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An- und Abführungsstriche +aus dem Original wurden durch »Guillemets« ersetzt, die einfachen +Anführungsstriche haben die einfachere 'Schreibmaschinenform'.] + + * * * * * + * * * * + * * * * * + +Rudolf Greinz + +Der heilige Bürokrazius + + [Abbildung] + +L. Staackmann, Verlag, Leipzig + + + + + Der + + heilige Bürokrazius + + * + + Eine heitere Legende + + von + + Rudolf Greinz + + * + + [Bild] + + L. Staackmann Verlag / Leipzig + + 1922 + + + + + Alle Rechte, besonders das der + Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten + + Für Amerika: + Copyright 1922 by L. Staackmann, Leipzig + + + Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig + + + + +Inhaltsverzeichnis + + Seite + + Vom Pater Hilarius und seiner weltberühmten Fastenpredigt + über das Thema: »Warum und wasmaßen der Mensch das + allergrößte Rindviech ist« 7 + + Wie der Pater Hilarius dazu kam, die Legende vom heiligen + Bürokrazius zu schreiben 26 + + Wie die Heiligen im Himmel dem lieben Gott eine seltsame + Bitte vortrugen 43 + + Wie die himmlischen Sendboten den heiligen Bürokrazius + entdeckten 50 + + Wie der heilige Bürokrazius auszog, um die Welt zu + beglücken 70 + + Wie der heilige Bürokrazius den Amtsschimmel fand und sich + beritten machte 84 + + Wie der heilige Bürokrazius in dem heiligen Stultissimus + seinen ersten Jünger warb 94 + + Wie die beiden Heiligen einen auferbaulichen Disput hatten + und das respektvolle Ergebenheitstränklein brauten 110 + + Wie der heilige Bürokrazius Hühneraugen im Hirn bekam und + sich einen Zopf wachsen ließ 121 + + Ein deliziöses Intermezzo von den Tiroler Speckknödeln 138 + + Wie der heilige Bürokrazius die Stampiglien erfand 144 + + Wie der heilige Bürokrazius seine Jünger belehrte 153 + + Bilder-Galleria der Jünger des heiligen Bürokrazius 161 + + Von der Titel- und Ordenssucht 169 + + Wie der heilige Bürokrazius sich erlustierte 174 + + Wie der bitterböse Kare Revoluzzer den guten König zum + Teufel jagte 179 + + Wie besagter Höllenbraten den heiligen Bürokrazius + erschlagen wollte und von diesem glorreich widerleget + wurde 186 + + Wie der heilige Bürokrazius gen Himmel fuhr und seinen + himmlischen Einfluß auf den Kare Revoluzzer wirken + ließ 191 + + [Verzierung] + + + + + Vom Pater Hilarius und seiner weltberühmten + Fastenpredigt über das Thema: »Warum und wasmaßen + der Mensch das allergrößte Rindviech ist«. + + +Großgünstiger Leser und hochgeneigte Leserin dieses ebenso frommen als +ungemein ersprießlichen Büchleins, ihr habt hoffentlich schon von dem +hochwürdigen Pater Hilarius gehört. Ja, ihr müßt sogar sicher davon +gehört haben, weil ihr euch ansonsten selber eines ungeheuern, +bedauerlichen und schier unbegreiflichen Bildungsmangels schuldig macht. + +Oder solltet ihr wirklich noch nichts von dem hochwürdigen Pater +Hilarius gehört haben? Das stellet euch gar kein gutes Zeugnis aus. +Ihr seid offenbar zu sehr verstrickt in den faulen Zauber aller +Weltlichkeit, als daß euch der Pater Hilarius schon begegnet wäre. Also +will ich mich in christlicher Erbarmung über euren unverantwortlichen +Bildungsmangel hinwegsetzen und euch vom Pater Hilarius erzählen. + +Der Pater Hilarius war natürlich ein Tiroler, wie überhaupt alle +gescheuten Menschen Tiroler sind. Von seinem Geiste werdet ihr noch ganz +erklecklich genug zu spüren und zu schmecken bekommen. Demnach können +wir uns vorerst mehr mit seiner hochwürdigen Leiblichkeit befassen. + +Um euch ein allgemeines Bild von dem berühmten Pater zu geben, möchte +ich euch zu Gemüte führen, daß er von außen rund und von innen naß war. +Die äußere Rundlichkeit stammte von genügender und mit gebührender +Andacht aufgenommener Atzung. Die innere Nässe oder Feuchtigkeit leitete +ihren Ursprung von geistigen Flüssigkeiten her, die der hochwürdige +Pater mit einer womöglich noch größeren und tieferen Andacht seinem +sterblichen Leichnam einverleibte. Darunter spielte der Wein eine +hervorragende Rolle. Glaubet aber deswegen ja nicht, daß der hochwürdige +Pater Hilarius ein Fresser und Schlemmer und ein gottloser Säufer war. +Wie ich euch bereits gesagt habe, geschah alles mit der gebührenden +Andacht. + +Der hochwürdige Pater Hilarius betrachtete Essen und Trinken als ein +Gott wohlgefälliges Fest, das man nicht hoch genug feiern konnte. Er +huldigte dem erhabenen Grundsatze, daß Essen und Trinken Leib und Seele +zusammenhalte. Und diesem notwendigen Zusammenhalt brachte er so manches +Opfer. Es ist auch jedermann, der auf einen guten Bissen und einen guten +Trunk nichts hält, ein langweiliges Individuum, dessen Erschaffung sich +der liebe Herrgott hätte ersparen können. + +Ich habe weiter oben die Behauptung aufgestellt, daß überhaupt alle +gescheuten Menschen Tiroler sind. Obwohl diese Behauptung aus dem +Spruchschatze des Pater Hilarius stammet und dahero eigentlich keiner +weiteren Begründung bedürfte, will ich euch den Beweis dafür doch nicht +schuldig bleiben. + +Bekanntlich meldet die Volkssage, daß die Tiroler erst mit vierzig +Jahren gescheut werden. Nachdem aber, wie aus dem Nachfolgenden nur zu +deutlich hervorgehen wird, die ganze Menschheit nichts anderes ist, als +ein großer Stall von Rindviechern, haben die Tiroler wenigstens noch +eine Möglichkeit und einen festgesetzten Termin zum Gescheutwerden, +während eine solche Möglichkeit oder ein derartiger Termin für die +übrigen Menschen außerhalb Tirols nicht bekannt ist. + +Ein anderes wichtiges Momentum, das gleichfalls den Forschungen des +hochwürdigen Pater Hilarius entstammet, soll hier zum erstenmal einer +breiteren Öffentlichkeit übergeben werden. Nämlich, daß die Gescheutheit +der Tiroler ihren Urgrund in den Speckknödeln hat. + +Die Speckknödel sind die Nationalspeise und das Lieblingsgericht aller +Tiroler. Durch einen ganz eigentümlichen chemischen Prozeß, über den +sich der hochwürdige Pater Hilarius sehr eingehend verbreitet, haben die +Speckknödel die merkwürdige und nicht genug zu schätzende Eigenschaft, +daß sie zu einem großen Teile unmittelbar als Phosphor ins Gehirn gehen. + +Diese Ansammlung von Phosphor erreichet genau beim vollendeten +vierzigsten Lebensjahre eines jeden Tirolers einen derartigen Höhepunkt, +daß die Gescheutheit mit der Sicherheit eines physikalischen +Experimentes von selbst in Erscheinung tritt. + +Die diesbezüglichen grundlegenden Forschungen des hochwürdigen Pater +Hilarius erlaube ich mir ganz bewußt zu unterschlagen. Sonst wollte +eines Tages die ganze Welt Speckknödel fressen, um auch so gescheut zu +werden wie wir Tiroler. Das ginge uns just noch ab. Wir haben ohnedies +immer zu wenig Speck, namentlich in den gegenwärtigen teuren Zeiten. + +Weil nun die Tiroler Speckknödel die angebetete Leibspeise des +hochwürdigen Pater Hilarius waren und er sie auch fleißig mit Wein +begoß, um den chemischen Prozeß der Phosphoreszierung möglichst zu +beschleunigen, hat er es zu einem ganz besonders hohen Grade der +Gescheutheit gebracht, der ihn befähigte, seine weltberühmte +Fastenpredigt über das auferbauliche Thema zu halten: »Warum und +wasmaßen der Mensch das allergrößte Rindviech ist«. + +Wenn ihr von dieser Fastenpredigt auch noch nichts gehört haben solltet, +so kann ich es mir nur dadurch erklären, daß die außerhalb Tirols +lebende Menschheit, die sich von den Ausführungen besagter Predigt ganz +besonders betroffen fühlen muß, alles getan hat, um die geistigen +Produkte des hochwürdigen Pater Hilarius heimtückisch zu unterdrücken. + +Ihr müßt nämlich wissen, daß die mehrfach erwähnte Fastenpredigt des +hochwürdigen Paters etwa nicht seine einzige Fastenpredigt war, sondern +daß er noch zahlreiche andere Fastenpredigten hielt. Dieselben zur Gänze +oder in einer Auswahl einem löblichen Publico durch die Druckerschwärze +vor Augen zu führen, behält sich der Herausgeber dieses +Erbauungsbüchleins für einen späteren geeigneten Zeitpunkt vor. + +Großgünstiger Leser und hochgeneigte Leserin, seid also in Demut darauf +gefaßt, eines schönen Tages auch die anderen berühmten Fastenpredigten +des Pater Hilarius versetzt oder vielmehr um eure _pleno titulo_ +Ohrwascheln gehaut zu bekommen. + +Für heute wollen wir uns mit seiner berühmtesten Fastenpredigt begnügen, +da selbige sozusagen den festen Grundstock bildete, auf dem der +hochwürdige Pater die Legende vom heiligen Bürokrazius aufbaute. + +An einem Samstag der Fastenzeit hatte sich der hochwürdige Pater +Hilarius, um sich für die geistigen Strapazen des darauffolgenden +Sonntags zu stärken, sieben Tiroler Speckknödel von der beruhigenden +Dimension mittlerer Kegelkugeln einverleibet. Danach verzehrte er noch +einen Schöpsenbraten mit beigelegten Erdäpfeln, Häuptelsalat und +gedörrtem Zwetschgenkompott, auch eine Leibspeise von ihm, und setzte, +weil aller guten Dinge drei sind, noch ein drittes Leibgericht als +Krönung darauf. Das waren gebackene Brandstrauben. Dazu trank er +anderthalb Maß Kalterer Seewein. Alles in offensichtlicher Andacht, +gebührender Dankbarkeit für die wundersamen Gottesgaben und in +himmlischer Ergebenheit. + +Als er die letzte Straube mit dem letzten Tropfen Kalterer begossen +hatte, faltete er die Hände über seinem sehr ansehnlichen Bäuchlein und +sprach: »Jetzt wohl! Gegessen wär's und getrunken wär's auch. Wenn's nur +gepredigt auch schon wär'!« + +Dieser fromme Wunsch steigerte sich aber alsobald zu dem mannhaften +Entschluß: »Na, wartet, euch will ich morgen ordentlich einheizen! Euch +will ich sieden und braten, daß euch Hören und Sehen vergeht! Ihr +Malefiz-Sünden- und Teufelsbrateln übereinander!« + +Sprach's, überlegte sich seine Predigt und ging zur Ruhe. + +Da die Phosphorentwicklung schon in der darauffolgenden Nacht eine ganz +gewaltige und mitunter sogar laut hörbare war, erwachte der hochwürdige +Pater Hilarius am nächsten Morgen mit einem solchem Gefühle geistiger +Stärkung, daß er sich befähigt erachtete, sämtliche Kirchenväter und +Theologen zu einem geistlichen Turnier in die Schranken zu fordern. + +Also bestieg er mit dem geistigen Destillat der sieben Tiroler +Speckknödel und aller sonstigen dankenswerten Zutaten die Kanzel und +hielt seine berühmte Fastenpredigt, die ich im Nachfolgenden zur +Erbauung von männiglich im Wortlaute wiedergebe ... + +Meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer! Alle Dinge müssen einen Anfang +haben. Dahero auch eine Fastenpredigt. Nun will ich aber für meine +heutige Predigt den allerersten Anfang wählen, das ist die Erschaffung +des Menschen. + +Wenn wir dieser Erschaffung auf den Grund gehen, so ist dieselbe +eigentlich für den Menschen gar nicht sonderlich schmeichelhaft. Nur die +menschliche Eitelkeit hat es sich mit der Zeit eingebildet, daß der +Mensch ein auserwähltes Geschöpf sei. + +Lasset daher alle Eitelkeit und allen Stolz fahren, meine vielgeliebten +andächtigen Zuhörer, und bemühet euch mit mir, eurem aufrichtigen +Freunde, den Tatsachen eurer Erschaffung nachzuforschen. + +Wie ihr alle wissen werdet, hat der liebe Gottvater zuerst Himmel und +Erde erschaffen, Land und Meer, die Pflanzen und Bäume und alles Getier, +das da kreucht und fleucht. Und erst, als alles da war, vom größten +Elefanten bis zum kleinsten Floh, da hat der Herrgott den Menschen +erschaffen. + +Aus was hat er ihn erschaffen? Aus Erde. Jawohl, aus Erde. Das schaut +sich ganz schön an, wenn man nicht weiter nachdenkt. + +Kann sich nun einer von euch, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, +ernstlich vorstellen, daß man aus trockener Erde eine Figur knetet? Denn +eure auferbauliche Figur, wie ihr da seid mit Kröpf' und mit Tadel, hat +doch der Herrgott aus Erde zusammengeknetet und nachher angeblasen, daß +ihr eure Haxen habt rühren können. + +Sintemalen nun aus trockener Erde auch der Herrgott keine Figur kneten +kann, weil alles in Staub zerfallen tät, so muß das Handwerkszeug des +lieben Herrgott aus feuchter oder nasser Erde bestanden haben. + +Und wißt ihr, wie man nasse Erde heißt oder was nasse Erde ist? Scheut +euch das kurze einsilbige Wort nicht auszusprechen; denn es handelt sich +um eine sehr natürliche und alltägliche Sache, der ihr auf Schritt und +Tritt begegnet. + +Aus einem Patzen Dreck hat euch der Herrgott gemacht, aus ganz +gewöhnlichem Dreck. Vom Dreck stammt ihr, Dreck seid ihr und Dreck +bleibt ihr. + +Dahero, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, könnt ihr euch auf eure +dreckige Herkunft nichts Besonderes einbilden. Habt ihr vielleicht +jemals vernommen, daß der Herrgott auch nur eines der vielen Viecher aus +Dreck hat erschaffen müssen? Die hat er einfach so erschaffen. Da hat er +dieses schmutzige Material nicht dazu gebraucht. Nicht einmal um die Sau +zu erschaffen, hat er so unappetitlich herumhantieren müssen, wie bei +eurer Erschaffung. + +Darum bildet euch ja nicht ein, daß ihr die Krone der Schöpfung seid. +Ihr seid höchstens das Zipfel von dem ganzen knietiefen urweltlichen +Dreck, der damals, weil es keine Straßenreinigung gab, auf der Erde +jedenfalls noch reichlicher vorhanden war, als heutzutage. + +Ihr habt dahero gar keine Ursache, meine vielgeliebten andächtigen +Zuhörer, auf die lieben Viecher von oben herabzusehen und sie für +minderwertig oder gar für dumm zu halten. Ich sage euch als euer +aufrichtiger Freund und geistlicher Berater: Kein Viech ist so +minderwertig, als es ein Mensch sein kann, und kein Viech ist so +strohdumm, als ihr es in der Regel seid. + +Das schreibet sich eben daher, weil es auf der ganzen Erde kein einziges +Viech gibt, das aus so minderwertigem Material zusammengeknetet worden +wäre wie ihr, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer. + +Nun will ich euch aber eure grenzenlose Dummheit, welche die Dummheit +des allerdümmsten Urviechs noch weit übertrumpft, gebührend zu Gemüte +führen. + +Könnt ihr vielleicht einen Affen in allen Urwäldern und Menagerien der +Erde finden, der ein solcher Aff' ist wie der Mensch ein Aff' ist? Es +wird so manches zu entdecken sein, was selbst der ärgste Aff' nicht +nachmacht. Aber es gibt überhaupt nichts, was der Mensch nicht +nachmacht. Je blöder etwas ist, desto begeisterter wird es nachgemacht. +Der Mensch glaubt alles, was ein Aff' niemals glauben würde. Der Mensch +trottet hinter allem drein, wo ein Aff' sich schon längst über alle +Bäum' davongemacht hätte. + +Aber kann man auch einen größeren Esel finden als den Menschen? Kein +Esel würde, ohne mit allen Vieren auszuschlagen und energisch den Dienst +zu verweigern, die Lasten tragen, die der Mensch schon getragen hat und +noch immer trägt. Ich will euch gar nicht an bestimmte Lasten erinnern, +um euch in eurer Andacht nicht zu stören. Ihr werdet mir es jedoch +zugeben, daß die Eselssäck', die ihr geduldig und stumpfsinnig tragt, +kein einziger anderer Esel tragen würde. In diesem Zusammenhang muß ich +auch noch erwähnen, daß sich kein noch so geduldiges Schaf seit Anbeginn +der Welt derart scheren hat lassen, wie ihr euch täglich scheren lasset. + +Vom Kamel will ich gar nicht weiter reden. Denn ich sehe verschiedene +Schiffe der Wüste unter euch, denen ich nicht auf die Zehen treten +möchte. + +Aber wenden wir uns zu demjenigen Tiere, das uns die wichtigste und +wertvollste Zutat zu den Speckknödeln liefert. Wenden wir uns zu dem +Schwein. Wer unter uns liebt dieses Tier nicht? Kann jetzt vielleicht +einer unter euch, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, behaupten, +daß das Schwein in Menschengestalt ein ähnliches Ansehen genießet und +ein ähnliches Maß von Liebe erntet? + +Dasjenige Schwein unter euch, so Dergestaltes von sich sagen kann, möge +sich erheben! Niemand rühret sich. Glaubt ihr dahero, daß die ärgste +Drecksau mit einem menschlichen Schwein verglichen werden kann? Oder +kennt ihr einen derartigen Saustall auf Erden, wie ihr Menschen ihn +habt? + +Der Besitzer eines solchen Saustalles möge sich melden! Niemand meldet +sich. Also haben wir den größten Saustall und brauchen dahero das +Schwein gar nicht despektierlich zu betrachten; denn von ihm kommen in +erster Linie die Speckknödel, in weiterer Folge Schinken, Würste, +Schweinsbrateln und andere gute und Gott wohlgefällige Dinge. Könnt ihr +dagegen ein einziges Gott wohlgefälliges Ding namhaft machen, das aus +eurem Saustall jemals die Welt beglücket hätte? + +Nunmehro halte ich es aber, um euren Geist nicht allzusehr in Verwirrung +zu bringen, für notwendig, euch, meine vielgeliebten andächtigen +Zuhörer, in eine ganz bestimmte Viechgattung endgültig einzureihen. + +Ich kann euch die Wahl dieser Gattung leider nicht selbst überlassen, da +ihr euch bei eurer bekannten Streitsucht und Uneinigkeit schwerlich auf +ein bestimmtes Viech einigen würdet, jeder den anderen ein besonderes +Viech schelten würde und ihr euch dahero gegenseitig nur beleidigen und +kränken und doch zu keinem gedeihlichen Resultate gelangen würdet. Ihr +müßt es deshalb schon mir, eurem aufrichtigen Freund und geistlichen +Berater, überlassen, euch in Gottes großem Viehstall den richtigen Platz +anzuweisen. + +Ich will euch unter die Rindviecher einteilen. Ihr könnt euch dadurch +unmöglich beleidigt fühlen. Denn wieviel Gutes kommt vom lieben +Rindviech. Milch und Butter und Kas, Fleisch und Fett, Lauskampel und +Schuhleder. + +Ihr werdet gewiß nicht behaupten können, daß man aus euch Lauskampel und +Stiefel machen kann. Von Milch, Butter und Kas will ich gar nicht reden. +Ihr sehet also, daß ich euch alle Ehre antue. + +Ja, ihr sollt sogar den höchsten Rang unter dem lieben Rindviech +einnehmen, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer. Denn ich will euch +im Handumdrehen beweisen, warum und wasmaßen der Mensch das allergrößte +Rindviech ist. + +Merket wohl auf! Habt ihr jemals gehört, daß sich tausend Rindviecher +von einem einzigen Rindviech regieren, tyrannisieren und kujonieren +lassen? Oder habt ihr gehört, daß sich hundert Rindviecher von einem +einzigen Rindviech regieren lassen? Ja, ich will noch bescheidener +werden. Habt ihr vielleicht gehört, daß sich auch nur zehn Rindviecher +von einem Rindviech regieren lassen? Nein, das habt ihr niemals gehört. + +Hat es euch aber jemals in Erstaunen versetzt, daß sich nicht nur zehn, +hundert und tausend, sondern hunderttausende und Millionen Menschen von +einem einzigen Rindviech regieren lassen? Das hat euch nicht im +geringsten in Erstaunen versetzt; ihr habt es sogar für ganz +selbstverständlich gefunden. + +Ist also der Mensch das allergrößte Rindviech oder nicht? Jawohl, +der Mensch ist das allergrößte Rindviech. + +Also, meine vielgeliebten andächtigen Rindviecher, das war es ja, was +ich euch beweisen wollte. Bleibet daher weiter so, wie ihr immer gewesen +seid. Suchet euch weiter geflissentlich die größten Ochsen aus, zu denen +ihr mit Vertrauen und Ehrfurcht aufblicket; denn ein Rindviech ist des +anderen würdig. Zu helfen ist euch ja doch nicht, weil ihr eben +Rindviecher seid. Amen. + + [Verzierung] + + + + + Wie Pater Hilarius dazukam, die Legende vom heiligen + Bürokrazius zu schreiben. + + +Die denkwürdige Fastenpredigt brachte dem hochwürdigen Pater Hilarius +sehr große Ehren ein. Zu den sonderbarsten Folgen gehörte es aber +entschieden, daß der hochwürdige Pater zum Ehrenmitglied ungezählter +Tierschutzvereine ernannt wurde, was er mit gebührender Dankbarkeit +entgegennahm. Er konnte mit den unterschiedlichen mehr oder weniger +künstlerisch ausgeführten Diplomen nicht nur die Wände seiner Zelle, +sondern auch sämtliche Gänge des Klosters und das Refektorium schmücken. + +Die angenehmsten Folgen zeitigte die Fastenpredigt jedoch für das +Kloster selbst. Die Zuhörer waren von der Erkenntnis ihrer mehr als +viechischen Dummheit derart erschüttert, daß sie das Kloster mit +Geschenken überhäuften. + +Vom frühen Morgen bis zum späten Abend ging die Glocke des Pförtners. +Da schwankten auf Rückentragen ganze Panzelen Wein herein. Da gab es +Nahrungsmittel in Hülle und Fülle, Säcke mit Mehl und Erdäpfeln und auch +feinere fleischliche Genüsse. + +Am meisten zeichnete sich aber die holde Weiblichkeit in Spenden aus. +Denn sie hatte vielfach den Stiel umgedreht und die Ausführungen der +Fastenpredigt nur auf den männlichen Teil der Zuhörerschaft bezogen. +Und es war den Weiblein ein besonderer Ohrenschmaus, ihre Eheherren noch +über das liebe Rindvieh gestellt zu sehen. + +So hatschten denn junge und alte Kittelträgerinnen daher mit Körben voll +von Eiern und Butter und Schmalz, mit Geflügel aller Art, Hühnern und +Enten und Gänsen, mit ganzen Speckseiten und Geräuchertem, mit Schinken +und Würsten, mit köstlichem Backwerk, vom mürben Kipfel bis zum +bauchigen Gugelhupf und kreisrunden Torten, etwelchen schier so groß wie +Mühlensteine. Es waren auch genug unter der Weiblichkeit, die ihre +zärtliche Hingabe mit riesigen Bischkotenherzen bekundeten. + +Es verstehet sich von selbst, daß diese erfreulichen Zutaten zum +irdischen Wohlergehen das Ansehen des hochwürdigen Pater Hilarius unter +seinen geistlichen Mitbrüdern wesentlich steigerten. Denn wer es +imstande war, bloß durch des Wortes Gewalt den Inhalt der Ställe und +Felder durch die fromme Klosterpforte zu leiten wie einen nimmer +versiegenden Strom, der mußte wohl vom Himmel ganz hervorragend begnadet +sein. + +Diese Anerkennung sprach auch der hochwürdige Herr Prior seinem +verdienstvollen Mitbruder begeistert aus. Er meinte zwar, der Pater +Hilarius sei ein grober Knochen, aber nichtsdestoweniger habe er den +richtigen Ton getroffen, der zu den Herzen der Menschen gehe und alle +edeln und nützlichen Instinkte des menschlichen Rindviehs in geradezu +staunenswerter Weise auslöse. + +Dieweilen der hochwürdige Herr Prior in geistlichen Schriften sehr +belesen war, machte er den Pater Hilarius auf einen Ausspruch seines +berühmten Vorfahren, des Paters Abraham a Santa Clara aufmerksam. Es +geschah dies im ursächlichen Zusammenhange mit der Wirkung von des Pater +Hilarii Fastenpredigt auf das zarte weibliche Geschlecht. + +Der hochwürdige Herr Prior meinte, daß der Pater Abraham im vorliegenden +Falle nicht recht behalten habe. Denn er habe einmal gesagt: »Die Weiber +seynd sonst genaturt wie das Kraut, mit dem Namen Basilicum: wann man +dieses gemach und sanft streichet, so gibt es einen überaus lieblichen +Geruch von sich; da man es aber stark reibet, stinkt es gar wild.