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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 02:47:37 -0700 |
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diff --git a/29474-0.txt b/29474-0.txt new file mode 100644 index 0000000..55c93dd --- /dev/null +++ b/29474-0.txt @@ -0,0 +1,2977 @@ +The Project Gutenberg EBook of Lebensbeschreibung des k. k. Kapellmeisters +Wolfgang Amadeus Mozart, by Franz Xaver Niemetschek + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Lebensbeschreibung des k. k. Kapellmeisters Wolfgang Amadeus Mozart + +Author: Franz Xaver Niemetschek + +Release Date: July 21, 2009 [EBook #29474] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LEBENSBESCHREIBUNG *** + + + + +Produced by Norbert H. Langkau, Markus Brenner and the +Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + + + + Lebensbeschreibung + + des + + K. K. Kapellmeisters + + Wolfgang Amadeus Mozart, + + aus + + Originalquellen, + + von + + Franz Xav. Němetschek, + Professor an der Universität zu Prag. + + + Zweite vermehrte Auflage. + + + Prag 1808, + in der Herrlischen Buchhandlung. + + + + +Die Nachwelt hat über den Rang bereits entschieden, der _Mozarten_ als +Künstler gebührt. Einzig, unübertroffen steht er, ein Raphael seiner +Kunst, unter den glorreichen Genien _Händel_, _Cimarosa_, _Gluck_, +_Hayden_, oben an; sein Ruhm erfüllt die ganze gebildete Welt. + +Aber _Mozart_ als Mensch ist nicht minder interessant: die frühe +Entwicklung und die schnelle Reife seines wunderbaren Genies biethet dem +Forscher der menschlichen Natur lehrreichen Stoff zum Nachdenken dar. In +beider Hinsicht darf sich diese biographische Skizze versprechen der +Aufmerksamkeit des Publikums nicht unwerth zu seyn. + + + + + I. + + Die Jugend Mozarts. + + +Der Vater dieses außerordentlichen Genies, Leopold Mozart, war der Sohn +eines Buchbinders zu Augsburg; er studirte zu Salzburg, und kam im Jahre +1743 als Hofmusikus in die fürstl. Kapelle. Sein Talent verbunden mit +einem rechtschaffenen Charakter verschaffte ihm 1762 die Stelle des +zweiten Kapellmeisters. Er war mit Anna Bertlinn verheurathet; beyde +waren von einer so vortheilhaften Körpergestalt, daß man sie zu ihrer +Zeit für das schönste Ehepaar in Salzburg hielt. + +Leopold Mozart beschäftigte sich mit dem Hofdienste, die übrigen Stunden +wendete er auf Komposition und Violinunterweisung. Welch ein +vorzüglicher Kenner dieses Instruments er gewesen sey, beweiset die +allgemein bekannte _Violinschule_, die er 1766 herausgab, und die im +Jahre 1770, und zu unserer Zeit das drittemal in Wien aufgelegt wurde. + +Er zeugte 7 Kinder; aber nur 2 blieben am Leben; ein Mädchen und ein +Knabe. Der Sohn der im Jahr 1756 am 27sten Jänner gebohren ward, hieß +Wolfgang Gottlieb, oder _Amadeus_; die Schwester, die älter war, Maria +Anna. + +Da der Vater bald an den beyden Kindern ein vorzügliches Talent zur +Musik bemerkte, so gab er alle Lektionen und auswärtige Geschäfte außer +seinem Dienste auf, und widmete sich ausschließlich der musikalischen +Erziehung dieses Kinderpaares. + +Dieser vortrefflichen Leitung muß der ungewöhnlich hohe Grad der +Vollkommenheit, zu dem Mozarts Genie sich so bald empor schwang, +zugeschrieben werden. Die Natur vermag freylich viel – aber verwahrlost, +oder zu einer andern Richtung gezwungen, verliert sie vieles von ihrer +ursprünglichen Kraft. Auf die ersten Ideenreihen und Eindrücke kommt es +bekanntermaßen bey der Erziehung der Kinder am meisten an; denke man +sich nun ein so großes natürliches Talent, als Mozart besaß, in so +günstigen Umständen, so wird man bald von dem Erstaunen, in welches uns +das Unbegreifliche seiner Aeußerungen und Begebenheiten versetzt, zurück +kommen, und den Thatsachen, die ich zu erzählen im Begriffe bin, gern +Glauben beimessen. Die ersten Eindrücke, die sein Ohr auffaßte, waren +Harmonien und Gesang; Musik waren die ersten Worte und Ideen, die er +begriff! So mußte der himmlische Funke, den die Gottheit in den Busen +dieses den Tönen geweihten Knaben gelegt hatte, sehr früh aufwachen und +in helle Flammen schlagen. Die gründlichen Kenntnisse seines sorgsamen +Vaters kamen überall dem aufwachenden Genie entgegen; so wuchs er auf, +so reifte er schneller, als die bloße Natur zu reifen vermag. + +Mozart war eben 3 Jahr alt, als seine 7 jährige Schwester den ersten +Unterricht auf dem Klaviere bekam; und hier äußerte sich zuerst das +Genie des Knaben. Er setzte sich oft freywillig zu dem Klavier und +beschäftigte sich stundenlang mit der Zusammenstimmung der _Terzen_, die +er dann, wenn er sie fand, anschlug, und in lebhafte Freude ausbrach. +Nun fing also der Vater an ihm leichte Stücke spielend beyzubringen; und +er fand zu seinem freudevollen Erstaunen, daß der Schüler alle +menschliche Erwartung übertraf; er lernte gewöhnlich in einer Stunde ein +Menuet, oder ein Liedchen, und trug es dann mit dem angemessenen +Ausdrucke vor. + +Jeder Leser wird es wahrscheinlich finden, wenn ich sage, daß der +kleine Mozart, das lebhafteste Temperament, und ein sehr zärtliches +Gefühl hatte. Seinen kindischen Spielen ergab er sich mit einer +Innigkeit, die ihn auf alles übrige vergessen ließ, und Liebe für alle +Personen die um ihn waren, oder sich mit ihm abgaben war sein +herrschender Hang; er fragte jeden, der mit ihm umgieng, ob er ihn lieb +habe, und vergoß gleich Zähren, wenn man es scherzweise verneinte. + +Ueberhaupt ergab sich Mozart schon als Kind und Knabe allen Dingen und +Personen, an denen sein Geist Interesse fand, mit der ganzen warmen und +lebhaften Innigkeit, deren ein so zartorganisirter Mensch fähig ist. +Dieser Zug blieb stets auch an dem Manne das unterscheidende Merkmal – +und war oft sein Unglück. + +Im 6ten Jahre kam er schon in der Musik so weit, daß er selbst kleine +Stücke auf dem Klavier komponirte, die dann sein Vater in Noten setzen +mußte. Von diesem Zeitpunkte an empfand er nichts so lebhaft, als Töne, +und jede andere Spielerey, die sonst Kinder freut, war ihm gleichgiltig, +sobald nicht Musik dabey war. + +Die täglichen Fortschritte die er darinn machte, setzten oft den Vater, +der doch beständig um ihn war, und jeden Schritt beobachtete, in das +überraschendeste Erstaunen; denn es waren nicht Fortschritte eines +gewöhnlichen geschickten Lehrlings, sondern Riesenschritte eines Genies, +dessen Größe selbst sein Vater und Erzieher nicht ahnden konnte, weil +seine Entwickelung und Aeußerung auch den größten Erwartungen zuvor kam. +Folgende Begebenheit, die auch Schlichtegroll in seinem Nekrolog +erzählt, und die mir von mehreren Personen bestättiget wurde, mag zum +Beweise dienen. + +Als Wolfgang ungefähr im 6ten Jahre seines Alters war, kam einst sein +Vater, aus der Kapelle mit einem Freunde nach Hause zurück; sie trafen +den kleinen Tonkünstler mit der Feder in der Hand beschäftiget an. Der +Vater fragte ihn was er denn mache. + +_Wolfg._ Ein Conzert fürs Klavier. + +_Vat._ Laß sehen; das wird wohl was Sauberes seyn. + +_Wolfg._ Es ist noch nicht fertig. + +Nun nahm es der Vater in die Hand, und fand ein Geschmiere von Noten und +ausgewischten Tintenflecken; denn der kleine Komponist wußte mit der +Feder noch nicht recht umzugehen; er tauchte sie zu tief in der Tinte +ein und machte dann freylich immer Flecke auf das Papier, die er mit der +Hand auswischte, und so weiter darauf fortschrieb. Als aber der Vater +etwas aufmerksamer die Komposition betrachtete, blieb sein Blick vom +angenehmen Erstaunen und einer unbeschreiblichen Rührung darauf +gefesselt, und helle Thränen der Freude traten in seine Augen. + +Sehen Sie Freund! sprach er dann lächelnd, wie alles richtig und nach +den Regeln gesetzt ist; nur kann man es nicht brauchen, weil es so +schwer ist, daß es sich nicht spielen läßt. + +_Wolfg_. Dafür ist es auch ein Konzert; man muß so lange exerzieren, bis +man es heraus bringt. Sehen Sie, so muß es gehen. + +Hier fieng er es an zu spielen, konnte aber auch selbst kaum so viel +vorbringen, als man erkennen konnte, was seine Gedanken gewesen sind. +Denn er hatte die Meynung, ein Conzert spielen, und Mirakel wirken sey +alles eins. + +Zu dieser Zeit hatte es der Knabe schon so weit in der Musik gebracht, +daß der Vater ohne Bedenken auch das Ausland zum Zeugen der +außerordentlichen Talente seines Sohnes machen konnte. + +Die erste Reise, die er mit ihm und seiner Schwester unternahm, war nach +München, im Jahre 1762. Hier spielte Wolfgang vor dem Churfürsten ein +Conzert, und erndete sammt seiner Schwester die größte Bewunderung ein. + +Die zweyte Reise geschah im Herbste des nemlichen Jahres, also auch im +6ten Jahre seines Alters nach Wien, wo die beyden kleinen Virtuosen dem +kaiserlichen Hof vorgestellet wurden. + +Eine verehrungswürdige Dame, die damals am Hofe war, versicherte mich, +daß beyde Kinder ein allgemeines Erstaunen erregt haben; man konnte kaum +seinen Augen und Ohren trauen, wenn sie sich produzirten. Vorzüglich hat +der verewigte Schätzer der Künste, Kaiser Franz I. an dem kleinen +Hexenmeister, (wie er ihn scherzweise nannte,) viel Wohlgefallen +gefunden. Er unterhielt sich vielmal mit ihm. Alle Anekdoten die Herr +Schlichtegroll bey dieser Gelegenheit erzählet, sind mir als wahr +bestättiget worden. + +Der Kaiser hat unter andern mit ihm gescherzt, es seye wohl keine so +außerordentliche Kunst zu spielen; wenn man auf die Klaviatur schauen +kann, aber bey verdeckter Klaviatur – das wäre etwas? Mozart war damit +nicht in Verlegenheit gesetzt: er läßt sich die Klaviatur bedecken und +spielt eben so gut, wie vorher. + +Auch dieß sey noch nichts besonderes, versetzte der Kaiser, wenn man mit +allen Fingern spielt; aber mit einem einzigen zu spielen, das wär erst +Kunst. + +Auch diese Zumuthung machte den Knaben nichts weniger als verlegen – er +versuchte es mit Entschlossenheit auf der Stelle, und spielte zur +Verwunderung mehrere Stücke auf diese Art mit Nettigkeit aus. Schon +damals äußerte er einen Charakterzug, der ihm stets eigen geblieben +ist; nemlich die Verachtung alles _Lobes_ der Großen, und eine gewisse +Abneigung vor Ihnen, wenn sie nicht Kenner zugleich waren, zu spielen. +Mußte er es dennoch, so spielte er nichts als Tändeleyen, Tanzstücke +u. d. gl. unbedeutende Sachen. Aber, wenn Kenner zugegen waren, so war +er ganz Feuer und Aufmerksamkeit. + +Diese Eigenheit behielt er bis zu seinem Tode, wie wir es bey seinem +dreymaligen Aufenthalt in Prag sehr oft erfahren haben. + +So geschah es auch damals bey dem Kaiser Franz. Als er sich zum Klavier +setzte um ein Konzert zu spielen, und der Kaiser bey ihm stand, sagte +Mozart: »Ist Herr Wagenseil nicht hier? der versteht es.« Wagenseil kam, +und der kleine Virtuose sagte: »Ich spiele ein Conzert von Ihnen, Sie +müssen mir umwenden.« + +Auch folgende Anekdote kann vielleicht zu seiner Schilderung beitragen. + +Unter allen Erzherzoginnen nahm ihn Antoinette, die nachmalige Königinn +von Frankreich am meisten ein, und er hatte eine besondere Zärtlichkeit +für sie. Als er einst in den Zimmern der höchstseligen Kaiserinn Maria +Theresia war, und von den kleinen Prinzen und Prinzessinnen herum +geführt wurde, hatte er das Unglück, des Gehens am geglätteten Fußboden +ungewohnt, zu fallen. Niemand war geschäftiger ihm beyzuspringen und +aufzuhelfen, als die kleine Erzherzoginn Antoinette; dieß rührte sein +kleines Herz so sehr, daß er gerade zu der Monarchin eilte, und mit viel +Begeisterung die Güte des Herzens dieser Prinzessinn erhob. Wer hätte +einem solchen Kinde nicht gut werden sollen? + +Die beyspiellose Fertigkeit, mit welcher er das Klavier behandelte, und +der hohe Grad der Kenntniß der Kunst, die er in einem Alter erreichte, +wo Kinder sonst noch kaum einen Kunsttrieb äußern, war bewundernswürdig +genug; ja es ließ sich wohl kaum etwas Größers erwarten. Aber der +wunderbare Geist der Töne, der in ihn von dem Schöpfer gelegt ward, +schritt alle gewöhnliche Schranken über, und ging, da er einmal erwacht +war, allem Unterrichte voran. Was man ihn lehren wollte, das war seinem +Geiste schon wie bekannt, und er schien sich nur daran zu besinnen! + +Der Unterricht diente ihm also nur als Reizmittel, und zur Berichtigung +des Geschmackes. + +_Mozart_ spielte bisher kein anderes Instrument als das Klavier; aber er +konnte auch schon geigen, bevor es sein Vater wahrnahm, oder ihm irgend +eine Anweisung auf der Violine gegeben hatte. Ich will den Vorfall, der +dieses offenbarte mit den Worten des Nekrologes erzählen. – »Mozart +hatte aus Wien eine kleine Geige mitgebracht, die er dort geschenkt +bekommen hatte. Kurz als die Familie wieder nach Salzburg zurück gekehrt +war, kam _Wenzl_ ein geschickter Geiger und Anfänger in der Komposition +zu dem Vater Mozart, und bath sich dessen Erinnerungen über 6 Trios aus, +die er während der Abwesenheit der Mozartischen Familie gesetzt hatte.« + +»_Schachtner_, ein noch lebender Hoftrompeter in Salzburg, den der +kleine Mozart besonders liebte, war eben gegenwärtig. Der Vater,« so +erzählte dieser glaubwürdige Augenzeuge, »spielte mit der Viola den Baß, +Wenzl die erste Violin, und ich sollte die zweyte spielen. Der kleine +Wolfgang bath, daß er doch die zweyte Violin spielen dürfte. Aber der +Vater verwieß ihm seine kindische Bitte, weil er noch keine ordentliche +Anweisung auf der Violin gehabt hätte und daher unmöglich etwas Gutes +herausbringen könnte. Der Kleine erwiederte, daß, um die 2te Violin zu +spielen man es ja wohl nicht erst gelernet zu haben brauche; aber der +Vater hieß ihn halb in Unwillen davon gehen und ihn nicht weiter stören. +Der Kleine fing an bitterlich zu weinen, und lief mit seiner kleinen +Geige davon. Ich bath, man möchte ihn doch mit mir spielen lassen; +endlich willigte der Vater ein, und sagte zu ihm: Nun so geige nur mit +Herrn Schachtner, jedoch so stille, daß man dich nicht höre, sonst mußt +du gleich fort. Wir spielten und der kleine Mozart geigte mit mir, doch +bald bemerkte ich, daß ich da ganz überflüssig sey. Ich legte meine +Geige weg und sah den Vater an, dem bey dieser Scene Thränen der +gerührten Zärtlichkeit aus dem väterlichen Auge über die Wangen rollten. +So spielte Wolfgang alle 6 Trios durch. Nach deren Endigung wurde er +durch unsern Beyfall so kühn, daß er behauptete, auch die erste Violin +spielen zu können. Wir machten zum Scherz einen Versuch, und mußten +herzlich lachen, als er auch diese, wiewohl mit lauter unrechten und +unregelmäßigen Applikaturen, doch aber so spielte, daß er nie völlig +stecken blieb.« + +Mit welcher bewundernswürdigen Genauigkeit sein Ohr auch den feinsten +Unterschied der Töne maß, wie unglaublich sicher sein Gedächtniß Töne +behielt, beweiset folgender Vorfall, der sich fast um gleiche Zeit +ereignete. + +_Schachtner_, der erwähnte Freund des Mozartschen Hauses, und der +Liebling des kleinen Wolfgangs, besaß eine Violin, die dieser ihres +sanften Tones wegen vorzüglich liebte, und die Buttergeige nannte. Er +spielte eines Tages darauf. In einigen Tagen kam Schachtner wieder, und +traf den Wolfgang auf seiner eigenen kleinen Geige phantasirend an. + +»Was macht ihre Buttergeige?