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+The Project Gutenberg EBook of Der heilige Bürokrazius, by Rudolf Greinz
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der heilige Bürokrazius
+ Eine heitere Legende
+
+Author: Rudolf Greinz
+
+Release Date: September 23, 2008 [EBook #26694]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER HEILIGE BÜROKRAZIUS ***
+
+
+
+
+Produced by Louise Hope, Norbert H. Langkau and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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+[Dieser Text ist für Benutzer gedacht, deren Text-Anzeigeprogramm nicht
+die volle Unicode (UTF8) Version anzeigen kann. An- und Abführungsstriche
+aus dem Original wurden durch »Guillemets« ersetzt, die einfachen
+Anführungsstriche haben die einfachere 'Schreibmaschinenform'.]
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+ * * * * *
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+Rudolf Greinz
+
+Der heilige Bürokrazius
+
+ [Abbildung]
+
+L. Staackmann, Verlag, Leipzig
+
+
+
+
+ Der
+
+ heilige Bürokrazius
+
+ *
+
+ Eine heitere Legende
+
+ von
+
+ Rudolf Greinz
+
+ *
+
+ [Bild]
+
+ L. Staackmann Verlag / Leipzig
+
+ 1922
+
+
+
+
+ Alle Rechte, besonders das der
+ Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten
+
+ Für Amerika:
+ Copyright 1922 by L. Staackmann, Leipzig
+
+
+ Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig
+
+
+
+
+Inhaltsverzeichnis
+
+ Seite
+
+ Vom Pater Hilarius und seiner weltberühmten Fastenpredigt
+ über das Thema: »Warum und wasmaßen der Mensch das
+ allergrößte Rindviech ist« 7
+
+ Wie der Pater Hilarius dazu kam, die Legende vom heiligen
+ Bürokrazius zu schreiben 26
+
+ Wie die Heiligen im Himmel dem lieben Gott eine seltsame
+ Bitte vortrugen 43
+
+ Wie die himmlischen Sendboten den heiligen Bürokrazius
+ entdeckten 50
+
+ Wie der heilige Bürokrazius auszog, um die Welt zu
+ beglücken 70
+
+ Wie der heilige Bürokrazius den Amtsschimmel fand und sich
+ beritten machte 84
+
+ Wie der heilige Bürokrazius in dem heiligen Stultissimus
+ seinen ersten Jünger warb 94
+
+ Wie die beiden Heiligen einen auferbaulichen Disput hatten
+ und das respektvolle Ergebenheitstränklein brauten 110
+
+ Wie der heilige Bürokrazius Hühneraugen im Hirn bekam und
+ sich einen Zopf wachsen ließ 121
+
+ Ein deliziöses Intermezzo von den Tiroler Speckknödeln 138
+
+ Wie der heilige Bürokrazius die Stampiglien erfand 144
+
+ Wie der heilige Bürokrazius seine Jünger belehrte 153
+
+ Bilder-Galleria der Jünger des heiligen Bürokrazius 161
+
+ Von der Titel- und Ordenssucht 169
+
+ Wie der heilige Bürokrazius sich erlustierte 174
+
+ Wie der bitterböse Kare Revoluzzer den guten König zum
+ Teufel jagte 179
+
+ Wie besagter Höllenbraten den heiligen Bürokrazius
+ erschlagen wollte und von diesem glorreich widerleget
+ wurde 186
+
+ Wie der heilige Bürokrazius gen Himmel fuhr und seinen
+ himmlischen Einfluß auf den Kare Revoluzzer wirken
+ ließ 191
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Vom Pater Hilarius und seiner weltberühmten
+ Fastenpredigt über das Thema: »Warum und wasmaßen
+ der Mensch das allergrößte Rindviech ist«.
+
+
+Großgünstiger Leser und hochgeneigte Leserin dieses ebenso frommen als
+ungemein ersprießlichen Büchleins, ihr habt hoffentlich schon von dem
+hochwürdigen Pater Hilarius gehört. Ja, ihr müßt sogar sicher davon
+gehört haben, weil ihr euch ansonsten selber eines ungeheuern,
+bedauerlichen und schier unbegreiflichen Bildungsmangels schuldig macht.
+
+Oder solltet ihr wirklich noch nichts von dem hochwürdigen Pater
+Hilarius gehört haben? Das stellet euch gar kein gutes Zeugnis aus.
+Ihr seid offenbar zu sehr verstrickt in den faulen Zauber aller
+Weltlichkeit, als daß euch der Pater Hilarius schon begegnet wäre. Also
+will ich mich in christlicher Erbarmung über euren unverantwortlichen
+Bildungsmangel hinwegsetzen und euch vom Pater Hilarius erzählen.
+
+Der Pater Hilarius war natürlich ein Tiroler, wie überhaupt alle
+gescheuten Menschen Tiroler sind. Von seinem Geiste werdet ihr noch ganz
+erklecklich genug zu spüren und zu schmecken bekommen. Demnach können
+wir uns vorerst mehr mit seiner hochwürdigen Leiblichkeit befassen.
+
+Um euch ein allgemeines Bild von dem berühmten Pater zu geben, möchte
+ich euch zu Gemüte führen, daß er von außen rund und von innen naß war.
+Die äußere Rundlichkeit stammte von genügender und mit gebührender
+Andacht aufgenommener Atzung. Die innere Nässe oder Feuchtigkeit leitete
+ihren Ursprung von geistigen Flüssigkeiten her, die der hochwürdige
+Pater mit einer womöglich noch größeren und tieferen Andacht seinem
+sterblichen Leichnam einverleibte. Darunter spielte der Wein eine
+hervorragende Rolle. Glaubet aber deswegen ja nicht, daß der hochwürdige
+Pater Hilarius ein Fresser und Schlemmer und ein gottloser Säufer war.
+Wie ich euch bereits gesagt habe, geschah alles mit der gebührenden
+Andacht.
+
+Der hochwürdige Pater Hilarius betrachtete Essen und Trinken als ein
+Gott wohlgefälliges Fest, das man nicht hoch genug feiern konnte. Er
+huldigte dem erhabenen Grundsatze, daß Essen und Trinken Leib und Seele
+zusammenhalte. Und diesem notwendigen Zusammenhalt brachte er so manches
+Opfer. Es ist auch jedermann, der auf einen guten Bissen und einen guten
+Trunk nichts hält, ein langweiliges Individuum, dessen Erschaffung sich
+der liebe Herrgott hätte ersparen können.
+
+Ich habe weiter oben die Behauptung aufgestellt, daß überhaupt alle
+gescheuten Menschen Tiroler sind. Obwohl diese Behauptung aus dem
+Spruchschatze des Pater Hilarius stammet und dahero eigentlich keiner
+weiteren Begründung bedürfte, will ich euch den Beweis dafür doch nicht
+schuldig bleiben.
+
+Bekanntlich meldet die Volkssage, daß die Tiroler erst mit vierzig
+Jahren gescheut werden. Nachdem aber, wie aus dem Nachfolgenden nur zu
+deutlich hervorgehen wird, die ganze Menschheit nichts anderes ist, als
+ein großer Stall von Rindviechern, haben die Tiroler wenigstens noch
+eine Möglichkeit und einen festgesetzten Termin zum Gescheutwerden,
+während eine solche Möglichkeit oder ein derartiger Termin für die
+übrigen Menschen außerhalb Tirols nicht bekannt ist.
+
+Ein anderes wichtiges Momentum, das gleichfalls den Forschungen des
+hochwürdigen Pater Hilarius entstammet, soll hier zum erstenmal einer
+breiteren Öffentlichkeit übergeben werden. Nämlich, daß die Gescheutheit
+der Tiroler ihren Urgrund in den Speckknödeln hat.
+
+Die Speckknödel sind die Nationalspeise und das Lieblingsgericht aller
+Tiroler. Durch einen ganz eigentümlichen chemischen Prozeß, über den
+sich der hochwürdige Pater Hilarius sehr eingehend verbreitet, haben die
+Speckknödel die merkwürdige und nicht genug zu schätzende Eigenschaft,
+daß sie zu einem großen Teile unmittelbar als Phosphor ins Gehirn gehen.
+
+Diese Ansammlung von Phosphor erreichet genau beim vollendeten
+vierzigsten Lebensjahre eines jeden Tirolers einen derartigen Höhepunkt,
+daß die Gescheutheit mit der Sicherheit eines physikalischen
+Experimentes von selbst in Erscheinung tritt.
+
+Die diesbezüglichen grundlegenden Forschungen des hochwürdigen Pater
+Hilarius erlaube ich mir ganz bewußt zu unterschlagen. Sonst wollte
+eines Tages die ganze Welt Speckknödel fressen, um auch so gescheut zu
+werden wie wir Tiroler. Das ginge uns just noch ab. Wir haben ohnedies
+immer zu wenig Speck, namentlich in den gegenwärtigen teuren Zeiten.
+
+Weil nun die Tiroler Speckknödel die angebetete Leibspeise des
+hochwürdigen Pater Hilarius waren und er sie auch fleißig mit Wein
+begoß, um den chemischen Prozeß der Phosphoreszierung möglichst zu
+beschleunigen, hat er es zu einem ganz besonders hohen Grade der
+Gescheutheit gebracht, der ihn befähigte, seine weltberühmte
+Fastenpredigt über das auferbauliche Thema zu halten: »Warum und
+wasmaßen der Mensch das allergrößte Rindviech ist«.
+
+Wenn ihr von dieser Fastenpredigt auch noch nichts gehört haben solltet,
+so kann ich es mir nur dadurch erklären, daß die außerhalb Tirols
+lebende Menschheit, die sich von den Ausführungen besagter Predigt ganz
+besonders betroffen fühlen muß, alles getan hat, um die geistigen
+Produkte des hochwürdigen Pater Hilarius heimtückisch zu unterdrücken.
+
+Ihr müßt nämlich wissen, daß die mehrfach erwähnte Fastenpredigt des
+hochwürdigen Paters etwa nicht seine einzige Fastenpredigt war, sondern
+daß er noch zahlreiche andere Fastenpredigten hielt. Dieselben zur Gänze
+oder in einer Auswahl einem löblichen Publico durch die Druckerschwärze
+vor Augen zu führen, behält sich der Herausgeber dieses
+Erbauungsbüchleins für einen späteren geeigneten Zeitpunkt vor.
+
+Großgünstiger Leser und hochgeneigte Leserin, seid also in Demut darauf
+gefaßt, eines schönen Tages auch die anderen berühmten Fastenpredigten
+des Pater Hilarius versetzt oder vielmehr um eure _pleno titulo_
+Ohrwascheln gehaut zu bekommen.
+
+Für heute wollen wir uns mit seiner berühmtesten Fastenpredigt begnügen,
+da selbige sozusagen den festen Grundstock bildete, auf dem der
+hochwürdige Pater die Legende vom heiligen Bürokrazius aufbaute.
+
+An einem Samstag der Fastenzeit hatte sich der hochwürdige Pater
+Hilarius, um sich für die geistigen Strapazen des darauffolgenden
+Sonntags zu stärken, sieben Tiroler Speckknödel von der beruhigenden
+Dimension mittlerer Kegelkugeln einverleibet. Danach verzehrte er noch
+einen Schöpsenbraten mit beigelegten Erdäpfeln, Häuptelsalat und
+gedörrtem Zwetschgenkompott, auch eine Leibspeise von ihm, und setzte,
+weil aller guten Dinge drei sind, noch ein drittes Leibgericht als
+Krönung darauf. Das waren gebackene Brandstrauben. Dazu trank er
+anderthalb Maß Kalterer Seewein. Alles in offensichtlicher Andacht,
+gebührender Dankbarkeit für die wundersamen Gottesgaben und in
+himmlischer Ergebenheit.
+
+Als er die letzte Straube mit dem letzten Tropfen Kalterer begossen
+hatte, faltete er die Hände über seinem sehr ansehnlichen Bäuchlein und
+sprach: »Jetzt wohl! Gegessen wär's und getrunken wär's auch. Wenn's nur
+gepredigt auch schon wär'!«
+
+Dieser fromme Wunsch steigerte sich aber alsobald zu dem mannhaften
+Entschluß: »Na, wartet, euch will ich morgen ordentlich einheizen! Euch
+will ich sieden und braten, daß euch Hören und Sehen vergeht! Ihr
+Malefiz-Sünden- und Teufelsbrateln übereinander!«
+
+Sprach's, überlegte sich seine Predigt und ging zur Ruhe.
+
+Da die Phosphorentwicklung schon in der darauffolgenden Nacht eine ganz
+gewaltige und mitunter sogar laut hörbare war, erwachte der hochwürdige
+Pater Hilarius am nächsten Morgen mit einem solchem Gefühle geistiger
+Stärkung, daß er sich befähigt erachtete, sämtliche Kirchenväter und
+Theologen zu einem geistlichen Turnier in die Schranken zu fordern.
+
+Also bestieg er mit dem geistigen Destillat der sieben Tiroler
+Speckknödel und aller sonstigen dankenswerten Zutaten die Kanzel und
+hielt seine berühmte Fastenpredigt, die ich im Nachfolgenden zur
+Erbauung von männiglich im Wortlaute wiedergebe ...
+
+Meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer! Alle Dinge müssen einen Anfang
+haben. Dahero auch eine Fastenpredigt. Nun will ich aber für meine
+heutige Predigt den allerersten Anfang wählen, das ist die Erschaffung
+des Menschen.
+
+Wenn wir dieser Erschaffung auf den Grund gehen, so ist dieselbe
+eigentlich für den Menschen gar nicht sonderlich schmeichelhaft. Nur die
+menschliche Eitelkeit hat es sich mit der Zeit eingebildet, daß der
+Mensch ein auserwähltes Geschöpf sei.
+
+Lasset daher alle Eitelkeit und allen Stolz fahren, meine vielgeliebten
+andächtigen Zuhörer, und bemühet euch mit mir, eurem aufrichtigen
+Freunde, den Tatsachen eurer Erschaffung nachzuforschen.
+
+Wie ihr alle wissen werdet, hat der liebe Gottvater zuerst Himmel und
+Erde erschaffen, Land und Meer, die Pflanzen und Bäume und alles Getier,
+das da kreucht und fleucht. Und erst, als alles da war, vom größten
+Elefanten bis zum kleinsten Floh, da hat der Herrgott den Menschen
+erschaffen.
+
+Aus was hat er ihn erschaffen? Aus Erde. Jawohl, aus Erde. Das schaut
+sich ganz schön an, wenn man nicht weiter nachdenkt.
+
+Kann sich nun einer von euch, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer,
+ernstlich vorstellen, daß man aus trockener Erde eine Figur knetet? Denn
+eure auferbauliche Figur, wie ihr da seid mit Kröpf' und mit Tadel, hat
+doch der Herrgott aus Erde zusammengeknetet und nachher angeblasen, daß
+ihr eure Haxen habt rühren können.
+
+Sintemalen nun aus trockener Erde auch der Herrgott keine Figur kneten
+kann, weil alles in Staub zerfallen tät, so muß das Handwerkszeug des
+lieben Herrgott aus feuchter oder nasser Erde bestanden haben.
+
+Und wißt ihr, wie man nasse Erde heißt oder was nasse Erde ist? Scheut
+euch das kurze einsilbige Wort nicht auszusprechen; denn es handelt sich
+um eine sehr natürliche und alltägliche Sache, der ihr auf Schritt und
+Tritt begegnet.
+
+Aus einem Patzen Dreck hat euch der Herrgott gemacht, aus ganz
+gewöhnlichem Dreck. Vom Dreck stammt ihr, Dreck seid ihr und Dreck
+bleibt ihr.
+
+Dahero, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, könnt ihr euch auf eure
+dreckige Herkunft nichts Besonderes einbilden. Habt ihr vielleicht
+jemals vernommen, daß der Herrgott auch nur eines der vielen Viecher aus
+Dreck hat erschaffen müssen? Die hat er einfach so erschaffen. Da hat er
+dieses schmutzige Material nicht dazu gebraucht. Nicht einmal um die Sau
+zu erschaffen, hat er so unappetitlich herumhantieren müssen, wie bei
+eurer Erschaffung.
+
+Darum bildet euch ja nicht ein, daß ihr die Krone der Schöpfung seid.
+Ihr seid höchstens das Zipfel von dem ganzen knietiefen urweltlichen
+Dreck, der damals, weil es keine Straßenreinigung gab, auf der Erde
+jedenfalls noch reichlicher vorhanden war, als heutzutage.
+
+Ihr habt dahero gar keine Ursache, meine vielgeliebten andächtigen
+Zuhörer, auf die lieben Viecher von oben herabzusehen und sie für
+minderwertig oder gar für dumm zu halten. Ich sage euch als euer
+aufrichtiger Freund und geistlicher Berater: Kein Viech ist so
+minderwertig, als es ein Mensch sein kann, und kein Viech ist so
+strohdumm, als ihr es in der Regel seid.
+
+Das schreibet sich eben daher, weil es auf der ganzen Erde kein einziges
+Viech gibt, das aus so minderwertigem Material zusammengeknetet worden
+wäre wie ihr, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer.
+
+Nun will ich euch aber eure grenzenlose Dummheit, welche die Dummheit
+des allerdümmsten Urviechs noch weit übertrumpft, gebührend zu Gemüte
+führen.
+
+Könnt ihr vielleicht einen Affen in allen Urwäldern und Menagerien der
+Erde finden, der ein solcher Aff' ist wie der Mensch ein Aff' ist? Es
+wird so manches zu entdecken sein, was selbst der ärgste Aff' nicht
+nachmacht. Aber es gibt überhaupt nichts, was der Mensch nicht
+nachmacht. Je blöder etwas ist, desto begeisterter wird es nachgemacht.
+Der Mensch glaubt alles, was ein Aff' niemals glauben würde. Der Mensch
+trottet hinter allem drein, wo ein Aff' sich schon längst über alle
+Bäum' davongemacht hätte.
+
+Aber kann man auch einen größeren Esel finden als den Menschen? Kein
+Esel würde, ohne mit allen Vieren auszuschlagen und energisch den Dienst
+zu verweigern, die Lasten tragen, die der Mensch schon getragen hat und
+noch immer trägt. Ich will euch gar nicht an bestimmte Lasten erinnern,
+um euch in eurer Andacht nicht zu stören. Ihr werdet mir es jedoch
+zugeben, daß die Eselssäck', die ihr geduldig und stumpfsinnig tragt,
+kein einziger anderer Esel tragen würde. In diesem Zusammenhang muß ich
+auch noch erwähnen, daß sich kein noch so geduldiges Schaf seit Anbeginn
+der Welt derart scheren hat lassen, wie ihr euch täglich scheren lasset.
+
+Vom Kamel will ich gar nicht weiter reden. Denn ich sehe verschiedene
+Schiffe der Wüste unter euch, denen ich nicht auf die Zehen treten
+möchte.
+
+Aber wenden wir uns zu demjenigen Tiere, das uns die wichtigste und
+wertvollste Zutat zu den Speckknödeln liefert. Wenden wir uns zu dem
+Schwein. Wer unter uns liebt dieses Tier nicht? Kann jetzt vielleicht
+einer unter euch, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, behaupten,
+daß das Schwein in Menschengestalt ein ähnliches Ansehen genießet und
+ein ähnliches Maß von Liebe erntet?
+
+Dasjenige Schwein unter euch, so Dergestaltes von sich sagen kann, möge
+sich erheben! Niemand rühret sich. Glaubt ihr dahero, daß die ärgste
+Drecksau mit einem menschlichen Schwein verglichen werden kann? Oder
+kennt ihr einen derartigen Saustall auf Erden, wie ihr Menschen ihn
+habt?
+
+Der Besitzer eines solchen Saustalles möge sich melden! Niemand meldet
+sich. Also haben wir den größten Saustall und brauchen dahero das
+Schwein gar nicht despektierlich zu betrachten; denn von ihm kommen in
+erster Linie die Speckknödel, in weiterer Folge Schinken, Würste,
+Schweinsbrateln und andere gute und Gott wohlgefällige Dinge. Könnt ihr
+dagegen ein einziges Gott wohlgefälliges Ding namhaft machen, das aus
+eurem Saustall jemals die Welt beglücket hätte?
+
+Nunmehro halte ich es aber, um euren Geist nicht allzusehr in Verwirrung
+zu bringen, für notwendig, euch, meine vielgeliebten andächtigen
+Zuhörer, in eine ganz bestimmte Viechgattung endgültig einzureihen.
+
+Ich kann euch die Wahl dieser Gattung leider nicht selbst überlassen, da
+ihr euch bei eurer bekannten Streitsucht und Uneinigkeit schwerlich auf
+ein bestimmtes Viech einigen würdet, jeder den anderen ein besonderes
+Viech schelten würde und ihr euch dahero gegenseitig nur beleidigen und
+kränken und doch zu keinem gedeihlichen Resultate gelangen würdet. Ihr
+müßt es deshalb schon mir, eurem aufrichtigen Freund und geistlichen
+Berater, überlassen, euch in Gottes großem Viehstall den richtigen Platz
+anzuweisen.
+
+Ich will euch unter die Rindviecher einteilen. Ihr könnt euch dadurch
+unmöglich beleidigt fühlen. Denn wieviel Gutes kommt vom lieben
+Rindviech. Milch und Butter und Kas, Fleisch und Fett, Lauskampel und
+Schuhleder.
+
+Ihr werdet gewiß nicht behaupten können, daß man aus euch Lauskampel und
+Stiefel machen kann. Von Milch, Butter und Kas will ich gar nicht reden.
+Ihr sehet also, daß ich euch alle Ehre antue.
+
+Ja, ihr sollt sogar den höchsten Rang unter dem lieben Rindviech
+einnehmen, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer. Denn ich will euch
+im Handumdrehen beweisen, warum und wasmaßen der Mensch das allergrößte
+Rindviech ist.
+
+Merket wohl auf! Habt ihr jemals gehört, daß sich tausend Rindviecher
+von einem einzigen Rindviech regieren, tyrannisieren und kujonieren
+lassen? Oder habt ihr gehört, daß sich hundert Rindviecher von einem
+einzigen Rindviech regieren lassen? Ja, ich will noch bescheidener
+werden. Habt ihr vielleicht gehört, daß sich auch nur zehn Rindviecher
+von einem Rindviech regieren lassen? Nein, das habt ihr niemals gehört.
+
+Hat es euch aber jemals in Erstaunen versetzt, daß sich nicht nur zehn,
+hundert und tausend, sondern hunderttausende und Millionen Menschen von
+einem einzigen Rindviech regieren lassen? Das hat euch nicht im
+geringsten in Erstaunen versetzt; ihr habt es sogar für ganz
+selbstverständlich gefunden.
+
+Ist also der Mensch das allergrößte Rindviech oder nicht? Jawohl,
+der Mensch ist das allergrößte Rindviech.
+
+Also, meine vielgeliebten andächtigen Rindviecher, das war es ja, was
+ich euch beweisen wollte. Bleibet daher weiter so, wie ihr immer gewesen
+seid. Suchet euch weiter geflissentlich die größten Ochsen aus, zu denen
+ihr mit Vertrauen und Ehrfurcht aufblicket; denn ein Rindviech ist des
+anderen würdig. Zu helfen ist euch ja doch nicht, weil ihr eben
+Rindviecher seid. Amen.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Wie Pater Hilarius dazukam, die Legende vom heiligen
+ Bürokrazius zu schreiben.
+
+
+Die denkwürdige Fastenpredigt brachte dem hochwürdigen Pater Hilarius
+sehr große Ehren ein. Zu den sonderbarsten Folgen gehörte es aber
+entschieden, daß der hochwürdige Pater zum Ehrenmitglied ungezählter
+Tierschutzvereine ernannt wurde, was er mit gebührender Dankbarkeit
+entgegennahm. Er konnte mit den unterschiedlichen mehr oder weniger
+künstlerisch ausgeführten Diplomen nicht nur die Wände seiner Zelle,
+sondern auch sämtliche Gänge des Klosters und das Refektorium schmücken.
+
+Die angenehmsten Folgen zeitigte die Fastenpredigt jedoch für das
+Kloster selbst. Die Zuhörer waren von der Erkenntnis ihrer mehr als
+viechischen Dummheit derart erschüttert, daß sie das Kloster mit
+Geschenken überhäuften.
+
+Vom frühen Morgen bis zum späten Abend ging die Glocke des Pförtners.
+Da schwankten auf Rückentragen ganze Panzelen Wein herein. Da gab es
+Nahrungsmittel in Hülle und Fülle, Säcke mit Mehl und Erdäpfeln und auch
+feinere fleischliche Genüsse.
+
+Am meisten zeichnete sich aber die holde Weiblichkeit in Spenden aus.
+Denn sie hatte vielfach den Stiel umgedreht und die Ausführungen der
+Fastenpredigt nur auf den männlichen Teil der Zuhörerschaft bezogen.
+Und es war den Weiblein ein besonderer Ohrenschmaus, ihre Eheherren noch
+über das liebe Rindvieh gestellt zu sehen.
+
+So hatschten denn junge und alte Kittelträgerinnen daher mit Körben voll
+von Eiern und Butter und Schmalz, mit Geflügel aller Art, Hühnern und
+Enten und Gänsen, mit ganzen Speckseiten und Geräuchertem, mit Schinken
+und Würsten, mit köstlichem Backwerk, vom mürben Kipfel bis zum
+bauchigen Gugelhupf und kreisrunden Torten, etwelchen schier so groß wie
+Mühlensteine. Es waren auch genug unter der Weiblichkeit, die ihre
+zärtliche Hingabe mit riesigen Bischkotenherzen bekundeten.
