summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-04-19 05:21:06 -0700
committernfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-04-19 05:21:06 -0700
commit134cb79dcfbc86e8b45329b4ab45c1f7a4ae3d3d (patch)
tree835c3c4c4bb18bcc057cf19e06c97a90b30ec76a
Initial commitHEADmain
-rw-r--r--.gitattributes4
-rw-r--r--75906-0.txt3694
-rw-r--r--75906-h/75906-h.htm3813
-rw-r--r--75906-h/images/cover.jpgbin0 -> 680611 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-003.jpgbin0 -> 160002 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-004.jpgbin0 -> 177267 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-005.jpgbin0 -> 189856 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-006.jpgbin0 -> 221437 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-007a.jpgbin0 -> 227719 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-007b.jpgbin0 -> 217022 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-008.jpgbin0 -> 188027 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-010.jpgbin0 -> 199394 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-011.jpgbin0 -> 209732 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-013.jpgbin0 -> 198070 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-015.jpgbin0 -> 193843 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-020.jpgbin0 -> 171109 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-021.jpgbin0 -> 213016 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-024.jpgbin0 -> 203844 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-025.jpgbin0 -> 219518 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-026.jpgbin0 -> 192891 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-027.jpgbin0 -> 157625 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-032.jpgbin0 -> 118805 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-035a.jpgbin0 -> 178865 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-035b.jpgbin0 -> 149419 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-035c.jpgbin0 -> 175280 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-035d.jpgbin0 -> 164058 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-037.jpgbin0 -> 156682 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-038.jpgbin0 -> 178392 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-040.jpgbin0 -> 158918 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-042.jpgbin0 -> 135630 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-044.jpgbin0 -> 190127 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-045.jpgbin0 -> 156644 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-046a.jpgbin0 -> 174724 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-046b.jpgbin0 -> 162683 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-047.jpgbin0 -> 162752 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-048.jpgbin0 -> 212236 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-051.jpgbin0 -> 157058 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-053.jpgbin0 -> 145210 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-054.jpgbin0 -> 143128 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-058.jpgbin0 -> 145991 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-059.jpgbin0 -> 158877 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-061.jpgbin0 -> 169395 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-063a.jpgbin0 -> 142412 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-063b.jpgbin0 -> 164233 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-064.jpgbin0 -> 158097 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-073.jpgbin0 -> 161667 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-077.jpgbin0 -> 202901 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-078.jpgbin0 -> 191384 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-079a.jpgbin0 -> 192177 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-079b.jpgbin0 -> 191204 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-080a.jpgbin0 -> 194652 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-080b.jpgbin0 -> 195764 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-081.jpgbin0 -> 187485 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-082.jpgbin0 -> 187287 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-083a.jpgbin0 -> 194453 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-083b.jpgbin0 -> 201510 bytes
-rw-r--r--75906-h/images/illu-084.jpgbin0 -> 204060 bytes
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
59 files changed, 7524 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..d7b82bc
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,4 @@
+*.txt text eol=lf
+*.htm text eol=lf
+*.html text eol=lf
+*.md text eol=lf
diff --git a/75906-0.txt b/75906-0.txt
new file mode 100644
index 0000000..d8026ef
--- /dev/null
+++ b/75906-0.txt
@@ -0,0 +1,3694 @@
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75906 ***
+
+
+
+
+
+ Anmerkungen zur Transkription
+
+
+ Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter
+ oder kursiver Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in
+ Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter
+ Text ist =so dargestellt=.
+
+ Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
+ Buches.
+
+
+
+
+ Landesverein Sächsischer
+ Heimatschutz
+ Dresden
+
+ Mitteilungen
+ Heft
+ 5 bis 6
+
+ Monatsschrift für Heimatschutz, Volkskunde und Denkmalpflege
+
+ Band XV
+
+ _Inhalt_: Der Schellerhauer Pflanzengarten – Floristisches aus
+ dem Triebischtale – Am Grabe des Marienberger Silberbergbaues
+ – Der alte Schrank – Wappen der Stadt Kamenz – Ein Beitrag
+ zur Frage der Steinkreuze – Schwarzenberger Edelweiß – Die
+ höheren Pilze der Dresdner Heide – Der Friedhof in der Dresdner
+ Gartenbauausstellung – Bücherbesprechungen: Die Wenden –
+ Sächsische Sagen – Sächsisches Lachen – Heimat
+
+ Einzelpreis dieses Heftes 3 Reichsmark
+
+ Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24
+
+ Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835
+ Stadtbank Dresden 610
+
+ Bankkonto: Commerz- und Privatbank,
+ Abteilung Pirnaischer Platz, Dresden
+ Bassenge & Fritzsche, Dresden
+
+ Dresden 1926
+
+
+
+
+_Wir bitten höflichst, die Beitragszahlungen zu bewirken._
+
+
+Die Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz erhalten
+gegen Vorzeigung eines Ausweises durch unsere =Geschäftsstelle
+Dresden-A., Schießgasse 24=
+
+für die Gartenbauausstellung
+
+Eintrittskarten zu M. —.90 (sonst M. 1.50)
+
+für den Zoologischen Garten
+
+Eintrittskarten zu M. —.60 (sonst M. 1.—)
+
+Unsere Geschäftsstelle Dresden-A., Schießgasse 24, ist
+
+ =wochentags von 8–7 Uhr= (durchgehend),
+ =Sonntags geschlossen=
+
+für den Kartenverkauf geöffnet.
+
+
+Anmerkung: Wegen der Weiterlieferung der Schrift
+
+»Bauberatung«
+
+(zu vergleichen die zweite Umschlagseite Heft 1/2 dieses Jahres)
+=berichten wir im Heft 7/8, Band XV=, da noch immer Bestellungen
+eingehen, die zur Gewinnung eines Gesamtüberblickes berücksichtigt
+werden müssen.
+
+
+
+
+ Band XV Heft 5/6 1926
+
+[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden]
+
+Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern
+herausgegeben
+
+Abgeschlossen am 31. Juli 1926
+
+
+
+
+Der Schellerhauer Pflanzengarten
+
+Von _Josef Ostermaier_, Dresden-Blasewitz
+
+Mit Aufnahmen des Verfassers
+
+
+Wie viele Tausende sind daran schon vorbeigegangen, ohne zu ahnen,
+welche Pflanzenschätze hier verborgen sind, in dem Heim, das sich der
+verstorbene frühere Inspektor des Botanischen Gartens in Dresden, G. A.
+Poscharsky, nach seinem Abgang 1906 dort geschaffen hatte.
+
+In mehreren Felsengruppen hat derselbe dort die wichtigsten und
+schönsten Alpenpflanzen angesiedelt und kultiviert, die bei den
+ihnen dort außerordentlich zusagenden klimatischen Verhältnissen zu
+prächtiger Entwicklung und Blüte gelangten, wie man sie in botanischen
+Gärten und alpinen Anlagen des Tieflandes vergeblich suchen würde.
+
+Wieder einmal war unser Heimatschutz der rettende Engel, der diese
+Stätte vor dem Verfall und der Auflösung bewahrt hat. Nachdem das
+Poscharskysche Grundstück in den Besitz des Staates übergegangen war,
+ward der Pflanzengarten an den Tharandter Forstgarten und weiterhin,
+nach Berufung des Professors Dr. Neger an die Technische Hochschule zu
+Dresden, als »Alpenpflanzen-Anzuchtstation« an den Botanischen Garten
+zu Dresden angeschlossen. In der Zeit höchster wirtschaftlicher Not
+versiegten die Mittel zur Unterhaltung, der Garten blieb länger als
+ein Jahr ohne Pflege und verfiel mehr und mehr.
+
+Da hat denn noch zur rechten Zeit der Sächsische Heimatschutz
+eingegriffen, dem das Finanzministerium dankenswerterweise
+vertragsmäßig die Verfügung über den Garten zu Heimatschutzzwecken
+überlassen hat.
+
+[Illustration: Abb. 1. =Alpenanemone= (~Anemone alpina~)]
+
+Ein staatlicher Forstwart und seine Frau sorgen für die nötige
+Beaufsichtigung und Ordnung in demselben, während ein Mitglied
+unserer Naturschutzabteilung in anerkennenswertester Weise die
+wissenschaftliche Leitung und Beaufsichtigung des Unternehmens
+übernommen hat. Seine Hand macht sich schon allenthalben fühlbar, so
+z. B. in der Neuanlage mehrerer Felsengruppen, in der systematischen
+Ordnung und Umpflanzung der vorhandenen Pflanzenbestände und deren
+Bereicherung durch Neuerwerbungen. Unter seiner Leitung sind Anlagen
+geschaffen worden, die vor allem dem Gedanken des Naturschutzes
+Rechnung tragen sollen. Außer zwei Quartieren mit weit über
+hundert wildwachsenden, besonders charakteristischen und deshalb
+schätzenswerten Pflanzen des Gebirges und des Hügellandes gibt es ein
+Beet mit den gesetzlich geschützten Pflanzen. Eine Zusammenstellung
+der schönsten und auffallendsten Pflanzen unserer europäischen Alpen
+wird besonders den Alpenwanderern willkommen sein. Zur Bereicherung des
+Gartens mit neuen Pflanzen haben der Dresdener Botanische Garten und
+der Dresdener Zentralschulgarten das meiste beigetragen. Vieles ist aus
+nahen und fernen Pflanzengebieten des Landes herbeigeholt worden.
+
+[Illustration: Abb. 2. =Blagays Seidelbast= (~Daphne Blagayana~)]
+
+Man muß die Bemühungen unseres Pflanzengartenvaters um so höher
+einschätzen, als die Anlage eineinhalb Stunden Wegs von den nächsten
+Bahnstationen – Kipsdorf oder Altenberg – entfernt ist und deren
+Erreichung mit erheblichem Zeitaufwand und auch körperlicher
+Anstrengung verknüpft ist. Es scheint aber dem Verwalter, der selbst
+ein Freund und Kenner der Alpenflora ist, eine besondere Freude zu
+bereiten, hier seine Lieblinge aus den Alpen zu hegen und zu pflegen
+und auch weiteren Kreisen zu genußreicher Anschauung zu bringen. Wirken
+diese Kinder Floras ja hier in der Höhe von siebenhundert Metern in der
+reinen Gebirgsluft und dem strahlenden Sonnenschein, in der ernsten,
+schon fast subalpinen Charakter tragenden Landschaft doch auch ganz
+anders, als inmitten der großstädtischen Umgebung unserer botanischen
+Gärten.
+
+Aber nicht allein vom ästhetischen Standpunkte ist die Angelegenheit
+zu betrachten. Derselben kommt auch eine nicht unerhebliche
+wirtschaftliche Bedeutung zu. Zunächst können hier Alpenpflanzen
+in größerem Maßstabe gezüchtet und vermehrt, Pflanzen und Samen
+an Interessenten käuflich abgegeben werden, was auch ganz in den
+Rahmen der Heimatschutzbestrebungen paßt, um damit dem Ausgraben
+wildwachsender Pflanzen entgegenzutreten, was überdies auch nach den in
+den verschiedenen Alpenländern bestehenden Schutzvorschriften verboten
+ist.
+
+[Illustration: Abb. 3. =Krainer Himmelschlüssel= (~Primula Carniolica
+Jacq.~)]
+
+Man wird hier auch in einer eventuell noch anzugliedernden besonderen
+Abteilung Versuche mit der Züchtung von Obst, Gemüse, Blumen usw.
+machen können, um für solche Höhenlagen geeignete Sorten ausfindig zu
+machen oder heranzüchten zu können, was gerade für unser Erzgebirge
+und Vogtland von großer Bedeutung werden könnte. Das ist natürlich
+Zukunftsmusik und bedarf noch erheblicher Mittel und sachkundiger
+Leitung.
+
+[Illustration: Abb. 4. =Wulfens Himmelschlüssel= (~Primula Wulfenia
+Schott~)]
+
+Zunächst freuen wir uns der farbenfrohen Erscheinungen unserer
+Alpenpflanzen, die hier in einer Höhenlage, die in klimatischer
+Beziehung einer solchen von fünfzehnhundert bis eintausendachthundert
+Metern in den Alpen entspricht, ganz prächtig gedeihen.
+
+[Illustration: Abb. 5. =Clusins Himmelschlüssel= (~Primula Clusiana
+Tausch~)]
+
+_Edelweiß_ z. B., das im Tieflande sofort degeneriert und seine
+schneeige Behaarung verliert, leuchtet uns hier mit seinen
+blütenweißen Sternen wie in den Alpen entgegen. _Alpenrosen_, sowohl
+die rostfarbige, wie auch die rauhhaarige Art, bilden große, purpurn
+leuchtende Büsche. Dazwischen stehen _Gentianen_ in verschiedenen
+großen und kleinen Arten, die _Alpenrebe_ entfaltet an dichten Ranken
+ihre zahlreichen violetten Glocken, auch die _Alpenanemone_, die ich
+noch selten in botanischen Gärten blühend angetroffen habe, gedeiht in
+dieser Höhe ganz prächtig, und von halbmeterhohen Stengeln leuchten uns
+die weißen Blütensterne und Büschel der narzissenblütigen Alpenrose
+schon von Weitem entgegen.
+
+[Illustration: Abb. 6. =Klebriger Himmelschlüssel= (~Primula hirsuta
+All.~ = ~P. viscosa Vill.~)]
+
+Aber was mich am meisten entzückt hat, das war bei meinem letzten
+Besuche am 28. April der geradezu staunenswerte Blütenflor der
+alpinen _Primeln_. Diese scheinen sich dort oben ganz besonders
+wohl zu fühlen, und ich habe sie noch nie in botanischen Gärten in
+so üppiger Entwicklung gesehen wie hier. Von unserer geschützten
+gelben Alpen-Aurikel (~Primula auricula~) angefangen, waren so
+ziemlich alle wichtigeren Aurikelarten unserer Alpen vertreten: Die
+prächtige _~Primula marginata~_ der Seealpen, die _~Primula hirsuta
+All.~_ der West- und Zentralalpen, die schöne _~Pr. venusta~_, die
+_~Pr. Clusiana~_, _~Wulfeniana~_ und _~carniolica~_ der Ostalpen
+und südlichen Kalkalpen neben dem Habmichlieb (~Pr. minima~) des
+Riesengebirges und verschiedene ausländische Arten. Dazwischen duftete
+aus einer üppigen Blütenfülle der _gelbweiße Seidelbast_ (~Daphne
+Blagayana~) aus den Krainer Bergen und leuchteten die zierlichen
+Blütensterne der _rautenförmigen Schmuckblume_ (~Callianthemum
+rutifolium~) neben gelben und weißen _Steinbrecharten_, _lieblichen
+Soldanellen_, _rosenroten Mannsschilden_, _Gemskresse_ und anderen
+alpinen Gewächsen. Auch Orchideen, vor allem unser schöner – in Sachsen
+leider ausgestorbener – _Frauenschuh_, sind zu schauen.
+
+So kann man diesem jüngsten Pflegekinde unseres rührigen Heimatschutzes
+nur bestes Gedeihen und recht zahlreichen Besuch wünschen.
+
+
+
+
+Floristisches aus dem Triebischtale
+
+Von Studienrat Prof. _O. Leonhardt_, Nossen
+
+Mit Aufnahmen von Josef Ostermaier, Dresden-Blasewitz
+
+
+Das an landschaftlichen Schönheiten reiche Triebischtal besitzt auch
+eine ganze Reihe botanischer Seltenheiten. An einem steilen Hange, wo
+eine schmale Bank silurischen Kalkes von kulmischen und devonischen
+Ablagerungen umschlossen wird, findet sich die in Abbildung 1
+dargestellte =stinkende Nieswurz= (~Helleborus foetidus L.~), eine
+zur Familie der Hahnenfußgewächse gehörende Giftpflanze. In den
+alten Auflagen der »Exkursionsflora für das Königreich Sachsen« von
+Wünsche, sollte diese seltene Pflanze »aus Dorfgärten verwildert« an
+der Schloßmauer des Rittergutes Schilbach bei Schöneck i. V. wachsen.
+Trotzdem ich als Schönecker Kind die Gegend genau kenne, ist es mir nie
+gelungen, die Pflanze dort aufzufinden. Es lag sicher ein Irrtum vor,
+eine Verwechselung mit der grünen Nieswurz (~Helleborus viridis L.~),
+welche in den vogtländischen Bauerngärten hin und wieder als Frühblüher
+anzutreffen ist. Groß war daher meine Freude, der Langgesuchten im
+Triebischtale zu begegnen. Da ein sicher nachgewiesener Standort
+aus Sachsen nicht bekannt war, vermutete ich zunächst einen
+Gartenflüchtling vor mir zu haben. Angestellte Untersuchungen und
+Nachfragen bei den Ortseingesessenen sowie genaue Beobachtung der
+Pflanze seit drei Jahrzehnten brachten mir die Überzeugung, daß wir
+es hier mit einem ursprünglichen Standort zu tun haben. Für solche,
+nur einer bestimmten Gegend eigentümliche Pflanzen (endemische)
+gibt es ja außerordentlich viele Beispiele. Ich erinnere nur an den
+zierlichen im Uttewalder Grund vorkommenden Hautfarn (~Hymenophyllum
+Tunbrigense L.~), welcher sich dann erst wieder in Luxemburg, auf den
+Britischen Inseln, auf Korsika, Madeira, in Südafrika, Australien und
+Polynesien findet. Herrn G. Zieschang in Kaufbach ist es nach einer
+mir brieflich zugegangenen Mitteilung geglückt, in diesem Jahre einen
+zweiten Standort der stinkenden Nieswurz im Triebischtale aufzufinden.
+Die Besiedelung dieses neuen Ortes ist sicher von dem erstentdeckten
+Standorte aus erfolgt und es ist nur zu wünschen, daß die Pflanze sich
+dort hält. Herr Zieschang hat die Nieswurz bereits 1911 photographiert
+und ein Bild samt Beschreibung in der Heimatsammlung Wilsdruff
+niedergelegt. Auch er ist der Meinung, daß ~Helleborus~ hier seine
+Heimat hat. Die stinkende Nieswurz findet sich in Portugal, Spanien,
+Italien, England, Schottland, der Schweiz, in Steiermark, Tirol und
+im südwestlichen Deutschland, besonders im oberen Rheintal. Von dort
+aus hat sie sich bis nach Holland verbreitet und ist auch in einige
+Nebentäler des Rheines eingedrungen.
+
+[Illustration: Abb. 1. =Stinkende Nieswurz= (~Helleborus foetidus L.~)]
+
+Da sich in den Floren meist nur eine kurze Diagnose findet, will ich
+in folgendem eine etwas ausführlichere Beschreibung der Pflanze geben.
+Die stinkende Nieswurz, auch Bärenfuß, Feuerwurz, Teufelskraut oder
+Wolfszahn genannt, besitzt einen bis zu fünfundzwanzig Zentimeter
+langen spindelförmigen, ästigen, schwarzbraunen, im Alter vielköpfigen
+Wurzelstock, welcher mit vielen starken und ästigen Fasern versehen
+ist. Der bis zu sechzig Zentimeter hohe dicke, stielrunde, kahle und
+dicht beblätterte Stengel ist nach oben rispig verästelt und daselbst
+kurz drüsenhaarig. Bemerkenswert ist die transversal geotropische
+Anpassung der Stengel an den steilen Standort. (Abb. Nr. 2.) Auf
+_ebenem_ Boden gezogene Pflanzen behalten sogar diese Eigentümlichkeit
+bei, und manche Botaniker wollen darin eine »Vererbung erworbener
+Eigenschaften« erblicken. Die nicht blühenden Stengel sind samt den
+Blättern ausdauernd. Die unteren Stengelblätter sind langgestielt,
+lederartig, starr, kahl, oberseits dunkelgrün, auf der Rückseite etwas
+bleicher und bestehen aus sieben bis neun schmallanzettlichen spitzigen
+Blättchen. An den blütentragenden Stengeln finden sich gleich über dem
+Erdboden einzelne Seitenäste, welche sich in Wurzelköpfe und später in
+blühende Stengel umwandeln. Die oberen Blätter der blühenden Pflanzen
+bestehen nur aus einigen schmalen kleinen Zipfeln, welche auf großen
+elliptischen Scheiden sitzen und allmählich an den Verzweigungen der
+Rispe in große, eiförmige, bleichgelbgrüne Deckblätter übergehen.
+Die unscheinbaren _Blüten_ sind klein, nickend, grün und gewöhnlich
+purpurrot gesäumt. An Schönheit des Aussehens kann sich die stinkende
+Nieswurz mit ihren Schwestern, der bekannten Christrose mit rein
+weißen Blüten (~Helleborus niger L.~), der in Dorfgärten öfters
+anzutreffenden grünen Nieswurz (~Helleborus viridis L.~), der in
+den Transsilvanischen Alpen heimischen, prächtigen, purpurrötlichen
+Nieswurz (~Helleborus purpurascens W~ u. ~K~) oder gar mit den in
+großen Gärtnereien gezüchteten hybriden Formen – durchaus nicht
+messen. Alle Nieswurzarten besitzen innerhalb ihrer fünf bis sieben
+Blütenblätter große tütenförmige Nektarien. Die reifen Pollenblätter
+wenden sich nun immer so, daß sie direkt über das Honigmal zu liegen
+kommen, so daß jedes naschende Insekt unbedingt die Staubbeutel
+streifen und so für Fremdbestäubung sorgen muß. Die breit rundlich
+abgestutzten _Kelchblätter_ erscheinen gelblichgrün, die _Staubgefäße_
+erreichen ziemlich die Länge der Kelchblätter. Die stinkende Nieswurz
+steht Ende März in voller Blüte, ich fand aber auch bereits im Februar
+blühende Pflanzen. Ihren Beinamen trägt unsere Pflanze deshalb, weil
+Wurzel und Blätter einen unangenehm stinkenden Geruch besitzen. In der
+Apotheke dürfte ~Helleborus foetidus~ kaum noch Verwendung finden.
+Früher lieferte er die ~Rhizoma Hellebori foetidi seu Helleborastri~.
+In Süddeutschland soll der Absud der Wurzeln und Blätter vom Volke
+heute noch als Mittel gegen Läuse gebraucht werden. Das in der Pflanze
+enthaltene Gift, ~Helleborin~ genannt, erzeugt starke Reizung der
+Schleimhäute, ruft Erbrechen und Durchfall hervor und wirkt lähmend.
+In einem alten Kräuterbuch aus dem Jahre 1711 heißt es sogar von
+unsrer Pflanze: »Dieweil sie giftig, werden die Wölf und Füchs damit
+gefangen«. Nach meinen Beobachtungen hat sich unsre Nieswurz in den
+letzten Jahrzehnten ständig vermehrt, so daß man wohl erwarten darf,
+daß dieses seltne Naturdenkmal unsrer Heimat noch auf lange Zeit
+erhalten bleiben wird.
+
+[Illustration: Abb. 2. =Stinkende Nieswurz= (~Helleborus foetidus L.~)]
+
+An derselben Stelle, wo ~Helleborus foetidus~ vorkommt, findet sich
+noch eine zweite botanische Seltenheit, das =Liegende Seifenkraut=
+(~=Saponaria ocimoides L.=~) Abbildung 3. Das niederliegende
+(richtiger: Basilikum ähnliche) Seifenkraut gehört einer Unterabteilung
+der Nelkengewächse (~Caryophyllaceen~) den ~Silenoideen~ an. Es
+ist eine Verwandte des bekannten echten Seifenkrautes (~Saponaria
+officinalis L.~), welches sich von Vorderasien aus über ganz Europa
+erstreckt, ziemlich große weiße oder rötliche Blüten besitzt,
+vielfach gefüllt – in Gärten und Friedhöfen angepflanzt und daraus
+verwildert ist und in seiner Wurzel uns das auch zu technischen
+Zwecken benützte ~Saponin~ liefert. Unser niederliegendes Seifenkraut,
+welches sich unter ähnlichen Verhältnissen auch bei Pillnitz findet,
+wurde schon vor zwanzig Jahren an dieser Stelle des Triebischtales
+beobachtet. Es ist eine ausgesprochene Alpenpflanze, welche in ihrer
+Heimat bis zu einer Höhe von zweitausend Metern emporsteigt und ihre
+nördlichste Grenze am Bodensee erreicht. Das reizende Pflänzchen
+besitzt wohlriechende rote, manchmal auch weißliche Blüten, ist in
+Gärten Rothschönbergs und der andern umliegenden Dörfer angepflanzt
+und als Gartenflüchtling dahin gelangt. Nach Kerner von Marilaun ist
+es ein bodenlagerndes ausdauerndes Gewächs, d. h. der ganze liegende
+Mittelstamm stirbt alljährlich am Schlusse der Vegetationsperiode
+mit all seinen Verzweigungen ab. Es besitzt dafür unterirdisch
+ausdauernde Niederblattstämme, aus denen in jedem Frühjahr neu
+belaubte Mittelblattstämme emporgetrieben werden, die sich – sobald
+das Sonnenlicht erreicht ist, sofort auf die Erdoberfläche hinlegen
+und ihre grünen Blättchen in zwei oder drei Zeilen ordnen. Daher
+ist im zeitigen Frühjahr von der Pflanze noch gar nichts zu sehen.
+Auffallend ist, daß in dem von Prof. Schorler herausgegebenen »Wünsche,
+die Pflanzen Sachsens« unser Seifenkraut nicht mit aufgenommen ist,
+obgleich der Standort – wie ich bestimmt weiß – meinem verstorbenen
+Freunde mitgeteilt war und er das Pillnitzer Vorkommen doch sicher auch
+kannte. Viele deutsche Floren führen ~Sap. ocim.~ nicht auf, wohl aber
+tut es Garcke, welcher »bei Lindau am Seeufer« und »am Mittenwalder
+Gsteig« als Fundstellen angibt. Wie alle andern Artgenossen ist auch
+unsere Pflanze eine Falterblume. Françé behauptet sogar, daß gerade
+~Sap. ocim.~ sich durch _außerordentlichen_ Falterbesuch auszeichnet;
+besonders gerne soll der Taubenschwanz oder Karpfenkopf (~Macroglossa
+stellatarum L.~), ein mittelgroßer, ziemlich dunkel gefärbter, im
+Sonnenschein fliegender Schwärmer ständiger Gast sein. Ein erst
+kürzlich ausgeführter Besuch dieses interessanten Standortes bestätigte
+mir aufs neue, daß ~Sap.~ leider wieder im Verschwinden begriffen ist.
+Während noch vor fünf Jahren der Hang zur Blütezeit vollständig rot
+überzogen war, finden sich jetzt nur noch einzelne Pflänzchen.
+
+[Illustration: Abb. 3. =Liegendes Seifenkraut= (~Saponaria ocimoides
+L.~)]
+
+Weiter oben im Triebischtale steht, wie auch in anderen Seitentälern
+und feuchten Gründen unseres Elbgeländes der =Aronstab= (=~Arum
+maculatum L.~=), Abbildung 4, auch Aronskindlein, Eselsohren, Freßwurz,
+Zehrwurz, Pfaffenkind, Veronikawurz genannt. Ich kenne den Aronstab aus
+vielen Gegenden Sachsens, nirgends aber ist er mir in solcher Menge und
+in solchen Riesenexemplaren entgegengetreten wie hier. Der Aronstab
+macht den Eindruck eines Fremdlings in unserer Flora, und namentlich
+die Blüten haben zu allen Zeiten die Aufmerksamkeit der Leute erregt.
+Er gehört den Aronstabgewächsen (~Aroideen~) an, und in der Tat sind
+von zirka achthundert bekannten Arten dieser Familie über neunzig
+Prozent in den Tropen heimisch. In Sachsen finden sich nur noch zwei
+Vertreter dieser Familie, die Schlangenwurz (~Calla palustris L.~),
+welche ich in den Teichen bei Kirchberg und Pausa beobachtet habe und
+der im 16. Jahrhundert erst aus Südasien eingeführte Kalmus (~Acorus
+Calamus L.~). Der Aronstab ist ein Bewohner feuchter Laubwälder,
+erscheint im zeitigen Frühling, und seine großen pfeilförmigen dünnen
+Blätter sagen uns, daß wir es mit einer Schattenpflanze zu tun haben,
+welche mit dem geringen ihr zur Verfügung stehenden Licht sehr sparsam
+umgehen muß. Die Blätter sind öfters mit dunklen Flecken (Wärmeschutz)
+versehen und werden von allen Tieren gemieden. Nur die Raupe der
+Aron-Eule (~Agrotis Janthina Esp.~) nährt sich von ihnen mit besonderer
+Vorliebe und nur nebenbei von Nessel- und Schlüsselblumengewächsen.
+Kaut man ein Stück des Blattes, so »zwackt es die Zungen, gleich als
+steche man sie mit den allerfeinsten Dörnern«. Dieses »Zwacken« rührt
+von Bündeln feiner, aus oxalsaurem Kalk bestehender Kristalle her,
+welche als Raphiden bezeichnet werden und ein unfehlbares Schutzmittel
+gegen Tierfraß darstellen. Ganz fremdartig erscheint uns auch die
+Blüte, welche botanisch richtiger als Blütenstand anzusprechen ist.
+Die große tütenförmige, von einem grünlichweißen Hüllblatt gebildete
+Scheide ist in geringer Höhe über dem Grunde stark eingeschnürt, so
+daß unten eine kesselartige Erweiterung entsteht. In der Scheide
+befindet sich eine Spindel, welche oben keulig verdickt ist und eine
+trübpurpurne Farbe und einen widerlich fauligen Geruch besitzt.
+Darunter an der Einschnürstelle sitzt ein Kranz abwärts gerichteter
+starker Fäden, die Haarreuse, unter ihr ein zweiter Kranz von
+Staubblüten und darunter die Stempelblüten, aus welchen sich zur Zeit
+der Fruchtreife rote giftige Beeren entwickeln. Da die Staubgefäße
+erst stäuben, wenn die Narben bereits verschrumpft sind, die Pflanze
+also protogyn ist, kann nur Fremdbestäubung möglich sein. Diese
+besorgen vor allen Dingen der Gattung ~Psychoda~ angehörige Mücken,
+insbesondere die ~Psychoda phalaenoides L.~ Viertausend dieser kleinen
+Tierchen sind bereits auf einmal in _einer_ Blüte gezählt worden. Wie
+es scheint, sind es aber nicht nur Blütenstaub und Nektar, welche
+diese Tierchen anlocken, sondern es ist noch etwas anderes. Zur
+Blütezeit des Aronstabes sind die Nächte teilweise noch recht kalt.
+Wenn die Insekten nun in den Kessel kriechen, so finden sie neben den
+Nahrungsstoffen auch noch eine recht hübsch eingerichtete Wärmstube
+vor. Genaue Messungen haben ergeben, daß die Temperatur im Kessel um
+durchschnittlich acht Grad höher ist, als die Außentemperatur. Bei
+einer unserm Aronstab äußerlich sehr ähnlichen Art Südeuropas (~Arum
+italicum L.~) sind bei einer Lufttemperatur von achtzehn Grad im Kessel
+bis vierundvierzig Grad gemessen worden. Man ersieht daraus, daß die
+modernen Wärmstuben der Großstädte durchaus nichts Neues darstellen.
+Die in den Kessel eingedrungenen Insekten werden zwar einige Tage ihrer
+Freiheit beraubt, bis die Haarreuse erschlafft und den Ausgang nicht
+mehr wehrt; da aber genügend Nahrung vorhanden ist, muß es für die
+kleinen Gefangenen ein sehr angenehmes Gefängnis sein. – Der Aronstab
+ist ein ausdauerndes Gewächs. Die am Grunde sitzende walnußgroße Knolle
+gibt die in ihr aufgespeicherten Nährstoffe im Frühling ab; dafür
+bildet sich nach der Blüte eine neue Knolle.
+
+[Illustration: Abb. 4. =Aronstab= (~Arum maculatum L.~)]
+
+Offizinell scheint der Aronstab – außer bei der Homöopathie – kaum
+noch zu sein, während er in früheren Zeiten als Heilmittel eine
+große Rolle spielte. In einem alten »~Thesaurus Pharmaceuticus~ oder
+Apotheker-Schatz von L. Christoph Hellwig« aus dem Anfang des 18.
+Jahrhunderts wird in einem dem Laien kaum verständlichen Gemisch
+von Deutsch und Latein eine lange Reihe von Krankheiten aufgeführt,
+welche er unbedingt zu heilen imstande sei. Zum Schluß dieses
+kuriosen Aufsatzes heißt es: »Aaron-Wurtzel mit Wein praeparirt: Das
+Wasser hiervon dienet wider gifftige Krankheiten, ja wider die Pest
+selbst.« Der die außerordentliche Schärfe des Aronstabes und aller
+anderen Araceen bedingende Stoff ist nicht bekannt; man hat als
+giftige Bestandteile dem ~Saponin~ nahestehende Stoffe nachgewiesen;
+ferner enthält die Pflanze Blausäure, frei oder locker gebunden. Die
+Giftstoffe sind sehr flüchtig und verlieren beim Trocknen ihre Schärfe.
+Die einundsiebzig Prozent Stärke enthaltenden Knollen (~tubera Ari~)
+sollen in manchen Gegenden gemahlen und dem Brotmehle zugesetzt werden,
+ja sogar als Portland-Sago in den Handel kommen.
+
+Auch in Sage und Geschichte spielt der Aronstab eine Rolle. Nach einer
+namentlich in Süddeutschland geläufigen Sage sollen Josua und Kaleb
+bei der Auskundschaftung Kanaans den heiligen Stab Aarons mitgeführt
+und auf ihm die große Weintraube heimgetragen haben. Dieser Stab sei
+dann achtlos in die Erde gesteckt worden, und aus ihm sei unsre Pflanze
+hervorgewachsen. Auch der Aberglaube hat sich der Pflanze bemächtigt,
+sie soll ins Bette gelegt oder unter der Tür vergraben, allem Bösen den
+Eintritt ins Haus verwehren.
+
+Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, daß die hier geschilderten
+seltenen Pflanzenvorkommnisse – deren Standorte übrigens sehr
+versteckt und nur schwer aufzufinden sind – weitestgehenden Schutzes
+bedürfen und das Entnehmen von Pflanzen oder gar Ausgraben solcher
+unbedingt zu unterlassen ist. Die behördlichen Organe der Umgegend,
+Gemeindeverwaltungen und Lehrer sind bereits darauf hingewiesen und es
+ist zu hoffen, daß durch allseitiges verständnisvolles Zusammenwirken
+diese Naturdenkmäler unserer Gegend noch recht lange erhalten bleiben,
+sich vielleicht sogar vermehren und an weiteren Orten ansiedeln.
+
+
+
+
+Am Grabe des Marienberger Silberbergbaues
+
+Von Studienrat _Bogsch_, Chemnitz
+
+
+Wer sich von Norden oder Süden, von Westen oder Osten dem
+lieblichen Grunde nähert, in dem sich Marienbergs Häuschen um die
+mächtige Zwiebelkirche huscheln, sieht allüberall an den Hängen
+fichtenbestandene Halden aufbuckeln, Märcheninseln im wogenden Meer
+der Halme, Warzen im struppigen Waldgesicht. In reizvoll schwingenden
+Reihen ziehen sie ins Tal hinab, sanft von Grün gerundet, in ganzen
+Gruppen, wie wilde Wegelagerer tauchen sie zwischen den Stämmen der
+Waldstücke auf. Neben ihnen kauern sich Bingen in den Waldboden,
+strudeln Trichter in die Tiefe, als ob Granaten größten Kalibers vor
+Jahrzehnten und Jahrhunderten hier eingeschlagen wären. Der Kundige
+weiß, daß diese Bodenwellungen nicht natürliche Geländefalten sind,
+sondern Zeugnisse riesiger Erdbewegungen durch Menschenhand, Zeugnisse
+zähester und mühevollster Wühlarbeit durch Jahrhunderte hindurch. Dem
+Bergbau verdankt das Gelände diese seine eindringliche Gestaltung. Der
+Bergbau hat hier von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wie auf einer Merktafel
+seine Fortschritte verzeichnet, sozusagen auf eine Ebene projiziert,
+so daß wir jetzt in dichtem Gewirre neben- und übereinander sehen,
+was in der Geschichte nacheinander lebte. Die Stätten rastloser
+Arbeit und köstlichen Gewinnes an blinkendem Erze liegen nun tot in
+grauer Öde. Noch klingt zwar zu bestimmten Stunden das Bergglöckchen
+von Marienbergs stattlichem Turm, aber es wimmert und klagt, nur von
+wenigen verstanden, über ein Gräberfeld hin.
+
+Wie auf einem Friedhof Grabsteine stürzen und Grabhügel verfallen,
+um die sich niemand kümmert, so droht auch hier dumpfe Vergessenheit
+über ein Stück großartiger Heimatgeschichte zu kriechen, drohen die
+Denkmäler und Urkunden zu zerbröckeln, die eindringlich von der
+ungeheuren, bergeversetzenden, alles in seinen Bannkreis ziehenden
+Bergarbeit von Jahrhunderten erzählen, von des Gebirges verborgenen
+Silberschätzen, von freudebangem Reichtumshoffen zuströmender
+Schürferscharen und mühseligem, ermattendem Ringen ernster Bergleute
+mit den mißgünstigen Gewalten der Tiefe und mit widrigen Zeitumständen.
+
+Fast alle die über Tage schlafenden Schöpfungen des Bergbaues
+verschwinden allmählich als tote und nutzlose Überreste einer
+vergangenen Zeit, ohne daß man irgendwie versucht, wenigstens ihr
+Andenken zu bewahren. Die Land- und Forstwirtschaft zielt darauf hin,
+wo es angängig ist, die störenden Halden und Bingen zu beseitigen.
+Die Grubengebäude, die sich einst stimmungsvoll in die Landschaft
+fügten, sind schon fast überall verschwunden, nur selten sieht man noch
+schlichte Huthäuser, alte Bergschmieden und verfallene Pulverhäuschen.
+Von den reizvollen, spitzen Göpelhäusern ist jede Spur hinweggetilgt.
+Die Stollenmundlöcher verwachsen, die Röschen sind zusammengestürzt,
+die Kunstgräben haben sich in den Dienst moderner Industrien stellen
+müssen, um nicht beseitigt zu werden, die Teiche mußten dasselbe tun
+oder wurden trocken gelegt, die Pochwerke und die Wäschen hat man
+weggerissen oder zu Mühlen umgebaut, die Hütten kennt kein Mensch mehr.
+
+Zwar leben in und um Marienberg noch Leute genug, die sich an
+Einzelheiten der bergbaulichen Ortskunde erinnern können. Aber ihre
+Angaben sind oft unzuverlässig und auch sie werden einst ausgestorben
+sein. Es gilt deshalb, das Wenige, was noch an bergbaulichen Überresten
+um Marienberg vorhanden ist, aufzusuchen, eindeutig zu bestimmen und in
+Wort und Bild, vielleicht auch durch einen schlichten Namensstein am
+Wegrand die Erinnerung daran festzuhalten.
+
+Den Anfang einer Sammlung bietet das Marienberger Heimatmuseum.
+Die leider schon vorhandene Kärglichkeit der Ausbeute an baulich
+und volkskundlich beachtenswerten Überresten hat vielleicht Bleyl
+davon abgehalten, auch das Marienberger Gebiet in seine Darstellung
+einzubeziehen. Literarische Hilfsmittel zur Erforschung des Gebietes
+dürften aus neuerer Zeit nur spärlich vorhanden sein. Paul Roitzschs
+Festschrift vom Jahre 1921[1] gibt einige Aufschlüsse über Lage der
+Berggebäude am Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Im übrigen sind
+geschichtliche Studien nötig. Besonders wertvolle Aufschlüsse über
+Namen und Lage der Berggebäude am Ende des achtzehnten Jahrhunderts
+erhält man aus dem Werk des verdienten Marienberger Bergmeisters v.
+Trebra: »Erklärungen der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil der
+Gebürge im Bergamtsrefier Marienberg«, (1770), dem die Bergwerkskarte
+von Charpentier beigegeben ist. Noch weiter zurück führen uns die
+»~Ichnographia Territorii Mariaebergensis~« von Adam Schneider aus dem
+Jahre 1680 (im Marienberger Heimatmuseum) und die Bergwerksakten im
+Marienberger Stadtarchiv (II 17,6~b~, Akten und gesammelte Urkunden
+zur Stadt- und Berggeschichte), von denen für das sechzehnte
+Jahrhundert am wichtigsten das »Vortzaichnüs aller Zechenn vnd gebäude
+vff S. Marienbergk« vom Quartal Reminiscere 1592 sein dürfte. Eine
+genauere Forschung muß sich im übrigen an die Durcharbeitung der
+Einzelgrubenakten und des Kartenmaterials im Oberbergamt zu Freiberg
+machen.
+
+Das eigentliche Silberfundgebiet des Marienberger Reviers liegt im
+Westen, Norden und Osten der Stadt. Hier ziehen sich, wie man jetzt
+noch deutlich an der Richtung der oft kilometerlangen Haldenreihen
+beobachten kann, beinahe vom Zschopauufer bis hinüber an die Pockau
+die Erzgänge, die der Bergmann nach ihrem Streichen (45 bis 90 Grad
+des bergmännischen Kompasses) _Morgengänge_ nannte. Diese Gänge werden
+mannigfach geschnitten von anderen, metalldurchsetzten Gesteinsflächen,
+den stehenden Gängen (0 bis 45 Grad), den flachen Gängen (135 bis 180
+Grad) und den weniger bedeutungsvollen Spatgängen (90 bis 135 Grad).
+Die Kreuzungsstellen solcher Gänge waren häufig besonders erzreich, so
+daß man auf ihnen gern die Schächte abteufte.
+
+Als Silbererzlagerstätten Marienbergs wurden vor allem wichtig »_Die
+finstre Aue_« bei Streckewalde, »_Der Lerchenhübel_« bei Vorwerk
+Eschenbach und Kohlau, südöstlich Wolkenstein, durch die Grube St.
+Johannis, der »_Herbstgrund_« südlich Gehringswalde mit den Gruben
+Gottesvertrauen (Lazarusschacht!) und Himmelreich, – dazu weiter
+nördlich der »Palmbaum« bei Warmbad – das »_Kiesholz_« an der
+Drei-Brüder-Höhe mit der Fundgrube »Alte drei Brüder«, _der Lautaer
+Grund_ mit dem Rudolphschacht der Gewerkschaft »Vater Abraham«, wo noch
+1900 gearbeitet wurde, der »_Stadtberg_« nördlich Marienberg mit der
+Fabian-Sebastian-Grube, dem Ausgangspunkt des Marienberger Bergbaues,
+der »_Rosenberg_« nordöstlich von Marienberg mit dem »Rosenstock« und
+der »Weißen Taube«, der »_Mönchsberg_« östlich von Marienberg und der
+»_Rittersberg_«.
+
+Auf die einzelnen Gewerkschaften, ihre Fundgruben, Halden und Schächte
+hier einzugehen, würde zu weit führen. Aber von den _Hauptstölln_
+dieses eben umrissenen Reviers möchte ich noch einiges berichten.
+
+Stölln, das heißt unmerklich ansteigend in die Bergflanke getriebene
+Gänge, legte man zur Entwässerung der Gruben dank dem stark
+gebirgischen Gelände um Marienberg schon frühzeitig an. Zuerst hatte
+fast jede tiefere Grube ihren eigenen Stolln, der meist von der
+Bergsohle her einen ausstreichenden Gang verfolgte. Aber je tiefer man
+in die Erde hinunterdrang, desto tiefere Stölln wurden auch erfordert,
+um möglichst viel Wasser ohne Kunstgezeug ableiten zu können. Die
+vorhandenen tiefen Stölln gewannen also Bedeutung für die Wasserhaltung
+eines ganzen Gebietes. Um sie allen den verschiedenen Gruben oft
+einander feindlich gesinnten Gewerkschaften dienstbar machen zu können,
+wurden diese tiefsten Stölln der Privathand entzogen, mit Beihilfe der
+anliegenden Gewerkschaften verzweigt und vorgetrieben und im übrigen
+durch den Staat erhalten.
+
+In der Osthälfte des oben bezeichneten Gebietes gelangten zwei Stölln
+zu höchster Bedeutung, _der Gläser Stolln_ und _der Weißtaubner
+Stolln_, deren Mundlöcher heute noch sichtbar sind.
+
+Wenn man von Marienberg durch den Hüttengrund wandert, gelangt man
+dort, wo die Landstraße das dritte Mal die Bahnlinie zu kreuzen
+sich anschickt, an das Mundloch des Gläser Stollens. (Abb. 1.) Es
+liegt etwas versteckt, an den Hang des Rosenberges geschmiegt,
+an einem Seitenweg, der vor der Steinbrücke von der Landstraße
+abzweigt, gegenüber dem Platze, wo einst die kurfürstlichen Zinn- und
+Silberschmelzhütten standen. Eine Steintafel über dem Schlußstein der
+ovalen Mauerung kündet seinen Namen. Der Eingang ist mit Bruchsteinen
+versetzt.
+
+[Illustration: Abb. 1. =Der Gläser Stolln=]
+
+Der Stollen, der nach seinem Begründer genannt zu sein scheint, hat
+schon ein sehr hohes Alter. Mitte des sechzehnten Jahrhunderts mag er
+angelegt sein, um einen ausstreichenden Gang auszubeuten. Jedenfalls
+erhebt der Staat 1578 Steuer von »Gleßersstolln«. Zur selben Zeit
+scheint schon ein Gezeug, d. h. ein Pumpwerk, auf ihm in Betrieb
+gewesen zu sein. Das ihm entströmende Wasser wurde zum Betriebe der
+unteren Marienberger Schmelzhütte verwandt, bis im Jahre 1594 der
+tiefer angelegte Fürstenstollen ihm das Wasser entzog. Dadurch wurde
+der Marienberger Rat gezwungen, für zweihundertsechsundachtzig Gulden
+an der Mühle einen Schutzteich anzulegen, um den Hütten Betriebswasser
+zuführen zu können.
+
+In dem »Bericht der Stölln uff St. Marienbergk, die iezunde von
+meines gnädigsten Herrn Zuschuß erhalten werden«, 1619 abgefaßt vom
+Berggeschworenen Aßmus Langer, wird auch der Gläserstollen angeführt,
+der zu der Zeit schon 1666 Lachter (ein Lachter zirka zwei Meter)
+vorgetrieben ist und die Gebäude des Fabian-Sebastian-Ganges am
+Rosenberg löste (siehe die Haldenreihe Meßtischblatt Zöblitz 129,
+vom Knie der Landstraße Marienberg bis Hüttengrund Punkt 567 bis
+Weiße Taube 610), die der reichen St. Barbara (nordöstlich des
+Waldschlößchens), des Heinzenteicher Ganges (am Knie der Lauterbacher
+Straße) und des St. Georgenganges (am Stadtberg). In der Folgezeit hat
+man wohl den Stollen weiter benützt, aber er verlor seine Bedeutung,
+weil ein noch tieferer Stollen das Vordringen in größere Teufen
+ermöglichte, _der Weißtaubner Stolln_.
+
+[Illustration: Abb. 2. =Der Weißtaubner Stolln=]
+
+Das Mundloch dieses Stollens, das noch von einem Huthaus betreut wird,
+findet man etwas oberhalb des Einflusses der roten Pockau in die
+schwarze, auf Rittersberger Seite gegenüber der sogenannten Kniebreche
+Zöblitz (Abb. 2.) Alte, mit Bruchsteinmauerung gefestigte Stollenhalden
+umrahmen das wirkungsvolle, ebenso gemauerte hohe Tor, über dessen
+ovaler Tür ein langer Stein die Inschrift trägt: »Königl. Weißtaubner
+tiefer Erbstolln«. Ein mit großen Steinplatten belegter Vorplatz
+überdacht den eigentlichen Abfluß, die Wassersaige, aus dem eiskaltes,
+kristallklares Wasser in beträchtlicher Menge der Pockau zuströmt.
+
+Da der Gläserstolln ungefähr auf der Schichtlinie 540, der Weißtaubner
+Stolln aber auf der Linie 495 mündet, so hat man durch die Anlage
+dieses tieferen Stollens zirka vierzig Meter, genau neunzehnzweiachtel
+Lachter nach Trebras Angabe, an Tiefe gewonnen, an Hubhöhe gespart.
+
+Der Name des Stollens hängt mit dem Berggebäude »Weiße Taube« zusammen,
+das neben der »Wilden Taube« den Rosenberg krönt. Der Stollen scheint
+ebenfalls schon in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts begonnen
+worden zu sein. Zwar treffen wir in den Angaben von 1578, 1592 und 1619
+nirgends auf den Namen Weißtaubner Stolln. Dafür wird aber überall
+dort »des Fürsten tiefster Stolln« erwähnt, am »Rittersbergk«, dessen
+Mundloch sich am Zöblitzer Wasser (d. h. Pockau) befinde. Dieser
+Stollen entzog 1594 dem Gläserstolln das Wasser, dieser Stolln brachte
+bei der sechshundertzehn Meter hoch gelegenen zehnten Maß nach St.
+Fabian-Sebastian-Schacht (= zirka Weiße Taube), bis zu der ungefähr mit
+einer Ausdehnung von eintausendsechshundertdreiunddreißig Lachter unter
+dem ganzen Rittersberg und Rosenberg hin der Stollen 1619 getrieben
+war, in vier Teilschächten untereinander sechzig Lachter ein. Daraus
+können wir schließen, daß das Stollenmundloch gegen vierhundertneunzig
+Meter hoch liegen muß. Es kann demnach kein Zweifel bestehen, daß der
+Weißtaubner und der Fürstenstolln ein und derselbe ist. Dadurch, daß
+die Leitung der Fundgrube Weiße Taube den bei ihr endigenden Stollen
+nach dem Dreißigjährigen Krieg besonders für ihre Zwecke übernahm und
+aufgewältigte, mag der Namenswechsel zu erklären sein.
+
+Die Wiederinstandsetzung und der Fortbetrieb dieses tiefsten der
+bisher vorhandenen Stölln im Ostteil des Reviers lag aber im Interesse
+des Ganzen. Mit dem Weißtaubner Stolln hoffte man die während des
+Dreißigjährigen Krieges zum Erliegen gekommenen und ersoffenen Gruben
+selbst des Stadtberges und der Lautaer Gegend aufgewältigen zu können.
+Es wurden deshalb vom Staate alle verfügbaren Gelder mobil gemacht
+und, besonders mit Hilfe des Faßgroschens, einer Brausteuer, der
+Forttrieb des wichtigen Stollens beschleunigt, der den ganzen Bergbau
+wiederbeleben sollte.
+
+Nach dem Bericht des Zehndners Balthasar Lehmann zu Annaberg
+(1694) plante man damit folgende Hauptgebäude zu entwässern: den
+Sammtbeutler Zug (zirka zweihundertfünfzig Meter nordwestlich des
+Fabian-Sebastian-Zuges), bis zu dem man nur noch acht oder neun Lachter
+hatte, die reiche St. Barbara (nordöstlich des Waldschlößchens), den
+oberen Kaiser Heinrich (siehe die Halden nördlich des Waldschlößchens),
+die St. Georgen Fdgr. (am Stadtberg, Nordosthang), den ganzen
+Bauernzug, der in eindrucksvoller Haldenreihe von der Brüderhöhe bis
+zum Lautenteich hinabsteigt, den schwarzen und weißen Mohren (zwischen
+Vater Abraham und Lautenteich) und das »Wasserloch«, dessen alte,
+verfallene Halde auf der Nordostseite der Landstraße dem Rudolphschacht
+gegenüberliegt.
+
+Im Jahre 1708 gelangte man bis zum »Kaiser Heinrich«, der kurz nach
+1600 durch einen unglückseligen Grubenbrand, dem dann Pest und Krieg
+nachfolgten, zum Erliegen kam. Die Baue dieser für die Anfangszeit
+des Marienberger Bergbaues hochbedeutsamen Grube waren 1562 schon bis
+zu einer Tiefe von einhundertsiebzig Lachter unter Tage gebracht. Man
+hoffte hier reiche Erze vorzufinden und gute Anbrüche machen zu können.
+
+Trotz der Wichtigkeit des Stollens ging bei dem allgemeinen Geldmangel
+die Arbeit nur langsam vorwärts. Erst in der Trebraperiode wurde der
+Stolln, der mittlerweile kurfürstlich geworden war, seiner Bedeutung
+angemessen gefördert. Er löste zuletzt alle Baue des Stadtberges und
+der Lautaer Gegend und ermöglichte im Rudolphschacht einen Tiefbau bis
+zur fünften Gezeugstrecke unter ihm, der mit etwa einhundertdreißig
+Meter Teufe einkam (d. h. also bis zirka dreihundertdreißig Meter).
+Der Plan, einen noch tieferen Stolln heranzuführen, wurde durch den
+Zusammenbruch der letzten Bergbauunternehmungen um 1900 vereitelt.
+Still verrichtet heute noch der Stolln seinen Dienst.
+
+Der Stollen, mit dem man den »Weißtaubner« unterbieten wollte, sollte
+von Westen herangebracht werden. Hier im Westen des Revieres waren die
+Geländeverhältnisse für Stöllnanlagen in allen Höhen noch günstiger,
+weil hier sich das Gebiet in einer riesigen schiefen Ebene von der
+Brüderhöhe (sechshundertachtzig Meter) bis zum tief eingeschnittenen
+Zschopautal (zirka dreihundertachtzig Meter), also um volle dreihundert
+Meter senkt. Besonders die Baue des Kiesholzes waren deshalb in allen
+Höhen leicht durch Stölln zu lösen. So kennen wir gerade hier eine
+Unmenge dicht untereinanderliegender Stölln, von denen fast jeder
+untere immer allgemeinere Bedeutung gewann.
+
+Schon ganz frühzeitig hat man den _Felberstolln_ als den wichtigsten
+unter ihnen erkannt und vom sogenannten Herbstgrund, der sich in
+weitem Bogen von Gehringswalde bis zum Lazarusschacht erstreckt,
+bis unter den Kiesholzberg hinweggeführt. Daß seine Anfänge ganz
+weit zurückliegen müssen[2], erkennt man daraus, daß er 1578 schon
+einhundertfünfundsechzig Fundgruben und Maßen löste und auf der Lautaer
+Seite des Brüderberges bis zum Bauergang zehntes Maß, zum Herzog
+Moritzgang, zum Elisabether und Reichen Spater Zug und zum »Starken
+Samson« gekommen war. Von diesen Gebäuden aus konnten bald die Zechen
+am Stadtberge, besonders die Antritt-Fdgr., die Mohren und die Drei
+Weiber-Zeche usw. in Angriff genommen werden. Damit schlug er den St.
+Ullricher Stolln aus dem Felde, einen für den Stadtberg bedeutenden
+Stolln, der vierundzwanzigsechsachtel Lachter über ihm lag und dessen
+jetzt verschwundenes Mundloch bei Punkt fünfhundertsiebenundsechzig
+am Straßenknie südöstlich des Waldschlößchens zu suchen ist. Der
+Stöllnbericht vom Jahre 1619 führt all die vielen Gänge auf, die
+von Felbers tiefstem Erbstolln überfahren worden sind. 1770 fand v.
+Trebra auch diesen wichtigen Stolln, der im Lautaer Grund durch den
+etwa fünfundzwanzig Meter tieferen Weißtaubner Stolln abgelöst war,
+verbrochen vor und ließ ihn zur Wiederbelebung des Kiesholzer Bergbaues
+aufgewältigen. Trotzdem der Felberstolln dann in seiner Tiefe von dem
+Neuglücker Stolln überboten wurde, hat doch seine Sohle bis zu den
+letzten Tagen des Bergbaues im Gebäude »Alte drei Brüder« eine große
+Rolle gespielt.
+
+[Illustration: Abb. 3. =Entdeckung der Wassersaige des Felberstollns=]
+
+An welcher Stelle des langen Herbstgrundes lag nun das Mundloch dieses
+Stollens? Diese Frage beschäftigte mich lange Zeit. Es mußte auf einer
+Höhe von fünfhundertzwanzig Meter in den Berg führen. Ich pirschte
+diese Schichtlinie mit meinen Schülern regelrecht ab und hatte die
+Genugtuung, dicht in der Nähe des Lazarusschachtes bei der Verfolgung
+eines alten Wasserlaufes die Mündung einer oval gemauerten, trocken
+liegenden Wassersaige unter Gras und Buschwerk zu entdecken, aus der
+eiskalte Grubenluft strömte. (Abb. 3.) Wir setzten unsere Forschung
+in der Richtung der Wassersaige bergwärts fort und stießen dabei auf
+ein ganz von Büschen überwuchertes, mit Bruchsteinen versetztes hohes
+Stollenmundloch, dessen Schlußstein die Jahreszahl 1856, darunter
+Schlegel und Eisen und zwei gekreuzte Schwerter trägt. Das dürfte das
+Felberstollnmundloch sein. (Abb. 4.)
+
+[Illustration: Abb. 4. =Mundloch des Felberstollns=]
+
+Der Felberstollen wurde, wie schon erwähnt, durch den
+einundvierzigdreiachtel Lachter tieferen _Neuglücker Stolln_ abgelöst,
+der auf demselben Morgengang wie der Felberstolln (im Kiesholze
+Junge drei Brüder Morgengang genannt), in den Berg eindrang. Nach
+den Angaben v. Trebras mußte sein Mundloch etwa auf der Schichtlinie
+vierhundertvierzig am Lerchenhübel liegen. Nach langem Suchen entdeckte
+ich die Stollenhalden in dem Wiesengrund, der sich von der Zschopau
+gegenüber Bahnhof Wolkenstein zum Vorwerk Eschenbach hinaufzieht,
+ungefähr dort, wo die Schichtlinien zum Denkstein hinanbuchten. Von
+üppigem Grün fast überdacht, schmiegt sich das Mundloch tief unten
+an die Nordwestseite einer dieser Halden, an der ein Wassergraben
+vorüberführt. Das Stollnwasser wird schon tief drin im Stolln in
+Rohre gefaßt und der Schleiferei der Peniger Patentpapierfabrik in
+Wolkenstein zugeleitet. Die Bruchsteinmauerung des Mundloches weist
+keinerlei Namensangabe auf. (Abb. 5.)
+
+[Illustration: Abb. 5. =Der Neuglücker Stolln=]
+
+Auch der Neuglücker Stolln hat ein hohes Alter. Schon zeitig erkannte
+man, welche Rolle er durch seine tiefe Lage im Marienberger Bergbau
+zu spielen berufen war. Schon 1563 trug man sich mit dem Plan, durch
+ihn nicht nur das Kiesholz, sondern auch die wichtigsten Gruben des
+Elisabether Zuges (siehe Meßtischblatt, Linie ~b~ von Marienberg und
+~f~ von Hilmersdorf) und der Lautaer Gegend in vielversprechender Teufe
+zu lösen. Leider ging der Forttrieb des Stollens wegen des Unvermögens
+der Gewerkschaften nur langsam vor sich. Im Jahre 1619 war er erst
+vierhundertzweiundachtzig Lachter lang, reichte also etwa bis unter die
+Wolkenstein–Marienberger Straße.
+
+[Illustration: Abb. 6. =Der Hilfe-Gottes-Stolln=]
+
+Man hoffte, ihn zunächst auf den Schwarzen Adler Gang, den jungen und
+alten Feigenbaum, den Gang milde Hand Gottes und Haus von Sachsen
+zutreiben zu können. Durch den Dreißigjährigen Krieg kam der Stolln,
+auf den man solche Hoffnungen gesetzt hatte, zum Erliegen. Danach
+betrieb ihn bis 1723 zwar eine Gewerkschaft weiter, aber doch nur
+sehr schwach. Dann blieb er wieder liegen, weil Mittel zum Forttrieb
+fehlten. Das Bergamt machte nun den Kurfürsten auf die Wichtigkeit
+gerade dieses tiefsten Stollens des Marienberger Revieres aufmerksam,
+und so fing man denn 1754 an, den Stollen auf kurfürstliche Kosten
+wieder zu gewältigen und weiterzutreiben. Bergmeister v. Trebra wußte
+für den Neuglücker Stolln 1780 holländische Gewerken zu interessieren,
+die ein gut Stück Geld zur Weiterarbeit lieferten. So drang der Stollen
+allmählich in das Kiesholzgebiet ein, wurde kurfürstlich und bildete
+vom Jahre 1820 ab, da er ja sechzig bis achtzig Meter unter dem
+Felberstolln einkam, den Ausgangspunkt für einen lebhaften Tiefbau auf
+der neuerstandenen Fundgrube »Alte drei Brüder«, nachdem er zur Rettung
+der Grube »Junge drei Brüder« zu spät gekommen war.
+
+Als in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts durch die Ungunst des
+Konkurrenzkampfes auf dem Silbermarkt der Bergbau dahinsiechte,
+dachte die 1860 begründete Marienberger Silberbergbaugesellschaft
+noch einmal daran, dem Lautaer Bergbau auf der Grube Vater Abraham
+durch den Neuglücker Stolln wieder aufzuhelfen. Als man sich aber
+durch den Einbau einer leistungsfähigen Wassersäulenmaschine in den
+Rudolphschacht nicht mehr viel vom Neuglücker Stolln versprach, hörte
+man 1872 etwa in der Höhe des Prinzeß-Marien-Turmes mit dem Forttrieb
+des Stollens auf, ohne das jahrhundertelang erstrebte Ziel erreicht zu
+haben.
+
+Den letzten Versuch, das gesamte Marienberger Gebiet durchgreifend
+aufzuschließen und durch einen ganz tiefen Stolln zu lösen, unternahm
+die Gewerkschaft »Vater Abraham« mit dem vom Zschopauufer ausgehenden,
+schon 1592 erwähnten _Hilfe-Gottes-Stolln_, dessen Mundloch bei etwa
+dreihundertachtzig Meter Höhe hinter einem Hause (unter dem ~a~ am
+Bahnhof Wolkenstein, Meßtischblatt) in die Felswand führt. (Abb. 6.)
+Der Stolln wurde vom Jahre 1900 ab großzügig aufgewältigt und mit
+Preßluftbohrmaschinen auf das Kiesholz zu getrieben. Als der Stolln
+eintausendvierhundertzweiundzwanzig Meter siebzig Zentimeter Länge
+erreicht hatte, also fast bis zum »Himmelreich« gekommen war, erschien
+das Gesetz vom 4. Mai 1904, die Aufhebung einer Bergbegnadigung
+betreffend, wodurch die Unterstützungsgelder versiegten. Damit war dem
+Marienberger Silberbergbau der Totenschein ausgestellt.
+
+
+Fußnoten:
+
+ [1] Paul Roitzsch, Festschrift zur Feier des 400jährigen
+ Bestehens der Stadt Marienberg, Druck von Neubert und
+ Mehner, Marienberg 1921.
+
+ [2] Der Felberische Zug wurde 1539 fündig.
+
+
+
+
+Der alte Schrank
+
+Nach einer wahren Begebenheit erzählt von _Max Wenzel_, Chemnitz
+
+
+Wo der Weg über die Höhe führt, lag stolz und stattlich am Bergeshang
+das alte Wagnergut und sah behäbig auf die Güter und Hütten des
+Dorfes, es blinzelte mit einem schiefen Blick auf die neuzeitlichen
+Ziegelwohnbauten und warf den drei Fabrikessen ein paar böse Augen zu.
+Mitten im Hof stand eine alte mächtige Linde; und wenn der Abend kam,
+da saßen unter ihr die Nachbarn, Freunde und Gevattern, tauschten die
+Neuigkeiten des Tages aus, nörgelten, zankten und lamentierten, und
+ihr Lachen und Schnattern war weithin zu hören. Und wenn es dunkel
+ward, soll auch allerlei leises Liebesgeflüster zu hören gewesen sein.
+Sauber war der Hof. Da lag kein unnützes Geröll umher. Das Mauerwerk
+war schön geweißt, und die schwarzen Balken des Fachwerks hoben sich
+selbstgefällig ab, gerade als wollten sie sagen: »Wir machen die
+Schönheit des Hauses erst aus!«
+
+Ja, schön sollte es sein auf dem ganzen Gut, das war der Stolz des
+alten Wagnerfried. Was an Schönheitssinn und Schönheitsfreude in einem
+schlichten Bauersmann stecken kann, das lag dem Fried im Blute. Seit
+seinem Urgroßvater war der Hof im Besitze der Wagners, und alle hatten
+an schönem Hausgedinge ihre Freude gehabt. Da gab es keine neumodischen
+Vertikos und Regulatoren, da fehlten die unmöglichen Bilder aus der
+Lottobude an den Wänden, da stand kein Gestühl umher, das nach und nach
+aus einem Abzahlungsbazar der Großstadt eingewandert war. Ein mächtiger
+grüner Kachelofen nahm die Ecke ein. Eine schwere Ofenbank mit bunten
+Vorhängen, hinter denen sich die zum Trocknen hineingestellten Stiefel
+versteckten, zwang förmlich zum Ausruhen. Auf der Bank spann die große
+Hauskatze ihre Melodien, und eine mächtige alte Standuhr, mit bunten
+Blumen bemalt, zählte den Bauersleuten die Tagesstunden vor. In der
+Ecke am Fenster stand der schwarze Tisch mit einer Wachstuchdecke,
+und zum Sitzen luden eine Eckbank und einige handfeste Holzstühle mit
+breiten Lehnen ein, in die neckisch ein kleines Herz geschnitten war.
+Teller und Schüsseln, Gläser und Tassen blitzten aus einem Wandbrett
+heraus, das in die Wand hineingemauert war und auf diese Weise wenig
+Platz wegnahm. Aber was für eine Pracht stand auf den Wandbrettern
+rings um die Stube? Da war zinnernes Gerät, kunstvoll und schmuck,
+Kannen, Krüge, Teller und Schüsseln, Lampen und Leuchter, wer es
+sah, hatte seine Freude daran! Und was lachte dort von der Wand her?
+Ein ganz prachtvoller Schrank, herrlich bemalt, und oben waren zwei
+Herzen mit einer Jahreszahl. Der Schrank stammte aus dem Hausrat des
+Urgroßvaters, aber man sah ihm sein Alter beileibe nicht an, seine
+Blumen glänzten und glühten noch genau so, wie vor einhundertundfünfzig
+Jahren. Dieser Schrank war die besondere Freude des alten Wagner.
+An Wintersonntagen, wenn Bauernfeiertag war, saß er stundenlang auf
+der Ofenbank, blies bläuliche Wolken aus seiner Tabakspfeife und
+streichelte mit seinen Augen das alte Erbstück. Da gingen sie alle
+an ihm vorbei, die mit denselben Blicken die kunstvollen Blumen und
+Ornamente betrachtet hatten, und alle waren aus seinem Geschlechte
+gewesen. Und wenn sein einziger Junge, sein Otto, einst an dieser
+Stelle sitzen würde, würde er mit denselben Gefühlen den alten Schrank
+besehen, und unter denen, die vorbeizögen, würde auch der alte Fried
+sein. Der Baum im Hof und der alte Schrank, das war die Familienchronik
+des Wagnerschen Geschlechts, aber sie offenbarten ihre Geheimnisse nur
+solchen, die helle Augen und ein warmes Herz hatten.
+
+Es war wirklich so, der alte Wagnerfried, mit seiner braven, freilich
+etwas zarten Frau und seinem gutgeratenen Jungen, war zu beneiden. Da
+er aber bescheiden für sich dahinlebte und das Sprichwort befolgte:
+»Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen«, hatte er keinen Feind im
+Orte.
+
+Das hätte nun alles ganz schön und gut sein können, wenn der Krieg
+nicht gekommen wäre. Unter denen, die zuerst hinaus mußten, war der
+Wagner Otto. Und es war kein Monat ins Land gegangen, da stand er schon
+in der Verlustliste als »vermißt«, und nach einigen Wochen schrieb
+der Hauptmann, der Gefreite Otto Wagner sei in der Marneschlacht
+gefallen. Da saß der Alte wieder auf seiner Ofenbank, aber die Blumen
+des Schrankes leuchteten nur traurig, wie aus dem Nebel, denn der
+Alte hatte Wasser in den Augen. Ein Unglück kommt selten allein. Die
+Wagnermutter siechte seit dem Unglückstage, der die schlimme Nachricht
+gebracht hatte, dahin. Und es kam wieder ein Tag, der den Alten fast zu
+Boden drückte – als er am Abend nach dem Begräbnis seines Weibes allein
+in der Stube saß. Diesmal halfen ihm die Geister seiner Vorfahren
+nicht, sie waren vor der schweren Not der Zeit in die dunkelsten Winkel
+des Hofes entwichen, als wenn sie das Elend des Letzten ihres Stammes
+nicht mit ansehen könnten.
+
+Mit dem Alten ging es, wie man zu sagen pflegt, den Drachenberg hinab.
+Für wen sollte er noch sorgen und schaffen? Hatte er ein Gerät in die
+Hand genommen, so konnte es geschehen, daß er es in Gedanken wieder
+hinlegte, ohne die Arbeit gemacht zu haben. Fragte ihn der Knecht,
+was er schaffen sollte, sah er ihn wohl eine Weile an und sagte dann:
+»Machs när, wie du denkst!«
+
+Daß es so mit dem Gute nicht weitergehen konnte, ward auch dem
+Wagnerfried klar. Nun war in dem Dorfe der Viehhändler Schramm. Er
+hatte die ganze Zeit daher nicht im besten Rufe gestanden, galt als roh
+und sein Weib als schlampig. Saß viel im Gasthof und war nur an einer
+Stelle des Dorfes gut angeschrieben, an der schwarzen Tafel des Wirtes
+nämlich. Aber seit der Krieg war, wurde es anders. Es hieß, er habe
+große Vieheinkäufe für das Militär vermittelt und sei dabei zu Federn
+gekommen. Jetzt flogen ihm die Scheine nur bloß so aus der Hand und an
+seinem Tisch im Wirtshaus floß der Schnaps in Strömen. Es hieß auch,
+er ginge damit um, sich ein Gut zu kaufen. Und endlich ging auch die
+Rede, er stehe mit dem Wagnerfried in Unterhandlung. So war es auch.