« sagte Wolfgang und fuhr in seiner +Phantasie fort. Nach einer kleinen Pause, wo er sich auf etwas zu +besinnen schien, sagte er weiter: + +Wenn sie aber nur ihre Geige immer in gleicher Stimmung ließen; sie war +das letztemal, als ich auf ihr spielte, um einen Viertelton tiefer, als +meine da. Man lächelte über diese dreiste Behauptung in einer Sache, wo +das geübteste Künstlerohr kaum einen Unterschied zu bemerken im Stande +ist. + +Der Vater aber, der schon oft durch ähnliche Aeußerungen des großen +Tongefühls seines Sohnes überrascht wurde, hält es der Mühe werth die +Angabe zu prüfen. Die Geige wird gebracht, und zum allgemeinen Erstaunen +traf die Angabe mathematisch richtig ein. + +Bey allen diesen Fertigkeiten, bey diesem außerordentlich großen Talent, +besaß der kleine Mozart einen Fleiß, der für seinen zarten Körperbau +vielleicht zu groß war. Man mußte ihn Abends vom Klavier wegrufen, oft +mit Ernst wegjagen, sonst hätte ihn die aufgehende Sonne vielleicht noch +bey demselben angetroffen. + +Diese Vergessenheit seiner selbst, wenn er sich mit Musik beschäftigte, +blieb ihm bis an sein Ende eigen; er saß täglich am Fortepiano bis in +die späte Nacht. Ein sicheres Kennzeichen des Genies, welches seinen +Gegenstand immer mit der ganzen Kraft der Seele umfaßte, und seiner +selbst vergaß. + +Man darf jedoch nicht glauben, daß er nicht auch zu andern Sachen fähig +war; alles was er lernte, begriff er leicht, und ergab sich dem +Gegenstande mit einem Eifer und Feuer, dessen Grund in seiner +empfindsamen Organisation lag. So bemahlte er Stühle, Tische und den +Fußboden mit Ziffern, als er rechnen lernte, und dachte und redete von +nichts andern, als von arithmetischen Aufgaben; er ward nach der Zeit +einer der geübtesten Rechenmeister. + +Dabey war er so gehorsam und nachgiebig gegen seine Eltern, daß man nie +sinnlicher Strafen bedurfte, und daß er selbst keine Eßwaare ohne +Erlaubniß des Vaters annahm oder verzehrte. + +Sobald sein großes Talent etwas bekannt wurde, so mußte er oft ganze +Tage sich vor Fremden hören lassen: und doch zeigte er nie Unwillen, +wenn ihn der Befehl seines Vaters wieder an das Klavier gehen hieß. +Gegen seine Gespielen war er immer voll Freundlichkeit und Wohlwollen, +und hieng an ihnen mit der ganzen großen Zärtlichkeit seines Herzen; +selbst in kindischen Unterhaltungen zeigte sich sein Geist der Musik, +von der immer etwas mit dabey seyn mußte. + +Im siebenten Jahre seines Alters, das ist, im Jahr 1763 machte Mozart +mit seinen beyden Kindern die erste größere musikalische Reise in +Deutschland. Durch diese wurde der Ruhm des jungen Meisters allgemein +verbreitet. Er zeigte seine Talente und Fertigkeiten vorzüglich in +_München_, wo er auch ein Violin-Konzert vor dem Churfürsten spielte und +dazu aus dem Kopfe präambulirte; dann in _Augsburg_, _Manheim_, _Mainz_, +_Frankfurt_, _Koblenz_, _Kölln_, _Achen_ und _Brüssel_. + +Von da giengen sie im November nach Frankreich, wo sich die Familie +21 Wochen aufhielt. Zu Versailles ließ sich der kleine 8 jährige Mozart +in der königl. Kapelle vor dem Könige und dem ganzen Hofe auf der Orgel +hören. Man schätzte zu dieser Zeit sein Orgelspiel noch höher als das +Klavierspiel. + +In Paris gaben sie zwei Akademien fürs Publikum, wovon die Folge war, +daß alsogleich der Vater sammt den beyden Kindern in Kupfer gestochen +erschienen, und daß man allgemein in Bewunderung und Lobeserhebung +derselben wetteiferte. Hier gab auch Wolfgang Mozart seine ersten +Kompositionen in Stich heraus. Das erste Werk dedicirte er der Madame +Viktoire, der zweyten Tochter des Königs, das andere der Gräfinn Tesse. +Es sind Sonaten für das Klavier. + +Von Paris ging die Familie den 10. April 1764 nach England. Noch in +demselben Monate ließen sich die Kinder vor der königlichen Familie +hören; so auch im folgenden, wobei zugleich Mozart auf der Orgel des +Königs spielen mußte. Darauf gaben sie ein großes Konzert für das +Publikum zu ihrem Besten; ein anderes zum Nutzen des Hospitals der +Wöchnerinnen: in beyden waren alle Sinfonien von der Komposition des +Sohnes. Dann spielten sie noch einmal vor dem König und dem vornehmsten +Adel. + +Der ungewöhnliche Beyfall und die Bewunderung, zu welcher solche +Wundertalente das Publikum überall hingerissen haben, waren für den +jungen Mozart Antrieb und Reiz sich immer vollkommener zu machen. Er +sang auch mit der größten Empfindung Arien – und es war gewiß ein +rührendes Schauspiel dieses kleine Virtuosenpaar auf 2 Klavieren +konzertieren, oder im Gesange wetteifern zu hören! der Sohn war schon so +weit in der Kunst gekommen, daß er die schwersten Stücke von den größten +Meistern vom Blatte wegspielen konnte; in Paris und London legte man ihm +Sachen vom _Händel_ und _Bach_ vor, die er mit Akkuratesse und dem +angemessenen Vortrage zur Verwunderung jedes Kenners vom Blatt +wegspielte. + +Als er bei dem Könige von England spielte, legte man ihm unter andern +einen _bloßen Baß_ vor, wozu er auf der Stelle eine vortreffliche +Melodie erfand und zugleich vortrug. + +Während dieses Aufenthalts in England schrieb er 6 Klavier-Sonaten, die +er in London stechen ließ und der Königin dedizirte. + +Den Sommer des Jahrs 1765 brachte die Familie in _Flandern_, _Brabant_ +und _Holland_ zu. Während einer gefährlichen Krankheit, (_Blattern waren +es_), welche die beyden Kinder einige Monathe lang auf das Krankenbette +fesselte, fing Wolfgang andere 6 Klavier-Sonaten an; und als er sie nach +der Krankheit vollendet hatte, ließ er sie stechen, und dedizirte sie +der Prinzessin von Nassau-Weilburg. In dieser Krankheit zeigte sich die +immer rege Thätigkeit seines harmonischen Geistes sehr auffallend: denn +da er das Bette nicht verlassen durfte, so mußte man ihm ein Brett über +das Lager richten, auf welchem er schreiben konnte; und selbst als seine +kleinen Finger noch voll Pocken waren, konnte man ihn kaum vom Spielen +und Schreiben abhalten. Diese Anekdote ist aus dem Munde eines sehr +glaubwürdigen Zeugen. + +Zu dem Installationsfeste des Prinzen von Oranien, im Anfange des Jahrs +1766, setzte der junge Mozart einige Sinfonien, Variationen und Arien. + +Nachdem er einigemal bey dem Erbstatthalter gespielt hatte, gieng die +Familie wieder nach Frankreich, blieb einige Zeit in _Paris_, und reiste +über _Lyon_ und die _Schweiz_ nach _Schwaben_, wo sie einige Zeit in +Donaueschingen bey dem Fürsten von Fürstenberg verweilten, und dann zu +Ende des Jahrs 1766 nach einer Abwesenheit von 3 Jahren wieder in +Salzburg eintrafen. + +Hier blieb nun die Mozartische Familie mehr als ein Jahr in Ruhe. Diesen +Zeitraum der Musse wendete der junge Künstler auf das höhere Studium der +Komposition, deren größte Tiefen er nun bald ergründet hatte. _Emmanuel +Bach_, _Hasse_ und _Händel_ waren seine Männer – ihre Werke sein +unablässiges Studium! Er vernachlässigte auch nicht die alten +italienischen Meister, deren Vorzüge in Rücksicht der Melodie und der +Gründlichkeit des Satzes so auffallend gegen die heutigen Italiener +abstechen. So schritt er immer näher zu der Stufe der Vollkommenheit, +auf der ihn bald darauf die Welt als eine seltene Erscheinung erblickte. + +Im folgenden Jahre 1768 gieng Mozart nach Wien und spielte vor dem +Kaiser _Joseph_, der dem 12 jährigen Knaben den Auftrag gab, eine #Opera +buffa# zu schreiben. Sie hieß #La finta semplice#, und erhielt den +Beyfall des Kapellmeisters Hasse und Metastasios, wurde aber nicht +aufgeführt. + +Bey diesem Aufenthalte zu Wien war er oft bey dem Dichter Metastasio, +der ihn sehr liebte, bey dem Kapellmeister Hasse und dem Fürsten +Kaunitz; hier gab man ihm oft die erste beste italienische Arie, zu +welcher Wolfgang auf der Stelle in Gegenwart aller Anwesenden die Musik +mit allen Instrumenten setzte. Dieses Faktum bestättigen mehrere noch +lebende verehrungswürdige Zeugen, aus deren Mund ich die Anekdote gehört +habe. + +Zu der Einweihung der Kirche des Waisenhauses, welche zu dieser Zeit +gefeyert wurde, komponirte der zwölfjährige Meister Mozart die +Kirchenmusik, und dirigirte ihre Aufführung in Gegenwart des ganzen +kaiserlichen Hofes. + +Das Jahr 1769 brachte er mit seinem Vater in Salzburg zu, theils in +vollkommener Erlernung der italienischen Sprache, theils in der +Fortsetzung des höhern Studium seiner Kunst. In demselben Jahre wurde er +zum Konzertmeister bey dem Salzburgischen Hofe ernannt. + +Mozart hatte nun die ansehnlichsten Länder Europens gesehen; der Ruhm +seines großen, früh gereiften Künstlertalents blühte bereits von den +Ufern der Donau bis zur Seine und der Themse hin; aber er war noch nicht +in dem Vaterlande der Musik gewesen. Italiens Beyfall und Bewunderung +mußte erst der Urkunde seines Ruhmes das Siegel aufdrücken. Auch war es +seinem nach Vollkommenheit strebenden Geiste daran gelegen, die Blüthe +der Tonkunst – den Gesang in seinem natürlichen Boden zu beobachten, und +die vielen großen Männer, die damals noch Italiens Ruhm in der Musik +stützten, zu kennen – und von ihnen zu lernen. + +Im Dezember des nämlichen Jahres verließ also Mozart blos in Begleitung +seines Vaters, Salzburg. Sein erster Aufenthalt war Inspruck, wo er in +einer Akademie bey dem Grafen Künigl ein Konzert #primi vista# mit +vieler Leichtigkeit spielte. Von da giengen sie nach Mailand. + +Hatte in Frankreich und England sein großes Genie und die seltenen +Kunst-Fertigkeiten Bewunderung erregt, so war es in Italien feuriger +Enthusiasmus, mit dem man ihn aufnahm und erhob! Selbst der mächtige +Nationalstolz, und das Vorurtheil des Ultramontanismus wich besiegt von +den glänzenden Talenten des 12 jährigen Knaben; er schien eine +Erscheinung vom Himmel, ein höherer Genius der Tonkunst zu seyn! + +So groß war die Ueberlegenheit seines Genies, daß ihm zu Mailand nach +einigen öffentlichen Proben seiner Kunst, gleich die #Scrittura# zu der +#Opera seria# für den künftigen Karneval 1771 gegeben ward. Von da +reisete er schon im März 1770 nach Bologna – eine Stadt die nebst Neapel +den größten Ruhm der Musik hatte. + +Hier fand der junge Künstler einen enthusiastischen Bewunderer an dem +berühmten Kapellmeister Pater _Martini_,[1] dem größten Kontrapunktisten +und einem berühmten Schriftsteller in der Musik. Künstler von wahrem +Verdienst ehren einander überall! Auch haben es die Italiener nicht nur +an Mozart, sondern auch an unserm Landsmann Misliweczek bewiesen, daß +sie große Talente, wenn sie auch außer Italien entsprossen sind, zu +schätzen verstehen. Wie groß war die Achtung, in der dieser berühmte +Böhme in Neapel und Rom stand? + + [Fußnote 1: Anmerkung: Ohne meine Erinnerung werden die Leser + einsehen, daß dieser Martini mit dem Opernkomponisten Martini, + dem Verfasser der #Cosa rara#, nicht zu verwechseln sey.] + +Abbate _Martini_ war nebst den andern Kapellmeistern außer sich vor +Bewunderung, als der junge Mozart über jedes Fugenthema, das ihm Martini +hinschrieb, die gehörige Eintheilung und Disposition nach der ganzen +Strenge der Kunst angab, und die Fuge augenblicklich auf dem Klavier +ausführte. + +Zu Florenz fand man bey seiner Gegenwart alles, was der Ruf von seinen +Talenten sagte, zu gering, als Mozart bey dem #Marchese Ligneville# +ebenfalls einem großen Kontrapunktisten, jedes angegebene Thema auf der +Stelle vortrefflich ausführte – jede vorgelegte Fuge, mit einer +Leichtigkeit vom Blatte wegspielte, als hätte er sie selbst komponirt. +Und wie wahr es ist, daß treffliche Geister einander verstehen und ihre +Verwandschaft bald anerkennen, zeuget die Bekanntschaft, die Mozart hier +in Florenz mit einem jungen Engländer _Thomas Linley_, einem Knaben von +14 Jahren gemacht hatte. Er war der Schüler des berühmten Violonisten +Nardini, schon selbst Virtuose und Meister seines Instrumentes. Sie +wurden bald innige vertraute Freunde; ihre Freundschaft aber war nicht +Knaben Anhänglichkeit, sondern die Zärtlichkeit zweyer tieffühlenden, +übereinstimmenden Seelen! sie achteten sich als Künstler, und führten +sich auf wie Männer! Wie bitter war ihnen der Tag ihrer Trennung? Linley +brachte Mozarten am Tage der Abreise noch ein Gedicht, das er von der +Dichterin _Corilla_ auf ihn hatte verfertigen lassen, schied unter +vielen Umarmungen und Thränen von ihm, und begleitete seinen Wagen unter +beständigen Aeußerungen der zärtlichsten Betrübniß bis vor die Stadt. + +Von Florenz reisete Vater und Sohn nach Rom; sie kamen eben in der +Charwoche an. Hier hatte nun Mozart Gelegenheit genug die vielen +Meisterstücke der erhabensten Kirchenmusik zu hören, die in dieser +heiligen Zeit bey der ernsten Feyer der Welterlösung aufgeführt werden. +Den ersten Rang darunter verdiente das berühmte _Miserere_, welches +Mittwochs und Freytags diese Woche in der sixtinischen Kapelle blos von +Vokalstimmen gesungen wird, und das in dem _erhabenen, feyerlichen_ +Kirchengesange das #non plus ultra# der Kunst seyn soll; so zwar daß es +den päpstlichen Musikern unter der Strafe der Exkommunikation verbothen +ward, eine Kopie davon zu machen. + +Dieß gab dem jungen Mozart den Gedanken ein, bei der Anhörung desselben +recht aufmerksam zu seyn, und es dann zu Hause aus dem Gedächtnisse +aufzuschreiben. Es gelang ihm über alle Erwartung; er nahm den Aufsatz +am Charfreytage zur Wiederholung desselben mit, um im Stande zu seyn +Verbesserungen zu machen, und das Mangelhafte zu ergänzen. + +Bald verbreitete sich der Ruf davon in Rom, und erregte allgemeines +Aufsehen und Erstaunen; besonders, da es Mozart in einer Akademie +aufführte, wobey der Kastrat Christophori zugegen war, welcher es in der +Kapelle gesungen hatte, und durch sein Erstaunen Mozarts Triumph +vollkommen machte. + +Wer es einsieht, welchen Aufwand von Kunst eine so vielstimmige, +kritische Choralmusik erfodert, der wird mit Recht durch diese +Begebenheit in Erstaunen gesetzt. Welch ein Ohr, Gedächtniß, Tongefühl – +welche Kenntniß des Satzes war das, die vermögend war, ein solches Werk +sogleich zu fassen und so vollkommen zu behalten? Dieß zu können, mußte +ein höheres Maß von Kräften vorhanden seyn, als man gewöhnlich +anzutreffen pflegt. + +In Neapel, wohin er sich aus Rom begab, fand Mozart nicht weniger +Bewunderer, als in den andern Städten Italiens; denn jeder unbefangene +Zuhörer mußte seinem Genie huldigen. Mozart riß später als Mann mit der +Allgewalt seiner Kunst jedes gefühlvolle Herz hin: was mußte den +Zuhörern in Italien geschehen, die einen Knaben sahen und den +vollendetesten Künstler hörten? – Sie hielten ihn für einen Zauberer: +der war nun Mozart freylich: aber die magische Kraft lag nicht in seinem +Ringe, wie man in Neapel wähnte; denn als er ihn auf Verlangen der +Zuhörer weglegte, war sein Spiel nicht weniger bezaubernd, als zu vor. +Man denke sich nun das Erstaunen und die Bewunderung der lebhaften +Italiener? Von Neapel kehrte Mozart, mit einem Rufe, der nur _selten_ +einem Künstler vorangeht, nach Rom zurück. Der Papst durch alle die +Wunder der Kunst aufmerksam gemacht, wollte den jungen Kapellmeister +sehen. Er ward ihm vorgestellt, und erhielt das Kreuz und Breve als +Ritter #militiae auratae#. + +Auf seiner Rückreise von Rom nach Mayland, hielt er sich wieder eine +kurze Zeit zu Bologna auf, wo er mit einstimmiger Wahl als Mitglied und +Maestro der philharmonischen Akademie aufgenommen wurde. Zur Prüfung +bekam er eine vierstimmige Fuge im Kirchenstil auszuarbeiten; man schloß +ihn deshalb in ein Zimmer ganz allein ein. Er war damit in einer halben +Stunde fertig und erhielt das Diplom. + +In allen diesen Städten wurden ihm Opern-Akkorde für den nächsten +Fasching angetragen; da er aber bereits für Mailand versprochen war, so +mußte er sie alle ausschlagen. Daher eilte er dahin zu kommen. Seine +Oper unter dem Titel: #Mitridate# kam noch zu Ende des Jahres 1770, den +26. Dezember auf die Scene; sie erhielt allgemeinen Beyfall und ward +zwanzigmal nacheinander aufgeführt. Eben darum wurde mit ihm alsogleich +schriftlichen Akkord auf die #Opera seria# für den Karneval von 1773 +eingegangen. Sie hieß, #Lucio Sulla# und erhielt einen noch größern +Beyfall als #Mitridate#, denn sie wurde 26mal ohne Unterbrechen +aufgeführt. + +Auf seiner Rückreise aus Italien im J. 1771, besuchte er noch Venedig +und Verona; hier überreichte man ihm auch das Diplom als Mitglied der +philharmonischen Gesellschaft.[2] So kam er nach einem Aufenthalte von +mehr als 15 Monaten in Italien, nach Salzburg zurück. Die Ausbeute +dieser langen Reise war ein Schatz neuer Kenntnisse und Ideen, ein +geläuterter Geschmack und die Bewunderung einer Nation, die von der +Natur selbst zur Richterin in der Tonkunst berufen zu seyn schien. + + [Fußnote 2: Anmerkung. Alle diese Diplome, so wie das Kreuz des + päpstl. Ordens, bewahret die Wittwe zum Andenken.] + +Bey seiner Ankunft in Salzburg fand Mozart einen Brief von dem Grafen +_Firmian_ aus Mayland, worinn ihm dieser im Namen der Kaiserin _Maria +Theresia_ den Auftrag machte, die große theatralische Serenate zur +Vermählung des Erzherzogs _Ferdinand_ zu schreiben.[3] Zu diesem Feste +schrieb _Hasse_, der älteste unter den Kapellmeistern die Opera, und +Mozart, der jüngste unter ihnen, die Serenate; die Kaiserin schien das +so mit Absicht angeordnet zu haben! Diese Serenate hieß: #Ascanio in +Alba#; während der Feyerlichkeit ward immer mit der Oper und der +Serenate abgewechselt. Bey der Wahl des neuen Erzbischofs von Salzburg, +1772, schrieb Mozart auch eine theatralische Serenate, betitelt: #Lo +sogno di Scipione.# + + [Fußnote 3: Serenaten waren eine Gattung Kantaten, denen zum + Grunde ein dramatisches Sujet gelegt war; sie hatten also + Aehnlichkeiten mit den Oratorien.] + +Einige Reisen die Mozart im Jahre 1773 und 1774 nach Wien und München +machte, gaben die Gelegenheit zu mehreren Meisterwerken der Tonkunst; +hieher gehört die komische Oper: #La finta Giardiniera#, und mehrere +Messen für die Münchner Hofkapelle. + +Im Jahre 1775 schrieb Mozart in Salzburg die Serenate #il re pastore#, +welche außerordentlich gefiel, und unter diejenigen ältern Werke Mozarts +gehört, die auch jetzt noch ihren großen Werth haben; denn er hatte +darinn schon den hohen Geist ahnden lassen, der in seinen spätern +Kunstwerken herrscht. Dahin gehört das Oratorium der büssende David, +welches unter die besten Werke dieser Art gehört, und auch jetzt noch +von Kennern bewundert wird. + + + + + II. + + Mozart als Mann. + + +Diesen Zeitpunkt, das heißt, sein 20stes Lebensjahr können wir für die +Epoche seiner Vollendung als Meister annehmen; denn von nun an zeigte er +sich immer als ein solcher im glänzendesten Lichte, und mit einer +entscheidenden Ueberlegenheit des Geschmackes und Genies; alle seine +Werke, die er seit dem geliefert hat, sind klassisch und erwarben ihm +die Krone der Unsterblichkeit. Wir fahren in der Erzählung seiner +Lebensbegebenheiten fort, und werden die vorzüglichsten seiner Werke, +aus dieser Lebensperiode, in einem besondern Abschnitte rezensiren. + +Mozarts Ruhm war nun gegründet. Jede große Stadt, die er zu dem +Schauplatze seiner Talente gemacht hätte, würde ihn mit Freude +aufgenommen, und seine Werke mit Entzücken angehört haben. Zu einer +solchen Erwartung berechtigte ihn im hohen Maße die große Wirkung, die +sein zweifaches gleich großes Talent, des Klavierspielers und +Kompositors jedesmal und überall auf das Publikum gemacht hatte. + +Unter diesen Städten war wohl _Paris_ der angemessenste Platz für das +Genie Mozarts; um so mehr, da seine Kunst dort ein schon begeistertes +Publikum gefunden hätte. Aber er hatte keinen Geschmack an der +französischen Musik; über dieß war sein gerader Charakter zu Intriguen +und Kabalen nicht gemacht, die auf diesem großen Tummelplatze +menschlicher Leidenschaften auch die Künste mit ihren Schlangenwindungen +umstrickten. Er kam also von der letzten Reise, die er im Jahre 1777 mit +seiner Mutter nach Paris zu dem Endzwecke gemacht hatte, bald wieder, +aber allein zurück; denn sie starb dort.