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+The Project Gutenberg EBook of Die Brüder Wright, by Alfred Hildebrandt
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
+other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
+the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
+www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
+to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
+
+Title: Die Brüder Wright
+
+Author: Alfred Hildebrandt
+
+Release Date: February 2, 2004 [EBook #10914]
+[Most recently updated: May 29, 2020]
+
+Language: English
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE BRÜDER WRIGHT ***
+
+
+
+
+E-text prepared by David Starner, Michael Wymann-Böni,
+and Project Gutenberg Distributed Proofreaders
+
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+
+
+
+
+
+Illustration: Titelblatt des Buches 'Die Brüder Wright
+
+
+Die Brüder Wright
+
+
+
+Eine Studie über die Entwicklung der Flugmaschine von
+Lilienthal bis Wright
+
+
+Von Hauptmann a.D. A.
+
+Hildebrandt
+
+
+
+Vormals Lehrer im Königlich Preussischen
+Luftschiffer-Bataillon
+
+
+Mit 44 Abbildungen
+
+
+BERLIN 1909
+
+
+
+
+Inhalt.
+
+ Vorrede.
+ Die Familie Wright.
+ Die Entwickelung des Gleitfluges.
+ Nachfolger Lilienthals in England und Amerika.
+ Die Gleitflugversuche der Brüder Wright.
+ Der Motorflieger der Wrights.
+ Das Ringen der Wrights um Anerkennung.
+ Die Beschreibung der Wrightschen Flugmaschine.
+ Rückkehr der Wrights nach Amerika und Besuch Berlins.
+ Anhang: Korrespondenz von A. Hildebrandt.
+
+
+Abbildungen.
+
+ John G. Körner
+ Frau Susan C. Wright
+ Bischof Milton Wright
+ Wilbur Wright
+ Orville Wright
+ Otto Lilienthal
+ Der Lilienthalsche Gleitflieger
+ Schematische Zeichnung Des Lilienthalschen Abflughügels
+ Octave Chanute
+ Chanute-Leiter-Drachen 1895
+ Mehrdecker-Gleitflieger von Chanute (Sechste Konstruktion) 1896
+ Chanute-Doppeldecker im Fluge zu Dune-Park 1896
+ Chanute-Doppeldecker zu Dune-Park 1896
+ Chanute-Gleitflieger
+ Wright-Gleitflieger 1901
+ Wright Gleitflieger im Segelfluge 1902
+ Wright-Gleitflieger
+ Wrights Gleitflieger 10. Oktober 1902
+ Wilbur Wright
+ Die Maschine mit der Startvorrichtung, von oben gesehen
+ Vorbereitungen zum Start
+ Der Flieger beim Start am Ende seiner Ablaufschiene
+ Der Drachenflieger 6 m über dem Felde
+ Die erste Flugschule der Welt
+ Wilbur Wright macht eine Fahrt mit Frau Hart O’Berg
+ Hölzerne Startschiene
+ Messen der Windgeschwindigkeit
+ Flieger-Werkstätte
+ Wilbur Wright
+ Wilbur Wright erklärt dem neben ihm sitzenden König von Spanien seine Flugmaschine.
+ Das hinten befindliche Horizontalsteuer
+ Wright erteilt seinem Schüler Tissandier Unterricht
+ König Eduard von England begibt sich auf dem Felde Pont Long bei Pau zum Startplatz des Fliegers
+ Minister Barthou im Aeroplan
+ Die mit 2 Personen bemannte Flugmaschine
+ Der Flieger im Fluge, von vorn gesehen
+ Orville, Katherine, Wilbur Wright
+ Katherine und Orville Wright
+ Flug Um Den Michelin-Preis
+ Blick zwischen die Tragflächen mit ihren Holzstreben
+ Hart O’Berg
+ Schematische Zeichnung der betätigung der Verwindungsvorrichtung
+ Startpylon für die Flugmaschine
+ Schematische Ansicht Der Trageflächen Nach der Verwindung
+
+
+Briefe.
+
+ Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 21. April 1909
+ Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 22. Mai 1909
+ Brief von Bischof Wright an A. Hildebrandt; 5. Juni 1909
+ Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 28. Juni 1909
+ Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 9. Juli 1909
+ Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 18. Juli 1909
+
+
+
+
+Vorrede.
+
+
+Der Prophet gilt nichts im Vaterlande! Dieses alte Sprichwort will
+andeuten, dass infolge der Unvollkommenheit der menschlichen Natur das
+Verdienst hervorragender Männer oft nicht so gewürdigt wird, wie es
+seiner Bedeutung nach sein müsste. Die meisten Menschen können sich
+eben nicht über das Alltägliche erheben und dem Gedankenfluge
+weitausschauender Zeitgenossen folgen. Neid und Missgunst stellen sich
+den Grossen dieser Erde entgegen, und die Rivalität der Konkurrenten,
+die alles verkleinern und herabziehen. Im Kampfe um die Eroberung der
+Luft haben wir zwei hervorragende Fälle dafür gehabt, wie sich die
+Bahnbrecher nur mühselig zu Anerkennung durchzuringen vermögen. Wir
+haben aber hier gleichzeitig ein seltenes Beispiel, wie zwei Männer
+noch bei Lebzeiten die grösste Anerkennung ihrer Zeitgenossen gefunden
+haben. Der Gedanke an die Eroberung der Luft ist so bestechend, dass er
+in den weitesten Schichten der Völker ganz aussergewöhnlichen Anteil
+findet. Bislang beherrschte der Mensch nur zwei Dimensionen. Jetzt hat
+er auch begonnen, sich die dritte Dimension, die Luft, zu erobern.
+Zeppelin und Wright sind die Könige der Luft. Ihnen beiden ist es zu
+danken, dass wir anfangen, die Luft sowohl mit Fahrzeugen, „leichter
+als die Luft“, als auch mit solchen, die „schwerer als die Luft“ sind,
+zu beherrschen. Beide haben lange arbeiten müssen, bis sie der Welt die
+Richtigkeit ihres Gedankenfluges beweisen konnten. Beide sind sie viel
+geschmäht und mit Schmutz beworfen worden. Der Name Zeppelin ist heute
+nicht nur dem deutschen Volke bekannt, er hat überall ausgezeichneten
+Klang. Ueberall widmet man dem greisen Forscher eine Verehrung, wie man
+sie den grössten Helden aller Zeiten kaum entgegengebracht hat. Auch an
+Wright haben wir Europäer viel gesündigt. Man ging sogar soweit, die
+beiden Brüder, die bereits im Jahre 1905 die grössten Erfolge erzielt
+hatten, in Umprägung des Wortes „die fliegenden Brüder“—„die lügenden
+Brüder“ zu nennen. Erst im Jahre 1908 konnten sie, die auch bei ihren
+Landsleuten in Amerika wenig Glauben gefunden hatten, beweisen, welch
+gewaltigen Fortschritt sie in ernster Arbeit gemacht hatten. Verfasser
+folgt der Anregung, eine allgemein verständliche Abhandlung über die
+Gebrüder Wright zu schreiben, mit um so grösserer Freude, als er
+ziemlich der einzige war, der unentwegt die beiden genialen Erfinder in
+Wort und Schrift verteidigt und niemals an dem Wert ihrer Mitteilungen
+gezweifelt hat. Bei der Abfassung der kleinen Schrift kommt es dem
+Verfasser sehr zu statten, dass er bei einem Besuch in Amerika sowohl
+den Lehrer der Brüder Wright, den jetzt 77 Jahre alten hervorragenden
+Ingenieur Chanute, und dessen Assistenten Herring, wie die Stätten, an
+denen die Flugmaschine geboren wurde, kennen lernte. Besonders zu Dank
+verpflichtet ist er dem in Gross-Lichterfelde lebenden Baumeister
+Gustav Lilienthal, der ihm in früheren Jahren authentisches Material
+über seinen Bruder Otto Lilienthal, den Altmeister der Fliegekunst
+übermittelt hat, ferner dem in New York lebenden Ingenieur Herring,
+sowie auch Ingenieur Chanute in Chicago, der umfangreiches Material der
+ersten Flugversuche in Amerika zur Verfügung gestellt hat; endlich dem
+Bischof Milton Wright zu Dayton in Ohio, der sowohl beim Besuch des
+Verfassers eingehende mündliche Angaben gemacht hat, als auch jetzt in
+bereitwilligster Weise altes Material über seine Familie und seine
+Söhne zur Verfügung stellte. Orville Wright ist nun nach Berlin
+gekommen, wo er auf Veranlassung des „Lokal-Anzeigers“ sein bis jetzt
+unübertroffenes Können vorführen will. Noch sind wir erst im
+Anfangsstadium des Kampfes um die Eroberung der Luft, und viel Arbeit
+ist nötig, ehe wir einigermassen sicher die Luft beherrschen. Mögen die
+Vorführungen von Wright für unsere deutschen Erfinder und namentlich
+für diejenigen, die sie finanziell unterstützen wollen und müssen, ein
+Ansporn zur weiteren Förderung sein.
+
+_Berlin_, August 1909.
+
+A. Hildebrandt.
+
+
+
+
+Die Familie Wright.
+
+
+Die Wrights führen ihren Stammbaum bis in das 14. Jahrhundert zurück.
+Viele hervorragende Leute, deren Namen auch in der Geschichte verewigt
+sind, haben der Familie angehört. Von grossmütterlicher Seite stammen
+sie aus Holland, wo die ersten Aufzeichnungen bei Lord Afferden Ende
+des 14. Jahrhunderts beginnen und bis in die heutige Zeit vollständig
+fortgeführt sind. Die Nachkommen des Lords wanderten später nach
+Amerika aus und siedelten sich um das Jahr 1650 in Long Island an. Die
+Grossmutter Katherine Reeder war verwandt mit dem Gouverneur Andrew H.
+Reeder, der in Kansas im Jahre 1854 die Zügel der Regierung inne hatte.
+Väterlicherseits können die Vorfahren zurückgeführt werden bis zu John
+Wright, der im Jahre 1538 das Gut Kelvedon Hall im Kreise Essex in
+England erwarb. Sein und seiner Frau Olive Nachkomme im vierten Grade,
+Samuel Wright, wanderte im Jahre 1630 nach Amerika aus und siedelte
+sich 6 Jahre später als Farmer in Springfield in Massachusetts an. Hier
+wurde er bald zum Diakon der ersten puritanischen Kirche und später zum
+Pfarrer der Gemeinde erwählt. Nach segensreichem Wirken entschlief er
+sanft im Jahre 1665 zu Northampton. Seine Nachkommen blieben in
+Neu-England und manche berühmten Leute sind aus ihnen hervorgegangen.
+Zu nennen sind Edmond Freeman, Reverend Joshua Moody, Reverend John
+Russell, John Otis und John Porter in Windsor. Durch den letzten sind
+die Wrights verwandt geworden mit dem berühmten amerikanischen General
+Ulysses S. Grant und mit dem Präsidenten Grover Cleveland; ferner mit
+dem bekannten General Joseph Warren in Bunkerhill. Der Grossvater
+Wrights, Silas Wright, war Senator der Stadt New York und später
+Gouverneur des Staates New York. Er besass umfangreiche Güter, um deren
+Bewirtschaftung er sich selbst kümmerte. Seine Kinder wurden
+gleichfalls zu Landleuten erzogen. Er starb in New York im Jahre 1847.
+
+[Illustration: John G. Körner: Der aus Deutschland stammende Grossvater
+Wrights im 80. Lebensjahr]
+
+[Illustration: Frau Susan C. Wright: Die Mutter der Wrights Im 40.
+Lebensjahr]
+
+[Illustration: Bischof Milton Wright: Vater der Wrights, Geboren Am 17.
+November 1828]
+
+Wir Deutschen haben den Ruhm, den ersten fliegenden Menschen, der mit
+einer Flugmaschine ohne Motor die Luft durchsegelte, unsern Landsmann
+nennen zu dürfen. Uns verbindet aber auch ferner Verwandtschaft mit den
+Königen der Fliegekunst, mit Wrights. Der Grossvater mütterlicherseits,
+John G. Koerner, war geboren in einer kleinen Ortschaft in der Nähe von
+Schleiz im Fürstentum Reuss jüngerer Linie. Die Frau dieses im 86.
+Lebensjahre verstorbenen Koerner, eine geborene Fry, war Amerikanerin,
+aus Landen deutschen Sprachgebiets, wahrscheinlich der Schweiz,
+stammend; nähere Angaben fehlen. Ihre Tochter wurde am 30. April 1831
+in Hillsborough in Virginia geboren. Im Jahre 1859 vermählte sie sich,
+die inzwischen mit ihrer Familie auf eine Farm zu Union County in
+Indiana verzogen war, als jüngstes von 5 Kindern mit Milton Wright, dem
+Vater der beiden Luftschiffer. Dieser ist am 17. November 1828 in Rush
+County in Indiana geboren. Er folgte dem Berufe seiner ältesten
+Vorfahren und hielt mit 22 Jahren seine erste Predigt am 17. November
+1850. Infolge einer ausgezeichneten Erziehung, die ihm sein Vater hatte
+zuteil werden lassen, brachte er es bald im geistlichen Stande zu hohen
+Würden. Er wurde reisender Minister der lutherischen Brüdergemeinde,
+Präsident des Kirchenrats, und amtiert bereits seit 24 Jahren als
+Bischof. Die Erfüllung seines Berufes brachte es mit sich, dass er
+viele und grosse Reisen zur Inspektion der verschiedenen ihm
+unterstellten Kirchengemeinden ausführte; hat er doch nicht weniger als
+200 000 Meilen in amtlicher Eigenschaft auf der Eisenbahn durchmessen.
+Auf seinen Reisen erwarb er sich einen praktischen Blick und grosses
+Verständnis für die verschiedensten Lebensstellungen; seinen Kindern
+liess er eine ausgezeichnete Erziehung und Schulbildung zuteil werden.
+Leider starb seine Frau bereits am 4. Juli 1889 zu Dayton in Ohio. Der
+Tod hatte sie von einem langen und schweren Leiden erlöst. Besonders
+Wilbur Wright hatte sich bemüht, seiner Mutter die letzten Lebensjahre
+zu erleichtern, so dass ihm deswegen auch eine besondere Anerkennung
+seines Vaters zuteil geworden ist.
+
+[Illustration: Wilbur Wright: Geboren am 16. April 1867]
+
+[Illustration: Orville Wright: Geboren 19. August 1871]
+
+Milton Wright hatte sieben Kinder, von denen gegenwärtig noch fünf am
+Leben sind. Wilbur, am 16. April 1867 in Henry County geboren, ist der
+dritte Sohn. Ihm folgten am 19. August 1871 Orville und am 19. August
+1874 Katherine, die beide in Dayton geboren wurden.
+
+Eigenartig ist die Angabe des alten Bischofs, dass gerade die Erfinder
+keine so gute Erziehung genossen haben wie seine anderen Kinder. Keiner
+von beiden besuchte eine Hochschule, beide haben sich durch ihre eigene
+Intelligenz in der Technik zu bedeutender Stellung emporgearbeitet.
+Wilbur berechtigte anscheinend in seiner Jugend zunächst nicht zu
+grossen Hoffnungen, obgleich er sehr intelligent war und eine rasche
+Auffassungsgabe besass.
+
+Das erste Interesse für die Flugtechnik wurde bei den Brüdern im Sommer
+1878 geweckt, als ihr Vater eines Tages nach Hause kam und plötzlich
+aus seinen Händen ein Spielzeug in die Luft fliegen liess, das auch
+heute noch unter dem Namen Helicoptere—Schraubeflieger—bekannt ist.
+Dieses kleine Ding war aus einem Rahmenwerk von Kork und leichtem
+Bambus gefertigt und mit Papier überklebt. Die Schrauben wurden durch
+ein starkes Band von Kautschukschnüren in Bewegung gesetzt, das eng
+zusammengedreht wurde. Nur kurze Zeit blieb das zerbrechliche Spielzeug
+in den Händen der Knaben erhalten; aber die Erinnerung an diese ersten
+Flugversuche haftete fest im Gedächtnis beider. Einige Jahre später
+begannen sie selbst ihr altes Spielzeug nachzubilden, wobei sie das
+eine immer grösser als das andere fertigten. Aber sie machten die
+eigentümliche Erfahrung, dass die grösseren Maschinen immer schlechter
+flogen. Schliesslich wurden sie in ihren weiteren Experimenten
+entmutigt und wandten ihr Interesse dem Drachensteigen zu, ein Sport,
+der in Amerika durch die Franklinschen Drachenaufstiege zum Studium
+elektrischer Erscheinungen besonders weite Verbreitung gefunden hat.
+Als sie älter wurden, gaben sie auch diesen Sport auf, der, wie sie
+selbst sagten, nicht mehr für Jungen in ihrem Alter passte.
+
+Erst die Versuche Lilienthals und besonders das Nachdenken über seinen
+tragischen Tod weckten in ihnen die alte Passion zur Flugtechnik
+wieder. Sie studierten mit grossem Interesse die Werke von Chanute,
+Marcy, Langley, Mouillard und anderen über die Fortschritte und
+Untersuchungen des flugtechnischen Problems, und bald gingen sie zu
+praktischen Versuchen über.
+
+Die Mitbürger von Dayton, die irgendwie in nähere Berührung mit Wilbur
+und Orville Wright gekommen sind, haben seinerzeit dem Verfasser
+gegenüber das äusserst bescheidene Wesen der beiden gerühmt. Besonders
+auch hoben sie hervor, wie sich die Erfinder aus einfachen
+Verhältnissen emporgearbeitet hätten und mit grossem Fleiss ihrer
+Fahrradfabrik einen Ruf weit über ihre Heimatstadt hinaus gesichert
+hätten. Ihre vielseitige Bildung wurde ebenfalls anerkannt, und man
+konnte sich in ihrer Gesellschaft davon überzeugen, wie gut sie
+beschlagen waren in der Literatur, in der Musik, Kunst und selbst in
+der Malerei. Sie sind nicht einseitige fanatische Flugtechniker,
+sondern verfolgen alle Fortschritte der Luftschiffahrt und brechen
+keineswegs etwa den Stab über die Konkurrenten, die auf dem Gebiete der
+aerostatischen Luftschiffahrt tätig sind.
+
+Sie haben in ihrer eigenen Fabrik auch wie gewöhnliche Arbeiter
+gelernt, und die Franzosen waren überrascht, als sie sahen, wie Wilbur
+Wright in Le Mans eigenhändig und ohne jede fremde Hilfe im
+Arbeiterkittel seine Maschine zusammensetzte. Allerdings besass er ein
+gewisses Misstrauen, das sich auf mancherlei schlechte Erfahrungen
+stützte. So zum Beispiel wollte er als Klaviersaitendraht nur das
+Material verwenden, das er sich aus Amerika mitgebracht hatte. Er war
+sich eben auch bewusst, dass es bei einer so heiklen Maschine, wie es
+ein Drachenflieger ist, auch auf das Unwesentlichste ankommt, wenn man
+Erfolg erzielen will.
