale der -Erdbewohner gleichen den Schicksalen der Gestirne: das Innenleben des -Menschen wird sogar durch die Sterne regiert. Der Mensch ist nach Bhme -ein Abbild des Weltalls,<a name="FNAnker_411_411" id="FNAnker_411_411"></a><a href="#Fussnote_411_411" class="fnanchor">[411]</a> ein Mikrokosmos. Die Sterne wirken in -seinen Adern und Eingeweiden. „Die Adern bedeuten die krafft-gnge der -sternen / und seind auch die krafft-gnge der sternen / dan die sternen -mit ihrer krafft herrschen in den Adern / und treiben den Menschen in -ihre gestalt. Das eingeweide oder drmer bedeut der sternen wurckung -oder verzehrung / alles was aus ihrer krafft worden ist / was sie -selber gemacht haben / das verzehren sie selber wieder / und bleibet -in jhrer krafft: und die drmer seind auch die verzehrung alles des / -was der Mensch in seine drmer scheubet / alles was aus der sternen -krafft gewachsen ist.“<a name="FNAnker_412_412" id="FNAnker_412_412"></a><a href="#Fussnote_412_412" class="fnanchor">[412]</a> Ein andermal „qualifizieren“ die Sterne -und Elemente in den fnf Sinnen des Menschen.<a name="FNAnker_413_413" id="FNAnker_413_413"></a><a href="#Fussnote_413_413" class="fnanchor">[413]</a> Der Einfluss der -Gestirne auf den Menschen, der in J. Bhmes Vorstellung in erster -Linie als ein physiologischer erscheint, konnte in dieser rohen Form -den neueren Dichter nimmer ansprechen. Tieck lsst darum lieber die -Krfte „in des Menschen Brust“ durch das nmliche geheime<span class="pagenum"><a name="Seite_124" id="Seite_124">[S. 124]</a></span> Etwas erregt -werden, das in den Sternen wirkt, und bertrgt so den astrologischen -Gedanken vom physiologischen auf das psychologische Gebiet. Das konnte -er nicht mehr gut anders und besser einrichten, da, wie wir bemerkt -haben, schon Shakespeare,<a name="FNAnker_414_414" id="FNAnker_414_414"></a><a href="#Fussnote_414_414" class="fnanchor">[414]</a> Calderon und Schiller durch hnliche -dichterische Vorstellungen fr ihn eine gewisse ehrwrdige Tradition -geschaffen hatten,<a name="FNAnker_415_415" id="FNAnker_415_415"></a><a href="#Fussnote_415_415" class="fnanchor">[415]</a> und „die Astrologie ist fr die Poesie eine -unentbehrliche Idee“, wie A.W. Schlegel behauptet.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Natur kann nichts in engen Grenzen halten,</div> - <div class="verse">Ein Blitz, der aufwrts aus dem Centro dringet,</div> - <div class="verse">Er spiegelt sich in jeglichen Gestalten,</div> - <div class="verse">Und sich Gestirn und Mensch und Erde schwinget</div> - <div class="verse">Gleichmig fort und eins des andern Spiegel,</div> - <div class="verse">Der Ton durch alle Kreaturen dringet.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Wahrscheinlich will der Dichter sagen, dass ein wirkendes Princip -in der Natur nicht auf ein Gebiet beschrnkt bleibt, sondern in -wechselnder Form im ganzen Universum wirkt. Die rthselhaften -Zeilen lassen sich kaum klar durchblicken. Die Phrase vom „Blitz -aus dem Centro“ stammt jedenfalls aus J. Bhme. Der Blitz, d.i. der -Lichtschein, der vom Feuer ausgeht, kann bei Bhme verschiedenes -bedeuten. In der Trinitt heit der heilige Geist der „Blitz“, der -vom Herzen der Gottheit, vom Sohne ausgeht und die ganze Gottheit -durchstrahlt.<a name="FNAnker_416_416" id="FNAnker_416_416"></a><a href="#Fussnote_416_416" class="fnanchor">[416]</a> Im Universum ist die Sonne ein Centrum, von dem -aus der „Blitz“ die ganze Welt erleuchtet. Der „Blitz“ und der -„Ton“ wirken auch mit bei der Bildung der irdischen Creaturen und -da heit es einmal:<a name="FNAnker_417_417" id="FNAnker_417_417"></a><a href="#Fussnote_417_417" class="fnanchor">[417]</a> „Der klangk aber oder stimme steiget im -mittlern Centro auff in dem plitze / wo das liecht aus der hitze -gebohren wird / da der plitz des lebens auffgehet.“ Hier haben wir -„Blitz“ und „Ton“ verbunden, die uns auch bei Tieck nebeneinander -begegnen. Der „Blitz“ erscheint endlich im Geistesleben des Menschen -als eine psychologische Kraft und in erster Linie meint Bhme damit -das intuitive mystische Erkennen.<a name="FNAnker_418_418" id="FNAnker_418_418"></a><a href="#Fussnote_418_418" class="fnanchor">[418]</a> Bhme gebraucht dabei auch -wieder die Wendung vom „plitz, der im Centro auffgehet.“<a name="FNAnker_419_419" id="FNAnker_419_419"></a><a href="#Fussnote_419_419" class="fnanchor">[419]</a> Es ist -nicht recht herauszubekommen, welche<span class="pagenum"><a name="Seite_125" id="Seite_125">[S. 125]</a></span> Wirksamkeit Tieck dem „Blitze“ -eigentlich zudenkt. Es muss vor allem das eindringliche Bild und der -hchst mystische Sinn, den J. Bhme damit verbindet, Tiecks Phantasie -gefesselt haben. — Die Vorstellung, dass „sich Gestirn und Mensch und -Erde schwinget gleichmig fort und eins des andern Spiegel“ stammt -wohl aus Schleiermacher, der von Spinoza sagt:<a name="FNAnker_420_420" id="FNAnker_420_420"></a><a href="#Fussnote_420_420" class="fnanchor">[420]</a> „Ihn durchdrang der -hohe Weltgeist, das Unendliche war sein Anfang und Ende, das Universum -seine einzige und ewige Liebe, in heiliger Unschuld und tiefer Demuth -spiegelte er sich in der ewigen Welt, und sah, wie auch Er ihr -liebenswrdigster Spiegel war.“ Daran reiht sich wieder die Bhme’sche -Vorstellung vom „Ton“ in den Creaturen, der fr Tieck wahrscheinlich -noch den Sinn von der Harmonie des Weltalls in sich schliet. Von Jakob -Bhme wird der „Ton“, der uns schon in Verbindung mit dem „Blitze“ -begegnete, als schaffendes Princip fr alles Tnende in der Welt (Gold, -Silber, Kupfer u.s.w.) geschildert und einmal heit es:<a name="FNAnker_421_421" id="FNAnker_421_421"></a><a href="#Fussnote_421_421" class="fnanchor">[421]</a> „auch so -ist derselbe Schall in allen creaturen auf Erden / sonst were alles -stille.“ Das deckt sich dem Wortlaute nach mit dem Verse Tiecks, nur -dass bei diesem der Sinn in eine hhere Sphre gerckt worden ist.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Drum wer die Weisheit kennt, kennt keine Zgel.</div> - <div class="verse">Er sieht die ganze Welt in jedem Zeichen,</div> - <div class="verse">Zur Sternenwelt trgt ihn der khne Flgel.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Hier stehen wir wieder auf modernem romantischen Boden. Die -Naturphilosophie lehrt, dass jede Idee unendlich ist. Unter diesem -Gesichtswinkel schaut der Weise die Welt in jedem Zeichen. „Eine jede -Idee ist als ein Unendlich-Endliches ein Abbild des ganzen Universums, -und das Universum spiegelt sich in ihrer Form ganz, so dass nichts -als ein abgesonderter Theil auer ihr gesucht werden darf.“<a name="FNAnker_422_422" id="FNAnker_422_422"></a><a href="#Fussnote_422_422" class="fnanchor">[422]</a> So -Steffens. hnlich heit es bei Schleiermacher:<a name="FNAnker_423_423" id="FNAnker_423_423"></a><a href="#Fussnote_423_423" class="fnanchor">[423]</a> „... und so alles -Einzelne als einen Theil<span class="pagenum"><a name="Seite_126" id="Seite_126">[S. 126]</a></span> des Ganzen, alles Beschrnkte als eine -Darstellung des Unendlichen hinnehmen, das ist Religion.“</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Nur von der Gottheit mu er niemals weichen,</div> - <div class="verse">Sonst sinkt er aus der Kunst in irdisch Bangen</div> - <div class="verse">Und Satans Kraft mag ihn alsdann erreichen.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Hier schwenkt Tiecks Phantasie wieder zum eigentlich Religisen zurck. -Nur der mit Gott verbundene Mensch erkennt jene berweltliche Weisheit; -lst er seine Verbindung, dann bleibt er an der Scholle kleben und -verfllt sammt seiner Weisheit dem Teufel. Das ist wieder aus Bhmes -Anschauung heraus gesprochen, der seine Erkenntnis zunchst auf directe -Erleuchtung durch das Licht Gottes zurckfhrt. „... nur so lange -als der geist in mir beharret / weiter erkenne ich nichts / als nur -von elementischen und irdischen Dingen dieser Welt / aber der geist -sihet bi in die tieffe der Gottheit.“<a name="FNAnker_424_424" id="FNAnker_424_424"></a><a href="#Fussnote_424_424" class="fnanchor">[424]</a> „Solches (sc. die Gewchse -und Figuren des himmlischen Lustgartens) ist meinem Leibe auch ganz -verborgen / aber meinem animalischen (Seelischen) Geiste nicht / so -lange er mit Gott inqualieret, so begreift ers / wan er aber in Snden -fllet / so wird ihm die Thr verriegelt / welche ihm der Teuffel -zuriegelt / die mu durch grosse Arbeit des Geistes wieder auffgemacht -werden.“<a name="FNAnker_425_425" id="FNAnker_425_425"></a><a href="#Fussnote_425_425" class="fnanchor">[425]</a> Diese Stze der „Morgenrthe“ enthalten genau den Sinn -der Tieck’schen Terzine. Das pietistisch gefrbte „irdisch Bangen“ -scheint Tiecks eigenster Seelenstimmung anzugehren.<a name="FNAnker_426_426" id="FNAnker_426_426"></a><a href="#Fussnote_426_426" class="fnanchor">[426]</a></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Doch mich trieb nie ein eiteles Verlangen,</div> - <div class="verse">Die reine Brust erhob ich zu den Sphren</div> - <div class="verse">Und reinen Sinns kt’ ich des Himmels Wangen.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Wie der „Unbekannte“ nicht aus eitlem Verlangen nach den tiefen -Geheimnissen forschte, so betont auch Jakob Bhme stets seine Demuth -und reine Absicht und sieht in dieser Demuth alle Erkenntnis nur als -Gnade Gottes an. „Den allen (Spttern und Verchtern nmlich) gebe -ich zur antwort / da ich nicht in die Gottheit bin gestiegen / dann -mir / als einem geringen Menschen / solches auch nicht mglich wre -zu thun /<span class="pagenum"><a name="Seite_127" id="Seite_127">[S. 127]</a></span> sondern die Gottheit ist in mich gestiegen / und ist mir -solches au seiner Liebe offenbahr welches ich in meiner halbtodten -fleischlichen Geburth sonst wol wrde mssen lassen bleiben.“<a name="FNAnker_427_427" id="FNAnker_427_427"></a><a href="#Fussnote_427_427" class="fnanchor">[427]</a> -hnlich redet er in der „Vorrede“. Die geschraubten Wendungen „die -Brust zu den Sphren erheben“, „des Himmels Wangen kssen“ sowie das -vorausgehende: „Zur Sternenwelt trgt ihn der khne Flgel“, mit denen -Tieck den Aufschwung des betrachtenden Geistes umschreibt, erinnern an -die weltenberfliegenden Bilder des jungen Schiller.</p> - -<p>Die Wendung vom „Ton“ und „Blitz“, der das Innere „durchblickt“, -nimmt Karl Martell in seiner Antwort<a name="FNAnker_428_428" id="FNAnker_428_428"></a><a href="#Fussnote_428_428" class="fnanchor">[428]</a> wieder auf, jedoch in einem -gewhnlichen, verstndlichen poetischen Sinne.</p> - -<p>Der Grundcharakter des „Unbekannten“ ist das Geheimnisvolle. Schon -sein Erscheinen als Unbekannter, von dem niemand wei, woher er -kommt und wohin er geht, sein Prophetenthum, seine feierliche -Rede in den langhinhallenden Terzinen (die fr Tieck noch eigens -den Eindruck des Alterthmlichen erwecken<a name="FNAnker_429_429" id="FNAnker_429_429"></a><a href="#Fussnote_429_429" class="fnanchor">[429]</a>), erhhen die -Stimmung des Geheimnisvollen. Gerade diesem Zwecke scheint auch -die Verbindung moderner naturphilosophischer Vorstellungen mit -den alten theosophischen Gedanken Jakob Bhmes zu dienen. Die -naturphilosophischen Ideen erscheinen zunchst verstndlich, ihre -Formulierung mit Hilfe Bhme’scher Worte und Wendungen macht sie -zugleich mystisch und dunkel und so oscilliert der Geist des Lesers -bei diesen Strophen immer zwischen Verstehen und Nichtverstehen -hin und her. So versetzt Tieck den Leser in jenes Dmmerlicht des -Halbbewussten, Unbestimmten, das in der romantischen Dichtung so -beliebt ist.<a name="FNAnker_430_430" id="FNAnker_430_430"></a><a href="#Fussnote_430_430" class="fnanchor">[430]</a></p> - -<p>Nach langem finden wir Jakob Bhmes Weisheit wieder in den Reden der -Straburger Hexe.<a name="FNAnker_431_431" id="FNAnker_431_431"></a><a href="#Fussnote_431_431" class="fnanchor">[431]</a> Wenn Winfreda Golo erklrt:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Ihr knnt nicht anders, so sind die Gewalten,</div> - <div class="verse">Die Sternenkrfte, die sich nur entfalten,</div> - <div class="verse">Ein solcher Mensch ist nur ein Samenkorn,</div> - <div class="verse">In welchem wchst und reift des Schicksals Zorn,</div> -<span class="pagenum"><a name="Seite_128" id="Seite_128">[S. 128]</a></span> - <div class="verse">Die andern traf ein lichter Sternenblick,</div> - <div class="verse">In ihnen sprot das Firmanentenglck,</div> - <div class="verse">Trgt jeder um sich ein siderisch Haus</div> - <div class="verse">Und kann aus seiner Heimat nicht heraus,“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>so hat sie diese Wahrheiten aus Bhmes „Morgenrthe“ geschpft. Denn -hier lesen wir:<a name="FNAnker_432_432" id="FNAnker_432_432"></a><a href="#Fussnote_432_432" class="fnanchor">[432]</a> „Das haupt (des Menschen) hat in sich die 5 -sinnen / als sehen / hren / riechen / schmcken und fhlen / darinnen -qualificieren die sternen und elementa, und entstehet darinnen der -Siderische / Sternen- und Natur-geist in Menschen und Thieren / in -diesen quillet bses und gutes / dann es ist ein hau der sternen. -Solche krafft nehmen die sternen vom himmel / dass sie im fleisch -knnen einen lebendigen und bewegenden geist machen in Menschen und -Thieren.“ Der Einfluss der Sterne auf die Menschen zum Guten und Bsen -sowie die Vorstellung, dass jeder ein „siderisch Haus“ ist, finden wir -hier und bei Tieck ganz hnlich ausgesprochen. Mit seiner Neigung zum -Fatalistischen weicht Tieck wieder von J. Bhme ab. Bses und Gutes in -den Creaturen rhrt nach Bhme<a name="FNAnker_433_433" id="FNAnker_433_433"></a><a href="#Fussnote_433_433" class="fnanchor">[433]</a> aus den Sternen her. Allein nur -Engel und Teufel sind in entschiedener guter und bser Qualitt. Fr -diese Geschpfe gibt es kein Schwanken mehr. Im Menschen und in den -anderen Creaturen kmpfen beide Qualitten und der Mensch kann sich -selbst dem Guten oder Bsen zuwenden. Whrend Bhme entschieden die -freie Selbstbestimmung des Menschen aufrecht erhlt, macht Tieck den -Menschen zum „Samenkorn, in dem des Schicksals Zorn reift“.<a name="FNAnker_434_434" id="FNAnker_434_434"></a><a href="#Fussnote_434_434" class="fnanchor">[434]</a></p> - -<p>Winfreda sagt zu ihren Besuchern:<a name="FNAnker_435_435" id="FNAnker_435_435"></a><a href="#Fussnote_435_435" class="fnanchor">[435]</a></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Ich bin so sndig wie die andern Menschen,</div> - <div class="verse">Doch wurde mir seltsamer Weis’ verliehn,</div> - <div class="verse">In innre Tiefe der Natur zu schauen.</div> - <div class="verse">Da seh’ ich, was getrennt, zusammenhngen,</div> - <div class="verse">Und was dem blden Auge einig scheint,</div> - <div class="verse">In ferne Grenzen auseinander fliehn,...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Die Hexe benimmt sich hier demthig wie Jakob Bhme. Auch er erzhlt, -wie er, obwohl ein sndhafter Mensch, die Geheimnisse der Welt durch -gttliche Erleuchtung durchschauen<span class="pagenum"><a name="Seite_129" id="Seite_129">[S. 129]</a></span> durfte.<a name="FNAnker_436_436" id="FNAnker_436_436"></a><a href="#Fussnote_436_436" class="fnanchor">[436]</a> „In diesem Liechte -hat mein geist alsbald durch alles gesehen / und an allen Creaturen / -sowohl an kraut und gra Gott erkennt / wer der sey / und wie der sey -/ und wa sein willen sey: Auch so ist alsbald in diesem liechte mein -willen gewachsen mit grossem trieb / das Wesen Gottes zu beschreiben.“ -Von seiner Sndhaftigkeit spricht Bhme besonders auch in der „Vorrede“ -zur „Morgenrthe“. Auch hier verquickt Tieck wiederum Naturphilosophie -mit Jakob Bhme. Schleiermachers folgende Worte bezeugen es:<a name="FNAnker_437_437" id="FNAnker_437_437"></a><a href="#Fussnote_437_437" class="fnanchor">[437]</a> -„Eine grere Ausbeute gewhrt sie (die Natur) freilich uns, denen -ein reicheres Zeitalter tiefer in ihr Innerstes zu dringen vergnnt -hat; ihre chemischen Krfte, die ewigen Gesetze, nach denen die Krper -selbst gebildet und zerstrt werden, diese sind es, in denen wir am -klarsten und heiligsten das Universum anschauen. Sehet wie Neigung und -Widerstreben alles bestimmt und berall ununterbrochen thtig ist; -wie alle Verschiedenheit und alle Entgegensetzung nur scheinbar und -relativ ist und alle Individualitt nur ein leerer Name...“ Whrend -Jakob Bhme christlich-religis denkend alles von dem nmlichen Geiste -Gottes formieren, erhalten und tragen lsst, schiebt Tieck hier die -naturphilosophische Anschauung des Universums ein,<a name="FNAnker_438_438" id="FNAnker_438_438"></a><a href="#Fussnote_438_438" class="fnanchor">[438]</a> fhrt aber den -Gedanken gleich wieder in Bhmes Vorstellungsweise weiter.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wie Stern’ im Abgrund die Metalle formen...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>„Also auch die Erde brchte keine Frucht / auch so wchse darinnen -kein Metall / weder gold / silber / kupfer / eien noch stein / so die -sternen nicht darinnen wrketen / es wuchse auch kein grselein daraus -ohn wrkung der sternen.“<a name="FNAnker_439_439" id="FNAnker_439_439"></a><a href="#Fussnote_439_439" class="fnanchor">[439]</a></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wie Geister die Gewchse figurieren...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Jakob Bhme erklrt das Wachsthum des Baumes und sagt unter -anderm:<a name="FNAnker_440_440" id="FNAnker_440_440"></a><a href="#Fussnote_440_440" class="fnanchor">[440]</a> „... alsbald aber der Frhling kompt / da die Sonne -mit ihren strahlen die Erde erreichet und erwrmet die / so wird der -Geist in der hitze / in dem baume lebendig / und heben die geister des -baumes an zu grnen / wachsen und blhen: dan der geist gehet in der -hitze auff /<span class="pagenum"><a name="Seite_130" id="Seite_130">[S. 130]</a></span> und alle geister freuen sich darinnen / und ist eine -hertzliche liebe zwischen ihnen.“ Ein andermal<a name="FNAnker_441_441" id="FNAnker_441_441"></a><a href="#Fussnote_441_441" class="fnanchor">[441]</a> schildert Jakob -Bhme das merkwrdige Wesen, das die Qualitten (d.i. die formierenden -Geister) in den Gewchsen treiben, wie sie Halme, Knoten, Bltter, -Blten und Frchte bilden. „Alsdan wchst aus allen qualitten / die -in dem corpus seind / eine kolbe oder kopff / und wird ein newer leib -in der kolben oder kopfe / und wird figuriret gleich wie erstlich die -wurtzel in der Erden / allein da es nun eine andere subtilere form -krieget.“ Hier fand also Tieck auch sein alterthmliches Reimwort, -das sich auch sonst ebenso wie der Terminus: „corporieren“ oft in der -„Morgenrthe“ einstellt. Wenn letzterer auch nicht gerade in Verbindung -mit „Gedank’ und Wille“ erscheint, so ist doch die Art, wie Gedanke und -Wille entstehen, bei Bhme errtert. Wenn die Hitze das Licht gebiert, -so „entstehen die sinnen und gedanken, das eine qualitt die andere -/ die auch in ihr und mit ihr selber temperiret ist, siehet und mit -ihrer schrffe approbiret / da es ein wille wird / der in dem corpus -auffsteiget in dem ersten quellbrunn in die herbe qualitt.“<a name="FNAnker_442_442" id="FNAnker_442_442"></a><a href="#Fussnote_442_442" class="fnanchor">[442]</a></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wie Phantasie zum Kern der Dinge dringt.</div> - <div class="verse">Durch Einbildung Unmgliches gelingt...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Das intuitive Erkennen durch die Phantasie ist es, auf das auch -Jakob Bhme immer wieder zurckkommt; „thue die augen deines geistes -auff“,<a name="FNAnker_443_443" id="FNAnker_443_443"></a><a href="#Fussnote_443_443" class="fnanchor">[443]</a> „thue die Augen deines gemutes auf“,<a name="FNAnker_444_444" id="FNAnker_444_444"></a><a href="#Fussnote_444_444" class="fnanchor">[444]</a> ruft er gerne -dem Leser zu. Das Erkennen und Sehen „im geiste / im trieb und wallen -GOttes“ ist ihm neben der Bibel eine Quelle von Offenbarungen;<a name="FNAnker_445_445" id="FNAnker_445_445"></a><a href="#Fussnote_445_445" class="fnanchor">[445]</a> -wenn er sich an Gottes Trieb und Wallen hingibt, so werden ihm -„alle groe geheimnusse offenbar“.<a name="FNAnker_446_446" id="FNAnker_446_446"></a><a href="#Fussnote_446_446" class="fnanchor">[446]</a> Die Phantasie lsst ihn -Unergrndliches erkennen, also Unmgliches gelingen. (Romantische -Hochschtzung der Phantasie.)</p> - -<p>Der Vers „Alle Dinge nur sind der Geisterwelt ein Kleid“ scheint ein -Compromiss der Worte des Erdgeistes im „Faust“: „... und wirke der -Gottheit lebendiges Kleid“ mit Bhmes<span class="pagenum"><a name="Seite_131" id="Seite_131">[S. 131]</a></span> Anschauung, dass „die gantze -Natur der gantze leib GOttes“ sei.<a name="FNAnker_447_447" id="FNAnker_447_447"></a><a href="#Fussnote_447_447" class="fnanchor">[447]</a> Gott und Geisterwelt sind nach -manchen uerungen Bhmes auch identisch.</p> - -<p>Im weiteren Verlaufe der Hexenscene gilt es, fr Siegfried Phantome -zu schaffen. Diese Schpfung, die Winfreda vollbringt, knnte man als -„frei nach Jakob Bhme“ bezeichnen. Jakob Bhme abstrahiert aus der -Anschauung der Natur verschiedene Qualitten von dieser und macht diese -Qualitten wieder zu genetischen Principien, welche die Dinge in der -Natur schaffen und einmal „Qualitten“, das anderemal „Quellgeister“ -oder „Geister“ allein genannt werden. Winfreda will Phantome schaffen. -Dazu braucht sie nicht so viele „Qualitten“ aufzubieten, als zur -Schpfung wirklicher Dinge nthig wren, sie braucht nur drei: Gestalt, -Farbe und Leben. Diese drei Dinge werden zusammengebraut und auf den -Ruf der Zauberin erscheinen die gewnschten Gebilde.</p> - -<p>Fr die Einfhrung des ersten constitutiven Elementes, der Linien -nmlich, welche die Gestalt der Phantome umschreiben mssen, liee -sich eine Anregung durch die „Morgenrthe“ vermuthen. Der „animalische -Geist“, heit es daselbst, der von den 7 Quellgeistern ausgeht, muss -diesen, wenn ein Ding geschaffen werden soll, zuerst die Form weisen. -Denn gerade wie der Zimmermann, der ein knstliches Haus baut oder -der Handwerker, der ein knstliches Werk macht, nicht zuerst mit den -Hnden zugreift, sondern sich im Geiste die Form vorstellt, so „weiset -der animalische Geist den 7 Geistern die Form. Alsdann bilden es die -7 Geister und machen es begreiflich / alsdan arbeiten erst die Hnde -nach dem Bilde / dann must ein Werk vorhin erst in sinn bringen / -wilstu es machen.“<a name="FNAnker_448_448" id="FNAnker_448_448"></a><a href="#Fussnote_448_448" class="fnanchor">[448]</a> Es ist hier nicht nur vom Linienumriss, sondern -vom „model“ berhaupt die Rede. Eine gewisse hnlichkeit des Vorgehens -dieser Geister und der Hexe ist immerhin vorhanden.</p> - -<p>Die Farben werden als zweites bildendes Princip von der Hexe gebraucht. -Das Linienschema, der Umriss wird durch sie erst lebendig. Die seltsame -Vorstellung von erstorbenen Geistern scheint Tieck aus Bhme genommen -zu haben, welcher schreibt:<a name="FNAnker_449_449" id="FNAnker_449_449"></a><a href="#Fussnote_449_449" class="fnanchor">[449]</a><span class="pagenum"><a name="Seite_132" id="Seite_132">[S. 132]</a></span> „Wan der zornige Feuer-Plitz die -Geister der Natur / welche in der Erden im Tode stehen / mit seinem -grimmen schrack auffwecket / und beweglich macht / so fangen die -Geister an nach ihrem eigenthumblichen Gttlichen Rechte sich zu -gebhren / wie sie von der Ewigkeit gethan haben / und figurieren -einen Leib zusammen nach desselben Orths instehenden qualitten.“ -Gleichnisweise wird an anderer Stelle von einem „todten Geiste“ -gesprochen. Die Verse, die von den „Unsichtbaren“ sprechen, die vom -Nichtsein in den Lichtschein kommen, scheinen auch noch von der -Vorstellung der „erstorbenen Geister“ auszugehen.<a name="FNAnker_450_450" id="FNAnker_450_450"></a><a href="#Fussnote_450_450" class="fnanchor">[450]</a></p> - -<p>Im dritten Zauberspruche Winfredas wird das Feuer als belebendes -Princip angesprochen, das den aus Linien und Farben geschaffenen -Gebilden „Atem, Seele, die Natur“ gibt. Verwandt ist damit, was Jakob -Bhme ber die Hitze sagt.<a name="FNAnker_451_451" id="FNAnker_451_451"></a><a href="#Fussnote_451_451" class="fnanchor">[451]</a> Der Grundstoff zu einem Lebewesen wird -von der herben, sauren und sen Qualitt zusammengefgt, muss aber -erst durch die Hitze zum organischen Leben erweckt werden... „und die -hitze ist der geist / oder die anzndung des Lebens / davon der geist -im corpus entstehet / der in den ganzen corpus quallet / und auer dem -corpus leuchtet / und macht die lebendige Bewegung in allen qualitten -des corpus.“ Hier ist die Anlehnung an Bhme wieder deutlicher.</p> - -<p>Ein klein wenig Licht fllt auch noch auf diese hypermystische -Hexenkunst, wenn man den Abschnitt „die Farben“ aus den „Phantasieen -ber die Kunst“,<a name="FNAnker_452_452" id="FNAnker_452_452"></a><a href="#Fussnote_452_452" class="fnanchor">[452]</a> in denen sich auch schon Bhmes Einfluss zeigt, -heranzieht. Formen, Farben und Tne in ihrem schnen Zusammenwirken -entzcken (so phantasiert Tieck unter anderem) den sinnigen -Naturbeobachter. Die menschliche Kunst trennt Sculptur, Malerei und -Musik und jede dieser Knste wandelt ihren eigenen Weg. Aber wie schn -msste auch in der Kunst eine Vereinigung sein, wenn sich z.B. zu -einem Gemlde das verbrderte Tonstck fnde und es belebte. Da wre -dann die Kunst die hchst verschnerte Natur. Wenn Tieck Umriss Farbe -und Tne zu einem belebten Kunstwerke zusammenwirken sehen will, so -ist es klar, dass er hier die Schlegel’sche Universalpoesie zu einer -Art Universalkunst potenzieren mchte. Die Hexe<span class="pagenum"><a name="Seite_133" id="Seite_133">[S. 133]</a></span> belebt die Gebilde, -die aus Umriss und Farbe sich entwickeln, durch die geheime Kraft -des Feuers und ruft sie mit Hilfe der Tne vollends ins Dasein. Wie -diese Geister, welche die Hexe ruft, so schweben auch die Urbilder -der Kunstwerke irgendwo „krperlos in den schnsten Formen“. Wie das -magische Liniennetz die Farben einfngt, so „spreitet die ganze Natur -dem Sonnenglanze ihre Netze entgegen, um die funkelnden Schimmer -festzuhalten und aufzufangen“. Es scheint also, dass das Thun der Hexe -auch ein Zerrbild vom Schaffen des romantischen Idealknstlers sein -soll, und wie frher die Naturphilosophie wird hier noch zugleich eine -sthetische Gedankenreihe der Romantiker mit Gedanken Jakob Bhmes -verquickt.</p> - -<p>In den Versen<a name="FNAnker_453_453" id="FNAnker_453_453"></a><a href="#Fussnote_453_453" class="fnanchor">[453]</a> „das muss das Leben in sie fhren u.s.w.“ arbeitet -Winfreda mit den nmlichen Vorstellungen und der „schwangere Drang“ -stammt auch wahrscheinlich aus Bhme; denn der Vergleich mit dem -schwangeren Weibe ist bei ihm beliebt.<a name="FNAnker_454_454" id="FNAnker_454_454"></a><a href="#Fussnote_454_454" class="fnanchor">[454]</a></p> - -<p>Die Worte:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„So gewiss mein Hirn</div> - <div class="verse">Bedeutet Gestirn...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>im Fluche der Hexe gehen wahrscheinlich auf einen Vergleich Bhmes -zurck.<a name="FNAnker_455_455" id="FNAnker_455_455"></a><a href="#Fussnote_455_455" class="fnanchor">[455]</a> „Und gleich wie der himmel einen schlu oder festung hat -ober den sternen / und gehen doch alle krfte aus dem himmel in die -sternen: also hat das hirn einen schlu oder festung fr dem leibe / -nur gehen doch alle krfte au dem hirn in leib und in den gantzen -Menschen.“</p> - -<p>Winfredas Worte:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Aus dem Licht kam Luft und Meer,</div> - <div class="verse">Und die Erd’ mit Steinen schwer</div> - <div class="verse">Und der Tier’ und Vgel Heer,“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>scheinen sich aus jenen uerungen Jakob Bhmes herzuleiten, in denen -alles in der Schpfung auf Sonne und Sterne zurckgefhrt wird. -„Erstlich schawe an die Sonne / die ist das Hertze oder der Knig aller -sternen / und gibt allen sternen liecht vom auffgang zum niedergang... -So du aber nicht glauben wilst / das in dieser Welt alles von den -sternen herrhre, so wil ich dirs beweisen so du aber nicht ein klotz -bist.“<a name="FNAnker_456_456" id="FNAnker_456_456"></a><a href="#Fussnote_456_456" class="fnanchor">[456]</a> „So man das<span class="pagenum"><a name="Seite_134" id="Seite_134">[S. 134]</a></span> gantze curriculum oder den gantzen umbcirck -der Sternen betrachtet / so findet sichs bald / da dasselbe sey die -Mutter aller Dinge oder die Natur / daraus alle dinge worden seind und -darinnen alle Dinge stehen und leben / und dadurch sich alles beweget -/ und alle dinge seind au denselben crfften gemacht / und bleiben -darinne ewiglich.“<a name="FNAnker_457_457" id="FNAnker_457_457"></a><a href="#Fussnote_457_457" class="fnanchor">[457]</a></p> - -<p>Nun htten wir endlich noch ein paar Nachklnge aus Jakob Bhme -anzufhren, in denen seine mystische Offenbarung mit theologischen -Lehren des Christenthums sich vereinigt und das ist auch die einzige -Stelle in der „Genoveva“, an der man etwas von jener Betrachtung -des Christenthums im Lichte Jakob Bhmes sprt. Es ist dies die -Sterbevision der heil. Genoveva,<a name="FNAnker_458_458" id="FNAnker_458_458"></a><a href="#Fussnote_458_458" class="fnanchor">[458]</a> in der schon Friesen Bhmes -Einfluss wahrnahm.<a name="FNAnker_459_459" id="FNAnker_459_459"></a><a href="#Fussnote_459_459" class="fnanchor">[459]</a> Genoveva sieht in der Ekstase die himmlische -Herrlichkeit.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wohin ich blickte, sah ich Blten prangen,</div> - <div class="verse">Aus Strahlen wuchsen Himmelsblumen auf...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>ber diese himmlischen Blumen und Blten handelt auch Bhme...<a name="FNAnker_460_460" id="FNAnker_460_460"></a><a href="#Fussnote_460_460" class="fnanchor">[460]</a> -„auch so gehen in diesen (himmlischen) crfften auff allerley blumen -mit schnen himlischen farben und geruch“.</p> - -<p>In der Strophe ber die Trinitt schliet sich Tieck recht deutlich -an Bhme an, dessen Ausdeutung des Trinittsmysteriums sich von der -kirchlich-theologischen auffallend unterscheidet.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Der Sohn war recht des Vaters Herz und Liebe,</div> - <div class="verse">Der Vater schaffende Allgegenwart,</div> - <div class="verse">Der Geist im unerforschlichen Getriebe,</div> - <div class="verse">Das ew’ge Wort, das immer fort beharrt;</div> - <div class="verse">Und alles wechselnd, nichts im Tode bliebe,</div> - <div class="verse">Indes der Vater wirkt die Form und Art.</div> - <div class="verse">So Lieb’ und Kraft und Wort in eins verschlungen,</div> - <div class="verse">In ew’ger Liebesglut von sich durchdrungen.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>„Also ist ein Gott / und 3 unterschiedliche Persohnen in einander / und -kan keine die andere fassen oder aufhalten / oder der andern Vhrsprung -ergrnden / sondern der Vater gebhret den Sohn / und der Sohn ist des -Vaters Hertze / und seine Liebe und sein Licht / und ist ein Ursprung -der Freuden / und alles Lebens anfang.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_135" id="Seite_135">[S. 135]</a></span></p> - -<p>Und der Heilige Geist / ist des Lebens Geist / und ein Formirer und -Schpffer aller dinge / und ein Verrichter des Willens in GOtt / der -hat formiret und geschaffen au dem Leibe und in dem Leibe des Vaters -alle Engel und Creaturen / und hlt und formiret noch tglich alles -/ und ist die schrffe und der lebendige Geist Gottes: Wie der Vater -das Wort au seinen Krfften spricht / so formts der Geist.“<a name="FNAnker_461_461" id="FNAnker_461_461"></a><a href="#Fussnote_461_461" class="fnanchor">[461]</a> -Tieck zupft aus diesem confusen Gewebe einzelne Fdchen heraus und -webt sie aufs neue in seiner Stanze zusammen. Welcher es dem andern an -geheimnisvoller Dunkelheit zuvorthut, ist schwer zu entscheiden. — In -der letzten Strophe der Vision heit es:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wie Strahlen giengen Engel aus und ein,</div> - <div class="verse">Entzckt in der Dreieinigkeit zu spielen...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Dieses Spiel der Engel in Gott erwhnt auch die „Morgenrthe“ fters. -Bei Schilderung der Freude der Engel liest man:<a name="FNAnker_462_462" id="FNAnker_462_462"></a><a href="#Fussnote_462_462" class="fnanchor">[462]</a> „es war alles -ein herztlich Liebe-spiel in GOtt...“ Wie Gott in seiner Vernderung -unbegreiflich ist und in seinem Liebespiel, „Also sollten auch die -Geisterlein oder die Liechterlein der Engel / welche seind wie der -Sohn GOTTES / fr dem Hertzen GOTTES in dem grossen Liechte fein sanft -spielen / darmit die Freude im Hertzen Gottes mchte vermehret werden / -und mchte also in GOtt ein Heiliges Spiel seyn.“<a name="FNAnker_463_463" id="FNAnker_463_463"></a><a href="#Fussnote_463_463" class="fnanchor">[463]</a></p> - -<p>Hie und da trifft man noch eine Wendung in der „Genoveva“, der -Vorstellungen aus Jakob Bhme zugrunde liegen. Bhmes Vorstellung -von den verschiedenen Geistern, die im Menschen thtig sind, z.B. -steckt in Phrasen, wie „alle Geister (sc. der Gebrenden) nach Hilfe -schreien“<a name="FNAnker_464_464" id="FNAnker_464_464"></a><a href="#Fussnote_464_464" class="fnanchor">[464]</a> und „wenn sich die innern Geister alle lsen“ (beim -Sterbenden).<a name="FNAnker_465_465" id="FNAnker_465_465"></a><a href="#Fussnote_465_465" class="fnanchor">[465]</a> Auch das „himmlisch Freudenreich“<a name="FNAnker_466_466" id="FNAnker_466_466"></a><a href="#Fussnote_466_466" class="fnanchor">[466]</a> wre zu nennen.</p> - -<p>Die angestellte Beobachtung zeigt, dass man Bhmes Einfluss auf die -„Genoveva“ nicht berschtzen darf. Am nchsten kommt dem Sachverhalte -Tiecks uerung bei Frster:<a name="FNAnker_467_467" id="FNAnker_467_467"></a><a href="#Fussnote_467_467" class="fnanchor">[467]</a> „als ich die Genovefa schrieb, habe -ich allerdings Jakob Bhme’s<span class="pagenum"><a name="Seite_136" id="Seite_136">[S. 136]</a></span> Schriften mit groem Interesse gelesen -und so ist vielleicht Manches aus ihnen, mir bewutlos, in mein Stck -bergegangen“. Jakob Bhmes Theosophie verwebt Tieck fast nur an jenen -Stellen in seine „Genoveva“, wo das Geheimnisvolle in Ton und Inhalt -herrschen soll. Das Mysterise ist die Sphre des „Unbekannten“, der -ekstatisch verzckten Heldin und von der Hexe wird es zu schlechtem -Zwecke missbraucht. Fast nirgends werden aber Bhmes Gedanken -genau in ihrem ursprnglichen Sinne und in unvermischter Reinheit -bernommen, sondern Tieck sucht jedesmal Alterthmliches und Modernes -zu verschmelzen. Es leitete ihn dabei gewiss ein feiner knstlerischer -Sinn. Die „Genoveva“ will alte Poesie auffrischen und in neues Gewand -kleiden, sie will alterthmlich und modern zugleich sein. Da war denn -Tieck nur consequent, wenn er Bhmes Mystik nicht in ihrer echten und -ursprnglichen Gestalt seinem Gedichte aufklebte, sondern sie so gut -wie mglich mit modernen Anschauungen zu amalgamieren trachtete und sie -in moderner Einkleidung vortrug.</p> - -<p>Fr den Anfang scheint es seltsam, dass die Worte hoher, heiliger -„Weisheit“, die der fromme „Unbekannte“ und die heilige Heldin -sprechen, auch die bse, betrgerische Hexe sich anmaen darf. Wenn -auch nicht deutlich ausgesprochen, gemeint ist aber jedenfalls, dass -die Hexe das Heilige fr ihre schnden Zwecke missbraucht. Diese -Auffassung deutet auch Bernhardi in seiner Recension an. Dass in den -Hexensprchen zugleich ein Nachffen romantischen Kunstschaffens -verborgen ist, reimt sich damit ganz gut zusammen.</p> - -<p>Fr den heutigen Leser ist wohl das meiste von der Jakob Bhme’schen -Mystik in der „Genoveva“ ganz unverstndlich geworden. Wer kmmert sich -heute um diese mystische Philosophie? Tieck dichtete aber zunchst -fr den engeren Kreis seiner Freunde, denen Jakob Bhme „Bibel“ -geworden. Hier kannte man den Schlssel zu den geheimnisvollen Worten -des „Unbekannten“ wie der Hexe. Die Romantiker waren um 1800 fast -allesammt Adepten Jakob Bhmes und htten gerne die mystische frohe -Botschaft des Grlitzer Schusters aller Welt verkndet.<a name="FNAnker_468_468" id="FNAnker_468_468"></a><a href="#Fussnote_468_468" class="fnanchor">[468]</a> Tieck -erneuert Bhmes Gedanken, soweit er sie seiner Dichtung einverleiben -kann, hnlich, wie er die Poesie der alten Volksbcher auffrischt und -damit war allerdings schon<span class="pagenum"><a name="Seite_137" id="Seite_137">[S. 137]</a></span> ein Anfang mit der Popularisierung des -verschollenen Mystikers gemacht. Auer Tieck und Novalis las diesen -besonders F. Schlegel eifrig. Auch Ritter, Hlsen, sogar Schelling -schlossen sich den Bewunderern an. Was die Romantiker in ihrem ersten -Enthusiasmus mit dem „philosophus teutonicus“ vorhatten, sagen neben -andern merkwrdigen Orakelsprchen am besten F. Schlegels Worte, Worte -eines Bhmeschwrmers, dem Tiecks Bemhungen noch viel zu geringwertig -erschienen. Er schreibt an Schleiermacher:<a name="FNAnker_469_469" id="FNAnker_469_469"></a><a href="#Fussnote_469_469" class="fnanchor">[469]</a> „Fast mchte ich Dir -zur Pflicht machen, den Jakob Bhme zu studieren. Es muss noch viel von -ihm die Rede (sein), weil in ihm gerade das Christenthum mit 2 Sphren -in Berhrung steht, wo jetzt der revolutionre Geist am schnsten wirkt -— Physik und Poesie. Ritter hat ihn sehr studiert und will auch ber -seine Physik schreiben; das ist aber nur eine Seite. Tieck legt sich -gewaltig auf ihn und wird ihn hinlnglich tieckisieren; denn in einen -andern Geist einzudringen, das ist diesem Menschen nicht gegeben. -Also wird Bhme fr den Tieck etwas thun, Tieck fr den Bhme aber -gewiss sehr wenig. Noch ein Grund, warum ich es besonders schicklich -finde, den Bhme zu predigen, ist, dass sein Name schon den grten -Ansto bei den Philistern erregt; kein anderer kann mehr polemische -Energie haben.“ Dass Tieck seinen Bhme „tieckisiert,“ hat Schlegel -richtig getroffen. Dasselbe that Tieck ohnehin auch mit seinen brigen -Vorbildern und er hatte als Dichter sein gutes Recht dazu. Er war aber -dabei ein recht eifriger „Verkndiger der Morgenrthe“, persnlich -unter seinen Freunden und in seiner Dichtung. Im „Zerbino“ hatte -er Bhme in den „Garten der Poesie“ versetzt, in den „Phantasieen“ -merkt man schon die Spuren von Bhmes Ideen, im Fastnachtschwanke vom -„Neuen Hercules“ („Der Autor“) wird er mit reichstem Lobe bedacht, -in „Octavian“ und „Melusine“, in verschiedene kleine Gedichte werden -Bhmes Gedanken eingestreut, wie in die „Genoveva“.</p> - -<p>Eine Wiedergeburt der Bhme’schen Mystik im greren Stile erfolgte -freilich erst spter in Baaders Philosophie.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Ob mit dieser Untersuchung der persnlichen Einflsse und Anregungen, -der Quelle und der literarischen Vorbilder, die in Tiecks „Genoveva“ -nachwirkten, das ganze Erdreich gengend<span class="pagenum"><a name="Seite_138" id="Seite_138">[S. 138]</a></span> blo gelegt ist, aus -dem diese seltsame, vielgerhmte und vielgetadelte romantische -Blte hervorwuchs, wage ich nicht zu behaupten. Briefe und andere -Aufzeichnungen knnen noch einmal neues und volleres Licht ber manchen -Punkt bringen. Ein ziemlich deutliches Gesammtbild der Bedingungen, -welchen dieses romantische Werk sein Dasein verdankt, stellt sich aber -immerhin aus der Betrachtung des zugnglichen Materiales her. Das -Volksbuch, die altehrwrdige Legende, der Tieck mit tiefer Ehrfurcht -naht, gibt den stofflichen Grundstock des ganzen Buches. Die Ehrfurcht -vor dem Alten bewog den Romantiker, auch von der Anordnung des Stoffes, -wie sie das Volksbuch bietet, nur dann abzugehen, wenn es gewichtige -Grnde forderten. Shakespeares „Perikles“ und Maler Mller wiesen auf -die dramatische Form, „Perikles“ gab noch insbesondere das Vorbild -fr die epischen Einlagen, whrend Calderon das Lyrische und die -metrische Gestaltung vielfach beeinflusste. Mller, Shakespeare und -Goethe bestimmten dort und da einige Linien eines Charakterbildes. -Mller’sche und Shakespeare’sche Stimmungen, welche Tieck besonders -verwandt ansprachen, giengen in seine Dichtung ber. Mller, Goethe -und Shakespeare haben auch ihren Antheil am Aufbau einzelner Scenen -wie an der ritterlichen Costmierung. Jakob Bhmes alterthmliche und -dunkle Mystik mit ihrer fremdartigen Terminologie half gewisse Scenen -auf einen seltsam alterthmlichen und geheimnisvollen Ton stimmen. -Aber jeder nach fremdem Vorbilde gefhrte Pinselstrich verrth doch -auch immer Tiecks eigene Hand, die stets in selbstndiger Weise das -Fremde dem eigenen Zwecke dienstbar macht. Tiecks erwachte Abneigung -gegen die saft- und kraftlose Nicolaitische Aufklrungssucht, -die Erlanger Eindrcke sowie Wackenroders zart-frommer Sinn und -Alterthums-Enthusiasmus, die mchtige religise Erregung, die durch -Schleiermacher, Novalis und Friedr. Schlegel in den romantischen -Kreis getragen wurde, religise Stimmungen, welche die Calderon- und -Bhme-Lectre weckte: alles vereinigte sich, um Tiecks Gemth mit -jenen innigen, alterthmlich-religisen Kunststimmungen zu erfllen, -die das charakteristische, beherrschende Licht ber sein romantisches -Drama verbreiten und dieses trotz aller Entlehnungen zu einer durchaus -selbststndigen Kunstschpfung machen, wie sie eben nur aus dem -romantischen Geiste, der sich vor hundert Jahren in unserer Dichtung -entfaltete, erwachsen konnte.</p> - -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_139" id="Seite_139">[S. 139]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="mbot2" id="IV">IV.<br /> - -Charakteristik der „Genoveva“.</h2> - -<h3 id="Composition">1. Das romantische Drama. — Composition.</h3> - -<p>Im Stofflichen, das Tieck in seiner „Genoveva“ verarbeitet, fanden -wir allenthalben Entlehnungen und Anlehnungen. Die Geschichte und die -Folge ihrer Entwickelung, gar manches in den Charakteren wie in den -Motiven, die Verwendung von Vers und Prosa: all dies ist nicht neue -Erfindung, sondern von anderen bernommen. Vollstndig neu fanden -wir eigentlich nur die Auffassung, welche diese Dichtung beherrscht, -jene Auffassung, die aus gewissen zeitgenssischen Strmungen und -persnlichen Eindrcken erwuchs. Dies ist nicht Zufall und nicht -Armut an Erfindungskraft. Tieck legt eben keinen besonderen Wert auf -das Neuerfinden des Stofflichen, wie uns eine bezeichnende Stelle -des „Phantasus“ besttigt.<a name="FNAnker_470_470" id="FNAnker_470_470"></a><a href="#Fussnote_470_470" class="fnanchor">[470]</a> Clara mchte nmlich „lieber“ eine -Scene in „Was ihr wollt“ geschrieben haben, als die Novelle erfunden, -aus welcher das Lustspiel entsprungen ist. Nicht wesentlich anders -dachten die romantischen Collegen in Jena bereits vor der Entstehung -der „Genoveva“. Nach A.W. Schlegel<a name="FNAnker_471_471" id="FNAnker_471_471"></a><a href="#Fussnote_471_471" class="fnanchor">[471]</a> setzt sogar Shakespeare -das Wesen seines dichterischen Geschftes nicht in die stoffliche -Erfindung, sondern er wendet die ganze Macht seines Genius auf die -Gestaltung eines vorgegebenen Stoffes. Tieck, der Schler, will nicht -ber dem Meister sein. Er begngt sich auch, seine ganze Kunst in der -„Organisation“ und Darstellung des Stoffes zu zeigen.</p> - -<p>Tieck mchte in seiner „Genoveva“ ein „romantisches“ Kunstwerk -schaffen, in dem sich Dramatisches mit Epischem und Lyrischem -verschmelzen soll; denn es ist die Aufgabe der romantischen Poesie -„alle getrennte Gattungen der Poesie wieder<span class="pagenum"><a name="Seite_140" id="Seite_140">[S. 140]</a></span> zu vereinigen“.<a name="FNAnker_472_472" id="FNAnker_472_472"></a><a href="#Fussnote_472_472" class="fnanchor">[472]</a> -Ohne Zweifel kann der echte Dichter das Poetische in jeder Form -aussprechen. Warum sollte er es nicht auch in verschiedenen Formen -knnen, die gleichzeitig nebeneinander stehen, die sich gegenseitig -durchdringen und die organisch ineinander wachsen? Solange der -Dichter das Poetische an sich, seinem inneren Wesen nach im Auge -hat, braucht es keine Scheidung nach diesen oder jenen Kategorien -der knstlerischen Erscheinung. Anders wird es, wenn er eine Wirkung -nach auen anstrebt. Da ist vor allem der Dichter, der sich die -bestimmte dramatische Gattungsform whlt, auch an die Gesetze dieser -knstlerischen Gattung unwiderruflich gebunden. Theoretisch lsst sich -gegen die Mglichkeit, verschiedene Gattungsformen in einem poetischen -Werke zu verschmelzen nichts einwenden, die Schwierigkeiten aber, -die sich von der knstlerischen Seite her erheben, sind so groe, -dass ein gutes Gelingen eines solchen romantischen Universalgedichtes -wenig wahrscheinlich ist. Es muss dem Dichter bei solchem Vermengen -der Gattungen recht schwer werden, dem Kunstwerk die unentbehrliche -Einheit und Geschlossenheit der Erscheinung zu geben. Denn es haben -die einzelnen Gattungen ihre eigenen stilistischen Gesetze und die -Gesammtform jeder Dichtung bestimmt bis in die Glieder herab die -Formgebung in eigenthmlicher Weise. Es msste wohl ein Ingenium -von hchster knstlerischer Begabung erstehen, das alle Hindernisse -glcklich unter sich brchte und in das Mosaik verschieden gearteter -Theile ohne ein Zuviel hier und ein Zuwenig dort Harmonie und -knstlerisches Gleichgewicht zu<span class="pagenum"><a name="Seite_141" id="Seite_141">[S. 141]</a></span> zaubern und die Gewhnung des Lesers -an bestimmte Unterschiede der knstlerischen Erscheinung glcklich und -ohne Strung zu tuschen vermchte.</p> - -<p>In der „Genoveva“ berwiegt das Dramatische oder richtiger das -Dialogische weitaus den epischen Theil, es bildet „die Basis“ der -knstlerischen Gestalt. Dabei muss freilich bemerkt werden, dass sich -auch schon in den Dialog verschiedene epische und lyrische Stcke -einordnen. So z.B. die Erzhlung Wolfs von seiner astrologischen -Himmelsbeobachtung, die Erzhlungen von Golos und Genovevas Jugend, -die Prophezeiung des „Unbekannten“, die Schilderung der Sterbevision -Genovevas u.a. Auch Lieder und lyrische Ergsse sind in den Dialog -verwoben oder als Monologe einem Dialoge voran- oder nachgestellt. -So versucht es Tieck, in das Drama „Lyrik hineinzuwerfen“, wie er es -schon vorher im „Zerbino“, in den Mrchen und im „Sternbald“ that -und wie er es bald reichlich im „Octavian“ thun sollte. Der Dichter -versucht hier wirklich ein Verschmelzen der verschiedenen Gattungen. -Aber man sprt auch schon dabei, wie sich manches Epische und Lyrische -nur mit Widerstreben in das dramatische Gerste zwingen lsst. Ein -Beispiel dafr ist die Weissagung des „Unbekannten“. In einem Drama -msste diese Prophezeiung eigentlich bei strengster, aber allerdings -hufig verletzter Consequenz im Gattungsstil auf der Bhne in Erfllung -gehen, soll die erregte Erwartung nicht getuscht werden.<a name="FNAnker_473_473" id="FNAnker_473_473"></a><a href="#Fussnote_473_473" class="fnanchor">[473]</a> Ebenso -mssten wir die heil. Genoveva in ihrer himmlischen Verklrung sehen -und nicht blo den Bericht des heil. Bonifacius ber ihren Eingang in -die Seligkeit zu hren bekommen; denn nur so wre in beiden Fllen der -Abschluss in dramatischer Form erreicht. Nachdem diese die Dichtung -im Ganzen beherrscht, regt sich das Bedrfnis nach solchem Abschluss -unwillkrlich. Das Epos, das weite Zeitrume in sich fasst und das -unbegrenzte Reich der Phantasie ohne Einschrnkung durchwandert, -begngt sich schon mit einem bloen Ausblick in die Zukunft. Tieck -denkt also manchmal trotz der uerlich dramatischen Form episch; -er denkt eben an ein gelesenes Gedicht, nicht an ein dargestelltes -Theaterstck und unter dieser Voraussetzung unternimmt er es, die -Phantasie in so weite Zukunftsfernen und selbst in die<span class="pagenum"><a name="Seite_142" id="Seite_142">[S. 142]</a></span> Ewigkeit zu -fhren. Allein der eigenthmliche innere Widerspruch zwischen dem -epischen Charakter des Inhaltes und der ueren dramatischen Gestalt -wird auch unter dem Gesichtpunkte des Lesedramas nicht ohne Rest -ausgeglichen.</p> - -<p>Griffe ein echter Dramatiker das Volksbuch auf, so wrde dieser mit -strenger planvoller konomie eben das aus seiner Quelle entnehmen, -was fr sein Thema wesentlich und nothwendig ist und was hinreichte, -dieses sein Thema knstlerisch zu verlebendigen und zu erschpfen. Um -die ungerecht bedrngte und wieder erkannte Unschuld, das dichterische -Problem der Genoveva-Legende, darzustellen, gengen einem Dramatiker -als Personen Genoveva (mit Schmerzenreich), Golo, Siegfried, Drago, -die Hexe, Benno und Grimoald, Gertrud. An den Schicksalen dieser -Personen knnte sich das ganze Problem entwickeln. Der ganze brige -reiche Aufwand von Nebenpersonen, die Tieck einfhrt, knnte fortfallen -und damit entfielen auch die Scenen, die mit dem Hauptgedanken und -dem Fortgange des Stckes in gar keiner innerlich nothwendigen oder -nur in einer sehr losen Beziehung stehen wie die breiten Lager- und -Kriegsgemlde, die Hirtenscenen, der heil. Bonifacius. So dchte ein -Dramatiker, der mit der Bhne rechnet. Allein der romantische Poet -denkt anders, er geht wieder, wenn auch in dramatischer Verkleidung, -die Wege des Epikers. Die umfassende Flle der romantischen Poesie muss -nothwendig den straffen dramatischen Rahmen sprengen. Die Romantik -drngt berhaupt zum Epischen hin.<a name="FNAnker_474_474" id="FNAnker_474_474"></a><a href="#Fussnote_474_474" class="fnanchor">[474]</a> Der Roman „tingiert“ ja -die ganze moderne Poesie.<a name="FNAnker_475_475" id="FNAnker_475_475"></a><a href="#Fussnote_475_475" class="fnanchor">[475]</a> Tieck will „Leben und Tod der heil. -Genoveva“ schildern und er will auch in seiner Ehrfurcht vor dem Alten -das ganze Volksbuch, selbst seine unwesentlichen Bestandstcke, die nur -der Stimmungsmalerei oder der Maskierung von Vorgngen hinter der Scene -dienen knnen, beibehalten und in neuer Schnheit aufgefrischt erstehen -lassen. Was das Volksbuch enthlt, ist, wie uns die Romantiker schon -belehrten, ein altehrwrdiges, heiliges Gut, von dem kein Gran verloren -gehen darf. Auch diese Tendenz der Romantik hindert ein dramatisches -Concentrieren. Sie begegnet sich aber in unserem Falle mit der Idee von -der romantischen Universalpoesie.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_143" id="Seite_143">[S. 143]</a></span></p> - -<p>Der alte poetische Schatz darf durch neue Motive bereichert werden, -wenn es dem Dichter gelingt, solche herbeizuschaffen, die neben dem -Alten nicht unwrdig erscheinen. Poetisch oder nicht poetisch? Das ist -die einzige Frage, nicht aber innere Nothwendigkeit, knstlerische -Straffheit der Composition in Lessings Sinne. Die romantische -Poesie „umfasst alles, was nur poetisch ist“.<a name="FNAnker_476_476" id="FNAnker_476_476"></a><a href="#Fussnote_476_476" class="fnanchor">[476]</a> „Poetisch“ und -„romantisch“ flieen fr Schlegel und Tieck allmhlich ineinander. -Das bunte, bewegte Bild eines Krieges, der dazu einem idealen -Zwecke dient (Kreuzzug), eines Krieges im fernen Mittelalter, wo -Morgenland und Abendland feindlich zusammentreffen, wo Schlachtenlrm -und Liebesseufzer sich vermengen: in einem solchen Bilde ist alles -auergewhnlich, nichts platt und alltglich, alles ist romantisch, -poetisch.<a name="FNAnker_477_477" id="FNAnker_477_477"></a><a href="#Fussnote_477_477" class="fnanchor">[477]</a> Scenen, in denen Naturburschen, wie Schfer und Khler -(Tiecks alte Vorliebe)<a name="FNAnker_478_478" id="FNAnker_478_478"></a><a href="#Fussnote_478_478" class="fnanchor">[478]</a> erscheinen, Menschen, deren Dasein so -innig mit der Natur verwachsen ist, bieten eine andere Seite des -Poetischen. Nur den sublimierten, poetischen Duft dieser Gestalten -sucht Tieck festzuhalten. Darum streift er sorgsam alles alltglich -Schwere und Prosaische von ihnen ab. Fast nur der singende und der -liebende Schfer, der Schfer voll Naturfreude darf hier wie im -„Octavian“ in die Dichtung eintreten. Der „Unbekannte“, die Hexe, Tod -und Engel, der Geisterpilgrim, Wesen, die mit der geheimnisvollen, -berirdischen Welt verbunden sind oder aus derselben in unsere irdische -Alltagswelt hereinkommen, all diese Gestalten gehren auch dem Reiche -des Poetischen, des Romantischen an. Religion und Poesie gehren fr -den Romantiker ohneweiters zusammen.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Bist du in alter Blindheit ein Bewohner</div> - <div class="verse">Von Religion und Poesie verstoen?“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>sagt Dante zu Nestor-Nicolai im „Zerbino“. Die Figuren, die dem Gebiete -des Glaubens angehren, gewhren der Phantasie durch ihr Erscheinen -einen „bedeutenden Ausblick in die Ferne“,<span class="pagenum"><a name="Seite_144" id="Seite_144">[S. 144]</a></span> in eine geheimnisreiche -Ferne, in die auch Wunder und Visionen und Trume den ahnenden Blick -lenken. Solche „Ausblicke“ sind nach A.W. Schlegel ein Charakteristicum -des Romantischen.<a name="FNAnker_479_479" id="FNAnker_479_479"></a><a href="#Fussnote_479_479" class="fnanchor">[479]</a> Die Natur in ihren geheimen Wechselbeziehungen -mit dem Menschengemthe, die das Volksbuch noch nicht kennt, ist eine -poetische Macht, vor der sich selbst der gemthsdrre Merkel beugt. -Mit den Liedern und lyrischen Ergssen, welche die Welt des Gemthes -selbst entschleiern, mit Ahnung und Erinnerung und Sehnsucht gelangen -wir ins Centrum alles Poetischen, zur seelischen Empfindung.<a name="FNAnker_480_480" id="FNAnker_480_480"></a><a href="#Fussnote_480_480" class="fnanchor">[480]</a> -All das darf in Tiecks romantisches Trauerspiel aufgenommen werden; -denn nichts Poetisches ist von der romantischen Universalpoesie -ausgeschlossen. Die unendliche Mannigfaltigkeit all dieser Motive ist -dabei nicht etwa ein Product zgelloser Phantasie. Eine solche gibt es -fr den Romantiker gar nicht.<a name="FNAnker_481_481" id="FNAnker_481_481"></a><a href="#Fussnote_481_481" class="fnanchor">[481]</a> Das Mannigfaltige und Bunte ist ihm -an sich poetisch. Shakespeare ist „um so poetischer (als die Spanier) -als er mehr Mannigfaltigkeit entwickelt“.<a name="FNAnker_482_482" id="FNAnker_482_482"></a><a href="#Fussnote_482_482" class="fnanchor">[482]</a> Was Tieck fr poetisch -ansieht, erfahren wir ungefhr aus „Zerbino“ und „Octavian“. Die Scene, -mit welcher der „Prolog“ des letzteren Dramas schliet, vereinigt in -der Bhnenanweisung wie in einem Inhaltsverzeichnis die Elemente des -Poetischen. „Musik. Mit Trompeten kommen die Krieger auf der einen, die -Schfer mit Flten auf der andern Seite zurck. In der Mitte stehen -Glaube und Liebe, zur Seite des Glaubens Tapferkeit, zwischen ihnen der -Liebende und die Pilgerin, neben der Liebe der Scherz,<span class="pagenum"><a name="Seite_145" id="Seite_145">[S. 145]</a></span> zwischen diesen -der Ritter und das Hirtenmdchen, im Vorgrunde der Dichter und die -Romanze.“ Naturfreude, Lust an Farben und Tnen, Sehnsucht, Reiselust, -Ahnung und Erinnerung begegnen uns im „Aufzug der Romanze“ wie im -Garten der Poesie als Tne, die sich zum groen romantischen Accord -vereinen. Der Garten der Poesie ist berdies eine blhende Wildnis. -Groe, seltsame Wunderblumen, wie sie der alte vernnftige Nestor nie -in seinem Leben sah, blhen darin, alles im ppigen, phantastischen -berfluss und alles glnzt und tnt und singt und plaudert und spricht -wundersame Geheimnisse aus, die als Ahnungen und Stimmungen ans -Dichtergemth klingen. Fast all diese poetischen Dinge treffen wir -auch in der „Genoveva“, nur der Scherz und die contrastierende derbe -Prosa fehlen, weil sie nach des Dichters Meinung den Legendenton der -Dichtung stren wrden. Es war gewiss ungerecht, wenn man in blinder, -parteiischer Voreingenommenheit und in dem Verstndigkeitsfanatismus -die diesen Motiven und Stimmungen immanente poetische Kraft hartnckig -bersah, wie es die rationalistischen Feinde der Romantik in ihren -Recensionen thaten, die Nicolai und Merkel, die nur borniert witzelnd -auf „die abgeschmackte Legende, zu der Tieck noch lcherliche -Abenteuerlichkeiten hinzusetzte,“ von oben herabblickten.<a name="FNAnker_483_483" id="FNAnker_483_483"></a><a href="#Fussnote_483_483" class="fnanchor">[483]</a> Sie -konnten allerdings nicht anders. „Trgt jeder um sich ein siderisch’ -Haus, kann aus seiner Heimat nicht heraus.“</p> - -<p>Soll aber die Freude des Genieenden am Kunstwerk rein und voll sein, -dann darf das Poetische, das Phantasie und Gemth erweckt und fesselt, -nicht als chaotische, unberschaubare Masse vor uns erscheinen, sondern -Einheit und Geschlossenheit kommen einem anderen, dem eigentlich -knstlerischen Bedrfnisse unseres Geistes, entgegen. A.W. Schlegel -bersah diesen Sachverhalt nicht. Er findet im Verhltnis von Tag und -Nacht ein zutreffendes Bild unseres geistigen Daseins. „Einige Dichter -haben den gestirnten Himmel so vorgestellt, als ob die Sonne nach -Endigung ihrer Laufbahn in alle jene unzhligen leuchtenden Funken -zerstbe: die ist ein vortreffliches Bild fr das Verhltnis der -Vernunft<span class="pagenum"><a name="Seite_146" id="Seite_146">[S. 146]</a></span> und Fantasie: in den verlorensten Ahndungen dieser ist noch -Vernunft; beyde sind gleich schaffend und allmchtig, und ob sie sich -wohl unendlich entgegengesetzt scheinen, indem die Vernunft unbedingt -auf Einheit dringt, die Fantasie in grenzenloser Mannigfaltigkeit ihr -Spiel treibt, sind sie doch die gemeinschaftliche Grundkraft unseres -Wesens.“<a name="FNAnker_484_484" id="FNAnker_484_484"></a><a href="#Fussnote_484_484" class="fnanchor">[484]</a></p> - -<p>Ein Centrum im Kunstwerke ist nthig, in dem alle Linien -zusammenlaufen.<a name="FNAnker_485_485" id="FNAnker_485_485"></a><a href="#Fussnote_485_485" class="fnanchor">[485]</a> Ein Hauptcharakter, eine Haupthandlung muss -so in der Dichtung herrschen, dass nicht das Nebenwerk mit seiner -Flle das Ganze berwuchert. Die Empfindung dieser geschlossenen, -gerundeten Einheit wirkt mit wohlthtiger Befriedigung auf den -Geist des Genieenden. Wie sieht es aber in der „Genoveva“ aus? Bis -in die Mitte des Stckes laufen nicht weniger als drei Handlungen -nebeneinander her. Golos Liebeswerben, die Liebe zwischen Heinrich und -Else und die Lagerscenen, die sich ihrerseits wieder als christliches -und saracenisches Lager in zwei selbstndigen Reihen entwickeln. -Von der Eroberung Avignons bis zu Genovevas Verstoung begleiten -sich allerdings nur die Vorgnge auf dem Schlosse und in Straburg. -Im weiteren Verlaufe bis zur Auffindung der Verstoenen haben wir -aber wieder drei Fden zu verfolgen: die Ereignisse auf Siegfrieds -Schloss, Genoveva in der Wste, Golo im Walde. Erst am Ende vereinigt -sich wieder alles auf dem Schlosse, von dem die ganze Handlung -ausgegangen war. Diese verschiedenen Reihen durchschneiden sich und -kreuzen sich im bunten Wechsel, wie die Bilder eines Kaleidoskopes. -Es gibt ein verwirrendes, traumhaftes Hin und Her. Das ist auch -nicht verwunderlich, da Tieck selbst im Traumleben allen Ernstes das -wahre Vorbild fr das dichterische Schaffen sehen will.<a name="FNAnker_486_486" id="FNAnker_486_486"></a><a href="#Fussnote_486_486" class="fnanchor">[486]</a> Ein -Lieblingsgedanke, auf den er immer wieder zurckkommt. Auch keine -Persnlichkeit steht derart beherrschend in der Mitte, dass wir den -Eindruck einer sicheren Einheit bekmen. Das erste Viertel der Dichtung -beherrschen die Kriegsscenen mit Karl Martell an erster Stelle. Dann -treten Golo und Genoveva in den Vordergrund. In der<span class="pagenum"><a name="Seite_147" id="Seite_147">[S. 147]</a></span> zweiten Hlfte -fllt das meiste Licht auf die verbannte Dulderin. Also weder eine -sicher gefhrte Haupthandlung noch eine das Ganze beherrschende -Persnlichkeit gibt der Dichtung einen festen Halt. An ein -symmetrisches Abwgen der einander entgegenstehenden Personengruppen -nach Zahl und innerer Bedeutung, wie wir es an manchen Goethe’schen -Dramen beobachten („Iphigenie“), wie es in hohen Kunstzeiten die -bildende Kunst uns zeigt (Griechische Kunst, Frhrenaissance), -denkt Tieck in seinem romantischen Gedichte nicht. Es wrde die -Mannigfaltigkeit darunter leiden.</p> - -<p>Wenn auch niemand vom romantischen, episch denkenden Dramatiker jene -„strenge gerade Linie“ verlangt, nach welcher einem Schiller’schen -Worte gem der tragische Poet fortschreiten muss, so mchte man doch -erwarten, dass ersterer sich wenigstens auf einer Hauptrichtung halten -msse, und zwar so, dass diese Hauptrichtung dem Leser nie ganz aus dem -Gesichtskreise schwinde. Tieck mit seiner sthetischen Traumtheorie und -Fr. Schlegel, der romantische Gesetzgeber, denken aber einmal anders in -diesen Dingen. Das Hervortreten und Zurckweichen der einzelnen Figuren -in der „Genoveva“ lsst den Leser unwillkrlich an jenes Schlegel’sche -Fragment denken, das vom Romanhelden sagt:<a name="FNAnker_487_487" id="FNAnker_487_487"></a><a href="#Fussnote_487_487" class="fnanchor">[487]</a> „Es ist nicht einmal -ein feiner, sondern eigentlich ein recht grober Kitzel des Egoismus, -wenn alle Personen in einem Roman sich um Einen bewegen wie Planeten um -die Sonne, der dann gewhnlich des Verfassers unartiges Schokind ist, -und der Spiegel und Schmeichler des entzckten Lesers wird. Wie ein -gebildeter Mensch nicht blo Zweck sondern auch Mittel ist fr sich und -fr andere, so sollten auch im gebildeten Gedicht alle zugleich Zweck -und Mittel seyn. Die Verfassung sey republikanisch, wobey immer erlaubt -bleibt, dass einige Theile activ andere passiv seyn.“ Es erscheint die -„Genoveva“ beim ersten Lesen „wie ein Traumbild ohne Zusammenhang, ein -Ensemble wunderbarer Dinge und Begebenheiten“. Wir drfen auch nicht -vergessen, dass es erstes Gesetz der romantischen Poesie ist, „dass die -Willkr des Dichters kein Gesetz ber sich leide“ und auch im „Zerbino“ -hebt und senkt sich der Vorhang sechsmal und nicht fter „ohn’ alle -Ursach’, wenn Willkr nicht hinreichend Ursach ist“.<a name="FNAnker_488_488" id="FNAnker_488_488"></a><a href="#Fussnote_488_488" class="fnanchor">[488]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_148" id="Seite_148">[S. 148]</a></span></p> - -<p>Der bunten Mannigfaltigkeit und dem Reichthum an Handlung entspringt -der schrankenlos willkrliche Wechsel des Schauplatzes. Die Scene -wechselt in der „Genoveva“ einundsechzigmal. Man zhlt achtundzwanzig -voneinander verschiedene rtlichkeiten. Und wie die Schranken des -Raumes, so fallen fr die souverne romantische Phantasie auch jene der -Zeit. Das Stck umschliet ungefhr einen Zeitraum von acht Jahren. -Allerdings an eine festgefgte Chronologie im Stcke denkt der Dichter -nicht; nur so nebenher bekommen wir die eine und andere Zeitangabe, -wobei der Dichter aber nicht auf chronologische Klarheit abzielt. -Es erscheinen bei Tieck die Tages- und Jahreszeiten gerade so wie -die rtlichkeiten fast nur als stimmungsvoller Hintergrund fr die -Vorgnge. Dieser Stimmungswert der Zeitmomente und Raumverhltnisse ist -ihm das Wichtigste. Wie weit er dabei zu gehen vermag, sieht man aus -der Aufeinanderfolge der Scenen „Gefngnis“ und „Dorf“.<a name="FNAnker_489_489" id="FNAnker_489_489"></a><a href="#Fussnote_489_489" class="fnanchor">[489]</a> Fr die -gefangene Mutter im Thurme braucht der Dichter die rauhe Jahreszeit, -fr die Schferhochzeit den Frhling. Dass dem Stimmungsgehalt -von Ort und Zeit ein weit hherer Wert beigelegt wird, als einer -deutlichen chronologischen Folge innerhalb der Dichtung, entspricht -der romantischen Hochschtzung der Stimmungen, die „allein glcklich -machen“. „Der Wechsel der Zeiten und rter, vorausgesetzt, da sein -Einflu auf die Gemther mitgeschildert ist,“ gehrt nach A.W. -Schlegel<a name="FNAnker_490_490" id="FNAnker_490_490"></a><a href="#Fussnote_490_490" class="fnanchor">[490]</a> zu den „wahren Schnheiten“ der romantischen Poesie. -Wir hren wohl einmal, dass Siegfried drei Monate verheiratet sei, -als er in den Krieg zieht. Das zehnmonatliche Fernsein wird erwhnt, -um Genovevas Untreue zu begrnden. Zwei Monate darauf ist Siegfried -in Straburg. Von da an ungefhr gerechnet, sieht Genoveva „sieben -Frhlinge“ in der Wste. Diese Angaben des Volksbuches beizubehalten -verlangte schon die „Heiligkeit der Tradition“. Grere Zeitrume sind -also beilufig markiert; aber innerhalb derselben berlsst der Dichter -alles weitere dem Leser oder er whlt die Zeit nur, um sie der Stimmung -der Scene dienstbar zu machen. Was noch nach der Wiederauffindung -Genovevas folgt, verschwimmt zeitlich ganz ins Unbestimmte. Es heit -nur, dass Genoveva noch kurze Zeit lebte. Wohl mit Absicht wird hier -jede bestimmte Zeitangabe vermieden. Durch die unbestimmte Zeit fhrt -der<span class="pagenum"><a name="Seite_149" id="Seite_149">[S. 149]</a></span> Dichter die Phantasie des Lesers am besten dem Punkte entgegen, -wo Zeit und Ewigkeit ineinanderflieen und wo Genoveva erst visionr, -dann wirklich in ein Reich eintritt, wo Zeitliches und Irdisches -aufhren.<a name="FNAnker_491_491" id="FNAnker_491_491"></a><a href="#Fussnote_491_491" class="fnanchor">[491]</a> So will es wieder die romantische Phantasie, welche -„bedeutende Ausblicke in die Ferne“ liebt. Der Prophetenblick des -„Unbekannten“ schaute frher „weit hinab“ in irdische Zeitfernen, -am Schlusse verliert sich der Blick ber Raum und Zeit hinaus in -die unbegrenzten Fernen der Ewigkeit. Auch nach rckwrts in die -Vergangenheit ist die Zeit gewissermaen schrankenlos: Bonifacius -ersteht von den Todten und kommt aus ferner Zeit in die Gegenwart her, -wenn er auch ein anderesmal als mitlebender Zeitgenosse auftritt.</p> - -<p>Nirgendwo sehen wir Tieck aus den Bedingungen der theatralischen -Kunst heraus im greren Umfange arbeiten, obschon er die dramatische -Form zumeist in seiner Dichtung uerlich festhlt, sondern er erbaut -sich in der Phantasie eine Bhne fr die Phantasie<a name="FNAnker_492_492" id="FNAnker_492_492"></a><a href="#Fussnote_492_492" class="fnanchor">[492]</a> und auf -dieser Bhne ziehen all diese Wunder vorber. Das Ganze scheint, wie -oben bemerkt wurde, beim ersten Anblick nur ein traumhaft bewegtes, -phantastisch durcheinanderwirbelndes Chaos und alles knstlerisch -Gesetzmige scheint grundstzlich ausgeschaltet zu sein. Aber doch -nur scheinbar. Wenn auch kein innerlich begrndetes Ma und Gesetz -die vorberschwebenden Phantasien in schnem Gleichma belebend -abtheilt, so sucht der Dichter den Leser in anderer Weise dafr -zu entschdigen, indem er einmal eine uerliche Symmetrie in die -Disposition bringt. Der Hhepunkt der Verwickelung, die endgiltige -Abweisung der Antrge Golos und der Umschlag seiner Liebe in Hass -und Rachsucht fllt fast ganz genau in die Mitte des ganzen Werkes -und dies fgt sich eben dadurch so merkwrdig, dass der Dichter die -Kriegsscenen so auerordentlich ausdehnt. Der Hauptkrper der Dichtung, -das „eigentliche Trauerspiel“, der Conflict zwischen Genoveva und Golo, -wird symmetrisch flankiert von einer „Ouvertre“ zum Ganzen und jenem -Theile, in dem die tragischen Empfindungen beruhigend ausklingen, und -die drei Theile sind durch epische Zwischenglieder getrennt.<a name="FNAnker_493_493" id="FNAnker_493_493"></a><a href="#Fussnote_493_493" class="fnanchor">[493]</a> Die -Zumuthung einer so rein uerlichen Gliederung scheint ja bei dem -besprochenen Gesammt<span class="pagenum"><a name="Seite_150" id="Seite_150">[S. 150]</a></span>charakter der Dichtung erst berraschend und -pedantisch. Weniger unglaubhaft wird die Sache schon, wenn man Tieck -im „Phantasus“ ber Proportion und Symmetrie im Drama spintisieren -hrt.