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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 01:52:16 -0700 |
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Langkau, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + + + +[Anmerkungen zur Transkription: + +Im Original fett gesetzter Text ist mit = gekennzeichnet. +Im Original gesperrt gesetzter Text ist mit + gekennzeichnet. +Im Original in Antiqua gesetzter Text ist mit _ gekennzeichnet.] + + + + + Ein Heiratsantrag + + +Scherz in einem Aufzug+ + + + Von + + +Anton Tschechow+ + + + Bühneneinrichtung mit Dekorationsplan + + + +Aus dem Russischen übertragen+ + + von + + Luise Flachs-Fokschaneanu + + + +Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig+ + + + + + +Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt.+ + + Übersetzungsrecht für alle anderen Sprachen vorbehalten. + + +Für sämtliche Bühnen im ausschließlichen Debit der Verlags-Firma +A. +Entsch+, Berlin _NW. 7._ erschienen, und ist von dort aus allein das +Recht der Aufführung zu erwerben. + + +Luise Flachs-Fokschaneanu.+ + + +Stücke von Anton Tschechow in der Universal-Bibliothek: + + Nr. 4264. Die drei Schwestern. + Nr. 4919. Die Möwe. + + ++Druck von Philipp Reclam jun. Leipzig+ + + + + +Ein Heiratsantrag + +Scherz in einem Aufzug + + + + +Personen. + + +=Stepán Stepánowitsch Tschubúkow=, Gutsbesitzer. + +=Natália Stepánowna=, seine Tochter. (25 Jahre alt.) + +=Iwán Wassíljitsch Lómow=, Tschubukows Nachbar. + ++Ort der Handlung+: Tschubukows Landsitz in Rußland. + ++Zeit+: Die Gegenwart. + + ++Rechts und links vom Schauspieler.+ + + ++Vorkommende Namen+: Nastásia Michaílowna, Ugadái, Mikónow, Otkatái, +Sapragája, Staméski, Marúskin, Raswachái, Desjatín, Natáscha. + +w am Schlusse eines Namens ist wie f zu sprechen. + + +Die deutsche Uraufführung fand am 12. November 1900 an der Berliner +Sezessionsbühne statt. + +[Illustration: Empfangszimmer in Tschubukows Hause nach vorstehendem +Dekorationsplan.] + + + + +Erster Auftritt. + +=Tschubukow.= Dann =Lomow= im Frack und in weißen Handschuhen. + + +=Tschubukow= (geht ihm zur Begrüßung entgegen). Liebster! Wen sehe ich +da! Iwan Wassiljitsch! Höchst erfreut! (Drückt ihm die Hand.) Ist das +aber eine Überraschung, mein Gutester... Wie geht es Ihnen? + +=Lomow.= Ich danke Ihnen. Und Sie, wie befinden Sie sich? + +=Tschubukow.= Na, es geht, mein Bester. Bitte ergebenst, setzen Sie +sich... Es ist nicht in der Ordnung, mein Lieber, seine Nachbarn zu +vergessen. Aber, mein Liebster, warum sind Sie denn so feierlich? Im +Frack, in Handschuhen und dergleichen. Fahren Sie denn irgend wohin zu +Besuch, mein Schätzbarster? + +=Lomow.= Nein. Ich komme bloß zu Ihnen, geehrter Stepan Stepanowitsch. + +=Tschubukow.= Weshalb dann im Frack, Bester? Gerade wie bei einer +Neujahrsvisite! + +=Lomow.= Sehen Sie, es handelt sich darum. (Er faßt ihn unter.) Ich bin +zu Ihnen gekommen, verehrter Stepan Stepanowitsch, um Sie mit einer +Bitte zu belästigen... Es ist nicht das erste Mal, daß ich die Ehre +habe, mich an Sie um Hilfe zu wenden, und stets haben Sie, sozusagen ... +aber verzeihen Sie, ich bin aufgeregt. Ich werde erst Wasser trinken, +verehrter Stepan Stepanowitsch. (Er trinkt.) + +=Tschubukow= (beiseite). Er ist gekommen, Geld zu borgen! Ich werde +keines geben! (Zu Lomow.) Um was handelt es sich denn, Bester? + +=Lomow.= Sehen Sie ... geehrt ... Stepanitsch ... entschuldigen Sie, +Stepan, Stepan -- Geehrtewitsch ... das heißt, ich bin schrecklich +aufgeregt, wie Sie gefälligst sehen wollen... Mit einem Wort, Sie allein +können mir helfen, obgleich ich es durchaus nicht verdient habe und ... +und nicht das Recht habe, Ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen. + +=Tschubukow.= Ach, machen Sie keine Umschweife, mein Herzchen! Sagen Sie +rund heraus! Nun? + +=Lomow.= Sofort... Im Augenblick. Die Sache ist die: Ich bin gekommen, +um die Hand Ihrer Tochter Natalia Stepanowna zu bitten. + +=Tschubukow= (freudig). Engelchen! Iwan Wassiljitsch! Wiederholen Sie +das noch einmal -- ich habe nicht gut gehört! + +=Lomow.= Ich habe die Ehre, zu bitten... + +=Tschubukow= (ihn unterbrechend). Mein Täubchen, ich bin so erfreut und +dergleichen, das ist es eben und dergleichen. (Er umarmt und küßt ihn.) +Ich habe es ja längst gewünscht. Es war immer mein Wunsch (er zerdrückt +eine Träne) und ich liebte Sie stets, mein Teuerster, wie meinen eigenen +Sohn. Gott gebe euch beiden seinen Segen und seine Gnade und dergleichen +... ich habe es mir immer gewünscht ... aber warum stehe ich denn da, +wie ein Tölpel? Ich bin vor Freude verblüfft, ganz verblüfft! Ach, von +ganzer Seele... Ich gehe Natascha rufen und dergleichen. + +=Lomow= (gerührt). Geehrter Stepan Stepanitsch, was meinen Sie, darf +ich auf die Einwilligung Natalia Stepanownas hoffen? + +=Tschubukow.= Wirklich ein so schöner Mann und ... und da soll sie auf +einmal nicht einwilligen! Verliebt wie eine Katze und dergleichen ... +sofort! (Er geht nach rechts ab.) + + + + +Zweiter Auftritt. + +=Lomow= allein. + + +=Lomow.= Mir ist kalt... Ich zittere am ganzen Leibe, wie vor dem +Examen. Die Hauptsache ist, man muß sich entschließen. Wenn man lange +bedenkt, schwankt, viel spricht, auf ein Ideal oder auf die echte Liebe +wartet, verheiratet man sich niemals. Brrr!... Es ist kalt! Natalia +Stepanowna ist eine vorzügliche Wirtin, ist auch nicht übel, ist +gebildet ... was brauche ich denn noch? Es rauscht mir vor Aufregung in +den Ohren. (Er trinkt Wasser.) Und nicht heiraten, das geht nicht... +Erstens bin ich schon fünfunddreißig Jahre alt -- ein kritisches Alter, +sozusagen. Zweitens bedarf ich eines geordneten, regelmäßigen Lebens... +Ich habe einen Herzfehler, beständiges Herzklopfen, ich bin empfindlich +und gerate immer in furchtbare Aufregung. Sofort zittern mir die Lippen +und auf der rechten Schläfe zuckt der Puls... Aber das Allerschrecklichste +ist der Schlaf. Kaum habe ich mich ins Bett gelegt und beginne +einzuschlummern, da zerrt und zupft plötzlich etwas an der linken Seite! +und just in der Schulter und im Kopf hämmert etwas... Ich springe wie +ein Verrückter auf, gehe eine Weile umher, dann lege ich mich wieder, +aber kaum bin ich ein wenig eingeschlafen, habe ich wieder einen Krampf +an der Seite! Und so geht es an die zwanzig Mal... + +=Natalia Stepanowna= (kommt von rechts). + + + + +Dritter Auftritt. + +=Natalia Stepanowna.= =Lomow.= + + +=Natalia Stepanowna.= Ach so! Das sind Sie, und Papa sagt: geh', ein +Händler ist gekommen, Ware kaufen. Guten Tag, Iwan Wassiljitsch. + +=Lomow.= Guten Tag, geehrte Natalia Stepanowna! + +=Natalia Stepanowna.= Entschuldigen Sie, ich habe die Schürze an und +bin im Hauskleid... Wir reinigen Schoten zum Trocknen. Warum sind Sie so +lange nicht bei uns gewesen? Setzen Sie sich... (Sie setzen sich.) +Wollen Sie etwas zum Frühstück nehmen? + +=Lomow.= Nein, ich danke Ihnen, ich habe schon gegessen. + +=Natalia Stepanowna.= Rauchen Sie ... da sind Zündhölzer... Das Wetter +ist herrlich und gestern hat es so stark geregnet, daß die Arbeiter den +ganzen Tag nichts tun konnten. Wie viel Schober haben Sie geschnitten? +Denken Sie sich nur, ich bin sehr habgierig und habe die ganze Wiese +abmähen lassen und jetzt ärgere ich mich darüber, ich fürchte, mein Heu +verfault mir. Es wäre besser gewesen, ich hätte gewartet. Ja, was ist +denn das? Mir scheint gar, Sie sind im Frack? Das Allerneueste! Gehen +Sie am Ende auf einen Ball? Nebenbei bemerkt, Sie sind etwas hübscher +geworden... Wahrhaftig ... warum sind Sie so herausgeputzt? + +=Lomow= (aufgeregt). Sehen Sie, geehrte Natalia Stepanowna... Es handelt +sich darum, daß ich mich entschlossen habe, Sie zu bitten, mich +anzuhören... Natürlich werden Sie sich wundern und sogar böse sein, aber +ich... (Beiseite.) Wie schrecklich kalt es ist! + +=Natalia Stepanowna=. Um was handelt es sich? (Pause.) Nun? + +=Lomow.= Ich werde mir Mühe geben, mich kurz zu fassen. Verehrte Natalia +Stepanowna, es ist Ihnen bekannt, daß ich schon lange, seit meiner +Kindheit, die Ehre habe, Ihre Familie zu kennen. Meine selige Tante und +ihr Gemahl, von denen ich, wie Sie wissen, das Grundstück geerbt, hatten +stets die größte Achtung vor Ihrem Vater und Ihrer seligen Frau Mutter. +Das Geschlecht der Lomows und das Geschlecht der Tschubukows standen +seit jeher in den freundschaftlichsten, sozusagen verwandtschaftlichen +Beziehungen zueinander, überdies grenzt, wie Sie zu wissen belieben, +mein Grundstück eng an das Ihrige. Wenn Sie sich gütigst erinnern +wollen, stoßen meine Ochsenwiesen hart an Ihren Birkenwald. + +=Natalia Stepanowna.= Entschuldigen Sie, ich muß Sie unterbrechen. -- +Sie sagen »+meine+ Ochsenwiesen« ... ja, sind das denn auch die Ihrigen? + +=Lomow.= Ja, sie gehören mir... + +=Natalia Stepanowna.= So? So etwas! Die Ochsenwiesen gehören uns und +nicht Ihnen! + +=Lomow.= Nein -- +mir+, verehrte Natalia Stepanowna! + +=Natalia Stepanowna.= Das ist für mich etwas ganz Neues! Wie gehören sie +denn Ihnen? + +=Lomow.= Was -- wie? Ich rede von jenen Ochsenwiesen, die zwischen Ihrem +Birkenwald und der Ziegelerde eingekeilt liegen. + +=Natalia Stepanowna.= Nun ja, eben diese ... gehören uns... + +=Lomow.= Nein, Sie irren sich, verehrte Natalia Stepanowna, sie gehören +mir. + +=Natalia Stepanowna.= Erinnern Sie sich nur genau, Iwan Wassiljitsch! +Ist es schon lange her, daß Sie dieselben erworben haben? + +=Lomow.= Wie lange? Soweit ich mich an mich selbst erinnern kann, +gehörten sie immer uns. + +=Natalia Stepanowna.= Nun, dem ist also nicht so. Sie entschuldigen +schon! + +=Lomow.= Das geht aus den Papieren hervor, verehrte Natalia Stepanowna. +Die Ochsenwiesen wurden mir schon einmal -- das ist wahr -- streitig +gemacht, jetzt aber ist es allen bekannt, daß sie mir gehören. Da gibt +es nichts zu streiten. Hören Sie gefälligst: Die Großmutter meiner Tante +hat diese Wiesen für eine unbestimmte Zeit zur unentgeltlichen Benutzung +den Bauern des Großvaters Ihres geehrten Vaters dagegen zur Verfügung +gestellt, daß für die Großmutter die Ziegel gebrannt werden. Die Bauern +des Großvaters Ihres geehrten Vaters benutzten die Wiesen ungefähr +vierzig Jahre unentgeltlich und gewöhnten sich daran, dieselben als ihr +Eigentum anzusehen, später aber, als der Ukas kam... + +=Natalia Stepanowna.