+
+Die Pünktlichkeit der Brüder ist ebenfalls ganz hervorragend. Allen
+Verabredungen folgen sie zur Minute, und nie braucht ein bestellter
+Arbeiter auch nur eine Sekunde auf ihr Erscheinen zu warten.
+
+In den Einöden bei Kill Devil hatten sie gelernt, ein äusserst
+einfaches Feldleben zu führen. In Le Mans schlief Wilbur Wright in
+einem einfachen Bett, eigentlich nur in einer grossen Kiste, die bei
+Tage mittels einer Leine an die Decke gezogen wurde und bei Nacht auf
+dem Fussboden neben seinem Flieger Platz fand. Dabei bestand der
+Fliegerschuppen nur aus roh zusammengezimmerten Brettern, und der Raum
+war keineswegs behaglich, da der Wind über die Ebene des Schiessplatzes
+zu Auvours mit ungeschwächter Kraft dahinbrausen kann. In Pau bewohnten
+sie allerdings schon ein komfortableres Quartier, jedoch immer noch
+gegen das einfachste Zimmer eines einfachen Hotels bescheiden zu
+nennen.
+
+Beide Brüder sind von grosser Zurückhaltung; sobald sie jedoch jemand
+bei näherer Bekanntschaft schätzen gelernt haben, so tauen sie etwas
+mehr auf. Man hat das Gefühl, dass man Leute vor sich hat, auf die man
+sich in jeder Beziehung und in allen Lagen des Lebens verlassen kann.
+Ihre Schweigsamkeit ist ja genügend bekannt geworden. Ihre Physiognomie
+ist meistens sehr ernst; aber bei näherem Verkehr hellt sich das
+freundliche Auge Wilbur Wrights lebhaft auf. Ihre Ruhe verlieren sie
+nie. Ob auf den Feldern Tausende von Zuschauern auf einen Flug
+warteten, ob Prinzen oder Geschäftsleute, die ihre Patente zu erwerben
+gedachten, sich unter ihnen befanden, nie liessen sie sich zu etwas
+drängen, das sie nicht wollten; nie liessen sie sich verleiten, einen
+Flug-Versuch zu wagen in einem Wetter, das ihnen ungünstig war. Die
+Statur der beiden ist mittelgross. Wilbur ist mit 1,80 Meter etwas
+grösser als sein Bruder Orville. Beide sind sehr schlank und zeigen nur
+Muskeln und Sehnen. Man sieht ihnen an, dass sie sich ihr ganzes Leben
+lang mit einem Sport beschäftigt haben, bei dem es hauptsächlich auf
+ein sicheres Auge und grosse Geistesgegenwart ankommt. In ihrer
+Lebensweise sind sie stets überaus nüchtern und enthaltsam gewesen.
+Auch bei den feierlichsten Anlässen waren sie nicht zu bewegen, Alkohol
+zu sich zu nehmen. Sie sind fromm, nicht äusserlich vor den Augen der
+Leute, sondern aus innerem Gefühl. Dies ist leicht verständlich, wenn
+man an den alten Bischof Wright, der als Priester höchstes Ansehen
+geniesst, denkt. So haben sie, die heute doch nicht mehr jung sind, in
+ihrem Leben noch nie eine Andachtsstunde versäumt und es als
+selbstverständlich erachtet, die Sonntage von jeder Art Arbeit
+freizuhalten.
+
+
+
+
+Die Entwickelung des Gleitfluges.
+
+
+Zum näheren Verständnis der ersten praktischen Arbeiten der Brüder
+Wright ist es erforderlich, die Entwickelung der Flugtechnik in
+Deutschland ins Auge zu fassen. Hier war es dem Ingenieur Otto
+Lilienthal gelungen, als erster Mensch die Luft mehrere 100 Meter weit
+zu durchfliegen. Weiteren technischen Kreisen ist er auch bekannt
+geworden als Erfinder eines ausgezeichneten Kleinmotors, der seinerzeit
+für Luftschiffahrtszwecke besonders geeignet erschien, leider jedoch
+nicht in der richtigen Weise gewürdigt wurde. Auf die Arbeiten dieses
+hervorragenden Mannes müssen wir deshalb im folgenden etwas näher
+eingehen.
+
+Otto Lilienthal wurde am 24. Mai 1848 zu Anklam in Pommern geboren.
+Schon als Junge von 13 Jahren hat er im Verein mit seinem noch jetzt in
+Gross-Lichterfelde bei Berlin lebenden Bruder Gustav das Fliegen mit
+den primitivsten Mitteln versucht. Die ersten Flügel, die sich die
+Brüder bauten, bestanden aus Klappen, welche an die Arme gebunden
+wurden. Die Versuche wurden meist bei Nacht ausgeführt, weil die Knaben
+den Spott ihrer Schulgenossen fürchteten. Sie versuchten, schwebend in
+die Luft zu gelangen, indem sie mit ihren Klappen einen Hügel
+herabliefen. Lange Jahre wurden dann die Fliegeversuche aufgegeben.
+Während des Studiums an der Berliner Gewerbe-Akademie fertigte sich
+Otto Lilienthal in den Jahren 1867/68 seinen komplizierten Apparat an,
+der vier kleine und zwei grosse Flügel besass, die abwechselnd auf- und
+niederschlugen. Es gelang ihm bei den Experimenten durch seine
+Beinbewegung ein Gewicht von 40 Kilogramm zu heben.
+
+[Illustration: Otto Lilienthal: Der Altmeister der Fliegekunst, tödlich
+verunglückt am 6. August 1896 bei Berlin]
+
+Durch einige Studiengenossen hatte der Mathematik-Professor von den
+Arbeiten Lilienthals gehört und unterliess nicht, ihm sagen zu lassen,
+es könne ja nicht schaden, wenn er sich mit flugtechnischen
+Berechnungen die Zeit vertriebe, er möge aber um himmelswillen nicht
+Geld für solche Sachen ausgeben! Damals war von Staats wegen durch eine
+besondere Gelehrten-Kommission gerade festgestellt worden, dass der
+Mensch ein für allemal nicht fliegen könne; es war daher sehr
+begreiflich, dass man diejenigen, welche sich mit dem Flugproblem
+beschäftigten, direkt für Narren hielt.
+
+Nach dem Kriege 1870/71, in dem Otto Lilienthal als
+Einjährig-Freiwilliger des Garde-Füsilier-Regiments—Maikäfer
+genannt—die Belagerung von Paris mitmachte, wurden die Flugversuche mit
+besseren technischen Hilfsmitteln nach den eingehendsten Experimenten
+und Studien wieder aufgenommen, wobei sein Bruder Gustav ihn
+tatkräftigst unterstützte. Die Maschinen bestanden aus ganz einfachen
+gewölbten Segelapparaten, die den ausgebreiteten Fittichen eines
+schwebenden Vogels glichen. Als Gestell diente Weidenholz, als Bezug
+mit Wachs getränkter Schirting. Festgehalten und gehandhabt wurde der
+Apparat dadurch, dass man beide Unterarme in entsprechende Polsterungen
+des Gestelles legte und zwei Handgriffe anfasste. Die Flügelflächen
+waren anfangs 10, später 8 Quadratmeter gross bei einer Klafterung von
+7 Metern und 2 Metern grösster Tiefe. Auch 14 Quadratmeter grosse
+Flügel kamen gelegentlich zur Verwendung; ihr Gewicht betrug 20
+Kilogramm, dazu kam das Gewicht von Lilienthal mit 80 Kilogramm, so
+dass also insgesamt 100 Kilogramm zum Schweben gebracht werden mussten.
+
+[Illustration: Der Lilienthalsche Gleitflieger: Im Fluge von hinten
+gesehen]
+
+Den einfachen Segelflächen fügte Lilienthal später Steuerflächen hinzu,
+um eine bessere Einstellung gegen den Wind zu erreichen. Die ganze
+Bauart der Flugsegel glich in allen Teilen einem Sprengwerk, dessen
+einzelne Glieder nur auf Zug und Druck beansprucht wurden. Grösste
+Festigkeit wurde hierdurch mit grösster Leichtigkeit verbunden. Oft
+stürzte er sich mit diesen Segeln von beliebigen Höhen in die Luft und
+erreichte stets sicher wieder den Boden.
+
+Um den Transport des Apparates zu erleichtern und ihn vor einem
+eventuell eintretenden Unwetter zu sichern, wurde die Maschine so
+eingerichtet, dass sie in einer halben Minute zusammengeklappt werden
+konnte. Das Auseinanderlegen dauerte ebenfalls nur zwei Minuten. Unter
+den ausgebreiteten Flügeln konnte man sogar Schutz vor dem Regen
+finden; 20 Personen hatten unter der schützenden Hülle Platz.
+
+Eingeleitet wurde das Fliegen durch Abschweben gegen den Wind von einem
+erhöhten Standpunkt. Bei den ersten Sprüngen betrug die Höhe des
+Sprungbrettes einen, später zwei Meter. Sechs bis sieben Meter weite
+Sprünge von fünf Metern Höhe wurden mit Anlauf erzielt. Das Landen
+vollzog sich schon ausserordentlich leicht. Der Gleit- und Segelflug,
+der auch in neuester Zeit in den Mitgliedern des Schlesischen
+Flugsportklubs wieder eifrige Anhänger gefunden hat, muss nach den
+Angaben Lilienthals, wie folgt, ausgeführt werden:
+
+„Man läuft mit gesenkten Flügeln dem Winde bergab entgegen, richtet im
+geeigneten Augenblick die Tragefläche um Weniges auf, so dass sie
+annähernd horizontal zu liegen kommt, und sucht, nun in der Luft
+dahinschwebend, durch die Schwerpunktslage dem Apparat eine solche
+Stellung zu geben, dass er schnell dahin schiesst und sich möglichst
+wenig senkt. Anfänger werden gut tun, eine Berglehne zu wählen, über
+welcher sie in geringer Höhe dahingleiten. Die erste Regel ist, die
+Beine nach vorn ausgestreckt zu halten und sich beim Landen mit dem
+Oberkörper hintenüber zu werfen, so dass der Apparat sich aufrichtet
+und die Bewegung verlangsamt. Das Auffliegen und das Niedersteigen muss
+stets genau gegen den Wind gerichtet sein. Das vertikale feststehende
+Steuer sorgt schon dafür, dass in der Ruhe sich der Apparat genau gegen
+den Wind einstellt. Die liegende Steuerfläche verhindert, wie man
+dieses an jeder sich setzenden Krähe sehen kann, dass der Apparat nach
+vorn sich überschlägt, was gewölbte Flächen sonst gern tun. Beim Landen
+aber darf das liegende Steuer das schnelle Aufrichten des Apparates
+nicht hindern, es muss sich durch den von unten kommenden Luftdruck um
+seine Vorderkante drehend aufrichten können, darf also nur eine
+Hubbegrenzung nach unten haben.
+
+„Besonders zu warnen ist vor folgendem Fehler: Der Uebende schwebt in
+der Luft und fühlt sich plötzlich vom Winde angehoben, wie gewöhnlich
+ungleichmässig; beispielsweise der linke Flügel mehr als der rechte.
+Die schiefe Lage treibt ihn nach rechts hinüber. Unwillkürlich streckt
+der Neuling nach rechts auch seine Beine aus, weil er den Anprall zur
+Erde nach rechts voraussieht. Die Folge ist, dass der schon tiefer
+liegende rechte Flügel noch mehr belastet wird, und der Flug schnell
+nach rechts sich senkt, bis die rechten Flügelspitzen im Erdreich
+sitzen und zerknicken. Für Leib und Leben ist weniger Gefahr vorhanden,
+denn der Apparat bildet nach allen Seiten ein wirkungsvolles Prellwerk,
+welches die Wucht des Stosses abfängt.“
+
+Abweichungen von der geraden Richtung werden durch Verlegen des
+Schwerpunktes nach der einen oder andern Seite durch Ausstrecken der
+Beine bewirkt, wodurch die Flugrichtung abgelenkt wird.
+
+Mehrfach gelang es Lilienthal auf diese Weise sogar, eine vollkommene
+Drehung auszuführen, so dass er wieder auf seinen Abflugspunkt zuflog.
+Der Einfluss des Windes zeigte sich bei den Fliegeversuchen frappant.
+Sobald ein etwas lebhafterer Wind kam, schwebte er hoch über den Köpfen
+einer staunenden Menge fort, unter Umständen sogar momentan in der Luft
+auf einer Stelle schweben bleibend.
+
+Sehr unangenehm empfand Lilienthal bei seinen Flügen stärkere,
+plötzlich auftretende Windstösse, weil bei ihnen die Gefahr vorlag,
+dass sie—wenn auch nur einen Augenblick—den Apparat von oben treffen
+könnten, wodurch er unfehlbar in die Tiefe gestürzt und zerschellt
+worden wäre.
+
+Bei den grössten Flächen—14 Quadratmeter—büsste Lilienthal die
+Stabilität ein. Gleichzeitig wurde ihm auch die Landung bei stärkeren
+Winden und grösseren Flächen sehr bedenklich. Wie er selbst sagt, hat
+er oft in der Luft einen förmlichen Tanz aufführen müssen, um, vom
+Winde hin und her geworfen, das Gleichgewicht zu behaupten; aber stets
+gelang es ihm, glücklich zu landen. Er wurde hierdurch jedoch
+notgedrungen zu den Versuchen geführt, die Lenkbarkeit und leichte
+Handhabung zu verbessern.
+
+Anfangs hatte er die Lenkung durch einfache Verlegung des Schwerpunktes
+mit seinem Körper bewirkt, die um so günstiger vonstatten ging, je
+kleiner die Flügelflächen wären. Da nun bei stärkerem Winde die
+Anwendung kleinerer Flächen keinen besonderen Nutzen gewährte, vielmehr
+sich die Notwendigkeit herausstellte, eine grössere Fläche zum Heben zu
+gewinnen, so versuchte er zwei parallele Flächen übereinander
+anzubringen. Es gelang dies überraschend gut. Der Doppelapparat hatte
+nur 5-1/2 Meter Spannweite bei zwei Trageflächen von je 9
+Quadratmetern, deren obere etwas über der unteren lag.
+
+Die erreichte Höhe wurde ganz bedeutend grösser, oft wurde der
+Abfliegepunkt um ein erhebliches Stück überflogen, sobald die Winde bis
+über 10 Meter in der Sekunde stark waren.
+
+Beim Landen bei geringem Winde musste der Apparat vorn durch
+Zurücklegen des Körpers gehoben und dann unmittelbar über dem Boden die
+Beine wie beim Sprunge, schnell vorgeworfen werden, da sonst der Körper
+einen sehr unangenehmen Stoss erhalten hätte. Bei etwas stärkerem Winde
+dagegen senkte der Apparat sich sehr sanft zur Erde.
+
+Bei den aufgeführten Uebungen hat Lilienthal stets die hebende Kraft
+des Windes deutlich gespürt, und er sagt ausdrücklich, dass der Wind
+auch eine Bewegung ähnlich dem Kreisen der Vögel hätte einleiten und
+den Apparat nach links oder rechts drehen wollen; aber infolge der Nähe
+des Berges, von dem er abgeflogen sei, hätte er sich nicht darauf
+einlassen dürfen.
+
+Als Uebungsplatz hatte sich Lilienthal 1891 einen günstigen Platz
+zwischen Werder und Gross-Kreuz ausgesucht, wo sich auf grossen
+freiliegenden Höhen ein Absprung von 5 bis 6 Metern erzielen liess.
+Hier machte er seine Versuche gemeinschaftlich mit einem Techniker
+seiner Maschinenfabrik, Hugo Eulitz. Der jetzige Professor im
+Meteorologischen Institut zu Berlin, Dr. Kassner, hat seinerzeit
+zahlreiche vortreffliche Aufnahmen Lilienthals und seines Assistenten
+angefertigt, die auf der Frankfurter Luftschiffahrts-Ausstellung
+ausgestellt sind. Die Flugweite wuchs hier auf 20-25 Meter. 1892 suchte
+er sodann die 10 Meter hohen Abhänge bei Steglitz und Südende auf. Im
+Anfang des folgenden Jahres baute er auf der Maihöhe bei Steglitz einen
+Schuppen, so dass er eine Absprunghöhe von 10 Metern erzielte. Ende
+desselben Jahres zog er dann fort nach den Rhinower Bergen zwischen
+Rathenow und der Dosse, wo sich Hügelketten bis zu 60 Meter Höhe
+befinden. Auf dem Stöller Berge fand er sogar eine Absprunghöhe von 80
+Metern. Die Senkung der Hügel betrug etwa 10 bis zu 20 Grad.