[4] Auch dieß mag seinem +gefühlvollen Herzen den Aufenthalt in Paris verleidet haben. Zu Ende +des Jahres 1778 war er schon wieder in Salzburg. + + [Fußnote 4: Anmerkung: Diese Reise nach Paris gab der Welt die + große Sinfonie in #D.# die deshalb und ihres raschen Feuers + wegen, die französische heißt.] + +Der Bayerische Hof, der schon so oft Zeuge seines Künstlertalentes war, +und insbesondere der damalige Churfürst, der große Schätzer aller +schönen Künste, liebte Mozarts Musik im hohen Grade. Er bekam daher den +Auftrag für den Fasching vom 1781 in München eine #Opera seria# zu +schreiben. + +Da schuf Mozart das erhabene Werk, die Oper #Idomeneo#; worinn eine +Gedankenfülle, eine Wärme der Empfindung herrscht, die sich nur von der +Jugendkraft eines genialischen Tonkünstlers wie Mozart erwarten ließ. +Diesen Aufenthalt in München rechnete Mozart unter die angenehmsten Tage +seines Lebens und vergaß nie auf die gefällige Freundschaft, die er da +von so vielen Männern vom Verdienst genoß. + +Aus München ward er durch einen Auftrag seines Erzbischofs nach Wien +berufen: und von dieser Zeit an, das heißt von seinem 25sten Jahre, +lebte er in dieser Kaiserstadt, die eben so sehr durch den entschiedenen +Hang des Publikums zur Musik, als auch durch die Menge vortrefflicher +Tonkünstler, für Mozarts Geist wichtig seyn mußte. + +Von hier aus verbreiteten sich seine erstaunenswürdigen Kompositionen +zunächst nach Böhmen, dann in das übrige Deutschland, und gaben dem +Geschmacke in der Musik einen großen Schwung, eine neue Richtung, die +aber seine zeitherigen Nachahmer verzerren und verderben. + +Sein Spiel auf dem Pianoforte fand zuerst Bewunderer und Liebhaber; denn +obschon Wien mehrere große Meister dieses Instrumentes, des Lieblinges +des Publikums zählte, so kam doch keiner unserm Mozart gleich. Eine +bewundernswürdige Geschwindigkeit, die man besonders in Rücksicht der +linken Hand oder des Basses einzig nennen konnte, Feinheit und +Delikatesse, der schönste, redendeste Ausdruck und ein Gefühl, das +unwiderstehlich zum Herzen drang, sind die Vorzüge seines Spieles +gewesen, die gepaart mit seiner Gedankenfülle, mit der tiefen Kenntniß +der Komposition natürlich jeden Hörer hinreißen, und Mozarten zu dem +größten Klavierspieler seiner Zeit erheben mußten. + +Seine Klavierkompositionen aller Art, Sonaten, Variationen, Konzerte, +wurden bald allgemein bekannt und beliebt. Man ward bey jedem neu +erschienenen Werke überrascht durch die Neuheit des Stiles, und der +Gedanken – man staunte über die Höhe, zu der sich die Musik durch seine +Werke so schnell empor schwang! + +In Wien fand Mozart einen Tonkünstler, dessen Genie dem seinigen am +ähnlichsten war; ich meine den berühmten Schöpfer der Alzeste und +Iphigenie, _Ritter von Gluck_, einen Böhmen von Geburt. Der Umgang mit +ihm und das unablässige Studium seiner erhabenen Werke gab Mozarten viel +Nahrung, und hatte Einfluß auf seine Opernkompositionen. Auch wurde +Mozart bald der innigste Verehrer des großen, unvergleichlichen _Joseph +Haydn_, der schon damals der Stolz der Tonkunst war, und nun, nachdem +Mozart nicht mehr ist, unser einzige Liebling, unsere Wonne bleibt. +Mozart nannte ihn oft seinen Lehrer. + +Bald nachdem Mozart seinen Aufenthalt in Wien aufgeschlagen hatte, faßte +der unvergeßliche Kaiser _Joseph_ II. den Gedanken, der eines deutschen +Kaisers so würdig war, den Geschmack an italienischen Opern durch die +Unterstützung deutscher Singspiele und Sänger zu verdrängen, und für das +Vaterländische mehr zu stimmen. Er versammelte daher die besten Sänger +und Sängerinnen, und ließ von Mozart eine deutsche Oper setzen. Für +diese Virtuosen schrieb Mozart das allgemein bekannte, allgemein +beliebte Singspiel, die _Entführung aus dem Serail_ in dem Jahre 1782. + +Sie machte allgemeines Aufsehen; und die schlauen Italiener sahen bald +ein, daß ein solcher Kopf für ihr welsches Geklingel bald gefährlich +werden dürfte. Der Neid erwachte nun mit der ganzen Schärfe des +italienischen Giftes! Der Monarch der im Grunde von der _neuen +tiefeindringenden_ Musik entzückt war, sagte doch zu Mozart: »Gewaltig +viel Noten lieber Mozart!« + +»Gerade so viel, Eure Majestät, als nöthig ist,« versetzte dieser mit +jenem edlen Stolze, und der Freymüthigkeit, die großen Geistern so gut +anstehet. Er sah es ein, daß dieß nicht eigenes Urtheil, sondern +nachgesagt war. + +Ich darf hier nicht verschweigen, daß Mozart zu der Zeit, als er diese +Oper schrieb, _Konstanza Weber_, seine nachmahlige Gemahlin, die +Schwester der berühmten Sängerin _Lang_, liebte und eben Bräutigam war. +Den Einfluß, den diese Seelenstimmung auf die Komposition dieser Oper +haben mußte, wird jedermann erkennen, der sie gehört hat; denn wer weiß +es nicht, wie voll süßer Gefühle, voll schmachtender Liebe sie ist? + +Ich kann den Beyfall und die Sensation, die sie in Wien erregte, nicht +aus eigener Erfahrung beschreiben – aber ich bin Zeuge des Enthusiasmus +gewesen, den sie bey ihrer Aufführung in Prag in Kennern und +Nichtkennern verursachte! Es war, als wenn das, was man hier bisher +gehört und gekannt hatte, keine Musik gewesen wäre! Alles war +hingerissen – alles staunte über die neuen Harmonien, über die +originellen, bisher ungehörten Sätze der Blasinstrumente. Nun fingen die +Böhmen an seine Kompositionen zu suchen; und in eben dem Jahre hörte man +schon in allen bessern musikalischen Akademien, Mozarts Klavierstücke +und Sinfonien. Von nun an war die Vorliebe der Böhmen für seine Werke +entschieden! Die größten Kenner und Künstler unserer Vaterstadt, waren +auch Mozarts größte Bewunderer, die feurigsten Verkündiger seines +Ruhmes.[5] + + [Fußnote 5: Vorzüglich der verehrte Herr _Duscheck, Kucharz, + Praupner, Johann Kozeluch, (nicht Leopold der in Wien lebt,) die + beyden Loschek, Maschek, Caj. Vogel, Wenzel, Weber, Rösler, + Witassek, Tomaschek_ u. a. m.] + +Mozart lebte bisher, ungeachtet seines großen Ruhmes ohne _Anstellung_, +also ohne bestimmte Einkünfte. Klavier-Unterricht, und abonnirte +Konzerte für einen geschlossenen Cirkel des hohen Adels waren noch die +ausgiebigsten Quellen seiner Einkünfte, wobey sich in einer Stadt, wie +Wien, sicher nichts ersparen ließ. + +In dieser Periode schrieb er die schönsten Sachen für das Klavier: +Sonaten mit und ohne Begleitung, Konzerte, die nun in jedermanns Händen +sind. + +Im Jahre 1785 gab er 6 meisterhafte Violin-Quartetten im Stich heraus, +mit einer Dedikation an seinen Freund den Kapellmeister _Joseph Haydn_, +die ein schöner Abdruck seiner Hochachtung für diesen großen Mann ist; +und so wie dieselbe den Ruhm _Haydns_, durch die Huldigungen eines +Künstlers wie Mozart, vermehrt: eben so sehr gereicht sie diesem zur +Ehre, und macht uns das Herz eines Mannes liebenswürdig, dessen Talent +Bewunderung heischt. + +Gewiß, Mozart hätte mit keinem Werke einen _Joseph Haydn_ besser ehren +können, als mit diesen Quartetten, die ein Schatz der schönsten +Gedanken, und das Muster und eine Schule der Komposition sind. In den +Augen des Kenners ist dies Werk eben so viel werth, als jede +Opernkomposition Mozarts. Alles darinn ist durchgedacht, und vollendet! +– Man sieht es diesen Quartetten an, daß er sich die Mühe gab _Haydns_ +Beyfall zu verdienen. + +Eben zu der Zeit machte das französische Lustspiel von Beaumarchais, +_Figaro_ sein Glück und kam auf alle Theater. Mozart ward vom Kaiser +_Joseph_ dazu bestimmt, diesem Lustspiele, nachdem es in ein Singspiel +umgegossen ward, auch auf dem italienischen Operntheater durch seine +Musik Celebrität zu verschaffen. Es wurde in Wien von der italienischen +Opern-Gesellschaft aufgeführt. Wenn es wahr ist, was man allgemein als +wahr erzählt, und was sich bei so vielen glaubwürdigen Zeugen freylich +nicht in Zweifel ziehen läßt, daß die Sänger, aus Haß, Neid und +niedriger Kabale bey der ersten Vorstellung durch vorsetzliche Fehler +sich alle Mühe gegeben haben die Oper zu stürzen: so kann der Leser +daraus schließen, wie sehr diese Faktion die Ueberlegenheit des Genies +in Mozart fürchtete, und wie wahr es sey, was ich kurz vorher bey +Gelegenheit der _Entführung aus dem Serail_ bemerkt habe. Dieser feige +Bund verdienstloser Menschen blieb bis an das frühe Ende des +unsterblichen Künstlers in voller Thätigkeit ihn zu hassen, zu +verläumden, und seine Kunst herabzusetzen. Welchen Kampf hatte Mozarts +Geist zu bestehen, bis er vollkommen triumphirte? + +Man erzählt, daß die Sänger durch eine ernste Warnung des seligen +Monarchen zu ihrer Pflicht gewiesen werden mußten, da Mozart voll +Bestürzung zwischen dem 2ten Akte zu Ihm in die Loge kam und Ihn darauf +aufmerksam machte. + +So wie jedes seiner Werke in Böhmen nach seinem wahren Werthe erkannt +und geschätzt wurde: so geschah es auch mit dieser Oper. Sie wurde im +Jahre 1786 von der Bondinischen Gesellschaft in Prag auf das Theater +gebracht und gleich bey der ersten Vorstellung mit einem Beyfall +aufgenommen, der nur mit demjenigen, welchen die Zauberflöte nachher +erhielt, verglichen werden kann. Es ist die strengste Wahrheit, wenn ich +sage, daß diese Oper fast ohne Unterbrechen diesen ganzen Winter +gespielt ward, und daß sie den traurigen Umständen des Unternehmers +vollkommen aufgeholfen hatte. Der Enthusiasmus, den sie bei dem Publikum +erregte, war bisher ohne Beyspiel; man konnte sich nicht genug daran +satt hören. Sie wurde bald von einem unserer besten Meister, Herrn +Kucharz in einen guten Klavier-Auszug gebracht, in blasende Parthieen, +ins Quintett für Kammermusik, in teutsche Tänze verwandelt: kurz Figaros +Gesänge wiederhallten auf den Gässen, in Gärten, ja selbst der Harfenist +auf der Bierbank mußte sein #non piu andrai# tönen lassen, wenn er +gehört werden wollte. Diese Erscheinung hat freylich größtentheils in +der Vortrefflichkeit des Werkes ihren Grund; aber nur ein Publikum, +welches so viel Sinn für das wahre Schöne in der Tonkunst und so viel +gründliche Kenner unter sich besitzt, konnte den Werth einer solchen +Kunst auf der Stelle empfinden; dazu gehört auch das unvergleiche +Orchester der damaligen Oper, welches die Ideen Mozarts so genau und +fleißig auszuführen verstand. Denn auf diese verdienten Männer, die zwar +größtentheils keine Konzertisten, aber desto gründlichere Kenner und +Orchestersubjekte waren, machte die neue Harmonie und der feurige Gang +des Gesanges den ersten und tiefsten Eindruck! Der nunmehr verstorbene +rühmlich bekannte Orchester-Direktor _Strobach_ versicherte oft, daß er +sammt seinem Personale bey der jedesmaligen Vorstellung so sehr ins +Feuer gerathe, daß er trotz der mühsamen Arbeit mit Vergnügen von vorne +wieder anfangen würde. + +Die Bewunderung für den Verfasser dieser Musik gieng so weit, daß einer +unserer edelsten Kavaliere und Kenner der Musik, _Graf Johann Joseph +Thun_, der selbst eine vortreffliche Kapelle unterhielt, ihn nach Prag +zu kommen einlud, und ihm Wohnung, Kost und alle Bequemlichkeiten in +seinem Hause anboth. Mozart war zu sehr über die Wirkung erfreut, die +seine Musik auf die Böhmen machte – zu begierig eine Nation von einem +solchen Musikgefühle kennen zu lernen, als daß er die Gelegenheit nicht +mit Freuden ergriffen hätte. Er kam im Februar 1787 nach Prag: am Tage +seiner Ankunft wurde Figaro gegeben, und Mozart erschien darinn. +Alsogleich verbreitete sich der Ruf von seiner Anwesenheit im Parterre, +und so wie die Sinfonie zu Ende gieng, klatschte ihm das ganze Publikum +Beyfall und Bewillkommen zu. + +Er ließ sich dann auf allgemeines Verlangen in einer großen +musikalischen Akademie im Operntheater auf dem Pianoforte hören. Nie sah +man noch das Theater so voll Menschen, als bey dieser Gelegenheit; nie +ein stärkeres, einstimmiges Entzücken, als sein göttliches Spiel +erweckte. Wir wußten in der That nicht, was wir mehr bewundern sollten, +ob die _außerordentliche_ Komposition, oder das _außerordentliche_ +Spiel; beydes zusammen bewirkte einen Totaleindruck auf unsere Seelen, +welcher einer süßen Bezauberung glich! Aber dieser Zustand lösete sich +dann, als Mozart zu Ende der Akademie allein auf dem Pianoforte mehr als +eine halbe Stunde phantasirte und unser Entzücken auf den höchsten Grad +gespannt hatte, in laute überströmende Beyfallsäußerung auf. Und in der +That übertraf dieses Phantasiren alles, was man sich vom Klavierspiele +vorstellen konnte, da der höchste Grad der Kompositionskunst mit der +vollkommensten Fertigkeit im Spiele vereinigt ward. Gewiß, so wie diese +Akademie für die Prager die einzige ihrer Art war, so zählte Mozart +diesen Tag zu den schönsten seines Lebens. + +Die Sinfonien, die er für diese Gelegenheit setzte, sind wahre +Meisterstücke des Instrumentalsatzes, voll überraschender Uebergänge und +haben einen raschen, feurigen Gang, so, daß sie alsogleich die Seele zur +Erwartung irgend etwas Erhabenen stimmen. Dieß gilt besonders von der +großen Sinfonie in #D dur# und #Es#, die noch immer ein Lieblingsstück +des Prager Publikums sind, obschon sie wohl hundertmal gehört waren. + +Der Opernunternehmer Bondini schloß zugleich mit Mozart den Akkord zu +einer neuen Oper für die Prager Bühne auf den nächsten Winter, welche +dieser gerne übernahm, weil er erfahren hatte, wie gut die Böhmen seine +Musik zu schätzen und auszuführen verstanden. Dieß äußerte er oft gegen +seine Prager Freunde: er war überhaupt gern in Prag, wo ihn ein +gefühlvolles Publikum, und wahre Freunde so zu sagen auf den Händen +trugen. – Dem Opernorchester dankte er in einem Briefe an den damaligen +Direktor Herrn Strobach sehr verbindlich, und schrieb seiner geschickten +Ausführung den größten Theil des Beyfalls zu, den seine Musik in Prag +erhalten hatte.[6] Dieser Zug seines Herzens, so unbedeutend er scheint, +ist sehr schön; er giebt einen Beweis, daß _Stolz_, _Eigendünkel_ oder +_Undankbarkeit_ seine Fehler nicht waren, wie man es so häufig an viel +geringern Virtuosen wahrnimmt. + + [Fußnote 6: Der Verfasser las den Brief im Original, und fand + ihn sehr gut geschrieben.] + +In dem nemlichen Jahre 1787 gegen den Winter kam Mozart vermög seines +Akkords wieder nach Prag, und vollendete da die Krone aller seiner +Meisterwerke, die Oper: #Il dissoluto punito#, oder #Don Giovanni#. + +Die Böhmen sind stolz darauf, daß er durch eine so erhabene und aus der +Tiefe seines Genies geschöpfte Musik ihren guten Geschmack erkannte und +ehrte. »_Don Juan ist für Prag geschrieben_« – mehr braucht man nicht zu +sagen, um zu beweisen, welchen hohen Begriff Mozart von dem +musikalischen Sinne der Böhmen hatte. Es gelang ihm auch vollkommen +diesen Sinn zu treffen und zu rühren; denn keine Oper hat sich hier in +einem gleichen Wohlgefallen so lange auf dem Theater erhalten, als _Don +Juan_. Es sind nunmehr 21 Jahre, seit sie gegeben wird, und noch immer +hört man sie mit Vergnügen, noch immer lockt sie zahlreiche Versammlung +in das Parterre. Kurz _Don Juan_ ist die Lieblingsoper des bessern +Publikum in Prag. Als Mozart bey der ersten Vorstellung derselben an dem +Klavier im Orchester erschien, empfing ihn das ganze bis zum Erdrücken +volle Theater mit einem allgemeinen Beyfallklatschen. Ueberhaupt bekam +Mozart in Prag bey jeder Gelegenheit große und unzweydeutige Beweise der +Hochachtung und Bewunderung, welche gewiß ehrenvoll waren, weil nicht +Vorurtheil oder Mode, sondern reines Gefühl seiner Kunst daran Theil +hatte. Man liebte und bewunderte seine schönen Werke; wie konnte man +gegen die Person ihres großen Schöpfers gleichgültig bleiben? + +In dem Jahre 1789 im Monat December schrieb Mozart das italienische +komische Singspiel, #Cosi fan tutte#, oder _die Schule der Liebenden_; +man wundert sich allgemein, wie der große Geist sich herablassen konnte, +an ein so elendes Machwerk von Text seine himmlisch süßen Melodien zu +verschwenden. Es stand nicht in seiner Gewalt, den Auftrag abzulehnen, +und der Text ward ihm ausdrücklich aufgetragen. – In diese Periode fällt +auch seine Reise über Leipzig und Dresden nach Berlin.