<a name="FNAnker_494_494" id="FNAnker_494_494"></a><a href="#Fussnote_494_494" class="fnanchor">[494]</a> Es war auch fr den Romantiker das intellectuelle und -sthetische Bedrfnis einer gewissen Proportion der Theile vorhanden. -Und dass man ihm derartiges zutrauen darf, dazu geben noch andere -Knsteleien in der „Genoveva“, besonders das Spiel mit den schier -zahllosen Contrasten, das sich durch das Stck zieht, ein Recht. Dieses -contrastierende Beziehen der Vorgnge aufeinander soll offenbar auch -die bunte, unharmonische Menge belebend abtheilen helfen. Der Contrast -wird zwar von vielen anderen Dichtern auch als Compositionsmittel -verwendet. Aber die Gegenstze wachsen z.B. in Schillers Dichtung -natrlich und zwanglos aus dem Wesen des Inhaltes heraus: Tieck -trgt sie meist willkrlich von auen hinein. Auf die Contraste im -groen, die Contraste der Natur und Religion mit der Leidenschaft, -des Wunderbaren mit dem Alltglichen, dem allen zusammen wiederum der -Krieg gegenbersteht, weist Tieck selbst hin.<a name="FNAnker_495_495" id="FNAnker_495_495"></a><a href="#Fussnote_495_495" class="fnanchor">[495]</a> Er thut aber in der -Dichtung noch mehr, er fhrt die Contraste bis in kleine Einzelheiten -herab durch. Schon in den Abschiedsscenen begegnet eine ganze Reihe von -Gegenstzen. Geistliche Unterredung der Diener — feierliche Ansprache -des Capellans. Scene im Schloss — Hirtenscene im Freien. Der Ritter -und die Hirten. Das traurige Lied und das heitere Lied. Genoveva ist -tiefbetrbt ber den Abschied — der Hirte Heinrich freut sich, dass -es bald schne Nachrichten gibt. Von der Hirtenscene geht es ins -Kriegslager. Hier stehen sich Christen und Saracenen gegenber, Karl -der bedchtige Feldherr und Aquitanien der feurige Jngling, Kriegslrm -und romantische Liebe. Auf Siegfrieds Schloss sehen wir indessen -Golo und Benno im weltlichen Gesprch — Genoveva bei geistlicher -Betrachtung. Vom Kriegsschauplatz versetzt uns der Dichter in den -Garten und in die trumerisch weiche Sommernacht. Heitere Mahlzeit — -Intrigantenscene. Im weiteren begleiten die Kriegsscenen im parallelen -Widerspiele die Liebesscenen zwischen Golo und Genoveva. Die Franken -mchten die Stadt erobern — Golo mchte Genovevas Gunst erringen. Die -Mohren planen einen berfall — Golo und Gertrud berathen den Angriff -auf Genovevas Ehre.<span class="pagenum"><a name="Seite_151" id="Seite_151">[S. 151]</a></span> Der berfall im Lager ist in die Mitte gestellt -zwischen Golos berfall im Garten und den berfall auf Genovevas -Zimmer. Siegfried wird verwundet, Otho getdtet, aber das christliche -Heer bleibt siegreich — Genoveva und Drago werden eingekerkert, sie -sind aber die moralischen Sieger. Golo beschenkt Heinrich, der dann -mit Elsen voll Glck und Jubel ist — Golo selbst ist voll finsterm -Trbsinn und lsst der unschuldig Gefangenen kaum das Nothdrftigste -gewhren. Genoveva klagt im Thurme — drauen jubelt die Hochzeit. Zwei -Diener lassen sich als Mrder Genovevas dingen — Else erweist sich -Genoveva dienstbar und beklagt mit Wendelin das Schicksal der Herrin. -Genovevas Klage in der Wste — Siegfrieds Trauer auf dem Schlosse. -Lrmende Jagdlust — Golos Trauer um Genoveva. Auch im letzten -Abschnitte der „Genoveva“ setzen sich die Contraste fort. Tod der Hexe -— erste Sterbescene Genovevas. Der unglckliche Golo beim glcklichen -Schfer Heinrich. Golo will jagen und fhlt sich selbst als gehetztes -Wild. Endlich Golos trauriger Tod — Genovevas verklrtes Hinscheiden.</p> - -<p>Was erst noch als chaotisches, phantastisches Gewhl durcheinander -wogte, bekommt beim Verfolgen dieser contrastierenden Beziehungen auf -einmal eine ganz andere Gestalt; das scheinbar Kunstlose, Wildwchsige -zeigt uns hier ein verstandesmiges, klgelndes zweites Gesicht. -Wie den Scherz eines Vexierbildes muss man diese Knstlichkeit durch -genaues Zusehen entdecken. Bernhardi verfolgt in der Besprechung, -die er der Dichtung seines Freundes widmet,<a name="FNAnker_496_496" id="FNAnker_496_496"></a><a href="#Fussnote_496_496" class="fnanchor">[496]</a> mit sichtlichem -Vergngen dieses Aneinanderreihen von Contrasten und spendet dem Autor -dafr reiches Lob. Mit Recht, soweit sich diese Gegenberstellungen -ungezwungen aus dem Inhalte ergeben. Tieck begngt sich aber nicht mit -diesen, er trgt allerhand Contraste allzuklgelnd hinein, versteckt -und huft sie vor allem zu sehr, so dass hier Merkel auch nicht ganz -Unrecht hat, wenn er das Spiel mit den Gegenstzen „gemacht“ findet.</p> - -<p>Einen feineren und sinnreicheren Rapport stellen gewisse geheime, leise -Fden her, die einzelne Momente, Scenen und Schicksale leicht andeutend -verknpfen und mit diesen Andeutungen unbestimmte Ahnungen im Gemthe -des Lesers aufkeimen lassen. Die Kapelle mit der Morgenbeleuchtung -am An<span class="pagenum"><a name="Seite_152" id="Seite_152">[S. 152]</a></span>fange und Schlusse des Stckes. Golos Pferd strzt beim ersten -Erscheinen des Ritters im Drama, das traurige Lied ergreift ihn ganz -rthselhaft — sein Pferd strzt wieder, als er Genoveva retten mchte -und das Lied hat ihm prophetisch fr sein Geschick geklungen. Den -Schfer Heinrich aber ficht das traurige Lied nicht an, er freut sich -an seinem heiteren: auch dies ist ein ahnungsvolles Prludium fr sein -spteres Schicksal. Otho und Siegfried begren sich anfangs freudig -im Lager, nehmen nach der letzten Schlacht wehmthig Abschied fr -immer, am Ende des Stckes kommt Othos Geist als Trster zum trauernden -Grafen. Gerade Siegfried macht eine thricht herablassende Bemerkung -ber Zulmas Treue und gerade er muss dafr ben; denn Zulma wird fr -ihn ein Beispiel unerschtterlicher Treue gegenber der vermeintlichen -Untreue Genovevas. Die Hexe gibt den letzten Ansto fr Genovevas -Verurtheilung und ihr Bekenntnis bringt die Unschuld der Verstoenen -endgiltig ans Licht. Golo mchte Genoveva im „stillen Thale“ -verscharren lassen, ihm selbst wird dies Los zutheil. Auch Genovevas -und Siegfrieds Ahnungen, die sich ganz oder theilweise erfllen, mssen -hieher gezhlt werden. Es lsst sich an einzelnen dieser Flle auch -unschwer beobachten, wie Tieck diesen Beziehungen einen Anflug von -tragischer Ironie gibt. Die Hauptsache aber bleibt ein ahnungerregendes -Verbinden verschiedener Momente berhaupt. Das scheinbar Verworrene -entfaltet sich so nach geheimen hheren Gesetzen. Es wird ein -„vernnftiges Chaos“, eine „knstlerisch geordnete Verwirrung“, eine -„reizende Verwirrung“, wie die romantischen Schlagworte lauten. -Bernhardi findet dies ganz besonders herrlich und es entschdigt ihn -fr jede fehlende organische Gliederung des Stoffes. „Mit einem Worte, -in diesem einzigen Punkte ist eine so lieblich verwirrende Perspective; -ein so reizender, optischer Betrug und eine so leise Allegorie, dass -man wirklich nicht wei, wie man die Kunst, welche sich durch diese, in -sich unendliche Knstlichkeit offenbart, genug bewundern soll.“<a name="FNAnker_497_497" id="FNAnker_497_497"></a><a href="#Fussnote_497_497" class="fnanchor">[497]</a></p> - -<p>Durch dieses berknstliche Schalten mit Contrasten, Parallelen -und verborgenen Beziehungen, die wie ein Netz die ganze Dichtung -berziehen, wird unser knstlerisches Bedrfnis noch nicht vollauf -befriedigt, weil diese Dinge theils zu versteckt sind und theils -zu uerlich und spielerisch hineingetragen<span class="pagenum"><a name="Seite_153" id="Seite_153">[S. 153]</a></span> erscheinen und so nie -imstande sind, eine klare Disposition und einheitliche Fhrung der -Handlung zu ersetzen. Allein Tieck begngt sich nun einmal mit dieser -Art zu gliedern und zu verbinden. In der Zeit, als unsere Dichtung -entstand, war von den Romantikern eben die freie, spielerische Willkr -der dichterischen Phantasie in ihre Herrschaft eingesetzt worden. -Wenige Jahre nachher tadelt es A.W. Schlegel bereits, dass man in -dieser Periode die blo spielende, mige, trumerische Phantasie -allzusehr zum herrschenden Bestandtheil der Dichtung gemacht habe. -Tieck selbst hlt lnger an seiner Neigung fest. Noch im „Phantasus“ -versteht Lothar unter „dramatisieren“ nicht mehr als „Sinn und -Zusammenhang“ in die Dinge bringen. Auch ber die Nothwendigkeit eines -inneren Mittelpunktes der Dichtung stellt Tieck noch 1828 ziemlich -bescheidene Forderungen auf. Der „Paradoxe“ sagt einmal ber die -Lenzischen Werke: „Kann nicht, wie bei einem echten Kunstwerk, der -regierende Geist aus dem inneren Mittelpunkte alle Theile, bis zu dem -entferntesten durchdringen, so mu wenigstens von auen eine fast -gewaltsame Regel die widerspenstigen Elemente in Ordnung halten, wenn -sie diese natrlich auch nicht ganz bezwingen kann.“<a name="FNAnker_498_498" id="FNAnker_498_498"></a><a href="#Fussnote_498_498" class="fnanchor">[498]</a> Man mchte -meinen, der „Paradoxe“ habe dabei auch ein wenig an Tiecks „Genoveva“ -gedacht, in der sich uns recht eigentlich „ein sentimentaler Stoff in -einer phantastischen Form darstellt“.<a name="FNAnker_499_499" id="FNAnker_499_499"></a><a href="#Fussnote_499_499" class="fnanchor">[499]</a></p> - -<h3 class="mtop15" id="Das_Religioese">2. Das Religise.</h3> - -<p>ber den religisen Grundzug, den die Auffassung der Genoveva-Legende -in Tiecks Bearbeitung zum Unterschiede von den unmittelbaren Vorgngern -und Nachfolgern, die den nmlichen Stoff behandelten, aufweist, war -die Kritik im allgemeinen immer einig. Das hinderte aber nicht, dass -die einzelnen religisen Anschauungen, die Tieck in seinem Werke in -reichlicher Menge vortrgt, sowie die Art ihrer Verwendung recht -verschiedene Urtheile hervorriefen. Die religise Seite der „Genoveva“ -ist fr den Geist der Romantik von 1800 ganz besonders bedeutsam und -kennzeichnend. Eine eingehende Prfung dieses religisen Gehaltes -und seiner Verwertung lsst sich daher in einer Charakteristik der -„Genoveva“ nicht umgehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_154" id="Seite_154">[S. 154]</a></span></p> - -<p>Schon bei der Frage nach dem Einflusse Calderons musste die Bemerkung -fallen, dass Tieck keinen Charakter schafft, dessen Denken und Thun -so recht eigentlich aus religisem Grund und Boden emporwchst, der -in seiner ganzen Existenz klar und einfach von bestimmten religisen -Anschauungen beherrscht wird. Zum groen Theile gelingt ihm dies noch -bei der Heldin Genoveva, wenn er das Leiden und Dulden der unschuldig -Verstoenen und ihre weichen frommen Stimmungen schildert. Nur ist -hier das Verdienst des Dichters nicht allzugro, weil ihm schon -das Volksbuch das Beste, was seine Genoveva an wirklicher Religion -besitzt, an die Hand gegeben hatte. Fehlt also dem Werke Tiecks in -vielen Partien ein fester innerer religiser Kern, ein ernst und tief -empfundenes religises Leben, so klebt der Dichter umsomehr uere -Decoration an allen Ecken und Enden auf, um dem Ganzen eine religise, -fast katholisch-kirchliche Frbung und Stimmung zu geben.</p> - -<p>Es wird in Tiecks Dichtung besonders viel von religisen Dingen -und Anschauungen geredet, bald ausfhrlich, bald im flchtigen -Vorbergehen. Wir hren da von Gott und der Dreieinigkeit.<a name="FNAnker_500_500" id="FNAnker_500_500"></a><a href="#Fussnote_500_500" class="fnanchor">[500]</a> Gott -heit der Erhalter der Welt,<a name="FNAnker_501_501" id="FNAnker_501_501"></a><a href="#Fussnote_501_501" class="fnanchor">[501]</a> er erscheint als der Spender alles -Guten<a name="FNAnker_502_502" id="FNAnker_502_502"></a><a href="#Fussnote_502_502" class="fnanchor">[502]</a> und als Lenker aller Dinge,<a name="FNAnker_503_503" id="FNAnker_503_503"></a><a href="#Fussnote_503_503" class="fnanchor">[503]</a> zu dem man in Freude -und Leid vertrauend aufblicken darf.<a name="FNAnker_504_504" id="FNAnker_504_504"></a><a href="#Fussnote_504_504" class="fnanchor">[504]</a> Zu ihm wird gebetet,<a name="FNAnker_505_505" id="FNAnker_505_505"></a><a href="#Fussnote_505_505" class="fnanchor">[505]</a> -er wird als Zeuge fr die Wahrheit im Schwure angerufen<a name="FNAnker_506_506" id="FNAnker_506_506"></a><a href="#Fussnote_506_506" class="fnanchor">[506]</a> und -auch seine Heiligen erscheinen als Frbitter fr die Menschen.<a name="FNAnker_507_507" id="FNAnker_507_507"></a><a href="#Fussnote_507_507" class="fnanchor">[507]</a> -Gott ist der Richter aller Menschen; darum ergreift den Snder die -Gewissensqual, der Reuige darf aber vom barmherzigen Gotte Verzeihung -hoffen.<a name="FNAnker_508_508" id="FNAnker_508_508"></a><a href="#Fussnote_508_508" class="fnanchor">[508]</a> Gott greift ferner durch<span class="pagenum"><a name="Seite_155" id="Seite_155">[S. 155]</a></span> Wunder und Visionen hie und da -in die Geschicke der Menschen ein<a name="FNAnker_509_509" id="FNAnker_509_509"></a><a href="#Fussnote_509_509" class="fnanchor">[509]</a> und das Eingreifen Gottes im -grten Umfange zu Gunsten der Menschheit, die Erlsung durch Jesus -Christus wird in einer Dichtung, wie die „Genoveva“ selbstverstndlich -nicht bergangen.<a name="FNAnker_510_510" id="FNAnker_510_510"></a><a href="#Fussnote_510_510" class="fnanchor">[510]</a> Es wird auch errtert, wie die Christenheit das -Werk des Erlsers fortzufhren und seinen heiligen Kampf gegen alle -Widersacher des Guten zu kmpfen hat.<a name="FNAnker_511_511" id="FNAnker_511_511"></a><a href="#Fussnote_511_511" class="fnanchor">[511]</a> Hierarchie und christliches -Kaiserthum, die beiden gewaltigsten Weltmchte des christlichen -Mittelalters, werden im schwachen Umrisse angedeutet.<a name="FNAnker_512_512" id="FNAnker_512_512"></a><a href="#Fussnote_512_512" class="fnanchor">[512]</a> Es wird -gelegentlich auch gezeigt, wie der einzelne Mensch durch den Unterricht -in der Heilslehre<a name="FNAnker_513_513" id="FNAnker_513_513"></a><a href="#Fussnote_513_513" class="fnanchor">[513]</a> zu seiner christlichen Gesinnung kommt, wie er -sich vervollkommnet und im Glauben erhlt durch eifriges Lesen von -Bibel und Legende,<a name="FNAnker_514_514" id="FNAnker_514_514"></a><a href="#Fussnote_514_514" class="fnanchor">[514]</a> durch Gebet und Theilnahme am Gottesdienst<a name="FNAnker_515_515" id="FNAnker_515_515"></a><a href="#Fussnote_515_515" class="fnanchor">[515]</a> -und wie ihm Gottes Gnade in seinem geistlichen Leben zuhilfe kommen -muss, die ihm besonders durch die Sacramente vermittelt wird.<a name="FNAnker_516_516" id="FNAnker_516_516"></a><a href="#Fussnote_516_516" class="fnanchor">[516]</a> -Durch die Betrachtung des Beispieles Christi und der Heiligen lernt -die heil. Genoveva Geduld, Verzeihen und Feindesliebe.<a name="FNAnker_517_517" id="FNAnker_517_517"></a><a href="#Fussnote_517_517" class="fnanchor">[517]</a> Sie lst -sich immer mehr von der Erde los und blickt mit immer tieferem Sehnen -nach der Ewigkeit hinber, nach der das ganze Leben nur eine Wallfahrt -ist.<a name="FNAnker_518_518" id="FNAnker_518_518"></a><a href="#Fussnote_518_518" class="fnanchor">[518]</a> Alle Erdengter erscheinen als eitel und nichtig.<a name="FNAnker_519_519" id="FNAnker_519_519"></a><a href="#Fussnote_519_519" class="fnanchor">[519]</a> Dem -heiligen Leben folgt endlich die himmlische Verklrung.<a name="FNAnker_520_520" id="FNAnker_520_520"></a><a href="#Fussnote_520_520" class="fnanchor">[520]</a></p> - -<p>Die heilige Musik religiser Gefhle soll, wie Schleiermacher wnscht, -nie im Menschen verstummen. Darum fhren die Figuren in der „Genoveva“ -bei jeder Gelegenheit religise Ausrufe und Redensarten im Munde. -Diese wird man allerdings nur bei jenen ernst nehmen, deren fromme -Gesinnung schon aus ihrem brigen Gebaren deutlich ist; sonst hat ein -„Gott Lob!“, „Wollte Gott!<span class="pagenum"><a name="Seite_156" id="Seite_156">[S. 156]</a></span>“ u. dgl. nicht viel zu sagen. Denn es -treten, das Bild zu vervollstndigen und durch Schatten zu erhhen, der -reinen Form des Christenthums noch verschiedene trbe uerungen des -religisen Triebes an die Seite: Sternencult und Schicksalsglaube,<a name="FNAnker_521_521" id="FNAnker_521_521"></a><a href="#Fussnote_521_521" class="fnanchor">[521]</a> -Hexenwahn<a name="FNAnker_522_522" id="FNAnker_522_522"></a><a href="#Fussnote_522_522" class="fnanchor">[522]</a> und muhamedanisches Heidenthum.<a name="FNAnker_523_523" id="FNAnker_523_523"></a><a href="#Fussnote_523_523" class="fnanchor">[523]</a> Magie und -Sternkunde, die mit Vorstellungen Jakob Bhmes und der Naturphilosophen -versetzt sind, boten fr Tieck kaum nach der religisen Seite viel -Anstiges, da nach romantischer Auffassung alles Religise ja nur -ein Zweig des einen Urreligisen ist. Das Geheimnisvolle und zum -Gemthe Sprechende in der Religion ist immer poetisch und daher -auch andererseits ein Bestandtheil der einen universalen, von den -Romantikern gesuchten Urpoesie. Erst durch die Absicht, welche die Hexe -mit der Magie verbindet, wird diese Kunst ethisch unterwertig. An sich -hat die Magie fr den Romantiker ihren hohen poetischen Wert.</p> - -<p>Soviel lt sich von religisen Anschauungen verschiedenster Art aus -der „Genoveva“ herauslesen und diese reichliche Flle, die so vielerlei -aus der christlichen Glaubenslehre berhrt, ber die ganze Dichtung -ausgebreitet, reicht ohne Zweifel aus, ein lebhaftes religises Colorit -zu erzielen.</p> - -<p>Fr das knstlerische Moment ist es nun von groer Wichtigkeit, -da sich diese Anschauungen in schnem Wechsel auf einzelne Trger -vertheilen. In der Dichtung, die ein ideales Nachbild des Lebens ist, -knnen ja naturgem nicht alle Leute gleich fromme Christen oder -Vertreter derselben religisen Anschauungsweise sein, da sie es im -Leben auch nicht sind. Den reichsten Glanz religiser Verklrung lt -Tieck auf die Titelheldin seines Werkes ausstrmen, auf die „heilige -Genoveva“. Bis auf geringe Schwankungen des Gemthes erscheint ihr -Denken, Reden und Handeln immer wenigstens in religiser Beleuchtung. -Wir blicken zurck bis in die Tage ihrer klsterlichen Erziehung, in -denen sie sich durch eine himmlische Vision als auerordentliches -Wesen ankndigt. Alle Arten frommer bungen und strenge religise -Pflichterfllung sind der Hauptinhalt ihres Lebens. Gottvertrauen, -Geduld und Ergebung, feste Gattentreue, die wenigstens theilweise -religis motiviert erscheint, fromme Mutter<span class="pagenum"><a name="Seite_157" id="Seite_157">[S. 157]</a></span>sorgfalt, Feindesliebe, -Weltentsagung sind ihre Tugenden. Der Himmel begnadet sie fters in -ihrem Leben mit Wundern und Visionen und als sie in die Seligkeit -eingegangen ist, verehrt die Christenheit ihr wunderthtiges Bild auf -den Altren. Tieck will eine Heilige des katholischen Mittelalters -schildern, eine „Kirchenheilige“, so gut er es vermag. Die Ergebung, -Aufopferung und das fromme Dulden ist ihm dabei die Hauptsache -an seiner Heiligen, wie wenigstens des Dichters Freund Bernhardi -versichert.<a name="FNAnker_524_524" id="FNAnker_524_524"></a><a href="#Fussnote_524_524" class="fnanchor">[524]</a> Unsicheres Schwanken ihres religisen Sinnes zeigt -Genovevas Verhalten gegen Golos Antrge, das eine leise Neigung fr -den Versucher in einem ganz versteckten Winkel ihres Herzens ahnen -lsst.<a name="FNAnker_525_525" id="FNAnker_525_525"></a><a href="#Fussnote_525_525" class="fnanchor">[525]</a> Vielleicht hatte Tieck auch das Bedrfnis, dem langen -Leiden wenigstens eine kleine Schuld vorangehen zu lassen, um so -seine Heilige auch wieder ein wenig aus ihrer Hhe in die Sphre -allgemein menschlichen und des traditionellen tragischen Empfindens -herabzurcken. Eine Beziehung zwischen dieser Verschuldung und dem -spteren Leiden wird aber nicht angedeutet. Diese Neigung selbst -erscheint Genoveva als groe Snde. Eine schiefe Auffassung; nicht -diese Empfindung selbst kann sndhaft sein, sondern Genovevas Benehmen -gegen Golo wre es, wenn es nicht zu „naiv“ wre. Mglich, dass Tieck -seiner Heiligen die vom Evangelium verlangte Taubeneinfalt geben zu -mssen glaubte. Die angestrebte unschuldige Einfalt wird dem Dichter -aber unter den Hnden zur peinlichen Einfalt. Die Meinung, dass eine -Frau in der Ehe fr „die Liebe Christi“ verloren sein msse, das -Seltsame, dass die fromme Klosterschlerin sich erst von Drago die -Bedeutung der irdischen Leiden erklren lsst, eine gelegentliche -fatalistische uerung, eine Bemerkung des heil. Bonifacius, die auf -ein ppig behagliches Leben der Heiligen vor der Verbannung schlieen -lsst: all das sind Dinge, die den Leser zwar stren, die man aber -Tieck bei seiner idealisierenden, nur auf die Gesammtstimmung, auf das -„Totale“ abzielenden Dichtungsweise nicht mit allzu eiserner Logik -nachrechnen darf. Zum guten Theile muss man solche Unebenheiten wohl -auch der leidigen Gewohnheit des Dichters „alla prima zu malen“<a name="FNAnker_526_526" id="FNAnker_526_526"></a><a href="#Fussnote_526_526" class="fnanchor">[526]</a> -zuschreiben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_158" id="Seite_158">[S. 158]</a></span></p> - -<p>Um Genoveva gruppiert sich eine Reihe von Menschen, ber welche die -religisen Lichter in mancherlei Abstufungen bald reicher, bald -sparsamer hinspielen: Schmerzenreich und Siegfried, Wolf, der Kapellan -und Drago, Wendelin und Else, Grimoald und Heinrich.</p> - -<p>Der frommen Mutter am nchsten zur Seite steht ihr Shnchen -Schmerzenreich, in dem der Dichter das kindliche Abbild der Mutter -zu zeichnen sucht. Unter Gebeten, religisen Gesprchen und -Belehrungen wchst der Knabe in stiller Waldeinsamkeit auf. Er ist -der selbstverstndliche Theilnehmer an den Wundern und Visionen. Von -allem irdisch sndhaften Wesen unberhrt, wird die Himmelssehnsucht -in der kindlichen Seele schon so mchtig, dass der unmndige Knabe -auf das vterliche Erbe verzichtet, und die Mutter, sein Liebstes, -ohne Schmerzgefhl sterben, d.i. zu Gott wandern sieht, womit der -Dichter seinem kaum mehr als siebenjhrigen Schmerzenreich und selbst -dem frmmsten Leser ein wenig zu viel zumuthet. Schmerzenreich ist so -das unvermischte, fleischgewordene religise Empfinden, wie Tieck es -auffasst.</p> - -<p>Neben der heiligen Mutter und dem heiligen Kinde sehen wir im Vater -Siegfried einen guten Christen, der seine religisen Pflichten zu Hause -erfllt, der vor dem Auszuge die Sacramente empfngt und sich als -biederer, frommer Rittersmann im Mohrenkriege fr die christliche Sache -bewhrt. Einen schlimmen Fehltritt begeht er aber in seinem Verfahren -gegen die unschuldige Gattin und schlecht lsst ihm auch sein Glaube -an die Zauberei, gegen die er zuerst Bedenken hat, bis sie ihm als -erlaubt bezeichnet wird. Er shnt aber seine Snden durch aufrichtige -Reue, durch strenge Weltentsagung und Bue am Ende. Was Siegfried jetzt -noch ist, das war der alte Wolf ehedem. Er kann nur mehr im Geiste am -heiligen Kriege theilnehmen, sich ber den Sieg der Christen freuen und -ber den Unglauben der Heiden verdrielich sein. Wenn Siegfried sich -durch die Zauberin bethren lsst, so hlt es Wolf mit den Astrologen. -Wie Siegfrieds Frmmigkeit am Ende der Dichtung in besonders hohem -Grade zum Vorschein kommt, so auch die Wolfs in der letzten Mahnrede an -Golo.</p> - -<p>Auf Siegfrieds Burg darf selbstverstndlich ein Burgkapellan nicht -fehlen, ein alter, frommer Lehrer und Rathgeber in allen religisen -Anliegen. Diese Rolle bernehmen bei Tieck zwei<span class="pagenum"><a name="Seite_159" id="Seite_159">[S. 159]</a></span> Personen, der Kapellan -und Drago. Der erstere ist nur eine matte Randfigur, die nach einer -Ansprache an die ausziehenden Kreuzfahrer und einer Erbauungsrede -in Sonettform aus dem Stcke verschwindet, um Drago die Leitung der -huslichen Andachtsbungen zu berlassen. Damit ist das religise Thun -beider erschpft.</p> - -<p>Ein Jnger Dragos ist Wendelin, den Benno einen „halben Pfaffen“ -schilt. Er liest mit Drago fromme Erbauungsbcher, geht mit ihm -gemeinsam zur Kirche und wie Drago bei Genoveva, mchte er gerne bei -der Dienerschaft Prediger und Gewissensrath sein, findet aber nicht -die beste Aufnahme. Das Kennzeichen von Wendelins Frmmigkeit ist eine -gewisse naive Einfalt.<a name="FNAnker_527_527" id="FNAnker_527_527"></a><a href="#Fussnote_527_527" class="fnanchor">[527]</a> Unerklrt bleibt aber sein scrupelloses -Lgen, durch das er Golo zu Siegfried lockt. Dass er der Gerechtigkeit -mit einem beln Mittel Vorschub leisten will, kann man vermuthen. Der -Dichter lsst uns darber im Unklaren. In der frommen Naivett und -Einfalt ist Else Wendelins weibliches Gegenbild, die wie er auf der -Stelle ein Wunder vom Himmel zur Bestrafung der Bsewichter verlangt -und die wie ihr Gatte Wendelin ihr frommes Gemth gerade am Gebaren -der wunderbaren Hirschkuh letzt. Als dritter im Bunde tritt zu beiden -ein alter Vertreter frommer Einfalt, der Khler Grimoald, der auch ein -wunderbares Eingreifen Gottes fr die verfolgten Gerechten fordert und -im Mitlaufen des Windspiels zu Genovevas Richtsttte ein Wunder sieht. -Mit einfltigem Unwillen wehrt er sich gegen die Brderschaft mit dem -Teufel, die ihm Benno scherzend zumuthet. Mehr als sein von ihm selbst -betontes Gottvertrauen und seine Empfnglichkeit fr die Morgenstimmung -in der Kapelle erhrtet seinen religisen Sinn die Furcht vor Snde -und Verantwortung, die ihn von der Ermordung Genovevas zurckschreckt. -Alle diese Nebenpersonen gebrauchen gerne fromme Interjectionen, -„Bei Gott!“ „Dass Gott erbarm!“ „O Gott!“ „Da solle einen Gott der -Herr bewahren!“ u.s.w. und das erinnert uns stets, dass wir uns in -christlicher Gesellschaft befinden. Diese eingestreuten religisen -Redewendungen sorgen dafr, dass die „heilige Musik“ in der Dichtung -nie ganz verklinge. Das Christenthum des Schfers Heinrich beschrnkt -sich ziemlich ganz auf diese frommen Ausrufe und fr seinen Freund -Dietrich fllt nicht einmal mehr ein solcher Ausruf ab.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_160" id="Seite_160">[S. 160]</a></span></p> - -<p>An der Grenze, wo sich die Bezirke der ehrlich gesinnten -Christenmenschen und der gottlosen Leute scheiden, bewegt sich die Amme -Gertrud. Sie bedient sich hin und wieder christlicher Alltagsphrasen -und sieht dann wieder im Laufe des menschlichen Daseins nur -Schicksalsfgung und Notwendigkeit. Tieck hlt mit dieser unbestimmten -religisen Stellung die Amme ganz richtig auf einer unsicheren -Grenzlinie, weil dies ihrer sonstigen Stellung zwischen den Parteien -gut entspricht. Wie sie in der Liebesverwickelung zwischen Genoveva -und Golo vermittelt, so fhrt uns ihr Schicksalsglaube auch hier zu -Genovevas Gegenspieler Golo. Dieser scheint nicht viel von christlicher -Religion nthig zu haben. Seine Liebe und sein ritterliches Thun -und Treiben fllen seine ganze Seele aus. Er sehnt sich nach keinem -Jenseits und mit dem Diesseits findet er sich in der Regel mit Hilfe -fatalistischer Gedanken ab,<a name="FNAnker_528_528" id="FNAnker_528_528"></a><a href="#Fussnote_528_528" class="fnanchor">[528]</a> einmal auch durch pantheistisches -Versenken in die Natur. Einmal in seinem Leben, vor dem Tode nmlich, -versucht er christlich zu beten; es gelingt aber nicht. Ein staunender -Ausruf, wie etwa „Herr Jesu Christ!“ kommt bei ihm nicht sonderlich -in Betracht. Fromme Leute (Genoveva, Wolf) sind ihm ehrwrdig, so -lange sie seinen Gedanken und seiner Leidenschaft nicht ernstlich -in die Quere kommen; geschieht aber dies letztere, so sind sie ihm -verhasst. ber die astrologische Geheimkunde denkt der freisinnige -Ritter auch nicht immer gleich. Einmal ruft er dagegen Vernunft und -Religion an, das anderemal nimmt er die dunkle Kunst allen Ernstes -fr sich selbst zuhilfe. Nach den begangenen Frevelthaten wandelt ihn -Gespensterfurcht an. Es ist ein bestndiges irrlichtelierendes Hin und -Her in seinen Empfindungen, wenn sie das religise Gebiet streifen. -Am ernstesten scheint er es noch mit dem Schicksalsglauben zu meinen. -Christliche Wendungen und Bilder gebraucht er gerne im profanen Sinne -zum krftigen Ausdrucke seiner Leidenschaft. Tieck fhrt uns in seinem -religisen Stcke den Bsewicht als unchristlichen Menschen vor, als -wollte er negativ und indirect den Wert und die Erhabenheit frommer -christlicher Gesinnung zeigen. Golo erscheint das einemal als eine Art -Aufklrer, der den Aberglauben verwirft, aber auch der Aufgeklrte -muss sich wieder der Religion<span class="pagenum"><a name="Seite_161" id="Seite_161">[S. 161]</a></span> gefangen geben, wenn sie auch nur als -Gespensterfurcht oder als pantheistische Stimmung ber seine Seele -kommt. So knnte man etwa die Gegenstze zusammenreimen, ber die -uns der Dichter nicht aufklrt. Wer das unbesiegbare Hervortreten -des religisen Bedrfnisses an Golo, daneben ein wenig Aufklrerthum -und den raschen Stimmungswechsel beachtet, denkt wie von selbst an -den Schpfer dieser Gestalt, in dessen Gemth ebenso verschiedene -und einander feindliche Geister heimisch waren. Golos gefgiges -Werkzeug, Benno, ist auch in religisen Dingen das vergrberte Abbild -seines Herrn im kleinen. Er ist gleichgiltig und zweifelschtig, er -rgert sich ber den frommen „Tuckmuser“ Wendelin und von Else wird -er ein „gottloser Mensch“ genannt. Er lsst sich gerne von Golo als -lgenhafter Bote und Mordgeselle dingen.</p> - -<p>Die zweite Seite des religisen Lebens in der romantischen Ritterzeit, -die gewissermaen als ein thtiges, religises Leben dem beschaulichen -auf Siegfrieds Schlosse sich zugesellt, den Kampf gegen den Erbfeind -des christlichen Namens, enthllen die breiten Kriegsscenen, die nur -durch Siegfrieds Theilnahme am Kampfe und durch die verschiedenen -Contrastbeziehungen lose an die Haupthandlung geknpft sind. Als Ideal -des christlichen Helden steht hier Karl Martell in der Mitte. „Fr Gott -und Christum“ lautet seine Parole. Vor der Feldschlacht muss Karl noch -den hrteren Kampf mit seinen eigenen ehrgeizigen Gedanken auskmpfen, -und nachdem er diesen Kampf, von religisen Motiven untersttzt, -glcklich bestanden, schenkt ihm der Himmel auch Sieg und Ruhm auf dem -blutigen Felde. Das Gebot der christlichen Selbstbeherrschung wird -stark betont, auch vom unbekannten Weisen, der Karls groe Zukunft -prophezeit. Karl Martell ist der christliche Feldherr. Den Typus des -biederen christlichen Kriegsmannes, dessen bedeutendster Lebenszweck -der Kampf fr seine Religion ist, stellt Otho dar. Recht drastisch -muss dieser Haudegen seine fromme Gesinnung noch damit zeigen, dass -er sterbend auf dem Schlachtfelde seine Besorgnis uert, ob er wohl -„ohne Sacrament und lung“ selig werden knne und seine Snden, die -ihm im Leben nicht einmal bewusst waren (!), muss sein wallfahrender -Geist bereuen und ben. Eine dunkle Vorstellung vom Fegefeuer und -Calderon’sche Anregungen drften darin zu suchen sein. Siegfried -und der noch farbloser gehaltene Gnther sind Othos gleichgesinnte -Waffen<span class="pagenum"><a name="Seite_162" id="Seite_162">[S. 162]</a></span>gefhrten. Zum Feldherrn und einfachen Kriegsmann tritt der -vornehme feurige Jngling Aquitanien, der sich nicht beherrschen und -berwinden kann, ein kleines Gegenstck zu Golo, ein Held, dessen -ganzes Denken dem hohen knftigen Kriegsruhme gehrt, so dass bei ihm -fr die Religion nicht mehr brig bleibt als ein paar Redensarten. Das -sonstige Kriegsvolk ist eine nicht weiter individualisierte Masse.</p> - -<p>Als Feinde stehen dem Christenheere die Saracenen gegenber, die -ihrerseits den Krieg auch als einen „heiligen Krieg“ im Dienste -Allahs und seines Propheten betrachten, zu dem sie beten, den sie -in der Schlacht anrufen, dem Abdorrhaman Vorwrfe macht, wenn -er nicht hilft.<a name="FNAnker_529_529" id="FNAnker_529_529"></a><a href="#Fussnote_529_529" class="fnanchor">[529]</a> Andeutungen eines Sternencultes und der -Schicksalsbestimmung durch die Sterne sind bei den Orientalen in -der Poesie immerhin am Platze. Diese Vorstellungen begegnen uns -ziemlich gleichmig vertheilt an Abdorrhaman, Derar, Ali, Zulma. Hier -unterlsst der Dichter ein mannigfaltigeres Abstufen des religisen -Charakters der einzelnen Gestalten.</p> - -<p>Wie in der Rede des „Unbekannten“ und in den Sprchen der Hexe Jakob -Bhmes Gedanken mit naturphilosophischen Ideen sich mischen, braucht -hier nicht mehr wiederholt, sondern nur erwhnt zu werden. Dass -Tieck besonders das poetisch Stimmungsvolle an diesen Geheimnissen -interessierte, wurde auch bereits betont. Ob Tieck Bernhardis -Ansicht<a name="FNAnker_530_530" id="FNAnker_530_530"></a><a href="#Fussnote_530_530" class="fnanchor">[530]</a> theilte, dass Hexenglaube und Hexenverfolgung in der -„Genoveva“ zur Vervollstndigung des katholischen Bildes nthig waren -(!?), wage ich nicht zu entscheiden. Unmglich ist es gerade nicht, da -er die Hexe bereits im Volksbuch fand, das fr Tieck mittelalterlich -und katholisch war.</p> - -<p>Die Vertheilung des religisen Denkens und Fhlens in verschiedenen -Graden auf eine Reihe von Figuren, die Stufenleiter, auf der so -verschiedene Schattierungen von der hohen Heiligkeit angefangen bis -zur bitteren Feindschaft gegen den christlichen Namen begegnen, zeugt -entschieden fr Tiecks knstlerisches Gefhl in der Vertheilung -von Licht und Schatten. Er versteht es, die Farben in glcklicher -Abwechselung und belebender Mannigfaltigkeit anzuordnen. Auch die -Zusammen<span class="pagenum"><a name="Seite_163" id="Seite_163">[S. 163]</a></span>stellung bestimmter Gruppen, die einer gemeinsamen religisen -Richtung angehren, verdient ein kleines Lob. Um Genoveva bildet -sich ein Kreis von Gleichgesinnten, dem Golo mit seinem Anhange -gegenbersteht. Den zwei Gruppen auf dem Schlosse entsprechen die -beiden Kriegslager, das christliche und das saracenische. Bunte -Mannigfaltigkeit, knstlich gegliedert und zu einem Ganzen sich -zusammenschlieend: der bekannte romantische Lieblingsgedanke steht -hier wieder vor uns. Nicht so ganz gelingt es Tieck nach unserem -heutigen Gefhle mit dem Festhalten des religisen „Tones“ im Stcke, -den er selbst fr sehr wichtig und wertvoll erklrt. „Die Religion -nun, die Wste, die Erscheinungen sind mir der Ton des Gemldes, -der alles zusammenhlt, und diesen mchte ich nur vertheidigen und -ihn nicht gerne unwahr, manieriert, einen der die Localfarben strt -und auslscht, nennen lassen.“<a name="FNAnker_531_531" id="FNAnker_531_531"></a><a href="#Fussnote_531_531" class="fnanchor">[531]</a> Manche Scenen nehmen aber an -diesem religisen Grundtone zu wenig theil. In den Schferscenen -sprt man z.B. gar nicht viel davon. In den Liebesscenen wird das -Religise ziemlich von Golos Leidenschaft bertubt oder durch -Gertruds intrigante Reden aus dem Gesichtsfelde gerckt. Hier treten -„die Localfarben“ als alleinherrschend aus dem Bilde heraus. In der -Darstellung des Krieges und im ganzen zweiten Theile der Dichtung -erreicht aber Tieck ohne Zweifel, was er anstrebt; hier herrscht der -religise Ton bis in die letzten Fugen des Werkes hinein und das -Anwachsen der frommen Stimmung gegen das Ende zu ist ebenfalls gut -berechnet und wird schon von Bernhardi hervorgehoben.<a name="FNAnker_532_532" id="FNAnker_532_532"></a><a href="#Fussnote_532_532" class="fnanchor">[532]</a> Es wird -freilich nicht jeder Leser von dem leicht hingehauchten religisen -Colorit voll befriedigt sein, obschon dieses in gewissen Scenen -eine prunkende Leuchtkraft entwickelt. Es bleibt eben doch zumeist -an der Oberflche und dringt nicht in die Tiefe der Charaktere, um -als treibende Kraft diese von innen heraus zu beleben. Auch die -Widersprche, die uns sofort auffallen, strten den romantischen Leser -von 1800 nicht. Die Religion ergreift den Menschen, der es mit ihr -ernst nimmt, viel zu sehr in der Tiefe seines Wesens, als dass es -in der religisen Poesie mit einer bloen Stimmung des Gesammttones -gethan wre, wie ja Tieck eigentlich auch bei Schleiermacher htte -erfahren knnen,<span class="pagenum"><a name="Seite_164" id="Seite_164">[S. 164]</a></span> und schon Solger, der intime Freund des Dichters, -macht gegen das Religise in der „Genoveva“ seine Bedenken geltend. -Er vermisst darin das „unmittelbar Gegenwrtige“. Hettner und -Haym<a name="FNAnker_533_533" id="FNAnker_533_533"></a><a href="#Fussnote_533_533" class="fnanchor">[533]</a> fhren nach Solger aus, dass man an der Art, wie die -Heilige sich in Wackenroder-Tiecks Manier in die alte fromme Zeit der -Legenden zurcksehnt, nicht merkend, dass sie selbst in dieser Zeit -lebt, keine rechte Freude gewinnen knne. Der Widerspruch zwischen -Genovevas Frmmigkeit und der himmlischen Hilfe, die ihr zutheil -wird, einerseits und dem Naturfatalismus Golos andererseits, ist am -Ende nicht so verfnglich, als Hettner meint.<a name="FNAnker_534_534" id="FNAnker_534_534"></a><a href="#Fussnote_534_534" class="fnanchor">[534]</a> Warum sollten -nicht an zwei so entgegengesetzten Naturen auch entgegengesetzte -religise Anschauungen zutage treten? Das uerlich angeflogene -Mittelalter in der „Genoveva“ ist gerade auch kein Hindernis, solche -Anschauungen nebeneinanderzustellen. Nur wrde man erwarten, dass -diese religisen Gegenstze als solche in eine bestimmtere innere -Beziehung gesetzt wren. Das Unbefriedigende fr den Leser, der auch -in der dichterischen Darstellung der Religion mehr als vage Stimmungen -erwartet, liegt vielmehr darin, dass sich verschiedene Menschen -Tiecks ohne ersichtlichen knstlerischen Grund und ohne dass wir vom -Dichter einen rechten Aufschluss ber das Warum erhalten, in ihrem -eigenen Gedankenkreise unsicher fhlen und dass so Verschiedenartiges -im nmlichen Charakter friedlich nebeneinander liegt. So, wenn Golo -einmal gegen den astrologischen Aberglauben Stellung nimmt und ihn -ein andermal selbst allen Ernstes zurathe zieht, wenn er meist -fatalistisch denkt und dann pltzlich christlich betet; wenn Jakob -Bhmes Lehre einmal mit Ehrfurcht behandelt wird und dann von einer -Hexe missbraucht werden darf, ohne dass der Missbrauch als solcher -deutlich genug gekennzeichnet wird. Oder Genoveva, die sonst immer als -die fromme Christin des Volksbuches erscheint, berrascht den Leser -mit einer fatalistischen Redensart oder einer Schleiermacher’schen -pantheistischen Vorstellung. Wir wissen nicht, wie Wolf dazu kommt, -solchen Luxus mit religisen Ermahnungen Golo gegenber zu treiben, -nachdem wir vorher wenig Religiositt an ihm und noch weniger an -Golo bemerkten. Seine ganzen Ermahnungen verfliegen auch wieder in -Nichts. Tieck will, wie es scheint, einen<span class="pagenum"><a name="Seite_165" id="Seite_165">[S. 165]</a></span> gewissen Umschwung im -Ganzen seiner Dichtung kommen lassen. Gegen Ende zu soll sich alles -zu einer herrschenden frommen Gesammtstimmung vereinigen. Es muss -darum mglichst viel Religion in die Dichtung geschafft werden. -Diesem Gesammtzuge des Ganzen mssen dann mitunter Charaktere und -Schicksale nachgeben. Die Gesammtstimmung ist der Romantik wichtiger -als das klare, in reinen Umrissen erschaute und mit sicheren Strichen -gezeichnete Charakterbild. Wir wissen auch nicht, ob Wendelin ehrlich -fromm ist oder ein Heuchler, da wir fr seine grobe Lge im Stcke -keine Erklrung bekommen. Der Kreuzzug, dessen Unternehmer aus ihrem -christlichen Heldenthume so viel Wesens machen, ist, bei Lichte -besehen, eigentlich gar kein Kreuzzug, sondern nur ein nothgedrungener -Vertheidigungskrieg und nur durch eine stilistische pia fraus, durch -immerwhrendes Betonen des Kreuzzugscharakters dieses Krieges macht -der Dichter schlielich den gutwilligen Leser an den „heiligen -Krieg“ glauben. Daneben schiebt sich noch unvermittelt das Motiv vom -„deutschen Denken“ und der „deutschen Sache“ ein.<a name="FNAnker_535_535" id="FNAnker_535_535"></a><a href="#Fussnote_535_535" class="fnanchor">[535]</a> Bernhardi -begngt sich mit diesem ueren Anstrich, er findet den Religionskrieg -„sehr gut“. Von all den verschiedenen religisen Anschauungen wird in -der „Genoveva“ nur das saracenische Heidenthum deutlich abgelehnt; -alles brige fliet zu einem wunderlichen Synkretismus ineinander, -der dem unparteiischen Betrachter klrlich zeigt, dass Tiecks -„Genoveva“ nicht so katholisch ist, als Eichendorff meint und nicht -so protestantisch wie Friesen will. Tieck war damals kein orthodoxer -Glubiger irgendeiner Kirche, er hatte zu keiner ein Verhltnis, das -ihn ganz ergriffen htte; daher kann er kirchliches und confessionelles -Leben nicht rein und berzeugend darstellen. Er will es auch nicht, -er mchte nur seine ganze Dichtung in eine mglichst starke allgemein -religise Beleuchtung stellen und man wird seiner Absicht, die Religion -„als Ton des Gemldes“ durch das Werk klingen zu lassen und dem -wirklichen Sachverhalte am ehesten gerecht, wenn man den Charakter -dieses poetischen religisen Synkretismus, der nur der Gesammtstimmung -zu dienen hat, als romantisch-religis bezeichnet.</p> - -<p>Tieck steht nicht allein. Der revolutionre Sturm und Drang, der die -brigen sthetischen und socialen Anschauungen<span class="pagenum"><a name="Seite_166" id="Seite_166">[S. 166]</a></span> der jungen Generation -in ghrenden Aufruhr bringt, schont auch die religisen Gedanken nicht. -Neuplatonismus, Jakob Bhme, Hemsterhuys, Spinozismus und Christenthum -flattern auch bei Fr. Schlegel und Novalis im lustigen Wirbel -durcheinander. Und noch mehr. Sogar im Leben versuchten es andere -mit dieser Religionsmischung. Christian Mayr, der wunderliche Freund -Zach. Werners, „hrte oft an einem Tage des Morgens Messe auf seinem -Angesicht liegend, predigte dann in der protestantischen Kirche und -ertheilte die Kommunion und endete den Tag mit Besuch der Mennoniten, -der Herrnhutergemeinde, der Synagoge <a name="und" id="und"></a>und der Freimaurerloge.“<a name="FNAnker_536_536" id="FNAnker_536_536"></a><a href="#Fussnote_536_536" class="fnanchor">[536]</a> -Und Z. Werner selbst sucht in einer gewissen Periode seines Lebens -Herrnhuter und Freimaurer wie die katholischen Kirchen auf und geniet -berall durch, was er an religisen Stimmungen findet.<a name="FNAnker_537_537" id="FNAnker_537_537"></a><a href="#Fussnote_537_537" class="fnanchor">[537]</a> Einige -poetische Reflexe dieser religisen „Universalitt“ lassen sich eben -auch in der „Genoveva“ nicht verkennen. Bei allem berwiegen des -Christlichen thut Tieck in seiner stimmungmalenden Art dem Principe -nach das Nmliche, was Adam Mller noch 1807 (also nach seiner -Conversion) an Kleists „Amphitryon“ rhmt: „So ist er (Amphitryon) -gerade aus der hohen Zeit entsprungen, in der sich endlich die Einheit -alles Glaubens, die echte Gemeinschaft aller Religionen aufgethan.“<a name="FNAnker_538_538" id="FNAnker_538_538"></a><a href="#Fussnote_538_538" class="fnanchor">[538]</a></p> - -<h3 class="mtop15" id="Das_Costuem">3. Das Costm.</h3> - -<p>Groen Flei verwendet Tieck darauf, recht viel religise Stimmung ber -seine Dichtung zu verbreiten; lange nicht so eifrig ist sein Bemhen, -den Leser in die „alte deutsche Zeit“ zurckzufhren. Will man aber -Tieck nicht unrecht thun, so darf man nicht die Forderungen an die -Costmtreue aus unserer heutigen Zeit der culturhistorischen Romane fr -die Zeit vor hundert Jahren geltend machen, sondern es gilt auch hier, -zuerst zu erfahren, wie Tieck ber das Costm denkt und wie er seine -knstlerischen Anforderungen in diesem Punkte erfllt.</p> - -<p>Tieck meint, wenn ein Dichter einen alten Stoff behandle,<span class="pagenum"><a name="Seite_167" id="Seite_167">[S. 167]</a></span> so -msse die Hauptsache sein, dass alle Welt mit ihren nur mglichen -Mannigfaltigkeiten schon frher dunkel im Poeten liege, sonst werde er -nie etwas ordentlich begreifen. Der Dichter hat Stoff und Motiv aus der -alten Zeit von seinem eigenen Standpunkte aus mit jenem Mae zu messen, -das er fr das allgemein menschliche hlt. Das ist das Wesentliche und -so that Shakespeare. Einen schwerflligen und umstndlichen Weg, ein -fernes Zeitalter zu begreifen, schlagen dagegen jene ein, die sich mit -„Kenntnissen und Costm, Sitten und Lebensweise“ ausrsten, die sie -mhsam aus hundert Bchern zusammengetragen haben.<a name="FNAnker_539_539" id="FNAnker_539_539"></a><a href="#Fussnote_539_539" class="fnanchor">[539]</a> So meint auch -Albrecht Drer im „Sternbald“ bndig:<a name="FNAnker_540_540" id="FNAnker_540_540"></a><a href="#Fussnote_540_540" class="fnanchor">[540]</a> „Ich will ja den, der meine -„Bilder“ ansieht, nicht mit lngstvergessenen Kleidungsstcken bekannt -machen, sondern er soll die dargestellte Geschichte empfinden.“</p> - -<p>Nicht viel anders hlt es Tieck in der „Genoveva“. Er thut fr das -Costm der alten Ritterzeit so viel, als sich gerade bequem thun lsst -und gerade so viel, als hinreicht, um eine Vorstellung und leichte -Stimmung des Alterthmlichen zu erwecken. Bonifacius fordert im Prologe -den Leser direct auf, in die alte Zeit zu folgen, da Christen und -Saracenen im Kampfe lagen. Der Krieg wird in Frankreich localisiert, -der Saracenenfhrer heit Abdorrhaman, ist also jener geschichtliche -Abderrhaman, der bei Tours mit Karl Martell kmpfte. Der Krieg wird -anachronistisch und innerlich unsachgem zu einem Kreuzzug gestempelt, -in dem das Christenheer unter einer Fahne mit rothem Kreuze kmpft. Ein -paar Andeutungen weisen auf Hierarchie und Kaiserthum des Mittelalters -hin. Das Alterthmliche der Ritterschlacht wird uns gegenwrtig, wenn -wir von der ritterlichen Ausrstung mit Harnisch, Schwert und Schild -erfahren<a name="FNAnker_541_541" id="FNAnker_541_541"></a><a href="#Fussnote_541_541" class="fnanchor">[541]</a> und weiter hren, dass mit xten, Lanzen und Hellebarten -gekmpft und Siegfried durch einen Pfeilschuss verwundet wird.<a name="FNAnker_542_542" id="FNAnker_542_542"></a><a href="#Fussnote_542_542" class="fnanchor">[542]</a> -Golo wird spter mit Spieen todtgestochen.<a name="FNAnker_543_543" id="FNAnker_543_543"></a><a href="#Fussnote_543_543" class="fnanchor">[543]</a></p> - -<p>Auch ber das Thun der Ritter zu Hause im Frieden erfahren wir -einiges. Ziemlich allgemein und unbestimmt heit es,<span class="pagenum"><a name="Seite_168" id="Seite_168">[S. 168]</a></span> dass Golo „in -den Waffenknsten unterrichtet wurde“<a name="FNAnker_544_544" id="FNAnker_544_544"></a><a href="#Fussnote_544_544" class="fnanchor">[544]</a> und dass er „Waffenwerk -treibt“.<a name="FNAnker_545_545" id="FNAnker_545_545"></a><a href="#Fussnote_545_545" class="fnanchor">[545]</a> Etwas minnesingerisch klingt es, wenn er „alte -Liebesreime singt“<a name="FNAnker_546_546" id="FNAnker_546_546"></a><a href="#Fussnote_546_546" class="fnanchor">[546]</a> und ein andermal zu einem Liede selbst „Wort -und Weise findet“.<a name="FNAnker_547_547" id="FNAnker_547_547"></a><a href="#Fussnote_547_547" class="fnanchor">[547]</a></p> - -<p>Die Pfalzgrfin Genoveva liest als vornehme Rittersfrau ein Buch, das -ein Mnch geschrieben hat<a name="FNAnker_548_548" id="FNAnker_548_548"></a><a href="#Fussnote_548_548" class="fnanchor">[548]</a> und wie Drago wird sie von Golo, der zum -Vogt ber das Schloss bestellt worden war,<a name="FNAnker_549_549" id="FNAnker_549_549"></a><a href="#Fussnote_549_549" class="fnanchor">[549]</a> in das Burggefngnis, -in den „Thurn“ gefhrt.<a name="FNAnker_550_550" id="FNAnker_550_550"></a><a href="#Fussnote_550_550" class="fnanchor">[550]</a></p> - -<p>Wenn nicht Krieg ist, sollten die Ritter das Weidwerk treiben, meint -Matthias.<a name="FNAnker_551_551" id="FNAnker_551_551"></a><a href="#Fussnote_551_551" class="fnanchor">[551]</a> Siegfried, der Lehensmann Karl Martells<a name="FNAnker_552_552" id="FNAnker_552_552"></a><a href="#Fussnote_552_552" class="fnanchor">[552]</a> ist -Pfalzgraf, also eine echt mittelalterliche Amtsperson.<a name="FNAnker_553_553" id="FNAnker_553_553"></a><a href="#Fussnote_553_553" class="fnanchor">[553]</a> Er ist -Richter in seinem Sprengel (den er einmal unversehens „Staat“ nennt) -und bt die Gerichtsbarkeit, die „Pfalz“, in wichtigen Fllen im Verein -mit seinen Verwandten aus.<a name="FNAnker_554_554" id="FNAnker_554_554"></a><a href="#Fussnote_554_554" class="fnanchor">[554]</a> Als ein selbstverstndlicher Fall in -seiner Praxis erscheint der Hexenprocess, wobei der Dichter noch mehr -Jahrhunderte, als bei der Einfhrung des Kreuzzuges berspringt. Auch -die Astrologie erweckt den Eindruck des Alterthmlichen, wenigstens im -allgemeinen.</p> - -<p>Wie Tieck Thatsachen verschiedener Jahrhunderte in einander arbeitet -(zum Theil auf Veranlassung des Volksbuches hin), so ist er auch in -anderen Einzelheiten der Costmbehandlung nicht ngstlich. Seine -Schfer tragen nichts Alterthmliches an sich. Es ist von Genovevas -„Zimmer“ die Rede.<a name="FNAnker_555_555" id="FNAnker_555_555"></a><a href="#Fussnote_555_555" class="fnanchor">[555]</a> Das Wort „Pfaffe“ ist bereits Schimpfwort, der -naturphilosophische „Weltgeist“ spuckt schon im achten Jahrhundert -u.s.w.</p> - -<p>Man sieht, Tieck ist in Sachen der Costmtreue nicht bedenklich, -wie er es auch von anderen nicht verlangt; er nimmt mit sorglosem -Griffe verschiedene Dinge zusammen, wenn sie<span class="pagenum"><a name="Seite_169" id="Seite_169">[S. 169]</a></span> nur einer vergangenen -Zeit angehren und mgen sie in der Vergangenheit selbst auch wieder -durch Jahrhunderte getrennt sein. Es gengt ihm, wenn das Ganze nur -so einen leichten, alterthmelnden Hauch bekommt und der Leser das -Gefhl nicht verliert, dass er sich in einer idealen, mittelalterlichen -Vergangenheit bewegt. So viel erreicht Tieck auch durch die gegebenen -Anhaltspunkte und mit diesem migen Colorit ist er zufrieden. Wenn uns -heute seine weitgehende Freiheit in der Costmbehandlung auch nimmer -ertrglich wre, so behlt Tieck noch immer wenigstens mit der Ansicht -Recht, dass das Costm in einer Dichtung nicht Hauptsache, sondern -untergeordnete Nebensache sei.</p> - -<p>Die Freude am alterthmlichen Costm gehrt ebenso wie die -Freude am alterthmlichen Stoffe zu den eigentlich romantischen -Gefhlsrichtungen, die sich vorzugsweise seit Wackenroder in der -deutschen Literatur geltend machen. Tieck hatte auerdem durch Hans -Sachs und Goethe seine Freude am Altdeutschen genhrt. Wenn auch fr -uns nimmer so lebhaft nachfhlbar, war es doch fr die Romantiker -vor hundert Jahren, wie uns ihre vielen Bekenntnisse bezeugen, eine -wirkliche, innige poetische Freude, solche alterthmliche Stimmungen -nachzuerleben und nachzuschaffen, eine Freude, ebenso ehrlich, wie -das Entzcken an der Poesie des Religisen. Das Wiederauffinden und -Wiedererkennen des poetisch Vortrefflichen, das ungerecht verkannt -und missachtet wurde, erweckte ihre enthusiastische Freude. Diese -aufrichtige, ehrliche Freude mssen wir uns auch stets in Erinnerung -rufen, wenn Tieck seine „Genoveva“ ein Erlebnis nennt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Der Dichter denkt nicht an eine Darstellung seines Dramas<a name="FNAnker_556_556" id="FNAnker_556_556"></a><a href="#Fussnote_556_556" class="fnanchor">[556]</a> auf der -Bhne, die seine Figuren dem leiblichen Auge des Zuschauers lebendig -machen knnte, er rechnet nur auf das innere Auge des Lesers oder -Hrers. Es liegt daher die Frage nahe, wie der Dichter diesen seinen -Menschen, die er in eine alte Zeit und in mittelalterliche Verhltnisse -versetzt, fr die Phantasie Gestalt und zwar zunchst uere Gestalt, -sinnliche Farbe gibt.</p> - -<p>Von den Hauptpersonen bekommt der Leser zuerst <em class="gesperrt">Golo</em> zu Gesicht. -Wie sieht <em class="gesperrt">Golo</em> aus? Von ihm wird berichtet, dass er schon als -Kind schn gewesen sei, „wie ein Engel“. Als Genoveva auf das Schloss -zog, kam er ihr entgegen als „ein<span class="pagenum"><a name="Seite_170" id="Seite_170">[S. 170]</a></span> Jngling von bunter Tracht und -adeligem Wesen und voll Demuth“, mit einem glnzenden Gesicht, so dass -er sie an die Erscheinung Christi in der Vision erinnerte. Im Drama -selbst sieht man ihn als schnen, edlen Herrn und Junker auftreten. Er -hat ein „wackeres“ Aussehen. Er zeigt sich eingangs als ein stolzer -Reiter auf stolzem, weiem Rosse (ein schnes, glnzendes Ross heit -es spter). „Locken, Augen und Lcheln“ fallen Genoveva bei der ersten -Begegnung auf. Weit mehr Aufmerksamkeit als allen anderen ueren -Eigenthmlichkeiten, die eigentlich recht verschwommen sind, schenkt -der Dichter dem Auge, auf das wir oft und oft mit besonderem Nachdruck -hingewiesen werden; denn das Auge scheint „dem Gedanken verwandter“ als -die anderen Sinne.<a name="FNAnker_557_557" id="FNAnker_557_557"></a><a href="#Fussnote_557_557" class="fnanchor">[557]</a> Schon als Kind hatte Golo „etwas im Auge, so -lieb und gut, so freudenreich und hell“, dass er jedermann anziehend -erschien. Jugend und Freude sehen ihm aus den Augen. Sein „helles -Auge“ muss jedes Herz erfrischen. Gertrud sagt dem Traurigen: „Wre -ich ein junger, wack’rer Herr mit Augen, wie Ihr...“ Von sich selbst -sagt Golo: „Gern wollte ich die trben Blicke lassen und wieder aus -den muntern Augen seh’n“ u.s.f. Solange Golo gute Wege geht, erscheint -er auch uerlich herrlich. Als er zum Verbrecher wird, verwandelt -sich sein ueres. „O seht die Tcke, wie sie sich in den stieren -Augen malt, seht das verruchte, missgestalte Antlitz.“ fters lesen -wir ganz allgemein nur von der „Gestalt“, vom „Antlitz“. Hufiger -ist von der ueren Erscheinung Genovevas, der Gegenspielerin Golos -die Rede. Gleich anfangs ist sie die „schne Grfin“. Dann hren -wir von der „hohen Gestalt“, der „herrlichen Gestalt“, von ihrem -„hohen Gange“. Sie ist die „Holdeste“, „das holdsel’ge Bild“, „das -schnste Kind“, „blhend, ein Wunder anzuschauen“. Sie besitzt „reine -Zge und Schnheit“. Dass diese allgemeine Schnheit ein wenig mehr -individualisiert wird, kommt daher, weil Golo sie mit sinnlichen Augen -ansieht und weil es auch in der Natur der Sache zu liegen scheint, -dass der Dichter sich um die uere Erscheinung der Frauen mehr als -um die der Mnner kmmert. (Vgl. „Hermann und Dorothea“.) Auf Golo -wirken die rothen Lippen, „deren Rte aus dem Herzen wegtrinkt mein -rotes Blut“. Auch bei Genoveva steht wieder das Auge im Mittelpunkt des -Interesses.<span class="pagenum"><a name="Seite_171" id="Seite_171">[S. 171]</a></span> Der „helle Bronn des Auges“ erweckt Golos Sinnlichkeit. -An ihren „jungen Augen“ will Gertrud Liebe zu Golo lesen. Genoveva hat -„den Himmel im Auge“, sie sieht Golo mit Augen an, „deren Glanz das -Mark mir aussaugt“. Der Grfin Augen sind „herzbannende Augen“, „holde -Augen“, „helle Kreise“ und sie sehen durch den Schleier „so wie die -Sonne hinter Wolken scheint“. Als der Kummer Genoveva schon „geltert“ -hat, sind „noch die Augen schn und lebhaft“. Ja selbst sterbend „lacht -ihr helles Auge“. Golos sinnlicher Blick begngt sich nicht mit Augen, -Wangen und Lippen, er verfolgt „den Bau der schnen Glieder von der -Brust zu den vollen Hften nieder“. Er stellt sich Genoveva tanzend -vor im schnen Gewande, „das eng und enger an die Glieder fliegt“. Der -„holde Leib“ hat ihn berckt. Auch der Zauberspiegel bei der Hexe gibt -von der Heldin ein Bild. Siegfried sieht darin seine Genoveva „in all -ihrer Schnheit, im schwarzen Kleide mit goldenem Geschmeide“. In der -Noth wird sie zum „Todtengerippe“, „Scheusal“ und „Gespenst“, wie Golo -sie hhnend nennt.</p> - -<p>Unter den brigen Personen wird Zulma noch fast am deutlichsten -sichtbar. „Sieh mein Frst, die Flle der schwarzen Locken und die -Mdchenwangen, den zartgeschlossnen Mund wie Rosenknospe, o Himmel, -sieh den schnsten Busen...“ Sie hat „schne, groe Augen“. Mag sein, -da ihr der Dichter als einem Gegenbilde Genovevas ein greres -Interesse schenkt. Nur wrde man dann auch ein deutliches Contrastieren -der ueren Erscheinung erwarten.</p> - -<p>Die anderen Gestalten sind fr unsere Phantasie recht blass und noch -schattenhafter als die Hauptperson. Schmerzenreich ist ein „schnes -Kind“, ein „liebes Kind“. Seine „Augen“ und seine „Blicke“ sind -Genovevas Freude. Drago ist „weder jung noch schn“. Siegfried ist -alt. „Was soll das Bild doch sein“ ruft Schmerzenreich, als er ihn -sieht. Das ist alles, was wir von seiner Erscheinung hren. Ein wenig -deutlicher heit Karl Martell „ein herrlicher, stattlicher Mann“ mit -der „Miene voll Zorn“. Zulma preist des jungen Feldherrn Abdorrhaman -„Schnheit und liebevollen Blick“; seine Augen sind „zwei Sonnen“. -Aquitanien ist „ein Jngling“. Wesen, Gestalt und das khne Auge lassen -die Hexe in Siegfrieds Augen als berirdisch erscheinen.</p> - -<p>Von einer plastischen, gegenstndlichen Deutlichkeit kann nirgends die -Rede sein. Es ist hier dieselbe idealisierende und<span class="pagenum"><a name="Seite_172" id="Seite_172">[S. 172]</a></span> leicht andeutende, -unbestimmt gehaltene Darstellungsweise, wie sonst bei Tieck. Der -schne Golo mit den schnen Augen, die schne Genoveva mit den schnen -Augen, das ist ziemlich alles, was die Phantasie aus den verschiedenen -allgemeinen Andeutungen entnehmen kann. Das Betonen des sinnlichen -Reizes an Genoveva, sowie die Vorstellung von der tanzenden Heiligen -und die derbrealistischen Ausdrcke wie „Scheusal“ u.s.w., die sich -zwar an sich in Golos Munde nicht unzutreffend ausnehmen, bringen aber -in das Gesammtbild der Legende etwas Fremdes, das sich zu ihrem brigen -Wesen so wenig schicken will, wie die ziemlich frivolen Badescenen zu -der frommen Kunststimmung im „Sternbald“.<a name="FNAnker_558_558" id="FNAnker_558_558"></a><a href="#Fussnote_558_558" class="fnanchor">[558]</a> Eine Eigenthmlichkeit -in Tiecks Personenschilderung ist die Vorliebe fr das Auge. Der am -meisten seelische Sinn ist fr den Dichter auch der dankbarste und echt -dichterisch und fein handelt Tieck, wenn er die lebhafte sinnliche -Erscheinung mit einem psychologischen Vorgang geschickt verbindet, wie -etwa: „es lacht ihr helles Auge“. Nicht immer wird dies in solcher -Weise ausgentzt. Wie gelufig und wichtig Tieck die Vorstellung -vom Auge wurde, sieht man erst, wenn man beachtet, wie sogar an der -Hirschin die „lieben treuen Augen“ besonders erwhnt werden, wie auch -Wald und Busch Golo „mit grimmen Augen“ ansehen, die goldene Nacht mit -„tausend Augen“ sieht und in den Buchengang „hineinugelt“.</p> - -<h3 class="mtop15" id="Das_Naturgefuehl">4. Das Naturgefhl.</h3> - -<p>Ganz aus der alten Zeit heraustretend, als moderner Poet steht Tieck -vor uns, wenn er von den Geheimnissen redet, die er mit seinem -empfnglichen Dichtergemthe der Natur abgelauscht hat. Hier konnte -Tieck nichts aus dem Volksbuche nehmen und das Vorbild Mllers, der mit -dem Blicke des Malers und mit realistischem Auge die Natur betrachtet, -konnte dem zum Musikalischen neigenden Stimmungspoeten auch nicht -allzuviel ntzen. Hier mute der Romantiker ganz er selbst sein.</p> - -<p>Tiecks Biographen betonen fter, wie innig er die Natur liebte. In den -schwersten Augenblicken bot sie ihm heilende Kraft.<a name="FNAnker_559_559" id="FNAnker_559_559"></a><a href="#Fussnote_559_559" class="fnanchor">[559]</a> Mit ser -Trunkenheit gibt er sich ihrer stillen Gewalt<span class="pagenum"><a name="Seite_173" id="Seite_173">[S. 173]</a></span> hin. Die Umgebung von -Halle war fr den jungen Sohn der mrkischen Sandwste ein kleines -Paradies.<a name="FNAnker_560_560" id="FNAnker_560_560"></a><a href="#Fussnote_560_560" class="fnanchor">[560]</a> Der Sonnenuntergang, die magische Herrlichkeit des -Mondglanzes, der Zauberhauch der Sommernacht, ein Licht, das durch die -Nacht blitzte, ein ferner Laut erregten wunderbar sein Gefhl.<a name="FNAnker_561_561" id="FNAnker_561_561"></a><a href="#Fussnote_561_561" class="fnanchor">[561]</a> -Abenteuerliche nchtliche Wanderungen mit halsbrecherischen -Zwischenfllen unternahm Tieck gerne trotz des Scheltens seiner -Freunde. Auf einer Harzreise blickt er mit hohem Entzcken der -aufgehenden Sonne entgegen, die ihm „Gottes Erscheinung“ zeigt.<a name="FNAnker_562_562" id="FNAnker_562_562"></a><a href="#Fussnote_562_562" class="fnanchor">[562]</a> -„Ich mute stille stehen, um diese Vision ganz zu erleben...“<a name="FNAnker_563_563" id="FNAnker_563_563"></a><a href="#Fussnote_563_563" class="fnanchor">[563]</a> -Von Erlangen aus wandert er mit Wackenroder ins Fichtelgebirge, wo -er, verirrt in tannendunkeln Klften, alle Wunder und Schauer der -Waldeinsamkeit durchkostete. Aus der spten Herberge blickte er wieder -in die mondbeglnzte Nacht hinaus, die trumerisch auf den einsamen -Hhen lag, er lauschte den milden schwebenden Tnen eines Waldhorns -und war unendlich glcklich.<a name="FNAnker_564_564" id="FNAnker_564_564"></a><a href="#Fussnote_564_564" class="fnanchor">[564]</a> Nach Jahren lebt im „Phantasus“ noch -das Glck dieser Erlanger Zeit sowie die poetischen Nachtwanderungen, -die Tieck in Jena mit Novalis unternahm, wehmthig beseligend wieder -auf.<a name="FNAnker_565_565" id="FNAnker_565_565"></a><a href="#Fussnote_565_565" class="fnanchor">[565]</a> Ein inniger, gefhlsreicher, poetischer Verkehr mit der Natur -gehrt so zu Tiecks eigenstem, intimstem Lebensgehalt.<a name="FNAnker_566_566" id="FNAnker_566_566"></a><a href="#Fussnote_566_566" class="fnanchor">[566]</a></p> - -<p>Seit Goethe das ganze weite Reich der Natur fr Poesie und Gemth -eroberte, versumt es berhaupt kein Dichter mehr, sich von diesem ewig -herrlichen Reiche wenigstens irgendeine Provinz zu eigen zu machen. -Auch Tieck bleibt nicht zurck. ber die Beziehungen zwischen Natur und -Dichter spricht er selbst die bemerkenswerten Worte:<a name="FNAnker_567_567" id="FNAnker_567_567"></a><a href="#Fussnote_567_567" class="fnanchor">[567]</a> „Knnen wir -denn die Natur wirklich so schildern, wie sie ist? Jedes Auge mu sie -in einem gewissen Zusammenhange mit dem Herzen sehen, oder es sieht -nichts, was uns, in Versen wieder aufgezhlt, gefallen knnte. Wird -nicht jeder poetische Mensch in eine Stimmung<span class="pagenum"><a name="Seite_174" id="Seite_174">[S. 174]</a></span> versetzt, in der ihm -Bume und Blumen wie belebte und befreundete Wesen erscheinen, und ist -dies nicht das Interesse, das wir an der Natur nehmen? Nicht die grnen -Stauden und Gewchse entzcken uns, sondern die geheimen Ahndungen, die -aus ihnen gleichsam herauf steigen und uns begren. Dann entdeckt der -Mensch neue und wunderbare Beziehungen zwischen sich und der Natur; sie -ist Theilnehmerin seines Schmerzes oder seiner Leiden; er fhlt gegen -die leblosen Gegenstnde eine freundschaftliche Zuneigung, und dann -bedarf es wahrlich keiner Verschnerungen, keiner erlogenen Zustze, -um schne und entzckende Gedichte niederzuschreiben.“ Hier schildert -Tieck die hchst entwickelte Stufe des poetischen Naturgefhles, das -innige Erfassen der Natur mit dem Gemthe, jenen merkwrdigen Vorgang -in der Dichterseele, der gewhnlich als poetische Naturbeseelung oder -als poetisches Einfhlen in die Natur bezeichnet wird. Charakteristisch -fr den Romantiker und sein Verhltnis zur Natur sind dabei die -Ausdrcke: „Stimmungen“, „geheime Ahndungen“ und „neue und wunderbare -Beziehungen“.</p> - -<p>Von den untergeordneten Beziehungen des Dichters zur Natur schweigt -hier Tieck zwar, er verwendet sie aber ausgiebig in seiner eigenen -Dichtung. Die Natur tritt nmlich auch als selbstndige Macht auf, -die auf das Menschengemth stimmungerregend einwirkt, sie wird -stimmungerweckender Hintergrund fr uere und innere Vorgnge oder -Contrast zu diesen Vorgngen. Auch Gleichnisse und Metaphern, aus dem -Naturleben entnommen, drfen nicht unterschtzt werden; denn ihre Art -und Hufigkeit bildet auch einen Mastab fr das Naturgefhl des Poeten.</p> - -<p>Vor allem gibt Tieck den Hauptpersonen seiner „Genoveva“ ein -feinfhlendes, fr die Natur hchst empfngliches Gemth. Sie leben mit -ihr in bestndigem, seelischem Contact. In ihren lyrischen Ergssen -herrscht „eine geheimnisvolle Innigkeit, ein sonderbares Einverstndnis -mit der Natur“. (Heine.) Golo, in dessen Herzen sich die ersten -Keime einer heien Liebe regen, fhlt die Lebensregungen des jungen -Frhlings innig mit und er zeigt der traurigen Genoveva, wie „im Laube -neues Leben spielet“, wie „hold“ die Bume prangen, der Vogel „sich -vergnglich fhlet“, wie die ganze Welt „ein muntres Regen sprt“ -und sich dem Frhlingsglanz entgegendrngt.<a name="FNAnker_568_568" id="FNAnker_568_568"></a><a href="#Fussnote_568_568" class="fnanchor">[568]</a> Personificierende -Ausdrcke<span class="pagenum"><a name="Seite_175" id="Seite_175">[S. 175]</a></span> und Worte seelischen Inhaltes deuten hier und im weiteren -Verlaufe die zarten Fden an, die Natur und Gemth verbinden. Die -erwachende Liebe lsst ihre Reflexe ber die Natur hinspielen. — -Der Frhling macht dem Sommer Platz. Genovevas weiche Seele versenkt -sich in der Balkonscene mit Wonne in das trumerische Leben der -Sommernacht, da „der Mondschein auf dem Grase spielet“, im Mondglanze -die Tne sich entznden, die Quellen „leiser, lieblicher flieen“, -„stille Blumen“ am Spiegel ihrer Wellen sprieen, die Winde frohe Kunde -bringen und die Bume Lieder sumsen. Mit den mrchenhaften Klngen -dieser leise tnenden Nachtmusik verwirren sich wiederum die Klnge -des Herzens. Dieses heimliche Leben und Klingen der Sommernacht, an -dem sich Genoveva hchst unschuldig freut, spricht ganz anders den -liebeskranken Ritter an. Ihm erscheint alles in der Beleuchtung seiner -nun gesteigerten Liebessehnsucht. „Ernst und gro“ wie das warnende -Gewissen schauen ihn zwar „der hohen Bume heil’ge dunkle Gnge“ an. -Dazwischen aber singt „die liebesbrnst’ge Nachtigall“ ihr Sirenenlied -und lockt ihn ins Verderben.<a name="FNAnker_569_569" id="FNAnker_569_569"></a><a href="#Fussnote_569_569" class="fnanchor">[569]</a> Der Mondschein „saugt“ am Herzen -des Sehnschtigen, die Sterne „zielen nach ihm mit Liebespfeilen“. -Wenn aber dann Genoveva spricht, so verstummen Bchlein, Nachtigall -und Bume, weil alle ihr nur lauschen, weil alle Creaturen an ihr -sich gerne freuen.<a name="FNAnker_570_570" id="FNAnker_570_570"></a><a href="#Fussnote_570_570" class="fnanchor">[570]</a> Eigenthmlich ist es, dass hier Tieck in die -Naturbetrachtung die Sirene, die Hyder, antike Vorstellungen mengt, -die uns sonst berhaupt selten in der „Genoveva“ oder in seinen -anderen Dichtungen begegnen. Diese Vorstellungen ordnen sich aber -gut und wirksam in das Erregte, bengstigend Leidenschaftliche ein, -das in seinen Worten zittert.<a name="FNAnker_571_571" id="FNAnker_571_571"></a><a href="#Fussnote_571_571" class="fnanchor">[571]</a> — Am reichsten entstrmt die -sympathetische Naturempfindung Golos Herzen in der nchtlichen Scene, -in welcher er Genoveva seinen entscheidenden Liebesantrag macht.<a name="FNAnker_572_572" id="FNAnker_572_572"></a><a href="#Fussnote_572_572" class="fnanchor">[572]</a> -Den Sternen klagt er zuerst sein Leid, bei ihnen schwrt er, sie fragt -er um Kunde von der Geliebten, von ihnen erfleht er sein Glck. Mit -dem sehnschtig Harrenden wartet auch die ganze Schpfung. Genoveva -erscheint und freut<span class="pagenum"><a name="Seite_176" id="Seite_176">[S. 176]</a></span> sich ihrerseits in derselben harmlosen Art wie -in der Balkonscene an den trumenden, flsternden Blumen, am dsteren -Walde, an der Nacht, die in den Buchengang „hineinugelt“. Wie in -jener Scene bezieht Golo auch hier in trunkenem Entzcken die ganze -Naturherrlichkeit auf seine Geliebte, die ihm ein mrchenhaftes Leben -in die nchtliche Natur hineinzuzaubern scheint.