+Er bekam den Hof für einen Pappenstiel. Aber es hörte sich ihm gut zu,
+wenn er dem Alten treuherzig versicherte: »Fried, dich bränge mer schie
+miet dorch. Deine zwä Stöbeln in öbern Stock, die verbleibn dir! Un
+dei Fünkel Assen, dos hulst du dir bei meiner Fraa. E paar Ardäppeln
+un e Stückel Butter warn allemol für dich. Schlachten tune mir aah
+dann und wann, du brauchst dich üm nischt ze sorng. Wenn de willst,
+krabbelst de e bissel ofn Huf rüm, oder ze übernahme brauchst du dich
+net!« Dem Alten klang das gut. Nachdem die notwendigen amtlichen
+Verrichtungen geschehen, saß er im Ausgedinge. Es ließ sich auch alles
+gut an. Was er von seinem Gerät hatte unterbringen können, schmückte
+nun sein Auszugsstübel. Sein Schrank war da, die alte Uhr tickte, das
+Zinnzeug war aufgestellt, und wenn er durchs Fenster sah, rauschte ihm
+die alte Linde entgegen. Er machte sich auch im Hause nützlich, so gut
+er konnte, hackte Feuerholz, führte auch einmal ein Pferd zum Schmied
+und war mit seinem Rate zur Hand, wenn die neugebackene Bauersfrau
+etwas wissen wollte. Die untere Stube hatte sich aber doch etwas
+verändert. Da waren ein paar polierte Möbel mit hineingeraten, und an
+den Wänden hingen bunte Bilder; im heimlichsten Innern verspottete
+sie der Alte als »Wurzelbilder«[3], aber er hütete sich, es laut zu
+sagen. Auch mit dem Essen war er nicht ganz einverstanden. Die Schramm
+war eine dreckige Schlampe, das stand fest. Das Gesinde bekam einen
+Brei vorgesetzt, daß es die Zähne höher und höher hob. Dieses Gemächte
+sollte natürlich der Fried auch mit bekommen. Als er aber sah und roch,
+daß die Schramm für sich und ihren Mann heimlich kochte und briet, da
+blieb er vom Essen weg und kochte seine paar Kartoffeln für sich in
+seinem Stübchen. Das war auch der erste Grund zu einem Zank mit der
+Frau. Sie meinte, der Alte könne doch essen, was da sei, – die teuren
+Kartoffeln alle Tage! Da bezahlte der Fried seine Kartoffeln, und die
+Schramm nahm das Geld auch an, ohne sich lange zu besinnen.
+
+Dann kam eine Zeit über unser Land, wo die Mittel zu unseres Lebens
+Nahrung und Notdurft karger und kärglicher wurden und wo die Leute,
+besonders in der Stadt, ihre Kinder hungern sahen und nicht wußten,
+woher das Essen nehmen, wenn die schmalen zugewiesenen Bissen die
+Kinder immer bleicher und hohlwangiger werden ließen. Da liefen sie
+aufs Land hinaus, baten und bettelten bei den Bauersleuten, daß die
+von ihrem Überfluß verkaufen sollten. Zwar zwangen strenge Gesetze die
+Bauern, von ihrer Ernte dem Staate abzugeben, daß die anderen auch zu
+leben hätten – aber jede Verordnung ist da, um übertreten zu werden,
+und jeder Gesetzesbau, sei er noch so stolz und fest, hat Hintertüren.
+»Ein Bissel was« hatten die Bauern immer noch zum Hergeben an gute
+Freunde. Aber da gab es auch solche, die die Not unseres Volkes reich
+gemacht hatte, deren Geschäfte nie so geblüht, als in der Kriegszeit.
+Die kauften auf, was zu kaufen war, boten Preise über Preise und
+schleppten die Nahrung, dem Hamstern gleich, in ihren Bau. Diese wurden
+bald den Bauern am liebsten. Wer wenig Geld zahlen konnte, bekam nichts
+mehr und der Bauer stand sich gut dabei.
+
+Dem Wagnerfried sein Butterstück wurde kleiner und kleiner. Milch für
+den Kaffee setzte es auch nicht mehr, und bei jedem Pfund Kartoffeln
+gab es einen kleinen Kampf. Es müsse alles abgegeben werden, sagte die
+Schramm, sie hätten selbst nichts. Dabei sah der Alte aber doch, wie
+Tag um Tag die Stadtleute mit Rucksäcken und Körben vom Hofe gingen; er
+sah auch, daß die Bauersfrau sich neue seidene Kleider kaufte und daß
+ein Pianino in den Hof gebracht wurde, obwohl gar niemand da war, der
+es spielen konnte.
+
+Und schlimmer ward es mit Deutschland. Die braven Truppen kämpften
+draußen bis zum Weißbluten. Man las zwar in den Zeitungen nur von
+Siegen, aber dazwischen hinein kamen wieder Verordnungen, daß man alles
+Metall abgeben solle, sonst könnte keine Munition mehr hergestellt
+werden. Da trug der alte Wagnerfried Stück für Stück von seinem Zinn
+zum Gemeindeamt, aber die wenigen Pfennige, die er dafür bekam,
+reichten kaum zu einer einzigen Mahlzeit. In der Unterstube ließ er
+sich kaum mehr sehen, er besorgte sich seine Lebensbedürfnisse lieber
+bei anderen Bauern, als in seinem Auszugsgut.
+
+Von allen Seiten gehetzt und zerschlagen, im Innern zermürbt und
+willenlos geworden, brach endlich die alte Herrlichkeit zusammen, die
+längst keine mehr war. Noch einmal machten die ihrer Väter und Söhne
+Beraubten den bitteren Harm durch, andere aus dem Felde zurückkommen
+zu sehen, nur ihre Lieben blieben aus. Aufbauen! Aufbauen! hieß es
+überall. Aber meist bauten sich nur solche auf, die schon genug und
+übergenug hatten, und ihr Aufbauen hatte nur den Zweck, sich selbst zu
+Wohlleben zu bringen, während die anderen darbten, schlimmer als im
+Kriege. Schlemmer und Prasser der Inflationszeit, schämt euch heute
+noch der Tränen, die manch hungernder Alter, manch schwaches Mütterchen
+vergossen, die die Zeit und ihr mit um alles gebracht, was sie einst
+besessen!
+
+Der alte Wagner erlebte auch, daß sein Geld – sein früheres Vermögen
+und der Kaufpreis des Gutes – dahinschwanden, wie der Schnee in
+der Sonne. Noch dazu fand er sich in den Millionen, Milliarden und
+Billionen nicht mehr zurecht. Wovon er eigentlich in dieser Zeit lebte,
+ist ein Rätsel geblieben. Er lag meist in seinem Bette. Nur dann und
+wann stand er auf, um ein Stück seines Hausrates zu verkaufen. Mit
+dem Handwagen fuhr er die Uhr ins Dorf zum Tischler, der sie nur mit
+Mühe und für ein geringes Geld annahm. Den Tisch und die Stühle nahmen
+Schramms für die Gesindestube. Sie bekümmerten sich im übrigen aber
+wenig um den Alten. Immer leerer ward es im Auszugsstübel, nur der
+Schrank war als einziger Besitz geblieben und das Bette, in dem der
+Alte still und hungernd lag. Sein Blick ging nach seinem Baum, da –
+rauschte die Krone nicht zorniger heute? Und klang es nicht wie Säge
+und Axtschlag? Seiner Sinne kaum mehr mächtig, schleppte sich der
+Fried ans Fenster und blickte hinab. Da stand der Schramm, die Hände
+in den Hosentaschen, und sah den Leuten zu, die darüber waren, den
+alten Riesen zu fällen. Da ging es dem Alten wie dem Baum, er ächzte
+und stöhnte bei jedem Schnitt und Schlag, und als, von Seilen gezogen,
+der Stamm mit einem lauten Krach stürzte, sank auch der Alte mit einem
+Wehelaut auf sein Bett zurück. Ein tränender letzter Blick auf seinen
+alten Schrank, dann hatte er alle Not überstanden.
+
+Schramms fiel es am zweiten Tage erst auf, daß man oben gar nichts
+hörte. Man meinte schließlich: »Wir wollen när emol über nauf sahe,
+emende is’n ewos passiert.«
+
+Da lag der letzte Wagnerbauer und war tot, verhungert, indes seine
+Nachfolger nicht wußten, wohin mit dem Gelde.
+
+Die notwendigen Meldungen wurden gemacht, der Tischler kam, um den
+Armensarg anzumessen. »Hast du net e paar alte Bratter?« sagte er zu
+Schramm, aber der meinte, Holz sei teuer. »Do werd ich die Bettstell
+nahme müssen,« erwiderte der Tischler darauf. Da sagte aber die
+Schramm: »Die wollt ich engtlich behalten, er hoot noch net alles
+bezohlt, wos ’r gassen hoot. Ich hoo ne doch egal gabn!« Der Tischler
+sah sich nach einem geeigneten Gegenstand um. Da fiel sein Blick auf
+den Schrank. »Wan is dä dos alte Gerafel?« fragte er schließlich. »Dan
+kast du nahme,« meinte Schramm, »dar paßt su wie esu net zu unern
+Möbeln.« Und so kam es, daß der Tischler den alten Schrank mitnahm,
+um dem Wagnerfried einen Sarg daraus zu zimmern. Die Geister des
+Schrankes frohlockten, so war es ihnen recht. Als aber die zerlegten
+Teile in der Werkstatt standen, kam ein Herr aus der Stadt, der auf
+Amtswegen war. Der sah entzückt die alte Malerei. Als er aber erfuhr,
+zu welchem Zweck das alte kunstvolle Stück zerstört worden war, trat
+ihm das Blut ins Gesicht und die Augen wurden ihm naß. »Warum hat man
+dem Gemeindevorstand nichts davon gesagt? Es gibt eine Stelle bei uns
+im Lande, die solche Dinge mit Freuden gut bezahlt. Warum hat der
+Heimatschutz nichts erfahren? Armer alter Wagnerfried! Von deinem
+Schrank und den vielen verschleuderten Sachen hättest du noch lange
+leben können. Es hätten sich auch Mittel und Wege gefunden, dir zu
+helfen. Und nach deinem Tode wäre dein Schrank zu Ehren gekommen in
+unserem Museum oder im Hause eines Kunstfreundes. Dort hätte er weiter
+und weiter erzählt von deinem Geschlechte und von einer Zeit, die noch
+Ehrfurcht vor den Vermächtnissen unserer Ahnen besaß.«
+
+
+Fußnote:
+
+ [3] Wurzel = Cichorie; Bilder, die um Cichorienpäckchen gerollt
+ waren.
+
+
+
+
+[Illustration: _Wappen der Stadt Kamenz i. Sa._]
+
+
+_An Kamenz zum 17. Mai 1925!_
+
+ _Du teure Stadt der Väter,
+ Welch’ einer Kinderschar
+ Hast Du ein Heim bereitet
+ In siebenhundert Jahr’!_
+
+ _Wie viele sind gekommen,
+ Wie viele sahst Du gehn!
+ Wie viele hast Du lachen,
+ Wie viele weinen sehn._[4]
+
+
+Fußnote:
+
+ [4] Auf Anregung der Stadt Kamenz veröffentlichen wir hiermit
+ die sinnreiche Urkunde zum 700jährigen Stadtjubiläum im
+ vergangenen Jahre.
+
+
+
+
+Ein Beitrag zur Frage der Steinkreuze
+
+
+Auf dem Geithainer Kirchberg, unter der alten Linde, steht heute ein
+Steinkreuz. Dessen Standort soll früher der Galgenberg gewesen sein.
+Demnach ist dieses Denkmal mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit dasselbe,
+welches in dem ältesten Geithainer Stadtbuch erwähnt wird. Hier heißt
+es nämlich auf Blatt 45b, unter dem 11. Oktober 1469:
+
+ ~Causa Nickel Kircheners vnd Jorg follertczs.~
+
+ ~Anno domini millesimo quadrinngentesimo Sexagesimo Nono An der
+ mitwoche noch dyonisy Ich liborius Oler Burgermeister Clemen
+ honkirche Richter hans Geyseler hans Botticher Michel smid
+ Merten francke michel Eckart vnd Peter Jarnhirsch Ratman der
+ Stat Geythan Bekennen In vnserem Statbuch vor Idermenneklichen
+ das vor vnseren sitzen rad kommen seyn Jorg follert heynrich
+ seyn bruder vnd mit Iren gehülffen vff eyne part / Nickel
+ kirchener / hans kirchener seyn Son / merten sneyder Jerath
+ metzener uff dy ander part haben wir uff beyde part mit
+ eynander gutlich vnd fruntlichen entscheyden vnd bericht
+ seyn vmb den totslag Symon follert seligen Also das Nickel
+ kirchener den kindern Symon follartz reichen vnd geben sal
+ Achtczehen gute schog hocher were Anzcuheben uff heüte mitwoche
+ seyn gegeben czwey schog dar noch saln (kirchener?) geben vnd
+ reychen czwey schogk uff weynachten nehest kommende / voran uff
+ alle weychvasten eyn gut schogk / biss so lange sulche Summa
+ geldis gefellet Sunder wer sulche summa geldis heben wirt /
+ von der vnmündigen kinder wegen / der sal eyne mögliche were
+ dor vorthum Dor noch sal Nickel kirchener anderhalb hundert
+ vigilien vnd anderhalb hondert selmessen wü dy follert dy hen
+ bestymmen zcuhalden In pharrkirchen adder klostern bestellen
+ jnwendig virwochen Auch eyne ochfart czwyschen hy vnd phingsten
+ nehest kommende Auch eyn Steynencrücze jn der selben czeit uff
+ der Stat weychbilde setczen sal Auch czerunge scheppengelt
+ nemlich II s(schogk) XXVI gl sal Nickel kirchener geben Jorg
+ follert vnd vintcz berger LV gl uff den nehesten mantag Galli
+ / dornoch uff den nehesten montag abber beyden 1 s 1 gl /
+ dornoch uff weynachten vintcz berger 1 s / dornoch follert XXX
+ gl uff den mantag noch aller gotis heyligen tag / Auch sal
+ kirchener gericht freyheyt yss hafft … js hafft abczulegen Auch
+ desgleichen sal kirchener heynrich follart vom bader brengen
+ wen her heyl wirt //. Nu vor silche berichtunge fride vnd Summa
+ geldis seyn burge Andres bretczschel veitcz muller Cristoffel
+ bretczschel Gerius geyseler Auch do mit Burge vor eynen steten
+ fride der Sache / Auch ab der burgen eyner abgynge von todis
+ wegen sullen dy andern eynen anderen burgen bestellen an
+ desselben stat Auch haben Nickel kircheners kinder mit namen
+ hans kirchener Gerius kirchener gereth den selben vir burgen
+ vorder zcu lossen ab ir vater abginge todis halben das got
+ wende Nu uff silchen fryde hat jorg follert mit seynem bruder
+ auch czwene burgen widergesetczt mit namen matts Loze vnd
+ jocoff burgraffe Auch ab der g(enenneten) burgen eyner auch
+ abginge todis halben das got lang wende sullen sy eyn anderen
+ an des stat bestellen Auch haben sy von gutem willen vnd
+ wolbedachtem mute vorkort und vorpeynigit / wer sulche stucke
+ artickel obinberurth breche de sal der Stat Geythen eynn gut
+ schog zcu gericht vorvallen seynn wy ofte das geschit / wen man
+ jn das kan beczeügen mit warhafftigen leuten den zcu gelauben
+ stehet darvber haben sy jre wyssenunge dem Rat dorvbergegeben
+ vnd lassen czeychen jn vnserem Statbuch~
+
+
+
+
+Schwarzenberger Edelweiß
+
+(~Chrysanthemum partheniifolium Pers.~)
+
+Von _Horst Henschel_, Schwarzenberg
+
+
+Zu den Merkwürdigkeiten der sächsischen Flora gehört das
+»Schwarzenberger Edelweiß«, eine Wucherblume, die aus Spanien stammt,
+Blumen mit schneeweißen Strahlen und gelblichweißen Scheibenblüten
+trägt und deswegen auch Spanische Schneewucherblume genannt wird.
+Sie ist in Sachsen (nach Prof. Dr. Otto Wünsches Excursionsflora von
+Sachsen) nur an der Brühlschen Terrasse in Dresden und in Schwarzenberg
+verwildert zu finden. In Schwarzenberg ist sie so häufig wie keine
+andere Blume am Ort. An Felswänden, Wegrändern, als Unkraut in Gärten,
+an den Steinfugen der Ufer- und Straßenmauern, kurz überall erfreuen
+uns die durch ihre Menge leuchtenden Blütensterne dieser Wucherblume.
+Mehrere hundert Blüten an einem Stock sind nichts Seltenes. Diese
+Blütenfülle gibt dem alten Gemäuer ein Gewand von geradezu wunderbarer
+Pracht. Die unendlich vielen Blütenköpfe auf den sonst nackten
+Felswänden wirken manchmal wie ein unversehrter Schneefleck.
+
+Der Laie hält die Spanische Wucherblume meistens für eine Kamille
+und nennt sie zum Unterschied von der echten Kamille (~Matricaria
+Chamomilla~), die als Heilpflanze weit und breit zur Teebereitung
+gesammelt wird, fälschlicherweise unechte Kamille.
+
+[Illustration: Abb. 1. =Am Schloßfelsen in Schwarzenberg=]
+
+Das »Schwarzenberger Edelweiß« blüht in den Monaten Juni bis September,
+ist eine ausdauernde Pflanze, kommt also jedes Jahr wieder, und wird
+dreißig bis achtzig Zentimeter hoch. Die langgestielten Blütenköpfe
+sind etwa drei Zentimeter breit und haben einen würzigen Geruch.
+
+[Illustration: Abb. 2. =Am Schloßfelsen in Schwarzenberg=]
+
+Seitdem in Sachsen die Rinde der Korkeiche (~Quercus super~)
+verarbeitet wird, finden wir auch die Spanische Schneewucherblume in
+Sachsen. Und da die Korkfabrikation erst seit den fünfziger Jahren
+des vorigen Jahrhunderts in Sachsen betrieben wird, ist demnach
+das »Schwarzenberger Edelweiß« ein noch recht junges Kind unserer
+sächsischen Flora. Sonderbarerweise ist diese Wucherblume nicht in
+_der_ Gegend des Erzgebirges zu finden, wo der Kork verarbeitet
+wird, also nicht im _Raschauer Grund_, sondern nur in Schwarzenberg.
+Als ob das »Schwarzenberger Edelweiß« die breite Talaue der Großen
+Mittweida nicht vorteilhaft genug befunden hätte, um seine Pracht zur
+Geltung zu bringen! Als hätte es sich mit Kennerblicken die Perle
+des Erzgebirges als zweite Heimat erkoren, um an ihren hohen alten
+Felswänden zu prangen und bewundert zu werden. Wie sinnig ist doch sein
+volkstümlicher (ortsüblicher) Name! Schwarzenberger Edelweiß. – – –
+
+[Illustration: Abb. 3. =Schwarzenberger Edelweiß=]
+
+Wie aber mag sich die Geschichte in Wirklichkeit zugetragen haben? –
+Als in dem etwa vier Kilometer von Schwarzenberg entfernt liegenden
+Dorfe Raschau im Jahre 1859 die Korkfabrikation eingeführt wurde,
+war der Ort noch nicht an das Eisenbahnverkehrsnetz angeschlossen.
+Dies geschah erst im Jahre 1889, als die Eisenbahnlinie
+Zwickau–Aue–Schwarzenberg–Grünstädtel bis Buchholz erweitert wurde.
+Schwarzenberg war bereits 1858 Endstation der genannten Teilstrecke;
+und so mußten die Raschauer ihre Frachtgüter mit dem Fuhrwerk aus
+Schwarzenberg holen. Beim Umladen auf dem Schwarzenberger Bahnhof
+oder durch das Rütteln und Schütteln des zu Ballen zusammengebundenen
+Korkholzes während des Transportes auf dem offenen Leiterwagen
+sind vermutlich Samenkörner der Spanischen Wucherblume, die sich
+in den Unebenheiten der Eichenrinde befanden, hier herausgefallen.
+Merkwürdig ist jedoch, daß an der Stelle in Raschau, wo die
+Korkballen abgeladen und aufgehoben werden, keine Spur von der
+Spanischen Wucherblume zu finden ist. Entweder sind also an jener
+Stelle keine Samen ausgefallen, oder die Samen brauchen einen
+besonderen Boden, um sich entwickeln zu können. Letzteres erscheint mir
+am wahrscheinlichsten; denn sonst müßte diese Wucherblume, deren Samen
+durch das Schwarzwasser doch weit fortgetragen werden, noch an anderen
+zahlreichen Stellen anzutreffen sein, was aber nicht der Fall ist.
+
+[Illustration: Abb. 4. =Am Schwarzwasser in Schwarzenberg=]
+
+
+
+
+Die höheren Pilze der Dresdner Heide
+
+Von _Bernhard Knauth_, Dresden-Strehlen
+
+Mit Abbildungen von Georg Marschner, Dresden-Gruna
+
+
+Weil die Pilzgeographie noch in den Anfängen steckt, ist es Pflicht
+eines jeden Pilzkenners, mindestens ein Gebiet seines Wohnbezirkes
+gründlich zu erforschen und das Ergebnis zu veröffentlichen. Als
+Freunde der Tat wollen wir zu diesem Zwecke die Dresdner Heide
+durchwandern. Sie ist ein 6237 Hektar großer, gut gepflegter Forst, der
+die wellige Hochfläche nördlich von Dresden bedeckt. Ihr diluvialer
+Dünensand nimmt von West nach Ost an Fruchtbarkeit zu, weshalb im Osten
+Fichten und Buchen vorherrschen, im Westen dagegen Kiefern und Birken.
+Außer diesen Bäumen kommen vor: Tanne, Lärche, Eiche, Erle, Weißbuche,
+Ahorn, Esche und sogar einzelne Robinien. Aus der Fauna seien genannt:
+Hirsch, Reh, Wildschwein, Fuchs und Dachs. Reich an Quellen und Bächen,
+Hügeln und Tälern, reich auch an gut markierten Wegen, lockt sie zum
+Wandern. Der Dresdner kennt und liebt seine Heide. Fern vom Trubel der
+Großstadt kann er hier Ruhe und Erholung finden, Blumen pflücken und –
+Pilze suchen. Und diesen Pilzen wollen wir jetzt unsere Aufmerksamkeit
+widmen.
+
+[Illustration: Abb. 1. =Dickfuß-Röhrling=]
+
+Unsere Wanderungen beginnen wir Anfang Juli, weil vorher außer der im
+Erdreich verborgenen Heidetrüffel (~Hydnangium carneum~) nicht viel
+zu finden ist. Wir besuchen zunächst den buchenreichen Stechgrund
+unweit des Weißen Hirsches. Hier finden wir den Dickfußröhrling
+(~Tubiporus pachypus~, Abb. 1), der von Unkundigen für den Satanspilz
+gehalten wird. Er trägt unter seinem hellgrauen, dicken Hute eine
+gelbliche Röhrenschicht, die nach Druck bläulich anläuft. Sein
+nach unten stark verdickter Stiel ist oben gelb, unten blutrot und
+allenthalben netziert. Sein weißliches Fleisch wird nach Anschnitt
+blau und schmeckt bitter. Auch der punktierte Hexenpilz (~Tubip.
+erythropus~) kommt hier vor. Auf seinem rotpunktierten, keuligen, oben
+gelben, unten roten Stiele trägt er einen derben, kastanienbraunen
+Hut, dessen Röhrenschicht rot ist. Sein gelbliches Fleisch wird nach
+Anschnitt sofort blaugrün, kann aber gegessen werden. – Am steilen
+Hange dort winkt uns ein weißer. Er wird rötender Faserkopf (~Inocybe
+Trinii~) genannt, weil seine weiße Färbung später rötet und sein
+mittelgroßer Hut gefasert ist. Sein Fleisch riecht wie das der meisten
+Faserköpfe widerlich und wird nicht gegessen, zumal eine Verwechselung
+mit dem giftigen ziegelroten Rißpilz (~Inocybe lateraria~) möglich
+ist. Letzterer ist für Sachsen nur im Scharfenberger Schloßpark
+nachgewiesen. – Wenn wir Glück haben, finden wir hier auch die eßbare
+Grubenlorchel (~Helvella lacunosa~), die im ganzen blauschwärzlich
+aussieht. Ihr gekröseartig gewundener Kopf ist zwei bis fünf Zentimeter
+hoch und breit; ihr gerippter Stiel zeigt grubige Vertiefungen.
+
+[Illustration: Abb. 2~a~. =Stockschwämmchen=]
+
+Wir gehen nun in Richtung der Acht nordwärts bis zur Prießnitz, vom
+Wege bald rechts bald links abschweifend. Da sehen wir Täublinge. Ich
+will sie alle aus Liebe zur Einheitlichkeit nach Rickens Vademecum
+benennen, wohl wissend, daß da noch mancherlei zu bessern ist. In
+Birkennähe gewahren wir den violettgrünen (~Russ. cyanoxantha~), der
+auch Frauen-Täubling genannt wird. Meist hat er einen trübvioletten
+Hut mit grünlicher Scheibe, kann aber auch violettrötlich, braungrün
+oder schwarzviolett aussehen und die Scheibe ockergelblich. Stiel und
+Lamellen weiß, Fleisch mild und eßbar. Nicht weit davon steht der
+grünschuppige Täubling (~Russ. virescens~), der an dem spangrünen,
+gefelderten Hute leicht zu erkennen ist. Lamellen, Stiel und Fleisch
+sind weiß. Im Fichtendickicht finden wir ferner den grasgrünen
+Täubling (~Russ. graminicolor~), den wir an der dunkelgrünen Hutmitte
+erkennen. – Nachdem wir östlich über eine Fichtenschonung schauend,
+den lieblichen Ausblick nach dem Hutberg bei Weißig genossen haben,
+schlendern wir in nördlicher Richtung weiter. Da drüben ist ein alter
+Stumpf gänzlich mit Stockschwämmchen bedeckt (~Pholiota mutabilis~,
+Abb. 2~a~). Die zimtbräunlichen, mittelgroßen Hüte könnten den
+bekannten büscheligen Schwefelkopf vortäuschen, aber der Ring am
+rostbräunlichen, schuppigen Stiele belehrt uns eines besseren. Da
+er genießbar ist, wandern die schönsten in unsere Sammelschachtel.
+– Versteck dich nur nicht so, du rehbrauner Dachpilz dort (~Pluteus
+cervinus~)! Du entgehst unserem Pilzerauge doch nicht! Er trägt
+auf grauem, gefasertem Stiele einen dunkelbraunen, flachglockigen,
+faserschuppigen Hut, der etwa sieben Zentimeter breit ist. Da er zu
+den Rotsporern gehört, spielt das Weiß seiner schwarzschneidigen
+Lamellen etwas ins Rötliche. Auch er wird gegessen. – Ein weißer
+dort? Aha, ein Schaf-Egerling (~Champignon~), noch zwei, noch drei!
+Sein weißer, matt gilbender Hut könnte ja den später wachsenden
+Knollenblätterschwamm vermuten lassen, aber die Lamellen unseres
+Pilzes (~Psalliota arvensis~) sind nicht weiß (höchstens im Anfang),
+sondern rötlich, zuletzt dunkelbraun. Unser Pilz riecht nicht nach
+rohen Kartoffeln, sondern nach Anis. Weniger angenehm ist unserer Nase
+die unter Birken stehende Stinkmorchel (~Phallus impudicus~). Ihr
+grubiger, olivbrauner Kegelhut ist mit einem dicken, stinkenden Schleim
+überzogen, angeblich, um aasliebende Insekten anzulocken, die dann
+durch Mitnahme der Sporen zur Verbreitung beitragen sollen. Aber dieser
+Pilz ist so wenig begehrt und so häufig, daß er um seine Vermehrung
+nicht besorgt zu sein braucht – naiv gedacht. Diese Zweck-Philosophen
+haben oft eine starke Phantasie. Wären ihre Theorien alle richtig, dann
+könnte man nicht begreifen, warum z. B. der seltene, vielbegehrte
+Königsröhrling sich durch das Rot seines Hutes verrät, während von
+weniger seltenen behauptet wird, daß sie sich durch Anpassung schützen.
+Doch zurück zur Praxis! Da drüben ein echter Nadelwäldler: der gelbe
+Wulstling (~Amanita junquillea~). Der mattzitronengelbe Hut ist
+reichlich mit weißlichen Hüllresten besetzt und hat weißliche, dicht
+stehende Lamellen mit flockiger Schneide. Sein weißer, schlanker
+Stiel hat einen gleichfarbigen, dünnen Ring und eine birnförmige
+Fußscheide, deren scharfer Rand anliegt. Er ist zwar genießbar, aber
+dem grüngelben Knollenblätterschwamm so ähnlich, daß bei Unkundigen
+eine Verwechselung vorkommen kann. – Nicht weit davon ein Perlschwamm
+(~Amanita rubescens~), der selbst mit Oberhaut gegessen werden kann
+und neuerdings sehr begehrt ist. Man erkennt ihn immer am rötlichen
+Fleisch. Hut rotbräunlich mit helleren Hüllresten, Lamellen weißlich
+und dicht stehend, Stiel rötlichgrau mit gerieftem Ring, unten verdickt
+und mit nackter Knolle. – Auf einem Straßenhaufen kleine Kerle mit
+braunem Glockenhute, rotbraunem, schlankem Stiel und schwärzlichen
+Lamellen: der Glocken-Düngerling (~Panaeolus campanulatus~). Und
+gleich daneben der gefaltete Gold-Mistpilz (~Bolbitius titubans~):
+ein gelblicher, gebrechlicher, zwei bis drei Zentimeter breiter Hut
+mit deutlichen Radialfalten sitzt auf einem gelblichen, glänzenden,
+schlanken Stiel. Die schmalen Lamellen sind blaßzimtgelb. Beide
+Düngerfreunde sind zwar nicht giftig, aber geringwertig.
+
+[Illustration: Abb. 2~b~. =Rötlicher Ritterling=]
+
+Ein Sommertag von Gottes Gnaden! Der Himmel blaut, die Sonne brennt,
+und unsre Beine werden müd’. Wie wärs, wenn wir uns setzten? Des
+Mooses Polster ladet ein. Ha, wie schmeckt das Schinkenbrot! Dem
+Autoprotz bei Sekt und Braten kanns besser niemals munden. Dazu
+Konzert. Von allen Zweigen schmettert laut das Jauchzen muntrer Vögel.
+Ein grüner Sandlaufkäfer glänzt im Sonnenschein und achtet nicht auf
+uns – ein Philosoph nach eigner Art. Ein Hirsch lugt drüben aus dem
+Dickicht. – Nun wieder auf! Was dort? Ein Kornblumenröhrling (~Boletus
+cyanescens~). Im ganzen gelblichgrau, runzlig und filzig der Hut,
+weiß die Röhren und das Fleisch, das nach Anschnitt kornblumenblau
+anläuft. Ein seltener Speisepilz. Das gilt auch vom Hasenpilz (~Boletus
+castaneus~), den wir nun aufstöbern. Ein mittelgroßer, zimtbrauner
+Röhrling mit etwas hellerem, hohlem Stiele und weißen, engen Röhren.
+– Ein Heer von Pfifferlingen dort (~Cantharellus cibarius~), von
+aller Welt gekannt, was schon sein fürstlicher Reichtum an Volksnamen
+verrät, es sind nicht weniger als einundzwanzig. In einem Dickicht
+finden wir sogar den nicht minder bekannten Steinpilz, der leider
+immer seltner wird. Viele suchen ihn, aber wenige nur denken daran,
+Stücke von den Hüten der Alten so auf den Waldboden zu legen, daß
+diese bequem aussporen können. Viel häufiger als er ist natürlich sein
+bitterer Doppelgänger, der Gallenröhrling (~Boletus felleus~), den
+man bekanntlich an den weißlichen, später mattrosa werdenden Röhren
+und an dem auffälligen Gelb seines stark netzierten Stieles erkennt.
+Im Zweifelsfalle muß die Kostprobe entscheiden. – Dort, wo der Hase
+soeben aufsprang, ein Heer schwarzer Gnomentüten: Totentrompeten
+(~Craterellus cornucopioides~), schwärzliche Füllhörner, deren
+dunkelgraue Außenseite oben vielverzweigte Runzeln trägt. Zwar eßbar,
+aber wenig verlockend. – Es geht bergab. Durchs Tal schlängelt sich
+die Prießnitz, deren Wasserspiegel uns entgegenglänzt. Aber o weh,
+die auf unserer Karte noch verzeichnete Brücke ist nicht mehr da! Was
+tun? Wir ziehen blank und patschen durch. Die Sonne wird uns trocknen,
+drum lagern wir an lichter Stelle. Der Wasseramsel drüben scheint das
+Spaß zu geben. Nun gehts am rechten Prießnitzufer bis zur Heidemühle.
+Bald finden wir an einem Fichtenstumpf ein paar schöne Exemplare vom
+rötlichen Ritterling (~Tricholoma rutilans~, Abb. 2~b~). Hut und Stiel
+auf gelblichem Grunde purpurfilzig, Fleisch und Lamellen gelb. – Unweit
+des Ufers, wo noch Vergißmeinnicht in Mengen blüht, steht der filzige
+Milchling (~Lactarius helvus~), der fälschlich Maggipilz genannt wird,
+halbgiftig ist und höchstens als Gewürz genossen werden darf. Sein
+ockerrötlicher Hut ist feinfilzig, sein etwas blasserer Stiel flaumig,
+seine gelblichen Lamellen sind zuletzt bestäubt. Die wasserhelle,
+spärlich fließende Milch schmeckt mild. Er macht also eine Ausnahme
+von der Regel: Alle milden Milchlinge und Täublinge sind genießbar.
+Wir finden sodann den vergilbenden Täubling (~Russ. puellaris~), einen
+gebrechlichen, mittelgroßen Pilz mit einem trübviolettroten Hute, der
+später gelblich ausblaßt, seine Mitte ist dunkler, sein Rand gerippt.
+Die neapelgelben Lamellen stehen ziemlich gedrängt, der fast keulige,
+schlanke Stiel ist erst weißlich, gilbt aber auch, ebenso das milde,
+geruchlose Fleisch. Ähnlich der ekelige Täubling, dessen Hutmitte aber
+olivfleckig ist, dessen Stiel im Alter nicht gelb, sondern schwach grau
+wird. Auch der graubraune Täubling (~R. livescens~) ist hier heimisch,
+sozusagen ein milder kammrandiger (~pectinata~). Er ist bis auf die
+weißlichen, tränenden Lamellen im ganzen graubraun, mittelgroß, dünn,
+schmierig, mild und eßbar. Ebenso kann man den gedrängtblätterigen hier
+pflücken (~R. heterophylla~). Gelbgrün sein Hut mit scharfem, meist
+violettlichem Rande, fünf bis sechs Zentimeter breit; Stiel weiß und
+zart gerunzelt; erkennbar an den ungleichen, weißen, dünnen, schmalen
+Lamellen. Mild und eßbar. – So kommen wir suchend der Heidemühle näher.
+Rechts am Wege ein Steinbruch, in dessen Tümpel Wasserschlauch wächst.
+(Auch seltene Moose birgt der Grund.) Sodann die schwarzen Teiche, die
+Mühle und das Gasthaus.
+
+[Illustration: Abb. 3. =Strubbelkopf=]
+
+[Illustration: Abb. 4. =Birkenpilz=]
+
+Wir stärken uns. Dann wandern wir im herrlichen Prießnitzgrunde mit
+seinen malerischen Biegungen abwärts. Hier kann die Fichte ihre ganze
+Schönheit entfalten. Am Wege bis unten begrünt, erhebt sie sich stolz
+bis zu bedeutender Höhe. Und während wir im feierlichen Dunkel eines
+Fichtendomes wandeln, erhebt sich lichtgebadet vor uns ein Hang voll
+grünen Jungholzes. Darüber kreist im Himmelsblau ein Bussard, stolz
+und sicher. Dazu des Wassers traulich Murmeln, als wollte es erzählen.
+Und auch im Winter, wenn Rauhreif oder Schnee die dunkelgrünen Bäume
+schmückt, ist dieser Grund nicht ohne Reiz. – Am Steinbruch angelangt,
+gehen wir links über die Holzbrücke nach dem Hochmoor, das Wollgras
+trägt und Moosbeeren. Hier entdecken wir den weißgesäumten Häubling
+(~Galera paludosa~). Sein honiggelber Glockenhut ist ein Zentimeter
+breit, durchscheinend gerieft und hat einen hellgelben Rand. Der
+gelbliche Stiel (innen braun) trägt blasse Flocken und erreicht
+zwischen diesen Torfmoosen eine Länge von zehn Zentimeter. Die
+gelblichen Lamellen stehen gedrängt, sind hinten sehr breit und etwas
+herablaufend. Unweit davon, aber auf trockenem Boden, können wir auch
+seinen zierlichen Stiefbruder, den roststieligen Häubling (~Galera
+tenera~) finden; Stiel und Hut ockerbräunlich, Lamellen zimtgelb,
+Gestalt wie jener. – Vor Hitze matt, strecken wir uns zwischen hohen
+Adlerfarnen am Rande des Moores lang und träumen von vergangenen
+Zeiten. Nebelgeister und Irrlichter huschen übers Moor. Auerochsen und
+Wildschweine waten im Schlamme. Wir hören von weitem Jagdhörner und
+Hundekläffen. Vorüber rast der weiße Hirsch und hinterdrein der Reiter
+schweißbedeckte Schar. Vorbei! Wir gehen in die Pilze und wandern
+stadtwärts nun gen Süden. Im Heidelbeergestrüpp ein Strubbelkopf
+(~Boletus strobilaceus~, Abb. 3). Schwärzlich und ruppig der ganze
+Kerl. Nur seine Röhren schimmern grau, sind eckig und weit. Schöner ist
+der hier neben der dicken Buche: der goldflüssige Milchling (~Lactarius
+chrysorheus~). Goldorange sein mittelgroßer Hut und mit dunkleren
+Zonen. Gleichfarbig aber blasser der kahle Stiel, gleichfarbig auch
+die schmalen, gedrängten Lamellen. Wir stellen fest, daß die Milch
+schwefelgelb wird und scharf schmeckt. – Nun kommen wir zum Saugarten,
+wo unter uralten Eichen junge Fichten aufwachsen. Hier scheinen auch
+Wildschweine gewühlt zu haben. Aber ihre Zahl nahm mit Eichen und
+Buchen gleichermaßen ab. Wenn der Forstmann hier und da noch einzelne
+oder ganze Gruppen dieser Baumarten stehen läßt, so geschieht das
+nicht bloß aus Schönheitsgründen, sondern auch aus wirtschaftlichen:
+durch Laubabwurf gewinnt der Boden. Das freut den Pilzmann auch,
+sein Reich wird dadurch bunter. Auf Eichenwurzeln sitzend hier
+ein Rübling, der spindelige (~Collybia fusipes~); Hut und Stiel
+englischrot, der spindelige Stiel ist tief gefurcht; die rötlichen,
+angehefteten Lamellen stehen sehr entfernt. Das geruchlose Fleisch
+dieses glockenhütigen Pilzes ist genießbar. – Nun auf der alten Vier
+weiter nach Süden! Im Sande hier eine Schar unscheinbarer Gesellen,
+büschelige Rißpilze (~Inocybe umbrina~). Der drei Zentimeter breite,
+glockige, gebuckelte Hut ist rehbraun und gefasert. Die bräunlichen
+Lamellen haben eine blasse, flockige Schneide. Der gelbbräunliche
+Stiel trägt ein scharf abbiegendes Knöllchen und eine weißkleiige
+Spitze. Von seinen Gattungsbrüdern kommen außer den genannten noch
+~lacera~, ~maritima~ und ~dulcamara~ vor. Im Moose hier am Wegrand
+zwei winzige Arten mit glockigen Hütchen. 1. Der Sternmooshäubling
+(~Galera mniophila~) mit einem braungelben, gerieften, glatten Hute
+und olivgelbem, schlankem Stiele, 2. der Astmooshäubling (~Galera
+hypnorum~), der ganz ähnlich aussieht. Aber seine bräunlichen Lamellen
+sind am Stiele verschmälert angeheftet, die seines Doppelgängers
+dagegen breit angewachsen. Nichts für den Kochtopf! Dasselbe gilt von
+der kleinen Gesellschaft hier, von den gesäten Tintlingen (~Coprinus
+disseminatus~). Dicht gedrängt stehen am Wege graue, winzige, gefaltete
+Glöckchen, gestützt von weißlichen, dünnen Stielchen. Die Lamellen
+der jungen sind blaßrötlich, die der alten braunschwarz. Klein ist
+auch der folgende, der seidige Rübling (~Collybia cirrhata~), der gern
+auf faulenden Pilzen wächst. Hut rötlichweiß, etwa ein Zentimeter
+breit, konzentrisch-rinnig, Lamellen weiß, gedrängt, schmal, etwas
+herablaufend; Stiel blaßrötlich, dünn, verbogen, flaumig. Wenn wir ihn
+tief ausstechen, bemerken wir, daß unten am Stiel wurzelartige Fädchen
+hängen, die aus gelblichen Klümpchen (~Sklerotien~) hervorwuchsen. –
+Etwas größer ist der Rübling, den wir nun finden: der gemeine (~Coll.
+dryophila~). Er foppt uns oft durch seine Veränderlichkeit. Gewöhnlich
+sieht sein Hut rötlichgelb aus, der Stiel etwas dunkler. Die gelbweißen
+Lamellen sind schmal und dicht stehend. – Schließlich finden wir noch
+den grubigen Rübling (~Coll. radicata~). Auf seinem weißlichen, langen,
+gerillten Stiele, der nach unten wurzelartig verlängert ist, sitzt ein
+bräunlicher, stark gerunzelter Glockenhut, der etwa acht Zentimeter
+breit ist und weiße, breite, entfernte Lamellen trägt. Sein Fleisch ist
+weiß, mild und geruchlos. Zum Essen empfiehlt sich nur der Hut, nicht
+der harte Stiel.
+
+[Illustration: Abb. 5. =Ziegenlippe=]
+
+[Illustration: Abb. 6. =Orangegelber Ziegenbart=]
+
+Die zweite Pilzfahrt beginnen wir Mitte Juli nach Verlassen der
+Straßenbahn 9 an der Marienallee. Lautes Knallen verrät die Nähe der
+Militärschießstände, die wir rechts liegen lassen, um den Kannhenkelweg
+nordöstlich bis zur Hofewiese zu verfolgen. Viel Kiefern. Da steht
+der Sandröhrling (~Boletus variegatus~). Sein Hut ist ledergelb und
+trägt winzige braune Schüppchen. Sein glatter, fester gleichdicker
+Stiel hat dieselbe Farbe, oft mit einem Stich ins Rötliche. Seine
+engen, am Stiel herablaufenden Röhren sind olivbraun. Das genießbare
+Fleisch sieht blaßgelb aus und blaut etwas. Dann finden wir den
+süßriechenden Milchling (~Lactarius glyciosmus~). Die Farbe seines
+violettgraubraunen, undeutlich gezonten Hutes variiert sehr. Der etwas
+blassere Stiel ist bereift und ausgebaucht. Aus seinen gelblichen,
+dicht stehenden Lamellen fließt nach dem Anritzen eine weiße,
+unveränderliche Milch, erst mild, dann scharf schmeckend. – Weiter
+oben gibts auch Birken. Wie zierlich sie sich abheben vom ernsten
+Dunkel des Nadelwaldes! Hier wird gesucht. Ein Birkenpilz mit braunem
+Hut und schwarzweiß gesprenkeltem Stiel! (~Tubiporus scaber~, Abb.
+4). Nicht weit davon leuchtet der ockerrötliche Hut des Rothäubchens
+(~Tubiporus rufus~). Dort noch mehr! Unsere Freude steigert sich
+zur Mykomanie. – Nun schweifen wir nach links zum Lärchenhain.
+Richtig, da lacht er uns schon entgegen: der Lärchenröhrling (~Boletus
+elegans~), der auch schöner Röhrling genannt wird. Sein goldgelber,
+schmieriger Hut trägt schwefelgelbe, enge Röhren und sitzt auf
+einem gleichfarbigen, faserigen Stiele, der einen weißlichen Ring
+trägt. Eßbar. Wir spähen auch nach dem rötenden Gelbfuß (~Gomphidius
+maculatus~), finden ihn heute aber nicht. Aber der Birkenreizker ist
+schon heraus (~Lactarius torminosus~). Giftreizker nennen wir ihn
+deshalb nicht mehr, weil Versuche ergaben, daß er nach Abgießen des
+Kochwassers als Salat- oder Mischpilz verwendet werden kann. Der
+gelbrötliche, vertiefte Hut hat zottigen Rand und eine braungezonte
+Scheibe. Der gleichfarbige, hohle Stiel ist oft grubig; die etwas
+helleren Lamellen sind schmal und gedrängt. Später können wir hier auch
+den lebhaft gelben Lärchenschneckling finden (~Limacium lucorum~). –
+Wir schwenken nun halbrechts und sammeln dabei mehrere Ziegenlippen
+(~Boletus subtomentosus~, Abb. 5). Ihr dünner Stiel, unten rötlich und
+oben gelb, trägt einen olivgrauen, samtigen, oft gefelderten Hut, der
+goldgelbe, weite, eckige Röhren hat. Willkommene Beute! – Dort ist ein
+Stumpf mit dottergelben, korallenartigen Gebilden geziert: wurzelnde
+Händlinge (~Calocera viscosa~). Im Volksmunde heißen alle geweihartigen
+Pilze Ziegenbart, obwohl die meisten einer anderen Gattung angehören,
+nämlich den Korallenpilzen (~Ramaria~). Von letzterem birgt die
+Heide den zitronengelben (~flava~), den orangegelben (~aurea~, Abb.
+6), den grauenden (~cinerea~), den rauchgrauen (~grisea~), den
+kammförmigen (~cristata~), den grünspitzigen (~abietina~) und endlich
+den Hahnenkamm (~botrytis~). – An einer grasbedeckten, lichten
+Stelle am Wege steht herdig der eßbare gemeine Fälbling (~Hebeloma
+crustuliniforme~), der früher tränender Hautkopf genannt wurde. Sein
+Name deutet auf eine mattgelbbräunliche Färbung. Die gelbbraunen,
+schmalen, dünnen, gedrängt stehenden Lamellen haben eine gekerbte
+Schneide und tränen. Dieser Pilz riecht nach Rettich und ist am
+sichersten an den weißen Pünktchen des Oberstieles zu erkennen. – Auf
+Pferdedünger am Wege erfreut sich ein herdig auftretender Knirps seines
+kurzen Daseins, der Eintags-Tintling (~Coprinus nycthemerus~). Der
+zuletzt schirmartig ausgebreitete, graue, radialfaltige Hut mit gelbem
+Scheitel wird nur einen Zentimeter breit. Die grauen, schmalen Lamellen
+gehen bis an den weißen, dünnen, flockig-bereiften Stiel heran. –
+Na, endlich auch einmal ein kahler Krempling (~Paxillus involutus~).
+Der gelbbraune Geselle mit seinem filzigen, eingebogenen Hutrande
+ist hinreichend bekannt. Von Ricken wird er empfindlicher Krempling
+genannt, weil die gedrückten Stellen rasch rotbraun werden. Er schmeckt
+etwas säuerlich und leimig, weshalb ihn nicht jeder mag. Links vor
+der Prießnitzbrücke steht an einem alten Stumpf der vielumstrittene
+Balken-Blättling (~Lenzites trabea Pers.~). Hut halbkreisförmig,
+umbra, runzelig, flaumig, wellig gezont, dünn; Lamellen bräunlich,
+ganzrandig; Substanz lederig. – Nun in nordöstlicher Richtung aufwärts
+zur Hofewiese – aber schnell, weil ein Gewitter droht. Da ein mächtiger
+Samtfuß-Krempling (~Paxillus atrotomentosus~, Abb. 7~a~), an faulendem
+Stubben. Erkenntlich an dem dunkelbraunen Filze seines Unterstieles.
+Die gelben Lamellen seines rostbraunen Hutes gehen weit am Stiel
+herunter. Roh schmeckt er bitter, gebraten scheint er manchen zu
+munden. – Dort winken weiße Pilze! Pfeffermilchlinge (~Lactarius
+piperatus~, Abb. 7~b~). Dieser stattliche, getrichterte, weiße Pilz
+mit beißender, weißer Milch unterscheidet sich von dem kurzstieligen
+Wollschwamm (~Lactarius vellereus~) besonders durch seine sehr dicht
+stehenden Lamellen. – Lassen wir die bissige Gesellschaft, denn der
+Himmel verdunkelt sich mehr und mehr. Kurz vor dem Zaune, der die
+Hofewiese und ihre Wirtschaftsgebäude umschließt, erhebt sich ein
+Sturm, der brausend durch die Wipfel rast, als ob die wilde Jagd
+der Sage auferstanden wäre. Spornstreichs eilen wir zur niedrigen
+Wirtsstube und nehmen keuchend am grünen Kachelofen Platz. Nun, mein
+Donar, tob dich aus! Er tuts mit Blitz und Donner, indes wir gemütlich
+Kaffee trinken und das mitgebrachte Butterbrot verzehren.
+
+[Illustration: Abb. 7~a~. =Samtfuß-Krempling=]
+
+[Illustration: Abb. 7~b~. =Pfeffer-Milchling=]
+
+Endlich ist’s vorbei, das grause Spiel der Götter. Die Sonne lacht und
+wir mit ihr. Wir gehen nach Langebrück zu und suchen emsig weiter.
+Da steht ein dunkelbrauner Röhrling, der porphyrsporige (~Tubiporus
+porphyrosporus~). Der zylindrische Stiel ist noch etwas dunkler als
+der samtige, dicke Hut, an dessen Unterseite gelbgraue Röhren sitzen,
+die, wie wir später feststellen, porphyrbraune Sporen enthalten. Er
+wird daheim verspeist. Der Specht da oben scheint darob zu lachen. –
+Wir biegen nun nach Südwest ab, um Klotzsche zu erreichen. In einem
+Pflanzengarten stehn in Menge große Schirmlinge, die der undeutsche
+Deutsche immer noch Parasolpilze nennt (~Lepiota procera~, Abb. 8). Wir
+wissen, daß er einen großen, braunschuppigen Hut, weißliche, freie
+Lamellen und einen bräunlichen, nach oben verjüngten Stiel hat, der mit
+einem verschiebbaren Doppelring geziert ist. Sein weißes Fleisch ist
+wohlschmeckend. Der dumme Zaun! Als Wohlerzogene steigen wir nicht über
+und suchen weiter. In Buchennähe hier der weiße Mehlpilz (~Paxillus
+prunulus~), auch Moosling oft genannt. Wir ziehen den ersten Namen
+vor, weil er bezeichnend ist. Der Mehlgeruch dieses weißen Kremplings
+ist so auffällig wie bei keinem andern. Außerdem erkennen wir ihn
+an den rötlichen, herablaufenden Lamellen. Da wir eine Menge davon
+einheimsen können, vergessen wir den Schmerz von vorhin. Ein zweiter
+Trost: ein Brätling (~Lact. volemus~) unter Fichten. Zimtorange Stiel
+und Hut. Wir ritzen die gelblichen Lamellen dieses derben Pilzes an und
+finden, daß die weiße Milch strotzend fließt. Mild wie sie schmeckt
+auch das Fleisch. Ein Leckerbissen! Dort steht ein Stock voll goldner
+Glöckchen. Sind es Blumen? Nein. Eine Kolonie vom rostgelben Nabeling
+(~Omphalia campanella~). Der rotgelbe Glockenhut, kaum zwei Zentimeter
+breit, ist schön gerieft. Die gelben Lamellen stehen fast entfernt. Das
+kastanienbraune, nach unten verjüngte Stielchen scheint in Fuchspelz zu
+stecken, so behaart ist sein Fuß. – Mittlerweile haben wir die Gegend
+von Klotzsche erreicht und hören links vom Prießnitzbad herüber den
+vielstimmigen Jubel der Badenden. Nun mit dem Flüßchen abwärts! Hier
+ein kanariengelber Täubling (~_Russ. flava_ Rom.~). Weil er nicht im
+Ricken steht, sei er genau beschrieben. _Hut_ zitronengelb, glatt,
+fünf bis zehn Zentimeter breit, erst gewölbt, dann ausgebreitet,
+schließlich schwach vertieft, Rand glatt. _Lamellen_ erst fast weiß,
+später mattneapelgelb, von einigen kürzeren unterbrochen, schwachbogig
+angeheftet, fast gedrängt. _Stiel_ erst weiß, später schwach hellgrau,
+zart längsriefig, gleichdick oder nach unten zugespitzt, schwammig
+ausgefüllt, 4–5 : 1,5–2 Zentimeter, außen derb. _Fleisch_ weiß, wird
+bald grau, ziemlich starr, schmeckt mild und angenehm, riecht kaum.
+_Sporen_ weißlich, kugelig, stachelig, 8–10: 7–9 µ, Basidien 40–43:
+9–12 µ, Cystiden keulig mit aufgesetztem Spitzchen, 60–70: 10–14 µ. –
+Auch den fleischroten Täubling (~R. depallens~) ergattern wir. Dieser
+milde Weißsporer ist vor allem an der bräunenden Basis des weißen
+Stieles zu erkennen. Die gedrängten Lamellen sehen weißlich aus. Der
+violettpurpurne Hut bekommt bald gelbe Flecke, namentlich in der
+Mitte. Dann finden wir den Stink-Täubling (~R. foetens~), ein scharfer
+Weißsporer ohne Küchenwert. Sein braungelber, schmieriger Hut mit
+höckerig gerieftem Rande sitzt auf einem gelblichen, derben Stiele. Die
+gelblichen, ungleichlangen Lamellen tränen oft. Er riecht nach bitteren
+Mandeln. – Im Bereich der Laubbäume am Prießnitzufer pflücken wir den
+Gelbmilcher (~Lactarius quietus~). Auf rötlichem, höckerigem Stiel
+ein rotbräunlicher, klebriger, undeutlich gezonter Hut, der rötliche,
+weißbestäubte Lamellen zeigt. Dem rötlichen, eßbaren Fleische entquillt
+eine blaßgelbe, unveränderliche Milch. Zum Schlusse erbeuten wir noch
+eine stattliche Anzahl vom rötenden Schirmling (~Lepiota rhacodes~). Er
+sieht dem großen Schirmling (~Lepiota procera~) ähnlich, unterscheidet
+sich aber von diesem durch das rötende Fleisch, den glatten, nicht
+schraffierten Stiel und die derbe Fußknolle.
+
+[Illustration: Abb. 8. =Großer Schirmpilz=]
+
+Unser dritter Ausflug erfolgt Anfang August und beginnt bei dem
+Bühlauer Rathaus, wo wir die Linie 11 verlassen. In der Richtung des
+Nachtflügels gehen wir zunächst nach Ullersdorf. Viel Fichtenwald.
+Da steht am Grabenrand der Pfeffer-Röhrling (~Boletus piperatus~),
+deshalb so genannt, weil sein bleibendgelbes, saftiges Fleisch
+pfefferig schmeckt. Darum kann er höchstens als würzender Zusatz
+verwendet werden. Der bräunlichgelbe, kahle Hut wird nur drei bis fünf
+Zentimeter breit. Die rötlichen, weiten, eckigen Röhren laufen am
+Stiel etwas herab. Der gelbbräunliche Stiel sieht unten zitronengelb
+aus. – An einem Stumpf in Massen der eßbare Glimmertintling (~Coprinus
+micaceus~): auf gelblichem Stiel ein rostgelber, faltiger Glockenhut,
+der jung mit weißlichen Körnchen besetzt ist und drei bis vier
+Zentimeter breit wird. Die anfangs blassen Lamellen bräunen und
+schwärzen schließlich. – Am grasigen Waldrand da die dottergelbe
+Keule (~Clavaria similis~), ein gelbes, zungenförmiges, sieben
+Zentimeter hohes Pilzchen, das im getrockneten Zustande fast wie
+Leuchtgas riecht. – An abgefallenen Ästchen der gemeine Spaltblättling
+(~Schizophyllum commune~). Ein grauweißes, fächerförmiges, filziges
+Hütchen mit rötlichgrauen Lamellen, deren Schneide gespalten, sitzt
+stiellos am Holz. – Im Fichtengebüsch steht der seltene wieselfarbige
+Täubling (~Russ. mustelina~), ein milder Weißsporer mit orangebraunem,
+glanzlosem Hute, der glattrandig und im Alter eingedrückt ist. Die
+gelbweißlichen Lamellen stehen gedrängt, der weißliche Stiel ist
+zylindrisch und derb, das weiße Fleisch schmeckt angenehm. – An
+Reisern hier winzige, graubraune Glöckchen auf hellgrauem, glattem
+Stiel: der fadenstielige Helmling (~Mycena filopes~). – Auch den
+purpurschneidigen Helmling (~Mycena sanguinolenta~) könnten wir hier
+finden. Dieser blaßrötliche, kleine Helmling zeichnet sich dadurch
+aus, daß seine entfernt stehenden, weißlichen Lamellen eine purpurrote
+Schneide haben. – Kurz vor Ullersdorf finden wir noch einen kleinen:
+den honiggelben Schnitzling (~Naucoria melinoides~). Sein zwei
+Zentimeter breiter, ockergelblicher, glatter Hut sitzt auf einem
+rostbräunlichen, schlanken Stiele, dessen Spitze bereift ist. Die
+ockerhellen, schmalen Lamellen stehen gedrängt und haben eine gekerbte
+Schneide. – Das Dorf in Sicht. Freitag heute. Da gibt’s im Gasthof
+frisches Wellfleisch. Der Magen fordert seine Rechte – und soll sie
+haben.
+
+[Illustration: Abb. 9. =Kartoffel-Bovist=]
+
+Nach vollbrachter Stärkung biegen wir am nördlichen Dorfende westlich
+ab, um in der Nähe des Bischofsweges zu suchen. Inwieweit dieser
+Wegname berechtigt ist, bleibe dahingestellt. Jedenfalls haben
+die Meißner Bischöfe auf der Reise nach ihrem Schlosse Stolpen
+diesen Weg weit weniger benutzt als den weiter südlich gelegenen
+Dresdner Bischofsweg. – Auf braunem Tangel violette Pilze? Aha, der
+Rettich-Helmling (~Mycena pura~). Ein blaurötlicher riefrandiger
+Glockenhut, vier Zentimeter breit, sitzt auf einem blassen, nackten
+Stiel. Die weißlichen, breiten Lamellen sind durch Queradern verbunden.
+Er riecht nach Rettich und ist eßbar. – Weniger schön als dieser ist
+sein Nachbar, der rasige Schwindling (~Marasmius confluens~). Er
+steht büschelig. Hut rotgelblich, glockig, zartgerieft, zwei bis vier
+Zentimeter breit, Lamellen braungelblich, sehr gedrängt und schmal;
+Stiel bräunlich, filzig und verdreht. – Da drüben Rehe! In diesem
+stadtfernen Waldwinkel können wir das geheimnisvolle Schweigen im Walde
+mit Behagen genießen. Höchstens, daß der Schrei eines Raubvogels uns
+an den Kampf ums Dasein erinnert. Wir suchen schlendernd weiter. Ein
+seltener Fund hier: der vierteilige Erdstern (~Geaster coronatus~),
+wie eine graubraune Kugel mit kurzem Stiel, gestützt auf vier braune,
+breite, gebogene Lappen. – Sodann zinnoberrote Täublinge (~Russ.
+lepida~). Ihr zartbereifter Hut sitzt auf einem weißen, harten Stiele,
+der oft auch zinnoberrot angelaufen ist oder ganz so rot aussieht
+wie der Hut. Von allen anderen roten Täublingen unterscheidet sich
+dieser durch sein sehr hartes Fleisch, das nach Terpentin schmeckt.
+– Und dort der graustielige Täubling (~Russ. decolorans~), dessen
+weißer, oft rosa angehauchter Stiel stark gerunzelt ist und im Alter
+grau wird. Sein Fleisch läuft an den Bruchstellen bräunlich an. Sein
+ockerrötlicher, derber Hut bekommt im Alter einen gerieften Rand und
+wird sechs bis zehn Zentimeter breit. Seine Lamellen sind neapelgelb
+und ziemlich breit. – Und dort, wo das Eichhorn die Buche erklimmt,
+ein Heer von gelblichen Stachelpilzen: der Stoppelpilz (~Hydnum
+repandum~). Die verbogenen Hüte sind zum Teil ineinander gewachsen;
+ihre Unterseiten zeigen gelbliche Stacheln; ihr weißlicher Stiel steht
+oft exzentrisch. Eßbar. Auch der Habichtschwamm ist hier heimisch
+(~Hydnum imbricatum~). Sein umbrabrauner, ruppiggeschuppter Hut
+steht auf einem kurzen, grauen Stiele. Die hellgrauen, pfriemlichen
+Stacheln werden später braun. Auch er kann für die Küche gesammelt
+werden. Nur muß man sich hüten, den sehr ähnlichen bitteren Stacheling
+mit in die Schachtel zu bekommen. – Am ~C~ angekommen, gehen wir
+auf diesem nach Südwest bis zum Ochsensteig, der uns zur Heidemühle
+führt. In einer birkenreichen Fichtenschonung steht herdig der
+rötliche Lacktrichterling (~Clitocybe laccata~), von Ricken wegen
+seiner Veränderlichkeit Chamäleon genannt. Hut englischrot, etwa vier
+Zentimeter breit; Lamellen blasser und mit violettem Scheine, dick,
+entfernt, weißmehlig; Stiel gleichfarbig, schlank, faserig gestreift.
+Eßbar. Auch die violette Form (~amethystina~) kommt in der Heide
+vor. – Nachdem wir uns an der Purpurpracht des massenhaft blühenden
+Weidenröschens (~Ep. angustifol.~) satt gesehen, wandern wir westwärts
+weiter. Der halbgiftige Kartoffel-Bovist (~Scleroderma vulgare~, Abb.
+9), der leider immer noch als Trüffel verkauft wird, ist hier nicht
+selten. Da er einer warzigen Kartoffel ähnelt, erübrigt sich eine
+Beschreibung. Noch häufiger tritt der olivbraune Milchling (~Lactarius
+turpis~) auf, der nicht mehr Mordschwamm genannt werden sollte, weil
+er diesen abschreckenden Namen nicht verdient. Er wird sogar in
+manchen Gegenden Deutschlands gern gegessen. Hut und Stiel olivbraun;
+Lamellen gelblich; Milch weiß, graufleckend. Schärfer als dieser
+schmeckt der ebenfalls vorkommende perlblättrige Milchling (~Lactarius
+pyrogalus~), dessen weiße Milch oft tropfenweise an den ockerblassen
+Lamellen hängen bleibt und eintrocknet. Sein violettbraungrauer Hut
+ist undeutlich gezont, fünf bis sieben Zentimeter breit, feucht. Der
+Stiel ist gleichfarbig, aber blasser, runzlig, kahl, nach unten meist
+verjüngt und zuweilen hohl. – An faulenden Ästchen wuchs herdig ein
+graugelber, topfförmiger: der Tiegel-Teuerling (~Cyathus crucibulum~),
+der fünf bis acht Millimeter breit wird. Er ist mit winzigen Scheibchen
+(~Peridiolen~) gefüllt, die wie verkleinerte Münzen aussehen und
+zu allerlei Aberglauben Anlaß gegeben haben. – Die Heidemühle wird
+sichtbar. Wir begrüßen sie mit Jodeln.
+
+Nachdem wir uns gestärkt haben, streben wir östlich von der Radeberger
+Straße stadtwärts. Eine sehr alte Straße. Was alles mag sie schon
+gesehen haben? Reihen schwerer Kaufmannswagen, von bewaffneten Reitern
+beschützt. Scharen beutegieriger Hussiten, bewaffnet mit Spießen und
+Stachelkeulen. Fürstliche Jagdzüge mit Hunden und Falken. Soldaten
+verschiedener Zeiten und zahllose Wanderer. Und jetzt knattern die
+Autos bergauf und bergab. – Nun links in den Wald hinein! Beim
+eifrigen Suchen streichelt uns ein Fichtenzweig nach seiner eigenen
+Art. Rechts von dem Ameisenhaufen dort stehen Kampfer-Milchlinge
+(~Lactarius camphoratus~). Dieser mittelgroße Pilz sieht im ganzen
+dunkelpurpurn aus. Sein ungezonter, runzliger Hut ist meist spitz
+gebuckelt, seine gelblichen Lamellen sind oft bestaubt. Das Fleisch
+riecht nach dem Urteil mancher Nasen wie Zichorie, nach dem anderer
+wie Kampfer. Seine weiße Milch ist mild. – Und was steht dort? Ein
+Stink-Schirmling (~Lepiota cristata~). Auf silberweißem Stiel mit
+abfälligem Ring ein weißlicher, drei Zentimeter breiter Kegelhut, den
+rostgelbe, konzentrisch gereihte Schüppchen schmücken. Die weißen
+Lamellen haben eine flockige Schneide. Riecht heringsartig. Auch den
+wolliggestiefelten Schirmling (~Lepiota clypeolaria~) können wir hier
+finden. Er ist etwas größer als der vorige und hat einen gelblichen
+Glockenhut, der einen beschuppten, ockerrötlichen Scheitel und einen
+zottigen Rand hat. Der unberingte, schlanke, hohle Stiel ist schuppig.
+– Und hier in Menge der gelbstielige Helmling (~Mycena epipterygia~).
+Ein weißliches, schleimiges, gefurchtes Glockenhütchen sitzt auf
+einem zitronengelben, schlanken Stiele, der mit einer klebrigen,
+gummiartigen Haut überzogen ist. – Im Fichtengebüsch da der echte
+Reizker (~Lactarius deliciosus~), Stiel und Lamellen orangerot, Hut
+orangerötlich mit grünlicher Mitte, Milch orangerot und mild. Sie alle
+werden arretiert.
+
+[Illustration: Abb. 10. =Violettlicher Milchling=]
+
+Ende August ist gekommen, und Regen fiel in Menge. Darum frischauf
+zur Pilzpirsch! Diesmal verlassen wir die Linie 11 bei der Saloppe,
+um durch den Schotengrund zu gehen und dann dem Fuße des Wolfshügels
+zuzustreben. Die Buchen im Grund begünstigen eine eigenartige
+Pilzflora. So finden wir hier das Hasenohr (~Otidea leporina~),
+ein ohrähnlicher, ockerrötlicher Pilz mit kurzem, zottigem Stiele.
+Wegen seiner Seltenheit lassen wir ihn stehen, obwohl er verspeist
+werden kann. – Nicht weit davon der dunkle Schleimkopf (~Phlegmacium
+obscurocyaneum~). Er hat einen violettbraunen, klebrigen, dunkler
+geflammten Hut, der etwa fünf Zentimeter breit ist. Die sepiabraunen,
+gekerbten Lamellen stehen entfernt und sind abgerundet angewachsen.
+Der kurze, keulige Stiel sieht unten blaßviolettbraun aus, oben aber
+violett. Sein geruchloses, mildes Fleisch ist in der Jugend überall
+violett, blaßt aber im Alter aus. Seine Genießbarkeit ist noch
+nicht erprobt. Aber den sehr ähnlichen eingeknickten Schleimkopf
+(~Phlegmacium infractum~) habe ich schadlos gegessen. Das Dunkelbraun
+seines glockigen Hutes neigt etwas ins Grüne, und der Hutrand ist
+eingebogen. Die olivbraunen, ganzrandigen Lamellen sind buchtig
+angewachsen. Der blaßbraune, graugestreifte Stiel ist oben bläulich und
+hat unten eine dicke Knolle. – Östlich nach dem Wolfshügel abbiegend,
+finden wir am Talrande einen anderen Seltling: den violettlichen
+Schwindling (~Marasmius Wynnei~). Er wechselt seine Farbe öfter als
+ein strebsamer Ministerkandidat. Sein anfangs weißer, drei bis sechs
+Zentimeter breiter Glockenhut verfärbt über rosa zu trübviolett,
+ist dünn, zäh und runzlig. Die entfernten, dicken, freien Lamellen
+sind erst weiß und werden später violettbräunlich. Die zugespitzte
+Basis des weißlichen Stieles ist erst fuchsrot und später braun, der
+Oberstiel ist kleiig, bereift und an der Spitze erweitert. – Am Fuße
+des Wolfshügels finden wir noch einen seltenen: den rötlichen Röhrling
+(~Tubiporus rubellus Krombh.~). Hut rötlich, drei bis sieben Zentimeter
+breit, flachgewölbt, oft eingedrückt, Rand nach unten gebogen; Röhren
+gelb, eng, rund, um den Stiel herum vertieft; Stiel wie Hut gefärbt, am
+Fuße braungelb, glatt, oft verbogen, netzlos, zylindrisch, sechs bis
+zwölf Zentimeter hoch; Fleisch bleibendgelb, mild, genießbar. – Auf den
+Turm des Wolfshügels steigen wir heute nicht, weil für Pilzsucher die
+Aussicht unten besser ist.
+
+[Illustration: Abb. 11. =Schafeuter=]
+
+Nun verfolgen wir das ~C~, rechts und links abweichend. Da, wo der
+Ameisenlöwe »andern eine Grube gräbt«, steht der stumpfe Glöckling
+(~Nolanea proletaria~). Der bräunliche, durchscheinend geriefte,
+drei Zentimeter breite Glockenhut mit dunkelzottigem Scheitel sitzt
+auf einem braunen, glatten, kahlen Stiele, der meist breitgedrückt
+erscheint. Die rötlichen Lamellen stehen entfernt. – Auch den tranigen
+Glöckling (~Nolanea mammosa~) können wir in der Heide antreffen.
+Hut olivbraun, mit spitzem Höcker, durchscheinend gerieft, zwei bis
+vier Zentimeter breit; Stiel gleichfarbig aber blasser, schlank,
+steif; Lamellen rötlich, sehr breit. Er riecht tranartig und wächst
+wie der vorige auf faulenden Blättern. – Hierauf entdecken wir einen
+violettlichen Milchling (~Lactarius flexuosus~, Abb. 10); Hut und Stiel
+hellviolettbraun, auch ins Rötliche spielend. Der kahle, trockne,
+eingeknickte Hut ist nicht immer gezont; die rotgelblichen, dicken
+Lamellen stehen entfernt; die Milch ist bleibendweiß und scharf. –
+Der Schwefelmilchling (~Lactarius theiogalus~) kommt in dieser Gegend
+auch vor. Er heißt deshalb so, weil seine Milch langsam schwefelgelb
+wird. Sein rosagelblicher, ungezonter, zart gerunzelter Hut sitzt auf
+einem gleichfarbigen, wellig-unebenen Stiele, dessen Fuß purpurbraun
+aussieht. Die rotgelblichen dünnen Lamellen stehen gedrängt. Das
+gilbende, scharfe Fleisch gilt als verdächtig. – Weiterhin der
+Semmelpilz (~Polyporus confluens~): mehrere semmelgelbe Hüte, die
+oft verwachsen sind, kommen aus einem derben, weißlichen Strunke.
+Die weißlichen, engen, kurzen Röhren laufen etwas am Stiele herab. –
+Auch das ähnliche Schafeuter (~Polyporus ovinus~, Abb 11), ist hier
+heimisch. Hut, Stiel und Röhren gelblichweiß, oft schwach grünlich; im
+Bau dem vorigen ähnlich.
