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+Project Gutenberg's Prinz Friedrich von Homburg, by Heinrich von Kleist
+#5 in our series by Heinrich von Kleist
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+
+Title: Prinz Friedrich von Homburg
+
+Author: Heinrich von Kleist
+
+Release Date: October, 2004 [EBook #6723]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on January 19, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG ***
+
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+
+This text was produced for Project Gutenberg
+by Mike Pullen and Delphine Lettau.
+
+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
+may require more specialized programs to display the accents.
+This is the 8-bit version.
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg2000.de erreichbar.
+
+
+
+
+Prinz Friedrich von Homburg
+
+Heinrich von Kleist
+
+Ein Schauspiel
+
+
+_Ihrer Königlichen Hoheit_
+_der Prinzessin_
+_Amalie Marie Anne_
+_Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Preußen_
+_Bruders Sr. Majestät des Königs_
+_geborne Prinzessin von Hessen-Homburg._
+
+Gen Himmel schauend greift, im Volksgedränge,
+Der Barde fromm in seine Saiten ein.
+Jetzt trösten, jetzt verletzen seine Klänge,
+Und solcher Antwort kann er sich nicht freun.
+Doch eine denkt er in dem Kreis der Menge,
+Der die Gefühle seiner Brust sich weihn:
+Sie hält den Preis in Händen, der ihm falle,
+Und krönt ihn die, so krönen sie ihn alle.
+
+
+
+
+Personen:
+
+Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg
+
+Die Kurfürstin
+
+Prinzessin Natalie von Oranien, seine Nichte,
+Chef eines Dragonerregiments
+
+Feldmarschall Dörfling
+
+Prinz Friedrich Arthur von Homburg, General der Reuterei
+
+Obrist Kottwitz, vom Regiment der Prinzessin von Oranien
+
+Hennings, Oberst der Infanterie
+
+Graf Truchß, Oberst der Infanterie
+
+Graf Hohenzollern, von der Suite des Kurfürsten
+
+Rittmeister von der Golz
+
+Graf Georg von Sparren, Rittmeister
+
+Stranz, Rittmeister
+
+Siegfried von Mörner, Rittmeister
+
+Graf Reuß, Rittmeister
+
+Ein Wachtmeister
+
+Offiziere, Korporale und Reuter. Hofkavaliere. Hofdamen.
+Pagen. Heiducken. Bedienten. Volk jeden Alters und
+Geschlechts.
+
+
+
+
+Erster Akt
+
+
+
+Szene. Fehrbellin. Ein Garten im altfranzösischen Stil.
+Im Hintergrunde ein Schloß, von welchem eine Rampe
+herabführt.--Es ist Nacht.
+
+Erster Auftritt
+
+Der Prinz von Homburg sitzt mit bloßem Haupt und offner
+Brust, halb wachend halb schlafend, unter einer Eiche und
+windet sich einen Kranz.--Der Kurfürst, seine Gemahlin,
+Prinzessin Natalie, der Graf von Hohenzollern, Rittmeister
+Golz und andere treten heimlich aus dem Schloß, und schauen,
+vom Geländer der Rampe, auf ihn nieder.--Pagen mit Fackeln.
+
+
+Der Graf von Hohenzollern.
+Der Prinz von Homburg, unser tapfrer Vetter,
+Der an der Reuter Spitze, seit drei Tagen
+Den flüchtgen Schweden munter nachgesetzt,
+Und sich erst heute wieder atemlos,
+Im Hauptquartier zu Fehrbellin gezeigt:
+Befehl ward ihm von dir, hier länger nicht,
+Als nur drei Füttrungsstunden zu verweilen,
+Und gleich dem Wrangel wiederum entgegen,
+Der sich am Rhyn versucht hat einzuschanzen,
+Bis an die Hackelberge vorzurücken?
+
+Der Kurfürst.
+So ists!
+
+Hohenzollern. Die Chefs nun sämtlicher Schwadronen,
+Zum Aufbruch aus der Stadt, dem Plan gemäß,
+Glock zehn zu Nacht, gemessen instruiert,
+Wirft er erschöpft, gleich einem Jagdhund lechzend,
+Sich auf das Stroh um für die Schlacht, die uns
+Bevor beim Strahl des Morgens steht, ein wenig
+Die Glieder, die erschöpften, auszuruhn.
+
+Der Kurfürst.
+So hört ich!--Nun?
+
+Hohenzollern. Da nun die Stunde schlägt,
+Und aufgesessen schon die ganze Reuterei
+Den Acker vor dem Tor zerstampft,
+Fehlt--wer? der Prinz von Homburg noch, ihr Führer.
+Mit Fackeln wird und Lichtern und Laternen
+Der Held gesucht--und aufgefunden, wo?
+
+(Er nimmt einem Pagen die Fackel aus der Hand.)
+
+Als ein Nachtwandler, schau, auf jener Bank,
+Wohin, im Schlaf, wie du nie glauben wolltest,
+Der Mondschein ihn gelockt, beschäftiget,
+Sich träumend, seiner eignen Nachwelt gleich,
+Den prächtgen Kranz des Ruhmes einzuwinden.
+
+Der Kurfürst.
+Was!
+
+Hohenzollern. In der Tat! Schau hier herab: da sitzt er!
+
+(Er leuchtet von der Rampe auf ihn nieder.)
+
+Der Kurfürst.
+Im Schlaf versenkt? Unmöglich!
+
+Hohenzollern. Fest im Schlafe!
+Ruf ihn bei Namen auf, so fällt er nieder.
+
+(Pause.)
+
+Die Kurfürstin.
+Der junge Mann ist krank, so wahr ich lebe.
+
+Prinzessin Natalie.
+Er braucht des Arztes--!
+
+Die Kurfürstin. Man sollt ihm helfen, dünkt mich,
+Nicht den Moment verbringen, sein zu spotten!
+
+Hohenzollern (indem er die Fackel wieder weggibt).
+Er ist gesund, ihr mitleidsvollen Frauen,
+Bei Gott, ich bins nicht mehr! Der Schwede morgen
+Wenn wir im Feld ihn treffen, wirds empfinden!
+Es ist nichts weiter, glaubt mir auf mein Wort,
+Als eine bloße Unart seines Geistes.
+
+Der Kurfürst.
+Fürwahr! Ein Märchen glaubt ichs!--Folgt mir Freunde,
+Und laßt uns näher ihn einmal betrachten.
+
+(Sie steigen von der Rampe herab.)
+
+Ein Hofkavalier (zu den Pagen).
+Zurück! die Fackeln!
+
+Hohenzollern. Laßt sie, laßt sie, Freunde!
+Der ganze Flecken könnt in Feuer aufgehn,
+Daß sein Gemüt davon nicht mehr empfände,
+Als der Demant, den er am Finger trägt.
+
+(Sie umringen ihn; die Pagen leuchten.)
+
+Der Kurfürst (über ihn gebeugt).
+Was für ein Laub denn flicht er?--Laub der Weide?
+
+Hohenzollern.
+Was! Laub der Weid, o Herr!--Der Lorbeer ists,
+Wie ers gesehn hat, an der Helden Bildern,
+Die zu Berlin im Rüstsaal aufgehängt.
+
+Der Kurfürst.
+--Wo fand er den in meinem märkschen Sand?
+
+Hohenzollern.
+Das mögen die gerechten Götter wissen!
+
+Der Hofkavalier.
+Vielleicht im Garten hinten, wo der Gärtner
+Mehr noch der fremden Pflanzen auferzieht.
+
+Der Kurfürst.
+Seltsam beim Himmel! Doch, was gilts, ich weiß,
+Was dieses jungen Toren Brust bewegt?
+
+Hohenzollern.
+O--was! Die Schlacht von morgen, mein Gebieter!
+Sterngucker sieht er, wett ich, schon im Geist,
+Aus Sonnen einen Siegeskranz ihm winden.
+
+(Der Prinz besieht den Kranz.'
+
+Der Hofkavalier.
+Jetzt ist er fertig!
+
+Hohenzollern. Schade, ewig schade,
+Daß hier kein Spiegel in der Nähe ist!
+Er würd ihm eitel, wie ein Mädchen nahn,
+Und sich den Kranz bald so, und wieder so,
+Wie eine florne Haube aufprobieren.
+
+Der Kurfürst.
+Bei Gott! Ich muß doch sehn, wie weit ers treibt!
+
+(Der Kurfürst nimmt ihm den Kranz aus der Hand; der Prinz
+errötet und sieht ihn an. Der Kurfürst schlingt seine
+Halskette um den Kranz und gibt ihn der Prinzessin; der
+Prinz steht lebhaft auf. Der Kurfürst weicht mit der
+Prinzessin, welche den Kranz erhebt, zurück; der Prinz
+mit ausgestreckten Armen, folgt ihr.)
+
+Der Prinz von Homburg (flüsternd).
+Natalie! Mein Mädchen! Meine Braut!
+
+Der Kurfürst.
+Geschwind! Hinweg!
+
+Hohenzollern. Was sagt der Tor?
+
+Der Hofkavalier. Was sprach er?
+
+(Sie besteigen sämtlich die Rampe.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Friedrich! Mein Fürst! Mein Vater!
+
+Hohenzollern. Höll und Teufel!
+
+Der Kurfürst (rückwärts ausweichend).
+Öffn' mir die Pforte nur!
+
+Der Prinz von Homburg. O meine Mutter!
+
+Hohenzollern.
+Der Rasende! Er ist--
+
+Die Kurfürstin. Wen nennt er so?
+
+Der Prinz von Homburg (nach dem Kranz greifend)
+O! Liebste! Was entweichst du mir? Natalie!
+
+(Er erhascht einen Handschuh von der Prinzessin Hand.)
+
+Hohenzollern.
+Himmel und Erde! Was ergriff er da?
+
+Der Hofkavalier. Den Kranz?
+
+Natalie.
+Nein, nein!
+
+Hohenzollern (öffnet die Tür).
+Hier rasch herein, mein Fürst!
+Auf daß das ganze Bild ihm wieder schwinde!
+
+Der Kurfürst.
+Ins Nichts mit dir zurück, Herr Prinz von Homburg,
+Ins Nichts, ins Nichts! In dem Gefild der Schlacht,
+Sehn wir, wenns dir gefällig ist, uns wieder!
+Im Traum erringt man solche Dinge nicht!
+
+(Alle ab; die Tür fliegt rasselnd vor dem Prinzen zu.)
+
+(Pause.)
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+Der Prinz von Homburg (bleibt einen Augenblick, mit dem
+Ausdruck der Verwunderung, vor der Tür stehen, steigt dann
+sinnend, die Hand, in welcher er den Handschuh hält, vor
+die Stirn gelegt, von der Rampe herab; kehrt sich sobald
+er unten ist, um, und sieht wieder nach der Tür hinauf).
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+Der Graf von Hohenzollern tritt von unten, durch eine
+Gittertür, auf. Ihm folgt ein Page.--Der Prinz von Homburg.
+
+
+Der Page (leise).
+Herr Graf, so hört doch! Gnädigster Herr Graf!
+
+Hohenzollern (unwillig).
+Still! die Zikade!--Nun? Was gibts?
+
+Page. Mich schickt--!
+
+Hohenzollern.
+Weck ihn mit deinem Zirpen mir nicht auf!
+Wohlan! Was gibts?
+
+Page. Der Kurfürst schickt mich her!
+Dem Prinzen möchtet Ihr, wenn er erwacht,
+Kein Wort, befiehlt er, von dem Scherz entdecken,
+Den er sich eben jetzt mit ihm erlaubt!
+
+Hohenzollern (leise).
+Ei, So leg dich im Weizenfeld aufs Ohr,
+Und schlaf dich aus! Das wußt ich schon! Hinweg!
+
+(Der Page ab.)
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Der Graf von Hohenzollern und der Prinz von Homburg.
+
+
+Hohenzollern (indem er sich in einiger Entfernung hinter
+dem Prinzen stellt, der noch immer unverwandt die Rampe
+hinaufsieht). Arthur!
+
+(Der Prinz fällt um.)
+
+Da liegt er; eine Kugel trifft nicht besser!
+
+(Er nähert sich ihm.)
+
+Nun bin ich auf die Fabel nur begierig,
+Die er ersinnen wird, mir zu erklären,
+Warum er hier sich schlafen hat gelegt.
+
+(Er beugt sich über ihn.)
+
+Arthur! He! Bist des Teufels du? Was machst du?
+Wie kommst du hier zu Nacht auf diesen Platz?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Je, Lieber!
+
+Hohenzollern. Nun, fürwahr, das muß ich sagen!
+Die Reuterei ist die du kommandierst,
+Auf eine Stunde schon im Marsch voraus,
+Und du, du liegst im Garten hier, und schläfst.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Welch eine Reuterei?
+
+Hohenzollern. Die Mamelucken!--
+So wahr ich Leben atm', er weiß nicht mehr,
+Daß er der märkschen Reuter Oberst ist?!
+
+Der Prinz von Homburg (steht auf).
+Rasch! Meinen Helm! Die Rüstung!
+
+Hohenzollern. Ja wo sind sie?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Zur Rechten, Heinz, zur Rechten; auf dem Schemel!
+
+Hohenzollern.
+Wo? Auf dem Schemel?
+
+Der Prinz von Homburg. Ja, da legt ich, mein ich--!
+
+Hohenzollern (sieht ihn an).
+So nimm sie wieder von dem Schemel weg!
+
+Der Prinz von Homburg.
+--Was ist dies für ein Handschuh?
+
+(Er betrachtet den Handschuh, den er in der Hand hält.)
+
+Hohenzollern. Ja, was weiß ich?--
+(Für sich.) Verwünscht! Den hat er der Prinzessin Nichte,
+Dort oben unbemerkt vom Arm gerissen! (Abbrechend.)
+Nun, rasch! Hinweg! Was säumst du? Fort!
+
+Der Prinz von Homburg (wirft den Handschuh wieder weg).
+Gleich, gleich!--
+He, Franz, der Schurke der mich wecken sollte!
+
+Hohenzollern (betrachtet ihn).
+Er ist ganz rasend toll!
+
+Der Prinz von Homburg. Bei meinem Eid!
+Ich weiß nicht, liebster Heinrich, wo ich bin.
+
+Hohenzollern.
+In Fehrbellin, du sinnverwirrter Träumer;
+In einem von des Gartens Seitengängen,
+Der ausgebreitet hinterm Schlosse liegt!
+
+Der Prinz von Homburg (für sich).
+Daß mich die Nacht verschlang! Mir unbewußt
+Im Mondschein bin ich wieder umgewandelt!
+
+(Er faßt sich)
+
+Vergib! Ich weiß nun schon. Es war, du weißt, vor Hitze,
+Im Bette gestern fast nicht auszuhalten.
+Ich schlich erschöpft in diesen Garten mich,
+Und weil die Nacht so lieblich mich umfing,
+Mit blondem Haar, von Wohlgeruch ganz triefend
+Ach! wie den Bräutgam eine Perserbraut,
+So legt ich hier in ihren Schoß mich nieder.
+--Was ist die Glocke jetzo?
+
+Hohenzollern. Halb auf Zwölf.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Und die Schwadronen, sagst du, brachen auf?
+
+Hohenzollern.
+Versteht sich, ja! Glock zehn; dem Plan gemäß!
+Das Regiment Prinzessin von Oranien,
+Hat, wie kein Zweifel ist, an ihrer Spitze
+Bereits die Höhn von Hackelwitz erreicht,
+Wo sie des Heeres stillen Aufmarsch morgen,
+Dem Wrangel gegenüber decken sollen.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Es ist gleichviel! Der alte Kottwitz führt sie,
+Der jede Absicht dieses Marsches kennt.
+Zudem hätt ich zurück ins Hauptquartier
+Um zwei Uhr morgens wieder kehren müssen,
+Weil hier Parole noch soll empfangen werden:
+So blieb ich besser gleich im Ort zurück.
+Komm; laß uns gehn! Der Kurfürst weiß von nichts?
+
+Hohenzollern.
+Ei, was! Der liegt im Bette längst und schläft.
+
+(Sie wollen gehen; der Prinz stutzt, kehrt sich um, und
+nimmt den Handschuh auf.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Welch einen sonderbaren Traum träumt ich?!--
+Mir war, als ob, von Gold und Silber strahlend
+Ein Königsschloß sich plötzlich öffnete,
+Und hoch von seiner Marmorramp' herab,
+Der ganze Reigen zu mir niederstiege,
+Der Menschen, die mein Busen liebt:
+Der Kurfürst und die Fürstin und die--dritte,
+--Wie heißt sie schon?
+
+Hohenzollern. Wer?
+
+Der Prinz von Homburg (er scheint zu suchen).
+Jene--die ich meine!
+Ein Stummgeborner würd sie nennen können!
+
+Hohenzollern.
+Die Platen?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nicht doch, Lieber!
+
+Hohenzollern. Die Ramin?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nicht, nicht doch, Freund!
+
+Hohenzollern. Die Bork? die Winterfeld?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nicht, nicht; ich bitte dich! Du siehst die Perle
+Nicht vor dem Ring, der sie in Fassung hält.
+
+Hohenzollern.
+Zum Henker, sprich! Läßt das Gesicht sich raten?
+--Welch eine Dame meinst du?
+
+Der Prinz von Homburg. Gleichviel! Gleichviel!
+Der Nam ist mir, seit ich erwacht, entfallen,
+Und gilt zu dem Verständnis hier gleichviel.
+
+Hohenzollern.
+Gut! So sprich weiter!
+
+Der Prinz von Homburg. Aber stör mich nicht!--
+Und er, der Kurfürst, mit der Stirn des Zeus,
+Hielt einen Kranz von Lorbeern in der Hand:
+Er stellt sich dicht mir vor das Antlitz hin,
+Und schlägt, mir ganz die Seele zu entzünden,
+Den Schmuck darum, der ihm vom Nacken hängt,
+Und reicht ihn, auf die Locken mir zu drücken
+--O Lieber!
+
+Hohenzollern. Wem?
+
+Der Prinz von Homburg. O Lieber!
+
+Hohenzollern. Nun, so sprich!
+
+Der Prinz von Homburg.
+--Es wird die Platen wohl gewesen sein.
+
+Hohenzollern.
+Die Platen? Was!--Die jetzt in Preußen ist?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Die Platen. Wirklich. Oder die Ramin.
+
+Hohenzollern.
+Ach, die Ramin! Was! Die, mit roten Haaren!--
+Die Platen, mit den schelmschen Veilchenaugen!
+Die, weiß man, die gefällt dir.
+
+Der Prinz von Homburg. Die gefällt mir.--
+
+Hohenzollern.
+Nun, und die, sagst du, reichte dir den Kranz?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Hoch auf, gleich einem Genius des Ruhms,
+Hebt sie den Kranz, an dem die Kette schwankte,
+Als ob sie einen Helden krönen wollte.
+Ich streck, in unaussprechlicher Bewegung,
+Die Hände streck ich aus, ihn zu ergreifen:
+Zu Füßen will ich vor ihr niedersinken.
+Doch, wie der Duft, der über Täler schwebt,
+Vor eines Windes frischem Hauch zerstiebt,
+Weicht mir die Schar, die Ramp' ersteigend, aus.
+Die Rampe dehnt sich, da ich sie betret
+Endlos, bis an das Tor des Himmels aus,
+Ich greife rechts, ich greife links umher,
+Der Teuren einen ängstlich zu erhaschen.
+Umsonst! Des Schlosses Tor geht plötzlich auf;
+Ein Blitz der aus dem Innern zuckt, verschlingt sie,
+Das Tor fügt rasselnd wieder sich zusammen,
+Nur einen Handschuh, heftig, im Verfolgen,
+Streif ich der süßen Traumgestalt vom Arm:
+Und einen Handschuh, ihr allmächtgen Götter,
+Da ich erwache, halt ich in der Hand!
+
+Hohenzollern.
+Bei meinem Eid!--Und nun meinst du, der Handschuh,
+Der sei der ihre?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Wessen?
+
+Hohenzollern. Nun, der Platen!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Der Platen. Wirklich. Oder der Ramin.--
+
+Hohenzollern (lacht).
+Schelm, der du bist, mit deinen Visionen!
+Wer weiß von welcher Schäferstunde, traun,
+Mit Fleisch und Bein hier wachend zugebracht,
+Dir noch der Handschuh in den Händen klebt!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Was! Mir? Bei meiner Liebe--!
+
+Hohenzollern. Ei so, zum Henker,
+Was kümmerts mich? Meinthalben seis die Platen,
+Seis die Ramin! Am Sonntag geht die Post nach Preußen,
+Da kannst du auf dem kürzsten Weg erfahren,
+Ob deiner Schönen dieser Handschuh fehlt.--
+Fort! Es ist zwölf. Was stehn wir hier und plaudern?
