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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 01:52:17 -0700
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+The Project Gutenberg EBook of Der Bär, by Anton Tschechow
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der Bär
+ Groteske in einem Aufzug
+
+Author: Anton Tschechow
+
+Translator: Luise Flachs-Fokschaneanu
+
+Release Date: September 2, 2007 [EBook #22494]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER BÄR ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+[Anmerkungen zur Transkription:
+
+Im Original fett gesetzter Text ist mit = gekennzeichnet.
+Im Original gesperrt gesetzter Text ist mit + gekennzeichnet.
+Im Original in Antiqua gesetzter Text ist mit _ gekennzeichnet.]
+
+
+
+
+ Der Bär
+
+ +Groteske in einem Aufzug+
+
+
+ Von
+
+ +Anton Tschechow+
+
+
+ Bühneneinrichtung mit Dekorationsplan
+
+
+ +Aus dem Russischen übertragen+
+
+ von
+
+ Luise Flachs-Fokschaneanu
+
+
+ +Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig+
+
+
+
+
+ +Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt.+
+
+ Übersetzungsrecht für alle anderen Sprachen vorbehalten.
+
+
+Für sämtliche Bühnen im ausschließlichen Debit der Verlags-Firma
+A. +Entsch+, Berlin _NW. 7._ erschienen, und ist von dort aus allein das
+Recht der Aufführung zu erwerben.
+
+ +Luise Flachs-Fokschaneanu.+
+
+
+Stücke von Anton Tschechow in der Universal-Bibliothek:
+
+ Nr. 4264. Die drei Schwestern.
+ Nr. 4919. Die Möwe.
+
+
++Druck von Philipp Reclam jun. Leipzig+
+
+
+
+
+Der Bär
+
+Groteske in einem Aufzug
+
+
+
+
+Personen.
+
+
+=Helene Iwánowna Pópow=, eine junge Witwe, Gutsbesitzerin.
+
+=Grigórji Stepánowitsch Smirnow=, Gutsbesitzer.
+
+=Luká=, Diener bei Frau Popow.
+
+Ein Gärtner. Ein Kutscher. Mehrere Arbeiter.
+
++Ort der Handlung+: Das Gut der Frau Popow.
+
++Zeit+: Die Gegenwart.
+
+Die Bühne stellt ein elegant eingerichtetes Empfangszimmer dar.
+
+
+Rechts und links vom Schauspieler.
+
+
+Frau Popow wird vom Dichter als eine junge Witwe mit Grübchen in den
+Wangen bezeichnet; Smirnow als ein Mann in den mittleren Jahren.
+
+
++Vorkommende Namen+: Nikolai Michailowitsch, Riblów, Kortschágin,
+Wlássow, Welikán, Tamára, Pelagéja, Simión, Grúsdew, Iroschéwitsch,
+Kúrzin, Masútow, Dáscha.
+
+w am Schlusse eines Namens ist wie f zu sprechen.
+
+
+Die deutsche Uraufführung fand am 11. Oktober 1900 an der Berliner
+Sezessionsbühne statt.
+
+[Illustration: Empfangszimmer im Hause der Frau Popow nach dem
+vorstehenden Dekorationsplan.]
+
+
+
+
+Erster Auftritt.
+
+=Frau Popow.= =Luka.=
+
+
+=Frau Popow= (in tiefer Trauer, sitzt auf dem Sofa rechts, blickt
+unverwandt eine Photographie an).
+
+=Luka.= Es ist nicht recht, gnädige Frau... Sie richten sich zugrunde.
+Die Magd und die Köchin sind Beeren suchen gegangen, alles, was atmet,
+freut sich des Daseins, selbst die Katze versteht sich auf ihr Vergnügen
+-- schleicht im Hof umher und fängt Vögel; bloß Sie hocken den ganzen
+Tag im Zimmer, gerade wie in einem Kloster und haben so gar keine
+Freude... Ja, wahrhaftig, wenn man genau nachrechnet, haben Sie ein Jahr
+lang das Haus nicht verlassen.
+
+=Frau Popow.= Und ich werde es auch niemals verlassen... Wozu? Mein
+Leben ist abgeschlossen... Er liegt im Grabe, ich habe mich zwischen
+diesen vier Mauern begraben... Wir sind beide gestorben.
+
+=Luka.= Da hat man es! Es ist nicht zum Anhören, wirklich wahr! Nikolai
+Michailowitsch ist gestorben, so war es Gottes Wille, Gott geb' ihm die
+ewige Ruh'... Sie haben sich gegrämt, nun ist's genug, es ist Zeit,
+aufzuhören. Man kann nicht ewig weinen und Trauerkleider tragen. Auch
+mir ist vor Jahren meine Alte gestorben... Ich habe mich gegrämt, einen
+Monat lang habe ich geweint, und dann war's genug. Kann man denn ewig
+Klagelieder singen? Das war ja die Alte auch nicht wert. (Er seufzt.)
+Sie haben alle Nachbarn vergessen... Sie fahren nicht aus und wollen
+auch niemand empfangen. Wir leben, verzeihen Sie, wie die Spinnen, das
+liebe Tageslicht sehen wir nicht. Die Livree ist von den Mäusen
+zerfressen... Und wenn es noch keine guten Menschen gäbe, aber der ganze
+Umkreis ist voll von Herrschaften... In Riblow steht das Regiment,
+Offiziere -- einfach Konfekt, man kann sich nicht satt sehen! Und im
+Lager ist an jedem Freitag Ball, und jeden Tag spielt die Militärmusik...
+Ach, meine liebe, gnädige Frau! So jung und so schön wie Sie sind, Milch
+und Blut, wenn Sie doch nur Ihrem Vergnügen leben wollten ... die
+Schönheit ist nicht für immer gegeben! Wenn so zehn Jährchen vorbei
+sind, dann werden Sie gern paradieren wollen, um die Herren Offiziere
+daran zu bekommen, aber da wird es zu spät sein.
+
+=Frau Popow= (entschieden). Ich bitte dich, mir nie mehr davon zu
+sprechen. Du weißt, daß mein Leben seit dem Tode Nikolai Michailowitschs
+für mich jeden Wert verloren hat... Du glaubst, ich lebe, aber es
+scheint dir bloß... Ich habe am Grabe gelobt, diese Trauerkleider nicht
+abzulegen und fern von der Welt zu leben... Hörst du? Möge seine
+abgeschiedene Seele sehen, wie ich ihn liebe... Ja, ich weiß, es ist für
+dich kein Geheimnis -- er war oft ungerecht gegen mich, grausam und ...
+er war mir nicht treu, aber ich werde treu sein bis zum Grabe und ihm
+beweisen, wie ich zu lieben vermag... Dort im Jenseits wird er mich
+ebenso finden, wie ich bis zu seinem Tode gewesen...
+
+=Luka.= Wozu diese Worte ... wenn Sie doch lieber im Garten spazieren
+gingen oder befehlen wollten, Tobby oder den Welikan vorzuspannen, um
+die Nachbarn wieder einmal zu besuchen.
+
+=Frau Popow= (weint). Ach!
+
+=Luka.= Gnädige Frau! Meine liebe gnädige Frau! Was ist's? Um Christi
+willen!...
+
+=Frau Popow.= Er hat Tobby so sehr geliebt! Er ließ ihn immer anspannen,
+wenn er zu Kortschagins und Wlassows fuhr. Wie herrlich er kutschierte!
+Wie hübsch er aussah, wenn er aus allen Kräften die Zügel an sich zog!
+Erinnerst du dich? Tobby, Tobby! Laß ihm heute ein Achtel Hafer mehr
+geben!
+
+=Luka.= Zu Befehl.
+
+(Ein heftiges Klingeln.)
+
+=Frau Popow= (zuckt zusammen). Was ist das? Sage, daß ich niemand
+empfange!
+
+=Luka.= Zu Befehl! (Er geht durch die Mitte ab.)
+
+
+
+
+Zweiter Auftritt.
+
+=Frau Popow= allein.
+
+
+=Frau Popow= (die Photographie anblickend). Du wirst sehen, Nikol, wie
+ich zu lieben und zu verzeihen vermag... Meine Liebe wird mit mir
+zugleich erlöschen ... wenn mein armes Herz zu schlagen aufhören wird.
+(Sie lächelt unter Tränen.) Und du schämst dich nicht? Ich bin ein
+braves, treues Weib, ich habe mich eingekerkert und werde dir treu
+bleiben bis zum Grabe, und du ... und du ... schämst dich nicht, mein
+liebes Ungeheuer! Hast mich betrogen, hast mir Szenen gemacht, hast mich
+lange Wochen allein gelassen...
+
+=Luka= (tritt in großer Aufregung ein).
+
+
+
+
+Dritter Auftritt.
+
+=Frau Popow.= =Luka.=
+
+
+=Luka.= Gnädige Frau, es fragt jemand nach Ihnen, will Sie sehen...
+
+=Frau Popow.= Du hast doch gesagt, daß ich seit dem Tode meines Mannes
+niemand empfange?
+
+=Luka.= Das habe ich gesagt, aber er will nichts davon hören, er sagt,
+es sei eine sehr dringende Angelegenheit.
+
+=Frau Popow.= Ich em--pfan--ge nicht!
+
+=Luka.= Das habe ich ihm ja gesagt, er ist ein Wilder, er schimpfte und
+drang einfach ins Zimmer ein ... er steht schon im Speisezimmer...
+
+=Frau Popow= (erregt). Gut, laß ihn herein. Welche Zudringlichkeit!
+
+=Luka= (durch die Mitte ab).
+
+=Frau Popow.= Wie lästig die Menschen sind! Was wollen sie von mir?
+Warum stören sie meine Ruhe? (Sie seufzt.) Ja, es ist ganz klar, ich
+werde wirklich ins Kloster gehen müssen... (Nachdenklich.) Ja, ins
+Kloster...
+
+=Smirnow= (tritt ein, gefolgt von Luka).
+
+
+
+
+Vierter Auftritt.
+
+=Frau Popow.= =Luka.= =Smirnow.=
+
+
+=Smirnow= (zu Luka). Dummkopf, plapperst zu viel... Esel!... (Frau Popow
+erblickend, mit Würde.) Meine Gnädige, ich habe die Ehre, mich
+vorzustellen: Artillerieleutnant außer Dienst, Grundbesitzer, Grigorji
+Stepanowitsch Smirnow! Bin gezwungen, Sie in einer höchst wichtigen
+Angelegenheit zu belästigen...
+
+=Frau Popow= (ohne ihm die Hand zu reichen). Was wünschen Sie?
+
+=Smirnow.= Ihr seliger Gatte, mit dem ich die Ehre hatte, bekannt zu
+sein, blieb mir zwei Wechsel im Betrage von zwölfhundert Rubel schuldig.
+Da ich morgen in der Agrarbank Zinsen zu erlegen habe, möchte ich Sie
+ersuchen, meine Gnädige, mir das Geld noch heute zu bezahlen...
+
+=Frau Popow.= Zwölfhundert ... und wofür ist mein Mann Ihnen das
+schuldig geblieben?
+
+=Smirnow.= Er hat Hafer von mir gekauft.
+
+=Frau Popow= (seufzend zu Luka). Luka, vergiß also nicht zu sagen, daß
+man Tobby ein Achtel Hafer mehr geben soll.
+
+=Luka= (geht ab).
+
+=Frau Popow= (zu Smirnow). Wenn Nikolai Michailowitsch Ihnen das
+schuldig geblieben, so werde ich selbstverständlich bezahlen, aber
+bitte, entschuldigen Sie, ich habe heute das Geld nicht zur Verfügung.
+Übermorgen kehrt mein Verwalter aus der Stadt zurück, und ich werde ihn
+beauftragen, Ihnen zu zahlen, was Ihnen gebührt, aber bis dahin kann ich
+Ihren Wunsch nicht erfüllen... Überdies sind es gerade heute sieben
+Monate, daß mein Mann gestorben ist, und ich bin nicht in der Stimmung,
+mich mit Geldangelegenheiten zu beschäftigen.
+
+=Smirnow.= Und ich befinde mich in einer Stimmung, daß ich, wenn ich
+morgen die Zinsen nicht einzahle, mit den Füßen nach oben durch den
+Schornstein werde fliegen müssen. Man wird mein Gut sequestrieren!