+
+[Illustration: Abb. 12. =Flaschenstäubling=]
+
+Auf schwellendem Moospolster lagern wir uns, um unser Frühstück zu
+verzehren und dem Rauschen der heute besonders stark bewegten Wipfel
+zu lauschen. Diese eigenartige Musik erinnert uns an das Meer, dem der
+Wald in manchem ähnelt. Machen doch beide den Eindruck geheimnisvoller
+Unendlichkeit. – Nun weiter bis zur Kreuzung des Blaurot-Weges, der
+uns nach Klotzsche führen soll. An einem Buchenstumpf der angebrannte
+Porling (~Polyporus adustus~) in mehreren Exemplaren. Dieser olivgraue,
+runzlige, undeutlich gezonte Pilz sitzt wie eine halbkreisförmige
+Muschel am Stamm. Die jungen sind weiß berandet. Die weißen Röhren
+werden nach Berührung schwarz, daher der Name. – Auf weichem Tangel
+weiterschreitend, kommen wir zu einem rötenden Porling (~Polyporus
+leucomelas~): auf grauem Stiel ein schwärzlicher, schuppiger,
+unregelmäßiger Hut, dessen Unterseite hellgraue, ziemlich weite Röhren
+zeigt. Nach Anbruch rötet das weiße Fleisch des Hutes, während das des
+Stieles schwärzt. – Dort braunrote Milchlinge in Menge (~Lactarius
+rufus~): Hut und Stiel braunrot und rauh; Lamellen rötlichgelb. Obwohl
+die bleibendweiße Milch und das gelbrötliche Fleisch roh sehr beißend
+schmecken, kann dieser Pilz nach zweistündiger Wässerung gegessen
+werden, besonders als Salat zubereitet. – In der Nähe der schönen
+Quelle können wir das grüngelbe Gallertköpfchen (~Leotia gelatinosa~)
+sammeln. Das darmartig gewundene, grüngelbe Hütchen sitzt auf einem
+gelben, schuppigpunktierten, oft breitgedrückten Stiele, der fünf bis
+sechs Zentimeter hoch und zuletzt hohl ist. Im Juni hätten wir hier
+auch den Sumpfhaubenpilz (~Mitrula phalloides~) finden können. Auf
+weißlichem Stiel ein orangegelbes Köpfchen. – Oh, da auch eine krause
+Glucke (~Sparassis crispa~): ein badeschwammähnliches, weißes Gewirr
+von Zweigen, deren Enden umgeschlagen und gesägt sind, etwa zwanzig
+Zentimeter breit im Durchmesser. – Häufig tritt der ockerblättrige
+Täubling auf (~Russ. alutacea~), ein milder, stattlicher Gelbsporer,
+dessen Lamellen sehr früh ockergelb werden. Sein weißer, zylindrischer
+Stiel kann auch rosa angelaufen sein. Der trübpurpurne, klebrige Hut
+hat eine gelbliche Scheibe und gefurchten Rand. – Noch häufiger ist
+der Speiteufel (~Russ. emetica~). Auf einem weißen, nach unten meist
+verdickten Stiele sitzt ein blutroter, mittelgroßer Hut mit gerieftem
+Rande und weißen, entfernten Lamellen. Er schmeckt zwar sehr scharf,
+aber seine Giftigkeit wird in Zweifel gezogen. Da es zwischen ihm
+und dem ähnlichen, aber kleineren gebrechlichen Täubling (~Russ.
+fragilis~) eine Menge Zwischenstufen gibt, verursacht dieser Pilz den
+Forschern noch viele Streitigkeiten, in die wir uns heute nicht mengen
+wollen. – Nach Überschreitung der Radeberger Straße nähern wir uns
+dem Vogelherde, der aber links liegen bleibt. Weiterhin beobachten
+wir Bauern, die (nach Einholung eines bezahlten Erlaubnisscheines)
+dem Waldboden Spreu entnehmen, und zwar nicht bloß Gras. Der
+Pilzfreund bedauert das. – Weitergehend gewahren wir den Dauerporling
+(~Polystictus perennis~), der von Ricken gebänderter Schillerporling
+genannt wird. Ein zimtbrauner, buntgebänderter, lederiger Trichterhut
+sitzt auf einem rostbraunen, samtigen, dünnen Stiele, der abwärts
+verdickt ist. Die anfangs gelblichen, später rostbraunen, kurzen Röhren
+haben enge, eckige Poren. Ungenießbar wie der, den wir unweit davon
+finden: der Eichen-Knäuling (~Panus stipticus~.) Zimtgelbe, kleine
+Fächer mit aufwärts verdickten, kurzen Stielen an einem Eichenstumpfe
+sitzend. Eigenartig an den gleichfarbigen, gedrängten Lamellen sind die
+verbindenden Querwände. – Sehr häufig ist der blutblättrige Hautkopf
+(~Dermocybe anthracina~). Der zimtbraune, vier bis sechs Zentimeter
+breite Glockenhut hat dunkelkarmin gefärbte Lamellen, einen gelblichen
+Stiel, der blutrot gefasert ist und oben ockerrote Schleierreste trägt.
+Dieser Pilz bekommt uns so schlecht, daß man ihn zu den Giftpilzen
+rechnen kann. Von oben gesehen, ähnelt ihm der zimtbraune Hautkopf
+(~Dermocybe cinnamomea~). Aber sein Fleisch ist gelb, nicht rötlich
+wie bei jenem. Stiel zitronengelb; Lamellen zimtgelb. Seine große
+Veränderlichkeit narrt sogar den Pilzkenner. – Birken zieren den
+Weg und darunter das Violettrosa des Heidekrautes, von dem wir uns
+einen Strauß mitnehmen dürfen, weil es massenhaft vorkommt. – Sehr
+häufig begegnen wir dem Heideschleimfuß (~Myxacium mucosum~), von
+Ricken kompakter Schleimfuß genannt. Er fällt schon von weitem durch
+den zimtgelben Hut auf. Seine zimtbraunen, fast gedrängten Lamellen
+sind meist ausgebuchtet angewachsen. Obwohl sein blaßvioletter Stiel
+und sein Hut mit Schleim überzogen sind, wird er oft gegessen. –
+Von ferne ähnelt ihm der hier auch wachsende, aber viel seltenere
+goldgelbe Gürtelfuß (~Telamonia gentilis~). Er hat einen goldgelben,
+zwei bis vier Zentimeter breiten Hut, der meist spitz gebuckelt ist.
+Sein innen und außen goldgelber Stiel ist schwefelgelb gegürtelt.
+Lamellen zimtgelb, breit und sehr entfernt. – Etwas häufiger als
+dieser ist der rotgebänderte Gürtelfuß (~Telamonia armillata~). Ihn
+erkennt man sofort an den zinnoberroten Ringen, die den bräunlichen
+Stiel schmücken. Sein feinschuppiger Hut sieht rotbräunlich aus. –
+Hurra, auch den Blut-Egerling (~Psalliota silvatica~), den viele noch
+Wald-Champignon nennen, finden wir in größerer Anzahl. Sein Name weist
+auf das Rotanlaufen seines wohlschmeckenden Fleisches hin. Auf einem
+bräunlichen, feinbeschuppten, braunberingten Stiele ein gelbbrauner,
+fünf bis acht Zentimeter breiter Hut mit umbrabraunen Schuppen. Das
+Rotgrau der Lamellen geht über rotbraun zu sepia über. – Der viel
+größere hohlstielige Riesen-Egerling (~Psalliota perrara~), der am
+braungelben, flockigen Hute und am gelbberingten, blassen, hohlen
+Stiele erkenntlich ist, kommt in der Dresdner Heide selten vor.
+Dasselbe gilt von einem anderen großen Pilze, dem Riesen-Ritterling
+(~Trichol. colossus~). Zinnoberbräunlich sind bei ihm Hut, Stiel und
+Lamellen. Das Fleisch nimmt nach Anschnitt langsam eine ziegelrote
+Färbung an. Den obersten Teil des sehr dicken und kurzen Stieles bildet
+eine weißliche, kleiige Zone. Dieser Riese, dessen Hut bis zwanzig
+Zentimeter breit wird und der selten ganz aus der Erde hervorkriecht,
+kann gegessen werden. Daß er und viele andere Pilze in der Dresdner
+Heide immer seltener werden, liegt nicht bloß an dem rücksichtslosen
+Ausbeuten, sondern auch an der Unart mancher Menschen, alle Pilze
+umzustoßen. Sie denken nicht daran, daß damit die Vermehrungsfähigkeit
+der Pilze gemindert wird. Sie wissen vermutlich auch nicht, daß die
+Pilze durch die Tätigkeit ihres Mycels den Boden erschließen helfen.
+– In der Nähe des Sandschluchtweges finden wir zwei sehr umstrittene
+Täublinge, die wir aus dem bereits erwähnten Grunde bis auf weiteres
+nach Ricken benennen. Der eine ist der glänzende (~R. nitida~), so
+genannt, weil sein dunkelpurpurner, meist gebuckelter, riefrandiger
+Hut glänzt. Die neapelgelben Lamellen stehen gedrängt und sind am
+Grunde aderig verbunden. Der weißliche, glatte, zylindrische Stiel
+ist gebrechlich. – Der andere heißt anlaufender (~R. Linnaei~), weil
+sein weißes Fleisch an der Luft bräunlichgelb anläuft. Außerdem ist er
+am Heringsgeruch und an dem stark gerunzelten, meist geröteten Stiel
+erkenntlich. Sein blutroter Hut hat immer eine glanzlose, schwarze
+Scheibe und einen kaum gerieften Rand. – Leichter zu bestimmen ist der
+kohlige Täubling (~R. nigricans~). Ihn erkennt man an den gelblichen,
+dicken, entfernten, ungleichen Lamellen, deren Schneide nach Berührung
+erst rötlich und später schwarz wird. Der bis zu vierzehn Zentimeter
+breit werdende Hut ist erst graubraun, wird aber bald schmutzigsepia.
+Dasselbe gilt von seinem kurzen, harten Stiele. Das Fleisch rötet.
+Aber der sonst ähnliche angeräucherte Täubling (~R. adusta~) hat
+unveränderliches Fleisch und dünne, gedrängte Lamellen. Beide sind zwar
+eßbar, stoßen aber durch die Härte ihres Fleisches ab. In der Nähe
+des Prießnitzbades sichten wir noch den Feld-Trichterling (~Clitocybe
+dealbata~). Das Weiß des vier Zentimeter breiten Hutes neigt in grau,
+der Hutrand ist eingerollt. Die weißlichen Lamellen sind dünn, gedrängt
+und kaum herablaufend. Der weiße, zylindrische, flockige Stiel ist vier
+Zentimeter hoch. Das weiße, milde, eßbare Fleisch riecht und schmeckt
+nach Mehl. Ricken schreibt zwar, daß er außerhalb des Waldes vorkomme,
+aber ich habe ihn mit Herrmann hier am Wege gefunden. –
+
+[Illustration: Abb. 13. =Hallimasch=]
+
+Nun kehren wir im Klotzscher Bahnhof ein. Hernach durchstöbern
+wir den zur Heide gehörigen Klotzscher Waldpark und das südlich
+davon gelegene Waldgebiet. Da entnehmen wir einem prächtigen
+Moospolster den keulenfüßigen Trichterling (~Clitocybe clavipes~):
+auf einem braungrauen Stiele mit dickkeuliger Basis sitzt ein
+ebenso gefärbter, tiefgetrichterter, schwachgebuckelter Hut, der
+gelbweiße, schmale, herablaufende Lamellen hat. – Und dort vor
+der stattlichen Buche eine Menge Flaschenstäublinge (~Lycoperdon
+gemmatum~, Abb. 12), bovistähnliche, flaschenförmige, weißliche
+Pilze, die mit zerbrechlichen Stacheln massig bedeckt sind. Jung
+genießbar. Die älteren haben eine graubräunliche Färbung. – Von
+feuchten Stellen leuchtet uns der orangerote Schüsselpilz entgegen
+(~Aleuria aurantiaca~), zwei bis zehn Zentimeter große, orangerote
+Näpfchen, deren Außenseite etwas blasser ist. In der Farbe ähnlich,
+aber kleiner und flacher ist der spindelsporige Schüsselpilz
+(~Humaria ollaris~), den wir in dieser Gegend auch finden können. –
+Weiter nach Süden zu fallen uns noch einige Schnitzlinge auf, der
+weißschneidige (~Naucoria tenax~): ein höchstens drei Zentimeter
+breiter, ockerbräunlicher, durchscheinend geriefter Glockenhut mit
+rostbraunen, weißschneidigen Lamellen sitzt auf einem rotbraunen,
+gleichdünnen Stiele, der blasse Schüppchen trägt. Sodann der braungrüne
+Schnitzling (~Naucoria myosotis~) auf Buchenlaub. Ihn erkennen wir
+sofort an den blaugrünlichen Stellen des sonst bräunlichen, im Alter
+gilbenden Glockenhütchens. Seine anfangs weißen, später rostbraunen
+Lamellen haben eine weiße, gesägte Schneide. Sein blaßbräunlicher,
+gefaserter, schlanker Stiel hat eine bereifte Spitze. – Nachher einer,
+der uns durch seinen braunschwarzen Stiel und seinen gurkenähnlichen
+Geruch sofort auffällt, es ist der Gurken-Schnitzling (~Naucoria
+cucumis~). Der drei Zentimeter breite, kastanienbraune Kegelhut hat
+einen gelblichen Rand, der im feuchten Zustande durchscheinend gerieft
+ist. Seine rötlichgelben Lamellen sind breit und frei.
+
+[Illustration: Abb. 14. =Großer Gelbfuß=]
+
+September! Unser Pilzeifer wächst in demselben Maße, wie die
+Tageshelle abnimmt. Wir verlassen die Linie 11 bei der Saloppe und
+gehen nochmals durch den Schotengrund. Hier finden wir zunächst
+den galligen Täubling (~Russ. fellea~), ockerblaß in allen Teilen
+und scharf schmeckend, während der ähnliche Ocker-Täubling (~Russ.
+ochracea~) mild ist. – Am Südende des Eisenborngrundes wächst der
+graugrüne Milchling (~Lactarius blennius~), erkenntlich am graugrünen,
+schmierigen Hute, der oft rötliche Flecke zeigt und weißliche, sehr
+gedrängte, herablaufende Lamellen hat. Der etwas blassere Stiel ist
+schmierig, gleichdick und fast grubig. Seine weiße, scharfe Milch sieht
+eingetrocknet graugrün aus. – Weiter oben guckt aus dem Laube des
+Buchenwaldes ein winziges, schwarzes Kerlchen: der bereifte Helmling
+(~Mycena atroalba~). Hut schwarzbraun, ein bis zwei Zentimeter breit,
+wie bereift, runzlig-gerieft, glanzlos, glockig; Lamellen grau, dick,
+entfernt, angeheftet; Stiel unten schwarz, oben grau, oft verdreht,
+knorpelig, hohl; Fleisch graubraun, mild, geruchlos, saftreich. – An
+den Absperrungsstangen des ersten Teiches wächst die Fenchel-Tramete
+(~Trametes odorata~). Sie sitzt am Stamm wie eine rotbraune, filzige,
+konzentrisch gefurchte Konsole, deren schlitzlöcherige Unterseite
+zimtfarbig aussieht. – Und gleich daneben der schmucke Zaunblättling
+(~Lenzites saepiaria~). In Gestalt dem vorigen ähnlich, unterscheidet
+er sich durch seinen kastanienbraunen, gezonten, filzigen Hut, der
+einen orangerötlichen Rand hat. Seine rotgelben, dicken Lamellen sind
+verzweigt. Sein zimtfarbiges, lederhartes Fleisch ist ungenießbar. –
+An einem Stumpfe sitzen rillstielige Helmlinge (~Mycena polygramma~).
+Ein drei bis vier Zentimeter breiter, hellgrauer, geriefter, nackter
+Glockenhut sitzt auf einem bläulichgrauen, schlanken, glänzenden
+Stiele, der regelmäßige Längsriefen zeigt. Seine weißlichen Lamellen
+nehmen oft einen rötlichen Ton an. – Nach Überquerung der Radeberger
+Straße streifen wir nördlich dem Forstehrenmale zu. In Mengen der
+blaßgelbe Täubling (~Russ. ochroleuca~). Der blaßockergelbe, sechs
+bis acht Zentimeter breite Hut mit schwach gerieftem Rand sitzt auf
+einem weißlichen, gerunzelten Stiel. Lamellen weiß, Fleisch scharf. –
+Ein anderer beißender Täubling steht nicht weit davon: der tränende
+(~Russ. sardonia~), über den die Spezialforscher auch noch nicht
+einig sind. Ihn erkennt man am sichersten an dem schwefelgelblichen
+Tone der oft tränenden Lamellen, denn dieses Gelb haben andere
+Täublingslamellen nicht. Kennzeichnend ist ferner das Rotviolett
+des Stieles. Die Farbe des Hutes ist veränderlich, meist ist es ein
+trübes Violettrot. Manche halten ihn für giftig, was noch zu beweisen
+wäre. – Lieber als diesen finden wir den eßbaren bereiften Täubling
+(~Russ. xerampelina~). Sein blaupurpurner Hut ist zart bereift; sein
+weißer, oft rosa angelaufener Stiel hat weißes, nicht verfärbendes
+Fleisch, das am Stielfuße nach Jodoform riecht (Schäffer). – Und dort
+in Massen der Hallimasch (~Clitocybe mellea~, Abb. 13), von allen
+Baumfreunden gehaßt, weil er als gieriger Holzzerstörer großen Schaden
+anrichtet. Das Honiggelb seines beschuppten, fünf bis zehn Zentimeter
+breiten Hutes spielt oft ins Grünliche; Lamellen rötlichgelb; Stiel
+braungelb mit aufsteigendem Ring und schwärzender Basis. Seine als
+~Rhizomorpha subcorticalis~ bekannten Mycelstränge dringen meist von
+der Wurzel aus in den Stamm ein. Der Forstmann läßt die erkrankten
+Bäume fällen oder durch Stichgräben von ihren gesunden Nachbarn
+absondern. Der Hallimasch wird gern gegessen. – An einem alten Stumpf
+der Gallert-Stacheling (~Tremellodon gelatinosus~), von Dr. E. Ulbrich
+kurz und gut Zitterzahn genannt. Ein bräunlicher, gallertartiger,
+stielloser Hut, der körnigrauh und halbkreisförmig ist, zeigt auf der
+Unterseite bläulichgraue Stacheln. Eßbar. An einem anderen Stumpfe eine
+weiße, breite Haut, die am Rande befranst ist, ein großer Rindenpilz
+(~Corticium giganteum~). Nachher Kuhpilze (~Boletus bovinus~), die zwar
+eßbar aber wenig begehrt sind. Ein mittelgroßer, rotgelbbräunlicher,
+schmieriger Hut sitzt auf einem gleichfarbigen, kurzen, glatten
+Stiele, der im Alter unten trübkarmin wird. Seine graugelben, kurzen,
+weiten Röhren sind zusammengesetzt und fast herablaufend. – Auch den
+infolge eifriger Nachstellung immer seltener werdenden Maronenpilz
+(~Boletus badius~), können wir sammeln. Bekanntlich trägt er auf seinem
+gelbbraunen, glatten, gleichdicken Stiele einen kastanienbraunen Hut
+mit blaßgelben Röhren, die nach Druck blau anlaufen. Bläulich wird an
+der Luft auch das weißliche Fleisch. Weitersuchend gelangen wir an
+das neue Kriegerdenkmal, das in ergreifender Waldeinsamkeit zwischen
+uralten Buchen errichtet ist. Ein verzierter Sandsteinblock, in weitem
+Bogen von einfachen Steinbänken umgeben, zeigt auf der Vorderseite die
+Inschrift: »In ihren geliebten Wald kehrten nicht zurück:« (folgen die
+Namen der im Weltkrieg gefallenen Forstleute). Nachdem wir ihnen ein
+ehrendes Gedenken gewidmet, setzen wir unsere Forschung fort – in der
+Überzeugung, daß nur ernste Arbeit auf allen Gebieten die Schäden des
+Krieges heilen kann. In nördlicher Richtung weitergehend, entdecken wir
+den Erdfaserkopf (~Inocybe geophylla~), einen kleinen, blaßvioletten
+Pilz mit faserigem Hut und schmutzigbraunen, gedrängten Lamellen. Er
+kommt auch weiß vor. Sein widerlicher Geruch erstickt jede Lust zum
+Genießen. Von allen Faserköpfen wird nicht ein einziger gegessen.
+– Anders beim folgenden, dem Schmerling (~Boletus granulatus~).
+Dieser schleimige Röhrling ist gekennzeichnet durch die purpurbraunen
+Wärzchen, die seinen gelben Stiel oben bedecken. Sein bräunlichgelber,
+fast geflammter Hut hat zitronengelbe Röhren, die später olivgelb
+werden. Genießbar wie dieser ist der Butterpilz (~Boletus luteus~),
+der sich durch seinen dunkelbraunen, geflammten Hut von dem schönen
+Röhrling unterscheidet. Beide sind schleimig und haben gelbe, beringte
+Stiele. Aber der Ring des Butterpilzes sieht fast heidelbeerfarbig
+aus, während der seines orangegelben Doppelgängers blaßgelb ist. – Aus
+dem Grün einer Fichtenschonung leuchtet das Rot einiger Fliegenpilze,
+genau so eine Waldschönheit wie das herbstliche Ockergelb des massig
+vorhandenen Waldgrases. Brr, Fäden im Gesicht! »Altweibersommer!«
+Vielleicht blicken die winzigen Spinnen auf diesen fliegenden Fäden
+mit Mandarinenstolz auf den hoch oben vorüberknatternden Postflieger,
+weil ihre Flugfertigkeit die ältere ist. – Wir lagern uns auf blühender
+Heide und frühstücken. Womit bezauberst du uns nur, o Wald? »Ist
+es dein Grün, dein heimlich Dunkel, dein buntes Blühn, dein wirres
+Sonngefunkel?« … Oder steckt in uns ein Erbteil aus den Zeiten unserer
+Urväter, die hier ihre Götter suchten? – Nun auf und weiter! Wir finden
+den großen Gelbfuß (~Gomphidius glutinosus~, Abb. 14), auch Schmierling
+oder Kuhmaul genannt; er ist ein durchaus schleimiger, aber eßbarer
+Pilz, der uns durch seine lilagrauen, sehr entfernten, dicken, weit
+herablaufenden Lamellen auffällt. Gelbfüßler nennt Ricken die ganze
+Gattung, weil bei allen der untere Teil des Stieles gelb ist. Der Hut
+unseres Pilzes zeigt ein violettliches Schokoladenbraun. – Zwischen
+Heidelbeersträuchern der grüngelbe Knollenblätterschwamm (~Amanita
+mappa~, Abb. 15), dessen Hut mit weißen Hüllresten bedeckt ist.
+Erkenntlich vor allem daran, daß sein Fleisch nach rohen Kartoffeln
+riecht. Ob dieser gefährliche Giftpilz wirklich manchen Menschen
+bekommt, ist noch zu beweisen. – Unter den Eichen des Saugartens,
+den wir nun erreichen, finden wir auch den sehr giftigen olivgrünen
+Knollenblätterschwamm (~Amanita phalloides~, Abb. 16~a~), der sich vom
+grünen Täubling schon durch den Ring und die weitrandige Fußknolle am
+grünlichen Stiel unterscheidet. – Nun schwenken wir halblinks nach
+Hochmoor und Prießnitzgrund. Hier wächst der giftige Pantherpilz
+(~Amanita pantherina~). Hut schwarzbraun mit vielen hellen Hüllresten
+und gerieftem Rand; Lamellen weißlich, gedrängt, fast frei; Stiel
+weiß, schlank, aufwärts verjüngt, mit weißem Ring und einer Fußknolle,
+deren obere Ränder fast vom Stiele abstehen. – Ganz ähnlich sieht
+der eßbare gedrungene oder graue Wulstling aus (~Amanita spissa~),
+dessen braungraue Hutfarbe auch dunkel sein kann, der aber glatten
+Hutrand und gerieften Oberstiel hat. Gewöhnlich ist er nicht so
+schlank wie sein glattstieliger Doppelgänger. Da Verwechselungen nicht
+ausgeschlossen sind, mag der Unkundige beide unverspeist lassen. –
+Von ihren Verwandten kommt hier noch der porphyrbraune Wulstling vor
+(~Amanita porphyrea~), der schon am Lilabraun des Hutes erkannt werden
+kann. Lamellen weiß, fast gedrängt, angeheftet; Stiel violettgrau
+mit feiner Zickzackschraffierung, schmalsaumiger Knolle und einem
+weißlichen Ring, der auf der Unterseite violettgrau aussieht. – Indem
+wir absteigend der Prießnitz zustreben, finden wir in großer Anzahl
+Zigeuner, nicht solche die stehlen, sondern die gestohlen sein wollen.
+Wir geben unserer Freude durch Jodeln Ausdruck, das unsere ebenfalls
+suchenden Nebenbuhler dort ärgert, aber bei dem gleichgestimmten
+Echo drüben im Steinbruch Mitfreude auszulösen scheint. Dieser Pilz
+(~Pholiota caperata~), der von Ricken Runzel-Schüppling genannt
+wird, weil sein braungelblicher, bereifter Hut gerunzelt ist, gehört
+zu den wohlschmeckenden. Sein gelblicher, fast zylindrischer Stiel
+trägt einen dauerhaften, hängenden Ring. Seine gelbrötlichen Lamellen
+haben eine gekerbte Schneide. – Nun wandern wir im Prießnitzgrunde
+ein Stück aufwärts. Da hat sich ein Knirps im Grase versteckt: der
+ledergelbe Schwindling (~Marasmius lupuletorum~). Sein gelbliches,
+kahles, gewölbtes Hütchen ist etwa drei Zentimeter breit und hat
+einen ausgebogten Rand, so daß er an einen Regenschirm erinnert.
+Der rotbraune, unten fast schwarze Stiel ist flockig und hat eine
+weißkleiige Spitze. Die gelblichen, dicken, breiten Lamellen stehen
+sehr entfernt und sind breit angeheftet. Das gelbliche Fleisch
+schmeckt herb und ist nicht genießbar. – An feuchten Stellen wächst
+der linsenförmige Rübling (~Collybia clusilis~): auf einem grauen,
+knorpeligen Stiele ein braungrauer, genabelter, ausblassender Hut, der
+etwa zwei Zentimeter breit ist und einen eingebogenen Rand hat; die
+weißlichen, breiten Lamellen stehen gedrängt und laufen etwas am Stiel
+herab. – Dort, wo die Bachstelze aufflog, scheint auch etwas zu stehen.
+Ganz recht, der ungestielte Krempling (~Paxillus panuoides~): ein
+ockerbräunliches, flaumiges, unregelmäßiges Hutgebilde mit olivgelben,
+verästelten Lamellen, die in einem exzentrischen Punkte strahlig
+zusammenlaufen. – Auf einer Brandstelle, wo vielleicht Wandervögel
+freventlich abgekocht haben, der Kohlen-Nabeling (~Omphalia maura~):
+auf schwarzem Stiel ein olivschwärzlicher, glänzender, faseriger Hut,
+der vier Zentimeter breit ist; Lamellen weiß. Er riecht nach Mehl.
+– Ah, bist du auch schon heraus, schwarzpunktierter Schneckling?
+(~Limacium pustulatum~). Unter seinem grauen Hute mit braunem, warzigem
+Scheitel gewahren wir blauweißliche, dicke, entfernte Lamellen,
+die weit herablaufen. Der weiße Stiel dieses eßbaren Pilzes hat
+oben schwarze Pustelchen. – Auf morschem Laub der grüne Träuschling
+(~Stropharia aeruginosa~). Sein spangrüner, schmieriger, mittelgroßer
+Hut ist meist mit weißen Schüppchen besetzt. Der gleichfarbige Stiel
+ist unterhalb des bräunlichen Ringes schuppig. Die Lamellen sind erst
+rötlichgrau, dann kaffeebraun. Dieser eßbare Pilz gilbt im Alter oft
+so sehr, daß man ihn kaum wiedererkennt. – Der schuppige Träuschling
+(~Stropharia squamosa~), den wir an seinem strohgelben, regelmäßig
+beschuppten Hute erkennen, ist hier auch anzutreffen. – Dasselbe gilt
+vom zimtfuchsigen Wasserkopf (~Hydrocybe jubarina~), den wir aber heute
+nicht finden können. –
+
+[Illustration: Abb. 15. =Grüngelber Knollenblätterschwamm=]
+
+Auf weichem Moose ruhn wir aus. »Über allen Wipfeln ist Ruh …, die
+Vögelein schweigen im Walde«. Doch da kommt Ersatz. Es ist eine
+Mädchenschar, die da singend wandert. Alte Lieder aus jungem Munde,
+sie preisen die Schönheit der Welt. – Auch wir setzen unsere Wanderung
+fort, biegen kurz vor der Heidemühle links ab, um erst den rotgrün
+markierten Hutungsweg und dann den Kuhschwanzweg bis zum Dachsenberg zu
+verfolgen. Bald zeigt sich uns der Lila-Dickfuß (~Inoloma traganum~,
+Abb. 16~b~), erkenntlich am safrangelben Fleische. Der derbe,
+seidige, später gilbende Hut und der keulige Stiel sind blaßlila, die
+gekerbten, breiten, entfernten Lamellen erst safrangelb und später
+olivbraun. Er gilt als ungenießbar, aber ich aß ihn mit anderen
+gemischt – ohne Schaden. – Am Stumpfe da der samtige Tannenflämmling
+(~Flammula sapinea~). Der am Rande orangegelbe, nach der Mitte zu
+orangebräunlich werdende Hut ist samtig und drei bis neun Zentimeter
+breit. Die angewachsenen, breiten Lamellen sind erst gummiguttgelb,
+später ockerrot und bräunen an Wundstellen. Der gefurchte Stiel ist
+oben gelb und unten braun. Ungenießbar. – In dieser Gegend wächst auch
+der Nadel-Flämmling (~spumosa~), sowie der derbfleischige (~fusa~).
+– Dann bemerken wir den Runzelhut (~Myxacium elatius~), auch hoher
+Schleimfuß genannt. Auf einem blaßvioletten, hohen, in der Mitte
+ausgebauchten Stiele sitzt ein gelbbrauner, gerunzelter Kegelhut, der
+rostbraune, quergerunzelte, breite Lamellen hat und wie der Stiel
+schmierig ist. Eßbar. – Und was steht dort am Stumpf? Der blauende
+Porling (~Polyporus caesius~): kleine, bläuliche, scharfrandige
+Muscheln mit weißen, kurzen Röhren, die nach Berührung blaufleckig
+werden. Selbst das Fleisch ist bläulich durchzogen. – Auch der
+Lackporling (~Placodes lucidus~) kann in der Heide gefunden werden,
+besonders am Grunde der Eichen. Hut und Stiel sind bei ihm mit einer
+glänzenden, braunroten Schicht überzogen, als wäre er lackiert. – Ah,
+dort lockt uns der orangerote Milchling (~Lactarius aurantiacus~).
+Wir erkennen ihn an dem Orangerot seines ungezonten Hutes, der etwa
+vier Zentimeter breit und fast gebuckelt ist. Sein gleichfarbiger
+Stiel ist bereift und grubig, seine Lamellen sind etwas blasser und
+weißstaubig. Die bleibendweiße Milch schmeckt mild, so daß wir ihn
+genießen können. – Häufiger als dieser ist der ebenfalls orangegelb
+gefärbte falsche Eierschwamm (~Cantharellus aurantiacus~), der nach
+neuerer Forschung (Neuhoff) zu den Trichterlingen gehört. Von dem
+bekannten echten Eierschwamm unterscheidet er sich besonders durch
+die gelbrote Färbung seiner Lamellen. Er kann auch gegessen werden.
+– Aufgeschaut! Dort oben kreuzen Hirsche unsern Pfad! Sie ahnen
+kaum, wie hold wir ihnen sind. – Nicht weit vom Weg der violette
+Stacheling (~Hydnum violascens~). Der weißrandige Hut ist trübviolett
+und samtig. Die spitzen, dünnen Stacheln sind und bleiben weiß.
+Der ungleichdicke, kurze Stiel sieht wie der Hut aus. Seltener ist
+hier der schwarze Stacheling (~Hydnum nigrum~), dessen Hut und
+Fleisch fast schwarz aussehen. Mitten im Preißelbeergewimmel hocken
+kastanienbraune Rüblinge (~Collybia butyracea~), auch Butterrüblinge
+genannt. Wir erkennen diesen mittelgroßen Pilz an dem rotbraunen,
+furchigen, keulig verdickten Stiele und den gekerbten, gelblichen,
+breiten Lamellen. Er ist genau so gut eßbar wie sein Systemnachbar,
+der horngraue Rübling (~Collybia asema~), der auf einem graubraunen,
+gerillten, keuligen Stiele einen grauen, gerieftrandigen, gebuckelten
+Hut trägt, welcher drei bis sechs Zentimeter breit wird. – Am
+Ochsenkopfweg angelangt, schwenken wir westlich ab nach dem Lerchenweg
+und der Hofewiese zu, weil der bewaldete Dachsenberg keine Aussicht
+bietet. Dabei entdecken wir den dunkelgenabelten Anis-Trichterling
+(~Clitocybe suaveolens~). Sein bräunlicher, kleiner Trichterhut hat
+dunkelbraunen Nabel und durchscheinend gerieften Rand. Die gelblichen,
+gedrängten Lamellen laufen herab. Der braunrötliche Stiel ist unten
+verdickt. Dieser gesellig wachsende Trichterling duftet nach Anis
+und verblaßt bei trockenem Wetter. – Vor dem Farnkraut, wo soeben
+eine Ringelnatter verschwand, steht ein seltener Wasserkopf: der
+gelbgeschmückte (~Hydrocybe saniosa~). Der ockerrötliche, vier bis
+fünf Zentimeter breite Hut fällt durch seine hohe Spitze auf. Der
+rötlichgelbe, schlanke, verbogene Stiel ist mit gelben Schuppen
+geschmückt. Die zimtgelben, hellschneidigen Lamellen sind buchtig
+angewachsen und stehen fast entfernt. – Von seinen Verwandten gibt es
+hier noch den eingeknickten Wasserkopf (~Hydrocybe angulosa~): Stiel
+und Hut orangerötlich, Rand eingeknickt, sowie den violettblättrigen
+(~castanea~), den wir außer an seinen violetten Lamellen an dem
+sepiabraunen Hute erkennen. Den samtigen Wasserkopf (~Hydrocybe
+Junghuhnii~) habe ich nur einmal in der Dresdner Heide gefunden. Er
+hat auf rostbraunem, schlankem Stiele einen etwa drei Zentimeter
+breiten, zimtbraunen, samtigen, spitzgebuckelten Kegelhut, der trocken
+gelblich aussieht und zimtgelbe Lamellen hat. Sein ungenießbares
+Fleisch ist dunkelrostbraun. – Als große Grasinsel mitten im Wald
+liegt vor uns die Hofewiese, die wir nun betreten. Hier finden wir den
+schwärzenden Saftling (~Hygrocybe conica~), dessen spitzer, später
+schwärzender Kegelhut wie eine orangerote Blume aus dem grünen Grase
+hervorleuchtet. Sein Stiel ist goldgelb und oft verdreht. Seine dicken,
+freien Lamellen sehen blaßgelb aus. Er ist eßbar. Dasselbe gilt von
+dem daneben stehenden stumpfen Saftling (~Hygrocybe chlorophana~), der
+einen zitronengelben, später verblassenden, schmierigen Glockenhut
+hat, welcher auf einem grünlichgelben, glanzlosen Stiele sitzt. Die
+blaßzitronengelben, dicken, entfernten Lamellen sind ausgerandet =
+angeheftet. – Endlich Rast und Atzung. Der Rucksack liefert Wurst und
+Brot, die Wirtin kocht den Kaffee.
+
+[Illustration: Abb. 16~a~. =Olivgrüner Knollenblätterschwamm=]
+
+Dann geht es stracks zum Weißen Hirsch; rotgrün ist unser Weg markiert.
+Am Wegrand da ein winzig Kerlchen. Auf grauem Stiel ein schwärzlicher,
+geriefter Glockenhut; Lamellen grau. Aus dem geknickten Stiel fließt
+weiße Milch. Aha, der weißmilchende Helmling (~Mycena galopus~). –
+Hier neben grauen Becherflechten noch ein kleiner, der aussieht wie
+ein Schirm: der gefaltete Nabeling (~Omphalia umbellifera~). Der
+braungraue, gerippte Hut ist ein Zentimeter breit; Lamellen weißlich,
+breit, entfernt; Stiel grau, dünn, bereift. – Sodann auf faulenden
+Pilzen der stäubende Zwitterling (~Nyctalis asterophora~) in großer
+Zahl: auf weißlichem, verbogenem Stielchen ein weißes, flockiges,
+halbkugeliges Hütchen, das höchstens zwei Zentimeter breit ist; die
+weißlichen, dicken Lamellen stehen entfernt; er riecht und schmeckt
+nach Mehl. – Im Dickicht Hartpilze (~Tricholoma robustum~). Am
+roströtlichen Stiele bemerken wir oben eine weißliche, ringartige
+Wulst, über welcher der Stiel weißlich aussieht und blaßschuppig ist.
+Der kastanienbraune, randwärts mehr ins Rote gehende Hut ist etwa zehn
+Zentimeter breit. Seine gelblichen, breiten, gedrängten Lamellen sind
+tief ausgebuchtet. – Seltener als dieser ist in der Heide der fast
+beringte Ritterling (~Tricholoma albobrunneum~), der wie der vorige
+oben am braunroten Stiele eine scharf abgegrenzte, weiße, mehlige Zone
+hat, so daß er beringt erscheinen kann. Der rotbraune, schleimige Hut
+hat eine warzige Scheibe und rötliche, breite, gedrängte Lamellen. Das
+weiße, nach Mehl riechende Fleisch hat bitteren Nachgeschmack, wird
+aber von manchen gegessen. – Und was leuchtet dort vom dicken Stumpf?
+Feuergelbe Schüpplinge (~Pholiota flammans~). Der beringte Stiel und
+der mittelgroße Hut sind feuergelb und ruppigschuppig. Die goldgelben,
+gedrängten, sehr schmalen Lamellen sind ausgerandet = angeheftet und
+werden im Alter roströtlich. Sein zitronengelbes Fleisch riecht nach
+Rettich und ist ungenießbar. Aber der hier auch vorkommende sparrige
+Schüppling (~Pholiota squarrosa~) kann gegessen werden. Er riecht wie
+der vorige, ist aber rötlichocker gefärbt und etwas größer.
+
+[Illustration: Abb. 16~b~. =Lila-Dickfuß=]
+
+Die nächste Pilzfahrt unternehmen wir Anfang Oktober, nachdem wir
+beim Wilden Mann die Linie 6 verlassen haben. Im Walde angelangt,
+suchen wir rechts und links der Großenhainer Straße und finden
+zunächst die Herbstlorchel (~Helvella crispa~). Der Hut ist ein
+hellgelbes, vielfach gelapptes Gebilde, dessen Ränder etwas am Stiele
+herabhängen. Der gleichfarbige, dicke, nach oben verjüngte Stiel
+hat ungleiche Gruben. Obschon bei Lorcheln Vorsicht geboten ist,
+sammeln wir ihn und die übrigen zum Verspeisen. – Indem wir rechts
+abbiegend der Schänke »Zum letzten Heller« zustreben, gewahren wir
+den Birken-Porling (~Placodes betulinus~). Der rotbraune, ungezonte,
+kahle, dicke Hut sitzt konsolig am Birkenstamm. Seine weißen Röhren
+sind kurz und eng. Sein reinweißes Fleisch ist korkig. – Sodann
+bemerken wir nierenförmige Wärzlinge (~Thelephora terrestris~). Wie
+braune, weißrandige Filzlappen überkriechen sie den mageren Sandboden.
+Auch der trichterförmige Wärzling (~Thelephora caryophyllea~) ist in
+der Dresdner Heide zu finden. – An einem Baumstumpfe rauchblättrige
+Schwefelköpfe (~Hypholoma capnoides~), so genannt, weil die Unterseite
+seines zitronengelben Hutes bläulichgraue Lamellen zeigt. Sein
+Stiel sieht fuchsrot aus. Da er zu den fünf genießbaren Saumpilzen
+gehört, pflücken wir einige Büschel für die Küche. Aber den ganz
+ähnlichen daneben mit grünlichen Lamellen empfehlen wir nur unseren
+ärgsten Feinden, es ist der büschelige Schwefelkopf. Weniger häufig
+als dieser ist in der Heide der ziegelrote Schwefelkopf (~Hypholoma
+sublateritium~), den wir an seiner fuchsroten Farbe erkennen, noch
+seltener der an Laubholzstümpfen wachsende zartbehangene Saumpilz
+(~Hypholoma hydrophilum~). Sein kastanienbrauner Hut hat einen
+durchscheinend gerieften Rand, der meist mit kurzen Hüllresten behangen
+ist. Die bräunlichen, dünnen Lamellen stehen gedrängt und haben meist
+eine weiße Schneide. Der bräunliche, hohle Stiel ist wellig-uneben.
+Die letzten beiden sind genießbar. – Nun besuchen wir den Olterstein,
+einen mächtigen erratischen Block, welcher der Frühlingsgöttin Oldera
+geweiht war. Dann ersteigen wir die Hellerhöhe, von der aus früher
+manch eine Rauchsäule aufgestiegen sein mag, entweder zur Versöhnung
+der Götter oder zur Warnung vor nahenden Feinden. Hier lagern wir und
+überblicken den unten liegenden Exerzierplatz. Er erinnert uns an die
+Sandwehen, die früher in der Heide eine Plage waren, erinnert auch an
+die später hier vollzogenen militärischen Übungen. Vorbei, vorbei!
+»Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus
+den Ruinen.« – Nordöstlich nach Hellerau zu streichend, kommen wir
+in einen Birkenhain. Da sichten wir den gelbblättrigen Ritterling
+(~Tricholoma flavobrunneum~): Auf einem rotbraunen, faserigen, nach
+unten verjüngten Stiele ein gleichfarbiger, gebuckelter, faseriger Hut
+mit blaßgelben, rotschneidigen, ausgebuchteten Lamellen. Eßbar. Aber
+nicht der daneben, der striegelige Schichtpilz (~Stereum hirsutum~).
+An diesem gelblichen, stiellos aufsitzenden Hautgebilde fällt uns
+besonders die orangegelbe, glatte Unterseite auf. – Das Laub der Birken
+wird schon fahl. »Hier muß man im Frühling sein, wenn der Mai das
+sehnende Lichtgrün des zierlichen Birkenwaldes hervorgezaubert hat.
+Dann werden die Reihen zu festlichen Aufzügen« (Bölsche). Nun wieder
+in den Kiefernwald! Wir finden den massigen Schleimkopf (~Phlegmacium
+saginum~). Auf einem blaßvioletten, ausgebauchten Stiele sitzt ein
+löwengelber, schmieriger Hut, der acht bis zwölf Zentimeter breit ist
+und blaßbräunliche Lamellen hat. Letztere sind aber bei den jungen
+blaßlila. Diese Veränderlichkeit macht bekanntlich das Studium der
+Schleierlinge schwer. Am tollsten treibt es der hier auch vorkommende
+verfärbende Schleimkopf (~Phlegmacium largum~). Sein Hut, anfangs
+lilablau, bräunt sich im Alter dermaßen, daß schließlich keine Spur von
+lila mehr vorhanden ist. Die gedrängten, ausgebuchteten Lamellen gehen
+von lila über braungelb zu zimtbraun über. Auch der kurze, knollige,
+zartviolette Stiel blaßt später aus. – Dicht geschart steht hier der
+Nadelschwindling (~Marasmius perforans~). Er trägt auf schwarzbraunem,
+glanzlosem Stielchen einen blaßbräunlichen, runzeligen Hut, der
+höchstens eineinhalb Zentimeter breit wird. Von seinen rötlichen,
+ungleichen Lamellen gehen nur wenige bis an den Stiel heran. Weil sein
+Fleisch – gerieben – nach Knoblauch riecht, wird er von manchen mit dem
+geruchsgleichen Küchenschwindling (~Mousseron~) verwechselt, der aber
+größer ist und einen fleischrötlichen Stiel hat. Verzeihlicher ist eine
+Verwechselung mit dem hier massenhaft vorkommenden Roßhaarschwindling
+(~Marasmius androsaceus~), dessen winziger, fahlbrauner Hut nicht
+gerunzelt, sondern regelmäßig gerieft ist. – Nördlich vom Heller fällt
+uns das häufige Vorkommen des rosaroten Gelbfußes auf (~Gomphidius
+roseus~). Der kleine, schmierige, stumpfe Hut ist schmutzigrosa. Die
+weißen, entfernten, herablaufenden Lamellen sind schwarz bestäubt. Der
+rötliche, fast beringte Stiel ist unten gelb und zugespitzt. Auch der
+kupferrote Gelbfuß kommt hier vor (~Gomphidius viscidus~). Größer als
+der vorige, zeichnet er sich besonders durch die kupferrote Färbung
+seines klebrigen Kegelhutes aus. Er hat gleichfarbigen Stiel und
+graue Lamellen. Alle Gelbfüße sind eßbar. Aber der dort nicht. Ein
+Schwefelkopf? Nein, der schwefelgelbe Flämmling (~Flammula flavida~).
+Der schwefelgelbe, vier bis sieben Zentimeter breite Hut hat rotgelbe
+Lamellen. Der faserige, ungleichdicke Stiel ist oben schwefelgelb,
+unten rostbräunlich. Das zitronengelbe Fleisch ist fast geruchlos.
+
+Nach erquickender Einkehr im Schänkhübel wandern wir auf einem südlich
+ausbiegenden Umwege durch den Klotzscher Waldpark dem Prießnitzgrunde
+zu. Hierbei sammeln wir in Buchennähe den plattfüßigen Klumpfuß
+(~Phlegmacium pansa~). Der junge ist erkenntlich an den purpurblauen
+Lamellen, die allerdings später zimtfarbig werden. Der fünf bis zehn
+Zentimeter breite, orangefuchsige, meist gefleckte Hut hat einen
+blassen, filzigen, eingeknickten Rand. Der knollenlose, gelbliche Stiel
+sieht an der Spitze meist blaßviolett aus. – Der Elfenbein-Schneckling
+(~Limacium eburneum~), ist nun auch heraus. Diesen eßbaren, weißen
+Pilz erkennt man an seinen dicken, entfernten, herablaufenden
+Lamellen. – Neben einer stattlichen Kiefer stehen mehrere Exemplare
+vom lilafüßigen Schleimkopf (~Phlegmacium compar~): auf weißem, oben
+bläulichem Stiel ein löwengelber, zwei bis fünf Zentimeter breiter,
+schleimiger Hut, der bräunlich-gelbe Lamellen hat, die später
+zimtfarbig werden. Genießbar. – Und da auf einem faulenden Täubling der
+weiße Sklerotien-Rübling (~Collybia tuberosa~). Weißliche, kaum ein
+Zentimeter breite, gebuckelte Hütchen mit weißen, gedrängten Lamellen
+sitzen auf bräunlichen, dünnen Stielchen. – Nun lenken wir in den
+Prießnitzgrund ein, der im Herbst seine volle Schönheit entfaltet,
+so daß man von einer Waldsymphonie sprechen kann. Das Goldocker
+besonnter Buchen und das Dunkelkarmin der Roteichen hebt sich vom
+melancholischen Dunkelgrün der Nadelbäume reizvoll ab. Da gibt es
+Kiefern, die der Forstmann gnädig über hundert Jahre alt werden ließ,
+so daß sie nun erst ihre eigenartige Schönheit entwickeln können. Da
+ragen Fichten und Tannen, die vielleicht doppelt so alt sind, so daß
+wir an den Schwarzwald erinnert werden. Und zwischendurch schlängelt
+murmelnd die Prießnitz, in deren hellem Wasser sich Forellen tummeln
+und grüne Polster flutender Wasserpflanzen schaukeln. Ein Paradies
+für Eisvogel und Wasseramsel und auch für uns. Der Mannigfaltigkeit
+des Baumwuchses entspricht die der Pilzflora. Auf dem breiten
+Stumpfe einer Erle wuchert der fleischrote Gallertbecher (~Coryne
+sarcoides~): trübviolettrote, kelchförmige Fruchtscheiben, die etwa
+ein Zentimeter breit sind und sich gallertartig anfühlen. Auch der
+ihm verwandte Schmutzbecherling (~Bulgaria polymorpha~) ist hier an
+Laubholzstämmen zu finden: schwarze, flache Näpfchen, die zwei bis vier
+Zentimeter hoch und breit werden. – Und dort der glänzende Gürtelfuß
+(~Telamonia rigida~). Er hat einen kastanienbraunen, glänzenden,
+drei bis fünf Zentimeter breiten Kegelhut, der durch seinen weißen
+Rand auffällt. Seine bräunlichen Lamellen stehen fast gedrängt. Der
+ockerbräunliche Stiel ist meist undeutlich gegürtelt. – An einem
+Stamme der abgeflachte Schichtporling (~Placodes applanatus~):
+nierenförmige Konsole, die mit einer braungrauen, pergamentartigen
+Schicht überzogen sind und unten weiße, enge Röhren zeigen. – Zwischen
+grünem Moos der ockergelbe, schuppige Amiant-Schirmling (~Lepiota
+amianthina~), ein kleiner, kegelhütiger Pilz mit gelben Lamellen.
+Von seinen Verwandten gibt es hier außer den früher erwähnten den
+rostroten Schirmling (~Lepiota granulosa~): Hut zimtrot, körnig, vier
+bis fünf Zentimeter breit mit gelblichweißen, abgerundeten Lamellen;
+Stiel wie Hut gefärbt aber blasser und nie knollig. Ferner den
+starkriechenden (~Lepiota carcharias~). Ihn erkennen wir schon an dem
+häßlichen, leuchtgasähnlichen Geruch, sowie an dem Rötlichgrau seines
+körnigen, mittelgroßen Kegelhutes und seines ebenfalls körnigen,
+aufsteigend-beringten Stieles.
+
+Unser letzter Ausflug erfolgt Mitte Oktober. Wir schlagen zum
+zweiten Male die Richtung des Kannhenkelweges ein. Nördlich vom
+Militärlazarett stehen in großer Menge die eßbaren graublätterigen
+Ritterlinge (~Tricholoma terreum~). Der mittelgroße, mäusegraue,
+filzige Hut hat blaßgraue, gekerbte Lamellen. Der graue, faserige,
+gleichdicke Stiel hat eine mehlige Spitze. Sein geruchloses, mildes
+Fleisch schmeckt schwach nach Mehl. – Weiter nördlich erbeuten wir
+einen seltenen, den rötenden Ritterling (~Tricholoma leucocephalum~),
+so genannt, weil seine weiße Farbe später in gelbrötlich übergeht. Der
+schwachgebuckelte, dünnfleischige Hut wird fünf bis sechs Zentimeter
+breit. Die weißlichen, gedrängten, breiten Lamellen sind meist
+ausgebuchtet. Der faserige (nicht geriefte) Stiel ist abwärts verjüngt.
+Selbst das mehlartig schmeckende, weißliche, genießbare Fleisch
+läuft rötlich an. Auch den rußiggestreiften Ritterling (~Tricholoma
+portentosum~) treffen wir nun an. Hut grau, durch violettschwarze Fäden
+gestreift; Lamellen gelblichweiß, ziemlich dick; Stiel grünlichweiß und
+gefasert. Eßbar. Endlich auch einen Grünling (~Tricholoma equestre~),
+der sich als Marktpilz und durch seine grüngelbe Färbung so eingeprägt
+hat, daß eine Beschreibung überflüssig erscheint. – Am Wegrand da der
+Winter-Fälbling (~Hebeloma hiemale~). Er verrät sich uns durch die
+bräunliche Mitte seines graugelben Hutes und durch die kleiige Spitze
+seines gleichfarbigen, hohlen Stieles. Die Lamellen sehen bräunlich
+aus. Ungeachtet seines bitteren Geschmackes wird er von manchen
+gegessen. – Sehr oft begegnen wir ferner dem gerieften Wasserkopfe
+(~Hydrocybe acuta~), der truppweise den Waldboden bevölkert. Sein
+ockerbrauner, geriefter, spitzgebuckelter Kegelhut mit ockergelben,
+schmalen Lamellen sitzt auf einem blaßgelben, verbogenen Stiele. Die
+Genießbarkeit dieses Pilzchens ist noch nicht festgestellt. Viel
+schöner sieht der Aprikosen-Wasserkopf aus (~Hydrocybe armeniaca~), den
+wir nun finden. Weithin leuchtet sein orangebräunlicher, mittelgroßer
+Glockenhut, der zimtfuchsige, breite Lamellen hat. Vom eingeknickten
+Wasserkopf unterscheidet er sich besonders durch einen weißen Stiel.
+Seine Genießbarkeit ist noch nicht erprobt.
+
+Nach Überschreitung der Prießnitz gehen wir ein Stück talab, um dann
+rechts abbiegend auf dem gelbweiß markierten Wege die Hofewiese zu
+erreichen. Da, wo das Wiesel aufsprang, Frost-Schnecklinge (~Limacium
+hypothejum~). Ihre schleimigen, olivbraunen, faserig-gestreiften
+Hüte haben orangegelbliche Lamellen und gelbliche, schleimige
+Stiele, die oben wie beringt aussehen. (Schleierreste.) Weil sie
+genießbar sind, nehmen wir eine Anzahl mit. Dann finden wir auch den
+olivgestiefelten Schneckling (~Limacium olivaceoalbum~), der ebenfalls
+eßbar ist. Er hat einen olivbraunen, schleimigen, gebuckelten Hut,
+der nach dem Rande zu heller wird und vier bis sieben Zentimeter
+breit ist. Weiß die herablaufenden Lamellen, weißlich der gestiefelt
+erscheinende, schleimige Stiel, welcher oben eine trockene, flockige
+Zone hat. An Frost gemahnt der Winter-Schnitzling (~Naucoria
+pellucida~). Sein zimtgelber, drei Zentimeter breiter Glockenhut ist
+durchscheinend gerieft und hat blaßzimtfarbige, gewimperte Lamellen.
+Sein gleichfarbiger, aber blasserer, aufwärts verjüngter Stiel hat
+eine bereifte Spitze. – Nun ist auch der Winter-Trichterling heraus
+(~Clitocybe brumalis~), ein kleiner, weicher Pilz, dessen olivgraue
+Farbe sich ebenso schwer beschreiben wie malen läßt. Am besten erkennt
+man ihn an dem gallertigen, stark ausblassenden Fleische. – Am Raine
+hier neben grüngrauen Becherflechten und leuchtenden Preißelbeeren die
+gelbstielige Keule (~Clavaria argillacea~): ein blaßgelbes, drei bis
+fünf Zentimeter hohes, keuliges Gebilde, das unten goldgelb aussieht.
+– Am Rande einer Schonung der Kiefernzapfen-Rübling (~Collybia
+esculenta~), so genannt, weil sein gelbfuchsiger, schlanker Stiel
+immer einem Kiefernzapfen entspringt. Sein zimtbräunlicher Hut wird
+ein bis zwei Zentimeter breit und hat gelbliche, gedrängte Lamellen.
+Eßbar. Kurz vor der Hofewiese stoßen wir noch auf einen gesellig
+wachsenden Rübling, den wir nach seinen weißlichen, sehr schmalen,
+gedrängten, gekerbten Lamellen für den gekerbtblättrigen (~Collybia
+prolixa~) halten müssen. Hut rotbräunlich, glatt, kahl, drei bis fünf
+Zentimeter breit; Stiel gelblich, gerieft, gleichdick. Auf dem Weg
+zum Gasthaus bemerken wir noch auf der Hofewiese den Schnee-Ellerling
+(~Camarophyllus niveus~). Ein kleiner, durchaus weißer Pilz, dessen
+Hutspitze nach Frost meist rötlich aussieht und dessen entfernte
+Lamellen weit herablaufen. Eßbar.
+
+Endlich Rast und Ruh und etwas zum Schlucken. – Hierauf wandern wir
+in der Richtung des Gänsefuß-Weges nach der Heidemühle. Wir finden
+den Wetterstern (~Astraeus hygrometricus~). Eine graubraune Kugel,
+zwei bis drei Zentimeter breit, sitzt genau wie beim Erdstern auf
+grauen, einwärts gebogenen, zugespitzten Lappen. Letztere biegen
+sich bei sehr trockenem Wetter über die erwähnte Kugel. Dieser
+hygrometrischen Einstellung verdankt er seinen Namen. In einem
+Fichtengebüsch entdecken wir den bärtigen Ritterling (~Tricholoma
+vaccinum~). Sein kupferroter Hut hat breite, sparrige Schuppen und
+einen grobfransigen Rand, der lange eingerollt bleibt. Die rötlichen
+Lamellen sind ziemlich breit. Der Stiel, in Farbe und Beschuppung
+dem Hute gleich, ist stets hohl. Er schmeckt schlecht. Nicht viel
+besser mundet der Seifen-Ritterling (~Tricholoma saponaceum~). Diesen
+veränderlichen Kauz erkennt man am sichersten an dem seifenartigen
+Geruch. Die grüngraue, nach dem Rande zu blassende Farbe seines
+mittelgroßen Hutes nimmt oft rötliche Töne an. Die grüngelblichen
+Lamellen sind ziemlich dick. Der hellgraue, meist ausgebauchte Stiel
+wird im Alter oft rötlich und kann sowohl glatt wie beschuppt sein.
+Ob der mit schuppigem Stiele eine Laubwaldform ist, konnte ich noch
+nicht feststellen. – An einem Stumpf bunte Porlinge (~Polystictus
+versicolor~), die von Ricken Schmetterling-Porlinge genannt werden.
+Der halbkreisförmige, dünne, lederige Muschelhut ist samtig und zeigt
+verschiedene Zonen: bräunliche, grünliche, violettgraue u. a. Durch
+diese Buntheit unterscheidet er sich von dem ähnlichen Zonen-Porling
+(~Polystictus zonatus~), der ebenfalls samtig und gezont ist, aber nur
+fuchsige und ockerbräunliche Töne zeigt. Bei beiden sind Röhrenschicht
+und Substanz weiß. – Ganz anders der hier auch vorkommende weißliche
+Porling (~Polystictus albidus~), dessen Röhren und Substanz zwar auch
+weiß sind, der aber einen ungezonten, weißlichen, runzligen Muschelhut
+hat. An einem anderen Stumpfe fällt uns eine weiße, häutige Schicht
+auf, deren feine Poren nach oben gerichtet sind, also ein aufliegender
+Porling: ~Poria vulgaris~.
+
+In der Heidemühle kehren wir ein. Hier, wo die Oktoberkühle alles
+zusammengedrängt hat, herrscht heute eine eigenartige, fast poetische
+Stimmung. Am Klavier sitzt ein alter Herr, vielleicht ein echter
+Waldschulmeister und spielt so ausdrucksvoll, daß alles lauscht und
+manchmal mitsummt, erst Klassisches, dann Volkslieder: »Ich kenn
+einen hellen Edelstein«, »Jetzt gang ich ans Brünnerle«, »Muß i
+denn zum Städtele hinaus«, »Wer hat dich, du schöner Wald« und wie
+die Perlen alle heißen. Das Mitsummen wird immer andächtiger, immer
+lauter und geht über in ein allgemeines Mitsingen. Endlich kommt auch
+das ergreifende Lied: »Aus der Jugendzeit«. Nach dessen Vollendung
+wischt sich der Alte verstohlen eine Träne aus dem Auge und setzt sich
+still auf seinen Platz. Da nimmt ein junger Fant am Klavier Platz,
+offenbar, um das schlichte Spiel des Alten zu übertrumpfen. Bald
+schwirren Operettenmelodien durch das Zimmer. Das klingt nach Sekt und
+Übermut, nach Modetanz und freier Liebe. Gewiß, das Spiel ist glatt und
+raffiniert, doch eines fehlt: die deutsche Seele. Der andere ist mir
+lieber. – Schirm dich Gott, mein deutsches Volk, vor solchem Geist. Mit
+diesem Gedanken nehmen wir unsere Wanderung wieder auf. Wir gehen nun
+östlich von der Radeberger Straße heimwärts. An einer Fichte gewahren
+wir eine höckerige, braunschwarze Konsole mit zinnoberrötlichem Rande
+und gelbbräunlicher Röhrenschicht. Aha, der rotrandige Schichtporling
+(~Placodes ungulatus~). – Und dort? Totentrompeten? Nein, es ist in
+Massen der durchbohrte Leistling (~Cantharellus infundibuliformis~).
+Ein etwa vier Zentimeter breiter, umbrabrauner Trichterhut sitzt auf
+einem trübgelben, unebenen, oft breitgedrückten Stiele, dessen Höhlung
+erst am oberen Hutrande endet. Die breiten, mehrfach verzweigten
+Lamellen laufen am Stiele herab und zeigen ein eigentümliches Gelbgrau.
+Wir sammeln für die Küche. Dann finden wir den gefleckten Rübling
+(~Collybia maculata~), der nun in Scharen auftritt. Durchaus weiß;
+der fünf bis zehn Zentimeter breite Hut hat kupferrote Flecke; die
+schmalen, gezähnelten Lamellen stehen sehr gedrängt; der rostfleckige,
+geriefte Stiel ist oft verdreht und hat einen rostbräunlichen Fuß. – In
+Birkennähe steht herdig ein weißlicher Trichterling, der ausblassende
+(~Clitocybe expallens~, Abb. 17): weißlich mit graubrauner, vertiefter
+Hutmitte; der weißseidige Stiel gleichdünn; die herablaufenden
+Lamellen fast entfernt. Bei feuchtem Wetter würde der ganze Pilz uns
+grau erscheinen. Und dort ein noch kleinerer, weißer Trichterling,
+dessen drei Zentimeter breiter Hut ausnahmsweise nicht getrichtert
+ist: der wachsstielige (~Clitocybe candicans~). Sein glänzendes,
+weißes Stielchen ist gekniet und steht auf welkenden Blättern. –
+Nicht getrichtert ist auch der nebelgraue Trichterling (~Clitocybe
+nebularis~), den Gramberg treffend Graukopf nennt. Ihn finden wir unter
+Buchen. Auf einem grauen, faserigen, aufwärts verjüngten Stiele sitzt
+ein derber, grauer, stumpfer Hut, der acht bis zwölf Zentimeter breit
+wird und in der Jugend wie bereift aussieht. Seine gelblichen Lamellen
+stehen gedrängt und laufen kaum herab. Dieser ritterlingähnliche,
+kräftige Pilz ist eßbar. Gleiches gilt nicht von dem anderen
+Buchenfreunde dort, vom fuchsigen Klumpfuß (~Phlegmacium fulmineum~),
+so genannt, weil sein fuchsrötlicher, kurzer Stiel unten eine deutlich
+berandete Knolle trägt. Der derbe, etwa acht Zentimeter breite Hut ist
+ebenfalls fuchsig und zeigt oft braune Flecke. Die Lamellen sind erst
+goldgelb, werden aber später auch fuchsig.
+
+[Illustration: Abb. 17. =Ausblassender Trichterling (Hexenring)=]
+
+Mit diesem letzten Funde stellen wir fest, daß die Dresdner Heide rund
+250 Arten Pilze aufweist. Aber zu den pilzreichen Wäldern zählt sie
+trotzdem nicht, weil sie in der Nähe einer Großstadt liegt und darum
+übermäßig abgesucht wird. Möge jeder Heidebesucher durch Befolgung
+der gelegentlich gegebenen Winke den Pilzbestand der Heide schonen
+helfen. Nun geht es heimwärts. Ein düsig Wetter heut’, voll Wasserdampf
+die Luft. In Nebelgrau steht dort der Hochwald, und rechts am Himmel
+schimmerts gelb: die Sonne geht zur Ruh. Das Gelb wird heller, breiter.
+Die Wölkchen werden langsam violett – ein wundervolles Farbenspiel.
+Orange wird das Gelb und schließlich rot. In stiller Andacht schaun wir
+auf und wollen nicht gestört sein. Jetzt brennt ein leuchtend Rot durch
+schwarze Kiefernwipfel. Der ganze Himmel scheint zu glühn. Kein Maler
+kann es malen, kein Dichter je beschreiben. Die Abendglocken klingen
+drein und steigern so die Stimmung. Dann feierliches Dämmern. – »Der
+Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße
+Nebel – wunderbar!«
+
+Zum Schlusse sei Herrn Georg Marschner für die überaus wertvollen und
+seltenen Naturaufnahmen herzlicher Dank gesagt.
+
+
+Alphabetische Übersicht
+
+Nummern von Rickens Vademecum nachgestellt
+
+ 1. ~Amanita junquillea Qu.~ 9.
+ 2. ~Amanita mappa Batsch.~ 8.
+ 3. ~Amanita muscaria L.~ 11.
+ 4. ~Amanita pantherina Cand.~ 7.
+ 5. ~Amanita phalloides F.~ 4.
+ 6. ~Amanita porphyrea F.~ 6.
+ 7. ~Amanita rubescens F.~ 18.
+ 8. ~Amanita spissa F.~ 16.
+ ~Amanitopsis vaginata~ 20.
+ ~Bolbitius titubans~ 1151.
+ ~Boletus badius~ 1418.
+ ~Boletus bovinus~ 1417.
+ ~Boletus castaneus~ 1430.
+ ~Boletus chrysenteron~ 1421.
+ ~Boletus cyanescens~ 1429.
+ ~Boletus elegans~ 1411.
+ ~Boletus felleus~ 1428.
+ ~Boletus granulatus~ 1413.
+ ~Boletus luteus~ 1412.
+ ~Boletus piperatus~ 1416.
+ ~Boletus rubellus Krombholz.~
+ ~Boletus strobilaceus~ 1404.
+ ~Boletus subtomentosus~ 1420.
+ ~Boletus variegatus~ 1425.
+ ~Bulgaria polymorpha~ 1989.
+ ~Calocera viscosa Pers.~ 1728.
+ ~Camarophyllus virgineus Wulf.~ 1341.
+ ~Cantharellus aurantiacus Wulf.~ 1396.
+ ~Cantharellus cibarius Fr.~ 1387.
+ ~Cantharellus infundibuliformis Scop.~ 1392.
+ ~Clavaria argillacea Pers.~ 1720.
+ ~Clavaria similis Boud.-Pat.~ 1718.
+ ~Clitocybe brumalis Fr.~ 230.
+ ~Clitocybe candicans Pers.~ 182.
+ ~Clitocybe clavipes Pers.~ 211.
+ ~Clitocybe dealbata Sow.~ 180.
+ ~Clitocybe expallens Pers.~ 216.
+ ~Clitocybe laccata Scop.~ 233.
+ ~Clitocybe mellea Wahl.~ 168.
+ ~Clitocybe nebularis Batsch.~ 210.
+ ~Clitocybe pityophila Secr.~ 177.
+ ~Clitocybe suaveolens Schum.~ 227.
+ ~Collybia asema Fr.~ 322.
+ ~Collybia butyracea Bull.~ 321.
+ ~Collybia cirrhata Schum.~ 352.
+ ~Collybia clusilis Fr.~ 306.
+ ~Collybia dryophila Bull.~ 335.
+ ~Collybia esculenta Wulf.~ 338.
+ ~Collybia fusipes Bull.~ 318.
+ ~Collybia maculata Sow.~ 327.
+ ~Collybia radicata Relh.~ 314.
+ ~Collybia tuberosa Bull.~ 353.
+ ~Coprinus disseminatus Pers.~ 1141.
+ ~Coprinus micaceus Bull.~ 1129.
+ ~Coprinus nycthemerus Vail.~ 1114.
+ ~Coryne sarcoides Jacq.~
+ ~Craterellus cornucopioides L.~ 1661.
+ ~Cyathus crucibulum Hoffm.~ 1763.
+ ~Dermocybe anthracina Fr.~ 678.
+ ~Dermocybe cinnamomea L.~ 681.
+ ~Flammula flavida Schff.~ 805.
+ ~Flammula fusa Batsch.~ 810.
+ ~Flammula sapinea Fr.~ 814.
+ ~Flammula spumosa Fr.~ 803.
+ ~Galera tenera Schff.~ 867.
+ ~Galera hypnorum Schrank.~ 878.
+ ~Galera mniophila Lasch.~ 879.
+ ~Galera paludosa Fr.~ 871.
+ ~Geaster coronatus Schff.~ 1772.
+ ~Gomphidius glutinosus Schff.~ 1382.
+ ~Gomphidius roseus Fr.~ 1381.
+ ~Gomphidius viscidus L.~ 1380.
+ ~Hebeloma crustuliniforme Bull.~ 558.
+ ~Hebeloma hiemale Bres.~ 564.
+ ~Helvella crispa Scop.~ 1865.
+ ~Helvella lacunosa.~
+ ~Humaria ollaris Fr.~ 1930.
+ ~Hydnangium carneum Wallr.~ 1830.
+ ~Hydnum imbricatum L.~ 1606.
+ ~Hydnum nigrum Fr.~ 1607.
+ ~Hydnum repandum L.~ 1594.
+ ~Hydnum squamosum Schff.~ 1604.
+ ~Hydnum violascens Schw.~ 1598.
+ ~Hydrocybe acuta Fr.~ 756.
+ ~Hydrocybe angulosa Fr.~ 736.
+ ~Hydrocybe armeniaca Schff.~ 763.
+ ~Hydrocybe castanea Bull.~ 741.
+ ~Hydrocybe jubarina Fr.~ 752.
+ ~Hydrocybe Junghuhnii F.~ 753.
+ ~Hydrocybe saniosa Fr.~ 734.
+ ~Hygrocybe conica Scop.~ 1322.
+ ~Hygrocybe chlorophana Fr.~ 1326.
+ ~Hypholoma capnoides Fr.~ 1040.
+ ~Hypholoma fasciculare Huds.~ 1043.
+ ~Hypholoma hydrophilum Bull.~ 1038.
+ ~Inocybe dulcamara Schw.~ 515.
+ ~Inocybe lacera Fr.~ 508.
+ ~Inocybe maritima Fr.~ 502.
+ ~Inocybe Trinii Weinm.~ 538.
+ ~Inocybe umbrina Bres.~ 518.
+ ~Lactarius blennius Fr.~ 1244.
+ ~Lactarius camphoratus Bull.~ 1270.
+ ~Lactarius chrysorheus Fr.~ 1238.
+ ~Lactarius deliciosus L.~ 1239.
+ ~Lactarius flexuosus Fr.~ 1237.
+ ~Lactarius glyciosmus Fr.~ 1253.
+ ~Lactarius helvus Fr.~ 1254.
+ ~Lactarius piperatus Scop.~ 1234.
+ ~Lactarius pyrogalus Bull.~ 1236.
+ ~Lactarius quietus Fr.~ 1268.
+ ~Lactarius rufus Scop.~ 1258.
+ ~Lactarius theiogalus Bull.~ 1257.
+ ~Lactarius torminosus Schff.~ 1226.
+ ~Lactarius turpis Weinm.~ 1228.
+ ~Lactarius vellereus Fr.~ 1233.
+ ~Lactarius volemus Fr.~ 1265.
+ ~Lenzites saepiaria Wulf.~ 1578.
+ ~Lenzites trabea Pers.~ 1586.
+ ~Leotia gelatinosa Hill.~ 1879.
+ ~Lepiota amianthina Scop.~ 56.
+ ~Lepiota clypeolaria Bull.~ 50.
+ ~Lepiota cristata Bolt.~ 48.
+ ~Lepiota Friesii Lasch.~ 43 ~a~.
+ ~Lepiota procera Scop.~ 30.
+ ~Lepiota rhacodes Vitt.~ 31.
+ ~Limacium eburneum Bull.~ 1376.
+ ~Limacium hypothejum Fr.~ 1366.
+ ~Limacium olivaceo album Fr.~ 1367.
+ ~Limacium pustulatum Pers.~ 1371.
+ ~Lycoperdon gemmatum Batsch.~ 1793.