+
+Der Prinz von Homburg (träumt vor sich nieder).
+--Da hast du recht. Laß uns zu Bette gehn.
+Doch, was ich sagen wollte, Lieber,
+Ist die Kurfürstin noch und ihre Nichte hier,
+Die liebliche Prinzessin von Oranien,
+Die jüngst in unser Lager eingetroffen?
+
+Hohenzollern.
+Warum?--Ich glaube gar, der Tor--?
+
+Der Prinz von Homburg. Warum?--
+Ich sollte, weißt du, dreißig Reuter stellen,
+Sie wieder von dem Kriegsplatz wegzuschaffen,
+Ramin hab ich deshalb beordern müssen.
+
+Hohenzollern.
+Ei, was! Die sind längst fort! Fort, oder reisen gleich!
+Ramin, zum Aufbruch völlig fertig, stand
+Die ganze Nacht durch mindstens am Portal.
+Doch fort! Zwölf ists; und eh die Schlacht beginnt,
+Wünsch ich mich noch ein wenig auszuruhn.
+
+(Beide ab.)
+
+
+
+Szene: Ebendaselbst. Saal im Schloß. Man hört in der
+Ferne schießen.
+
+Fünfter Auftritt
+
+Die Kurfürstin und die Prinzessin Natalie in Reisekleidern,
+geführt von einem Hofkavalier, treten auf und lassen sich zur
+Seite nieder. Hofdamen. Hierauf der Kurfürst, Feldmarschall
+Dörfling, der Prinz von Homburg, den Handschuh im Kollett,
+der Graf von Hohenzollern, Graf Truchß, Obrist Hennings,
+Rittmeister von der Golz und mehrere andere Generale, Obersten
+und Offiziere.
+
+
+Der Kurfürst.
+Was ist dies für ein Schießen?--Ist das Götz?
+
+Feldmarschall Dörfling.
+Das ist der Oberst Götz, mein Fürst und Herr,
+Der mit dem Vortrab gestern vorgegangen.
+Er hat schon einen Offizier gesandt,
+Der im voraus darüber dich beruhge.
+Ein schwedscher Posten ist, von tausend Mann,
+Bis auf die Hackelberge vorgerückt;
+Doch haftet Götz für diese Berge dir,
+Und sagt mir an, du möchtest nur verfahren,
+Als hätte sie sein Vortrab schon besetzt.
+
+Der Kurfürst (zu den Offizieren).
+Ihr Herrn, der Marschall kennt den Schlachtentwurf;
+Nehmt euren Stift, bitt ich, und schreibt ihn auf.
+
+(Die Offiziere versammeln sich auf der andern Seite um den
+Feldmarschall und nehmen ihre Schreibtafeln heraus.)
+
+Der Kurfürst (wendet sich zu dem Hofkavalier).
+Ramin ist mit dem Wagen vorgefahren?
+
+Der Hofkavalier.
+Im Augenblick, mein Fürst.--Man spannt schon an.
+
+Der Kurfürst (läßt sich auf einen Stuhl hinter der
+Kurfürstin und Prinzessin nieder).
+Ramin wird meine teur' Elisa führen,
+Und dreißig rüstge Reuter folgen ihm.
+Ihr geht auf Kalkhuhns, meines Kanzlers, Schloß
+Bei Havelberg, jenseits des Havelstroms,
+Wo sich kein Schwede mehr erblicken läßt.--
+
+Die Kurfürstin.
+Hat man die Fähre wieder hergestellt?
+
+Der Kurfürst.
+Bei Havelberg?--Die Anstalt ist getroffen.
+Zudem ists Tag, bevor ihr sie erreicht.
+
+(Pause.)
+
+Natalie ist so still, mein süßes Mädchen?
+--Was fehlt dem Kind?
+
+Prinzessin Natalie. Mich schauert, lieber Onkel.
+
+Der Kurfürst.
+Und gleichwohl ist mein Töchterchen so sicher,
+In ihrer Mutter Schoß war sies nicht mehr.
+
+(Pause.)
+
+Die Kurfürstin.
+Wann, denkst du, werden wir uns wiedersehen?
+
+Der Kurfürst.
+Wenn Gott den Sieg mir schenkt, wie ich nicht zweifle,
+Vielleicht im Laufe dieser Tage schon.
+
+(Pagen kommen und servieren den Damen ein Frühstück.
+Feldmarschall Dörfling diktiert.--Der Prinz von Homburg,
+Stift und Tafel in der Hand, fixiert die Damen.)
+
+Feldmarschall.
+Der Plan der Schlacht, ihr Herren Obersten,
+Den die Durchlaucht des Herrn ersann, bezweckt,
+Der Schweden flüchtges Heer, zu gänzlicher
+Zersplittrung, von dem Brückenkopf zu trennen,
+Der an dem Rhynfluß ihren Rücken deckt.
+Der Oberst Hennings--!
+
+Oberst Hennings. Hier! (Er schreibt.)
+
+Feldmarschall. Der nach des Herren Willen heut
+Des Heeres rechten Flügel kommandiert,
+Soll, durch den Grund der Hackelbüsche, still
+Des Feindes linken zu umgehen suchen,
+Sich mutig zwischen ihn und die drei Brücken werfen,
+Und mit dem Grafen Truchß vereint--
+Graf Truchß!
+
+Graf Truchß. Hier! (Er schreibt.)
+
+Feldmarschall. Und mit dem Grafen Truchß vereint (Er hält inne.)
+Der auf den Höhn indes, dem Wrangel gegenüber,
+Mit den Kanonen Posten hat gefaßt--
+
+Graf Truchß (schreibt).
+Kanonen Posten hat gefaßt--
+
+Feldmarschall. Habt Ihr?
+(Er fährt fort.)
+Die Schweden in den Sumpf zu jagen suchen,
+Der hinter ihrem rechten Flügel liegt.
+
+Ein Heiduck (tritt auf).
+Der Wagen, gnädge Frau, ist vorgefahren.
+
+(Die Damen stehen auf.)
+
+Feldmarschall.
+Der Prinz von Homburg--
+
+Der Kurfürst (erhebt sich gleichfalls).
+--Ist Ramin bereit?
+
+Der Heiduck.
+Er harrt zu Pferd schon unten am Portal.
+
+(Die Herrschaften nehmen Abschied von einander.)
+
+Graf Truchß (schreibt).
+Der hinter ihrem rechten Flügel liegt.
+
+Feldmarschall. Der Prinz von Homburg--
+Wo ist der Prinz von Homburg?
+
+Graf von Hohenzollern (heimlich). Arthur!
+
+Der Prinz von Homburg (fährt zusammen). Hier!
+
+Hohenzollern.
+Bist du bei Sinnen?
+
+Der Prinz von Homburg. Was befiehlt mein Marschall?
+
+(Er errötet, stellt sich mit Stift und Pergament und schreibt.)
+
+Feldmarschall.
+Dem die Durchlaucht des Fürsten wiederum
+Die Führung ruhmvoll, wie bei Rathenow,
+Der ganzen märkschen Reuterei vertraut--(Er hält inne.)
+Dem Obrist Kottwitz gleichwohl unbeschadet,
+Der ihm mit seinem Rat zur Hand wird gehn--
+(Halblaut zum Rittmeister Golz.)
+Ist Kottwitz hier?
+
+Rittmeister von der Golz. Nein, mein General, du siehst,
+Mich hat er abgeschickt, an seiner Statt,
+Aus deinem Mund den Kriegsbefehl zu hören.
+
+(Der Prinz sieht wieder nach den Damen herüber.)
+
+Feldmarschall (fährt fort).
+Stellt auf der Ebne sich, beim Dorfe Hackelwitz,
+Des Feindes rechtem Flügel gegenüber,
+Fern außer dem Kanonenschusse auf.
+
+Rittmeister von der Golz (schreibt).
+Fern außer dem Kanonenschusse auf.
+
+(Die Kurfürstin bindet der Prinzessin ein Tuch um den Hals.
+Die Prinzessin, indem sie sich die Handschuh anziehen will,
+sieht sich um, als ob sie etwas suchte.)
+
+Der Kurfürst (tritt zu ihr).
+Mein Töchterchen, was fehlt dir--?
+
+Die Kurfürstin. Suchst du etwas?
+
+Prinzessin Natalie.
+Ich weiß nicht, liebe Tante, meinen Handschuh--
+
+(Sie sehen sich alle um.)
+
+Der Kurfürst (zu den Hofdamen).
+Ihr Schönen! Wollt ihr gütig euch bemühn?
+
+Die Kurfürstin (zur Prinzessin).
+Du hältst ihn, Kind.
+
+Natalie. Den rechten; doch den linken?
+
+Der Kurfürst.
+Vielleicht daß er im Schlafgemach geblieben?
+
+Natalie.
+O liebe Bork!
+
+Der Kurfürst (zu diesem Fräulein).
+Rasch, rasch!
+
+Natalie. Auf dem Kamin!
+
+(Die Hofdame ab.)
+
+Der Prinz von Homburg (für sich).
+Herr meines Lebens! hab ich recht gehört?
+(Er nimmt den Handschuh aus dem Kollett.)
+
+Feldmarschall (sieht in ein Papier, das er in der Hand hält).
+Fern außer dem Kanonenschusse auf.--
+
+(Er fährt fort.)
+
+Des Prinzen Durchlaucht wird--
+
+Der Prinz von Homburg. Den Handschuh sucht sie
+
+(Er sieht bald den Handschuh, bald die Prinzessin an.)
+
+Feldmarschall.
+Nach unsers Herrn ausdrücklichem Befehl--
+
+Rittmeister von der Golz (schreibt).
+Nach unsers Herrn ausdrücklichem Befehl--
+
+Feldmarschall.
+Wie immer auch die Schlacht sich wenden mag,
+Vom Platz nicht, der ihm angewiesen, weichen--
+
+Der Prinz von Homburg.
+--Rasch, daß ich jetzt erprüfe, ob ers ist!
+
+(Er läßt, zugleich mit seinem Schnupftuch, den Handschuh
+fallen; das Schnupftuch hebt er wieder auf, den Handschuh
+läßt er so, daß ihn jedermann sehen kann, liegen.)
+
+Feldmarschall (befremdet).
+Was macht des Prinzen Durchlaucht?
+
+Graf von Hohenzollern (heimlich). Arthur!
+
+Der Prinz von Homburg. Hier!
+
+Hohenzollern. Ich glaub,
+Du bist des Teufels?!
+
+Der Prinz von Homburg. Was befiehlt mein Marschall?
+
+(Er nimmt wieder Stift und Tafel zur Hand. Der Feldmarschall
+sieht ihn einen Augenblick fragend an.--Pause.)
+
+Rittmeister von der Golz (nachdem er geschrieben).
+Vom Platz nicht, der ihm angewiesen, weichen--
+
+Feldmarschall (fährt fort).
+Als bis, gedrängt von Hennings und von Truchß--
+
+Der Prinz von Homburg (zum Rittmeister Golz, heimlich, indem
+er in seine Schreibtafel sieht).
+Wer? lieber Golz! Was? Ich?
+
+Rittmeister von der Golz. Ihr, ja! Wer sonst?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Vom Platz nicht soll ich--?
+
+Rittmeister von der Golz. Freilich!
+
+Feldmarschall. Nun? habt Ihr?
+
+Der Prinz von Homburg (laut).
+Vom Platz nicht, der mir angewiesen, weichen (Er schreibt.)
+
+Feldmarschall.
+Als bis, gedrängt von Hennings und von Truchß--
+
+(Er hält inne.)
+
+Des Feindes linker Flügel, aufgelöst,
+Auf seinen rechten stürzt, und alle seine
+Schlachthaufen wankend nach der Trift sich drängen,
+In deren Sümpfen, oft durchkreuzt von Gräben,
+Der Kriegsplan eben ist, ihn aufzureiben.
+
+Der Kurfürst.
+Ihr Pagen, leuchtet!--Euren Arm, ihr Lieben!
+(Er bricht mit der Kurfürstin und der Prinzessin auf.)
+
+Feldmarschall.
+Dann wird er die Fanfare blasen lassen.
+
+Die Kurfürstin (da einige Offiziere sie komplimentieren).
+Auf Wiedersehn, ihr Herrn! Laßt uns nicht stören.
+
+(Der Feldmarschall komplimentiert sie auch.)
+
+Der Kurfürst (steht plötzlich still).
+Sieh da! Des Fräuleins Handschuh! Rasch! Dort liegt er!
+
+Ein Hofkavalier.
+Wo?
+
+Der Kurfürst.
+Zu des Prinzen, unsers Vetters, Füßen!
+
+Der Prinz von Homburg (ritterlich).
+Zu meinen--? Was! Ist das der Eurige?
+
+(Er hebt ihn auf und bringt ihn der Prinzessin.)
+
+Natalie.
+Ich dank Euch, edler Prinz.
+
+Der Prinz von Homburg (verwirrt). Ist das der Eure?
+
+Natalie.
+Der meinige; der, welchen ich vermißt.
+
+(Sie empfängt ihn und zieht ihn an.)
+
+Die Kurfürstin (zu dem Prinzen im Abgehen).
+Lebt wohl! Lebt wohl! Viel Glück und Heil und Segen!
+Macht, daß wir bald und froh uns wieder sehn!
+
+(Der Kurfürst mit den Frauen ab. Hofdamen, Kavaliere und
+Pagen folgen.)
+
+Der Prinz von Homburg (steht einen Augenblick, wie vom
+Blitz getroffen da; dann wendet er sich mit triumphierenden
+Schritten wieder in den Kreis der Offiziere zurück).
+Dann wird er die Fanfare blasen lassen!
+(Er tut, als ob er schriebe.)
+
+Feldmarschall (sieht in sein Papier).
+Dann wird er die Fanfare blasen lassen.--
+Doch wird des Fürsten Durchlaucht ihm, damit,
+Durch Mißverstand, der Schlag zu früh nicht falle--
+
+(Er hält inne.)
+
+Rittmeister von der Golz (schreibt).
+Durch Mißverstand, der Schlag zu früh nicht falle
+
+Der Prinz von Homburg (zum Graf Hohenzollern, heimlich, in
+großer Bewegung).
+O Heinrich!
+
+Hohenzollern (unwillig). Nun! Was gibts? Was hast du vor?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Was! Sahst du nichts?
+
+Hohenzollern. Nein, nichts! Sei still, zum Henker!
+
+Feldmarschall (fährt fort).
+Ihm einen Offizier, aus seiner Suite, senden,
+Der den Befehl, das merkt, ausdrücklich noch
+Zum Angriff auf den Feind ihm überbringe.
+Eh wird er nicht Fanfare blasen lassen.
+
+(Der Prinz steht und träumt vor sich nieder.)
+
+--Habt Ihr?
+
+Rittmeister von der Golz (schreibt).
+Eh wird er nicht Fanfare blasen lassen.
+
+Feldmarschall (mit erhöhter Stimme.).
+Des Prinzen Durchlaucht, habt Ihr?
+
+Der Prinz von Homburg. Mein Feldmarschall?
+
+Feldmarschall.
+Ob Ihr geschrieben habt?
+
+Der Prinz von Homburg.--Von der Fanfare?
+
+Hohenzollern (heimlich, unwillig, nachdrücklich).
+Fanfare! Sei verwünscht! Nicht eh, als bis der--
+
+Rittmeister von der Golz (ebenso).
+Als bis er selbst--
+
+Der Prinz von Homburg (unterbricht sie).
+Ja, allerdings! Eh nicht--
+Doch dann wird er Fanfare blasen lassen.
+
+(Er schreibt.--Pause.)
+
+Feldmarschall.
+Den Obrist Kottwitz, merkt das, Baron Golz,
+Wünsch ich, wenn er es möglich machen kann,
+Noch vor Beginn des Treffens selbst zu sprechen.
+
+Rittmeister von der Golz (mit Bedeutung).
+Bestellen werd ich es. Verlaß dich drauf.
+
+(Pause.)
+
+Der Kurfürst (kommt zurück).
+Nun, meine General' und Obersten,
+Der Morgenstrahl ergraut!--Habt ihr geschrieben?
+
+Feldmarschall.
+Es ist vollbracht, mein Fürst; dein Kriegsplan ist
+An deine Feldherrn pünktlich ausgeteilt!
+
+Der Kurfürst (indem er Hut und Handschuh nimmt).
+Herr Prinz von Homburg, dir empfehl ich Ruhe!
+Du hast am Ufer, weißt du, mir des Rheins
+Zwei Siege jüngst verscherzt; regier dich wohl,
+Und laß mich heut den dritten nicht entbehren,
+Der mindres nicht, als Thron und Reich, mir gilt!
+
+(Zu den Offizieren.)
+
+Folgt mir!--He, Franz!
+
+Ein Reitknecht (tritt auf). Hier!
+
+Der Kurfürst. Rasch! Den Schimmel vor!
+--Noch vor der Sonn im Schlachtfeld will ich sein!
+
+(Ab; die Generale, Obersten und Offiziere folgen ihm.)
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+
+Der Prinz von Homburg (in den Vordergrund tretend).
+Nun denn, auf deiner Kugel, Ungeheures,
+Du, der der Windeshauch den Schleier heut,
+Gleich einem Segel lüftet, roll heran!
+Du hast mir, Glück, die Locken schon gestreift:
+Ein Pfand schon warfst du, im Vorüberschweben,
+Aus deinem Füllhorn lächelnd mir herab:
+Heut, Kind der Götter, such ich, flüchtiges,
+Ich hasche dich im Feld der Schlacht und stürze
+Ganz deinen Segen mir zu Füßen um:
+Wärst du auch siebenfach, mit Eisenketten,
+Am schwedschen Siegeswagen festgebunden! (Ab.)
+
+
+
+
+Zweiter Akt
+
+
+
+Szene: Schlachtfeld bei Fehrbellin.
+
+Erster Auftritt
+
+Obrist Kottwitz, Graf Hohenzollern, Rittmeister von der Golz,
+und andere Offiziere, an der Spitze der Reuterei, treten auf.
+
+
+Obrist Kottwitz (außerhalb der Szene).
+Halt hier die Reuterei, und abgesessen!
+
+Hohenzollern und Golz (treten auf).
+Halt!--Halt!
+
+Obrist Kottwitz. Wer hilft vom Pferde mir, ihr Freunde?
+
+Hohenzollern und Golz.
+Hier, Alter, hier! (Sie treten wieder zurück..)
+
+Obrist Kottwitz (außerhalb).
+Habt Dank!--Ouf! Daß die Pest mich!
+--Ein edler Sohn, für euren Dienst, jedwedem,
+Der euch, wenn ihr zerfallt, ein Gleiches tut!
+
+(Er tritt auf; Hohenzollern, Golz und andere, hinter ihm.)
+
+Ja, auf dem Roß fühl ich voll Tugend mich;
+Doch sitz ich ab, da hebt ein Strauß sich an,
+Als ob sich Leib und Seele kämpfend trennten!
+
+(Er sieht sich um.)
+
+Wo ist des Prinzen, unsers Führers, Durchlaucht?
+
+Hohenzollern.
+Der Prinz kehrt gleich zu dir zurück!
+
+Obrist Kottwitz. Wo ist er?
+
+Hohenzollern.
+Er ritt ins Dorf, das dir, versteckt in Büschen,
+Zur Seite blieb. Er wird gleich wiederkommen.
+
+Ein Offizier.
+Zur Nachtzeit, hör ich, fiel er mit dem Pferd?
+
+Hohenzollern.
+Ich glaube, ja.
+
+Obrist Kottwitz. Er fiel?
+
+Hohenzollern (wendet sich). Nichts von Bedeutung!
+Sein Rappe scheute an der Mühle sich,
+Jedoch, leichthin zur Seite niedergleitend,
+Tat er auch nicht den mindsten Schaden sich.
+Es ist den Odem keiner Sorge wert.
+
+Obrist Kottwitz (auf einen Hügel tretend).
+Ein schöner Tag, so wahr ich Leben atme!
+Ein Tag von Gott, dem hohen Herrn der Welt,
+Gemacht zu süßerm Ding als sich zu schlagen!
+Die Sonne schimmert rötlich durch die Wolken,
+Und die Gefühle flattern, mit der Lerche,
+Zum heitern Duft des Himmels jubelnd auf!--
+
+Golz.
+Hast du den Marschall Dörfling aufgefunden?
+
+Obrist Kottwitz (kommt vorwärts).
+Zum Henker, nein! Was denkt die Exzellenz?
+Bin ich ein Pfeil, ein Vogel, ein Gedanke,
+Daß er mich durch das ganze Schlachtfeld sprengt?
