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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/9860-0.txt b/9860-0.txt new file mode 100644 index 0000000..1ea928c --- /dev/null +++ b/9860-0.txt @@ -0,0 +1,1454 @@ +The Project Gutenberg eBook of Moni der Geissbub, by Johanna Spyri + +This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and +most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions +whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms +of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at +www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you +will have to check the laws of the country where you are located before +using this eBook. + +Title: Moni der Geissbub + +Author: Johanna Spyri + +Release Date: October 15, 2003 [eBook #9860] +Most recently updated: October 8, 2023 + +Language: German + +Produced by: Delphine Lettau + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MONI DER GEISSBUB *** + + + + +Moni der Geißbub + +Erzählung + +Johanna Spyri + + + + +1. Kapitel + +Der Moni fühlt sich wohl + + +Um zu dem Badehaus Fideris zu gelangen, muß man steil und lang die +Höhe hinaufsteigen, nachdem man die Straße verlassen hat, die sich +durch das lange Tal des Prättigau nach oben schlängelt. So mühsam +keuchen dann die Pferde den Berg hinauf, daß man lieber aussteigt und +zu Fuß die grüne Höhe erreicht. + +Nach einem längeren Anstieg kommt man erst zum Dorf Fideris, das auf +der freundlichen, grünen Anhöhe liegt. Von da geht es weiter in die +Berge hinein, bis das einsame Gebäude des Badeortes auftaucht, überall +von felsigen Höhen umgeben. Dort oben wachsen nur noch Tannen, die +die Höhen und Felsen ringsum bedecken. Es sähe alles ziemlich düster +aus, wenn nicht überall aus dem niederen Weidegras die schönen +Bergblümchen mit ihren glänzenden Farben hervorguckten. + +An einem hellen Sommerabend traten zwei Damen aus dem Badehaus und +gingen auf dem schmalen Fußweg dahin, der unweit des Hauses beginnt +und bald sehr steil bis zu den hoch aufragenden Felsen hinaufsteigt. +An dem ersten Vorsprung blieben sie stehen und schauten um sich, denn +sie waren eben erst in dem Bad angekommen. + +"Lustig ist's nicht hier oben, Tante", sagte jetzt die Jüngere, indem +sie die Landschaft betrachtete. "Lauter Felsen und Tannenwälder und +dann wieder ein Berg und noch einmal Tannen darauf. Wenn wir sechs +Wochen hier bleiben sollen, dann wollte ich, es wäre hier und da auch +noch etwas Lustigeres zu sehen." + +"Lustig wird's jedenfalls nicht sein, wenn du hier oben dein +Brillantenkreuz verlierst, Paula", entgegnete die Tante, während sie +das rote Samtband zusammenknüpfte, an dem das funkelnde Kreuz hing. +"Es ist das drittemal, daß ich das Band festmache, seit wir angekommen +sind. Ich weiß nicht, wo es fehlt, ob an dir oder an dem Band, aber +das weiß ich, daß du jammern wirst, wenn es verloren ist." + +"Nein, nein", rief Paula lebhaft aus, "das Kreuz darf nicht +verlorengehen, um keinen Preis, es ist noch von der Großmutter und ist +mein größter Schatz!" + +Paula ergriff selbst noch das Band und machte zwei, drei Knoten hinein, +damit es festhalte. Plötzlich spitzte sie die Ohren. "Hör, hör, +Tante, jetzt kommt aber wirklich etwas Lustiges." + +Hoch oben erscholl ein fröhlicher Gesang. Zwischendurch kam ein +langer, schallender Jodler, dann wurde wieder gesungen. Die Damen +schauten aufwärts, konnten aber nichts Lebendiges entdecken. Der +Fußweg ging in großen Serpentinen, oft zwischen hohem Gebüsch und +wieder zwischen vorstehenden Bergabhängen durch, so daß man von unten +immer nur kurze Stückchen davon erblicken konnte. Aber jetzt wurde es +plötzlich lebendig auf dem Pfad, oben und unten, auf allen Stellen, wo +der schmale Weg gesehen werden konnte, und immer lauter und näher +tönte der Gesang. + +"Sieh, sieh, Tante, dort! Hier! Sieh da! Sieh da!" rief Paula mit +großem Vergnügen. Und ehe die Tante sich's versah, kamen drei, vier +Geißen in Sprüngen daher und immer mehr, immer mehr, und jede hatte +ein Glöcklein am Hals. Die läuteten von allen Seiten her, und mitten +in einem Rudel kam der Geißbub herabgesprungen und sang eben noch sein +Lied zu Ende: + +"Und im Winter bleib ich fröhlich, +Weil's Weinen nichts nützt, +Und weil ihm sowieso der Frühling +Auf den Fersen schon sitzt." + + +Dann ließ er einen ungeheuren Jodel erschallen. Und auf einmal stand +er mit seinem Rudel dicht vor den Damen, denn mit seinen nackten Füßen +sprang er genauso flink und leise wie seine Tierchen. + +"Guten Abend wünsche ich", sagte er, indem er die beiden lustig +anschaute, und wollte weiterziehen. Aber der Geißbub mit den +fröhlichen Augen gefiel den Damen. "Wart ein wenig", sagte Paula, +"bist du der Geißbub von Fideris? Hast du Geißen aus dem Dorf unten?" + +"Ja natürlich", war die Antwort. + +"Gehst du alle Tage mit ihnen da hinauf?" + +"Ja freilich." + +"So, so, und wie heißt du denn?" + +"Moni heiße ich." + +"Willst du mir auch das Lied einmal singen, das du eben gesungen hast? +Wir haben erst einen Vers gehört." + +"Das ist zu lang", erklärte Moni, "es wird zu spät für die Geißen, sie +müssen heim." Er rückte sein altes Hütchen zurecht, schwang seine Rute +in der Luft und rief den Geißen zu, die schon überall zu nagen +angefangen hatten: "Heim! Heim!" + +"So singst du mir's doch ein andermal, Moni, nicht wahr?" rief ihm +Paula nach. + +"Ja, das will ich und gute Nacht!" rief er zurück, setzte sich nun mit +den Geißen in Trab, und in kurzer Zeit stand die ganze Herde unten, +wenige Schritte vom Badehaus bei dem Hintergebäude still. Denn hier +hatte Moni die Geißen, die zum Haus gehörten, die schöne weiße und die +schwarze mit dem zierlichen Zicklein abzugeben. Moni behandelte +letzteres mit größter Sorgfalt, denn es war ein zartes Tierchen, und +er liebte es von allen am meisten. Es war auch so anhänglich, daß es +ihm den ganzen Tag immer nachlief. Er zog es auch jetzt ganz zärtlich +zu sich und stellte es in seinen Stall hinein. Dann sagte er: "So, +Mäggerli, nun schlaf gut, du bist müde. Es ist sehr weit bis dort +hinauf, und du bist noch so klein. Leg dich jetzt nur gleich hin, +siehst du, so in das gute Stroh hinein." + +Nachdem er so das Mäggerli zur Ruhe gebettet hatte, zog er eilig +weiter mit seiner Schar, erst vor dem Badehaus den Hügel hinauf und +dann die Straße hinunter dem Dorf zu. Hier nahm er sein Hörnchen vor +den Mund und blies so gewaltig hinein, daß es dröhnte bis weit ins Tal +hinab. Von allen verstreuten Höfen her kamen jetzt die Kinder +gelaufen, jedes stürzte auf seine Geiß, die es aus der Ferne schon +kannte. Und von den nahen Häusern her kam hier eine Frau und dort +eine, faßte ihr Geißlein am Strick oder am Horn, und in kurzer Zeit +war die ganze Herde auseinandergestoben, und jedes Tierlein kam an +seinen Ort. Zuletzt stand der Moni noch allein mit der Braunen, +seiner eigenen Geiß, und mit ihr ging er zu dem Häuschen am Bergabhang, +wo schon die Großmutter ihn in der Tür erwartete. + +"Ist alles gut gegangen, Moni?" fragte sie freundlich, führte dann die +Braune in den Stall und fing gleich an, sie zu melken. Die Großmutter +war noch eine rüstige Frau und besorgte alles selbst im Haus und im +Stall und hielt überall Ordnung. Moni stand in der Stalltür und +schaute der Großmutter zu. Als das Melken beendet war, trat sie ins +Häuschen und sagte: "Komm, Moni, du wirst Hunger haben." + +Sie hatte auch schon alles hergerichtet. Moni konnte sich sofort an +den Tisch setzen. Sie nahm neben ihm Platz. Obwohl es nur eine +Schüssel voll Maisbrei mit der Milch der Braunen gab, so ließ sich's +Moni doch herrlich schmecken. Dabei erzählte er der Großmutter, was +er den Tag über erlebt hatte, und sobald er sein Mahl beendet hatte, +zog er sich auf sein Lager zurück, denn er mußte sich ja früh am +Morgen wieder mit der Herde auf den Weg machen. + +Auf diese Weise hatte Moni schon zwei Sommer verbracht, so lange schon +war er Geißbub. Er war jetzt so an dieses Leben gewöhnt und mit +seinen Tierchen verbunden, daß er sich's gar nicht anders denken +konnte. Mit seiner Großmutter lebte Moni zusammen, solange er sich +besinnen konnte. Seine Mutter war gestorben, als er noch ganz klein +war. Sein Vater zog bald danach mit anderen zum Kriegsdienst nach +Neapel, um etwas zu verdienen, denn er meinte, das gehe dort schneller. + +Die Mutter seiner Frau war auch arm, aber sie nahm auf der Stelle das +verlassene Büblein ihrer Tochter, den kleinen Salomon, zu sich und +teilte mit ihm, was sie hatte. Es lag auch ein Segen auf ihrem +Häuschen, und noch nie hatte sie Not leiden müssen. + +Die brave, alte Elsbeth war auch im ganzen Dorf beliebt, und als vor +zwei Jahren ein anderer Geißbub ausgewählt wurde, da fielen alle +Stimmen einstimmig auf den Moni. Denn jeder gönnte es der arbeitsamen +Elsbeth, daß nun Moni auch etwas verdienen konnte. Die fromme +Großmutter hatte den Moni keinen Morgen weggehen lassen, ohne daß sie +ihm sagte: "Moni, vergiß nicht, wie nah du dort oben dem lieben Gott +bist und daß er alles sieht und hört. Du kannst vor seinen Augen +nichts verbergen. Aber vergiß auch nicht, daß er in deiner Nähe ist, +um dir zu helfen. Daher mußt du dich nie fürchten, und wenn du dort +oben keine Menschen herbeirufen kannst, rufe du nur zum lieben Gott in +der Not, er hört dich gleich und kommt dir zur Hilfe." + +So zog Moni von Anfang an voller Zuversicht auf die einsamen Höhen und +die höchsten Felsen und hatte nie die leiseste Furcht noch Schrecken, +denn er dachte immer: Je höher hinauf, desto näher bin ich beim lieben +Gott und desto sicherer in allem, was mir begegnen kann. So hatte +Moni weder Sorge noch Kummer und konnte sich freuen an allem, was er +erlebte vom Morgen bis zum Abend. Und es war kein Wunder, daß er +immer pfiff und sang und jodelte, denn er mußte seiner großen +Fröhlichkeit Luft machen. + + + + +2. Kapitel + +Monis Leben auf dem Berg + + +Am folgenden Morgen erwachte Paula so früh wie sonst nie, ein lauter +Gesang hatte sie aus dem Schlaf geweckt. "Da ist gewiß schon der +Geißbub", sagte sie, sprang aus dem Bett und lief ans Fenster. + +Richtig, mit frischen, roten Backen stand der Moni im Hof und hatte +eben die alte Geiß und das Zicklein aus dem Stall geholt. Jetzt +schwang er seine Rute in der Luft, die Geißen hüpften und sprangen um +ihn herum, und nun ging's vorwärts mit der ganzen Schar. Und +plötzlich erhob Moni seine Stimme wieder und sang, daß es von den +Bergen widerhallte: + +"Dort droben in den Tannen +Singen die Vögel im Chor, +Und hat's eine Weile geregnet, +Kommt die Sonne wieder vor." + + +"Heute muß er mir einmal sein ganzes Lied singen", sagte Paula, denn +jetzt war Moni verschwunden, und sie konnte seinen fernen Gesang nicht +mehr verstehen. + +Am Himmel zogen noch die roten Morgenwolken dahin, und ein frischer +Bergwind rauschte dem Moni um die Ohren, als er berganstieg. Das war +ihm gerade recht. Vor Wohlbehagen jodelte er vom ersten Bergvorsprung +so gewaltig ins Tal hinab, daß mancher Schläfer unten im Badehaus +erstaunt die Augen aufschlug. Er machte sie aber gleich wieder zu, +denn er kannte den Ton und wußte, daß er nun noch ein Stündchen Schlaf +zugeben konnte, denn der Geißbub kam immer so früh. Inzwischen +kletterte Moni mit seinen Geißen eine Stunde lang weiter und weiter +hinauf, bis hoch zu den Felsen. + +Immer weiter und immer schöner war es um den Moni geworden, je höher +er hinaufkam. Von Zeit zu Zeit guckte er um sich, dann schaute er zu +dem hellen Himmel auf, der nun immer blauer wurde. Dann fing er aus +vollem Hals zu singen an, immer lauter und immer fröhlicher, je höher +er kam: + + Dort droben in den Tannen + Singen die Vögel im Chor, + Und hat's eine Weile geregnet, + Kommt die Sonne wieder vor. + + Und die Sonne und die Sterne + Und den Mond bei der Nacht, + Die hat der liebe Gott uns + Zur Freude gemacht. + + Im Frühling gibt's Blumen, + Die sind gelb und sind rot, + Und so blau ist der Himmel, + Und ich freu mich fast zu Tod. + + Und im Sommer gibt's Beeren, + Und geht's gut, so gibt's viel, + Und die roten und die schwarzen, + Eß ich alle vom Stiel. + + Hat's im Hag wieder Nüsse, + So weiß ich wie's tut, + Wo die Geißen gern nagen, + Sind die Kräutlein auch gut. + + Und im Winter bin ich fröhlich, + Weil's Weinen nichts nützt, + Und weil ihm sowieso der Frühling, + Auf den Fersen schon sitzt. + +Jetzt war die Anhöhe erreicht, wo er gewöhnlich blieb und sich auch +heute ausruhen wollte. Das war eine kleine, grüne Hochebene mit einem +so weiten Vorsprung, daß man von dem freien Punkt ringsumher und +weiter, weit ins Tal hinabsehen konnte. Dieser Vorsprung hieß die +Felsenkanzel, und hier konnte Moni oft stundenlang verweilen und um +sich schauen und vor sich hin pfeifen, während seine Tierlein ganz +gemütlich ihre Kräuter suchten. + +Sobald Moni angekommen war, nahm er seinen kleinen Proviantsack vom +Rücken und legte ihn in eine kleine Höhle des Bodens, die er selbst +dafür gegraben hatte. Dann trat er auf die Felsenkanzel hinaus und +warf sich auf den Boden, um sich einmal so recht wohl sein zu lassen. + +Der Himmel war jetzt dunkelblau geworden. Drüben waren die hohen +Berge mit den in den Himmel ragenden Zacken und großen Eisfeldern zum +Vorschein gekommen, und unten leuchtete weithin das grüne Tal im +Morgenglanz. Moni lag da, schaute umher, sang und pfiff. Der +Bergwind kühlte ihm das warme Gesicht, und hörte er einmal zu pfeifen +auf, so pfiffen die Vögel über ihm noch viel lustiger und flogen in +den blauen Himmel hinauf. Der Moni fühlte sich unbeschreiblich wohl. +Von Zeit zu Zeit kam das Mäggerli zu ihm und strich ein wenig mit +seinem Kopf über Monis Schulter, wie die Geiß es immer tat. Dann +meckerte es ganz liebevoll, ging auf die andere Seite von Moni und +strich wieder den Kopf über seine Schulter. Auch von den anderen +Geißen kam bald diese, bald jene, um nach dem Hirten zu sehen, und +jede hatte ihre eigene Weise, ihm ihre Zärtlichkeit zu zeigen. + +Die Braune, seine eigene Geiß, kam zu ihm und schaute nach, ob auch +alles mit ihm in Ordnung sei. Sie stand dann da und schaute ihn an, +bis er sagte: "Ja, ja, Braunli, es ist schon recht, geh nur wieder zum +Futter." Eine Geiß hieß die Schwalbe, weil sie so schmal und flink war +und überall hineinschoß, wie die Schwalben in ihre Löcher. Sie sprang +so ungestüm auf den Moni los, daß sie ihn wohl umgeworfen hätte, wäre +er nicht schon auf dem Boden gelegen. Gleich darauf lief sie wieder +davon. + +Die glänzende Schwarze, die Geiß des Wirts im Badehaus, Mäggerlis +Mutter, war ein wenig stolz. Sie kam nur auf ein paar Schritte +Entfernung heran, schaute mit erhobenem Kopf zu dem Moni hin, als +wollte sie sich nicht zu vertraulich zeigen und ging dann wieder ihrer +Wege. Der große Sultan aber, der Bock, zeigte sich immer nur einmal +und drückte dann alle weg, die er in Monis Nähe traf. Dann meckerte +er einigemale so bedeutungsvoll, als habe er Mitteilungen abzugeben +über den Zustand der Herde, als deren Anführer er sich fühlte. + +Nur das kleine Mäggerli ließ sich niemals von seinem Beschützer +verdrängen. Wenn der Bock kam und wollte es wegdrücken, so kroch es +so tief unter Monis Arm oder Kopf, daß der große Sultan nicht wagte, +näher zu kommen. Unter Monis Schutz fürchtete sich das Zicklein auch +kein bißchen mehr vor dem Sultan, vor dem es sonst erzitterte, wenn es +in seine Nähe kam. + +So war der sonnige Morgen vergangen. Moni hatte schon sein +Mittagessen verzehrt und stand nun nachdenklich auf seinen Stecken +gestützt, den er hier oben öfters brauchte. Denn er war ihm beim Auf- +und Abstieg eine große Hilfe. Er dachte nach, ob er eine neue Seite +der Felsen besteigen wollte. Denn an diesem Nachmittag wollte er mit +den Geißen höher hinauf, die Frage war nur, nach welcher Seite? Er +entschied sich für die linke, denn dort ging es zu den drei +Drachensteinen, um die herum so zartes Buschwerk wuchs, daß es ein +wahres Festessen für die Geißen war. + +Der Weg war steil, und oben waren gefährliche Stellen an der schroffen +Felswand, aber er wußte einen sicheren Weg. Und die Geißen waren ja +vernünftig und verliefen sich nicht so leicht. Er ging bergauf, und +lustig kletterten ihm alle seine Geißen nach. Sie waren bald vor, +bald hinter ihm, das kleine Mäggerli blieb immer ganz in seiner Nähe. +Manchmal hielt er es fest und zog es mit sich, wenn eine steile Stelle +kam. Es ging aber alles gut, und nun waren sie oben, und mit hohen +Sprüngen rannten die Geißen zu den grünen Büschen hin, denn sie +erkannten das gute Futter, das sie schon öfter hier oben abgenagt +hatten. + +"Nur zahm! Nur zahm!" mahnte Moni, "und stoßt einander nicht an den +steilen Stellen, es könnte leicht eines abstürzen und hätte die Beine +gebrochen. Schwalbe! Schwalbe! Was kommt denn dir in den Sinn?" +rief er jetzt voller Aufregung. Denn die flinke Geiß war über die +hohen Drachensteine hinaufgeklettert, stand jetzt auf dem äußersten +Rand des einen Steins und guckte von da ganz vorwitzig auf ihn +herunter. Er kletterte eilig hinauf, denn nur noch ein einziger Tritt, +und die Schwalbe lag unten im Abgrund. Moni war sehr behend, in +wenigen Minuten hatte er den Stein erklettert und mit einem schnellen +Griff die Schwalbe am Bein erfaßt und zurückgezogen. "Komm du jetzt +mit mir, du unvernünftiges Tierlein du", schalt Moni und zog die +Schwalbe mit sich herunter zu den anderen. Er hielt sie noch ein +Weilchen fest, bis sie nicht mehr ans Fortlaufen dachte. + +"Wo ist das Mäggerli?" schrie Moni plötzlich auf, der die Schwarze +erblickte, wie sie allein an einer steilen Stelle stand und nichts +fraß, sondern ruhig umherschaute. Immer war das junge Geißlein neben +Moni, oder es lief seiner Mutter nach. + +"Wo hast du dein Zicklein, Schwarze?" rief er erschrocken und sprang +auf die Geiß zu. Sie war ganz sonderbar, fraß nicht, blieb immer auf +demselben Platz stehen und spitzte verdächtig die Ohren. Moni stellte +sich dicht neben sie und schaute hinauf und hinab. Jetzt hörte er ein +leises, jammerndes Meckern. Das war Mäggerlis Stimme, sie kam von +unten herauf, so kläglich und hilfeflehend. Moni legte sich auf den +Boden und beugte sich vor. Dort unten bewegte sich etwas. Jetzt sah +er's deutlich, tief unten hing das Mäggerli an einem Ast, der +aus dem Felsen herauskam, und winselte zum Erbarmen. Es mußte +hinuntergefallen sein. + +Glücklicherweise hatte der Ast es aufgehalten, sonst hätte es in den +Abgrund stürzen müssen. Aber auch noch jetzt, wenn es sich nicht mehr +an dem Ast festhalten konnte, mußte es auf der Stelle in die Tiefe +stürzen und sich das Genick brechen. In höchster Angst rief er +hinunter: "Halt fest, Mäggerli, halt fest am Ast! Sieh, ich komme +schon und hole dich!" Aber wie sollte er dahin gelangen? Die Felswand +war so steil hier, unmöglich konnte er da hinunterkommen, das sah Moni +wohl ein. Aber das Geißlein mußte da unten etwa in der Höhe vom +Regenfelsen sein, dem überhängenden Gestein, unter das man sich beim +Regen so gut flüchten konnte. Dort brachten die Geißbuben schon immer +ihre Tage bei schlechtem Wetter zu, darum hieß das Gestein schon von +alter Zeit her der Regenfelsen. Von da aus, dachte Moni, konnte er +quer über den Felsen klettern und so mit dem Zicklein zurückkommen. + +Schnell pfiff er die Herde zusammen und stieg mit ihr hinunter, bis zu +der Stelle, wo es zum Regenfelsen hineinging. Da ließ er sie weiden +und ging dem Felsen zu. Hier sah er auch gleich, noch ein gutes Stück +über sich, den Ast, an den sich das Geißlein klammerte. Er sah, daß +es nicht leicht sei, da hinaufzuklettern und mit dem Mäggerli auf dem +Rücken wieder hinunter. Aber anders war das Tierlein nicht zu retten. +Er dachte auch, der liebe Gott würde ihm gewiß beistehen, dann könnte +es ihm gelingen. Er faltete seine Hände, schaute zum Himmel auf und +betete: "Ach lieber Gott, hilf mir doch, daß ich das Mäggerli erretten +kann!" Jetzt war er voller Vertrauen, daß alles gutgehen werde, und +eilig kletterte er den Felsen hinauf, bis er bei dem Ast oben +angelangt war. Hier klammerte er sich fest an mit beiden Füßen, hob +dann das zitternde, wimmernde Tierlein auf seine Schultern und +kletterte nun mit großer Sorgfalt hinunter. Als er aber nun wieder +den sicheren Grasboden unter den Füßen hatte und das erschrockene +Geißlein gerettet sah, da war er so froh, daß er laut danken mußte und +in den Himmel hinaufrief: "O lieber Gott, ich danke dir tausendmal, +daß du uns so geholfen hast! O wie sind wir beide so froh darüber!" +Dann setzte er sich noch ein wenig auf den Boden und streichelte das +Zicklein, das immer noch an allen seinen zarten Gliedern zitterte, und +tröstete es über die ausgestandene Angst. + +Als wenig später Zeit zum Aufbruch war, setzte Moni das Zicklein noch +einmal auf seine Schultern und sagte fürsorglich: "Komm, du armes +Mäggerli, du zitterst ja immer noch. Heute kannst du nicht heimgehen, +ich muß dich tragen." Und so trug er das Tierlein, das sich fest an +ihn schmiegte, den ganzen Weg hinunter. + +Paula stand jetzt auf der letzten Anhöhe vor dem Badehaus und +erwartete den Geißbuben. Auch ihre Tante hatte sie begleitet. Als +nun Moni mit seiner Last auf dem Rücken herankam, wollte Paula wissen, +ob das Zicklein krank sei, und zeigte große Teilnahme. Als Moni das +sah, setzte er sich gleich auf den Boden vor Paula hin und erzählte +ihr sein heutiges Erlebnis mit dem Mäggerli. + +Das Fräulein nahm sehr lebhaften Anteil an der Sache und streichelte +das gerettete Tierlein. Jetzt lag es ruhig auf Monis Knien und sah +sehr zierlich aus mit seinen weißen Füßen und dem schönen schwarzen +Pelzchen über dem Rücken. Es ließ sich ganz gern ein wenig streicheln. + +"Jetzt singst du mir auch noch dein Lied, wenn du schon einmal hier +bist", sagte Paula. Moni war so fröhlich gestimmt, daß er gern aus +voller Brust anstimmte und sein ganzes Lied bis zu Ende sang. + +Das gefiel der Paula ausnehmend gut, und sie sagte, er müsse es ihr +noch öfter singen. Dann zog die ganze Gesellschaft zusammen zum +Badehaus hinunter. Hier wurde das Zicklein auf sein Lager gelegt, und +Moni nahm Abschied. Paula ging in ihr Zimmer zurück, um hier der +Tante noch lange von dem Geißbuben zu erzählen, auf dessen fröhlichen +Morgengesang sie sich schon jetzt wieder freute. + + + + +3. Kapitel + +Ein Besuch + + +So waren mehrere Tage vergangen, einer so sonnig und klar wie der +andere, denn es war ein besonders schöner Sommer. Und der Himmel +blieb blau und wolkenlos vom Morgen bis zum Abend. + +Jeden Morgen in der Frühe war der Geißbub mit hellem Gesang am +Badehaus vorbeigezogen, jeden Abend mit hellem Gesang wieder +zurückgekehrt. Und alle Badegäste waren so an das fröhliche Singen +gewöhnt, daß keiner es hätte missen mögen. + +Vor allen aber freute sich Paula an Monis Fröhlichkeit und ging ihm +fast jeden Abend entgegen, um ein Gespräch mit ihm anzuknüpfen. + +An einem sonnigen Morgen war Moni wieder oben bei der Felsenkanzel +angelangt und wollte sich eben auf den Boden setzen, als er sich noch +anders besann. "Nein, vorwärts! Ihr habt ja das letztemal die guten +Blättlein alle stehenlassen müssen, weil wir dem Mäggerli helfen +mußten, jetzt geht's noch einmal hinauf, da könnt ihr fertig nagen!" +Und mit Freuden sprangen ihm die Geißen alle nach, denn sie merkten, +daß es zu den schönen Büschen an den Drachensteinen hinauf ging. +Diesmal hielt Moni aber sein kleines Mäggerli die ganze Zeit im Arm +fest, riß ihm die guten Blättlein selber ab und ließ es aus seiner +Hand fressen. Das gefiel dem Geißlein am allerbesten, es rieb ganz +vergnügt von Zeit zu Zeit sein Köpfchen an Monis Schulter und meckerte +fröhlich. So war der ganze Morgen vergangen und Moni merkte erst an +seinem Hunger, daß es spät geworden war. Er hatte aber sein Essen +unten bei der Felsenkanzel in der kleinen Höhle hegen lassen, da er +mittags wieder hinunter kommen wollte. + +"So, ihr habt nun schon viel Gutes bekommen, und ich habe noch gar +nichts", sagte er zu seinen Geißen. "Jetzt muß ich auch etwas haben +und unten findet ihr noch genug, kommt!" Dann pfiff er laut, und die +ganze Schar zog auf und davon, die lebhaftesten immer voran und allen +voraus die leichtfüßige Schwalbe, der heute etwas Unerwartetes +begegnen sollte. Sie sprang hinunter von Stein zu Stein und über +manche Felsspalte weg, aber auf einmal konnte sie nicht weiter. + +Unmittelbar vor ihr stand ganz plötzlich eine Gemse und schaute ihr +neugierig ins Gesicht. Das war der Schwalbe noch nicht vorgekommen. +Sie stand da, schaute die Fremde fragend an und wartete, daß ihr diese +aus dem Weg gehe. Denn sie wollte auf den Felsblock springen, der vor +ihr aufragte. Aber die Gemse rührte sich nicht und schaute der +Schwalbe frech ins Gesicht. So standen beide voreinander, immer +hartnäckiger, und noch heute würden sie dort stehen, wenn nicht +inzwischen der große Sultan herbeigekommen wäre. Sofort erkannte er +die Sachlage und kletterte vorsichtig an der Schwalbe vorbei. +Plötzlich stieß er die Gemse so weit und so gewaltig auf die Seite, +daß sie einen kühnen Sprung machen mußte, um nicht über die Felsen +hinabzurutschen. + +Die Schwalbe aber zog triumphierend ihres Weges, und der Sultan +schritt befriedigt und stolz hinter ihr her, denn er fühlte sich als +sicherer Beschützer seiner Herde. Inzwischen war von oben herab Moni +und von unten herauf ein anderer Geißbub auf einem nahen Platz +angekommen und blickten auch erstaunt einander an. Aber sie kannten +sich, und nach der ersten Überraschung begrüßten sie sich freundlich. +Es war der Jörgli von Küblis, der schon den halben Morgen lang +vergebens den Moni gesucht hatte und ihn nun hier oben traf, wo er ihn +gar nicht mehr vermutete. + +"Ich habe nicht gedacht, daß du so hoch hinaufgehen würdest mit den +Geißen", sagte der Jörgli. + +"Freilich gehe ich", entgegnete Moni, "aber nicht immer. Gewöhnlich +bin ich bei der Felsenkanzel. Warum bist du da heraufgekommen?" + +"Ich will dir einen Besuch machen", war die Antwort, "ich habe dir +allerhand zu erzählen. Auch habe ich hier zwei Geißen, die bringe ich +dem Wirt im Bad, er will eine kaufen, und da dachte ich, ich wollte +noch zu dir hinauf." + +"Sind es deine Geißen?" fragte Moni. + +"Natürlich, die fremden habe ich nicht zu hüten, ich bin nicht mehr +Geißbub." + +Darüber mußte sich Moni sehr wundern, denn zu gleicher Zeit mit ihm +war der Jörgli Geißbub von Küblis geworden, und Moni begriff nicht, +daß das so aufhören konnte und der Jörgli nicht einmal jammerte. + +Inzwischen waren Hirten und Geißen bei der Felsenkanzel angekommen. +Moni holte Brot und ein Stückchen getrocknetes Fleisch hervor und lud +den Jörgli zum Mittagessen ein. Sie setzten sich beide auf die Kanzel +hinaus und ließen sich's gut schmecken. Denn es war sehr spät +geworden, und sie hatten beide ausgezeichneten Appetit. Als nun alles +aufgegessen und dann noch ein wenig Geißmilch getrunken worden war, +legte sich der Jörgli ganz behaglich der Länge nach auf den Boden und +stützte seinen Kopf auf beide Ellbogen. Moni