+
+=Frau Popow.= Übermorgen erhalten Sie das Geld.
+
+=Smirnow.= Ich brauche das Geld nicht übermorgen, sondern heute.
+
+=Frau Popow.= Verzeihen Sie, heute kann ich Ihnen nicht zahlen.
+
+=Smirnow.= Und ich kann bis übermorgen nicht warten.
+
+=Frau Popow.= Was soll ich aber tun, wenn ich es nicht sofort habe!
+
+=Smirnow.= Sie können also nicht zahlen?
+
+=Frau Popow.= Ich kann nicht...
+
+=Smirnow.= Hm... Ist das Ihr letztes Wort?
+
+=Frau Popow.= Ja, das letzte.
+
+=Smirnow.= Das letzte? Endgültig?
+
+=Frau Popow.= Endgültig.
+
+=Smirnow.= Danke gehorsamst. Wir wollen uns das merken. (Er zuckt die
+Schultern.) Und da verlangt man noch, daß ich kaltblütig sei! Der
+Akzisebeamte begegnete mir soeben auf dem Wege und fragte: »Warum ärgern
+Sie sich immer, Grigorji Stepanowitsch?« Ja, erbarmen Sie sich, wie soll
+ich mich denn nicht ärgern? Ich brauche Geld, das Messer steht mir an
+der Kehle... Gestern früh fuhr ich schon beim ersten Morgengrauen vom
+Hause fort und war bei allen meinen Schuldnern. Wenn auch nur einer von
+ihnen seine Schuld bezahlt hätte! Abgeschunden habe ich mich, wie ein
+Hund, habe, der Teufel weiß wo, in einer jüdischen Schenke übernachtet,
+neben einem Schnapsfaß... Endlich komme ich hierher, siebzig Werst vom
+Hause, und hoffe, Geld zu bekommen, und da regaliert man mich mit
+»Stimmung!« Wie soll ich mich da nicht ärgern?
+
+=Frau Popow.= Ich glaube, Ihnen deutlich gesagt zu haben: der Verwalter
+wird aus der Stadt zurückkehren, dann erhalten Sie das Geld.
+
+=Smirnow.= Ich bin nicht zum Verwalter, sondern zu Ihnen gekommen! Was
+Teufel, verzeihen Sie den Ausdruck, kümmert mich Ihr Verwalter!
+
+=Frau Popow.= Entschuldigen Sie, verehrtester Herr, ich bin weder an
+Ihre sonderbaren Ausdrücke, noch an einen solchen Ton gewöhnt. Ich höre
+Sie nicht weiter an. (Sie geht rasch nach links ab.)
+
+
+
+
+Fünfter Auftritt.
+
+=Smirnow= allein.
+
+
+=Smirnow.= Was sagt man dazu? Stimmung! Vor sieben Monaten ist der Mann
+gestorben! Aber muß ich die Zinsen einzahlen oder nicht? Ich frage, muß
+ich die Zinsen zahlen oder muß ich nicht? Nun ja, der Mann ist
+gestorben, Stimmung und allerlei Faxen ... der Verwalter, der Teufel
+hole ihn, ist irgend wohin gefahren, nun, befehlen Sie, was soll ich
+tun? Soll ich etwa im Luftballon meinen Gläubigern entfliehen? Oder mit
+dem Kopf die Mauer einrennen? Komme ich zu Grusdew, geruht er nicht zu
+Hause zu sein, Iroschewitsch hat sich einfach versteckt, mit Kurzin habe
+ich mich tödlich gezankt und ich hätte ihn beinahe zum Fenster
+hinausgeworfen, Masutow hat die Cholerine und bei der da -- Stimmung!
+Keine einzige Kanaille will zahlen! Und das alles nur deshalb, weil ich
+sie alle zu sehr verwöhnt habe, weil ich ein Jammermeyer, ein
+Waschlappen, ein altes Weib bin! Ich bin zu zartfühlend mit ihnen! Aber
+wartet nur! Ihr werdet mich kennen lernen! Ich gestatte keinem, mit mir
+seinen Scherz zu treiben, der Teufel noch einmal! Ich bleibe hier und
+werde nicht von der Stelle weichen, bis sie zahlt! Brrr!... Wie bös ich
+heute bin, wie schrecklich bös ich bin! Vor Bosheit zittern mir alle
+Sehnenbänder und der Atem versagt mir... Pfui, mein Gott! übel, schlecht
+wird mir sogar. (Er schreit.) Diener!
+
+=Luka= (tritt ein).
+
+
+
+
+Sechster Auftritt.
+
+=Smirnow.= =Luka.=
+
+
+=Luka.= Was steht zu Diensten?
+
+=Smirnow.= Gib mir Kwas oder Wasser!
+
+=Luka= (geht ab).
+
+=Smirnow.= Nein, was sagt man dazu! Sie hat es nicht zur Verfügung! Was
+ist das für eine Logik! Einem Menschen steht das Messer an der Kehle, er
+braucht Geld, er ist auf dem Sprunge, sich zu erhängen, und sie zahlt
+nicht, weil sie nicht in Stimmung ist, sich mit Geldangelegenheiten zu
+beschäftigen. Sieh mal! Echte Frauenlogik, Turnürelogik! Darum habe ich
+auch nie mit Frauen sprechen wollen, und tue es auch jetzt nicht gern.
+Mir fällt es leichter, auf einem Pulverfaß zu sitzen, als mit einer Frau
+zu reden. Brrr!... Eiskalt überläuft es mich, so sehr hat mich diese
+Turnüre erbost! Ich brauche nur aus der Ferne so ein poetisches Geschöpf
+zu erblicken, so bekomme ich vor Wut Wadenkrämpfe. Man müßte einfach zu
+Hilfe! schreien.
+
+=Luka= (tritt ein).
+
+
+
+
+Siebenter Auftritt.
+
+
+=Smirnow.= =Luka.=
+
+=Luka= (reicht ihm Wasser). Die gnädige Frau ist krank und empfängt
+nicht.
+
+=Smirnow.= Marsch hinaus!
+
+=Luka= (geht ab).
+
+=Smirnow.= Krank und empfängt nicht! Ist auch nicht notwendig...
+Empfange nicht! Ich bleibe und werde hier sitzen, bis du das Geld
+hergibst... Wirst du eine Woche krank sein, werde ich eine Woche hier
+sitzen... Wirst du ein Jahr krank sein, werde ich ein Jahr hier
+bleiben... Gevatterin, ich werde schon mein Geld herausbekommen! Mich
+rührst du nicht mit den Trauerkleidern, auch nicht mit den Grübchen in
+den Wangen... Wir kennen diese Grübchen! (Er schreit zum Fenster
+hinaus.) Simion, spann' aus! Wir fahren nicht so bald fort! Ich bleibe
+hier. Sag' dort im Stall, man soll den Pferden Hafer geben! Viehkerl,
+das linke Pferd hat sich schon wieder in die Zügel verwickelt. (Spottet
+ihm nach.) Tut nichts... Ich werde dir schon zeigen, tut nichts... (Geht
+vom Fenster weg.) Es ist sehr schlimm ... unerträgliche Hitze, keiner
+zahlt, diese Nacht habe ich schlecht geschlafen und hier die
+Trauerschleppe mit Stimmung... Der Kopf schmerzt ... soll ich vielleicht
+einen Schnaps trinken? Schließlich ... trinken wir einen... (Schreit.)
+Diener!
+
+=Luka= (tritt ein). Was wünschen Sie?
+
+=Smirnow.= Ein Gläschen Schnaps!
+
+=Luka= (geht ab).
+
+=Smirnow= (setzt sich und betrachtet seine Kleidung). Uf! Eine nette
+Figur! Das läßt sich nicht leugnen! Bestaubt, schmutzige Stiefel,
+ungewaschen, ungekämmt, Stroh auf der Weste; die Gnädige hat mich
+einfach für einen Räuber gehalten. (Er gähnt.) Es war etwas unhöflich,
+in solchem Aufzug in einem Empfangszimmer zu erscheinen, nun ja, tut
+nichts... Ich bin hier nicht Gast, sondern Gläubiger, und für Gläubiger
+ist das Kostüm nicht vorgeschrieben.
+
+=Luka= (kommt mit dem Schnaps). Sie erlauben sich viel, mein Herr...
+
+=Smirnow= (zornig). Was?
+
+=Luka.= Ich... Ich habe nichts... Ich habe eigentlich...
+
+=Smirnow.= Zu wem sprichst du?! Halt den Mund!
+
+=Luka= (beiseite). So eine Bescherung! Dieses Ungetüm hat sich uns auf
+den Hals gesetzt. (Er geht ab.)
+
+=Smirnow.= Ach Gott, wie bös ich bin! So bös, daß ich, scheint mir, die
+ganze Welt zu Staub zermalmen möchte... Sogar übel wird mir... (Er
+ruft.) Diener!
+
+
+
+
+Achter Auftritt.
+
+=Frau Popow.= =Smirnow.=
+
+
+=Frau Popow= (kommt mit gesenkten Augen). Geehrter Herr, ich habe mich
+in meiner Einsamkeit völlig der Menschenstimmen entwöhnt und kann
+Geschrei nicht ertragen. Ich bitte Sie dringend, stören Sie meine Ruhe
+nicht!
+
+=Smirnow.= Zahlen Sie mir mein Geld und ich reise ab.
+
+=Frau Popow.= Ich sagte Ihnen bereits in Ihrer Muttersprache: ich habe
+das Geld jetzt nicht zur Verfügung, warten Sie bis übermorgen.
+
+=Smirnow.= Auch ich hatte die Ehre, Ihnen in Ihrer Muttersprache
+mitzuteilen, daß ich das Geld nicht übermorgen, sondern heute brauche.
+Wenn Sie mir heute nicht zahlen, muß ich mich morgen aufhängen...
+
+=Frau Popow.= Was soll ich aber tun, wenn ich das Geld nicht habe? Wie
+sonderbar!
+
+=Smirnow.= Sie zahlen also nicht sofort? Nicht?
+
+=Frau Popow.= Ich kann nicht...
+
+=Smirnow.= Dann bleibe ich hier und werde so lange sitzen, bis ich das
+Geld bekomme. (Er setzt sich.) Sie werden übermorgen zahlen?
+Ausgezeichnet! So bleibe ich bis übermorgen. (Springt auf.) Ich frage
+Sie, muß ich morgen die Zinsen zahlen oder nicht?... Oder glauben Sie,
+ich scherze?
+
+=Frau Popow.= Geehrter Herr, ich bitte Sie, nicht zu schreien! Hier ist
+kein Stall!
+
+=Smirnow.= Ich frage Sie nicht nach dem Stall, sondern danach, ob ich
+morgen die Zinsen erlegen muß oder nicht?
+
+=Frau Popow.= Sie wissen nicht, wie man sich einer Dame gegenüber
+beträgt.
+
+=Smirnow.= O doch, ich weiß, mich mit Damen zu benehmen.
+
+=Frau Popow.= Nein, Sie wissen es nicht. Sie sind ein ungezogener,
+grober Mensch. Anständige Leute sprechen nicht so mit Damen!
+
+=Smirnow.= Ach, wie merkwürdig! Wie befehlen Sie denn mit Ihnen zu
+sprechen? Etwa französisch? (Boshaft lispelnd.) _Madame, je vous prie_
+... wie glücklich bin ich, daß Sie mir das Geld nicht bezahlen...
+Pardon, daß ich Sie gestört habe! Welch herrliches Wetter wir heute
+haben! Und wie gut Ihnen diese Trauerkleider stehen! (Er macht
+Kratzfüße.)
+
+=Frau Popow.= Gar nicht witzig, aber grob!