+Ich war beim Vortrab, auf den Hackelhöhn,
+Und in dem Hackelgrund, beim Hintertrab:
+Doch wen ich nicht gefunden, war der Marschall!
+Drauf meine Reuter sucht ich wieder auf.
+
+Golz.
+Das wird sehr leid ihm tun. Es schien, er hatte
+Dir von Belang noch etwas zu vertraun.
+
+Der Offizier.
+Da kommt des Prinzen, unsers Führers, Durchlaucht!
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+Der Prinz von Homburg, mit einem schwarzen Band um die
+linke Hand. Die Vorigen.
+
+
+Obrist Kottwitz.
+Sei mir gegrüßt, mein junger edler Prinz!
+Schau her, wie, während du im Dörfchen warst,
+Die Reuter ich im Talweg aufgestellt:
+Ich denk du wirst mit mir zufrieden sein!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Guten Morgen, Kottwitz!--Guten Morgen, Freunde!
+--Du weißt, ich lobe alles, was du tust.
+
+Hohenzollern.
+Was machtest, Arthur, in dem Dörfchen du?
+--Du scheinst so ernst!
+
+Der Prinz von Homburg. Ich--war in der Kapelle,
+Die aus des Dörfchens stillen Büschen blinkte.
+Man läutete, da wir vorüberzogen,
+Zur Andacht eben ein, da trieb michs an,
+Am Altar auch mich betend hinzuwerfen.
+
+Obrist Kottwitz.
+Ein frommer junger Herr, das muß ich sagen!
+Das Werk, glaubt mir, das mit Gebet beginnt,
+Das wird mit Heil und Ruhm und Sieg sich krönen!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Was ich dir sagen wollte, Heinrich--
+
+(Er führt den Grafen ein wenig vor.)
+
+Was wars schon, was der Dörfling, mich betreffend,
+Bei der Parol' hat gestern vorgebracht?
+
+Hohenzollern.
+--Du warst zerstreut. Ich hab es wohl gesehn.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Zerstreut--geteilt; ich weiß nicht, was mir fehlte,
+Diktieren in die Feder macht mich irr.--
+
+Hohenzollern.
+--Zum Glück nicht diesmal eben viel für dich.
+Der Truchß und Hennings, die das Fußvolk führen,
+Die sind zum Angriff auf den Feind bestimmt,
+Und dir ist aufgegeben, hier zu halten
+Im Tal, schlagfertig mit der Reuterei,
+Bis man zum Angriff den Befehl dir schickt.
+
+Der Prinz von Homburg (nach einer Pause, in der er vor
+sich niedergeträumt).
+--Ein wunderlicher Vorfall!
+
+Hohenzollern. Welcher, Lieber?
+
+(Er sieht ihn an.--Ein Kanonenschuß fällt.)
+
+Obrist Kottwitz.
+Holla, ihr Herrn, holla! Sitzt auf! sitzt auf!
+Das ist der Hennings und die Schlacht beginnt!
+
+(Sie besteigen sämtlich einen Hügel.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Wer ist es? Was?
+
+Hohenzollern. Der Obrist Hennings, Arthur,
+Der sich in Wrangels Rücken hat geschlichen!
+Komm nur, dort kannst du alles überschaun.
+
+Golz (auf dem Hügel).
+Seht, wie er furchtbar sich am Rhyn entfaltet!
+
+Der Prinz von Homburg (hält sich die Hand vors Auge).
+--Der Hennings dort auf unserm rechten Flügel?
+
+Erster Offizier.
+Ja, mein erlauchter Prinz.
+
+Der Prinz von Homburg. Was auch, zum Henker!
+Der stand ja gestern auf des Heeres Linken.
+
+(Kanonenschüsse in der Ferne.)
+
+Obrist Kottwitz.
+Blitzelement! Seht, aus zwölf Feuerschlünden
+Wirkt jetzt der Wrangel auf den Hennings los!
+
+Erster Offizier.
+Das nenn ich Schanzen das, die schwedischen!
+
+Zweiter Offizier.
+Bei Gott, getürmt bis an die Kirchsturmspitze,
+Des Dorfs, das hinter ihrem Rücken liege!
+
+(Schüsse in der Nähe.)
+
+Golz.
+Das ist der Truchß!
+
+Der Prinz von Homburg. Der Truchß?
+
+Obrist Kottwitz. Der Truchß, er, ja;
+Der Hennings jetzt von vorn zu Hülfe kommt.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Wie kommt der Truchß heut in die Mitte?
+
+(Heftige Kanonade.)
+
+Golz.
+O Himmel, schaut, mich dünkt das Dorf fing Feuer!
+
+Dritter Offizier.
+Es brennt, so wahr ich leb!
+
+Erster Offizier. Es brennt! Es brennt!
+Die Flamme zuckt schon an dem Turm empor!
+
+Golz.
+Hui! Wie die Schwedenboten fliegen rechts und links!
+
+Zweiter Offizier.
+Sie brechen auf!
+
+Obrist Kottwitz. Wo?
+
+Erster Offizier. Auf dem rechten Flügel!--
+
+Dritter Offizier.
+Freilich! In Zügen! Mit drei Regimentern!
+Es scheint, den linken wollen sie verstärken.
+
+Zweiter Offizier.
+Bei meiner Treu! Und Reuterei rückt vor,
+Den Marsch des rechten Flügels zu bedecken!
+
+Hohenzollern (lacht).
+Ha! Wie das Feld die wieder räumen wird,
+Wenn sie versteckt uns hier im Tal erblickt!
+
+(Musketenfeuer.)
+
+Kottwitz.
+Schaut! Brüder, schaut!
+
+Zweiter Offizier. Horcht!
+
+Erster Offizier. Feuer der Musketen!
+
+Dritter Offizier.
+Jetzt sind sie bei den Schanzen aneinander!--
+
+Golz.
+Bei Gott! Solch einen Donner des Geschützes
+Hab ich zeit meines Lebens nicht gehört!
+
+Hohenzollern.
+Schießt! Schießt! Und macht den Schoß der Erde bersten!
+Der Riß soll eurer Leichen Grabmal sein.
+
+(Pause.--Ein Siegsgeschrei in der Ferne.)
+
+Erster Offizier.
+Herr, du, dort oben, der den Sieg verleiht:
+Der Wrangel kehrt den Rücken schon!
+
+Hohenzollern. Nein, sprich!
+
+Golz.
+Beim Himmel, Freunde! Auf dem linken Flügel!
+Er räumt mit seinem Feldgeschütz die Schanzen.
+
+Alle.
+Triumph! Triumph! Triumph! Der Sieg ist unser!
+
+Der Prinz von Homburg (steigt vom Hügel herab).
+Auf, Kottwitz, folg mir!
+
+Obrist Kottwitz. Ruhig, ruhig, Kinder!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Auf! Laß Fanfare blasen! Folge mir!
+
+Obrist Kottwitz.
+Ich sage, ruhig.
+
+Der Prinz von Homburg (wild).
+Himmel, Erd und Hölle!
+
+Obrist Kottwitz.
+Des Herrn Durchlaucht, bei der Parole gestern,
+Befahl, daß wir auf Order warten sollen.
+Golz, lies dem Herren die Parole vor.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Auf Ord'r! Ei, Kottwitz! Reitest du so langsam?
+Hast du sie noch vom Herzen nicht empfangen?
+
+Obrist Kottwitz.
+Order?
+
+Hohenzollern.
+Ich bitte dich!
+
+Obrist Kottwitz. Von meinem Herzen?
+
+Hohenzollern.
+Laß dir bedeuten, Arthur!
+
+Golz. Hör' mein Obrist!
+
+Obrist Kottwitz (beleidigt).
+Oho! Kömmst du mir so, mein junger Herr?--
+Den Gaul, den du dahersprengst, schlepp ich noch
+Im Notfall an dem Schwanz des meinen fort!
+Marsch, marsch, ihr Herrn! Trompeter, die Fanfare!
+Zum Kampf! Zum Kampf! Der Kottwitz ist dabei!
+
+Golz (zu Kottwitz).
+Nein nimmermehr, mein Obrist! Nimmermehr!
+
+Zweiter Offizier.
+Der Hennings hat den Rhyn noch nicht erreicht!
+
+Erster Offizier.
+Nimm ihm den Degen ab!
+
+Der Prinz von Homburg. Den Degen mir?
+(Er stößt ihn zurück.)
+Ei, du vorwitzger Knabe, der du noch
+Nicht die Zehn märkischen Gebote kennst!
+Hier ist der deinige, zusamt der Scheide!
+(Er reißt ihm das Schwert samt dem Gürtel ab.)
+
+Erster Offizier (taumelnd).
+Mein Prinz, die Tat, bei Gott--!
+
+Der Prinz von Homburg (auf ihn einschreitend).
+Den Mund noch öffnest--?
+
+Hohenzollern (zu dem Offizier).
+Schweig! Bist du rasend?
+
+Der Prinz von Homburg (indem er den Degen abgibt).
+Ordonnanzen!--
+Führt ihn gefangen ab, ins Hauptquartier.
+
+(Zu Kottwitz und den übrigen Offizieren.)
+
+Und jetzt ist die Parol', ihr Herrn: ein Schurke,
+Wer seinem General zur Schlacht nicht folgt!
+--Wer von euch bleibt?
+
+Obrist Kottwitz. Du hörst. Was eiferst du?
+
+Hohenzollern (beilegend).
+Es war ein Rat nur, den man dir erteilt.
+
+Obrist Kottwitz.
+Auf deine Kappe nimms. Ich folge dir.
+
+Der Prinz von Homburg (beruhigt).
+Ich nehms auf meine Kappe. Folgt mir, Brüder!
+
+(Alle ab.)
+
+
+
+Szene: Zimmer in einem Dorf.
+
+Dritter Auftritt
+
+Ein Hofkavalier, in Stiefeln und Sporen, tritt auf.--Ein
+Bauer und seine Frau sitzen an einem Tisch und arbeiten.
+
+
+Hofkavalier.
+Glück auf, ihr wackern Leute! Habt ihr Platz,
+In eurem Hause Gäste aufzunehmen?
+
+Der Bauer.
+O ja! Von Herzen.
+
+Die Frau. Darf man wissen, wen?
+
+Hofkavalier.
+Die hohe Landesmutter! Keinen Schlechtern!
+Am Dorftor brach die Achse ihres Wagens,
+Und weil wir hören, daß der Sieg erfochten,
+So braucht es weiter diese Reise nicht.
+
+Beide (stehen auf).
+Der Sieg erfochten?--Himmel!
+
+Hofkavalier. Das wißt ihr nicht?
+Das Heer der Schweden ist aufs Haupt geschlagen,
+Wenn nicht für immer, doch auf Jahresfrist,
+Die Mark vor ihrem Schwert und Feuer sicher!
+--Doch seht! da kömmt die Landesfürstin schon.
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Die Kurfürstin, bleich und verstört. Prinzessin Natalie
+und mehrere Hofdamen folgen.--Die Vorigen.
+
+
+Kurfürstin (unter der Tür).
+Bork! Winterfeld! Kommt: gebt mir euren Arm!
+
+Natalie (zu ihr eilend).
+O meine Mutter!
+
+Die Hofdamen. Gott! Sie bleicht! Sie fällt!
+
+(Sie unterstützen sie.)
+
+Kurfürstin.
+
+Führt mich auf einen Stuhl, ich will mich setzen.
+--Tot, sagt er; tot?
+
+Natalie. O meine teure Mutter!
+
+Kurfürstin.
+Ich will den Unglücksboten selber sprechen.
+
+
+
+Fünfter Auftritt
+
+Rittmeister von Mörner tritt verwundet auf, von zwei
+Reutern geführt.--Die Vorigen.
+
+
+Kurfürstin.
+Was bringst du, Herold des Entsetzens, mir?
+
+Mörner.
+Was diese Augen, leider, teure Frau,
+Zu meinem ewgen Jammer, selbst gesehn.
+
+Kurfürstin.
+Wohlan! Erzähl!
+
+Mörner. Der Kurfürst ist nicht mehr!
+
+Natalie. O Himmel!
+Soll ein so ungeheurer Schlag uns treffen?
+
+(Sie bedeckt sich das Gesicht.)
+
+Kurfürstin.
+Erstatte mir Bericht, wie er gesunken!
+--Und wie der Blitzstrahl, der den Wandrer trifft,
+Die Welt noch einmal purpurn ihm erleuchtet,
+So laß dein Wort sein; Nacht, wenn du gesprochen,
+Mög über meinem Haupt zusammenschlagen.
+
+Mörner (tritt, geführt von den beiden Reutern, vor ihr).
+Der Prinz von Homburg war, sobald der Feind,
+Gedrängt von Truchß, in seiner Stellung wankte,
+Auf Wrangel in die Ebne vorgerückt;
+Zwei Linien hatt er, mit der Reuterei,
+Durchbrochen schon, und auf der Flucht vernichtet,
+Als er auf eine Feldredoute stieß.
+Hier schlug so mörderischer Eisenregen
+Entgegen ihm, daß seine Reuterschar,
+Wie eine Saat, sich knickend niederlegte:
+Halt mußt er machen zwischen Busch und Hügeln,
+Um sein zerstreutes Reuterkorps zu sammeln.
+
+Natalie (zur Kurfürstin).
+Geliebte! Fasse dich!
+
+Kurfürstin. Laß, laß mich, Liebe!
+
+Mörner.
+In diesem Augenblick, dem Staub entrückt,
+Bemerken wir den Herrn, der, bei den Fahnen
+Des Truchßschen Korps, dem Feind entgegenreitet;
+Auf einem Schimmel herrlich saß er da,
+Im Sonnenstrahl, die Bahn des Siegs erleuchtend.
+Wir alle sammeln uns, bei diesem Anblick,
+Auf eines Hügels Abhang, schwer besorgt,
+Inmitten ihn des Feuers zu erblicken:
+Als plötzlich jetzt der Kurfürst, Roß und Reuter,
+In Staub vor unsern Augen niedersinkt;
+Zwei Fahnenträger fielen über ihn,
+Und deckten ihn mit ihren Fahnen zu.
+
+Natalie.
+O meine Mutter!
+
+Erste Hofdame. Himmel!
+
+Kurfürstin. Weiter! Weiter!
+
+Mörner.
+Drauf faßt, bei diesem schreckenvollen Anblick,
+Schmerz, unermeßlicher, des Prinzen Herz;
+Dem Bären gleich, von Wut gespornt und Rache,
+Bricht er mit uns auf die Verschanzung los:
+Der Graben wird, der Erdwall, der sie deckt,
+Im Anlauf überflogen, die Besatzung
+Geworfen, auf das Feld zerstreut, vernichtet,
+Kanonen, Fahnen, Pauken und Standarten,
+Der Schweden ganzes Kriegsgepäck, erbeutet:
+Und hätte nicht der Brückenkopf am Rhyn
+Im Würgen uns gehemmt, so wäre keiner,
+Der an dem Herd der Väter, sagen könnte:
+Bei Fehrbellin sah ich den Helden fallen!
+
+Kurfürstin.
+Ein Sieg, zu teu'r erkauft! Ich mag ihn nicht.
+Gebt mir den Preis, den er gekostet, wieder.
+
+(Sie sinkt in Ohnmacht.)
+
+Erste Hofdame.
+Hilf, Gott im Himmel! Ihre Sinne schwinden.
+
+(Natalie weint.)
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Der Prinz von Homburg tritt auf.--Die Vorigen.
+
+
+Der Prinz von Homburg.
+O meine teuerste Natalie!
+
+(Er legt ihre Hand gerührt an sein Herz.)
+
+Natalie.
+So ist es wahr?
+
+Der Prinz von Homburg.
+O! könnt ich sagen: nein!
+Könnt ich mit Blut, aus diesem treuen Herzen,
+Das seinige zurück ins Dasein rufen!
+
+Natalie (trocknet sich die Tränen).
+Hat man denn schon die Leiche aufgefunden?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ach, mein Geschäft, bis diesen Augenblick,
+War Rache nur an Wrangel; wie vermocht ich,
+Solch einer Sorge mich bis jetzt zu weihn?
+Doch eine Schar von Männern sandt ich aus,
+Ihn, im Gefild des Todes, aufzusuchen:
+Vor Nacht noch zweifelsohne trifft er ein.
+
+Natalie.
+Wer wird, in diesem schauderhaften Kampf,
+Jetzt diese Schweden niederhalten? Wer
+Vor dieser Welt von Feinden uns beschirmen,
+Die uns sein Glück, die uns sein Ruhm erworben?
+
+Der Prinz von Homburg (nimmt ihre Hand).
+Ich, Fräulein, übernehme eure Sache!
+Ein Engel will ich, mit dem Flammenschwert,
+An eures Throns verwaiste Stufen stehn!
+Der Kurfürst wollte, eh das Jahr noch wechselt,
+Befreit die Marken sehn; wohlan! ich will der
+Vollstrecker solchen letzten Willens sein!
+
+Natalie.
+Mein lieber, teurer Vetter!
+
+(Sie zieht ihre Hand zurück.)
+
+Der Prinz von Homburg. O Natalie!
+(Er hält einen Augenblick inne.)
+Wie denkt Ihr über Eure Zukunft jetzt?
+
+Natalie.
+Ja, was soll ich, nach diesem Wetterschlag,
+Der unter mir den Grund zerreißt, beginnen?
+Mir ruht der Vater, mir die teure Mutter,
+Im Grab zu Amsterdam; in Schutt und Asche
+Liegt Dortrecht, meines Hauses Erbe, da;
+Gedrängt von Spaniens Tyrannenheeren,
+Weiß Moritz kaum, mein Vetter von Oranien,
+Wo er die eignen Kinder retten soll:
+Und jetzt sinkt mir die letzte Stütze nieder,
+Die meines Glückes Rebe aufrecht hielt.
+Ich ward zum zweitenmale heut verwaist.
+
+Der Prinz von Homburg (schlägt einen Arm um ihren Leib).
+O meine Freundin! Wäre diese Stunde
+Der Trauer nicht geweiht, so wollt ich sagen:
+Schlingt Eure Zweige hier um diese Brust,
+Um sie, die schon seit Jahren, einsam blühend,
+Nach eurer Glocken holden Duft sich sehnt!
+
+Natalie.
+Mein lieber, guter Vetter!
+
+Der Prinz von Homburg.--Wollt Ihr? Wollt Ihr?
+
+Natalie.
+--Wenn ich ins innre Mark ihr wachsen darf?
+
+(Sie legt sich an seine Brust.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Wie? Was war das?
+
+Natalie. Hinweg!
+
+Der Prinz von Homburg (hält sie). In ihren Kern!
+In ihres Herzens Kern, Natalie!
+
+(Er küßt sie; sie reißt sich los.)
+
+O Gott, wär er jetzt da, den wir beweinen,
+Um diesen Bund zu schauen! Könnten wir
+Zu ihm aufstammeln: Vater, segne uns!
+
+(Er bedeckt sein Gesicht mit seinen Händen; Natalie wendet
+sich wieder zur Kurfürstin zurück.)
+
+
+
+Siebenter Auftritt
+
+Ein Wachtmeister tritt eilig auf.--Die Vorigen.
+
+
+Wachtmeister.
+Mein Prinz, kaum wag ich, beim lebendgen Gott,
+Welch ein Gerücht sich ausstreut, Euch zu melden!
+--Der Kurfürst lebt!
+
+Der Prinz von Homburg. Er lebt!
+
+Wachtmeister. Beim hohen Himmel!
+Graf Sparren bringt die Nachricht eben her.
+
+Natalie.
+Herr meines Lebens! Mutter; hörtest dus?
+
+(Sie stürzt vor der Kurfürstin nieder und umfaßt ihren Leib.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nein, sag--! Wer bringt mir--?
+
+Wachtmeister. Graf Georg von Sparren,
+Der ihn in Hackelwitz beim Truchßschen Korps,
+Mit eignem Aug, gesund und wohl, gesehn!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Geschwind! Lauf, Alter! Bring ihn mir herein!
+
+(Wachtmeister ab.)
+
+
+
+Achter Auftritt
+
+Graf Georg von Sparren und der Wachtmeister treten auf.
+Die Vorigen.
+
+
+Kurfürstin.
+O stürzt mich zweimal nicht zum Abgrund nieder!
+
+Natalie.
+Nein, meine teure Mutter!
+
+Kurfürstin. Friedrich lebt?
+
+Natalie (hält sie mit beiden Händen aufrecht).
+Des Daseins Gipfel nimmt Euch wieder auf!
+
+Wachtmeister (auftretend).
+Hier ist der Offizier!
+
+Der Prinz von Homburg. Herr Graf von Sparren!