« + +Der Pater Hilarius habe jedoch seine andächtigen Zuhörer und darunter +auch die Weiblein nicht nur stark gerieben, sondern gebürstet und +gestriegelt nach allen Regeln. Und trotzdem hätten darnach gerade die +Weiblein lieblich geduftet nach Speck und Schinken, nach Gugelhupf, +Faschingskrapfen und Mandelbögen, nach Punschtorten und +Bischkotenherzen. Da wies jedoch der hochwürdige Pater Hilarius seinen +geistlichen Vorgesetzten auf den Weg der Erklärung, den ich mit euch, +großgünstiger Leser und hochgeneigte Leserin, bereits ein Stück weiter +oben gegangen bin. + +Der Prior mußte dem Pater Hilarius recht geben. Er nannte ihn einen +großen Menschenkenner und vornehmlich auch einen großen Kenner der +holden Weiblichkeit, deren Schlichen man nicht auf den Grund sehen kann +und bediente man sich hiezu auch eines klafterlangen Perspektives. + +Dabei ermahnte der Prior seinen geistlichen Mitbruder, er möge sich die +Dummheit der Menschen zu seinem ganz eigentlichen Studium erwählen, +ihr recht nachforschen, hauptsächlich auch ihre Ursachen und tiefsten +Fundamente zu ergründen trachten. Denn besagtes Studium könne für das +ganze Kloster nur ungemein gedeihlich sein. Das habe schon der Anbeginn +der Tätigkeit des Pater Hilarius zur Genüge bewiesen. + +Der Pater Hilarius versprach es seinem geistlichen Oberen, er wolle mit +allem gebührenden Fleiß dem menschlichen Viehstall auch weiter seine +vollste Aufmerksamkeit widmen. Zog sich in seine Zelle zurück und war +Tage und Wochen nicht zu sehen. + +Auf Geheiß des Priors und wohl auch aus eigenem Antriebe versorgten ihn +seine geistlichen Mitbrüder fleißig mit aller erdenklichen Atzung und +mit Wein, damit er in seinem anstrengenden Studium über die Dummheit der +Menschen auch der leiblichen Stärkung nicht ermangele. + +Es ging jedoch der Pater Hilarius bei seinen schwierigen Forschungen +völlig logisch zu Werke. Er dachte sich: Jedes Ding auf Erden muß seinen +Schutzheiligen haben. Also auch die menschliche Dummheit. Wenn es +gelingt, ihren Heiligen zu finden, dann hat die Sache ihre himmlische +Erklärung und kann dadurch leichter begriffen werden. + +So durchforschte der Pater Hilarius das Leben sämtlicher Heiligen, deren +er habhaft werden konnte. Keiner war aber so geartet, daß er für die +menschliche Dummheit hätte verantwortlich gemacht werden können. Der +hochwürdige Pater studierte die Legenden von vorne und von hinten und +konnte trotzdem zu keinem Resultate gelangen. + +Endlich unternahm er es, alle Heiligen alphabetisch zu ordnen, damit ihm +ja keiner zu entrinnen vermochte. Als auch dieses nichts nützte, ordnete +er sie zuerst nach ihren Anfangssilben und dann nach ihren Endsilben. + +Dabei kam er auch auf die Heiligen mit der Endsilbe »azius«, auf die +heiligen Ignazius, Bonifazius, Servazius, Pankrazius und andere Aziusse. + +Ich muß hier meine gelehrte Darstellung etwas unterbrechen und zur Ehre +der Tiroler Speckknödel einfügen, daß just an dem herrlichen Tage, an +dem der Pater Hilarius die Heiligen auf »azius« in Reih und Glied +aufmarschieren ließ, der Pater Küchenmeister geradezu phänomenale +Speckknödel hergestellt hatte, von denen ein halbes Dutzend mit einer +Schüssel dampfenden Sauerkrautes dem Pater Hilarius auf seine Zelle +gebracht wurden. + +Diese Knödel schmeckten dem hochwürdigen Pater so fürtrefflich, daß er +den zweiten Gang, der in resch gebackenem Kälbernem bestand, freundlich +zurückwies und dafür eine zweite Auflage Knödel verlangte. + +Seinem Wunsche wurde natürlich sofort mit gebührender Ehrfurcht +entsprochen. Denn es war dem gesamten Kloster alsobald klar geworden, +daß sein berühmtes Mitglied heute besonders vom Geiste der Forschung +erfüllet und dahero desjenigen Nahrungsmittels in stärkerem Maße +bedürftig sei, welches bekanntlich zur unmittelbaren Anregung der +Gehirnfunktionen führet. + +Um dieser Vergeistigung allen möglichen Vorschub zu leisten, ließ der +Pater Kellermeister seinem hochwürdigen Amtsbruder gleichzeitig einen +ungeheuern Krug, der niemals geaicht worden war, auf seine Zelle +bringen. Ihn sollte ein sagenhafter Pater des Klosters vor vier oder +fünf Jahrhunderten in drei Zügen geleeret haben und sollte darauf eines +seligen Todes verblichen sein. + +Sotaner Krug wurde nur bei ganz besonders festlichen Gelegenheiten zu +einem feierlichen Rundtrunke hervorgeholet. Den Krug hatte der Pater +Kellermeister mit dem besten und ältesten Wein des Klosters gefüllet, +von dem man behauptete, daß um Mitternacht eine schwarze Katze auf dem +Fasse hocke. + +Das alles sei auch deshalb erwähnet, um die Verdienste der Patres +Küchenmeister und Kellermeister an den nachfolgenden weltbewegenden +Entdeckungen des hochwürdigen Pater Hilarius in das richtige Licht zu +stellen. + +Nachdem nun der hochwürdige Pater Hilarius der zweiten Knödelfuhr den +Garaus gemacht hatte und auch schon ziemlich tief auf den Grund des +legendären Kruges untergetaucht war, nahm er nochmals die Liste der +heiligen Aziusse vor. Er ging sie lange durch, und er ging sie gründlich +durch, in seinem Verstande und Gemüte wohl erwägend, ob er nicht +irgendeinen heiligen Namensträger auf »azius« vergessen hätte. + +Da machte er plötzlich in seiner Zelle einen Luftsprung, lüpfte den +durch Alter und Überlieferung geweihten Krug an seine Lippen, nahm einen +doppelt kräftigen Kuhschluck daraus, setzte ihn wieder auf den Tisch und +brach in die begeisterten Worte aus: »Jetzt aber hab' ich dich beim +Krawattel, du heimtückisch verschlossener heiliger Azius! Ignazius, +Servazius, Bonifazius und Pankrazius! Eure Liste soll voll werden! +O heiliger Sankt Bürokrazius! Jetzt hab' ich dich erwischt! Und du +sollst mir nicht mehr auskommen!« + +Reifliches weiteres Nachdenken brachte den Pater Hilarius zu der +Überzeugung, daß er in dem heiligen Bürokrazius tatsächlich den +richtigen Schutzheiligen der menschlichen Dummheit gefunden hatte. Nicht +nur den Schutzheiligen der menschlichen Dummheit, sondern auch +denjenigen Heiligen, dessen Existenz sich überhaupt nur durch die +menschliche Dummheit erklären ließ, der aus der menschlichen Dummheit +gezeugt und geboren wurde. + +Dem Pater Hilarius wurde es bei der fortschreitenden Verdauung der +Speckknödel, deren Zahl diesmal nichts zur Sache tut, und bei der +endgültigen Ergründung des heiligmäßigen Kruges immer mehr sonnenklar, +daß der heilige Sankt Bürokrazius der mächtigste und einflußreichste +Heilige auf Erden war. + +Welcher andere Heilige hatte sonst eine derartige Allmacht gewonnen? Vor +welchem anderen Heiligen lag sonst alles derart auf den Knien, ja kroch +vor ihm auf dem Bauche? Eines solchen durchschlagenden Erfolges konnte +sich kein einziger anderer Heiliger rühmen. Kein Heiliger hatte so viele +Jünger wie der heilige Bürokrazius. Kein Orden zählte so viele Anhänger +und war mit seinen unermeßlichen Tausenden von Mitgliedern so sehr +verbreitet als wie gerade der Orden des heiligen Bürokrazius. + +Bei weiterer Nachforschung entdeckte der hochwürdige Pater Hilarius in +seinem neu gefundenen Heiligen, dem Sankt Bürokrazius, sogar göttliche +Eigenschaften. Zwar vermochte er in ihm weder die Allwissenheit noch die +Allgütigkeit und Allbarmherzigkeit zu finden, wohl aber bis zu einem +gewissen Grade die Allmächtigkeit. Eine göttliche Eigenschaft fand er +jedoch in dem heiligen Bürokrazius vollkommen verkörpert. Das war die +Allgegenwart. + +Bei diesem Studium der Allgegenwart des heiligen Bürokrazius mußte sich +der hochwürdige Pater, indem er sich die nachfolgenden Fragen vorlegte, +selbst eingestehen und bekennen: Machst du eine Türe auf, wer stehet +draußen? Der heilige Bürokrazius. Machst du ein Fenster auf, wer glotzet +herein? Der heilige Bürokrazius. Sperrst du einen Kasten oder eine Truhe +auf, wer hocket drinnen? Der heilige Bürokrazius. Greifst du in den +Hosensack, wen ziehest du beim Ohrwaschel herfür? Den heiligen +Bürokrazius. Wer recket überall, aus den verstecktesten Winkeln und +heimlichsten Örtlein seinen Kragen heraus? Der heilige Bürokrazius. + +Derohalb bestand für den Pater Hilarius an der Allgegenwart dieses +größten und mächtigsten Heiligen, des Schutzheiligen der menschlichen +Dummheit, nicht der geringste Zweifel mehr. + +Um so gewaltiger überraschte es jedoch den hochwürdigen Pater, daß er +keine Legende des heiligen Bürokrazius finden konnte. Die Menschheit +hatte also entweder in ihrer Dummheit oder in ihrer unverantwortlichen +Undankbarkeit das Erdenleben desjenigen Heiligen totgeschwiegen, in dem +sie lebte und webte, in dem sie aufging, der ihre geheimsten +Verrichtungen überwachte, kontrollierte und registrierte. + +Das fand der Pater Hilarius für unerhört. Er entschloß sich daher, die +Legende des heiligen Bürokrazius zu schreiben, um der Menschheit einen +Lebensspiegel desjenigen Schutzheiligen zu verehren, zu dem sie in +Ehrfurcht aufblickte, vor dem sie in ihrer grenzenlosen Dummheit bebte +und zitterte, gleich einem Espenlaub und gleich dem schlotternden +Schweiflein eines blutjungen Lämmleins. + +Da der hochwürdige Pater Hilarius aber nach dem Gutdünken seines eigenen +Priors ein grober Knochen war, fand er noch einen dritten Vergleich für +das Beben der menschlichen Dummheit vor dem heiligen Bürokrazius. Und er +sagte zu sich selbst: Vor diesem saudummen Heiligen zittert das noch +dümmere Rindviechgeschlecht der Menschen genau so wie eine schweinerne +Sulz auf dem Teller. + +Nachdem der Pater Hilarius diesen endgültigen Vergleich gefunden hatte, +teilte er dem Prior seinen Entschluß mit, daß er die Legende des +heiligen Bürokrazius schreiben und damit eine ebenso große wie +unbegreifliche Lücke in der Geschichte der himmlischen Herrschaften +ausfüllen wolle. Der hochwürdige Herr Prior gab seinem verehrten +geistlichen Mitbruder unbeschränkten Urlaub für diese hochwichtige +Arbeit. + +Wie der Pater Hilarius seine Aufgabe gelöset hat, das mag das +Nachfolgende beweisen. Es war die Arbeit eines Riesen. Denn es galt aus +längst verschütteten Quellen, aus dem Staub der Archive und +Bibliotheken, aus unzähligen Akten und Faszikeln, Schmökern und +Traktätlein, aus dem Moder der Vergangenheit die Geschichte des +mächtigsten Schutzheiligen der menschlichen Dummheit herauszugraben. Und +nicht zuletzt blieb es dem Ingenium des hochwürdigen Paters vorbehalten, +alle die vielen klaffenden Lücken auszufüllen, die sich in den oft +widersprechenden Überlieferungen ergaben. + +Daß daraus trotzdem ein gerundetes Bild wurde, danken wir neben den +ungeheuren geistigen Eigenschaften des Pater Hilarius natürlich auch den +Tiroler Speckknödeln, die er sich auf seinen ausgedehnten +Forschungsreisen nebst einem guten Tropfen stets zu verschaffen wußte. + +Dadurch ist ein Werk entstanden, daß an Großzügigkeit seines Gleichen +suchet, dabei aber an Subtilität der Kleinarbeit nur mit jenem +Kunststück des Mirmecides verglichen werden kann, der aus Elfenbein +einen Wagen samt Pferd und Kutscher also klein und künstlich geschnitten +hat, daß man alles unter dem Flügel einer kleinen Fliege hat verbergen +können. + +Einer Statue aus Erz oder Marmor und gleichzeitig der winzigsten +Filigranarbeit aus Elfenbein muß die Arbeit des Pater Hilarius +verglichen werden. Was aber aus jedem Zug derselben hervorleuchtet, das +ist die glühende Liebe und Verehrung für seinen Heiligen, welchen er +einer andächtigen Menschheit zum ersten Male dargestellet hat. Lassen +wir nunmehro dem hochwürdigen Pater Hilario anselbsten das Wort. + + [Verzierung] + + + + + Wie die Heiligen im Himmel dem lieben Gott eine + seltsame Bitte vortrugen. + + +Die Legende vom heiligen Bürokrazius beginnet im Himmel, was auch nicht +mehr als recht und billig ist. Denn welches Lokal wäre geeigneter, den +Ursprung der folgenden Begebenheiten darzustellen, als gerade der +Himmel. Wir sind ja so übersättiget von dem irdischen Theater mit all +seinem Jammer, daß die geneigten Leser gewiß zur Erholung gerne einmal +einen himmlischen Spaziergang machen. + +Es hatte schon seit geraumer Zeit unter den Heiligen des Himmels ein +gewisser Unmut und eine arge Verdrießlichkeit Platz gegriffen. Der +himmlische Humor drohte gewaltig in die Brüche zu gehen. + +Das kam daher, weil die Heiligen viel zu gescheit waren. Und da sie alle +gleich gescheit waren, konnte keiner gescheiter sein als der andere. + +Dergestaltes Gleichmaß verdrießet aber mit der Zeit nicht nur die +Menschen, sondern auch die sanftesten und frommsten Heiligen. + +Auch die leuchtendsten Eigenschaften können nur dann zur Geltung kommen, +wenn sie sich vom Hintergrund des Gegensatzes abheben, da sie ansonsten +in all ihrer Pracht keine Beachtung mehr finden. Was würde die Sonne +sein, wenn ihr nicht die Nacht folgte, und was alles Blühen und Wachsen +auf Erden, wenn uns nicht die Fröste des Winters mit der zehrenden +Sehnsucht nach den lauen und milden Lüftelein des Frühlings erfüllen +würden. + +So war auch die Seligkeit der Heiligen im Himmel keine vollkommene; denn +dieser Prophet war gleich gescheit wie jener Kirchenvater, und dieser +ehrwürdige Patriarch konnte jenem heiligen Theologen jederzeit das +Wasser reichen. Und jene Einsiedler der Wüste hatten schon während ihres +Erdenwallens in ihrer Weltabgeschlossenheit so viel überflüssige Zeit +gehabt, um über alle großen Probleme nachzudenken, daß sie mit dem +Vorrat ihrer Gescheitheit für alle Ewigkeiten auslangten. + +So bedeutete keiner für den anderen etwas Neues und noch nicht +Dagewesenes. Und wenn einer zu der abgrundtiefsten Weisheit den Mund +auftat, so konnte er sicher sein, daß sie der andere schon wußte. Es +gibt aber nichts Ärgerlicheres, als wenn man nie einen Hauptsatz sagen +kann, ohne daß der andere sofort den Nebensatz ergänzet. Das kann den +Geduldigsten mit der Zeit zur Verzweiflung bringen. + +So war es denn im Himmel allmählich gekommen, daß die meisten Heiligen +überhaupt nichts mehr sprachen, sondern sich in undurchdringliches +Schweigen hüllten. Deshalb war es mit der himmlischen Unterhaltung immer +schlechter bestellet. + +Da ereignete sich eines Tages das Wunderbare, daß ein Heiliger plötzlich +einen Gedanken äußerte, von dem die anderen keine blasse Ahnung gehabt +hatten. Welcher Heilige das war, das zu erforschen ist auch der größten +Mühe und Sorgfalt leider nicht gelungen. + +Es war aber ein Heiliger, der völlig unvermittelt in den kräftigen Ruf +ausbrach: »Himmel, Herrgott, Sakrament und alle Heiligen! Wenn wir nur +endlich einen dummen Heiligen unter uns hätten! Aber schon einen so +saudummen, strohdummen und erzblöden Heiligen! Das wär' eine Gaudi!« + +Brausender Jubel erhub sich ob dieser Worte. Sie wirkten wie eine +Erlösung aus großer Drangsal. + +Alsogleich wurde eine feierliche Botschaft an den lieben Gott +abgeordnet, deren Sprecher natürlich jener Heilige war, der den +himmlischen Einfall gehabt hatte. + +Der liebe Gott ging gerade auf der Himmelswiese spazieren, als sich ihm +die Botschaft der Heiligen in aller Ehrfurcht näherte. »Ja, was ist denn +heut' los?« frug der liebe Gott mit seinem gütigsten Lächeln. »Ihr +schaut's ja alle aus, als wenn euch die Hennen das Futter vertragen +hätten. Paßt euch vielleicht was nicht da im Himmel heroben?« + +Da sagte der Sprecher: »Halten zu Gnaden, Eure göttliche Majestät, etwas +fehlet uns wirklich noch zu unserer himmlischen Seligkeit. Wir sind uns +alle miteinander viel zu gescheit und wissen dahero nichts Rechtes mehr +miteinander anzufangen. Und so möchten wir untertänigst gebeten haben, +daß Eure göttliche Majestät gnädigst geruhen, unserm heiligen Konzilium +auch einmal einen dummen Heiligen einzuverleiben. Je dümmer, desto +besser. Mindestens so dumm, als Eure göttliche Majestät allmächtig sind. +Den größten Trottel und Teppen, das ärgste Kamel, den ausgemachtesten +Esel, das riesigste und erlesenste Rindviech, das gefunden werden kann. +Auf dieser glänzenden Folie des Kontrastes wird sich dann unsere +Gescheitheit so überwältigend abheben, daß sie uns nicht mehr als etwas +Alltägliches erscheinet. Und der himmlische Humor, der sehr zu versauern +drohet, wird dann neue und ungeahnte Blüten treiben!« + +Da lachte der liebe Gott in seiner Allgütigkeit so gewaltig, da es nur +so donnerte und daß vor dem schallenden Gelächter ein paar Dutzend +Engelein aus dem Gezweige der Bäume auf die Himmelswiese purzelten, sich +im Grase wälzten und fröhlich aus ihren jungen Kehlen mitlachten. + +Der liebe Gott aber sprach: »Wenn euch nur das zu eurer vollkommenen +himmlischen Seligkeit mangelt, dann hoffe ich, euch euren Wunsch +erfüllen zu können. Denn ich glaube, daß es meiner Allmacht gelungen +ist, unter den Milliarden meiner Geschöpfe irgendwo einen so blitzdummen +Kerl zu erschaffen, der euch Genüge leisten kann. Es handelt sich jetzt +nur darum, dieses hervorragende und illustre Rindviech zu finden. +Alsodann müßet ihr euch nur noch gedulden, bis besagtes Hornvieh seine +irdischen Tage vollendet hat und eurer auserlesenen Korona im Himmel +beigesellet werden kann. Da jedoch Erdenzeit im Vergleich zu der +Ewigkeit ein flüchtiger Augenblick ist, wird die Erfüllung eures +Wunsches nicht lange auf sich warten lassen. Ich will sogleich eine +himmlische Botschaft entsenden, die euch den dümmsten Heiligen suchen +soll. Meine drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael will ich mit +dieser erhabenen Sendung betrauen.