+ ~Marasmius androsaceus L.~ 1188.
+ ~Marasmius confluens Pers.~ 1156.
+ ~Marasmius lupuletorum Weinm.~ 1170.
+ ~Marasmius perforans Hoffm.~ 1190.
+ ~Marasmius scorodonius Fr.~ 1172.
+ ~Marasmius Wynnei Bk.~ 1169.
+ ~Mycena epipterygia Scop.~ 355.
+ ~Mycena filopes Bull.~ 394.
+ ~Mycena galopus Pers.~ 361.
+ ~Mycena pura Pers.~ 401.
+ ~Mycena polygramma Bull.~ 424.
+ ~Mycena sanguinolenta Schw.~ 365.
+ ~Myxacium elatius Fr.~ 574.
+ ~Myxacium mucosum Bull.~ 572.
+ ~Naucoria cucumis Pers.~ 839.
+ ~Naucoria melinoides Fr.~ 840.
+ ~Naucoria myosotis Fr.~ 826.
+ ~Naucoria pellucida Bull.~ 855.
+ ~Naucoria tenax Fr.~ 825.
+ ~Nolanea pascua Pers.~ 992.
+ ~Nolanea proletaria Fr.~ 995.
+ ~Nyctalis asterophora Fr.~ 1384.
+ ~Omphalia campanella Batsch.~ 285.
+ ~Omphalia leucophylla Fr.~ 248.
+ ~Omphalia maura Fr.~ 246.
+ ~Omphalia umbellifera L.~ 258.
+ ~Panus stipticus Bull.~ 1199.
+ ~Panaeolus campanulatus L.~ 1092.
+ ~Paxillus atrotomentosus Batsch.~ 491.
+ ~Paxillus involutus Batsch.~ 493.
+ ~Paxillus panuoides Fr.~ 489.
+ ~Paxillus prunulus Scop.~ 496.
+ ~Phallus impudicus L.~ 1753.
+ ~Phlegmacium caerulescens Schff.~ 584.
+ ~Phlegmacium compar Fr.~ 637.
+ ~Phlegmacium fulmineum Fr.~ 601.
+ ~Phlegmacium infractum Pers.~ 628.
+ ~Phlegmacium largum Buxb.~ 625.
+ ~Phlegmacium obscurocyaneum Secr.~ 627.
+ ~Phlegmacium pansa Fr.~ 593.
+ ~Pholiota caperata Pers.~ 788.
+ ~Pholiota flammans Fr.~ 782.
+ ~Pholiota mutabilis Schff.~ 796.
+ ~Pholiota squarrosa Fl. Dan.~ 781.
+ ~Placodes betulinus Bull.~ 1551.
+ ~Placodes lucidus Leyß.~ 1532.
+ ~Placodes ungulatus Schff.~ 1546.
+ ~Pluteus cervinus Schff.~ 905.
+ ~Polyporus adustus Willd.~ 1499.
+ ~Polyporus caesius Schrader.~ 1506.
+ ~Polyporus confluens Schw.~ 1460.
+ ~Polyporus leucomelas Pers.~ 1464.
+ ~Polyporus ovinus Schff.~ 1466.
+ ~Polystictus abietinus Dicks.~ 1527.
+ ~Polystictus albidus Troy.~ 1528.
+ ~Polystictus perennis L.~ 1513.
+ ~Polystictus velutinus Pers.~ 1524.
+ ~Polystictus versicolor L.~ 1526.
+ ~Polystictus zonatus Nees.~ 1525.
+ ~Psalliota arvensis Schff.~ 1012.
+ ~Psalliota perrara Schulz.~ 1005.
+ ~Psalliota silvatica Schff.~ 1003.
+ ~Ramaria aurea Schff.~ 1685.
+ ~Ramaria abietina Pers.~ 1694.
+ ~Ramaria botrytis Pers.~ 1688.
+ ~Ramaria cinerea Bull.~ 1701.
+ ~Ramaria grisea Pers.~ 1702.
+ ~Russula adusta Pers.~ 1277.
+ ~Russula alutacea Pers.~ 1302.
+ ~Russula cyanoxantha Schff.~ 1284.
+ ~Russula decolorans Fr.~ 1298.
+ ~Russula depallens Pers.~ 1288.
+ ~Russula emetica Schff.~ 1318.
+ ~Russula fellea Fr.~ 1312.
+ ~Russula fragilis Pers.~ 1319.
+ ~Russula flava Rom.~ (nicht im Vad.)
+ ~Russula graminicolor Secr.~ 1282.
+ ~Russula heterophylla Fr.~ 1285.
+ ~Russula lepida Fr.~ 1290.
+ ~Russula Linnaei Fr.~ 1304.
+ ~Russula livescens Batsch.~ 1279.
+ ~Russula mustelina Fr.~ 1280.
+ ~Russula nauseosa Pers.~ 1308.
+ ~Russula nigricans Bull.~ 1278.
+ ~Russula nitida Pers.~ 1306.
+ ~Russula ochroleuca Pers.~ 1311.
+ ~Russula puellaris Fr.~ 1307.
+ ~Russula sardonia Fr.~ 1316.
+ ~Russula virescens Schff.~ 1281.
+ ~Russula xerampelina Schff.~ 1305.
+ ~Schizophyllum commune Fr.~ 1222.
+ ~Scleroderma vulgare Horn.~ 1784.
+ ~Sparassis crispa Wulf.~ 1673.
+ ~Stereum hirsutum Willd.~ 1658.
+ ~Stropharia aeruginosa Curt.~ 1018.
+ ~Stropharia squamosa Pers.~ 1024.
+ ~Telamonia armillata Fr.~ 694.
+ ~Telamonia gentilis Fr.~ 697.
+ ~Telamonia punctata Pers.~ 713.
+ ~Telamonia rigida Scop.~ 714.
+ ~Thelephora caryophyllea Schff.~ 1666.
+ ~Thelephora laciniata Pers.~ 1668.
+ ~Thelephora terrestris Ehrh.~ 1667.
+ ~Trametes odorata Wulf.~ 1566.
+ ~Trametes pini Thore.~ 1567.
+ ~Trametes protracta Fr.~ 1570.
+ ~Tremellodon gelatinosus Pers.~ 1737.
+ ~Tricholoma albobrunneum Pers.~ 75.
+ ~Tricholoma equestre L.~ 82.
+ ~Tricholoma flavobrunneum Fr.~ 79.
+ ~Tricholoma leucocephalum Fr.~ 129.
+ ~Tricholoma portentosum Fr.~ 84.
+ ~Tricholoma robustum Schw.~ 74.
+ ~Tricholoma rutilans Schff.~ 107.
+
+
+
+
+Der Friedhof in der Dresdner Gartenbauausstellung
+
+Von Ministerialrat ~Dr.~ _Oskar Kramer_, Dresden
+
+Mit Aufnahmen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz
+
+
+Rosenduft umschmeichelt uns, weithin ein Meer von Gelb und Weiß und
+allen Tönen von Rot, vom lichten Orange bis zum sattesten Purpur, wir
+stehen im Rosengarten der Dresdner Gartenbauausstellung, umgaukelt
+von bunten Faltern, umflattert von den gefiederten Sängern des Großen
+Gartens. Der »Grüne Dom« wirft seinen Schatten über uns weg und schützt
+uns sorglich vor den Strahlen der endlich erwachten Sonne des heurigen
+Sommers. Der Lockton der Flöte und Fiedel dringt von irgendwoher zu uns
+herüber.
+
+[Illustration: Abb. 1]
+
+Ein Bild des Lebens, der genießenden Freude! Wir treten wenige Schritte
+zur Seite. Zwei hohe, graue Pylonen stehen wie wehrende Wächter vor
+uns. Wir gehen zwischen ihnen hindurch. Kühler Schatten umfängt uns.
+Bleiches Gemäuer schimmert zwischen Büschen. Wir hemmen den Schritt.
+Wir stehen mitten in einem Friedhof.
+
+ »Mitten wir im Leben sind
+ Von dem Tod umfangen«
+
+scheint es irgendwoher hervorzutönen. Doch nein, wir täuschen uns.
+Ringsum ist Stille, feierliches Schweigen. Als hätten die Mauer und das
+Efeugespinst und die ragenden Baumkronen all die Fiedel- und Flötentöne
+verschluckt, die uns da draußen heiter und lustig gestimmt. Mal an Mal
+sehen wir die Wegränder säumen und bei unserm Fortschreiten hinter uns
+zurückbleiben. Steingefaßte Stufen führen zu einem mit unregelmäßigen
+Steinplatten belegten Rundplatz (Abb. 1). In seiner Mitte – wie eine
+eherne Säule – eine bronzene Jünglingsgestalt auf niederem Steinsockel,
+ernst, Schweigen gebietend, zum Beten ermahnend. Nichts Sinnliches,
+nichts Erdenschweres an ihr. Ringsum, in einem schmalen Rasenstreifen,
+hochgerichtete Platten, wie bleiche Männer. Zwischen ihnen, wie
+ermüdet hingesunken, schräg gelehnte Platten. Und über alles, über die
+breiten Schultern und die schmalen Hüften des Bronzejünglings, über
+den Plattenboden, den Rasen, die aufgerichteten und die hingelehnten
+Grabplatten, über den Mauerring, der alles umschließt, über die
+gelbgrünen Moospolster und farbigen Blumenkissen, die aus dem Gemäuer
+quellen, gleißen und huschen die Lichter der Sonne. Eine Urnenhalle
+auf einer Terrasse fängt unseren Blick (Abb. 2). Die drei schlichten
+Giebel, die sie krönen, und die drei schlanken Öffnungen inmitten ihrer
+Stirnseite gemahnen symbolisch an die Heilige Dreieinigkeit. Einfaches
+weißgefugtes Backsteinmauerwerk umrahmt die Öffnungen, bildet die in
+gotischer Herbheit aufragenden schmucklosen Schäfte zwischen ihnen,
+bildet Brustwehr und Stufen der Terrasse. Mütterlichen Armen gleich
+legen sich die Mauern, die rechts und links von der Urnenhalle ausgehen
+und den Friedhof im Hintergrunde abschließen, um das Gräberfeld. Ein
+backsteinumrahmtes Tor führt jederseits in einen hinter dem Friedhof
+sichtbar werdenden Urnenhof. Steinbänke vor den Mauern laden zum
+Verweilen ein, zum Betrachten und Nachsinnen. Wir folgen der stillen
+Einladung.
+
+[Illustration: Abb. 2]
+
+[Illustration: Abb. 3]
+
+Vor uns, neben uns Grab an Grab. Aber nicht – wie sonst auf Friedhöfen
+– eine schattenlose Fläche mit Hügelreihen in gedrängter Enge, einem
+gut gepflügten, gut genutzten Acker vergleichbar, nur _einen_ Gedanken,
+_ein_ schreckendes Erkennen auslösend: Wie fruchtbar ist doch die
+Arbeit des Todes! Keine stachlichen Gitter suchen die Ruhestatt jedes
+einzelnen noch im Tode gegen den »bösen« Nachbarn zu sichern, keine
+»Tempel« und »Monumente« lasten hier auf den Leibern der den ewigen
+Schlaf Schlafenden.
+
+[Illustration: Abb. 4]
+
+[Illustration: Abb. 5]
+
+_Hügellos_ deckt der Rasen wie ein großes grünes Tuch alle die
+Ruhestätten gemeinsam (Abb. 3–6). Hier und da vereint sie _ein_ Hügel
+(Abb. 7). Vor den zu Häupten der Grabstellen stehenden hochgerichteten
+Steinen aber hat die Liebe der Lebenden mit farbigen, duftenden
+Blumen ihre Zeichen in das grüne Tuch gestickt und gewoben. Kein
+Gottes_acker_, ein Gottes_garten_! Kein Mal gleicht dem anderen,
+verschieden ist ihre Form, verschieden ihr Stoff, und doch geht ein
+Rhythmus durch das Ganze. Die Gesetze dieses Rhythmus werden uns
+hier offenbar. Gleiche und doch nicht gleiche Grabzeichen sind dort
+in dem Rund (Abb. 1) rhythmisch zu einem Ganzen vereint, sie mögen
+die Ruhestätten von Gesinnungsgenossen bezeichnen, die einst _ein_
+Lebensziel verfolgten und doch verschiedener Art waren. Die _völlige
+Gleichheit_ – im allgemeinen wohl auch nur das sinngemäße Zeichen für
+das Grab des Soldaten und des Ordensbruders oder für Blutsverwandte
+oder Menschen, die einst _ein_ Lebensband einte (Abb. 5 und Abb. 6
+links und rechts) – ist weder von Nöten noch erwünscht. Aber _völlige
+Ungleichheit_ – zumeist aus Rücksichtslosigkeit, Gedankenlosigkeit oder
+Eigensinn geboren – kann nie ein rhythmisches Ganzes ergeben, nur ein
+Gehäuf, ein Gewirr, ein Chaos.
+
+[Illustration: Abb. 6]
+
+[Illustration: Abb. 7]
+
+Nicht wahllos sind auch hohe und niedere, stehende und liegende,
+steinerne und hölzerne Grabzeichen vermischt. Jeder Art ist ein Reich
+zugewiesen, ihr Reich (Abb. 2–7). Um so stärker der Eindruck planmäßig
+eingefügter Grabzeichen abweichender Art, so die der liegenden
+Platten dort – beiderseits einer Wegabzweigung – in der Schar der
+stehenden (Abb. 3 links und Abb. 7). Einfach, schlicht sind die Formen
+der Steine, traditionelles Stilanlehnen meidend. Fremd wirken zwar
+zunächst jene nach oben sich verstärkenden Pylone (Abb. 6), die das
+Gesetz der Schwere zu leugnen scheinen. Und doch! Sind sie nicht wie
+steinerne Blumenkelche, die sich dem Sonnenlicht entgegenweiten? Nur
+zaghaft sehen wir hier und da den Stein als Kreuz geformt. Mag dies
+in der geringen Neigung der Zeit, ihren Christusglauben zu bekennen,
+seinen tieferen Grund haben. Ist aber das dort am Wegende stehende
+Steinkreuz (Abb. 7) nicht gerade infolge seiner Vereinzeltheit von so
+starkem Eindruck, an das hochragende, den ganzen Friedhof beherrschende
+Kruzifix mancher strenggläubigen Christengemeinde erinnernd?
+
+[Illustration: Abb. 8]
+
+[Illustration: Abb. 9]
+
+So sinnend erheben wir uns und schreiten durch eines der Tore (Abb. 8)
+in den Urnenhof. Auch hier die gleiche raumhafte Geschlossenheit, aber
+unverkennbar ein Zug des Antikischen (Abb. 9–11). Ob die reichlichere
+Anordnung von Plastiken, die Formen der Urnen oder der Rasentumulus –
+ein herrlicher Gedanke, wenn auch als Einzelurnengrab kaum verwertbar
+– hieran Schuld haben? Vermutlich alles vereint. Still ist’s auch
+hier. Der Schritt knirscht auf dem Kies des Weges. Wir haben zu lange
+schon geweilt, schreiten darum hier rascher hindurch, wiewohl es auch
+hier zum Verweilen und Betrachten und Sinnen einladet. Wir hören im
+Vorbeigehen noch, daß _Oswin Hempel_ der Meister ist, der im Verein mit
+gleichgesinnten Bildnern und Gartenkünstlern diese Stätte schuf, in
+der Kunst und Natur in Eins verschmolzen erscheinen. Wir treten einige
+Schritte seitwärts und sind wieder am »Grünen Dom«, sind im Rosengarten
+und Flöte und Fiedel beginnen von neuem zu locken.
+
+[Illustration: Abb. 10]
+
+[Illustration: Abb. 11]
+
+
+
+
+Bücherbesprechungen
+
+
+=Die Wenden.= Von Otto Eduard Schmidt. Dresden, 1926. Verlag der
+Buchdruckerei der Wilhelm und Berta v. Baensch-Stiftung, Dresden. Preis
+M. 2.—.
+
+Es gibt Bücher, die geschrieben werden müssen. Auf die man wartet. Ein
+solches Buch liegt hier vor. Der bekannte Verfasser der kursächsischen
+Streifzüge, O. E. Schmidt, hat sich große Verdienste erworben, daß
+er die _Wendenfrage_, die jetzt aktuelle Bedeutung hat, einmal vom
+wissenschaftlichen Standpunkt aus beantwortete. Und was bei ihm ganz
+selbstverständlich ist, sein Werk ist frisch und volkstümlich, es ist
+nicht nur für einige Gelehrte, sondern für _unser Volk_ geschrieben.
+Wir wissen, daß eine kleine Anzahl Männer eifrig bemüht ist, die
+Wenden, die im sächsischen und anschließenden preußischen Gebiete
+wohnhaft sind, für die Tschechoslowakei in Anspruch zu nehmen, d. h.
+daß sie weite Gebiete, deren Einwohner größtenteils Deutsche sind, von
+Deutschland trennen wollen. Wir wissen zwar, daß die meisten Wenden
+den zersetzenden Einflüssen fern gegenüberstehen, daß es aber höchste
+Zeit ist, den Übertreibungen und Lügen jener Wühler, die mit dem
+Belgier Auguste Vierset und seiner Tendenzschrift ~Un peuple martyr~
+gemeinsame Sache machen, einmal an der Hand wissenschaftlicher Beweise
+klar und besonnen entgegenzutreten. Und gerade der sachliche Ton,
+den O. E. Schmidt überall in seinem Buche angeschlagen hat, wirkt
+befreiend gegenüber den falschen Schlagworten der eifernden Politiker,
+die im Kapitel der Volksversöhnung eine so traurige Rolle spielen.
+Das Buch führt in anschaulichen Schilderungen von der Steinzeit
+bis in unsre Tage. Es erzählt von der Einwanderung der Wenden, von
+ihrer Kultur, von der Rückeroberung des Landes östlich der Saale
+und Elbe durch die Deutschen und von der deutschen Kolonisation und
+Christianisierung. Es schildert die Schicksals- und Kulturgemeinschaft
+der Wenden mit den Deutschen. Wir befassen uns mit wendischer Sprache
+und wendischem Schrifttum. Das Buch führt uns zum Weltkrieg und weiter
+bis zur Gegenwart. Vorzügliche Abbildungen erhöhen seinen Wert, und
+mustergültig gibt eine Bevölkerungskarte der Ober- und Niederlausitz
+die Besiedelungsverhältnisse an, die über allem Zweifel ersehen
+lassen, daß wir es mit deutschem Gebiet zu tun haben. Aber überall ist
+zu erkennen, daß der Verfasser ernst bestrebt ist, die Gegensätze,
+die zwischen Wenden und Deutschen künstlich konstruiert worden sind
+und weiter vollzogen werden, zu begleichen und die so lange schon
+zu beiderseitigem Verstehen bestandene Lebensgemeinschaft wieder
+herzustellen.
+
+Und dies ist selbstverständlich auch der Standpunkt des
+»Heimatschutzes«, welcher der Wendenfrage stets das größte Interesse
+entgegengebracht hat. In seinem Landesmuseum für Sächsische Volkskunst
+in Dresden hat er ja den Wenden und ihren Volkstrachten genau wie den
+anderen Landgebieten eine Heimat gegeben, er achtet ihre volkstümlichen
+Sitten und Gebräuche, ein zwingender Beweis, daß er seine Gedanken
+in die Tat umzusetzen verstanden hat. Das vorzügliche Buch von O.
+E. Schmidt, das wohl weitere Schriften auswirken wird, sei jedem
+Heimatfreund, ob Deutscher, ob Wende, warm empfohlen.
+
+
+=Sächsische Sagen. Von Wittenberg bis Leitmeritz.= Gesammelt und
+herausgegeben von Dr. _Friedrich Sieber_[5].
+
+Als kurz vor dem Weltkriege eine Burgenfahrt durch Sachsen stattfand,
+waren die außersächsischen Teilnehmer an dieser Fahrt verwundert
+gewesen über die erstaunliche Fülle interessanter Burgen und Schlösser,
+die von waldumsäumten Höhen an den Rändern unsrer Flußtäler ins Land
+hineinschauen oder die als Wasserburgen von Flüssen oder künstlichen
+Wasseranlagen umspült, einst dem Feinde Trotz boten. Man hatte sie
+nicht vermutet. Und Professor Otto Eduard Schmidt, der Herausgeber
+der trefflichen »Kursächsischen Streifzüge«, macht in einem der Bände
+dieses Werkes eine Bemerkung, aus der hervorgeht, wie Kenner deutscher
+Baukunst, kirchlicher und weltlicher, erstaunt gewesen sind, als er
+ihnen gezeigt hat, welche Schätze dieser Kunst wir in unserem kleinen
+Vaterlande besitzen. Man meinte in weiten Kreisen, von Schätzen
+mittelalterlicher Kultur in Sachsen nicht viel finden zu können,
+weil es Kolonialland sei, weil es erst in die deutsche Geschichte
+eingetreten sei, als die hohe Kulturblüte des deutschen Mutterlandes,
+das dem Reiche die großen Kaisergeschlechter gab, schon vorüber war.
+Einer gleichen Unkenntnis sächsischer Verhältnisse begegnet auch der
+Volkskundler, wenn er Werke seiner Wissenschaft nach Belegstellen aus
+dem heimatlichen Volksleben durchsucht. Sie sind gewöhnlich recht dünn
+gesät, ein Beweis dafür, daß auch auf diesem Gebiete eine Unkenntnis
+vorliegt, die dem tatsächlichen Reichtume nicht entspricht. Deshalb
+begrüßen wir es mit großer Freude, daß der rührige Verlag von Eugen
+Diederichs in Jena, der uns mit der Sagen- und Märchenwelt der ganzen
+Erde bekannt machen will, in seine von Paul Zaunert herausgegebene
+Sammlung »Deutscher Sagenschatz« nun auch einen Band »Sächsische
+Sagen« aufgenommen hat. Wir Sachsen kennen die Fülle heimischer Sagen
+aus Meiches rühmlicher Sammlung, dem »Sagenbuch des Königreichs
+Sachsen«, das trotz seines großen Umfanges noch nicht das gesamte
+Material umfaßt, und Meiches Verdienst wird durch Siebers Arbeit nicht
+geschmälert. Aber sein Buch hat doch als Einzelerscheinung jedenfalls
+nicht die Verbreitung über Sachsens Grenzen hinaus gefunden, die im
+Interesse des Bekanntwerdens mit sächsischem Volksleben und -glauben zu
+wünschen gewesen wäre. Durch Siebers Arbeit, in dem der Verlag einen
+sachkundigen, kritischen Gestalter des Stoffes gefunden hat, wird unser
+Sagenschatz in die Schätze andrer Stämme in rechter Weise eingereiht,
+so daß er nicht mehr übersehen werden kann.
+
+Sieber hebt selbst hervor, daß sein Sagenbuch »nach Alfred Meiches
+grundlegendem Werke nur dadurch seine Berechtigung erweisen« kann,
+»daß es erneut zu den Quellen hinabstieg, daß er zum andern sich
+bemühte, die in steifen Sprachformen erstarrten Sagen zu neuem Leben
+zu erwecken«. Es kommt ihm nicht darauf an, das gesamte Sagenmaterial
+zu bieten; er will eine Auswahl wertvollen und bezeichnenden
+obersächsischen Sagengutes geben, und das ist ihm auch restlos
+gelungen. Im Umfange des in Frage kommenden Gebietes geht er, wie
+der Nebentitel »Von Wittenberg bis Leitmeritz« besagt, über die
+Grenzen des ehemaligen Königreichs und jetzigen Freistaats Sachsen
+hinaus, die sich Meiche in seinem Werke gesteckt hatte – und _mit
+Recht_. Eine sächsische Sagenwelt und eine sächsische Volkskunde in
+dem Sinne, daß durch politische Ereignisse gezogene Grenzen für sie
+maßgebend wären, gibt es nicht. Die Bevölkerung der preußischen Provinz
+Sachsen muß bis zur niedersächsischen Sprach- und Volkstumsgrenze
+in allen volkskundlichen Arbeiten mit herangezogen werden, und über
+unsre südlichen Gebirgsgrenzen hinaus bis nach Leitmeritz, Saaz,
+Karlsbad klingen obersächsische Laute. Die deutschen Volksgenossen
+dieser Gebiete der Tschechoslowakei, die so wacker für ihr Volkstum
+kämpfen und in ihrer regen Arbeit auf volkskundlichem Gebiete geradezu
+vorbildlich für andere Stämme sind, werden dem Verfasser besonders Dank
+wissen für die Worte in der Einleitung seines Buches: »Möchte _das_
+(nämlich daß er diese böhmischen Gebiete mit berücksichtigt) manchen
+anregen, sich eingehender mit dem reichen und tiefen Volkstum unsrer
+deutschen Volksgenossen in Böhmen zu beschäftigen. Er wird mit tiefem
+Erstaunen erkennen, daß es Fleisch von unserem Fleische, Blut von
+unserem Blute ist, das hier ertötet werden soll. Dann erst wird jeder
+die Verstümmelung dieses Gliedes unsres Volksleibes körperhaft an sich
+selbst empfinden.«
+
+Obersachsen ist Kolonialland. Seine Bevölkerung ist nicht von der
+Einheitlichkeit, wie die Schwaben, Franken, Hessen, Niedersachsen
+und andrer Stämme – im Gegenteil, sie zeigt das Bild bunter
+Mannigfaltigkeit. Thüringer, Franken, Sachsen, Niederländer, Bayern
+haben sich in jener großen Zeit zwischen Saale und Elbe seßhaft
+gemacht, und slawisches Blut hat sich mit dem ihren gemischt. Ihr
+altes Glaubens- und Sagengut haben sie alle aus der alten in die
+neue Heimat mitgebracht und mit Bäumen, Quellen, Steinen, Menschen,
+Naturerscheinungen und Erlebnissen aller Art aufs neue verknüpft, jeder
+nach seiner Stammesart. Eine ebenso reizvolle wie schwierige Aufgabe
+für den Forscher, diese Zusammenhänge zu entwirren. Es konnte nicht
+die Aufgabe des Verfassers sein, in seinem Buche darauf im einzelnen
+einzugehen. Es hätte dann zunächst noch nicht erscheinen können, weil
+die nötigen Vorarbeiten dazu noch gefehlt hätten. Wir müssen ihm aber
+dafür dankbar sein, daß er uns aus seinen eigenen Forschungsergebnissen
+mancherlei mitteilt, auf denen weiter gebaut werden kann. Slawische
+Einflüsse hat er z. B. gefunden in der Sagengestalt der Klage- oder
+Winselmutter, in der des wilden Jägers, in den Drachen-, Kobold- und
+Alpsagen, und es ist interessant zu hören, daß in der letzten Gruppe
+ähnliche Züge sich vorfinden in der Leipziger Pflege wie in der
+Lausitz. Die weißen Frauen sind besonders im sächsischen und böhmischen
+Erzgebirge zu Hause, die Sagen von der Frau Hulle in der Leipziger
+Pflege weisen unverkennbar nach Thüringen hin.
+
+Wir sind bisher gewöhnt gewesen, die Sage in die dichterischen
+Erzeugnisse des Volkes einzureihen neben Mythus, Märchen, Volkslied
+usw., und das behält auch seine Richtigkeit, da sie doch
+hervorgegangen sind aus der Phantasie des Volkes. Kurt Heckscher
+ordnet sie in seinem kürzlich erschienenen umfangreichen Werke »Die
+Volkskunde des germanischen Kulturkreises« in dem Kapitel »Der
+Volksglaube« ein. Er schreibt dort: »Treten die sich in den Geistern
+darstellenden Elemente des Glaubens miteinander in Aktion, so
+entsteht als der Bericht dieser Begebenheiten der Mythus. Wird diese
+Begebenheitserzählung an irdische Dinge, sei es der Person, sei es der
+Örtlichkeit gebunden, immer zunächst unter Beibehaltung übernatürlicher
+Aktionsmittel und unter Aufhebung von Naturgesetzen, so entsteht die
+_Sage_. Endlich, in den letzten Formen ihrer Entwickelung, entkleidet
+sie sich aller außerweltlichen Beziehungsträger und Beziehungsmittel
+und bewegt sich ganz im Bereich der natürlichen Erscheinungen, wobei
+sie Anspruch auf die Bezeichnung Sage nur dadurch noch erheben
+kann, daß die Grundlagen ihrer Berichte Fiktionen oder doch fiktive
+Umgestaltungen wirklich geschehener Ereignisse sind. Diese letzte
+Sagenklasse, in die besonders die Sagen mit geschichtlichem Hintergrund
+gehören, ein so schönes Zeugnis sie für die Formkraft der Volksseele
+auch bildet, tritt in ihrer Bedeutung als Quelle für den volkstümlichen
+Glauben völlig zurück hinter die mythischen und die Natursagen,
+die man mit Recht »dramatisierten Volksglauben« genannt hat.« Das
+sind Gedanken, die auch für das Verständnis und die Beurteilung des
+Sieberschen Werkes von besonderer Wichtigkeit sind. Drei Sagengruppen
+schälen sich aus diesen Sätzen heraus: Mythische Sagen, Natursagen,
+geschichtliche Sagen. Auch bei Sieber finden wir diese Dreiteilung: Die
+Geschichte und ihre Gestalten (geschichtliche Sagen), Die Landschaft
+und ihr Wesen (Natursagen), Leib und Seele. Der Teufel (mythische
+Sagen). Die geschichtlichen Sagen leben noch am wenigsten in unserem
+Volke, sie sind am meisten zu Buchsagen geworden; sie sind aber doch
+auch wert, erhalten zu bleiben, weil in ihnen sich nicht nur – denn
+Sage ist eine Art Geschichte – die geschichtliche Entwickelung unseres
+Landes und Volkes nach allen seinen Lebensäußerungen widerspiegelt,
+sondern auch deshalb, weil wir interessante geschichtliche
+Persönlichkeiten und Vorgänge vom Volke selbst gestaltet und beurteilt
+sehen. So entrollt denn auch Sieber in diesem Kapitel, indem er die
+Sagen in erzählender Form aneinander reiht, ein reizvolles Bild der
+Geschichte Obersachsens von der Zeit der Wiederbesiedelung des Ostens
+(Wendenkrieg – Das Kreuz wird aufgerichtet – Wieprecht von Groitzsch
+– Die ersten Wettiner), über die glanzvolle Blütezeit des Bergbaus
+und die unheilvollen Zeiten der Religionskriege (Die Hussiten –
+Sektierertum und Reformation – Der Dreißigjährige Krieg) und der Pest
+bis zu den letzten Kriegen, denen sich Sagen aus Dörfern und Städten
+und von mancherlei Herren anschließen. Er muß dabei feststellen, daß
+gerade die obersächsische geschichtliche Sage keine besondere Blütezeit
+erlebt hat und daß z. B. die Reckengestalt Wieprechts von Groitzsch
+einsam über alle historischen Persönlichkeiten hervorragt und keine
+besondere dichterische Gestaltung erlebt hat. – Die Bergbausagen,
+die naturgemäß besonders zahlreich vorhanden sind, und die Sieber
+ganz richtig historisch eingeordnet hat, bilden inhaltlich die
+Überleitung zu den Natursagen. Auch diese Sagen sind in der heutigen
+Volksüberlieferung selten geworden. Die Umwandlung des Landes aus einer
+Natur- in eine Kulturlandschaft; die vielen Rodungen, die Regulierungen
+der Gewässer, die Grundstückszusammenlegungen, die Beseitigung alter
+heimlicher Wege und anderes mehr sind schuld daran. Die Riesen
+und Zwerge, die Berggeister, den wilden Jäger, die Buschweibel
+und Wassermänner, die Lichter, die Lindwürmer und Basilisken, die
+geheimnisvollen Schätze, von denen der Verfasser so lebensvoll zu
+erzählen weiß, kennen nur wenige noch im Volke; die Großeltern und
+Urgroßeltern haben nur noch davon erzählt. Aber die mythischen Sagen
+leben noch heute im Volke, mehr als man meint, wenn auch lebensvoller
+Glaube leider allzuoft sich in sinnlosen unverstandenen Aberglauben
+verwandelt hat. Volkskundliche Forscher wie Professor Pfau in Rochlitz
+und der leider zu früh verstorbene Julius Bernhardt in Leipzig
+haben mir viel davon erzählt und auch Sieber stellt das fest von
+den Sagen, die er im dritten Hauptkapitel in den Einzelabschnitten
+»Leib und Seele wandern – Der Teufel – Schwarzkünstler und Hexenvolk
+– Kobold und Drache – Der Tod und die Toten – Allerlei Spuk – Weiße
+Frauen – Entrückt« zur Darstellung bringt. Welch ein farbiges Bild
+von dem Seelenleben unseres Volkes, von seinem Glauben, Lieben,
+Fürchten und Hoffen entrollt sich vor uns; schade, daß der Raum es
+nicht erlaubt, Ausschnitte davon zu bringen. So ist aus dem Ganzen
+ein Buch entstanden, das es fertig bringen kann, Entwurzelte wieder
+im Volksleben wurzeln zu lassen, sie wieder enger mit der Heimat
+zu verbinden, ein Buch, das in jedes Haus gehört. Eine Reihe von
+Bildertafeln und in den Text eingefügter Bilder von mythischen und
+historischen Gestalten, von Städten und Burgen in alter Zeit macht das
+Verständnis für die Entstehung der Sagen noch leichter und erhöht noch
+den Wert des Buches.
+
+ Dr. Paul Zinck.
+
+
+Vom Sächsischen Lachen
+
+»Es ist doch wohl hierzulande keine Sünde, aus Sachsen zu sein?« frägt
+die Kammerzofe Franziska in Lessings »Minna von Barnhelm« den Berliner
+Wirt. Tatsächlich ist der Sachse von den Vertretern anderer deutscher
+Stämme zu Zeiten über die Achsel angesehen worden. Zum mindesten gilt
+dies für die letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts. Und
+daran ist niemand anders als der Bardigulieh Fritze Bliemchen aus
+Dräsen schuld, eine komische, von Oswald Schumann geschaffene Figur,
+der man außerhalb (und zum Teil wohl auch innerhalb) Sachsens eine
+typische Bedeutung beilegte. Der große buchhändlerische Erfolg, den die
+Bliemchenschriften erzielten, mag zum Teil daraus zu erklären sein,
+daß damals der Ungeschmack in seiner Sünden Maienblüte stand. Es kam
+aber noch eines hinzu: Das mundartliche Schrifttum, das grade im 19.
+Jahrhundert in Deutschland eine so bedeutende Rolle gespielt hat, war
+in den obersächsischen Landen seit langer Zeit so gut wie nicht mehr
+gepflegt worden. Man blickte erstaunt auf, als jemand es unternahm, in
+den Lauten zu schreiben, die angeblich vom sächsischen Volke gesprochen
+wurden. Wir wissen jetzt, daß es mit der mundartlichen Treue nicht weit
+her war, daß jedenfalls Fritze Bliemchen gar nicht Dresdnerisch sprach,
+sondern eher ein dem Schriftdeutsch angenähertes Leipziger Deutsch.
+Aber das ist nicht das Schlimmste. Viel schlimmer ist, daß Bliemchens
+Witz im Grunde recht flach und schal ist. Und das Schlimmste:
+Bliemchen, dieser schwatzhafte Jammerlappen, kann nur als Zerrbild des
+Sachsen gewertet werden. Der Sachse hat seine Fehler. Aber ein solcher
+Ekel wie Fritze Bliemchen ist er im allgemeinen nicht.
+
+Der Wunsch, dieser Strohpuppe die Larve vom Gesichte zu reißen, mag
+mitbestimmend für _Kurt Arnold Findeisen_ gewesen sein, um zusammen
+mit dem Zeichner _Kurt Rübner_ sein »_Sächsisches Lachen, ein Buch
+voller Kurzweil und Schnurren_« im Verlage von Max Koch in Leipzig[6]
+herauszugeben. Jedenfalls bringt Findeisen in diesem Buche an
+besonders eindrucksvoller Stelle »Die Vernichtung Fritze Bliemchens,
+eine Groteske als Beschluß«. Bliemchen erscheint bei Nacht vor
+Findeisens Bett und läßt in angeblich Sächsischer Gemütlichkeit einen
+nicht endenwollenden Strom abgeschmackter Rederei auf ihn los. »Zum
+Donnerwetter, nun lassen Sie mich aber schlafen, Sie unerträglicher
+Schwätzer. Und sagen Sie’s ja niemandem, daß Sie aus Sachsen sind; man
+müßte sich geradezu schämen um Ihretwillen. Leute Ihres Schlages machen
+uns in der Welt ja nur lächerlich. Schleppen Sie nicht überall eine
+große Reisetasche herum, auf der mit Perlen gestickt steht: Glückliche
+Reise?« – »Nu freilich, mei gudstes Herrchen, off meiner steht’s aber
+französ’sch: ~Bong voiasche~, damit daß mer gleich sieht: Der Mann hat
+Bildung.« – Schließlich wird es Findeisen zu arg. Er stößt mit beiden
+Fäusten gegen die Fratze, und das Spukgebilde zerstiebt.
+
+Aber Findeisen und Rübner haben natürlich nicht bloß niederreißen,
+sie haben auch aufbauen, sie haben zeigen wollen, wie der Sachse
+tatsächlich aussieht, wenn man ihn von der humoristischen Seite
+nimmt, und – das ist natürlich noch wichtiger – wenn er sich selbst
+humorvoll gibt. Findeisen entwickelt das Wesen des Sächsischen Lachens
+aus den allgemeinen Charaktereigenschaften des Sachsen, indem er
+folgendes ausführt: »Elastizität, Anpassungsfähigkeit, Beweglichkeit,
+die besitzt der Sachse in hohem Maße, und alle seine guten und
+schlechten Wesensmerkmale hängen hiermit irgendwie zusammen, seine
+Gabe raschester Aufnahme, seine Höflichkeit, seine Verbindlichkeit,
+seine Reiselust, aber auch sein Hang zu Besserwissen und Krittelei,
+seine fatale Neigung zu Klatsch, Geschwätzigkeit, billigem Spott und
+Schadenfreude. Schwer ins Gewicht fällt hierbei die nicht zu leugnende
+Tatsache, daß sein Verstand meist größer ist als sein Herz, und daß
+eine ausgesprochen spekulative Vorherrschaft des Intellekts eine
+entscheidende Beteiligung elementaren Gefühls bei allem, was er wirkt
+und treibt, nur in Ausnahmefällen zuläßt. – Und hiermit sind in Kürze
+die Naturgesetze des Sächsischen Lachens aufgestellt. Es leuchtet ein,
+daß es unter der Knebelung von allerlei Bedingtheiten und Hemmungen
+seufzt. Es ist manchmal ein nicht ganz reiner Ton darin. Es ist ein
+Lachen voller Nebengeräusche, ein Lachen, das nicht unmittelbar aus
+dem Herzen kommt und infolgedessen nicht ohne weiteres erwärmt und
+beglückt und befreit. Immerhin, es ist wenn auch kompliziert, ein
+rechtschaffenes Lachen. Der Sachse lacht, er kann lachen und er wird
+lachen, und seine übrigen Eigenschaften bürgen dafür, daß er je und je
+in seinem Lachen nicht zu kurz kommen wird. Versteht er doch infolge
+seiner eigenartigen Mentalität etwas, was manche seiner deutschen
+Stammesbrüder (von anderen Völkern nicht zu reden) ganz und gar nicht
+können, versteht er doch die Kunst, über sich selber zu lachen.« –
+
+An Stoff für sein »Sächsisches Lachen« kann es dem Herausgeber nicht
+gefehlt haben. Es galt zu sichten und zu gliedern. Beide Aufgaben hat
+Findeisen gut, zum Teil vortrefflich gelöst.
+
+Der erste Teil des Buches enthält Proben aus Sachsens humoristischen
+Dichtungen. Hier steht der literaturgeschichtliche Gesichtspunkt im
+Vordergrund. Neben einigen Älteren sind der leider viel zu wenig
+gekannte Rabener, Gellert, Lichtwer, Lessing und der von Kügelgen so
+lebensvoll geschilderte Roller aus Lausa vertreten. Unter den Neueren
+findet sich auch Richard Wagner mit einigen Gelegenheitsversen. Einen
+Dienst hat man ihm durch die Aufnahme nicht erwiesen; der Humor ist
+offenbar nicht seine stärkste Seite! Den Beschluß machen Nagler,
+Findeisen, Reimann und Ringelnatz.
+
+Im zweiten Teile handelt es sich darum, die Unterschiede in der Mundart
+zum Ausdruck zu bringen. Vogtland, Erzgebirge, Elbsandsteingebirge,
+Oberlausitz und Leipzig sind mit kurzen, nicht übel ausgewählten
+Stücken vertreten.
+
+Nun kommt »Kulturgeschichtliches«. In diesem und im folgenden Teile
+»Volkskundliches und Volkstümliches« scheint mir der Hauptwert des
+Buches zu liegen. Wir hören da vom großen Musikfest zu Dresden im
+Jahre 1615, vom Raubschützen Stülpner sowie vom Gastwirt Wutschke, dem
+Napoleonverehrer. Wir lernen die Alt-Dresdner und die Alt-Leipziger
+Originale kennen, ferner die Schandauer Muhme, Timmels Wilhelm, den
+Orgelbauer Barth und den Buchbinder Brück aus Meißen. Auch General
+Kirchner und König Friedrich August werden erwähnt.
+
+Und nun erst der volkskundliche Teil! Hier jagen sich die Glanzstücke
+nur so. Gleich unter den ersten Sachen das in seiner Art klassische
+Lied vom alten Barchewitz, dem berühmten Kanonier, dessen Werk es
+gewesen sein soll, daß dem Marschall Moreau in der Schlacht bei Dresden
+die Beine weggeschossen wurden. Der Dresdner spricht bekanntlich
+noch jetzt von »Morros Beenen«, wenn er das Moreau-Denkmal auf der
+Räcknitzer Höhe meint. Natürlich darf auch die Witwe Magnus nicht
+fehlen, in deren Schauspielbude das Vogelwiesenpublikum an den
+Vorgängen auf der Bühne durch Werfen und Schlagen tätigen Anteil
+nahm, zumal wenn der »geschundene Raubritter« über die Bretter ging.
+Fritz Gerstäcker hatte dies Stück eigens für diese Bühne geschrieben.
+Überhaupt die Vogelwiese! Und der große Schausteller, »Treten Sie ein,
+meine Herrschaften!«, und der Bänkelsänger! Und die Schützenbrüder!
+Und die Leipziger Meßmusikanten! Und der Tauch’sche Markt in Leipzig,
+der schon gar kein Markt mehr ist, sondern nur noch eine Gelegenheit
+für die Leipziger Kinder in wilden Verkleidungen durch die Stadt
+zu streifen! Und das Eierschieben vom Protzschenberge bei Bautzen!
+Natürlich darf auch das Landesmuseum für sächsische Volkskunst mit
+Hofrat Seyffert als Erklärer nicht fehlen! Vor allem aber hat mich
+gefreut, daß das bei unseren Eltern und Großeltern so beliebte Lied:
+»Und wenn Kalkelatersch in de Boomblut nausmarschiern« der Gefahr
+des Vergessenwerdens entrissen worden ist. Nur etwas fehlt mir in
+diesem Kapitel, das ist der Puppenspieler Ganzauge. Ganzauge ist
+mit seiner Kasperbude in gewisser Hinsicht an die Stelle der Witwe
+Magnus getreten. Die Bedeutung seiner Stücke geht jedoch über die des
+»geschundenen Raubritters« insofern weit hinaus, als es sich hier
+nicht um den glücklichen Einfall eines kecken jungen Schriftstellers
+handelt, sondern um altes, von einem Puppenspieler zum anderen
+weitergegebenes Erbe der Väter. Ganzauge benutzt bekanntlich keinerlei
+Textbuch, sondern spielt aus dem Gedächtnis, soweit er nicht den
+Einfällen des Augenblicks Raum gibt. So hielten es die Puppenspieler
+schon vor Jahrhunderten. Nun fehlt zwar das Puppenspiel auch bei
+Findeisen nicht gänzlich. Aber es ist nicht altes sächsisches Volksgut,
+was uns hier geboten wird. Vielleicht kann bei weiteren Auflagen
+Ganzauge mit eingefügt werden. Und da ich einmal bei solchen Wünschen
+bin: Vielleicht kann dann auch die jetzt etwas stiefmütterlich
+behandelte Oberlausitz einen breiteren Raum erhalten. Dabei bin ich
+überzeugt, daß dies leichter gesagt als getan ist. Der Oberlausitzer
+ist schwerblütiger als der Sachse aus den Meißner Landen. Sein Humor
+ist weniger zugespitzt. Vielfach erwächst er erst auf der Grundlage
+einer ausführlichen Schilderung der Verhältnisse und geht dadurch
+stark in die Breite. Immerhin durch Nachfrage bei waschechten alten
+Oberlausitzern und durch eifriges Suchen, z. B. in Volkskalendern,
+müßte sich doch wohl noch weiterer zur Aufnahme geeigneter Stoff
+ergeben.
+
+Der letzte Teil des Buches führt den vielversprechenden Namen:
+»Anzügliches«. Hier handelt es sich um ungewollte und unbewußte Komik,
+wobei natürlich »Der Sachse auf Reisen« eine besonders wichtige Rolle
+spielt.
+
+Wenn das »Sächsische Lachen« Erfolg hat (und ich glaube diese Erwartung
+aussprechen zu dürfen), so wird die Bebilderung durch den Dresdner
+Zeichner Kurt Rübner einen wesentlichen Anteil daran haben. Was Rübner
+da in wenigen starken Strichen hinsetzt, gemahnt in den besten Sachen
+geradezu an Wilhelm Busch, wennschon die persönliche Note Rübners nie
+zu verkennen ist. Sehr zu bedauern ist es, daß die naturgemäß stark in
+die Augen springende Umschlagzeichnung durch die Vergrößerung zugleich
+vergröbert worden ist. Wie sie der Künstler ursprünglich gedacht hatte,
+zeigt die letzte Seite des Buches. Die alte Geschichte: Das Format
+macht’s.
+
+ Benno von Polenz.
+
+
+Fußnoten:
+
+ [5] Mit 65 alten Holzschnitten und 350 Seiten, broschiert M.
+ 8.—, gebunden M. 10.—. Verlag: Eugen Diederichs, Jena.
+ Zu vergleichen diesem Hefte beiliegende Werbeschrift des
+ Verlags.
+
+ [6] Preis: broschiert M. 4.—, gebunden M. 6.—.
+
+
+
+
+Heimat!
+
+
+Dieses wundersame Wort gehört uns Deutschen ganz allein, ist eine
+Perle in dem reichen Wortschatz unserer Sprache, die so herrlich zu
+malen weiß, die mit allen Wurzeln aus deutscher Erde heraufgesprossen
+ist, aus der es uns heraufklingt wie Abendsäuseln und dann wieder wie
+einherbrausendes Sturmeswetter. Kein Volk der Erde besitzt ein gleiches
+Wort, es ahnt aber auch nicht, was aus ihm für das deutsche Gemüt
+hindurchzittert. Alle versonnene Innigkeit, die ganze Verträumtheit
+unseres eigenstens Wesens, das Bodenständige, die heiße Liebe zu der
+Scholle, die uns geboren, dies alles flutet zusammen in diesem kleinen
+Worte: Heimat! Jauchzen und Wehmut, Mutterliebe und verhallendes
+Abendgeläute, so umweht es uns, wenn dieses Wort an unser Ohr schlägt.
+
+ † _August Trinius_, der Thüringer Wandersmann.
+
+
+ Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt –
+ Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden
+ Photographische Platten »Perutz« –
+ Photographische Aufnahmen: Max Nowak –
+ Auflage 50000
+
+ Diesem Hefte liegt ein Werbeschreiben des Verlags Eugen Diederichs,
+ Jena, bei
+
+
+
+
+Heimatschutz-Vorträge
+
+
+Walddorf – Eibau
+
+Kretscham Walddorf, abends 8 Uhr:
+
+ Donnerstag, den 2. September: Lichtbildervortrag: »Pilze der
+ Heimat«. Studienrat Arno Lange, Dresden.
+
+ Donnerstag, den 9. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der
+ Mutter aller Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen,
+ Dresden.
+
+ Dienstag, den 14. September: Filmvortrag: »Vom Vogelparadies
+ der Dobrudscha zu den Siebenbürgener Sachsen«. Schulleiter
+ Paul Bernhardt, Dresden.
+
+ Montag, den 20. September: Lichtbildervortrag: »Die Lausitz,
+ Land und Leute«. Studienrat Dr. Jordan, Bautzen.
+
+ Dienstag, den 5. Oktober: Lichtbildervortrag: »Aus Sachsens
+ Kornkammer – Die Lommatzscher Pflege«. Professor Dr. Große,
+ Dresden.
+
+
+Neugersdorf
+
+Stadt Zittau, abends 8 Uhr:
+
+ Freitag, den 3. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der
+ Mutter aller Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen,
+ Dresden.
+
+ Donnerstag, den 9. September: Lichtbildervortrag: »Pilze der
+ Heimat«. Studienrat Arno Lange, Dresden.
+
+ Mittwoch, den 15. September: Filmvortrag: »Vom Vogelparadies
+ der Dobrudscha zu den Siebenbürgener Sachsen«. Schulleiter
+ Paul Bernhardt, Dresden.
+
+ Dienstag, den 21. September: Lichtbildervortrag: »Aus Sachsens
+ Kornkammer – Die Lommatzscher Pflege«. Professor Dr. Große,
+ Dresden.
+
+ Mittwoch, den 6. Oktober: Lichtbildervortrag: »Die Lausitz,
+ Land und Leute«. Studienrat Dr. Jordan, Bautzen.
+
+
+Großschönau
+
+Gasthof zum Weinhaus, abends 8 Uhr:
+
+ Freitag, den 3. September: Filmvortrag: »Mit Kamera und Kino
+ durch die Vogelwelt«. Schulleiter Paul Bernhardt, Dresden.
+
+ Donnerstag, den 9. September: Lichtbildervortrag: »Moritzburg
+ im Wandel der Zeiten«. Oberlehrer Oskar Merker, Dresden.
+
+ Mittwoch, den 15. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der
+ Mutter aller Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen,
+ Dresden.
+
+ Dienstag, den 21. September: Lichtbildervortrag: »Die Lausitz,
+ Land und Leute«. Studienrat Dr. Jordan, Bautzen.
+
+ Dienstag, den 5. Oktober: Lichtbildervortrag: »Pilze der
+ Heimat«. Studienrat Arno Lange, Dresden.
+
+
+Zittau
+
+Kronensäle, abends 8 Uhr:
+
+ Freitag, den 3. September: Lichtbildervortrag: »Pilze der
+ Heimat«. Studienrat Arno Lange, Dresden.
+
+ Freitag, den 10. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der
+ Mutter aller Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen,
+ Dresden.
+
+ Freitag, den 17. September: Konzert: Liesel von Schuch – Hans
+ von Schuch. Am Flügel: Dr. Arthur Chitz, Dresden.
+
+ Mittwoch, den 22. September: Lichtbildervortrag: »Die Lausitz,
+ Land und Leute«. Studienrat Dr. Jordan, Bautzen.
+
+ Montag, den 4. Oktober: Filmvortrag: »In Schilf und Rohr«.
+ Schulleiter Paul Bernhardt, Dresden.
+
+
+Ebersbach
+
+Hotel Stadt Zittau, abends 8 Uhr:
+
+ Mittwoch, den 8. September: Lichtbildervortrag: »Pilze der
+ Heimat«. Studienrat Arno Lange, Dresden.
+
+ Mittwoch, den 15. September: Lichtbildervortrag: »Aus Sachsens
+ Kornkammer – Die Lommatzscher Pflege«. Professor Dr. Martin
+ Große, Dresden.
+
+ Dienstag, den 21. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der
+ Mutter aller Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen,
+ Dresden.
+
+ Dienstag, den 5. Oktober: Lichtbildervortrag: »Die Lausitz,
+ Land und Leute«. Studienrat Dr. Jordan, Bautzen.
+
+ Dienstag, den 12. Oktober: Filmvortrag: »Vom Vogelparadies der
+ Dobrudscha zu den Siebenbürgener Sachsen«. Schulleiter Paul
+ Bernhardt, Dresden.
+
+
+Freiberg
+
+Tivoli, abends 8 Uhr:
+
+ Donnerstag, den 9. September: Filmvortrag: »Vom Vogelparadies
+ der Dobrudscha zu den Siebenbürgener Sachsen«. Schulleiter
+ Paul Bernhardt, Dresden.
+
+ Donnerstag, den 16. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild
+ der Mutter aller Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen,
+ Dresden.
+
+ Donnerstag, den 23. September: Filmvortrag: »Im Reiche des
+ Naturforschers«. Dr. M. Rikli, Dresden.
+
+ Donnerstag, den 7. Oktober: Lichtbildervortrag: »Muldenland«.
+ Professor Dr. G. Henning, Grimma.
+
+ Mittwoch, den 13. Oktober: Konzert: Liesel von Schuch – Hans
+ von Schuch. Am Flügel: Dr. Arthur Chitz, Dresden.
+
+
+Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-N.
+
+
+
+
+ Weitere Anmerkungen zur Transkription
+
+
+ Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
+ Unterschiedliche Schreibweisen, insbesondere bei den
+ lateinischen Bezeichnungen, wurden unverändert beibehalten.
+
+ Die Bildverweise wurden aus den Fußnoten direkt in den Text
+ übernommen.
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75906 ***
diff --git a/75906-h/75906-h.htm b/75906-h/75906-h.htm
new file mode 100644
index 0000000..832a234
--- /dev/null
+++ b/75906-h/75906-h.htm
@@ -0,0 +1,3813 @@
+<!DOCTYPE html>
+<html lang="de">
+<head>
+ <meta charset="UTF-8">
+ <title>
+ Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Mitteilungen Band XV, Heft 5–6 | Project Gutenberg
+ </title>
+ <link rel="icon" href="images/cover.jpg" type="image/x-cover">
+ <style>
+
+body {
+ margin-left: 10%;
+ margin-right: 10%;
+}
+
+ h1,h2,h3 {
+ text-align: center; /* all headings centered */
+ clear: both;
+}
+
+p {
+ margin-top: .51em;
+ text-align: justify;
+ margin-bottom: .49em;
+ text-indent: 1em;
+}
+
+.h2 {
+ text-align: center;
+ text-indent: 0;
+ font-size: x-large;
+ font-weight: bold;
+}
+
+.h3 {
+ text-align: center;
+ text-indent: 0;
+ font-size: large;
+ font-weight: bold;
+ margin-top: 2ex;
+}
+
+.noind {
+ text-indent: 0;
+}
+
+.hang p {
+ margin-left: 4em;
+ text-indent: -3em;
+}
+
+.p2 {margin-top: 2em;}
+
+hr.chap {
+ width: 65%;
+ margin-top: 2em;
+ margin-bottom: 2em;
+ margin-left: 17.5%;
+ margin-right: 17.5%;
+ clear: both;
+}
+
+@media print { hr.chap {display: none; visibility: hidden;} }
+
+div.chapter {page-break-before: always;}
+h2.nobreak {page-break-before: avoid;}
+
+ul.nodeco { list-style-type: none; }
+
+.pagenum {
+ position: absolute;
+ left: 92%;
+ font-size: small;
+ text-align: right;
+ font-style: normal;
+ font-weight: normal;
+ font-variant: normal;
+ text-indent: 0;
+} /* page numbers */
+
+.bleft {
+ display: inline-block;
+ width: 49.5%;
+ margin-left: 0;
+}
+.bright {
+ display: inline-block;
+ width: 49.5%;
+ margin-right: 0;
+}
+
+sup {
+ vertical-align: top;
+ font-size: 70%;
+}
+
+.blockquot {
+ margin-left: 5%;
+ margin-right: 10%;
+}
+
+.hidden {
+ visibility: hidden;
+}
+
+.center {
+ text-align: center;
+ text-indent: 0;
+}
+
+.right {text-align: right;}
+
+.mright {
+ text-align: right;
+ margin-right: 1em;
+}
+
+.larger {font-size: larger;}
+.s90 {font-size: 90%;}
+
+.u {text-decoration: underline;}
+
+.gesperrt {
+ font-style: italic;
+}
+
+.antiqua {
+ font-family: sans-serif;
+ font-style: normal;
+}
+
+.caption {font-size: 90%;}
+
+/* Images */
+
+img {
+ max-width: 100%;
+ height: auto;
+}
+img.w100 {width: 100%;}
+
+.figcenter {
+ margin: 2ex auto;
+ text-align: center;
+ page-break-inside: avoid;
+ max-width: 100%;
+}
+
+/* Footnotes */
+.footnotes {border: 1px dashed;}
+
+.footnote {margin-left: 10%; margin-right: 10%; font-size: 0.9em;}
+
+.footnote p {
+ text-indent: 0;
+}
+
+.footnote .label {
+ position: absolute;
+ right: 84%;
+ text-align: right;
+ font-size: 0.8em;
+ vertical-align: top;
+}
+
+.fnanchor {
+ vertical-align: super;
+ font-size: 0.6em;
+ text-decoration: none;
+}
+
+/* Poetry */
+/* uncomment the next line for centered poetry */
+.poetry-container {text-align: center;}
+.poetry {text-align: left; margin-left: 5%; margin-right: 5%;}
+.poetry .stanza {margin: 1em auto;}
+.poetry .verse {text-indent: -3em; padding-left: 3em;}
+
+/* Poetry indents */
+.poetry .indent0 {text-indent: -3em;}
+
+/* Transcriber's notes */
+.transnote {background-color: #E6E6FA;
+ color: black;
+ font-size: 90%;
+ padding:0.5em;
+ margin-bottom:5em;
+}
+
+.transnote p {
+ text-indent: 0;
+}
+
+/* Illustration classes */
+.illowp100 {width: 100%; max-width: 60em;}
+.illowp60 {width: 60%; max-width: 36em;}
+.illowp70 {width: 70%; max-width: 42em;}
+.illowp80 {width: 80%; max-width: 48em;}
+
+.x-ebookmaker .illowp60 {width: 60%; margin: auto 20%;}
+.x-ebookmaker .illowp70 {width: 70%; margin: auto 15%;}
+.x-ebookmaker .illowp80 {width: 80%; margin: auto 10%;}
+
+ </style>
+</head>
+<body>
+<div style='text-align:center'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75906 ***</div>
+
+<div class="transnote">
+<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p>
+
+<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt.
+Im Original gesperrter oder kursiver Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.
+Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>.
+</p>
+
+<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich
+am <a href="#tnextra">Ende des Buches</a>.</p>
+</div>
+
+<figure class="figcenter illowp60" id="cover">
+ <img class="w100" src="images/cover.jpg" alt="Cover">
+</figure>
+
+<div class="chapter">
+<p class="h2">Landesverein Sächsischer
+Heimatschutz
+Dresden</p>
+
+<h1>Mitteilungen<br>
+Heft<br>
+5 bis 6</h1>
+
+<p class="center">Monatsschrift für Heimatschutz, Volkskunde und Denkmalpflege</p>
+
+<p class="h2">Band XV
+</p>
+
+<p class="noind"><em class="gesperrt">Inhalt</em>:
+<a href="#Der_Schellerhauer_Pflanzengarten">Der Schellerhauer Pflanzengarten</a> –
+<a href="#Floristisches_aus_dem_Triebischtale">Floristisches aus dem Triebischtale</a> –
+<a href="#Am_Grabe_des_Marienberger_Silberbergbaues">Am Grabe des Marienberger Silberbergbaues</a> –
+<a href="#Der_alte_Schrank">Der alte Schrank</a> –
+<a href="#Wappen_der_Stadt_Kamenz">Wappen der Stadt Kamenz</a> –
+<a href="#Ein_Beitrag_zur_Frage_der_Steinkreuze">Ein Beitrag zur Frage der Steinkreuze</a> –
+<a href="#Schwarzenberger_Edelweiss">Schwarzenberger Edelweiß</a> –
+<a href="#Die_hoeheren_Pilze_der_Dresdner_Heide">Die höheren Pilze der Dresdner Heide</a> –
+<a href="#Der_Friedhof_in_der_Dresdner_Gartenbauausstellung">Der Friedhof in der Dresdner Gartenbauausstellung</a> –
+<a href="#Buecherbesprechungen">Bücherbesprechungen</a>:
+<a href="#Die_Wenden">Die Wenden</a> –
+<a href="#Saechsische_Sagen">Sächsische Sagen</a> –
+<a href="#Vom_saechsischen_Lachen">Sächsisches Lachen</a> –
+<a href="#Heimat">Heimat</a></p>
+
+<p class="center">Einzelpreis dieses Heftes 3 Reichsmark</p>
+<p class="center">Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24</p>
+
+<div class="s90">
+<div class="bleft">Postscheckkonto: Leipzig 13 987, Dresden 15 835</div>
+<div class="bright right">Stadtbank Dresden 610</div>
+</div>
+<div class="center s90">
+Bankkonto: Commerz- und Privatbank, Abteilung Pirnaischer Platz, Dresden<br>
+Bassenge &amp; Fritzsche, Dresden
+</div>
+
+<p class="center">Dresden 1926</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+</div>
+
+<div class="chapter">
+<p class="center larger"><span class="u">Wir bitten höflichst, die Beitragszahlungen zu bewirken.</span></p>
+</div>
+
+<p>Die Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz
+erhalten gegen Vorzeigung eines Ausweises durch unsere
+<b>Geschäftsstelle Dresden-A., Schießgasse 24</b></p>
+
+<p class="h2">für die Gartenbauausstellung</p>
+
+<p class="center"><b>Eintrittskarten zu M. —.90 (sonst M. 1.50)</b></p>
+
+<p class="h2">für den Zoologischen Garten</p>
+
+<p class="center"><b>Eintrittskarten zu M. —.60 (sonst M. 1.—)</b></p>
+
+<p>Unsere Geschäftsstelle Dresden-A., Schießgasse 24, ist</p>
+
+<p class="center">
+<b>wochentags von 8–7 Uhr</b> (durchgehend),<br>
+<b>Sonntags geschlossen</b>
+</p>
+
+<p class="noind">für den Kartenverkauf geöffnet.</p>
+
+<p class="p2">Anmerkung: Wegen der Weiterlieferung der Schrift</p>
+
+<p class="h2">»Bauberatung«</p>
+
+<p class="noind">(zu vergleichen die zweite Umschlagseite Heft 1/2 dieses Jahres)
+<b>berichten wir im Heft 7/8, Band XV</b>, da noch immer Bestellungen
+eingehen, die zur Gewinnung eines Gesamtüberblickes
+berücksichtigt werden müssen.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Seite_161">[161]</span></p>
+
+<div>
+<div class="bleft">Band XV Heft 5/6</div>
+<div class="bright right">1926</div>
+</div>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-003">
+ <img class="w100" src="images/illu-003.jpg" alt="Landesverein Sächsischer
+Heimatschutz Dresden">
+</figure>
+
+<p class="center">Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern herausgegeben</p>
+
+<p class="center">Abgeschlossen am 31. Juli 1926</p>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+</div>
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="Der_Schellerhauer_Pflanzengarten">Der Schellerhauer Pflanzengarten</h2>
+</div>
+
+<p class="center">Von <em class="gesperrt">Josef Ostermaier</em>, Dresden-Blasewitz</p>
+
+<p class="center s90">Mit Aufnahmen des Verfassers</p>
+
+<p>Wie viele Tausende sind daran schon vorbeigegangen, ohne zu ahnen,
+welche Pflanzenschätze hier verborgen sind, in dem Heim, das sich der verstorbene
+frühere Inspektor des Botanischen Gartens in Dresden, G. A.
+Poscharsky, nach seinem Abgang 1906 dort geschaffen hatte.</p>
+
+<p>In mehreren Felsengruppen hat derselbe dort die wichtigsten und
+schönsten Alpenpflanzen angesiedelt und kultiviert, die bei den ihnen dort
+außerordentlich zusagenden klimatischen Verhältnissen zu prächtiger Entwicklung
+und Blüte gelangten, wie man sie in botanischen Gärten und alpinen Anlagen
+des Tieflandes vergeblich suchen würde.</p>
+
+<p>Wieder einmal war unser Heimatschutz der rettende Engel, der diese
+Stätte vor dem Verfall und der Auflösung bewahrt hat. Nachdem das
+Poscharskysche Grundstück in den Besitz des Staates übergegangen war, ward
+der Pflanzengarten an den Tharandter Forstgarten und weiterhin, nach Berufung
+des Professors Dr. Neger an die Technische Hochschule zu Dresden, als
+»Alpenpflanzen-Anzuchtstation« an den Botanischen Garten zu Dresden angeschlossen.
+In der Zeit höchster wirtschaftlicher Not versiegten die Mittel zur<span class="pagenum" id="Seite_162">[162]</span>
+Unterhaltung, der Garten blieb länger als ein Jahr ohne Pflege und verfiel
+mehr und mehr.</p>
+
+<p>Da hat denn noch zur rechten Zeit der Sächsische Heimatschutz eingegriffen,
+dem das Finanzministerium dankenswerterweise vertragsmäßig die
+Verfügung über den Garten zu Heimatschutzzwecken überlassen hat.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-004">
+ <img class="w100" src="images/illu-004.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 1. <b>Alpenanemone</b> (<em class="antiqua">Anemone alpina</em>)</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Ein staatlicher Forstwart und seine Frau sorgen für die nötige Beaufsichtigung
+und Ordnung in demselben, während ein Mitglied unserer Naturschutzabteilung
+in anerkennenswertester Weise die wissenschaftliche Leitung
+und Beaufsichtigung des Unternehmens übernommen hat. Seine Hand macht
+sich schon allenthalben fühlbar, so z. B. in der Neuanlage mehrerer Felsengruppen,
+in der systematischen Ordnung und Umpflanzung der vorhandenen
+Pflanzenbestände und deren Bereicherung durch Neuerwerbungen. Unter
+seiner Leitung sind Anlagen geschaffen worden, die vor allem dem Gedanken
+des Naturschutzes Rechnung tragen sollen. Außer zwei Quartieren mit
+weit über hundert wildwachsenden, besonders charakteristischen und deshalb
+schätzenswerten Pflanzen des Gebirges und des Hügellandes gibt es ein Beet<span class="pagenum" id="Seite_163">[163]</span>
+mit den gesetzlich geschützten Pflanzen. Eine Zusammenstellung der
+schönsten und auffallendsten Pflanzen unserer europäischen Alpen wird besonders
+den Alpenwanderern willkommen sein. Zur Bereicherung des Gartens
+mit neuen Pflanzen haben der Dresdener Botanische Garten und der Dresdener
+Zentralschulgarten das meiste beigetragen. Vieles ist aus nahen und fernen
+Pflanzengebieten des Landes herbeigeholt worden.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-005">
+ <img class="w100" src="images/illu-005.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 2. <b>Blagays Seidelbast</b> (<em class="antiqua">Daphne Blagayana</em>)</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Man muß die Bemühungen unseres Pflanzengartenvaters um so höher
+einschätzen, als die Anlage eineinhalb Stunden Wegs von den nächsten Bahnstationen
+– Kipsdorf oder Altenberg – entfernt ist und deren Erreichung mit
+erheblichem Zeitaufwand und auch körperlicher Anstrengung verknüpft ist.
+Es scheint aber dem Verwalter, der selbst ein Freund und Kenner der Alpenflora
+ist, eine besondere Freude zu bereiten, hier seine Lieblinge aus den Alpen
+zu hegen und zu pflegen und auch weiteren Kreisen zu genußreicher Anschauung
+zu bringen. Wirken diese Kinder Floras ja hier in der Höhe von siebenhundert
+Metern in der reinen Gebirgsluft und dem strahlenden Sonnenschein, in der
+ernsten, schon fast subalpinen Charakter tragenden Landschaft doch auch ganz
+anders, als inmitten der großstädtischen Umgebung unserer botanischen Gärten.</p>
+
+<p>Aber nicht allein vom ästhetischen Standpunkte ist die Angelegenheit zu
+betrachten. Derselben kommt auch eine nicht unerhebliche wirtschaftliche Bedeutung<span class="pagenum" id="Seite_164">[164]</span>
+zu. Zunächst können hier Alpenpflanzen in größerem Maßstabe gezüchtet
+und vermehrt, Pflanzen und Samen an Interessenten käuflich
+abgegeben werden, was auch ganz in den Rahmen der Heimatschutzbestrebungen
+paßt, um damit dem Ausgraben wildwachsender Pflanzen entgegenzutreten,
+was überdies auch nach den in den verschiedenen Alpenländern bestehenden
+Schutzvorschriften verboten ist.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-006">
+ <img class="w100" src="images/illu-006.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 3. <b>Krainer Himmelschlüssel</b> (<em class="antiqua">Primula Carniolica Jacq.</em>)</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Man wird hier auch in einer eventuell noch anzugliedernden besonderen
+Abteilung Versuche mit der Züchtung von Obst, Gemüse, Blumen usw. machen
+können, um für solche Höhenlagen geeignete Sorten ausfindig zu machen oder
+heranzüchten zu können, was gerade für unser Erzgebirge und Vogtland von
+großer Bedeutung werden könnte. Das ist natürlich Zukunftsmusik und bedarf
+noch erheblicher Mittel und sachkundiger Leitung.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-007a">
+ <img class="w100" src="images/illu-007a.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 4. <b>Wulfens Himmelschlüssel</b> (<em class="antiqua">Primula Wulfenia Schott</em>)</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Zunächst freuen wir uns der farbenfrohen Erscheinungen unserer Alpenpflanzen,
+die hier in einer Höhenlage, die in klimatischer Beziehung einer solchen<span class="pagenum" id="Seite_166">[166]</span>
+von fünfzehnhundert bis eintausendachthundert Metern in den Alpen entspricht,
+ganz prächtig gedeihen.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-007b">
+ <img class="w100" src="images/illu-007b.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 5. <b>Clusins Himmelschlüssel</b> (<em class="antiqua">Primula Clusiana Tausch</em>)</figcaption>
+</figure>
+
+<p><em class="gesperrt">Edelweiß</em> z. B., das im Tieflande sofort degeneriert und seine schneeige
+Behaarung verliert, leuchtet uns hier mit seinen blütenweißen Sternen
+wie in den Alpen entgegen. <em class="gesperrt">Alpenrosen</em>, sowohl die rostfarbige, wie auch
+die rauhhaarige Art, bilden große, purpurn leuchtende Büsche. Dazwischen
+stehen <em class="gesperrt">Gentianen</em> in verschiedenen großen und kleinen Arten, die <em class="gesperrt">Alpenrebe</em>
+entfaltet an dichten Ranken ihre zahlreichen violetten Glocken, auch die
+<em class="gesperrt">Alpenanemone</em>, die ich noch selten in botanischen Gärten blühend angetroffen
+habe, gedeiht in dieser Höhe ganz prächtig, und von halbmeterhohen
+Stengeln leuchten uns die weißen Blütensterne und Büschel der narzissenblütigen
+Alpenrose schon von Weitem entgegen.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-008">
+ <img class="w100" src="images/illu-008.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 6. <b>Klebriger Himmelschlüssel</b> (<em class="antiqua">Primula hirsuta All.</em> = <em class="antiqua">P. viscosa Vill.</em>)</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Aber was mich am meisten entzückt hat, das war bei meinem letzten
+Besuche am 28. April der geradezu staunenswerte Blütenflor der alpinen
+<em class="gesperrt">Primeln</em>. Diese scheinen sich dort oben ganz besonders wohl zu fühlen, und
+ich habe sie noch nie in botanischen Gärten in so üppiger Entwicklung gesehen
+wie hier. Von unserer geschützten gelben Alpen-Aurikel (<em class="antiqua">Primula auricula</em>)
+angefangen, waren so ziemlich alle wichtigeren Aurikelarten unserer Alpen
+vertreten: Die prächtige <em class="gesperrt"><em class="antiqua">Primula marginata</em></em> der Seealpen, die <em class="gesperrt"><em class="antiqua">Primula
+hirsuta All.</em></em> der West- und Zentralalpen, die schöne <em class="gesperrt"><em class="antiqua">Pr. venusta</em></em>, die<span class="pagenum" id="Seite_167">[167]</span>
+<em class="gesperrt"><em class="antiqua">Pr. Clusiana</em></em>, <em class="gesperrt"><em class="antiqua">Wulfeniana</em></em> und <em class="gesperrt"><em class="antiqua">carniolica</em></em>
+ der Ostalpen und südlichen
+Kalkalpen neben dem Habmichlieb (<em class="antiqua">Pr. minima</em>) des Riesengebirges und verschiedene
+ausländische Arten. Dazwischen duftete aus einer üppigen Blütenfülle
+der <em class="gesperrt">gelbweiße Seidelbast</em> (<em class="antiqua">Daphne Blagayana</em>) aus den Krainer
+Bergen und leuchteten die zierlichen Blütensterne der <em class="gesperrt">rautenförmigen
+Schmuckblume</em> (<em class="antiqua">Callianthemum rutifolium</em>) neben gelben und weißen
+<em class="gesperrt">Steinbrecharten</em>, <em class="gesperrt">lieblichen Soldanellen</em>, <em class="gesperrt">rosenroten
+Mannsschilden</em>, <em class="gesperrt">Gemskresse</em> und anderen alpinen Gewächsen. Auch
+Orchideen, vor allem unser schöner – in Sachsen leider ausgestorbener –
+<em class="gesperrt">Frauenschuh</em>, sind zu schauen.</p>
+
+<p>So kann man diesem jüngsten Pflegekinde unseres rührigen Heimatschutzes
+nur bestes Gedeihen und recht zahlreichen Besuch wünschen.</p>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="Floristisches_aus_dem_Triebischtale">Floristisches aus dem Triebischtale</h2>
+
+<p class="center">Von Studienrat Prof. <em class="gesperrt">O. Leonhardt</em>, Nossen</p>
+
+<p class="center s90">Mit Aufnahmen von Josef Ostermaier, Dresden-Blasewitz</p>
+</div>
+
+<p>Das an landschaftlichen Schönheiten reiche Triebischtal besitzt auch eine
+ganze Reihe botanischer Seltenheiten. An einem steilen Hange, wo eine schmale
+Bank silurischen Kalkes von kulmischen und devonischen Ablagerungen umschlossen
+wird, findet sich die in <a href="#illu-010">Abbildung 1</a> dargestellte <b>stinkende Nieswurz</b>
+(<em class="antiqua">Helleborus foetidus L.</em>), eine zur Familie der Hahnenfußgewächse gehörende
+Giftpflanze. In den alten Auflagen der »Exkursionsflora für das Königreich
+Sachsen« von Wünsche, sollte diese seltene Pflanze »aus Dorfgärten verwildert«
+an der Schloßmauer des Rittergutes Schilbach bei Schöneck i. V. wachsen.