+
+Als Lilienthal zuerst hier übte, war er sehr ängstlich. Er sagte
+selbst: „Als ich in diesem Jahre zum erstenmal an diesem Bergabhange
+mein Flugzeug entfaltete, überkam mich freilich ein etwas ängstliches
+Gefühl, als ich mir sagte: Von hier ab sollst du nun in das tief da
+unten liegende, weit ausgedehnte Land hinaussegeln! Allein die ersten
+vorsichtigen Sprünge gaben mir bald das Bewusstsein der Sicherheit
+zurück, denn der Segelflug ging hier ungleich günstiger vonstatten, als
+von meinem Fliegeturme. Der Wind bäumte hier nicht so auf wie vor dem
+letzteren, wo ich jedesmal beim Passieren der Absprungkante einen
+ungleichmässigen Windstoss von unten empfing, der mir oft
+verhängnisvoll zu werden drohte.“
+
+Hier hat sich der einzige, allerdings glücklich verlaufene Unfall
+ereignet, der bei den zahlreichen Flügen vorgekommen ist, sowie auch
+der spätere Todessturz. Die erste Havarie fand auf dem Stöllen-Berge
+1895 statt. Der dabei benutzte Apparat hatte ein genaues, mit der
+Kreislinie fast zusammenfallendes Parabelprofil, bei dem der Pilot sich
+mit dem Hinterkörper bedeutend hintenüber legen musste, um in der Luft
+mit dem Apparat nicht vornüber zu schiessen. Lilienthal schildert
+seinen Unfall in der „Zeitschrift für Luftschiffahrt“ vom Jahre 1895,
+wie folgt: „Bei einem von grosser Höhe ausgeführten Segelfluge gab
+dies—Hintenüberlegen des Körpers—die Veranlassung, dass ich bei
+gestreckten Armen in eine Körperlage geriet, bei welcher der
+Schwerpunkt zu weit nach hinten lag, während es mir bei der bereits
+eingetretenen Ermüdung nicht möglich war, die Oberarme wieder
+vorzuziehen. Als ich so in 20 Metern Höhe mit etwa 15 Metern
+Geschwindigkeit dahinsegelte, richtete sich der hinten zu sehr
+belastete Apparat immer mehr auf und schoss schliesslich durch seine
+lebendige Kraft senkrecht in die Höhe. Ich hielt mich krampfhaft fest,
+sah nichts als den blauen Himmel mit weissen Wölkchen über mir und
+erwartete den Moment, wo der Apparat hintenüberschlagen würde, um meine
+Segelversuche vielleicht für immer zu beenden. Plötzlich jedoch hielt
+der Apparat im Ansteigen inne und ging rückwärts aus der Höhe wieder
+herab, lenkte in kurzem Kreisbogen durch den schräg aufwärts
+gerichteten Horizontalschweif mit dem Hinterteil wieder nach oben,
+stellte sich hierbei auf den Kopf und sauste nun mit mir aus etwa 20
+Meter Höhe senkrecht zur Erde hinunter. Mit klarem Bewusstsein, die
+Arme und den Kopf voran, den Apparat immer noch an den Handhaben
+festhaltend, stürzte ich dem grünen Rasen zu.—Ein Stoss, ein Krach, und
+ich lag mit dem Apparat auf der Erde. Eine Fleischwunde an der linken
+Seite des Kopfes, mit dem ich auf das Apparatgestell geschlagen war,
+und das verstauchte linke Handgelenk waren die einzigen schlimmen
+Folgen dieses Unfalles. Der Apparat war, so wunderbar es klingt, ganz
+unversehrt. Ich selbst sowohl wie mein Segelzeug waren gerettet worden,
+durch den elastischen Prellbügel, den ich wie durch eine höhere Fügung
+gerade zum ersten Male vorn am Apparat angebracht hatte. Der aus
+Weidenholz hergestellte Prellbügel selbst war vollkommen zersplittert,
+seine einzelnen Teile hatten sich fuss-tief in die Erde eingebohrt, so
+dass sie nur mit Anstrengung herausgezogen werden konnten.“
+
+Dieser Unfall gab zu einigen Veränderungen Veranlassung: Der
+Angriffspunkt der Hände wurde mehr nach hinten gerückt, und es wurde
+dafür gesorgt, dass der Oberkörper nicht mehr ganz hintenüberfallen
+konnte. Lilienthal schloss aus seinen früheren und späteren Versuchen,
+dass man die Profilfläche, trotz ihrer vorzüglichen Tragewirkung bei
+freien Segelflügen, nicht bis zu ein Zwölftel der Flügelbreite
+ausdehnen dürfe, sondern nur bis zu ein Fünfzehntel oder ein
+Achtzehntel.
+
+Um nicht mehr von der Windrichtung abhängig zu sein, errichtete er sich
+schliesslich im Jahre 1894 in Gross-Lichterfelde eigens einen
+kegelförmigen Hügeln von 15 Metern Höhe und 70 Metern Grundlinie, der
+oben zur Aufnahme der Flugapparate ausgebaut war. Die Höhe dieses
+Hügels wurde später auf 30 Meter vergrössert. Hier vermochte er nach
+allen Himmelsrichtungen abzufliegen. Viele Hunderte von Flügen hat
+Lilienthal mit grosser Sicherheit ausgeführt, so dass er schliesslich
+seine Versuche über den Gleitflug als abgeschlossen betrachten konnte.
+Er wollte nunmehr einen grossen Schritt weiter gehen und zum Bau einer
+Motor-Flugmaschine schreiten, die ein Gewicht von 40 Kilogramm erhielt
+bei einer Leistung von 2 1/2 Pferdestärke. Auf dem Stöllenberge bei
+Rhinow hatte er am 9. August wieder einen Gleitflug ausgeführt und
+dabei die Steuerung eines horizontalen Schweifes, der durch
+Kopfbewegungen betätigt wurde, versucht. Bei einem zweiten Fluge, der
+zunächst bis zur halben Länge in gerader Richtung vorwärts ging, neigte
+sich nach den Angaben eines Augenzeugen der Apparat plötzlich nach vorn
+und schoss pfeilschnell aus der Höhe von 15 Metern zur Erde, sich dabei
+überschlagend. Mit gebrochenem Genick wurde Lilienthal aus den Trümmern
+hervorgezogen, und am 10. August erlag er seinen schweren Verletzungen.
+
+[Illustration: Schematische Zeichnung Des Lilienthalschen Abflughügels:
+Der Abflug erfolgt oben von dem zur Aufbewahrung der Maschinen in den
+Hügel eingebauten Schuppen. Die obere Linie zeigt einen Gleitflug, bei
+dem durch aufsteigende Luftströmungen der Flieger gelegentlich wieder
+gehoben wird.]
+
+Dieser tragische Unglücksfall schreckte in Deutschland für die kommende
+Zeit ab, weitere Flugversuche zu unternehmen. Auch der Bruder
+Lilienthals befasste sich, von anderen Arbeiten in Anspruch genommen,
+nicht mehr mit der Flugfrage. Erst jetzt hat er das Studium wieder
+aufgenommen und ist im Begriff, einen Flugapparat zu erbauen.
+
+Man vergass über den Todessturz vollkommen die begeisterte Schilderung,
+die Lilienthal selbst 1894 von seinen Flugversuchen gegeben hat:
+
+„Man braucht bei diesem Segeln keine Kraftleistung und hat nur durch
+die Schwerpunktslage den Apparat zu steuern. Nebenbei ist es ein
+grossartiges Vergnügen, von den Bergen und Hügeln weit in das Land
+hinauszuschweben, so dass für die Laien wie für die Fachleute ein
+solcher Fliegesport ebenso unterhaltend wie lehrreich als auch
+kräftigend sich zeigt. Es ist keine einzige Belustigung im Freien
+denkbar, welche mit soviel Uebung in der Gewandtheit des Körpers, mit
+so viel Schärfung der Sinne und Förderung der Geistesgegenwart
+verbunden wäre, als dieses schwungvolle Dahingleiten durch die Luft.
+Wir können uns minutenlang in der Luft aufhalten, auf Strecken von
+mehreren hundert Metern mit Kurierzuggeschwindigkeit die Luft
+durchschneiden und dennoch sanft und gefahrlos uns wieder zur Erde
+niederlassen.“
+
+
+
+
+Nachfolger Lilienthals in England und Amerika.
+
+
+In England und Amerika hatte man sich inzwischen eifrigst mit der
+Verfolgung der Lilienthalschen Gedanken beschäftigt. In England war es
+besonders der Marine-Ingenieur Percy Sinclair Pilcher, der bereits im
+Jahre 1894 sich von Lilienthal einen Flugapparat kaufte, mit dem er
+zahlreiche Versuche anstellte. Naturgemäss kam er hierbei auch zur
+Entwickelung selbständiger Ideen, und er konstruierte sich, nachdem er
+verschiedene Versuche mit dem amerikanischen Kastendrachen von Hargrave
+angestellt hatte, mehrere eigene Apparate, die sich namentlich durch
+grössere Stabilität auszeichnen sollten als ihr deutsches Vorbild. Die
+Versuche mit Drachen führten Pilcher dazu, seine Apparate an einer
+Schnur auszuprobieren. Er liess eine 300 Meter lange Leine an dem
+Drachenflieger befestigen und durch galoppierende Pferde unter
+Benutzung einer Flaschenzug-Uebertragung gegen den Wind anziehen.
+Sobald nun der Flieger unter der Drachenwirkung hoch in der Luft
+schwebte, legte der Luftschiffer seinen Körper langsam vor, schnitt die
+Halteleine durch, um alsbald, in sanft absteigender Bahn gleitend,
+wieder zur Erde niederzukommen. Auch eine mit einem 4 PS.
+Petroleummotor versehene Flugmaschine hatte er gebaut. Am 30. September
+1899 wurden zu Stanfordpark bei Market Harborough verschiedene
+Angehörige des englischen Aeroklubs, dessen Mitglied er 1907 geworden
+war, auch der bekannte Flugtechniker Major Baden-Powell, zu Versuchen
+eingeladen. In der geschilderten Weise liess er seinen Flugapparat
+durch die Pferde in Bewegung setzen, die Leine wurde zerschnitten, und
+der Luftschiffer glitt wie ein grosser Vogel in sanftem Gleitfluge zur
+Erde. Nachdem die Startvorrichtung schnell wieder in Ordnung gebracht
+war, begann der zweite Versuch. Der Flieger kam, durch Regen beschwert,
+erst langsam in die erforderliche Geschwindigkeit und stieg dann bis
+auf eine Höhe von 10 Metern. Plötzlich brach das Schwanzruder mit
+lautem Krachen zusammen, der Apparat kippte, ähnlich wie bei
+Lilienthal, nach vorn über und fiel, sich überschlagend, zur Erde.
+Unter den Trümmern lag Pilcher bewusstlos und wimmernd. Mit Mühe
+konnten ihn zufällig anwesende Aerzte aus dem Trümmerhaufen
+herausziehen und nach Hause transportieren. Zwei Tage darauf starb er
+jedoch, ohne vorher das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Man
+vermutet, dass durch den Regen sich die Stricke verkürzten und das
+Gerüst des Hintersteuers durch gleichzeitige starke Beanspruchung
+brach. In England hat dann hauptsächlich Baden-Powell weitere Versuche
+in der Flugtechnik angestellt, die namentlich dazu führten, dass er für
+Kriegszwecke Drachen erbaute, mit Hilfe deren man Menschen in die Luft
+zu heben vermochte.
+
+[Illustration: Octave Chanute: Der erste Amerikanische Flugtechniker,
+Berühmter ingenieur und früherer Präsident des Vereins amerikanischer
+Ingenieure, 18. Februar 1838 in Paris geboren]
+
+In Amerika haben die Lilienthalschen Versuche besonders bei dem
+Ingenieur Octave Chanute Verständnis geweckt. Am 18. Februar 1832 in
+Paris geboren, kam er bereits als 6jähriges Kind nach Amerika. Chanute
+hat sich in seiner neuen Heimat einen bedeutenden Namen als Ingenieur
+im Eisenbahnwesen gemacht, wo er beim Bau von Bahnen eine sehr
+fruchtbare Tätigkeit entwickelt hat; manche gute Erfindung verdankt ihm
+ihre Existenz. Durch das Vertrauen seiner Landsleute wurde er
+seinerzeit zum Präsidenten des Vereins amerikanischer Ingenieure
+erwählt. Sein Interesse für die Luftschiffahrt ist auf die Jahre 1876
+und 1878 zurückzuführen. Zu jener Zeit sammelte er alle Projekte über
+Luftschiffahrt, deren er habhaft werden konnte. Da er aber durch seine
+Berufstätigkeit ausserordentlich in Anspruch genommen war, steckte er
+das neue Studium eines Tages wieder auf, band alle Schriftstücke zu
+einem Bündel zusammen und legte sie beiseite.
+
+[Illustration: Chanute-Leiter-Drachen 1895: Diese erste Konstruktion
+ist aus mehreren Kastendrachen zusammengesetzt]
+
+Erst 11 Jahre später gewann er wieder Zeit, sich mit seiner alten
+Lieblingsidee zu beschäftigen. Er machte eine Studienreise nach Europa,
+deren Ergebnis er nach seiner Rückkehr in verschiedenen Vorträgen und
+Artikeln niederlegte. Damals schrieb Chanute das in Luftschifferkreisen
+weltberühmte Buch: „Progress in Flying Machines“—Fortschritte auf dem
+Gebiete der Flugmaschinen—, in dem er eine kritische Uebersicht aller
+bis dahin gemachten Experimente gab. Er war zu der Ansicht gekommen,
+dass namentlich der Gleichgewichtsmangel ein Haupthindernis aller
+Fortschritte sei. Sein Streben ging deshalb dahin, diesen Mangel zu
+beseitigen. Er machte unzählige Versuche mit den verschiedensten Formen
+von Flächen und kam zu dem Resultat, dass sein Leiter-Drachen, bei dem
+die Tragezellen durch ein Diagonal-Rahmenwerk in jeden beliebigen
+Winkel zur Luftströmung eingestellt werden konnten, die besten
+Resultate ergab. Der einer Trittleiter sehr ähnlich sehende, aus drei
+kastenförmigen Hargrave-Drachen zusammengesetzte Flieger erwies sich
+als ausserordentlich stabil. Chanute erbaute alsdann einen Gleitflieger
+in einer solchen Grösse, dass ein Mann durch die Fläche getragen werden
+konnte.
+
+[Illustration: Mehrdecker-Gleitflieger von Chanute (Sechste
+Konstruktion) 1896]
+
+In seinen Veröffentlichungen gab er damals der Ansicht Ausdruck, es sei
+nötig, bei den Versuchen sehr vorsichtig zu Werke zu gehen, was dazu
+führte, dass man mit leichtem Hohne ihm vorwarf, dieser Rat sei wohl
+leicht zu geben, aber schwer zu befolgen. Nunmehr wollte er seine
+Ratschläge in die Tat umsetzen und baute einen Vieldecker nach dem
+Prinzip seines Leiter-Drachens, der am Mittelgestell mehrere Paar sich
+um ihre Achse drehende Flügel besass, die durch Federkraft in Spannung
+gehalten wurden. Hierin besteht ein wesentlicher Unterschied seiner
+Konstruktion vor derjenigen Lilienthals. Während dieser das
+Gleichgewicht durch die Bewegung seiner Beine halten musste, wurde bei
+dem Chanuteschen Apparat das Gleichgewicht automatisch durch den Wind
+gehalten, der die Flügel selbsttätig je nach seiner Kraft in eine
+geringere oder grössere Neigung einstellte. Die neue Maschine erwies
+sich als sehr stabil, als sie im freien Segelfluge nach Lilienthalscher
+Art in Sanddünen am Michigansee, zirka 50 Kilometer von Chicago
+entfernt, versucht wurde. Jedoch war der Neigungswinkel zu steil. Als
+Uebelstand zeigte sich, dass die vorderen Flügel die Luft nach abwärts
+führten und dadurch die Tragkraft der übrigen verminderten. Chanute
+brachte nacheinander bis zu fünf Paar Flächen am vorderen Teile an, und
+der Neigungswinkel wurde dadurch verringert, bis er etwa dieselbe
+Neigung erhielt, wie bei den Lilienthalschen Gleitfliegern.
+
+[Illustration: Chanute-Doppeldecker im Fluge zu Dune-Park 1896]
+
+Im Dezember 1895 gewann sich Chanute die Hilfe des Ingenieurs Herring,
+der sich schon mehrere Jahre mit aviatischen Versuchen beschäftigte und
+einen seiner Lilienthalschen Flieger, die er schon in New York erprobt
+hatte, für weitere Versuche umbaute.
+
+Beim weiteren Ausbau seiner Apparate stellte Chanute zur Verminderung
+des Luftwiderstandes einen Dreiflächenflieger her, aus dem sich
+schliesslich der Doppeldecker entwickelt hat, der jetzt bei grosser
+Haltbarkeit durch eine sinnreiche
+Brücken-Diagonal-Tragband-Konstruktion nur ein Minimum von Material
+erfordert. An diesen Apparaten war ein sehr praktischer
+selbstregulierender Mechanismus angebracht, den Herrings erfunden
+hatte. Die praktischen Segelflugversuche wurden im Dune-Park im Jahre
+1896 ausgeführt. Im ganzen machten Chanute selbst sowie seine
+Assistenten, Herring, Avery und Butusoff, etwa 2000 Gleitflüge ohne den
+geringsten Unfall, wenn auch die Flugmaschine in einigen Fällen leicht
+beschädigt wurde.
+
+[Illustration: Chanute-Doppeldecker zu Dune-Park 1896]
+
+Im Jahre 1902 baute Chanute einen dritten Typ, bei dem das
+Gleichgewicht durch Vor- und Zurückschwingen der Flügel um ihre Achse
+gehalten wurde. Dieser Dreidecker hatte ausgezeichnete Resultate und
+wurde den Brüdern Wright zu Versuchen übergeben. 1904 stellte Chanute
+zu St. Louis einen Apparat zum Vorwärtsziehen eines Gleitfliegers aus;
+er hatte dabei die Experimente Pilchers vor Augen, der, wie schon
+erwähnt, seine Flugmaschine durch Pferde in die Luft fierte. Chanute
+benutzte zum Hochfieren seiner Apparate einen auf einen Wagen gesetzten
+Dynamo.
+
+ In der Folge gab er aber, als die Brüder Wright immer mehr
+ hervortraten, seine Experimente auf. Einerseits veranlasste ihn hierzu
+ sein hohes Alter—er ist gegenwärtig 77 Jahre alt—und anderseits war er
+ zu den Wrights in nähere Beziehungen getreten und hatte in ihnen Leute
+ schätzen gelernt, die mit grosser Energie und Sachkenntnis sich dem
+ Flugproblem widmeten. Ihre mechanischen Vorkenntnisse, ihre grosse
+ Praxis in der Kleinmechanik und ihre körperliche Behendigkeit
+ befähigten die beiden seiner Ansicht nach, das Werk zu einem
+ durchschlagenden Erfolge zu führen. Er hat ihnen deshalb nach Aufgabe
+ seiner Versuche soviel wie möglich geholfen; er ist ihnen mit dem
+ reichen Schatz seiner Erfahrungen beigesprungen und bei ihren
+ Berechnungen behilflich geworden. Später, als man den Mitteilungen
+ über die Erfolge Wrights nirgends Glauben schenken wollte, hat er sich
+ durch Wort und Schrift bemüht, ihnen die verdiente Anerkennung zu
+ verschaffen. Wenn in der Geschichte der Luftschiffahrt das Wirken der
+ Wrights gewürdigt wird, so darf man keinesfalls den Namen Chanute
+ dabei vergessen, der in selbstloser Weise im Interesse der Flugtechnik
+ gewirkt hat.
+
+[Illustration: Chanute-Gleitflieger: Beim Beginn des Starts von vorn
+gesehen. 1904]
+
+
+
+
+Die Gleitflugversuche der Brüder Wright.