« + +Der liebe Gott winkte den Abgesandten der Heiligen ihre gnädigste +Entlassung zu. Diese stimmten einen begeisterten Jubelchor zu seiner +Lobpreisung an und verbreiteten die Nachricht im ganzen Himmel, daß die +Bitte gewähret worden war. + + [Verzierung] + + + + + Wie die himmlischen Sendboten den heiligen Bürokrazius + entdeckten. + + +Die drei Erzengel rüsteten sich auf das Geheiß des lieben Gott zu ihrem +Flug nach der Erde, um dort unter den übrigen unzähligen Rindviechern +das größte, ungeheuerlichste und gewaltigste Rindviech zu finden. + +Da es sich um eine der feierlichsten Botschaften handelte, wählten sie +zu diesem Behufe ganz besonders festliche Flügel. Der Erzengel Michael +zog ein himmelblaues Gefieder an, der Erzengel Gabriel ein rosenrotes +und der Erzengel Raphael ein smaragdgrünes. Sämtliche Heilige, +Patriarchen und Propheten geleiteten die drei Erzengel ans Himmelstor +und sahen mit unendlichem Entzücken, wie sie, in ihren leuchtenden +Farben zu gewaltigem Fluge ausholend, gegen die Erde niederschwebten. + +Nachdem die himmlischen Sendboten ihre Fußstapfen auf die Erde gesetzet +hatten, mußten sie lange wandern, Wochen und Monate lang, ehe sie ihr +Ziel erreichten, einen dummen Heiligen zu finden. + +Mehrmals glaubten sie schon, den Richtigen entdeckt zu haben. Aber da +trug es sich immer wieder zu, daß er entweder zu wenig dumm oder zu +wenig heilig war. + +Schon begannen die drei Erzengel an einem Gelingen ihrer Sendung zu +verzweifeln, als sie eines schönen Tages in eine Ortschaft kamen, wo sie +erfuhren, daß dort ein heiligmäßiger Mann lebe, der entsetzlich dumm +sei. Er komme überhaupt nicht aus seinem Gelasse heraus, in dem er Tag +und Nacht hause. + +Die himmlischen Sendboten fanden den Mann in einem düsteren Gewölbe, von +dem nur ein einziges vergittertes Fenster ins Freie führte. Die Spinnen +hatten ihre Netze über Ecken und Wände gezogen, und es roch in dem Raume +gar nicht auferbaulich nach Schimmel, Schmutz und wenig holdseligen +Düften. + +Der heiligmäßige Mann aber hockte auf einem wackeligen Stuhle vor einem +Tische, der mit ganzen Bergen von Papier und mit dicken Folianten +bedecket war. Auch die Wände waren rings mit verstaubten Faszikeln +verstellet. Es herrschte eine Luft zum Ersticken. + +Der Bewohner des Gemaches schien sich aber trotzdem recht wohl darinnen +zu fühlen. Er war unter all dem Papier vergraben wie ein verkrümmter +Wurm. + +Über leibliche Schönheit verfügte er nicht. Er besaß eine riesige +Glatze, von der nach hinten Strähne ungeordneten Haares in den Nacken +fielen. Im Gesicht standen ihm die Bartstoppeln, als wenn er mit einem +Stachelschwein Bruderschaft getrunken hätte. + +Das merkwürdigste an seiner Erscheinung war aber seine ungeheure Nase, +die eher einem schnüffelnden Rüssel, als einem menschlichen +Riechinstrumente glich. Auch die Ohren waren von so gewaltigen +Dimensionen, daß sie an die Hörwerkzeuge eines gewissen Grautieres +erinnerten, das dem Müller Säcke schleppet. Blöde kurzsichtige Augen +hinter großen Brillen, die immer wieder auf die Rüsselnase +herunterrutschten, und ein breites Maul vervollständigten die anmutige +Erscheinung. + +Dabei litt der Mann offenbar an einer sehr unangenehmen Krankheit, +nämlich an der _Krawatitis posterior ascendens_. Keine kriechende Laus, +keine beißende Wanze und kein springender Floh kann einen sterblichen +Menschen derart peinigen und zur Verzweiflung treiben, als just die +_Krawatitis posterior ascendens_, das ist die hinten hinaufsteigende +Krawattelkrankheit. + +Der Mann kritzelte eifrig in seinen Papieren. Dabei hatte er aber +unausgesetzt einen qualvollen Kampf mit seinem Krawattel zu führen, +das ihm trotz aller Bemühungen unablässig und heimtückisch gegen den +Hinterkopf emporkletterte und das er stöhnend und seufzend stets wieder +in die richtige Lage zu bringen trachtete. Eine Folter, gegen welche die +Arbeit des Sisyphus oder das Faß der Danaiden ein Kinderspiel ist. + +Die himmlischen Sendboten waren auf leisen Sohlen unbemerkt und ungehört +in das Gemach getreten und sahen dem Mann über die Schultern. + +Da entdeckten sie, daß der sonderbare Heilige seit Jahr und Tag über +alles Buch führte, was um ihn und in ihm vorging. Alles hatte er +registriert, tabelliert, verzeichnet, aktenmäßig niedergelegt. + +In mächtigen Folianten, über die sich der Nasenrüssel schnuppernd und +wonnevoll schnaufend bewegte, war alles schwarz auf weiß zu finden ... +wenn irgendwo in der Nähe eine Kuh muhte oder ein Schaf blökte, wenn ein +Hund bellte oder eine Henne gackerte. Ja, sogar die Geräusche seines +eigenen Ichs hatte der Mann sorgfältig und aktenmäßig zu Papier gebracht +... wenn er hustete, nieste, sich räusperte oder spuckte, wenn er +rülpste oder sich schneuzte oder wenn ihm sonst etwas Menschliches +widerfuhr. Auch die _Krawatitis_ war in allen auf- und absteigenden +Phasen und Stadien aktenmäßig festgeleget. Jeder Kuhfladen und jeder +Roßknödel, deren Fall der Mann von dem beschränkten Gesichtskreise +seines einzigen Fensters beobachten konnte, fand sich als wichtiger +Beitrag zur Landwirtschaft protokollarisch aufgenommen. Und jeder derbe +Fuhrmannsfluch, der gelegentlich einmal in das dumpfe Loch des +merkwürdigen Heiligen hereinflog, war verewiget als Dokument der +niedergehenden öffentlichen Sittlichkeit. + +Unaufhörlich kritzelte und schnüffelte der heiligmäßige Mann. Noch immer +hatte er die Eindringlinge nicht bemerkt. Da rief der Erzengel Michael +begeistert: »Halleluja! Das ist doch der saudummste Kerl, den wir finden +konnten!« + +Dem heiligmäßigen Mann war gerade vorher ein anderer Laut entfahren, den +er sorgfältig in dem neuesten, seinem eigenen Ich gewidmeten Folianten +verewigte. Dann fuhr er eilig weiter zu schreiben fort: »Protokollführer +hört sich soeben als den saudummsten Kerl, den man finden konnte, +bezeichnen. Provenienz dieser Äußerung noch unbekannt. Zweckdienliche +Nachforschungen werden sofort eingeleitet.« + +Damit drehte er sich auf seinem Stuhle um und wurde seiner Besucher +ansichtig. Bei dieser jähen Bewegung stieg ihm sein schmieriges +Krawattel in unergründlicher Bosheit hinten bis an den Rand der Glatze +empor. Mit einem verzweifelten Ruck führte er es wieder an seinen +natürlichen Bestimmungsort zurück. Dann herrschte er die Eindringlinge +an: »Können Sie nicht lesen, was draußen an der Türe steht? Eintritt ist +nur nach dreimaligem Anklopfen gestattet!« + +»Halt's Maul!« meinte der Erzengel Raphael mit einer gewissen +Gutmütigkeit. + +»Was ist das für ein Ton! Sie machen sich der Beleidigung einer +geheiligten Person schuldig!« + +»Ah, geh!« sagte der Erzengel Gabriel freundlich. + +»Ich bin eine geheiligte Person!« sprach der heiligmäßige Mann +großartig. + +»So siehst du auch aus!« bestätigte der Erzengel Michael. + +Das rüsselnasige und langohrige Stachelschwein hatte sich in seiner +ganzen Würde erhoben und stand nun in seinen bodenscheuen Hosen bebend +vor Empörung und in seinem abgetragenen schwarzen, ins Grünliche +schillernden Rocke schlotternd vor Entrüstung vor seinen ungebetenen +Besuchern. »Was wollen Sie hier? Schauen Sie, daß Sie hinauskommen!« +schrie er. + +»Tu dich nur nicht hinaufregen!« sagte der Michael lächelnd. + +»Vor allem verbitte ich mir das Duzen!« brüllte der sonderbare Heilige. + +»Du kannst ja Sie zu uns sagen, wenn's dich freut!« meinte der Gabriel +nachgiebig. »Wir haben aber zu einem Hornvieh noch nie Sie gesagt.« + +Das heiligmäßige Stachelschwein schnaufte vor Wut: »Nun hab' ich's aber +satt! Wollen sich die Herren legitimieren! Wer sind Sie?« + +Da entgegnete der Gabriel ungemein sanft: »Wir sind eine himmlische +Botschaft: Erzengel Michael, Erzengel Gabriel und Erzengel Raphael.« + +»Das könnte ein jeder sagen!« kam es von den Lippen des schnüffelnden +Rüsseltieres, das einen fortwährenden stummen Kampf mit dem scheußlichen +_Perpetuum mobile_ seiner Krawatte führte. + +»Es ist aber so! Und du hast es zu glauben! Verstanden!« erklärte der +Michael mit großer Bestimmtheit. + +»Ausweis!« schnauzte das eselohrige Stachelschwein. »Wo haben Sie Ihren +Paß?« + +»Wir haben keinen Paß!« antwortete der Gabriel. + +»Wir brauchen keinen Paß!« erklärte der Raphael. + +»Waaaaaaas?« Die Krawatte stieg dem Rüsseltier vor heiliger Entrüstung +über die Ohren empor. »Sie haben keinen Paß? Und Sie wagen es ... Keinen +Paß? Da sind Sie ja ein ganz gewöhnliches Gesindel! Jeder anständige +Mensch hat seinen Paß!« + +»Fixstern! Laudon! Element! und alle vierzehn Nothelfer!« rief da der +Erzengel Michael, dem der Geduldsfaden riß. »Ich werd' dir schon deinen +Paß geben und das Gesindel! Ich will dich lehren, wie man mit einer +himmlischen Gesandtschaft redet, du gottverlassener Lümmel du!« + +Sprach's und haute dem sonderbaren Heiligen eine himmlische Watschen +von außerordentlicher Gediegenheit herunter. Der Gabriel und der +0Raphael wollten nicht zurückstehen und bedachten daher das Rüsseltier +gleichfalls mit je einer saftigen Mordswatschen. + +Zum Erstaunen der drei Erzengel hatte aber diese sehr gründlich +vermeinte Kur gar keine andere Wirkung, als daß der also Geohrfeigte +mit einer Art von stumpfsinnigem Mechanismus seine bei dieser Prozedur +äußerst bedenklich verschobene Krawatte wieder in Ordnung brachte. + +Die drei Erzengel waren über den Effekt ihrer Handlungsweise entschieden +verdutzt. »Mir scheint ...« sagte endlich der Michael »... der hat die +Watschen gar nit g'spürt.« + +»Am End' hat er gar kein Hirn im Schädel!« mutmaßte der Gabriel. + +»So was ist mir auch noch nie untergekommen!« meinte der Raphael. + +Da beratschlagten die ob des unerklärlichen Mißerfolges ihrer +himmlischen Watschen ernstlich verblüfften drei Erzengel, wo der +merkwürdige Heilige eigentlich seinen Verstand und mit ihm seine +sonstigen geistigen Fähigkeiten sitzen hatte. + +Sie packten ihn dahero nicht mit zärtlichen Engelshänden, sondern mit +recht fühlbaren und kräftigen irdischen Pratzen an und wendeten das +sich verzweifelt wehrende, fauchende, schimpfende, protestierende und +drohende rüsselnasige Stachelschwein nach allen Richtungen seiner +ehrwürdigen Leiblichkeit. Nach rechts und nach links, nach oben und +nach unten, nach vorn und nach hinten. + +Als sie endlich bei der Besichtigung der Hinterfront angelangt waren, +legten sie den zappelnden Heiligen ohne viel Federlesen über den Tisch, +quer über die Folianten und Papierwülste. + +Der Gabriel und der Raphael hielten ihn fest, daß er sich nicht mehr +rühren konnte. Der Erzengel Michael jedoch, der am meisten Kraft und +Lust zum Dreinschlagen unter der himmlischen Botschaft besaß, ergriff +ein stählernes Lineal, das an einer Seite des Tisches an einem Nagel +baumelte. + +Er ließ es zuerst ein paarmal durch die Luft sausen, als wenn er sein +feuriges Schwert erproben wollte. Dann linierte er mit peinlicher +Gewissenhaftigkeit, jeden Streich sorgfältig zählend, dem schreienden +Rüsseltier die vorschriftsmäßigen und üblichen Fünfundzwanzig auf seinen +Allerwertesten. + +Dabei begleitete er jeden Streich mit auferbaulichen Sprüchlein, wie: +»Hier hast du deinen Paß!... Ich werde dir schon das Gesindel +anstreichen!... Weißt du jetzt, was Anstand ist, du erzinfamer +Lümmel du!« + +Unter ähnlichen zarten Aufmerksamkeiten, welche die Arbeit des Erzengels +begleiteten, floß sie munter fort. + +Schon bei den ersten Streichen begann der sonderbare Heilige zu brüllen, +als ob er am Spieße stecken würde. + +»Aha! Da spürt er was!« sagte der Gabriel triumphierend. + +»Versohl' ihn nur ordentlich!« munterte der Raphael den Michael auf. + +»Ich protestiere gegen die tätliche Beleidigung und Verletzung meines +edelsten Teiles!« brüllte da der verprügelte Heilige in ohnmächtiger +Wut. + +»Mir scheint, wir haben ihn am richtigen Fleck erwischt!« sagte der +Michael. + +»Der hat offenbar seinen Verstand im Sitzfleisch!« meinte der Gabriel. + +»Und alle sonstigen geistigen Eigenschaften auch!« ergänzte der Raphael. + +»Hören Sie auf! Ich bitte Sie um aller Heiligen willen, hören Sie auf!« +winselte jetzt das Rüsseltier in den kläglichsten Tönen. + +»Fünfzehn, sechzehn, siebzehn!« zählte der Erzengel Michael kaltblütig. +»Nur Geduld! Es ist gleich vorüber!« + +»Das halte ich nicht mehr aus! Ich muß gehorsamsten Protest erheben. Sie +zerstören mir ja mein ganzes Denkvermögen! Wie soll ich da weiter meine +heiligen Pflichten erfüllen!« jammerte das verprügelte Rüsseltier, +während sich der Erzengel in seiner erzieherischen Tätigkeit nicht irre +machen ließ. + +»Hilfe! Ich gebe meinen Geist auf! Hilfe! Hilfe!« flehte der merkwürdige +Heilige. + +»Wahrhaftig! Der denkt mit dem Gesäß!« rief der Raphael in endgültiger +Erkenntnis. + +»Dann haben wir den Richtigen gefunden!« erklärte der Gabriel. + +»Dreiundzwanzig, vierundzwanzig, fünfundzwanzig!« zählte der Michael. + +Damit ließen sie den sonderbaren Heiligen los. Der rutschte eilig vom +Tisch herunter, hielt sich mit beiden Händen sein Hinterteil, verbeugte +sich immer wieder untertänigst, machte einen Kratzfuß nach dem anderen +und sagte mit sauer-süßer Miene: »Gehorsamster Diener! Wollen die +Herrschaften nicht Platz nehmen? Womit kann ich den Herrschaften +dienen?« + +Die himmlische Botschaft ließ sich auf drei bereitgestellten Stühlen +nieder. Und der Michael sprach zu dem plötzlich demütigen Heiligen: +»Nach dieser gedeihlichen Stärkung deines Auffassungsvermögens teile ich +dir mit, daß du zu einer erhabenen Mission ausersehen bist. Du sollst +die Menschen mit deiner grenzenlosen Dummheit beglücken. Du sollst der +dümmste Heilige werden, der je in einem Kalender gestanden hat.« + +»Gehorsamster Diener! Gehorsamster Diener!« katzenbuckelte der neue +Heilige. »Das hätten die Herrschaften ja gleich sagen können.« + +»Vor allem künde uns deinen erhabenen Namen!« fuhr der Erzengel Michael +fort. + +»Gehorsamster Diener, die Herrschaften! Man nennet mich den +Bürokrazius.« + +»Ausgezeichnet!« sagte der Erzengel Michael und erhob sich. »Ein +herrlicher, ein eindrucksvoller und ungemein heiliger Name. Der hat uns +gerade noch gefehlt. Darüber wird sich der ganze Himmel freuen und alle +Rindviecher auf Erden. O Sankt Bürokrazius, erachte dich also mit den +gewissenhaft aufgezählten Fünfundzwanzig zum Heiligen geschlagen! Das +notwendige äußere Attribut deiner neuen Würde werde ich dir sofort +verleihen.« + +Damit griff der Erzengel in sein Gewand, zog daraus einen +funkelnagelneuen und frisch geputzten Heiligenschein hervor und setzte +ihn dem Bürokrazius, der sich noch immer denjenigen schmerzenden Teil +seines heiligen Leibes rieb, mit dem er dachte, auf die mächtige Glatze. +Die eselslangen Ohren ragten zwar noch ein Stück über den Heiligenschein +hinaus, und das Krawattel wurde plötzlich so neugierig, daß es bis an +den Rand des Scheines emporstieg ... aber das tat der Leuchtkraft des +Heiligenscheines keinen Eintrag. + +»Und jetzo, heiliger Sankt Bürokrazius,« sprach der Erzengel Michael +feierlich, »wisse, daß du die Erde beherrschen wirst. Du wirst mächtiger +und angesehener sein als alle Heiligen des Himmels zusammen. Du wirst +deshalb der Herr über die menschliche Dummheit sein, weil du noch dümmer +bist, als die Dümmsten unter den Menschen. Dahero wird deine heilige +Dummheit von den Menschen angebetet werden als überirdische Weisheit. +Behalte deinen Verstand ja im Sitzfleisch! Denn an jeder anderen +Körperstelle würde es dir schweren Schaden bringen. Bewahre deine +heilige Würde stets ungeschmälert! Krieche nach oben und tritt nach +unten! Du hast heute deine Probe nach dieser Richtung vortrefflich +bestanden. Denn wisse, jede aufgeblasene Würde kriecht, wenn sie gehörig +verprügelt wird und ihren Herrn und Meister findet. Wenn du aber neuer +himmlischer Eingebungen für die Ausübung deines heiligen Berufes +bedarfst, dann setze dich kräftig auf denjenigen Teil deines heiligen +Leibes, wo du den Verstand hast. Setze dich lange darauf, und setze dich +ausdauernd darauf und denke mit seinem ganzen heiligen Umfang nach! Und +es wird dir die Erleuchtung kommen!« + +Längst waren die beiden anderen Erzengel bei dieser feierlichen Rede von +ihren Sitzen aufgestanden. Da erhub der Erzengel Michael seine Hände und +brach singend und lobpreisend in die Worte aus, in welche auch die +Erzengel Gabriel und Raphael im himmlischen Jubel mit einstimmten ... +»_Habemus novum sanctum ... Sanctum Bürokrazium ... Stultissimum omnium +sanctorum ... Bovem maximum totius orbis ... Asinum electum et egregium +... Jubilate coeli et terra!_« + +Mit diesem Gesang verschwanden die Erzengel vor den Augen des neuen +Heiligen. + +Der heilige Bürokrazius verbeugte sich tief und griff sich wiederholt an +den noch immer furchtbar schmerzenden Sitz seines Verstandes. + +Die _Krawatitis posterior ascendens_ langte in heimtückischer Bosheit +nach seinem Heiligenscheine. + +»Gehorsamster Diener!« sagte der heilige Bürokrazius, in Untertänigkeit +schier ersterbend. + + [Verzierung] + + + + + Wie der heilige Bürokrazius auszog, um die Welt + zu beglücken. + + +Nachdem der heilige Bürokrazius die himmlische Botschaft mit der in dem +vorhergehenden Hauptstück geschilderten Feierlichkeit empfangen hatte, +verbrachte er noch sieben Tage und sieben Nächte in seiner Behausung. + +Diese Zeit brauchte er notwendig, um alle die ihm widerfahrenen +überirdischen Gnaden eingehend zu Protokoll zu bringen. + +Er arbeitete schier ununterbrochen Tag und Nacht und machte dabei +bedeutende Ersparnisse in der Beleuchtung. Denn während er früher +erkleckliche Ausgaben für Kerzen aufzuwenden hatte, leuchtete ihm jetzo +sein Heiligenschein völlig umsonst. Und das war ein so mildes Licht, daß +der heilige Protokollführer unwillkürlich vieles in einem anderen Lichte +erblickte. + +Während er anfangs geneigt war, unterschiedliche Einzelheiten des +himmlischen Besuches einer scharfen Kritik zu unterwerfen und mit +geharnischten Protesten zu begleiten, wurde er in dem Lichte des +Heiligenscheines rasch zu einer anderen Auffassung bekehret und sah +alles, was ihm begegnet war, in einer verklärten Beleuchtung. + +Es ist dahero von den drei ausgiebigen Watschen und von den +fünfundzwanzig Streichen in den Aufzeichnungen des heiligen Bürokrazius +nichts zu finden. Wir lesen lediglich von himmlischen Winken und +Eingebungen, die ihm geworden waren. + +Indes er jedoch die sieben Tage und sieben Nächte mit unermüdlicher +Emsigkeit schrieb, wurde er allerdings an die Folgen dieser himmlischen +Winke gar oft in recht irdischer Weise erinnert. Er mußte doch beim +Schreiben auch denken. Und zum Denken brauchte er notwendig jenes Organ, +wo er den Verstand sitzen hatte. + +Besagtes Organum war jedoch _in memoriam_ der himmlischen Winke über und +über mit großen Beulen, Schrammen und Schwielen bedecket und schmerzte +ihn fürchterlich. Derohalben war auch seine protokollarische Arbeit +keine kleine Anstrengung. Denn das Denken bereitete ihm unerhörte +Beschwerden. + +Als er solchergestalt drei Tage und drei Nächte mit der größten +Beharrlichkeit trotz der gräßlichsten Pein, die ihn nicht nur zum +Heiligen, sondern auch zum Märtyrer stempelte, unausgesetzt gedacht und +gearbeitet hatte, kam der heilige Bürokrazius auf einen erlösenden +Einfall. + +Er füllte ein großes Schaff mit Wasser und stellte dasselbe neben den +Tisch, an dem er schrieb. Wenn die Qualen des Denkens fast unerträgliche +wurden und die Leistungsfähigkeit seines Verstandes unter den Spuren der +himmlischen Denkzettel und Gunstbezeigungen zu erlahmen drohte, dann +setzte sich der Heilige mit demjenigen Teile seines heiligen Leibes, der +seinen Verstand trug, in das Wasserschaff und suchte dort Kühlung. Die +Wirkung war eine wunderbare. Regelmäßig wurde ihm der Segen der kühlen +Denkungsart zuteil. + +So entstand unter den Wirkungen des heiligen Schaffes und unter dem +milden Lichte des Heiligenscheines jener erstaunliche Bericht von der +Sendung des heiligen Bürokrazius, welchen der Schreiber dieser Legende +leider nicht wiedergeben kann, da er allein den hundertfachen Umfang +haben würde, als dem Legendenschreiber Raum verstattet ist. Dafür will +er aber einem geneigten Leser noch weiter von dem heiligen Schaff +erzählen, das er gerade früher erwähnet hat. + +Es handelt sich wirklich um ein heiliges Schaff. Das Wasserschaff, +in welches der heilige Bürokrazius die erhabene Denkerstirne seines +Stiefgesichtes tauchte, ist seitdem eine Reliquie geworden, welche +allseitige Verehrung genießet. Es kann dahero mit Fug und Rechten von +dem heiligen Schaff gesprochen werden. + +Es finden gemeiniglich noch immer große Wallfahrten zum Schaff des +heiligen Bürokrazius statt. Naturgemäß und insonderheit sind es die +Jünger des heiligen Bürokrazius, die in allen Bedrängnissen und +Verlegenheiten ihres Daseins zu dieser Reliquie pilgern und gleich wie +weiland der heilige Bürokrazius anselbsten ihre erhabenen Denkerstirnen +in sie tauchen, um mit unergründlicher Weisheit von ihr begnadigt zu +werden. + +Wenn dahero im Geiste des heiligen Bürokrazius so hochweise und +unergründlich tiefe Verfügungen erscheinen, daß sie überhaupt niemand +verstehet, so kannst du, geneigter Leser, darauf schwören, daß sie ihren +Ursprung einer Wallfahrt zum Schaff des heiligen Bürokrazius verdanken. +Und das ist gut so. Denn würden besagte Verfügungen von jedem gemeinen +Kerl verstanden werden, dann würden sie ihr ganzes Ansehen einbüßen. Je +blödsinniger sie dem gemeinen Verstande erscheinen, um so heiliger und +ehrwürdiger sind sie. + +Murret derohalben nicht wider das, was ihr nicht verstehet und nicht zu +beurteilen vermöget. Sondern seid vom heißesten Danke erfüllet gegen +jene heilige Reliquie, so den Jüngern des heiligen Bürokrazius stets +wieder neue Auffrischung ihres Verstandes verleihet. Denn wohin wären +sie sonst geraten! Sie hätten euch mit klaren Verfügungen bedacht, und +ihr hättet sie derohalb mißachtet, da ihr euch eingebildet hättet, +sotane Verfügungen seien auch nicht gescheiter wie ihr selber, zum +mindesten aber gleich dumm wie ihr. + +Diese Abschweifung möge verziehen werden. Sie ist nur ein Beweis, wie +unermeßlich das Material für eine ausführliche Beschreibung des Lebens +und der Taten unseres Heiligen ist. Diese bescheidene Legende ist daher +nur ein winziger Auszug, ein _extractum minimum_ aus der unermeßlichen +Fülle von Geschehnissen, die mit dem heiligen Bürokrazius in innigster +Beziehung stehen. + +Wenn der ganze Erdboden lauter Papier wäre und das große, tiefe Meer +lauter Tinte und alle spitzigen Gräslein lauter Federn und alle +lebendigen Geschöpfe bis herab zur kleinsten Gewandlaus lauter +Schreiber, die bis auf den jüngsten Tag schreiben würden, so könnten sie +noch immer nicht den tausendsten Teil der Glorie des heiligen +Bürokrazius erschöpfen. + +Nunmehro aber begleiten wir ihn weiter auf seinen Wegen. Nachdem er das +Protokoll über seine himmlische Sendung vollendet und sorgfältig +verschlossen hatte, betrat er im Bewußtsein seiner neuen Würde das +Freie. + +Sein Erscheinen erregte unter den Menschen berechtigtes Aufsehen. Wenn +ihr aber etwan