+Trotzdem ich als Schönecker Kind die Gegend genau kenne, ist es mir nie gelungen,
+die Pflanze dort aufzufinden. Es lag sicher ein Irrtum vor, eine Verwechselung
+mit der grünen Nieswurz (<em class="antiqua">Helleborus viridis L.</em>), welche in den vogtländischen
+Bauerngärten hin und wieder als Frühblüher anzutreffen ist. Groß
+war daher meine Freude, der Langgesuchten im Triebischtale zu begegnen.
+Da ein sicher nachgewiesener Standort aus Sachsen nicht bekannt war, vermutete
+ich zunächst einen Gartenflüchtling vor mir zu haben. Angestellte
+Untersuchungen und Nachfragen bei den Ortseingesessenen sowie genaue Beobachtung
+der Pflanze seit drei Jahrzehnten brachten mir die Überzeugung,
+daß wir es hier mit einem ursprünglichen Standort zu tun haben. Für solche,
+nur einer bestimmten Gegend eigentümliche Pflanzen (endemische) gibt es
+ja außerordentlich viele Beispiele. Ich erinnere nur an den zierlichen im Uttewalder
+Grund vorkommenden Hautfarn (<em class="antiqua">Hymenophyllum Tunbrigense L.</em>),
+welcher sich dann erst wieder in Luxemburg, auf den Britischen Inseln, auf
+Korsika, Madeira, in Südafrika, Australien und Polynesien findet. Herrn
+G. Zieschang in Kaufbach ist es nach einer mir brieflich zugegangenen Mitteilung<span class="pagenum" id="Seite_168">[168]</span>
+geglückt, in diesem Jahre einen zweiten Standort der stinkenden Nieswurz
+im Triebischtale aufzufinden. Die Besiedelung dieses neuen Ortes ist
+sicher von dem erstentdeckten Standorte aus erfolgt und es ist nur zu wünschen,
+daß die Pflanze sich dort hält. Herr Zieschang hat die Nieswurz bereits 1911
+photographiert und ein Bild samt Beschreibung in der Heimatsammlung Wilsdruff
+niedergelegt. Auch er ist der Meinung, daß <em class="antiqua">Helleborus</em> hier seine Heimat
+hat. Die stinkende Nieswurz findet sich in Portugal, Spanien, Italien, England,
+Schottland, der Schweiz, in Steiermark, Tirol und im südwestlichen Deutschland,
+besonders im oberen Rheintal. Von dort aus hat sie sich bis nach Holland
+verbreitet und ist auch in einige Nebentäler des Rheines eingedrungen.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-010">
+ <img class="w100" src="images/illu-010.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 1. <b>Stinkende Nieswurz</b> (<em class="antiqua">Helleborus foetidus L.</em>)</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Da sich in den Floren meist nur eine kurze Diagnose findet, will ich in
+folgendem eine etwas ausführlichere Beschreibung der Pflanze geben. Die stinkende
+Nieswurz, auch Bärenfuß, Feuerwurz, Teufelskraut oder Wolfszahn genannt,
+besitzt einen bis zu fünfundzwanzig Zentimeter langen spindelförmigen,
+ästigen, schwarzbraunen, im Alter vielköpfigen Wurzelstock, welcher mit vielen
+starken und ästigen Fasern versehen ist. Der bis zu sechzig Zentimeter hohe dicke,
+stielrunde, kahle und dicht beblätterte Stengel ist nach oben rispig verästelt
+und daselbst kurz drüsenhaarig. Bemerkenswert ist die transversal geotropische
+Anpassung der Stengel an den steilen Standort. (<a href="#illu-011">Abb. Nr. 2.</a>) Auf <em class="gesperrt">ebenem</em><span class="pagenum" id="Seite_169">[169]</span>
+Boden gezogene Pflanzen behalten sogar diese Eigentümlichkeit bei, und manche
+Botaniker wollen darin eine »Vererbung erworbener Eigenschaften« erblicken.
+Die nicht blühenden Stengel sind samt den Blättern ausdauernd. Die unteren
+Stengelblätter sind langgestielt, lederartig, starr, kahl, oberseits dunkelgrün,
+auf der Rückseite etwas bleicher und bestehen aus sieben bis neun schmallanzettlichen
+spitzigen Blättchen. An den blütentragenden Stengeln finden sich
+gleich über dem Erdboden einzelne Seitenäste, welche sich in Wurzelköpfe und
+später in blühende Stengel umwandeln. Die oberen Blätter der blühenden
+Pflanzen bestehen nur aus einigen schmalen kleinen Zipfeln, welche auf großen
+elliptischen Scheiden sitzen und allmählich an den Verzweigungen der Rispe in
+große, eiförmige, bleichgelbgrüne Deckblätter übergehen. Die unscheinbaren
+<em class="gesperrt">Blüten</em> sind klein, nickend, grün und gewöhnlich purpurrot gesäumt. An Schönheit
+des Aussehens kann sich die stinkende Nieswurz mit ihren Schwestern, der
+bekannten Christrose mit rein weißen Blüten (<em class="antiqua">Helleborus niger L.</em>), der in
+Dorfgärten öfters anzutreffenden grünen Nieswurz (<em class="antiqua">Helleborus viridis L.</em>),
+der in den Transsilvanischen Alpen heimischen, prächtigen, purpurrötlichen
+Nieswurz (<em class="antiqua">Helleborus purpurascens W</em> u. <em class="antiqua">K</em>) oder gar mit den in großen
+Gärtnereien gezüchteten hybriden Formen – durchaus nicht messen. Alle
+Nieswurzarten besitzen innerhalb ihrer fünf bis sieben Blütenblätter große<span class="pagenum" id="Seite_170">[170]</span>
+tütenförmige Nektarien. Die reifen Pollenblätter wenden sich nun immer so,
+daß sie direkt über das Honigmal zu liegen kommen, so daß jedes naschende
+Insekt unbedingt die Staubbeutel streifen und so für Fremdbestäubung sorgen
+muß. Die breit rundlich abgestutzten <em class="gesperrt">Kelchblätter</em> erscheinen gelblichgrün,
+die <em class="gesperrt">Staubgefäße</em> erreichen ziemlich die Länge der Kelchblätter.
+Die stinkende Nieswurz steht Ende März in voller Blüte, ich fand aber auch
+bereits im Februar blühende Pflanzen. Ihren Beinamen trägt unsere Pflanze
+deshalb, weil Wurzel und Blätter einen unangenehm stinkenden Geruch besitzen.
+In der Apotheke dürfte <em class="antiqua">Helleborus foetidus</em> kaum noch Verwendung finden.
+Früher lieferte er die <em class="antiqua">Rhizoma Hellebori foetidi seu Helleborastri</em>. In Süddeutschland
+soll der Absud der Wurzeln und Blätter vom Volke heute noch als
+Mittel gegen Läuse gebraucht werden. Das in der Pflanze enthaltene Gift,
+<em class="antiqua">Helleborin</em> genannt, erzeugt starke Reizung der Schleimhäute, ruft Erbrechen
+und Durchfall hervor und wirkt lähmend. In einem alten Kräuterbuch aus
+dem Jahre 1711 heißt es sogar von unsrer Pflanze: »Dieweil sie giftig, werden
+die Wölf und Füchs damit gefangen«. Nach meinen Beobachtungen hat sich
+unsre Nieswurz in den letzten Jahrzehnten ständig vermehrt, so daß man wohl
+erwarten darf, daß dieses seltne Naturdenkmal unsrer Heimat noch auf lange
+Zeit erhalten bleiben wird.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-011">
+ <img class="w100" src="images/illu-011.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 2. <b>Stinkende Nieswurz</b> (<em class="antiqua">Helleborus foetidus L.</em>)</figcaption>
+</figure>
+
+<p>An derselben Stelle, wo <em class="antiqua">Helleborus foetidus</em> vorkommt, findet sich noch
+eine zweite botanische Seltenheit, das <b>Liegende Seifenkraut</b> (<em class="antiqua"><b>Saponaria
+ocimoides L.</b></em>) <a href="#illu-013">Abbildung 3</a>. Das niederliegende (richtiger: Basilikum ähnliche)
+Seifenkraut gehört einer Unterabteilung der Nelkengewächse (<em class="antiqua">Caryophyllaceen</em>)
+den <em class="antiqua">Silenoideen</em> an. Es ist eine Verwandte des bekannten echten
+Seifenkrautes (<em class="antiqua">Saponaria officinalis L.</em>), welches sich von Vorderasien aus über
+ganz Europa erstreckt, ziemlich große weiße oder rötliche Blüten besitzt, vielfach
+gefüllt – in Gärten und Friedhöfen angepflanzt und daraus verwildert ist
+und in seiner Wurzel uns das auch zu technischen Zwecken benützte <em class="antiqua">Saponin</em>
+liefert. Unser niederliegendes Seifenkraut, welches sich unter ähnlichen Verhältnissen
+auch bei Pillnitz findet, wurde schon vor zwanzig Jahren an dieser
+Stelle des Triebischtales beobachtet. Es ist eine ausgesprochene Alpenpflanze,
+welche in ihrer Heimat bis zu einer Höhe von zweitausend Metern emporsteigt
+und ihre nördlichste Grenze am Bodensee erreicht. Das reizende Pflänzchen
+besitzt wohlriechende rote, manchmal auch weißliche Blüten, ist in Gärten
+Rothschönbergs und der andern umliegenden Dörfer angepflanzt und als
+Gartenflüchtling dahin gelangt. Nach Kerner von Marilaun ist es ein
+bodenlagerndes ausdauerndes Gewächs, d. h. der ganze liegende Mittelstamm
+stirbt alljährlich am Schlusse der Vegetationsperiode mit all seinen Verzweigungen
+ab. Es besitzt dafür unterirdisch ausdauernde Niederblattstämme, aus
+denen in jedem Frühjahr neu belaubte Mittelblattstämme emporgetrieben
+werden, die sich – sobald das Sonnenlicht erreicht ist, sofort auf die Erdoberfläche
+hinlegen und ihre grünen Blättchen in zwei oder drei Zeilen ordnen.
+Daher ist im zeitigen Frühjahr von der Pflanze noch gar nichts zu sehen. Auffallend
+ist, daß in dem von Prof. Schorler herausgegebenen »Wünsche, die<span class="pagenum" id="Seite_172">[172]</span>
+Pflanzen Sachsens« unser Seifenkraut nicht mit aufgenommen ist, obgleich der
+Standort – wie ich bestimmt weiß – meinem verstorbenen Freunde mitgeteilt
+war und er das Pillnitzer Vorkommen doch sicher auch kannte. Viele
+deutsche Floren führen <em class="antiqua">Sap. ocim.</em> nicht auf, wohl aber tut es Garcke, welcher
+»bei Lindau am Seeufer« und »am Mittenwalder Gsteig« als Fundstellen angibt.
+Wie alle andern Artgenossen ist auch unsere Pflanze eine Falterblume.
+Françé behauptet sogar, daß gerade <em class="antiqua">Sap. ocim.</em> sich durch <em class="gesperrt">außerordentlichen</em>
+Falterbesuch auszeichnet; besonders gerne soll der Taubenschwanz
+oder Karpfenkopf (<em class="antiqua">Macroglossa stellatarum L.</em>), ein mittelgroßer,
+ziemlich dunkel gefärbter, im Sonnenschein fliegender Schwärmer ständiger
+Gast sein. Ein erst kürzlich ausgeführter Besuch dieses interessanten Standortes
+bestätigte mir aufs neue, daß <em class="antiqua">Sap.</em> leider wieder im Verschwinden begriffen
+ist. Während noch vor fünf Jahren der Hang zur Blütezeit vollständig
+rot überzogen war, finden sich jetzt nur noch einzelne Pflänzchen.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-013">
+ <img class="w100" src="images/illu-013.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 3. <b>Liegendes Seifenkraut</b> (<em class="antiqua">Saponaria ocimoides L.</em>)</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Weiter oben im Triebischtale steht, wie auch in anderen Seitentälern
+und feuchten Gründen unseres Elbgeländes der <b>Aronstab</b> (<b><em class="antiqua">Arum maculatum
+L.</em></b>), <a href="#illu-015">Abbildung 4</a>, auch Aronskindlein, Eselsohren, Freßwurz, Zehrwurz,
+Pfaffenkind, Veronikawurz genannt. Ich kenne den Aronstab aus vielen
+Gegenden Sachsens, nirgends aber ist er mir in solcher Menge und in solchen
+Riesenexemplaren entgegengetreten wie hier. Der Aronstab macht den Eindruck
+eines Fremdlings in unserer Flora, und namentlich die Blüten haben zu
+allen Zeiten die Aufmerksamkeit der Leute erregt. Er gehört den Aronstabgewächsen
+(<em class="antiqua">Aroideen</em>) an, und in der Tat sind von zirka achthundert bekannten
+Arten dieser Familie über neunzig Prozent in den Tropen heimisch. In Sachsen
+finden sich nur noch zwei Vertreter dieser Familie, die Schlangenwurz (<em class="antiqua">Calla
+palustris L.</em>), welche ich in den Teichen bei Kirchberg und Pausa beobachtet
+habe und der im 16. Jahrhundert erst aus Südasien eingeführte Kalmus
+(<em class="antiqua">Acorus Calamus L.</em>). Der Aronstab ist ein Bewohner feuchter Laubwälder,
+erscheint im zeitigen Frühling, und seine großen pfeilförmigen dünnen Blätter
+sagen uns, daß wir es mit einer Schattenpflanze zu tun haben, welche mit dem
+geringen ihr zur Verfügung stehenden Licht sehr sparsam umgehen muß. Die
+Blätter sind öfters mit dunklen Flecken (Wärmeschutz) versehen und werden
+von allen Tieren gemieden. Nur die Raupe der Aron-Eule (<em class="antiqua">Agrotis Janthina
+Esp.</em>) nährt sich von ihnen mit besonderer Vorliebe und nur nebenbei von
+Nessel- und Schlüsselblumengewächsen. Kaut man ein Stück des Blattes, so
+»zwackt es die Zungen, gleich als steche man sie mit den allerfeinsten Dörnern«.
+Dieses »Zwacken« rührt von Bündeln feiner, aus oxalsaurem Kalk bestehender
+Kristalle her, welche als Raphiden bezeichnet werden und ein unfehlbares
+Schutzmittel gegen Tierfraß darstellen. Ganz fremdartig erscheint uns auch die
+Blüte, welche botanisch richtiger als Blütenstand anzusprechen ist. Die große
+tütenförmige, von einem grünlichweißen Hüllblatt gebildete Scheide ist in
+geringer Höhe über dem Grunde stark eingeschnürt, so daß unten eine kesselartige
+Erweiterung entsteht. In der Scheide befindet sich eine Spindel, welche
+oben keulig verdickt ist und eine trübpurpurne Farbe und einen widerlich fauligen<span class="pagenum" id="Seite_174">[174]</span>
+Geruch besitzt. Darunter an der Einschnürstelle sitzt ein Kranz abwärts
+gerichteter starker Fäden, die Haarreuse, unter ihr ein zweiter Kranz von
+Staubblüten und darunter die Stempelblüten, aus welchen sich zur Zeit der
+Fruchtreife rote giftige Beeren entwickeln. Da die Staubgefäße erst stäuben,
+wenn die Narben bereits verschrumpft sind, die Pflanze also protogyn ist, kann
+nur Fremdbestäubung möglich sein. Diese besorgen vor allen Dingen der Gattung
+<em class="antiqua">Psychoda</em> angehörige Mücken, insbesondere die <em class="antiqua">Psychoda phalaenoides L.</em>
+Viertausend dieser kleinen Tierchen sind bereits auf einmal in <em class="gesperrt">einer</em> Blüte
+gezählt worden. Wie es scheint, sind es aber nicht nur Blütenstaub und Nektar,
+welche diese Tierchen anlocken, sondern es ist noch etwas anderes. Zur
+Blütezeit des Aronstabes sind die Nächte teilweise noch recht kalt. Wenn
+die Insekten nun in den Kessel kriechen, so finden sie neben den
+Nahrungsstoffen auch noch eine recht hübsch eingerichtete Wärmstube
+vor. Genaue Messungen haben ergeben, daß die Temperatur im Kessel
+um durchschnittlich acht Grad höher ist, als die Außentemperatur. Bei
+einer unserm Aronstab äußerlich sehr ähnlichen Art Südeuropas (<em class="antiqua">Arum
+italicum L.</em>) sind bei einer Lufttemperatur von achtzehn Grad im Kessel bis
+vierundvierzig Grad gemessen worden. Man ersieht daraus, daß die modernen
+Wärmstuben der Großstädte durchaus nichts Neues darstellen. Die in den
+Kessel eingedrungenen Insekten werden zwar einige Tage ihrer Freiheit beraubt,
+bis die Haarreuse erschlafft und den Ausgang nicht mehr wehrt; da
+aber genügend Nahrung vorhanden ist, muß es für die kleinen Gefangenen ein
+sehr angenehmes Gefängnis sein. – Der Aronstab ist ein ausdauerndes Gewächs.
+Die am Grunde sitzende walnußgroße Knolle gibt die in ihr aufgespeicherten
+Nährstoffe im Frühling ab; dafür bildet sich nach der Blüte eine neue Knolle.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-015">
+ <img class="w100" src="images/illu-015.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 4. <b>Aronstab</b> (<em class="antiqua">Arum maculatum L.</em>)</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Offizinell scheint der Aronstab – außer bei der Homöopathie – kaum noch
+zu sein, während er in früheren Zeiten als Heilmittel eine große Rolle spielte.
+In einem alten »<em class="antiqua">Thesaurus Pharmaceuticus</em> oder Apotheker-Schatz von
+L. Christoph Hellwig« aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts wird in
+einem dem Laien kaum verständlichen Gemisch von Deutsch und Latein eine
+lange Reihe von Krankheiten aufgeführt, welche er unbedingt zu heilen imstande
+sei. Zum Schluß dieses kuriosen Aufsatzes heißt es: »Aaron-Wurtzel
+mit Wein praeparirt: Das Wasser hiervon dienet wider gifftige Krankheiten,
+ja wider die Pest selbst.« Der die außerordentliche Schärfe des Aronstabes und
+aller anderen Araceen bedingende Stoff ist nicht bekannt; man hat als giftige
+Bestandteile dem <em class="antiqua">Saponin</em> nahestehende Stoffe nachgewiesen; ferner enthält die
+Pflanze Blausäure, frei oder locker gebunden. Die Giftstoffe sind sehr flüchtig
+und verlieren beim Trocknen ihre Schärfe. Die einundsiebzig Prozent Stärke
+enthaltenden Knollen (<em class="antiqua">tubera Ari</em>) sollen in manchen Gegenden gemahlen und
+dem Brotmehle zugesetzt werden, ja sogar als Portland-Sago in den Handel
+kommen.</p>
+
+<p>Auch in Sage und Geschichte spielt der Aronstab eine Rolle. Nach einer
+namentlich in Süddeutschland geläufigen Sage sollen Josua und Kaleb bei der
+Auskundschaftung Kanaans den heiligen Stab Aarons mitgeführt und auf<span class="pagenum" id="Seite_175">[175]</span>
+ihm die große Weintraube heimgetragen haben. Dieser Stab sei dann achtlos
+in die Erde gesteckt worden, und aus ihm sei unsre Pflanze hervorgewachsen.
+Auch der Aberglaube hat sich der Pflanze bemächtigt, sie soll ins Bette gelegt
+oder unter der Tür vergraben, allem Bösen den Eintritt ins Haus verwehren.</p>
+
+<p>Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, daß die hier geschilderten
+seltenen Pflanzenvorkommnisse – deren Standorte übrigens sehr versteckt
+und nur schwer aufzufinden sind – weitestgehenden Schutzes bedürfen und das
+Entnehmen von Pflanzen oder gar Ausgraben solcher unbedingt zu unterlassen
+ist. Die behördlichen Organe der Umgegend, Gemeindeverwaltungen und
+Lehrer sind bereits darauf hingewiesen und es ist zu hoffen, daß durch allseitiges
+verständnisvolles Zusammenwirken diese Naturdenkmäler unserer
+Gegend noch recht lange erhalten bleiben, sich vielleicht sogar vermehren und
+an weiteren Orten ansiedeln.</p>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="Am_Grabe_des_Marienberger_Silberbergbaues">Am Grabe des Marienberger Silberbergbaues</h2>
+
+<p class="center">Von Studienrat <em class="gesperrt">Bogsch</em>, Chemnitz</p>
+</div>
+
+<p>Wer sich von Norden oder Süden, von Westen oder Osten dem lieblichen
+Grunde nähert, in dem sich Marienbergs Häuschen um die mächtige Zwiebelkirche
+huscheln, sieht allüberall an den Hängen fichtenbestandene Halden aufbuckeln,
+Märcheninseln im wogenden Meer der Halme, Warzen im struppigen
+Waldgesicht. In reizvoll schwingenden Reihen ziehen sie ins Tal hinab, sanft
+von Grün gerundet, in ganzen Gruppen, wie wilde Wegelagerer tauchen sie
+zwischen den Stämmen der Waldstücke auf. Neben ihnen kauern sich Bingen
+in den Waldboden, strudeln Trichter in die Tiefe, als ob Granaten größten
+Kalibers vor Jahrzehnten und Jahrhunderten hier eingeschlagen wären. Der
+Kundige weiß, daß diese Bodenwellungen nicht natürliche Geländefalten sind,
+sondern Zeugnisse riesiger Erdbewegungen durch Menschenhand, Zeugnisse
+zähester und mühevollster Wühlarbeit durch Jahrhunderte hindurch. Dem
+Bergbau verdankt das Gelände diese seine eindringliche Gestaltung. Der
+Bergbau hat hier von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wie auf einer Merktafel seine
+Fortschritte verzeichnet, sozusagen auf eine Ebene projiziert, so daß wir jetzt
+in dichtem Gewirre neben- und übereinander sehen, was in der Geschichte nacheinander
+lebte. Die Stätten rastloser Arbeit und köstlichen Gewinnes an
+blinkendem Erze liegen nun tot in grauer Öde. Noch klingt zwar zu bestimmten
+Stunden das Bergglöckchen von Marienbergs stattlichem Turm, aber es
+wimmert und klagt, nur von wenigen verstanden, über ein Gräberfeld hin.</p>
+
+<p>Wie auf einem Friedhof Grabsteine stürzen und Grabhügel verfallen,
+um die sich niemand kümmert, so droht auch hier dumpfe Vergessenheit über
+ein Stück großartiger Heimatgeschichte zu kriechen, drohen die Denkmäler und
+Urkunden zu zerbröckeln, die eindringlich von der ungeheuren, bergeversetzenden,
+alles in seinen Bannkreis ziehenden Bergarbeit von Jahrhunderten<span class="pagenum" id="Seite_176">[176]</span>
+erzählen, von des Gebirges verborgenen Silberschätzen, von freudebangem
+Reichtumshoffen zuströmender Schürferscharen und mühseligem, ermattendem
+Ringen ernster Bergleute mit den mißgünstigen Gewalten der Tiefe und mit
+widrigen Zeitumständen.</p>
+
+<p>Fast alle die über Tage schlafenden Schöpfungen des Bergbaues verschwinden
+allmählich als tote und nutzlose Überreste einer vergangenen Zeit,
+ohne daß man irgendwie versucht, wenigstens ihr Andenken zu bewahren.
+Die Land- und Forstwirtschaft zielt darauf hin, wo es angängig ist, die
+störenden Halden und Bingen zu beseitigen. Die Grubengebäude, die sich einst
+stimmungsvoll in die Landschaft fügten, sind schon fast überall verschwunden,
+nur selten sieht man noch schlichte Huthäuser, alte Bergschmieden und verfallene
+Pulverhäuschen. Von den reizvollen, spitzen Göpelhäusern ist jede
+Spur hinweggetilgt. Die Stollenmundlöcher verwachsen, die Röschen sind
+zusammengestürzt, die Kunstgräben haben sich in den Dienst moderner
+Industrien stellen müssen, um nicht beseitigt zu werden, die Teiche mußten
+dasselbe tun oder wurden trocken gelegt, die Pochwerke und die Wäschen
+hat man weggerissen oder zu Mühlen umgebaut, die Hütten kennt kein
+Mensch mehr.</p>
+
+<p>Zwar leben in und um Marienberg noch Leute genug, die sich an Einzelheiten
+der bergbaulichen Ortskunde erinnern können. Aber ihre Angaben
+sind oft unzuverlässig und auch sie werden einst ausgestorben sein. Es gilt
+deshalb, das Wenige, was noch an bergbaulichen Überresten um Marienberg
+vorhanden ist, aufzusuchen, eindeutig zu bestimmen und in Wort und Bild,
+vielleicht auch durch einen schlichten Namensstein am Wegrand die Erinnerung
+daran festzuhalten.</p>
+
+<p>Den Anfang einer Sammlung bietet das Marienberger Heimatmuseum.
+Die leider schon vorhandene Kärglichkeit der Ausbeute an baulich und volkskundlich
+beachtenswerten Überresten hat vielleicht Bleyl davon abgehalten,
+auch das Marienberger Gebiet in seine Darstellung einzubeziehen. Literarische
+Hilfsmittel zur Erforschung des Gebietes dürften aus neuerer Zeit nur
+spärlich vorhanden sein. Paul Roitzschs Festschrift vom Jahre 1921<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> gibt
+einige Aufschlüsse über Lage der Berggebäude am Ende des achtzehnten
+Jahrhunderts. Im übrigen sind geschichtliche Studien nötig.
+Besonders wertvolle Aufschlüsse über Namen und Lage der Berggebäude
+am Ende des achtzehnten Jahrhunderts erhält man aus dem Werk
+des verdienten Marienberger Bergmeisters v. Trebra: »Erklärungen
+der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil der Gebürge im Bergamtsrefier
+Marienberg«, (1770), dem die Bergwerkskarte von Charpentier
+beigegeben ist. Noch weiter zurück führen uns die »<em class="antiqua">Ichnographia
+Territorii Mariaebergensis</em>« von Adam Schneider aus dem Jahre 1680 (im
+Marienberger Heimatmuseum) und die Bergwerksakten im Marienberger
+Stadtarchiv (II 17,6<em class="antiqua">b</em>, Akten und gesammelte Urkunden zur Stadt- und Berggeschichte),<span class="pagenum" id="Seite_177">[177]</span>
+von denen für das sechzehnte Jahrhundert am wichtigsten das
+»Vortzaichnüs aller Zechenn vnd gebäude vff S. Marienbergk« vom Quartal
+Reminiscere 1592 sein dürfte. Eine genauere Forschung muß sich im übrigen
+an die Durcharbeitung der Einzelgrubenakten und des Kartenmaterials im
+Oberbergamt zu Freiberg machen.</p>
+
+<p>Das eigentliche Silberfundgebiet des Marienberger Reviers liegt im
+Westen, Norden und Osten der Stadt. Hier ziehen sich, wie man jetzt noch
+deutlich an der Richtung der oft kilometerlangen Haldenreihen beobachten
+kann, beinahe vom Zschopauufer bis hinüber an die Pockau die Erzgänge, die
+der Bergmann nach ihrem Streichen (45 bis 90 Grad des bergmännischen
+Kompasses) <em class="gesperrt">Morgengänge</em> nannte. Diese Gänge werden mannigfach
+geschnitten von anderen, metalldurchsetzten Gesteinsflächen, den stehenden
+Gängen (0 bis 45 Grad), den flachen Gängen (135 bis 180 Grad) und den
+weniger bedeutungsvollen Spatgängen (90 bis 135 Grad). Die Kreuzungsstellen
+solcher Gänge waren häufig besonders erzreich, so daß man auf ihnen
+gern die Schächte abteufte.</p>
+
+<p>Als Silbererzlagerstätten Marienbergs wurden vor allem wichtig »<em class="gesperrt">Die
+finstre Aue</em>« bei Streckewalde, »<em class="gesperrt">Der Lerchenhübel</em>« bei Vorwerk
+Eschenbach und Kohlau, südöstlich Wolkenstein, durch die Grube St. Johannis,
+der »<em class="gesperrt">Herbstgrund</em>« südlich Gehringswalde mit den Gruben Gottesvertrauen
+(Lazarusschacht!) und Himmelreich, – dazu weiter nördlich der
+»Palmbaum« bei Warmbad – das »<em class="gesperrt">Kiesholz</em>« an der Drei-Brüder-Höhe
+mit der Fundgrube »Alte drei Brüder«, <em class="gesperrt">der Lautaer Grund</em> mit dem
+Rudolphschacht der Gewerkschaft »Vater Abraham«, wo noch 1900 gearbeitet
+wurde, der »<em class="gesperrt">Stadtberg</em>« nördlich Marienberg mit der Fabian-Sebastian-Grube,
+dem Ausgangspunkt des Marienberger Bergbaues, der »<em class="gesperrt">Rosenberg</em>«
+nordöstlich von Marienberg mit dem »Rosenstock« und der
+»Weißen Taube«, der »<em class="gesperrt">Mönchsberg</em>« östlich von Marienberg und der
+»<em class="gesperrt">Rittersberg</em>«.</p>
+
+<p>Auf die einzelnen Gewerkschaften, ihre Fundgruben, Halden und Schächte
+hier einzugehen, würde zu weit führen. Aber von den <em class="gesperrt">Hauptstölln</em> dieses
+eben umrissenen Reviers möchte ich noch einiges berichten.</p>
+
+<p>Stölln, das heißt unmerklich ansteigend in die Bergflanke getriebene
+Gänge, legte man zur Entwässerung der Gruben dank dem stark gebirgischen
+Gelände um Marienberg schon frühzeitig an. Zuerst hatte fast jede tiefere
+Grube ihren eigenen Stolln, der meist von der Bergsohle her einen ausstreichenden
+Gang verfolgte. Aber je tiefer man in die Erde hinunterdrang, desto
+tiefere Stölln wurden auch erfordert, um möglichst viel Wasser ohne Kunstgezeug
+ableiten zu können. Die vorhandenen tiefen Stölln gewannen also
+Bedeutung für die Wasserhaltung eines ganzen Gebietes. Um sie allen den
+verschiedenen Gruben oft einander feindlich gesinnten Gewerkschaften dienstbar
+machen zu können, wurden diese tiefsten Stölln der Privathand entzogen, mit
+Beihilfe der anliegenden Gewerkschaften verzweigt und vorgetrieben und im
+übrigen durch den Staat erhalten.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_178">[178]</span></p>
+
+<p>In der Osthälfte des oben bezeichneten Gebietes gelangten zwei Stölln
+zu höchster Bedeutung, <em class="gesperrt">der Gläser Stolln</em> und <em class="gesperrt">der Weißtaubner
+Stolln</em>, deren Mundlöcher heute noch sichtbar sind.</p>
+
+<p>Wenn man von Marienberg durch den Hüttengrund wandert, gelangt
+man dort, wo die Landstraße das dritte Mal die Bahnlinie zu kreuzen sich
+anschickt, an das Mundloch des Gläser Stollens. (<a href="#illu-020">Abb. 1.</a>) Es liegt etwas
+versteckt, an den Hang des Rosenberges geschmiegt, an einem Seitenweg, der
+vor der Steinbrücke von der Landstraße abzweigt, gegenüber dem Platze, wo
+einst die kurfürstlichen Zinn- und Silberschmelzhütten standen. Eine Steintafel
+über dem Schlußstein der ovalen Mauerung kündet seinen Namen. Der
+Eingang ist mit Bruchsteinen versetzt.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-020">
+ <img class="w100" src="images/illu-020.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 1. <b>Der Gläser Stolln</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Der Stollen, der nach seinem Begründer genannt zu sein scheint, hat schon
+ein sehr hohes Alter. Mitte des sechzehnten Jahrhunderts mag er angelegt
+sein, um einen ausstreichenden Gang auszubeuten. Jedenfalls erhebt der
+Staat 1578 Steuer von »Gleßersstolln«. Zur selben Zeit scheint schon ein
+Gezeug, d. h. ein Pumpwerk, auf ihm in Betrieb gewesen zu sein. Das ihm
+entströmende Wasser wurde zum Betriebe der unteren Marienberger Schmelzhütte
+verwandt, bis im Jahre 1594 der tiefer angelegte Fürstenstollen ihm das
+Wasser entzog. Dadurch wurde der Marienberger Rat gezwungen, für zweihundertsechsundachtzig
+Gulden an der Mühle einen Schutzteich anzulegen, um
+den Hütten Betriebswasser zuführen zu können.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_179">[179]</span></p>
+
+<p>In dem »Bericht der Stölln uff St. Marienbergk, die iezunde von meines
+gnädigsten Herrn Zuschuß erhalten werden«, 1619 abgefaßt vom Berggeschworenen
+Aßmus Langer, wird auch der Gläserstollen angeführt, der zu der Zeit
+schon 1666 Lachter (ein Lachter zirka zwei Meter) vorgetrieben ist und die
+Gebäude des Fabian-Sebastian-Ganges am Rosenberg löste (siehe die Haldenreihe
+Meßtischblatt Zöblitz 129, vom Knie der Landstraße Marienberg bis
+Hüttengrund Punkt 567 bis Weiße Taube 610), die der reichen St. Barbara
+(nordöstlich des Waldschlößchens), des Heinzenteicher Ganges (am Knie der
+Lauterbacher Straße) und des St. Georgenganges (am Stadtberg). In der
+Folgezeit hat man wohl den Stollen weiter benützt, aber er verlor seine Bedeutung,
+weil ein noch tieferer Stollen das Vordringen in größere Teufen
+ermöglichte, <em class="gesperrt">der Weißtaubner Stolln</em>.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-021">
+ <img class="w100" src="images/illu-021.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 2. <b>Der Weißtaubner Stolln</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Das Mundloch dieses Stollens, das noch von einem Huthaus betreut
+wird, findet man etwas oberhalb des Einflusses der roten Pockau in die
+schwarze, auf Rittersberger Seite gegenüber der sogenannten Kniebreche
+Zöblitz (<a href="#illu-021">Abb. 2</a>.) Alte, mit Bruchsteinmauerung gefestigte Stollenhalden umrahmen
+das wirkungsvolle, ebenso gemauerte hohe Tor, über dessen ovaler
+Tür ein langer Stein die Inschrift trägt: »Königl. Weißtaubner tiefer Erbstolln«.
+Ein mit großen Steinplatten belegter Vorplatz überdacht den eigentlichen
+Abfluß, die Wassersaige, aus dem eiskaltes, kristallklares Wasser in
+beträchtlicher Menge der Pockau zuströmt.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_180">[180]</span></p>
+
+<p>Da der Gläserstolln ungefähr auf der Schichtlinie 540, der Weißtaubner
+Stolln aber auf der Linie 495 mündet, so hat man durch die Anlage dieses
+tieferen Stollens zirka vierzig Meter, genau neunzehnzweiachtel Lachter nach
+Trebras Angabe, an Tiefe gewonnen, an Hubhöhe gespart.</p>
+
+<p>Der Name des Stollens hängt mit dem Berggebäude »Weiße Taube«
+zusammen, das neben der »Wilden Taube« den Rosenberg krönt. Der Stollen
+scheint ebenfalls schon in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts begonnen
+worden zu sein. Zwar treffen wir in den Angaben von 1578, 1592 und 1619
+nirgends auf den Namen Weißtaubner Stolln. Dafür wird aber überall dort
+»des Fürsten tiefster Stolln« erwähnt, am »Rittersbergk«, dessen Mundloch
+sich am Zöblitzer Wasser (d. h. Pockau) befinde. Dieser Stollen entzog 1594
+dem Gläserstolln das Wasser, dieser Stolln brachte bei der sechshundertzehn
+Meter hoch gelegenen zehnten Maß nach St. Fabian-Sebastian-Schacht
+(= zirka Weiße Taube), bis zu der ungefähr mit einer Ausdehnung von
+eintausendsechshundertdreiunddreißig Lachter unter dem ganzen Rittersberg
+und Rosenberg hin der Stollen 1619 getrieben war, in vier Teilschächten
+untereinander sechzig Lachter ein. Daraus können wir schließen, daß das
+Stollenmundloch gegen vierhundertneunzig Meter hoch liegen muß. Es kann
+demnach kein Zweifel bestehen, daß der Weißtaubner und der Fürstenstolln
+ein und derselbe ist. Dadurch, daß die Leitung der Fundgrube Weiße Taube
+den bei ihr endigenden Stollen nach dem Dreißigjährigen Krieg besonders für
+ihre Zwecke übernahm und aufgewältigte, mag der Namenswechsel zu erklären
+sein.</p>
+
+<p>Die Wiederinstandsetzung und der Fortbetrieb dieses tiefsten der bisher
+vorhandenen Stölln im Ostteil des Reviers lag aber im Interesse des Ganzen.
+Mit dem Weißtaubner Stolln hoffte man die während des Dreißigjährigen
+Krieges zum Erliegen gekommenen und ersoffenen Gruben selbst des Stadtberges
+und der Lautaer Gegend aufgewältigen zu können. Es wurden deshalb
+vom Staate alle verfügbaren Gelder mobil gemacht und, besonders mit Hilfe
+des Faßgroschens, einer Brausteuer, der Forttrieb des wichtigen Stollens beschleunigt,
+der den ganzen Bergbau wiederbeleben sollte.</p>
+
+<p>Nach dem Bericht des Zehndners Balthasar Lehmann zu Annaberg
+(1694) plante man damit folgende Hauptgebäude zu entwässern: den Sammtbeutler
+Zug (zirka zweihundertfünfzig Meter nordwestlich des Fabian-Sebastian-Zuges),
+bis zu dem man nur noch acht oder neun Lachter hatte, die
+reiche St. Barbara (nordöstlich des Waldschlößchens), den oberen Kaiser
+Heinrich (siehe die Halden nördlich des Waldschlößchens), die St. Georgen
+Fdgr. (am Stadtberg, Nordosthang), den ganzen Bauernzug, der in eindrucksvoller
+Haldenreihe von der Brüderhöhe bis zum Lautenteich hinabsteigt,
+den schwarzen und weißen Mohren (zwischen Vater Abraham und
+Lautenteich) und das »Wasserloch«, dessen alte, verfallene Halde auf der Nordostseite
+der Landstraße dem Rudolphschacht gegenüberliegt.</p>
+
+<p>Im Jahre 1708 gelangte man bis zum »Kaiser Heinrich«, der kurz nach
+1600 durch einen unglückseligen Grubenbrand, dem dann Pest und Krieg nachfolgten,<span class="pagenum" id="Seite_181">[181]</span>
+zum Erliegen kam. Die Baue dieser für die Anfangszeit des Marienberger
+Bergbaues hochbedeutsamen Grube waren 1562 schon bis zu einer Tiefe
+von einhundertsiebzig Lachter unter Tage gebracht. Man hoffte hier reiche
+Erze vorzufinden und gute Anbrüche machen zu können.</p>
+
+<p>Trotz der Wichtigkeit des Stollens ging bei dem allgemeinen Geldmangel
+die Arbeit nur langsam vorwärts. Erst in der Trebraperiode wurde der
+Stolln, der mittlerweile kurfürstlich geworden war, seiner Bedeutung angemessen
+gefördert. Er löste zuletzt alle Baue des Stadtberges und der Lautaer
+Gegend und ermöglichte im Rudolphschacht einen Tiefbau bis zur fünften
+Gezeugstrecke unter ihm, der mit etwa einhundertdreißig Meter Teufe einkam
+(d. h. also bis zirka dreihundertdreißig Meter). Der Plan, einen noch tieferen
+Stolln heranzuführen, wurde durch den Zusammenbruch der letzten Bergbauunternehmungen
+um 1900 vereitelt. Still verrichtet heute noch der Stolln
+seinen Dienst.</p>
+
+<p>Der Stollen, mit dem man den »Weißtaubner« unterbieten wollte, sollte
+von Westen herangebracht werden. Hier im Westen des Revieres waren die
+Geländeverhältnisse für Stöllnanlagen in allen Höhen noch günstiger, weil
+hier sich das Gebiet in einer riesigen schiefen Ebene von der Brüderhöhe
+(sechshundertachtzig Meter) bis zum tief eingeschnittenen Zschopautal (zirka
+dreihundertachtzig Meter), also um volle dreihundert Meter senkt. Besonders
+die Baue des Kiesholzes waren deshalb in allen Höhen leicht durch Stölln zu
+lösen. So kennen wir gerade hier eine Unmenge dicht untereinanderliegender
+Stölln, von denen fast jeder untere immer allgemeinere Bedeutung gewann.</p>
+
+<p>Schon ganz frühzeitig hat man den <em class="gesperrt">Felberstolln</em> als den wichtigsten
+unter ihnen erkannt und vom sogenannten Herbstgrund, der sich in weitem
+Bogen von Gehringswalde bis zum Lazarusschacht erstreckt, bis unter den
+Kiesholzberg hinweggeführt. Daß seine Anfänge ganz weit zurückliegen
+müssen<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a>, erkennt man daraus, daß er 1578 schon einhundertfünfundsechzig
+Fundgruben und Maßen löste und auf der Lautaer Seite des Brüderberges bis
+zum Bauergang zehntes Maß, zum Herzog Moritzgang, zum Elisabether und
+Reichen Spater Zug und zum »Starken Samson« gekommen war. Von diesen
+Gebäuden aus konnten bald die Zechen am Stadtberge, besonders die Antritt-Fdgr.,
+die Mohren und die Drei Weiber-Zeche usw. in Angriff genommen
+werden. Damit schlug er den St. Ullricher Stolln aus dem Felde, einen für
+den Stadtberg bedeutenden Stolln, der vierundzwanzigsechsachtel Lachter über
+ihm lag und dessen jetzt verschwundenes Mundloch bei Punkt fünfhundertsiebenundsechzig
+am Straßenknie südöstlich des Waldschlößchens zu suchen ist.
+Der Stöllnbericht vom Jahre 1619 führt all die vielen Gänge auf, die von
+Felbers tiefstem Erbstolln überfahren worden sind. 1770 fand v. Trebra auch
+diesen wichtigen Stolln, der im Lautaer Grund durch den etwa fünfundzwanzig
+Meter tieferen Weißtaubner Stolln abgelöst war, verbrochen vor und
+ließ ihn zur Wiederbelebung des Kiesholzer Bergbaues aufgewältigen. Trotzdem<span class="pagenum" id="Seite_182">[182]</span>
+der Felberstolln dann in seiner Tiefe von dem Neuglücker Stolln überboten
+wurde, hat doch seine Sohle bis zu den letzten Tagen des Bergbaues im
+Gebäude »Alte drei Brüder« eine große Rolle gespielt.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-024">
+ <img class="w100" src="images/illu-024.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 3. <b>Entdeckung der Wassersaige des Felberstollns</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>An welcher Stelle des langen Herbstgrundes lag nun das Mundloch
+dieses Stollens? Diese Frage beschäftigte mich lange Zeit. Es mußte auf
+einer Höhe von fünfhundertzwanzig Meter in den Berg führen. Ich pirschte
+diese Schichtlinie mit meinen Schülern regelrecht ab und hatte die Genugtuung,
+dicht in der Nähe des Lazarusschachtes bei der Verfolgung eines alten Wasserlaufes
+die Mündung einer oval gemauerten, trocken liegenden Wassersaige
+unter Gras und Buschwerk zu entdecken, aus der eiskalte Grubenluft strömte.
+(<a href="#illu-024">Abb. 3.</a>) Wir setzten unsere Forschung in der Richtung der Wassersaige bergwärts
+fort und stießen dabei auf ein ganz von Büschen überwuchertes, mit<span class="pagenum" id="Seite_183">[183]</span>
+Bruchsteinen versetztes hohes Stollenmundloch, dessen Schlußstein die Jahreszahl
+1856, darunter Schlegel und Eisen und zwei gekreuzte Schwerter trägt.
+Das dürfte das Felberstollnmundloch sein. (<a href="#illu-025">Abb. 4.</a>)</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-025">
+ <img class="w100" src="images/illu-025.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 4. <b>Mundloch des Felberstollns</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Der Felberstollen wurde, wie schon erwähnt, durch den einundvierzigdreiachtel
+Lachter tieferen <em class="gesperrt">Neuglücker Stolln</em> abgelöst, der auf demselben
+Morgengang wie der Felberstolln (im Kiesholze Junge drei Brüder
+Morgengang genannt), in den Berg eindrang. Nach den Angaben v. Trebras
+mußte sein Mundloch etwa auf der Schichtlinie vierhundertvierzig am Lerchenhübel
+liegen. Nach langem Suchen entdeckte ich die Stollenhalden in dem
+Wiesengrund, der sich von der Zschopau gegenüber Bahnhof Wolkenstein zum
+Vorwerk Eschenbach hinaufzieht, ungefähr dort, wo die Schichtlinien zum
+Denkstein hinanbuchten. Von üppigem Grün fast überdacht, schmiegt sich das<span class="pagenum" id="Seite_184">[184]</span>
+Mundloch tief unten an die Nordwestseite einer dieser Halden, an der ein
+Wassergraben vorüberführt. Das Stollnwasser wird schon tief drin im Stolln
+in Rohre gefaßt und der Schleiferei der Peniger Patentpapierfabrik in Wolkenstein
+zugeleitet. Die Bruchsteinmauerung des Mundloches weist keinerlei
+Namensangabe auf. (<a href="#illu-026">Abb. 5.</a>)</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-026">
+ <img class="w100" src="images/illu-026.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 5. <b>Der Neuglücker Stolln</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Auch der Neuglücker Stolln hat ein hohes Alter. Schon zeitig erkannte
+man, welche Rolle er durch seine tiefe Lage im Marienberger Bergbau zu
+spielen berufen war. Schon 1563 trug man sich mit dem Plan, durch ihn nicht
+nur das Kiesholz, sondern auch die wichtigsten Gruben des Elisabether Zuges
+(siehe Meßtischblatt, Linie <em class="antiqua">b</em> von Marienberg und <em class="antiqua">f</em> von Hilmersdorf) und der
+Lautaer Gegend in vielversprechender Teufe zu lösen. Leider ging der Forttrieb
+des Stollens wegen des Unvermögens der Gewerkschaften nur langsam<span class="pagenum" id="Seite_185">[185]</span>
+vor sich. Im Jahre 1619 war er erst vierhundertzweiundachtzig Lachter lang,
+reichte also etwa bis unter die Wolkenstein–Marienberger Straße.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-027">
+ <img class="w100" src="images/illu-027.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 6. <b>Der Hilfe-Gottes-Stolln</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Man hoffte, ihn zunächst auf den Schwarzen Adler Gang, den jungen und
+alten Feigenbaum, den Gang milde Hand Gottes und Haus von Sachsen zutreiben
+zu können. Durch den Dreißigjährigen Krieg kam der Stolln, auf den
+man solche Hoffnungen gesetzt hatte, zum Erliegen. Danach betrieb ihn bis
+1723 zwar eine Gewerkschaft weiter, aber doch nur sehr schwach. Dann blieb
+er wieder liegen, weil Mittel zum Forttrieb fehlten. Das Bergamt machte
+nun den Kurfürsten auf die Wichtigkeit gerade dieses tiefsten Stollens des
+Marienberger Revieres aufmerksam, und so fing man denn 1754 an, den
+Stollen auf kurfürstliche Kosten wieder zu gewältigen und weiterzutreiben.
+Bergmeister v. Trebra wußte für den Neuglücker Stolln 1780 holländische<span class="pagenum" id="Seite_186">[186]</span>
+Gewerken zu interessieren, die ein gut Stück Geld zur Weiterarbeit lieferten.
+So drang der Stollen allmählich in das Kiesholzgebiet ein, wurde kurfürstlich
+und bildete vom Jahre 1820 ab, da er ja sechzig bis achtzig Meter unter dem
+Felberstolln einkam, den Ausgangspunkt für einen lebhaften Tiefbau auf der
+neuerstandenen Fundgrube »Alte drei Brüder«, nachdem er zur Rettung der
+Grube »Junge drei Brüder« zu spät gekommen war.</p>
+
+<p>Als in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts durch die Ungunst des
+Konkurrenzkampfes auf dem Silbermarkt der Bergbau dahinsiechte, dachte die
+1860 begründete Marienberger Silberbergbaugesellschaft noch einmal daran,
+dem Lautaer Bergbau auf der Grube Vater Abraham durch den Neuglücker
+Stolln wieder aufzuhelfen. Als man sich aber durch den Einbau einer leistungsfähigen
+Wassersäulenmaschine in den Rudolphschacht nicht mehr viel vom Neuglücker
+Stolln versprach, hörte man 1872 etwa in der Höhe des Prinzeß-Marien-Turmes
+mit dem Forttrieb des Stollens auf, ohne das jahrhundertelang
+erstrebte Ziel erreicht zu haben.</p>
+
+<p>Den letzten Versuch, das gesamte Marienberger Gebiet durchgreifend
+aufzuschließen und durch einen ganz tiefen Stolln zu lösen, unternahm die
+Gewerkschaft »Vater Abraham« mit dem vom Zschopauufer ausgehenden, schon
+1592 erwähnten <em class="gesperrt">Hilfe-Gottes-Stolln</em>, dessen Mundloch bei etwa
+dreihundertachtzig Meter Höhe hinter einem Hause (unter dem <em class="antiqua">a</em> am Bahnhof
+Wolkenstein, Meßtischblatt) in die Felswand führt. (<a href="#illu-027">Abb. 6.</a>) Der Stolln
+wurde vom Jahre 1900 ab großzügig aufgewältigt und mit Preßluftbohrmaschinen
+auf das Kiesholz zu getrieben. Als der Stolln eintausendvierhundertzweiundzwanzig
+Meter siebzig Zentimeter Länge erreicht hatte,
+also fast bis zum »Himmelreich« gekommen war, erschien das Gesetz vom
+4. Mai 1904, die Aufhebung einer Bergbegnadigung betreffend, wodurch die
+Unterstützungsgelder versiegten. Damit war dem Marienberger Silberbergbau
+der Totenschein ausgestellt.</p>
+
+<div class="footnotes"><p class="h3">Fußnoten:</p>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Paul Roitzsch, Festschrift zur Feier des 400jährigen Bestehens der Stadt Marienberg,
+Druck von Neubert und Mehner, Marienberg 1921.</p>
+
+</div>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Der Felberische Zug wurde 1539 fündig.</p>
+
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="Der_alte_Schrank">Der alte Schrank</h2>
+
+<p class="center">Nach einer wahren Begebenheit erzählt von <em class="gesperrt">Max Wenzel</em>, Chemnitz</p>
+</div>
+
+<p>Wo der Weg über die Höhe führt, lag stolz und stattlich am Bergeshang das alte
+Wagnergut und sah behäbig auf die Güter und Hütten des Dorfes, es blinzelte mit einem
+schiefen Blick auf die neuzeitlichen Ziegelwohnbauten und warf den drei Fabrikessen ein
+paar böse Augen zu. Mitten im Hof stand eine alte mächtige Linde; und wenn der Abend
+kam, da saßen unter ihr die Nachbarn, Freunde und Gevattern, tauschten die Neuigkeiten
+des Tages aus, nörgelten, zankten und lamentierten, und ihr Lachen und Schnattern war
+weithin zu hören. Und wenn es dunkel ward, soll auch allerlei leises Liebesgeflüster zu
+hören gewesen sein. Sauber war der Hof. Da lag kein unnützes Geröll umher. Das
+Mauerwerk war schön geweißt, und die schwarzen Balken des Fachwerks hoben sich selbstgefällig
+ab, gerade als wollten sie sagen: »Wir machen die Schönheit des Hauses erst aus!«</p>
+
+<p>Ja, schön sollte es sein auf dem ganzen Gut, das war der Stolz des alten Wagnerfried.
+Was an Schönheitssinn und Schönheitsfreude in einem schlichten Bauersmann stecken kann,
+das lag dem Fried im Blute. Seit seinem Urgroßvater war der Hof im Besitze der<span class="pagenum" id="Seite_187">[187]</span>
+Wagners, und alle hatten an schönem Hausgedinge ihre Freude gehabt. Da gab es keine
+neumodischen Vertikos und Regulatoren, da fehlten die unmöglichen Bilder aus der Lottobude
+an den Wänden, da stand kein Gestühl umher, das nach und nach aus einem Abzahlungsbazar
+der Großstadt eingewandert war. Ein mächtiger grüner Kachelofen nahm
+die Ecke ein. Eine schwere Ofenbank mit bunten Vorhängen, hinter denen sich die zum
+Trocknen hineingestellten Stiefel versteckten, zwang förmlich zum Ausruhen. Auf der
+Bank spann die große Hauskatze ihre Melodien, und eine mächtige alte Standuhr, mit
+bunten Blumen bemalt, zählte den Bauersleuten die Tagesstunden vor. In der Ecke am
+Fenster stand der schwarze Tisch mit einer Wachstuchdecke, und zum Sitzen luden eine
+Eckbank und einige handfeste Holzstühle mit breiten Lehnen ein, in die neckisch ein kleines
+Herz geschnitten war. Teller und Schüsseln, Gläser und Tassen blitzten aus einem Wandbrett
+heraus, das in die Wand hineingemauert war und auf diese Weise wenig Platz wegnahm.
+Aber was für eine Pracht stand auf den Wandbrettern rings um die Stube? Da
+war zinnernes Gerät, kunstvoll und schmuck, Kannen, Krüge, Teller und Schüsseln, Lampen
+und Leuchter, wer es sah, hatte seine Freude daran! Und was lachte dort von der Wand
+her? Ein ganz prachtvoller Schrank, herrlich bemalt, und oben waren zwei Herzen mit
+einer Jahreszahl. Der Schrank stammte aus dem Hausrat des Urgroßvaters, aber man
+sah ihm sein Alter beileibe nicht an, seine Blumen glänzten und glühten noch genau so,
+wie vor einhundertundfünfzig Jahren. Dieser Schrank war die besondere Freude des
+alten Wagner. An Wintersonntagen, wenn Bauernfeiertag war, saß er stundenlang auf
+der Ofenbank, blies bläuliche Wolken aus seiner Tabakspfeife und streichelte mit seinen
+Augen das alte Erbstück. Da gingen sie alle an ihm vorbei, die mit denselben Blicken die
+kunstvollen Blumen und Ornamente betrachtet hatten, und alle waren aus seinem Geschlechte
+gewesen. Und wenn sein einziger Junge, sein Otto, einst an dieser Stelle sitzen
+würde, würde er mit denselben Gefühlen den alten Schrank besehen, und unter denen, die
+vorbeizögen, würde auch der alte Fried sein. Der Baum im Hof und der alte Schrank, das
+war die Familienchronik des Wagnerschen Geschlechts, aber sie offenbarten ihre Geheimnisse
+nur solchen, die helle Augen und ein warmes Herz hatten.</p>
+
+<p>Es war wirklich so, der alte Wagnerfried, mit seiner braven, freilich etwas zarten
+Frau und seinem gutgeratenen Jungen, war zu beneiden. Da er aber bescheiden für sich
+dahinlebte und das Sprichwort befolgte: »Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen«,
+hatte er keinen Feind im Orte.</p>
+
+<p>Das hätte nun alles ganz schön und gut sein können, wenn der Krieg nicht gekommen
+wäre. Unter denen, die zuerst hinaus mußten, war der Wagner Otto. Und es war kein
+Monat ins Land gegangen, da stand er schon in der Verlustliste als »vermißt«, und nach
+einigen Wochen schrieb der Hauptmann, der Gefreite Otto Wagner sei in der Marneschlacht
+gefallen. Da saß der Alte wieder auf seiner Ofenbank, aber die Blumen des Schrankes
+leuchteten nur traurig, wie aus dem Nebel, denn der Alte hatte Wasser in den Augen.
+Ein Unglück kommt selten allein. Die Wagnermutter siechte seit dem Unglückstage, der
+die schlimme Nachricht gebracht hatte, dahin. Und es kam wieder ein Tag, der den Alten
+fast zu Boden drückte – als er am Abend nach dem Begräbnis seines Weibes allein in
+der Stube saß. Diesmal halfen ihm die Geister seiner Vorfahren nicht, sie waren vor der
+schweren Not der Zeit in die dunkelsten Winkel des Hofes entwichen, als wenn sie das
+Elend des Letzten ihres Stammes nicht mit ansehen könnten.</p>
+
+<p>Mit dem Alten ging es, wie man zu sagen pflegt, den Drachenberg hinab. Für wen
+sollte er noch sorgen und schaffen? Hatte er ein Gerät in die Hand genommen, so konnte
+es geschehen, daß er es in Gedanken wieder hinlegte, ohne die Arbeit gemacht zu haben.
+Fragte ihn der Knecht, was er schaffen sollte, sah er ihn wohl eine Weile an und sagte
+dann: »Machs när, wie du denkst!«</p>
+
+<p>Daß es so mit dem Gute nicht weitergehen konnte, ward auch dem Wagnerfried klar.
+Nun war in dem Dorfe der Viehhändler Schramm. Er hatte die ganze Zeit daher nicht
+im besten Rufe gestanden, galt als roh und sein Weib als schlampig. Saß viel im Gasthof<span class="pagenum" id="Seite_188">[188]</span>
+und war nur an einer Stelle des Dorfes gut angeschrieben, an der schwarzen Tafel des
+Wirtes nämlich. Aber seit der Krieg war, wurde es anders. Es hieß, er habe große Vieheinkäufe
+für das Militär vermittelt und sei dabei zu Federn gekommen. Jetzt flogen ihm
+die Scheine nur bloß so aus der Hand und an seinem Tisch im Wirtshaus floß der Schnaps
+in Strömen. Es hieß auch, er ginge damit um, sich ein Gut zu kaufen. Und endlich ging
+auch die Rede, er stehe mit dem Wagnerfried in Unterhandlung. So war es auch. Er
+bekam den Hof für einen Pappenstiel. Aber es hörte sich ihm gut zu, wenn er dem Alten
+treuherzig versicherte: »Fried, dich bränge mer schie miet dorch. Deine zwä Stöbeln in
+öbern Stock, die verbleibn dir! Un dei Fünkel Assen, dos hulst du dir bei meiner Fraa.
+E paar Ardäppeln un e Stückel Butter warn allemol für dich. Schlachten tune mir aah
+dann und wann, du brauchst dich üm nischt ze sorng. Wenn de willst, krabbelst de e bissel
+ofn Huf rüm, oder ze übernahme brauchst du dich net!« Dem Alten klang das gut.
+Nachdem die notwendigen amtlichen Verrichtungen geschehen, saß er im Ausgedinge. Es
+ließ sich auch alles gut an. Was er von seinem Gerät hatte unterbringen können,
+schmückte nun sein Auszugsstübel. Sein Schrank war da, die alte Uhr tickte, das Zinnzeug
+war aufgestellt, und wenn er durchs Fenster sah, rauschte ihm die alte Linde entgegen.
+Er machte sich auch im Hause nützlich, so gut er konnte, hackte Feuerholz, führte
+auch einmal ein Pferd zum Schmied und war mit seinem Rate zur Hand, wenn die neugebackene
+Bauersfrau etwas wissen wollte. Die untere Stube hatte sich aber doch etwas
+verändert. Da waren ein paar polierte Möbel mit hineingeraten, und an den Wänden
+hingen bunte Bilder; im heimlichsten Innern verspottete sie der Alte als »Wurzelbilder«<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a>,
+aber er hütete sich, es laut zu sagen. Auch mit dem Essen war er nicht ganz einverstanden.
+Die Schramm war eine dreckige Schlampe, das stand fest. Das Gesinde bekam einen Brei
+vorgesetzt, daß es die Zähne höher und höher hob. Dieses Gemächte sollte natürlich der
+Fried auch mit bekommen. Als er aber sah und roch, daß die Schramm für sich und ihren
+Mann heimlich kochte und briet, da blieb er vom Essen weg und kochte seine paar Kartoffeln
+für sich in seinem Stübchen. Das war auch der erste Grund zu einem Zank mit
+der Frau. Sie meinte, der Alte könne doch essen, was da sei, – die teuren Kartoffeln
+alle Tage! Da bezahlte der Fried seine Kartoffeln, und die Schramm nahm das Geld auch
+an, ohne sich lange zu besinnen.</p>
+
+<p>Dann kam eine Zeit über unser Land, wo die Mittel zu unseres Lebens Nahrung und
+Notdurft karger und kärglicher wurden und wo die Leute, besonders in der Stadt, ihre
+Kinder hungern sahen und nicht wußten, woher das Essen nehmen, wenn die schmalen zugewiesenen
+Bissen die Kinder immer bleicher und hohlwangiger werden ließen. Da liefen
+sie aufs Land hinaus, baten und bettelten bei den Bauersleuten, daß die von ihrem Überfluß
+verkaufen sollten. Zwar zwangen strenge Gesetze die Bauern, von ihrer Ernte dem
+Staate abzugeben, daß die anderen auch zu leben hätten – aber jede Verordnung ist da,
+um übertreten zu werden, und jeder Gesetzesbau, sei er noch so stolz und fest, hat Hintertüren.
+»Ein Bissel was« hatten die Bauern immer noch zum Hergeben an gute Freunde.
+Aber da gab es auch solche, die die Not unseres Volkes reich gemacht hatte, deren Geschäfte
+nie so geblüht, als in der Kriegszeit. Die kauften auf, was zu kaufen war, boten
+Preise über Preise und schleppten die Nahrung, dem Hamstern gleich, in ihren Bau. Diese
+wurden bald den Bauern am liebsten. Wer wenig Geld zahlen konnte, bekam nichts mehr
+und der Bauer stand sich gut dabei.</p>
+
+<p>Dem Wagnerfried sein Butterstück wurde kleiner und kleiner. Milch für den Kaffee
+setzte es auch nicht mehr, und bei jedem Pfund Kartoffeln gab es einen kleinen Kampf.
+Es müsse alles abgegeben werden, sagte die Schramm, sie hätten selbst nichts. Dabei sah
+der Alte aber doch, wie Tag um Tag die Stadtleute mit Rucksäcken und Körben vom Hofe
+gingen; er sah auch, daß die Bauersfrau sich neue seidene Kleider kaufte und daß ein
+Pianino in den Hof gebracht wurde, obwohl gar niemand da war, der es spielen konnte.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_189">[189]</span></p>
+
+<p>Und schlimmer ward es mit Deutschland. Die braven Truppen kämpften draußen bis
+zum Weißbluten. Man las zwar in den Zeitungen nur von Siegen, aber dazwischen
+hinein kamen wieder Verordnungen, daß man alles Metall abgeben solle, sonst könnte
+keine Munition mehr hergestellt werden. Da trug der alte Wagnerfried Stück für Stück
+von seinem Zinn zum Gemeindeamt, aber die wenigen Pfennige, die er dafür bekam,
+reichten kaum zu einer einzigen Mahlzeit. In der Unterstube ließ er sich kaum mehr
+sehen, er besorgte sich seine Lebensbedürfnisse lieber bei anderen Bauern, als in seinem
+Auszugsgut.</p>
+
+<p>Von allen Seiten gehetzt und zerschlagen, im Innern zermürbt und willenlos geworden,
+brach endlich die alte Herrlichkeit zusammen, die längst keine mehr war. Noch einmal
+machten die ihrer Väter und Söhne Beraubten den bitteren Harm durch, andere aus dem
+Felde zurückkommen zu sehen, nur ihre Lieben blieben aus. Aufbauen! Aufbauen! hieß
+es überall. Aber meist bauten sich nur solche auf, die schon genug und übergenug hatten,
+und ihr Aufbauen hatte nur den Zweck, sich selbst zu Wohlleben zu bringen, während die
+anderen darbten, schlimmer als im Kriege. Schlemmer und Prasser der Inflationszeit,
+schämt euch heute noch der Tränen, die manch hungernder Alter, manch schwaches Mütterchen
+vergossen, die die Zeit und ihr mit um alles gebracht, was sie einst besessen!</p>
+
+<p>Der alte Wagner erlebte auch, daß sein Geld – sein früheres Vermögen und der
+Kaufpreis des Gutes – dahinschwanden, wie der Schnee in der Sonne. Noch dazu fand er
+sich in den Millionen, Milliarden und Billionen nicht mehr zurecht. Wovon er eigentlich
+in dieser Zeit lebte, ist ein Rätsel geblieben. Er lag meist in seinem Bette. Nur dann
+und wann stand er auf, um ein Stück seines Hausrates zu verkaufen. Mit dem Handwagen
+fuhr er die Uhr ins Dorf zum Tischler, der sie nur mit Mühe und für ein geringes
+Geld annahm. Den Tisch und die Stühle nahmen Schramms für die Gesindestube. Sie
+bekümmerten sich im übrigen aber wenig um den Alten. Immer leerer ward es im Auszugsstübel,
+nur der Schrank war als einziger Besitz geblieben und das Bette, in dem der
+Alte still und hungernd lag. Sein Blick ging nach seinem Baum, da – rauschte die Krone
+nicht zorniger heute? Und klang es nicht wie Säge und Axtschlag? Seiner Sinne kaum
+mehr mächtig, schleppte sich der Fried ans Fenster und blickte hinab. Da stand der
+Schramm, die Hände in den Hosentaschen, und sah den Leuten zu, die darüber waren, den
+alten Riesen zu fällen. Da ging es dem Alten wie dem Baum, er ächzte und stöhnte bei
+jedem Schnitt und Schlag, und als, von Seilen gezogen, der Stamm mit einem lauten Krach
+stürzte, sank auch der Alte mit einem Wehelaut auf sein Bett zurück. Ein tränender
+letzter Blick auf seinen alten Schrank, dann hatte er alle Not überstanden.</p>
+
+<p>Schramms fiel es am zweiten Tage erst auf, daß man oben gar nichts hörte. Man
+meinte schließlich: »Wir wollen när emol über nauf sahe, emende is’n ewos passiert.«</p>
+
+<p>Da lag der letzte Wagnerbauer und war tot, verhungert, indes seine Nachfolger nicht
+wußten, wohin mit dem Gelde.</p>
+
+<p>Die notwendigen Meldungen wurden gemacht, der Tischler kam, um den Armensarg
+anzumessen. »Hast du net e paar alte Bratter?« sagte er zu Schramm, aber der meinte,
+Holz sei teuer. »Do werd ich die Bettstell nahme müssen,« erwiderte der Tischler darauf.