[7] Der große Ruf +seines Namens gieng ihm voran, und man fand sich nirgends in der +Erwartung getäuscht, die er überall erregt hatte. Der damalige König von +Preußen, ein freygebiger Kenner und Freund der Tonkunst, ward ganz für +ihn eingenommen; und gab ihm ausgezeichnete Beweise seiner Achtung. Wie +wahrhaft und daurend dieselbe gewesen sey, beweiset die königliche +Großmuth, mit welcher dieser Monarch später die Wittwe Mozart in Berlin +aufnahm und unterstützte. + + [Fußnote 7: Er unternahm sie im Frühjahr des Jahrs 1789.] + +Mozart war bis jetzo ohne Anstellung, ohne sichere Einkünfte. So bekannt +auch sein Talent war, so sehr man seine Kompositionen suchte: so wenig +dachte man daran ihn zu belohnen, und zu unterstützen. Er hatte zwar oft +beträchtliche Einnahmen gemacht; aber bei der Unsicherheit und Unordnung +der Einkünfte, bei den häufigen Kindbetten, den langwierigen Krankheiten +seiner Gattin, in einer Stadt wie Wien, mußte Mozart doch im +eigentlichen Verstande darben. Er beschloß daher die _Stadt_ zu +verlassen, wo sich keine Stelle für einen Kopf wie _Mozart_ fand. Sein +Plan war nach England zu gehen, wo er ein besseres Schicksal um so mehr +erwarten konnte, als ihm oft von da Einladungen und lockende Anträge +gemacht wurden. + +Alles war zur Abreise fertig, als ihm _Kaiser Joseph_ den Titel eines +kaiserlichen Kammerkomponisten mit einem Jahrgehalt von 800 Gulden und +der Zusicherung ertheilte, daß auf ihn in der Zukunft Bedacht genommen +werden würde. Mozart mochte nicht trotzen; er nahm es willig an, und +blieb. Das Anstellungsdekret ist am 7. Dec. 1787 ausgestellt. + +Ich überlasse es jedem Leser darüber Beobachtungen anzustellen, um die +Ursachen der langen Vernachlässigung eines so großen Künstlers +auszuforschen. An ihm lag die Schuld gewiß nicht; man müßte denn seinen +geraden und offenen zum Bücken und Kriechen untauglichen Charakter als +Schuld annehmen. + +So viele Feinde und Neider auch jeden seiner Vorzüge durch Herabsetzung +und Verläumdung zu verdunkeln bemüht waren: so vollkommen war dennoch +der Triumph seiner Kunst bey unbefangenen, von dem Roste der Mode +unverletzten Seelen. Alle wahren Kenner der Tonkunst huldigten seinem +Genie. Ich will davon ein Beyspiel anführen. + +Der als Staatsmann und Gelehrter gleich verehrungswürdige _Baron von +Switten_, ein wahrer Kenner der Tonkunst, voll Gefühl für den ernsten +Gesang des erhabenen _Händels_, ließ oft die Werke dieses berühmten +Tonkünstlers, die für den tändelnden Modegeschmack unserer Tage eine zu +einfache Kost sind, in Privatkonzerten aufführen. Er bediente sich dazu +der Talente unsers Mozarts, der die großen Ideen _Händels_ mit der Wärme +seiner Empfindung zu beleben und durch den Zauber seines +Instrumentalsatzes für unser Zeitalter genüßbar zu machen verstand.[8] +Baron von _Switten_ korrespondirte oft über die Angelegenheit mit +Mozart, und schrieb ihm einst unter andern: + + Den 21sten März 1789. + + »Ihr Gedanke, den Text der kalten Arie in ein #Recitativ# zu + bringen ist trefflich, und in der Ungewißheit ob Sie wohl die + Worte zurückbehalten haben, schickte ich sie Ihnen hier + abgeschrieben. Wer _Händel_ so feyerlich und so geschmackvoll + kleiden kann, daß er einerseits auch dem Modegecken gefällt, und + andererseits doch immer in seiner Erhabenheit sich zeiget, der + hat seinen Werth gefühlt, der hat ihn verstanden, der ist zu der + Quelle seines Ausdruckes gelanget und kann und wird sicher + daraus schöpfen. So sehe ich dasjenige an, was Sie leisteten, + und nun brauche ich von keinem Zutrauen mehr zu sprechen, + sondern nur von dem Wunsche das Rezitativ bald zu erhalten.« + + _Switten_. + + [Fußnote 8: Mozart bearbeitete für ihn _Händels Acis und + Galathea, Messias, Cecilia, und das Fest des Alexanders_ in den + Jahren 1788, 89, 90.] + +Der Türkenkrieg und der dadurch veranlaßte Tod des _edelsten Monarchen_, +des unvergeßlichen _Josephs_, raubte auch Mozarten eine große Stütze +seiner Hoffnungen; er blieb Kapellmeister mit 800 Fl. und ohne +Wirkungskreis! + +Aber auch sein Ende rückte nun heran; er sollte den großen _Monarchen_ +nicht lange überleben. Das Jahr 1791, furchtbar reich an großen Todten, +ward bestimmt auch den Stolz der Tonkunst zu entreißen. Mozart hatte +jedoch zuvor der Nachwelt mit vollen Händen aus dem Reichthume seines +Geistes ausgespendet. Daher ist dieses Jahr eben so merkwürdig durch die +Schöpfung seiner schönsten Werke, als es uns durch seinen unerwarteten +Tod schmerzhaft geworden ist. In demselben, ja gewissermaßen nahe an dem +Ziele seines Lebens schuf er die Musik zu der _Zauberflöte_, zu der +ernsthaften Oper, #La Clemenza di Tito#, und das furchtbar erhabene +#Requiem# (Seelenmesse) welches er nicht einmal mehr vollenden konnte. +So gewiß es ist, daß diese drey Werke allein ihm den ersten Platz unter +den Tonkünstlern seines Zeitalters und unsterblichen Ruhm versichert +hätten, so sehr vermehren sie die Sehnsucht nach dem Entrissenen, durch +den Gedanken, der sich dem gefühlvollen Zuhörer unter dem Genusse seiner +Werke unwiderstehlich aufdringt: »_Ach! wie viel würde der Mann noch +geleistet, welche Harmonien geschaffen haben_?« + +Die Zauberflöte setzte er für das Theater des bekannten _Schikaneders_, +der sein alter Bekannter war. Die Musik zu der Oper #La Clemenza di +Tito# war von den böhmischen Ständen zu der Krönung des Kaisers +_Leopold_ bestellt. Diese letzte begann er in seinem Reisewagen auf dem +Wege von Wien, und vollendete sie in dem kurzen Zeitraume von 18 Tagen +in Prag. + +_Die Geschichte seines_ letzten Werkes, der erwähnten _Seelenmesse_, ist +eben so geheimnißvoll als merkwürdig. + +Kurz vor der Krönungszeit des Kaisers _Leopold_, bevor noch _Mozart_ den +Auftrag erhielt nach Prag zu reisen, wurde ihm ein Brief _ohne +Unterschrift_ von einem _unbekannten Bothen_ übergeben, der nebst +mehreren schmeichelhaften Aeußerungen die Anfrage enthielt, ob Mozart +eine Seelenmesse zu schreiben übernehmen wollte? um welchen Preis und +binnen welcher Zeit er sie liefern könnte? + +Mozart der ohne Mitwissen seiner Gattin nicht den geringsten Schritt zu +thun pflegte, erzählte ihr den sonderbaren Auftrag, und äußerte zugleich +sein Verlangen sich in dieser Gattung auch einmal zu versuchen, um so +mehr, da der höhere pathetische Stil der Kirchenmusik immer sehr nach +seinem Genie war. Sie rieth ihm den Auftrag anzunehmen. Er schrieb also +dem unbekannten Besteller zurück, er würde das Requiem für eine gewisse +Belohnung verfertigen; die Zeit der Vollendung könne er nicht genau +bestimmen; er wünsche jedoch den Ort zu wissen, wohin er das Werk, wenn +es fertig seyn würde, zu übergeben habe. In kurzer Zeit erschien +derselbe Bothe wieder, brachte nicht nur die bedungene Belohnung mit, +sondern noch das Versprechen, da er in dem Preise so billig gewesen sey, +bey der Absendung des Werkes eine beträchtliche Zugabe zu erhalten. Er +sollte übrigens nach der Stimmung und Laune seines Geistes schreiben, +sich aber gar keine Mühe geben, den Besteller zu erfahren, indem es +gewiß vergeblich seyn würde. + +Mittlerweile bekam Mozart den ehrenvollen und vortheilhaften Antrag für +die Prager Krönung des Kaisers _Leopold_ die Oper Titus zu schreiben. +Nach Prag zu gehen, für seine lieben Böhmen zu schreiben, hatte für ihn +zu viel Reiz, als daß er es hätte ausschlagen können! + +Eben als Mozart mit seiner Frau in den Reisewagen stieg, stand der Bothe +wie ein Geist da, zupfte die Frau an dem Rocke, und fragte: »Wie wird es +nun mit dem Requiem aussehen? –« + +Mozart entschuldigte sich mit der Nothwendigkeit der Reise und der +Unmöglichkeit seinem unbekannten Herrn davon Nachricht geben zu können: +übrigens würde es seine erste Arbeit bey der Zurückkunft seyn, und es +käme nur auf den Unbekannten an, ob er so lange warten wolle. Damit war +der Bothe gänzlich befriedigt. + +Schon in Prag kränkelte und medizinirte Mozart unaufhörlich; seine Farbe +war blaß und die Miene traurig, obschon sich sein munterer Humor in der +Gesellschaft seiner Freunde doch oft noch in fröhlichen Scherz ergoß. +Bey seinem Abschiede von dem Zirkel seiner Freunde ward er so wehmüthig, +daß er Thränen vergoß. Ein ahnendes Gefühl seines nahen Lebensende +schien die schwermüthige Stimmung hervorgebracht zu haben – denn schon +damals trug er den Keim der Krankheit, die ihn bald hinraffte, in sich. + +Bey seiner Zurückkunft nach Wien nahm er sogleich seine Seelenmesse vor, +und arbeitete mit viel Anstrengung und einem lebhaften Interesse daran: +aber seine Unpäßlichkeit nahm sichtbar zu, und stimmte ihn zur düstern +Schwermuth. Seine Gattin nahm es mit Betrübniß wahr. Als sie eines Tages +mit ihm in den Prater fuhr, um ihm Zerstreuung und Aufmunterung zu +verschaffen, und sie da beyde einsam saßen, fing Mozart an vom Tode zu +sprechen, und behauptete, daß er das Requiem für sich setze. Thränen +standen dem empfindsamen Manne in den Augen. »Ich fühle mich zu sehr, +sagte er weiter, mit mir dauert es nicht mehr lange: gewiß, man hat mir +Gift gegeben! Ich kann mich von diesem Gedanken nicht los winden. –« + +Zentnerschwer fiel diese Rede auf das Herz seiner Gattin; sie war kaum +im Stande ihn zu trösten, und das Grundlose seiner schwermüthigen +Vorstellungen zu beweisen. Da sie der Meynung war, daß wohl eine +Krankheit im Anzuge wäre, und das Requiem seine empfindlichen Nerven zu +sehr angreife, so rufte sie den Arzt, und nahm die Partitur der +Komposition weg. + +Wirklich besserte sich sein Zustand etwas, und er war während desselben +fähig eine kleine Kantate, die von einer Gesellschaft für ein Fest +bestellt wurde, zu verfertigen. Die gute Ausführung derselben und der +große Beyfall, mit dem sie aufgenommen ward, gab seinem Geiste neue +Schnellkraft. Er wurde nun etwas munterer und verlangte wiederholt sein +Requiem fortzusetzen und zu vollenden. Seine Frau fand nun keinen +Anstand ihm seine Noten wieder zu geben. + +Doch kurz war dieser hoffnungsvolle Zustand; in wenig Tagen verfiel er +in seine Melancholie, ward immer matter und schwächer, bis er endlich +ganz auf das Krankenlager hinsank, von dem er ach! nimmer aufstand. + +Am Tage seines Todes ließ er sich die Partitur an sein Bette bringen. +»Hab ich es nicht vorgesagt, daß ich dieß Requiem für mich schreibe?« so +sprach er, und sah noch einmal das Ganze mit nassen Augen aufmerksam +durch. Es war der letzte schmerzvolle Blick des Abschiedes von seiner +geliebten Kunst – eine Ahndung seiner Unsterblichkeit! + +Gleich nach seinem Tode meldete sich der Bothe, verlangte das Werk, so +wie es unvollendet war, und erhielt es. Von dem Augenblicke an sah ihn +die Wittwe nie mehr, und erfuhr nicht das mindeste, weder von der +Seelenmesse, noch von dem Besteller. Jeder Leser kann sich vorstellen, +daß man sich alle Mühe gab den räthselhaften Bothen auszuforschen, aber +alle Mittel und Versuche waren fruchtlos.[9] + + [Fußnote 9: Der Verfasser erzählt die Begebenheit, wie er sie + oftmals aus dem Munde der Wittwe gehört hatte, und überläßt es + jedem Leser Betrachtungen darüber anzustellen. Er sah eines der + Billette, die der unbekannte Besteller an Mozart schrieb. Man + kann daraus nichts Besonders abnehmen. Es ist sehr kurz, Mozart + wird darinn ersucht das Requiem zu senden, und eine Summe zu + bestimmen, um welche er jährlich eine gewisse Anzahl Quartetten + machen könnte. Warum hat der unbekannte Verehrer der Talente + Mozarts, (so nannte er sich,) für gut gefunden verborgen zu + bleiben? Was ist mit dem Requiem geschehen? Man erfuhr nie, daß + es damals irgendwo aufgeführt worden sey. Mozarts Freunden würde + es ein großes Vergnügen machen, einigen Aufschluß über die Sache + zu erhalten. Denn man kann keine gegründete Ursache denken, die + eine solche geheimnißvolle Verborgenheit nothwendig machte.] + +Mozart blieb während seiner Krankheit bey vollkommenem Bewußtseyn bis +an sein Ende, und starb zwar gelassen, aber doch sehr ungern. Jedermann +wird dieß begreiflich finden, wenn er bedenkt, daß Mozart kurz zuvor das +Anstellungsdekret als Kapellmeister in der St. Stephanskirche mit allen +Emolumenten, die von Alters her damit verbunden waren, bekam, und nun +erst die frohe Aussicht hatte, bei hinlänglichen Einkünften ruhig, ohne +Nahrungssorgen leben zu können. Auch erhielt er fast zu gleicher Zeit +aus _Ungarn_ und _Amsterdam_ ansehnliche Bestellungen und Akkorde auf +periodische Lieferungen gewisser Kompositionen. + +Dieses sonderbare Zusammentreffen so glücklicher Vorbothen eines +bessern Schicksales – seine gegenwärtigen traurigen Vermögensumstände – +der Anblick einer trostlosen Gattin – der Gedanke an zwey unmündige +Kinder: alles dieses war nicht gemacht, einen bewunderten Künstler, der +nie Stoiker gewesen ist, in seinem 35ten Jahre die Bitterkeit des Todes +zu versüßen. »Eben _jetzt_, so klagte er oft in seiner Krankheit, soll +ich fort, da ich ruhig leben würde! _Jetzt_ meine Kunst verlassen, da +ich nicht mehr als Sklave der Mode, nicht mehr von Spekulanten +gefesselt, den Regungen meiner Empfindung folgen, frey und unabhängig +schreiben könnte, was mein Herz mir eingiebt! Ich soll fort von meiner +Familie, von meinen armen Kindern, in dem Augenblicke, da ich im Stande +geworden wäre, für ihr Wohl besser zu sorgen!« Sein Tod erfolgte in der +Nacht am 5ten Dezember 1791. Die Aerzte waren in der Bestimmung seiner +Krankheit nicht einig. Man kann sagen, um Mozart floßen unzählbare +Thränen; nicht in Wien allein, vielleicht mehr noch in Prag, wo man ihn +liebte und bewunderte. Jeder Kenner, jeder Freund der Tonkunst hielt +seinen Verlust für unersetzlich; und wahrlich, bis jetzt hat man nicht +Ursache diese trostlose Meynung zurück zu nehmen! Es schien unglaublich, +daß ein Mann, der so unsterbliche Werke geliefert, der unsern Herzen so +reine Entzückungen geschaffen hat, nicht mehr seyn sollte! + +In Wien feyerte man sein Andenken mit Würde; aber Prag zeichnete sich +auch hierinn durch die wärmste Theilnahme aus; die Trauer um unsern +Liebling war allgemein und ungeheuchelt. Zuerst veranstaltete der +würdige Musik Direktor _Joseph Strobach,_ ein Freund des +Verstorbenen,[10] in seiner Pfarrkirche bey St. Niklas den 14ten +Dezember d. n. J. ein feyerliches Seelenamt für Mozart. Nie gab es ein +so rührendes und erhabenes Trauerbegängniß. Ein Chor von 120 Personen +aus den besten Künstlern Prags ausgewählt, die alle mit wehmüthigen +Eifer sich dazu angebothen hatten, unter der Direktion des braven +_Strobachs_ führte das meisterhafte Requiem unsers berühmten Landsmannes +Rosetti mit einem so schwermuthsvollen Ausdrucke auf, daß es nothwendig +auf das versammelte Volk den tiefsten Eindruck machen mußte. Mehr als +3000 Menschen, vom Adel und Bürgerstande, (so viel nemlich diese große +Kirche faßte,) waren da beysammen – alle gerührt, alle voll Wehmuth +über den frühen Tod des entrissenen Künstlers! + + [Fußnote 10: Dieser als Künstler und Mensch gleich + verehrungswürdige Mann ist im Jahr 1798 im Dezember gestorben.] + +Etwas später, den 28ten Dezember 1791 unternahm eine Gesellschaft wahrer +Verehrer des Verstorbenen, zur Unterstützung der hinterlassenen Waisen +und Wittwe ein öffentliches Konzert in dem Nationaltheater; man führte +einige der besten, weniger bekannten Kompositionen Mozarts auf. Eine so +edle Todtenfeier unterstützte das Prager Publikum aus allen Kräften, um +so mehr, da es die Gelegenheit fand den Tribut seiner Hochachtung dem +_Genie_ Mozarts in der großmüthigen Unterstützung der hilflosen Waisen +zu zollen. Das Theater war voll, und die Einnahme beträchtlich. Wie +glücklich ist ein Künstler, dessen Talent solche Freunde erwirbt! + +In Wien wurde die Wittwe auf eine eben so großmüthige Art unterstützt. – +Mozart hinterließ seiner Familie nichts als den Ruhm seines Namens. Alle +Hilfsmittel ihrer Erhaltung beruhten auf der Großmuth eines dankbaren +Publikums, dem Mozart so viele Stunden des reinsten Vergnügens, der +edelsten Unterhaltung durch sein unerschöpfliches Talent geschaffen +hatte. Und wahrlich, man kann sagen, daß dieses seine Schuld redlich +abzutragen suchte. Die Wittwe ließ in einem öffentlichen Konzert zu +ihrem Besten die merkwürdige _Seelenmesse_ aufführen. Der große Ruf +dieses Meisterstückes und der Wunsch, die Waisen zu unterstützen, zog +ein zahlreiches Publikum hin, und man muß es den edlen Freunden der +Kunst in Wien zum Ruhme nachsagen, daß dieselben auch nach 17 Jahren +noch gegen den Mozartischen Namen nicht gleichgültig geworden sind. In +allen musikalischen Akademien, die der Wittwe zu ihrem Besten +zugestanden werden, ist das Haus voll, und die Einnahme gut. + +Aber die Großmuth des sel. Kaisers _Leopold_, dieses +menschenfreundlichen, für die Wissenschaften und Künste so früh +entrissenen Monarchen, übertraf alles, was bisher der Wittwe zum Besten +geschah. + +Mozarts Feinde und Verläumder wurden besonders gegen sein Ende, und nach +seinem Tode so boshaft, so laut, daß bis zu dem Ohre des Monarchen +manche nachtheilige Sage von Mozart gedrungen war. Diese Ausstreuungen +und Lügen waren so unverschämt, so empörend, daß der Monarch, von +Niemanden des Gegentheiles belehrt, sehr entrüstet war. Nebst einer +schändlichen Erdichtung und Vergrößerung von Ausschweifungen, denen +Mozart, wie sie sagten, ergeben gewesen sey, behauptete man, daß er +nicht weniger als 30,000 Gulden Schulden hinterlassen habe – eine Summe, +über die der Monarch erschrack! + +Die Wittwe war eben gesonnen den Monarchen um Pension zu bitten. Eine +edeldenkende Freundin und vortreffliche Schülerin Mozarts unterrichtete +sie von den Verläumdungen ihres Mannes bey Hofe, und gab ihr den Rath +den gütigen Monarchen bey der Audienz eines Bessern zu belehren. + +Die Wittwe hatte bald Gelegenheit ihren Rath auszuführen. + +»=Euer Majestät=,« sagte sie mit edlem Eifer bey der Audienz, »jeder +Mensch hat Feinde; aber heftiger und anhaltender ist noch niemand von +den seinigen verfolgt und verläumdet worden, als mein Mann, blos weil er +ein so großes Talent war! Man hat es gewagt =Euer Majestät= viel +Unwahres über ihn zu sagen: man hat seine hinterlassene Schulden +_zehnfach_ vergrößert. Ich stehe mit meinem Leben dafür, daß ich mit +einer Summe von ungefähr 3000 Gulden alles bezahlen könnte, was er +schuldig ist. Und diese Schuld ist nicht muthwillig gemacht worden. Wir +hatten keine sichern Einkünfte; häufige Kindbetten, eine schwere und +kostbare Krankheit von anderthalb Jahren, die ich auszustehen hatte, +werden bey dem menschenfreundlichen Herzen _meines Monarchen_ zur +Entschuldigung dienen.