+Des Herrn Durchlaucht habt Ihr frisch und wohlauf,
+Beim Truchßschen Korps, in Hackelwitz, gesehn?
+
+Graf Sparren.
+Ja, mein erlauchter Prinz, im Hof des Pfarrers,
+Wo er Befehle gab, vom Stab umringt,
+Die Toten beider Heere zu begraben!
+
+Die Hofdamen.
+O Gott! An deine Brust--(Sie umarmen sich.)
+
+Kurfürstin. O meine Tochter!
+
+Natalie.
+Nein, diese Seligkeit ist fast zu groß!
+
+(Sie drückt ihr Gesicht in der Tante Schoß.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Sah ich von fern, an meiner Reuter Spitze,
+Ihn nicht, zerschmettert von Kanonenkugeln,
+In Staub, samt seinem Schimmel, niederstürzen?
+
+Graf Sparren.
+Der Schimmel, allerdings, stürzt', samt dem Reuter,
+Doch wer ihn ritt, mein Prinz, war nicht der Herr.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nicht? Nicht der Herr?
+
+Natalie. O Jubel!
+
+(Sie steht auf und stellt sich an die Seite der Kurfürstin.)
+
+Der Prinz von Homburg. Sprich! Erzähle!
+Dein Wort fällt schwer wie Gold in meine Brust!
+
+Graf Sparren.
+O laßt die rührendste Begebenheit,
+Die je ein Ohr vernommen, Euch berichten!
+Der Landesherr, der, jeder Warnung taub,
+Den Schimmel wieder ritt, den strahlendweißen,
+Den Froben jüngst in England ihm erstand,
+War wieder, wie bis heut noch stets geschah,
+Das Ziel der feindlichen Kanonenkugeln.
+Kaum konnte, wer zu seinem Troß gehörte,
+Auf einen Kreis von hundert Schritt ihm nahn;
+Granaten wälzten, Kugeln und Kartätschen,
+Sich wie ein breiter Todesstrom daher,
+Und alles, was da lebte, wich ans Ufer:
+Nur er, der kühne Schwimmer, wankte nicht,
+Und, stets den Freunden winkend, rudert' er
+Getrost den Höhn zu, wo die Quelle sprang.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Beim Himmel, ja! Ein Grausen wars, zu sehn.
+
+Graf Sparren.
+Stallmeister Froben, der, beim Troß der Suite,
+Zunächst ihm folgt, ruft dieses Wort mir zu:
+"Verwünscht sei heut mir dieses Schimmels Glanz,
+Mit schwerem Gold in London jüngst erkauft!
+Wollt ich doch funfzig Stück Dukaten geben,
+Könnt ich ihn mit dem Grau der Mäuse decken."
+Er naht, voll heißer Sorge, ihm und spricht:
+"Hoheit, dein Pferd ist scheu, du mußt verstatten,
+Daß ichs noch einmal in die Schule nehme!"
+Mit diesem Wort entsitzt er seinem Fuchs,
+Und fällt dem Tier des Herren in den Zaum.
+Der Herr steigt ab, still lächelnd, und versetzt:
+"Die Kunst, die du ihn, Alter, lehren willst,
+Wird er, solang es Tag ist, schwerlich lernen.
+Nimm, bitt ich, fern ihn, hinter jenen Hügeln,
+Wo seines Fehls der Feind nicht achtet, vor."
+Dem Fuchs drauf sitzt er auf, den Froben reitet,
+Und kehrt zurück, wohin sein Amt ihn ruft.
+Doch Froben hat den Schimmel kaum bestiegen,
+So reißt, entsendet aus der Feldredoute,
+Ihn schon ein Mordblei, Roß und Reuter, nieder.
+In Staub sinkt er, ein Opfer seiner Treue,
+Und keinen Laut vernahm man mehr von ihm.
+
+(Kurze Pause.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Er ist bezahlt!--Wenn ich zehn Leben hätte,
+Könnt ich sie besser brauchen nicht, als so!
+
+Natalie.
+Der wackre Froben!
+
+Kurfürstin. Der Vortreffliche!
+
+Natalie.
+Ein Schlechtrer wäre noch der Tränen wert!
+
+(Sie weinen.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Genug! Zur Sache jetzt. Wo ist der Kurfürst?
+Nahm er in Hackelwitz sein Hauptquartier?
+
+Graf Sparren.
+Vergib! der Herr ist nach Berlin gegangen,
+Und die gesamte Generalität
+Ist aufgefordert, ihm dahin zu folgen.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Wie? Nach Berlin?--Ist denn der Feldzug aus?
+
+Graf Sparren.
+Fürwahr, ich staune, daß dir alles fremd!
+Graf Horn, der schwedsche General, traf ein;
+Es ist im Lager, gleich nach seiner Ankunft,
+Ein Waffenstillstand ausgerufen worden.
+Wenn ich den Marschall Dörfling recht verstanden,
+Ward eine Unterhandlung angeknüpft:
+Leicht, daß der Frieden selbst erfolgen kann.
+
+Kurfürstin.
+O Gott, wie herrlich klärt sich alles auf!
+
+(Sie steht auf.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Kommt, laßt sogleich uns nach Berlin ihm folgen!
+--Räumst du, zu rascherer Beförderung, wohl
+Mir einen Platz in deinem Wagen ein?
+--Zwei Zeilen nur an Kottwitz schreib ich noch,
+Und steige augenblicklich mit dir ein.
+
+(Er setzt sich nieder und schreibt.)
+
+Kurfürstin.
+Von ganzem Herzen gern!
+
+Der Prinz von Homburg (legt den Brief zusammen und übergibt
+ihn dem Wachtmeister; indem er sich wieder zur Kurfürstin
+wendet, und den Arm sanft um Nataliens Leib legt).
+Ich habe so
+Dir einen Wunsch noch schüchtern zu vertraun,
+Des ich mich auf der Reis entlasten will.
+
+Natalie (macht sich von ihm los).
+Bork! Rasch! Mein Halstuch, bitt ich!
+
+Kurfürstin. Du? Einen Wunsch mir?
+
+Erste Hofdame.
+Ihr tragt das Tuch, Prinzessin, um den Hals!
+
+Der Prinz von Homburg (zur Kurfürstin).
+Was? Rätst du nichts?
+
+Kurfürstin. Nein, nichts!
+
+Der Prinz von Homburg. Was? Keine Silbe?
+
+Kurfürstin (abbrechend).
+Gleichviel!--Heut keinem Flehenden auf Erden
+Antwort ich: nein! was es auch immer sei;
+Und dir, du Sieger in der Schlacht, zuletzt!
+--Hinweg!
+
+Der Prinz von Homburg.
+O Mutter! Welch ein Wort sprachst du?
+Darf ichs mir deuten, wie es mir gefällt?
+
+Kurfürstin.
+Hinweg, sag ich! Im Wagen mehr davon!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Kommt, gebt mir Euren Arm!--O Cäsar Divus!
+Die Leiter setz ich an, an deinen Stern!
+
+(Er führt die Damen ab; alle folgen.)
+
+
+
+Szene: Berlin. Lustgarten vor dem alten Schloß. Im Hintergrunde
+die Schloßkirche, mit einer Treppe. Glockenklang; die Kirche
+ist stark erleuchtet; man sieht die Leiche Frobens vorübertragen,
+und auf einen prächtigen Katafalk niedersetzen.
+
+Neunter Auftritt
+
+Der Kurfürst, Feldmarschall Dörfling, Obrist Hennings, Graf
+Truchß, und mehrere andere Obristen und Offiziere treten auf.
+Ihm gegenüber zeigen sich einige Offiziere mit Depeschen.--
+In der Kirche sowohl als auf dem Platz Volk jeden Alters und
+Geschlechts.
+
+
+Der Kurfürst.
+Wer immer auch die Reuterei geführt,
+Am Tag der Schlacht, und, eh der Obrist Hennings
+Des Feindes Brücken hat zerstören können,
+Damit ist aufgebrochen, eigenmächtig,
+Zur Flucht, bevor ich Order gab, ihn zwingend,
+Der ist des Todes schuldig, das erklär ich,
+Und vor ein Kriegsgericht bestell ich ihn.
+--Der Prinz von Homburg hat sie nicht geführt?
+
+Graf Truchß.
+Nein, mein erlauchter Herr!
+
+Der Kurfürst. Wer sagt mir das?
+
+Graf Truchß.
+Das können Reuter dir bekräftigen,
+Die mirs versichert, vor Beginn der Schlacht.
+Der Prinz hat mit dem Pferd sich überschlagen,
+Man hat verwundet schwer, an Haupt und Schenkeln,
+In einer Kirche ihn verbinden sehn.
+
+Der Kurfürst.
+Gleichviel. Der Sieg ist glänzend dieses Tages,
+Und vor dem Altar morgen dank ich Gott.
+Doch wär er zehnmal größer, das entschuldigt
+Den nicht, durch den der Zufall mir ihn schenkt:
+Mehr Schlachten noch, als die, hab ich zu kämpfen,
+Und will, daß dem Gesetz Gehorsam sei.
+Wers immer war, der sie zur Schlacht geführt,
+Ich wiederhols, hat seinen Kopf verwirkt,
+Und vor ein Kriegsrecht hiemit lad ich ihn.
+--Folgt, meine Freunde, in die Kirche mir!
+
+
+
+Zehnter Auftritt
+
+Der Prinz von Homburg, drei schwedische Fahnen in der Hand,
+Obrist Kottwitz, mit deren zwei, Graf Hohenzollern, Rittmeister
+Golz, Graf Reuß, jeder mit einer Fahne, mehrere andere
+Offiziere, Korporale und Reuter, mit Fahnen, Pauken und
+Standarten, treten auf.
+
+
+Feldmarschall Dörfling (so wie er den Prinzen erblickt).
+Der Prinz von Homburg!--Truchß! Was machtet Ihr?
+
+Der Kurfürst (stutzt).
+Wo kommt Ihr her, Prinz?
+
+Der Prinz von Homburg (einige Schritte vorschreitend).
+Von Fehrbellin, mein Kurfürst,
+Und bringe diese Siegstrophäen dir.
+
+(Er legt die drei Fahnen vor ihm nieder; die Offiziere,
+Korporale und Reuter folgen, jeder mit der ihrigen.)
+
+Der Kurfürst (betroffen).
+Du bist verwundet, hör ich, und gefährlich?
+--Graf Truchß!
+
+Der Prinz von Homburg (heiter).
+Vergib!
+
+Graf Truchß. Beim Himmel, ich erstaune!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Mein Goldfuchs fiel, vor Anbeginn der Schlacht;
+Die Hand hier, die ein Feldarzt mir verband,
+Verdient nicht, daß du sie verwundet taufst.
+
+Der Kurfürst.
+Mithin hast du die Reuterei geführt?
+
+Der Prinz von Homburg (sieht ihn an).
+Ich? Allerdings! Mußt du von mir dies hören?
+--Hier legt ich den Beweis zu Füßen dir.
+
+Der Kurfürst.
+--Nehmt ihm den Degen ab. Er ist gefangen.
+
+Feldmarschall (erschrocken).
+Wem?
+
+Der Kurfürst (tritt unter die Fahnen).
+Kottwitz! Sei gegrüßt mir!
+
+Graf Truchß (für sich). O verflucht!
+
+Obrist Kottwitz.
+Bei Gott, ich bin aufs äußerste--!
+
+Der Kurfürst (er sieht ihn an). Was sagst du?
+Schau, welche Saat für unsern Ruhm gemäht!
+--Die Fahn ist von der schwedischen Leibwacht! Nicht?
+(Er nimmt eine Fahne auf, entwickelt und betrachtet sie.)
+
+Obrist Kottwitz.
+Mein Kurfürst?
+
+Feldmarschall. Mein Gebieter?
+
+Der Kurfürst. Allerdings!
+Und zwar aus König Gustav Adolfs Zeiten!
+--Wie heißt die Inschrift?
+
+Obrist Kottwitz. Ich glaube--
+
+Feldmarschall.--Per aspera ad astra.
+
+Der Kurfürst.
+Das hat sie nicht bei Fehrbellin gehalten.
+
+(Pause.)
+
+Obrist Kottwitz (schüchtern).
+Mein Fürst, vergönn ein Wort mir--!
+
+Der Kurfürst. Was beliebt?--
+Nehmt alles, Fahnen, Pauken und Standarten,
+Und hängt sie an der Kirche Pfeiler auf;
+Beim Siegsfest morgen denk ich sie zu brauchen!
+
+(Der Kurfürst wendet sich zu den Kurieren, nimmt ihnen die
+Depeschen ab, erbricht, und liest sie.)
+
+Obrist Kottwitz (für sich).
+Das, beim lebendigen Gott, ist mir zu stark!
+
+(Der Obrist nimmt, nach einigem Zaudern, seine zwei Fahnen auf;
+die übrigen Offiziere und Reuter folgen; zuletzt, da die drei
+Fahnen des Prinzen liegen bleiben, hebt Kottwitz auch diese
+auf, so daß er nun fünf trägt.)
+
+Ein Offizier (tritt vor den Prinzen).
+Prinz, Euren Degen, bitt ich.
+
+Hohenzollern (mit seiner Fahne, ihm zur Seite tretend).
+Ruhig, Freund!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Träum ich? Wach ich? Leb ich? Bin ich bei Sinnen?
+
+Golz.
+Prinz, gib den Degen, rat ich, hin, und schweig!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ich, ein Gefangener?
+
+Hohenzollern. So ists!
+
+Golz. Ihr hörts!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Darf man die Ursach wissen?
+
+Hohenzollern (mit Nachdruck). Jetzo nicht!
+--Du hast zu zeitig, wie wir gleich gesagt,
+Dich in die Schlacht gedrängt; die Order war,
+Nicht von dem Platz zu weichen, ungerufen!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Helft Freunde, helft! Ich bin verrückt.
+
+Golz (unterbrechend). Still! Still!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Sind denn die Märkischen geschlagen worden?
+
+Hohenzollern (stampft mit dem Fuß auf die Erde).
+Gleichviel!--Der Satzung soll Gehorsam sein.
+
+Der Prinz von Homburg (mit Bitterkeit).
+So--so, so, so!
+
+Hohenzollern (entfernt sich von ihm).
+Es wird den Hals nicht kosten.
+
+Golz (ebenso).
+Vielleicht, daß du schon morgen wieder los.
+
+(Der Kurfürst legt die Briefe zusammen, und kehrt sich wieder
+in den Kreis der Offiziere zurück.)
+
+Der Prinz von Homburg (nachdem er sich den Degen abgeschnallt).
+Mein Vetter Friedrich will den Brutus spielen,
+Und sieht, mit Kreid auf Leinewand verzeichnet,
+Sich schon auf dem kurulschen Stuhle sitzen:
+Die schwedschen Fahnen in dem Vordergrund,
+Und auf dem Tisch die märkschen Kriegsartikel.
+Bei Gott, in mir nicht findet er den Sohn,
+Der, unterm Beil des Henkers, ihn bewundre.
+Ein deutsches Herz, von altem Schrot und Korn,
+Bin ich gewohnt an Edelmut und Liebe,
+Und wenn er mir, in diesem Augenblick,
+Wie die Antike starr entgegenkommt,
+Tut er mir leid, und ich muß ihn bedauren!
+
+(Er gibt den Degen an den Offizier und geht ab.)
+
+Der Kurfürst.
+Bringt ihn nach Fehrbellin, ins Hauptquartier,
+Und dort bestellt das Kriegsrecht, das ihn richte.
+
+(Ab in die Kirche. Die Fahnen folgen ihm, und werden, während
+er mit seinem Gefolge an dem Sarge Frobens niederkniet und
+betet, an den Pfeilern derselben aufgehängt.
+Trauermusik.)
+
+
+
+
+Dritter Akt
+
+Szene: Fehrbellin. Ein Gefängnis.
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+Der Prinz von Homburg.--Im Hintergrunde zwei Reuter, als
+Wache.--Der Graf von Hohenzollern tritt auf.
+
+
+Der Prinz von Homburg.
+Sieh da! Freund Heinrich! Sei willkommen mir!
+--Nun, des Arrestes bin ich wieder los?
+
+Hohenzollern (erstaunt).
+Gott sei Lob, in der Höh!
+
+Der Prinz von Homburg. Was sagst du?
+
+Hohenzollern. Los?
+Hat er den Degen dir zurück geschickt?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Mir? Nein.
+
+Hohenzollern.
+Nicht?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nein!
+
+Hohenzollern.--Woher denn also los?
+
+Der Prinz von Homburg (nach einer Pause).
+Ich glaubte, du, du bringst es mir.--Gleichviel!
+
+Hohenzollern.
+--Ich weiß von nichts.
+
+Der Prinz von Homburg. Gleichviel, du hörst; gleichviel!
+So schickt er einen andern, der mirs melde.
+
+(Er wendet sich und holt Stühle.)
+
+Setz dich!--Nun, sag mir an, was gibt es Neues?
+--Der Kurfürst kehrte von Berlin zurück?
+
+Hohenzollern (zerstreut).
+Ja. Gestern abend.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ward, beschloßnermaßen,
+Das Siegsfest dort gefeiert?--Allerdings!
+--Der Kurfürst war zugegen in der Kirche?
+
+Hohenzollern.
+Er und die Fürstin und Natalie.--
+Die Kirche war, auf würdge Art, erleuchtet;
+Battrieen ließen sich, vom Schloßplatz her,
+Mit ernster Pracht bei dem Tedeum hören.
+Die schwedschen Fahnen wehten und Standarten,
+Trophäenartig, von den Pfeilern nieder,
+Und auf des Herrn ausdrücklichem Befehl,
+Ward deines, als des Siegers Namen--
+Erwähnung von der Kanzel her getan.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Das hört ich!--Nun, was gibt es sonst; was bringst du?
+--Dein Antlitz, dünkt mich, sieht nicht heiter, Freund!
+
+Hohenzollern.
+--Sprachst du schon wen?
+
+Der Prinz von Homburg. Golz, eben, auf dem Schlosse,
+Wo ich, du weißt es, im Verhöre war.
+
+(Pause.)
+
+Hohenzollern (sieht ihn bedenklich an).
+Was denkst du, Arthur, denn von deiner Lage,
+Seit sie so seltsam sich verändert hat?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ich? Nun, was du und Golz--die Richter selbst!
+Der Kurfürst hat getan, was Pflicht erheischte,
+Und nun wird er dem Herzen auch gehorchen.
+Gefehlt hast du, so wird er ernst mir sagen,
+Vielleicht ein Wort von Tod und Festung sprechen:
+Ich aber schenke dir die Freiheit wieder--
+Und um das Schwert, das ihm den Sieg errang,
+Schlingt sich vielleicht ein Schmuck der Gnade noch;
+--Wenn der nicht, gut; denn den verdient ich nicht!
+
+Hohenzollern.
+O Arthur! (Er hält inne.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nun?
+
+Hohenzollern.--Des bist du so gewiß?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ich denks mir so! Ich bin ihm wert, das weiß ich,
+Wert wie ein Sohn; das hat seit früher Kindheit,
+Sein Herz in tausend Proben mir bewiesen.
+Was für ein Zweifel ists, der dich bewegt?
+Schien er am Wachstum meines jungen Ruhms
+Nicht mehr fast, als ich selbst, sich zu erfreun?
+Bin ich nicht alles, was ich bin, durch ihn?
+Und er, er sollte lieblos jetzt die Pflanze,
+Die er selbst zog, bloß, weil sie sich ein wenig
+Zu rasch und üppig in die Blume warf,
+Mißgünstig in den Staub daniedertreten?
+Das glaubt ich seinem schlimmsten Feinde nicht,
+Vielwen'ger dir, der du ihn kennst und liebst.
+
+Hohenzollern (bedeutend).
+Du standst dem Kriegsrecht, Arthur, im Verhör,
+Und bist des Glaubens noch?
+
+Der Prinz von Homburg. Weil ich ihm stand!
+Bei dem lebendigen Gott, so weit geht keiner,
+Der nicht gesonnen wäre, zu begnadgen!
+Dort eben, vor der Schranke des Gerichts,
+Dort wars, wo mein Vertraun sich wiederfand.
+Wars denn ein todeswürdiges Verbrechen,
+Zwei Augenblicke früher, als befohlen,
+Die schwedsche Macht in Staub gelegt zu haben?
+Und welch ein Frevel sonst drückt meine Brust?
+Wie könnt er doch vor diesen Tisch mich laden,
+Von Richtern, herzlos, die den Eulen gleich,
+Stets von der Kugel mir das Grablied singen,
+Dächt er, mit einem heitern Herrscherspruch,
+Nicht, als ein Gott in ihren Kreis zu treten?