= Es ist gar nicht so, wie Sie erzählen? Auch mein +Großvater und Urgroßvater waren davon überzeugt, daß ihre Grundstücke +sich bis zu den Sümpfen erstreckten -- das heißt also, die Ochsenwiesen +gehörten uns. Was gibt es da zu streiten? Ich begreife gar nicht... Es +ist wirklich ärgerlich. + +=Lomow.= Ich werde Ihnen die Dokumente zeigen, Natalia Stepanowna. + +=Natalia Stepanowna.= Nein, Sie scherzen ganz einfach oder Sie ziehen +mich auf... Eine schöne Bescherung! Wir besitzen den Grund seit nahezu +dreihundert Jahren und plötzlich macht man uns die Mitteilung, daß er +nicht uns gehört! Iwan Wassiljitsch, verzeihen Sie, aber ich traue +meinen Ohren nicht... Für mich haben diese Wiesen einen geringen Wert. +Es sind im ganzen fünf Desjatin und sie haben den Wert von ein paar +hundert Rubel, etwa 300 Rubel, aber mich empört die Ungerechtigkeit. +Sagen Sie, was Sie wollen, aber Ungerechtigkeit kann ich nicht ertragen. + +=Lomow.= Hören Sie bis zu Ende, ich flehe Sie an! Die Bauern des +Großvaters Ihres geehrten Vaters, wie ich schon die Ehre hatte, Ihnen zu +sagen, brannten für die Großmutter meiner Tante Ziegel. Die Großmutter +der Tante wollte ihnen etwas Angenehmes... + +=Natalia Stepanowna.= Großvater, Großmutter, Tante... Ich verstehe von +all dem nichts! Die Wiesen gehören uns und Punktum. + +=Lomow.= Nein, mir! + +=Natalia Stepanowna.= Uns! Wenn Sie auch zwei Tage lang beweisen, und +wenn Sie fünfzehn Fräcke anlegen, so sind sie doch unsere, unsere, +unsere!... Was Ihnen gehört, begehre ich nicht, aber ich wünsche auch +nicht, das zu verlieren, was mir gehört! + +=Lomow.= Natalia Stepanowna, ich brauche nicht die Wiesen, ich tue es +doch nur aus Prinzip. Wenn es angenehm ist, so bitte ... ich schenke sie +Ihnen. + +=Natalia Stepanowna.= Ich kann sie +Ihnen+ schenken, denn sie gehören +mir!... Das ist doch sehr sonderbar, Iwan Wassiljitsch! Wir haben Sie +bisher für einen guten Nachbarn gehalten, für einen Freund, vergangenes +Jahr überließen wir Ihnen unsere Dreschwalze und konnten deshalb unser +Getreide erst im November zu Ende mahlen und Sie behandeln uns wie die +Zigeuner. Sie schenken mir mein eigenes Grundstück. Entschuldigen Sie, +so handeln Nachbarn nicht. Nach meiner Meinung ist es sogar eine +Kühnheit ... wenn Sie wollen... + +=Lomow.= Nach Ihrer Ansicht bin ich also ein Usurpator? Meine Gnädige, +niemals habe ich mir fremde Grundstücke angeeignet und ich gestatte +niemandem, mich dessen zu beschuldigen... (Er geht rasch zur Flasche und +trinkt Wasser.) Die Ochsenwiesen sind mein! + +=Natalia Stepanowna.= Es ist nicht wahr! Unser! + +=Lomow.= Mein! + +=Natalia Stepanowna.= Nicht wahr! Ich werde es Ihnen beweisen! Heute +noch schicke ich meine Schnitter auf diese Wiesen! + +=Lomow.= W--a--as? + +=Natalia Stepanowna.= Heute werden meine Schnitter dort sein! + +=Lomow.= Und ich werde sie fortjagen! + +=Natalia Stepanowna.= Unterstehen Sie sich! + +=Lomow= (greift nach seinem Herzen). Die Ochsenwiesen sind mein, +verstehen Sie, mein! + +=Natalia Stepanowna.= Ich bitte, schreien Sie nicht! Sie können bei sich +zu Hause schreien und vor Wut schnauben, aber hier, bitte ich, sich in +gewissen Grenzen zu halten! + +=Lomow.= Meine Gnädige, hätte ich nicht so furchtbares, quälendes +Herzklopfen und hämmerten mir nicht die Adern in den Schläfen, so +spräche ich anders mit Ihnen! (Schreit.) Die Ochsenwiesen gehören mir! + +=Natalia Stepanowna.= Uns! + +=Lomow.= Mir! + +=Tschubukow= (kommt von rechts). + + + + +Vierter Auftritt. + +=Die Vorigen.= =Tschubukow.= + + +=Tschubukow.= Was gibt es hier? Weshalb schreit ihr? + +=Natalia Stepanowna.= Papa, erkläre du, bitte, diesem Herrn. Wem gehören +die Ochsenwiesen: uns oder ihm? + +=Tschubukow= (zu Lomow). Schätzchen, die Wiesen gehören uns! + +=Lomow.= Aber erbarmen Sie sich, Stepan Stepanowitsch, wie gehören sie +denn Ihnen? Seien +Sie+ wenigstens ein räsonnabler Mensch! Die +Großmutter meiner Tante hat die Wiesen für eine gewisse Zeit zur +unentgeltlichen Benutzung den Bauern Ihres Großvaters überlassen. Die +Bauern benutzten den Grund vierzig Jahre lang und gewöhnten sich an ihn +wie an ihren eigenen, als aber der Ukas erschien... + +=Tschubukow.= Erlauben Sie, Wertester... Sie vergessen, daß gerade die +Bauern Ihrer Großmutter nicht gezahlt haben und dergleichen, weil wegen +der Wiesen gerade damals Prozeß geführt wurde und dergleichen... Und +jetzt weiß jeder Hund, daß sie uns gehören. Sie haben den Plan nicht +gesehen! + +=Lomow.= Und ich werde Ihnen beweisen, daß sie mir gehören. + +=Tschubukow.= Beweisen Sie es nicht, mein Liebling. + +=Lomow.= Nein, ich werde es beweisen! + +=Tschubukow.= Teuerster, warum denn so schreien? Gerade durch Schreien +werden Sie am wenigsten beweisen. Ich verlange nicht das Ihrige und habe +nicht die Absicht das Meinige abzutreten. Warum auch? Ist es schon so +weit gekommen, mein Liebster, beabsichtigen Sie wirklich, uns die Wiesen +zu bestreiten und dergleichen, dann schenke ich sie lieber den Bauern +als Ihnen! Ganz gewiß! + +=Lomow.= Ich begreife nicht! Welches Recht haben Sie überhaupt, fremdes +Eigentum zu verschenken? + +=Tschubukow.= Sie gestatten mir wohl, zu wissen, ob ich das Recht dazu +habe oder nicht. Junger Mann, ich bin nicht gewohnt, daß mit mir in +diesem Ton gesprochen wird und dergleichen. Ich, junger Mann, bin +zweimal so alt wie Sie und bitte, zu mir ruhig zu sprechen und +dergleichen. + +=Lomow.= Nein, Sie halten mich zum Narren und machen sich lustig über +mich! Sie nennen mein Grundstück das Ihrige und wollen, daß ich dabei +gleichmütig bleiben und zu Ihnen menschlich sprechen soll. So gehen gute +Nachbarn nicht vor, Stepan Stepanowitsch! Sie sind kein Nachbar, ein +Usurpator sind Sie! + +=Tschubukow.= Wa--as? Was haben Sie gesagt? + +=Natalia Stepanowa.= Papa, schicke sofort die Schnitter auf die Wiesen! + +=Tschubukow= (zu Lomow). Was haben Sie gesagt, geehrter Herr? + +=Natalia Stepanowna.= Die Ochsenwiesen gehören uns und ich trete sie +nicht ab, ich trete sie nicht ab, ich trete sie nicht ab! + +=Lomow.= Das wollen wir noch sehen! Ich werde es Ihnen vor Gericht +beweisen, daß sie mir gehören! + +=Tschubukow.= Vor Gericht. Sie können klagen bei Gericht, geehrter +Herr, und dergleichen, Sie können! Ich kenne Sie, Sie warten auf eine +Gelegenheit, Prozesse zu führen und dergleichen... Ein Intrigant sind +Sie! Ihre ganze Familie hat immer Händel gesucht! Die ganze! + +=Lomow.= Ich bitte, meine Familie nicht zu beleidigen. Alle vom +Geschlecht der Lomows waren ehrlich, und es hat keinen einzigen gegeben, +der wegen Veruntreuung vor Gericht gezogen wurde, wie Ihr Onkelchen! + +=Tschubukow.= Und in Ihrer Lomowschen Familie waren alle verrückt! + +=Natalia Stepanowna.= Alle, alle, alle! + +=Tschubukow.= Ihr Großvater war ein periodischer Säufer, und die jüngere +Tante, die Nastasia Michailowna, ist mit einem Architekten +durchgegangen, und dergleichen. + +=Lomow.= Und Ihre Mutter hat gehinkt. (Er greift nach dem Herzen.) An +der Seite zuckt es ... im Kopf hämmert es ... Vater im Himmel!... +Wasser! + +=Tschubukow.= Und Ihr Papachen war ein Kartenspieler und ein Vielfraß! + +=Natalia Stepanowna.= Ihre Tante eine Klatscherin, wie es deren wenige +gibt! + +=Lomow.= Mir ist das linke Bein gelähmt... Und Sie sind ein Intrigant +... ach, das Herz!... Und es ist für niemand ein Geheimnis, daß Sie bei +den Wahlen geschwindelt... Es flimmert mir vor den Augen... Wo ist mein +Hut? + +=Natalia Stepanowna.= Wie niedrig! Lügner! Abscheulicher! + +=Tschubukow.= Sie selber sind eben ein tückischer, heuchlerischer und +verlogener Mensch! Ja--a! + +=Lomow.= Da ist der Hut... Das Herz... Wohin soll ich gehen? Wo ist die +Tür? Ach! mir scheint, ich sterbe... Ich kann nicht, die Beine +schlottern... (Er geht zur Tür.) + +=Tschubukow= (folgt ihm). Daß Ihr Fuß mein Haus nicht mehr betrete! + +=Natalia Stepanowna.= Klagen Sie bei Gericht! Wir wollen sehen. + +=Lomow= (geht wankend durch die Mitte ab). + + + + +Fünfter Auftritt. + +=Tschubukow.= =Natalia Stepanowna.= + + +=Tschubukow= (zornig). Zum Teufel! + +=Natalia Stepanowna.= So ein Taugenichts! Da soll man noch an gute +Nachbarn glauben! + +=Tschubukow.= Schuft! Vogelscheuche! Scheusal! + +=Natalia Stepanowna.= So eine Mißgeburt, eignet sich ein fremdes +Grundstück an und wagt es noch, zu streiten. + +=Tschubukow.= Und dieses Gespenst, dieser Hühnerfuß untersteht sich +noch, einen Heiratsantrag zu machen, und dergleichen. + +=Natalia Stepanowna.= Was für einen Heiratsantrag? + +=Tschubukow.= Nun ja! Er kam doch, um dir einen Heiratsantrag zu machen. + +=Natalia Stepanowna.= Einen Heiratsantrag? Mir? Warum hast du mir das +nicht früher gesagt? + +=Tschubukow.= Hat doch deshalb den Frack angelegt. So ein Bratwürstel, +so eine Schmutznase! + +=Natalia Stepanowna.= +Mir+ einen Heiratsantrag? Ach! (Sie fällt in +einen Armstuhl und stöhnt.) Man soll ihn zurückbringen! Ach! +Zurückbringen! + +=Tschubukow.= Wen zurückbringen? + +=Natalia Stepanowna.= Schneller, schneller! Mir ist schlecht! +Zurückbringen! (Hysterischer Anfall.) + +=Tschubukow.= Was gibt es denn? Was ist dir? (Er faßt sich an den Kopf.) +Ich bin ein unglücklicher Mensch! Ich erschieße mich! Ich häng' mich +auf! Man quält mich zu Tode! + +=Natalia Stepanowna.= Ich sterbe! Zurückbringen! + +=Tschubukow.= Pfui! Gleich, heul' nicht! (Er läuft durch die Mitte ab.) + +=Natalia Stepanowna= (allein; stöhnt). Was hat man mir angetan! Bringt +ihn zurück! Bringt ihn zurück! + +=Tschubukow= (kommt gelaufen). Sofort kommt er und dergleichen. Der +Teufel hol' ihn! Uf! Sprich du selbst mit ihm, ich will es nicht und +dergleichen. + +=Natalia Stepanowna= (stöhnt). Zurückbringen! + +=Tschubukow.= Er kommt, sagt man dir. »O, Schöpfer! welch' eine Aufgabe +ist es, Vater einer erwachsenen Tochter zu sein!«[1] Ich schneide mir +den Hals durch! Bestimmt schneide ich mir den Hals durch! Man hat den +Menschen ausgezankt, beschimpft, hinausgejagt ... und das alles hast du +getan ... du! + + [1] Aus Gribojedows: »Wehe den Gescheiten.