+
+Es verstehet sich von selbst, daß diese erfreulichen Zutaten zum
+irdischen Wohlergehen das Ansehen des hochwürdigen Pater Hilarius unter
+seinen geistlichen Mitbrüdern wesentlich steigerten. Denn wer es
+imstande war, bloß durch des Wortes Gewalt den Inhalt der Ställe und
+Felder durch die fromme Klosterpforte zu leiten wie einen nimmer
+versiegenden Strom, der mußte wohl vom Himmel ganz hervorragend begnadet
+sein.
+
+Diese Anerkennung sprach auch der hochwürdige Herr Prior seinem
+verdienstvollen Mitbruder begeistert aus. Er meinte zwar, der Pater
+Hilarius sei ein grober Knochen, aber nichtsdestoweniger habe er den
+richtigen Ton getroffen, der zu den Herzen der Menschen gehe und alle
+edeln und nützlichen Instinkte des menschlichen Rindviehs in geradezu
+staunenswerter Weise auslöse.
+
+Dieweilen der hochwürdige Herr Prior in geistlichen Schriften sehr
+belesen war, machte er den Pater Hilarius auf einen Ausspruch seines
+berühmten Vorfahren, des Paters Abraham a Santa Clara aufmerksam. Es
+geschah dies im ursächlichen Zusammenhange mit der Wirkung von des Pater
+Hilarii Fastenpredigt auf das zarte weibliche Geschlecht.
+
+Der hochwürdige Herr Prior meinte, daß der Pater Abraham im vorliegenden
+Falle nicht recht behalten habe. Denn er habe einmal gesagt: »Die Weiber
+seynd sonst genaturt wie das Kraut, mit dem Namen Basilicum: wann man
+dieses gemach und sanft streichet, so gibt es einen überaus lieblichen
+Geruch von sich; da man es aber stark reibet, stinkt es gar wild.«
+
+Der Pater Hilarius habe jedoch seine andächtigen Zuhörer und darunter
+auch die Weiblein nicht nur stark gerieben, sondern gebürstet und
+gestriegelt nach allen Regeln. Und trotzdem hätten darnach gerade die
+Weiblein lieblich geduftet nach Speck und Schinken, nach Gugelhupf,
+Faschingskrapfen und Mandelbögen, nach Punschtorten und
+Bischkotenherzen. Da wies jedoch der hochwürdige Pater Hilarius seinen
+geistlichen Vorgesetzten auf den Weg der Erklärung, den ich mit euch,
+großgünstiger Leser und hochgeneigte Leserin, bereits ein Stück weiter
+oben gegangen bin.
+
+Der Prior mußte dem Pater Hilarius recht geben. Er nannte ihn einen
+großen Menschenkenner und vornehmlich auch einen großen Kenner der
+holden Weiblichkeit, deren Schlichen man nicht auf den Grund sehen kann
+und bediente man sich hiezu auch eines klafterlangen Perspektives.
+
+Dabei ermahnte der Prior seinen geistlichen Mitbruder, er möge sich die
+Dummheit der Menschen zu seinem ganz eigentlichen Studium erwählen,
+ihr recht nachforschen, hauptsächlich auch ihre Ursachen und tiefsten
+Fundamente zu ergründen trachten. Denn besagtes Studium könne für das
+ganze Kloster nur ungemein gedeihlich sein. Das habe schon der Anbeginn
+der Tätigkeit des Pater Hilarius zur Genüge bewiesen.
+
+Der Pater Hilarius versprach es seinem geistlichen Oberen, er wolle mit
+allem gebührenden Fleiß dem menschlichen Viehstall auch weiter seine
+vollste Aufmerksamkeit widmen. Zog sich in seine Zelle zurück und war
+Tage und Wochen nicht zu sehen.
+
+Auf Geheiß des Priors und wohl auch aus eigenem Antriebe versorgten ihn
+seine geistlichen Mitbrüder fleißig mit aller erdenklichen Atzung und
+mit Wein, damit er in seinem anstrengenden Studium über die Dummheit der
+Menschen auch der leiblichen Stärkung nicht ermangele.
+
+Es ging jedoch der Pater Hilarius bei seinen schwierigen Forschungen
+völlig logisch zu Werke. Er dachte sich: Jedes Ding auf Erden muß seinen
+Schutzheiligen haben. Also auch die menschliche Dummheit. Wenn es
+gelingt, ihren Heiligen zu finden, dann hat die Sache ihre himmlische
+Erklärung und kann dadurch leichter begriffen werden.
+
+So durchforschte der Pater Hilarius das Leben sämtlicher Heiligen, deren
+er habhaft werden konnte. Keiner war aber so geartet, daß er für die
+menschliche Dummheit hätte verantwortlich gemacht werden können. Der
+hochwürdige Pater studierte die Legenden von vorne und von hinten und
+konnte trotzdem zu keinem Resultate gelangen.
+
+Endlich unternahm er es, alle Heiligen alphabetisch zu ordnen, damit ihm
+ja keiner zu entrinnen vermochte. Als auch dieses nichts nützte, ordnete
+er sie zuerst nach ihren Anfangssilben und dann nach ihren Endsilben.
+
+Dabei kam er auch auf die Heiligen mit der Endsilbe »azius«, auf die
+heiligen Ignazius, Bonifazius, Servazius, Pankrazius und andere Aziusse.
+
+Ich muß hier meine gelehrte Darstellung etwas unterbrechen und zur Ehre
+der Tiroler Speckknödel einfügen, daß just an dem herrlichen Tage, an
+dem der Pater Hilarius die Heiligen auf »azius« in Reih und Glied
+aufmarschieren ließ, der Pater Küchenmeister geradezu phänomenale
+Speckknödel hergestellt hatte, von denen ein halbes Dutzend mit einer
+Schüssel dampfenden Sauerkrautes dem Pater Hilarius auf seine Zelle
+gebracht wurden.
+
+Diese Knödel schmeckten dem hochwürdigen Pater so fürtrefflich, daß er
+den zweiten Gang, der in resch gebackenem Kälbernem bestand, freundlich
+zurückwies und dafür eine zweite Auflage Knödel verlangte.
+
+Seinem Wunsche wurde natürlich sofort mit gebührender Ehrfurcht
+entsprochen. Denn es war dem gesamten Kloster alsobald klar geworden,
+daß sein berühmtes Mitglied heute besonders vom Geiste der Forschung
+erfüllet und dahero desjenigen Nahrungsmittels in stärkerem Maße
+bedürftig sei, welches bekanntlich zur unmittelbaren Anregung der
+Gehirnfunktionen führet.
+
+Um dieser Vergeistigung allen möglichen Vorschub zu leisten, ließ der
+Pater Kellermeister seinem hochwürdigen Amtsbruder gleichzeitig einen
+ungeheuern Krug, der niemals geaicht worden war, auf seine Zelle
+bringen. Ihn sollte ein sagenhafter Pater des Klosters vor vier oder
+fünf Jahrhunderten in drei Zügen geleeret haben und sollte darauf eines
+seligen Todes verblichen sein.
+
+Sotaner Krug wurde nur bei ganz besonders festlichen Gelegenheiten zu
+einem feierlichen Rundtrunke hervorgeholet. Den Krug hatte der Pater
+Kellermeister mit dem besten und ältesten Wein des Klosters gefüllet,
+von dem man behauptete, daß um Mitternacht eine schwarze Katze auf dem
+Fasse hocke.
+
+Das alles sei auch deshalb erwähnet, um die Verdienste der Patres
+Küchenmeister und Kellermeister an den nachfolgenden weltbewegenden
+Entdeckungen des hochwürdigen Pater Hilarius in das richtige Licht zu
+stellen.
+
+Nachdem nun der hochwürdige Pater Hilarius der zweiten Knödelfuhr den
+Garaus gemacht hatte und auch schon ziemlich tief auf den Grund des
+legendären Kruges untergetaucht war, nahm er nochmals die Liste der
+heiligen Aziusse vor. Er ging sie lange durch, und er ging sie gründlich
+durch, in seinem Verstande und Gemüte wohl erwägend, ob er nicht
+irgendeinen heiligen Namensträger auf »azius« vergessen hätte.
+
+Da machte er plötzlich in seiner Zelle einen Luftsprung, lüpfte den
+durch Alter und Überlieferung geweihten Krug an seine Lippen, nahm einen
+doppelt kräftigen Kuhschluck daraus, setzte ihn wieder auf den Tisch und
+brach in die begeisterten Worte aus: »Jetzt aber hab' ich dich beim
+Krawattel, du heimtückisch verschlossener heiliger Azius! Ignazius,
+Servazius, Bonifazius und Pankrazius! Eure Liste soll voll werden!
+O heiliger Sankt Bürokrazius! Jetzt hab' ich dich erwischt! Und du
+sollst mir nicht mehr auskommen!«
+
+Reifliches weiteres Nachdenken brachte den Pater Hilarius zu der
+Überzeugung, daß er in dem heiligen Bürokrazius tatsächlich den
+richtigen Schutzheiligen der menschlichen Dummheit gefunden hatte. Nicht
+nur den Schutzheiligen der menschlichen Dummheit, sondern auch
+denjenigen Heiligen, dessen Existenz sich überhaupt nur durch die
+menschliche Dummheit erklären ließ, der aus der menschlichen Dummheit
+gezeugt und geboren wurde.
+
+Dem Pater Hilarius wurde es bei der fortschreitenden Verdauung der
+Speckknödel, deren Zahl diesmal nichts zur Sache tut, und bei der
+endgültigen Ergründung des heiligmäßigen Kruges immer mehr sonnenklar,
+daß der heilige Sankt Bürokrazius der mächtigste und einflußreichste
+Heilige auf Erden war.
+
+Welcher andere Heilige hatte sonst eine derartige Allmacht gewonnen? Vor
+welchem anderen Heiligen lag sonst alles derart auf den Knien, ja kroch
+vor ihm auf dem Bauche? Eines solchen durchschlagenden Erfolges konnte
+sich kein einziger anderer Heiliger rühmen. Kein Heiliger hatte so viele
+Jünger wie der heilige Bürokrazius. Kein Orden zählte so viele Anhänger
+und war mit seinen unermeßlichen Tausenden von Mitgliedern so sehr
+verbreitet als wie gerade der Orden des heiligen Bürokrazius.
+
+Bei weiterer Nachforschung entdeckte der hochwürdige Pater Hilarius in
+seinem neu gefundenen Heiligen, dem Sankt Bürokrazius, sogar göttliche
+Eigenschaften. Zwar vermochte er in ihm weder die Allwissenheit noch die
+Allgütigkeit und Allbarmherzigkeit zu finden, wohl aber bis zu einem
+gewissen Grade die Allmächtigkeit. Eine göttliche Eigenschaft fand er
+jedoch in dem heiligen Bürokrazius vollkommen verkörpert. Das war die
+Allgegenwart.
+
+Bei diesem Studium der Allgegenwart des heiligen Bürokrazius mußte sich
+der hochwürdige Pater, indem er sich die nachfolgenden Fragen vorlegte,
+selbst eingestehen und bekennen: Machst du eine Türe auf, wer stehet
+draußen? Der heilige Bürokrazius. Machst du ein Fenster auf, wer glotzet
+herein? Der heilige Bürokrazius. Sperrst du einen Kasten oder eine Truhe
+auf, wer hocket drinnen? Der heilige Bürokrazius. Greifst du in den
+Hosensack, wen ziehest du beim Ohrwaschel herfür? Den heiligen
+Bürokrazius. Wer recket überall, aus den verstecktesten Winkeln und
+heimlichsten Örtlein seinen Kragen heraus? Der heilige Bürokrazius.
+
+Derohalb bestand für den Pater Hilarius an der Allgegenwart dieses
+größten und mächtigsten Heiligen, des Schutzheiligen der menschlichen
+Dummheit, nicht der geringste Zweifel mehr.
+
+Um so gewaltiger überraschte es jedoch den hochwürdigen Pater, daß er
+keine Legende des heiligen Bürokrazius finden konnte. Die Menschheit
+hatte also entweder in ihrer Dummheit oder in ihrer unverantwortlichen
+Undankbarkeit das Erdenleben desjenigen Heiligen totgeschwiegen, in dem
+sie lebte und webte, in dem sie aufging, der ihre geheimsten
+Verrichtungen überwachte, kontrollierte und registrierte.
+
+Das fand der Pater Hilarius für unerhört. Er entschloß sich daher, die
+Legende des heiligen Bürokrazius zu schreiben, um der Menschheit einen
+Lebensspiegel desjenigen Schutzheiligen zu verehren, zu dem sie in
+Ehrfurcht aufblickte, vor dem sie in ihrer grenzenlosen Dummheit bebte
+und zitterte, gleich einem Espenlaub und gleich dem schlotternden
+Schweiflein eines blutjungen Lämmleins.
+
+Da der hochwürdige Pater Hilarius aber nach dem Gutdünken seines eigenen
+Priors ein grober Knochen war, fand er noch einen dritten Vergleich für
+das Beben der menschlichen Dummheit vor dem heiligen Bürokrazius. Und er
+sagte zu sich selbst: Vor diesem saudummen Heiligen zittert das noch
+dümmere Rindviechgeschlecht der Menschen genau so wie eine schweinerne
+Sulz auf dem Teller.
+
+Nachdem der Pater Hilarius diesen endgültigen Vergleich gefunden hatte,
+teilte er dem Prior seinen Entschluß mit, daß er die Legende des
+heiligen Bürokrazius schreiben und damit eine ebenso große wie
+unbegreifliche Lücke in der Geschichte der himmlischen Herrschaften
+ausfüllen wolle. Der hochwürdige Herr Prior gab seinem verehrten
+geistlichen Mitbruder unbeschränkten Urlaub für diese hochwichtige
+Arbeit.
+
+Wie der Pater Hilarius seine Aufgabe gelöset hat, das mag das
+Nachfolgende beweisen. Es war die Arbeit eines Riesen. Denn es galt aus
+längst verschütteten Quellen, aus dem Staub der Archive und
+Bibliotheken, aus unzähligen Akten und Faszikeln, Schmökern und
+Traktätlein, aus dem Moder der Vergangenheit die Geschichte des
+mächtigsten Schutzheiligen der menschlichen Dummheit herauszugraben. Und
+nicht zuletzt blieb es dem Ingenium des hochwürdigen Paters vorbehalten,
+alle die vielen klaffenden Lücken auszufüllen, die sich in den oft
+widersprechenden Überlieferungen ergaben.
+
+Daß daraus trotzdem ein gerundetes Bild wurde, danken wir neben den
+ungeheuren geistigen Eigenschaften des Pater Hilarius natürlich auch den
+Tiroler Speckknödeln, die er sich auf seinen ausgedehnten
+Forschungsreisen nebst einem guten Tropfen stets zu verschaffen wußte.
+
+Dadurch ist ein Werk entstanden, daß an Großzügigkeit seines Gleichen
+suchet, dabei aber an Subtilität der Kleinarbeit nur mit jenem
+Kunststück des Mirmecides verglichen werden kann, der aus Elfenbein
+einen Wagen samt Pferd und Kutscher also klein und künstlich geschnitten
+hat, daß man alles unter dem Flügel einer kleinen Fliege hat verbergen
+können.
+
+Einer Statue aus Erz oder Marmor und gleichzeitig der winzigsten
+Filigranarbeit aus Elfenbein muß die Arbeit des Pater Hilarius
+verglichen werden. Was aber aus jedem Zug derselben hervorleuchtet, das
+ist die glühende Liebe und Verehrung für seinen Heiligen, welchen er
+einer andächtigen Menschheit zum ersten Male dargestellet hat. Lassen
+wir nunmehro dem hochwürdigen Pater Hilario anselbsten das Wort.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Wie die Heiligen im Himmel dem lieben Gott eine
+ seltsame Bitte vortrugen.
+
+
+Die Legende vom heiligen Bürokrazius beginnet im Himmel, was auch nicht
+mehr als recht und billig ist. Denn welches Lokal wäre geeigneter, den
+Ursprung der folgenden Begebenheiten darzustellen, als gerade der
+Himmel. Wir sind ja so übersättiget von dem irdischen Theater mit all
+seinem Jammer, daß die geneigten Leser gewiß zur Erholung gerne einmal
+einen himmlischen Spaziergang machen.
+
+Es hatte schon seit geraumer Zeit unter den Heiligen des Himmels ein
+gewisser Unmut und eine arge Verdrießlichkeit Platz gegriffen. Der
+himmlische Humor drohte gewaltig in die Brüche zu gehen.
+
+Das kam daher, weil die Heiligen viel zu gescheit waren. Und da sie alle
+gleich gescheit waren, konnte keiner gescheiter sein als der andere.
+
+Dergestaltes Gleichmaß verdrießet aber mit der Zeit nicht nur die
+Menschen, sondern auch die sanftesten und frommsten Heiligen.
+
+Auch die leuchtendsten Eigenschaften können nur dann zur Geltung kommen,
+wenn sie sich vom Hintergrund des Gegensatzes abheben, da sie ansonsten
+in all ihrer Pracht keine Beachtung mehr finden. Was würde die Sonne
+sein, wenn ihr nicht die Nacht folgte, und was alles Blühen und Wachsen
+auf Erden, wenn uns nicht die Fröste des Winters mit der zehrenden
+Sehnsucht nach den lauen und milden Lüftelein des Frühlings erfüllen
+würden.
+
+So war auch die Seligkeit der Heiligen im Himmel keine vollkommene; denn
+dieser Prophet war gleich gescheit wie jener Kirchenvater, und dieser
+ehrwürdige Patriarch konnte jenem heiligen Theologen jederzeit das
+Wasser reichen. Und jene Einsiedler der Wüste hatten schon während ihres
+Erdenwallens in ihrer Weltabgeschlossenheit so viel überflüssige Zeit
+gehabt, um über alle großen Probleme nachzudenken, daß sie mit dem
+Vorrat ihrer Gescheitheit für alle Ewigkeiten auslangten.
+
+So bedeutete keiner für den anderen etwas Neues und noch nicht
+Dagewesenes. Und wenn einer zu der abgrundtiefsten Weisheit den Mund
+auftat, so konnte er sicher sein, daß sie der andere schon wußte. Es
+gibt aber nichts Ärgerlicheres, als wenn man nie einen Hauptsatz sagen
+kann, ohne daß der andere sofort den Nebensatz ergänzet. Das kann den
+Geduldigsten mit der Zeit zur Verzweiflung bringen.
+
+So war es denn im Himmel allmählich gekommen, daß die meisten Heiligen
+überhaupt nichts mehr sprachen, sondern sich in undurchdringliches
+Schweigen hüllten. Deshalb war es mit der himmlischen Unterhaltung immer
+schlechter bestellet.
+
+Da ereignete sich eines Tages das Wunderbare, daß ein Heiliger plötzlich
+einen Gedanken äußerte, von dem die anderen keine blasse Ahnung gehabt
+hatten. Welcher Heilige das war, das zu erforschen ist auch der größten
+Mühe und Sorgfalt leider nicht gelungen.
+
+Es war aber ein Heiliger, der völlig unvermittelt in den kräftigen Ruf
+ausbrach: »Himmel, Herrgott, Sakrament und alle Heiligen! Wenn wir nur
+endlich einen dummen Heiligen unter uns hätten! Aber schon einen so
+saudummen, strohdummen und erzblöden Heiligen! Das wär' eine Gaudi!«
+
+Brausender Jubel erhub sich ob dieser Worte. Sie wirkten wie eine
+Erlösung aus großer Drangsal.
+
+Alsogleich wurde eine feierliche Botschaft an den lieben Gott
+abgeordnet, deren Sprecher natürlich jener Heilige war, der den
+himmlischen Einfall gehabt hatte.
+
+Der liebe Gott ging gerade auf der Himmelswiese spazieren, als sich ihm
+die Botschaft der Heiligen in aller Ehrfurcht näherte. »Ja, was ist denn
+heut' los?« frug der liebe Gott mit seinem gütigsten Lächeln. »Ihr
+schaut's ja alle aus, als wenn euch die Hennen das Futter vertragen
+hätten. Paßt euch vielleicht was nicht da im Himmel heroben?«
+
+Da sagte der Sprecher: »Halten zu Gnaden, Eure göttliche Majestät, etwas
+fehlet uns wirklich noch zu unserer himmlischen Seligkeit. Wir sind uns
+alle miteinander viel zu gescheit und wissen dahero nichts Rechtes mehr
+miteinander anzufangen. Und so möchten wir untertänigst gebeten haben,
+daß Eure göttliche Majestät gnädigst geruhen, unserm heiligen Konzilium
+auch einmal einen dummen Heiligen einzuverleiben. Je dümmer, desto
+besser. Mindestens so dumm, als Eure göttliche Majestät allmächtig sind.
+Den größten Trottel und Teppen, das ärgste Kamel, den ausgemachtesten
+Esel, das riesigste und erlesenste Rindviech, das gefunden werden kann.
+Auf dieser glänzenden Folie des Kontrastes wird sich dann unsere
+Gescheitheit so überwältigend abheben, daß sie uns nicht mehr als etwas
+Alltägliches erscheinet. Und der himmlische Humor, der sehr zu versauern
+drohet, wird dann neue und ungeahnte Blüten treiben!«
+
+Da lachte der liebe Gott in seiner Allgütigkeit so gewaltig, da es nur
+so donnerte und daß vor dem schallenden Gelächter ein paar Dutzend
+Engelein aus dem Gezweige der Bäume auf die Himmelswiese purzelten, sich
+im Grase wälzten und fröhlich aus ihren jungen Kehlen mitlachten.
+
+Der liebe Gott aber sprach: »Wenn euch nur das zu eurer vollkommenen
+himmlischen Seligkeit mangelt, dann hoffe ich, euch euren Wunsch
+erfüllen zu können. Denn ich glaube, daß es meiner Allmacht gelungen
+ist, unter den Milliarden meiner Geschöpfe irgendwo einen so blitzdummen
+Kerl zu erschaffen, der euch Genüge leisten kann. Es handelt sich jetzt
+nur darum, dieses hervorragende und illustre Rindviech zu finden.
+Alsodann müßet ihr euch nur noch gedulden, bis besagtes Hornvieh seine
+irdischen Tage vollendet hat und eurer auserlesenen Korona im Himmel
+beigesellet werden kann. Da jedoch Erdenzeit im Vergleich zu der
+Ewigkeit ein flüchtiger Augenblick ist, wird die Erfüllung eures
+Wunsches nicht lange auf sich warten lassen. Ich will sogleich eine
+himmlische Botschaft entsenden, die euch den dümmsten Heiligen suchen
+soll. Meine drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael will ich mit
+dieser erhabenen Sendung betrauen.«
+
+Der liebe Gott winkte den Abgesandten der Heiligen ihre gnädigste
+Entlassung zu. Diese stimmten einen begeisterten Jubelchor zu seiner
+Lobpreisung an und verbreiteten die Nachricht im ganzen Himmel, daß die
+Bitte gewähret worden war.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Wie die himmlischen Sendboten den heiligen Bürokrazius
+ entdeckten.
+
+
+Die drei Erzengel rüsteten sich auf das Geheiß des lieben Gott zu ihrem
+Flug nach der Erde, um dort unter den übrigen unzähligen Rindviechern
+das größte, ungeheuerlichste und gewaltigste Rindviech zu finden.
+
+Da es sich um eine der feierlichsten Botschaften handelte, wählten sie
+zu diesem Behufe ganz besonders festliche Flügel. Der Erzengel Michael
+zog ein himmelblaues Gefieder an, der Erzengel Gabriel ein rosenrotes
+und der Erzengel Raphael ein smaragdgrünes. Sämtliche Heilige,
+Patriarchen und Propheten geleiteten die drei Erzengel ans Himmelstor
+und sahen mit unendlichem Entzücken, wie sie, in ihren leuchtenden
+Farben zu gewaltigem Fluge ausholend, gegen die Erde niederschwebten.
+
+Nachdem die himmlischen Sendboten ihre Fußstapfen auf die Erde gesetzet
+hatten, mußten sie lange wandern, Wochen und Monate lang, ehe sie ihr
+Ziel erreichten, einen dummen Heiligen zu finden.
+
+Mehrmals glaubten sie schon, den Richtigen entdeckt zu haben. Aber da
+trug es sich immer wieder zu, daß er entweder zu wenig dumm oder zu
+wenig heilig war.
+
+Schon begannen die drei Erzengel an einem Gelingen ihrer Sendung zu
+verzweifeln, als sie eines schönen Tages in eine Ortschaft kamen, wo sie
+erfuhren, daß dort ein heiligmäßiger Mann lebe, der entsetzlich dumm
+sei. Er komme überhaupt nicht aus seinem Gelasse heraus, in dem er Tag
+und Nacht hause.
+
+Die himmlischen Sendboten fanden den Mann in einem düsteren Gewölbe, von
+dem nur ein einziges vergittertes Fenster ins Freie führte. Die Spinnen
+hatten ihre Netze über Ecken und Wände gezogen, und es roch in dem Raume
+gar nicht auferbaulich nach Schimmel, Schmutz und wenig holdseligen
+Düften.
+
+Der heiligmäßige Mann aber hockte auf einem wackeligen Stuhle vor einem
+Tische, der mit ganzen Bergen von Papier und mit dicken Folianten
+bedecket war. Auch die Wände waren rings mit verstaubten Faszikeln
+verstellet. Es herrschte eine Luft zum Ersticken.
+
+Der Bewohner des Gemaches schien sich aber trotzdem recht wohl darinnen
+zu fühlen. Er war unter all dem Papier vergraben wie ein verkrümmter
+Wurm.