+
+=Smirnow= (nachahmend). Nicht witzig, aber grob! Ich weiß mich nicht in
+Damengesellschaft zu betragen! Meine Gnädigste, ich habe in meinem Leben
+viel mehr Frauen gesehen als Sie Sperlinge! Dreimal habe ich mich der
+Frauen wegen duelliert, zwölf Frauen habe ich sitzen lassen, neun haben
+mich sitzen lassen! Jawohl! Es gab eine Zeit, wo ich den Narren spielte,
+Honigworte lispelte, Kratzfüße, Komplimente machte... Ich liebte, litt,
+seufzte den Mond an, zerfloß in Liebesqualen. Ich liebte
+leidenschaftlich, ich liebte bis zur Raserei, in allen Tonarten, ich
+schnatterte wie eine Elster über die Emanzipation, vergeudete infolge
+dieser zarten Gefühle das halbe Vermögen, aber jetzt, hol' mich der
+Teufel, ist es genug! Gehorsamster Diener, jetzt lasse ich mich nicht
+mehr von Euch an der Nase herumführen. Genug! »Schwarze Augen,
+leidenschaftliche Augen, Korallenlippen, Grübchen in den Wangen,
+Mondenschein, Flüstern, leises, schüchternes Atmen« -- für das alles,
+meine Gnädige, gebe ich heute auch nicht einen Kupfergroschen! Ich
+spreche nicht von den Anwesenden, aber alle Frauen, von der kleinsten
+bis zur größten, sind aufgeblasen, heuchlerisch, klatschsüchtig,
+gehässig, verlogen vom Wirbel bis zur Zehe; eitel, kleinlich, grausam,
+von einer empörenden Logik und was das (er schlägt sich auf die Stirn)
+betrifft, so, verzeihen Sie mir die Aufrichtigkeit, kann ein Sperling
+einem x-beliebigen Philosophen im Unterrock zehn vorgeben! Sieht man ein
+solch poetisches Geschöpf vor sich, so glaubt man, ein ätherisches,
+göttliches Wesen zu erblicken, so wunderschön, ein Hauch und man
+zerfließt in tausend Entzückungen und Wonnen -- sieht man aber in die
+Seele -- so ist es ein gewöhnliches Krokodil! (Er greift eine
+Stuhllehne, der Stuhl kracht und bricht entzwei.) Das Empörendste ist
+aber, daß dieses Krokodil sich einbildet, es sei ein _Chef-d'oeuvre_,
+die zarten Gefühle seien sein alleiniges Monopol. Der Teufel hol's,
+hängen Sie mich da an diesem Nagel mit den Füßen nach oben auf, wenn die
+Frau außer ihrem Seidenpinsch jemand lieben kann. Wenn sie liebt,
+versteht sie bloß, zu jammern oder Tränen zu vergießen. Wo der Mann
+leidet und Opfer bringt, dort äußert sich ihre ganze Liebe darin, daß
+sie mit der Schleppe hin und her dreht und den Mann an der Nase
+herumführen will. Sie haben das Unglück, eine Frau zu sein, Sie werden
+daher die Frauennatur kennen, sagen Sie mir auf Ehr' und Gewissen: haben
+Sie in Ihrem Leben schon eine Frau gesehen, die aufrichtig, treu und
+beständig gewesen wäre? Sie haben sie nicht gesehen! Treu und beständig
+sind einzig und allein die Alten und die Mißgestalteten. Sie werden eher
+einer gehörnten Katze oder einer weißen Waldschnepfe begegnen als einer
+treuen Frau!
+
+=Frau Popow.= Aber erlauben Sie mir, wer ist denn nach Ihrer Meinung
+treu und beständig in der Liebe? Etwa der Mann?
+
+=Smirnow.= Jawohl! Der Mann!
+
+=Frau Popow.= Der Mann! (Sie lacht ironisch.) Der Mann ist treu und
+beständig in der Liebe! Das ist aber etwas ganz Neues. (Bitter.) Mit
+welchem Recht behaupten Sie das? Die Männer und treu, beständig! Wenn
+wir schon soweit gekommen sind, so werde ich Ihnen sagen, daß von allen
+Männern, die ich gekannt und kenne, der beste mein seliger Mann war...
+Ich liebte ihn leidenschaftlich, mit allen meinen Gefühlen, wie nur eine
+junge, denkende Frau lieben kann; ich gab ihm meine Jugend hin, mein
+Glück, das Leben, mein Vermögen, ich betete ihn an, wie eine Heidin und
+... und was geschah? Dieser beste der Männer betrog mich auf Schritt und
+Tritt in der gewissenlosesten Art. Nach seinem Tode fand ich im
+Schreibtisch eine volle Lade mit Liebesbriefen und bei Lebzeiten -- mir
+ist es furchtbar, daran zurückzudenken -- ließ er mich wochenlang
+allein, machte er in meiner Gegenwart anderen Frauen den Hof, hinterging
+er mich, verschwendete mein Geld und spottete über meine Gefühle... Und
+trotz alledem liebte ich ihn und war ihm treu... Ja noch mehr, er ist
+gestorben und ich bin ihm noch immer treu. Ich habe mich für ewig
+zwischen den vier Mauern begraben und bis zum Tode lege ich diese
+Trauerkleider nicht ab...
+
+=Smirnow= (lacht verächtlich). Trauerkleider!... Ich begreife nicht, für
+wen Sie mich halten. Als ob ich nicht wüßte, wozu Sie diesen schwarzen
+Domino tragen und warum Sie sich in den vier Wänden begraben haben. Ob
+ich das weiß! Das ist so geheimnisvoll, poetisch! Irgend ein Junker wird
+an dem Herrenhaus vorbeifahren, oder ein geckenhafter Poet zu den
+Fenstern hinaufblicken und sich denken: »Hier lebt die geheimnisvolle
+Tamara, die aus Liebe zu ihrem Gatten sich zwischen den vier Mauern
+begraben hat.« Wir kennen diese Kunststücke.
+
+=Frau Popow= (aufspringend). Was? Wie unterstehen Sie sich, mir das
+alles zu sagen?
+
+=Smirnow.= Sie haben sich lebendig begraben, Sie haben aber dabei nicht
+vergessen, Ihr Gesicht zu pudern!
+
+=Frau Popow.= Wie wagen Sie es nur, mit mir so zu sprechen?
+
+=Smirnow.= Schreien Sie nicht, ich bitte Sie, ich bin nicht Ihr
+Verwalter! Gestatten Sie mir die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Ich
+bin keine Frau und bin gewohnt, meine Meinung offen zu äußern! Bitte
+also, nicht zu schreien!
+
+=Frau Popow.= Nicht ich schreie, sondern Sie schreien. Lassen Sie mich
+in Ruh', ich bitte!
+
+=Smirnow.= Zahlen Sie mir das Geld und ich reise ab.
+
+=Frau Popow.= Ich werde Ihnen das Geld nicht geben.
+
+=Smirnow.= Nicht? Sie geben es also nicht?
+
+=Frau Popow.= Ihnen zum Trotz werden Sie keinen Kopeken bekommen! Sie
+sollen mich in Ruhe lassen!
+
+=Smirnow.= Ich habe nicht das Vergnügen, Ihr Gemahl oder Ihr Bräutigam
+zu sein, und bitte Sie daher, keine Szenen! (Er setzt sich.) Ich
+vertrage das nicht.
+
+=Frau Popow= (schwer atmend vor Zorn). Sie setzen sich?
+
+=Smirnow.= Ich sitze bereits.
+
+=Frau Popow.= Ich bitte, gehen Sie!
+
+=Smirnow.= Geben Sie das Geld! (Beiseite.) Ach, wie böse ich bin, wie
+böse!
+
+=Frau Popow.= Ich wünsche nicht, mit unverschämten Menschen zu sprechen.
+Hinaus! (Pause.) Sie gehen nicht? Nein?
+
+=Smirnow.= Nein.
+
+=Frau Popow.= Nein?
+
+=Smirnow.= Nein.
+
+=Frau Popow.= Gut... (Sie klingelt.)
+
+
+
+
+Neunter Auftritt.
+
+=Die Vorigen.= =Luka.=
+
+
+=Frau Popow.= Luka, führe diesen Herrn hinaus!
+
+=Luka= (geht auf Smirnow zu). Mein Herr, gehen Sie doch, wenn man Ihnen
+befiehlt. Was wollen Sie hier...
+
+=Smirnow= (aufspringend). Halt das Maul! Mit wem sprichst du? Ich
+zermalme dich zu Brei!
+
+=Luka= (faßt sich nach dem Herz). Gerechter Gott! (Er fällt in einen
+Stuhl.) Ach, mir ist schlecht, ich habe keinen Atem!
+
+=Frau Popow.= Wo ist Dascha? (Ruft.) Dascha! Pelageja! Dascha! (Sie
+klingelt.)
+
+=Luka.= Ach, alle sind Beeren suchen gegangen... Keiner ist zu Hause!
+Mir ist schlecht! Wasser!
+
+=Frau Popow= (zu Smirnow). Scheren Sie sich! Fort!
+
+=Smirnow.= Wollen Sie nicht etwas höflicher sein?
+
+=Frau Popow= (die Fäuste ballend und mit den Füßen stampfend). Sie sind
+ein Grobian! Ein grober Bär! Ein Ungeheuer!
+
+=Smirnow.= Was, wa--as haben Sie gesagt?
+
+=Frau Popow.= Ich habe gesagt, daß Sie ein Bär, ein Ungeheuer sind!
+
+=Smirnow= (nähert sich ihr mit raschen Schritten). Aber erlauben Sie
+mir, welches Recht haben Sie, mich zu beleidigen?
+
+=Frau Popow.= Ja, ich beleidige Sie. Was ist denn dabei? Sie glauben,
+daß ich mich vor Ihnen fürchte?
+
+=Smirnow.= Und Sie glauben wohl, als poetisches Geschöpf haben Sie ein
+Recht, ungestraft zu beleidigen? Ich fordere Sie!... Da haben Sie es...
+
+=Luka.= Barmherziger Gott! Wasser!
+
+=Smirnow.= Es wird duelliert!
+
+=Frau Popow.= Glauben Sie, weil Sie kräftige Fäuste und einen
+Stiernacken haben, daß ich Sie fürchte? Sie Grobian!
+
+=Smirnow.= In die Schranken! Ich erlaube keinem, mich zu beleidigen, und
+schere mich nicht drum, daß Sie eine Dame, ein zartes Geschöpf sind!
+
+=Frau Popow= (bemüht sich, ihn zu überschreien). Bär! Bär! Bär!
+
+=Smirnow.= Es ist endlich Zeit, mit dem alten Vorurteil aufzuräumen, daß
+nur der Mann verpflichtet sei, für eine Beleidigung Genugtuung zu geben.
+Wenn Gleichberechtigung, so Gleichberechtigung in allem, zum Teufel noch
+einmal! In die Schranken.
+
+=Frau Popow.= Sie wollen sich also duellieren? Bitte!
+
+=Smirnow.= Sofort!
+
+=Frau Popow.= Sofort! Mein Mann hatte Pistolen... Ich bringe sie
+sogleich. (Sie geht eilig ab und wendet sich um.) O, mit welchem
+Vergnügen werde ich Ihnen die Kugel in die unverschämte Stirn jagen! Der
+Teufel hole Sie! (Geht ab.)
+
+=Smirnow.= Wie ein Hühnchen schieße ich sie nieder! Ich bin kein grüner
+Junge, kein sentimentaler, junger Hund! Für mich gibt es keine zarten
+Geschöpfe!
+
+=Luka.= Väterchen, (er fällt auf die Knie) erbarme dich meiner, eines
+alten Mannes, erweise mir die Gnade und geh' fort von hier! Du hast mich
+zu Tode erschreckt und jetzt willst du dich noch duellieren!
+
+=Smirnow= (hört ihn nicht). Duellieren ... darin liegt die
+Gleichberechtigung, die Emanzipation! Dabei sind beide Geschlechter
+gleich. Aus Prinzip schieße ich sie nieder. Aber was sagt man zu solch
+einem Weib (nachahmend) »der Teufel hole Sie! Ich werde die Kugel in
+Ihre unverschämte Stirn jagen!« Was sagt man dazu? Hat sich ereifert,
+die Augen blitzten ... sie hat die Forderung angenommen. Bei meiner
+Ehre, zum erstenmal in meinem Leben sehe ich eine solche Frau!
+
+=Luka.= Väterchen, geh' fort! Geh' fort von hier!