« + +=Natalia Stepanowna.= Nein, du! Du hast keine Manieren und bist grob! +Wenn nicht du -- er wäre nicht fortgegangen! + +=Tschubukow.= Na ja, ich trage Schuld! Aber warte nur, Gevatterin, und +dergleichen, wenn ich mich erschieße oder aufhänge, so wisse, daß du +Schuld trägst! Du hast mich dazu gebracht! Nur du! (In der Tür zeigt +sich Lomow.) Da, rede selber mit ihm! (Er geht ab.) + +=Lomow= (tritt erschöpft ein). + + + + +Sechster Auftritt. + +=Natalia Stepanowna.= =Lomow.= + + +=Lomow.= Schreckliches Herzklopfen... Das Bein ist gelähmt... In der +Seite zuckt es... + +=Natalia Stepanowna.= Verzeihen Sie, wir haben uns ereifert, Iwan +Wassiljitsch... Ich erinnere mich jetzt ... die Ochsenwiesen gehören +tatsächlich Ihnen. + +=Lomow.= Das Herz klopft schrecklich... Meine Ochsenwiesen... Beide +Augenlider zucken... (Sie setzen sich.) Wir hatten unrecht... Mir ging +es um das Prinzip... Das Grundstück ist mir nicht teuer, aber das +Prinzip ist mir teuer... + +=Natalia Stepanowna.= Eben das Prinzip. Wollen wir von etwas anderem +sprechen. + +=Lomow.= Um so mehr, da ich die Beweise besitze: die Großmutter meiner +Tante hat den Bauern des Großvaters Ihres geehrten Vaters... + +=Natalia Stepanowna.= Genug, genug davon... (Beiseite.) Ich weiß nicht, +womit zu beginnen... (Zu Lomow.) Gehen Sie bald auf die Jagd? + +=Lomow.= Ja, auf den Birkhahn, verehrte Natalia Stepanowna. Nach der +Ernte gedenke ich zu beginnen. Ach, haben Sie gehört? Denken Sie sich +nur, welches Unglück! Mein Hund Ugadai, den Sie doch kennen, hinkt! + +=Natalia Stepanowna.= Wie schade! Warum denn? + +=Lomow.= Ich weiß es nicht... Vielleicht ist es eine Verrenkung, oder +andere Hunde haben ihn gebissen. (Er seufzt.) Der beste Hund, vom Geld +schon nicht zu reden! Ich habe doch dem Mironow 125 Rubel für ihn +gezahlt. + +=Natalia Stepanowna.= Das ist überzahlt, Iwan Wassiljitsch. + +=Lomow.= Nach meiner Meinung ist er sehr billig. Ein herrlicher Hund. + +=Natalia Stepanowna.= Papa hat für seinen Otkatai 85 Rubel gegeben, und +Otkatai ist doch viel besser als Ihr Ugadai. + +=Lomow.= So ... Otkatai ist besser als Ugadai? Was Ihnen einfällt! (Er +lacht.) Otkatai ist besser als Ugadai! + +=Natalia Stepanowna.= Natürlich besser! Otkatai, es ist ja wahr, ist +noch jung, er hat noch nicht geworfen, aber in der Meute und auch an der +Leine mit zwei, drei anderen gibt es keinen besseren als ihn, selbst +beim... + +=Lomow.= Erlauben Sie, Natalia Stepanowna, Sie übersehen aber, daß er +einen kurzen Unterkiefer hat und daß ein Hund mit einem kurzen +Unterkiefer nicht gut schnappen kann. + +=Natalia Stepanowna.= Kurzen Unterkiefer? höre ich zum erstenmal! + +=Lomow.= Ich versichere Ihnen, der untere Kiefer ist kürzer als der +obere. + +=Natalia Stepanowna.= Haben Sie denn gemessen? + +=Lomow.= Ich habe gemessen. Zum Laufen taugt er natürlich, ob aber zum +Auffangen im Fluge ... das kaum... + +=Natalia Stepanowna.= Erstens ist unser Otkatai von reiner Rasse, +Vollblut, er ist der Sohn Sapragajas und Stameskis, und bei Ihrem +Buntscheckigen kommt man gar nicht auf seine Herkunft... Dann ist Ihrer +alt und häßlich wie eine klapperdürre Schindmähre... + +=Lomow.= Alt, gewiß! Ich nehme für ihn keine fünf Ihrer Otkatais... Kann +man das aber auch? Ugadai -- ist ein Hund und Otkatai ... es ist +lächerlich, zu streiten... Solche wie Ihren Otkatai findet man bei jedem +Hundehändler so viele, daß man mit ihnen einen Teich füllen könnte. + +=Natalia Stepanowna.= In Ihnen, Iwan Wassiljitsch, sitzt heute ein böser +Geist des Widerspruchs. Bald gehören die Wiesen Ihnen, bald ist Ugadai +besser als Otkatai. Mir gefällt es gar nicht, wenn ein Mensch nicht das +spricht, was er denkt. Sie wissen ja sehr wohl, daß Otkatai hundertmal +besser ist als Ihrer ... dieser dumme Ugadai. Warum also das Gegenteil +sagen? + +=Lomow.= Ich sehe, Natalia Stepanowna, Sie halten mich für blind oder +für einen Narren. Aber begreifen Sie doch, daß Otkatai einen kurzen +Unterkiefer hat! + +=Natalia Stepanowna.= Es ist nicht wahr! + +=Lomow.= Ja, einen kurzen Unterkiefer! + +=Natalia Stepanowna= (schreit). Nicht wahr! + +=Lomow.= Warum schreien Sie denn, meine Gnädige? + +=Natalia Stepanowna.= Warum reden Sie solchen Unsinn? Das ist doch +empörend! Es ist höchste Zeit, Ihren Ugadai zu erschießen, und Sie +vergleichen ihn mit Otkatai! + +=Lomow.= Entschuldigen Sie, ich kann diesen Streit nicht fortsetzen. Ich +habe Herzklopfen. + +=Natalia Stepanowna.= Ich habe bemerkt, daß diejenigen Jäger am meisten +streiten, die am wenigsten verstehen. + +=Lomow.= Meine Gnädige, ich bitte Sie, schweigen Sie... Mir platzt das +Herz... (Er schreit.) Schweigen Sie! + +=Natalia Stepanowna.= Ich werde nicht schweigen, bis Sie nicht zugeben, +daß Otkatai hundertmal besser ist als Ihr Ugadai. + +=Lomow.= Hundertmal schlechter. Krepieren soll er, Ihr Otkatai! Die +Schläfen... Die Augen... Die Schulter... + +=Natalia Stepanowna.= Und Ihr dummer Ugadai hat es gar nicht nötig zu +krepieren, weil er ohnehin wie krepiert ist! + +=Lomow= (schreit). Schweigen Sie! Ich habe einen Herzschlag... + +=Natalia Stepanowna.= Ich werde nicht schweigen! + +=Tschubukow= (kommt herein). + + + + +Siebenter Auftritt. + +=Die Vorigen.= =Tschubukow.= + + +=Tschubukow.= Was gibt es denn schon wieder? + +=Natalia Stepanowna.= Papa, sag' aufrichtig, auf Ehr' und Gewissen: +welcher Hund ist besser -- unser Otkatai oder sein Ugadai? + +=Lomow.= Stepan Stepanowitsch, ich flehe Sie an, sagen Sie bloß eins: +hat Ihr Hund einen kurzen Unterkiefer oder nicht? Ja oder nein? + +=Tschubukow.= Und wenn schon! Ist das von so großer Wichtigkeit? Dafür +gibt es im ganzen Umkreis keinen bessern Hund und dergleichen. + +=Lomow.= Aber mein Ugadai ist doch besser? Sagen Sie aufrichtig! + +=Tschubukow.= Regen Sie sich nicht auf, Schätzbarster!... Gestatten +Sie... Ihr Ugadai hat eben seine guten Eigenschaften... Er ist von guter +Rasse, hat kräftige Läufe, starke Lenden und dergleichen. Aber der Hund, +wenn Sie es wissen wollen, mein Bester, hat zwei Mängel: er ist alt und +hat einen kurzen Unterkiefer. + +=Lomow.= Entschuldigen Sie, ich habe Herzklopfen... Sprechen wir von +Tatsachen ... wollen Sie sich erinnern, auf Maruskins Wiesen ging mein +Ugadai mit den gräflichen Raswachai Ohr an Ohr und Ihr Otkatai blieb +eine ganze Werst zurück. + +=Tschubukow.= Er blieb zurück, weil der gräfliche Aufseher ihn mit +seiner Peitsche geschlagen hatte. + +=Lomow.= Er hatte recht, alle Hunde spüren dem Fuchs nach, Otkatai aber +hält es für notwendig, ein Schaf zu beißen! + +=Tschubukow.= Das ist nicht wahr ... Liebster ... ich bin reizbar und +darum bitte ich Sie, brechen wir diesen Streit ab. Er hat ihn +geschlagen, weil jedermann auf einen fremden Hund von guter Rasse mit +Neid sieht... Jawohl, alle sind Neider. Auch Sie, mein Herr, sind nicht +frei von Sünden! Kaum bemerken Sie, daß der Hund eines andern besser ist +als Ihr Ugadai, so fangen Sie gleich an ... dies ... jenes ... sein ... +mein ... und dergleichen... Ich erinnere mich genau an alles! + +=Lomow.= Auch ich erinnere mich! + +=Tschubukow= (nachäffend). Auch ich erinnere mich ... woran erinnern Sie +sich? + +=Lomow.= Herzklopfen... Das Bein ist gelähmt... Ich kann nicht... + +=Natalia Stepanowna= (nachspottend). Herzklopfen ... was sind Sie für +ein Jäger? Sie sollten in der Küche auf dem Ofen liegen und Schaben +erdrosseln, aber nicht Füchse jagen! Herzklopfen!... + +=Tschubukow.= Wahrhaftig, was sind Sie für ein Jäger? Mit Ihren +Krankheiten sitzt man zu Hause und baumelt nicht herum auf dem Sattel. +Wenn Sie noch ein Jäger wären, aber Sie fahren doch nur deshalb herum, +damit Sie über Hunde anderer streiten, die Leute stören und dergleichen. +Ich bin reizbar, lassen wir dieses Gespräch, Sie sind nämlich kein +Jäger! + +=Lomow.= Sind +Sie+ denn ein Jäger? Sie fahren doch nur aus, um sich +beim Grafen einzuschmeicheln, um zu intrigieren... Das Herz... Sie +Intrigant...! + +=Tschubukow.= Nun und wenn ich ein Intrigant bin? (Er schreit.) +Schweigen Sie! + +=Lomow.= Intrigant! + +=Tschubukow.= Bube! Junger Hund! Wandelnde Apotheke! + +=Lomow.= Alte Ratte! Jesuit! Ich kenne Sie genau! + +=Tschubukow.= Schweig! Sonst schieße ich dich nieder ... mit dem +schlechtesten Gewehr, wie ein Rebhuhn! Geck! Taube Nuß! Tagedieb! + +=Lomow.= Alle wissen, daß -- ach! Das Herz! -- Ihre selige Frau Sie +geprügelt hat... Das Bein ... die Schläfen... Funken... Ich falle um, +ich falle... + +=Tschubukow.= Und du stehst unter dem Pantoffel deiner Beschließerin! + +=Lomow.= Hier ... da ... da ... ist das Herz geplatzt. Die Schulter ist +fortgerissen... Wo ist meine Schulter?... Ich sterbe. (Er fällt in den +Fauteuil.) Den Doktor! (Ohnmacht.) + +=Tschubukow.= Bube! Gelbschnabel! Geck! Mir ist schlecht! (Er trinkt +Wasser.) Übel ist mir! + +=Natalia Stepanowna.= Was sind Sie für ein Jäger? Sie können ja nicht +einmal zu Pferd sitzen! (Zum Vater.) Papa, was hat er? Papa, sieh hin, +Papa! (Sie jammert.) Iwan Wassiljitsch! Er ist tot! + +=Tschubukow.= Mir ist schlecht! Der Atem versagt mir!... Luft!... + +=Natalia Stepanowna.= Er ist tot! (Sie schüttelt Lomow am Ärmel.) Iwan +Wassiljitsch! Iwan Wassiljitsch! Was haben wir angerichtet? Er ist +gestorben! (Sie sinkt in den Fauteuil.) Den Doktor! Den Doktor! +(Hysterischer Anfall.) + +=Tschubukow.= Ach!... Was gibt es denn? Was fehlt dir? + +=Natalia Stepanowna= (stöhnt). Er ist tot!... Tot! + +=Tschubukow.= Wer ist gestorben? Wer ist tot? (Auf Lomow hinsehend.) +Wahrhaftig, er ist tot! Gerechter Gott! Wasser! Den Arzt! (Das Glas an +Lomows Lippen haltend.) Trinken Sie!... Nein, er trinkt nicht... Er ist +also tot und dergleichen... Unglückseligster Mensch, der ich bin! Warum +jage ich mir keine Kugel in die Stirn? Warum habe ich mir bis jetzt noch +nicht den Hals durchgeschnitten? Worauf warte ich noch? Gebt mir ein +Messer! Gebt mir eine Pistole! (Lomow bewegt sich.) Es scheint, er kommt +zu sich... Trinken Sie Wasser! So... + +=Lomow.= Funken... Nebel... Wo bin ich? + +=Tschubukow.= Heiraten Sie! Schnell ... und zum Teufel... Sie willigt +ein! (Er vereinigt die Hände Lomows mit denen Natalias.) Sie ist +einverstanden und dergleichen. Ich segne euch und dergleichen. Aber laßt +mich nur in Ruh'! + +=Lomow.