glauben solltet, daß seine wenig liebliche Leibesgestalt +ihm Schaden gebracht habe, dann irret ihr euch gewaltig. Gleichwie in +einer ungestalten Muschel eine herrliche Perle verborgen sein kann, so +kann auch unter Rüsselnasen und Eselsohren ein großer Heiliger stecken. +Wie denn auch ein kostbarer silberner Becher in dem schlechten, rupfenen +Getreidesack des Benjamin gefunden wurde. + +Und erinnert euch nur der vielen großen Männer, die häßlich von Ansehen +waren. Der römische Galba hatte einen Buckel, so hoch, daß man hätte +können ein Schilderhäusl darauf bauen, und war trotzdem ein +unvergleichlicher Wohlredner. Aesopus hatte ein solches Larvengesicht, +daß auch die Rinde am Eichbaum seinem Fell fast an Schönheit vorzuziehen +war, und gleichwohl war er der witzigste Mann zu seiner Zeit. Quintus +Fabius Maximus, der römische Feldherr, hatte eine so große ungestalte +Warzen auf seiner Oberlippe, daß sie ihm schier wie ein Dachel über den +Freßladen hing, und dennoch war er der allerfürtrefflichste Mann. +Philippus von Mazedonien, Hannibal von Karthago, Sertorius Hispanus sind +einäugig gewesen. Henricus der Zweite, der Kaiser, war krumm, und +Godefridus der Zweite, Herzog von Austrasien, war kropfet, und doch sind +sie alle die lobwürdigsten Herren gewesen. + +Habt ihr aber von einem dieser Herren gehöret, daß er einen +Heiligenschein trug? Das habt ihr nicht gehöret. Und trotzdem hat in +ihrer häßlichen Leiblichkeit ihr Geist den Sieg davongetragen. + +Um wie viel mehr mußte der heilige Bürokrazius den Menschen verkläret +erscheinen! Wie mußten im milden Lichte seines Heiligenscheines seine +Eselsohren und sein Nasenrüssel verschwinden! Wie mußten seine blöden +Augen in diesem Scheine von Geist leuchten und sein breites Maul von +Weisheit triefen! Ja selbst das heimtückische Krawattel vermochte seinem +Ansehen nicht dauernd zu schaden. + +Je mehr der heilige Bürokrazius sich von seiner Behausung entfernte, +desto deutlicher erkannte er, wie bei den Menschen alles im argen lag. +Die Menschen wurden weder numerieret, noch registrieret, auch nicht +volksgezählet oder irgendwie sonst eingetragen. Sie besaßen keine +Ausweispapiere. Sie lebten sorglos und harmlos dahin. Sie waren im +Grunde nicht gescheiter, als sie es heute auch sind. Aber niemand +belästigte sie in ihrer Dummheit. + +In diese beispiellose Wildnis menschlicher Verkommenheit trat der +heilige Bürokrazius mit dem ganzen flammenden Fanatismus seiner Sendung. +Er eiferte allerorten gegen den unerhörten Skandal, daß die Menschen +sich erfrechten, geboren zu werden und zu leben ohne die genaueste +aktenmäßige Behandlung. + +Der Schematismus sei das Höchste auf Erden, predigte der Heilige. Ohne +Schematismus gebe es überhaupt kein Gedeihen. Alles müsse auf bestimmte +Formulare gebracht werden. Und wer sich gegen den Schematismus und gegen +die Formulare versündige, der sei ein Feind der Menschheit. Zu denken +brauche das verehrliche Publikum überhaupt nicht. Das sei seine, +des heiligen Bürokrazius, Sache. Er allein habe das Privilegium, +schematisch, protokollarisch, aktenmäßig und nach ganz bestimmten +Formularien in einer möglichst genau geregelten Verblödung zu denken. + +Da die Menschen, wie der Schreiber dieser Legende in einer +eindringlichen Fastenpredigt bewiesen hat, die allergrößten Rindviecher +sind, begrüßten sie es mit tausend Freuden, daß da plötzlich mitten in +ihrem beschaulichen Erdenwallen ein großer Heiliger erschien, der ihnen +sogar das Denken ersparen und auf seine heiligen Schultern nehmen +wollte. + +Wozu hätte der seltene Mann auch seinen Heiligenschein besessen. Der +ließ ihn ja von vorneherein als eine vertrauenswürdige Persönlichkeit +erscheinen, der man seine ferneren Schicksale anheimgeben konnte. + +So gelang es dem heiligen Bürokrazius in verhältnismäßig kurzer Zeit, +die Menschen von der Richtigkeit und Gottwohlgefälligkeit seiner Sendung +zu überzeugen. + +Er war überall. Es gab keinen noch so versteckten Winkel, in den er +seine rüsselförmige Nase nicht schnüffelnd hineinsteckte. Und es gab +kein noch so verstecktes Geheimnis, das seine langen Eselsohren nicht +erlauschten. + +Dadurch errang er sich ein fast göttliches Ansehen. Denn die Menschen +begannen zu begreifen, daß sie seiner Macht widerstandslos ausgeliefert +waren, nachdem sie sich mit Vergnügen damit abgefunden hatten, ihm das +Denken zu überlassen. + +Und der heilige Bürokrazius dachte und dachte. Er dachte unablässig auf +seine Weise. Die Früchte zeigten sich auch alsobald und auf dem ganzen +Erdkreise. + +Alle seine großen Ideen vermochte der Heilige während seines +Erdenwallens durchzusetzen; denn die menschliche Dummheit und sein +eigener Blödsinn waren ihm die mächtigsten Bundesgenossen. + +Wenn der Schreiber dieser Legende auch mit den folgenden Zeilen die +größte und unermeßlichste Tat des heiligen Bürokrazius vorwegnimmt und +damit der Darstellung der Ereignisse vorgreift, so kann er doch in +seiner hellen Begeisterung für den größten und dümmsten Heiligen nicht +umhin, schon an dieser geweihten Stelle von der umwälzendsten Idee des +heiligen Bürokrazius zu berichten, die allen seinen großen Ideen, mit +denen er die Welt beglückte, die Krone aufsetzte. + +Mit welcher seltenen Schärfe der heilige Bürokrazius dachte, darauf +hinzuweisen fand sich schon mehrfach die Gelegenheit. Und gerade aus +dieser ganz speziellen Eigenart des Denkens, durch die er vor der +übrigen Menschheit einen wesentlichen und nicht zu unterschätzenden +Vorsprung hatte, wurde ihm die große Aktion zur Regelung des +menschlichen Stoffwechsels eingegeben. + +Seine heilige Fürsorge erstreckte sich in nimmermüdem Eifer auch auf +jene beschaulichen und idyllischen Stätten, welche der Mensch bei +gesunder körperlicher Verfassung in regelmäßigen Zwischenräumen behufs +Bereicherung der Landwirtschaft aufzusuchen pfleget. + +Der heilige Bürokrazius führte eigene Pässe für das Betreten oben +angedeuteter Örtlichkeiten ein, die den jedesmaligen Vermerk einer +Einreisebewilligung und einer Aufenthaltsbewilligung an den Stätten +besagter landwirtschaftlicher Berufstätigkeit enthalten mußten. +Natürlich war auch der Aufenthalt zeitlich genau geregelt. + + [Verzierung] + + + + + Wie der heilige Bürokrazius den Amtsschimmel fand und + sich beritten machte. + + +Schon in der ersten Zeit seines Erdenwallens stellte es sich heraus, daß +der heilige Bürokrazius seinen Kräften zu Gewaltiges zumutete. Er ging +in seinem heiligen Eifer überallhin zu Fuße. + +Dieser heilige Grundsatz des Wanderns _per pedes apostolorum_ sollte +sich aber bald bitter rächen; denn er verschaffte dem Heiligen die +unangenehme Erscheinung von qualvollen Hühneraugen, über die in einem +späteren Hauptstücke noch Wundersames zu lesen ist. + +Hier wollen wir uns nur mit dem Berichte bescheiden, daß diese +Hühneraugen des heiligen Bürokrazius zum mindesten eine unmittelbare +Ursache für die Auffindung des Amtsschimmels durch den Heiligen wurden. + +Je gräßlicher die Tortur der Hühneraugen sich auswuchs, desto klarer und +deutlicher kam der gemarterte Heilige zu der Überzeugung, daß ihm in +diesem verzweifelten Falle nur mehr durch eine himmlische Eingebung +geholfen werden könne. Er erinnerte sich dahero des wohlmeinenden Rates, +den ihm der Erzengel Michael erteilt hatte ... er möge sich, wenn er +neuer himmlischer Eingebungen zur Ausübung seines heiligen Berufes +bedürfe, auf den Sitz seines Verstandes niederhocken und tief +nachdenken. + +Das tat denn auch der heilige Bürokrazius. Er hockte sich zehn Tage und +zehn Nächte hin und dachte eifrig nach, dabei die himmlische Eingebung +erwartend. Er schlief, wenn er vom Denken erschöpft war, auch in +sitzender Stellung, um die Eingebung des Himmels ja nicht zu verpassen. + +In anderen Heiligenlegenden werden diese Offenbarungen von oben den +Heiligen vielfach in schlafendem Zustande durch wunderbare Traumgesichte +kundgetan. Es muß jedoch hier ausdrücklich festgestellet werden, daß +dies beim heiligen Bürokrazius nicht geschah. + +Er erlebte die himmlische Stimme vollkommen wach und munter am Morgen +des eilften Tages. Als er von dem vielen Nachdenken und Harren schon +etwas müde und abgespannt zu werden begann, da erhub sich auf einmal +eine gewaltige innere Stimme in ihm, die auffällig der Stimme des +Erzengels Michael glich und dem Heiligen sofort ein erinnerungsvolles +Jucken und Beißen verursachte. + +Die innere Stimme aber sprach: »Rindviech, g'selchtes! Was laufst denn +alleweil auf deine Plattfüß' umeinander! Oder glaubst du vielleicht, daß +so ein hatschender Heiliger dem Publikum auf die Dauer imponieren wird? +Da bist aber ang'schmiert!« + +»Was soll ich denn tun?« frug der heilige Bürokrazius kläglich. + +Da sprach die Stimme: »Schau dir um ein Roß und reit'!« + +»Aber ich kann ja gar nicht reiten!« wandte der Heilige bescheiden ein. + +»Wirst es schon erlernen!« erwiderte die Stimme von oben. »Wir haben +ohnedies schon einen berittenen Heiligen. Denselbigen, der seinen Mantel +auseinanderschneidet und mit dem Bettler teilet. Wirst ihn schon gesehen +haben. Ein sehr respektabler Heiliger. Also kommt es uns auf ein +heiliges Rindviech zu Pferd auch nicht mehr drauf an!« + +»Ja, wo soll ich denn ein Roß hernehmen und nicht stehlen?« frug der +Heilige verzagt. + +»Mußt halt ein Roß finden, das sonst kein anderer brauchen kann!« sagte +die Stimme des Erzengels. »Ein gewöhnliches Roß ist freilich für dich +nicht erschaffen. Du mußt ein ganz außerordentliches Roß finden. Du +darfst jetzt nicht beleidigt sein über das, was ich dir sage. Du wirst +ja noch wissen, warum du mit aller gebührenden Feierlichkeit zum +Heiligen geschlagen wurdest. Dahero mußt du auch das dümmste Roß auf +Gottes Erdboden finden. Dasselbige ist sodann dein Roß. Auf ihm wirst du +reiten können. Und es wird dich gutwillig tragen. Sonst wäre es ja nicht +das dümmste Roß. Denn jedes andere Roß, das nicht mindestens so dumm ist +wie du selber, wird dich unter aller Bedingung abwerfen, dieweilen es +keinem Vieh einfällt, ein noch dümmeres Vieh zu tragen, als es selber +ist. Wenn es dir jedoch gelingt, dieses dümmste Roß zu finden, dann +wirst du in aller Herrlichkeit prangen. Denn du mußt es begreifen, daß +die berittene Dummheit noch viel siegreicher ist als unberittene +Hühneraugen!« + +Sprach's, und die Stimme verschwand aus dem Inneren des Heiligen. Er war +nun wieder auf sich selbst gestellet und mußte seine eigenen Entschlüsse +fassen. Der Rat des Erzengels erschien ihm jedoch als wahrhaft +himmlisch. Wenn er sich vorstellte, wie er hoch zu Roß durch die Welt +trabte, dann schwoll ihm gewaltig der Kamm. Es galt also, das dümmste +Roß zu finden. + +Lange suchte der heilige Bürokrazius nach diesem seltenen Vierfüßler. Er +glaubte, der Qual seiner Hühneraugen bereits unterliegen zu müssen, als +er an einem sonnenhellen Maientage zu einem Stalle kam, in dem ein Roß +fröhlich wieherte. + +Der heilige Mann trat mühselig hatschend ein. Vor die Futterkrippe war +ein Schimmel gebunden. Just keine Vollblutrasse und auch kein schönes +Tier. Das störte aber den heiligen Bürokrazius nicht im geringsten, +dieweilen er das von sich auch nicht behaupten konnte. Er trat an den +Schimmel heran, an dem man alle Rippen zählen konnte und der überall die +Beiner aufstellte, daß man ihn auch ganz gut zu einem Hutständer hätte +gebrauchen können. + +Der Schimmel fraß gierig aus der Krippe. Als der Heilige näher zusah, +hatte der Schimmel lauter Papier in der Krippe, das er mit +offensichtlichem Behagen verzehrte. + +Sintemalen aber alles, was Papier war, für den Heiligen ein wichtiges +Lebenselement darstellte, sah er auch alsogleich nach, um welches Papier +es sich handelte. Zu seinem heiligen Entzücken waren es lauter Akten, +mit denen man den Schimmel fütterte. + +»O du heiliges Roß Gottes!« rief der Heilige in himmlischer Verzückung. +»Durch welches Wunder verzehrest du Akten?« + +»Hihihihi!« lachte der Schimmel und drehte sich, lebhaft wiehernd, nach +dem heiligen Manne um. + +Da ersah der heilige Bürokrazius, daß sie dem Schimmel grüne Brillen +aufgesetzt hatten. Und das Vieh war so dumm, daß es durch die grünen +Brillen Gras statt Papier zu fressen glaubte. Nunmehro erkannte der +heilige Bürokrazius, daß er das dümmste Roß auf Gottes Erdboden gefunden +hatte. Er fiel mit Tränen der Rührung in den Augen dem Schimmel um den +Hals und gab ihm einen Bruderkuß. + +»Hihihihi!« lachte der Schimmel vergnügt und geschmeichelt. + +Alsodann hielt ihm der heilige Bürokrazius folgende feierliche +Ansprache: »O du dümmstes Roß, sei mir gegrüßt! Auf dir werde ich die +ganze Welt erobern. Denn unsere Dummheit ergänzet sich in der +wundertätigsten Weise. Wir werden ein Wesen sein, eine Seele und ein +Gedanke. Und die Menschheit wird uns staunend dahinschreiten sehen und +wird sich ehrfurchtsvoll vor uns beugen. Und nie sollst du des Futters +ermangeln. Ich will dich dick und fett mästen. Gott erhalte dir deine +Dummheit! Und nun, du heiliger Schimmel, du dümmstes Roß Gottes auf +Erden, deinem Herrn ebenbürtig und zu immerwährendem Dienste zugesellet, +trage mich hinaus in die Welt!« + +»Hihihihi!« lachte der Schimmel geschmeichelt ob dieser Rede. + +Der heilige Bürokrazius band ihn von der Krippe los und schwang sich auf +seinen Rücken. Der Schimmel trug ihn sonder Widerstand, als wenn er das +von jeher gewöhnet gewesen wäre. So zogen sie beide aus dem Stalle +hinaus. Der Heilige mit Rüsselnase und Eselsohren, der Schimmel mit den +grünen Brillen. + +Es war ein Anblick, an dem sich Himmel und Erde erfreuen konnten. Und +die Heiligen auf der Himmelswiese lachten, als sie ihren neuen Gefährten +dahintraben sahen. Und sie hatten Gesprächsstoff für den ganzen Tag. Das +war aber nach dem himmlischen Zeitmesser für eine halbe Ewigkeit. + +Die Menschen jedoch beugten sich vor dem Heiligen mit seinem Schimmel +noch mehr als früher. Nun war es nicht nur der Heiligenschein, der ihnen +Demut und Ehrfurcht einflößte. Es waren auch die grünen Brillen des +Schimmels. Was mußte das für ein gelehrtes Roß sein, das sogar Brillen +trug! + +»Alles muß nach einem Schema gehen!« verkündigte der Heilige. »Denken +ist überflüssig! Akten und Formulare sind die höchste Weisheit auf +Erden!« + +»Hihihihi!« lachte der Schimmel in fröhlichem Wiehern. Er konnte auch +zufrieden sein; denn er hatte seinen Herrn gefunden, der ihn zärtlich +liebte und pflegte. + + [Verzierung] + + + + + Wie der heilige Bürokrazius in dem heiligen + Stultissimus seinen ersten Jünger warb. + + +Es ereignete sich nunmehro das Nachfolgende. + +Ihr erwartet wohl von dem Schreiber dieser Legende, daß er euch den +Heiligen in seiner erhabenen Berittenheit hoch zu Roß in langen Exkursen +abschildert. Das tut er aber nicht. Er läßt sich absichtlich nicht dazu +verleiten, den himmlischen Anblick des heiligen Bürokrazius auf seinem +Schimmel auszumalen und zu beschreiben. Und das derohalb, weil er ein +gewissenhafter Skribent ist und mit dem Lottergesindel der Poeten und +Maler _alias_ Pinselwascher nichts zu tun haben will. Denn beide, +die _poetae_ und die _pictores_, haben das Privilegium der Lüge und +Erfindung. + +Dahero schicket sich nichts besser, als wenn ein Poet den Maler zum +Gevattern bittet; denn _fingere_ und _pingere_ sind die vertrautesten +Spießgesellen. Das Gehirn der Poeten steckt bekanntlich voll der +ausgeschämtesten Lügen. Und der Malerpinsel ist auch nicht skrupulös; +und wenn er schon aus Haaren bestehet, so gehet er dennoch nicht ein +Haar auf die Wahrheit ... + + _... Pictoribus atque poetis + Quilibet audendi semper fuit aequa potestas._ + + Dichten können nach Begnügen + Alle Maler und Poeten; + Dürfen sie doch tapfer lügen, + Wann die Wahrheit schon vonnöten. + +Sotanes würde aber dem Schreiber dieser heiligen Legende übel genug +anstehen. Hat er sich bis anhero der purlauteren Wahrheit beflissen, +wird er sich auch künftighin zu keinen malerischen und poetischen +Winkelzügen und Umschreibungen verleiten lassen. Wohl aber kann er es +sich nicht versagen, den heiligen Bürokrazius zur Bereicherung deines +Wissens, frommer Leser, mit einem anderen gottseligen Manne zu +vergleichen, der vom Roß herunter ein Heiliger wurde, während der +heilige Bürokrazius in seiner Demut auf das Roß hinauf kam. + +Es handelt sich um den gottseligen Petrus Consalvus in Spanien. Als der +einst vor einer großen Menge Volkes mit absonderlichem Gepränge auf +einem stolzen Klepper dahertrabte, fiel er unvermutet in eine wüste +Kotlacken, worinnen er sich wie in einem Saubade herumgewälzet und einem +Mistfinken nicht ungleich gesehen, welches dann jedermann zu einem +ungestümen Gelächter bewogen hat. Er aber nahm wahr, daß ihn die Welt +also auslachte, entschloß sich augenblicklich, dieselbe hingegen wieder +auszulachen, trat in einen heiligen Orden und lebte gottselig. Dem hat +also gleichsam die Kotlacken das Gewissen gesäubert und den Hochmut +ausgewaschen. + +Selbiges hatte der heilige Bürokrazius nicht vonnöten, dieweilen er erst +in Verzweiflung ob seiner Hühneraugen hoch zu Roß gekommen, demnach nie +aus Hochmut beritten war. Darum ist es ihm auch niemals widerfahren, +daß er sich von seinem Schimmel unfreiwillig und von der ganzen Welt +verlacht hat trennen müssen. + +Unbehindert und ohne Kotspritzer ritt er durch die Welt. Und es +ereignete sich, daß er in seiner erhabenen Berittenheit noch besser +denken konnte wie früher, als er mit seinen Hühneraugen durch die Welt +hatschte. Nachdem der Sitz seines Verstandes in unmittelbarer Berührung +mit dem Schimmel war, dachte der Heilige fürderhin noch leichter. Er +dachte nach dem Tempo des Amtsschimmels. + +Sintemalen jedoch rasches Denken die Tiefe seiner Weisheit nachteilig +beeinflussen konnte, ließ der Heilige den Schimmel stets in einer sehr +gemächlichen Gangart dahintrotten. Es eilte ja nicht. Der Heilige hatte +Zeit, und der Schimmel hatte Zeit, und das liebe Publikum bewunderte den +heiligmäßigen langsamen und erhabenen Trott des Schimmels. + +So ritt denn an einem schönen Sommertage der Heilige, tief versunken in +seine Gedanken, durch die Welt. Er hörte und sah nichts von seiner +Umgebung; denn er arbeitete nach dem Trott des Schimmels an einem neuen +Formular, mit dem er die Menschen beglücken wollte. Er hörte nicht das +Feilen des Gimpels und die schlagende Halsuhr der Wachtel, nicht das +gemeine Schleiferliedel der Amsel und das _Te Deum Laudamus_ der Lerchen +und nicht das Passarello des Stieglitzes. Er sah auch nicht die +gestickte Arbeit der Wiesen auf ihrem grünsamtenen Teppich, das lustige +Laubfest der Wälder und des ganzen Erdbodens hochzeitliches Gepränge. + +So gab es ihm und seinen Gedanken einen gewaltsamen, plötzlichen und +jähen Ruck, als der Schimmel auf einmal stehenblieb und lebhaft +wieherte, als ob er einen alten Bekannten begrüßen würde. + +Der Schimmel starrte durch seine grünen Brillen auf einen Kerl, der am +Wegrande saß, die Erde mit seinem Gewicht beschwerte und nichts anderes +tat, als daß er dem lieben Herrgott den Tag wegstahl. + +Alldieweilen das Denkvermögen und dahero auch die Beobachtungsgabe des +Heiligen untrennbar von seinem Schimmel geworden war, starrte nunmehro +auch er auf den fremden Kerl. Der sah aber nicht gerade sehr gepflegt +aus. Er hatte struppiges Haar und einen verwilderten Bart. Auch wiesen +seine Kleider so viele Löcher auf, daß man in ihnen keine Maus hätte +fangen können. Geist stand just nicht in seinem Gesichte geschrieben. +Dafür guckten ihm aber die großen Zehen beider Füße fürwitzig aus den +Stiefeln. Wenn der Kerl überhaupt was tat, so war er offenbar damit +beschäftiget, seine in Gottes freie Luft ragenden Zehen zu betrachten, +als ob er ihnen besondere Eingebungen verdanken würde. + +»Hihihihi!« lachte der Schimmel. Daneben dachte er sich in seinem +Roßverstand: »Mir scheint, der Kerl ist genau so blöd wie wir beide.« + +Der heilige Bürokrazius aber setzte sich auf seinem Schimmel zurecht und +fragte den fremden Kerl mit vornehmer Gelassenheit von oben herab: »Wo +haben Sie Ihren Paß?« + +»Ha?« sagte der Kerl, der nicht gut zu hören schien. + +»Wo Sie Ihren Paß haben?« wiederholte der Heilige sehr bestimmt. + +»Was? Paß? Nix Paß!« erwiderte der Kerl. + +»Was? Sie haben keinen Paß?« schnaubte der Heilige in gerechtem Zorn. + +»Hühühühü!« wieherte der Schimmel entrüstet und begann den Kerl zu +beschnuppern. + +»Ha?« sagte der Kerl. + +»Sie haben keinen Paß!« rief der Heilige mit erhobener Stimme. »Dann +sind Sie ja ein ganz gewöhnlicher Landstreicher!« + +»Ha?« sagte der Kerl. + +»Ein ganz gewöhnlicher Landstreicher sind Sie! Ein Vagabund!« rief der +Heilige laut von seinem Schimmel herunter. + +»Was? Landstreicher?« sagte der Kerl und langte faul und behaglich nach +einem derben Knüttel, der neben ihm im Grase lag. »Du, halt' di fein +z'ruck!« + +»Wie reden Sie denn überhaupt mit mir?« rief der Heilige empört. + +»Ha?