+
+Über leibliche Schönheit verfügte er nicht. Er besaß eine riesige
+Glatze, von der nach hinten Strähne ungeordneten Haares in den Nacken
+fielen. Im Gesicht standen ihm die Bartstoppeln, als wenn er mit einem
+Stachelschwein Bruderschaft getrunken hätte.
+
+Das merkwürdigste an seiner Erscheinung war aber seine ungeheure Nase,
+die eher einem schnüffelnden Rüssel, als einem menschlichen
+Riechinstrumente glich. Auch die Ohren waren von so gewaltigen
+Dimensionen, daß sie an die Hörwerkzeuge eines gewissen Grautieres
+erinnerten, das dem Müller Säcke schleppet. Blöde kurzsichtige Augen
+hinter großen Brillen, die immer wieder auf die Rüsselnase
+herunterrutschten, und ein breites Maul vervollständigten die anmutige
+Erscheinung.
+
+Dabei litt der Mann offenbar an einer sehr unangenehmen Krankheit,
+nämlich an der _Krawatitis posterior ascendens_. Keine kriechende Laus,
+keine beißende Wanze und kein springender Floh kann einen sterblichen
+Menschen derart peinigen und zur Verzweiflung treiben, als just die
+_Krawatitis posterior ascendens_, das ist die hinten hinaufsteigende
+Krawattelkrankheit.
+
+Der Mann kritzelte eifrig in seinen Papieren. Dabei hatte er aber
+unausgesetzt einen qualvollen Kampf mit seinem Krawattel zu führen,
+das ihm trotz aller Bemühungen unablässig und heimtückisch gegen den
+Hinterkopf emporkletterte und das er stöhnend und seufzend stets wieder
+in die richtige Lage zu bringen trachtete. Eine Folter, gegen welche die
+Arbeit des Sisyphus oder das Faß der Danaiden ein Kinderspiel ist.
+
+Die himmlischen Sendboten waren auf leisen Sohlen unbemerkt und ungehört
+in das Gemach getreten und sahen dem Mann über die Schultern.
+
+Da entdeckten sie, daß der sonderbare Heilige seit Jahr und Tag über
+alles Buch führte, was um ihn und in ihm vorging. Alles hatte er
+registriert, tabelliert, verzeichnet, aktenmäßig niedergelegt.
+
+In mächtigen Folianten, über die sich der Nasenrüssel schnuppernd und
+wonnevoll schnaufend bewegte, war alles schwarz auf weiß zu finden ...
+wenn irgendwo in der Nähe eine Kuh muhte oder ein Schaf blökte, wenn ein
+Hund bellte oder eine Henne gackerte. Ja, sogar die Geräusche seines
+eigenen Ichs hatte der Mann sorgfältig und aktenmäßig zu Papier gebracht
+... wenn er hustete, nieste, sich räusperte oder spuckte, wenn er
+rülpste oder sich schneuzte oder wenn ihm sonst etwas Menschliches
+widerfuhr. Auch die _Krawatitis_ war in allen auf- und absteigenden
+Phasen und Stadien aktenmäßig festgeleget. Jeder Kuhfladen und jeder
+Roßknödel, deren Fall der Mann von dem beschränkten Gesichtskreise
+seines einzigen Fensters beobachten konnte, fand sich als wichtiger
+Beitrag zur Landwirtschaft protokollarisch aufgenommen. Und jeder derbe
+Fuhrmannsfluch, der gelegentlich einmal in das dumpfe Loch des
+merkwürdigen Heiligen hereinflog, war verewiget als Dokument der
+niedergehenden öffentlichen Sittlichkeit.
+
+Unaufhörlich kritzelte und schnüffelte der heiligmäßige Mann. Noch immer
+hatte er die Eindringlinge nicht bemerkt. Da rief der Erzengel Michael
+begeistert: »Halleluja! Das ist doch der saudummste Kerl, den wir finden
+konnten!«
+
+Dem heiligmäßigen Mann war gerade vorher ein anderer Laut entfahren, den
+er sorgfältig in dem neuesten, seinem eigenen Ich gewidmeten Folianten
+verewigte. Dann fuhr er eilig weiter zu schreiben fort: »Protokollführer
+hört sich soeben als den saudummsten Kerl, den man finden konnte,
+bezeichnen. Provenienz dieser Äußerung noch unbekannt. Zweckdienliche
+Nachforschungen werden sofort eingeleitet.«
+
+Damit drehte er sich auf seinem Stuhle um und wurde seiner Besucher
+ansichtig. Bei dieser jähen Bewegung stieg ihm sein schmieriges
+Krawattel in unergründlicher Bosheit hinten bis an den Rand der Glatze
+empor. Mit einem verzweifelten Ruck führte er es wieder an seinen
+natürlichen Bestimmungsort zurück. Dann herrschte er die Eindringlinge
+an: »Können Sie nicht lesen, was draußen an der Türe steht? Eintritt ist
+nur nach dreimaligem Anklopfen gestattet!«
+
+»Halt's Maul!« meinte der Erzengel Raphael mit einer gewissen
+Gutmütigkeit.
+
+»Was ist das für ein Ton! Sie machen sich der Beleidigung einer
+geheiligten Person schuldig!«
+
+»Ah, geh!« sagte der Erzengel Gabriel freundlich.
+
+»Ich bin eine geheiligte Person!« sprach der heiligmäßige Mann
+großartig.
+
+»So siehst du auch aus!« bestätigte der Erzengel Michael.
+
+Das rüsselnasige und langohrige Stachelschwein hatte sich in seiner
+ganzen Würde erhoben und stand nun in seinen bodenscheuen Hosen bebend
+vor Empörung und in seinem abgetragenen schwarzen, ins Grünliche
+schillernden Rocke schlotternd vor Entrüstung vor seinen ungebetenen
+Besuchern. »Was wollen Sie hier? Schauen Sie, daß Sie hinauskommen!«
+schrie er.
+
+»Tu dich nur nicht hinaufregen!« sagte der Michael lächelnd.
+
+»Vor allem verbitte ich mir das Duzen!« brüllte der sonderbare Heilige.
+
+»Du kannst ja Sie zu uns sagen, wenn's dich freut!« meinte der Gabriel
+nachgiebig. »Wir haben aber zu einem Hornvieh noch nie Sie gesagt.«
+
+Das heiligmäßige Stachelschwein schnaufte vor Wut: »Nun hab' ich's aber
+satt! Wollen sich die Herren legitimieren! Wer sind Sie?«
+
+Da entgegnete der Gabriel ungemein sanft: »Wir sind eine himmlische
+Botschaft: Erzengel Michael, Erzengel Gabriel und Erzengel Raphael.«
+
+»Das könnte ein jeder sagen!« kam es von den Lippen des schnüffelnden
+Rüsseltieres, das einen fortwährenden stummen Kampf mit dem scheußlichen
+_Perpetuum mobile_ seiner Krawatte führte.
+
+»Es ist aber so! Und du hast es zu glauben! Verstanden!« erklärte der
+Michael mit großer Bestimmtheit.
+
+»Ausweis!« schnauzte das eselohrige Stachelschwein. »Wo haben Sie Ihren
+Paß?«
+
+»Wir haben keinen Paß!« antwortete der Gabriel.
+
+»Wir brauchen keinen Paß!« erklärte der Raphael.
+
+»Waaaaaaas?« Die Krawatte stieg dem Rüsseltier vor heiliger Entrüstung
+über die Ohren empor. »Sie haben keinen Paß? Und Sie wagen es ... Keinen
+Paß? Da sind Sie ja ein ganz gewöhnliches Gesindel! Jeder anständige
+Mensch hat seinen Paß!«
+
+»Fixstern! Laudon! Element! und alle vierzehn Nothelfer!« rief da der
+Erzengel Michael, dem der Geduldsfaden riß. »Ich werd' dir schon deinen
+Paß geben und das Gesindel! Ich will dich lehren, wie man mit einer
+himmlischen Gesandtschaft redet, du gottverlassener Lümmel du!«
+
+Sprach's und haute dem sonderbaren Heiligen eine himmlische Watschen
+von außerordentlicher Gediegenheit herunter. Der Gabriel und der
+0Raphael wollten nicht zurückstehen und bedachten daher das Rüsseltier
+gleichfalls mit je einer saftigen Mordswatschen.
+
+Zum Erstaunen der drei Erzengel hatte aber diese sehr gründlich
+vermeinte Kur gar keine andere Wirkung, als daß der also Geohrfeigte
+mit einer Art von stumpfsinnigem Mechanismus seine bei dieser Prozedur
+äußerst bedenklich verschobene Krawatte wieder in Ordnung brachte.
+
+Die drei Erzengel waren über den Effekt ihrer Handlungsweise entschieden
+verdutzt. »Mir scheint ...« sagte endlich der Michael »... der hat die
+Watschen gar nit g'spürt.«
+
+»Am End' hat er gar kein Hirn im Schädel!« mutmaßte der Gabriel.
+
+»So was ist mir auch noch nie untergekommen!« meinte der Raphael.
+
+Da beratschlagten die ob des unerklärlichen Mißerfolges ihrer
+himmlischen Watschen ernstlich verblüfften drei Erzengel, wo der
+merkwürdige Heilige eigentlich seinen Verstand und mit ihm seine
+sonstigen geistigen Fähigkeiten sitzen hatte.
+
+Sie packten ihn dahero nicht mit zärtlichen Engelshänden, sondern mit
+recht fühlbaren und kräftigen irdischen Pratzen an und wendeten das
+sich verzweifelt wehrende, fauchende, schimpfende, protestierende und
+drohende rüsselnasige Stachelschwein nach allen Richtungen seiner
+ehrwürdigen Leiblichkeit. Nach rechts und nach links, nach oben und
+nach unten, nach vorn und nach hinten.
+
+Als sie endlich bei der Besichtigung der Hinterfront angelangt waren,
+legten sie den zappelnden Heiligen ohne viel Federlesen über den Tisch,
+quer über die Folianten und Papierwülste.
+
+Der Gabriel und der Raphael hielten ihn fest, daß er sich nicht mehr
+rühren konnte. Der Erzengel Michael jedoch, der am meisten Kraft und
+Lust zum Dreinschlagen unter der himmlischen Botschaft besaß, ergriff
+ein stählernes Lineal, das an einer Seite des Tisches an einem Nagel
+baumelte.
+
+Er ließ es zuerst ein paarmal durch die Luft sausen, als wenn er sein
+feuriges Schwert erproben wollte. Dann linierte er mit peinlicher
+Gewissenhaftigkeit, jeden Streich sorgfältig zählend, dem schreienden
+Rüsseltier die vorschriftsmäßigen und üblichen Fünfundzwanzig auf seinen
+Allerwertesten.
+
+Dabei begleitete er jeden Streich mit auferbaulichen Sprüchlein, wie:
+»Hier hast du deinen Paß!... Ich werde dir schon das Gesindel
+anstreichen!... Weißt du jetzt, was Anstand ist, du erzinfamer
+Lümmel du!«
+
+Unter ähnlichen zarten Aufmerksamkeiten, welche die Arbeit des Erzengels
+begleiteten, floß sie munter fort.
+
+Schon bei den ersten Streichen begann der sonderbare Heilige zu brüllen,
+als ob er am Spieße stecken würde.
+
+»Aha! Da spürt er was!« sagte der Gabriel triumphierend.
+
+»Versohl' ihn nur ordentlich!« munterte der Raphael den Michael auf.
+
+»Ich protestiere gegen die tätliche Beleidigung und Verletzung meines
+edelsten Teiles!« brüllte da der verprügelte Heilige in ohnmächtiger
+Wut.
+
+»Mir scheint, wir haben ihn am richtigen Fleck erwischt!« sagte der
+Michael.
+
+»Der hat offenbar seinen Verstand im Sitzfleisch!« meinte der Gabriel.
+
+»Und alle sonstigen geistigen Eigenschaften auch!« ergänzte der Raphael.
+
+»Hören Sie auf! Ich bitte Sie um aller Heiligen willen, hören Sie auf!«
+winselte jetzt das Rüsseltier in den kläglichsten Tönen.
+
+»Fünfzehn, sechzehn, siebzehn!« zählte der Erzengel Michael kaltblütig.
+»Nur Geduld! Es ist gleich vorüber!«
+
+»Das halte ich nicht mehr aus! Ich muß gehorsamsten Protest erheben. Sie
+zerstören mir ja mein ganzes Denkvermögen! Wie soll ich da weiter meine
+heiligen Pflichten erfüllen!« jammerte das verprügelte Rüsseltier,
+während sich der Erzengel in seiner erzieherischen Tätigkeit nicht irre
+machen ließ.
+
+»Hilfe! Ich gebe meinen Geist auf! Hilfe! Hilfe!« flehte der merkwürdige
+Heilige.
+
+»Wahrhaftig! Der denkt mit dem Gesäß!« rief der Raphael in endgültiger
+Erkenntnis.
+
+»Dann haben wir den Richtigen gefunden!« erklärte der Gabriel.
+
+»Dreiundzwanzig, vierundzwanzig, fünfundzwanzig!« zählte der Michael.
+
+Damit ließen sie den sonderbaren Heiligen los. Der rutschte eilig vom
+Tisch herunter, hielt sich mit beiden Händen sein Hinterteil, verbeugte
+sich immer wieder untertänigst, machte einen Kratzfuß nach dem anderen
+und sagte mit sauer-süßer Miene: »Gehorsamster Diener! Wollen die
+Herrschaften nicht Platz nehmen? Womit kann ich den Herrschaften
+dienen?«
+
+Die himmlische Botschaft ließ sich auf drei bereitgestellten Stühlen
+nieder. Und der Michael sprach zu dem plötzlich demütigen Heiligen:
+»Nach dieser gedeihlichen Stärkung deines Auffassungsvermögens teile ich
+dir mit, daß du zu einer erhabenen Mission ausersehen bist. Du sollst
+die Menschen mit deiner grenzenlosen Dummheit beglücken. Du sollst der
+dümmste Heilige werden, der je in einem Kalender gestanden hat.«
+
+»Gehorsamster Diener! Gehorsamster Diener!« katzenbuckelte der neue
+Heilige. »Das hätten die Herrschaften ja gleich sagen können.«
+
+»Vor allem künde uns deinen erhabenen Namen!« fuhr der Erzengel Michael
+fort.
+
+»Gehorsamster Diener, die Herrschaften! Man nennet mich den
+Bürokrazius.«
+
+»Ausgezeichnet!« sagte der Erzengel Michael und erhob sich. »Ein
+herrlicher, ein eindrucksvoller und ungemein heiliger Name. Der hat uns
+gerade noch gefehlt. Darüber wird sich der ganze Himmel freuen und alle
+Rindviecher auf Erden. O Sankt Bürokrazius, erachte dich also mit den
+gewissenhaft aufgezählten Fünfundzwanzig zum Heiligen geschlagen! Das
+notwendige äußere Attribut deiner neuen Würde werde ich dir sofort
+verleihen.«
+
+Damit griff der Erzengel in sein Gewand, zog daraus einen
+funkelnagelneuen und frisch geputzten Heiligenschein hervor und setzte
+ihn dem Bürokrazius, der sich noch immer denjenigen schmerzenden Teil
+seines heiligen Leibes rieb, mit dem er dachte, auf die mächtige Glatze.
+Die eselslangen Ohren ragten zwar noch ein Stück über den Heiligenschein
+hinaus, und das Krawattel wurde plötzlich so neugierig, daß es bis an
+den Rand des Scheines emporstieg ... aber das tat der Leuchtkraft des
+Heiligenscheines keinen Eintrag.
+
+»Und jetzo, heiliger Sankt Bürokrazius,« sprach der Erzengel Michael
+feierlich, »wisse, daß du die Erde beherrschen wirst. Du wirst mächtiger
+und angesehener sein als alle Heiligen des Himmels zusammen. Du wirst
+deshalb der Herr über die menschliche Dummheit sein, weil du noch dümmer
+bist, als die Dümmsten unter den Menschen. Dahero wird deine heilige
+Dummheit von den Menschen angebetet werden als überirdische Weisheit.
+Behalte deinen Verstand ja im Sitzfleisch! Denn an jeder anderen
+Körperstelle würde es dir schweren Schaden bringen. Bewahre deine
+heilige Würde stets ungeschmälert! Krieche nach oben und tritt nach
+unten! Du hast heute deine Probe nach dieser Richtung vortrefflich
+bestanden. Denn wisse, jede aufgeblasene Würde kriecht, wenn sie gehörig
+verprügelt wird und ihren Herrn und Meister findet. Wenn du aber neuer
+himmlischer Eingebungen für die Ausübung deines heiligen Berufes
+bedarfst, dann setze dich kräftig auf denjenigen Teil deines heiligen
+Leibes, wo du den Verstand hast. Setze dich lange darauf, und setze dich
+ausdauernd darauf und denke mit seinem ganzen heiligen Umfang nach! Und
+es wird dir die Erleuchtung kommen!«
+
+Längst waren die beiden anderen Erzengel bei dieser feierlichen Rede von
+ihren Sitzen aufgestanden. Da erhub der Erzengel Michael seine Hände und
+brach singend und lobpreisend in die Worte aus, in welche auch die
+Erzengel Gabriel und Raphael im himmlischen Jubel mit einstimmten ...
+»_Habemus novum sanctum ... Sanctum Bürokrazium ... Stultissimum omnium
+sanctorum ... Bovem maximum totius orbis ... Asinum electum et egregium
+... Jubilate coeli et terra!_«
+
+Mit diesem Gesang verschwanden die Erzengel vor den Augen des neuen
+Heiligen.
+
+Der heilige Bürokrazius verbeugte sich tief und griff sich wiederholt an
+den noch immer furchtbar schmerzenden Sitz seines Verstandes.
+
+Die _Krawatitis posterior ascendens_ langte in heimtückischer Bosheit
+nach seinem Heiligenscheine.
+
+»Gehorsamster Diener!« sagte der heilige Bürokrazius, in Untertänigkeit
+schier ersterbend.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Wie der heilige Bürokrazius auszog, um die Welt
+ zu beglücken.
+
+
+Nachdem der heilige Bürokrazius die himmlische Botschaft mit der in dem
+vorhergehenden Hauptstück geschilderten Feierlichkeit empfangen hatte,
+verbrachte er noch sieben Tage und sieben Nächte in seiner Behausung.
+
+Diese Zeit brauchte er notwendig, um alle die ihm widerfahrenen
+überirdischen Gnaden eingehend zu Protokoll zu bringen.
+
+Er arbeitete schier ununterbrochen Tag und Nacht und machte dabei
+bedeutende Ersparnisse in der Beleuchtung. Denn während er früher
+erkleckliche Ausgaben für Kerzen aufzuwenden hatte, leuchtete ihm jetzo
+sein Heiligenschein völlig umsonst. Und das war ein so mildes Licht, daß
+der heilige Protokollführer unwillkürlich vieles in einem anderen Lichte
+erblickte.
+
+Während er anfangs geneigt war, unterschiedliche Einzelheiten des
+himmlischen Besuches einer scharfen Kritik zu unterwerfen und mit
+geharnischten Protesten zu begleiten, wurde er in dem Lichte des
+Heiligenscheines rasch zu einer anderen Auffassung bekehret und sah
+alles, was ihm begegnet war, in einer verklärten Beleuchtung.
+
+Es ist dahero von den drei ausgiebigen Watschen und von den
+fünfundzwanzig Streichen in den Aufzeichnungen des heiligen Bürokrazius
+nichts zu finden. Wir lesen lediglich von himmlischen Winken und
+Eingebungen, die ihm geworden waren.
+
+Indes er jedoch die sieben Tage und sieben Nächte mit unermüdlicher
+Emsigkeit schrieb, wurde er allerdings an die Folgen dieser himmlischen
+Winke gar oft in recht irdischer Weise erinnert. Er mußte doch beim
+Schreiben auch denken. Und zum Denken brauchte er notwendig jenes Organ,
+wo er den Verstand sitzen hatte.
+
+Besagtes Organum war jedoch _in memoriam_ der himmlischen Winke über und
+über mit großen Beulen, Schrammen und Schwielen bedecket und schmerzte
+ihn fürchterlich. Derohalben war auch seine protokollarische Arbeit
+keine kleine Anstrengung. Denn das Denken bereitete ihm unerhörte
+Beschwerden.
+
+Als er solchergestalt drei Tage und drei Nächte mit der größten
+Beharrlichkeit trotz der gräßlichsten Pein, die ihn nicht nur zum
+Heiligen, sondern auch zum Märtyrer stempelte, unausgesetzt gedacht und
+gearbeitet hatte, kam der heilige Bürokrazius auf einen erlösenden
+Einfall.
+
+Er füllte ein großes Schaff mit Wasser und stellte dasselbe neben den
+Tisch, an dem er schrieb. Wenn die Qualen des Denkens fast unerträgliche
+wurden und die Leistungsfähigkeit seines Verstandes unter den Spuren der
+himmlischen Denkzettel und Gunstbezeigungen zu erlahmen drohte, dann
+setzte sich der Heilige mit demjenigen Teile seines heiligen Leibes, der
+seinen Verstand trug, in das Wasserschaff und suchte dort Kühlung. Die
+Wirkung war eine wunderbare. Regelmäßig wurde ihm der Segen der kühlen
+Denkungsart zuteil.
+
+So entstand unter den Wirkungen des heiligen Schaffes und unter dem
+milden Lichte des Heiligenscheines jener erstaunliche Bericht von der
+Sendung des heiligen Bürokrazius, welchen der Schreiber dieser Legende
+leider nicht wiedergeben kann, da er allein den hundertfachen Umfang
+haben würde, als dem Legendenschreiber Raum verstattet ist. Dafür will
+er aber einem geneigten Leser noch weiter von dem heiligen Schaff
+erzählen, das er gerade früher erwähnet hat.
+
+Es handelt sich wirklich um ein heiliges Schaff. Das Wasserschaff,
+in welches der heilige Bürokrazius die erhabene Denkerstirne seines
+Stiefgesichtes tauchte, ist seitdem eine Reliquie geworden, welche
+allseitige Verehrung genießet. Es kann dahero mit Fug und Rechten von
+dem heiligen Schaff gesprochen werden.
+
+Es finden gemeiniglich noch immer große Wallfahrten zum Schaff des
+heiligen Bürokrazius statt. Naturgemäß und insonderheit sind es die
+Jünger des heiligen Bürokrazius, die in allen Bedrängnissen und
+Verlegenheiten ihres Daseins zu dieser Reliquie pilgern und gleich wie
+weiland der heilige Bürokrazius anselbsten ihre erhabenen Denkerstirnen
+in sie tauchen, um mit unergründlicher Weisheit von ihr begnadigt zu
+werden.
+
+Wenn dahero im Geiste des heiligen Bürokrazius so hochweise und
+unergründlich tiefe Verfügungen erscheinen, daß sie überhaupt niemand
+verstehet, so kannst du, geneigter Leser, darauf schwören, daß sie ihren
+Ursprung einer Wallfahrt zum Schaff des heiligen Bürokrazius verdanken.
+Und das ist gut so. Denn würden besagte Verfügungen von jedem gemeinen
+Kerl verstanden werden, dann würden sie ihr ganzes Ansehen einbüßen. Je
+blödsinniger sie dem gemeinen Verstande erscheinen, um so heiliger und
+ehrwürdiger sind sie.
+
+Murret derohalben nicht wider das, was ihr nicht verstehet und nicht zu
+beurteilen vermöget. Sondern seid vom heißesten Danke erfüllet gegen
+jene heilige Reliquie, so den Jüngern des heiligen Bürokrazius stets
+wieder neue Auffrischung ihres Verstandes verleihet. Denn wohin wären
+sie sonst geraten! Sie hätten euch mit klaren Verfügungen bedacht, und
+ihr hättet sie derohalb mißachtet, da ihr euch eingebildet hättet,
+sotane Verfügungen seien auch nicht gescheiter wie ihr selber, zum
+mindesten aber gleich dumm wie ihr.
+
+Diese Abschweifung möge verziehen werden. Sie ist nur ein Beweis, wie
+unermeßlich das Material für eine ausführliche Beschreibung des Lebens
+und der Taten unseres Heiligen ist. Diese bescheidene Legende ist daher
+nur ein winziger Auszug, ein _extractum minimum_ aus der unermeßlichen
+Fülle von Geschehnissen, die mit dem heiligen Bürokrazius in innigster
+Beziehung stehen.
+
+Wenn der ganze Erdboden lauter Papier wäre und das große, tiefe Meer
+lauter Tinte und alle spitzigen Gräslein lauter Federn und alle
+lebendigen Geschöpfe bis herab zur kleinsten Gewandlaus lauter
+Schreiber, die bis auf den jüngsten Tag schreiben würden, so könnten sie
+noch immer nicht den tausendsten Teil der Glorie des heiligen
+Bürokrazius erschöpfen.
+
+Nunmehro aber begleiten wir ihn weiter auf seinen Wegen. Nachdem er das
+Protokoll über seine himmlische Sendung vollendet und sorgfältig
+verschlossen hatte, betrat er im Bewußtsein seiner neuen Würde das
+Freie.
+
+Sein Erscheinen erregte unter den Menschen berechtigtes Aufsehen. Wenn
+ihr aber etwan glauben solltet, daß seine wenig liebliche Leibesgestalt
+ihm Schaden gebracht habe, dann irret ihr euch gewaltig. Gleichwie in
+einer ungestalten Muschel eine herrliche Perle verborgen sein kann, so
+kann auch unter Rüsselnasen und Eselsohren ein großer Heiliger stecken.