= He, was? (Sich erhebend.) Wen? + +=Tschubukow.= Sie ist einverstanden! Nun? Küßt euch und ... und der +Teufel mit euch! + +=Natalia Stepanowna= (stöhnt). Er lebt... Ja, ja, ich bin +einverstanden... + +=Tschubukow.= Küßt euch! + +=Lomow.= Eh? Wen? (Er und Natalia Stepanowna küssen sich.) Sehr +angenehm... Erlauben Sie, um was handelt es sich? Ach, ja ... ich +verstehe ... das Herz ... die Funken... Ich bin glücklich, Natalia +Stepanowna... (Er küßt ihr die Hand.) Das Bein ist gelähmt... + +=Natalia Stepanowna.= Auch ich bin glücklich... + +=Tschubukow.= Uf ... ein Berg von den Schultern... Uf! + +=Natalia Stepanowna.= Und doch, geben Sie wenigstens jetzt zu, Ugadai +ist schlechter als Otkatai. + +=Lomow.= Besser! + +=Natalia Stepanowna.= Schlechter! + +=Tschubukow.= Nun beginnt das Familienglück! Champagner! + +=Lomow.= Besser! + +=Natalia Stepanowna.= Schlechter! Schlechter! Schlechter! + +=Tschubukow= (strengt sich an, sie zu überschreien). Champagner! +Champagner! Champagner! + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Ein Heiratsantrag, by Anton Tschechow + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN HEIRATSANTRAG *** + +***** This file should be named 22493-8.txt or 22493-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/2/2/4/9/22493/ + +Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + http://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/22493-8.zip b/22493-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..3519986 --- /dev/null +++ b/22493-8.zip diff --git a/22493-h.zip b/22493-h.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..e001e37 --- /dev/null +++ b/22493-h.zip diff --git a/22493-h/22493-h.htm b/22493-h/22493-h.htm new file mode 100644 index 0000000..e5feb43 --- /dev/null +++ b/22493-h/22493-h.htm @@ -0,0 +1,1364 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" + "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> + +<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de"> + <head> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> + <title> + The Project Gutenberg eBook of Ein Heiratsantrag, by Anton Tschechow + </title> + <style type="text/css"> +/*<![CDATA[ XML blockout */ +<!-- + body { margin-left: 15%; + margin-right: 15%; + } + + p { margin-top: .75em; + text-align: justify; + margin-bottom: .75em; + } + + h1, h2 { text-align: center; + clear: both; + } + + h1 { margin-top: 80px; } + + h2 { margin-top: 3em; } + + .center { text-align: center; } + + em.gesperrt { font-weight: normal; font-style: normal; } + .gesperrt, .caption { letter-spacing: 0.25em; } + + .figcenter { margin: auto; margin-top: 4em; text-align: center; } + .caption { margin-top: 0.5em; } + + .footnotes { border: dashed 1px #999; margin-top: 2em; } + .footnote { margin-left: 5%; margin-right: 5%; font-size: 0.9em; } + .footnote .label, + .fnanchor { vertical-align: super; font-size: .8em; text-decoration: none; } + + .auftritt { text-align: center; margin-bottom: 2em; } + + .person { font-weight: bold; } + + .regie { font-size: 85%; } + + // --> + /* XML end ]]>*/ + </style> + </head> +<body> + + +<pre> + +The Project Gutenberg EBook of Ein Heiratsantrag, by Anton Tschechow + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Ein Heiratsantrag + Scherz in einem Aufzug + +Author: Anton Tschechow + +Translator: Luise Flachs-Fokschaneanu + +Release Date: September 2, 2007 [EBook #22493] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN HEIRATSANTRAG *** + + + + +Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + + + +</pre> + + + + + +<h1>Ein Heiratsantrag</h1> + +<p class="center gesperrt">Scherz in einem Aufzug</p> + +<p class="center" style="line-height: 2em;">Von<br/> +<span class="gesperrt" style="font-size: 120%;">Anton Tschechow</span></p> + + +<p class="center" style="font-size: 90%; margin-top: 2.5em;">Bühneneinrichtung mit Dekorationsplan</p> + + +<p class="center" style="margin-top: 2.5em; margin-bottom: 2.5em; line-height: 1.5em;"><span class="gesperrt">Aus dem Russischen übertragen</span><br/> +von<br/> +Luise Flachs-Fokschaneanu</p> + + +<p class="center gesperrt">Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig</p> + +<p class="center gesperrt" style="margin-top: 4em;">Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt.</p> + +<p class="center">Übersetzungsrecht für alle anderen Sprachen vorbehalten.</p> + +<div style="margin-left: 10%; margin-right: 10%;"> +<p>Für sämtliche Bühnen im ausschließlichen Debit der Verlags-Firma +A. <span class="gesperrt">Entsch</span>, Berlin <span style="font-style: italic;">NW. 7.</span> erschienen, und ist von dort aus allein das +Recht der Aufführung zu erwerben.</p> + +<p class="gesperrt" style="text-align: right; margin-right: 1.5em;">Luise Flachs-Fokschaneanu.</p> + +<p style="margin-top: 4em;">Stücke von Anton Tschechow in der Universal-Bibliothek:</p> + +<p style="margin-bottom: 2.5em; margin-left: 2em;"> +Nr. 4264. Die drei Schwestern.<br /> +Nr. 4919. Die Möwe.</p> +</div> + +<p class="center gesperrt">Druck von Philipp Reclam jun. Leipzig</p> + + + + +<h2><a name="Personen">Personen.</a></h2> + + +<p><span class="person">Stepán Stepánowitsch Tschubúkow</span>, Gutsbesitzer.</p> + +<p><span class="person">Natália Stepánowna</span>, seine Tochter. (25 Jahre alt.)</p> + +<p><span class="person">Iwán Wassíljitsch Lómow</span>, Tschubukows Nachbar.</p> + +<p><span class="gesperrt">Ort der Handlung</span>: Tschubukows Landsitz in Rußland.</p> + +<p><span class="gesperrt">Zeit</span>: Die Gegenwart.</p> + + +<p class="gesperrt">Rechts und links vom Schauspieler.</p> + + +<p><span class="gesperrt">Vorkommende Namen</span>: Nastásia Michaílowna, Ugadái, Mikónow, +Otkatái, Sapragája, Staméski, Marúskin, Raswachái, Desjatín, Natáscha.</p> + +<p>w am Schlusse eines Namens ist wie f zu sprechen.</p> + + +<p>Die deutsche Uraufführung fand am 12. November 1900 an der Berliner +Sezessionsbühne statt.</p> + +<div class="figcenter" style="width: 600px;"> +<img src="images/heiratsantrag.png" width="600" height="356" alt=""/> +<div class="caption">Empfangszimmer in Tschubukows Hause nach<br/> +vorstehendem Dekorationsplan.</div> +</div> + + + +<h2><a name="Erster_Auftritt">Erster Auftritt.</a></h2> + +<p class="auftritt"><span class="person">Tschubukow.</span> Dann <span class="person">Lomow</span> im Frack und in weißen Handschuhen.</p> + + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(geht ihm zur Begrüßung entgegen)</span>. Liebster! Wen +sehe ich da! Iwan Wassiljitsch! Höchst erfreut! <span class="regie">(Drückt ihm +die Hand.)</span> Ist das aber eine Überraschung, mein Gutester… +Wie geht es Ihnen?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ich danke Ihnen. Und Sie, wie befinden Sie sich?</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Na, es geht, mein Bester. Bitte ergebenst, +setzen Sie sich… Es ist nicht in der Ordnung, mein Lieber, +seine Nachbarn zu vergessen. Aber, mein Liebster, +warum sind Sie denn so feierlich? Im Frack, in Handschuhen +und dergleichen. Fahren Sie denn irgend wohin +zu Besuch, mein Schätzbarster?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Nein. Ich komme bloß zu Ihnen, geehrter Stepan +Stepanowitsch.</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Weshalb dann im Frack, Bester? Gerade +wie bei einer Neujahrsvisite!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Sehen Sie, es handelt sich darum. <span class="regie">(Er faßt ihn +unter.)</span> Ich bin zu Ihnen gekommen, verehrter Stepan Stepanowitsch, +um Sie mit einer Bitte zu belästigen… Es +ist nicht das erste Mal, daß ich die Ehre habe, mich an Sie +um Hilfe zu wenden, und stets haben Sie, sozusagen … +aber verzeihen Sie, ich bin aufgeregt. Ich werde erst Wasser +trinken, verehrter Stepan Stepanowitsch. <span class="regie">(Er trinkt.)</span></p> + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(beiseite)</span>. Er ist gekommen, Geld zu borgen! +Ich werde keines geben! <span class="regie">(Zu Lomow.)</span> Um was handelt es +sich denn, Bester?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Sehen Sie … geehrt … Stepanitsch … entschuldigen +Sie, Stepan, Stepan – Geehrtewitsch … das +heißt, ich bin schrecklich aufgeregt, wie Sie gefälligst sehen +wollen… Mit einem Wort, Sie allein können mir helfen, +obgleich ich es durchaus nicht verdient habe und … und +nicht das Recht habe, Ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen.</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Ach, machen Sie keine Umschweife, mein Herzchen! +Sagen Sie rund heraus! Nun?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Sofort… Im Augenblick. Die Sache ist die: +Ich bin gekommen, um die Hand Ihrer Tochter Natalia +Stepanowna zu bitten.</p> + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(freudig)</span>. Engelchen! Iwan Wassiljitsch! Wiederholen +Sie das noch einmal – ich habe nicht gut gehört!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ich habe die Ehre, zu bitten…</p> + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(ihn unterbrechend)</span>. Mein Täubchen, ich bin so +erfreut und dergleichen, das ist es eben und dergleichen. +<span class="regie">(Er umarmt und küßt ihn.)</span> Ich habe es ja längst gewünscht. +Es war immer mein Wunsch <span class="regie">(er zerdrückt eine Träne)</span> und ich +liebte Sie stets, mein Teuerster, wie meinen eigenen Sohn. +Gott gebe euch beiden seinen Segen und seine Gnade und +dergleichen … ich habe es mir immer gewünscht … aber +warum stehe ich denn da, wie ein Tölpel? Ich bin vor +Freude verblüfft, ganz verblüfft! Ach, von ganzer Seele… +Ich gehe Natascha rufen und dergleichen.</p> + +<p><span class="person">Lomow</span> <span class="regie">(gerührt)</span>. Geehrter Stepan Stepanitsch, was meinen +Sie, darf ich auf die Einwilligung Natalia Stepanownas +hoffen?</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Wirklich ein so schöner Mann und … und +da soll sie auf einmal nicht einwilligen! Verliebt wie eine +Katze und dergleichen … sofort! <span class="regie">(Er geht nach rechts ab.)