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diff --git a/15813-8.txt b/15813-8.txt new file mode 100644 index 0000000..3d7a36e --- /dev/null +++ b/15813-8.txt @@ -0,0 +1,4926 @@ +The Project Gutenberg eBook, Michelangelo Gedichte und Briefe, by +Michelangelo Buonarroti, Edited by R. A. Guardini + + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + + + + +Title: Michelangelo Gedichte und Briefe + In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini + + +Author: Michelangelo Buonarroti + +Release Date: May 11, 2005 [eBook #15813] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE*** + + +E-text prepared by Wallace McLean, Hagen von Eitzen, and the Project +Gutenberg Online Distributed Proofreading Team + + + +Das Museum Viii. + +MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE + +In Auswahl herausgegeben von + +R. A. GUARDINI + +Pan-Verlag, Berlin + +1907 + + + + + + + +[Illustration: Marcello Venusti pinx] + + + + + +Michelangelo hat fast nur Persönlichkeitsgedichte geschrieben. Was er in +jenem Madrigal über sein bildnerisches Schaffen aussprach, + + Mich deucht, stets bild' ich mich, + Und meine doch _ihr_ Antlitz zu gestalten, + +hätte er auch von seinem Dichten -- er mehr als irgend einer -- sagen +können. Mit wenig Ausnahmen erzählen seine Verse, auch wenn er von anderen +spricht, nur von _seinem_ Empfinden, _seinem_ Kämpfen, von den Werten und +Idealen, die _er_ suchte und in den geliebten Menschen verkörpert sah. Er +war, zumal in reiferem Alter, stets mit sich allein, stets ein Mensch, der +einsam mit der eigenen Seele zu ringen, sein edleres Selbst gegen +Leidenschaften zu behaupten hatte, deren Wucht seine Schöpfungen ahnen +lassen; und so liessen ihn die Spannungen in seinem Innern nicht zur Ruhe +dessen kommen, der ein Geschautes schildert. + +Er wusste in seinen Dichtungen fast nur unmittelbar von sich zu sprechen +oder sehnsüchtig die Menschen anzuschauen, anzurufen, in denen er den +Frieden und die Schönheit zu sehen glaubte. Und es will scheinen, als sei +es ihm auch in seiner Liebe nicht gelungen, sich wirklich an den Anderen zu +verlieren, wirklich diesen, wie er war, zu sehen, als habe er auch in ihr +den Genossen eigentlich nicht gefunden. Selbst in den Gedichten an +Vittoria, von der er doch am ehesten hoffen durfte, sie gehe mit ihm den +gleichen Weg, konnten Gedanken wie diese auftauchen: + + Sage mir, Liebe, ob ich die heissersehnte + Schönheit wirklich hier sehe, oder ob drinnen + In meiner Seele sie lebt, und ich der Herrin + Antlitz anschauend verkläre? + +Es ist wie eine Ahnung, dass er auch in den geliebten Menschen nur +Schönheiten sehe, die _er_ ihnen erst verliehen, dass er nur von den +Bildern seiner eigenen Vollkommenheitssehnsucht spreche, wenn er ihre +Hoheit verehre. + +Michelangelos eigene ringende Seele, mehr enthalten seine Dichtungen nicht. + +Dieser Gedanke liegt der Anordnung zugrunde. Sie fasst die Gedichte +zusammen, denen in der Seele ihres Schöpfers gleiche Voraussetzungen +entsprechen, Grundkräfte, Anlagen seines Wesens, Ziele, die er erstrebte, +Werte, die er bejahte und in denen er sein letztes Genügen fand. Die +Ordnung dieser Gruppen untereinander versucht von der Wertung auszugehen, +die Michelangelo selbst an ihrem Inhalt vollzogen hat, indem sie ihn an dem +Bilde des Menschen misst, den er in sich zu verwirklichen strebte. + +Ist dies gelungen, dann bilden die Gedichte eine Reihe, die von relativ +Äusserlichem ausgehend immer mehr zu dem vordringt, was Michelangelo als +sein Wertvollstes und Eigenstes beurteilte. + +Dass bei diesem Versuch die Gefahr der Subjektivität nahe sei, habe ich mir +nicht verhehlt; aber hier schien die beste Möglichkeit zu liegen, aus einer +blossen Aneinanderreihung ein innerlich verbundenes Ganzes zu machen. + +Die Briefe sind chronologisch geordnet. Aus der grossen Zahl mussten sehr +wenige ausgewählt werden. Es sind besonders solche, in denen das +eigenartige Verhältnis des Meisters zur Familie, sein stetes Sorgen und +bereitwilliges Helfen, dann auch seine Stellung zu Freunden und +Auftraggebern zum Ausdruck kommt. + +Als Anhang sind die wenigen erhaltenen Briefe Vittorias an ihn beigefügt. + +Die Übersetzungen der Gedichte sind teils schon vorliegende ältere, deren +Wiederdruck von den Herren Verlegern in liebenswürdiger Weise gestattet +wurde, teils Neuübertragungen von _Bettina Jacobson_.[1] Die Briefe wurden +vom Herausgeber sämtlich neu übersetzt. Der Auswahl gehen einige Kapitel +aus Ascanio Condivis "Leben Michelangelos" voraus, die etwa zehn Jahre vor +seinem Tode unter seinen Augen entstand: eine einfache Fassung, der sich +"die geschnittenen Steine" der Dichtungen vielleicht zu klarerem Schimmer +einfügen. + +Die wiedergegebenen älteren Übertragungen stammen aus: + +Michelangelos Gedichte, übersetzt von Sophie Hasenclever, Leipzig, Dürr +1875. + +Übersetzungen von Hermann Grimm in: Grimm, Leben Michelangelos, Berlin, +Spemann. + +Übersetzungen von Bodenstedt in: Nord und Süd. Bd. 34. + +Übersetzungen von Karl Witte in: Romanische Studien 1871. + +Übersetzungen von Hans Grasberger in: Le Rime di Michelangelo 1872. + + _R. A. Guardini._ + + +"Michelangelo beschränkte sich in seiner Jugend nicht auf Skulptur und +Malerei, sondern er widmete sich auch allen verwandten und ähnlichen +Künsten; und das tat er mit solchem Eifer, dass er sich für einige Zeit +fast völlig der Gemeinschaft der Menschen entzog und nur mit ganz wenigen +Umgang pflegte. Dies brachte ihn in den Ruf eines hochmütigen oder +seltsamen und phantastischen Menschen, und doch waren beide Fehler ihm +gleich fremd. Es war die Liebe zur Tüchtigkeit und die treue Hingabe an die +edlen Künste, die ihn -- wie es vielen ausgezeichneten Männern geschah -- +einsam machten und ihn nur in deren Dienste Genüge und Ergötzung finden +liessen. Darum war ihm die Geselligkeit keine Freude, ja verhasst, denn sie +störte ihn in seiner Gedankenarbeit; war er doch, wie jener grosse Scipio +zu sagen pflegte, nie weniger allein, als wenn er allein war. + +Doch suchte er gerne die Freundschaft derer, die ihm in tüchtigen und +weisen Gesprächen irgendwelche nützliche Frucht boten, oder in deren Seele +ein Strahl des Aussergewöhnlichen aufblitzte ... Eine besondere und grosse +Liebe verband ihn mit der Marchesana von Pescara, deren hoher Geist ihn +gefangen hielt, und die ihm mit ausserordentlicher Liebe vergalt. Von ihr +bewahrt er noch viele Briefe, voll von reiner und süsser Liebe, wie sie aus +so edlem Herzen kommen mussten, und er hat an sie viele gar kunstvolle +Sonette gerichtet, in denen eine innige Sehnsucht lebt. Sie verliess oft +Viterbo oder andere Orte, wohin sie sich zur geistigen Sammlung oder zum +Sommeraufenthalt zurückgezogen hatte, und kam nach Rom, einzig um +Michelangelo zu sehen; und er trug zu ihr solche Liebe, dass ich ihn einst +sagen hörte, er habe nur den Schmerz, dass er sie nicht, als sie aus diesem +Leben schied, auf die Stirn oder den Mund küsste, wie er ihre Hand geküsst +hatte. Und der Gedanke an ihren Tod liess ihn oft im Schmerz gleichsam +erstarren. + +Wie er die Gespräche mit gelehrten Menschen sehr liebte, so fand er auch +Ergötzen am Lesen der Schriftsteller, ob sie nun in Prosa oder in Versen +schrieben, und besonders trägt er Verehrung für Dante, dessen wunderbares +Genie ihn anzieht, und dessen Werke er fast ganz in treuem Gedächtnis +bewahrt. Den Petrarca schätzt er vielleicht fast eben so hoch. Doch +begnügte er sich nicht damit, sie zu lesen, sondern fand auch seine Lust +daran, selbst zu dichten, und manche seiner Sonette legen für die grosse +Kraft seiner Erfindung und seinen reinen Geschmack gutes Zeugnis ab ... +Aber all dies trieb er nur zu seinem Ergötzen und masste sich keinerlei +Sachkenntnis darin an, setzte sich selbst vielmehr stets herab und betonte +seine Unerfahrenheit in solcherlei Künsten. + +Mit gleichem Eifer und gleicher Aufmerksamkeit las er die heiligen +Schriften des Alten und Neuen Testaments und suchte mit stetem Bemühen in +ihren Sinn einzudringen. Gleicherweise studierte er die Werke Savonarolas, +zu dem er stets grosse Zuneigung hatte, und noch bewahrt er im Gedächtnis +den lebendigen Klang seiner Stimme. + +Auch liebt er die Schönheit des Körpers, ist er doch am tiefsten mit ihrem +Wesen vertraut. Ja er liebt sie so sehr, dass sinnliche Menschen, die nur +in unlauterer und unehrenhafter Weise die Schönheit zu lieben vermögen, +Schlimmes von ihm dachten und sagten. Und doch wurde Alcibiades, der +überaus schöne Jüngling, von Sokrates mit der keuschesten Liebe umfasst und +er pflegte zu sagen, so oft er an dessen Seite geruht habe, sei er nie +anders als wie ein Sohn von der Seite des Vaters aufgestanden. Ich habe oft +Michelangelo über die Liebe reden und sich unterhalten hören, habe aber +stets, auch von den übrigen, die dabei waren, vernommen, dass er nicht +anders über die Liebe spreche, als wie bei Plato geschrieben steht. Ich +weiss ja nun nicht, was Plato über diesen Gegenstand sagt; das aber weiss +ich gewiss, dass ich lange seinen vertrauten Umgang genoss und aus seinem +Munde stets nur Worte von strengster Lauterkeit vernahm, die in jedem +Jüngling alle ungeordneten und zügellosen Wünsche niedergezwungen und +ausgerottet hätten. Und dass sein Geist hässliche Gedanken nicht duldete, +kann man auch daraus erkennen, dass er stets nicht nur die +Menschenschönheit liebte, sondern alles Schöne, ein schönes Pferd und einen +schönen Hund, die Schönheit einer Landschaft, eines Berges, eines Waldes, +jede schöne Gegend und jegliches schöne und in seiner Art seltne Ding mit +tiefer und wunderbarer Verehrung anschaute. So entnahm er überall der Natur +das Schöne, wie die Bienen aus den Blüten den Honig sammeln, und legte es +in seinen Werken nieder. Das haben aber alle die getan, die sich in der +Kunst eines grösseren Rufes erfreuten. Jener Meister des Altertums begnügte +sich, um die Venus zu bilden, nicht damit, nur _eine_ Jungfrau zu sehen, +sondern er wollte viele anschauen. Und indem er so von jeder das Schönste +und Vollendetste nahm, schuf er daraus die Göttin. Und so viel steht fest: +wer sich einbildet, er werde auf anderem, als auf diesem Wege, der allein +zur rechten Anschauung führt, Grosses in der Kunst leisten, der täuscht +sich in verhängnisvoller Weise. + +In seinem ganzen Leben beobachtete Michelangelo eine grosse Mässigkeit und +bediente sich, zumal wenn er arbeitete, mehr aus Notdurft als zum Genusse +der Speise. Meist begnügte er sich dann mit einem Stück Brot, das er ass, +ohne die Arbeit zu unterbrechen ... Oft hörte ich ihn sagen: "Ascanio, wenn +ich auch noch so reich war, stets habe ich arm gelebt." Und wie er nie viel +ass, so schlief er auch wenig; pflegte er doch selbst zu sagen, der +Schlummer habe ihm nie gut getan, habe ihm vielmehr fast immer, wenn er +länger geschlafen habe, Kopfschmerzen verursacht. Als er noch von +kräftigerer Gesundheit war, schlief er öfter in Kleidern und Stiefeln -- +dieser bediente er sich, weil er stets am Krampf litt und noch aus anderen +Gründen -- und manchmal liessen sie sich so schwer ausziehen, dass mit den +Stiefeln auch die Haut mitging, so wie es bei der Schlange geschieht, wenn +sie sich häutet. + +Nie geizte er nach Geld, noch strebte er danach, Reichtümer aufzuhäufen; +vielmehr war er zufrieden, wenn er genug besass, um ruhig leben zu +können ... Viele seiner Werke hat er verschenkt und hätte doch durch ihren +Verkauf unermessliche Summen lösen können ... Er war aber nicht nur mit +seinen Werken freigebig, sondern hat auch oft einem armen, doch tüchtigen +jungen Menschen, der sich den Künsten oder der Wissenschaft widmete, mit +seiner Börse geholfen; ich kann das bezeugen, denn mir selbst ist so von +ihm geschehen. Nie war er neidisch auf die Erfolge anderer in seiner Kunst, +und das mehr aus natürlicher Herzensgüte, als weil er von sich selbst eine +hohe Meinung hätte. Er lobte das Gute in allen, selbst in Raffael von +Urbino, mit dem er doch, wie ich oben schrieb, im Felde der Malerei manchen +Kampf ausgefochten hat. Nur hörte ich ihn sagen, Raffael habe seine Kunst +nicht von der Natur erhalten, sondern sie sich durch langes Studium +erworben ... + +Er besitzt ein ausserordentlich treues Gedächtnis, so dass er, der doch, +wie man sehen kann, Tausende von Gestalten gemalt hat, nie auch nur zwei +bildete, die sich ähnlich gesehen, oder die gleiche Haltung eingenommen +hätten. Ich hörte ihn sagen, dass er keine Linie ziehe, ohne zu wissen, ob +er sie bereits einmal gezogen habe; und wenn dies geschehen ist, lässt er +sie nie stehen, falls das Werk für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Auch +besitzt er eine ungeheure Kraft gestaltender Phantasie, und daher kommt es +vor allem, dass er stets so unzufrieden mit seinen Werken ist, und sie +stets herabsetzt, denn noch nie schien es ihm, als sei es seiner Hand +gelungen, das Bild zu formen, wie es in seinem Innern aufstieg. Und aus den +gleichen Gründen ist er schüchtern, wie es die sind, die sich in Musse +einem beschauenden Leben hingeben. Nur wenn ihm oder anderen Unrecht +zugefügt wird, oder man seine Rechte verletzt, flammt er in gerechtem Zorne +auf. Dann aber ist die Wucht seiner Abwehr grösser, als bei denen, die man +für mutig hält ..." + + Ascanio Condivi, Leben Michelangelos, + Kap. 62-68. + + * * * * * + + + + + +DICHTUNGEN. + +AN FLORENZ. + + + Nur dich erfreut mein Gram! Sieh, welch Erbarmen + Die holden Frau'n bewegt, dass Qual und Sterben + Zu süss du noch erachtest für mich Armen. + + Wo ist nun Mitleid? Wen zum Schützer werben + Vor Weibes Grimm, wenn Männer sich vernichten, + In Hass und Kampf sich stürzen ins Verderben? + + Du, Amor, sollst wie immer heut auch richten! + Und reiche nur den Bogen ihren Händen; + Bin schuldig ich, dann mag sie mich vernichten. + + Der, welcher schmachtet zwischen Kerkerwänden, + Der, den zum Tod man schleift in wilder Hetze, + An welch ein Tribunal soll der sich wenden? + + Was nützen ihm und mir Recht und Gesetze? + Doch sag', warum lehrt dich mein Lieben hassen? + Wer fasst es, dass dich Fleh'n in Wut versetze? + + Dem Schatten gleicht dein Reiz, in dem erblassen + Die dir sich nah'n; das Herz, das liebewarme, + Muss schauernd sein Verderben hier umfassen. + + Ihr stolzen, stets zum Mord bereiten Arme, + Ihr Augen, spottend der im Netz Verstrickten, + Ihr Hände, höhnisch deutend auf uns Arme, + + Ihr Gaben all, verliehen der Beglückten + Zu hohem Ruhm, nicht schuf euch Gottes Wille, + Um Tod und Schmach zu bringen uns Entzückten! + + Ihr sollt im Spiegel eurer Schönheitsfülle + Den Glanz uns ahnen lassen jener Sphären, + Die noch uns birgt des Staubes Schleierhülle. + + Die ird'sche Schönheit soll uns glauben lehren + An ew'ge Schönheit, göttliche Vollendung; + Und du lebst nur zu töten, zu verheeren! + + Ein Himmelsbote, spottend seiner Sendung, + Verdient den Untergang noch mehr als jene, + Die ihm gefolgt in menschlicher Verblendung. + + Die Liebe zeigt dein Ende mir, du Schöne, + Dass meine Warnung deinen Stolz vernichtet + Und dir ins Auge lockt die Reueträne. + + O fühle doch der Welt dich auch verpflichtet, + Für die so schön geschaffen du; gefallen + Lass dir die Lieder, dir zum Ruhm gedichtet. + + Die Tugend nützt sich selbst nicht nur, nein allen, + Dem Himmel gleich, der Licht am meisten spendet, + Wo sich am dunkelsten die Schatten ballen, + + Du aber hast dich geizig abgewendet; + Wir sterben, du bleibst ungestraft auf Erden; + Nun seht ihr, dass nicht hier das Dasein endet, + + Und dass Gerechtigkeit geübt muss werden + In andern Welten. Weh, dass treue Dienste + Man lohnt durch Qual und tödliche Gefährden! + ---- + +1. Sophie Hasenclever. + + + + +AUF DIE "NACHT" DES BUONARROTI VON GIOVANNI STROZZI. + + + "Die Nacht, die wir in tiefem Schlummer sehen, + Ein Engel schuf sie hier aus diesem Stein, + Und weil sie schläft, muss sie lebendig sein, + Geh, wecke sie, sie wird dir Rede stehen." + + + + + ENTGEGNUNG MICHELANGELOS. + + + "Schlaf ist mein Glück; so lange Schmach und Kummer + Auf Erden dauern, besser Stein zu bleiben, + Nicht sehn, nicht hören bei so schnödem Treiben. + Sprich leise drum und stör' nicht meinen Schlummer." + +2. Sophie Hasenclever. + + + + +FLORENZ UND DIE VERBANNTEN. + + + "Für tausend Liebende bist du geboren + In Engelsschönheit! Schläft der Himmel heute, + Dass du des einen Beute, + Du allen einst geschenkt und nun verloren? + Sind wir, ach fern geboren, + Nicht ganz verschmäht, so lass für uns auch tagen, + Für uns Verbannte deiner Augen Sonnen!" + "Wohlan, nicht sinke euer Mut, ihr Toren, + Denn nicht den grossen Raub lässt grosses Zagen + Geniessen den, der mich zum Schein gewonnen; + Und seht, ist nicht inmitten aller Wonnen + Unfähig zum Genusse sein, viel schlimmer, + Als dulden bei der Hoffnung fernstem Schimmer?" + +3. Sophie Hasenclever. + + + + +AN JULIUS II. + + + Herr, hatte je ein altes Sprichwort Wert, + So hat es dies: Wer kann, der will noch nicht. + Auf hohle Reden legtest du Gewicht + Und hast mit Gunst der Wahrheit Feind geehrt. + + Stets hab' ich mich in deinem Dienst bewährt, + Dein, wie der Sonne ihrer Strahlen Licht; + Doch, wenn ich Zeit verloren, rührt's dich nicht, + Und schaltest mehr, je mehr ich mühbeschwert. + + Mein Hoffen hatt' ich ganz auf dich gestellt, + Nur war ein gutes Schwert und rechte Wage + Mehr angebracht als hohles Echowort. + + Doch wahrer Tugend wert hält diese Welt + Der Himmel nicht, will er, dass Früchte trage + Ein hohler Baum für uns, der schon verdorrt. + +4. Bettina Jacobson. + + + + +AN GIOVANNI DI PISTOJA. + + + Schon wuchs ein Kropf mir bei den Quälerei'n, + Wie's Katzen in der Lombardei geschieht + Vom Wasser, (oder wie man's sonst wo sieht), + Denn in den Bauch drückt schon das Kinn sich ein. + + Der Bart starrt aufwärts, der Gedächtnisschrein + Liegt im Genick; wie bei Harpyien flieht + Die Brust, und übers Antlitz tröpfelnd zieht + Der Pinsel Mosaïken reich und fein. + + Die Lenden sind mir in den Wanst gespannt, + Dagegen ward mein Hinterteil zur Kruppe; + Unsichern Schritts, ein Blinder, wanke ich. + + Vorn nimmt die Haut in Falten überhand, + Und hinten spannt sie über harter Kuppe, + Denn wie ein Syrerbogen krümm' ich mich. + + So geht auch wunderlich + Und falsch das Urteil aus dem Hirn hervor, + Denn schlecht nur fährt ein Schuss aus schiefem Rohr. + + Such' nun, o Freund, hervor, + Was noch für meine toten Bilder spricht! + Schlecht ist mein Platz, zum Malen taug' ich nicht! + +5. Bettina Jacobson. + + + + +SPOTTGEDICHT. + + + So süss wie Mus ist dein Gesicht, o Schöne, + So glatt, als wär' ein Schnecklein drauf spaziert, + Wie Rüben zart; es gleichen deine Zähne + Den Pastinaken, und dein Auge stiert + So wie die Theriakpflanze grün; ich wähne, + Durch solchen Glanz wird selbst ein Papst verführt. + Wie Zwiebeln weiss und blond sind deine Haare! + Erbarm' dich schnell, sonst lieg' ich auf der Bahre! + +6. Sophie Hasenclever. + + + + + + So rasch, so kühn, mit Lug und Trug im Bunde + Ist meine Freundin, dass sie Huld versprochen + Im Augenblick, da sie mein Herz durchstochen, + Und schon das Eisen steckte in der Wunde. + Ach, zu derselben Stunde + Durchwärmt mich Leben, da mich Tod durchschauert! + Die bange Seele trauert, + Denn wenn dies Schwanken dauert, + Besiegt der Tod das Leben. Mehr vernichtet + Das Böse, als das Gute heilt und schlichtet. + +7. Sophie Hasenclever. + + + + + + Genöss' ich mindre Gnade, + Dann reichte wohl zum Leben meine Kraft, + Nun aber ist erschlafft + Durch Zähren, die in Doppelbächen fliessen, + Mein Herz und krank vom Tränenbade. + So muss das hohe Glück die Schwäche büssen! + Kein Weiser will geniessen, + Wozu die Kraft ihm fehlet, + Denn Wonne ohne Mass erdrückt hienieden. + Ein stilles Glück wird spriessen, + Vom Friedenshauch beseelet, + Dem Herzen, das in Demut sich beschieden. + Nicht bringt, was andern ziemt, auch mir den Frieden; + Giebst dem, der nur um kleinen Lohn gebeten, + Das Höchste du, so wird das Glück ihn töten. + +8. Sophie Hasenclever. + + + + + + Wenn sich die Schmerzen, die mein Antlitz trüben, + Dir, teure Herrin, zeigen, + So scheinen sie zu steigen + In gleichem Mass, wie in dem deinen, lieben, + Das frei von Gram geblieben, + Die Reize sich erhöh'n; durch meine Leiden + Will Amor dich Geliebte noch verschönen; + Da Ruhm dir bringt solch Lieben, + So duld' ich denn mit Freuden. + Macht schon mein Gram dich schön, wie erst mein Sterben! + + Und doch, wenn meine Tränen, + Die Glanz und Reiz erhöh'n in deinen Zügen, + Einst durch den Tod versiegen, + So bringt mein Tod statt Ehre dir Verderben. + Nun will ich nicht mehr sterben, + Nein, dulden will ich gern in deiner Nähe, + Denn süss ist Gram, der solche Schönheit nähret; + Wem sie zu schau'n bescheret, + Der trägt ja leicht zugleich ein grosses Wehe. + +9. Sophie Hasenclever. + + + + + + Der goldne Kranz, sieh, wie er voll Entzücken + Das blonde Haar mit Blüten rings umfängt, + Es darf die Blume, die am tiefsten hängt, + Den ersten Kuss auf deine Stirne drücken. + + Wie freudig das Gewand den langen Tag + Sich um die Schultern schliesst und wieder weitet + Am Hals, zu dem das Haar herniedergleitet, + Das dir die Wangen gern berühren mag. + + Sieh aber hier, wie mit verschränkten Schnüren + Nachgiebig und doch eng das seidne Band + Beglückt ist, deinen Busen zu berühren. + + Der Gürtel spricht: Lass mich die Lust geniessen, + Dass