aber war sitzen +geblieben, denn er schaute immer gern von oben in das tiefe Tal +hinunter. + +"Was bist du denn jetzt, Jörgli, wenn du nicht mehr Geißbub bist?" +fing Moni nun an, "etwas mußt du doch sein." + +"Freilich bin ich etwas und etwas Rechtes", erwiderte Jörgli, "Eierbub +bin ich. Jeden Tag gehe ich mit den Eiern in alle Wirtshäuser, so +weit ich komme. Hier hinauf ins Badehaus komme ich auch, gestern war +ich schon dort." + +Moni schüttelte den Kopf: "Das ist nichts, Eierbub möchte ich nicht +sein, tausendmal lieber will ich Geißbub sein, das ist viel schöner." + +"Ja warum denn?" + +"Die Eier sind ja nicht lebendig, mit denen kannst du kein Wort reden. +Und sie laufen dir nicht nach wie die Geißen, die sich freuen, wenn +du kommst und anhänglich sind und jedes Wort verstehen, das du mit +ihnen redest. Du kannst keine Freude mit deinen Eiern haben wie mit +den Geißen hier oben." + +"Ja und du", unterbrach ihn Jörgli, "was hast du denn für große +Freuden hier oben? Jetzt hast du wohl sechsmal aufstehen müssen, +während wir beim Essen waren, nur wegen des dummen Geißleins, damit es +nicht hinunterfällt. Ist denn das eine Freude?" + +"Ja, das tue ich ganz gern. Nicht wahr, Mäggerli, komm! Komm!" Moni +sprang auf und lief dem Geißlein nach, denn es machte ganz +unvorsichtige Freudensprünge. Als er wieder saß, sagte Jörgli: "Es +gibt auch ein anderes Mittel, die jungen Geißen zu halten, daß sie +nicht über die Felsen hinabfallen und man ihnen nicht immer +nachspringen muß wie du." + +"Was für eins?" fragte Moni. + +"Man steckt einen Stecken fest in den Boden und bindet die Geiß mit +einem Bein daran. Sie zappelt dann zwar furchtbar, aber sie kann doch +nicht fort." + +"Du wirst doch nicht glauben, daß ich so etwas mit dem Geißlein mache", +sagte der Moni ganz entrüstet. Er zog das Mäggerli zu sich und hielt +es fest, als müßte er es schützen. + +"Um das Geißlein mußt du dich nicht mehr lange sorgen", fing Jörgli +wieder an, "das kommt nicht mehr hier herauf." + +"Was? Was? Was sagst du, Jörgli?" fuhr Moni auf. + +"Pah, weißt du's denn nicht? Der Wirt will es nicht aufziehen, es ist +ihm zu schwach, es wird nie eine kräftige Geiß. Er hat es meinem +Vater verkaufen wollen, aber der wollte es auch nicht. Nun will es +der Wirt nächste Woche schlachten, und dann kauft er unseren Scheck +dort." + +Moni war vor Schrecken ganz weiß geworden. Erst konnte er kein Wort +sagen, aber jetzt jammerte er laut und rief: + +"Nein, nein, das dürfen sie nicht tun, Mäggerli, das dürfen sie nicht +tun. Sie dürfen dich nicht schlachten, das kann ich nicht ertragen. +Oh, ich will lieber gleich mit dir sterben. Nein, das kann ja nicht +sein!" + +"Tu doch nicht so", sagte Jörgli ärgerlich und zog den Moni in die +Höhe, der sich in seinem Jammer mit dem Gesicht zu Boden geworfen +hatte. "Steh doch auf, du weißt ja, daß das Geißlein nun einmal dem +Wirt gehört und er damit machen darf, was er will. Denk doch nicht +mehr dran! Komm ich weiß noch etwas: Sieh! Sieh!" Dann hielt Jörgli +dem Moni die eine Hand hin, und mit der anderen deckte er den +Gegenstand fast zu, den Moni bewundern sollte. Es funkelte aber ganz +wunderbar aus der Hand heraus, denn die Sonne blitzte eben dort hinein. + +"Was ist's?" fragte Moni, als es eben wieder aufblitzte, von einem +Sonnenstrahl beleuchtet. + +"Rat!" + +"Ein Ring?" + +"Nein, aber so etwas Ähnliches." + +"Wer hat dir's gegeben?" + +"Gegeben? Niemand, ich hab es selbst gefunden." + +"Dann gehört es aber nicht dir, Jörgli." + +"Warum nicht? Ich habe es niemand genommen, ich wäre fast mit dem Fuß +darauf getreten, dann wär's doch zerbrochen. Ich kann es ebenso gut +behalten." + +"Wo hast du's gefunden?" + +"Unten beim Badehaus, gestern abend." + +"Dann hat es jemand aus dem Haus unten verloren. Du mußt es dem Wirt +sagen, und wenn du's nicht tust, so tue ich's heute Abend." + +"Nein, nein, Moni, tue nur das nicht", sagte Jörgli jetzt bittend, +"sieh, ich will dir zeigen, was es ist. Und ich will es in einen von +den Wirtshäusern an ein Zimmermädchen verkaufen, sie muß mir aber vier +Franken geben, dann geb ich dir auch einen oder zwei, und dann weiß ja +niemand etwas davon." + +"Ich will nichts! Ich will nichts!" unterbrach ihn Moni heftig, "und +der liebe Gott hat alles gehört, was du gesagt hast." + +Jörgli schaute zum Himmel auf. "Ja, so weit weg", sagte er +zweifelhaft. Er fing aber gleich an, leiser zu reden. + +"Er hört dich doch", sagte Moni zuversichtlich. + +Dem Jörgli war es nicht mehr recht wohl in seiner Haut. Wenn er nur +den Moni auf seine Seite zu bringen wußte, sonst war alles verloren. +Er dachte lange nach. "Moni", sagte er plötzlich, "ich will dir etwas +versprechen, das dich freut, wenn du keinem Menschen etwas von dem +Gefundenen sagen willst. Du brauchst ja auch nichts davon zu nehmen, +dann hast du nichts damit zu tun. Wenn du das willst, so will ich +dafür sorgen, daß mein Vater doch das Mäggerli kauft. Dann wird es +nicht geschlachtet, willst du?" + +In Moni entstand ein harter Kampf. Es war ein Unrecht, wenn er dabei +half, den Fund zu verheimlichen. Jörgli hatte seine Hand aufgemacht, +es lag ein Kreuz darin, mit vielen Steinen besetzt, die in allen +Farben funkelten. Moni sah wohl, daß das nicht ein wertloses Ding war, +nach dem niemand fragen werde. Wenn er schweigen würde, würde er +etwas behalten, was ihm nicht gehörte. Aber auf der anderen Seite war +das kleine, liebevolle Mäggerli, das sollte auf schreckliche Weise mit +einem Messer getötet werden, und er konnte das verhindern, wenn er +schweigen wollte. Eben jetzt lag das Geißlein so vertrauensvoll neben +ihm, als wußte es, daß er ihm immer helfen wurde. Nein, er konnte es +nicht geschehen lassen, er mußte es retten. + +"Einverstanden, Jörgli", sagte er, aber ohne Freudigkeit. + +"So schlag ein." Und Jörgli hielt Moni seine Hand hin, daß er hinein +verspreche, denn nur so galt ein Versprechen unwiderruflich. + +Jörgli war sehr froh, daß er nun seiner Sache sicher war. Da aber +Moni so still geworden war und er einen viel weiteren Weg nach Hause +hatte als Moni, so beschloß er, mit seinen zwei Geißen aufzubrechen. +Er verabschiedete sich von Moni und pfiff den beiden Gefährten, die +sich inzwischen zu den weidenden Geißen des Moni gesellt hatten. Es +hatten einige bedenkliche Angriffe zwischen den beiden Parteien +stattgefunden, denn die Fideriser Geißen wußten nicht, daß man mit +einem Besuch artig sein muß. Und die Kübliser Geißen wußten nicht, +daß man nicht gleich die besten Kräutlein aussuchen und die anderen +davon wegdrücken darf, wenn man auf Besuch ist. Als nun der Jörgli +ein Stück den Berg hinuntergegangen war, brach auch Moni mit seiner +Schar auf, aber er war ganz still und sang keinen Ton und tat keinen +Pfiff auf dem ganzen Heimweg. + + + + +4. Kapitel + +Moni kann nicht mehr singen + + +Moni kam am folgenden Morgen genauso still und niedergeschlagen wie am +Abend vorher den Weg zum Badehaus daher. Leise holte er die Geißen +des Wirts heraus und stieg weiter hinauf, aber er sang keinen Ton, er +schickte keinen Jodel in die Luft hinauf. Er ließ seinen Kopf hängen +und machte ein Gesicht, als fürchtete er sich vor etwas. Hier und da +blickte er auch scheu um sich, ob ihm nicht jemand nachkomme und ihn +etwas fragen wolle. + +Moni konnte gar nicht mehr lustig sein. Er wußte erst selbst nicht so +recht, warum? Er wollte sich freuen, daß er das Mäggerli gerettet +hatte und einmal singen, aber er brachte nichts heraus. Der Himmel +war heute mit Wolken bedeckt, und Moni dachte, wenn die Sonne komme, +würde er schon wieder lustiger werden. + +Als er oben angekommen war, fing es ganz tüchtig zu regnen an. Er +flüchtete unter den Regenfelsen, denn es goß bald in Strömen vom +Himmel herunter. + +Die Geißen kamen auch heran und stellten sich da und dort unter die +Felsen. Die vornehme Schwarze hatte gleich ihren schönen glänzenden +Pelz schonen wollen und war noch vor dem Moni unter den Felsen +gekrochen. Sie saß jetzt hinter dem Moni und schaute aus dem +behaglichen Winkel vergnügt in den strömenden Regen hinaus. Das +Mäggerli stand vor seinem Beschützer unter dem vorragenden Felsen und +rieb zärtlich sein Köpfchen an seinem Knie. Und dann schaute es +erstaunt zu ihm auf, denn Moni sagte kein Wort, das war das Zicklein +nicht gewohnt. Auch seine Braune scharrte zu seinen Füßen und +meckerte, denn er hatte den ganzen Morgen noch nichts zu ihr gesagt. +Moni saß nachdenklich da. Er hatte sich auf seinen Stecken gestützt, +den er bei solchem Wetter immer zur Hand nahm, damit er an den steilen +Stellen nicht ausrutschen konnte. Denn an Regentagen zog er Schuhe an. +Jetzt, da Moni stundenlang unter dem Regenfelsen saß, hatte er Zeit +zum Nachdenken. + +Jetzt überdachte Moni, was er dem Jörgli versprochen hatte. Und es +kam ihm nun nicht anders vor, als ob der Jörgli etwas genommen habe +und er selbst dasselbe tue. Schließlich hatte ihm der Jörgli doch +auch etwas für sein Schweigen gegeben. Er hatte etwas getan, was +unrecht war, und der liebe Gott war jetzt gegen ihn, das fühlte er in +seinem Herzen. Es war ihm recht, daß es dunkel war und regnete und er +unter dem Felsen verborgen war. Denn er hätte doch nicht wie sonst in +den blauen Himmel hinaufsehen dürfen, er fürchtete sich jetzt vor dem +lieben Gott. Aber auch noch andere Dinge mußte Moni denken. Wenn nun +wieder das Mäggerli über einen steilen Felsen hinunterfiele, und er +wollte es holen, und der liebe Gott würde ihn nicht mehr beschützen, +wenn er auch nicht mehr zu ihm beten und rufen dürfte, dann hätte er +keine Sicherheit mehr. Und wenn er dann ausrutschte und mit dem +Mäggerli tief über die zackigen Felsen hinunterfiele und beide ganz +zerrissen und zerschmettert unten im Abgrund lägen... + +O nein, sprach er ängstlich zu sich, so durfte es doch nicht kommen. +Er mußte dafür sorgen, daß er wieder beten und vor den lieben Gott +kommen konnte mit allem, was ihm auf dem Herzen lag. Dann konnte er +auch wieder fröhlich sein, das fühlte Moni. Er wollte sich von der +Last befreien, die ihn bedrückte, er wollte gehen und alles dem Wirt +sagen--aber dann? Dann wurde Jörgli seinen Vater nicht überreden, und +der Wirt würde das Mäggerli totstechen. O nein! Das konnte er nicht +aushalten, und er sagte: "Nein, ich tue es nicht, ich sage nichts." +Aber es war ihm nicht wohl dabei und sein schlechtes Gewissen wurde +immer größer. + +So verging dem Moni der ganze Tag. Er kehrte abends so lautlos heim, +wie er morgens gekommen war. Und als unten beim Badehaus Paula stand +und schnell zum Geißenstall herübersprang und teilnehmend fragte: +"Moni, was fehlt dir? Warum singst du denn gar nicht mehr?"--da +wandte er sich scheu ab und sagte: "Ich kann nicht." Und so schnell +wie möglich machte er sich mit seinen Geißen davon. + +Paula sagte oben zu ihrer Tante: "Wenn ich doch nur wußte, was der +Geißbub hat, er ist ja ganz verändert, man kennt ihn gar nicht mehr. +Wenn er doch nur wieder sänge." + +"Es wird der schreckliche Regen sein, der den Buben so verstimmt", +meinte die Tante. + +"Nun kommt auch alles zusammen. Wir wollen doch heimgehen, Tante", +bat Paula, "das Vergnügen hier ist aus. Erst verliere ich mein +schönes Kreuz, und es ist nicht mehr zu finden. Dann kommt dieser +endlose Regen, und nun kann man nicht einmal mehr den lustigen +Geißbuben zuhören. Wir wollen fort." + +"Die Kur muß zu Ende gemacht werden, da kann ich dir nicht helfen", +erklärte die Tante. + +Dunkel und grau war es auch am folgenden Morgen, und der Regen strömte +unausgesetzt nieder. Moni brachte seinen Tag ebenso zu wie den +vorhergegangenen. Er saß unter dem Felsen, und seine Gedanken gingen +ruhelos immer im Kreise herum. Immer wenn er zu sich sagte: "Jetzt +will ich gehen und das Unrecht gestehen, damit ich wieder zum lieben +Gott aufsehen darf", da sah er wieder das Zicklein unter dem Messer +vor sich. Er dachte nach, und sein schlechtes Gewissen plagte ihn so +sehr, daß er am Abend ganz müde war und im strömenden Regen +heimschlich, als merkte er nichts davon. + +Beim Badehaus stand der Wirt in der Hintertür und fuhr den Moni an: +"Komm einmal mit den Geißen her, sie sind naß genug! Was kriechst du +auch wie eine Schnecke den Berg hinunter! Ich wundere mich schon die +ganze Zeit über dich." + +So unfreundlich war der Wirt noch nie gewesen, im Gegenteil, immer +hatte er dem fröhlichen Geißbuben die freundlichsten Worte zugerufen. +Aber Monis verändertes Wesen gefiel ihm nicht, und dazu war er noch +schlechter Laune, denn Fräulein Paula hatte ihm ihren Verlust geklagt. +Sie hatte behauptet, das kostbare Kreuz könne nur im Haus oder +unmittelbar vor der Haustür verloren gegangen sein. Denn sie sei an +jenem Tag nur herausgegangen, um abends den heimkehrenden Geißbuben +singen zu hören. Daß man aber sagen sollte, es könne in seinem Haus +ein so wertvolles Ding verloren gehen, ohne daß man es wieder erhalte, +machte ihn sehr böse. Er hatte auch am Tag vorher das ganze +Dienstpersonal versammelt, es verhört und bedroht und endlich dem +Finder eine Belohnung ausgesetzt. Das ganze Haus war in Aufruhr über +den verlorenen Schmuck. + +Als Moni mit seinen Geißen an der Vorderseite des Hauses vorbeiging, +stand Paula dort. Sie hatte auf ihn gewartet, es wunderte sie so sehr, +ob er immer noch nicht wieder singen könne und lustig sei. Als er +nun vorbeischlich, rief sie: "Moni! Moni! Bist du denn auch derselbe +Geißbub, der vom Morgen bis zum Abend sang: + +"'Und so blau ist der Himmel, +Und ich freu mich fast zu Tod'?" + +Moni hörte die Worte, er gab keine Antwort, aber sie machten einen +großen Eindruck auf ihn. + +Oh, wie war's doch so anders, als er den ganzen Tag singen konnte und +er so fröhlich war wie seine Lieder. Oh, wenn es doch wieder so sein +könnte! + +Wieder zog Moni zu seiner Anhöhe hinauf, still und freudlos und ohne +Gesang. Der Regen hatte nun aufgehört, aber düster hingen ringsum die +Nebel an den Bergen, und der Himmel war noch voll dunkler Wolken. +Moni setzte sich wieder unter den Felsen und kämpfte mit seinen +Gedanken. Gegen Mittag fing der Himmel an, sich aufzuklären, es wurde +heller und heller. Moni kam aus seiner Höhle hervor und schaute umher. +Die Geißen sprangen wieder lustig hin und her, auch das Zicklein war +ganz übermütig vor Freuden über die wiederkehrende Sonne und machte +die fröhlichsten Sprünge. + +Moni stand draußen auf der Kanzel und sah, wie es immer schöner und +heller wurde unten im Tal und oben über dem Berge. Jetzt teilten sich +die Wolken und der lichtblaue Himmel schaute so lieblich und +freundlich herunter. Es war Moni, als schaue der liebe Gott aus dem +lichten Blau zu ihm nieder. Und auf einmal war es in seinem Herzen +ganz klar, was er tun mußte, er konnte das Unrecht nicht mehr mit sich +herumfragen. Er mußte es ablegen. Jetzt ergriff Moni das Zicklein, +das neben ihm umhersprang, nahm es in seinen Arm und sagte mit +Zärtlichkeit: "O Mäggerli, du armes Mäggerli! Ich habe gewiß getan, +was ich konnte, aber es ist ein Unrecht, und das darf man nicht tun. +Oh, wenn du nur nicht sterben müßtest, ich kann es nicht aushalten!" +Und nun fing Moni so sehr zu weinen an, daß er nicht mehr weiter reden +konnte. Und das Zicklein meckerte wehmütig und kroch tief unter +seinen Arm, als wollte es sich ganz bei ihm verstecken und in +Sicherheit bringen. Jetzt hob Moni das Geißlein auf seine Schultern. + +"Komm, Mäggerli, ich trage dich noch einmal heim heute, vielleicht +kann ich dich bald nicht mehr tragen." + +Als er mit seinen Geißen unten beim Badehaus war, wartete Paula schon +auf ihn. Moni stellte das Junge mit der Schwarzen in den Stall hinein, +und anstatt weiter zu ziehen, wollte er an dem Fräulein vorbei ins +Haus gehen. Sie hielt ihn an. + +"Immer noch ohne Gesang, Moni?" + +"Ich muß etwas anzeigen", erwiderte Moni. + +"Anzeigen? Was denn? Darf ich's nicht wissen?" + +"Ich muß zum Wirt, es ist etwas gefunden worden." + +"Gefunden? Was denn? Ich habe auch etwas verloren, ein schönes Kreuz." + +"Ja, das ist es gerade." + +"Was sagst du?" rief Paula in höchster Überraschung. "Ist es ein +Kreuz mit funkelnden Steinen?" + +"Ja." + +"Wo hast du's denn, Moni? Gib's doch her, hast du's gefunden?" + +"Nein, der Jörgli von Küblis." + +Nun wollte Paula wissen, wer das sei, und wo er wohne, und auf der +Stelle jemand nach Küblis hinunterschicken, das Kreuz zu holen. + +"Ich will schon gehen, und wenn er's noch hat, will ich's bringen," +sagte Moni. + +"Wenn er's noch hat?" rief Paula, "warum sollte er's nicht mehr haben? +Und woher weißt du denn von allem, Moni? Wann hat er's gefunden, und +wie hast du's denn erfahren?" + +Moni schaute zu Boden. Er durfte nicht sagen, wie alles zugegangen +war, und wie er geholfen hatte, den Fund zu verheimlichen, bis er es +nicht mehr hatte ertragen können. + +Aber Paula war sehr gut zu Moni. Sie nahm ihn auf die Seite, setzte +sich auf einen Baumstamm zu ihm hin und sagte mit der größten +Freundlichkeit: "Komm, erzähl mir alles, wie es gegangen ist, Moni, +ich möchte so gern alles von dir wissen." + +Nun faßte der Moni Zutrauen und fing an und erzählte die ganze Sache. +Er berichtete auch, daß er sich um das Leben von Mäggerli Sorgen +gemacht habe und wie er so alle Freude verloren hatte und nicht mehr +zum lieben Gott aufschauen durfte. Heute, sagte er, konnte er es +nicht mehr länger ertragen. + +Jetzt redete Paula sehr freundlich mit ihm und meinte, er hätte nur +gleich kommen und alles anzeigen sollen. Und es sei recht, daß er ihr +jetzt alles so aufrichtig gesagt habe, er solle es nicht bereuen. +Dann sagte sie, dem Jörgli könne er zehn Franken versprechen, wenn sie +das Kreuz wieder in Händen habe. + +"Zehn Franken?" wiederholte Moni voller Erstaunen. Denn er wußte ja, +daß Jörgli es hatte verkaufen wollen. Jetzt stand Moni auf und sagte, +er wollte noch heute nach Küblis hinunter, und wenn er das Kreuz +bekäme, es gleich morgen früh mitbringen. Nun lief er davon und +konnte wieder ganz große Sprünge machen, er hatte wieder ein viel +leichteres Herz, das schlechte Gewissen belastete ihn nicht mehr. + +Daheim stellte er nur seine Geiß in den Stall, sagte der Großmutter, +er habe noch einen Auftrag auszurichten und rannte gleich nach Küblis +hinunter. Er fand den Jörgli daheim und sagte ihm, was er getan hatte. +Der war erst sehr aufgebracht, aber als er nun erfuhr, daß alles +bekannt sei, zog er das Kreuz heraus und fragte: "Gibt sie mir auch +etwas dafür?" + +"Ja, jetzt kannst du sehen, Jörgli", sagte Moni entrüstet, "auf dem +ehrlichen Weg hättest du gleich zehn Franken bekommen und auf deinem +Lügenweg doch nur vier." + +Jörgli war sehr überrascht. Jetzt reute es ihn, daß er nicht gleich +mit dem Kreuz ins Badehaus gegangen war, nachdem er es vor der Tür +aufgelesen hatte. Denn er hatte doch nun kein gutes Gewissen und +hätte es anders haben können. Aber jetzt war's zu spät. Er übergab +das Kreuz dem Moni, und dieser eilte damit heim, es war draußen schon +dunkel geworden. + + + + +5. Kapitel + +Moni singt wieder + + +Paula hatte angeordnet, daß man sie am frühen Morgen wecken sollte. +Wenn der Geißbub käme, wollte sie selbst mit ihm verhandeln. Am Abend +hatte sie noch eine lange Unterredung mit dem Wirt gehabt und war dann +sehr befriedigt aus seiner Stube herausgekommen. Sie mußte etwas +Erfreuliches mit ihm ausgemacht haben. + +Als der Geißbub am Morgen mit seiner Herde herankam, stand Paula schon +vor dem Haus und rief: "Moni, kannst du denn immer noch nicht singen?" + +Er schüttelte den Kopf: "Nein, ich kann's nicht, ich muß jetzt immer +an das Mäggerli denken, wie lange es noch mit mir geht. Ich kann +nicht mehr singen, solange ich lebe, und hier ist das Kreuz." Damit +übergab er ein kleines Päckchen, denn die Großmutter hatte es ihm +sorgfältig in drei oder vier Papiere gewickelt. + +Paula schälte das Kreuz aus den Hüllen heraus und betrachtete es genau. +Es war wirklich ihr schönes Kreuz mit den funkelnden Steinen und +völlig unversehrt. + +"So, Moni", sagte sie nun freundlich, "du hast mir eine große Freude +gemacht, denn ohne dich hätte ich wohl mein Kreuz nie mehr gesehen. +Nun will ich dir auch eine Freude machen. Geh, hol das Mäggerli dort +aus dem Stall, es gehört jetzt dir!" + +Moni starrte das Fräulein mit einem Erstaunen an, als sei es unmöglich, +ihre Worte zu verstehen. Endlich stotterte er: "Aber wie--wie könnte +das Mäggerli mein sein?" + +"Wie?" wiederholte Paula lächelnd, "sieh, gestern abend hab ich es dem +Wirt abgekauft und heute morgen schenke ich es dir. Kannst du jetzt +wieder singen?" + +"Oh!" stieß Moni hervor und rannte wie ein Unsinniger auf den Stall zu, +zog das Geißlein heraus und nahm es auf den Arm. Dann kam er +zurückgesprungen und streckte dem Fräulein seine Hand entgegen und +sagte immer wieder: "Ich danke tausendmal! Vergelt's Gott! Und wenn +ich Ihnen nur einen Gefallen tun könnte!" + +"Dann sing mir dein Lied", sagte Paula. + +Da stimmte Moni sein Lied an und zog nun den Berg hinauf mit den +Geißen, und seine Jubeltöne schmetterten so ins Tal hinab, daß im +ganzen Badehaus keiner war, der sie nicht hörte. Und mancher drehte +sich auf seinem Kissen um und sagte: "Der Geißbub hat wieder gute +Laune." Es freute aber alle, daß er wieder sang, denn sie hatten sich +alle an den fröhlichen Wecker gewöhnt, die einen zum Aufstehen, die +anderen zum Weiterschlafen. Als Moni oben von der ersten Höhe das +Fräulein immer noch unten vor dem Haus stehen sah, trat er extra weit +hinaus und sang hinunter, so laut er konnte: + +"Und so blau ist der Himmel, +Und ich freu mich fast zu Tod!" + + +Den ganzen Tag über sang der Moni und alle Geißen wurden angesteckt +von seiner Fröhlichkeit und hüpften und sprangen umher. Es war, als +ob ein großes Fest gefeiert würde. Die Sonne schien fröhlich vom +blauen Himmel herunter. Und nach dem großen Regen waren auch alle +Kräutlein frisch und die gelben und roten Blümlein glänzten. Moni +glaubte, Berg und Tal und die ganze Welt noch nie so schön gesehen zu +haben. Sein Zicklein ließ er den ganzen Tag nicht aus den Augen. Er +zog ihm die besten Kräutlein aus und fütterte es und sagte immer +wieder: "Mäggerli, du gutes Mäggerli, du mußt nicht sterben, du bist +jetzt mein und kommst mit mir auf die Weide hinauf, solange wir leben." +Und mit schallendem Singen und Jodeln kam Moni auch am Abend wieder +hinunter. Nachdem er die Schwarze zu ihrem Stall geführt hatte, nahm +er das Zicklein auf den Arm, es kam ja nun mit ihm nach Haus. Das +Mäggerli machte auch gar keine Anstalten, als wollte es lieber +dableiben, sondern schmiegte sich an den Moni. Bei ihm fühlte es sich +geborgen, denn Moni hatte es ja schon lange besser und zärtlicher +behandelt als die eigene Mutter. + +Als aber Moni zu der Großmutter kam, sein Mäggerli auf der Schulter, +da wußte diese gar nicht, was geschehen war. Denn Monis Rufen: "Es +gehört mir, Großmutter, es gehört mir!" erklärte ihr die Sache noch +lange nicht. Aber Moni konnte noch nicht erzählen. Erst lief er zu +dem Stall und dort, hart neben der Braunen, damit es sich nicht +fürchte, machte er dem Mäggerli ein schönes, weiches Lager aus +frischem Stroh. Er legte es darauf und sagte: "So Mäggerli, nun +schlaf gut in der neuen Heimat. So sollst du's immer haben, alle Tage +mache ich dir ein neues Bettlein." + +Erst jetzt kam Moni zu der verwunderten Großmutter zurück, und wie sie +nun zusammen bei ihrem Abendessen saßen, erzählte er ihr die ganze +Geschichte von Anfang an. Er berichtete von seinen drei kummervollen +Tagen und dem heutigen beglückenden Schluß. Die Großmutter hörte ganz +still und aufmerksam zu, und als er zu Ende war, sagte sie ernsthaft: +"Moni, wie es dir jetzt gegangen ist, daran sollst du immer denken. +Während du dir Sorgen um das Geißlein machtest, hatte der liebe Gott +ihm schon lange geholfen und dir zur Freude einen Weg gefunden. Er +hat dir geholfen, weil du dein Unrecht eingesehen hast. Hättest du +sofort recht getan und auf Gott vertraut, so wäre gleich alles gut +gegangen. Jetzt hat der liebe Gott dir so sehr geholfen, daß du es +dein Leben lang nicht vergessen darfst." + +"Nein, ich will es auch nie vergessen", sagte Moni mit eifriger +Zustimmung, "und gewiß immer gleich denken: Ich muß nur tun, was vor +dem lieben Gott recht ist, das andere bringt er schon in Ordnung." + +Bevor aber Moni sich schlafen legen konnte, mußte er noch einmal in +den Stall und sein Geißlein anschauen, ob es auch wirklich möglich sei, +daß es draußen liege und ihm gehöre. + +Der Jörgli bekam seine zehn Franken, aber so leicht sollte er denn +doch nicht von der Sache loskommen. + +Als er wieder ins Badehaus kam, wurde er vor den Wirt geführt. Er +nahm den Buben beim Kragen, schüttelte ihn tüchtig und sagte +bedrohlich: "Jörgli! Jörgli! Versuch du kein zweitesmal mehr, mein +ganzes Haus in Mißkredit zu bringen! Kommt noch ein einziges Mal so +etwas vor, so kommst du auf eine Art aus meinem Haus hinaus, die dir +nicht gefällt! Sieh, dort oben steckt ein ganz kräftiges +Weidenrütchen für solche Fälle. Jetzt geh und denk dran!" + +Aber noch eine Folge hatte der Vorgang für den Buben: Wenn von nun an +irgend etwas im Badehaus verloren gegangen war, rief die ganze +Dienerschaft sofort: "Das hat der Jörgli von Küblis!" Und kam dieser +nachher ins Haus, so drangen sie alle miteinander auf ihn ein und +riefen: "Gib's her, Jörgli! Gib's heraus!" Und wie sehr er auch +versicherte, er habe nichts und wisse nichts, sie schrien ihn alle an: +"Dich kennt man schon! Uns betrügst du nicht!" + +So hatte der Jörgli immer die bedrohlichsten Angriffe zu bestehen und +hatte fast keinen ruhigen Augenblick mehr. Denn wenn er jetzt nur +jemand auf sich zukommen sah, so glaubte er schon, der komme, um ihn +zu fragen: "Hast du nicht dies oder das gefunden?" So war es dem +Jörgli nie mehr recht wohl zumut, und hundertmal dachte er: "Hätte ich +doch jenes Kreuz auf der Stelle zurückgegeben, in meinem ganzen Leben +behalte ich nichts mehr, das mir nicht gehört." + +Der Moni aber hörte den ganzen Sommer nicht auf zu singen und zu +jodeln, denn er fühlte sich so wohl da oben bei seinen Geißen, wie +kaum ein anderer Mensch auf der Welt. Aber oft, wenn er so in seiner +Zufriedenheit ausgestreckt auf der Felsenkanzel lag und in das sonnige +Tal hinabschaute, mußte er daran denken, wie er damals mit seinem +schlechten Gewissen unter dem Regenfelsen saß. Und er sagte jedesmal +laut vor sich hin: "Ich weiß schon, wie ich's mache, daß es nie mehr +so kommt. Ich tue nichts mehr, wenn ich dabei nicht fröhlich in den +Himmel aufsehen kann, weil es dem lieben Gott so recht ist." + +Geschah es aber, daß der Moni sich zu lange in seine Betrachtungen +vertiefte, so kam die eine oder die andere der Geißen heran. Sie +schaute verwundert nach ihm aus und versuchte ihn zur Gesellschaft +zurückzumeckern, was er aber manchmal ziemlich lange nicht hörte. Nur +wenn sein Mäggerli kam und mit Verlangen nach ihm rief, dann hörte er +es gleich. Er lief ihm auch sofort entgegen, denn sein anhängliches +Geißlein war und blieb Monis liebstes Gut. + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MONI DER GEISSBUB *** + +Updated editions will replace the previous one--the old editions will +be renamed. + +Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright +law means that no one owns a United States copyright in these works, +so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the +United States without permission and without paying copyright +royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part +of this license, apply to copying and distributing Project +Gutenberg™ electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG™ +concept and trademark. 