</p> - -<p>Er spricht die charakteristischen Verse:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Ihr schreitet her und weckt aus verborgenen Tiefen</div> - <div class="verse">Die hohen Wunder auf, die unten schliefen,</div> - <div class="verse">Schaut um Euch, Holde, wo Ihr geht</div> - <div class="verse">Ein dichtgedrngter Blumengarten steht,</div> - <div class="verse">Die Bume ziehn Euch nach, unter Euren Fen</div> - <div class="verse">Dringt kindisch grnes Gras hervor, den Fu zu kssen,</div> - <div class="verse">Die Blumen erwachen</div> - <div class="verse">Vom tiefen Schlaf und lachen,</div> - <div class="verse">Und rter wird der Rosen Mund,</div> - <div class="verse">Die Wiese wird von Pflanzen bunt,</div> - <div class="verse">Sommerlftchen spielen aus den Zweigen,</div> - <div class="verse">Sich huslich ems’ge Bienen zeigen</div> - <div class="verse">Die goldensten Mondstrahlen schmeichelnd niedersteigen,</div> - <div class="verse">Um Euer holdes Haupt die Glorie zu flechten,</div> - <div class="verse">Euch dient Natur mit allen ihren Mchten.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Am Schlusse der Scene aber, mit dem endgltigen Scheitern der -Liebeshoffnung hat sich fr Golo sogleich auch die Natur verndert, -die dstere Schicksalsstimme spricht aus derselben zu ihm: „Hrt, -da singt’s in Wolken, aus Wassern, aus dem tiefen Thal herauf: Wo -die stillen Bchlein gehn —“ Als Genoveva unschuldig zum Tode gehen -soll, ist es ein „trber Tag, dicke Nebel liegen auf den Bergen und -Wldern“.<a name="FNAnker_573_573" id="FNAnker_573_573"></a><a href="#Fussnote_573_573" class="fnanchor">[573]</a> Grimoald, dem das Mordhandwerk nicht recht vom Herzen -gehen will, „zittert vor der Morgenluft“, die schwarzen Weiden im Thale -rauschen, als wenn sie in die Klage der Mutter einstimmten und ihren -Bitten Gehr gben. Da ruft Genoveva den Mrdern zu:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„O seht, die Sonne will nicht niederscheinen</div> - <div class="verse">Auf solche That, es will das Aug’ der Welt</div> - <div class="verse">Nicht sehn, was euch auf immer nagen wrde...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Ob die Seele in junger Liebeshoffnung trumt, ob sie in schwler -Leidenschaft erzittert, ob sie voll stiller Unschuld in die Schpfung -hineintritt oder in Todesangst erschauert: immer<span class="pagenum"><a name="Seite_177" id="Seite_177">[S. 177]</a></span> spiegelt sie nach -demselben geheimnisvollen Gesetze ihre Empfindung in die umgebende -Natur hinein und die verschiedenartigen Reflexe der Gemthsstimmung -ruhen auf Baum und Blume, leben in Luft und Wellen und scheinen den -Menschen als „geheime Ahndungen“, die aus der Natur heraufsteigen, zu -gren. Es wurden hier nur die besonders charakteristischen Stellen -der „Genoveva“ hervorgehoben. An zahlreiche andere soll nur erinnert -werden. So an Golos Morgenlied, an Zulmas Morgengebet und Todtenklage, -an Karls und Aquitaniens Morgenbetrachtung vor der Schlacht, an Golos -Lied „Sieh’ Laute, sieh’, so rei’ ich dich in Stcke“ und dessen -Monolog nach der Gemldescene sowie am vermeintlichen Grabe der Augen -und der Zunge Genovevas. Genovevas Hilferuf an die Natur gehrt ganz, -Wolfs mystische Abendbetrachtung theilweise hieher und von einer -innigen freundschaftlichen Vertraulichkeit mit der Natur zeugt es, wenn -Golo und Grimoald dem Walde und der Gegend, aus der sie fortgehen, wie -alten mitfhlenden Freunden Lebewohl sagen, wie es nachher Schillers -Johanna thut. Auch in der Ferne ist Golos Herz erfllt von Heimweh nach -den bekannten, liebgewordenen Sttten. Selbst Dinge, die nicht mehr -gerade der ursprnglichen Natur angehren, aber mit dem menschlichen -Gemthsleben intim und enge verbunden sind, werden in derselben Weise, -wie die Natur selbst, beseelt. Es schauen die Mauern auf Genoveva -mit grimmigen Zgen. Nach ihrer beglckenden Vision aber lacht das -Gebu. Einsam und wst sind die Mauern des Schlosses dem vereinsamten -Siegfried. Das Kreuzbild scheint mit Genoveva zu sprechen und von ihrem -Trauringe nimmt die Verstoene wehmthigen Abschied. Eine merkwrdige -Tndelei, die aber dem eigentlichen romantischen Naturgefhle -wieder nher steht, ist jener Baum, den der Khler als Sinnbild und -Erinnerungszeichen fr seinen gefallenen Sohn im Walde pflanzt und mit -dem er plaudern will.</p> - -<p>Aberglubisch frbt sich das Verhltnis zur Natur beim alten -Wolf, naturphilosophisch und mystisch beim „Unbekannten“ und der -Hexe. Zuweilen spielen die Anschauungen selbst ein wenig in den -mythologischen Volksglauben hinber, wie die „dmmernde Geisterwelt in -sichtlicher Natur“<a name="FNAnker_574_574" id="FNAnker_574_574"></a><a href="#Fussnote_574_574" class="fnanchor">[574]</a> oder die Geister, die in Felsen oder auf Bergen -hausen.<a name="FNAnker_575_575" id="FNAnker_575_575"></a><a href="#Fussnote_575_575" class="fnanchor">[575]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_178" id="Seite_178">[S. 178]</a></span></p> - -<p>In Golos Naturanschauung bricht manchmal etwas ganz Fremdartiges -hervor, das nicht mehr blo ein einfhlendes, poetisches Versenken in -die Natur ist, sondern Angst und Grauen vor den Naturmchten, die mit -schicksalsmigem Zwang den Menschen beherrschen, ihn zum Wahnsinn -treiben und zugrunde richten.<a name="FNAnker_576_576" id="FNAnker_576_576"></a><a href="#Fussnote_576_576" class="fnanchor">[576]</a> Es sind dies, wenn auch gedmpft, -dieselben unheimlichen, gemthbelastenden Stimmungen, die besonders -im „Abdallah“, „Lovell“, „Eckbert“ und in den mit der „Genoveva“ fast -gleichzeitigen Dichtungen „Tannenhuser“ und „Runenberg“ herrschen, -in den Werken aber, ber denen Wackenroders Geist schtzend schwebt, -zum grten Theile verschwinden. So bricht auch in der „Genoveva“ nur -ein und das anderemal dieses sonderbare, unbestimmte Grauen vor den -Naturmchten hervor, die den Menschen wie ein tckisches Schicksal -bedreuen, eine Stimmung, die aus Tiecks innerstem Seelengrunde -emporwchst. Das freundliche Gegenstck zu dieser dsteren Seite -der Natur ist der mrchenhafte, herzliche Verkehr des kleinen -Schmerzenreich mit den Thierlein des Waldes und die freundliche -hilfreiche Natur, die gerne der unschuldig Verfolgten ihren Beistand -leiht.</p> - -<p>Einen ganz kleinen Raum nur gewhrte der Dichter jener eigentlich -religisen Naturbetrachtung, die im weiten Reich der Natur das -Walten ihres Schpfers sprt,<a name="FNAnker_577_577" id="FNAnker_577_577"></a><a href="#Fussnote_577_577" class="fnanchor">[577]</a> das Loblied der Natur auf Gott -vernimmt<a name="FNAnker_578_578" id="FNAnker_578_578"></a><a href="#Fussnote_578_578" class="fnanchor">[578]</a> und so die Menschenseele zu frommer Gottesverehrung -stimmt.<a name="FNAnker_579_579" id="FNAnker_579_579"></a><a href="#Fussnote_579_579" class="fnanchor">[579]</a></p> - -<p>Bei dieser gemthswarmen Naturandacht geht immer die charakteristische -Beleuchtung, in welcher die Naturumgebung erscheint, von der Stimmung -des Betrachters aus; es ist ein lebendiges Hineinwachsen und -Hineinleben des Gemthes in die Natur. Die Tne der Natur aber sind, -wie Novalis sagt, auch wieder „Tasten hherer Saiten in uns“.<a name="FNAnker_580_580" id="FNAnker_580_580"></a><a href="#Fussnote_580_580" class="fnanchor">[580]</a> -Werden die Tasten angeschlagen, so erklingen die Saiten unseres -Gemthes. Es wirkt die Natur auf den Menschen stimmungerregend ein. -Auch diese Auffassung finden wir in Tiecks Dichtung. Die weiche -Sommer<span class="pagenum"><a name="Seite_179" id="Seite_179">[S. 179]</a></span>nacht z.B. senkt sich beruhigend auf Genovevas Seele.<a name="FNAnker_581_581" id="FNAnker_581_581"></a><a href="#Fussnote_581_581" class="fnanchor">[581]</a> -In anderen Fllen erscheint wieder die Nacht recht als Feindin des -Menschen; sie bethaut den Sinn mit Schwrmereien,<a name="FNAnker_582_582" id="FNAnker_582_582"></a><a href="#Fussnote_582_582" class="fnanchor">[582]</a> sie macht den -Geist schlaff und trunken und verfhrt ihn geradezu zur Snde,<a name="FNAnker_583_583" id="FNAnker_583_583"></a><a href="#Fussnote_583_583" class="fnanchor">[583]</a> sie -entfesselt die Liebesleidenschaft, die der Tag neidisch „mit seinem -leuchtenden Mantel“ verhllte.<a name="FNAnker_584_584" id="FNAnker_584_584"></a><a href="#Fussnote_584_584" class="fnanchor">[584]</a> Der Glanz des Tages zeigt dem -Gewissen die Sndhaftigkeit der nchtlichen Gedanken.<a name="FNAnker_585_585" id="FNAnker_585_585"></a><a href="#Fussnote_585_585" class="fnanchor">[585]</a> Die einsame, -groe nchtliche Gebirgswelt gibt dem innerlich Verstrten Freude -und Sicherheit, freilich nur fr einen Augenblick; denn sofort wacht -der innere Dmon wieder auf und treibt Golo zu sinnloser Gewaltthat -an seinem Diener, so dass dieser ruft: „... es macht die Nacht Euch -toll.“<a name="FNAnker_586_586" id="FNAnker_586_586"></a><a href="#Fussnote_586_586" class="fnanchor">[586]</a> Wir sehen eine Art passives Gegenstck zum sympathetischen -Naturgefhl. Bei diesem berschttet der Mensch die Auenwelt mit -seinem inneren Stimmungsreichthum. Dort lsst sich das Gemth vom -ueren Eindruck beherrschen und leiten.</p> - -<p>Tieck liebt es sehr, die Natur als harmonisch gestimmten Hintergrund -einem Vorgange, einer Seelenstimmung beizugeben. Wie Frhling, -Sommer und der trbe Herbst die Hauptmomente in Golos und Genovevas -Geschick begleiten, hat bereits Hettner ausgefhrt. (Nur spricht er -irrthmlich auch vom Winter.) Wir mussten die einzelnen Flle bereits -als Beispiele fr das synthetische Naturgefhl heranziehen. Zweimal -erscheint die Jahreszeit noch flchtig. Frhling und Lust schwinden -fr Golo zugleich dahin<a name="FNAnker_587_587" id="FNAnker_587_587"></a><a href="#Fussnote_587_587" class="fnanchor">[587]</a> und whrend Genoveva im Thurme klagt, -ist es auch drauen strmische Zeit.<a name="FNAnker_588_588" id="FNAnker_588_588"></a><a href="#Fussnote_588_588" class="fnanchor">[588]</a> Von den Tageszeiten wirken -auer dem Sommerabend und der Sommernacht noch Morgen und Nacht als -begleitender Stimmungshintergrund. Mit dem Morgen, der bei Tieck -gerne als Zeit der Abreise genommen wird („Magelone“, „Sternbald“), -beginnt die „Genoveva“. Die frische Morgenfrhe taugt ja trefflich -zur frohgemuthen Stimmung, mit der die Kreuzfahrer ausziehen; sie -passt aber auch<span class="pagenum"><a name="Seite_180" id="Seite_180">[S. 180]</a></span> zur idyllischen Schferscene und zu Golos munterem -Ritte. Ernst und weihevoll wird aber das nmliche Morgenlicht, wenn -es hier wie am Ende der Dichtung durch die gemalten Fenster der -Kapelle hereinschaut.<a name="FNAnker_589_589" id="FNAnker_589_589"></a><a href="#Fussnote_589_589" class="fnanchor">[589]</a> Der helle Morgen beglnzt im Anfange eine -kirchliche und allerhand bunte weltliche Scenen. Den Schluss bildet -die morgenhelle Kapellenscene allein und wie ein sinnbildlicher -Hintergrund, wie eine „leise Allegorie“ erscheint hier der helle -Morgenglanz im Heiligthum; denn jetzt bricht fr die heilige Heldin der -ewige Lebenstag himmlischer Verklrung an. — Die finstere Nacht ist -die Zeit der Geister.<a name="FNAnker_590_590" id="FNAnker_590_590"></a><a href="#Fussnote_590_590" class="fnanchor">[590]</a> Ein grotesk phantastisches Nachtbild leitet -daher die Hexenscene ein,<a name="FNAnker_591_591" id="FNAnker_591_591"></a><a href="#Fussnote_591_591" class="fnanchor">[591]</a> und der gespenstische Pilgrim wandert in -finsterer Nacht.<a name="FNAnker_592_592" id="FNAnker_592_592"></a><a href="#Fussnote_592_592" class="fnanchor">[592]</a></p> - -<p>Schon mit den Schlagworten der Scenenberschriften markiert der Dichter -manchmal eine gewisse Naturstimmung. „Freies Feld“, „Waldgebirge“, -„Felsenthal“, „Garten. Mondschein“, „Wohnung der Zauberin. Nacht“, -„Waldgebirge. Nacht. Mondschein“, „Kapelle. Schwach erleuchtet“ u.s.w.</p> - -<p>Das traurige Lied und der heitere Schfergesang sind jedes in seinen -entsprechenden Naturrahmen gefasst. Ebenso das Lied „Da irr’ ich -unter Steinen“<a name="FNAnker_593_593" id="FNAnker_593_593"></a><a href="#Fussnote_593_593" class="fnanchor">[593]</a> und die dritte Strophe des Hochzeitbitters.<a name="FNAnker_594_594" id="FNAnker_594_594"></a><a href="#Fussnote_594_594" class="fnanchor">[594]</a> -Im Hintergrunde erlischt die Flamme der brennenden Stadt, im -Vordergrunde das Leben des gefallenen Kriegers.<a name="FNAnker_595_595" id="FNAnker_595_595"></a><a href="#Fussnote_595_595" class="fnanchor">[595]</a> Auch sogar in -jenem Scheinbilde, das die Hexe Siegfried im Zauberspiegel sehen -lsst,<a name="FNAnker_596_596" id="FNAnker_596_596"></a><a href="#Fussnote_596_596" class="fnanchor">[596]</a> fehlt die Naturumgebung nicht. Im zweiten Theile des -Stckes, wo Genoveva in der Wste betet und duldet und Schmerzenreich -seine Kindheitsidylle durchlebt, rckt uns der Dichter in immer neuen -Wendungen die Waldeinsamkeit ins Bewusstsein. Es ist dies aber eine -freundliche Einsamkeit im Gegensatz zu jenem zerklfteten Felsgebirge, -in dessen der Hhe Golo vergeblich Frieden fr seine zerrissene Seele -sucht, von wo er seinen Diener Benno bei Nacht in den brausenden -Waldstrom hinabstrzt.<a name="FNAnker_597_597" id="FNAnker_597_597"></a><a href="#Fussnote_597_597" class="fnanchor">[597]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_181" id="Seite_181">[S. 181]</a></span></p> - -<p>Sogar die himmlische Seligkeit entbehrt bei Tieck nicht der -Naturfreude; denn auch im Paradiese der Heiligen prangen himmlische -Blumen und Blten und die verklrten Geister drfen alle Herrlichkeiten -des Weltalls von den Sternen bis in den Abyssus hinab berschauen.<a name="FNAnker_598_598" id="FNAnker_598_598"></a><a href="#Fussnote_598_598" class="fnanchor">[598]</a> -Gewiss bezeichnend, dass der Romantiker den himmlischen Freuden auch -die poetische Naturfreude zuzhlt.</p> - -<p>Contrastierend erscheint die Natur selten, z.B. im Wettstreite mit -der menschlichen Schnheit;<a name="FNAnker_599_599" id="FNAnker_599_599"></a><a href="#Fussnote_599_599" class="fnanchor">[599]</a> oder sie hhnt ein andermal den -unglcklich Liebenden; sie erhrt auch Genovevas Bitten nicht.</p> - -<p>Tiecks Dichtung glnzt und schimmert an vielen Stellen noch berdies im -Flitterschmucke der Gleichnisse, Metaphern und Beiwrter, die aus dem -Naturleben stammen. Sie glnzt und schimmert im wrtlichen Sinne; denn -gerade Licht und Glanz sind hier sehr beliebte Vorstellungen. Licht und -Glorie sind vor allem nthig in der Vision. Daher die entsprechenden -Gleichnisse. Eine Lichterglorie wallt in die Kirche nieder</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„...wie aus des Morgens purpurroten Thoren</div> - <div class="verse">Der glanzgekrnte Ost dem Blick sich beut,..“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Das Wunder zeigte sich</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wie wenn nach harten dstern Wintertagen</div> - <div class="verse">Der Frhling durch die Finsternis will brechen,</div> - <div class="verse">Und in dem Frhling Frhling sich entzndet,</div> - <div class="verse">Aus Blumen sich noch eine Blte windet.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Auch die Blume muss sich dem Glanze assimilieren; denn der Dichter -setzt das Gleichnis fort: „Wie wenn das Morgenrot die Knospe -wre,...“<a name="FNAnker_600_600" id="FNAnker_600_600"></a><a href="#Fussnote_600_600" class="fnanchor">[600]</a> In der Sterbevision heit es: „Wie Strahlen giengen -Engel aus und ein...“<a name="FNAnker_601_601" id="FNAnker_601_601"></a><a href="#Fussnote_601_601" class="fnanchor">[601]</a> Das Liebliche in der menschlichen -Erscheinung wird gerne mit lebhaften Lichterscheinungen verglichen. -Genoveva schimmert „wie ein neuer Sternenhimmel, ein neuer Mond ist -sie emporgestiegen.<a name="FNAnker_602_602" id="FNAnker_602_602"></a><a href="#Fussnote_602_602" class="fnanchor">[602]</a> Golos Antlitz war wie Morgenrot, die Augen -wie junge Sterne“.<a name="FNAnker_603_603" id="FNAnker_603_603"></a><a href="#Fussnote_603_603" class="fnanchor">[603]</a> Geno<span class="pagenum"><a name="Seite_182" id="Seite_182">[S. 182]</a></span>vevas Augen sieht man hinter dem Schleier -„so wie die Sonne hinter Wolken scheint“;<a name="FNAnker_604_604" id="FNAnker_604_604"></a><a href="#Fussnote_604_604" class="fnanchor">[604]</a> auch ihre Worte sind -wie die rothen Edelsteine, die durch Nacht und Dmmerung funkeln.<a name="FNAnker_605_605" id="FNAnker_605_605"></a><a href="#Fussnote_605_605" class="fnanchor">[605]</a> -Eine bestimmte Nancierung der Gleichnisse etwa nach dem Charakter der -beiden Gegenspieler ist nicht zu bemerken. Mit dem Scheine des Feuers, -das selbst wieder dem Morgenrothe gleicht, mit dem Feuer, das herrlich -durch die Nacht strahlt und bald erlischt, wird das Kriegerleben -verglichen. Aber auch die Wunden brennen wie Feuer. Wie nach der Nacht -der Morgen, folgen die heiteren Lebenstage den traurigen.<a name="FNAnker_606_606" id="FNAnker_606_606"></a><a href="#Fussnote_606_606" class="fnanchor">[606]</a> Mit -der Erhabenheit der Sterne ber der Erde vergleicht Golo den Abstand -seiner Liebe von gemeinem Sinne.<a name="FNAnker_607_607" id="FNAnker_607_607"></a><a href="#Fussnote_607_607" class="fnanchor">[607]</a> — Als Christus vom Kreuze zu -Genoveva redete, „da kam’s wie Blumen um sie her entsprossen“. Einzelne -Vergleiche nimmt Tieck aus der groen Natur. „Wie ein Meer“ braust es -whrend der Vision um Genovevas Ohren.<a name="FNAnker_608_608" id="FNAnker_608_608"></a><a href="#Fussnote_608_608" class="fnanchor">[608]</a> Ohne Zweifel ein biblischer -Nachklang. Dem Meeresbrausen gleicht der Lrm im berfallenen -Lager.<a name="FNAnker_609_609" id="FNAnker_609_609"></a><a href="#Fussnote_609_609" class="fnanchor">[609]</a> Wie Gottes Gewitter muss die Jagd hingehen:<a name="FNAnker_610_610" id="FNAnker_610_610"></a><a href="#Fussnote_610_610" class="fnanchor">[610]</a> Daneben -ein paar Vergleiche von derber realistischer Art. „Anfallen wie -ein grimmig Tier.“<a name="FNAnker_611_611" id="FNAnker_611_611"></a><a href="#Fussnote_611_611" class="fnanchor">[611]</a> „Wie von wilden Pferden fhl’ ich mich -fortgerissen...“<a name="FNAnker_612_612" id="FNAnker_612_612"></a><a href="#Fussnote_612_612" class="fnanchor">[612]</a> Karl „tobt wie ein wtend Tier“;<a name="FNAnker_613_613" id="FNAnker_613_613"></a><a href="#Fussnote_613_613" class="fnanchor">[613]</a> ebenso -Golo.<a name="FNAnker_614_614" id="FNAnker_614_614"></a><a href="#Fussnote_614_614" class="fnanchor">[614]</a> Mahoms Reich wtet gleich giftigen Gewrmen.<a name="FNAnker_615_615" id="FNAnker_615_615"></a><a href="#Fussnote_615_615" class="fnanchor">[615]</a> Ist -das wilde Thier ein Bild entfesselter Leidenschaft, so nisten die -unthtigen Krieger wiederum „wie trge Tiere“.<a name="FNAnker_616_616" id="FNAnker_616_616"></a><a href="#Fussnote_616_616" class="fnanchor">[616]</a> Vereinzelt steht -der sprichwrtliche Vergleich „kalt und taub wie Erz und Stein“.<a name="FNAnker_617_617" id="FNAnker_617_617"></a><a href="#Fussnote_617_617" class="fnanchor">[617]</a> -Der „Drache“ in Siegfrieds Traum ist ein Nachklang der Heldensage, -durch das Volksbuch vermittelt. In ein Mrchenland versetzt uns der -Vergleich:<a name="FNAnker_618_618" id="FNAnker_618_618"></a><a href="#Fussnote_618_618" class="fnanchor">[618]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_183" id="Seite_183">[S. 183]</a></span></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Ist’s nicht so gut, als ob uns einer sagte,</div> - <div class="verse">Da ber unsern Huptern Lnder hingen</div> - <div class="verse">Mit wundervollen Bergen, Wald und Flssen...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Ziemlich in die nmlichen Naturgebiete, denen die meisten Gleichnisse -entstammen, weisen auch Tiecks Metaphern, Beiwrter, Composita. -Erstlich wiederum Licht und Glanz. Der „Glanz“ des christlichen -Glaubens, die „Feuerfunken“ in den Christenherzen, der „Blitz Gottes“ -Karl Martell, „die Schaaren all’ in wilder Wut entbrannt“, „das Feuer -des Auges“, „die Augen zwei Sonnen“, „der Glanz des Thrones“, die -Emprung „ein unzeit’ges Feuer flammt von der ein zur andern Grenze“, -„liebesbrnst’ge Nachtigall“, „der Brand im Innern“, Genoveva ist fr -Golo eine „Hlle“, die seine Seele peinigt „mit ew’gen Flammen, mit -rastlosen Flammen“ und noch zahlreiche hnliche Flle. Von geringerer -Leuchtkraft sind Bilder wie der „Frhling“ des Lchelns, der „Himmel“ -im Auge, der „Frhling, der durch den Winter scheint“, der „knft’ge -Morgen“ u.s.w. Auch die Blumen finden sich unter den Metaphern wieder. -„Zarte Knospen“, „Rosenknospe“ (Mund), „sprieende“ Reue, „sprieende“ -Engel, „es spriet ein neuer Sinn“. Einmal „thrmen sich die Wetter“. -Das Lamm verdeutlicht die sanfte Gemthsart, die arge Bswilligkeit der -„hartherzige Hund“.</p> - -<p>Dasselbe wiederholt sich noch einmal, wenn wir die Composita und -Beiwrter ansehen, die aus der Natur entlehnt sind. „Frhlingsschein“, -„Strahlenaugen“, „Zauberschein“, „Sterngegenwart“, „Sternenkrfte“, -„Sternenblick“, „Himmelsglanz“, „Himmelslicht“, „Lichtstrom“, -„Freudenschein“, „Lebensschein“, „Feuerzorn“ u.s.w. Dazu gehren -„glorreich Licht“ der Liebe, Glorie (= Himmelslicht), „glorreich“ -scheinende Sonne, die „goldensten“ Mondstrahlen, „gold’ner -Schein“, „gold’ne Nacht“, „blendende Flammen“, „funkelndes Feuer“, -„schimmervolle Kronen“. Die Blumen fehlen auch hier nicht ganz. -„Blumenhh’n“, „dichtgedrngter Blumengarten“, „blhende Lust“. Auch -der Gegensatz des Lichtes tritt hie und da hervor. „Schwarze Nacht“, -„dunkle Wste“, „dmmernde Erinnerung“, „dmmernde Geisterwelt“.</p> - -<p>Von Anfang bis zum Ende durchathmet ein warm pulsierendes, -trumerisches Naturgefhl Tiecks romantische Dichtung. Des Dichters -Naturempfinden ist reich und mannigfaltig. Die Natur ist ihm aber -nicht um ihrer selbst willen da, sondern<span class="pagenum"><a name="Seite_184" id="Seite_184">[S. 184]</a></span> meist als stimmunggebender -Hintergrund. Auf das sympathetische Zusammenklingen von Natur und -Gemth wendet Tieck seinen besonderen Flei, wie seine eigenen Worte -ber die dichterische Naturauffassung vermuthen lieen. Er folgt -hier den Wegen Goethes. Von Werthers Naturauffassung fhlte sich -Tieck ja lebhaft ergriffen, wie er selbst sagt.<a name="FNAnker_619_619" id="FNAnker_619_619"></a><a href="#Fussnote_619_619" class="fnanchor">[619]</a> Wie Goethe im -„Werther“ will Tieck die Tages- und Jahreszeiten wie die rumliche -Umgebung auf einen Ton mit der Empfindung seiner Menschen stimmen. -Der Naturhintergrund, der das menschliche Erlebnis in der Dichtung -umrahmt, der Gedanken und Empfindungen verstrkt, seltener Stimmungen -erweckt oder in Contrast zu ihnen tritt, spielt bei Tieck eine so -wichtige Rolle, dass die Stimmung es meist ber die Chronologie -davontrgt. Die Jahreszeiten begleiten die Hauptereignisse, es kommt -aber damit keineswegs zugleich ein festes chronologisches Gerste -fr die Ereignisse der Dichtung zustande, wie man erwarten mchte. -Klar begrenzte Zeitrume widersprechen der ins Unendliche strebenden -romantischen Stimmungspoesie und dieser hat alles zu dienen. Wie -gewaltsam Tieck gegen die Chronologie vorgehen kann, zeigt die -Aufeinanderfolge der Thurmscene, in der Genoveva das Wiegenlied -singt,<a name="FNAnker_620_620" id="FNAnker_620_620"></a><a href="#Fussnote_620_620" class="fnanchor">[620]</a> und der Schferhochzeit. Bei genauerem Nachrechnen ergibt -sich, dass es in der ersteren Scene Herbst oder Winter sein muss, was -auch die Verse:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Drauen geht der Wind,</div> - <div class="verse">Die dicken Mauern Beschtzer sind“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>verrathen. In der nchsten Scene, die noch auf der gleichen Seite -beginnt, ist es schon herrlicher Frhling, weil es die Hochzeitstimmung -verlangt. Bei den Tageszeiten lsst sich, mit geringen Ausnahmen, -ebenfalls kein chronologisches Moment beobachten, sondern auch -hier ist es wieder nur der Stimmungswert der Zeit, den der Dichter -bercksichtigt und dem sich die Chronologie zu fgen hat. Die uere -Natur bleibt immer dem Seelischen untergeordnet.</p> - -<p>Morgen, Abend und Nacht kehren in der „Genoveva“ wieder. Nur diesen -Zeiten schenkt Tieck seine besondere dichterische Aufmerksamkeit -wie die brigen Romantiker auch. Die ahnungs<span class="pagenum"><a name="Seite_185" id="Seite_185">[S. 185]</a></span>volle Dmmerung, das -geheimnisreiche Dunkel und die belebende, gemtherfrischende, „in -der Zukunft weisende“ Morgenstunde: das sind vor allem „poetische -Zeiten“. Der Sommernacht wendet Tieck in zwei Scenen der „Genoveva“ -seine besondere Liebe zu. Im weichen Geisterlichte des Mondes wchst -die Sehnsucht im Herzen, in stiller Nacht breitet Phantasus seinen -Mantel auseinander und zeigt seinen bunten Reichthum und seine -Traumherrlichkeit. Nacht und dmmerndes Zwielicht sind das sichtbare -Widerspiel der unbestimmten, in die dunkelsten Seelentiefen sich -verlierenden Stimmungen, die „allein glcklich machen“. (Novalis.) „Die -plastische Sonne leuchtet einfrmig wie das Wachen, der romantische -Mond schimmert vernderlich wie das Trumen“, sagt Jean Paul.<a name="FNAnker_621_621" id="FNAnker_621_621"></a><a href="#Fussnote_621_621" class="fnanchor">[621]</a> -Ein anderes kommt bei Darstellung der Visionen in Betracht. Hier wird -Licht und Glanz in ppiger Flle aufgeboten, um das Auerordentliche, -berirdisch Heilige wrdig einzukleiden, wie mit einem Goldgrund, -der die Heiligen auf altdeutschen Gemlden mit schimmernder Glorie -umgibt. Wenn Tieck auch Glanz und Schimmer verschwendet, so wird er -dabei seiner unplastischen Weise keineswegs untreu; denn er zeigt uns -nie hellbeglnzte Dinge im scharfen Umrisse, sondern Glanz und Schein -selber und damit sind wir sofort wieder in unbegrenzter Unendlichkeit. -Klare, deutliche Conturen in der Naturschilderung sind Tiecks Sache -ganz und gar nicht. Ein organisch sich aufbauendes Naturbild sucht -man in der „Genoveva“ vergebens. Alles erscheint in auflsender -Beleuchtung. Tieck gibt hie und da ruhende Bilder und begngt sich, sie -mit einem leisen, seelischen Anhauche zu beleben. Am liebsten htte -er in dieser hochromantischen Periode in Tnen gedichtet, Worte nach -ihrem Klangwerte rein musikalisch verbunden und am liebsten belauscht -er auch die geheimen Tne der Natur oder richtiger, er hrt aus der -Natur geheime Tne heraus und sucht ihren nur dem Gemth und der -Phantasie vernehmbaren Klang in Worte zu fassen. Dieses eigenthmliche -musikalische Auffassen der Natur weckt dann „geheime Ahndungen“ und -„Stimmungen“. „Die Musik ist romantische Poesie durch das Ohr.“ (Jean -Paul.)</p> - -<p>Im zweiten Theile unserer Dichtung herrscht auer dem frstelnden -Herbste bei der Verstoung Genovevas in erster Linie die Stille -der Waldeinsamkeit. Tieck liebt die Waldeinsam<span class="pagenum"><a name="Seite_186" id="Seite_186">[S. 186]</a></span>keit. Er hat dieses -poetische Wort gebildet. In den „blonden Eckbert“ dichtete er ihren -ganzen Reiz hinein. Dass gerade das Motiv des waldeinsamen Lebens, -das er im Volksbuch fand, seine Phantasie lebhaft anregte, erzhlt -er uns. Wie in der nchtlichen Stille, hebt hier in der Stille des -Waldes die Sehnsucht im Gemthe zu tnen an, die Sehnsucht nach dem -Himmel in Genovevas Seele, in Schmerzenreich die Sehnsucht nach den -fernen Menschen, die hinter’m Walde wohnen, „der ganz weitab im Scheine -glnzt daher“. Der Romantiker sucht auch hier ahnungsreiche Ausblicke -in weite, verschwimmende Fernen. Im ganzen berwiegt die freundliche -und liebliche Seite der Natur in der „Genoveva“. Tieck, dessen Gefhle -durch Wackenroder „verfeinert“ wurden, der im heiteren Genuss von Kunst -und Poesie, in glcklicher Freundschaft und in anregender Geselligkeit -lebt, ist nun selbst mehr auf das Zarte, Milde, Weiche und Heitere -gestimmt. Seine Vorliebe fr die freundlichen Blumen fllt Novalis -auf.<a name="FNAnker_622_622" id="FNAnker_622_622"></a><a href="#Fussnote_622_622" class="fnanchor">[622]</a> Nur dort und da schleichen die Dmonen des Venusberges -und des Runenberges heimlich heran und grinsen verstohlen durch das -Kirchenfenster in Genovevas Heiligthum herein. Es sind die Nachwehen -der Abdallah- und Lovellstimmung, die im „Tannenhuser“ und „Runenberg“ -wieder ihre alte Macht gewinnt.</p> - -<p>Eines muss dem Betrachter der „Genoveva“ immerhin auffllig sein. Man -sollte nmlich erwarten, dass der Dichter der „heiligen Genoveva“ die -Natur soviel als mglich mit dem religisen Sinne der geistlichen -Poesie anschaute, „wo das fromme Gemth aus der ganzen belebten und -unbelebten Natur einen groen Lobgesang auf die Herrlichkeit ihres -Schpfers und Erhalters herauszuhren meint.“<a name="FNAnker_623_623" id="FNAnker_623_623"></a><a href="#Fussnote_623_623" class="fnanchor">[623]</a> Man mchte dies -umsomehr erwarten, als die Natur in den „Herzensergieungen“ eine -wunderbare Sprache Gottes ist, als Tieck im „Zerbino“ den Waldbruder -das fromme Lied: „Wann das Abendroth im Haine“<a name="FNAnker_624_624" id="FNAnker_624_624"></a><a href="#Fussnote_624_624" class="fnanchor">[624]</a> singen lsst -und in der ersten Ausgabe auch das alte „Komm’ Trost der Welt, Frau -Nachtigall“ eingeschaltet hatte. Im „Sternbald“ wie in den „Phantasien“ -bricht das eigentlich religise Naturempfinden fters recht auffallend -durch. Dem Dichter war also eine solche Auffassung der Natur nicht -fremd. Und in der „Genoveva“ ist die<span class="pagenum"><a name="Seite_187" id="Seite_187">[S. 187]</a></span>selbe seltsamerweise bis auf -geringe Reste verschwunden. Im Verkehre mit der Natur lsst sich -Tieck hier weder vom „Klosterbruder“ noch von Jakob Bhme ernstlich -beinflussen. Wenn auch seine Gemthsverfassung mehr Heiterkeit und -Ruhe zeigt als sonst, die Art des Empfindens bleibt seine eigene. Was -die Biographen als Lieblingstimmungen des naturandchtigen Poeten -erwhnen, findet sich in der That fast alles in irgend einer Form in -der „Genoveva“ wieder und dass diese Naturstimmungen Tieck aus der -Seele strmten, beweisen auch seine spteren Worte an Solger.<a name="FNAnker_625_625" id="FNAnker_625_625"></a><a href="#Fussnote_625_625" class="fnanchor">[625]</a> Mit -Verschiedenem ist er nicht mehr zufrieden, aber „dies Klima (wie ich -es nennen mchte), dieser Duft des Sommerabends, der Waldgeruch und -sptere Herbstnebel ist mir noch ganz recht...“ —</p> - -<p>Die Religion, die das Menschengemth vielseitig berhrt oder den Geist -zum Wunderbaren und Geheimnisvollen und Unendlichen hinfhrt, das -Alterthmliche, das, der nchternen Alltglichkeit entrckt, in der -Phantasie eine idealisierende Weihe empfangt und die innige, liebevolle -Hingabe an die Stimmung der Natur, das ist der echt romantische -Dreiklang, der bald leise tnend bald mchtiger anschwellend Tiecks -„Genoveva“ durchzieht und die auseinander fallenden Theile der -Composition durch einen durchgehenden Accord eint.</p> - -<h3 class="mtop15" id="Charaktere">5. Die Charaktere.</h3> - -<p>Die vorausgehenden Beobachtungen versuchten dem „Klima“ in der -„Genoveva“ nherzutreten, dem religisfrommen wie dem altdeutschen -Tone, die das Stck beherrschen und dem Naturstimmungsdufte, der das -Ganze fhlbar durchzieht. Nur nebenbei wurde der Menschen selbst -gedacht, die in diesem Klima leben. Der Dichter legt uns dieses -Vorgehen nahe. Denn spter, bei khlerer Betrachtung seines Werkes -misst er dem „Klima“ in demselben mehr Wert bei, als den meisten -Personen, die in der Dichtung auftreten. Diesen soll nun auch einige -Aufmerksamkeit geschenkt werden.</p> - -<p>Unser erstes Interesse bei Untersuchung der Charakterisierungsweise -Tiecks richtet sich naturgem auf die Hauptpersonen Genoveva und Golo. -Genovevas Charakter, der sich<span class="pagenum"><a name="Seite_188" id="Seite_188">[S. 188]</a></span> fast ganz mit ihrem Verhltnis zur -Religion und Natur erschpft, wird direct und indirect geschildert. -Wir erhalten durch die Mitspieler (Bonifacius mit eingerechnet) -verschiedene Ausknfte ber ihre Charakterzge.<a name="FNAnker_626_626" id="FNAnker_626_626"></a><a href="#Fussnote_626_626" class="fnanchor">[626]</a> Ein wichtiger Wink -fr die Auffassung ihres Wesens ist die uerung Golos:<a name="FNAnker_627_627" id="FNAnker_627_627"></a><a href="#Fussnote_627_627" class="fnanchor">[627]</a></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Sie wei um ihre Schnheit nichts, und nichts</div> - <div class="verse">Um ihre Lieblichkeit, sie hat den Himmel</div> - <div class="verse">In ihrem Auge und verschnt die Erde.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Das unbewusst Naive an ihr soll hier als bedeutsamer Zug hervorgehoben -und damit ihr sonst unbegreifliches Benehmen, ihre Taubeneinfalt bei -Golos Liebesantrgen<a name="FNAnker_628_628" id="FNAnker_628_628"></a><a href="#Fussnote_628_628" class="fnanchor">[628]</a> erklrt werden. Ganz drfte es aber dem -Dichter trotz dieses Hinweises nicht gelungen sein, uns diese Seite -seiner Heldin verstndlich zu machen; denn ihr Benehmen geht ber das -Ma von Naivett, das man nach Golos Worten erwartet, hinaus. Zudem -ist die Gemldescene ein directer Widerspruch gegen Golos Worte: „Sie -wei um ihre Schnheit nichts...“ Wir hren weiter noch von ihrer -Frmmigkeit und Gattentreue und das soll wieder indirect besttigt -werden, wenn wir Genoveva Legenden lesen, fromme Belehrungen anhren -und lieber die grte Schmach und Erniedrigung leiden, als ihrem -Gewissen und ihrem Gatten untreu werden sehen. Die Abweisung Golos -ist die einzige fr den Fortgang des Stckes bedeutsame Handlung der -Heiligen. Ihr inneres Leben spricht sich vorzugsweise in Monologen, -Gebeten, Erzhlungen aus, die einem Dialoge eingeordnet sind oder im -frommen Zwiegesprche ber ein geistliches Thema.<a name="FNAnker_629_629" id="FNAnker_629_629"></a><a href="#Fussnote_629_629" class="fnanchor">[629]</a> Sie bleibt bis -auf kleine Trbungen von Anfang bis zum Ende dieselbe. Die Einfhrung -der Titelheldin in das Stck ist auffallend knapp und drftig. Als -„schne Grfin“ und „edle Grfin“ wird sie uns zuerst genannt. -Daneben erscheint die Einfhrung Golos, ihres Gegenspielers, ungemein -breit. In geschicktem Anschlusse an sein Auftreten wird der Leser -ber des Ritters uere Erscheinung und vielfltige Charaktervorzge -unterrichtet. Der schne Reiter ist ein wahres ritterliches Musterbild, -wie es ein Romantiker ersinnen mochte. Er ist Snger, Musiker, -Maler, ein gewandter<span class="pagenum"><a name="Seite_189" id="Seite_189">[S. 189]</a></span> Tnzer und Dichter, eine Art romantischer -Universalknstler,<a name="FNAnker_630_630" id="FNAnker_630_630"></a><a href="#Fussnote_630_630" class="fnanchor">[630]</a> eine sensitive Natur, die von einem Liede -rthselhaft berwltigt wird. Er ist herablassend, freigebig, geliebt -von den einfachen Leuten wie von seinem Herrn. Spter hren wir wieder -von seinem bezaubernden Eindruck auf die Umgebung und selbst auf -Genoveva. Bis auf Tanz und Malerei bt auch Golo hie und da die Knste, -die ihm in der Exposition nachgerhmt werden. Diese Charaktervorzge -entsprechen der herrlichen ueren Erscheinung des Reiters auf dem -weien Pferde. Er erscheint zuerst in lauter Licht und Glanz. Es -soll die Mglichkeit in unseren Gesichtskreis gerckt werden, er -sei eine Gefahr fr Genoveva.<a name="FNAnker_631_631" id="FNAnker_631_631"></a><a href="#Fussnote_631_631" class="fnanchor">[631]</a> Andeutungen dazu fehlen auch im -weiteren Verlaufe nicht. Jene ausfhrliche directe Schilderung Golos -am Anfange ist aber fr unser Gefhl schon darum entschieden zu breit -gerathen, weil wir in der Erzhlung seiner Amme noch einmal in Form -einer Jugendgeschichte fast dasselbe erfahren, was hier in einfacher -Aufzhlung gegeben wird. Daran stie sich der romantische Geschmack -keineswegs. Wenn im echten Roman „alles Episode ist oder gar nichts“, -warum sollte es im echten romantischen Drama anders sein. Neu im -Berichte der Amme ist die Betonung des Wunderbaren in Golos Wesen. -Nur seine Abkunft wird noch im Dunkeln gelassen. Die Abstammung des -Ritters, sowie die Ursache der wildaufflammenden Leidenschaftlichkeit, -die der Leser indessen bereits kennen gelernt hat, wird von der Hexe in -astrologischer Sprache, fast in der Art der modernen Vererbungstheorie -erklrt. Auer den Mittheilungen der Hexe wird im zweiten Theile wenig -ber Golo geredet, hier herrscht die indirecte Darstellung durch -sein Benehmen und Handeln vor. Aber als Rckblick und Abschluss gibt -Siegfried in der Gerichtsscene eine Zusammenfassung der blen Seiten, -die Golo besonders in der zweiten Hlfte des Stckes hervorgekehrt hat. -Das Gegenstck zur lobpreisenden Exposition.</p> - -<p>An dieser Gestalt versucht Tieck auch eine Darstellung fortschreitender -Charakterentfaltung. Der psychologische Hauptinhalt der Figur ist -die tragische Liebe, welche Tieck sorgfltig in ihrem allmhlichen -Emporwachsen zeichnet. Golos Frage nach der „schnen Grfin“ ist die -erste Andeutung. Das Bemhen,<span class="pagenum"><a name="Seite_190" id="Seite_190">[S. 190]</a></span> an Genovevas Seite zu bleiben und die -Frage „wo ist die Grfin“ als Anfangsworte einer Scene sind ein kleiner -Schritt nach vorwrts. ber die weitere Entwickelung des seelischen -Processes unterrichten den Leser hauptschlich Monologe, daneben der -Dialog mit Gertrud und eingeschaltete Lieder. Golo mchte sich anfangs -gegen die Wandlung in seinem Inneren noch wehren. Er verehrt Genoveva -nur erst „mit stummer Inbrunst und aus frommer Ferne“. Genoveva -versteht ihn nicht und Golo wird traurig. Ein Monolog sagt dem Leser -wieder, dass bereits das ganze Innere Golos in leidenschaftlichem -Aufruhr tobt, und dass es fr ihn kein Zurck mehr gibt. In Liedern -und andeutenden Worten sucht der Schmachtende sich seiner Herrin -verstndlich zu machen. Allein sie versteht ihn wieder nicht. In der -Gemldescene erklrt er zunchst in versteckter Umschreibung und -endlich offen seine Liebe und wird abgewiesen. Bestrzung. Bald tritt -auch das sinnliche Moment, das sich bisher nur schchtern zeigte, -deutlicher hervor und im langen Monologe der Gartenscene berstrmt -es schrankenlos die hhere, seelische Empfindung. Bis hieher lsst -sich ein sorgfltig abgewogenes Crescendo der allmhlich um sich -greifenden Leidenschaft beobachten. Vor der Peripetie erleidet die -Darstellung einen kleinen Sto. Der kurze Zornesausruf gegen das -„Heuchelbild“ (Genoveva)<a name="FNAnker_632_632" id="FNAnker_632_632"></a><a href="#Fussnote_632_632" class="fnanchor">[632]</a> und gegen den „Heuchler“ Drago<a name="FNAnker_633_633" id="FNAnker_633_633"></a><a href="#Fussnote_633_633" class="fnanchor">[633]</a> ist -eine gewisse Vorbereitung fr das Kommende. Aber nach meiner Empfindung -hat Tieck diese vorbereitenden Momente zu flchtig behandelt. Die -Liebe Golos, die neben seiner Rachsucht noch fortdauert und ihn zwei -weitere vergebliche Antrge im Gefngnis versuchen lsst, vermag -den pltzlichen Umschlag in Golos Gesinnung auch nicht berzeugend -auszugleichen. Eine Hufung des gleichen Motives ist die weitere Folge. -Fnf Liebesantrge zwischen den zwei nmlichen Personen! Das Volksbuch -ist dabei keine Rechtfertigung. Es ist es hchstens fr den Romantiker. -Auch das widerliche Benehmen des Ritters gegen eine hochschwangere -Frau, an dem sich vielleicht die Holzschnittmanier des Volksbuches -nicht stt, wre in der modernisierten Darstellung besser weggeblieben.</p> - -<p>Von diesem Punkte der Dichtung an wird Golo eine Zeit<span class="pagenum"><a name="Seite_191" id="Seite_191">[S. 191]</a></span>lang uerlich -activ und charakterisiert sich so indirect. Bei der Gefangennahme, bei -der lgnerischen Botschaft an Siegfried, beim Betrug durch die Hexe und -bei Vollstreckung des Urtheils greift Golo berall krftig und leitend -ein. Er benimmt sich dabei noch mrrisch gegen seine Umgebung. Nach -Genovevas Verstoung kommt wieder das Lyrische mehr zum Vorschein, Reue -und Sehnsucht nach dem Zerstrten. Solange also Golo ein seelisches -Ziel vor sich hat oder sein Sehnen an einem entschwundenen Glcke -haftet, waltet das Lyrische vor; als ihm dieses Ziel eine Zeitlang -aus den Augen schwindet, wird er von den Ereignissen ergriffen und -muss sich selbst uerlich activ zeigen. Trotz einiger Widersprche -und der berflssigen Hufung directer und indirecter Charakteristik, -was sich eben alles aus den romantischen Anschauungen heraus erklren -lsst, ist die Gestalt Golos und besonders die Schilderung seiner Liebe -eine bedeutende Leistung. Schon im „Blaubart“ hatte es Tieck hnlich -versucht, die Neugier der Agnes „von der leisesten Anregung allmhlich -zu einer unwiderstehlichen Gewalt“ sich steigern zu lassen, wie A.W. -Schlegel rhmend anmerkte.<a name="FNAnker_634_634" id="FNAnker_634_634"></a><a href="#Fussnote_634_634" class="fnanchor">[634]</a></p> - -<p>In verwandter Weise wechseln directe und indirecte Charakteristik -bei den Nebenfiguren. Das Thun des „wackeren“ Grafen Siegfried gibt -dem harten Urtheile der Amme, er sei „wenig behend und sinnreich“, -vielmehr „blden Sinnes“ zum Theile Recht. Das Kind Schmerzenreich will -Tieck nicht recht gelingen. Neben einzelnen herzlichen und kindlichen -Worten spricht der unschuldige Sohn des einsamen Waldes wieder viel -zu unterrichtet und zu altklug von der bsen Welt und vor lauter -Frmmigkeit vergisst er den natrlichsten und unschuldigsten Antheil am -Tode seiner Mutter. Die Amme trgt ein paar deutliche markante Zge, -sie ist geschwtzig und eine lgnerische Kupplerin. Aus Liebe zu Golo -geht sie von Genoveva zu ihm ber und hilft, ihre Herrin verderben. -Das Motiv der Liebe zu ihrem Pflegesohne tritt aber an entscheidenden -Stellen viel zu wenig hervor. Daher fehlt auch ihrer Gestalt das -Gerundete, und wir sind unbefriedigt. Die brigen Menschen zeigen -immer nur den einen oder anderen Zug. Soweit sie Trger <a name="verschieden" id="verschieden"></a>verschieden -abgestufter Religiositt sind, wurden sie schon charakterisiert. Sie -sind alle mitsammen ziemlich blasse nebelhafte Schemen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_192" id="Seite_192">[S. 192]</a></span></p> - -<p>Bei der Wrdigung von Tiecks Charakterisierungskunst kommen also -eigentlich nur Genoveva und Golo vornehmlich in Rechnung. Sie sind in -ihrer ueren Erscheinung zwar einheitlich, aber fr ein Drama, das nur -auf einer Phantasiebhne spielt, vielleicht nicht deutlich und scharf -genug gezeichnet. Nicht ganz consequent durchdacht ist ihr inneres -Wesen. Man freut sich aber, dass wenigstens ein positives und sogar ein -reiches innerliches Leben da ist, das vielen anderen Figuren mangelt, -bei Genoveva religises Empfinden, bei Golo leidenschaftliche Liebe. -Die directe Charakteristik wird reichlicher verwendet, als nthig wre. -Genoveva ist fast ganz ein ruhendes, beharrendes Charakterbild. Golo -ist zwar beim ersten Erscheinen auch zur Hlfte fertig gezeichnet, -jedoch das Wachsen seiner Liebe, das Misslingen seiner Absichten und -die Folgen davon bringen Bewegung und Fortschritt in sein Dasein. Er -ist gewissermaen der unstte, vernderliche Mensch neben Genoveva, -die als geborene Heilige fast wandellos ber dem Irdischen steht, -wie ein Heiligenbild in der Kirche, das heute in demselben Gold- und -Farbenglanze erscheint, wie lngst und ehedem. Siegfried, Gertrud -und die anderen untergeordneten Personen zeigen nur die eine oder -andere Willensregung und bleiben, was sie im Anfang sind. Fr diese -Nebenfiguren ist Merkels Spttelei nicht ganz grundlos. Er schreibt -nmlich:<a name="FNAnker_635_635" id="FNAnker_635_635"></a><a href="#Fussnote_635_635" class="fnanchor">[635]</a> „Haben seine (Tiecks) Personen uns gesagt: ‚ich bin das!< -und sie kommen nach einer Reihe von Jahren wieder, so wissen sie nichts -zu sagen, als: ‚ich bin es noch!‘“ brigens redet spter Tieck selbst -Solger gegenber mit groer Objectivitt von seinen Geschpfen.<a name="FNAnker_636_636" id="FNAnker_636_636"></a><a href="#Fussnote_636_636" class="fnanchor">[636]</a> -Mit Golo und Genoveva ist er noch zufrieden. „Nicht wahr, Golo ist -fast durchaus, was man in der Malerei im edelen, groen Styl nennt? So -das Meiste in Genoveva.“ „Im groen Styl“ nennt sonst Tieck Menschen -voll mchtiger Leidenschaft im Gegensatz zu den kleinen, sanften, -idyllischen Erscheinungen. Bei Genoveva kann er nur an das pompse -religise Pathos denken, wenn er vom „groen Styl“ spricht. „Otto, Karl -Martell, Aquitanien, die Saracenen sind vielleicht gut gedacht als -Gegensatz, aber ihre Groartigkeit ist manieriert; die Dienerschaft, -Drago, selbst Wolf, Heinrich sind dem zu Ausgemalten gegenber -gleichsam nur in Umrissen.“</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_193" id="Seite_193">[S. 193]</a></span></p> - -<p>Wie in der Composition, so stellen sich auch in der Stilisierung -hie und da jene knstlichen Parallelen und Contraste ein, die Tieck -so gerne einflicht. Golo wird als beraus herrlicher Junker in -breiter Exposition eingefhrt und stirbt schlielich als Verbrecher. -Genoveva tritt daneben recht bescheiden in kurzer Erwhnung ein, am -Ende ist die Schilderung der Heiligen lauter Glanz und Herrlichkeit. -Andererseits werden beide auch anfangs mit heimlicher Andeutung -nebeneinandergestellt als „edler Herr“ und „edle Grfin“, am Ende sind -sie weltweit voneinander getrennt. Wenn der Schfer aufzhlend, Gertrud -erzhlend an der Hand der Jugendgeschichte Golos gute Eigenschaften -entwickeln, so rundet es sich wie eine Art Chiasmus ab, wenn in der -zweiten Hlfte zuerst die Hexe durch die Erzhlung von Golos Herkunft -und Siegfried wiederum aufzhlend in der Anklagerede die Schattenseiten -seines Charakters vorfhren. Das „Zurckbeleuchten aller frheren -Gedanken“ lobt Tieck einmal auch an Solgers Darstellungsweise. Golo -und Genoveva theilen mit ihrer ueren Erscheinung dasselbe Schicksal, -die krperliche Schnheit beider wird zur Hsslichkeit: Golo jedoch -ist auch innerlich hsslich geworden, Genoveva wurde (oder blieb) -eine Heilige. Es scheint zu Tiecks eigenstem knstlerischen Wesen zu -gehren, dass sich ihm leicht und von selbst solche leise, unter der -Oberflche halb versteckte Beziehungen und Zusammenhnge anspinnen. -Diese Neigung und eine idealisierende Allgemeinheit mssen wir als -kennzeichnende Seite seiner Charakterschilderung festhalten. ber -allerlei Widersprche innerhalb der Charaktere gleitet der Blick des -romantischen Dichters sorglos hinweg und der Meister der lyrischen -Stimmung ist zufrieden, wenn die einzelne Scene ihren richtigen „Ton“ -erhlt, wenn die Scenen bunt und mannigfaltig wechseln und erst -das Ganze sich wieder zu einer gewissen Einheit zusammenschliet. -„Vernnftiges Chaos.“</p> - -<h3 class="mtop15" id="Stil">6. Der Stil.</h3> - -<p>Vom Charakter des romantischen Stiles, wie er sich in der Bltezeit -der Schule (1797–1801) entfaltet, gibt Petrichs kleine Schrift „Drei -Kapitel vom romantischen Stil“,<a name="FNAnker_637_637" id="FNAnker_637_637"></a><a href="#Fussnote_637_637" class="fnanchor">[637]</a> ein sehr lehrreiches Bild. L. -Tieck steht theilweise im Mittelpunkte dieser<span class="pagenum"><a name="Seite_194" id="Seite_194">[S. 194]</a></span> Untersuchungen und auch -auf seine „Genoveva“ wird in manchen Punkten Rcksicht genommen. Da -Petrich aber eine zusammenfassende bersichtliche Darstellung im Auge -hatte, so konnte eine einzelne Dichtung nach ihrer sprachlichen Seite -naturgem nicht erschpfend betrachtet werden. Indem ich dankbar -annehme, was der Vorgnger bietet, versuche ich, die Untersuchung der -einen Dichtung Tiecks zu vervollstndigen.</p> - -<p>Im Sprachstile mssen wir immer den knstlerisch-sprachlichen Ausdruck -dessen suchen, was die dichterische Einbildungskraft innerlich im -Geiste sich formte, und Hauptaugenmerk der stilistischen Untersuchung -muss es sein, die Wechselbeziehungen zwischen Inhalt und Ausdruck -soweit als mglich zu verfolgen. Tiecks „Genoveva“, die inhaltlich -eine romantische Universalpoesie im kleinen sein mchte, bildet ein -sehr buntes Conglomerat von Motiven und Stimmungen. Man darf da im -vorhinein nicht allzuviel von einem einheitlichen Stilcharakter -erwarten. Ein solcher war vielleicht nicht einmal vom Dichter -beabsichtigt. Da es den vorhergehenden Beobachtungen wenigstens -gelang, drei wichtige Elemente zu greifen, welche die Dichtung zumeist -beherrschen und ihre Physiognomie wesentlich bestimmen, das Religise, -das Alterthmliche und ein eigenartiges Naturgefhl, so liegt es auch -nahe, diese Grundstrmungen in der Stilisierung zu verfolgen; denn -diese eigenartigen Stimmungen mssen sich in angemessenen, eigenartigen -Worten und Bildern uern, um dem Gemthe des Lesers wiederum hnliche -Stimmungen zu suggerieren.</p> - -<p>Die von der Naturphilosophie vielfach befruchtete Weltanschauung der -meisten Romantiker ahnt und sucht hinter der sichtbaren Welt eine -hhere, unsichtbare, geistige, und bemht sich ohne Aufhren mit -verlangendem Seherblick in dieses unbekannte Jenseits einzudringen. -Das gibt auch ihrer Stilistik ein eigenartiges Geprge.<a name="FNAnker_638_638" id="FNAnker_638_638"></a><a href="#Fussnote_638_638" class="fnanchor">[638]</a> Tiecks -„Genoveva“, die nur an einzelnen Stellen von der Naturphilosophie -berhrt wird, ist berwiegend von der christlich religisen -Auffassung beherrscht. Die transscendentale Welt und was sonst zur -Religion gehrt, ist darum hier zum grten Theile identisch mit den -christlichen Anschauungen von Leben und Jenseits und wird nur in -geringerem Mae von Naturphilosophie und Bhmes Theosophie bestimmt.<span class="pagenum"><a name="Seite_195" id="Seite_195">[S. 195]</a></span> -Die Stilmystik — ein von Petrich geprgter Terminus — in der die -Beziehungen zwischen Welt und berwelt sich spiegeln, wird darum -hier eine vorwiegend christliche Frbung annehmen, die „Gefhle der -Andacht“, „die Wunder der Legende“, das „Unglaubliche“ werden in erster -Linie eine christliche Sprache reden.</p> - -<p>In ziemlicher Anzahl verwendet Tieck in der That religise Ausdrcke -und Wendungen, wie sie in Gebet und Predigt und in Erbauungsbchern -einen stndigen Wortschatz bilden, z.B. „erbauen“, „frommes Herz“, -„liebe treue Seele“, „unsere heilige Religion“, „Inbrunst“, das -Schlusswort „Amen“, die fromme Gruformel: „Es segne Euch der Herr, -behte Euch, er sei mit Euch auf allen Euren Wegen“ oder „Nun -gute Nacht, der Herr mag Euch bewahren mit seinen auserwhlten -Engelschaaren“ oder „Schn warmer Tag. Gelobt sei Jesus Christ“. -Karl Martell citiert betend die Psalmworte: „Gedenk’ nicht meiner -Snde! Geh’, o Herr, nicht mit mir in’s Gericht!“ Biblische Worte -werden verwendet in der Schilderung der Visionen,<a name="FNAnker_639_639" id="FNAnker_639_639"></a><a href="#Fussnote_639_639" class="fnanchor">[639]</a> in Dragos -Erbauungsrede<a name="FNAnker_640_640" id="FNAnker_640_640"></a><a href="#Fussnote_640_640" class="fnanchor">[640]</a> und vereinzelt noch fter. Genoveva gebraucht -ein paarmal die Worte des Vaterunser.<a name="FNAnker_641_641" id="FNAnker_641_641"></a><a href="#Fussnote_641_641" class="fnanchor">[641]</a> — Mit religisen -Gewohnheitsphrasen, wie „was Gott mir beschieden“, „mit Gottes Hilfe“, -„wollte Gott“, „bewahre“, „Gott lass es ihm wohl geh’n“, „Gott -helf’ mir meiner Snde“, „Gottlob“, „Herr Gott“, „heiliger Gott“, -„Gotteswelt“ u.dgl. ist Tiecks Stck reichlich bedacht und diese -verschiedenen Ausrufe und Anrufe werden hier ohne Unterschied von guten -und schlechten Christen gebraucht.</p> - -<p>Die Gefhle der Andacht entfalten sich im Gebete und in der frommen -Betrachtung. Das Gebet erscheint in der „Genoveva“ gewhnlich in -der Form des feierlichen Anrufes. „O Auge Gottes, das vom Himmel -schauet, nimm Du ihn gern in Deinen groen Schutz“...<a name="FNAnker_642_642" id="FNAnker_642_642"></a><a href="#Fussnote_642_642" class="fnanchor">[642]</a> Ein wenig -lahm klingt daneben Karl Martells Aufforderung zum Preise Gottes an -die Umgebung:<a name="FNAnker_643_643" id="FNAnker_643_643"></a><a href="#Fussnote_643_643" class="fnanchor">[643]</a> „Der Herr hat wundervoll fr uns gestritten, man -preise ihn durch laute Freudenlieder, man bring’ ihm Dank und lasst -uns kindlich bitten.“ Die religise Belehrung und Ermahnung kleidet<span class="pagenum"><a name="Seite_196" id="Seite_196">[S. 196]</a></span> -sich gern in die Form der Anrede. „So wird Euch Gott mit seinem Schirm -geleiten...“<a name="FNAnker_644_644" id="FNAnker_644_644"></a><a href="#Fussnote_644_644" class="fnanchor">[644]</a> Wir finden auch die allgemeine Form des betrachtenden -Vortrags, der nur lose in den Dialog eingehngt erscheint. Hieher -gehrt die Rede des Kapellans an Genoveva,<a name="FNAnker_645_645" id="FNAnker_645_645"></a><a href="#Fussnote_645_645" class="fnanchor">[645]</a> sowie die Betrachtung -Dragos ber die irdischen Leiden.<a name="FNAnker_646_646" id="FNAnker_646_646"></a><a href="#Fussnote_646_646" class="fnanchor">[646]</a> Da diese an die Lesung der -Legende anknpft, so gemahnt sie schon an jene Art von Predigten, die -Novalis schreiben wollte. Noch mehr ist dies der Fall, wenn sich eine -solche Rede an eine kleine Gemeinde richtet, wie Wendelins Erklrung -der Heiligenbilder.<a name="FNAnker_647_647" id="FNAnker_647_647"></a><a href="#Fussnote_647_647" class="fnanchor">[647]</a></p> - -<p>Um den Krieg Karl Martells als Kreuzzug erscheinen zu lassen und -den Enthusiasmus des frommen ritterlichen Kmpfers zum Ausdruck zu -bringen, nimmt der Dichter eine Reihe stilistischer Mittel zuhilfe. Mit -Wendungen, wie „heiliger Krieg“, „fr Christum fechten“, „in Christ -bestehen“ und verwandten Phrasen wird nicht gespart. Es wird immer -an Stellen, wo man hin und wieder auch „die Feinde“, „die Unseren“ -erwarten mchte, consequent „die Heiden“, „die Saracenen“, „der -Muselmann“, „die Ungetauften“ und auf der anderen Seite „die Christen“ -eingesetzt. Die Mohren rufen: „Mahom!“ „Allah!“ „Beim Allah!“ die -Christen: „in Gottes Namen denn!“ „Herr Christ, magst mir im Streit -beisteh’n!“ u.s.f.</p> - -<p>Gegen Ende der Dichtung sehnt sich alles nach der Ewigkeit und diese -Sehnsucht spricht auch aus manchem eigenthmlichen Worte heraus. -Genoveva blickt aus der Wste aus „in das schne Land“.<a name="FNAnker_648_648" id="FNAnker_648_648"></a><a href="#Fussnote_648_648" class="fnanchor">[648]</a> „Schon -schlaf’ ich ein, schon zieht mein Geist von hinnen.“<a name="FNAnker_649_649" id="FNAnker_649_649"></a><a href="#Fussnote_649_649" class="fnanchor">[649]</a> „O lass -sie zieh’n, denn das ist ihr Verlangen, nach Himmelslichte steht -ihr frommer Sinn.“<a name="FNAnker_650_650" id="FNAnker_650_650"></a><a href="#Fussnote_650_650" class="fnanchor">[650]</a> „Sie geht voraus, wir kommen nach in unsers -Vaters Haus.“<a name="FNAnker_651_651" id="FNAnker_651_651"></a><a href="#Fussnote_651_651" class="fnanchor">[651]</a> „Ach Gott, magst... uns auch ein feines, sel’ges -Ende geben.“<a name="FNAnker_652_652" id="FNAnker_652_652"></a><a href="#Fussnote_652_652" class="fnanchor">[652]</a> „Siegfried hofft in Gottes Licht zu funkeln.“<a name="FNAnker_653_653" id="FNAnker_653_653"></a><a href="#Fussnote_653_653" class="fnanchor">[653]</a> -Das Leben ist eine „Wall<span class="pagenum"><a name="Seite_197" id="Seite_197">[S. 197]</a></span>fahrt“ nach dem Himmel. In all diesen Worten -der Himmelssehnsucht liegt wegen ihrer schlichten Einfachheit eine -groe Kraft und immer erwecken sie die Vorstellung vom Hinwegsehnen -und Hinausblicken aus dieser Welt nach einem fernen, schnen, seligen -Lande. Dies gibt den letzten Theilen der „Genoveva“ einen sanften, -wehmthig-frohen Anhauch, der sich recht glcklich mit der groen -Stille und Einsamkeit zu poetischer Wirkung eint. Wie wir frher die -Poesie des Fernen in die Naturstimmung hereinklingen hrten, so mengt -sich hier mit anderen religisen Empfindungen dieser echt romantische -Sehnsuchtsklang, den wir noch in Eichendorffs „Ewig trumen von den -Fernen“ deutlich vernehmen.</p> - -<p>Ein Lieblingswort Tiecks und der Romantiker ist das Wrtlein -„wunderbar“<a name="FNAnker_654_654" id="FNAnker_654_654"></a><a href="#Fussnote_654_654" class="fnanchor">[654]</a> und daran reihen sich verschiedene Synonyma. Nicht -blo das eigentlich Wunderbare wird bei Tieck als solches bezeichnet, -sondern „wunderbar“, „wundervoll“ u.s.w. begegnen uns auch dort -gerne, wo es sich nur um etwas Auerordentliches im gewhnlichen -Sinne handelt. Wir hren von Golos „wunderbarer Tugend“. Zulmas Thun -ist „wundervoll“, sie ist ein „wunderbares, unglckselig Weib“. Die -Saracenenschlacht ist „wundervoll“ und „wundersam“. Genoveva ist fr -Golo ein „Wunder“, sie „weckt die hohen Wunder auf aus verborgenen -Tiefen“. „Wunder ber Wunder“ ruft auch Gertrud bei Genovevas -Einkerkerung. Dann begegnen uns wieder „Wunderschein“, „wunderthtig“, -„wunderlich“, „Zauber“, „Zauberschein“ neben hufigem „seltsam“, -„seltsamlich“. Solche Wrtchen sind allerdings einzeln genommen -fast gewichtlose Atome, in Masse aber die Sprache erfllend, sind -sie imstande, selbst jenen Theilen der Dichtung, die nicht gerade -Sammelpunkte religisen Empfindens sind, eine Art religiser Frbung -zu verleihen und in uns bestndig das Gefhl des Auerordentlichen -anklingen zu lassen. In einer Dichtung, die das Unglaubliche in -Verbindung mit der nchsten, berzeugenden Gegenwart zeigt, muss auch -das Irdische dem Wunderbaren etwas nher gerckt werden, damit sich fr -unsere Phantasie nicht eine zu unbersteigliche Kluft zwischen beiden -Welten aufthut.</p> - -<p>Das Wunderbare entfaltet aber seine besonders blendende Leuchtkraft -in den Wundern und Visionen, die der Dichter<span class="pagenum"><a name="Seite_198" id="Seite_198">[S. 198]</a></span> jedesfalls selbst als -die Gipfelpunkte des Religisen in der „Genoveva“ ansah. Beide werden -fast immer in Erzhlungsform vorgefhrt. Genoveva erzhlt jedesmal -selbst ihre Vision in einer feierlichen Rede, die von Vergleichen und -Bildern frmlich berstrmt. Alles, was Bilder von Licht und Glanz, von -Gesang und himmlischem Klang in unserer Phantasie erwecken kann, wird -zuhilfe gerufen, um den Eindruck der bernatrlichen Herrlichkeit zu -erwecken. Dasselbe gilt auch von den Wundern in der Wste, soweit sie -mit himmlischen Dingen in Verbindung stehen. Die epische Erzhlung wird -gelegentlich mit Lyrik durchwoben. Der Dichter lsst die Erzhlerin -das einemal direct sagen, wie ihr zumuthe war. „Da fhlt’ ich erst -die Kraft der Religion...“<a name="FNAnker_655_655" id="FNAnker_655_655"></a><a href="#Fussnote_655_655" class="fnanchor">[655]</a> „Mir war, als schaut’ ich schon den -hchsten Thron...“<a name="FNAnker_656_656" id="FNAnker_656_656"></a><a href="#Fussnote_656_656" class="fnanchor">[656]</a> Ein andermal wieder erzhlt der Dichter selbst: -„Das kam wie Blumen um sie her entsprossen...“<a name="FNAnker_657_657" id="FNAnker_657_657"></a><a href="#Fussnote_657_657" class="fnanchor">[657]</a> Die berirdischen -Dinge, die hier der Dichter schildern soll, sind Vorstellungen, die -jede deutliche Darstellung, alle scharfen Contouren ausschlieen, -und Tieck wie seine Genossen lieben das Unbestimmte, Verschwimmende, -weil es die Stimmung des Unendlichen erweckt. Darum die unbestimmten -Vergleiche und hypothetischen Wendungen. Das Unbestimmte wird denn auch -manchmal direct betont. „Wie er gestaltet, kann ich niemand sagen, was -ich gefhlt, kann keine Zunge sprechen.“<a name="FNAnker_658_658" id="FNAnker_658_658"></a><a href="#Fussnote_658_658" class="fnanchor">[658]</a> Hypothetisch heit es: -„Wie wenn das Morgenroth die Knospe wre...“<a name="FNAnker_659_659" id="FNAnker_659_659"></a><a href="#Fussnote_659_659" class="fnanchor">[659]</a> „Mir war, als schaut’ -ich...“<a name="FNAnker_660_660" id="FNAnker_660_660"></a><a href="#Fussnote_660_660" class="fnanchor">[660]</a> „Ich war in Angst, ich mchte...“<a name="FNAnker_661_661" id="FNAnker_661_661"></a><a href="#Fussnote_661_661" class="fnanchor">[661]</a> In der Schilderung -der letzten Vision fallen aber die unbestimmten syntaktischen Fgungen -weg. Es soll auch durch die Sprechweise der Eindruck erzielt werden, -dass Genoveva, in die himmlischen Mysterien bereits eingeweiht, sich -schon sicherer in diesen erhabenen Sphren fhlt. In der Darstellung -dieser hohen Dinge herrschen die langen Perioden vor. Der groartige -Inhalt und die Stanze fordern eine breitausmalende, reich hinflutende -Sprache.</p> - -<p>Fr die mehr mrchenhaften und rhrenden als eigentlich hohen Wunder -von der Hirschin und den zutraulichen<span class="pagenum"><a name="Seite_199" id="Seite_199">[S. 199]</a></span> Thierlein der Wildnis sucht -der Dichter auch seiner Sprache einen mehr naiv herzlichen Ton zu -geben. „Komm, fromme Hirschin, du mir zugesandt, du blickst mich an -mit treuen, lieben Augen.“<a name="FNAnker_662_662" id="FNAnker_662_662"></a><a href="#Fussnote_662_662" class="fnanchor">[662]</a> Besonders mssen hier die Deminutiva -mithelfen.<a name="FNAnker_663_663" id="FNAnker_663_663"></a><a href="#Fussnote_663_663" class="fnanchor">[663]</a> „Die Vglein sich auf Hand und Huptlein schwungen...“ -„Gieng’s Kindlein aus... so liefen auch die frommen Tierlein mit.“ -„Die Tierlein kommen schon... die Vgelein sind dort...“ Die kindliche -Sprache, die von den „Hnden“ der Thierlein, eine Sprache, wo der -Sprecher von sich in der dritten Person redet, ahmen die Worte -Schmerzenreichs nach:<a name="FNAnker_664_664" id="FNAnker_664_664"></a><a href="#Fussnote_664_664" class="fnanchor">[664]</a></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wo Kruter sind, da setzen sie die Hnde,</div> - <div class="verse">Dass Schmerzenreich sie desto blder fnde.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Das Unheimliche, Ungreifbare der dsteren Geistererscheinung -fordert wieder andere sprachliche Mittel. Unbestimmte Ausdrcke und -Vorstellungen, die aber alle auf Grauen und Schrecken, auf Unheimliches -hinzielen, wirken hier zusammen.<a name="FNAnker_665_665" id="FNAnker_665_665"></a><a href="#Fussnote_665_665" class="fnanchor">[665]</a> Situation: „In einer Nacht...“ -Siegfried „dnkt es“, dass ein „Wesen“ (also ganz unbestimmt, welcher -Art) in seine Kammer trete. Das Wesen aber hebt „die kalte Hand“, sein -„todter Blick verkndigt Pein und Jammer“. Es wchst das Gespenst -so halbdeutlich aus dem Dunkel heraus. Es wlzt sich ins Bett, beim -Hilferuf verschlingen es die Wnde, es ist ein „Geist“. Das „Gespenst“ -erscheint wieder, es verwirrt Siegfried „Sinn und Glauben“, es macht -ihn kalt erschaudern, es starrt mit todten Blicken. Als sich Siegfried -hilfbereit erklrt, erhebt es die weien Finger und winkend fngt es an -hinwegzuschleichen. All diese Merkmale und Handlungen des Gespenstes -in den angefhrten charakteristischen Wendungen wirken sehr gut zum -einheitlichen Eindruck des Unheimlichen zusammen.</p> - -<p>Wunder und Visionen werden vom Dichter meist und zwar in bewusster -Absicht episch dargestellt und dieser Umstand verdient auch Beachtung. -Der Epiker hat nach Tiecks Ansicht dem Wunderbaren gegenber eine -leichtere Stellung als der Dramatiker. Denn in der Erzhlung wird das -Wunderbare nicht so lebhaft vor das kritische Auge gefhrt als auf -der Bhne und der<span class="pagenum"><a name="Seite_200" id="Seite_200">[S. 200]</a></span> Leser sieht es nur durch das Auge des Dichters. -Die wunderbare Hirschin, Tod und Engel treten aber nichtsdestoweniger -in der „Genoveva“ auf die Bhne. Um fr ein solches Wunder Glauben zu -erlangen, gilt es, dasselbe gehrig vorzubereiten, damit wir es als -glaublich hinnehmen. Das thut Tieck auch. Wir leben bei ihm in einer -wunderbaren Welt von Anfang an. Als dichterischer Traum ist das Ganze -gedacht. Eine verwirrende Mannigfaltigkeit lsst den Geist nie so lange -auf einer Erscheinung haften, dass diese allzu reale Existenz gewnne. -Das katholische Mittelalter und das Gebiet der Legende ist fr Tieck -ein wunderbarer Boden, auf dem nichts Unglaubliches und Wunderbares -berraschen kann. Der religise Ton der Sprache hlt uns ziemlich das -ganze Stck hindurch in der religisen Sphre fest. Die „wunderbare“ -Schlacht, der „Unbekannte“, die Erzhlung der ersten Vision, Astrologie -und Hexenkunst, die Rettung aus Mrderhand gehen voraus. Dann folgt -das geringere Wunder mit der Hirschin, darauf die Erzhlung der groen -Wunder in der Wste, und nun ist „der richtende Verstand soweit -eingeschlfert“ und die Phantasie an das Wunderbare gewhnt, dass -selbst eine leibhaftige Engelserscheinung die knstlerische Illusion -nicht mehr zerstren kann. Zu diesen Erwgungen gelangt man zwanglos, -wenn man Tiecks Gedanken ber das Wunderbare bei Shakespeare sich in -Erinnerung ruft.<a name="FNAnker_666_666" id="FNAnker_666_666"></a><a href="#Fussnote_666_666" class="fnanchor">[666]</a></p> - -<p>An einzelnen Stellen tritt in der Genoveva eine mystische -Naturphilosophie auf, die sich mit Jakob Bhmes theosophischen -Phantasien gerne vermengt. Wie dabei auch sprachlich ein Gemisch -aus Altem und Modernem entsteht, zeigte uns die Betrachtung des -Jakob Bhme’schen Einflusses auf die „Genoveva“. Auch der einzelnen -pantheistischen Wendungen wurde schon gedacht.</p> - -<p>In die fromme Legende spricht zuweilen das Schicksal oder die -unheimliche Natur ein dsteres Wort hinein. „Das Schicksal hat es so -gefgt“, „die Fden des Schicksals verlaufen“, ein geheimnisvolles -„mu“ oder die unbestimmte Wendung „uns selber nicht gehrt das -ird’sche Leben“ sagen, dass ein unerklrtes und nur dem ahnenden und -schauernden Gemthe fhlbares Etwas den Menschen treibt und lenkt. Das -Schicksal ist eine „wilde Macht, vom Himmel heruntersiegend“. „Oben das -bse Verhngnis lacht.“</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_201" id="Seite_201">[S. 201]</a></span></p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Himmel und Erd’ in ihrer Gewalt uns hegen,</div> - <div class="verse">Die Sternenkreis’ um uns Gewinde legen,</div> - <div class="verse">Allseitig in Ketten der hohen Natur geschlagen,</div> - <div class="verse">Welche Kraft will sich durch all’ diese Netze wagen.“<a name="FNAnker_667_667" id="FNAnker_667_667"></a><a href="#Fussnote_667_667" class="fnanchor">[667]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>hnlich sagt Golo von seiner Leidenschaft: „Hlt mich ein Zauber -doch in ehernen Netzen...“ Das ist die Sprache des Tieck’schen -Naturfatalismus. Jedes Wort und jede Wendung soll ein Ausdruck des -unheimlichen und unfassbaren Bangens und Schauerns vor dem eisernen -Schicksalszwange sein und diese fatalistische Stimmung auch dem Leser -mittheilen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Mit der Vorliebe Tiecks fr das Poetische an den „alten Urkunden“ -deutscher Poesie wuchs in ihm zugleich die Vorliebe fr den -archaistischen Stil.<a name="FNAnker_668_668" id="FNAnker_668_668"></a><a href="#Fussnote_668_668" class="fnanchor">[668]</a> Die Vorliebe fhrte zur Nachahmung und so -tragen besonders jene Schriften, die in den Jahren der Freundschaft -mit Wackenroder oder aus den Anregungen dieser Jahre entstanden, das -alterthmliche Stilkleid in wenig verndertem Zuschnitte an sich.<a name="FNAnker_669_669" id="FNAnker_669_669"></a><a href="#Fussnote_669_669" class="fnanchor">[669]</a> -A.W. Schlegel<a name="FNAnker_670_670" id="FNAnker_670_670"></a><a href="#Fussnote_670_670" class="fnanchor">[670]</a> betrachtet es 1801 als ein gutes Zeichen an der -romantischen Dichtergeneration, dass sie auf die ltere, poetischere -Sprache zurckgreift. Er meint, die Dichter seien berechtigt, nicht -nur bis ins 17. Jahrhundert, „sondern bis zu den ltesten Denkmlern -unserer Sprache zurckzukehren, um das brauchbare Veraltete, das noch -verstndlich sein kann, zu erneuern; wobei es sich zeigen wird, dass -wir reicher an einheimischen Schtzen sind, als wir wissen“.