+
+
+Wilbur Wright schildert seinen und seines Bruders aeronautischen
+Werdegang eingehend in der Zeitschrift des Vereins der
+westamerikanischen Ingenieure vom Dezember 1901 unter dem Titel: Einige
+aeronautische Versuche (Some Aeronautical Experiments). Das in der
+Jugend schon bezeigte Interesse an Flugversuchen wurde bei Wilbur
+Wright zuerst wieder im Jahre 1896 neu geweckt, als der Telegraph die
+Nachricht nach Amerika brachte, dass der deutsche Flugtechniker
+Lilienthal bei seinen aufsehenerregenden Experimenten abgestürzt und
+umgekommen sei. Er begann darüber nachzudenken, wodurch wohl der Sturz
+dieses Mannes hervorgerufen worden sei, der doch schon eine grosse
+Anzahl von Flügen glücklich ausgeführt hatte. Zunächst studierte er die
+modernen Bücher, die sich namentlich mit dem Vogelflug beschäftigten,
+so besonders das Werk von Professor Marey. Als bald darauf auch sein
+Bruder Orville sich für das Flugproblem zu interessieren begann,
+beschlossen beide, praktische Versuche zu unternehmen. Die meisten
+Misserfolge hatten nach ihrer Ueberzeugung ihren Hauptgrund in
+ungenügender praktischer Uebung der Fliegekunst. Sie rechneten sich
+aus, dass Lilienthal während 5 Jahren im ganzen nur ungefähr 5 Stunden
+im freien Fluge zugebracht habe. Als Fachleute in der Fahrradtechnik
+verglichen sie diese Studienzeit mit den Vorübungen eines Radfahrers,
+der doch auf keinen Fall in lebhaften Strassen fahren könne, wenn er
+nur 5 Stunden lang Fahrversuche angestellt hätte. Freilich, Lilienthal
+hatte—das mussten sie anerkennen—bei seiner geringen Uebungszeit
+ausserordentlich viel gelernt und eine Steigerung der Dauer eines
+ununterbrochenen Fluges auf 10 Sekunden musste man schon als gewaltigen
+Fortschritt betrachten.
+
+[Illustration: Wright-Gleitflieger 1901: Der Lenker schmiegt sich nach
+dem durch anlaufen gegen den Wind erfolgten Start aus der Hängenden
+Stellung in die Wagerechte Lage]
+
+Sie beschlossen, eine Maschine zu erbauen und sie bei einer Windstärke
+von etwa 28 Kilometer Geschwindigkeit pro Stunde zu erproben. Von
+vornherein sollten die Proben zunächst an einer Schnur wie bei einem
+Drachen, vorgenommen werden. Der anfänglich grösser geplante
+Gleitflieger wurde etwa 18 Quadratmeter gross gemacht. Die Maschine war
+ein Doppeldecker mit zwei grossen Trageflächen nach dem System
+Chanutes. Doch hatten die Brüder schon ganz wesentliche Aenderungen an
+ihrer Maschine vorgenommen. Der sonst übliche „Schwanz“ war
+fortgelassen und durch eine kleinere Tragfläche ersetzt, die sich vor
+den Hauptflächen befand. Hierdurch gedachten sie ein Kippen des
+Apparates zu verhindern, indem der Winddruck durch die Wirkung auf die
+kleine Fläche als Gegenlast zu den grossen diente. Eine weitere
+grundsätzliche Aenderung bestand darin, dass der Pilot nicht, wie es
+bisher immer geschehen war, sich in aufrechter, sondern in liegender
+Stellung befand.
+
+Ueber die Vorteile der horizontalen Lage des Luftschiffers im
+Gleitflieger hat sich Wilbur Wright wiederholt geäussert. Hauptsächlich
+betont er, dass der Widerstand eines Körpers gegen die Luft in
+aufrechter Stellung fast dreimal so gross ist als in waagerechter
+Haltung. Während Lilienthal und seine Nachfolger Chanute, Herrings und
+Pilcher annahmen, dass pendelnde Bewegungen der Beine nach vorn,
+rückwärts und nach den Seiten wesentlich zur Sicherheit des Fluges und
+zur Erhaltung des Gleichgewichts beitrügen, sind die Wrights durch ihre
+jahrelangen Versuche zur Erkenntnis gekommen, dass gerade ihre Lage
+beim Fliegen bedeutende Vorzüge biete. Vor allen Dingen finden wir bei
+ihnen das Bestreben, sich möglichst eins mit der Maschine zu fühlen.
+Sie gehen dabei von der ganz richtigen Annahme aus, dass sie dadurch
+die kleinsten Gleichgewichtsstörungen leichter bemerken und ihnen durch
+geringe Verschiebungen in der Lage ihres Körpers entgegenwirken können.
+Auch die Lenkbarkeit ist in dieser Stellung grösser. Wenn der Wind
+plötzlich einen grösseren Druck auf die Tragflächen ausübt, wird die
+Schrägstellung viel leichter bewirkt, wenn der Aviatiker nur mit den
+Armen in der Maschine hängt, als wenn er darin liegt, denn der
+pendelnde Körperteil des Menschen wird bei solchen Veränderungen der
+Tragflächenlage nicht mitbetroffen, weswegen der Widerstand gegen
+derartige Gleichgewichtsstörungen in diesem Falle viel geringer ist.
+Nur bei der Abfahrt und beim Landen bietet die hängende Lage Vorteile,
+weil der Pilot keiner fremden Hilfe bedarf und allein gegen den Wind
+anlaufen kann. Die Wrights nun mussten entweder, wie sie zuerst taten,
+mit ihrem Apparat gegen den Wind anlaufen und sich, sobald der Flieger
+ins Schweben kam, turnend in liegende Stellung bringen, oder aber, wie
+sie es zuletzt taten, durch zwei Leute in die Luft fieren lassen.
+Ebenso konnten sie bei der Landung durch ihre Beine leichter den Stoss
+federnd auffangen. Für längere Gleitflüge nun ist die hängende Lage
+ausserordentlich ermüdend. Auch die ausgleichenden Bewegungen gegen die
+Gleichgewichtsstörungen erfordern einen unverhältnismässig grossen
+Kraftaufwand, der lange Flüge überhaupt ausschliessen würde. In
+horizontaler Lage fallen diese Kraftanstrengungen überhaupt fort, da
+die Maschine schon infolge grösserer Trägheit schwerer die Tendenz der
+Stabilität verlieren wird. Dass die Art dieser Gleitflüge nur auf
+weichem Boden ausführbar wäre, sei allerdings der Nachteil, immerhin
+aber sei die Gefahr, sich beim Landen zu verletzen, weit geringer, als
+man annähme. Die Brüder haben Landungen nach beiden Methoden versucht
+und sich bei keiner verletzt. Das seitliche Gleichgewicht und die
+Steuerung, die bei Lilienthal und Chanute durch die Bewegung des
+Luftschiffers hervorgerufen wurde, sollte schon bei dem ersten
+Wrightschen Apparat durch eine Krümmung der Haupttragefläche bewirkt
+werden, auf deren nähere Beschreibung wir weiter unten zurückkommen
+wollen.
+
+[Illustration: Wright Gleitflieger im Segelfluge 1902]
+
+Ein hervorragend geeignetes Flugfeld wurde in Kitty Hawk in
+Nordkarolina gefunden, einem kleinen Orte auf der Landzunge, die
+Albe-Marle-Sund vom Atlantischen Ozean scheidet. Zunächst liessen die
+Brüder Wright den Gleitflieger wie einen Drachen bei einer
+Luftströmungsgeschwindigkeit von 40-50 km in der Stunde steigen, wobei
+die Flächen sich unter einem Winkel von etwa 3 Grad einstellten. Sobald
+aber der Flieger mit einer Person belastet wurde und bei einem Wind von
+40 km aufstieg, stellten sie sich auf 20 Grad. Es ergab sich nun aber
+bald, dass an schönen Tagen Winde von 50 km in der Stunde, die eine
+bedeutend grössere Hubkraft zeigten, seltener waren, und dass es
+deshalb unmöglich war, Tag für Tag und Stunde für Stunde zu üben. Durch
+die Versuche erkannte man auch schon, dass die seitliche Stabilität
+weit besser gehalten werden konnte, wenn man die Trageflächen durch
+Hebel drehte, als wenn der Luftschiffer durch Körperbewegungen
+Gleichgewichtsstörungen entgegen wirken wollte. Bei den Versuchen an
+einer Schnur wurden die Steuerhebel von unten aus durch Leinen bewegt.
+
+[Illustration: Wright-Gleitflieger: in den Sanddünen zu Kill Devil Hill
+am atlantischen Ozean 1902]
+
+Die Zeit, in der praktische Uebungen mit dem bemannten Flieger nicht
+angestellt werden konnten, wurde dazu benutzt, Messungen von Hub und
+Zug bei verschiedenen Belastungen und mit verschiedenen
+Krümmungsgrössen der Flächen zu unternehmen. Hierbei stellte es sich
+heraus, dass das Krümmungsverhältnis von 1:22—Krümmung zur Tiefe der
+Tragfläche—das sie bei ihrer ersten Konstruktion angewandt hatten,
+einen nicht so guten Hub ergab, als das Verhältnis 1:12.
+
+Die Gleitflugversuche wurden 6 km südlich von Kitty Hawk von dem
+Kill-Devil-Sandhügel unternommen, der bei einer Neigung von 9,5 Grad
+eine Höhe von 35 m hat. Die Brüder wagten jedoch erst dann vom Boden in
+die Luft zu springen, wenn der Wind etwa eine Stundengeschwindigkeit
+von über 20 km besass. Zunächst rannte der Experimentator von einer
+Stelle etwas unterhalb des Gipfels gegen den Wind vorwärts, schwang
+sich in die Luft und turnte dann schnell in die liegende Stellung. Da
+dies immer die Stabilität sehr störte, wurden die Gleitflüge bald mit
+Hilfe zweier an den Seiten der Flächen stehenden Leute eingeleitet,
+welche die Maschine führten und mit ihr eine Strecke vorwärts liefen.
+Die Landung erfolgte wider Erwarten ausserordentlich leicht. Wenn auch
+die Geschwindigkeit des Fluges 35 km in der Stunde betrug, so nahm doch
+weder der Flieger noch der Fahrer irgendwelchen Schaden. Die Maschine
+gehorchte ausserordentlich leicht auch den leisesten Bewegungen der
+vorn angebrachten Steuerflächen.
+
+Nachdem die Gleitflugversuche des Jahres 1900 beendet waren, fassten
+die Wrights die gewonnenen Resultate zusammen und stellten folgende
+Sätze auf:
+
+1. Praxis ist der Schlüssel des Fluggeheimnisses.
+2. Der Luftschiffer soll sich in horizontaler Lage befinden.
+3. Eine schmale Tragfläche, die eine umgekehrte Neigung hat als die
+Haupttrageflächen, ist zur Steuerung erforderlich.
+4. Die Steuerung muss bewirkt werden können, ohne dass der Pilot seine
+Stellung verändert, und endlich
+5. die seitliche Stabilität wird weit besser durch Verwinden der
+Trageflächen gewährleistet, als durch Körperbewegungen.
+
+
+Im Jahre 1901 vergrösserten die Wrights ihre Maschine auf 35
+Quadratmeter und gaben den Trageflächen eine Wölbung von 1:12. Somit
+waren sie, was Grösse der Trageflächen und ihre Wölbung anbelangt, auf
+dieselben Grössen gekommen, wie sie von Lilienthal anfänglich
+konstruiert waren. Dieser hatte zwar eine geringere Wölbung 1:15 bzw.
+1:18 zuletzt angewendet, aber er hatte festgestellt, dass die grösste
+Hubkraft bei einer Krümmungsflache von 1:12 vorhanden war, jedoch
+gleichzeitig auch erfahren, dass das Gleichgewicht hierbei schwerer zu
+halten war. Am 27. Juli begannen im Beisein Chanutes die neuen
+Versuche, die bald zu einer Verringerung der Krümmung führten. Nach
+kurzer Zeit schon gelang es ihnen wieder die alte Praxis zu erwerben
+und 100 Meter weit zu gleiten; nach mehreren Tagen bereits konnten sie
+schon in einem kräftigeren Winde von 25 bis zu 45 km Geschwindigkeit
+durch die Luft segeln. Die Erfolge bewirkten, dass die Wrights, die
+ursprünglich das Fliegen nur als Sport betrachteten, nunmehr
+wissenschaftlich die einschlägigen Fragen zu lösen versuchten. Sie
+bauten sich mehrere Modellmaschinen für Winddruckmessungen und machten
+eine grosse Reihe von Versuchen mit den verschiedensten Oberflächen,
+die unter einem Winkel von 0-45° in Intervallen von 2-1/2 Grad
+eingestellt waren.
+
+So theoretisch wohl vorbereitet nahmen sie im August 1902 auf dem alten
+Felde bei Kitty Hawk ihre Versuche wieder auf. Im Jahre 1900 hatte die
+Breite ihres Fliegers 5,64 Meter betragen, die Tiefe 1,52 Meter, die
+gesamte Oberfläche mit Steuer 15,6 Quadratmeter und das Gewicht 21,8
+Kilogramm. 1901 wurden die Grössenverhältnisse auf folgende Zahlen
+gebracht: Breite 6,7 Meter, Tiefe 2,13 Meter, Oberfläche 21,0
+Quadratmeter, Gewicht 45,5 Kilogramm; 1902 auf 9,75 Meter, 1,52 Meter,
+28,4 Quadratmeter und 53,0 Kilogramm.
+
+Der Abstand der in Etagen angeordneten Haupttrageflächen betrug etwa
+1,40 Meter. Das vertikale Horizontalsteuer wurde verdoppelt und mit
+seiner 1,3 Quadratmeter grossen Fläche wie ein zweiteiliger Schwanz an
+der hinteren Seite angebracht. Das Gestell, bestand aus Fichtenholz,
+das mit Stahldrähten in Brückenkonstruktion zusammengehalten wurde. Das
+Verspannen der Drähte war auf geniale Weise durchgeführt in der Weise,
+dass man beliebig später die Drähte anziehen oder lösen konnte. Als
+Material war Klaviersaitendraht benutzt worden. Die Bespannung der
+Flächen war mit Ballonstoff erfolgt, der eine geringe oder fast gar
+keine Durchlässigkeit für die Luft besitzt. Die erste Konstruktion aus
+durchlässigem Stoff hatte sich als ungeeignet erwiesen.
+
+[Illustration: Wrights Gleitflieger 10. Oktober 1902: Der Start erfolgt
+mit Hilfe zweier Personen, die mit dem Flieger gegen den Wind einen
+Sandhügel hinab laufen. Der Lenker befindet sich hierbei in wagerechter
+Lage.]
+
+Wieder wurden die Versuche zunächst an einer Fesselleine ohne Bemannung
+begonnen, und erst, als die Stabilität der neuen Maschinen
+unzweifelhaft feststand, begannen die Brüder mit den Gleitversuohen.
+Beide erlangten alsbald eine ausserordentliche grosse Uebung und
+lernten vor allen Dingen den Einfluss des mit wechselnder Richtung und
+Kraft blasenden Windes kennen. Natürlich blieben den beiden auch
+Unfälle nicht erspart, und gelegentlich erlitt auch ihre Maschine
+einige Havarien. Doch im allgemeinen sind diese Zwischenfälle nur
+gering zu nennen gegen die grosse Anzahl der Flüge. Insbesondere ist es
+bemerkenswert, dass die Landungen normalerweise immer sehr sanft vor
+sich gingen. Der Flugmaschine hat man bekanntlich gerade vorgeworfen,
+dass die Landungen meist mit sehr heftigem Stosse von statten gehen
+müssten, weil die Hilfe des Gasauftriebes fehle. Der Vergleich, den man
+hierbei mit der Landung eines Freiballons gezogen hat, hat sich als
+genau so unzutreffend erwiesen, wie bei den Landungen mit schweren
+Motorballons, deren Niedergehen auf die Erde man sich ohne heftigen
+Stoss gar nicht vorstellen konnte. Vorzüglich bewährte sich gerade bei
+den Landungen das vordere Höhensteuer, das, im letzten Moment etwas
+gehoben, die Landung besonders sanft gestaltete.
+
+[Illustration: Wilbur Wright: in wagerechter Lage in seinem
+Gleitflieger von unten gesehen (1902)]
+
+Die Gleitversuche gelangen schliesslich in diesem Jahre auch bei
+Windgeschwindigkeiten bis zu 16,7 Metern in der Sekunde. Die Flugdauer
+betrug im allgemeinen bis zu 15 Sekunden, doch wurde sie schliesslich
+schon bis zu 26 Sekunden gesteigert. Im ganzen wurden im Jahre 1902
+etwa 1000 Flüge unternommen, deren längster bei einer Flugdauer von 26
+Sekunden eine Strecke von 622,5 Metern betrug.
+
+[Illustration: Die Maschine mit der Startvorrichtung, von oben gesehen:
+Rechts der Turm mit dem auf der Erde liegenden Fallgewicht, vom Turm
+aus führt die Leine zur Startschiene]
+
+Nunmehr fassten die Brüder den Plan, einen Motor in ihre Maschine
+einzubauen; sie nahmen deswegen zunächst eingehende Messungen vor über
+die Hubkraft ihres Apparates und stellten fest, welche Motorkraft zum
+Heben ihrer Maschinen bei den verschiedenen Windgeschwindigkeiten
+erforderlich war. Das Gewicht der Maschine von 1902 betrug 53,0
+Kilogramm, dazu kamen die Gewichte der beiden Piloten: Wilbur Wright
+61,4 Kilogramm und Orville Wright 65,2 Kilogramm, so dass also im
+ganzen entweder 114,4 Kilogramm oder 118,2 Kilogramm zu heben waren. Es
+stellte sich heraus, dass bei 25 km Windgeschwindigkeit die Hubkraft
+etwa 1-1/2 PS betrug, bei 40 km Geschwindigkeit 2 PS. Die Landung ging
+meist in einem Winkel vor sich, der zwischen 6 Grad 10 Min. und 7 Grad
+20 Min. schwankte. Durch diesen geringen Winkel wurde die Landung
+ebenfalls sehr erleichtert. Anfangs des Jahres 1903 wurden diese
+Versuche noch weiter fortgesetzt, und gelegentlich, bei starkem Winde
+vermochte Wilbur Wright 72 Sekunden in der Luft zu bleiben, wobei er
+durch den Wind zeitweise über derselben Stelle am Boden in der Luft
+gehalten oder zurückgetrieben wurde. Die zurückgelegte Strecke betrug
+bei diesem Rekordflug nicht mehr als 30 Meter. Der geplante
+Motorflieger war für ein Gewicht von 300 kg berechnet und sollte 8 PS
+besitzen. Die Schrauben waren sehr einfach konstruiert und den in der
+Schiffahrt angewandten nachgeahmt. Bei den Motorproben veränderten sie
+jedoch die Form ihrer Schrauben und gelangten zu der Form, die noch
+heute ihre Maschine besitzt. Der Nutzeffekt betrug ursprünglich 66
+Proz., demnach ein Drittel mehr als bei den Schrauben, welche die
+Flugtechniker Maxim und Langley angewandt hatten; heute soll er über 70
+Proz. betragen. Ende 1903 begannen sodann die Flugversuche mit dem
+Motorflieger.