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Hart was the originator of the Project +Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be +freely shared with anyone. For forty years, he produced and +distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of +volunteer support. + +Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in +the U.S. unless a copyright notice is included. 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Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..e4d5246 --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #9860 (https://www.gutenberg.org/ebooks/9860) diff --git a/old/7mong10.txt b/old/7mong10.txt new file mode 100644 index 0000000..c18964a --- /dev/null +++ b/old/7mong10.txt @@ -0,0 +1,1469 @@ +The Project Gutenberg EBook of Moni der Geissbub, by Johanna Spyri + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. 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Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Moni der Geissbub + +Erzaehlung + +Johanna Spyri + + + + + + + +1. Kapitel + +Der Moni fuehlt sich wohl + + +Um zu dem Badehaus Fideris zu gelangen, muss man steil und lang die +Hoehe hinaufsteigen, nachdem man die Strasse verlassen hat, die sich +durch das lange Tal des Praettigau nach oben schlaengelt. So muehsam +keuchen dann die Pferde den Berg hinauf, dass man lieber aussteigt und +zu Fuss die gruene Hoehe erreicht. + +Nach einem laengeren Anstieg kommt man erst zum Dorf Fideris, das auf +der freundlichen, gruenen Anhoehe liegt. Von da geht es weiter in die +Berge hinein, bis das einsame Gebaeude des Badeortes auftaucht, ueberall +von felsigen Hoehen umgeben. Dort oben wachsen nur noch Tannen, die +die Hoehen und Felsen ringsum bedecken. Es saehe alles ziemlich duester +aus, wenn nicht ueberall aus dem niederen Weidegras die schoenen +Bergbluemchen mit ihren glaenzenden Farben hervorguckten. + +An einem hellen Sommerabend traten zwei Damen aus dem Badehaus und +gingen auf dem schmalen Fussweg dahin, der unweit des Hauses beginnt +und bald sehr steil bis zu den hoch anfragenden Felsen hinaufsteigt. +An dem ersten Vorsprung blieben sie stehen und schauten um sich, denn +sie waren eben erst in dem Bad angekommen. + +"Lustig ist's nicht hier oben, Tante", sagte jetzt die Juengere, indem +sie die Landschaft betrachtete. "Lauter Felsen und Tannenwaelder und +dann wieder ein Berg und noch einmal Tannen darauf. Wenn wir sechs +Wochen hier bleiben sollen, dann wollte ich, es waere hier und da auch +noch etwas Lustigeres zu sehen." + +"Lustig wird's jedenfalls nicht sein, wenn du hier oben dein +Brillantenkreuz verlierst, Paula", entgegnete die Tante, waehrend sie +das rote Samtband zusammenknuepfte, an dem das funkelnde Kreuz hing. +"Es ist das drittemal, dass ich das Band festmache, seit wir angekommen +sind. Ich weiss nicht, wo es fehlt, ob an dir oder an dem Band, aber +das weiss ich, dass du jammern wirst, wenn es verloren ist." + +"Nein, nein", rief Paula lebhaft aus, "das Kreuz darf nicht +verlorengehen, um keinen Preis, es ist noch von der Grossmutter und ist +mein groesster Schatz!" + +Paula ergriff selbst noch das Band und machte zwei, drei Knoten hinein, +damit es festhalte. Ploetzlich spitzte sie die Ohren. "Hoer, hoer, +Tante, jetzt kommt aber wirklich etwas Lustiges." + +Hoch oben erscholl ein froehlicher Gesang. Zwischendurch kam ein +langer, schallender Jodler, dann wurde wieder gesungen. Die Damen +schauten aufwaerts, konnten aber nichts Lebendiges entdecken. Der +Fussweg ging in grossen Serpentinen, oft zwischen hohem Gebuesch und +wieder zwischen vorstehenden Bergabhaengen durch, so dass man von unten +immer nur kurze Stueckchen davon erblicken konnte. Aber jetzt wurde es +ploetzlich lebendig auf dem Pfad, oben und unten, auf allen Stellen, wo +der schmale Weg gesehen werden konnte, und immer lauter und naeher +toente der Gesang. + +"Sieh, sieh, Tante, dort! Hier! Sieh da! Sieh da!" rief Paula mit +grossem Vergnuegen. Und ehe die Tante sich's versah, kamen drei, vier +Geissen in Spruengen daher und immer mehr, immer mehr, und jede hatte +ein Gloecklein am Hals. Die laeuteten von allen Seiten her, und mitten +in einem Rudel kam der Geissbub herabgesprungen und sang eben noch sein +Lied zu Ende: + +"Und im Winter bleib ich froehlich, +Weil's Weinen nichts nuetzt, +Und weil ihm sowieso der Fruehling +Auf den Fersen schon sitzt." + + +Dann liess er einen ungeheuren Jodel erschallen. Und auf einmal stand +er mit seinem Rudel dicht vor den Damen, denn mit seinen nackten Fuessen +sprang er genauso flink und leise wie seine Tierchen. + +"Guten Abend wuensche ich", sagte er, indem er die beiden lustig +anschaute, und wollte weiterziehen. Aber der Geissbub mit den +froehlichen Augen gefiel den Damen. "Wart ein wenig", sagte Paula, +"bist du der Geissbub von Fideris? Hast du Geissen aus dem Dorf unten?" + +"Ja natuerlich", war die Antwort. + +"Gehst du alle Tage mit ihnen da hinauf?" + +"Ja freilich." + +"So, so, und wie heisst du denn?" + +"Moni heisse ich." + +"Willst du mir auch das Lied einmal singen, das du eben gesungen hast? +Wir haben erst einen Vers gehoert." + +"Das ist zu lang", erklaerte Moni, "es wird zu spaet fuer die Geissen, sie +muessen heim." Er rueckte sein altes Huetchen zurecht, schwang seine Rute +in der Luft und rief den Geissen zu, die schon ueberall zu nagen +angefangen hatten: "Heim! Heim!" + +"So singst du mir's doch ein andermal, Moni, nicht wahr?" rief ihm +Paula nach. + +"Ja, das will ich und gute Nacht!" rief er zurueck, setzte sich nun mit +den Geissen in Trab, und in kurzer Zeit stand die ganze Herde unten, +wenige Schritte vom Badehaus bei dem Hintergebaeude still. Denn hier +hatte Moni die Geissen, die zum Haus gehoerten, die schoene weisse und die +schwarze mit dem zierlichen Zicklein abzugeben. Moni behandelte +letzteres mit groesster Sorgfalt, denn es war ein zartes Tierchen, und +er liebte es von allen am meisten. Es war auch so anhaenglich, dass es +ihm den ganzen Tag immer nachlief. Er zog es auch jetzt ganz zaertlich +zu sich und stellte es in seinen Stall hinein. Dann sagte er: "So, +Maeggerli, nun schlaf gut, du bist muede. Es ist sehr weit bis dort +hinauf, und du bist noch so klein. Leg dich jetzt nur gleich hin, +siehst du, so in das gute Stroh hinein." + +Nachdem er so das Maeggerli zur Ruhe gebettet hatte, zog er eilig +weiter mit seiner Schar, erst vor dem Badehaus den Huegel hinauf und +dann die Strasse hinunter dem Dorf zu. Hier nahm er sein Hoernchen vor +den Mund und blies so gewaltig hinein, dass es droehnte bis weit ins Tal +hinab. Von allen verstreuten Hoefen her kamen jetzt die Kinder +gelaufen, jedes stuerzte auf seine Geiss, die es aus der Ferne schon +kannte. Und von den nahen Haeusern her kam hier eine Frau und dort +eine, fasste ihr Geisslein am Strick oder am Horn, und in kurzer Zeit +war die ganze Herde auseinandergestoben, und jedes Tierlein kam an +seinen Ort. Zuletzt stand der Moni noch allein mit der Braunen, +seiner eigenen Geiss, und mit ihr ging er zu dem Haeuschen am Bergabhang, +wo schon die Grossmutter ihn in der Tuer erwartete. + +"Ist alles gut gegangen, Moni?" fragte sie freundlich, fuehrte dann die +Braune in den Stall und fing gleich an, sie zu melken. Die Grossmutter +war noch eine ruestige Frau und besorgte alles selbst im Haus und im +Stall und hielt ueberall Ordnung. Moni stand in der Stalltuer und +schaute der Grossmutter zu. Als das Melken beendet war, trat sie ins +Haeuschen und sagte: "Komm, Moni, du wirst Hunger haben." + +Sie hatte auch schon alles hergerichtet. Moni konnte sich sofort an +den Tisch setzen. Sie nahm neben ihm Platz. Obwohl es nur eine +Schuessel voll Maisbrei mit der Milch der Braunen gab, so liess sich's +Moni doch herrlich schmecken. Dabei erzaehlte er der Grossmutter, was +er den Tag ueber erlebt hatte, und sobald er sein Mahl beendet hatte, +zog er sich auf sein Lager zurueck, denn er musste sich ja frueh am +Morgen wieder mit der Herde auf den Weg machen. + +Auf diese Weise hatte Moni schon zwei Sommer verbracht, so lange schon +war er Geissbub. Er war jetzt so an dieses Leben gewoehnt und mit +seinen Tierchen verbunden, dass er sich's gar nicht anders denken +konnte. Mit seiner Grossmutter lebte Moni zusammen, solange er sich +besinnen konnte. Seine Mutter war gestorben, als er noch ganz klein +war. Sein Vater zog bald danach mit anderen zum Kriegsdienst nach +Neapel, um etwas zu verdienen, denn er meinte, das gehe dort schneller. + +Die Mutter seiner Frau war auch arm, aber sie nahm auf der Stelle das +verlassene Bueblein ihrer Tochter, den kleinen Salomon, zu sich und +teilte mit ihm, was sie hatte. Es lag auch ein Segen auf ihrem +Haeuschen, und noch nie hatte sie Not leiden muessen. + +Die brave, alte Elsbeth war auch im ganzen Dorf beliebt, und als vor +zwei Jahren ein anderer Geissbub ausgewaehlt wurde, da fielen alle +Stimmen einstimmig auf den Moni. Denn jeder goennte es der arbeitsamen +Elsbeth, dass nun Moni auch etwas verdienen konnte. Die fromme +Grossmutter hatte den Moni keinen Morgen weggehen lassen, ohne dass sie +ihm sagte: "Moni, vergiss nicht, wie nah du dort oben dem lieben Gott +bist und dass er alles sieht und hoert. Du kannst vor seinen Augen +nichts verbergen. Aber vergiss auch nicht, dass er in deiner Naehe ist, +um dir zu helfen. Daher musst du dich nie fuerchten, und wenn du dort +oben keine Menschen herbeirufen kannst, rufe du nur zum lieben Gott in +der Not, er hoert dich gleich und kommt dir zur Hilfe." + +So zog Moni von Anfang an voller Zuversicht auf die einsamen Hoehen und +die hoechsten Felsen und hatte nie die leiseste Furcht noch Schrecken, +denn er dachte immer: Je hoeher hinauf, desto naeher bin ich beim lieben +Gott und desto sicherer in allem, was mir begegnen kann. So hatte +Moni weder Sorge noch Kummer und konnte sich freuen an allem, was er +erlebte vom Morgen bis zum Abend. Und es war kein Wunder, dass er +immer pfiff und sang und jodelte, denn er musste seiner grossen +Froehlichkeit Luft machen. + + + +2. Kapitel + +Monis Leben auf dem Berg + + +Am folgenden Morgen erwachte Paula so frueh wie sonst nie, ein lauter +Gesang hatte sie aus dem Schlaf geweckt. "Da ist gewiss schon der +Geissbub", sagte sie, sprang aus dem Bett und lief ans Fenster. + +Richtig, mit frischen, roten Backen stand der Moni im Hof und hatte +eben die alte Geiss und das Zicklein aus dem Stall geholt. Jetzt +schwang er seine Rute in der Luft, die Geissen huepften und sprangen um +ihn herum, und nun ging's vorwaerts mit der ganzen Schar. Und +ploetzlich erhob Moni seine Stimme wieder und sang, dass es von den +Bergen widerhallte: + +"Dort droben in den Tannen +Singen die Voegel im Chor, +Und hat's eine Weile geregnet, +Kommt die Sonne wieder vor." + + +"Heute muss er mir einmal sein ganzes Lied singen", sagte Paula, denn +jetzt war Moni verschwunden, und sie konnte seinen fernen Gesang nicht +mehr verstehen. + +Am Himmel zogen noch die roten Morgenwolken dahin, und ein frischer +Bergwind rauschte dem Moni um die Ohren, als er berganstieg. Das war +ihm gerade recht. Vor Wohlbehagen jodelte er vom ersten Bergvorsprung +so gewaltig ins Tal hinab, dass mancher Schlaefer unten im Badehaus +erstaunt die Augen aufschlug. Er machte sie aber gleich wieder zu, +denn er kannte den Ton und wusste, dass er nun noch ein Stuendchen Schlaf +zugeben konnte, denn der Geissbub kam immer so frueh. Inzwischen +kletterte Moni mit seinen Geissen eine Stunde lang weiter und weiter +hinauf, bis hoch zu den Felsen. + +Immer weiter und immer schoener war es um den Moni geworden, je hoeher +er hinaufkam. Von Zeit zu Zeit guckte er um sich, dann schaute er zu +dem hellen Himmel auf, der nun immer blauer wurde. Dann fing er aus +vollem Hals zu singen an, immer lauter und immer froehlicher, je hoeher +er kam: + + Dort droben in den Tannen + Singen die Voegel im Chor, + Und hat's eine Weile geregnet, + Kommt die Sonne wieder vor. + + Und die Sonne und die Sterne + Und den Mond bei der Nacht, + Die hat der liebe Gott uns + Zur Freude gemacht. + + Im Fruehling gibt's Blumen, + Die sind gelb und sind rot, + Und so blau ist der Himmel, + Und ich freu mich fast zu Tod. + + Und im Sommer gibt's Beeren, + Und geht's gut, so gibt's viel, + Und die roten und die schwarzen, + Ess ich alle vom Stiel. + + Hat's im Hag wieder Nuesse, + So weiss ich wie's tut, + Wo die Geissen gern nagen, + Sind die Kraeutlein auch gut. + + Und im Winter bin ich froehlich, + Weil's Weinen nichts nuetzt, + Und weil ihm sowieso der Fruehling, + Auf den Fersen schon sitzt. + +Jetzt war die Anhoehe erreicht, wo er gewoehnlich blieb und sich auch +heute ausruhen wollte. Das war eine kleine, gruene Hochebene mit einem +so weiten Vorsprung, dass man von dem freien Punkt ringsumher und +weiter, weit ins Tal hinabsehen konnte. Dieser Vorsprung hiess die +Felsenkanzel, und hier konnte Moni oft stundenlang verweilen und um +sich schauen und vor sich hin pfeifen, waehrend seine Tierlein ganz +gemuetlich ihre Kraeuter suchten. + +Sobald Moni angekommen war, nahm er seinen kleinen Proviantsack vom +Ruecken und legte ihn in eine kleine Hoehle des Bodens, die er selbst +dafuer gegraben hatte. Dann trat er auf die Felsenkanzel hinaus und +warf sich auf den Boden, um sich einmal so recht wohl sein zu lassen. + +Der Himmel war jetzt dunkelblau geworden. Drueben waren die hohen +Berge mit den in den Himmel ragenden Zacken und grossen Eisfeldern zum +Vorschein gekommen, und unten leuchtete weithin das gruene Tal im +Morgenglanz. Moni lag da, schaute umher, sang und pfiff. Der +Bergwind kuehlte ihm das warme Gesicht, und hoerte er einmal zu pfeifen +auf, so pfiffen die Voegel ueber ihm noch viel lustiger und flogen in +den blauen Himmel hinauf. Der Moni fuehlte sich unbeschreiblich wohl. +Von Zeit zu Zeit kam das Maeggerli zu ihm und strich ein wenig mit +seinem Kopf ueber Monis Schulter, wie die Geiss es immer tat. Dann +meckerte es ganz liebevoll, ging auf die andere Seite von Moni und +strich wieder den Kopf ueber seine Schulter. Auch von den anderen +Geissen kam bald diese, bald jene, um nach dem Hirten zu sehen, und +jede hatte ihre eigene Weise, ihm ihre Zaertlichkeit zu zeigen. + +Die Braune, seine eigene Geiss, kam zu ihm und schaute nach, ob auch +alles mit ihm in Ordnung sei. Sie stand dann da und schaute ihn an, +bis er sagte: "Ja, ja, Braunli, es ist schon recht, geh nur wieder zum +Futter." Eine Geiss hiess die Schwalbe, weil sie so schmal und flink war +und ueberall hineinschoss, wie die Schwalben in ihre Loecher. Sie sprang +so ungestuem auf den Moni los, dass sie ihn wohl umgeworfen haette, waere +er nicht schon auf dem Boden gelegen. Gleich darauf lief sie wieder +davon. + +Die glaenzende Schwarze, die Geiss des Wirts im Badehaus, Maeggerlis +Mutter, war ein wenig stolz. Sie kam nur auf ein paar Schritte +Entfernung heran, schaute mit erhobenem Kopf zu dem Moni hin, als +wollte sie sich nicht zu vertraulich zeigen und ging dann wieder ihrer +Wege. Der grosse Sultan aber, der Bock, zeigte sich immer nur einmal +und drueckte dann alle weg, die er in Monis Naehe traf. Dann meckerte +er einigemale so bedeutungsvoll, als habe er Mitteilungen abzugeben +ueber den Zustand der Herde, als deren Anfuehrer er sich fuehlte. + +Nur das kleine Maeggerli liess sich niemals von seinem Beschuetzer +verdraengen. Wenn der Bock kam und wollte es wegdruecken, so kroch es +so tief unter Monis Arm oder Kopf, dass der grosse Sultan nicht wagte, +naeher zu kommen. Unter Monis Schutz fuerchtete sich das Zicklein auch +kein bisschen mehr vor dem Sultan, vor dem es sonst erzitterte, wenn es +in seine Naehe kam. + +So war der sonnige Morgen vergangen. Moni hatte schon sein +Mittagessen verzehrt und stand nun nachdenklich auf seinen Stecken +gestuetzt, den er hier oben oefters brauchte. Denn er war ihm beim Auf- +und Abstieg eine grosse Hilfe. Er dachte nach, ob er eine neue Seite +der Felsen besteigen wollte. Denn an diesem Nachmittag wollte er mit +den Geissen hoeher hinauf, die Frage war nur, nach welcher Seite? Er +entschied sich fuer die linke, denn dort ging es zu den drei +Drachensteinen, um die herum so zartes Buschwerk wuchs, dass es ein +wahres Festessen fuer die Geissen war. + +Der Weg war steil, und oben waren gefaehrliche Stellen an der schroffen +Felswand, aber er wusste einen sicheren Weg. Und die Geissen waren ja +vernuenftig und verliefen sich nicht so leicht. Er ging bergauf, und +lustig kletterten ihm alle seine Geissen nach. Sie waren bald vor, +bald hinter ihm, das kleine Maeggerli blieb immer ganz in seiner Naehe. +Manchmal hielt er es fest und zog es mit sich, wenn eine steile Stelle +kam. Es ging aber alles gut, und nun waren sie oben, und mit hohen +Spruengen rannten die Geissen zu den gruenen Bueschen hin, denn sie +erkannten das gute Futter, das sie schon oefter hier oben abgenagt +hatten. + +"Nur zahm! Nur zahm!" mahnte Moni, "und stosst einander nicht an den +steilen Stellen, es koennte leicht eines abstuerzen und haette die Beine +gebrochen. Schwalbe! Schwalbe! Was kommt denn dir in den Sinn?" +rief er jetzt voller Aufregung. Denn die flinke Geiss war ueber die +hohen Drachensteine hinaufgeklettert, stand jetzt auf dem aeussersten +Rand des einen Steins und guckte von da ganz vorwitzig auf ihn +herunter. Er kletterte eilig hinauf, denn nur noch ein einziger Tritt, +und die Schwalbe lag unten im Abgrund. Moni war sehr behend, in +wenigen Minuten hatte er den Stein erklettert und mit einem schnellen +Griff die Schwalbe am Bein erfasst und zurueckgezogen. "Komm du jetzt +mit mir, du unvernuenftiges Tierlein du", schalt Moni und zog die +Schwalbe mit sich herunter zu den anderen. Er hielt sie noch ein +Weilchen fest, bis sie nicht mehr ans Fortlaufen dachte. + +"Wo ist das Maeggerli?" schrie Moni ploetzlich auf, der die Schwarze +erblickte, wie sie allein an einer steilen Stelle stand und nichts +frass, sondern ruhig umherschaute. Immer war das junge Geisslein neben +Moni, oder es lief seiner Mutter nach. + +"Wo hast du dein Zicklein, Schwarze?" rief er erschrocken und sprang +auf die Geiss zu. Sie war ganz sonderbar, frass nicht, blieb immer auf +demselben Platz stehen und spitzte verdaechtig die Ohren. Moni stellte +sich dicht neben sie und schaute hinauf und hinab. Jetzt hoerte er ein +leises, jammerndes Meckern. Das war Maeggerlis Stimme, sie kam von +unten herauf, so klaeglich und hilfeflehend. Moni legte sich auf den +Boden und beugte sich vor. Dort unten bewegte sich etwas. Jetzt sah +er's deutlich, tief unten hing das Maeggerli an einem Ast, der +aus dem Felsen herauskam, und winselte zum Erbarmen. Es musste +hinuntergefallen sein. + +Gluecklicherweise hatte der Ast es aufgehalten, sonst haette es in den +Abgrund stuerzen muessen. Aber auch noch jetzt, wenn es sich nicht mehr +an dem Ast festhalten konnte, musste es auf der Stelle in die Tiefe +stuerzen und sich das Genick brechen. In hoechster Angst rief er +hinunter: "Halt fest, Maeggerli, halt fest am Ast! Sieh, ich komme +schon und hole dich!" Aber wie sollte er dahin gelangen? Die Felswand +war so steil hier, unmoeglich konnte er da hinunterkommen, das sah Moni +wohl ein. Aber das Geisslein musste da unten etwa in der Hoehe vom +Regenfelsen sein, dem ueberhaengenden Gestein, unter das man sich beim +Regen so gut fluechten konnte. Dort brachten die Geissbuben schon immer +ihre Tage bei schlechtem Wetter zu, darum hiess das Gestein schon von +alter Zeit her der Regenfelsen. Von da aus, dachte Moni, konnte er +quer ueber den Felsen klettern und so mit dem Zicklein zurueckkommen. + +Schnell pfiff er die Herde zusammen und stieg mit ihr hinunter, bis zu +der Stelle, wo es zum Regenfelsen hineinging. Da liess er sie weiden +und ging dem Felsen zu. Hier sah er auch gleich, noch ein gutes Stueck +ueber sich, den Ast, an den sich das Geisslein klammerte. Er sah, dass +es nicht leicht sei, da hinaufzuklettern und mit dem Maeggerli auf dem +Ruecken wieder hinunter. Aber anders war das Tierlein nicht zu retten. +Er dachte auch, der liebe Gott wuerde ihm gewiss beistehen, dann koennte +es ihm gelingen. Er faltete seine Haende, schaute zum Himmel auf und +betete: "Ach lieber Gott, hilf mir doch, dass ich das Maeggerli erretten +kann!" Jetzt war er voller Vertrauen, dass alles gutgehen werde, und +eilig kletterte er den Felsen hinauf, bis er bei dem Ast oben +angelangt war. Hier klammerte er sich fest an mit beiden Fuessen, hob +dann das zitternde, wimmernde Tierlein auf seine Schultern und +kletterte nun mit grosser Sorgfalt hinunter. Als er aber nun wieder +den sicheren Grasboden unter den Fuessen hatte und das erschrockene +Geisslein gerettet sah, da war er so froh, dass er laut danken musste und +in den Himmel hinaufrief: "O lieber Gott, ich danke dir tausendmal, +dass du uns so geholfen hast! O wie sind wir beide so froh darueber!" +Dann setzte er sich noch ein wenig auf den Boden und streichelte das +Zicklein, das immer noch an allen seinen zarten Gliedern zitterte, und +troestete es ueber die ausgestandene Angst. + +Als wenig spaeter Zeit zum Aufbruch war, setzte Moni das Zicklein noch +einmal auf seine Schultern und sagte fuersorglich: "Komm, du armes +Maeggerli, du zitterst ja immer noch. Heute kannst du nicht heimgehen, +ich muss dich tragen." Und so trug er das Tierlein, das sich fest an +ihn schmiegte, den ganzen Weg hinunter. + +Paula stand jetzt auf der letzten Anhoehe vor dem Badehaus und +erwartete den Geissbuben. Auch ihre Tante hatte sie begleitet. Als +nun Moni mit seiner Last auf dem Ruecken herankam, wollte Paula wissen, +ob das Zicklein krank sei, und zeigte grosse Teilnahme. Als Moni das +sah, setzte er sich gleich auf den Boden vor Paula hin und erzaehlte +ihr sein heutiges Erlebnis mit dem Maeggerli. + +Das Fraeulein nahm sehr lebhaften Anteil an der Sache und streichelte +das gerettete Tierlein. Jetzt lag es ruhig auf Monis Knien und sah +sehr zierlich aus mit seinen weissen Fuessen und dem schoenen schwarzen +Pelzchen ueber dem Ruecken. Es liess sich ganz gern ein wenig streicheln. + +"Jetzt singst du mir auch noch dein Lied, wenn du schon einmal hier +bist", sagte Paula. Moni war so froehlich gestimmt, dass er gern aus +voller Brust anstimmte und sein ganzes Lied bis zu Ende sang. + +Das gefiel der Paula ausnehmend gut, und sie sagte, er muesse es ihr +noch oefter singen. Dann zog die ganze Gesellschaft zusammen zum +Badehaus hinunter. Hier wurde das Zicklein auf sein Lager gelegt, und +Moni nahm Abschied. Paula ging in ihr Zimmer zurueck, um hier der +Tante noch lange von dem Geissbuben zu erzaehlen, auf dessen froehlichen +Morgengesang sie sich schon jetzt wieder freute. + + + +3. Kapitel + +Ein Besuch + + +So waren mehrere Tage vergangen, einer so sonnig und klar wie der +andere, denn es war ein besonders schoener Sommer. Und der Himmel +blieb blau und wolkenlos vom Morgen bis zum Abend. + +Jeden Morgen in der Fruehe war der Geissbub mit hellem Gesang am +Badehaus vorbeigezogen, jeden Abend mit hellem Gesang wieder +zurueckgekehrt. Und alle Badegaeste waren so an das froehliche Singen +gewoehnt, dass keiner es haette missen moegen. + +Vor allen aber freute sich Paula an Monis Froehlichkeit und ging ihm +fast jeden Abend entgegen, um ein Gespraech mit ihm anzuknuepfen. + +An einem sonnigen Morgen war Moni wieder oben bei der Felsenkanzel +angelangt und wollte sich eben auf den Boden setzen, als er sich noch +anders besann. "Nein, vorwaerts! Ihr habt ja das letztemal die guten +Blaettlein alle stehenlassen muessen, weil wir dem Maeggerli helfen +mussten, jetzt geht's noch einmal hinauf, da koennt ihr fertig nagen!" +Und mit Freuden sprangen ihm die Geissen alle nach, denn sie merkten, +dass es zu den schoenen Bueschen an den Drachensteinen hinauf ging. +Diesmal hielt Moni aber sein kleines Maeggerli die ganze Zeit im Arm +fest, riss ihm die guten Blaettlein selber ab und liess es aus seiner +Hand fressen. Das gefiel dem Geisslein am allerbesten, es rieb ganz +vergnuegt von Zeit zu Zeit sein Koepfchen an Monis Schulter und meckerte +froehlich. So war der ganze Morgen vergangen und Moni merkte erst an +seinem Hunger, dass es spaet geworden war. Er hatte aber sein Essen +unten bei der Felsenkanzel in der kleinen Hoehle hegen lassen, da er +mittags wieder hinunter kommen wollte. + +"So, ihr habt nun schon viel Gutes bekommen, und ich habe noch gar +nichts", sagte er zu seinen Geissen. "Jetzt muss ich auch etwas haben +und unten findet ihr noch genug, kommt!" Dann pfiff er laut, und die +ganze Schar zog auf und davon, die lebhaftesten immer voran und allen +voraus die leichtfuessige Schwalbe, der heute etwas Unerwartetes +begegnen sollte. Sie sprang hinunter von Stein zu Stein und ueber +manche Felsspalte weg, aber auf einmal konnte sie nicht weiter. + +Unmittelbar vor ihr stand ganz ploetzlich eine Gemse und schaute ihr +neugierig ins Gesicht. Das war der Schwalbe noch nicht vorgekommen. +Sie stand da, schaute die Fremde fragend an und wartete, dass ihr diese +aus dem Weg gehe. Denn sie wollte auf den Felsblock springen, der vor +ihr aufragte. Aber die Gemse ruehrte sich nicht und schaute der +Schwalbe frech ins Gesicht. So standen beide voreinander, immer +hartnaeckiger, und noch heute wuerden sie dort stehen, wenn nicht +inzwischen der grosse Sultan herbeigekommen waere. Sofort erkannte er +die Sachlage und kletterte vorsichtig an der Schwalbe vorbei. +Ploetzlich stiess er die Gemse so weit und so gewaltig auf die Seite, +dass sie einen kuehnen Sprung machen musste, um nicht ueber die Felsen +hinabzurutschen. + +Die Schwalbe aber zog triumphierend ihres Weges, und der Sultan +schritt befriedigt und stolz hinter ihr her, denn er fuehlte sich als +sicherer Beschuetzer seiner Herde. Inzwischen war von oben herab Moni +und von unten herauf ein anderer Geissbub auf einem nahen Platz +angekommen und blickten auch erstaunt einander an. Aber sie kannten +sich, und nach der ersten Ueberraschung begruessten sie sich freundlich. +Es war der Joergli von Kueblis, der schon den halben Morgen lang +vergebens den Moni gesucht hatte und ihn nun hier oben traf, wo er ihn +gar nicht mehr vermutete. + +"Ich habe nicht gedacht, dass du so hoch hinaufgehen wuerdest mit den +Geissen", sagte der Joergli. + +"Freilich gehe ich", entgegnete Moni, "aber nicht immer. Gewoehnlich +bin ich bei der Felsenkanzel. Warum