ewig meine Haft dich so umspannt -- + Wie würden da erst Arme dich umschliessen! + +10. Hermann Grimm. + + + + + + Weil man wie Seelenzwang, + Erscheint sie auch als Labe, + Die Gunst empfindet, sich gebunden glaubt, + So klagt mein Freiheitsdrang + Ob deiner werten Gabe + Mehr noch, als hätte mich ein Dieb beraubt. + Und kann zum Strahlenhaupt + Der Sonne ungeschwächt kein Auge dringen, + Das doch erstarken müsst' bei solchem Wagen, + So möchte kraftberaubt + Nicht mein Vermögen sein, dir Dank zu bringen. + Oft muss vorm Überfluss der Mangel zagen, + Und jener wieder über diesen klagen: + Denn Liebe will nur solche Freunde nennen, + (Wie selten ach)! die gleich an Glück und Können. + +11. Bettina Jacobson. + + + + +AN GIORGIO VASARI. + + + Mit deinem Griffel, deinen Farbentönen + Hast gleich die Kunst du der Natur gemacht, + Ja übertroffen sie zum Teil an Macht, + Da fähig du, ihr Schönes zu verschönen. + + Doch heut erst wird vollständ'ger Sieg dich krönen, + Dich, der auf höh're Werke jetzt bedacht, + Denn deine Schrift erhellt des Grabes Nacht + Und gibt Unsterblichkeit den Erdensöhnen. + + Ob auch die Kunst oft die Natur bezwungen, + Ob Jahre ihre Werke nicht verletzen, + Sie hindert's nicht, dass alle einst zerstäuben. + + Du aber, Taten singend, die verklungen, + Du, Tote weckend trotz Naturgesetzen, + Wirst du und werden sie lebendig bleiben. + +12. Sophie Hasenclever. + + + + +AN GIORGIO VASARI. + + + Ein Maultier, Kerzen, wahre Zuckermassen! + So über mein Vermögen handelt Ihr, + Dazu die grosse Flasche Malvasier, + Dass ich Sankt Michael muss die Wage lassen. + + Zu schönes Wetter lässt kein Lüftchen blasen: + Das Segel hängt, der Kurs entschwindet mir, + Mein schwaches Schifflein scheint ein Splitter schier, + Den wilden Meeresfluten überlassen. + + Erwäg' ich Eure Gaben, Eure Güte + Und Speis' und Trank und freundliches Bedenken, + Dass man auf Reisen sorglich mich behüte, -- + + Dann würde sich mein Dank auf nichts beschränken, + Selbst wenn ich Euch mich selbst als solchen biete, + Denn eine Schuld bezahlen, heisst nicht schenken. + +13. Bettina Jacobson. + + + + +AUS DEN STANZEN ZUM LOB DES LANDLEBENS. + + +(Michelangelo schildert im ersten Teil des Gedichtes die Reize des +ländlichen Lebens und stellt diesem die Reihe der Laster gegenüber, die dem +Reichen in der Stadt das Leben verbittern: Zweifelsucht, Falschheit, +Schmeichelei, Zwist, Betrug, Lüge, endlich, in den folgenden Stanzen, den +Hochmut, die Missgunst und die sieben Todsünden, ihre Kinder.) + + Der Riese Stolz bläht sich so hoch, dass nimmer + Er uns im Staub gewahrt; manch schöne Stadt + Zermalmt mit plumpen Sohlen er in Trümmer; + Zur Sonne will er schaffen sich den Pfad, + So baut er Turm auf Turm, doch ihren Schimmer + Sah er noch nie, da nur ein Aug' er hat, + Und dies ihm an der Ferse sitzt. Im Wahne + Durchrast die Himmel er gleich dem Orkane. + + Die Berge sind den Sohlen jenes Hünen, + Was uns ein Sandkorn ist. Der Drachen Brut + Birgt sich in seinem Fell und neben ihnen + Erscheint der Walfisch in der Meeresflut + Wie eine Fliege klein. Es schreckt den Kühnen + Nur eins: Wenn sich erhebt der Stürme Wut + Und Staub und Halme wirbelnd aufwärts sendet, + Sein einzig' Auge durch den Qualm ihm blendet. + + Auch eine träge Alte ist ihm teuer, + Die grosse Amme seiner Ungestalt, + Sie nährt in ihm der wilden Kühnheit Feuer, + Sie reizt ihn an zu Frechheit und Gewalt. + Wohnt nicht das Weib bei diesem Ungeheuer, + So birgt es sich im tiefsten Felsenspalt. + Geht müssig er, hockt sie in dunkler Kammer + Und schickt dem Volke Hungersnot und Jammer. + + Im Busen, aus dem alle Übel stammen, + Trägt sie das Zeichen ihres Herrn; die Qual + Des Nächsten mästet sie, sie schrumpft zusammen + Bei andrer Glück, die Gier stillt ihr kein Mahl; + Sie peinigt alle mit des Hasses Flammen + Und liebt, o Wunder, selbst sich nicht einmal. + Ihr Arm ist Eisen, Stein das liebeleere + Das eis'ge Herz; sie schlinget Berg und Meere. + + Und beider Kinder -- sieben sind's -- durchfliegen + Die Welt von Pol zu Pol, ein Höllenchor; + Nur die Gerechten wollen sie bekriegen, + Sie schliessen auf und zu des Abgrunds Tor, + Denn Beute bringen sie nach grossen Siegen; + Unzähl'ge Arme strecken sie hervor, + Um nach und nach die Seelen ganz zu binden + Wie Eupheuranken einen Turm umwinden. + +14. Sophie Hasenclever. + + + + +EPITAPHIEN. + + + O fühlest du mit mir, der hier im Staube + Verschlossen ruht, der Welt entrückt, Erbarmen, + So spare deine Tränen für die Armen, + Die leben, wechselndem Geschick zum Raube. + + * * * * * + + Warum ergreifst du Tod nicht müde Greise, + Warum soll ich in meiner Blüte sterben? + "Weil das, was altert in der Welt Verderben, + Nicht aufschwebt und nicht weilt im Himmelskreise." + + * * * * * + + Nicht mordete mit hoher Jahre Waffen + Der Tod die Schönheit, die der Staub hier deckt, + Er nahm sie schnell, auf dass sie unbefleckt + Zum Himmel kehre, schön wie sie geschaffen. + + * * * * * + + Geboren war ich erst vor kurzer Frist, + Als man mich hier begrub; so schnell entführet + Der Tod mich, dass der freie Geist kaum spüret, + Wie sehr sein Zustand jetzt verwandelt ist. + + * * * * * + + Nicht gab der Himmel meiner Reize Fülle, + Die Vielen er zum Schmuck für mich entriss, + Durch meinen Tod zurück, da ich gewiss + Am jüngsten Tag mich kleid' in gleiche Hülle. + + * * * * * + + Man glaubt mich tot, der ich gelebt zum Frommen + Der Welt, im Busen tragend tausend Seelen, + Die mich geliebt; wie kann mir Leben fehlen, + Da eine Seele nur der Tod genommen? + + * * * * * + + O würden Fleisch und Blut für meine Knochen -- + Dass ich aufs neue lebte -- eure Tränen, + Dann wär' aus Mitleid hart, wer weint; sein Sehnen + Zwäng' mich zurück ins Joch, das ich zerbrochen. + + * * * * * + + Dass ich gelebt, weiss nur mein Leichenstein, + Und denkt ein Mensch an mich, dann dünkt's ihn gar + Wie Traum; so wirkt der Tod, dass das, was war, + Erscheint, als könnt' es nie gewesen sein. + + * * * * * + + Ich, Braccio von Geschlecht, sah, seit in Schmerzen + Zur Welt ich kam, nur kurze Zeit den Tag; + Nun bin ich hier, wo gern ich harren mag, + Leb' ich nur fort in meines Freundes Herzen. + + * * * * * + + War ich im Leben, der ich Staub jetzt bin, + Des Freundes Leben, muss nicht Tod allein, + Nein eifersücht'ge Qual dem Freund es sein, + Stirbt je vor ihm ein andrer für mich hin? + + * * * * * + + Der Bracci Sonne sank hinab ins Grab, + Mit ihr die Sonne der Natur. Nicht Waffen + Bedurft' der Tod, um ihn dahin zu raffen; + Ein Hauch schon bricht die Frühlingsblume ab. + +15. Sophie Hasenclever. + + + + +DANTE. + + + Kein Lob erreicht ihn, denn was könnt' ich sagen, + Da selbst den Blinden er voll Glanz erschienen? + Doch dazu soll die Sprache jetzt mir dienen, + Das Volk, das ihn beleidigt, anzuklagen! + + Ihm, der zum Reich der Seelen, die verloren, + Hinabstieg, ihr Geheimnis zu erraten; + Ihm, dem die Himmelstore auf sich taten, + Verschloss die eigne Vaterstadt die Tore. + + O Vaterland des Undanks! Dir zum Schaden + Hast du ihn ausgestossen! Du, das stets + Die Besten mit dem schwersten Schmerz beladen. + + Nur seinen Namen braucht die Welt zu lesen! + Denn ward ein Mann unwürd'ger je verbannt + Und ist ein Mann so gross wie er gewesen? + +16. Hermann Grimm. + + + + + + Wie kommt's, dass ich nicht mehr mein eigen bin? + Wer ist's, durch den ich mich verlor, + Der, fremd, in mir sich drängte vor, + Mehr gilt in mir als eigner Sinn? + Und wie durchschnitt + Die harte Brust, + Wer mich nicht einmal angerührt? + Wer bist du, Liebe, Qual und Lust, + Die nun mein Herz gefangen führt, + Die durch das Aug' in meine Seele glitt + Und da so masslos wächst und schwillt, + Dass sie an tausend Enden überquillt? + +17. Hans Grasberger. + + + + + + Den Augen gebt zurück, o Fluss, o Quelle, + Das Wasser, nicht entsprungen euren Bronnen, + Die Tränen, die in eure Flut verronnen, + Zu wilder Höhe trieben eure Welle! + + Du trübe Luft, die mir das Licht, das helle, + In Nebel hüllt, verdunkelnd meine Wonnen, + Gib wieder, um die Blicke neu zu sonnen, + Die Seufzer mir, dass es kein Dunst entstelle! + + Die Schritte, Erde, gib zurück den Füssen, + Es sprosse neu das Gras auf meinem Wege; + Gib, Echo, heut zurück mir Klag' und Stöhnen, + + Gebt meinem Aug' ihr Augen, o ihr süssen, + Die Blicke wieder, dass ich lieben möge + Ein andres Weib, da euch verhasst mein Sehnen. + +18. Sophie Hasenclever. + + + + + + So kehren wirklich die befreiten Seelen, + Auf kurz bemess'ne Zeit, + Zurück in anderm Kleid, + Dass Leben sie und Tod von neuem wählen? + Wird strenge im Befehlen, + Wie einst, die Liebste nah'n, + Noch ganz von ihrem alten Reiz umflossen? + Fast möcht' ich darauf zählen, + Sie zeigte sich alsdann + Ganz ohne Groll, von Milde übergossen. + Und, war ihr Aug' geschlossen, + Hat, neubelebt, sie Mitleid wohl erworben + Mit meinem Tod, -- die selber schon gestorben! + +19. Bettina Jacobson. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Des besten Künstlers herrlichsten Gedanken, + Ein einz'ger Marmor kann ihn ganz enthalten, + Doch muss, will ihn der Meister uns entfalten, + Die Hand dem Geist gehorchen ohne Wanken. + + In dir auch birgt sich Glück und Pein; verdanken + Könnt' ich dir höchstes Heil, doch zu gestalten + Dies Glück, es zu gewinnen, zu erhalten, + Fehlt mir die Kunst; so muss an Gram ich kranken. + + Nicht trägt denn Liebe Schuld an meinen Leiden, + Nicht darf das Schicksal ich zu schmähen wagen; + Kann Heil ich oder Tod von dir erwerben, + + Trägst du im Busen sie und ward von beiden + Mir Tod zuteil, muss ich mich selbst verklagen; + Mein schwacher Geist verschuldet mein Verderben. + +20. Sophie Hasenclever. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Dein leuchtend helles Diadem erringen, + Auf steilem Pfade rauh und lang, + O das vermag im Liebesdrang + Ein Herz voll Demut nur und edler Sitte. + Dir wächst die Kraft, mir werden lahm die Schwingen, + Versagt der Odem auf des Weges Mitte. + O höre meine Bitte: + Obgleich mein Herz sich freut an deiner Ehre, + Und jauchzt, dass deine Tugend so erhaben, + So fleht es dennoch: lenke deine Schritte + Ein wenig nur herab zu mir und wehre + Mir Schwachem nicht, den Geist an dir zu laben; + Wenn minder gross, du Hehre, + Mein Herz dich wünscht, nicht höh'ren Flug will dulden, + O so vergib dir selber mein Verschulden. + +21. Sophie Hasenclever. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Der Freundlichkeit, mit der Ihr mich bedenkt, + Nicht allzu unwert, Herrin, mich zu zeigen, + Wollt ich mit dem, was meinem Geiste eigen, + Erst das erwidern, was Ihr mir geschenkt. + + Bald aber fühlt' ich: da Euch nachzusteigen, + Wohin der Genius Euch empor gelenkt, + Gibt's keinen Weg für mich: verzeiht und denkt, + Wie sehr ich weiss, warum mir ziemt zu schweigen. + + Denn Irrtum wär' mein Glaube, wenn ich dächte, + Dem gleichzutun mit meinem schwachen Werke, + Was von Euch wie des Himmels Gnade regnet. + + Das Feuer fehlt, die Kunst, die es vollbrächte, + Mir Sterblichem, dem kein Versuch die Stärke + Verleiht, mit der der Himmel Euch gesegnet. + +22. Hermann Grimm. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Ach neben dir, die durch zu grosse Wonne + Das Leben mir entreisst, + Wie arm bin ich an Geist, + An Kraft und Kunst! Ja deinen Strahlensegen + Flieht, wie der Blick die Sonne, + Mein blöder Geist; die Flügel möcht' er regen + Weit über sein Vermögen; + Er übertrifft sich selbst, nur deiner kleinsten Spende + Auch wert zu sein; bald aber, ach zum Schaden, + Erlahmt sein Flug, und klar sieht er am Ende, + Nie kann der Dankesschuld er sich entladen, + Für so viel Gnaden! + Je mächt'ger lodern deiner Seele Flammen, + Je mehr sink' ich in toten Staub zusammen. + +23. Sophie Hasenclever. + + + + + + Was ist es, das die Seele mir entzündet? + Ahn' ich der Gottheit Glanz, die Strahlen krönen? + Sah ich auf Erden je ein Bild des Schönen, + Das meine Seele zitternd nachempfindet? + + Blieb mir ein Himmelsstrahl, der nie erblindet, + Von jener Seligkeit, nach der mit Tränen + Sich die verbannten Menschenherzen sehnen, + Die niemals ganz aus dem Gedächtnis schwindet? + + Das, was ich fühl' und schau', das, was mich leitet, + Ist nicht in mir, noch weiss ich, wo es finden! + Zeig' du es mir, denn seit ich dich erschaue, + + Fühl' ich, wie sich in meinem Busen streitet + Ein Ja und Nein, ein bittersüss Empfinden; + Gewiss dein Auge ist es, holde Fraue! + +24. Sophie Hasenclever. + + + + + + "Sprich Amor, ist es Wahrheit, ist's ein Wähnen, + Dass Götterpracht der Herrin Antlitz schmückt, + Oder hat mich ein inn'res Bild entzückt, + Und seh' ich hier den Abglanz jenes Schönen? + + Du weisst es, denn du kamst mit ihr; mein Sehnen + Entfachst nur du, nur du hast mich berückt; + Doch fleh' ich, trotz der Qual, die mich bedrückt, + Nicht mindre diese Flammen, diese Tränen!" + + "Die Schönheit, die du siehst, entstammt der Erde, + Doch wächst ihr Glanz, steigt sie zu höhern Sphären; + Durch deine Augen tritt sie in die Seele, + + Und diese, dass gleich ihr unsterblich werde + Die Schönheit, nimmt sie auf, sie zu verklären; + So laut're Schönheit siehst du, ohne Fehle." + +25. Sophie Hasenclever. + + + + + + O meine Augen, wisst: + Die Zeit vergeht, die Stunde kommt heran, + Wo trüber Tränen Born sich schliesst! + + Gott halt' euch aufgetan, + So lange meiner Herrin Huldgestalt + Auf Erden wallt. + + Schliesst sich der Himmel auf, + Und meine Erdensonne + Lenkt, euch entrückt, den Lauf + Hinan zu aller Sel'gen Wonne, + Was bleibt euch fürder noch zu schauen dann? + +26. Hans Grasberger. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Wenn Kunst, im Stein gestaltend, + Erschaffend und erhaltend, + Dir dauernd Leben gibt durch Menschenhände + Bis an der Zeiten Ende, + Wie könnte erst der Himmel dich verklären, + Der Himmel, göttlich waltend, + Der höh'rer Schönheit Spende + Als Menschenkunst verleiht, wollt' er dir Hehren + Auf Erden schon Unsterblichkeit gewähren! + Doch ach, dein Bild besteht, und du musst sterben? + Wer rächt hier dein Verderben? + Dich räche die Natur, denn sieh, es bleibet + Der Menschen Werk, indes ihr Werk zerstäubet. + +27. Sophie Hasenclever. + + + + +AUF VITTORIA COLONNAS TOD. + + + Als sie, um die viel Seufzer mich verzehren, + Der Erde, meinem Blick und sich entschwand, + Da blieb Natur, die ihrer wert uns fand, + Beschämt zurück, und, der sie sah, voll Zähren. + + Heut wird man nicht den Tod sich rühmen hören, + Ob dieser Sonnen Sonne: ihm entwand + Die Liebe sie: hier lebend festgebannt, + Weilt sie dort oben unter Engelchören. + + Wohl meinte dieser arge, böse Tod: + Verstummen müssten hier die Ruhmesklänge, + Darin man Tugend, Seelenschönheit ehrte. + + Und dennoch spenden jetzt uns die Gesänge + Mehr Lebensglanz, als einst ihr Leben bot: + Der Himmel liess uns, was ihm nicht gehörte. + +28. Bettina Jacobson. + + + + +AUF VITTORIA COLONNAS TOD. + + + Dass nah dem Feuer mich die Glut verzehrte, + Was Wunder? Und, dass jetzt, wo es verglommen, + Ich mich bekümmert fühle und beklommen, + So dass ich nach und nach zu Asche werde? + + Ich sah, wie Flammenschein den Ort verklärte, + Von dem mir all die schwere Pein gekommen, + Doch gab der Anblick schon mir Heil und Frommen, + Der Qual und Tod in Wonne mir verkehrte. + + Jetzt, da der Himmel mir des Feuers Helle, -- + Die mich entzündet, mich ernährte, -- nimmt, + Glüh' ich als Kohle noch im Aschengrabe. + + Schafft mir nicht Amor Feuerstoff zur Stelle, + Bleibt auch kein Fünklein mehr, das weiterglimmt, + Wenn ich zu Asche mich verwandelt habe. + +29. Bettina Jacobson. + + + + +AUF VITTORIA COLONNAS TOD. + + + Um so vollkommne Schönheit nicht von allen + Zurückzufordern, wenn der Tod erschien, + Ward einer sie verliehn: + Der Hohen, Reinen, unter zartem Schleier. + Hätt' allen Sterblichen es Gott gefallen, + Sie zu gewähren, war der Rückkauf teuer. + Ein Hauch ward zum Befreier, + Ein Augenblick, an Dauer kaum gemessen, + Genügte, dass sie Gott + Zurückgeholt: Kein Auge schaut sie wieder! -- + Doch bleiben unvergessen, + Ob auch die Hülle tot, + Uns ihre schönen, heilgen, süssen Lieder. + Lieh Gott an schlimme Brüder + So viel wie ihr, wollt' es zurückerwerben, + Mitleid, gesteh's: Wir alle müssten sterben! -- + +30. Bettina Jacobson. + + + + +AUF VITTORIA COLONNAS TOD. + + + Ward auch schon manches Menschenbild gesehn, + Das aus dem harten Stein mein Hammer bricht, + So steht er doch in Meisters Bann und Pflicht, + Durch den allein kann Schlag und Führung gehn. + + Nur was da göttlich wohnt in Himmelshöhn, + Ist schön durch sich, versendet eignes Licht; + Doch wird ein Hammer ohne Hammer nicht, + Kann Leben auch aus Leben nur erstehn. + + Weil nun der Schlag nur stärker niederfährt, + Je höher wir hinauf den Hammer schwingen, + Flog über mich der deine himmelan. + + So, wenn Gott gnädig Hilfe nicht gewährt, + Kann des Unfert'gen Bildung nur misslingen, + Weil sie kein andrer hier vollbringen kann. + +31. Bettina Jacobson. + + + + +NACH VITTORIA COLONNAS TOD. + + + Versetz' in jene Zeit zurück mich heute, + Wo zaumlos toben mochte blinde Glut! + Gib mir das Antlitz wieder engelgut, + Dem alle Jugendkraft gewelkt zur Seite; + + Die Schritte ohne Zahl in alle Weite, + Die schwer und müh'voll nur das Alter tut, + Dem Busen Feuer gib und Tränenflut, + Willst du noch einmal, Amor, mich zur Beute. + + Denn lebst von Zähren wirklich du, vergossen + In Leid und Lust, was macht den Greis dir teuer, + Der fast am andern Ufer angekommen? + + Schon wehrt der Geist mit himmlischen Geschossen + Sich gegen deinen Pfeil. Das stärkste Feuer, + Es zündet nicht im Holz, das schon verglommen. + +32. Sophie Hasenclever. + + + + + + Ein frohes Herz verschönt, und hässlich macht + Ein traurig Herz; so werd' ich umgestaltet + Durch dich, die meins verwaltet. + -- Nur eins begreif' ich nicht: du müsstest glühen, + Da du die Glut entfacht! -- + Ein Auge klar und helle + Hat für das Schöne mir mein Stern verliehen, + Und willst du mir entziehen + Des Trostes letzte Strahlen, + Wirst du, seh' ich, dir schaden, denn ich meine, + In jedes Bildnis malen + Zugleich mit dem Modelle + Wir Künstler uns hinein; wie wird das deine, + Wenn ich so trostlos weine? + Beglücke mich, dann mal' ich ohne Tränen, + Und du wirst schön und wirst auch mich verschönen. + +33. Sophie Hasenclever. + + + + + + Oft gleicht ein Bild dem Bildner mehr, o Jammer! + Als dem Modell; so bilde + Ich jetzt nur schmerzlich wilde + Entstellte Züge, klägliche Gestalten! + Dich formen will mein Hammer, + Und formt mich selbst, die Stirn voll Schmerzensfalten. + Was könnt' ich auch gestalten, + Da Liebe mich vernichtet, + Als diesen müden Leib voll Angst und Trauer? + Gleicht nicht dem Stein, dem kalten, + Aus dem ihr Bild errichtet, + Die strenge Herrin? Felsen sind nicht rauher. + Die Kunst allein gibt Dauer; + Drum, willst du, dass dein Reiz dich überlebe, + Beglücke mich, dass ich dir Schönheit gebe! + +34. Sophie Hasenclever. + + + + + + Wohl muss ein reiner tücht'ger Sinn sich freuen + An von der Kunst geschaffenen Gestalten, + Die liebe Züg' und Formen aufbehalten + Und Menschen bilden in Wachs, Ton und Stein. + + Wenn dann fühllose Zeiten sie entweihen, + Solch edles Werk zertrümmern und zerspalten, + So wird das Bild sich dennoch in der alten + Schönheit im Geist, der es erfasst, erneuen. + + So ist es deiner Schönheit widerfahren: + Als Bild des Heiles, das den Himmel schmückt, + Hat sie der ew'ge Künstler ausgesendet. + + Verringert sie nun gleich sich mit den Jahren, + Sieht meine Sehnsucht sie nur mehr vollendet, + Der Schönheit denkend, die kein Alter knickt. + +35. Carl Witte. + + + + + + Herrin, wie mag's nur sein -- und doch bewährt + Es die Erfahrung -- dass weit längeres Leben + Dem Bildwerk als dem Bildner wird gegeben, + Des Meisterhand den rohen Stein verklärt? + + Der Schöpfer schwindet das Geschaffne währt, + Kurzlebig muss Natur vor Kunst erbeben, + Ich weiss es, der ich ganz der Kunst ergeben, + Klar sehe, wie die Zeit mit mir verfährt. + + So könnt' ich langes Leben wohl uns beiden + Verleih'n, ob Stein, ob Farbe dir beliebt, + Liess ich ein Bild von uns ganz treu und wahr: + + Dass man noch tausend Jahr nach unserm Scheiden + Säh', wie du schön warst, wie ich dich geliebt, + Und dass mein Lieben keine Torheit war. + +36. Friedrich Bodenstedt. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Nach vielen Jahren, vielem Suchen, Ringen, + Erreicht der Weise erst, nah seinem Ende, + Wie er durch Geist und Hände + Lebendig aus dem Stein ein Bildnis schafft. + Denn zu so hohen Dingen + Gelangt man spät, und bald erlischt die Kraft. + Dein Antlitz, götterhaft, + Hat, lange suchend und nach vielem Irren, + Natur, am Gipfel angelangt, gefunden; + Nun ist sie alt, und ihre Kraft verzehrt. + Darum ist Furchtverwirren + Mit Schönheit oft verbunden, + Das wundersam ein stark Verlangen nährt. + Wer ist's nun, der mich lehrt, + Was besser sei, nachdem ich dich gesehn: + Die höchste Lust? Der Erde Untergehn? -- + +37. Bettina Jacobson. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Was ich in deinem Antlitz sah, beschreibe + Mit Worten nimmer ich; doch was es kündet + Hob oft den Geist, den noch der Körper bindet, + Zu Gott empor aus diesem Erdenleibe. + + Dien' ich dem Spott des Pöbels auch zur Scheibe, + Zeiht er der Regung mich, die er empfindet, + So hoff' ich doch, dass Treue fest gegründet, + Dass keusche Glut so wert wie einst dir bleibe! + + Die ird'sche Schönheit, für den Blick des Weisen + Gleicht sie dem Liebesquell, dem wir entstammen; + Vom Himmel hat die Welt nicht andre Proben, + + Nicht andre Früchte kann die Erde weisen; + Sind treu und keusch nur meiner Liebe Flammen, + Ist süss der Tod und frei mein Flug nach oben. + +38. Sophie Hasenclever. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Ich sehe sanftes Licht mit deinen Blicken, + Mit meinen eignen Augen bin ich blind, + Mit dir im gleichen Schritte wandelnd, sind + Leicht mir die Lasten, die mich sonst erdrücken. + + Von deinen Schwingen mit emporgetragen + Flieg' ich mit dir hinauf zum Himmel ewig; + Wie du es willst: kühn oder zitternd leb' ich, + Kalt in der Sonne, warm in Wintertagen. + + In deinem Willen ruht allein der meine, + Dein Herz, wo die Gedanken mir entstehn, + Dem Geist, in dem der Worte Quell sich findet: + + So kommt's, dass ich dem Monde gleich erscheine, + Den wir soweit am Himmel nur ersehn + Als ihn der Sonne Feuerstrahl entzündet. + +39. Hermann Grimm. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Wenn in zwei Liebenden des Schicksals Walten, + Wenn keusche Lieb' sich gleich und Frömmigkeit, + Wenn einer weinet bei des andern Leid, + Ein Will' und Geist in beiden Herzen schalten; + + Wenn eine Seele lebt in zwei Gestalten, + Verklärt in beiden, sie zu gleicher Zeit + Mit einem Flügel trägt zur Seligkeit, + Ein goldner Pfeil zwei Busen hat gespalten; + + Wenn beide füreinander liebend brennen, + Doch keiner selbst sich liebt, wenn jeder täglich + Zum höchsten Ziel den andern will begeistern, + + Und wenn dies schwacher Abglanz nur zu nennen + Von uns'rer Liebe, sag mir, ist's dann möglich, + Dass Groll das Band löst zwischen solchen Geistern? + +40. Sophie Hasenclever. + + + + + + Durch dich erst kenn' ich mich und aus der Ferne + Streb' ich dem Himmel zu, von dem wir kamen, + Und wie der Fisch geködert wird vom Hamen, + Reichst du mir Speise, und ich komme gerne. + Nur schwach kann ein geteiltes Herze schlagen, + Drum gab ich dir das meine ganz und gar: + Was von mir bleibt, du weisst es, der mich kennt! + Ans Beste nur soll sich die Seele wagen, + Drum muss ich heiss dich lieben, will ich leben! + Denn ich bin Holz nur, du bist Holz, das brennt. + +41. Bettina Jacobson. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Wohl darf mit meiner Liebe heissen Flammen + Gerechte Hoffnung sich zum Himmel schwingen, + Denn wollte unsre Wünsche Gott verdammen, + Warum hiess er die Welt aus Nichts entspringen? + + Wie sollt' ich auch für Höh'res mich entflammen, + Als um der ew'gen Schönheit Ruhm zu bringen, + Von der die Reize, die dich zieren, stammen, + Die keusch und rein'gend jedes Herz durchdringen? + + Trüg'risch ist nur die Hoffnung jener Lust, + Die mit der Schönheit stirbt und stets entflieht, + Weil sie der Züge Wechsel untertan. + + Doch die ist unfehlbar in treuer Brust, + Die um der Hülle Wandlung nicht verglüht; + Durch sie wird uns der Himmel aufgetan. + +42. Carl Witte. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Wäre der Schönheit deiner Augensterne + Das Feuer gleich, das sie ringsum entzünden, + Dann flammte wohl die Welt aus Feuerschlünden, + Es schmölzen selbst des Poles eis'ge Kerne. + + Doch hat der güt'ge Himmel, der sich gerne + Erbarmt des Schwachen, dass wir nicht erblinden, + Die Augen uns umflort, und wir empfinden + Den Glanz nur wie ein Licht in weiter Ferne. + + Nie wird, wie's deinem Reiz gebührt, entbrennen + Der Liebe Glut; nur Stückwerk schau'n wir Toren + Des Ew'gen, lieben das nur, was wir sehen. + + Mich auch bewahrt mein mangelhaft Erkennen, + Die Schwäche nur, dem Menschen angeboren, + Für dich im Flammentode zu vergehen. + +43. Sophie Hasenclever. + + + + + + Ein schönes Antlitz spornt mich himmelan, + Nichts andres freut mich mehr, da schon im Leben + Ich darf empor zu sel'gen Geistern schweben -- + Ein Glück, wie selten es ein Mensch gewann. + + So sehr zum Schöpfer stimmt sein Werk: ich kann + durch Gottgedanken mich zu Gott erheben, + Vom Himmel wird mir Geist und Wort gegeben, + Seit ich erglüht in holdem Liebesbann. + + Drum kann ich von zwei schönen Augen nimmer + Den Blick abzieh'n, als ob zum höchsten Glück, + Empor zu Gott ihr Licht den Weg mir wiese. + + Und fühl' ich mich durchglüht von ihrem Schimmer, + Strahlt mir aus ihrer edlen Glut zurück + Das ew'ge Lächeln sel'ger Paradiese. + +44. Friedrich Bodenstedt. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Ein Schwefelherz in einem strohernen Leibe, + Mit Knochen wie geschnitzt aus dürren Asten, + Ein Flackergeist, der sich der ersten, besten + Hingibt, betört von jedem üpp'gen Weibe; + + Ein Scheinmensch, blind für Höh'res, mürb wie Zunder, + Dergleichen viele auf der Glücksjagd rennen, + Mag lichterloh im Augenblick entbrennen + Gleich wie vom Blitz gerührt; es ist kein Wunder! + + Mir konnte nur die höchste Schönheit taugen, + Zu ew'gen Werken heil'ge Glut zu schüren: + Ihr Glanz allein könnt' mich so hoch erheben. + + Klein schien mein Grösstes mir in deinen Augen; + Ich floh das Volk, dich Einz'gen zu erküren; + Mein Werk gab meiner Liebe ew'ges Leben. + +45. Friedrich Bodenstedt. + + + + + + Das Feuer darf der ems'ge Schmied nicht scheuen, + Sein Eisen neu und kunstvoll zu gestalten; + Mit Kraft des Feuers muss der Meister schalten, + Will er des lautern Goldes sich erfreuen. + + Der einz'ge Phönix kann sich nicht erneuen, + Eh' er verbrennt. So auch in Glutgewalten + Hoff' ich zu sterben, mit den Lichtgestalten + Vereint, die Tod und Zeit nicht mehr bedräuen. + + O süsses Sterben! Selig, wer so brennt! + Wenn ich zu Asche nach und nach verstoben, + Nicht unter Toten leben muss fortan. + + Ja wenn sich von Natur dies Element + Zum Himmel hebt, steig' ich, mit ihm erhoben, + Grad' auf, feurig verwandelt, himmelan. + +46. Friedrich Bodenstedt. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Dein Geist stieg in des Leibes Kerkerzelle + Von dort herab, wohin er einst enteilt, + Dass sich ein Engel, der die Seelen heilt + Und Ruhm der Welt verleiht, uns zugeselle. + + Dein Wesen, nicht die Schönheit sonnenhelle, + Entflammt mich, denn ein Herz, wo Tugend weilt, + Baut niemals seine Hoffnung übereilt + Auf das, was rasch entführt der Zeiten Welle. + + Doch lebt solch' edler Geist in schöner Hülle, + Dann fasst ihn jeder, wie man an der Scheide + Die Klinge kennt, eh' eine Hand sie zückte. + + Nichts in der Welt lehrt so wie Schönheitsfülle + Den Schöpfer lieben! Sieh, es streiten beide, + Natur und Himmel, wer zumeist dich schmückte. + +47. Sophie Hasenclever. + + + + + + Nicht Glück, nicht Gnade wird dem Übeltäter, + So sagt das Volk, das auch für mich es sprach, + Denn seit am eig'nen Selbst ich war Verräter + Um dein zu sein, floh mich das Glück, und ach, + Die Zeit verbeut's, dass gleich dem Phönix später + Zu neuen Sonnen ich mich schwingen mag. + Eins ist mein Trost, dass mehr ich mir gehöre, + Wenn dein ich bin, als wenn nur mein ich wäre. + +48. Sophie Hasenclever. + + + + +DIE NACHT. + + + Der aus dem Nichts, eh' noch die Welt bewohnt, + Die Zeit in Zwiegestalt hervorgebracht, + Er gab der _einen_ hoher Sonne Pracht, + Der _andern_ gab er dann den nahen Mond. + + So wird im voraus jedermann gelohnt, + Glück, Zufall und Geschick ihm zugedacht. + _Mir_ fiel die dunkle Seite zu, die Nacht; + Schon in der Wiege blieb ich nicht verschont. + + Und wie bei dem, der eignem Glücke wehrt, + In tiefrer Nacht mehr Schatten sich verbreiten, + So sorg' und klag' ich, dass ich schlecht gehandelt. + + Doch Trost gibt, dass es meiner Nacht beschert, + Der Sonne deines Tages vorzuschreiten, + Die von Geburt an über dir gewandelt. + +49. Bettina Jacobson. + + + + +DIE NACHT. + + + Jedweder Raum, bedeckt und eingefügt, -- + Was er im Innern auch umschliessen mag, -- + Bewahrt die dunkle Nacht am hellen Tag, + Wo alles sich im Strahlenschimmer wiegt. + + Doch wird sie von der Flamme Glut besiegt, + Verjagt die Sonne, was im Finstern lag, + So bleibt nichts Arges mehr im dunkeln Hag, + Ja, auch ein Glühwurm hätte schon genügt. + + Was in der Sonne treibt an Lebenskraft, + An tausend Keimen, Pflanzen zu erkennen, + Wird durchgepflügt vom starken Ackerknechte. + + Die Nacht hingegen ist's, die Menschen schafft, + Und weil wir ihn der Wesen bestes nennen, + Sind heil'ger als die Tage uns die Nächte. + +50. Bettina Jacobson. + + + + +AN DIE NACHT. + + + O Nacht, du liebe, wenn auch dunkle Zeit, + Die jeder Arbeit stilles Ende bringt, + Wohl sieht und kennt dich, wer dein Loblied singt, + Und wer dich würd'gen kann, der weiss Bescheid. + + Du schläferst ein des Hirnes Müdigkeit, + Wie feuchter Nebel ruhvoll niedersinkt; + Aus Tiefen zu ersehnten Höhen schwingt + Mich oft ein Traum empor, durch dein Geleit. + + Du hemmst und scheuchst zurück, o Todesschatten, + Des Herzens schlimmste Feindin, jede Pein, + Tust, letztes Mittel, tief Betrübten gut. + + Du kräftigst unsre Glieder, unsre matten, + Du trocknest Tränen, wiegst die Sorgen ein, + Und rettest Edle vor Verdruss und Wut. + +51. Bettina Jacobson. + + + + +DIE NACHT. + + + Wenn Phöbus Arme sich nicht strahlend winden + Um dieses kalte, feuchte Erdenrund, + Heisst solche Stunden "Nacht" der Leute Mund, + Weil sie die Sonne dann nicht mehr empfinden. + + Doch ist sie arm und schwach: Schon das Entzünden + Der kleinsten Kerze raubt ihr Leben, und + Ein Zunder an der Flinte macht sie wund, + So dass wir sie gar schnell zerrissen finden. + + Will man noch wirklich Wesenskraft ihr geben, + Muss Phöbus' Kind sie und der Erde sein: + _Sie_ trägt den Schatten, _jener_ gibt ihm Leben. + + Doch, wie's auch sei: Wer lobt, der irrt. Voll Pein, + Verdüstert, muss die Witwe schon erbeben + Vor Eifersucht bei eines Glühwurms Schein. + +52. Bettina Jacobson. + + + + +GESANG DER TOTEN. + + + Wer geboren wird, muss sterben + In der Zeiten Flucht; die Sonne + Duldet jegliches Verderben. + Schnell vergehen Leid und Wonne, + Geist und Wort sind bald verloren; + Alle, die nach uns geboren, + Schatten sind sie, leichter Rauch. + Menschen waren wir ja auch, + Froh und traurig so wie ihr, + Und ihr seht, nun sind wir hier, + Mussten schon zu Staub verderben; + Alle Wesen müssen sterben. + + Unsre Augen konnten schauen, + Aus den Höhlen voll und hell; + Heute sind sie leer, voll Grauen, + Denn die Zeit entführte schnell. + ---- + +53. Bettina Jacobson. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Die Schönheit ward als Vorbild mir auf Erden + Für meinen doppelten Beruf geschenket; + In beiden Künsten sollte sie mir strahlen, + Ein Spiegel, eine Leuchte mir zu werden; + Sie ist es, die zu jenem Ziel mich lenket, + Für das ich einzig meisseln mag und malen. + O törichter, vermessener Gedanke, + Die hohe Schönheit Sinnenlust zu schelten! + Gesundem Geiste zeigt sie Himmelspfade, + Am Staube aber klebt der Blick, der kranke; + Ein reines Auge nur sieht jene Welten, + Die einzig uns erschliesst der Strahl der Gnade. + +54. Sophie Hasenclever + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Nicht schön zu sein, unmöglich ist's dir Schönen, + Nicht gut zu sein, dir Guten! Dein Erbarmen, + Verderblich ist's mir Armen, + Es schmilzt mein Herz in deiner Gnadensonnen + Auflösend sich in Wonnen! + Stirbt eh'r nicht deines Herzens Liebesfülle, + Als deine süsse Hülle, + So duld', ich fleh's mit Tränen, + Dass ich bei dir verweile + Bis du der Welt entronnen! + O dann entrückt mein Sehnen + Der Erde mich, ich eile + Empor zum ew'gen Heile; + Gibt uns der Schöpfer einst am jüngsten Tage, + Den Leib zurück, zu Wonne oder Plage, + Dann nimm mich auf, ob unschön ich geblieben, + Dort gilt ja mehr als Schönheit treues Lieben! + +55. Sophie Hasenclever. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Als mir dein Augenstern zuerst erglühte, + Da war's kein irdisch Licht, das mich getroffen, + Schon sah mein Geist entzückt den Himmel offen, + Ein ew'ger Friede zog in mein Gemüte; + + Denn nimmer stillt mein Herz der Anmut Blüte, + Erzeugt aus dieser Erde niedren Stoffen; + Der Schönheit Ursprung ist sein Ziel und Hoffen; + Es fliegt der ew'gen Schönheit zu und Güte. + + Nie hoffe denn ein weises Herz den Frieden + Von jener Blüte, die zu Staub verkehren + Die rauhe Zeit, und Tod, der uns beschieden; + + Wohl mag der Sinne Glut den Greis versehren, + Die Liebe nicht, sie heiligt uns hienieden, + Doch erst der Himmel wird uns ganz verklären. + +56. Sophie Hasenclever. + + + + + + Die Augen, stets der Schönheit zugetan, + Der Geist, ihr hold und auf sein Heil bedacht, + Sie dringen durch die Nacht + Nur an der Hand der Schönheit himmelan; + Denn aus der Sternenbahn + Strömt Glanz vom Firmament, + So klar, dass ihm zu nah'n, + Die Menschenseele brennt, + Und solch Empfinden nennt + Man Liebe hier; ein edles Herz beflügelt, + Entflammt der Blick nur, der den Himmel spiegelt. + +57. Sophie Hasenclever. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Im Herzen nicht ist meiner Liebe Leben; + Das Herz, das irdisch, sterblich ist, enthält + Die ew'ge Liebe nicht, sie lebt gesellt + Dem Wahn, der Sünde nicht, von Schuld umgeben. + + _Mir_ hat die Liebe klaren Blick gegeben, + Die Schönheit _dir_ beim Eintritt in die Welt, + So dass ich selbst in dem, was einst zerfällt, + In deinem Reiz erkenn' der Gottheit Weben! + + Vom ewig Schönen trennt in mir sich nimmer + Die Liebe, wie die Wärme nie vom Feuer; + Was ihm entstammt und gleicht, das möcht' ich schauen! + + Du trägst in deiner Augen sel'gem Schimmer + Das Paradies, wo du zuerst mir teuer, + Und seine Pforten sind mir deine Brauen! + +58. Sophie Hasenclever. + + + + +DANTE. + + + Als Mensch vom Himmel einst herabgestiegen, + Hat Hölle er und Läut'rungsglut gesehn, + Dann bracht' er lebend, aus des Himmels Höhn, + Uns wahres Licht, die wir im Dunkeln liegen. + + Dass du bestrahlt die Stätte meiner Wiegen, + O lichter Stern, ist unverdient geschehn; + Die ganze arge Welt dir zugestehn, + Wär' kleiner Preis: Nur Gott kann dir genügen. + + Von Dante red' ich, dessen Werk verkannt, + Missachtet ward vom Volk, dem undankbaren, + Das stets sich von Gerechten abgewandt. + + Wär' ich wie er! Hätt' ich wie er den wahren, + Tatkräft'gen Geist, und wär' wie er verbannt: + Das schönste Glück der Erde liess' ich fahren. + +59. Bettina Jacobson. + + + + + So viel scheint gross und kostbar, und es blickt + Das Volk drauf hin bewundernd, aber einer + Steht abseits; ihm erscheint es um so kleiner + Und gallenbitter, was sie hoch entzückt. + + Und das sogar: der eitlen unverständ'gen + Gedankenlosen Welt muss er sich fügen, + Muss reden, wie sie spricht und Freude lügen, + Und lächelnd die verborg'nen Tränen bänd'gen. + + Mein Glück ist nur, dass ganz verborgen sei, + Was ich beweine und was heimlich trachtend + Des Herzens Wünsche wollen, die ich hege. + + Blind ist die Welt und nur Verrätern treu, + Ich aber, Hass und Ehre gleich verachtend, + Geh still und einsam weiter meine Wege. + +60. Hermann Grimm. + + + + + Ich bin jetzt vor mir selbst an Wert gestiegen, + Bin lieber mir, seit dich mein Herze hegt; + So wird erst auf den Stein ein Wert gelegt, + Wenn ihn der Künstler formt mit edlen Zügen. + + Und wie der Blick am Blatt sich mag vergnügen, + Mit Schrift und Bild geziert, nach dem nicht frägt, + Das leer und kahl, so kann erst, seit geprägt + In meinen Geist dein Bild, ich mir genügen. + + Als wären Zauber, wären Waffen mein, + So zieh' ich, ohne dass Gefahr mich trifft, + Mit solchem Schutzbrief aus nach allen Winden; + + Stark gegen Feu'r und Wasser werd' ich sein, + Mit meinem Speichel tilg' ich jedes Gift, + Und mache sehend durch dein Bild die Blinden. + +61. Sophie Hasenclever. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Wie sich im unbehau'nen, toten Stein, + Je mehr der Marmor unter'm Meissel schwindet, + Anwachsend immer voll'res Leben findet, + So mag es, edle Frau, mit mir auch sein. + + Was Gutes in mir ist, es hüllt sich ein + Tief in mein eigen Fleisch, und so, umrindet + Vom rauhen, rohen Stoffe, der mich bindet, + Drängt sich zu mir umsonst das Leben ein. + + Zu matt und kraftlos fühl' ich mich allein, + Das Ende naht und Tag auf Tag verschwindet: + Nimm fort, was sich um meine Seele windet! + Ich könnt' es nicht, doch du kannst mich befrei'n! + +62. Hermann Grimm. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Bald auf dem rechten Fuss, bald auf dem linken, + Bald steigend, bald ermüdet zum Versinken, + Hintaumelnd ratlos zwischen Gut und Böse, + Such' ich, wer meiner Seele Zweifel löse; + Denn wem Gewölk verhüllt des Himmels Weiten, + Wie können den des Himmels Sterne leiten? + + Drum sei mein Herz das unbeschrieb'ne Blatt, + Und was das deine aus sich selbst gefunden, + O schreib' es nieder! was in allen Stunden + Die Richtschnur sei, nach der es Sehnsucht hat, + Damit im Irrsal dieser Lebenstage + Mir Antwort werde auf des Lebens Frage: + + Ob die geringere Gnade einstmals finden, + Die demutvoll sich nah'n mit tausend Sünden, + Als die, die stolz auf das was sie getan, + Im Überfluss der guten Werke nah'n? + +63. Hermann Grimm. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Es spricht ein Mann, es spricht ein Gott mit Kraft + Aus eines Weibes Munde, + Und was sie sprach, die Kunde, + Hat mich mir selbst für alle Zeit entrafft. + Seit ich in ihrer Haft, + Mir selbst durch sie genommen, + Fühl' Mitleid ich mit mir, den sie betrauert. + Tief schweigt die Leidenschaft; + Ihr Reiz nur ausgenommen, + Dünkt hohl die Schönheit mich; in Rosen lauert + Der Tod, vor dem mich schauert. + Du, die durch Feu'r und Wasser führt zum Frieden, + O gib mich nie mir selbst zurück hienieden! + +64. Sophie Hasenclever. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Hat Antlitz, Glieder, eines Menschen Sein + Des Künstlers Geist erfasst, den Gott verliehn, + Dazu ein Tonmodell, mit leichtem Mühn + Bringt er dann Leben in den harten Stein. + + So greift, nach roh entworfnen Zeichnerein, + Der klügste, erste unter allen kühn + Zum Pinsel, wählt, was ihm das beste schien, + Nach prüfenden Vergleichen mancher Reihn. + + Auch ich kam als gering' Modell zur Welt, + Doch anders ward ich, besser erst geartet, + Durch Euch, o edle Frau, von hohem Mut. + + Werd' ich gefeilter, höher noch gestellt, + Durch Eure Hand, -- welch Strafgericht erwartet, + Nach solcher Zucht noch meine wilde Glut? + +65. Bettina Jacobson. + + + + + Die Augen kränkt so vieles, was sie schau'n, + Und alles hier muss, ach, mein Herz verletzen; + Wozu noch leben, wär' mit seinen Schätzen + Nicht mein das Herz der edelsten der Frauen? + + Darf auf Verzeihung ich, auf Hilfe trauen, + Entflieh' ich der Gewohnheit Sündennetzen, + Dem bösen Beispiel, dieser Nacht Entsetzen? + Du kommst! Genug, nun darf auf Heil ich bauen. + ---- + +66. Sophie Hasenclever. + + + + + Dem Tod entgegen steu'r ich will'ger nicht, + Als wer mit Widerstreben + Zum Richtplatz folgt dem strafenden Gericht + Und lassen muss sein Leben. + Wie dieser bin dem Tod ich nah' vielleicht, + Falls nicht mein Restchen minder schnell entweicht; + Und dennoch gönnt mir nicht die Minne, + Dass ich ein Stündchen Rast gewinne. + Ich wach' und schlafe zwischen zwei Gefahren: + Kaum dass ich leise Lebenshoffnung fühlt', + Ist tiefer Seelenkummer aufgewühlt, + Weil ich noch Gluten habe zu befahren, + Und weil die Lieb' um so viel minder frommt, + Als spät sie kommt. + +67. Hans Grasberger. + + + + + Ich sehe meine Zukunft wie im Spiegel, + Wenn bald vom Frost und bald von Glut getroffen, + Ich, dem das Grab schon offen, + Voll Scham vergangner Zeiten denken muss. + Gleich blieb sich Lieb' und Hoffen, + Doch weil mit schnellrem Flügel + Die Zeit jetzt flieht, und nah der Freude Schluss + Dem Greise ist, dünkt Schmerz fast der Genuss! + Entweicht denn beide, Lust so wie Beschwerde! + Der Glücklichste ist ja auf dieser Erde, + Wer, ach, auf ihr nur kurze Stunden weilet, + Denn Tod nur ist der Arzt, der alles heilet. + +68. Sophie Hasenclever. + + + + + Der frischen Jugend wird es nicht bewusst, + Wie so ganz anders, Herr, kurz vor dem Ende, + Gedanken, Hoffen, Lieb' und Wünsche werden. + Wächst unsere Seele, bringt's der Welt Verlust; + + Die Kunst reimt mit dem Tod sich nicht zusammen, + Drum, was erwart' ich noch von mir auf Erden? + ---- + +69. Bettina Jacobson. + + + + + Ich leb' der Sünde, leb', um mir zu sterben, + Mein Leben ist nicht mein, von Schuld umstrickt + Gehört's der Sünde. Gott, der gern beglückt, + Gab Segen nur, ich selbst gab mir Verderben. + + Die Freiheit macht' ich, die wir alle erben, + Zur Sklavin, Staub zum Götzen, wahnberückt; + Zu welcher Schmach hab' ich das Licht erblickt! + ---- + +70. Sophie Hasenclever. + + + + + Hier am äussersten Rande des Lebensmeeres + Lern' ich zu spät erkennen, o Welt, den Inhalt + Deiner Freuden, wie du den Frieden, den du + Nicht zu gewähren vermagst, versprichst und jene + Ruhe des Daseins, die schon vor der Geburt stirbt. + Angstvoll blick' ich zurück, nun da der Himmel + Meinen Tagen ein Ziel setzt: unaufhörlich + Hab' ich vor Augen den alten, süssen Irrtum, + Der dem, den er erfasst, die Seele vernichtet. + Nun beweis' ich es selber: den erwartet + Droben das glücklichste Los, der von der Geburt ab + Sich auf dem kürzesten Pfad zum Tode wandte. + +71. Hermann Grimm. + + + + + Mein Lebenslauf gelangt durch Sturm und Wogen + Auf schwankem Boot nun zu dem grossen Port, + Dahin wir alle