</span></p> + + + +<h2><a name="Zweiter_Auftritt">Zweiter Auftritt.</a></h2> + +<p class="auftritt"><span class="person">Lomow</span> allein.</p> + + +<p><span class="person">Lomow.</span> Mir ist kalt… Ich zittere am ganzen Leibe, wie +vor dem Examen. Die Hauptsache ist, man muß sich entschließen. +Wenn man lange bedenkt, schwankt, viel spricht, +auf ein Ideal oder auf die echte Liebe wartet, verheiratet +man sich niemals. Brrr!… Es ist kalt! Natalia Stepanowna +ist eine vorzügliche Wirtin, ist auch nicht übel, ist +gebildet … was brauche ich denn noch? Es rauscht mir +vor Aufregung in den Ohren. <span class="regie">(Er trinkt Wasser.)</span> Und nicht +heiraten, das geht nicht… Erstens bin ich schon fünfunddreißig +Jahre alt – ein kritisches Alter, sozusagen. Zweitens +bedarf ich eines geordneten, regelmäßigen Lebens… +Ich habe einen Herzfehler, beständiges Herzklopfen, ich bin +empfindlich und gerate immer in furchtbare Aufregung. Sofort +zittern mir die Lippen und auf der rechten Schläfe zuckt +der Puls… Aber das Allerschrecklichste ist der Schlaf. Kaum +habe ich mich ins Bett gelegt und beginne einzuschlummern, +da zerrt und zupft plötzlich etwas an der linken Seite! und +just in der Schulter und im Kopf hämmert etwas… Ich +springe wie ein Verrückter auf, gehe eine Weile umher, dann +lege ich mich wieder, aber kaum bin ich ein wenig eingeschlafen, +habe ich wieder einen Krampf an der Seite! Und +so geht es an die zwanzig Mal…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna</span> <span class="regie">(kommt von rechts)</span>.</p> + + + +<h2><a name="Dritter_Auftritt">Dritter Auftritt.</a></h2> + +<p class="auftritt"><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> <span class="person">Lomow.</span></p> + + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Ach so! Das sind Sie, und Papa +sagt: geh', ein Händler ist gekommen, Ware kaufen. Guten +Tag, Iwan Wassiljitsch.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Guten Tag, geehrte Natalia Stepanowna!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Entschuldigen Sie, ich habe die Schürze +an und bin im Hauskleid… Wir reinigen Schoten zum +Trocknen. Warum sind Sie so lange nicht bei uns gewesen? +Setzen Sie sich… <span class="regie">(Sie setzen sich.)</span> Wollen Sie etwas zum +Frühstück nehmen?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Nein, ich danke Ihnen, ich habe schon gegessen.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Rauchen Sie … da sind Zündhölzer… +Das Wetter ist herrlich und gestern hat es so stark +geregnet, daß die Arbeiter den ganzen Tag nichts tun konnten. +Wie viel Schober haben Sie geschnitten? Denken Sie +sich nur, ich bin sehr habgierig und habe die ganze Wiese +abmähen lassen und jetzt ärgere ich mich darüber, ich fürchte, +mein Heu verfault mir. Es wäre besser gewesen, ich hätte +gewartet. Ja, was ist denn das? Mir scheint gar, Sie +sind im Frack? Das Allerneueste! Gehen Sie am Ende +auf einen Ball? Nebenbei bemerkt, Sie sind etwas hübscher +geworden… Wahrhaftig … warum sind Sie so herausgeputzt?</p> + +<p><span class="person">Lomow</span> <span class="regie">(aufgeregt)</span>. Sehen Sie, geehrte Natalia Stepanowna… +Es handelt sich darum, daß ich mich entschlossen +habe, Sie zu bitten, mich anzuhören… Natürlich werden +Sie sich wundern und sogar böse sein, aber ich… <span class="regie">(Beiseite.)</span> +Wie schrecklich kalt es ist!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna</span>. Um was handelt es sich? <span class="regie">(Pause.)</span> Nun?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ich werde mir Mühe geben, mich kurz zu fassen. +Verehrte Natalia Stepanowna, es ist Ihnen bekannt, daß +ich schon lange, seit meiner Kindheit, die Ehre habe, Ihre +Familie zu kennen. Meine selige Tante und ihr Gemahl, +von denen ich, wie Sie wissen, das Grundstück geerbt, hatten +stets die größte Achtung vor Ihrem Vater und Ihrer +seligen Frau Mutter. Das Geschlecht der Lomows und das +Geschlecht der Tschubukows standen seit jeher in den freundschaftlichsten, +sozusagen verwandtschaftlichen Beziehungen zueinander, +überdies grenzt, wie Sie zu wissen belieben, mein +Grundstück eng an das Ihrige. Wenn Sie sich gütigst erinnern +wollen, stoßen meine Ochsenwiesen hart an Ihren +Birkenwald.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Entschuldigen Sie, ich muß Sie unterbrechen. +– Sie sagen »<em class="gesperrt">meine</em> Ochsenwiesen« … ja, sind +das denn auch die Ihrigen?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ja, sie gehören mir…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> So? So etwas! Die Ochsenwiesen +gehören uns und nicht Ihnen!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Nein – <em class="gesperrt">mir</em>, verehrte Natalia Stepanowna!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Das ist für mich etwas ganz Neues! +Wie gehören sie denn Ihnen?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Was – wie? Ich rede von jenen Ochsenwiesen, +die zwischen Ihrem Birkenwald und der Ziegelerde eingekeilt +liegen.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Nun ja, eben diese … gehören uns…</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Nein, Sie irren sich, verehrte Natalia Stepanowna, +sie gehören mir.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Erinnern Sie sich nur genau, Iwan +Wassiljitsch! Ist es schon lange her, daß Sie dieselben erworben +haben?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Wie lange? Soweit ich mich an mich selbst erinnern +kann, gehörten sie immer uns.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Nun, dem ist also nicht so. Sie entschuldigen +schon!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Das geht aus den Papieren hervor, verehrte Natalia +Stepanowna. Die Ochsenwiesen wurden mir schon einmal +– das ist wahr – streitig gemacht, jetzt aber ist es +allen bekannt, daß sie mir gehören. Da gibt es nichts zu +streiten. Hören Sie gefälligst: Die Großmutter meiner Tante +hat diese Wiesen für eine unbestimmte Zeit zur unentgeltlichen +Benutzung den Bauern des Großvaters Ihres geehrten +Vaters dagegen zur Verfügung gestellt, daß für die Großmutter +die Ziegel gebrannt werden. Die Bauern des Großvaters +Ihres geehrten Vaters benutzten die Wiesen ungefähr +vierzig Jahre unentgeltlich und gewöhnten sich daran, dieselben +als ihr Eigentum anzusehen, später aber, als der Ukas kam…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Es ist gar nicht so, wie Sie erzählen? +Auch mein Großvater und Urgroßvater waren davon überzeugt, +daß ihre Grundstücke sich bis zu den Sümpfen erstreckten – +das heißt also, die Ochsenwiesen gehörten uns. Was +gibt es da zu streiten? Ich begreife gar nicht… Es ist +wirklich ärgerlich.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ich werde Ihnen die Dokumente zeigen, Natalia +Stepanowna.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Nein, Sie scherzen ganz einfach oder +Sie ziehen mich auf… Eine schöne Bescherung! Wir besitzen +den Grund seit nahezu dreihundert Jahren und plötzlich +macht man uns die Mitteilung, daß er nicht uns gehört! +Iwan Wassiljitsch, verzeihen Sie, aber ich traue meinen Ohren +nicht… Für mich haben diese Wiesen einen geringen Wert. +Es sind im ganzen fünf Desjatin und sie haben den Wert +von ein paar hundert Rubel, etwa 300 Rubel, aber mich +empört die Ungerechtigkeit. Sagen Sie, was Sie wollen, +aber Ungerechtigkeit kann ich nicht ertragen.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Hören Sie bis zu Ende, ich flehe Sie an! Die +Bauern des Großvaters Ihres geehrten Vaters, wie ich schon +die Ehre hatte, Ihnen zu sagen, brannten für die Großmutter +meiner Tante Ziegel. Die Großmutter der Tante +wollte ihnen etwas Angenehmes…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Großvater, Großmutter, Tante… +Ich verstehe von all dem nichts! Die Wiesen gehören uns +und Punktum.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Nein, mir!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Uns! Wenn Sie auch zwei Tage lang +beweisen, und wenn Sie fünfzehn Fräcke anlegen, so sind sie +doch unsere, unsere, unsere!… Was Ihnen gehört, begehre +ich nicht, aber ich wünsche auch nicht, das zu verlieren, was +mir gehört!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Natalia Stepanowna, ich brauche nicht die Wiesen, +ich tue es doch nur aus Prinzip. Wenn es angenehm +ist, so bitte … ich schenke sie Ihnen.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Ich kann sie <em class="gesperrt">Ihnen</em> schenken, denn +sie gehören mir!… Das ist doch sehr sonderbar, Iwan +Wassiljitsch! Wir haben Sie bisher für einen guten Nachbarn +gehalten, für einen Freund, vergangenes Jahr überließen +wir Ihnen unsere Dreschwalze und konnten deshalb +unser Getreide erst im November zu Ende mahlen und Sie +behandeln uns wie die Zigeuner. Sie schenken mir mein +eigenes Grundstück. Entschuldigen Sie, so handeln Nachbarn +nicht. Nach meiner Meinung ist es sogar eine Kühnheit … +wenn Sie wollen…</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Nach Ihrer Ansicht bin ich also ein Usurpator? +Meine Gnädige, niemals habe ich mir fremde Grundstücke +angeeignet und ich gestatte niemandem, mich dessen zu beschuldigen… +<span class="regie">(Er geht rasch zur Flasche und trinkt Wasser.)</span> Die +Ochsenwiesen sind mein!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Es ist nicht wahr! Unser!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Mein!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Nicht wahr! Ich werde es Ihnen +beweisen! Heute noch schicke ich meine Schnitter auf diese +Wiesen!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> W–a–as?</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Heute werden meine Schnitter dort sein!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Und ich werde sie fortjagen!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Unterstehen Sie sich!</p> + +<p><span class="person">Lomow</span> <span class="regie">(greift nach seinem Herzen)</span>. Die Ochsenwiesen sind +mein, verstehen Sie, mein!