+Nein, Freund, er sammelt diese Nacht von Wolken
+Nur um mein Haupt, um wie die Sonne mir,
+Durch ihren Dunstkreis strahlend aufzugehn:
+Und diese Lust, fürwahr, kann ich ihm gönnen!
+
+Hohenzollern.
+Das Kriegsrecht gleichwohl, sagt man, hat gesprochen?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ich höre, ja; auf Tod.
+
+Hohenzollern (erstaunt). Du weißt es schon?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Golz, der dem Spruch des Kriegsrechts beigewohnt,
+Hat mir gemeldet, wie er ausgefallen.
+
+Hohenzollern.
+Nun denn, bei Gott!--Der Umstand rührt dich nicht?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Mich? Nicht im mindesten.
+
+Hohenzollern. Du Rasender!
+Und worauf stützt sich deine Sicherheit?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Auf mein Gefühl von ihm! (Er steht auf.) Ich bitte, laß mich!
+Was soll ich mich mit falschen Zweifeln quälen?
+
+(Er besinnt sich und läßt sich wieder nieder.--Pause.)
+
+Das Kriegsrecht mußte auf den Tod erkennen;
+So lautet das Gesetz, nach dem es richtet.
+Doch eh er solch ein Urteil läßt vollstrecken,
+Eh er dies Herz hier, das getreu ihn liebt,
+Auf eines Tuches Wink, der Kugel preis gibt,
+Eh sieh, eh öffnet er die eigne Brust sich,
+Und sprützt sein Blut selbst tropfenweis in Staub.
+
+Hohenzollern.
+Nun, Arthur, ich versichre dich--
+
+Der Prinz von Homburg (unwillig). O Lieber!
+
+Hohenzollern.
+Der Marschall--
+
+Der Prinz von Homburg (ebenso).
+Laß mich, Freund!
+
+Hohenzollern. Zwei Worte hör noch!
+Wenn die dir auch nichts gelten, schweig ich still.
+
+Der Prinz von Homburg (wendet sich wieder zu ihm).
+Du hörst, ich weiß von allem.--Nun? Was ists?
+
+Hohenzollern.
+Der Marschall hat, höchst seltsam ists, soeben
+Das Todesurteil im Schloß ihm überreicht;
+Und er, statt wie das Urteil frei ihm stellt,
+Dich zu begnadigen, er hat befohlen,
+Daß es zur Unterschrift ihm kommen soll.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Gleichviel. Du hörst.
+
+Hohenzollern. Gleichviel?
+
+Der Prinz von Homburg. Zur Unterschrift?
+
+Hohenzollern.
+Bei meiner Ehr! Ich kann es dir versichern.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Das Urteil?--Nein! die Schrift--?
+
+Hohenzollern. Das Todesurteil.
+
+Der Prinz von Homburg.
+--Wer hat dir das gesagt?
+
+Hohenzollern. Er selbst, der Marschall!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Wann?
+
+Hohenzollern.
+Eben jetzt.
+
+Der Prinz von Homburg. Als er vom Herrn zurück kam?
+
+Hohenzollern.
+Als er vom Herrn die Treppe niederstieg!--
+Er fügt' hinzu, da er bestürzt mich sah,
+Verloren sei noch nichts, und morgen sei
+Auch noch ein Tag, dich zu begnadigen;
+Doch seine bleiche Lippe widerlegte
+Ihr eignes Wort, und sprach: ich fürchte, nein!
+
+Der Prinz von Homburg (steht auf).
+Er könnte--nein! so ungeheuere
+Entschließungen in seinem Busen wälzen?
+Um eines Fehls, der Brille kaum bemerkbar,
+In dem Demanten, den er jüngst empfing,
+In Staub den Geber treten? Eine Tat,
+Die weiß den Dei von Algier brennt, mit Flügeln,
+Nach Art der Cherubinen, silberglänzig,
+Den Sardanapel ziert, und die gesamte
+Altrömische Tyrannenreihe, schuldlos,
+Wie Kinder, die am Mutterbusen sterben,
+Auf Gottes rechter Seit hinüberwirft?
+
+Hohenzollern (der gleichfalls aufgestanden).
+Du mußt, mein Freund, dich davon überzeugen.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Und der Feldmarschall schwieg und sagte nichts?
+
+Hohenzollern.
+Was sollt er sagen?
+
+Der Prinz von Homburg. O Himmel! Meine Hoffnung!
+
+Hohenzollern.
+Hast du vielleicht je einen Schritt getan,
+Seis wissentlich, seis unbewußt,
+Der seinem stolzen Geist zu nah getreten?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Niemals!
+
+Hohenzollern.
+Besinne dich!
+
+Der Prinz von Homburg. Niemals, beim Himmel!
+Mir war der Schatten seines Hauptes heilig.
+
+Hohenzollern.
+Arthur, sei mir nicht böse, wenn ich zweifle.
+Graf Horn traf, der Gesandte Schwedens, ein,
+Und sein Geschäft geht, wie man mir versichert,
+An die Prinzessin von Oranien.
+Ein Wort, das die Kurfürstin Tante sprach,
+Hat aufs empfindlichste den Herrn getroffen;
+Man sagt, das Fräulein habe schon gewählt.
+Bist du auf keine Weise hier im Spiele?
+
+Der Prinz von Homburg.
+O Gott! Was sagst du mir?
+
+Hohenzollern. Bist dus? Bist dus?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ich bins, mein Freund; jetzt ist mir alles klar;
+Es stürzt der Antrag ins Verderben mich:
+An ihrer Weigrung, wisse, bin ich schuld,
+Weil mir sich die Prinzessin anverlobt!
+
+Hohenzollern.
+Du unbesonnener Tor! Was machtest du?
+Wie oft hat dich mein treuer Mund gewarnt?
+
+Der Prinz von Homburg.
+O Freund! Hilf, rette mich! Ich bin verloren.
+
+Hohenzollern.
+Ja, welch ein Ausweg führt aus dieser Not?
+Willst du vielleicht die Fürstin Tante sprechen?
+
+Der Prinz von Homburg (wendet sich).
+--He, Wache!
+
+Reuter (im Hintergrunde).
+Hier!
+
+Der Prinz von Homburg. Ruft euren Offizier!
+(Er nimmt eilig einen Mantel um von der Wand, setzt
+einen Federhut auf, der auf dem Tisch liegt.)
+
+Hohenzollern (indem er ihm behülflich ist).
+Der Schritt kann, klug gewandt, dir Rettung bringen.
+--Denn kann der Kurfürst nur mit König Karl,
+Um den bewußten Preis, den Frieden schließen,
+So sollst du sehn, sein Herz versöhnt sich dir,
+Und gleich, in wenig Stunden, bist du frei.
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+Der Offizier tritt auf.--Die Vorigen.
+
+
+Der Prinz von Homburg (zu dem Offizier).
+Stranz, übergeben bin ich deiner Wache!
+Erlaub, in einem dringenden Geschäft,
+Daß ich auf eine Stunde mich entferne.
+
+Der Offizier.
+Mein Prinz, mir übergeben bist du nicht.
+Die Order, die man mir erteilt hat, lautet,
+Dich gehn zu lassen frei, wohin du willst.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Seltsam!--So bin ich kein Gefangener?
+
+Der Offizier.
+Vergib!--Dein Wort ist eine Fessel auch.
+
+Hohenzollern (bricht auf).
+Auch gut! Gleichviel!--
+
+Der Prinz von Homburg. Wohlan! So leb denn wohl!
+
+Hohenzollern.
+Die Fessel folgt dem Prinzen auf dem Fuße!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ich geh aufs Schloß zu meiner Tante nur,
+Und bin in zwei Minuten wieder hier.
+
+(Alle ab.)
+
+
+
+Szene: Zimmer der Kurfürstin.
+
+Dritter Auftritt
+
+Die Kurfürstin und Natalie treten auf.
+
+
+Die Kurfürstin.
+Komm, meine Tochter; komm! Dir schlägt die Stunde!
+Graf Gustav Horn, der schwedische Gesandte,
+Und die Gesellschaft, hat das Schloß verlassen;
+Im Kabinett des Onkels seh ich Licht:
+Komm, leg das Tuch dir um und schleich dich zu ihm,
+Und sieh, ob du den Freund dir retten kannst.
+
+(Sie wollen gehen.)
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Eine Hofdame tritt auf.--Die Vorigen.
+
+
+Die Hofdame.
+Prinz Homburg, gnädge Frau, ist vor der Türe!
+--Kaum weiß ich wahrlich, ob ich recht gesehn?
+
+Kurfürstin (betroffen).
+O Gott!
+
+Natalie. Er selbst?
+
+Kurfürstin. Hat er denn nicht Arrest?
+
+Die Hofdame.
+Er steht in Federhut und Mantel draußen,
+Und fleht, bestürzt und dringend um Gehör
+
+Kurfürstin (unwillig).
+Der Unbesonnene! Sein Wort zu brechen!
+
+Natalie.
+Wer weiß, was ihn bedrängt.
+
+Kurfürstin (nach einigem Bedenken).
+Laßt ihn herein!
+
+(Sie selbst setzt sich auf einen Stuhl.)
+
+
+
+Fünfter Auftritt
+
+Der Prinz von Homburg tritt auf.--Die Vorigen.
+
+
+Der Prinz von Homburg.
+O meine Mutter!
+
+(Er läßt sich auf Knieen vor ihr nieder.)
+
+Kurfürstin. Prinz! Was wollt Ihr hier?
+
+Der Prinz von Homburg.
+O laß mich deine Knie umfassen, Mutter!
+
+Kurfürstin (mit unterdrückter Rührung).
+Gefangen seid Ihr, Prinz, und kommt hieher!
+Was häuft Ihr neue Schuld zu Euren alten?
+
+Der Prinz von Homburg (dringend).
+Weißt du, was mir geschehn?
+
+Kurfürstin. Ich weiß um alles!
+Was aber kann ich, Ärmste, für Euch tun?
+
+Der Prinz von Homburg.
+O meine Mutter, also sprachst du nicht,
+Wenn dich der Tod umschauerte, wie mich!
+Du scheinst mit Himmelskräften, rettenden,
+Du mir, das Fräulein, deine Fraun, begabt,
+Mir alles rings umher, dem Troßknecht könnt ich,
+Dem schlechtesten, der deiner Pferde pflegt,
+Gehängt am Halse flehen: rette mich!
+Nur ich allein, auf Gottes weiter Erde,
+Bin hülflos, ein Verlaßner, und kann nichts!
+
+Kurfürstin.
+Du bist ganz außer dir! Was ist geschehn?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ach! Auf dem Wege, der mich zu dir führte,
+Sah ich das Grab, beim Schein der Fackeln, öffnen,
+Das morgen mein Gebein empfangen soll.
+Sieh, diese Augen, Tante, die dich anschaun,
+Will man mit Nacht umschatten, diesen Busen
+Mit mörderischen Kugeln mir durchbohren.
+Bestellt sind auf dem Markte schon die Fenster,
+Die auf das öde Schauspiel niedergehn,
+Und der die Zukunft, auf des Lebens Gipfel,
+Heut, wie ein Feenreich, noch überschaut,
+Liegt in zwei engen Brettern duftend morgen,
+Und ein Gestein sagt dir von ihm: er war!
+
+(Die Prinzessin, welche bisher, auf die Schulter der Hofdame
+gelehnt, in der Ferne gestanden hat, läßt sich, bei diesen
+Worten, erschüttert an einen Tisch nieder und weint.)
+
+Kurfürstin.
+Mein Sohn! Wenns so des Himmels Wille ist,
+Wirst du mit Mut dich und mit Fassung rüsten!
+
+Der Prinz von Homburg.
+O Gottes Welt, o Mutter, ist so schön!
+Laß mich nicht, fleh ich, eh die Stunde schlägt,
+Zu jenen schwarzen Schatten niedersteigen!
+Mag er doch sonst, wenn ich gefehlt, mich strafen,
+Warum die Kugel eben muß es sein?
+Mag er mich meiner Ämter doch entsetzen,
+Mit Kassation, wenns das Gesetz so will,
+Mich aus dem Heer entfernen: Gott des Himmels!
+Seit ich mein Grab sah, will ich nichts, als leben,
+Und frage nichts mehr, ob es rühmlich sei!
+
+Kurfürstin.
+Steh auf, mein Sohn; steh auf! Was sprichst du da?
+Du bist zu sehr erschüttert. Fasse dich!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nicht, Tante, ehr als bis du mir gelobt,
+Mit einem Fußfall, der mein Dasein rette,
+Flehnd seinem höchsten Angesicht zu nahn!
+Dir übergab zu Homburg, als sie starb,
+Die Hedwig mich, und sprach, die Jugendfreundin:
+Sei ihm die Mutter, wenn ich nicht mehr bin.
+Du beugtest tief gerührt, am Bette knieend,
+Auf ihre Hand dich und erwidertest:
+Er soll mir sein, als hätt ich ihn erzeugt.
+Nun, jetzt erinnr' ich dich an solch ein Wort!
+Geh hin, als hättst du mich erzeugt, und sprich:
+Um Gnade fleh ich, Gnade! Laß ihn frei!
+Ach, und komm mir zurück und sprich: du bists!
+
+Kurfürstin (weint).
+Mein teurer Sohn! Es ist bereits geschehn!
+Doch alles, was ich flehte, war umsonst!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ich gebe jeden Anspruch auf an Glück.
+Nataliens, das vergiß nicht, ihm zu melden,
+Begehr ich gar nicht mehr, in meinem Busen
+Ist alle Zärtlichkeit für sie verlöscht.
+Frei ist sie, wie das Reh auf Heiden, wieder;
+Mit Hand und Mund, als wär ich nie gewesen,
+Verschenken kann sie sich, und wenns Karl Gustav,
+Der Schweden König, ist, so lob ich sie.
+Ich will auf meine Güter gehn am Rhein,
+Da will ich bauen, will ich niederreißen,
+Daß mir der Schweiß herabtrieft, säen, ernten,
+Als wärs für Weib und Kind, allein genießen,
+Und, wenn ich erntete, von neuem säen,
+Und in den Kreis herum das Leben jagen,
+Bis es am Abend niedersinkt und stirbt.
+
+Kurfürstin.
+Wohlan! Kehr jetzt nur heim in dein Gefängnis,
+Das ist die erste Fordrung meiner Gunst!
+
+Der Prinz von Homburg (steht auf und wendet sich zur
+Prinzessin).
+Du armes Mädchen, weinst! Die Sonne leuchtet
+Heut alle deine Hoffnungen zu Grab!
+Entschieden hat dein erst Gefühl für mich,
+Und deine Miene sagt mir, treu wie Gold,
+Du wirst dich nimmer einem andern weihn.
+Ja, was erschwing ich, Ärmster, das dich tröste?
+Geh an den Main, rat ich, ins Stift der Jungfraun,
+Zu deiner Base Thurn, such in den Bergen
+Dir einen Knaben, blondgelockt wie ich,
+Kauf ihn mit Gold und Silber dir, drück ihn
+An deine Brust und lehr ihn: Mutter! stammeln,
+Und wenn er größer ist, so unterweis ihn,
+Wie man den Sterbenden die Augen schließt.
+Das ist das ganze Glück, das vor dir liegt!
+
+Natalie (mutig und erhebend, indem sie aufsteht und ihre
+Hand in die seinige legt).
+Geh, junger Held, in deines Kerkers Haft,
+Und auf dem Rückweg, schau noch einmal ruhig
+Das Grab dir an, das dir geöffnet wird!
+Es ist nichts finstrer und um nichts breiter,
+Als es dir tausendmal die Schlacht gezeigt!
+Inzwischen werd ich, in dem Tod dir treu,
+Ein rettend Wort für dich dem Oheim wagen:
+Vielleicht gelingt es mir, sein Herz zu rühren,
+Und dich von allem Kummer zu befrein!
+
+(Pause.)
+
+Der Prinz von Homburg (faltet, in ihrem Anschaun verloren,
+die Hände).
+Hättst du zwei Flügel, Jungfrau, an den Schultern,
+Für einen Engel wahrlich hielt ich dich!--
+O Gott, hört ich auch recht? Du für mich sprechen?
+--Wo ruhte denn der Köcher dir der Rede,
+Bis heute, liebes Kind, daß du willst wagen,
+Den Herrn in solcher Sache anzugehn?--
+--O Hoffnungslicht, das plötzlich mich erquickt!
+
+Natalie.
+Gott wird die Pfeile mir, die treffen, reichen!
+Doch wenn der Kurfürst des Gesetzes Spruch
+Nicht ändern kann, nicht kann: wohlan! so wirst du
+Dich tapfer ihm, der Tapfre, unterwerfen:
+Und der im Leben tausendmal gesiegt,
+Er wird auch noch im Tod zu siegen wissen!
+
+Kurfürstin.
+Hinweg!--Die Zeit verstreicht, die günstig ist!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nun, alle Heilgen mögen dich beschirmen!
+Leb wohl! Leb wohl! Und was du auch erringst,
+Vergönne mir ein Zeichen vom Erfolg!
+
+(Alle ab.)
+
+
+
+
+Vierter Akt
+
+Szene: Zimmer des Kurfürsten.
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+Der Kurfürst steht mit Papieren an einem, mit Lichtern
+besetzten Tisch.--Natalie tritt durch die mittlere Tür
+auf und läßt sich in einiger Entfernung, vor ihm nieder.
+Pause.
+
+
+Natalie (knieend).
+Mein edler Oheim, Friedrich von der Mark!
+
+Der Kurfürst (legt die Papiere weg).
+Natalie! (Er will sie erheben.)
+
+Natalie. Laß, laß!
+
+Der Kurfürst. Was willst du, Liebe?
+
+Natalie.
+Zu deiner Füße Staub, wies mir gebührt,
+Für Vetter Homburg dich um Gnade flehn!
+Ich will ihn nicht für mich erhalten wissen--
+Mein Herz begehrt sein und gesteht es dir;
+Ich will ihn nicht für mich erhalten wissen--
+Mag er sich welchem Weib er will vermählen;
+Ich will nur, daß er da sei, lieber Onkel,
+Für sich, selbständig, frei und unabhängig,
+Wie eine Blume, die mir wohlgefällt:
+Dies fleh ich dich, mein höchster Herr und Freund,
+Und weiß, solch Flehen wirst du mir erhören.
+
+Der Kurfürst (erhebt sie).
+Mein Töchterchen! Was für ein Wort entfiel dir?
+--Weißt du, was Vetter Homburg jüngst verbrach?
+
+Natalie.
+O lieber Onkel!
+
+Der Kurfürst. Nun? Verbrach er nichts?
+
+Natalie.
+O dieser Fehltritt, blond mit blauen Augen,
+Den, eh er noch gestammelt hat: ich bitte!
+Verzeihung schon vom Boden heben sollte:
+Den wirst du nicht mit Füßen von dir weisen!
+Den drückst du um die Mutter schon ans Herz,
+Die ihn gebar, und rufst: komm, weine nicht;
+Du bist so wert mir, wie die Treue selbst!
+Wars Eifer nicht, im Augenblick des Treffens,
+Für deines Namens Ruhm, der ihn verführt,
+Die Schranke des Gesetzes zu durchbrechen:
+Und ach! die Schranke jugendlich durchbrochen,
+Trat er dem Lindwurm männlich nicht aufs Haupt?
+Erst, weil er siegt', ihn kränzen, dann enthaupten,
+Das fordert die Geschichte nicht von dir;
+Das wäre so erhaben, lieber Onkel,
+Daß man es fast unmenschlich nennen könnte:
+Und Gott schuf noch nichts Milderes, als dich.
+
+Der Kurfürst.
+Mein süßes Kind! Sieh! Wär ich ein Tyrann,
+Dein Wort, das fühl ich lebhaft, hätte mir
+Das Herz schon in der erznen Brust geschmerzt.
+Dich aber frag ich selbst: darf ich den Spruch
+Den das Gericht gefällt, wohl unterdrücken?--
+Was würde wohl davon die Folge sein?
+
+Natalie.
+Für wen? Für dich?
+
+Der Kurfürst. Für mich; nein!--Was? Für mich!
+Kennst du nichts Höhres, Jungfrau, als nur mich?
+Ist dir ein Heiligtum ganz unbekannt,
+Das in dem Lager, Vaterland sich nennt?
+
+Natalie.
+O Herr! Was sorgst du doch? Dies Vaterland!
+Das wird, um dieser Regung deiner Gnade,
+Nicht gleich, zerschellt in Trümmern, untergehn.