+
+[Illustration: Vorbereitungen zum Start: Mehrere Personen ziehen an
+Seilen das Fallgewicht in die Höhe. Das aus eisernen Ringen bestehende
+Gewicht befindet sich in dem Turm gerade in Mannshöhe. Deutlich ist die
+Verbindung des Seiles, das vom Gewicht die Erde entlang zum Flieger
+führt, zu sehen]
+
+
+
+
+Der Motorflieger der Wrights.
+
+
+Bei der Arbeit hatte die Flugmaschine verschiedene Veränderungen
+erfahren. Der Motor erhielt 16 PS und wog, Vergaser und Schwungrad
+eingeschlossen, 62,7 Kilogramm. Es wurden zwei Propeller unmittelbar
+hinter den Haupttrageflächen angebracht, die sich in verschieden
+gerichtetem Sinne mit 1200 Touren in der Minute drehten. Der Motor,
+Viertakt-Benzinmotor mit 4 Zylindern, war in der Fabrik der Wrights
+gebaut. In einer Stunde wurden 4,5 Kilogramm Benzin verbraucht.
+
+Die Trageflächen hatten eine Breite von 12,25 Metern, eine Tiefe von
+6,12 Metern und eine Oberfläche von 48 Quadratmetern. Am 17. Dezember
+1903 wurden an einem kalten und windigen Tage zu Kill Devil bei Kitty
+Hawk in Gegenwart von nur 5 Personen die ersten Flugversuche mit dem
+Motorflieger unternommen. _Dieser Tag ist demnach als Geburtstag der
+ersten freifliegenden mit eigener Kraft vorwärts getriebenen
+Flugmaschine anzusehen_. Allerdings hatte bereits im Jahre 1898 der
+schon erwähnte Flugtechniker Herring am Michigansee einen 9 Sekunden
+langen Flug mit einem Flieger ausgeführt, aber die Wiederholung gelang
+nicht; es war eben nur ein Sprung unter günstigen Verhältnissen
+gewesen.
+
+[Illustration: Der Flieger beim Start am Ende seiner Ablaufschiene: Von
+einem Militärballon bei Rom aufgenommen. In der Mitte des Bildes steht
+ein Offizier, rechts sitzen einige Soldaten]
+
+Der Anflug erfolgte von einem 60 m hohen Hügel, die
+Windgeschwindigkeit, die mit einem Anemometer gemessen wurde, betrug
+9,72 m in der Sekunde zur selben Zeit, als der Windmesser der
+meteorologischen Station zu Kitty Hawk etwa 12 m in der Sekunde
+registrierte. Die Anfahrt wurde genau gegen den Wind gerichtet. Der auf
+Schlittenkufen montierte Apparat glitt mittels eines nur 20 cm hohen
+Rades auf einer Holzschiene zunächst etwa 10,25 m vorwärts und erhob
+sich bei Einstellung des Steuers in schräger Richtung bis zu einer Höhe
+von etwa 3 Metern, in welcher er in gerader Linie weiterflog. Der erste
+Flug dauerte 12 Sekunden. Dies ist zwar eine bescheidene Leistung, war
+jedoch von allerhöchster Bedeutung, da nunmehr die Konstrukteure sicher
+waren, dass ihr Flieger mit Motor genau so stabil in der Luft war, wie
+früher ihr Gleitflieger. Ein zweiter und dritter Versuch dauerte schon
+etwas länger, und endlich bei dem vierten Versuch wurde eine Strecke
+von 260 Metern in 59 Sekunden zurückgelegt. Die letzte Landung ging nur
+deshalb so früh vor sich, weil der Führer das Steuer eine Kleinigkeit
+zu stark gedreht hatte. Die Maschine folgte sofort diesem leisen Druck
+und kam zum Boden herab, ehe der Pilot das Steuer wieder umzustellen
+vermochte. Die Geschwindigkeit über dem Erdboden betrug 14,47 Meter in
+der Sekunde, in der Luft bis zu 15,65 Meter.
+
+[Illustration: Der Drachenflieger 6 m über dem Felde: Von vorn
+seitwärts gesehen. Aufnahme aus einem Militärballon bei Rom. Im
+Hintergrunde sieht man aus der Vogelperspektive Fussgänger, Reiter und
+Fahrzeuge an der sich hell abhebenden Strasse]
+
+Als jedoch nach der Landung Wrights mit ihren Gästen die Resultate
+dieses bedeutsamen Tages besprachen, achteten sie in begreiflicher
+Erregung nicht genügend auf ihre Maschine. Ein plötzlicher Windstoss
+hob den Apparat empor, und obgleich einer der Zuschauer, ein Mann von
+herkulischer Gestalt, hinzusprang und ihn noch an den Trageflächen zu
+halten versuchte, wurde er umgerissen, der Flieger vom Winde
+emporgehoben und mit solcher Gewalt auf die Erde geworfen, dass er
+schwere Beschädigungen erlitt. [Footnote: The Wright Brother’s
+Aeroplane of Orville und Wilbur Wright,—The Century Magazine, September
+1908.]
+
+[Illustration: Die erste Flugschule der Welt: Wilbur Wright erklärt
+seinen Schülern Tissandier, Kapitän Lucas Gerardville und Graf Lambert
+die Flugmaschine. Orville Wright steht neben seinem Bruder. Rechts ist
+deutlich die gekreuzte Kette sichtbar, welche die Bewegung vom Motor
+auf die linke Schraube überträgt.]
+
+Hierdurch erfuhren die Versuche eine Unterbrechung, und da gleichzeitig
+der Winter zu weit vorgeschritten war, begaben sich die Brüder mit den
+Resten ihrer Maschine in ihre Heimat zurück. Hier machten sie sich
+sofort an die Wiederherstellung bzw. an den Neubau ihres Fliegers. Als
+wesentliche Aenderung ist hierbei der Einbau eines Motors von 25 PS zu
+bemerken. Nunmehr wurden die Versuche auf der Huffmann-Prärie bei
+Simms-Station, 17 Kilometer östlich von Dayton in Ohio, fortgesetzt.
+Bankdirektor Huffmann, der Besitzer dieses Landes, stellte den Brüdern
+ein geeignetes Terrain zur Verfügung. Die Versuche begannen im August
+1904. Die Fortschritte waren anfangs nur gering, weil das schlechte
+Wetter und heftige Regengüsse die Experimente sehr störten. Ausserdem
+machte ihnen die Erhaltung des Gleichgewichtes noch viele
+Schwierigkeiten; sie sahen ein, dass sie von der Lösung dieser
+wichtigen Frage noch weit entfernt waren. Wir sehen sie deshalb
+fleissig weiter üben bis zu Ende des Jahres. Nur im Juli werden die
+Flüge zeitweise ausgesetzt. Am 15. September bereits konnten sie 800
+Meter mit einer Kurve zurücklegen, und am 26. September wird ein
+vollkommener Kreisflug zustande gebracht, bei dem nach den Messungen
+eines Richardschen Anemometers 1630 Meter in der Luft und 1400 Meter
+über dem Boden zurückgelegt wurden. Die Angaben des Windmessers hatten
+bei ruhiger Luft stets mit der gemessenen Distanz übereingestimmt. Die
+längsten Flüge fanden am 9. November und am 1. Dezember statt. An
+diesem Tage wurden 4-1/2 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von 51
+Kilometer in der Stunde zurückgelegt. Am 9. November war der mit einem
+Passagier bemannte Flieger noch mit fünfzig Pfund, am 1. Dezember sogar
+mit 70 Pfund Eisenstangen belastet worden. Die Geschwindigkeit betrug
+60 Kilometer in der Luft und 75 Kilometer über dem Boden. Am 9.
+November erreichte die Flugdauer 5 Minuten 4 Sekunden, am 1. Dezember 4
+Minuten 52 Sekunden. Im ganzen wurden im Jahre 1904 105 Landungen
+ausgeführt. Im Frühjahr 1905, bei Beginn der besseren Jahreszeit,
+wurden die Versuche fortgesetzt, aber erst am 6. September gelang es,
+durch Zurücklegung von 4,5 Kilometer den Rekord des Vorjahres zu
+schlagen. Am 26. September legten sie eine Strecke von 17,961
+Kilometern—10 englische Meilen—in 18 Minuten 9 Sekunden zurück. Das
+Benzinreservoir reichte damals für 20 Minuten, jedoch gingen immer
+einige Minuten bei dem Ingangsetzen des Motors verloren. Am 29.
+September wurden sogar 19,57 Kilometer in 19 Minuten und 55 Sekunden
+durchmessen.
+
+[Illustration: Wilbur Wright macht eine Fahrt mit Frau Hart O’Berg:
+Deren Kleider unten durch eine Schnur zusammengehalten werden.]
+
+[Illustration: Hölzerne Startschiene: Im Hintergrunde der Turm mit dem
+Fallgewicht]
+
+Bei allen diesen Versuchen führten die Wrights schon Wendungen aus, bei
+denen sie häufig über den Köpfen der Zuschauer mehrfach hin und her
+flogen und fast immer zu ihrem Landungsort zurückkehrten. Schnell
+steigerte sich nun die Flugdauer, nachdem die Erfinder ein grösseres
+Benzinreservoir eingefügt hatten. Am 3. Oktober betrug die
+zurückgelegte Strecke bereits 24,5 Kilometer, die in 25 Minuten und 5
+Sekunden durchflogen wurden, am 4. Oktober 33,45 Kilometer in 33
+Minuten und 17 Sekunden, und am 5. Oktober deckten die Piloten eine
+Strecke von 38,956 Kilometern in 38 Minuten und 3 Sekunden. Dies war
+der Rekord, den sie in der Nähe von Dayton erreichten.
+
+Natürlicherweise erlitten sie auch mehrfach Pannen. Gelegentlich
+erhitzte sich ein Lager oder der Motor wurde warm, das Oel ging
+vorzeitig aus und was der Kinderkrankheiten noch mehr sind. In der
+Folge wohnten viele Einwohner von Dayton ihren Flügen bei, aber man
+sprach sich in den Zeitungen sehr wenig anerkennend darüber aus. Es
+wurde über die kurze Dauer der Flüge gespottet, was darin seinen Grund
+hatte, dass man von den langen Flügen der europäischen Lenkballons
+gelesen hatte und einen Unterschied zwischen dem Flug eines
+aerostatischen und eines aerodynamischen Luftschiffes nicht zu machen
+vermochte. Die Leute hielten beides für dasselbe und würdigten deshalb
+die hervorragenden Leistungen ihrer Landsleute absolut nicht. In den
+absprechenden Zeitungsnachrichten liegt auch der Grund, dass man in
+Europa den Angaben der Wrights keinen Glauben schenkte. Man versteifte
+sich darauf, wenn wirklich die beiden Brüder solche langen Flüge
+ausgeführt hätten, so würden die Amerikaner in weit höherem Masse
+Reklame für sie gemacht haben. Man würde ihnen im Handumdrehen genügend
+Geld zur praktischen Verwertung ihrer Maschine gegeben haben.
+
+
+
+
+Das Ringen der Wrights um Anerkennung.
+
+
+Sobald die Nachricht von den Erfolgen des Jahres 1905 nach Europa
+gelangt war, nahm sich der rühmlichst bekannte französische
+Flugtechniker Artilleriehauptmann Ferber des Gegenstandes an und
+schrieb zunächst an den ihm persönlich bekannten Chanute in Chicago,
+der ihm die Angaben der Wrights bestätigte. Im Oktober 1905 richteten
+alsdann die beiden Wrights einen Brief an Ferber, der folgenden
+Wortlaut hatte:
+
+Dayton, 9. Oktober 1905.
+Geehrter Herr!
+
+Als wir Ihren letzten Brief erhielten, fassten wir gerade die
+Ergebnisse unserer Versuche zusammen und glaubten, auf Ihre Frage über
+den praktischen Wert unseres Fliegers bald antworten zu können. Wir
+haben länger mit der Antwort warten müssen, als wir dachten. Wir
+wollten erst längere Flüge, als die in der letzten Saison abwarten, die
+nur fünf Minuten dauerten; heute können wir kühn behaupten, dass unser
+Flieger für künftige praktische Verwendung geeignet ist.
+ Unsere Versuche im vergangenen Monat haben uns gezeigt, dass wir
+ jetzt Maschinen bauen können, die wirklich für verschiedene Zwecke,
+ militärische usw., brauchbar sind. Am 3. Oktober haben wir einen
+ Flug von 24,535 Kilometer in 25 Minuten 5 Sekunden gemacht. Dieser
+ Flug wurde dadurch beendet, dass sich ein Lager aus Mangel an Oel
+ heisslief. Am 4. Oktober haben wir eine Entfernung von 33,456
+ Kilometern in 33 Minuten 17 Sekunden erreicht. Wieder lief die
+ Transmission warm, aber wir konnten zum Abflugsplatz zurückkehren,
+ ohne landen zu müssen. Am 5. Oktober dauerte unser Flug 38 Minuten
+ 3 Sekunden und bedeckte eine Distanz von 39 Kilometern. Die Landung
+ wurde durch Benzinmangel erzwungen. Ein Oeler hatte der Ursache
+ abgeholfen, welche die früheren Flüge verkürzt hatte. Die Zuschauer
+ dieser Flüge begeisterten sich so, dass sie ihre Zunge nicht mehr
+ hüten konnten. Da unsere Versuche bekannt zu werden anfingen,
+ entschlossen wir uns, sie einzustellen, bis wir einen einsameren
+ Platz gefunden hätten.
+ Wir haben die letzten Jahre vollständig damit verbracht, unsern
+ Flieger zu vollenden, und wir haben wenig darüber nachgedacht, was
+ wir damit machen würden, wenn er fertig wäre. Aber unsere jetzige
+ Absicht ist, ihn zuerst den Regierungen zu Kriegszwecken
+ anzubieten, und wenn Sie glauben, dass Ihre Regierung dafür
+ interessiert werden könnte, so würden wir gern deshalb mit ihr in
+ Verbindung treten.
+ Wir sind bereit, Maschinen nach Vertrag zu liefern, abnehmbar erst
+ nach einem Versuch über 40 Kilometer, wobei die Maschine einen
+ Lenker und einen Benzinvorrat für mehr als 100 Kilometer tragen
+ soll. Wir könnten auch einen Kontrakt machen, in dem die Strecke
+ des Versuchsfluges grösser als 40 Kilometer ist, aber dann wäre der
+ Preis der Maschine höher.
+ Wir könnten diese Maschinen auch für mehr als eine Person Belastung
+ bauen.
+
+
+Ergebenst
+ (gez.) W. und O. Wright.
+
+
+Um sich von der Richtigkeit dieser Angaben zu überzeugen, richtete
+Hauptmann Ferber an den ihm persönlich bekannten Ingenieur Chanute ein
+Schreiben, in dem er ihn bat, ihm über die Leistungen der Wrights
+Auskunft zu geben. Er erhielt darauf folgenden Bescheid:
+
+Chicago, 9. November 1905.
+Lieber Hauptmann Ferber!
+
+ Soeben habe ich Ihren Brief vom 26. Oktober erhalten. Meiner
+ Meinung nach können Sie in die Angaben, die Ihnen die Brüder Wright
+ über ihre Versuche gemacht haben, vollstes Vertrauen setzen. Ich
+ selbst hatte nur Gelegenheit, einem kleinen Fluge über einen halben
+ Kilometer beizuwohnen, dagegen haben mir die Brüder wöchentlich
+ Nachricht über ihre Versuche zukommen lassen, und Freunde, die
+ selbst Zeugen der Experimente waren, haben mir diese Angaben
+ bestätigt, als ich, um einem geplanten Fluge von 60 Kilometer in
+ der Stunde beizuwohnen, vorige Woche in Dayton war. Leider konnte
+ dieser Flug infolge zu grossen Sturmes nicht stattfinden. Die
+ Wrights haben sich Frankreich, das die Fortschritte auf dem Gebiete
+ der Lenkballons seit dem Jahre 1885 geheimgehalten hat, zum
+ Beispiel genommen. Auf ihre Bitte haben die Zeitungen in Dayton
+ über die Versuche Schweigen bewahrt. Es ist wohl eine Indiskretion
+ begangen worden. Es wurde ein Artikel veröffentlicht, der aber
+ bereits zurückgezogen ist. Die Wrights wollten Ihnen übrigens am 4.
+ November selbst schreiben.
+
+
+Mit vorzüglicher Hochachtung
+ C. Chanute.
+
+
+Am 4. November war inzwischen auch von den Wrights selbst nachfolgendes
+Schreiben an Hauptmann Ferber eingetroffen:
+
+Dayton, 4. November 1905.
+Geehrter Herr!
+
+ Wir haben Ihren Brief vom 20. Oktober erhalten und machen Ihnen
+ unser Kompliment. Niemand in der Welt kann mehr als wir Ihre
+ Leistung anerkennen. Es ist aber ein grosser Sprung vom Aeroplan
+ ohne Motor, mit seiner leichten Kontrolle, zur Entdeckung
+ ausreichender und wirksamer Methoden, um Herr des so ungelehrigen
+ Aeroplans mit Motor zu werden. Nach den Experimenten so fähiger
+ Leute wie Langley, Maxim und Ader, die Millionen ausgegeben und
+ Jahre ohne Resultat daran gewandt haben, hätten wir es nicht für
+ möglich gehalten, vor fünf oder zehn Jahren eingeholt zu werden.
+ Frankreich ist eben günstig gestellt. Aber wir glauben nicht, dass
+ das den Wert unserer Erfindung vermindern könnte. Denn, wenn es
+ bekannt wird, dass man in Frankreich Experimente mit Motorfliegern
+ gemacht hat, werden die anderen Nationen gezwungen sein, Zuflucht
+ zu unserm Wissen und unserer Praxis zu nehmen. Russland und
+ Oesterreich von Unruhen heimgesucht, ein Weltbrand kann jeden
+ Augenblick ausbrechen. Keine Regierung wird mit einer Flugmaschine
+ im Hintertreffen stehen wollen. Um ein Jahr früher als die andern
+ fertig zu sein, wird man den Betrag, den wir für unsere Erfindung
+ fordern, gering finden.
+ Obwohl Sie in Frankreich voran sein mögen, werden Sie wünschen,
+ unsere Erfindung zu kaufen, zum Teil, um die Kosten eigener
+ Versuche zu vermeiden, zum Teil, um sich über den Stand unserer
+ Kunst bei den Nationen zu unterrichten, die dabei sind, uns die
+ Geheimnisse unserer Maschine abzukaufen.