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Ich bitte, schreien Sie nicht! Sie +können bei sich zu Hause schreien und vor Wut schnauben, +aber hier, bitte ich, sich in gewissen Grenzen zu halten!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Meine Gnädige, hätte ich nicht so furchtbares, +quälendes Herzklopfen und hämmerten mir nicht die Adern +in den Schläfen, so spräche ich anders mit Ihnen! <span class="regie">(Schreit.)</span> +Die Ochsenwiesen gehören mir!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Uns!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Mir!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(kommt von rechts)</span>.</p> + + + +<h2><a name="Vierter_Auftritt">Vierter Auftritt.</a></h2> + +<p class="auftritt"><span class="person">Die Vorigen.</span> <span class="person">Tschubukow.</span></p> + + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Was gibt es hier? Weshalb schreit ihr?</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Papa, erkläre du, bitte, diesem Herrn. +Wem gehören die Ochsenwiesen: uns oder ihm?</p> + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(zu Lomow)</span>. Schätzchen, die Wiesen gehören uns!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Aber erbarmen Sie sich, Stepan Stepanowitsch, +wie gehören sie denn Ihnen? Seien <em class="gesperrt">Sie</em> wenigstens ein +räsonnabler Mensch! Die Großmutter meiner Tante hat die +Wiesen für eine gewisse Zeit zur unentgeltlichen Benutzung +den Bauern Ihres Großvaters überlassen. Die Bauern benutzten +den Grund vierzig Jahre lang und gewöhnten sich +an ihn wie an ihren eigenen, als aber der Ukas erschien…</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Erlauben Sie, Wertester… Sie vergessen, +daß gerade die Bauern Ihrer Großmutter nicht gezahlt haben +und dergleichen, weil wegen der Wiesen gerade damals Prozeß +geführt wurde und dergleichen… Und jetzt weiß jeder +Hund, daß sie uns gehören. Sie haben den Plan nicht gesehen!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Und ich werde Ihnen beweisen, daß sie mir gehören.</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Beweisen Sie es nicht, mein Liebling.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Nein, ich werde es beweisen!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Teuerster, warum denn so schreien? Gerade +durch Schreien werden Sie am wenigsten beweisen. Ich verlange +nicht das Ihrige und habe nicht die Absicht das Meinige +abzutreten. Warum auch? Ist es schon so weit gekommen, +mein Liebster, beabsichtigen Sie wirklich, uns die +Wiesen zu bestreiten und dergleichen, dann schenke ich sie +lieber den Bauern als Ihnen! Ganz gewiß!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ich begreife nicht! Welches Recht haben Sie +überhaupt, fremdes Eigentum zu verschenken?</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Sie gestatten mir wohl, zu wissen, ob ich das +Recht dazu habe oder nicht. Junger Mann, ich bin nicht +gewohnt, daß mit mir in diesem Ton gesprochen wird und +dergleichen. Ich, junger Mann, bin zweimal so alt wie Sie +und bitte, zu mir ruhig zu sprechen und dergleichen.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Nein, Sie halten mich zum Narren und machen +sich lustig über mich! Sie nennen mein Grundstück das +Ihrige und wollen, daß ich dabei gleichmütig bleiben und +zu Ihnen menschlich sprechen soll. So gehen gute Nachbarn +nicht vor, Stepan Stepanowitsch! Sie sind kein Nachbar, +ein Usurpator sind Sie!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Wa–as? Was haben Sie gesagt?</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowa.</span> Papa, schicke sofort die Schnitter auf +die Wiesen!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(zu Lomow)</span>. Was haben Sie gesagt, geehrter Herr?</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Die Ochsenwiesen gehören uns und ich +trete sie nicht ab, ich trete sie nicht ab, ich trete sie nicht ab!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Das wollen wir noch sehen! Ich werde es Ihnen +vor Gericht beweisen, daß sie mir gehören!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Vor Gericht. Sie können klagen bei Gericht, +geehrter Herr, und dergleichen, Sie können! Ich kenne Sie, +Sie warten auf eine Gelegenheit, Prozesse zu führen und +dergleichen… Ein Intrigant sind Sie! Ihre ganze Familie +hat immer Händel gesucht! Die ganze!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ich bitte, meine Familie nicht zu beleidigen. Alle +vom Geschlecht der Lomows waren ehrlich, und es hat keinen +einzigen gegeben, der wegen Veruntreuung vor Gericht gezogen +wurde, wie Ihr Onkelchen!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Und in Ihrer Lomowschen Familie waren +alle verrückt!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Alle, alle, alle!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Ihr Großvater war ein periodischer Säufer, +und die jüngere Tante, die Nastasia Michailowna, ist mit +einem Architekten durchgegangen, und dergleichen.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Und Ihre Mutter hat gehinkt. <span class="regie">(Er greift nach dem +Herzen.)</span> An der Seite zuckt es … im Kopf hämmert es … +Vater im Himmel!… Wasser!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Und Ihr Papachen war ein Kartenspieler und +ein Vielfraß!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Ihre Tante eine Klatscherin, wie es +deren wenige gibt!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Mir ist das linke Bein gelähmt… Und Sie sind +ein Intrigant … ach, das Herz!… Und es ist für niemand +ein Geheimnis, daß Sie bei den Wahlen geschwindelt… +Es flimmert mir vor den Augen… Wo ist mein Hut?</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Wie niedrig! Lügner! Abscheulicher!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Sie selber sind eben ein tückischer, heuchlerischer +und verlogener Mensch! Ja–a!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Da ist der Hut… Das Herz… Wohin soll +ich gehen? Wo ist die Tür? Ach! mir scheint, ich sterbe… +Ich kann nicht, die Beine schlottern… (Er geht zur Tür.)</p> + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(folgt ihm)</span>. Daß Ihr Fuß mein Haus nicht +mehr betrete!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Klagen Sie bei Gericht! Wir wollen sehen.</p> + +<p><span class="person">Lomow</span> <span class="regie">(geht wankend durch die Mitte ab)</span>.</p> + + + +<h2><a name="Fuenfter_Auftritt">Fünfter Auftritt.</a></h2> + +<p class="auftritt"><span class="person">Tschubukow.</span> <span class="person">Natalia Stepanowna.</span></p> + + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(zornig)</span>. Zum Teufel!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> So ein Taugenichts! Da soll man +noch an gute Nachbarn glauben!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Schuft! Vogelscheuche! Scheusal!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> So eine Mißgeburt, eignet sich ein +fremdes Grundstück an und wagt es noch, zu streiten.</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Und dieses Gespenst, dieser Hühnerfuß untersteht +sich noch, einen Heiratsantrag zu machen, und dergleichen.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Was für einen Heiratsantrag?</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Nun ja! Er kam doch, um dir einen Heiratsantrag +zu machen.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Einen Heiratsantrag? Mir? Warum +hast du mir das nicht früher gesagt?</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Hat doch deshalb den Frack angelegt. So ein +Bratwürstel, so eine Schmutznase!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> <em class="gesperrt">Mir</em> einen Heiratsantrag? Ach! <span class="regie">(Sie +fällt in einen Armstuhl und stöhnt.)</span> Man soll ihn zurückbringen! +Ach! Zurückbringen!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Wen zurückbringen?</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Schneller, schneller! Mir ist schlecht! +Zurückbringen! <span class="regie">(Hysterischer Anfall.)</span></p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Was gibt es denn? Was ist dir? <span class="regie">(Er faßt +sich an den Kopf.)</span> Ich bin ein unglücklicher Mensch! Ich erschieße +mich! Ich häng' mich auf! Man quält mich zu Tode!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Ich sterbe! Zurückbringen!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Pfui! Gleich, heul' nicht! <span class="regie">(Er läuft durch die +Mitte ab.)</span></p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna</span> <span class="regie">(allein; stöhnt)</span>. Was hat man mir angetan! +Bringt ihn zurück! Bringt ihn zurück!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(kommt gelaufen)</span>. Sofort kommt er und dergleichen. +Der Teufel hol' ihn! Uf! Sprich du selbst mit +ihm, ich will es nicht und dergleichen.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna</span> <span class="regie">(stöhnt)</span>. Zurückbringen!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Er kommt, sagt man dir. »O, Schöpfer! welch' +eine Aufgabe ist es, Vater einer erwachsenen Tochter zu sein!«<a name="FNanchor_1_1" href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> +Ich schneide mir den Hals durch! Bestimmt schneide ich mir +den Hals durch! Man hat den Menschen ausgezankt, beschimpft, +hinausgejagt … und das alles hast du getan … du!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Nein, du! Du hast keine Manieren +und bist grob! Wenn nicht du – er wäre nicht fortgegangen!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Na ja, ich trage Schuld! Aber warte nur, Gevatterin, +und dergleichen, wenn ich mich erschieße oder aufhänge, +so wisse, daß du Schuld trägst! Du hast mich dazu +gebracht! Nur du! <span class="regie">(In der Tür zeigt sich Lomow.)</span> Da, rede +selber mit ihm! <span class="regie">(Er geht ab.)</span></p> + +<p><span class="person">Lomow</span> <span class="regie">(tritt erschöpft ein)</span>.