« + +»Wenn es so ist,« sagte der Monarch, »da ist wohl noch Rath zu schaffen. +Geben sie ein Konzert von seinen hinterlassenen Werken, und ich will es +unterstützen.« + +Er nahm ihr die Bittschrift gnädig ab; und in kurzer Zeit ward ihr eine +Pension von 260 fl. angewiesen, die zwar an sich gering ist, aber da +Mozart erst 3 Jahre angestellt, folglich die Wittwe noch nicht +pensionsfähig war, so bleibt es immer eine Gnade. Die Akademie ward +unternommen, und der _unsterbliche Monarch_ erfüllte so großmüthig sein +Versprechen, daß die Wittwe dadurch in den Stand gesetzt wurde, die +Schulden ihres Mannes zu tilgen. + +Aus dieser Begebenheit kann man schließen, wie viel an den boshaften +Erzählungen von der Unordnung seiner Haushaltung, seiner Verschwendung +und dergleichen Anschwärzungen Wahres seyn mag. Da man so wenig seiner +Größe als Künstler beyzukommen im Stande war, so suchte der grämliche +Neid seinen moralischen Charakter zu verstellen! Eine sehr leichte und +gewöhnliche Taktik kleiner Seelen, denen jedes Verdienst, jede Größe +unausstehlich ist: um so mehr, wenn sie ihrem kleinen Gewerbe zu schaden +droht! Es ist nur Gerechtigkeit, die dem Verdienste gebührt, wenn man +sich Mühe giebt _solche fremde_ Flecken aus dem Gemählde würdiger +Menschen zu verwischen. + +Wenn gegen Mozart diejenige Billigkeit ausgeübt wird, die jeder an sich +selbst zu erfahren wünschen muß, so wird er deshalb noch nicht als +Muster der Oekonomie und Sparsamkeit angepriesen. Es ist wahr; er hätte +den Werth des Geldes besser schätzen sollen: aber darf ein großer Geist +keine Schwächen, keine Fehler haben? Möchten doch die, über ihn so +streng urtheilen, auf ihr Herz greifen und sich fragen: – – – + + #Quid tu? + nullane habes vitia?# + +Und sind sie in irgend einem Fache _Mozarte_? – Die Endschuldigung der +Schulden, die er hinterließ, vernahmen wir eben aus dem Munde seiner +Wittwe; und gewiß, sie ist nicht ungegründet. + +Mozart hinterließ von mehreren Kindern nur zwey Söhne, wovon der jüngere +etwa 4 Monathe alt war, als der Vater starb. Er heißt Wolfgang wie sein +Vater, ist gegenwärtig 17 Jahre alt, und durch die ersten Produkte +seines musikalischen Talentes dem Publikum schon vortheilhaft bekannt. +Sein Klavierspiel zeichnet sich durch feinen Ausdruck und Präcision aus. +Und so wäre denn zum Theil die scherzhafte Vorhersagung seines Vaters +erfüllt, daß _dieß Kind ein Mozart werden würde_, weil es einst weinend +in den Ton stimmte, aus dem der Vater eben auf dem Fortepiano spielte. +Offenbar lebt der Geist seines Vaters in ihm: aber dem Sohne fehlt eine +so bildende Vaterhand, wie diejenige war, die das Genie des Vaters so +trefflich leitete und entwickelte. + +Möge der hoffnungsvolle Sohn in dem Bestreben nach Vollkommenheit nicht +ermüden, und so wie er der Erbe des väterlichen Talentes ist, auch +seinen rastlosen Fleiß in dem Studium großer Meister geerbt haben! Nur +dadurch geht der Weg zum wahren Ruhme! Der ältere Sohn Karl ist +gegenwärtig in Mayland und macht ebenfalls große Fortschritte in der +Tonkunst. + +In Böhmen war Mozarts Kunstvollkommenheit noch bey seinem Leben +allgemein anerkannt und nach Werth geschätzt: aber er lebte zu kurz, um +die wahre Blüthezeit seines Ruhmes zu sehen. Selbst in Wien seinem +Wohnorte waren es nur Kenner, die seinem Genie Gerechtigkeit widerfahren +ließen. Der Zauberflöte, wovon Mozart die ersten Vorstellungen und +folglich auch den außerordentlichen Beyfall noch erlebte, war es +vorbehalten seine Größe dem Auslande zu verkünden. Durch dieß +Meisterwerk begeistert suchte man seine übrigen Werke auf, studierte sie +und empfand ihre Schönheit, und so ward der Name _Mozart_ bald in der +ganzen gebildeten Welt gefeyert, seine Gesänge die Lust jegliches Ohres! + +Dieß erfuhr seine Wittwe auf ihrer Reise durch Deutschland, die sie im +J. 1796 unternommen hatte. Ueberall sah sie zu ihrer innigsten Wonne, +wie gern die Teutschen wahres Verdienst erkennen und ehren, und wie tief +Mozarts Gesänge auf ihre Herzen gewirket haben. + +Bey ihrem Aufenthalte zu Berlin im Febr. 1796 gab der _höchstselige +Wilhelm_ II., dieser vortreffliche Freund der Tonkunst, und der ganze +königl. Hof ausgezeichnete Beweise seiner Liebe und Achtung für das +Genie Mozarts. Durch ein gnädiges Handbillet ward ihr blos aus Rücksicht +auf die Talente ihres Mannes das königl. Theater und die Kapelle zum +Gebrauche für ihr Konzert überlassen; und ihre Unternehmung wurde nicht +nur von dem Monarchen, sondern auch von dem ganzen Publikum auf das +großmüthigste unterstützt. Ueber alle Beschreibung groß und rührend war +die Wirkung, welche die Aufführung der Singstücke aus der Oper: #La +Clemenza di Tito# bey dem Konzerte auf den König, und das so +ungewöhnlich zahlreich versammelte Publikum machte. Alles war gleich +begeistert, die großen Sänger, das vortreffliche Orchester und die +Zuhörer. Der Geist des verewigten Künstlers, (so drückt sich ein +Berliner Wochenblatt aus, worinn die Akademie sehr interessant +beschrieben wurde) schien über der Versammlung zu schweben, als zum +Anfange die Sinfonie aus der Zauberflöte von dem Orchester so +meisterhaft vorgetragen, eine feyerliche, einweihende Stille +hervorbrachte. Das Handbillet worinn der König von Preußen einen so +rühmlichen Beweis seines guten Geschmackes und der Achtung für teutsches +Talent gegeben, lautet wörtlich so: + + »Sr. Königliche Majestät von Preußen etc. etc. machen sich ein + wahres Vergnügen, durch die Gewährung des Wunsches der Wittwe + Mozart zu beweisen, wie sehr Sie das Talent ihres verstorbenen + Mannes geschätzt und die ungünstigen Umstände bedauert haben, + welche ihm die Früchte seiner Werke einzuerndten verhinderten. + Allerhöchst dieselben bewilligen der Wittwe Mozart zur + Ausführung dessen letzter Komposition, #La Clemenza di Tito# das + große Opernhaus, so wie Dero eigenes Orchester, haben auch + dieserhalb die nöthigen Befehle an den Kammerherrn Freyherrn von + der _Reck_ erlassen, an welchen sich selbige nunmehr zu wenden + hat, und wegen des hiezu zu bestimmenden Tages und wegen des + übrigen Details mit ihm sich gehörig zu besprechen. Berlin den + 14ten Februar 1796.« + + Fr. Wilhelm. + +Selbst der Italiener seit Jahrhunderten im unbestrittenem Besitze des +Meisterrechtes der Tonkunst überwand seinen Nationalstolz, und erkennt +nun Mozarts Ueberlegenheit in der Musik an. Seine Opern werden in Rom, +Mayland und andern Städten mit Beyfall gegeben; die Klaviersachen von +jedermann gespielt; Meister studiren seine Partituren. + +Noch früher hat Frankreich seiner Kunst gehuldiget. Der Beyfall den die +Mysterien der Isis (Zauberflöte) in Paris erhielten ist ein Beweis +davon. Don Juan machte kein so großes Glück; aber dieß war, wie alle +Nachrichten einstimmig aussagten, die Folge der schlechten Darstellung +des Stückes. Denn der hohe Werth der Musik selbst wurde vollkommen +anerkannt. Seine Sinfonien, Klavierkonzerte, Quartetten werden allgemein +bewundert, häufig gespielt, und im Stich und Druck ohne Aufhören neu +aufgelegt. + +England, welches deutsches Tonkünstlerverdienst von jeher schätzte und +lohnte, kennt und bewundert auch Mozarts allgewaltigen Geist. Die +Seelenmesse ward in London öfter mit dem größten Beyfalle aufgeführt; +der Absatz seiner Werke, die bey Breitkopf und Härtel herausgekommen, +ist nach England eben so stark, als in Deutschland und Frankreich. + +Wo giebt es überhaupt Kenner und Liebhaber der süßesten der Künste, wo +nicht Mozarts Töne tönten und jedes Ohr entzückten? Selbst in den +entferntesten Welttheilen, wohin kaum der Name der berühmtesten Europäer +dringt, wiederhallen seine Harmonien. In den philippinischen Inseln, +(schreibt unser Landsmann, der bekannte Botaniker Hänke) werden seine +Werke mit Entzücken gehört. + + + + + III. + + Mozart als Künstler und Mensch. + + +Die Körperbildung dieses außerordentlichen Menschen hatte nichts +Auszeichnendes; er war klein, sein Angesicht angenehm, aber, wenn man +das große, feurige Auge ausnimmt, kündigte es die Größe seines Genies +auf den ersten Anblick nicht an. + +Der Blick schien unstet und zerstreut, außer wenn er bey dem Klavier +saß; da änderte sich sein ganzes Antlitz! Ernst und versammelt ruhte +dann sein Auge; auf jeder Muskelbewegung drückte sich die Empfindung +aus, welche er durch sein Spiel vortrug und in dem Zuhörer so mächtig +wieder zu erwecken vermochte. + +Er hatte kleine schöne Hände; bey dem Klavierspielen wußte er sie so +sanft und natürlich an der Klaviatur zu bewegen, daß sich das Auge +daran nicht minder, als das Ohr an den Tönen ergötzen mußte. Auch darinn +zeichnete sich also Mozart vor den tummelnden Kraftgenies unserer Tage +aus! + +Der kleine Wuchs seines Körpers kam von seiner frühen Geistesanstrengung +her, und von dem Mangel an freyer Bewegung in der Zeit seiner Kindheit. +Er war zwar von schönen Eltern erzeugt, und selbst ein schönes Kind +gewesen; aber von dem 6ten Lebensjahre an war er an eine sitzende +Lebensweise gebunden; um diese Zeit fing er schon an zu schreiben! Und +wie viel hat der Mann nicht in seinem Leben geschrieben? Da Mozart +bekanntermaßen in der Nacht am liebsten spielte und komponirte und die +Arbeit oft dringend war: so kann sich jeder vorstellen, wie sehr ein so +fein organisirter Körper darunter leiden mußte! Sein früher Tod, (_wenn +er ja nicht auch künstlich befördert war_), muß diesen Ursachen +hauptsächlich zugeschrieben werden. + +_Aber in dem unansehnlichen Körper wohnte ein Genius der Kunst_, wie ihn +nur wenigen Lieblingen die Natur verlieh! + +Die Größe und der Umfang seines Genies läßt sich nur nach dem so frühen, +so beyspiellos schnellen Gange seiner Entwickelung, und nach der hohen +Stufe der Vollkommenheit abmessen, auf die er in seiner Kunst gestiegen +war. Kein Tonkünstler vor ihm hatte das weite Gebiet seiner Kunst so +ganz umfaßt, und in jedem Zweige derselben so vollendete Produkte +geschaffen, als Mozart. Von der Schöpfung einer Oper an, bis zu dem +einfachen Liede, von der kritischen Erhabenheit einer Sinfonie, bis zu +dem leichten Tanzstückchen herab; im Ernsten und Komischen tragen seine +Werke überall den Stempel der reichsten Phantasie, der eindringendsten +Empfindung, des feinsten Geschmackes. Sie haben eine Neuheit und +Originalität, die eine getreue Beurkundung seines Genies ist. Selbst +dasjenige, welches man ihm als _Fehler_ vorwirft, zeuget von der Kraft +seines _freyen_, eine _neue Bahn_ gehenden Geistes. Dazu denke man noch +die _Vollkommenheit_, die er zugleich im Klavierspielen erreicht hatte! + +Alle diese so seltenen, so mannigfaltigen und so innig verwebten Vorzüge +bestimmen den Rang, der _ihm unter den Genien_ der Künste gebührt. _Er +war unstreitig einer der großen, schöpferischen Geister, die in ihrer +Kunst Epoche machen, weil sie dieselbe vervollkommnen, oder doch ihren +Nachfolgern neue Ansichten und Pfade eröffnen; nach deren Erscheinung +aber die Kunst gewöhnlich still stehet, oder rückwärts geht._ + +Unter den schönen Künsten ist keine so sehr Sklavin der Mode und des +Zeitgeschmackes, als die Musik. Da sie bey uns blos dem Vergnügen dient, +blos Sache des _Einzelnen_ bleibt, keinen Vereinigungspunkt, keine +Anstalt hat, wodurch der Geschmack des Publikums die gehörige Richtung +bekäme; da ferner ihre Theorie noch zu wenig bestimmt und entwickelt +ist, um selbst den Künstlern eine Gränze zu zeigen oder ein Ideal +vorzustellen: so muß sie immer zwischen der Laune der Mode, dem +Eigensinne eines verderbten Geschmackes und zwischen den aufgestellten +Mustern großer Künstler unstet hin und her schwanken, und erhält nie +einen sichern Gang zur Vollkommenheit. Ueberdieß sind ihre Zeichen und +Formen zu unbestimmt, und das _Ohr_, durch welches sie auf den Geist +wirket, ist ein viel zu untreuer Bothe, seine Sensationen sind zu +dunkel, als daß man so deutlich bestimmen könnte, welches darinn das +wahre Schöne sey. _Was dem großen Haufen gefällt_ – heißt _schön_! Das +Neue hat einen starken Reiz; daher ist es seines Sieges über das bessere +Alte gewiß; und darum gilt alte Musik und alte Mode einerley. Denn die +wenigsten Menschen haben Geschmack und Kenntniß genug, um ächte +Schönheit, vom Flitter zu unterscheiden. Wenn größere Geister durch ihre +Meisterwerke mehr als eine augenblickliche Rührung hervorbringen, so +summen doch der Leyermänner der zwey _Schwestern von Prag_, des _Tyroler +Wastels_, und dergl. schönen Sächelchen, so lange dem Publikum um die +Ohren, bis der Nachhall schönerer Töne verschwindet! Dann kennt man die +Namen großer Meister nur noch aus Büchern; ihre himmlischen Harmonien +sind längst verhallt! Das ist gewöhnlich das traurige Schicksal der +Musik! Wie viel Kraft, wie viel klassischen Gehalt muß also in den +Werken Mozarts liegen, wenn ihre Wirkung von dieser Erscheinung eine +Ausnahme machet? Ihre Schönheit empfindet man gewöhnlich dann erst recht +lebhaft, wenn man sie öfters gehört, oder recht scharf geprüfet hat. +Oder haben uns wohl _Figaro_, _Don Juan_, _Titus_, während ihrer +vieljährigen Vorstellung noch jemals Langeweile gemacht? Hört man seine +_Klavierkonzerte_, _Sonaten_, _Lieder_ das dreyßigstemal nicht lieber +noch, als das erstemal? Wer hat die tiefgedachten Schönheiten seiner +Violin-Quartetten und Quintetten nach der häufigsten Wiederholung +erschöpft? Dieses ist der wahre Probirstein des klassischen Werthes! Die +Meisterstücke der Römer und Griechen gefallen bey fortgesetzter Lektüre +und je reifer der Geschmack wird, immer mehr und mehr – das nemliche +widerfährt dem Kenner und Nichtkenner bey der Anhörung Mozartischer +Musik, besonders der dramatischen Werke. So ging es uns bey der ersten +Vorstellung des _Don Juan_ und insbesondere des Titus. + +Ja eben itzt, nachdem die meisten Schöpfungen seiner Kunst 20 bis 30 +Jahre alt sind, gefallen sie am meisten! Wie gern hört man nach dem +Wirrwarr neuester Kompositeurs die stillerhabenen, klaren, so einfachen +Gesänge unsers Lieblinges! Wie wohl thun sie unserm Gefühle – es ist als +wenn man aus einem chaotischen Gewirre, aus dichter Finsterniß ins Licht +und eine heitere Ordnung versetzt würde. + +Nebst den oben angeführten Eigenheiten und Vorzügen des mozartischen +Kunsttalentes, beobachtete an ihm der aufmerksame Schätzer seiner Werke +einen gewissen _feinen Sinn_, den Charakter jeder Person, Lage und +Empfindung aufs genaueste zu treffen; + + #reddere convenientia cuique#. + +Diese Eigenschaft war sein wahrer Beruf zum dramatischen Komponisten, +und ist zugleich der Erklärungsgrund des Zaubers und der großen Wirkung +seiner Werke. Daher hat jede seiner Kompositionen einen bestimmten, +eigenthümlichen Charakter, eine Individualität, die selbst in der Wahl +der Tonart sich ankündigt. Kenner seiner Werke bedürfen keiner +besondern Beyspiele, da alle Opern von seiner Komposition diese +Eigenschaft im hohen Grade an sich haben; aber das schönste Muster davon +ist #La Clemenza di Tito#. – Wie ganz anders bey den gewöhnlichen +Kompositionen? Es sind größtentheils Gesänge von so unbestimmtem +Charakter, daß sie eben so gut zu einer Messe, als #Opera buffa# taugen. + +Eine andere auszeichnende Eigenheit seiner Werke ist die _Verbindung der +höchsten Kompositionskunst mit Lieblichkeit und Anmuth_. Diese +Vereinigung ist eine Aufgabe blos für Künstler von mozartischem Genie. +Den Beweis davon giebt die Erfahrung. Wie selten trift man auf +Kompositionen, die den beyden Forderungen Genüge leisteten? Entweder +sind es blos kontrapunktische Kunststücke, die wohl allen Regeln des +Satzes zusagen mögen; aber Wärme, Anmuth und Lieblichkeit, diese wahren +Zaubermittel der Rührung, wußte ihnen ihr Meister nicht anzuziffern: +oder es sind geistlose, fade Liedeleyen, ohne Sinn und Zusammenhang, +kaum im Stande dem Ohre mit ihrem übersüßen Geklingel einen +vorübergehenden Kitzel zu verursachen. + +Wie ganz anders ist es beym Mozart? Wie schmilzt in seinen Werken das, +was man Kunst des Satzes nennt, mit Anmuth, Lieblichkeit und Wohllaut +so schön zusammen, daß das eine wegen des andern da zu seyn scheint – +und beydes zur Hervorbringung des höchsten Effektes gleich wirksam ist! +Und doch, wie mäßig und besonnen war er in dem Gebrauche der Süßigkeiten +und Gewürze? Er kannte die hohe Forderung der Kunst und der Natur. Er +schrieb was sein Genius ihm eingab, was sein richtiger Geschmack wahr +fand, unbekümmert ob es nach dem Geschmacke des Parterres seyn würde +oder nicht; und _so bildete er sich selber das Publikum_, überzeugt, daß +wahre Schönheit, wie die Wahrheit, endlich doch erkannt wird und +gefällt. Dieß thaten immer große Künstler, welche die Kraft hatten einen +eigenen Weg zu gehen, und der Mode nicht zu fröhnen. + +Der Punkt dieser schönen Vereinigung der Gründlichkeit des Satzes mit +Anmuth und Lieblichkeit ist gewiß die treffliche und vor seiner Zeit +_unbekannte Art die Blasinstrumente zu brauchen und wirken zu lassen_. +Hierinn glänzt sein erfinderisches _Genie_ ohne Beyspiel und +Nebenbuhler. + +Er maß mit dem feinsten Sinne die Natur und den Umfang der Instrumente +ab, zeichnete ihnen neue Bahnen vor, und gab jedem derselben die +vortheilhafteste Rolle, um die kraftvolle Masse von Harmonie +hervorzubringen, welche die Bewunderung aller Kenner erzwingt und das +Muster und Studium der guten Köpfe bleiben wird. Wie ganz anders sehen +hierinn die Kompositionen selbst