diff options
| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:28:04 -0700 |
|---|---|---|
| committer | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:28:04 -0700 |
| commit | 43bd51ae9c641c7615c1e2e51a4f36f2bf0be5a5 (patch) | |
| tree | bde03c790427b64d974d397de3f24da351ee480c | |
| -rw-r--r-- | .gitattributes | 3 | ||||
| -rw-r--r-- | 6723-8.txt | 4784 | ||||
| -rw-r--r-- | 6723-8.zip | bin | 0 -> 51479 bytes | |||
| -rw-r--r-- | LICENSE.txt | 11 | ||||
| -rw-r--r-- | README.md | 2 |
5 files changed, 4800 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/6723-8.txt b/6723-8.txt new file mode 100644 index 0000000..25db1d8 --- /dev/null +++ b/6723-8.txt @@ -0,0 +1,4784 @@ +Project Gutenberg's Prinz Friedrich von Homburg, by Heinrich von Kleist +#5 in our series by Heinrich von Kleist + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Prinz Friedrich von Homburg + +Author: Heinrich von Kleist + +Release Date: October, 2004 [EBook #6723] +[Yes, we are more than one year ahead of schedule] +[This file was first posted on January 19, 2003] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG *** + + + + +This text was produced for Project Gutenberg +by Mike Pullen and Delphine Lettau. + +We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, +known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- +and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- +which requires a binary transfer, or sent as email attachment and +may require more specialized programs to display the accents. +This is the 8-bit version. + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg2000.de erreichbar. + + + + +Prinz Friedrich von Homburg + +Heinrich von Kleist + +Ein Schauspiel + + +_Ihrer Königlichen Hoheit_ +_der Prinzessin_ +_Amalie Marie Anne_ +_Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Preußen_ +_Bruders Sr. Majestät des Königs_ +_geborne Prinzessin von Hessen-Homburg._ + +Gen Himmel schauend greift, im Volksgedränge, +Der Barde fromm in seine Saiten ein. +Jetzt trösten, jetzt verletzen seine Klänge, +Und solcher Antwort kann er sich nicht freun. +Doch eine denkt er in dem Kreis der Menge, +Der die Gefühle seiner Brust sich weihn: +Sie hält den Preis in Händen, der ihm falle, +Und krönt ihn die, so krönen sie ihn alle. + + + + +Personen: + +Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg + +Die Kurfürstin + +Prinzessin Natalie von Oranien, seine Nichte, +Chef eines Dragonerregiments + +Feldmarschall Dörfling + +Prinz Friedrich Arthur von Homburg, General der Reuterei + +Obrist Kottwitz, vom Regiment der Prinzessin von Oranien + +Hennings, Oberst der Infanterie + +Graf Truchß, Oberst der Infanterie + +Graf Hohenzollern, von der Suite des Kurfürsten + +Rittmeister von der Golz + +Graf Georg von Sparren, Rittmeister + +Stranz, Rittmeister + +Siegfried von Mörner, Rittmeister + +Graf Reuß, Rittmeister + +Ein Wachtmeister + +Offiziere, Korporale und Reuter. Hofkavaliere. Hofdamen. +Pagen. Heiducken. Bedienten. Volk jeden Alters und +Geschlechts. + + + + +Erster Akt + + + +Szene. Fehrbellin. Ein Garten im altfranzösischen Stil. +Im Hintergrunde ein Schloß, von welchem eine Rampe +herabführt.--Es ist Nacht. + +Erster Auftritt + +Der Prinz von Homburg sitzt mit bloßem Haupt und offner +Brust, halb wachend halb schlafend, unter einer Eiche und +windet sich einen Kranz.--Der Kurfürst, seine Gemahlin, +Prinzessin Natalie, der Graf von Hohenzollern, Rittmeister +Golz und andere treten heimlich aus dem Schloß, und schauen, +vom Geländer der Rampe, auf ihn nieder.--Pagen mit Fackeln. + + +Der Graf von Hohenzollern. +Der Prinz von Homburg, unser tapfrer Vetter, +Der an der Reuter Spitze, seit drei Tagen +Den flüchtgen Schweden munter nachgesetzt, +Und sich erst heute wieder atemlos, +Im Hauptquartier zu Fehrbellin gezeigt: +Befehl ward ihm von dir, hier länger nicht, +Als nur drei Füttrungsstunden zu verweilen, +Und gleich dem Wrangel wiederum entgegen, +Der sich am Rhyn versucht hat einzuschanzen, +Bis an die Hackelberge vorzurücken? + +Der Kurfürst. +So ists! + +Hohenzollern. Die Chefs nun sämtlicher Schwadronen, +Zum Aufbruch aus der Stadt, dem Plan gemäß, +Glock zehn zu Nacht, gemessen instruiert, +Wirft er erschöpft, gleich einem Jagdhund lechzend, +Sich auf das Stroh um für die Schlacht, die uns +Bevor beim Strahl des Morgens steht, ein wenig +Die Glieder, die erschöpften, auszuruhn. + +Der Kurfürst. +So hört ich!--Nun? + +Hohenzollern. Da nun die Stunde schlägt, +Und aufgesessen schon die ganze Reuterei +Den Acker vor dem Tor zerstampft, +Fehlt--wer? der Prinz von Homburg noch, ihr Führer. +Mit Fackeln wird und Lichtern und Laternen +Der Held gesucht--und aufgefunden, wo? + +(Er nimmt einem Pagen die Fackel aus der Hand.) + +Als ein Nachtwandler, schau, auf jener Bank, +Wohin, im Schlaf, wie du nie glauben wolltest, +Der Mondschein ihn gelockt, beschäftiget, +Sich träumend, seiner eignen Nachwelt gleich, +Den prächtgen Kranz des Ruhmes einzuwinden. + +Der Kurfürst. +Was! + +Hohenzollern. In der Tat! Schau hier herab: da sitzt er! + +(Er leuchtet von der Rampe auf ihn nieder.) + +Der Kurfürst. +Im Schlaf versenkt? Unmöglich! + +Hohenzollern. Fest im Schlafe! +Ruf ihn bei Namen auf, so fällt er nieder. + +(Pause.) + +Die Kurfürstin. +Der junge Mann ist krank, so wahr ich lebe. + +Prinzessin Natalie. +Er braucht des Arztes--! + +Die Kurfürstin. Man sollt ihm helfen, dünkt mich, +Nicht den Moment verbringen, sein zu spotten! + +Hohenzollern (indem er die Fackel wieder weggibt). +Er ist gesund, ihr mitleidsvollen Frauen, +Bei Gott, ich bins nicht mehr! Der Schwede morgen +Wenn wir im Feld ihn treffen, wirds empfinden! +Es ist nichts weiter, glaubt mir auf mein Wort, +Als eine bloße Unart seines Geistes. + +Der Kurfürst. +Fürwahr! Ein Märchen glaubt ichs!--Folgt mir Freunde, +Und laßt uns näher ihn einmal betrachten. + +(Sie steigen von der Rampe herab.) + +Ein Hofkavalier (zu den Pagen). +Zurück! die Fackeln! + +Hohenzollern. Laßt sie, laßt sie, Freunde! +Der ganze Flecken könnt in Feuer aufgehn, +Daß sein Gemüt davon nicht mehr empfände, +Als der Demant, den er am Finger trägt. + +(Sie umringen ihn; die Pagen leuchten.) + +Der Kurfürst (über ihn gebeugt). +Was für ein Laub denn flicht er?--Laub der Weide? + +Hohenzollern. +Was! Laub der Weid, o Herr!--Der Lorbeer ists, +Wie ers gesehn hat, an der Helden Bildern, +Die zu Berlin im Rüstsaal aufgehängt. + +Der Kurfürst. +--Wo fand er den in meinem märkschen Sand? + +Hohenzollern. +Das mögen die gerechten Götter wissen! + +Der Hofkavalier. +Vielleicht im Garten hinten, wo der Gärtner +Mehr noch der fremden Pflanzen auferzieht. + +Der Kurfürst. +Seltsam beim Himmel! Doch, was gilts, ich weiß, +Was dieses jungen Toren Brust bewegt? + +Hohenzollern. +O--was! Die Schlacht von morgen, mein Gebieter! +Sterngucker sieht er, wett ich, schon im Geist, +Aus Sonnen einen Siegeskranz ihm winden. + +(Der Prinz besieht den Kranz.' + +Der Hofkavalier. +Jetzt ist er fertig! + +Hohenzollern. Schade, ewig schade, +Daß hier kein Spiegel in der Nähe ist! +Er würd ihm eitel, wie ein Mädchen nahn, +Und sich den Kranz bald so, und wieder so, +Wie eine florne Haube aufprobieren. + +Der Kurfürst. +Bei Gott! Ich muß doch sehn, wie weit ers treibt! + +(Der Kurfürst nimmt ihm den Kranz aus der Hand; der Prinz +errötet und sieht ihn an. Der Kurfürst schlingt seine +Halskette um den Kranz und gibt ihn der Prinzessin; der +Prinz steht lebhaft auf. Der Kurfürst weicht mit der +Prinzessin, welche den Kranz erhebt, zurück; der Prinz +mit ausgestreckten Armen, folgt ihr.) + +Der Prinz von Homburg (flüsternd). +Natalie! Mein Mädchen! Meine Braut! + +Der Kurfürst. +Geschwind! Hinweg! + +Hohenzollern. Was sagt der Tor? + +Der Hofkavalier. Was sprach er? + +(Sie besteigen sämtlich die Rampe.) + +Der Prinz von Homburg. +Friedrich! Mein Fürst! Mein Vater! + +Hohenzollern. Höll und Teufel! + +Der Kurfürst (rückwärts ausweichend). +Öffn' mir die Pforte nur! + +Der Prinz von Homburg. O meine Mutter! + +Hohenzollern. +Der Rasende! Er ist-- + +Die Kurfürstin. Wen nennt er so? + +Der Prinz von Homburg (nach dem Kranz greifend) +O! Liebste! Was entweichst du mir? Natalie! + +(Er erhascht einen Handschuh von der Prinzessin Hand.) + +Hohenzollern. +Himmel und Erde! Was ergriff er da? + +Der Hofkavalier. Den Kranz? + +Natalie. +Nein, nein! + +Hohenzollern (öffnet die Tür). +Hier rasch herein, mein Fürst! +Auf daß das ganze Bild ihm wieder schwinde! + +Der Kurfürst. +Ins Nichts mit dir zurück, Herr Prinz von Homburg, +Ins Nichts, ins Nichts! In dem Gefild der Schlacht, +Sehn wir, wenns dir gefällig ist, uns wieder! +Im Traum erringt man solche Dinge nicht! + +(Alle ab; die Tür fliegt rasselnd vor dem Prinzen zu.) + +(Pause.) + + + +Zweiter Auftritt + +Der Prinz von Homburg (bleibt einen Augenblick, mit dem +Ausdruck der Verwunderung, vor der Tür stehen, steigt dann +sinnend, die Hand, in welcher er den Handschuh hält, vor +die Stirn gelegt, von der Rampe herab; kehrt sich sobald +er unten ist, um, und sieht wieder nach der Tür hinauf). + + + +Dritter Auftritt + +Der Graf von Hohenzollern tritt von unten, durch eine +Gittertür, auf. Ihm folgt ein Page.--Der Prinz von Homburg. + + +Der Page (leise). +Herr Graf, so hört doch! Gnädigster Herr Graf! + +Hohenzollern (unwillig). +Still! die Zikade!--Nun? Was gibts? + +Page. Mich schickt--! + +Hohenzollern. +Weck ihn mit deinem Zirpen mir nicht auf! +Wohlan! Was gibts? + +Page. Der Kurfürst schickt mich her! +Dem Prinzen möchtet Ihr, wenn er erwacht, +Kein Wort, befiehlt er, von dem Scherz entdecken, +Den er sich eben jetzt mit ihm erlaubt! + +Hohenzollern (leise). +Ei, So leg dich im Weizenfeld aufs Ohr, +Und schlaf dich aus! Das wußt ich schon! Hinweg! + +(Der Page ab.) + + + +Vierter Auftritt + +Der Graf von Hohenzollern und der Prinz von Homburg. + + +Hohenzollern (indem er sich in einiger Entfernung hinter +dem Prinzen stellt, der noch immer unverwandt die Rampe +hinaufsieht). Arthur! + +(Der Prinz fällt um.) + +Da liegt er; eine Kugel trifft nicht besser! + +(Er nähert sich ihm.) + +Nun bin ich auf die Fabel nur begierig, +Die er ersinnen wird, mir zu erklären, +Warum er hier sich schlafen hat gelegt. + +(Er beugt sich über ihn.) + +Arthur! He! Bist des Teufels du? Was machst du? +Wie kommst du hier zu Nacht auf diesen Platz? + +Der Prinz von Homburg. +Je, Lieber! + +Hohenzollern. Nun, fürwahr, das muß ich sagen! +Die Reuterei ist die du kommandierst, +Auf eine Stunde schon im Marsch voraus, +Und du, du liegst im Garten hier, und schläfst. + +Der Prinz von Homburg. +Welch eine Reuterei? + +Hohenzollern. Die Mamelucken!-- +So wahr ich Leben atm', er weiß nicht mehr, +Daß er der märkschen Reuter Oberst ist?! + +Der Prinz von Homburg (steht auf). +Rasch! Meinen Helm! Die Rüstung! + +Hohenzollern. Ja wo sind sie? + +Der Prinz von Homburg. +Zur Rechten, Heinz, zur Rechten; auf dem Schemel! + +Hohenzollern. +Wo? Auf dem Schemel? + +Der Prinz von Homburg. Ja, da legt ich, mein ich--! + +Hohenzollern (sieht ihn an). +So nimm sie wieder von dem Schemel weg! + +Der Prinz von Homburg. +--Was ist dies für ein Handschuh? + +(Er betrachtet den Handschuh, den er in der Hand hält.) + +Hohenzollern. Ja, was weiß ich?-- +(Für sich.) Verwünscht! Den hat er der Prinzessin Nichte, +Dort oben unbemerkt vom Arm gerissen! (Abbrechend.) +Nun, rasch! Hinweg! Was säumst du? Fort! + +Der Prinz von Homburg (wirft den Handschuh wieder weg). +Gleich, gleich!-- +He, Franz, der Schurke der mich wecken sollte! + +Hohenzollern (betrachtet ihn). +Er ist ganz rasend toll! + +Der Prinz von Homburg. Bei meinem Eid! +Ich weiß nicht, liebster Heinrich, wo ich bin. + +Hohenzollern. +In Fehrbellin, du sinnverwirrter Träumer; +In einem von des Gartens Seitengängen, +Der ausgebreitet hinterm Schlosse liegt! + +Der Prinz von Homburg (für sich). +Daß mich die Nacht verschlang! Mir unbewußt +Im Mondschein bin ich wieder umgewandelt! + +(Er faßt sich) + +Vergib! Ich weiß nun schon. Es war, du weißt, vor Hitze, +Im Bette gestern fast nicht auszuhalten. +Ich schlich erschöpft in diesen Garten mich, +Und weil die Nacht so lieblich mich umfing, +Mit blondem Haar, von Wohlgeruch ganz triefend +Ach! wie den Bräutgam eine Perserbraut, +So legt ich hier in ihren Schoß mich nieder. +--Was ist die Glocke jetzo? + +Hohenzollern. Halb auf Zwölf. + +Der Prinz von Homburg. +Und die Schwadronen, sagst du, brachen auf? + +Hohenzollern. +Versteht sich, ja! Glock zehn; dem Plan gemäß! +Das Regiment Prinzessin von Oranien, +Hat, wie kein Zweifel ist, an ihrer Spitze +Bereits die Höhn von Hackelwitz erreicht, +Wo sie des Heeres stillen Aufmarsch morgen, +Dem Wrangel gegenüber decken sollen. + +Der Prinz von Homburg. +Es ist gleichviel! Der alte Kottwitz führt sie, +Der jede Absicht dieses Marsches kennt. +Zudem hätt ich zurück ins Hauptquartier +Um zwei Uhr morgens wieder kehren müssen, +Weil hier Parole noch soll empfangen werden: +So blieb ich besser gleich im Ort zurück. +Komm; laß uns gehn! Der Kurfürst weiß von nichts? + +Hohenzollern. +Ei, was! Der liegt im Bette längst und schläft. + +(Sie wollen gehen; der Prinz stutzt, kehrt sich um, und +nimmt den Handschuh auf.) + +Der Prinz von Homburg. +Welch einen sonderbaren Traum träumt ich?!-- +Mir war, als ob, von Gold und Silber strahlend +Ein Königsschloß sich plötzlich öffnete, +Und hoch von seiner Marmorramp' herab, +Der ganze Reigen zu mir niederstiege, +Der Menschen, die mein Busen liebt: +Der Kurfürst und die Fürstin und die--dritte, +--Wie heißt sie schon? + +Hohenzollern. Wer? + +Der Prinz von Homburg (er scheint zu suchen). +Jene--die ich meine! +Ein Stummgeborner würd sie nennen können! + +Hohenzollern. +Die Platen? + +Der Prinz von Homburg. +Nicht doch, Lieber! + +Hohenzollern. Die Ramin? + +Der Prinz von Homburg. +Nicht, nicht doch, Freund! + +Hohenzollern. Die Bork? die Winterfeld? + +Der Prinz von Homburg. +Nicht, nicht; ich bitte dich! Du siehst die Perle +Nicht vor dem Ring, der sie in Fassung hält. + +Hohenzollern. +Zum Henker, sprich! Läßt das Gesicht sich raten? +--Welch eine Dame meinst du? + +Der Prinz von Homburg. Gleichviel! Gleichviel! +Der Nam ist mir, seit ich erwacht, entfallen, +Und gilt zu dem Verständnis hier gleichviel. + +Hohenzollern. +Gut! So sprich weiter! + +Der Prinz von Homburg. Aber stör mich nicht!-- +Und er, der Kurfürst, mit der Stirn des Zeus, +Hielt einen Kranz von Lorbeern in der Hand: +Er stellt sich dicht mir vor das Antlitz hin, +Und schlägt, mir ganz die Seele zu entzünden, +Den Schmuck darum, der ihm vom Nacken hängt, +Und reicht ihn, auf die Locken mir zu drücken +--O Lieber! + +Hohenzollern. Wem? + +Der Prinz von Homburg. O Lieber! + +Hohenzollern. Nun, so sprich! + +Der Prinz von Homburg. +--Es wird die Platen wohl gewesen sein. + +Hohenzollern. +Die Platen? Was!--Die jetzt in Preußen ist? + +Der Prinz von Homburg. +Die Platen. Wirklich. Oder die Ramin. + +Hohenzollern. +Ach, die Ramin! Was! Die, mit roten Haaren!-- +Die Platen, mit den schelmschen Veilchenaugen! +Die, weiß man, die gefällt dir. + +Der Prinz von Homburg. Die gefällt mir.-- + +Hohenzollern. +Nun, und die, sagst du, reichte dir den Kranz? + +Der Prinz von Homburg. +Hoch auf, gleich einem Genius des Ruhms, +Hebt sie den Kranz, an dem die Kette schwankte, +Als ob sie einen Helden krönen wollte. +Ich streck, in unaussprechlicher Bewegung, +Die Hände streck ich aus, ihn zu ergreifen: +Zu Füßen will ich vor ihr niedersinken. +Doch, wie der Duft, der über Täler schwebt, +Vor eines Windes frischem Hauch zerstiebt, +Weicht mir die Schar, die Ramp' ersteigend, aus. +Die Rampe dehnt sich, da ich sie betret +Endlos, bis an das Tor des Himmels aus, +Ich greife rechts, ich greife links umher, +Der Teuren einen ängstlich zu erhaschen. +Umsonst! Des Schlosses Tor geht plötzlich auf; +Ein Blitz der aus dem Innern zuckt, verschlingt sie, +Das Tor fügt rasselnd wieder sich zusammen, +Nur einen Handschuh, heftig, im Verfolgen, +Streif ich der süßen Traumgestalt vom Arm: +Und einen Handschuh, ihr allmächtgen Götter, +Da ich erwache, halt ich in der Hand! + +Hohenzollern. +Bei meinem Eid!--Und nun meinst du, der Handschuh, +Der sei der ihre? + +Der Prinz von Homburg. +Wessen? + +Hohenzollern. Nun, der Platen! + +Der Prinz von Homburg. +Der Platen. Wirklich. Oder der Ramin.