</p> + +<div class="footnotes"><div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_1" href="#FNanchor_1_1" class="label">[1]</a> Aus Gribojedows: »Wehe den Gescheiten.«</p></div></div> + + + +<h2><a name="Sechster_Auftritt">Sechster Auftritt.</a></h2> + +<p class="auftritt"><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> <span class="person">Lomow.</span></p> + + +<p><span class="person">Lomow.</span> Schreckliches Herzklopfen… Das Bein ist gelähmt… +In der Seite zuckt es…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Verzeihen Sie, wir haben uns ereifert, +Iwan Wassiljitsch… Ich erinnere mich jetzt … die +Ochsenwiesen gehören tatsächlich Ihnen.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Das Herz klopft schrecklich… Meine Ochsenwiesen… +Beide Augenlider zucken… <span class="regie">(Sie setzen sich.)</span> Wir hatten +unrecht… Mir ging es um das Prinzip… Das Grundstück +ist mir nicht teuer, aber das Prinzip ist mir teuer…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Eben das Prinzip. Wollen wir von +etwas anderem sprechen.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Um so mehr, da ich die Beweise besitze: die Großmutter +meiner Tante hat den Bauern des Großvaters Ihres +geehrten Vaters…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Genug, genug davon… <span class="regie">(Beiseite.)</span> +Ich weiß nicht, womit zu beginnen… <span class="regie">(Zu Lomow.)</span> Gehen +Sie bald auf die Jagd?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ja, auf den Birkhahn, verehrte Natalia Stepanowna. +Nach der Ernte gedenke ich zu beginnen. Ach, +haben Sie gehört? Denken Sie sich nur, welches Unglück! +Mein Hund Ugadai, den Sie doch kennen, hinkt!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Wie schade! Warum denn?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ich weiß es nicht… Vielleicht ist es eine Verrenkung, +oder andere Hunde haben ihn gebissen. <span class="regie">(Er seufzt.)</span> +Der beste Hund, vom Geld schon nicht zu reden! Ich habe +doch dem Mironow 125 Rubel für ihn gezahlt.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Das ist überzahlt, Iwan Wassiljitsch.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Nach meiner Meinung ist er sehr billig. Ein +herrlicher Hund.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Papa hat für seinen Otkatai 85 Rubel +gegeben, und Otkatai ist doch viel besser als Ihr Ugadai.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> So … Otkatai ist besser als Ugadai? Was +Ihnen einfällt! <span class="regie">(Er lacht.)</span> Otkatai ist besser als Ugadai!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Natürlich besser! Otkatai, es ist ja +wahr, ist noch jung, er hat noch nicht geworfen, aber in der +Meute und auch an der Leine mit zwei, drei anderen gibt +es keinen besseren als ihn, selbst beim…</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Erlauben Sie, Natalia Stepanowna, Sie übersehen +aber, daß er einen kurzen Unterkiefer hat und daß ein +Hund mit einem kurzen Unterkiefer nicht gut schnappen kann.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Kurzen Unterkiefer? höre ich zum +erstenmal!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ich versichere Ihnen, der untere Kiefer ist kürzer +als der obere.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Haben Sie denn gemessen?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ich habe gemessen. Zum Laufen taugt er natürlich, +ob aber zum Auffangen im Fluge … das kaum…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Erstens ist unser Otkatai von reiner +Rasse, Vollblut, er ist der Sohn Sapragajas und Stameskis, +und bei Ihrem Buntscheckigen kommt man gar nicht auf +seine Herkunft… Dann ist Ihrer alt und häßlich wie eine +klapperdürre Schindmähre…</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Alt, gewiß! Ich nehme für ihn keine fünf Ihrer +Otkatais… Kann man das aber auch? Ugadai – ist ein +Hund und Otkatai … es ist lächerlich, zu streiten… Solche +wie Ihren Otkatai findet man bei jedem Hundehändler so +viele, daß man mit ihnen einen Teich füllen könnte.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> In Ihnen, Iwan Wassiljitsch, sitzt +heute ein böser Geist des Widerspruchs. Bald gehören die +Wiesen Ihnen, bald ist Ugadai besser als Otkatai. Mir gefällt +es gar nicht, wenn ein Mensch nicht das spricht, was +er denkt. Sie wissen ja sehr wohl, daß Otkatai hundertmal +besser ist als Ihrer … dieser dumme Ugadai. Warum also +das Gegenteil sagen?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ich sehe, Natalia Stepanowna, Sie halten mich +für blind oder für einen Narren. Aber begreifen Sie doch, +daß Otkatai einen kurzen Unterkiefer hat!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Es ist nicht wahr!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Ja, einen kurzen Unterkiefer!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna</span> <span class="regie">(schreit)</span>. Nicht wahr!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Warum schreien Sie denn, meine Gnädige?</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Warum reden Sie solchen Unsinn? +Das ist doch empörend! Es ist höchste Zeit, Ihren Ugadai +zu erschießen, und Sie vergleichen ihn mit Otkatai!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Entschuldigen Sie, ich kann diesen Streit nicht +fortsetzen. Ich habe Herzklopfen.</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Ich habe bemerkt, daß diejenigen +Jäger am meisten streiten, die am wenigsten verstehen.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Meine Gnädige, ich bitte Sie, schweigen Sie… +Mir platzt das Herz… <span class="regie">(Er schreit.)</span> Schweigen Sie!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Ich werde nicht schweigen, bis Sie nicht +zugeben, daß Otkatai hundertmal besser ist als Ihr Ugadai.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Hundertmal schlechter. Krepieren soll er, Ihr Otkatai! +Die Schläfen… Die Augen… Die Schulter…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Und Ihr dummer Ugadai hat es gar +nicht nötig zu krepieren, weil er ohnehin wie krepiert ist!</p> + +<p><span class="person">Lomow</span> <span class="regie">(schreit)</span>. Schweigen Sie! Ich habe einen Herzschlag…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Ich werde nicht schweigen!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(kommt herein)</span>.</p> + + + +<h2><a name="Siebenter_Auftritt">Siebenter Auftritt.</a></h2> + +<p class="auftritt"><span class="person">Die Vorigen.</span> <span class="person">Tschubukow.</span></p> + + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Was gibt es denn schon wieder?</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Papa, sag' aufrichtig, auf Ehr' und +Gewissen: welcher Hund ist besser – unser Otkatai oder sein +Ugadai?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Stepan Stepanowitsch, ich flehe Sie an, sagen +Sie bloß eins: hat Ihr Hund einen kurzen Unterkiefer oder +nicht? Ja oder nein?</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Und wenn schon! Ist das von so großer +Wichtigkeit? Dafür gibt es im ganzen Umkreis keinen +bessern Hund und dergleichen.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Aber mein Ugadai ist doch besser? Sagen Sie +aufrichtig!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Regen Sie sich nicht auf, Schätzbarster!… +Gestatten Sie… Ihr Ugadai hat eben seine guten Eigenschaften… +Er ist von guter Rasse, hat kräftige Läufe, starke +Lenden und dergleichen. Aber der Hund, wenn Sie es +wissen wollen, mein Bester, hat zwei Mängel: er ist alt und +hat einen kurzen Unterkiefer.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Entschuldigen Sie, ich habe Herzklopfen… Sprechen +wir von Tatsachen … wollen Sie sich erinnern, auf +Maruskins Wiesen ging mein Ugadai mit den gräflichen +Raswachai Ohr an Ohr und Ihr Otkatai blieb eine ganze +Werst zurück.</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Er blieb zurück, weil der gräfliche Aufseher +ihn mit seiner Peitsche geschlagen hatte.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Er hatte recht, alle Hunde spüren dem Fuchs nach, +Otkatai aber hält es für notwendig, ein Schaf zu beißen!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Das ist nicht wahr … Liebster … ich bin +reizbar und darum bitte ich Sie, brechen wir diesen Streit +ab. Er hat ihn geschlagen, weil jedermann auf einen fremden +Hund von guter Rasse mit Neid sieht… Jawohl, alle +sind Neider. Auch Sie, mein Herr, sind nicht frei von +Sünden! Kaum bemerken Sie, daß der Hund eines andern +besser ist als Ihr Ugadai, so fangen Sie gleich an … dies +… jenes … sein … mein … und dergleichen… Ich +erinnere mich genau an alles!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Auch ich erinnere mich!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(nachäffend)</span>. Auch ich erinnere mich … woran +erinnern Sie sich?</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Herzklopfen… Das Bein ist gelähmt… Ich +kann nicht…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna</span> <span class="regie">(nachspottend)</span>. Herzklopfen … was sind +Sie für ein Jäger? Sie sollten in der Küche auf dem Ofen +liegen und Schaben erdrosseln, aber nicht Füchse jagen! +Herzklopfen!…</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Wahrhaftig, was sind Sie für ein Jäger? +Mit Ihren Krankheiten sitzt man zu Hause und baumelt nicht +herum auf dem Sattel. Wenn Sie noch ein Jäger wären, +aber Sie fahren doch nur deshalb herum, damit Sie über +Hunde anderer streiten, die Leute stören und dergleichen. Ich +bin reizbar, lassen wir dieses Gespräch, Sie sind nämlich +kein Jäger!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Sind <em class="gesperrt">Sie</em> denn ein Jäger? Sie fahren doch +nur aus, um sich beim Grafen einzuschmeicheln, um zu intrigieren… +Das Herz… Sie Intrigant…!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Nun und wenn ich ein Intrigant bin? <span class="regie">(Er +schreit.)</span> Schweigen Sie!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Intrigant!