+
+=Smirnow.= Das ist eine Frau! Das begreife ich. Ein echtes Weib! Kein
+weicher Teig, nicht zerflossen, sondern Feuer, Schießpulver, eine
+Rakete! Es wäre schade, eine solche niederzuschießen!
+
+=Luka= (weint). Väterchen, geh' fort!
+
+=Smirnow.= Sie gefällt mir entschieden! Entschieden! Trotz der Grübchen
+in den Wangen gefällt sie mir. Ich bin sogar bereit, ihr die Schuld
+nachzusehen ... und der Zorn ist mir vergangen ... eine merkwürdige
+Frau!
+
+=Frau Popow= (kommt mit den Pistolen).
+
+
+
+
+Zehnter Auftritt.
+
+=Die Vorigen.= =Frau Popow.=
+
+
+=Frau Popow.= Da sind die Pistolen ... aber ehe wir uns duellieren,
+zeigen Sie mir, bitte, wie man schießen muß... Ich habe noch nie im
+Leben eine Pistole in der Hand gehalten.
+
+=Luka.= Gott sei uns gnädig und erbarme dich unser! Ich gehe und hole
+den Gärtner und den Kutscher... Woher ist nur dieses Unheil über uns
+gekommen? (Er geht ab.)
+
+=Smirnow= (betrachtet die Pistolen). Sehen Sie, es gibt verschiedene
+Sorten von Pistolen... Es gibt speziell Duellpistolen von Mortimer, mit
+Kapseln. Aber das sind Revolver System Smith und Wesson, mit einem
+Extraktor ... herrliche Pistolen. So ein Paar kostet mindestens neunzig
+Rubel... So muß man den Revolver halten... (Beiseite.) Diese Augen,
+diese Augen! Ein feuriges Weib!
+
+=Frau Popow.= So?
+
+=Smirnow.= Ja, so ... dann ziehen Sie den Hahn auf ... da... So legen
+Sie an... Den Kopf ein wenig zurück... Strecken Sie gefälligst den Arm
+fest aus! So ... dann drücken Sie mit diesem Finger auf das Ding da, und
+das ist alles. Die Hauptregel ist aber: nicht aufgeregt sein, sich nicht
+beeilen beim Zielen und darauf achten, daß die Hand nicht zittere.
+
+=Frau Popow.= Gut. Im Zimmer ist es unbequem zu schießen, gehen wir in
+den Garten.
+
+=Smirnow.= Gehen wir. Ich mache Sie jedoch darauf aufmerksam, daß ich in
+die Luft schießen werde.
+
+=Frau Popow.= Das fehlte noch. Warum?
+
+=Smirnow.= Weil ... weil ... das ist meine Sache, warum!
+
+=Frau Popow.= Sie haben Angst bekommen! Ja? A--a--h? Nein, mein Herr,
+nur keine Ausflüchte! Bitte, folgen Sie mir! Ich werde mich nicht eher
+beruhigen, bis ich Ihre Stirn durchbohrt haben werde, diese Stirn, die
+ich so sehr hasse. Sie haben Angst bekommen?
+
+=Smirnow.= Ja, ich habe Angst bekommen.
+
+=Frau Popow.= Sie lügen. Warum wollen Sie sich nicht schlagen?
+
+=Smirnow.= Weil ... weil ... weil Sie mir gefallen.
+
+=Frau Popow= (mit bösem Lachen). Ich gefalle ihm! Er wagt es zu sagen,
+daß ich ihm gefalle! (Sie zeigt nach der Tür.) Gehen Sie!
+
+=Smirnow= (legt schweigend den Revolver auf den Tisch, nimmt den Hut
+und geht; an der Tür bleibt er stehen; eine Weile sehen sie sich
+schweigend an, dann nähert er sich unschlüssig). Hören Sie ... sind Sie
+noch böse?... Ich war auch teufelswütend, aber verstehen Sie mich nur
+recht ... wie soll ich mich nur ausdrücken?... Die Sache ist nämlich die
+... daß solche Geschichten eigentlich... (Er schreit.) Nun ja, ist es
+denn meine Schuld, daß Sie mir gefallen? (Ergreift die Stuhllehne, der
+Stuhl kracht und bricht entzwei.) Der Teufel weiß, was für gebrechliche
+Möbel Sie haben! Sie gefallen mir! Verstehen Sie? Ich... Ich bin fast
+verliebt!
+
+=Frau Popow.= Fort von mir, ich hasse Sie!
+
+=Smirnow.= Gott! Welch ein Weib! Ich habe nie im Leben so etwas
+Ähnliches gesehen! Ich bin verloren, ruiniert! Ich bin in die Mausefalle
+geraten, wie eine Maus!
+
+=Frau Popow.= Gehen Sie, oder ich schieße!
+
+=Smirnow.= Schießen Sie! Sie können nicht begreifen, welches Glück es
+ist, unter den Blicken dieser herrlichen Augen zu sterben, zu sterben
+durch den Revolver, den dieses kleine Sammethändchen hält... Ich bin
+verrückt geworden! Bedenken Sie und entscheiden Sie sofort, denn wenn
+ich jetzt von Ihnen gehe, sehen wir uns nie wieder. Entscheiden Sie,
+sprechen Sie... Ich bin von Adel, ein anständiger Mensch, habe
+Zehntausend jährlich Einkommen... Treffe mit dem Gewehr eine Münze, die
+in die Luft geworfen wird... Ich besitze herrliche Pferde. Wollen Sie
+meine Frau werden?
+
+=Frau Popow= (empört, schwingt den Revolver). Schießen! In die
+Schranken.
+
+=Smirnow.= Ich bin um den Verstand gekommen... Ich begreife nichts.
+Diener! Wasser!
+
+=Frau Popow= (schreit). In die Schranken!
+
+=Smirnow.= Ich habe meinen Verstand verloren ... ich habe mich verliebt,
+wie ein grüner Junge, wie ein Narr verliebt! (Er ergreift ihre Hand, sie
+schreit vor Schmerz auf.) Ich liebe Sie! (Er kniet nieder.) Ich liebe
+Sie, wie ich noch nie geliebt habe! Zwölf Frauen habe ich sitzen lassen,
+neun sind mir untreu geworden, aber keine einzige von ihnen habe ich so
+geliebt wie ich Sie liebe. Ich bin besiegt, verloren, ich liege auf den
+Knieen wie ein Narr und biete Ihnen die Hand an... Schmach und Schande!
+Fünf Jahre lang habe ich mich nicht verliebt, ich habe es mir gelobt und
+nun bin ich mit einem Mal hineingeraten, wie die Deichsel in einen
+fremden Kutschkasten! Ich biete Ihnen die Hand an, Ja oder nein? Wollen
+Sie nicht? Dann nicht. (Er steht auf und geht schnell zur Tür.)
+
+=Frau Popow.= Warten Sie...
+
+=Smirnow= (bleibt stehen). Nun?
+
+=Frau Popow.= Nichts... Sie können gehen! Übrigens, warten Sie! Nein,
+gehen Sie, gehen Sie! Ich hasse Sie! Oder nein! Gehen Sie nicht fort!
+Ach, wenn Sie wüßten, wie böse ich bin, wie böse! (Sie wirft den
+Revolver auf den Stuhl.) Die Finger sind mir angeschwollen von diesem
+Ekel... (Sie zerreißt vor Zorn ihr Taschentuch.) Was stehen Sie noch da?
+Packen Sie sich!
+
+=Smirnow.= Leben Sie wohl!
+
+=Frau Popow.= Ja, ja, gehen Sie nur! (Schreit.) Wohin gehen Sie denn?
+Warten Sie... Übrigens gehen Sie... Ach, wie böse ich bin! Kommen Sie
+nicht zu nahe, kommen Sie nicht zu nahe, kommen Sie mir nicht näher!
+
+=Smirnow= (nähert sich ihr). Wie ich mich über mich selbst ärgere! Wie
+ein Gymnasiast habe ich mich verliebt, auf den Knieen habe ich gelegen
+... mich überläuft es eiskalt... (Streng.) Ich liebe Sie! Das hat mir
+gefehlt, ich habe es notwendig gehabt, mich zu verlieben! Morgen muß ich
+Zinsen zahlen, die Heuernte hat begonnen und da erscheinen Sie. (Er faßt
+sie um die Taille.) Ich werde es mir nie verzeihen!
+
+=Frau Popow.= Weg! Die Hände weg! Ich hasse... Sie!... In die Schranken!
+(Langer Kuß.)
+
+
+
+
+Elfter Auftritt.
+
+=Die Vorigen.= =Luka.= =Gärtner.= =Kutscher.= =Arbeiter.=
+
+
+=Luka= (mit einer Axt).
+
+=Gärtner= (mit einem Rechen).
+
+=Kutscher= (mit einer Heugabel).
+
+=Arbeiter= (mit Stangen).
+
+=Luka= (erblickt das sich küssende Paar). Gerechter Gott! (Pause.)
+
+=Frau Popow= (die Augen senkend). Luka, sag' im Stall, daß Tobby heute
+gar keinen Hafer bekommen soll.
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Der Bär, by Anton Tschechow
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER BÄR ***
+
+***** This file should be named 22494-8.txt or 22494-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/2/2/4/9/22494/
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
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+http://gutenberg.org/license).
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+electronic works
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+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
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+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
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+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
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+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
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+1.E.9.