-- + +Hohenzollern (lacht). +Schelm, der du bist, mit deinen Visionen! +Wer weiß von welcher Schäferstunde, traun, +Mit Fleisch und Bein hier wachend zugebracht, +Dir noch der Handschuh in den Händen klebt! + +Der Prinz von Homburg. +Was! Mir? Bei meiner Liebe--! + +Hohenzollern. Ei so, zum Henker, +Was kümmerts mich? Meinthalben seis die Platen, +Seis die Ramin! Am Sonntag geht die Post nach Preußen, +Da kannst du auf dem kürzsten Weg erfahren, +Ob deiner Schönen dieser Handschuh fehlt.-- +Fort! Es ist zwölf. Was stehn wir hier und plaudern? + +Der Prinz von Homburg (träumt vor sich nieder). +--Da hast du recht. Laß uns zu Bette gehn. +Doch, was ich sagen wollte, Lieber, +Ist die Kurfürstin noch und ihre Nichte hier, +Die liebliche Prinzessin von Oranien, +Die jüngst in unser Lager eingetroffen? + +Hohenzollern. +Warum?--Ich glaube gar, der Tor--? + +Der Prinz von Homburg. Warum?-- +Ich sollte, weißt du, dreißig Reuter stellen, +Sie wieder von dem Kriegsplatz wegzuschaffen, +Ramin hab ich deshalb beordern müssen. + +Hohenzollern. +Ei, was! Die sind längst fort! Fort, oder reisen gleich! +Ramin, zum Aufbruch völlig fertig, stand +Die ganze Nacht durch mindstens am Portal. +Doch fort! Zwölf ists; und eh die Schlacht beginnt, +Wünsch ich mich noch ein wenig auszuruhn. + +(Beide ab.) + + + +Szene: Ebendaselbst. Saal im Schloß. Man hört in der +Ferne schießen. + +Fünfter Auftritt + +Die Kurfürstin und die Prinzessin Natalie in Reisekleidern, +geführt von einem Hofkavalier, treten auf und lassen sich zur +Seite nieder. Hofdamen. Hierauf der Kurfürst, Feldmarschall +Dörfling, der Prinz von Homburg, den Handschuh im Kollett, +der Graf von Hohenzollern, Graf Truchß, Obrist Hennings, +Rittmeister von der Golz und mehrere andere Generale, Obersten +und Offiziere. + + +Der Kurfürst. +Was ist dies für ein Schießen?--Ist das Götz? + +Feldmarschall Dörfling. +Das ist der Oberst Götz, mein Fürst und Herr, +Der mit dem Vortrab gestern vorgegangen. +Er hat schon einen Offizier gesandt, +Der im voraus darüber dich beruhge. +Ein schwedscher Posten ist, von tausend Mann, +Bis auf die Hackelberge vorgerückt; +Doch haftet Götz für diese Berge dir, +Und sagt mir an, du möchtest nur verfahren, +Als hätte sie sein Vortrab schon besetzt. + +Der Kurfürst (zu den Offizieren). +Ihr Herrn, der Marschall kennt den Schlachtentwurf; +Nehmt euren Stift, bitt ich, und schreibt ihn auf. + +(Die Offiziere versammeln sich auf der andern Seite um den +Feldmarschall und nehmen ihre Schreibtafeln heraus.) + +Der Kurfürst (wendet sich zu dem Hofkavalier). +Ramin ist mit dem Wagen vorgefahren? + +Der Hofkavalier. +Im Augenblick, mein Fürst.--Man spannt schon an. + +Der Kurfürst (läßt sich auf einen Stuhl hinter der +Kurfürstin und Prinzessin nieder). +Ramin wird meine teur' Elisa führen, +Und dreißig rüstge Reuter folgen ihm. +Ihr geht auf Kalkhuhns, meines Kanzlers, Schloß +Bei Havelberg, jenseits des Havelstroms, +Wo sich kein Schwede mehr erblicken läßt.-- + +Die Kurfürstin. +Hat man die Fähre wieder hergestellt? + +Der Kurfürst. +Bei Havelberg?--Die Anstalt ist getroffen. +Zudem ists Tag, bevor ihr sie erreicht. + +(Pause.) + +Natalie ist so still, mein süßes Mädchen? +--Was fehlt dem Kind? + +Prinzessin Natalie. Mich schauert, lieber Onkel. + +Der Kurfürst. +Und gleichwohl ist mein Töchterchen so sicher, +In ihrer Mutter Schoß war sies nicht mehr. + +(Pause.) + +Die Kurfürstin. +Wann, denkst du, werden wir uns wiedersehen? + +Der Kurfürst. +Wenn Gott den Sieg mir schenkt, wie ich nicht zweifle, +Vielleicht im Laufe dieser Tage schon. + +(Pagen kommen und servieren den Damen ein Frühstück. +Feldmarschall Dörfling diktiert.--Der Prinz von Homburg, +Stift und Tafel in der Hand, fixiert die Damen.) + +Feldmarschall. +Der Plan der Schlacht, ihr Herren Obersten, +Den die Durchlaucht des Herrn ersann, bezweckt, +Der Schweden flüchtges Heer, zu gänzlicher +Zersplittrung, von dem Brückenkopf zu trennen, +Der an dem Rhynfluß ihren Rücken deckt. +Der Oberst Hennings--! + +Oberst Hennings. Hier! (Er schreibt.) + +Feldmarschall. Der nach des Herren Willen heut +Des Heeres rechten Flügel kommandiert, +Soll, durch den Grund der Hackelbüsche, still +Des Feindes linken zu umgehen suchen, +Sich mutig zwischen ihn und die drei Brücken werfen, +Und mit dem Grafen Truchß vereint-- +Graf Truchß! + +Graf Truchß. Hier! (Er schreibt.) + +Feldmarschall. Und mit dem Grafen Truchß vereint (Er hält inne.) +Der auf den Höhn indes, dem Wrangel gegenüber, +Mit den Kanonen Posten hat gefaßt-- + +Graf Truchß (schreibt). +Kanonen Posten hat gefaßt-- + +Feldmarschall. Habt Ihr? +(Er fährt fort.) +Die Schweden in den Sumpf zu jagen suchen, +Der hinter ihrem rechten Flügel liegt. + +Ein Heiduck (tritt auf). +Der Wagen, gnädge Frau, ist vorgefahren. + +(Die Damen stehen auf.) + +Feldmarschall. +Der Prinz von Homburg-- + +Der Kurfürst (erhebt sich gleichfalls). +--Ist Ramin bereit? + +Der Heiduck. +Er harrt zu Pferd schon unten am Portal. + +(Die Herrschaften nehmen Abschied von einander.) + +Graf Truchß (schreibt). +Der hinter ihrem rechten Flügel liegt. + +Feldmarschall. Der Prinz von Homburg-- +Wo ist der Prinz von Homburg? + +Graf von Hohenzollern (heimlich). Arthur! + +Der Prinz von Homburg (fährt zusammen). Hier! + +Hohenzollern. +Bist du bei Sinnen? + +Der Prinz von Homburg. Was befiehlt mein Marschall? + +(Er errötet, stellt sich mit Stift und Pergament und schreibt.) + +Feldmarschall. +Dem die Durchlaucht des Fürsten wiederum +Die Führung ruhmvoll, wie bei Rathenow, +Der ganzen märkschen Reuterei vertraut--(Er hält inne.) +Dem Obrist Kottwitz gleichwohl unbeschadet, +Der ihm mit seinem Rat zur Hand wird gehn-- +(Halblaut zum Rittmeister Golz.) +Ist Kottwitz hier? + +Rittmeister von der Golz. Nein, mein General, du siehst, +Mich hat er abgeschickt, an seiner Statt, +Aus deinem Mund den Kriegsbefehl zu hören. + +(Der Prinz sieht wieder nach den Damen herüber.) + +Feldmarschall (fährt fort). +Stellt auf der Ebne sich, beim Dorfe Hackelwitz, +Des Feindes rechtem Flügel gegenüber, +Fern außer dem Kanonenschusse auf. + +Rittmeister von der Golz (schreibt). +Fern außer dem Kanonenschusse auf. + +(Die Kurfürstin bindet der Prinzessin ein Tuch um den Hals. +Die Prinzessin, indem sie sich die Handschuh anziehen will, +sieht sich um, als ob sie etwas suchte.) + +Der Kurfürst (tritt zu ihr). +Mein Töchterchen, was fehlt dir--? + +Die Kurfürstin. Suchst du etwas? + +Prinzessin Natalie. +Ich weiß nicht, liebe Tante, meinen Handschuh-- + +(Sie sehen sich alle um.) + +Der Kurfürst (zu den Hofdamen). +Ihr Schönen! Wollt ihr gütig euch bemühn? + +Die Kurfürstin (zur Prinzessin). +Du hältst ihn, Kind. + +Natalie. Den rechten; doch den linken? + +Der Kurfürst. +Vielleicht daß er im Schlafgemach geblieben? + +Natalie. +O liebe Bork! + +Der Kurfürst (zu diesem Fräulein). +Rasch, rasch! + +Natalie. Auf dem Kamin! + +(Die Hofdame ab.) + +Der Prinz von Homburg (für sich). +Herr meines Lebens! hab ich recht gehört? +(Er nimmt den Handschuh aus dem Kollett.) + +Feldmarschall (sieht in ein Papier, das er in der Hand hält). +Fern außer dem Kanonenschusse auf.-- + +(Er fährt fort.) + +Des Prinzen Durchlaucht wird-- + +Der Prinz von Homburg. Den Handschuh sucht sie + +(Er sieht bald den Handschuh, bald die Prinzessin an.) + +Feldmarschall. +Nach unsers Herrn ausdrücklichem Befehl-- + +Rittmeister von der Golz (schreibt). +Nach unsers Herrn ausdrücklichem Befehl-- + +Feldmarschall. +Wie immer auch die Schlacht sich wenden mag, +Vom Platz nicht, der ihm angewiesen, weichen-- + +Der Prinz von Homburg. +--Rasch, daß ich jetzt erprüfe, ob ers ist! + +(Er läßt, zugleich mit seinem Schnupftuch, den Handschuh +fallen; das Schnupftuch hebt er wieder auf, den Handschuh +läßt er so, daß ihn jedermann sehen kann, liegen.) + +Feldmarschall (befremdet). +Was macht des Prinzen Durchlaucht? + +Graf von Hohenzollern (heimlich). Arthur! + +Der Prinz von Homburg. Hier! + +Hohenzollern. Ich glaub, +Du bist des Teufels?! + +Der Prinz von Homburg. Was befiehlt mein Marschall? + +(Er nimmt wieder Stift und Tafel zur Hand. Der Feldmarschall +sieht ihn einen Augenblick fragend an.--Pause.) + +Rittmeister von der Golz (nachdem er geschrieben). +Vom Platz nicht, der ihm angewiesen, weichen-- + +Feldmarschall (fährt fort). +Als bis, gedrängt von Hennings und von Truchß-- + +Der Prinz von Homburg (zum Rittmeister Golz, heimlich, indem +er in seine Schreibtafel sieht). +Wer? lieber Golz! Was? Ich? + +Rittmeister von der Golz. Ihr, ja! Wer sonst? + +Der Prinz von Homburg. +Vom Platz nicht soll ich--? + +Rittmeister von der Golz. Freilich! + +Feldmarschall. Nun? habt Ihr? + +Der Prinz von Homburg (laut). +Vom Platz nicht, der mir angewiesen, weichen (Er schreibt.) + +Feldmarschall. +Als bis, gedrängt von Hennings und von Truchß-- + +(Er hält inne.) + +Des Feindes linker Flügel, aufgelöst, +Auf seinen rechten stürzt, und alle seine +Schlachthaufen wankend nach der Trift sich drängen, +In deren Sümpfen, oft durchkreuzt von Gräben, +Der Kriegsplan eben ist, ihn aufzureiben. + +Der Kurfürst. +Ihr Pagen, leuchtet!--Euren Arm, ihr Lieben! +(Er bricht mit der Kurfürstin und der Prinzessin auf.) + +Feldmarschall. +Dann wird er die Fanfare blasen lassen. + +Die Kurfürstin (da einige Offiziere sie komplimentieren). +Auf Wiedersehn, ihr Herrn! Laßt uns nicht stören. + +(Der Feldmarschall komplimentiert sie auch.) + +Der Kurfürst (steht plötzlich still). +Sieh da! Des Fräuleins Handschuh! Rasch! Dort liegt er! + +Ein Hofkavalier. +Wo? + +Der Kurfürst. +Zu des Prinzen, unsers Vetters, Füßen! + +Der Prinz von Homburg (ritterlich). +Zu meinen--? Was! Ist das der Eurige? + +(Er hebt ihn auf und bringt ihn der Prinzessin.) + +Natalie. +Ich dank Euch, edler Prinz. + +Der Prinz von Homburg (verwirrt). Ist das der Eure? + +Natalie. +Der meinige; der, welchen ich vermißt. + +(Sie empfängt ihn und zieht ihn an.) + +Die Kurfürstin (zu dem Prinzen im Abgehen). +Lebt wohl! Lebt wohl! Viel Glück und Heil und Segen! +Macht, daß wir bald und froh uns wieder sehn! + +(Der Kurfürst mit den Frauen ab. Hofdamen, Kavaliere und +Pagen folgen.) + +Der Prinz von Homburg (steht einen Augenblick, wie vom +Blitz getroffen da; dann wendet er sich mit triumphierenden +Schritten wieder in den Kreis der Offiziere zurück). +Dann wird er die Fanfare blasen lassen! +(Er tut, als ob er schriebe.) + +Feldmarschall (sieht in sein Papier). +Dann wird er die Fanfare blasen lassen.-- +Doch wird des Fürsten Durchlaucht ihm, damit, +Durch Mißverstand, der Schlag zu früh nicht falle-- + +(Er hält inne.) + +Rittmeister von der Golz (schreibt). +Durch Mißverstand, der Schlag zu früh nicht falle + +Der Prinz von Homburg (zum Graf Hohenzollern, heimlich, in +großer Bewegung). +O Heinrich! + +Hohenzollern (unwillig). Nun! Was gibts? Was hast du vor? + +Der Prinz von Homburg. +Was! Sahst du nichts? + +Hohenzollern. Nein, nichts! Sei still, zum Henker! + +Feldmarschall (fährt fort). +Ihm einen Offizier, aus seiner Suite, senden, +Der den Befehl, das merkt, ausdrücklich noch +Zum Angriff auf den Feind ihm überbringe. +Eh wird er nicht Fanfare blasen lassen. + +(Der Prinz steht und träumt vor sich nieder.) + +--Habt Ihr? + +Rittmeister von der Golz (schreibt). +Eh wird er nicht Fanfare blasen lassen. + +Feldmarschall (mit erhöhter Stimme.). +Des Prinzen Durchlaucht, habt Ihr? + +Der Prinz von Homburg. Mein Feldmarschall? + +Feldmarschall. +Ob Ihr geschrieben habt? + +Der Prinz von Homburg.--Von der Fanfare? + +Hohenzollern (heimlich, unwillig, nachdrücklich). +Fanfare! Sei verwünscht! Nicht eh, als bis der-- + +Rittmeister von der Golz (ebenso). +Als bis er selbst-- + +Der Prinz von Homburg (unterbricht sie). +Ja, allerdings! Eh nicht-- +Doch dann wird er Fanfare blasen lassen. + +(Er schreibt.--Pause.) + +Feldmarschall. +Den Obrist Kottwitz, merkt das, Baron Golz, +Wünsch ich, wenn er es möglich machen kann, +Noch vor Beginn des Treffens selbst zu sprechen. + +Rittmeister von der Golz (mit Bedeutung). +Bestellen werd ich es. Verlaß dich drauf. + +(Pause.) + +Der Kurfürst (kommt zurück). +Nun, meine General' und Obersten, +Der Morgenstrahl ergraut!--Habt ihr geschrieben? + +Feldmarschall. +Es ist vollbracht, mein Fürst; dein Kriegsplan ist +An deine Feldherrn pünktlich ausgeteilt! + +Der Kurfürst (indem er Hut und Handschuh nimmt). +Herr Prinz von Homburg, dir empfehl ich Ruhe! +Du hast am Ufer, weißt du, mir des Rheins +Zwei Siege jüngst verscherzt; regier dich wohl, +Und laß mich heut den dritten nicht entbehren, +Der mindres nicht, als Thron und Reich, mir gilt! + +(Zu den Offizieren.) + +Folgt mir!--He, Franz! + +Ein Reitknecht (tritt auf). Hier! + +Der Kurfürst. Rasch! Den Schimmel vor! +--Noch vor der Sonn im Schlachtfeld will ich sein! + +(Ab; die Generale, Obersten und Offiziere folgen ihm.) + + + +Sechster Auftritt + + +Der Prinz von Homburg (in den Vordergrund tretend). +Nun denn, auf deiner Kugel, Ungeheures, +Du, der der Windeshauch den Schleier heut, +Gleich einem Segel lüftet, roll heran! +Du hast mir, Glück, die Locken schon gestreift: +Ein Pfand schon warfst du, im Vorüberschweben, +Aus deinem Füllhorn lächelnd mir herab: +Heut, Kind der Götter, such ich, flüchtiges, +Ich hasche dich im Feld der Schlacht und stürze +Ganz deinen Segen mir zu Füßen um: +Wärst du auch siebenfach, mit Eisenketten, +Am schwedschen Siegeswagen festgebunden! (Ab.) + + + + +Zweiter Akt + + + +Szene: Schlachtfeld bei Fehrbellin. + +Erster Auftritt + +Obrist Kottwitz, Graf Hohenzollern, Rittmeister von der Golz, +und andere Offiziere, an der Spitze der Reuterei, treten auf. + + +Obrist Kottwitz (außerhalb der Szene). +Halt hier die Reuterei, und abgesessen! + +Hohenzollern und Golz (treten auf). +Halt!--Halt! + +Obrist Kottwitz. Wer hilft vom Pferde mir, ihr Freunde? + +Hohenzollern und Golz. +Hier, Alter, hier! (Sie treten wieder zurück..) + +Obrist Kottwitz (außerhalb). +Habt Dank!--Ouf! Daß die Pest mich! +--Ein edler Sohn, für euren Dienst, jedwedem, +Der euch, wenn ihr zerfallt, ein Gleiches tut! + +(Er tritt auf; Hohenzollern, Golz und andere, hinter ihm.) + +Ja, auf dem Roß fühl ich voll Tugend mich; +Doch sitz ich ab, da hebt ein Strauß sich an, +Als ob sich Leib und Seele kämpfend trennten! + +(Er sieht sich um.) + +Wo ist des Prinzen, unsers Führers, Durchlaucht? + +Hohenzollern. +Der Prinz kehrt gleich zu dir zurück! + +Obrist Kottwitz. Wo ist er? + +Hohenzollern. +Er ritt ins Dorf, das dir, versteckt in Büschen, +Zur Seite blieb. Er wird gleich wiederkommen. + +Ein Offizier. +Zur Nachtzeit, hör ich, fiel er mit dem Pferd? + +Hohenzollern. +Ich glaube, ja. + +Obrist Kottwitz. Er fiel? + +Hohenzollern (wendet sich). Nichts von Bedeutung! +Sein Rappe scheute an der Mühle sich, +Jedoch, leichthin zur Seite niedergleitend, +Tat er auch nicht den mindsten Schaden sich. +Es ist den Odem keiner Sorge wert. + +Obrist Kottwitz (auf einen Hügel tretend). +Ein schöner Tag, so wahr ich Leben atme! +Ein Tag von Gott, dem hohen Herrn der Welt, +Gemacht zu süßerm Ding als sich zu schlagen! +Die Sonne schimmert rötlich durch die Wolken, +Und die Gefühle flattern, mit der Lerche, +Zum heitern Duft des Himmels jubelnd auf!-- + +Golz. +Hast du den Marschall Dörfling aufgefunden? + +Obrist Kottwitz (kommt vorwärts). +Zum Henker, nein! Was denkt die Exzellenz? +Bin ich ein Pfeil, ein Vogel, ein Gedanke, +Daß er mich durch das ganze Schlachtfeld sprengt? +Ich war beim Vortrab, auf den Hackelhöhn, +Und in dem Hackelgrund, beim Hintertrab: +Doch wen ich nicht gefunden, war der Marschall! +Drauf meine Reuter sucht ich wieder auf. + +Golz. +Das wird sehr leid ihm tun. Es schien, er hatte +Dir von Belang noch etwas zu vertraun. + +Der Offizier. +Da kommt des Prinzen, unsers Führers, Durchlaucht! + + + +Zweiter Auftritt + +Der Prinz von Homburg, mit einem schwarzen Band um die +linke Hand. Die Vorigen. + + +Obrist Kottwitz. +Sei mir gegrüßt, mein junger edler Prinz! +Schau her, wie, während du im Dörfchen warst, +Die Reuter ich im Talweg aufgestellt: +Ich denk du wirst mit mir zufrieden sein! + +Der Prinz von Homburg. +Guten Morgen, Kottwitz!--Guten Morgen, Freunde! +--Du weißt, ich lobe alles, was du tust. + +Hohenzollern. +Was machtest, Arthur, in dem Dörfchen du? +--Du scheinst so ernst! + +Der Prinz von Homburg. Ich--war in der Kapelle, +Die aus des Dörfchens stillen Büschen blinkte. +Man läutete, da wir vorüberzogen, +Zur Andacht eben ein, da trieb michs an, +Am Altar auch mich betend hinzuwerfen. + +Obrist Kottwitz. +Ein frommer junger Herr, das muß ich sagen! +Das Werk, glaubt mir, das mit Gebet beginnt, +Das wird mit Heil und Ruhm und Sieg sich krönen! + +Der Prinz von Homburg. +Was ich dir sagen wollte, Heinrich-- + +(Er führt den Grafen ein wenig vor.) + +Was wars schon, was der Dörfling, mich betreffend, +Bei der Parol' hat gestern vorgebracht? + +Hohenzollern. +--Du warst zerstreut. Ich hab es wohl gesehn. + +Der Prinz von Homburg. +Zerstreut--geteilt; ich weiß nicht, was mir fehlte, +Diktieren in die Feder macht mich irr.