großer Meister nach Mozarts Periode, +als vor derselben aus? Wie unendlich viel haben sie gewonnen durch die +Anwendung seiner Art, die Blasinstrumente zu setzen? Selbst des großen +Haidns Werke bestättigen diese Behauptung. Man vergleiche die ältern +Sinfonien von ihm, mit den neuern? Die Schöpfung schrieb Haidn erst nach +Mozarts Epoche. + +Wie leise schmiegen sich die Töne der Blasinstrumente dem Hauptgesange +an? wie kühn wetteifern sie bald wieder mit der Singstimme? Welche feine +Wendungen? Welche Mannichfaltigkeit und Abwechslung überall? Bald +wieder, wo es der Gegenstand oder Affekt erfordert, wie abstehend der +Kontrast? Wie gewaltig das Aufbrausen der Leidenschaft? Selbst in +Stücken ohne Singstimmen lehrte Mozart seine Instrumente einen Gesang, +der so vernehmlich zu dem Gefühle spricht, daß der Zuhörer nur wenig die +Abwesenheit der Singstimme wahrnehmen kann. Man höre seine Andantes oder +Romanzen, in den Klavierkonzerten und Quartetten! + +Bey dem häufigen Gebrauche der Blasinstrumente, wie vollkommen wußte +doch Mozart alle Ueberladung zu vermeiden? wie richtig den Ort und den +Zeitpunkt zu treffen, wo sie Effekt machen? Nie ist ein Instrument +verschwendet oder mißbraucht, und daher überflüssig. Aber nur _er_ +verstand die Oekonomie mit dem geringsten Aufwande, oft durch einen +einzigen Zug eines Instruments, durch einen _Akkord_, einen +Trompetenstoß, einen Paukenwirbel die größte Wirkung hervorzuzaubern! +Wie tief sind viele seiner Nachahmer hierinnen unter ihm? + +So groß, so neu immer Mozart in der Instrumentalpartie seyn mag, so +entfaltet sich doch sein mächtiges Genie noch _reizender in dem Satze +des Gesanges für menschliche Stimmen_. Hierinn erwarb er sich ein +zweifaches, gleich großes Verdienst. Mit richtigem Geschmacke führte er +ihn zu seiner anspruchslosen Mutter, der Natur und Empfindung zurück. Er +wagte es den italienischen Sängern zu trotzen,[11] alle unnützen +charakterlosen Gurgeleyen, Schnörkel und Passagen zu verbannen! Daher +ist sein Gesang überall _einfach, natürlich, kraftvoll, ein reiner +Ausdruck der Empfindung und der Individualität_ der Person und ihrer +Lage. Der Sinn des Textes ist immer so richtig und genau getroffen, daß +man ausrufen muß: »Wahrlich die Musik spricht«! Aber Mozart scheint sich +selbst zu übertreffen, wenn er den Gesang für mehrere Stimmen dichtet, +_in Terzetten, Quartetten, Quintetten_ d. h. in vielstimmigen Stücken; +vorzüglich in seinen unübertrefflichen, wahrlich _einzigen Operfinalen_. +Welcher Reichthum? welche Mannigfaltigkeit in Wendungen und +Veränderungen? Wie schlingt sich da eine Stimme um die andere? wie schön +vereinigen sie sich alle ein reizendes Ganze zu bilden, eine neue +Harmonie hervorzubringen? Und doch sagt jede nur ihre eigene oft +entgegengesetzte Empfindung! _Hier ist die größte Mannigfaltigkeit und +die strengste Einheit vereinigt._ Man findet wohl _schöne_ Arien auch +bey andern Meistern: aber niemand wird in _vielstimmigen Sachen_ +Mozarten die Palme entreißen. + + [Fußnote 11: Auch dieß ist eine Ursache der Abneigung der + welschen Sänger gegen seine Werke; eine noch stärkere ist die + Mühe, die es ihrer Unwissenheit kostete seine Gesänge + einzustudiren. Mozart hat zwar bisweilen von diesem Grundsatze + eine Ausnahme gemacht. Aber war er denn in bestellten Sachen + immer frey? Mußte er nicht gegen Sänger gefällig seyn, wenn er + wünschte, daß sie ihm die Sachen nicht verderben? Darum müßte + man immer die Sänger kennen, für die er schrieb, wenn man ein + richtiges Urtheil über seine dramatischen Werke fällen wollte.] + +Doch wer mag sie alle entwickeln, die unzähligen Vorzüge, die +unerschöpflichen Schönheiten seiner Kunst? Wer mag mit Worten das _Neue, +Originelle, Hinreißende, Erhabene, Volltönende seiner_ Musik +beschreiben? Seine Musik verfehlt nie ihre Wirkung, wenn sie nur +pünktlich und mit Feuer vorgetragen wird. Freylich ist es nicht leicht +seinem Geiste nachzufliegen; und da bey ihm jede Note mathematisch genau +zu der Harmonie berechnet ist: so giebt es auch kein so arges Mißgetön, +als wenn rohe Hände unwissender Bierfiedler sich an seine Heiligthümer +wagen. + +Die berühmtesten Tonkünstler erkannten die Größe seines Genies, und +bewunderten seine Werke. _Joseph Haydn_, dieser Liebling der Grazien, +der in seinem Alter noch das Gefühl eines Jünglinges zeigte, ist gewiß +vor allen _ein befugter und berufener Richter_. + +Sein Urtheil ist unpartheyisch, weil er als ein redlicher Mann bekannt +ist, und Mozarts aufblühender Ruhm dem seinigen im Wege stand. Schon im +Jahre 1785 da Mozarts Vater noch lebte, sagte J. Hayden bey einer +Zusammenkunft in Wien zu ihm: »_Ich sage Ihnen vor Gott und als ein +ehrlicher Mann, daß ich ihren Sohn für den größten Komponisten +anerkenne, von dem ich nur immer gehört habe; er hat Geschmack und +besitzt die gründlichste Kenntniß in der Kunst der Komposition._« + +Im Jahre 1787 im Dezember schrieb eben dieser große Mann an einen +_Freund in Prag_, der mit ihm seit langer Zeit in Briefwechsel stand, +und ein Singspiel von seiner Komposition für Prag verlangte, folgenden +merkwürdigen Brief: + + »Sie verlangen eine #Opera buffa# von mir; recht herzlich gern, + wenn Sie Lust haben von meiner Singkomposition etwas für sich + allein zu besitzen. Aber um sie auf dem Theater zu Prag + aufzuführen, kann ich Ihnen dießfalls nicht dienen, weil alle + meine Opern zu viel auf unser Personale (_zu Esterhaz in + Ungarn_) gebunden sind, und außerdem nie die Wirkung + hervorbringen würden, die ich nach der Lokalität berechnet habe. + Ganz was anders wär es, wenn ich das unschätzbare Glück hätte + ein ganz neues Buch für das dasige Theater zu komponiren. Aber + auch da hätte ich noch viel zu wagen, in dem der _große_ Mozart + schwerlich jemanden andern zur Seite haben kann.« + + »Denn, könnt ich jedem Musikfreunde besonders aber den Großen + die unnachahmlichen Arbeiten Mozarts _so tief und mit einem + solchen musikalischen Verstande, mit einer so großen Empfindung + in die Seele prägen, als ich sie begreife und empfinde_: so + würden die Nationen wetteifern ein solches Kleinod in ihren + Ringmauern zu besitzen. Prag soll den theuern Mann fest halten – + aber auch belohnen; denn ohne dieses ist die Geschichte großer + _Genies traurig_, und giebt der Nachwelt wenig Aufmunterung zum + fernern Bestreben; weßwegen leider! so viel hoffnungsvolle + Geister darnieder liegen. Mich zürnet es, daß dieser _einzige + Mozart_ noch nicht bey einem kaiserlichen oder königlichen Hofe + engagirt ist. Verzeihen Sie, wenn ich aus dem Geleise komme: ich + habe den Mann zu lieb.« + + Ich bin etc. + Joseph Hayden. + + N. S. An das Prager Orchester und die dasige Virtuosen mein + ergebenstes Kompliment.[12] + + [Fußnote 12: Ich habe dieses schätzbare Denkmal einer edlen + Seele der gütigen Mittheilung des _Herrn Roth_ + Proviantoberverwalter zu Prag (an den der Brief geschrieben war) + zu danken. Da er für den Geist und das Herz seines Verfassers + nicht minder ruhmvoll ist, als für Mozart: so ließ ich ihn hier + _wörtlich nach dem Originale abdrucken_.] + +Wenn ein _Haydn_ so urtheilt, so begeistert spricht – ein Haydn, der +allein unter allen Tonkünstlern über seinen Verlust zu trösten im Stande +wäre, was will dann das Gekreische einiger kleinen Geister sagen, die an +Mozarts Ruhme zu Rittern werden wollten? + +Der chursächsische Kapellmeister H. Naumann bezeugte bey seinem +Aufenthalte zu Prag auf eine schöne Art seine Hochachtung und +Bewunderung für Mozarts Talente und Werke in einer rührenden Anrede an +seinen Sohn, als ihm derselbe von seiner Freundin Duschek vorgestellt +wurde. Wer die redliche anspruchslose Denkungsart dieses berühmten +Meisters kannte, wird an der Wahrheit seiner Gesinnungen gewiß nicht +zweifeln.[13] + + [Fußnote 13: Der Verfasser hatte das Vergnügen Augenzeuge der + schönen Scene zu seyn.] + +Wie sehr ihn _Gluck_ geschätzt habe, ist schon erwähnt worden. + +Cherubini, dessen Geist dem Mozartischen am nächsten verwandt scheint, +ist sein größter Bewunderer, und hat seine Werke zum Gegenstande seines +beständigen Studium gemacht. Alle Neuern, wenn sie es auch nicht +gestehen wollen, haben von Mozart gelernt, oder ahmen ihn nach! + +Ein noch lebender, nicht unberühmter Tonsetzer in Wien sagte zu einem +andern bey Mozarts Tode, mit vieler Wahrheit und Aufrichtigkeit: »Es ist +zwar Schade um ein so großes Genie; aber wohl uns, daß er todt ist. +Denn, würde er länger gelebt haben, wahrlich! die Welt hätte uns kein +Stück Brod mehr für unsere Kompositionen gegeben.« + +Die zahlreiche Klasse gründlicher Tonkünstler in Prag verdient mit Recht +unter den Richtern über Mozarts hohen Werth einen ansehnlichen Platz. +Die meisten von ihnen sprechen mit einer Achtung von Mozarts Werken, die +ein rühmlicher Beweis ihrer Kenntnisse, und der Unbefangenheit ihres +Herzens ist. – Einige, (lange noch nicht alle) sind in einer +vorhergehenden Anmerkung genannt worden. Der brave Duschek mit seiner +Gattin, die als Künstlerin und gebildete Frau im gleichen Maße auf +Achtung und Beyfall Anspruch machen kann, waren Freunde und Bewunderer +Mozarts. Wie viele treffliche Künstler, auf die _Böhmen_ stolz ist – wie +viele gründliche und geschmackvolle Dilletanten vom Adel und dem +Bürgerstande, die in jedem andern Lande für Virtuosen gelten würden, +müßte ich nennen, wenn ich alle Freunde und Verehrer seiner Werke und +Talente in Böhmen herzählen wollte? + +Doch um Mozart als Tonkünstler ganz kennen zu lernen, ist es nöthig ihn +bey seinem Schreibpulte, wenn er die unsterblichen Werke dichtete, zu +beobachten! + +Mozart schrieb alles mit einer Leichtigkeit und Geschwindigkeit, die +wohl beym ersten Anblick Flüchtigkeit oder Eile scheinen konnte; auch +kam er nie während des Schreibens zum Klavier. Seine Imagination stellte +ihm das ganze Werk, wenn es empfangen war, deutlich und lebhaft dar. Die +große Kenntniß des Satzes erleichterte ihm den Ueberblick der gesammten +Harmonie. Selten trift man in seinen Konzeptpartituren ausgebesserte +oder überstrichene Stellen an. Daraus folgt nicht, daß er seine Arbeiten +nur hingeworfen habe. In seinem Kopfe lag das Werk immer schon +vollendet, ehe er sich zum Schreibpulte setzte. Wenn er den Text zu +einer Singkomposition bekam, so ging er lange Zeit damit herum, dachte +sich ganz hinein, und erregte die Thätigkeit seiner Phantasie. Bey dem +Klavier arbeitete er dann die Gedanken vollständig aus; und nun erst +setzte er sich zum Schreiben hin. Daher war ihm das Schreiben eine +leichte Arbeit, wobey er oft scherzte und tändelte. Es ist schon oben +gesagt worden, daß er auch in seinen Mannsjahren halbe Nächte bey dem +Klavier zubrachte, dieß waren eigentlich die _Schöpferstunden_ seiner +himmlischen Gesänge! Bey der schweigenden Ruhe der Nacht, wo kein +Gegenstand die Sinne fesselt, entglühete seine Einbildungskraft zu der +regesten Thätigkeit, und entfaltete den ganzen Reichthum der Töne, +welchen die Natur in seinen Geist gelegt hatte. Hier war _Mozart ganz_ +Empfindung und Wohllaut – hier floßen von seinen Fingern die +wunderbarsten Harmonien! _Wer Mozart in solchen Stunden hörte, der nur +kannte die Tiefe, den ganzen Umfang seines musikalischen Genies: frey +und unabhängig von jeder Rücksicht durfte da sein Geist mit kühnen Fluge +sich in die höchsten Regionen der Kunst schwingen._ In solchen Stunden +der dichterischen Laune schuf sich Mozart unerschöpflichen Vorrath; +daraus ordnete und bildete er dann mit leichter Hand seine unsterblichen +Werke. + +Uebrigens wird jeder einsehen, daß eine reiche Ader der Gedanken dazu +erfodert war. Ohne diese würde alle seine Kunst unfruchtbar geblieben +seyn. Es giebt zwar Komponisten, die durch hartnäckigen Fleiß einige +Gedanken erzwingen: aber wie bald versiegt ihre Quelle? Dann hört man +sie nur wiederholen: ihre spätern Werke sind gewöhnlich nur die +Musterkarte der frühern. + +Diese Leichtigkeit, mit der Mozart schrieb, hat er, wie wir gesehen +haben, schon als Knabe gezeigt; ein Beweis, daß sie ein Werk des Genies +war. Aber wie oft überraschte er damit in seinen letzten Jahren selbst +diejenigen, die mit seinen Talenten vertraut waren? Die genievolle +Eingangssinfonie zum _Don Juan_ ist ein merkwürdiges Beyspiel davon. +Mozart schrieb diese Oper im Oktober 1787 zu Prag; sie war nun schon +vollendet, einstudirt, und sollte übermorgen aufgeführt werden, nur die +Ouverture fehlte noch. + +Die ängstliche Besorgniß seiner Freunde, die mit jeder Stunde zunahm, +schien ihn zu unterhalten; je mehr sie verlegen waren, desto +leichtsinniger stellte sich Mozart. Endlich am Abende vor dem Tage der +ersten Vorstellung, nachdem er sich satt gescherzt hatte, gieng er gegen +Mitternacht auf sein Zimmer, fing an zu schreiben, und vollendete _in +einigen Stunden das bewundernswürdige Meisterstück_, welches die Kenner +nur der himmlischen Sinfonie der Zauberflöte nachsetzen. Die Kopisten +wurden nur mit Mühe bis zur Vorstellung fertig, und das Opernorchester, +dessen Geschicklichkeit Mozart schon kannte, führte sie #prima vista# +vortrefflich auf.[14] + + [Fußnote 14: Die Begebenheit ist in Prag allgemein bekannt.] + +Die Musik zur Zauberflöte war schon im Julius 1791 fertig. In der Mitte +des _Augustus_ gieng Mozart nach Prag, schrieb da innerhalb 18 Tagen #La +Clemenza di Tito#, welche am 5ten September aufs Theater kam. In der +Mitte dieses Monaths reisete er nach Wien zurück, und schrieb ein paar +Tage vor der Vorstellung der Zauberflöte, die am 30. September geschah, +die beste aller Ouverturen und den _Priestermarsch_ zum Anfang des 2ten +Aktes. + +Solche Beyspiele könnten häufig angeführt werden. Sein außerordentliches +Gedächtniß zeigte sich auch schon in der Jugend; das aufgefaßte +_Miserere_ in Rom giebt einen vollen Beweis davon. Er behielt es +ungeschwächt bis an sein Ende. + +Da man seine Kompositionen unglaublich suchte: so war er nie sicher, daß +ihm nicht ein neues Werk selbst während des Kopirens abgestohlen werde. +Er schrieb daher bey seinen Klavier-Konzerten gewöhnlich nur eine Zeile +für eine Hand auf, und spielte das übrige aus dem Gedächtnisse. So hat +er einst ein Klavierkonzert, welches er schon seit geraumer Zeit nicht +in Händen gehabt hatte, in einer musik. Akademie aus dem Gedächtnisse +gespielt, indem er die Prinzipalstimme in der Eile zu Hause vergaß. + +Aber wie ist Mozart ein so _großer_, ja ich möchte sagen, _einziger_ +Mann in seiner Kunst geworden? Hat er alles der Natur, oder seinem +Studium, seiner Ausbildung zu danken? Einige teutschen Schriftsteller +sprechen von einer _instinktartigen Beschaffenheit seines Geistes_, +welche ihn unwillkührlich zur Hervorbringung seiner Meisterwerke +getrieben habe. Aber diese Herrn kennen sicher Mozarten gar nicht, und +scheinen die Leichtigkeit, mit welcher er, wenn die Idee des Werkes +einmal gebildet war, schrieb, für die instinktartige Wirkung seines +Talentes zu halten. Freylich haben die Aeußerungen des Genies, in +wiefern es angeboren ist, etwas instinktartiges: aber nur Bildung und +Uebung – Studium giebt ihm Reife und Vollendung. Mozart hatte von der +Natur ein Genie empfangen wie Shakespeare, aber er übertraf diesen an +Geschmack und Korrektheit. Er produzirte mit Verstand und Wahl. Diese so +seltene Vereinigung eines feinen Geschmackes und der richtigsten +Beurtheilung mit den größten Naturanlagen, die Mozarten unter den +Meistern seiner Kunst den ersten Rang giebt, war größtentheils sein +Werk – das Werk seines Eifers, seines Fleißes; das Werk des tiefen und +gründlichen Studiums der Kunst. + +Aus der Geschichte seiner Jugend haben wir gesehen, wie sorgfältig er +jede Gelegenheit benützte, um zu lernen; wie weise und streng ihn sein +Vater dazu leitete; wie tief er in die Geheimnisse der Kunst so früh +schon eingedrungen war. Aber wir wollen ihn selbst darüber hören. + +Einst – (es war nach den ersten Proben seines Don Juan) – gieng Mozart +mit dem damaligen Orchesterdirektor und Kapellmeister Herr Kucharz[15] +spazieren. Unter andern vertraulichen Gesprächen kam die Rede auf Don +Juan. Mozart sagte: »Was halten sie von der Musik zum Don Juan? Wird sie +so gefallen, wie Figaro? Sie ist von einer andern Gattung! + + [Fußnote 15: Anmerkung. Ein trefflicher Schüler Seegerts, und + biederer Mann. Diese Anekdote habe ich aus seinem Munde.] + +_Kuch_. Wie können Sie daran zweifeln? Die Musik ist schön, originell, +tief gedacht. Was von Mozart kommt wird den Böhmen gewiß gefallen. + +_Moz_. Ihre Versicherung beruhigt mich, sie kommt von einem Kenner. Aber +ich habe mir Mühe und Arbeit nicht verdrüßen lassen, für Prag etwas +vorzügliches zu leisten. Ueberhaupt irrt man, wenn man denkt, daß mir +meine Kunst so leicht geworden ist. Ich versichere Sie, lieber Freund! +niemand hat so viel Mühe auf das Studium der Komposition verwendet als +ich. _Es giebt nicht leicht einen berühmten Meister in der Musik, den +ich nicht fleißig, oft mehrmal durchstudirt hätte._« + +Und in der That, man sah die Werke großer Tonkünstler, auch da noch, als +er bereits klassische Vollkommenheit erreicht hatte, auf seinem Pulte. + +Sein gewandter Geist wußte sich den Charakter eines jeden so anzueignen, +daß er sie oft zum Scherze im Satze und Stile bis zum Täuschen +nachahmte. + +Sein Gehör war so fein, faßte die Verschiedenheit der Töne so gewiß und +richtig auf, daß er den geringsten Fehler oder Mißton selbst bey dem +stärksten Orchester bemerkte, und dasjenige Subjekt oder Instrument, +welches ihn begieng genau anzugeben wußte. Nichts brachte ihn so sehr +auf, als Unruhe, Getöse oder Geschwätz bey der Musik. Da gerieth der so +sanfte, muntere Mann in den größten Unwillen, und äußerte ihn sehr +lebhaft. Es ist bekannt, daß er einst mitten im Spiele unwillig von dem +Klavier aufstand, und die unaufmerksamen Zuhörer verließ. Dieses hat +man ihm vielfältig übel genommen; aber gewiß mit Unrecht. Alles, was er +vortrug, empfand er selbst auf das stärkste – sein ganzes Wesen war dann +Gefühl und Aufmerksamkeit: wie konnte ihn also kalte Fühllosigkeit, +Unaufmerksamkeit: oder gar ein störendes Geschwätze in der Laune und +Fassung erhalten? Als begeisterter Künstler vergaß er da auf alle andere +Rücksichten. + +Wie reizbar lebhaft sein Kunstsinn gewesen sey, kann man aus dem +schließen, daß er bey der Aufführung einer guten Musik bis zu Thränen +gerührt wurde: vorzüglich wenn er etwas von den beyden großen _Haydn_ +hörte. Aber nicht allein Musik, jeder andere rührende Gegenstand ergriff +sein ganzes Gefühl und erschütterte ihn. Seine Einbildungskraft war +immer thätig, immer mit Musik beschäftigt; daher schien er oft zerstreut +und gedankenlos. + +_So groß war Mozart als Künstler!