+Da sagte aber die Schramm: »Die wollt ich engtlich behalten, er hoot noch net alles bezohlt,
+wos ’r gassen hoot. Ich hoo ne doch egal gabn!« Der Tischler sah sich nach einem geeigneten
+Gegenstand um. Da fiel sein Blick auf den Schrank. »Wan is dä dos alte Gerafel?«
+fragte er schließlich. »Dan kast du nahme,« meinte Schramm, »dar paßt su wie esu
+net zu unern Möbeln.« Und so kam es, daß der Tischler den alten Schrank mitnahm, um
+dem Wagnerfried einen Sarg daraus zu zimmern. Die Geister des Schrankes frohlockten,
+so war es ihnen recht. Als aber die zerlegten Teile in der Werkstatt standen, kam ein
+Herr aus der Stadt, der auf Amtswegen war. Der sah entzückt die alte Malerei. Als er
+aber erfuhr, zu welchem Zweck das alte kunstvolle Stück zerstört worden war, trat ihm
+das Blut ins Gesicht und die Augen wurden ihm naß. »Warum hat man dem Gemeindevorstand
+nichts davon gesagt? Es gibt eine Stelle bei uns im Lande, die solche Dinge<span class="pagenum" id="Seite_190">[190]</span>
+mit Freuden gut bezahlt. Warum hat der Heimatschutz nichts erfahren? Armer alter
+Wagnerfried! Von deinem Schrank und den vielen verschleuderten Sachen hättest du noch
+lange leben können. Es hätten sich auch Mittel und Wege gefunden, dir zu helfen. Und
+nach deinem Tode wäre dein Schrank zu Ehren gekommen in unserem Museum oder im
+Hause eines Kunstfreundes. Dort hätte er weiter und weiter erzählt von deinem Geschlechte
+und von einer Zeit, die noch Ehrfurcht vor den Vermächtnissen unserer
+Ahnen besaß.«</p>
+
+<div class="footnotes"><p class="h3">Fußnote:</p>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Wurzel = Cichorie; Bilder, die um Cichorienpäckchen gerollt waren.</p>
+
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="hidden" id="Wappen_der_Stadt_Kamenz">Wappen der Stadt Kamenz</h2>
+<figure class="figcenter illowp80" id="illu-032">
+ <img class="w100" src="images/illu-032.jpg" alt="Wappen der Stadt Kamenz">
+</figure>
+</div>
+
+<p><i>An Kamenz zum 17. Mai 1925!</i></p>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+ <div class="stanza">
+ <div class="verse indent0"><i>Du teure Stadt der Väter,</i></div>
+ <div class="verse indent0"><i>Welch’ einer Kinderschar</i></div>
+ <div class="verse indent0"><i>Hast Du ein Heim bereitet</i></div>
+ <div class="verse indent0"><i>In siebenhundert Jahr’!</i></div>
+ </div>
+ <div class="stanza">
+ <div class="verse indent0"><i>Wie viele sind gekommen,</i></div>
+ <div class="verse indent0"><i>Wie viele sahst Du gehn!</i></div>
+ <div class="verse indent0"><i>Wie viele hast Du lachen,</i></div>
+ <div class="verse indent0"><i>Wie viele weinen sehn.</i><a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a></div>
+ </div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="footnotes"><p class="h3">Fußnote:</p>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Auf Anregung der Stadt Kamenz veröffentlichen wir hiermit die sinnreiche Urkunde
+zum 700jährigen Stadtjubiläum im vergangenen Jahre.</p>
+
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p><span class="pagenum" id="Seite_191">[191]</span></p>
+<h2 class="nobreak" id="Ein_Beitrag_zur_Frage_der_Steinkreuze">Ein Beitrag zur Frage der Steinkreuze</h2>
+</div>
+
+<p>Auf dem Geithainer Kirchberg, unter der alten Linde, steht heute ein Steinkreuz.
+Dessen Standort soll früher der Galgenberg gewesen sein. Demnach ist dieses Denkmal mit
+ziemlicher Wahrscheinlichkeit dasselbe, welches in dem ältesten Geithainer Stadtbuch
+erwähnt wird. Hier heißt es nämlich auf Blatt 45b, unter dem 11. Oktober 1469:</p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p class="center"><em class="antiqua">Causa Nickel Kircheners vnd Jorg follertczs.</em></p>
+
+<p><em class="antiqua">Anno domini millesimo quadrinngentesimo Sexagesimo Nono An der mitwoche noch
+dyonisy Ich liborius Oler Burgermeister Clemen honkirche Richter hans Geyseler hans
+Botticher Michel smid Merten francke michel Eckart vnd Peter Jarnhirsch Ratman der
+Stat Geythan Bekennen In vnserem Statbuch vor Idermenneklichen das vor vnseren sitzen
+rad kommen seyn Jorg follert heynrich seyn bruder vnd mit Iren gehülffen vff eyne part /
+Nickel kirchener / hans kirchener seyn Son / merten sneyder Jerath metzener uff dy ander
+part haben wir uff beyde part mit eynander gutlich vnd fruntlichen entscheyden vnd bericht
+seyn vmb den totslag Symon follert seligen Also das Nickel kirchener den kindern Symon
+follartz reichen vnd geben sal Achtczehen gute schog hocher were Anzcuheben uff heüte
+mitwoche seyn gegeben czwey schog dar noch saln (kirchener?) geben vnd reychen czwey
+schogk uff weynachten nehest kommende / voran uff alle weychvasten eyn gut schogk / biss
+so lange sulche Summa geldis gefellet Sunder wer sulche summa geldis heben wirt / von
+der vnmündigen kinder wegen / der sal eyne mögliche were dor vorthum Dor noch sal
+Nickel kirchener anderhalb hundert vigilien vnd anderhalb hondert selmessen wü dy
+follert dy hen bestymmen zcuhalden In pharrkirchen adder klostern bestellen jnwendig
+virwochen Auch eyne ochfart czwyschen hy vnd phingsten nehest kommende Auch eyn
+Steynencrücze jn der selben czeit uff der Stat weychbilde setczen sal Auch czerunge
+scheppengelt nemlich II s(schogk) XXVI gl sal Nickel kirchener geben Jorg follert vnd
+vintcz berger LV gl uff den nehesten mantag Galli / dornoch uff den nehesten montag abber
+beyden 1 s 1 gl / dornoch uff weynachten vintcz berger 1 s / dornoch follert XXX gl uff den
+mantag noch aller gotis heyligen tag / Auch sal kirchener gericht freyheyt yss hafft … js
+hafft abczulegen Auch desgleichen sal kirchener heynrich follart vom bader brengen wen
+her heyl wirt //. Nu vor silche berichtunge fride vnd Summa geldis seyn burge Andres
+bretczschel veitcz muller Cristoffel bretczschel Gerius geyseler Auch do mit Burge vor
+eynen steten fride der Sache / Auch ab der burgen eyner abgynge von todis wegen sullen
+dy andern eynen anderen burgen bestellen an desselben stat Auch haben Nickel kircheners
+kinder mit namen hans kirchener Gerius kirchener gereth den selben vir burgen vorder
+zcu lossen ab ir vater abginge todis halben das got wende Nu uff silchen fryde hat jorg
+follert mit seynem bruder auch czwene burgen widergesetczt mit namen matts Loze vnd
+jocoff burgraffe Auch ab der g(enenneten) burgen eyner auch abginge todis halben das got
+lang wende sullen sy eyn anderen an des stat bestellen Auch haben sy von gutem willen
+vnd wolbedachtem mute vorkort und vorpeynigit / wer sulche stucke artickel obinberurth
+breche de sal der Stat Geythen eynn gut schog zcu gericht vorvallen seynn wy ofte das
+geschit / wen man jn das kan beczeügen mit warhafftigen leuten den zcu gelauben stehet
+darvber haben sy jre wyssenunge dem Rat dorvbergegeben vnd lassen czeychen jn
+vnserem Statbuch</em></p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="Schwarzenberger_Edelweiss">Schwarzenberger Edelweiß</h2>
+
+<p class="center">(<em class="antiqua">Chrysanthemum partheniifolium Pers.</em>)</p>
+
+<p class="center">Von <em class="gesperrt">Horst Henschel</em>, Schwarzenberg</p>
+</div>
+
+<p>Zu den Merkwürdigkeiten der sächsischen Flora gehört das »Schwarzenberger
+Edelweiß«, eine Wucherblume, die aus Spanien stammt, Blumen mit<span class="pagenum" id="Seite_192">[192]</span>
+schneeweißen Strahlen und gelblichweißen Scheibenblüten trägt und deswegen
+auch Spanische Schneewucherblume genannt wird. Sie ist in Sachsen (nach Prof.
+Dr. Otto Wünsches Excursionsflora von Sachsen) nur an der Brühlschen Terrasse
+in Dresden und in Schwarzenberg verwildert zu finden. In Schwarzenberg
+ist sie so häufig wie keine andere Blume am Ort. An Felswänden, Wegrändern,
+als Unkraut in Gärten, an den Steinfugen der Ufer- und Straßenmauern,
+kurz überall erfreuen uns die durch ihre Menge leuchtenden Blütensterne
+dieser Wucherblume. Mehrere hundert Blüten an einem Stock sind nichts
+Seltenes. Diese Blütenfülle gibt dem alten Gemäuer ein Gewand von geradezu
+wunderbarer Pracht. Die unendlich vielen Blütenköpfe auf den sonst nackten
+Felswänden wirken manchmal wie ein unversehrter Schneefleck.</p>
+
+<p>Der Laie hält die Spanische Wucherblume meistens für eine Kamille und
+nennt sie zum Unterschied von der echten Kamille (<em class="antiqua">Matricaria Chamomilla</em>),
+die als Heilpflanze weit und breit zur Teebereitung gesammelt wird, fälschlicherweise
+unechte Kamille.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-035a">
+ <img class="w100" src="images/illu-035a.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 1. <b>Am Schloßfelsen in Schwarzenberg</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Das »Schwarzenberger Edelweiß« blüht in den Monaten Juni bis September,
+ist eine ausdauernde Pflanze, kommt also jedes Jahr wieder, und wird
+dreißig bis achtzig Zentimeter hoch. Die langgestielten Blütenköpfe sind etwa
+drei Zentimeter breit und haben einen würzigen Geruch.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-035d">
+ <img class="w100" src="images/illu-035d.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 2. <b>Am Schloßfelsen in Schwarzenberg</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Seitdem in Sachsen die Rinde der Korkeiche (<em class="antiqua">Quercus super</em>) verarbeitet
+wird, finden wir auch die Spanische Schneewucherblume in Sachsen. Und da
+die Korkfabrikation erst seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts
+in Sachsen betrieben wird, ist demnach das »Schwarzenberger Edelweiß« ein
+noch recht junges Kind unserer sächsischen Flora. Sonderbarerweise ist diese
+Wucherblume nicht in <em class="gesperrt">der</em> Gegend des Erzgebirges zu finden, wo der Kork
+verarbeitet wird, also nicht im <em class="gesperrt">Raschauer Grund</em>, sondern nur in
+Schwarzenberg. Als ob das »Schwarzenberger Edelweiß« die breite Talaue
+der Großen Mittweida nicht vorteilhaft genug befunden hätte, um seine Pracht
+zur Geltung zu bringen! Als hätte es sich mit Kennerblicken die Perle des
+Erzgebirges als zweite Heimat erkoren, um an ihren hohen alten Felswänden
+zu prangen und bewundert zu werden. Wie sinnig ist doch sein volkstümlicher
+(ortsüblicher) Name! Schwarzenberger Edelweiß. – – –</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-035b">
+ <img class="w100" src="images/illu-035b.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 3. <b>Schwarzenberger Edelweiß</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Wie aber mag sich die Geschichte in Wirklichkeit zugetragen haben? – Als
+in dem etwa vier Kilometer von Schwarzenberg entfernt liegenden Dorfe
+Raschau im Jahre 1859 die Korkfabrikation eingeführt wurde, war der Ort
+noch nicht an das Eisenbahnverkehrsnetz angeschlossen. Dies geschah erst im
+Jahre 1889, als die Eisenbahnlinie Zwickau–Aue–Schwarzenberg–Grünstädtel
+bis Buchholz erweitert wurde. Schwarzenberg war bereits 1858 Endstation
+der genannten Teilstrecke; und so mußten die Raschauer ihre Frachtgüter
+mit dem Fuhrwerk aus Schwarzenberg holen. Beim Umladen auf dem
+Schwarzenberger Bahnhof oder durch das Rütteln und Schütteln des zu Ballen
+zusammengebundenen Korkholzes während des Transportes auf dem offenen
+Leiterwagen sind vermutlich Samenkörner der Spanischen Wucherblume, die
+sich in den Unebenheiten der Eichenrinde befanden, hier herausgefallen. Merkwürdig<span class="pagenum" id="Seite_194">[194]</span>
+ist jedoch, daß an der Stelle in Raschau, wo die Korkballen abgeladen
+und aufgehoben werden, keine Spur von der Spanischen Wucherblume zu finden
+ist. Entweder sind also an jener Stelle keine Samen ausgefallen, oder die
+Samen brauchen einen besonderen Boden, um sich entwickeln zu können.
+Letzteres erscheint mir am wahrscheinlichsten; denn sonst müßte diese Wucherblume,
+deren Samen durch das Schwarzwasser doch weit fortgetragen werden,
+noch an anderen zahlreichen Stellen anzutreffen sein, was aber nicht der
+Fall ist.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-035c">
+ <img class="w100" src="images/illu-035c.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 4. <b>Am Schwarzwasser in Schwarzenberg</b></figcaption>
+</figure>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="Die_hoeheren_Pilze_der_Dresdner_Heide">Die höheren Pilze der Dresdner Heide</h2>
+
+<p class="center">Von <em class="gesperrt">Bernhard Knauth</em>, Dresden-Strehlen</p>
+
+<p class="center s90">Mit Abbildungen von Georg Marschner, Dresden-Gruna</p>
+</div>
+
+<p>Weil die Pilzgeographie noch in den Anfängen steckt, ist es Pflicht eines
+jeden Pilzkenners, mindestens ein Gebiet seines Wohnbezirkes gründlich zu
+erforschen und das Ergebnis zu veröffentlichen. Als Freunde der Tat wollen
+wir zu diesem Zwecke die Dresdner Heide durchwandern. Sie ist ein
+6237 Hektar großer, gut gepflegter Forst, der die wellige Hochfläche nördlich
+von Dresden bedeckt. Ihr diluvialer Dünensand nimmt von West nach Ost an
+Fruchtbarkeit zu, weshalb im Osten Fichten und Buchen vorherrschen, im
+Westen dagegen Kiefern und Birken. Außer diesen Bäumen kommen vor:
+Tanne, Lärche, Eiche, Erle, Weißbuche, Ahorn, Esche und sogar einzelne
+Robinien. Aus der Fauna seien genannt: Hirsch, Reh, Wildschwein, Fuchs
+und Dachs. Reich an Quellen und Bächen, Hügeln und Tälern, reich auch an
+gut markierten Wegen, lockt sie zum Wandern. Der Dresdner kennt und liebt
+seine Heide. Fern vom Trubel der Großstadt kann er hier Ruhe und Erholung
+finden, Blumen pflücken und – Pilze suchen. Und diesen Pilzen wollen wir
+jetzt unsere Aufmerksamkeit widmen.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-037">
+ <img class="w100" src="images/illu-037.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 1. <b>Dickfuß-Röhrling</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Unsere Wanderungen beginnen wir Anfang Juli, weil vorher außer der
+im Erdreich verborgenen Heidetrüffel (<em class="antiqua">Hydnangium carneum</em>) nicht viel
+zu finden ist. Wir besuchen zunächst den buchenreichen Stechgrund unweit des
+Weißen Hirsches. Hier finden wir den Dickfußröhrling (<em class="antiqua">Tubiporus pachypus</em>,
+<a href="#illu-037">Abb. 1</a>), der von Unkundigen für den Satanspilz gehalten wird. Er
+trägt unter seinem hellgrauen, dicken Hute eine gelbliche Röhrenschicht, die
+nach Druck bläulich anläuft. Sein nach unten stark verdickter Stiel ist oben
+gelb, unten blutrot und allenthalben netziert. Sein weißliches Fleisch wird
+nach Anschnitt blau und schmeckt bitter. Auch der punktierte Hexenpilz
+(<em class="antiqua">Tubip. erythropus</em>) kommt hier vor. Auf seinem rotpunktierten, keuligen,
+oben gelben, unten roten Stiele trägt er einen derben, kastanienbraunen
+Hut, dessen Röhrenschicht rot ist. Sein gelbliches Fleisch wird nach Anschnitt
+sofort blaugrün, kann aber gegessen werden. – Am steilen Hange dort winkt
+uns ein weißer. Er wird rötender Faserkopf (<em class="antiqua">Inocybe Trinii</em>) genannt,<span class="pagenum" id="Seite_195">[195]</span>
+weil seine weiße Färbung später rötet und sein mittelgroßer Hut gefasert ist.
+Sein Fleisch riecht wie das der meisten Faserköpfe widerlich und wird nicht
+gegessen, zumal eine Verwechselung mit dem giftigen ziegelroten Rißpilz
+(<em class="antiqua">Inocybe lateraria</em>) möglich ist. Letzterer ist für Sachsen nur im Scharfenberger
+Schloßpark nachgewiesen. – Wenn wir Glück haben, finden wir hier
+auch die eßbare Grubenlorchel (<em class="antiqua">Helvella lacunosa</em>), die im ganzen blauschwärzlich
+aussieht. Ihr gekröseartig gewundener Kopf ist zwei bis fünf
+Zentimeter hoch und breit; ihr gerippter Stiel zeigt grubige Vertiefungen.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-038">
+ <img class="w100" src="images/illu-038.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 2<sup><em class="antiqua">a</em></sup>. <b>Stockschwämmchen</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Wir gehen nun in Richtung der Acht nordwärts bis zur Prießnitz, vom
+Wege bald rechts bald links abschweifend. Da sehen wir Täublinge. Ich will
+sie alle aus Liebe zur Einheitlichkeit nach Rickens Vademecum benennen,
+wohl wissend, daß da noch mancherlei zu bessern ist. In Birkennähe gewahren
+wir den violettgrünen (<em class="antiqua">Russ. cyanoxantha</em>), der auch Frauen-Täubling genannt
+wird. Meist hat er einen trübvioletten Hut mit grünlicher Scheibe, kann
+aber auch violettrötlich, braungrün oder schwarzviolett aussehen und die
+Scheibe ockergelblich. Stiel und Lamellen weiß, Fleisch mild und eßbar. Nicht
+weit davon steht der grünschuppige Täubling (<em class="antiqua">Russ. virescens</em>), der an dem
+spangrünen, gefelderten Hute leicht zu erkennen ist. Lamellen, Stiel und
+Fleisch sind weiß. Im Fichtendickicht finden wir ferner den grasgrünen Täubling
+(<em class="antiqua">Russ. graminicolor</em>), den wir an der dunkelgrünen Hutmitte erkennen. –
+Nachdem wir östlich über eine Fichtenschonung schauend, den lieblichen Ausblick
+nach dem Hutberg bei Weißig genossen haben, schlendern wir in nördlicher
+Richtung weiter. Da drüben ist ein alter Stumpf gänzlich mit Stockschwämmchen<span class="pagenum" id="Seite_196">[196]</span>
+bedeckt (<em class="antiqua">Pholiota mutabilis</em>, <a href="#illu-038">Abb. 2<sup><em class="antiqua">a</em></sup></a>). Die zimtbräunlichen,
+mittelgroßen Hüte könnten den bekannten büscheligen Schwefelkopf vortäuschen,
+aber der Ring am rostbräunlichen, schuppigen Stiele belehrt uns
+eines besseren. Da er genießbar ist, wandern die schönsten in unsere Sammelschachtel.
+– Versteck dich nur nicht so, du rehbrauner Dachpilz dort (<em class="antiqua">Pluteus
+cervinus</em>)! Du entgehst unserem Pilzerauge doch nicht! Er trägt auf grauem,
+gefasertem Stiele einen dunkelbraunen, flachglockigen, faserschuppigen Hut,
+der etwa sieben Zentimeter breit ist. Da er zu den Rotsporern gehört, spielt
+das Weiß seiner schwarzschneidigen Lamellen etwas ins Rötliche. Auch er wird
+gegessen. – Ein weißer dort? Aha, ein Schaf-Egerling (<em class="antiqua">Champignon</em>),
+noch zwei, noch drei! Sein weißer, matt gilbender Hut könnte ja den später
+wachsenden Knollenblätterschwamm vermuten lassen, aber die Lamellen
+unseres Pilzes (<em class="antiqua">Psalliota arvensis</em>) sind nicht weiß (höchstens im Anfang),
+sondern rötlich, zuletzt dunkelbraun. Unser Pilz riecht nicht nach rohen Kartoffeln,
+sondern nach Anis. Weniger angenehm ist unserer Nase die unter
+Birken stehende Stinkmorchel (<em class="antiqua">Phallus impudicus</em>). Ihr grubiger, olivbrauner
+Kegelhut ist mit einem dicken, stinkenden Schleim überzogen, angeblich,
+um aasliebende Insekten anzulocken, die dann durch Mitnahme der
+Sporen zur Verbreitung beitragen sollen. Aber dieser Pilz ist so wenig begehrt
+und so häufig, daß er um seine Vermehrung nicht besorgt zu sein braucht –
+naiv gedacht. Diese Zweck-Philosophen haben oft eine starke Phantasie.
+Wären ihre Theorien alle richtig, dann könnte man nicht begreifen, warum<span class="pagenum" id="Seite_197">[197]</span>
+z. B. der seltene, vielbegehrte Königsröhrling sich durch das Rot seines Hutes
+verrät, während von weniger seltenen behauptet wird, daß sie sich durch Anpassung
+schützen. Doch zurück zur Praxis! Da drüben ein echter Nadelwäldler:
+der gelbe Wulstling (<em class="antiqua">Amanita junquillea</em>). Der mattzitronengelbe Hut ist
+reichlich mit weißlichen Hüllresten besetzt und hat weißliche, dicht stehende
+Lamellen mit flockiger Schneide. Sein weißer, schlanker Stiel hat einen gleichfarbigen,
+dünnen Ring und eine birnförmige Fußscheide, deren scharfer Rand
+anliegt. Er ist zwar genießbar, aber dem grüngelben Knollenblätterschwamm
+so ähnlich, daß bei Unkundigen eine Verwechselung vorkommen kann. – Nicht
+weit davon ein Perlschwamm (<em class="antiqua">Amanita rubescens</em>), der selbst mit Oberhaut
+gegessen werden kann und neuerdings sehr begehrt ist. Man erkennt ihn
+immer am rötlichen Fleisch. Hut rotbräunlich mit helleren Hüllresten, Lamellen
+weißlich und dicht stehend, Stiel rötlichgrau mit gerieftem Ring, unten
+verdickt und mit nackter Knolle. – Auf einem Straßenhaufen kleine Kerle
+mit braunem Glockenhute, rotbraunem, schlankem Stiel und schwärzlichen
+Lamellen: der Glocken-Düngerling (<em class="antiqua">Panaeolus campanulatus</em>). Und gleich
+daneben der gefaltete Gold-Mistpilz (<em class="antiqua">Bolbitius titubans</em>): ein gelblicher,
+gebrechlicher, zwei bis drei Zentimeter breiter Hut mit deutlichen Radialfalten
+sitzt auf einem gelblichen, glänzenden, schlanken Stiel. Die schmalen Lamellen
+sind blaßzimtgelb. Beide Düngerfreunde sind zwar nicht giftig, aber geringwertig.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-040">
+ <img class="w100" src="images/illu-040.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 2<sup><em class="antiqua">b</em></sup>. <b>Rötlicher Ritterling</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Ein Sommertag von Gottes Gnaden! Der Himmel blaut, die Sonne brennt,
+und unsre Beine werden müd’. Wie wärs, wenn wir uns setzten? Des Mooses
+Polster ladet ein. Ha, wie schmeckt das Schinkenbrot! Dem Autoprotz bei
+Sekt und Braten kanns besser niemals munden. Dazu Konzert. Von allen
+Zweigen schmettert laut das Jauchzen muntrer Vögel. Ein grüner Sandlaufkäfer
+glänzt im Sonnenschein und achtet nicht auf uns – ein Philosoph nach
+eigner Art. Ein Hirsch lugt drüben aus dem Dickicht. – Nun wieder auf!
+Was dort? Ein Kornblumenröhrling (<em class="antiqua">Boletus cyanescens</em>). Im ganzen
+gelblichgrau, runzlig und filzig der Hut, weiß die Röhren und das Fleisch, das
+nach Anschnitt kornblumenblau anläuft. Ein seltener Speisepilz. Das gilt
+auch vom Hasenpilz (<em class="antiqua">Boletus castaneus</em>), den wir nun aufstöbern. Ein
+mittelgroßer, zimtbrauner Röhrling mit etwas hellerem, hohlem Stiele und
+weißen, engen Röhren. – Ein Heer von Pfifferlingen dort (<em class="antiqua">Cantharellus
+cibarius</em>), von aller Welt gekannt, was schon sein fürstlicher Reichtum an
+Volksnamen verrät, es sind nicht weniger als einundzwanzig. In einem
+Dickicht finden wir sogar den nicht minder bekannten Steinpilz, der leider
+immer seltner wird. Viele suchen ihn, aber wenige nur denken daran, Stücke
+von den Hüten der Alten so auf den Waldboden zu legen, daß diese bequem aussporen
+können. Viel häufiger als er ist natürlich sein bitterer Doppelgänger,
+der Gallenröhrling (<em class="antiqua">Boletus felleus</em>), den man bekanntlich an den weißlichen,
+später mattrosa werdenden Röhren und an dem auffälligen Gelb seines
+stark netzierten Stieles erkennt. Im Zweifelsfalle muß die Kostprobe entscheiden.
+– Dort, wo der Hase soeben aufsprang, ein Heer schwarzer Gnomentüten:<span class="pagenum" id="Seite_198">[198]</span>
+Totentrompeten (<em class="antiqua">Craterellus cornucopioides</em>), schwärzliche Füllhörner,
+deren dunkelgraue Außenseite oben vielverzweigte Runzeln trägt. Zwar
+eßbar, aber wenig verlockend. – Es geht bergab. Durchs Tal schlängelt sich
+die Prießnitz, deren Wasserspiegel uns entgegenglänzt. Aber o weh, die auf
+unserer Karte noch verzeichnete Brücke ist nicht mehr da! Was tun? Wir
+ziehen blank und patschen durch. Die Sonne wird uns trocknen, drum lagern
+wir an lichter Stelle. Der Wasseramsel drüben scheint das Spaß zu geben.
+Nun gehts am rechten Prießnitzufer bis zur Heidemühle. Bald finden wir an
+einem Fichtenstumpf ein paar schöne Exemplare vom rötlichen Ritterling
+(<em class="antiqua">Tricholoma rutilans</em>, <a href="#illu-040">Abb. 2<sup><em class="antiqua">b</em></sup></a>). Hut und Stiel auf gelblichem Grunde purpurfilzig,
+Fleisch und Lamellen gelb. – Unweit des Ufers, wo noch Vergißmeinnicht
+in Mengen blüht, steht der filzige Milchling (<em class="antiqua">Lactarius helvus</em>), der
+fälschlich Maggipilz genannt wird, halbgiftig ist und höchstens als Gewürz
+genossen werden darf. Sein ockerrötlicher Hut ist feinfilzig, sein etwas
+blasserer Stiel flaumig, seine gelblichen Lamellen sind zuletzt bestäubt. Die
+wasserhelle, spärlich fließende Milch schmeckt mild. Er macht also eine Ausnahme
+von der Regel: Alle milden Milchlinge und Täublinge sind genießbar.
+Wir finden sodann den vergilbenden Täubling (<em class="antiqua">Russ. puellaris</em>), einen gebrechlichen,
+mittelgroßen Pilz mit einem trübviolettroten Hute, der später
+gelblich ausblaßt, seine Mitte ist dunkler, sein Rand gerippt. Die neapelgelben
+Lamellen stehen ziemlich gedrängt, der fast keulige, schlanke Stiel ist
+erst weißlich, gilbt aber auch, ebenso das milde, geruchlose Fleisch. Ähnlich<span class="pagenum" id="Seite_199">[199]</span>
+der ekelige Täubling, dessen Hutmitte aber olivfleckig ist, dessen Stiel im Alter
+nicht gelb, sondern schwach grau wird. Auch der graubraune Täubling
+(<em class="antiqua">R. livescens</em>) ist hier heimisch, sozusagen ein milder kammrandiger (<em class="antiqua">pectinata</em>).
+Er ist bis auf die weißlichen, tränenden Lamellen im ganzen graubraun,
+mittelgroß, dünn, schmierig, mild und eßbar. Ebenso kann man den
+gedrängtblätterigen hier pflücken (<em class="antiqua">R. heterophylla</em>). Gelbgrün sein Hut mit
+scharfem, meist violettlichem Rande, fünf bis sechs Zentimeter breit; Stiel weiß
+und zart gerunzelt; erkennbar an den ungleichen, weißen, dünnen, schmalen
+Lamellen. Mild und eßbar. – So kommen wir suchend der Heidemühle näher.
+Rechts am Wege ein Steinbruch, in dessen Tümpel Wasserschlauch wächst. (Auch
+seltene Moose birgt der Grund.) Sodann die schwarzen Teiche, die Mühle und
+das Gasthaus.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-042">
+ <img class="w100" src="images/illu-042.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 3. <b>Strubbelkopf</b></figcaption>
+</figure>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-044">
+ <img class="w100" src="images/illu-044.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 4. <b>Birkenpilz</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Wir stärken uns. Dann wandern wir im herrlichen Prießnitzgrunde mit
+seinen malerischen Biegungen abwärts. Hier kann die Fichte ihre ganze
+Schönheit entfalten. Am Wege bis unten begrünt, erhebt sie sich stolz bis zu
+bedeutender Höhe. Und während wir im feierlichen Dunkel eines Fichtendomes
+wandeln, erhebt sich lichtgebadet vor uns ein Hang voll grünen Jungholzes.
+Darüber kreist im Himmelsblau ein Bussard, stolz und sicher. Dazu
+des Wassers traulich Murmeln, als wollte es erzählen. Und auch im Winter,
+wenn Rauhreif oder Schnee die dunkelgrünen Bäume schmückt, ist dieser Grund
+nicht ohne Reiz. – Am Steinbruch angelangt, gehen wir links über die Holzbrücke
+nach dem Hochmoor, das Wollgras trägt und Moosbeeren. Hier entdecken
+wir den weißgesäumten Häubling (<em class="antiqua">Galera paludosa</em>). Sein honiggelber
+Glockenhut ist ein Zentimeter breit, durchscheinend gerieft und hat einen hellgelben
+Rand. Der gelbliche Stiel (innen braun) trägt blasse Flocken und
+erreicht zwischen diesen Torfmoosen eine Länge von zehn Zentimeter. Die
+gelblichen Lamellen stehen gedrängt, sind hinten sehr breit und etwas herablaufend.
+Unweit davon, aber auf trockenem Boden, können wir auch seinen
+zierlichen Stiefbruder, den roststieligen Häubling (<em class="antiqua">Galera tenera</em>) finden; Stiel
+und Hut ockerbräunlich, Lamellen zimtgelb, Gestalt wie jener. – Vor Hitze
+matt, strecken wir uns zwischen hohen Adlerfarnen am Rande des Moores lang
+und träumen von vergangenen Zeiten. Nebelgeister und Irrlichter huschen
+übers Moor. Auerochsen und Wildschweine waten im Schlamme. Wir hören
+von weitem Jagdhörner und Hundekläffen. Vorüber rast der weiße Hirsch und
+hinterdrein der Reiter schweißbedeckte Schar. Vorbei! Wir gehen in die Pilze
+und wandern stadtwärts nun gen Süden. Im Heidelbeergestrüpp ein Strubbelkopf
+(<em class="antiqua">Boletus strobilaceus</em>, <a href="#illu-042">Abb. 3</a>). Schwärzlich und ruppig der ganze Kerl.
+Nur seine Röhren schimmern grau, sind eckig und weit. Schöner ist der hier
+neben der dicken Buche: der goldflüssige Milchling (<em class="antiqua">Lactarius chrysorheus</em>).
+Goldorange sein mittelgroßer Hut und mit dunkleren Zonen. Gleichfarbig
+aber blasser der kahle Stiel, gleichfarbig auch die schmalen, gedrängten Lamellen.
+Wir stellen fest, daß die Milch schwefelgelb wird und scharf schmeckt.
+– Nun kommen wir zum Saugarten, wo unter uralten Eichen junge Fichten
+aufwachsen. Hier scheinen auch Wildschweine gewühlt zu haben. Aber ihre<span class="pagenum" id="Seite_200">[200]</span>
+Zahl nahm mit Eichen und Buchen gleichermaßen ab. Wenn der Forstmann
+hier und da noch einzelne oder ganze Gruppen dieser Baumarten stehen läßt,
+so geschieht das nicht bloß aus Schönheitsgründen, sondern auch aus wirtschaftlichen:
+durch Laubabwurf gewinnt der Boden. Das freut den Pilzmann auch,
+sein Reich wird dadurch bunter. Auf Eichenwurzeln sitzend hier ein Rübling,
+der spindelige (<em class="antiqua">Collybia fusipes</em>); Hut und Stiel englischrot, der spindelige
+Stiel ist tief gefurcht; die rötlichen, angehefteten Lamellen stehen sehr entfernt.
+Das geruchlose Fleisch dieses glockenhütigen Pilzes ist genießbar. – Nun auf
+der alten Vier weiter nach Süden! Im Sande hier eine Schar unscheinbarer
+Gesellen, büschelige Rißpilze (<em class="antiqua">Inocybe umbrina</em>). Der drei Zentimeter breite,
+glockige, gebuckelte Hut ist rehbraun und gefasert. Die bräunlichen Lamellen
+haben eine blasse, flockige Schneide. Der gelbbräunliche Stiel trägt ein scharf<span class="pagenum" id="Seite_201">[201]</span>
+abbiegendes Knöllchen und eine weißkleiige Spitze. Von seinen Gattungsbrüdern
+kommen außer den genannten noch <em class="antiqua">lacera</em>, <em class="antiqua">maritima</em> und <em class="antiqua">dulcamara</em>
+vor. Im Moose hier am Wegrand zwei winzige Arten mit glockigen Hütchen.
+1. Der Sternmooshäubling (<em class="antiqua">Galera mniophila</em>) mit einem braungelben, gerieften,
+glatten Hute und olivgelbem, schlankem Stiele, 2. der Astmooshäubling
+(<em class="antiqua">Galera hypnorum</em>), der ganz ähnlich aussieht. Aber seine bräunlichen
+Lamellen sind am Stiele verschmälert angeheftet, die seines Doppelgängers
+dagegen breit angewachsen. Nichts für den Kochtopf! Dasselbe gilt
+von der kleinen Gesellschaft hier, von den gesäten Tintlingen (<em class="antiqua">Coprinus
+disseminatus</em>). Dicht gedrängt stehen am Wege graue, winzige, gefaltete
+Glöckchen, gestützt von weißlichen, dünnen Stielchen. Die Lamellen der jungen
+sind blaßrötlich, die der alten braunschwarz. Klein ist auch der folgende, der
+seidige Rübling (<em class="antiqua">Collybia cirrhata</em>), der gern auf faulenden Pilzen wächst.
+Hut rötlichweiß, etwa ein Zentimeter breit, konzentrisch-rinnig, Lamellen weiß,
+gedrängt, schmal, etwas herablaufend; Stiel blaßrötlich, dünn, verbogen,
+flaumig. Wenn wir ihn tief ausstechen, bemerken wir, daß unten am Stiel
+wurzelartige Fädchen hängen, die aus gelblichen Klümpchen (<em class="antiqua">Sklerotien</em>)
+hervorwuchsen. – Etwas größer ist der Rübling, den wir nun finden: der gemeine
+(<em class="antiqua">Coll. dryophila</em>). Er foppt uns oft durch seine Veränderlichkeit. Gewöhnlich
+sieht sein Hut rötlichgelb aus, der Stiel etwas dunkler. Die gelbweißen
+Lamellen sind schmal und dicht stehend. – Schließlich finden wir noch
+den grubigen Rübling (<em class="antiqua">Coll. radicata</em>). Auf seinem weißlichen, langen, gerillten
+Stiele, der nach unten wurzelartig verlängert ist, sitzt ein bräunlicher,
+stark gerunzelter Glockenhut, der etwa acht Zentimeter breit ist und weiße,
+breite, entfernte Lamellen trägt. Sein Fleisch ist weiß, mild und geruchlos.
+Zum Essen empfiehlt sich nur der Hut, nicht der harte Stiel.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-045">
+ <img class="w100" src="images/illu-045.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 5. <b>Ziegenlippe</b></figcaption>
+</figure>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-046a">
+ <img class="w100" src="images/illu-046a.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 6. <b>Orangegelber Ziegenbart</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Die zweite Pilzfahrt beginnen wir Mitte Juli nach Verlassen der Straßenbahn
+9 an der Marienallee. Lautes Knallen verrät die Nähe der Militärschießstände,
+die wir rechts liegen lassen, um den Kannhenkelweg nordöstlich
+bis zur Hofewiese zu verfolgen. Viel Kiefern. Da steht der Sandröhrling
+(<em class="antiqua">Boletus variegatus</em>). Sein Hut ist ledergelb und trägt winzige braune
+Schüppchen. Sein glatter, fester gleichdicker Stiel hat dieselbe Farbe, oft mit
+einem Stich ins Rötliche. Seine engen, am Stiel herablaufenden Röhren sind
+olivbraun. Das genießbare Fleisch sieht blaßgelb aus und blaut etwas.
+Dann finden wir den süßriechenden Milchling (<em class="antiqua">Lactarius glyciosmus</em>). Die
+Farbe seines violettgraubraunen, undeutlich gezonten Hutes variiert sehr.
+Der etwas blassere Stiel ist bereift und ausgebaucht. Aus seinen gelblichen,
+dicht stehenden Lamellen fließt nach dem Anritzen eine weiße, unveränderliche
+Milch, erst mild, dann scharf schmeckend. – Weiter oben gibts auch Birken.
+Wie zierlich sie sich abheben vom ernsten Dunkel des Nadelwaldes! Hier wird
+gesucht. Ein Birkenpilz mit braunem Hut und schwarzweiß gesprenkeltem
+Stiel! (<em class="antiqua">Tubiporus scaber</em>, <a href="#illu-044">Abb. 4</a>). Nicht weit davon leuchtet der ockerrötliche
+Hut des Rothäubchens (<em class="antiqua">Tubiporus rufus</em>). Dort noch mehr! Unsere Freude
+steigert sich zur Mykomanie. – Nun schweifen wir nach links zum<span class="pagenum" id="Seite_202">[202]</span>
+Lärchenhain. Richtig, da lacht er uns schon entgegen: der Lärchenröhrling
+(<em class="antiqua">Boletus elegans</em>), der auch schöner Röhrling genannt wird. Sein goldgelber,
+schmieriger Hut trägt schwefelgelbe, enge Röhren und sitzt auf einem gleichfarbigen,
+faserigen Stiele, der einen weißlichen Ring trägt. Eßbar. Wir
+spähen auch nach dem rötenden Gelbfuß (<em class="antiqua">Gomphidius maculatus</em>), finden ihn
+heute aber nicht. Aber der Birkenreizker ist schon heraus (<em class="antiqua">Lactarius
+torminosus</em>). Giftreizker nennen wir ihn deshalb nicht mehr, weil Versuche
+ergaben, daß er nach Abgießen des Kochwassers als Salat- oder Mischpilz verwendet
+werden kann. Der gelbrötliche, vertiefte Hut hat zottigen Rand und
+eine braungezonte Scheibe. Der gleichfarbige, hohle Stiel ist oft grubig; die etwas
+helleren Lamellen sind schmal und gedrängt. Später können wir hier auch den
+lebhaft gelben Lärchenschneckling finden (<em class="antiqua">Limacium lucorum</em>). – Wir
+schwenken nun halbrechts und sammeln dabei mehrere Ziegenlippen (<em class="antiqua">Boletus
+subtomentosus</em>, <a href="#illu-045">Abb. 5</a>). Ihr dünner Stiel, unten rötlich und oben gelb, trägt
+einen olivgrauen, samtigen, oft gefelderten Hut, der goldgelbe, weite, eckige
+Röhren hat. Willkommene Beute! – Dort ist ein Stumpf mit dottergelben,
+korallenartigen Gebilden geziert: wurzelnde Händlinge (<em class="antiqua">Calocera viscosa</em>).
+Im Volksmunde heißen alle geweihartigen Pilze Ziegenbart, obwohl die
+meisten einer anderen Gattung angehören, nämlich den Korallenpilzen
+(<em class="antiqua">Ramaria</em>). Von letzterem birgt die Heide den zitronengelben (<em class="antiqua">flava</em>), den
+orangegelben (<em class="antiqua">aurea</em>, <a href="#illu-046a">Abb. 6</a>),
+den grauenden (<em class="antiqua">cinerea</em>), den rauchgrauen (<em class="antiqua">grisea</em>),
+den kammförmigen (<em class="antiqua">cristata</em>), den grünspitzigen (<em class="antiqua">abietina</em>) und endlich den<span class="pagenum" id="Seite_203">[203]</span>
+Hahnenkamm (<em class="antiqua">botrytis</em>). – An einer grasbedeckten, lichten Stelle am Wege
+steht herdig der eßbare gemeine Fälbling (<em class="antiqua">Hebeloma crustuliniforme</em>), der
+früher tränender Hautkopf genannt wurde. Sein Name deutet auf eine mattgelbbräunliche
+Färbung. Die gelbbraunen, schmalen, dünnen, gedrängt
+stehenden Lamellen haben eine gekerbte Schneide und tränen. Dieser Pilz
+riecht nach Rettich und ist am sichersten an den weißen Pünktchen des Oberstieles
+zu erkennen. – Auf Pferdedünger am Wege erfreut sich ein herdig auftretender
+Knirps seines kurzen Daseins, der Eintags-Tintling (<em class="antiqua">Coprinus
+nycthemerus</em>). Der zuletzt schirmartig ausgebreitete, graue, radialfaltige Hut
+mit gelbem Scheitel wird nur einen Zentimeter breit. Die grauen, schmalen
+Lamellen gehen bis an den weißen, dünnen, flockig-bereiften Stiel heran. –
+Na, endlich auch einmal ein kahler Krempling (<em class="antiqua">Paxillus involutus</em>). Der
+gelbbraune Geselle mit seinem filzigen, eingebogenen Hutrande ist hinreichend
+bekannt. Von Ricken wird er empfindlicher Krempling genannt, weil die gedrückten
+Stellen rasch rotbraun werden. Er schmeckt etwas säuerlich und
+leimig, weshalb ihn nicht jeder mag. Links vor der Prießnitzbrücke steht an
+einem alten Stumpf der vielumstrittene Balken-Blättling (<em class="antiqua">Lenzites trabea
+Pers.</em>). Hut halbkreisförmig, umbra, runzelig, flaumig, wellig gezont, dünn;
+Lamellen bräunlich, ganzrandig; Substanz lederig. – Nun in nordöstlicher
+Richtung aufwärts zur Hofewiese – aber schnell, weil ein Gewitter droht.
+Da ein mächtiger Samtfuß-Krempling (<em class="antiqua">Paxillus atrotomentosus</em>,
+<a href="#illu-046b">Abb. 7<sup><em class="antiqua">a</em></sup></a>), an
+faulendem Stubben. Erkenntlich an dem dunkelbraunen Filze seines Unterstieles.
+Die gelben Lamellen seines rostbraunen Hutes gehen weit am Stiel<span class="pagenum" id="Seite_205">[205]</span>
+herunter. Roh schmeckt er bitter, gebraten scheint er manchen zu munden. –
+Dort winken weiße Pilze! Pfeffermilchlinge (<em class="antiqua">Lactarius piperatus</em>,
+<a href="#illu-047">Abb. 7<sup><em class="antiqua">b</em></sup></a>).
+Dieser stattliche, getrichterte, weiße Pilz mit beißender, weißer Milch unterscheidet
+sich von dem kurzstieligen Wollschwamm (<em class="antiqua">Lactarius vellereus</em>) besonders
+durch seine sehr dicht stehenden Lamellen. – Lassen wir die bissige
+Gesellschaft, denn der Himmel verdunkelt sich mehr und mehr. Kurz vor dem
+Zaune, der die Hofewiese und ihre Wirtschaftsgebäude umschließt, erhebt sich
+ein Sturm, der brausend durch die Wipfel rast, als ob die wilde Jagd der Sage
+auferstanden wäre. Spornstreichs eilen wir zur niedrigen Wirtsstube und
+nehmen keuchend am grünen Kachelofen Platz. Nun, mein Donar, tob dich aus!
+Er tuts mit Blitz und Donner, indes wir gemütlich Kaffee trinken und das
+mitgebrachte Butterbrot verzehren.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-046b">
+ <img class="w100" src="images/illu-046b.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 7<sup><em class="antiqua">a</em></sup>. <b>Samtfuß-Krempling</b></figcaption>
+</figure>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-047">
+ <img class="w100" src="images/illu-047.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 7<sup><em class="antiqua">b</em></sup>. <b>Pfeffer-Milchling</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Endlich ist’s vorbei, das grause Spiel der Götter. Die Sonne lacht und wir
+mit ihr. Wir gehen nach Langebrück zu und suchen emsig weiter. Da steht ein
+dunkelbrauner Röhrling, der porphyrsporige (<em class="antiqua">Tubiporus porphyrosporus</em>).
+Der zylindrische Stiel ist noch etwas dunkler als der samtige, dicke Hut, an dessen
+Unterseite gelbgraue Röhren sitzen, die, wie wir später feststellen, porphyrbraune
+Sporen enthalten. Er wird daheim verspeist. Der Specht da oben
+scheint darob zu lachen. – Wir biegen nun nach Südwest ab, um Klotzsche zu
+erreichen. In einem Pflanzengarten stehn in Menge große Schirmlinge, die
+der undeutsche Deutsche immer noch Parasolpilze nennt (<em class="antiqua">Lepiota procera</em>,
+<a href="#illu-048">Abb. 8</a>). Wir wissen, daß er einen großen, braunschuppigen Hut, weißliche,<span class="pagenum" id="Seite_206">[206]</span>
+freie Lamellen und einen bräunlichen, nach oben verjüngten Stiel hat, der mit
+einem verschiebbaren Doppelring geziert ist. Sein weißes Fleisch ist wohlschmeckend.
+Der dumme Zaun! Als Wohlerzogene steigen wir nicht über und
+suchen weiter. In Buchennähe hier der weiße Mehlpilz (<em class="antiqua">Paxillus prunulus</em>),
+auch Moosling oft genannt. Wir ziehen den ersten Namen vor, weil er bezeichnend
+ist. Der Mehlgeruch dieses weißen Kremplings ist so auffällig wie
+bei keinem andern. Außerdem erkennen wir ihn an den rötlichen, herablaufenden
+Lamellen. Da wir eine Menge davon einheimsen können, vergessen
+wir den Schmerz von vorhin. Ein zweiter Trost: ein Brätling (<em class="antiqua">Lact. volemus</em>)
+unter Fichten. Zimtorange Stiel und Hut. Wir ritzen die gelblichen Lamellen
+dieses derben Pilzes an und finden, daß die weiße Milch strotzend fließt. Mild
+wie sie schmeckt auch das Fleisch. Ein Leckerbissen! Dort steht ein Stock voll
+goldner Glöckchen. Sind es Blumen? Nein. Eine Kolonie vom rostgelben
+Nabeling (<em class="antiqua">Omphalia campanella</em>). Der rotgelbe Glockenhut, kaum zwei Zentimeter
+breit, ist schön gerieft. Die gelben Lamellen stehen fast entfernt. Das
+kastanienbraune, nach unten verjüngte Stielchen scheint in Fuchspelz zu stecken,
+so behaart ist sein Fuß. – Mittlerweile haben wir die Gegend von Klotzsche
+erreicht und hören links vom Prießnitzbad herüber den vielstimmigen Jubel
+der Badenden. Nun mit dem Flüßchen abwärts! Hier ein kanariengelber
+Täubling (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Russ. flava</em> Rom.</em>). Weil er nicht im Ricken steht, sei er genau
+beschrieben. <em class="gesperrt">Hut</em> zitronengelb, glatt, fünf bis zehn Zentimeter breit, erst
+gewölbt, dann ausgebreitet, schließlich schwach vertieft, Rand glatt. <em class="gesperrt">Lamellen</em><span class="pagenum" id="Seite_207">[207]</span>
+erst fast weiß, später mattneapelgelb, von einigen kürzeren unterbrochen,
+schwachbogig angeheftet, fast gedrängt. <em class="gesperrt">Stiel</em> erst weiß, später
+schwach hellgrau, zart längsriefig, gleichdick oder nach unten zugespitzt,
+schwammig ausgefüllt, 4–5 : 1,5–2 Zentimeter, außen derb. <em class="gesperrt">Fleisch</em> weiß,
+wird bald grau, ziemlich starr, schmeckt mild und angenehm, riecht kaum.
+<em class="gesperrt">Sporen</em> weißlich, kugelig, stachelig, 8–10: 7–9 µ, Basidien 40–43: 9–12 µ,
+Cystiden keulig mit aufgesetztem Spitzchen, 60–70: 10–14 µ. – Auch den
+fleischroten Täubling (<em class="antiqua">R. depallens</em>) ergattern wir. Dieser milde Weißsporer
+ist vor allem an der bräunenden Basis des weißen Stieles zu erkennen. Die
+gedrängten Lamellen sehen weißlich aus. Der violettpurpurne Hut bekommt
+bald gelbe Flecke, namentlich in der Mitte. Dann finden wir den Stink-Täubling
+(<em class="antiqua">R. foetens</em>), ein scharfer Weißsporer ohne Küchenwert. Sein braungelber,
+schmieriger Hut mit höckerig gerieftem Rande sitzt auf einem gelblichen,
+derben Stiele. Die gelblichen, ungleichlangen Lamellen tränen oft.
+Er riecht nach bitteren Mandeln. – Im Bereich der Laubbäume am Prießnitzufer
+pflücken wir den Gelbmilcher (<em class="antiqua">Lactarius quietus</em>). Auf rötlichem, höckerigem
+Stiel ein rotbräunlicher, klebriger, undeutlich gezonter Hut, der rötliche,
+weißbestäubte Lamellen zeigt. Dem rötlichen, eßbaren Fleische entquillt eine
+blaßgelbe, unveränderliche Milch. Zum Schlusse erbeuten wir noch eine stattliche
+Anzahl vom rötenden Schirmling (<em class="antiqua">Lepiota rhacodes</em>). Er sieht dem großen
+Schirmling (<em class="antiqua">Lepiota procera</em>) ähnlich, unterscheidet sich aber von diesem durch
+das rötende Fleisch, den glatten, nicht schraffierten Stiel und die derbe
+Fußknolle.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-048">
+ <img class="w100" src="images/illu-048.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 8. <b>Großer Schirmpilz</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Unser dritter Ausflug erfolgt Anfang August und beginnt bei dem Bühlauer
+Rathaus, wo wir die Linie 11 verlassen. In der Richtung des Nachtflügels
+gehen wir zunächst nach Ullersdorf. Viel Fichtenwald. Da steht am Grabenrand
+der Pfeffer-Röhrling (<em class="antiqua">Boletus piperatus</em>), deshalb so genannt, weil sein
+bleibendgelbes, saftiges Fleisch pfefferig schmeckt. Darum kann er höchstens
+als würzender Zusatz verwendet werden. Der bräunlichgelbe, kahle Hut wird
+nur drei bis fünf Zentimeter breit. Die rötlichen, weiten, eckigen Röhren laufen
+am Stiel etwas herab. Der gelbbräunliche Stiel sieht unten zitronengelb aus.
+– An einem Stumpf in Massen der eßbare Glimmertintling (<em class="antiqua">Coprinus
+micaceus</em>): auf gelblichem Stiel ein rostgelber, faltiger Glockenhut, der jung
+mit weißlichen Körnchen besetzt ist und drei bis vier Zentimeter breit wird.
+Die anfangs blassen Lamellen bräunen und schwärzen schließlich. – Am
+grasigen Waldrand da die dottergelbe Keule (<em class="antiqua">Clavaria similis</em>), ein gelbes,
+zungenförmiges, sieben Zentimeter hohes Pilzchen, das im getrockneten Zustande
+fast wie Leuchtgas riecht. – An abgefallenen Ästchen der gemeine Spaltblättling
+(<em class="antiqua">Schizophyllum commune</em>). Ein grauweißes, fächerförmiges, filziges
+Hütchen mit rötlichgrauen Lamellen, deren Schneide gespalten, sitzt stiellos am
+Holz. – Im Fichtengebüsch steht der seltene wieselfarbige Täubling (<em class="antiqua">Russ.
+mustelina</em>), ein milder Weißsporer mit orangebraunem, glanzlosem Hute, der
+glattrandig und im Alter eingedrückt ist. Die gelbweißlichen Lamellen stehen
+gedrängt, der weißliche Stiel ist zylindrisch und derb, das weiße Fleisch<span class="pagenum" id="Seite_208">[208]</span>
+schmeckt angenehm. – An Reisern hier winzige, graubraune Glöckchen auf
+hellgrauem, glattem Stiel: der fadenstielige Helmling (<em class="antiqua">Mycena filopes</em>). –
+Auch den purpurschneidigen Helmling (<em class="antiqua">Mycena sanguinolenta</em>) könnten wir
+hier finden. Dieser blaßrötliche, kleine Helmling zeichnet sich dadurch aus, daß
+seine entfernt stehenden, weißlichen Lamellen eine purpurrote Schneide haben.
+– Kurz vor Ullersdorf finden wir noch einen kleinen: den honiggelben Schnitzling
+(<em class="antiqua">Naucoria melinoides</em>). Sein zwei Zentimeter breiter, ockergelblicher,
+glatter Hut sitzt auf einem rostbräunlichen, schlanken Stiele, dessen Spitze
+bereift ist. Die ockerhellen, schmalen Lamellen stehen gedrängt und haben eine
+gekerbte Schneide. – Das Dorf in Sicht. Freitag heute. Da gibt’s im Gasthof
+frisches Wellfleisch. Der Magen fordert seine Rechte – und soll sie haben.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-051">
+ <img class="w100" src="images/illu-051.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 9. <b>Kartoffel-Bovist</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Nach vollbrachter Stärkung biegen wir am nördlichen Dorfende westlich ab,
+um in der Nähe des Bischofsweges zu suchen. Inwieweit dieser Wegname berechtigt
+ist, bleibe dahingestellt. Jedenfalls haben die Meißner Bischöfe auf der
+Reise nach ihrem Schlosse Stolpen diesen Weg weit weniger benutzt als den
+weiter südlich gelegenen Dresdner Bischofsweg. – Auf braunem Tangel
+violette Pilze? Aha, der Rettich-Helmling (<em class="antiqua">Mycena pura</em>). Ein blaurötlicher
+riefrandiger Glockenhut, vier Zentimeter breit, sitzt auf einem blassen, nackten
+Stiel. Die weißlichen, breiten Lamellen sind durch Queradern verbunden. Er
+riecht nach Rettich und ist eßbar. – Weniger schön als dieser ist sein Nachbar,
+der rasige Schwindling (<em class="antiqua">Marasmius confluens</em>). Er steht büschelig. Hut rotgelblich,
+glockig, zartgerieft, zwei bis vier Zentimeter breit, Lamellen braungelblich,
+sehr gedrängt und schmal; Stiel bräunlich, filzig und verdreht. – Da
+drüben Rehe! In diesem stadtfernen Waldwinkel können wir das geheimnisvolle
+Schweigen im Walde mit Behagen genießen. Höchstens, daß der Schrei
+eines Raubvogels uns an den Kampf ums Dasein erinnert. Wir suchen
+schlendernd weiter. Ein seltener Fund hier: der vierteilige Erdstern (<em class="antiqua">Geaster
+coronatus</em>), wie eine graubraune Kugel mit kurzem Stiel, gestützt auf vier
+braune, breite, gebogene Lappen. – Sodann zinnoberrote Täublinge (<em class="antiqua">Russ.
+lepida</em>). Ihr zartbereifter Hut sitzt auf einem weißen, harten Stiele, der oft
+auch zinnoberrot angelaufen ist oder ganz so rot aussieht wie der Hut. Von
+allen anderen roten Täublingen unterscheidet sich dieser durch sein sehr hartes
+Fleisch, das nach Terpentin schmeckt. – Und dort der graustielige Täubling
+(<em class="antiqua">Russ. decolorans</em>), dessen weißer, oft rosa angehauchter Stiel stark gerunzelt
+ist und im Alter grau wird. Sein Fleisch läuft an den Bruchstellen bräunlich
+an. Sein ockerrötlicher, derber Hut bekommt im Alter einen gerieften Rand
+und wird sechs bis zehn Zentimeter breit. Seine Lamellen sind neapelgelb und
+ziemlich breit. – Und dort, wo das Eichhorn die Buche erklimmt, ein Heer
+von gelblichen Stachelpilzen: der Stoppelpilz (<em class="antiqua">Hydnum repandum</em>). Die verbogenen
+Hüte sind zum Teil ineinander gewachsen; ihre Unterseiten zeigen
+gelbliche Stacheln; ihr weißlicher Stiel steht oft exzentrisch. Eßbar. Auch der
+Habichtschwamm ist hier heimisch (<em class="antiqua">Hydnum imbricatum</em>). Sein umbrabrauner,
+ruppiggeschuppter Hut steht auf einem kurzen, grauen Stiele. Die hellgrauen,
+pfriemlichen Stacheln werden später braun. Auch er kann für die Küche gesammelt<span class="pagenum" id="Seite_209">[209]</span>
+werden. Nur muß man sich hüten, den sehr ähnlichen bitteren Stacheling
+mit in die Schachtel zu bekommen. – Am <em class="antiqua">C</em> angekommen, gehen wir auf
+diesem nach Südwest bis zum Ochsensteig, der uns zur Heidemühle führt. In
+einer birkenreichen Fichtenschonung steht herdig der rötliche Lacktrichterling
+(<em class="antiqua">Clitocybe laccata</em>), von Ricken wegen seiner Veränderlichkeit Chamäleon
+genannt. Hut englischrot, etwa vier Zentimeter breit; Lamellen blasser und
+mit violettem Scheine, dick, entfernt, weißmehlig; Stiel gleichfarbig, schlank,
+faserig gestreift. Eßbar. Auch die violette Form (<em class="antiqua">amethystina</em>) kommt in
+der Heide vor. – Nachdem wir uns an der Purpurpracht des massenhaft
+blühenden Weidenröschens (<em class="antiqua">Ep. angustifol.</em>) satt gesehen, wandern wir westwärts
+weiter. Der halbgiftige Kartoffel-Bovist (<em class="antiqua">Scleroderma vulgare</em>, <a href="#illu-051">Abb. 9</a>),
+der leider immer noch als Trüffel verkauft wird, ist hier nicht selten. Da er
+einer warzigen Kartoffel ähnelt, erübrigt sich eine Beschreibung. Noch häufiger
+tritt der olivbraune Milchling (<em class="antiqua">Lactarius turpis</em>) auf, der nicht mehr
+Mordschwamm genannt werden sollte, weil er diesen abschreckenden Namen
+nicht verdient. Er wird sogar in manchen Gegenden Deutschlands gern gegessen.
+Hut und Stiel olivbraun; Lamellen gelblich; Milch weiß, graufleckend.
+Schärfer als dieser schmeckt der ebenfalls vorkommende perlblättrige Milchling
+(<em class="antiqua">Lactarius pyrogalus</em>), dessen weiße Milch oft tropfenweise an den ockerblassen
+Lamellen hängen bleibt und eintrocknet. Sein violettbraungrauer
+Hut ist undeutlich gezont, fünf bis sieben Zentimeter breit, feucht. Der Stiel
+ist gleichfarbig, aber blasser, runzlig, kahl, nach unten meist verjüngt und<span class="pagenum" id="Seite_210">[210]</span>
+zuweilen hohl. – An faulenden Ästchen wuchs herdig ein graugelber, topfförmiger:
+der Tiegel-Teuerling (<em class="antiqua">Cyathus crucibulum</em>), der fünf bis acht Millimeter
+breit wird. Er ist mit winzigen Scheibchen (<em class="antiqua">Peridiolen</em>) gefüllt, die wie
+verkleinerte Münzen aussehen und zu allerlei Aberglauben Anlaß gegeben
+haben. – Die Heidemühle wird sichtbar. Wir begrüßen sie mit Jodeln.</p>
+
+<p>Nachdem wir uns gestärkt haben, streben wir östlich von der Radeberger
+Straße stadtwärts. Eine sehr alte Straße. Was alles mag sie schon gesehen
+haben? Reihen schwerer Kaufmannswagen, von bewaffneten Reitern beschützt.
+Scharen beutegieriger Hussiten, bewaffnet mit Spießen und Stachelkeulen.
+Fürstliche Jagdzüge mit Hunden und Falken. Soldaten verschiedener Zeiten
+und zahllose Wanderer. Und jetzt knattern die Autos bergauf und bergab. –
+Nun links in den Wald hinein! Beim eifrigen Suchen streichelt uns ein
+Fichtenzweig nach seiner eigenen Art. Rechts von dem Ameisenhaufen dort
+stehen Kampfer-Milchlinge (<em class="antiqua">Lactarius camphoratus</em>). Dieser mittelgroße
+Pilz sieht im ganzen dunkelpurpurn aus. Sein ungezonter, runzliger Hut ist
+meist spitz gebuckelt, seine gelblichen Lamellen sind oft bestaubt. Das Fleisch
+riecht nach dem Urteil mancher Nasen wie Zichorie, nach dem anderer wie
+Kampfer. Seine weiße Milch ist mild. – Und was steht dort? Ein Stink-Schirmling
+(<em class="antiqua">Lepiota cristata</em>). Auf silberweißem Stiel mit abfälligem Ring
+ein weißlicher, drei Zentimeter breiter Kegelhut, den rostgelbe, konzentrisch
+gereihte Schüppchen schmücken. Die weißen Lamellen haben eine flockige
+Schneide. Riecht heringsartig. Auch den wolliggestiefelten Schirmling
+(<em class="antiqua">Lepiota clypeolaria</em>) können wir hier finden. Er ist etwas größer als der
+vorige und hat einen gelblichen Glockenhut, der einen beschuppten, ockerrötlichen
+Scheitel und einen zottigen Rand hat. Der unberingte, schlanke,
+hohle Stiel ist schuppig. – Und hier in Menge der gelbstielige Helmling
+(<em class="antiqua">Mycena epipterygia</em>). Ein weißliches, schleimiges, gefurchtes Glockenhütchen
+sitzt auf einem zitronengelben, schlanken Stiele, der mit einer klebrigen,
+gummiartigen Haut überzogen ist. – Im Fichtengebüsch da der echte Reizker
+(<em class="antiqua">Lactarius deliciosus</em>), Stiel und Lamellen orangerot, Hut orangerötlich mit
+grünlicher Mitte, Milch orangerot und mild. Sie alle werden arretiert.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-053">
+ <img class="w100" src="images/illu-053.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 10. <b>Violettlicher Milchling</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Ende August ist gekommen, und Regen fiel in Menge. Darum frischauf
+zur Pilzpirsch! Diesmal verlassen wir die Linie 11 bei der Saloppe, um durch
+den Schotengrund zu gehen und dann dem Fuße des Wolfshügels zuzustreben.
+Die Buchen im Grund begünstigen eine eigenartige Pilzflora. So finden wir
+hier das Hasenohr (<em class="antiqua">Otidea leporina</em>), ein ohrähnlicher, ockerrötlicher Pilz mit
+kurzem, zottigem Stiele. Wegen seiner Seltenheit lassen wir ihn stehen, obwohl
+er verspeist werden kann. – Nicht weit davon der dunkle Schleimkopf
+(<em class="antiqua">Phlegmacium obscurocyaneum</em>). Er hat einen violettbraunen, klebrigen,
+dunkler geflammten Hut, der etwa fünf Zentimeter breit ist. Die sepiabraunen,
+gekerbten Lamellen stehen entfernt und sind abgerundet angewachsen. Der
+kurze, keulige Stiel sieht unten blaßviolettbraun aus, oben aber violett. Sein
+geruchloses, mildes Fleisch ist in der Jugend überall violett, blaßt aber im
+Alter aus. Seine Genießbarkeit ist noch nicht erprobt. Aber den sehr ähnlichen<span class="pagenum" id="Seite_211">[211]</span>
+eingeknickten Schleimkopf (<em class="antiqua">Phlegmacium infractum</em>) habe ich schadlos
+gegessen. Das Dunkelbraun seines glockigen Hutes neigt etwas ins Grüne,
+und der Hutrand ist eingebogen. Die olivbraunen, ganzrandigen Lamellen
+sind buchtig angewachsen. Der blaßbraune, graugestreifte Stiel ist oben
+bläulich und hat unten eine dicke Knolle. – Östlich nach dem Wolfshügel abbiegend,
+finden wir am Talrande einen anderen Seltling: den violettlichen
+Schwindling (<em class="antiqua">Marasmius Wynnei</em>). Er wechselt seine Farbe öfter als ein
+strebsamer Ministerkandidat. Sein anfangs weißer, drei bis sechs Zentimeter
+breiter Glockenhut verfärbt über rosa zu trübviolett, ist dünn, zäh und runzlig.
+Die entfernten, dicken, freien Lamellen sind erst weiß und werden später
+violettbräunlich. Die zugespitzte Basis des weißlichen Stieles ist erst fuchsrot
+und später braun, der Oberstiel ist kleiig, bereift und an der Spitze erweitert.
+– Am Fuße des Wolfshügels finden wir noch einen seltenen: den rötlichen
+Röhrling (<em class="antiqua">Tubiporus rubellus Krombh.</em>). Hut rötlich, drei bis sieben Zentimeter
+breit, flachgewölbt, oft eingedrückt, Rand nach unten gebogen; Röhren
+gelb, eng, rund, um den Stiel herum vertieft; Stiel wie Hut gefärbt, am Fuße
+braungelb, glatt, oft verbogen, netzlos, zylindrisch, sechs bis zwölf Zentimeter
+hoch; Fleisch bleibendgelb, mild, genießbar. – Auf den Turm des Wolfshügels
+steigen wir heute nicht, weil für Pilzsucher die Aussicht unten besser ist.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-054">
+ <img class="w100" src="images/illu-054.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 11. <b>Schafeuter</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Nun verfolgen wir das <em class="antiqua">C</em>, rechts und links abweichend. Da, wo der
+Ameisenlöwe »andern eine Grube gräbt«, steht der stumpfe Glöckling (<em class="antiqua">Nolanea
+proletaria</em>). Der bräunliche, durchscheinend geriefte, drei Zentimeter breite<span class="pagenum" id="Seite_212">[212]</span>
+Glockenhut mit dunkelzottigem Scheitel sitzt auf einem braunen, glatten,
+kahlen Stiele, der meist breitgedrückt erscheint. Die rötlichen Lamellen stehen
+entfernt. – Auch den tranigen Glöckling (<em class="antiqua">Nolanea mammosa</em>) können wir
+in der Heide antreffen. Hut olivbraun, mit spitzem Höcker, durchscheinend
+gerieft, zwei bis vier Zentimeter breit; Stiel gleichfarbig aber blasser, schlank,
+steif; Lamellen rötlich, sehr breit. Er riecht tranartig und wächst wie
+der vorige auf faulenden Blättern. – Hierauf entdecken wir einen violettlichen
+Milchling (<em class="antiqua">Lactarius flexuosus</em>, <a href="#illu-053">Abb. 10</a>); Hut und Stiel hellviolettbraun, auch
+ins Rötliche spielend. Der kahle, trockne, eingeknickte Hut ist nicht immer
+gezont; die rotgelblichen, dicken Lamellen stehen entfernt; die Milch ist bleibendweiß
+und scharf. – Der Schwefelmilchling (<em class="antiqua">Lactarius theiogalus</em>) kommt in
+dieser Gegend auch vor. Er heißt deshalb so, weil seine Milch langsam
+schwefelgelb wird. Sein rosagelblicher, ungezonter, zart gerunzelter Hut sitzt
+auf einem gleichfarbigen, wellig-unebenen Stiele, dessen Fuß purpurbraun
+aussieht. Die rotgelblichen dünnen Lamellen stehen gedrängt. Das gilbende,
+scharfe Fleisch gilt als verdächtig. – Weiterhin der Semmelpilz (<em class="antiqua">Polyporus
+confluens</em>): mehrere semmelgelbe Hüte, die oft verwachsen sind, kommen aus
+einem derben, weißlichen Strunke. Die weißlichen, engen, kurzen Röhren
+laufen etwas am Stiele herab. – Auch das ähnliche Schafeuter (<em class="antiqua">Polyporus
+ovinus</em>, <a href="#illu-054">Abb 11</a>), ist hier heimisch. Hut, Stiel und Röhren gelblichweiß, oft
+schwach grünlich; im Bau dem vorigen ähnlich.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-058">
+ <img class="w100" src="images/illu-058.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 12. <b>Flaschenstäubling</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Auf schwellendem Moospolster lagern wir uns, um unser Frühstück zu verzehren
+und dem Rauschen der heute besonders stark bewegten Wipfel zu<span class="pagenum" id="Seite_213">[213]</span>
+lauschen. Diese eigenartige Musik erinnert uns an das Meer, dem der Wald
+in manchem ähnelt. Machen doch beide den Eindruck geheimnisvoller Unendlichkeit.
+– Nun weiter bis zur Kreuzung des Blaurot-Weges, der uns nach
+Klotzsche führen soll. An einem Buchenstumpf der angebrannte Porling
+(<em class="antiqua">Polyporus adustus</em>) in mehreren Exemplaren. Dieser olivgraue, runzlige,
+undeutlich gezonte Pilz sitzt wie eine halbkreisförmige Muschel am Stamm.
+Die jungen sind weiß berandet. Die weißen Röhren werden nach Berührung
+schwarz, daher der Name. – Auf weichem Tangel weiterschreitend, kommen
+wir zu einem rötenden Porling (<em class="antiqua">Polyporus leucomelas</em>): auf grauem Stiel ein
+schwärzlicher, schuppiger, unregelmäßiger Hut, dessen Unterseite hellgraue,
+ziemlich weite Röhren zeigt. Nach Anbruch rötet das weiße Fleisch des Hutes,
+während das des Stieles schwärzt. – Dort braunrote Milchlinge in Menge
+(<em class="antiqua">Lactarius rufus</em>): Hut und Stiel braunrot und rauh; Lamellen rötlichgelb.
+Obwohl die bleibendweiße Milch und das gelbrötliche Fleisch roh sehr beißend
+schmecken, kann dieser Pilz nach zweistündiger Wässerung gegessen werden,
+besonders als Salat zubereitet. – In der Nähe der schönen Quelle können wir
+das grüngelbe Gallertköpfchen (<em class="antiqua">Leotia gelatinosa</em>) sammeln. Das darmartig
+gewundene, grüngelbe Hütchen sitzt auf einem gelben, schuppigpunktierten, oft
+breitgedrückten Stiele, der fünf bis sechs Zentimeter hoch und zuletzt hohl ist.
+Im Juni hätten wir hier auch den Sumpfhaubenpilz (<em class="antiqua">Mitrula phalloides</em>)
+finden können. Auf weißlichem Stiel ein orangegelbes Köpfchen. – Oh, da
+auch eine krause Glucke (<em class="antiqua">Sparassis crispa</em>): ein badeschwammähnliches, weißes
+Gewirr von Zweigen, deren Enden umgeschlagen und gesägt sind, etwa zwanzig
+Zentimeter breit im Durchmesser. – Häufig tritt der ockerblättrige Täubling
+auf (<em class="antiqua">Russ. alutacea</em>), ein milder, stattlicher Gelbsporer, dessen Lamellen sehr
+früh ockergelb werden. Sein weißer, zylindrischer Stiel kann auch rosa angelaufen
+sein. Der trübpurpurne, klebrige Hut hat eine gelbliche Scheibe und
+gefurchten Rand. – Noch häufiger ist der Speiteufel (<em class="antiqua">Russ. emetica</em>). Auf
+einem weißen, nach unten meist verdickten Stiele sitzt ein blutroter, mittelgroßer
+Hut mit gerieftem Rande und weißen, entfernten Lamellen. Er schmeckt
+zwar sehr scharf, aber seine Giftigkeit wird in Zweifel gezogen. Da es
+zwischen ihm und dem ähnlichen, aber kleineren gebrechlichen Täubling
+(<em class="antiqua">Russ. fragilis</em>) eine Menge Zwischenstufen gibt, verursacht dieser Pilz den
+Forschern noch viele Streitigkeiten, in die wir uns heute nicht mengen wollen.