« fragte der Kerl. + +»Wie Sie mit mir reden?« + +»I? Wie i mit dir red'? Deutsch!« sagte der Kerl. + +»Stehen Sie überhaupt auf, wenn man mit Ihnen spricht!« + +»Ha?« + +»Aufstehen sollen Sie, wenn man mit Ihnen spricht!« + +»I? Was? Aufstehn? Fallt mir nit im Schlaf ein!« + +»Das ist doch eine unerhörte Frechheit!« rief der Heilige. »Haben Sie +denn überhaupt eine Ahnung, wer ich bin?« + +»Ha?« + +»Ob Sie eine Ahnung haben, wer ich bin?« + +»A saudumm's Rindviech bist!« + +»Hihihihi!« lachte der Schimmel. + +Der Heilige wurde durch diese Erkenntnis seiner Persönlichkeit +wesentlich milder gestimmt und fragte den Kerl ziemlich freundlich: +»Also Paß haben Sie keinen?« + +»Ha?« + +»Paß haben Sie keinen?« + +»Naa.« + +»Auch sonst keine Ausweispapiere?« + +»Ha?« + +»Papiere!« + +»Papier? Brauch' i keins. I wisch mi alleweil mit Gras ab!« + +Der heilige Bürokrazius lächelte in seiner himmlischen Milde mitleidig. +Dann frug er den fremden Kerl: »Wie heißen Sie denn eigentlich?« + +»Ha?« + +»Wie Sie heißen!« + +»Wie i heiß? Das geht dich an Schmarrn an!« + +»Aber Sie müssen doch einen Namen haben.« + +»Namen? Hab' i aa!« sagte der Kerl. + +»Also wie heißen Sie!« + +»Nit so wie du.« + +»Ich bin der heilige Bürokrazius!« sagte der Heilige. + +»Wer?« + +»Der heilige Bürokrazius!« + +»Dös hab' i mir gleich denkt!« sagte der Kerl. »Ein anderer fraget mich +nit so saudumm aus!« + +Der Heilige lächelte geschmeichelt. Dann frug er mit der freundlichsten +Herablassung: »Wollen Sie nun nicht so liebenswürdig sein und mir Ihren +werten Namen verraten?« + +»Ja, wenn i dir damit a besondere Freud' mach', warum denn nit!« sagte +der Kerl nachgiebig. »Stultissimus heiß ich!« + +»Danke verbindlichst!« sprach der Heilige höflich. »Nun, mein lieber +Herr Stultissimus, wollen Sie mir nicht gefälligst sagen, was Sie +eigentlich sind?« + +»Ha?« + +»Ich möchte Sie höflichst ersuchen, mir zu sagen, was Sie sind?« + +»Kannst denn mit deiner blöden Fragerei gar nimmer aufhören!« wurde der +Kerl plötzlich wieder obstinat. + +»Aber Sie müssen doch irgendeinen Beruf haben!« sagte der Heilige +ungemein liebenswürdig. + +»Ha?« + +»Ihr Beruf?« + +Da erhob der Kerl seine rechte Hand und zog mit dem Zeigefinger +derselben einen Kreis um seinen struppigen Schädel. + +Dann sagte er: »Heiliger.« + +Der heilige Bürokrazius bemerkte aber, daß der Kerl tatsächlich einen, +wenn auch schmalen, so doch glänzenden Streifen um den Schädel trug. +»Auch Heiliger?« sprach er mit einer gewissen Kameradschaftlichkeit. + +»Was denn sonst?« sagte der fremde Kerl. + +»Sie entschuldigen schon, daß ich das nicht gleich bemerkt habe!« meinte +der heilige Bürokrazius. + +»Bist halt zu blöd dazu!« sagte der heilige Stultissimus mit einer +gemütlichen Nachsichtigkeit. + +»Wer hat Ihnen denn Ihren Heiligenschein verliehen?« frug der heilige +Bürokrazius. + +»Nix verliehen!« erwiderte der heilige Stultissimus. »Von selber +g'wachsen!« + +»Ah so!« sagte der heilige Bürokrazius. »Respekt! Da gratulier' ich.« +Damit stieg der Heilige von seinem Roß und setzte sich neben den +heiligen Stultissimus. Einerseits aus Kollegialität, anderseits um sich +mit seinem offensichtlich etwas schwerhörigen Mitheiligen besser +verständigen zu können. »Freut mich sehr, Ihre werte Bekanntschaft +gemacht zu haben!« sagte er höflich. + +»Weißt was, sein mer per du!« meinte der heilige Stultissimus jovial. + +Da rückte der heilige Bürokrazius unwillkürlich etwas von ihm weg und +betrachtete ihn vom Kopf bis zu den Füßen. + +»Vielleicht nit?« fragte der Stultissimus im Ton einer aufsteigenden +Beleidigung. + +»Aber selbstverständlich!« beeilte sich der heilige Bürokrazius zu +versichern. + +»Also, sollst leben!« sagte der Stultissimus und klatschte ihm mit der +flachen rechten Hand kräftig auf seine Glatze. + +»Nix drinnen? Ha?« frug er freundlich. + +»Mit Verlaub,« erkundigte sich der heilige Bürokrazius nach einer Weile, +»wo hast denn du deinen Verstand?« + +»Verstand?« erwiderte der andere. »Verstand hab' i überhaupt keinen.« + +»Aber du mußt doch auch was denken.« + +»Denken tu i nix.« + +»Ja, wie fallt dir denn nachher was ein?« + +»Wie mir was einfallt? Mir scheint, am meisten fallt mir alleweil ein, +wenn i meine großen Zehen betracht'!« sagte der heilige Stultissimus und +stellte seine Zehen in die Luft. + +»Aha!« meinte der heilige Bürokrazius. »Dann ist dir dein Verstand in +die Zehen abig'rutscht. Mir ist er weiter oben steckengeblieben. Auf die +Weis' passen wir zwei ja ganz prächtig zusammen. Der heilige Bürokrazius +und der heilige Stultissimus, das ist doch ein wundersames Paar. Da +werden die Leut' aber schauen!« + +»Meinst?« sagte der heilige Stultissimus. + +Nachdem sie längere Zeit im beschaulichen Stillschweigen nebeneinander +gesessen hatten, hub der heilige Bürokrazius wieder an: »Eigentlich +solltest du aber doch eine Stellung haben!« + +»Ah was! Stellung!« machte der heilige Stultissimus verächtlich. »Da bin +i mir zu wenig dumm dazu.« + +»Die nötige Dummheit kommt mit der Stellung!« belehrte ihn der heilige +Bürokrazius. + +»Das sieht man bei dir!« sagte der heilige Stultissimus gutmütig. + +»Na also!« munterte ihn der heilige Bürokrazius auf. »Wie wär's denn, +wenn du bei mir Stallknecht würdest. Für den Amtsschimmel da. Der ist +das dümmste Roß auf Erden. Ich bin das größte Rindviech. Und du bist der +größte Steinesel. Da sind wir eine herrliche Menagerie und können der +ganzen Welt einen Zirkus abgeben, daß sie damisch wird vor lauter +Begeisterung. Heiliger Stallknecht Stultissimus, schlag' ein!« + +»Was zahlst denn nachher?« frug der heilige Stultissimus, der sich die +Sache zu überlegen schien. + +»Zahlen? Ja, was fällt denn dir ein? Das ist doch eine Ehrenstellung!« + +»Mit Ehrenstellungen kannst du mir g'stohlen werden! Siehst, da bin ich +auch wieder zu wenig dumm dazu.« + +Da der heilige Stultissimus mit keiner Überredungskunst zu bewegen war, +die Stellung eines Stallknechtes als Ehrenstellung zu übernehmen, +einigten sich die beiden Heiligen schließlich auf einen bestimmten Lohn +und auf eine Kündigungsfrist. Es ist aber nicht bekannt geworden, daß +sich der heilige Stultissimus und der heilige Bürokrazius jemals wieder +getrennt hätten. Wie aus dem Folgenden zu ersehen ist, wurde der +Stultissimus außer seinem Roßamt auch noch ein bedeutender geistiger +Mitarbeiter des Bürokrazius. + + + + + Wie die beiden Heiligen einen auferbaulichen Disput + hatten und das respektvolle Ergebenheitstränklein + brauten. + + +An einem Abend saßen die beiden Heiligen zusammen in dem dämmerigen +Stalle des Amtsschimmels und schauten bedachtsam zu, wie der Schimmel +Akten fraß und sie regelrecht verdaute, um dann einen Teil derselben als +Roßmist wieder von sich zu geben. + +Um diesen Mist war den beiden Heiligen schon längst leid gewesen, +und sie hatten bereits des öfteren miteinander beratschlagt, was sie +eigentlich mit dem Mist des Amtsschimmels beginnen sollten. + +Da der heilige Bürokrazius den Erzengel Michael wegen seiner ihm sattsam +bekannten Grobheit in dieser mistigen Angelegenheit nicht eigens um Rat +zu fragen wagte, beriet er die heikle Sache lieber mit seinem heiligen +Stallknecht. + +Auch der heilige Stultissimus war der Ansicht, daß der Mist des +Amtsschimmels sich von gewöhnlichem Pferdemist wesentlich unterscheiden +müsse und richtig verwendet wunderbare Früchte zeitigen könnte. + +Um der Sache endlich auf den Grund zu kommen, setzte sich der heilige +Bürokrazius ganz energisch nieder, und der heilige Stultissimus +betrachtete seine beiden nackten großen Zehen, die ihm in rührender +Anhänglichkeit noch immer aus den Stiefeln guckten. + +Dabei entwickelte sich zwischen den beiden Heiligen dieser auferbauliche +Disput: + +_Sankt Bürokrazius_: Was fangen wir nur mit dem Mist da an? + +_Sankt Stultissimus_: Mit welchem Mist da? + +_Sankt Bürokrazius_: Mit dem Mist da. + +_Sankt Stultissimus_: Ah, mit dem Mist da. + +_Sankt Bürokrazius_: Ja. + +_Sankt Stultissimus_: Ah so. + +_Sankt Bürokrazius_: Das ist sozusagen ein heiliger Mist. + +_Sankt Stultissimus_: Der Mist da? + +_Sankt Bürokrazius_: Ja. + +_Sankt Stultissimus_: Ah so. + +_Sankt Bürokrazius_: Das ist also kein gewöhnlicher Mist, sintemalen und +alldieweilen er von dem Amtsschimmel stammet. Dahero ist er auch +geheiliget und kann den Menschen nicht oft genug eingepräget werden. +Demzufolge muß auch dieser sozusagen heilige Mist des Amtsschimmels der +Menschheit in irgendeiner Form zugeführet werden. + +_Sankt Stultissimus_: So werden sie ihn aber nit fressen. + +_Sankt Bürokrazius_: Derohalben muß irgendeine ersprießliche Form für +die Verwertung besagten Mistes gefunden werden. + +_Sankt Stultissimus_: Reden ist leicht, aber einfallen sollt' einem halt +was. + +_Sankt Bürokrazius_: Wie wäre es, wenn wir diese unschätzbaren +Äußerungen des Amtsschimmels abkochen würden und ein Tränklein daraus +bereiten würden, das der ganzen Menschheit zum Heile und uns zum höheren +Ruhme verhelfen würde? Wozu lagert ansonsten der Amtsschimmel seinen +Mist ab, wenn er nutzlos verdirbt! + +_Sankt Stultissimus_: Das wär' eine Idee. + +_Sankt Bürokrazius_: Die Menschen haben noch immer zu wenig Respekt vor +dem heiligen Bürokrazius. Es muß ihnen viel mehr respektvolle +Ergebenheit vor seiner Weisheit eingeflößet werden. Wie könnte das +besser geschehen, als durch den Mist des Schimmels, der den heiligen +Bürokrazius trägt, auf dem der heilige Bürokrazius nicht nur reitet und +denkt, dessen erhabener Gangart er sogar seine Entschließungen, +Verordnungen und Maßnahmen verdanket. Denn was ansonsten gewöhnlicher +Roßmist ist, das ist allhiero der unergründliche Geist von tausend +Akten, _quasi_ das _Extractum_ aller gebührenden Ehrfurcht vor dem +heiligen Bürokrazius, der anselbsten zu sein Redner die hohe +Auszeichnung besitzet. + +_Sankt Stultissimus_: Bist jetzt nachher bald fertig? Das kann man doch +kürzer sagen: Den Mist abkochen und den Menschen zu saufen geben. + +_Sankt Bürokrazius_: Mein lieber Stultissimus, du hast leider noch immer +nicht das richtige Verständnis für den Amtsstil. + +_Sankt Stultissimus_: Steig' mir in Buckel mit deinem Amtsstiefel! Also +probieren wir's halt einmal mit dem Trankl! -- + +Damit sammelten die beiden Heiligen sorgfältig den Mist des +Amtsschimmels, gingen hin, richteten einen Kessel und ein Feuerlein zu +und begannen zu kochen. + +Der heilige Bürokrazius klebte an die Türe der Küche einen großen +Zettel, auf dem zu lesen stund: »Insgeheime geheimste Kuchel. Eintritt +strengstens verboten!« Es wagte auch niemand die beiden Heiligen in +ihrer geheimnisvollen Tätigkeit zu stören. + +Dem brodelnden Kessel entstiegen die lieblichsten Düfte. Dabei geschah +ein himmlisches Wunder, welches das ehrerbietige Staunen und die +uneingeschränkte Begeisterung der beiden Heiligen erregte. + +Der Rauch, der von dem Kessel emporwirbelte, war kein gewöhnlicher +Rauch, sondern er entschwebte dem Kessel in den herrlichen Formen von +lauter Paragraphenzeichen, die lange Zeit in der Luft hängen blieben, +bis sie von nachflatternden neuen Paragraphen abgelöst wurden. Daraus +erkannten die beiden Heiligen, daß sie den einzig richtigen Weg für die +Verwendung des heiligen Mistes zum Wohle und Gedeihen der Menschheit +gefunden hatten. + +»Himmelsakra!« rief der heilige Stultissimus in ehrlicher Überraschung +aus. »Das ist aber höllisch schön!« Damit spuckte er in +überschwänglicher Begeisterung in das brodelnde Dekoktum des Kessels. +Nunmehro ereignete sich ein neues, noch größeres Wunder. + +Die Paragraphen, die nach dieser Vermischung des heiligen Sputums mit +dem Schimmelmist aus dem Kessel sich erhoben, machten plötzlich in der +Luft tiefe katzenbuckelnde Verbeugungen. Da der heilige Bürokrazius +dieses zweiten Mirakulums ansichtig ward, da wurde er schier von blassem +Neid gegen seinen Stallknecht, Kollegen und Mitheiligen erfasset. Er +trachtete dahero, ihn womöglich noch zu übertreffen, räusperte sich +lange und ausgiebig und spie einen riesigen Klachel in den Kessel. + +Nunmehro wollten sich die katzenbuckelnden Paragraphen in der Luft fast +vor Devotion überschlagen. Triumphierend schaute der heilige Bürokrazius +auf den heiligen Stultissimus, dieweilen er ihn an Wunderwirkung seines +heiligen Sputums noch übertroffen hatte. + +Das erregte wiederum den Neid des heiligen Stallmeisters. Er beeilte +sich dem Roßmist geschwind neues Sputum zu vermischen. So geschah es, +daß die beiden Heiligen in edlem Wetteifer abwechselnd in den Kessel +spuckten und dadurch jenes großartige Arkanum erzielten, das bis zu den +heutigen Zeitläuften die Menschen in Untertänigkeit und Ehrfurcht vor +allen Einrichtungen des heiligen Bürokrazius erschauern macht. + +Damals wurde von den beiden Heiligen, die alsogleich erkannt hatten, daß +die Mischung des Schimmelmistes und ihres heiligen Sputums die allein +richtige Mischung für ihr geplantes Dekoktum sei, aus besagtem, +in lieblichster Devotion duftendem Dekoktum das respektvolle +Ergebenheitstränklein gebraut, welches der heilige Bürokrazius hinfüro +den seiner Verwaltung und seines Gängelbandes dringend bedürftigen +Menschen bescherte. + +Da die Menschen nach ihrer armseligen Naturanlage leider unfähig waren, +sich selber zu verwalten und sonder Schwanken gehen zu lernen, mußte +ihnen durch dieses offensichtlich himmlischer Eingebung entstammende +respektvolle Ergebenheitstränklein der endgültige Glaube an die +Notwendigkeit, Erhabenheit, Verstandesschärfe, Unentbehrlichkeit und +Unfehlbarkeit aller irdischen Stiftungen des heiligen Bürokrazius +beigebracht werden. + +Der Heilige verfügte, daß dieses Tränklein bereits den Kindern in die +Lullbüchsen gegeben würde, so daß sie es zugleich mit der Muttermilch +bekamen und mit der respektvollen Ergebenheit gegen den heiligen +Bürokrazius im Leib schon in ihren Windeln lagen. + +Sintemalen uns allen dieses Tränklein in Adern, Knochen und Flachsen +liegt und sozusagen einen wesentlichen Bestandteil unserer irdischen +Beschaffenheit ausmachet, hat es bis zu heutigen Tagen der armen +Menschheit auch noch nie recht zu dämmern begonnen, was für ein +riesengroßes Rindviech der heilige Bürokrazius im Grunde genommen +eigentlich ist. Auch die Bestandteile des respektvollen +Ergebenheitstränkleins sind den Menschen noch nie zum Bewußtsein +gekommen, dieweil es sich eben um ein Geheimmittel handelt, das sich nur +in seinen Wirkungen dokumentieret. + +Alldieweilen aber jegliche Medikamente ihren gelehrten lateinischen +Namen haben müssen, damit sie dem ehrfurchtsvollen Publiko um so +unbegreiflicher, geheimnisvoller und rätselhafter erscheinen, hat ein +Kollegium hochgelahrter Professoren, Doktoren, Chemiker, Alchimisten und +Pharmazeuten nach jahrelangen schwierigen Beratungen auch für das +respektvolle Ergebenheitstränklein, welches die Welt dem heiligen +Bürokrazius unter kräftiger Mitwirkung des heiligen Stultissimus +verdanket, die endgültige wissenschaftliche Bezeichnung gefunden. Sie +soll dir, o frohgemuter Leser, nicht vorenthalten werden. Wappne dich +jedoch mit allen deinen klassischen Kenntnissen und verrenke dir dabei +die Zunge nicht ... _Sanctorum Bürokrazii atque Stultissimi mixtura +famosa gloriosa miraculosa amabilis admirabilis honorabilis venerabilis +respectabilis devotionalis mystica decocta speibensis saufdusi._ + + [Verzierung] + + + + + Wie der heilige Bürokrazius Hühneraugen im Hirn bekam + und sich einen Zopf wachsen ließ. + + + O höllischer Sudkessel, wie fürchterlich sind deine Qualen, + Nicht zu beschreiben und auch nicht zu malen! + Wann dich Verdammten von vorne und von hinten + Unablässig die Teufel zwicken und boshaftig schinden, + Dann wirst du vor lauter höllischer Pein Tag und Nacht juhzen, + Aber es wird dir sotanes Gejuhze nix nutzen. + Und wenn du auch jodelst in den höchsten Tönen, + Wird dein Gesang nur die Schadenfreude der Höllenmächte verschönen. + Pech und Schwefel wird dir deinen sündigen Leib verbrennen, + Magst du auch noch so winseln und heulen und rotzen und flennen. + Während ein Rindfleisch im Sudkessel wird allgemach weicher + und linder, + Bleibst du darinnen für alle Ewigkeiten der gleich hartgesottene + Sünder. + Und entsteiget deiner Suppen auch tausendfach Weh und Ach, + Hilft's dir einen Dreck, du bleibest in _saecula saeculorum_ zach. + Und geben sie dich auch zur Abwechslung, um dich zu braten und zu + schmoren, + In die höllische Pfannen, es ist an dir alle Liebesmüh verloren. + Dahero kannst du daran ermessen, du gottverlassener Sündenlümmel, + Wie blöd es von dir war, in die Hölle zu kommen anstatt in den Himmel. + Wenn du aber für höllische Qualen zwecktunliche Vergleiche willst + entdecken + An irdischen Martern, Bedrängnissen, Peinigungen und Schrecken, + Die eine heilsame _comparationem_ aushalten mit den diabolischen + Pech- und Schwefellaugen, + Dann brauchst du nur mit gebührender Andacht zu denken an deine + Hühneraugen. + Die machen dich, o frommer Christ, auch mitunter so elendiglich + juhzen, + Daß du dir am liebsten tätest deine verehrlichen Zehen abstutzen. + +Schreiber dieser heiligen Legende hat zwar schon im vorhergehenden denen +schwindelhaften Poeten als einem Lottergesindel feierlich abgesaget und +abgeschworen. Deswegen hat er es sich aber doch nicht versagen können, +dieses Hauptstück mit zierlichen und wohlgesetzten Reimlein einzuleiten. +Er möchte sich aber sehr geharnischt dagegen verwahren, um dieser +Reimlein willen unter das verächtliche Gelichter der Poeten einverleibet +zu werden. Seine Reimlein sind keine Poesien, sondern der Abglanz und +Spiegel der Wahrheit, _speculum veritatis_. Er hat nicht gedichtet und +nichts erdichtet, auch nichts geschwefelt mit der Abschilderung des +höllischen Schwefels, sondern nur der Wahrheit ein Gewand verliehen, das +noch deutlicher in die Augen fällt, als die schlichte Prosa, und einen +Ton, der euch in den Ohren klingen soll wie die Trompeten von Jericho. + +Dabei hat er euch aber die Qual der Hühneraugen nochmals eindringlich +vorführen wollen, damit ihr das richtige, nachdenksame und auferbauliche +Verständnis für das Folgende findet, was er euch in diesem Hauptstück +von dem heiligen Bürokrazio zu vermelden und zu berichten hat. + +Es ereignete sich nämlich, daß den heiligen Bürokrazius seine +Hühneraugen wiederum fürchterlich turmanterten, _id est_ peinigten. Das +schrieb sich dahero, dieweilen unterschiedliche frevelhafte Menschen, +so noch nicht zu den Rindviechern zählten und derohalben seine heilige +Sendung noch nicht erfasset hatten, dem Heiligen in niederträchtiger und +heimtückischer Absicht wiederholt sonder Erbarmen auf diesen seinen +empfindlichen Leibschaden der Zehen traten. + +Das machte den Heiligen jedesmal so erbärmlich juhzen wie die Verdammten +im höllischen Sudkessel. Gerne hätte er _ad majorem dei gloriam_ auch +diese Qualen seines Erdenwandels noch weiter ertragen. Besagtes Gejuhze +vereinbarte sich aber nicht mit seiner Würde, die er kraft seiner +himmlischen Sendung allerorten zur Schau tragen mußte. + +Da dem heiligen Bürokrazio der Ton, in welchem die innere Stimme des +Erzengels Michael mit ihm geredet hatte, für die Dauer gar nicht genehm +war, wagte er es desto weniger, sich an diese himmlische Stimme zu +wenden, weil ja die Materie seiner Hühneraugen schon einmal zwischen ihm +und dem Erzengel Michael abgehandelt worden war. + +Der heilige Bürokrazius setzte sich dahero wiederum mehrere Tage und +Nächte nieder, wie er dies beim Denken bekanntlich immer zu tun pflegte, +und dachte inständig darüber nach, auf welche Art und Weise er die Qual +der Hühneraugen loswerden könnte, dieweilen ihm wegen der Boshaftigkeit +der sündhaften Menschen auch die erhabene Berittenheit auf dem +Amtsschimmel zwar eine zeitweilige, aber nicht eine immerwährende +Befreiung von dieser großen leiblichen Sorge seines irdischen Wandels +gebracht hatte. + +Nachdem der Heilige reiflich und tief nachgedacht hatte, wurde ihm durch +eine innere Stimme die Eröffnung: »Wende dich in einer gehörig +begründeten Eingabe an die höchste Instanz, an den lieben Gott selber!