steuern fort und fort, + Für alles Tun zur Rechenschaft gezogen. + + Wohl merk' ich nun, wie sehr du mir gelogen, + O Phantasie, die du als Herrn und Hort + Die Kunst mir gabst, wie irrig Tat und Wort, + Und wie auch mich manch eitler Wunsch betrogen. + + Was wird aus lang verflog'nem Liebesweben, + Wenn bald der Doppeltod mir nahen soll? + Nicht ahn' ich, was man bei dem zweiten leidet. + + Mir kann nicht Stift noch Meissel Ruhe geben, + Nur Gottes Liebe noch, die mitleidvoll + Am Kreuz die Arme nach uns ausgebreitet. + +72. Bettina Jacobson. + + + + + Ihr meine vielen, irrtumsschweren Träume, + Ihr solltet euch, da sich das Leben neigt, + Zu einem einz'gen formen, der mir reicht + Die Führerhand in lichte Himmelsräume. + ---- + +73. + + + + + Mir raubten Eitelkeiten dieser Welt + Die mir verlieh'ne Zeit, in Gott zu leben, + Der Gunst vergass ich, die er mir gegeben, + Hab' mehr mit ihr, als ohne sie gefehlt. + + Mich machte blind, was andre aufgehellt, + Zu spät erkannt' ich Tor mein irrig' Streben, + Verzagt fleh' ich dich an, den Bann zu heben, + Darin mich noch die Eigenliebe hält. + + Den halben Weg, Herr, wolle mir erlassen, + Der aufwärts führt, doch ohne deine Hand + Fürcht' ich, dass ich auch diesen nicht vollende; + + Lehr' mich, was diese Welt so hoch hielt, hassen, + Auch das, was ich verehrte, köstlich fand, + Dass ew'ges Heil mir sicher vor dem Ende. + +74. Bettina Jacobson. + + + + + Vom Alter und von Sündenlast beschwert, + Von festgewurzelt argem Trieb gehalten, + Droh'n mir des Todes zwiefache Gestalten, + Und oft hab' ich mein Herz mit Gift genährt. + + Auch kann ich, da die Kraft mir nicht beschert, + Nicht Leben, Liebe, Schicksal umgestalten, + Wenn fürder dein erleuchtend göttlich Walten + Nicht leitend, zügelnd mich die Wege lehrt. + + Doch nicht genug, o Herr, wenn es mich treibt, + Dass meine Seele wieder dorthin fahre, + Wo du sie einst geschaffen aus dem Leeren, + + Gib, wenn an ihr nichts Irdisches mehr bleibt, + Dass Reue ihr den halben Weg erspare + Zu seligem und reinem Wiederkehren. + +75. Bettina Jacobson. + + + + + Was nicht ich will, o Herr, das möcht' ich wollen! + Vom heil'gen Brand trennt mich ein Schlei'r von Eis + Und löscht die Glut; nicht passt mein Tun zum Preis + Der Feder; Lügen sind ihr nur entquollen. + + Dem Herrn kann mit der Zunge Lob ich zollen, + Nicht mit dem Herzen! Ach, dass ich nicht weiss, + Welch' Tor der Gnade auftun? Ihr Geheiss + Verjagt allein den Stolz, den ränkevollen. + + Zerreiss', o Herr, den eisigkalten Schleier; + Die Mauer, hart und starr, wirf sie zusammen, + Sie, die dein Licht verbirgt, die Wehr der Sünde. + + Gib deiner schönen Braut dein Himmelsfeuer, + Gib das verheiss'ne Licht, dass ich in Flammen, + Von Zweifeln frei nur einzig dich empfinde. + +76. Sophie Hasenclever. + + + + + Dich lass an jedem Ort mich schau'n! Dein Feuer + Verschlinge jeder Erdenliebe Flammen, + In Gluten brenn' ich dann, die dir entflammen, + So hell wie damals, als die Welt mir teuer. + + Zerreisse du des Irrtums dunkle Schleier, + Die Sünden, die das Herz zur Qual verdammen, + Vernichte sie; o lass ersteh'n zusammen + Vernunft und Kraft und Willen, mein Befreier! + + Der Zeit hast du die Seele übergeben, + Mit hartem Spruch hältst du ein göttlich Wesen + Gefangen in des Leibes Kerkerwänden, + + Nicht ich kann wandeln dies mein sündig Leben; + Nichts ohne dich ist gut in mir, erlösen + Kannst du allein, nur du mein Schicksal wenden! + +77. Sophie Hasenclever. + + + + + Es fühlen Schmerz, es fühlen Trost nicht minder + Die auserwählten Geister, dass erkoren + Du hast für sie den Tod, um zu den Himmelstoren + Den Eingang zu erkämpfen für uns Sünder. + + Sie jauchzen, weil entsühnt die Menschenkinder + Von ihrer ersten Schuld wie neugeboren, + Sie weinen, weil die Nägel dich durchbohren, + Weil Knecht der Knechte wird des Heiles Gründer. + + Der Himmel zeugt für dich, denn in den Lüften + Erlischt das Weltenauge, Berge wanken, + Die Erde birst, das Meer erbraust im Laufe, + + Die grossen Väter steigen aus den Grüften, + Indes die bösen Engel niedersanken, + Der Mensch nur freut sich, den entsühnt die Taufe. + +78. Sophie Hasenclever. + + + + + Erinnrung ist mir lieb, doch mehr beschweret + Sie noch mit Gram das Herz, der Schuld, der frühen, + Gedenkend, will zur Rechenschaft sie ziehen + Für eine Zeit mich, die nicht wiederkehret; + + Lieb ist sie mir, weil vor dem Tod sie lehret, + Dass alle Erdenfreuden treulos fliehen, + Herb, weil vom Himmel Gnad' herabzuziehen + Dem schwer gelingt, der sich so spät bekehret. + + Wie fest wir auch auf die Verheissung bauen, + So ist doch jener Glaube Frevelmut, + Dass leicht des Zögerns Schuld verzieh'n uns Armen; + + Und dennoch tut, verspritzt in Todesgrauen, + Vom Kreuz herab uns kund dein strömend Blut: + So masslos wie dein Schmerz sei dein Erbarmen! + +79. Sophie Hasenclever. + + + + + O Herr, befreit von schwerer Bürde, wende + Ich mich zu dir, die Weltlust gibt mich her; + Ein schwankes Boot, im Sturm auf wildem Meer, + Treib' ich nun müd' an ruhiges Gelände. + + Die Dornenkrone, die durchbohrten Hände, + Dein gütig mildes Antlitz, mitleidschwer, + Verheissen Gnade reu'ger Wiederkehr, + Und trüben Seelen künft'ge Heilesspende. + + Lass deine heil'gen Augen, lass dein Ohr + Nicht richten über mein vergangnes Leben, + Zeig nicht dorthin mit drohender Gebärde. + + Nur reicher ströme mir dein Blut hervor, + Je greiser ich, die Sünden aufzuheben, + Dass schnell mir Hilfe und Verzeihung werde. + +80. Bettina Jacobson. + + + + + +BRIEFE MICHELANGELOS. + + +Übersetzt von R. A. Guardini. + + + + +1. + +AN MEISTER GIULIANO DA SANGALLO AUS FLORENZ, ARCHITEKT DES PAPSTES IN ROM. + + + _Florenz_, den 2. Mai 1506. + +Giuliano! Ich entnahm aus Eurem Briefe, der Papst habe mir meine Abreise +übelgenommen, ferner, dass Seine Heiligkeit jetzt bereit sei, den Betrag zu +erlegen und auch im übrigen alles unserer Abrede gemäss zu erfüllen und +endlich, dass ich ohne Besorgnis zurückkehren solle. + +Über meine Abreise folgendes: Am Samstag der Karwoche hörte ich -- ich sage +Euch die volle Wahrheit -- den Papst im Gespräch mit einem Goldschmied und +dem Zeremonienmeister bei Tisch sagen, er wolle weder für grosse noch für +kleine Steine auch nur noch einen Heller hergeben. Darüber wunderte ich +mich sehr; trotzdem bat ich ihn vor meiner Abreise um einen Teil des +Geldes, das ich zur Weiterführung des Werkes brauchte. Seine Heiligkeit +erwiderte mir, ich solle am Montag wiederkommen. Am Montag kam ich wieder +und kam am Dienstag und am Mittwoch und am Donnerstag, wie sie selbst +bestätigen kann. Endlich, am Freitag, wurde ich hinausgeschickt, nein, +weggejagt. Der mich hinauswies, sagte, er kenne mich wohl, allein er habe +nun einmal den Befehl. Als ich so die Bestätigung der Worte sah, die ich am +Samstag gehört hatte, geriet ich in grosse Verzweiflung. Doch war das nicht +der einzige Grund, weshalb ich Rom verliess. Es war da noch etwas, worüber +ich schweigen will. Nur so viel will ich sagen, dass ich befürchten musste, +wenn ich noch in Rom bliebe, würde eher _mein_ Grabmal, als das des Papstes +aufgerichtet werden. Das war der Grund meiner plötzlichen Abreise. + +Nun schreibt Ihr mir im Auftrag des Papstes; Ihr werdet ihm also diesen +Brief vorlesen. Seine Heiligkeit soll wissen, dass ich mehr als je bereit +bin, das Werk fortzuführen; und wenn sie das Grabmal durchaus haben will, +so kann es ihr gleichgültig sein, wo ich daran arbeite, wenn es nur nach +Ablauf von fünf Jahren, wie wir vereinbart haben, in Sankt Peter an der ihr +genehmen Stelle aufgerichtet und ein schönes Werk ist, wie ich versprochen +habe. Denn dessen bin ich gewiss, wenn es zustande kommt, wird die Welt +nicht seinesgleichen besitzen. + +Wenn also Seine Heiligkeit jetzt das Werk fortzuführen gedenkt, möge sie +mir besagten Betrag hier in Florenz anweisen, an dem Orte, den ich ihr +bezeichnen werde. In Carrara stehen mir viele Marmorblöcke zur Verfügung; +die werde ich hierher schaffen lassen und ebenso die Stücke, die ich in Rom +habe. Dadurch wurden mir zwar viele Kosten entstehen, allein das sollte +mich nicht kümmern, wenn ich nur das Werk hier ausführen könnte. Dann würde +ich die einzelnen Teile gleich nach ihrer Vollendung nach Rom schicken, und +so gut gearbeitet, dass Seine Heiligkeit ebenso zufrieden sein sollte, als +wenn ich in Rom wäre; ja noch zufriedener, weil sie dann ohne weitere +Belästigung bloss die fertigen Werke sehen würde. Für die besagten +Geldsummen und zur Durchführung besagten Werkes werde ich mich ganz so +verpflichten, wie Seine Heiligkeit es wünscht und hier in Florenz jede +geforderte Sicherheit geben. Es mag sein, was es will, ich werde jede +Bürgschaft aufbringen: ganz Florenz wird doch genügen! Und dann noch dies: +In Rom kann ich zu diesem Preise das Werk nicht vollenden; hier hingegen +vermag ich es, weil ich mir vielerlei Erleichterungen verschaffen kann, die +ich dort nicht finde. Ich werde auch besser und mit grösserer Liebe +arbeiten, weil ich dann nicht mehr an so viele Sachen zu denken brauche. +Einstweilen bitte ich Euch, mein liebster Giuliano, Ihr wollet mir Antwort +geben und das bald. Das sei's. + + Euer Michelangelo, Bildhauer. + + + + +2. + +AN GIOVANNI SIMONE DI LODOVICO BUONARROTI IN FLORENZ. + + + _Rom_, [Juli 1508]. + +Giovan Simone! -- Man sagt, dass durch Wohltaten der Gute gebessert, der +Böse aber nur noch schlimmer gemacht wird. Ich habe schon seit Jahren +versucht, Dich durch gutes Wort und gute Tat zu einem rechtschaffenen und +friedlichen Zusammenleben mit Deinem Vater und uns zu bringen, doch Du +wirst immer schlimmer. Ich sage nicht, dass Du schlecht seist; aber Du +führst Dich in einer Weise auf, die weder mir noch den andern gefällt. Ich +könnte Dir eine lange Rede über Dein Betragen halten, allein es würden +nutzlose Worte bleiben, wie alles, was ich Dir bisher gesagt habe. Ich will +Dir darum kurz erklären, dass Du nichts in der Welt Dein eigen nennst. +Lebensunterhalt gebe ich Dir seit geraumer Zeit, und auch das Reisegeld +hast Du von mir erhalten. Um Gottes willen und weil ich glaubte, Du seiest +mein Bruder wie die andern, habe ich Dir all das geschenkt. Jetzt aber +weiss ich, dass Du mein Bruder nicht bist, denn wärest Du es, so würdest Du +meinem Vater nicht drohen. Du bist vielmehr ein Tier, und als Tier werde +ich Dich auch behandeln! Das lass Dir gesagt sein: Wer sieht, wie sein +Vater bedroht oder geschlagen wird, hat die Pflicht, sein Leben für ihn +einzusetzen, und damit genug! Ich wiederhole Dir, dass Du nichts besitzest, +was Dir gehörte, und dass ich bei der ersten schlimmen Nachricht über Dich +auf dem schnellsten Wege nach Florenz komme. Dann will ich Dich über Deinen +Irrtum aufklären und Dich lehren, Dein Gut zu vergeuden und die Häuser und +Grundstücke, die Du nicht durch Arbeit erworben hast, zu Grund zu richten. +Du bist nicht, wo Du zu sein glaubst! Wenn ich hinkomme, will ich Dir die +Augen öffnen, dass Du heisse Tränen weinen und erkennen sollst, auf welchem +Grund Dein Hochmut steht. + +Ich wiederhole Dir: Wenn Du ein rechtschaffenes Leben führen und Deinen +Vater achten und ehren willst, so werde ich Dir wie den anderen helfen und +Euch bald eine schöne Werkstatt bauen lassen. Tust Du das aber nicht, dann +werde ich kommen und die Sache in einer Weise ordnen, dass Du ganz klar +einsehen sollst, was Du bist und was Du hast und es nie mehr vergessen +sollst. Das sei's. Wo es an Worten fehlt, werde ich mit Taten sprechen. + + Michelangelo. + +Ich kann es nicht über mich bringen; ich muss Dir noch einige Zeilen +schreiben. Seit zwölf Jahren gehe ich bettelnd durch ganz Italien, dulde +jede Schmach, ertrage jede Entbehrung, reibe meinen Körper auf in jederlei +Anstrengung, setze mein Leben jeder Gefahr aus, nur um meiner Familie zu +helfen; und dass nun, da ich sie ein wenig in die Höhe gebracht habe, Du es +sein sollst, der in _einer_ Stunde all das zerstört und vernichtet, was ich +in so vielen Jahren harter Arbeit gebaut habe, beim Leib des Heilandes, das +will ich nicht erleben! Mit zehntausend Deinesgleichen will ich fertig +werden, wenn es sein muss! Und nun sei gut, und bring' nicht einen Menschen +auf, der wirklich andere Sorgen im Kopf hat. + + + + +3. + +AN LODOVICO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ. + + + _Rom_, den 20. Januar 1509. + +Liebster Vater! -- Ich habe heute einen Brief von Euch erhalten. Was ich +daraus erfuhr, hat mich sehr geschmerzt. Ich fürchte, Ihr macht Euch mehr +Sorge, als nötig ist. Wie hoch würde sich wohl der Schaden belaufen, den +sie Euch im schlimmsten Falle zufügen könnte? Es wäre mir lieb, wenn Ihr +mir das mitteilen wolltet. Sonst habe ich nichts zu sagen. Es bekümmert +mich, dass Ihr Euch so ängstigt; darum rafft Euch auf und bereitet Euch gut +auf ihre Angriffe vor; beratet Euch, dann aber denkt nicht länger daran. +Denn wenn sie Euch auch alles nähme, was Ihr hier auf Erden besitzet, so +wird es Euch doch nicht an Mitteln zu einem bequemen Leben fehlen, wenn +auch niemand als ich da wäre, für Euch zu sorgen. Deshalb bleibt guten +Mutes! Ich bin noch in grossen Nöten, denn ich habe seit nun schon einem +Jahr keinen Heller mehr vom Papst bekommen; ich bitte ihn auch um nichts, +denn meine Arbeit geht nicht so voran, dass ich etwas beanspruchen dürfte. +Die Arbeit ist eben schwierig und schlägt dazu nicht in mein Fach. So +verliere ich meine Zeit und erreiche nichts. ---- + + Euer Michelangelo. + + + + +4. + +AN BUONARROTO DI LODOVICO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ. + + + _Rom_, [den 17. Oktober 1509]. + +Buonarroto! ---- In Deinem letzten Brief sagst Du, Lorenzo werde hier +durchreisen, und ich solle ihn gut aufnehmen. Mir scheint, Du weisst nicht, +wie ich hier lebe. Doch für diesmal will ich Dir verzeihen und werde tun, +was ich kann. Ich höre, Gismondo will hierher kommen, um seine +Angelegenheit zu ordnen. Sag ihm in meinem Namen, er dürfe nicht auf mich +zählen; wohl ist er mir als Bruder lieb, aber ich kann ihm in keiner Weise +helfen. Ich sollte auf mich mehr Rücksicht nehmen als auf die andern und +kann nicht einmal mir das Nötige beschaffen. Ich bin hier sehr geplagt und +lebe unter grossen körperlichen Entbehrungen, habe keinen Freund und will +auch keinen. Ich habe nicht so viel Zeit, um das Nötigste zu essen, und +will darum von keinerlei Belästigung mehr wissen, könnte auch keine Unze +mehr davon ertragen. + +Seid eifrig in Euerem Gewerbe. Es freut mich, dass Giovansimone sich +gebessert hat. Seht zu, dass Ihr Euren Besitz in gerechter Weise vermehrt +oder erhaltet, damit Ihr später Grösseres unternehmen könnt, denn ich +hoffe, Ihr könnt Euch einst selbständig machen, wenn ich heimkehre, und Ihr +tüchtige Leute seid. Sag Lodovico, dass ich ihm nicht antwortete, weil ich +keine Zeit hatte, und wundert Euch nicht, wenn ich nicht schreibe. + + Michelangelo, Bildhauer. + + + + +5. + +AN LODOVICO ... + + + _Rom_, den 15. September [1510]. + +Liebster Vater! -- Ich habe hier bei Giovanni Balducci dreihundertfünfzig +doppelte Golddukaten eingezahlt, die er Euch in Florenz zustellen soll. +Sobald Ihr daher diesen Brief empfangen habt, geht zu Bonifazio Fazi, und +er wird sie Euch auszahlen. (Dreihundertundfünfzig doppelte Golddukaten.) +Wenn Ihr sie erhalten habt, bringt sie zum Spitalverwalter und sagt ihm, er +solle sie so anlegen, wie er es mit dem früheren Geld getan hat. Es bleiben +dann noch einige Dukaten, von denen ich schrieb, Ihr solltet sie behalten. +Wenn Ihr es noch nicht getan habt, so tut es jetzt; braucht Ihr mehr, so +nehmt, soviel Euch gut dünkt. Ich schenke Euch, was Ihr braucht, und wenn +Ihr die ganze Summe ausgeben wolltet. Wenn es einer Weisung an den +Spitalmeister bedarf, so lasst es mich wissen. + +Durch Euren letzten Brief erfuhr ich, wie Eure Sache steht. Es bekümmert +mich sehr, aber ich kann nichts machen. Doch sollt Ihr Euch nicht +entmutigen lassen und Euch auch kein bisschen grämen, denn wenn das Gut +verloren geht, ist darum doch nicht das Leben verloren, und ich werde so +viel verdienen, dass der Verlust reichlich gutgemacht wird. Doch bedenkt +wohl, Ihr dürft nicht darauf zählen, denn die Erfüllung solcher +Versprechungen ist doch unsicher. Tut gewissenhaft das Eure und danket +Gott, dass diese Prüfung, wenn sie schon kommen soll, doch zu einer Zeit +kommt, da Ihr Euch besser behelfen könnt, als es früher hätte geschehen +können. Gehabt Euch wohl und lasst lieber das Geld fahren, als dass Ihr +Euch Kummer macht. Ich will Euch am Leben haben, und wäre es auch in Armut; +denn mit Eurem Tod möchte ich nicht alles Gold der Welt erkaufen. Und wenn +die Schwätzer dort oder sonst jemand Euch tadeln, so lasst sie reden; es +sind Menschen ohne Gewissen und ohne Liebe. + + Euer Michelangelo, Bildhauer. + + + + +6. + +AN LODOVICO ... + + + _Rom_, [Oktober 1512.] + +Liebster Vater! -- Ihr warnt mich in Eurem letzten Brief davor, Geld im +Haus zu halten oder bei mir zu tragen; dann sagt Ihr mir, man erzähle sich +bei Euch, ich habe Böses gegen die Medici gesagt. + +Nun, das Geld, das ich besitze, habe ich bei Balduccio auf der Bank liegen +und behalte nur das im Haus oder in der Tasche, was ich für den Tag +brauche. Was die Medici angeht, so habe ich nicht anders über sie +gesprochen, als es allgemein und von jedermann geschieht, wie jüngst über +das Geschick von Prato. Und da hätten die Steine geredet, wenn sie sprechen +könnten. Auch sonst wurde hier vielerlei gesagt; wenn ich es hörte, +erwiderte ich stets: Wenn sie wirklich so handeln, tun sie unrecht. Nicht +als ob ich es geglaubt hätte; wolle Gott, dass es nicht so sei! Noch vor +einem Monat haben einige, die mir Freundschaft bezeigen, sehr schlecht von +den Taten der Medici gesprochen. Ich tadelte sie und sagte, sie täten +unrecht, so zu reden, und sie sollten nichts mehr dergleichen in meiner +Gegenwart äussern. Ich wünschte aber, dass Buonarroto vorsichtig in +Erfahrung zu bringen suchte, woher der Betreffende gehört hat, ich rede +gegen die Medici. Vielleicht kann ich dann ermitteln, von wem diese +Gerüchte stammen, und mich in acht nehmen, wenn es vielleicht einer von +denen ist, die sich meine Freunde nennen. Sonst habe ich nichts zu sagen. +Ich bin noch untätig und warte, dass der Papst mir einen Auftrag gibt. + + Euer Michelangelo, Bildhauer. + + + + +7. + +AN BUONARROTO ... IN FLORENZ. + + + _Rom_, den 30. Juli [1513]. + +Buonarroto! ---- Michele erzählte mir, Du habest ihm vorgerechnet, dass Du +in Settignano für uns ungefähr sechzig Dukaten von Deinem Gelde ausgegeben +habest. Ich erinnere mich, dass Du auch hier bei Tisch zu mir sagtest, Du +habest eine grosse Summe aufgewandt. Doch ich stellte mich, als verstünde +ich nicht, wunderte mich aber nicht, denn ich kenne Dich. Ich denke, Du +wirst Dir den Betrag aufgeschrieben haben, um ihn eines Tages von uns +zurückfordern zu können. Ich möchte aber von Dir undankbarem Menschen +wissen, mit welchem Geld Du ihn erworben hast; und ebenso möchte ich +wissen, ob Ihr nicht mehr an jene zweihundertundachtundzwanzig Dukaten +denkt, die Ihr mir von meinem Guthaben in Santa Maria Nuova genommen habt, +an die vielen Hunderte, die ich für Euer Haus und die Familie ausgegeben +habe, und an die Drangsale und Entbehrungen, die ich ertrug, um Euch zu +helfen. Ich möchte wissen, ob Du daran denkst! Wenn Du nur soviel Verstand +hättest, um die Wahrheit erkennen zu können, würdest Du nicht sagen: 'ich +habe mein Geld ausgegeben', wärest auch nicht gekommen, um mich an Eure +Forderungen zu mahnen; Du hättest vielmehr daran gedacht, wie ich mich Euch +gegenüber in der vergangenen Zeit betragen habe. Du hättest Dir gesagt: +'Michelangelo weiss, was er uns zugesichert hat, und wenn er es jetzt nicht +erfüllt, so muss ihn irgend etwas, was wir nicht wissen, gehindert haben', +und Ihr würdet Euch gedulden. Denn es tut nicht gut, dem Pferd noch die +Sporen zu geben, das schon so schnell läuft, als es vermag. Aber Ihr habt +mich nie gekannt und kennt mich auch jetzt nicht. Gott verzeihe es Euch! Er +hat mir die Kraft gegeben, auszuharren unter der Last, die ich trage, damit +Euch geholfen werde. Ihr werdet all dies schon einsehen, wenn Ihr mich +nicht mehr habt. + +Ich glaube in diesem Sommer nicht nach Florenz kommen zu können, denn ich +bin in einer Weise in Anspruch genommen, dass ich nicht einmal zum Essen +Zeit habe. Gebe Gott, dass ich nicht erliege! Doch will ich -- und kann es +auch -- Lodovico die Anweisung ausstellen, wie ich versprach, denn ich habe +es nicht vergessen. Ich will Euch tausend doppelte Golddukaten geben, damit +Ihr Euch mit diesem Geld und dem, was Ihr schon habt, selbst forthelfen +könnt. Von Eurem Verdienst beanspruche ich nichts. Nur will ich die +Sicherheit haben, dass Ihr mir nach Ablauf von zehn Jahren, wenn anders ich +noch lebe, diese tausend Dukaten in Geld oder anderem Gut zurückgebt, +sobald ich sie fordere. Ich glaube nicht, dass dieser Fall eintritt, aber +wenn ich sie brauche, muss ich sie, wie gesagt, wiederbekommen. Das wird +auch ein Zügel für Euch sein, damit Ihr sie nicht verschleudert. Überlegt +Euch deshalb die Sache, beratet Euch und schreibt mir, was Ihr zu tun +gedenkt. Die vierhundert Dukaten, die Ihr noch von mir habt, schenke ich +Euch; sie sollen in vier Teile geteilt werden, so dass jeder von Euch +hundert erhält. Hundert für Lodovico, hundert für