<a name="FNAnker_671_671" id="FNAnker_671_671"></a><a href="#Fussnote_671_671" class="fnanchor">[671]</a> Nur -ist es heute nicht mehr ganz leicht, den archaisierenden Charakter -der romantischen Werke richtig abzuschtzen und auf die Bestrebungen -dieser Dichter einzugehen; es liegt die Sache hier hnlich, wie beim -Costm. Der Leser, der an Freytag und Scheffel sich seine Vorstellungen -vom archaisierenden Stile bildete, bringt andere Forderungen und -Vorstellungen mit, als<span class="pagenum"><a name="Seite_202" id="Seite_202">[S. 202]</a></span> der Leser, der vor hundert Jahren von den -Werken der Classicisten kam. Wielands „Geron“ und Goethes „Faust“ waren -nur vereinzelte Erscheinungen mit hnlicher archaisierender Sprache. -Vollends fremdartig erscheint uns, was Tieck selbst in der Zeit seiner -alterthmelnden Schwrmerei eigentlich alles als Archaismus und somit -als sprachlichen Vorzug einer Dichtung gelten lie. Dies seine eigene -Erklrung:<a name="FNAnker_672_672" id="FNAnker_672_672"></a><a href="#Fussnote_672_672" class="fnanchor">[672]</a> „... das Zufllige, Entstellte, die Abkrzungen, die -oft die Sache dunkel und unverstndlich machen, die Ungeschicklichkeit -der Abschreiber und Umarbeiter, ja Schreib- und Druckfehler knnen -am Ende, wenn die Vorliebe schon bis zum Phantastischen gesteigert -ist, diesen Dingen (Volksbchern) einen Wert geben, der natrlich -bei abgekhlter berlegung wieder verschwindet“. Diese seltsame -Vernarrtheit in alles, was mit den alten „Schartecken“ zusammenhieng, -lsst vielleicht manches in Tiecks eigener alterthmelnder -Sprachweise als absichtlich und gewollt erscheinen, was man gerne im -ersten Augenblicke als Druckfehler und Schleuderhaftigkeit ansehen -mchte.<a name="FNAnker_673_673" id="FNAnker_673_673"></a><a href="#Fussnote_673_673" class="fnanchor">[673]</a> Denn nach seiner angefhrten Erklrung kann eigentlich -alles, was den Regeln der gewhnlichen Schriftsprache laut oder -leise Hohn spricht, als Archaismus sein Dasein rechtfertigen. Zu so -argen Consequenzen kam er brigens in seiner dichterischen Praxis -glcklicherweise nicht. Aber manches wird nur vom Gesichtspunkte jener -uerungen aus verstndlich.</p> - -<p>Nicht alle in der „Genoveva“ eingestreuten Archaismen wirken -gleich mchtig auf die Phantasie des Lesers. Am sichersten und -krftigsten wird diese von jenen Worten und Wendungen in die alte -Zeit zurckgelenkt, die wirkliche Thatbestnde einer vergangenen -Culturperiode ausdrcken. Wenn Siegfried „seinem Lehensherrn“ Karl -Martell als „wackrer Grafe“ dient, wenn er den „Knaben“ Golo zum „Vogt“ -seines Schlosses bestellt, wenn von „Freien und Vasallen“ die Rede -ist, wenn Golo mit der „Armbrust“ auf der Jagd erscheint, so haben -wir Worte vor uns, von denen jedes uns direct ins Mittelalter, oder -wenigstens in eine ltere Zeitperiode (die Romantiker rechnen auch -das 16. Jahrhundert noch zum Mittelalter) hineinfhrt. Mit dem bloen -Worte wird ein Complex von Vorstellungen lterer Cultur<span class="pagenum"><a name="Seite_203" id="Seite_203">[S. 203]</a></span>zustnde und -Thatsachen vor unserer Phantasie sichtbar. Auch der „Sternengucker“ und -die Hexe mit ihrem mystischen Welsch aus Jakob Bhme vom „Figurieren“ -und „Korporieren“ etc. versetzen uns in eine ltere Zeit zurck.</p> - -<p>Solche Archaismen ersten Ranges, wie sie wohl heien knnten, sind -in der „Genoveva“ nicht sehr hufig. Umso zahlreicher begegnen uns -archaistische Worte, Wortformen, Wendungen und syntaktische Fgungen, -die, ber die Diction reichlich hingestreut, mehr uerlich das -alterthmliche Colorit verstrken helfen. Auch hier kommt nicht die -Herkunft der Worte aus einer bestimmten lteren Periode, sondern -aus einer lteren Zeit berhaupt in Betracht. Das ehrende Epitheton -trefflicher Leute ist „wacker“. Wir lesen weiters „empfahen“, „Mauren“, -„doppel“, „gluben“, „fleug“, „zeucht“, „verbeut“, „beut“, „geneust“, -„dann“ und „wann“ fr „denn“ und „wenn“, „anjetzt“, „hernacher“, -„herauer“, „annoch“, „zumal“, „alleweil“, „allhie“, „allhier“, „letzt“ -= jngst, „was“ als Conjunction fr „wie“, „mit erstem“ = bei nchster -Gelegenheit, „weil“ = whrend, „insknftige“, „Urtel“, „Trutz“, -„Schalk“ in der alten Bedeutung, „dick“ = dicht, „fein“ (ein „feines -sel’ges Ende“), „frei“ als hervorhebendes Adverb, „spat“. — Es finden -sich vollere Formen aus der lteren Zeit. Die Anredeform „Lieben“, -„lieben Brder“, „lieben Freunde“. Dann „Grafe“, „Glcke“, „Herre“, -„Gotte“, „Herze“, „Hofemeister“, „Siegefried“, „zurcke“, „drinne“, -„leichte“, „edele“ etc. Nach Analogie dieser volleren Formen scheinen -„deine“ = dein und „im Maie“ gebildet zu sein. Alterthmlich gemeint -sind auch verkrzte Formen, wie „(ge)kommen“, hufiges „all“ = alles, -„mal“ = einmal, „Wohlgefall“, „Kriegsmann(en)“, „schlug“ = erschlug, -„lieest“ = verlieest, „schchtern“ = einschchtern, „barmte“, „bost“, -„rckkehren“, „mein(e) Genoveva“, „vorteilen“ = bervortheilen, -„(er)kennen“, „(be)grnden“, „schweigen“ = schweigen machen, „du willt“ -= du willst, Prteritalformen, wie „schwungen“, „sungen“, „erklungen“, -„gepreist“, „rennte“, „sie htte mir bekennt“.</p> - -<p>Tieck verwendet Ausdrcke, die der gewhnlichen neueren poetischen -Sprache fremd sind. „Den Tod den Sndern geben“ = von der Hand der -Snder sterben, „er wre besser (tauglicher), bei der Me’ zu dienen“, -„kann ich in’s Lager ein Gesptte bringen?“ „die Zunge rollt im Kopfe“, -„als Bote stehen“ =<span class="pagenum"><a name="Seite_204" id="Seite_204">[S. 204]</a></span> das Botenamt versehen, „ein wachsam Auge fhren“, -„Rede geben“, „verkehren“ = moralisch schlecht machen, „die Tne -thaten zu mir“, „die Erde muss geffnet sein“ (werden), „damit es ein -frommes Christenkind erfunden wre“ (wrde). — Bei zusammengesetzten -Ausdrcken fllt mitunter ein Bestandtheil weg. „Es geht (mit) uns -schief“, „ich halte Euch (fr) krank“, „denk (an) des Geduld, der -dorten hngt am Kreuz“, „schon (ist es) Glck genug“, „(es) mag wohl -(sein)“. Auch allerhand syntaktische Khnheiten und Unebenheiten mssen -nach Tiecks Auffassung zum Archaistischen gerechnet werden. Es wird -z.B. der Satz ohne vorausgehendem Comparativ mit „als“ fortgesetzt. -„Betet... kreuzigt die Brust, als dass Ihr so die heil’ge Kirchenstille -strt“, „es ist Pflicht, man lsst sie nicht allein“, dass die Berge -„von dem Hall geschlagener Waffen, Schilderklang ertnen“, „er sei -der Dein’ im Tode oder Leben“, „(es) schwung sich (etwas) ber meinem -Haupte, wie ein Singen“, „wie (sie) Leib und Blut an Christi Tisch -genossen, so mussten sie zum Dank ihm beides bringen“, „Ihr glaubt -doch nun, was Ihr geseh’n, ihn Snde mit der gndigen Frau begehen“, -„zu spt umzukehren (= da es zu spt ist, dass ich umkehre), muss der -Frevel ewig whren“, „(ich) frcht’ mich“, „es ist in wilder Wst’ all’ -ihre Lust, und (sie) frchtet...“. Die Zaubersprche der Hexe, welche -den Zweck haben, Siegfrieds Sinn zu verwirren, sind darum auch selbst -syntaktisch verworren. Auch die Stanzen des heil. Bonifacius sind im -Satzgefge oft recht bequem gehalten. Z.B. „ihr war, als mu (mte)“, -„sie vernimmt im leisen Chore singen...“, „Das Bild streckt seinen -Arm in whrend Klingen“. Zu den Eigenthmlichkeiten aus lterer Zeit -gehrt noch der Gebrauch des adversativen „und“. „Hoffend, und ich ward -verstoen“, „Eine Schlacht! Und bedenkt Ihr denn nicht...“, „Unschuldig -ach! Und keiner steht mir bei“. Wir finden die Construction mit „thun“. -„Sense thut schon blinken“, „Kein Gedanke mich hier erreichen thut“. -Das Perfectum statt des Prteritums: „hat sie dann gesprochen“, „und -wenn’s vor Klte zittern dann gemut“. In manchen Fgungen hrt sich -auch die Nachstellung des Attributes ein wenig alterthmlich an. „Es -schndet Dich als einen Christen rein, verbunden mit dem Mohrenweibe -sein“, „ein Ritter bieder“, „o Crucifix, o Jesu Christe bieder“, -„dieser Knabe fein“.</p> - -<p>Entschieden archaisierend ist wiederum der Gebrauch<span class="pagenum"><a name="Seite_205" id="Seite_205">[S. 205]</a></span> lateinischer -oder lateinisch flectierter Worte oder halblateinischer Wortformen. -„Italia“, „Hispania“, „Carol“, „Carol Magnus“, „Karl Martellus“, -„geistlich Regiment“, „Glorie“, „glorreich“, „vom St. Laurentio und -Sebastian“, „Abatissin“, „Genovevam“, „Gebete rezitieren“, „das -Paternoster nehmen“, „Ora pro nobis sancta Genoveva“. Tieck unterlsst -es auch nicht, jenen auftretenden Personen, die er unabhngig vom -Volksbuche einfhrt, gut altdeutsch klingende Namen zu geben, wie Kunz, -Wolf, Otho, Gnther, Gertrud, Else, Grimoald, Winfreda.</p> - -<p>„Ich bin der wackre Bonifacius“, „... seid aufmerksam und lat Euch -gern in alte deutsche Zeit zurckefhren“, „vernehmet die denkwrdige -Geschicht’ von uns’rer Genoveva heil’gem Leben...“, der belehrende -Zuruf an die Leser „o lat uns alle diesen Wandel fhren, da wir -die Tugendkron’ erlangen...“, diese Anreden und Ermahnungen an das -Publicum, die altfrnkische, naive Art, wie sich der heil. Bonifacius -einfhrt, werden mit Bewusstsein von Tieck angewendet, um den rhrenden -Ton des alten Volksbchleins nachzuahmen; denn gerade dieser hatte -ihn auch besonders entzckt. In dieser Zeit hlt Tieck technische -Unbehilflichkeit noch fr liebenswrdig.<a name="FNAnker_674_674" id="FNAnker_674_674"></a><a href="#Fussnote_674_674" class="fnanchor">[674]</a> Auf altvterische -Herzlichkeit zielen jedesfalls auch die Verbindungen der Adjectiva mit -einem „wohl“, „hoch“, „recht“, „aller“ u. dgl. ab. „Liebwerthestes -Gemahl“, „dreimal edler Jngling“, „vor dem allerteuersten -Marienbilde“, „recht dunkelrotes Blut“, „allerliebster Golo“, -„wohledele Frau Grfin“, „das allerschnste Glck“, „das allerliebste -Wohlgefallen“, „ein einzig armes Mal“, „allerreinste Tugend“. Eine alte -Frbung der Sprache untersttzen die Adjectivbildungen auf „-lich“ -und besonders die auf „-iglich“. „Bedchtiglich“, „bescheidentlich“, -„bslich“, „festiglich“, „frhlichlich“, „leichtiglich“, „wonniglich“, -„snftlich“, „sndlich“, „seltsamlich“. Erwhnt sei noch die doppelte -Negation. „Auch ziemt sich Stolz fr keinen Christen nicht“, „nie keine -Unthat“, „nimmer keine Lust“...</p> - -<p>Manche von diesen Proben lieen sich vermehren, ohne jedoch dadurch -etwas Neues dem bisherigen Materiale beizufgen, das uns bereits -einen Einblick in Art und Weise gewhrt, wie Tieck seine „Genoveva“ -mit einer knstlichen, archaistischen<span class="pagenum"><a name="Seite_206" id="Seite_206">[S. 206]</a></span> Patina berzieht. Knstliche -„Schreib- und Druckfehler“ zu machen unterlsst er zwar, aber eine -gewisse Nachlssigkeit in der Schreibweise, ein absichtliches Abweichen -vom Correcten, also eine Tendenz nach jener Schreibart hin, die er -an den alten Volksbchern abgttisch bewunderte, lsst sich nicht -verkennen. Der Reiz des Alterthmlichen und Seltsamen steht dem -Romantiker hher als die frostige Correctheit, die man gerne den -Rationalisten berlsst. Diese mochten sich aufs neue rgern, wie sie -sich einst ber den Stil des „Gtz“ gergert hatten.<a name="FNAnker_675_675" id="FNAnker_675_675"></a><a href="#Fussnote_675_675" class="fnanchor">[675]</a> Wie bei der -Behandlung des Costms geht der Dichter auch hier nicht mit ngstlicher -Consequenz zuwerke, er holt sich seine Archaismen nicht gerade aus -einer bestimmten lteren Periode unserer Sprache her. Er wechselt -manchmal zwischen altem und neuerem Ausdruck ohne ersichtlichen -Grund und schreibt einmal „Thurn“, das anderemal „Thurm“, einmal -„Grafe“, ein andermal „Graf“; er flectiert die Eigennamen „Christus“, -„Genoveva“ bald deutsch, bald lateinisch. Rhythmus und Reim sprechen -selbstverstndlich in vielen Fllen ein Wrtlein mit, wie sich leicht -beobachten lsst. So entscheidet der Rhythmus, ob „Herr“ oder „Herre“, -„Siegfried“ oder „Siegefried“, „Hofmeister“ oder „Hofemeister“, -„Karl“ oder „Karol“ gesetzt wird. Daher schreibt sich wohl zumeist -diese durchgehende Abwechslung in den Formen. Dass Tieck sich auch -in der Sprache keinen Zwang in consequenter Anwendung der Archaismen -auferlegt, kommt dem Gesammteindrucke nur zugute. Allzu groe -ngstlichkeit hierin wrde das Alterthmliche nur gezwungener, steifer -und verknstelter erscheinen lassen, als diese leicht aufgetragene -Frbung.</p> - -<p>Trotz der schweren Menge von Archaismen lsst sich andererseits bei -einer so ausgedehnten Dichtung, wie es die „Genoveva“ ist, eigentlich -nicht von einem berflusse sprechen und Solgers Urtheil,<a name="FNAnker_676_676" id="FNAnker_676_676"></a><a href="#Fussnote_676_676" class="fnanchor">[676]</a> es -sei in diesem Punkte „mehr als rthlich“ geschehen, ist nicht -recht verstndlich. Wahrscheinlich meint Solger, der jenen extrem -romantischen Grundsatz, nach welchem selbst sprachliche Unebenheiten zu -archaistischen Schnheiten werden, kaum je anerkannte, dass Tieck seine -alterthmliche<span class="pagenum"><a name="Seite_207" id="Seite_207">[S. 207]</a></span> Sprachfrbung zu oft auf Kosten des neuhochdeutschen -Sprachgefhles anstrebte und so kann man das „mehr als rthlich“ in der -That auch heute unterschreiben.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>In der sprachlichen Darstellung des Naturgefhles, das in der -„Genoveva“ eine so bedeutende Rolle spielt, zeigt Tieck wieder recht -seine Fhigkeit als Stimmungspoet. Die stilistische Behandlung ist -hier nicht immer ganz gleichwertig. Dem Romantiker ist es beim -Landschaftsbilde weniger um einen bestimmten Inhalt, als um die Seele, -um den Stimmungshauch, der ber der Naturscenerie schwebt, zu thun, -wie uns die Kunstgesprche im „Sternbald“ belehren. Das hier von -gemalten Landschaften Gesagte gilt natrlich auch vom dichterischen -Landschaftsbild und Novalis kann sich wie Tieck Gedichte denken, „die -blo wohlklingend und voll schner Worte sind, ohne allen Sinn und -Zusammenhang, hchstens einzelne Strophen verstndlich, wie Bruchstcke -aus den verschiedenartigsten Dingen“. Tiecks Naturstimmungsbilder -zeigen nicht selten dieses Zusammenhanglose und Verschwimmende. Davon -schreibt sich ihre eigenthmliche Stilisierung her. Bezeichnend ist -das Lied des Schfers „Himmelblau, hellbegrnte Frhlingsau...“, das -nur als musikalische Phantasie gedacht ist und im „Sternbald“ die -berschrift „Schalmeyklang“ trgt. In Golos Frhlingsschilderung<a name="FNAnker_677_677" id="FNAnker_677_677"></a><a href="#Fussnote_677_677" class="fnanchor">[677]</a> -werden junges Laub, blhende Bume, Vgel, Blumen, silberne Bchlein -ohne rechten organischen Zusammenhang nebeneinander gestellt. Wir -bekommen kein deutliches landschaftliches Bild. Der Leser hat die -ersten Zge vergessen, wenn er bei den letzten anlangt. Strahlen, -Farben und Tne im Verein mit Worten seelischen Inhaltes wirken -zusammen, um eine allgemeine Frhlingsstimmung im Gemthe des Lesers -wachzurufen. Ein landschaftliches Bild bekommen wir nur einmal in der -„Genoveva“ zu sehen und auch dieses ist ein dmmeriges Nachtbild.<a name="FNAnker_678_678" id="FNAnker_678_678"></a><a href="#Fussnote_678_678" class="fnanchor">[678]</a> -Scenerie: Waldgebirge, Nacht, Mondschein. Mit Golo schauen wir von -der Bergspitze in die Tiefe und hren zuerst den Waldstrom, erkennen -dann die Wipfel im Mondlicht, darunter im Scheine „flimmende“ Fichten. -Um uns Gebirge mit gespaltenen Klippen,<span class="pagenum"><a name="Seite_208" id="Seite_208">[S. 208]</a></span> Wlder, die sich rauschend -neigen. Wieder ein Blick abwrts: schweigende Thler, aufsteigende -Nebelwolken. Ein Blick aufwrts: die Sterne und schwimmende Wolken und -in diesem Raume, den das Auge durchmessen, hochaufgerichtet die Nacht. -Es ist das Bild einer Gegend, aber es ist ein ruhendes Gemlde, ein -Nebeneinander. Leben gewinnt es dadurch, dass wir einmal mit Golo den -Blick ber die Theile der Scenerie schweifen lassen und diese selbst -verrth ein gewisses Leben durch das Brausen, Schumen, Flimmen, -Rauschend-Neigen, Nebelwolkensteigen und das Geh’n der schwimmenden -Wolken. Sonst muss der Leser in den meisten Fllen die Naturscenerie -sich aus den Scenenberschriften zurechtlegen. Der Dichter sagt nur -„Garten, Mondschein“, „Garten“, „die Wste“. Die auftretenden Menschen -sagen, was sie in dieser Umgebung empfinden und ihre Empfindung theilt -sich dem Leser mit. Die Empfindung lst sich dabei mit Vorliebe in -Ton und Schimmer auf, die ineinander strmen und sich durchdringen. -Das classische Beispiel dafr ist die Balkonscene.<a name="FNAnker_679_679" id="FNAnker_679_679"></a><a href="#Fussnote_679_679" class="fnanchor">[679]</a> Da lsst die -„Sirene“ Nachtigall ihre Lieder schallen, die sen Klnge dringen in -Golos Herz, der Klang lockt ihn zum Verderben hin. Dabei sind goldener -Mondschein und flimmernde Sterne der Contrast zu seiner dunkeln -Leidenschaft. Wenn diese hher auflodert, dann beglnzt sie auch die -Natur unheimlicher, dann „saugt der Mondschein“ am Herzen, die Sterne -„zielen mit Liebespfeilen“. Dazwischen wieder der freundliche Contrast: -das „Spielen“ der Abendwinde, der „murmelnde Gang“ der Bche. Glanz -und sanfte Tne durchziehen die lyrische Scene und daraufhin sind die -Ausdrcke gewhlt. Die Quellen „leiser, lieblicher flieen“, „kleine, -stille Blumen sprieen“, „Winde bringen Kunde“, „Bume sumsen Lieder“, -„Alles singt“,</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„In dem Herzen klingen Tne,</div> - <div class="verse">Die sich mit der Nacht verwirren,</div> - <div class="verse">Rieselnd durcheinander irren,</div> - <div class="verse">All’ in Harmonie und Schne.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Schne, wohlklingende Worte, die rasch vorberschwebende -Phantasiebilder erwecken, helfen zusammen, das trumerische -Stimmenspiel der Sommernacht zu malen. Die unbestimmten, klangreichen -Worte haben eine „indirecte Wirkung wie die Musik“. (Novalis.) In -Golos Anrede an Genoveva: „Ihr schreitet her und<span class="pagenum"><a name="Seite_209" id="Seite_209">[S. 209]</a></span> weckt...“<a name="FNAnker_680_680" id="FNAnker_680_680"></a><a href="#Fussnote_680_680" class="fnanchor">[680]</a> ist -die Stimmung der geheimen Magie, mit der die Geliebte die ganze Natur -beherrscht, auch in der Sprache glcklich festgehalten. Unheimlich -gespensterhaft wird das Nachtbild vor der Hexenscene gemalt.<a name="FNAnker_681_681" id="FNAnker_681_681"></a><a href="#Fussnote_681_681" class="fnanchor">[681]</a> -Es „weht die Nacht herauf mit schwarzem Flgel“, die Wolken „zieh’n -und flieh’n“, Geister kommen und geh’n „auf der schwarzen Leiter der -Nacht...“. hnliche Worte unheimlichen Grauens findet Wolf fr die -unheilkndenden Himmelszeichen. Whrend Genoveva nur die sanften Laute -der Natur vernimmt, ist es der leidenschaftliche Golo, der wenigstens -manchmal auch einen Blick auf die groe, wildromantische Natur wirft -und dafr das entsprechende Wort findet: „Hinaus! dem Winde sei ein -Spiel, den Regenwolken, dem Blitz ein Ziel.“ „Der ferne Strom erklingt -in seiner Macht.“ „So sollte unter uns die Welt verschwinden... es -sollte alles mir gelingen, indess Naturen unter uns vergiengen.“ „Der -Waldstrom braust und schumt...“ Im ganzen berwiegen aber in der -Dichtung die sanften Naturklnge und das freundliche Schimmern von Mond -und Sternen.</p> - -<p>Das nmliche stilistische Mittel, mit dem der Dichter den Leser -bestndig in der alten Zeit wie in der religisen Sphre festzuhalten -sucht, wendet er an, um im zweiten Theile neben der religisen und -alterthmlichen Stimmung in uns auch das Gefhl der Waldeinsamkeit rege -zu erhalten. Immer neue Wendungen lassen den Leser nicht vergessen, -dass er im tiefen Walde ist. „Wie schauerlich und einsam ist der -Platz.“ „Auch wt’ ich nicht den Weg zu finden aus diesen verworrenen -wsten Felsen.“ „Die Wstenei.“ „Hier tief im Berge.“ „Hinter jenem -Walde, der ganz weitab im Scheine glnzt daher.“ „Da wir allhier, der -Einsamkeit ergeben...“ u.s.w.</p> - -<p>Die Beispiele fr die Gleichnisse, Metaphern, Composita, die Glanz -und Licht und Blumen bevorzugen, wurden bereits bei Besprechung des -Naturgefhles zusammengestellt.</p> - -<p>Das Eigenthmliche in Tiecks Art, das Naturgefhl auszudrcken, ist, -dass der Dichter nie auf die Zeichnung deutlicher, scharf und rein -gesehener Umrisse ausgeht. Schon das Beseelte und Bewegte in seinen -Naturbildern hindert einen scharfen Contour. Aber auch kein organisch -in zusammenhngender Folge<span class="pagenum"><a name="Seite_210" id="Seite_210">[S. 210]</a></span> sich entwickelnder Naturvorgang wird -vorgefhrt, wobei der Leser activ mitschaffend theilnehmen knnte, -sondern Tieck geht auf Stimmungen, hchstens auf ein malerisches -Stimmungsbild aus. Eine Vorstellung wird in der Phantasie angeregt; -bevor sie einen festen Umriss gewinnt, drngt schon eine zweite -verwandte oder wenigstens aus derselben Sphre entnommene nach, die -aber nicht die vorausgehende deutlich fortsetzt und abrundet, sondern -verndert und theilweise verwischt. Die Bilder und Vorstellungen, -aus denen sich ein Landschaftsbild zusammensetzen knnte, werden in -bunter Verwirrung durcheinander geworfen. Bei einem solchen Kommen -und Gehen und leisen Durcheinanderflieen der Phantasiebilder, -untersttzt durch den sinnlichen Klang von Wort und Reim, bildet sich -jener unbestimmte, zart-schwebende Ton im Gemthe, den wir Stimmung -nennen. Der Leser ist nie gezwungen zum energischen Nachbilden der -dichterischen Anschauungen, er wird auch nicht in ein bestimmtes Gefhl -hineingezogen, sondern er gibt sich rein passiv wie bei der Musik dem -wohligen Spiele der vorberschwebenden Bilder und Klnge, die nur von -unklaren Vorstellungen begleitet sind, hin. Diese leicht ber Dinge -hinschwebende Sprache, die der Seele des Lesers nur einen flchtigen -Stimmungshauch suggeriert, gefiel den Romantikern auerordentlich. -Es war ihnen die richtige Sprache der rein knstlerischen Stimmung. -A.W. Schlegel schreibt z.B. ber die Lieder in der „Magelone“, die -verwandten Charakter zeigen: „Die Sprache hat sich alles Krperlichen -begeben und lst sich in einen geistigen Hauch auf. Die Worte scheinen -kaum ausgesprochen zu werden, so dass es fast noch zarter wie Gesang -lautet.“ Novalis nennt die bestimmten Gedanken und Empfindungen -die Consonanten, die unbestimmten Stimmungen die Vocale und Tne -im Seelenleben. Diesen Anschauungen entspricht die romantische -Stilisierungsart.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Unsere bisher gefhrte Untersuchung wollte einige Eigenthmlichkeiten -in Tiecks Stilistik feststellen, die sich ziemlich gleichmig -ber die ganze Dichtung hin verfolgen lassen. Es erbrigt noch, -einige Beobachtungen zu versuchen, die sich mehr auf einzelne -Bestandtheile des bunten, vielgestaltigen Werkes richten. Einzelne -von den lngeren lyrischen Monologen verdienen unsere Aufmerksamkeit. -Der ausgedehnteste darunter ist<span class="pagenum"><a name="Seite_211" id="Seite_211">[S. 211]</a></span> jene Einleitung zu Golos letztem -Liebesantrag. Situation: Garten. Hereinbrechender Sommerabend. Golo -schaut in sein Inneres hinein, das im allgemeinen Aufruhr begriffen -ist. Aus dem Gewirre drngt sich der Gedanke an die nahende Geliebte -hervor. Mit dem Gedanken verbindet sich der Wunsch, sie zu umarmen. -Dem Wunsche folgt das Phantasiebild von der Erfllung des Wunsches. -Aber der Trumer merkt, dass es nur Phantasie ist und bittet die -Sterne um Verwirklichung des ertrumten Glckes. Recitativisch, in -freien Rhythmen, voll rhetorischer Figuren strmen diese Wnsche -dahin. Feine und allmhliche bergnge fehlen. — In ein erhabeneres -Bild eingekleidet, das Sinnliche weniger offen hervorkehrend, in -feierlichen Stanzen gewinnt der nmliche innere Vorgang folgende -Gestalt: Die ganze Natur erwartet Genoveva; die ganze Natur mag -unter Golo in Trmmer strzen, wenn er nur die Geliebte in den Armen -halten knnte. — Anknpfend an Genovevas Kleid, an ihren Gang und -Tanz schwelgt hierauf wieder Golo in wilderen, sinnlichen Phantasien -und wieder freirhythmisch wie das erstemal. — Nach diesem Aufwallen -ebbt die Gefhlswelle wieder in eine ruhige Bahn zurck. In einem -weichen, wehmthigen Anruf an die Sehnsucht verlangt Golo, wenigstens -in seinem letzten Augenblicke von einem Wahnbilde Genovevas beglckt -zu werden. Diese ernste, wehmthige Bitte an die Sehnsucht erscheint -wieder in Stanzenform. Im „Getreuen Eckart“<a name="FNAnker_682_682" id="FNAnker_682_682"></a><a href="#Fussnote_682_682" class="fnanchor">[682]</a> sagt der Dichter -einmal: „Eckart schaute seinen inneren Gedanken zu.“ Das nmliche -thut hier Golo monologisch. Er schaut zu und schildert zugleich, wie -in seinem Gemthe die Leidenschaft bald wild aufschumt, bald ruhiger -und gemessener hinstrmt, und danach wechselt die stilistische und -metrische Einkleidung. Ein hnliches Variieren lsst sich beobachten in -Golos Monolog: „Ihr hohen Bume, heilge, dunkle Gnge“,<a name="FNAnker_683_683" id="FNAnker_683_683"></a><a href="#Fussnote_683_683" class="fnanchor">[683]</a> deutlich -in Karls Betrachtungen ber den Ehrgeiz,<a name="FNAnker_684_684" id="FNAnker_684_684"></a><a href="#Fussnote_684_684" class="fnanchor">[684]</a> nicht mehr so deutlich in -Zulmas Monolog vor dem Zelte ihres Geliebten.<a name="FNAnker_685_685" id="FNAnker_685_685"></a><a href="#Fussnote_685_685" class="fnanchor">[685]</a> Diese Gefhlsergsse -erscheinen wie romantische Poesien im kleineren Mastabe, wie -„einfache, poetische Systeme“. Eine Gesammtstimmung beherrscht das -Ganze. Innerhalb dieser Atmosphre wogt es bunt und mannig<span class="pagenum"><a name="Seite_212" id="Seite_212">[S. 212]</a></span>faltig -durcheinander. Wie es Novalis von den Theilen des Romanes verlangt, -wird auch hier das lyrische Stck „ein eigenes Ganzes“. hnliches lsst -sich an den lyrischen Theilen des „Zerbino“ und „Octavian“ beobachten.</p> - -<p>Eine sonderbare Art, die gegenwrtige Gemthsverfassung auszudrcken, -ist es, wenn Tiecks Personen dieselbe mit vergangenen Gemthszustnden -vergleichen. Hieher gehrt Golos Monolog: „Was willst Du hier?“<a name="FNAnker_686_686" id="FNAnker_686_686"></a><a href="#Fussnote_686_686" class="fnanchor">[686]</a> -Genovevas Sonett in der Balkonscene<a name="FNAnker_687_687" id="FNAnker_687_687"></a><a href="#Fussnote_687_687" class="fnanchor">[687]</a> und Golos Lieder: „Da irr’ -ich unter Steinen“<a name="FNAnker_688_688" id="FNAnker_688_688"></a><a href="#Fussnote_688_688" class="fnanchor">[688]</a> und „Sieh’ Laute, sieh’, so rei ich dich in -Splitter“.<a name="FNAnker_689_689" id="FNAnker_689_689"></a><a href="#Fussnote_689_689" class="fnanchor">[689]</a> Ebenso die lange Rede Golos im Dialog mit Gertrud: „Nur -einmal ihren Busen an den Mund“<a name="FNAnker_690_690" id="FNAnker_690_690"></a><a href="#Fussnote_690_690" class="fnanchor">[690]</a> und die Klagen und Mahnreden des -sterbenden Wolf.<a name="FNAnker_691_691" id="FNAnker_691_691"></a><a href="#Fussnote_691_691" class="fnanchor">[691]</a> Durch solch knstelndes Parallelisieren, durch -das spielende Schweben ber der Empfindung wird der krftige Eindruck -des unmittelbar Gegenwrtigen verhindert, das Ganze verflchtigt. Eine -einfachere, aus dem Gemthe kommende Sprache fhrt das Lied „Dicht von -Felsen eingeschlossen“, „Deine Worte sind im Dunkeln“ und die klagende -Genoveva in der Wste.</p> - -<p>Auch im religisen Empfinden vermisste Solger das „unmittelbar -Gegenwrtige“ und er dachte dabei gewiss an jene Stellen, wo Genoveva -sagt, dass sie „nicht so Andacht“ als „die Liebe zu den alten Zeiten“ -am Legendenbuche erfreue. Die Menschen in der „Genoveva“ sehen auf die -Vergangenheit mit gleicher Ehrfurcht zurck, wie die Romantiker, und -aus dem Gefhle der Ehrfurcht und Hochschtzung der frommen Vorzeit -heraus spricht man von „frhern Zeiten“, „alten Zeiten“, „fabelhaften -Zeiten“, „der alten, deutschen Zeit“, „den vor’gen Helden“, „dem -alten Liede“, „den alten Liebesreimen“. Wolf ist ein „Abbild der -verfloss’nen, treuen Zeit“. Es ist die Rede von „alt verlaufenen -Geschichten“, von „Fabel und Gedicht aus ferner Zeit“, „von alten -Mren“ wie in den Schriften Wackenroders oder im „Sternbald“. Im -„Octavian“ spricht man dann von „alten, edlen Liedern“ und Florens -setzt sich wie Don Quixote<span class="pagenum"><a name="Seite_213" id="Seite_213">[S. 213]</a></span> durch das Lesen von Ritterbchern und -Liedern allerhand Hirngespinste in den Kopf. Tieck hat seine Freude am -Alten und seine Sehnsucht danach „zu krperlich und zu buchstblich“ -in seine Dichtungen hineingebracht und dies empfand Solger als -„manieriert“.</p> - -<p>Neben den Ausblicken in die ferne Vorzeit finden wir auch die -Perspectiven in rumliche Fernen und fr diese Ausblicke findet Tieck -seine eigenen ahnungsreichen Worte. „Wo bist du Glck in Himmelsbahnen, -wo schwingst du in Rumen die hochrothen Fahnen?“ „Der Wald, der ganz -weitab im Scheine glnzt daher“, „jene Weiten“, „dort hinterm fernsten -Walde liegt ein Schlo“. „Jenseit des Himmelsblau.“ Erinnern wir uns -jener Ausblicke in die ferne Zukunft („Weit hinab schaut des Propheten -Blick“) und in die Ewigkeit, so haben wir eine Reihe von Worten und -Wendungen beisammen, aus denen der Eindruck des Ahnungsvollen, in der -Ferne Verschwimmenden, des Unendlichen resultiert. In der Entfernung -wird alles Poesie. Wendungen und Worte, die den inneren Sinn in Zeit- -und Raumfernen lenken, lassen die Ahnung des Unendlichen anklingen, sie -leihen „der Aussicht eine Seele“.<a name="FNAnker_692_692" id="FNAnker_692_692"></a><a href="#Fussnote_692_692" class="fnanchor">[692]</a> „Die Bilder der Romantik sollten -mehr erwecken als bezeichnen“, sagt Heine.</p> - -<p>In der Freundschaft mit Wackenroder lernte Tieck den Wert positiven, -innigen Empfindens schtzen, in Novalis fand er einen Freund, der -selbst die „herzliche Phantasie“ einen Grundzug seines Wesens nannte. -Dabei lernte Tieck selbst Innerlichkeit und Empfindungen, die ganz und -voll die Seele fllen, schtzen. Das merkt man auch seiner Sprache -an. Das Betonen des Innigen und Herzlichen in der Darstellung der -religisen Gefhle und reinen Liebesempfindungen fllt dem Leser der -„Genoveva“ und der ihr zeitlich nahestehenden Dichtungen unwillkrlich -auf. Eine Reihe bezeichnender Wendungen bewegt sich in dieser Richtung. -Von Bonifacius sprach das Alter, dachte die Jugend „mit des Herzens -Innigkeit“, „so spricht mein armes Herz“, „des Herz mir so vom Herzen -ist ergeben“, „so dass sie (die Weise) mich bis in mein Herz bewegte“, -„da ihr’s so schlicht und herzlich singt“, „wenn ich Euch liebe und -mit treu’stem Herzen in dieser Liebe Leben, Herz verzehre“, „der<span class="pagenum"><a name="Seite_214" id="Seite_214">[S. 214]</a></span> -Ton ist mir in’s tiefste Herz gedrungen“, „herzlich sei im Herzen -der verflucht, der mich...“, „inniglich so Geist wie Herz bewegen“, -„das innere Weh der Trennung“, „da ward mir recht im innern Herzen -bange“, „innig lieben“, „herzinnig bereuen“, „innig berzeugt sein“, -„vom Herzen und mit ganzer Seele“, „im Gemthe erwgen“, „Wie ich -noch tief im Seelenfleh’n befangen“, „Ich war im tiefsten Beten noch -verloren“, „sich in tiefes Sinnen versenken“, „ich bin mit meinem Gram -allein“, „mit der Seele nach dem Himmel streben“, „ich will in mein -Gemth zurcke geh’n“, „La’ sie mich martern, wenn sie nur das Herz -mir lassen, denk’ ich Dein im Tode noch“, „Ihr seid zu finster in Euch -selbst verschlossen“, „ein seelerfreuter Mann“, „mit inbrnst’gem -Herzen“, „inbrnstige Angst“. Innig hrt sich auch das Beiwort „lieb“ -an, das Tieck mit beseelten und unbeseelten Dingen verbindet. „Liebe -Berge“, „das liebe Lamm“, „liebe treue Augen“, „lieber, heller Morgen“ -u.s.w. Es macht fast den Eindruck, als ob Tieck diese poetisch schnen, -gemthreichen Wendungen durch zu hufigen Gebrauch und besonders durch -die wortspielerische Art, die er nicht lassen mag, in ihrer Kraft -beeintrchtige.</p> - -<p>Wie fr die edlen Empfindungen, so hat Tieck auch fr die entfesselte -wilde Leidenschaft seine wiederkehrenden Lieblingsworte. Solche -sind „rasen“, „toben“, „toll“, „wild“ u.dgl. „Tolle Worte“, „die -Nacht macht Euch toll“, „der wilde Sinn“, „die wilde Macht“, „habe -fast die Wildheit Euch verzieh’n“, „o schafft mir Gnade vor den -wilden Freunden“, „so wild, so rasend“, „die groe Raserei dem Pbel -predigen“, „rasende Sinnen“, „Ihr knnt mein Rasen seh’n?“, „was ras’ -ich denn?“, „es rasen Freund’ und Feinde durcheinander“, „die Wuth -macht Euch stammeln“, „o Wuth — o Feuerflamme...“ Golo „rast und tobt -wie ein wildes Tier“, „es ist nicht die Rede, herzurasen wie ein wildes -Tier“, Karl Martell „tobt wie ein wtend’ Tier“, Golo „wtet, rast...“ -Daneben begegnen noch „verrckt“, „unsinnig“, „Gefhl und Wunsch und -Wahnsinn durcheinanderirren“. Mit diesen und hnlichen starken Bildern -wirken die Vergleiche mit dem Feuer, dem wilden Tiere zusammen und dazu -kommen an besonders erregten Stellen abgerissene, kurze, gestammelte -Stze. Diese erregte, ans Excentrische und berreizte streifende -Diction ist die passende Sprache der Leidenschaft fr Golo.</p> - -<p>Auch dort, wo es sich nicht um eine hochgespannte leiden<span class="pagenum"><a name="Seite_215" id="Seite_215">[S. 215]</a></span>schaftliche -Erregung handelt, sprt man die Neigung zum Ungewhnlichen, zum -Heraustreten aus der Sprache der gewhnlichen Alltglichkeit. Es ist -dies das selbstverstndliche Vorrecht jeder poetischen Sprache; nur -nimmt der Vorgang beim Romantiker gelegentlich seine ganz eigene -Gestalt an. A.W. Schlegel meint:<a name="FNAnker_693_693" id="FNAnker_693_693"></a><a href="#Fussnote_693_693" class="fnanchor">[693]</a> „Es ist ein erhabener Geschmack, -die Dinge immer in der zweiten Potenz vorzuziehen.“ Damit macht -Tieck in seiner Sprache nicht selten Ernst und bringt damit etwas -Ungewhnliches, Nachdrckliches und berschwngliches in dieselbe. -Es verstrken sich wiederholte Worte. „Ich suche Schutz und finde -keinen, keinen als in Euch“, „ein leises, leises Rauschen“, „der se, -se Name Knig“, „dass es endlich, endlich dem schlagenden Herzen -gengt“ u.s.w. Beliebt ist die Verstrkung eines Begriffes durch sich -selbst oder durch ein Attribut aus gleichem Stamme. „Des Herz mir so -vom Herzen ist ergeben“, „auf Dein eignes Glck Dein Glck zu wagen“, -„in dem Frhling Frhling sich entzndet, aus Blumen sich noch eine -Blte windet“, „das heil’ge Feuer... das den Glanz beglnzt und Licht -der Sonne leiht“. Tieck ist imstande, einen psychologischen Vorgang -in einen zweiten einzuschachteln: in ihrer Erzhlung von der eigenen -Jugend erinnert sich Genoveva ihrer Erinnerungen.<a name="FNAnker_694_694" id="FNAnker_694_694"></a><a href="#Fussnote_694_694" class="fnanchor">[694]</a> Bei solchen -Kunststcken fllt einem Fr. Schlegels Wort ber die reflectierende -romantische Poesie ein, die ihre Reflexion „immer wieder potenzieren -und wie in einer endlosen Reihe von Spiegeln verfielfltigen“ -kann.<a name="FNAnker_695_695" id="FNAnker_695_695"></a><a href="#Fussnote_695_695" class="fnanchor">[695]</a> Diese Sprache strebt ins Auergewhnliche, aber sie -verwischt zugleich die klaren Umrisse.</p> - -<p>Jene Merkmale, aus denen Petrich die allgemeine Unklarheit des -romantischen Stiles herleitet, lassen sich natrlich auch in der -„Genoveva“ beobachten und die Beispiele, die Petrich anfhrt, knnten -durch verwandte aus dieser Dichtung bereichert werden. Fr Bilder -und Gleichnisse werden auch hier Traum und Schlaf,<a name="FNAnker_696_696" id="FNAnker_696_696"></a><a href="#Fussnote_696_696" class="fnanchor">[696]</a> sogar das -Gefhl des auferstehenden Todten<a name="FNAnker_697_697" id="FNAnker_697_697"></a><a href="#Fussnote_697_697" class="fnanchor">[697]</a> verwendet! Das Gebiet des -Gehrsinns und die undeutlicheren Wahrnehmungen des Gesichtssinnes -liefern fr Bild und Gleichnis auch manchen Beitrag und die bekannte -romantische „Gter<span class="pagenum"><a name="Seite_216" id="Seite_216">[S. 216]</a></span>gemeinschaft der Sinne“ besteht in der „Genoveva“ -gleichfalls zu Recht. Nur mchte ich nicht, wie Petrich, in diesem -Vermengen der Vorstellungen „ein Mittel andeutender Unbestimmtheit des -Ausdruckes“ sehen, sondern es ist (abgesehen von Tiecks natrlicher -Neigung zur Stimmungspoesie) nur ein Versuch, auch in der Sprache so -viele Anschauungsgebiete als mglich, auf einmal zu umfassen. Die -„Phantasieen ber Kunst“ geben darber deutliche Auskunft. Es ist der -nmliche Zug nach Universalitt auch im dichterischen Worte, den die -Romantik berall bethtigt, sei es, dass sie „der Bildung Strahlen -all in Eins zu fassen“, sei es, dass sie die knstlerischen Gattungen -oder die verschiedenen Religionen in Eins zu mischen strebt. Manche -uerungen Fr. Schlegels scheinen auf eine absichtliche Unklarheit -abzuzielen, bei Tieck ist diese sicher nicht Zweck, sondern nur die -Folge des Bemhens, zu Verschiedenartiges auf einmal im Worte zu -greifen, die Folge seiner ganzen dichterischen Wesensart.</p> - -<p>Die Hufung verschiedener Bilder finden wir in der „Genoveva“ ebenso -wieder,<a name="FNAnker_698_698" id="FNAnker_698_698"></a><a href="#Fussnote_698_698" class="fnanchor">[698]</a> wie die Unklarheit im Ausdrucke der Bilder selbst.<a name="FNAnker_699_699" id="FNAnker_699_699"></a><a href="#Fussnote_699_699" class="fnanchor">[699]</a> -Beabsichtigt kann die Unklarheit nur in den Reden des „Unbekannten“ -und in den Sprchen der Hexe sein. — Das Fehlen des Artikels, -fehlende Copula, fehlendes „zu“ beim Infinitiv, der freiere Gebrauch -der Prpositionen, sowie die Limitation des Urtheiles durch ein -„vielleicht“, „ist es nicht, als wenn...“, „mir ist, als ob...“ lassen -sich in der „Genoveva“ in gleichem Mae verfolgen, wie es Petrich bei -den Romantikern im allgemeinen thut. Nehmen wir noch dazu das Wrtchen -„abwrts“ mit den verwandten Vorstellungen, die uns in der „Genoveva“, -im „Sternbald“ wie in den brigen gleichzeitigen Dichtungen in Menge -begegnen, so haben wir die wichtigsten, fassbaren stilistischen -Merkmale in der „Genoveva“ ziemlich erschpfend verzeichnet.</p> - -<p>Von der alltglichen Sprache entfernen sich auch die Tropen und -Figuren. Tropischer Ausdruck ist in der „Genoveva“ hufig verwertet. -Allein bezeichnend fr die Stilfarbe sind nur jene bereits erwhnten -Vorstellungen, die aus der Sphre von Glanz, Feuer, Klang und -Blumen entnommen sind. Andere, wie „ser<span class="pagenum"><a name="Seite_217" id="Seite_217">[S. 217]</a></span> Odem“, „einsamer Wald“, -„trber Blick“... sind ziemlich jeder poetischen Diction eigen. Als -Eigenthmlichkeiten, die gerade bei Tieck gerne wiederkehren, seien -noch genannt: Der Vergleich mit dem Netze,<a name="FNAnker_700_700" id="FNAnker_700_700"></a><a href="#Fussnote_700_700" class="fnanchor">[700]</a> das Wort „spielen“ in -verschiedenster Verwendung,<a name="FNAnker_701_701" id="FNAnker_701_701"></a><a href="#Fussnote_701_701" class="fnanchor">[701]</a> „regieren“ vom Beherrschen seelischer -Vorgnge durch den Willen.<a name="FNAnker_702_702" id="FNAnker_702_702"></a><a href="#Fussnote_702_702" class="fnanchor">[702]</a> Letzteres hngt vielleicht mit der -astrologischen Vorstellung von den „regierenden“ Gestirnen zusammen.</p> - -<p>Noch hufiger als der tropische Ausdruck sind in der „Genoveva“ -die rhetorischen Figuren. Es herrschen besonders die Anaphora, die -rhetorische Frage, Ausruf und Anruf, die noch gerne mit „O“ und „Ja“ -verstrkt werden. Die scharfe rhetorische Inversion mit „nein“ sowie -die Klimax fehlen nicht.</p> - -<p>Die Figuren trennen und verbinden syntaktische Glieder. Sie sind ein -Gerste, das eine Masse gliedern, belebend abtheilen hilft und auch -eine uerliche Hilfe, um Unverbundenes zu verbinden. Wie Tieck fr die -Gesammtcomposition uerliche Mittel reichlich verwendet, so verschmht -er sie auch im einzelnen nicht. Wie dort in der Composition, begegnet -uns auch hier in der Sprache der Contrast. Wir finden ihn in einzelnen -Versen, ja selbst in einzelnen Begriffen.</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Es stellt den heiligen Laurentius vor,</div> - <div class="verse">Der in des Feuers Schmach den Leib verzehrte,</div> - <div class="verse">Die Heiden legten ihn in Feuerbrunst,</div> - <div class="verse">Die Seele stand in lichter Himmelbrunst,</div> - <div class="verse">Wie sich Elias hob im Himmelsfeuer,</div> - <div class="verse">Ward er erhoben durch ein irdisch Feuer,</div> - <div class="verse">Sie wollten ihm die hrt’ste Qual bereiten</div> - <div class="verse">Und gaben ihm des Himmels Seeligkeiten.“<a name="FNAnker_703_703" id="FNAnker_703_703"></a><a href="#Fussnote_703_703" class="fnanchor">[703]</a></div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Ein solches Fangballspielen mit Contrasten ist gar nichts Seltenes -in der „Genoveva“.<a name="FNAnker_704_704" id="FNAnker_704_704"></a><a href="#Fussnote_704_704" class="fnanchor">[704]</a> Auch ein einzelner Vers kann in knstlicher -Zuspitzung den Gegensatz in sich schlieen. „Die Christen frben rot -die grne Flur“, „ein Mann und Thrnen?“, „an Worten arm, an Thaten -sollt Ihr kennen den treuen Knecht...“,<span class="pagenum"><a name="Seite_218" id="Seite_218">[S. 218]</a></span> „ich schlug den Gatten, du -hast mich erschlagen“, „da es (das Bild) nicht leben kann, das ist -mein Tod“, „nur das Grab kann khl die Flamme mir ersticken“ u.s.f. -Bis in den einzelnen Begriff drngt sich der Contrast hinein und formt -sich zum Oxymoron. „Sei gtig bser, holder, liebster Satan“, „das -Mgliche, das doch unmglich ist“, „Tod ein bltenvolles Leben“... -Die contrastierenden Verse erscheinen fter wieder im syntaktischen -Parallelismus; es treten sich gleichgebaute Stze gegenber.<a name="FNAnker_705_705" id="FNAnker_705_705"></a><a href="#Fussnote_705_705" class="fnanchor">[705]</a> -Auch Gruppen von Stzen<a name="FNAnker_706_706" id="FNAnker_706_706"></a><a href="#Fussnote_706_706" class="fnanchor">[706]</a> oder Strophen des Sonettes<a name="FNAnker_707_707" id="FNAnker_707_707"></a><a href="#Fussnote_707_707" class="fnanchor">[707]</a> werden -contrastiert. Die Anaphora fhrt ihrer Natur nach zum syntaktischen -Parallelisieren.<a name="FNAnker_708_708" id="FNAnker_708_708"></a><a href="#Fussnote_708_708" class="fnanchor">[708]</a> Tieck vermeidet aber doch wieder dabei eine -allzugenaue Symmetrie, die eintnig werden msste.</p> - -<p>Auf den syntaktischen Bau bt daneben besonders die Strophenform der -Octave einen bedeutenden Einfluss. Sechsundfnfzigmal (von 122), also -beilufig in der Hlfte der Octaven versucht es der Dichter, die ganze -gro aufgebaute Strophe mit einer einzigen Periode zu fllen. Die -Form dieser Strophe ist deutlich auf Zweitheiligkeit (6+2) berechnet. -Mit diesem Schema rechnet dann auch der Bau der Periode. Es enthalten -das einemal die zwei letzten Verse die Spitze der Gedankenreihe, die -sich in den sechs vorausgehenden Zeilen entwickelte oder ein andermal -einen Contrast, ein drittesmal die Folgerung aus dem Vorausgehenden. -Im einzelnen ist der Satzbau innerhalb der Stanze ein sehr -verschiedenartiger, dem romantischen Gesetze von der „reizenden Ordnung -in der Verwirrung“ folgend.<a name="FNAnker_709_709" id="FNAnker_709_709"></a><a href="#Fussnote_709_709" class="fnanchor">[709]</a></p> - -<p>Die vielen rhetorischen Mittel, Anaphora, Frage, Ausruf u.s.w., Mittel, -die fr das gesprochene Wort von groem Werte sind, gehren auch vor -allem der Sprache des Theaters an. Ihr hufiger Gebrauch erweckt den -Anschein, als ob Tieck trotz seiner Abwendung vom Theater doch wieder -heimlich ein theatralisch gesprochener, wenigstens ein laut gelesener -Dialog vorgeschwebt htte. Wozu sonst auch die dem theatralischen -Drama eigene Stichomythie, die wenigstens in kleineren Anstzen auch -in der „Genoveva“ vorkommt?<a name="FNAnker_710_710" id="FNAnker_710_710"></a><a href="#Fussnote_710_710" class="fnanchor">[710]</a> Wozu das Auffangen der Worte<span class="pagenum"><a name="Seite_219" id="Seite_219">[S. 219]</a></span> des -einen Sprechers durch seinen Partner, das uns ziemlich oft begegnet? -Hin und wieder finden sich auch jene der theatralischen Sprache -natrlichen scheinbar subject- oder prdicatlosen Stze, wie: „Seht -her!“, „seht“, „auf ihn, auf ihn!“, „So nackt?“, „in dieser Haut?“, -„wie, Genoveva?“... Geberde und Geste des Schauspielers mssen hier -die Sprache ergnzen, damit die Verbindung der Worte eine sinnvolle, -ein vollendeter Satz wird. — Wenn in der „Genoveva“ die Sprache auf -sinnliche Dinge der Auenwelt kommt, so wird der Leser, der fr das -dichterische Phantasiebild eine gewisses Ma von Deutlichkeit verlangt, -in seinen Ansprchen zuweilen verkrzt, weil er alles nur durch das -Medium der unplastisch sehenden Sprecher schauen darf. Schon die -Naturstimmungen zerflieen manchmal in einen sehr dnnen ther, doch -bei ihnen lsst sich die flchtige Stimmung noch empfinden. Schlecht -befriedigt es aber den Leser, wenn Wendelin das ganze Laurentiusbild -in lauter Betrachtung ber das Bild auflst. Wem nicht die eigene -Erinnerung gleich ein Laurentiusbild vor die Phantasie fhrt, kann -nicht errathen, wie das von Wendelin erklrte Gemlde aussehen -mag. So darf der Dramatiker vorgehen, der an die Bhne denkt, auf -der das Gemlde sichtbar vor uns hngt. Tieck berspringt auch ein -Zwischenglied, das der Regisseur ergnzen msste. Im „Saale auf dem -Schlosse“ beginnt Golo ohneweiters: „Schaut um Euch, wie der Frhling -aufgegangen...“ Auf der Bhne msste Golo wenigstens ans Fenster -treten und der Epiker wrde mit einer Andeutung nachhelfen. In der -„Genoveva“ ist der Leser genthigt, sich selbst zu helfen, wie er kann. -Er muss sich zuweilen wie der Leser eines Bhnendramas sich die Bhne -vorstellen. Spricht das Bisherige dafr, dass sich Tiecks Phantasie -nicht in allen Fllen von der realen Bhne fernzuhalten vermochte, dass -er unwillkrlich dort und da an das Theater dachte, so muss umgekehrt -das Hineinweben jener geheimen Fden, die Ahnung und Erfllung und -allerhand bedeutsame Parallelen verbinden, als untheatralisch, ja als -undankbar selbst fr das gelesene Drama gelten. Denn der Epiker hat -seine bequemen Mittel und Fingerzeige, um die Verbindung zwischen -Ahnung und Erfllung nicht aus dem Gesichtskreise entschwinden zu -lassen: in der „Genoveva“ muss sie der Leser erst mhsam klgelnd -entziffern.</p> - -<p>Tiecks Dialog zeigt selten einen halbwegs energischen, auf ein -bestimmtes Ziel lossteuernden Fortgang, so dass die Scene<span class="pagenum"><a name="Seite_220" id="Seite_220">[S. 220]</a></span> mit einem -bestimmten Resultate schlieen knnte. Wenn sich solche Scenen finden, -so sind es Ausnahmen, wie die Gesandtenscene, die Eroberung von -Avignon, die Gefangennahme Genovevas, die Botschaft an Siegfried. -In den meisten Fllen unterreden sich auch nur zwei Personen. Ein -paarmal lsst sich der eine Unterredner beraus schnell berzeugen -und seine Antwort schliet sich wie ein Refrain an die Rede des -Partners an.<a name="FNAnker_711_711" id="FNAnker_711_711"></a><a href="#Fussnote_711_711" class="fnanchor">[711]</a> Meist begngt sich der Dialog mit dem behaglichen -Besprechen eines oder mehrerer Themen und mit dem Ausmalen der -Situation. Die Scenen, die sich um den Abschied gruppieren, die Scene -auf „Siegfrieds Schloss“,<a name="FNAnker_712_712" id="FNAnker_712_712"></a><a href="#Fussnote_712_712" class="fnanchor">[712]</a> die musikalische Balkonscene, die -lngeren Gartenscenen,<a name="FNAnker_713_713" id="FNAnker_713_713"></a><a href="#Fussnote_713_713" class="fnanchor">[713]</a> die lange Scene mit dem sterbenden Wolf, -die ohne Effect verluft, seien als Beispiele genannt. Wiederholte -lange Reden, Erzhlungen, Lieder und lyrische Ergsse werden sich -schwerlich ohne Widerspruch in den Dialog fgen; denn ein Fortschritt -auf ein bestimmtes Ziel gehrt zum Wesen eines knstlerischen Dialoges, -der nicht langweilig werden soll. Das Bemhen der Romantiker, die -knstlerischen Gattungen in eins zu verweben, musste zu den breiten, -zerflieenden Dialogen fhren. Der heutige Leser der „Genoveva“ hat -das deutliche Gefhl, dass es Tieck auch stilistisch nicht gelang, die -Gegenstze der knstlerischen Gattungen allerwrts auszugleichen. Auch -Tieck selbst sagt spter:<a name="FNAnker_714_714" id="FNAnker_714_714"></a><a href="#Fussnote_714_714" class="fnanchor">[714]</a> „Dagegen ist mir vieles in Genoveva -(z.B. die Amme zu ihrem Schmerzenreich, die Gemlde im Anfang und so -vieles einzelne) wie zu emsig, fleiig und altdeutsch ausgemalt.“</p> - -<p>Eine Rckschau auf diese Untersuchung von Stil und Sprache zeigt, wie -Tieck auch auf diesem Gebiete seiner dichterischen Art zumeist treu -geblieben ist. Sein Vergleich des dichterischen Schaffens mit dem -Traume fllt dem Leser unwillkrlich auch hier wieder ein und daneben -seine Ironisierung des Bestimmten und Klaren,<a name="FNAnker_715_715" id="FNAnker_715_715"></a><a href="#Fussnote_715_715" class="fnanchor">[715]</a> das fr ihn das -Nchterne bedeutet. Er denkt wie Novalis:<a name="FNAnker_716_716" id="FNAnker_716_716"></a><a href="#Fussnote_716_716" class="fnanchor">[716]</a> „Stimmungen, unbestimmte -Empfindungen, nicht bestimmte Empfindungen und Gefhle machen -glcklich.“</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_221" id="Seite_221">[S. 221]</a></span></p> - -<p>Nicht ein plastisches, deutliches Darstellen, sondern ein dmmerndes -Helldunkel, ein leichtes, fast spielendes Berhren der Dinge ist -daher das Ziel seiner Sprache und Tiecks Sprache thut diese Wirkung, -sie beleuchtet ahnungsvoll, aber sie formt und bildet nicht. Du -„breitest Dich leicht wie ein Duft gleich ber alle Gegenstnde“ -schreibt einmal Novalis an unseren Dichter. Entsprechend der frommen -und alterthmelnden Auffassung des Stoffes nimmt die Sprache eine -religise und alterthmelnde Frbung an. Die Naturstimmung klingt in -einer musikalisch wirkenden, blo stimmungerregenden Sprache wieder. -Die idealisierende Tendenz zeigt sich auch in der allgemein und -undeutlich gehaltenen ueren Zeichnung der Figuren und Scenerien, und -das Innenleben, die Leidenschaft, die hie und da sich in strkeren, -energischeren Worten entladet, ist ihrem Wesen nach immer mehr oder -weniger unbestimmt und unplastisch, so dass der Dichter auch hier -seine Art nicht verlsst. „Die Poesie ist Musik fr das innere Ohr -und Malerei fr das innere Auge: aber gedmpfte Musik, verschwebende -Malerei.“<a name="FNAnker_717_717" id="FNAnker_717_717"></a><a href="#Fussnote_717_717" class="fnanchor">[717]</a></p> - -<p>Neben dem Unbestimmten, Stimmungsidealistischen ist die zweite Seite -von Tiecks Darstellungsart, das Knsteln und berknsteln auch in Stil -und Sprache wieder anzutreffen. Der Berliner Verstand folgt wie ein -unzertrennlicher Schatten dem romantischen, trumenden Phantasus.</p> - -<p>Tieck hatte sich sprachlich an den grten Mustern unserer Literatur -schulen knnen. Darum im allgemeinen das Glatte, Sichere und -Abgerundete im Satz- und Periodenbau, darum das Anpassen der Sprache -an die Versform, darum das Streben nach leichter, knstlerischer -Nancierung in seiner Darstellung. „Die Begeisterung des Kriegers, die -Leidenschaft des Liebenden, die Vision und das Wunder sollte jedes -in einem ihm geziemenden Tone vorgetragen... werden.“<a name="FNAnker_718_718" id="FNAnker_718_718"></a><a href="#Fussnote_718_718" class="fnanchor">[718]</a> So fanden -wir es auch. In inhaltlich verschiedenen Partien herrschte in Sprache -und Stil ein verschieden nancierter Ton und das Verschiedenartige im -sprachlichen Stil soll wieder durch die Trias Religion, Alterthum und -Natur zusammengefasst werden. „Sollte der Roman alle Gattungen des -Styls in einer durch den gemeinsamen Geist verschiedentlich gebundenen -Folge begreifen?“ lautet ein Hardenberg’scher Einfall.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_222" id="Seite_222">[S. 222]</a></span></p> - -<p>Obschon nun im ganzen ein idealisierender Stil, eine alterthmliche und -religise Frbung die Dichtung durchziehen, so ist dieser Stilcharakter -doch nicht berall so ebenmig und harmonisch gerathen, so fhlbar -herrschend, dass nicht Tieck selbst Solger gegenber htte zugeben -mssen:<a name="FNAnker_719_719" id="FNAnker_719_719"></a><a href="#Fussnote_719_719" class="fnanchor">[719]</a> „... was eigentliche Zeichnung, Frbung, Styl betrifft, da -bin ich unzufrieden und finde die Disharmonie.“</p> - -<h3 class="mtop15" id="Prosa_Metrik">7. Prosa und Metrik.</h3> - -<p>Nicht so eingehend wie der Sprachstil soll hier die metrische Kunst -Tiecks im einzelnen untersucht werden. Eine solche Untersuchung knnte -nur bei Beobachtung einer groen Entwickelungsreihe zu befriedigenden -Ergebnissen fhren. Die eingehende und weitlufige Untersuchung der -romantischen Metrik liegt auerhalb des Rahmens vorliegender Arbeit. -Hier kann es sich nur darum handeln, den Stilwert der prosaischen und -verschiedenen metrischen Theile im allgemeinen zu erklren.</p> - -<p>A.W. Schlegel vertheidigt in seinem Horenaufsatz „Etwas ber William -Shakespeare bei Gelegenheit Wilhelm Meisters“<a name="FNAnker_720_720" id="FNAnker_720_720"></a><a href="#Fussnote_720_720" class="fnanchor">[720]</a> die Rhythmisierung -neben der Prosa in Shakespeares Dramen und zeigt, wie die gebundene -Rede ganz besonders den sinnlichen Schein einer hheren Wahrheit und -Natrlichkeit erzeugt und wie bei Shakespeare immer einem bestimmten -Inhalte die entsprechende rhythmische beziehungsweise prosaische Form -gegeben wird.</p> - -<p>Diesen Gedanken holt auch Tieck in seiner Recension der Musenalmanache -von 1798 wieder hervor und betont mit groer Emphase den unberufenen -Versemachern gegenber, dass die Versart eines Gedichtes nicht blo -vom Zufall und von der Gewohnheit abhngen drfe. „Der Wechsel der -Reime und die Lnge der Verse, die Composition der Strophe mssen -von einer leisen Regel regiert werden, damit das Silbenma als eine -feine Musik das Gedicht begleite.“ Inhalt und metrische Form mssen in -unzertrennlicher Verbindung ineinander wachsen. Dies wre nicht der -Fall, wenn ein Dichter gewaltsam ein beliebiges Versma einem Inhalte -aufdrngte. Freundlich, wie von selbst msse<span class="pagenum"><a name="Seite_223" id="Seite_223">[S. 223]</a></span> sich der Gedanke an das -Silbenma schmiegen.<a name="FNAnker_721_721" id="FNAnker_721_721"></a><a href="#Fussnote_721_721" class="fnanchor">[721]</a> In der „Genoveva“ entfaltet Tieck eine bunte -Menge verschiedener Bilder und Stimmungen, bunt und vielgestaltig, wie -die romantische Poesie eben sein soll. Da ist es dann auch nicht anders -mglich, als dass jene begleitende „feine Musik“ sich in immer neuer -Tonart mit dem jeweiligen Inhalte vereine und, wenn es dieser Inhalt -verlangt, auch der prosaischen Rede Platz mache. Wenn Tieck gerade ein -Jahr vor der Abfassung seiner „Genoveva“ mit so strengen metrischen -Forderungen an seine dichterischen Zeitgenossen herantrat, so muss -man selbstredend annehmen, dass er bei der Schpfung seines eigenen -Gedichtes auch sich selbst nicht von diesen knstlerischen Forderungen -freisprechen, und dass der Gebrauch der verschiedenen Mae und Strophen -sowie das Unterlassen des Rhythmisierens nicht einem bloen Spiele der -Willkr entstammen konnte.</p> - -<p>Geht man die prosaischen Theile der „Genoveva“ durch, so drngt sich -deutlich als erste Thatsache auf, dass besonders die „niedrigen“ -Leute in Prosa reden, aber auch diese nur dann, wenn der Inhalt des -Gesprches einen mehr gewhnlichen, vertraulichen und behaglichen Ton -verlangt. <a name="Das" id="Das"></a>Das lsst sich an den Dienerscenen gut beobachten. Auch -wenn einmal eine hhere Persnlichkeit sich zu den Untergeordneten -herablsst, so drckt sich diese Herablassung gleichfalls in der -prosaischen Form der Rede aus, in der sie mit dem tiefer Stehenden -spricht. In verschiedenen Fllen bemerkt man, wie mit dem hher -gestimmten Inhalt auch sogleich die Prosa in Rhythmus bergeht. -Es plaudern Grimoald und Benno in der Kapelle zunchst prosaisch -von ihren Privatangelegenheiten. Wendelin mahnt sie in Versen zum -Gebete, richtet in Versen seine religisen Anreden an sie und auch -die Angeredeten antworten nun in Versen.<a name="FNAnker_722_722" id="FNAnker_722_722"></a><a href="#Fussnote_722_722" class="fnanchor">[722]</a> Der Disput, den Otho, -Gnther und andere Kriegsleute ber Gehorsam und eigenes Denken in -Prosa unter sich fhren, endigt, als Karl Martell erscheint und mit -seiner Umgebung und den Gesandten ber den Krieg verhandelt. Wenn sich -jetzt Otho, der zuvor prosaisch sprach, in die hher gestimmte Rede -mischt, so muss es rhythmisch geschehen.<a name="FNAnker_723_723" id="FNAnker_723_723"></a><a href="#Fussnote_723_723" class="fnanchor">[723]</a> Solange Golo mit Benno -in alltg<span class="pagenum"><a name="Seite_224" id="Seite_224">[S. 224]</a></span>licher Rede sich bespricht, geschieht es in Prosa. Daran -schliet sich seine monologische Selbstbetrachtung und diese greift -sofort zum Rhythmus.<a name="FNAnker_724_724" id="FNAnker_724_724"></a><a href="#Fussnote_724_724" class="fnanchor">[724]</a> Die schmausenden Diener unterhalten sich in -Prosa. Drago, vom Gottesdienste kommend und daher noch voll andchtiger -Stimmung, mahnt sie zu gottgeflligem Anstande und seine Mahnworte sind -rhythmisch.<a name="FNAnker_725_725" id="FNAnker_725_725"></a><a href="#Fussnote_725_725" class="fnanchor">[725]</a> Wendelin redet prosaisch mit dem Schergen; nachdem -sich dieser entfernt hat, drckt Wendelin seine Empfindung und Klage -ber das Erfahrene im rhythmischen Monologe aus.<a name="FNAnker_726_726" id="FNAnker_726_726"></a><a href="#Fussnote_726_726" class="fnanchor">[726]</a> Nicht ganz -verstndlich ist die Prosa einer Scene auf Siegfrieds Schloss,<a name="FNAnker_727_727" id="FNAnker_727_727"></a><a href="#Fussnote_727_727" class="fnanchor">[727]</a> in -der man wenigstens fr die erste Hlfte, die Golos trbe Ahnungen und -die feierlichen Stze: „Wird es nicht alle Tage Abend...“ enthlt, eine -rhythmische Einkleidung erwarten mchte. Nicht ganz leicht zu erklren -sind auch die beiden Prosaabschnitte in der letzten Kerkerscene.<a name="FNAnker_728_728" id="FNAnker_728_728"></a><a href="#Fussnote_728_728" class="fnanchor">[728]</a> -Diese strmische Leidenschaft wrde man sich nach allen vorausgehenden -Beispielen eher in freien Rhythmen denken, die auch sogar in der -nmlichen Scene verwendet werden. Vielleicht gibt uns der trotzige, -niedrig hhnende Ton, der sich der leidenschaftlichen Rede beimischt, -einen Wink fr die Ursache der Prosa an dieser Stelle. Es knnte Tieck -daneben beabsichtigt haben, einen sehr schroffen Contrast zwischen -beiden Sprechern auch in der Form zu betonen. Genoveva spricht in -feierlichen Stanzen ihre entschiedene Abweisung aus und richtet das -zweitemal eine milde Ermahnung in gereimten Blankversen an ihren -Versucher. Der Gegensatz zwischen dem tief erniedrigten Ritter und der -heiligen Dulderin tritt so auch im Gegensatze von rhythmischer und -prosaischer Rede hervor.</p> - -<p>Es empfiehlt sich, nach der Prosa zunchst ihren Gegenpol, die -knstlichen Strophen anzusehen; denn an den Extremen lsst sich hier -leichter ein Resultat finden, als an den bergangsstufen zwischen -Prosa und hherer Kunstform. Stanzen, Sonette und Terzinen kommen -hier zuerst in Frage. Htten wir gar keine Nachricht von Tiecks -Beschftigung mit den spanischen Dramatikern, die neben der Romanze -gerade diese Formen gerne verwenden und die fr Tieck hierin das -magebendste Vorbild<span class="pagenum"><a name="Seite_225" id="Seite_225">[S. 225]</a></span> waren, so wrde es doch nicht allzusehr -wundernehmen, wenn wir diese Formen voll Klangreichthum und Wohllaut -in seiner „Genoveva“ trfen. Diese sdlndischen Mae waren die -officielle Sprachform am romantischen Musenhofe von Jena. Dorothea -Veith schreibt sich das Verdienst zu, „die Stanzenwuth“ in ihrem Kreise -entfesselt zu haben. Ihr „Florentin“ muss in Stanzen improvisieren. -Friedrich Schlegel verdunkelt durch seinen Glanz alles in diesem -Genre.<a name="FNAnker_729_729" id="FNAnker_729_729"></a><a href="#Fussnote_729_729" class="fnanchor">[729]</a> Selbst Schelling wird angesteckt.<a name="FNAnker_730_730" id="FNAnker_730_730"></a><a href="#Fussnote_730_730" class="fnanchor">[730]</a> „Wir dichten in -italienischen und spanischen Weisen.“<a name="FNAnker_731_731" id="FNAnker_731_731"></a><a href="#Fussnote_731_731" class="fnanchor">[731]</a> A.W. Schlegel verkndet -1799, dass die Stanze bei Ariost „das schne Gleichgewicht zwischen -phantastischer Willkr und heiterer Besonnenheit“ bewirke, welches -die Darstellung des Italieners so reizend charakterisiert.<a name="FNAnker_732_732" id="FNAnker_732_732"></a><a href="#Fussnote_732_732" class="fnanchor">[732]</a> Die -weiblichen Reime hlt Wilhelm zwar fr die schnsten,<a name="FNAnker_733_733" id="FNAnker_733_733"></a><a href="#Fussnote_733_733" class="fnanchor">[733]</a> er empfiehlt -aber doch den Wechsel zwischen mnnlichen und weiblichen.<a name="FNAnker_734_734" id="FNAnker_734_734"></a><a href="#Fussnote_734_734" class="fnanchor">[734]</a> Zur -Lectre der Spanier gesellt sich also fr Tieck noch das Beispiel der -Genossen und A.W. Schlegels theoretische Anregungen. Umtnt von einer -frmlichen Sonetten- und Stanzenmusik dichtet Tieck den grten Theil -seiner „Genoveva“. Was im „Zerbino“ und in den „Phantasien“ sich nur -vereinzelt ankndigte, entfaltet sich daher auch hier zu reicher Flle, -um im „Octavian“ zum berschwnglichen, luxurisen Reichthum zu werden.</p> - -<p>Die Erfahrung, dass die Octave der Italiener im Deutschen „lyrischen -Ton athmet“, bezeugt Platen, der in rhythmischen Dingen feinhrig -war wie kaum einer. Die dreimalige Wiederkehr gleichgeordneter Reime -ist fr den deutschen Dichter, dem lange nicht die unerschpfliche -Reimflle der italienischen und spanischen Sprache zustrmt, eine -schwierige Aufgabe. (Wieland hielt eine genau und streng gebaute Stanze -im Deutschen fr unmglich.) Eine reiche Bilderflle sowie synonyme -Erweiterungen mssen oft das Ma bis zum Rande fllen helfen. Diese -Nothwendigkeit und die langen Verse selbst in ihrer gleichmigen -Wiederkehr geben der Strophe eine pompse Pracht und feier<span class="pagenum"><a name="Seite_226" id="Seite_226">[S. 226]</a></span>liche Wrde. -Es ist daher gar nicht berraschend, wenn sich in der „Genoveva“ -gerade Gebete und feierliche, getragene Reden mit Vorliebe in Octaven -ergieen.<a name="FNAnker_735_735" id="FNAnker_735_735"></a><a href="#Fussnote_735_735" class="fnanchor">[735]</a> Daran reihen sich die prunkvollen Schilderungen der -himmlischen Visionen,<a name="FNAnker_736_736" id="FNAnker_736_736"></a><a href="#Fussnote_736_736" class="fnanchor">[736]</a> die feierliche Betheuerung,<a name="FNAnker_737_737" id="FNAnker_737_737"></a><a href="#Fussnote_737_737" class="fnanchor">[737]</a> der -Ausdruck besonders gehobener Seelenstimmung berhaupt, wie sie z.B. -Karl Martell beherrscht, nachdem er die Prophezeiung seiner groen -Zukunft vernommen.<a name="FNAnker_738_738" id="FNAnker_738_738"></a><a href="#Fussnote_738_738" class="fnanchor">[738]</a> Liebessehnsucht, in der mehr die hochgespannte -seelische Stimmung als die sinnliche Leidenschaft vorwaltet,<a name="FNAnker_739_739" id="FNAnker_739_739"></a><a href="#Fussnote_739_739" class="fnanchor">[739]</a> und -das breite malerische Frhlingsgemlde<a name="FNAnker_740_740" id="FNAnker_740_740"></a><a href="#Fussnote_740_740" class="fnanchor">[740]</a> bedienen sich gleichfalls -der Octave. Weniger klar ist der Grund ihrer Verwendung fr Genovevas -trbe Ahnungen.<a name="FNAnker_741_741" id="FNAnker_741_741"></a><a href="#Fussnote_741_741" class="fnanchor">[741]</a> Der umfangreichste Abschnitt in Stanzen aber -ist die Erzhlung des heil. Bonifacius.<a name="FNAnker_742_742" id="FNAnker_742_742"></a><a href="#Fussnote_742_742" class="fnanchor">[742]</a> Der Erzhler versucht -anfangs in einem einfachen, naiven Tone zu reden, der zugleich -archaistisch gefrbt erscheint. Verwandt damit ist der Schluss, der -von Schmerzenreich handelt. Dazwischen steht die prchtig geschmckte -Schilderung der Wunder. Hier ist die mchtig tnende Octave nichts -Fremdes; allein wie passt die stolze Prachtstrophe zum einfach und -alterthmlich sein wollenden Vortrag der brigen Erzhlung? Hier muss -uns wohl Tiecks Bekenntnis ber die Stanzen in der fast gleichzeitigen -„Melusine“ aushelfen.<a name="FNAnker_743_743" id="FNAnker_743_743"></a><a href="#Fussnote_743_743" class="fnanchor">[743]</a> „Es reizte mich, die Stanze auch einmal so -treuherzig, wie alte Prosa erklingen zu lassen, ein Ton, der schon -viele Stellen des Morgante so wunderbar anziehend macht, indem das -Possierliche und Edle sich in diesem merkwrdigen Gedichte mit dem -alterthmlich Ehrbaren so wunderbar verbinden.“ Wir gehen kaum irre, -wenn wir annehmen, dass Tieck das nmliche Experiment, das er fr die -zeitlich ganz nahestehende Dichtung einbekennt, auch schon theilweise -in den Bonifacius-Stanzen versuchte. Diese und die Melusine-Strophen -hintereinander gelesen, lassen den verwandten Ton auch<span class="pagenum"><a name="Seite_227" id="Seite_227">[S. 227]</a></span> gar nicht -undeutlich spren. Der Versuch, die reichklingende Strophe fr eine -einfache treuherzige Erzhlung zu whlen ist schon die Anwendung -der bald auftauchenden hyperromantischen Meinung, dass sich gerade -in den sdlndischen Formen alles Poetische am besten sagen lasse. -„Besser als in sapphischen Strophen kann das, was man damit wollen -kann, durch romantische Formen erreicht werden“, schreibt bald darauf -Schleiermacher.<a name="FNAnker_744_744" id="FNAnker_744_744"></a><a href="#Fussnote_744_744" class="fnanchor">[744]</a> Nach Calderons Vorbild lsst Tieck seine Menschen -hie und da sogar einen Dialog in Stanzen fhren. Das ist dort noch -ertrglicher, wo zumeist ganze Strophen auf einen Sprecher kommen;<a name="FNAnker_745_745" id="FNAnker_745_745"></a><a href="#Fussnote_745_745" class="fnanchor">[745]</a> -es wird aber zum verknstelten Kunststck, wenn die Strophe in kleine -Stcke<a name="FNAnker_746_746" id="FNAnker_746_746"></a><a href="#Fussnote_746_746" class="fnanchor">[746]</a> oder gar in kleine Splitter<a name="FNAnker_747_747" id="FNAnker_747_747"></a><a href="#Fussnote_747_747" class="fnanchor">[747]</a> zerschlagen wird.</p> - -<p>Neben der hufig verwerteten Stanze begegnen wir in der Genoveva -achtmal dem Sonette. Der Charakter der einheitlich geschlossenen Form -mochte Tieck passend erscheinen, die Rede des Kapellan, welche die -Novalis-Schleiermacher’sche Religionsauffassung in nuce vortrgt, -den Abschied Genovevas von ihrem Kinde, den Abschied vom Gatten -(Reinigungsbrief) und endlich die Verkndigung von ihrer Aufnahme in -die Seligkeit in je einem Sonette wiederzugeben. In der Balkonscene -spricht Genoveva die Erinnerung an eine vergangene Nachtstimmung, -die sie mit der gegenwrtigen vergleicht, in einem Sonette aus. Das -Sonett, das Golos Versuchung zur Snde ausdrckt, will hnlich wie -Karl Martells Lobrede auf den Ehrgeiz nur das Thema des Monologes -in etwas vernderter Auffassung variieren, wie die Stanzen die -Liebessehnsucht in der Gartenscene. Die Auftheilung eines Sonettes -in den Dialog<a name="FNAnker_748_748" id="FNAnker_748_748"></a><a href="#Fussnote_748_748" class="fnanchor">[748]</a> ist wieder nicht mehr als ein Virtuosenscherz, -zu dem sich der Formknstler Tieck eben „gereizt“ fhlte, wie -zu den treuherzig alterthmelnden Stanzen. Sonette in das Drama -einzuflechten, lernte Tieck gleichfalls bei Calderon. In der Art der -Verwendung dieser Form geht er die Wege A.W. Schlegels. Das Sonett -mit seinem reichen Reimklange, mit seiner bestimmten Gliederung und -„organisch articulierten Form“, die nach Schlegel ein Gef fr Lyrik -und<span class="pagenum"><a name="Seite_228" id="Seite_228">[S. 228]</a></span> Didaktik, die sogar dramatisch werden kann, die eine so „groe -Universalitt“ zeigt, wurde zur romantischen Lieblingsform. Seit 1798 -verwendet sie Schlegel besonders zu lyrisch-didaktischen Zwecken -Gemldesonette. Er strebt der italienischen Idealform nach, die -fnfhebige Verse mit Auftakt, Quartette mit umschlieenden Reimen und -weibliche Reime verlangt. Letztere gehren, wie Schlegel meint, zum -„groen Styl“ des Sonettes. Tieck thut in der Verwendung und im Baue -dieser Form in seinem Drama ziemlich das gleiche wie A.W. Schlegel -in seiner Sonettendichtung. Lyrische, traumhafte Verschwommenheit an -einzelnen Stellen (Balkonscene), das Zerreien des Sonettes im Dialoge -sind Tiecks Besonderheit.