+
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+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
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+The Project Gutenberg EBook of Der Bär, by Anton Tschechow
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
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+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Der Bär
+ Groteske in einem Aufzug
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+Author: Anton Tschechow
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+Release Date: September 2, 2007 [EBook #22494]
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+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
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+<p class="center" style="line-height: 2em;">Von<br/>
+<span class="gesperrt" style="font-size: 120%;">Anton Tschechow</span></p>
+
+
+<p class="center" style="font-size: 90%; margin-top: 2.5em;">B&uuml;hneneinrichtung mit Dekorationsplan</p>
+
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+<p class="center" style="margin-top: 2.5em; margin-bottom: 2.5em; line-height: 1.5em;"><span class="gesperrt">Aus dem Russischen &uuml;bertragen</span><br/>
+von<br/>
+Luise Flachs-Fokschaneanu</p>
+
+
+<p class="center gesperrt">Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig</p>
+
+<p class="center gesperrt" style="margin-top: 4em;">Den B&uuml;hnen gegen&uuml;ber als Manuskript gedruckt.</p>
+
+<p class="center">&Uuml;bersetzungsrecht f&uuml;r alle anderen Sprachen vorbehalten.</p>
+
+<div style="margin-left: 10%; margin-right: 10%;">
+<p>F&uuml;r s&auml;mtliche B&uuml;hnen im ausschlie&szlig;lichen Debit der Verlags-Firma
+A.&nbsp;<span class="gesperrt">Entsch</span>, Berlin <span style="font-style: italic;">NW.&nbsp;7.</span> erschienen, und ist von dort aus allein das
+Recht der Auff&uuml;hrung zu erwerben.</p>
+
+<p class="gesperrt" style="text-align: right; margin-right: 1.5em;">Luise Flachs-Fokschaneanu.</p>
+
+<p style="margin-top: 4em;">St&uuml;cke von Anton Tschechow in der Universal-Bibliothek:</p>
+
+<p style="margin-bottom: 2.5em; margin-left: 2em;">
+Nr.&nbsp;4264. Die drei Schwestern.<br />
+Nr.&nbsp;4919. Die M&ouml;we.</p>
+</div>
+
+<p class="center gesperrt">Druck von Philipp Reclam jun. Leipzig</p>
+
+
+
+<h2><a name="Personen">Personen.</a></h2>
+
+
+<p><span class="person">Helene Iw&aacute;nowna P&oacute;pow</span>, eine junge Witwe, Gutsbesitzerin.</p>
+
+<p><span class="person">Grig&oacute;rji Step&aacute;nowitsch Sm&iacute;rnow</span>, Gutsbesitzer.</p>
+
+<p><span class="person">Luk&aacute;</span>, Diener bei Frau Popow.</p>
+
+<p>Ein G&auml;rtner. Ein Kutscher. Mehrere Arbeiter.</p>
+
+<p><span class="gesperrt">Ort der Handlung</span>: Das Gut der Frau Popow.</p>
+
+<p><span class="gesperrt">Zeit</span>: Die Gegenwart.</p>
+
+<p>Die B&uuml;hne stellt ein elegant eingerichtetes Empfangszimmer dar.</p>
+
+
+<p>Rechts und links vom Schauspieler.</p>
+
+
+<p>Frau Popow wird vom Dichter als eine junge Witwe mit Gr&uuml;bchen
+in den Wangen bezeichnet; Smirnow als ein Mann in den mittleren
+Jahren.</p>
+
+
+<p><span class="gesperrt">Vorkommende Namen</span>: Nikolai Michailowitsch, Ribl&oacute;w, Kortsch&aacute;gin,
+Wl&aacute;ssow, Welik&aacute;n, Tam&aacute;ra, Pelag&eacute;ja, Simi&oacute;n, Gr&uacute;sdew, Irosch&eacute;witsch,
+K&uacute;rzin, Mas&uacute;tow, D&aacute;scha.</p>
+
+<p>w am Schlusse eines Namens ist wie f zu sprechen.</p>
+
+
+<p>Die deutsche Urauff&uuml;hrung fand am 11. Oktober 1900 an der Berliner
+Sezessionsb&uuml;hne statt.</p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 600px;">
+<img src="images/baer.png" width="600" height="334" alt=""/>
+<div class="caption">Empfangszimmer im Hause der Frau Popow nach dem<br/>
+vorstehenden Dekorationsplan.</div>
+</div>
+
+
+
+<h2><a name="Erster_Auftritt">Erster Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Frau Popow.</span> <span class="person">Luka.</span></p>
+
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(in tiefer Trauer, sitzt auf dem Sofa rechts, blickt
+unverwandt eine Photographie an)</span>.</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Es ist nicht recht, gn&auml;dige Frau&hellip; Sie richten
+sich zugrunde. Die Magd und die K&ouml;chin sind Beeren suchen
+gegangen, alles, was atmet, freut sich des Daseins, selbst die
+Katze versteht sich auf ihr Vergn&uuml;gen &ndash; schleicht im Hof
+umher und f&auml;ngt V&ouml;gel; blo&szlig; Sie hocken den ganzen Tag
+im Zimmer, gerade wie in einem Kloster und haben so gar
+keine Freude&hellip; Ja, wahrhaftig, wenn man genau nachrechnet,
+haben Sie ein Jahr lang das Haus nicht verlassen.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Und ich werde es auch niemals verlassen&hellip;
+Wozu? Mein Leben ist abgeschlossen&hellip; Er liegt im Grabe,
+ich habe mich zwischen diesen vier Mauern begraben&hellip; Wir
+sind beide gestorben.</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Da hat man es! Es ist nicht zum Anh&ouml;ren, wirklich
+wahr! Nikolai Michailowitsch ist gestorben, so war es
+Gottes Wille, Gott geb' ihm die ewige Ruh'&hellip; Sie haben
+sich gegr&auml;mt, nun ist's genug, es ist Zeit, aufzuh&ouml;ren. Man
+kann nicht ewig weinen und Trauerkleider tragen. Auch mir
+ist vor Jahren meine Alte gestorben&hellip; Ich habe mich gegr&auml;mt,
+einen Monat lang habe ich geweint, und dann war's
+genug. Kann man denn ewig Klagelieder singen? Das war
+ja die Alte auch nicht wert. <span class="regie">(Er seufzt.)</span> Sie haben alle Nachbarn
+vergessen&hellip; Sie fahren nicht aus und wollen auch
+niemand empfangen. Wir leben, verzeihen Sie, wie die
+Spinnen, das liebe Tageslicht sehen wir nicht. Die Livree
+ist von den M&auml;usen zerfressen&hellip; Und wenn es noch keine
+guten Menschen g&auml;be, aber der ganze Umkreis ist voll von
+Herrschaften&hellip; In Riblow steht das Regiment, Offiziere &ndash;
+einfach Konfekt, man kann sich nicht satt sehen! Und im
+Lager ist an jedem Freitag Ball, und jeden Tag spielt die
+Milit&auml;rmusik&hellip; Ach, meine liebe, gn&auml;dige Frau! So jung
+und so sch&ouml;n wie Sie sind, Milch und Blut, wenn Sie doch
+nur Ihrem Vergn&uuml;gen leben wollten &hellip; die Sch&ouml;nheit ist
+nicht f&uuml;r immer gegeben! Wenn so zehn J&auml;hrchen vorbei
+sind, dann werden Sie gern paradieren wollen, um die Herren
+Offiziere daran zu bekommen, aber da wird es zu sp&auml;t sein.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(entschieden)</span>. Ich bitte dich, mir nie mehr davon
+zu sprechen. Du wei&szlig;t, da&szlig; mein Leben seit dem Tode
+Nikolai Michailowitschs f&uuml;r mich jeden Wert verloren hat&hellip;
+Du glaubst, ich lebe, aber es scheint dir blo&szlig;&hellip; Ich habe
+am Grabe gelobt, diese Trauerkleider nicht abzulegen und
+fern von der Welt zu leben&hellip; H&ouml;rst du? M&ouml;ge seine abgeschiedene
+Seele sehen, wie ich ihn liebe&hellip; Ja, ich wei&szlig;,
+es ist f&uuml;r dich kein Geheimnis &ndash; er war oft ungerecht gegen
+mich, grausam und &hellip; er war mir nicht treu, aber ich werde
+treu sein bis zum Grabe und ihm beweisen, wie ich zu lieben
+vermag&hellip; Dort im Jenseits wird er mich ebenso finden,
+wie ich bis zu seinem Tode gewesen&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Wozu diese Worte &hellip; wenn Sie doch lieber im
+Garten spazieren gingen oder befehlen wollten, Tobby oder
+den Welikan vorzuspannen, um die Nachbarn wieder einmal
+zu besuchen.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(weint)</span>. Ach!</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Gn&auml;dige Frau! Meine liebe gn&auml;dige Frau! Was
+ist's? Um Christi willen!&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Er hat Tobby so sehr geliebt! Er lie&szlig; ihn
+immer anspannen, wenn er zu Kortschagins und Wlassows
+fuhr. Wie herrlich er kutschierte! Wie h&uuml;bsch er aussah,
+wenn er aus allen Kr&auml;ften die Z&uuml;gel an sich zog! Erinnerst
+du dich? Tobby, Tobby! La&szlig; ihm heute ein Achtel
+Hafer mehr geben!</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Zu Befehl.</p>
+
+<p><span class="regie">(Ein heftiges Klingeln.)</span></p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(zuckt zusammen)</span>. Was ist das? Sage, da&szlig; ich
+niemand empfange!</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Zu Befehl! <span class="regie">(Er geht durch die Mitte ab.)</span></p>
+
+
+
+<h2><a name="Zweiter_Auftritt">Zweiter Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Frau Popow</span> allein.</p>
+
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(die Photographie anblickend)</span>. Du wirst sehen,
+Nikol, wie ich zu lieben und zu verzeihen vermag&hellip; Meine
+Liebe wird mit mir zugleich erl&ouml;schen &hellip; wenn mein armes
+Herz zu schlagen aufh&ouml;ren wird. <span class="regie">(Sie l&auml;chelt unter Tr&auml;nen.)</span> Und
+du sch&auml;mst dich nicht? Ich bin ein braves, treues Weib, ich
+habe mich eingekerkert und werde dir treu bleiben bis zum
+Grabe, und du &hellip; und du &hellip; sch&auml;mst dich nicht, mein
+liebes Ungeheuer! Hast mich betrogen, hast mir Szenen gemacht,
+hast mich lange Wochen allein gelassen&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(tritt in gro&szlig;er Aufregung ein)</span>.</p>
+
+
+
+<h2><a name="Dritter_Auftritt">Dritter Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Frau Popow.</span> <span class="person">Luka.</span></p>
+
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Gn&auml;dige Frau, es fragt jemand nach Ihnen, will
+Sie sehen&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Du hast doch gesagt, da&szlig; ich seit dem Tode
+meines Mannes niemand empfange?</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Das habe ich gesagt, aber er will nichts davon
+h&ouml;ren, er sagt, es sei eine sehr dringende Angelegenheit.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ich em&ndash;pfan&ndash;ge nicht!</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Das habe ich ihm ja gesagt, er ist ein Wilder,
+er schimpfte und drang einfach ins Zimmer ein &hellip; er steht
+schon im Speisezimmer&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(erregt)</span>. Gut, la&szlig; ihn herein. Welche Zudringlichkeit!</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(durch die Mitte ab)</span>.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Wie l&auml;stig die Menschen sind! Was wollen
+sie von mir? Warum st&ouml;ren sie meine Ruhe? <span class="regie">(Sie seufzt.)</span>
+Ja, es ist ganz klar, ich werde wirklich ins Kloster gehen
+m&uuml;ssen&hellip; <span class="regie">(Nachdenklich.)</span> Ja, ins Kloster&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(tritt ein, gefolgt von Luka)</span>.</p>
+
+
+
+<h2><a name="Vierter_Auftritt">Vierter Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Frau Popow.</span> <span class="person">Luka.</span> <span class="person">Smirnow.</span></p>
+
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(zu Luka)</span>. Dummkopf, plapperst zu viel&hellip;
+Esel!&hellip; <span class="regie">(Frau Popow erblickend, mit W&uuml;rde.)</span> Meine Gn&auml;dige,
+ich habe die Ehre, mich vorzustellen: Artillerieleutnant au&szlig;er
+Dienst, Grundbesitzer, Grigorji Stepanowitsch Smirnow!
+Bin gezwungen, Sie in einer h&ouml;chst wichtigen Angelegenheit
+zu bel&auml;stigen&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(ohne ihm die Hand zu reichen)</span>. Was w&uuml;nschen Sie?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ihr seliger Gatte, mit dem ich die Ehre hatte,
+bekannt zu sein, blieb mir zwei Wechsel im Betrage von
+zw&ouml;lfhundert Rubel schuldig. Da ich morgen in der Agrarbank
+Zinsen zu erlegen habe, m&ouml;chte ich Sie ersuchen, meine
+Gn&auml;dige, mir das Geld noch heute zu bezahlen&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Zw&ouml;lfhundert &hellip; und wof&uuml;r ist mein Mann
+Ihnen das schuldig geblieben?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Er hat Hafer von mir gekauft.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(seufzend zu Luka)</span>. Luka, vergi&szlig; also nicht zu
+sagen, da&szlig; man Tobby ein Achtel Hafer mehr geben soll.</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(geht ab)</span>.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(zu Smirnow)</span>. Wenn Nikolai Michailowitsch
+Ihnen das schuldig geblieben, so werde ich selbstverst&auml;ndlich
+bezahlen, aber bitte, entschuldigen Sie, ich habe heute das
+Geld nicht zur Verf&uuml;gung. &Uuml;bermorgen kehrt mein Verwalter
+aus der Stadt zur&uuml;ck, und ich werde ihn beauftragen,
+Ihnen zu zahlen, was Ihnen geb&uuml;hrt, aber bis dahin kann
+ich Ihren Wunsch nicht erf&uuml;llen&hellip; &Uuml;berdies sind es gerade
+heute sieben Monate, da&szlig; mein Mann gestorben ist, und ich
+bin nicht in der Stimmung, mich mit Geldangelegenheiten
+zu besch&auml;ftigen.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Und ich befinde mich in einer Stimmung, da&szlig;
+ich, wenn ich morgen die Zinsen nicht einzahle, mit den
+F&uuml;&szlig;en nach oben durch den Schornstein werde fliegen m&uuml;ssen.
+Man wird mein Gut sequestrieren!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> &Uuml;bermorgen erhalten Sie das Geld.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ich brauche das Geld nicht &uuml;bermorgen, sondern
+heute.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Verzeihen Sie, heute kann ich Ihnen nicht
+zahlen.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Und ich kann bis &uuml;bermorgen nicht warten.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Was soll ich aber tun, wenn ich es nicht
+sofort habe!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Sie k&ouml;nnen also nicht zahlen?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ich kann nicht&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Hm&hellip; Ist das Ihr letztes Wort?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ja, das letzte.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Das letzte? Endg&uuml;ltig?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Endg&uuml;ltig.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Danke gehorsamst. Wir wollen uns das merken.