+Wie denn auch ein kostbarer silberner Becher in dem schlechten, rupfenen
+Getreidesack des Benjamin gefunden wurde.
+
+Und erinnert euch nur der vielen großen Männer, die häßlich von Ansehen
+waren. Der römische Galba hatte einen Buckel, so hoch, daß man hätte
+können ein Schilderhäusl darauf bauen, und war trotzdem ein
+unvergleichlicher Wohlredner. Aesopus hatte ein solches Larvengesicht,
+daß auch die Rinde am Eichbaum seinem Fell fast an Schönheit vorzuziehen
+war, und gleichwohl war er der witzigste Mann zu seiner Zeit. Quintus
+Fabius Maximus, der römische Feldherr, hatte eine so große ungestalte
+Warzen auf seiner Oberlippe, daß sie ihm schier wie ein Dachel über den
+Freßladen hing, und dennoch war er der allerfürtrefflichste Mann.
+Philippus von Mazedonien, Hannibal von Karthago, Sertorius Hispanus sind
+einäugig gewesen. Henricus der Zweite, der Kaiser, war krumm, und
+Godefridus der Zweite, Herzog von Austrasien, war kropfet, und doch sind
+sie alle die lobwürdigsten Herren gewesen.
+
+Habt ihr aber von einem dieser Herren gehöret, daß er einen
+Heiligenschein trug? Das habt ihr nicht gehöret. Und trotzdem hat in
+ihrer häßlichen Leiblichkeit ihr Geist den Sieg davongetragen.
+
+Um wie viel mehr mußte der heilige Bürokrazius den Menschen verkläret
+erscheinen! Wie mußten im milden Lichte seines Heiligenscheines seine
+Eselsohren und sein Nasenrüssel verschwinden! Wie mußten seine blöden
+Augen in diesem Scheine von Geist leuchten und sein breites Maul von
+Weisheit triefen! Ja selbst das heimtückische Krawattel vermochte seinem
+Ansehen nicht dauernd zu schaden.
+
+Je mehr der heilige Bürokrazius sich von seiner Behausung entfernte,
+desto deutlicher erkannte er, wie bei den Menschen alles im argen lag.
+Die Menschen wurden weder numerieret, noch registrieret, auch nicht
+volksgezählet oder irgendwie sonst eingetragen. Sie besaßen keine
+Ausweispapiere. Sie lebten sorglos und harmlos dahin. Sie waren im
+Grunde nicht gescheiter, als sie es heute auch sind. Aber niemand
+belästigte sie in ihrer Dummheit.
+
+In diese beispiellose Wildnis menschlicher Verkommenheit trat der
+heilige Bürokrazius mit dem ganzen flammenden Fanatismus seiner Sendung.
+Er eiferte allerorten gegen den unerhörten Skandal, daß die Menschen
+sich erfrechten, geboren zu werden und zu leben ohne die genaueste
+aktenmäßige Behandlung.
+
+Der Schematismus sei das Höchste auf Erden, predigte der Heilige. Ohne
+Schematismus gebe es überhaupt kein Gedeihen. Alles müsse auf bestimmte
+Formulare gebracht werden. Und wer sich gegen den Schematismus und gegen
+die Formulare versündige, der sei ein Feind der Menschheit. Zu denken
+brauche das verehrliche Publikum überhaupt nicht. Das sei seine,
+des heiligen Bürokrazius, Sache. Er allein habe das Privilegium,
+schematisch, protokollarisch, aktenmäßig und nach ganz bestimmten
+Formularien in einer möglichst genau geregelten Verblödung zu denken.
+
+Da die Menschen, wie der Schreiber dieser Legende in einer
+eindringlichen Fastenpredigt bewiesen hat, die allergrößten Rindviecher
+sind, begrüßten sie es mit tausend Freuden, daß da plötzlich mitten in
+ihrem beschaulichen Erdenwallen ein großer Heiliger erschien, der ihnen
+sogar das Denken ersparen und auf seine heiligen Schultern nehmen
+wollte.
+
+Wozu hätte der seltene Mann auch seinen Heiligenschein besessen. Der
+ließ ihn ja von vorneherein als eine vertrauenswürdige Persönlichkeit
+erscheinen, der man seine ferneren Schicksale anheimgeben konnte.
+
+So gelang es dem heiligen Bürokrazius in verhältnismäßig kurzer Zeit,
+die Menschen von der Richtigkeit und Gottwohlgefälligkeit seiner Sendung
+zu überzeugen.
+
+Er war überall. Es gab keinen noch so versteckten Winkel, in den er
+seine rüsselförmige Nase nicht schnüffelnd hineinsteckte. Und es gab
+kein noch so verstecktes Geheimnis, das seine langen Eselsohren nicht
+erlauschten.
+
+Dadurch errang er sich ein fast göttliches Ansehen. Denn die Menschen
+begannen zu begreifen, daß sie seiner Macht widerstandslos ausgeliefert
+waren, nachdem sie sich mit Vergnügen damit abgefunden hatten, ihm das
+Denken zu überlassen.
+
+Und der heilige Bürokrazius dachte und dachte. Er dachte unablässig auf
+seine Weise. Die Früchte zeigten sich auch alsobald und auf dem ganzen
+Erdkreise.
+
+Alle seine großen Ideen vermochte der Heilige während seines
+Erdenwallens durchzusetzen; denn die menschliche Dummheit und sein
+eigener Blödsinn waren ihm die mächtigsten Bundesgenossen.
+
+Wenn der Schreiber dieser Legende auch mit den folgenden Zeilen die
+größte und unermeßlichste Tat des heiligen Bürokrazius vorwegnimmt und
+damit der Darstellung der Ereignisse vorgreift, so kann er doch in
+seiner hellen Begeisterung für den größten und dümmsten Heiligen nicht
+umhin, schon an dieser geweihten Stelle von der umwälzendsten Idee des
+heiligen Bürokrazius zu berichten, die allen seinen großen Ideen, mit
+denen er die Welt beglückte, die Krone aufsetzte.
+
+Mit welcher seltenen Schärfe der heilige Bürokrazius dachte, darauf
+hinzuweisen fand sich schon mehrfach die Gelegenheit. Und gerade aus
+dieser ganz speziellen Eigenart des Denkens, durch die er vor der
+übrigen Menschheit einen wesentlichen und nicht zu unterschätzenden
+Vorsprung hatte, wurde ihm die große Aktion zur Regelung des
+menschlichen Stoffwechsels eingegeben.
+
+Seine heilige Fürsorge erstreckte sich in nimmermüdem Eifer auch auf
+jene beschaulichen und idyllischen Stätten, welche der Mensch bei
+gesunder körperlicher Verfassung in regelmäßigen Zwischenräumen behufs
+Bereicherung der Landwirtschaft aufzusuchen pfleget.
+
+Der heilige Bürokrazius führte eigene Pässe für das Betreten oben
+angedeuteter Örtlichkeiten ein, die den jedesmaligen Vermerk einer
+Einreisebewilligung und einer Aufenthaltsbewilligung an den Stätten
+besagter landwirtschaftlicher Berufstätigkeit enthalten mußten.
+Natürlich war auch der Aufenthalt zeitlich genau geregelt.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Wie der heilige Bürokrazius den Amtsschimmel fand und
+ sich beritten machte.
+
+
+Schon in der ersten Zeit seines Erdenwallens stellte es sich heraus, daß
+der heilige Bürokrazius seinen Kräften zu Gewaltiges zumutete. Er ging
+in seinem heiligen Eifer überallhin zu Fuße.
+
+Dieser heilige Grundsatz des Wanderns _per pedes apostolorum_ sollte
+sich aber bald bitter rächen; denn er verschaffte dem Heiligen die
+unangenehme Erscheinung von qualvollen Hühneraugen, über die in einem
+späteren Hauptstücke noch Wundersames zu lesen ist.
+
+Hier wollen wir uns nur mit dem Berichte bescheiden, daß diese
+Hühneraugen des heiligen Bürokrazius zum mindesten eine unmittelbare
+Ursache für die Auffindung des Amtsschimmels durch den Heiligen wurden.
+
+Je gräßlicher die Tortur der Hühneraugen sich auswuchs, desto klarer und
+deutlicher kam der gemarterte Heilige zu der Überzeugung, daß ihm in
+diesem verzweifelten Falle nur mehr durch eine himmlische Eingebung
+geholfen werden könne. Er erinnerte sich dahero des wohlmeinenden Rates,
+den ihm der Erzengel Michael erteilt hatte ... er möge sich, wenn er
+neuer himmlischer Eingebungen zur Ausübung seines heiligen Berufes
+bedürfe, auf den Sitz seines Verstandes niederhocken und tief
+nachdenken.
+
+Das tat denn auch der heilige Bürokrazius. Er hockte sich zehn Tage und
+zehn Nächte hin und dachte eifrig nach, dabei die himmlische Eingebung
+erwartend. Er schlief, wenn er vom Denken erschöpft war, auch in
+sitzender Stellung, um die Eingebung des Himmels ja nicht zu verpassen.
+
+In anderen Heiligenlegenden werden diese Offenbarungen von oben den
+Heiligen vielfach in schlafendem Zustande durch wunderbare Traumgesichte
+kundgetan. Es muß jedoch hier ausdrücklich festgestellet werden, daß
+dies beim heiligen Bürokrazius nicht geschah.
+
+Er erlebte die himmlische Stimme vollkommen wach und munter am Morgen
+des eilften Tages. Als er von dem vielen Nachdenken und Harren schon
+etwas müde und abgespannt zu werden begann, da erhub sich auf einmal
+eine gewaltige innere Stimme in ihm, die auffällig der Stimme des
+Erzengels Michael glich und dem Heiligen sofort ein erinnerungsvolles
+Jucken und Beißen verursachte.
+
+Die innere Stimme aber sprach: »Rindviech, g'selchtes! Was laufst denn
+alleweil auf deine Plattfüß' umeinander! Oder glaubst du vielleicht, daß
+so ein hatschender Heiliger dem Publikum auf die Dauer imponieren wird?
+Da bist aber ang'schmiert!«
+
+»Was soll ich denn tun?« frug der heilige Bürokrazius kläglich.
+
+Da sprach die Stimme: »Schau dir um ein Roß und reit'!«
+
+»Aber ich kann ja gar nicht reiten!« wandte der Heilige bescheiden ein.
+
+»Wirst es schon erlernen!« erwiderte die Stimme von oben. »Wir haben
+ohnedies schon einen berittenen Heiligen. Denselbigen, der seinen Mantel
+auseinanderschneidet und mit dem Bettler teilet. Wirst ihn schon gesehen
+haben. Ein sehr respektabler Heiliger. Also kommt es uns auf ein
+heiliges Rindviech zu Pferd auch nicht mehr drauf an!«
+
+»Ja, wo soll ich denn ein Roß hernehmen und nicht stehlen?« frug der
+Heilige verzagt.
+
+»Mußt halt ein Roß finden, das sonst kein anderer brauchen kann!« sagte
+die Stimme des Erzengels. »Ein gewöhnliches Roß ist freilich für dich
+nicht erschaffen. Du mußt ein ganz außerordentliches Roß finden. Du
+darfst jetzt nicht beleidigt sein über das, was ich dir sage. Du wirst
+ja noch wissen, warum du mit aller gebührenden Feierlichkeit zum
+Heiligen geschlagen wurdest. Dahero mußt du auch das dümmste Roß auf
+Gottes Erdboden finden. Dasselbige ist sodann dein Roß. Auf ihm wirst du
+reiten können. Und es wird dich gutwillig tragen. Sonst wäre es ja nicht
+das dümmste Roß. Denn jedes andere Roß, das nicht mindestens so dumm ist
+wie du selber, wird dich unter aller Bedingung abwerfen, dieweilen es
+keinem Vieh einfällt, ein noch dümmeres Vieh zu tragen, als es selber
+ist. Wenn es dir jedoch gelingt, dieses dümmste Roß zu finden, dann
+wirst du in aller Herrlichkeit prangen. Denn du mußt es begreifen, daß
+die berittene Dummheit noch viel siegreicher ist als unberittene
+Hühneraugen!«
+
+Sprach's, und die Stimme verschwand aus dem Inneren des Heiligen. Er war
+nun wieder auf sich selbst gestellet und mußte seine eigenen Entschlüsse
+fassen. Der Rat des Erzengels erschien ihm jedoch als wahrhaft
+himmlisch. Wenn er sich vorstellte, wie er hoch zu Roß durch die Welt
+trabte, dann schwoll ihm gewaltig der Kamm. Es galt also, das dümmste
+Roß zu finden.
+
+Lange suchte der heilige Bürokrazius nach diesem seltenen Vierfüßler. Er
+glaubte, der Qual seiner Hühneraugen bereits unterliegen zu müssen, als
+er an einem sonnenhellen Maientage zu einem Stalle kam, in dem ein Roß
+fröhlich wieherte.
+
+Der heilige Mann trat mühselig hatschend ein. Vor die Futterkrippe war
+ein Schimmel gebunden. Just keine Vollblutrasse und auch kein schönes
+Tier. Das störte aber den heiligen Bürokrazius nicht im geringsten,
+dieweilen er das von sich auch nicht behaupten konnte. Er trat an den
+Schimmel heran, an dem man alle Rippen zählen konnte und der überall die
+Beiner aufstellte, daß man ihn auch ganz gut zu einem Hutständer hätte
+gebrauchen können.
+
+Der Schimmel fraß gierig aus der Krippe. Als der Heilige näher zusah,
+hatte der Schimmel lauter Papier in der Krippe, das er mit
+offensichtlichem Behagen verzehrte.
+
+Sintemalen aber alles, was Papier war, für den Heiligen ein wichtiges
+Lebenselement darstellte, sah er auch alsogleich nach, um welches Papier
+es sich handelte. Zu seinem heiligen Entzücken waren es lauter Akten,
+mit denen man den Schimmel fütterte.
+
+»O du heiliges Roß Gottes!« rief der Heilige in himmlischer Verzückung.
+»Durch welches Wunder verzehrest du Akten?«
+
+»Hihihihi!« lachte der Schimmel und drehte sich, lebhaft wiehernd, nach
+dem heiligen Manne um.
+
+Da ersah der heilige Bürokrazius, daß sie dem Schimmel grüne Brillen
+aufgesetzt hatten. Und das Vieh war so dumm, daß es durch die grünen
+Brillen Gras statt Papier zu fressen glaubte. Nunmehro erkannte der
+heilige Bürokrazius, daß er das dümmste Roß auf Gottes Erdboden gefunden
+hatte. Er fiel mit Tränen der Rührung in den Augen dem Schimmel um den
+Hals und gab ihm einen Bruderkuß.
+
+»Hihihihi!« lachte der Schimmel vergnügt und geschmeichelt.
+
+Alsodann hielt ihm der heilige Bürokrazius folgende feierliche
+Ansprache: »O du dümmstes Roß, sei mir gegrüßt! Auf dir werde ich die
+ganze Welt erobern. Denn unsere Dummheit ergänzet sich in der
+wundertätigsten Weise. Wir werden ein Wesen sein, eine Seele und ein
+Gedanke. Und die Menschheit wird uns staunend dahinschreiten sehen und
+wird sich ehrfurchtsvoll vor uns beugen. Und nie sollst du des Futters
+ermangeln. Ich will dich dick und fett mästen. Gott erhalte dir deine
+Dummheit! Und nun, du heiliger Schimmel, du dümmstes Roß Gottes auf
+Erden, deinem Herrn ebenbürtig und zu immerwährendem Dienste zugesellet,
+trage mich hinaus in die Welt!«
+
+»Hihihihi!« lachte der Schimmel geschmeichelt ob dieser Rede.
+
+Der heilige Bürokrazius band ihn von der Krippe los und schwang sich auf
+seinen Rücken. Der Schimmel trug ihn sonder Widerstand, als wenn er das
+von jeher gewöhnet gewesen wäre. So zogen sie beide aus dem Stalle
+hinaus. Der Heilige mit Rüsselnase und Eselsohren, der Schimmel mit den
+grünen Brillen.
+
+Es war ein Anblick, an dem sich Himmel und Erde erfreuen konnten. Und
+die Heiligen auf der Himmelswiese lachten, als sie ihren neuen Gefährten
+dahintraben sahen. Und sie hatten Gesprächsstoff für den ganzen Tag. Das
+war aber nach dem himmlischen Zeitmesser für eine halbe Ewigkeit.
+
+Die Menschen jedoch beugten sich vor dem Heiligen mit seinem Schimmel
+noch mehr als früher. Nun war es nicht nur der Heiligenschein, der ihnen
+Demut und Ehrfurcht einflößte. Es waren auch die grünen Brillen des
+Schimmels. Was mußte das für ein gelehrtes Roß sein, das sogar Brillen
+trug!
+
+»Alles muß nach einem Schema gehen!« verkündigte der Heilige. »Denken
+ist überflüssig! Akten und Formulare sind die höchste Weisheit auf
+Erden!«
+
+»Hihihihi!« lachte der Schimmel in fröhlichem Wiehern. Er konnte auch
+zufrieden sein; denn er hatte seinen Herrn gefunden, der ihn zärtlich
+liebte und pflegte.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Wie der heilige Bürokrazius in dem heiligen
+ Stultissimus seinen ersten Jünger warb.
+
+
+Es ereignete sich nunmehro das Nachfolgende.
+
+Ihr erwartet wohl von dem Schreiber dieser Legende, daß er euch den
+Heiligen in seiner erhabenen Berittenheit hoch zu Roß in langen Exkursen
+abschildert. Das tut er aber nicht. Er läßt sich absichtlich nicht dazu
+verleiten, den himmlischen Anblick des heiligen Bürokrazius auf seinem
+Schimmel auszumalen und zu beschreiben. Und das derohalb, weil er ein
+gewissenhafter Skribent ist und mit dem Lottergesindel der Poeten und
+Maler _alias_ Pinselwascher nichts zu tun haben will. Denn beide,
+die _poetae_ und die _pictores_, haben das Privilegium der Lüge und
+Erfindung.
+
+Dahero schicket sich nichts besser, als wenn ein Poet den Maler zum
+Gevattern bittet; denn _fingere_ und _pingere_ sind die vertrautesten
+Spießgesellen. Das Gehirn der Poeten steckt bekanntlich voll der
+ausgeschämtesten Lügen. Und der Malerpinsel ist auch nicht skrupulös;
+und wenn er schon aus Haaren bestehet, so gehet er dennoch nicht ein
+Haar auf die Wahrheit ...
+
+ _... Pictoribus atque poetis
+ Quilibet audendi semper fuit aequa potestas._
+
+ Dichten können nach Begnügen
+ Alle Maler und Poeten;
+ Dürfen sie doch tapfer lügen,
+ Wann die Wahrheit schon vonnöten.
+
+Sotanes würde aber dem Schreiber dieser heiligen Legende übel genug
+anstehen. Hat er sich bis anhero der purlauteren Wahrheit beflissen,
+wird er sich auch künftighin zu keinen malerischen und poetischen
+Winkelzügen und Umschreibungen verleiten lassen. Wohl aber kann er es
+sich nicht versagen, den heiligen Bürokrazius zur Bereicherung deines
+Wissens, frommer Leser, mit einem anderen gottseligen Manne zu
+vergleichen, der vom Roß herunter ein Heiliger wurde, während der
+heilige Bürokrazius in seiner Demut auf das Roß hinauf kam.
+
+Es handelt sich um den gottseligen Petrus Consalvus in Spanien. Als der
+einst vor einer großen Menge Volkes mit absonderlichem Gepränge auf
+einem stolzen Klepper dahertrabte, fiel er unvermutet in eine wüste
+Kotlacken, worinnen er sich wie in einem Saubade herumgewälzet und einem
+Mistfinken nicht ungleich gesehen, welches dann jedermann zu einem
+ungestümen Gelächter bewogen hat. Er aber nahm wahr, daß ihn die Welt
+also auslachte, entschloß sich augenblicklich, dieselbe hingegen wieder
+auszulachen, trat in einen heiligen Orden und lebte gottselig. Dem hat
+also gleichsam die Kotlacken das Gewissen gesäubert und den Hochmut
+ausgewaschen.
+
+Selbiges hatte der heilige Bürokrazius nicht vonnöten, dieweilen er erst
+in Verzweiflung ob seiner Hühneraugen hoch zu Roß gekommen, demnach nie
+aus Hochmut beritten war. Darum ist es ihm auch niemals widerfahren,
+daß er sich von seinem Schimmel unfreiwillig und von der ganzen Welt
+verlacht hat trennen müssen.
+
+Unbehindert und ohne Kotspritzer ritt er durch die Welt. Und es
+ereignete sich, daß er in seiner erhabenen Berittenheit noch besser
+denken konnte wie früher, als er mit seinen Hühneraugen durch die Welt
+hatschte. Nachdem der Sitz seines Verstandes in unmittelbarer Berührung
+mit dem Schimmel war, dachte der Heilige fürderhin noch leichter. Er
+dachte nach dem Tempo des Amtsschimmels.
+
+Sintemalen jedoch rasches Denken die Tiefe seiner Weisheit nachteilig
+beeinflussen konnte, ließ der Heilige den Schimmel stets in einer sehr
+gemächlichen Gangart dahintrotten. Es eilte ja nicht. Der Heilige hatte
+Zeit, und der Schimmel hatte Zeit, und das liebe Publikum bewunderte den
+heiligmäßigen langsamen und erhabenen Trott des Schimmels.
+
+So ritt denn an einem schönen Sommertage der Heilige, tief versunken in
+seine Gedanken, durch die Welt. Er hörte und sah nichts von seiner
+Umgebung; denn er arbeitete nach dem Trott des Schimmels an einem neuen
+Formular, mit dem er die Menschen beglücken wollte. Er hörte nicht das
+Feilen des Gimpels und die schlagende Halsuhr der Wachtel, nicht das
+gemeine Schleiferliedel der Amsel und das _Te Deum Laudamus_ der Lerchen
+und nicht das Passarello des Stieglitzes. Er sah auch nicht die
+gestickte Arbeit der Wiesen auf ihrem grünsamtenen Teppich, das lustige
+Laubfest der Wälder und des ganzen Erdbodens hochzeitliches Gepränge.
+
+So gab es ihm und seinen Gedanken einen gewaltsamen, plötzlichen und
+jähen Ruck, als der Schimmel auf einmal stehenblieb und lebhaft
+wieherte, als ob er einen alten Bekannten begrüßen würde.
+
+Der Schimmel starrte durch seine grünen Brillen auf einen Kerl, der am
+Wegrande saß, die Erde mit seinem Gewicht beschwerte und nichts anderes
+tat, als daß er dem lieben Herrgott den Tag wegstahl.
+
+Alldieweilen das Denkvermögen und dahero auch die Beobachtungsgabe des
+Heiligen untrennbar von seinem Schimmel geworden war, starrte nunmehro
+auch er auf den fremden Kerl. Der sah aber nicht gerade sehr gepflegt
+aus. Er hatte struppiges Haar und einen verwilderten Bart. Auch wiesen
+seine Kleider so viele Löcher auf, daß man in ihnen keine Maus hätte
+fangen können. Geist stand just nicht in seinem Gesichte geschrieben.
+Dafür guckten ihm aber die großen Zehen beider Füße fürwitzig aus den
+Stiefeln. Wenn der Kerl überhaupt was tat, so war er offenbar damit
+beschäftiget, seine in Gottes freie Luft ragenden Zehen zu betrachten,
+als ob er ihnen besondere Eingebungen verdanken würde.
+
+»Hihihihi!« lachte der Schimmel. Daneben dachte er sich in seinem
+Roßverstand: »Mir scheint, der Kerl ist genau so blöd wie wir beide.«
+
+Der heilige Bürokrazius aber setzte sich auf seinem Schimmel zurecht und
+fragte den fremden Kerl mit vornehmer Gelassenheit von oben herab: »Wo
+haben Sie Ihren Paß?«
+
+»Ha?« sagte der Kerl, der nicht gut zu hören schien.
+
+»Wo Sie Ihren Paß haben?« wiederholte der Heilige sehr bestimmt.
+
+»Was? Paß? Nix Paß!« erwiderte der Kerl.
+
+»Was? Sie haben keinen Paß?« schnaubte der Heilige in gerechtem Zorn.
+
+»Hühühühü!« wieherte der Schimmel entrüstet und begann den Kerl zu
+beschnuppern.
+
+»Ha?« sagte der Kerl.
+
+»Sie haben keinen Paß!« rief der Heilige mit erhobener Stimme. »Dann
+sind Sie ja ein ganz gewöhnlicher Landstreicher!«
+
+»Ha?« sagte der Kerl.
+
+»Ein ganz gewöhnlicher Landstreicher sind Sie! Ein Vagabund!« rief der
+Heilige laut von seinem Schimmel herunter.
+
+»Was? Landstreicher?« sagte der Kerl und langte faul und behaglich nach
+einem derben Knüttel, der neben ihm im Grase lag. »Du, halt' di fein
+z'ruck!«
+
+»Wie reden Sie denn überhaupt mit mir?« rief der Heilige empört.
+
+»Ha?« fragte der Kerl.
+
+»Wie Sie mit mir reden?«
+
+»I? Wie i mit dir red'? Deutsch!« sagte der Kerl.
+
+»Stehen Sie überhaupt auf, wenn man mit Ihnen spricht!«
+
+»Ha?«
+
+»Aufstehen sollen Sie, wenn man mit Ihnen spricht!«
+
+»I? Was? Aufstehn? Fallt mir nit im Schlaf ein!«
+
+»Das ist doch eine unerhörte Frechheit!« rief der Heilige. »Haben Sie
+denn überhaupt eine Ahnung, wer ich bin?«
+
+»Ha?«
+
+»Ob Sie eine Ahnung haben, wer ich bin?«
+
+»A saudumm's Rindviech bist!«
+
+»Hihihihi!« lachte der Schimmel.