-- + +Hohenzollern. +--Zum Glück nicht diesmal eben viel für dich. +Der Truchß und Hennings, die das Fußvolk führen, +Die sind zum Angriff auf den Feind bestimmt, +Und dir ist aufgegeben, hier zu halten +Im Tal, schlagfertig mit der Reuterei, +Bis man zum Angriff den Befehl dir schickt. + +Der Prinz von Homburg (nach einer Pause, in der er vor +sich niedergeträumt). +--Ein wunderlicher Vorfall! + +Hohenzollern. Welcher, Lieber? + +(Er sieht ihn an.--Ein Kanonenschuß fällt.) + +Obrist Kottwitz. +Holla, ihr Herrn, holla! Sitzt auf! sitzt auf! +Das ist der Hennings und die Schlacht beginnt! + +(Sie besteigen sämtlich einen Hügel.) + +Der Prinz von Homburg. +Wer ist es? Was? + +Hohenzollern. Der Obrist Hennings, Arthur, +Der sich in Wrangels Rücken hat geschlichen! +Komm nur, dort kannst du alles überschaun. + +Golz (auf dem Hügel). +Seht, wie er furchtbar sich am Rhyn entfaltet! + +Der Prinz von Homburg (hält sich die Hand vors Auge). +--Der Hennings dort auf unserm rechten Flügel? + +Erster Offizier. +Ja, mein erlauchter Prinz. + +Der Prinz von Homburg. Was auch, zum Henker! +Der stand ja gestern auf des Heeres Linken. + +(Kanonenschüsse in der Ferne.) + +Obrist Kottwitz. +Blitzelement! Seht, aus zwölf Feuerschlünden +Wirkt jetzt der Wrangel auf den Hennings los! + +Erster Offizier. +Das nenn ich Schanzen das, die schwedischen! + +Zweiter Offizier. +Bei Gott, getürmt bis an die Kirchsturmspitze, +Des Dorfs, das hinter ihrem Rücken liege! + +(Schüsse in der Nähe.) + +Golz. +Das ist der Truchß! + +Der Prinz von Homburg. Der Truchß? + +Obrist Kottwitz. Der Truchß, er, ja; +Der Hennings jetzt von vorn zu Hülfe kommt. + +Der Prinz von Homburg. +Wie kommt der Truchß heut in die Mitte? + +(Heftige Kanonade.) + +Golz. +O Himmel, schaut, mich dünkt das Dorf fing Feuer! + +Dritter Offizier. +Es brennt, so wahr ich leb! + +Erster Offizier. Es brennt! Es brennt! +Die Flamme zuckt schon an dem Turm empor! + +Golz. +Hui! Wie die Schwedenboten fliegen rechts und links! + +Zweiter Offizier. +Sie brechen auf! + +Obrist Kottwitz. Wo? + +Erster Offizier. Auf dem rechten Flügel!-- + +Dritter Offizier. +Freilich! In Zügen! Mit drei Regimentern! +Es scheint, den linken wollen sie verstärken. + +Zweiter Offizier. +Bei meiner Treu! Und Reuterei rückt vor, +Den Marsch des rechten Flügels zu bedecken! + +Hohenzollern (lacht). +Ha! Wie das Feld die wieder räumen wird, +Wenn sie versteckt uns hier im Tal erblickt! + +(Musketenfeuer.) + +Kottwitz. +Schaut! Brüder, schaut! + +Zweiter Offizier. Horcht! + +Erster Offizier. Feuer der Musketen! + +Dritter Offizier. +Jetzt sind sie bei den Schanzen aneinander!-- + +Golz. +Bei Gott! Solch einen Donner des Geschützes +Hab ich zeit meines Lebens nicht gehört! + +Hohenzollern. +Schießt! Schießt! Und macht den Schoß der Erde bersten! +Der Riß soll eurer Leichen Grabmal sein. + +(Pause.--Ein Siegsgeschrei in der Ferne.) + +Erster Offizier. +Herr, du, dort oben, der den Sieg verleiht: +Der Wrangel kehrt den Rücken schon! + +Hohenzollern. Nein, sprich! + +Golz. +Beim Himmel, Freunde! Auf dem linken Flügel! +Er räumt mit seinem Feldgeschütz die Schanzen. + +Alle. +Triumph! Triumph! Triumph! Der Sieg ist unser! + +Der Prinz von Homburg (steigt vom Hügel herab). +Auf, Kottwitz, folg mir! + +Obrist Kottwitz. Ruhig, ruhig, Kinder! + +Der Prinz von Homburg. +Auf! Laß Fanfare blasen! Folge mir! + +Obrist Kottwitz. +Ich sage, ruhig. + +Der Prinz von Homburg (wild). +Himmel, Erd und Hölle! + +Obrist Kottwitz. +Des Herrn Durchlaucht, bei der Parole gestern, +Befahl, daß wir auf Order warten sollen. +Golz, lies dem Herren die Parole vor. + +Der Prinz von Homburg. +Auf Ord'r! Ei, Kottwitz! Reitest du so langsam? +Hast du sie noch vom Herzen nicht empfangen? + +Obrist Kottwitz. +Order? + +Hohenzollern. +Ich bitte dich! + +Obrist Kottwitz. Von meinem Herzen? + +Hohenzollern. +Laß dir bedeuten, Arthur! + +Golz. Hör' mein Obrist! + +Obrist Kottwitz (beleidigt). +Oho! Kömmst du mir so, mein junger Herr?-- +Den Gaul, den du dahersprengst, schlepp ich noch +Im Notfall an dem Schwanz des meinen fort! +Marsch, marsch, ihr Herrn! Trompeter, die Fanfare! +Zum Kampf! Zum Kampf! Der Kottwitz ist dabei! + +Golz (zu Kottwitz). +Nein nimmermehr, mein Obrist! Nimmermehr! + +Zweiter Offizier. +Der Hennings hat den Rhyn noch nicht erreicht! + +Erster Offizier. +Nimm ihm den Degen ab! + +Der Prinz von Homburg. Den Degen mir? +(Er stößt ihn zurück.) +Ei, du vorwitzger Knabe, der du noch +Nicht die Zehn märkischen Gebote kennst! +Hier ist der deinige, zusamt der Scheide! +(Er reißt ihm das Schwert samt dem Gürtel ab.) + +Erster Offizier (taumelnd). +Mein Prinz, die Tat, bei Gott--! + +Der Prinz von Homburg (auf ihn einschreitend). +Den Mund noch öffnest--? + +Hohenzollern (zu dem Offizier). +Schweig! Bist du rasend? + +Der Prinz von Homburg (indem er den Degen abgibt). +Ordonnanzen!-- +Führt ihn gefangen ab, ins Hauptquartier. + +(Zu Kottwitz und den übrigen Offizieren.) + +Und jetzt ist die Parol', ihr Herrn: ein Schurke, +Wer seinem General zur Schlacht nicht folgt! +--Wer von euch bleibt? + +Obrist Kottwitz. Du hörst. Was eiferst du? + +Hohenzollern (beilegend). +Es war ein Rat nur, den man dir erteilt. + +Obrist Kottwitz. +Auf deine Kappe nimms. Ich folge dir. + +Der Prinz von Homburg (beruhigt). +Ich nehms auf meine Kappe. Folgt mir, Brüder! + +(Alle ab.) + + + +Szene: Zimmer in einem Dorf. + +Dritter Auftritt + +Ein Hofkavalier, in Stiefeln und Sporen, tritt auf.--Ein +Bauer und seine Frau sitzen an einem Tisch und arbeiten. + + +Hofkavalier. +Glück auf, ihr wackern Leute! Habt ihr Platz, +In eurem Hause Gäste aufzunehmen? + +Der Bauer. +O ja! Von Herzen. + +Die Frau. Darf man wissen, wen? + +Hofkavalier. +Die hohe Landesmutter! Keinen Schlechtern! +Am Dorftor brach die Achse ihres Wagens, +Und weil wir hören, daß der Sieg erfochten, +So braucht es weiter diese Reise nicht. + +Beide (stehen auf). +Der Sieg erfochten?--Himmel! + +Hofkavalier. Das wißt ihr nicht? +Das Heer der Schweden ist aufs Haupt geschlagen, +Wenn nicht für immer, doch auf Jahresfrist, +Die Mark vor ihrem Schwert und Feuer sicher! +--Doch seht! da kömmt die Landesfürstin schon. + + + +Vierter Auftritt + +Die Kurfürstin, bleich und verstört. Prinzessin Natalie +und mehrere Hofdamen folgen.--Die Vorigen. + + +Kurfürstin (unter der Tür). +Bork! Winterfeld! Kommt: gebt mir euren Arm! + +Natalie (zu ihr eilend). +O meine Mutter! + +Die Hofdamen. Gott! Sie bleicht! Sie fällt! + +(Sie unterstützen sie.) + +Kurfürstin. + +Führt mich auf einen Stuhl, ich will mich setzen. +--Tot, sagt er; tot? + +Natalie. O meine teure Mutter! + +Kurfürstin. +Ich will den Unglücksboten selber sprechen. + + + +Fünfter Auftritt + +Rittmeister von Mörner tritt verwundet auf, von zwei +Reutern geführt.--Die Vorigen. + + +Kurfürstin. +Was bringst du, Herold des Entsetzens, mir? + +Mörner. +Was diese Augen, leider, teure Frau, +Zu meinem ewgen Jammer, selbst gesehn. + +Kurfürstin. +Wohlan! Erzähl! + +Mörner. Der Kurfürst ist nicht mehr! + +Natalie. O Himmel! +Soll ein so ungeheurer Schlag uns treffen? + +(Sie bedeckt sich das Gesicht.) + +Kurfürstin. +Erstatte mir Bericht, wie er gesunken! +--Und wie der Blitzstrahl, der den Wandrer trifft, +Die Welt noch einmal purpurn ihm erleuchtet, +So laß dein Wort sein; Nacht, wenn du gesprochen, +Mög über meinem Haupt zusammenschlagen. + +Mörner (tritt, geführt von den beiden Reutern, vor ihr). +Der Prinz von Homburg war, sobald der Feind, +Gedrängt von Truchß, in seiner Stellung wankte, +Auf Wrangel in die Ebne vorgerückt; +Zwei Linien hatt er, mit der Reuterei, +Durchbrochen schon, und auf der Flucht vernichtet, +Als er auf eine Feldredoute stieß. +Hier schlug so mörderischer Eisenregen +Entgegen ihm, daß seine Reuterschar, +Wie eine Saat, sich knickend niederlegte: +Halt mußt er machen zwischen Busch und Hügeln, +Um sein zerstreutes Reuterkorps zu sammeln. + +Natalie (zur Kurfürstin). +Geliebte! Fasse dich! + +Kurfürstin. Laß, laß mich, Liebe! + +Mörner. +In diesem Augenblick, dem Staub entrückt, +Bemerken wir den Herrn, der, bei den Fahnen +Des Truchßschen Korps, dem Feind entgegenreitet; +Auf einem Schimmel herrlich saß er da, +Im Sonnenstrahl, die Bahn des Siegs erleuchtend. +Wir alle sammeln uns, bei diesem Anblick, +Auf eines Hügels Abhang, schwer besorgt, +Inmitten ihn des Feuers zu erblicken: +Als plötzlich jetzt der Kurfürst, Roß und Reuter, +In Staub vor unsern Augen niedersinkt; +Zwei Fahnenträger fielen über ihn, +Und deckten ihn mit ihren Fahnen zu. + +Natalie. +O meine Mutter! + +Erste Hofdame. Himmel! + +Kurfürstin. Weiter! Weiter! + +Mörner. +Drauf faßt, bei diesem schreckenvollen Anblick, +Schmerz, unermeßlicher, des Prinzen Herz; +Dem Bären gleich, von Wut gespornt und Rache, +Bricht er mit uns auf die Verschanzung los: +Der Graben wird, der Erdwall, der sie deckt, +Im Anlauf überflogen, die Besatzung +Geworfen, auf das Feld zerstreut, vernichtet, +Kanonen, Fahnen, Pauken und Standarten, +Der Schweden ganzes Kriegsgepäck, erbeutet: +Und hätte nicht der Brückenkopf am Rhyn +Im Würgen uns gehemmt, so wäre keiner, +Der an dem Herd der Väter, sagen könnte: +Bei Fehrbellin sah ich den Helden fallen! + +Kurfürstin. +Ein Sieg, zu teu'r erkauft! Ich mag ihn nicht. +Gebt mir den Preis, den er gekostet, wieder. + +(Sie sinkt in Ohnmacht.) + +Erste Hofdame. +Hilf, Gott im Himmel! Ihre Sinne schwinden. + +(Natalie weint.) + + + +Sechster Auftritt + +Der Prinz von Homburg tritt auf.--Die Vorigen. + + +Der Prinz von Homburg. +O meine teuerste Natalie! + +(Er legt ihre Hand gerührt an sein Herz.) + +Natalie. +So ist es wahr? + +Der Prinz von Homburg. +O! könnt ich sagen: nein! +Könnt ich mit Blut, aus diesem treuen Herzen, +Das seinige zurück ins Dasein rufen! + +Natalie (trocknet sich die Tränen). +Hat man denn schon die Leiche aufgefunden? + +Der Prinz von Homburg. +Ach, mein Geschäft, bis diesen Augenblick, +War Rache nur an Wrangel; wie vermocht ich, +Solch einer Sorge mich bis jetzt zu weihn? +Doch eine Schar von Männern sandt ich aus, +Ihn, im Gefild des Todes, aufzusuchen: +Vor Nacht noch zweifelsohne trifft er ein. + +Natalie. +Wer wird, in diesem schauderhaften Kampf, +Jetzt diese Schweden niederhalten? Wer +Vor dieser Welt von Feinden uns beschirmen, +Die uns sein Glück, die uns sein Ruhm erworben? + +Der Prinz von Homburg (nimmt ihre Hand). +Ich, Fräulein, übernehme eure Sache! +Ein Engel will ich, mit dem Flammenschwert, +An eures Throns verwaiste Stufen stehn! +Der Kurfürst wollte, eh das Jahr noch wechselt, +Befreit die Marken sehn; wohlan! ich will der +Vollstrecker solchen letzten Willens sein! + +Natalie. +Mein lieber, teurer Vetter! + +(Sie zieht ihre Hand zurück.) + +Der Prinz von Homburg. O Natalie! +(Er hält einen Augenblick inne.) +Wie denkt Ihr über Eure Zukunft jetzt? + +Natalie. +Ja, was soll ich, nach diesem Wetterschlag, +Der unter mir den Grund zerreißt, beginnen? +Mir ruht der Vater, mir die teure Mutter, +Im Grab zu Amsterdam; in Schutt und Asche +Liegt Dortrecht, meines Hauses Erbe, da; +Gedrängt von Spaniens Tyrannenheeren, +Weiß Moritz kaum, mein Vetter von Oranien, +Wo er die eignen Kinder retten soll: +Und jetzt sinkt mir die letzte Stütze nieder, +Die meines Glückes Rebe aufrecht hielt. +Ich ward zum zweitenmale heut verwaist. + +Der Prinz von Homburg (schlägt einen Arm um ihren Leib). +O meine Freundin! Wäre diese Stunde +Der Trauer nicht geweiht, so wollt ich sagen: +Schlingt Eure Zweige hier um diese Brust, +Um sie, die schon seit Jahren, einsam blühend, +Nach eurer Glocken holden Duft sich sehnt! + +Natalie. +Mein lieber, guter Vetter! + +Der Prinz von Homburg.--Wollt Ihr? Wollt Ihr? + +Natalie. +--Wenn ich ins innre Mark ihr wachsen darf? + +(Sie legt sich an seine Brust.) + +Der Prinz von Homburg. +Wie? Was war das? + +Natalie. Hinweg! + +Der Prinz von Homburg (hält sie). In ihren Kern! +In ihres Herzens Kern, Natalie! + +(Er küßt sie; sie reißt sich los.) + +O Gott, wär er jetzt da, den wir beweinen, +Um diesen Bund zu schauen! Könnten wir +Zu ihm aufstammeln: Vater, segne uns! + +(Er bedeckt sein Gesicht mit seinen Händen; Natalie wendet +sich wieder zur Kurfürstin zurück.) + + + +Siebenter Auftritt + +Ein Wachtmeister tritt eilig auf.--Die Vorigen. + + +Wachtmeister. +Mein Prinz, kaum wag ich, beim lebendgen Gott, +Welch ein Gerücht sich ausstreut, Euch zu melden! +--Der Kurfürst lebt! + +Der Prinz von Homburg. Er lebt! + +Wachtmeister. Beim hohen Himmel! +Graf Sparren bringt die Nachricht eben her. + +Natalie. +Herr meines Lebens! Mutter; hörtest dus? + +(Sie stürzt vor der Kurfürstin nieder und umfaßt ihren Leib.) + +Der Prinz von Homburg. +Nein, sag--! Wer bringt mir--? + +Wachtmeister. Graf Georg von Sparren, +Der ihn in Hackelwitz beim Truchßschen Korps, +Mit eignem Aug, gesund und wohl, gesehn! + +Der Prinz von Homburg. +Geschwind! Lauf, Alter! Bring ihn mir herein! + +(Wachtmeister ab.) + + + +Achter Auftritt + +Graf Georg von Sparren und der Wachtmeister treten auf. +Die Vorigen. + + +Kurfürstin. +O stürzt mich zweimal nicht zum Abgrund nieder! + +Natalie. +Nein, meine teure Mutter! + +Kurfürstin. Friedrich lebt? + +Natalie (hält sie mit beiden Händen aufrecht). +Des Daseins Gipfel nimmt Euch wieder auf! + +Wachtmeister (auftretend). +Hier ist der Offizier! + +Der Prinz von Homburg. Herr Graf von Sparren! +Des Herrn Durchlaucht habt Ihr frisch und wohlauf, +Beim Truchßschen Korps, in Hackelwitz, gesehn? + +Graf Sparren. +Ja, mein erlauchter Prinz, im Hof des Pfarrers, +Wo er Befehle gab, vom Stab umringt, +Die Toten beider Heere zu begraben! + +Die Hofdamen. +O Gott! An deine Brust--(Sie umarmen sich.) + +Kurfürstin. O meine Tochter! + +Natalie. +Nein, diese Seligkeit ist fast zu groß! + +(Sie drückt ihr Gesicht in der Tante Schoß.) + +Der Prinz von Homburg. +Sah ich von fern, an meiner Reuter Spitze, +Ihn nicht, zerschmettert von Kanonenkugeln, +In Staub, samt seinem Schimmel, niederstürzen? + +Graf Sparren. +Der Schimmel, allerdings, stürzt', samt dem Reuter, +Doch wer ihn ritt, mein Prinz, war nicht der Herr. + +Der Prinz von Homburg. +Nicht? Nicht der Herr? + +Natalie. O Jubel! + +(Sie steht auf und stellt sich an die Seite der Kurfürstin.) + +Der Prinz von Homburg. Sprich! Erzähle! +Dein Wort fällt schwer wie Gold in meine Brust! + +Graf Sparren. +O laßt die rührendste Begebenheit, +Die je ein Ohr vernommen, Euch berichten! +Der Landesherr, der, jeder Warnung taub, +Den Schimmel wieder ritt, den strahlendweißen, +Den Froben jüngst in England ihm erstand, +War wieder, wie bis heut noch stets geschah, +Das Ziel der feindlichen Kanonenkugeln. +Kaum konnte, wer zu seinem Troß gehörte, +Auf einen Kreis von hundert Schritt ihm nahn; +Granaten wälzten, Kugeln und Kartätschen, +Sich wie ein breiter Todesstrom daher, +Und alles, was da lebte, wich ans Ufer: +Nur er, der kühne Schwimmer, wankte nicht, +Und, stets den Freunden winkend, rudert' er +Getrost den Höhn zu, wo die Quelle sprang. + +Der Prinz von Homburg. +Beim Himmel, ja! Ein Grausen wars, zu sehn. + +Graf Sparren. +Stallmeister Froben, der, beim Troß der Suite, +Zunächst ihm folgt, ruft dieses Wort mir zu: +"Verwünscht sei heut mir dieses Schimmels Glanz, +Mit schwerem Gold in London jüngst erkauft! +Wollt ich doch funfzig Stück Dukaten geben, +Könnt ich ihn mit dem Grau der Mäuse decken." +Er naht, voll heißer Sorge, ihm und spricht: +"Hoheit, dein Pferd ist scheu, du mußt verstatten, +Daß ichs noch einmal in die Schule nehme!" +Mit diesem Wort entsitzt er seinem Fuchs, +Und fällt dem Tier des Herren in den Zaum. +Der Herr steigt ab, still lächelnd, und versetzt: +"Die Kunst, die du ihn, Alter, lehren willst, +Wird er, solang es Tag ist, schwerlich lernen. +Nimm, bitt ich, fern ihn, hinter jenen Hügeln, +Wo seines Fehls der Feind nicht achtet, vor." +Dem Fuchs drauf sitzt er auf, den Froben reitet, +Und kehrt zurück, wohin sein Amt ihn ruft. +Doch Froben hat den Schimmel kaum bestiegen, +So reißt, entsendet aus der Feldredoute, +Ihn schon ein Mordblei, Roß und Reuter, nieder. +In Staub sinkt er, ein Opfer seiner Treue, +Und keinen Laut vernahm man mehr von ihm. + +(Kurze Pause.) + +Der Prinz von Homburg. +Er ist bezahlt!