+– Nach Überschreitung der Radeberger Straße nähern wir uns dem Vogelherde,
+der aber links liegen bleibt. Weiterhin beobachten wir Bauern, die
+(nach Einholung eines bezahlten Erlaubnisscheines) dem Waldboden Spreu entnehmen,
+und zwar nicht bloß Gras. Der Pilzfreund bedauert das. – Weitergehend
+gewahren wir den Dauerporling (<em class="antiqua">Polystictus perennis</em>), der von Ricken
+gebänderter Schillerporling genannt wird. Ein zimtbrauner, buntgebänderter,
+lederiger Trichterhut sitzt auf einem rostbraunen, samtigen, dünnen
+Stiele, der abwärts verdickt ist. Die anfangs gelblichen, später rostbraunen,
+kurzen Röhren haben enge, eckige Poren. Ungenießbar wie der, den wir
+unweit davon finden: der Eichen-Knäuling (<em class="antiqua">Panus stipticus</em>.) Zimtgelbe,<span class="pagenum" id="Seite_214">[214]</span>
+kleine Fächer mit aufwärts verdickten, kurzen Stielen an einem Eichenstumpfe
+sitzend. Eigenartig an den gleichfarbigen, gedrängten Lamellen sind die verbindenden
+Querwände. – Sehr häufig ist der blutblättrige Hautkopf
+(<em class="antiqua">Dermocybe anthracina</em>). Der zimtbraune, vier bis sechs Zentimeter breite
+Glockenhut hat dunkelkarmin gefärbte Lamellen, einen gelblichen Stiel, der
+blutrot gefasert ist und oben ockerrote Schleierreste trägt. Dieser Pilz bekommt
+uns so schlecht, daß man ihn zu den Giftpilzen rechnen kann. Von oben
+gesehen, ähnelt ihm der zimtbraune Hautkopf (<em class="antiqua">Dermocybe cinnamomea</em>). Aber
+sein Fleisch ist gelb, nicht rötlich wie bei jenem. Stiel zitronengelb; Lamellen
+zimtgelb. Seine große Veränderlichkeit narrt sogar den Pilzkenner. – Birken
+zieren den Weg und darunter das Violettrosa des Heidekrautes, von dem wir
+uns einen Strauß mitnehmen dürfen, weil es massenhaft vorkommt. – Sehr
+häufig begegnen wir dem Heideschleimfuß (<em class="antiqua">Myxacium mucosum</em>), von Ricken
+kompakter Schleimfuß genannt. Er fällt schon von weitem durch den zimtgelben
+Hut auf. Seine zimtbraunen, fast gedrängten Lamellen sind meist ausgebuchtet
+angewachsen. Obwohl sein blaßvioletter Stiel und sein Hut mit
+Schleim überzogen sind, wird er oft gegessen. – Von ferne ähnelt ihm der hier
+auch wachsende, aber viel seltenere goldgelbe Gürtelfuß (<em class="antiqua">Telamonia gentilis</em>).
+Er hat einen goldgelben, zwei bis vier Zentimeter breiten Hut, der meist spitz
+gebuckelt ist. Sein innen und außen goldgelber Stiel ist schwefelgelb gegürtelt.
+Lamellen zimtgelb, breit und sehr entfernt. – Etwas häufiger als dieser ist
+der rotgebänderte Gürtelfuß (<em class="antiqua">Telamonia armillata</em>). Ihn erkennt man sofort
+an den zinnoberroten Ringen, die den bräunlichen Stiel schmücken. Sein feinschuppiger
+Hut sieht rotbräunlich aus. – Hurra, auch den Blut-Egerling
+(<em class="antiqua">Psalliota silvatica</em>), den viele noch Wald-Champignon nennen, finden wir in
+größerer Anzahl. Sein Name weist auf das Rotanlaufen seines wohlschmeckenden
+Fleisches hin. Auf einem bräunlichen, feinbeschuppten, braunberingten
+Stiele ein gelbbrauner, fünf bis acht Zentimeter breiter Hut mit umbrabraunen
+Schuppen. Das Rotgrau der Lamellen geht über rotbraun zu sepia
+über. – Der viel größere hohlstielige Riesen-Egerling (<em class="antiqua">Psalliota perrara</em>),
+der am braungelben, flockigen Hute und am gelbberingten, blassen, hohlen
+Stiele erkenntlich ist, kommt in der Dresdner Heide selten vor. Dasselbe gilt
+von einem anderen großen Pilze, dem Riesen-Ritterling (<em class="antiqua">Trichol. colossus</em>).
+Zinnoberbräunlich sind bei ihm Hut, Stiel und Lamellen. Das Fleisch nimmt
+nach Anschnitt langsam eine ziegelrote Färbung an. Den obersten Teil des
+sehr dicken und kurzen Stieles bildet eine weißliche, kleiige Zone. Dieser
+Riese, dessen Hut bis zwanzig Zentimeter breit wird und der selten ganz aus
+der Erde hervorkriecht, kann gegessen werden. Daß er und viele andere Pilze
+in der Dresdner Heide immer seltener werden, liegt nicht bloß an dem rücksichtslosen
+Ausbeuten, sondern auch an der Unart mancher Menschen, alle Pilze
+umzustoßen. Sie denken nicht daran, daß damit die Vermehrungsfähigkeit
+der Pilze gemindert wird. Sie wissen vermutlich auch nicht, daß die Pilze durch
+die Tätigkeit ihres Mycels den Boden erschließen helfen. – In der Nähe des
+Sandschluchtweges finden wir zwei sehr umstrittene Täublinge, die wir aus<span class="pagenum" id="Seite_215">[215]</span>
+dem bereits erwähnten Grunde bis auf weiteres nach Ricken benennen. Der
+eine ist der glänzende (<em class="antiqua">R. nitida</em>), so genannt, weil sein dunkelpurpurner, meist
+gebuckelter, riefrandiger Hut glänzt. Die neapelgelben Lamellen stehen gedrängt
+und sind am Grunde aderig verbunden. Der weißliche, glatte, zylindrische
+Stiel ist gebrechlich. – Der andere heißt anlaufender (<em class="antiqua">R. Linnaei</em>),
+weil sein weißes Fleisch an der Luft bräunlichgelb anläuft. Außerdem ist er
+am Heringsgeruch und an dem stark gerunzelten, meist geröteten Stiel erkenntlich.
+Sein blutroter Hut hat immer eine glanzlose, schwarze Scheibe
+und einen kaum gerieften Rand. – Leichter zu bestimmen ist der kohlige
+Täubling (<em class="antiqua">R. nigricans</em>). Ihn erkennt man an den gelblichen, dicken, entfernten,
+ungleichen Lamellen, deren Schneide nach Berührung erst rötlich und
+später schwarz wird. Der bis zu vierzehn Zentimeter breit werdende Hut ist erst
+graubraun, wird aber bald schmutzigsepia. Dasselbe gilt von seinem kurzen,
+harten Stiele. Das Fleisch rötet. Aber der sonst ähnliche angeräucherte Täubling
+(<em class="antiqua">R. adusta</em>) hat unveränderliches Fleisch und dünne, gedrängte Lamellen.
+Beide sind zwar eßbar, stoßen aber durch die Härte ihres Fleisches ab. In der
+Nähe des Prießnitzbades sichten wir noch den Feld-Trichterling (<em class="antiqua">Clitocybe
+dealbata</em>). Das Weiß des vier Zentimeter breiten Hutes neigt in grau, der
+Hutrand ist eingerollt. Die weißlichen Lamellen sind dünn, gedrängt und kaum
+herablaufend. Der weiße, zylindrische, flockige Stiel ist vier Zentimeter hoch.
+Das weiße, milde, eßbare Fleisch riecht und schmeckt nach Mehl. Ricken schreibt
+zwar, daß er außerhalb des Waldes vorkomme, aber ich habe ihn mit
+Herrmann hier am Wege gefunden. –</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-059">
+ <img class="w100" src="images/illu-059.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 13. <b>Hallimasch</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Nun kehren wir im Klotzscher Bahnhof ein. Hernach durchstöbern wir den
+zur Heide gehörigen Klotzscher Waldpark und das südlich davon gelegene Waldgebiet.
+Da entnehmen wir einem prächtigen Moospolster den keulenfüßigen
+Trichterling (<em class="antiqua">Clitocybe clavipes</em>): auf einem braungrauen Stiele mit dickkeuliger
+Basis sitzt ein ebenso gefärbter, tiefgetrichterter, schwachgebuckelter
+Hut, der gelbweiße, schmale, herablaufende Lamellen hat. – Und dort vor der
+stattlichen Buche eine Menge Flaschenstäublinge (<em class="antiqua">Lycoperdon gemmatum</em>,
+<a href="#illu-058">Abb. 12</a>), bovistähnliche, flaschenförmige, weißliche Pilze, die mit zerbrechlichen
+Stacheln massig bedeckt sind. Jung genießbar. Die älteren haben eine graubräunliche
+Färbung. – Von feuchten Stellen leuchtet uns der orangerote
+Schüsselpilz entgegen (<em class="antiqua">Aleuria aurantiaca</em>), zwei bis zehn Zentimeter große,
+orangerote Näpfchen, deren Außenseite etwas blasser ist. In der Farbe ähnlich,
+aber kleiner und flacher ist der spindelsporige Schüsselpilz (<em class="antiqua">Humaria ollaris</em>),
+den wir in dieser Gegend auch finden können. – Weiter nach Süden zu fallen
+uns noch einige Schnitzlinge auf, der weißschneidige (<em class="antiqua">Naucoria tenax</em>): ein
+höchstens drei Zentimeter breiter, ockerbräunlicher, durchscheinend geriefter
+Glockenhut mit rostbraunen, weißschneidigen Lamellen sitzt auf einem rotbraunen,
+gleichdünnen Stiele, der blasse Schüppchen trägt. Sodann der
+braungrüne Schnitzling (<em class="antiqua">Naucoria myosotis</em>) auf Buchenlaub. Ihn erkennen
+wir sofort an den blaugrünlichen Stellen des sonst bräunlichen, im Alter gilbenden
+Glockenhütchens. Seine anfangs weißen, später rostbraunen Lamellen<span class="pagenum" id="Seite_216">[216]</span>
+haben eine weiße, gesägte Schneide. Sein blaßbräunlicher, gefaserter, schlanker
+Stiel hat eine bereifte Spitze. – Nachher einer, der uns durch seinen braunschwarzen
+Stiel und seinen gurkenähnlichen Geruch sofort auffällt, es ist der
+Gurken-Schnitzling (<em class="antiqua">Naucoria cucumis</em>). Der drei Zentimeter breite,
+kastanienbraune Kegelhut hat einen gelblichen Rand, der im feuchten Zustande
+durchscheinend gerieft ist. Seine rötlichgelben Lamellen sind breit und frei.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-061">
+ <img class="w100" src="images/illu-061.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 14. <b>Großer Gelbfuß</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>September! Unser Pilzeifer wächst in demselben Maße, wie die Tageshelle
+abnimmt. Wir verlassen die Linie 11 bei der Saloppe und gehen nochmals
+durch den Schotengrund. Hier finden wir zunächst den galligen Täubling
+(<em class="antiqua">Russ. fellea</em>), ockerblaß in allen Teilen und scharf schmeckend, während der
+ähnliche Ocker-Täubling (<em class="antiqua">Russ. ochracea</em>) mild ist. – Am Südende des Eisenborngrundes
+wächst der graugrüne Milchling (<em class="antiqua">Lactarius blennius</em>), erkenntlich
+am graugrünen, schmierigen Hute, der oft rötliche Flecke zeigt und weißliche,
+sehr gedrängte, herablaufende Lamellen hat. Der etwas blassere Stiel ist
+schmierig, gleichdick und fast grubig. Seine weiße, scharfe Milch sieht eingetrocknet
+graugrün aus. – Weiter oben guckt aus dem Laube des Buchenwaldes
+ein winziges, schwarzes Kerlchen: der bereifte Helmling (<em class="antiqua">Mycena
+atroalba</em>). Hut schwarzbraun, ein bis zwei Zentimeter breit, wie bereift,
+runzlig-gerieft, glanzlos, glockig; Lamellen grau, dick, entfernt, angeheftet;
+Stiel unten schwarz, oben grau, oft verdreht, knorpelig, hohl; Fleisch graubraun,
+mild, geruchlos, saftreich. – An den Absperrungsstangen des ersten
+Teiches wächst die Fenchel-Tramete (<em class="antiqua">Trametes odorata</em>). Sie sitzt am Stamm<span class="pagenum" id="Seite_217">[217]</span>
+wie eine rotbraune, filzige, konzentrisch gefurchte Konsole, deren schlitzlöcherige
+Unterseite zimtfarbig aussieht. – Und gleich daneben der schmucke Zaunblättling
+(<em class="antiqua">Lenzites saepiaria</em>). In Gestalt dem vorigen ähnlich, unterscheidet er
+sich durch seinen kastanienbraunen, gezonten, filzigen Hut, der einen orangerötlichen
+Rand hat. Seine rotgelben, dicken Lamellen sind verzweigt. Sein
+zimtfarbiges, lederhartes Fleisch ist ungenießbar. – An einem Stumpfe sitzen
+rillstielige Helmlinge (<em class="antiqua">Mycena polygramma</em>). Ein drei bis vier Zentimeter
+breiter, hellgrauer, geriefter, nackter Glockenhut sitzt auf einem bläulichgrauen,
+schlanken, glänzenden Stiele, der regelmäßige Längsriefen zeigt.
+Seine weißlichen Lamellen nehmen oft einen rötlichen Ton an. – Nach Überquerung
+der Radeberger Straße streifen wir nördlich dem Forstehrenmale zu.
+In Mengen der blaßgelbe Täubling (<em class="antiqua">Russ. ochroleuca</em>). Der blaßockergelbe,
+sechs bis acht Zentimeter breite Hut mit schwach gerieftem Rand sitzt auf einem
+weißlichen, gerunzelten Stiel. Lamellen weiß, Fleisch scharf. – Ein anderer
+beißender Täubling steht nicht weit davon: der tränende (<em class="antiqua">Russ. sardonia</em>), über
+den die Spezialforscher auch noch nicht einig sind. Ihn erkennt man am
+sichersten an dem schwefelgelblichen Tone der oft tränenden Lamellen, denn
+dieses Gelb haben andere Täublingslamellen nicht. Kennzeichnend ist ferner
+das Rotviolett des Stieles. Die Farbe des Hutes ist veränderlich, meist ist es
+ein trübes Violettrot. Manche halten ihn für giftig, was noch zu beweisen
+wäre. – Lieber als diesen finden wir den eßbaren bereiften Täubling (<em class="antiqua">Russ.
+xerampelina</em>). Sein blaupurpurner Hut ist zart bereift; sein weißer, oft rosa<span class="pagenum" id="Seite_218">[218]</span>
+angelaufener Stiel hat weißes, nicht verfärbendes Fleisch, das am Stielfuße
+nach Jodoform riecht (Schäffer). – Und dort in Massen der Hallimasch (<em class="antiqua">Clitocybe
+mellea</em>, <a href="#illu-059">Abb. 13</a>), von allen Baumfreunden gehaßt, weil er als gieriger Holzzerstörer
+großen Schaden anrichtet. Das Honiggelb seines beschuppten, fünf
+bis zehn Zentimeter breiten Hutes spielt oft ins Grünliche; Lamellen rötlichgelb;
+Stiel braungelb mit aufsteigendem Ring und schwärzender Basis. Seine
+als <em class="antiqua">Rhizomorpha subcorticalis</em> bekannten Mycelstränge dringen meist von der
+Wurzel aus in den Stamm ein. Der Forstmann läßt die erkrankten Bäume
+fällen oder durch Stichgräben von ihren gesunden Nachbarn absondern. Der
+Hallimasch wird gern gegessen. – An einem alten Stumpf der Gallert-Stacheling
+(<em class="antiqua">Tremellodon gelatinosus</em>), von Dr. E. Ulbrich kurz und gut Zitterzahn
+genannt. Ein bräunlicher, gallertartiger, stielloser Hut, der körnigrauh
+und halbkreisförmig ist, zeigt auf der Unterseite bläulichgraue Stacheln.
+Eßbar. An einem anderen Stumpfe eine weiße, breite Haut, die am Rande
+befranst ist, ein großer Rindenpilz (<em class="antiqua">Corticium giganteum</em>). Nachher Kuhpilze
+(<em class="antiqua">Boletus bovinus</em>), die zwar eßbar aber wenig begehrt sind. Ein mittelgroßer,
+rotgelbbräunlicher, schmieriger Hut sitzt auf einem gleichfarbigen, kurzen,
+glatten Stiele, der im Alter unten trübkarmin wird. Seine graugelben,
+kurzen, weiten Röhren sind zusammengesetzt und fast herablaufend. – Auch
+den infolge eifriger Nachstellung immer seltener werdenden Maronenpilz
+(<em class="antiqua">Boletus badius</em>), können wir sammeln. Bekanntlich trägt er auf seinem
+gelbbraunen, glatten, gleichdicken Stiele einen kastanienbraunen Hut mit
+blaßgelben Röhren, die nach Druck blau anlaufen. Bläulich wird an der
+Luft auch das weißliche Fleisch. Weitersuchend gelangen wir an das neue
+Kriegerdenkmal, das in ergreifender Waldeinsamkeit zwischen uralten Buchen
+errichtet ist. Ein verzierter Sandsteinblock, in weitem Bogen von einfachen
+Steinbänken umgeben, zeigt auf der Vorderseite die Inschrift: »In ihren
+geliebten Wald kehrten nicht zurück:« (folgen die Namen der im Weltkrieg gefallenen
+Forstleute). Nachdem wir ihnen ein ehrendes Gedenken gewidmet,
+setzen wir unsere Forschung fort – in der Überzeugung, daß nur ernste Arbeit
+auf allen Gebieten die Schäden des Krieges heilen kann. In nördlicher
+Richtung weitergehend, entdecken wir den Erdfaserkopf (<em class="antiqua">Inocybe geophylla</em>),
+einen kleinen, blaßvioletten Pilz mit faserigem Hut und schmutzigbraunen,
+gedrängten Lamellen. Er kommt auch weiß vor. Sein widerlicher Geruch
+erstickt jede Lust zum Genießen. Von allen Faserköpfen wird nicht ein einziger
+gegessen. – Anders beim folgenden, dem Schmerling (<em class="antiqua">Boletus granulatus</em>).
+Dieser schleimige Röhrling ist gekennzeichnet durch die purpurbraunen Wärzchen,
+die seinen gelben Stiel oben bedecken. Sein bräunlichgelber, fast geflammter
+Hut hat zitronengelbe Röhren, die später olivgelb werden. Genießbar
+wie dieser ist der Butterpilz (<em class="antiqua">Boletus luteus</em>), der sich durch seinen dunkelbraunen,
+geflammten Hut von dem schönen Röhrling unterscheidet. Beide
+sind schleimig und haben gelbe, beringte Stiele. Aber der Ring des Butterpilzes
+sieht fast heidelbeerfarbig aus, während der seines orangegelben
+Doppelgängers blaßgelb ist. – Aus dem Grün einer Fichtenschonung leuchtet<span class="pagenum" id="Seite_219">[219]</span>
+das Rot einiger Fliegenpilze, genau so eine Waldschönheit wie das herbstliche
+Ockergelb des massig vorhandenen Waldgrases. Brr, Fäden im Gesicht! »Altweibersommer!«
+Vielleicht blicken die winzigen Spinnen auf diesen fliegenden
+Fäden mit Mandarinenstolz auf den hoch oben vorüberknatternden Postflieger,
+weil ihre Flugfertigkeit die ältere ist. – Wir lagern uns auf blühender Heide
+und frühstücken. Womit bezauberst du uns nur, o Wald? »Ist es dein Grün,
+dein heimlich Dunkel, dein buntes Blühn, dein wirres Sonngefunkel?« …
+Oder steckt in uns ein Erbteil aus den Zeiten unserer Urväter, die hier ihre
+Götter suchten? – Nun auf und weiter! Wir finden den großen Gelbfuß
+(<em class="antiqua">Gomphidius glutinosus</em>, <a href="#illu-061">Abb. 14</a>), auch Schmierling oder Kuhmaul genannt; er ist
+ein durchaus schleimiger, aber eßbarer Pilz, der uns durch seine lilagrauen, sehr
+entfernten, dicken, weit herablaufenden Lamellen auffällt. Gelbfüßler nennt
+Ricken die ganze Gattung, weil bei allen der untere Teil des Stieles gelb ist.
+Der Hut unseres Pilzes zeigt ein violettliches Schokoladenbraun. – Zwischen
+Heidelbeersträuchern der grüngelbe Knollenblätterschwamm (<em class="antiqua">Amanita mappa</em>,
+<a href="#illu-063a">Abb. 15</a>), dessen Hut mit weißen Hüllresten bedeckt ist. Erkenntlich vor allem
+daran, daß sein Fleisch nach rohen Kartoffeln riecht. Ob dieser gefährliche Giftpilz
+wirklich manchen Menschen bekommt, ist noch zu beweisen. – Unter den
+Eichen des Saugartens, den wir nun erreichen, finden wir auch den sehr giftigen
+olivgrünen Knollenblätterschwamm (<em class="antiqua">Amanita phalloides</em>,
+<a href="#illu-063b">Abb. 16<sup><em class="antiqua">a</em></sup></a>), der
+sich vom grünen Täubling schon durch den Ring und die weitrandige Fußknolle
+am grünlichen Stiel unterscheidet. – Nun schwenken wir halblinks nach Hochmoor
+und Prießnitzgrund. Hier wächst der giftige Pantherpilz (<em class="antiqua">Amanita<span class="pagenum" id="Seite_220">[220]</span>
+pantherina</em>). Hut schwarzbraun mit vielen hellen Hüllresten und gerieftem
+Rand; Lamellen weißlich, gedrängt, fast frei; Stiel weiß, schlank, aufwärts
+verjüngt, mit weißem Ring und einer Fußknolle, deren obere Ränder fast vom
+Stiele abstehen. – Ganz ähnlich sieht der eßbare gedrungene oder graue Wulstling
+aus (<em class="antiqua">Amanita spissa</em>), dessen braungraue Hutfarbe auch dunkel sein kann,
+der aber glatten Hutrand und gerieften Oberstiel hat. Gewöhnlich ist er nicht
+so schlank wie sein glattstieliger Doppelgänger. Da Verwechselungen nicht
+ausgeschlossen sind, mag der Unkundige beide unverspeist lassen. – Von ihren
+Verwandten kommt hier noch der porphyrbraune Wulstling vor (<em class="antiqua">Amanita
+porphyrea</em>), der schon am Lilabraun des Hutes erkannt werden kann. Lamellen
+weiß, fast gedrängt, angeheftet; Stiel violettgrau mit feiner Zickzackschraffierung,
+schmalsaumiger Knolle und einem weißlichen Ring, der auf der
+Unterseite violettgrau aussieht. – Indem wir absteigend der Prießnitz zustreben,
+finden wir in großer Anzahl Zigeuner, nicht solche die stehlen, sondern
+die gestohlen sein wollen. Wir geben unserer Freude durch Jodeln Ausdruck,
+das unsere ebenfalls suchenden Nebenbuhler dort ärgert, aber bei dem gleichgestimmten
+Echo drüben im Steinbruch Mitfreude auszulösen scheint. Dieser
+Pilz (<em class="antiqua">Pholiota caperata</em>), der von Ricken Runzel-Schüppling genannt wird,
+weil sein braungelblicher, bereifter Hut gerunzelt ist, gehört zu den wohlschmeckenden.
+Sein gelblicher, fast zylindrischer Stiel trägt einen dauerhaften,
+hängenden Ring. Seine gelbrötlichen Lamellen haben eine gekerbte Schneide.
+– Nun wandern wir im Prießnitzgrunde ein Stück aufwärts. Da hat sich ein
+Knirps im Grase versteckt: der ledergelbe Schwindling (<em class="antiqua">Marasmius lupuletorum</em>).
+Sein gelbliches, kahles, gewölbtes Hütchen ist etwa drei Zentimeter
+breit und hat einen ausgebogten Rand, so daß er an einen Regenschirm
+erinnert. Der rotbraune, unten fast schwarze Stiel ist flockig und hat eine
+weißkleiige Spitze. Die gelblichen, dicken, breiten Lamellen stehen sehr entfernt
+und sind breit angeheftet. Das gelbliche Fleisch schmeckt herb und ist
+nicht genießbar. – An feuchten Stellen wächst der linsenförmige Rübling
+(<em class="antiqua">Collybia clusilis</em>): auf einem grauen, knorpeligen Stiele ein braungrauer,
+genabelter, ausblassender Hut, der etwa zwei Zentimeter breit ist und einen
+eingebogenen Rand hat; die weißlichen, breiten Lamellen stehen gedrängt und
+laufen etwas am Stiel herab. – Dort, wo die Bachstelze aufflog, scheint auch
+etwas zu stehen. Ganz recht, der ungestielte Krempling (<em class="antiqua">Paxillus panuoides</em>):
+ein ockerbräunliches, flaumiges, unregelmäßiges Hutgebilde mit olivgelben,
+verästelten Lamellen, die in einem exzentrischen Punkte strahlig zusammenlaufen.
+– Auf einer Brandstelle, wo vielleicht Wandervögel freventlich abgekocht haben,
+der Kohlen-Nabeling (<em class="antiqua">Omphalia maura</em>): auf schwarzem Stiel ein olivschwärzlicher,
+glänzender, faseriger Hut, der vier Zentimeter breit ist; Lamellen weiß.
+Er riecht nach Mehl. – Ah, bist du auch schon heraus, schwarzpunktierter
+Schneckling? (<em class="antiqua">Limacium pustulatum</em>). Unter seinem grauen Hute mit braunem,
+warzigem Scheitel gewahren wir blauweißliche, dicke, entfernte Lamellen,
+die weit herablaufen. Der weiße Stiel dieses eßbaren Pilzes hat oben
+schwarze Pustelchen. – Auf morschem Laub der grüne Träuschling (<em class="antiqua">Stropharia<span class="pagenum" id="Seite_222">[222]</span>
+aeruginosa</em>). Sein spangrüner, schmieriger, mittelgroßer Hut ist meist mit
+weißen Schüppchen besetzt. Der gleichfarbige Stiel ist unterhalb des bräunlichen
+Ringes schuppig. Die Lamellen sind erst rötlichgrau, dann kaffeebraun.
+Dieser eßbare Pilz gilbt im Alter oft so sehr, daß man ihn kaum wiedererkennt.
+– Der schuppige Träuschling (<em class="antiqua">Stropharia squamosa</em>), den wir an
+seinem strohgelben, regelmäßig beschuppten Hute erkennen, ist hier auch anzutreffen.
+– Dasselbe gilt vom zimtfuchsigen Wasserkopf (<em class="antiqua">Hydrocybe jubarina</em>),
+den wir aber heute nicht finden können. –</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-063a">
+ <img class="w100" src="images/illu-063a.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 15. <b>Grüngelber Knollenblätterschwamm</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Auf weichem Moose ruhn wir aus. »Über allen Wipfeln ist Ruh …, die
+Vögelein schweigen im Walde«. Doch da kommt Ersatz. Es ist eine Mädchenschar,
+die da singend wandert. Alte Lieder aus jungem Munde, sie preisen die
+Schönheit der Welt. – Auch wir setzen unsere Wanderung fort, biegen kurz
+vor der Heidemühle links ab, um erst den rotgrün markierten Hutungsweg
+und dann den Kuhschwanzweg bis zum Dachsenberg zu verfolgen. Bald zeigt
+sich uns der Lila-Dickfuß (<em class="antiqua">Inoloma traganum</em>,
+<a href="#illu-064">Abb. 16<sup><em class="antiqua">b</em></sup></a>), erkenntlich am safrangelben
+Fleische. Der derbe, seidige, später gilbende Hut und der keulige Stiel
+sind blaßlila, die gekerbten, breiten, entfernten Lamellen erst safrangelb und
+später olivbraun. Er gilt als ungenießbar, aber ich aß ihn mit anderen
+gemischt – ohne Schaden. – Am Stumpfe da der samtige Tannenflämmling
+(<em class="antiqua">Flammula sapinea</em>). Der am Rande orangegelbe, nach der Mitte zu orangebräunlich
+werdende Hut ist samtig und drei bis neun Zentimeter breit. Die
+angewachsenen, breiten Lamellen sind erst gummiguttgelb, später ockerrot und<span class="pagenum" id="Seite_223">[223]</span>
+bräunen an Wundstellen. Der gefurchte Stiel ist oben gelb und unten braun.
+Ungenießbar. – In dieser Gegend wächst auch der Nadel-Flämmling (<em class="antiqua">spumosa</em>),
+sowie der derbfleischige (<em class="antiqua">fusa</em>). – Dann bemerken wir den Runzelhut
+(<em class="antiqua">Myxacium elatius</em>), auch hoher Schleimfuß genannt. Auf einem blaßvioletten,
+hohen, in der Mitte ausgebauchten Stiele sitzt ein gelbbrauner, gerunzelter
+Kegelhut, der rostbraune, quergerunzelte, breite Lamellen hat und wie der
+Stiel schmierig ist. Eßbar. – Und was steht dort am Stumpf? Der blauende
+Porling (<em class="antiqua">Polyporus caesius</em>): kleine, bläuliche, scharfrandige Muscheln mit
+weißen, kurzen Röhren, die nach Berührung blaufleckig werden. Selbst das
+Fleisch ist bläulich durchzogen. – Auch der Lackporling (<em class="antiqua">Placodes lucidus</em>)
+kann in der Heide gefunden werden, besonders am Grunde der Eichen. Hut
+und Stiel sind bei ihm mit einer glänzenden, braunroten Schicht überzogen, als
+wäre er lackiert. – Ah, dort lockt uns der orangerote Milchling (<em class="antiqua">Lactarius
+aurantiacus</em>). Wir erkennen ihn an dem Orangerot seines ungezonten Hutes,
+der etwa vier Zentimeter breit und fast gebuckelt ist. Sein gleichfarbiger
+Stiel ist bereift und grubig, seine Lamellen sind etwas blasser und weißstaubig.
+Die bleibendweiße Milch schmeckt mild, so daß wir ihn genießen können. –
+Häufiger als dieser ist der ebenfalls orangegelb gefärbte falsche Eierschwamm
+(<em class="antiqua">Cantharellus aurantiacus</em>), der nach neuerer Forschung (Neuhoff) zu den
+Trichterlingen gehört. Von dem bekannten echten Eierschwamm unterscheidet
+er sich besonders durch die gelbrote Färbung seiner Lamellen. Er kann auch
+gegessen werden. – Aufgeschaut! Dort oben kreuzen Hirsche unsern Pfad!
+Sie ahnen kaum, wie hold wir ihnen sind. – Nicht weit vom Weg der violette
+Stacheling (<em class="antiqua">Hydnum violascens</em>). Der weißrandige Hut ist trübviolett und
+samtig. Die spitzen, dünnen Stacheln sind und bleiben weiß. Der ungleichdicke,
+kurze Stiel sieht wie der Hut aus. Seltener ist hier der schwarze Stacheling
+(<em class="antiqua">Hydnum nigrum</em>), dessen Hut und Fleisch fast schwarz aussehen. Mitten
+im Preißelbeergewimmel hocken kastanienbraune Rüblinge (<em class="antiqua">Collybia
+butyracea</em>), auch Butterrüblinge genannt. Wir erkennen diesen mittelgroßen
+Pilz an dem rotbraunen, furchigen, keulig verdickten Stiele und den gekerbten,
+gelblichen, breiten Lamellen. Er ist genau so gut eßbar wie sein Systemnachbar,
+der horngraue Rübling (<em class="antiqua">Collybia asema</em>), der auf einem graubraunen,
+gerillten, keuligen Stiele einen grauen, gerieftrandigen, gebuckelten Hut
+trägt, welcher drei bis sechs Zentimeter breit wird. – Am Ochsenkopfweg angelangt,
+schwenken wir westlich ab nach dem Lerchenweg und der Hofewiese zu,
+weil der bewaldete Dachsenberg keine Aussicht bietet. Dabei entdecken wir
+den dunkelgenabelten Anis-Trichterling (<em class="antiqua">Clitocybe suaveolens</em>). Sein bräunlicher,
+kleiner Trichterhut hat dunkelbraunen Nabel und durchscheinend gerieften
+Rand. Die gelblichen, gedrängten Lamellen laufen herab. Der braunrötliche
+Stiel ist unten verdickt. Dieser gesellig wachsende Trichterling duftet
+nach Anis und verblaßt bei trockenem Wetter. – Vor dem Farnkraut, wo
+soeben eine Ringelnatter verschwand, steht ein seltener Wasserkopf: der gelbgeschmückte
+(<em class="antiqua">Hydrocybe saniosa</em>). Der ockerrötliche, vier bis fünf Zentimeter
+breite Hut fällt durch seine hohe Spitze auf. Der rötlichgelbe, schlanke, verbogene<span class="pagenum" id="Seite_224">[224]</span>
+Stiel ist mit gelben Schuppen geschmückt. Die zimtgelben, hellschneidigen
+Lamellen sind buchtig angewachsen und stehen fast entfernt. – Von seinen
+Verwandten gibt es hier noch den eingeknickten Wasserkopf (<em class="antiqua">Hydrocybe
+angulosa</em>): Stiel und Hut orangerötlich, Rand eingeknickt, sowie den violettblättrigen
+(<em class="antiqua">castanea</em>), den wir außer an seinen violetten Lamellen an dem
+sepiabraunen Hute erkennen. Den samtigen Wasserkopf (<em class="antiqua">Hydrocybe Junghuhnii</em>)
+habe ich nur einmal in der Dresdner Heide gefunden. Er hat auf rostbraunem,
+schlankem Stiele einen etwa drei Zentimeter breiten, zimtbraunen,
+samtigen, spitzgebuckelten Kegelhut, der trocken gelblich aussieht und zimtgelbe
+Lamellen hat. Sein ungenießbares Fleisch ist dunkelrostbraun. – Als große
+Grasinsel mitten im Wald liegt vor uns die Hofewiese, die wir nun betreten. Hier
+finden wir den schwärzenden Saftling (<em class="antiqua">Hygrocybe conica</em>), dessen spitzer, später
+schwärzender Kegelhut wie eine orangerote Blume aus dem grünen Grase hervorleuchtet.
+Sein Stiel ist goldgelb und oft verdreht. Seine dicken, freien
+Lamellen sehen blaßgelb aus. Er ist eßbar. Dasselbe gilt von dem daneben
+stehenden stumpfen Saftling (<em class="antiqua">Hygrocybe chlorophana</em>), der einen zitronengelben,
+später verblassenden, schmierigen Glockenhut hat, welcher auf einem
+grünlichgelben, glanzlosen Stiele sitzt. Die blaßzitronengelben, dicken, entfernten
+Lamellen sind ausgerandet = angeheftet. – Endlich Rast und Atzung.
+Der Rucksack liefert Wurst und Brot, die Wirtin kocht den Kaffee.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-063b">
+ <img class="w100" src="images/illu-063b.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 16<sup><em class="antiqua">a</em></sup>. <b>Olivgrüner Knollenblätterschwamm</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Dann geht es stracks zum Weißen Hirsch; rotgrün ist unser Weg markiert.
+Am Wegrand da ein winzig Kerlchen. Auf grauem Stiel ein schwärzlicher,
+geriefter Glockenhut; Lamellen grau. Aus dem geknickten Stiel fließt weiße
+Milch. Aha, der weißmilchende Helmling (<em class="antiqua">Mycena galopus</em>). – Hier neben
+grauen Becherflechten noch ein kleiner, der aussieht wie ein Schirm: der gefaltete
+Nabeling (<em class="antiqua">Omphalia umbellifera</em>). Der braungraue, gerippte Hut ist
+ein Zentimeter breit; Lamellen weißlich, breit, entfernt; Stiel grau, dünn,
+bereift. – Sodann auf faulenden Pilzen der stäubende Zwitterling (<em class="antiqua">Nyctalis
+asterophora</em>) in großer Zahl: auf weißlichem, verbogenem Stielchen ein weißes,
+flockiges, halbkugeliges Hütchen, das höchstens zwei Zentimeter breit ist; die
+weißlichen, dicken Lamellen stehen entfernt; er riecht und schmeckt nach Mehl.
+– Im Dickicht Hartpilze (<em class="antiqua">Tricholoma robustum</em>). Am roströtlichen Stiele bemerken
+wir oben eine weißliche, ringartige Wulst, über welcher der Stiel
+weißlich aussieht und blaßschuppig ist. Der kastanienbraune, randwärts mehr
+ins Rote gehende Hut ist etwa zehn Zentimeter breit. Seine gelblichen, breiten,
+gedrängten Lamellen sind tief ausgebuchtet. – Seltener als dieser ist in der
+Heide der fast beringte Ritterling (<em class="antiqua">Tricholoma albobrunneum</em>), der wie der
+vorige oben am braunroten Stiele eine scharf abgegrenzte, weiße, mehlige
+Zone hat, so daß er beringt erscheinen kann. Der rotbraune, schleimige Hut
+hat eine warzige Scheibe und rötliche, breite, gedrängte Lamellen. Das weiße,
+nach Mehl riechende Fleisch hat bitteren Nachgeschmack, wird aber von manchen
+gegessen. – Und was leuchtet dort vom dicken Stumpf? Feuergelbe Schüpplinge
+(<em class="antiqua">Pholiota flammans</em>). Der beringte Stiel und der mittelgroße Hut sind
+feuergelb und ruppigschuppig. Die goldgelben, gedrängten, sehr schmalen Lamellen<span class="pagenum" id="Seite_225">[225]</span>
+sind ausgerandet = angeheftet und werden im Alter roströtlich. Sein
+zitronengelbes Fleisch riecht nach Rettich und ist ungenießbar. Aber der hier
+auch vorkommende sparrige Schüppling (<em class="antiqua">Pholiota squarrosa</em>) kann gegessen
+werden. Er riecht wie der vorige, ist aber rötlichocker gefärbt und etwas
+größer.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-064">
+ <img class="w100" src="images/illu-064.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 16<sup><em class="antiqua">b</em></sup>. <b>Lila-Dickfuß</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Die nächste Pilzfahrt unternehmen wir Anfang Oktober, nachdem wir beim
+Wilden Mann die Linie 6 verlassen haben. Im Walde angelangt, suchen wir
+rechts und links der Großenhainer Straße und finden zunächst die Herbstlorchel
+(<em class="antiqua">Helvella crispa</em>). Der Hut ist ein hellgelbes, vielfach gelapptes Gebilde,
+dessen Ränder etwas am Stiele herabhängen. Der gleichfarbige, dicke,
+nach oben verjüngte Stiel hat ungleiche Gruben. Obschon bei Lorcheln Vorsicht
+geboten ist, sammeln wir ihn und die übrigen zum Verspeisen. – Indem
+wir rechts abbiegend der Schänke »Zum letzten Heller« zustreben, gewahren
+wir den Birken-Porling (<em class="antiqua">Placodes betulinus</em>). Der rotbraune, ungezonte,
+kahle, dicke Hut sitzt konsolig am Birkenstamm. Seine weißen Röhren sind
+kurz und eng. Sein reinweißes Fleisch ist korkig. – Sodann bemerken wir
+nierenförmige Wärzlinge (<em class="antiqua">Thelephora terrestris</em>). Wie braune, weißrandige
+Filzlappen überkriechen sie den mageren Sandboden. Auch der trichterförmige
+Wärzling (<em class="antiqua">Thelephora caryophyllea</em>) ist in der Dresdner Heide zu finden. – An
+einem Baumstumpfe rauchblättrige Schwefelköpfe (<em class="antiqua">Hypholoma capnoides</em>), so
+genannt, weil die Unterseite seines zitronengelben Hutes bläulichgraue Lamellen
+zeigt. Sein Stiel sieht fuchsrot aus. Da er zu den fünf genießbaren
+Saumpilzen gehört, pflücken wir einige Büschel für die Küche. Aber den ganz
+ähnlichen daneben mit grünlichen Lamellen empfehlen wir nur unseren ärgsten
+Feinden, es ist der büschelige Schwefelkopf. Weniger häufig als dieser ist in
+der Heide der ziegelrote Schwefelkopf (<em class="antiqua">Hypholoma sublateritium</em>), den wir an
+seiner fuchsroten Farbe erkennen, noch seltener der an Laubholzstümpfen
+wachsende zartbehangene Saumpilz (<em class="antiqua">Hypholoma hydrophilum</em>). Sein kastanienbrauner
+Hut hat einen durchscheinend gerieften Rand, der meist mit kurzen
+Hüllresten behangen ist. Die bräunlichen, dünnen Lamellen stehen gedrängt
+und haben meist eine weiße Schneide. Der bräunliche, hohle Stiel ist wellig-uneben.
+Die letzten beiden sind genießbar. – Nun besuchen wir den Olterstein,
+einen mächtigen erratischen Block, welcher der Frühlingsgöttin Oldera
+geweiht war. Dann ersteigen wir die Hellerhöhe, von der aus früher manch
+eine Rauchsäule aufgestiegen sein mag, entweder zur Versöhnung der Götter
+oder zur Warnung vor nahenden Feinden. Hier lagern wir und überblicken
+den unten liegenden Exerzierplatz. Er erinnert uns an die Sandwehen, die früher
+in der Heide eine Plage waren, erinnert auch an die später hier vollzogenen
+militärischen Übungen. Vorbei, vorbei! »Das Alte stürzt, es ändert sich die
+Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen.« – Nordöstlich nach Hellerau zu
+streichend, kommen wir in einen Birkenhain. Da sichten wir den gelbblättrigen
+Ritterling (<em class="antiqua">Tricholoma flavobrunneum</em>): Auf einem rotbraunen,
+faserigen, nach unten verjüngten Stiele ein gleichfarbiger, gebuckelter, faseriger
+Hut mit blaßgelben, rotschneidigen, ausgebuchteten Lamellen. Eßbar.<span class="pagenum" id="Seite_226">[226]</span>
+Aber nicht der daneben, der striegelige Schichtpilz (<em class="antiqua">Stereum hirsutum</em>). An
+diesem gelblichen, stiellos aufsitzenden Hautgebilde fällt uns besonders die
+orangegelbe, glatte Unterseite auf. – Das Laub der Birken wird schon fahl.
+»Hier muß man im Frühling sein, wenn der Mai das sehnende Lichtgrün des
+zierlichen Birkenwaldes hervorgezaubert hat. Dann werden die Reihen zu
+festlichen Aufzügen« (Bölsche). Nun wieder in den Kiefernwald! Wir finden
+den massigen Schleimkopf (<em class="antiqua">Phlegmacium saginum</em>). Auf einem blaßvioletten,
+ausgebauchten Stiele sitzt ein löwengelber, schmieriger Hut, der acht bis zwölf
+Zentimeter breit ist und blaßbräunliche Lamellen hat. Letztere sind aber bei
+den jungen blaßlila. Diese Veränderlichkeit macht bekanntlich das Studium
+der Schleierlinge schwer. Am tollsten treibt es der hier auch vorkommende
+verfärbende Schleimkopf (<em class="antiqua">Phlegmacium largum</em>). Sein Hut, anfangs lilablau,
+bräunt sich im Alter dermaßen, daß schließlich keine Spur von lila mehr
+vorhanden ist. Die gedrängten, ausgebuchteten Lamellen gehen von lila über
+braungelb zu zimtbraun über. Auch der kurze, knollige, zartviolette Stiel
+blaßt später aus. – Dicht geschart steht hier der Nadelschwindling (<em class="antiqua">Marasmius
+perforans</em>). Er trägt auf schwarzbraunem, glanzlosem Stielchen einen
+blaßbräunlichen, runzeligen Hut, der höchstens eineinhalb Zentimeter breit
+wird. Von seinen rötlichen, ungleichen Lamellen gehen nur wenige bis
+an den Stiel heran. Weil sein Fleisch – gerieben – nach Knoblauch riecht,
+wird er von manchen mit dem geruchsgleichen Küchenschwindling (<em class="antiqua">Mousseron</em>)
+verwechselt, der aber größer ist und einen fleischrötlichen Stiel hat. Verzeihlicher
+ist eine Verwechselung mit dem hier massenhaft vorkommenden Roßhaarschwindling
+(<em class="antiqua">Marasmius androsaceus</em>), dessen winziger, fahlbrauner Hut nicht
+gerunzelt, sondern regelmäßig gerieft ist. – Nördlich vom Heller fällt uns das
+häufige Vorkommen des rosaroten Gelbfußes auf (<em class="antiqua">Gomphidius roseus</em>). Der
+kleine, schmierige, stumpfe Hut ist schmutzigrosa. Die weißen, entfernten,
+herablaufenden Lamellen sind schwarz bestäubt. Der rötliche, fast beringte
+Stiel ist unten gelb und zugespitzt. Auch der kupferrote Gelbfuß kommt hier
+vor (<em class="antiqua">Gomphidius viscidus</em>). Größer als der vorige, zeichnet er sich besonders
+durch die kupferrote Färbung seines klebrigen Kegelhutes aus. Er hat gleichfarbigen
+Stiel und graue Lamellen. Alle Gelbfüße sind eßbar. Aber der dort
+nicht. Ein Schwefelkopf? Nein, der schwefelgelbe Flämmling (<em class="antiqua">Flammula
+flavida</em>). Der schwefelgelbe, vier bis sieben Zentimeter breite Hut hat rotgelbe
+Lamellen. Der faserige, ungleichdicke Stiel ist oben schwefelgelb, unten
+rostbräunlich. Das zitronengelbe Fleisch ist fast geruchlos.</p>
+
+<p>Nach erquickender Einkehr im Schänkhübel wandern wir auf einem südlich
+ausbiegenden Umwege durch den Klotzscher Waldpark dem Prießnitzgrunde zu.
+Hierbei sammeln wir in Buchennähe den plattfüßigen Klumpfuß (<em class="antiqua">Phlegmacium
+pansa</em>). Der junge ist erkenntlich an den purpurblauen Lamellen, die allerdings
+später zimtfarbig werden. Der fünf bis zehn Zentimeter breite, orangefuchsige,
+meist gefleckte Hut hat einen blassen, filzigen, eingeknickten Rand.
+Der knollenlose, gelbliche Stiel sieht an der Spitze meist blaßviolett aus. –
+Der Elfenbein-Schneckling (<em class="antiqua">Limacium eburneum</em>), ist nun auch heraus.<span class="pagenum" id="Seite_227">[227]</span>
+Diesen eßbaren, weißen Pilz erkennt man an seinen dicken, entfernten, herablaufenden
+Lamellen. – Neben einer stattlichen Kiefer stehen mehrere Exemplare
+vom lilafüßigen Schleimkopf (<em class="antiqua">Phlegmacium compar</em>): auf weißem, oben
+bläulichem Stiel ein löwengelber, zwei bis fünf Zentimeter breiter, schleimiger
+Hut, der bräunlich-gelbe Lamellen hat, die später zimtfarbig werden. Genießbar.
+– Und da auf einem faulenden Täubling der weiße Sklerotien-Rübling
+(<em class="antiqua">Collybia tuberosa</em>). Weißliche, kaum ein Zentimeter breite, gebuckelte
+Hütchen mit weißen, gedrängten Lamellen sitzen auf bräunlichen,
+dünnen Stielchen. – Nun lenken wir in den Prießnitzgrund ein, der im Herbst
+seine volle Schönheit entfaltet, so daß man von einer Waldsymphonie sprechen
+kann. Das Goldocker besonnter Buchen und das Dunkelkarmin der Roteichen
+hebt sich vom melancholischen Dunkelgrün der Nadelbäume reizvoll ab. Da
+gibt es Kiefern, die der Forstmann gnädig über hundert Jahre alt werden ließ,
+so daß sie nun erst ihre eigenartige Schönheit entwickeln können. Da ragen
+Fichten und Tannen, die vielleicht doppelt so alt sind, so daß wir an den
+Schwarzwald erinnert werden. Und zwischendurch schlängelt murmelnd die
+Prießnitz, in deren hellem Wasser sich Forellen tummeln und grüne Polster flutender
+Wasserpflanzen schaukeln. Ein Paradies für Eisvogel und Wasseramsel
+und auch für uns. Der Mannigfaltigkeit des Baumwuchses entspricht die der
+Pilzflora. Auf dem breiten Stumpfe einer Erle wuchert der fleischrote Gallertbecher
+(<em class="antiqua">Coryne sarcoides</em>): trübviolettrote, kelchförmige Fruchtscheiben, die
+etwa ein Zentimeter breit sind und sich gallertartig anfühlen. Auch der ihm verwandte
+Schmutzbecherling (<em class="antiqua">Bulgaria polymorpha</em>) ist hier an Laubholzstämmen
+zu finden: schwarze, flache Näpfchen, die zwei bis vier Zentimeter hoch und
+breit werden. – Und dort der glänzende Gürtelfuß (<em class="antiqua">Telamonia rigida</em>). Er
+hat einen kastanienbraunen, glänzenden, drei bis fünf Zentimeter breiten
+Kegelhut, der durch seinen weißen Rand auffällt. Seine bräunlichen Lamellen
+stehen fast gedrängt. Der ockerbräunliche Stiel ist meist undeutlich gegürtelt.
+– An einem Stamme der abgeflachte Schichtporling (<em class="antiqua">Placodes applanatus</em>):
+nierenförmige Konsole, die mit einer braungrauen, pergamentartigen Schicht
+überzogen sind und unten weiße, enge Röhren zeigen. – Zwischen grünem
+Moos der ockergelbe, schuppige Amiant-Schirmling (<em class="antiqua">Lepiota amianthina</em>), ein
+kleiner, kegelhütiger Pilz mit gelben Lamellen. Von seinen Verwandten gibt
+es hier außer den früher erwähnten den rostroten Schirmling (<em class="antiqua">Lepiota granulosa</em>):
+Hut zimtrot, körnig, vier bis fünf Zentimeter breit mit gelblichweißen,
+abgerundeten Lamellen; Stiel wie Hut gefärbt aber blasser und nie knollig.
+Ferner den starkriechenden (<em class="antiqua">Lepiota carcharias</em>). Ihn erkennen wir schon an
+dem häßlichen, leuchtgasähnlichen Geruch, sowie an dem Rötlichgrau seines
+körnigen, mittelgroßen Kegelhutes und seines ebenfalls körnigen, aufsteigend-beringten
+Stieles.</p>
+
+<p>Unser letzter Ausflug erfolgt Mitte Oktober. Wir schlagen zum zweiten
+Male die Richtung des Kannhenkelweges ein. Nördlich vom Militärlazarett
+stehen in großer Menge die eßbaren graublätterigen Ritterlinge (<em class="antiqua">Tricholoma
+terreum</em>). Der mittelgroße, mäusegraue, filzige Hut hat blaßgraue, gekerbte<span class="pagenum" id="Seite_228">[228]</span>
+Lamellen. Der graue, faserige, gleichdicke Stiel hat eine mehlige Spitze. Sein
+geruchloses, mildes Fleisch schmeckt schwach nach Mehl. – Weiter nördlich
+erbeuten wir einen seltenen, den rötenden Ritterling (<em class="antiqua">Tricholoma leucocephalum</em>),
+so genannt, weil seine weiße Farbe später in gelbrötlich übergeht.
+Der schwachgebuckelte, dünnfleischige Hut wird fünf bis sechs Zentimeter breit.
+Die weißlichen, gedrängten, breiten Lamellen sind meist ausgebuchtet. Der
+faserige (nicht geriefte) Stiel ist abwärts verjüngt. Selbst das mehlartig
+schmeckende, weißliche, genießbare Fleisch läuft rötlich an. Auch den rußiggestreiften
+Ritterling (<em class="antiqua">Tricholoma portentosum</em>) treffen wir nun an. Hut
+grau, durch violettschwarze Fäden gestreift; Lamellen gelblichweiß, ziemlich
+dick; Stiel grünlichweiß und gefasert. Eßbar. Endlich auch einen Grünling
+(<em class="antiqua">Tricholoma equestre</em>), der sich als Marktpilz und durch seine grüngelbe
+Färbung so eingeprägt hat, daß eine Beschreibung überflüssig erscheint. – Am
+Wegrand da der Winter-Fälbling (<em class="antiqua">Hebeloma hiemale</em>). Er verrät sich uns
+durch die bräunliche Mitte seines graugelben Hutes und durch die kleiige
+Spitze seines gleichfarbigen, hohlen Stieles. Die Lamellen sehen bräunlich aus.
+Ungeachtet seines bitteren Geschmackes wird er von manchen gegessen. – Sehr
+oft begegnen wir ferner dem gerieften Wasserkopfe (<em class="antiqua">Hydrocybe acuta</em>), der
+truppweise den Waldboden bevölkert. Sein ockerbrauner, geriefter, spitzgebuckelter
+Kegelhut mit ockergelben, schmalen Lamellen sitzt auf einem blaßgelben,
+verbogenen Stiele. Die Genießbarkeit dieses Pilzchens ist noch nicht
+festgestellt. Viel schöner sieht der Aprikosen-Wasserkopf aus (<em class="antiqua">Hydrocybe
+armeniaca</em>), den wir nun finden. Weithin leuchtet sein orangebräunlicher,
+mittelgroßer Glockenhut, der zimtfuchsige, breite Lamellen hat. Vom eingeknickten
+Wasserkopf unterscheidet er sich besonders durch einen weißen Stiel.
+Seine Genießbarkeit ist noch nicht erprobt.</p>
+
+<p>Nach Überschreitung der Prießnitz gehen wir ein Stück talab, um dann
+rechts abbiegend auf dem gelbweiß markierten Wege die Hofewiese zu erreichen.
+Da, wo das Wiesel aufsprang, Frost-Schnecklinge (<em class="antiqua">Limacium hypothejum</em>).
+Ihre schleimigen, olivbraunen, faserig-gestreiften Hüte haben orangegelbliche
+Lamellen und gelbliche, schleimige Stiele, die oben wie beringt aussehen.
+(Schleierreste.) Weil sie genießbar sind, nehmen wir eine Anzahl mit. Dann
+finden wir auch den olivgestiefelten Schneckling (<em class="antiqua">Limacium olivaceoalbum</em>),
+der ebenfalls eßbar ist. Er hat einen olivbraunen, schleimigen, gebuckelten
+Hut, der nach dem Rande zu heller wird und vier bis sieben Zentimeter breit
+ist. Weiß die herablaufenden Lamellen, weißlich der gestiefelt erscheinende,
+schleimige Stiel, welcher oben eine trockene, flockige Zone hat. An Frost gemahnt
+der Winter-Schnitzling (<em class="antiqua">Naucoria pellucida</em>). Sein zimtgelber, drei Zentimeter
+breiter Glockenhut ist durchscheinend gerieft und hat blaßzimtfarbige, gewimperte
+Lamellen. Sein gleichfarbiger, aber blasserer, aufwärts verjüngter Stiel
+hat eine bereifte Spitze. – Nun ist auch der Winter-Trichterling heraus
+(<em class="antiqua">Clitocybe brumalis</em>), ein kleiner, weicher Pilz, dessen olivgraue Farbe sich
+ebenso schwer beschreiben wie malen läßt. Am besten erkennt man ihn an
+dem gallertigen, stark ausblassenden Fleische. – Am Raine hier neben grüngrauen<span class="pagenum" id="Seite_229">[229]</span>
+Becherflechten und leuchtenden Preißelbeeren die gelbstielige Keule
+(<em class="antiqua">Clavaria argillacea</em>): ein blaßgelbes, drei bis fünf Zentimeter hohes, keuliges
+Gebilde, das unten goldgelb aussieht. – Am Rande einer Schonung der Kiefernzapfen-Rübling
+(<em class="antiqua">Collybia esculenta</em>), so genannt, weil sein gelbfuchsiger,
+schlanker Stiel immer einem Kiefernzapfen entspringt. Sein zimtbräunlicher
+Hut wird ein bis zwei Zentimeter breit und hat gelbliche, gedrängte Lamellen.
+Eßbar. Kurz vor der Hofewiese stoßen wir noch auf einen gesellig wachsenden
+Rübling, den wir nach seinen weißlichen, sehr schmalen, gedrängten, gekerbten
+Lamellen für den gekerbtblättrigen (<em class="antiqua">Collybia prolixa</em>) halten müssen. Hut
+rotbräunlich, glatt, kahl, drei bis fünf Zentimeter breit; Stiel gelblich, gerieft,
+gleichdick. Auf dem Weg zum Gasthaus bemerken wir noch auf der Hofewiese
+den Schnee-Ellerling (<em class="antiqua">Camarophyllus niveus</em>). Ein kleiner, durchaus weißer
+Pilz, dessen Hutspitze nach Frost meist rötlich aussieht und dessen entfernte
+Lamellen weit herablaufen. Eßbar.</p>
+
+<p>Endlich Rast und Ruh und etwas zum Schlucken. – Hierauf wandern wir
+in der Richtung des Gänsefuß-Weges nach der Heidemühle. Wir finden den
+Wetterstern (<em class="antiqua">Astraeus hygrometricus</em>). Eine graubraune Kugel, zwei bis
+drei Zentimeter breit, sitzt genau wie beim Erdstern auf grauen, einwärts gebogenen,
+zugespitzten Lappen. Letztere biegen sich bei sehr trockenem Wetter
+über die erwähnte Kugel. Dieser hygrometrischen Einstellung verdankt er
+seinen Namen. In einem Fichtengebüsch entdecken wir den bärtigen Ritterling
+(<em class="antiqua">Tricholoma vaccinum</em>). Sein kupferroter Hut hat breite, sparrige
+Schuppen und einen grobfransigen Rand, der lange eingerollt bleibt. Die rötlichen
+Lamellen sind ziemlich breit. Der Stiel, in Farbe und Beschuppung dem
+Hute gleich, ist stets hohl. Er schmeckt schlecht. Nicht viel besser mundet der
+Seifen-Ritterling (<em class="antiqua">Tricholoma saponaceum</em>). Diesen veränderlichen Kauz
+erkennt man am sichersten an dem seifenartigen Geruch. Die grüngraue, nach
+dem Rande zu blassende Farbe seines mittelgroßen Hutes nimmt oft rötliche
+Töne an. Die grüngelblichen Lamellen sind ziemlich dick. Der hellgraue,
+meist ausgebauchte Stiel wird im Alter oft rötlich und kann sowohl glatt wie
+beschuppt sein. Ob der mit schuppigem Stiele eine Laubwaldform ist, konnte
+ich noch nicht feststellen. – An einem Stumpf bunte Porlinge (<em class="antiqua">Polystictus
+versicolor</em>), die von Ricken Schmetterling-Porlinge genannt werden. Der halbkreisförmige,
+dünne, lederige Muschelhut ist samtig und zeigt verschiedene
+Zonen: bräunliche, grünliche, violettgraue u. a. Durch diese Buntheit unterscheidet
+er sich von dem ähnlichen Zonen-Porling (<em class="antiqua">Polystictus zonatus</em>), der
+ebenfalls samtig und gezont ist, aber nur fuchsige und ockerbräunliche Töne
+zeigt. Bei beiden sind Röhrenschicht und Substanz weiß. – Ganz anders der
+hier auch vorkommende weißliche Porling (<em class="antiqua">Polystictus albidus</em>), dessen Röhren
+und Substanz zwar auch weiß sind, der aber einen ungezonten, weißlichen,
+runzligen Muschelhut hat. An einem anderen Stumpfe fällt uns eine weiße,
+häutige Schicht auf, deren feine Poren nach oben gerichtet sind, also ein aufliegender
+Porling: <em class="antiqua">Poria vulgaris</em>.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_230">[230]</span></p>
+
+<p>In der Heidemühle kehren wir ein. Hier, wo die Oktoberkühle alles zusammengedrängt
+hat, herrscht heute eine eigenartige, fast poetische Stimmung.
+Am Klavier sitzt ein alter Herr, vielleicht ein echter Waldschulmeister und spielt
+so ausdrucksvoll, daß alles lauscht und manchmal mitsummt, erst Klassisches,
+dann Volkslieder: »Ich kenn einen hellen Edelstein«, »Jetzt gang ich ans
+Brünnerle«, »Muß i denn zum Städtele hinaus«, »Wer hat dich, du schöner
+Wald« und wie die Perlen alle heißen. Das Mitsummen wird immer andächtiger,
+immer lauter und geht über in ein allgemeines Mitsingen. Endlich
+kommt auch das ergreifende Lied: »Aus der Jugendzeit«. Nach dessen Vollendung
+wischt sich der Alte verstohlen eine Träne aus dem Auge und setzt sich
+still auf seinen Platz. Da nimmt ein junger Fant am Klavier Platz, offenbar,
+um das schlichte Spiel des Alten zu übertrumpfen. Bald schwirren Operettenmelodien
+durch das Zimmer. Das klingt nach Sekt und Übermut, nach Modetanz
+und freier Liebe. Gewiß, das Spiel ist glatt und raffiniert, doch eines
+fehlt: die deutsche Seele. Der andere ist mir lieber. – Schirm dich Gott, mein
+deutsches Volk, vor solchem Geist. Mit diesem Gedanken nehmen wir unsere
+Wanderung wieder auf. Wir gehen nun östlich von der Radeberger Straße
+heimwärts. An einer Fichte gewahren wir eine höckerige, braunschwarze Konsole
+mit zinnoberrötlichem Rande und gelbbräunlicher Röhrenschicht. Aha, der
+rotrandige Schichtporling (<em class="antiqua">Placodes ungulatus</em>). – Und dort? Totentrompeten?
+Nein, es ist in Massen der durchbohrte Leistling (<em class="antiqua">Cantharellus
+infundibuliformis</em>). Ein etwa vier Zentimeter breiter, umbrabrauner Trichterhut
+sitzt auf einem trübgelben, unebenen, oft breitgedrückten Stiele, dessen
+Höhlung erst am oberen Hutrande endet. Die breiten, mehrfach verzweigten
+Lamellen laufen am Stiele herab und zeigen ein eigentümliches Gelbgrau.
+Wir sammeln für die Küche. Dann finden wir den gefleckten Rübling (<em class="antiqua">Collybia
+maculata</em>), der nun in Scharen auftritt. Durchaus weiß; der fünf bis zehn
+Zentimeter breite Hut hat kupferrote Flecke; die schmalen, gezähnelten Lamellen
+stehen sehr gedrängt; der rostfleckige, geriefte Stiel ist oft verdreht und
+hat einen rostbräunlichen Fuß. – In Birkennähe steht herdig ein weißlicher
+Trichterling, der ausblassende (<em class="antiqua">Clitocybe expallens</em>, <a href="#illu-073">Abb. 17</a>): weißlich mit
+graubrauner, vertiefter Hutmitte; der weißseidige Stiel gleichdünn; die herablaufenden
+Lamellen fast entfernt. Bei feuchtem Wetter würde der ganze Pilz
+uns grau erscheinen. Und dort ein noch kleinerer, weißer Trichterling, dessen
+drei Zentimeter breiter Hut ausnahmsweise nicht getrichtert ist: der wachsstielige
+(<em class="antiqua">Clitocybe candicans</em>). Sein glänzendes, weißes Stielchen ist gekniet
+und steht auf welkenden Blättern. – Nicht getrichtert ist auch der nebelgraue
+Trichterling (<em class="antiqua">Clitocybe nebularis</em>), den Gramberg treffend Graukopf nennt.
+Ihn finden wir unter Buchen. Auf einem grauen, faserigen, aufwärts verjüngten
+Stiele sitzt ein derber, grauer, stumpfer Hut, der acht bis zwölf Zentimeter
+breit wird und in der Jugend wie bereift aussieht. Seine gelblichen
+Lamellen stehen gedrängt und laufen kaum herab. Dieser ritterlingähnliche,
+kräftige Pilz ist eßbar. Gleiches gilt nicht von dem anderen Buchenfreunde
+dort, vom fuchsigen Klumpfuß (<em class="antiqua">Phlegmacium fulmineum</em>), so genannt, weil<span class="pagenum" id="Seite_231">[231]</span>
+sein fuchsrötlicher, kurzer Stiel unten eine deutlich berandete Knolle trägt.
+Der derbe, etwa acht Zentimeter breite Hut ist ebenfalls fuchsig und zeigt oft
+braune Flecke. Die Lamellen sind erst goldgelb, werden aber später auch
+fuchsig.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-073">
+ <img class="w100" src="images/illu-073.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 17. <b>Ausblassender Trichterling (Hexenring)</b></figcaption>
+</figure>
+
+<p>Mit diesem letzten Funde stellen wir fest, daß die Dresdner Heide rund
+250 Arten Pilze aufweist. Aber zu den pilzreichen Wäldern zählt sie trotzdem
+nicht, weil sie in der Nähe einer Großstadt liegt und darum übermäßig abgesucht
+wird. Möge jeder Heidebesucher durch Befolgung der gelegentlich gegebenen
+Winke den Pilzbestand der Heide schonen helfen. Nun geht es heimwärts.
+Ein düsig Wetter heut’, voll Wasserdampf die Luft. In Nebelgrau steht
+dort der Hochwald, und rechts am Himmel schimmerts gelb: die Sonne geht
+zur Ruh. Das Gelb wird heller, breiter. Die Wölkchen werden langsam
+violett – ein wundervolles Farbenspiel. Orange wird das Gelb und schließlich
+rot. In stiller Andacht schaun wir auf und wollen nicht gestört sein. Jetzt
+brennt ein leuchtend Rot durch schwarze Kiefernwipfel. Der ganze Himmel
+scheint zu glühn. Kein Maler kann es malen, kein Dichter je beschreiben.