+ Aus diesen Gründen würden wir darein willigen, unsern Preis für die
+ französische Regierung auf eine Million Francs herabzusetzen,
+ zahlbar, nachdem der Wert unserer Erfindung in Gegenwart
+ offizieller Persönlichkeiten durch einen Flug von 50 Kilometer in
+ weniger als einer Stunde festgestellt ist. Der Preis schliesst eine
+ vollständige Maschine ein, Instruktion über die Grundlagen unserer
+ Kunst, Formeln für den Bau unserer Maschine, Schnelligkeit,
+ Oberfläche usw., Instruktion von Personal für den Gebrauch der
+ Maschine. Diese Instruktion würde natürlich in der gewünschten Form
+ gegeben werden.
+
+
+Ihre ergebenen
+ (gez.) W. und O. Wright.
+
+
+Hauptmann Ferber antwortete den beiden Brüdern, dass es unmöglich wäre,
+auch nur die geringste Unterstützung von der französischen Regierung zu
+erhalten, wenn nicht zuvor eine aus französischen und amerikanischen
+Gelehrten bestehende Kommission die Maschine geprüft hätte. Die Wrights
+wollten aber das Geheimnis ihrer Erfindung sicher gewahrt wissen, und
+hatten anderseits eine heilige Scheu vor dem Gutachten der am grünen
+Tisch arbeitenden Gelehrten, die ja schon häufiger ein grosser
+Hemmschuh für die Entwickelung der Luftschiffahrt gewesen waren; sie
+erklärten deshalb, von ihren Bedingungen nicht abgehen zu können. Eine
+ganze Reihe von Veröffentlichungen finden in der Folge noch statt, und
+selbst der Aeroklub von Amerika, der eine Reihe Zeugnisse angesehener
+Mitbürger von Wright veröffentlicht, vermochte niemand von der Wahrheit
+der Angaben über die geheimnisvollen Flieger zu überzeugen, und überall
+belegte man in Europa die Wrights mit dem wenig schönen Ausdruck „die
+lügenden Brüder“. Verfasser, der die flugtechnischen Arbeiten seit
+langen Jahren aufs genaueste verfolgt hatte, beschloss der Bedeutung
+der Sache wegen keine Aufwendungen zu scheuen und selbst an Ort und
+Stelle in Dayton in Ohio Nachforschungen anzustellen. Er reiste deshalb
+im Oktober 1907 dahin und besuchte dort am 4. Oktober den alten Bischof
+Wright. Ausserdem wurden eine Anzahl der angesehensten Bürger der Stadt
+Dayton, die etwa 85000 Einwohner zählt, eingehend befragt. Ein dem
+„Berliner Lokalanzeiger“ zur Verfügung gestellter Bericht hierüber sei
+im folgenden unter Weglassung der hier schon angegebenen
+Konstruktionseinzelheiten wiedergegeben.
+
+[Illustration: Messen der Windgeschwindigkeit: Wilbur Wright misst mit
+einem kleinen Anemometer—Windmesser, der durch die sich im Winde
+drehenden Flügel angibt, wieviel Meter in der Sekunde die Luft
+vorwärtsströmt—Die Geschwindigkeit des Windes]
+
+[Illustration: Flieger-Werkstätte: Im Hangar bei Pau. Eine gewölbte
+Tragefläche ist rechts in ihrer ganzen Ausdehnung zu sehen.]
+
+Lokalanzeiger Nr. 588 vom 18. November 1907.
+
+Die Flugmaschine der Gebrüder Wright.
+
+Dayton (Ohio), Ende Oktober.
+
+„'Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein Charakterbild
+in der Geschichte', so kann man auch von dem Drachenflieger der
+Gebrüder Wright sagen! Dass die beiden eine Flugmaschine gebaut haben,
+weiss jeder Fachmann; auch glaubt man es meist, dass sie mit dieser
+frei in der Luft geflogen sind; dass sie aber längere Strecken mit
+grosser Geschwindigkeit zurückgelegt haben und dabei wieder an die
+Abfahrtsstelle zurückgekehrt sind, das wird heute noch von den meisten
+Luftschiffern bestritten! Um die Sache zu klären, habe ich hier an Ort
+und Stelle bei zehn Augenzeugen eingehende Nachforschungen angestellt,
+auf Grund deren ich zu der Ueberzeugung gelangt bin, dass alle Angaben
+über diese Flugmaschine auf voller Wahrheit beruhen.“
+
+
+Es folgen nun einige Angaben über die ersten Versuche, alsdann fährt
+der Artikel wie folgt fort:
+
+„Grosses Aufsehen erregten nun die am 12. März 1906 von den Erfindern
+veröffentlichten Daten über die mit dem Motorluftschiff erzielten
+Erfolge. Danach sollte schliesslich als beste Leistung am 5. Oktober
+1905 ein Flug von 38,956 Kilometern in 38 Minuten 3 Sekunden vollendet
+worden sein. Wenn diese Angaben den Tatsachen entsprachen, so war damit
+das Zeitalter des ballonlosen lenkbaren Luftschiffes angebrochen! Die
+Fachwelt verhielt sich zunächst abwartend und dann ablehnend. Hierzu
+war auch aller Grund vorhanden. Erst hiess es, die amerikanische
+Regierung habe die Flugmaschine für eine Million Dollars angekauft;
+dann plötzlich wurde dies dementiert und man hörte, Wrights versuchten
+in Frankreich ihre Erfindung los zu werden. Die Verhandlungen
+zerschlugen sich aber, weil die Konstrukteure die Forderung stellten,
+man solle ihnen ihr Luftschiff unbesehen für eine Million Dollars
+abnehmen; allerdings verpflichteten sie sich, nach Inkrafttreten des
+Vertrages den Flieger in einem 50 Kilometer langen Fluge vorzuführen.
+Auf solche Abmachungen wollte aber niemand eingehen. Demnächst hörte
+man nichts mehr von den Wrights, bis der Aeroklub von Amerika erklärte,
+auf Grund seiner Untersuchungen sei er zu der Ueberzeugung gekommen,
+dass die Angaben der Brüder auf Wahrheit beruhten. Aus Interesse zur
+Sache beschloss ich, an Ort und Stelle selbst Nachforschungen
+anzustellen und die Angelegenheit zu klären. Zunächst nahm ich Fühlung
+mit den beiden Konkurrenten der Wrights, Herring in New York und
+Chanute in Chicago. Jener erklärte mir, dass er nach Rücksprache mit
+Augenzeugen die gemachten Angaben nicht mehr bezweifeln könne; die
+Sache sei so einfach, dass er hoffe, mit Hilfe eines von ihm erprobten
+leichten Motors, der nur 1 Pfund (etwa 3/4 deutsche Pfund) pro
+Pferdekraft wöge, die Leistungen bei weitem zu übertreffen. Chanute
+dagegen hatte selbst einen Flug von 3/4 Meile (1,2 Kilometer) gesehen
+und erkannte rückhaltlos an, dass Wrights das Flugproblem in tadelloser
+Weise gelöst hätten. Die Maschine sei äusserst einfach, und der Flug
+habe sich in überraschend sicherer Weise vollzogen. Er, Chanute, sei zu
+der Einsicht gekommen, dass die Brüder auf dem richtigen Wege seien,
+und er habe deshalb schweren Herzens seine langjährigen Versuche
+eingestellt, weil er mit ihnen nicht mehr konkurrieren könne.
+[Footnote: Siehe auch Seite 24 unten und Seite 25.] Auf meinen Wunsch
+machte er mir einige Zeugen der Flüge namhaft.
+
+[Illustration: Wilbur Wright: Zeigt dem König von Spanien, wie er bei
+Beginn des Starts mit der rechten Hand den Sperrhebel löst, der die
+durch das Fallgewicht im Zug befindliche Flugmaschine frei gibt.]
+
+„Demnächst begab ich mich mit einem berufenen Aeronauten, dem seit 15
+Jahren in New York lebenden deutschen Ingenieur Karl Dienstbach, nach
+Dayton in Ohio und besuchte hier den Vater den Brüder, den alten
+anglo-amerikanischen Bischof Milton Wright. Der etwa 70jährige Greis
+bestätigte mir mit einfachen Worten, dass er dem längsten Fluge
+beigewohnt hätte. Er sei zufällig dazu gekommen; von ständiger Sorge um
+das Schicksal seiner Söhne gequält, die sich so wagehalsigen
+Flugübungen hingegeben hätten, sei er häufig auf das Versuchsfeld
+gegangen und so Zeuge verschiedener Aufstiege geworden. Ueber nähere
+Einzelheiten wollte er sich nicht äussern. Hätte ich nach den
+Unterredungen mit den beiden Konkurrenten der Wrights noch irgend
+welche Zweifel gehabt, sie wären nach dem Besuche des Vaters zerstreut
+worden. Ich meine, es kann nur wenige misstrauische Leute geben, die
+diesem alten, ehrwürdigen Priester nicht Glauben schenken. Doch das
+persönliche Gefühl sollte bei dieser wichtigen Sache kein bestimmendes
+Wort mitsprechen; es galt daher, auch gänzlich unparteiische Leute
+aufzusuchen.
+ „Wir 'verhörten' des weiteren Mister C.S. Billmann, Sekretär eines
+ Bankinstituts. In lebhafter Weise rief er aus: 'Well, sie fliegt!'
+ Dann schilderte er, wie überwältigend es ausgesehen habe, als die
+ Flugmaschine vom Boden emporgestiegen und in leicht wellenförmiger
+ Bahn etwa in Baumhöhe über die Felder dahingeflogen sei; wie leicht
+ sie dem Steuer gehorcht hätte und zur Landung gekommen sei; 'wie
+ eine Ente' habe sie sich auf den Boden niedergelassen. Auf nähere
+ Einzelheiten über die Konstruktion liess er sich jedoch auch nicht
+ ein. Er schloss mit den Worten, den Brüdern sei auch bester
+ pekuniärer Erfolg zu wünschen, sie seien feingebildete Leute, die
+ in harter Arbeit gross geworden wären.
+ „Weit mitteilsamer war ein junger Apotheker, namens Reubens
+ Schindler, der als ungebetener Gast seinerzeit einem längeren Fluge
+ beigewohnt hatte. Er sei an einem Tage, an dem er einen Probeflug
+ vermutet habe, dem Vater Wright von weitem gefolgt und so Zeuge
+ einer tadellosen Fahrt geworden. Zufällig kam in die Apotheke auch
+ ein Arbeiter, der ebenfalls als Zaungast bei einem Flugversuch
+ zugegen gewesen war und uns unter breiter Darstellung auch der
+ nebensächlichsten Umstände die Angaben des Herrn Schindler
+ bestätigte.
+ „Von hier aus lenkten wir unsere Schritte zu einem alten
+ Spenglermeister, Henry Webbert, der die Flugmaschine häufig in der
+ Werkstatt seines Sohnes gesehen hatte. Dieser biedere
+ Handwerksmeister behandelte uns mit grosser Zurückhaltung, machte
+ uns aber doch höchst interessante Angaben über den Flug selbst und
+ über die Landung. Das Luftschiff sei so sanft auf den Boden
+ heruntergekommen, 'wie ein Truthahn, der vom Baume herabfliegt'. In
+ bezug auf die Geschwindigkeit übertrieb der alte Herr allerdings
+ etwas mit der Behauptung, 50 Meilen (80 Kilometer) seien in einer
+ Stunde zurückgelegt.
+ „Sehr viele Einzelheiten über die Konstruktion des Flugapparates
+ erfuhren wir sodann von einem deutschen Eisenwarenhändler, namens
+ Frank Hamburger, der sehr scharf beobachtet hatte und seine
+ Schilderungen durch einige Skizzen anschaulicher zu machen suchte.
+ Auch der Apotheker William Foots zeigte für Technik grösseres
+ Verständnis und gab uns einzelne wertvolle Aufschlüsse, während der
+ Ingenieur Laurenz Wright zwar die Tatsache der Flüge bestätigte, im
+ übrigen aber jegliche Auskunft über Aussehen der Maschine
+ verweigerte.
+
+[Illustration: Wilbur Wright erklärt dem neben ihm sitzenden König von
+Spanien seine Flugmaschine.]
+
+„Zum Schluss gelang es uns, noch zwei höchst wichtige Leute zu
+sprechen: C.V. Ellis, höheren Justizbeamten, und Torrence Huffmann,
+Präsident der grössten Bank der Stadt. Die Unterredung mit diesen
+angesehenen Leuten war uns ganz besonders deshalb wertvoll, weil wir
+von ihnen Aufschluss erhielten über die Gründe dafür, dass in Amerika
+nicht mehr Wesens von den bedeutenden Erfolgen der Wrights gemacht
+worden ist. Nach den ersten wohlgelungenen Flügen hätten die Brüder
+eine grosse Anzahl Bürger zur Besichtigung eingeladen; beim
+Herausbringen aus dem Schuppen sei aber das Luftschiff beschädigt
+worden, und deshalb wären die Versuche aufgegeben worden. Das
+enttäuschte Publikum habe von da an der Sache ein grosses Misstrauen
+entgegengebracht; die Wrights dagegen hätten seitdem niemand mehr
+eingeladen und den Zeitpunkt weiterer praktischer Versuche
+geheimgehalten. Der Bankpräsident meinte ausserdem, er sehe den
+praktischen Wert der Maschine nicht ein; vor allem erscheine es ihm als
+ein grosser Fehler, dass sie nur von einem langen Schienengleise
+auffliegen könne.“
+
+
+Es folgen sodann wieder einige Konstruktionseinzelheiten, und dann
+schliesst der Bericht:
+
+„Die Versuche haben auf einer rechteckigen, von Bäumen und einem
+Schuppen umgebenen Wiese stattgefunden, die einen Umfang von etwa einer
+Meile (1,6 Kilometer) hat. Beim längsten Flug ist dieses Feld etwa 30
+Mal umflogen worden. Die Flüge sind sowohl bei ruhigem Wetter als auch
+bei starkem Winde ausgeführt worden.
+
+[Illustration: Das hinten befindliche Horizontalsteuer: ist bei der
+Landung beschädigt. Man sieht oben rechts eine gebrochene Holzstrebe
+herausragen.]
+
+„Ich glaube, die Tatsache des Vorhandenseins der ersten praktisch
+erprobten Flugmaschine kann wohl niemand mehr ernstlich bestreiten; es
+ist unmöglich, dass sich so viele angesehene Leute der verschiedensten
+Berufsklassen und des verschiedensten Alters verabredet haben sollten,
+einem Erfinder zuliebe das Blaue vorn Himmel herunterzulügen. Bei einem
+so langen 'Verhör', das nach vorher genau festgesetztem Programm
+angestellt worden ist, hätten sie sich in einzelne Widersprüche
+verwickeln müssen. Es sei im übrigen bemerkt, dass ich aus Zeitmangel
+nur 10 Leute aufgesucht habe; fast jeder einzelne hatte mir noch
+weitere Zeugen namhaft gemacht. Warum nun aber weigern sich die
+Gebrüder Wright, ihren Flieger eventuellen Käufern vor Abschluss des
+Vertrages in freiem Fluge vorzuführen? Wenn sie wirklich so grosse
+Erfolge erzielt haben, hätten sie doch das Tageslicht nicht zu scheuen
+gehabt!
+ „Auch hierfür glaube ich eine plausible Antwort gefunden zu haben.
+ Der Flieger ist eben so einfach, dass sie fürchten, der Käufer
+ wendet nach Besichtigung keine so hohe Summe, wie eine Million
+ Dollars, an. Ausserdem glaube ich, dass eine sehr grosse Uebung
+ dazu gehört, die Flugmaschine zu führen.
+ „Es wird nicht jeder Luftschiffer imstande sein, sofort damit
+ loszufahren, sondern es gehört grosse Geschicklichkeit dazu, die
+ sich die Brüder Wright durch ihre zahlreichen Gleitflüge vorher
+ erworben hatten.
+ „Ich bin nun der Ansicht, dass wir jetzt, nachdem es erwiesen ist,
+ dass man auch mit Luftschiffen, deren Gewicht nicht durch Gasballon
+ getragen wird, fliegen kann, uns ernstlich der Konstruktion von
+ Flugapparaten zuwenden müssen. Dagegen bin ich der festen
+ Ueberzeugung, dass es nicht der hohen Summe von vier Millionen Mark
+ bedarf, wenn wir deutsche Ingenieure und Flugtechniker—ich nenne z.
+ B. Regierungsrat Hofmann in Berlin—mit dieser Aufgabe betrauen. Wir
+ werden dann sicher nicht den amerikanischen Erfindern nachstehen.
+ „Hauptmann a.D. Hildebrandt.“
+
+[Illustration: Wright erteilt seinem Schüler Tissandier Unterricht: Der
+Flieger steht mit seinen Schlittenkufen etwas über dem Erdboden. Die
+linke Schraube mit Welle und gekreuzter Kettenübertragung ist deutlich
+sichtbar.]
+
+Diese Veröffentlichung fand auch auszugsweise Platz in verschiedenen
+deutschen, amerikanischen, englischen und französischen Zeitungen. Aber
+nur wenige Leute waren auch durch diese Darstellung überzeugt, im
+Gegenteil, mancher hervorragende deutsche Fachmann warf Verfasser noch
+bis zum Juni 1908 vor, er habe sich arg düpieren lassen. Nunmehr kam
+aber am 10. Februar 1908 aus New York die Nachricht, dass die
+amerikanische Regierung 3 Aeroplane bestellt habe, einen bei den
+Gebrüdern Wright für 25000 Dollar, den zweiten bei dem hier schon
+genannten Herring für 20000 Dollar und den dritten bei einem
+Flugtechniker Skott in Chicago für 1000 Dollar. Die Bedingungen, unter
+denen die Regierung die Abnahme der Flieger vollziehen wollte, waren
+folgende: „Die Abnahmeversuche finden statt unter Aufsicht des
+Signalkorps in Fort Myers in Virginia. Die verlangten Leistungen sind
+folgende: 1. eine Schnelligkeitsprüfung über eine Strecke von 16
+Kilometer 900 Meter auf einer Fahrt hin und zurück; 2. ein Flug von
+einstündiger Dauer über eine Strecke von 64,30 Kilometer—40 Meilen—ohne
+Zwischenlandung. Der Aeroplan muss mit zwei Personen bemannt sein. Jede
+Maschine kann drei Abnahmefahrten unternehmen.“ Wenn ein Apparat
+weniger als 40 Meilen in der Stunde zurücklegt, so wird der Kaufpreis
+vermindert. Bei einer geringeren Geschwindigkeit als 36 Meilen in der
+Stunde wird die Maschine nicht abgenommen; wird dagegen eine grössere
+Geschwindigkeit erreicht, so wird der Kaufpreis erhöht. Bei einer
+Geschwindigkeit von 60 Meilen in der Stunde wird er sogar fast
+verdoppelt. Sobald irgend ein Punkt des Programms nicht genau
+eingehalten werden sollte, wird 10 Proz. der gestellten Kaution
+zurückbehalten. Die Wrights hatten 2500 Dollar Kaution zu stellen. Im
+Mai 1908 begaben sich nun die beiden Brüder in ihre alte Einöde zu Kill
+Devil bei Kitty Hawk, wo sie, weit entfernt von den wenig Anerkennung
+zeigenden Mitbürgern ihrer Heimatstadt, ungestört arbeiten konnten.