_ Den Forscher der menschlichen +Natur wird es nicht befremden, wenn er sieht, daß dieser als Künstler +so seltene Mensch, nicht auch in den übrigen Verhältnissen des +Lebens ein _großer Mann_ war. Die Tonkunst machte die Haupt- und +Lieblingsbeschäftigung seines ganzen Lebens aus – um diese bewegte sich +sein ganzes Gedanken- und Empfindungsspiel; alle Bildung seiner Kräfte, +die das Genie des Künstlers ausmachen, ging von da aus und bezog sich +darauf. Ist es ein Wunder, wenn er den übrigen Dingen um sich weniger +Aufmerksamkeit widmete? Er war Künstler, war es ganz und in einer +bewundernswürdigen Größe: das ist genug! Wer mag indeß die Gränzlinien +seiner Geistkräfte so genau ziehen, um behaupten zu können, Mozart habe +außer seiner Kunst zu nichts sonst Anlage oder Fähigkeit gehabt? Man +setzt freylich das Wesen des Künstler-Genies in eine überwiegende Stärke +der untern oder ästhetischen Kräfte der Seele, aber man weiß auch, daß +die Künste besonders die Musik häufig einen scharfen Ueberblick, +Beurtheilung und Einsicht in die Lage der Dinge erfodern; welches bey +Mozart um so gewisser vorauszusetzen ist, da er kein gemeiner +mechanischer Virtuos eines Instrumentes war, sondern das ganze weite +Gebieth der Tonkunst mit seltner Kraft und Geschicklichkeit umfaßte. + +Wie schön und beneidenswerth ist übrigens der Wirkungskreis eines +Tonkünstlers? Mit seinen süßen Harmonien entzückt er tausend gefühlvolle +Seelen; er schafft ihnen die reinste Wonne; er erhebt, besänftiget, +tröstet! Auch dann wenn er nicht mehr ist, lebt er dennoch in seinen +widerholenden Gesängen – Tausende segnen und bewundern ihn. + +_Mozart_ hatte schon in seiner Jugend zu allen Kenntnissen, die man ihm +beyzubringen für nöthig fand, eine große Anlage gezeigt, in allen +schnelle Fortschritte gemacht; von der Arithmetik ist Erwähnung +geschehen. Auch in seinen spätern Jahren liebte er diese Kenntniß sehr +und war wirklich ein ungemein geschickter Rechenmeister. Eben so groß +war sein Talent zur Sprachwissenschaft; er verstand _Französisch_, +_Englisch_, _Italienisch_ und _Teutsch_. Die lateinische Sprache lernte +er in spätern Jahren, und zwar nur so weit, als es zur Verständniß des +Kirchentextes, den er allenfalls in Musik zu setzen hätte, erfordert +war. In allen übrigen Sprachen hat er die guten Schriftsteller gelesen +und verstanden. Er machte oft selbst Verse; meistens aber nur bey +scherzhaften Gelegenheiten.[16] In den übrigen Fächern hatte Mozart +wenigstens so viel historische Kenntniß, als für einen Mann von Bildung +nöthig war. + + [Fußnote 16: Dieß war unter andern der Fall bey dem Tode eines + geliebten Staares, den er in seinem gemietheten Garten ein + ordentliches Grabmahl errichtet, und mit einer Inschrift + versehen hatte. Thiere und insbesondere Vögel liebte er sehr.] + +Zu bedauern ist es, daß er nicht über seine Kunst schrieb! Aus einem +Briefe, welchen er an F. v. Trattner, eine seiner Schülerinnen über den +_Vortrag_ der für sie gesetzten Klavierphantasie geschrieben hatte, +konnte man sehen, daß er nicht nur die Prax, sondern auch die Theorie +seiner Kunst vollkommen verstand. Der Brief ist, leider! nicht zu finden +gewesen. + +In einem Heft einer musikalischen Zeitschrift von Berlin vor einigen +Jahren wurde von Mozart behauptet, er habe eigentlich keine _höhere +Bildung_ gehabt. Es ist schwer zu errathen, was der Verfasser mit den +Worten höhere Bildung gemeint habe. Mozart hatte die Welt gesehen, er +kannte die Schriftsteller der gebildetesten Nationen, zeigte überall +einen offenen und freymüthigen Geist: was fehlte ihm also zur höhern +Kultur? Muß man in Göttingen oder Jena studirt haben, um höhere Bildung +zu erlangen? Oder besteht die höhere Bildung darinn, daß man weiß, was +teutsche Schriftsteller sagen? daß man von allen zu schwatzen verstehet? + +Der _moralische Charakter Mozarts_ war _bieder_ und _liebenswürdig_. +Unbefangene _Herzensgüte_ und eine _seltene Empfindlichkeit für alle +Eindrücke_ des _Wohlwollens und der Freundschaft_ waren seine Grundzüge. +Er überließ sich diesen liebenswürdigen Regungen ganz, und wurde daher +mehrmal das Opfer seines gutmüthigen Zutrauens. Oft beherbergte und +pflegte er seine ärgsten Feinde und Verderber bey sich. + +Er hatte zwar oft mit einem schnellen Blicke auch versteckte Charaktere +aus dem Innersten ausgeholt: aber im Ganzen genommen, hatte er zu viel +Gutmüthigkeit um Menschenkenntniß zu erlangen. Selbst die Art seiner +_Erziehung_, die _unstäte Lebensart auf Reisen_, wo er nur für seine +Kunst lebte, machte eine wahre Kenntniß des menschlichen Herzen +unmöglich. Diesem Mangel muß man manche Unklugheit seines Lebens zu +schreiben. + +Uebrigens hatte Mozart für die Freuden der Geselligkeit und Freundschaft +einen offenen Sinn. Unter guten Freunden war er vertraulich wie ein +Kind, voll _munterer_ Laune; diese ergoß sich dann meistentheils in den +drolligsten _Einfällen_. Mit Vergnügen denken seine Freunde in Prag an +die schönen Stunden, die sie in seiner Gesellschaft verlebten; sie +können sein gutes argloses Herz nie genug rühmen; man vergaß in seiner +Gesellschaft ganz, daß man _Mozart_ den bewunderten Künstler vor sich +habe. + +Nie verrieth er einen gewissen _Kunst-Pedantismus_, der an manchen +Jüngern Apollos so widerlich ist. Er sprach selten und wenig von seiner +Kunst, und immer mit einer liebenswürdigen Bescheidenheit. Hochschätzung +des wahren Verdienstes und Achtung für die Person leiteten seine +Urtheile in Kunstsachen. Es war gewiß rührend, wenn er von den _beyden +Haydn_, oder andern großen Meistern sprach: man glaubte nicht dem +allgewaltigen Mozart, sondern einen ihrer begeisterten Schüler zu hören. + +Ich kann hier eine Anekdote nicht übergehen, die eben so sehr seinen +geraden Sinn, und den Unwillen gegen lieblose Tadelsucht, als seine +große Achtung für Joseph _Haydn_ beweiset. Sie sey zugleich ein Beyspiel +seiner guten Einfälle. + +In einer Privatgesellschaft wurde einst ein neues Werk von Joseph Haydn +gemacht. Nebst Mozart waren mehrere Tonkünstler gegenwärtig, unter +andern L. K..., der noch nie jemanden gelobt hatte, als sich selbst. Er +stellte sich zum Mozart und tadelte bald dieses bald jenes. Mit Geduld +hörte ihn dieser eine Zeit an; als es ihm aber zu lang dauerte, und der +Tadler endlich wieder bey einer Stelle mit Selbstgenügsamkeit ausrief: +»Das hätt’ ich nicht gethan« – erwiederte Mozart: Ich auch nicht; wissen +Sie aber warum? Weil _wir es beyde_ nicht so gut getroffen hätten! – +Durch diesen Einfall machte er sich einen unversöhnlichen Feind mehr. + +Mit einer solchen Bescheidenheit verband Mozart dennoch ein edles +_Bewußtseyn_ seiner Künstlerwürde. Wie wäre es auch möglich gewesen +nicht zu wissen, wie _groß_ er sey? Aber er jagte nie nach dem Beyfalle +der Menge; selbst als Kind rührte ihn nur das Lob des Kenners. Daher war +ihm alles gleichgültig, was blos aus Neugierde ihn anzugaffen gekommen +war. Oft ging dieses Betragen vielleicht zu weit. Er war daher bisweilen +auch in der Gegenwart großer Herrn vom höchsten Range zum Spielen nicht +zu bewegen; oder er spielte nichts als Tändeleyen, wenn er merkte, daß +sie keine Kenner oder wahre Liebhaber sind. Aber Mozart war der +gefälligste Mann von der Welt, wenn er sah, daß man Sinn für seine Kunst +besitze; er spielte Stunden lang dem geringsten, oft unbekannten +Menschen. Mit aufmunternder Achtsamkeit hörte er die Versuche junger +Künstler an, und weckte durch eine liebevolle Beyfallsäußerung das +schlummernde Selbstbewußtseyn. + +Unser beste Klavierspieler und beliebter Tonsetzer Joh. Witassek dankt +ihm diese Erweckung seines Talentes. Die wenigen Stunden die er bey +Mozart zubrachte, schätzt er nach eigenem Geständnisse für einen großen +Zuwachs zu seiner Ausbildung. + +Menschenfreundlich und uneigennützig war _Mozart_ im hohen Grade. Darum +sammelte er kein Vermögen. Ganz im Reiche der Töne lebend, schätzte er +den Werth des Geldes und der übrigen Dinge zu wenig. Daher arbeitete er +viel umsonst, aus Gefälligkeit oder Wohlthätigkeit. Jeder reisende +Virtuos war gewiß, wenn er sich ihm durch Talent oder moralischen +Charakter zu empfehlen wußte, eine Komposition für sich zu erhalten. So +entstanden die Konzerte für die übrigen Instrumente, so eine Menge +einzelner Singkompositionen, unter andern die majestätischen Chöre zu +dem Schauspiele, König Tamos, die den erhabensten Werken Händels und +Glucks an die Seite gesetzt werden. + +Aber selbst die Bezahlung, die er für seine Arbeiten bekam, war meistens +mittelmäßig. Der Theaterunternehmer Guardasoni zahlte ihm für Don Juan +nur hundert Dukaten. + +_Verstellung und Schmeicheley_ war seinem arglosen Herzen gleich fremd; +jeder Zwang, den er seinem Geiste anthun mußte, _unausstehlich_. +Freymüthig und offen in seinen Aeußerungen und Antworten, beleidigte er +nicht selten die Empfindlichkeit der Eigenliebe, und zog sich dadurch +manchen Feind zu. + +Seine hohe Kunst und der liebenswürdige Charakter verschafften ihm +Freunde, die ihn von ganzer Seele liebten und für sein Wohl eifrig +besorgt waren. Es würde das Zartgefühl dieser edlen Menschen beleidigen, +wenn sie hier namentlich angeführt würden; wie wäre es auch möglich alle +zu kennen und zu nennen? Indem mir also diese Betrachtung verbiethet von +der großmüthigen Freundschaft eines B. v. S**, und des Kaufmannes B** in +Wien zu reden: so sey es wenigstens erlaubt hier der ausgezeichneten +Wohlthätigkeit eines Wiener Bürgers gegen Mozart zu erwähnen. Dieser +brave Mann, ein Flecksieder vom Gewerbe, ohne Mozart persönlich zu +kennen, blos von Bewunderung für seine Kunst hingerissen, verschaffte +seiner kranken Gemahlin, (die nach der Verordnung der Aerzte wegen einer +Lähmung am Fuße Bäder vom gekochten Magengekröße brauchen mußte), die +Gelegenheit in seinem eigenen Hause durch geraume Zeit die Kur mit +vieler Bequemlichkeit brauchen zu können. Er lieferte ihr nicht nur die +Flecke unentgeltlich und ersparte dadurch Mozarten eine Auslage von +mehreren hundert Gulden, sondern verlangte auch für Logis und Kost gar +nichts. Aehnliche Beyspiele eines solchen Enthusiasmus für die hohe +Kunst Mozarts sind sehr häufig. + +Aber Mozart hatte auch Feinde, zahlreiche, unversöhnliche Feinde. Wie +hätten ihm auch diese mangeln können, da er ein so _großer Künstler_ und +_ein so gerader Mann war_? Und diese waren die unlautere Quelle, aus +welcher so viele häßliche _Erzählungen_ von seinem _Leichtsinne, seinen +Ausschweifungen_ gefloßen sind. Mozart war Mensch, folglich Fehlern +unterworfen wie alle Menschen. Die nemlichen Eigenschaften und Kräfte, +die das Wesen seiner großen Talente ausmachten, waren zugleich Reiz und +Anlaß zu manchen Fehltritte: brachten Neigungen hervor, die freylich bey +Alltagsmenschen nicht angetroffen werden. Seine Erziehung und Lebensart +bis zu dem Zeitpunkte, da er sich in Wien niederließ, war auch nicht +gemacht ihm Menschenkenntniß und Welterfahrung zu verschaffen. Denke man +sich einen so zart organisirten Jüngling – einen Tonkünstler von seiner +Empfindung in einer Stadt, wie Wien, sich selbst überlassen? Braucht es +mehr um zur Nachsicht gegen seine Fehler gestimmt zu werden? Man muß +aber gegen diese Erzählungen überhaupt mißtrauisch seyn, da gewiß der +größte Theil baare Unwahrheiten, und nichts als Schmähungen des +scheelsüchtigen Neides sind. Wir haben dieß in Rücksicht seiner +hinterlassenen Schulden schon bemerkt. Niemand wird es unbegreiflich +finden, warum die Welt diesen Ausstreuungen so leicht Glauben beymißt, +wenn er sich erinnert, daß man gewöhnlich mit einem Tonkünstler den +Begriff eines Verschwenders oder Wüstlings verbindet. Aber zahlreiche +Beyspiele achtungswürdiger Künstler haben bewiesen, wie sehr dieses +Vorurtheil einzuschränken sey. + +In seiner Ehe mit _Konstanza Weber_ lebte Mozart vergnügt. Er fand an +ihr ein gutes, liebevolles Weib, die sich an seine Gemüthsart +vortrefflich anzuschmiegen wußte, und dadurch sein ganzes Zutrauen und +eine Gewalt über ihn gewann, welche sie nur dazu anwendete, ihn oft von +Uebereilungen abzuhalten. Er liebte sie wahrhaft, vertraute ihr alles, +selbst seine kleinen Sünden – und sie vergalt es ihm mit Zärtlichkeit +und treuer Sorgfalt. Wien war Zeuge dieser Behandlung, und die Wittwe +denkt nie ohne Rührung an die Tage ihrer Ehe.[17] + + [Fußnote 17: Die achtungswürdige Frau beträgt sich in ihrem + Wittwenstande sehr klug, und sorgt für ihre 2 Söhne mütterlich. + Sie lebt in Wien von ihrer Pension und dem kleinen Erwerbe aus + dem Nachlasse ihres Mannes.] + +Seine liebste Unterhaltung war _Musik_; wenn ihm seine Gemahlinn eine +recht angenehme Ueberraschung an einem Familienfeste machen wollte, so +veranstaltete sie in Geheim die Aufführung einer neuen Kirchen-Komposition +von Michael oder Joseph Haydn. + +Das Billardspiel liebte er leidenschaftlich, vermuthlich weil es mit +Bewegung des Körpers verbunden ist; er hatte ein eignes zu Hause, bey +dem er sich täglich mit seiner Frau unterhielt. Die Schönheit der Natur +im Sommer war für sein tieffühlendes Herz ein entzückender Genuß; er +verschaffte sich ihn, wenn er konnte, und miethete daher fast alle Jahre +Gärtchen in der Vorstadt, wo er den Sommer zuzubringen pflegte. + +Erstaunend ist die Arbeitsamkeit seiner letzten Lebensjahre. + +Aus dem vollständigen Verzeichnisse seiner Kompositionen seit dem Jahre +1784 bis zu seinem Tode, in welches er mit eigener Hand das Thema eines +jeden Stückes und den Tag der Vollendung eintrug, sieht man wie viel er +oft in einem Monathe gearbeitet hatte?[18] Nur die Größe und +Fruchtbarkeit seines Genies macht die Möglichkeit so vielfacher Arbeit +begreiflich. So schrieb er innerhalb der 4 letzten Monathe seines +Lebens, wo er schon kränkelte, und Reisen machte: + + [Fußnote 18: Der Verfasser hatte es bey der Ausarbeitung dieser + Biographie im Originale vor sich.] + +1) Eine Klavierkantate: »Die ihr des unermeßlichen Weltalls Schöpfer +ehrt.« + +2) Die Zauberflöte. + +3) #La Clemenza di Tito.