+Vielmehr, was du, im Lager auferzogen,
+Unordnung nennst, die Tat, den Spruch der Richter,
+In diesem Fall, willkürlich zu zerreißen,
+Erscheint mir als die schönste Ordnung erst:
+Das Kriegsgesetz, das weiß ich wohl, soll herrschen,
+Jedoch die lieblichen Gefühle auch.
+Das Vaterland, das du uns gründetest,
+Steht, eine feste Burg, mein edler Ohm:
+Das wird ganz andre Stürme noch ertragen,
+Fürwahr, als diesen unberufnen Sieg;
+Das wird sich ausbaun herrlich, in der Zukunft,
+Erweitern, unter Enkels Hand, verschönern,
+Mit Zinnen, üppig, feenhaft, zur Wonne
+Der Freunde, und zum Schrecken aller Feinde:
+Das braucht nicht dieser Bindung, kalt und öd,
+Aus eines Freundes Blut, um Onkels Herbst,
+Den friedlich prächtigen, zu überleben.
+
+Der Kurfürst.
+Denkt Vetter Homburg auch so?
+
+Natalie. Vetter Homburg?
+
+Der Kurfürst.
+Meint er, dem Vaterlande gelt es gleich,
+Ob Willkür drin, ob drin die Satzung herrsche?
+
+Natalie.
+Ach, dieser Jüngling!
+
+Der Kurfürst. Nun?
+
+Natalie. Ach, lieber Onkel!
+Hierauf zur Antwort hab ich nichts, als Tränen.
+
+Der Kurfürst (betroffen).
+Warum, mein Töchterchen? Was ist geschehn?
+
+Natalie (zaudernd).
+Der denkt jetzt nichts, als nur dies eine: Rettung!
+Den schaun die Röhren, an der Schützen Schultern,
+So gräßlich an, daß überrascht und schwindelnd,
+Ihm jeder Wunsch, als nur zu leben, schweigt:
+Der könnte, unter Blitz und Donnerschlag,
+Das ganze Reich der Mark versinken sehn,
+Daß er nicht fragen würde: was geschieht?
+--Ach, welch ein Heldenherz hast du geknickt!
+
+(Sie wendet sich und weint.)
+
+Der Kurfürst (im äußersten Erstaunen).
+Nein, meine teuerste Natalie,
+Unmöglich, in der Tat?!--Er fleht um Gnade?
+
+Natalie.
+Ach, hättst du nimmer, nimmer ihn verdammt!
+
+Der Kurfürst.
+Nein, sag: er fleht um Gnade?--Gott im Himmel,
+Was ist geschehn, mein liebes Kind? Was weinst du?
+Du sprachst ihn? Tu mir alles kund! Du sprachst ihn?
+
+Natalie (an seine Brust gelehnt).
+In den Gemächern eben jetzt der Tante,
+Wohin, im Mantel, schau, und Federhut
+Er, unterm Schutz der Dämmrung, kam geschlichen:
+Verstört und schüchtern, heimlich, ganz unwürdig,
+Ein unerfreulich, jammernswürdger Anblick!
+Zu solchem Elend, glaubt ich, sänke keiner,
+Den die Geschicht als ihren Helden preist.
+Schau her, ein Weib bin ich, und schaudere
+Dem Wurm zurück, der meiner Ferse naht:
+Doch so zermalmt, so fassungslos, so ganz
+Unheldenmütig träfe mich der Tod,
+In eines scheußlichen Leun Gestalt nicht an!
+--Ach, was ist Menschengröße, Menschenruhm!
+
+Der Kurfürst (verwirrt).
+Nun denn, beim Gott des Himmels und der Erde,
+So fasse Mut, mein Kind; so ist er frei!
+
+Natalie.
+Wie, mein erlauchter Herr?
+
+Der Kurfürst. Er ist begnadigt!--
+Ich will sogleich das Nötg' an ihn erlassen.
+
+Natalie.
+O Liebster! Ist es wirklich wahr?
+
+Der Kurfürst. Du hörst!
+
+Natalie.
+Ihm soll vergeben sein? Er stirbt jetzt nicht?
+
+Der Kurfürst.
+Bei meinem Eid! Ich schwörs dir zu! Wo werd ich
+Mich gegen solchen Kriegers Meinung setzen?
+Die höchste Achtung, wie dir wohl bekannt,
+Trag ich im Innersten für sein Gefühl:
+Wenn er den Spruch für ungerecht kann halten
+Kassier ich die Artikel: er ist frei!--
+
+(Er bringt ihr einen Stuhl.)
+
+Willst du, auf einen Augenblick, dich setzen?
+
+(Er geht an den Tisch, setzt sich und schreibt.)
+
+(Pause.)
+
+Natalie (für sich).
+Ach, Herz, was klopfst du also an dein Haus?
+
+Der Kurfürst (indem er schreibt).
+Der Prinz ist drüben noch im Schloß?
+
+Natalie. Vergib!
+Er ist in seine Haft zurückgekehrt.--
+
+Der Kurfürst (endigt und siegelt; hierauf kehrt er mit dem
+Brief wieder zur Prinzessin zurück).
+Fürwahr, mein Töchterchen, mein Nichtchen, weinte!
+Und ich, dem ihre Freude anvertraut,
+Mußt ihrer holden Augen Himmel trüben!
+
+(Er legt den Arm um ihren Leib.)
+
+Willst du den Brief ihm selber überbringen?
+
+Natalie.
+Ins Stadthaus! Wie?
+
+Der Kurfürst (drückt ihr den Brief in die Hand).
+Warum nicht?--He! Heiducken!
+
+(Heiducken treten auf.)
+
+Den Wagen vorgefahren! Die Prinzessin
+Hat ein Geschäft beim Obersten von Homburg!
+
+
+(Die Heiducken treten wieder ab.)
+
+So kann er, für sein Leben, gleich dir danken.
+
+(Er umarmt sie.)
+
+Mein liebes Kind! Bist du mir wieder gut?
+
+Natalie (nach einer Pause).
+Was deine Huld, o Herr, so rasch erweckt,
+Ich weiß es nicht und untersuch es nicht.
+Das aber, sieh, das fühl ich in der Brust,
+Unedel meiner spotten wirst du nicht:
+Der Brief enthalte, was es immer sei,
+Ich glaube Rettung--und ich danke dir!
+
+(Sie küßt ihm die Hand.)
+
+Der Kurfürst.
+Gewiß, mein Töchterchen, gewiß! So sicher,
+Als sie in Vetter Homburgs Wünschen liegt. (Ab.)
+
+
+
+Szene: Zimmer der Prinzessin.
+
+Zweiter Auftritt
+
+Prinzessin Natalie tritt auf.--Zwei Hofdamen und der
+Rittmeister, Graf Reuß, folgen.
+
+
+Natalie (eilfertig).
+Was bringt Ihr, Graf?--Von meinem Regiment?
+Ists von Bedeutung? Kann ichs morgen hören?
+
+Graf Reuß (überreicht ihr ein Schreiben).
+Ein Brief vom Obrist Kottwitz, gnädge Frau!
+
+Natalie.
+Geschwind! Gebt! Was enthält er?
+(Sie eröffnet ihn.)
+
+Graf Reuß. Eine Bittschrift,
+Freimütig, wie Ihr seht, doch ehrfurchtsvoll,
+An die Durchlaucht des Herrn, zu unsers Führers,
+Des Prinz von Homburg, Gunsten aufgesetzt.
+
+Natalie (liest).
+"Supplik, in Unterwerfung eingereicht,
+Vom Regiment, Prinzessin von Oranien."--
+
+(Pause.)
+
+Die Bittschrift ist von wessen Hand verfaßt?
+
+Graf Reuß.
+Wie ihrer Züg unsichre Bildung schon
+Erraten läßt, vom Obrist Kottwitz selbst.--
+Auch steht sein edler Name obenan.
+
+Natalie.
+Die dreißig Unterschriften, welche folgen--?
+
+Graf Reuß.
+Der Offiziere Namen, Gnädigste,
+Wie sie, dem Rang nach, Glied für Glied, sich folgen.
+
+Natalie.
+Und mir, mir wird die Bittschrift zugefertigt?
+
+Graf Reuß.
+Mein Fräulein, untertänigst Euch zu fragen,
+Ob Ihr, als Chef, den ersten Platz, der offen,
+Mit Eurem Namen gleichfalls füllen wollt.
+
+(Pause.)
+
+Natalie.
+Der Prinz zwar, hör ich, soll, mein edler Vetter,
+Vom Herrn aus eignem Trieb, begnadigt werden,
+Und eines solchen Schritts bedarf es nicht.
+
+Graf Reuß (vergnügt).
+Wie? Wirklich?
+
+Natalie. Gleichwohl will ich unter einem Blatte,
+Das, in des Herrn Entscheidung, klug gebraucht,
+Als ein Gewicht kann in die Waage fallen,
+Das ihm vielleicht, den Ausschlag einzuleiten,
+Sogar willkommen ist, mich nicht verweigern--
+Und, eurem Wunsch gemäß, mit meinem Namen,
+Hiemit an eure Spitze setz ich mich.
+
+(Sie geht und will schreiben.)
+
+Graf Reuß.
+Fürwahr, uns lebhaft werdet Ihr verbinden!
+
+(Pause.)
+
+Natalie (wendet sich wieder zu ihm).
+Ich finde nur mein Regiment, Graf Reuß!
+Warum vermiß ich Bomsdorf Kürassiere,
+Und die Dragoner Götz und Anhalt-Pleß?
+
+Graf Reuß.
+Nicht, wie vielleicht Ihr sorgt, weil ihre Herzen
+Ihm lauer schlügen, als die unsrigen!--
+Es trifft ungünstig sich für die Supplik,
+Daß Kottwitz fern in Arnstein kantoniert,
+Gesondert von den andern Regimentern,
+Die hier, bei dieser Stadt, im Lager stehn.
+Dem Blatt fehlt es an Freiheit, leicht und sicher,
+Die Kraft, nach jeder Richtung zu entfalten.
+
+Natalie.
+Gleichwohl fällt, dünkt mich, so das Blatt nur leicht?--
+Seid Ihr gewiß, Herr Graf, wärt Ihr im Ort,
+Und sprächt die Herrn, die hier versammelt sind,
+Sie schlössen gleichfalls dem Gesuch sich an?
+
+Graf Reuß.
+Hier in der Stadt, mein Fräulein?--Kopf für Kopf!
+Die ganze Reuterei verpfändete
+Mit ihren Namen sich; bei Gott, ich glaube,
+Es ließe glücklich eine Subskription,
+Beim ganzen Heer der Märker, sich eröffnen!
+
+Natalie (nach einer Pause).
+Warum nicht schickt ihr Offiziere ab,
+Die das Geschäft im Lager hier betreiben?
+
+Graf Reuß.
+Vergebt!--Dem weigerte der Obrist sich!
+--Er wünsche, sprach er, nichts zu tun, das man
+Mit einem übeln Namen taufen könnte.
+
+Natalie.
+Der wunderliche Herr! Bald kühn, bald zaghaft!--
+Zum Glück trug mir der Kurfürst, fällt mir ein,
+Bedrängt von anderen Geschäften, auf,
+An Kottwitz, dem die Stallung dort zu eng,
+Zum Marsch hierher die Order zu erlassen!--
+Ich setze gleich mich nieder es zu tun.
+
+(Sie setzt sich und schreibt.)
+
+Graf Reuß.
+Beim Himmel, trefflich, Fräulein! Ein Ereignis,
+Das günstger sich dem Blatt nicht treffen könnte!
+
+Natalie (während sie schreibt).
+Gebrauchts Herr Graf von Reuß, so gut Ihr könnt.
+
+(Sie schließt, und siegelt, und steht wieder auf.)
+
+Inzwischen bleibt, versteht, dies Schreiben noch,
+In Eurem Portefeuille; Ihr geht nicht eher
+Damit nach Arnstein ab, und gebts dem Kottwitz:
+Bis ich bestimmtem Auftrag Euch erteilt!
+
+(Sie gibt ihm das Schreiben.)
+
+Ein Heiduck (tritt auf).
+Der Wagen, Fräulein, auf des Herrn Befehl,
+Steht angeschirrt im Hof und wartet Euer!
+
+Natalie.
+So fahrt ihn vor! Ich komme gleich herab!
+
+(Pause, in welcher sie gedankenvoll an den Tisch tritt, und
+ihre Handschuh anzieht.)
+
+Wollt Ihr zum Prinz von Homburg mich, Herr Graf,
+Den ich zu sprechen willens bin, begleiten?
+Euch steht ein Platz in meinem Wagen offen.
+
+Graf Reuß.
+Mein Fräulein, diese Ehre, in der Tat--!
+(Er bietet ihr den Arm.)
+
+Natalie (zu den Hofdamen).
+Folgt, meine Freundinnen!--Vielleicht daß ich
+Gleich, dort des Briefes wegen, mich entscheide!
+
+(Alle ab.)
+
+
+
+Szene: Gefängnis des Prinzen.
+
+Dritter Auftritt
+
+Der Prinz von Homburg hängt seinen Hut an die Wand, und läßt
+sich nachlässig auf ein, auf der Erde ausgebreitetes Kissen nieder.
+
+
+Der Prinz von Homburg.
+Das Leben nennt der Derwisch eine Reise,
+Und eine kurze. Freilich! Von zwei Spannen
+Diesseits der Erde nach zwei Spannen drunter.
+Ich will auf halbem Weg mich niederlassen!
+Wer heut sein Haupt noch auf der Schulter trägt,
+Hängt es schon morgen zitternd auf den Leib,
+Und übermorgen liegts bei seiner Ferse.
+Zwar, eine Sonne, sagt man, scheint dort auch,
+Und über buntre Felder noch, als hier:
+Ich glaubs; nur schade, daß das Auge modert,
+Das diese Herrlichkeit erblicken soll.
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Prinzessin Natalie tritt auf, geführt von dem Rittmeister,
+Graf Reuß. Hofdamen folgen. Ihnen voran tritt ein Läufer mit
+einer Fackel.--Der Prinz von Homburg.
+
+
+Läufer.
+Durchlaucht, Prinzessin von Oranien!
+
+Der Prinz von Homburg (steht auf).
+Natalie!
+
+Läufer. Hier ist sie selber schon.
+
+Natalie (verbeugt sich gegen den Grafen).
+Laßt uns auf einen Augenblick allein!
+
+(Graf Reuß und der Läufer ab.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Mein teures Fräulein!
+
+Natalie. Lieber, guter Vetter!
+
+Der Prinz von Homburg (führt sie vor).
+Nun sagt, was bringt Ihr? Sprecht! Wie stehts mit mir?
+
+Natalie.
+Gut. Alles gut. Wie ich vorher Euch sagte,
+Begnadigt seid Ihr, frei; hier ist ein Brief,
+Von seiner Hand, der es bekräftiget.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Es ist nicht möglich! Nein! Es ist ein Traum!
+
+Natalie.
+Lest, lest den Brief! So werdet Ihrs erfahren.
+
+Der Prinz von Homburg (liest).
+"Mein Prinz von Homburg, als ich Euch gefangen setzte,
+Um Eures Angriffs, allzufrüh vollbracht,--
+Da glaubt ich nichts, als meine Pflicht zu tun;
+Auf Euren eignen Beifall rechnet ich.
+Meint Ihr, ein Unrecht sei Euch widerfahren,
+So bitt ich, sagts mir mit zwei Worten--
+Und gleich den Degen schick ich Euch zurück."
+
+(Natalie erblaßt. Pause. Der Prinz sieht sie fragend an.)
+
+Natalie (mit dem Ausdruck plötzlicher Freude).
+Nun denn, da stehts! Zwei Worte nur bedarfs--!
+O lieber süßer Freund! (Sie drückt seine Hand.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Mein teures Fräulein!
+
+Natalie.
+O sel'ge Stunde, die mir aufgegangen!
+Hier, nehmt, hier ist die Feder; nehmt, und schreibt!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Und hier die Unterschrift?
+
+Natalie. Das F; sein Zeichen!
+O Bork! O freut euch doch!--O seine Milde
+Ist uferlos, ich wußt es, wie die See.--
+Schafft einen Stuhl nur her, er soll gleich schreiben.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Er sagt, wenn ich der Meinung wäre--?
+
+Natalie (unterbricht ihn). Freilich!
+Geschwind! Setzt Euch! Ich will es Euch diktieren.
+
+(Sie setzt ihm einen Stuhl hin.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+--Ich will den Brief noch einmal überlesen.
+
+Natalie (reißt ihm den Brief aus der Hand).
+Wozu?--Saht Ihr die Gruft nicht schon im Münster,
+Mit offnem Rachen, Euch entgegengähn'n?--
+Der Augenblick ist dringend. Sitzt und schreibt!
+
+Der Prinz von Homburg (lächelnd).
+Wahrhaftig, tut Ihr doch, als würde sie
+Mir, wie ein Panther, übern Nacken kommen.
+
+(Er setzt sich, und nimmt eine Feder.)
+
+Natalie (wendet sich und weint).
+Schreibt, wenn Ihr mich nicht böse machen wollt!
+
+(Der Prinz klingelt einem Bedienten; der Bediente tritt auf.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Papier und Feder, Wachs und Petschaft mir!
+
+(Der Bediente nachdem er diese Sachen zusammengesucht, geht
+wieder ab. Der Prinz schreibt.--Pause.)
+
+Der Prinz von Homburg (indem er den Brief, den er angefangen
+hat, zerreißt und unter den Tisch wirft).
+Ein dummer Anfang. (Er nimmt ein anderes Blatt.)
+
+Natalie (hebt den Brief auf).
+Wie? Was sagtet Ihr?
+Mein Gott, das ist ja gut; das ist vortrefflich!
+
+Der Prinz von Homburg (in den Bart).
+Pah!--Eines Schuftes Fassung, keines Prinzen.--
+Ich denk mir eine andre Wendung aus.
+
+(Pause.--Er greift nach des Kurfürsten Brief, den die Prinzessin
+in der Hand hält.)
+
+Was sagt er eigentlich im Briefe denn?
+
+Natalie (ihn verweigernd).
+Nichts, gar nichts!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Gebt!
+
+Natalie. Ihr last ihn ja!
+
+Der Prinz von Homburg (erhascht ihn). Wenn gleich!
+Ich will nur sehn, wie ich mich fassen soll.
+
+(Er entfaltet und überliest ihn.)
+
+Natalie (für sich).
+O Gott der Welt! Jetzt ists um ihn geschehn!
+
+Der Prinz von Homburg (betroffen).
+Sieh da! Höchst wunderbar, so wahr ich lebe!
+--Du übersahst die Stelle wohl?
+
+Natalie. Nein!--Welche?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Mich selber ruft er zur Entscheidung auf!
+
+Natalie.
+Nun, ja!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Recht wacker, in der Tat, recht würdig!
+Recht, wie ein großes Herz sich fassen muß!
+
+Natalie.
+O seine Großmut, Freund, ist ohne Grenzen!
+--Doch nun tu auch das Deine du, und schreib,
+Wie ers begehrt; du siehst, es ist der Vorwand,
+Die äußre Form nur, deren es bedarf:
+Sobald er die zwei Wort in Händen hat,
+Flugs ist der ganze Streit vorbei!
+
+Der Prinz von Homburg (legt den Brief weg).
+Nein, Liebe!
+Ich will die Sach bis morgen überlegen.
+
+Natalie.
+Du Unbegreiflicher! Welch eine Wendung?
+Warum? Weshalb?
+
+Der Prinz von Homburg (erhebt sich leidenschaftlich vom Stuhl).
+Ich bitte, frag mich nicht!
+Du hast des Briefes Inhalt nicht erwogen!
+Daß er mir unrecht tat, wies mir bedingt wird,
+Das kann ich ihm nicht schreiben; zwingst du mich,
+Antwort, in dieser Stimmung, ihm zu geben,
+Bei Gott! so setz ich hin, du tust mir recht!
+(Er läßt sich mit verschränkten Armen wieder an den Tisch nieder
+und sieht in den Brief.)
+
+Natalie (bleich).
+Du Rasender! Was für ein Wort sprachst du?
+
+(Sie beugt sich gerührt über ihn.)
+
+Der Prinz von Homburg (drückt ihr die Hand).
+Laß, einen Augenblick! Mir scheint--
+
+(Er sinnt.)
+
+Natalie. Was sagst du?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Gleich werd ich wissen, wie ich schreiben soll.
+
+Natalie (schmerzvoll).
+Homburg!
+
+Der Prinz von Homburg (nimmt die Feder).
+Ich hör! Was gibts?
+
+Natalie. Mein süßer Freund!
+Die Regung lob ich, die dein Herz ergriff.