+
+[Illustration: König Eduard von England begibt sich auf dem Felde Pont
+Long bei Pau zum Startplatz des Fliegers: Rechts neben dem König Lord
+Cunraven, hinter diesem Ingenieur Rozendaal.]
+
+[Illustration: Minister Barthou im Aeroplan: Rechts beginnt ein Gehilfe
+die Schraube anzuwerfen. Wright gibt Zündung. Der lange Zylinder
+enthält Benzin. Zwischen Wright und Barthou ist der Wasserbehälter
+sichtbar.]
+
+Ihre Versuche hatten den Zweck, die während der fast dreijährigen Pause
+verlorene Uebung wieder zu erreichen. Es wurden eine Anzahl von Flügen
+in der Zeit vom 14. bis 16. Mai ausgeführt, die zunächst in gerader
+Linie gegen den Wind gingen und alsdann mit dem Ausfahren von Kreisen
+endeten. Der längste Flug dauerte 7 Minuten 29 Sekunden, und führte bei
+einer Windgeschwindigkeit von 8 Metern in der Sekunde über eine Strecke
+von 8,03 Kilometern. Rekordflüge waren nicht beabsichtigt; die Flüge
+wurden meistenteils nur von einem ausgeführt.
+
+Schon am 10. April hatte sich in Frankreich infolge der Bemühungen des
+erst kürzlich von der französischen Regierung für seine Verdienste um
+die Flugtechnik mit dem Kreuze der Ehrenlegion ausgezeichneten Herrn
+Hart O’Berg unter Leitung von Lazare Weiller eine Gesellschaft
+gebildet, die für die Summe von 500000 Francs die französischen Patente
+der Wrights ankaufen wollte. Am 1. Juni traf Wilbur Wright in Paris
+ein, um dort mit Hilfe seines Bevollmächtigten Hart O’Berg die
+Bedingungen zu erfüllen.
+
+[Illustration: Die mit 2 Personen bemannte Flugmaschine: schwebt auf
+dem Felde bei Pau über ihrem Hangar. In der Mitte sieht man vor dem
+Zaune eine der kleinen, einrädigen Plattformen, auf denen der Flieger
+vor dem Start mit den Seiten ruht]
+
+Orville Wright blieb einstweilen in Amerika, wo er in Fort Myers am 3.
+September mit den Abnahmefahrten begann. Als erster Passagier wurde in
+dem Aeroplan der Leutnant Frank P. Lahm mitgenommen, der seinerzeit im
+ersten Gordon-Bennett-Wettfliegen von Paris aus Sieger geblieben war.
+Als zweiter Passagier wurde Major Squir vom Signalkorps mitgenommen,
+und als dritter nahm am 17. September der Leutnant Selfridge an der
+Seite Orvilles Platz. An jenem Tage war der Durchmesser der Schrauben
+um 3 Zentimeter vergrössert. In 30 Meter Höhe riss plötzlich einer der
+Steuerdrähte; dadurch geriet der korrespondierende Draht, nunmehr
+schlaff geworden, in die Schraube, der Flieger geriet ins Schwanken und
+senkte sich aus 30 Meter etwas herab, überschlug sich sodann und
+stürzte mit einem heftigen Stoss auf den Boden. Orville Wright hatte
+einen komplizierten Schenkelbruch, eine Stirnwunde und verschiedene
+Kontusionen erlitten. Leutnant Selfridge stöhnte noch etwas und hauchte
+bald sein Leben aus. Die Versuche in Amerika wurden nunmehr ausgesetzt,
+da Orville Wright längere Zeit zu seiner Wiederherstellung bedurfte. Er
+hatte bereits sehr schöne Resultate erzielt und einen Weltrekord
+geschaffen. Am 12. September 1908 hatte er einen Flug von einer Stunde
+15 Minuten und 20 Sekunden in einer Höhe von etwa 60 Metern
+zurückgelegt.
+
+[Illustration: Der Flieger im Fluge, von vorn gesehen: Aufnahme aus
+einem Militärballon bei Rom.]
+
+Wilbur Wright hatte sich inzwischen mit Hart O’Berg nach Le Mans
+begeben, wo er auf dem Rennplatze von Hunaudiere am 8. August seine
+Versuche begann. Anfangs gelangen die Versuche nicht so gut, namentlich
+deshalb nicht, weil Wright in der Betätigung der Steuerhebel unsicher
+geworden war. Die Maschine war für zwei Personen eingerichtet. Seine
+ersten Versuche unternahm er allein; er musste sich also wieder an die
+Steuerung allein gewöhnen. Da der Rennplatz zu klein war, siedelte er
+bald nach dem Schiessplatz Auvours über, wo er sich einen kleinen
+Schuppen bauen liess, in dem er seinen Aeroplan unterbrachte und auch
+sich selbst einquartierte. Auf dem Rennplatz war der längste Flug am
+13. August mit 8 Minuten 13 Sekunden ausgeführt worden. Die Versuche
+wurden am 21. August auf dem Schiessplatze Auvours fortgesetzt. Den
+Dauerrekord mit einem Passagier stellte er am 3. Oktober mit einem
+Fluge von 55 Minuten 37,2 Sekunden mit Franz Reichel vom „Figaro“ auf.
+Am 18. November schuf er mit 110 Metern Höhe seinen Weltrekord, und am
+21. September schlug dann Wilbur Wright auch den Rekord seines Bruders,
+indem er 1 Stunde 31 Minuten und 25 Sekunden in der Luft blieb und 66,6
+Kilometer zurücklegte. Am 16. September hatte er zum ersten Male einen
+Passagier, den französischen Luftschiffer Ernest Zens, mitgenommen.
+
+Am 7. Oktober bestieg als erste Dame den Führersitz Frau Hart O’Berg.
+In der Folge sind dann eine grosse Anzahl von Flügen mit den
+verschiedensten Passagieren an Bord durchgeführt worden, und am 31.
+Dezember stellte Wilbur Wright mit einem Fluge von 2 Stunden 20 Minuten
+und 23 Sekunden den Dauerweltrekord auf. 124,7 Kilometer betrug die
+hierbei zurückgelegte Strecke. Er gewann damit den grossen Preis, der
+von Michelin gestiftet war und 20000 Francs betrug.
+
+[Illustration: Orville, Katherine, Wilbur Wright]
+
+Die französischen Patente wurden nunmehr von der Weiller-Gesellschaft
+unter der Bedingung übernommen, dass Wilbur Wright drei Schüler, die
+ihm von der Gesellschaft bezeichnet würden, im Lenken seines Aeroplans
+ausbilde. Er verlegte sein Versuchsfeld am 3. Januar nach Pau in
+Südfrankreich, wo ihm die Stadt bei Pontlong ein grosses Aerodrom
+erbaut hatte. Seine ersten Schüler waren Paul Tissandier, Graf Lambert
+und der Hauptmann der französischen Genietruppen Lucas Gerardville.
+Bereits am 6. Januar führte er hier seine ersten Flüge aus und errang
+sich am 8. durch einen Flug von 112 Kilometern den Preis von Triaca. Am
+15. Februar fuhr Wilburs Schwester Katherine zum erstenmal im Aeroplan
+mit dem Bruder. Am 17. Februar liess sich König Eduard in Pau den
+Apparat vorführen und wohnte einem Aufstiege bei, der eine halbe Stunde
+dauerte. Fünf Tage später besichtigte König Alfons von Spanien, der
+eigens von San Sebastian gekommen war, die Flugmaschine. Am 6. März
+wurden die Brüder durch den Titel eines „Doktor-Ingenieurs“, den ihnen
+die Technische Hochschule in München verliehen, ausgezeichnet. Am 8.
+April machte Wright mit seinen Schülern den letzten Aufstieg in Pau,
+erklärte ihre Ausbildung für beendet und begab sich nach Rom, um seinen
+Aeroplan dort der italienischen Regierung vorzuführen und einen Schüler
+auszubilden. Unmittelbar nach seiner Abreise von Pau wurde der dort
+benutzte, ziemlich stark mitgenommene Apparat im Auftrage der
+französischen Regierung nach Paris geschafft, um dort im Konservatorium
+der Künste und des Handwerks Aufstellung zu finden. Auch in Rom gelang
+es Wilbur, ganz Italien durch seine hervorragenden Leistungen von
+seinem grossen Können zu überzeugen. Am 24. April führte er seinen
+Apparat dem Könige von Italien vor, und bereits am 28. April konnte
+sein Schüler, der Genieleutnant Calderara, trotz starken Regens
+selbständig einen Flug von 35 Minuten Dauer vollführen. Durch Aussetzen
+des Motors stürzte der Apparat damals aus einer Höhe von drei Metern
+zur Erde herab, der Lenker blieb unverletzt, während das Steuer brach
+und die Schraubenachse verbogen wurde. In kurzer Zeit konnten die
+Schäden an der Maschine aber beseitigt werden, und am 6. Mai sehen wir
+Calderara einen neuerlichen Flug unternehmen, der aber infolge eines
+Ohnmachtsanfalles des Aviatikers ein tragisches Ende nehmen sollte. In
+einer Höhe von 40 Metern kippte der Aeroplan um, die Maschine stürzte
+zu Boden und begrub den Lenker unter ihren Trümmern. Die beiden Steuer
+waren gebrochen, die Tragflächen und die Spanndrähte verbogen und
+zerrissen. Calderara hatte mehrere Brüche und eine Gehirnerschütterung
+erlitten und wurde nach Rom ins Spital gebracht. Bereits nach
+Monatsfrist war er geheilt. Auch die Maschine war wiederhergestellt
+worden, so dass der Offizier am 19. Juli abermals einen kurzen Flug
+unternahm. Später wurde von seinem behandelnden Arzte festgestellt,
+dass er zu Ohnmachtsanfällen neige, weshalb er das Lenken von
+Aeroplanen endgültig aufgeben musste.
+
+[Illustration: Katherine und Orville Wright: machen in Pau unter der
+Führung des Franzosen Ernest Zens (links im Korbe) ihre erste
+Freiballonfahrt]
+
+
+
+
+Die Beschreibung der Wrightschen Flugmaschine.
+
+
+Der Wrightsche Flieger ist ein Doppeldecker, der seinen Ursprung in den
+Konstruktionen von Chanute hat. Zwei parallele, auf 1/20 ihrer Tiefe
+gekrümmte, 12,5 Meter klafternde Flächen haben 1,8 Meter Abstand
+voneinander. Die Tiefe der Trageflächen beträgt 2 Meter. Das aus Holz
+bestehende Gerippe der Flächen ist mit Baumwollstoff bespannt; ihre
+Oberfläche beträgt 50 Quadratmeter. Die konkave Seite ist nach unten
+gerichtet. Die Krümmung nimmt nach vorne hin zu, wo die vorderen Kanten
+einige Zentimeter dick sind. Die Verspannung erfolgt in
+Gitterkonstruktion durch Holz und Klaviersaitendraht. Das Material ist
+amerikanisches Tannenholz, dass sich sowohl im Luftschiffbau, als auch
+früher schon im Bootsbau infolge grosser Festigkeit und geringen
+Gewichts bewährt hat. Drei Meter vor den Hauptflächen befindet sich das
+Höhensteuer, das aus zwei spindelförmigen Flächen besteht von 5,25
+Zentimeter Breite und 0,80 Meter Tiefe. Zwischen den Höhensteuern
+befinden sich noch zwei halbmondförmige vertikal angeordnete Flächen.
+Das Steuer für die Horizontale befindet sich 2,7 Meter entfernt hinter
+den Trageflächen. Es besteht aus zwei langen vertikalen Flächen, die
+1/2 Meter auseinanderstehen. Das Steuer kann auch in vertikaler
+Richtung bewegt werden, um Beschädigungen durch Aufstossen bei der
+Landung zu vermeiden. Der Sitz für den Führer und einen Begleiter
+befindet sich auf der vorderen unteren Tragefläche, wo sich hinter ihm
+der Motor und rechts von ihm der Kühler befindet. Der Motor ist ein
+Viertaktmotor mit 4 Zylindern, er entwickelt 25 PS und wiegt in
+betriebsfähigem Zustande 90 Kilogramm, so dass also 3,6 Kilogramm auf
+eine Pferdestärke kommt. Er ist nach den ureigensten Ideen der Wrights
+gebaut, und macht etwa 1400 Touren. Der Motor treibt zwei aus Holz
+gefertigte, mit Tuch überklebte Schrauben von 2,80 Meter Durchmesser.
+Der Antrieb erfolgt durch Ketten, die in Röhren geschützt laufen. Die
+Schrauben drehen sich mit 450 Touren.
+
+[Illustration: Flug Um Den Michelin-Preis: Bei Sonnenuntergang am 31.
+Dezember 1908 auf dem Schiessplatz Auvours bei Le Mans.]
+
+[Illustration: Blick zwischen die Tragflächen mit ihren Holzstreben.
+Wilbur auf dem Führersitz, links steht der König von Spanien.]
+
+Die Tourenzahl des Motors kann weder durch Gasdrosselung, noch durch
+Verstellen des Zündpunktes verändert werden. Die Verminderung der
+Fluggeschwindigkeit wird lediglich durch Aufrichten des Fliegers
+mittels des Höhensteuers bewirkt. Die Maschine ist auf Schlittenkufen
+montiert. Die Steuerung erfolgt durch Betätigung zweier rechts und
+links vom Führersitz befindlichen Hebel; die Vorwärts- oder
+Rückwärtsbewegung des linken Hebels hat Fallen oder Steigen des
+Fliegers zur Folge. Mit dem rechten Hebel wird das Horizontalsteuer und
+gleichzeitig auch die Verwindung der Tragflächen bewirkt. Gerade das
+letzte bedeutet eine Haupteigenschaft des Wrightschen Fliegers.
+
+[Illustration: Hart O’Berg: Der Bevollmächtigte von Wilbur und Orville
+Wright in seinem Arbeitszimmer]
+
+Durch die Verwindung wird die Stabilität des Fliegers in unsteten
+Luftströmen gehalten. Wenn beispielsweise ein Windstoss von links den
+Apparat nach rechts kippen will, so vermehrt man auf der rechten Seite
+den Luftwiderstand durch Vergrösserung der Wölbung, also durch
+Verwinden der Fläche nach unten. Gleichzeitig wird der Luftwiderstand
+links, wo der seitliche plötzliche Luftstrom auftrifft, vermindert
+durch Verminderung der Wölbung, das heisst durch Verwinden der hinteren
+Fläche nach oben. In gleicher Weise, wie eben geschildert, muss
+verfahren werden, wenn der Apparat eine Wendung nach rechts fahren
+soll. Alsdann beschreibt die rechte Kante des Fliegers, die sich auf
+der inneren Seite der Kurve befindet, einen kleineren Weg, als die
+linke Kante, die sich auf der äusseren Seite der Kurve befindet.
+Demnach legt die rechte Kante einen kleineren Weg zurück, als die
+linke, und man muss die Geschwindigkeit rechts etwas einschränken.
+Durch Verwinden der rechten Fläche nach unten erhöht man den
+Luftwiderstand, vermindert also die Schnelligkeit; durch Verwinden der
+linken Fläche nach oben vermindert man den Luftwiderstand und erhöht
+demnach die Geschwindigkeit. Nach den Mitteilungen Wrights kommt es
+dabei darauf an, anfangs zwar bei einer Wendung das Steuer für die
+betreffende Richtung einzustellen, aber möglichst bald wieder
+umzulegen, um ein Kippen zu vermeiden. Beim Balancehalten ist es
+erforderlich, genau das Gegenteil von dem zu tun, was ein Radfahrer
+tut. Dieser legt sich nach innen in die Kurve und bringt den
+Schwerpunkt nach innen. Bei der Flugmaschine muss man den Schwerpunkt
+nach aussen halten, weil sonst der Apparat ins Kippen kommt.
+
+Das Ausführen von Wendungen und das hierbei zur Erhaltung der
+seitlichen Stabilität erforderliche Verwinden geschieht in der Weise,
+dass beispielsweise der rechte Hebel nach vorwärts gezogen wird,
+wodurch die Steuerdrehung nach rechts erfolgt. Gleichzeitig drückt man
+aber diesen Hebel auch nach links, wodurch die Verwindung in der Weise
+eintritt, dass die Kanten der rechten Trageflächen nach unten und die
+der linken nach oben gerichtet werden.
+
+Kürzlich haben die Wrights ein neues Patent eingereicht, in dem sie
+zwei kleine vertikale Flächen beschreiben, die noch durch einen dritten
+ergänzenden Hebel betätigt werden. Diese vertikal stehenden kleinen
+Flächen sollen das Gauchissement, wie man die Verwindung im
+Französischen nennt, verstärken und das Gegengewicht in der Balance
+halten. Der Start der Wrightschen Flugmaschine erfolgt durch eine
+besondere Vorrichtung, Pylon genannt. Wie schon erwähnt, ruht die
+Maschine in der Mitte mit den dort befindlichen Querverbindungen auf
+einer Holzschiene. An den beiden Seiten wird sie durch je eine mit
+einem kleinen Rad versehene Plattform im Gleichgewicht erhalten. Die
+Schiene wird meist genau gegen den Wind gerichtet. Einige Meter hinter
+dem Schienenanfang, genau in der Mitte hinter dem Flugapparat, wird ein
+8 Meter hoher pyramidenförmiger Turm aufgestellt, in dessen Mitte ein
+700 Kilogramm schweres Gewicht sich befindet, das durch ein Seil, wie
+es die Figur auf Seite 62 zeigt, mit dem Aeroplan in Verbindung steht.
+Vor Beginn des Anfluges wird das Gewicht in dem Turm hochgezogen und
+alsdann der Flugapparat durch eine Sperrklinke an der Schiene
+befestigt. Sobald nun die Schrauben angeworfen sind und der Motor seine
+volle Geschwindigkeit entwickelt hat, löst der Führer die Sperrklinke
+und alsbald zieht das fallende Gewicht den Aeroplan mit allwachsender
+Geschwindigkeit nach vorwärts. Das Höhensteuer hat hierbei eine Neigung
+nach unten, so dass durch den Winddruck der Apparat fest gegen die
+Schiene gedrückt wird. Gegen Ende der Schiene fällt das Ende des Seils
+von selbst von dem Haken des Fliegers ab, der Führer stellt eine
+Kleinigkeit das Höhensteuer ein und die Flugmaschine beginnt zu
+schweben. Es kommt nun darauf an, in der Luft die Balance durch
+fortwährende Betätigung des linken Steuerhebels zu halten, wobei die
+Bewegungen jedoch äusserst gering sein müssen, weil der Flieger auf die
+leiseste Anstellung der Flächen reagiert.