--Wenn ich zehn Leben hätte, +Könnt ich sie besser brauchen nicht, als so! + +Natalie. +Der wackre Froben! + +Kurfürstin. Der Vortreffliche! + +Natalie. +Ein Schlechtrer wäre noch der Tränen wert! + +(Sie weinen.) + +Der Prinz von Homburg. +Genug! Zur Sache jetzt. Wo ist der Kurfürst? +Nahm er in Hackelwitz sein Hauptquartier? + +Graf Sparren. +Vergib! der Herr ist nach Berlin gegangen, +Und die gesamte Generalität +Ist aufgefordert, ihm dahin zu folgen. + +Der Prinz von Homburg. +Wie? Nach Berlin?--Ist denn der Feldzug aus? + +Graf Sparren. +Fürwahr, ich staune, daß dir alles fremd! +Graf Horn, der schwedsche General, traf ein; +Es ist im Lager, gleich nach seiner Ankunft, +Ein Waffenstillstand ausgerufen worden. +Wenn ich den Marschall Dörfling recht verstanden, +Ward eine Unterhandlung angeknüpft: +Leicht, daß der Frieden selbst erfolgen kann. + +Kurfürstin. +O Gott, wie herrlich klärt sich alles auf! + +(Sie steht auf.) + +Der Prinz von Homburg. +Kommt, laßt sogleich uns nach Berlin ihm folgen! +--Räumst du, zu rascherer Beförderung, wohl +Mir einen Platz in deinem Wagen ein? +--Zwei Zeilen nur an Kottwitz schreib ich noch, +Und steige augenblicklich mit dir ein. + +(Er setzt sich nieder und schreibt.) + +Kurfürstin. +Von ganzem Herzen gern! + +Der Prinz von Homburg (legt den Brief zusammen und übergibt +ihn dem Wachtmeister; indem er sich wieder zur Kurfürstin +wendet, und den Arm sanft um Nataliens Leib legt). +Ich habe so +Dir einen Wunsch noch schüchtern zu vertraun, +Des ich mich auf der Reis entlasten will. + +Natalie (macht sich von ihm los). +Bork! Rasch! Mein Halstuch, bitt ich! + +Kurfürstin. Du? Einen Wunsch mir? + +Erste Hofdame. +Ihr tragt das Tuch, Prinzessin, um den Hals! + +Der Prinz von Homburg (zur Kurfürstin). +Was? Rätst du nichts? + +Kurfürstin. Nein, nichts! + +Der Prinz von Homburg. Was? Keine Silbe? + +Kurfürstin (abbrechend). +Gleichviel!--Heut keinem Flehenden auf Erden +Antwort ich: nein! was es auch immer sei; +Und dir, du Sieger in der Schlacht, zuletzt! +--Hinweg! + +Der Prinz von Homburg. +O Mutter! Welch ein Wort sprachst du? +Darf ichs mir deuten, wie es mir gefällt? + +Kurfürstin. +Hinweg, sag ich! Im Wagen mehr davon! + +Der Prinz von Homburg. +Kommt, gebt mir Euren Arm!--O Cäsar Divus! +Die Leiter setz ich an, an deinen Stern! + +(Er führt die Damen ab; alle folgen.) + + + +Szene: Berlin. Lustgarten vor dem alten Schloß. Im Hintergrunde +die Schloßkirche, mit einer Treppe. Glockenklang; die Kirche +ist stark erleuchtet; man sieht die Leiche Frobens vorübertragen, +und auf einen prächtigen Katafalk niedersetzen. + +Neunter Auftritt + +Der Kurfürst, Feldmarschall Dörfling, Obrist Hennings, Graf +Truchß, und mehrere andere Obristen und Offiziere treten auf. +Ihm gegenüber zeigen sich einige Offiziere mit Depeschen.-- +In der Kirche sowohl als auf dem Platz Volk jeden Alters und +Geschlechts. + + +Der Kurfürst. +Wer immer auch die Reuterei geführt, +Am Tag der Schlacht, und, eh der Obrist Hennings +Des Feindes Brücken hat zerstören können, +Damit ist aufgebrochen, eigenmächtig, +Zur Flucht, bevor ich Order gab, ihn zwingend, +Der ist des Todes schuldig, das erklär ich, +Und vor ein Kriegsgericht bestell ich ihn. +--Der Prinz von Homburg hat sie nicht geführt? + +Graf Truchß. +Nein, mein erlauchter Herr! + +Der Kurfürst. Wer sagt mir das? + +Graf Truchß. +Das können Reuter dir bekräftigen, +Die mirs versichert, vor Beginn der Schlacht. +Der Prinz hat mit dem Pferd sich überschlagen, +Man hat verwundet schwer, an Haupt und Schenkeln, +In einer Kirche ihn verbinden sehn. + +Der Kurfürst. +Gleichviel. Der Sieg ist glänzend dieses Tages, +Und vor dem Altar morgen dank ich Gott. +Doch wär er zehnmal größer, das entschuldigt +Den nicht, durch den der Zufall mir ihn schenkt: +Mehr Schlachten noch, als die, hab ich zu kämpfen, +Und will, daß dem Gesetz Gehorsam sei. +Wers immer war, der sie zur Schlacht geführt, +Ich wiederhols, hat seinen Kopf verwirkt, +Und vor ein Kriegsrecht hiemit lad ich ihn. +--Folgt, meine Freunde, in die Kirche mir! + + + +Zehnter Auftritt + +Der Prinz von Homburg, drei schwedische Fahnen in der Hand, +Obrist Kottwitz, mit deren zwei, Graf Hohenzollern, Rittmeister +Golz, Graf Reuß, jeder mit einer Fahne, mehrere andere +Offiziere, Korporale und Reuter, mit Fahnen, Pauken und +Standarten, treten auf. + + +Feldmarschall Dörfling (so wie er den Prinzen erblickt). +Der Prinz von Homburg!--Truchß! Was machtet Ihr? + +Der Kurfürst (stutzt). +Wo kommt Ihr her, Prinz? + +Der Prinz von Homburg (einige Schritte vorschreitend). +Von Fehrbellin, mein Kurfürst, +Und bringe diese Siegstrophäen dir. + +(Er legt die drei Fahnen vor ihm nieder; die Offiziere, +Korporale und Reuter folgen, jeder mit der ihrigen.) + +Der Kurfürst (betroffen). +Du bist verwundet, hör ich, und gefährlich? +--Graf Truchß! + +Der Prinz von Homburg (heiter). +Vergib! + +Graf Truchß. Beim Himmel, ich erstaune! + +Der Prinz von Homburg. +Mein Goldfuchs fiel, vor Anbeginn der Schlacht; +Die Hand hier, die ein Feldarzt mir verband, +Verdient nicht, daß du sie verwundet taufst. + +Der Kurfürst. +Mithin hast du die Reuterei geführt? + +Der Prinz von Homburg (sieht ihn an). +Ich? Allerdings! Mußt du von mir dies hören? +--Hier legt ich den Beweis zu Füßen dir. + +Der Kurfürst. +--Nehmt ihm den Degen ab. Er ist gefangen. + +Feldmarschall (erschrocken). +Wem? + +Der Kurfürst (tritt unter die Fahnen). +Kottwitz! Sei gegrüßt mir! + +Graf Truchß (für sich). O verflucht! + +Obrist Kottwitz. +Bei Gott, ich bin aufs äußerste--! + +Der Kurfürst (er sieht ihn an). Was sagst du? +Schau, welche Saat für unsern Ruhm gemäht! +--Die Fahn ist von der schwedischen Leibwacht! Nicht? +(Er nimmt eine Fahne auf, entwickelt und betrachtet sie.) + +Obrist Kottwitz. +Mein Kurfürst? + +Feldmarschall. Mein Gebieter? + +Der Kurfürst. Allerdings! +Und zwar aus König Gustav Adolfs Zeiten! +--Wie heißt die Inschrift? + +Obrist Kottwitz. Ich glaube-- + +Feldmarschall.--Per aspera ad astra. + +Der Kurfürst. +Das hat sie nicht bei Fehrbellin gehalten. + +(Pause.) + +Obrist Kottwitz (schüchtern). +Mein Fürst, vergönn ein Wort mir--! + +Der Kurfürst. Was beliebt?-- +Nehmt alles, Fahnen, Pauken und Standarten, +Und hängt sie an der Kirche Pfeiler auf; +Beim Siegsfest morgen denk ich sie zu brauchen! + +(Der Kurfürst wendet sich zu den Kurieren, nimmt ihnen die +Depeschen ab, erbricht, und liest sie.) + +Obrist Kottwitz (für sich). +Das, beim lebendigen Gott, ist mir zu stark! + +(Der Obrist nimmt, nach einigem Zaudern, seine zwei Fahnen auf; +die übrigen Offiziere und Reuter folgen; zuletzt, da die drei +Fahnen des Prinzen liegen bleiben, hebt Kottwitz auch diese +auf, so daß er nun fünf trägt.) + +Ein Offizier (tritt vor den Prinzen). +Prinz, Euren Degen, bitt ich. + +Hohenzollern (mit seiner Fahne, ihm zur Seite tretend). +Ruhig, Freund! + +Der Prinz von Homburg. +Träum ich? Wach ich? Leb ich? Bin ich bei Sinnen? + +Golz. +Prinz, gib den Degen, rat ich, hin, und schweig! + +Der Prinz von Homburg. +Ich, ein Gefangener? + +Hohenzollern. So ists! + +Golz. Ihr hörts! + +Der Prinz von Homburg. +Darf man die Ursach wissen? + +Hohenzollern (mit Nachdruck). Jetzo nicht! +--Du hast zu zeitig, wie wir gleich gesagt, +Dich in die Schlacht gedrängt; die Order war, +Nicht von dem Platz zu weichen, ungerufen! + +Der Prinz von Homburg. +Helft Freunde, helft! Ich bin verrückt. + +Golz (unterbrechend). Still! Still! + +Der Prinz von Homburg. +Sind denn die Märkischen geschlagen worden? + +Hohenzollern (stampft mit dem Fuß auf die Erde). +Gleichviel!--Der Satzung soll Gehorsam sein. + +Der Prinz von Homburg (mit Bitterkeit). +So--so, so, so! + +Hohenzollern (entfernt sich von ihm). +Es wird den Hals nicht kosten. + +Golz (ebenso). +Vielleicht, daß du schon morgen wieder los. + +(Der Kurfürst legt die Briefe zusammen, und kehrt sich wieder +in den Kreis der Offiziere zurück.) + +Der Prinz von Homburg (nachdem er sich den Degen abgeschnallt). +Mein Vetter Friedrich will den Brutus spielen, +Und sieht, mit Kreid auf Leinewand verzeichnet, +Sich schon auf dem kurulschen Stuhle sitzen: +Die schwedschen Fahnen in dem Vordergrund, +Und auf dem Tisch die märkschen Kriegsartikel. +Bei Gott, in mir nicht findet er den Sohn, +Der, unterm Beil des Henkers, ihn bewundre. +Ein deutsches Herz, von altem Schrot und Korn, +Bin ich gewohnt an Edelmut und Liebe, +Und wenn er mir, in diesem Augenblick, +Wie die Antike starr entgegenkommt, +Tut er mir leid, und ich muß ihn bedauren! + +(Er gibt den Degen an den Offizier und geht ab.) + +Der Kurfürst. +Bringt ihn nach Fehrbellin, ins Hauptquartier, +Und dort bestellt das Kriegsrecht, das ihn richte. + +(Ab in die Kirche. Die Fahnen folgen ihm, und werden, während +er mit seinem Gefolge an dem Sarge Frobens niederkniet und +betet, an den Pfeilern derselben aufgehängt. +Trauermusik.) + + + + +Dritter Akt + +Szene: Fehrbellin. Ein Gefängnis. + + + +Erster Auftritt + +Der Prinz von Homburg.--Im Hintergrunde zwei Reuter, als +Wache.--Der Graf von Hohenzollern tritt auf. + + +Der Prinz von Homburg. +Sieh da! Freund Heinrich! Sei willkommen mir! +--Nun, des Arrestes bin ich wieder los? + +Hohenzollern (erstaunt). +Gott sei Lob, in der Höh! + +Der Prinz von Homburg. Was sagst du? + +Hohenzollern. Los? +Hat er den Degen dir zurück geschickt? + +Der Prinz von Homburg. +Mir? Nein. + +Hohenzollern. +Nicht? + +Der Prinz von Homburg. +Nein! + +Hohenzollern.--Woher denn also los? + +Der Prinz von Homburg (nach einer Pause). +Ich glaubte, du, du bringst es mir.--Gleichviel! + +Hohenzollern. +--Ich weiß von nichts. + +Der Prinz von Homburg. Gleichviel, du hörst; gleichviel! +So schickt er einen andern, der mirs melde. + +(Er wendet sich und holt Stühle.) + +Setz dich!--Nun, sag mir an, was gibt es Neues? +--Der Kurfürst kehrte von Berlin zurück? + +Hohenzollern (zerstreut). +Ja. Gestern abend. + +Der Prinz von Homburg. +Ward, beschloßnermaßen, +Das Siegsfest dort gefeiert?--Allerdings! +--Der Kurfürst war zugegen in der Kirche? + +Hohenzollern. +Er und die Fürstin und Natalie.-- +Die Kirche war, auf würdge Art, erleuchtet; +Battrieen ließen sich, vom Schloßplatz her, +Mit ernster Pracht bei dem Tedeum hören. +Die schwedschen Fahnen wehten und Standarten, +Trophäenartig, von den Pfeilern nieder, +Und auf des Herrn ausdrücklichem Befehl, +Ward deines, als des Siegers Namen-- +Erwähnung von der Kanzel her getan. + +Der Prinz von Homburg. +Das hört ich!--Nun, was gibt es sonst; was bringst du? +--Dein Antlitz, dünkt mich, sieht nicht heiter, Freund! + +Hohenzollern. +--Sprachst du schon wen? + +Der Prinz von Homburg. Golz, eben, auf dem Schlosse, +Wo ich, du weißt es, im Verhöre war. + +(Pause.) + +Hohenzollern (sieht ihn bedenklich an). +Was denkst du, Arthur, denn von deiner Lage, +Seit sie so seltsam sich verändert hat? + +Der Prinz von Homburg. +Ich? Nun, was du und Golz--die Richter selbst! +Der Kurfürst hat getan, was Pflicht erheischte, +Und nun wird er dem Herzen auch gehorchen. +Gefehlt hast du, so wird er ernst mir sagen, +Vielleicht ein Wort von Tod und Festung sprechen: +Ich aber schenke dir die Freiheit wieder-- +Und um das Schwert, das ihm den Sieg errang, +Schlingt sich vielleicht ein Schmuck der Gnade noch; +--Wenn der nicht, gut; denn den verdient ich nicht! + +Hohenzollern. +O Arthur! (Er hält inne.) + +Der Prinz von Homburg. +Nun? + +Hohenzollern.--Des bist du so gewiß? + +Der Prinz von Homburg. +Ich denks mir so! Ich bin ihm wert, das weiß ich, +Wert wie ein Sohn; das hat seit früher Kindheit, +Sein Herz in tausend Proben mir bewiesen. +Was für ein Zweifel ists, der dich bewegt? +Schien er am Wachstum meines jungen Ruhms +Nicht mehr fast, als ich selbst, sich zu erfreun? +Bin ich nicht alles, was ich bin, durch ihn? +Und er, er sollte lieblos jetzt die Pflanze, +Die er selbst zog, bloß, weil sie sich ein wenig +Zu rasch und üppig in die Blume warf, +Mißgünstig in den Staub daniedertreten? +Das glaubt ich seinem schlimmsten Feinde nicht, +Vielwen'ger dir, der du ihn kennst und liebst. + +Hohenzollern (bedeutend). +Du standst dem Kriegsrecht, Arthur, im Verhör, +Und bist des Glaubens noch? + +Der Prinz von Homburg. Weil ich ihm stand! +Bei dem lebendigen Gott, so weit geht keiner, +Der nicht gesonnen wäre, zu begnadgen! +Dort eben, vor der Schranke des Gerichts, +Dort wars, wo mein Vertraun sich wiederfand. +Wars denn ein todeswürdiges Verbrechen, +Zwei Augenblicke früher, als befohlen, +Die schwedsche Macht in Staub gelegt zu haben? +Und welch ein Frevel sonst drückt meine Brust? +Wie könnt er doch vor diesen Tisch mich laden, +Von Richtern, herzlos, die den Eulen gleich, +Stets von der Kugel mir das Grablied singen, +Dächt er, mit einem heitern Herrscherspruch, +Nicht, als ein Gott in ihren Kreis zu treten? +Nein, Freund, er sammelt diese Nacht von Wolken +Nur um mein Haupt, um wie die Sonne mir, +Durch ihren Dunstkreis strahlend aufzugehn: +Und diese Lust, fürwahr, kann ich ihm gönnen! + +Hohenzollern. +Das Kriegsrecht gleichwohl, sagt man, hat gesprochen? + +Der Prinz von Homburg. +Ich höre, ja; auf Tod. + +Hohenzollern (erstaunt). Du weißt es schon? + +Der Prinz von Homburg. +Golz, der dem Spruch des Kriegsrechts beigewohnt, +Hat mir gemeldet, wie er ausgefallen. + +Hohenzollern. +Nun denn, bei Gott!--Der Umstand rührt dich nicht? + +Der Prinz von Homburg. +Mich? Nicht im mindesten. + +Hohenzollern. Du Rasender! +Und worauf stützt sich deine Sicherheit? + +Der Prinz von Homburg. +Auf mein Gefühl von ihm! (Er steht auf.) Ich bitte, laß mich! +Was soll ich mich mit falschen Zweifeln quälen? + +(Er besinnt sich und läßt sich wieder nieder.--Pause.) + +Das Kriegsrecht mußte auf den Tod erkennen; +So lautet das Gesetz, nach dem es richtet. +Doch eh er solch ein Urteil läßt vollstrecken, +Eh er dies Herz hier, das getreu ihn liebt, +Auf eines Tuches Wink, der Kugel preis gibt, +Eh sieh, eh öffnet er die eigne Brust sich, +Und sprützt sein Blut selbst tropfenweis in Staub. + +Hohenzollern. +Nun, Arthur, ich versichre dich-- + +Der Prinz von Homburg (unwillig). O Lieber! + +Hohenzollern. +Der Marschall-- + +Der Prinz von Homburg (ebenso). +Laß mich, Freund! + +Hohenzollern. Zwei Worte hör noch! +Wenn die dir auch nichts gelten, schweig ich still. + +Der Prinz von Homburg (wendet sich wieder zu ihm). +Du hörst, ich weiß von allem.--Nun? Was ists? + +Hohenzollern. +Der Marschall hat, höchst seltsam ists, soeben +Das Todesurteil im Schloß ihm überreicht; +Und er, statt wie das Urteil frei ihm stellt, +Dich zu begnadigen, er hat befohlen, +Daß es zur Unterschrift ihm kommen soll. + +Der Prinz von Homburg. +Gleichviel. Du hörst. + +Hohenzollern. Gleichviel? + +Der Prinz von Homburg. Zur Unterschrift? + +Hohenzollern. +Bei meiner Ehr! Ich kann es dir versichern. + +Der Prinz von Homburg. +Das Urteil?--Nein! die Schrift--? + +Hohenzollern. Das Todesurteil. + +Der Prinz von Homburg. +--Wer hat dir das gesagt? + +Hohenzollern. Er selbst, der Marschall! + +Der Prinz von Homburg. +Wann? + +Hohenzollern. +Eben jetzt. + +Der Prinz von Homburg. Als er vom Herrn zurück kam? + +Hohenzollern. +Als er vom Herrn die Treppe niederstieg!-- +Er fügt' hinzu, da er bestürzt mich sah, +Verloren sei noch nichts, und morgen sei +Auch noch ein Tag, dich zu begnadigen; +Doch seine bleiche Lippe widerlegte +Ihr eignes Wort, und sprach: ich fürchte, nein! + +Der Prinz von Homburg (steht auf). +Er könnte--nein! so ungeheuere +Entschließungen in seinem Busen wälzen? +Um eines Fehls, der Brille kaum bemerkbar, +In dem Demanten, den er jüngst empfing, +In Staub den Geber treten? Eine Tat, +Die weiß den Dei von Algier brennt, mit Flügeln, +Nach Art der Cherubinen, silberglänzig, +Den Sardanapel ziert, und die gesamte +Altrömische Tyrannenreihe, schuldlos, +Wie Kinder, die am Mutterbusen sterben, +Auf Gottes rechter Seit hinüberwirft? + +Hohenzollern (der gleichfalls aufgestanden). +Du mußt, mein Freund, dich davon überzeugen. + +Der Prinz von Homburg. +Und der Feldmarschall schwieg und sagte nichts? + +Hohenzollern. +Was sollt er sagen? + +Der Prinz von Homburg. O Himmel! Meine Hoffnung! + +Hohenzollern. +Hast du vielleicht je einen Schritt getan, +Seis wissentlich, seis unbewußt, +Der seinem stolzen Geist zu nah getreten? + +Der Prinz von Homburg. +Niemals! + +Hohenzollern. +Besinne dich! + +Der Prinz von Homburg. Niemals, beim Himmel! +Mir war der Schatten seines Hauptes heilig. + +Hohenzollern. +Arthur, sei mir nicht böse, wenn ich zweifle. +Graf Horn traf, der Gesandte Schwedens, ein, +Und sein Geschäft geht, wie man mir versichert, +An die Prinzessin von Oranien. +Ein Wort, das die Kurfürstin Tante sprach, +Hat aufs empfindlichste den Herrn getroffen; +Man sagt, das Fräulein habe schon gewählt. +Bist du auf keine Weise hier im Spiele? + +Der Prinz von Homburg. +O Gott! Was sagst du mir? + +Hohenzollern. Bist dus? Bist dus? + +Der Prinz von Homburg. +Ich bins, mein Freund; jetzt ist mir alles klar; +Es stürzt der Antrag ins Verderben mich: +An ihrer Weigrung, wisse, bin ich schuld, +Weil mir sich die Prinzessin anverlobt! + +Hohenzollern. +Du unbesonnener Tor! Was machtest du? +Wie oft hat dich mein treuer Mund gewarnt? + +Der Prinz von Homburg. +O Freund! Hilf, rette mich! Ich bin verloren. + +Hohenzollern. +Ja, welch ein Ausweg führt aus dieser Not? +Willst du vielleicht die Fürstin Tante sprechen? + +Der Prinz von Homburg (wendet sich). +--He, Wache! + +Reuter (im Hintergrunde). +Hier! + +Der Prinz von Homburg. Ruft euren Offizier! +(Er nimmt eilig einen Mantel um von der Wand, setzt +einen Federhut auf, der auf dem Tisch liegt.) + +Hohenzollern (indem er ihm behülflich ist). +Der Schritt kann, klug gewandt, dir Rettung bringen. +--Denn kann der Kurfürst nur mit König Karl, +Um den bewußten Preis, den Frieden schließen, +So sollst du sehn, sein Herz versöhnt sich dir, +Und gleich, in wenig Stunden, bist du frei. + + + +Zweiter Auftritt + +Der Offizier tritt auf.