+Das aber schwör ich dir: das Regiment
+Ist kommandiert, das dir Versenktem morgen,
+Aus Karabinern, überm Grabeshügel,
+Versöhnt die Totenfeier halten soll.
+Kannst du dem Rechtsspruch, edel wie du bist,
+Nicht widerstreben, nicht ihn aufzuheben,
+Tun, wie ers hier in diesem Brief verlangt:
+Nun so versichr' ich dich, er faßt sich dir
+Erhaben, wie die Sache Steht, und läßt
+Den Spruch mitleidsvoll morgen dir vollstrecken!
+
+Der Prinz von Homburg (schreibend).
+Gleichviel!
+
+Natalie. Gleichviel?
+
+Der Prinz von Homburg. Er handle, wie er darf;
+Mir ziemts hier zu verfahren, wie ich soll!
+
+Natalie (tritt erschrocken näher).
+Du Ungeheuerster, ich glaub, du schriebst?
+
+Der Prinz von Homburg (schließt).
+"Homburg; gegeben, Fehrbellin, am zwölften--";
+Ich bin schon fertig.--Franz!
+
+(Er kuvertiert und siegelt den Brief.)
+
+Natalie. O Gott im Himmel!
+
+Der Prinz von Homburg (steht auf).
+Bring diesen Brief aufs Schloß, zu meinem Herrn!
+
+(Der Bediente ab.)
+
+Ich will ihm, der so würdig vor mir steht,
+Nicht, ein Unwürdger, gegenüber stehn!
+Schuld ruht, bedeutende, mir auf der Brust,
+Wie ich es wohl erkenne; kann er mir
+Vergeben nur, wenn ich mit ihm drum streite,
+So mag ich nichts von seiner Gnade wissen.
+
+Natalie (küßt ihn).
+Nimm diesen Kuß!--Und bohrten gleich zwölf Kugeln
+Dich jetzt in Staub, nicht halten könnt ich mich,
+Und jauchzt und weint und spräche: du gefällst mir!
+--Inzwischen, wenn du deinem Herzen folgst,
+Ists mir erlaubt, dem meinigen zu folgen.
+--Graf Reuß!
+
+(Der Läufer öffnet die Tür; der Graf tritt auf.)
+
+Graf Reuß. Hier!
+
+Natalie. Auf, mit Eurem Brief,
+Nach Arnstein hin, zum Obersten von Kottwitz!
+Das Regiment bricht auf, der Herr befiehlts;
+Hier, noch vor Mitternacht, erwart ich es!
+
+(Alle ab.)
+
+
+
+
+Fünfter Akt
+
+Szene: Saal im Schloß.
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+Der Kurfürst kommt halbentkleidet aus dem Nebenkabinett, ihm
+folgen Graf Truchß, Graf Hohenzollern, und der Rittmeister von
+der Golz.--Pagen mit Lichtern.
+
+
+Der Kurfürst.
+Kottwitz? Mit den Dragonern der Prinzessin?
+Hier in der Stadt?
+
+Graf Truchß (öffnet das Fenster).
+Ja, mein erlauchter Herr!
+Hier steht er vor dem Schlosse aufmarschiert.
+
+Der Kurfürst.
+Nun?--Wollt ihr mir, ihr Herrn, dies Rätsel lösen?
+--Wer rief ihn her?
+
+Hohenzollern. Das weiß ich nicht, mein Kurfürst.
+
+Der Kurfürst.
+Der Standort, den ich ihm bestimmt, heißt Arnstein!
+Geschwind! Geh einer hin, und bring ihn her!
+
+Golz.
+Er wird sogleich, o Herr, vor dir erscheinen!
+
+Der Kurfürst.
+Wo ist er?
+
+Golz. Auf dem Rathaus, wie ich höre,
+Wo die gesamte Generalität,
+Die deinem Hause dient, versammelt ist.
+
+Der Kurfürst.
+Weshalb? Zu welchem Zweck?
+
+Hohenzollern.--Das weiß ich nicht.
+
+Graf Truchß.
+Erlaubt mein Fürst und Herr, daß wir uns gleichfalls,
+Auf einen Augenblick, dorthin verfügen?
+
+Der Kurfürst.
+Wohin? Aufs Rathaus?
+
+Hohenzollern. In der Herrn Versammlung!
+Wir gaben unser Wort, uns einzufinden.
+
+Der Kurfürst (nach einer kurzen Pause).
+--Ihr seid entlassen!
+
+Golz. Kommt, ihr werten Herrn!
+
+(Die Offiziere ab.)
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+Der Kurfürst.--Späterhin zwei Bediente.
+
+
+Der Kurfürst.
+Seltsam!--Wenn ich der Dei von Tunis wäre,
+Schlüg ich bei so zweideutgem Vorfall, Lärm.
+Die seidne Schnur, legt ich auf meinen Tisch;
+Und vor das Tor, verrammt mit Palisaden,
+Führt ich Kanonen und Haubitzen auf.
+Doch weils Hans Kottwitz aus der Priegnitz ist,
+Der sich mir naht, willkürlich, eigenmächtig,
+So will ich mich auf märksche Weise fassen:
+Von den drei Locken, die man silberglänzig,
+Auf seinem Schädel sieht, faß ich die eine,
+Und führ ihn still, mit seinen zwölf Schwadronen,
+Nach Arnstein, in sein Hauptquartier, zurück.
+Wozu die Stadt aus ihrem Schlafe wecken?
+
+(Nachdem er wieder einen Augenblick ans Fenster getreten,
+geht er an den Tisch und klingelt; zwei Bediente treten auf.)
+
+Der Kurfürst.
+Spring doch herab und frag, als wärs für dich,
+Was es im Stadthaus gibt?
+
+Erster Bedienter. Gleich, mein Gebieter! (Ab.)
+
+Der Kurfürst (zu dem andern).
+Du aber geh und bring die Kleider mir!
+
+(Der Bediente geht und bringt sie; der Kurfürst kleidet sich
+an und legt seinen fürstlichen Schmuck an.)
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+Feldmarschall Dörfling tritt auf.--Die Vorigen.
+
+
+Feldmarschall.
+Rebellion, mein Kurfürst!
+
+Der Kurfürst (noch im Ankleiden beschäftigt).
+Ruhig, ruhig!--
+Es ist verhaßt mir, wie dir wohl bekannt,
+In mein Gemach zu treten, ungemeldet!
+--Was willst du?
+
+Feldmarschall. Herr, ein Vorfall--du vergibst!
+Führt von besonderem Gewicht mich her.
+Der Obrist Kottwitz rückte, unbeordert,
+Hier in die Stadt; an hundert Offiziere
+Sind auf dem Rittersaal um ihn versammelt;
+Es geht ein Blatt in ihrem Kreis herum,
+Bestimmt in deine Rechte einzugreifen.
+
+Der Kurfürst.
+Es ist mir schon bekannt!--Was wird es sein,
+Als eine Regung zu des Prinzen Gunsten,
+Dem das Gesetz die Kugel zuerkannte.
+
+Feldmarschall.
+So ists! Beim höchsten Gott! Du hasts getroffen!
+
+Der Kurfürst.
+Nun gut!--So ist mein Herz in ihrer Mitte.
+
+Feldmarschall.
+Man sagt, sie wollten heut, die Rasenden!
+Die Bittschrift noch im Schloß dir überreichen,
+Und falls, mit unversöhntem Grimm, du auf
+Den Spruch beharrst--kaum wag ichs dir zu melden?--
+Aus seiner Haft ihn mit Gewalt befrein!
+
+Der Kurfürst (finster).
+Wer hat dir das gesagt?
+
+Feldmarschall. Wer mir das sagte?
+Die Dame Retzow, der du trauen kannst,
+Die Base meiner Frau! Sie war heut abend
+In ihres Ohms, des Drost von Retzow, Haus,
+Wo Offiziere, die vom Lager kamen,
+Laut diesen dreisten Anschlag äußerten.
+
+Der Kurfürst.
+Das muß ein Mann mir sagen, eh ichs glaube!
+Mit meinem Stiefel, vor sein Haus gesetzt,
+Schütz ich vor diesen jungen Helden ihn!
+
+Feldmarschall.
+Herr, ich beschwöre dich, wenns überall
+Dein Wille ist, den Prinzen zu begnadigen:
+Tus, eh ein höchstverhaßter Schritt geschehn!
+Jedwedes Heer liebt, weißt du, seinen Helden;
+Laß diesen Funken nicht, der es durchglüht,
+Ein heillos fressend Feuer um sich greifen.
+Kottwitz weiß und die Schar, die er versammelt,
+Noch nicht, daß dich mein treues Wort gewarnt;
+Schick, eh er noch erscheint, das Schwert dem Prinzen,
+Schicks ihm, wie ers zuletzt verdient, zurück:
+Du gibst der Zeitung eine Großtat mehr,
+Und eine Untat weniger zu melden.
+
+Der Kurfürst.
+Da müßt ich noch den Prinzen erst befragen,
+Den Willkür nicht, wie dir bekannt sein wird,
+Gefangen nahm und nicht befreien kann.--
+Ich will die Herren, wenn sie kommen, sprechen.
+
+Feldmarschall (für sich).
+Verwünscht!--Er ist jedwedem Pfeil gepanzert.
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Zwei Heiducken treten auf; der eine hält einen Brief in der
+Hand.--Die Vorigen.
+
+
+Erster Heiduck.
+Der Obrist Kottwitz, Hennings, Truchß und andre,
+Erbitten sich Gehör!
+
+Der Kurfürst (zu dem anderen, indem er ihm den Brief aus der
+Hand nimmt).
+Vom Prinz von Homburg?
+
+Zweiter Heiduck.
+Ja, mein erlauchter Herr!
+
+Der Kurfürst. Wer gab ihn dir?
+
+Zweiter Heiduck.
+Der Schweizer, der am Tor die Wache hält,
+Dem ihn des Prinzen Jäger eingehändigt.
+
+Der Kurfürst (stellt sich an den Tisch und liest; nachdem
+dies geschehen ist, wendet er sich und ruft einen Pagen).
+Prittwitz!--Das Todesurteil bring mir her!
+--Und auch den Paß, für Gustav Graf von Horn,
+Den schwedischen Gesandten, will ich haben!
+
+(Der Page ab; zu dem ersten Heiducken.)
+
+Kottwitz, und sein Gefolg; sie sollen kommen!
+
+
+
+Fünfter Auftritt
+
+Obrist Kottwitz und Obrist Hennings, Graf Truchß, Graf
+Hohenzollern und Sparren, Graf Reuß, Rittmeister von der
+Golz und Stranz, und andre Obristen und Offiziere treten
+auf.--Die Vorigen.
+
+
+Obrist Kottwitz (mit der Bittschrift).
+Vergönne, mein erhabner Kurfürst, mir,
+Daß ich, im Namen des gesamten Heers,
+In Demut dies Papier dir überreiche!
+
+Der Kurfürst.
+Kottwitz, bevor ichs nehme, sag mir an,
+Wer hat dich her nach dieser Stadt gerufen?
+
+Kottwitz (sieht ihn an).
+Mit den Dragonern?
+
+Der Kurfürst. Mit dem Regiment!--
+Arnstein hatt ich zum Sitz dir angewiesen.
+
+Kottwitz.
+Herr! Deine Order hat mich her gerufen.
+
+Der Kurfürst.
+Wie?--Zeig die Order mir.
+
+Kottwitz. Hier, mein Gebieter.
+
+Der Kurfürst (liest).
+"Natalie, gegeben Fehrbellin;
+In Auftrag meines höchsten Oheims Friedrich."
+
+Kottwitz.
+Bei Gott, mein Fürst und Herr, ich will nicht hoffen,
+Daß dir die Order fremd?
+
+Der Kurfürst. Nicht, nicht! Versteh mich--
+Wer ists, der dir die Order überbracht?
+
+Kottwitz.
+Graf Reuß!
+
+Der Kurfürst (nach einer augenblicklichen Pause).
+Vielmehr, ich heiße dich willkommen!--
+Dem Obrist Homburg, dem das Recht gesprochen,
+Bist du bestimmt, mit deinen zwölf Schwadronen,
+Die letzten Ehren morgen zu erweisen.
+
+Kottwitz (erschrocken).
+Wie, mein erlauchter Herr?!
+
+Der Kurfürst (indem er ihm die Order wiedergibt).
+Das Regiment
+Steht noch in Nacht und Nebel, vor dem Schloß?
+
+Kottwitz.
+Die Nacht, vergib--
+
+Der Kurfürst. Warum rückt es nicht ein?
+
+Kottwitz.
+Mein Fürst, es rückte ein; es hat Quartiere,
+Wie du befahlst, in dieser Stadt bezogen!
+
+Der Kurfürst (mit einer Wendung gegen das Fenster).
+Wie? Vor zwei Augenblicken--–? Nun, beim Himmel,
+So hast du Ställe rasch dir ausgemittelt!--
+Um so viel besser denn! Gegrüßt noch einmal!
+Was führt dich her, sag an? Was bringst du Neues?
+
+Kottwitz.
+Herr, diese Bittschrift deines treuen Heers.
+
+Der Kurfürst.
+Gib!
+
+Kottwitz. Doch das Wort, das deiner Lipp entfiel,
+Schlägt alle meine Hoffnungen zu Boden.
+
+Der Kurfürst.
+So hebt ein Wort auch wiederum sie auf.
+
+(Er liest.)
+
+"Bittschrift, die allerhöchste Gnad erflehend,
+Für unsern Führer, peinlich angeklagt,
+Den General, Prinz Friedrich Hessen-Homburg."
+
+(Zu den Offizieren.)
+
+Ein edler Nam, ihr Herrn! Unwürdig nicht,
+Daß ihr, in solcher Zahl, euch ihm verwendet!
+
+(Er sieht wieder in das Blatt.)
+
+Die Bittschrift ist verfaßt von wem?
+
+Kottwitz. Von mir.
+
+Der Kurfürst.
+Der Prinz ist von dem Inhalt unterrichtet?
+
+Kottwitz.
+Nicht auf die fernste Weis! In unsrer Mitte
+Ist sie empfangen und vollendet worden.
+
+Der Kurfürst.
+Gebt mir auf einen Augenblick Geduld.
+(Er tritt an den Tisch und durchsieht die Schrift.--Lange Pause.)
+Hm! Sonderbar!--Du nimmst, du alter Krieger,
+Des Prinzen Tat in Schutz? Rechtfertigst ihn,
+Daß er auf Wrangel stürzte, unbeordert?
+
+Kottwitz.
+Ja, mein erlauchter Herr; das tut der Kottwitz!
+
+Der Kurfürst.
+Der Meinung auf dem Schlachtfeld warst du nicht.
+
+Kottwitz.
+Das hatt ich schlecht erwogen, mein Gebieter!
+Dem Prinzen, der den Krieg gar wohl versteht,
+Hätt ich mich ruhig unterwerfen sollen.
+Die Schweden wankten, auf dem linken Flügel,
+Und auf dem rechten wirkten sie Sukkurs;
+Hätt er auf deine Order warten wollen,
+Sie faßten Posten wieder, in den Schluchten,
+Und nimmermehr hättst du den Sieg erkämpft
+
+Der Kurfürst.
+So!--Das beliebt dir so vorauszusetzen!
+Den Obrist Hennings hatt ich abgeschickt,
+Wie dir bekannt, den schwedschen Brückenkopf,
+Der Wrangels Rücken deckt, hinwegzunehmen.
+Wenn ihr die Order nicht gebrochen hättet,
+Dem Henning wäre dieser Schlag geglückt;
+Die Brücken hätt er, in zwei Stunden Frist,
+In Brand gesteckt, am Rhyn sich aufgepflanzt,
+Und Wrangel wäre ganz, mit Stumpf und Stiel,
+In Gräben und Morast, vernichtet worden.
+
+Kottwitz.
+Es ist der Stümper Sache, nicht die deine,
+Des Schicksals höchsten Kranz erringen wollen;
+Du nahmst, bis heut, noch stets, was es dir bot.
+Der Drachen ward, der dir die Marken trotzig
+Verwüstete, mit blutgem Hirn verjagt;
+Was konnte mehr, an einem Tag, geschehn?
+Was liegt dir dran, ob er zwei Wochen noch
+Erschöpft im Sand liegt, und die Wunde heilt?
+Die Kunst jetzt lernten wir, ihn zu besiegen,
+Und sind voll Lust, sie fürder noch zu üben:
+Laß uns den Wrangel rüstig, Brust an Brust,
+Noch einmal treffen, so vollendet sichs,
+Und in die Ostsee ganz fliegt er hinab!
+Rom ward an einem Tage nicht erbaut.
+
+Der Kurfürst.
+Mit welchem Recht, du Tor, erhoffst du das,
+Wenn auf dem Schlachtenwagen, eigenmächtig,
+Mir in die Zügel jeder greifen darf?
+Meinst du das Glück werd immerdar, wie jüngst,
+Mit einem Kranz den Ungehorsam lohnen?
+Den Sieg nicht mag ich, der, ein Kind des Zufalls,
+Mir von der Bank fällt; das Gesetz will ich,
+Die Mutter meiner Krone, aufrecht halten,
+Die ein Geschlecht von Siegen mir erzeugt!
+
+Kottwitz.
+Herr, das Gesetz, das höchste, oberste,
+Das wirken soll, in deiner Feldherrn Brust,
+Das ist der Buchstab deines Willens nicht;
+Das ist das Vaterland, das ist die Krone,
+Das bist du selber, dessen Haupt sie trägt.
+Was kümmert dich, ich bitte dich, die Regel,
+Nach der der Feind sich schlägt: wenn er nur nieder
+Vor dir, mit allen seinen Fahnen, sinkt?
+Die Regel, die ihn schlägt, das ist die höchste!
+Willst du das Heer, das glühend an dir hängt,
+Zu einem Werkzeug machen, gleich dem Schwerte,
+Das tot in deinem goldnen Gürtel ruht?
+Der ärmste Geist, der in den Sternen fremd,
+Zuerst solch eine Lehre gab! Die schlechte,
+Kurzsichtge Staatskunst, die, um eines Falles,
+Da die Empfindung sich verderblich zeigt,
+Zehn andere vergißt, im Lauf der Dinge,
+Da die Empfindung einzig retten kann!
+Schütt ich mein Blut dir, an dem Tag der Schlacht,
+Für Sold, seis Geld, seis Ehre, in den Staub?
+Behüte Gott, dazu ist es zu gut!
+Was! Meine Lust hab, meine Freude ich,
+Frei und für mich im Stillen, unabhängig,
+An deiner Trefflichkeit und Herrlichkeit,
+Am Ruhm und Wachstum deines großen Namens!
+Das ist der Lohn, dem sich mein Herz verkauft!
+Gesetzt, um dieses unberufnen Sieges,
+Brächst du dem Prinzen jetzt den Stab; und ich,
+Ich träfe morgen, gleichfalls unberufen,
+Den Sieg wo irgend zwischen Wald und Felsen,
+Mit den Schwadronen, wie ein Schäfer, an:
+Bei Gott, ein Schelm müßt ich doch sein, wenn ich
+Des Prinzen Tat nicht munter wiederholte.
+Und sprächst du, das Gesetzbuch in der Hand:
+"Kottwitz, du hast den Kopf verwirkt!" so sagt ich:
+"Das wußt ich Herr; da nimm ihn hin, hier ist er:
+Als mich ein Eid an deine Krone band,
+Mit Haut und Haar, nahm ich den Kopf nicht aus,
+Und nichts dir gäb ich, was nicht dein gehörte!"
+
+Der Kurfürst.
+Mit dir, du alter, wunderlicher Herr,
+Werd ich nicht fertig! Es besticht dein Wort
+Mich, mit arglistger Rednerkunst gesetzt,
+Mich, der, du weißt, dir zugetan, und einen
+Sachwalter ruf ich mir, den Streit zu enden,
+Der meine Sache führt!
+
+(Er klingelt, ein Bedienter tritt auf.)
+
+Der Prinz von Homburg!
+Man führ aus dem Gefängnis ihn hierher!
+
+(Der Bediente ab.)
+
+Der wird dich lehren, das versichr' ich dich,
+Was Kriegszucht und Gehorsam sei! Ein Schreiben
+Schickt' er mir mindstens zu, das anders lautet,
+Als der spitzfündge Lehrbegriff der Freiheit,
+Den du hier, wie ein Knabe, mir entfaltet.
+
+(Er stellt sich wieder an den Tisch und liest.)
+
+Kottwitz (erstaunt).
+Wen holt--? Wen ruft--?
+
+Obrist Hennings. Ihn selber?
+
+Graf Truchß. Nein unmöglich!
+
+(Die Offiziere treten unruhig zusammen und sprechen mit einander.)
+
+Der Kurfürst.