<a name="FNAnker_749_749" id="FNAnker_749_749"></a><a href="#Fussnote_749_749" class="fnanchor">[749]</a></p> - -<p>Die Terzine verwendet Tieck fr die Prophezeiung des „Unbekannten“ und -fr den Dialog zwischen dem trauernden Siegfried und Othos pilgerndem -Geiste. Diese Strophe mit ihrer fortlaufenden Reimverkettung ist die -naturgeme Form fr eine fortschreitende Erzhlung und das ist auch -die Prophezeiung. Die einfrmige Wiederholung derselben langen Verse -gibt dem Mae eine „feierliche Stimmung“<a name="FNAnker_750_750" id="FNAnker_750_750"></a><a href="#Fussnote_750_750" class="fnanchor">[750]</a> und das entspricht jeder -der beiden Situationen, in denen sie Tieck verwertet. Dem Dialoge -widerstrebt die Form gewiss dann, wenn sie in so kleine Stcke zerhackt -wird, wie es am Anfange der zweiten Stelle in der „Genoveva“ geschieht, -so dass man den Eindruck der Strophe nicht mehr gewinnt. Tieck sagt uns -noch obendrein, dass ihm die Terzine den Eindruck des Alterthmlichen -mache. Die Association Terzine-Dante-Mittelalter ist auch gar nicht -aufflliger, als wenn der Hexameter Schiller „unausbleiblich an die -griechische Welt erinnert“.</p> - -<p>Die vierte metrische Form, die Tieck aus dem spanischen Drama entlehnt, -ist der Romanzenvers ohne Auftakt und zwar werden diese vierhebigen -Trochen zur Strophenform der Redondille (abba) vereinigt, die Calderon -im Dialog bentzt. Bei Tieck erscheint sie nur an lyrischen Stellen. -Die durchwegs<span class="pagenum"><a name="Seite_229" id="Seite_229">[S. 229]</a></span> weiblichen Reime geben der Strophe in der Balkonscene -eine besonders trumerische Weichheit, die klangvollen Reimworte -dazu eine musikalische Flle, und auf diesen weichen, vollen Klngen -schwebt die magische Traumstimmung der Sommernacht einschmeichelnd und -lieblich dahin. Ein lyrischer Erguss Genovevas formt sich in diesen -Strophen, die sich dann in der Antwort Golos fortsetzen. Solange -seine Liebesgedanken mit der freundlichen Sommernachtstimmung sich -verflechten, gehen sie auch im nmlichen weichen Ebenmae fort; als -aber die Vorstellung von den Augen Genovevas auftaucht, flackert es -unruhig in Golo auf (wir kennen den Zusammenhang zwischen Genovevas -Augen und Golos Empfindung) und das Versma springt aus dem ruhigen -Gleichmae heraus bei den Worten „Deine Blicke schieende Sterne...“ -Zulmas Sehnsucht, Gebet und Klage<a name="FNAnker_751_751" id="FNAnker_751_751"></a><a href="#Fussnote_751_751" class="fnanchor">[751]</a> behalten das Reimschema der -Redondille bei, aber an Stelle der vierhebigen Trochen treten Verse -mit zwei und drei Hebungen und auch klingende und stumpfe Reime -wechseln. Einen besonderen Grund fr die Verwendung dieser Strophen, -die nur noch ungefhr dem spanischen Vorbilde hnlich sehen, kann ich -nicht angeben. Es konnte aber den Dichter immerhin eine uerliche -Association dazu gefhrt haben. Die romantische Mohrin kommt aus -Spanien, dem gelobten Lande der Romantik; da ziemt sich’s, dass ihre -Lieder auch uerlich ein wenig an ihre Herkunft erinnern. Einzelne -inhaltliche Calderon’sche Reminiscenzen konnten wir ohnehin auch gerade -in diesen Partien der Dichtung aufzeigen. Im Monologe Zulmas vor dem -Zelte, der die Sehnsucht nach dem Geliebten variiert, schlgt auch ein -wenig der vierhebige Romanzenvers durch.</p> - -<p>Mit diesen sangbaren Strophen sind wir schon bei den Liedern angelangt, -die Tieck reichlich in sein Drama einstreut. Sie weichen metrisch sehr -voneinander ab. Die einen sind freirhythmische Ergsse, in anderen -ist ein strenger Strophenbau durchgefhrt. Nach welchem Grundsatze -wechselt nun Tieck die Form? Manche Andeutungen (z.B. ein „altes Lied“) -scheinen auf eine Unterscheidung improvisierter und knstlerisch -ausgereifter Lieder hinzuweisen. Allein die Untersuchung der -einzelnen Stcke gibt dieser Vermuthung nicht Recht. Wahrscheinlicher -sieht Folgendes aus. Golo kleidet, kunstmig dichtend, seine -Lieder in<span class="pagenum"><a name="Seite_230" id="Seite_230">[S. 230]</a></span> gleichmige Strophen, die gewhnlichen Leute, Schfer, -Hochzeitbitter, die schmausenden Diener gebrden sich nachlssiger -im Vers- und Strophenbau. Danach liee sich alles vertheilen, bis -auf Golos sechszeiligen Morgengesang. Mglich, dass Tieck sich von -einem hnlichen Gedanken fhren lie, wahrscheinlicher noch, dass er -blo romantischer Willkr folgte. — Die acht Verse der zwei Engelein -sind nur eine Tndelei. Die acht ei-Reime knnten als Begleitung des -heiteren Inhaltes angesehen werden.</p> - -<p>Freie Rhythmen begegnen uns mehrmals in besonders erregten, -leidenschaftlichen Reden und Monologen. Das meiste davon gehrt Golo -an. Dazu kommt Genovevas Klage im Thurme und in der Wste, die Sprche -der Hexe sowie der Chor der Jger. Die unruhig lodernde Leidenschaft, -die heftige Klage stammeln in ungleichmigen Abstzen. In den Reden -der Hexe soll der verworrene Rhythmus dem wirren Inhalte der Formeln -sich anpassen. Dazu gesellen sich die gehuften Reime. „Wie freier -— das Feuer — wie munter — und bunter — in Formen mannigfach -glimmt — in Farben tausendfach flimmt“ u.s.w. Der Hrer vernimmt nur -durcheinander irrende klangvolle Reimworte und dieses Gewirre muss im -Verein mit dem unheimlich dunkeln Inhalt Siegfrieds Sinn umnebeln.<a name="FNAnker_752_752" id="FNAnker_752_752"></a><a href="#Fussnote_752_752" class="fnanchor">[752]</a> -Der freie Rhythmus im Chorlied der Jger ist schwer zu begrnden. Bis -auf diesen letzten Fall ist also auch der freie Rhythmus stets in ein -gewisses engeres Verhltnis zum Inhalt gesetzt.</p> - -<p>In der Mitte zwischen den kunstvolleren rhythmischen Gebilden und -der einfachen Prosa steht der fnffige Jambus, der damals schon -gewhnliche dramatische Vers. Die Rede, die in diesem gleichmigen -Rhythmus einherschreitet, wird immer als eine erhhte empfunden. -Der Rhythmus lsst einen ungreifbaren „geistigen Hauch“ ber die -Diction hinschweben. A.W. Schlegel nennt den rhythmischen Theil -in Shakespeares Dramen kurzweg den „poetischen“.<a name="FNAnker_753_753" id="FNAnker_753_753"></a><a href="#Fussnote_753_753" class="fnanchor">[753]</a> Diese -rhythmisierte Sprache entfernt sich aber doch auch nicht so weit von -der gewhnlichen Rede, wie etwa die kunstvolle Strophe. In diesem -erhhten Durchschnittsrhythmus des Dramas sprechen auch die Personen -in der „Genoveva“ immer dann, wenn sich der Inhalt ihrer Rede ber das -Ver<span class="pagenum"><a name="Seite_231" id="Seite_231">[S. 231]</a></span>trauliche und Gewhnliche erhebt, aber doch den hohen Schwung der -auerordentlichen seelischen Momente nicht erreicht, fr welche die -kunstvolleren rhythmischen Formen aufgespart sind. In dieser Mittelhhe -setzt der Prolog ein. Siegfrieds und Genovevas Abschiedsgesprch, -die Feldherrnscenen, die Dialoge zwischen Golo und Gertrud, Golo und -Genoveva sind meist auf diese mittlere rhythmische Hhe gestimmt.</p> - -<p>Auch untergeordnete Leute reden in Versen, wenn ein erhhter Inhalt -ihrer Rede es verlangt. bergnge von der Prosa in den Rhythmus wurden -schon verzeichnet. Es muss hier noch an die Scenen erinnert werden, -in denen die Sprache der Geringen sich jener der Vornehmen ganz -assimiliert. Hier sind zu nennen die Scene, die uns die Dienerschaft in -ihrer gehobenen Stimmung ber den Sieg zeigt,<a name="FNAnker_754_754" id="FNAnker_754_754"></a><a href="#Fussnote_754_754" class="fnanchor">[754]</a> Gertrud bei Genoveva -im Gefngnis,<a name="FNAnker_755_755" id="FNAnker_755_755"></a><a href="#Fussnote_755_755" class="fnanchor">[755]</a> Benno und Golo und die fr Genoveva bittende -Gertrud,<a name="FNAnker_756_756" id="FNAnker_756_756"></a><a href="#Fussnote_756_756" class="fnanchor">[756]</a> die Mrder in Gesellschaft Genovevas u.s.w.<a name="FNAnker_757_757" id="FNAnker_757_757"></a><a href="#Fussnote_757_757" class="fnanchor">[757]</a> Wenn -es der Inhalt fordert, sprechen auch die Diener unter sich in Versen. -Wendelin und Else beklagen Genoveva,<a name="FNAnker_758_758" id="FNAnker_758_758"></a><a href="#Fussnote_758_758" class="fnanchor">[758]</a> Grimoald pflanzt seinen -Baum,<a name="FNAnker_759_759" id="FNAnker_759_759"></a><a href="#Fussnote_759_759" class="fnanchor">[759]</a> Wendelin, Heinrich und Else reden ber die Wunder, die sie -erlebten.<a name="FNAnker_760_760" id="FNAnker_760_760"></a><a href="#Fussnote_760_760" class="fnanchor">[760]</a> Unklar bleibt wieder, warum Tieck eine Schlachtscene -theilweise in Prosa schreibt<a name="FNAnker_761_761" id="FNAnker_761_761"></a><a href="#Fussnote_761_761" class="fnanchor">[761]</a> und eine andere,<a name="FNAnker_762_762" id="FNAnker_762_762"></a><a href="#Fussnote_762_762" class="fnanchor">[762]</a> in der es -ebenso strmisch hergeht, in Versen.</p> - -<p>Unsere Aufstellungen gewinnen an Wahrscheinlichkeit und eine gewisse -Begrndung aus der Romantik selbst heraus durch eine andere Thatsache. -Es ist nmlich interessant zu verfolgen, wie die Art der Vertheilung -von Vers und Prosa bei Tieck im groen und ganzen jenen Principien -folgt, die A.W. Schlegel aus seinen Beobachtungen an Shakespeare -gefolgert und im schon frher angezogenen Horenaufsatze „Etwas ber -W. Shakespeare“ niedergelegt hat. Prosa, heit es dort, entspricht -dem vertraulichen Tone des Umgangs, „Poesie“ einem edleren Gang der -Rede. Der Gebrauch der einen oder anderen Stilart hngt nicht so -sehr am Stande, als am Charakter und an der Gemths<span class="pagenum"><a name="Seite_232" id="Seite_232">[S. 232]</a></span>stimmung der -redenden Personen. Aber eine „gewisse Anstndigkeit der Sitten, -die sowohl Tugend als Laster berkleidet und auch unter heftigen -Leidenschaften nicht ganz verschwindet“, trifft man meist, wenn -gleich nicht ausschlieend, in hheren Stnden und daher sprechen -gerade Brger, Bauern, Soldaten, Matrosen, Bediente, hauptschlich -Narren und Possenreier bei Shakespeare fast ohne Ausnahme im Tone -ihres wirklichen Lebens. Allein, wenn innere Wrde der Gesinnungen -bei niederen Personen sich uert, so thut sie es auch hier mit einem -gewissen ueren Anstande (rhythmisch), und so gilt bei Shakespeare -die Rangordnung der Natur und der Sittlichkeit mehr wie die -brgerliche.<a name="FNAnker_763_763" id="FNAnker_763_763"></a><a href="#Fussnote_763_763" class="fnanchor">[763]</a> Ob Vers, ob Prosa, entscheidet die innere seelische -Hhe. Ferner, sagt Schlegel, kann es selbst im Dasein des erhabensten -Helden Augenblicke des seelischen Nachlassens geben, und dann spricht -auch er wieder in Prosa (Hamlet, der sich wahnsinnig stellt, die -Hflinge zum besten hlt, die Schauspieler unterrichtet oder sich in -die Spsse des Todtengrbers einlsst). Jene Gestalten Shakespeares, -die der Pomp des Ranges bestndig umgibt, denen ein gleichfrmiger -Ernst natrlich ist oder die eine „erweckende Leidenschaft“ beherrscht, -verfallen nie in die vertrauliche Prosa. Es ist nicht schwer und -gewaltsam, dieses Vorgehen wenigstens im allgemeinen in Tiecks -„Genoveva“ wiederzufinden. Beim „Pompe des Ranges“ denkt man gleich -auch an Karl Martell und die Feldherrn, beim gleichfrmigen Ernst etwa -an den heil. Bonifacius, Siegfried und besonders an die Heldin Genoveva -selbst, die alle drei keinen arrhythmischen Satz in der ganzen Dichtung -sprechen. Der Blankvers ist das Grenzgebiet, auf dem sich in der -„Genoveva“ hoch und niedrig noch begegnet. Die Diener gelangen nicht -hher, als bis zum gereimten Blankvers, Genoveva, Siegfried, Bonifacius -steigen nie unter den Blankvers hinab.</p> - -<p>ber die Verwendung des Reimes bei Shakespeare sagt uns Schlegel, -dass sich darber nicht ganz so bestimmt sprechen lasse; er hebt -aber hervor, dass sinnreiche Sprche, besonders in symmetrischer und -antithetischer Ordnung, Scenenschlsse, zuweilen mit epigrammatischer -Wendung, gereimt sind. Fortgehend reime Shakespeare, wo Feierlichkeit -und theatralischer Pomp passend ist, vielleicht, wo gefllige Spiele -der Phantasie<span class="pagenum"><a name="Seite_233" id="Seite_233">[S. 233]</a></span> dem Stoffe gem sind (Sommernachtstraum, Romeo und -Julia). „Es mag immer sein, dass er mitunter auch aus keinem anderen -Grunde in Reimen gedichtet, als weil er grade Lust daran fand.“<a name="FNAnker_764_764" id="FNAnker_764_764"></a><a href="#Fussnote_764_764" class="fnanchor">[764]</a> -Ein Blick in die „Genoveva“ berzeugt uns, dass Tieck im Gebrauche -des Reimes wieder hnliche Wege geht, wie Shakespeare. Auch er reimt -sentenzenhafte Verse und verschiedene Antithesenspiele gar nicht -ungern. Tieck liebt es, durch ein Reimpaar oder durch mehrere Reime -einen Einschnitt innerhalb der Scene<a name="FNAnker_765_765" id="FNAnker_765_765"></a><a href="#Fussnote_765_765" class="fnanchor">[765]</a> oder den Scenenschluss -selber<a name="FNAnker_766_766" id="FNAnker_766_766"></a><a href="#Fussnote_766_766" class="fnanchor">[766]</a> auszuzeichnen. Manchmal bildet sogar eine Stanze, ein Drei- -oder Vierreim den Abschluss. Nur etwa beim dritten Theile jener Scenen, -die nicht ganz in gereimten Maen erscheinen, fehlt der gereimte -Abschluss.<a name="FNAnker_767_767" id="FNAnker_767_767"></a><a href="#Fussnote_767_767" class="fnanchor">[767]</a></p> - -<p>„Theatralischen Pomp“, der den fortlaufenden Reim veranlasst, darf -man nicht mit Unrecht in Karl Martells Antwort an die Gesandten sehen -und in manchen anderen Reden der Kriegsscenen. Jene Antwort Karls -bewegt sich eine Zeitlang sogar strophisch, um aber schlielich -in einfache Reimpaare zu verlaufen. An manchen Stellen, an denen -bei Tieck Reime als Schmuck des Blankverses auftreten, lsst sich -eine Steigerung des rhetorischen Pathos und der Gefhlswrme und -eine gewisse „Feierlichkeit“ erkennen. So im Prologe, in Golos -zweitem Monologe.<a name="FNAnker_768_768" id="FNAnker_768_768"></a><a href="#Fussnote_768_768" class="fnanchor">[768]</a> Wenn Wolf und Genoveva, erfreut ber die -Siegesnachricht, aus dem Gesprche ins Gebet bergehen, so stellt -sich der Reim ein. Auch Wolfs Entzcken ber den Mohrensbel ist -gereimt.<a name="FNAnker_769_769" id="FNAnker_769_769"></a><a href="#Fussnote_769_769" class="fnanchor">[769]</a> Wolfs feierliche Ermahnungen vom Sterbebette aus sind -zumeist gereimt.<a name="FNAnker_770_770" id="FNAnker_770_770"></a><a href="#Fussnote_770_770" class="fnanchor">[770]</a> Allein fr verschiedene andere gereimte Stellen -will sich kein deutlicher innerer Grund finden lassen. Nun, was -Schlegel an Shakespeare vermuthet, dass er nmlich fters reimte, weil -er eben Lust daran fand, das drfen wir bei Tieck sicher mit ebensoviel -Recht vermuthen.</p> - -<p>Die Gegner der Romantik verurtheilen das bunte Rhythmen- und -Strophengewebe der romantischen Dramen ohne Mitleid. Merkel nennt -diese Mannigfaltigkeit einen „Unsinn“, der jede<span class="pagenum"><a name="Seite_234" id="Seite_234">[S. 234]</a></span> Regel der Vernunft -berspringe. Das eine ist richtig, der Eindruck des Gemachten, -Willkrlichen und Geknstelten wird keineswegs berall in der -„Genoveva“ vermieden. Tieck sucht mitunter zu ferne Liegendes, in -seinem Wesen Verschiedenes zu vereinigen. Die sdlndlische prunkvolle -Stanze, die zugleich altdeutsch treuherzig erklingen soll, die nmliche -pathetische Strophe fr die kindliche Redeweise Schmerzenreichs, Sonett -und Stanze im Dialoge zerfasert: dies sind so innerlich fremdartige -Momente, dass sich kaum eine harmonische Verschmelzung derselben und -ein befriedigender knstlerischer Eindruck erwarten lsst; wenigstens -Tieck ist es nicht gelungen, das Widerstreitende zu vershnen. Allein -die Dissonanzen sind, wie unsere Betrachtung zeigte, doch nur auf -einzelne Punkte in der Dichtung beschrnkt und auf weiten Gebieten der -Dichtung konnten wir ein natrliches, zwangloses Ineinandergreifen von -Form und Inhalt beobachten und nachempfinden. Hier wird durchaus nicht -jede Regel der Vernunft bersprungen. Ein einheitlicher Gesammteindruck -des Werkes wird freilich durch die metrische Vielgestaltigkeit so wenig -gefrdert als etwa durch die allzu reich abgestufte Sprache oder durch -den Mangel einer organischen Composition und Einheit von innen heraus. -Aber wir drfen nur nicht vergessen, dass wir in der „Genoveva“ einen -romantischen Dichtertraum durchtrumen. Die Romantiker von 1800 waren -einmal auf dieses Traumbild erpicht und wir mssen hier wiederum den -Autor zuerst aus sich und seinem Gedankenkreise heraus commentieren -und verstehen. Das einzelne vorberschwebende Bild und seine Stimmung -haben selbstndigen Wert und dabei hren wir Inhalt, Sprache und -Rhythmus meistens auf das wirksamste zusammenklingen. Auch Rhythmus -und musikalischer Reimwohlklang haben in der Schtzung des Romantikers -eigenen Wert fr sich. Fr die einzelnen Situationen unserer Dichtung -sind die metrischen Formen eine anschmiegsam begleitende Musik: -fr das Ganze aber wieder nicht mehr, als eine Regel von auen, um -„widerspenstige Elemente in Ordnung zu halten“.</p> - -<p>Auch fr die metrische Einkleidung wirken die zwei groen Vorbilder -der Romantik, Shakespeare und Calderon, magebend in der „Genoveva“ -zusammen. Die Shakespearische Form wird nach Tiecks eigenem Worte mit -der spanischen verbunden. Das heit mit bewusster Folgerichtigkeit von -Tieck gehandelt. Der Geist der romantischen Poesie hatte in Shakespeare -und Calderon<span class="pagenum"><a name="Seite_235" id="Seite_235">[S. 235]</a></span> verwandte aber zugleich auch verschiedene Organe -gefunden. Die neuen Romantiker, die wieder zur einen romantischen -Urpoesie zurckstreben, machen sich keines Widerspruches schuldig, -wenn sie auch die Darstellungsweisen ihrer hchsten Meister zu -vereinigen und so zu einer hheren Synthese fortzuschreiten suchen. -Bernhardi, der romantische Kritiker, ist mit Tiecks Vorgehen ganz und -gar einverstanden und macht sich anheischig, die einzelnen Silbenmae -in der „Genoveva“ in einer eigenen Abhandlung zu rechtfertigen. -Vorlufig fllt er nur das allgemeine und im ganzen nicht unzutreffende -Urtheil:<a name="FNAnker_771_771" id="FNAnker_771_771"></a><a href="#Fussnote_771_771" class="fnanchor">[771]</a> „Prose und Silbenma und die mannigfaltigsten Arten -desselben wechseln miteinander ab, und aus dem Stoffe ergibt sich die -jedesmalige Darstellung durch ein bestimmtes Silbenma als nothwendig.“</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Tiecks „Genoveva“ ward aus dem Geiste der Romantik geboren und wirkte -entscheidend fr das mchtige Anwachsen der katholisierenden Strmung -in Deutschland am Anfange unseres Jahrhunderts und wies so selbst -wiederum der Entwickelung des romantischen Geistes eine neue Richtung. -Auch die alterthmelnde, auf das Deutsche und Vaterlndische abzielende -Bewegung bekam einen neuen mchtigen Antrieb. Hettner nennt das Werk -mit Recht die Wetterscheide der Romantik. Tieck selbst nennt sie eine -„Epoche“ in seinem Leben.</p> - -<p>Man kann nicht gerade sagen, dass Tieck nur durch Fr. Schlegels -sthetische Lehren „verdorben“ worden sei. Tiecks eigene vorausgehende -Production und Schlegels Doctrin sowie der romantische Geist von 1800 -berhaupt begegneten sich auf halbem Wege. Tiecks phantastische Anlage -und Neigung fanden in Schlegels Gedanken Frderung und Aufmunterung, -das vollendete Werk des einen entsprach daher leicht verschiedenen -theoretischen Wnschen des Genossen; denn die „Genoveva“ wurde -recht eigentlich „die Darstellung eines sentimentalen Stoffes in -phantastischer Form“.</p> - -<p>Tieck und Wackenroder entdecken die Poesie des Alten und Religisen. -Durch Schleiermacher, Novalis, Calderon und Jakob Bhme erhielt -die neue Richtung des immer beweglichen, empfnglichen und leicht -anempfindenden Dichters mchtige Impulse und es sammelten sich in -seinem Gemthe jene Stim<span class="pagenum"><a name="Seite_236" id="Seite_236">[S. 236]</a></span>mungen und Vorstze, die sich an den Stoff -des Genovevabchleins anschlossen, nachdem noch ein anderer lebhafter -Ansto durch Maler Mllers Drama vorausgegangen war. Tiecks und der -Romantiker neue Richtung ist zugleich eine energische Opposition gegen -die den Zeitgeist beherrschende Aufklrung. Mit hoher Ehrfurcht tritt -Tieck an das Volksbuch heran, an die ehrwrdige Urkunde alter deutscher -Volkspoesie und dramatisiert die Erzhlung von Anfang bis zum Ende -und dieses piettvolle Festhalten am alten poetischen Stoffe war, wie -wir sahen, ein Verdienst in den Augen romantischer Kunstrichter. Nur -das Allzukarge wird erweitert und abgerundet. Tieck nimmt fr die -Bereicherung seines Werkes Motive und Reminiscenzen aus Maler Mller, -Shakespeare, Calderon und verschiedene Gedanken Jakob Bhmes auf, welch -letztere er ein wenig mit zeitgenssischer Naturphilosophie „tingiert“. -Alles, was von geistigen Anregungen damals auf ihn eindrang, findet -in der „Genoveva“ seinen sanften Widerhall. Das Werk wird ein Spiegel -seines Schpfers und das ist wieder echt romantisch. Fr. Schlegel -verlangt ja vom Roman (und damit von der romantischen Poesie), -er solle eine „Encyklopdie des gesammten geistigen Lebens eines -genialischen Individuums sein“. Die Motive, welche Tieck anderswoher -nimmt, werden „tieckisiert“ und so sein Eigenthum. Die einfache -Legende wird in ihrer neuen Gestalt auch zu einem episch breiten -Zeitbilde erweitert und das geschieht wieder im Sinne der romantischen -Doctrin, der zufolge das romantische Drama das ganze bunte Schauspiel -des Lebens in sich fassen soll. Die Auffassung des Stoffes ist eine -durchgehend legendenmig-religise, von dem altdeutsch-frommen Sinn -beherrschte und da im Mittelalter die Religion der erste Leitstern -des Denkens und Lebens war, wie Wackenroder und Novalis lehrten und -wie es Schleiermacher fr die Gegenwart wieder forderte, so wird -auch das ganze breite Gemlde in religise Beleuchtung gestellt. -Alles Komische ist als strend ausgeschlossen. Tiecks Religion ist -aber dabei ein weiches, weichliches Empfinden, unter dessen Einfluss -verschiedene Gestalten die Dichtung, besonders die Heldin selbst zu -kraft- und marklosen Wesen werden. Schleiermachers Gefhlsreligion -gieng durch Tiecks weiches Gemth hindurch und wurde zum bloen -poetischen Stimmungshauche. Die Religion in der „Genoveva“ erscheint -zwar berwiegend als Christenthum, zum Theile sogar als ausgesprochen -katholisches Christenthum. Es<span class="pagenum"><a name="Seite_237" id="Seite_237">[S. 237]</a></span> ist dies aber keine Confession, die -aus Tiecks religiser glubiger berzeugung entspringt, sondern eine -religise Kunststimmung, eine „prdilection d’artiste“. Eine geheime -Unterstrmung wirklich religiser Sehnsucht begleitet wohl diese -Kunststimmungen. Die Idee einer synkretistischen, echt romantischen -Religion steht im Hintergrunde.</p> - -<p>Stimmung, Licht und Luft, das „Klima“ der Begebenheiten ist fr Tieck -wichtiger, als die im festen Causalnexus gegliederte Handlung, als -energisch und klar gezeichnete Charaktere und deren Schicksale. Die -Figuren sind mit wenigen Ausnahmen matt und schemenhaft gerathen oder -vielmehr beabsichtigt. In der Stimmung, besonders in der religisen -sowie in der Liebe, liegt Unendlichkeit. Auch Zeit und Ewigkeit -berhren sich. Die Religion gewhrt „bedeutende Ausblicke“ in die -Ferne. Der Glaube ist unendlich. Kein Wunder, dass die Vermhlung von -Religion und Poesie um 1800 zum unerlsslichen Punkte des romantischen -Programmes wird. Dem berschwnglich gesunden Menschenverstande des -Oberaufklrers Nicolai zum Hohn sollte Phantasus den romantischen -Dichtergarten beherrschen.</p> - -<p>Nicht blo stoffliche Universalitt verlangt die romantische Theorie, -auch Poesie und Prosa und „alle Gattungen der Poesie“ sollen zum Strome -einer unendlichen Urpoesie wieder zusammenflieen. Auch dies geschieht -in der „Genoveva“, soweit es eben im einzelnen Werke geschehen kann. -Nach Shakespeares Muster werden Epik und Drama ineinandergeflochten und -Vers und Prosa mssen reichlich wechseln.</p> - -<p>Lange ausklingende Lyrica und der Formenreichthum der Sdlnder kommen -unter dem Einflusse Calderons, des zweiten romantischen Gromeisters, -dazu und potenzieren die Knstlichkeit der Form zu nie dagewesener -Hhe. Um das Zusammenweben aller Formen und Gattungen zur freien, auf -die Phantasie gestellten Universalpoesie zu ermglichen, hatte man -noch das Gesetz geschaffen, dass die Willkr des Dichters kein Gesetz -ber sich leide. Dies geschah und so konnte der Poet mit Zeit und Ort -in freiester Khnheit schalten. Traumartig schweben die Bilder in bunt -wechselnder Mannigfaltigkeit vor unserer Phantasie vorber, nur durch -den hchst dehnbaren Rahmen von Prolog und Epilog zusammengehalten. -Das monarchische Princip, die Herrschaft eines Helden im dichterischen -Werke, ist gestrzt und eine republikanische Verfassung proclamiert. -Tieck schiebt<span class="pagenum"><a name="Seite_238" id="Seite_238">[S. 238]</a></span> bald die eine, bald die andere Figur in den Vordergrund, -wie es Fr. Schlegel im Roman verlangte.</p> - -<p>Trotz alledem soll aber die romantische Poesie nicht ganz von -aller Zucht und Ordnung losgebunden und so eine unknstlerische, -ungegliederte wste Masse sein. Sie soll ein „vernnftiges Chaos“ -werden. Sie ist der allseitigsten Bildung fhig „von innen heraus“ und -„von auen hinein, indem sie jedem, was ein Ganzes in ihren Producten -sein soll, alle Theile gleich organisiert“. Auch Tieck sucht Vernunft -in das phantastische Chaos zu bringen. Das bewerkstelligt er durch -die Knstlichkeit einer uerlichen Symmetrie, durch Contrastieren, -Parallelisieren und allerlei sinnreiche ahnungweckende Beziehungen. -Die Bildung „von innen heraus“, einen alles organisierenden -Geist muss bei ihm die gemeinsame Auffassung, ein durchgehender -„alterthmlich-religiser Ton“ ersetzen. Tiecks romantische -Knstlichkeit erreicht aber nicht, was Fr. Schlegel im steten Hinblick -auf „Wilhelm Meister“ fordert.</p> - -<p>Fr die altdeutsche Legende wird auerdem noch dem Costm einige -Aufmerksamkeit gewidmet, aber jede pedantische Genauigkeit dabei -vermieden. Die ganze archaisierende Dichtung wird von reichlichen -weichen und innigen Naturstimmungen durchwoben. Das Freundliche und -Milde der Natur herrscht, das dstere Grauen ist bis auf kleine Spuren -verschwunden. Hochromantisch ist die sympathetische Beseelung sowie die -malerische und musikalische Auffassung der Natur. Tieck lauscht „dem -wunderbaren Liede, das in den Dingen schlft“. Das Alterthmliche sowie -die romantische Naturandacht bilden im Verein mit dem Religisen den -einigenden Ton, der auer dem umschlieenden Prologe und Epiloge die -verschiedenen Theile zusammenfasst.</p> - -<p>Ein Seitenstck zur knstlichen und knstelnden Composition ist die -knstliche und oft auch verknstelte Sprache und Metrik. Tieck ist -ein souverner Beherrscher der Sprache; er versteht es, die Perioden -und Stze zu runden und abzuschleifen, wenn er nicht absichtlich -Unebenheiten dem Archaismus zuliebe einstreut. Es ist keine energisch -charakterisierende, sondern eine idealisierende, nivellierende Sprache, -die sich von der Wirklichkeit entfernt und nur im ther der reinen -Kunst schweben will. Innerhalb dieser idealisierenden Diction zeigt -sich der Virtuose wieder im Nancieren nach allen Richtungen. Jedem -Inhalte gibt Tieck mit Leichtigkeit das entsprechende sprach<span class="pagenum"><a name="Seite_239" id="Seite_239">[S. 239]</a></span>liche -Kleid und zur Sprache tritt der Rhythmus, der sich gleichfalls meist -mit hchster Elasticitt dem Inhalte der einzelnen Situationen -anschmiegt. Im ganzen wenigstens gelingt es fhlbar; dort und da fehlt -es nicht an strender Willkr. Eine hohe Knstlichkeit und universale -Mannigfaltigkeit, ein eigenartiger Formenreiz — lauter romantische -desideria — werden erreicht.</p> - -<p>Selbst die romantische Ironie darf nicht ganz fehlen, das bewusste -Schweben des Dichters ber seinem Stoffe auf den Flgeln der poetischen -Reflexion, das Darstellen des Spieles des Lebens als wirkliches -Spiel. Sie tritt in der Einkleidung der „Genoveva“ hervor. Das -ganze ist als auftauchender und wieder verschwebender poetischer -Traum gekennzeichnet, der nur auf poetische, durch die Phantasie -gerechtfertigte Wahrheit Anspruch macht. —</p> - -<p>Die Stimmungen, aus denen die „Genoveva“ erwuchs, beherrschten um 1800 -den romantischen Dichterkreis. Allein selbst ber diesen hinaus lassen -sich ihre Spuren verfolgen. Tieck thut sich etwas darauf zugute, dass -sein Werk nicht nur auf Zach. Werner und ein Heer von katholischen -Dichtern, sondern selbst auf Schillers „Maria Stuart“ und „Jungfrau von -Orleans“ gewirkt habe.<a name="FNAnker_772_772" id="FNAnker_772_772"></a><a href="#Fussnote_772_772" class="fnanchor">[772]</a> Allzu hoch darf aber diese Einwirkung auf -Schiller nicht angeschlagen werden, da Schiller auf einem ganz anderen -eigenen Wege zu einer verwandten Richtung und knstlerischen Anschauung -gelangte. Die Verbindung des Schicksalsmigen mit einem katholischen -mittelalterlichen Stoffe konnte Schiller noch am verwandtesten -berhren, wenn er Tiecks Dichtung las. Auffallend ist es immerhin, -dass bei Schiller das Mittelalterliche, der uere romantische -Prunk, Troubadourmiges und kriegerische Bilder, die Verklrung der -Heiligen am Schlusse, das Lyrisch-Musikalische, die vielen Motive, -die episierende Zwanglosigkeit, der Wechsel metrischer Mae sich -in merkwrdig hnlichen Geleisen bewegen, wie Tiecks romantische -Poesie. Das Katholische und eingeschaltete Lyrik treffen wir schon in -„Maria Stuart“. Lyrisches, Christenthum und Fatalismus begegnen uns -wieder in der „Braut von Messina“. Das Biographische, der episierende -Charakter, das bunte reiche Zeitbild, wortreiche Personen, viel directe -Charakteristik, ein beinahe leidender Held: all das begegnet uns -bereits im „Wallen<span class="pagenum"><a name="Seite_240" id="Seite_240">[S. 240]</a></span>stein“. In Goethes „Natrlicher Tochter“ findet sich -auch das epische Verweilen bei der Situation, das romantisch Dmmernde, -die hchst idealisierende Form und Sprache. An Herders Wirken, das sich -mehr und mehr den Tendenzen der Romantik nhert, sei nur noch erinnert. -Es geht ein gemeinsamer verwandter Zug durch die Literatur. „Wilhelm -Meister“, an dem sich Schiller und die Romantiker begeistern, ist ein -wichtiges Ferment im groen Processe. Nicht allzu voreilig wird man -also bei verwandten Erscheinungen auerhalb des engeren romantischen -Kreises auf directe Einwirkung von dieser Seite her schlieen.</p> - -<p>Von hier aus drfen wir noch einen Blick in jene Literaturperiode -zurckwerfen, in die manche Wurzeln der Romantik gesenkt sind, in -die Sturm- und Drangjahre und auf das Genovevadrama dieser Zeit, das -zwar mit seiner Entstehung um zwei Decennien vor der Romantik der -„heiligen Genoveva“ liegt, aber doch eine directe Verbindung dieser -mit der Geniezeit herstellt. Damals trat Mser zuerst mit weitsehendem -Blicke an das Mittelalter heran. Herder und Goethe wurden von seiner -Begeisterung fr das Alte ergriffen.</p> - -<p>Im „Gtz“ stieg die romantische Ritterzeit lebenstrotzend aus dem -Grabe der Vergessenheit herauf und Herder erweckt das Volkslied mit -seiner ganzen innigen Gemthsflle zu neuem Leben. Ritterthum und -deutsche Vergangenheit wurden ein Lieblingsthema der Geniemnner. Unter -dem Trosse der Ritterdramen, die dem „Gtz“ folgten, ragte Mllers -„Golo und Genoveva“ ansehnlich hervor, das Stck, welches fr Tieck -in besonderer Art bedeutend wurde. Beide Dichter, Mller und Tieck, -greifen in die deutsche Vergangenheit zurck und nehmen denselben -alten, volksthmlichen Legendenstoff zur dramatischen Behandlung auf, -Mller das Puppenspiel, Tieck das Volksbuch. Beide bereichern in -mannigfacher Weise ihre Vorlage und sind dabei von lteren und neueren -literarischen Vorbildern abhngig. Shakespeare, „Gtz“ und „Werther“ -wirken auf beide Dichter; allein fr Tieck vermittelt Mller selbst -die Verwertung jener Vorbilder. Eine shakespearesierende Technik, -ein Sprengen des einheitlichen dramatischen Baues und ein Ausdehnen -in die Breite der dialogisierten Biographie herrscht im Drama der -Geniezeit und ebenso im Werke des Romantikers, die Einschaltung -weicher Lyrica finden wir bei Mller wie bei Tieck. Nicht unbedeutende -Zge giengen direct von Mller auf Tieck ber.<span class="pagenum"><a name="Seite_241" id="Seite_241">[S. 241]</a></span> Ein „eigen Herz“, -freies Entfalten und Ausleben aller Lebenskrfte ist der hchste -Wunsch der Originalgenies in den siebziger Jahren und ein hnliches -Lebensideal verfolgt die Romantik der Genossen von Jena. Mllers -Mathilde und Tiecks Golo mchten ihre Individualitt in schrankenloser -Selbstherrlichkeit gewhren lassen; Golo will freie Bahn fr seine -excentrische Leidenschaft, Mathilde fr ihre titanische Willenskraft. -Ins Ungewhnliche streben beide Richtungen hinaus. Beide hassen ja -von Haus aus das Alltgliche, Platte, Nicolaitische. Beide Dichter -arbeiten ziemlich viel Naturempfindung in ihre Werke hinein, Mller -naturalistisch malend, Tieck musikalische Stimmungen erweckend. Dem -Costm gegenber sind beide ziemlich sorglos, aber sorgloser und -eigenmchtiger als Tieck ist Mller.</p> - -<p>So viele Verbindungsfden nun auch aus der Geniezeit in die -Romantik herberleiten, in den zwanzig Jahren, die zwischen beiden -Dichterkreisen liegen, hat sich manches in der deutschen Literatur -begeben, unter dessen Einwirkung die Romantik ihre eigenen Wege geht. -Mller und Tieck behandeln den gleichen volksthmlichen Stoff, sie -nehmen aber eine ganz verschiedene Stellung zu ihrer Vorlage ein. -Mllers Auffassung der Legende ist eine rein weltliche, jene Tiecks -durchaus religis. Mllers Genoveva hat ihre Heiligenaureole abgelegt, -sie ist zum natrlich unschuldigen Weibe geworden, das Religise -ist auf das engste beschrnkt. Tieck sucht eine mittelalterliche -Heilige auf schimmerndem Goldgrund zu malen, religise Stimmung in -allen Schattierungen beherrscht seine Dichtung. Das Schicksalsmige -wird bei Mller mehr im bertragenen Sinne der unwiderstehlichen -Leidenschaft nachgesagt, bei Tieck tritt mitunter ein wirklicher -Naturfatalismus ein. Der romantischen Auffassung entspricht es, dass -Calderon und Jakob Bhme als Vorbilder bei Tieck neben den auch fr -Mller magebenden Shakespeare treten. Mller nimmt nur die Grundzge -der berlieferung auf und schaltet frei und selbstndig mit seiner -Vorlage, Tieck htet sich vor jedem allzukhnen Eingriff in die -geheiligte Tradition. Mller tritt als Dramatiker an die Legende heran -und was seinem Zwecke nicht dient, wird ausgeschieden. Es bleiben zwar -bei ihm noch manche Weitschweifigkeiten, aber nirgends verleugnet -sich bei ihm ein frischer dramatischer Pulsschlag. Tieck fhrt die -dramatische Form uerlich auch zumeist durch, aber er geht trotzdem -fast immer als Erzhler und Stimmungsmaler und als romantischer<span class="pagenum"><a name="Seite_242" id="Seite_242">[S. 242]</a></span> Poet -vor, der „alle Gattungen von Poesie“ vereinigen mchte. Die Romantiker -beurtheilen das Schauspiel nach den Gesetzen des Romans. Ein Vergleich -etwa zwischen Mllers Kerkerscene voll dramatischen Lebens und der -Tieck’schen Kerkerscene voll Empfindungsweichheit und breiter Reden -ohne Vorwrtsbewegung ergibt sprechend die Differenzen zwischen beiden -dichterischen Generationen. Bei Mller treffen wir wenige Scenen, -die blo um ihrer selbst willen da sind, bei Tieck knnte man eine -lange Reihe streichen, ohne den Fortgang der eigentlichen Handlung zu -stren. Die Sprache endlich ist bei Mller eine leidenschaftbebende, -drastische, oft derbe Prosa, die bis zum Dialect herabsteigt, bei Tieck -ein idealisierender, beflgelter, ber die Dinge leicht hinschwebender -Stil, der sich mit einem reichen Chor sdlndischer Strophenformen -zu gemeinsamem Wohllaut vereinigt. Tieck ist einmal eine vielfach -anders veranlagte dichterische Persnlichkeit als Mller und er hat -zugleich auch an den classischen Vorbildern, die zwischen Geniezeit -und Romantik treten, seine Sprache und Formkunst geschult und treibt -diese bis zur raffinierten Knstlichkeit, die ganz besonders mithilft, -das Ganze in einen hyperidealistischen Hauch zu verflchtigen.<a name="FNAnker_773_773" id="FNAnker_773_773"></a><a href="#Fussnote_773_773" class="fnanchor">[773]</a> -A.W. Schlegel formulierte schon 1806 den Gegensatz zwischen Geniezeit -und Romantik mit den Worten: „Wie Goethe, als er zuerst auftrat, -und seine Zeitgenossen Klinger, Lenz u.s.w. (diese mit roheren -Missverstndnissen) ihre ganze Zuversicht auf die Darstellung der -Leidenschaften setzten, und zwar mehr ihres ueren Ungestms als ihrer -inneren Tiefe, so meine ich, haben die Dichter der letzten Epoche die -Phantasie, und zwar die blo spielende, mige, trumerische Phantasie, -allzusehr zum herrschenden Bestandtheil ihrer Dichtungen gemacht.“<a name="FNAnker_774_774" id="FNAnker_774_774"></a><a href="#Fussnote_774_774" class="fnanchor">[774]</a></p> - -<p>Das halbe Menschenalter, das zwischen dem Sturm und Drang und den -Bltentagen der Romantik verfloss, hat der romantischen Dichtung eine -neue Signatur aufgedrckt. Die literarische Strmung der siebziger -Jahre wirkt noch deutlich in der jungen Generation nach, aber diese ist -doch auch zugleich in ihrem inneren Wesen und in ihrer knstlerischen -Erscheinung eine andere geworden.</p> - -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_243" id="Seite_243">[S. 243]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="mbot2" id="V">V.<br /> - -Urtheile der Zeitgenossen ber Tiecks „Genoveva“.</h2> - -<p>Die Aufnahme, welche Tiecks Werk bei den Zeitgenossen fand, soll kurz -skizziert werden; denn auch sie beweist, dass die „Genoveva“ ein -richtiges Kind der Romantik war; sie theilt im Urtheile der Mitlebenden -ziemlich genau das Geschick der Romantik selbst. Schrankenlos bewundert -wurde die Dichtung zumeist von den Freunden und gallig verhhnt von -den rationalistischen Gegnern. Tieck berichtet nur,<a name="FNAnker_775_775" id="FNAnker_775_775"></a><a href="#Fussnote_775_775" class="fnanchor">[775]</a> dass sein -Gedicht bei Freunden wie bei Unbekannten und Fremden einen erfreulichen -Eindruck gemacht und ihm manchen Freund erworben habe. Der Dichter sagt -damit nicht zu viel. Ein Verehrer Tiecks, Heinrich Schmidt aus Brnn, -der in Jena studierte, als die „Genoveva“ erschien, erzhlt in einem -spteren Briefe,<a name="FNAnker_776_776" id="FNAnker_776_776"></a><a href="#Fussnote_776_776" class="fnanchor">[776]</a> wie er und „einige zwanzig Bursche“ bis in die -Mitternachtstunde Tiecks neues Gedicht lasen, wie innig sie Golos Rolle -nachempfanden und mit Ehrfurcht zur nicht unempfindlichen und doch -heiligen Genoveva aufblickten.</p> - -<p>Es widerfhrt Tieck aber nur von jenen Gerechtigkeit, die sich A.W. -Schlegels Grundsatz vor Augen hielten:<a name="FNAnker_777_777" id="FNAnker_777_777"></a><a href="#Fussnote_777_777" class="fnanchor">[777]</a> „Niemand soll vor einer -Gerichtsbarkeit belangt werden, unter die er nicht gehrt.“ Und da -waren es natrlich nur Tiecks romantische Genossen, die im romantischen -Gesetzescodex Bescheid wussten und diesen zugleich als zu Recht -bestehend anerkannten. Die beiden kritischen Meister uern sich zu -verschiedenenmalen, aber nie in einer ausfhrlichen Recension. Friedr. -Schlegel schreibt zunchst an Schleiermacher:<a name="FNAnker_778_778" id="FNAnker_778_778"></a><a href="#Fussnote_778_778" class="fnanchor">[778]</a> „Die Genoveva -habe ich gelesen<span class="pagenum"><a name="Seite_244" id="Seite_244">[S. 244]</a></span> und wnsche doch, dass Du sie bald auch grndlich -lesest. Mir ist das Charakteristische im Eindruck das Schne und -Liebenswrdige. Sie macht einen sehr sanften und zarten Eindruck -auf mich. Ad extra ist wohl die Energie der Leidenschaft das Beste -darin, die den Leuten imponieren muss.“ In der „Europa“<a name="FNAnker_779_779" id="FNAnker_779_779"></a><a href="#Fussnote_779_779" class="fnanchor">[779]</a> lobt er -eine andere Seite des Werkes. Es ist ihm als „mythische Poesie“ eine -„gttliche Erscheinung“ und er meint: wre das Pittoreske in der ersten -und das Musikalische in der zweiten Hlfte mehr herausgehoben, so wrde -sie sogar dramatisch wirksam sein. In einem Sonette an Tieck<a name="FNAnker_780_780" id="FNAnker_780_780"></a><a href="#Fussnote_780_780" class="fnanchor">[780]</a> -endlich fhlt Fr. Schlegel, dass, als Genoveva „in frommer Schne“ -nahte, die Poesie gekommen sei und kindlich in holder Klarheit blhe. -In die „Europa“<a name="FNAnker_781_781" id="FNAnker_781_781"></a><a href="#Fussnote_781_781" class="fnanchor">[781]</a> nahm Friedrich auch von einem H. v. Hastfer -herrhrende „Gesprche ber Tiecks Poesie“ auf, in denen der „Genoveva“ -auerordentliches Lob gespendet wird. Die „Genoveva“ war und blieb -Friedrich das liebste von Tiecks Werken.</p> - -<p>In die Begeisterung stimmt Wilhelms Sonett<a name="FNAnker_782_782" id="FNAnker_782_782"></a><a href="#Fussnote_782_782" class="fnanchor">[782]</a> ein und feiert Tieck -als den Wiedererwecker der alten frommen Poesie in neuer Gestalt:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Du, in der Dichterbildung reichster Blte,</div> - <div class="verse">Bringst uns verwandelt wieder jene Zeiten,</div> - <div class="verse">Wo Adam auf der Bhn’ erschien und Eva.</div> - <div class="verse">Ja, Dank sei Deinem kindlichen Gemthe,</div> - <div class="verse">Heiligst die Kunst, verschnerst Heiligkeiten,</div> - <div class="verse">Und machst zum Lied das Leid der Genoveva.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Ein wenig nchterner spricht schon 1806 der „Brief an Fouqu“<a name="FNAnker_783_783" id="FNAnker_783_783"></a><a href="#Fussnote_783_783" class="fnanchor">[783]</a> -und die Wiener „Vorlesungen“ von 1808<a name="FNAnker_784_784" id="FNAnker_784_784"></a><a href="#Fussnote_784_784" class="fnanchor">[784]</a> nennen zwar die „Genoveva“ -nicht, aber sie tadeln die romanhafte Breite sowie das berwiegen des -Musikalischen und Malerischen in der neuen romantischen Dramatik, -die eben durch Tiecks „Genoveva“ und den ihr folgenden verwandten -„Octavian“ hauptschlich vertreten war.</p> - -<p>Ein Jahr nach dem <a name="Erscheinen" id="Erscheinen"></a>Erscheinen der „Genoveva“ 1801 kommt von J.J. -Mnioch aus Warschau eine Epistel<a name="FNAnker_785_785" id="FNAnker_785_785"></a><a href="#Fussnote_785_785" class="fnanchor">[785]</a> voll Bewunderung.<span class="pagenum"><a name="Seite_245" id="Seite_245">[S. 245]</a></span> „Die -Genoveva wird gefeiert unter den Freunden“ und Mnioch vertheidigt -die Verschiedenartigkeit der Formen gegen die Tadler derselben. -Gleichzeitig ist Karl v. Hardenberg von der „Genoveva“ „erquickt und -begeistert“.<a name="FNAnker_786_786" id="FNAnker_786_786"></a><a href="#Fussnote_786_786" class="fnanchor">[786]</a></p> - -<p>Die ausfhrlichste Kritik stammt aus der Feder des dem romantischen -Kreise und besonders Tieck nahe befreundeten Wilhelm Bernhardi. Sie -erschien im „Berlinischen Archiv der Zeit und ihres Geschmackes“. -Die entscheidenden Gedanken derselben wurden in unserer Untersuchung -bereits bercksichtigt. Bernhardi kritisiert nach den romantischen -Grundgesetzen; er lobt in etwas zu hoher Piett alles an der „Genoveva“ -und berhrt keine Schwche des Werkes. Er sucht aber sein Lob jedesmal -zu begrnden. Bernhardi empfindet das Poetische der Volksbuchmotive, -aber mit noch liebevollerem Eifer verfolgt er Tiecks groe und kleine -Knstlichkeiten und lobt auch Tiecks Festhalten an der „geheiligten -Tradition“. Er findet daher auch die katholische Auffassung ganz -begrndet. Auch die vielen Nebenpersonen werden gerechtfertigt; sie -sind Contrastbilder zu den Hauptfiguren, theils fr den Fortschritt -wichtig, theils durch die Tradition verlangt. Die Nebenscenen sind -auch nicht unntz. Theils verdanken sie wieder der Vorlage ihr Dasein -oder sie sind Ruhepunkte nach den „angreifendsten oder effectvollsten -Scenen“ oder sie sind „Andeutungen des freien Spieles“, da jedes -Kunstwerk ein Product der Freiheit mit dem Bewusstsein ist, oder sie -dienen dem Contraste und dem Colorite und manches endlich gehrt zur -„Kategorie der Begreiflichkeit, das ist: es dient zur Bildung des -Ganzen als Verstandesbegriff“. Der Recensent sucht die Stellung des -heil. Bonifacius zu wrdigen und die verschiedenen Metren, in denen er -spricht, zu erklren. Die wechselnden Formen finden hohes Lob. Hie und -da legt Bernhardi in seinem freundschaftlichen Eifer sogar mehr in die -Dichtung hinein, als vermuthlich Tieck selbst.</p> - -<p>Ein jngerer Romantiker, Achim von Arnim, stellt in der „Zeitung -fr Einsiedler“ (1808 Nr. 13) einen Vergleich zwischen Tiecks und -Mllers Drama an und sucht beide aus der Stimmung ihrer Zeit heraus zu -erklren. Auch anderen Romantikern liegt die „Genoveva“ im Sinne. Es -wird in ihren Dichtungen auf sie angespielt oder auf das Volksbuch, -das durch Tieck zu neuen<span class="pagenum"><a name="Seite_246" id="Seite_246">[S. 246]</a></span> Ehren gekommen war. So in Brentanos „Godwi“ -und „Mrchen“. In Eichendorffs „Ahnung und Gegenwart“ liest der Held -das Volksbuch und er besitzt ein Gemlde, das die Auffindung Genovevas -darstellt. In seiner Literaturgeschichte,<a name="FNAnker_787_787" id="FNAnker_787_787"></a><a href="#Fussnote_787_787" class="fnanchor">[787]</a> in der Eichendorff -besonders den religisen Gehalt der Dichtungen prft, spendet er -der „Genoveva“ Tiecks folgendes Lob: „Eine durchaus katholische -Weltanschauung endlich waltet in seinem unstreitig vollendetsten Werke, -in der Genoveva, bis in den kleinsten Beischmuck hinab. Das Ganze -wird vom Prolog und Epilog des heil. Bonifacius wie ein Altarbild von -altkirchlichem Goldrahmen eingefasst; die Verherrlichung der Kirche ist -der geheimnisvolle Mittelpunkt, um den alles glubig oder widerstrebend -sich bewegt. Genoveva erscheint von vorneherein nicht etwa als bloe -moralische Ehefrau, sondern als die Kirchenheilige, die gottgeweihte -Mrtyrin, welche Christus, ihr im Traume die weie Rechte reichend, -sich zur Braut erkoren und ihr das bevorstehende Leiden verkndet -hat.“ Eichendorff legt aber dabei gewiss manches als erfllt in Tiecks -Dichtung hinein, was nur sein eigener, ehrlicher Wunsch war und nimmt -selbst gleich nachher sein Lob zum Theile wieder zurck.</p> - -<p>Helmine v. Chezy verdankt der „Genoveva“ und dem „Sternbald“ manche -religis erbauliche Stunde<a name="FNAnker_788_788" id="FNAnker_788_788"></a><a href="#Fussnote_788_788" class="fnanchor">[788]</a> und F. Rochlitz hohen poetischen -Genuss.<a name="FNAnker_789_789" id="FNAnker_789_789"></a><a href="#Fussnote_789_789" class="fnanchor">[789]</a> Koberstein las 1819 die „Genoveva“ als erstes Buch, das -ihm von Tieck bekannt wurde und der Eindruck war „unbeschreiblich und -entscheidend“ fr sein ganzes Leben.<a name="FNAnker_790_790" id="FNAnker_790_790"></a><a href="#Fussnote_790_790" class="fnanchor">[790]</a></p> - -<p>Interessant ist noch vor allem Tiecks Briefwechsel mit seinem Freunde -Solger, dem romantischen sthetiker. Verschiedenes daraus wurde -schon gelegentlich angefhrt. Tieck und Solger fhren nmlich 1816 -eine ausfhrliche Discussion ber die „Genoveva“. Solger schreibt in -einem Briefe<a name="FNAnker_791_791" id="FNAnker_791_791"></a><a href="#Fussnote_791_791" class="fnanchor">[791]</a> eine Art Recension, in welcher er vieles an der -Dichtung lobt. So Genovevas Hang zu Gott, ihre Vision. Die Tuschung -Siegfrieds durch Hexerei als Contrast zur Vision sei „herrlich und -tief“. Die „herrliche“ Ent<span class="pagenum"><a name="Seite_247" id="Seite_247">[S. 247]</a></span>wickelung von Golos Charakter ist Solger -zu „psychologisch“. Keine bedeutende Beziehung findet er darin, dass -Golo Othos Sohn ist. Solger fhrt eine Reihe von Scenen und Stellen -auf, die ihm besonders gefallen, darunter die Zulma-Episode und das -traurige Lied. Das Spielende im Religisen spricht ihn an. Die Scenen -der Landleute aber wirken nicht zum Ganzen, sie sollten besser komisch -sein. Heinrich und Else sind als Contrast zu absichtlich. Es fehlt -der dramatische Nerv und die Weihe der Ironie. Die Sprache dnkt ihn -ungleich. Besonders fehlt das Gegenwrtige und Nothwendige in der -Sinnesart, im Alterthmlichen, in der Charakteristik. Die Composition -ist ihm zu wenig gerundet, der Schluss enthlt zu viel Erzhlung. -Manches gibt Tieck zu, nur vertheidigt er die Wahrheit seiner -Empfindung, den ernsten religisen „Ton des Gemldes“, das „Klima“ und -die Hauptfiguren. Auch in den „Skizzen“ Frsters spricht Tieck ber -seine „Genoveva“, ber Bhmes Einfluss, ber die schlechten Nachahmer -und die Einwirkung auf Schiller und gibt zu, dass ihm manches darin -nimmer genge. Man erkennt deutlich, dass Solger und Tieck so gut wie -A.W. Schlegel nicht mehr den extrem romantischen Ansichten von 1800 -huldigen, die in der „Genoveva“ zutage treten. Einst war auch Solger -hher begeistert.<a name="FNAnker_792_792" id="FNAnker_792_792"></a><a href="#Fussnote_792_792" class="fnanchor">[792]</a> Tieck hat sich indessen wieder mit dem Theater -vershnt und somit den Traum von der romantischen Universalpoesie -halb und halb ausgetrumt.<a name="FNAnker_793_793" id="FNAnker_793_793"></a><a href="#Fussnote_793_793" class="fnanchor">[793]</a> Auch Tiecks Freund Steffens, der zur -Zeit der „Genoveva“ ein warmer Anhnger der Jenenser Romantiker war, -urtheilt nach langen Jahren (1841) ziemlich khl ber Tiecks berhmtes -Werk.<a name="FNAnker_794_794" id="FNAnker_794_794"></a><a href="#Fussnote_794_794" class="fnanchor">[794]</a></p> - -<p>Auerhalb der romantischen ecclesiola fand die „Genoveva“ ebenfalls -einige Beachtung. Tieck selbst weist mit Freude auf Goethes Anerkennung -hin.<a name="FNAnker_795_795" id="FNAnker_795_795"></a><a href="#Fussnote_795_795" class="fnanchor">[795]</a> Goethe empfand, als Tieck ihm das Werk vorlas, jedenfalls -verschiedene poetische Seiten sofort heraus und sah vielleicht auch -mit Wohlgefallen auf Tiecks Virtuositt in Sprache und Versification. -Wenn man aber Goethes verschiedene uerungen ber die „Genoveva“ -zusammenhlt, so sprt man im Lobe mehr Hflichkeit als ernstliche -Anerkennung. Goethe musste gegen die mittelalterlich fromme und<span class="pagenum"><a name="Seite_248" id="Seite_248">[S. 248]</a></span> -marklos zerflieende Dichtung sehr viel auf dem Herzen haben, aber -er wollte nur dem jungen Poeten, der so voll Verehrung zu seinen -Fen sa, nicht wehe thun.<a name="FNAnker_796_796" id="FNAnker_796_796"></a><a href="#Fussnote_796_796" class="fnanchor">[796]</a> Deutlicher sprechen Krner und -Schiller von ihrem classicistischen, Schiller auch noch ein wenig von -seinem persnlichen Standpunkte aus.<a name="FNAnker_797_797" id="FNAnker_797_797"></a><a href="#Fussnote_797_797" class="fnanchor">[797]</a> Krner lobt das poetische -Talent Tiecks, er findet Phantasie und Innigkeit und Gewandtheit in -Sprache und Vers, aber der „Geschmack“ fehle ihm. Schiller ist damit -einverstanden und schreibt:<a name="FNAnker_798_798" id="FNAnker_798_798"></a><a href="#Fussnote_798_798" class="fnanchor">[798]</a> „Er (Tieck) ist eine grazise, -phantasiereiche und zarte Natur, nur fehlt es ihm an Kraft und Tiefe -und wird ihm stets daran fehlen. Leider hat die Schlegel’sche Schule -schon viel an ihm verdorben; er wird es nie ganz verwinden. Sein -Geschmack ist noch unreif, er verhlt sich nicht gleich in seinen -Werken und es ist sogar viel Leeres darin.“</p> - -<p>Kotzebue wollte Tiecks Drama fr die Bhne einrichten, ward aber von -Tieck zu unfreundlich behandelt und das Project zerrann.<a name="FNAnker_799_799" id="FNAnker_799_799"></a><a href="#Fussnote_799_799" class="fnanchor">[799]</a> Ebenso -ergieng es mit Iffland.</p> - -<p>Nahmen die Classiker von Weimar eine halb freundliche, halb khle -Mittelstellung ein, so waren im Lager der Berliner Aufklrer alle bsen -Geister los. Nicolai<a name="FNAnker_800_800" id="FNAnker_800_800"></a><a href="#Fussnote_800_800" class="fnanchor">[800]</a> schimpfte aus Leibeskrften ber die tolle -Legende, die unter der nachhelfenden Hand des Romantikers noch zehnmal -toller geworden sei. Dem Raume und der Zeit werde bel mitgespielt, -die Prosa sei drr, die Verse schlecht u.s.w. Nicolai tritt, soweit er -sich berhaupt in sachliche Dinge einlsst, mit den Forderungen eines -Theatralikers an die „Genoveva“ heran und dabei muss diese in Grund -und Boden versinken. Dasselbe thut Garlieb Merkel, der Todfeind der -Romantiker,<a name="FNAnker_801_801" id="FNAnker_801_801"></a><a href="#Fussnote_801_801" class="fnanchor">[801]</a> in den „Briefen an ein Frauenzimmer“. Er wei seiner -nrgelnden Feindseligkeit am besten dadurch Luft zu machen, dass er -seine Recension zum grten Theile als einen Vergleich Tiecks mit -Shakespeare stilisiert. Auf die poetische<span class="pagenum"><a name="Seite_249" id="Seite_249">[S. 249]</a></span> Seite der verwerteten Motive -wird keine Rcksicht genommen. Die Regellosigkeit, die sich an die drei -Einheiten nicht kehrt, der Mangel eines dramatischen Planes und inneren -Mittelpunktes, die lose Verknpfung von Haupt- und Nebenhandlung, -die schlechte Charakteristik werden durchgehechelt. Merkel nimmt es -mit seiner kritischen Ehrlichkeit nicht sonderlich genau. Einige -Zge von Golo werden z.B. ausgehoben, die ein ganz schiefes Bild von -der Gestalt geben und dies wird als Beispiel fr Tiecks schlechte -Charakteristik hingestellt. Selbst die Inhaltsangabe des Stckes ist in -manchen Punkten falsch. Um Tiecks jmmerliche Stilistik aufzuzeigen, -werden wieder einige Splitter abgespalten, von denen man (ein Beispiel -geknstelter Antithesen ausgenommen) nicht wei, was sie beweisen -sollen. Die verschiedenen metrischen Formen sind nach Merkel Unsinn, -die archaistische Sprache Thorheit. Im brigen reibt sich Merkel nur -noch an Kleinigkeiten.</p> - -<p>Merkel ist der Antipode Bernhardis. Jener verschweigt alles Gute, -dieser alles Schlimme. Bernhardi redet nur im Tone hchster Ehrfurcht -von seinem romantischen Herrn und Meister, Merkel in einer fade -hhnenden Weise, die an altweibisches Gekeife bedenklich erinnert. Das -Gebaren beider Kritiker ist nicht unbegreiflich. Welche Gemeinschaft -sollte zwischen der schal gewordenen Aufklrung und der jungen Romantik -bestehen? Die Wahrheit liegt, wie so oft beim erbitterten Kampfe zweier -geistiger Heerlager, in der Mitte. Um dem Wollen der Romantiker gerecht -zu werden, muss man sie zuerst vor das Forum der Romantik selbst -bescheiden.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Die „Genoveva“ ist das glnzendste Stck unter jenen Poesien, die in -den zwei Bnden der „Romantischen Dichtungen“ vereinigt sind. Den -ersten Band erffnet die satirische Mrchenkomdie „Prinz Zerbino“, -ein Auslufer der vorhergehenden Periode des Tieck’schen Schaffens, -jener Periode der Negation, die noch in die Zeit der frommen, -innigen, alterthumsfrohen Genovevastimmungen hereinreicht und die -eine wesentliche Seite von Tiecks geistiger Art vergegenwrtigt. Das -ganze endlose Lustspiel ist nichts anderes als ein lustiger Krieg -gegen alle Tendenzen, welche der Romantik feindlich oder gleichgiltig -entgegentraten. Die Antiromantiker bekommen bald einzeln, bald<span class="pagenum"><a name="Seite_250" id="Seite_250">[S. 250]</a></span> -scharenweise den bermthigsten Humor des Dichters zu verkosten. Neben -diesem satirischen Muthwillen bemerken wir aber auch in einer Reihe -von Scenen, wie sich schon die weichen, traumhaften, lyrisch-sen, -die eigentlich romantischen Stimmungen ankndigen und der Garten -der Poesie, wo Bume, Blumen, Vgel und Farben singen, sprechen und -flstern, wo die grten Dichter aller Zeiten sammt Jakob Bhme als -Hofstaat um die Gttin der Poesie versammelt sind, taucht wie eine -wundersame stille Mrcheninsel aus den Gewssern der Verneinung auf. Im -Mrchen „der getreue Eckart und der Tannenhuser“, der zweiten Dichtung -des ersten Bandes, erzhlt Tieck die alte Sage vom Berge der Frau Venus -und verkettet sie mit der Sage vom Rattenfnger von Hameln. Hier gibt -es keinen satirischen bermuth. Alte Sagen werden mit den Mitteln der -romantischen Kunst aufgefrischt. Ein dsterer, schwler Gesammtton -beherrscht das Ganze und hlt es knstlerisch zusammen. Es offenbaren -sich hier noch jene dsteren unheimlichen Stimmungen, die vor dem -freundlich beruhigenden Einflusse Wackenroders den Dichter zeitweise -ganz und gefhrlich beherrschten, die sich aber jetzt nur noch von Zeit -zu Zeit anmelden.</p> - -<p>Der „Genoveva“ gesellen sich im zweiten Bande die Nacherzhlung -des Mrchens von der „Melusina“ und das dramatisierte Mrchen vom -„Rothkppchen“ bei. In letzterem fallen einzelne Hiebe auf die -Rationalisten. Sonst vermeidet der Dichter in allen Stcken dieses -Bandes jede groe und kleine Bosheit. Interessant ist es, wie Tieck -im „Rothkppchen“ gerade durch das oft wiederkehrende Roth einen -bestimmten Stimmungseffect erzielt und wie so das kleine Drama eine Art -„Symphonie in Roth“ wird.</p> - -<p>Was wir als echte Romantik in der „Genoveva“ kennen lernten, begegnet -uns fast alles, theils zerstreut, theils in grere Massen gesammelt, -in den anderen „romantischen Dichtungen“ wieder. Tieck hatte mit -dem Titel, wie er sagt, nur die Absicht, das Wunderbare in diesen -Poesien damit anzudeuten. Aber auch ohne besondere Absicht ist all -das, was man bald mit dem Schlagworte „Romantik“ bezeichnen sollte, -in diese Dichtungen hineingestrmt. Der romantische Geist waltet -fhlbar in ihnen. Daher ist es recht begreiflich, dass gerade diese -berschrift zusammen mit den theoretischen Errterungen der Schlegel -sehr wesentlich dazu beitrug, der Schule ihren Namen zu verschaffen.<span class="pagenum"><a name="Seite_251" id="Seite_251">[S. 251]</a></span> -Theilweise sind die „romantischen Dichtungen“ Erneuerungen alter, -volksthmlicher Sagen und Mrchen, also „mythische Poesie“, wie -sie Friedrich Schlegel wnschte. Das Religise, Geheimnisvolle, -Mrchenhafte, Ahnungen und Vordeutungen, Jakob Bhmes Mystik, -Astrologie und Aberglaube spielen bald dort bald da herein. Das -trumerische Naturgefhl Tiecks treffen wir gleichfalls an. Ritter, -Schfer, Einsiedler, der Kampf mit Heiden und wilden Riesen, -Tapferkeit, Liebe, Gottesfurcht: lauter Motive und Gefhle, die wir -als richtige Romantik bezeichnen mussten, sehen wir verwertet. Auch -in Form und Sprache blhende Romantik. Drama, Epik und Lyrik weben -sich im „Zerbino“ ineinander, Erzhlungen mit Gesang sind „Eckart“ -und „Melusina“, ein Drama mit epischen und lyrischen Einlagen ist -das „Rothkppchen“. Contraste und Parallelen als uere Hilfe der -Composition fehlen selten. Prosa und Verse wechseln, sdlndische -Strophen, Sonette, Stanzen, Terzinen wirft Tieck mitten in die -schlichte, volksthmliche Prosa der „Melusina“ hinein. Prosa, -alterthmelnder Balladenton und freirhythmische Lyrik vereinigt er -im „getreuen Eckart“. Auch die klingelnde Musik gehufter Reime -bemerkt man vereinzelt. Der Sprache wird wie in der „Genoveva“ ein -leicht archaistischer Anstrich gegeben und gewisse stilistische -Lieblingswendungen der „Genoveva“ begegnen uns in den anderen Stcken -allenthalben. Mit einem Worte, was Tieck an romantischen Elementen -in der „Genoveva“ sammelt und verwendet, treffen wir in den brigen -gleichzeitigen Werken, wenn auch mehr verstreut, wieder an. Ein -gemeinsamer Geist lebt und webt in all diesen Erzhlungen und Dramen, -der, knnte man im Sinne der Romantik sagen, ein Mannigfaltiges zu -hherer Einheit verbindet.</p> - -<p>Was nur an romantischen Ideen, Stimmungen und Motiven in diesen -zwei Bnden sich ansammelte, wird von Tieck noch einmal im „Kaiser -Octavianus“ (1801–1803) glnzend und prunkvoll zur Schau gestellt, -einem romantischen Drama, das sich ebenfalls auf der Grundlage eines -alten Volksbchleins aufbaut, dessen erster Theil sich wie eine -Variation des Genovevamotivs liest. Eine unschuldig verleumdete und von -ihrem Gatten verurtheilte Frau wird mit ihren Kindern in die Wildnis -hinausgestoen. Eine Intrigantin ist am ganzen Unglck schuld und -wird darber wahnsinnig. Der Gatte erkennt sein Unrecht und trauert -in tiefer Reue. Die nmlichen Situationen bedingen oft einen nahe -ver<span class="pagenum"><a name="Seite_252" id="Seite_252">[S. 252]</a></span>wandten sprachlichen Ausdruck. Eine unendliche Flle von Personen -und Abenteuern wird in den Rahmen des Stckes hineingearbeitet. -Genialitt und Kritik verbinden sich der romantischen Forderung gem; -denn allegorisch, lyrisch und dramatisch will der Dichter seine Ansicht -der romantischen Poesie hier niederlegen. Calderon, Shakespeare, Jakob -Bhme, Religion und weiche Naturstimmung, romantische Universalitt, -Verschmelzung der knstlerischen Gattungen, eine archaisierende -Sprache und vielfltig erklingende Metrik, eine Metrik und Sprache -in allen Abstufungen vom derben Prosahumor bis zum pompsen Klang -der Ottave rime: alles findet wieder Platz im Rahmen einer alten -Volksbucherzhlung. Mit Ausnahme des Humors, der derben Prosa wie -der Hans Sachsischen Knittelverse finden wir hier allerdings wenig, -was der „Genoveva“ gegenber neu wre. Nur gesteigert, ppiger, -absichtsvoller erscheint alles im Inhalte wie in der Form. Es ist, als -ob der eigenthmliche Geist der Jenenser Romantik, dem die „Genoveva“ -als erste, volle, reiche Blte entsprosste, noch einmal seine Kraft -zusammengerafft htte, um in einem hell und bunt aufleuchtenden -Phantasiefeuerwerk glorreich und flchtig zu versprhen. Denn mit dem -„Octavian“ ist eigentlich jene Poesie, die ganz von den Stimmungen -der Genovevaromantik gesttigt ist, so gut wie vorber. In Tiecks -Schaffen tritt bald eine Pause ein und die romantische Gesellschaft von -Jena, die erst noch so jugendlich stolz und hoffnungsfreudig die Welt -romantisieren wollte, zerstreut sich in kurzem nach allen vier Winden. -—</p> - -<p>Noch zweimal lsst Tieck bei Lebzeiten seine „Genoveva“ in die -Welt wandern. 1820 erscheint bei Reimer in Berlin eine „neue -verbesserte Auflage“, die 1828 in den zweiten Band der „Schriften“ -wieder aufgenommen wurde. Eine Reihe von Verbesserungen der ersten -Neuauflage besteht in der Beseitigung schwerflliger, unzutreffender -und undeutlicher Ausdrcke. „Du schnster Thron, aus lauter Licht -gewebt“: „Du schnster Thron, aus lauter Licht erbaut“. — „Ihr lasst -mir Hoffnung hier und Andacht, liebe Freunde“: „Ihr lasst mir Andacht, -Hoffnung hier als liebe Freunde“. — „Wen er (der Tod) will von dannen -tragen“: „Wen er will als Beute schlagen“. Die Verse:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„So ist Hispania durch ein Weib verdorben,</div> - <div class="verse">Die Schuld war, dass die Mohren sind gekommen,</div> - <div class="verse">So litt die Christenheit durch bse Lust</div> -<span class="pagenum"><a name="Seite_253" id="Seite_253">[S. 253]</a></span> - <div class="verse">Des Knigs Roderich: so sind wohl Reiche,</div> - <div class="verse">Palste, groe Stdte eingestrzt</div> - <div class="verse">In aller Zeit durch unerlaubte Liebe.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>lauten verbessert:</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„So ist Hispania durch ein Weib verdorben,</div> - <div class="verse">Die Schuld war, dass die Mohren eingebrochen,</div> - <div class="verse">So litt die Christenheit durch bse Liebe</div> - <div class="verse">Des Roderich: so sind wohl Reich, und Stdte</div> - <div class="verse">Schon oft gestrzt durch Schndlichkeit und Lust.“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Ausdrcke, die dem Dichter einst vielleicht schlicht oder archaistisch -vorkamen, gengen ihm nimmer, sie werden durch hhere, poetischere -ersetzt. „Die thrichte Bitte“: „Der Bitte Thorheit“. — „Die Waffen -von euch allen“: „Die Waffen eurer Scharen“. — „Herunterschauen“: -„Herniederschauen“. — „Mahom sei gepreist“: „Gepriesen sei Mahom“. -— Das Erscheinen und Thun der rettenden Hirschin wird 1820 ohne -Bhnenanweisung durch die bloe Aussprache von Genovevas Empfindung, -die den Vorgang begleitet, dargestellt.</p> - -<p>fters wird in der verbesserten Auflage durch Inversionen der Sinn -krftiger und nachdrcklicher hervorgehoben. Mit „Ich“ beginnende -Stze, die wohl auch einstmals fr einfach und schlicht galten, werden -umgeformt. „... er (Sebastian) ist an einen Baum gebunden“: „... an -einen Baum ist er gebunden“. — „Ich fhl’ die Liebe, doch ich muss -nun fort“: „Die Liebe fhl’ ich...“ — „Ich habe meine Ehr’ durch -ihn gelst“: „Durch ihn ist meine Ehre nun gelst“. — Unangenehme -Wiederholungen desselben Wortes in nchster Nhe werden beseitigt.<a name="FNAnker_802_802" id="FNAnker_802_802"></a><a href="#Fussnote_802_802" class="fnanchor">[802]</a> -Zwei grere Stcke lsst Tieck gnzlich weg, die Scene „In der Stadt -Avignon“<a name="FNAnker_803_803" id="FNAnker_803_803"></a><a href="#Fussnote_803_803" class="fnanchor">[803]</a> und die Episode vom weggeworfenen und wiedergefundenen -Trauringe Genovevas.<a name="FNAnker_804_804" id="FNAnker_804_804"></a><a href="#Fussnote_804_804" class="fnanchor">[804]</a> Einzelne Verse drften dem Dichter als -berflssige Wiederholungen des nmlichen Gedankens strend erschienen -sein.<a name="FNAnker_805_805" id="FNAnker_805_805"></a><a href="#Fussnote_805_805" class="fnanchor">[805]</a></p> - -<p>Diese nderungen und Verbesserungen sind keine tief einschneidenden, -sie betreffen fast nur stilistische Einzelheiten und beabsichtigen im -allgemeinen nur eine sorgfltige Glttung des sprachlichen Ausdrucks. -Die Dichtung als Ganzes war ihrem<span class="pagenum"><a name="Seite_254" id="Seite_254">[S. 254]</a></span> Schpfer nach wie vor als Document -jener inneren Erlebnisse, die in seiner geistigen Entwickelung eine -Epoche bedeuteten, heilig, und er rhrte nicht gerne daran. „Die -Ganzheit und Unverletztheit des Gedichtes“ lag ihm also auch noch in -spteren Jahren am Herzen, so gut wie damals, als er es nicht gerne -sah, wenn es durch Auslassung, Abkrzung und Umgestaltung fr die -Bhne eingerichtet wrde. Man war schon nahe daran gewesen, Iffland -und Kotzebue, die beiden Theaterbeherrscher, interessierten sich wie -gesagt dafr. Es kam aber zu keiner Auffhrung. Tieck setzte keinen -sonderlichen Ehrgeiz darein, seine Heilige auf dem Theater zu sehen. -Dies beweist auch genugsam der Umstand, dass er spter whrend seiner -Dresdener Zeit keinen Schritt fr die Auffhrung des Stckes that, -wo es ihm doch recht leicht gewesen wre, dasselbe auf die Bhne zu -bringen. Nur als Operntext und in parodierter Gestalt sollte Genoveva -das Licht der Rampe erblicken.