bist du da heraufgekommen?" + +"Ich will dir einen Besuch machen", war die Antwort, "ich habe dir +allerhand zu erzaehlen. Auch habe ich hier zwei Geissen, die bringe ich +dem Wirt im Bad, er will eine kaufen, und da dachte ich, ich wollte +noch zu dir hinauf." + +"Sind es deine Geissen?" fragte Moni. + +"Natuerlich, die fremden habe ich nicht zu hueten, ich bin nicht mehr +Geissbub." + +Darueber musste sich Moni sehr wundern, denn zu gleicher Zeit mit ihm +war der Joergli Geissbub von Kueblis geworden, und Moni begriff nicht, +dass das so aufhoeren konnte und der Joergli nicht einmal jammerte. + +Inzwischen waren Hirten und Geissen bei der Felsenkanzel angekommen. +Moni holte Brot und ein Stueckchen getrocknetes Fleisch hervor und lud +den Joergli zum Mittagessen ein. Sie setzten sich beide auf die Kanzel +hinaus und liessen sich's gut schmecken. Denn es war sehr spaet +geworden, und sie hatten beide ausgezeichneten Appetit. Als nun alles +aufgegessen und dann noch ein wenig Geissmilch getrunken worden war, +legte sich der Joergli ganz behaglich der Laenge nach auf den Boden und +stuetzte seinen Kopf auf beide Ellbogen. Moni aber war sitzen +geblieben, denn er schaute immer gern von oben in das tiefe Tal +hinunter. + +"Was bist du denn jetzt, Joergli, wenn du nicht mehr Geissbub bist?" +fing Moni nun an, "etwas musst du doch sein." + +"Freilich bin ich etwas und etwas Rechtes", erwiderte Joergli, "Eierbub +bin ich. Jeden Tag gehe ich mit den Eiern in alle Wirtshaeuser, so +weit ich komme. Hier hinauf ins Badehaus komme ich auch, gestern war +ich schon dort." + +Moni schuettelte den Kopf: "Das ist nichts, Eierbub moechte ich nicht +sein, tausendmal lieber will ich Geissbub sein, das ist viel schoener." + +"Ja warum denn?" + +"Die Eier sind ja nicht lebendig, mit denen kannst du kein Wort reden. +Und sie laufen dir nicht nach wie die Geissen, die sich freuen, wenn +du kommst und anhaenglich sind und jedes Wort verstehen, das du mit +ihnen redest. Du kannst keine Freude mit deinen Eiern haben wie mit +den Geissen hier oben." + +"Ja und du", unterbrach ihn Joergli, "was hast du denn fuer grosse +Freuden hier oben? Jetzt hast du wohl sechsmal aufstehen muessen, +waehrend wir beim Essen waren, nur wegen des dummen Geissleins, damit es +nicht hinunterfaellt. Ist denn das eine Freude?" + +"Ja, das tue ich ganz gern. Nicht wahr, Maeggerli, komm! Komm!" Moni +sprang auf und lief dem Geisslein nach, denn es machte ganz +unvorsichtige Freudenspruenge. Als er wieder sass, sagte Joergli: "Es +gibt auch ein anderes Mittel, die jungen Geissen zu halten, dass sie +nicht ueber die Felsen hinabfallen und man ihnen nicht immer +nachspringen muss wie du." + +"Was fuer eins?" fragte Moni. + +"Man steckt einen Stecken fest in den Boden und bindet die Geiss mit +einem Bein daran. Sie zappelt dann zwar furchtbar, aber sie kann doch +nicht fort." + +"Du wirst doch nicht glauben, dass ich so etwas mit dem Geisslein mache", +sagte der Moni ganz entruestet. Er zog das Maeggerli zu sich und hielt +es fest, als muesste er es schuetzen. + +"Um das Geisslein musst du dich nicht mehr lange sorgen", fing Joergli +wieder an, "das kommt nicht mehr hier herauf." + +"Was? Was? Was sagst du, Joergli?" fuhr Moni auf. + +"Pah, weisst du's denn nicht? Der Wirt will es nicht aufziehen, es ist +ihm zu schwach, es wird nie eine kraeftige Geiss. Er hat es meinem +Vater verkaufen wollen, aber der wollte es auch nicht. Nun will es +der Wirt naechste Woche schlachten, und dann kauft er unseren Scheck +dort." + +Moni war vor Schrecken ganz weiss geworden. Erst konnte er kein Wort +sagen, aber jetzt jammerte er laut und rief: + +"Nein, nein, das duerfen sie nicht tun, Maeggerli, das duerfen sie nicht +tun. Sie duerfen dich nicht schlachten, das kann ich nicht ertragen. +Oh, ich will lieber gleich mit dir sterben. Nein, das kann ja nicht +sein!" + +"Tu doch nicht so", sagte Joergli aergerlich und zog den Moni in die +Hoehe, der sich in seinem Jammer mit dem Gesicht zu Boden geworfen +hatte. "Steh doch auf, du weisst ja, dass das Geisslein nun einmal dem +Wirt gehoert und er damit machen darf, was er will. Denk doch nicht +mehr dran! Komm ich weiss noch etwas: Sieh! Sieh!" Dann hielt Joergli +dem Moni die eine Hand hin, und mit der anderen deckte er den +Gegenstand fast zu, den Moni bewundern sollte. Es funkelte aber ganz +wunderbar aus der Hand heraus, denn die Sonne blitzte eben dort hinein. + +"Was ist's?" fragte Moni, als es eben wieder aufblitzte, von einem +Sonnenstrahl beleuchtet. + +"Rat!" + +"Ein Ring?" + +"Nein, aber so etwas Aehnliches." + +"Wer hat dir's gegeben?" + +"Gegeben? Niemand, ich hab es selbst gefunden." + +"Dann gehoert es aber nicht dir, Joergli." + +"Warum nicht? Ich habe es niemand genommen, ich waere fast mit dem Fuss +darauf getreten, dann waer's doch zerbrochen. Ich kann es ebenso gut +behalten." + +"Wo hast du's gefunden?" + +"Unten beim Badehaus, gestern abend." + +"Dann hat es jemand aus dem Haus unten verloren. Du musst es dem Wirt +sagen, und wenn du's nicht tust, so tue ich's heute Abend." + +"Nein, nein, Moni, tue nur das nicht", sagte Joergli jetzt bittend, +"sieh, ich will dir zeigen, was es ist. Und ich will es in einen von +den Wirtshaeusern an ein Zimmermaedchen verkaufen, sie muss mir aber vier +Franken geben, dann geb ich dir auch einen oder zwei, und dann weiss ja +niemand etwas davon." + +"Ich will nichts! Ich will nichts!" unterbrach ihn Moni heftig, "und +der liebe Gott hat alles gehoert, was du gesagt hast." + +Joergli schaute zum Himmel auf. "Ja, so weit weg", sagte er +zweifelhaft. Er fing aber gleich an, leiser zu reden. + +"Er hoert dich doch", sagte Moni zuversichtlich. + +Dem Joergli war es nicht mehr recht wohl in seiner Haut. Wenn er nur +den Moni auf seine Seite zu bringen wusste, sonst war alles verloren. +Er dachte lange nach. "Moni", sagte er ploetzlich, "ich will dir etwas +versprechen, das dich freut, wenn du keinem Menschen etwas von dem +Gefundenen sagen willst. Du brauchst ja auch nichts davon zu nehmen, +dann hast du nichts damit zu tun. Wenn du das willst, so will ich +dafuer sorgen, dass mein Vater doch das Maeggerli kauft. Dann wird es +nicht geschlachtet, willst du?" + +In Moni entstand ein harter Kampf. Es war ein Unrecht, wenn er dabei +half, den Fund zu verheimlichen. Joergli hatte seine Hand aufgemacht, +es lag ein Kreuz darin, mit vielen Steinen besetzt, die in allen +Farben funkelten. Moni sah wohl, dass das nicht ein wertloses Ding war, +nach dem niemand fragen werde. Wenn er schweigen wuerde, wuerde er +etwas behalten, was ihm nicht gehoerte. Aber auf der anderen Seite war +das kleine, liebevolle Maeggerli, das sollte auf schreckliche Weise mit +einem Messer getoetet werden, und er konnte das verhindern, wenn er +schweigen wollte. Eben jetzt lag das Geisslein so vertrauensvoll neben +ihm, als wusste es, dass er ihm immer helfen wurde. Nein, er konnte es +nicht geschehen lassen, er musste es retten. + +"Einverstanden, Joergli", sagte er, aber ohne Freudigkeit. + +"So schlag ein." Und Joergli hielt Moni seine Hand hin, dass er hinein +verspreche, denn nur so galt ein Versprechen unwiderruflich. + +Joergli war sehr froh, dass er nun seiner Sache sicher war. Da aber +Moni so still geworden war und er einen viel weiteren Weg nach Hause +hatte als Moni, so beschloss er, mit seinen zwei Geissen aufzubrechen. +Er verabschiedete sich von Moni und pfiff den beiden Gefaehrten, die +sich inzwischen zu den weidenden Geissen des Moni gesellt hatten. Es +hatten einige bedenkliche Angriffe zwischen den beiden Parteien +stattgefunden, denn die Fideriser Geissen wussten nicht, dass man mit +einem Besuch artig sein muss. Und die Kuebliser Geissen wussten nicht, +dass man nicht gleich die besten Kraeutlein aussuchen und die anderen +davon wegdruecken darf, wenn man auf Besuch ist. Als nun der Joergli +ein Stueck den Berg hinuntergegangen war, brach auch Moni mit seiner +Schar auf, aber er war ganz still und sang keinen Ton und tat keinen +Pfiff auf dem ganzen Heimweg. + + + +4. Kapitel + +Moni kann nicht mehr singen + + +Moni kam am folgenden Morgen genauso still und niedergeschlagen wie am +Abend vorher den Weg zum Badehaus daher. Leise holte er die Geissen +des Wirts heraus und stieg weiter hinauf, aber er sang keinen Ton, er +schickte keinen Jodel in die Luft hinauf. Er liess seinen Kopf haengen +und machte ein Gesicht, als fuerchtete er sich vor etwas. Hier und da +blickte er auch scheu um sich, ob ihm nicht jemand nachkomme und ihn +etwas fragen wolle. + +Moni konnte gar nicht mehr lustig sein. Er wusste erst selbst nicht so +recht, warum? Er wollte sich freuen, dass er das Maeggerli gerettet +hatte und einmal singen, aber er brachte nichts heraus. Der Himmel +war heute mit Wolken bedeckt, und Moni dachte, wenn die Sonne komme, +wuerde er schon wieder lustiger werden. + +Als er oben angekommen war, fing es ganz tuechtig zu regnen an. Er +fluechtete unter den Regenfelsen, denn es goss bald in Stroemen vom +Himmel herunter. + +Die Geissen kamen auch heran und stellten sich da und dort unter die +Felsen. Die vornehme Schwarze hatte gleich ihren schoenen glaenzenden +Pelz schonen wollen und war noch vor dem Moni unter den Felsen +gekrochen. Sie sass jetzt hinter dem Moni und schaute aus dem +behaglichen Winkel vergnuegt in den stroemenden Regen hinaus. Das +Maeggerli stand vor seinem Beschuetzer unter dem vorragenden Felsen und +rieb zaertlich sein Koepfchen an seinem Knie. Und dann schaute es +erstaunt zu ihm auf, denn Moni sagte kein Wort, das war das Zicklein +nicht gewohnt. Auch seine Braune scharrte zu seinen Fuessen und +meckerte, denn er hatte den ganzen Morgen noch nichts zu ihr gesagt. +Moni sass nachdenklich da. Er hatte sich auf seinen Stecken gestuetzt, +den er bei solchem Wetter immer zur Hand nahm, damit er an den steilen +Stellen nicht ausrutschen konnte. Denn an Regentagen zog er Schuhe an. +Jetzt, da Moni stundenlang unter dem Regenfelsen sass, hatte er Zeit +zum Nachdenken. + +Jetzt ueberdachte Moni, was er dem Joergli versprochen hatte. Und es +kam ihm nun nicht anders vor, als ob der Joergli etwas genommen habe +und er selbst dasselbe tue. Schliesslich hatte ihm der Joergli doch +auch etwas fuer sein Schweigen gegeben. Er hatte etwas getan, was +unrecht war, und der liebe Gott war jetzt gegen ihn, das fuehlte er in +seinem Herzen. Es war ihm recht, dass es dunkel war und regnete und er +unter dem Felsen verborgen war. Denn er haette doch nicht wie sonst in +den blauen Himmel hinaufsehen duerfen, er fuerchtete sich jetzt vor dem +lieben Gott. Aber auch noch andere Dinge musste Moni denken. Wenn nun +wieder das Maeggerli ueber einen steilen Felsen hinunterfiele, und er +wollte es holen, und der liebe Gott wuerde ihn nicht mehr beschuetzen, +wenn er auch nicht mehr zu ihm beten und rufen duerfte, dann haette er +keine Sicherheit mehr. Und wenn er dann ausrutschte und mit dem +Maeggerli tief ueber die zackigen Felsen hinunterfiele und beide ganz +zerrissen und zerschmettert unten im Abgrund laegen... + +O nein, sprach er aengstlich zu sich, so durfte es doch nicht kommen. +Er musste dafuer sorgen, dass er wieder beten und vor den lieben Gott +kommen konnte mit allem, was ihm auf dem Herzen lag. Dann konnte er +auch wieder froehlich sein, das fuehlte Moni. Er wollte sich von der +Last befreien, die ihn bedrueckte, er wollte gehen und alles dem Wirt +sagen--aber dann? Dann wurde Joergli seinen Vater nicht ueberreden, und +der Wirt wuerde das Maeggerli totstechen. O nein! Das konnte er nicht +aushalten, und er sagte: "Nein, ich tue es nicht, ich sage nichts." +Aber es war ihm nicht wohl dabei und sein schlechtes Gewissen wurde +immer groesser. + +So verging dem Moni der ganze Tag. Er kehrte abends so lautlos heim, +wie er morgens gekommen war. Und als unten beim Badehaus Paula stand +und schnell zum Geissenstall heruebersprang und teilnehmend fragte: +"Moni, was fehlt dir? Warum singst du denn gar nicht mehr?"--da +wandte er sich scheu ab und sagte: "Ich kann nicht." Und so schnell +wie moeglich machte er sich mit seinen Geissen davon. + +Paula sagte oben zu ihrer Tante: "Wenn ich doch nur wusste, was der +Geissbub hat, er ist ja ganz veraendert, man kennt ihn gar nicht mehr. +Wenn er doch nur wieder saenge." + +"Es wird der schreckliche Regen sein, der den Buben so verstimmt", +meinte die Tante. + +"Nun kommt auch alles zusammen. Wir wollen doch heimgehen, Tante", +bat Paula, "das Vergnuegen hier ist aus. Erst verliere ich mein +schoenes Kreuz, und es ist nicht mehr zu finden. Dann kommt dieser +endlose Regen, und nun kann man nicht einmal mehr den lustigen +Geissbuben zuhoeren. Wir wollen fort." + +"Die Kur muss zu Ende gemacht werden, da kann ich dir nicht helfen", +erklaerte die Tante. + +Dunkel und grau war es auch am folgenden Morgen, und der Regen stroemte +unausgesetzt nieder. Moni brachte seinen Tag ebenso zu wie den +vorhergegangenen. Er sass unter dem Felsen, und seine Gedanken gingen +ruhelos immer im Kreise herum. Immer wenn er zu sich sagte: "Jetzt +will ich gehen und das Unrecht gestehen, damit ich wieder zum lieben +Gott aufsehen darf", da sah er wieder das Zicklein unter dem Messer +vor sich. Er dachte nach, und sein schlechtes Gewissen plagte ihn so +sehr, dass er am Abend ganz muede war und im stroemenden Regen +heimschlich, als merkte er nichts davon. + +Beim Badehaus stand der Wirt in der Hintertuer und fuhr den Moni an: +"Komm einmal mit den Geissen her, sie sind nass genug! Was kriechst du +auch wie eine Schnecke den Berg hinunter! Ich wundere mich schon die +ganze Zeit ueber dich." + +So unfreundlich war der Wirt noch nie gewesen, im Gegenteil, immer +hatte er dem froehlichen Geissbuben die freundlichsten Worte zugerufen. +Aber Monis veraendertes Wesen gefiel ihm nicht, und dazu war er noch +schlechter Laune, denn Fraeulein Paula hatte ihm ihren Verlust geklagt. +Sie hatte behauptet, das kostbare Kreuz koenne nur im Haus oder +unmittelbar vor der Haustuer verloren gegangen sein. Denn sie sei an +jenem Tag nur herausgegangen, um abends den heimkehrenden Geissbuben +singen zu hoeren. Dass man aber sagen sollte, es koenne in seinem Haus +ein so wertvolles Ding verloren gehen, ohne dass man es wieder erhalte, +machte ihn sehr boese. Er hatte auch am Tag vorher das ganze +Dienstpersonal versammelt, es verhoert und bedroht und endlich dem +Finder eine Belohnung ausgesetzt. Das ganze Haus war in Aufruhr ueber +den verlorenen Schmuck. + +Als Moni mit seinen Geissen an der Vorderseite des Hauses vorbeiging, +stand Paula dort. Sie hatte auf ihn gewartet, es wunderte sie so sehr, +ob er immer noch nicht wieder singen koenne und lustig sei. Als er +nun vorbeischlich, rief sie: "Moni! Moni! Bist du denn auch derselbe +Geissbub, der vom Morgen bis zum Abend sang: + +"'Und so blau ist der Himmel, +Und ich freu mich fast zu Tod'?" + +Moni hoerte die Worte, er gab keine Antwort, aber sie machten einen +grossen Eindruck auf ihn. + +Oh, wie war's doch so anders, als er den ganzen Tag singen konnte und +er so froehlich war wie seine Lieder. Oh, wenn es doch wieder so sein +koennte! + +Wieder zog Moni zu seiner Anhoehe hinauf, still und freudlos und ohne +Gesang. Der Regen hatte nun aufgehoert, aber duester hingen ringsum die +Nebel an den Bergen, und der Himmel war noch voll dunkler Wolken. +Moni setzte sich wieder unter den Felsen und kaempfte mit seinen +Gedanken. Gegen Mittag fing der Himmel an, sich aufzuklaeren, es wurde +heller und heller. Moni kam aus seiner Hoehle hervor und schaute umher. +Die Geissen sprangen wieder lustig hin und her, auch das Zicklein war +ganz uebermuetig vor Freuden ueber die wiederkehrende Sonne und machte +die froehlichsten Spruenge. + +Moni stand draussen auf der Kanzel und sah, wie es immer schoener und +heller wurde unten im Tal und oben ueber dem Berge. Jetzt teilten sich +die Wolken und der lichtblaue Himmel schaute so lieblich und +freundlich herunter. Es war Moni, als schaue der liebe Gott aus dem +lichten Blau zu ihm nieder. Und auf einmal war es in seinem Herzen +ganz klar, was er tun musste, er konnte das Unrecht nicht mehr mit sich +herumfragen. Er musste es ablegen. Jetzt ergriff Moni das Zicklein, +das neben ihm umhersprang, nahm es in seinen Arm und sagte mit +Zaertlichkeit: "O Maeggerli, du armes Maeggerli! Ich habe gewiss getan, +was ich konnte, aber es ist ein Unrecht, und das darf man nicht tun. +Oh, wenn du nur nicht sterben muesstest, ich kann es nicht aushalten!" +Und nun fing Moni so sehr zu weinen an, dass er nicht mehr weiter reden +konnte. Und das Zicklein meckerte wehmuetig und kroch tief unter +seinen Arm, als wollte es sich ganz bei ihm verstecken und in +Sicherheit bringen. Jetzt hob Moni das Geisslein auf seine Schultern. + +"Komm, Maeggerli, ich trage dich noch einmal heim heute, vielleicht +kann ich dich bald nicht mehr tragen." + +Als er mit seinen Geissen unten beim Badehaus war, wartete Paula schon +auf ihn. Moni stellte das Junge mit der Schwarzen in den Stall hinein, +und anstatt weiter zu ziehen, wollte er an dem Fraeulein vorbei ins +Haus gehen. Sie hielt ihn an. + +"Immer noch ohne Gesang, Moni?" + +"Ich muss etwas anzeigen", erwiderte Moni. + +"Anzeigen? Was denn? Darf ich's nicht wissen?" + +"Ich muss zum Wirt, es ist etwas gefunden worden." + +"Gefunden? Was denn? Ich habe auch etwas verloren, ein schoenes Kreuz." + +"Ja, das ist es gerade." + +"Was sagst du?" rief Paula in hoechster Ueberraschung. "Ist es ein +Kreuz mit funkelnden Steinen?" + +"Ja." + +"Wo hast du's denn, Moni? Gib's doch her, hast du's gefunden?" + +"Nein, der Joergli von Kueblis." + +Nun wollte Paula wissen, wer das sei, und wo er wohne, und auf der +Stelle jemand nach Kueblis hinunterschicken, das Kreuz zu holen. + +"Ich will schon gehen, und wenn er's noch hat, will ich's bringen" +sagte Moni. + +"Wenn er's noch hat?" rief Paula, "warum sollte er's nicht mehr haben? +Und woher weisst du denn von allem, Moni? Wann hat er's gefunden, und +wie hast du's denn erfahren?" + +Moni schaute zu Boden. Er durfte nicht sagen, wie alles zugegangen +war, und wie er geholfen hatte, den Fund zu verheimlichen, bis er es +nicht mehr hatte ertragen koennen. + +Aber Paula war sehr gut zu Moni. Sie nahm ihn auf die Seite, setzte +sich auf einen Baumstamm zu ihm hin und sagte mit der groessten +Freundlichkeit: "Komm, erzaehl mir alles, wie es gegangen ist, Moni, +ich moechte so gern alles von dir wissen." + +Nun fasste der Moni Zutrauen und fing an und erzaehlte die ganze Sache. +Er berichtete auch, dass er sich um das Leben von Maeggerli Sorgen +gemacht habe und wie er so alle Freude verloren hatte und nicht mehr +zum lieben Gott aufschauen durfte. Heute, sagte er, konnte er es +nicht mehr laenger ertragen. + +Jetzt redete Paula sehr freundlich mit ihm und meinte, er haette nur +gleich kommen und alles anzeigen sollen. Und es sei recht, dass er ihr +jetzt alles so aufrichtig gesagt habe, er solle es nicht bereuen. +Dann sagte sie, dem Joergli koenne er zehn Franken versprechen, wenn sie +das Kreuz wieder in Haenden habe. + +"Zehn Franken?" wiederholte Moni voller Erstaunen. Denn er wusste ja, +dass Joergli es hatte verkaufen wollen. Jetzt stand Moni auf und sagte, +er wollte noch heute nach Kueblis hinunter, und wenn er das Kreuz +bekaeme, es gleich morgen frueh mitbringen. Nun lief er davon und +konnte wieder ganz grosse Spruenge machen, er hatte wieder ein viel +leichteres Herz, das schlechte Gewissen belastete ihn nicht mehr. + +Daheim stellte er nur seine Geiss in den Stall, sagte der Grossmutter, +er habe noch einen Auftrag auszurichten und rannte gleich nach Kueblis +hinunter. Er fand den Joergli daheim und sagte ihm, was er getan hatte. +Der war erst sehr aufgebracht, aber als er nun erfuhr, dass alles +bekannt sei, zog er das Kreuz heraus und fragte: "Gibt sie mir auch +etwas dafuer?" + +"Ja, jetzt kannst du sehen, Joergli", sagte Moni entruestet, "auf dem +ehrlichen Weg haettest du gleich zehn Franken bekommen und auf deinem +Luegenweg doch nur vier." + +Joergli war sehr ueberrascht. Jetzt reute es ihn, dass er nicht gleich +mit dem Kreuz ins Badehaus gegangen war, nachdem er es vor der Tuer +aufgelesen hatte. Denn er hatte doch nun kein gutes Gewissen und +haette es anders haben koennen. Aber jetzt war's zu spaet. Er uebergab +das Kreuz dem Moni, und dieser eilte damit heim, es war draussen schon +dunkel geworden. + + + +5. Kapitel + +Moni singt wieder + + +Paula hatte angeordnet, dass man sie am fruehen Morgen wecken sollte. +Wenn der Geissbub kaeme, wollte sie selbst mit ihm verhandeln. Am Abend +hatte sie noch eine lange Unterredung mit dem Wirt gehabt und war dann +sehr befriedigt aus seiner Stube herausgekommen. Sie musste etwas +Erfreuliches mit ihm ausgemacht haben. + +Als der Geissbub am Morgen mit seiner Herde herankam, stand Paula schon +vor dem Haus und rief: "Moni, kannst du denn immer noch nicht singen?" + +Er schuettelte den Kopf: "Nein, ich kann's nicht, ich muss jetzt immer +an das Maeggerli denken, wie lange es noch mit mir geht. Ich kann +nicht mehr singen, solange ich lebe, und hier ist das Kreuz." Damit +uebergab er ein kleines Paeckchen, denn die Grossmutter hatte es ihm +sorgfaeltig in drei oder vier Papiere gewickelt. + +Paula schaelte das Kreuz aus den Huellen heraus und betrachtete es genau. +Es war wirklich ihr schoenes Kreuz mit den funkelnden Steinen und +voellig unversehrt. + +"So, Moni", sagte sie nun freundlich, "du hast mir eine grosse Freude +gemacht, denn ohne dich haette ich wohl mein Kreuz nie mehr gesehen. +Nun will ich dir auch eine Freude machen. Geh, hol das Maeggerli dort +aus dem Stall, es gehoert jetzt dir!" + +Moni starrte das Fraeulein mit einem Erstaunen an, als sei es unmoeglich, +ihre Worte zu verstehen. Endlich stotterte er: "Aber wie--wie koennte +das Maeggerli mein sein?" + +"Wie?" wiederholte Paula laechelnd, "sieh, gestern abend hab ich es dem +Wirt abgekauft und heute morgen schenke ich es dir. Kannst du jetzt +wieder singen?" + +"Oh!" stiess Moni hervor und rannte wie ein Unsinniger auf den Stall zu, +zog das Geisslein heraus und nahm es auf den Arm. Dann kam er +zurueckgesprungen und streckte dem Fraeulein seine Hand entgegen und +sagte immer wieder: "Ich danke tausendmal! Vergelt's Gott! Und wenn +ich Ihnen nur einen Gefallen tun koennte!" + +"Dann sing mir dein Lied", sagte Paula. + +Da stimmte Moni sein Lied an und zog nun den Berg hinauf mit den +Geissen, und seine Jubeltoene schmetterten so ins Tal hinab, dass im +ganzen Badehaus keiner war, der sie nicht hoerte. Und mancher drehte +sich auf seinem Kissen um und sagte: "Der Geissbub hat wieder gute +Laune." Es freute aber alle, dass er wieder sang, denn sie hatten sich +alle an den froehlichen Wecker gewoehnt, die einen zum Aufstehen, die +anderen zum Weiterschlafen. Als Moni oben von der ersten Hoehe das +Fraeulein immer noch unten vor dem Haus stehen sah, trat er extra weit +hinaus und sang hinunter, so laut er konnte: + +"Und so blau ist der Himmel, +Und ich freu mich fast zu Tod!" + + +Den ganzen Tag ueber sang der Moni und alle Geissen wurden angesteckt +von seiner Froehlichkeit und huepften und sprangen umher. Es war, als +ob ein grosses Fest gefeiert wuerde. Die Sonne schien froehlich vom +blauen Himmel herunter. Und nach dem grossen Regen waren auch alle +Kraeutlein frisch und die gelben und roten Bluemlein glaenzten. Moni +glaubte, Berg und Tal und die ganze Welt noch nie so schoen gesehen zu +haben. Sein Zicklein liess er den ganzen Tag nicht aus den Augen. Er +zog ihm die besten Kraeutlein aus und fuetterte es und sagte immer +wieder: "Maeggerli, du gutes Maeggerli, du musst nicht sterben, du bist +jetzt mein und kommst mit mir auf die Weide hinauf, solange wir leben." +Und mit schallendem Singen und Jodeln kam Moni auch am Abend wieder +hinunter. Nachdem er die Schwarze zu ihrem Stall gefuehrt hatte, nahm +er das Zicklein auf den Arm, es kam ja nun mit ihm nach Haus. Das +Maeggerli machte auch gar keine Anstalten, als wollte es lieber +dableiben, sondern schmiegte sich an den Moni. Bei ihm fuehlte es sich +geborgen, denn Moni hatte es ja schon lange besser und zaertlicher +behandelt als die eigene Mutter. + +Als aber Moni zu der Grossmutter kam, sein Maeggerli auf der Schulter, +da wusste diese gar nicht, was geschehen war. Denn Monis Rufen: "Es +gehoert mir, Grossmutter, es gehoert mir!" erklaerte ihr die Sache noch +lange nicht. Aber Moni konnte noch nicht erzaehlen. Erst lief er zu +dem Stall und dort, hart neben der Braunen, damit es sich nicht +fuerchte, machte er dem Maeggerli ein schoenes, weiches Lager aus +frischem Stroh. Er legte es darauf und sagte: "So Maeggerli, nun +schlaf gut in der neuen Heimat. So sollst du's immer haben, alle Tage +mache ich dir ein neues Bettlein." + +Erst jetzt kam Moni zu der verwunderten Grossmutter zurueck, und wie sie +nun zusammen bei ihrem Abendessen sassen, erzaehlte er ihr die ganze +Geschichte von Anfang an. Er berichtete von seinen drei kummervollen +Tagen und dem heutigen beglueckenden Schluss. Die Grossmutter hoerte ganz +still und aufmerksam zu, und als er zu Ende war, sagte sie ernsthaft: +"Moni, wie es dir jetzt gegangen ist, daran sollst du immer denken. +Waehrend du dir Sorgen um das Geisslein machtest, hatte der liebe Gott +ihm schon lange geholfen und dir zur Freude einen Weg gefunden. Er +hat dir geholfen, weil du dein Unrecht eingesehen hast. Haettest du +sofort recht getan und auf Gott vertraut, so waere gleich alles gut +gegangen. Jetzt hat der liebe Gott dir so sehr geholfen, dass du es +dein Leben lang nicht vergessen darfst." + +"Nein, ich will es auch nie vergessen", sagte Moni mit eifriger +Zustimmung, "und gewiss immer gleich denken: Ich muss nur tun, was vor +dem lieben Gott recht ist, das andere bringt er schon in Ordnung." + +Bevor aber Moni sich schlafen legen konnte, musste er noch einmal in +den Stall und sein Geisslein anschauen, ob es auch wirklich moeglich sei, +dass es draussen liege und ihm gehoere. + +Der Joergli bekam seine zehn Franken, aber so leicht sollte er denn +doch nicht von der Sache loskommen. + +Als er wieder ins Badehaus kam, wurde er vor den Wirt gefuehrt. Er +nahm den Buben beim Kragen, schuettelte ihn tuechtig und sagte +bedrohlich: "Joergli! Joergli! Versuch du kein zweitesmal mehr, mein +ganzes Haus in Misskredit zu bringen! Kommt noch ein einziges Mal so +etwas vor, so kommst du auf eine Art aus meinem Haus hinaus, die dir +nicht gefaellt! Sieh, dort oben steckt ein ganz kraeftiges +Weidenruetchen fuer solche Faelle. Jetzt geh und denk dran!" + +Aber noch eine Folge hatte der Vorgang fuer den Buben: Wenn von nun an +irgend etwas im Badehaus verloren gegangen war, rief die ganze +Dienerschaft sofort: "Das hat der Joergli von Kueblis!" Und kam dieser +nachher ins Haus, so drangen sie alle miteinander auf ihn ein und +riefen: "Gib's her, Joergli! Gib's heraus!" Und wie sehr er auch +versicherte, er habe nichts und wisse nichts, sie schrien ihn alle an: +"Dich kennt man schon! Uns betruegst du nicht!" + +So hatte der Joergli immer die bedrohlichsten Angriffe zu bestehen und +hatte fast keinen ruhigen Augenblick mehr. Denn wenn er jetzt nur +jemand auf sich zukommen sah, so glaubte er schon, der komme, um ihn +zu fragen: "Hast du nicht dies oder das gefunden?" So war es dem +Joergli nie mehr recht wohl zumut, und hundertmal dachte er: "Haette ich +doch jenes Kreuz auf der Stelle zurueckgegeben, in meinem ganzen Leben +behalte ich nichts mehr, das mir nicht gehoert." + +Der Moni aber hoerte den ganzen Sommer nicht auf zu singen und zu +jodeln, denn er fuehlte sich so wohl da oben bei seinen Geissen, wie +kaum ein anderer Mensch auf der Welt. Aber oft, wenn er so in seiner +Zufriedenheit ausgestreckt auf der Felsenkanzel lag und in das sonnige +Tal hinabschaute, musste er daran denken, wie er damals mit seinem +schlechten Gewissen unter dem Regenfelsen sass. Und er sagte jedesmal +laut vor sich hin: "Ich weiss schon, wie ich's mache, dass es nie mehr +so kommt. Ich tue nichts mehr, wenn ich dabei nicht froehlich in den +Himmel aufsehen kann, weil es dem lieben Gott so recht ist." + +Geschah es aber, dass der Moni sich zu lange in seine Betrachtungen +vertiefte, so kam die eine oder die andere der Geissen heran. Sie +schaute verwundert nach ihm aus und versuchte ihn zur Gesellschaft +zurueckzumeckern, was er aber manchmal ziemlich lange nicht hoerte. Nur +wenn sein Maeggerli kam und mit Verlangen nach ihm rief, dann hoerte er +es gleich. Er lief ihm auch sofort entgegen, denn sein anhaengliches +Geisslein war und blieb Monis liebstes Gut. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Moni der Geissbub, von Johanna +Spyri. + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, MONI DER GEISSBUB *** + +This file should be named 7mong10.txt or 7mong10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7mong11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7mong10a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. 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Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Moni der Geibub + +Erzhlung + +Johanna Spyri + + + + + + + +1. Kapitel + +Der Moni fhlt sich wohl + + +Um zu dem Badehaus Fideris zu gelangen, mu man steil und lang die +Hhe hinaufsteigen, nachdem man die Strae verlassen hat, die sich +durch das lange Tal des Prttigau nach oben schlngelt. So mhsam +keuchen dann die Pferde den Berg hinauf, da man lieber aussteigt und +zu Fu die grne Hhe erreicht. + +Nach einem lngeren Anstieg kommt man erst zum Dorf Fideris, das auf +der freundlichen, grnen Anhhe liegt. Von da geht es weiter in die +Berge hinein, bis das einsame Gebude des Badeortes auftaucht, berall +von felsigen Hhen umgeben. Dort oben wachsen nur noch Tannen, die +die Hhen und Felsen ringsum bedecken. Es she alles ziemlich dster +aus, wenn nicht berall aus dem niederen Weidegras die schnen +Bergblmchen mit ihren glnzenden Farben hervorguckten. + +An einem hellen Sommerabend traten zwei Damen aus dem Badehaus und +gingen auf dem schmalen Fuweg dahin, der unweit des Hauses beginnt +und bald sehr steil bis zu den hoch anfragenden Felsen hinaufsteigt. +An dem ersten Vorsprung blieben sie stehen und schauten um sich, denn +sie waren eben erst in dem Bad angekommen. + +"Lustig ist's nicht hier oben, Tante", sagte jetzt die Jngere, indem +sie die Landschaft betrachtete. "Lauter Felsen und Tannenwlder und +dann wieder ein Berg und noch einmal Tannen darauf. Wenn wir sechs +Wochen hier bleiben sollen, dann wollte ich, es wre hier und da auch +noch etwas Lustigeres zu sehen." + +"Lustig wird's jedenfalls nicht sein, wenn du hier oben dein +Brillantenkreuz verlierst, Paula", entgegnete die Tante, whrend sie +das rote Samtband zusammenknpfte, an dem das funkelnde Kreuz hing. +"Es ist das drittemal, da ich das Band festmache, seit wir angekommen +sind. Ich wei nicht, wo es fehlt, ob an dir oder an dem Band, aber +das wei ich, da du jammern wirst, wenn es verloren ist." + +"Nein, nein", rief Paula lebhaft aus, "das Kreuz darf nicht +verlorengehen, um keinen Preis, es ist noch von der Gromutter und ist +mein grter Schatz!" + +Paula ergriff selbst noch das Band und machte zwei, drei Knoten hinein, +damit es festhalte. Pltzlich spitzte sie die Ohren. "Hr, hr, +Tante, jetzt kommt aber wirklich etwas Lustiges." + +Hoch oben erscholl ein frhlicher Gesang. Zwischendurch kam ein +langer, schallender Jodler, dann wurde wieder gesungen. Die Damen +schauten aufwrts, konnten aber nichts Lebendiges entdecken. Der +Fuweg ging in groen Serpentinen, oft zwischen hohem Gebsch und +wieder zwischen vorstehenden Bergabhngen durch, so da man von unten +immer nur kurze Stckchen davon erblicken konnte. Aber jetzt wurde es +pltzlich lebendig auf dem Pfad, oben und unten, auf allen Stellen, wo +der schmale Weg gesehen werden konnte, und immer lauter und nher +tnte der Gesang. + +"Sieh, sieh, Tante, dort! Hier! Sieh da! Sieh da!" rief Paula mit +groem Vergngen. Und ehe die Tante sich's versah, kamen drei, vier +Geien in Sprngen daher und immer mehr, immer mehr, und jede hatte +ein Glcklein am Hals. Die luteten von allen Seiten her, und mitten +in einem Rudel kam der Geibub herabgesprungen und sang eben noch sein +Lied zu Ende: + +"Und im Winter bleib ich frhlich, +Weil's Weinen nichts ntzt, +Und weil ihm sowieso der Frhling +Auf den Fersen schon sitzt." + + +Dann lie er einen ungeheuren Jodel erschallen. Und auf einmal stand +er mit seinem Rudel dicht vor den Damen, denn mit seinen nackten Fen +sprang er genauso flink und leise wie seine Tierchen. + +"Guten Abend wnsche ich", sagte er, indem er die beiden lustig +anschaute, und wollte weiterziehen. Aber der Geibub mit den +frhlichen Augen gefiel den Damen. "Wart ein wenig", sagte Paula, +"bist du der Geibub von Fideris? Hast du Geien aus dem Dorf unten?" + +"Ja natrlich", war die Antwort. + +"Gehst du alle Tage mit ihnen da hinauf?" + +"Ja freilich." + +"So, so, und wie heit du denn?" + +"Moni heie ich." + +"Willst du mir auch das Lied einmal singen, das du eben gesungen hast? +Wir haben erst einen Vers gehrt." + +"Das ist zu lang", erklrte Moni, "es wird zu spt fr die Geien, sie +mssen heim." Er rckte sein altes Htchen zurecht, schwang seine Rute +in der Luft und rief den Geien zu, die schon berall zu nagen +angefangen hatten: "Heim! Heim!" + +"So singst du mir's doch ein andermal, Moni, nicht wahr?" rief ihm +Paula nach. + +"Ja, das will ich und gute Nacht!" rief er zurck, setzte sich nun mit +den Geien in Trab, und in kurzer Zeit stand die ganze Herde unten, +wenige Schritte vom Badehaus bei dem Hintergebude still. Denn hier +hatte Moni die Geien, die zum Haus gehrten, die schne weie und die +schwarze mit dem zierlichen Zicklein abzugeben. Moni behandelte +letzteres mit grter Sorgfalt, denn es war ein zartes Tierchen, und +er liebte es von allen am meisten. Es war auch so anhnglich, da es +ihm den ganzen Tag immer nachlief. Er zog es auch jetzt ganz zrtlich +zu sich und stellte es in seinen Stall hinein. Dann sagte er: "So, +Mggerli, nun schlaf gut, du bist mde. Es ist sehr weit bis dort +hinauf, und du bist noch so klein. Leg dich jetzt nur gleich hin, +siehst du, so in das gute Stroh hinein." + +Nachdem er so das Mggerli zur Ruhe gebettet hatte, zog er eilig +weiter mit seiner Schar, erst vor dem Badehaus den Hgel hinauf und +dann die Strae hinunter dem Dorf zu. Hier nahm er sein Hrnchen vor +den Mund und blies so gewaltig hinein, da es drhnte bis weit ins Tal +hinab. Von allen verstreuten Hfen her kamen jetzt die Kinder +gelaufen, jedes strzte auf seine Gei, die es aus der Ferne schon +kannte. Und von den nahen Husern her kam hier eine Frau und dort +eine, fate ihr Geilein am Strick oder am Horn, und in kurzer Zeit +war die ganze Herde auseinandergestoben, und jedes Tierlein kam an +seinen Ort. Zuletzt stand der Moni noch allein mit der Braunen, +seiner eigenen Gei, und mit ihr ging er zu dem Huschen am Bergabhang, +wo schon die Gromutter ihn in der Tr erwartete. + +"Ist alles gut gegangen, Moni?" fragte sie freundlich, fhrte dann die +Braune in den Stall und fing gleich an, sie zu melken. Die Gromutter +war noch eine rstige Frau und besorgte alles selbst im Haus und im +Stall und hielt berall Ordnung. Moni stand in der Stalltr und +schaute der Gromutter zu. Als das Melken beendet war, trat sie ins +Huschen und sagte: "Komm, Moni, du wirst Hunger haben." + +Sie hatte auch schon alles hergerichtet. Moni konnte sich sofort an +den Tisch setzen. Sie nahm neben ihm Platz. Obwohl es nur eine +Schssel voll Maisbrei mit der Milch der Braunen gab, so lie sich's +Moni doch herrlich schmecken. Dabei erzhlte er der Gromutter, was +er den Tag ber erlebt hatte, und sobald er sein Mahl beendet hatte, +zog er sich auf sein Lager zurck, denn er mute sich ja frh am +Morgen wieder mit der Herde auf den Weg machen. + +Auf diese Weise hatte Moni schon zwei Sommer verbracht, so lange schon +war er Geibub. Er war jetzt so an dieses Leben gewhnt und mit +seinen Tierchen verbunden, da er sich's gar nicht anders denken +konnte. Mit seiner Gromutter lebte Moni zusammen, solange er sich +besinnen konnte. Seine Mutter war gestorben, als er noch ganz klein +war. Sein Vater zog bald danach mit anderen zum Kriegsdienst nach +Neapel, um etwas zu verdienen, denn er meinte, das gehe dort schneller. + +Die Mutter seiner Frau war auch arm, aber sie nahm auf der Stelle das +verlassene Bblein ihrer Tochter, den kleinen Salomon, zu sich und +teilte mit ihm, was sie hatte. Es lag auch ein Segen auf ihrem +Huschen, und noch nie hatte sie Not leiden mssen. + +Die brave, alte Elsbeth war auch im ganzen Dorf beliebt, und als vor +zwei Jahren ein anderer Geibub ausgewhlt wurde, da fielen alle +Stimmen einstimmig auf den Moni. Denn jeder gnnte es der arbeitsamen +Elsbeth, da nun Moni auch etwas verdienen konnte. Die fromme +Gromutter hatte den Moni keinen Morgen weggehen lassen, ohne da sie +ihm sagte: "Moni, vergi nicht, wie nah du dort oben dem lieben Gott +bist und da er alles sieht und hrt. Du kannst vor seinen Augen +nichts verbergen. Aber vergi auch nicht, da er in deiner Nhe ist, +um dir zu helfen. Daher mut du dich nie frchten, und wenn du dort +oben keine Menschen herbeirufen kannst, rufe du nur zum lieben Gott in +der Not, er hrt dich gleich und kommt dir zur Hilfe." + +So zog Moni von Anfang an voller Zuversicht auf die einsamen Hhen und +die hchsten Felsen und hatte nie die leiseste Furcht noch Schrecken, +denn er dachte immer: Je hher hinauf, desto nher bin ich beim lieben +Gott und desto sicherer in allem, was mir begegnen kann. So hatte +Moni weder Sorge noch Kummer und konnte sich freuen an allem, was er +erlebte vom Morgen bis zum Abend. Und es war kein Wunder, da er +immer pfiff und sang und jodelte, denn er mute seiner groen +Frhlichkeit Luft machen. + + + +2. Kapitel + +Monis Leben auf dem Berg + + +Am folgenden Morgen erwachte Paula so frh wie sonst nie, ein lauter +Gesang hatte sie aus dem Schlaf geweckt. "Da ist gewi schon der +Geibub", sagte sie, sprang aus dem Bett und lief ans Fenster. + +Richtig, mit frischen, roten Backen stand der Moni im Hof und hatte +eben die alte Gei und das Zicklein aus dem Stall geholt. Jetzt +schwang er seine Rute in der Luft, die Geien hpften und sprangen um +ihn herum, und nun ging's vorwrts mit der ganzen Schar. Und +pltzlich erhob Moni seine Stimme wieder und sang, da es von den +Bergen widerhallte: + +"Dort droben in den Tannen +Singen die Vgel im Chor, +Und hat's eine Weile geregnet, +Kommt die Sonne wieder vor." + + +"Heute mu er mir einmal sein ganzes Lied singen", sagte Paula, denn +jetzt war Moni verschwunden, und sie konnte seinen fernen Gesang nicht +mehr verstehen. + +Am Himmel zogen noch die roten Morgenwolken dahin, und ein frischer +Bergwind rauschte dem Moni um die Ohren, als er berganstieg. Das war +ihm gerade recht. Vor Wohlbehagen jodelte er vom ersten Bergvorsprung +so gewaltig ins Tal hinab, da mancher Schlfer unten im Badehaus +erstaunt die Augen aufschlug. Er machte sie aber gleich wieder zu, +denn er kannte den Ton und wute, da er nun noch ein Stndchen Schlaf +zugeben konnte, denn der Geibub kam immer so frh. Inzwischen +kletterte Moni mit seinen Geien eine Stunde lang weiter und weiter +hinauf, bis hoch zu den Felsen. + +Immer weiter und immer schner war es um den Moni geworden, je hher +er hinaufkam. Von Zeit zu Zeit guckte er um sich, dann schaute er zu +dem hellen Himmel auf, der nun immer blauer wurde. Dann fing er aus +vollem Hals zu singen an, immer lauter und immer frhlicher, je hher +er kam: + + Dort droben in den Tannen + Singen die Vgel im Chor, + Und hat's eine Weile geregnet, + Kommt die Sonne wieder vor. + + Und die Sonne und die Sterne + Und den Mond bei der Nacht, + Die hat der liebe Gott uns + Zur Freude gemacht. + + Im Frhling gibt's Blumen, + Die sind gelb und sind rot, + Und so blau ist der Himmel, + Und ich freu mich fast zu Tod. + + Und im Sommer gibt's Beeren, + Und geht's gut, so gibt's viel, + Und die roten und die schwarzen, + E ich alle vom Stiel. + + Hat's im Hag wieder Nsse, + So wei ich wie's tut, + Wo die Geien gern nagen, + Sind die Krutlein auch gut. + + Und im Winter bin ich frhlich, + Weil's Weinen nichts ntzt, + Und weil ihm sowieso der Frhling, + Auf den Fersen schon sitzt. + +Jetzt war die Anhhe erreicht, wo er gewhnlich blieb und sich auch +heute ausruhen wollte. Das war eine kleine, grne Hochebene mit einem +so weiten Vorsprung, da man von dem freien Punkt ringsumher und +weiter, weit ins Tal hinabsehen konnte. Dieser Vorsprung hie die +Felsenkanzel, und hier konnte Moni oft stundenlang verweilen und um +sich schauen und vor sich hin pfeifen, whrend seine Tierlein ganz +gemtlich ihre Kruter suchten. + +Sobald Moni angekommen war, nahm er seinen kleinen Proviantsack vom +Rcken und legte ihn in eine kleine Hhle des Bodens, die er selbst +dafr gegraben hatte. Dann trat er auf die Felsenkanzel hinaus und +warf sich auf den Boden, um sich einmal so recht wohl sein zu lassen. + +Der Himmel war jetzt dunkelblau geworden. Drben waren die hohen +Berge mit den in den Himmel ragenden Zacken und groen Eisfeldern zum +Vorschein gekommen, und unten leuchtete weithin das grne Tal im +Morgenglanz. Moni lag da, schaute umher, sang und pfiff. Der +Bergwind khlte ihm das warme Gesicht, und hrte er einmal zu pfeifen +auf, so pfiffen die Vgel ber ihm noch viel lustiger und flogen in +den blauen Himmel hinauf. Der Moni fhlte sich unbeschreiblich wohl. +Von Zeit zu Zeit kam das Mggerli zu ihm und strich ein wenig mit +seinem Kopf ber Monis Schulter, wie die Gei es immer tat. Dann +meckerte es ganz liebevoll, ging auf die andere Seite von Moni und +strich wieder den Kopf ber seine Schulter. Auch von den anderen +Geien kam bald diese, bald jene, um nach dem Hirten zu sehen, und +jede hatte ihre eigene Weise, ihm ihre Zrtlichkeit zu zeigen. + +Die Braune, seine eigene Gei, kam zu ihm und schaute nach, ob auch +alles mit ihm in Ordnung sei. Sie stand dann da und schaute ihn an, +bis er sagte: "Ja, ja, Braunli, es ist schon recht, geh nur wieder zum +Futter." Eine Gei hie die Schwalbe, weil sie so schmal und flink war +und berall hineinscho, wie die Schwalben in ihre Lcher. Sie sprang +so ungestm auf den Moni los, da sie ihn wohl umgeworfen htte, wre +er nicht schon auf dem Boden gelegen. Gleich darauf lief sie wieder +davon. + +Die glnzende Schwarze, die Gei des Wirts im Badehaus, Mggerlis +Mutter, war ein wenig stolz. Sie kam nur auf ein paar Schritte +Entfernung heran, schaute mit erhobenem Kopf zu dem Moni hin, als +wollte sie sich nicht zu vertraulich zeigen und ging dann wieder ihrer +Wege. Der groe Sultan aber, der Bock, zeigte sich immer nur einmal +und drckte dann alle weg, die er in Monis Nhe traf. Dann meckerte +er einigemale so bedeutungsvoll, als habe er Mitteilungen abzugeben +ber den Zustand der Herde, als deren Anfhrer er sich fhlte. + +Nur das kleine Mggerli lie sich niemals von seinem Beschtzer +verdrngen. Wenn der Bock kam und wollte es wegdrcken, so kroch es +so tief unter Monis Arm oder Kopf, da der groe Sultan nicht wagte, +nher zu kommen. Unter Monis Schutz frchtete sich das Zicklein auch +kein bichen mehr vor dem Sultan, vor dem es sonst erzitterte, wenn es +in seine Nhe kam. + +So war der sonnige Morgen vergangen. Moni hatte schon sein +Mittagessen verzehrt und stand nun nachdenklich auf seinen Stecken +gesttzt, den er hier oben fters brauchte. Denn er war ihm beim Auf- +und Abstieg eine groe Hilfe. Er dachte nach, ob er eine neue Seite +der Felsen besteigen wollte. Denn an diesem Nachmittag wollte er mit +den Geien hher hinauf, die Frage war nur, nach welcher Seite? Er +entschied sich fr die linke, denn dort ging es zu den drei +Drachensteinen, um die herum so zartes Buschwerk wuchs, da es ein +wahres Festessen fr die Geien war. + +Der Weg war steil, und oben waren gefhrliche Stellen an der schroffen +Felswand, aber er wute einen sicheren Weg. Und die Geien waren ja +vernnftig und verliefen sich nicht so leicht. Er ging bergauf, und +lustig kletterten ihm alle seine Geien nach. Sie waren bald vor, +bald hinter ihm, das kleine Mggerli blieb immer ganz in seiner Nhe. +Manchmal hielt er es fest und zog es mit sich, wenn eine steile Stelle +kam. Es ging aber alles gut, und nun waren sie oben, und mit hohen +Sprngen rannten die Geien zu den grnen Bschen hin, denn sie +erkannten das gute Futter, das sie schon fter hier oben abgenagt +hatten. + +"Nur zahm! Nur zahm!" mahnte Moni, "und stot einander nicht an den +steilen Stellen, es knnte leicht eines abstrzen und htte die Beine +gebrochen. Schwalbe! Schwalbe! Was kommt denn dir in den Sinn?" +rief er jetzt voller Aufregung. Denn die flinke Gei war ber die +hohen Drachensteine hinaufgeklettert, stand jetzt auf dem uersten +Rand des einen Steins und guckte von da ganz vorwitzig auf ihn +herunter. Er kletterte eilig hinauf, denn nur noch ein einziger Tritt, +und die Schwalbe lag unten im Abgrund. Moni war sehr behend, in +wenigen Minuten hatte er den Stein erklettert und mit einem schnellen +Griff die Schwalbe am Bein erfat und zurckgezogen. "Komm du jetzt +mit mir, du unvernnftiges Tierlein du", schalt Moni und zog die +Schwalbe mit sich herunter zu den anderen. Er hielt sie noch ein +Weilchen fest, bis sie nicht mehr ans Fortlaufen dachte. + +"Wo ist das Mggerli?" schrie Moni pltzlich auf, der die Schwarze +erblickte, wie sie allein an einer steilen Stelle stand und nichts +fra, sondern ruhig umherschaute. Immer war das junge Geilein neben +Moni, oder es lief seiner Mutter nach. + +"Wo hast du dein Zicklein, Schwarze?" rief er erschrocken und sprang +auf die Gei zu. Sie war ganz sonderbar, fra nicht, blieb immer auf +demselben Platz stehen und spitzte verdchtig die Ohren. Moni stellte +sich dicht neben sie und schaute hinauf und hinab. Jetzt hrte er ein +leises, jammerndes Meckern. Das war Mggerlis Stimme, sie kam von +unten herauf, so klglich und hilfeflehend. Moni legte sich auf den +Boden und beugte sich vor. Dort unten bewegte sich etwas. Jetzt sah +er's deutlich, tief unten hing das Mggerli an einem Ast, der +aus dem Felsen herauskam, und winselte zum Erbarmen. Es mute +hinuntergefallen sein. + +Glcklicherweise hatte der Ast es aufgehalten, sonst htte es in den +Abgrund strzen mssen. Aber auch noch jetzt, wenn es sich nicht mehr +an dem Ast festhalten konnte, mute es auf der Stelle in die Tiefe +strzen und sich das Genick brechen. In hchster Angst rief er +hinunter: "Halt fest, Mggerli, halt fest am Ast! Sieh, ich komme +schon und hole dich!" Aber wie sollte er dahin gelangen? Die Felswand +war so steil hier, unmglich konnte er da hinunterkommen, das sah Moni +wohl ein. Aber das Geilein mute da unten etwa in der Hhe vom +Regenfelsen sein, dem berhngenden Gestein, unter das man sich beim +Regen so gut flchten konnte. Dort brachten die Geibuben schon immer +ihre Tage bei schlechtem Wetter zu, darum hie das Gestein schon von +alter Zeit her der Regenfelsen. Von da aus, dachte Moni, konnte er +quer ber den Felsen klettern und so mit dem Zicklein zurckkommen. + +Schnell pfiff er die Herde zusammen und stieg mit ihr hinunter, bis zu +der Stelle, wo es zum Regenfelsen hineinging. Da lie er sie weiden +und ging dem Felsen zu. Hier sah er auch gleich, noch ein gutes Stck +ber sich, den Ast, an den sich das Geilein klammerte. Er sah, da +es nicht leicht sei, da hinaufzuklettern und mit dem Mggerli auf dem +Rcken wieder hinunter. Aber anders war das Tierlein nicht zu retten. +Er dachte auch, der liebe Gott wrde ihm gewi beistehen, dann knnte +es ihm gelingen. Er faltete seine Hnde, schaute zum Himmel auf und +betete: "Ach lieber Gott, hilf mir doch, da ich das Mggerli erretten +kann!" Jetzt war er voller Vertrauen, da alles gutgehen werde, und +eilig kletterte er den Felsen hinauf, bis er bei dem Ast oben +angelangt war. Hier klammerte er sich fest an mit beiden Fen, hob +dann das zitternde, wimmernde Tierlein auf seine Schultern und +kletterte nun mit groer Sorgfalt hinunter. Als er aber nun wieder +den sicheren Grasboden unter den Fen hatte und das erschrockene +Geilein gerettet sah, da war er so froh, da er laut danken mute und +in den Himmel hinaufrief: "O lieber Gott, ich danke dir tausendmal, +da du uns so geholfen hast! O wie sind wir beide so froh darber!" +Dann setzte er sich noch ein wenig auf den Boden und streichelte das +Zicklein, das immer noch an allen seinen zarten Gliedern zitterte, und +trstete es ber die ausgestandene Angst. + +Als wenig spter Zeit zum Aufbruch war, setzte Moni das Zicklein noch +einmal auf seine Schultern und sagte frsorglich: "Komm, du armes +Mggerli, du zitterst ja immer noch. Heute kannst du nicht heimgehen, +ich mu dich tragen." Und so trug er das Tierlein, das sich fest an +ihn schmiegte, den ganzen Weg hinunter. + +Paula stand jetzt auf der letzten Anhhe vor dem Badehaus und +erwartete den Geibuben. Auch ihre Tante hatte sie begleitet. Als +nun Moni mit seiner Last auf dem Rcken herankam, wollte Paula wissen, +ob das Zicklein krank sei, und zeigte groe Teilnahme. Als Moni das +sah, setzte er sich gleich auf den Boden vor Paula hin und erzhlte +ihr sein heutiges Erlebnis mit dem Mggerli. + +Das Frulein nahm sehr lebhaften Anteil an der Sache und streichelte +das gerettete Tierlein. Jetzt lag es ruhig auf Monis Knien und sah +sehr zierlich aus mit seinen weien Fen und dem schnen schwarzen +Pelzchen ber dem Rcken. Es lie sich ganz gern ein wenig streicheln. + +"Jetzt singst du mir auch noch dein Lied, wenn du schon einmal hier +bist", sagte Paula. Moni war so frhlich gestimmt, da er gern aus +voller Brust anstimmte und sein ganzes Lied bis zu Ende sang. + +Das gefiel der Paula ausnehmend gut, und sie sagte, er msse es ihr +noch fter singen. Dann zog die ganze Gesellschaft zusammen zum +Badehaus hinunter. Hier wurde das Zicklein auf sein Lager gelegt, und +Moni nahm Abschied. Paula ging in ihr Zimmer zurck, um hier der +Tante noch lange von dem Geibuben zu erzhlen, auf dessen frhlichen +Morgengesang sie sich schon jetzt wieder freute. + + + +3. Kapitel + +Ein Besuch + + +So waren mehrere Tage vergangen, einer so sonnig und klar wie der +andere, denn es war ein besonders schner Sommer. Und der Himmel +blieb blau und wolkenlos vom Morgen bis zum Abend. + +Jeden Morgen in der Frhe war der Geibub mit hellem Gesang am +Badehaus vorbeigezogen, jeden Abend mit hellem Gesang wieder +zurckgekehrt. Und alle Badegste waren so an das frhliche Singen +gewhnt, da keiner es htte missen mgen. + +Vor allen aber freute sich Paula an Monis Frhlichkeit und ging ihm +fast jeden Abend entgegen, um ein Gesprch mit ihm anzuknpfen. + +An einem sonnigen Morgen war Moni wieder oben bei der Felsenkanzel +angelangt und wollte sich eben auf den Boden setzen, als er sich noch +anders besann. "Nein, vorwrts! Ihr habt ja das letztemal die guten +Blttlein alle stehenlassen mssen, weil wir dem Mggerli helfen +muten, jetzt geht's noch einmal hinauf, da knnt ihr fertig nagen!" +Und mit Freuden sprangen ihm die Geien alle nach, denn sie merkten, +da es zu den schnen Bschen an den Drachensteinen hinauf ging. +Diesmal hielt Moni aber sein kleines Mggerli die ganze Zeit im Arm +fest, ri ihm die guten Blttlein selber ab und lie es aus seiner +Hand fressen. Das gefiel dem Geilein am allerbesten, es rieb ganz +vergngt von Zeit zu Zeit sein Kpfchen an Monis Schulter und meckerte +frhlich. So war der ganze Morgen vergangen und Moni merkte erst an +seinem Hunger, da es spt geworden war. Er hatte aber sein Essen +unten bei der Felsenkanzel in der kleinen Hhle hegen lassen, da er +mittags wieder hinunter kommen wollte. + +"So, ihr habt nun schon viel Gutes bekommen, und ich habe noch gar +nichts", sagte er zu seinen Geien. "Jetzt mu ich auch etwas haben +und unten findet ihr noch genug, kommt!" Dann pfiff er laut, und die +ganze Schar zog auf und davon, die lebhaftesten immer voran und allen +voraus die leichtfige Schwalbe, der heute etwas Unerwartetes +begegnen sollte. Sie sprang hinunter von Stein zu Stein und ber +manche Felsspalte weg, aber auf einmal konnte sie nicht weiter. + +Unmittelbar vor ihr stand ganz pltzlich eine Gemse und schaute ihr +neugierig ins Gesicht. Das war der Schwalbe noch nicht vorgekommen. +Sie stand da, schaute die Fremde fragend an und wartete, da ihr diese +aus dem Weg gehe. Denn sie wollte auf den Felsblock springen, der vor +ihr aufragte. Aber die Gemse rhrte sich nicht und schaute der +Schwalbe frech ins Gesicht. So standen beide voreinander, immer +hartnckiger, und noch heute wrden sie dort stehen, wenn nicht +inzwischen der groe Sultan herbeigekommen wre. Sofort erkannte er +die Sachlage und kletterte vorsichtig an der Schwalbe vorbei. +Pltzlich stie er die Gemse so weit und so gewaltig auf die Seite, +da sie einen khnen Sprung machen mute, um nicht ber die Felsen +hinabzurutschen. + +Die Schwalbe aber zog triumphierend ihres Weges, und der Sultan +schritt befriedigt und stolz hinter ihr her, denn er fhlte sich als +sicherer Beschtzer seiner Herde. Inzwischen war von oben herab Moni +und von unten herauf ein anderer Geibub auf einem nahen Platz +angekommen und blickten auch erstaunt einander an. Aber sie kannten +sich, und nach der ersten berraschung begrten sie sich freundlich. +Es war der Jrgli von Kblis, der schon den halben Morgen lang +vergebens den Moni gesucht hatte und ihn nun hier oben traf, wo er ihn +gar nicht mehr vermutete. + +"Ich habe nicht gedacht, da du so hoch hinaufgehen wrdest mit den +Geien", sagte der Jrgli. + +"Freilich gehe ich", entgegnete Moni, "aber nicht immer. Gewhnlich +bin ich bei der Felsenkanzel. Warum bist du da heraufgekommen?" + +"Ich will dir einen Besuch machen", war die Antwort, "ich habe dir +allerhand zu erzhlen. Auch habe ich hier zwei Geien, die bringe ich +dem Wirt im Bad, er will eine kaufen, und da dachte ich, ich wollte +noch zu dir hinauf." + +"Sind es deine Geien?" fragte Moni. + +"Natrlich, die fremden habe ich nicht zu hten, ich bin nicht mehr +Geibub." + +Darber mute sich Moni sehr