« + +Wem diese Stimme von oben angehörte, konnte der heilige Bürokrazius nie +ergründen. Sie sprach jedoch zu ihm in einem höflichen und +liebenswürdigen Tone. + +Es handelte sich jetzo aber darum, die verlangte Eingabe an den lieben +Gott zu verfassen. Und das war keine Kleinigkeit. Denn eine solche +Eingabe war dem heiligen Bürokrazius in seiner ganzen Praxis noch nie +vorgekommen. Auch besaß er hiezu keine Formularien oder sonstigen +Behelfe. Nicht einmal in dem Mist des Amtsschimmels waren irgendwelche +Andeutungen für den Verkehr mit dem lieben Gott zu finden. + +Der heilige Bürokrazius pflog dahero sorgsame Beratungen mit seinem +Stallknecht, dem heiligen Stultissimus. Der hatte ihm, bevor der heilige +Bürokrazius sich auf das neuerliche tiefe Nachdenken über seine +Hühneraugen verlegte, schon einmal den echt freundschaftlichen Rat +gegeben, er solle sich seine Hühneraugen beim Hufschmied beschlagen +lassen. Dieser Rat war aber damals von dem heiligen Bürokrazius mit +berechtigtem Entsetzen zurückgewiesen worden, obschon er die Wohlmeinung +desselben uneingeschränkt anerkannte. + +Der heilige Stultissimus war nunmehro, nachdem ihm der heilige +Bürokrazius von seiner neuesten himmlischen Eingebung Mitteilung gemacht +hatte, der Ansicht, daß es eigentlich eine Frechheit sei, den lieben +Gott mit seinen Hühneraugen zu belästigen. Aber wenn der heilige +Bürokrazius schon meine, er solle es doch tun, dann möge er sich ja +davor hüten, den lieben Gott um die gänzliche Befreiung von den +Hühneraugen anzusumsen. Solche gänzliche Nachlässe irdischer Qualen +seien eine unerhörte Forderung an die Allbarmherzigkeit des lieben Gott. +Denn irgendetwas müsse der Mensch doch auf Erden zu leiden haben. Und +sonst habe der heilige Bürokrazius ja auch nichts Arges zu erdulden. +Nicht einmal von Kopfweh werde er jemals heimgesuchet. + +Das leuchtete dem heiligen Bürokrazius denn auch ein, und so beschlossen +die beiden Heiligen nach gewissenhaften beiderseitigen Beratungen, daß +die Eingabe an den lieben Gott nur die Bitte enthalten sollte, der liebe +Gott möge so gnädig sein, dem heiligen Bürokrazius seine Hühneraugen an +eine Stelle seines heiligen Leibes zu versetzen, wo sie ihn nicht so +fürchterlich schmerzen würden. Ein Endchen Qual wolle er ja in +demütigster Unterwerfung gerne ertragen. Aber der gegenwärtige Zustand +sei unerträglich und eine schwere Berufsschädigung. + +Die Eingabe an den lieben Gott wurde alsobald erlediget. In dem heiligen +Bürokrazius erhub sich nach einer abermaligen andächtigen Sitzung eine +mächtige Stimme, welche er als die Stimme des lieben Gott erkannte. + +Die Stimme war zwar nicht wesentlich höflicher als die des Erzengels +Michael, sie erging sich aber doch nicht in derartigen Ausdrücken, wie +sie der Erzengel liebte. + +Die Stimme sprach aber ungefähr folgendes: »Hühneraugen hast? Wo anders +willst sie haben? Das könnt' jeder sagen. Laß' mich ein bissel +nachdenken, wo sie bei dir am ehesten Platz haben. Denn wisse, jedes +Ding will seinen Platz haben. Auch die Hühneraugen. Halt! Ich hab's. Ich +versetz' dir die Hühneraugen nach dem Hirn. Da hast du am meisten Platz +dafür. Ist ohnedies nix drin. Sonst wärst ja nicht der heilige +Bürokrazius. Siehst, wie gut es ist, wenn man im Schädel eine leere +Kammer hat.« + +Der liebe Gott sprach es. Und das Wunder geschah. Der liebe Gott +versetzte in seiner himmlischen Gnade und Allmacht dem heiligen +Bürokrazius seine Hühneraugen in das Hirn, wo sie als Einquartierung gut +aufgehoben waren. + +Und wie gnädig war der liebe Gott gewesen. Der heilige Bürokrazius hatte +sich in seiner Eingabe nur nachzusuchen erlaubet, der liebe Gott möge +ihm die Hühneraugen nach einer Stelle seines heiligen Leibes versetzen, +wo sie ihn nicht so fürchterlich schmerzen würden. Mit einem Endchen +Qual wolle er sich gerne abfinden. Nun hatte ihm der liebe Gott die +Hühneraugen in das Hirn versetzet, und da verspürte der heilige +Bürokrazius überhaupt keine Qual mehr. Denn jede Qual erfordert, damit +sie gefühlet werde, ein Eintreten in das Bewußtsein. Nachdem jedoch dem +heiligen Bürokrazius die Hühneraugen nach demjenigen Teile seines +heiligen Leibes versetzet worden waren, der mit seinem Bewußtsein oder +Verstande gar nichts zu tun hatte, konnten ihn die Hühneraugen im Hirn +unmöglich mehr peinigen. + +Es ist aber in unzähligen theologischen Schriften erwiesen, daß die +göttliche Weisheit nichts tut ohne ihren ewigen Vorbedacht. So war auch +die Versetzung der Hühneraugen des heiligen Bürokrazius in sein Hirn von +Ewigkeit vorbedacht. Und diese vorbedenkende Weisheit des lieben Gott +sollte sich alsobald zeigen. + +Da die Hühneraugen nunmehro eine ungehinderte Freistatt hatten, sich +üppig zu verbreiten, und sie kein Schuh mehr drückte, feierten sie in +dem Hirn des Heiligen wahre Orgien der Vermehrung. Sie wucherten gleich +Schwämmen zur Zeit des Jupiter Pluvius, wie die Antiken sagen würden, +und drückten allgemach gewaltig gegen die Schädelwände. + +Sintemalen jedoch der Heilige infolge der eigentümlichen Beschaffenheit, +mit welcher er dachte, unmöglich Kopfschmerzen bekommen konnte, so +störten ihn die Hühneraugen auch bei ihrer unheimlichen Vermehrung nicht +im geringsten in seinem Berufe. + +Irgendwie mußten sie ihre Bestimmung aber doch erfüllen. Mit ihrem Druck +gegen die Schädelwände war unwillkürlich auch ein Druck auf die +Haarwurzeln verbunden. Die ausgefallenen Haare des Heiligen begannen +dahero plötzlich wieder zu wachsen. + +Es erhub sich in kurzer Zeit ein derart reicher Haarwuchs, daß der +heilige Bürokrazius sich bemüßiget fand, einen Zopf daraus zu flechten. +Der Zopf aber stund ihm großartig zu Gesichte. + +Dies fanden auch der heilige Stultissimus und alle Menschen, die seines +Anblickes gewürdiget wurden. Ja, seitdem der heilige Bürokrazius einen +Zopf trug, gewann er noch mehr Ansehen bei den Menschen. + +Der Zopf hatte ihm noch gefehlet. Trug ja auch der Amtsschimmel hinten +einen Schweif. Warum sollte daher der heilige Bürokrazius unbezopft auf +Erden wandeln. + +Die allwaltende göttliche Weisheit hatte mit dem Zopf des heiligen +Bürokrazius aber noch ganz etwas anderes bezwecket, was sich alle die +Spötter hinter ihre werten Ohrwascheln schreiben sollen, die über diesen +Zopf je abfällige Bemerkungen gemacht haben. + +Und diese abfälligen Bemerkungen wurden gemacht. Wagt es doch die +Menschheit, das Glänzende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu +ziehen. Das muß irgendwo irgendein Dichter gesagt haben, der sich durch +sotanen Ausspruch in einem Momente göttlicher Eingebung für diesen einen +Moment von dem sonstigen Poetengesindel loslöste. + +Der Zopf des heiligen Bürokrazius ist nur derohalben der Gegenstand +frevelhaften Witzes geworden, weil die Menschheit bis anhero den +geheimnisvollen Gang des göttlichen Willens nicht erkannt hat. + +Darum passet fein auf und höret zu. Der Schreiber dieser Legende will +euch aufmerksamen Lesern die göttliche Bestimmung des Zopfes des +heiligen Bürokrazius erläutern. + +Durch die eigentümliche Denkart des Heiligen konnte sich sein Gehirn +nach außen nicht dokumentieren. Da dieses jedoch mit der Zeit hätte zu +Mißdeutungen führen und dem Ansehen des Heiligen hätte schaden können, +war der liebe Gott in seiner ewigen Weisheit darauf bedacht, das Gehirn +des Heiligen auch äußerlich in Erscheinung treten zu lassen. + +Auf dem Umwege der Hühneraugen ließ er dahero das zur Untätigkeit +verurteilte Gehirn des Heiligen nach außen in der Gestalt seines Zopfes +sichtbar werden. + +Dahero ist auch der Zopf des heiligen Bürokrazius, der von seinen +Jüngern und sonstigen Anhängern ehrfurchtsvoll in unveränderter Gestalt +übernommen wurde, etwas Heiliges und muß von uns allen gebührend +verehret werden. Er ist der sichtbare allegorische Ausfluß seines +Geistes an derjenigen Stelle, wo er naturgemäß sein sollte, aber nicht +zu finden ist. + +Der tatsächliche Sitz des Verstandes und Geistes des heiligen +Bürokrazius kann aus leicht begreiflichen Gründen _coram publico_ nicht +entblößet werden, weswegen dem _Pleno titulo Publico_ dessen +sinnbildlicher Sitz und seine sichtbare Verkörperung in Gestalt des +Zopfes genügen möge. Womit Schreiber dieser Legende allen Spöttern, +Tadlern und Mäklern _in aeternum_ das Wasser auf die lästerlichen +Klappermühlen ihrer Scheelsucht abgegraben zu haben vermeinet. + +Es ist aber obenbeschriebene Angelegenheit mit dem Versetzen der +Hühneraugen nach dem Hirn des heiligen Bürokrazius und mit dem dadurch +hervorgerufenen Wachsen des Zopfes noch keineswegs erlediget. Auf daß +der Heilige durch Befreiung von jeglicher irdischer Qual nicht zu +weltlichem Übermute verleitet würde, ist dem bösen Feind _alias_ +Gottseibeiuns oder Luzifer ein diabolisches Streichlein verstattet +worden. + +Unter dem Einflusse und unter der Beratung des infernalischen +Schürmeisters hat sich bei der Wanderung der Hühneraugen nach dem +Gehirne des Heiligen ein ganz besonders niederträchtiges, erzinfames und +teuflisch boshaftes Hühnerauge nach demjenigen Körperteile seines +heiligen Leibes verirret, mit welchem er dachte. + +Der heilige Bürokrazius sollte seiner verruchten Anwesenheit alsobald +gewahr werden. Dieses eine verirrte Hühnerauge begann ihn in neuer +Gestalt ärgerlich zu peinigen, und es wucherte weiter und bekam +Geschwister und Anverwandte. + +Diesmal bemächtigten sich die hochgelahrten _doctores universalis +medicinae_ des Leidens des heiligen Bürokrazius, da selbiges sich +sozusagen zu einer öffentlichen Angelegenheit auswuchs, sintemalen es +den Sitz seines Verstandes bedrohte. Sie vermochten ihm zwar nicht +gründlich zu helfen, aber die größten medizinischen Fakultäten der Erde +verliehen dem heiligen Bürokrazius in feierlichen Promotionen den Titel +eines _Hämorrhoidarius_, welchen _titulum academicum_ der Heilige nebst +seinem Zopf in Würde, aber nicht immer mit Gelassenheit trug. + + [Verzierung] + + + + + Ein deliziöses Intermezzo von den Tiroler + Speckknödeln. + + +Zu jenen Zeitläuften, da der heilige Bürokrazius auf Erden wandelte, +waren die Tiroler Speckknödel leider noch nicht erfunden. + +Wie hätte sich ansonsten unser verehrungswürdiger Heiliger daran +erlustieret und delektieret. Wie wäre der schnüffelnde Rüssel seiner +Nase in Bewegung geraten ob des anmutigen und verführerischen Duftes der +Knödel. Wie hätten seine Eselsohren gespitzet, und wie hätte sein Zopf +begeistert gewackelt. Das Krawattel wäre ihm zu nie geahnten Höhen +geklettert. + +Es ist nicht abzusehen, was der heilige Bürokrazius noch erfunden hätte, +wenn er mit Tiroler Speckknödeln gespeiset worden wäre. Da aber seine +Erfindungen ohnedies schon die ganze Welt erfüllen, wäre vielleicht für +die Überfülle seiner Ideen kein Platz mehr auf Erden gewesen, wenn sie +auch noch von Tiroler Speckknödeln befruchtet worden wären. + +Es mag nunmehro vielleicht ein boshaftiger Schelm den Schreiber dieser +Legende fragen, warum der heilige Sankt Bürokrazius nicht auch die +Tiroler Speckknödel erfunden hat. + +Auf diese fürwitzige und ungebührliche Frage gebühret dem Frager mit Fug +und Rechten eine ausgiebige Maulschellen. Der heilige Bürokrazius hat +die Tiroler Speckknödel derohalben nicht erfunden, dieweilen er den +Speck zu einer anderen Erfindung brauchte oder vielmehr dieweilen ihm +der Speck durch die göttliche Vorsehung für eine andere Erfindung +bestimmet gewesen ist, die damals noch notwendiger war als die Tiroler +Speckknödel. + +Wie sich das verhielt, das wird der nachfolgende Bericht genau erweisen. + +Nun glaubet ihr wohl, ihr werdet das gleich in den nächsten Zeilen +erfahren. O nein, der Schreiber dieser Legende wird deine Neubegierde, +großgünstiger Leser, noch ein bissel auf die Folter spannen und sich +noch des weiteren über die Tiroler Speckknödel verbreiten, wozu er ein +gutes Recht zu haben glaubt. + +Einmal will er obgenannten fürwitzigen Fragern gern das Maul nicht nur +nach der Rolle des Speckes im Leben des heiligen Bürokrazius, sondern +auch nach den Tiroler Speckknödeln anselbsten wassern machen. + +Zum zweiten gehören die Tiroler Speckknödel, da auch sie sich wie die +gewaltige Erfindung des Heiligen auf Speck gründen und bauen, schon rein +stofflich, _secundum materiam_, in diese Legende. + +Zum dritten ist der Schreiber dieser Legende von dem innigsten Danke +gegenüber den Tiroler Speckknödeln erfüllet und darf es sich wohl +gestatten, an dieser Stelle auch einmal ein Gesatzel _pro domo_ +einzuflechten. + +Nur der regelmäßige und reichliche Genuß der gloriosen Knödel hat den +Schreiber befähiget, das Leben des Heiligen zu erforschen und bis zu +diesem neuen Wendepunkte mit der gebührenden Andacht zu begleiten. + +Die weltumfassende Materie seines Opus konnte sich nur aus den Tiroler +Speckknödeln zu jener Klarheit und Anschaulichkeit erheben, die du, +frommer Leser, hoffentlich genügend schätzen gelernet hast. Und +justament sotane universale Erfassung des Stoffes stehet in dem +innigsten ursächlichen Connexus mit den Tiroler Speckknödeln. + +Wie stellet sich das Bild der Welt, des Universums dem menschlichen +Begriffe dar, insonderheit, wenn man es nach seiner Gestalt erfasset? Es +stellet sich in Kugelform dar. Wenn du von der Welt im großen sprichst, +geneigter Leser, dann denkest du doch an die Weltkugel. + +In gleicher Gestalt stellet sich auch der Tiroler Speckknödel dem +andächtigen Beschauer dar. Auch er ist eine Kugel, wenn auch _in +dimensionibus minoribus_. + +Er kann aber mit der Weltkugel füglich in Vergleich gebracht werden, da +er eine kugelförmige Welt für sich ist. Man könnte ihn ohne Überhebung +als _globus Tirolensis_ in die Lehrbücher der Astronomia einsetzen. + +Und doch unterscheidet sich der Tiroler Speckknödel von der Weltkugel +wiederum wesentlich. Denn während unsere Erde voll ist von Bitternis, +Stacheln und Unkraut, ist der _globus Tirolensis_ voll Wohlgeschmack und +paradiesischer Ingredienzien. Er beglücket deinen Gaumen mit seiner +zarten speckduftenden Beschaffenheit, er erquicket deinen Magen und er +beflügelt deinen Geist zu den höchsten Höhen. + +Eine Kugel, dem Weltall gleich, war er, bevor du ihn zerteiltest und ihn +deiner leiblichen Wesenheit einverleibtest. Und zum Weltall, zum _globus +universalis_ deines Geistes wird er, wenn seine Substanzien sich dir +mitgeteilet haben. + +O ihr armseligen Menschen, die ihr noch nie Tiroler Speckknödel +verzehret habt, wie seid ihr ausgeschlossen von aller Gnade irdischer +und himmlischer Wohlfahrt. Insonderheit, ihr Mucken-Brüter und +Grillenvögte, ihr Sorgenkramer und Lettfeigen, ihr Melancholey-Schmiede, +Kummer-Geiger und Trübsal-Blaser, die ihr mit Ängsten angefüllet seid +wie das Trojanische Pferd mit Soldaten, pilgert zu den Tiroler +Speckknödeln! Sie werden euch trösten und euch jene Kraft des Körpers +und des Geistes geben, von welcher der Schreiber dieser Legende erfüllet +ist und kraft deren er nach dieser notwendigen Abschweifung auf das +Gebiet seiner Leib- und Geistesspeise wiederum zu seiner eigentlichen +Materia zurückkehret, nämlich zum Speck des heiligen Bürokrazius. + + + + + Wie der heilige Bürokrazius die Stampiglien erfand. + + +Es verhielt sich aber mit diesem Speck, wie das folgende Hauptstück +aufzeiget. + +Ihr werdet es leichtlich begreifen, daß der heilige Sankt Bürokrazius +eine erschröckliche Schreibarbeit zu leisten hatte. Ganz fürnehmlich +hatte er aber seinen heiligen Namen unzählige Male zu schreiben, was ihm +keine geringen Beschwerden verursachte. + +Es häuften sich jedoch die Skripturen auf seinem Schreibtische derartig, +daß sie ganzen Gebirgen glichen, in denen der Heilige völlig verschwand. +Man sah von seiner Körperlichkeit die meiste Zeit nichts mehr. Nicht +einmal die äußersten Spitzen seiner langen Eselsohren ragten über die +papierenen Gebirge hinaus. Und nicht einmal die _Krawatitis posterior +ascendens_ vermochte es mit all ihrer Heimtücke, diese hochragenden +Gipfel zu erklimmen. + +Nur der Heiligenschein Sancti Bürokrazii leuchtete in seinem milden +Lichte auch aus diesen papierenen Gebirgen hervor. Es war, als ob sein +Licht in Verklärung aus lauter papierenen Schluchten emporsteigen würde. + +So sehr die arbeitsfreudige Rüsselnase des Heiligen auch in den +papierenen Bergen herumschnüffelte und die papierenen Schluchten +durchfurchte, es wollte nie weniger werden an unermeßlichem Segen. Der +Heilige litt schon sehr bedenklich an Schreibkrampf, und an die Finger +seiner rechten Hand wollte sich eine neue Abart der Hühneraugen +ansetzen, was dem Heiligen kein gelindes Erschaudern verursachte. + +Da trat der Segen des Speckes in sein Leben. + +Der Heilige genoß meistens an den Vormittagen zu einem Halbmittag ein +erklöckliches Trumm Speck und trank zu seiner Auferbauung ein Stamperl +Schnaps dazu, auch zwei oder drei Stamperln Schnaps, was wir, der +lauteren Wahrheit die Ehre gebend, hiemit nicht verschweigen wollen. + +Der Speck mundete ihm stets fürtrefflich, obschon er ihn nur in seiner +rudimentären Form und leider noch nicht in der veredelten und verklärten +Gestalt des _globus Tirolensis_ kannte. + +Da der Heilige in seiner Schlichtheit von Tischtüchern und Servietteln +keine Ahnung hatte, wischte er sich die speckigen Pratzen gewöhnlich an +dem Sitz seines Verstandes ab und widmete sich sodann mit unablässigem +Eifer wiederum seinen Arbeiten. + +Zufällig griff er nunmehro an einem Vormittage, noch bevor er besagte +Abwischung vorgenommen hatte, nach einer ganz besonders eiligen +_scriptura_. Als er sie wieder weglegte, ersah er mit heiligem +Erstaunen, daß sich sein heiliger speckfettiger Daumen auf der +_scriptura_ ebenbildlich abgedrucket hatte. + +Lange Zeit fand er ob diesem himmlischen Wunder die Sprache nicht +wieder. Er betrachtete die _scriptura_ und betrachtete _pollicem suum_, +seinen leibeigenen Daumen. Es ließ sich nicht leugnen, der Daumen hatte +sich mit seiner ganzen Inschrift in Linien und krummen Kurven und +wundersamen Zeichnungen in herrlichster Klarheit auf die _scriptura_ +übertragen. Es war ein Gemälde von auserlesener Schönheit und +Akkuratesse. + +Nachdem der Heilige sich von seinem Staunen einigermaßen erholet hatte, +drückte er auf eine andere Skriptur kräftiglich seine Nase. Auch dort +entstund wundersamerweise ein deutlicher Abdruck, dieweilen auch die +heilige Rüsselnase zahlreiche Fettstoffe enthielt, wenn damit auch nicht +gesagt sein soll, daß sie sich gleich dem Speck zur Herstellung des +_globus Tirolensis_ geeignet haben würde. + +Dieser neuerliche Erfolg ermutigte den heiligen Bürokrazius, es nun auch +mit seinen von den Hühneraugen befreiten Zehen zu versuchen. Auch mit +diesen Gliedmaßen seines heiligen Leibes erzielte er deutliche Abdrücke, +sintemalen er schon seit mehr als Jahresfrist kein Fußbad mehr genommen +hatte. + +Die höchste Erleuchtung kam aber dem Heiligen, als er sich zu einem +guten Ende auf eine der geheimsten Skripturen mit dem Sitz seines +Verstandes hockte. Allda entstund ein so herrlicher Abdruck, daß dessen +Majestät keinem fürstlichen _Sigillum_ verglichen werden konnte. + +Voll inbrünstiger Andacht beschaute der heilige Bürokrazius die +ebenbildlichen _epitaphia_ seines Daumens und seiner Zehen, seiner +Rüsselnase und seines Verstandestempels. Dann stieß er den jubelnden Ruf +aus: »Heureka! Ich habe es gefunden!« + +Es wurde dem heiligen Bürokrazius klar wie zehntausend Talglichter, daß +er sich für alle Zukunft nicht mehr so arg mit der Schreibarbeit zu +peinigen brauchte. + +Fürderhin verschob er die Unterzeichnung weniger eiliger Skripturen auf +die vormittägliche Speckzeit. Die Nase funktionierte zu allen +Tageszeiten. Den Fußbädern schwor er zeitlebens ab. Und für die +Unterzeichnung besonders geheimer Skripturen durch den Abdruck seines +heiligen Verstandeszentrums war auch immerdar genug einprägsame +Druckfähigkeit vorhanden. + +Als der heilige Bürokrazius seinem Kollegen, dem heiligen Stultissimus, +seine allerneuesten himmlischen Eingebungen eröffnete, brach der heilige +Stallmeister des Amtsschimmels in die uns genau überlieferten und durch +den heiligen Bürokrazius mit seinem größten _Sigillum_ beglaubigten +begeisterten Worte aus: »O du himmlischer Roßknödel! So was kann auch +nur einem derartigen Rindviech einfallen, wie du eines bist!« + +Wenn der heilige Bürokrazius an der Fürtrefflichkeit seiner Erfindung +auch noch den geringsten Zweifel geheget hätte, so wäre derselbe durch +oben zitierte unumwundene und feierliche Anerkennung seines Mitheiligen +gründlich zerstreuet worden. + +Nun hast du aber, o liebenswürdiger Leser, die Bedeutung der Erfindung +des heiligen Bürokrazius offenbarlich noch nicht vollständig erfasset. +Ich will dahero deinem nachhatschenden Begriffsvermögen erbarmungsvoll +auf die Vorder- und Hinterbeine helfen. Denn ich muß dir ja auf vier +Beine helfen. Du verstehest mich doch, wie das gemeinet ist, und bist +dir über deine Stellung in der Zoologia klar. + +Der Speck des heiligen Bürokrazius hat zum Daumenabdruck des Heiligen +geführet und ist also zur Urform der Stampiglie geworden. Beim heiligen +Daumen des heiligen Bürokrazius sage ich dir dahero, geneigter +vierfüßiger Leser, daß diese Urform der Stampiglie der glorreiche +Ausgangspunkt für die Erfindung der Stampiglien überhaupt geworden ist. + +Und jetzo bedenke, o du mein nachdenksames hochverehrtes quadrupedales +Publikum, wo wir wären, wenn der heilige Bürokrazius durch seinen +halbmittäglichen Speck nicht die Stampiglien erfunden hätte. Er und +seine Jünger wären durch die Überanstrengung ihrer Schreibarbeit längst +den Weg alles Irdischen gegangen. Sintemalen der Verstand des heiligen +Bürokrazius sich stets im Sitzen, dahero durch eine nach unten drückende +Bewegung dokumentierte, was war selbstverständlicher, als die Verfügung +des Heiligen, es möge sich auch der Verstand seiner Jünger, so seine +Erbschaft antraten, in einer nach unten drückenden Bewegung zeigen! Und +welches _instrumentum_ wäre hiezu geeigneter und berufener denn eine +Stampiglie? + +Durch das erhabene Vermächtnis des heiligen Bürokrazius bewegen sich die +Gedankenkreise seiner Jünger vornehmlich in Stampiglien. Dadurch +brauchen sie die kostbaren Gefäße ihrer Denkfähigkeit nicht immerwährend +zu strapazieren, sondern können sich sonder Überanstrengung des Geistes +auf die Druckfähigkeit der Stampiglien verlassen. + +Es fehlet uns nur noch diejenige Stampiglie, welche dem _Sigillum +maximum_ des heiligen Bürokrazius entsprechen würde. Selbige Stampiglie +wäre aber den Menschen, die sich vor den Einrichtungen des heiligen +Bürokrazius ehrfurchtsvoll beugen, ganz besonders feierlich +aufzudrücken. Sie wäre ihnen aufzudrücken auf ihren sterblichen Leichnam +anselbsten. Sie wäre ihnen _in memoriam Sancti Bürokrazii_ aufzudrücken +auf denjenigen Teil ihres _corporis humani_, allwo auch der heilige +Bürokrazius den Verstand sitzen hatte. Und diese Stampiglie, dieses +_Sigillum maximum Sancti Bürokrazii_ hätte in feierlichen Lettern nur +das einzige Wort zu tragen: »_Rindviech_!