</p> - -<p>Wenn Tiecks Drama auch der Bhne des Theaters fremd blieb, so entzckte -es doch von der idealen Phantasiebhne aus einst viele Leser, es regte -bildende Knstler und Dichter an. Die „Genoveva“ im Verein mit den -„Herzensergieungen“, den „Phantasien“ und dem „Sternbald“ weckte einen -ganz neuen Geist in jener Knstlergeneration, welche in den ersten -Decennien des 19. Jahrhunderts unsere Kunst beherrschte. An Stelle -des classischen Alterthums tritt hier das christliche Mittelalter, -die Begeisterung fr die alte deutsche Art und Kunst. Die Dichtung -Tiecks selbst regte manchen Knstler zu bildlichen Darstellungen an. -Die Brder Riepenhausen zeichneten 1806 einen Genoveva-Cyklus und -keine Geringeren als Fhrich, Schwind und Richter folgten mit ihren -Compositionen nach. Der Traum des „kunstliebenden Klosterbruders“ von -einer Kunst im Bunde mit der Religion sollte sich erfllen, wie die -Vermhlung von Religion und Poesie in der „Genoveva“ sich vollzogen -hatte. Jenen Traum und Wunsch machten nmlich zur Wirklichkeit „die -Klosterbrder von San Isidoro“, jene Gruppe von deutschen Knstlern in -Rom, die sich im Jahre 1810 mit Friedrich Overbeck, dem neuen Giovanni -da Fiesole an der Spitze, in den verlassenen Zellen des Klosters San -Isidoro auf dem Monte Pincio ansiedelten und mit wenig Geld und viel -Begeisterung das Werk der Neubelebung religiser Kunst mit Ernst und -Eifer in Angriff nahmen. Der bertritt zum Katholicismus, mit dem -einst<span class="pagenum"><a name="Seite_255" id="Seite_255">[S. 255]</a></span> Tieck poetisch spielend kokettierte, wird fr manchen von diesen -Mnnern berzeugungsvoller Ernst. Eine fruchtbare Zeit religisen -Kunstschaffens brach fr Deutschland an, als die Freunde und Schler -der Cornelius und Overbeck mit ihren Meistern um die Wette eine rege -Thtigkeit entfalteten. Alte Bauwerke werden vollendet und restauriert, -alte Gemlde und Statuen mit piettvollem Eifer gesammelt und hoch in -Ehren gehalten. (Klner Dom. Die Brder Boissere.)</p> - -<p>Die Begeisterung fr das Alterthmliche, besonders fr die groe -Vergangenheit altdeutscher Dichtung, gibt der deutschen Wissenschaft -manchen wirksamen Antrieb und folgenreiche Anregungen, sie bereitet -auch jene vaterlndische Begeisterung vor, die nach wenigen Jahren die -deutschen Gemther wie ein machtvoller heiliger Sturm erfassen sollte -und die Dichtung der nchstfolgenden Zeit entzieht sich ebenfalls -nicht ganz dem Eindrucke, den Tiecks Werk auf die Gemther machte, -wenn die Nachwirkungen auch weniger lebhaft als in der bildenden Kunst -zu spren sind. Der bedeutendste romantische Dramatiker, auf den -Tiecks „Genoveva“ und „Octavian“ im Vereine mit der Schlegel’schen -sthetik entscheidend einwirkte, ist Zacharias Werner. Dieser seltsame -Mann versucht es, die Bhne des Theaters dem romantischen Geiste zu -erobern. Seine „Shne des Thals“ wie „Kunigunde die Heilige“ knnen das -romantische Vorbild, dem sie nacheifern, gar nicht verleugnen. Dass -auch die Dramatik der Brentano, Arnim, Eichendorff, hlenschlger, -Hertz, Atterbom, Andersen, Immermann theils vom Geiste, theils von -der Kunst der „Genoveva“ beeinflusst ist, wurde schon von mehreren -Forschern betont.<a name="FNAnker_806_806" id="FNAnker_806_806"></a><a href="#Fussnote_806_806" class="fnanchor">[806]</a></p> - -<p>Nach langer Wanderschaft durch alle mglichen Gebiete unserer -Literatur, nachdem noch Dramatiker wie Friedrich Hebbel und Otto -Ludwig die Gestaltung der Legende versucht hatten, gelangte sie auch -zum trefflichen Erzhler Christoph v. Schmid, der aus dem alten -Volksbchlein ein neues machte. Von einem namhaften Einfluss Tiecks auf -Schmids Erzhlung lsst sich kaum reden. Dass die Einleitung derselben -uns in die Zeit zurckfhrt, da die Morgenrthe des Christenthums in -Deutschland aufgieng, dass die trben Vorahnungen Genovevas betont -werden<span class="pagenum"><a name="Seite_256" id="Seite_256">[S. 256]</a></span> und Golo als glnzende ritterliche Erscheinung geschildert -wird, dass ferner fr Genovevas Todesgang trber Herbst (allerdings -Nacht) den Hintergrund bildet und die Natur vom traurigen Schauspiele -sich abwendet: das sind allerdings kleine Zge, die ein wenig auf -Tiecks Dichtung zurckweisen. Im brigen bietet Schmid eine einfache -Neubearbeitung des Volksbuches mit Umgestaltungen und Erweiterungen, -die den pdagogischen Absichten des Verfassers entsprechen. Alles -Wunderbare und bernatrliche wird abgestreift oder rationalistisch -gedeutet. (hnlich gieng Maler Mller vor.) Das Wesentliche -von den rhrenden Motiven ist aber beibehalten. Der schlichte, -gemeinverstndliche und anheimelnde Ton ist glcklich getroffen. In -dieser Gestalt konnte die alte Legende wieder zu den Htten des Volkes -zurckkehren, wo sie schon so lange heimisch war. Dort fand das neue -Volksbchlein neben dem alten gute Aufnahme. Am schnen Sommersonntag -wie am dsteren Winterabend lesen Hirtenjunge und Bauernmdchen mit -freudiger Rhrung im kleinen Bchlein und weihen eine herzliche Thrne -dem Schicksale der edlen Grfin Genoveva.</p> - -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="Register">Register.</h2> - -<div class="index"> - -<p><b>A</b>ndersen <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p>Ariosto <a href="#Seite_61">61</a>, <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p>Arnim L. A. v. <a href="#Seite_245">245</a>, <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p class="mbot15">Atterbom <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p><b>B</b>alde J. <a href="#Seite_62">62</a>.</p> - -<p>Bernhardi A. F. <a href="#Seite_61">61</a>, <a href="#Seite_151">151</a> f., <a href="#Seite_157">157</a>, <a href="#Seite_162">162</a> f., <a href="#Seite_165">165</a>, <a href="#Seite_234">234</a>, <a href="#Seite_245">245</a>.</p> - -<p>Bhme J. <a href="#Seite_11">11</a> f., <a href="#Seite_26">26</a>, <a href="#Seite_98">98</a>, <a href="#Seite_113">113</a>, <a href="#Seite_115">115</a> ff., <a href="#Seite_156">156</a>, <a href="#Seite_162">162</a>, <a href="#Seite_164">164</a>, <a href="#Seite_166">166</a>, <a href="#Seite_187">187</a>, <a href="#Seite_194">194</a>, -<a href="#Seite_200">200</a>, <a href="#Seite_250">250</a> ff.</p> - -<p>Boissere (Die Brder) <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p class="mbot15">Brentano Cl. <a href="#Seite_246">246</a>, <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p><b>C</b>alderon <a href="#Seite_11">11</a> f., <a href="#Seite_26">26</a>, <a href="#Seite_107">107</a> ff., <a href="#Seite_124">124</a>, <a href="#Seite_153">153</a>, <a href="#Seite_161">161</a>, <a href="#Seite_227">227</a> f., <a href="#Seite_234">234</a>, <a href="#Seite_252">252</a>.</p> - -<p>Cervantes <a href="#Seite_107">107</a>.</p> - -<p>Chezy H. v. <a href="#Seite_246">246</a>.</p> - -<p>Cochem M. v. <a href="#Seite_31">31</a>, <a href="#Seite_89">89</a>.</p> - -<p class="mbot15">Cornelius P. v. <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p><b>D</b>ante <a href="#Seite_228">228</a>.</p> - -<p class="mbot15">Drer A. <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_7">7</a>, <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_167">167</a>.</p> - -<p class="mbot15"><b>E</b>ichendorff J. v. <a href="#Seite_165">165</a>, <a href="#Seite_246">246</a>, <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p><b>F</b>euerbach L. <a href="#Seite_119">119</a>.</p> - -<p>Fichte J. G. <a href="#Seite_116">116</a>.</p> - -<p>Freytag G. <a href="#Seite_201">201</a>.</p> - -<p>Friesen H. v. <a href="#Seite_165">165</a>.</p> - -<p class="mbot15">Fhrich J. v. <a href="#Seite_254">254</a>.</p> - -<p><b>G</b>oethe <a href="#Seite_1">1</a>, <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_26">26</a> f., <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_63">63</a>, <a href="#Seite_65">65</a>, <a href="#Seite_71">71</a> ff., <a href="#Seite_79">79</a>, <a href="#Seite_89">89</a>, <a href="#Seite_93">93</a>, <a href="#Seite_98">98</a> f., <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_147">147</a>, -<a href="#Seite_169">169</a>, <a href="#Seite_173">173</a>, <a href="#Seite_184">184</a>, <a href="#Seite_202">202</a>, <a href="#Seite_247">247</a>.</p> - -<p>Giovanni da Fiesole <a href="#Seite_7">7</a>.</p> - -<p>Gower J. <a href="#Seite_89">89</a>.</p> - -<p class="mbot15">Grimmelshausen <a href="#Seite_27">27</a>.</p> - -<p><b>H</b>aym <a href="#Seite_116">116</a>, <a href="#Seite_164">164</a>.</p> - -<p>Hardenberg Karl v. <a href="#Seite_245">245</a>.</p> - -<p>Hebbel, F. <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p>Heine H. <a href="#Seite_174">174</a>, <a href="#Seite_213">213</a>.</p> - -<p>Heinse W. <a href="#Seite_11">11</a>.</p> - -<p>Hemsterhuys <a href="#Seite_166">166</a>.</p> - -<p>Herder <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_6">6</a>, <a href="#Seite_62">62</a>.</p> - -<p>Hertz <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p>Hettner <a href="#Seite_65">65</a>, <a href="#Seite_83">83</a>, <a href="#Seite_164">164</a>, <a href="#Seite_179">179</a>, <a href="#Seite_235">235</a>.</p> - -<p class="mbot15">Hlsen A. L. <a href="#Seite_24">24</a>, <a href="#Seite_137">137</a></p> - -<p><b>I</b>ffland <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_106">106</a>, <a href="#Seite_248">248</a>, <a href="#Seite_254">254</a>.</p> - -<p class="mbot15">Immermann <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p><b>K</b>leist H. v. <a href="#Seite_166">166</a>.</p> - -<p>Koberstein <a href="#Seite_246">246</a>.</p> - -<p>Kpke R. <a href="#Seite_28">28</a>, <a href="#Seite_115">115</a>.</p> - -<p>Krner Ch. G. <a href="#Seite_248">248</a>.</p> - -<p class="mbot15">Kotzebue <a href="#Seite_248">248</a>, <a href="#Seite_254">254</a>.</p> - -<p><b>L</b>enz R. <a href="#Seite_153">153</a>.</p> - -<p>Lessing <a href="#Seite_82">82</a>, <a href="#Seite_143">143</a>.</p> - -<p>Lionardo da Vinci <a href="#Seite_8">8</a>.</p> - -<p class="mbot15">Ludwig O. <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p><b>M</b>ayr Chr. <a href="#Seite_166">166</a>.</p> - -<p>Meiners <a href="#Seite_6">6</a>.</p> - -<p>Merkel G. <a href="#Seite_106">106</a>, <a href="#Seite_144">144</a> f., <a href="#Seite_192">192</a>, <a href="#Seite_233">233</a>, <a href="#Seite_248">248</a>.</p> - -<p>Michelangelo <a href="#Seite_4">4</a>.</p> - -<p>Minor J. <a href="#Seite_92">92</a>, <a href="#Seite_94">94</a> f., <a href="#Seite_98">98</a>.</p> - -<p>Mnioch J. J. <a href="#Seite_244">244</a>.</p> - -<p>Moscherosch <a href="#Seite_27">27</a>.</p> - -<p>Mller Adam <a href="#Seite_166">166</a>.</p> - -<p class="mbot15">Mller Fr. (Maler) <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_67">67</a> ff., <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_172">172</a>, <a href="#Seite_256">256</a>.</p> - -<p><b>N</b>icolai Fr. <a href="#Seite_27">27</a> f., <a href="#Seite_143">143</a>, <a href="#Seite_145">145</a>,<a name="FNAnker_998" id="FNAnker_998"></a><a href="#Fussnote_998" class="fnanchor">[*]</a> -<a href="#Seite_248">248</a>.<a name="FNAnker_999" id="FNAnker_999"></a><a href="#Fussnote_999" class="fnanchor">[*]</a></p> - -<p class="mbot15">Novalis-Hardenberg <a href="#Seite_11">11</a>, <a href="#Seite_14">14</a>, <a href="#Seite_20">20</a> ff., <a href="#Seite_120">120</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_166">166</a>, <a href="#Seite_173">173</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_185">185</a> f., <a href="#Seite_207">207</a> -f., <a href="#Seite_210">210</a>, <a href="#Seite_212">212</a> f., <a href="#Seite_220">220</a> f.</p> - -<p><b></b>hlenschlger <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p class="mbot15">Overbeck Fr. <a href="#Seite_254">254</a> f.</p> - -<p><b>P</b>aul Jean <a href="#Seite_104">104</a>, <a href="#Seite_185">185</a>.</p> - -<p>Petrich <a href="#Seite_193">193</a> ff., <a href="#Seite_215">215</a> f.</p> - -<p>Piero di Cosimo <a href="#Seite_8">8</a>.</p> - -<p class="mbot15">Platen <a href="#Seite_225">225</a>.</p> - -<p><b>R</b>aphael <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_85">85</a>.</p> - -<p>Richter L. <a href="#Seite_254">254</a>.</p> - -<p>Riepenhausen <a href="#Seite_254">254</a>.</p> - -<p class="mbot15">Ritter J. W. <a href="#Seite_137">137</a>.</p> - -<p><b>S</b>achs Hans <a href="#Seite_26">26</a> f., <a href="#Seite_169">169</a>, <a href="#Seite_252">252</a>.</p> - -<p>Schiller <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_124">124</a>, <a href="#Seite_147">147</a>, <a href="#Seite_150">150</a>, <a href="#Seite_177">177</a>, <a href="#Seite_228">228</a>, <a href="#Seite_239">239</a>, <a href="#Seite_248">248</a>.</p> - -<p>Scheffel <a href="#Seite_201">201</a>.</p> - -<p>Schelling <a href="#Seite_25">25</a>, <a href="#Seite_116">116</a>, <a href="#Seite_122">122</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_225">225</a>.</p> - -<p>Schlegel A. W. <a href="#Seite_10">10</a>, <a href="#Seite_13">13</a>, <a href="#Seite_24">24</a>, <a href="#Seite_61">61</a> f., <a href="#Seite_64">64</a>, <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_104">104</a>, <a href="#Seite_107">107</a> f., <a href="#Seite_124">124</a>, <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_144">144</a> -f., <a href="#Seite_147">147</a> f., <a href="#Seite_191">191</a>, <a href="#Seite_201">201</a>, <a href="#Seite_210">210</a>, <a href="#Seite_215">215</a>, <a href="#Seite_222">222</a>, <a href="#Seite_225">225</a>, <a href="#Seite_227">227</a> f., <a href="#Seite_230">230</a> f., <a href="#Seite_243">243</a> f.</p> - -<p>Schlegel Fr. <a href="#Seite_12">12</a>, <a href="#Seite_24">24</a> f., <a href="#Seite_61">61</a> f., <a href="#Seite_65">65</a>, <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_147">147</a>, <a href="#Seite_166">166</a>, <a href="#Seite_215">215</a> f., <a href="#Seite_225">225</a>, <a href="#Seite_243">243</a> -f., <a href="#Seite_251">251</a>.</p> - -<p>Schleiermacher <a href="#Seite_11">11</a> ff., <a href="#Seite_20">20</a>, <a href="#Seite_113">113</a>, <a href="#Seite_155">155</a>, <a href="#Seite_163">163</a>, <a href="#Seite_227">227</a>.</p> - -<p>Schmid Christoph v. <a href="#Seite_255">255</a> f.</p> - -<p>Schmidt Heinrich <a href="#Seite_243">243</a>.</p> - -<p>Schwind M. v. <a href="#Seite_254">254</a>.</p> - -<p>Shakespeare <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_7">7</a> f., <a href="#Seite_81">81</a>, <a href="#Seite_84">84</a> ff., <a href="#Seite_111">111</a>, <a href="#Seite_124">124</a>, <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_167">167</a>, <a href="#Seite_200">200</a>, <a href="#Seite_222">222</a>, <a href="#Seite_230">230</a> f., -<a href="#Seite_234">234</a>, <a href="#Seite_252">252</a>.</p> - -<p>Solger <a href="#Seite_30">30</a>, <a href="#Seite_86">86</a>, <a href="#Seite_106">106</a>, <a href="#Seite_116">116</a> ff., <a href="#Seite_164">164</a>, <a href="#Seite_187">187</a>, <a href="#Seite_192">192</a> f., <a href="#Seite_206">206</a>, <a href="#Seite_213">213</a>, <a href="#Seite_246">246</a> f.</p> - -<p class="mbot15">Steffens H. <a href="#Seite_24">24</a>, <a href="#Seite_122">122</a>, <a href="#Seite_125">125</a>.</p> - -<p><b>T</b>auler J. <a href="#Seite_116">116</a>.</p> - -<p>Tieck L.</p> - -<p class="mleft2">Abdallah <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_73">73</a>, <a href="#Seite_178">178</a>.<br /> -Blaubart <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_63">63</a>, <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_191">191</a>.<br /> -Briefe ber Shakespeare <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_112">112</a>.<br /> -Ekbert <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_186">186</a>.<br /> -Der getreue Eckart und der Tannenhuser <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_186">186</a>, <a href="#Seite_211">211</a>, <a href="#Seite_250">250</a>.<br /> -Dramaturg. Bltter <a href="#Seite_85">85</a>.<br /> -Heymonskinder <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_59">59</a>.<br /> -Der neue Hercules am Scheidewege (Der Autor) <a href="#Seite_27">27</a> f., <a href="#Seite_118">118</a>, <a href="#Seite_120">120</a>, <a href="#Seite_137">137</a>.<br /> -Karl von Berneck <a href="#Seite_10">10</a>, <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_73">73</a>.<br /> -Peter Leberecht <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_60">60</a>.<br /> -Lovell <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_63">63</a>, <a href="#Seite_73">73</a>, <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_178">178</a>.<br /> -Magelone <a href="#Seite_17">17</a>, <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_87">87</a>, <a href="#Seite_108">108</a>, <a href="#Seite_179">179</a>, <a href="#Seite_210">210</a>.<br /> -Melusine <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_87">87</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_226">226</a>, <a href="#Seite_250">250</a>.<br /> -Octavianus <a href="#Seite_86">86</a> f., <a href="#Seite_101">101</a>, <a href="#Seite_108">108</a>, <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_117">117</a> f. <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_141">141</a>, <a href="#Seite_144">144</a>, <a href="#Seite_212">212</a>, <a href="#Seite_225">225</a>, -<a href="#Seite_251">251</a> f., <a href="#Seite_254">254</a>.<br /> -Phantasien <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_8">8</a> ff., <a href="#Seite_13">13</a>, <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_132">132</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_186">186</a>, <a href="#Seite_216">216</a>, <a href="#Seite_225">225</a>, <a href="#Seite_254">254</a>.<br /> -Phantasus <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_150">150</a>, <a href="#Seite_153">153</a>, <a href="#Seite_173">173</a>.<br /> -Poetisches Journal <a href="#Seite_84">84</a> f.<br /> -Romantische Dichtungen <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_249">249</a> ff.<br /> -Rothkppchen <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_250">250</a>.<br /> -Runenberg <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_186">186</a>.<br /> -Schildbrger <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_60">60</a>.<br /> -Sommernacht <a href="#Seite_84">84</a>.<br /> -Sternbald <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_8">8</a> f., <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_108">108</a>, <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_141">141</a>, <a href="#Seite_167">167</a>, <a href="#Seite_172">172</a>, <a href="#Seite_179">179</a>, <a href="#Seite_186">186</a>, <a href="#Seite_207">207</a>, -<a href="#Seite_212">212</a>, <a href="#Seite_216">216</a>, <a href="#Seite_254">254</a>.<br /> -Der Traum <a href="#Seite_10">10</a>.<br /> -Volksmrchen <a href="#Seite_60">60</a>.<br /> -Zerbino <a href="#Seite_85">85</a>, <a href="#Seite_87">87</a>, <a href="#Seite_108">108</a>, <a href="#Seite_117">117</a>, <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_141">141</a>, <a href="#Seite_143">143</a> f., <a href="#Seite_147">147</a>, <a href="#Seite_186">186</a>, <a href="#Seite_225">225</a>, <a href="#Seite_249">249</a>.</p> - -<p class="mbot15">Twine L. <a href="#Seite_89">89</a>.</p> - -<p class="mbot15"><b>V</b>eith Dor. <a href="#Seite_25">25</a>.</p> - -<p><b>W</b>ackenroder <a href="#Seite_1">1</a> ff., <a href="#Seite_13">13</a>, <a href="#Seite_15">15</a>, <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_111">111</a>, <a href="#Seite_169">169</a>, <a href="#Seite_173">173</a>, <a href="#Seite_186">186</a>, <a href="#Seite_212">212</a> f.</p> - -<p>Waagen <a href="#Seite_29">29</a>.</p> - -<p>Watteau <a href="#Seite_4">4</a>.</p> - -<p>Werner Z. <a href="#Seite_166">166</a>, <a href="#Seite_255">255</a>.</p> - -<p>Wieland <a href="#Seite_202">202</a>.</p> - -<p class="mtop2 smaller"><a name="Fussnote_998" id="Fussnote_998"></a><a href="#FNAnker_998"></a><a name="Fussnote_999" id="Fussnote_999"></a><a href="#FNAnker_999">[*]</a> Allerdings kann ich seine Autorschaft an der Recension nur -vermuthen und nicht beweisen; sie ist mit „Im“ unterzeichnet, wofr -Partheys Mitarbeiter-Verzeichnis bei diesem Jahrgang keine Auflsung -gibt.</p> - -</div> - -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 id="FOOTNOTES">Funoten:</h2> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_1_1" id="Fussnote_1_1"></a><a href="#FNAnker_1_1"><span class="label">[1]</span></a> L. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 5, 272 („Phantasus“); Fr. -<em class="gesperrt">Schlegel</em>, Smmtliche Werke, 2, 205.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_2_2" id="Fussnote_2_2"></a><a href="#FNAnker_2_2"><span class="label">[2]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an L. Tieck, Breslau 1864, 4, 169 -ff.; <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe aus zwei Jahrhunderten, 4. -Theil, 27 ff.; R. <em class="gesperrt">Haym</em>, Die romantische Schule, Berlin 1870, -52 ff., 117 ff.; <em class="gesperrt">Dilthey</em>, Leben Schleiermachers, 279 ff.; -Tieck und Wackenroder, hrg. v. J. <em class="gesperrt">Minor</em>, Stuttgart (Spemann), -Einleitung. Wegen der Zeilenzhlung wird, soweit mglich, <em class="gesperrt">Minors</em> -Tieck-Ausgabe in Krschners National-Literatur bentzt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_3_3" id="Fussnote_3_3"></a><a href="#FNAnker_3_3"><span class="label">[3]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 15.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_4_4" id="Fussnote_4_4"></a><a href="#FNAnker_4_4"><span class="label">[4]</span></a> Herzensergieungen eines kunstliebenden Klosterbruders, -Berlin 1797, 100; Phantasien ber die Kunst (in <em class="gesperrt">Minors</em> Tieck und -Wackenroder), 11 ff.; Rud. <em class="gesperrt">Kpke</em>, L. Tieck, Leipzig 1855, 1, 154 -ff.; H. v. <em class="gesperrt">Friesen</em>, L. Tieck, Wien 1871, 2, 140.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_5_5" id="Fussnote_5_5"></a><a href="#FNAnker_5_5"><span class="label">[5]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1, 161 ff.; <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2, 141 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_6_6" id="Fussnote_6_6"></a><a href="#FNAnker_6_6"><span class="label">[6]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, 413.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_7_7" id="Fussnote_7_7"></a><a href="#FNAnker_7_7"><span class="label">[7]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 4, 240.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_8_8" id="Fussnote_8_8"></a><a href="#FNAnker_8_8"><span class="label">[8]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 69, 71; vgl. -Phantasien . K., 76.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_9_9" id="Fussnote_9_9"></a><a href="#FNAnker_9_9"><span class="label">[9]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 34 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_10_10" id="Fussnote_10_10"></a><a href="#FNAnker_10_10"><span class="label">[10]</span></a> Phantasien, 81.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_11_11" id="Fussnote_11_11"></a><a href="#FNAnker_11_11"><span class="label">[11]</span></a> Herzenserg., 105, 100; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, -46.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_12_12" id="Fussnote_12_12"></a><a href="#FNAnker_12_12"><span class="label">[12]</span></a> Herzenserg., 6, 11 ff., 40, 106, 165.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_13_13" id="Fussnote_13_13"></a><a href="#FNAnker_13_13"><span class="label">[13]</span></a> Herzenserg., 162, 171; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, -100 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_14_14" id="Fussnote_14_14"></a><a href="#FNAnker_14_14"><span class="label">[14]</span></a> Phantasien, 39.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_15_15" id="Fussnote_15_15"></a><a href="#FNAnker_15_15"><span class="label">[15]</span></a> Herzenserg., 131 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_16_16" id="Fussnote_16_16"></a><a href="#FNAnker_16_16"><span class="label">[16]</span></a> Herzenserg., 108.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_17_17" id="Fussnote_17_17"></a><a href="#FNAnker_17_17"><span class="label">[17]</span></a> Herzenserg., 158 ff.; vgl. Phantasien, 56, 92.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_18_18" id="Fussnote_18_18"></a><a href="#FNAnker_18_18"><span class="label">[18]</span></a> Vgl. Schriften, 11, LXXIII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_19_19" id="Fussnote_19_19"></a><a href="#FNAnker_19_19"><span class="label">[19]</span></a> ber Kunst und Religion noch Herzenserg., 22, 40 f., 55, -60 f., 192; Phantasien, 33, 62, 84; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 63.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_20_20" id="Fussnote_20_20"></a><a href="#FNAnker_20_20"><span class="label">[20]</span></a> Vgl. W. <em class="gesperrt">Scherer</em>, Vortrge und Aufstze zur -Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland und sterreich, Berlin -1874, S. 323.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_21_21" id="Fussnote_21_21"></a><a href="#FNAnker_21_21"><span class="label">[21]</span></a> Herzenserg., 114 ff.; vgl. A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, W.W., -10, 364.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_22_22" id="Fussnote_22_22"></a><a href="#FNAnker_22_22"><span class="label">[22]</span></a> Herzenserg., 28, 34; Phantasien, 5 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_23_23" id="Fussnote_23_23"></a><a href="#FNAnker_23_23"><span class="label">[23]</span></a> Herzenserg., 196.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_24_24" id="Fussnote_24_24"></a><a href="#FNAnker_24_24"><span class="label">[24]</span></a> Herzenserg., 224 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_25_25" id="Fussnote_25_25"></a><a href="#FNAnker_25_25"><span class="label">[25]</span></a> ber die Vorliebe fr das Alte: Herzenserg., 9, 27, 34, -64, 80, 130; Sternbald (Minors Ausgabe), 120 ff., 158 f., 167, 171 f., -188 f., 372; Poetisches Journal von <em class="gesperrt">L. Tieck</em>, Jena 1800, 1. -Stck, 145 ff.; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 11 f., 56 f., 425.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_26_26" id="Fussnote_26_26"></a><a href="#FNAnker_26_26"><span class="label">[26]</span></a> Herzenserg., 179–193.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_27_27" id="Fussnote_27_27"></a><a href="#FNAnker_27_27"><span class="label">[27]</span></a> Herzenserg., 192; vgl. A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, Recension -der Herzensergieungen, Smmtliche Werke, Leipzig 1847, 10. Bd., -363 ff.; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11. Bd., LXVIII ff.; vgl. A.W. -<em class="gesperrt">Schlegel</em>, Berliner Vorlesungen ber schne Literatur und Kunst -(ed. Minor), Heilbronn 1884, II, 46. Zum Begriffe „Religion“ wird von -Schlegel angemerkt: „Es versteht sich, dass mit diesem Namen hier nicht -die christliche oder irgend eine andere bestimmte, sondern Religion -berhaupt gemeynt ist.“</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_28_28" id="Fussnote_28_28"></a><a href="#FNAnker_28_28"><span class="label">[28]</span></a> Sternbald, 161.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_29_29" id="Fussnote_29_29"></a><a href="#FNAnker_29_29"><span class="label">[29]</span></a> Vgl. Sternbald, 123, 125, 128, 130 f., 153, 180, 184 ff., -204 f., 323 etc.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_30_30" id="Fussnote_30_30"></a><a href="#FNAnker_30_30"><span class="label">[30]</span></a> Sternbald, 346.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_31_31" id="Fussnote_31_31"></a><a href="#FNAnker_31_31"><span class="label">[31]</span></a> Herzenserg., 116 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_32_32" id="Fussnote_32_32"></a><a href="#FNAnker_32_32"><span class="label">[32]</span></a> Phantasien, 39 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_33_33" id="Fussnote_33_33"></a><a href="#FNAnker_33_33"><span class="label">[33]</span></a> WW., 11, 35.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_34_34" id="Fussnote_34_34"></a><a href="#FNAnker_34_34"><span class="label">[34]</span></a> Phantasien, 98 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_35_35" id="Fussnote_35_35"></a><a href="#FNAnker_35_35"><span class="label">[35]</span></a> Poetisches Journal, 2. Stck, 475 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_36_36" id="Fussnote_36_36"></a><a href="#FNAnker_36_36"><span class="label">[36]</span></a> An das Wunder mit dem heil. Sebastian in den -„Herzensergieungen“ (S. 137) denken Wendelin und Else, wenn sie von -Gott Genovevas wunderbare Befreiung verlangen (Genoveva, 253). — -Das Land des unerreichbaren Ideals wird in den „Phantasien“ wie in -der „Genoveva“ als paradiesisches Mrchenland ber unseren Huptern -geschildert. — Gemeinsame stilistische Eigenthmlichkeiten.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_37_37" id="Fussnote_37_37"></a><a href="#FNAnker_37_37"><span class="label">[37]</span></a> <em class="gesperrt">Dilthey</em>, Schleiermacher, 279.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_38_38" id="Fussnote_38_38"></a><a href="#FNAnker_38_38"><span class="label">[38]</span></a> Friedrich <em class="gesperrt">Schleiermacher</em>, Reden ber die Religion, -krit. Ausgabe von G. Ch. Bernhard Pnjer, Braunschweig 1879.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_39_39" id="Fussnote_39_39"></a><a href="#FNAnker_39_39"><span class="label">[39]</span></a> <em class="gesperrt">Kirn</em>, Schleiermacher und die Romantik, Basel 1895, -23 ff.; <em class="gesperrt">Haym</em>, 419, 430 f.; <em class="gesperrt">Dilthey</em>, 304 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_40_40" id="Fussnote_40_40"></a><a href="#FNAnker_40_40"><span class="label">[40]</span></a> Reden, 32 ff.; Friedrich Schlegel, 1794–1802, hrg. v. -<em class="gesperrt">Minor</em>, 2. Bd., 308.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_41_41" id="Fussnote_41_41"></a><a href="#FNAnker_41_41"><span class="label">[41]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Scherer</em>, Vortrge und Aufstze, 385.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_42_42" id="Fussnote_42_42"></a><a href="#FNAnker_42_42"><span class="label">[42]</span></a> Reden, 184.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_43_43" id="Fussnote_43_43"></a><a href="#FNAnker_43_43"><span class="label">[43]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2, 308.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_44_44" id="Fussnote_44_44"></a><a href="#FNAnker_44_44"><span class="label">[44]</span></a> Ebd., 313.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_45_45" id="Fussnote_45_45"></a><a href="#FNAnker_45_45"><span class="label">[45]</span></a> Solgers nachgelassene Schriften und Briefwechsel, Leipzig -1826, 1. Bd., 538.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_46_46" id="Fussnote_46_46"></a><a href="#FNAnker_46_46"><span class="label">[46]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, in Briefen, Berlin 1858–1863, -3. Bd., 115.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_47_47" id="Fussnote_47_47"></a><a href="#FNAnker_47_47"><span class="label">[47]</span></a> <em class="gesperrt">Dilthey</em>, 281; <em class="gesperrt">Haym</em>, 458.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_48_48" id="Fussnote_48_48"></a><a href="#FNAnker_48_48"><span class="label">[48]</span></a> Reden, 172 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_49_49" id="Fussnote_49_49"></a><a href="#FNAnker_49_49"><span class="label">[49]</span></a> Reden, 269 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_50_50" id="Fussnote_50_50"></a><a href="#FNAnker_50_50"><span class="label">[50]</span></a> Ebd., 271.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_51_51" id="Fussnote_51_51"></a><a href="#FNAnker_51_51"><span class="label">[51]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 538.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_52_52" id="Fussnote_52_52"></a><a href="#FNAnker_52_52"><span class="label">[52]</span></a> Reden, 71 f. Es ist, als ob diese Gedanken eine -Renaissance der alten <i>vita contemplativa</i> einleiten mchten. -Schleiermacher kommt eben von der Herrnhutischen Brdergemeinde her.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_53_53" id="Fussnote_53_53"></a><a href="#FNAnker_53_53"><span class="label">[53]</span></a> „Schn warmer Tag“; „Gelobt sei Jesus Christ“ und -hnliches.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_54_54" id="Fussnote_54_54"></a><a href="#FNAnker_54_54"><span class="label">[54]</span></a> Reden, 254.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_55_55" id="Fussnote_55_55"></a><a href="#FNAnker_55_55"><span class="label">[55]</span></a> Reden, 258.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_56_56" id="Fussnote_56_56"></a><a href="#FNAnker_56_56"><span class="label">[56]</span></a> Damit berhrt sich noch eine spte uerung <em class="gesperrt">Tiecks</em> -in Schriften, XI, LXXI.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_57_57" id="Fussnote_57_57"></a><a href="#FNAnker_57_57"><span class="label">[57]</span></a> Reden, 281.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_58_58" id="Fussnote_58_58"></a><a href="#FNAnker_58_58"><span class="label">[58]</span></a> Genoveva, 211 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_59_59" id="Fussnote_59_59"></a><a href="#FNAnker_59_59"><span class="label">[59]</span></a> Reden, 211.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_60_60" id="Fussnote_60_60"></a><a href="#FNAnker_60_60"><span class="label">[60]</span></a> Reden, 186, 214.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_61_61" id="Fussnote_61_61"></a><a href="#FNAnker_61_61"><span class="label">[61]</span></a> Reden, 53.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_62_62" id="Fussnote_62_62"></a><a href="#FNAnker_62_62"><span class="label">[62]</span></a> <em class="gesperrt">Dilthey</em>, 434; <em class="gesperrt">Haym</em>, 460 ff.; Just -<em class="gesperrt">Bing</em>, Novalis, Hamburg und Leipzig 1893, 72 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_63_63" id="Fussnote_63_63"></a><a href="#FNAnker_63_63"><span class="label">[63]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, 3. Theil, Berlin 1846, 204.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_64_64" id="Fussnote_64_64"></a><a href="#FNAnker_64_64"><span class="label">[64]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, Berlin 1826, 4. Aufl., 2. -Theil, 189.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_65_65" id="Fussnote_65_65"></a><a href="#FNAnker_65_65"><span class="label">[65]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 193.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_66_66" id="Fussnote_66_66"></a><a href="#FNAnker_66_66"><span class="label">[66]</span></a> <em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis’ Briefwechsel, Mainz 1880, 171.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_67_67" id="Fussnote_67_67"></a><a href="#FNAnker_67_67"><span class="label">[67]</span></a> <em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis, 143 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_68_68" id="Fussnote_68_68"></a><a href="#FNAnker_68_68"><span class="label">[68]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 13; vgl. 3. Theil, 205; -<em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis, 184; „Heinrich von Ofterdingen“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_69_69" id="Fussnote_69_69"></a><a href="#FNAnker_69_69"><span class="label">[69]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 32 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_70_70" id="Fussnote_70_70"></a><a href="#FNAnker_70_70"><span class="label">[70]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 98 f.; Dr. C. <em class="gesperrt">Busse</em> -macht in seiner Schrift „Novalis’ Lyrik“ (Oppeln 1898) den Versuch, -den protestantisch-kirchlichen Charakter der „Geistlichen Lieder“ -nachzuweisen, nicht berzeugend, wie mir scheinen will.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_71_71" id="Fussnote_71_71"></a><a href="#FNAnker_71_71"><span class="label">[71]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 163, 194, 3. Theil, 229 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_72_72" id="Fussnote_72_72"></a><a href="#FNAnker_72_72"><span class="label">[72]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 190 f., 3. Theil, 194; -<em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis, 184 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_73_73" id="Fussnote_73_73"></a><a href="#FNAnker_73_73"><span class="label">[73]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3, 125.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_74_74" id="Fussnote_74_74"></a><a href="#FNAnker_74_74"><span class="label">[74]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1, 247 ff.; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 89; -vgl. <em class="gesperrt">Raich</em>, Dorothea Schlegel, Mainz 1881, 1. Bd., 15, 19.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_75_75" id="Fussnote_75_75"></a><a href="#FNAnker_75_75"><span class="label">[75]</span></a> Im „Musen-Almanach“ fr das Jahr 1802, hrg. v. A.W. -<em class="gesperrt">Schlegel</em> und L. Tieck, Tbingen 1802, 187 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_76_76" id="Fussnote_76_76"></a><a href="#FNAnker_76_76"><span class="label">[76]</span></a> Genoveva, 135.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_77_77" id="Fussnote_77_77"></a><a href="#FNAnker_77_77"><span class="label">[77]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3, 115, 125, 132, 134.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_78_78" id="Fussnote_78_78"></a><a href="#FNAnker_78_78"><span class="label">[78]</span></a> Ebd., 3, 134.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_79_79" id="Fussnote_79_79"></a><a href="#FNAnker_79_79"><span class="label">[79]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, 1, 539.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_80_80" id="Fussnote_80_80"></a><a href="#FNAnker_80_80"><span class="label">[80]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, Einleitung XXVIII; vgl. Aus -Schleiermachers Leben, 3, 126; <em class="gesperrt">Raich</em>, Dorothea Schlegel, 1, 20.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_81_81" id="Fussnote_81_81"></a><a href="#FNAnker_81_81"><span class="label">[81]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 194, 197.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_82_82" id="Fussnote_82_82"></a><a href="#FNAnker_82_82"><span class="label">[82]</span></a> Ebd., 194.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_83_83" id="Fussnote_83_83"></a><a href="#FNAnker_83_83"><span class="label">[83]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 3. Theil, 195.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_84_84" id="Fussnote_84_84"></a><a href="#FNAnker_84_84"><span class="label">[84]</span></a> <em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis, 156.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_85_85" id="Fussnote_85_85"></a><a href="#FNAnker_85_85"><span class="label">[85]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2. Theil, 192.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_86_86" id="Fussnote_86_86"></a><a href="#FNAnker_86_86"><span class="label">[86]</span></a> Genoveva, 110 f. Hier muss erwhnt werden, dass es -auch ein poetisches Lieblingsspiel der Romantiker war, bildliche -Darstellungen episch zu schildern, „Gemlde in Worten zu malen“. Tieck -und Wackenroder thun es in den „Herzensergieungen“, Tieck wiederholt -es im „Sternbald“, A.W. Schlegel schliet sich mit den Sonetten ber -die Dresdener Gemlde an, Brentano ahmt die Sitte im „Godwi“ nach. -Kunstgesprche und theoretische Auseinandersetzungen in Dichtungen -einzuschalten, „Genialitt und Kritik“ zu verbinden, entspricht -der romantischen Kunsttheorie. Als anregende Vorbilder fr dieses -Theoretisieren im Kunstwerke gehen Goethes Analysen des „Hamlet“ im -„Wilhelm Meister“ und Heinses Gemldeschilderungen im „Ardinghello“ -voraus. Die Erklrung der gemalten Legenden fr eine Zuhrerschaft gibt -der Sache in der „Genoveva“ etwas Predigtmiges. (Vgl. A. <em class="gesperrt">Kerr</em>, -Godwi, Berlin 1898, 19 ff.; A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 8, 16.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_87_87" id="Fussnote_87_87"></a><a href="#FNAnker_87_87"><span class="label">[87]</span></a> Genoveva, 211 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_88_88" id="Fussnote_88_88"></a><a href="#FNAnker_88_88"><span class="label">[88]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, 456 ff.; <em class="gesperrt">Dilthey</em>, 427 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_89_89" id="Fussnote_89_89"></a><a href="#FNAnker_89_89"><span class="label">[89]</span></a> ber Hlsen vgl. <em class="gesperrt">Haym</em>, 445 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_90_90" id="Fussnote_90_90"></a><a href="#FNAnker_90_90"><span class="label">[90]</span></a> <em class="gesperrt">Waitz</em>, Caroline, Leipzig 1871, 71 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_91_91" id="Fussnote_91_91"></a><a href="#FNAnker_91_91"><span class="label">[91]</span></a> <em class="gesperrt">Raich</em>, Novalis, 84 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_92_92" id="Fussnote_92_92"></a><a href="#FNAnker_92_92"><span class="label">[92]</span></a> <em class="gesperrt">Dilthey</em>, 438 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_93_93" id="Fussnote_93_93"></a><a href="#FNAnker_93_93"><span class="label">[93]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2, 353; vgl. ebd., 302, -304, „Europa“, I, 47 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_94_94" id="Fussnote_94_94"></a><a href="#FNAnker_94_94"><span class="label">[94]</span></a> Ebd., 290 f., 293, 296, 298.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_95_95" id="Fussnote_95_95"></a><a href="#FNAnker_95_95"><span class="label">[95]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11, LXVII, „Novalis, -Schleiermacher, Friedrich Schlegel und auch das Gedicht von der -Genoveva...“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_96_96" id="Fussnote_96_96"></a><a href="#FNAnker_96_96"><span class="label">[96]</span></a> Tieck, Schriften, 6, VI, 11, LXII f.; Schriften, 10, 280 -f.; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Einleitung zu „Gesammelte Schriften“ von J.M.R. -Lenz (Berlin 1828), S. LXI u. LXVIII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_97_97" id="Fussnote_97_97"></a><a href="#FNAnker_97_97"><span class="label">[97]</span></a> Tieck, Schriften, 11, 14.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_98_98" id="Fussnote_98_98"></a><a href="#FNAnker_98_98"><span class="label">[98]</span></a> Tieck, Schriften, 15, 21.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_99_99" id="Fussnote_99_99"></a><a href="#FNAnker_99_99"><span class="label">[99]</span></a> ber Tieck und die Volksbcher handelt Bernh. -<em class="gesperrt">Steiner</em> in „L. Tieck und die Volksbcher“, Berlin 1893; vgl. -A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 12, 27 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_100_100" id="Fussnote_100_100"></a><a href="#FNAnker_100_100"><span class="label">[100]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11, Einleitung XLI f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_101_101" id="Fussnote_101_101"></a><a href="#FNAnker_101_101"><span class="label">[101]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, „Vorlesungen“ (Minor), II, 41.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_102_102" id="Fussnote_102_102"></a><a href="#FNAnker_102_102"><span class="label">[102]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 13, 327.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_103_103" id="Fussnote_103_103"></a><a href="#FNAnker_103_103"><span class="label">[103]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, Einleitung XXVI ff.; -<em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 236 ff. und 2. Bd., 172; B. <em class="gesperrt">Seuffert</em>, -Maler Mller, Berlin 1881, 145, 176; <em class="gesperrt">Haym</em>, 480 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_104_104" id="Fussnote_104_104"></a><a href="#FNAnker_104_104"><span class="label">[104]</span></a> Die Stelle ber die Volksbcher im „Peter Leberecht“ -(Schriften, XV, 21) scheint auf eine frhere Bekanntschaft mit dem -Genoveva-Volksbuch hinzudeuten, von der uns Tieck aber sonst nirgends -berichtet. Wie sich die Sache auch verhalten mag, von Bedeutung fr -seine „Genoveva“ ist jene frhe Bekanntschaft mit der Legende nicht.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_105_105" id="Fussnote_105_105"></a><a href="#FNAnker_105_105"><span class="label">[105]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, 1, 453; vgl. ebd., 301, 487; vgl. -<em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., 181 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_106_106" id="Fussnote_106_106"></a><a href="#FNAnker_106_106"><span class="label">[106]</span></a> Eine schne, anmuthige und lesenswrdige Historie von -der unschuldig bedrngten heiligen Pfalzgrfin Genoveva, wie es ihr -in Abwesenheit ihres herzlieben Ehegemahls ergangen. Gedruckt in -diesem Jahr. ber die Entstehung und Schicksale der Legende vgl. B. -<em class="gesperrt">Seuffert</em>, Die Legende von der Pfalzgrfin Genoveva, Wrzburg -1877.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_107_107" id="Fussnote_107_107"></a><a href="#FNAnker_107_107"><span class="label">[107]</span></a> Genoveva, 108 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_108_108" id="Fussnote_108_108"></a><a href="#FNAnker_108_108"><span class="label">[108]</span></a> Genoveva, 109–123.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_109_109" id="Fussnote_109_109"></a><a href="#FNAnker_109_109"><span class="label">[109]</span></a> Diese Angabe fehlt in der „Genoveva“-Ausgabe von 1820.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_110_110" id="Fussnote_110_110"></a><a href="#FNAnker_110_110"><span class="label">[110]</span></a> Genoveva, 123–130.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_111_111" id="Fussnote_111_111"></a><a href="#FNAnker_111_111"><span class="label">[111]</span></a> Ebd., 131–138.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_112_112" id="Fussnote_112_112"></a><a href="#FNAnker_112_112"><span class="label">[112]</span></a> Ebd., 138–142.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_113_113" id="Fussnote_113_113"></a><a href="#FNAnker_113_113"><span class="label">[113]</span></a> Genoveva, 142 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_114_114" id="Fussnote_114_114"></a><a href="#FNAnker_114_114"><span class="label">[114]</span></a> Ebd., 145–160.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_115_115" id="Fussnote_115_115"></a><a href="#FNAnker_115_115"><span class="label">[115]</span></a> Ebd., 190 f., 202–210.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_116_116" id="Fussnote_116_116"></a><a href="#FNAnker_116_116"><span class="label">[116]</span></a> Genoveva, 119, <span class="antiqua">12 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_117_117" id="Fussnote_117_117"></a><a href="#FNAnker_117_117"><span class="label">[117]</span></a> Genoveva, 131, <span class="antiqua">26 ff</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_118_118" id="Fussnote_118_118"></a><a href="#FNAnker_118_118"><span class="label">[118]</span></a> Ebd., 136, <span class="antiqua">10 ff</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_119_119" id="Fussnote_119_119"></a><a href="#FNAnker_119_119"><span class="label">[119]</span></a> Ebd., 137, <span class="antiqua">28 ff</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_120_120" id="Fussnote_120_120"></a><a href="#FNAnker_120_120"><span class="label">[120]</span></a> Ebd., 138, <span class="antiqua">1 ff</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_121_121" id="Fussnote_121_121"></a><a href="#FNAnker_121_121"><span class="label">[121]</span></a> Ebd., 161 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_122_122" id="Fussnote_122_122"></a><a href="#FNAnker_122_122"><span class="label">[122]</span></a> Vgl. die Lieder 164 und 166.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_123_123" id="Fussnote_123_123"></a><a href="#FNAnker_123_123"><span class="label">[123]</span></a> Genoveva, 164, <span class="antiqua">5</span>; 165, <span class="antiqua">32 ff</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_124_124" id="Fussnote_124_124"></a><a href="#FNAnker_124_124"><span class="label">[124]</span></a> Ebd., 179–184.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_125_125" id="Fussnote_125_125"></a><a href="#FNAnker_125_125"><span class="label">[125]</span></a> Ebd., 169 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_126_126" id="Fussnote_126_126"></a><a href="#FNAnker_126_126"><span class="label">[126]</span></a> Genoveva, 187.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_127_127" id="Fussnote_127_127"></a><a href="#FNAnker_127_127"><span class="label">[127]</span></a> Ebd., 188 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_128_128" id="Fussnote_128_128"></a><a href="#FNAnker_128_128"><span class="label">[128]</span></a> Ebd., 191 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_129_129" id="Fussnote_129_129"></a><a href="#FNAnker_129_129"><span class="label">[129]</span></a> Genoveva, 199.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_130_130" id="Fussnote_130_130"></a><a href="#FNAnker_130_130"><span class="label">[130]</span></a> Ebd., 200–202.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_131_131" id="Fussnote_131_131"></a><a href="#FNAnker_131_131"><span class="label">[131]</span></a> Biographische und literarische Skizzen aus dem Leben und -der Zeit Karl Frsters, Dresden 1846, S. 284.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_132_132" id="Fussnote_132_132"></a><a href="#FNAnker_132_132"><span class="label">[132]</span></a> Genoveva, 182, <span class="antiqua">4</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_133_133" id="Fussnote_133_133"></a><a href="#FNAnker_133_133"><span class="label">[133]</span></a> Ebd., 197, <span class="antiqua">28 f</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_134_134" id="Fussnote_134_134"></a><a href="#FNAnker_134_134"><span class="label">[134]</span></a> Ebd., 217, <span class="antiqua">28, 31</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_135_135" id="Fussnote_135_135"></a><a href="#FNAnker_135_135"><span class="label">[135]</span></a> Genoveva, 191, <span class="antiqua">31 f</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_136_136" id="Fussnote_136_136"></a><a href="#FNAnker_136_136"><span class="label">[136]</span></a> Ebd., 213, <span class="antiqua">36</span>; 214, <span class="antiqua">25</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_137_137" id="Fussnote_137_137"></a><a href="#FNAnker_137_137"><span class="label">[137]</span></a> Ebd., 136, <span class="antiqua">32</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_138_138" id="Fussnote_138_138"></a><a href="#FNAnker_138_138"><span class="label">[138]</span></a> Ebd., 186, <span class="antiqua">25 ff</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_139_139" id="Fussnote_139_139"></a><a href="#FNAnker_139_139"><span class="label">[139]</span></a> Ebd., 211 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_140_140" id="Fussnote_140_140"></a><a href="#FNAnker_140_140"><span class="label">[140]</span></a> Genoveva, 214.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_141_141" id="Fussnote_141_141"></a><a href="#FNAnker_141_141"><span class="label">[141]</span></a> Ebd., 202, 5 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_142_142" id="Fussnote_142_142"></a><a href="#FNAnker_142_142"><span class="label">[142]</span></a> Ebd., 131, 20.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_143_143" id="Fussnote_143_143"></a><a href="#FNAnker_143_143"><span class="label">[143]</span></a> Ebd., 214.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_144_144" id="Fussnote_144_144"></a><a href="#FNAnker_144_144"><span class="label">[144]</span></a> Ebd., 216.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_145_145" id="Fussnote_145_145"></a><a href="#FNAnker_145_145"><span class="label">[145]</span></a> Ebd., 217.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_146_146" id="Fussnote_146_146"></a><a href="#FNAnker_146_146"><span class="label">[146]</span></a> Genoveva, 217 f.; vgl. 136 u. 198 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_147_147" id="Fussnote_147_147"></a><a href="#FNAnker_147_147"><span class="label">[147]</span></a> Genoveva, 223–226.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_148_148" id="Fussnote_148_148"></a><a href="#FNAnker_148_148"><span class="label">[148]</span></a> Ebd., 223.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_149_149" id="Fussnote_149_149"></a><a href="#FNAnker_149_149"><span class="label">[149]</span></a> Ebd., 229.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_150_150" id="Fussnote_150_150"></a><a href="#FNAnker_150_150"><span class="label">[150]</span></a> Ebd., 219 ff., 230.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_151_151" id="Fussnote_151_151"></a><a href="#FNAnker_151_151"><span class="label">[151]</span></a> Ebd., 230, 5 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_152_152" id="Fussnote_152_152"></a><a href="#FNAnker_152_152"><span class="label">[152]</span></a> Genoveva, 231–233.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_153_153" id="Fussnote_153_153"></a><a href="#FNAnker_153_153"><span class="label">[153]</span></a> Ebd., 234.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_154_154" id="Fussnote_154_154"></a><a href="#FNAnker_154_154"><span class="label">[154]</span></a> Ebd., 234.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_155_155" id="Fussnote_155_155"></a><a href="#FNAnker_155_155"><span class="label">[155]</span></a> Genoveva, 235–238.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_156_156" id="Fussnote_156_156"></a><a href="#FNAnker_156_156"><span class="label">[156]</span></a> Ebd., 239–241.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_157_157" id="Fussnote_157_157"></a><a href="#FNAnker_157_157"><span class="label">[157]</span></a> Genoveva, 241 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_158_158" id="Fussnote_158_158"></a><a href="#FNAnker_158_158"><span class="label">[158]</span></a> Ebd., 242–244.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_159_159" id="Fussnote_159_159"></a><a href="#FNAnker_159_159"><span class="label">[159]</span></a> Genoveva, 244–251.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_160_160" id="Fussnote_160_160"></a><a href="#FNAnker_160_160"><span class="label">[160]</span></a> Ebd., 251 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_161_161" id="Fussnote_161_161"></a><a href="#FNAnker_161_161"><span class="label">[161]</span></a> Genoveva, 252.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_162_162" id="Fussnote_162_162"></a><a href="#FNAnker_162_162"><span class="label">[162]</span></a> Ebd., 253 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_163_163" id="Fussnote_163_163"></a><a href="#FNAnker_163_163"><span class="label">[163]</span></a> An spterer Stelle spricht auch das Volksbuch nur von -einem Mrder, der mild gesinnt war.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_164_164" id="Fussnote_164_164"></a><a href="#FNAnker_164_164"><span class="label">[164]</span></a> Genoveva, 255–260.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_165_165" id="Fussnote_165_165"></a><a href="#FNAnker_165_165"><span class="label">[165]</span></a> Ebd., 260 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_166_166" id="Fussnote_166_166"></a><a href="#FNAnker_166_166"><span class="label">[166]</span></a> Vgl. Bernhardis Recension in „Berlinisches Archiv der -Zeit und ihres Geschmackes“, 1800, 1. Bd., 465.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_167_167" id="Fussnote_167_167"></a><a href="#FNAnker_167_167"><span class="label">[167]</span></a> Genoveva, 262 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_168_168" id="Fussnote_168_168"></a><a href="#FNAnker_168_168"><span class="label">[168]</span></a> Ebd., 264–266.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_169_169" id="Fussnote_169_169"></a><a href="#FNAnker_169_169"><span class="label">[169]</span></a> Ebd., 266–268.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_170_170" id="Fussnote_170_170"></a><a href="#FNAnker_170_170"><span class="label">[170]</span></a> Genoveva, 267, 24 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_171_171" id="Fussnote_171_171"></a><a href="#FNAnker_171_171"><span class="label">[171]</span></a> Ebd., 270.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_172_172" id="Fussnote_172_172"></a><a href="#FNAnker_172_172"><span class="label">[172]</span></a> Ebd., 268–270.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_173_173" id="Fussnote_173_173"></a><a href="#FNAnker_173_173"><span class="label">[173]</span></a> Ebd., 271–278.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_174_174" id="Fussnote_174_174"></a><a href="#FNAnker_174_174"><span class="label">[174]</span></a> Genoveva, 271, 1–19.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_175_175" id="Fussnote_175_175"></a><a href="#FNAnker_175_175"><span class="label">[175]</span></a> Ebd., 276, 25 bis 277, 12.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_176_176" id="Fussnote_176_176"></a><a href="#FNAnker_176_176"><span class="label">[176]</span></a> Volksbuch, 13.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_177_177" id="Fussnote_177_177"></a><a href="#FNAnker_177_177"><span class="label">[177]</span></a> Genoveva, 277 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_178_178" id="Fussnote_178_178"></a><a href="#FNAnker_178_178"><span class="label">[178]</span></a> Genoveva, 284–288.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_179_179" id="Fussnote_179_179"></a><a href="#FNAnker_179_179"><span class="label">[179]</span></a> Ebd., 284, 33–34.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_180_180" id="Fussnote_180_180"></a><a href="#FNAnker_180_180"><span class="label">[180]</span></a> Ebd., 285, 19, 27.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_181_181" id="Fussnote_181_181"></a><a href="#FNAnker_181_181"><span class="label">[181]</span></a> Ebd., 288–293.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_182_182" id="Fussnote_182_182"></a><a href="#FNAnker_182_182"><span class="label">[182]</span></a> Genoveva, 294 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_183_183" id="Fussnote_183_183"></a><a href="#FNAnker_183_183"><span class="label">[183]</span></a> Ebd., 297 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_184_184" id="Fussnote_184_184"></a><a href="#FNAnker_184_184"><span class="label">[184]</span></a> Ebd., 296 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_185_185" id="Fussnote_185_185"></a><a href="#FNAnker_185_185"><span class="label">[185]</span></a> Ebd., 298–306.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_186_186" id="Fussnote_186_186"></a><a href="#FNAnker_186_186"><span class="label">[186]</span></a> Genoveva, 308 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_187_187" id="Fussnote_187_187"></a><a href="#FNAnker_187_187"><span class="label">[187]</span></a> Ebd., 311 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_188_188" id="Fussnote_188_188"></a><a href="#FNAnker_188_188"><span class="label">[188]</span></a> Genoveva, 313–316.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_189_189" id="Fussnote_189_189"></a><a href="#FNAnker_189_189"><span class="label">[189]</span></a> Ebd., 216 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_190_190" id="Fussnote_190_190"></a><a href="#FNAnker_190_190"><span class="label">[190]</span></a> Ebd., 319 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_191_191" id="Fussnote_191_191"></a><a href="#FNAnker_191_191"><span class="label">[191]</span></a> Genoveva, 321.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_192_192" id="Fussnote_192_192"></a><a href="#FNAnker_192_192"><span class="label">[192]</span></a> Ebd., 322.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_193_193" id="Fussnote_193_193"></a><a href="#FNAnker_193_193"><span class="label">[193]</span></a> Vgl. darber <em class="gesperrt">Tiecks</em> uerung in Schriften, 1, -VIII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_194_194" id="Fussnote_194_194"></a><a href="#FNAnker_194_194"><span class="label">[194]</span></a> J.V. Teichmanns literarischer Nachlass, hrg. v. -<em class="gesperrt">Dingelstedt</em>, Stuttgart 1863, S. 282; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, -Schriften, 1, VIII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_195_195" id="Fussnote_195_195"></a><a href="#FNAnker_195_195"><span class="label">[195]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 362 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_196_196" id="Fussnote_196_196"></a><a href="#FNAnker_196_196"><span class="label">[196]</span></a> Altenglisches Theater I, in <em class="gesperrt">Tieck</em>, Smmtliche -Werke, 21. Bd., Wien 1820, Einleitung.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_197_197" id="Fussnote_197_197"></a><a href="#FNAnker_197_197"><span class="label">[197]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 12, 30.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_198_198" id="Fussnote_198_198"></a><a href="#FNAnker_198_198"><span class="label">[198]</span></a> A.W. Schlegels Vorlesungen, hrg. v. J. <em class="gesperrt">Minor</em> -in B. Seufferts Deutschen Literaturdenkmalen, Heilbronn 1884, -Nr. 17–19, 2. Theil, 18 f.; vgl. 3. Theil, 128, 138, 149, und -A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 7, 272 ff., 9, 264 f., 11, 144; vgl. -<em class="gesperrt">Schlegels</em> uerung ber die Bearbeitung des „Tristan“ bei Haym, -813.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_199_199" id="Fussnote_199_199"></a><a href="#FNAnker_199_199"><span class="label">[199]</span></a> Archiv der Zeit, 1800, 459, 462, 466.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_200_200" id="Fussnote_200_200"></a><a href="#FNAnker_200_200"><span class="label">[200]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 12, 287.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_201_201" id="Fussnote_201_201"></a><a href="#FNAnker_201_201"><span class="label">[201]</span></a> Europa, hrg. v. Fr. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, Frankfurt a.M. -1803, 1. Bd., 1. St., 57.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_202_202" id="Fussnote_202_202"></a><a href="#FNAnker_202_202"><span class="label">[202]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 1, 367 und Fr. -<em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 10, 20. ber diese Seite der Romantik vgl. -<em class="gesperrt">Holtei</em>, Br. a. Tieck, 4, 228; <em class="gesperrt">Kpke</em>, Tieck, 2, 172; -<em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 289; Poetisches Journal, 1. Jahrg., 2. -Stck, 56 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_203_203" id="Fussnote_203_203"></a><a href="#FNAnker_203_203"><span class="label">[203]</span></a> <em class="gesperrt">Seuffert</em>, Pfalzgrfin Genoveva, 1 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_204_204" id="Fussnote_204_204"></a><a href="#FNAnker_204_204"><span class="label">[204]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 10, 376 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_205_205" id="Fussnote_205_205"></a><a href="#FNAnker_205_205"><span class="label">[205]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXVIII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_206_206" id="Fussnote_206_206"></a><a href="#FNAnker_206_206"><span class="label">[206]</span></a> H. <em class="gesperrt">Hettner</em>, Die romantische Schule in ihrem -inneren Zusammenhange mit Goethe und Schiller, Braunschweig 1850, 155.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_207_207" id="Fussnote_207_207"></a><a href="#FNAnker_207_207"><span class="label">[207]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Fr. Schlegel, 2. Bd., 220; vgl. 225, 242, -244, 288.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_208_208" id="Fussnote_208_208"></a><a href="#FNAnker_208_208"><span class="label">[208]</span></a> Altenglisches Theater, Einleitung VI.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_209_209" id="Fussnote_209_209"></a><a href="#FNAnker_209_209"><span class="label">[209]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1 Bd., XXVII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_210_210" id="Fussnote_210_210"></a><a href="#FNAnker_210_210"><span class="label">[210]</span></a> „Golo und Genoveva“ in Krschners „Deutsche -Nationalliteratur“, 81. Bd., hrg. v. <em class="gesperrt">Sauer</em>, S. 30.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_211_211" id="Fussnote_211_211"></a><a href="#FNAnker_211_211"><span class="label">[211]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 113.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_212_212" id="Fussnote_212_212"></a><a href="#FNAnker_212_212"><span class="label">[212]</span></a> Golo und Genoveva, 30, 103.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_213_213" id="Fussnote_213_213"></a><a href="#FNAnker_213_213"><span class="label">[213]</span></a> Ebd., 143 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_214_214" id="Fussnote_214_214"></a><a href="#FNAnker_214_214"><span class="label">[214]</span></a> <em class="gesperrt">Seuffert</em>, Maler Mller, 171.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_215_215" id="Fussnote_215_215"></a><a href="#FNAnker_215_215"><span class="label">[215]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 113.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_216_216" id="Fussnote_216_216"></a><a href="#FNAnker_216_216"><span class="label">[216]</span></a> Ebd., 137, 190, 202.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_217_217" id="Fussnote_217_217"></a><a href="#FNAnker_217_217"><span class="label">[217]</span></a> Ebd., 311.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_218_218" id="Fussnote_218_218"></a><a href="#FNAnker_218_218"><span class="label">[218]</span></a> Ebd., 312.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_219_219" id="Fussnote_219_219"></a><a href="#FNAnker_219_219"><span class="label">[219]</span></a> <em class="gesperrt">Seuffert</em>, Maler Mller, 159–163.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_220_220" id="Fussnote_220_220"></a><a href="#FNAnker_220_220"><span class="label">[220]</span></a> Golo und Genoveva, 16, 33.