wundern, denn zu gleicher Zeit mit ihm +war der Jrgli Geibub von Kblis geworden, und Moni begriff nicht, +da das so aufhren konnte und der Jrgli nicht einmal jammerte. + +Inzwischen waren Hirten und Geien bei der Felsenkanzel angekommen. +Moni holte Brot und ein Stckchen getrocknetes Fleisch hervor und lud +den Jrgli zum Mittagessen ein. Sie setzten sich beide auf die Kanzel +hinaus und lieen sich's gut schmecken. Denn es war sehr spt +geworden, und sie hatten beide ausgezeichneten Appetit. Als nun alles +aufgegessen und dann noch ein wenig Geimilch getrunken worden war, +legte sich der Jrgli ganz behaglich der Lnge nach auf den Boden und +sttzte seinen Kopf auf beide Ellbogen. Moni aber war sitzen +geblieben, denn er schaute immer gern von oben in das tiefe Tal +hinunter. + +"Was bist du denn jetzt, Jrgli, wenn du nicht mehr Geibub bist?" +fing Moni nun an, "etwas mut du doch sein." + +"Freilich bin ich etwas und etwas Rechtes", erwiderte Jrgli, "Eierbub +bin ich. Jeden Tag gehe ich mit den Eiern in alle Wirtshuser, so +weit ich komme. Hier hinauf ins Badehaus komme ich auch, gestern war +ich schon dort." + +Moni schttelte den Kopf: "Das ist nichts, Eierbub mchte ich nicht +sein, tausendmal lieber will ich Geibub sein, das ist viel schner." + +"Ja warum denn?" + +"Die Eier sind ja nicht lebendig, mit denen kannst du kein Wort reden. +Und sie laufen dir nicht nach wie die Geien, die sich freuen, wenn +du kommst und anhnglich sind und jedes Wort verstehen, das du mit +ihnen redest. Du kannst keine Freude mit deinen Eiern haben wie mit +den Geien hier oben." + +"Ja und du", unterbrach ihn Jrgli, "was hast du denn fr groe +Freuden hier oben? Jetzt hast du wohl sechsmal aufstehen mssen, +whrend wir beim Essen waren, nur wegen des dummen Geileins, damit es +nicht hinunterfllt. Ist denn das eine Freude?" + +"Ja, das tue ich ganz gern. Nicht wahr, Mggerli, komm! Komm!" Moni +sprang auf und lief dem Geilein nach, denn es machte ganz +unvorsichtige Freudensprnge. Als er wieder sa, sagte Jrgli: "Es +gibt auch ein anderes Mittel, die jungen Geien zu halten, da sie +nicht ber die Felsen hinabfallen und man ihnen nicht immer +nachspringen mu wie du." + +"Was fr eins?" fragte Moni. + +"Man steckt einen Stecken fest in den Boden und bindet die Gei mit +einem Bein daran. Sie zappelt dann zwar furchtbar, aber sie kann doch +nicht fort." + +"Du wirst doch nicht glauben, da ich so etwas mit dem Geilein mache", +sagte der Moni ganz entrstet. Er zog das Mggerli zu sich und hielt +es fest, als mte er es schtzen. + +"Um das Geilein mut du dich nicht mehr lange sorgen", fing Jrgli +wieder an, "das kommt nicht mehr hier herauf." + +"Was? Was? Was sagst du, Jrgli?" fuhr Moni auf. + +"Pah, weit du's denn nicht? Der Wirt will es nicht aufziehen, es ist +ihm zu schwach, es wird nie eine krftige Gei. Er hat es meinem +Vater verkaufen wollen, aber der wollte es auch nicht. Nun will es +der Wirt nchste Woche schlachten, und dann kauft er unseren Scheck +dort." + +Moni war vor Schrecken ganz wei geworden. Erst konnte er kein Wort +sagen, aber jetzt jammerte er laut und rief: + +"Nein, nein, das drfen sie nicht tun, Mggerli, das drfen sie nicht +tun. Sie drfen dich nicht schlachten, das kann ich nicht ertragen. +Oh, ich will lieber gleich mit dir sterben. Nein, das kann ja nicht +sein!" + +"Tu doch nicht so", sagte Jrgli rgerlich und zog den Moni in die +Hhe, der sich in seinem Jammer mit dem Gesicht zu Boden geworfen +hatte. "Steh doch auf, du weit ja, da das Geilein nun einmal dem +Wirt gehrt und er damit machen darf, was er will. Denk doch nicht +mehr dran! Komm ich wei noch etwas: Sieh! Sieh!" Dann hielt Jrgli +dem Moni die eine Hand hin, und mit der anderen deckte er den +Gegenstand fast zu, den Moni bewundern sollte. Es funkelte aber ganz +wunderbar aus der Hand heraus, denn die Sonne blitzte eben dort hinein. + +"Was ist's?" fragte Moni, als es eben wieder aufblitzte, von einem +Sonnenstrahl beleuchtet. + +"Rat!" + +"Ein Ring?" + +"Nein, aber so etwas hnliches." + +"Wer hat dir's gegeben?" + +"Gegeben? Niemand, ich hab es selbst gefunden." + +"Dann gehrt es aber nicht dir, Jrgli." + +"Warum nicht? Ich habe es niemand genommen, ich wre fast mit dem Fu +darauf getreten, dann wr's doch zerbrochen. Ich kann es ebenso gut +behalten." + +"Wo hast du's gefunden?" + +"Unten beim Badehaus, gestern abend." + +"Dann hat es jemand aus dem Haus unten verloren. Du mut es dem Wirt +sagen, und wenn du's nicht tust, so tue ich's heute Abend." + +"Nein, nein, Moni, tue nur das nicht", sagte Jrgli jetzt bittend, +"sieh, ich will dir zeigen, was es ist. Und ich will es in einen von +den Wirtshusern an ein Zimmermdchen verkaufen, sie mu mir aber vier +Franken geben, dann geb ich dir auch einen oder zwei, und dann wei ja +niemand etwas davon." + +"Ich will nichts! Ich will nichts!" unterbrach ihn Moni heftig, "und +der liebe Gott hat alles gehrt, was du gesagt hast." + +Jrgli schaute zum Himmel auf. "Ja, so weit weg", sagte er +zweifelhaft. Er fing aber gleich an, leiser zu reden. + +"Er hrt dich doch", sagte Moni zuversichtlich. + +Dem Jrgli war es nicht mehr recht wohl in seiner Haut. Wenn er nur +den Moni auf seine Seite zu bringen wute, sonst war alles verloren. +Er dachte lange nach. "Moni", sagte er pltzlich, "ich will dir etwas +versprechen, das dich freut, wenn du keinem Menschen etwas von dem +Gefundenen sagen willst. Du brauchst ja auch nichts davon zu nehmen, +dann hast du nichts damit zu tun. Wenn du das willst, so will ich +dafr sorgen, da mein Vater doch das Mggerli kauft. Dann wird es +nicht geschlachtet, willst du?" + +In Moni entstand ein harter Kampf. Es war ein Unrecht, wenn er dabei +half, den Fund zu verheimlichen. Jrgli hatte seine Hand aufgemacht, +es lag ein Kreuz darin, mit vielen Steinen besetzt, die in allen +Farben funkelten. Moni sah wohl, da das nicht ein wertloses Ding war, +nach dem niemand fragen werde. Wenn er schweigen wrde, wrde er +etwas behalten, was ihm nicht gehrte. Aber auf der anderen Seite war +das kleine, liebevolle Mggerli, das sollte auf schreckliche Weise mit +einem Messer gettet werden, und er konnte das verhindern, wenn er +schweigen wollte. Eben jetzt lag das Geilein so vertrauensvoll neben +ihm, als wute es, da er ihm immer helfen wurde. Nein, er konnte es +nicht geschehen lassen, er mute es retten. + +"Einverstanden, Jrgli", sagte er, aber ohne Freudigkeit. + +"So schlag ein." Und Jrgli hielt Moni seine Hand hin, da er hinein +verspreche, denn nur so galt ein Versprechen unwiderruflich. + +Jrgli war sehr froh, da er nun seiner Sache sicher war. Da aber +Moni so still geworden war und er einen viel weiteren Weg nach Hause +hatte als Moni, so beschlo er, mit seinen zwei Geien aufzubrechen. +Er verabschiedete sich von Moni und pfiff den beiden Gefhrten, die +sich inzwischen zu den weidenden Geien des Moni gesellt hatten. Es +hatten einige bedenkliche Angriffe zwischen den beiden Parteien +stattgefunden, denn die Fideriser Geien wuten nicht, da man mit +einem Besuch artig sein mu. Und die Kbliser Geien wuten nicht, +da man nicht gleich die besten Krutlein aussuchen und die anderen +davon wegdrcken darf, wenn man auf Besuch ist. Als nun der Jrgli +ein Stck den Berg hinuntergegangen war, brach auch Moni mit seiner +Schar auf, aber er war ganz still und sang keinen Ton und tat keinen +Pfiff auf dem ganzen Heimweg. + + + +4. Kapitel + +Moni kann nicht mehr singen + + +Moni kam am folgenden Morgen genauso still und niedergeschlagen wie am +Abend vorher den Weg zum Badehaus daher. Leise holte er die Geien +des Wirts heraus und stieg weiter hinauf, aber er sang keinen Ton, er +schickte keinen Jodel in die Luft hinauf. Er lie seinen Kopf hngen +und machte ein Gesicht, als frchtete er sich vor etwas. Hier und da +blickte er auch scheu um sich, ob ihm nicht jemand nachkomme und ihn +etwas fragen wolle. + +Moni konnte gar nicht mehr lustig sein. Er wute erst selbst nicht so +recht, warum? Er wollte sich freuen, da er das Mggerli gerettet +hatte und einmal singen, aber er brachte nichts heraus. Der Himmel +war heute mit Wolken bedeckt, und Moni dachte, wenn die Sonne komme, +wrde er schon wieder lustiger werden. + +Als er oben angekommen war, fing es ganz tchtig zu regnen an. Er +flchtete unter den Regenfelsen, denn es go bald in Strmen vom +Himmel herunter. + +Die Geien kamen auch heran und stellten sich da und dort unter die +Felsen. Die vornehme Schwarze hatte gleich ihren schnen glnzenden +Pelz schonen wollen und war noch vor dem Moni unter den Felsen +gekrochen. Sie sa jetzt hinter dem Moni und schaute aus dem +behaglichen Winkel vergngt in den strmenden Regen hinaus. Das +Mggerli stand vor seinem Beschtzer unter dem vorragenden Felsen und +rieb zrtlich sein Kpfchen an seinem Knie. Und dann schaute es +erstaunt zu ihm auf, denn Moni sagte kein Wort, das war das Zicklein +nicht gewohnt. Auch seine Braune scharrte zu seinen Fen und +meckerte, denn er hatte den ganzen Morgen noch nichts zu ihr gesagt. +Moni sa nachdenklich da. Er hatte sich auf seinen Stecken gesttzt, +den er bei solchem Wetter immer zur Hand nahm, damit er an den steilen +Stellen nicht ausrutschen konnte. Denn an Regentagen zog er Schuhe an. +Jetzt, da Moni stundenlang unter dem Regenfelsen sa, hatte er Zeit +zum Nachdenken. + +Jetzt berdachte Moni, was er dem Jrgli versprochen hatte. Und es +kam ihm nun nicht anders vor, als ob der Jrgli etwas genommen habe +und er selbst dasselbe tue. Schlielich hatte ihm der Jrgli doch +auch etwas fr sein Schweigen gegeben. Er hatte etwas getan, was +unrecht war, und der liebe Gott war jetzt gegen ihn, das fhlte er in +seinem Herzen. Es war ihm recht, da es dunkel war und regnete und er +unter dem Felsen verborgen war. Denn er htte doch nicht wie sonst in +den blauen Himmel hinaufsehen drfen, er frchtete sich jetzt vor dem +lieben Gott. Aber auch noch andere Dinge mute Moni denken. Wenn nun +wieder das Mggerli ber einen steilen Felsen hinunterfiele, und er +wollte es holen, und der liebe Gott wrde ihn nicht mehr beschtzen, +wenn er auch nicht mehr zu ihm beten und rufen drfte, dann htte er +keine Sicherheit mehr. Und wenn er dann ausrutschte und mit dem +Mggerli tief ber die zackigen Felsen hinunterfiele und beide ganz +zerrissen und zerschmettert unten im Abgrund lgen... + +O nein, sprach er ngstlich zu sich, so durfte es doch nicht kommen. +Er mute dafr sorgen, da er wieder beten und vor den lieben Gott +kommen konnte mit allem, was ihm auf dem Herzen lag. Dann konnte er +auch wieder frhlich sein, das fhlte Moni. Er wollte sich von der +Last befreien, die ihn bedrckte, er wollte gehen und alles dem Wirt +sagen--aber dann? Dann wurde Jrgli seinen Vater nicht berreden, und +der Wirt wrde das Mggerli totstechen. O nein! Das konnte er nicht +aushalten, und er sagte: "Nein, ich tue es nicht, ich sage nichts." +Aber es war ihm nicht wohl dabei und sein schlechtes Gewissen wurde +immer grer. + +So verging dem Moni der ganze Tag. Er kehrte abends so lautlos heim, +wie er morgens gekommen war. Und als unten beim Badehaus Paula stand +und schnell zum Geienstall herbersprang und teilnehmend fragte: +"Moni, was fehlt dir? Warum singst du denn gar nicht mehr?"--da +wandte er sich scheu ab und sagte: "Ich kann nicht." Und so schnell +wie mglich machte er sich mit seinen Geien davon. + +Paula sagte oben zu ihrer Tante: "Wenn ich doch nur wute, was der +Geibub hat, er ist ja ganz verndert, man kennt ihn gar nicht mehr. +Wenn er doch nur wieder snge." + +"Es wird der schreckliche Regen sein, der den Buben so verstimmt", +meinte die Tante. + +"Nun kommt auch alles zusammen. Wir wollen doch heimgehen, Tante", +bat Paula, "das Vergngen hier ist aus. Erst verliere ich mein +schnes Kreuz, und es ist nicht mehr zu finden. Dann kommt dieser +endlose Regen, und nun kann man nicht einmal mehr den lustigen +Geibuben zuhren. Wir wollen fort." + +"Die Kur mu zu Ende gemacht werden, da kann ich dir nicht helfen", +erklrte die Tante. + +Dunkel und grau war es auch am folgenden Morgen, und der Regen strmte +unausgesetzt nieder. Moni brachte seinen Tag ebenso zu wie den +vorhergegangenen. Er sa unter dem Felsen, und seine Gedanken gingen +ruhelos immer im Kreise herum. Immer wenn er zu sich sagte: "Jetzt +will ich gehen und das Unrecht gestehen, damit ich wieder zum lieben +Gott aufsehen darf", da sah er wieder das Zicklein unter dem Messer +vor sich. Er dachte nach, und sein schlechtes Gewissen plagte ihn so +sehr, da er am Abend ganz mde war und im strmenden Regen +heimschlich, als merkte er nichts davon. + +Beim Badehaus stand der Wirt in der Hintertr und fuhr den Moni an: +"Komm einmal mit den Geien her, sie sind na genug! Was kriechst du +auch wie eine Schnecke den Berg hinunter! Ich wundere mich schon die +ganze Zeit ber dich." + +So unfreundlich war der Wirt noch nie gewesen, im Gegenteil, immer +hatte er dem frhlichen Geibuben die freundlichsten Worte zugerufen. +Aber Monis verndertes Wesen gefiel ihm nicht, und dazu war er noch +schlechter Laune, denn Frulein Paula hatte ihm ihren Verlust geklagt. +Sie hatte behauptet, das kostbare Kreuz knne nur im Haus oder +unmittelbar vor der Haustr verloren gegangen sein. Denn sie sei an +jenem Tag nur herausgegangen, um abends den heimkehrenden Geibuben +singen zu hren. Da man aber sagen sollte, es knne in seinem Haus +ein so wertvolles Ding verloren gehen, ohne da man es wieder erhalte, +machte ihn sehr bse. Er hatte auch am Tag vorher das ganze +Dienstpersonal versammelt, es verhrt und bedroht und endlich dem +Finder eine Belohnung ausgesetzt. Das ganze Haus war in Aufruhr ber +den verlorenen Schmuck. + +Als Moni mit seinen Geien an der Vorderseite des Hauses vorbeiging, +stand Paula dort. Sie hatte auf ihn gewartet, es wunderte sie so sehr, +ob er immer noch nicht wieder singen knne und lustig sei. Als er +nun vorbeischlich, rief sie: "Moni! Moni! Bist du denn auch derselbe +Geibub, der vom Morgen bis zum Abend sang: + +"'Und so blau ist der Himmel, +Und ich freu mich fast zu Tod'?" + +Moni hrte die Worte, er gab keine Antwort, aber sie machten einen +groen Eindruck auf ihn. + +Oh, wie war's doch so anders, als er den ganzen Tag singen konnte und +er so frhlich war wie seine Lieder. Oh, wenn es doch wieder so sein +knnte! + +Wieder zog Moni zu seiner Anhhe hinauf, still und freudlos und ohne +Gesang. Der Regen hatte nun aufgehrt, aber dster hingen ringsum die +Nebel an den Bergen, und der Himmel war noch voll dunkler Wolken. +Moni setzte sich wieder unter den Felsen und kmpfte mit seinen +Gedanken. Gegen Mittag fing der Himmel an, sich aufzuklren, es wurde +heller und heller. Moni kam aus seiner Hhle hervor und schaute umher. +Die Geien sprangen wieder lustig hin und her, auch das Zicklein war +ganz bermtig vor Freuden ber die wiederkehrende Sonne und machte +die frhlichsten Sprnge. + +Moni stand drauen auf der Kanzel und sah, wie es immer schner und +heller wurde unten im Tal und oben ber dem Berge. Jetzt teilten sich +die Wolken und der lichtblaue Himmel schaute so lieblich und +freundlich herunter. Es war Moni, als schaue der liebe Gott aus dem +lichten Blau zu ihm nieder. Und auf einmal war es in seinem Herzen +ganz klar, was er tun mute, er konnte das Unrecht nicht mehr mit sich +herumfragen. Er mute es ablegen. Jetzt ergriff Moni das Zicklein, +das neben ihm umhersprang, nahm es in seinen Arm und sagte mit +Zrtlichkeit: "O Mggerli, du armes Mggerli! Ich habe gewi getan, +was ich konnte, aber es ist ein Unrecht, und das darf man nicht tun. +Oh, wenn du nur nicht sterben mtest, ich kann es nicht aushalten!" +Und nun fing Moni so sehr zu weinen an, da er nicht mehr weiter reden +konnte. Und das Zicklein meckerte wehmtig und kroch tief unter +seinen Arm, als wollte es sich ganz bei ihm verstecken und in +Sicherheit bringen. Jetzt hob Moni das Geilein auf seine Schultern. + +"Komm, Mggerli, ich trage dich noch einmal heim heute, vielleicht +kann ich dich bald nicht mehr tragen." + +Als er mit seinen Geien unten beim Badehaus war, wartete Paula schon +auf ihn. Moni stellte das Junge mit der Schwarzen in den Stall hinein, +und anstatt weiter zu ziehen, wollte er an dem Frulein vorbei ins +Haus gehen. Sie hielt ihn an. + +"Immer noch ohne Gesang, Moni?" + +"Ich mu etwas anzeigen", erwiderte Moni. + +"Anzeigen? Was denn? Darf ich's nicht wissen?" + +"Ich mu zum Wirt, es ist etwas gefunden worden." + +"Gefunden? Was denn? Ich habe auch etwas verloren, ein schnes Kreuz." + +"Ja, das ist es gerade." + +"Was sagst du?" rief Paula in hchster berraschung. "Ist es ein +Kreuz mit funkelnden Steinen?" + +"Ja." + +"Wo hast du's denn, Moni? Gib's doch her, hast du's gefunden?" + +"Nein, der Jrgli von Kblis." + +Nun wollte Paula wissen, wer das sei, und wo er wohne, und auf der +Stelle jemand nach Kblis hinunterschicken, das Kreuz zu holen. + +"Ich will schon gehen, und wenn er's noch hat, will ich's bringen" +sagte Moni. + +"Wenn er's noch hat?" rief Paula, "warum sollte er's nicht mehr haben? +Und woher weit du denn von allem, Moni? Wann hat er's gefunden, und +wie hast du's denn erfahren?" + +Moni schaute zu Boden. Er durfte nicht sagen, wie alles zugegangen +war, und wie er geholfen hatte, den Fund zu verheimlichen, bis er es +nicht mehr hatte ertragen knnen. + +Aber Paula war sehr gut zu Moni. Sie nahm ihn auf die Seite, setzte +sich auf einen Baumstamm zu ihm hin und sagte mit der grten +Freundlichkeit: "Komm, erzhl mir alles, wie es gegangen ist, Moni, +ich mchte so gern alles von dir wissen." + +Nun fate der Moni Zutrauen und fing an und erzhlte die ganze Sache. +Er berichtete auch, da er sich um das Leben von Mggerli Sorgen +gemacht habe und wie er so alle Freude verloren hatte und nicht mehr +zum lieben Gott aufschauen durfte. Heute, sagte er, konnte er es +nicht mehr lnger ertragen. + +Jetzt redete Paula sehr freundlich mit ihm und meinte, er htte nur +gleich kommen und alles anzeigen sollen. Und es sei recht, da er ihr +jetzt alles so aufrichtig gesagt habe, er solle es nicht bereuen. +Dann sagte sie, dem Jrgli knne er zehn Franken versprechen, wenn sie +das Kreuz wieder in Hnden habe. + +"Zehn Franken?" wiederholte Moni voller Erstaunen. Denn er wute ja, +da Jrgli es hatte verkaufen wollen. Jetzt stand Moni auf und sagte, +er wollte noch heute nach Kblis hinunter, und wenn er das Kreuz +bekme, es gleich morgen frh mitbringen. Nun lief er davon und +konnte wieder ganz groe Sprnge machen, er hatte wieder ein viel +leichteres Herz, das schlechte Gewissen belastete ihn nicht mehr. + +Daheim stellte er nur seine Gei in den Stall, sagte der Gromutter, +er habe noch einen Auftrag auszurichten und rannte gleich nach Kblis +hinunter. Er fand den Jrgli daheim und sagte ihm, was er getan hatte. +Der war erst sehr aufgebracht, aber als er nun erfuhr, da alles +bekannt sei, zog er das Kreuz heraus und fragte: "Gibt sie mir auch +etwas dafr?" + +"Ja, jetzt kannst du sehen, Jrgli", sagte Moni entrstet, "auf dem +ehrlichen Weg httest du gleich zehn Franken bekommen und auf deinem +Lgenweg doch nur vier." + +Jrgli war sehr berrascht. Jetzt reute es ihn, da er nicht gleich +mit dem Kreuz ins Badehaus gegangen war, nachdem er es vor der Tr +aufgelesen hatte. Denn er hatte doch nun kein gutes Gewissen und +htte es anders haben knnen. Aber jetzt war's zu spt. Er bergab +das Kreuz dem Moni, und dieser eilte damit heim, es war drauen schon +dunkel geworden. + + + +5. Kapitel + +Moni singt wieder + + +Paula hatte angeordnet, da man sie am frhen Morgen wecken sollte. +Wenn der Geibub kme, wollte sie selbst mit ihm verhandeln. Am Abend +hatte sie noch eine lange Unterredung mit dem Wirt gehabt und war dann +sehr befriedigt aus seiner Stube herausgekommen. Sie mute etwas +Erfreuliches mit ihm ausgemacht haben. + +Als der Geibub am Morgen mit seiner Herde herankam, stand Paula schon +vor dem Haus und rief: "Moni, kannst du denn immer noch nicht singen?" + +Er schttelte den Kopf: "Nein, ich kann's nicht, ich mu jetzt immer +an das Mggerli denken, wie lange es noch mit mir geht. Ich kann +nicht mehr singen, solange ich lebe, und hier ist das Kreuz." Damit +bergab er ein kleines Pckchen, denn die Gromutter hatte es ihm +sorgfltig in drei oder vier Papiere gewickelt. + +Paula schlte das Kreuz aus den Hllen heraus und betrachtete es genau. +Es war wirklich ihr schnes Kreuz mit den funkelnden Steinen und +vllig unversehrt. + +"So, Moni", sagte sie nun freundlich, "du hast mir eine groe Freude +gemacht, denn ohne dich htte ich wohl mein Kreuz nie mehr gesehen. +Nun will ich dir auch eine Freude machen. Geh, hol das Mggerli dort +aus dem Stall, es gehrt jetzt dir!" + +Moni starrte das Frulein mit einem Erstaunen an, als sei es unmglich, +ihre Worte zu verstehen. Endlich stotterte er: "Aber wie--wie knnte +das Mggerli mein sein?" + +"Wie?" wiederholte Paula lchelnd, "sieh, gestern abend hab ich es dem +Wirt abgekauft und heute morgen schenke ich es dir. Kannst du jetzt +wieder singen?" + +"Oh!" stie Moni hervor und rannte wie ein Unsinniger auf den Stall zu, +zog das Geilein heraus und nahm es auf den Arm. Dann kam er +zurckgesprungen und streckte dem Frulein seine Hand entgegen und +sagte immer wieder: "Ich danke tausendmal! Vergelt's Gott! Und wenn +ich Ihnen nur einen Gefallen tun knnte!" + +"Dann sing mir dein Lied", sagte Paula. + +Da stimmte Moni sein Lied an und zog nun den Berg hinauf mit den +Geien, und seine Jubeltne schmetterten so ins Tal hinab, da im +ganzen Badehaus keiner war, der sie nicht hrte. Und mancher drehte +sich auf seinem Kissen um und sagte: "Der Geibub hat wieder gute +Laune." Es freute aber alle, da er wieder sang, denn sie hatten sich +alle an den frhlichen Wecker gewhnt, die einen zum Aufstehen, die +anderen zum Weiterschlafen. Als Moni oben von der ersten Hhe das +Frulein immer noch unten vor dem Haus stehen sah, trat er extra weit +hinaus und sang hinunter, so laut er konnte: + +"Und so blau ist der Himmel, +Und ich freu mich fast zu Tod!" + + +Den ganzen Tag ber sang der Moni und alle Geien wurden angesteckt +von seiner Frhlichkeit und hpften und sprangen umher. Es war, als +ob ein groes Fest gefeiert wrde. Die Sonne schien frhlich vom +blauen Himmel herunter. Und nach dem groen Regen waren auch alle +Krutlein frisch und die gelben und roten Blmlein glnzten. Moni +glaubte, Berg und Tal und die ganze Welt noch nie so schn gesehen zu +haben. Sein Zicklein lie er den ganzen Tag nicht aus den Augen. Er +zog ihm die besten Krutlein aus und ftterte es und sagte immer +wieder: "Mggerli, du gutes Mggerli, du mut nicht sterben, du bist +jetzt mein und kommst mit mir auf die Weide hinauf, solange wir leben." +Und mit schallendem Singen und Jodeln kam Moni auch am Abend wieder +hinunter. Nachdem er die Schwarze zu ihrem Stall gefhrt hatte, nahm +er das Zicklein auf den Arm, es kam ja nun mit ihm nach Haus. Das +Mggerli machte auch gar keine Anstalten, als wollte es lieber +dableiben, sondern schmiegte sich an den Moni. Bei ihm fhlte es sich +geborgen, denn Moni hatte es ja schon lange besser und zrtlicher +behandelt als die eigene Mutter. + +Als aber Moni zu der Gromutter kam, sein Mggerli auf der Schulter, +da wute diese gar nicht, was geschehen war. Denn Monis Rufen: "Es +gehrt mir, Gromutter, es gehrt mir!" erklrte ihr die Sache noch +lange nicht. Aber Moni konnte noch nicht erzhlen. Erst lief er zu +dem Stall und dort, hart neben der Braunen, damit es sich nicht +frchte, machte er dem Mggerli ein schnes, weiches Lager aus +frischem Stroh. Er legte es darauf und sagte: "So Mggerli, nun +schlaf gut in der neuen Heimat. So sollst du's immer haben, alle Tage +mache ich dir ein neues Bettlein." + +Erst jetzt kam Moni zu der verwunderten Gromutter zurck, und wie sie +nun zusammen bei ihrem Abendessen saen, erzhlte er ihr die ganze +Geschichte von Anfang an. Er berichtete von seinen drei kummervollen +Tagen und dem heutigen beglckenden Schlu. Die Gromutter hrte ganz +still und aufmerksam zu, und als er zu Ende war, sagte sie ernsthaft: +"Moni, wie es dir jetzt gegangen ist, daran sollst du immer denken. +Whrend du dir Sorgen um das Geilein machtest, hatte der liebe Gott +ihm schon lange geholfen und dir zur Freude einen Weg gefunden. Er +hat dir geholfen, weil du dein Unrecht eingesehen hast. Httest du +sofort recht getan und auf Gott vertraut, so wre gleich alles gut +gegangen. Jetzt hat der liebe Gott dir so sehr geholfen, da du es +dein Leben lang nicht vergessen darfst." + +"Nein, ich will es auch nie vergessen", sagte Moni mit eifriger +Zustimmung, "und gewi immer gleich denken: Ich mu nur tun, was vor +dem lieben Gott recht ist, das andere bringt er schon in Ordnung." + +Bevor aber Moni sich schlafen legen konnte, mute er noch einmal in +den Stall und sein Geilein anschauen, ob es auch wirklich mglich sei, +da es drauen liege und ihm gehre. + +Der Jrgli bekam seine zehn Franken, aber so leicht sollte er denn +doch nicht von der Sache loskommen. + +Als er wieder ins Badehaus kam, wurde er vor den Wirt gefhrt. Er +nahm den Buben beim Kragen, schttelte ihn tchtig und sagte +bedrohlich: "Jrgli! Jrgli! Versuch du kein zweitesmal mehr, mein +ganzes Haus in Mikredit zu bringen! Kommt noch ein einziges Mal so +etwas vor, so kommst du auf eine Art aus meinem Haus hinaus, die dir +nicht gefllt! Sieh, dort oben steckt ein ganz krftiges +Weidenrtchen fr solche Flle. Jetzt geh und denk dran!" + +Aber noch eine Folge hatte der Vorgang fr den Buben: Wenn von nun an +irgend etwas im Badehaus verloren gegangen war, rief die ganze +Dienerschaft sofort: "Das hat der Jrgli von Kblis!" Und kam dieser +nachher ins Haus, so drangen sie alle miteinander auf ihn ein und +riefen: "Gib's her, Jrgli! Gib's heraus!" Und wie sehr er auch +versicherte, er habe nichts und wisse nichts, sie schrien ihn alle an: +"Dich kennt man schon! Uns betrgst du nicht!" + +So hatte der Jrgli immer die bedrohlichsten Angriffe zu bestehen und +hatte fast keinen ruhigen Augenblick mehr. Denn wenn er jetzt nur +jemand auf sich zukommen sah, so glaubte er schon, der komme, um ihn +zu fragen: "Hast du nicht dies oder das gefunden?" So war es dem +Jrgli nie mehr recht wohl zumut, und hundertmal dachte er: "Htte ich +doch jenes Kreuz auf der Stelle zurckgegeben, in meinem ganzen Leben +behalte ich nichts mehr, das mir nicht gehrt." + +Der Moni aber hrte den ganzen Sommer nicht auf zu singen und zu +jodeln, denn er fhlte sich so wohl da oben bei seinen Geien, wie +kaum ein anderer Mensch auf der Welt. Aber oft, wenn er so in seiner +Zufriedenheit ausgestreckt auf der Felsenkanzel lag und in das sonnige +Tal hinabschaute, mute er daran denken, wie er damals mit seinem +schlechten Gewissen unter dem Regenfelsen sa. Und er sagte jedesmal +laut vor sich hin: "Ich wei schon, wie ich's mache, da es nie mehr +so kommt. Ich tue nichts mehr, wenn ich dabei nicht frhlich in den +Himmel aufsehen kann, weil es dem lieben Gott so recht ist." + +Geschah es aber, da der Moni sich zu lange in seine Betrachtungen +vertiefte, so kam die eine oder die andere der Geien heran. Sie +schaute verwundert nach ihm aus und versuchte ihn zur Gesellschaft +zurckzumeckern, was er aber manchmal ziemlich lange nicht hrte. Nur +wenn sein Mggerli kam und mit Verlangen nach ihm rief, dann hrte er +es gleich. Er lief ihm auch sofort entgegen, denn sein anhngliches +Geilein war und blieb Monis liebstes Gut. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Moni der Geibub, von Johanna +Spyri. + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, MONI DER GEISSBUB *** + +This file should be named 8mong10.txt or 8mong10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8mong11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8mong10a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. 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If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. 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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Moni der Geissbub + +Author: Johanna Spyre + +Posting Date: October 29, 2011 [EBook #9860] +Release Date: February, 2006 +First Posted: October 15, 2003 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MONI DER GEISSBUB *** + + + + +Produced by Delphine Lettau + + + + + + + + + +This Etext is in German. + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfgung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Moni der Geibub + +Erzhlung + +Johanna Spyri + + + + + + + +1. Kapitel + +Der Moni fhlt sich wohl + + +Um zu dem Badehaus Fideris zu gelangen, mu man steil und lang die +Hhe hinaufsteigen, nachdem man die Strae verlassen hat, die sich +durch das lange Tal des Prttigau nach oben schlngelt. So mhsam +keuchen dann die Pferde den Berg hinauf, da man lieber aussteigt und +zu Fu die grne Hhe erreicht. + +Nach einem lngeren Anstieg kommt man erst zum Dorf Fideris, das auf +der freundlichen, grnen Anhhe liegt. Von da geht es weiter in die +Berge hinein, bis das einsame Gebude des Badeortes auftaucht, berall +von felsigen Hhen umgeben. Dort oben wachsen nur noch Tannen, die +die Hhen und Felsen ringsum bedecken. Es she alles ziemlich dster +aus, wenn nicht berall aus dem niederen Weidegras die schnen +Bergblmchen mit ihren glnzenden Farben hervorguckten. + +An einem hellen Sommerabend traten zwei Damen aus dem Badehaus und +gingen auf dem schmalen Fuweg dahin, der unweit des Hauses beginnt +und bald sehr steil bis zu den hoch anfragenden Felsen hinaufsteigt. +An dem ersten Vorsprung blieben sie stehen und schauten um sich, denn +sie waren eben erst in dem Bad angekommen. + +"Lustig ist's nicht hier oben, Tante", sagte jetzt die Jngere, indem +sie die Landschaft betrachtete. "Lauter Felsen und Tannenwlder und +dann wieder ein Berg und noch einmal Tannen darauf. Wenn wir sechs +Wochen hier bleiben sollen, dann wollte ich, es wre hier und da auch +noch etwas Lustigeres zu sehen." + +"Lustig wird's jedenfalls nicht sein, wenn du hier oben dein +Brillantenkreuz verlierst, Paula", entgegnete die Tante, whrend sie +das rote Samtband zusammenknpfte, an dem das funkelnde Kreuz hing. +"Es ist das drittemal, da ich das Band festmache, seit wir angekommen +sind. Ich wei nicht, wo es fehlt, ob an dir oder an dem Band, aber +das wei ich, da du jammern wirst, wenn es verloren ist." + +"Nein, nein", rief Paula lebhaft aus, "das Kreuz darf nicht +verlorengehen, um keinen Preis, es ist noch von der Gromutter und ist +mein grter Schatz!" + +Paula ergriff selbst noch das Band und machte zwei, drei Knoten hinein, +damit es festhalte. Pltzlich spitzte sie die Ohren. "Hr, hr, +Tante, jetzt kommt aber wirklich etwas Lustiges." + +Hoch oben erscholl ein frhlicher Gesang. Zwischendurch kam ein +langer, schallender Jodler, dann wurde wieder gesungen. Die Damen +schauten aufwrts, konnten aber nichts Lebendiges entdecken. Der +Fuweg ging in groen Serpentinen, oft zwischen hohem Gebsch und +wieder zwischen vorstehenden Bergabhngen durch, so da man von unten +immer nur kurze Stckchen davon erblicken konnte. Aber jetzt wurde es +pltzlich lebendig auf dem Pfad, oben und unten, auf allen Stellen, wo +der schmale Weg gesehen werden konnte, und immer lauter und nher +tnte der Gesang. + +"Sieh, sieh, Tante, dort! Hier! Sieh da! Sieh da!" rief Paula mit +groem Vergngen. Und ehe die Tante sich's versah, kamen drei, vier +Geien in Sprngen daher und immer mehr, immer mehr, und jede hatte +ein Glcklein am Hals. Die luteten von allen Seiten her, und mitten +in einem Rudel kam der Geibub herabgesprungen und sang eben noch sein +Lied zu Ende: + +"Und im Winter bleib ich frhlich, +Weil's Weinen nichts ntzt, +Und weil ihm sowieso der Frhling +Auf den Fersen schon sitzt." + + +Dann lie er einen ungeheuren Jodel erschallen. Und auf einmal stand +er mit seinem Rudel dicht vor den Damen, denn mit seinen nackten Fen +sprang er genauso flink und leise wie seine Tierchen. + +"Guten Abend wnsche ich", sagte er, indem er die beiden lustig +anschaute, und wollte weiterziehen. Aber der Geibub mit den +frhlichen Augen gefiel den Damen. "Wart ein wenig", sagte Paula, +"bist du der Geibub von Fideris? Hast du Geien aus dem Dorf unten?" + +"Ja natrlich", war die Antwort. + +"Gehst du alle Tage mit ihnen da hinauf?" + +"Ja freilich." + +"So, so, und wie heit du denn?" + +"Moni heie ich." + +"Willst du mir auch das Lied einmal singen, das du eben gesungen hast? +Wir haben erst einen Vers gehrt." + +"Das ist zu lang", erklrte Moni, "es wird zu spt fr die Geien, sie +mssen heim." Er rckte sein altes Htchen zurecht, schwang seine Rute +in der Luft und rief den Geien zu, die schon berall zu nagen +angefangen hatten: "Heim! Heim!" + +"So singst du mir's doch ein andermal, Moni, nicht wahr?" rief ihm +Paula nach. + +"Ja, das will ich und gute Nacht!" rief er zurck, setzte sich nun mit +den Geien in Trab, und in kurzer Zeit stand die ganze Herde unten, +wenige Schritte vom Badehaus bei dem Hintergebude still. Denn hier +hatte Moni die Geien, die zum Haus gehrten, die schne weie und die +schwarze mit dem zierlichen Zicklein abzugeben. Moni behandelte +letzteres mit grter Sorgfalt, denn es war ein zartes Tierchen, und +er liebte es von allen am meisten. Es war auch so anhnglich, da es +ihm den ganzen Tag immer nachlief. Er zog es auch jetzt ganz zrtlich +zu sich und stellte es in seinen Stall hinein. Dann sagte er: "So, +Mggerli, nun schlaf gut, du bist mde. Es ist sehr weit bis dort +hinauf, und du bist noch so klein. Leg dich jetzt nur gleich hin, +siehst du, so in das gute Stroh hinein." + +Nachdem er so das Mggerli zur Ruhe gebettet hatte, zog er eilig +weiter mit seiner Schar, erst vor dem Badehaus den Hgel hinauf und +dann die Strae hinunter dem Dorf zu. Hier nahm er sein Hrnchen vor +den Mund und blies so gewaltig hinein, da es drhnte bis weit ins Tal +hinab. Von allen verstreuten Hfen her kamen jetzt die Kinder +gelaufen, jedes strzte auf seine Gei, die es aus der Ferne schon +kannte. Und von den nahen Husern her kam hier eine Frau und dort +eine, fate ihr Geilein am Strick oder am Horn, und in kurzer Zeit +war die ganze Herde auseinandergestoben, und jedes Tierlein kam an +seinen Ort. Zuletzt stand der Moni noch allein mit der Braunen, +seiner eigenen Gei, und mit ihr ging er zu dem Huschen am Bergabhang, +wo schon die Gromutter ihn in der Tr erwartete. + +"Ist alles gut gegangen, Moni?" fragte sie freundlich, fhrte dann die +Braune in den Stall und fing gleich an, sie zu melken. Die Gromutter +war noch eine rstige Frau und besorgte alles selbst im Haus und im +Stall und hielt berall Ordnung. Moni stand in der Stalltr und +schaute der Gromutter zu. Als das Melken beendet war, trat sie ins +Huschen und sagte: "Komm, Moni, du wirst Hunger haben." + +Sie hatte auch schon alles hergerichtet. Moni konnte sich sofort an +den Tisch setzen. Sie nahm neben ihm Platz. Obwohl es nur eine +Schssel voll Maisbrei mit der Milch der Braunen gab, so lie sich's +Moni doch herrlich schmecken. Dabei erzhlte er der Gromutter, was +er den Tag ber erlebt hatte, und sobald er sein Mahl beendet hatte, +zog er sich auf sein Lager zurck, denn er mute sich ja frh am +Morgen wieder mit der Herde auf den Weg machen. + +Auf diese Weise hatte Moni schon zwei Sommer verbracht, so lange schon +war er Geibub. Er war jetzt so an dieses Leben gewhnt und mit +seinen Tierchen verbunden, da er sich's gar nicht anders denken +konnte. Mit seiner Gromutter lebte Moni zusammen, solange er sich +besinnen konnte. Seine Mutter war gestorben, als er noch ganz klein +war. Sein Vater zog bald danach mit anderen zum Kriegsdienst nach +Neapel, um etwas zu verdienen, denn er meinte, das gehe dort schneller. + +Die Mutter seiner Frau war auch arm, aber sie nahm auf der Stelle das +verlassene Bblein ihrer Tochter, den kleinen Salomon, zu sich und +teilte mit ihm, was sie hatte. Es lag auch ein Segen auf ihrem +Huschen, und noch nie hatte sie Not leiden mssen. + +Die brave, alte Elsbeth war auch im ganzen Dorf beliebt, und als vor +zwei Jahren ein anderer Geibub ausgewhlt wurde, da fielen alle +Stimmen einstimmig auf den Moni. Denn jeder gnnte es der arbeitsamen +Elsbeth, da nun Moni auch etwas verdienen konnte. Die fromme +Gromutter hatte den Moni keinen Morgen weggehen lassen, ohne da sie +ihm sagte: "Moni, vergi nicht, wie nah du dort oben dem lieben Gott +bist und da er alles sieht und hrt. Du kannst vor seinen Augen +nichts verbergen. Aber vergi auch nicht, da er in deiner Nhe ist, +um dir zu helfen. Daher mut du dich nie frchten, und wenn du dort +oben keine Menschen herbeirufen kannst, rufe du nur zum lieben Gott in +der Not, er hrt dich gleich und kommt dir zur Hilfe." + +So zog Moni von Anfang an voller Zuversicht auf die einsamen Hhen und +die hchsten Felsen und hatte nie die leiseste Furcht noch Schrecken, +denn er dachte immer: Je hher hinauf, desto nher bin ich beim lieben +Gott und desto sicherer in allem, was mir begegnen kann. So hatte +Moni weder Sorge noch Kummer und konnte sich freuen an allem, was er +erlebte vom Morgen bis zum Abend. Und es war kein Wunder, da er +immer pfiff und sang und jodelte, denn er mute seiner groen +Frhlichkeit Luft machen. + + + +2. Kapitel + +Monis Leben auf dem Berg + + +Am folgenden Morgen erwachte Paula so frh wie sonst nie, ein lauter +Gesang hatte sie aus dem Schlaf geweckt. "Da ist gewi schon der +Geibub", sagte sie, sprang aus dem Bett und lief ans Fenster. + +Richtig, mit frischen, roten Backen stand der Moni im Hof und hatte +eben die alte Gei und das Zicklein aus dem Stall geholt. Jetzt +schwang er seine Rute in der Luft, die Geien hpften und sprangen um +ihn herum, und nun ging's vorwrts mit der ganzen Schar. Und +pltzlich erhob Moni seine Stimme wieder und sang, da es von den +Bergen widerhallte: + +"Dort droben in den Tannen +Singen die Vgel im Chor, +Und hat's eine Weile geregnet, +Kommt die Sonne wieder vor." + + +"Heute mu er mir einmal sein ganzes Lied singen", sagte Paula, denn +jetzt war Moni verschwunden, und sie konnte seinen fernen Gesang nicht +mehr verstehen. + +Am Himmel zogen noch die roten Morgenwolken dahin, und ein frischer +Bergwind rauschte dem Moni um die Ohren, als er berganstieg. Das war +ihm gerade recht. Vor Wohlbehagen jodelte er vom ersten Bergvorsprung +so gewaltig ins Tal hinab, da mancher Schlfer unten im Badehaus +erstaunt die Augen aufschlug. Er machte sie aber gleich wieder zu, +denn er kannte den Ton und wute, da er nun noch ein Stndchen Schlaf +zugeben konnte, denn der Geibub kam immer so frh. Inzwischen +kletterte Moni mit seinen Geien eine Stunde lang weiter und weiter +hinauf, bis hoch zu den Felsen. + +Immer weiter und immer schner war es um den Moni geworden, je hher +er hinaufkam. Von Zeit zu Zeit guckte er um sich, dann schaute er zu +dem hellen Himmel auf, der nun immer blauer wurde. Dann fing er aus +vollem Hals zu singen an, immer lauter und immer frhlicher, je hher +er kam: + + Dort droben in den Tannen + Singen die Vgel im Chor, + Und hat's eine Weile geregnet, + Kommt die Sonne wieder vor. + + Und die Sonne und die Sterne + Und den Mond bei der Nacht, + Die hat der liebe Gott uns + Zur Freude gemacht. + + Im Frhling gibt's Blumen, + Die sind gelb und sind rot, + Und so blau ist der Himmel, + Und ich freu mich fast zu Tod. + + Und im Sommer gibt's Beeren, + Und geht's gut, so gibt's viel, + Und die roten und die schwarzen, + E ich alle vom Stiel. + + Hat's im Hag wieder Nsse, + So wei ich wie's tut, + Wo die Geien gern nagen, + Sind die Krutlein auch gut. + + Und im Winter bin ich frhlich, + Weil's Weinen nichts ntzt, + Und weil ihm sowieso der Frhling, + Auf den Fersen schon sitzt. + +Jetzt war die Anhhe erreicht, wo er gewhnlich blieb und sich auch +heute ausruhen wollte. Das war eine kleine, grne Hochebene mit einem +so weiten Vorsprung, da man von dem freien Punkt ringsumher und +weiter, weit ins Tal hinabsehen konnte. Dieser Vorsprung hie die +Felsenkanzel, und hier konnte Moni oft stundenlang verweilen und um +sich schauen und vor sich hin pfeifen, whrend seine Tierlein ganz +gemtlich ihre Kruter suchten. + +Sobald Moni angekommen war, nahm er seinen kleinen Proviantsack vom +Rcken und legte ihn in eine kleine Hhle des Bodens, die er selbst +dafr gegraben hatte. Dann trat er auf die Felsenkanzel hinaus und +warf sich auf den Boden, um sich einmal so recht wohl sein zu lassen. + +Der Himmel war jetzt dunkelblau geworden. Drben waren die hohen +Berge mit den in den Himmel ragenden Zacken und groen Eisfeldern zum +Vorschein gekommen, und unten leuchtete weithin das grne Tal im +Morgenglanz. Moni lag da, schaute umher, sang und pfiff. Der +Bergwind khlte ihm das warme Gesicht, und hrte er einmal zu pfeifen +auf, so pfiffen die Vgel ber ihm noch viel lustiger und flogen in +den blauen Himmel hinauf. Der Moni fhlte sich unbeschreiblich wohl. +Von Zeit zu Zeit kam das Mggerli zu ihm und strich ein wenig mit +seinem Kopf ber Monis Schulter, wie die Gei es immer tat. Dann +meckerte es ganz liebevoll, ging auf die andere Seite von Moni und +strich wieder den Kopf ber seine Schulter. Auch von den anderen +Geien kam bald diese, bald jene, um nach dem Hirten zu sehen, und +jede hatte ihre eigene Weise, ihm ihre Zrtlichkeit zu zeigen. + +Die Braune, seine eigene Gei, kam zu ihm und schaute nach, ob auch +alles mit ihm in Ordnung sei. Sie stand dann da und schaute ihn an, +bis er sagte: "Ja, ja, Braunli, es ist schon recht, geh nur wieder zum +Futter." Eine Gei hie die Schwalbe, weil sie so schmal und flink war +und berall hineinscho, wie die Schwalben in ihre Lcher. Sie sprang +so ungestm auf den Moni los, da sie ihn wohl umgeworfen htte, wre +er nicht schon auf dem Boden gelegen. Gleich darauf lief sie wieder +davon. + +Die glnzende Schwarze, die Gei des Wirts im Badehaus, Mggerlis +Mutter, war ein wenig stolz. Sie kam nur auf ein paar Schritte +Entfernung heran, schaute mit erhobenem Kopf zu dem Moni hin, als +wollte sie sich nicht zu vertraulich zeigen und ging dann wieder ihrer +Wege. Der groe Sultan aber, der Bock, zeigte sich immer nur einmal +und drckte dann alle weg, die er in Monis Nhe traf. Dann meckerte +er einigemale so bedeutungsvoll, als habe er Mitteilungen abzugeben +ber den Zustand der Herde, als deren Anfhrer er sich fhlte. + +Nur das kleine Mggerli lie sich niemals von seinem Beschtzer +verdrngen. Wenn der Bock kam und wollte es wegdrcken, so kroch es +so tief unter Monis Arm oder Kopf, da der groe Sultan nicht wagte, +nher zu kommen. Unter Monis Schutz frchtete sich das Zicklein auch +kein bichen mehr vor dem Sultan, vor dem es sonst erzitterte, wenn es +in seine Nhe kam. + +So war der sonnige Morgen vergangen. Moni hatte schon sein +Mittagessen verzehrt und stand nun nachdenklich auf seinen Stecken +gesttzt, den er hier oben fters brauchte. Denn er war ihm beim Auf- +und Abstieg eine groe Hilfe. Er dachte nach, ob er eine neue Seite +der Felsen besteigen wollte. Denn an diesem Nachmittag wollte er mit +den Geien hher hinauf, die Frage war nur, nach welcher Seite? Er +entschied sich fr die linke, denn dort ging es zu den drei +Drachensteinen, um die herum so zartes Buschwerk wuchs, da es ein +wahres Festessen fr die Geien war. + +Der Weg war steil, und oben waren gefhrliche Stellen an der schroffen +Felswand, aber er wute einen sicheren Weg. Und die Geien waren ja +vernnftig und verliefen sich nicht so leicht. Er ging bergauf, und +lustig kletterten ihm alle seine Geien nach. Sie waren bald vor, +bald hinter ihm, das kleine Mggerli blieb immer ganz in seiner Nhe. +Manchmal hielt er es fest und zog es mit sich, wenn eine steile Stelle +kam. Es ging aber alles gut, und nun waren sie oben, und mit hohen +Sprngen rannten die Geien zu den grnen Bschen hin, denn sie +erkannten das gute Futter, das sie schon fter hier oben abgenagt +hatten. + +"Nur zahm! Nur zahm!" mahnte Moni, "und stot einander nicht an den +steilen Stellen, es knnte leicht eines abstrzen und htte die Beine +gebrochen. Schwalbe! Schwalbe! Was kommt denn dir in den Sinn?" +rief er jetzt voller Aufregung. Denn die flinke Gei war ber die +hohen Drachensteine hinaufgeklettert, stand jetzt auf dem uersten +Rand des einen Steins und guckte von da ganz vorwitzig auf ihn +herunter. Er kletterte eilig hinauf, denn nur noch ein einziger Tritt, +und die Schwalbe lag unten im Abgrund. Moni war sehr behend, in +wenigen Minuten hatte er den Stein erklettert und mit einem schnellen +Griff die Schwalbe am Bein erfat und zurckgezogen. "Komm du jetzt +mit mir, du unvernnftiges Tierlein du", schalt Moni und zog die +Schwalbe mit sich herunter zu den anderen. Er hielt sie noch ein +Weilchen fest, bis sie nicht mehr ans Fortlaufen dachte. + +"Wo ist das Mggerli?" schrie Moni pltzlich auf, der die Schwarze +erblickte, wie sie allein an einer steilen Stelle stand und nichts +fra, sondern ruhig umherschaute. Immer war das junge Geilein neben +Moni, oder es lief seiner Mutter nach. + +"Wo hast du dein Zicklein, Schwarze?" rief er erschrocken und sprang +auf die Gei zu. Sie war ganz sonderbar, fra nicht, blieb immer auf +demselben Platz stehen und spitzte verdchtig die Ohren. Moni stellte +sich dicht neben sie und schaute hinauf und hinab. Jetzt hrte er ein +leises, jammerndes Meckern. Das war Mggerlis Stimme, sie kam von +unten herauf, so klglich und hilfeflehend. Moni legte sich auf den +Boden und beugte sich vor. Dort unten bewegte sich etwas. Jetzt sah +er's deutlich, tief unten hing das Mggerli an einem Ast, der +aus dem Felsen herauskam, und winselte zum Erbarmen. Es mute +hinuntergefallen sein. + +Glcklicherweise hatte der Ast es aufgehalten, sonst htte es in den +Abgrund strzen mssen. Aber auch noch jetzt, wenn es sich nicht mehr +an dem Ast festhalten konnte, mute es auf der Stelle in die Tiefe +strzen und sich das Genick brechen. In hchster Angst rief er +hinunter: "Halt fest, Mggerli, halt fest am Ast! Sieh, ich komme +schon und hole dich!" Aber wie sollte er dahin gelangen? Die Felswand +war so steil hier, unmglich konnte er da hinunterkommen, das sah Moni +wohl ein. Aber das Geilein mute da unten etwa in der Hhe vom +Regenfelsen sein, dem berhngenden Gestein, unter das man sich beim +Regen so gut flchten konnte. Dort brachten die Geibuben schon immer +ihre Tage bei schlechtem Wetter zu, darum hie das Gestein schon von +alter Zeit her der Regenfelsen. Von da aus, dachte Moni, konnte er +quer ber den Felsen klettern und so mit dem Zicklein zurckkommen. + +Schnell pfiff er die Herde zusammen und stieg mit ihr hinunter, bis zu +der Stelle, wo es zum Regenfelsen hineinging. Da lie er sie weiden +und ging dem Felsen zu. Hier sah er auch gleich, noch ein gutes Stck +ber sich, den Ast, an den sich das Geilein klammerte. Er sah, da +es nicht leicht sei, da hinaufzuklettern und mit dem Mggerli auf dem +Rcken wieder hinunter. Aber anders war das Tierlein nicht zu retten. +Er dachte auch, der liebe Gott wrde ihm gewi beistehen, dann knnte +es ihm gelingen. Er faltete seine Hnde, schaute zum Himmel auf und +betete: "Ach lieber Gott, hilf mir doch, da ich das Mggerli erretten +kann!" Jetzt war er voller Vertrauen, da alles gutgehen werde, und +eilig kletterte er den Felsen hinauf, bis er bei dem Ast oben +angelangt war. Hier klammerte er sich fest an mit beiden Fen, hob +dann das zitternde, wimmernde Tierlein auf seine Schultern und +kletterte nun mit groer Sorgfalt hinunter. Als er aber nun wieder +den sicheren Grasboden unter den Fen hatte und das erschrockene +Geilein gerettet sah, da war er so froh, da er laut danken mute und +in den Himmel hinaufrief: "O lieber Gott, ich danke dir tausendmal, +da du uns so geholfen hast! O wie sind wir beide so froh darber!" +Dann setzte er sich noch ein wenig auf den Boden und streichelte das +Zicklein, das immer noch an allen seinen zarten Gliedern zitterte, und +trstete es ber die ausgestandene Angst. + +Als wenig spter Zeit zum Aufbruch war, setzte Moni das Zicklein noch +einmal auf seine Schultern und sagte frsorglich: "Komm, du armes +Mggerli, du zitterst ja immer noch. Heute kannst du nicht heimgehen, +ich mu dich tragen." Und so trug er das Tierlein, das sich fest an +ihn schmiegte, den ganzen Weg hinunter. + +Paula stand jetzt auf der letzten Anhhe vor dem Badehaus und +erwartete den Geibuben. Auch ihre Tante hatte sie begleitet. Als +nun Moni mit seiner Last auf dem Rcken herankam, wollte Paula wissen, +ob das Zicklein krank sei, und zeigte groe Teilnahme. Als Moni das +sah, setzte er sich gleich auf den Boden vor Paula hin und erzhlte +ihr sein heutiges Erlebnis mit dem Mggerli. + +Das Frulein nahm sehr lebhaften Anteil an der Sache und streichelte +das gerettete Tierlein. Jetzt lag es ruhig auf Monis Knien und sah +sehr zierlich aus mit seinen weien Fen und dem schnen schwarzen +Pelzchen ber dem Rcken. Es lie sich ganz gern ein wenig streicheln. + +"Jetzt singst du mir auch noch dein Lied, wenn du schon einmal hier +bist", sagte Paula. Moni war so frhlich gestimmt, da er gern aus +voller Brust anstimmte und sein ganzes Lied bis zu Ende sang. + +Das gefiel der Paula ausnehmend gut, und sie sagte, er msse es ihr +noch fter singen. Dann zog die ganze Gesellschaft zusammen zum +Badehaus hinunter. Hier wurde das Zicklein auf sein Lager gelegt, und +Moni nahm Abschied. Paula ging in ihr Zimmer zurck, um hier der +Tante noch lange von dem Geibuben zu erzhlen, auf dessen frhlichen +Morgengesang sie sich schon jetzt wieder freute. + + + +3. Kapitel + +Ein Besuch + + +So waren mehrere Tage vergangen, einer so sonnig und klar wie der +andere, denn es war ein besonders schner Sommer. Und der Himmel +blieb blau und wolkenlos vom Morgen bis zum Abend. + +Jeden Morgen in der Frhe war der Geibub mit hellem Gesang am +Badehaus vorbeigezogen, jeden Abend mit hellem Gesang wieder +zurckgekehrt. Und alle Badegste waren so an das frhliche Singen +gewhnt, da keiner es htte missen mgen. + +Vor allen aber freute sich Paula an Monis Frhlichkeit und ging ihm +fast jeden Abend entgegen, um ein Gesprch mit ihm anzuknpfen. + +An einem sonnigen Morgen war Moni wieder oben bei der Felsenkanzel +angelangt und wollte sich eben auf den Boden setzen, als er sich noch +anders besann. "Nein, vorwrts! Ihr habt ja das letztemal die guten +Blttlein alle stehenlassen mssen, weil wir dem Mggerli helfen +muten, jetzt geht's noch einmal hinauf, da knnt ihr fertig nagen!" +Und mit Freuden sprangen ihm die Geien alle nach, denn sie merkten, +da es zu den schnen Bschen an den Drachensteinen hinauf ging. +Diesmal hielt Moni aber sein kleines Mggerli die ganze Zeit im Arm +fest, ri ihm die guten Blttlein selber ab und lie es aus seiner +Hand fressen. Das gefiel dem Geilein am allerbesten, es rieb ganz +vergngt von Zeit zu Zeit sein Kpfchen an Monis Schulter und meckerte +frhlich. So war der ganze Morgen vergangen und Moni merkte erst an +seinem Hunger, da es spt geworden war. Er hatte aber sein Essen +unten bei der Felsenkanzel in der kleinen Hhle hegen lassen, da er +mittags wieder hinunter kommen wollte. + +"So, ihr habt nun schon viel Gutes bekommen, und ich habe noch gar +nichts", sagte er zu seinen Geien. "Jetzt mu ich auch etwas haben +und unten findet ihr noch genug, kommt!" Dann pfiff er laut, und die +ganze Schar zog auf und davon, die lebhaftesten immer voran und allen +voraus die leichtfige Schwalbe, der heute etwas Unerwartetes +begegnen sollte. Sie sprang hinunter von Stein zu Stein und ber +manche Felsspalte weg, aber auf einmal konnte sie nicht weiter. + +Unmittelbar vor ihr stand ganz pltzlich eine Gemse und schaute ihr +neugierig ins Gesicht. Das war der Schwalbe noch nicht vorgekommen. +Sie stand da, schaute die Fremde fragend an und wartete, da ihr diese +aus dem Weg gehe. Denn sie wollte auf den Felsblock springen, der vor +ihr aufragte. Aber die Gemse rhrte sich nicht und schaute der +Schwalbe frech ins Gesicht. So standen beide voreinander, immer +hartnckiger, und noch heute wrden sie dort stehen, wenn nicht +inzwischen der groe Sultan herbeigekommen wre. Sofort erkannte er +die Sachlage und kletterte vorsichtig an der Schwalbe vorbei. +Pltzlich stie er die Gemse so weit und so gewaltig auf die Seite, +da sie einen khnen Sprung machen mute, um nicht ber die Felsen +hinabzurutschen. + +Die Schwalbe aber zog triumphierend ihres Weges, und der Sultan +schritt befriedigt und stolz hinter ihr her, denn er fhlte sich als +sicherer Beschtzer seiner Herde. Inzwischen war von oben herab Moni +und von unten herauf ein anderer Geibub auf einem nahen Platz +angekommen und blickten auch erstaunt einander an. Aber sie kannten +sich, und nach der ersten berraschung begrten sie sich freundlich. +Es war der Jrgli von Kblis, der schon den halben Morgen lang +vergebens den Moni gesucht hatte und ihn nun hier oben traf, wo er ihn +gar nicht mehr vermutete. + +"Ich habe nicht gedacht, da du so hoch hinaufgehen wrdest mit den +Geien", sagte der Jrgli. + +"Freilich gehe ich", entgegnete Moni, "aber nicht immer. Gewhnlich +bin ich bei der Felsenkanzel. Warum bist du da heraufgekommen?" + +"Ich will dir einen Besuch machen", war die Antwort, "ich habe dir +allerhand zu erzhlen. Auch habe ich hier zwei Geien, die bringe ich +dem Wirt im Bad, er will eine kaufen, und da dachte ich, ich wollte +noch zu dir hinauf." + +"Sind es deine Geien?" fragte Moni. + +"Natrlich, die fremden habe ich nicht zu hten, ich bin nicht mehr +Geibub." + +Darber mute sich Moni sehr wundern, denn zu gleicher Zeit mit ihm +war der Jrgli Geibub von Kblis geworden, und Moni begriff nicht, +da das so aufhren konnte und der Jrgli nicht einmal jammerte. + +Inzwischen waren Hirten und Geien bei der Felsenkanzel angekommen. +Moni holte Brot und ein Stckchen getrocknetes Fleisch hervor und lud +den Jrgli zum Mittagessen ein. Sie setzten sich beide auf die Kanzel +hinaus und lieen sich's gut schmecken. Denn es war sehr spt +geworden, und sie hatten beide ausgezeichneten Appetit. Als nun alles +aufgegessen und dann noch ein wenig Geimilch getrunken worden war, +legte sich der Jrgli ganz behaglich der Lnge nach auf den Boden und +sttzte seinen Kopf auf beide Ellbogen. Moni aber war sitzen +geblieben, denn er schaute immer gern von oben in das tiefe Tal +hinunter. + +"Was bist