+<span class="regie">(Er zuckt die Schultern.)</span> Und da verlangt man noch, da&szlig;
+ich kaltbl&uuml;tig sei! Der Akzisebeamte begegnete mir soeben
+auf dem Wege und fragte: &raquo;Warum &auml;rgern Sie sich immer,
+Grigorji Stepanowitsch?&laquo; Ja, erbarmen Sie sich, wie soll
+ich mich denn nicht &auml;rgern? Ich brauche Geld, das Messer
+steht mir an der Kehle&hellip; Gestern fr&uuml;h fuhr ich schon beim
+ersten Morgengrauen vom Hause fort und war bei allen
+meinen Schuldnern. Wenn auch nur einer von ihnen seine
+Schuld bezahlt h&auml;tte! Abgeschunden habe ich mich, wie ein
+Hund, habe, der Teufel wei&szlig; wo, in einer j&uuml;dischen Schenke
+&uuml;bernachtet, neben einem Schnapsfa&szlig;&hellip; Endlich komme ich
+hierher, siebzig Werst vom Hause, und hoffe, Geld zu bekommen,
+und da regaliert man mich mit &raquo;Stimmung!&laquo; Wie
+soll ich mich da nicht &auml;rgern?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ich glaube, Ihnen deutlich gesagt zu haben:
+der Verwalter wird aus der Stadt zur&uuml;ckkehren, dann erhalten
+Sie das Geld.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ich bin nicht zum Verwalter, sondern zu Ihnen
+gekommen! Was Teufel, verzeihen Sie den Ausdruck, k&uuml;mmert
+mich Ihr Verwalter!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Entschuldigen Sie, verehrtester Herr, ich bin
+weder an Ihre sonderbaren Ausdr&uuml;cke, noch an einen solchen
+Ton gew&ouml;hnt. Ich h&ouml;re Sie nicht weiter an. <span class="regie">(Sie geht rasch
+nach links ab.)</span></p>
+
+
+
+<h2><a name="Fuenfter_Auftritt">F&uuml;nfter Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Smirnow</span> allein.</p>
+
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Was sagt man dazu? Stimmung! Vor sieben
+Monaten ist der Mann gestorben! Aber mu&szlig; ich die Zinsen
+einzahlen oder nicht? Ich frage, mu&szlig; ich die Zinsen zahlen
+oder mu&szlig; ich nicht? Nun ja, der Mann ist gestorben, Stimmung
+und allerlei Faxen &hellip; der Verwalter, der Teufel hole
+ihn, ist irgend wohin gefahren, nun, befehlen Sie, was soll
+ich tun? Soll ich etwa im Luftballon meinen Gl&auml;ubigern
+entfliehen? Oder mit dem Kopf die Mauer einrennen?
+Komme ich zu Grusdew, geruht er nicht zu Hause zu sein,
+Iroschewitsch hat sich einfach versteckt, mit Kurzin habe ich
+mich t&ouml;dlich gezankt und ich h&auml;tte ihn beinahe zum Fenster
+hinausgeworfen, Masutow hat die Cholerine und bei der da
+&ndash; Stimmung! Keine einzige Kanaille will zahlen! Und
+das alles nur deshalb, weil ich sie alle zu sehr verw&ouml;hnt
+habe, weil ich ein Jammermeyer, ein Waschlappen, ein altes
+Weib bin! Ich bin zu zartf&uuml;hlend mit ihnen! Aber wartet
+nur! Ihr werdet mich kennen lernen! Ich gestatte keinem,
+mit mir seinen Scherz zu treiben, der Teufel noch einmal!
+Ich bleibe hier und werde nicht von der Stelle weichen, bis
+sie zahlt! Brrr!&hellip; Wie b&ouml;s ich heute bin, wie schrecklich
+b&ouml;s ich bin! Vor Bosheit zittern mir alle Sehnenb&auml;nder
+und der Atem versagt mir&hellip; Pfui, mein Gott! &uuml;bel, schlecht
+wird mir sogar. <span class="regie">(Er schreit.)</span> Diener!</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(tritt ein)</span>.</p>
+
+
+
+<h2><a name="Sechster_Auftritt">Sechster Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Smirnow.</span> <span class="person">Luka.</span></p>
+
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Was steht zu Diensten?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Gib mir Kwas oder Wasser!</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(geht ab)</span>.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Nein, was sagt man dazu! Sie hat es nicht zur
+Verf&uuml;gung! Was ist das f&uuml;r eine Logik! Einem Menschen
+steht das Messer an der Kehle, er braucht Geld, er ist auf
+dem Sprunge, sich zu erh&auml;ngen, und sie zahlt nicht, weil sie
+nicht in Stimmung ist, sich mit Geldangelegenheiten zu besch&auml;ftigen.
+Sieh mal! Echte Frauenlogik, Turn&uuml;relogik!
+Darum habe ich auch nie mit Frauen sprechen wollen, und
+tue es auch jetzt nicht gern. Mir f&auml;llt es leichter, auf einem
+Pulverfa&szlig; zu sitzen, als mit einer Frau zu reden. Brrr!&hellip;
+Eiskalt &uuml;berl&auml;uft es mich, so sehr hat mich diese Turn&uuml;re
+erbost! Ich brauche nur aus der Ferne so ein poetisches
+Gesch&ouml;pf zu erblicken, so bekomme ich vor Wut Wadenkr&auml;mpfe.
+Man m&uuml;&szlig;te einfach zu Hilfe! schreien.</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(tritt ein)</span>.</p>
+
+
+
+<h2><a name="Siebenter_Auftritt">Siebenter Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Smirnow.</span> <span class="person">Luka.</span></p>
+
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(reicht ihm Wasser)</span>. Die gn&auml;dige Frau ist krank und
+empf&auml;ngt nicht.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Marsch hinaus!</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(geht ab)</span>.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Krank und empf&auml;ngt nicht! Ist auch nicht notwendig&hellip;
+Empfange nicht! Ich bleibe und werde hier
+sitzen, bis du das Geld hergibst&hellip; Wirst du eine Woche
+krank sein, werde ich eine Woche hier sitzen&hellip; Wirst du
+ein Jahr krank sein, werde ich ein Jahr hier bleiben&hellip; Gevatterin,
+ich werde schon mein Geld herausbekommen! Mich
+r&uuml;hrst du nicht mit den Trauerkleidern, auch nicht mit den
+Gr&uuml;bchen in den Wangen&hellip; Wir kennen diese Gr&uuml;bchen!
+<span class="regie">(Er schreit zum Fenster hinaus.)</span> Simion, spann' aus! Wir
+fahren nicht so bald fort! Ich bleibe hier. Sag' dort im
+Stall, man soll den Pferden Hafer geben! Viehkerl, das
+linke Pferd hat sich schon wieder in die Z&uuml;gel verwickelt.
+<span class="regie">(Spottet ihm nach.)</span> Tut nichts&hellip; Ich werde dir schon zeigen,
+tut nichts&hellip; <span class="regie">(Geht vom Fenster weg.)</span> Es ist sehr schlimm &hellip;
+unertr&auml;gliche Hitze, keiner zahlt, diese Nacht habe ich schlecht
+geschlafen und hier die Trauerschleppe mit Stimmung&hellip;
+Der Kopf schmerzt &hellip; soll ich vielleicht einen Schnaps trinken?
+Schlie&szlig;lich &hellip; trinken wir einen&hellip; <span class="regie">(Schreit.)</span> Diener!</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(tritt ein)</span>. Was w&uuml;nschen Sie?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ein Gl&auml;schen Schnaps!</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(geht ab)</span>.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(setzt sich und betrachtet seine Kleidung)</span>. Uf! Eine nette
+Figur! Das l&auml;&szlig;t sich nicht leugnen! Bestaubt, schmutzige
+Stiefel, ungewaschen, ungek&auml;mmt, Stroh auf der Weste; die
+Gn&auml;dige hat mich einfach f&uuml;r einen R&auml;uber gehalten. <span class="regie">(Er
+g&auml;hnt.)</span> Es war etwas unh&ouml;flich, in solchem Aufzug in einem
+Empfangszimmer zu erscheinen, nun ja, tut nichts&hellip; Ich
+bin hier nicht Gast, sondern Gl&auml;ubiger, und f&uuml;r Gl&auml;ubiger
+ist das Kost&uuml;m nicht vorgeschrieben.</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(kommt mit dem Schnaps)</span>. Sie erlauben sich viel, mein
+Herr&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(zornig)</span>. Was?</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Ich&hellip; Ich habe nichts&hellip; Ich habe eigentlich&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Zu wem sprichst du?! Halt den Mund!</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(beiseite)</span>. So eine Bescherung! Dieses Unget&uuml;m hat
+sich uns auf den Hals gesetzt. <span class="regie">(Er geht ab.)</span></p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ach Gott, wie b&ouml;s ich bin! So b&ouml;s, da&szlig; ich,
+scheint mir, die ganze Welt zu Staub zermalmen m&ouml;chte&hellip;
+Sogar &uuml;bel wird mir&hellip; <span class="regie">(Er ruft.)</span> Diener!</p>
+
+
+
+<h2><a name="Achter_Auftritt">Achter Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Frau Popow.</span> <span class="person">Smirnow.</span></p>
+
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(kommt mit gesenkten Augen)</span>. Geehrter Herr, ich
+habe mich in meiner Einsamkeit v&ouml;llig der Menschenstimmen
+entw&ouml;hnt und kann Geschrei nicht ertragen. Ich bitte Sie
+dringend, st&ouml;ren Sie meine Ruhe nicht!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Zahlen Sie mir mein Geld und ich reise ab.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ich sagte Ihnen bereits in Ihrer Muttersprache:
+ich habe das Geld jetzt nicht zur Verf&uuml;gung, warten
+Sie bis &uuml;bermorgen.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Auch ich hatte die Ehre, Ihnen in Ihrer Muttersprache
+mitzuteilen, da&szlig; ich das Geld nicht &uuml;bermorgen, sondern
+heute brauche. Wenn Sie mir heute nicht zahlen, mu&szlig;
+ich mich morgen aufh&auml;ngen&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Was soll ich aber tun, wenn ich das Geld
+nicht habe? Wie sonderbar!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Sie zahlen also nicht sofort? Nicht?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ich kann nicht&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Dann bleibe ich hier und werde so lange sitzen,
+bis ich das Geld bekomme. <span class="regie">(Er setzt sich.)</span> Sie werden &uuml;bermorgen
+zahlen? Ausgezeichnet! So bleibe ich bis &uuml;bermorgen.
+<span class="regie">(Springt auf.)</span> Ich frage Sie, mu&szlig; ich morgen die
+Zinsen zahlen oder nicht?&hellip; Oder glauben Sie, ich scherze?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Geehrter Herr, ich bitte Sie, nicht zu schreien!
+Hier ist kein Stall!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ich frage Sie nicht nach dem Stall, sondern
+danach, ob ich morgen die Zinsen erlegen mu&szlig; oder nicht?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Sie wissen nicht, wie man sich einer Dame
+gegen&uuml;ber betr&auml;gt.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> O doch, ich wei&szlig;, mich mit Damen zu benehmen.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Nein, Sie wissen es nicht. Sie sind ein
+ungezogener, grober Mensch. Anst&auml;ndige Leute sprechen nicht
+so mit Damen!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ach, wie merkw&uuml;rdig! Wie befehlen Sie denn
+mit Ihnen zu sprechen? Etwa franz&ouml;sisch? <span class="regie">(Boshaft lispelnd.)</span>
+<span lang="fr" xml:lang="fr" style="font-style: italic;">Madame, je vous prie</span> &hellip; wie gl&uuml;cklich bin ich, da&szlig; Sie
+mir das Geld nicht bezahlen&hellip; Pardon, da&szlig; ich Sie gest&ouml;rt
+habe! Welch herrliches Wetter wir heute haben! Und
+wie gut Ihnen diese Trauerkleider stehen! <span class="regie">(Er macht Kratzf&uuml;&szlig;e.)</span></p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Gar nicht witzig, aber grob!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(nachahmend)</span>. Nicht witzig, aber grob! Ich wei&szlig;
+mich nicht in Damengesellschaft zu betragen! Meine Gn&auml;digste,
+ich habe in meinem Leben viel mehr Frauen gesehen
+als Sie Sperlinge! Dreimal habe ich mich der Frauen
+wegen duelliert, zw&ouml;lf Frauen habe ich sitzen lassen, neun
+haben mich sitzen lassen! Jawohl! Es gab eine Zeit, wo
+ich den Narren spielte, Honigworte lispelte, Kratzf&uuml;&szlig;e, Komplimente
+machte&hellip; Ich liebte, litt, seufzte den Mond an,
+zerflo&szlig; in Liebesqualen. Ich liebte leidenschaftlich, ich liebte
+bis zur Raserei, in allen Tonarten, ich schnatterte wie eine
+Elster &uuml;ber die Emanzipation, vergeudete infolge dieser zarten
+Gef&uuml;hle das halbe Verm&ouml;gen, aber jetzt, hol' mich der
+Teufel, ist es genug! Gehorsamster Diener, jetzt lasse ich
+mich nicht mehr von Euch an der Nase herumf&uuml;hren. Genug!