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_221_221" id="Fussnote_221_221"></a><a href="#FNAnker_221_221"><span class="label">[221]</span></a> Ebd., 19, 29 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_222_222" id="Fussnote_222_222"></a><a href="#FNAnker_222_222"><span class="label">[222]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 112.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_223_223" id="Fussnote_223_223"></a><a href="#FNAnker_223_223"><span class="label">[223]</span></a> Ebd., 131, 9 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_224_224" id="Fussnote_224_224"></a><a href="#FNAnker_224_224"><span class="label">[224]</span></a> Golo und Genoveva, 18.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_225_225" id="Fussnote_225_225"></a><a href="#FNAnker_225_225"><span class="label">[225]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 136; vgl. 180, 17, 225, 10.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_226_226" id="Fussnote_226_226"></a><a href="#FNAnker_226_226"><span class="label">[226]</span></a> Golo und Genoveva, 18.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_227_227" id="Fussnote_227_227"></a><a href="#FNAnker_227_227"><span class="label">[227]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 131.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_228_228" id="Fussnote_228_228"></a><a href="#FNAnker_228_228"><span class="label">[228]</span></a> Golo und Genoveva, 58 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_229_229" id="Fussnote_229_229"></a><a href="#FNAnker_229_229"><span class="label">[229]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 191 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_230_230" id="Fussnote_230_230"></a><a href="#FNAnker_230_230"><span class="label">[230]</span></a> Golo und Genoveva, 33.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_231_231" id="Fussnote_231_231"></a><a href="#FNAnker_231_231"><span class="label">[231]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 131, 164, 182.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_232_232" id="Fussnote_232_232"></a><a href="#FNAnker_232_232"><span class="label">[232]</span></a> Golo und Genoveva, 73, 103, 122.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_233_233" id="Fussnote_233_233"></a><a href="#FNAnker_233_233"><span class="label">[233]</span></a> <em class="gesperrt">Frster</em>, Biographische und literarische Skizzen, -284.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_234_234" id="Fussnote_234_234"></a><a href="#FNAnker_234_234"><span class="label">[234]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 195.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_235_235" id="Fussnote_235_235"></a><a href="#FNAnker_235_235"><span class="label">[235]</span></a> Golo und Genoveva, 119, <span class="antiqua">25 f</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_236_236" id="Fussnote_236_236"></a><a href="#FNAnker_236_236"><span class="label">[236]</span></a> Ebd., 120.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_237_237" id="Fussnote_237_237"></a><a href="#FNAnker_237_237"><span class="label">[237]</span></a> Ebd., 126.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_238_238" id="Fussnote_238_238"></a><a href="#FNAnker_238_238"><span class="label">[238]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 268, <span class="antiqua">3 ff</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_239_239" id="Fussnote_239_239"></a><a href="#FNAnker_239_239"><span class="label">[239]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 292.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_240_240" id="Fussnote_240_240"></a><a href="#FNAnker_240_240"><span class="label">[240]</span></a> Golo und Genoveva, 34, <span class="antiqua">4</span>, 103, <span class="antiqua">9</span>, 159, -<span class="antiqua">14</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_241_241" id="Fussnote_241_241"></a><a href="#FNAnker_241_241"><span class="label">[241]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 172, <span class="antiqua">6 ff</span>., 182, -<span class="antiqua">22</span>, 202, <span class="antiqua">14</span>, 261, <span class="antiqua">3</span>, 293, <span class="antiqua">14 ff</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_242_242" id="Fussnote_242_242"></a><a href="#FNAnker_242_242"><span class="label">[242]</span></a> Golo und Genoveva, 143 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_243_243" id="Fussnote_243_243"></a><a href="#FNAnker_243_243"><span class="label">[243]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 295 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_244_244" id="Fussnote_244_244"></a><a href="#FNAnker_244_244"><span class="label">[244]</span></a> Golo und Genoveva, 152 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_245_245" id="Fussnote_245_245"></a><a href="#FNAnker_245_245"><span class="label">[245]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 298.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_246_246" id="Fussnote_246_246"></a><a href="#FNAnker_246_246"><span class="label">[246]</span></a> Golo und Genoveva, 156.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_247_247" id="Fussnote_247_247"></a><a href="#FNAnker_247_247"><span class="label">[247]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 305.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_248_248" id="Fussnote_248_248"></a><a href="#FNAnker_248_248"><span class="label">[248]</span></a> Golo und Genoveva, 158 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_249_249" id="Fussnote_249_249"></a><a href="#FNAnker_249_249"><span class="label">[249]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 311 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_250_250" id="Fussnote_250_250"></a><a href="#FNAnker_250_250"><span class="label">[250]</span></a> Golo und Genoveva, 8 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_251_251" id="Fussnote_251_251"></a><a href="#FNAnker_251_251"><span class="label">[251]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 120.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_252_252" id="Fussnote_252_252"></a><a href="#FNAnker_252_252"><span class="label">[252]</span></a> Golo und Genoveva, 18 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_253_253" id="Fussnote_253_253"></a><a href="#FNAnker_253_253"><span class="label">[253]</span></a> Ebd., 44 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_254_254" id="Fussnote_254_254"></a><a href="#FNAnker_254_254"><span class="label">[254]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 136, 187.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_255_255" id="Fussnote_255_255"></a><a href="#FNAnker_255_255"><span class="label">[255]</span></a> Golo und Genoveva, 97, und Tieck, Genoveva, 231.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_256_256" id="Fussnote_256_256"></a><a href="#FNAnker_256_256"><span class="label">[256]</span></a> Golo und Genoveva, 86, 88; Tieck, Genoveva, 202 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_257_257" id="Fussnote_257_257"></a><a href="#FNAnker_257_257"><span class="label">[257]</span></a> Golo und Genoveva, 129, <span class="antiqua">34 ff.</span>; Tieck, Genoveva, -264, <span class="antiqua">20 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_258_258" id="Fussnote_258_258"></a><a href="#FNAnker_258_258"><span class="label">[258]</span></a> Golo und Genoveva, 91.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_259_259" id="Fussnote_259_259"></a><a href="#FNAnker_259_259"><span class="label">[259]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 237, <span class="antiqua">9 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_260_260" id="Fussnote_260_260"></a><a href="#FNAnker_260_260"><span class="label">[260]</span></a> Golo und Genoveva, 29, 86, 150, <span class="antiqua">10</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_261_261" id="Fussnote_261_261"></a><a href="#FNAnker_261_261"><span class="label">[261]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 131, 177, <span class="antiqua">28</span>, 179, -<span class="antiqua">10</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_262_262" id="Fussnote_262_262"></a><a href="#FNAnker_262_262"><span class="label">[262]</span></a> Ebd., 178.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_263_263" id="Fussnote_263_263"></a><a href="#FNAnker_263_263"><span class="label">[263]</span></a> Golo und Genoveva, 68.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_264_264" id="Fussnote_264_264"></a><a href="#FNAnker_264_264"><span class="label">[264]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 213.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_265_265" id="Fussnote_265_265"></a><a href="#FNAnker_265_265"><span class="label">[265]</span></a> Golo und Genoveva, 82, 85 ff.; Tieck, Genoveva, 234 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_266_266" id="Fussnote_266_266"></a><a href="#FNAnker_266_266"><span class="label">[266]</span></a> Golo und Genoveva, 86.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_267_267" id="Fussnote_267_267"></a><a href="#FNAnker_267_267"><span class="label">[267]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 262.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_268_268" id="Fussnote_268_268"></a><a href="#FNAnker_268_268"><span class="label">[268]</span></a> <em class="gesperrt">Seuffert</em>, Maler Mller, 172.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_269_269" id="Fussnote_269_269"></a><a href="#FNAnker_269_269"><span class="label">[269]</span></a> Golo und Genoveva, 38 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_270_270" id="Fussnote_270_270"></a><a href="#FNAnker_270_270"><span class="label">[270]</span></a> Ebd., 58 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_271_271" id="Fussnote_271_271"></a><a href="#FNAnker_271_271"><span class="label">[271]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 179 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_272_272" id="Fussnote_272_272"></a><a href="#FNAnker_272_272"><span class="label">[272]</span></a> Golo und Genoveva, 69; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 193, 202.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_273_273" id="Fussnote_273_273"></a><a href="#FNAnker_273_273"><span class="label">[273]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 229.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_274_274" id="Fussnote_274_274"></a><a href="#FNAnker_274_274"><span class="label">[274]</span></a> Golo und Genoveva, 146.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_275_275" id="Fussnote_275_275"></a><a href="#FNAnker_275_275"><span class="label">[275]</span></a> Ebd., 7, 14.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_276_276" id="Fussnote_276_276"></a><a href="#FNAnker_276_276"><span class="label">[276]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 118, <span class="antiqua">36</span>, 119, <span class="antiqua">1 -ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_277_277" id="Fussnote_277_277"></a><a href="#FNAnker_277_277"><span class="label">[277]</span></a> Ebd., 168.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_278_278" id="Fussnote_278_278"></a><a href="#FNAnker_278_278"><span class="label">[278]</span></a> Golo und Genoveva, 31, <span class="antiqua">20</span>, 62, <span class="antiqua">30</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_279_279" id="Fussnote_279_279"></a><a href="#FNAnker_279_279"><span class="label">[279]</span></a> Golo und Genoveva, 143.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_280_280" id="Fussnote_280_280"></a><a href="#FNAnker_280_280"><span class="label">[280]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 113.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_281_281" id="Fussnote_281_281"></a><a href="#FNAnker_281_281"><span class="label">[281]</span></a> Golo und Genoveva, 114 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_282_282" id="Fussnote_282_282"></a><a href="#FNAnker_282_282"><span class="label">[282]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 252, 254 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_283_283" id="Fussnote_283_283"></a><a href="#FNAnker_283_283"><span class="label">[283]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Solger</em>, 502; Poetisches Journal, 1. Jahrg., -1. Stck, 27.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_284_284" id="Fussnote_284_284"></a><a href="#FNAnker_284_284"><span class="label">[284]</span></a> Golo und Genoveva, 44 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_285_285" id="Fussnote_285_285"></a><a href="#FNAnker_285_285"><span class="label">[285]</span></a> Ebd., 82; vgl. „Locrine“, 88 (Altenglisches Theater, -II).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_286_286" id="Fussnote_286_286"></a><a href="#FNAnker_286_286"><span class="label">[286]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 257.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_287_287" id="Fussnote_287_287"></a><a href="#FNAnker_287_287"><span class="label">[287]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Krit. Schriften, 1. Bd., 82.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_288_288" id="Fussnote_288_288"></a><a href="#FNAnker_288_288"><span class="label">[288]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 192.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_289_289" id="Fussnote_289_289"></a><a href="#FNAnker_289_289"><span class="label">[289]</span></a> Ebd., 190.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_290_290" id="Fussnote_290_290"></a><a href="#FNAnker_290_290"><span class="label">[290]</span></a> Ebd., 112 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_291_291" id="Fussnote_291_291"></a><a href="#FNAnker_291_291"><span class="label">[291]</span></a> Golo und Genoveva, 31, 39, 62; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, -167 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_292_292" id="Fussnote_292_292"></a><a href="#FNAnker_292_292"><span class="label">[292]</span></a> Golo und Genoveva, 151 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_293_293" id="Fussnote_293_293"></a><a href="#FNAnker_293_293"><span class="label">[293]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 266 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_294_294" id="Fussnote_294_294"></a><a href="#FNAnker_294_294"><span class="label">[294]</span></a> Golo und Genoveva, 139 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_295_295" id="Fussnote_295_295"></a><a href="#FNAnker_295_295"><span class="label">[295]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 297.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_296_296" id="Fussnote_296_296"></a><a href="#FNAnker_296_296"><span class="label">[296]</span></a> Vgl. O. <em class="gesperrt">Brahm</em>, Das deutsche Ritterdrama des 18. -Jahrhunderts, Straburg 1880.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_297_297" id="Fussnote_297_297"></a><a href="#FNAnker_297_297"><span class="label">[297]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 323 ff., 349; <em class="gesperrt">Tieck</em>, -Schriften, 1. Bd., XXXII ff., 4. Bd., 418 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_298_298" id="Fussnote_298_298"></a><a href="#FNAnker_298_298"><span class="label">[298]</span></a> Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stck, 27.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_299_299" id="Fussnote_299_299"></a><a href="#FNAnker_299_299"><span class="label">[299]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, 22.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_300_300" id="Fussnote_300_300"></a><a href="#FNAnker_300_300"><span class="label">[300]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 30, 32, 68.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_301_301" id="Fussnote_301_301"></a><a href="#FNAnker_301_301"><span class="label">[301]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, 51, 91, 105.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_302_302" id="Fussnote_302_302"></a><a href="#FNAnker_302_302"><span class="label">[302]</span></a> Von den Stcken, die fr die „Genoveva“ mehr oder -minder in Betracht kommen, erschienen bis 1799: Romeo und Julia. -Sommernachtstraum. Julius Csar. Was ihr wollt. Der Sturm. Hamlet. Der -Kaufmann von Venedig. Wie es euch gefllt. Knig Johann. Knig Richard -II.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_303_303" id="Fussnote_303_303"></a><a href="#FNAnker_303_303"><span class="label">[303]</span></a> Poetisches Journal, 35 f.; vgl. Altenglisches Theater, -Einleitung XV.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_304_304" id="Fussnote_304_304"></a><a href="#FNAnker_304_304"><span class="label">[304]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, 701 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_305_305" id="Fussnote_305_305"></a><a href="#FNAnker_305_305"><span class="label">[305]</span></a> Vgl. Phantasien, 23, 103; <em class="gesperrt">Lenz</em>, WW., Einleitung -II.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_306_306" id="Fussnote_306_306"></a><a href="#FNAnker_306_306"><span class="label">[306]</span></a> Noch in der Einleitung zu Lenz (LXIV) behauptet Tieck, -dass in der Regel der Tadel, den die verschiedenen Schriftsteller -versuchten, „wenn man in den Dichter eingedrungen ist, zum Lobe wird“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_307_307" id="Fussnote_307_307"></a><a href="#FNAnker_307_307"><span class="label">[307]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, L. Tieck, 1. Bd., 241 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_308_308" id="Fussnote_308_308"></a><a href="#FNAnker_308_308"><span class="label">[308]</span></a> ber Shakespeares Antheil an „Perikles“ vgl. -<em class="gesperrt">Delius</em>’ Einleitung zu seiner bersetzung des Stckes in der -Hallberger’schen Ausgabe; Tieck betrachtet ihn als Shakespeare’sches -Jugendwerk. (Altenglisches Theater, I, XX f.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_309_309" id="Fussnote_309_309"></a><a href="#FNAnker_309_309"><span class="label">[309]</span></a> Teichmanns „Literarischer Nachlass“, hrg. v. -<em class="gesperrt">Dingelstedt</em>, Stuttgart 1863, S. 281.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_310_310" id="Fussnote_310_310"></a><a href="#FNAnker_310_310"><span class="label">[310]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, Nachgel. Schriften, 502; Brief vom 2. -Februar 1817.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_311_311" id="Fussnote_311_311"></a><a href="#FNAnker_311_311"><span class="label">[311]</span></a> Beide Stcke im „Altenglischen Theater“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_312_312" id="Fussnote_312_312"></a><a href="#FNAnker_312_312"><span class="label">[312]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, XXX f., und XL; ferner -6, LII und 11, XXXIX, an welchen Stellen Tieck ber das Untheatralische -seiner Stcke spricht. Vgl. auch Teichmanns „Literarischer Nachlass“, -281.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_313_313" id="Fussnote_313_313"></a><a href="#FNAnker_313_313"><span class="label">[313]</span></a> Krit. Schriften, 1. Bd., 37 ff., und 4. Bd., 154.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_314_314" id="Fussnote_314_314"></a><a href="#FNAnker_314_314"><span class="label">[314]</span></a> Archiv der Zeit, 1800, 466. Dass Tieck zumeist fr eine -„phantastische Bhne“ dichtet, hindert ihn nicht, einzelne Stellen -wieder theatralisch zu behandeln.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_315_315" id="Fussnote_315_315"></a><a href="#FNAnker_315_315"><span class="label">[315]</span></a> <em class="gesperrt">Delius</em>, a.a.O.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_316_316" id="Fussnote_316_316"></a><a href="#FNAnker_316_316"><span class="label">[316]</span></a> Im „Locrine“ spricht Ate Prolog und Epilog. Im „Zerbino“ -tritt ein Jger als Prologsprecher auf.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_317_317" id="Fussnote_317_317"></a><a href="#FNAnker_317_317"><span class="label">[317]</span></a> Vgl. die Marionette des Polykomikus im „Zerbino“; -Schriften, 10, 211.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_318_318" id="Fussnote_318_318"></a><a href="#FNAnker_318_318"><span class="label">[318]</span></a> Whrend im „Perikles“ ein stummes Spiel auf der Bhne -die Worte des Prologsprechers begleitet, fhrt der Prolog des „Lustigen -Teufels“ hnlich in die Handlung ber, wie die Worte des Bonifacius, -indem dort der Sprecher selbst den Vorhang aufzieht und auf die -beginnende erste Scene hinweist.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_319_319" id="Fussnote_319_319"></a><a href="#FNAnker_319_319"><span class="label">[319]</span></a> G. Merkel macht sich darber nicht mit Unrecht lustig in -„Briefe an ein Frauenzimmer ber die wichtigsten Producte der schnen -Literatur“, Berlin 1800. Auch die Prologe im „Locrine“ enthalten solche -Wiederholungen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_320_320" id="Fussnote_320_320"></a><a href="#FNAnker_320_320"><span class="label">[320]</span></a> 1. Act, 3.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_321_321" id="Fussnote_321_321"></a><a href="#FNAnker_321_321"><span class="label">[321]</span></a> 1. Act, 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_322_322" id="Fussnote_322_322"></a><a href="#FNAnker_322_322"><span class="label">[322]</span></a> Dieser eigenthmliche Tonfall hier und in anderen -Reden Gertruds, die auch gerne Sentenzen und Sprichwrter einflicht, -erinnert zugleich an gewisse Reden der Martha Schwerdtlein. Der freie -Scenenwechsel, das Epische im „Faust“, der auch den Charakter einer -dramatischen Biographie annimmt, kann Tieck schwerlich bersehen haben, -wenn er in den „Einleitungen“ auch zuvrderst den alterthmlichen Ton -dieser Dichtung als dasjenige rhmt, was ihn am vertrautesten ansprach. -Ein paar kleine Reminiscenzen aus dem „Faust“ knnen hier ebenfalls -erwhnt werden. Bei Golos Worten: -</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Es reit mich fort, in allen meinen Sinnen</div> - <div class="verse">Fhl’ ich ein Treiben, innerliches Whlen...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p> -denkt man leicht an Fausts Worte: -</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Ha! wie’s in meinem Herzen reit!</div> - <div class="verse">Zu neuen Gefhlen</div> - <div class="verse">All meine Sinnen sich erwhlen!“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p> -Margarethens Gestndnis: -</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Allein gewiss, ich war recht bs’ auf mich,</div> - <div class="verse">Dass ich auf euch nicht bser werden konnte!“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p> -klingt wie Genovevas: -</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„O lasst mich, bei den hocherhabenen Gestirnen,</div> - <div class="verse">Ich kann auf euch nicht so, wie ich wohl mchte, zrnen.“</div> - </div> - </div> -</div> -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_323_323" id="Fussnote_323_323"></a><a href="#FNAnker_323_323"><span class="label">[323]</span></a> L. <em class="gesperrt">Tieck</em>., Dramaturgische Bltter, Breslau 1826, -1. Bd., 263.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_324_324" id="Fussnote_324_324"></a><a href="#FNAnker_324_324"><span class="label">[324]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 142 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_325_325" id="Fussnote_325_325"></a><a href="#FNAnker_325_325"><span class="label">[325]</span></a> Heinrich VI., 2. Theil, 3. Act, 1.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_326_326" id="Fussnote_326_326"></a><a href="#FNAnker_326_326"><span class="label">[326]</span></a> Heinrich VI., 2. Theil, 1. Act, 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_327_327" id="Fussnote_327_327"></a><a href="#FNAnker_327_327"><span class="label">[327]</span></a> Heinrich VI., 3. Theil, 3. Act, 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_328_328" id="Fussnote_328_328"></a><a href="#FNAnker_328_328"><span class="label">[328]</span></a> „Locrine“, Altenglisches Theater, II, 58.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_329_329" id="Fussnote_329_329"></a><a href="#FNAnker_329_329"><span class="label">[329]</span></a> Macbeth, 5. Act, 7.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_330_330" id="Fussnote_330_330"></a><a href="#FNAnker_330_330"><span class="label">[330]</span></a> Genoveva, 150 f.; vgl. „Locrine“, Altenglisches Theater, -II, 45.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_331_331" id="Fussnote_331_331"></a><a href="#FNAnker_331_331"><span class="label">[331]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 163, <span class="antiqua">26 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_332_332" id="Fussnote_332_332"></a><a href="#FNAnker_332_332"><span class="label">[332]</span></a> Ebd., 162, <span class="antiqua">4 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_333_333" id="Fussnote_333_333"></a><a href="#FNAnker_333_333"><span class="label">[333]</span></a> Romeo und Julia, 2. Act, 1.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_334_334" id="Fussnote_334_334"></a><a href="#FNAnker_334_334"><span class="label">[334]</span></a> Vgl. noch Sommernachtstraum, 2. Act, 1; 3. Act, 2. -Verlorene Liebesmh’, 4. Act, 1.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_335_335" id="Fussnote_335_335"></a><a href="#FNAnker_335_335"><span class="label">[335]</span></a> Selbst die Wortfolge und der Tonfall in Gertruds -uerung: -</p> - -<div class="poetry-container mbot1"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Die Nacht ist schn, in einer solchen Nacht</div> - <div class="verse">Ward Golo mir von einem Mann gebracht...“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>erinnert an Lorenzos:</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Der Mond scheint hell, in einer solchen Nacht</div> - <div class="verse">Wie diese — — — — — — — — — — — — —</div> - <div class="verse">Erstieg wohl Troilus die Mauern Trojas.“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft7"><em class="gesperrt">Gertrud</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Es geht ein Mann dort in des Gartens Stille.“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft7"><em class="gesperrt">Jessica</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Doch horch, ich hr’ den Futritt eines Mannes.“</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft7"><em class="gesperrt">Lorenzo</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Wer kommt so eilig in der stillen Nacht?“</div> - </div> - </div> -</div> -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_336_336" id="Fussnote_336_336"></a><a href="#FNAnker_336_336"><span class="label">[336]</span></a> Knig Richard II., 2. Act, 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_337_337" id="Fussnote_337_337"></a><a href="#FNAnker_337_337"><span class="label">[337]</span></a> Bei Shakespeare beginnt die Scene: „London. Ein Zimmer -im Ely-Haus. (Gaunt auf einem Ruhebette; der Herzog von York und andere -um ihn her stehend.)“ -</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft4"><em class="gesperrt">Gaunt</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Sagt, kommt der Knig...?“</div> - </div> - </div> -</div> - -<p>Tiecks Einleitung: „Zimmer. Wolf auf dem Bette. Ein Diener.“</p> - -<div class="poetry-container"> - <div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse mleft4"><em class="gesperrt">Wolf</em>:</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse">„Er (Golo) wollte kommen?“</div> - </div> - </div> -</div> -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_338_338" id="Fussnote_338_338"></a><a href="#FNAnker_338_338"><span class="label">[338]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 244 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_339_339" id="Fussnote_339_339"></a><a href="#FNAnker_339_339"><span class="label">[339]</span></a> Knig Heinrich VI., 2. Theil, 1. Act, 4.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_340_340" id="Fussnote_340_340"></a><a href="#FNAnker_340_340"><span class="label">[340]</span></a> Knig Richard II., 3. Act, 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_341_341" id="Fussnote_341_341"></a><a href="#FNAnker_341_341"><span class="label">[341]</span></a> Vgl. eine hnliche zusammenfassende Wiederholung am -Schlusse des Stckes im lteren „Knig Lear“, Altenglisches Theater, -II, 262 f., und „Octavian“, Schriften, 1, 399.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_342_342" id="Fussnote_342_342"></a><a href="#FNAnker_342_342"><span class="label">[342]</span></a> Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stck, 44.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_343_343" id="Fussnote_343_343"></a><a href="#FNAnker_343_343"><span class="label">[343]</span></a> Knig Johann, 1. Act, 1. Knig Heinrich VI., 1. Theil, -4. Act, 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_344_344" id="Fussnote_344_344"></a><a href="#FNAnker_344_344"><span class="label">[344]</span></a> Knig Heinrich V., 2. Act, 4.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_345_345" id="Fussnote_345_345"></a><a href="#FNAnker_345_345"><span class="label">[345]</span></a> Macbeth, 5. Act, 6. Vgl. auch Humbers Anordnung im -„Locrine“ (Altenglisches Theater, II, 36).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_346_346" id="Fussnote_346_346"></a><a href="#FNAnker_346_346"><span class="label">[346]</span></a> Knig Heinrich VI., 3. Theil, 5. Act, 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_347_347" id="Fussnote_347_347"></a><a href="#FNAnker_347_347"><span class="label">[347]</span></a> Knig Heinrich IV., 1. Theil, 5. Act, 1.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_348_348" id="Fussnote_348_348"></a><a href="#FNAnker_348_348"><span class="label">[348]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 144.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_349_349" id="Fussnote_349_349"></a><a href="#FNAnker_349_349"><span class="label">[349]</span></a> Ebd., 133 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_350_350" id="Fussnote_350_350"></a><a href="#FNAnker_350_350"><span class="label">[350]</span></a> 3. Act, 1.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_351_351" id="Fussnote_351_351"></a><a href="#FNAnker_351_351"><span class="label">[351]</span></a> Vgl. Knig Johann, 4. Act, 2. Heinrich VI., 1. Theil, 3. -Act, 1. „Locrine“, Altenglisches Theater, II, 91.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_352_352" id="Fussnote_352_352"></a><a href="#FNAnker_352_352"><span class="label">[352]</span></a> 1. Act, 1. Vgl. Julius Csar, 1. Act, 3; 2. Act, 2. -Heinrich VI., 3. Theil, 2. Act, 1.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_353_353" id="Fussnote_353_353"></a><a href="#FNAnker_353_353"><span class="label">[353]</span></a> Knig Lear, 1. Act, 2. Vgl. Knig Johann, 3. Act, 4.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_354_354" id="Fussnote_354_354"></a><a href="#FNAnker_354_354"><span class="label">[354]</span></a> 4. Act, Ende. (Komet, Sturmwind, gekreuzte Schwerter in -der Luft.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_355_355" id="Fussnote_355_355"></a><a href="#FNAnker_355_355"><span class="label">[355]</span></a> Golo und Genoveva, 51.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_356_356" id="Fussnote_356_356"></a><a href="#FNAnker_356_356"><span class="label">[356]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 267.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_357_357" id="Fussnote_357_357"></a><a href="#FNAnker_357_357"><span class="label">[357]</span></a> Hamlet, 5. Act, 1.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_358_358" id="Fussnote_358_358"></a><a href="#FNAnker_358_358"><span class="label">[358]</span></a> 2. Act, 7.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_359_359" id="Fussnote_359_359"></a><a href="#FNAnker_359_359"><span class="label">[359]</span></a> Vgl. Poetisches Journal, 35 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_360_360" id="Fussnote_360_360"></a><a href="#FNAnker_360_360"><span class="label">[360]</span></a> Knig Richard II., 2. Act, 2. Mit obigen Worten -bersetzt nmlich Schlegel: „This tongue that runs so roundly in thy -head“...</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_361_361" id="Fussnote_361_361"></a><a href="#FNAnker_361_361"><span class="label">[361]</span></a> Richard II., 1. Act, 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_362_362" id="Fussnote_362_362"></a><a href="#FNAnker_362_362"><span class="label">[362]</span></a> Kaufmann von Venedig, 3. Act, 2.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_363_363" id="Fussnote_363_363"></a><a href="#FNAnker_363_363"><span class="label">[363]</span></a> Was ihr wollt, 3. Act, 1.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_364_364" id="Fussnote_364_364"></a><a href="#FNAnker_364_364"><span class="label">[364]</span></a> Knig Johann, 2. Act, 1.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_365_365" id="Fussnote_365_365"></a><a href="#FNAnker_365_365"><span class="label">[365]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXVIII; 6. Bd., XVIII. -Mit Tiecks Angaben deckt sich im wesentlichen, was seine Biographen -sagen. Vgl. Kpke, 239 f. <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., 67 ff., 177.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_366_366" id="Fussnote_366_366"></a><a href="#FNAnker_366_366"><span class="label">[366]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 6. Bd., XVIII f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_367_367" id="Fussnote_367_367"></a><a href="#FNAnker_367_367"><span class="label">[367]</span></a> <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, WW., 6. Bd., 397.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_368_368" id="Fussnote_368_368"></a><a href="#FNAnker_368_368"><span class="label">[368]</span></a> Tieck kannte sicher jene Calderon’schen Stcke, die -Schlegel bald im „Spanischen Theater“ bersetzte: „Die Andacht zum -Kreuz“, „Der standhafte Prinz“, „Die Schrpe und die Blume“, „Die -Brcke von Mantible“, „Der Schulthei von Zalamea“, „ber allen Zaubern -Liebe“. Vgl. <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2, 177.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_369_369" id="Fussnote_369_369"></a><a href="#FNAnker_369_369"><span class="label">[369]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, XXVIII f. Einleitung zu -Lenz, XXIII. Altenglisches Theater, I, VI f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_370_370" id="Fussnote_370_370"></a><a href="#FNAnker_370_370"><span class="label">[370]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Schack</em>, Geschichte der dramatischen Kunst -und Literatur in Spanien, Frankfurt a.M. 1854, 2. Bd., 84. Beispiele in -„Die Andacht zum Kreuz“, „Die Brcke von Mantible“, „Der Schulthei von -Zalamea“, „Die Schrpe und die Blume“ etc.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_371_371" id="Fussnote_371_371"></a><a href="#FNAnker_371_371"><span class="label">[371]</span></a> Z.B. die Rede des Gesandten in der „Jungfrau des -Heiligthums“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_372_372" id="Fussnote_372_372"></a><a href="#FNAnker_372_372"><span class="label">[372]</span></a> „Der standhafte Prinz“, „Die Brcke von Mantible“, „Das -Leben ein Traum“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_373_373" id="Fussnote_373_373"></a><a href="#FNAnker_373_373"><span class="label">[373]</span></a> „Fegefeuer des heil. Patricius“; vgl. <em class="gesperrt">Schack</em>, -a.a.O., 84.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_374_374" id="Fussnote_374_374"></a><a href="#FNAnker_374_374"><span class="label">[374]</span></a> „Die Andacht zum Kreuz“, „Die Brcke von Mantible“, „Das -Leben ein Traum“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_375_375" id="Fussnote_375_375"></a><a href="#FNAnker_375_375"><span class="label">[375]</span></a> „Der standhafte Prinz“, „Die Jungfrau des Heiligthums“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_376_376" id="Fussnote_376_376"></a><a href="#FNAnker_376_376"><span class="label">[376]</span></a> <em class="gesperrt">Schack</em>, a.a.O., 84 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_377_377" id="Fussnote_377_377"></a><a href="#FNAnker_377_377"><span class="label">[377]</span></a> „Der standhafte Prinz“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_378_378" id="Fussnote_378_378"></a><a href="#FNAnker_378_378"><span class="label">[378]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXIX.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_379_379" id="Fussnote_379_379"></a><a href="#FNAnker_379_379"><span class="label">[379]</span></a> Lenz’ WW., Einleitung XXII f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_380_380" id="Fussnote_380_380"></a><a href="#FNAnker_380_380"><span class="label">[380]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 58 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_381_381" id="Fussnote_381_381"></a><a href="#FNAnker_381_381"><span class="label">[381]</span></a> Krit. Schriften, 1. Bd., 35 ff.; vgl. ebd. 78 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_382_382" id="Fussnote_382_382"></a><a href="#FNAnker_382_382"><span class="label">[382]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXXVIII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_383_383" id="Fussnote_383_383"></a><a href="#FNAnker_383_383"><span class="label">[383]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 302, 652, 688, 698.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_384_384" id="Fussnote_384_384"></a><a href="#FNAnker_384_384"><span class="label">[384]</span></a> Ebd., 696; vgl. Krit. Schriften, 4, 152 und 156, -Einleitung zu Lenz, LXXV.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_385_385" id="Fussnote_385_385"></a><a href="#FNAnker_385_385"><span class="label">[385]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 241; <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, WW., 6. -Bd., 393 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_386_386" id="Fussnote_386_386"></a><a href="#FNAnker_386_386"><span class="label">[386]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 241.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_387_387" id="Fussnote_387_387"></a><a href="#FNAnker_387_387"><span class="label">[387]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 238.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_388_388" id="Fussnote_388_388"></a><a href="#FNAnker_388_388"><span class="label">[388]</span></a> Ebd., 128.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_389_389" id="Fussnote_389_389"></a><a href="#FNAnker_389_389"><span class="label">[389]</span></a> Mit diesem Motive verbanden sich vielleicht einzelne -Zge aus der Liebesgeschichte Locrines und Estrildens. (Altenglisches -Theater, II, 70 ff.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_390_390" id="Fussnote_390_390"></a><a href="#FNAnker_390_390"><span class="label">[390]</span></a> Altenglisches Theater, I, VI f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_391_391" id="Fussnote_391_391"></a><a href="#FNAnker_391_391"><span class="label">[391]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, I, 240 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_392_392" id="Fussnote_392_392"></a><a href="#FNAnker_392_392"><span class="label">[392]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 239 f.; <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2, 159 -ff.; <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11. Bd., LXXIII f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_393_393" id="Fussnote_393_393"></a><a href="#FNAnker_393_393"><span class="label">[393]</span></a> Romantische Schule, 472.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_394_394" id="Fussnote_394_394"></a><a href="#FNAnker_394_394"><span class="label">[394]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, Nachgel. Schriften, 538 ff. Brief vom 24. -Mrz 1817.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_395_395" id="Fussnote_395_395"></a><a href="#FNAnker_395_395"><span class="label">[395]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 13, 323.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_396_396" id="Fussnote_396_396"></a><a href="#FNAnker_396_396"><span class="label">[396]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 538.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_397_397" id="Fussnote_397_397"></a><a href="#FNAnker_397_397"><span class="label">[397]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., 184.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_398_398" id="Fussnote_398_398"></a><a href="#FNAnker_398_398"><span class="label">[398]</span></a> Ludwig <em class="gesperrt">Feuerbach</em>, Smmtliche Werke, 4. Bd., 132.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_399_399" id="Fussnote_399_399"></a><a href="#FNAnker_399_399"><span class="label">[399]</span></a> Vorrede zur „Morgenrthe“. Wenn Tieck in J. Bhme -auch „Dialektik, grndliche Forschung, Strenge der Folgerungen, kurz -philosophische Kraft und Kunst“ gefunden zu haben behauptet, so kann -dies kaum im gewhnlichen Sinne dieser Ausdrcke zu verstehen sein. -Vgl. Schriften, 11, LXXIV.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_400_400" id="Fussnote_400_400"></a><a href="#FNAnker_400_400"><span class="label">[400]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 6. Bd., XIII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_401_401" id="Fussnote_401_401"></a><a href="#FNAnker_401_401"><span class="label">[401]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 13. Bd., 323 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_402_402" id="Fussnote_402_402"></a><a href="#FNAnker_402_402"><span class="label">[402]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, 2. Bd., 36.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_403_403" id="Fussnote_403_403"></a><a href="#FNAnker_403_403"><span class="label">[403]</span></a> Es ist unter den Jenaer romantischen Freunden immer -nur von Bhme und seiner „Morgenrthe“ die Sprache. Tauler und die -anderen Mystiker kamen wenigstens fr Tieck erst spter an die Reihe, -und so ist es erklrlich, dass sich in der „Genoveva“ von Tauler keine -deutliche Spur auffinden lsst.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_404_404" id="Fussnote_404_404"></a><a href="#FNAnker_404_404"><span class="label">[404]</span></a> Bentzt wurde fr die folgende Untersuchung eine Ausgabe -der „Morgenrthe“ mit dem Titel: „Morgen-Rte im Aufgangk das ist: -Die Wurtzel oder Mutter der Philosophiae, Astrologiae und Theologiae, -Aus rechtem grunde. Oder Beschreibung der NATUR Wie Alles gewesen und -im anfangk worden ist: wie die Natur und Elementa Creatrlich worden -seind; auch von beyden qualitten Bsen und Guten / woher alle Ding -seinen Vrsprung hat / und wie es am Ende dieser Zeit werden wird: auch -wie Gottes- und der Hllen-Reich beschaffen ist / und wie die Menschen -in jedes Creatirlich wirken. Alles aus Rechtem Grunde / in Erkentnus -des Geistes im wallen GOttes mit flei gestellet durch Jacob Bhmen In -Grlitz / im Jahr Christi 1612 seines Alters 37. Jahr / Dingstag in -Pfingsten. Gedruckt zu Amsterdam 1656“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_405_405" id="Fussnote_405_405"></a><a href="#FNAnker_405_405"><span class="label">[405]</span></a> Bhmes Lehren finden sich ausfhrlicher wiedergegeben -bei Ludwig <em class="gesperrt">Feuerbach</em>, Smmtliche WW., 4, 131–183. Vgl. -<em class="gesperrt">Zeller</em>, Geschichte der deutschen Philosophie seit Leibniz, -Mnchen 1875, 12 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_406_406" id="Fussnote_406_406"></a><a href="#FNAnker_406_406"><span class="label">[406]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 157 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_407_407" id="Fussnote_407_407"></a><a href="#FNAnker_407_407"><span class="label">[407]</span></a> <em class="gesperrt">Haym</em>, Romantische Schule, 630 f. In den -„Grundzgen der philosophischen Naturwissenschaft“ (Berlin 1806), -worin Steffens seine Naturphilosophie aphoristisch skizziert, heit -es in einem Fragmente, S. 11: „Die Geschichte sowohl als die Natur -sind geschlossene Totalitten; in beiden offenbart sich die ganze -Totalitt.“</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_408_408" id="Fussnote_408_408"></a><a href="#FNAnker_408_408"><span class="label">[408]</span></a> Morgenrthe, 198.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_409_409" id="Fussnote_409_409"></a><a href="#FNAnker_409_409"><span class="label">[409]</span></a> Morgenrthe, 584.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_410_410" id="Fussnote_410_410"></a><a href="#FNAnker_410_410"><span class="label">[410]</span></a> Ebd., 12, 503.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_411_411" id="Fussnote_411_411"></a><a href="#FNAnker_411_411"><span class="label">[411]</span></a> Ebd., 12 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_412_412" id="Fussnote_412_412"></a><a href="#FNAnker_412_412"><span class="label">[412]</span></a> Ebd., 14.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_413_413" id="Fussnote_413_413"></a><a href="#FNAnker_413_413"><span class="label">[413]</span></a> Ebd., 17.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_414_414" id="Fussnote_414_414"></a><a href="#FNAnker_414_414"><span class="label">[414]</span></a> Vgl. auch „Locrine“ (Altenglisches Theater, II, 27).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_415_415" id="Fussnote_415_415"></a><a href="#FNAnker_415_415"><span class="label">[415]</span></a> Vgl. noch Genoveva, 134, 5 ff. Octavian in <em class="gesperrt">Tieck</em>, -Schriften, 1, 52.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_416_416" id="Fussnote_416_416"></a><a href="#FNAnker_416_416"><span class="label">[416]</span></a> Morgenrthe, 113 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_417_417" id="Fussnote_417_417"></a><a href="#FNAnker_417_417"><span class="label">[417]</span></a> Ebd., 141 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_418_418" id="Fussnote_418_418"></a><a href="#FNAnker_418_418"><span class="label">[418]</span></a> Ebd., 147 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_419_419" id="Fussnote_419_419"></a><a href="#FNAnker_419_419"><span class="label">[419]</span></a> Ebd., 189 u. 198.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_420_420" id="Fussnote_420_420"></a><a href="#FNAnker_420_420"><span class="label">[420]</span></a> Reden, 52.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_421_421" id="Fussnote_421_421"></a><a href="#FNAnker_421_421"><span class="label">[421]</span></a> Morgenrthe, 45.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_422_422" id="Fussnote_422_422"></a><a href="#FNAnker_422_422"><span class="label">[422]</span></a> <em class="gesperrt">Steffens</em>, Grundzge der philosophischen -Naturwissenschaft, 19.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_423_423" id="Fussnote_423_423"></a><a href="#FNAnker_423_423"><span class="label">[423]</span></a> Reden, 57; vgl. 88, 91, 95. Vgl. A.W. <em class="gesperrt">Schlegels</em> -„Vorlesungen“ (Minor) II, 6. Schlegel bertrgt hier obige -Betrachtungsweise auf Kunst und Literaturgeschichte. „Wer ein groes -poetisches Meisterwerk verstnde“, meint er, „wrde die gesammte brige -Poesie darin finden; denn wie in der Natur, so ist auch in der Kunst -jede chte, vollstndige und deutlich umgrenzte Einheit ein Spiegel des -groen Ganzen. Wiederum, wer die Poesie recht versteht, dem wird durch -sie der Geist der brigen Knste in innerer Ahndung aufgehen, wenn es -ihm auch an Entwickelung des ueren Organes dazu fehlt.“</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_424_424" id="Fussnote_424_424"></a><a href="#FNAnker_424_424"><span class="label">[424]</span></a> Morgenrthe, 77; vgl. 129, 134, 158, 186 f., 223 und -Vorrede.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_425_425" id="Fussnote_425_425"></a><a href="#FNAnker_425_425"><span class="label">[425]</span></a> Ebd., 322; vgl. 423.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_426_426" id="Fussnote_426_426"></a><a href="#FNAnker_426_426"><span class="label">[426]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, 539 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_427_427" id="Fussnote_427_427"></a><a href="#FNAnker_427_427"><span class="label">[427]</span></a> Morgenrthe, 356; vgl. 386 ff.; <em class="gesperrt">Novalis</em>, -Schriften, 2, 35 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_428_428" id="Fussnote_428_428"></a><a href="#FNAnker_428_428"><span class="label">[428]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 160.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_429_429" id="Fussnote_429_429"></a><a href="#FNAnker_429_429"><span class="label">[429]</span></a> Krit. Schriften, 1. Bd., 108; Phantasien, 27.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_430_430" id="Fussnote_430_430"></a><a href="#FNAnker_430_430"><span class="label">[430]</span></a> Fast dieselbe geheime Weisheit, wie der „Unbekannte“ -besitzt auch der sternenkundige Ritter Emmerich in <em class="gesperrt">Tiecks</em> -„Melusina“, Schriften, 13, 74 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_431_431" id="Fussnote_431_431"></a><a href="#FNAnker_431_431"><span class="label">[431]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 242 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_432_432" id="Fussnote_432_432"></a><a href="#FNAnker_432_432"><span class="label">[432]</span></a> Morgenrthe, 17; vgl. 12, 15. Hieher gehren auch Golos -Worte, 270, 22 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_433_433" id="Fussnote_433_433"></a><a href="#FNAnker_433_433"><span class="label">[433]</span></a> Morgenrthe, 8 f., auch die „Vorrede“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_434_434" id="Fussnote_434_434"></a><a href="#FNAnker_434_434"><span class="label">[434]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, 81 (Octavian).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_435_435" id="Fussnote_435_435"></a><a href="#FNAnker_435_435"><span class="label">[435]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 245.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_436_436" id="Fussnote_436_436"></a><a href="#FNAnker_436_436"><span class="label">[436]</span></a> Morgenrthe, 389; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 13, 323, -und <em class="gesperrt">Novalis</em>, 2, 36.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_437_437" id="Fussnote_437_437"></a><a href="#FNAnker_437_437"><span class="label">[437]</span></a> Reden, 91; vgl. Phantasien, 72.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_438_438" id="Fussnote_438_438"></a><a href="#FNAnker_438_438"><span class="label">[438]</span></a> Vgl. Phantasien, 43.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_439_439" id="Fussnote_439_439"></a><a href="#FNAnker_439_439"><span class="label">[439]</span></a> Morgenrthe, 15; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 209, -und 1, 137.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_440_440" id="Fussnote_440_440"></a><a href="#FNAnker_440_440"><span class="label">[440]</span></a> Ebd., 132 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_441_441" id="Fussnote_441_441"></a><a href="#FNAnker_441_441"><span class="label">[441]</span></a> Morgenrthe, 104 ff.; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, -211.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_442_442" id="Fussnote_442_442"></a><a href="#FNAnker_442_442"><span class="label">[442]</span></a> Morgenrthe, 101.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_443_443" id="Fussnote_443_443"></a><a href="#FNAnker_443_443"><span class="label">[443]</span></a> Ebd., 17.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_444_444" id="Fussnote_444_444"></a><a href="#FNAnker_444_444"><span class="label">[444]</span></a> Ebd., 36.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_445_445" id="Fussnote_445_445"></a><a href="#FNAnker_445_445"><span class="label">[445]</span></a> Ebd., 39.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_446_446" id="Fussnote_446_446"></a><a href="#FNAnker_446_446"><span class="label">[446]</span></a> Ebd., 40 f. Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, 11. „Nur -Phantasie schaut in das ewge Weben...“</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_447_447" id="Fussnote_447_447"></a><a href="#FNAnker_447_447"><span class="label">[447]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11, 13.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_448_448" id="Fussnote_448_448"></a><a href="#FNAnker_448_448"><span class="label">[448]</span></a> Morgenrthe, 305 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_449_449" id="Fussnote_449_449"></a><a href="#FNAnker_449_449"><span class="label">[449]</span></a> Ebd., 494.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_450_450" id="Fussnote_450_450"></a><a href="#FNAnker_450_450"><span class="label">[450]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, 93 (Octavian); -Phantasien, 39, 101.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_451_451" id="Fussnote_451_451"></a><a href="#FNAnker_451_451"><span class="label">[451]</span></a> Morgenrthe, 100.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_452_452" id="Fussnote_452_452"></a><a href="#FNAnker_452_452"><span class="label">[452]</span></a> 42 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_453_453" id="Fussnote_453_453"></a><a href="#FNAnker_453_453"><span class="label">[453]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 249.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_454_454" id="Fussnote_454_454"></a><a href="#FNAnker_454_454"><span class="label">[454]</span></a> Morgenrthe, 106, 130, 142, 153, 167.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_455_455" id="Fussnote_455_455"></a><a href="#FNAnker_455_455"><span class="label">[455]</span></a> Ebd., 17.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_456_456" id="Fussnote_456_456"></a><a href="#FNAnker_456_456"><span class="label">[456]</span></a> Ebd., 10.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_457_457" id="Fussnote_457_457"></a><a href="#FNAnker_457_457"><span class="label">[457]</span></a> Morgenrthe, 12; vgl. 51.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_458_458" id="Fussnote_458_458"></a><a href="#FNAnker_458_458"><span class="label">[458]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 315 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_459_459" id="Fussnote_459_459"></a><a href="#FNAnker_459_459"><span class="label">[459]</span></a> <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., 159.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_460_460" id="Fussnote_460_460"></a><a href="#FNAnker_460_460"><span class="label">[460]</span></a> Morgenrthe, 44 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_461_461" id="Fussnote_461_461"></a><a href="#FNAnker_461_461"><span class="label">[461]</span></a> Morgenrthe, 519.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_462_462" id="Fussnote_462_462"></a><a href="#FNAnker_462_462"><span class="label">[462]</span></a> Ebd., 280.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_463_463" id="Fussnote_463_463"></a><a href="#FNAnker_463_463"><span class="label">[463]</span></a> Ebd., 236.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_464_464" id="Fussnote_464_464"></a><a href="#FNAnker_464_464"><span class="label">[464]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 229, <span class="antiqua">13–14</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_465_465" id="Fussnote_465_465"></a><a href="#FNAnker_465_465"><span class="label">[465]</span></a> Ebd., 198, <span class="antiqua">13</span>. Vgl. 147, <span class="antiqua">16</span>; 151, -<span class="antiqua">5</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_466_466" id="Fussnote_466_466"></a><a href="#FNAnker_466_466"><span class="label">[466]</span></a> Ebd., 267, <span class="antiqua">33</span>; 314, <span class="antiqua">7</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_467_467" id="Fussnote_467_467"></a><a href="#FNAnker_467_467"><span class="label">[467]</span></a> <em class="gesperrt">Frster</em>, Biographie und literarische Skizzen, -283.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_468_468" id="Fussnote_468_468"></a><a href="#FNAnker_468_468"><span class="label">[468]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, 2. Bd., 36.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_469_469" id="Fussnote_469_469"></a><a href="#FNAnker_469_469"><span class="label">[469]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 192 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_470_470" id="Fussnote_470_470"></a><a href="#FNAnker_470_470"><span class="label">[470]</span></a> Schriften, 4, 171.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_471_471" id="Fussnote_471_471"></a><a href="#FNAnker_471_471"><span class="label">[471]</span></a> WW., 7, 71 f.; vgl. Sternbald, 194 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_472_472" id="Fussnote_472_472"></a><a href="#FNAnker_472_472"><span class="label">[472]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220. -Vgl. <em class="gesperrt">Solger</em>, 2. Bd., 502. Wackenroder ahnte „eine geheime -Verwandtschaft der Knste“, in denen allenthalben dieselbe gttliche -Flamme wehe. (Herzenserg., 78.) Sternbald glaubt auch, dass Musik, -Poesie und Malerei sich oft die Hand bieten und ein und dasselbe auf -ihren Wegen erreichen knnten. (Sternbald, 317; vgl. Phantasien, -91.) Der Roman soll nach Fr. Schlegel „gemischt sein aus Erzhlung, -Gesang und anderen Formen“. Erzhlungen mit Gesang und Dramen mit -Gesang werden von A.W. Schlegel in der Recension der Tieck’schen -„Volksmrchen“ als mglich empfohlen. Die Vorbilder von Shakespeare -und Calderon treten neben „Wilhelm Meister“ und bald begegnet uns eine -lange Reihe von Erzhlungen mit Gesang, Dramen mit Gesang und selbst -Dramen mit Erzhlung und Gesang zugleich. Noch in spten Jahren glaubt -Tieck, dass die drei Hauptarten der Poesie „sich in allen Gattungen -durchdringen knnen, wenn auch die eine immer die Basis bleiben muss“. -(Einleitung zu Lenz, XXV; vgl. Schriften, 10, 251.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_473_473" id="Fussnote_473_473"></a><a href="#FNAnker_473_473"><span class="label">[473]</span></a> Vgl. Tiecks Bemerkung ber Goethes „Egmont“ in der -Einleitung zu Lenz, XXXV f. Zu erinnern wre andererseits an „Faust“, -2. Theil.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_474_474" id="Fussnote_474_474"></a><a href="#FNAnker_474_474"><span class="label">[474]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220, 366 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_475_475" id="Fussnote_475_475"></a><a href="#FNAnker_475_475"><span class="label">[475]</span></a> <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, WW., 8, 24; vgl. <em class="gesperrt">Haym</em>, 255, -und <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 361.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_476_476" id="Fussnote_476_476"></a><a href="#FNAnker_476_476"><span class="label">[476]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_477_477" id="Fussnote_477_477"></a><a href="#FNAnker_477_477"><span class="label">[477]</span></a> Ebd., 369. Vgl. <em class="gesperrt">Bernhardi</em>, Archiv der Zeit, 1800, -460 f. Die Poesie des Krieges errtert Novalis im „Ofterdingen“ (I, -111), und das Morgenland begegnet uns dort gleichfalls (I, 47 und 109).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_478_478" id="Fussnote_478_478"></a><a href="#FNAnker_478_478"><span class="label">[478]</span></a> Schon frh nhrte Tieck seine Neigung zum Sanften, -Schferlichen durch alte und neue Schferdichtungen, vgl. -<em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 41, 62. Die Schferscene am -Schluss der „Magelone“ ist „seiner Imagination angenehmer“ als die -Spitalscene. „Phantasus“ in Schriften, 4, 358. Vgl. „Phantasien“ 16, -und „Zerbino“, Schriften, 10, 245: „Sternbald“, 366 f.; „Octavian“, -Schriften, 1, 6 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_479_479" id="Fussnote_479_479"></a><a href="#FNAnker_479_479"><span class="label">[479]</span></a> <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, WW., 6, 162 f. Hier haben wir uns -zu erinnern an alles, was Wackenroder, Fr. Schlegel, Schleiermacher, -Novalis und Tieck ber die Verwandtschaft von Religion und Poesie -sagen. Vom Traum behauptet A.W. Schlegel, er sei „ein sehr poetisches -Element und die Poesie, wohl eingedenk, da sie selbst nur ein schner -Traum sey, hegt und pflegt ihn“. (Vorlesungen, ed. Minor, II, 72.) ber -die Poesie des Aberglaubens und der Astrologie vgl. ebd. S. 61 f. und -S. 73, und <em class="gesperrt">J. Paul</em>, „Vorschule der Aesthetik“, V. Programm, -24.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_480_480" id="Fussnote_480_480"></a><a href="#FNAnker_480_480"><span class="label">[480]</span></a> A.W. Schlegel, WW., 6, 161 und 163; <em class="gesperrt">Bernhardi</em>, -Archiv der Zeit, 460. Die Naturtne der Liebe, des Schmerzes und der -Sehnsucht bewundert Tieck im „Faust“ (Schriften, 11, LXIII); vgl. -„Phantasien“, 57, 58, 72. Florestans Worte im „Sternbald“, 283. „Poesie -ist Gemthserregungskunst“ sagt <em class="gesperrt">Novalis</em>, II, 163. ber die -Ahnung eine Bemerkung Tiecks in Einleitung zu Lenz, L.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_481_481" id="Fussnote_481_481"></a><a href="#FNAnker_481_481"><span class="label">[481]</span></a> <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, Vorlesungen (Minor), II, 84.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_482_482" id="Fussnote_482_482"></a><a href="#FNAnker_482_482"><span class="label">[482]</span></a> Tieck, Einleitung zu Lenz, XXV; vgl. das Gedicht -„Phantasie“ im „Sternbald“, 368 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_483_483" id="Fussnote_483_483"></a><a href="#FNAnker_483_483"><span class="label">[483]</span></a> <em class="gesperrt">Merkel</em>, Briefe an ein Frauenzimmer ber die -wichtigsten Producte der schnen Literatur, Berlin 1800, 1. Bd., 21. -Vgl. <em class="gesperrt">Nicolai</em> in der „Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek“, -Berlin und Stettin 1801, LVIII, S. 352. ber die „Romantische -Universalpoesie“ vgl. noch <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 360 f. -<em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 225, 242, 244, 338, 371, 382.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_484_484" id="Fussnote_484_484"></a><a href="#FNAnker_484_484"><span class="label">[484]</span></a> Vorlesungen (Minor), II, 69; vgl. WW., 6, 157; vgl. die -etwas unklaren Gedanken Tiecks vom Beherrschen der Gedankenheere durch -die Vernunft in den „Phantasien“, 90.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_485_485" id="Fussnote_485_485"></a><a href="#FNAnker_485_485"><span class="label">[485]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 373.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_486_486" id="Fussnote_486_486"></a><a href="#FNAnker_486_486"><span class="label">[486]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Krit. Schriften, 1. Bd., 44; Herzenserg., -19 f.; Phantasien, 55; „Phantasus“, Schriften, 4, 95; vgl. „Zerbino“, -Schriften, 10, 5 f.; „Sternbald“, 117; vgl. auch <em class="gesperrt">Novalis</em>, II, -170; <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, Vorlesungen (Minor), II, 72.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_487_487" id="Fussnote_487_487"></a><a href="#FNAnker_487_487"><span class="label">[487]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 221; vgl. 192, -14 ff; 197, 8 ff. Vgl. <em class="gesperrt">Novalis</em>, II, 169.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_488_488" id="Fussnote_488_488"></a><a href="#FNAnker_488_488"><span class="label">[488]</span></a> Schriften, 10, 311.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_489_489" id="Fussnote_489_489"></a><a href="#FNAnker_489_489"><span class="label">[489]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 231.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_490_490" id="Fussnote_490_490"></a><a href="#FNAnker_490_490"><span class="label">[490]</span></a> WW., 6. Bd., 163.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_491_491" id="Fussnote_491_491"></a><a href="#FNAnker_491_491"><span class="label">[491]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Bernhardi</em>, Archiv der Zeit, 468.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_492_492" id="Fussnote_492_492"></a><a href="#FNAnker_492_492"><span class="label">[492]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 361.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_493_493" id="Fussnote_493_493"></a><a href="#FNAnker_493_493"><span class="label">[493]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Bernhardi</em>, Archiv der Zeit, 459.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_494_494" id="Fussnote_494_494"></a><a href="#FNAnker_494_494"><span class="label">[494]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 5, 153 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_495_495" id="Fussnote_495_495"></a><a href="#FNAnker_495_495"><span class="label">[495]</span></a> Ebd., 1. Bd., XXIX; vgl. <em class="gesperrt">Solger</em>, 1, 501.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_496_496" id="Fussnote_496_496"></a><a href="#FNAnker_496_496"><span class="label">[496]</span></a> Archiv der Zeit, 460 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_497_497" id="Fussnote_497_497"></a><a href="#FNAnker_497_497"><span class="label">[497]</span></a> Archiv der Zeit, 469.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_498_498" id="Fussnote_498_498"></a><a href="#FNAnker_498_498"><span class="label">[498]</span></a> Einleitung zu Lenz, IX.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_499_499" id="Fussnote_499_499"></a><a href="#FNAnker_499_499"><span class="label">[499]</span></a> Fr. <em class="gesperrt">Schlegel</em> (Minor), II, 370.