--Die Vorigen. + + +Der Prinz von Homburg (zu dem Offizier). +Stranz, übergeben bin ich deiner Wache! +Erlaub, in einem dringenden Geschäft, +Daß ich auf eine Stunde mich entferne. + +Der Offizier. +Mein Prinz, mir übergeben bist du nicht. +Die Order, die man mir erteilt hat, lautet, +Dich gehn zu lassen frei, wohin du willst. + +Der Prinz von Homburg. +Seltsam!--So bin ich kein Gefangener? + +Der Offizier. +Vergib!--Dein Wort ist eine Fessel auch. + +Hohenzollern (bricht auf). +Auch gut! Gleichviel!-- + +Der Prinz von Homburg. Wohlan! So leb denn wohl! + +Hohenzollern. +Die Fessel folgt dem Prinzen auf dem Fuße! + +Der Prinz von Homburg. +Ich geh aufs Schloß zu meiner Tante nur, +Und bin in zwei Minuten wieder hier. + +(Alle ab.) + + + +Szene: Zimmer der Kurfürstin. + +Dritter Auftritt + +Die Kurfürstin und Natalie treten auf. + + +Die Kurfürstin. +Komm, meine Tochter; komm! Dir schlägt die Stunde! +Graf Gustav Horn, der schwedische Gesandte, +Und die Gesellschaft, hat das Schloß verlassen; +Im Kabinett des Onkels seh ich Licht: +Komm, leg das Tuch dir um und schleich dich zu ihm, +Und sieh, ob du den Freund dir retten kannst. + +(Sie wollen gehen.) + + + +Vierter Auftritt + +Eine Hofdame tritt auf.--Die Vorigen. + + +Die Hofdame. +Prinz Homburg, gnädge Frau, ist vor der Türe! +--Kaum weiß ich wahrlich, ob ich recht gesehn? + +Kurfürstin (betroffen). +O Gott! + +Natalie. Er selbst? + +Kurfürstin. Hat er denn nicht Arrest? + +Die Hofdame. +Er steht in Federhut und Mantel draußen, +Und fleht, bestürzt und dringend um Gehör + +Kurfürstin (unwillig). +Der Unbesonnene! Sein Wort zu brechen! + +Natalie. +Wer weiß, was ihn bedrängt. + +Kurfürstin (nach einigem Bedenken). +Laßt ihn herein! + +(Sie selbst setzt sich auf einen Stuhl.) + + + +Fünfter Auftritt + +Der Prinz von Homburg tritt auf.--Die Vorigen. + + +Der Prinz von Homburg. +O meine Mutter! + +(Er läßt sich auf Knieen vor ihr nieder.) + +Kurfürstin. Prinz! Was wollt Ihr hier? + +Der Prinz von Homburg. +O laß mich deine Knie umfassen, Mutter! + +Kurfürstin (mit unterdrückter Rührung). +Gefangen seid Ihr, Prinz, und kommt hieher! +Was häuft Ihr neue Schuld zu Euren alten? + +Der Prinz von Homburg (dringend). +Weißt du, was mir geschehn? + +Kurfürstin. Ich weiß um alles! +Was aber kann ich, Ärmste, für Euch tun? + +Der Prinz von Homburg. +O meine Mutter, also sprachst du nicht, +Wenn dich der Tod umschauerte, wie mich! +Du scheinst mit Himmelskräften, rettenden, +Du mir, das Fräulein, deine Fraun, begabt, +Mir alles rings umher, dem Troßknecht könnt ich, +Dem schlechtesten, der deiner Pferde pflegt, +Gehängt am Halse flehen: rette mich! +Nur ich allein, auf Gottes weiter Erde, +Bin hülflos, ein Verlaßner, und kann nichts! + +Kurfürstin. +Du bist ganz außer dir! Was ist geschehn? + +Der Prinz von Homburg. +Ach! Auf dem Wege, der mich zu dir führte, +Sah ich das Grab, beim Schein der Fackeln, öffnen, +Das morgen mein Gebein empfangen soll. +Sieh, diese Augen, Tante, die dich anschaun, +Will man mit Nacht umschatten, diesen Busen +Mit mörderischen Kugeln mir durchbohren. +Bestellt sind auf dem Markte schon die Fenster, +Die auf das öde Schauspiel niedergehn, +Und der die Zukunft, auf des Lebens Gipfel, +Heut, wie ein Feenreich, noch überschaut, +Liegt in zwei engen Brettern duftend morgen, +Und ein Gestein sagt dir von ihm: er war! + +(Die Prinzessin, welche bisher, auf die Schulter der Hofdame +gelehnt, in der Ferne gestanden hat, läßt sich, bei diesen +Worten, erschüttert an einen Tisch nieder und weint.) + +Kurfürstin. +Mein Sohn! Wenns so des Himmels Wille ist, +Wirst du mit Mut dich und mit Fassung rüsten! + +Der Prinz von Homburg. +O Gottes Welt, o Mutter, ist so schön! +Laß mich nicht, fleh ich, eh die Stunde schlägt, +Zu jenen schwarzen Schatten niedersteigen! +Mag er doch sonst, wenn ich gefehlt, mich strafen, +Warum die Kugel eben muß es sein? +Mag er mich meiner Ämter doch entsetzen, +Mit Kassation, wenns das Gesetz so will, +Mich aus dem Heer entfernen: Gott des Himmels! +Seit ich mein Grab sah, will ich nichts, als leben, +Und frage nichts mehr, ob es rühmlich sei! + +Kurfürstin. +Steh auf, mein Sohn; steh auf! Was sprichst du da? +Du bist zu sehr erschüttert. Fasse dich! + +Der Prinz von Homburg. +Nicht, Tante, ehr als bis du mir gelobt, +Mit einem Fußfall, der mein Dasein rette, +Flehnd seinem höchsten Angesicht zu nahn! +Dir übergab zu Homburg, als sie starb, +Die Hedwig mich, und sprach, die Jugendfreundin: +Sei ihm die Mutter, wenn ich nicht mehr bin. +Du beugtest tief gerührt, am Bette knieend, +Auf ihre Hand dich und erwidertest: +Er soll mir sein, als hätt ich ihn erzeugt. +Nun, jetzt erinnr' ich dich an solch ein Wort! +Geh hin, als hättst du mich erzeugt, und sprich: +Um Gnade fleh ich, Gnade! Laß ihn frei! +Ach, und komm mir zurück und sprich: du bists! + +Kurfürstin (weint). +Mein teurer Sohn! Es ist bereits geschehn! +Doch alles, was ich flehte, war umsonst! + +Der Prinz von Homburg. +Ich gebe jeden Anspruch auf an Glück. +Nataliens, das vergiß nicht, ihm zu melden, +Begehr ich gar nicht mehr, in meinem Busen +Ist alle Zärtlichkeit für sie verlöscht. +Frei ist sie, wie das Reh auf Heiden, wieder; +Mit Hand und Mund, als wär ich nie gewesen, +Verschenken kann sie sich, und wenns Karl Gustav, +Der Schweden König, ist, so lob ich sie. +Ich will auf meine Güter gehn am Rhein, +Da will ich bauen, will ich niederreißen, +Daß mir der Schweiß herabtrieft, säen, ernten, +Als wärs für Weib und Kind, allein genießen, +Und, wenn ich erntete, von neuem säen, +Und in den Kreis herum das Leben jagen, +Bis es am Abend niedersinkt und stirbt. + +Kurfürstin. +Wohlan! Kehr jetzt nur heim in dein Gefängnis, +Das ist die erste Fordrung meiner Gunst! + +Der Prinz von Homburg (steht auf und wendet sich zur +Prinzessin). +Du armes Mädchen, weinst! Die Sonne leuchtet +Heut alle deine Hoffnungen zu Grab! +Entschieden hat dein erst Gefühl für mich, +Und deine Miene sagt mir, treu wie Gold, +Du wirst dich nimmer einem andern weihn. +Ja, was erschwing ich, Ärmster, das dich tröste? +Geh an den Main, rat ich, ins Stift der Jungfraun, +Zu deiner Base Thurn, such in den Bergen +Dir einen Knaben, blondgelockt wie ich, +Kauf ihn mit Gold und Silber dir, drück ihn +An deine Brust und lehr ihn: Mutter! stammeln, +Und wenn er größer ist, so unterweis ihn, +Wie man den Sterbenden die Augen schließt. +Das ist das ganze Glück, das vor dir liegt! + +Natalie (mutig und erhebend, indem sie aufsteht und ihre +Hand in die seinige legt). +Geh, junger Held, in deines Kerkers Haft, +Und auf dem Rückweg, schau noch einmal ruhig +Das Grab dir an, das dir geöffnet wird! +Es ist nichts finstrer und um nichts breiter, +Als es dir tausendmal die Schlacht gezeigt! +Inzwischen werd ich, in dem Tod dir treu, +Ein rettend Wort für dich dem Oheim wagen: +Vielleicht gelingt es mir, sein Herz zu rühren, +Und dich von allem Kummer zu befrein! + +(Pause.) + +Der Prinz von Homburg (faltet, in ihrem Anschaun verloren, +die Hände). +Hättst du zwei Flügel, Jungfrau, an den Schultern, +Für einen Engel wahrlich hielt ich dich!-- +O Gott, hört ich auch recht? Du für mich sprechen? +--Wo ruhte denn der Köcher dir der Rede, +Bis heute, liebes Kind, daß du willst wagen, +Den Herrn in solcher Sache anzugehn?-- +--O Hoffnungslicht, das plötzlich mich erquickt! + +Natalie. +Gott wird die Pfeile mir, die treffen, reichen! +Doch wenn der Kurfürst des Gesetzes Spruch +Nicht ändern kann, nicht kann: wohlan! so wirst du +Dich tapfer ihm, der Tapfre, unterwerfen: +Und der im Leben tausendmal gesiegt, +Er wird auch noch im Tod zu siegen wissen! + +Kurfürstin. +Hinweg!--Die Zeit verstreicht, die günstig ist! + +Der Prinz von Homburg. +Nun, alle Heilgen mögen dich beschirmen! +Leb wohl! Leb wohl! Und was du auch erringst, +Vergönne mir ein Zeichen vom Erfolg! + +(Alle ab.) + + + + +Vierter Akt + +Szene: Zimmer des Kurfürsten. + + + +Erster Auftritt + +Der Kurfürst steht mit Papieren an einem, mit Lichtern +besetzten Tisch.--Natalie tritt durch die mittlere Tür +auf und läßt sich in einiger Entfernung, vor ihm nieder. +Pause. + + +Natalie (knieend). +Mein edler Oheim, Friedrich von der Mark! + +Der Kurfürst (legt die Papiere weg). +Natalie! (Er will sie erheben.) + +Natalie. Laß, laß! + +Der Kurfürst. Was willst du, Liebe? + +Natalie. +Zu deiner Füße Staub, wies mir gebührt, +Für Vetter Homburg dich um Gnade flehn! +Ich will ihn nicht für mich erhalten wissen-- +Mein Herz begehrt sein und gesteht es dir; +Ich will ihn nicht für mich erhalten wissen-- +Mag er sich welchem Weib er will vermählen; +Ich will nur, daß er da sei, lieber Onkel, +Für sich, selbständig, frei und unabhängig, +Wie eine Blume, die mir wohlgefällt: +Dies fleh ich dich, mein höchster Herr und Freund, +Und weiß, solch Flehen wirst du mir erhören. + +Der Kurfürst (erhebt sie). +Mein Töchterchen! Was für ein Wort entfiel dir? +--Weißt du, was Vetter Homburg jüngst verbrach? + +Natalie. +O lieber Onkel! + +Der Kurfürst. Nun? Verbrach er nichts? + +Natalie. +O dieser Fehltritt, blond mit blauen Augen, +Den, eh er noch gestammelt hat: ich bitte! +Verzeihung schon vom Boden heben sollte: +Den wirst du nicht mit Füßen von dir weisen! +Den drückst du um die Mutter schon ans Herz, +Die ihn gebar, und rufst: komm, weine nicht; +Du bist so wert mir, wie die Treue selbst! +Wars Eifer nicht, im Augenblick des Treffens, +Für deines Namens Ruhm, der ihn verführt, +Die Schranke des Gesetzes zu durchbrechen: +Und ach! die Schranke jugendlich durchbrochen, +Trat er dem Lindwurm männlich nicht aufs Haupt? +Erst, weil er siegt', ihn kränzen, dann enthaupten, +Das fordert die Geschichte nicht von dir; +Das wäre so erhaben, lieber Onkel, +Daß man es fast unmenschlich nennen könnte: +Und Gott schuf noch nichts Milderes, als dich. + +Der Kurfürst. +Mein süßes Kind! Sieh! Wär ich ein Tyrann, +Dein Wort, das fühl ich lebhaft, hätte mir +Das Herz schon in der erznen Brust geschmerzt. +Dich aber frag ich selbst: darf ich den Spruch +Den das Gericht gefällt, wohl unterdrücken?-- +Was würde wohl davon die Folge sein? + +Natalie. +Für wen? Für dich? + +Der Kurfürst. Für mich; nein!--Was? Für mich! +Kennst du nichts Höhres, Jungfrau, als nur mich? +Ist dir ein Heiligtum ganz unbekannt, +Das in dem Lager, Vaterland sich nennt? + +Natalie. +O Herr! Was sorgst du doch? Dies Vaterland! +Das wird, um dieser Regung deiner Gnade, +Nicht gleich, zerschellt in Trümmern, untergehn. +Vielmehr, was du, im Lager auferzogen, +Unordnung nennst, die Tat, den Spruch der Richter, +In diesem Fall, willkürlich zu zerreißen, +Erscheint mir als die schönste Ordnung erst: +Das Kriegsgesetz, das weiß ich wohl, soll herrschen, +Jedoch die lieblichen Gefühle auch. +Das Vaterland, das du uns gründetest, +Steht, eine feste Burg, mein edler Ohm: +Das wird ganz andre Stürme noch ertragen, +Fürwahr, als diesen unberufnen Sieg; +Das wird sich ausbaun herrlich, in der Zukunft, +Erweitern, unter Enkels Hand, verschönern, +Mit Zinnen, üppig, feenhaft, zur Wonne +Der Freunde, und zum Schrecken aller Feinde: +Das braucht nicht dieser Bindung, kalt und öd, +Aus eines Freundes Blut, um Onkels Herbst, +Den friedlich prächtigen, zu überleben. + +Der Kurfürst. +Denkt Vetter Homburg auch so? + +Natalie. Vetter Homburg? + +Der Kurfürst. +Meint er, dem Vaterlande gelt es gleich, +Ob Willkür drin, ob drin die Satzung herrsche? + +Natalie. +Ach, dieser Jüngling! + +Der Kurfürst. Nun? + +Natalie. Ach, lieber Onkel! +Hierauf zur Antwort hab ich nichts, als Tränen. + +Der Kurfürst (betroffen). +Warum, mein Töchterchen? Was ist geschehn? + +Natalie (zaudernd). +Der denkt jetzt nichts, als nur dies eine: Rettung! +Den schaun die Röhren, an der Schützen Schultern, +So gräßlich an, daß überrascht und schwindelnd, +Ihm jeder Wunsch, als nur zu leben, schweigt: +Der könnte, unter Blitz und Donnerschlag, +Das ganze Reich der Mark versinken sehn, +Daß er nicht fragen würde: was geschieht? +--Ach, welch ein Heldenherz hast du geknickt! + +(Sie wendet sich und weint.) + +Der Kurfürst (im äußersten Erstaunen). +Nein, meine teuerste Natalie, +Unmöglich, in der Tat?!--Er fleht um Gnade? + +Natalie. +Ach, hättst du nimmer, nimmer ihn verdammt! + +Der Kurfürst. +Nein, sag: er fleht um Gnade?--Gott im Himmel, +Was ist geschehn, mein liebes Kind? Was weinst du? +Du sprachst ihn? Tu mir alles kund! Du sprachst ihn? + +Natalie (an seine Brust gelehnt). +In den Gemächern eben jetzt der Tante, +Wohin, im Mantel, schau, und Federhut +Er, unterm Schutz der Dämmrung, kam geschlichen: +Verstört und schüchtern, heimlich, ganz unwürdig, +Ein unerfreulich, jammernswürdger Anblick! +Zu solchem Elend, glaubt ich, sänke keiner, +Den die Geschicht als ihren Helden preist. +Schau her, ein Weib bin ich, und schaudere +Dem Wurm zurück, der meiner Ferse naht: +Doch so zermalmt, so fassungslos, so ganz +Unheldenmütig träfe mich der Tod, +In eines scheußlichen Leun Gestalt nicht an! +--Ach, was ist Menschengröße, Menschenruhm! + +Der Kurfürst (verwirrt). +Nun denn, beim Gott des Himmels und der Erde, +So fasse Mut, mein Kind; so ist er frei! + +Natalie. +Wie, mein erlauchter Herr? + +Der Kurfürst. Er ist begnadigt!-- +Ich will sogleich das Nötg' an ihn erlassen. + +Natalie. +O Liebster! Ist es wirklich wahr? + +Der Kurfürst. Du hörst! + +Natalie. +Ihm soll vergeben sein? Er stirbt jetzt nicht? + +Der Kurfürst. +Bei meinem Eid! Ich schwörs dir zu! Wo werd ich +Mich gegen solchen Kriegers Meinung setzen? +Die höchste Achtung, wie dir wohl bekannt, +Trag ich im Innersten für sein Gefühl: +Wenn er den Spruch für ungerecht kann halten +Kassier ich die Artikel: er ist frei!-- + +(Er bringt ihr einen Stuhl.) + +Willst du, auf einen Augenblick, dich setzen? + +(Er geht an den Tisch, setzt sich und schreibt.) + +(Pause.) + +Natalie (für sich). +Ach, Herz, was klopfst du also an dein Haus? + +Der Kurfürst (indem er schreibt). +Der Prinz ist drüben noch im Schloß? + +Natalie. Vergib! +Er ist in seine Haft zurückgekehrt.-- + +Der Kurfürst (endigt und siegelt; hierauf kehrt er mit dem +Brief wieder zur Prinzessin zurück). +Fürwahr, mein Töchterchen, mein Nichtchen, weinte! +Und ich, dem ihre Freude anvertraut, +Mußt ihrer holden Augen Himmel trüben! + +(Er legt den Arm um ihren Leib.) + +Willst du den Brief ihm selber überbringen? + +Natalie. +Ins Stadthaus! Wie? + +Der Kurfürst (drückt ihr den Brief in die Hand). +Warum nicht?--He! Heiducken! + +(Heiducken treten auf.) + +Den Wagen vorgefahren! Die Prinzessin +Hat ein Geschäft beim Obersten von Homburg! + + +(Die Heiducken treten wieder ab.) + +So kann er, für sein Leben, gleich dir danken. + +(Er umarmt sie.) + +Mein liebes Kind! Bist du mir wieder gut? + +Natalie (nach einer Pause). +Was deine Huld, o Herr, so rasch erweckt, +Ich weiß es nicht und untersuch es nicht. +Das aber, sieh, das fühl ich in der Brust, +Unedel meiner spotten wirst du nicht: +Der Brief enthalte, was es immer sei, +Ich glaube Rettung--und ich danke dir! + +(Sie küßt ihm die Hand.) + +Der Kurfürst. +Gewiß, mein Töchterchen, gewiß! So sicher, +Als sie in Vetter Homburgs Wünschen liegt. (Ab.) + + + +Szene: Zimmer der Prinzessin. + +Zweiter Auftritt + +Prinzessin Natalie tritt auf.--Zwei Hofdamen und der +Rittmeister, Graf Reuß, folgen. + + +Natalie (eilfertig). +Was bringt Ihr, Graf?