« + + + + + Wie der heilige Bürokrazius seine Jünger belehrte. + + +Nachdem der heilige Bürokrazius solchergestalt für das Wohlergehen der +Menschen in unablässiger Mühsal gesorget hatte, war sein eifrigstes +Bestreben, auch recht zahlreiche Jünger anzuwerben, welche sein Erbe +ungeschmälert erhalten und verwalten sollten, wenn es dem Himmel eines +Tages gefallen würde, ihn aus diesem irdischen Jammertale zu der ewigen +Herrlichkeit gnädigst abzuberufen. + +Sein heiliger Kollege und Stallknecht, der Amtsschimmelmistsachverständige +Sankt Stultissimus konnte dem heiligen Bürokrazius für die Dauer seines +Erdenwallens nicht genügen, sintemalen Sankt Stultissimus sich immer +mehr auf sein spezielles Fach, die Kultur des Roßmistes verlegte und den +übrigen weltumfassenden _actionibus Sancti Bürokrazii_ nicht immer das +genügende Verständnis entgegenbrachte. So wäre es füglich wohl nicht +anzunehmen gewesen, daß dieser roßmistsachverständige Heilige jemals auf +die umwälzende Erfindung der Stampiglien gekommen wäre. + +Es wäre aber auch ungerecht, solches von dem durch unsterbliche +Verdienste gesegneten Heiligen zu verlangen. Ist es doch dem heiligen +Sankt Stultissimus zu verdanken, daß der Amtsschimmel in unverlöschter +Gloria und eiserner Gesundheit lebet und gedeihet und daß sein Mist sich +in erhabenen Mengen vermehret, was schon für das Dekoktum des +respektvollen Ergebenheitstränkleins von unermeßlichem Werte ist. + +Der Schreiber dieser Legende hat es dahero für notwendig befunden, dem +heiligen Stultissimus _in hoc loco egregio_, an dieser hervorragenden +Stelle ein besonderes Ehrenkränzel zu flechten, bevor er sich in die +Beschreibung der anderen Heiligen aus dem Kreise des heiligen +Bürokrazius des näheren einlasset. + +Denn schließlich und endlich war der heilige Stultissimus der erste +Heilige, der sich Sankt Bürokrazio zugesellte. Der andächtige Leser wird +sich noch des wunderbaren Zusammentreffens zwischen den beiden Heiligen +erinnern und Sankt Stultissimum schon von dieser Schilderung her tief in +sein Herz geschlossen haben. Wie denn auch Schreiber dieser Legende +seiner mit innigster Liebe gedenket und sein Bildnis in der im weiteren +Verlaufe dieser Legende zu eröffnenden Galleria der Heiligen um den +heiligen Bürokrazius _primo loco_ aufhängen will. + +Bevor aber _scriptor hujus vitae sanctorum_ dich geneigten und +großgünstigen Leser als kunstbeflissener und gewissenhafter Kustode in +die Bilder-Galleria geleitet, allwo die größten heiligen Jünger _Sancti +Bürokrazii_ abkonterfeiet hängen, muß er dir zum besseren Verständnis +derer Picturen zuvörderst noch vermelden, wie der heilige Bürokrazius +seine Jünger belehret hat. + +Es sprach aber der heilige Bürokrazius zu seinen Jüngern, als er +dieselben um sich versammelt hatte, folgendermaßen ... Hocket euch auf +eure Sitzflächen, wie ich auf der meinen hocke, und erfasset meine Worte +in meinem Geiste und in meiner heiligen Art zu denken! + +Bedenket zunächst, was ist das liebe Publikum? Das liebe Publikum ist +nichts als eine blöde Herde ohne Verstand und geistige Fähigkeiten. +Sonst würde es euch längst verprügelt haben. Habt ihr aber je gehöret, +daß eine Viehherde ihren Hirten verprügelt? Das habt ihr niemals +gehöret. Also stehet das liebe Publikum auf dem Standpunkte des lieben +Viehes und in mancherlei Dingen auf einem noch viel tieferen +Standpunkte. Sintemalen jedoch jegliches Vieh, das wir in unseren +Ställen halten, ein Nutzvieh sein muß, so ist auch das liebe Publikum +euretwegen als Nutzvieh auf Erden und nicht ihr des lieben Publikums +wegen. Ihr seid es, die ihr Hü und Hott rufet, und das liebe Publikum +hat es gelernet, eurem Rufe zu gehorchen. + +Ihr dürfet eure Macht und Gewalt nicht aus den Händen lassen. Seid daher +zu dem lieben Publico so grob, als ihr es nur immer vermöget. Seid +sackgrob, seid kotzengrob! Je saugröber ihr seid, desto mehr Ehrfurcht +werdet ihr in dem lieben Publikum erwecken. Betrachtet das liebe +Publikum als euren gefügigen Stiefelknecht und als euren euch durch +ewige Vorherbestimmung bestimmten Stiefelabstreifer. Übet euch Tag und +Nacht, auf daß ihr es gehörig anschnauzet und beflegelt und jegliche +üble Laune an ihm auslasset. + +Vornehmlich aber müsset ihr das Schnauzen lernen. Schnauzet das liebe +Publikum an bei jeder Gelegenheit oder Ungelegenheit. Schnauzet es an, +daß es vor euch zittert und bebet. Dann wird es auch niemals auf die +gefährliche Entdeckung kommen, wie dumm ihr seid. Denn wenn es einmal +eure Dummheit entdecket, dann habt ihr eure Rollen ausgespielet auf +Erden. + +Es gibt aber kein besseres Mittel, euren Blödsinn zu verstecken und ihn +mit dem Firnis der höchsten Weisheit zu bekleistern, als justament das +Anschnauzen. Wer das Schnauzen verstehet, der brauchet keine Beweise. +Vielmehro bögelt er seinen Widersacher also gründlich nieder, daß +dagegen das schwerste Bügeleisen nur ein sanftes Löcken ist. + +Lasset euch hängende Schnauzbärte wachsen zum Zeichen eurer Würde. +Schnauzbärte also lang wie Zöpfe. Dann habet ihr drei Zöpfe hangen. +Einen Zopf hinten und zwei Zöpfe vorne über euer ungewaschenes Maulwerk. +Aller guten Dinge sind drei. + +Ihr müsset das liebe Publikum sekkieren, schikanieren und peinigen. Denn +Menschenfleisch muß gepeiniget werden. Ihr erwerbet euch dadurch +unsterbliche Verdienste für den Himmel. Hinwiederum aber verhelfet ihr +dem lieben Publico zur himmlischen Seligkeit. Denn es lernet in eurer +Behandlung schon hienieden auf Erden so vielfältige Qualen des +Fegefeuers kennen, daß es einen großen Teil seiner Sünden abbüßet und +aus dem Purgatorio eurer Folterungen vom Mund auf in den Himmel fahret. + +Lasset das liebe Publikum ja nie zum Denken kommen; denn sobald es +denket, erschlaget es euch. Kommt ihm dahero mit dem Erschlagen zuvor +wie ein geschickter Fechter seinem Widersacher. Erschlaget rechtzeitig +in ihm die Fähigkeit zum Denken, auf daß ihr nicht anselbsten erschlagen +werdet. + +Lasset das Publikum nicht zur Ruhe kommen vor lauter neuen Verordnungen. +Denn nichts frißt der Mensch lieber und gläubiger, als beschriebenes und +bedrucktes Papier, vornehmlich dann, wenn es eine Stampiglie hat. Dahero +habe ich euch ja auch die Stampiglien erfunden. Lasset also das liebe +Publikum vor lauter neuen Verordnungen, Stampiglien und +Zusatzverordnungen und Verordnungen zu den Zusätzen der Zusätze nicht +mehr zur Vernunft kommen. Dadurch müsset ihr das liebe Publikum in einer +immerwährenden Drehkrankheit erhalten. Denn ich warne euch noch einmal: +wenn es zur Vernunft kommt, dann ist es um euch geschehen. + +Es wird aber nie zur Vernunft kommen, wenn ihr meine Lehren pünktlich +befolget. Schnauzen und verordnen und wieder verordnen und abermals +schnauzen. Darin werden die Menschen eure höchste Weisheit erblicken, +und alle werden zu euch aufschauen wie zu erhabenen Geschöpfen, und +niemand wird jemals bemerken, was für Rindviecher ihr alle miteinander +seid. Amen. + + [Verzierung] + + + + + Bilder-Galleria der Jünger des heiligen Bürokrazius. + + +Nachdem vorstehende Rede des heiligen Bürokrazius genau aufgezeichnet +ist, wollen wir zusammen die versprochene Wanderung durch die Galleria +seiner größten erwählten Jünger unternehmen. + +Tritt ein, geliebtes Publikum, sieh und staune! Allhiero hängen sie +alle. + +Aber wollet mich nicht mißverstehen, sintemalen das Wörtchen hängen eine +recht kitzliche Nebenbedeutung hat. Ihr dürfet etwan nicht glauben, daß +diese Galleria, welche euch erkläret werden soll, der Meister Knüpfauf +aufgehenkt hat, dieweilen sotane Hälse keinen anderen Kragen verdienen, +als den der Seiler spendieret. + +Schreiber dieser Legende weiß es ganz gewißlich, daß etwelche unter euch +Lesern so frevelhaft sind, den nachhero benamsten und beschriebenen +Jüngern des heiligen Bürokrazius zu wünschen daß sie hangen möchten wie +die armen Schelme und Sünder am Galgen. + +Dieses heimtückische Gaudium soll euch aber gründlich versalzen werden, +ihr gottlosen Spottvögel, sintemalen die Jünger des heiligen Bürokrazius +bis anhero bloß _in effigie_ hangen, allwo ihr sie zur männiglichen +Erbauung betrachten könnet. + +Beschauet dahero den heiligen Stallmeister Stultissimus, abkonterfeit, +wie er leibte und lebte. Bewundert die Nachdenksamkeit seiner Zehen und +die _Insignia_ seiner Würde, welche fürstlichen Zieraten vergleichsam +sind. Er traget zwar nicht Zepter und Reichsapfel, aber dafür einen +Roßknödel und eine Peitsche. Der verklärte Geist des Amtsschimmels +durchleuchtet seine überirdischen Gesichtszüge. Es ist schon genug von +ihm gesaget worden, folget dahero eurem getreuen Kustoden weiter in der +Galleria zu den anderen höchst respektabeln Heiligen. + +Es kommet nunmehro in der Heiligengalleria der heilige Sankt Grobian. +Er hat des heiligen Bürokrazius wohlmeinende Lehren vom Schnauzen am +allergründlichsten erfasset. Er hat sich das Sprechen ganz und gar +abgewöhnet und sich nur zum Schnauzen bekehret. Sein Bildnis ist dahero +auch zum Schnauzen ähnlich getroffen. Er hat sich zum gröbsten Lümmel +unter allen Jüngern des heiligen Bürokrazius entwickelt und bildet sich +einen Patzen darauf ein. Sein Schnauzbart ist auch der gewaltigste von +allen anderen Schnauzbärten und hängt ihm beiderseitig wie einem Seehund +herunter. Davon der Schnauzbart sich jedoch unterscheidet, dieweilen er +nicht von salzigem Meerwasser triefet, sondern zumeist von Bier, Wein +und anderen _alcoholicis_, denen Sankt Grobian nicht abgeneiget ist. +Braucht er sie doch zur Anfeuchtung seiner Schnauzen und zur +Auffrischung seines Geistes. + +Der heilige Sankt Grobian blühet und gedeihet vornehmlich an den +Schaltern. Er besitzet die Nerven eines Büffels, derohalben man ihn auch +Schalterbüffel benamsen könnte. Beobachte, o geduldiges und +vielgeprüftes Publikum, wie sich an den Schaltern oftmals ein wildes +Gebrülle erhebet. Dann recket sich der struppige Schädel Sankt Grobians +heraus, gleichsam wie aus einer offenen Stalltüre, und brüllet und +schnauzet dir in dein angstverzerrtes Gesicht, daß du den Schlotterich +in allen Gliedern bekommest. + +Nunmehro wenden wir uns von dem heiligen Grobian zu dem nächsten +Heiligen in der Galleria. Das ist der heilige Blödian. Erstarre in +Ehrfurcht vor ihm, geliebter Beschauer; denn seine heilige Dummheit +grenzet an das Übermenschliche und Unbegreifliche. Dahero hat der +heilige Blödian mit dem heiligen Bürokrazius auch am meisten Ähnlichkeit +in seiner ganzen Physiognomia. Sie könnten Zwillingsbrüder sein. Aus +diesem erstaunlichen Naturspiele ersiehest du, andächtiger Beschauer, +wie auch geistige Verwandtschaft in körperlichen Zügen sich auszuprägen +pfleget. Der heilige Sankt Blödian, der ist es, welcher am gründlichsten +im Geiste der Stampiglien denket, für den es außerhalb derselbigen kein +Heil gibt. Was wäre Sankt Blödian auch ohne Stampiglien! Ein Kind ohne +Mutterbrust oder Lullbüchsen, ein Lahmer ohne Krücken, ein Stuhl ohne +Beine. + +Folget der heilige Sankt Schlamprian. Er ist bildlich dargestellet mit +einer langen, schier in die Unendlichkeit reichenden Bank, auf die er +alles zu schieben pfleget. Ungeduldige Menschen, welche es leider noch +immer gibt, sollen manchmal in die Versuchung kommen, Sankt +Schlamprianum auf seine Bank zu legen und ihm eine gehörige Tracht +Prügel herunterzumessen. Ist aber bis anhero offenbarlich noch nicht +geschehen, dieweilen der heilige Schlamprian froh und vergnüglich +weiterlebet. + +Reihet sich an der heilige Sankt Schnüfflian. Das ausgedehnteste +_organum_ an diesem heiligen Bildnisse ist, wie du, andächtiger +Beschauer, alsogleich wahrnehmen wirst, das Riechorgan. Hier findest du +die Rüsselnase des heiligen Bürokrazius bis zur höchsten _Potentia_ +entwickelt. Sankt Schnüffliani Löschhorn ist eben so lang als beweglich +und dringet dahero überall hin. Es ist befähiget, dich zu beschnüffeln +vom Kopf bis zu deinen Zehen. Es kriechet dir überall hinein von deinem +kleinsten Kastel bis zu deinem kleinsten Leibeltaschel. Sankt +Schnüffliani Nase riechet alles, auch das, was gar nicht da ist, +dieweilen es vielleicht doch da sein könnte. Sie kann sogar so haarfein +werden, daß sie in verschlossene Briefe dringet und deine tiefsten +Geheimnisse erforschet. Sintemalen sie aber nur Nase und nicht Gehirn +ist, hat sie sich auch des öfteren schon schauderhaft blamieret. Sie +schnupfet den Staub der Skripturen und betrachtet diesen Toback als das +köstlichste Labsal. Es hat sich noch niemand erdreistet, dem heiligen +Sankt Schnüfflian einen gehörigen Nasenstüber auf seinen +Gesichtsvorsprung zu geben, so daß selbiger immer länger zu wachsen und +schließlich den geduldigen _populus_ zu umschlingen drohet wie die +Fangarme der Meerpolypen. + +_Secundum ordinem_ zu einem auferbaulichen Beschlusse anjetzo der +heilige Sankt Corruptius. Er ist der gemütlichste und umgänglichste von +allen Heiligen dieser Galleria, dieweilen er seinen Verstand in den +Taschen hat und du dich dahero mit ihm am leichtesten verständigen +kannst. Er wird dir in dem Maße mit seinem Verständnisse entgegenkommen, +als du ihm seine Taschen füllest. Seine ganze Wirksamkeit findet sich +ausgedrücket in der liebenswürdigen Frage: »Wieviel?« Seine Linke weiß +nie, was seine Rechte nimmt. Er kann nur dann beleidiget werden, wenn du +ihm einen leeren Händedruck verabreichest. + +Der heilige Sankt Corruptius ist das versöhnende Elementum unter seinen +heiligen Kollegen. Er macht so vieles gut, was Sankt Grobian, Blödian +oder Schlamprian verdorben haben. Er ist oft der einzige Ausweg, das +rettende Hintertürl in allen möglichen und unmöglichen Nöten und läßt +aus seinen heimlichen Taschen die Erfüllung so mancher Wünsche +erstehen als ersprießlich wirkender Nothelfer, als verschmitzt und +verständnisvoll lächelnder Bundesgenosse derjenigen, die es verstehen, +mit dem gebührenden Nachdrucke um seine Hilfe zu beten. Aus je mehr +Banknoten das Gebetbüchlein dieser andachtsvollen Seelen bestehet, je +dicker und leibiger es ist, je eifriger sie seine Blätter in brünstigem +Flehen wenden, desto gnädiger, huldvoller und erbarmender wird sich +ihren Anliegen der heilige Sankt Corruptius zuneigen. + +Womit euer getreuer Kustode die Türe der Galleria schließet und euch +wiederum entlasset. + + + + + Von der Titel- und Ordenssucht. + + +Es bleibet nunmehro weiters zu vermelden, daß sich unter den Jüngern des +heiligen Bürokrazius alsobald auch die Titel- und Ordenssucht +auszubreiten begann. Das ist eine gar arge Sucht. Noch viel ärger, als +die Maul- und Klauenseuche unter dem lieben Rindviech. Da jedoch der +heilige Bürokrazius und seine Jünger das liebe Rindviech noch +übertreffen, warum sollen sie nicht auch noch von ärgeren Seuchen +heimgesuchet worden sein als das liebe Rindviech? + +Die Titelsucht wuchs sich aber zu einer solchen Seuche aus, daß sie mit +den Bandwürmern verglichen werden konnte. Denn kein Titel war den nach +sotaner Auszeichnung Strebenden mehr lang genug. Je länger der Titel, +desto mehr wurde er erstrebet. Ja, es soll solche lange Titel gegeben +haben, daß die Titeljäger und Titelträger früher eines seligen Endes +verstorben sind, bevor es ihnen gelungen ist, den erjagten Titel ganz +auszusprechen. + +Etwelche sind auch mitten in der Aussprache ihres Titels ersticket oder +von jäher Geisteskrankheit befallen worden, insonderheit von Größenwahn. +Schreiber dieser Legende muß es aus zärtlicher Fürsorge für sich selber +und für seinen frommen Leser unterlassen, ihm ein Verzeichnis dieser +Titel zu versetzen, dieweilen er befürchtet, ansonsten den Bandelwurm im +Gehirn zu bekommen oder _lectori suo_ eine ähnliche Krankheit zu +bescheren. + +Gleich gefährlich wie die Titelsucht hat sich auch die Seuche der +Ordenssucht unter den Jüngern des heiligen Bürokrazius zu verbreiten +begonnen. + +Während beim lieben Rindviech die Maul- und Klauenseuche die +Freßwerkzeuge und Gehwerkzeuge des lieben Viehes affizieret, hat sich +die Ordenssucht auf sämtliche Knopflöcher der Jünger des heiligen +Bürokrazius geworfen. + +Bedenke aber, geneigter Leser, wie viele Knopflöcher ein erwachsenes +Mannsbild besitzen tut. Was muß das für ein gräulicher Zustand sein, +wenn diese sämtlichen Knopflöcher vom obersten Kragenknöpfel bis zum +untersten Hosenknöpfel von dieser Seuche befallen sind, immerdar gähnen +wie hungrige Mäuler und triefen in Gier und unbefriedigter Sehnsucht. + +Und wenn du sie auch stopfest mit einem Bändlein, Sternlein oder +Kreuzlein, es werden immer noch genug Knopflöcher übrig bleiben, die +nach Sättigung schreien. + +Niemals ist noch der Ordenshunger ganz befriediget worden. Denn hast du +es, o großgünstiger Leser, jemals erfahren, daß auch die untersten +allerinsgeheimsten Knopflöcher, so ein Mannsbild sein eigen nennet, mit +Ordensdekorationen ausgezeichnet worden sind? Also gibt es immer noch +Knopflöcher, die elendig darben in ihrer Verlassenheit und +Zurücksetzung. + +Es will jedoch dem Schreiber dieser Legende erscheinen, als ob der +Seuche auch dann nicht abzuhelfen wäre, wenn man auch diese untersten, +bishero noch immer nicht berücksichtigten Knopflöcher gnädigst +auszeichnen würde. + +Es stünde alsodann zu befürchten, daß das erwachsene Mannsbild +urplötzlich ganz neue Knopflöcher bekäme, die man bis anhero noch gar +nicht erfunden hat. + +Und es könnte sich ein Schaustück, ein noch niemals dagewesenes +_spectaculum_ ergeben, daß das Äußere eines erwachsenen Mannsbildes und +Jüngers des heiligen Bürokrazius überhaupt nur mehr aus Knopflöchern +bestehen würde. + +Als eine unerhörte Vernachlässigung muß es jedoch Schreiber dieser +Legende brandmarken, daß es noch niemandem eingefallen ist, die erhabene +Bekleidung des Verstandestempels des heiligen Bürokrazius mit +reichlichen Knopflöchern zu versehen, wie wir dies bei so vielen +_puerulis_, _id est_ kleinwinzigen Büblein zu finden gewohnet sind. +Sotane Vermehrung durch besagte der Dekorierung überaus würdige +Knopflöcher wäre vielleicht ein besonders heilsamer Balsam gegen die +bohrenden Schmerzen der Ordensseuche geworden. + + [Verzierung] + + + + + Wie der heilige Bürokrazius sich erlustierte. + + +Wir aber wollen uns nunmehro zu einem freundlicheren Bilde wenden. +Der heilige Bürokrazius pflegte unter seinen Jüngern auch die höhere +Geselligkeit, auf daß sich nach des Tages erschöpfender Arbeit auch die +höhere Fidelität, die _fidelitas major atque elatior_ erhübe und die +Pflege des Geistes keinen namhaften Abbruch erlitte. + +Regelmäßig versammelten sich der heilige Bürokrazius und seine Jünger zu +geselligen Abenden. Munter flossen da die Gespräche, anmutig +durchflochten von den Erinnerungen des arbeitsreichen Tages. Auch der +Gesang kam zu seinem Rechte. + +In gebührender Adäquation an die hohen geistigen Fähigkeiten des +Heiligen und seiner Jünger bewegte sich dieser erhabene Gesang stets nur +auf klassischem Gebiete und trug nicht wenig zur weiteren Schärfung des +Geistes der an diesen geselligen Abenden Beteiligten bei. + +Eines dieser herrlichen Lieder mag auch dir, großgünstiger Leser, +vorgesetzet werden, da es in selten edler Form die höchsten Ideale der +Volkswirtschaft im begeisterten Schwunge eines klassischen Dithyrambus +verkörpert. Es sind Verse, die es verdienen, in goldenen Lettern auf +Marmortafeln ausgehauen zu werden. Lausche, geliebter Leser!... + + D'Sau, d'Sau, d'Sau hat an Schweinekopf, + Und, und, und vier Haxen hat's aa, + Wann, wann, wann man's genau betracht't, + Hat's an Schwoaf aa. + Ja, ja, hat's an Schwoaf aa. + + Wann, wann, wann ma a Messer nahm' + Und, und, und schneid't den Schwoaf a, + Aft, aft, aft ist's a g'stutzte Sau