+
+[Illustration: Schematische Zeichnung der betätigung der
+Verwindungsvorrichtung]
+
+Beim Seitwärtsschieben des Hebels A gehen die Schnüre in der
+Pfeilrichtung von B nach A, von C und D nach B. Hierdurch werden die
+Holzstreben CE und DP in der Pfeilrichtung nach unten gedrückt und
+damit die Kanten der oberen und unteren Trageflächen ebenfalls nach
+unten bewegt. Die Holzstreben nehmen nunmehr die Stellung HG und KI
+ein. Die Verwindung der rechten Flächen ist erreicht. Von E und F
+führen Schnüre nach L. Diese werden folgegemäss ebenfalls in der
+Pfeilrichtung nach unten bewegt und übertragen die Bewegung über L und
+M nach N und O. Die Holzstreben NP und OQ werden nach oben gezogen und
+nehmen die Stellung RS und TU ein. Damit hat der Führer die Verwindung
+der linken Trageflächen bewirkt.]
+
+[Illustration: Startpylon für die Flugmaschine]
+
+Das Gewicht G hängt an einem Tau, das über die Rolle A zu der fast am
+Ende der Holzschiene angebrachten Rolle B läuft. Von hier geht das Tau
+zur Maschine, wo es bei C an einem Haken befestigt ist. Zwischen B und
+C befindet sich noch ein Flaschenzug, welcher der besseren
+Uebersichtlichkeit halber auf der Zeichnung fortgelassen ist.]
+
+
+
+
+Rückkehr der Wrights nach Amerika und Besuch Berlins.
+
+
+Am 5. Mai haben sich Wilbur und Orville Wright mit ihrer Schwester
+Katharina zunächst nach England begeben, wo ihnen der dortige
+Luftschifferklub eine goldene Medaille in feierlicher Sitzung übergab
+und die beiden Brüder zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft ernannte.
+Alsdann reisten sie mit einem Schiff des Norddeutschen Lloyds nach New
+York und wurden hier mit allen Ehren von den Mitgliedern des
+amerikanischen Luftschifferklubs und einer zahlreichen Menschenmenge
+mit grossem Jubel empfangen. Sie begaben sich von da in ihre
+Heimatstadt. Als sie zur Mittagsstunde in Dayton ankamen, empfingen sie
+unter Glockengeläut und Kanonendonner mehr als tausend Menschen. Man
+brachte die beiden Brüder in einem Wagen nach Hause, der von vier
+Schimmeln gezogen wurde; in diesem Wagen hatte auch ihr Vater mit zwei
+Lieblingsenkelkindern Platz genommen. Ein ganzer Zug von Wagen
+begleitete sie sodann in feierlichem Zuge nach Hause. Am Abend bewegten
+sich in der kleinen Strasse, wo sich das Haus des alten Bischofs
+befindet, weit über 10000 Menschen, alte Freunde, Nachbarn und
+Mitbürger der Stadt, um sie zu begrüssen. Die Stadtverwaltung hatte
+alle öffentlichen Gebäude dekoriert und beflaggt, und die drei
+grösseren Plätze von Dayton herrlich illuminiert. Auch die Einwohner
+waren in Beflaggung und Illumination nicht sparsam gewesen, so dass
+Dayton ein prächtiges Bild gab, wie man es noch nie zuvor gesehen
+hatte.
+
+[Illustration: Schematische Ansicht Der Trageflächen Nach der
+Verwindung]
+
+Am 17. und 18. Juni hatte die Stadt eine grosse Feierlichkeit
+veranstaltet, bei der drei goldene Medaillen den Brüdern überreicht
+wurden: eine von der Nation, eine vom Staate Ohio und eine von der
+Stadt Dayton. Doch die Mission der beiden Brüder war noch nicht
+erfüllt; alsbald begaben sie sich nach Washington, wo Orville Wright
+die Abnahmefahrten für die amerikanische Regierung begann. Nach
+anfänglich kleinen Havarien, die bei neuen Apparaten fast immer
+vorkommen, jedoch in zwei, drei Fahrten bald beseitigt sind, zeigte der
+Flieger wieder, was er leisten konnte, und schon am 20. Juli blieb
+Wright 80 Minuten in der Luft und legte dabei in der Stunde 45 Meilen
+zurück. Damit waren die Bedingungen, welche die amerikanische Regierung
+gestellt hatte, erfüllt und nunmehr konnte sich Orville nach Europa
+begeben, um Berlin sein Können zu zeigen und Piloten auszubilden für
+die deutsche Gesellschaft „Flugmaschine Wright“, die aus der
+Motorluftschiff-Studiengesellschaft und der Luftfahrzeug-Gesellschaft
+hervorgegangen ist, um Flieger nach der Bauart der Brüder Wright und
+anderer Erfinder herzustellen. Damit dürften wir auch in Deutschland
+bald so weit sein, dass der Flugsport allgemeine Verbreitung findet.
+
+
+
+
+Anhang: Korrespondenz von A. Hildebrandt.
+
+
+[Illustration: Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 21. April
+1909]
+
+A. Hildebrandt
+Hauptmann a.D.
+Berlin W. 30
+Martin Luther-Straße 10.
+
+
+Berlin W. 30, den 21. April 1909
+
+
+Mr.
+Bishop Wright, Esqu.
+
+
+Dayton (Ohio).
+
+
+Dear Sir,
+
+ Relating to the acquaintance which to make of you I had the Honour
+ at the end of October in 1907 during my visit at Dayton I beg to
+ adress to you with a demand to day. I am going to write a book
+ about your celebrated sons. I should be very thankful to you for
+ willing send me some material. I should like to have any dates of
+ the youth of your sons, of the first experiences and also of you
+ and the lated Madame Wright; perhaps do you write me also of your
+ feeling, having had during the bold experiences of your sons. If
+ You could let me have portraits of you and the lated Madame Wright,
+ of your children and your house at Dayton, I should very obliged to
+ you. Please, will you have then the kindness, to get reproduce such
+ pictures an my account and to send me the wished materiel as soon
+ as possible, as I have to make haste, for being the book ready
+ still before the visit of your sonns in Germany.
+ Hoping, that you will accomplish my wishes and thanking you
+ beforehand, I remain, Dear Sir,
+
+
+Yours very most obedient
+[Signature: Capt. A. Hildebrandt.]
+
+[Illustration: Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 22. Mai 1909;
+Seite 1 von 2.]
+
+[Illustration: Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 22. Mai 1909;
+Seite 2 von 2.]
+
+A. Hildebrandt
+Hauptmann a. D.
+Berlin W. 30
+Martin Luther-Straße 10.
+
+
+Berlin W. 30. den 22. Mai 1909.
+
+
+Bishop Milton Wright, Esquire,
+
+Dayton (Ohio)
+
+
+Dear Sir,
+
+ With best thanks I confirm you the receipt of your kind letter of
+ the 11th inst. Your family-history has interested me very much. I
+ shall make use of them soon. But about something I am not clear.
+ You write: “This brings us in line with general United States Grant
+ and Grover-Cleveland.” I do not know, if you mean two persons, the
+ same general Grant and general Grover from Cleveland? Also I thank
+ you for your photograph. It is of moment to me, also to have still
+ photographs of the late Madame Wright and her father, Mr. John
+ Koerner, whom Germany the native has been of. I should like to get
+ still other photographs of your children Wilbur and Orville,
+ presenting them in young years and also of Miss Katherine and if
+ you have still a photograph presenting your whole family joined. At
+ last you would oblige me much for sending me pictures also of your
+ present house, the flight-square near Dayton and the whole sight of
+ Dayton. As being immodest of me, to pronounce so many wishes to
+ you, I propose and beg you, to give order to anybody, to procure me
+ all the wished photographs and pictures on my account. With great
+ interest I am awaiting your further informations, promised me in
+ your letter, about the youth of your sons and the matter, how these
+ are gotten to the intention to make experiences with a flying
+ mashine. [Hand-written note: I cannot found(?) Schleits in Saxony?]
+ Thanking you once more for the material, which to send me, you have
+ had the kindness, I remain, Dear Sir,
+
+
+Yours most obedient
+[Signature: Hildebrandt]
+
+[Hand-written note: PS. The pictures are not ready, I have to have them
+copied. M.W.]
+
+[Illustration: Brief von Bischof Wright an A. Hildebrandt; 5. Juni 1909;
+Seite 1 von 3]
+
+[Illustration: Brief von Bischof Wright an A. Hildebrandt; 5. Juni 1909;
+Seite 2 von 3]
+
+[Illustration: Brief von Bischof Wright an A. Hildebrandt; 5. Juni 1909;
+Seite 3 von 3]
+
+Dayton, Ohio, June 5, 1909.
+
+Capt. A. Hildebrant,
+Berlin, Germany.
+
+Dear Sir:
+
+ You did not quite understand my letter. It was General Ulysses S.
+ Grant that I wrote of, and President Grover Cleveland, of whom I
+ spoke. They were two presidents of our country, decended like
+ myself from John Porter of Windsor (16_37) from whom I am also
+ descended. Hence they are distant cousins of ours, and of each
+ other.
+ My wife’s father was a regular German in his looks. He was born six
+ miles west of Scleitz in Saxony, the southwest part, as you will
+ see on any large map of Saxony. The family, of whom we never had
+ any group picture, is as follows:
+Milton Wright, born November 17, 1828, in Rush County, Indiana.
+Susan Catharine (Koerner) Wright, born near Hillsboro, Virginia, April
+30, 1831.
+Reuchlin Wright, born in Grant County, Indiana, March 17, 1861.
+Lorin Wright, born in Fayette County, Indiana, November 18, 1862.
+ (These two older brothers are still living, are married, and have
+ lovely children—Reuchlin three, Lorin four, Reuchlin’s oldest
+ married).
+Wilbur Wright, born, in Henry county, Indiana, April 16, 1867.
+Otis Wright and Ida Wright (twins) born April 24, 1870, in Dayton,
+Ohio.
+ (Without sickness or pain, they died at 13 and 18 days of age).
+Orville Wright, born August 19, in Dayton, Ohio, 1871.
+Katharine Wright, born in Dayton, Ohio, August 19, 1874.
+ They were all good children. And they are all of unimpeachable
+ morals yet. Reuchlin is a deacon on the Congregational Church, in
+ Tonganoxie, Kan. They are about equal in intellect, the others
+ having had better education than the inventors. Katharine graduated
+ in the Classical Course in Oberlin College, and teaches in Dayton
+ High School. I am a traveling minister in the United Brethren in
+ Christ, served several years as pastor, ten as presiding elder,
+ eight as editor of our Church paper, and twenty-four as bishop. As
+ bishop and editor I was elected by General Conference every four
+ years, those offices being filled every four years by a ballot
+ election. In filling my duties, I have visited all the states west
+ of the River, and territories; and all states east of the
+ Mississipi, except the six New England states and five others. In
+ all I have traveled by rail, over two hundred thousand miles. My
+ change of residence every two years must account for my three older
+ children being born in three different counties in Indiana. Mrs.
+ Wright, the sweetest spirit earth ever knew, died twenty years ago,
+ in Dayton, July 4, 1889. From that on I raised the children, left
+ to my care. All the children sprang to help their mother, but
+ Wilbur cared for her, prolonged her life, and I gave him five
+ hundred dollars for his incomparable care for her. [Hand-written
+ note: He had no promise of reward.]
+ Their first interest in the art of flying, they date back to about
+ the year 1879, when I brought home to them a Heliocoptere, a toy
+ which could fly. Later on they began to watch Lilienthal, and
+ followed him to his death, in the art of gliding. Their first
+ active work began in the year 1900, when as a vacation, they built
+ a gliding machine on the coast of North Carolina, and each year in
+ the fall of the year, spent a few weeks there till in 1903, they
+ attached a gasoline motor to it and flew, December 17th, four short
+ flights. They flew against the wind and made at the longest only
+ about a half mile, counting the velocity of the wind. In actual
+ measurment considerably less than a half mile. The place of flight
+ was on the sandy plain near Kill Devil Mills, in Dare County, four
+ miles from Kitty Hawk in Cerrituck County. The following two
+ summers and falls, they experimented at Simson’s(?) Station (a mere
+ stopping place, on the Dayton and Springfield traction railroad, a
+ perfectly level meadow ground) where they made a few miles flight,
+ but in 1905, September, they flew as much as twenty-four miles, at
+ one flight. They flew no more for part of two years, but began
+ negotiations for the sale of their invention. In 1908, they engaged
+ to a Company in France, to sell their rights, and sold to the
+ United states government a single machine at twenty-five thousand
+ dollars, they in each case, to perform certain exploits with the
+ machine. Time crowding on them to meet engagements, they separated
+ in June 1908, Wilbur going to France, and Orville remaining to
+ complete at Ft. Myer (near Washington) the United States contract.
+ Of Wilbur’s scalding his arm in regulating his machine, and his
+ successful trial, before his arm was well, all have read. But
+ Orville having his machine ready at Ft. Myer, went far ahead of
+ Wilbur, but an easily avoided defect in his machine, having under
+ strain caused friction between the propeller of his machine and a
+ wire, and—far worst of all broke the management of the _tail_ of
+ his machine, a most important part—he was on a machine in the air
+ over one hundred feet high, with his control of the machine
+ rendered useless, and after sinking to about seventy-five feet, his
+ machine descended vertically, to the death of Lieutenant Selfridge,
+ two hours later, and a tremendous jolt to himself and the breaking
+ of a thigh bone (left leg, one third way down toward the knee)
+ which confined him in the hospital for several weeks, and from
+ which he will entirely recover. But Wilbur learning of Orvilles
+ disaster, and reproached as far behind him, rose to the situation,
+ and in a few days, was ahead of anything Orville had done, to the
+ great joy of his brother. The rest you know. Wilbur in France and
+ Rome earned his conracts, and came home with Orville and their
+ Sister Katharine, and they were hailed at the depot of his city,
+ with the ringing of bells, the firing of cannon, and by over a
+ thousand people, and the same at home, at the noon hour, and at
+ night more than ten thousand people came out as old friends and
+ neighbors to see them, the most splendid illumination of the
+ street, and decoration of the buildings for three squares, being
+ the order of the occasion. The city brought them on their arrival,
+ home in a train of coaches, thier carriage being drawn with four
+ white horses, in which rode with them their father and two favorite
+ grandchildren, Leontine and Horace Wright.
+ The boys were natural workmen in wood or metal. Their father’s
+ family, their mother’s family (and the mother herself) were
+ inventive and ingenius. The father at eighteen years invented a
+ type-writer, having never heard. It is useless to develop
+ inheritance in their invention.
+ The city (Dayton) has decreed them two days (Jne 17 and 18), on
+ which, besides innumerable ceremonies, they will be given three
+ gold medals; One voted by the nation, one by the State, and another
+ by the City.
+
+Yours truly,
+[Signature: Milton Wright]
+
+[Illustration: Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 28. Juni
+1909]
+
+A. Hildebrandt
+Hauptmann a.D.
+Berlin W. 30
+Martin-Luther-Straße 10.
+
+Berlin W. 30, den 28. Huni 1909.
+
+Bishop
+Milton Wright, Esquire,
+
+Dayton (Ohio).
+
+
+Dear Sir,
+
+For the two letters, you had the kindness to send me in last time, be
+thanked very much. With great interess I am awaiting the pictures,
+which you advised me of. I shall try now, to discover the native place
+of Mr. John G. Koerner, the father of the late Madame Wright.
+ Now still once more many thanks for the pains, you have had!
+
+I am with great estime
+ever Yours very truly
+[Signature: A. Hildebrandt.]
+
+[Illustration: Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 9. Juli
+1909]
+
+Berliner Lokal-Anzeiger
+Redaktion.
+
+Berlin SW 68,1
+Zimmerstrasse 37-41.
+9. Juli 1909
+
+
+Dear Sir,
+
+
+I wired to you: “Bishop Wright, Dayton. Book must be stamped. Please
+send photographs.”
+ The biography of your sons shall be published of possible as book
+ already in 14 days. Therefore I should lik to recives instantly the
+ photographs requested from you. If it were not possible to you to
+ send me all photographs by retourn of mail, please send later the
+ rest, for. I should use the other pictures for german papers.
+ I thank you for your endeavaurs and hope, shortly to see in Berlin
+ your souns and Mis Katherine.
+
+
+With best regards
+yours
+[Signature: gez. Captain Hildebrandt]
+
+[Illustration: Brief von A. Hildebrandt an Bischof Wright; 18. Juli
+1909]
+
+A. Hildebrandt
+Hauptmann a.D.
+Berlin W. 30
+Martin-Luther-Straße 10.
+
+
+Berlin W. 30, den 18. Juli 1909.
+
+
+Bishop Milton Wright, Esquire,
+
+
+Dayton (Ohio).
+
+
+Dear Sir!
+
+ With many thanks I confirm you the receipt of the two pictures and
+ your letter of the 3rd inst., by which you have made me great
+ pleasure. I shall make use of the pictures as soon as possible.
+ Thanking you once more for your kindness and being always at your
+ service, I remain, Dear Sir
+
+ever Yours truly
+[Signature: A. Hildebrandt.]
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Brüder Wright, by Alfred Hildebrandt
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE BRÜDER WRIGHT ***
+
+***** This file should be named 10914-0.txt or 10914-0.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
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+E-text prepared by David Starner, Michael Wymann-Böni,
+and Project Gutenberg Distributed Proofreaders
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+Updated editions will replace the previous one--the old editions will
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+Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
+law means that no one owns a United States copyright in these works,
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+States without permission and without paying copyright
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+by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
+person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
+1.E.8.
+
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+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
+agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
+electronic works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
+Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
+of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
+works in the collection are in the public domain in the United
+States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
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+generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
+Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
+www.gutenberg.org
+
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
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+Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
+date contact information can be found at the Foundation's web site and
+official page at www.gutenberg.org/contact
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+For additional contact information:
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+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
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+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
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+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
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+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
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+state visit www.gutenberg.org/donate
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+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
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+approach us with offers to donate.
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+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
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+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations. To
+donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
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+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
+Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
+freely shared with anyone. For forty years, he produced and
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+volunteer support.
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+the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
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+facility: www.gutenberg.org
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