--Von meinem Regiment? +Ists von Bedeutung? Kann ichs morgen hören? + +Graf Reuß (überreicht ihr ein Schreiben). +Ein Brief vom Obrist Kottwitz, gnädge Frau! + +Natalie. +Geschwind! Gebt! Was enthält er? +(Sie eröffnet ihn.) + +Graf Reuß. Eine Bittschrift, +Freimütig, wie Ihr seht, doch ehrfurchtsvoll, +An die Durchlaucht des Herrn, zu unsers Führers, +Des Prinz von Homburg, Gunsten aufgesetzt. + +Natalie (liest). +"Supplik, in Unterwerfung eingereicht, +Vom Regiment, Prinzessin von Oranien."-- + +(Pause.) + +Die Bittschrift ist von wessen Hand verfaßt? + +Graf Reuß. +Wie ihrer Züg unsichre Bildung schon +Erraten läßt, vom Obrist Kottwitz selbst.-- +Auch steht sein edler Name obenan. + +Natalie. +Die dreißig Unterschriften, welche folgen--? + +Graf Reuß. +Der Offiziere Namen, Gnädigste, +Wie sie, dem Rang nach, Glied für Glied, sich folgen. + +Natalie. +Und mir, mir wird die Bittschrift zugefertigt? + +Graf Reuß. +Mein Fräulein, untertänigst Euch zu fragen, +Ob Ihr, als Chef, den ersten Platz, der offen, +Mit Eurem Namen gleichfalls füllen wollt. + +(Pause.) + +Natalie. +Der Prinz zwar, hör ich, soll, mein edler Vetter, +Vom Herrn aus eignem Trieb, begnadigt werden, +Und eines solchen Schritts bedarf es nicht. + +Graf Reuß (vergnügt). +Wie? Wirklich? + +Natalie. Gleichwohl will ich unter einem Blatte, +Das, in des Herrn Entscheidung, klug gebraucht, +Als ein Gewicht kann in die Waage fallen, +Das ihm vielleicht, den Ausschlag einzuleiten, +Sogar willkommen ist, mich nicht verweigern-- +Und, eurem Wunsch gemäß, mit meinem Namen, +Hiemit an eure Spitze setz ich mich. + +(Sie geht und will schreiben.) + +Graf Reuß. +Fürwahr, uns lebhaft werdet Ihr verbinden! + +(Pause.) + +Natalie (wendet sich wieder zu ihm). +Ich finde nur mein Regiment, Graf Reuß! +Warum vermiß ich Bomsdorf Kürassiere, +Und die Dragoner Götz und Anhalt-Pleß? + +Graf Reuß. +Nicht, wie vielleicht Ihr sorgt, weil ihre Herzen +Ihm lauer schlügen, als die unsrigen!-- +Es trifft ungünstig sich für die Supplik, +Daß Kottwitz fern in Arnstein kantoniert, +Gesondert von den andern Regimentern, +Die hier, bei dieser Stadt, im Lager stehn. +Dem Blatt fehlt es an Freiheit, leicht und sicher, +Die Kraft, nach jeder Richtung zu entfalten. + +Natalie. +Gleichwohl fällt, dünkt mich, so das Blatt nur leicht?-- +Seid Ihr gewiß, Herr Graf, wärt Ihr im Ort, +Und sprächt die Herrn, die hier versammelt sind, +Sie schlössen gleichfalls dem Gesuch sich an? + +Graf Reuß. +Hier in der Stadt, mein Fräulein?--Kopf für Kopf! +Die ganze Reuterei verpfändete +Mit ihren Namen sich; bei Gott, ich glaube, +Es ließe glücklich eine Subskription, +Beim ganzen Heer der Märker, sich eröffnen! + +Natalie (nach einer Pause). +Warum nicht schickt ihr Offiziere ab, +Die das Geschäft im Lager hier betreiben? + +Graf Reuß. +Vergebt!--Dem weigerte der Obrist sich! +--Er wünsche, sprach er, nichts zu tun, das man +Mit einem übeln Namen taufen könnte. + +Natalie. +Der wunderliche Herr! Bald kühn, bald zaghaft!-- +Zum Glück trug mir der Kurfürst, fällt mir ein, +Bedrängt von anderen Geschäften, auf, +An Kottwitz, dem die Stallung dort zu eng, +Zum Marsch hierher die Order zu erlassen!-- +Ich setze gleich mich nieder es zu tun. + +(Sie setzt sich und schreibt.) + +Graf Reuß. +Beim Himmel, trefflich, Fräulein! Ein Ereignis, +Das günstger sich dem Blatt nicht treffen könnte! + +Natalie (während sie schreibt). +Gebrauchts Herr Graf von Reuß, so gut Ihr könnt. + +(Sie schließt, und siegelt, und steht wieder auf.) + +Inzwischen bleibt, versteht, dies Schreiben noch, +In Eurem Portefeuille; Ihr geht nicht eher +Damit nach Arnstein ab, und gebts dem Kottwitz: +Bis ich bestimmtem Auftrag Euch erteilt! + +(Sie gibt ihm das Schreiben.) + +Ein Heiduck (tritt auf). +Der Wagen, Fräulein, auf des Herrn Befehl, +Steht angeschirrt im Hof und wartet Euer! + +Natalie. +So fahrt ihn vor! Ich komme gleich herab! + +(Pause, in welcher sie gedankenvoll an den Tisch tritt, und +ihre Handschuh anzieht.) + +Wollt Ihr zum Prinz von Homburg mich, Herr Graf, +Den ich zu sprechen willens bin, begleiten? +Euch steht ein Platz in meinem Wagen offen. + +Graf Reuß. +Mein Fräulein, diese Ehre, in der Tat--! +(Er bietet ihr den Arm.) + +Natalie (zu den Hofdamen). +Folgt, meine Freundinnen!--Vielleicht daß ich +Gleich, dort des Briefes wegen, mich entscheide! + +(Alle ab.) + + + +Szene: Gefängnis des Prinzen. + +Dritter Auftritt + +Der Prinz von Homburg hängt seinen Hut an die Wand, und läßt +sich nachlässig auf ein, auf der Erde ausgebreitetes Kissen nieder. + + +Der Prinz von Homburg. +Das Leben nennt der Derwisch eine Reise, +Und eine kurze. Freilich! Von zwei Spannen +Diesseits der Erde nach zwei Spannen drunter. +Ich will auf halbem Weg mich niederlassen! +Wer heut sein Haupt noch auf der Schulter trägt, +Hängt es schon morgen zitternd auf den Leib, +Und übermorgen liegts bei seiner Ferse. +Zwar, eine Sonne, sagt man, scheint dort auch, +Und über buntre Felder noch, als hier: +Ich glaubs; nur schade, daß das Auge modert, +Das diese Herrlichkeit erblicken soll. + + + +Vierter Auftritt + +Prinzessin Natalie tritt auf, geführt von dem Rittmeister, +Graf Reuß. Hofdamen folgen. Ihnen voran tritt ein Läufer mit +einer Fackel.--Der Prinz von Homburg. + + +Läufer. +Durchlaucht, Prinzessin von Oranien! + +Der Prinz von Homburg (steht auf). +Natalie! + +Läufer. Hier ist sie selber schon. + +Natalie (verbeugt sich gegen den Grafen). +Laßt uns auf einen Augenblick allein! + +(Graf Reuß und der Läufer ab.) + +Der Prinz von Homburg. +Mein teures Fräulein! + +Natalie. Lieber, guter Vetter! + +Der Prinz von Homburg (führt sie vor). +Nun sagt, was bringt Ihr? Sprecht! Wie stehts mit mir? + +Natalie. +Gut. Alles gut. Wie ich vorher Euch sagte, +Begnadigt seid Ihr, frei; hier ist ein Brief, +Von seiner Hand, der es bekräftiget. + +Der Prinz von Homburg. +Es ist nicht möglich! Nein! Es ist ein Traum! + +Natalie. +Lest, lest den Brief! So werdet Ihrs erfahren. + +Der Prinz von Homburg (liest). +"Mein Prinz von Homburg, als ich Euch gefangen setzte, +Um Eures Angriffs, allzufrüh vollbracht,-- +Da glaubt ich nichts, als meine Pflicht zu tun; +Auf Euren eignen Beifall rechnet ich. +Meint Ihr, ein Unrecht sei Euch widerfahren, +So bitt ich, sagts mir mit zwei Worten-- +Und gleich den Degen schick ich Euch zurück." + +(Natalie erblaßt. Pause. Der Prinz sieht sie fragend an.) + +Natalie (mit dem Ausdruck plötzlicher Freude). +Nun denn, da stehts! Zwei Worte nur bedarfs--! +O lieber süßer Freund! (Sie drückt seine Hand.) + +Der Prinz von Homburg. +Mein teures Fräulein! + +Natalie. +O sel'ge Stunde, die mir aufgegangen! +Hier, nehmt, hier ist die Feder; nehmt, und schreibt! + +Der Prinz von Homburg. +Und hier die Unterschrift? + +Natalie. Das F; sein Zeichen! +O Bork! O freut euch doch!--O seine Milde +Ist uferlos, ich wußt es, wie die See.-- +Schafft einen Stuhl nur her, er soll gleich schreiben. + +Der Prinz von Homburg. +Er sagt, wenn ich der Meinung wäre--? + +Natalie (unterbricht ihn). Freilich! +Geschwind! Setzt Euch! Ich will es Euch diktieren. + +(Sie setzt ihm einen Stuhl hin.) + +Der Prinz von Homburg. +--Ich will den Brief noch einmal überlesen. + +Natalie (reißt ihm den Brief aus der Hand). +Wozu?--Saht Ihr die Gruft nicht schon im Münster, +Mit offnem Rachen, Euch entgegengähn'n?-- +Der Augenblick ist dringend. Sitzt und schreibt! + +Der Prinz von Homburg (lächelnd). +Wahrhaftig, tut Ihr doch, als würde sie +Mir, wie ein Panther, übern Nacken kommen. + +(Er setzt sich, und nimmt eine Feder.) + +Natalie (wendet sich und weint). +Schreibt, wenn Ihr mich nicht böse machen wollt! + +(Der Prinz klingelt einem Bedienten; der Bediente tritt auf.) + +Der Prinz von Homburg. +Papier und Feder, Wachs und Petschaft mir! + +(Der Bediente nachdem er diese Sachen zusammengesucht, geht +wieder ab. Der Prinz schreibt.--Pause.) + +Der Prinz von Homburg (indem er den Brief, den er angefangen +hat, zerreißt und unter den Tisch wirft). +Ein dummer Anfang. (Er nimmt ein anderes Blatt.) + +Natalie (hebt den Brief auf). +Wie? Was sagtet Ihr? +Mein Gott, das ist ja gut; das ist vortrefflich! + +Der Prinz von Homburg (in den Bart). +Pah!--Eines Schuftes Fassung, keines Prinzen.-- +Ich denk mir eine andre Wendung aus. + +(Pause.--Er greift nach des Kurfürsten Brief, den die Prinzessin +in der Hand hält.) + +Was sagt er eigentlich im Briefe denn? + +Natalie (ihn verweigernd). +Nichts, gar nichts! + +Der Prinz von Homburg. +Gebt! + +Natalie. Ihr last ihn ja! + +Der Prinz von Homburg (erhascht ihn). Wenn gleich! +Ich will nur sehn, wie ich mich fassen soll. + +(Er entfaltet und überliest ihn.) + +Natalie (für sich). +O Gott der Welt! Jetzt ists um ihn geschehn! + +Der Prinz von Homburg (betroffen). +Sieh da! Höchst wunderbar, so wahr ich lebe! +--Du übersahst die Stelle wohl? + +Natalie. Nein!--Welche? + +Der Prinz von Homburg. +Mich selber ruft er zur Entscheidung auf! + +Natalie. +Nun, ja! + +Der Prinz von Homburg. +Recht wacker, in der Tat, recht würdig! +Recht, wie ein großes Herz sich fassen muß! + +Natalie. +O seine Großmut, Freund, ist ohne Grenzen! +--Doch nun tu auch das Deine du, und schreib, +Wie ers begehrt; du siehst, es ist der Vorwand, +Die äußre Form nur, deren es bedarf: +Sobald er die zwei Wort in Händen hat, +Flugs ist der ganze Streit vorbei! + +Der Prinz von Homburg (legt den Brief weg). +Nein, Liebe! +Ich will die Sach bis morgen überlegen. + +Natalie. +Du Unbegreiflicher! Welch eine Wendung? +Warum? Weshalb? + +Der Prinz von Homburg (erhebt sich leidenschaftlich vom Stuhl). +Ich bitte, frag mich nicht! +Du hast des Briefes Inhalt nicht erwogen! +Daß er mir unrecht tat, wies mir bedingt wird, +Das kann ich ihm nicht schreiben; zwingst du mich, +Antwort, in dieser Stimmung, ihm zu geben, +Bei Gott! so setz ich hin, du tust mir recht! +(Er läßt sich mit verschränkten Armen wieder an den Tisch nieder +und sieht in den Brief.) + +Natalie (bleich). +Du Rasender! Was für ein Wort sprachst du? + +(Sie beugt sich gerührt über ihn.) + +Der Prinz von Homburg (drückt ihr die Hand). +Laß, einen Augenblick! Mir scheint-- + +(Er sinnt.) + +Natalie. Was sagst du? + +Der Prinz von Homburg. +Gleich werd ich wissen, wie ich schreiben soll. + +Natalie (schmerzvoll). +Homburg! + +Der Prinz von Homburg (nimmt die Feder). +Ich hör! Was gibts? + +Natalie. Mein süßer Freund! +Die Regung lob ich, die dein Herz ergriff. +Das aber schwör ich dir: das Regiment +Ist kommandiert, das dir Versenktem morgen, +Aus Karabinern, überm Grabeshügel, +Versöhnt die Totenfeier halten soll. +Kannst du dem Rechtsspruch, edel wie du bist, +Nicht widerstreben, nicht ihn aufzuheben, +Tun, wie ers hier in diesem Brief verlangt: +Nun so versichr' ich dich, er faßt sich dir +Erhaben, wie die Sache Steht, und läßt +Den Spruch mitleidsvoll morgen dir vollstrecken! + +Der Prinz von Homburg (schreibend). +Gleichviel! + +Natalie. Gleichviel? + +Der Prinz von Homburg. Er handle, wie er darf; +Mir ziemts hier zu verfahren, wie ich soll! + +Natalie (tritt erschrocken näher). +Du Ungeheuerster, ich glaub, du schriebst? + +Der Prinz von Homburg (schließt). +"Homburg; gegeben, Fehrbellin, am zwölften--"; +Ich bin schon fertig.--Franz! + +(Er kuvertiert und siegelt den Brief.) + +Natalie. O Gott im Himmel! + +Der Prinz von Homburg (steht auf). +Bring diesen Brief aufs Schloß, zu meinem Herrn! + +(Der Bediente ab.) + +Ich will ihm, der so würdig vor mir steht, +Nicht, ein Unwürdger, gegenüber stehn! +Schuld ruht, bedeutende, mir auf der Brust, +Wie ich es wohl erkenne; kann er mir +Vergeben nur, wenn ich mit ihm drum streite, +So mag ich nichts von seiner Gnade wissen. + +Natalie (küßt ihn). +Nimm diesen Kuß!--Und bohrten gleich zwölf Kugeln +Dich jetzt in Staub, nicht halten könnt ich mich, +Und jauchzt und weint und spräche: du gefällst mir! +--Inzwischen, wenn du deinem Herzen folgst, +Ists mir erlaubt, dem meinigen zu folgen. +--Graf Reuß! + +(Der Läufer öffnet die Tür; der Graf tritt auf.) + +Graf Reuß. Hier! + +Natalie. Auf, mit Eurem Brief, +Nach Arnstein hin, zum Obersten von Kottwitz! +Das Regiment bricht auf, der Herr befiehlts; +Hier, noch vor Mitternacht, erwart ich es! + +(Alle ab.) + + + + +Fünfter Akt + +Szene: Saal im Schloß. + + + +Erster Auftritt + +Der Kurfürst kommt halbentkleidet aus dem Nebenkabinett, ihm +folgen Graf Truchß, Graf Hohenzollern, und der Rittmeister von +der Golz.--Pagen mit Lichtern. + + +Der Kurfürst. +Kottwitz? Mit den Dragonern der Prinzessin? +Hier in der Stadt? + +Graf Truchß (öffnet das Fenster). +Ja, mein erlauchter Herr! +Hier steht er vor dem Schlosse aufmarschiert. + +Der Kurfürst. +Nun?--Wollt ihr mir, ihr Herrn, dies Rätsel lösen? +--Wer rief ihn her? + +Hohenzollern. Das weiß ich nicht, mein Kurfürst. + +Der Kurfürst. +Der Standort, den ich ihm bestimmt, heißt Arnstein! +Geschwind! Geh einer hin, und bring ihn her! + +Golz. +Er wird sogleich, o Herr, vor dir erscheinen! + +Der Kurfürst. +Wo ist er? + +Golz. Auf dem Rathaus, wie ich höre, +Wo die gesamte Generalität, +Die deinem Hause dient, versammelt ist. + +Der Kurfürst. +Weshalb? Zu welchem Zweck? + +Hohenzollern.--Das weiß ich nicht. + +Graf Truchß. +Erlaubt mein Fürst und Herr, daß wir uns gleichfalls, +Auf einen Augenblick, dorthin verfügen? + +Der Kurfürst. +Wohin? Aufs Rathaus? + +Hohenzollern. In der Herrn Versammlung! +Wir gaben unser Wort, uns einzufinden. + +Der Kurfürst (nach einer kurzen Pause). +--Ihr seid entlassen! + +Golz. Kommt, ihr werten Herrn! + +(Die Offiziere ab.) + + + +Zweiter Auftritt + +Der Kurfürst.--Späterhin zwei Bediente. + + +Der Kurfürst. +Seltsam!--Wenn ich der Dei von Tunis wäre, +Schlüg ich bei so zweideutgem Vorfall, Lärm. +Die seidne Schnur, legt ich auf meinen Tisch; +Und vor das Tor, verrammt mit Palisaden, +Führt ich Kanonen und Haubitzen auf. +Doch weils Hans Kottwitz aus der Priegnitz ist, +Der sich mir naht, willkürlich, eigenmächtig, +So will ich mich auf märksche Weise fassen: +Von den drei Locken, die man silberglänzig, +Auf seinem Schädel sieht, faß ich die eine, +Und führ ihn still, mit seinen zwölf Schwadronen, +Nach Arnstein, in sein Hauptquartier, zurück. +Wozu die Stadt aus ihrem Schlafe wecken? + +(Nachdem er wieder einen Augenblick ans Fenster getreten, +geht er an den Tisch und klingelt; zwei Bediente treten auf.) + +Der Kurfürst. +Spring doch herab und frag, als wärs für dich, +Was es im Stadthaus gibt? + +Erster Bedienter. Gleich, mein Gebieter! (Ab.) + +Der Kurfürst (zu dem andern). +Du aber geh und bring die Kleider mir! + +(Der Bediente geht und bringt sie; der Kurfürst kleidet sich +an und legt seinen fürstlichen Schmuck an.) + + + +Dritter Auftritt + +Feldmarschall Dörfling tritt auf.--Die Vorigen. + + +Feldmarschall. +Rebellion, mein Kurfürst! + +Der Kurfürst (noch im Ankleiden beschäftigt). +Ruhig, ruhig!-- +Es ist verhaßt mir, wie dir wohl bekannt, +In mein Gemach zu treten, ungemeldet! +--Was willst du? + +Feldmarschall. Herr, ein Vorfall--du vergibst! +Führt von besonderem Gewicht mich her. +Der Obrist Kottwitz rückte, unbeordert, +Hier in die Stadt; an hundert Offiziere +Sind auf dem Rittersaal um ihn versammelt; +Es geht ein Blatt in ihrem Kreis herum, +Bestimmt in deine Rechte einzugreifen. + +Der Kurfürst. +Es ist mir schon bekannt!--Was wird es sein, +Als eine Regung zu des Prinzen Gunsten, +Dem das Gesetz die Kugel zuerkannte. + +Feldmarschall. +So ists! Beim höchsten Gott! Du hasts getroffen! + +Der Kurfürst. +Nun gut!--So ist mein Herz in ihrer Mitte. + +Feldmarschall. +Man sagt, sie wollten heut, die Rasenden! +Die Bittschrift noch im Schloß dir überreichen, +Und falls, mit unversöhntem Grimm, du auf +Den Spruch beharrst--kaum wag ichs dir zu melden?-- +Aus seiner Haft ihn mit Gewalt befrein! + +Der Kurfürst (finster). +Wer hat dir das gesagt? + +Feldmarschall. Wer mir das sagte? +Die Dame Retzow, der du trauen kannst, +Die Base meiner Frau! Sie war heut abend +In ihres Ohms, des Drost von Retzow, Haus, +Wo Offiziere, die vom Lager kamen, +Laut diesen dreisten Anschlag äußerten. + +Der Kurfürst. +Das muß ein Mann mir sagen, eh ichs glaube! +Mit meinem Stiefel, vor sein Haus gesetzt, +Schütz ich vor diesen jungen Helden ihn! + +Feldmarschall. +Herr, ich beschwöre dich, wenns überall +Dein Wille ist, den Prinzen zu begnadigen: +Tus, eh ein höchstverhaßter Schritt geschehn! +Jedwedes Heer liebt, weißt du, seinen Helden; +Laß diesen Funken nicht, der es durchglüht, +Ein heillos fressend Feuer um sich greifen. +Kottwitz weiß und die Schar, die er versammelt, +Noch nicht, daß dich mein treues Wort gewarnt; +Schick, eh er noch erscheint, das Schwert dem Prinzen, +Schicks ihm, wie ers zuletzt verdient, zurück: +Du gibst der Zeitung eine Großtat mehr, +Und eine Untat weniger zu melden. + +Der Kurfürst. +Da müßt ich noch den Prinzen erst befragen, +Den Willkür nicht, wie dir bekannt sein wird, +Gefangen nahm und nicht befreien kann.