wor'n + Und der Schwoaf a. + Ja, ja, und der Schwoaf a. + + Wann, wann, wann ma a Petschierwachs nahm' + Und, und, und pickt den Schwoaf an, + Aft, aft, aft ist's a pickte Sau wor'n + Und der Schwoaf dran. + Ja, ja, und der Schwoaf dran. + + Nimmt, nimmt, nimmt ma den Schwoaf in d'Hand + Und, und, und ziacht a wen'g dran, + Aft, aft, aft hat ma den Schwoaf in der Hand, + Und d'Sau rennt davon. + Ja, ja, d'Sau rennt davon. + +Stelle dich nunmehro, o vielgeliebter Leser, mit dem Schreiber dieser +Legende, welchen du also getreu begleitet hast, auf die Verstandes- und +Geistes-Plattform des heiligen Bürokrazius und seiner Jünger und +versetze dich ganz und gar in den Geist dieses Liedes. Er wird dich +unwiderstehlich ergreifen, in dich hineinfahren und dich vollständig +erfüllen. + +Singe dieses Lied unermüdlich immer und immer wieder! Und du wirst +sehen, daß du seinen Text nicht mehr loskriegen kannst. Er wird dich +verfolgen bei Tag und bei Nacht. + +Das Schicksal der petschierten Sau wird dein eigenes Schicksal werden. +Es wird der Weihegesang deiner Tage und das Lied deiner Träume werden. + +Versuche es dahero, o wohlgeneigter Leser. Du wirst sicher keine +Enttäuschung erleben. + +Es ist auch gesund für deine Nerven, wenn du dein ganzes Geistesleben +auf dieses Lied einstellest. Du wirst dabei gewiß den chronischen +Gehirntatterich bekommen. Einerseits ist das jedoch ein wohltätiger +Zustand, andererseits hast du dann Aussicht, unter die Jünger des +heiligen Bürokrazius aufgenommen zu werden. + +Schreiber dieser Legende würde dich, geneigter Leser, mit dem oben +vorgeschlagenen Experimente des Liedes von der petschierten Sau +gewißlich nicht molestieren, wenn er nicht wüßte, daß du zu der +Überzeugung gelangest, welche magische Gewalt in diesem Liede liegt. + +Du kannst alsodann nach deiner eigenen Erfahrung allen Verleumdern des +heiligen Bürokrazius und seiner Jünger im Harnisch der Entrüstung +entgegentreten. Denn es gibt solche Verleumder, welche behaupten, daß +das gesellige Leben des heiligen Bürokrazius und seiner Jünger womöglich +noch stumpfsinniger ist als ihr sonstiges Dasein. + +Das Lied von der petschierten Sau, welches einen Gipfelpunkt der +geselligen Freuden des heiligen Bürokrazius und seiner Jünger +darstellet, wird jedoch den schlagenden Gegenbeweis liefern, wie +einprägsam und tief die gemütliche Art des Heiligen auch außerhalb +seiner sonstigen Tätigkeit war, wie voll von eigenartiger +Gedankenschärfe und Vorstellungskraft, wie beruhigend aber auch für +die strapazierten Nerven der Menschheit. + + + + + Wie der bitterböse Kare Revoluzzer den guten König + zum Teufel jagte. + + +Es begab sich aber, daß ein Mensch aufstund, so Kare Revoluzzer geheißen +ward. + +Das war ein grauslicher Kerl, aber schon ein so grauslicher Kerl, daß er +noch grauslicher nimmer sein konnte. + +An diesem wüsten Individuum war alles rot. Der Kerl hatte rote Haare und +einen roten Bart wie weiland nach glaubhaften Überlieferungen und +Schilderungen Judas Ischariot. Dazu trug er auch noch eine rote Mütze +auf dem Schädel und ein rotes Hemde an seinem vermaledeiten Leibe. Ja +sogar ein knallrotes Krawattel hatte der bitterböse Kare Revoluzzer, das +nicht einmal an der _Krawatitis posterior ascendens_ litt, sondern ihm +zu beiden Seiten wie zwei rote Fahnen herausflatterte. + +Er aß nur roten Schwartenmagen und selbstverständlich auch Blutwurst. +Und er hätte natürlich auch nur immer roten Wein getrunken, wenn er ihn +gehabt hätte. In Ermangelung desselben trank er seine frische Kellermaß +nur aus einem grellroten Maßkrug, der ein rotes Biermerkerl hatte, auf +dem ihm die Kellnerin nur mit Rotstift die vertilgten Mengen des edeln +Gerstensaftes verzeichnen durfte. + +Dieser wüste Kerl wurde bei jeder Gelegenheit feuerrot vor Wut und +schimpfte dann gotteslästerlich. Besagter roter Satansbraten war so +saugrob, aber schon so pfundsaugrob, daß dagegen der heilige Sankt +Grobian als ein gar fein politierter Hofmann gelten konnte. + +Der heilige Sankt Grobian schimpfte wenigstens nicht über den guten +König, sondern er ließ den guten König regelmäßig hoch leben, wenn er +sich _in alcoholicis_ genug getan hatte. Bei der sechsten Maß brachte +der heilige Sankt Grobian fast immer ein Hoch auf den guten König aus +und rief, daß alles dröhnte: »Vivat hoch der König! Er lebe hoch! hoch! +hoch!« Bei dieser loyalen Kundgebung sträubte sich jedes einzelne Haar +in dem langen Schnauzbart des heiligen Grobian vor echter dynastischer +Begeisterung. + +Davon wußte allerdings der gute König wahrscheinlich gar nichts, wie er +von verschiedenen anderen Dingen auch nichts wußte. Deswegen war er aber +doch ein guter König. Und der bitterböse pfundsaugrobe Kare Revoluzzer +hätte nicht so auf den guten König zu schimpfen brauchen, dieweilen ihm +der gute König ja gar nichts getan hatte. Das war dem Kare Revoluzzer +aber Blutwurst. Dahero erhub sich bei ihm während der sechsten Maß das +Gegenteil der dynastischen Begeisterung. + +Es stritten sich aber gleich wie bei Homeros der Städte sieben um die +Ehre, der Geburtsort des bitterbösen Kare Revoluzzer gewesen zu sein. +Schreiber dieser Legende vermeinet, daß der weitbeschreite Kare +Revoluzzer von Ithaka oder von dort irgendwo in der Nachbarschaft +herstammet und daß er einen der trojanischen Helden zu seinem +Altvorderen hat, sintemalen selbige Helden auch schon so fürtrefflich +das Schimpfen verstunden wie der Kare Revoluzzer. + +Dieser wüste Kerl, den der höllische Schürmeister quintelweis in seine +Bratpfannen holen soll, auf daß besagter Teufelsbraten nur recht langsam +und in den allerkleinsten Stücklein schmore, schimpfte aber nicht nur +auf den guten König, sondern er jagte eines Tages den guten König sogar +zum Teufel, obwohl ihm der gute König niemals etwas getan hatte, was +schon weiter oben gerechtermaßen ist vermerket worden. + +Wie konnte das aber sich ereignen, daß der Kare Revoluzzer den guten +König zum Teufel jagte, wo doch der gute König auf seinem Throne saß +und der Kare Revoluzzer höchstens eine schmierige Bierbank mit seiner +Hinterfront beschwerte? + +Das kam dahero, dieweilen der Kare Revoluzzer ein großer Volksredner +und dessentwegen sehr gefährlich war. Er berief immer wieder +Volksversammlungen ein und schimpfte dann vor den Versammelten immer +wieder über den guten König, der ihm gar nichts getan hatte. + +Bevor er den guten König zum Teufel jagte, hielt er in einer großen +Volksversammlung eine große Rede, die er dann auch drucken und an allen +Straßenecken anschlagen ließ. Dahero ist uns diese Rede noch heutigen +Tages erhalten und soll auch dem geneigten Leser dieser Legende nach +ihrem vollen Inhalte mitgeteilet werden. + +Es sprach aber der Kare Revoluzzer in dieser Rede ... + +Zu was brauchen ma denn an Kini? Mir brauchen koan Kini. Oder woaß +vielleicht wer, zu was ma an Kini brauchen? Der soll's nur sagen, der wo +woaß, zu was ma an Kini brauchen. Der soll's nur sagen. Dem hau' i aber +schon a solchene in sei' Fotzen. Aber schon a solchene. Schon a +solchene. Also woaß wer, zu was ma an Kini brauchen? Koa Mensch woaß, zu +was ma an Kini brauchen. Also brauchen ma koan Kini. Und weil ma koan +Kini brauchen, brauch' ma koan Kini. + +Was is denn überhaupts a Kini? Gar nix is a Kini. A Schmarrn is a Kini. +Und weil a Kini a Schmarrn is, brauch' ma koan Kini, weil ma koan +brauchen! Oder brauch' ma vielleicht an Kini? Und weil ma koan Kini +brauchen, lass' ma uns aa koan Kini mehr g'fallen. Warum sollen ma +uns aa an Kini g'fallen lassen, wo ma koan brauchen! Wir lassen uns +überhaupt nix mehr g'fallen. Also lassen ma uns aa koan Kini mehr +g'fallen, weil ma koan Kini brauchen. Oder brauchen ma vielleicht an +Kini? + +Mir san mir! Oder will vielleicht wer bestreiten, daß mir mir san? Und +weil mir mir san, können mir uns selber regieren und brauch' ma koan +Kini, der wo uns regieren tut und den wo wir zahlen tun müssen. Mir +können uns selber zahlen für's Regieren, weil mir mir san. Und weil mir +koan Kini mehr brauchen, den wo mir zahlen tun müssen für's Regieren und +weil ma überhaupts koan Kini mehr brauchen, weil mir mir san, jagen mir +den Kini zum Teufel! Mir brauchen koan Kini, weil ma koan Kini brauchen. +Oder brauch' ma vielleicht an Kini? Koan Kini brauch' ma. Also jagen ma +den Kini zum Teufel!... + +Diese Rede machte einen so gewaltigen Eindruck auf die versammelten +Volksmassen, daß es dem bitterbösen Kare Revoluzzer wirklich gelang, den +guten König zum Teufel zu jagen. Darauf gründete der bitterböse Kare +Revoluzzer einen knallroten kommunistischen Freistaat ohne Kini. + + [Verzierung] + + + + + Wie besagter Höllenbraten den heiligen Bürokrazius + erschlagen wollte und von diesem glorreich widerleget + wurde. + + +Damit, daß er den guten Kini, der ihm nie was getan hatte, zum Teufel +gejagt hatte, ließ es sich dieser Höllenbraten aber noch lange nicht +genügen. Sein ganzer roter Haß richtete sich jetzunder gegen den +heiligen Bürokrazius. Der war ihm schon lange ein Dorn im Auge. +Er berief dahero eine neue Volksversammlung ein, die ganz rot war, +dieweilen nunmehro alle Versammelten die Tracht des bitterbösen Kare +Revoluzzer trugen. + +Von einer rot ausgeschlagenen Tribuna sprach der Kare Revoluzzer +nunmehro folgendermaßen gegen den heiligen Bürokrazius ... + +Zu was brauchen ma denn den heiligen Bürokrazi, den Pazi? Zu was +brauchen ma den Pazi, den heiligen Bürokrazi? Mir brauchen koan heiligen +Bürokrazi, weil ma koan brauchen! Oder woaß vielleicht wer, zu was wir +den heiligen Bürokrazi brauchen? Dem stier' i aber schon a solchene in +sei' Fressen! Aber schon a solchene! A solchene! Also koa Mensch woaß, +zu was ma den heiligen Bürokrazi brauchen. + +Mir san mir. Und weil mir mir san, lassen mir uns aa nix mehr g'fallen, +aber schon gar nixn nit, aa nit den heiligen Bürokrazi, den Pazi! Was +machen ma nachher mit dem heiligen Bürokrazi, weil ma ihn nit brauchen, +den Pazi? Erschlagen tuan ma den Bürokrazi, den Pazi, weil ma ihn nit +brauchen den Bürokrazi! + +Weil mir mir san und weil mir uns nixn nit g'fallen lassen und weil mir +erschlagen können, wen wir wollen! Drum haut's eahm oane eini dem +heiligen Bürokrazi, dem Pazi, und schlagt's eahm die Zähnd in Rachen +abi, daß s' eahm in Doppelreihen da außermarschieren, wo er den Verstand +hat! Mir san mir!... + +Auf diese Rede des Kare Revoluzzer erhub sich ein fürchterliches Gejohle +in der Versammlung. Der heilige Bürokrazius war aber anwesend, und es +war große Gefahr vorhanden, daß es ihm an den Kragen ging. Er setzte +sich jedoch zur Wehre, und es gelang ihm, den bitterbösen Kare +Revoluzzer glorreich zu widerlegen. + +Es sprach aber der heilige Bürokrazius, nachdem er sich mühsam Gehör +verschafft hatte, die folgenden denkwürdigen Worte ... + +Meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer! Es ist eine große Gemeinheit +von meinem sehr geehrten Herrn Vorredner, daß er mich erschlagen will. +Ich hätte ihm das gar nicht zugetrauet. Bedenket, was ihr dann beginnet, +wenn ihr den heiligen Bürokrazius erschlagen habet. Wer wird euch noch +auf Erden beglaubigen, wer ihr seid? Wer wird euch registrieren und +numerieren? Ohne den heiligen Bürokrazius seid ihr überhaupt nicht mehr +vorhanden. + +Ich gebe es gerne zu, daß unter meinen Jüngern und Anhängern sehr viele +Esel sind. Aber bedenket des weiteren, daß Gott der Herr diesem so sehr +verachteten Vieh eine große Ehre angetan hat, indem er auf ihm zu +Jerusalem eingeritten ist. Ihr müsset dahero auch die Esel unter meinen +Jüngern hochachten und schätzen. + +Und so ihr euch auch im heiligen Zorne manchmal versuchet fühlet, mich +oder einen meiner Mitesel zu erschlagen, lasset euch ja nicht dazu +verleiten, sondern erinnert euch an die Worte der heiligen Schrift: Der +Gerechte erbarmet sich seines Viehes. _Dixi et salvavi animam meam!_... + +Auf diese Worte des heiligen Sankt Bürokrazius erhub sich ein brausender +Jubel in der Versammlung. + +Nachdem es dem heiligen Bürokrazius durch seine Rede gelungen war, +das liebe Publikum wiederum auf seinen ursprünglichen Standpunkt +zurückzuführen, hatte er den Kampf gegen den bitterbösen Kare Revoluzzer +gewonnen und diesen feuerroten Teufelsbraten glorreich widerleget. + +Obwohl es diesem wüsten Gesellen geglücket war, den guten König zum +Teufel zu jagen, der ihm niemals etwas getan hatte, so glückete es ihm +keineswegs gleichermaßen, den heiligen Bürokrazius zu erschlagen. + +Das liebe Publikum vermochte sich auch unter dem Einflusse des +bitterbösen Kare Revoluzzer nie und nimmermehr von dem heiligen +Bürokrazius zu trennen. + +Das darf dich, o großgünstiger Leser, nicht arg wundernehmen. Denn es +ist leichter, einen König zum Teufel zu jagen, wenn er dir auch nichts +getan hat, als einem Heiligen den Garaus zu machen, und vornehmlich dem +mächtigsten Heiligen, der jemals auf Erden erstanden ist, dem heiligen +Bürokrazius. + + [Verzierung] + + + + + Wie der heilige Bürokrazius gen Himmel fuhr und seinen + himmlischen Einfluß auf den Kare Revoluzzer wirken ließ. + + +Nachdem der heilige Bürokrazius zu der Überzeugung gelanget war, daß er +auch in dem knallroten kommunistischen Freistaate des Kare Revoluzzer +unbehelliget sein heiliges Dasein weiterführen werde, lud er seine +Jünger und Anhänger zu einem Festabende ein, an dem das Weihelied von +der petschierten Sau mit besonderer Inbrunst gesungen wurde. + +Der bitterböse Kare Revoluzzer aber grinste wütend zu den Fenstern des +Lokales derer Versammlung herein. Er getraute sich jedoch nicht mehr zu +brüllen: »Zu was brauch' ma den heiligen Bürokrazi, den Pazi!« -- weil +er fürchtete, daß er derohalben belanget werden könnte. Wenn er auch den +guten König zum Teufel gejagt hatte, der ihm nie was getan hatte, so sah +er doch ein, daß es ihm niemals gelingen würde, den heiligen Bürokrazius +zum Teufel zu jagen, geschweige denn ihn zu erschlagen. + +Der heilige Bürokrazius aber, welcher zur Erkenntnis gelanget war, daß +er nunmehro seine heilige _missionem_ auf Erden vollkommen erfüllet +hatte und daß er die Früchte seiner Sendung seinen Jüngern überlassen +könnte, verabschiedete sich an jenem Festabend ganz besonders feierlich +von seinen Jüngern. + +Er sprach zu ihnen: »Hocket euch auf den Sitz eures Verstandes, meine +Vielgeliebten und Getreuen! Ich will heute von euch scheiden und gen +Himmel fahren, dieweilen es mich schon lange gelüstet, in dieser Gegend +Nachschau zu halten, ob da droben auch alles registrieret, numerieret +und ordnungsgemäß eingetragen worden ist. Mich will es völlig bedünken, +daß ich in der himmlischen Gloria noch gewaltige Aufgaben zu erfüllen +haben werde. Ich höre schon die Stimmen der Heiligen und Erzväter über +mir, welche in Sehnsucht nach mir rufen, dieweilen ihnen der liebe Gott +die auferbauliche Gesellschaft des saudümmsten Heiligen versprochen hat, +der zu sein ich bekanntlich die himmlische Ehre habe. Ich hinterlasse +den Menschen zu ihrem Troste dich, den heiligen Stultissimus, dich, den +heiligen Grobian, und dich, den heiligen Blödian, und dich, den heiligen +Schlamprian, und dich, den heiligen Schnüfflian, und nicht zuletzt dich, +den lieben, guten, gemütlichen und für alle irdischen Drangsale +verständnisvollen heiligen Corruptius.« + +Bald nachdem der heilige Bürokrazius solches gesprochen hatte, erhub er +sich und fuhr gen Himmel. Zufällig schloß gleichzeitig das neuerlich +angestimmte Weihelied der Tafelrunde mit den erhebenden Worten: »D'Sau +rennt davon!« + +Seine Jünger starrten dem Heiligen noch lange nach und sahen den Sitz +seines Verstandes gleich einem leuchtenden Gestirne zwischen den Wolken +verschwinden. + +Auf der dunklen Straße lauerte aber noch immer der bitterböse Kare +Revoluzzer. Auch er starrte dem heiligen Bürokrazius nach, wie er gen +Himmel fuhr. Seinen Lippen entrang sich der staunende Ausruf: »Da +schaut's amal den Pazi, den Bürokrazi!« ... + +Als die Jünger des heiligen Bürokrazius sich von dem Festabende +entfernten, da machte sich der knallrote Kare Revoluzzer heimlich an den +freundlichen heiligen Corruptius heran, nahm ihn unter den Arm und bog +mit ihm in eine stille Gasse ab, wo sie weder gehöret noch gesehen +werden konnten. + +Dort fand eine lange Unterredung zwischen dem Kare Revoluzzer und dem +heiligen Corruptius statt, die allem Anscheine nach zu einem sehr +befriedigenden Resultate führte, sintemalen sich die beiden schließlich +mit den untrüglichsten Anzeichen des innigsten Verständnisses und der +herzlichsten Freundschaft voneinander verabschiedeten ... + +Es erwies sich aber auch alsobald der himmlische Einfluß des heiligen +Sankt Bürokrazius an dem bitterbösen Kare Revoluzzer. + +Dieser rote Bösewicht wurde nämlich von einer innigen Verehrung für den +von dem heiligen Bürokrazius schon längst gestifteten Ratstitel erfaßt. +Und so begeistert war diese innige Verehrung, daß der bitterböse Kare +Revoluzzer in seinem knallroten kommunistischen Freistaate lauter neue +Ratstiteln einführte. + +Dem Schreiber dieser Legende ist es wegen mangelnden Platzes nur +vergönnet, ein paar Endsilben der betreffenden Titeln in der +Räterepublik des Kare Revoluzzer bekanntzugeben, dieweilen bei jedem +Titel diesen Silben noch weitere 365 Silben vorangingen, auf daß jeder +Tag des Jahres einen festlichen ratsherrlichen Charakter trüge. Die +nachfolgenden Titel stellen dahero nur eine durch obbesagten Grund +bedungene ärgerliche Verkürzung der wirklichen Gesamttitel dar. + +In dieser Verkürzung ernannte der bitterböse Kare Revoluzzer jeden +Briefträger zum Geheimen Korrespondenzrat, jeden Leichenkutscher zum +Kondolenzrat, jedes Tratschweib zur Frau Geheimen Konferenzrat, jeden +Drehorgelmann zum Musikrat, jede Hebamme zur Frau Geburtsrat, jeden +Schaffner zum Verkehrsrat, jeden Trambahnschaffner _in specialibus_ zum +Ringlinienrat _vulgo_ Rundamadumrat, jeden Kellner zum Schankrat, jeden +Käsehändler _vulgo_ Kasstecher zum Obergestankrat, jeden Greisler zum +Viktualienrat, jeden Bahnwärter zum Streckenrat, jeden Lokomotivführer +zum Oberdampfrat, jeden Friseur zum Verschönerungsrat, jeden Billeteur +zum Knipsrat, jeden Krawattenhändler zum Schlipsrat, jeden +Pfandverleiher zum Geheimen Pumprat, jeden Gerichtsvollzieher +zum Wirklichen Pfändungsrat, jeden Steuereintreiber zum +Obervolksbelästigungsrat, jeden Laternenanzünder zum Illuminationsrat, +jeden Kassendieb zum Defraudationsrat, jeden Mädchenhändler zum +Liaisonsrat, jede Kupplerin zur Frau Geheimen Okkasionsrat, jeden +Vereinsmeier zum Koalitionsrat, jeden Schwindler zum Illusionsrat, jeden +Schnapsbruder zum Alkoholrat, jeden Hausbesitzer zum Obersteigerungsrat, +jeden Hausknecht zum Wirklichen Hinausbeförderungsrat, jedes Radiweib +zur Frau Radirat, jeden Stiefelputzer zum Fußbekleidungspoliturrat, +jeden Kastanienbrater zum Maronirat, jeden Südfrüchtenhändler zum +Limonirat, jeden Charkutier zum Salamirat, jedes Siemanndl zum +Wirklichen vortragenden Unterpantoffelheldenrat, jeden Kanalräumer zum +Kanalrat, jeden Krakehler zum Krawallrat, jeden Heiratsvermittler zum +Matrimonialrat, jeden Revolverjournalisten zum Skandalrat, jede Kuhdirn +zur Frau Stallrat, jeden Besoffenen zum Ruhestörungsrat, jeden +Vagabunden zum Wirklichen öffentlichen Landstraßenrat, jeden Schieber +zum Geheimen Ernährungsrat, jeden Mistfuhrwerker zum Kompostrat, jeden +G'scheerten zum Ökonomierat, jeden Löwenbändiger zum Menagerierat, jeden +Dilettanten zum klassischen Genierat, jedes Urviech zum Zoologierat, +jedes Kamel zum Wüstenrat, jeden Miederfabrikanten zum Geheimen +Büstenrat, jeden Verrückten zum Oberspinnrat, jeden Trottel zum +Wirklichen Intelligenzrat und alle sonstigen noch mit keinem Ratstitel +bedachten Individuen zu wirklich wirklichsten insgeheim geheimsten +Generalproletenräten mit dem Titel Seine Herrlichkeit. + +Trotzdem wurde eines Tages ein sehr zweifelhaftes Individuum +aufgegriffen, von welchem es sich bei näherer Untersuchung +herausstellte, daß es nicht einmal einen Ratstitel besaß. + +Im Interesse der Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit +verfügte der bitterböse Kare Revoluzzer sofort, daß dieses ratlose +Individuum wegen monarchistischer Umtriebe in Schutzhaft gesetzet wurde. + +Da schaute der heilige Bürokrazius vom Himmel herunter und lachte. + + + _Finis_ + + [Verzierung] + + + * * * * * + * * * * + * * * * * + +Errata: + +Rechtschreibungsformen wie »erhub« bzw. »erhob« sind ungeändert. + + und betrachtete _pollicem suum_ [policem] + Davon der Schnauzbart sich jedoch unterscheidet [edoch] + + + + + + +End of Project Gutenberg's Der heilige Bürokrazius, by Rudolf Greinz + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER HEILIGE BÜROKRAZIUS *** + +***** This file should be named 26694-8.txt or 26694-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/2/6/6/9/26694/ + +Produced by Louise Hope, Norbert H. 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