+&raquo;Schwarze Augen, leidenschaftliche Augen, Korallenlippen,
+Gr&uuml;bchen in den Wangen, Mondenschein, Fl&uuml;stern, leises,
+sch&uuml;chternes Atmen&laquo; &ndash; f&uuml;r das alles, meine Gn&auml;dige, gebe
+ich heute auch nicht einen Kupfergroschen! Ich spreche nicht
+von den Anwesenden, aber alle Frauen, von der kleinsten bis
+zur gr&ouml;&szlig;ten, sind aufgeblasen, heuchlerisch, klatschs&uuml;chtig, geh&auml;ssig,
+verlogen vom Wirbel bis zur Zehe; eitel, kleinlich,
+grausam, von einer emp&ouml;renden Logik und was das <span class="regie">(er schl&auml;gt
+sich auf die Stirn)</span> betrifft, so, verzeihen Sie mir die Aufrichtigkeit,
+kann ein Sperling einem x-beliebigen Philosophen im
+Unterrock zehn vorgeben! Sieht man ein solch poetisches
+Gesch&ouml;pf vor sich, so glaubt man, ein &auml;therisches, g&ouml;ttliches
+Wesen zu erblicken, so wundersch&ouml;n, ein Hauch und man zerflie&szlig;t
+in tausend Entz&uuml;ckungen und Wonnen &ndash; sieht man
+aber in die Seele &ndash; so ist es ein gew&ouml;hnliches Krokodil!
+<span class="regie">(Er greift eine Stuhllehne, der Stuhl kracht und bricht entzwei.)</span> Das
+Emp&ouml;rendste ist aber, da&szlig; dieses Krokodil sich einbildet, es
+sei ein <span lang="fr" xml:lang="fr" style="font-style: italic;">Chef-d'&oelig;uvre</span>, die zarten Gef&uuml;hle seien sein alleiniges
+Monopol. Der Teufel hol's, h&auml;ngen Sie mich da an diesem
+Nagel mit den F&uuml;&szlig;en nach oben auf, wenn die Frau
+au&szlig;er ihrem Seidenpinsch jemand lieben kann. Wenn sie
+liebt, versteht sie blo&szlig;, zu jammern oder Tr&auml;nen zu vergie&szlig;en.
+Wo der Mann leidet und Opfer bringt, dort &auml;u&szlig;ert
+sich ihre ganze Liebe darin, da&szlig; sie mit der Schleppe hin
+und her dreht und den Mann an der Nase herumf&uuml;hren
+will. Sie haben das Ungl&uuml;ck, eine Frau zu sein, Sie werden
+daher die Frauennatur kennen, sagen Sie mir auf Ehr'
+und Gewissen: haben Sie in Ihrem Leben schon eine Frau
+gesehen, die aufrichtig, treu und best&auml;ndig gewesen w&auml;re?
+Sie haben sie nicht gesehen! Treu und best&auml;ndig sind einzig
+und allein die Alten und die Mi&szlig;gestalteten. Sie werden
+eher einer geh&ouml;rnten Katze oder einer wei&szlig;en Waldschnepfe
+begegnen als einer treuen Frau!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Aber erlauben Sie mir, wer ist denn nach
+Ihrer Meinung treu und best&auml;ndig in der Liebe? Etwa
+der Mann?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Jawohl! Der Mann!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Der Mann! <span class="regie">(Sie lacht ironisch.)</span> Der Mann
+ist treu und best&auml;ndig in der Liebe! Das ist aber etwas
+ganz Neues. <span class="regie">(Bitter.)</span> Mit welchem Recht behaupten Sie das?
+Die M&auml;nner und treu, best&auml;ndig! Wenn wir schon soweit
+gekommen sind, so werde ich Ihnen sagen, da&szlig; von allen
+M&auml;nnern, die ich gekannt und kenne, der beste mein seliger
+Mann war&hellip; Ich liebte ihn leidenschaftlich, mit allen meinen
+Gef&uuml;hlen, wie nur eine junge, denkende Frau lieben
+kann; ich gab ihm meine Jugend hin, mein Gl&uuml;ck, das Leben,
+mein Verm&ouml;gen, ich betete ihn an, wie eine Heidin und &hellip;
+und was geschah? Dieser beste der M&auml;nner betrog mich auf
+Schritt und Tritt in der gewissenlosesten Art. Nach seinem
+Tode fand ich im Schreibtisch eine volle Lade mit Liebesbriefen
+und bei Lebzeiten &ndash; mir ist es furchtbar, daran zur&uuml;ckzudenken &ndash;
+lie&szlig; er mich wochenlang allein, machte er
+in meiner Gegenwart anderen Frauen den Hof, hinterging
+er mich, verschwendete mein Geld und spottete &uuml;ber meine
+Gef&uuml;hle&hellip; Und trotz alledem liebte ich ihn und war ihm
+treu&hellip; Ja noch mehr, er ist gestorben und ich bin ihm
+noch immer treu. Ich habe mich f&uuml;r ewig zwischen den vier
+Mauern begraben und bis zum Tode lege ich diese Trauerkleider
+nicht ab&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(lacht ver&auml;chtlich)</span>. Trauerkleider!&hellip; Ich begreife
+nicht, f&uuml;r wen Sie mich halten. Als ob ich nicht w&uuml;&szlig;te,
+wozu Sie diesen schwarzen Domino tragen und warum Sie
+sich in den vier W&auml;nden begraben haben. Ob ich das wei&szlig;!
+Das ist so geheimnisvoll, poetisch! Irgend ein Junker wird
+an dem Herrenhaus vorbeifahren, oder ein geckenhafter Poet
+zu den Fenstern hinaufblicken und sich denken: &raquo;Hier lebt
+die geheimnisvolle Tamara, die aus Liebe zu ihrem Gatten
+sich zwischen den vier Mauern begraben hat.&laquo; Wir kennen
+diese Kunstst&uuml;cke.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(aufspringend)</span>. Was? Wie unterstehen Sie
+sich, mir das alles zu sagen?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Sie haben sich lebendig begraben, Sie haben
+aber dabei nicht vergessen, Ihr Gesicht zu pudern!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Wie wagen Sie es nur, mit mir so zu
+sprechen?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Schreien Sie nicht, ich bitte Sie, ich bin nicht
+Ihr Verwalter! Gestatten Sie mir die Dinge beim rechten
+Namen zu nennen. Ich bin keine Frau und bin gewohnt,
+meine Meinung offen zu &auml;u&szlig;ern! Bitte also, nicht zu
+schreien!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Nicht ich schreie, sondern Sie schreien. Lassen
+Sie mich in Ruh', ich bitte!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Zahlen Sie mir das Geld und ich reise ab.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ich werde Ihnen das Geld nicht geben.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Nicht? Sie geben es also nicht?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ihnen zum Trotz werden Sie keinen Kopeken
+bekommen! Sie sollen mich in Ruhe lassen!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ich habe nicht das Vergn&uuml;gen, Ihr Gemahl
+oder Ihr Br&auml;utigam zu sein, und bitte Sie daher, keine
+Szenen! <span class="regie">(Er setzt sich.)</span> Ich vertrage das nicht.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(schwer atmend vor Zorn)</span>. Sie setzen sich?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ich sitze bereits.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ich bitte, gehen Sie!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Geben Sie das Geld! <span class="regie">(Beiseite.)</span> Ach, wie b&ouml;se
+ich bin, wie b&ouml;se!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ich w&uuml;nsche nicht, mit unversch&auml;mten Menschen
+zu sprechen. Hinaus! <span class="regie">(Pause.)</span> Sie gehen nicht? Nein?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Nein.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Nein?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Nein.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Gut&hellip; <span class="regie">(Sie klingelt.)</span></p>
+
+
+
+<h2><a name="Neunter_Auftritt">Neunter Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Die Vorigen.</span> <span class="person">Luka.</span></p>
+
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Luka, f&uuml;hre diesen Herrn hinaus!</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(geht auf Smirnow zu)</span>. Mein Herr, gehen Sie doch,
+wenn man Ihnen befiehlt. Was wollen Sie hier&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(aufspringend)</span>. Halt das Maul! Mit wem sprichst
+du? Ich zermalme dich zu Brei!</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(fa&szlig;t sich nach dem Herz)</span>. Gerechter Gott! <span class="regie">(Er f&auml;llt in
+einen Stuhl.)</span> Ach, mir ist schlecht, ich habe keinen Atem!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Wo ist Dascha? <span class="regie">(Ruft.)</span> Dascha! Pelageja!
+Dascha! <span class="regie">(Sie klingelt.)</span></p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Ach, alle sind Beeren suchen gegangen&hellip; Keiner
+ist zu Hause! Mir ist schlecht! Wasser!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(zu Smirnow)</span>. Scheren Sie sich! Fort!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Wollen Sie nicht etwas h&ouml;flicher sein?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(die F&auml;uste ballend und mit den F&uuml;&szlig;en stampfend)</span>.
+Sie sind ein Grobian! Ein grober B&auml;r! Ein Ungeheuer!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Was, wa&ndash;as haben Sie gesagt?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ich habe gesagt, da&szlig; Sie ein B&auml;r, ein Ungeheuer
+sind!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(n&auml;hert sich ihr mit raschen Schritten)</span>. Aber erlauben
+Sie mir, welches Recht haben Sie, mich zu beleidigen?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ja, ich beleidige Sie. Was ist denn dabei?
+Sie glauben, da&szlig; ich mich vor Ihnen f&uuml;rchte?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Und Sie glauben wohl, als poetisches Gesch&ouml;pf
+haben Sie ein Recht, ungestraft zu beleidigen? Ich fordere
+Sie!&hellip; Da haben Sie es&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Barmherziger Gott! Wasser!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Es wird duelliert!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Glauben Sie, weil Sie kr&auml;ftige F&auml;uste und
+einen Stiernacken haben, da&szlig; ich Sie f&uuml;rchte? Sie Grobian!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> In die Schranken! Ich erlaube keinem, mich zu
+beleidigen, und schere mich nicht drum, da&szlig; Sie eine Dame,
+ein zartes Gesch&ouml;pf sind!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(bem&uuml;ht sich, ihn zu &uuml;berschreien)</span>. B&auml;r! B&auml;r! B&auml;r!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Es ist endlich Zeit, mit dem alten Vorurteil
+aufzur&auml;umen, da&szlig; nur der Mann verpflichtet sei, f&uuml;r eine
+Beleidigung Genugtuung zu geben. Wenn Gleichberechtigung,
+so Gleichberechtigung in allem, zum Teufel noch einmal!
+In die Schranken.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Sie wollen sich also duellieren? Bitte!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Sofort!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Sofort! Mein Mann hatte Pistolen&hellip; Ich
+bringe sie sogleich. <span class="regie">(Sie geht eilig ab und wendet sich um.)</span> O,
+mit welchem Vergn&uuml;gen werde ich Ihnen die Kugel in die
+unversch&auml;mte Stirn jagen! Der Teufel hole Sie! <span class="regie">(Geht ab.)</span></p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Wie ein H&uuml;hnchen schie&szlig;e ich sie nieder! Ich
+bin kein gr&uuml;ner Junge, kein sentimentaler, junger Hund!