-- +Ich will die Herren, wenn sie kommen, sprechen. + +Feldmarschall (für sich). +Verwünscht!--Er ist jedwedem Pfeil gepanzert. + + + +Vierter Auftritt + +Zwei Heiducken treten auf; der eine hält einen Brief in der +Hand.--Die Vorigen. + + +Erster Heiduck. +Der Obrist Kottwitz, Hennings, Truchß und andre, +Erbitten sich Gehör! + +Der Kurfürst (zu dem anderen, indem er ihm den Brief aus der +Hand nimmt). +Vom Prinz von Homburg? + +Zweiter Heiduck. +Ja, mein erlauchter Herr! + +Der Kurfürst. Wer gab ihn dir? + +Zweiter Heiduck. +Der Schweizer, der am Tor die Wache hält, +Dem ihn des Prinzen Jäger eingehändigt. + +Der Kurfürst (stellt sich an den Tisch und liest; nachdem +dies geschehen ist, wendet er sich und ruft einen Pagen). +Prittwitz!--Das Todesurteil bring mir her! +--Und auch den Paß, für Gustav Graf von Horn, +Den schwedischen Gesandten, will ich haben! + +(Der Page ab; zu dem ersten Heiducken.) + +Kottwitz, und sein Gefolg; sie sollen kommen! + + + +Fünfter Auftritt + +Obrist Kottwitz und Obrist Hennings, Graf Truchß, Graf +Hohenzollern und Sparren, Graf Reuß, Rittmeister von der +Golz und Stranz, und andre Obristen und Offiziere treten +auf.--Die Vorigen. + + +Obrist Kottwitz (mit der Bittschrift). +Vergönne, mein erhabner Kurfürst, mir, +Daß ich, im Namen des gesamten Heers, +In Demut dies Papier dir überreiche! + +Der Kurfürst. +Kottwitz, bevor ichs nehme, sag mir an, +Wer hat dich her nach dieser Stadt gerufen? + +Kottwitz (sieht ihn an). +Mit den Dragonern? + +Der Kurfürst. Mit dem Regiment!-- +Arnstein hatt ich zum Sitz dir angewiesen. + +Kottwitz. +Herr! Deine Order hat mich her gerufen. + +Der Kurfürst. +Wie?--Zeig die Order mir. + +Kottwitz. Hier, mein Gebieter. + +Der Kurfürst (liest). +"Natalie, gegeben Fehrbellin; +In Auftrag meines höchsten Oheims Friedrich." + +Kottwitz. +Bei Gott, mein Fürst und Herr, ich will nicht hoffen, +Daß dir die Order fremd? + +Der Kurfürst. Nicht, nicht! Versteh mich-- +Wer ists, der dir die Order überbracht? + +Kottwitz. +Graf Reuß! + +Der Kurfürst (nach einer augenblicklichen Pause). +Vielmehr, ich heiße dich willkommen!-- +Dem Obrist Homburg, dem das Recht gesprochen, +Bist du bestimmt, mit deinen zwölf Schwadronen, +Die letzten Ehren morgen zu erweisen. + +Kottwitz (erschrocken). +Wie, mein erlauchter Herr?! + +Der Kurfürst (indem er ihm die Order wiedergibt). +Das Regiment +Steht noch in Nacht und Nebel, vor dem Schloß? + +Kottwitz. +Die Nacht, vergib-- + +Der Kurfürst. Warum rückt es nicht ein? + +Kottwitz. +Mein Fürst, es rückte ein; es hat Quartiere, +Wie du befahlst, in dieser Stadt bezogen! + +Der Kurfürst (mit einer Wendung gegen das Fenster). +Wie? Vor zwei Augenblicken--–? Nun, beim Himmel, +So hast du Ställe rasch dir ausgemittelt!-- +Um so viel besser denn! Gegrüßt noch einmal! +Was führt dich her, sag an? Was bringst du Neues? + +Kottwitz. +Herr, diese Bittschrift deines treuen Heers. + +Der Kurfürst. +Gib! + +Kottwitz. Doch das Wort, das deiner Lipp entfiel, +Schlägt alle meine Hoffnungen zu Boden. + +Der Kurfürst. +So hebt ein Wort auch wiederum sie auf. + +(Er liest.) + +"Bittschrift, die allerhöchste Gnad erflehend, +Für unsern Führer, peinlich angeklagt, +Den General, Prinz Friedrich Hessen-Homburg." + +(Zu den Offizieren.) + +Ein edler Nam, ihr Herrn! Unwürdig nicht, +Daß ihr, in solcher Zahl, euch ihm verwendet! + +(Er sieht wieder in das Blatt.) + +Die Bittschrift ist verfaßt von wem? + +Kottwitz. Von mir. + +Der Kurfürst. +Der Prinz ist von dem Inhalt unterrichtet? + +Kottwitz. +Nicht auf die fernste Weis! In unsrer Mitte +Ist sie empfangen und vollendet worden. + +Der Kurfürst. +Gebt mir auf einen Augenblick Geduld. +(Er tritt an den Tisch und durchsieht die Schrift.--Lange Pause.) +Hm! Sonderbar!--Du nimmst, du alter Krieger, +Des Prinzen Tat in Schutz? Rechtfertigst ihn, +Daß er auf Wrangel stürzte, unbeordert? + +Kottwitz. +Ja, mein erlauchter Herr; das tut der Kottwitz! + +Der Kurfürst. +Der Meinung auf dem Schlachtfeld warst du nicht. + +Kottwitz. +Das hatt ich schlecht erwogen, mein Gebieter! +Dem Prinzen, der den Krieg gar wohl versteht, +Hätt ich mich ruhig unterwerfen sollen. +Die Schweden wankten, auf dem linken Flügel, +Und auf dem rechten wirkten sie Sukkurs; +Hätt er auf deine Order warten wollen, +Sie faßten Posten wieder, in den Schluchten, +Und nimmermehr hättst du den Sieg erkämpft + +Der Kurfürst. +So!--Das beliebt dir so vorauszusetzen! +Den Obrist Hennings hatt ich abgeschickt, +Wie dir bekannt, den schwedschen Brückenkopf, +Der Wrangels Rücken deckt, hinwegzunehmen. +Wenn ihr die Order nicht gebrochen hättet, +Dem Henning wäre dieser Schlag geglückt; +Die Brücken hätt er, in zwei Stunden Frist, +In Brand gesteckt, am Rhyn sich aufgepflanzt, +Und Wrangel wäre ganz, mit Stumpf und Stiel, +In Gräben und Morast, vernichtet worden. + +Kottwitz. +Es ist der Stümper Sache, nicht die deine, +Des Schicksals höchsten Kranz erringen wollen; +Du nahmst, bis heut, noch stets, was es dir bot. +Der Drachen ward, der dir die Marken trotzig +Verwüstete, mit blutgem Hirn verjagt; +Was konnte mehr, an einem Tag, geschehn? +Was liegt dir dran, ob er zwei Wochen noch +Erschöpft im Sand liegt, und die Wunde heilt? +Die Kunst jetzt lernten wir, ihn zu besiegen, +Und sind voll Lust, sie fürder noch zu üben: +Laß uns den Wrangel rüstig, Brust an Brust, +Noch einmal treffen, so vollendet sichs, +Und in die Ostsee ganz fliegt er hinab! +Rom ward an einem Tage nicht erbaut. + +Der Kurfürst. +Mit welchem Recht, du Tor, erhoffst du das, +Wenn auf dem Schlachtenwagen, eigenmächtig, +Mir in die Zügel jeder greifen darf? +Meinst du das Glück werd immerdar, wie jüngst, +Mit einem Kranz den Ungehorsam lohnen? +Den Sieg nicht mag ich, der, ein Kind des Zufalls, +Mir von der Bank fällt; das Gesetz will ich, +Die Mutter meiner Krone, aufrecht halten, +Die ein Geschlecht von Siegen mir erzeugt! + +Kottwitz. +Herr, das Gesetz, das höchste, oberste, +Das wirken soll, in deiner Feldherrn Brust, +Das ist der Buchstab deines Willens nicht; +Das ist das Vaterland, das ist die Krone, +Das bist du selber, dessen Haupt sie trägt. +Was kümmert dich, ich bitte dich, die Regel, +Nach der der Feind sich schlägt: wenn er nur nieder +Vor dir, mit allen seinen Fahnen, sinkt? +Die Regel, die ihn schlägt, das ist die höchste! +Willst du das Heer, das glühend an dir hängt, +Zu einem Werkzeug machen, gleich dem Schwerte, +Das tot in deinem goldnen Gürtel ruht? +Der ärmste Geist, der in den Sternen fremd, +Zuerst solch eine Lehre gab! Die schlechte, +Kurzsichtge Staatskunst, die, um eines Falles, +Da die Empfindung sich verderblich zeigt, +Zehn andere vergißt, im Lauf der Dinge, +Da die Empfindung einzig retten kann! +Schütt ich mein Blut dir, an dem Tag der Schlacht, +Für Sold, seis Geld, seis Ehre, in den Staub? +Behüte Gott, dazu ist es zu gut! +Was! Meine Lust hab, meine Freude ich, +Frei und für mich im Stillen, unabhängig, +An deiner Trefflichkeit und Herrlichkeit, +Am Ruhm und Wachstum deines großen Namens! +Das ist der Lohn, dem sich mein Herz verkauft! +Gesetzt, um dieses unberufnen Sieges, +Brächst du dem Prinzen jetzt den Stab; und ich, +Ich träfe morgen, gleichfalls unberufen, +Den Sieg wo irgend zwischen Wald und Felsen, +Mit den Schwadronen, wie ein Schäfer, an: +Bei Gott, ein Schelm müßt ich doch sein, wenn ich +Des Prinzen Tat nicht munter wiederholte. +Und sprächst du, das Gesetzbuch in der Hand: +"Kottwitz, du hast den Kopf verwirkt!" so sagt ich: +"Das wußt ich Herr; da nimm ihn hin, hier ist er: +Als mich ein Eid an deine Krone band, +Mit Haut und Haar, nahm ich den Kopf nicht aus, +Und nichts dir gäb ich, was nicht dein gehörte!" + +Der Kurfürst. +Mit dir, du alter, wunderlicher Herr, +Werd ich nicht fertig! Es besticht dein Wort +Mich, mit arglistger Rednerkunst gesetzt, +Mich, der, du weißt, dir zugetan, und einen +Sachwalter ruf ich mir, den Streit zu enden, +Der meine Sache führt! + +(Er klingelt, ein Bedienter tritt auf.) + +Der Prinz von Homburg! +Man führ aus dem Gefängnis ihn hierher! + +(Der Bediente ab.) + +Der wird dich lehren, das versichr' ich dich, +Was Kriegszucht und Gehorsam sei! Ein Schreiben +Schickt' er mir mindstens zu, das anders lautet, +Als der spitzfündge Lehrbegriff der Freiheit, +Den du hier, wie ein Knabe, mir entfaltet. + +(Er stellt sich wieder an den Tisch und liest.) + +Kottwitz (erstaunt). +Wen holt--? Wen ruft--? + +Obrist Hennings. Ihn selber? + +Graf Truchß. Nein unmöglich! + +(Die Offiziere treten unruhig zusammen und sprechen mit einander.) + +Der Kurfürst. +Von wem ist diese zweite Zuschrift hier? + +Hohenzollern. +Von mir, mein Fürst! + +Der Kurfürst (liest). "Beweis, daß Kurfürst Friedrich +Des Prinzen Tat selbst"--–--Nun, beim Himmel! +Das nenn ich keck! +Was! Die Veranlassung, du wälzest sie des Frevels, +Den er sich in der Schlacht erlaubt, auf mich? + +Hohenzollern. +Auf dich, mein Kurfürst; ja; ich, Hohenzollern! + +Der Kurfürst. +Nun denn, bei Gott, das übersteigt die Fabel! +Der eine zeigt mir, daß nicht schuldig er, +Der andre gar mir, daß der Schuldge ich!-- +Womit wirst solchen Satz du mir beweisen? + +Hohenzollern. +Du wirst dich jener Nacht, o Herr, erinnern, +Da wir den Prinzen, tief versenkt im Schlaf, +Im Garten unter den Plantanen fanden: +Vom Sieg des nächsten Tages mocht er träumen, +Und einen Lorbeer hielt er in der Hand. +Du, gleichsam um sein tiefstes Herz zu prüfen, +Nahmst ihm den Kranz hinweg, die Kette schlugst du, +Die dir vom Hals hängt, lächelnd um das Laub; +Und reichtest Kranz und Kette, so verschlungen, +Dem Fräulein, deiner edlen Nichte, hin. +Der Prinz steht, bei so wunderbarem Anblick, +Errötend auf; so süße Dinge will er, +Und von so lieber Hand gereicht, ergreifen: +Du aber, die Prinzessin rückwärts führend, +Entziehst dich eilig ihm; die Tür empfängt dich, +Jungfrau und Kett und Lorbeerkranz verschwinden, +Und einsam--einen Handschuh in der Hand, +Den er, nicht weiß er selber, wem? entrissen-- +Im Schoß der Mitternacht, bleibt er zurück. + +Der Kurfürst. +Welch einen Handschuh? + +Hohenzollern. Herr, laß mich vollenden! +Die Sache war ein Scherz; jedoch von welcher +Bedeutung ihm, das lernt ich bald erkennen; +Denn, da ich, durch des Garten hintre Pforte, +Jetzt zu ihm schleich, als wärs von ohngefähr, +Und ihn erweck, und er die Sinne sammelt: +Gießt die Erinnrung Freude über ihn, +Nichts Rührenders, fürwahr, kannst du dir denken. +Den ganzen Vorfall, gleich, als wärs ein Traum, +Trägt er, bis auf den kleinsten Zug, mir vor; +So lebhaft, meint' er, hab er nie geträumt +Und fester Glaube baut sich in ihm auf, +Der Himmel hab ein Zeichen ihm gegeben: +Es werde alles, was sein Geist gesehn, +Jungfrau und Lorbeerkranz und Ehrenschmuck, +Gott, an dem Tag der nächsten Schlacht, ihm schenken. + +Der Kurfürst. +Hm! Sonderbar!--Und jener Handschuh--? + +Hohenzollern. Ja,-- +Dies Stück des Traums, das ihm verkörpert ward, +Zerstört zugleich und kräftigt seinen Glauben. +Zuerst mit großem Aug sieht er ihn an-- +Weiß ist die Farb, er scheint nach Art und Bildung, +Von einer Dame Hand--: doch weil er keine +Zu Nacht, der er entnommen könnte sein, +Im Garten sprach,--durchkreuzt, in seinem Dichten, +Von mir, der zur Parol' aufs Schloß ihn ruft, +Vergißt er, was er nicht begreifen kann, +Und steckt zerstreut den Handschuh ins Kollett. + +Der Kurfürst. +Nun? Drauf? + +Hohenzollern. Drauf tritt er nun mit Stift und Tafel, +Ins Schloß, aus des Feldmarschalls Mund, in frommer +Aufmerksamkeit, den Schlachtbefehl zu hören; +Die Fürstin und Prinzessin, reisefertig +Befinden grad im Herrensaal sich auch. +Doch wer ermißt das ungeheure Staunen, +Das ihn ergreift, da die Prinzeß den Handschuh, +Den er sich ins Kollett gesteckt, vermißt. +Der Marschall ruft, zu wiederholten Malen: +Herr Prinz von Homburg! Was befiehlt mein Marschall? +Entgegnet er, und will die Sinne sammeln; +Doch er, von Wundern ganz umringt--–: der Donner +Des Himmels hätte niederfallen können!--! (Er hält inne.) + +Der Kurfürst. +Wars der Prinzessin Handschuh? + +Hohenzollern. Allerdings! + +(Der Kurfürst fällt in Gedanken.) + +Hohenzollern (fährt fort). +Ein Stein ist er, den Bleistift in der Hand, +Steht er zwar da und scheint ein Lebender; +Doch die Empfindung, wie durch Zauberschläge, +In ihm verlöscht; und erst am andern Morgen, +Da das Geschütz schon in den Reihen donnert, +Kehrt er ins Dasein wieder und befragt mich: +Liebster, was hat schon Dörfling, sag mirs, gestern +Beim Schlachtbefehl, mich treffend, vorgebracht? + +Feldmarschall. +Herr, die Erzählung, wahrlich, unterschreib ich! +Der Prinz, erinnr' ich mich, von meiner Rede +Vernahm kein Wort; zerstreut sah ich ihn oft, +Jedoch in solchem Grad abwesend ganz +Aus seiner Brust, noch nie, als diesen Tag. + +Der Kurfürst. +Und nun, wenn ich dich anders recht verstehe, +Türmst du, wie folgt, ein Schlußgebäu mir auf: +Hätt ich, mit dieses jungen Träumers Zustand, +Zweideutig nicht gescherzt, so blieb er schuldlos: +Bei der Parole wär er nicht zerstreut, +Nicht widerspenstig in der Schlacht gewesen. +Nicht? Nicht? Das ist die Meinung? + +Hohenzollern. Mein Gebieter, +Das überlaß ich jetzt dir, zu ergänzen. + +Der Kurfürst. +Tor, der du bist, Blödsinniger! hättest du +Nicht in den Garten mich herabgerufen, +So hätt ich, einem Trieb der Neugier folgend, +Mit diesem Träumer harmlos nicht gescherzt. +Mithin behaupt ich, ganz mit gleichem Recht, +Der sein Versehn veranlaßt hat, warst du!-- +Die delphsche Weisheit meiner Offiziere! + +Hohenzollern. +Es ist genug, mein Kurfürst! Ich bin sicher, +Mein Wort fiel, ein Gewicht, in deine Brust! + + + +Sechster Auftritt + +Ein Offizier tritt auf.--Die Vorigen. + + +Der Offizier. +Der Prinz, o Herr, wird Augenblicks erscheinen! + +Der Kurfürst. +Wohlan! Laßt ihn herein. + +Offizier. In zwei Minuten!-- +Er ließ nur flüchtig, im Vorübergehn, +Durch einen Pförtner sich den Kirchhof öffnen. + +Der Kurfürst. +Den Kirchhof? + +Offizier. Ja mein Fürst und Herr! + +Der Kurfürst. Weshalb? + +Offizier. +Die Wahrheit zu gestehn, ich weiß es nicht; +Es schien das Grabgewölb wünscht' er zu sehen, +Das dein Gebot ihm dort eröffnen ließ. + +(Die Obersten treten zusammen und sprechen miteinander.) + +Der Kurfürst. +Gleichviel! Sobald er kömmt, laßt ihn herein. + +(Er tritt wieder an den Tisch und sieht in die Papiere.) + +Graf Truchß. +Da führt die Wache schon den Prinzen her. + + + +Siebenter Auftritt + +Der Prinz von Homburg tritt auf. Ein Offizier mit Wache. +Die Vorigen. + + +Der Kurfürst. +Mein junger Prinz, Euch ruf ich mir zu Hülfe! +Der Obrist Kottwitz bringt, zu Gunsten Eurer, +Mir dieses Blatt hier, schaut, in langer Reihe +Von hundert Edelleuten unterzeichnet; +Das Heer begehre, heißt es, Eure Freiheit, +Und billige den Spruch des Kriegsrechts nicht.