Dich, hundert für +Giovansimone und hundert für Gismondo, mit der Bedingung, dass Ihr das Geld +zusammen in Euer Gewerbe steckt. Das sei's. Zeig' den Brief Lodovico; +entschliesst Euch und gebt mir die Sicherheit, von der ich sprach. Am +dreissigsten Juli. Vergiss nicht, das Geld, das ich Dir für Michele +mitschicke, auch abzugeben. + + Michelangelo, Bildhauer. + + + + +8. + +AN LODOVICO ... IN SETTIGNANO. + + + _Florenz_ [1516]. + +Liebster Vater! -- Ich war sehr erstaunt über Euer Tun, als ich Euch +neulich nicht zu Hause fand. Nun höre ich, dass Ihr Euch über mich beklagt, +dass Ihr erzählt, ich habe Euch vertrieben, und wundere mich immer mehr. +Bin ich doch sicher, dass ich vom Tage meiner Geburt bis heute nie die +Absicht hatte, Euch in irgend etwas, in Grossem oder Kleinem zu nahe zu +treten, dass ich vielmehr alle Mühen meines Lebens Euch zu Liebe getragen +habe. Und Ihr wisst, dass ich es seit meiner Rückkehr aus Rom nach Florenz +stets mit Euch gehalten und jederzeit mein Eigentum zu Eurer Verfügung +gestellt habe. Erst vor wenigen Tagen noch, als Ihr unwohl waret, +versicherte und versprach ich Euch, mit all meinen Kräften und mein Leben +lang Euch zu Diensten zu sein und bestätige es auch jetzt noch. Darum +wundere ich mich heute, dass Ihr alles das so bald vergessen habt. Ihr samt +Euren Kindern habt doch schon dreissig Jahre lang meine Treue erprobt und +wisst, dass ich Euch immer wohl gesinnt war und Euch Gutes tat, so viel ich +konnte. Wie könnt Ihr da sagen, ich habe Euch weggejagt? Seht Ihr denn +nicht, in welch' schlechten Ruf Ihr mich gebracht habt, wenn man sich +erzählt, ich habe Euch vertrieben? Nur dies Schlimmste fehlte mir noch in +all meinen Mühseligkeiten, die ich Euch zu Liebe ertragen habe! Ihr +vergeltet sie mir gut! Doch mag die Sache sein, wie sie wolle, ich will +glauben, ich habe Euch stets Schande und Schaden gebracht, und bitte Euch +so inständig um Vergebung, als ob ich es wirklich getan hätte. Denkt, Ihr +habet einem Sohn zu verzeihen, der stets ein schlimmes Leben geführt und +Euch alles Leid dieser Welt zugefügt hat, und ich bitte von neuem, Ihr +möget mir schlechtem Menschen vergeben und mich nicht in den Ruf bringen, +als habe ich Euch aus dem Hause gejagt, denn das geht mir näher als Ihr +denkt, bin ich doch immer Euer Sohn. Diesen Brief wird Euch Raffaello da +Gagliano bringen. Ich bitte Euch um Gottes-, nicht um meinetwillen, kommt +nach Florenz, denn ich muss abreisen und habe Euch sehr wichtige +Mitteilungen zu machen, kann aber nicht zu Euch kommen. Von meinem Diener +Pietro habe ich aus seinem eigenen Munde Dinge gehört, die mir nicht +gefallen. Ich habe ihn darum heute morgen nach Pistoja heimgeschickt, und +er wird nicht mehr zu mir zurückkehren, denn ich will nicht, dass er +unserem Hause Schaden bringt. Ihr hättet mich aber wirklich schon früher +von der Sache in Kenntnis setzen können, denn ihr wusstet alle um sein +Betragen und liesset mich darüber doch ganz im Dunkeln. Ich muss notwendig +abreisen, will aber nicht fort, ehe ich Euch gesprochen habe und Euch hier +im Haus zurücklassen kann. Ich bitte Euch, lasst allen Groll fahren und +kommt! + + Euer Michelangelo. + + + + +9. + +AN BUONARROTO ... IN FLORENZ. + + + [_Carrara_], den 23. November 1516. + +Buonarroto! -- Du schreibst mir in Deinen zwei letzten Briefen, Lodovico +sei todkrank gewesen, der Arzt habe aber neuerdings erklärt, bis auf +weiteres sei er ausser Gefahr. Wenn es so ist, komme ich nicht nach +Florenz, denn es würde mir sehr schwer fallen. Sollte aber noch Gefahr +sein, so will ich ihn um jeden Preis noch einmal sehen, ehe er stirbt, und +müsste ich auch mit ihm sterben. Aber ich hoffe zuversichtlich, es geht ihm +gut, und deshalb komme ich nicht. Sollte ein Rückfall eintreten, wovor Gott +ihn und uns behüten möge, so sieh zu, dass ihm die geistlichen Tröstungen +und die Sakramente der Kirche nicht fehlen, und lass Dir von ihm sagen, ob +er wünscht, dass wir etwas Bestimmtes für sein Seelenheil tun. Sorge auch, +dass ihm für sein leibliches Wohl nichts abgeht, denn ich habe mich nur für +ihn geplagt, um ihm noch bis zu seinem Tode helfen zu können. Sag' Deiner +Frau, sie solle mit Liebe für seinen Haushalt sorgen; ich werde Euch alles +vergüten, wenn es nötig ist. Sparet nichts, und sollten wir auch alles +darangeben, was wir besitzen. Damit mag es genug sein. Lebt in Frieden und +Du schreibe mir, wie es steht, denn ich bin in grosser Angst und Sorge. +---- + + + + +10. + +AN PAPST CLEMENS VII. IN ROM. + + + _Florenz_, [1524]. + +Heiliger Vater! -- Mittelspersonen verursachen oft viel Arger und +Verwirrung, deshalb wage ich es, ohne eine solche an Eure Heiligkeit über +die Gräber hier in San Lorenzo zu schreiben. Ich weiss wirklich nicht, was +besser ist, das Schlimme, das Nutzen bringt, oder das Gute, das Unheil +anrichtet. Doch so viel weiss ich gewiss: ich mag noch so untauglich und +unvernünftig sein, aber wenn man mich ruhig hätte fortfahren lassen, wie +ich angefangen hatte, dann wären jetzt alle Marmorblöcke für die Arbeiten +in Florenz, und zwar mit geringeren Kosten, als bis jetzt bereits +aufgewendet wurden, schon für ihren Zweck zugehauen und in so gutem +Zustande, wie alle anderen, die ich bisher schon hergebracht habe. + +Nun fürchte ich, dass sich die Sache noch lange hinziehen wird, und weiss +nicht, wie sie ausgehen kann. Ich bitte daher im voraus Eure Heiligkeit um +Entschuldigung für den Fall, dass sich etwas Missliches ereignen sollte, +denn ich habe keine Autorität und glaube deshalb auch für nichts +verantwortlich zu sein. Ich bitte aber Eure Heiligkeit, wenn Ihr mir +irgendeinen Auftrag zuweisen wollt, mir in meiner Arbeit keinen +Vorgesetzten zu geben, sondern mir Vertrauen zu schenken und freie Hand zu +lassen. Ihr werdet dann sehen, was ich vollbringen und wie ich Euch +Rechenschaft über meine Tätigkeit geben werde. + +Die Laterne der Kapelle von San Lorenzo hat Stefano vollendet und enthüllt. +Sie gefällt jedermann und wird, so hoffe ich, auch Eurer Heiligkeit +zusagen, wenn Ihr sie seht. Wir lassen jetzt die Kugel anfertigen. Sie wird +einen Arm im Durchmesser betragen. Ich dachte, sie facettieren zu lassen, +um sie von den übrigen etwas zu unterscheiden, und so wird sie denn auch +ausgeführt. + + Eurer Heiligkeit Diener + + Michelangelo, Bildhauer. + + + + +11. + +AN SEBASTIANO DEL PIOMBO IN ROM. + + + [_Florenz_, Mai 1525.] + +Mein teuerster Sebastiano! -- Gestern abend nahmen mich unser Freund, der +Hauptmann Cujo, und einige Edelleute gütigerweise zum Abendessen mit. Das +machte mir grosse Freude, denn dadurch wurde ich für kurze Zeit aus meiner +Melancholie -- wenn ich sie nicht Wahnsinn nennen soll -- gerissen. Die +Mahlzeit war sehr ergötzlich. Noch mehr freuten mich die Gespräche, die da +geführt wurden; besonders als ich den Hauptmann Euren Namen nennen hörte, +war ich ganz entzückt. Und wie nun besagter Hauptmann erklärte, Ihr seiet +einzig auf Erden und in der Kunst und werdet auch entsprechend in Rom +geschätzt, wäre meine Freude noch gewachsen, wenn das nur möglich gewesen +wäre. Auf diese Art wurde mir bestätigt, dass mein Urteil über Euch nicht +falsch war. Drum widersprecht mir nicht mehr, wenn ich Euch in meinen +Briefen "einzig" nenne, denn ich habe der Zeugen genug; dazu haben wir hier +ein Bild, das weiss Gott jeden, der Augen hat, zwingt, mir recht zu geben. + + + + +12. + +AN GIOVAN SIMONE ... IN SETTIGNANO. + + + _Florenz_, [1533]. + +Giovan Simone! -- Mona Margherita hat mich falsch verstanden. Als ich +vorgestern morgen von Dir und Gismondo sprach -- Ser Giovanni Francesco war +dabei --, sagte ich, ich habe für Euch stets mehr getan als für mich und +viele Mühen auf mich genommen, damit Ihr keine zu tragen hättet, Ihr aber +habet nichts getan, als mich in ganz Florenz zu verleumden. So viel habe +ich gesagt, und wollte Gott, es wäre nicht wahr, dass Ihr Euch wie Tiere +benommen habt! Was Deinen Aufenthalt in Settignano angeht, so bleib nur +dort, pflege dich und sieh zu, dass Du gesund wirst. Was an mir liegt, will +ich stets für Euch tun, denn ich achte nur auf meine Pflicht, nicht auf +Eure Reden. Dann wünschte ich, Du beschafftest dort eine Wohnung, damit +auch Mona Margherita hinkommen kann, denn mein Vater hat sie mir vor seinem +Tode empfohlen, und ich werde sie deshalb nie verlassen. + + Michelangelo. + + + + +13. + +AN MESSER LUIGI DEL RICCIO IN ROM. + + + [_Rom_, 1542.] + +Dieses [Madrigal] habe ich vor längerer Zeit nach Florenz geschickt. Nun +ich es umgearbeitet habe, sende ich es Euch, damit Ihr, wenn es Euch so +beliebt, es den Flammen gebet, denen, meine ich, die mich verzehren. Noch +bitte ich Euch um eine andere Gnade. Ihr sollt mich nämlich von einem +Zwiespalt erlösen, in den mein Geist heute nacht geriet. Denn als ich +unsern Liebling im Traum grüsste, schien es mir, als ob er mit einem +Lächeln mir drohte. Da ich nun ungewiss bin, welcher der beiden Gebärden +ich glauben soll, so bitte ich Euch, fragt ihn selbst; und wenn wir uns am +Sonntag wiedersehen, lasst es mich wissen. + + Ich bleibe, Euch stets verpflichtet, der Eurige. + +---- + + + + +14. + +AN MESSER LUIGI DEL RICCIO, MEINEN FREUND ODER VIELMEHR VEREHRUNGSWÜRDIGEN +HERRN, IN ROM. + + + [_Rom_, 1543.] + +Mein lieber Messer Luigi! -- Ich weiss, dass Ihr im Zeremonienwesen ein +ebenso vollendeter Meister seid, als ich darin untauglich bin. Ich habe nun +von Monsignor di Todi das Geschenk erhalten, von dem Euch Urbino berichten +wird, und da ich glaube, dass Ihr mit Seinen Gnaden befreundet seid, so +bitte ich Euch, danket ihm in meinem Namen mit den Zeremonien, die Euch +leicht, mir aber schwer fallen. ---- + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +15. + +AN MESSER LUIGI DEL RICCIO. + + + [_Rom_ 1545.] + +Unser toter Freund redet und spricht: Der Himmel nahm allen Menschen der +Welt ihre Schönheit und schenkte sie mir allein. Durch göttliches Gesetz +werde ich am Tage des Gerichts auferstehen, wie ich im Leben war. Darum +kann der Himmel die Schönheit, mit der er mich begabt hat, jenen nimmer +wiedergeben, denen er sie raubte, und so muss ich in Ewigkeit schöner +bleiben als alle, und alle anderen hässlich. + +Diese Auffassung ist das Gegenteil von der, die Du mir gestern +auseinandersetztest und ist die rechte, jene aber ist ein Gefabel. + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +16. + +AN VITTORIA COLONNA IN ROM. + + + [_Rom_ 1545.] + +Edle Frau, ich wollte die Gaben, die Eure Gnade mir schon oft zugedacht +hatte, nicht annehmen, bevor ich Euch nicht ein Werk von meiner Hand bieten +könnte, um so ihrer weniger unwürdig zu sein. Aber ich sah ein und +erkannte, dass man die Gnade Gottes nicht kaufen kann, und dass es grosse +Sünde ist, ihr Hindernisse zu bereiten. So bekenne ich meine Schuld und +nehme Eure Gaben freudig an. Und wenn sie mein sind, werde ich mich im +Paradies fühlen; nicht weil ich sie in meinem Hause haben werde, sondern +weil ich in ihrem Hause wohnen darf. Und ich werde dadurch, edle Frau, noch +mehr in Eurer Schuld sein, als ich schon bin, wenn dies überhaupt möglich +ist. + +Diesen Brief wird Euch mein Diener Urbino bringen. Ihm werdet Ihr sagen +können, wann ich nach Eurem Wunsche kommen soll, um den Kopf zu sehen, den +Ihr mir zu zeigen versprachet. + +Ich empfehle mich Eurer Gnade. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +17. + +AN VITTORIA COLONNA IN ROM. + + + [_Rom_, 1538-41 oder 1545-46.] + +Frau Marchesa! -- Da ich in Rom bin, hätte ich eigentlich den Kruzifixus +nicht Messer Tommaso anzuvertrauen und ihn so zum Mittler zwischen Euch und +mir, Eurem Diener, zu machen brauchen. Ich wünsche für Euch Grösseres zu +schaffen, als für irgendeinen anderen mir bekannten Menschen dieser Welt. +Allein ich war und bin noch in so viele Geschäfte verwickelt, dass ich Euer +Gnaden dies nicht zu beweisen vermochte. Ich weiss ja, Euch ist bekannt, +dass die Liebe den Weg stets findet, und der Liebende nicht schläft, und +hätte darum um so weniger eines Mittlers bedurft. Aber wenn es auch den +Anschein hatte, als ob ich nicht an Euch dächte, tat ich doch, was ich +nicht aussprach, um Unerwartetes zu vollbringen. Mein Plan ist misslungen. +"Unrecht tut der, der solche Treue schnell vergisst." + + Eurer Gnaden Diener + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +18. + +AN LIONARDO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ. + + + _Rom_, [den 6. Februar 1546]. + +Lionardo! -- Du bist mit Deiner Auskunft über die Besitzung der Corboli +sehr rasch zur Stelle gewesen. Ich dachte nicht, dass Du noch in Florenz +seiest. Hast Du am Ende Furcht, mein Anerbieten könnte mich reuen, wie man +Dir vielleicht eingeredet hat? Ich sage Dir, dass ich langsam vorgehen +will, denn ich habe das Geld hier mit einer Mühe verdient, die der nicht +kennt, der wie Du im Überfluss geboren ist. + +Ich glaube auch nicht, dass Du mit solcher Eile nach Rom gekommen wärest, +wenn ich im Elend lebte und es mir an Brot fehlte. Du brauchst ja nur das +Geld wegzuwerfen, das Du nicht verdient hast. So eifrig bist Du, diese +Erbschaft nicht zu verlieren! Und sagst noch, es sei Deine Pflicht gewesen, +zu kommen, weil Du mich liebest! Wie der Holzwurm die Balken! Wenn Du +wirklich Liebe für mich hegtest, hättest Du mir jetzt geschrieben: +"Michelangelo, verwendet Euer Geld für Euch, denn uns habt Ihr schon so +viel gegeben, dass wir genug haben. Uns ist Euer Leben lieber als Euer +Geld." + +Ihr habt seit vierzig Jahren von meiner Arbeit gelebt, aber noch nie habe +ich von Euch auch nur ein gutes Wort bekommen. Freilich hast Du voriges +Jahr so viel Tadel hören müssen, dass Du mir aus Scham eine Last Trebbianer +schicktest, aber ich wünschte, Du hättest auch die behalten! + +Ich schreibe dies nicht deshalb, weil ich dem Ankauf abgeneigt bin; ich +will kaufen, um mir eine Rente zu sichern, weil ich nicht mehr arbeiten +kann; aber ich werde langsam vorgehen, denn ich will mir keine +Verdriesslichkeiten kaufen. -- Darum eile Dich nicht. + + Michelangelo. + +Wenn man Dir in Florenz etwas in meinem Namen ausrichtet, oder Dich um +etwas bittet, so darfst Du niemandem Glauben schenken, wenn er Dir nichts +Handschriftliches von mir vorweisen kann. ---- + + + + +19. + +AN DEN ALLERCHRISTLICHSTEN KÖNIG VON FRANKREICH. + + + _Rom_, den 26. April 1546. + +Heilige Majestät! -- Ich weiss nicht, was grösser ist, Eure Gnade oder mein +Erstaunen darüber, dass Eure Majestät sich herabgelassen hat, an +meinesgleichen zu schreiben, ja mehr noch, mich um Arbeiten zu bitten, die +des Namens Eurer Majestät wirklich nicht würdig sind. Doch mögen diese +sein, wie sie wollen; Eure Majestät soll wissen, dass ich schon seit langem +wünschte, Euch zu dienen. Da ich aber hierzu nicht, wie in Italien, +Gelegenheit fand, habe ich es noch nicht tun können. Nun bin ich alt und +noch für einige Monate mit Arbeiten für Papst Paul beschäftigt. Wenn ich +aber nach deren Vollendung noch am Leben bin, so werde ich versuchen, das, +was ich schon lange für Eure Majestät zu tun wünschte, auch wirklich +auszuführen, und zwar ein Werk in Marmor, eins in Bronze und ein Gemälde. +Und wenn der Tod die Verwirklichung dieses Wunsches vereitelt, und man im +anderen Leben noch meisseln und malen kann, so werde ich dort, wo man nicht +altert, es an mir nicht fehlen lassen. Eurer Majestät aber erflehe ich von +Gott ein langes und glückliches Leben. + +Aus Rom am XXVI. April MDXLVI. + + Eurer Allerchristlichsten Majestät + untertänigster Diener + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +20. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, [August 1547]. + +Lionardo! -- Mit Deinem Brief erhielt ich die Quittung über die +fünfhundertundfünfzig Dukaten in Gold, die ich hier bei Bettino eingezahlt +habe. Du schreibst mir, vier davon werdest Du jener Frau zu Gottes Ehre +geben. Damit bin ich wohl zufrieden. Ich wünsche, dass weitere +sechsundvierzig zu Gottes Ehre, für das Seelenheil Deines Vaters Buonarroto +und für das meinige verschenkt werden. Suche irgend einen bedürftigen +Bürger, der Töchter zu verheiraten oder in einem Kloster unterzubringen +hat. Dem gib, aber heimlich. Sieh zu, dass Du nicht betrogen wirst, lass +Dir eine Quittung ausstellen und schicke sie mir; ich rede von Bürgern und +weiss, dass sie sich zu betteln schämen, wenn sie in Not sind. ---- Ich +rate Euch, legt das Geld, das ich Euch schickte, in einem guten Grundstück +oder dergleichen an, denn es ist gefährlich, es im Haus zu behalten, zumal +heutzutage. Seid deshalb vorsichtig und haltet die Augen offen. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +21. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, [den 16. Januar 1548]. + +Lionardo! -- Durch Deinen letzten Brief erfuhr ich vom Tode Giovansimones. +Die Nachricht hat mich tief geschmerzt, denn wenn ich auch schon so alt +bin, hoffte ich doch, ihn vor seinem und meinem Tode noch einmal zu sehen. +Gott hat es so gewollt, ertragen wir es! Ich möchte gern ausführlicher +hören, wie er gestorben ist, ob er vor seinem Tode gebeichtet und +kommuniziert hat, und alle seine religiösen Angelegenheiten geordnet sind; +denn wenn ich erfahren habe, dass es so ist, werde ich weniger bekümmert +sein. ---- + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +22. + +AN MESSER BENEDETTO VARCHI. + + + _Rom_, [1549]. + +Messer Benedetto! -- Damit Ihr sehet, dass ich Euer Büchlein wirklich +empfangen habe, will ich auf die Frage, die darin gestellt wird, einiges +antworten, wenn auch bescheiden und als Laie. Ich meine, die Malerei sei um +so höher zu achten, je mehr sie sich der Plastik nähert, und diese um so +geringer, je mehr sie der Malerei nahekommt. So schien mir auch stets, als +sei die Skulptur die Leuchte der Malerei und zwischen jener und dieser der +gleiche Unterschied, wie zwischen Sonne und Mond. Seitdem ich aber Euer +Büchlein gelesen habe, in dem Ihr auseinandersetzt, dass, philosophisch +betrachtet, beide Künste das gleiche Ziel haben, beide das Gleiche sind, +bin ich anderer Meinung geworden und sage so: Wenn nicht ein grösserer +Aufwand von Überlegung und Mühe, grössere Schwierigkeiten und Anstrengungen +dem Werke auch grösseren Adel verleihen, dann sind Malerei und Skulptur ein +Ding. Und damit sie auch als solches anerkannt würden, dürfte kein Maler +die Bildhauerei weniger als die Malerei betreiben, und ebenso müsste jeder +Bildhauer in gleichem Masse Maler wie Bildhauer sein. Ich verstehe unter +Skulptur die Kunst, die durch Wegnehmen geübt wird, während die, die durch +Auflegen arbeitet, Malerei ist. Dann sollte man es aber auch kurz machen +und beide Künste, Skulptur und Malerei, weil sie doch durch die gleiche +Intelligenz geübt werden, einen rechtschaffenen Frieden schliessen und das +viele Disputieren sein lassen, denn das kostet mehr Zeit, als die Bildwerke +selbst zu machen. Versteht aber der, der die Malerei edler nannte als die +Skulptur, alle Dinge, worüber er schreibt, so gut wie dies, so hätte meine +Magd seine Schriften wohl besser geschrieben. Unendlich viele nie +ausgesprochene Dinge liessen sich noch über dergleichen Künste sagen; aber, +wie ich bemerkte, das würde viel Zeit erfordern, und ich habe nur wenig, +denn ich bin nicht nur alt, sondern stehe schon fast im Grabe. Darum bitte +ich Euch, haltet mich für entschuldigt. Euch aber empfehle ich mich und +danke Euch nach bestem Können für die allzugrosse Ehre, die Ihr mir +erweiset, und die mir nicht zukommt. + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +23. + +AN LIONARDO ... + + + [_Rom_,] den 1. Februar 1549. + +Lionardo! -- Ich schickte Dir mit meinem letzten Brief ein Verzeichnis +mehrerer heiratsfähiger Mädchen, das mir von Florenz zugesandt wurde, ich +glaube von einem Vermittler, der übrigens ein wenig vernünftiger Mann sein +muss, denn er konnte sich doch denken, dass ich, nun schon seit sechzehn +oder siebzehn Jahren dauernd in Rom, wenig Kenntnis von den florentinischen +Familien haben kann. + +Ich sage Dir deshalb, achte nicht auf meine Meinung, wenn Du heiraten +willst, denn ich vermag Dir keinen guten Rat zu geben. Nur das kann ich Dir +ans Herz legen, laufe nicht dem Geld nach, sondern sieh auf Herzensgüte und +guten Ruf. + +Ich glaube, es gibt in Florenz viele verarmte, adlige Familien, für die es +eine Wohltat wäre, wenn Du mit ihnen Verwandtschaft anknüpftest. Auf die +Mitgift könntest Du verzichten, wenn nur auch kein Hochmut da wäre. Du +brauchst eine Frau, die bei Dir bleibt und Dir gehorcht, die keinen Aufwand +liebt und nicht jeden Tag auf Hochzeiten und Gastereien gehen will, denn wo +ein Hof ist, ist es nicht schwer, zur Dirne zu werden. Du brauchst Dich +auch nicht um das Gerede zu kümmern, Du wollest Dich adlig machen, denn es +ist bekannt, dass wir alteingesessene Bürger von Florenz und so vornehmen +Geschlechts wie irgendeine andere Familie sind. Nun empfiehl Dich Gott, +dass er Dir das Rechte gebe. Ich wünschte, Du liessest es mich wissen, +sobald Du etwas Geeignetes gefunden zu haben glaubst, und zwar bevor Du die +Verbindung eingehst. + + + + +24. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 20. Mai 1553. + +Lionardo! -- In Deinem letzten Brief schriebst Du mir, Du habest Deine Frau +nun heimgeführt, seiest sehr befriedigt und sollest mich in ihrem Namen +grüssen. ---- Es freut mich innig, dass Du so zufrieden bist, und ich +denke, man soll Gott dafür nach bestem Können preisen. ---- Für ihren Gruss +danke ihr; sag' ihr in meinem Namen all das, was Du mündlich zu sagen +weisst, ich aber nicht zu schreiben verstehe. Ich wünsche auch, dass man +sie als die Frau eines meiner Neffen erkenne; bisher konnte ich das nicht +durch die Tat beweisen, weil Urbino noch nicht da war. Nun ist er seit zwei +Tagen zurückgekehrt, und ich will meinen guten Willen zeigen. Man sagt mir, +ein schöner Schmuck von guten Perlen werde hier wohl anstehen. Ich habe +darum einen mit Urbino befreundeten Goldschmied beauftragt, nach solchen zu +suchen und hoffe, er wird sie finden. Doch sag' ihr noch nichts davon. +Solltest Du aber etwas anderes für besser halten, so schreibe mir. Das +sei's. Sorge für Deine Gesundheit und vergiss nicht, dass es stets mehr +Witwen als Witwer gibt. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +25. + +AN GIORGIO VASARI. + + + _Rom_, April 1554. + +Messer Giorgio, mein lieber Freund! -- Euer Brief hat mir grosse Freude +gemacht, denn er bewies mir, dass Ihr Euch noch des armen Alten erinnert. +Ein wahrer Triumph war für mich Eure Botschaft, ein neuer Buonarroto sei +geboren. Ich danke Euch darum von ganzem Herzen und soviel ich kann. Doch +missfiel mir der Aufwand, der getrieben wurde. Der Mensch soll nicht +lachen, wenn die Welt ringsum weint. Ich meine daher, Lionardo hat nicht +eben vernünftig gehandelt, als er eines Neugeborenen wegen solche Pracht +entfaltete. Solche Festlichkeit soll man für den Tod dessen aufsparen, der +rechtschaffen gelebt hat. Sonst habe ich nichts zu sagen. Ich danke Euch +aufrichtig für die Liebe, die Ihr mir beweiset, obwohl ich Ihrer nicht +würdig bin. Die Dinge gehen hier ihren alten Gang. Am -- ich weiss nicht +wievielten -- April 1554. + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +26. + +AN MESSER GIORGIO, DEN VORTREFFLICHEN MALER, IN FLORENZ. + + + _Rom_, den 15. Mai 1555. + +Ich wurde mit Gewalt zur Leitung des Baues von Sankt Peter gezwungen und +habe nun schon ungefähr acht Jahre ohne Entgelt, ja mit grossem Schaden und +viel Ärger der Aufgabe geopfert. Nun geht die Arbeit voran, wir haben Geld +und ich bin im Begriff, die Kuppel zu wölben; wollte ich jetzt abreisen, so +würde das den Bau zugrunde richten. Das müsste mir in der ganzen +Christenheit die grösste Schande bringen und würde eine schwere Schuld für +meine Seele sein. Darum bitte ich Euch, mein lieber Herr Giorgio, dankt dem +Herzog in meinem Namen für die grossen Anerbietungen, von denen Ihr mir +schreibt und bittet ihn, er möge mich in Gnaden noch so lange hier arbeiten +lassen, bis ich in gutem Ruf und mit Ehren und ohne Sünde von hier abreisen +kann. + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +27. + +AN MESSER GIORGIO VASARI, MEINEN LIEBEN FREUND, IN FLORENZ. + + + _Rom_, den 23. Februar 1556. + +Messer Giorgio, mein lieber Freund! -- Das Schreiben kommt mich schwer an, +aber um Euch zu antworten, will ich einiges sagen. Ihr wisst, dass Urbino +gestorben ist. Durch seinen Tod hat Gott mir eine grosse Gnade gegeben, +aber ich habe sie mit einem teuren Gut und mit unendlichem Schmerz bezahlen +müssen. Die Gnade war die, dass er, der während seines Lebens mich am Leben +hielt, durch seinen Tod mich sterben lehrte. Und nun sehe ich dem Tode +nicht mehr mit Widerwillen, sondern mit Sehnsucht entgegen. Ich habe ihn +sechsundzwanzig Jahre bei mir gehabt und ihn für ganz wahrhaftig und treu +befunden; und nun, da ich ihn reich gemacht hatte und hoffte, er werde der +Stab meines Alters sein, ist er mir entschwunden, und ich habe keine +Hoffnung mehr als die, ihn im Himmel wiederzusehen. Für diese aber hat uns +Gott seinen seligen Tod Bürge sein lassen. Nun schmerzt es mich nicht mehr, +dass ich sterben muss, sondern dass er mich mit so viel Leiden in dieser +treulosen Welt lebend zurückliess, denn der grössere Teil von mir ist mit +ihm gegangen, und mir ist nur ein tiefes Elend geblieben. Ich bitte Euch +inständig, entschuldigt mich, wenn es Euch keine Mühe macht, bei Messer +Benvenuto, dass ich ihm noch nicht auf seinen Brief antwortete. Ich bin so +in diesen traurigen Gedanken versunken, dass ich nicht schreiben kann. +Empfehlt mich ihm, und ich empfehle mich Euch. + + Euer Michelangelo. + + + + +28. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 31. Mai 1556. + +Lionardo! -- Francesca bittet mich in einem Brief, ich möge ihrem +Beichtvater zehn Dukaten geben, um ein armes Mädchen im Kloster von Santa +Lucia unterzubringen. Ihr zu Liebe will ich es tun, denn ich weiss, sie +würde mich nicht bitten, wenn es kein wohlangebrachtes Almosen wäre. Aber +ich weiss nicht, wie ich das Geld in Florenz auszahlen lassen soll. Ich +wünschte darum, dieser Beichtvater hätte hier einen zuverlässigen Freund; +dem würde ich es geben, sobald ich benachrichtigt würde. + +Es freut mich zu hören, dass es Cassandra gut geht; empfiehl mich ihr, und +haltet Euch gesund. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +29. + +AN GIORGIO VASARI. + + + _Rom_, den 18. Dezember 1556. + +Messer Giorgio! -- Ich habe das Büchlein Messer Cosimos, das Ihr mir +schicktet, erhalten. In diesem Brief liegt ein Dankschreiben an seine +Gnaden. Ich bitte Euch, gebt es ihm und empfehlt mich ihm. Ich habe dieser +Tage unter grossen Mühen und Kosten, aber mit innigem Vergnügen einen +Besuch bei den Einsiedlern in den Bergen von Spoleto gemacht und bin nur +halb wieder hier in Rom, denn wirklichen Frieden findet man nur in den +Wäldern. Sonst weiss ich Euch nichts zu sagen. Es freut mich, dass Ihr +gesund und fröhlich seid, und ich empfehle mich Euch. + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +30. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 16. Juni 1557. + +Lionardo! ---- Mit meiner Gesundheit steht es schlecht; ich habe all die +Beschwerden, die das Alter heimsuchen, ein Steinleiden, dass ich nicht +urinieren kann, dazu Schmerzen in den Seiten und im Rücken, dass es mir oft +unmöglich ist, eine Treppe zu ersteigen. Das Schlimmste sind aber die +Sorgen, die mich quälen. Denn wenn ich all die Bequemlichkeiten aufgebe, +über die ich hier verfügen kann, so lebe ich keine drei Tage mehr. Doch +möchte ich auch nicht die Gnade des Herzogs verlieren, ebensowenig aber den +Bau von Sankt Peter im Stich lassen oder mich selbst vernachlässigen. Bitte +Gott, dass er mir helfe und rate. Sollte es mit mir schlimmer werden, mich +etwa ein gefährliches Fieber anfallen, dann werde ich gleich nach Dir +schicken. Lass Dir aber nicht einfallen, zu kommen, bevor Dich ein Brief +von mir ruft. + +Empfiehl mich Messer Giorgio. Er kann mir sehr nützlich sein, wenn er will, +denn der Herzog ist ihm wohlgesinnt. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +31. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 15. Juni 1559. + +Lionardo! ---- Ich erhielt von Dir zwei Briefe, in denen Du mich sehr +angelegentlich bittest, ich möchte nach Florenz zurückkehren. Du weisst, +glaube ich, noch nicht, dass ich vor ungefähr vier Monaten durch den +Kardinal von Carpi, der zur Baukommission von Sankt Peter gehört, vom +Herzog von Florenz die Erlaubnis erhielt, in Rom beim Bau von Sankt Peter +zu bleiben. Ich dankte Gott dafür und freute mich sehr. Nun, wie schon +gesagt, schreibst Du mir so angelegentlich, ich weiss aber nicht, tust Du +das, weil Du mich dort haben möchtest, oder steht die Sache anders. Sprich +Dich deshalb ein wenig klarer aus, denn alles Derartige regt mich auf und +ist mir lästig. ---- + + Michelangelo Buonarroti. + +Das Schreiben fällt mir sehr schwer, Hand, Augen und Gedächtnis versagen. +Ich bin alt! + + + + +32. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, [den 15. März 1560]. + +Lionardo! -- Ich antwortete auf Dein Schreiben vom Samstag nicht, denn ich +hatte keine Zeit. Nun sage ich Dir, dass ich mich über die Geburt Deiner +Tochter sehr freute. Unsere Familie steht allein; so wird sie uns einst +eine gute Verwandtschaft erwerben können. Haltet sie gut. Ich werde ja +nicht mehr am Leben sein, wenn es soweit ist. Wenn es Zeit ist, dass Du +nach Rom kommst, werde ich Dich benachrichtigen, wie ich Dir ja schon +schrieb. Wisse, dass die grösste Plage für mich hier in Rom die +Beantwortung Deiner Briefe ist. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +33. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 21. August 1563. + +Lionardo! -- Ich ersehe aus Deinem Schreiben, dass Du neidischen, +schlechten Menschen Glauben schenkst, die dir Lügenbriefe schicken, weil +sie mich nicht bestehlen und nach Gutdünken regieren können. Es ist eine +Bande habsüchtiger Kerle, und Du bist ein Tor, dass Du ihrem Gerede über +mich glaubst, als ob ich ein Kind wäre! Schaff' Dir die schamlosen, +neidischen, verkommenen Menschen aus den Augen! Dann schreibst Du, ich habe +Scherereien im Haushalt und anderes. Lass Dir gesagt sein, dass es mir +nicht besser gehen und dass ich in jeder Beziehung nicht sorgsamer +behandelt werden könnte. Ich habe ganz vertrauenswürdige und ehrliche Leute +im Hause, die mich durchaus nicht bestehlen, wie Du zu glauben scheinst. +Sieh zu, dass Deine Angelegenheiten gut gehen und kümmere Dich nicht um die +meinigen, denn ich weiss mir zu helfen, wenn es nötig ist und bin kein +Kind. Lass es Dir gut gehen! + + Michelangelo. + + + + +34. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 28. Dezember 1563. + +Leonardo! -- Zugleich mit Deinem letzten Brief erhielt ich zwölf hübsche +und wohlschmeckende Märzkäschen. Besten Dank! Ich freue mich, dass es Euch +wohl geht. Auch ich befinde mich nicht schlecht. In der letzten Zeit habe +ich mehrere Briefe von Dir erhalten, konnte aber nicht antworten, denn +meine Hand gehorcht mir nicht mehr. Von nun an werde ich andere schreiben +lassen und selbst nur noch unterzeichnen. Das sei's. + + Ich Michelangelo Buonarroti. + + + + + +BRIEFE DER VITTORIA COLONNA AN MICHELANGELO. + + +Übersetzt von R. A. Guardini. + + + + +1. + + + [_Rom_, 1538-41, oder 1545/46.] + +Mein teuerster Meister Michelangelo! -- Ich bitte Euch, schickt mir auf +kurze Zeit den Kruzifixus, wenn er auch noch nicht vollendet ist, denn ich +will ihn einigen Kavalieren des Hochwürdigsten Kardinals von Mantua zeigen; +und wenn Ihr heute nicht durch Arbeiten in Anspruch genommen seid, könntet +Ihr ganz nach Eurer Bequemlichkeit zu einem Plauderstündchen zu mir kommen. + + Eure ergebene + + Marchesa di Pescara. + + + + +2. + + + [_Rom_, 1538-41 oder 1545/46.] + +Einziger Meister Michelangelo und mein ganz besonderer Freund! -- Ich habe +Euren Brief erhalten und den Kruzifixus gesehen. Er hat wahrhaftig in +meinem Gedächtnis alle anderen Darstellungen, die mir je zu Gesicht +gekommen sind, ans Kreuz geschlagen. Man kann sich nichts Lebendigeres und +Vollendeteres denken als dieses Bild, und ich würde mich vergeblich +bemühen, wenn ich die ausserordentliche und wunderbare Feinheit seiner +Ausführung schildern wollte. Ich bin entschlossen, das Bild von keinem +anderen malen zu lassen. Gebt mir darum Gewissheit; rührt die Zeichnung von +einem anderen her, dann muss ich wohl auf sie verzichten, sollte sie aber +Euch gehören, so würde ich sie Euch unter allen Umständen rauben. + +Stammt sie nicht von Euch, und wolltet Ihr das Bild von einem Eurer +Gesellen ausführen lassen, so müssten wir erst darüber reden. Ich kenne +nämlich recht wohl die Schwierigkeit, die Eigenart der Zeichnung in der +Ausführung zu bewahren, und würde dann lieber den Betreffenden etwas +anderes malen lassen. Wenn sie aber Euer Werk ist, dann -- vergebt -- +erhaltet Ihr sie nicht wieder. Ich habe sie bei Licht und mit der Lupe und +im Spiegel betrachtet und versichere Euch, ich habe nie etwas Vollendeteres +gesehen. + + Eure ergebene + + Marchesa di Pescara. + + + + +3. + + + [_Rom_, 1538-41 oder 1545/46.] + +Die Taten Eurer Künstlerkraft reizen den beschauenden Geist, ungenügsam +Höheres zu begehren. Auch mich fasste dies Verlangen, und darum fragte ich, +ob die Vollkommenheit Eurer Werke wohl noch einer Steigerung fähig sei. Ich +habe eingesehen, dass omnia sunt possibilia credenti. Ich hatte den festen +Glauben, Gott werde Euch zur Darstellung dieses Christus übernatürliche +Gnade geben, und als ich ihn sah, übertraf er in jeder Weise all meine +Erwartungen. Eure Wundertaten machten mich kühn, und so sprach ich Wünsche +aus, die ich jetzt staunend erfüllt sehe: Das Bild ist in allen Teilen von +wunderbarer Vollendung, und kein Mensch vermöchte mehr, ja auch nur so viel +zu wünschen. Und wisst, das freut mich besonders, dass der Engel zur +Rechten viel schöner ist, als der andere; denn der heilige Michael wird +Euch Michelangelo am jüngsten Tage zur Rechten des Herrn stellen. Ich aber +kann dafür nichts tun, als zu diesem milden Christus darum zu beten, den +Ihr so vollkommen gebildet habt; zugleich Euch zu bitten, dass Ihr über +mich in jeder Weise gebietet. + + Eure ergebene + + Marchesa di Pescara. + + + + +4. + + + Im Kloster zu _Viterbo_, den 20. Juli [1541-1543]. + +Kunstreicher Meister Michelangelo! -- Euer Brief war gewissermassen eine +Antwort auf den meinigen; dies ist der Grund, weshalb ich Euch noch nicht +antwortete. Dann dachte ich auch, wenn wir beide wie bisher in unserem +Briefwechsel fortfahren wollten, wie es Euch Eure Liebenswürdigkeit und mir +die Pflicht der Dankbarkeit vorschreiben, so könnte ich mich nicht mehr zu +den vorgeschriebenen Stunden mit den Schwestern in der Kapelle der heiligen +Katharina einfinden, und Ihr könntet nicht in der des heiligen Paulus vom +frühen Morgen an den Tag in vertrauter Unterredung mit Euren Gemälden +verbringen, die doch zu Euch in der natürlichen Sprache ihrer Linien ebenso +verständlich reden, wie zu mir die lebendigen Menschen meiner Umgebung: und +so würde ich gegen die Bräute und Ihr würdet gegen den Statthalter Christi +fehlen. Ich kenne die Treue Eurer Freundschaft und die Kraft Eurer in +christlichem Geiste gefestigten Zuneigung und denke darum, ich brauche Euch +nicht durch eigene Briefe den Empfang der Euren zu bestätigen. Vielmehr +will ich mich bereit halten und die erste Gelegenheit erwarten, um Euch +gewichtigere Dienste zu leisten. Unterdessen bitte ich den Herrn, über den +Ihr mir bei meiner Abreise Worte so glühender und demütiger Liebe sagtet, +er möge mich bei meiner Rückkehr in Eurem Herzen sein Bild erneuert und so +glaubenslebendig finden lassen, wie Ihr es mir auf dem Bild der +Samaritanerin gemalt habt. + +Euch und Eurem Urbino empfehle ich mich. + + Eure ergebene + + Marchesa di Pescara. + + + + +5. + + + [_Rom_, 1538-41 oder 1545-46.] + +Der Ruhm, den Eure Kunst Euch schafft, ist so gross, dass Ihr vielleicht +geglaubt hättet, weder die Zeit noch irgend ein Ereignis könnte ihm den Tod +bringen, wäre nicht jener Strahl göttlichen Lichtes Euch ins Herz +gedrungen, und Euch offenbar geworden, dass jeder irdische Ruhm stirbt und +lebte er noch so lange. Wenn Ihr darum aus Euren Bildwerken die Güte dessen +erkennt, der Euch zum einzigen Meister in dieser Kunst machte, werdet Ihr +auch verstehen, dass ich nur dem Herrn für meine schon fast toten Schriften +danken kann, denn dichtend beleidigte ich ihn weniger, als ich in meinem +Müssiggang jetzt tue. Ich bitte Euch darum, nehmt diesen Ausdruck meiner +Gesinnung als Unterpfand künftiger Werke an. + + Eure ergebene + + Marchesa di Pescara. + + + + + +ANMERKUNGEN. + + +Die Erläuterungen beschränken sich auf die notwendigsten biographischen und +historischen Notizen. Zur leichteren Orientierung ist eine kurze Skizze von +Michelangelos äusserem Leben vorangestellt. + +Er wurde am 6. März 1475 im Städtchen Caprese (Toscana) geboren, wo sein +Vater Lodovico das Amt eines Podestà bekleidete. Nach Ablauf seiner +Amtszeit kehrte dieser nach Florenz zurück. Ursprünglich für das Gewerbe +der Seidenweberei bestimmt, setzte Michelangelo seine Neigung durch und kam +in die Werkstatt des Ghirlandajo. 1489 wurde er in Lorenzo des Prächtigen +Bildhauerschule, 1490 in dessen Hausgemeinschaft aufgenommen und genoss den +Verkehr mit dem um den Magnifico versammelten Gelehrten- und Künstlerkreis. +(Madonna an der Treppe, Centaurenkampf.) 1492 starb Lorenzo, 1494 wurde +sein Nachfolger Piero vertrieben. Michelangelo war schon vorher nach +Venedig, darauf nach Bologna gegangen. Er blieb dort ein Jahr, und kehrte +dann nach Florenz zurück, in dem Savonarola an der Spitze des Volkes stand. +(Giovannino, schlafender Amor.) 1496 kam er nach Rom, wo er sich bis 1500 +aufhielt. (Bacchus, Pietà.) 1501 war er wieder in Florenz. (1501-04 der +David, 1504 der Karton zur Pisanerschlacht.) 1505 wurde er von Julius II. +nach Rom berufen und mit der Errichtung von dessen Grabdenkmal beauftragt. +Bis Ende 1505 war er in Carrara (Madonna von Brügge) mit der Zurichtung des +Materials beschäftigt und ging dann nach Rom. 1506 entstand ein Konflikt +mit dem Papst, und Michelangelo floh aus Rom auf Florentiner Gebiet. Lange +Bemühungen Julius' vermochten ihn nicht zur Rückkehr zu bewegen. Erst als +dieser 1506 Perugia und Bologna unterworfen hatte und sich in letzterer +Stadt aufhielt, erreichte eine erneuerte Aufforderung an die Regierung von +Florenz ihren Zweck. Michelangelo begab sich nach Bologna und söhnte sich +mit dem Papste aus. 1507-08 schuf er dort die Erzstatue Julius' und ging +dann nach einem kurzen Aufenthalt in Florenz nach Rom, in der Hoffnung, +jetzt das Juliusgrab ausführen zu können. Der Papst nötigte ihn aber zur +Ausmalung der Sixtinadecke. (1508-12). Nach deren Vollendung durfte er sich +den Arbeiten am Grabmal wieder zuwenden, und Julius beauftragte seinen +Notar und den Kardinal Grossi, für die Ausführung zu sorgen. 1513 wurde +Giovanni de Medici als Leo X. Papst. Noch im gleichen Jahr wurde durch +einen Vertrag das Grabmal sichergestellt. (Die zwei Gefangenen, der Moses.) +1516 musste Michelangelo sich eine Einschränkung des Planes gefallen +lassen; ein neuer Vertrag bestimmte das Jahr 1525 als letzten Termin und +gestattete ihm, auch in Florenz oder Carrara daran zu arbeiten. Aber schon +1516 sah sich der Meister trotz seines energischen Widerstands genötigt, +für Leo X. den Bau der Lorenzofassade in Florenz zu übernehmen. Die Arbeit +kostete ihn vier Jahre und verlief ohne jedes Ergebnis, da besonders +endlose Verordnungen und Intriguen die Lieferung des Materials +verhinderten. 1520 wurde er von dem Auftrag befreit und widmete sich wieder +dem Grabmal, musste aber 1520/21 im Auftrag des Kardinals Giulio de Medici +mit Vorarbeiten für die Mediceergräber beginnen. Das Schwanken des +Kardinals und Geldschwierigkeiten zogen die Ausführungen hinaus. 1523 wurde +Giulio Papst (Clemens VII.) und nun gingen die Arbeiten besser voran, +obwohl Michelangelo sich fortwährend mit dem Gedanken an das unvollendete +Juliusgrab quälte. Der Papst beruhigte ihn etwas, und die Erben Julius' II. +wagten nicht mit Forderungen aufzutreten. 1525 machten sie ihre Ansprüche +doch wieder geltend und die Verhandlungen zogen sich durch die nächsten +zwei Jahre hin. 1527 wurde Rom geplündert; die Republikaner in Florenz +standen auf und richteten ihre Regierungsform ein. 1529 musste die Stadt +sich gegen Clemens und die Kaiserlichen rüsten, und Michelangelo wurde zum +Leiter der Befestigungsarbeiten ernannt. 1530 ergab sich die Stadt, und +Alexander de Medici wurde als Herzog eingesetzt. Michelangelo erhielt vom +Papst für seine Sicherheit Gewähr und nahm die Arbeit an den +Mediceergräbern wieder auf, aber stets verfolgt durch den Gedanken an das +Juliusgrab. Endlich, 1532, ging er auf Anraten des Papstes nach Rom, um die +Angelegenheit zu ordnen, und es kam ein Vertrag zustande, nach dem das +Denkmal in S. Pietro in Vincoli in sehr bescheidenen Verhältnissen +aufgestellt werden sollte. Michelangelo solle zugleich in Florenz arbeiten +dürfen. Zur selben Zeit erhielt er den Auftrag zur Ausmalung der +Sixtinawände und fertigte den Entwurf zum letzten Gericht. Als er 1534 +Florenz verliess, geschah es für immer. Clemens starb; dadurch war ihm der +mächtige Beschützer gegen Alessandro, der ihn hasste, genommen, und er +fühlte sich in seiner Heimatstadt nicht mehr sicher. Die Mediceergräber +blieben unvollendet; der ihm befreundete Vasari sorgte für die Anordnung +der Teile, die fertig geworden waren. Auch jetzt sollte es noch nicht zur +Vollendung des Juliusdenkmals kommen. Paul III. nötigte den Meister zur +Ausführung des letzten Gerichts. 