+
+Der Heilige wurde durch diese Erkenntnis seiner Persönlichkeit
+wesentlich milder gestimmt und fragte den Kerl ziemlich freundlich:
+»Also Paß haben Sie keinen?«
+
+»Ha?«
+
+»Paß haben Sie keinen?«
+
+»Naa.«
+
+»Auch sonst keine Ausweispapiere?«
+
+»Ha?«
+
+»Papiere!«
+
+»Papier? Brauch' i keins. I wisch mi alleweil mit Gras ab!«
+
+Der heilige Bürokrazius lächelte in seiner himmlischen Milde mitleidig.
+Dann frug er den fremden Kerl: »Wie heißen Sie denn eigentlich?«
+
+»Ha?«
+
+»Wie Sie heißen!«
+
+»Wie i heiß? Das geht dich an Schmarrn an!«
+
+»Aber Sie müssen doch einen Namen haben.«
+
+»Namen? Hab' i aa!« sagte der Kerl.
+
+»Also wie heißen Sie!«
+
+»Nit so wie du.«
+
+»Ich bin der heilige Bürokrazius!« sagte der Heilige.
+
+»Wer?«
+
+»Der heilige Bürokrazius!«
+
+»Dös hab' i mir gleich denkt!« sagte der Kerl. »Ein anderer fraget mich
+nit so saudumm aus!«
+
+Der Heilige lächelte geschmeichelt. Dann frug er mit der freundlichsten
+Herablassung: »Wollen Sie nun nicht so liebenswürdig sein und mir Ihren
+werten Namen verraten?«
+
+»Ja, wenn i dir damit a besondere Freud' mach', warum denn nit!« sagte
+der Kerl nachgiebig. »Stultissimus heiß ich!«
+
+»Danke verbindlichst!« sprach der Heilige höflich. »Nun, mein lieber
+Herr Stultissimus, wollen Sie mir nicht gefälligst sagen, was Sie
+eigentlich sind?«
+
+»Ha?«
+
+»Ich möchte Sie höflichst ersuchen, mir zu sagen, was Sie sind?«
+
+»Kannst denn mit deiner blöden Fragerei gar nimmer aufhören!« wurde der
+Kerl plötzlich wieder obstinat.
+
+»Aber Sie müssen doch irgendeinen Beruf haben!« sagte der Heilige
+ungemein liebenswürdig.
+
+»Ha?«
+
+»Ihr Beruf?«
+
+Da erhob der Kerl seine rechte Hand und zog mit dem Zeigefinger
+derselben einen Kreis um seinen struppigen Schädel.
+
+Dann sagte er: »Heiliger.«
+
+Der heilige Bürokrazius bemerkte aber, daß der Kerl tatsächlich einen,
+wenn auch schmalen, so doch glänzenden Streifen um den Schädel trug.
+»Auch Heiliger?« sprach er mit einer gewissen Kameradschaftlichkeit.
+
+»Was denn sonst?« sagte der fremde Kerl.
+
+»Sie entschuldigen schon, daß ich das nicht gleich bemerkt habe!« meinte
+der heilige Bürokrazius.
+
+»Bist halt zu blöd dazu!« sagte der heilige Stultissimus mit einer
+gemütlichen Nachsichtigkeit.
+
+»Wer hat Ihnen denn Ihren Heiligenschein verliehen?« frug der heilige
+Bürokrazius.
+
+»Nix verliehen!« erwiderte der heilige Stultissimus. »Von selber
+g'wachsen!«
+
+»Ah so!« sagte der heilige Bürokrazius. »Respekt! Da gratulier' ich.«
+Damit stieg der Heilige von seinem Roß und setzte sich neben den
+heiligen Stultissimus. Einerseits aus Kollegialität, anderseits um sich
+mit seinem offensichtlich etwas schwerhörigen Mitheiligen besser
+verständigen zu können. »Freut mich sehr, Ihre werte Bekanntschaft
+gemacht zu haben!« sagte er höflich.
+
+»Weißt was, sein mer per du!« meinte der heilige Stultissimus jovial.
+
+Da rückte der heilige Bürokrazius unwillkürlich etwas von ihm weg und
+betrachtete ihn vom Kopf bis zu den Füßen.
+
+»Vielleicht nit?« fragte der Stultissimus im Ton einer aufsteigenden
+Beleidigung.
+
+»Aber selbstverständlich!« beeilte sich der heilige Bürokrazius zu
+versichern.
+
+»Also, sollst leben!« sagte der Stultissimus und klatschte ihm mit der
+flachen rechten Hand kräftig auf seine Glatze.
+
+»Nix drinnen? Ha?« frug er freundlich.
+
+»Mit Verlaub,« erkundigte sich der heilige Bürokrazius nach einer Weile,
+»wo hast denn du deinen Verstand?«
+
+»Verstand?« erwiderte der andere. »Verstand hab' i überhaupt keinen.«
+
+»Aber du mußt doch auch was denken.«
+
+»Denken tu i nix.«
+
+»Ja, wie fallt dir denn nachher was ein?«
+
+»Wie mir was einfallt? Mir scheint, am meisten fallt mir alleweil ein,
+wenn i meine großen Zehen betracht'!« sagte der heilige Stultissimus und
+stellte seine Zehen in die Luft.
+
+»Aha!« meinte der heilige Bürokrazius. »Dann ist dir dein Verstand in
+die Zehen abig'rutscht. Mir ist er weiter oben steckengeblieben. Auf die
+Weis' passen wir zwei ja ganz prächtig zusammen. Der heilige Bürokrazius
+und der heilige Stultissimus, das ist doch ein wundersames Paar. Da
+werden die Leut' aber schauen!«
+
+»Meinst?« sagte der heilige Stultissimus.
+
+Nachdem sie längere Zeit im beschaulichen Stillschweigen nebeneinander
+gesessen hatten, hub der heilige Bürokrazius wieder an: »Eigentlich
+solltest du aber doch eine Stellung haben!«
+
+»Ah was! Stellung!« machte der heilige Stultissimus verächtlich. »Da bin
+i mir zu wenig dumm dazu.«
+
+»Die nötige Dummheit kommt mit der Stellung!« belehrte ihn der heilige
+Bürokrazius.
+
+»Das sieht man bei dir!« sagte der heilige Stultissimus gutmütig.
+
+»Na also!« munterte ihn der heilige Bürokrazius auf. »Wie wär's denn,
+wenn du bei mir Stallknecht würdest. Für den Amtsschimmel da. Der ist
+das dümmste Roß auf Erden. Ich bin das größte Rindviech. Und du bist der
+größte Steinesel. Da sind wir eine herrliche Menagerie und können der
+ganzen Welt einen Zirkus abgeben, daß sie damisch wird vor lauter
+Begeisterung. Heiliger Stallknecht Stultissimus, schlag' ein!«
+
+»Was zahlst denn nachher?« frug der heilige Stultissimus, der sich die
+Sache zu überlegen schien.
+
+»Zahlen? Ja, was fällt denn dir ein? Das ist doch eine Ehrenstellung!«
+
+»Mit Ehrenstellungen kannst du mir g'stohlen werden! Siehst, da bin ich
+auch wieder zu wenig dumm dazu.«
+
+Da der heilige Stultissimus mit keiner Überredungskunst zu bewegen war,
+die Stellung eines Stallknechtes als Ehrenstellung zu übernehmen,
+einigten sich die beiden Heiligen schließlich auf einen bestimmten Lohn
+und auf eine Kündigungsfrist. Es ist aber nicht bekannt geworden, daß
+sich der heilige Stultissimus und der heilige Bürokrazius jemals wieder
+getrennt hätten. Wie aus dem Folgenden zu ersehen ist, wurde der
+Stultissimus außer seinem Roßamt auch noch ein bedeutender geistiger
+Mitarbeiter des Bürokrazius.
+
+
+
+
+ Wie die beiden Heiligen einen auferbaulichen Disput
+ hatten und das respektvolle Ergebenheitstränklein
+ brauten.
+
+
+An einem Abend saßen die beiden Heiligen zusammen in dem dämmerigen
+Stalle des Amtsschimmels und schauten bedachtsam zu, wie der Schimmel
+Akten fraß und sie regelrecht verdaute, um dann einen Teil derselben als
+Roßmist wieder von sich zu geben.
+
+Um diesen Mist war den beiden Heiligen schon längst leid gewesen,
+und sie hatten bereits des öfteren miteinander beratschlagt, was sie
+eigentlich mit dem Mist des Amtsschimmels beginnen sollten.
+
+Da der heilige Bürokrazius den Erzengel Michael wegen seiner ihm sattsam
+bekannten Grobheit in dieser mistigen Angelegenheit nicht eigens um Rat
+zu fragen wagte, beriet er die heikle Sache lieber mit seinem heiligen
+Stallknecht.
+
+Auch der heilige Stultissimus war der Ansicht, daß der Mist des
+Amtsschimmels sich von gewöhnlichem Pferdemist wesentlich unterscheiden
+müsse und richtig verwendet wunderbare Früchte zeitigen könnte.
+
+Um der Sache endlich auf den Grund zu kommen, setzte sich der heilige
+Bürokrazius ganz energisch nieder, und der heilige Stultissimus
+betrachtete seine beiden nackten großen Zehen, die ihm in rührender
+Anhänglichkeit noch immer aus den Stiefeln guckten.
+
+Dabei entwickelte sich zwischen den beiden Heiligen dieser auferbauliche
+Disput:
+
+_Sankt Bürokrazius_: Was fangen wir nur mit dem Mist da an?
+
+_Sankt Stultissimus_: Mit welchem Mist da?
+
+_Sankt Bürokrazius_: Mit dem Mist da.
+
+_Sankt Stultissimus_: Ah, mit dem Mist da.
+
+_Sankt Bürokrazius_: Ja.
+
+_Sankt Stultissimus_: Ah so.
+
+_Sankt Bürokrazius_: Das ist sozusagen ein heiliger Mist.
+
+_Sankt Stultissimus_: Der Mist da?
+
+_Sankt Bürokrazius_: Ja.
+
+_Sankt Stultissimus_: Ah so.
+
+_Sankt Bürokrazius_: Das ist also kein gewöhnlicher Mist, sintemalen und
+alldieweilen er von dem Amtsschimmel stammet. Dahero ist er auch
+geheiliget und kann den Menschen nicht oft genug eingepräget werden.
+Demzufolge muß auch dieser sozusagen heilige Mist des Amtsschimmels der
+Menschheit in irgendeiner Form zugeführet werden.
+
+_Sankt Stultissimus_: So werden sie ihn aber nit fressen.
+
+_Sankt Bürokrazius_: Derohalben muß irgendeine ersprießliche Form für
+die Verwertung besagten Mistes gefunden werden.
+
+_Sankt Stultissimus_: Reden ist leicht, aber einfallen sollt' einem halt
+was.
+
+_Sankt Bürokrazius_: Wie wäre es, wenn wir diese unschätzbaren
+Äußerungen des Amtsschimmels abkochen würden und ein Tränklein daraus
+bereiten würden, das der ganzen Menschheit zum Heile und uns zum höheren
+Ruhme verhelfen würde? Wozu lagert ansonsten der Amtsschimmel seinen
+Mist ab, wenn er nutzlos verdirbt!
+
+_Sankt Stultissimus_: Das wär' eine Idee.
+
+_Sankt Bürokrazius_: Die Menschen haben noch immer zu wenig Respekt vor
+dem heiligen Bürokrazius. Es muß ihnen viel mehr respektvolle
+Ergebenheit vor seiner Weisheit eingeflößet werden. Wie könnte das
+besser geschehen, als durch den Mist des Schimmels, der den heiligen
+Bürokrazius trägt, auf dem der heilige Bürokrazius nicht nur reitet und
+denkt, dessen erhabener Gangart er sogar seine Entschließungen,
+Verordnungen und Maßnahmen verdanket. Denn was ansonsten gewöhnlicher
+Roßmist ist, das ist allhiero der unergründliche Geist von tausend
+Akten, _quasi_ das _Extractum_ aller gebührenden Ehrfurcht vor dem
+heiligen Bürokrazius, der anselbsten zu sein Redner die hohe
+Auszeichnung besitzet.
+
+_Sankt Stultissimus_: Bist jetzt nachher bald fertig? Das kann man doch
+kürzer sagen: Den Mist abkochen und den Menschen zu saufen geben.
+
+_Sankt Bürokrazius_: Mein lieber Stultissimus, du hast leider noch immer
+nicht das richtige Verständnis für den Amtsstil.
+
+_Sankt Stultissimus_: Steig' mir in Buckel mit deinem Amtsstiefel! Also
+probieren wir's halt einmal mit dem Trankl! --
+
+Damit sammelten die beiden Heiligen sorgfältig den Mist des
+Amtsschimmels, gingen hin, richteten einen Kessel und ein Feuerlein zu
+und begannen zu kochen.
+
+Der heilige Bürokrazius klebte an die Türe der Küche einen großen
+Zettel, auf dem zu lesen stund: »Insgeheime geheimste Kuchel. Eintritt
+strengstens verboten!« Es wagte auch niemand die beiden Heiligen in
+ihrer geheimnisvollen Tätigkeit zu stören.
+
+Dem brodelnden Kessel entstiegen die lieblichsten Düfte. Dabei geschah
+ein himmlisches Wunder, welches das ehrerbietige Staunen und die
+uneingeschränkte Begeisterung der beiden Heiligen erregte.
+
+Der Rauch, der von dem Kessel emporwirbelte, war kein gewöhnlicher
+Rauch, sondern er entschwebte dem Kessel in den herrlichen Formen von
+lauter Paragraphenzeichen, die lange Zeit in der Luft hängen blieben,
+bis sie von nachflatternden neuen Paragraphen abgelöst wurden. Daraus
+erkannten die beiden Heiligen, daß sie den einzig richtigen Weg für die
+Verwendung des heiligen Mistes zum Wohle und Gedeihen der Menschheit
+gefunden hatten.
+
+»Himmelsakra!« rief der heilige Stultissimus in ehrlicher Überraschung
+aus. »Das ist aber höllisch schön!« Damit spuckte er in
+überschwänglicher Begeisterung in das brodelnde Dekoktum des Kessels.
+Nunmehro ereignete sich ein neues, noch größeres Wunder.
+
+Die Paragraphen, die nach dieser Vermischung des heiligen Sputums mit
+dem Schimmelmist aus dem Kessel sich erhoben, machten plötzlich in der
+Luft tiefe katzenbuckelnde Verbeugungen. Da der heilige Bürokrazius
+dieses zweiten Mirakulums ansichtig ward, da wurde er schier von blassem
+Neid gegen seinen Stallknecht, Kollegen und Mitheiligen erfasset. Er
+trachtete dahero, ihn womöglich noch zu übertreffen, räusperte sich
+lange und ausgiebig und spie einen riesigen Klachel in den Kessel.
+
+Nunmehro wollten sich die katzenbuckelnden Paragraphen in der Luft fast
+vor Devotion überschlagen. Triumphierend schaute der heilige Bürokrazius
+auf den heiligen Stultissimus, dieweilen er ihn an Wunderwirkung seines
+heiligen Sputums noch übertroffen hatte.
+
+Das erregte wiederum den Neid des heiligen Stallmeisters. Er beeilte
+sich dem Roßmist geschwind neues Sputum zu vermischen. So geschah es,
+daß die beiden Heiligen in edlem Wetteifer abwechselnd in den Kessel
+spuckten und dadurch jenes großartige Arkanum erzielten, das bis zu den
+heutigen Zeitläuften die Menschen in Untertänigkeit und Ehrfurcht vor
+allen Einrichtungen des heiligen Bürokrazius erschauern macht.
+
+Damals wurde von den beiden Heiligen, die alsogleich erkannt hatten, daß
+die Mischung des Schimmelmistes und ihres heiligen Sputums die allein
+richtige Mischung für ihr geplantes Dekoktum sei, aus besagtem,
+in lieblichster Devotion duftendem Dekoktum das respektvolle
+Ergebenheitstränklein gebraut, welches der heilige Bürokrazius hinfüro
+den seiner Verwaltung und seines Gängelbandes dringend bedürftigen
+Menschen bescherte.
+
+Da die Menschen nach ihrer armseligen Naturanlage leider unfähig waren,
+sich selber zu verwalten und sonder Schwanken gehen zu lernen, mußte
+ihnen durch dieses offensichtlich himmlischer Eingebung entstammende
+respektvolle Ergebenheitstränklein der endgültige Glaube an die
+Notwendigkeit, Erhabenheit, Verstandesschärfe, Unentbehrlichkeit und
+Unfehlbarkeit aller irdischen Stiftungen des heiligen Bürokrazius
+beigebracht werden.
+
+Der Heilige verfügte, daß dieses Tränklein bereits den Kindern in die
+Lullbüchsen gegeben würde, so daß sie es zugleich mit der Muttermilch
+bekamen und mit der respektvollen Ergebenheit gegen den heiligen
+Bürokrazius im Leib schon in ihren Windeln lagen.
+
+Sintemalen uns allen dieses Tränklein in Adern, Knochen und Flachsen
+liegt und sozusagen einen wesentlichen Bestandteil unserer irdischen
+Beschaffenheit ausmachet, hat es bis zu heutigen Tagen der armen
+Menschheit auch noch nie recht zu dämmern begonnen, was für ein
+riesengroßes Rindviech der heilige Bürokrazius im Grunde genommen
+eigentlich ist. Auch die Bestandteile des respektvollen
+Ergebenheitstränkleins sind den Menschen noch nie zum Bewußtsein
+gekommen, dieweil es sich eben um ein Geheimmittel handelt, das sich nur
+in seinen Wirkungen dokumentieret.
+
+Alldieweilen aber jegliche Medikamente ihren gelehrten lateinischen
+Namen haben müssen, damit sie dem ehrfurchtsvollen Publiko um so
+unbegreiflicher, geheimnisvoller und rätselhafter erscheinen, hat ein
+Kollegium hochgelahrter Professoren, Doktoren, Chemiker, Alchimisten und
+Pharmazeuten nach jahrelangen schwierigen Beratungen auch für das
+respektvolle Ergebenheitstränklein, welches die Welt dem heiligen
+Bürokrazius unter kräftiger Mitwirkung des heiligen Stultissimus
+verdanket, die endgültige wissenschaftliche Bezeichnung gefunden. Sie
+soll dir, o frohgemuter Leser, nicht vorenthalten werden. Wappne dich
+jedoch mit allen deinen klassischen Kenntnissen und verrenke dir dabei
+die Zunge nicht ... _Sanctorum Bürokrazii atque Stultissimi mixtura
+famosa gloriosa miraculosa amabilis admirabilis honorabilis venerabilis
+respectabilis devotionalis mystica decocta speibensis saufdusi._
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Wie der heilige Bürokrazius Hühneraugen im Hirn bekam
+ und sich einen Zopf wachsen ließ.
+
+
+ O höllischer Sudkessel, wie fürchterlich sind deine Qualen,
+ Nicht zu beschreiben und auch nicht zu malen!
+ Wann dich Verdammten von vorne und von hinten
+ Unablässig die Teufel zwicken und boshaftig schinden,
+ Dann wirst du vor lauter höllischer Pein Tag und Nacht juhzen,
+ Aber es wird dir sotanes Gejuhze nix nutzen.
+ Und wenn du auch jodelst in den höchsten Tönen,
+ Wird dein Gesang nur die Schadenfreude der Höllenmächte verschönen.
+ Pech und Schwefel wird dir deinen sündigen Leib verbrennen,
+ Magst du auch noch so winseln und heulen und rotzen und flennen.
+ Während ein Rindfleisch im Sudkessel wird allgemach weicher
+ und linder,
+ Bleibst du darinnen für alle Ewigkeiten der gleich hartgesottene
+ Sünder.
+ Und entsteiget deiner Suppen auch tausendfach Weh und Ach,
+ Hilft's dir einen Dreck, du bleibest in _saecula saeculorum_ zach.
+ Und geben sie dich auch zur Abwechslung, um dich zu braten und zu
+ schmoren,
+ In die höllische Pfannen, es ist an dir alle Liebesmüh verloren.
+ Dahero kannst du daran ermessen, du gottverlassener Sündenlümmel,
+ Wie blöd es von dir war, in die Hölle zu kommen anstatt in den Himmel.
+ Wenn du aber für höllische Qualen zwecktunliche Vergleiche willst
+ entdecken
+ An irdischen Martern, Bedrängnissen, Peinigungen und Schrecken,
+ Die eine heilsame _comparationem_ aushalten mit den diabolischen
+ Pech- und Schwefellaugen,
+ Dann brauchst du nur mit gebührender Andacht zu denken an deine
+ Hühneraugen.
+ Die machen dich, o frommer Christ, auch mitunter so elendiglich
+ juhzen,
+ Daß du dir am liebsten tätest deine verehrlichen Zehen abstutzen.
+
+Schreiber dieser heiligen Legende hat zwar schon im vorhergehenden denen
+schwindelhaften Poeten als einem Lottergesindel feierlich abgesaget und
+abgeschworen. Deswegen hat er es sich aber doch nicht versagen können,
+dieses Hauptstück mit zierlichen und wohlgesetzten Reimlein einzuleiten.
+Er möchte sich aber sehr geharnischt dagegen verwahren, um dieser
+Reimlein willen unter das verächtliche Gelichter der Poeten einverleibet
+zu werden. Seine Reimlein sind keine Poesien, sondern der Abglanz und
+Spiegel der Wahrheit, _speculum veritatis_. Er hat nicht gedichtet und
+nichts erdichtet, auch nichts geschwefelt mit der Abschilderung des
+höllischen Schwefels, sondern nur der Wahrheit ein Gewand verliehen, das
+noch deutlicher in die Augen fällt, als die schlichte Prosa, und einen
+Ton, der euch in den Ohren klingen soll wie die Trompeten von Jericho.
+
+Dabei hat er euch aber die Qual der Hühneraugen nochmals eindringlich
+vorführen wollen, damit ihr das richtige, nachdenksame und auferbauliche
+Verständnis für das Folgende findet, was er euch in diesem Hauptstück
+von dem heiligen Bürokrazio zu vermelden und zu berichten hat.
+
+Es ereignete sich nämlich, daß den heiligen Bürokrazius seine
+Hühneraugen wiederum fürchterlich turmanterten, _id est_ peinigten. Das
+schrieb sich dahero, dieweilen unterschiedliche frevelhafte Menschen,
+so noch nicht zu den Rindviechern zählten und derohalben seine heilige
+Sendung noch nicht erfasset hatten, dem Heiligen in niederträchtiger und
+heimtückischer Absicht wiederholt sonder Erbarmen auf diesen seinen
+empfindlichen Leibschaden der Zehen traten.
+
+Das machte den Heiligen jedesmal so erbärmlich juhzen wie die Verdammten
+im höllischen Sudkessel. Gerne hätte er _ad majorem dei gloriam_ auch
+diese Qualen seines Erdenwandels noch weiter ertragen. Besagtes Gejuhze
+vereinbarte sich aber nicht mit seiner Würde, die er kraft seiner
+himmlischen Sendung allerorten zur Schau tragen mußte.
+
+Da dem heiligen Bürokrazio der Ton, in welchem die innere Stimme des
+Erzengels Michael mit ihm geredet hatte, für die Dauer gar nicht genehm
+war, wagte er es desto weniger, sich an diese himmlische Stimme zu
+wenden, weil ja die Materie seiner Hühneraugen schon einmal zwischen ihm
+und dem Erzengel Michael abgehandelt worden war.
+
+Der heilige Bürokrazius setzte sich dahero wiederum mehrere Tage und
+Nächte nieder, wie er dies beim Denken bekanntlich immer zu tun pflegte,
+und dachte inständig darüber nach, auf welche Art und Weise er die Qual
+der Hühneraugen loswerden könnte, dieweilen ihm wegen der Boshaftigkeit
+der sündhaften Menschen auch die erhabene Berittenheit auf dem
+Amtsschimmel zwar eine zeitweilige, aber nicht eine immerwährende
+Befreiung von dieser großen leiblichen Sorge seines irdischen Wandels
+gebracht hatte.
+
+Nachdem der Heilige reiflich und tief nachgedacht hatte, wurde ihm durch
+eine innere Stimme die Eröffnung: »Wende dich in einer gehörig
+begründeten Eingabe an die höchste Instanz, an den lieben Gott selber!«
+
+Wem diese Stimme von oben angehörte, konnte der heilige Bürokrazius nie
+ergründen. Sie sprach jedoch zu ihm in einem höflichen und
+liebenswürdigen Tone.
+
+Es handelte sich jetzo aber darum, die verlangte Eingabe an den lieben
+Gott zu verfassen. Und das war keine Kleinigkeit. Denn eine solche
+Eingabe war dem heiligen Bürokrazius in seiner ganzen Praxis noch nie
+vorgekommen. Auch besaß er hiezu keine Formularien oder sonstigen
+Behelfe. Nicht einmal in dem Mist des Amtsschimmels waren irgendwelche
+Andeutungen für den Verkehr mit dem lieben Gott zu finden.