+Die Abendglocken klingen drein und steigern so die Stimmung. Dann feierliches
+Dämmern. – »Der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen
+steiget der weiße Nebel – wunderbar!«</p>
+
+<p>Zum Schlusse sei Herrn Georg Marschner für die überaus wertvollen und
+seltenen Naturaufnahmen herzlicher Dank gesagt.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_232">[232]</span></p>
+
+<h3>Alphabetische Übersicht</h3>
+
+<p class="center">Nummern von Rickens Vademecum nachgestellt</p>
+
+<ul class="nodeco">
+<li>1. <em class="antiqua">Amanita junquillea Qu.</em> 9.</li>
+<li>2. <em class="antiqua">Amanita mappa Batsch.</em> 8.</li>
+<li>3. <em class="antiqua">Amanita muscaria L.</em> 11.</li>
+<li>4. <em class="antiqua">Amanita pantherina Cand.</em> 7.</li>
+<li>5. <em class="antiqua">Amanita phalloides F.</em> 4.</li>
+<li>6. <em class="antiqua">Amanita porphyrea F.</em> 6.</li>
+<li>7. <em class="antiqua">Amanita rubescens F.</em> 18.</li>
+<li>8. <em class="antiqua">Amanita spissa F.</em> 16.</li>
+<li><em class="antiqua">Amanitopsis vaginata</em> 20.</li>
+<li><em class="antiqua">Bolbitius titubans</em> 1151.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus badius</em> 1418.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus bovinus</em> 1417.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus castaneus</em> 1430.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus chrysenteron</em> 1421.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus cyanescens</em> 1429.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus elegans</em> 1411.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus felleus</em> 1428.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus granulatus</em> 1413.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus luteus</em> 1412.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus piperatus</em> 1416.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus rubellus Krombholz.</em></li>
+<li><em class="antiqua">Boletus strobilaceus</em> 1404.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus subtomentosus</em> 1420.</li>
+<li><em class="antiqua">Boletus variegatus</em> 1425.</li>
+<li><em class="antiqua">Bulgaria polymorpha</em> 1989.</li>
+<li><em class="antiqua">Calocera viscosa Pers.</em> 1728.</li>
+<li><em class="antiqua">Camarophyllus virgineus Wulf.</em> 1341.</li>
+<li><em class="antiqua">Cantharellus aurantiacus Wulf.</em> 1396.</li>
+<li><em class="antiqua">Cantharellus cibarius Fr.</em> 1387.</li>
+<li><em class="antiqua">Cantharellus infundibuliformis Scop.</em> 1392.</li>
+<li><em class="antiqua">Clavaria argillacea Pers.</em> 1720.</li>
+<li><em class="antiqua">Clavaria similis Boud.-Pat.</em> 1718.</li>
+<li><em class="antiqua">Clitocybe brumalis Fr.</em> 230.</li>
+<li><em class="antiqua">Clitocybe candicans Pers.</em> 182.</li>
+<li><em class="antiqua">Clitocybe clavipes Pers.</em> 211.</li>
+<li><em class="antiqua">Clitocybe dealbata Sow.</em> 180.</li>
+<li><em class="antiqua">Clitocybe expallens Pers.</em> 216.</li>
+<li><em class="antiqua">Clitocybe laccata Scop.</em> 233.</li>
+<li><em class="antiqua">Clitocybe mellea Wahl.</em> 168.</li>
+<li><em class="antiqua">Clitocybe nebularis Batsch.</em> 210.</li>
+<li><em class="antiqua">Clitocybe pityophila Secr.</em> 177.</li>
+<li><em class="antiqua">Clitocybe suaveolens Schum.</em> 227.</li>
+<li><em class="antiqua">Collybia asema Fr.</em> 322.</li>
+<li><em class="antiqua">Collybia butyracea Bull.</em> 321.</li>
+<li><em class="antiqua">Collybia cirrhata Schum.</em> 352.</li>
+<li><em class="antiqua">Collybia clusilis Fr.</em> 306.</li>
+<li><em class="antiqua">Collybia dryophila Bull.</em> 335.</li>
+<li><em class="antiqua">Collybia esculenta Wulf.</em> 338.</li>
+<li><em class="antiqua">Collybia fusipes Bull.</em> 318.</li>
+<li><em class="antiqua">Collybia maculata Sow.</em> 327.</li>
+<li><em class="antiqua">Collybia radicata Relh.</em> 314.</li>
+<li><em class="antiqua">Collybia tuberosa Bull.</em> 353.</li>
+<li><em class="antiqua">Coprinus disseminatus Pers.</em> 1141.</li>
+<li><em class="antiqua">Coprinus micaceus Bull.</em> 1129.</li>
+<li><em class="antiqua">Coprinus nycthemerus Vail.</em> 1114.</li>
+<li><em class="antiqua">Coryne sarcoides Jacq.</em></li>
+<li><em class="antiqua">Craterellus cornucopioides L.</em> 1661.</li>
+<li><em class="antiqua">Cyathus crucibulum Hoffm.</em> 1763.</li>
+<li><em class="antiqua">Dermocybe anthracina Fr.</em> 678.</li>
+<li><em class="antiqua">Dermocybe cinnamomea L.</em> 681.</li>
+<li><em class="antiqua">Flammula flavida Schff.</em> 805.</li>
+<li><em class="antiqua">Flammula fusa Batsch.</em> 810.</li>
+<li><em class="antiqua">Flammula sapinea Fr.</em> 814.</li>
+<li><em class="antiqua">Flammula spumosa Fr.</em> 803.</li>
+<li><em class="antiqua">Galera tenera Schff.</em> 867.</li>
+<li><em class="antiqua">Galera hypnorum Schrank.</em> 878.</li>
+<li><em class="antiqua">Galera mniophila Lasch.</em> 879.</li>
+<li><em class="antiqua">Galera paludosa Fr.</em> 871.</li>
+<li><em class="antiqua">Geaster coronatus Schff.</em> 1772.</li>
+<li><em class="antiqua">Gomphidius glutinosus Schff.</em> 1382.</li>
+<li><em class="antiqua">Gomphidius roseus Fr.</em> 1381.</li>
+<li><em class="antiqua">Gomphidius viscidus L.</em> 1380.</li>
+<li><em class="antiqua">Hebeloma crustuliniforme Bull.</em> 558.</li>
+<li><em class="antiqua">Hebeloma hiemale Bres.</em> 564.</li>
+<li><em class="antiqua">Helvella crispa Scop.</em> 1865.</li>
+<li><em class="antiqua">Helvella lacunosa.</em></li>
+<li><em class="antiqua">Humaria ollaris Fr.</em> 1930.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydnangium carneum Wallr.</em> 1830.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydnum imbricatum L.</em> 1606.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydnum nigrum Fr.</em> 1607.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydnum repandum L.</em> 1594.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydnum squamosum Schff.</em> 1604.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydnum violascens Schw.</em> 1598.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydrocybe acuta Fr.</em> 756.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydrocybe angulosa Fr.</em> 736.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydrocybe armeniaca Schff.</em> 763.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydrocybe castanea Bull.</em> 741.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydrocybe jubarina Fr.</em> 752.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydrocybe Junghuhnii F.</em> 753.</li>
+<li><em class="antiqua">Hydrocybe saniosa Fr.</em> 734.</li>
+<li><em class="antiqua">Hygrocybe conica Scop.</em> 1322.</li>
+<li><em class="antiqua">Hygrocybe chlorophana Fr.</em> 1326.</li>
+<li><em class="antiqua">Hypholoma capnoides Fr.</em> 1040.</li>
+<li><em class="antiqua">Hypholoma fasciculare Huds.</em> 1043.</li>
+<li><em class="antiqua">Hypholoma hydrophilum Bull.</em> 1038.</li>
+<li><em class="antiqua">Inocybe dulcamara Schw.</em> 515.</li>
+<li><em class="antiqua">Inocybe lacera Fr.</em> 508.<span class="pagenum" id="Seite_233">[233]</span></li>
+<li><em class="antiqua">Inocybe maritima Fr.</em> 502.</li>
+<li><em class="antiqua">Inocybe Trinii Weinm.</em> 538.</li>
+<li><em class="antiqua">Inocybe umbrina Bres.</em> 518.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius blennius Fr.</em> 1244.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius camphoratus Bull.</em> 1270.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius chrysorheus Fr.</em> 1238.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius deliciosus L.</em> 1239.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius flexuosus Fr.</em> 1237.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius glyciosmus Fr.</em> 1253.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius helvus Fr.</em> 1254.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius piperatus Scop.</em> 1234.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius pyrogalus Bull.</em> 1236.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius quietus Fr.</em> 1268.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius rufus Scop.</em> 1258.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius theiogalus Bull.</em> 1257.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius torminosus Schff.</em> 1226.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius turpis Weinm.</em> 1228.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius vellereus Fr.</em> 1233.</li>
+<li><em class="antiqua">Lactarius volemus Fr.</em> 1265.</li>
+<li><em class="antiqua">Lenzites saepiaria Wulf.</em> 1578.</li>
+<li><em class="antiqua">Lenzites trabea Pers.</em> 1586.</li>
+<li><em class="antiqua">Leotia gelatinosa Hill.</em> 1879.</li>
+<li><em class="antiqua">Lepiota amianthina Scop.</em> 56.</li>
+<li><em class="antiqua">Lepiota clypeolaria Bull.</em> 50.</li>
+<li><em class="antiqua">Lepiota cristata Bolt.</em> 48.</li>
+<li><em class="antiqua">Lepiota Friesii Lasch.</em> 43 <em class="antiqua">a</em>.</li>
+<li><em class="antiqua">Lepiota procera Scop.</em> 30.</li>
+<li><em class="antiqua">Lepiota rhacodes Vitt.</em> 31.</li>
+<li><em class="antiqua">Limacium eburneum Bull.</em> 1376.</li>
+<li><em class="antiqua">Limacium hypothejum Fr.</em> 1366.</li>
+<li><em class="antiqua">Limacium olivaceo album Fr.</em> 1367.</li>
+<li><em class="antiqua">Limacium pustulatum Pers.</em> 1371.</li>
+<li><em class="antiqua">Lycoperdon gemmatum Batsch.</em> 1793.</li>
+<li><em class="antiqua">Marasmius androsaceus L.</em> 1188.</li>
+<li><em class="antiqua">Marasmius confluens Pers.</em> 1156.</li>
+<li><em class="antiqua">Marasmius lupuletorum Weinm.</em> 1170.</li>
+<li><em class="antiqua">Marasmius perforans Hoffm.</em> 1190.</li>
+<li><em class="antiqua">Marasmius scorodonius Fr.</em> 1172.</li>
+<li><em class="antiqua">Marasmius Wynnei Bk.</em> 1169.</li>
+<li><em class="antiqua">Mycena epipterygia Scop.</em> 355.</li>
+<li><em class="antiqua">Mycena filopes Bull.</em> 394.</li>
+<li><em class="antiqua">Mycena galopus Pers.</em> 361.</li>
+<li><em class="antiqua">Mycena pura Pers.</em> 401.</li>
+<li><em class="antiqua">Mycena polygramma Bull.</em> 424.</li>
+<li><em class="antiqua">Mycena sanguinolenta Schw.</em> 365.</li>
+<li><em class="antiqua">Myxacium elatius Fr.</em> 574.</li>
+<li><em class="antiqua">Myxacium mucosum Bull.</em> 572.</li>
+<li><em class="antiqua">Naucoria cucumis Pers.</em> 839.</li>
+<li><em class="antiqua">Naucoria melinoides Fr.</em> 840.</li>
+<li><em class="antiqua">Naucoria myosotis Fr.</em> 826.</li>
+<li><em class="antiqua">Naucoria pellucida Bull.</em> 855.</li>
+<li><em class="antiqua">Naucoria tenax Fr.</em> 825.</li>
+<li><em class="antiqua">Nolanea pascua Pers.</em> 992.</li>
+<li><em class="antiqua">Nolanea proletaria Fr.</em> 995.</li>
+<li><em class="antiqua">Nyctalis asterophora Fr.</em> 1384.</li>
+<li><em class="antiqua">Omphalia campanella Batsch.</em> 285.</li>
+<li><em class="antiqua">Omphalia leucophylla Fr.</em> 248.</li>
+<li><em class="antiqua">Omphalia maura Fr.</em> 246.</li>
+<li><em class="antiqua">Omphalia umbellifera L.</em> 258.</li>
+<li><em class="antiqua">Panus stipticus Bull.</em> 1199.</li>
+<li><em class="antiqua">Panaeolus campanulatus L.</em> 1092.</li>
+<li><em class="antiqua">Paxillus atrotomentosus Batsch.</em> 491.</li>
+<li><em class="antiqua">Paxillus involutus Batsch.</em> 493.</li>
+<li><em class="antiqua">Paxillus panuoides Fr.</em> 489.</li>
+<li><em class="antiqua">Paxillus prunulus Scop.</em> 496.</li>
+<li><em class="antiqua">Phallus impudicus L.</em> 1753.</li>
+<li><em class="antiqua">Phlegmacium caerulescens Schff.</em> 584.</li>
+<li><em class="antiqua">Phlegmacium compar Fr.</em> 637.</li>
+<li><em class="antiqua">Phlegmacium fulmineum Fr.</em> 601.</li>
+<li><em class="antiqua">Phlegmacium infractum Pers.</em> 628.</li>
+<li><em class="antiqua">Phlegmacium largum Buxb.</em> 625.</li>
+<li><em class="antiqua">Phlegmacium obscurocyaneum Secr.</em> 627.</li>
+<li><em class="antiqua">Phlegmacium pansa Fr.</em> 593.</li>
+<li><em class="antiqua">Pholiota caperata Pers.</em> 788.</li>
+<li><em class="antiqua">Pholiota flammans Fr.</em> 782.</li>
+<li><em class="antiqua">Pholiota mutabilis Schff.</em> 796.</li>
+<li><em class="antiqua">Pholiota squarrosa Fl. Dan.</em> 781.</li>
+<li><em class="antiqua">Placodes betulinus Bull.</em> 1551.</li>
+<li><em class="antiqua">Placodes lucidus Leyß.</em> 1532.</li>
+<li><em class="antiqua">Placodes ungulatus Schff.</em> 1546.</li>
+<li><em class="antiqua">Pluteus cervinus Schff.</em> 905.</li>
+<li><em class="antiqua">Polyporus adustus Willd.</em> 1499.</li>
+<li><em class="antiqua">Polyporus caesius Schrader.</em> 1506.</li>
+<li><em class="antiqua">Polyporus confluens Schw.</em> 1460.</li>
+<li><em class="antiqua">Polyporus leucomelas Pers.</em> 1464.</li>
+<li><em class="antiqua">Polyporus ovinus Schff.</em> 1466.</li>
+<li><em class="antiqua">Polystictus abietinus Dicks.</em> 1527.</li>
+<li><em class="antiqua">Polystictus albidus Troy.</em> 1528.</li>
+<li><em class="antiqua">Polystictus perennis L.</em> 1513.</li>
+<li><em class="antiqua">Polystictus velutinus Pers.</em> 1524.</li>
+<li><em class="antiqua">Polystictus versicolor L.</em> 1526.</li>
+<li><em class="antiqua">Polystictus zonatus Nees.</em> 1525.</li>
+<li><em class="antiqua">Psalliota arvensis Schff.</em> 1012.</li>
+<li><em class="antiqua">Psalliota perrara Schulz.</em> 1005.</li>
+<li><em class="antiqua">Psalliota silvatica Schff.</em> 1003.</li>
+<li><em class="antiqua">Ramaria aurea Schff.</em> 1685.</li>
+<li><em class="antiqua">Ramaria abietina Pers.</em> 1694.</li>
+<li><em class="antiqua">Ramaria botrytis Pers.</em> 1688.</li>
+<li><em class="antiqua">Ramaria cinerea Bull.</em> 1701.</li>
+<li><em class="antiqua">Ramaria grisea Pers.</em> 1702.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula adusta Pers.</em> 1277.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula alutacea Pers.</em> 1302.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula cyanoxantha Schff.</em> 1284.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula decolorans Fr.</em> 1298.<span class="pagenum" id="Seite_234">[234]</span></li>
+<li><em class="antiqua">Russula depallens Pers.</em> 1288.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula emetica Schff.</em> 1318.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula fellea Fr.</em> 1312.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula fragilis Pers.</em> 1319.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula flava Rom.</em> (nicht im Vad.)</li>
+<li><em class="antiqua">Russula graminicolor Secr.</em> 1282.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula heterophylla Fr.</em> 1285.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula lepida Fr.</em> 1290.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula Linnaei Fr.</em> 1304.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula livescens Batsch.</em> 1279.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula mustelina Fr.</em> 1280.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula nauseosa Pers.</em> 1308.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula nigricans Bull.</em> 1278.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula nitida Pers.</em> 1306.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula ochroleuca Pers.</em> 1311.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula puellaris Fr.</em> 1307.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula sardonia Fr.</em> 1316.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula virescens Schff.</em> 1281.</li>
+<li><em class="antiqua">Russula xerampelina Schff.</em> 1305.</li>
+<li><em class="antiqua">Schizophyllum commune Fr.</em> 1222.</li>
+<li><em class="antiqua">Scleroderma vulgare Horn.</em> 1784.</li>
+<li><em class="antiqua">Sparassis crispa Wulf.</em> 1673.</li>
+<li><em class="antiqua">Stereum hirsutum Willd.</em> 1658.</li>
+<li><em class="antiqua">Stropharia aeruginosa Curt.</em> 1018.</li>
+<li><em class="antiqua">Stropharia squamosa Pers.</em> 1024.</li>
+<li><em class="antiqua">Telamonia armillata Fr.</em> 694.</li>
+<li><em class="antiqua">Telamonia gentilis Fr.</em> 697.</li>
+<li><em class="antiqua">Telamonia punctata Pers.</em> 713.</li>
+<li><em class="antiqua">Telamonia rigida Scop.</em> 714.</li>
+<li><em class="antiqua">Thelephora caryophyllea Schff.</em> 1666.</li>
+<li><em class="antiqua">Thelephora laciniata Pers.</em> 1668.</li>
+<li><em class="antiqua">Thelephora terrestris Ehrh.</em> 1667.</li>
+<li><em class="antiqua">Trametes odorata Wulf.</em> 1566.</li>
+<li><em class="antiqua">Trametes pini Thore.</em> 1567.</li>
+<li><em class="antiqua">Trametes protracta Fr.</em> 1570.</li>
+<li><em class="antiqua">Tremellodon gelatinosus Pers.</em> 1737.</li>
+<li><em class="antiqua">Tricholoma albobrunneum Pers.</em> 75.</li>
+<li><em class="antiqua">Tricholoma equestre L.</em> 82.</li>
+<li><em class="antiqua">Tricholoma flavobrunneum Fr.</em> 79.</li>
+<li><em class="antiqua">Tricholoma leucocephalum Fr.</em> 129.</li>
+<li><em class="antiqua">Tricholoma portentosum Fr.</em> 84.</li>
+<li><em class="antiqua">Tricholoma robustum Schw.</em> 74.</li>
+<li><em class="antiqua">Tricholoma rutilans Schff.</em> 107.</li>
+</ul>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="Der_Friedhof_in_der_Dresdner_Gartenbauausstellung">Der Friedhof in der Dresdner Gartenbauausstellung</h2>
+
+<p class="center">Von Ministerialrat <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Oskar Kramer</em>, Dresden</p>
+
+<p class="center s90">Mit Aufnahmen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz</p>
+</div>
+
+<p>Rosenduft umschmeichelt uns, weithin ein Meer von Gelb und Weiß und
+allen Tönen von Rot, vom lichten Orange bis zum sattesten Purpur, wir
+stehen im Rosengarten der Dresdner Gartenbauausstellung, umgaukelt von
+bunten Faltern, umflattert von den gefiederten Sängern des Großen Gartens.
+Der »Grüne Dom« wirft seinen Schatten über uns weg und schützt uns sorglich
+vor den Strahlen der endlich erwachten Sonne des heurigen Sommers.
+Der Lockton der Flöte und Fiedel dringt von irgendwoher zu uns herüber.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-077">
+ <img class="w100" src="images/illu-077.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 1</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Ein Bild des Lebens, der genießenden Freude! Wir treten wenige Schritte
+zur Seite. Zwei hohe, graue Pylonen stehen wie wehrende Wächter vor uns.
+Wir gehen zwischen ihnen hindurch. Kühler Schatten umfängt uns. Bleiches
+Gemäuer schimmert zwischen Büschen. Wir hemmen den Schritt. Wir stehen
+mitten in einem Friedhof.</p>
+
+<div class="poetry-container">
+<div class="poetry">
+ <div class="stanza">
+ <div class="verse indent0">»Mitten wir im Leben sind</div>
+ <div class="verse indent0">Von dem Tod umfangen«</div>
+ </div>
+</div>
+</div>
+
+<p class="noind">scheint es irgendwoher hervorzutönen. Doch nein, wir täuschen uns. Ringsum
+ist Stille, feierliches Schweigen. Als hätten die Mauer und das Efeugespinst
+und die ragenden Baumkronen all die Fiedel- und Flötentöne verschluckt, die
+uns da draußen heiter und lustig gestimmt. Mal an Mal sehen wir die Wegränder
+säumen und bei unserm Fortschreiten hinter uns zurückbleiben. Steingefaßte<span class="pagenum" id="Seite_235">[235]</span>
+Stufen führen zu einem mit unregelmäßigen Steinplatten belegten
+Rundplatz (<a href="#illu-077">Abb. 1</a>). In seiner Mitte – wie eine eherne Säule – eine bronzene
+Jünglingsgestalt auf niederem Steinsockel, ernst, Schweigen gebietend, zum
+Beten ermahnend. Nichts Sinnliches, nichts Erdenschweres an ihr. Ringsum,
+in einem schmalen Rasenstreifen, hochgerichtete Platten, wie bleiche Männer.
+Zwischen ihnen, wie ermüdet hingesunken, schräg gelehnte Platten. Und über
+alles, über die breiten Schultern und die schmalen Hüften des Bronzejünglings,
+über den Plattenboden, den Rasen, die aufgerichteten und die hingelehnten
+Grabplatten, über den Mauerring, der alles umschließt, über die gelbgrünen
+Moospolster und farbigen Blumenkissen, die aus dem Gemäuer quellen, gleißen
+und huschen die Lichter der Sonne. Eine Urnenhalle auf einer Terrasse fängt
+unseren Blick (<a href="#illu-078">Abb. 2</a>). Die drei schlichten Giebel, die sie krönen, und die drei schlanken
+Öffnungen inmitten ihrer Stirnseite gemahnen symbolisch an die Heilige Dreieinigkeit.
+Einfaches weißgefugtes Backsteinmauerwerk umrahmt die Öffnungen,
+bildet die in gotischer Herbheit aufragenden schmucklosen Schäfte zwischen ihnen,
+bildet Brustwehr und Stufen der Terrasse. Mütterlichen Armen gleich legen
+sich die Mauern, die rechts und links von der Urnenhalle ausgehen und den
+Friedhof im Hintergrunde abschließen, um das Gräberfeld. Ein backsteinumrahmtes<span class="pagenum" id="Seite_236">[236]</span>
+Tor führt jederseits in einen hinter dem Friedhof sichtbar werdenden
+Urnenhof. Steinbänke vor den Mauern laden zum Verweilen ein, zum
+Betrachten und Nachsinnen. Wir folgen der stillen Einladung.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-078">
+ <img class="w100" src="images/illu-078.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 2</figcaption>
+</figure>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-079a">
+ <img class="w100" src="images/illu-079a.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 3</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Vor uns, neben uns Grab an Grab. Aber nicht – wie sonst auf Friedhöfen
+– eine schattenlose Fläche mit Hügelreihen in gedrängter Enge, einem
+gut gepflügten, gut genutzten Acker vergleichbar, nur <em class="gesperrt">einen</em> Gedanken, <em class="gesperrt">ein</em>
+schreckendes Erkennen auslösend: Wie fruchtbar ist doch die Arbeit des Todes!
+Keine stachlichen Gitter suchen die Ruhestatt jedes einzelnen noch im Tode
+gegen den »bösen« Nachbarn zu sichern, keine »Tempel« und »Monumente«
+lasten hier auf den Leibern der den ewigen Schlaf Schlafenden.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-079b">
+ <img class="w100" src="images/illu-079b.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 4</figcaption>
+</figure>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-080a">
+ <img class="w100" src="images/illu-080a.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 5</figcaption>
+</figure>
+
+<p><em class="gesperrt">Hügellos</em> deckt der Rasen wie ein großes grünes Tuch alle die Ruhestätten
+gemeinsam (<a href="#illu-079a">Abb. 3</a>–<a href="#illu-080b">6</a>). Hier und da vereint sie <em class="gesperrt">ein</em> Hügel
+(<a href="#illu-081">Abb. 7</a>). Vor den zu Häupten
+der Grabstellen stehenden hochgerichteten Steinen aber hat die Liebe der Lebenden
+mit farbigen, duftenden Blumen ihre Zeichen in das grüne Tuch gestickt und
+gewoben. Kein Gottes<em class="gesperrt">acker</em>, ein Gottes<em class="gesperrt">garten</em>! Kein Mal gleicht dem
+anderen, verschieden ist ihre Form, verschieden ihr Stoff, und doch geht ein
+Rhythmus durch das Ganze. Die Gesetze dieses Rhythmus werden uns hier<span class="pagenum" id="Seite_239">[239]</span>
+offenbar. Gleiche und doch nicht gleiche Grabzeichen sind dort in dem Rund (<a href="#illu-077">Abb. 1</a>)
+rhythmisch zu einem Ganzen vereint, sie mögen die Ruhestätten von Gesinnungsgenossen
+bezeichnen, die einst <em class="gesperrt">ein</em> Lebensziel verfolgten und doch verschiedener
+Art waren. Die <em class="gesperrt">völlige Gleichheit</em> – im allgemeinen wohl auch nur das
+sinngemäße Zeichen für das Grab des Soldaten und des Ordensbruders oder
+für Blutsverwandte oder Menschen, die einst <em class="gesperrt">ein</em> Lebensband einte
+(<a href="#illu-080a">Abb. 5</a> und <a href="#illu-080b">Abb. 6</a> links und rechts) – ist
+weder von Nöten noch erwünscht. Aber <em class="gesperrt">völlige Ungleichheit</em> – zumeist
+aus Rücksichtslosigkeit, Gedankenlosigkeit oder Eigensinn geboren – kann nie
+ein rhythmisches Ganzes ergeben, nur ein Gehäuf, ein Gewirr, ein Chaos.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-080b">
+ <img class="w100" src="images/illu-080b.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 6</figcaption>
+</figure>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-081">
+ <img class="w100" src="images/illu-081.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 7</figcaption>
+</figure>
+
+<p>Nicht wahllos sind auch hohe und niedere, stehende und liegende, steinerne
+und hölzerne Grabzeichen vermischt. Jeder Art ist ein Reich zugewiesen, ihr
+Reich (<a href="#illu-078">Abb. 2</a>–<a href="#illu-081">7</a>).
+Um so stärker der Eindruck planmäßig eingefügter Grabzeichen abweichender
+Art, so die der liegenden Platten dort – beiderseits einer Wegabzweigung
+– in der Schar der stehenden (<a href="#illu-079a">Abb. 3</a> links und <a href="#illu-081">Abb. 7</a>).
+Einfach, schlicht sind die Formen
+der Steine, traditionelles Stilanlehnen meidend. Fremd wirken zwar zunächst<span class="pagenum" id="Seite_240">[240]</span>
+jene nach oben sich verstärkenden Pylone (<a href="#illu-080b">Abb. 6</a>), die das Gesetz der Schwere zu leugnen
+scheinen. Und doch! Sind sie nicht wie steinerne Blumenkelche, die sich dem
+Sonnenlicht entgegenweiten? Nur zaghaft sehen wir hier und da den Stein
+als Kreuz geformt. Mag dies in der geringen Neigung der Zeit, ihren Christusglauben
+zu bekennen, seinen tieferen Grund haben. Ist aber das dort am
+Wegende stehende Steinkreuz (<a href="#illu-081">Abb. 7</a>) nicht gerade infolge seiner Vereinzeltheit von
+so starkem Eindruck, an das hochragende, den ganzen Friedhof beherrschende
+Kruzifix mancher strenggläubigen Christengemeinde erinnernd?</p>
+
+<figure class="figcenter illowp70" id="illu-082">
+ <img class="w100" src="images/illu-082.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 8</figcaption>
+</figure>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-083a">
+ <img class="w100" src="images/illu-083a.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 9</figcaption>
+</figure>
+
+<p>So sinnend erheben wir uns und schreiten durch eines der Tore (<a href="#illu-082">Abb. 8</a>) in den
+Urnenhof. Auch hier die gleiche raumhafte Geschlossenheit, aber unverkennbar
+ein Zug des Antikischen (<a href="#illu-083a">Abb. 9</a>–<a href="#illu-084">11</a>). Ob die reichlichere Anordnung von Plastiken,<span class="pagenum" id="Seite_242">[242]</span>
+die Formen der Urnen oder der Rasentumulus – ein herrlicher Gedanke,
+wenn auch als Einzelurnengrab kaum verwertbar – hieran Schuld haben?
+Vermutlich alles vereint. Still ist’s auch hier. Der Schritt knirscht auf dem
+Kies des Weges. Wir haben zu lange schon geweilt, schreiten darum hier
+rascher hindurch, wiewohl es auch hier zum Verweilen und Betrachten und
+Sinnen einladet. Wir hören im Vorbeigehen noch, daß <em class="gesperrt">Oswin Hempel</em> der
+Meister ist, der im Verein mit gleichgesinnten Bildnern und Gartenkünstlern
+diese Stätte schuf, in der Kunst und Natur in Eins verschmolzen erscheinen.
+Wir treten einige Schritte seitwärts und sind wieder am »Grünen Dom«, sind
+im Rosengarten und Flöte und Fiedel beginnen von neuem zu locken.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-083b">
+ <img class="w100" src="images/illu-083b.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 10</figcaption>
+</figure>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-084">
+ <img class="w100" src="images/illu-084.jpg" alt="">
+ <figcaption class="caption">Abb. 11</figcaption>
+</figure>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="Buecherbesprechungen">Bücherbesprechungen</h2>
+</div>
+
+<p id="Die_Wenden"><b>Die Wenden.</b> Von Otto Eduard Schmidt. Dresden, 1926. Verlag der Buchdruckerei
+der Wilhelm und Berta v. Baensch-Stiftung, Dresden. Preis M. 2.—.</p>
+
+<p>Es gibt Bücher, die geschrieben werden müssen. Auf die man wartet. Ein solches Buch
+liegt hier vor. Der bekannte Verfasser der kursächsischen Streifzüge, O. E. Schmidt, hat
+sich große Verdienste erworben, daß er die <em class="gesperrt">Wendenfrage</em>, die jetzt aktuelle Bedeutung
+hat, einmal vom wissenschaftlichen Standpunkt aus beantwortete. Und was bei ihm ganz
+selbstverständlich ist, sein Werk ist frisch und volkstümlich, es ist nicht nur für einige Gelehrte,
+sondern für <em class="gesperrt">unser Volk</em> geschrieben. Wir wissen, daß eine kleine Anzahl<span class="pagenum" id="Seite_243">[243]</span>
+Männer eifrig bemüht ist, die Wenden, die im sächsischen und anschließenden preußischen
+Gebiete wohnhaft sind, für die Tschechoslowakei in Anspruch zu nehmen, d. h. daß sie weite
+Gebiete, deren Einwohner größtenteils Deutsche sind, von Deutschland trennen wollen.
+Wir wissen zwar, daß die meisten Wenden den zersetzenden Einflüssen fern gegenüberstehen,
+daß es aber höchste Zeit ist, den Übertreibungen und Lügen jener Wühler, die mit dem
+Belgier Auguste Vierset und seiner Tendenzschrift <em class="antiqua">Un peuple martyr</em> gemeinsame Sache
+machen, einmal an der Hand wissenschaftlicher Beweise klar und besonnen entgegenzutreten.
+Und gerade der sachliche Ton, den O. E. Schmidt überall in seinem Buche angeschlagen hat,
+wirkt befreiend gegenüber den falschen Schlagworten der eifernden Politiker, die im
+Kapitel der Volksversöhnung eine so traurige Rolle spielen. Das Buch führt in anschaulichen
+Schilderungen von der Steinzeit bis in unsre Tage. Es erzählt von der Einwanderung
+der Wenden, von ihrer Kultur, von der Rückeroberung des Landes östlich der Saale
+und Elbe durch die Deutschen und von der deutschen Kolonisation und Christianisierung.
+Es schildert die Schicksals- und Kulturgemeinschaft der Wenden mit den Deutschen. Wir
+befassen uns mit wendischer Sprache und wendischem Schrifttum. Das Buch führt uns zum
+Weltkrieg und weiter bis zur Gegenwart. Vorzügliche Abbildungen erhöhen seinen Wert,
+und mustergültig gibt eine Bevölkerungskarte der Ober- und Niederlausitz die Besiedelungsverhältnisse
+an, die über allem Zweifel ersehen lassen, daß wir es mit deutschem
+Gebiet zu tun haben. Aber überall ist zu erkennen, daß der Verfasser ernst bestrebt ist,
+die Gegensätze, die zwischen Wenden und Deutschen künstlich konstruiert worden sind und
+weiter vollzogen werden, zu begleichen und die so lange schon zu beiderseitigem Verstehen
+bestandene Lebensgemeinschaft wieder herzustellen.</p>
+
+<p>Und dies ist selbstverständlich auch der Standpunkt des »Heimatschutzes«, welcher der
+Wendenfrage stets das größte Interesse entgegengebracht hat. In seinem Landesmuseum
+für Sächsische Volkskunst in Dresden hat er ja den Wenden und ihren Volkstrachten genau
+wie den anderen Landgebieten eine Heimat gegeben, er achtet ihre volkstümlichen Sitten
+und Gebräuche, ein zwingender Beweis, daß er seine Gedanken in die Tat umzusetzen verstanden
+hat. Das vorzügliche Buch von O. E. Schmidt, das wohl weitere Schriften auswirken
+wird, sei jedem Heimatfreund, ob Deutscher, ob Wende, warm empfohlen.</p>
+
+<p id="Saechsische_Sagen"><b>Sächsische Sagen. Von Wittenberg bis Leitmeritz.</b> Gesammelt und herausgegeben von
+Dr. <em class="gesperrt">Friedrich Sieber</em><a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a>.</p>
+
+<p>Als kurz vor dem Weltkriege eine Burgenfahrt durch Sachsen stattfand, waren die
+außersächsischen Teilnehmer an dieser Fahrt verwundert gewesen über die erstaunliche Fülle
+interessanter Burgen und Schlösser, die von waldumsäumten Höhen an den Rändern unsrer
+Flußtäler ins Land hineinschauen oder die als Wasserburgen von Flüssen oder künstlichen
+Wasseranlagen umspült, einst dem Feinde Trotz boten. Man hatte sie nicht vermutet.
+Und Professor Otto Eduard Schmidt, der Herausgeber der trefflichen »Kursächsischen Streifzüge«,
+macht in einem der Bände dieses Werkes eine Bemerkung, aus der hervorgeht, wie
+Kenner deutscher Baukunst, kirchlicher und weltlicher, erstaunt gewesen sind, als er ihnen
+gezeigt hat, welche Schätze dieser Kunst wir in unserem kleinen Vaterlande besitzen. Man
+meinte in weiten Kreisen, von Schätzen mittelalterlicher Kultur in Sachsen nicht viel finden
+zu können, weil es Kolonialland sei, weil es erst in die deutsche Geschichte eingetreten sei,
+als die hohe Kulturblüte des deutschen Mutterlandes, das dem Reiche die großen Kaisergeschlechter
+gab, schon vorüber war. Einer gleichen Unkenntnis sächsischer Verhältnisse
+begegnet auch der Volkskundler, wenn er Werke seiner Wissenschaft nach Belegstellen aus
+dem heimatlichen Volksleben durchsucht. Sie sind gewöhnlich recht dünn gesät, ein Beweis
+dafür, daß auch auf diesem Gebiete eine Unkenntnis vorliegt, die dem tatsächlichen Reichtume
+nicht entspricht. Deshalb begrüßen wir es mit großer Freude, daß der rührige Verlag
+von Eugen Diederichs in Jena, der uns mit der Sagen- und Märchenwelt der ganzen Erde
+bekannt machen will, in seine von Paul Zaunert herausgegebene Sammlung »Deutscher<span class="pagenum" id="Seite_244">[244]</span>
+Sagenschatz« nun auch einen Band »Sächsische Sagen« aufgenommen hat. Wir Sachsen
+kennen die Fülle heimischer Sagen aus Meiches rühmlicher Sammlung, dem »Sagenbuch
+des Königreichs Sachsen«, das trotz seines großen Umfanges noch nicht das gesamte
+Material umfaßt, und Meiches Verdienst wird durch Siebers Arbeit nicht geschmälert.
+Aber sein Buch hat doch als Einzelerscheinung jedenfalls nicht die Verbreitung über
+Sachsens Grenzen hinaus gefunden, die im Interesse des Bekanntwerdens mit sächsischem
+Volksleben und -glauben zu wünschen gewesen wäre. Durch Siebers Arbeit, in dem der
+Verlag einen sachkundigen, kritischen Gestalter des Stoffes gefunden hat, wird unser
+Sagenschatz in die Schätze andrer Stämme in rechter Weise eingereiht, so daß er nicht mehr
+übersehen werden kann.</p>
+
+<p>Sieber hebt selbst hervor, daß sein Sagenbuch »nach Alfred Meiches grundlegendem
+Werke nur dadurch seine Berechtigung erweisen« kann, »daß es erneut zu den Quellen
+hinabstieg, daß er zum andern sich bemühte, die in steifen Sprachformen erstarrten Sagen
+zu neuem Leben zu erwecken«. Es kommt ihm nicht darauf an, das gesamte Sagenmaterial
+zu bieten; er will eine Auswahl wertvollen und bezeichnenden obersächsischen
+Sagengutes geben, und das ist ihm auch restlos gelungen. Im Umfange des in Frage
+kommenden Gebietes geht er, wie der Nebentitel »Von Wittenberg bis Leitmeritz« besagt,
+über die Grenzen des ehemaligen Königreichs und jetzigen Freistaats Sachsen hinaus, die
+sich Meiche in seinem Werke gesteckt hatte – und <em class="gesperrt">mit Recht</em>. Eine sächsische Sagenwelt
+und eine sächsische Volkskunde in dem Sinne, daß durch politische Ereignisse gezogene
+Grenzen für sie maßgebend wären, gibt es nicht. Die Bevölkerung der preußischen Provinz
+Sachsen muß bis zur niedersächsischen Sprach- und Volkstumsgrenze in allen volkskundlichen
+Arbeiten mit herangezogen werden, und über unsre südlichen Gebirgsgrenzen hinaus
+bis nach Leitmeritz, Saaz, Karlsbad klingen obersächsische Laute. Die deutschen Volksgenossen
+dieser Gebiete der Tschechoslowakei, die so wacker für ihr Volkstum kämpfen und
+in ihrer regen Arbeit auf volkskundlichem Gebiete geradezu vorbildlich für andere
+Stämme sind, werden dem Verfasser besonders Dank wissen für die Worte in der Einleitung
+seines Buches: »Möchte <em class="gesperrt">das</em> (nämlich daß er diese böhmischen Gebiete mit berücksichtigt)
+manchen anregen, sich eingehender mit dem reichen und tiefen Volkstum unsrer deutschen
+Volksgenossen in Böhmen zu beschäftigen. Er wird mit tiefem Erstaunen erkennen, daß
+es Fleisch von unserem Fleische, Blut von unserem Blute ist, das hier ertötet werden soll.
+Dann erst wird jeder die Verstümmelung dieses Gliedes unsres Volksleibes körperhaft an
+sich selbst empfinden.«</p>
+
+<p>Obersachsen ist Kolonialland. Seine Bevölkerung ist nicht von der Einheitlichkeit, wie
+die Schwaben, Franken, Hessen, Niedersachsen und andrer Stämme – im Gegenteil, sie
+zeigt das Bild bunter Mannigfaltigkeit. Thüringer, Franken, Sachsen, Niederländer,
+Bayern haben sich in jener großen Zeit zwischen Saale und Elbe seßhaft gemacht, und
+slawisches Blut hat sich mit dem ihren gemischt. Ihr altes Glaubens- und Sagengut haben
+sie alle aus der alten in die neue Heimat mitgebracht und mit Bäumen, Quellen, Steinen,
+Menschen, Naturerscheinungen und Erlebnissen aller Art aufs neue verknüpft, jeder nach
+seiner Stammesart. Eine ebenso reizvolle wie schwierige Aufgabe für den Forscher, diese
+Zusammenhänge zu entwirren. Es konnte nicht die Aufgabe des Verfassers sein, in seinem
+Buche darauf im einzelnen einzugehen. Es hätte dann zunächst noch nicht erscheinen
+können, weil die nötigen Vorarbeiten dazu noch gefehlt hätten. Wir müssen ihm aber
+dafür dankbar sein, daß er uns aus seinen eigenen Forschungsergebnissen mancherlei mitteilt,
+auf denen weiter gebaut werden kann. Slawische Einflüsse hat er z. B. gefunden
+in der Sagengestalt der Klage- oder Winselmutter, in der des wilden Jägers, in den
+Drachen-, Kobold- und Alpsagen, und es ist interessant zu hören, daß in der letzten Gruppe
+ähnliche Züge sich vorfinden in der Leipziger Pflege wie in der Lausitz. Die weißen Frauen
+sind besonders im sächsischen und böhmischen Erzgebirge zu Hause, die Sagen von der Frau
+Hulle in der Leipziger Pflege weisen unverkennbar nach Thüringen hin.</p>
+
+<p>Wir sind bisher gewöhnt gewesen, die Sage in die dichterischen Erzeugnisse des Volkes
+einzureihen neben Mythus, Märchen, Volkslied usw., und das behält auch seine Richtigkeit,<span class="pagenum" id="Seite_245">[245]</span>
+da sie doch hervorgegangen sind aus der Phantasie des Volkes. Kurt Heckscher ordnet
+sie in seinem kürzlich erschienenen umfangreichen Werke »Die Volkskunde des germanischen
+Kulturkreises« in dem Kapitel »Der Volksglaube« ein. Er schreibt dort: »Treten die sich
+in den Geistern darstellenden Elemente des Glaubens miteinander in Aktion, so entsteht
+als der Bericht dieser Begebenheiten der Mythus. Wird diese Begebenheitserzählung an
+irdische Dinge, sei es der Person, sei es der Örtlichkeit gebunden, immer zunächst unter
+Beibehaltung übernatürlicher Aktionsmittel und unter Aufhebung von Naturgesetzen, so
+entsteht die <em class="gesperrt">Sage</em>. Endlich, in den letzten Formen ihrer Entwickelung, entkleidet sie sich
+aller außerweltlichen Beziehungsträger und Beziehungsmittel und bewegt sich ganz im
+Bereich der natürlichen Erscheinungen, wobei sie Anspruch auf die Bezeichnung Sage nur
+dadurch noch erheben kann, daß die Grundlagen ihrer Berichte Fiktionen oder doch fiktive
+Umgestaltungen wirklich geschehener Ereignisse sind. Diese letzte Sagenklasse, in die besonders
+die Sagen mit geschichtlichem Hintergrund gehören, ein so schönes Zeugnis sie für
+die Formkraft der Volksseele auch bildet, tritt in ihrer Bedeutung als Quelle für den
+volkstümlichen Glauben völlig zurück hinter die mythischen und die Natursagen, die man
+mit Recht »dramatisierten Volksglauben« genannt hat.« Das sind Gedanken, die auch für
+das Verständnis und die Beurteilung des Sieberschen Werkes von besonderer Wichtigkeit
+sind. Drei Sagengruppen schälen sich aus diesen Sätzen heraus: Mythische Sagen, Natursagen,
+geschichtliche Sagen. Auch bei Sieber finden wir diese Dreiteilung: Die Geschichte
+und ihre Gestalten (geschichtliche Sagen), Die Landschaft und ihr Wesen (Natursagen), Leib
+und Seele. Der Teufel (mythische Sagen). Die geschichtlichen Sagen leben noch am wenigsten
+in unserem Volke, sie sind am meisten zu Buchsagen geworden; sie sind aber doch auch
+wert, erhalten zu bleiben, weil in ihnen sich nicht nur – denn Sage ist eine Art Geschichte –
+die geschichtliche Entwickelung unseres Landes und Volkes nach allen seinen Lebensäußerungen
+widerspiegelt, sondern auch deshalb, weil wir interessante geschichtliche Persönlichkeiten
+und Vorgänge vom Volke selbst gestaltet und beurteilt sehen. So entrollt denn
+auch Sieber in diesem Kapitel, indem er die Sagen in erzählender Form aneinander reiht,
+ein reizvolles Bild der Geschichte Obersachsens von der Zeit der Wiederbesiedelung des
+Ostens (Wendenkrieg – Das Kreuz wird aufgerichtet – Wieprecht von Groitzsch – Die
+ersten Wettiner), über die glanzvolle Blütezeit des Bergbaus und die unheilvollen Zeiten
+der Religionskriege (Die Hussiten – Sektierertum und Reformation – Der Dreißigjährige
+Krieg) und der Pest bis zu den letzten Kriegen, denen sich Sagen aus Dörfern und Städten
+und von mancherlei Herren anschließen. Er muß dabei feststellen, daß gerade die obersächsische
+geschichtliche Sage keine besondere Blütezeit erlebt hat und daß z. B. die Reckengestalt
+Wieprechts von Groitzsch einsam über alle historischen Persönlichkeiten hervorragt
+und keine besondere dichterische Gestaltung erlebt hat. – Die Bergbausagen, die naturgemäß
+besonders zahlreich vorhanden sind, und die Sieber ganz richtig historisch eingeordnet
+hat, bilden inhaltlich die Überleitung zu den Natursagen. Auch diese Sagen sind in der
+heutigen Volksüberlieferung selten geworden. Die Umwandlung des Landes aus einer
+Natur- in eine Kulturlandschaft; die vielen Rodungen, die Regulierungen der Gewässer,
+die Grundstückszusammenlegungen, die Beseitigung alter heimlicher Wege und anderes
+mehr sind schuld daran. Die Riesen und Zwerge, die Berggeister, den wilden Jäger, die
+Buschweibel und Wassermänner, die Lichter, die Lindwürmer und Basilisken, die geheimnisvollen
+Schätze, von denen der Verfasser so lebensvoll zu erzählen weiß, kennen nur
+wenige noch im Volke; die Großeltern und Urgroßeltern haben nur noch davon erzählt.
+Aber die mythischen Sagen leben noch heute im Volke, mehr als man meint, wenn auch
+lebensvoller Glaube leider allzuoft sich in sinnlosen unverstandenen Aberglauben verwandelt
+hat. Volkskundliche Forscher wie Professor Pfau in Rochlitz und der leider zu
+früh verstorbene Julius Bernhardt in Leipzig haben mir viel davon erzählt und auch
+Sieber stellt das fest von den Sagen, die er im dritten Hauptkapitel in den Einzelabschnitten
+»Leib und Seele wandern – Der Teufel – Schwarzkünstler und Hexenvolk – Kobold und
+Drache – Der Tod und die Toten – Allerlei Spuk – Weiße Frauen – Entrückt« zur Darstellung
+bringt. Welch ein farbiges Bild von dem Seelenleben unseres Volkes, von seinem<span class="pagenum" id="Seite_246">[246]</span>
+Glauben, Lieben, Fürchten und Hoffen entrollt sich vor uns; schade, daß der Raum es nicht
+erlaubt, Ausschnitte davon zu bringen. So ist aus dem Ganzen ein Buch entstanden, das
+es fertig bringen kann, Entwurzelte wieder im Volksleben wurzeln zu lassen, sie wieder
+enger mit der Heimat zu verbinden, ein Buch, das in jedes Haus gehört. Eine Reihe von
+Bildertafeln und in den Text eingefügter Bilder von mythischen und historischen Gestalten,
+von Städten und Burgen in alter Zeit macht das Verständnis für die Entstehung der
+Sagen noch leichter und erhöht noch den Wert des Buches.</p>
+
+<p class="mright">
+Dr. Paul Zinck.
+</p>
+
+<p class="h3" id="Vom_saechsischen_Lachen">Vom Sächsischen Lachen</p>
+
+<p>»Es ist doch wohl hierzulande keine Sünde, aus Sachsen zu sein?« frägt die Kammerzofe
+Franziska in Lessings »Minna von Barnhelm« den Berliner Wirt. Tatsächlich ist der
+Sachse von den Vertretern anderer deutscher Stämme zu Zeiten über die Achsel angesehen
+worden. Zum mindesten gilt dies für die letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts.
+Und daran ist niemand anders als der Bardigulieh Fritze Bliemchen aus Dräsen schuld,
+eine komische, von Oswald Schumann geschaffene Figur, der man außerhalb (und zum Teil
+wohl auch innerhalb) Sachsens eine typische Bedeutung beilegte. Der große buchhändlerische
+Erfolg, den die Bliemchenschriften erzielten, mag zum Teil daraus zu erklären
+sein, daß damals der Ungeschmack in seiner Sünden Maienblüte stand. Es kam aber noch
+eines hinzu: Das mundartliche Schrifttum, das grade im 19. Jahrhundert in Deutschland
+eine so bedeutende Rolle gespielt hat, war in den obersächsischen Landen seit langer Zeit
+so gut wie nicht mehr gepflegt worden. Man blickte erstaunt auf, als jemand es unternahm,
+in den Lauten zu schreiben, die angeblich vom sächsischen Volke gesprochen wurden.
+Wir wissen jetzt, daß es mit der mundartlichen Treue nicht weit her war, daß jedenfalls
+Fritze Bliemchen gar nicht Dresdnerisch sprach, sondern eher ein dem Schriftdeutsch angenähertes
+Leipziger Deutsch. Aber das ist nicht das Schlimmste. Viel schlimmer ist, daß
+Bliemchens Witz im Grunde recht flach und schal ist. Und das Schlimmste: Bliemchen, dieser
+schwatzhafte Jammerlappen, kann nur als Zerrbild des Sachsen gewertet werden. Der
+Sachse hat seine Fehler. Aber ein solcher Ekel wie Fritze Bliemchen ist er im allgemeinen
+nicht.</p>
+
+<p>Der Wunsch, dieser Strohpuppe die Larve vom Gesichte zu reißen, mag mitbestimmend
+für <em class="gesperrt">Kurt Arnold Findeisen</em> gewesen sein, um zusammen mit dem Zeichner <em class="gesperrt">Kurt
+Rübner</em> sein »<em class="gesperrt">Sächsisches Lachen, ein Buch voller Kurzweil und
+Schnurren</em>« im Verlage von Max Koch in Leipzig<a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[6]</a> herauszugeben. Jedenfalls bringt
+Findeisen in diesem Buche an besonders eindrucksvoller Stelle »Die Vernichtung Fritze
+Bliemchens, eine Groteske als Beschluß«. Bliemchen erscheint bei Nacht vor Findeisens Bett
+und läßt in angeblich Sächsischer Gemütlichkeit einen nicht endenwollenden Strom abgeschmackter
+Rederei auf ihn los. »Zum Donnerwetter, nun lassen Sie mich aber schlafen,
+Sie unerträglicher Schwätzer. Und sagen Sie’s ja niemandem, daß Sie aus Sachsen sind;
+man müßte sich geradezu schämen um Ihretwillen. Leute Ihres Schlages machen uns in
+der Welt ja nur lächerlich. Schleppen Sie nicht überall eine große Reisetasche herum, auf
+der mit Perlen gestickt steht: Glückliche Reise?« – »Nu freilich, mei gudstes Herrchen, off
+meiner steht’s aber französ’sch: <em class="antiqua">Bong voiasche</em>, damit daß mer gleich sieht: Der Mann hat
+Bildung.« – Schließlich wird es Findeisen zu arg. Er stößt mit beiden Fäusten gegen die
+Fratze, und das Spukgebilde zerstiebt.</p>
+
+<p>Aber Findeisen und Rübner haben natürlich nicht bloß niederreißen, sie haben auch
+aufbauen, sie haben zeigen wollen, wie der Sachse tatsächlich aussieht, wenn man ihn von
+der humoristischen Seite nimmt, und – das ist natürlich noch wichtiger – wenn er sich selbst
+humorvoll gibt. Findeisen entwickelt das Wesen des Sächsischen Lachens aus den allgemeinen
+Charaktereigenschaften des Sachsen, indem er folgendes ausführt: »Elastizität,
+Anpassungsfähigkeit, Beweglichkeit, die besitzt der Sachse in hohem Maße, und alle seine
+guten und schlechten Wesensmerkmale hängen hiermit irgendwie zusammen, seine Gabe<span class="pagenum" id="Seite_247">[247]</span>
+raschester Aufnahme, seine Höflichkeit, seine Verbindlichkeit, seine Reiselust, aber auch sein
+Hang zu Besserwissen und Krittelei, seine fatale Neigung zu Klatsch, Geschwätzigkeit,
+billigem Spott und Schadenfreude. Schwer ins Gewicht fällt hierbei die nicht zu leugnende
+Tatsache, daß sein Verstand meist größer ist als sein Herz, und daß eine ausgesprochen
+spekulative Vorherrschaft des Intellekts eine entscheidende Beteiligung elementaren
+Gefühls bei allem, was er wirkt und treibt, nur in Ausnahmefällen zuläßt. – Und
+hiermit sind in Kürze die Naturgesetze des Sächsischen Lachens aufgestellt. Es leuchtet
+ein, daß es unter der Knebelung von allerlei Bedingtheiten und Hemmungen seufzt. Es
+ist manchmal ein nicht ganz reiner Ton darin. Es ist ein Lachen voller Nebengeräusche,
+ein Lachen, das nicht unmittelbar aus dem Herzen kommt und infolgedessen nicht ohne
+weiteres erwärmt und beglückt und befreit. Immerhin, es ist wenn auch kompliziert, ein
+rechtschaffenes Lachen. Der Sachse lacht, er kann lachen und er wird lachen, und seine
+übrigen Eigenschaften bürgen dafür, daß er je und je in seinem Lachen nicht zu kurz
+kommen wird. Versteht er doch infolge seiner eigenartigen Mentalität etwas, was manche
+seiner deutschen Stammesbrüder (von anderen Völkern nicht zu reden) ganz und gar nicht
+können, versteht er doch die Kunst, über sich selber zu lachen.« –</p>
+
+<p>An Stoff für sein »Sächsisches Lachen« kann es dem Herausgeber nicht gefehlt haben.
+Es galt zu sichten und zu gliedern. Beide Aufgaben hat Findeisen gut, zum Teil vortrefflich
+gelöst.</p>
+
+<p>Der erste Teil des Buches enthält Proben aus Sachsens humoristischen Dichtungen.
+Hier steht der literaturgeschichtliche Gesichtspunkt im Vordergrund. Neben einigen Älteren
+sind der leider viel zu wenig gekannte Rabener, Gellert, Lichtwer, Lessing und der von
+Kügelgen so lebensvoll geschilderte Roller aus Lausa vertreten. Unter den Neueren findet
+sich auch Richard Wagner mit einigen Gelegenheitsversen. Einen Dienst hat man ihm
+durch die Aufnahme nicht erwiesen; der Humor ist offenbar nicht seine stärkste Seite! Den
+Beschluß machen Nagler, Findeisen, Reimann und Ringelnatz.</p>
+
+<p>Im zweiten Teile handelt es sich darum, die Unterschiede in der Mundart zum Ausdruck
+zu bringen. Vogtland, Erzgebirge, Elbsandsteingebirge, Oberlausitz und Leipzig sind
+mit kurzen, nicht übel ausgewählten Stücken vertreten.</p>
+
+<p>Nun kommt »Kulturgeschichtliches«. In diesem und im folgenden Teile »Volkskundliches
+und Volkstümliches« scheint mir der Hauptwert des Buches zu liegen. Wir
+hören da vom großen Musikfest zu Dresden im Jahre 1615, vom Raubschützen Stülpner
+sowie vom Gastwirt Wutschke, dem Napoleonverehrer. Wir lernen die Alt-Dresdner und
+die Alt-Leipziger Originale kennen, ferner die Schandauer Muhme, Timmels Wilhelm, den
+Orgelbauer Barth und den Buchbinder Brück aus Meißen. Auch General Kirchner und
+König Friedrich August werden erwähnt.</p>
+
+<p>Und nun erst der volkskundliche Teil! Hier jagen sich die Glanzstücke nur so. Gleich
+unter den ersten Sachen das in seiner Art klassische Lied vom alten Barchewitz, dem berühmten
+Kanonier, dessen Werk es gewesen sein soll, daß dem Marschall Moreau in der
+Schlacht bei Dresden die Beine weggeschossen wurden. Der Dresdner spricht bekanntlich
+noch jetzt von »Morros Beenen«, wenn er das Moreau-Denkmal auf der Räcknitzer Höhe
+meint. Natürlich darf auch die Witwe Magnus nicht fehlen, in deren Schauspielbude das
+Vogelwiesenpublikum an den Vorgängen auf der Bühne durch Werfen und Schlagen tätigen
+Anteil nahm, zumal wenn der »geschundene Raubritter« über die Bretter ging. Fritz
+Gerstäcker hatte dies Stück eigens für diese Bühne geschrieben. Überhaupt die Vogelwiese!
+Und der große Schausteller, »Treten Sie ein, meine Herrschaften!«, und der Bänkelsänger!
+Und die Schützenbrüder! Und die Leipziger Meßmusikanten! Und der Tauch’sche
+Markt in Leipzig, der schon gar kein Markt mehr ist, sondern nur noch eine Gelegenheit
+für die Leipziger Kinder in wilden Verkleidungen durch die Stadt zu streifen! Und das
+Eierschieben vom Protzschenberge bei Bautzen! Natürlich darf auch das Landesmuseum für
+sächsische Volkskunst mit Hofrat Seyffert als Erklärer nicht fehlen! Vor allem aber hat
+mich gefreut, daß das bei unseren Eltern und Großeltern so beliebte Lied: »Und wenn<span class="pagenum" id="Seite_248">[248]</span>
+Kalkelatersch in de Boomblut nausmarschiern« der Gefahr des Vergessenwerdens entrissen
+worden ist. Nur etwas fehlt mir in diesem Kapitel, das ist der Puppenspieler Ganzauge.
+Ganzauge ist mit seiner Kasperbude in gewisser Hinsicht an die Stelle der Witwe Magnus
+getreten. Die Bedeutung seiner Stücke geht jedoch über die des »geschundenen Raubritters«
+insofern weit hinaus, als es sich hier nicht um den glücklichen Einfall eines kecken
+jungen Schriftstellers handelt, sondern um altes, von einem Puppenspieler zum anderen
+weitergegebenes Erbe der Väter. Ganzauge benutzt bekanntlich keinerlei Textbuch, sondern
+spielt aus dem Gedächtnis, soweit er nicht den Einfällen des Augenblicks Raum gibt. So
+hielten es die Puppenspieler schon vor Jahrhunderten. Nun fehlt zwar das Puppenspiel
+auch bei Findeisen nicht gänzlich. Aber es ist nicht altes sächsisches Volksgut, was uns
+hier geboten wird. Vielleicht kann bei weiteren Auflagen Ganzauge mit eingefügt
+werden. Und da ich einmal bei solchen Wünschen bin: Vielleicht kann dann auch die jetzt
+etwas stiefmütterlich behandelte Oberlausitz einen breiteren Raum erhalten. Dabei bin
+ich überzeugt, daß dies leichter gesagt als getan ist. Der Oberlausitzer ist schwerblütiger
+als der Sachse aus den Meißner Landen. Sein Humor ist weniger zugespitzt. Vielfach
+erwächst er erst auf der Grundlage einer ausführlichen Schilderung der Verhältnisse und
+geht dadurch stark in die Breite. Immerhin durch Nachfrage bei waschechten alten Oberlausitzern
+und durch eifriges Suchen, z. B. in Volkskalendern, müßte sich doch wohl noch
+weiterer zur Aufnahme geeigneter Stoff ergeben.</p>
+
+<p>Der letzte Teil des Buches führt den vielversprechenden Namen: »Anzügliches«. Hier
+handelt es sich um ungewollte und unbewußte Komik, wobei natürlich »Der Sachse auf
+Reisen« eine besonders wichtige Rolle spielt.</p>
+
+<p>Wenn das »Sächsische Lachen« Erfolg hat (und ich glaube diese Erwartung aussprechen
+zu dürfen), so wird die Bebilderung durch den Dresdner Zeichner Kurt Rübner
+einen wesentlichen Anteil daran haben. Was Rübner da in wenigen starken Strichen
+hinsetzt, gemahnt in den besten Sachen geradezu an Wilhelm Busch, wennschon die persönliche
+Note Rübners nie zu verkennen ist. Sehr zu bedauern ist es, daß die naturgemäß
+stark in die Augen springende Umschlagzeichnung durch die Vergrößerung zugleich vergröbert
+worden ist. Wie sie der Künstler ursprünglich gedacht hatte, zeigt die letzte Seite
+des Buches. Die alte Geschichte: Das Format macht’s.</p>
+
+<p class="mright">
+Benno von Polenz.
+</p>
+
+<div class="footnotes"><p class="h3">Fußnoten:</p>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> Mit 65 alten Holzschnitten und 350 Seiten, broschiert M. 8.—, gebunden M. 10.—. Verlag: Eugen Diederichs,
+Jena. Zu vergleichen diesem Hefte beiliegende Werbeschrift des Verlags.</p>
+
+</div>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[6]</a> Preis: broschiert M. 4.—, gebunden M. 6.—.</p>
+
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="Heimat">Heimat!</h2>
+</div>
+
+<p>Dieses wundersame Wort gehört uns Deutschen ganz allein, ist eine Perle
+in dem reichen Wortschatz unserer Sprache, die so herrlich zu malen weiß,
+die mit allen Wurzeln aus deutscher Erde heraufgesprossen ist, aus der es
+uns heraufklingt wie Abendsäuseln und dann wieder wie einherbrausendes
+Sturmeswetter. Kein Volk der Erde besitzt ein gleiches Wort, es ahnt aber
+auch nicht, was aus ihm für das deutsche Gemüt hindurchzittert. Alle versonnene
+Innigkeit, die ganze Verträumtheit unseres eigenstens Wesens, das
+Bodenständige, die heiße Liebe zu der Scholle, die uns geboren, dies alles
+flutet zusammen in diesem kleinen Worte: Heimat! Jauchzen und Wehmut,
+Mutterliebe und verhallendes Abendgeläute, so umweht es uns, wenn dieses
+Wort an unser Ohr schlägt.</p>
+
+<p class="mright">
+† <em class="gesperrt">August Trinius</em>, der Thüringer Wandersmann.
+</p>
+
+<p class="center s90 p2">
+Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden<br>
+Photographische Platten »Perutz« – Photographische Aufnahmen: Max Nowak – Auflage 50 000<br>
+Diesem Hefte liegt ein Werbeschreiben des Verlags Eugen Diederichs, Jena, bei
+</p>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<p class="h2">Heimatschutz-Vorträge</p>
+</div>
+
+<p class="h3">Walddorf – Eibau</p>
+
+<p class="center"><b>Kretscham Walddorf, abends 8 Uhr:</b></p>
+
+<div class="hang">
+
+<p>Donnerstag, den 2. September: Lichtbildervortrag: »Pilze der Heimat«. Studienrat
+Arno Lange, Dresden.</p>
+
+<p>Donnerstag, den 9. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der Mutter aller
+Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen, Dresden.</p>
+
+<p>Dienstag, den 14. September: Filmvortrag: »Vom Vogelparadies der Dobrudscha
+zu den Siebenbürgener Sachsen«. Schulleiter Paul Bernhardt, Dresden.</p>
+
+<p>Montag, den 20. September: Lichtbildervortrag: »Die Lausitz, Land und Leute«.
+Studienrat Dr. Jordan, Bautzen.</p>
+
+<p>Dienstag, den 5. Oktober: Lichtbildervortrag: »Aus Sachsens Kornkammer –
+Die Lommatzscher Pflege«. Professor Dr. Große, Dresden.</p>
+</div>
+
+<p class="h3">Neugersdorf</p>
+
+<p class="center"><b>Stadt Zittau, abends 8 Uhr:</b></p>
+
+<div class="hang">
+
+<p>Freitag, den 3. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der Mutter aller Zeiten
+und Völker«. Kurt Arnold Findeisen, Dresden.</p>
+
+<p>Donnerstag, den 9. September: Lichtbildervortrag: »Pilze der Heimat«. Studienrat
+Arno Lange, Dresden.</p>
+
+<p>Mittwoch, den 15. September: Filmvortrag: »Vom Vogelparadies der Dobrudscha
+zu den Siebenbürgener Sachsen«. Schulleiter Paul Bernhardt, Dresden.</p>
+
+<p>Dienstag, den 21. September: Lichtbildervortrag: »Aus Sachsens Kornkammer –
+Die Lommatzscher Pflege«. Professor Dr. Große, Dresden.</p>
+
+<p>Mittwoch, den 6. Oktober: Lichtbildervortrag: »Die Lausitz, Land und Leute«.
+Studienrat Dr. Jordan, Bautzen.</p>
+</div>
+
+<p class="h3">Großschönau</p>
+
+<p class="center"><b>Gasthof zum Weinhaus, abends 8 Uhr:</b></p>
+
+<div class="hang">
+
+<p>Freitag, den 3. September: Filmvortrag: »Mit Kamera und Kino durch die
+Vogelwelt«. Schulleiter Paul Bernhardt, Dresden.</p>
+
+<p>Donnerstag, den 9. September: Lichtbildervortrag: »Moritzburg im Wandel der
+Zeiten«. Oberlehrer Oskar Merker, Dresden.</p>
+
+<p>Mittwoch, den 15. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der Mutter aller
+Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen, Dresden.</p>
+
+<p>Dienstag, den 21. September: Lichtbildervortrag: »Die Lausitz, Land und Leute«.
+Studienrat Dr. Jordan, Bautzen.</p>
+
+<p>Dienstag, den 5. Oktober: Lichtbildervortrag: »Pilze der Heimat«. Studienrat
+Arno Lange, Dresden.</p>
+</div>
+
+<p class="h3">Zittau</p>
+
+<p class="center"><b>Kronensäle, abends 8 Uhr:</b></p>
+
+<div class="hang">
+
+<p>Freitag, den 3. September: Lichtbildervortrag: »Pilze der Heimat«. Studienrat
+Arno Lange, Dresden.</p>
+
+<p>Freitag, den 10. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der Mutter aller
+Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen, Dresden.</p>
+
+<p>Freitag, den 17. September: Konzert: Liesel von Schuch – Hans von Schuch.
+Am Flügel: Dr. Arthur Chitz, Dresden.</p>
+
+<p>Mittwoch, den 22. September: Lichtbildervortrag: »Die Lausitz, Land und Leute«.
+Studienrat Dr. Jordan, Bautzen.</p>
+
+<p>Montag, den 4. Oktober: Filmvortrag: »In Schilf und Rohr«. Schulleiter
+Paul Bernhardt, Dresden.</p>
+</div>
+
+<p class="h3">Ebersbach</p>
+
+<p class="center"><b>Hotel Stadt Zittau, abends 8 Uhr:</b></p>
+
+<div class="hang">
+
+<p>Mittwoch, den 8. September: Lichtbildervortrag: »Pilze der Heimat«. Studienrat
+Arno Lange, Dresden.</p>
+
+<p>Mittwoch, den 15. September: Lichtbildervortrag: »Aus Sachsens Kornkammer
+– Die Lommatzscher Pflege«. Professor Dr. Martin Große, Dresden.</p>
+
+<p>Dienstag, den 21. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der Mutter aller
+Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen, Dresden.</p>
+
+<p>Dienstag, den 5. Oktober: Lichtbildervortrag: »Die Lausitz, Land und Leute«.
+Studienrat Dr. Jordan, Bautzen.</p>
+
+<p>Dienstag, den 12. Oktober: Filmvortrag: »Vom Vogelparadies der Dobrudscha
+zu den Siebenbürgener Sachsen«. Schulleiter Paul Bernhardt, Dresden.</p>
+</div>
+
+<p class="h3">Freiberg</p>
+
+<p class="center"><b>Tivoli, abends 8 Uhr:</b></p>
+
+<div class="hang">
+
+<p>Donnerstag, den 9. September: Filmvortrag: »Vom Vogelparadies der Dobrudscha
+zu den Siebenbürgener Sachsen«. Schulleiter Paul Bernhardt, Dresden.</p>
+
+<p>Donnerstag, den 16. September: Lichtbildervortrag: »Das Bild der Mutter aller
+Zeiten und Völker«. Kurt Arnold Findeisen, Dresden.</p>
+
+<p>Donnerstag, den 23. September: Filmvortrag: »Im Reiche des Naturforschers«.
+Dr. M. Rikli, Dresden.</p>
+
+<p>Donnerstag, den 7. Oktober: Lichtbildervortrag: »Muldenland«. Professor Dr.
+G. Henning, Grimma.</p>
+
+<p>Mittwoch, den 13. Oktober: Konzert: Liesel von Schuch – Hans von Schuch.
+Am Flügel: Dr. Arthur Chitz, Dresden.</p>
+</div>
+
+<p class="center s90 p2">Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-N.</p>
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter transnote" id="tnextra">
+
+<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p>
+
+<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Unterschiedliche
+Schreibweisen, insbesondere bei den lateinischen Bezeichnungen, wurden
+unverändert beibehalten.</p>
+
+<p>Die Bildverweise wurden aus den Fußnoten direkt in den Text übernommen.</p>
+</div>
+
+<div style='text-align:center'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75906 ***</div>
+</body>
+</html>
+
diff --git a/75906-h/images/cover.jpg b/75906-h/images/cover.jpg
new file mode 100644
index 0000000..7fb8877
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/cover.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-003.jpg b/75906-h/images/illu-003.jpg
new file mode 100644
index 0000000..9ae55a3
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-003.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-004.jpg b/75906-h/images/illu-004.jpg
new file mode 100644
index 0000000..baabf8c
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-004.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-005.jpg b/75906-h/images/illu-005.jpg
new file mode 100644
index 0000000..d0a39b6
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-005.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-006.jpg b/75906-h/images/illu-006.jpg
new file mode 100644
index 0000000..4f4a1dc
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-006.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-007a.jpg b/75906-h/images/illu-007a.jpg
new file mode 100644
index 0000000..9762e1b
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-007a.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-007b.jpg b/75906-h/images/illu-007b.jpg
new file mode 100644
index 0000000..00dc9cf
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-007b.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-008.jpg b/75906-h/images/illu-008.jpg
new file mode 100644
index 0000000..846f04f
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-008.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-010.jpg b/75906-h/images/illu-010.jpg
new file mode 100644
index 0000000..be93249
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-010.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-011.jpg b/75906-h/images/illu-011.jpg
new file mode 100644
index 0000000..46e39e8
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-011.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-013.jpg b/75906-h/images/illu-013.jpg
new file mode 100644
index 0000000..1e09ce2
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-013.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-015.jpg b/75906-h/images/illu-015.jpg
new file mode 100644
index 0000000..0bba870
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-015.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-020.jpg b/75906-h/images/illu-020.jpg
new file mode 100644
index 0000000..c9fffc8
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-020.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-021.jpg b/75906-h/images/illu-021.jpg
new file mode 100644
index 0000000..741252c
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-021.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-024.jpg b/75906-h/images/illu-024.jpg
new file mode 100644
index 0000000..4379108
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-024.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-025.jpg b/75906-h/images/illu-025.jpg
new file mode 100644
index 0000000..fd33e6a
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-025.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-026.jpg b/75906-h/images/illu-026.jpg
new file mode 100644
index 0000000..8889147
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-026.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-027.jpg b/75906-h/images/illu-027.jpg
new file mode 100644
index 0000000..b715006
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-027.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-032.jpg b/75906-h/images/illu-032.jpg
new file mode 100644
index 0000000..353eeee
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-032.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-035a.jpg b/75906-h/images/illu-035a.jpg
new file mode 100644
index 0000000..808f2d8
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-035a.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-035b.jpg b/75906-h/images/illu-035b.jpg
new file mode 100644
index 0000000..7bfe222
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-035b.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-035c.jpg b/75906-h/images/illu-035c.jpg
new file mode 100644
index 0000000..11fa606
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-035c.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-035d.jpg b/75906-h/images/illu-035d.jpg
new file mode 100644
index 0000000..fb19a11
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-035d.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-037.jpg b/75906-h/images/illu-037.jpg
new file mode 100644
index 0000000..a77358c
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-037.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-038.jpg b/75906-h/images/illu-038.jpg
new file mode 100644
index 0000000..b1b485b
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-038.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-040.jpg b/75906-h/images/illu-040.jpg
new file mode 100644
index 0000000..46504c6
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-040.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-042.jpg b/75906-h/images/illu-042.jpg
new file mode 100644
index 0000000..0265cbe
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-042.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-044.jpg b/75906-h/images/illu-044.jpg
new file mode 100644
index 0000000..9f133e7
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-044.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-045.jpg b/75906-h/images/illu-045.jpg
new file mode 100644
index 0000000..4256ae8
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-045.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-046a.jpg b/75906-h/images/illu-046a.jpg
new file mode 100644
index 0000000..1beaff6
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-046a.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-046b.jpg b/75906-h/images/illu-046b.jpg
new file mode 100644
index 0000000..6e856c2
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-046b.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-047.jpg b/75906-h/images/illu-047.jpg
new file mode 100644
index 0000000..202f2e5
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-047.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-048.jpg b/75906-h/images/illu-048.jpg
new file mode 100644
index 0000000..8fe823a
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-048.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-051.jpg b/75906-h/images/illu-051.jpg
new file mode 100644
index 0000000..f42bb34
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-051.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-053.jpg b/75906-h/images/illu-053.jpg
new file mode 100644
index 0000000..dcff75a
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-053.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-054.jpg b/75906-h/images/illu-054.jpg
new file mode 100644
index 0000000..e5b6295
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-054.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-058.jpg b/75906-h/images/illu-058.jpg
new file mode 100644
index 0000000..29c9685
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-058.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-059.jpg b/75906-h/images/illu-059.jpg
new file mode 100644
index 0000000..218bf20
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-059.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-061.jpg b/75906-h/images/illu-061.jpg
new file mode 100644
index 0000000..1017d08
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-061.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-063a.jpg b/75906-h/images/illu-063a.jpg
new file mode 100644
index 0000000..343887a
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-063a.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-063b.jpg b/75906-h/images/illu-063b.jpg
new file mode 100644
index 0000000..b97a6f7
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-063b.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-064.jpg b/75906-h/images/illu-064.jpg
new file mode 100644
index 0000000..5fc9305
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-064.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-073.jpg b/75906-h/images/illu-073.jpg
new file mode 100644
index 0000000..efae808
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-073.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-077.jpg b/75906-h/images/illu-077.jpg
new file mode 100644
index 0000000..aac4ffa
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-077.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-078.jpg b/75906-h/images/illu-078.jpg
new file mode 100644
index 0000000..a1a01d5
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-078.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-079a.jpg b/75906-h/images/illu-079a.jpg
new file mode 100644
index 0000000..ed4835b
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-079a.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-079b.jpg b/75906-h/images/illu-079b.jpg
new file mode 100644
index 0000000..82d048e
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-079b.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-080a.jpg b/75906-h/images/illu-080a.jpg
new file mode 100644
index 0000000..08c32c0
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-080a.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-080b.jpg b/75906-h/images/illu-080b.jpg
new file mode 100644
index 0000000..c33b88c
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-080b.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-081.jpg b/75906-h/images/illu-081.jpg
new file mode 100644
index 0000000..c6ee0f2
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-081.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-082.jpg b/75906-h/images/illu-082.jpg
new file mode 100644
index 0000000..1d06203
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-082.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-083a.jpg b/75906-h/images/illu-083a.jpg
new file mode 100644
index 0000000..f8d30e2
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-083a.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-083b.jpg b/75906-h/images/illu-083b.jpg
new file mode 100644
index 0000000..35ca191
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-083b.jpg
Binary files differ
diff --git a/75906-h/images/illu-084.jpg b/75906-h/images/illu-084.jpg
new file mode 100644
index 0000000..6ec3158
--- /dev/null
+++ b/75906-h/images/illu-084.jpg
Binary files differ
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..b5dba15
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This book, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this book outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..75601fe
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+book #75906 (https://www.gutenberg.org/ebooks/75906)