1535-41 arbeitete er daran. Erst 1545, +nach einem letzten Vertrag mit dem Erben Julius' II., konnte Michelangelo +das Werk zu Ende bringen. Unterdessen liefen von 1542-49 die Malereien in +der Capella Paolina, im Auftrag vom Papst Paul. Seine letzte grosse Arbeit +war die Leitung des Baues von St. Peter, die 17 Jahre, von 1547 bis zu +seinem Tode am 15. Februar 1564 in seinen Händen lag. + + * * * * * + + + + +ZU DEN GEDICHTEN. + + +Die äusseren Ereignisse in Michelangelos Leben hatten für sein Dichten +keine grosse Bedeutung. Gelegenheitsgedichte finden sich nur in sehr +geringer Zahl in seinem Canzoniere. Einige an Rom und Florenz, an den +Papst, einige an Freunde, Dank oder Entgegnungen -- und selbst von diesen +scheinen mehrere langgetragene Gedanken zu enthalten, die nur bei einem +bestimmten Anlass ihre Form fanden. + +Ein tieferer Zusammenhang wird wohl zwischen seinen bildnerischen Werken +und seinen Dichtungen bestehen, und es würde Gegenstand einer besonderen +Untersuchung sein müssen, Parallelen in der Entwicklung von Gedanken und +Form auf den verschiedenen Gebieten seines künstlerischen Schaffens +aufzuzeigen. + +Von grossem Einfluss für sein Dichten waren die Menschen, die er liebte: +Die Unbekannten, an die er die Liebesgedichte vor und nach der Colonnazeit +mit ihren wechselnden Stimmungen richtete, Febo di Poggio (vor 1534, als er +Florenz für immer verliess), Cecchin Bracci, und vor allem jene beiden, die +die schönsten seiner Gedichte werden liessen, Tommaso Cavalieri und +Vittoria Colonna. + +Zwischen und in den so entstehenden grossen Gruppen liegen einzelne +Dichtungen von, man möchte sagen, objektiverem Charakter, soweit hiervon +bei einem Michelangelo überhaupt die Rede sein kann. So der Gesang der +Toten, die Epitaphien, die Stanzen auf Stadt und Land, die Sonette auf die +Nacht und jene zwei auf Dante, in denen er wie mit Autorität über seinen +grossen Landsmann spricht. + +Für sich steht die lang vorbereitete Gruppe der letzten Jahre. Diese +Gedichte sind zum grossen Teil an Christus gerichtet, und die Ideen der +Schuld, der Reue, des Ringens nach Erlösung finden in ihnen oft +wundervollen Ausdruck. + +Die meisten seiner Dichtungen entstanden, indem lange in ihm arbeitende +Gedanken sich endlich zur Formung durchrangen, oder es ihm unter dem +Eindruck von Persönlichkeiten oder Ereignissen gelang, sich, sein Streben +und Sehnen auszusprechen. Dann lösten sie sich aus diesem Zusammenhang los +und wurden immer mehr Gegenstand rein künstlerischer, unermüdeter Arbeit. +Mit Freunden wurden sie durchgesprochen, beurteilt, Version auf Version +entstand, Zeile auf Zeile wurde variiert, bis der Dichter, befriedigt, +vielleicht das Gedicht mit seiner schönen, malenden Schrift noch einmal +abschrieb. Oder aber es wurde noch nach Jahren wieder hervorgeholt und +umgearbeitet. Andere blieben Fragment; entweder war die Stimmung erschöpft, +oder der Dichter vermochte ihr keine volle Form zu schaffen, liess das +Begonnene liegen und versuchte es vielleicht in einem neuen Anlauf. -- + +Wenn nun hier die Gedichte unter bestimmte Adressen gesetzt sind, so will +damit nicht gesagt sein, dass Michelangelo sie alle ausdrücklich an die +betreffende Persönlichkeit gerichtet habe, sondern dass sie unter ihrem +Einfluss entstanden und tatsächlich auch oft an sie gelangt seien. -- + +Wortschatz und Bilder nahm er aus der literarischen Sprache seiner Zeit. +Besonders Petrarca und Dante, den er wohl wie kein zweiter mit kongenialem +Geiste verstand, haben stark auf ihn gewirkt. Eben aus ihnen und durch den +Verkehr mit den Gelehrten am Hofe Lorenzos wurden ihm auch die Gedanken der +platonischen Philosophie vertraut. In ihnen fand er die Formeln für sein +eigenes Suchen nach dem Ewiggültigen, und sie sind so tief durch sein Wesen +gegangen, dass sie ganz als sein Eigentum gelten müssen. Vollends in jenen +Dichtungen, in denen er die Bilder aus "seiner" Kunst, der Plastik, nahm, +schuf er völlig Neues. Und diese Bilder sind gerade da am häufigsten, wo er +in vollendetster Form sein Sehnen nach der Vollkommenheit ausspricht, in +den Gedichten an Vittoria. -- + +Der Gedankengang dieser Auswahl ist etwa dieser: einige Gedichte an +Florenz, den Papst; Gelegenheitsgedichte; leichtere Liebesgedichte; Dank +und Freundschaft; einige Dichtungen "objektiveren" Inhalts; tiefere, +persönlichere Liebesgedichte; Vittorias Tod; für Michelangelos +Kunstauffassung bedeutsame Gedanken; Suchen nach ewiger Schönheit +(Cavalieri); die Nacht, der Gesang der Toten; der Vollkommenheitsgedanke +(Vittoria); endlich die geistlichen Dichtungen, Schuld, Reue, Tod, +Erlösung. + +Den Übersetzungen liegt der Text von Guasti zugrunde; es wird deshalb in +den Anmerkungen auf ihn verwiesen (G. p. = Cesare Guasti, Le rime de +Michelangelo Buonarroti ... Firenze MDCCCLXIII, Seite ... ). Sonst hätte +die neuere Ausgabe von G. Frey, Die Dichtungen des Michelagniolo +Buonarroti, Berlin 1897, angezogen werden müssen. Auf ihren sehr +umfangreichen kritischen Apparat stützen sich hauptsächlich die Anmerkungen +zu den Gedichten, ebenso die Zuweisung der Dichtungen an die betreffenden +Adressaten. -- + +In den Übersetzungen von Sophie Hasenclever wurden einige kleine Änderungen +da vorgenommen, wo das Original nicht sinngerecht wiedergegeben schien. + +1. G. p. 303. -- Capitolo, Fragment, wahrscheinlich 1524-26, in Florenz. + Die Auffassung des Gedichtes schliesst sich an die H. Grimms an. In + jener Zeit arbeitete Michelangelo in Florenz an den Grabdenkmälern der + Medici. Die Unbeständigkeit seines Auftraggebers, Clemens VII., der + seine Arbeiten durch andere Pläne unterbrach und auch über die + Ausführung der Gräber öfter seine Ansichten wechselte, Zwistigkeiten + mit seiner Familie, Schwätzereien der Florentiner, Verdächtigungen und + Intriguen seiner Feinde brachten ihn in diese Stimmung, in der ihm die + Stadt wie eine grausame, spottlustige, launische Geliebte erschien. + (Vgl. Grimm, "Fiorenza", Pr. Jahrb. Bd. 47, p. 319ff.). -- Frey hält + das Capitolo für ein Liebesgedicht, eine von vier Versionen, die 1546 + von Michelangelo zu einem Madrigal (G. p. 100) verarbeitet wurden. + +2. G. p. 3. -- Epigramme, 1545. -- 1492 war Lorenzo il Magnifico + gestorben. Auf ihn folgte sein Sohn Piero II. 1494 zog Karl VIII. von + Frankreich über die Alpen, um seine Ansprüche auf Neapel geltend zu + machen. Nun hatte Piero mit Alfons II. von Neapel Beziehungen + angeknüpft und war so dem Angriff des Franzosen ausgesetzt, zumal auch + Lodovico il Moro Karl gegen Florenz hetzte. In der Gefahr verlor er + alle Fassung und lieferte schon in den ersten Verhandlungen die + Festungen des Landes aus. Die entrüsteten Florentiner vertrieben ihn + bei seiner Rückkehr aus der Stadt, die nun in die Hände der Franzosen + fiel. Es folgte die Zeit Savonarolas, der 1498 gestürzt wurde. Die 1495 + eingerichtete republikanische Regierungsform musste wieder fallen, als + 1512 Julius II. Giovanni und Giuliano de Medici, die Brüder Pieros II., + in die Stadt zurückführte. Giovanni wurde 1513 als Leo X. Papst; auf + ihn folgte Giuliano und dieser gab bald seine Herrschaft an Pieros Sohn + Lorenzo II. Nach ihm Giulio, der 1523 als Clemens VII. den päpstlichen + Thron bestieg, die Herrschaft über Florenz aber mitbehielt. Als 1527 + Rom durch die kaiserlichen Truppen erobert und geplündert wurde, + machten in Florenz die Republikaner den Versuch, die frühere + Regierungsform wieder herzustellen, aber das vereinigte Heer der + Kaiserlichen und des Papstes zwangen die Stadt nach zehnmonatlicher + Belagerung (Michelangelo war bei der Befestigung tätig) zur Übergabe + (1530). Zur Herrschaft kam Lorenzos II. natürlicher Sohn Alexander, der + 1537 durch seinen Vetter Lorenzino ermordet wurde. Nun gelangte Cosimo, + des ersten Cosimo Urenkel, zur Herzogswürde und wusste in geschickter + Weise seine Herrschaft endgültig zu befestigen. -- 1545, als für die + aus Florenz geflüchteten Republikaner jede begründete Hoffnung auf + Wiederherstellung der Republik geschwunden war, entstanden die + Epigramme. Michelangelo antwortet in Rom auf einen Vierzeiler des + Giovanni di Carlo Strozzi (1517-1570). Dieser lebte in Florenz + humanistischen Studien und war Mitglied der Akademie. + +3. G. p. 25. -- Madrigal, 1545-46. -- Ein Zwiegespräch der verbannten + Florentiner mit ihrer Heimatstadt. + +4. G. p. 156. -- Sonett, wohl 1511, gegen Ende der Arbeiten an der + Sixtinadecke (1508-12). + +5. G. p. 158. -- Sonetto caudato oder ritornellato; das eigentliche Sonett + schliessen 1-2 Ritornelle, Kehrreime. Etwa 1508-11. -- Giovanni da + Pistoja, vielleicht, was Frey bezweifelt, Kanzler der Florentiner + Akademie. -- Das Gedicht spricht von den Mühen der Arbeit an der + Sixtinadecke. + +6. G. p. 338. -- Stanzen, Fragment, etwa 1518-24. Ein Spottgedicht auf + eine Unbekannte in Florenz. + +7. G. p. 68. -- Madr., 1535-46. An eine Unbekannte. + +8. G. p. 58. -- Madr., 1534-46. Nach Frey ist es an Vittoria Colonna in + der ersten Zeit der Freundschaft gerichtet. + +9. G. p. 97. -- Madr., 1546. An eine Unbekannte, die vielleicht mit der + Adressatin von No. 33 und 34 identisch ist. + +10. G. p. 178. -- Son., 1507-08, in Bologna, an ein unbekanntes Mädchen der + Stadt. + +11. G. p. 29. -- Madr., 1546. -- Luigi del Riccio war Geschäftsträger der + Strozzi in Florenz. Mit Michelangelo war er eng befreundet und leistete + ihm wichtige Dienste. Er verfolgte mit besonderem Interesse die + dichterische Tätigkeit des Meisters, mit feinem Verständnis + beurteilend, besprechend. Er bemühte sich auch um eine Herausgabe der + Gedichte und vereinigte deren 87 in der nach ihm benannten + Ricciosammlung. -- Auf ein unbekanntes Vorkommnis hin schrieb + Michelangelo das Gedicht in seiner ersten Fassung. Riccio erwiderte mit + folgendem Madrigal: + + Es darf kein Liebesdienst + Des Freundes lästig sein + Dem Freunde, denn ein alter, weltbekannter Satz + Verlangt, dass jedes Gut + Und jegliches Geschick + Ihnen gemeinsam sei. Ja Kerker, Tod + Sah man schon einen für den andern leiden, + Und Gut und Ehr' und Leben tauschen sie. + Drum kann ein Streit uns beide nicht entzweien, + Denn alles zu verzeihn, ist Freundschaft stets bereit. + + Darauf arbeitete Michelangelo sein Madrigal zu einer zweiten, längeren + Fassung um, die hier gegeben ist. + +12. G. p. 167. -- Son., 1551. -- Giorgio Vasari lebte 1512-74 und betätigte + sich als Maler, Architekt und Schriftsteller. Er stand beim Herzog von + Florenz in grosser Gunst und hatte in Michelangelos späteren Jahren + zwischen diesem und dem Herzog zu vermitteln (vgl. Brief 26. und 30). + Mit dem Sonett dankt ihm der Meister für die Zusendung der "Vite degli + artisti". + +13. G. p. 164. -- Son., 1555. Dank für Geschenke. + +14. G. p. 325-328. -- Fragment einer Dichtung in Stanzen. Nach Frey würde + dieser Teil in die Jahre 1536-40 fallen, während die Stanzengruppe, in + denen der Dichter das Landleben preist und die übrigen Laster geisselt + (G. p. 317-24), aus seinen letzten Jahren (1556) stammen, also zwei + selbständige Dichtungen vorliegen würden. -- Andere Deutungen für die + Gestalten der Dichtung: der Gigant der Stolz, das Weib die Grausamkeit, + oder Habsucht, oder der Geiz. Dazu Frey (a.a.O. 350): "All diese + Interpretationen sind individueller Art und unverbindlich. Es muss + gesagt werden, dass, so real Michelangelo diese Bilder ausgeführt hat, + so unbestimmt ist gleichwohl für uns ihre Bedeutung gelassen, wohl weil + auch dem Dichter während des Schöpfungsprozesses immer neue Gedanken, + Vergleiche und Züge in den Sinn kamen, die die ursprüngliche Richtung + abänderten. Gleichwohl lassen sich meiner Überzeugung nach doch + Michelangelos Intentionen ahnen und deuten, wenn man, was durchaus + nötig ist, mit den Stanzen das Sonett gegen die Pistojesen (G. p. 160) + vereint. Dort die Pistojesen, die al ciel nemici, invidiosi, superbi; + Söhne Kains hiessen sie, weil sie im Bruderkampfe sich gegenseitig + totschlugen. Hier trägt das Weib das Kainszeichen; freut es sich und + wächst del mal d'altrui, und die Pistojesen sind del danno loro amici. + Wie zur Zeit Dantes Neri und Bianchi in Pistoja sich zerfleischten, so + wieder zur Zeit der Revolution in Florenz. Und dann die Ermordung des + Herzogs Alessandro (1537). Die città intera, die der Gigant mit dem + Fusse deckt, wäre Pistoja, die montagne die dortigen Apenninen, die + vielfach den Parteien ricovero boten wie dem Weibe le gran rocche. + Besonders im Frühjahr 1537 waren die Wirren in Pistoja gross. ... Man + könnte annehmen, dass [Giovanni da Pistoja] ... ausführlich von allen + diesen Ereignissen Michelangelo unterhalten habe, und Schmerz und Zorn + über das Gehörte hätten ihn zu Dichtungen veranlasst, die wohl niemals + abgesandt worden sind." + +15. G. p. 5-21, No. 2, 3, 4, 7, 8, 12, 18, 20, 23, 31, 38, Epitaphien, + 1544. -- Im Jahre 1544 starb in Rom Cecchino (Francesco) de Zanobi + Bracci im Alter von 15 Jahren. Er war Riccios Neffe und wurde von + diesem zärtlich geliebt. Seit 1534 lebte er als verbannter Florentiner + in Rom, wegen seiner Schönheit allgemein bewundert. Sein Tod war für + Riccio ein herber Verlust. Die Freunde, unter ihnen auch Michelangelo, + bemühten sich, ihn zu trösten, und zu diesen Versuchen zählen auch die + ersten dieser Vierzeiler. Die Abfassung der Gedichte war anfangs + lebendig mit der Erinnerung an Cecchino verknüpft, löste sich aber bald + davon los, und das Grab des Freundes wurde zum Ort, an dem der Dichter + in stets neuen Beziehungen und knappster Fassung eigenartige Gedanken + über Leben und Tod aussprach. Riccio ermunterte den Freund durch Bitten + und Geschenke, durch Besprechung und Kritik zur Fortsetzung, und so + entstand im Laufe des Jahres 1544 eine Reihe von 48 vierzeiligen + Grabschriften. Kurze scherzhafte Bemerkungen unter den + Gedichtmanuskripten, die Michelangelo dem Freunde zusandte, zeigen, wie + sehr ihm dieser zusetzte. So zum Epitaph + + 12. "Wenn Ihr keine mehr wollt, so schickt mir nichts mehr." + + 16. (nicht in dieser Auswahl) "Ich wollte es Euch eigentlich nicht + schicken. Es ist ein gar zu plumpes Ding; aber die Forellen und + Trüffeln würden selbst den Himmel bezwingen. Ich empfehle mich + Euch." + + 20. "Für die gesalzenen Schwämme, wenn Ihr schon nichts weiter wollt!" + + 21. (n. i. d. A.) "Dies plumpe Ding, schon tausendmal aufgetischt, für + den Fenchel." + + 23. "Hier reden die Forellen, nicht ich; wenn Euch die Verse nicht + gefallen, dann mariniert sie das nächste Mal nicht mehr ohne + Pfeffer." + + 33. (n. i. d. A.) "Unbeholfene Sachen! Der Brunnen ist ausgetrocknet; + man muss abwarten, bis es regnet. Ihr habt zu grosse Eile!" + + 36. (n. i. d. A.) "Tolle Sachen! Wenn man aber von mir verlangt, ich + soll sie zu Tausenden fabrizieren, so muss schon von jeder Sorte + darunter sein!" + +16. G. p. 155. -- Son., 1545. Zugleich mit No. 59 entstanden. + +17. G. p. 50. -- Madr., Fragm., 1504/5-11. Adressat und Anlass unbekannt. + +18. G. p. 197. -- Son., Zeit, Adressat ist fraglich. Vielleicht 1534-38 in + Rom. + +19. G. p. 81. -- Madr., Adressat unbekannt. Entstehungszeit etwa Beginn der + 40er Jahre. + +20. G. p. 173. -- Son., am Anfang der Freundschaft mit Vittoria Colonna + entstanden, also in den nächsten Jahren nach 1536. -- Vittoria wurde + 1490 im Kastell Marino am Abhang der Albanerberge geboren. 1509 + vermählte sie sich mit Ferrante Francesco d'Avalos, dem Markgrafen von + Pescara. Während ihr Gemahl ein unstetes Kriegsleben führte, lebte + Vittoria meist auf Ischia und unterhielt mit den bedeutendsten Geistern + ihrer Zeit rege Beziehungen. Sie musste früh auf Mutterglück verzichten + und wandte sich ganz geistigen Interessen zu. In das Jahr 1512 fällt + das erste ihrer erhaltenen Gedichte und bald entfaltete sie ein reiches + Schaffen, von ihrer Zeit als die bedeutendste Frau, "la diva Vittoria + Colonna", gefeiert. 1525 starb Francesco. Von nun an lebte sie immer + eingezogener, obwohl stets in Beziehung mit der politischen und + künstlerischen Welt, meist in Klöstern, wie San Silvestro in Capite in + Rom, San Paolo in Orvieto, Santa Caterina in Viterbo (vgl. den vierten + ihrer Briefe an Michelangelo). Infolge der politischen Verhältnisse + änderte sie ihren Aufenthalt oft. 1534 kam sie durch die Berührung mit + Bernardino Ochino in die religiösen Reformbewegungen des 4. und 5. + Jahrzehnts und spielte in ihnen eine nicht unwichtige Rolle. 1534-40 + hielt sie sich viel in Rom im Kloster San Silvestro auf, und in die + frühere Zeit dieser Periode fällt wohl ihr erstes Zusammentreffen mit + Michelangelo, mit dem sie besonders in den Jahren 1538-40 regen Verkehr + unterhielt. Die nächste Zeit brachte ihr schweres Leid. In den Kämpfen + mit Paul III., 1540-41, wurde die Macht der Colonna vernichtet. Sie zog + sich nach Viterbo zurück und blieb dort bis 1544. 1544-47 war sie + wieder in Rom, von körperlichen und seelischen Leiden heimgesucht, aber + fortwährend in regem Austausch mit den bedeutendsten Persönlichkeiten + und selbst literarisch tätig. Die tiefsten ihrer religiösen Dichtungen + fallen in diese Zeit. 1547 starb sie im Kloster Sant' Anna de Funari, + das ihr letzter Aufenthaltsort gewesen war. + +21. G. p. 46. -- Madr., vielleicht um 1540/41. + +22. G. p. 169. -- Son. Es liegt in 6 Versionen vor. Diese ist die zweite + und wurde 1546 abgefasst. Die erste Fassung, die mit dem Brief 16. an + Vittoria abgesandt wurde, fällt in die Jahre 1538-41 oder 1544-46. -- + Vittoria hatte dem Dichter öfter "Dinge" (cose), vielleicht eigene + Dichtungen, angeboten, und er hatte sich lange geweigert, sie + anzunehmen, bevor er ihr nicht ein würdiges Gegengeschenk bieten könne. + +23. G. p. 80. -- Madr., 1534-46. + +24. G. p. 199. -- Son., in 8 Versionen überliefert; die hier übersetzte ist + die Schlussfassung, 1542-46. Die Ausarbeitung der früheren liegt wohl + um 10-20 Jahre zurück. Letztere sind an eine Frau, die gegebene Fassung + ist an einen Mann (signor) gerichtet. (Die Übersetzung sagt allerdings + "holde Fraue".) Gemeint ist Tommaso Cavalieri. Über ihn siehe zu No. + 38. + +25. G. p. 183. -- Son., 1529-30 in Florenz, an eine Unbekannte. + +26. G. p. 74. -- Madr., etwa 1544-46. Nach Frey an Vittoria, in den letzten + Jahren ihres Lebens. + +27. G. p. 38. -- Madr., Anfang der 40er Jahre. + +28.-31. G. p. 227, 229, 31, 226. -- Sonette, No. 30 Madr., sämtlich 1547 + entstanden, No. 28 als letzte von drei Versionen. + +32. G. p. 212. -- Son., nicht lange nach Vittorias Tod (1547), als letzte + von vier Versionen. + +33. G. p. 34. -- Madr., 1540-44, an eine Unbekannte. Vgl. No. 9. + +34. G. p. 35. -- Madr., wohl 1540-44, an eine Unbekannte. Vgl. No. 9. + +35. G. p. 253. -- Son., Entstehungszeit und Adressat unbekannt. + +36. G. p. 175. -- Son., 1546 als letzte von drei Versionen. Die früheren + fallen wohl in die Jahre 1538-42. + +37. G. p. 36. -- Madr., etwa 1542-44. + +38. G. p. 216. -- Son., vor 1534. -- Anfang der 30er Jahre begann + Michelangelos Freundschaft mit Tommaso Cavalieri, einem jungen Römer, + um bis zu seinem Tode, durch 32 Jahre, zu dauern. Was sie für den + unablässig nach der Schönheit und dem sittlich Hohen ringenden Meister + bedeutete, wie lauter er diese Beziehungen auffasste, zeigen besonders + die Dichtungen der 40er Jahre. + +39. G. p. 188. -- Son., 1533/34. + +40. G. p. 190. -- 1532-33. + +41. G. p. 92. -- Madr., vielleicht 1524 in Florenz, an eine unbekannte + Adresse. + +42. G. p. 224. -- Son., 1546, als Schlussfassung verschiedener, bis in die + zweite Hälfte der 30er Jahre zurückgehender Versuche. + +43. G. p. 208. -- Son., Florenz 1533. + +44. G. p. 250. -- Son., in seiner späteren Lebenszeit. + +45. G. p. 176. -- Son., nicht lange nach 1534. + +46. G. p. 223. -- Son., in dieser Fassung 1546. + +47. G. p. 218. -- Es liegen 7 Versionen und viele Varianten einzelner Verse + vor. Die früheren Fassungen (1.-4.) fallen in die Jahre 1536-42, die + hier gegebene fünfte 1546. + +48. G. p. 337. -- Stanze, vielleicht 1536-38, an einen unbekannten + Adressaten oder aber an Tommaso Cavalieri. + +49.