+
+Der heilige Bürokrazius pflog dahero sorgsame Beratungen mit seinem
+Stallknecht, dem heiligen Stultissimus. Der hatte ihm, bevor der heilige
+Bürokrazius sich auf das neuerliche tiefe Nachdenken über seine
+Hühneraugen verlegte, schon einmal den echt freundschaftlichen Rat
+gegeben, er solle sich seine Hühneraugen beim Hufschmied beschlagen
+lassen. Dieser Rat war aber damals von dem heiligen Bürokrazius mit
+berechtigtem Entsetzen zurückgewiesen worden, obschon er die Wohlmeinung
+desselben uneingeschränkt anerkannte.
+
+Der heilige Stultissimus war nunmehro, nachdem ihm der heilige
+Bürokrazius von seiner neuesten himmlischen Eingebung Mitteilung gemacht
+hatte, der Ansicht, daß es eigentlich eine Frechheit sei, den lieben
+Gott mit seinen Hühneraugen zu belästigen. Aber wenn der heilige
+Bürokrazius schon meine, er solle es doch tun, dann möge er sich ja
+davor hüten, den lieben Gott um die gänzliche Befreiung von den
+Hühneraugen anzusumsen. Solche gänzliche Nachlässe irdischer Qualen
+seien eine unerhörte Forderung an die Allbarmherzigkeit des lieben Gott.
+Denn irgendetwas müsse der Mensch doch auf Erden zu leiden haben. Und
+sonst habe der heilige Bürokrazius ja auch nichts Arges zu erdulden.
+Nicht einmal von Kopfweh werde er jemals heimgesuchet.
+
+Das leuchtete dem heiligen Bürokrazius denn auch ein, und so beschlossen
+die beiden Heiligen nach gewissenhaften beiderseitigen Beratungen, daß
+die Eingabe an den lieben Gott nur die Bitte enthalten sollte, der liebe
+Gott möge so gnädig sein, dem heiligen Bürokrazius seine Hühneraugen an
+eine Stelle seines heiligen Leibes zu versetzen, wo sie ihn nicht so
+fürchterlich schmerzen würden. Ein Endchen Qual wolle er ja in
+demütigster Unterwerfung gerne ertragen. Aber der gegenwärtige Zustand
+sei unerträglich und eine schwere Berufsschädigung.
+
+Die Eingabe an den lieben Gott wurde alsobald erlediget. In dem heiligen
+Bürokrazius erhub sich nach einer abermaligen andächtigen Sitzung eine
+mächtige Stimme, welche er als die Stimme des lieben Gott erkannte.
+
+Die Stimme war zwar nicht wesentlich höflicher als die des Erzengels
+Michael, sie erging sich aber doch nicht in derartigen Ausdrücken, wie
+sie der Erzengel liebte.
+
+Die Stimme sprach aber ungefähr folgendes: »Hühneraugen hast? Wo anders
+willst sie haben? Das könnt' jeder sagen. Laß' mich ein bissel
+nachdenken, wo sie bei dir am ehesten Platz haben. Denn wisse, jedes
+Ding will seinen Platz haben. Auch die Hühneraugen. Halt! Ich hab's. Ich
+versetz' dir die Hühneraugen nach dem Hirn. Da hast du am meisten Platz
+dafür. Ist ohnedies nix drin. Sonst wärst ja nicht der heilige
+Bürokrazius. Siehst, wie gut es ist, wenn man im Schädel eine leere
+Kammer hat.«
+
+Der liebe Gott sprach es. Und das Wunder geschah. Der liebe Gott
+versetzte in seiner himmlischen Gnade und Allmacht dem heiligen
+Bürokrazius seine Hühneraugen in das Hirn, wo sie als Einquartierung gut
+aufgehoben waren.
+
+Und wie gnädig war der liebe Gott gewesen. Der heilige Bürokrazius hatte
+sich in seiner Eingabe nur nachzusuchen erlaubet, der liebe Gott möge
+ihm die Hühneraugen nach einer Stelle seines heiligen Leibes versetzen,
+wo sie ihn nicht so fürchterlich schmerzen würden. Mit einem Endchen
+Qual wolle er sich gerne abfinden. Nun hatte ihm der liebe Gott die
+Hühneraugen in das Hirn versetzet, und da verspürte der heilige
+Bürokrazius überhaupt keine Qual mehr. Denn jede Qual erfordert, damit
+sie gefühlet werde, ein Eintreten in das Bewußtsein. Nachdem jedoch dem
+heiligen Bürokrazius die Hühneraugen nach demjenigen Teile seines
+heiligen Leibes versetzet worden waren, der mit seinem Bewußtsein oder
+Verstande gar nichts zu tun hatte, konnten ihn die Hühneraugen im Hirn
+unmöglich mehr peinigen.
+
+Es ist aber in unzähligen theologischen Schriften erwiesen, daß die
+göttliche Weisheit nichts tut ohne ihren ewigen Vorbedacht. So war auch
+die Versetzung der Hühneraugen des heiligen Bürokrazius in sein Hirn von
+Ewigkeit vorbedacht. Und diese vorbedenkende Weisheit des lieben Gott
+sollte sich alsobald zeigen.
+
+Da die Hühneraugen nunmehro eine ungehinderte Freistatt hatten, sich
+üppig zu verbreiten, und sie kein Schuh mehr drückte, feierten sie in
+dem Hirn des Heiligen wahre Orgien der Vermehrung. Sie wucherten gleich
+Schwämmen zur Zeit des Jupiter Pluvius, wie die Antiken sagen würden,
+und drückten allgemach gewaltig gegen die Schädelwände.
+
+Sintemalen jedoch der Heilige infolge der eigentümlichen Beschaffenheit,
+mit welcher er dachte, unmöglich Kopfschmerzen bekommen konnte, so
+störten ihn die Hühneraugen auch bei ihrer unheimlichen Vermehrung nicht
+im geringsten in seinem Berufe.
+
+Irgendwie mußten sie ihre Bestimmung aber doch erfüllen. Mit ihrem Druck
+gegen die Schädelwände war unwillkürlich auch ein Druck auf die
+Haarwurzeln verbunden. Die ausgefallenen Haare des Heiligen begannen
+dahero plötzlich wieder zu wachsen.
+
+Es erhub sich in kurzer Zeit ein derart reicher Haarwuchs, daß der
+heilige Bürokrazius sich bemüßiget fand, einen Zopf daraus zu flechten.
+Der Zopf aber stund ihm großartig zu Gesichte.
+
+Dies fanden auch der heilige Stultissimus und alle Menschen, die seines
+Anblickes gewürdiget wurden. Ja, seitdem der heilige Bürokrazius einen
+Zopf trug, gewann er noch mehr Ansehen bei den Menschen.
+
+Der Zopf hatte ihm noch gefehlet. Trug ja auch der Amtsschimmel hinten
+einen Schweif. Warum sollte daher der heilige Bürokrazius unbezopft auf
+Erden wandeln.
+
+Die allwaltende göttliche Weisheit hatte mit dem Zopf des heiligen
+Bürokrazius aber noch ganz etwas anderes bezwecket, was sich alle die
+Spötter hinter ihre werten Ohrwascheln schreiben sollen, die über diesen
+Zopf je abfällige Bemerkungen gemacht haben.
+
+Und diese abfälligen Bemerkungen wurden gemacht. Wagt es doch die
+Menschheit, das Glänzende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu
+ziehen. Das muß irgendwo irgendein Dichter gesagt haben, der sich durch
+sotanen Ausspruch in einem Momente göttlicher Eingebung für diesen einen
+Moment von dem sonstigen Poetengesindel loslöste.
+
+Der Zopf des heiligen Bürokrazius ist nur derohalben der Gegenstand
+frevelhaften Witzes geworden, weil die Menschheit bis anhero den
+geheimnisvollen Gang des göttlichen Willens nicht erkannt hat.
+
+Darum passet fein auf und höret zu. Der Schreiber dieser Legende will
+euch aufmerksamen Lesern die göttliche Bestimmung des Zopfes des
+heiligen Bürokrazius erläutern.
+
+Durch die eigentümliche Denkart des Heiligen konnte sich sein Gehirn
+nach außen nicht dokumentieren. Da dieses jedoch mit der Zeit hätte zu
+Mißdeutungen führen und dem Ansehen des Heiligen hätte schaden können,
+war der liebe Gott in seiner ewigen Weisheit darauf bedacht, das Gehirn
+des Heiligen auch äußerlich in Erscheinung treten zu lassen.
+
+Auf dem Umwege der Hühneraugen ließ er dahero das zur Untätigkeit
+verurteilte Gehirn des Heiligen nach außen in der Gestalt seines Zopfes
+sichtbar werden.
+
+Dahero ist auch der Zopf des heiligen Bürokrazius, der von seinen
+Jüngern und sonstigen Anhängern ehrfurchtsvoll in unveränderter Gestalt
+übernommen wurde, etwas Heiliges und muß von uns allen gebührend
+verehret werden. Er ist der sichtbare allegorische Ausfluß seines
+Geistes an derjenigen Stelle, wo er naturgemäß sein sollte, aber nicht
+zu finden ist.
+
+Der tatsächliche Sitz des Verstandes und Geistes des heiligen
+Bürokrazius kann aus leicht begreiflichen Gründen _coram publico_ nicht
+entblößet werden, weswegen dem _Pleno titulo Publico_ dessen
+sinnbildlicher Sitz und seine sichtbare Verkörperung in Gestalt des
+Zopfes genügen möge. Womit Schreiber dieser Legende allen Spöttern,
+Tadlern und Mäklern _in aeternum_ das Wasser auf die lästerlichen
+Klappermühlen ihrer Scheelsucht abgegraben zu haben vermeinet.
+
+Es ist aber obenbeschriebene Angelegenheit mit dem Versetzen der
+Hühneraugen nach dem Hirn des heiligen Bürokrazius und mit dem dadurch
+hervorgerufenen Wachsen des Zopfes noch keineswegs erlediget. Auf daß
+der Heilige durch Befreiung von jeglicher irdischer Qual nicht zu
+weltlichem Übermute verleitet würde, ist dem bösen Feind _alias_
+Gottseibeiuns oder Luzifer ein diabolisches Streichlein verstattet
+worden.
+
+Unter dem Einflusse und unter der Beratung des infernalischen
+Schürmeisters hat sich bei der Wanderung der Hühneraugen nach dem
+Gehirne des Heiligen ein ganz besonders niederträchtiges, erzinfames und
+teuflisch boshaftes Hühnerauge nach demjenigen Körperteile seines
+heiligen Leibes verirret, mit welchem er dachte.
+
+Der heilige Bürokrazius sollte seiner verruchten Anwesenheit alsobald
+gewahr werden. Dieses eine verirrte Hühnerauge begann ihn in neuer
+Gestalt ärgerlich zu peinigen, und es wucherte weiter und bekam
+Geschwister und Anverwandte.
+
+Diesmal bemächtigten sich die hochgelahrten _doctores universalis
+medicinae_ des Leidens des heiligen Bürokrazius, da selbiges sich
+sozusagen zu einer öffentlichen Angelegenheit auswuchs, sintemalen es
+den Sitz seines Verstandes bedrohte. Sie vermochten ihm zwar nicht
+gründlich zu helfen, aber die größten medizinischen Fakultäten der Erde
+verliehen dem heiligen Bürokrazius in feierlichen Promotionen den Titel
+eines _Hämorrhoidarius_, welchen _titulum academicum_ der Heilige nebst
+seinem Zopf in Würde, aber nicht immer mit Gelassenheit trug.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Ein deliziöses Intermezzo von den Tiroler
+ Speckknödeln.
+
+
+Zu jenen Zeitläuften, da der heilige Bürokrazius auf Erden wandelte,
+waren die Tiroler Speckknödel leider noch nicht erfunden.
+
+Wie hätte sich ansonsten unser verehrungswürdiger Heiliger daran
+erlustieret und delektieret. Wie wäre der schnüffelnde Rüssel seiner
+Nase in Bewegung geraten ob des anmutigen und verführerischen Duftes der
+Knödel. Wie hätten seine Eselsohren gespitzet, und wie hätte sein Zopf
+begeistert gewackelt. Das Krawattel wäre ihm zu nie geahnten Höhen
+geklettert.
+
+Es ist nicht abzusehen, was der heilige Bürokrazius noch erfunden hätte,
+wenn er mit Tiroler Speckknödeln gespeiset worden wäre. Da aber seine
+Erfindungen ohnedies schon die ganze Welt erfüllen, wäre vielleicht für
+die Überfülle seiner Ideen kein Platz mehr auf Erden gewesen, wenn sie
+auch noch von Tiroler Speckknödeln befruchtet worden wären.
+
+Es mag nunmehro vielleicht ein boshaftiger Schelm den Schreiber dieser
+Legende fragen, warum der heilige Sankt Bürokrazius nicht auch die
+Tiroler Speckknödel erfunden hat.
+
+Auf diese fürwitzige und ungebührliche Frage gebühret dem Frager mit Fug
+und Rechten eine ausgiebige Maulschellen. Der heilige Bürokrazius hat
+die Tiroler Speckknödel derohalben nicht erfunden, dieweilen er den
+Speck zu einer anderen Erfindung brauchte oder vielmehr dieweilen ihm
+der Speck durch die göttliche Vorsehung für eine andere Erfindung
+bestimmet gewesen ist, die damals noch notwendiger war als die Tiroler
+Speckknödel.
+
+Wie sich das verhielt, das wird der nachfolgende Bericht genau erweisen.
+
+Nun glaubet ihr wohl, ihr werdet das gleich in den nächsten Zeilen
+erfahren. O nein, der Schreiber dieser Legende wird deine Neubegierde,
+großgünstiger Leser, noch ein bissel auf die Folter spannen und sich
+noch des weiteren über die Tiroler Speckknödel verbreiten, wozu er ein
+gutes Recht zu haben glaubt.
+
+Einmal will er obgenannten fürwitzigen Fragern gern das Maul nicht nur
+nach der Rolle des Speckes im Leben des heiligen Bürokrazius, sondern
+auch nach den Tiroler Speckknödeln anselbsten wassern machen.
+
+Zum zweiten gehören die Tiroler Speckknödel, da auch sie sich wie die
+gewaltige Erfindung des Heiligen auf Speck gründen und bauen, schon rein
+stofflich, _secundum materiam_, in diese Legende.
+
+Zum dritten ist der Schreiber dieser Legende von dem innigsten Danke
+gegenüber den Tiroler Speckknödeln erfüllet und darf es sich wohl
+gestatten, an dieser Stelle auch einmal ein Gesatzel _pro domo_
+einzuflechten.
+
+Nur der regelmäßige und reichliche Genuß der gloriosen Knödel hat den
+Schreiber befähiget, das Leben des Heiligen zu erforschen und bis zu
+diesem neuen Wendepunkte mit der gebührenden Andacht zu begleiten.
+
+Die weltumfassende Materie seines Opus konnte sich nur aus den Tiroler
+Speckknödeln zu jener Klarheit und Anschaulichkeit erheben, die du,
+frommer Leser, hoffentlich genügend schätzen gelernet hast. Und
+justament sotane universale Erfassung des Stoffes stehet in dem
+innigsten ursächlichen Connexus mit den Tiroler Speckknödeln.
+
+Wie stellet sich das Bild der Welt, des Universums dem menschlichen
+Begriffe dar, insonderheit, wenn man es nach seiner Gestalt erfasset? Es
+stellet sich in Kugelform dar. Wenn du von der Welt im großen sprichst,
+geneigter Leser, dann denkest du doch an die Weltkugel.
+
+In gleicher Gestalt stellet sich auch der Tiroler Speckknödel dem
+andächtigen Beschauer dar. Auch er ist eine Kugel, wenn auch _in
+dimensionibus minoribus_.
+
+Er kann aber mit der Weltkugel füglich in Vergleich gebracht werden, da
+er eine kugelförmige Welt für sich ist. Man könnte ihn ohne Überhebung
+als _globus Tirolensis_ in die Lehrbücher der Astronomia einsetzen.
+
+Und doch unterscheidet sich der Tiroler Speckknödel von der Weltkugel
+wiederum wesentlich. Denn während unsere Erde voll ist von Bitternis,
+Stacheln und Unkraut, ist der _globus Tirolensis_ voll Wohlgeschmack und
+paradiesischer Ingredienzien. Er beglücket deinen Gaumen mit seiner
+zarten speckduftenden Beschaffenheit, er erquicket deinen Magen und er
+beflügelt deinen Geist zu den höchsten Höhen.
+
+Eine Kugel, dem Weltall gleich, war er, bevor du ihn zerteiltest und ihn
+deiner leiblichen Wesenheit einverleibtest. Und zum Weltall, zum _globus
+universalis_ deines Geistes wird er, wenn seine Substanzien sich dir
+mitgeteilet haben.
+
+O ihr armseligen Menschen, die ihr noch nie Tiroler Speckknödel
+verzehret habt, wie seid ihr ausgeschlossen von aller Gnade irdischer
+und himmlischer Wohlfahrt. Insonderheit, ihr Mucken-Brüter und
+Grillenvögte, ihr Sorgenkramer und Lettfeigen, ihr Melancholey-Schmiede,
+Kummer-Geiger und Trübsal-Blaser, die ihr mit Ängsten angefüllet seid
+wie das Trojanische Pferd mit Soldaten, pilgert zu den Tiroler
+Speckknödeln! Sie werden euch trösten und euch jene Kraft des Körpers
+und des Geistes geben, von welcher der Schreiber dieser Legende erfüllet
+ist und kraft deren er nach dieser notwendigen Abschweifung auf das
+Gebiet seiner Leib- und Geistesspeise wiederum zu seiner eigentlichen
+Materia zurückkehret, nämlich zum Speck des heiligen Bürokrazius.
+
+
+
+
+ Wie der heilige Bürokrazius die Stampiglien erfand.
+
+
+Es verhielt sich aber mit diesem Speck, wie das folgende Hauptstück
+aufzeiget.
+
+Ihr werdet es leichtlich begreifen, daß der heilige Sankt Bürokrazius
+eine erschröckliche Schreibarbeit zu leisten hatte. Ganz fürnehmlich
+hatte er aber seinen heiligen Namen unzählige Male zu schreiben, was ihm
+keine geringen Beschwerden verursachte.
+
+Es häuften sich jedoch die Skripturen auf seinem Schreibtische derartig,
+daß sie ganzen Gebirgen glichen, in denen der Heilige völlig verschwand.
+Man sah von seiner Körperlichkeit die meiste Zeit nichts mehr. Nicht
+einmal die äußersten Spitzen seiner langen Eselsohren ragten über die
+papierenen Gebirge hinaus. Und nicht einmal die _Krawatitis posterior
+ascendens_ vermochte es mit all ihrer Heimtücke, diese hochragenden
+Gipfel zu erklimmen.
+
+Nur der Heiligenschein Sancti Bürokrazii leuchtete in seinem milden
+Lichte auch aus diesen papierenen Gebirgen hervor. Es war, als ob sein
+Licht in Verklärung aus lauter papierenen Schluchten emporsteigen würde.
+
+So sehr die arbeitsfreudige Rüsselnase des Heiligen auch in den
+papierenen Bergen herumschnüffelte und die papierenen Schluchten
+durchfurchte, es wollte nie weniger werden an unermeßlichem Segen. Der
+Heilige litt schon sehr bedenklich an Schreibkrampf, und an die Finger
+seiner rechten Hand wollte sich eine neue Abart der Hühneraugen
+ansetzen, was dem Heiligen kein gelindes Erschaudern verursachte.
+
+Da trat der Segen des Speckes in sein Leben.
+
+Der Heilige genoß meistens an den Vormittagen zu einem Halbmittag ein
+erklöckliches Trumm Speck und trank zu seiner Auferbauung ein Stamperl
+Schnaps dazu, auch zwei oder drei Stamperln Schnaps, was wir, der
+lauteren Wahrheit die Ehre gebend, hiemit nicht verschweigen wollen.
+
+Der Speck mundete ihm stets fürtrefflich, obschon er ihn nur in seiner
+rudimentären Form und leider noch nicht in der veredelten und verklärten
+Gestalt des _globus Tirolensis_ kannte.
+
+Da der Heilige in seiner Schlichtheit von Tischtüchern und Servietteln
+keine Ahnung hatte, wischte er sich die speckigen Pratzen gewöhnlich an
+dem Sitz seines Verstandes ab und widmete sich sodann mit unablässigem
+Eifer wiederum seinen Arbeiten.
+
+Zufällig griff er nunmehro an einem Vormittage, noch bevor er besagte
+Abwischung vorgenommen hatte, nach einer ganz besonders eiligen
+_scriptura_. Als er sie wieder weglegte, ersah er mit heiligem
+Erstaunen, daß sich sein heiliger speckfettiger Daumen auf der
+_scriptura_ ebenbildlich abgedrucket hatte.
+
+Lange Zeit fand er ob diesem himmlischen Wunder die Sprache nicht
+wieder. Er betrachtete die _scriptura_ und betrachtete _pollicem suum_,
+seinen leibeigenen Daumen. Es ließ sich nicht leugnen, der Daumen hatte
+sich mit seiner ganzen Inschrift in Linien und krummen Kurven und
+wundersamen Zeichnungen in herrlichster Klarheit auf die _scriptura_
+übertragen. Es war ein Gemälde von auserlesener Schönheit und
+Akkuratesse.
+
+Nachdem der Heilige sich von seinem Staunen einigermaßen erholet hatte,
+drückte er auf eine andere Skriptur kräftiglich seine Nase. Auch dort
+entstund wundersamerweise ein deutlicher Abdruck, dieweilen auch die
+heilige Rüsselnase zahlreiche Fettstoffe enthielt, wenn damit auch nicht
+gesagt sein soll, daß sie sich gleich dem Speck zur Herstellung des
+_globus Tirolensis_ geeignet haben würde.
+
+Dieser neuerliche Erfolg ermutigte den heiligen Bürokrazius, es nun auch
+mit seinen von den Hühneraugen befreiten Zehen zu versuchen. Auch mit
+diesen Gliedmaßen seines heiligen Leibes erzielte er deutliche Abdrücke,
+sintemalen er schon seit mehr als Jahresfrist kein Fußbad mehr genommen
+hatte.
+
+Die höchste Erleuchtung kam aber dem Heiligen, als er sich zu einem
+guten Ende auf eine der geheimsten Skripturen mit dem Sitz seines
+Verstandes hockte. Allda entstund ein so herrlicher Abdruck, daß dessen
+Majestät keinem fürstlichen _Sigillum_ verglichen werden konnte.
+
+Voll inbrünstiger Andacht beschaute der heilige Bürokrazius die
+ebenbildlichen _epitaphia_ seines Daumens und seiner Zehen, seiner
+Rüsselnase und seines Verstandestempels. Dann stieß er den jubelnden Ruf
+aus: »Heureka! Ich habe es gefunden!«
+
+Es wurde dem heiligen Bürokrazius klar wie zehntausend Talglichter, daß
+er sich für alle Zukunft nicht mehr so arg mit der Schreibarbeit zu
+peinigen brauchte.
+
+Fürderhin verschob er die Unterzeichnung weniger eiliger Skripturen auf
+die vormittägliche Speckzeit. Die Nase funktionierte zu allen
+Tageszeiten. Den Fußbädern schwor er zeitlebens ab. Und für die
+Unterzeichnung besonders geheimer Skripturen durch den Abdruck seines
+heiligen Verstandeszentrums war auch immerdar genug einprägsame
+Druckfähigkeit vorhanden.
+
+Als der heilige Bürokrazius seinem Kollegen, dem heiligen Stultissimus,
+seine allerneuesten himmlischen Eingebungen eröffnete, brach der heilige
+Stallmeister des Amtsschimmels in die uns genau überlieferten und durch
+den heiligen Bürokrazius mit seinem größten _Sigillum_ beglaubigten
+begeisterten Worte aus: »O du himmlischer Roßknödel! So was kann auch
+nur einem derartigen Rindviech einfallen, wie du eines bist!«
+
+Wenn der heilige Bürokrazius an der Fürtrefflichkeit seiner Erfindung
+auch noch den geringsten Zweifel geheget hätte, so wäre derselbe durch
+oben zitierte unumwundene und feierliche Anerkennung seines Mitheiligen
+gründlich zerstreuet worden.
+
+Nun hast du aber, o liebenswürdiger Leser, die Bedeutung der Erfindung
+des heiligen Bürokrazius offenbarlich noch nicht vollständig erfasset.
+Ich will dahero deinem nachhatschenden Begriffsvermögen erbarmungsvoll
+auf die Vorder- und Hinterbeine helfen. Denn ich muß dir ja auf vier
+Beine helfen. Du verstehest mich doch, wie das gemeinet ist, und bist
+dir über deine Stellung in der Zoologia klar.
+
+Der Speck des heiligen Bürokrazius hat zum Daumenabdruck des Heiligen
+geführet und ist also zur Urform der Stampiglie geworden. Beim heiligen
+Daumen des heiligen Bürokrazius sage ich dir dahero, geneigter
+vierfüßiger Leser, daß diese Urform der Stampiglie der glorreiche
+Ausgangspunkt für die Erfindung der Stampiglien überhaupt geworden ist.
+
+Und jetzo bedenke, o du mein nachdenksames hochverehrtes quadrupedales
+Publikum, wo wir wären, wenn der heilige Bürokrazius durch seinen
+halbmittäglichen Speck nicht die Stampiglien erfunden hätte. Er und
+seine Jünger wären durch die Überanstrengung ihrer Schreibarbeit längst
+den Weg alles Irdischen gegangen. Sintemalen der Verstand des heiligen
+Bürokrazius sich stets im Sitzen, dahero durch eine nach unten drückende
+Bewegung dokumentierte, was war selbstverständlicher, als die Verfügung
+des Heiligen, es möge sich auch der Verstand seiner Jünger, so seine
+Erbschaft antraten, in einer nach unten drückenden Bewegung zeigen! Und
+welches _instrumentum_ wäre hiezu geeigneter und berufener denn eine
+Stampiglie?