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Bube! Junger Hund! Wandelnde Apotheke!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Alte Ratte! Jesuit! Ich kenne Sie genau!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Schweig! Sonst schieße ich dich nieder … +mit dem schlechtesten Gewehr, wie ein Rebhuhn! Geck! +Taube Nuß! Tagedieb!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Alle wissen, daß – ach! Das Herz! – Ihre +selige Frau Sie geprügelt hat… Das Bein … die Schläfen… +Funken… Ich falle um, ich falle…</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Und du stehst unter dem Pantoffel deiner +Beschließerin!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Hier … da … da … ist das Herz geplatzt. +Die Schulter ist fortgerissen… Wo ist meine Schulter?… +Ich sterbe. <span class="regie">(Er fällt in den Fauteuil.)</span> Den Doktor! <span class="regie">(Ohnmacht.)</span></p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Bube! Gelbschnabel! Geck! Mir ist schlecht! +<span class="regie">(Er trinkt Wasser.)</span> Übel ist mir!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Was sind Sie für ein Jäger? Sie +können ja nicht einmal zu Pferd sitzen! <span class="regie">(Zum Vater.)</span> Papa, +was hat er? Papa, sieh hin, Papa! <span class="regie">(Sie jammert.)</span> Iwan +Wassiljitsch! Er ist tot!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Mir ist schlecht! Der Atem versagt mir!… +Luft!…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Er ist tot! <span class="regie">(Sie schüttelt Lomow am Ärmel.)</span> +Iwan Wassiljitsch! Iwan Wassiljitsch! Was haben wir angerichtet? +Er ist gestorben! <span class="regie">(Sie sinkt in den Fauteuil.)</span> Den +Doktor! Den Doktor! <span class="regie">(Hysterischer Anfall.)</span></p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Ach!… Was gibt es denn? Was fehlt dir?</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna</span> <span class="regie">(stöhnt)</span>. Er ist tot!… Tot!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Wer ist gestorben? Wer ist tot? <span class="regie">(Auf Lomow +hinsehend.)</span> Wahrhaftig, er ist tot! Gerechter Gott! Wasser! +Den Arzt! <span class="regie">(Das Glas an Lomows Lippen haltend.)</span> Trinken Sie!… +Nein, er trinkt nicht… Er ist also tot und dergleichen… +Unglückseligster Mensch, der ich bin! Warum jage ich +mir keine Kugel in die Stirn? Warum habe ich mir bis +jetzt noch nicht den Hals durchgeschnitten? Worauf warte +ich noch? Gebt mir ein Messer! Gebt mir eine Pistole! +<span class="regie">(Lomow bewegt sich.)</span> Es scheint, er kommt zu sich… Trinken +Sie Wasser! So…</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Funken… Nebel… Wo bin ich?</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Heiraten Sie! Schnell … und zum Teufel… +Sie willigt ein! <span class="regie">(Er vereinigt die Hände Lomows mit denen +Natalias.)</span> Sie ist einverstanden und dergleichen. Ich segne +euch und dergleichen. Aber laßt mich nur in Ruh'!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> He, was? <span class="regie">(Sich erhebend.)</span> Wen?</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Sie ist einverstanden! Nun? Küßt euch +und … und der Teufel mit euch!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna</span> <span class="regie">(stöhnt)</span>. Er lebt… Ja, ja, ich bin +einverstanden…</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Küßt euch!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Eh? Wen? <span class="regie">(Er und Natalia Stepanowna küssen sich.)</span> +Sehr angenehm… Erlauben Sie, um was handelt es sich? +Ach, ja … ich verstehe … das Herz … die Funken… +Ich bin glücklich, Natalia Stepanowna… <span class="regie">(Er küßt ihr die +Hand.)</span> Das Bein ist gelähmt…</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Auch ich bin glücklich…</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Uf … ein Berg von den Schultern… Uf!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Und doch, geben Sie wenigstens jetzt +zu, Ugadai ist schlechter als Otkatai.</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Besser!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Schlechter!</p> + +<p><span class="person">Tschubukow.</span> Nun beginnt das Familienglück! Champagner!</p> + +<p><span class="person">Lomow.</span> Besser!</p> + +<p><span class="person">Natalia Stepanowna.</span> Schlechter! Schlechter! Schlechter!</p> + +<p style="margin-bottom: 80px;"><span class="person">Tschubukow</span> <span class="regie">(strengt sich an, sie zu überschreien)</span>. Champagner! +Champagner! Champagner!</p> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Ein Heiratsantrag, by Anton Tschechow + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN HEIRATSANTRAG *** + +***** This file should be named 22493-h.htm or 22493-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/2/2/4/9/22493/ + +Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at http://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. To +SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any +particular state visit http://pglaf.org + +While we cannot and do not solicit contributions from states where we +have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition +against accepting unsolicited donations from donors in such states who +approach us with offers to donate. + +International donations are gratefully accepted, but we cannot make +any statements concerning tax treatment of donations received from +outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. + +Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation +methods and addresses. Donations are accepted in a number of other +ways including checks, online payments and credit card donations. +To donate, please visit: http://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + http://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + + +</pre> + +</body> +</html> diff --git a/22493-h/images/heiratsantrag.png b/22493-h/images/heiratsantrag.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..832a74f --- /dev/null +++ b/22493-h/images/heiratsantrag.png diff --git a/22493-page-images/p021.png b/22493-page-images/p021.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..d4ce8ef --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p021.png diff --git a/22493-page-images/p022.png b/22493-page-images/p022.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..f41d1f4 --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p022.png diff --git a/22493-page-images/p023.png b/22493-page-images/p023.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..cba93e1 --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p023.png diff --git a/22493-page-images/p024.png b/22493-page-images/p024.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..268f3cb --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p024.png diff --git a/22493-page-images/p025.png b/22493-page-images/p025.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..8c2076c --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p025.png diff --git a/22493-page-images/p026.png b/22493-page-images/p026.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..cdde76d --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p026.png diff --git a/22493-page-images/p027.png b/22493-page-images/p027.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..2ce0772 --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p027.png diff --git a/22493-page-images/p028.png b/22493-page-images/p028.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..5c8e600 --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p028.png diff --git a/22493-page-images/p029.png b/22493-page-images/p029.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..907f762 --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p029.png diff --git a/22493-page-images/p030.png b/22493-page-images/p030.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..79999cc --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p030.png diff --git a/22493-page-images/p031.png b/22493-page-images/p031.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..03e6fdb --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p031.png diff --git a/22493-page-images/p032.png b/22493-page-images/p032.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..f08a112 --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p032.png diff --git a/22493-page-images/p033.png b/22493-page-images/p033.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..7566b37 --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p033.png diff --git a/22493-page-images/p034.png b/22493-page-images/p034.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..e957d64 --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p034.png diff --git a/22493-page-images/p035.png b/22493-page-images/p035.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..69cf02b --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p035.png diff --git a/22493-page-images/p036.png b/22493-page-images/p036.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..cca0f7c --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p036.png diff --git a/22493-page-images/p037.png b/22493-page-images/p037.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..ef48b54 --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p037.png diff --git a/22493-page-images/p038.png b/22493-page-images/p038.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..59540c3 --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p038.png diff --git a/22493-page-images/p039.png b/22493-page-images/p039.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..059c43b --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p039.png diff --git a/22493-page-images/p040.png b/22493-page-images/p040.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..84f6b9b --- /dev/null +++ b/22493-page-images/p040.png diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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