du denn jetzt, Jrgli, wenn du nicht mehr Geibub bist?" +fing Moni nun an, "etwas mut du doch sein." + +"Freilich bin ich etwas und etwas Rechtes", erwiderte Jrgli, "Eierbub +bin ich. Jeden Tag gehe ich mit den Eiern in alle Wirtshuser, so +weit ich komme. Hier hinauf ins Badehaus komme ich auch, gestern war +ich schon dort." + +Moni schttelte den Kopf: "Das ist nichts, Eierbub mchte ich nicht +sein, tausendmal lieber will ich Geibub sein, das ist viel schner." + +"Ja warum denn?" + +"Die Eier sind ja nicht lebendig, mit denen kannst du kein Wort reden. +Und sie laufen dir nicht nach wie die Geien, die sich freuen, wenn +du kommst und anhnglich sind und jedes Wort verstehen, das du mit +ihnen redest. Du kannst keine Freude mit deinen Eiern haben wie mit +den Geien hier oben." + +"Ja und du", unterbrach ihn Jrgli, "was hast du denn fr groe +Freuden hier oben? Jetzt hast du wohl sechsmal aufstehen mssen, +whrend wir beim Essen waren, nur wegen des dummen Geileins, damit es +nicht hinunterfllt. Ist denn das eine Freude?" + +"Ja, das tue ich ganz gern. Nicht wahr, Mggerli, komm! Komm!" Moni +sprang auf und lief dem Geilein nach, denn es machte ganz +unvorsichtige Freudensprnge. Als er wieder sa, sagte Jrgli: "Es +gibt auch ein anderes Mittel, die jungen Geien zu halten, da sie +nicht ber die Felsen hinabfallen und man ihnen nicht immer +nachspringen mu wie du." + +"Was fr eins?" fragte Moni. + +"Man steckt einen Stecken fest in den Boden und bindet die Gei mit +einem Bein daran. Sie zappelt dann zwar furchtbar, aber sie kann doch +nicht fort." + +"Du wirst doch nicht glauben, da ich so etwas mit dem Geilein mache", +sagte der Moni ganz entrstet. Er zog das Mggerli zu sich und hielt +es fest, als mte er es schtzen. + +"Um das Geilein mut du dich nicht mehr lange sorgen", fing Jrgli +wieder an, "das kommt nicht mehr hier herauf." + +"Was? Was? Was sagst du, Jrgli?" fuhr Moni auf. + +"Pah, weit du's denn nicht? Der Wirt will es nicht aufziehen, es ist +ihm zu schwach, es wird nie eine krftige Gei. Er hat es meinem +Vater verkaufen wollen, aber der wollte es auch nicht. Nun will es +der Wirt nchste Woche schlachten, und dann kauft er unseren Scheck +dort." + +Moni war vor Schrecken ganz wei geworden. Erst konnte er kein Wort +sagen, aber jetzt jammerte er laut und rief: + +"Nein, nein, das drfen sie nicht tun, Mggerli, das drfen sie nicht +tun. Sie drfen dich nicht schlachten, das kann ich nicht ertragen. +Oh, ich will lieber gleich mit dir sterben. Nein, das kann ja nicht +sein!" + +"Tu doch nicht so", sagte Jrgli rgerlich und zog den Moni in die +Hhe, der sich in seinem Jammer mit dem Gesicht zu Boden geworfen +hatte. "Steh doch auf, du weit ja, da das Geilein nun einmal dem +Wirt gehrt und er damit machen darf, was er will. Denk doch nicht +mehr dran! Komm ich wei noch etwas: Sieh! Sieh!" Dann hielt Jrgli +dem Moni die eine Hand hin, und mit der anderen deckte er den +Gegenstand fast zu, den Moni bewundern sollte. Es funkelte aber ganz +wunderbar aus der Hand heraus, denn die Sonne blitzte eben dort hinein. + +"Was ist's?" fragte Moni, als es eben wieder aufblitzte, von einem +Sonnenstrahl beleuchtet. + +"Rat!" + +"Ein Ring?" + +"Nein, aber so etwas hnliches." + +"Wer hat dir's gegeben?" + +"Gegeben? Niemand, ich hab es selbst gefunden." + +"Dann gehrt es aber nicht dir, Jrgli." + +"Warum nicht? Ich habe es niemand genommen, ich wre fast mit dem Fu +darauf getreten, dann wr's doch zerbrochen. Ich kann es ebenso gut +behalten." + +"Wo hast du's gefunden?" + +"Unten beim Badehaus, gestern abend." + +"Dann hat es jemand aus dem Haus unten verloren. Du mut es dem Wirt +sagen, und wenn du's nicht tust, so tue ich's heute Abend." + +"Nein, nein, Moni, tue nur das nicht", sagte Jrgli jetzt bittend, +"sieh, ich will dir zeigen, was es ist. Und ich will es in einen von +den Wirtshusern an ein Zimmermdchen verkaufen, sie mu mir aber vier +Franken geben, dann geb ich dir auch einen oder zwei, und dann wei ja +niemand etwas davon." + +"Ich will nichts! Ich will nichts!" unterbrach ihn Moni heftig, "und +der liebe Gott hat alles gehrt, was du gesagt hast." + +Jrgli schaute zum Himmel auf. "Ja, so weit weg", sagte er +zweifelhaft. Er fing aber gleich an, leiser zu reden. + +"Er hrt dich doch", sagte Moni zuversichtlich. + +Dem Jrgli war es nicht mehr recht wohl in seiner Haut. Wenn er nur +den Moni auf seine Seite zu bringen wute, sonst war alles verloren. +Er dachte lange nach. "Moni", sagte er pltzlich, "ich will dir etwas +versprechen, das dich freut, wenn du keinem Menschen etwas von dem +Gefundenen sagen willst. Du brauchst ja auch nichts davon zu nehmen, +dann hast du nichts damit zu tun. Wenn du das willst, so will ich +dafr sorgen, da mein Vater doch das Mggerli kauft. Dann wird es +nicht geschlachtet, willst du?" + +In Moni entstand ein harter Kampf. Es war ein Unrecht, wenn er dabei +half, den Fund zu verheimlichen. Jrgli hatte seine Hand aufgemacht, +es lag ein Kreuz darin, mit vielen Steinen besetzt, die in allen +Farben funkelten. Moni sah wohl, da das nicht ein wertloses Ding war, +nach dem niemand fragen werde. Wenn er schweigen wrde, wrde er +etwas behalten, was ihm nicht gehrte. Aber auf der anderen Seite war +das kleine, liebevolle Mggerli, das sollte auf schreckliche Weise mit +einem Messer gettet werden, und er konnte das verhindern, wenn er +schweigen wollte. Eben jetzt lag das Geilein so vertrauensvoll neben +ihm, als wute es, da er ihm immer helfen wurde. Nein, er konnte es +nicht geschehen lassen, er mute es retten. + +"Einverstanden, Jrgli", sagte er, aber ohne Freudigkeit. + +"So schlag ein." Und Jrgli hielt Moni seine Hand hin, da er hinein +verspreche, denn nur so galt ein Versprechen unwiderruflich. + +Jrgli war sehr froh, da er nun seiner Sache sicher war. Da aber +Moni so still geworden war und er einen viel weiteren Weg nach Hause +hatte als Moni, so beschlo er, mit seinen zwei Geien aufzubrechen. +Er verabschiedete sich von Moni und pfiff den beiden Gefhrten, die +sich inzwischen zu den weidenden Geien des Moni gesellt hatten. Es +hatten einige bedenkliche Angriffe zwischen den beiden Parteien +stattgefunden, denn die Fideriser Geien wuten nicht, da man mit +einem Besuch artig sein mu. Und die Kbliser Geien wuten nicht, +da man nicht gleich die besten Krutlein aussuchen und die anderen +davon wegdrcken darf, wenn man auf Besuch ist. Als nun der Jrgli +ein Stck den Berg hinuntergegangen war, brach auch Moni mit seiner +Schar auf, aber er war ganz still und sang keinen Ton und tat keinen +Pfiff auf dem ganzen Heimweg. + + + +4. Kapitel + +Moni kann nicht mehr singen + + +Moni kam am folgenden Morgen genauso still und niedergeschlagen wie am +Abend vorher den Weg zum Badehaus daher. Leise holte er die Geien +des Wirts heraus und stieg weiter hinauf, aber er sang keinen Ton, er +schickte keinen Jodel in die Luft hinauf. Er lie seinen Kopf hngen +und machte ein Gesicht, als frchtete er sich vor etwas. Hier und da +blickte er auch scheu um sich, ob ihm nicht jemand nachkomme und ihn +etwas fragen wolle. + +Moni konnte gar nicht mehr lustig sein. Er wute erst selbst nicht so +recht, warum? Er wollte sich freuen, da er das Mggerli gerettet +hatte und einmal singen, aber er brachte nichts heraus. Der Himmel +war heute mit Wolken bedeckt, und Moni dachte, wenn die Sonne komme, +wrde er schon wieder lustiger werden. + +Als er oben angekommen war, fing es ganz tchtig zu regnen an. Er +flchtete unter den Regenfelsen, denn es go bald in Strmen vom +Himmel herunter. + +Die Geien kamen auch heran und stellten sich da und dort unter die +Felsen. Die vornehme Schwarze hatte gleich ihren schnen glnzenden +Pelz schonen wollen und war noch vor dem Moni unter den Felsen +gekrochen. Sie sa jetzt hinter dem Moni und schaute aus dem +behaglichen Winkel vergngt in den strmenden Regen hinaus. Das +Mggerli stand vor seinem Beschtzer unter dem vorragenden Felsen und +rieb zrtlich sein Kpfchen an seinem Knie. Und dann schaute es +erstaunt zu ihm auf, denn Moni sagte kein Wort, das war das Zicklein +nicht gewohnt. Auch seine Braune scharrte zu seinen Fen und +meckerte, denn er hatte den ganzen Morgen noch nichts zu ihr gesagt. +Moni sa nachdenklich da. Er hatte sich auf seinen Stecken gesttzt, +den er bei solchem Wetter immer zur Hand nahm, damit er an den steilen +Stellen nicht ausrutschen konnte. Denn an Regentagen zog er Schuhe an. +Jetzt, da Moni stundenlang unter dem Regenfelsen sa, hatte er Zeit +zum Nachdenken. + +Jetzt berdachte Moni, was er dem Jrgli versprochen hatte. Und es +kam ihm nun nicht anders vor, als ob der Jrgli etwas genommen habe +und er selbst dasselbe tue. Schlielich hatte ihm der Jrgli doch +auch etwas fr sein Schweigen gegeben. Er hatte etwas getan, was +unrecht war, und der liebe Gott war jetzt gegen ihn, das fhlte er in +seinem Herzen. Es war ihm recht, da es dunkel war und regnete und er +unter dem Felsen verborgen war. Denn er htte doch nicht wie sonst in +den blauen Himmel hinaufsehen drfen, er frchtete sich jetzt vor dem +lieben Gott. Aber auch noch andere Dinge mute Moni denken. Wenn nun +wieder das Mggerli ber einen steilen Felsen hinunterfiele, und er +wollte es holen, und der liebe Gott wrde ihn nicht mehr beschtzen, +wenn er auch nicht mehr zu ihm beten und rufen drfte, dann htte er +keine Sicherheit mehr. Und wenn er dann ausrutschte und mit dem +Mggerli tief ber die zackigen Felsen hinunterfiele und beide ganz +zerrissen und zerschmettert unten im Abgrund lgen... + +O nein, sprach er ngstlich zu sich, so durfte es doch nicht kommen. +Er mute dafr sorgen, da er wieder beten und vor den lieben Gott +kommen konnte mit allem, was ihm auf dem Herzen lag. Dann konnte er +auch wieder frhlich sein, das fhlte Moni. Er wollte sich von der +Last befreien, die ihn bedrckte, er wollte gehen und alles dem Wirt +sagen--aber dann? Dann wurde Jrgli seinen Vater nicht berreden, und +der Wirt wrde das Mggerli totstechen. O nein! Das konnte er nicht +aushalten, und er sagte: "Nein, ich tue es nicht, ich sage nichts." +Aber es war ihm nicht wohl dabei und sein schlechtes Gewissen wurde +immer grer. + +So verging dem Moni der ganze Tag. Er kehrte abends so lautlos heim, +wie er morgens gekommen war. Und als unten beim Badehaus Paula stand +und schnell zum Geienstall herbersprang und teilnehmend fragte: +"Moni, was fehlt dir? Warum singst du denn gar nicht mehr?"--da +wandte er sich scheu ab und sagte: "Ich kann nicht." Und so schnell +wie mglich machte er sich mit seinen Geien davon. + +Paula sagte oben zu ihrer Tante: "Wenn ich doch nur wute, was der +Geibub hat, er ist ja ganz verndert, man kennt ihn gar nicht mehr. +Wenn er doch nur wieder snge." + +"Es wird der schreckliche Regen sein, der den Buben so verstimmt", +meinte die Tante. + +"Nun kommt auch alles zusammen. Wir wollen doch heimgehen, Tante", +bat Paula, "das Vergngen hier ist aus. Erst verliere ich mein +schnes Kreuz, und es ist nicht mehr zu finden. Dann kommt dieser +endlose Regen, und nun kann man nicht einmal mehr den lustigen +Geibuben zuhren. Wir wollen fort." + +"Die Kur mu zu Ende gemacht werden, da kann ich dir nicht helfen", +erklrte die Tante. + +Dunkel und grau war es auch am folgenden Morgen, und der Regen strmte +unausgesetzt nieder. Moni brachte seinen Tag ebenso zu wie den +vorhergegangenen. Er sa unter dem Felsen, und seine Gedanken gingen +ruhelos immer im Kreise herum. Immer wenn er zu sich sagte: "Jetzt +will ich gehen und das Unrecht gestehen, damit ich wieder zum lieben +Gott aufsehen darf", da sah er wieder das Zicklein unter dem Messer +vor sich. Er dachte nach, und sein schlechtes Gewissen plagte ihn so +sehr, da er am Abend ganz mde war und im strmenden Regen +heimschlich, als merkte er nichts davon. + +Beim Badehaus stand der Wirt in der Hintertr und fuhr den Moni an: +"Komm einmal mit den Geien her, sie sind na genug! Was kriechst du +auch wie eine Schnecke den Berg hinunter! Ich wundere mich schon die +ganze Zeit ber dich." + +So unfreundlich war der Wirt noch nie gewesen, im Gegenteil, immer +hatte er dem frhlichen Geibuben die freundlichsten Worte zugerufen. +Aber Monis verndertes Wesen gefiel ihm nicht, und dazu war er noch +schlechter Laune, denn Frulein Paula hatte ihm ihren Verlust geklagt. +Sie hatte behauptet, das kostbare Kreuz knne nur im Haus oder +unmittelbar vor der Haustr verloren gegangen sein. Denn sie sei an +jenem Tag nur herausgegangen, um abends den heimkehrenden Geibuben +singen zu hren. Da man aber sagen sollte, es knne in seinem Haus +ein so wertvolles Ding verloren gehen, ohne da man es wieder erhalte, +machte ihn sehr bse. Er hatte auch am Tag vorher das ganze +Dienstpersonal versammelt, es verhrt und bedroht und endlich dem +Finder eine Belohnung ausgesetzt. Das ganze Haus war in Aufruhr ber +den verlorenen Schmuck. + +Als Moni mit seinen Geien an der Vorderseite des Hauses vorbeiging, +stand Paula dort. Sie hatte auf ihn gewartet, es wunderte sie so sehr, +ob er immer noch nicht wieder singen knne und lustig sei. Als er +nun vorbeischlich, rief sie: "Moni! Moni! Bist du denn auch derselbe +Geibub, der vom Morgen bis zum Abend sang: + +"'Und so blau ist der Himmel, +Und ich freu mich fast zu Tod'?" + +Moni hrte die Worte, er gab keine Antwort, aber sie machten einen +groen Eindruck auf ihn. + +Oh, wie war's doch so anders, als er den ganzen Tag singen konnte und +er so frhlich war wie seine Lieder. Oh, wenn es doch wieder so sein +knnte! + +Wieder zog Moni zu seiner Anhhe hinauf, still und freudlos und ohne +Gesang. Der Regen hatte nun aufgehrt, aber dster hingen ringsum die +Nebel an den Bergen, und der Himmel war noch voll dunkler Wolken. +Moni setzte sich wieder unter den Felsen und kmpfte mit seinen +Gedanken. Gegen Mittag fing der Himmel an, sich aufzuklren, es wurde +heller und heller. Moni kam aus seiner Hhle hervor und schaute umher. +Die Geien sprangen wieder lustig hin und her, auch das Zicklein war +ganz bermtig vor Freuden ber die wiederkehrende Sonne und machte +die frhlichsten Sprnge. + +Moni stand drauen auf der Kanzel und sah, wie es immer schner und +heller wurde unten im Tal und oben ber dem Berge. Jetzt teilten sich +die Wolken und der lichtblaue Himmel schaute so lieblich und +freundlich herunter. Es war Moni, als schaue der liebe Gott aus dem +lichten Blau zu ihm nieder. Und auf einmal war es in seinem Herzen +ganz klar, was er tun mute, er konnte das Unrecht nicht mehr mit sich +herumfragen. Er mute es ablegen. Jetzt ergriff Moni das Zicklein, +das neben ihm umhersprang, nahm es in seinen Arm und sagte mit +Zrtlichkeit: "O Mggerli, du armes Mggerli! Ich habe gewi getan, +was ich konnte, aber es ist ein Unrecht, und das darf man nicht tun. +Oh, wenn du nur nicht sterben mtest, ich kann es nicht aushalten!" +Und nun fing Moni so sehr zu weinen an, da er nicht mehr weiter reden +konnte. Und das Zicklein meckerte wehmtig und kroch tief unter +seinen Arm, als wollte es sich ganz bei ihm verstecken und in +Sicherheit bringen. Jetzt hob Moni das Geilein auf seine Schultern. + +"Komm, Mggerli, ich trage dich noch einmal heim heute, vielleicht +kann ich dich bald nicht mehr tragen." + +Als er mit seinen Geien unten beim Badehaus war, wartete Paula schon +auf ihn. Moni stellte das Junge mit der Schwarzen in den Stall hinein, +und anstatt weiter zu ziehen, wollte er an dem Frulein vorbei ins +Haus gehen. Sie hielt ihn an. + +"Immer noch ohne Gesang, Moni?" + +"Ich mu etwas anzeigen", erwiderte Moni. + +"Anzeigen? Was denn? Darf ich's nicht wissen?" + +"Ich mu zum Wirt, es ist etwas gefunden worden." + +"Gefunden? Was denn? Ich habe auch etwas verloren, ein schnes Kreuz." + +"Ja, das ist es gerade." + +"Was sagst du?" rief Paula in hchster berraschung. "Ist es ein +Kreuz mit funkelnden Steinen?" + +"Ja." + +"Wo hast du's denn, Moni? Gib's doch her, hast du's gefunden?" + +"Nein, der Jrgli von Kblis." + +Nun wollte Paula wissen, wer das sei, und wo er wohne, und auf der +Stelle jemand nach Kblis hinunterschicken, das Kreuz zu holen. + +"Ich will schon gehen, und wenn er's noch hat, will ich's bringen" +sagte Moni. + +"Wenn er's noch hat?" rief Paula, "warum sollte er's nicht mehr haben? +Und woher weit du denn von allem, Moni? Wann hat er's gefunden, und +wie hast du's denn erfahren?" + +Moni schaute zu Boden. Er durfte nicht sagen, wie alles zugegangen +war, und wie er geholfen hatte, den Fund zu verheimlichen, bis er es +nicht mehr hatte ertragen knnen. + +Aber Paula war sehr gut zu Moni. Sie nahm ihn auf die Seite, setzte +sich auf einen Baumstamm zu ihm hin und sagte mit der grten +Freundlichkeit: "Komm, erzhl mir alles, wie es gegangen ist, Moni, +ich mchte so gern alles von dir wissen." + +Nun fate der Moni Zutrauen und fing an und erzhlte die ganze Sache. +Er berichtete auch, da er sich um das Leben von Mggerli Sorgen +gemacht habe und wie er so alle Freude verloren hatte und nicht mehr +zum lieben Gott aufschauen durfte. Heute, sagte er, konnte er es +nicht mehr lnger ertragen. + +Jetzt redete Paula sehr freundlich mit ihm und meinte, er htte nur +gleich kommen und alles anzeigen sollen. Und es sei recht, da er ihr +jetzt alles so aufrichtig gesagt habe, er solle es nicht bereuen. +Dann sagte sie, dem Jrgli knne er zehn Franken versprechen, wenn sie +das Kreuz wieder in Hnden habe. + +"Zehn Franken?" wiederholte Moni voller Erstaunen. Denn er wute ja, +da Jrgli es hatte verkaufen wollen. Jetzt stand Moni auf und sagte, +er wollte noch heute nach Kblis hinunter, und wenn er das Kreuz +bekme, es gleich morgen frh mitbringen. Nun lief er davon und +konnte wieder ganz groe Sprnge machen, er hatte wieder ein viel +leichteres Herz, das schlechte Gewissen belastete ihn nicht mehr. + +Daheim stellte er nur seine Gei in den Stall, sagte der Gromutter, +er habe noch einen Auftrag auszurichten und rannte gleich nach Kblis +hinunter. Er fand den Jrgli daheim und sagte ihm, was er getan hatte. +Der war erst sehr aufgebracht, aber als er nun erfuhr, da alles +bekannt sei, zog er das Kreuz heraus und fragte: "Gibt sie mir auch +etwas dafr?" + +"Ja, jetzt kannst du sehen, Jrgli", sagte Moni entrstet, "auf dem +ehrlichen Weg httest du gleich zehn Franken bekommen und auf deinem +Lgenweg doch nur vier." + +Jrgli war sehr berrascht. Jetzt reute es ihn, da er nicht gleich +mit dem Kreuz ins Badehaus gegangen war, nachdem er es vor der Tr +aufgelesen hatte. Denn er hatte doch nun kein gutes Gewissen und +htte es anders haben knnen. Aber jetzt war's zu spt. Er bergab +das Kreuz dem Moni, und dieser eilte damit heim, es war drauen schon +dunkel geworden. + + + +5. Kapitel + +Moni singt wieder + + +Paula hatte angeordnet, da man sie am frhen Morgen wecken sollte. +Wenn der Geibub kme, wollte sie selbst mit ihm verhandeln. Am Abend +hatte sie noch eine lange Unterredung mit dem Wirt gehabt und war dann +sehr befriedigt aus seiner Stube herausgekommen. Sie mute etwas +Erfreuliches mit ihm ausgemacht haben. + +Als der Geibub am Morgen mit seiner Herde herankam, stand Paula schon +vor dem Haus und rief: "Moni, kannst du denn immer noch nicht singen?" + +Er schttelte den Kopf: "Nein, ich kann's nicht, ich mu jetzt immer +an das Mggerli denken, wie lange es noch mit mir geht. Ich kann +nicht mehr singen, solange ich lebe, und hier ist das Kreuz." Damit +bergab er ein kleines Pckchen, denn die Gromutter hatte es ihm +sorgfltig in drei oder vier Papiere gewickelt. + +Paula schlte das Kreuz aus den Hllen heraus und betrachtete es genau. +Es war wirklich ihr schnes Kreuz mit den funkelnden Steinen und +vllig unversehrt. + +"So, Moni", sagte sie nun freundlich, "du hast mir eine groe Freude +gemacht, denn ohne dich htte ich wohl mein Kreuz nie mehr gesehen. +Nun will ich dir auch eine Freude machen. Geh, hol das Mggerli dort +aus dem Stall, es gehrt jetzt dir!" + +Moni starrte das Frulein mit einem Erstaunen an, als sei es unmglich, +ihre Worte zu verstehen. Endlich stotterte er: "Aber wie--wie knnte +das Mggerli mein sein?" + +"Wie?" wiederholte Paula lchelnd, "sieh, gestern abend hab ich es dem +Wirt abgekauft und heute morgen schenke ich es dir. Kannst du jetzt +wieder singen?" + +"Oh!" stie Moni hervor und rannte wie ein Unsinniger auf den Stall zu, +zog das Geilein heraus und nahm es auf den Arm. Dann kam er +zurckgesprungen und streckte dem Frulein seine Hand entgegen und +sagte immer wieder: "Ich danke tausendmal! Vergelt's Gott! Und wenn +ich Ihnen nur einen Gefallen tun knnte!" + +"Dann sing mir dein Lied", sagte Paula. + +Da stimmte Moni sein Lied an und zog nun den Berg hinauf mit den +Geien, und seine Jubeltne schmetterten so ins Tal hinab, da im +ganzen Badehaus keiner war, der sie nicht hrte. Und mancher drehte +sich auf seinem Kissen um und sagte: "Der Geibub hat wieder gute +Laune." Es freute aber alle, da er wieder sang, denn sie hatten sich +alle an den frhlichen Wecker gewhnt, die einen zum Aufstehen, die +anderen zum Weiterschlafen. Als Moni oben von der ersten Hhe das +Frulein immer noch unten vor dem Haus stehen sah, trat er extra weit +hinaus und sang hinunter, so laut er konnte: + +"Und so blau ist der Himmel, +Und ich freu mich fast zu Tod!" + + +Den ganzen Tag ber sang der Moni und alle Geien wurden angesteckt +von seiner Frhlichkeit und hpften und sprangen umher. Es war, als +ob ein groes Fest gefeiert wrde. Die Sonne schien frhlich vom +blauen Himmel herunter. Und nach dem groen Regen waren auch alle +Krutlein frisch und die gelben und roten Blmlein glnzten. Moni +glaubte, Berg und Tal und die ganze Welt noch nie so schn gesehen zu +haben. Sein Zicklein lie er den ganzen Tag nicht aus den Augen. Er +zog ihm die besten Krutlein aus und ftterte es und sagte immer +wieder: "Mggerli, du gutes Mggerli, du mut nicht sterben, du bist +jetzt mein und kommst mit mir auf die Weide hinauf, solange wir leben." +Und mit schallendem Singen und Jodeln kam Moni auch am Abend wieder +hinunter. Nachdem er die Schwarze zu ihrem Stall gefhrt hatte, nahm +er das Zicklein auf den Arm, es kam ja nun mit ihm nach Haus. Das +Mggerli machte auch gar keine Anstalten, als wollte es lieber +dableiben, sondern schmiegte sich an den Moni. Bei ihm fhlte es sich +geborgen, denn Moni hatte es ja schon lange besser und zrtlicher +behandelt als die eigene Mutter. + +Als aber Moni zu der Gromutter kam, sein Mggerli auf der Schulter, +da wute diese gar nicht, was geschehen war. Denn Monis Rufen: "Es +gehrt mir, Gromutter, es gehrt mir!" erklrte ihr die Sache noch +lange nicht. Aber Moni konnte noch nicht erzhlen. Erst lief er zu +dem Stall und dort, hart neben der Braunen, damit es sich nicht +frchte, machte er dem Mggerli ein schnes, weiches Lager aus +frischem Stroh. Er legte es darauf und sagte: "So Mggerli, nun +schlaf gut in der neuen Heimat. So sollst du's immer haben, alle Tage +mache ich dir ein neues Bettlein." + +Erst jetzt kam Moni zu der verwunderten Gromutter zurck, und wie sie +nun zusammen bei ihrem Abendessen saen, erzhlte er ihr die ganze +Geschichte von Anfang an. Er berichtete von seinen drei kummervollen +Tagen und dem heutigen beglckenden Schlu. Die Gromutter hrte ganz +still und aufmerksam zu, und als er zu Ende war, sagte sie ernsthaft: +"Moni, wie es dir jetzt gegangen ist, daran sollst du immer denken. +Whrend du dir Sorgen um das Geilein machtest, hatte der liebe Gott +ihm schon lange geholfen und dir zur Freude einen Weg gefunden. Er +hat dir geholfen, weil du dein Unrecht eingesehen hast. Httest du +sofort recht getan und auf Gott vertraut, so wre gleich alles gut +gegangen. Jetzt hat der liebe Gott dir so sehr geholfen, da du es +dein Leben lang nicht vergessen darfst." + +"Nein, ich will es auch nie vergessen", sagte Moni mit eifriger +Zustimmung, "und gewi immer gleich denken: Ich mu nur tun, was vor +dem lieben Gott recht ist, das andere bringt er schon in Ordnung." + +Bevor aber Moni sich schlafen legen konnte, mute er noch einmal in +den Stall und sein Geilein anschauen, ob es auch wirklich mglich sei, +da es drauen liege und ihm gehre. + +Der Jrgli bekam seine zehn Franken, aber so leicht sollte er denn +doch nicht von der Sache loskommen. + +Als er wieder ins Badehaus kam, wurde er vor den Wirt gefhrt. Er +nahm den Buben beim Kragen, schttelte ihn tchtig und sagte +bedrohlich: "Jrgli! Jrgli! Versuch du kein zweitesmal mehr, mein +ganzes Haus in Mikredit zu bringen! Kommt noch ein einziges Mal so +etwas vor, so kommst du auf eine Art aus meinem Haus hinaus, die dir +nicht gefllt! Sieh, dort oben steckt ein ganz krftiges +Weidenrtchen fr solche Flle. Jetzt geh und denk dran!" + +Aber noch eine Folge hatte der Vorgang fr den Buben: Wenn von nun an +irgend etwas im Badehaus verloren gegangen war, rief die ganze +Dienerschaft sofort: "Das hat der Jrgli von Kblis!" Und kam dieser +nachher ins Haus, so drangen sie alle miteinander auf ihn ein und +riefen: "Gib's her, Jrgli! Gib's heraus!" Und wie sehr er auch +versicherte, er habe nichts und wisse nichts, sie schrien ihn alle an: +"Dich kennt man schon! Uns betrgst du nicht!" + +So hatte der Jrgli immer die bedrohlichsten Angriffe zu bestehen und +hatte fast keinen ruhigen Augenblick mehr. Denn wenn er jetzt nur +jemand auf sich zukommen sah, so glaubte er schon, der komme, um ihn +zu fragen: "Hast du nicht dies oder das gefunden?" So war es dem +Jrgli nie mehr recht wohl zumut, und hundertmal dachte er: "Htte ich +doch jenes Kreuz auf der Stelle zurckgegeben, in meinem ganzen Leben +behalte ich nichts mehr, das mir nicht gehrt." + +Der Moni aber hrte den ganzen Sommer nicht auf zu singen und zu +jodeln, denn er fhlte sich so wohl da oben bei seinen Geien, wie +kaum ein anderer Mensch auf der Welt. Aber oft, wenn er so in seiner +Zufriedenheit ausgestreckt auf der Felsenkanzel lag und in das sonnige +Tal hinabschaute, mute er daran denken, wie er damals mit seinem +schlechten Gewissen unter dem Regenfelsen sa. Und er sagte jedesmal +laut vor sich hin: "Ich wei schon, wie ich's mache, da es nie mehr +so kommt. Ich tue nichts mehr, wenn ich dabei nicht frhlich in den +Himmel aufsehen kann, weil es dem lieben Gott so recht ist." + +Geschah es aber, da der Moni sich zu lange in seine Betrachtungen +vertiefte, so kam die eine oder die andere der Geien heran. Sie +schaute verwundert nach ihm aus und versuchte ihn zur Gesellschaft +zurckzumeckern, was er aber manchmal ziemlich lange nicht hrte. Nur +wenn sein Mggerli kam und mit Verlangen nach ihm rief, dann hrte er +es gleich. Er lief ihm auch sofort entgegen, denn sein anhngliches +Geilein war und blieb Monis liebstes Gut. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Moni der Geibub, von Johanna +Spyri. + + + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Moni der Geissbub, by Johanna Spyre + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MONI DER GEISSBUB *** + +***** This file should be named 9860-8.txt or 9860-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/9/8/6/9860/ + +Produced by Delphine Lettau + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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