+
+Durch das erhabene Vermächtnis des heiligen Bürokrazius bewegen sich die
+Gedankenkreise seiner Jünger vornehmlich in Stampiglien. Dadurch
+brauchen sie die kostbaren Gefäße ihrer Denkfähigkeit nicht immerwährend
+zu strapazieren, sondern können sich sonder Überanstrengung des Geistes
+auf die Druckfähigkeit der Stampiglien verlassen.
+
+Es fehlet uns nur noch diejenige Stampiglie, welche dem _Sigillum
+maximum_ des heiligen Bürokrazius entsprechen würde. Selbige Stampiglie
+wäre aber den Menschen, die sich vor den Einrichtungen des heiligen
+Bürokrazius ehrfurchtsvoll beugen, ganz besonders feierlich
+aufzudrücken. Sie wäre ihnen aufzudrücken auf ihren sterblichen Leichnam
+anselbsten. Sie wäre ihnen _in memoriam Sancti Bürokrazii_ aufzudrücken
+auf denjenigen Teil ihres _corporis humani_, allwo auch der heilige
+Bürokrazius den Verstand sitzen hatte. Und diese Stampiglie, dieses
+_Sigillum maximum Sancti Bürokrazii_ hätte in feierlichen Lettern nur
+das einzige Wort zu tragen: »_Rindviech_!«
+
+
+
+
+ Wie der heilige Bürokrazius seine Jünger belehrte.
+
+
+Nachdem der heilige Bürokrazius solchergestalt für das Wohlergehen der
+Menschen in unablässiger Mühsal gesorget hatte, war sein eifrigstes
+Bestreben, auch recht zahlreiche Jünger anzuwerben, welche sein Erbe
+ungeschmälert erhalten und verwalten sollten, wenn es dem Himmel eines
+Tages gefallen würde, ihn aus diesem irdischen Jammertale zu der ewigen
+Herrlichkeit gnädigst abzuberufen.
+
+Sein heiliger Kollege und Stallknecht, der Amtsschimmelmistsachverständige
+Sankt Stultissimus konnte dem heiligen Bürokrazius für die Dauer seines
+Erdenwallens nicht genügen, sintemalen Sankt Stultissimus sich immer
+mehr auf sein spezielles Fach, die Kultur des Roßmistes verlegte und den
+übrigen weltumfassenden _actionibus Sancti Bürokrazii_ nicht immer das
+genügende Verständnis entgegenbrachte. So wäre es füglich wohl nicht
+anzunehmen gewesen, daß dieser roßmistsachverständige Heilige jemals auf
+die umwälzende Erfindung der Stampiglien gekommen wäre.
+
+Es wäre aber auch ungerecht, solches von dem durch unsterbliche
+Verdienste gesegneten Heiligen zu verlangen. Ist es doch dem heiligen
+Sankt Stultissimus zu verdanken, daß der Amtsschimmel in unverlöschter
+Gloria und eiserner Gesundheit lebet und gedeihet und daß sein Mist sich
+in erhabenen Mengen vermehret, was schon für das Dekoktum des
+respektvollen Ergebenheitstränkleins von unermeßlichem Werte ist.
+
+Der Schreiber dieser Legende hat es dahero für notwendig befunden, dem
+heiligen Stultissimus _in hoc loco egregio_, an dieser hervorragenden
+Stelle ein besonderes Ehrenkränzel zu flechten, bevor er sich in die
+Beschreibung der anderen Heiligen aus dem Kreise des heiligen
+Bürokrazius des näheren einlasset.
+
+Denn schließlich und endlich war der heilige Stultissimus der erste
+Heilige, der sich Sankt Bürokrazio zugesellte. Der andächtige Leser wird
+sich noch des wunderbaren Zusammentreffens zwischen den beiden Heiligen
+erinnern und Sankt Stultissimum schon von dieser Schilderung her tief in
+sein Herz geschlossen haben. Wie denn auch Schreiber dieser Legende
+seiner mit innigster Liebe gedenket und sein Bildnis in der im weiteren
+Verlaufe dieser Legende zu eröffnenden Galleria der Heiligen um den
+heiligen Bürokrazius _primo loco_ aufhängen will.
+
+Bevor aber _scriptor hujus vitae sanctorum_ dich geneigten und
+großgünstigen Leser als kunstbeflissener und gewissenhafter Kustode in
+die Bilder-Galleria geleitet, allwo die größten heiligen Jünger _Sancti
+Bürokrazii_ abkonterfeiet hängen, muß er dir zum besseren Verständnis
+derer Picturen zuvörderst noch vermelden, wie der heilige Bürokrazius
+seine Jünger belehret hat.
+
+Es sprach aber der heilige Bürokrazius zu seinen Jüngern, als er
+dieselben um sich versammelt hatte, folgendermaßen ... Hocket euch auf
+eure Sitzflächen, wie ich auf der meinen hocke, und erfasset meine Worte
+in meinem Geiste und in meiner heiligen Art zu denken!
+
+Bedenket zunächst, was ist das liebe Publikum? Das liebe Publikum ist
+nichts als eine blöde Herde ohne Verstand und geistige Fähigkeiten.
+Sonst würde es euch längst verprügelt haben. Habt ihr aber je gehöret,
+daß eine Viehherde ihren Hirten verprügelt? Das habt ihr niemals
+gehöret. Also stehet das liebe Publikum auf dem Standpunkte des lieben
+Viehes und in mancherlei Dingen auf einem noch viel tieferen
+Standpunkte. Sintemalen jedoch jegliches Vieh, das wir in unseren
+Ställen halten, ein Nutzvieh sein muß, so ist auch das liebe Publikum
+euretwegen als Nutzvieh auf Erden und nicht ihr des lieben Publikums
+wegen. Ihr seid es, die ihr Hü und Hott rufet, und das liebe Publikum
+hat es gelernet, eurem Rufe zu gehorchen.
+
+Ihr dürfet eure Macht und Gewalt nicht aus den Händen lassen. Seid daher
+zu dem lieben Publico so grob, als ihr es nur immer vermöget. Seid
+sackgrob, seid kotzengrob! Je saugröber ihr seid, desto mehr Ehrfurcht
+werdet ihr in dem lieben Publikum erwecken. Betrachtet das liebe
+Publikum als euren gefügigen Stiefelknecht und als euren euch durch
+ewige Vorherbestimmung bestimmten Stiefelabstreifer. Übet euch Tag und
+Nacht, auf daß ihr es gehörig anschnauzet und beflegelt und jegliche
+üble Laune an ihm auslasset.
+
+Vornehmlich aber müsset ihr das Schnauzen lernen. Schnauzet das liebe
+Publikum an bei jeder Gelegenheit oder Ungelegenheit. Schnauzet es an,
+daß es vor euch zittert und bebet. Dann wird es auch niemals auf die
+gefährliche Entdeckung kommen, wie dumm ihr seid. Denn wenn es einmal
+eure Dummheit entdecket, dann habt ihr eure Rollen ausgespielet auf
+Erden.
+
+Es gibt aber kein besseres Mittel, euren Blödsinn zu verstecken und ihn
+mit dem Firnis der höchsten Weisheit zu bekleistern, als justament das
+Anschnauzen. Wer das Schnauzen verstehet, der brauchet keine Beweise.
+Vielmehro bögelt er seinen Widersacher also gründlich nieder, daß
+dagegen das schwerste Bügeleisen nur ein sanftes Löcken ist.
+
+Lasset euch hängende Schnauzbärte wachsen zum Zeichen eurer Würde.
+Schnauzbärte also lang wie Zöpfe. Dann habet ihr drei Zöpfe hangen.
+Einen Zopf hinten und zwei Zöpfe vorne über euer ungewaschenes Maulwerk.
+Aller guten Dinge sind drei.
+
+Ihr müsset das liebe Publikum sekkieren, schikanieren und peinigen. Denn
+Menschenfleisch muß gepeiniget werden. Ihr erwerbet euch dadurch
+unsterbliche Verdienste für den Himmel. Hinwiederum aber verhelfet ihr
+dem lieben Publico zur himmlischen Seligkeit. Denn es lernet in eurer
+Behandlung schon hienieden auf Erden so vielfältige Qualen des
+Fegefeuers kennen, daß es einen großen Teil seiner Sünden abbüßet und
+aus dem Purgatorio eurer Folterungen vom Mund auf in den Himmel fahret.
+
+Lasset das liebe Publikum ja nie zum Denken kommen; denn sobald es
+denket, erschlaget es euch. Kommt ihm dahero mit dem Erschlagen zuvor
+wie ein geschickter Fechter seinem Widersacher. Erschlaget rechtzeitig
+in ihm die Fähigkeit zum Denken, auf daß ihr nicht anselbsten erschlagen
+werdet.
+
+Lasset das Publikum nicht zur Ruhe kommen vor lauter neuen Verordnungen.
+Denn nichts frißt der Mensch lieber und gläubiger, als beschriebenes und
+bedrucktes Papier, vornehmlich dann, wenn es eine Stampiglie hat. Dahero
+habe ich euch ja auch die Stampiglien erfunden. Lasset also das liebe
+Publikum vor lauter neuen Verordnungen, Stampiglien und
+Zusatzverordnungen und Verordnungen zu den Zusätzen der Zusätze nicht
+mehr zur Vernunft kommen. Dadurch müsset ihr das liebe Publikum in einer
+immerwährenden Drehkrankheit erhalten. Denn ich warne euch noch einmal:
+wenn es zur Vernunft kommt, dann ist es um euch geschehen.
+
+Es wird aber nie zur Vernunft kommen, wenn ihr meine Lehren pünktlich
+befolget. Schnauzen und verordnen und wieder verordnen und abermals
+schnauzen. Darin werden die Menschen eure höchste Weisheit erblicken,
+und alle werden zu euch aufschauen wie zu erhabenen Geschöpfen, und
+niemand wird jemals bemerken, was für Rindviecher ihr alle miteinander
+seid. Amen.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Bilder-Galleria der Jünger des heiligen Bürokrazius.
+
+
+Nachdem vorstehende Rede des heiligen Bürokrazius genau aufgezeichnet
+ist, wollen wir zusammen die versprochene Wanderung durch die Galleria
+seiner größten erwählten Jünger unternehmen.
+
+Tritt ein, geliebtes Publikum, sieh und staune! Allhiero hängen sie
+alle.
+
+Aber wollet mich nicht mißverstehen, sintemalen das Wörtchen hängen eine
+recht kitzliche Nebenbedeutung hat. Ihr dürfet etwan nicht glauben, daß
+diese Galleria, welche euch erkläret werden soll, der Meister Knüpfauf
+aufgehenkt hat, dieweilen sotane Hälse keinen anderen Kragen verdienen,
+als den der Seiler spendieret.
+
+Schreiber dieser Legende weiß es ganz gewißlich, daß etwelche unter euch
+Lesern so frevelhaft sind, den nachhero benamsten und beschriebenen
+Jüngern des heiligen Bürokrazius zu wünschen daß sie hangen möchten wie
+die armen Schelme und Sünder am Galgen.
+
+Dieses heimtückische Gaudium soll euch aber gründlich versalzen werden,
+ihr gottlosen Spottvögel, sintemalen die Jünger des heiligen Bürokrazius
+bis anhero bloß _in effigie_ hangen, allwo ihr sie zur männiglichen
+Erbauung betrachten könnet.
+
+Beschauet dahero den heiligen Stallmeister Stultissimus, abkonterfeit,
+wie er leibte und lebte. Bewundert die Nachdenksamkeit seiner Zehen und
+die _Insignia_ seiner Würde, welche fürstlichen Zieraten vergleichsam
+sind. Er traget zwar nicht Zepter und Reichsapfel, aber dafür einen
+Roßknödel und eine Peitsche. Der verklärte Geist des Amtsschimmels
+durchleuchtet seine überirdischen Gesichtszüge. Es ist schon genug von
+ihm gesaget worden, folget dahero eurem getreuen Kustoden weiter in der
+Galleria zu den anderen höchst respektabeln Heiligen.
+
+Es kommet nunmehro in der Heiligengalleria der heilige Sankt Grobian.
+Er hat des heiligen Bürokrazius wohlmeinende Lehren vom Schnauzen am
+allergründlichsten erfasset. Er hat sich das Sprechen ganz und gar
+abgewöhnet und sich nur zum Schnauzen bekehret. Sein Bildnis ist dahero
+auch zum Schnauzen ähnlich getroffen. Er hat sich zum gröbsten Lümmel
+unter allen Jüngern des heiligen Bürokrazius entwickelt und bildet sich
+einen Patzen darauf ein. Sein Schnauzbart ist auch der gewaltigste von
+allen anderen Schnauzbärten und hängt ihm beiderseitig wie einem Seehund
+herunter. Davon der Schnauzbart sich jedoch unterscheidet, dieweilen er
+nicht von salzigem Meerwasser triefet, sondern zumeist von Bier, Wein
+und anderen _alcoholicis_, denen Sankt Grobian nicht abgeneiget ist.
+Braucht er sie doch zur Anfeuchtung seiner Schnauzen und zur
+Auffrischung seines Geistes.
+
+Der heilige Sankt Grobian blühet und gedeihet vornehmlich an den
+Schaltern. Er besitzet die Nerven eines Büffels, derohalben man ihn auch
+Schalterbüffel benamsen könnte. Beobachte, o geduldiges und
+vielgeprüftes Publikum, wie sich an den Schaltern oftmals ein wildes
+Gebrülle erhebet. Dann recket sich der struppige Schädel Sankt Grobians
+heraus, gleichsam wie aus einer offenen Stalltüre, und brüllet und
+schnauzet dir in dein angstverzerrtes Gesicht, daß du den Schlotterich
+in allen Gliedern bekommest.
+
+Nunmehro wenden wir uns von dem heiligen Grobian zu dem nächsten
+Heiligen in der Galleria. Das ist der heilige Blödian. Erstarre in
+Ehrfurcht vor ihm, geliebter Beschauer; denn seine heilige Dummheit
+grenzet an das Übermenschliche und Unbegreifliche. Dahero hat der
+heilige Blödian mit dem heiligen Bürokrazius auch am meisten Ähnlichkeit
+in seiner ganzen Physiognomia. Sie könnten Zwillingsbrüder sein. Aus
+diesem erstaunlichen Naturspiele ersiehest du, andächtiger Beschauer,
+wie auch geistige Verwandtschaft in körperlichen Zügen sich auszuprägen
+pfleget. Der heilige Sankt Blödian, der ist es, welcher am gründlichsten
+im Geiste der Stampiglien denket, für den es außerhalb derselbigen kein
+Heil gibt. Was wäre Sankt Blödian auch ohne Stampiglien! Ein Kind ohne
+Mutterbrust oder Lullbüchsen, ein Lahmer ohne Krücken, ein Stuhl ohne
+Beine.
+
+Folget der heilige Sankt Schlamprian. Er ist bildlich dargestellet mit
+einer langen, schier in die Unendlichkeit reichenden Bank, auf die er
+alles zu schieben pfleget. Ungeduldige Menschen, welche es leider noch
+immer gibt, sollen manchmal in die Versuchung kommen, Sankt
+Schlamprianum auf seine Bank zu legen und ihm eine gehörige Tracht
+Prügel herunterzumessen. Ist aber bis anhero offenbarlich noch nicht
+geschehen, dieweilen der heilige Schlamprian froh und vergnüglich
+weiterlebet.
+
+Reihet sich an der heilige Sankt Schnüfflian. Das ausgedehnteste
+_organum_ an diesem heiligen Bildnisse ist, wie du, andächtiger
+Beschauer, alsogleich wahrnehmen wirst, das Riechorgan. Hier findest du
+die Rüsselnase des heiligen Bürokrazius bis zur höchsten _Potentia_
+entwickelt. Sankt Schnüffliani Löschhorn ist eben so lang als beweglich
+und dringet dahero überall hin. Es ist befähiget, dich zu beschnüffeln
+vom Kopf bis zu deinen Zehen. Es kriechet dir überall hinein von deinem
+kleinsten Kastel bis zu deinem kleinsten Leibeltaschel. Sankt
+Schnüffliani Nase riechet alles, auch das, was gar nicht da ist,
+dieweilen es vielleicht doch da sein könnte. Sie kann sogar so haarfein
+werden, daß sie in verschlossene Briefe dringet und deine tiefsten
+Geheimnisse erforschet. Sintemalen sie aber nur Nase und nicht Gehirn
+ist, hat sie sich auch des öfteren schon schauderhaft blamieret. Sie
+schnupfet den Staub der Skripturen und betrachtet diesen Toback als das
+köstlichste Labsal. Es hat sich noch niemand erdreistet, dem heiligen
+Sankt Schnüfflian einen gehörigen Nasenstüber auf seinen
+Gesichtsvorsprung zu geben, so daß selbiger immer länger zu wachsen und
+schließlich den geduldigen _populus_ zu umschlingen drohet wie die
+Fangarme der Meerpolypen.
+
+_Secundum ordinem_ zu einem auferbaulichen Beschlusse anjetzo der
+heilige Sankt Corruptius. Er ist der gemütlichste und umgänglichste von
+allen Heiligen dieser Galleria, dieweilen er seinen Verstand in den
+Taschen hat und du dich dahero mit ihm am leichtesten verständigen
+kannst. Er wird dir in dem Maße mit seinem Verständnisse entgegenkommen,
+als du ihm seine Taschen füllest. Seine ganze Wirksamkeit findet sich
+ausgedrücket in der liebenswürdigen Frage: »Wieviel?« Seine Linke weiß
+nie, was seine Rechte nimmt. Er kann nur dann beleidiget werden, wenn du
+ihm einen leeren Händedruck verabreichest.
+
+Der heilige Sankt Corruptius ist das versöhnende Elementum unter seinen
+heiligen Kollegen. Er macht so vieles gut, was Sankt Grobian, Blödian
+oder Schlamprian verdorben haben. Er ist oft der einzige Ausweg, das
+rettende Hintertürl in allen möglichen und unmöglichen Nöten und läßt
+aus seinen heimlichen Taschen die Erfüllung so mancher Wünsche
+erstehen als ersprießlich wirkender Nothelfer, als verschmitzt und
+verständnisvoll lächelnder Bundesgenosse derjenigen, die es verstehen,
+mit dem gebührenden Nachdrucke um seine Hilfe zu beten. Aus je mehr
+Banknoten das Gebetbüchlein dieser andachtsvollen Seelen bestehet, je
+dicker und leibiger es ist, je eifriger sie seine Blätter in brünstigem
+Flehen wenden, desto gnädiger, huldvoller und erbarmender wird sich
+ihren Anliegen der heilige Sankt Corruptius zuneigen.
+
+Womit euer getreuer Kustode die Türe der Galleria schließet und euch
+wiederum entlasset.
+
+
+
+
+ Von der Titel- und Ordenssucht.
+
+
+Es bleibet nunmehro weiters zu vermelden, daß sich unter den Jüngern des
+heiligen Bürokrazius alsobald auch die Titel- und Ordenssucht
+auszubreiten begann. Das ist eine gar arge Sucht. Noch viel ärger, als
+die Maul- und Klauenseuche unter dem lieben Rindviech. Da jedoch der
+heilige Bürokrazius und seine Jünger das liebe Rindviech noch
+übertreffen, warum sollen sie nicht auch noch von ärgeren Seuchen
+heimgesuchet worden sein als das liebe Rindviech?
+
+Die Titelsucht wuchs sich aber zu einer solchen Seuche aus, daß sie mit
+den Bandwürmern verglichen werden konnte. Denn kein Titel war den nach
+sotaner Auszeichnung Strebenden mehr lang genug. Je länger der Titel,
+desto mehr wurde er erstrebet. Ja, es soll solche lange Titel gegeben
+haben, daß die Titeljäger und Titelträger früher eines seligen Endes
+verstorben sind, bevor es ihnen gelungen ist, den erjagten Titel ganz
+auszusprechen.
+
+Etwelche sind auch mitten in der Aussprache ihres Titels ersticket oder
+von jäher Geisteskrankheit befallen worden, insonderheit von Größenwahn.
+Schreiber dieser Legende muß es aus zärtlicher Fürsorge für sich selber
+und für seinen frommen Leser unterlassen, ihm ein Verzeichnis dieser
+Titel zu versetzen, dieweilen er befürchtet, ansonsten den Bandelwurm im
+Gehirn zu bekommen oder _lectori suo_ eine ähnliche Krankheit zu
+bescheren.
+
+Gleich gefährlich wie die Titelsucht hat sich auch die Seuche der
+Ordenssucht unter den Jüngern des heiligen Bürokrazius zu verbreiten
+begonnen.
+
+Während beim lieben Rindviech die Maul- und Klauenseuche die
+Freßwerkzeuge und Gehwerkzeuge des lieben Viehes affizieret, hat sich
+die Ordenssucht auf sämtliche Knopflöcher der Jünger des heiligen
+Bürokrazius geworfen.
+
+Bedenke aber, geneigter Leser, wie viele Knopflöcher ein erwachsenes
+Mannsbild besitzen tut. Was muß das für ein gräulicher Zustand sein,
+wenn diese sämtlichen Knopflöcher vom obersten Kragenknöpfel bis zum
+untersten Hosenknöpfel von dieser Seuche befallen sind, immerdar gähnen
+wie hungrige Mäuler und triefen in Gier und unbefriedigter Sehnsucht.
+
+Und wenn du sie auch stopfest mit einem Bändlein, Sternlein oder
+Kreuzlein, es werden immer noch genug Knopflöcher übrig bleiben, die
+nach Sättigung schreien.
+
+Niemals ist noch der Ordenshunger ganz befriediget worden. Denn hast du
+es, o großgünstiger Leser, jemals erfahren, daß auch die untersten
+allerinsgeheimsten Knopflöcher, so ein Mannsbild sein eigen nennet, mit
+Ordensdekorationen ausgezeichnet worden sind? Also gibt es immer noch
+Knopflöcher, die elendig darben in ihrer Verlassenheit und
+Zurücksetzung.
+
+Es will jedoch dem Schreiber dieser Legende erscheinen, als ob der
+Seuche auch dann nicht abzuhelfen wäre, wenn man auch diese untersten,
+bishero noch immer nicht berücksichtigten Knopflöcher gnädigst
+auszeichnen würde.
+
+Es stünde alsodann zu befürchten, daß das erwachsene Mannsbild
+urplötzlich ganz neue Knopflöcher bekäme, die man bis anhero noch gar
+nicht erfunden hat.
+
+Und es könnte sich ein Schaustück, ein noch niemals dagewesenes
+_spectaculum_ ergeben, daß das Äußere eines erwachsenen Mannsbildes und
+Jüngers des heiligen Bürokrazius überhaupt nur mehr aus Knopflöchern
+bestehen würde.
+
+Als eine unerhörte Vernachlässigung muß es jedoch Schreiber dieser
+Legende brandmarken, daß es noch niemandem eingefallen ist, die erhabene
+Bekleidung des Verstandestempels des heiligen Bürokrazius mit
+reichlichen Knopflöchern zu versehen, wie wir dies bei so vielen
+_puerulis_, _id est_ kleinwinzigen Büblein zu finden gewohnet sind.
+Sotane Vermehrung durch besagte der Dekorierung überaus würdige
+Knopflöcher wäre vielleicht ein besonders heilsamer Balsam gegen die
+bohrenden Schmerzen der Ordensseuche geworden.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Wie der heilige Bürokrazius sich erlustierte.
+
+
+Wir aber wollen uns nunmehro zu einem freundlicheren Bilde wenden.
+Der heilige Bürokrazius pflegte unter seinen Jüngern auch die höhere
+Geselligkeit, auf daß sich nach des Tages erschöpfender Arbeit auch die
+höhere Fidelität, die _fidelitas major atque elatior_ erhübe und die
+Pflege des Geistes keinen namhaften Abbruch erlitte.
+
+Regelmäßig versammelten sich der heilige Bürokrazius und seine Jünger zu
+geselligen Abenden. Munter flossen da die Gespräche, anmutig
+durchflochten von den Erinnerungen des arbeitsreichen Tages. Auch der
+Gesang kam zu seinem Rechte.
+
+In gebührender Adäquation an die hohen geistigen Fähigkeiten des
+Heiligen und seiner Jünger bewegte sich dieser erhabene Gesang stets nur
+auf klassischem Gebiete und trug nicht wenig zur weiteren Schärfung des
+Geistes der an diesen geselligen Abenden Beteiligten bei.
+
+Eines dieser herrlichen Lieder mag auch dir, großgünstiger Leser,
+vorgesetzet werden, da es in selten edler Form die höchsten Ideale der
+Volkswirtschaft im begeisterten Schwunge eines klassischen Dithyrambus
+verkörpert. Es sind Verse, die es verdienen, in goldenen Lettern auf
+Marmortafeln ausgehauen zu werden. Lausche, geliebter Leser!...
+
+ D'Sau, d'Sau, d'Sau hat an Schweinekopf,
+ Und, und, und vier Haxen hat's aa,
+ Wann, wann, wann man's genau betracht't,
+ Hat's an Schwoaf aa.
+ Ja, ja, hat's an Schwoaf aa.
+
+ Wann, wann, wann ma a Messer nahm'
+ Und, und, und schneid't den Schwoaf a,
+ Aft, aft, aft ist's a g'stutzte Sau wor'n
+ Und der Schwoaf a.