+Von wem ist diese zweite Zuschrift hier?
+
+Hohenzollern.
+Von mir, mein Fürst!
+
+Der Kurfürst (liest). "Beweis, daß Kurfürst Friedrich
+Des Prinzen Tat selbst"--–--Nun, beim Himmel!
+Das nenn ich keck!
+Was! Die Veranlassung, du wälzest sie des Frevels,
+Den er sich in der Schlacht erlaubt, auf mich?
+
+Hohenzollern.
+Auf dich, mein Kurfürst; ja; ich, Hohenzollern!
+
+Der Kurfürst.
+Nun denn, bei Gott, das übersteigt die Fabel!
+Der eine zeigt mir, daß nicht schuldig er,
+Der andre gar mir, daß der Schuldge ich!--
+Womit wirst solchen Satz du mir beweisen?
+
+Hohenzollern.
+Du wirst dich jener Nacht, o Herr, erinnern,
+Da wir den Prinzen, tief versenkt im Schlaf,
+Im Garten unter den Plantanen fanden:
+Vom Sieg des nächsten Tages mocht er träumen,
+Und einen Lorbeer hielt er in der Hand.
+Du, gleichsam um sein tiefstes Herz zu prüfen,
+Nahmst ihm den Kranz hinweg, die Kette schlugst du,
+Die dir vom Hals hängt, lächelnd um das Laub;
+Und reichtest Kranz und Kette, so verschlungen,
+Dem Fräulein, deiner edlen Nichte, hin.
+Der Prinz steht, bei so wunderbarem Anblick,
+Errötend auf; so süße Dinge will er,
+Und von so lieber Hand gereicht, ergreifen:
+Du aber, die Prinzessin rückwärts führend,
+Entziehst dich eilig ihm; die Tür empfängt dich,
+Jungfrau und Kett und Lorbeerkranz verschwinden,
+Und einsam--einen Handschuh in der Hand,
+Den er, nicht weiß er selber, wem? entrissen--
+Im Schoß der Mitternacht, bleibt er zurück.
+
+Der Kurfürst.
+Welch einen Handschuh?
+
+Hohenzollern. Herr, laß mich vollenden!
+Die Sache war ein Scherz; jedoch von welcher
+Bedeutung ihm, das lernt ich bald erkennen;
+Denn, da ich, durch des Garten hintre Pforte,
+Jetzt zu ihm schleich, als wärs von ohngefähr,
+Und ihn erweck, und er die Sinne sammelt:
+Gießt die Erinnrung Freude über ihn,
+Nichts Rührenders, fürwahr, kannst du dir denken.
+Den ganzen Vorfall, gleich, als wärs ein Traum,
+Trägt er, bis auf den kleinsten Zug, mir vor;
+So lebhaft, meint' er, hab er nie geträumt
+Und fester Glaube baut sich in ihm auf,
+Der Himmel hab ein Zeichen ihm gegeben:
+Es werde alles, was sein Geist gesehn,
+Jungfrau und Lorbeerkranz und Ehrenschmuck,
+Gott, an dem Tag der nächsten Schlacht, ihm schenken.
+
+Der Kurfürst.
+Hm! Sonderbar!--Und jener Handschuh--?
+
+Hohenzollern. Ja,--
+Dies Stück des Traums, das ihm verkörpert ward,
+Zerstört zugleich und kräftigt seinen Glauben.
+Zuerst mit großem Aug sieht er ihn an--
+Weiß ist die Farb, er scheint nach Art und Bildung,
+Von einer Dame Hand--: doch weil er keine
+Zu Nacht, der er entnommen könnte sein,
+Im Garten sprach,--durchkreuzt, in seinem Dichten,
+Von mir, der zur Parol' aufs Schloß ihn ruft,
+Vergißt er, was er nicht begreifen kann,
+Und steckt zerstreut den Handschuh ins Kollett.
+
+Der Kurfürst.
+Nun? Drauf?
+
+Hohenzollern. Drauf tritt er nun mit Stift und Tafel,
+Ins Schloß, aus des Feldmarschalls Mund, in frommer
+Aufmerksamkeit, den Schlachtbefehl zu hören;
+Die Fürstin und Prinzessin, reisefertig
+Befinden grad im Herrensaal sich auch.
+Doch wer ermißt das ungeheure Staunen,
+Das ihn ergreift, da die Prinzeß den Handschuh,
+Den er sich ins Kollett gesteckt, vermißt.
+Der Marschall ruft, zu wiederholten Malen:
+Herr Prinz von Homburg! Was befiehlt mein Marschall?
+Entgegnet er, und will die Sinne sammeln;
+Doch er, von Wundern ganz umringt--–: der Donner
+Des Himmels hätte niederfallen können!--! (Er hält inne.)
+
+Der Kurfürst.
+Wars der Prinzessin Handschuh?
+
+Hohenzollern. Allerdings!
+
+(Der Kurfürst fällt in Gedanken.)
+
+Hohenzollern (fährt fort).
+Ein Stein ist er, den Bleistift in der Hand,
+Steht er zwar da und scheint ein Lebender;
+Doch die Empfindung, wie durch Zauberschläge,
+In ihm verlöscht; und erst am andern Morgen,
+Da das Geschütz schon in den Reihen donnert,
+Kehrt er ins Dasein wieder und befragt mich:
+Liebster, was hat schon Dörfling, sag mirs, gestern
+Beim Schlachtbefehl, mich treffend, vorgebracht?
+
+Feldmarschall.
+Herr, die Erzählung, wahrlich, unterschreib ich!
+Der Prinz, erinnr' ich mich, von meiner Rede
+Vernahm kein Wort; zerstreut sah ich ihn oft,
+Jedoch in solchem Grad abwesend ganz
+Aus seiner Brust, noch nie, als diesen Tag.
+
+Der Kurfürst.
+Und nun, wenn ich dich anders recht verstehe,
+Türmst du, wie folgt, ein Schlußgebäu mir auf:
+Hätt ich, mit dieses jungen Träumers Zustand,
+Zweideutig nicht gescherzt, so blieb er schuldlos:
+Bei der Parole wär er nicht zerstreut,
+Nicht widerspenstig in der Schlacht gewesen.
+Nicht? Nicht? Das ist die Meinung?
+
+Hohenzollern. Mein Gebieter,
+Das überlaß ich jetzt dir, zu ergänzen.
+
+Der Kurfürst.
+Tor, der du bist, Blödsinniger! hättest du
+Nicht in den Garten mich herabgerufen,
+So hätt ich, einem Trieb der Neugier folgend,
+Mit diesem Träumer harmlos nicht gescherzt.
+Mithin behaupt ich, ganz mit gleichem Recht,
+Der sein Versehn veranlaßt hat, warst du!--
+Die delphsche Weisheit meiner Offiziere!
+
+Hohenzollern.
+Es ist genug, mein Kurfürst! Ich bin sicher,
+Mein Wort fiel, ein Gewicht, in deine Brust!
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Ein Offizier tritt auf.--Die Vorigen.
+
+
+Der Offizier.
+Der Prinz, o Herr, wird Augenblicks erscheinen!
+
+Der Kurfürst.
+Wohlan! Laßt ihn herein.
+
+Offizier. In zwei Minuten!--
+Er ließ nur flüchtig, im Vorübergehn,
+Durch einen Pförtner sich den Kirchhof öffnen.
+
+Der Kurfürst.
+Den Kirchhof?
+
+Offizier. Ja mein Fürst und Herr!
+
+Der Kurfürst. Weshalb?
+
+Offizier.
+Die Wahrheit zu gestehn, ich weiß es nicht;
+Es schien das Grabgewölb wünscht' er zu sehen,
+Das dein Gebot ihm dort eröffnen ließ.
+
+(Die Obersten treten zusammen und sprechen miteinander.)
+
+Der Kurfürst.
+Gleichviel! Sobald er kömmt, laßt ihn herein.
+
+(Er tritt wieder an den Tisch und sieht in die Papiere.)
+
+Graf Truchß.
+Da führt die Wache schon den Prinzen her.
+
+
+
+Siebenter Auftritt
+
+Der Prinz von Homburg tritt auf. Ein Offizier mit Wache.
+Die Vorigen.
+
+
+Der Kurfürst.
+Mein junger Prinz, Euch ruf ich mir zu Hülfe!
+Der Obrist Kottwitz bringt, zu Gunsten Eurer,
+Mir dieses Blatt hier, schaut, in langer Reihe
+Von hundert Edelleuten unterzeichnet;
+Das Heer begehre, heißt es, Eure Freiheit,
+Und billige den Spruch des Kriegsrechts nicht.--
+Lest, bitt ich, selbst, und unterrichtet Euch!
+
+(Er gibt ihm das Blatt.)
+
+Der Prinz von Homburg (nachdem er einen Blick hineingetan,
+wendet sich, und sieht sich im Kreis der Offiziere um).
+Kottwitz, gib deine Hand mir, alter Freund!
+Du tust mir mehr, als ich, am Tag der Schlacht,
+Um dich verdient! Doch jetzt geschwind geh hin
+Nach Arnstein wiederum, von wo du kamst,
+Und rühr dich nicht; ich habs mir überlegt,
+Ich will den Tod, der mir erkannt, erdulden!
+(Er übergibt ihm die Schrift.)
+
+Kottwitz (betroffen).
+Nein, nimmermehr, mein Prinz! Was sprichst du da?
+
+Hohenzollern.
+Er will den Tod--?
+
+Graf Truchß. Er soll und darf nicht sterben!
+
+Mehrere Offiziere (vordrängend).
+Mein Herr und Kurfürst! Mein Gebieter! Hör uns!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ruhig! Es ist mein unbeugsamer Wille!
+Ich will das heilige Gesetz des Kriegs,
+Das ich verletzt', im Angesicht des Heers,
+Durch einen freien Tod verherrlichen!
+Was kann der Sieg euch, meine Brüder, gelten,
+Der eine, dürftige, den ich vielleicht
+Dem Wrangel noch entreiße, dem Triumph
+Verglichen, über den verderblichsten
+Der Feind' in uns, den Trotz, den Übermut,
+Errungen glorreich morgen? Es erliege
+Der Fremdling, der uns unterjochen will,
+Und frei, auf mütterlichem Grund, behaupte
+Der Brandenburger sich; denn sein ist er,
+Und seiner Fluren Pracht nur ihm erbaut!
+
+Kottwitz (gerührt).
+Mein Sohn! Mein liebster Freund! Wie nenn ich dich?
+
+Graf Truchß.
+O Gott der Welt!
+
+Kottwitz. Laß deine Hand mich küssen!
+
+(Sie drängen sich um ihn.)
+
+Der Prinz von Homburg (wendet sich zum Kurfürsten).
+Doch dir, mein Fürst, der einen süßern Namen
+Dereinst mir führte, leider jetzt verscherzt:
+Dir leg ich tiefbewegt zu Füßen mich!
+Vergib, wenn ich am Tage der Entscheidung,
+Mit übereiltem Eifer dir gedient:
+Der Tod wäscht jetzt von jeder Schuld mich rein.
+Laß meinem Herzen, das versöhnt und heiter
+Sich deinem Rechtsspruch unterwirft, den Trost,
+Daß deine Brust auch jedem Groll entsagt:
+Und in der Abschiedsstunde, des zum Zeichen,
+Bewillge huldreich eine Gnade mir!
+
+Der Kurfürst.
+Sprich, junger Held! Was ists, das du begehrst?
+Mein Wort verpfänd ich dir und Ritterehre,
+Was es auch sei, es ist dir zugestanden!
+
+Der Prinz von Homburg.
+Erkauf o Herr, mit deiner Nichte Hand,
+Von Gustav Karl den Frieden nicht! Hinweg
+Mit diesem Unterhändler aus dem Lager,
+Der solchen Antrag ehrlos dir gemacht:
+Mit Kettenkugeln schreib die Antwort ihm!
+
+Der Kurfürst (küßt seine Stirn).
+Seis, wie du sagst! Mit diesem Kuß, mein Sohn,
+Bewillg' ich diese letzte Bitte dir!
+Was auch bedarf es dieses Opfers noch,
+Vom Mißglück nur des Kriegs mir abgerungen;
+Blüht doch aus jedem Wort, das du gesprochen,
+Jetzt mir ein Sieg auf, der zu Staub ihn malmt!
+Prinz Homburgs Braut sei sie, werd ich ihm schreiben,
+Der Fehrbellins halb, dem Gesetz verfiel,
+Und seinem Geist, tot vor den Fahnen streitend,
+Kämpf er auf dem Gefild der Schlacht, sie ab!
+
+(Er küßt ihn noch einmal und erhebt ihn.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nun sieh, jetzt schenktest du das Leben mir!
+Nun fleh ich jeden Segen dir herab,
+Den, von dem Thron der Wolken, Seraphin
+Auf Heldenhäupter jauchzend niederschütten:
+Geh und bekrieg, o Herr, und überwinde
+Den Weltkreis, der dir trotzt--denn du bists wert!
+
+Der Kurfürst.
+Wache! Führt ihn zurück in sein Gefängnis!
+
+
+
+Achter Auftritt
+
+Natalie und die Kurfürstin zeigen sich unter der Tür.
+Hofdamen folgen.--Die Vorigen.
+
+
+Natalie.
+O Mutter, laß! Was sprichst du mir von Sitte?
+Die höchst' in solcher Stund, ist ihn zu lieben!
+--Mein teurer, unglücksel'ger Freund!
+
+Der Prinz von Homburg (bricht auf). Hinweg!
+
+Graf Truchß (hält ihn).
+Nein nimmermehr, mein Prinz!
+
+(Mehrere Offiziere treten ihm in den Weg.)
+
+Der Prinz von Homburg. Führt mich hinweg!
+
+Hohenzollern.
+Mein Kurfürst, kann dein Herz--?
+
+Der Prinz von Homburg (reißt sich los).
+Tyrannen, wollt ihr
+Hinaus an Ketten mich zum Richtplatz schleifen?
+Fort!--Mit der Welt schloß ich die Rechnung ab!
+
+(Ab, mit Wache.)
+
+Natalie (indem sie sich an die Brust der Tante legt).
+O Erde, nimm in deinen Schoß mich auf!
+Wozu das Licht der Sonne länger schaun?
+
+
+
+Neunter Auftritt
+
+Die Vorigen ohne den Prinzen von Homburg.
+
+
+Feldmarschall.
+O Gott der Welt! Mußt es bis dahin kommen!
+
+(Der Kurfürst spricht heimlich und angelegentlich mit
+einem Offizier.)
+
+Kottwitz (kalt).
+Mein Fürst und Herr, nach dem, was vorgefallen,
+Sind wir entlassen?
+
+Der Kurfürst. Nein! zur Stund noch nicht!
+Dir sag ichs an, wenn du entlassen bist!
+
+(Er fixiert ihn eine Weile mit den Augen; alsdann nimmt er die
+Papiere, die ihm der Page gebracht hat, vom Tisch, und wendet
+sich damit zum Feldmarschall.)
+
+Hier, diesen Paß dem schwedschen Grafen Horn!
+Es wär des Prinzen, meines Vetters Bitte,
+Die ich verpflichtet wäre zu erfüllen;
+Der Krieg heb, in drei Tagen, wieder an!
+
+(Pause.--Er wirft einen Blick in das Todesurteil.)
+
+Ja, urteilt selbst, ihr Herrn! Der Prinz von Homburg
+Hat im verfloßnen Jahr, durch Trotz und Leichtsinn,
+Um zwei der schönsten Siege mich gebracht;
+Den dritten auch hat er mir schwer gekränkt.
+Die Schule dieser Tage durchgegangen,
+Wollt ihrs zum vierten Male mit ihm wagen?
+
+Kottwitz und Truchß (durcheinander).
+Wie, mein vergöttert--angebeteter--?
+
+Der Kurfürst.
+Wollt ihr? Wollt ihr?
+
+Kottwitz. Bei dem lebendgen Gott,
+Du könntest an Verderbens Abgrund stehn,
+Daß er, um dir zu helfen, dich zu retten,
+Auch nicht das Schwert mehr zückte, ungerufen!
+
+Der Kurfürst (zerreißt das Todesurteil).
+So folgt, ihr Freunde, in den Garten mir!
+
+(Alle ab.)
+
+
+
+Szene: Schloß, mit der Rampe, die in den Garten hinabführt; wie im
+ersten Akt.--Es ist wieder Nacht.
+
+Zehnter Auftritt
+
+Der Prinz von Homburg wird vom Rittmeister Stranz mit verbundenen
+Augen durch das untere Gartengitter aufgeführt. Offiziere mit Wache.
+--In der Ferne hört man Trommeln des Totenmarsches.
+
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein!
+Du strahlst mir, durch die Binde meiner Augen,
+Mir Glanz der tausendfachen Sonne zu!
+Es wachsen Flügel mir an beiden Schultern,
+Durch stille Ätherräume schwingt mein Geist;
+Und wie ein Schiff, vom Hauch des Winds entführt,
+Die muntre Hafenstadt versinken sieht,
+So geht mir dämmernd alles Leben unter:
+Jetzt unterscheid ich Farben noch und Formen,
+Und jetzt liegt Nebel alles unter mir.
+
+(Der Prinz setzt sich auf die Bank, die in der Mitte des Platzes,
+um die Eiche aufgeschlagen ist; der Rittmeister Stranz entfernt
+sich von ihm, und sieht nach der Rampe hinauf.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Ach, wie die Nachtviole lieblich duftet!
+--Spürst du es nicht?
+
+(Stranz kommt wieder zu ihm zurück.)
+
+Stranz. Es sind Levkojn und Nelken.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Levkojn?--Wie kommen die hierher?
+
+Stranz. Ich weiß nicht.--
+Es scheint, ein Mädchen hat sie hier gepflanzt.
+--Kann ich dir eine Nelke reichen?
+
+Der Prinz von Homburg. Lieber!--
+Ich will zu Hause sie in Wasser setzen.
+
+
+
+Eilfter Auftritt
+
+Der Kurfürst mit dem Lorbeerkranz, um welchen die goldne Kette
+geschlungen ist, Kurfürstin, Prinzessin Natalie, Feldmarschall
+Dörfling, Obrist Kottwitz, Hohenzollern, Golz usw., Hofdamen,
+Offiziere und Fackeln erscheinen auf der Rampe des Schlosses.--
+Hohenzollern tritt, mit einem Tuch, an das Geländer und winkt
+dem Rittmeister Stranz; worauf dieser den Prinzen von Homburg
+verläßt, und im Hintergrund mit der Wache spricht.
+
+
+Der Prinz von Homburg.
+Lieber, was für ein Glanz verbreitet sich?
+
+Stranz (kehrt zu ihm zurück).
+Mein Prinz, willst du gefällig dich erheben?
+
+Der Prinz von Homburg.
+Was gibt es?
+
+Stranz. Nichts, das dich erschrecken dürfte!--
+Die Augen bloß will ich dir wieder öffnen.
+
+Der Prinz von Homburg.
+Schlug meiner Leiden letzte Stunde?
+
+Stranz. Ja!--
+Heil dir und Segen, denn du bist es wert!
+
+(Der Kurfürst gibt den Kranz, an welchem die Kette hängt, der
+Prinzessin, nimmt sie bei der Hand und führt sie die Rampe herab.
+Herren und Damen folgen. Die Prinzessin tritt, umgeben von Fackeln,
+vor den Prinzen, welcher erstaunt aufsteht; setzt ihm den Kranz
+auf, hängt ihm die Kette um, und drückt seine Hand an ihr Herz.
+Der Prinz fällt in Ohnmacht.)
+
+Natalie.
+Himmel! die Freude tötet ihn!
+
+Hohenzollern (faßt ihn auf). Zu Hülfe!
+
+Der Kurfürst.
+Laßt den Kanonendonner ihn erwecken!
+
+(Kanonenschüsse. Ein Marsch. Das Schloß erleuchtet sich.)
+
+Kottwitz.
+Heil, Heil dem Prinz von Homburg!
+
+Die Offiziere. Heil! Heil! Heil!
+
+Alle.
+Dem Sieger in der Schlacht bei Fehrbellin!
+
+(Augenblickliches Stillschweigen.)
+
+Der Prinz von Homburg.
+Nein, sagt! Ist es ein Traum?
+
+Kottwitz. Ein Traum, was sonst?
+
+Mehrere Offiziere.
+Ins Feld! Ins Feld!
+
+Graf Truchß. Zur Schlacht!
+
+Feldmarschall. Zum Sieg! Zum Sieg!
+
+Alle.
+In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Prinz Friedrich von Homburg,
+von Heinrich von Kleist.
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Prinz Friedrich von Homburg, by Heinrich von Kleist
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG ***
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