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_500_500" id="Fussnote_500_500"></a><a href="#FNAnker_500_500"><span class="label">[500]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 128, <span class="antiqua">30</span>, 316, 321, -<span class="antiqua">20</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_501_501" id="Fussnote_501_501"></a><a href="#FNAnker_501_501"><span class="label">[501]</span></a> Ebd., 316.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_502_502" id="Fussnote_502_502"></a><a href="#FNAnker_502_502"><span class="label">[502]</span></a> Ebd., 171, <span class="antiqua">15</span>, 278, <span class="antiqua">34 f.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_503_503" id="Fussnote_503_503"></a><a href="#FNAnker_503_503"><span class="label">[503]</span></a> Ebd., 118, 127, <span class="antiqua">29</span>, 171, <span class="antiqua">9</span>, 176, -<span class="antiqua">28</span>, 255, 260, 288, <span class="antiqua">15</span>, 301, <span class="antiqua">27</span>, 320.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_504_504" id="Fussnote_504_504"></a><a href="#FNAnker_504_504"><span class="label">[504]</span></a> Ebd., 111, 122, <span class="antiqua">2</span>, 134, 135, 176, <span class="antiqua">8</span>, 217, -<span class="antiqua">38</span>, 234.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_505_505" id="Fussnote_505_505"></a><a href="#FNAnker_505_505"><span class="label">[505]</span></a> Ebd., 138, 143, <span class="antiqua">29</span>, 167, <span class="antiqua">25</span>, 169, 206, -<span class="antiqua">18</span>, <span class="antiqua">38</span>, 210, <span class="antiqua">15</span>, 211, <span class="antiqua">4</span>, 224, <span class="antiqua">2</span>, -260, 263, 271, <span class="antiqua">27</span>, 272, <span class="antiqua">28</span>, 275 ff., 298, 303, 305, <span class="antiqua">33 -f.</span>, 314 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_506_506" id="Fussnote_506_506"></a><a href="#FNAnker_506_506"><span class="label">[506]</span></a> Ebd., 119, <span class="antiqua">30 ff.</span>, 128, <span class="antiqua">7</span>, 214 f., 217, -<span class="antiqua">38</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_507_507" id="Fussnote_507_507"></a><a href="#FNAnker_507_507"><span class="label">[507]</span></a> Ebd., 128, <span class="antiqua">34</span>, 221, <span class="antiqua">23</span>, 224, <span class="antiqua">1</span>, -253, <span class="antiqua">34</span>, 254, <span class="antiqua">1</span>, 274, <span class="antiqua">13</span>, 285, <span class="antiqua">25</span>, 298, -<span class="antiqua">32</span>, 315, <span class="antiqua">30</span>, 322, <span class="antiqua">15 ff.</span> Die Heiligenverehrung, -der Mariencultus (109, <span class="antiqua">22</span>, 147, <span class="antiqua">25</span>, 285) begegnen uns -zwar in der „Genoveva“, aber keineswegs so stark betont, als man bei -einer absichtlich katholisierenden Dichtung wohl erwarten mchte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_508_508" id="Fussnote_508_508"></a><a href="#FNAnker_508_508"><span class="label">[508]</span></a> Ebd., 111, <span class="antiqua">23</span>, 143, <span class="antiqua">18 ff.</span>, 144, 147, 158, -176, 220, 226, 235, 256 ff., 264, 281, 282, <span class="antiqua">2</span>, 293, 309, 311, -315.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_509_509" id="Fussnote_509_509"></a><a href="#FNAnker_509_509"><span class="label">[509]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 172, 253, 260, 263, 272 ff., -287, 292, 317 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_510_510" id="Fussnote_510_510"></a><a href="#FNAnker_510_510"><span class="label">[510]</span></a> Ebd., 117, 211, 301.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_511_511" id="Fussnote_511_511"></a><a href="#FNAnker_511_511"><span class="label">[511]</span></a> Ebd., 108, 111, 125 ff., 128 f., 143, 158, 197, 213, -217, 219, 237, 249, 280 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_512_512" id="Fussnote_512_512"></a><a href="#FNAnker_512_512"><span class="label">[512]</span></a> Ebd., 142 f., 159 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_513_513" id="Fussnote_513_513"></a><a href="#FNAnker_513_513"><span class="label">[513]</span></a> Ebd., 135, 162, 172, 211, 268, 277 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_514_514" id="Fussnote_514_514"></a><a href="#FNAnker_514_514"><span class="label">[514]</span></a> Ebd., 131 f., 136, 186.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_515_515" id="Fussnote_515_515"></a><a href="#FNAnker_515_515"><span class="label">[515]</span></a> Ebd., 109, 169, 178, 321 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_516_516" id="Fussnote_516_516"></a><a href="#FNAnker_516_516"><span class="label">[516]</span></a> Ebd., 144, 209, 225, 309, 314, 326.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_517_517" id="Fussnote_517_517"></a><a href="#FNAnker_517_517"><span class="label">[517]</span></a> Ebd., 110, 255, 269, 273, <span class="antiqua">14 f.</span>, 274, <span class="antiqua">25</span>, -276, 286, 310.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_518_518" id="Fussnote_518_518"></a><a href="#FNAnker_518_518"><span class="label">[518]</span></a> Ebd., 208, 212 f., 218, 231, 259, 279, 286, 313, 315.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_519_519" id="Fussnote_519_519"></a><a href="#FNAnker_519_519"><span class="label">[519]</span></a> Ebd., 277, 319.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_520_520" id="Fussnote_520_520"></a><a href="#FNAnker_520_520"><span class="label">[520]</span></a> Ebd., 323.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_521_521" id="Fussnote_521_521"></a><a href="#FNAnker_521_521"><span class="label">[521]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>: Genoveva, 131, <span class="antiqua">28 f.</span>, 134, 139, -<span class="antiqua">36</span>, 159 ff., 172, <span class="antiqua">9</span>, 175, <span class="antiqua">9</span>, 196, <span class="antiqua">10</span>, 210, -<span class="antiqua">32</span>, 242, <span class="antiqua">12 ff</span>., 245, <span class="antiqua">2</span>, 261, <span class="antiqua">3</span>, 270, <span class="antiqua">22 -ff</span>., 289, <span class="antiqua">23 f</span>., 293, <span class="antiqua">14 ff</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_522_522" id="Fussnote_522_522"></a><a href="#FNAnker_522_522"><span class="label">[522]</span></a> Ebd., 240, 241 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_523_523" id="Fussnote_523_523"></a><a href="#FNAnker_523_523"><span class="label">[523]</span></a> Ebd., 126 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_524_524" id="Fussnote_524_524"></a><a href="#FNAnker_524_524"><span class="label">[524]</span></a> Archiv der Zeit, 467.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_525_525" id="Fussnote_525_525"></a><a href="#FNAnker_525_525"><span class="label">[525]</span></a> Genoveva, 176, 20 ff., 177, 11 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_526_526" id="Fussnote_526_526"></a><a href="#FNAnker_526_526"><span class="label">[526]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 11. Bd., 145; vgl. -<em class="gesperrt">Solger</em>, 1. Bd., 397. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1, XVI, und -<em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 6, XX.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_527_527" id="Fussnote_527_527"></a><a href="#FNAnker_527_527"><span class="label">[527]</span></a> Vgl. Archiv der Zeit, 464.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_528_528" id="Fussnote_528_528"></a><a href="#FNAnker_528_528"><span class="label">[528]</span></a> Bernhardi findet am Schicksalsmigen nichts -auszusetzen. Archiv der Zeit, 463.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_529_529" id="Fussnote_529_529"></a><a href="#FNAnker_529_529"><span class="label">[529]</span></a> Im „Octavian“ wird Mahomets Bildnis verunehrt, weil es -nicht Hilfe bringt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_530_530" id="Fussnote_530_530"></a><a href="#FNAnker_530_530"><span class="label">[530]</span></a> Recension im „Archiv der Zeit“, 1800.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_531_531" id="Fussnote_531_531"></a><a href="#FNAnker_531_531"><span class="label">[531]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, Nachgel. Schriften, 1. Bd., 502.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_532_532" id="Fussnote_532_532"></a><a href="#FNAnker_532_532"><span class="label">[532]</span></a> Archiv der Zeit, 467.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_533_533" id="Fussnote_533_533"></a><a href="#FNAnker_533_533"><span class="label">[533]</span></a> <em class="gesperrt">Hettner</em>, Die romantische Schule, 156 f. -<em class="gesperrt">Haym</em>, 477 f.; vgl. <em class="gesperrt">Solger</em>, 1. Bd., 301, 453 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_534_534" id="Fussnote_534_534"></a><a href="#FNAnker_534_534"><span class="label">[534]</span></a> Romantische Schule, 155.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_535_535" id="Fussnote_535_535"></a><a href="#FNAnker_535_535"><span class="label">[535]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 116, <span class="antiqua">5</span>, 148, <span class="antiqua">7</span>, -159, <span class="antiqua">14</span>, 184, <span class="antiqua">15</span>, 204, <span class="antiqua">13</span>, 208, <span class="antiqua">15</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_536_536" id="Fussnote_536_536"></a><a href="#FNAnker_536_536"><span class="label">[536]</span></a> Frl. <em class="gesperrt">Poppenberg</em>, Zacharias Werner, Berlin 1893, -S. 19.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_537_537" id="Fussnote_537_537"></a><a href="#FNAnker_537_537"><span class="label">[537]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Minor</em>, Die Schicksalstragdie in ihren -Hauptvertretern, Frankfurt 1883, S. 61.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_538_538" id="Fussnote_538_538"></a><a href="#FNAnker_538_538"><span class="label">[538]</span></a> Julian <em class="gesperrt">Schmidt</em>, Geschichte der deutschen -Litteratur, 4. Bd., 357. Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften. 11, LXXI.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_539_539" id="Fussnote_539_539"></a><a href="#FNAnker_539_539"><span class="label">[539]</span></a> Poetisches Journal, 1. Jahrg., 1. Stck, 42 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_540_540" id="Fussnote_540_540"></a><a href="#FNAnker_540_540"><span class="label">[540]</span></a> Sternbald, 196. Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Krit. Schriften, -1. Bd., 30; 4. Bd., 4 ff. <em class="gesperrt">Friesen</em>, 1. Bd., 172 ff. A.W. -<em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 6. Bd., 4.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_541_541" id="Fussnote_541_541"></a><a href="#FNAnker_541_541"><span class="label">[541]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 183, 203.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_542_542" id="Fussnote_542_542"></a><a href="#FNAnker_542_542"><span class="label">[542]</span></a> Ebd., 204 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_543_543" id="Fussnote_543_543"></a><a href="#FNAnker_543_543"><span class="label">[543]</span></a> Ebd., 310.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_544_544" id="Fussnote_544_544"></a><a href="#FNAnker_544_544"><span class="label">[544]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 170.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_545_545" id="Fussnote_545_545"></a><a href="#FNAnker_545_545"><span class="label">[545]</span></a> Ebd., 132, <span class="antiqua">13.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_546_546" id="Fussnote_546_546"></a><a href="#FNAnker_546_546"><span class="label">[546]</span></a> Ebd., 132, <span class="antiqua">11.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_547_547" id="Fussnote_547_547"></a><a href="#FNAnker_547_547"><span class="label">[547]</span></a> Ebd., 165, <span class="antiqua">19.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_548_548" id="Fussnote_548_548"></a><a href="#FNAnker_548_548"><span class="label">[548]</span></a> Ebd., 136.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_549_549" id="Fussnote_549_549"></a><a href="#FNAnker_549_549"><span class="label">[549]</span></a> Ebd., 119, <span class="antiqua">19.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_550_550" id="Fussnote_550_550"></a><a href="#FNAnker_550_550"><span class="label">[550]</span></a> Ebd., 214 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_551_551" id="Fussnote_551_551"></a><a href="#FNAnker_551_551"><span class="label">[551]</span></a> Ebd., 297.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_552_552" id="Fussnote_552_552"></a><a href="#FNAnker_552_552"><span class="label">[552]</span></a> Ebd., 116, <span class="antiqua">15.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_553_553" id="Fussnote_553_553"></a><a href="#FNAnker_553_553"><span class="label">[553]</span></a> Ebd., 170, 214.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_554_554" id="Fussnote_554_554"></a><a href="#FNAnker_554_554"><span class="label">[554]</span></a> Ebd., 310.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_555_555" id="Fussnote_555_555"></a><a href="#FNAnker_555_555"><span class="label">[555]</span></a> Ebd., 137, <span class="antiqua">8.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_556_556" id="Fussnote_556_556"></a><a href="#FNAnker_556_556"><span class="label">[556]</span></a> Vgl. S. 88.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_557_557" id="Fussnote_557_557"></a><a href="#FNAnker_557_557"><span class="label">[557]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4. Bd., 74 („Phantasus“).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_558_558" id="Fussnote_558_558"></a><a href="#FNAnker_558_558"><span class="label">[558]</span></a> Die Schilderung des Tanzes der Genoveva ist in der That -jener der tanzenden Laura im „Sternbald“ (397) verwandt!</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_559_559" id="Fussnote_559_559"></a><a href="#FNAnker_559_559"><span class="label">[559]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, L. Tieck, 1. Bd., 139.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_560_560" id="Fussnote_560_560"></a><a href="#FNAnker_560_560"><span class="label">[560]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, a.a.O., 139; vgl. <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., -136.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_561_561" id="Fussnote_561_561"></a><a href="#FNAnker_561_561"><span class="label">[561]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 140; vgl. „Phantasus“ in den -Schriften, 4, 113.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_562_562" id="Fussnote_562_562"></a><a href="#FNAnker_562_562"><span class="label">[562]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 142 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_563_563" id="Fussnote_563_563"></a><a href="#FNAnker_563_563"><span class="label">[563]</span></a> Tiecks Worte bei <em class="gesperrt">Friesen</em>, 2. Bd., 138.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_564_564" id="Fussnote_564_564"></a><a href="#FNAnker_564_564"><span class="label">[564]</span></a> <em class="gesperrt">Kpke</em>, 1. Bd., 163 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_565_565" id="Fussnote_565_565"></a><a href="#FNAnker_565_565"><span class="label">[565]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4, 89.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_566_566" id="Fussnote_566_566"></a><a href="#FNAnker_566_566"><span class="label">[566]</span></a> Vgl. „Phantasus“ in den Schriften, 4. Bd., 18, 57 f., 77 -ff., 83 f., 85 f., 106, 127 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_567_567" id="Fussnote_567_567"></a><a href="#FNAnker_567_567"><span class="label">[567]</span></a> Tieck, Krit. Schriften. 1. Bd., 82 f.; vgl. Phantasien, -43. Sternbald, 299 f. <em class="gesperrt">Novalis</em>, I, 103; II, 75.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_568_568" id="Fussnote_568_568"></a><a href="#FNAnker_568_568"><span class="label">[568]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 122.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_569_569" id="Fussnote_569_569"></a><a href="#FNAnker_569_569"><span class="label">[569]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 160 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_570_570" id="Fussnote_570_570"></a><a href="#FNAnker_570_570"><span class="label">[570]</span></a> Ebd., 163, <span class="antiqua">17 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_571_571" id="Fussnote_571_571"></a><a href="#FNAnker_571_571"><span class="label">[571]</span></a> Solche antike Vorstellungen (Hydra, Fortuna u.s.w.) zu -verwerten, wurde Tieck durch das englische Renaissancedrama veranlasst. -Vgl. „Locrine“, Altenglisches Theater, II, 53, 54, 63, 78.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_572_572" id="Fussnote_572_572"></a><a href="#FNAnker_572_572"><span class="label">[572]</span></a> Genoveva, 194 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_573_573" id="Fussnote_573_573"></a><a href="#FNAnker_573_573"><span class="label">[573]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 252; fr das Weitere, 254 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_574_574" id="Fussnote_574_574"></a><a href="#FNAnker_574_574"><span class="label">[574]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 188, <span class="antiqua">8.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_575_575" id="Fussnote_575_575"></a><a href="#FNAnker_575_575"><span class="label">[575]</span></a> Ebd., 248, <span class="antiqua">19</span>; 289, <span class="antiqua">22</span>; 319, <span class="antiqua">13 f.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_576_576" id="Fussnote_576_576"></a><a href="#FNAnker_576_576"><span class="label">[576]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 196; vgl. 242, 270, 289. ber -die freundliche und unheimliche Seite der Natur in Tiecks Auffassung -vgl. „Phantasien“, 26, 79, und „Phantasus“ in Schriften, 4. Bd., 127 -ff., 142 ff., 283.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_577_577" id="Fussnote_577_577"></a><a href="#FNAnker_577_577"><span class="label">[577]</span></a> Genoveva, 278, <span class="antiqua">35.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_578_578" id="Fussnote_578_578"></a><a href="#FNAnker_578_578"><span class="label">[578]</span></a> Ebd., 316, <span class="antiqua">3 f.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_579_579" id="Fussnote_579_579"></a><a href="#FNAnker_579_579"><span class="label">[579]</span></a> Ebd., 263, <span class="antiqua">23, 35 ff.</span>; 317, 15 <span class="antiqua">ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_580_580" id="Fussnote_580_580"></a><a href="#FNAnker_580_580"><span class="label">[580]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, 2. Bd., 130.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_581_581" id="Fussnote_581_581"></a><a href="#FNAnker_581_581"><span class="label">[581]</span></a> hnlich „Sternbald“, 131.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_582_582" id="Fussnote_582_582"></a><a href="#FNAnker_582_582"><span class="label">[582]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 165, <span class="antiqua">34.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_583_583" id="Fussnote_583_583"></a><a href="#FNAnker_583_583"><span class="label">[583]</span></a> Ebd., 176 f.; 193, <span class="antiqua">29</span>; 200, <span class="antiqua">34.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_584_584" id="Fussnote_584_584"></a><a href="#FNAnker_584_584"><span class="label">[584]</span></a> Ebd., 201, <span class="antiqua">9 ff.</span>; vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, -10, 73.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_585_585" id="Fussnote_585_585"></a><a href="#FNAnker_585_585"><span class="label">[585]</span></a> Tieck, Genoveva, 177, <em class="gesperrt">9 ff.</em></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_586_586" id="Fussnote_586_586"></a><a href="#FNAnker_586_586"><span class="label">[586]</span></a> Ebd., 289 ff.; vgl. <em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, -4, 50.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_587_587" id="Fussnote_587_587"></a><a href="#FNAnker_587_587"><span class="label">[587]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 165, <span class="antiqua">23 f.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_588_588" id="Fussnote_588_588"></a><a href="#FNAnker_588_588"><span class="label">[588]</span></a> Ebd., 231.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_589_589" id="Fussnote_589_589"></a><a href="#FNAnker_589_589"><span class="label">[589]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 109 ff., 320.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_590_590" id="Fussnote_590_590"></a><a href="#FNAnker_590_590"><span class="label">[590]</span></a> Ebd., 244, <span class="antiqua">21.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_591_591" id="Fussnote_591_591"></a><a href="#FNAnker_591_591"><span class="label">[591]</span></a> Ebd., 244 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_592_592" id="Fussnote_592_592"></a><a href="#FNAnker_592_592"><span class="label">[592]</span></a> Ebd., 318.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_593_593" id="Fussnote_593_593"></a><a href="#FNAnker_593_593"><span class="label">[593]</span></a> Ebd., 164 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_594_594" id="Fussnote_594_594"></a><a href="#FNAnker_594_594"><span class="label">[594]</span></a> Ebd., 232.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_595_595" id="Fussnote_595_595"></a><a href="#FNAnker_595_595"><span class="label">[595]</span></a> Ebd., 209.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_596_596" id="Fussnote_596_596"></a><a href="#FNAnker_596_596"><span class="label">[596]</span></a> Ebd., 249.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_597_597" id="Fussnote_597_597"></a><a href="#FNAnker_597_597"><span class="label">[597]</span></a> Ebd., 288 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_598_598" id="Fussnote_598_598"></a><a href="#FNAnker_598_598"><span class="label">[598]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 315 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_599_599" id="Fussnote_599_599"></a><a href="#FNAnker_599_599"><span class="label">[599]</span></a> Ebd., 161 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_600_600" id="Fussnote_600_600"></a><a href="#FNAnker_600_600"><span class="label">[600]</span></a> Ebd., 174.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_601_601" id="Fussnote_601_601"></a><a href="#FNAnker_601_601"><span class="label">[601]</span></a> Ebd., 316.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_602_602" id="Fussnote_602_602"></a><a href="#FNAnker_602_602"><span class="label">[602]</span></a> Ebd., 162.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_603_603" id="Fussnote_603_603"></a><a href="#FNAnker_603_603"><span class="label">[603]</span></a> Ebd., 169.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_604_604" id="Fussnote_604_604"></a><a href="#FNAnker_604_604"><span class="label">[604]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 254 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_605_605" id="Fussnote_605_605"></a><a href="#FNAnker_605_605"><span class="label">[605]</span></a> Ebd., 163.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_606_606" id="Fussnote_606_606"></a><a href="#FNAnker_606_606"><span class="label">[606]</span></a> Ebd., 239.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_607_607" id="Fussnote_607_607"></a><a href="#FNAnker_607_607"><span class="label">[607]</span></a> Ebd., 220.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_608_608" id="Fussnote_608_608"></a><a href="#FNAnker_608_608"><span class="label">[608]</span></a> Ebd., 174, <span class="antiqua">3.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_609_609" id="Fussnote_609_609"></a><a href="#FNAnker_609_609"><span class="label">[609]</span></a> Ebd., 203, <span class="antiqua">35.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_610_610" id="Fussnote_610_610"></a><a href="#FNAnker_610_610"><span class="label">[610]</span></a> Ebd., 296, <span class="antiqua">34 f.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_611_611" id="Fussnote_611_611"></a><a href="#FNAnker_611_611"><span class="label">[611]</span></a> Ebd., 193, <span class="antiqua">15.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_612_612" id="Fussnote_612_612"></a><a href="#FNAnker_612_612"><span class="label">[612]</span></a> Ebd., 196, <span class="antiqua">7.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_613_613" id="Fussnote_613_613"></a><a href="#FNAnker_613_613"><span class="label">[613]</span></a> Ebd., 205, <span class="antiqua">19.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_614_614" id="Fussnote_614_614"></a><a href="#FNAnker_614_614"><span class="label">[614]</span></a> Ebd., 215, <span class="antiqua">35.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_615_615" id="Fussnote_615_615"></a><a href="#FNAnker_615_615"><span class="label">[615]</span></a> Ebd., 213, <span class="antiqua">16.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_616_616" id="Fussnote_616_616"></a><a href="#FNAnker_616_616"><span class="label">[616]</span></a> Ebd., 203, <span class="antiqua">3.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_617_617" id="Fussnote_617_617"></a><a href="#FNAnker_617_617"><span class="label">[617]</span></a> Ebd., 211, <span class="antiqua">28.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_618_618" id="Fussnote_618_618"></a><a href="#FNAnker_618_618"><span class="label">[618]</span></a> Ebd., 193, <span class="antiqua">3 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_619_619" id="Fussnote_619_619"></a><a href="#FNAnker_619_619"><span class="label">[619]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Kritische Schriften, 1. Bd., 82; vgl. -<em class="gesperrt">Holtei</em>, Dreihundert Briefe, 4, 90.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_620_620" id="Fussnote_620_620"></a><a href="#FNAnker_620_620"><span class="label">[620]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 231.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_621_621" id="Fussnote_621_621"></a><a href="#FNAnker_621_621"><span class="label">[621]</span></a> Vorschule der sthetik, V, 25.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_622_622" id="Fussnote_622_622"></a><a href="#FNAnker_622_622"><span class="label">[622]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 1. Bd., 305.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_623_623" id="Fussnote_623_623"></a><a href="#FNAnker_623_623"><span class="label">[623]</span></a> <em class="gesperrt">Koberstein</em>, Vermischte Aufstze zur -Literaturgeschichte und sthetik, Leipzig 1858, S. 7.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_624_624" id="Fussnote_624_624"></a><a href="#FNAnker_624_624"><span class="label">[624]</span></a> Schriften, 10. Bd., 196.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_625_625" id="Fussnote_625_625"></a><a href="#FNAnker_625_625"><span class="label">[625]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 1. Bd., 501.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_626_626" id="Fussnote_626_626"></a><a href="#FNAnker_626_626"><span class="label">[626]</span></a> Genoveva, 115, 131, 272 ff., 314, 322.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_627_627" id="Fussnote_627_627"></a><a href="#FNAnker_627_627"><span class="label">[627]</span></a> Ebd., 181.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_628_628" id="Fussnote_628_628"></a><a href="#FNAnker_628_628"><span class="label">[628]</span></a> Ebd., 136, 164 ff., 187 ff., 199 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_629_629" id="Fussnote_629_629"></a><a href="#FNAnker_629_629"><span class="label">[629]</span></a> Ebd., 138, 172 ff., 176 f., 211 ff., 216 f., 262 ff., -278 ff., 284 ff., 315 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_630_630" id="Fussnote_630_630"></a><a href="#FNAnker_630_630"><span class="label">[630]</span></a> Vgl. die Schilderung Leonardos in „Herzensergieungen“, -65.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_631_631" id="Fussnote_631_631"></a><a href="#FNAnker_631_631"><span class="label">[631]</span></a> Wird von Bernhardi gelobt.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_632_632" id="Fussnote_632_632"></a><a href="#FNAnker_632_632"><span class="label">[632]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 190, <span class="antiqua">13 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_633_633" id="Fussnote_633_633"></a><a href="#FNAnker_633_633"><span class="label">[633]</span></a> Ebd., 191, <span class="antiqua">34 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_634_634" id="Fussnote_634_634"></a><a href="#FNAnker_634_634"><span class="label">[634]</span></a> WW., 11, 138.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_635_635" id="Fussnote_635_635"></a><a href="#FNAnker_635_635"><span class="label">[635]</span></a> Briefe an ein Frauenzimmer, 26.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_636_636" id="Fussnote_636_636"></a><a href="#FNAnker_636_636"><span class="label">[636]</span></a> Nachgel. Schriften, 1. Bd., 501.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_637_637" id="Fussnote_637_637"></a><a href="#FNAnker_637_637"><span class="label">[637]</span></a> Leipzig 1878.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_638_638" id="Fussnote_638_638"></a><a href="#FNAnker_638_638"><span class="label">[638]</span></a> <em class="gesperrt">Petrich</em>, 26 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_639_639" id="Fussnote_639_639"></a><a href="#FNAnker_639_639"><span class="label">[639]</span></a> Genoveva, 173 f., 315 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_640_640" id="Fussnote_640_640"></a><a href="#FNAnker_640_640"><span class="label">[640]</span></a> Ebd., 211 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_641_641" id="Fussnote_641_641"></a><a href="#FNAnker_641_641"><span class="label">[641]</span></a> Ebd., 301, 310.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_642_642" id="Fussnote_642_642"></a><a href="#FNAnker_642_642"><span class="label">[642]</span></a> Ebd., 138; vgl. 143, 167, 206, 255.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_643_643" id="Fussnote_643_643"></a><a href="#FNAnker_643_643"><span class="label">[643]</span></a> Ebd., 152; vgl. 169, 210.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_644_644" id="Fussnote_644_644"></a><a href="#FNAnker_644_644"><span class="label">[644]</span></a> Genoveva, 111; vgl. 277 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_645_645" id="Fussnote_645_645"></a><a href="#FNAnker_645_645"><span class="label">[645]</span></a> Ebd., 135.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_646_646" id="Fussnote_646_646"></a><a href="#FNAnker_646_646"><span class="label">[646]</span></a> Ebd., 211 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_647_647" id="Fussnote_647_647"></a><a href="#FNAnker_647_647"><span class="label">[647]</span></a> Ebd., 110 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_648_648" id="Fussnote_648_648"></a><a href="#FNAnker_648_648"><span class="label">[648]</span></a> Ebd., 284.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_649_649" id="Fussnote_649_649"></a><a href="#FNAnker_649_649"><span class="label">[649]</span></a> Ebd., 286.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_650_650" id="Fussnote_650_650"></a><a href="#FNAnker_650_650"><span class="label">[650]</span></a> Ebd., 313.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_651_651" id="Fussnote_651_651"></a><a href="#FNAnker_651_651"><span class="label">[651]</span></a> Ebd., 314.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_652_652" id="Fussnote_652_652"></a><a href="#FNAnker_652_652"><span class="label">[652]</span></a> Ebd., 317.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_653_653" id="Fussnote_653_653"></a><a href="#FNAnker_653_653"><span class="label">[653]</span></a> Ebd., 320.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_654_654" id="Fussnote_654_654"></a><a href="#FNAnker_654_654"><span class="label">[654]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Petrich</em>, 101 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_655_655" id="Fussnote_655_655"></a><a href="#FNAnker_655_655"><span class="label">[655]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 174, <span class="antiqua">33</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_656_656" id="Fussnote_656_656"></a><a href="#FNAnker_656_656"><span class="label">[656]</span></a> Ebd., 174, <span class="antiqua">35</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_657_657" id="Fussnote_657_657"></a><a href="#FNAnker_657_657"><span class="label">[657]</span></a> Ebd., 277, <span class="antiqua">5</span>, 275, <span class="antiqua">7</span>, 275, <span class="antiqua">29</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_658_658" id="Fussnote_658_658"></a><a href="#FNAnker_658_658"><span class="label">[658]</span></a> Ebd., 174, <span class="antiqua">17 f.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_659_659" id="Fussnote_659_659"></a><a href="#FNAnker_659_659"><span class="label">[659]</span></a> Ebd., 174, <span class="antiqua">25</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_660_660" id="Fussnote_660_660"></a><a href="#FNAnker_660_660"><span class="label">[660]</span></a> Ebd., 174, <span class="antiqua">35</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_661_661" id="Fussnote_661_661"></a><a href="#FNAnker_661_661"><span class="label">[661]</span></a> Ebd., 175, <span class="antiqua">3</span>, 288, <span class="antiqua">6 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_662_662" id="Fussnote_662_662"></a><a href="#FNAnker_662_662"><span class="label">[662]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 264.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_663_663" id="Fussnote_663_663"></a><a href="#FNAnker_663_663"><span class="label">[663]</span></a> Ebd., 277 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_664_664" id="Fussnote_664_664"></a><a href="#FNAnker_664_664"><span class="label">[664]</span></a> Ebd., 280.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_665_665" id="Fussnote_665_665"></a><a href="#FNAnker_665_665"><span class="label">[665]</span></a> Ebd., 271 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_666_666" id="Fussnote_666_666"></a><a href="#FNAnker_666_666"><span class="label">[666]</span></a> Vgl. Krit. Schriften, 4, 154.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_667_667" id="Fussnote_667_667"></a><a href="#FNAnker_667_667"><span class="label">[667]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 289.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_668_668" id="Fussnote_668_668"></a><a href="#FNAnker_668_668"><span class="label">[668]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11, LXII ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_669_669" id="Fussnote_669_669"></a><a href="#FNAnker_669_669"><span class="label">[669]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Petrich</em>, 47 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_670_670" id="Fussnote_670_670"></a><a href="#FNAnker_670_670"><span class="label">[670]</span></a> <em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, WW., 10. Bd., 183. Auch Novalis -verlangt fr eine romantische Dichtung eine „gewisse Alterthmlichkeit -des Stiles“. (Schriften, 3, 236.)</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_671_671" id="Fussnote_671_671"></a><a href="#FNAnker_671_671"><span class="label">[671]</span></a> Wie nahe sich die Gedanken der Romantiker mit denen -berhren, die Herder, der Theoretiker der Sturm- und Drangzeit, in den -„Fragmenten zur deutschen Litteratur“ aussprach, liegt auf der Hand.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_672_672" id="Fussnote_672_672"></a><a href="#FNAnker_672_672"><span class="label">[672]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11. Bd., XLII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_673_673" id="Fussnote_673_673"></a><a href="#FNAnker_673_673"><span class="label">[673]</span></a> Diese Meinung wird noch durch den Umstand bestrkt, dass -Tieck auch in den spteren Neuausgaben fast alles stehen lie, wie es -in der ersten Ausgabe stand.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_674_674" id="Fussnote_674_674"></a><a href="#FNAnker_674_674"><span class="label">[674]</span></a> Khler urtheilt er hierber nach zehn Jahren in der -Vorrede zum „Altenglischen Theater“, II, XIII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_675_675" id="Fussnote_675_675"></a><a href="#FNAnker_675_675"><span class="label">[675]</span></a> Vgl. E. <em class="gesperrt">Schmidt</em>, Richardson, Rousseau und Goethe, -Jena 1875, S. 258 und 274.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_676_676" id="Fussnote_676_676"></a><a href="#FNAnker_676_676"><span class="label">[676]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 1. Bd., 8.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_677_677" id="Fussnote_677_677"></a><a href="#FNAnker_677_677"><span class="label">[677]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 122.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_678_678" id="Fussnote_678_678"></a><a href="#FNAnker_678_678"><span class="label">[678]</span></a> Ebd., 289.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_679_679" id="Fussnote_679_679"></a><a href="#FNAnker_679_679"><span class="label">[679]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 160 ff.; vgl. 133, 196 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_680_680" id="Fussnote_680_680"></a><a href="#FNAnker_680_680"><span class="label">[680]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 198 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_681_681" id="Fussnote_681_681"></a><a href="#FNAnker_681_681"><span class="label">[681]</span></a> Ebd., 244.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_682_682" id="Fussnote_682_682"></a><a href="#FNAnker_682_682"><span class="label">[682]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 4. Bd., 191.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_683_683" id="Fussnote_683_683"></a><a href="#FNAnker_683_683"><span class="label">[683]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 160 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_684_684" id="Fussnote_684_684"></a><a href="#FNAnker_684_684"><span class="label">[684]</span></a> Ebd., 142 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_685_685" id="Fussnote_685_685"></a><a href="#FNAnker_685_685"><span class="label">[685]</span></a> Ebd., 140.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_686_686" id="Fussnote_686_686"></a><a href="#FNAnker_686_686"><span class="label">[686]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 131 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_687_687" id="Fussnote_687_687"></a><a href="#FNAnker_687_687"><span class="label">[687]</span></a> Ebd., 162.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_688_688" id="Fussnote_688_688"></a><a href="#FNAnker_688_688"><span class="label">[688]</span></a> Ebd., 164.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_689_689" id="Fussnote_689_689"></a><a href="#FNAnker_689_689"><span class="label">[689]</span></a> Ebd., 166.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_690_690" id="Fussnote_690_690"></a><a href="#FNAnker_690_690"><span class="label">[690]</span></a> Ebd., 182 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_691_691" id="Fussnote_691_691"></a><a href="#FNAnker_691_691"><span class="label">[691]</span></a> Ebd., 220 ff; vgl. 225 f., 264.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_692_692" id="Fussnote_692_692"></a><a href="#FNAnker_692_692"><span class="label">[692]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 6. Bd., 163. Vgl. -<em class="gesperrt">Novalis</em>, II, 165. Fr die brigen Romantiker <em class="gesperrt">Petrich</em>, -123.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_693_693" id="Fussnote_693_693"></a><a href="#FNAnker_693_693"><span class="label">[693]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 8. Bd., 14.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_694_694" id="Fussnote_694_694"></a><a href="#FNAnker_694_694"><span class="label">[694]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 172.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_695_695" id="Fussnote_695_695"></a><a href="#FNAnker_695_695"><span class="label">[695]</span></a> <em class="gesperrt">Minor</em>, Friedrich Schlegel, 2. Bd., 220.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_696_696" id="Fussnote_696_696"></a><a href="#FNAnker_696_696"><span class="label">[696]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 190, <span class="antiqua">4 ff.</span>, 198, -<span class="antiqua">19</span>, 199, <span class="antiqua">12</span>, 211, <span class="antiqua">35</span>, 243, <span class="antiqua">8 f.</span>, 304, <span class="antiqua">7 -f.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_697_697" id="Fussnote_697_697"></a><a href="#FNAnker_697_697"><span class="label">[697]</span></a> Ebd., 277, <span class="antiqua">9 f.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_698_698" id="Fussnote_698_698"></a><a href="#FNAnker_698_698"><span class="label">[698]</span></a> Genoveva, 188, <span class="antiqua">15 f.</span>, 194, <span class="antiqua">8 f.</span>, 200, -<span class="antiqua">18 ff.</span>, 277, <span class="antiqua">5 f.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_699_699" id="Fussnote_699_699"></a><a href="#FNAnker_699_699"><span class="label">[699]</span></a> Ebd., 135, <span class="antiqua">30</span>, 273, <span class="antiqua">24</span>, 281, <span class="antiqua">14</span>, -288, <span class="antiqua">11.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_700_700" id="Fussnote_700_700"></a><a href="#FNAnker_700_700"><span class="label">[700]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 186, <span class="antiqua">11</span>, 200, <span class="antiqua">32</span>, -225, <span class="antiqua">37</span>, 247, <span class="antiqua">4</span>, 289, <span class="antiqua">23</span>.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_701_701" id="Fussnote_701_701"></a><a href="#FNAnker_701_701"><span class="label">[701]</span></a> Die Abendwinde spielen, die Morgenrthe spielt, neues -Leben spielt, der Mondschein spielt, Sommerlftchen spielen, in -„oberirdischen Lften ein spielendes Bewegen“ u.dgl.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_702_702" id="Fussnote_702_702"></a><a href="#FNAnker_702_702"><span class="label">[702]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 171, <span class="antiqua">22</span>, 136, <span class="antiqua">5</span>, -194, <span class="antiqua">33</span>, 267, <span class="antiqua">7</span>, 274, <span class="antiqua">20.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_703_703" id="Fussnote_703_703"></a><a href="#FNAnker_703_703"><span class="label">[703]</span></a> Ebd., 110 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_704_704" id="Fussnote_704_704"></a><a href="#FNAnker_704_704"><span class="label">[704]</span></a> Ebd., 122, <span class="antiqua">29 ff.</span>, 135, 161 f., 182 f., 188, 219, -235.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_705_705" id="Fussnote_705_705"></a><a href="#FNAnker_705_705"><span class="label">[705]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 111, 122, 154, 182, 219.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_706_706" id="Fussnote_706_706"></a><a href="#FNAnker_706_706"><span class="label">[706]</span></a> Ebd., 161 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_707_707" id="Fussnote_707_707"></a><a href="#FNAnker_707_707"><span class="label">[707]</span></a> Ebd., 135.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_708_708" id="Fussnote_708_708"></a><a href="#FNAnker_708_708"><span class="label">[708]</span></a> Ebd., 108, 113, 120, 127, 128, 132, 140, 141 u..</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_709_709" id="Fussnote_709_709"></a><a href="#FNAnker_709_709"><span class="label">[709]</span></a> Vgl. A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 12. Bd., 272; 11. Bd., -384.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_710_710" id="Fussnote_710_710"></a><a href="#FNAnker_710_710"><span class="label">[710]</span></a> Z.B. Genoveva, 110, <span class="antiqua">24 ff.</span>, 148, <span class="antiqua">5 ff.</span>, -199, <span class="antiqua">5 ff.</span>, 306, <span class="antiqua">6 ff.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_711_711" id="Fussnote_711_711"></a><a href="#FNAnker_711_711"><span class="label">[711]</span></a> Genoveva, 117, 213.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_712_712" id="Fussnote_712_712"></a><a href="#FNAnker_712_712"><span class="label">[712]</span></a> Ebd., 131 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_713_713" id="Fussnote_713_713"></a><a href="#FNAnker_713_713"><span class="label">[713]</span></a> Ebd., 179 ff., 191 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_714_714" id="Fussnote_714_714"></a><a href="#FNAnker_714_714"><span class="label">[714]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 501.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_715_715" id="Fussnote_715_715"></a><a href="#FNAnker_715_715"><span class="label">[715]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 10. Bd., 319 („Zerbino“).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_716_716" id="Fussnote_716_716"></a><a href="#FNAnker_716_716"><span class="label">[716]</span></a> <em class="gesperrt">Novalis</em>, Schriften, 2. Bd., 32.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_717_717" id="Fussnote_717_717"></a><a href="#FNAnker_717_717"><span class="label">[717]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 8, 15.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_718_718" id="Fussnote_718_718"></a><a href="#FNAnker_718_718"><span class="label">[718]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 501.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_719_719" id="Fussnote_719_719"></a><a href="#FNAnker_719_719"><span class="label">[719]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, a.a.O., 501.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_720_720" id="Fussnote_720_720"></a><a href="#FNAnker_720_720"><span class="label">[720]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 7. Bd., 27 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_721_721" id="Fussnote_721_721"></a><a href="#FNAnker_721_721"><span class="label">[721]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Krit. Schriften, 1. Bd., 108 f. Vgl. -<em class="gesperrt">A.W. Schlegel</em>, Vorlesungen (Minor), II, 10.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_722_722" id="Fussnote_722_722"></a><a href="#FNAnker_722_722"><span class="label">[722]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 109 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_723_723" id="Fussnote_723_723"></a><a href="#FNAnker_723_723"><span class="label">[723]</span></a> Ebd., 123 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_724_724" id="Fussnote_724_724"></a><a href="#FNAnker_724_724"><span class="label">[724]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 131 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_725_725" id="Fussnote_725_725"></a><a href="#FNAnker_725_725"><span class="label">[725]</span></a> Ebd., 178.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_726_726" id="Fussnote_726_726"></a><a href="#FNAnker_726_726"><span class="label">[726]</span></a> Ebd., 240 f. Zu vgl. noch 235, 280, 288, 307 f., 311, -313.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_727_727" id="Fussnote_727_727"></a><a href="#FNAnker_727_727"><span class="label">[727]</span></a> Ebd., 239 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_728_728" id="Fussnote_728_728"></a><a href="#FNAnker_728_728"><span class="label">[728]</span></a> Ebd., 223 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_729_729" id="Fussnote_729_729"></a><a href="#FNAnker_729_729"><span class="label">[729]</span></a> Dorothea Schlegel, hrg. v. <em class="gesperrt">Raich</em>, 1. Bd., 25.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_730_730" id="Fussnote_730_730"></a><a href="#FNAnker_730_730"><span class="label">[730]</span></a> Ebd., 25, und Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 146.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_731_731" id="Fussnote_731_731"></a><a href="#FNAnker_731_731"><span class="label">[731]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 161, 165; vgl. -Dorothea Schlegel, 1. Bd., 26.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_732_732" id="Fussnote_732_732"></a><a href="#FNAnker_732_732"><span class="label">[732]</span></a> WW., 11. Bd., 384; 12. Bd., 272.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_733_733" id="Fussnote_733_733"></a><a href="#FNAnker_733_733"><span class="label">[733]</span></a> Ebd., 12. Bd., 251.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_734_734" id="Fussnote_734_734"></a><a href="#FNAnker_734_734"><span class="label">[734]</span></a> Ebd., 12. Bd., 256.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_735_735" id="Fussnote_735_735"></a><a href="#FNAnker_735_735"><span class="label">[735]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 111, 138, 143 f., 152, 176 f., -212, 263, 287 f., 298, 305.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_736_736" id="Fussnote_736_736"></a><a href="#FNAnker_736_736"><span class="label">[736]</span></a> Ebd., 173 f., 313 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_737_737" id="Fussnote_737_737"></a><a href="#FNAnker_737_737"><span class="label">[737]</span></a> Ebd., 156, 224 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_738_738" id="Fussnote_738_738"></a><a href="#FNAnker_738_738"><span class="label">[738]</span></a> Ebd., 160.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_739_739" id="Fussnote_739_739"></a><a href="#FNAnker_739_739"><span class="label">[739]</span></a> Ebd., 183, 194 f., 197, 198.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_740_740" id="Fussnote_740_740"></a><a href="#FNAnker_740_740"><span class="label">[740]</span></a> Ebd., 122.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_741_741" id="Fussnote_741_741"></a><a href="#FNAnker_741_741"><span class="label">[741]</span></a> Ebd., 117.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_742_742" id="Fussnote_742_742"></a><a href="#FNAnker_742_742"><span class="label">[742]</span></a> Ebd., 271 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_743_743" id="Fussnote_743_743"></a><a href="#FNAnker_743_743"><span class="label">[743]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 11. Bd., LIX.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_744_744" id="Fussnote_744_744"></a><a href="#FNAnker_744_744"><span class="label">[744]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 192.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_745_745" id="Fussnote_745_745"></a><a href="#FNAnker_745_745"><span class="label">[745]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 813 ff, 320 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_746_746" id="Fussnote_746_746"></a><a href="#FNAnker_746_746"><span class="label">[746]</span></a> Ebd., 278 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_747_747" id="Fussnote_747_747"></a><a href="#FNAnker_747_747"><span class="label">[747]</span></a> Ebd., 284 ff., 306.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_748_748" id="Fussnote_748_748"></a><a href="#FNAnker_748_748"><span class="label">[748]</span></a> Ebd., 165 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_749_749" id="Fussnote_749_749"></a><a href="#FNAnker_749_749"><span class="label">[749]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Welti</em>, Geschichte des Sonettes in der -deutschen Dichtung, Leipzig 1884, 162 ff., 176 ff., und Schlegels -Vorlesung ber das Sonett im Anhange daselbst.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_750_750" id="Fussnote_750_750"></a><a href="#FNAnker_750_750"><span class="label">[750]</span></a> Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe, Stuttgart, -Spemann, 2. Bd., S. 46. Dante singt nach Tieck „in prophetischen, -wunderbar verschlungenen Terzinen seine Dichtung, nirgend ein -Stillstand, nirgend wo die Pracht der gewaltigen Verse aufhrte...“ -Phantasien, 27.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_751_751" id="Fussnote_751_751"></a><a href="#FNAnker_751_751"><span class="label">[751]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 140, 145, 153.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_752_752" id="Fussnote_752_752"></a><a href="#FNAnker_752_752"><span class="label">[752]</span></a> Tieck liebt das Spiel mit gehuften Reimen auch sonst, -schon blo des musikalischen Klanges wegen. (Schferlied, Zulmas -Monolog, Golos Lieder.) Vgl. A. <em class="gesperrt">Kerr</em>, Godwi, 99 ff., und -<em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 13, 310 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_753_753" id="Fussnote_753_753"></a><a href="#FNAnker_753_753"><span class="label">[753]</span></a> WW., 7, 41.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_754_754" id="Fussnote_754_754"></a><a href="#FNAnker_754_754"><span class="label">[754]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 167.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_755_755" id="Fussnote_755_755"></a><a href="#FNAnker_755_755"><span class="label">[755]</span></a> Ebd., 223.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_756_756" id="Fussnote_756_756"></a><a href="#FNAnker_756_756"><span class="label">[756]</span></a> Ebd., 228 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_757_757" id="Fussnote_757_757"></a><a href="#FNAnker_757_757"><span class="label">[757]</span></a> Ebd., 254 ff.; vgl. 260 ff., 264 ff., 268, 289 ff., 293 -ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_758_758" id="Fussnote_758_758"></a><a href="#FNAnker_758_758"><span class="label">[758]</span></a> Ebd., 253 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_759_759" id="Fussnote_759_759"></a><a href="#FNAnker_759_759"><span class="label">[759]</span></a> Ebd., 234.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_760_760" id="Fussnote_760_760"></a><a href="#FNAnker_760_760"><span class="label">[760]</span></a> Ebd., 316 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_761_761" id="Fussnote_761_761"></a><a href="#FNAnker_761_761"><span class="label">[761]</span></a> Ebd., 202 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_762_762" id="Fussnote_762_762"></a><a href="#FNAnker_762_762"><span class="label">[762]</span></a> Ebd., 145 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_763_763" id="Fussnote_763_763"></a><a href="#FNAnker_763_763"><span class="label">[763]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 7. Bd., 41 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_764_764" id="Fussnote_764_764"></a><a href="#FNAnker_764_764"><span class="label">[764]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 7. Bd., 43.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_765_765" id="Fussnote_765_765"></a><a href="#FNAnker_765_765"><span class="label">[765]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 119, 128, 129, 145, 146, <span class="antiqua">5 -ff.</span>, 151, <span class="antiqua">25 f.</span>, 152, 156, 201, 267, 283.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_766_766" id="Fussnote_766_766"></a><a href="#FNAnker_766_766"><span class="label">[766]</span></a> Ebd., 146, 149, 184, 185, 202, 244, 254, 264, 266, 270, -312, 317.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_767_767" id="Fussnote_767_767"></a><a href="#FNAnker_767_767"><span class="label">[767]</span></a> Auffallend ist das Fehlen der Schlussreime von S. 211 in -der gleichen Situation wie S. 152.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_768_768" id="Fussnote_768_768"></a><a href="#FNAnker_768_768"><span class="label">[768]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Genoveva, 132.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_769_769" id="Fussnote_769_769"></a><a href="#FNAnker_769_769"><span class="label">[769]</span></a> Ebd., 167 f.; vgl. 181 f.; 211.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_770_770" id="Fussnote_770_770"></a><a href="#FNAnker_770_770"><span class="label">[770]</span></a> Ebd., 218 ff.; vgl. 241 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_771_771" id="Fussnote_771_771"></a><a href="#FNAnker_771_771"><span class="label">[771]</span></a> Archiv der Zeit, a.a.O., 470.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_772_772" id="Fussnote_772_772"></a><a href="#FNAnker_772_772"><span class="label">[772]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Solger</em>, 1. Bd., 501, und <em class="gesperrt">Tieck</em>, -Schriften, 1. Bd., XXXII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_773_773" id="Fussnote_773_773"></a><a href="#FNAnker_773_773"><span class="label">[773]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Seuffert</em>, Maler Mller, 147 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_774_774" id="Fussnote_774_774"></a><a href="#FNAnker_774_774"><span class="label">[774]</span></a> WW., 8, 143 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_775_775" id="Fussnote_775_775"></a><a href="#FNAnker_775_775"><span class="label">[775]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXX.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_776_776" id="Fussnote_776_776"></a><a href="#FNAnker_776_776"><span class="label">[776]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 3. Bd., 362.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_777_777" id="Fussnote_777_777"></a><a href="#FNAnker_777_777"><span class="label">[777]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 6. Bd., 158; vgl. „Europa“, -1. Bd., 2. St., 74.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_778_778" id="Fussnote_778_778"></a><a href="#FNAnker_778_778"><span class="label">[778]</span></a> Aus Schleiermachers Leben, 3. Bd., 171.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_779_779" id="Fussnote_779_779"></a><a href="#FNAnker_779_779"><span class="label">[779]</span></a> „Europa“, 1. Bd., 1. St., 57.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_780_780" id="Fussnote_780_780"></a><a href="#FNAnker_780_780"><span class="label">[780]</span></a> WW., 10. Bd., 20.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_781_781" id="Fussnote_781_781"></a><a href="#FNAnker_781_781"><span class="label">[781]</span></a> „Europa“, 2. Bd., 95 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_782_782" id="Fussnote_782_782"></a><a href="#FNAnker_782_782"><span class="label">[782]</span></a> A.W. <em class="gesperrt">Schlegel</em>, WW., 1. Bd., 867.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_783_783" id="Fussnote_783_783"></a><a href="#FNAnker_783_783"><span class="label">[783]</span></a> Ebd., 8. Bd., 146 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_784_784" id="Fussnote_784_784"></a><a href="#FNAnker_784_784"><span class="label">[784]</span></a> Ebd., 6. Bd., 431, und 11. Bd., 145.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_785_785" id="Fussnote_785_785"></a><a href="#FNAnker_785_785"><span class="label">[785]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 2. Bd., 363 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_786_786" id="Fussnote_786_786"></a><a href="#FNAnker_786_786"><span class="label">[786]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 1. Bd., 312.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_787_787" id="Fussnote_787_787"></a><a href="#FNAnker_787_787"><span class="label">[787]</span></a> Geschichte der poetischen Litteratur Deutschlands, -Paderborn 1866, 2. Theil, S. 68.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_788_788" id="Fussnote_788_788"></a><a href="#FNAnker_788_788"><span class="label">[788]</span></a> <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 1. Bd., 136.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_789_789" id="Fussnote_789_789"></a><a href="#FNAnker_789_789"><span class="label">[789]</span></a> Ebd., 3. Bd., 174.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_790_790" id="Fussnote_790_790"></a><a href="#FNAnker_790_790"><span class="label">[790]</span></a> Ebd., 2. Bd., 187.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_791_791" id="Fussnote_791_791"></a><a href="#FNAnker_791_791"><span class="label">[791]</span></a> <em class="gesperrt">Solger</em>, 1. Bd., 465 ff. Tiecks Antwort, 500 ff.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_792_792" id="Fussnote_792_792"></a><a href="#FNAnker_792_792"><span class="label">[792]</span></a> Vgl. die Tagebuchnotiz im 1. Bd., S. 7 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_793_793" id="Fussnote_793_793"></a><a href="#FNAnker_793_793"><span class="label">[793]</span></a> Schriften, 1. Bd., XXXI.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_794_794" id="Fussnote_794_794"></a><a href="#FNAnker_794_794"><span class="label">[794]</span></a> „Was ich erlebte“, 4. Bd., 389.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_795_795" id="Fussnote_795_795"></a><a href="#FNAnker_795_795"><span class="label">[795]</span></a> Schriften, 1. Bd., XXXII.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_796_796" id="Fussnote_796_796"></a><a href="#FNAnker_796_796"><span class="label">[796]</span></a> Vgl. <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXXII; -<em class="gesperrt">Kpke</em>, L. Tieck, 1. Bd., 260; <em class="gesperrt">Holtei</em>, Briefe an Tieck, 1. -Bd., 241 f.; „Vierzig Jahre“, Breslau 1845, 5. Bd., 61. Schriften der -Goethe-Gesellschaft, 13. Bd., XLIV.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_797_797" id="Fussnote_797_797"></a><a href="#FNAnker_797_797"><span class="label">[797]</span></a> Schillers Briefwechsel mit Krner, hrg. v. -<em class="gesperrt">Gdecke</em>, Leipzig 1874, 2. Theil, 362.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_798_798" id="Fussnote_798_798"></a><a href="#FNAnker_798_798"><span class="label">[798]</span></a> Ebd., 364.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_799_799" id="Fussnote_799_799"></a><a href="#FNAnker_799_799"><span class="label">[799]</span></a> <em class="gesperrt">Tieck</em>, Schriften, 1. Bd., XXX f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_800_800" id="Fussnote_800_800"></a><a href="#FNAnker_800_800"><span class="label">[800]</span></a> Neue allgemeine deutsche Bibliothek, 58. Bd., 352 ff. -(1801).</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_801_801" id="Fussnote_801_801"></a><a href="#FNAnker_801_801"><span class="label">[801]</span></a> Briefe, 4. Bd., 98 ff., 232, 552.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_802_802" id="Fussnote_802_802"></a><a href="#FNAnker_802_802"><span class="label">[802]</span></a> Genoveva, 183, <span class="antiqua">2–3</span>, 223, <span class="antiqua">7–8</span>, 239, -<span class="antiqua">7.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_803_803" id="Fussnote_803_803"></a><a href="#FNAnker_803_803"><span class="label">[803]</span></a> Ebd., 210.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_804_804" id="Fussnote_804_804"></a><a href="#FNAnker_804_804"><span class="label">[804]</span></a> Ebd., 255 und 307 f.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_805_805" id="Fussnote_805_805"></a><a href="#FNAnker_805_805"><span class="label">[805]</span></a> Ebd., 233, <span class="antiqua">25–33</span>, 243, <span class="antiqua">18–20.</span></p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_806_806" id="Fussnote_806_806"></a><a href="#FNAnker_806_806"><span class="label">[806]</span></a> Vgl. G.L. <em class="gesperrt">Klee</em>, Tiecks Werke, 1. Bd., 175 -ff. <em class="gesperrt">Poppenberg</em>, Zacharias Werner, 63 ff. <em class="gesperrt">Minor</em>, Die -Schicksalstragdie, 10 ff.</p></div> - -</div> - -<div class="transnote mtop1"> - -<p class="mbot1 center"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p>Der vorliegende Text wurde anhand der 1899 erschienenen Buchausgabe -mglichst originalgetreu wiedergegeben. Die Zeichensetzung wurde -sinngem korrigiert; inkonsistente Schreibweisen wurden beibehalten. -<span class="htmlinvis">Gesperrte Textstellen wurden in <span class="sans">serifenloser -Schrift</span> dargestellt.</span> Die folgenden Stellen wurden korrigiert:</p> - -<ul> -<li>S. 2: „Skakespeare“ → „<a href="#Shakespeare">Shakespeare</a>“</li> -<li>S. 92: „rthelhaft“ → „<a href="#raethselhaft">rthselhaft</a>“</li> -<li>S. 166: doppeltes „<a href="#und">und</a>“; eines entfernt</li> -<li>S. 191: „vercshieden“ → „<a href="#verschieden">verschieden</a>“</li> -<li>S. 223: „Dass“ → „<a href="#Das">Das</a>“</li> -<li>S. 244: „Erscheineu“ → „<a href="#Erscheinen">Erscheinen</a>“</li> -</ul> - -</div> - -</div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Ludwig Tiecks Genoveva, als -romantische Dichtung betrachtet, by Johann Ranftl - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LUDWIG TIECKS GENOVEVA, ALS *** - -***** This file should be named 50296-h.htm or 50296-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/2/9/50296/ - -Produced by Karl Eichwalder, Chuck Greif, Reiner Ruf, and -the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned -images of public domain material from the Google Books -project.) - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - -</body> -</html> - diff --git a/old/50296-h/images/cover.jpg b/old/50296-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5cfa1d0..0000000 --- a/old/50296-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/50296-h/images/signet.jpg b/old/50296-h/images/signet.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 642609f..0000000 --- a/old/50296-h/images/signet.jpg +++ /dev/null |