+F&uuml;r mich gibt es keine zarten Gesch&ouml;pfe!</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> V&auml;terchen, <span class="regie">(er f&auml;llt auf die Knie)</span> erbarme dich meiner,
+eines alten Mannes, erweise mir die Gnade und geh' fort
+von hier! Du hast mich zu Tode erschreckt und jetzt willst
+du dich noch duellieren!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(h&ouml;rt ihn nicht)</span>. Duellieren &hellip; darin liegt die
+Gleichberechtigung, die Emanzipation! Dabei sind beide Geschlechter
+gleich. Aus Prinzip schie&szlig;e ich sie nieder. Aber
+was sagt man zu solch einem Weib <span class="regie">(nachahmend)</span> &raquo;der Teufel
+hole Sie! Ich werde die Kugel in Ihre unversch&auml;mte Stirn
+jagen!&laquo; Was sagt man dazu? Hat sich ereifert, die Augen
+blitzten &hellip; sie hat die Forderung angenommen. Bei meiner
+Ehre, zum erstenmal in meinem Leben sehe ich eine solche
+Frau!</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> V&auml;terchen, geh' fort! Geh' fort von hier!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Das ist eine Frau! Das begreife ich. Ein
+echtes Weib! Kein weicher Teig, nicht zerflossen, sondern
+Feuer, Schie&szlig;pulver, eine Rakete! Es w&auml;re schade, eine solche
+niederzuschie&szlig;en!</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(weint)</span>. V&auml;terchen, geh' fort!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Sie gef&auml;llt mir entschieden! Entschieden! Trotz
+der Gr&uuml;bchen in den Wangen gef&auml;llt sie mir. Ich bin sogar
+bereit, ihr die Schuld nachzusehen &hellip; und der Zorn ist
+mir vergangen &hellip; eine merkw&uuml;rdige Frau!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(kommt mit den Pistolen)</span>.</p>
+
+
+
+<h2><a name="Zehnter_Auftritt">Zehnter Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Die Vorigen.</span> <span class="person">Frau Popow.</span></p>
+
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Da sind die Pistolen &hellip; aber ehe wir uns
+duellieren, zeigen Sie mir, bitte, wie man schie&szlig;en mu&szlig;&hellip;
+Ich habe noch nie im Leben eine Pistole in der Hand gehalten.</p>
+
+<p><span class="person">Luka.</span> Gott sei uns gn&auml;dig und erbarme dich unser! Ich
+gehe und hole den G&auml;rtner und den Kutscher&hellip; Woher ist
+nur dieses Unheil &uuml;ber uns gekommen? <span class="regie">(Er geht ab.)</span></p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(betrachtet die Pistolen)</span>. Sehen Sie, es gibt verschiedene
+Sorten von Pistolen&hellip; Es gibt speziell Duellpistolen
+von Mortimer, mit Kapseln. Aber das sind Revolver
+System Smith und Wesson, mit einem Extraktor &hellip; herrliche
+Pistolen. So ein Paar kostet mindestens neunzig Rubel&hellip;
+So mu&szlig; man den Revolver halten&hellip; <span class="regie">(Beiseite.)</span> Diese
+Augen, diese Augen! Ein feuriges Weib!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> So?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ja, so &hellip; dann ziehen Sie den Hahn auf &hellip;
+da&hellip; So legen Sie an&hellip; Den Kopf ein wenig zur&uuml;ck&hellip;
+Strecken Sie gef&auml;lligst den Arm fest aus! So &hellip; dann
+dr&uuml;cken Sie mit diesem Finger auf das Ding da, und das
+ist alles. Die Hauptregel ist aber: nicht aufgeregt sein, sich
+nicht beeilen beim Zielen und darauf achten, da&szlig; die Hand
+nicht zittere.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Gut. Im Zimmer ist es unbequem zu
+schie&szlig;en, gehen wir in den Garten.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Gehen wir. Ich mache Sie jedoch darauf aufmerksam,
+da&szlig; ich in die Luft schie&szlig;en werde.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Das fehlte noch. Warum?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Weil &hellip; weil &hellip; das ist meine Sache, warum!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Sie haben Angst bekommen! Ja? A&ndash;a&ndash;h?
+Nein, mein Herr, nur keine Ausfl&uuml;chte! Bitte, folgen Sie
+mir! Ich werde mich nicht eher beruhigen, bis ich Ihre
+Stirn durchbohrt haben werde, diese Stirn, die ich so sehr
+hasse. Sie haben Angst bekommen?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ja, ich habe Angst bekommen.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Sie l&uuml;gen. Warum wollen Sie sich nicht
+schlagen?</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Weil &hellip; weil &hellip; weil Sie mir gefallen.</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(mit b&ouml;sem Lachen)</span>. Ich gefalle ihm! Er wagt
+es zu sagen, da&szlig; ich ihm gefalle! <span class="regie">(Sie zeigt nach der T&uuml;r.)</span>
+Gehen Sie!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(legt schweigend den Revolver auf den Tisch, nimmt den
+Hut und geht; an der T&uuml;r bleibt er stehen; eine Weile sehen sie sich
+schweigend an, dann n&auml;hert er sich unschl&uuml;ssig)</span>. H&ouml;ren Sie &hellip; sind
+Sie noch b&ouml;se?&hellip; Ich war auch teufelsw&uuml;tend, aber verstehen
+Sie mich nur recht &hellip; wie soll ich mich nur ausdr&uuml;cken?&hellip;
+Die Sache ist n&auml;mlich die &hellip; da&szlig; solche Geschichten
+eigentlich&hellip; <span class="regie">(Er schreit.)</span> Nun ja, ist es denn meine
+Schuld, da&szlig; Sie mir gefallen? <span class="regie">(Ergreift die Stuhllehne, der
+Stuhl kracht und bricht entzwei.)</span> Der Teufel wei&szlig;, was f&uuml;r gebrechliche
+M&ouml;bel Sie haben! Sie gefallen mir! Verstehen
+Sie? Ich&hellip; Ich bin fast verliebt!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Fort von mir, ich hasse Sie!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Gott! Welch ein Weib! Ich habe nie im Leben
+so etwas &Auml;hnliches gesehen! Ich bin verloren, ruiniert!
+Ich bin in die Mausefalle geraten, wie eine Maus!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Gehen Sie, oder ich schie&szlig;e!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Schie&szlig;en Sie! Sie k&ouml;nnen nicht begreifen,
+welches Gl&uuml;ck es ist, unter den Blicken dieser herrlichen
+Augen zu sterben, zu sterben durch den Revolver, den dieses
+kleine Sammeth&auml;ndchen h&auml;lt&hellip; Ich bin verr&uuml;ckt geworden!
+Bedenken Sie und entscheiden Sie sofort, denn wenn ich
+jetzt von Ihnen gehe, sehen wir uns nie wieder. Entscheiden
+Sie, sprechen Sie&hellip; Ich bin von Adel, ein anst&auml;ndiger
+Mensch, habe Zehntausend j&auml;hrlich Einkommen&hellip; Treffe
+mit dem Gewehr eine M&uuml;nze, die in die Luft geworfen
+wird&hellip; Ich besitze herrliche Pferde. Wollen Sie meine
+Frau werden?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(emp&ouml;rt, schwingt den Revolver)</span>. Schie&szlig;en! In
+die Schranken.</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ich bin um den Verstand gekommen&hellip; Ich
+begreife nichts. Diener! Wasser!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(schreit)</span>. In die Schranken!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Ich habe meinen Verstand verloren &hellip; ich
+habe mich verliebt, wie ein gr&uuml;ner Junge, wie ein Narr
+verliebt! <span class="regie">(Er ergreift ihre Hand, sie schreit vor Schmerz auf.)</span> Ich
+liebe Sie! <span class="regie">(Er kniet nieder.)</span> Ich liebe Sie, wie ich noch nie
+geliebt habe! Zw&ouml;lf Frauen habe ich sitzen lassen, neun sind
+mir untreu geworden, aber keine einzige von ihnen habe ich
+so geliebt wie ich Sie liebe. Ich bin besiegt, verloren, ich
+liege auf den Knieen wie ein Narr und biete Ihnen die
+Hand an&hellip; Schmach und Schande! F&uuml;nf Jahre lang
+habe ich mich nicht verliebt, ich habe es mir gelobt und nun
+bin ich mit einem Mal hineingeraten, wie die Deichsel in
+einen fremden Kutschkasten! Ich biete Ihnen die Hand an,
+Ja oder nein? Wollen Sie nicht? Dann nicht. <span class="regie">(Er steht
+auf und geht schnell zur T&uuml;r.)</span></p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Warten Sie&hellip;</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(bleibt stehen)</span>. Nun?</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Nichts&hellip; Sie k&ouml;nnen gehen! &Uuml;brigens,
+warten Sie! Nein, gehen Sie, gehen Sie! Ich hasse Sie!
+Oder nein! Gehen Sie nicht fort! Ach, wenn Sie w&uuml;&szlig;ten,
+wie b&ouml;se ich bin, wie b&ouml;se! <span class="regie">(Sie wirft den Revolver auf den Stuhl.)</span>
+Die Finger sind mir angeschwollen von diesem Ekel&hellip; <span class="regie">(Sie
+zerrei&szlig;t vor Zorn ihr Taschentuch.)</span> Was stehen Sie noch da?
+Packen Sie sich!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow.</span> Leben Sie wohl!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Ja, ja, gehen Sie nur! <span class="regie">(Schreit.)</span> Wohin
+gehen Sie denn? Warten Sie&hellip; &Uuml;brigens gehen Sie&hellip;
+Ach, wie b&ouml;se ich bin! Kommen Sie nicht zu nahe, kommen
+Sie nicht zu nahe, kommen Sie mir nicht n&auml;her!</p>
+
+<p><span class="person">Smirnow</span> <span class="regie">(n&auml;hert sich ihr)</span>. Wie ich mich &uuml;ber mich selbst
+&auml;rgere! Wie ein Gymnasiast habe ich mich verliebt, auf den
+Knieen habe ich gelegen &hellip; mich &uuml;berl&auml;uft es eiskalt&hellip;
+<span class="regie">(Streng.)</span> Ich liebe Sie! Das hat mir gefehlt, ich habe es
+notwendig gehabt, mich zu verlieben! Morgen mu&szlig; ich
+Zinsen zahlen, die Heuernte hat begonnen und da erscheinen
+Sie. <span class="regie">(Er fa&szlig;t sie um die Taille.)</span> Ich werde es mir nie verzeihen!</p>
+
+<p><span class="person">Frau Popow.</span> Weg! Die H&auml;nde weg! Ich hasse&hellip; Sie!&hellip;
+In die Schranken! <span class="regie">(Langer Ku&szlig;.)</span></p>
+
+
+
+<h2><a name="Elfter_Auftritt">Elfter Auftritt.</a></h2>
+
+<p class="auftritt"><span class="person">Die Vorigen.</span> <span class="person">Luka.</span> <span class="person">G&auml;rtner.</span> <span class="person">Kutscher.</span> <span class="person">Arbeiter.</span></p>
+
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(mit einer Axt)</span>.</p>
+
+<p><span class="person">G&auml;rtner</span> <span class="regie">(mit einem Rechen)</span>.</p>
+
+<p><span class="person">Kutscher</span> <span class="regie">(mit einer Heugabel)</span>.</p>
+
+<p><span class="person">Arbeiter</span> <span class="regie">(mit Stangen)</span>.</p>
+
+<p><span class="person">Luka</span> <span class="regie">(erblickt das sich k&uuml;ssende Paar)</span>. Gerechter Gott! <span class="regie">(Pause.)</span></p>
+
+<p style="margin-bottom: 80px;"><span class="person">Frau Popow</span> <span class="regie">(die Augen senkend)</span>. Luka, sag' im Stall, da&szlig;
+Tobby heute gar keinen Hafer bekommen soll.</p>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Der Bär, by Anton Tschechow
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER BÄR ***
+
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
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+works. See paragraph 1.E below.
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+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
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+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
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+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
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