+ Ja, ja, und der Schwoaf a.
+
+ Wann, wann, wann ma a Petschierwachs nahm'
+ Und, und, und pickt den Schwoaf an,
+ Aft, aft, aft ist's a pickte Sau wor'n
+ Und der Schwoaf dran.
+ Ja, ja, und der Schwoaf dran.
+
+ Nimmt, nimmt, nimmt ma den Schwoaf in d'Hand
+ Und, und, und ziacht a wen'g dran,
+ Aft, aft, aft hat ma den Schwoaf in der Hand,
+ Und d'Sau rennt davon.
+ Ja, ja, d'Sau rennt davon.
+
+Stelle dich nunmehro, o vielgeliebter Leser, mit dem Schreiber dieser
+Legende, welchen du also getreu begleitet hast, auf die Verstandes- und
+Geistes-Plattform des heiligen Bürokrazius und seiner Jünger und
+versetze dich ganz und gar in den Geist dieses Liedes. Er wird dich
+unwiderstehlich ergreifen, in dich hineinfahren und dich vollständig
+erfüllen.
+
+Singe dieses Lied unermüdlich immer und immer wieder! Und du wirst
+sehen, daß du seinen Text nicht mehr loskriegen kannst. Er wird dich
+verfolgen bei Tag und bei Nacht.
+
+Das Schicksal der petschierten Sau wird dein eigenes Schicksal werden.
+Es wird der Weihegesang deiner Tage und das Lied deiner Träume werden.
+
+Versuche es dahero, o wohlgeneigter Leser. Du wirst sicher keine
+Enttäuschung erleben.
+
+Es ist auch gesund für deine Nerven, wenn du dein ganzes Geistesleben
+auf dieses Lied einstellest. Du wirst dabei gewiß den chronischen
+Gehirntatterich bekommen. Einerseits ist das jedoch ein wohltätiger
+Zustand, andererseits hast du dann Aussicht, unter die Jünger des
+heiligen Bürokrazius aufgenommen zu werden.
+
+Schreiber dieser Legende würde dich, geneigter Leser, mit dem oben
+vorgeschlagenen Experimente des Liedes von der petschierten Sau
+gewißlich nicht molestieren, wenn er nicht wüßte, daß du zu der
+Überzeugung gelangest, welche magische Gewalt in diesem Liede liegt.
+
+Du kannst alsodann nach deiner eigenen Erfahrung allen Verleumdern des
+heiligen Bürokrazius und seiner Jünger im Harnisch der Entrüstung
+entgegentreten. Denn es gibt solche Verleumder, welche behaupten, daß
+das gesellige Leben des heiligen Bürokrazius und seiner Jünger womöglich
+noch stumpfsinniger ist als ihr sonstiges Dasein.
+
+Das Lied von der petschierten Sau, welches einen Gipfelpunkt der
+geselligen Freuden des heiligen Bürokrazius und seiner Jünger
+darstellet, wird jedoch den schlagenden Gegenbeweis liefern, wie
+einprägsam und tief die gemütliche Art des Heiligen auch außerhalb
+seiner sonstigen Tätigkeit war, wie voll von eigenartiger
+Gedankenschärfe und Vorstellungskraft, wie beruhigend aber auch für
+die strapazierten Nerven der Menschheit.
+
+
+
+
+ Wie der bitterböse Kare Revoluzzer den guten König
+ zum Teufel jagte.
+
+
+Es begab sich aber, daß ein Mensch aufstund, so Kare Revoluzzer geheißen
+ward.
+
+Das war ein grauslicher Kerl, aber schon ein so grauslicher Kerl, daß er
+noch grauslicher nimmer sein konnte.
+
+An diesem wüsten Individuum war alles rot. Der Kerl hatte rote Haare und
+einen roten Bart wie weiland nach glaubhaften Überlieferungen und
+Schilderungen Judas Ischariot. Dazu trug er auch noch eine rote Mütze
+auf dem Schädel und ein rotes Hemde an seinem vermaledeiten Leibe. Ja
+sogar ein knallrotes Krawattel hatte der bitterböse Kare Revoluzzer, das
+nicht einmal an der _Krawatitis posterior ascendens_ litt, sondern ihm
+zu beiden Seiten wie zwei rote Fahnen herausflatterte.
+
+Er aß nur roten Schwartenmagen und selbstverständlich auch Blutwurst.
+Und er hätte natürlich auch nur immer roten Wein getrunken, wenn er ihn
+gehabt hätte. In Ermangelung desselben trank er seine frische Kellermaß
+nur aus einem grellroten Maßkrug, der ein rotes Biermerkerl hatte, auf
+dem ihm die Kellnerin nur mit Rotstift die vertilgten Mengen des edeln
+Gerstensaftes verzeichnen durfte.
+
+Dieser wüste Kerl wurde bei jeder Gelegenheit feuerrot vor Wut und
+schimpfte dann gotteslästerlich. Besagter roter Satansbraten war so
+saugrob, aber schon so pfundsaugrob, daß dagegen der heilige Sankt
+Grobian als ein gar fein politierter Hofmann gelten konnte.
+
+Der heilige Sankt Grobian schimpfte wenigstens nicht über den guten
+König, sondern er ließ den guten König regelmäßig hoch leben, wenn er
+sich _in alcoholicis_ genug getan hatte. Bei der sechsten Maß brachte
+der heilige Sankt Grobian fast immer ein Hoch auf den guten König aus
+und rief, daß alles dröhnte: »Vivat hoch der König! Er lebe hoch! hoch!
+hoch!« Bei dieser loyalen Kundgebung sträubte sich jedes einzelne Haar
+in dem langen Schnauzbart des heiligen Grobian vor echter dynastischer
+Begeisterung.
+
+Davon wußte allerdings der gute König wahrscheinlich gar nichts, wie er
+von verschiedenen anderen Dingen auch nichts wußte. Deswegen war er aber
+doch ein guter König. Und der bitterböse pfundsaugrobe Kare Revoluzzer
+hätte nicht so auf den guten König zu schimpfen brauchen, dieweilen ihm
+der gute König ja gar nichts getan hatte. Das war dem Kare Revoluzzer
+aber Blutwurst. Dahero erhub sich bei ihm während der sechsten Maß das
+Gegenteil der dynastischen Begeisterung.
+
+Es stritten sich aber gleich wie bei Homeros der Städte sieben um die
+Ehre, der Geburtsort des bitterbösen Kare Revoluzzer gewesen zu sein.
+Schreiber dieser Legende vermeinet, daß der weitbeschreite Kare
+Revoluzzer von Ithaka oder von dort irgendwo in der Nachbarschaft
+herstammet und daß er einen der trojanischen Helden zu seinem
+Altvorderen hat, sintemalen selbige Helden auch schon so fürtrefflich
+das Schimpfen verstunden wie der Kare Revoluzzer.
+
+Dieser wüste Kerl, den der höllische Schürmeister quintelweis in seine
+Bratpfannen holen soll, auf daß besagter Teufelsbraten nur recht langsam
+und in den allerkleinsten Stücklein schmore, schimpfte aber nicht nur
+auf den guten König, sondern er jagte eines Tages den guten König sogar
+zum Teufel, obwohl ihm der gute König niemals etwas getan hatte, was
+schon weiter oben gerechtermaßen ist vermerket worden.
+
+Wie konnte das aber sich ereignen, daß der Kare Revoluzzer den guten
+König zum Teufel jagte, wo doch der gute König auf seinem Throne saß
+und der Kare Revoluzzer höchstens eine schmierige Bierbank mit seiner
+Hinterfront beschwerte?
+
+Das kam dahero, dieweilen der Kare Revoluzzer ein großer Volksredner
+und dessentwegen sehr gefährlich war. Er berief immer wieder
+Volksversammlungen ein und schimpfte dann vor den Versammelten immer
+wieder über den guten König, der ihm gar nichts getan hatte.
+
+Bevor er den guten König zum Teufel jagte, hielt er in einer großen
+Volksversammlung eine große Rede, die er dann auch drucken und an allen
+Straßenecken anschlagen ließ. Dahero ist uns diese Rede noch heutigen
+Tages erhalten und soll auch dem geneigten Leser dieser Legende nach
+ihrem vollen Inhalte mitgeteilet werden.
+
+Es sprach aber der Kare Revoluzzer in dieser Rede ...
+
+Zu was brauchen ma denn an Kini? Mir brauchen koan Kini. Oder woaß
+vielleicht wer, zu was ma an Kini brauchen? Der soll's nur sagen, der wo
+woaß, zu was ma an Kini brauchen. Der soll's nur sagen. Dem hau' i aber
+schon a solchene in sei' Fotzen. Aber schon a solchene. Schon a
+solchene. Also woaß wer, zu was ma an Kini brauchen? Koa Mensch woaß, zu
+was ma an Kini brauchen. Also brauchen ma koan Kini. Und weil ma koan
+Kini brauchen, brauch' ma koan Kini.
+
+Was is denn überhaupts a Kini? Gar nix is a Kini. A Schmarrn is a Kini.
+Und weil a Kini a Schmarrn is, brauch' ma koan Kini, weil ma koan
+brauchen! Oder brauch' ma vielleicht an Kini? Und weil ma koan Kini
+brauchen, lass' ma uns aa koan Kini mehr g'fallen. Warum sollen ma
+uns aa an Kini g'fallen lassen, wo ma koan brauchen! Wir lassen uns
+überhaupt nix mehr g'fallen. Also lassen ma uns aa koan Kini mehr
+g'fallen, weil ma koan Kini brauchen. Oder brauchen ma vielleicht an
+Kini?
+
+Mir san mir! Oder will vielleicht wer bestreiten, daß mir mir san? Und
+weil mir mir san, können mir uns selber regieren und brauch' ma koan
+Kini, der wo uns regieren tut und den wo wir zahlen tun müssen. Mir
+können uns selber zahlen für's Regieren, weil mir mir san. Und weil mir
+koan Kini mehr brauchen, den wo mir zahlen tun müssen für's Regieren und
+weil ma überhaupts koan Kini mehr brauchen, weil mir mir san, jagen mir
+den Kini zum Teufel! Mir brauchen koan Kini, weil ma koan Kini brauchen.
+Oder brauch' ma vielleicht an Kini? Koan Kini brauch' ma. Also jagen ma
+den Kini zum Teufel!...
+
+Diese Rede machte einen so gewaltigen Eindruck auf die versammelten
+Volksmassen, daß es dem bitterbösen Kare Revoluzzer wirklich gelang, den
+guten König zum Teufel zu jagen. Darauf gründete der bitterböse Kare
+Revoluzzer einen knallroten kommunistischen Freistaat ohne Kini.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Wie besagter Höllenbraten den heiligen Bürokrazius
+ erschlagen wollte und von diesem glorreich widerleget
+ wurde.
+
+
+Damit, daß er den guten Kini, der ihm nie was getan hatte, zum Teufel
+gejagt hatte, ließ es sich dieser Höllenbraten aber noch lange nicht
+genügen. Sein ganzer roter Haß richtete sich jetzunder gegen den
+heiligen Bürokrazius. Der war ihm schon lange ein Dorn im Auge.
+Er berief dahero eine neue Volksversammlung ein, die ganz rot war,
+dieweilen nunmehro alle Versammelten die Tracht des bitterbösen Kare
+Revoluzzer trugen.
+
+Von einer rot ausgeschlagenen Tribuna sprach der Kare Revoluzzer
+nunmehro folgendermaßen gegen den heiligen Bürokrazius ...
+
+Zu was brauchen ma denn den heiligen Bürokrazi, den Pazi? Zu was
+brauchen ma den Pazi, den heiligen Bürokrazi? Mir brauchen koan heiligen
+Bürokrazi, weil ma koan brauchen! Oder woaß vielleicht wer, zu was wir
+den heiligen Bürokrazi brauchen? Dem stier' i aber schon a solchene in
+sei' Fressen! Aber schon a solchene! A solchene! Also koa Mensch woaß,
+zu was ma den heiligen Bürokrazi brauchen.
+
+Mir san mir. Und weil mir mir san, lassen mir uns aa nix mehr g'fallen,
+aber schon gar nixn nit, aa nit den heiligen Bürokrazi, den Pazi! Was
+machen ma nachher mit dem heiligen Bürokrazi, weil ma ihn nit brauchen,
+den Pazi? Erschlagen tuan ma den Bürokrazi, den Pazi, weil ma ihn nit
+brauchen den Bürokrazi!
+
+Weil mir mir san und weil mir uns nixn nit g'fallen lassen und weil mir
+erschlagen können, wen wir wollen! Drum haut's eahm oane eini dem
+heiligen Bürokrazi, dem Pazi, und schlagt's eahm die Zähnd in Rachen
+abi, daß s' eahm in Doppelreihen da außermarschieren, wo er den Verstand
+hat! Mir san mir!...
+
+Auf diese Rede des Kare Revoluzzer erhub sich ein fürchterliches Gejohle
+in der Versammlung. Der heilige Bürokrazius war aber anwesend, und es
+war große Gefahr vorhanden, daß es ihm an den Kragen ging. Er setzte
+sich jedoch zur Wehre, und es gelang ihm, den bitterbösen Kare
+Revoluzzer glorreich zu widerlegen.
+
+Es sprach aber der heilige Bürokrazius, nachdem er sich mühsam Gehör
+verschafft hatte, die folgenden denkwürdigen Worte ...
+
+Meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer! Es ist eine große Gemeinheit
+von meinem sehr geehrten Herrn Vorredner, daß er mich erschlagen will.
+Ich hätte ihm das gar nicht zugetrauet. Bedenket, was ihr dann beginnet,
+wenn ihr den heiligen Bürokrazius erschlagen habet. Wer wird euch noch
+auf Erden beglaubigen, wer ihr seid? Wer wird euch registrieren und
+numerieren? Ohne den heiligen Bürokrazius seid ihr überhaupt nicht mehr
+vorhanden.
+
+Ich gebe es gerne zu, daß unter meinen Jüngern und Anhängern sehr viele
+Esel sind. Aber bedenket des weiteren, daß Gott der Herr diesem so sehr
+verachteten Vieh eine große Ehre angetan hat, indem er auf ihm zu
+Jerusalem eingeritten ist. Ihr müsset dahero auch die Esel unter meinen
+Jüngern hochachten und schätzen.
+
+Und so ihr euch auch im heiligen Zorne manchmal versuchet fühlet, mich
+oder einen meiner Mitesel zu erschlagen, lasset euch ja nicht dazu
+verleiten, sondern erinnert euch an die Worte der heiligen Schrift: Der
+Gerechte erbarmet sich seines Viehes. _Dixi et salvavi animam meam!_...
+
+Auf diese Worte des heiligen Sankt Bürokrazius erhub sich ein brausender
+Jubel in der Versammlung.
+
+Nachdem es dem heiligen Bürokrazius durch seine Rede gelungen war,
+das liebe Publikum wiederum auf seinen ursprünglichen Standpunkt
+zurückzuführen, hatte er den Kampf gegen den bitterbösen Kare Revoluzzer
+gewonnen und diesen feuerroten Teufelsbraten glorreich widerleget.
+
+Obwohl es diesem wüsten Gesellen geglücket war, den guten König zum
+Teufel zu jagen, der ihm niemals etwas getan hatte, so glückete es ihm
+keineswegs gleichermaßen, den heiligen Bürokrazius zu erschlagen.
+
+Das liebe Publikum vermochte sich auch unter dem Einflusse des
+bitterbösen Kare Revoluzzer nie und nimmermehr von dem heiligen
+Bürokrazius zu trennen.
+
+Das darf dich, o großgünstiger Leser, nicht arg wundernehmen. Denn es
+ist leichter, einen König zum Teufel zu jagen, wenn er dir auch nichts
+getan hat, als einem Heiligen den Garaus zu machen, und vornehmlich dem
+mächtigsten Heiligen, der jemals auf Erden erstanden ist, dem heiligen
+Bürokrazius.
+
+ [Verzierung]
+
+
+
+
+ Wie der heilige Bürokrazius gen Himmel fuhr und seinen
+ himmlischen Einfluß auf den Kare Revoluzzer wirken ließ.
+
+
+Nachdem der heilige Bürokrazius zu der Überzeugung gelanget war, daß er
+auch in dem knallroten kommunistischen Freistaate des Kare Revoluzzer
+unbehelliget sein heiliges Dasein weiterführen werde, lud er seine
+Jünger und Anhänger zu einem Festabende ein, an dem das Weihelied von
+der petschierten Sau mit besonderer Inbrunst gesungen wurde.
+
+Der bitterböse Kare Revoluzzer aber grinste wütend zu den Fenstern des
+Lokales derer Versammlung herein. Er getraute sich jedoch nicht mehr zu
+brüllen: »Zu was brauch' ma den heiligen Bürokrazi, den Pazi!« -- weil
+er fürchtete, daß er derohalben belanget werden könnte. Wenn er auch den
+guten König zum Teufel gejagt hatte, der ihm nie was getan hatte, so sah
+er doch ein, daß es ihm niemals gelingen würde, den heiligen Bürokrazius
+zum Teufel zu jagen, geschweige denn ihn zu erschlagen.
+
+Der heilige Bürokrazius aber, welcher zur Erkenntnis gelanget war, daß
+er nunmehro seine heilige _missionem_ auf Erden vollkommen erfüllet
+hatte und daß er die Früchte seiner Sendung seinen Jüngern überlassen
+könnte, verabschiedete sich an jenem Festabend ganz besonders feierlich
+von seinen Jüngern.
+
+Er sprach zu ihnen: »Hocket euch auf den Sitz eures Verstandes, meine
+Vielgeliebten und Getreuen! Ich will heute von euch scheiden und gen
+Himmel fahren, dieweilen es mich schon lange gelüstet, in dieser Gegend
+Nachschau zu halten, ob da droben auch alles registrieret, numerieret
+und ordnungsgemäß eingetragen worden ist. Mich will es völlig bedünken,
+daß ich in der himmlischen Gloria noch gewaltige Aufgaben zu erfüllen
+haben werde. Ich höre schon die Stimmen der Heiligen und Erzväter über
+mir, welche in Sehnsucht nach mir rufen, dieweilen ihnen der liebe Gott
+die auferbauliche Gesellschaft des saudümmsten Heiligen versprochen hat,
+der zu sein ich bekanntlich die himmlische Ehre habe. Ich hinterlasse
+den Menschen zu ihrem Troste dich, den heiligen Stultissimus, dich, den
+heiligen Grobian, und dich, den heiligen Blödian, und dich, den heiligen
+Schlamprian, und dich, den heiligen Schnüfflian, und nicht zuletzt dich,
+den lieben, guten, gemütlichen und für alle irdischen Drangsale
+verständnisvollen heiligen Corruptius.«
+
+Bald nachdem der heilige Bürokrazius solches gesprochen hatte, erhub er
+sich und fuhr gen Himmel. Zufällig schloß gleichzeitig das neuerlich
+angestimmte Weihelied der Tafelrunde mit den erhebenden Worten: »D'Sau
+rennt davon!«
+
+Seine Jünger starrten dem Heiligen noch lange nach und sahen den Sitz
+seines Verstandes gleich einem leuchtenden Gestirne zwischen den Wolken
+verschwinden.
+
+Auf der dunklen Straße lauerte aber noch immer der bitterböse Kare
+Revoluzzer. Auch er starrte dem heiligen Bürokrazius nach, wie er gen
+Himmel fuhr. Seinen Lippen entrang sich der staunende Ausruf: »Da
+schaut's amal den Pazi, den Bürokrazi!« ...
+
+Als die Jünger des heiligen Bürokrazius sich von dem Festabende
+entfernten, da machte sich der knallrote Kare Revoluzzer heimlich an den
+freundlichen heiligen Corruptius heran, nahm ihn unter den Arm und bog
+mit ihm in eine stille Gasse ab, wo sie weder gehöret noch gesehen
+werden konnten.
+
+Dort fand eine lange Unterredung zwischen dem Kare Revoluzzer und dem
+heiligen Corruptius statt, die allem Anscheine nach zu einem sehr
+befriedigenden Resultate führte, sintemalen sich die beiden schließlich
+mit den untrüglichsten Anzeichen des innigsten Verständnisses und der
+herzlichsten Freundschaft voneinander verabschiedeten ...
+
+Es erwies sich aber auch alsobald der himmlische Einfluß des heiligen
+Sankt Bürokrazius an dem bitterbösen Kare Revoluzzer.
+
+Dieser rote Bösewicht wurde nämlich von einer innigen Verehrung für den
+von dem heiligen Bürokrazius schon längst gestifteten Ratstitel erfaßt.
+Und so begeistert war diese innige Verehrung, daß der bitterböse Kare
+Revoluzzer in seinem knallroten kommunistischen Freistaate lauter neue
+Ratstiteln einführte.
+
+Dem Schreiber dieser Legende ist es wegen mangelnden Platzes nur
+vergönnet, ein paar Endsilben der betreffenden Titeln in der
+Räterepublik des Kare Revoluzzer bekanntzugeben, dieweilen bei jedem
+Titel diesen Silben noch weitere 365 Silben vorangingen, auf daß jeder
+Tag des Jahres einen festlichen ratsherrlichen Charakter trüge. Die
+nachfolgenden Titel stellen dahero nur eine durch obbesagten Grund
+bedungene ärgerliche Verkürzung der wirklichen Gesamttitel dar.
+
+In dieser Verkürzung ernannte der bitterböse Kare Revoluzzer jeden
+Briefträger zum Geheimen Korrespondenzrat, jeden Leichenkutscher zum
+Kondolenzrat, jedes Tratschweib zur Frau Geheimen Konferenzrat, jeden
+Drehorgelmann zum Musikrat, jede Hebamme zur Frau Geburtsrat, jeden
+Schaffner zum Verkehrsrat, jeden Trambahnschaffner _in specialibus_ zum
+Ringlinienrat _vulgo_ Rundamadumrat, jeden Kellner zum Schankrat, jeden
+Käsehändler _vulgo_ Kasstecher zum Obergestankrat, jeden Greisler zum
+Viktualienrat, jeden Bahnwärter zum Streckenrat, jeden Lokomotivführer
+zum Oberdampfrat, jeden Friseur zum Verschönerungsrat, jeden Billeteur
+zum Knipsrat, jeden Krawattenhändler zum Schlipsrat, jeden
+Pfandverleiher zum Geheimen Pumprat, jeden Gerichtsvollzieher
+zum Wirklichen Pfändungsrat, jeden Steuereintreiber zum
+Obervolksbelästigungsrat, jeden Laternenanzünder zum Illuminationsrat,
+jeden Kassendieb zum Defraudationsrat, jeden Mädchenhändler zum
+Liaisonsrat, jede Kupplerin zur Frau Geheimen Okkasionsrat, jeden
+Vereinsmeier zum Koalitionsrat, jeden Schwindler zum Illusionsrat, jeden
+Schnapsbruder zum Alkoholrat, jeden Hausbesitzer zum Obersteigerungsrat,
+jeden Hausknecht zum Wirklichen Hinausbeförderungsrat, jedes Radiweib
+zur Frau Radirat, jeden Stiefelputzer zum Fußbekleidungspoliturrat,
+jeden Kastanienbrater zum Maronirat, jeden Südfrüchtenhändler zum
+Limonirat, jeden Charkutier zum Salamirat, jedes Siemanndl zum
+Wirklichen vortragenden Unterpantoffelheldenrat, jeden Kanalräumer zum
+Kanalrat, jeden Krakehler zum Krawallrat, jeden Heiratsvermittler zum
+Matrimonialrat, jeden Revolverjournalisten zum Skandalrat, jede Kuhdirn
+zur Frau Stallrat, jeden Besoffenen zum Ruhestörungsrat, jeden
+Vagabunden zum Wirklichen öffentlichen Landstraßenrat, jeden Schieber
+zum Geheimen Ernährungsrat, jeden Mistfuhrwerker zum Kompostrat, jeden
+G'scheerten zum Ökonomierat, jeden Löwenbändiger zum Menagerierat, jeden
+Dilettanten zum klassischen Genierat, jedes Urviech zum Zoologierat,
+jedes Kamel zum Wüstenrat, jeden Miederfabrikanten zum Geheimen
+Büstenrat, jeden Verrückten zum Oberspinnrat, jeden Trottel zum
+Wirklichen Intelligenzrat und alle sonstigen noch mit keinem Ratstitel
+bedachten Individuen zu wirklich wirklichsten insgeheim geheimsten
+Generalproletenräten mit dem Titel Seine Herrlichkeit.
+
+Trotzdem wurde eines Tages ein sehr zweifelhaftes Individuum
+aufgegriffen, von welchem es sich bei näherer Untersuchung
+herausstellte, daß es nicht einmal einen Ratstitel besaß.
+
+Im Interesse der Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit
+verfügte der bitterböse Kare Revoluzzer sofort, daß dieses ratlose
+Individuum wegen monarchistischer Umtriebe in Schutzhaft gesetzet wurde.
+
+Da schaute der heilige Bürokrazius vom Himmel herunter und lachte.
+
+
+ _Finis_
+
+ [Verzierung]
+
+
+ * * * * *
+ * * * *
+ * * * * *
+
+Errata:
+
+Rechtschreibungsformen wie »erhub« bzw. »erhob« sind ungeändert.
+
+ und betrachtete _pollicem suum_ [policem]
+ Davon der Schnauzbart sich jedoch unterscheidet [edoch]
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der heilige Bürokrazius, by Rudolf Greinz
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER HEILIGE BÜROKRAZIUS ***
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+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+collection are in the public domain in the United States. If an
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+
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+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
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+electronic work or group of works on different terms than are set
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+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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