-52. G. p. 202, 203, 205, 204. -- Sonette, aus der Periode, während der + Michelangelo am Jüngsten Gericht arbeitete, 1533-41. -- Der Anordnung + innerhalb der Gruppe folgt Frey a.a.O. 367: "Das erste gäbe das Thema + an, das die übrigen weiter entwickelten, wobei die teilweise noch + allgemeinen und unbestimmten Anschauungen zuletzt eine Steigerung und + konkreteren Inhalt erhalten hätten." + +53. G. p. 350. -- Canzonenfragment. Frey lässt Spielraum vom 2. Jahrzehnt + bis ins Alter des Dichters. + +54. G. p. 32. -- Madr., 1541-44, während Vittoria zurückgezogen in Viterbo + lebte. + +55. G. p. 83. -- Madr., 1534-46. + +56. G. p. 214. -- Son., nach 1534, in der späteren Zeit von Michelangelos + Freundschaft mit Cavalieri. + +57. G. p. 33. -- Madr., wohl 1534-42; vielleicht an Vittoria. + +58. G. p. 186. -- Son., Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre. + +59. G. p. 153. -- Son., 1545 als zweite von 5 Versionen. -- Vgl. No. 16. -- + Zur Entstehung des Gedichtes vgl. Frey, a.a.O. 425; Michelangelo + beschäftigte sich damals, nach Vollendung des Jüngsten Gerichts, + besonders intensiv mit Dante. + +60. G. p. 27. -- Madr., etwa 1544-46, nach einer wohl in den 30er Jahren + entstandenen Urversion. + +61. G. p. 177. -- Son., vor 1546; W. Robert-tornow (Die Gedichte des + Michelangelo Buonarroti, Berlin 1896) fasst das Gedicht als an Christus + gerichtet auf (p. 391). Freys Ansicht, der es den Cavalieri-Dichtungen + zuordnet, scheint wahrscheinlicher. + +62. G. p. 37. -- Madr., 1536-47. + +63. G. p. 30. -- Madr., vielleicht 1538-41 oder 1545/6. + +64. G. p. 94. -- Madr., vielleicht 1544/45. + +65. G. p. 172. -- Son., die letzte von 5 Versionen, 1550. (Die früheren + 1544/45 --.) + +66. G. p. 261. -- Son., Fragm., etwa 1560. + +67. G. p. 141. -- Madr., 1546. + +68. G. p. 128. -- Madr., nach 1547. + +69. G. p. 274. -- Son., Fragm., 1552-54. + +70. G. p. 259. -- Son., Fragm., nach 1525; ebenso wie No. 71 aus + vorübergehenden Stimmungen entstanden, Vorläufer der nach 50 häufig + auftretenden Gemütsverfassungen des Dichters. + +71. G. p. 123. -- Madr, die erste Fassung etwa 1536-42, die vorliegende + 1545/46. + +72. G. p. 230. -- Son., Frey, a.a.O. 486: "Vielleicht Michelangelos + schönstes Gedicht, nicht nur der letzten Epoche, sondern seines + Canzoniere überhaupt." + +73. G. p. 279. -- Son., Fragm., 1554. + +74. G. p. 232. -- Son., 1554/55. + +75. G. p. 238. -- Son., 1555. + +76. G. p. 244. -- Son., 1550-54. + +77. G. p. 240. -- Son., 1547-50. + +78. G. p. 245. -- Son., 1555. + +79. G. p. 246. -- Son., 1555. + +80. G. p. 241. -- Son., 1555 oder später. + + * * * * * + + + + +ZU DEN BRIEFEN MICHELANGELOS. + + +Der italienische Text nach Gaetano Milanesi, Le lettere di Michelangelo +Buonarroti, Firenze MDCCCLXXV (Mil. l. = Milanesi, lettera No. ...). +Ebendaher stammt die Datierung der Briefe, die nicht von Michelangelo +selbst herrührt. Leider konnte den Übersetzungen und Anmerkungen die in +Aussicht stehende kritische Gesamtausgabe der Briefe von C. Frey nicht mehr +zugrunde gelegt werden. + +1. Mil. l. CCCXLIII. -- Giuliano da San Gallo 1443 (45) bis 1516 (17), aus + Florenz, war Bildhauer und vor allem Architekt. Er baute in Rom für + Lorenzo den Prächtigen, wurde später nach Neapel gerufen und arbeitete + 2 Jahre für den Bischof von Ostia, den nachmaligen Papst Julius II. + Unter Julius veranlasste er den Bau einer besonderen Grabkirche für das + Denkmal, mit dessen Ausführung Michelangelo betraut war, unterlag er + aber mit seinem Entwurf gegen Bramante und verliess Rom. Nach kurzer + Zeit ernannte ihn der Papst zum Ingenieur, dann zum Architekten am Bau + der neuen Peterskirche. -- Durch seine Vermittlung war Michelangelo + 1505 nach Rom gekommen. Über dessen Flucht folgendes: 1505 hatte er vom + Papste den Auftrag erhalten, ihm ein Grabmonument zu errichten und war + noch im April desselben Jahres nach Carrara gegangen. Dort leitete er + bis zum Januar 1506 die Zurichtung der Blöcke und erwartete dann in Rom + deren Ankunft. Unterdessen hatte aber Julius den Plan des Grabdenkmals + fallen lassen und sich dem Neubau der Peterskirche zugewandt, für die, + wie oben gesagt, Bramantes Pläne gesiegt hatten. Als Michelangelo an + der veränderten Sachlage nicht mehr zweifeln konnte, floh er in seiner + Enttäuschung nach Florenz. Der Papst bemühte sich, ihn zur Rückkehr zu + bewegen, und veranlasste viele Freunde und Gönner des Meisters, ihm + brieflich oder mündlich zuzureden. Auf einen solchen Vermittlungsbrief + antwortet das vorliegende Schreiben. + +2. Mil. l. CXXVII. -- Vgl. Anm. zu Br. 3. -- Der alte Buonarroti hatte + Michelangelo geschrieben, das Betragen seiner Söhne, besonders + Giovansimones, mache ihm viel Kummer. In seiner Antwort (Mil. l. VII) + verspricht ihm Michelangelo, diesem einen Brief zu schreiben "auf meine + Art" -- eben den vorliegenden. + +3. Mil. l. X. -- Lodovico di Leonardo di Buonarrota Simoni (1444-1534) + trieb keinerlei Gewerbe, sondern lebte von dem geringen Ertrag seiner + wenigen Güter und dem Gehalt einer Zollschreiberstelle. Michelangelo + sorgte bis an sein Lebensende in aufopfernder Weise für seine Familie. + Von seinen Brüdern werden in den Briefen genannt: Buonarroto, von dem + das bis in unsere Zeit lebende Geschlecht der Buonarroti abstammt, + 1477-1528, Giovan Simone 1479-1548, Gismondo 1481-1555. -- Mona + Cassandra, Lodovicos Schwägerin, hatte mit diesem nach dem Tode ihres + Gatten einen Streit wegen ihrer Mitgift. -- Michelangelo malte damals + in der Sixtina. + +4. Mil. l. LXXX. -- Lorenzo Strozzi besass in Florenz eine Wollwirkerei, + in der Buonarroto beschäftigt war. + +5. Mil. l. XXII. -- Michelangelo pflegte sein Geld der Spitalverwaltung + von Santa Maria Nuova in Florenz anzuvertrauen. Der Spitalverwalter + wird auch noch in späteren Briefen öfter erwähnt. + +6. Mil. l. XXXVI. -- Vgl. Anm. zu Ged. No. 2. Als Julius II. mit + kaiserlichen Truppen Giuliano de Medici nach Florenz zurückführte, + wurde in den Tagen vom 29. August bis 19. September die Stadt Prato + besetzt und in furchtbarer Weise geplündert. + +7. Mil. l. XCII. -- Im fortgelassenen ersten Teil des Briefes gibt + Michelangelo seinem Bruder den Auftrag, eine gewisse Summe im Namen von + Michele di Piero da Settignano, eines seiner Steinmetzen, in Florenz + auszuzahlen. -- Die Arbeiten, über die er klagt, sind die für das + Juliusdenkmal. + +8. Mil. l. XXXIX. -- Michelangelo erhielt von den Erben Julius II. 1516 + die Erlaubnis, nach Belieben in Rom, Florenz oder Carrara an dem + Denkmal zu arbeiten. Tatsächlich ging er 1516 nach Carrara, um Material + zu beschaffen, und war auch einige Zeit in Florenz. Von hier aus + schrieb er an seinen Vater, der sich in Settignano, einem kleinen Ort + nahe bei Florenz, aufhielt, den Brief. Siehe auch Br. 9. + +9. Mil. l. CXII. + +10. Mil. l. CCCLXXXI. -- 1520 wurde Michelangelo vom Kardinal Giulio de + Medici beauftragt, für die Mediceer in Florenz ein Familiengrab zu + bauen. 1521 erhielt er eine Anzahlung und schloss mit einigen + Steinmetzgewerkschaften in Carrara Verträge auf Lieferung grosser + Marmormengen. Bald machte ihm aber der unbeständige Kardinal, der zudem + durch die politischen Wirren (die Kämpfe Karls V. mit Franz I.) in + Geldnöte geraten war, Schwierigkeiten. Er erklärte sich nicht bestimmt + über die Art der Ausführung und zögerte mit den Zahlungen. Die Arbeiten + ruhten, his Giulio 1523 als Clemens VII. den päpstlichen Thron bestieg. + 1524 begann der Bau der Kapelle (nuova sagrestia di San Lorenzo) und + war bald zu Ende geführt. Über die letzten Arbeiten, Laterne und + Goldkugel, berichtet der Brief. Der Papst, der wohl wissen musste, dass + es Michelangelos Charakter unmöglich war, die Leitung einer Arbeit mit + einem anderen zu teilen, versprach doch Andrea Sansovino die Teilnahme + an dem Werke. Im vorliegenden Brief verwahrt sich Michelangelo dagegen. + -- Über seine Stimmung während dieser Arbeiten vgl. Ged. No. 1 und Br. + No. 11. + +11. Mil. l. CCCXCVII. -- Sebastiano del Piombo (1485-1547) gehörte in Rom + zur Partei Michelangelos gegen Raffael. -- In dem am Schluss des + Briefes erwähnten Porträt vermutet Milanesi das wahrscheinlich + verlorene Bildnis des Francesco degli Albizzi, das Sebastiano in jener + Zeit vollendet und nach Florenz gesandt hatte. + +12. Mil. l. CXXIX. -- Der 1532 mit den Erben Julius II. abgeschlossene + Vertrag bestimmte, dass Michelangelo Zeit und Arbeit zwischen Rom und + Florenz teilen dürfe. -- Mona Margherita war eine nahe Verwandte. -- + Ser Giovan Francesco Fattucci war Kaplan von Santa Maria del Fiore in + Florenz und mit Michelangelo sehr eng befreundet. + +13. Mil. l. CDXXIII. -- Der "Abgott", der wohl auch das Feuer entzündet + hat, das Michelangelo verzehrt, ist Cecchin Bracci. -- Der Dichter + schickt seinem Freunde ein bereits umgearbeitetes Madrigal und spricht + von einer Zusammenkunft am Sonntag. Bei solchen Gelegenheiten wurden + die Gedichte durchgesprochen und gemeinsam ausgefeilt. + +14. Mil. l. CDXXXIX. -- Monsignor di Todi, Federigo Cesi, später Kardinal + von San Pancrazio. -- Urbino, eigentlich Francesco di Bernardino degli + Amatori, war Michelangelos Diener, Farbenreiber, Gehilfe, Schüler und + auch Freund. Vgl. Br. 27. + +15. Mil. l. CDXLVII. -- Der Brief begleitete eines der Epitaphien auf + Cecchinos Tod (G. No. 8: das 5. der unter No. 15 der Auswahl + zusammengestellten.). -- Riccio hatte wohl am vorhergehenden Tage eine + Ansicht ausgesprochen, die Brief und Gedicht widerlegen. + +16. Mil. l. CDLIV. -- Die Datierung von Brief 16 und 17 ist die von + Milanesi getroffene. Nach Frey besteht für sie ebenso wie für die von + Ged. No. 22, das mit Br. 16 abgeschickt wurde, der Spielraum von + 1538-41 oder 1544-46. (41-44 war Vittoria in Viterbo.) -- Vgl. Anm. zu + Ged. No. 22. + +17. Mil. l. CDLV. -- Vgl. die Briefe Vittorias No. 1 und 2; der vorliegende + Brief fällt wohl zwischen sie. -- Die letzten Zeilen deuten vielleicht + auf eine Absicht Michelangelos, die Zeichnung -- den Cruzifixus -- als + Gemälde auszuführen. "Mein Plan ist misslungen" übersetzt: "è stato + guasto il mio disegno" und würde auf eine Vereitelung dieser "Absicht" + anspielen, "disegno" kann auch mit "Zeichnung" übersetzt werden. "Meine + Zeichnung ist misslungen." Der Sinn wäre wohl derselbe. + +18. Mil. l. CLXII. -- Lionardo di Buonarroto Simoni, also ein Sohn von + Buonarroto, dem Bruder Michelangelos. An ihn ist ein grosser Teil der + Briefe gerichtet, etwa 200 von fast 500. -- Michelangelo hatte in einem + Briefe an Lionardo vom 16. Januar 1546 von einer Besitzung des + Francesco Corboli gesprochen, der falliert hatte und zu verkaufen + wünschte. Er hatte sich bereit erklärt, eine grössere Summe in einem + derartigen Wertobjekt anzulegen, und seinen Neffen beauftragt, + Erkundigungen einzuziehen. Seiner Familie in Florenz war daran gelegen, + sich die Summe zu sichern, und so war die Antwort sehr rasch gekommen + -- zu rasch für den etwas misstrauischen Meister. -- Der Trebbianer, + ein süsser oberitalienischer Wein, war sein Lieblingsgetränk. + +19. Mil. l. CDLIX. -- Franz I. von Frankreich schrieb im Februar 1546 den + hier erwähnten Brief. Michelangelo wurde durch den bald danach + erfolgten Tod des Königs (1547) von seinem Versprechen entbunden. -- Zu + jener Zeit arbeitete er an den Fresken der Capella Paolina in Rom + (1542-49) im Auftrag von Paul III. + +20. Mil. l. CLXXXVII. + +21. Mil. l. CXCI. + +22. Mil. l. CDLXII. -- Benedetto Varchi (1502-65), Historiker und Dichter, + gehörte zu den durch die Medici Vertriebenen. Durch Cosimo I. wurde er + zurückgerufen und schrieb in dessen Auftrag seine Geschichte von + Florenz. Das hier genannte Buch, eine seiner vielen kleinen Schriften, + behandelt die damals vielerörterte Frage, ob die Malerei oder die + Skulptur den Vorrang verdiene. (Due lezioni di Messer Benedetto + Varchi ... Firenze appr. Lorenzo Torrentino ... MDXLIX.) -- + Michelangelo war damals 74 Jahre alt. + +23. Mil. l. CCX. -- Die Frage der Heirat Lionardos und der Wahl einer + geeigneten Gattin wird im Briefwechsel seit Anfang 1547 erörtert. + Dieser Brief ist typisch für die Stellung des Meisters zur Frage. Erst + im Frühjahr 1553 (vgl. Br. 24) kam die Angelegenheit zum Abschluss, als + Lionardo Cassandra di Donato Ridolfi heimführte. + +24. Mil. l. CCLXIII. + +25. Mil. l. CDLXXII. -- Durch Vasari hatte Michelangelo die Nachricht von + der Geburt seines Grossneffen Buonarroto di Lionardo Simoni erhalten. + +26. Mil. l. CDLXXV. -- 1547 wurde Michelangelo, halb gegen seinen Willen, + als Nachfolger von Antonio da Sangallo zum Architekten von Sankt Peter + ernannt und widmete sich dieser Aufgabe bis an sein Lebensende. In + diesem und anderen Briefen wehrt er sich gegen die Bemühungen Cosimos, + ihn nach Florenz zu ziehen. Er hatte die Arbeit als eine ihm von Gott + auferlegte heilige Pflicht auffassen gelernt und führt dies als einen + Hauptgrund für sein Bleiben oft an. + +27. Mil. l. CDLXXVII. -- Vgl. Anm. zu Br. 14. -- Der am Schluss Genannte + ist Benvenuto Cellini. + +28. Mil. I. CCXC. -- Francesca war Michelangelos Nichte. + +29. Mil. l. CDLXXIX. -- Cosimo Bartoli, Difesa della lingua fiorentina e di + Dante ... 1566. -- 1556 unternahm Michelangelo eine Wallfahrt nach + Loreto, wurde aber in Spoleto, wo er sich einige Zeit aufhielt, durch + eine päpstliche Botschaft zurückgerufen. + +30. Mil. l. CCCIV. + +31. Mil. l. CCCXIV. -- Der Kardinal Rodolfo Pio da Carpi. + +32. Mil. l. CCCXX. + +33. Mil. l. CCCXL. + +34. Mil. l. CCCXLI. + + * * * * * + + + + +ZU DEN BRIEFEN VITTORIAS AN MICHELANGELO. + + +Der italienische Text bei Frey, a.a.O. in den Regesten p. 533 ff., ebendort +die Datierung. + +1. Von der Zeichnung, die der Brief nennt, sagt Ascanio Condivi, Vita, + Cap. LXIII: "Ihr zu Liebe zeichnete er Jesum Christum am Kreuze, aber + nicht mit dem Aussehen eines Toten, wie er gewöhnlich dargestellt wird, + sondern mit einer göttlichen Gebärde, das Antlitz zum Vater erhoben, + als ob er die Worte spräche "Eli, Eli". Sein Körper sinkt nicht tot und + schlaff herab, sondern krümmt sich lebendig in bitterer Qual." + +2. Von einer Ausführung der Zeichnung in Farben ist nichts bekannt. Vgl. + Br. 17. + +3. Condivi, Cap. LXIII: Auf die Bitte dieser Dame zeichnete er einen + nackten Christus, der vom Kreuz genommen ist. Wenn nicht zwei Engelchen + mit ihren Armen den Leichnam hielten, würde er schlaff zu den Füssen + seiner heiligsten Mutter niedersinken. Sie aber sitzt unter dem Kreuze + mit tränenüberströmtem, schmerzbewegtem Antlitz, hebt mit + ausgebreiteten Armen beide Hände zum Himmel und spricht diese Worte, + die auch auf dem Stamm des Kreuzes geschrieben stehen: "Und niemand + wägt den Preis, die Ströme Blutes". (Dante Par. 29, 91.) + +4. Während Vittoria sich im Katharinenkloster zu Viterbo aufhielt, + arbeitete Michelangelo in der Paolina. -- Die "Samaritanerin" ist eine + Zeichnung des Meisters: Christus in der Unterredung mit der + samaritanischen Frau am Brunnen. + +5. Der Brief hat vielleicht eine der vielen Gedichtsendungen Vittorias an + den Freund begleitet. + + * * * * * + + + + + +INHALTSVERZEICHNIS. + + +Die erste Zeile des italienischen Textes (nach Guasti) ist zur leichteren +Vergleichung mit anderen Ausgaben angegeben. + + Seite +Vorbemerkung, Verzeichnis der benutzten Übersetzungen V-VIII +Condivi, Leben Michelangelos, Kap. 62-68 1-6 +Dichtungen 7-92 +1. An Florenz 9 + Te sola del mie mal contenta veggio +2. Auf die "Nacht" 11 + La notte, che tu vedi in sì dolci atti +3. Florenz und die Verbannten 12 + Per molti, donna, anzi per mille amanti +4. An Julius II 13 + Signor, se vero è alcun proverbio antico +5. An Giovanni di Pistoja 14 + I'ho già fatto un gozzo in questo stento +6. An eine Hässliche 15 + Tu ha' 'l viso più dolce che la sapa; +7. Questa mia donna è sì pronta ed ardita 16 +8. Con più certa salute 17 +9. Quanto più par che il mio mal maggior senta 18 +10. Quanto si gode, lieta e ben contesta 19 +11. An Luigi del Riccio 20 + Perchè è troppo molesta +12. An Giorgio Vasari 21 + Se con lo stile o coi colori avete +13. An denselben 22 + Al zucchero, alla mula, alle candele +14. Aus den Stanzen zum Lob des Landlebens 23 + Un gigante v' è ancor, d'altezza tanta +15. Epitaphien 25 + Deh serbi, s' è di me pietate alcuna + Perchè ne' volti offesi non entrasti + Non volse morte non ancider senza + Qui son sepulto, e poco innanzi nato + Non può per morte già chi qui mi serra + Qui son morto creduto; e per conforto + Se fussin, perch' i' viva un' altra volta + S' i' fu' già vivo, tu sol, pietra, il sai + De' Bracci naqqui; e dopo 'l primo pianto + Se, vivo al mondo, d'alcun vita fui, + Col sol de' Bracci il sol della natura +16. Dante 28 + Quanto dirne si de', non si può dire +17. Come può esser ch' io non sia più mio? 29 +18. Rendete a gli occhi miei, o fonte o fiume 30 +19. Se l'alma è ver, dal suo corpo disciolta 31 +20. An Vittoria Colonna 32 + Non ha l'ottimo artista alcun concetto +21. An dieselbe 33 + A l'alta tuo lucente diadema +22. An dieselbe 34 + Per esser manco almen, Signiora, indegnio +23. An dieselbe 35 + Non posso non mancar d'ingegno e d'arte +24. Non so se s' è la desiata luce 36 +25. Dimmi di grazia, amor, se gli occhi miei 37 +26. Occhi mie' siete certi 38 +27. An Vittoria Colonna 39 + Se d'una pietra viva +28. Auf Vittoria Colonnas Tod 40 + Quand' el ministro de' sospir me' tanti +29. Aus demselben Anlass 41 + Qual maraviglia è se prossimo al foco +30. Aus demselben Anlass 42 + Per non s' avere a ripigliar da tanti +31. Aus demselben Anlass 43 + Se 'l mie rozzo martello i duri sassi +32. Nach Vittoria Colonnas Tod 44 + Tornami al tempo allor che lenta e sciolta +33. Se dal cor lieto divien bello il volto 45 +34. S'egli è che 'n dura pietra alcun somigli 46 +35. Molto diletta al gusto intero e sano 47 +36. An Vittoria Colonna 48 + Com' esser, donna, può quel ch'alcun vede +37. An dieselbe 49 + Negli anni molti e nelle molte pruove +38. An Tommaso Cavalieri 50 + Veggio nel tuo bel viso, signior mio +39. An denselben 51 + Veggio co' bei vostri occhi un dolce lume +40. An denselben 52 + S'un casto amor, s'una pietà superna +41. Di te me veggo e di lontan mi chiamo 53 +42. An Tommaso Cavalieri 54 + Ben può talor col mio ardente desio +43. An denselben 55 + Se 'l foco alla bellezza fusse equale +44. La forza d'un bel viso a che mi sprona? 56 +45. An Tommaso Cavalieri 57 + Al cor di zolfo, alla carne di stoppa +46. Non più che 'l foco il fabbro il ferro istende 58 +47. An Tommaso Cavalieri 59 + Per ritornar là donde venne fora +48. Indarno spera, come il vulgo dice 60 +49. Die Nacht 61 + Colui che fece e non di cosa alcuna +50. Die Nacht 62 + Ogni van chiuso, ogni coperto loco +51. An die Nacht 63 + O nott', o dolce tempo benchè nero +52. Die Nacht 64 + Perchè Febo non torc' e non distende +53. Gesang der Toten 65 + Chiunche nascie a morte arriva +54. An Vittoria Colonna 66 + Per fido esemplo alla mia vocazione +55. An dieselbe 67 + Come non puoi non esser cosa bella +56. An Tommaso Cavalieri 68 + Non vider gli occhi miei cosa mortale +57. Gli occhi miei vaghi delle cose belle 69 +58. An Vittoria Colonna 70 + La vita del mie amor non è 'l cor mio +59. Dante 71 + Dal ciel discese, e col mortal suo, poi +60. Non sempre al mondo è sì pregiato e caro 72 +61. Io mi son caro assai più ch' io non soglio 73 +62. An Vittoria Colonna 74 + Sì come per levar, donna, si pone +63. An dieselbe 75 + Ora in sul destro, ora in sul manco piede +64. An dieselbe 76 + Un uomo in una donna, anzi un dio +65. An dieselbe 77 + Da che concetto ha l'arte intera e diva +66. Di più cose s' attristan ghi occhi miei 78 +67. Non altrimenti contro a sè cammina 79 +68. Or d'un fler diaccio or d'un ardente foco 80 +69. Non può, signor mio car, la fresca e verde 81 +70. Vivo al peccato, a me morendo vivo 82 +71. Condotto da molt' anni all' ultim' ore 83 +72. Giunto è già 'l corso della vita mia 84 +73. Gl' infiniti pensier miei, d'error pieni 85 +74. Le favole del mondo m'hanno tolto 86 +75. Carico d'anni e di peccati pieno 87 +76. Vorrei voler, Signior, quel ch' io non voglio 88 +77. Deh fammiti vedere in ogni loco 89 +78. Non fur men lieti che turbati e tristi 90 +79. Mentre m'attrista e duol, parte m'è caro 91 +80. Scarco d'un' importuna e grave salma 92 +Briefe Michelangelos 93-131 + An Benedetto Varchi 120 + An Buonarroto 101, 104, 109 + An Clemens VII. 110 + An Franz I. von Frankreich 118 + An Giorgio Vasari 124, 125, 125, 127 + An Giovanni Simone 97, 112 + An Giuliano da Sangallo 95 + An Lionardo 116, 119, 120, 122, 123, 126, 128, 128, 129, 130, 131 + An Lodovico 100, 102, 103, 107 + An Luigi del Riccio 113, 114, 114 + An Sebastiano del Piombo 111 + An Vittoria Colonna 115, 116 +Briefe Vittorias an Michelangelo 135-138 +Anmerkungen zu den Gedichten 141-157 +Anmerkungen zu den Briefen 157-164 +Inhaltsverzeichnis 165-169 + + + + + +DAS MUSEUM + + +Eine Sammlung klassischer Denkmäler +der Literatur und Kultur. + +I. Schillers Flucht von Andreas Streicher. 2. Auflage. Elegant gebunden + 2 Mk. + +II. Russlands soziale Zustände von Alexander Herzen. Aus dem Russischen + von Malvida von Meysenbug. Elegant gebunden 2 Mk. + +III. Das Liederbuch "Annette" (mit einer Heliogravüre von Käthchen + Schönkopf) von Goethe. Elegant gebunden 1.50 Mk. + +IV. Das Athenäum. Eine romantische Zeitschrift von August Wilhelm und + Friedrich Schlegel. Elegant gebunden 4 Mk. + +V. Napoleon-Briefe. Herausg. von Hans Landsberg. Karton. 4 Mk., elegant + gebunden 4.50 Mk. + +VI. Napoleon von Hippolyte Taine. Karton. 2 Mk., elegant gebunden 2.50 + Mk. + +VII. Napoleons Reden und Gespräche. Herausg. von Hans Landsberg. Karton. 4 + Mk., elegant gebunden 4.50 Mk. + +VIII. Michelangelo, Gedichte und Briefe. Karton. 3 Mk., elegant gebunden + 3.50 Mk. + +Jeder Band ist einzeln käuflich. + + * * * * * + +Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35. + + + + + +MODERNE GEISTER + + +Essays zur Kunst und Literatur. +Herausgeber: Dr. Hans Landsberg. + +1. Ein Jahrhundert deutscher Malerei (1800-1900) von Rudolf Klein. 128 + Seiten mit 4 Vollbildern. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk. + +2/3. Brahms von Dr. Walter Pauli. 1.50 Mk. gebunden 2 Mk. + +4. Paul Heyse von Viktor Klemperer. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk. + +5. Gerhart Hauptmann von Dr. Hans Landsberg. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk. + +6. Bernard Shaw von Eduard Bernstein. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk. + +Weitere Essays über Strindberg, Frenssen u.a. in Vorbereitung. + + * * * * * + + + + + +PAN-BIBLIOTHEK + + +I. Das Venusgärtlein. Ein Liederbuch aus der galanten Zeit. Herausg. von + Dr. Hans Landsberg. 2 Mk., elegant gebunden 3 Mk. + +II/III. Heine-Briefe. Gesammelt und herausg. von Dr. Hans Daffis. 2 Bde. 6 + Mk., elegant gebunden 8 Mk. + + * * * * * + +Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35. + +Herrosé & Ziemsen, G.m.b.H., Wittenberg + + + + + +FUSSNOTE + + +[1] An dieser Stelle sei den Herren Alphons Dürr, die den Wiederabdruck der +Übertragungen von Sophie Hasenclever gestatteten, der Spemannschen +Verlagshandlung und Herrn Prof. Reinhold Steig (Hermann Grimms +Übertragungen), der Schlesischen Verlagsanstalt (Bodenstedt) der +verbindlichste Dank ausgesprochen. + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE*** + + +******* This file should be named 15813-8.txt or 15813-8.zip ******* + + +This and all associated files of various formats will be found in: +https://www.gutenberg.org/dirs/1/5/8/1/15813 + + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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