-- +Lest, bitt ich, selbst, und unterrichtet Euch! + +(Er gibt ihm das Blatt.) + +Der Prinz von Homburg (nachdem er einen Blick hineingetan, +wendet sich, und sieht sich im Kreis der Offiziere um). +Kottwitz, gib deine Hand mir, alter Freund! +Du tust mir mehr, als ich, am Tag der Schlacht, +Um dich verdient! Doch jetzt geschwind geh hin +Nach Arnstein wiederum, von wo du kamst, +Und rühr dich nicht; ich habs mir überlegt, +Ich will den Tod, der mir erkannt, erdulden! +(Er übergibt ihm die Schrift.) + +Kottwitz (betroffen). +Nein, nimmermehr, mein Prinz! Was sprichst du da? + +Hohenzollern. +Er will den Tod--? + +Graf Truchß. Er soll und darf nicht sterben! + +Mehrere Offiziere (vordrängend). +Mein Herr und Kurfürst! Mein Gebieter! Hör uns! + +Der Prinz von Homburg. +Ruhig! Es ist mein unbeugsamer Wille! +Ich will das heilige Gesetz des Kriegs, +Das ich verletzt', im Angesicht des Heers, +Durch einen freien Tod verherrlichen! +Was kann der Sieg euch, meine Brüder, gelten, +Der eine, dürftige, den ich vielleicht +Dem Wrangel noch entreiße, dem Triumph +Verglichen, über den verderblichsten +Der Feind' in uns, den Trotz, den Übermut, +Errungen glorreich morgen? Es erliege +Der Fremdling, der uns unterjochen will, +Und frei, auf mütterlichem Grund, behaupte +Der Brandenburger sich; denn sein ist er, +Und seiner Fluren Pracht nur ihm erbaut! + +Kottwitz (gerührt). +Mein Sohn! Mein liebster Freund! Wie nenn ich dich? + +Graf Truchß. +O Gott der Welt! + +Kottwitz. Laß deine Hand mich küssen! + +(Sie drängen sich um ihn.) + +Der Prinz von Homburg (wendet sich zum Kurfürsten). +Doch dir, mein Fürst, der einen süßern Namen +Dereinst mir führte, leider jetzt verscherzt: +Dir leg ich tiefbewegt zu Füßen mich! +Vergib, wenn ich am Tage der Entscheidung, +Mit übereiltem Eifer dir gedient: +Der Tod wäscht jetzt von jeder Schuld mich rein. +Laß meinem Herzen, das versöhnt und heiter +Sich deinem Rechtsspruch unterwirft, den Trost, +Daß deine Brust auch jedem Groll entsagt: +Und in der Abschiedsstunde, des zum Zeichen, +Bewillge huldreich eine Gnade mir! + +Der Kurfürst. +Sprich, junger Held! Was ists, das du begehrst? +Mein Wort verpfänd ich dir und Ritterehre, +Was es auch sei, es ist dir zugestanden! + +Der Prinz von Homburg. +Erkauf o Herr, mit deiner Nichte Hand, +Von Gustav Karl den Frieden nicht! Hinweg +Mit diesem Unterhändler aus dem Lager, +Der solchen Antrag ehrlos dir gemacht: +Mit Kettenkugeln schreib die Antwort ihm! + +Der Kurfürst (küßt seine Stirn). +Seis, wie du sagst! Mit diesem Kuß, mein Sohn, +Bewillg' ich diese letzte Bitte dir! +Was auch bedarf es dieses Opfers noch, +Vom Mißglück nur des Kriegs mir abgerungen; +Blüht doch aus jedem Wort, das du gesprochen, +Jetzt mir ein Sieg auf, der zu Staub ihn malmt! +Prinz Homburgs Braut sei sie, werd ich ihm schreiben, +Der Fehrbellins halb, dem Gesetz verfiel, +Und seinem Geist, tot vor den Fahnen streitend, +Kämpf er auf dem Gefild der Schlacht, sie ab! + +(Er küßt ihn noch einmal und erhebt ihn.) + +Der Prinz von Homburg. +Nun sieh, jetzt schenktest du das Leben mir! +Nun fleh ich jeden Segen dir herab, +Den, von dem Thron der Wolken, Seraphin +Auf Heldenhäupter jauchzend niederschütten: +Geh und bekrieg, o Herr, und überwinde +Den Weltkreis, der dir trotzt--denn du bists wert! + +Der Kurfürst. +Wache! Führt ihn zurück in sein Gefängnis! + + + +Achter Auftritt + +Natalie und die Kurfürstin zeigen sich unter der Tür. +Hofdamen folgen.--Die Vorigen. + + +Natalie. +O Mutter, laß! Was sprichst du mir von Sitte? +Die höchst' in solcher Stund, ist ihn zu lieben! +--Mein teurer, unglücksel'ger Freund! + +Der Prinz von Homburg (bricht auf). Hinweg! + +Graf Truchß (hält ihn). +Nein nimmermehr, mein Prinz! + +(Mehrere Offiziere treten ihm in den Weg.) + +Der Prinz von Homburg. Führt mich hinweg! + +Hohenzollern. +Mein Kurfürst, kann dein Herz--? + +Der Prinz von Homburg (reißt sich los). +Tyrannen, wollt ihr +Hinaus an Ketten mich zum Richtplatz schleifen? +Fort!--Mit der Welt schloß ich die Rechnung ab! + +(Ab, mit Wache.) + +Natalie (indem sie sich an die Brust der Tante legt). +O Erde, nimm in deinen Schoß mich auf! +Wozu das Licht der Sonne länger schaun? + + + +Neunter Auftritt + +Die Vorigen ohne den Prinzen von Homburg. + + +Feldmarschall. +O Gott der Welt! Mußt es bis dahin kommen! + +(Der Kurfürst spricht heimlich und angelegentlich mit +einem Offizier.) + +Kottwitz (kalt). +Mein Fürst und Herr, nach dem, was vorgefallen, +Sind wir entlassen? + +Der Kurfürst. Nein! zur Stund noch nicht! +Dir sag ichs an, wenn du entlassen bist! + +(Er fixiert ihn eine Weile mit den Augen; alsdann nimmt er die +Papiere, die ihm der Page gebracht hat, vom Tisch, und wendet +sich damit zum Feldmarschall.) + +Hier, diesen Paß dem schwedschen Grafen Horn! +Es wär des Prinzen, meines Vetters Bitte, +Die ich verpflichtet wäre zu erfüllen; +Der Krieg heb, in drei Tagen, wieder an! + +(Pause.--Er wirft einen Blick in das Todesurteil.) + +Ja, urteilt selbst, ihr Herrn! Der Prinz von Homburg +Hat im verfloßnen Jahr, durch Trotz und Leichtsinn, +Um zwei der schönsten Siege mich gebracht; +Den dritten auch hat er mir schwer gekränkt. +Die Schule dieser Tage durchgegangen, +Wollt ihrs zum vierten Male mit ihm wagen? + +Kottwitz und Truchß (durcheinander). +Wie, mein vergöttert--angebeteter--? + +Der Kurfürst. +Wollt ihr? Wollt ihr? + +Kottwitz. Bei dem lebendgen Gott, +Du könntest an Verderbens Abgrund stehn, +Daß er, um dir zu helfen, dich zu retten, +Auch nicht das Schwert mehr zückte, ungerufen! + +Der Kurfürst (zerreißt das Todesurteil). +So folgt, ihr Freunde, in den Garten mir! + +(Alle ab.) + + + +Szene: Schloß, mit der Rampe, die in den Garten hinabführt; wie im +ersten Akt.--Es ist wieder Nacht. + +Zehnter Auftritt + +Der Prinz von Homburg wird vom Rittmeister Stranz mit verbundenen +Augen durch das untere Gartengitter aufgeführt. Offiziere mit Wache. +--In der Ferne hört man Trommeln des Totenmarsches. + + +Der Prinz von Homburg. +Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein! +Du strahlst mir, durch die Binde meiner Augen, +Mir Glanz der tausendfachen Sonne zu! +Es wachsen Flügel mir an beiden Schultern, +Durch stille Ätherräume schwingt mein Geist; +Und wie ein Schiff, vom Hauch des Winds entführt, +Die muntre Hafenstadt versinken sieht, +So geht mir dämmernd alles Leben unter: +Jetzt unterscheid ich Farben noch und Formen, +Und jetzt liegt Nebel alles unter mir. + +(Der Prinz setzt sich auf die Bank, die in der Mitte des Platzes, +um die Eiche aufgeschlagen ist; der Rittmeister Stranz entfernt +sich von ihm, und sieht nach der Rampe hinauf.) + +Der Prinz von Homburg. +Ach, wie die Nachtviole lieblich duftet! +--Spürst du es nicht? + +(Stranz kommt wieder zu ihm zurück.) + +Stranz. Es sind Levkojn und Nelken. + +Der Prinz von Homburg. +Levkojn?--Wie kommen die hierher? + +Stranz. Ich weiß nicht.-- +Es scheint, ein Mädchen hat sie hier gepflanzt. +--Kann ich dir eine Nelke reichen? + +Der Prinz von Homburg. Lieber!-- +Ich will zu Hause sie in Wasser setzen. + + + +Eilfter Auftritt + +Der Kurfürst mit dem Lorbeerkranz, um welchen die goldne Kette +geschlungen ist, Kurfürstin, Prinzessin Natalie, Feldmarschall +Dörfling, Obrist Kottwitz, Hohenzollern, Golz usw., Hofdamen, +Offiziere und Fackeln erscheinen auf der Rampe des Schlosses.-- +Hohenzollern tritt, mit einem Tuch, an das Geländer und winkt +dem Rittmeister Stranz; worauf dieser den Prinzen von Homburg +verläßt, und im Hintergrund mit der Wache spricht. + + +Der Prinz von Homburg. +Lieber, was für ein Glanz verbreitet sich? + +Stranz (kehrt zu ihm zurück). +Mein Prinz, willst du gefällig dich erheben? + +Der Prinz von Homburg. +Was gibt es? + +Stranz. Nichts, das dich erschrecken dürfte!-- +Die Augen bloß will ich dir wieder öffnen. + +Der Prinz von Homburg. +Schlug meiner Leiden letzte Stunde? + +Stranz. Ja!-- +Heil dir und Segen, denn du bist es wert! + +(Der Kurfürst gibt den Kranz, an welchem die Kette hängt, der +Prinzessin, nimmt sie bei der Hand und führt sie die Rampe herab. +Herren und Damen folgen. Die Prinzessin tritt, umgeben von Fackeln, +vor den Prinzen, welcher erstaunt aufsteht; setzt ihm den Kranz +auf, hängt ihm die Kette um, und drückt seine Hand an ihr Herz. +Der Prinz fällt in Ohnmacht.) + +Natalie. +Himmel! die Freude tötet ihn! + +Hohenzollern (faßt ihn auf). Zu Hülfe! + +Der Kurfürst. +Laßt den Kanonendonner ihn erwecken! + +(Kanonenschüsse. Ein Marsch. Das Schloß erleuchtet sich.) + +Kottwitz. +Heil, Heil dem Prinz von Homburg! + +Die Offiziere. Heil! Heil! Heil! + +Alle. +Dem Sieger in der Schlacht bei Fehrbellin! + +(Augenblickliches Stillschweigen.) + +Der Prinz von Homburg. +Nein, sagt! Ist es ein Traum? + +Kottwitz. Ein Traum, was sonst? + +Mehrere Offiziere. +Ins Feld! Ins Feld! + +Graf Truchß. Zur Schlacht! + +Feldmarschall. Zum Sieg! Zum Sieg! + +Alle. +In Staub mit allen Feinden Brandenburgs! + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Prinz Friedrich von Homburg, +von Heinrich von Kleist. + + + + + + +End of Project Gutenberg's Prinz Friedrich von Homburg, by Heinrich von Kleist + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG *** + +This file should be named 6723-8.txt or 6723-8.zip + +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8pzfh10a.txt + +This text was produced for Project Gutenberg +by Mike Pullen and Delphine Lettau. + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +https://gutenberg.org or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext03 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext03 + +Or /etext02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + +Project Gutenberg Literary Archive Foundation +PMB 113 +1739 University Ave. +Oxford, MS 38655-4109 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are +tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising +requirements for other states are met, additions to this list will be +made and fund-raising will begin in the additional states. + +We need your donations more than ever! + +You can get up to date donation information online at: + +https://www.gutenberg.org/donation.html + + +*** + +If you can't reach Project Gutenberg, +you can always email directly to: + +Michael S. Hart <hart@pobox.com> + +Prof. Hart will answer or forward your message. + +We would prefer to send you information by email. + + +**The Legal Small Print** + + +(Three Pages) + +***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** +Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. +They tell us you might sue us if there is something wrong with +your copy of this eBook, even if you got it for free from +someone other than us, and even if what's wrong is not our +fault. So, among other things, this "Small Print!" statement +disclaims most of our liability to you. It also tells you how +you may distribute copies of this eBook if you want to. + +*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK +By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm +eBook, you indicate that you understand, agree to and accept +this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive +a refund of the money (if any) you paid for this eBook by +sending a request within 30 days of receiving it to the person +you got it from. If you received this eBook on a physical +medium (such as a disk), you must return it with your request. + +ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS +This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, +is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart +through the Project Gutenberg Association (the "Project"). +Among other things, this means that no one owns a United States copyright +on or for this work, so the Project (and you!) can copy and +distribute it in the United States without permission and +without paying copyright royalties. Special rules, set forth +below, apply if you wish to copy and distribute this eBook +under the "PROJECT GUTENBERG" trademark. + +Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market +any commercial products without permission. + +To create these eBooks, the Project expends considerable +efforts to identify, transcribe and proofread public domain +works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any +medium they may be on may contain "Defects". Among other +things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other +intellectual property infringement, a defective or damaged +disk or other eBook medium, a computer virus, or computer +codes that damage or cannot be read by your equipment. + +LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES +But for the "Right of Replacement or Refund" described below, +[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may +receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims +all liability to you for damages, costs and expenses, including +legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR +UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT, +INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE +OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE +POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES. + +If you discover a Defect in this eBook within 90 days of +receiving it, you can receive a refund of the money (if any) +you paid for it by sending an explanatory note within that +time to the person you received it from. If you received it +on a physical medium, you must return it with your note, and +such person may choose to alternatively give you a replacement +copy. If you received it electronically, such person may +choose to alternatively give you a second opportunity to +receive it electronically. + +THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER +WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS +TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT +LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A +PARTICULAR PURPOSE. + +Some states do not allow disclaimers of implied warranties or +the exclusion or limitation of consequential damages, so the +above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you +may have other legal rights. + +INDEMNITY +You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation, +and its trustees and agents, and any volunteers associated +with the production and distribution of Project Gutenberg-tm +texts harmless, from all liability, cost and expense, including +legal fees, that arise directly or indirectly from any of the +following that you do or cause: [1] distribution of this eBook, +[2] alteration, modification, or addition to the eBook, +or [3] any Defect. + +DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm" +You may distribute copies of this eBook electronically, or by +disk, book or any other medium if you either delete this +"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg, +or: + +[1] Only give exact copies of it. Among other things, this + requires that you do not remove, alter or modify the + eBook or this "small print!" statement. You may however, + if you wish, distribute this eBook in machine readable + binary, compressed, mark-up, or proprietary form, + including any form resulting from conversion by word + processing or hypertext software, but only so long as + *EITHER*: + + [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and + does *not* contain characters other than those + intended by the author of the work, although tilde + (~), asterisk (*) and underline (_) characters may + be used to convey punctuation intended by the + author, and additional characters may be used to + indicate hypertext links; OR + + [*] The eBook may be readily converted by the reader at + no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent + form by the program that displays the eBook (as is + the case, for instance, with most word processors); + OR + + [*] You provide, or agree to also provide on request at + no additional cost, fee or expense, a copy of the + eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC + or other equivalent proprietary form). + +[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this + "Small Print!" statement. + +[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the + gross profits you derive calculated using the method you + already use to calculate your applicable taxes. If you + don't derive profits, no royalty is due. Royalties are + payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation" + the 60 days following each date you prepare (or were + legally required to prepare) your annual (or equivalent + periodic) tax return. Please contact us beforehand to + let us know your plans and to work out the details. + +WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO? +Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of +public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form. + +The Project gratefully accepts contributions of money, time, +public domain materials, or royalty free copyright licenses. +Money should be paid to the: +"Project Gutenberg Literary Archive Foundation." + +If you are interested in contributing scanning equipment or +software or other items, please contact Michael Hart at: +hart@pobox.com + +[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only +when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by +Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be +used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be +they hardware or software or any other related product without +express permission.] + +*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END* + diff --git a/6723-8.zip b/6723-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..3998082 --- /dev/null +++ b/6723-8.zip diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..bc6127c --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #6723 (https://www.gutenberg.org/ebooks/6723) |