# + +4) Ein Klarinett-Konzert für H. Stadler. + +5) Eine Kantate für ein ganzes Chor. + +6) Das Requiem. + +Eine ungeheure Anstrengung, die seine Kräfte erschöpfen mußte! + +So wurde _Mozart ein Wunder seiner Kunst_, der _Liebling_ seines +Zeitalters! Sein kurzes, aber glänzendes Künstlerleben macht in der +Geschichte der Tonkunst eine neue Epoche. + +Der große, feurige Geist, der in seinen Werken waltet und der volle +Strom der Empfindung reißen jedes gefühlvolle Herz mit unwiderstehlicher +Gewalt hin. Der süße Zauber seiner Harmonien entzückt das Ohr; die Fülle +der Gedanken, das Neue in ihrer Ausführung machen das Gefallen seiner +Musik dauerhaft. Wer einmal an _Mozart_ Geschmack gefunden hat, der wird +durch andere Musik schwer zu befriedigen seyn. Und _alle_ diese +Vollkommenheiten hat er _in einem Alter_ erreicht, das für gewöhnliche +Künstler kaum der Zeitpunkt _der ersten Ausbildung_ ist! Da er starb, +hatte sein Ruhm bereits eine Größe, wie sie nur selten auch der +glücklichste Künstler hoffen darf – und wie kurz war sein Leben? Er +hatte noch nicht das 35te Jahr vollendet, als er starb! Was würde sein +unerschöpflicher Geist der Welt noch geliefert haben? – – + +Wär er nach England gegangen – sein Ruhm würde neben _Händels_ +unsterblichem Namen glänzen: in Teutschland rang sein Geist oft mit +Mangel; seinen _Grabeshügel zeichnet nicht einmal eine schlechte +Inschrift aus_! – + +Auf seinen Tod erschienen mehrere Trauer-Kantaten; darunter zeichnen +sich zwey aus, vom Herrn _Wessely_ und _Karl Kannabich_ dem jüngern aus +München. + +Einfach und edel war das Fest, welches die Hörer der Rechte zu Prag in +ihrer musikalischen Akademie, bey der Anwesenheit der Wittwe im Jahre +1794 Mozarts Andenken weiheten; es wurde durch ein Gedicht +verherrlichet, welches den Profess. Meinert zum Verfasser hat. Ein Paar +Stanzen daraus verdienen hier allerdings einen Platz. + + Ach! er ward uns früh entrückt, + Der die Saiten der Empfindung, + Wie ihr Schöpfer kannt’ und griff; + In harmonische Verbindung + Ihre kühnsten Töne rief: + Jetzt ein Gott in seines Zornes + Donner rauschend niederfuhr, + Itzo lispelnd wie des Wiesenbornes + Welle floß in stiller Flur. + + Ach! schon grünt des Edlen Hügel: + Aber ganz birgt er ihn nicht. + Eines, das durch Gräber Riegel, + Ewig jung und göttlich bricht, + _Eines_ lebt – der hohe reine + Geistesabdruck ist dieß _Eine_, + Das zur Ewigkeit entblüht, + Norne! deinem Dolch entflieht. + + Fühlt ihr in der Saiten Beben, + Im begeisternden Gesang, + In des Herzens Sturm und Drang + Fühlt ihr des Entschlaf’nen Leben? + Horch! es tönen Engelharmonien, – + Das ist Mozart! Seht ihr ihn + Lichtbekränzt? Mit Feentritte + Wallt sein Geist in eurer Mitte. + + + + + IV. + + Nachricht von Mozarts Werken. + + +Es ist fast kein Zweig der Tonkunst, in welchem Mozart nicht mit +entschiedenem Glücke seine Kräfte versucht hätte. + +_Dramatische Musik_, und die _Klavierkompositionen_ haben ihm am meisten +Ruhm erworben. Wenn man seine Werke besonders die theatralischen nach +der Zeitfolge ihrer Entstehung betrachtet, so merkt man deutlich den +Gang seines zur Vollkommenheit schreitenden Geistes. In den frühern, +z. B. in der Oper Idomeneo und der _Entführung aus dem Serail_, auch +noch zum Theil im _Figaro_ strömt das ganze Feuer einer jugendlichen +Phantasie und eine Fülle üppiger Empfindung ohne Gränzen. Es ist mehr +Wärme, als Licht darinn – die Massen des Gesanges und der Harmonie sind +nicht so bestimmt, wie in den spätern Werken, in welchen dieser Strom +der Empfindung immer sanfter sich in sein Bett zurückzieht, alles +leichter, einfacher und korrekter wird. Nirgends ist diese Reife des +Geschmackes sichtbarer, als in der #Clemenza di Tito#, und dem Requiem. +Daraus läßt es sich schließen, was man noch von Mozart zu erwarten +berechtiget war? + +Einige _Kunstrichter_ haben mit sinnreicher Feinheit zwar die +Vortrefflichkeit seiner Instrumentation, d. i. den mehr mechanischen +Theil der Kunst anerkannt, aber das, was blos Sache des Genies ist, die +Singparthie getadelt, – sie haben behauptet, Mozart sey hierinn nicht so +groß, als in der Instrumentalparthie. Die Gränzen dieser Schilderung +erlauben es nicht, die Grundlosigkeit davon zu zeigen, oder die Werke +Mozarts von dieser Ansicht zu betrachten. Die Tadler mögen indessen nur +beherzigen, daß gerade diese Seite seiner Werke von gründlichen und +berufenen Richtern immer am meisten bewundert worden ist. Was konnte +denn in seinen Opern und den übrigen Singkompositionen so sehr gefallen, +wenn es _der Gesang_ nicht war? Das Volk versteht wenig von der +Schönheit des Instrumentalsatzes; gerade dieser Theil seiner Werke, der +große Geschicklichkeit der Subjekte erfodert, wird gewöhnlich schlecht +aufgeführt – und doch brachten die meisten seiner Singkompositionen so +viel Wirkung, so viel Enthusiasmus hervor? dieß konnte nur der +_einfache, schöne, rhythmische Gesang bewirken_. Warum singt man seine +Melodien so gern nach? Warum sind so viele davon Volksgesänge geworden? +Wie wahr, wie lebhaft weiß Mozart den Sinn der Worte des Dichters +auszudrücken? Dringt sein Gesang nicht überall dem Zuhörer ans Herz? +Wenn dieß der höchste _Zweck_ der Tonkunst ist, wer hat ihn vollkommener +_erreicht als Mozart_? + +Man könnte zahlreiche Beyspiele anführen, wo Mozart mit einem feinen +ästhetischen Sinne selbst die Worte und Ideen des Dichters durch schöne +Wendungen der Melodie erhoben und verbessert hat. Sein Gesang haucht den +Worten meistentheils erst Wärme und Leben ein; fast immer liegt darinn +noch mehr Sinn und Empfindung, als in den Worten. Daher haben selbst +elende Poesien blos durch seine Komposition gefallen. Die Zauberflöte +und #Cosi fan tutte# sey Beweis. + +Die Gestalt, in welcher die alte #Opera seria# von Metastasio #La +Clemenza di Tito# bey seiner Musik erscheint, ist das Werk seines +richtigen Urtheiles und Geschmackes. Und ein solcher Kompositeur, der +den Geist des Textes, das eigene der Situation so faßte und verstand – +ihn oft verbesserte noch öfter erhob, soll keine höhere Bildung gehabt +haben? + +»Aber Mozarts Werke sind so _schwer_, so _kritisch_, _voll Kunst_ und so +_wenig_ für das Gehör.« + +Auf gleiche Art klagen oft Schulknaben über die Dunkelheiten und +Schwierigkeiten des Horaz. Man muß darüber lächeln! Wen trifft hier der +Vorwurf? Schrieb Mozart bloß für Schüler? oder ist dasjenige, was er für +sie schrieb, nicht leicht und verständlich? Das Schwere in seinen Werken +ist nicht _Absicht_, ist _nur Folge_ der Größe und Originalität seines +Genies. Dieß hat Mozart mit allen großen Künstlern gemein. _Populär_ +durften alle seine Werke nicht seyn; wo Popularität nöthig war, da hat +er sie vollkommen erreicht. Findet in seinen Singspielen nicht der +Kenner und der bloße Liebhaber Gerüchte für seinen Gaum? Auch die +_erhabensten Sachen_ von seiner Hand, wo er sich in der ganzen Stärke +seiner Kunst des Kontrapunktes zeigt, haben so viel Schönheit an sich, +daß sie auch uneingeweihten Ohren gefallen, wenn sie _nur richtig_, und +_geschmackvoll vorgetragen werden_. Aber hier liegt _der Knoten_ – das +ist größtentheils der Grund solcher Klagen. Ueberdieß erheischt seine +Musik ein reines Gefühl, ein unverdorbenes Ohr: _wer dieses nicht +mitbringt, für den hat Mozart nicht geschrieben._[19] + + [Fußnote 19: Anmerkung. Diese Bemerkungen der ersten Ausgabe, + sind jetzt beynahe unnöthig, da Mozart gegen seine Nachahmer, + die Faßlichkeit und Popularität selbst ist!] + +Der Tadel einer Klasse von Menschen, denen seine Musik nicht gefällt, +entscheidet nichts gegen ihre Vortrefflichkeit; so wie Rafaels Ruhm +nicht geschmählert wird, wenn dem ehrlichen Schneiderjungen ein buntes +Allerley von einem Schmierer besser ins Auge fällt, als Rafaels +Meisterstücke. Oder gab es nie Ohren, welchen die rauhe Pfeife des +Waldgottes entzückender schien, als die himmlischen Töne Apollos? – Wem +_Mozarts Musik_ nicht genug fürs Gehör zu seyn scheint, der dürfte wohl +den Fehler eigentlich in seinen Ohren suchen. Was werden so delikate +Ohren zu der Musik der neuern Tonsetzer sagen? + +Mit seinen Werken wird nun von den _Uebersetzern und Musikhändlern_ ein +wahrer Unfug getrieben, wobey das Publikum oft angeführt, und der Name +des großen Meisters größtentheils geschändet wird. Man hängt ihn erstens +als Anempfehlungsschild so manchem Machwerk vor, das seines Geistes ganz +unwürdig ist; noch häufiger ist der Fall, daß unbefugte Uebersetzer aus +seinen größern Werken _Klaviersachen_ zusammenstoppeln, die dann als +Originalwerke verkauft werden, und nothwendig schlechter seyn müssen, +als seine übrigen Klavierkompositionen. + +Eben so nachtheilig für seinen Ruhm ist es, daß man so häufig aus +Mangel an neuern Werken von seiner Meisterhand, ältere Kompositionen, +zum Theil aus seiner frühen Jugend herausgiebt, ohne diesen Umstand dem +Publikum zu sagen. Solche Werke sind größtentheils seinen spätern ganz +unähnlich, und können den Stempel der Vollkommenheit an sich nicht +haben. + +Seine Werke können zur bessern Uebersicht in 11 verschiedene Klassen +eingetheilt werden. Zur ersten rechnen wir die _dramatischen_. Mozart +schrieb 9 italienische Opern, – und 3 teutsche. + +#La finta semplice, opera buffa# für Kaiser Joseph 1768 + +#Mitridate, opera seria# für Mayland; im Jahr 1770 + +#Sulla,# – – – – 1772 + +#Giardiniera, opera buffa# für Kaiser Joseph im Jahr 1774 + +#Idomeneo, opera seria# für München im J. 1780 + +#Figaro, opera buffa# für Wien im J. 1786 + +#Don Giovanni, opera buffa# für Prag 1787 + +#Cosi fan tutte, opera buffa# für Wien 1790 + +#La Clemenza di Tito, opera seria# für Prag 1791 + + +_Teutsche Singspiele:_ + +Die Entführung aus dem Serail für Wien 1782 + +Der Schauspieldirektor ein kleines Singspiel für den Kaiser Joseph nach +Schönbrunn im Jahre 1786 + +Die Zauberflöte für das Theater Schikaneders 1791 + +_Idomeneo_ ist eines seiner größten, und gedankenreichesten Werke; der +Stil ist durchgehends pathetisch und athmet heroische Erhabenheit. Da er +diese Opera für große Sänger und für eines der besten Orchester von +Europa schrieb, so fühlte sein Geist keinen Zwang, und entfaltete sich +darinn am üppigsten. Aber Idomeneo muß besser aufgeführt werden, als es +zu Prag vor einigen Jahren in Sommer geschah, wo ihn der +Opern-Unternehmer im eigentlichen Verstande prostituirte. Es war ein +drolligter Gedanke eine der größten Opern ohne Sängerinnen und Orchester +aufzuführen. Denn beydes fehlte, und ward durch Substituten ersetzt. +Auch hüte man sich diese Opera, so wie jede von Mozart nach +mittelmäßigen Klavierübersetzungen zu beurtheilen! + +_Figaro_ wird von Musik-Kennern am meisten geschätzt; wahr ist es, daß +Mozart bey ihrer Ausarbeitung am fleißigsten studirt habe. An +Gedanken-Reichthum gleicht sie dem Idomeneo, an Originalität weicht sie +keiner andern. + +_Don Juan_ ist anerkannt das größte Meisterstück seines Genies – die +höchste Kunst mit der größten Anmuth ist darinn in lieblicher Eintracht +gepaart. Die Rolle des Leporello ist das erste Meisterstück des +Komischen – das Muster für alle Opernkomponisten. + +#Cosi fan tutte# oder die Schule der Liebenden ist die _lieblichste_ und +scherzhafteste Musik voll Charakter und Ausdruck. + +Die Finalien sind unübertrefflich. Wenn man den schlechten Text dieser +Oper betrachtet, so muß man über die Fruchtbarkeit seines dichterischen +Genies erstaunen, das fähig war ein so trockenes, einfältiges Sujet zu +beleben und solche Schönheiten hervor zu bringen. Es ist schon bemerkt +worden, daß er in der Wahl des Buches nicht frey war. + +#La Clemenza di Tito# wird in ästhetischer Hinsicht, als schönes +Kunstwerk, für die vollendeteste Arbeit Mozarts gehalten. Mit einem +feinem Sinne faßte Mozart die Einfachheit, die stille Erhabenheit des +Charakters des Titus, und der ganzen Handlung auf, und übertrug sie ganz +in seine Komposition. Jeder Theil, selbst die gemäßigte +Instrumentalparthie trägt dieses Gepräge an sich, und vereinigt sich zu +der schönsten Einheit des Ganzen. Da sie für ein Krönungsfest, und für +zwey ganz eigends dazu angenommene Sänger aus Italien geschrieben war, +so mußte er nothwendig brillante Arien für diese zwey Rollen schreiben. +Aber welche Arien sind das? Wie hoch stehen sie über dem gewöhnlichen +Troß der Bravour-Gesänge? + +Die übrigen Stücke verrathen überall den großen Geist aus dem sie +gefloßen. Die letzte Scene oder das Finale des 1ten Aktes ist gewiß die +gelungenste Arbeit Mozarts, ja wohl aller dramatischen Tonsetzungen; +_Ausdruck_, _Charakter_, _Empfindung_, wetteifern darinn den größten +Effekt hervorzubringen. Der Gesang, die Instrumentation, die Abwechslung +der Töne, der Wiederhall der fernen Chöre – bewirkten bey jeder +Aufführung eine Rührung und Täuschung, die bey Opern eine so seltene +Erscheinung ist. Unter allen Chören, die ich gehört habe, ist keiner so +fließend, so erhaben und ausdrucksvoll, als der Schlußchor im 2ten Akte; +unter allen Arien, keine so lieblich, so voll süßer Schwermuth, so reich +an musikalischen Schönheiten, als das vollkommene Rondo in #F#, mit dem +oblig: Baßethorne, #Non piu di fiori# im 2ten Akte. Die wenigen +instrumentirten Rezitative sind von Mozart, die übrigen alle – was sehr +zu bedauern ist, – von einer Schülerhand. + +Die Oper, die jetzt noch immer mit Entzücken gehört wird, gefiel das +erstemal bey der Krönung nicht so sehr, als sie es verdiente. Ein +Publikum, das vom Tanz, von Bällen und Vergnügungen trunken war, in dem +Geräusche eines Krönungsfestes, konnte freylich an den einfachen +Schönheiten Mozartscher Kunst wenig Geschmack finden. + +_Unter den teutschen Singspielen_ zeichnet sich die Entführung aus dem +Serail an Empfindung und Schönheit des Gesanges aus. Man sieht es ihr +an, daß sie bald nach Idomeneo gedichtet ward. + +Das kleine Singspiel, der _Schauspieldirektor_ ist blos ein +Gelegenheitsstück für den kaiserl. Hof in Schönbrunn. Was soll ich von +der _Zauberflöte_ sagen? Wer kennt sie in Teutschland nicht? Giebt es +ein Theater, wo sie nicht aufgeführt ward? Sie ist unser Nationalstück. +Der Beyfall den sie überall – überall erhielt, von dem Hoftheater an, +bis zu der wandernden Bühne des kleinen Marktfleckens, ist bisher ohne +Beyspiel. In Wien wurde sie nur im 1ten Jahre ihrer Erscheinung mehr als +_hundertmal_ aufgeführt. + +_Die 2te Klasse_ seiner Werke begreift die Kompositionen fürs Klavier. +Darunter glänzen am meisten die Klavierkonzerte, worinn Mozart ohne +Nebenbuhler den ersten Rang behauptet. Hier, so wie in vielen andern +Fächern war er Erfinder einer neuen Gattung. Diese Werke enthalten +einen unerschöpflichen Reichthum an den treflichsten Gedanken, die +glänzendeste Instrumentation, und erschöpfen fast alle Tiefen des +Kontrapunktes. + +Die Sonaten aller Art _mit und ohne_ Begleitung sind in jedermanns +Händen. Unter denselben sind die Trio am originellsten geschrieben. Das +berühmte Quintett fürs Klavier mit Begleitung einer Oboe, einer +Klarinette, eines Waldhornes und Fagottes halten Kenner für sein +Meisterstück in Rücksicht der Instrumentation; geschrieben im J. 1784 +_den 30ten März_. Die vielen _Variazionen_ zeichnen sich durch +Reichthum, Manigfaltigkeit und Neuheit vor allen ähnlichen Werken aus. +Die letzten, die er setzte, sind die, über das Lied: _Ein Weib ist das +herrlichste Ding_; den 15ten März 1791 komponirt. Diese Klasse seiner +Werke ist die zahlreichste. + +_Die 3te Klasse_ begreift die Sinfonien; die schönsten davon, die er in +den Jahren 1786 bis 1788 schrieb, sind folgende 4: in #D#, #Eb#, #G mol# +und #C# mit der Fuge im letzten Stücke. Alle können den schönsten von +_Hayden_ an die Seite gesetzt werden; er entfaltete darinn seine Kunst +der Komposition im höchsten Grade. Die Opernsinfonien sind bekannt und +bewundert genug. + +_Zur 4ten Klasse_ gehören Gelegenheits-Kantaten mit vollstimmiger +Begleitung. In dem Verzeichnisse sind 3 aufgemerkt. + +_In die 5te Klasse_ können die einzelnen Scenen und Arien gerechnet +werden, die er für musikalische Akademien oder für besondere Sänger +schrieb. In dem Verzeichnisse sind 22 solche enthalten, für allerley +Stimmen. + +_6te Klasse:_ teutsche Lieder mit Klavierbegleitung allein; in dem +Verzeichnisse sind 20 Stücke aufgezeichnet, worunter _die_ so bekannte +_Abendempfindung_, _das Veilchen_ und an _Chloe_, so voll Einfachheit, +Ausdruck und Empfindung, _kurz so schön_ sind, daß man sagen kann, +Mozart hätte blos mit diesem sich unsterblichen Ruhm erworben. Daraus +vorzüglich mögen seine Tadler sehen, ob er nicht _groß_ in der +Singkomposition war? Ob er den Worten Leben zu geben, auch ohne das +Rauschen der Instrumente nicht verstand? + +_7te Klasse:_ Konzerte für verschiedene Instrumente schrieb er am +seltensten. + +In dem Verzeichnisse sind nur folgende angemerkt: 1) Ein Andante zu +einem Violinkonzert; 2) Ein Konzert für das Waldhorn. 3) _Für die +Harmonika_; 4) für die Klarinette. + +_8te Klasse:_ Violinquartetten und Quintetten. Unter den Quartetten sind +die 6, die er Joseph Haydn dedizirte, klassisch. Später im Jahre 1789 +im Junius schrieb er 3 konzertante Quartetten für den verstorbenen König +von Preußen; nebst diesen ist noch ein einzelnes Quartett aus #D# im +Jahr 1786 geschrieben, und _eine einzelne Fuge_. + +_Originalquintetten_ sind in dem Verzeichnisse nur 4 aufgezeichnet; aus +#C#, #G mol#, #D dur# und #Eb#. Er schrieb bey seinem Aufenthalte in +München 1782 einige Nachtmusiken #à quadro# mit Begleitung 2er +Waldhörner, die man füglich als Violinkonzerte betrachten kann – alle +diese Sachen sind voll Gedanken und Schönheiten. Ein konzertantes +Divertimento für 3 Stimmen, die Violin, Bratsche und das Violoncello ist +vorzüglich schön und voll hoher Kunst. Die 2 Duetten für die Violin und +Bratsche sind bekannt und beliebt genug. + +_9te Klasse:_ Parthien für blasende Instrumente zu Tafel- und +Nachtmusiken. Hier in Prag sind mehrere bekannt. Ihre Schönheiten sind +bezaubernd, und reißen auch das gefühlloseste Herz hin. Es existirt auch +eine Nachtmusik aus 13 blasenden Instrumenten von seiner Arbeit. + +_10te Klasse: Tanzstücke._ Mozart schrieb mehrere Parthien, Menuetten +und teutsche Tänze für den Kaiserl. Redouten Saal zu Wien. Wie sehr +diese Sachen von seiner Arbeit gesucht wurden, sieht man aus dem +Verzeichnisse, wo jeden Karneval eine Menge Menuetten, Teutsche, Walzer +und Kontratänze angemerkt sind. + +_11te Klasse: Kirchenmusik_, war das Lieblingsfach Mozarts. Aber er +konnte sich demselben _am wenigsten_ widmen. Die Messen, die von ihm +übrig sind, wurden bey verschiedenen Gelegenheiten und Einladungen +verfertigt. Alle, die wir hier in Prag gehört haben, tragen den Stempel +seines Genies. In dem Verzeichnisse ist keine einzige Messe angezeigt – +ein Beweis, daß alle, die wir haben, in frühere Zeiten seines Lebens zu +setzen sind. Nur ein Graduale auf den Text: #ave verum corpus# hat er im +Junius 1791 verfertiget. + +Mozart würde in diesem Fache der Kunst seine ganze Stärke erst gezeigt +haben, wenn er die Stelle bey St. Stephan wirklich angetreten hätte; er +freute sich auch sehr darauf. Wie sehr sein Genie für den hohen Stil des +ernsten Kirchengesanges gemacht war, beweiset seine letzte Arbeit, die +_Seelenmesse_, die gewiß _alles_ übertrifft, was in diesem Fache bisher +ist geleistet worden, und nicht so bald übertroffen werden wird. + +Nebst diesen Gattungen seiner Werke hinterließ er 10 #Canoni# blos für +Singstimmen; und zwar 8 vierstimmige, und 2 dreystimmige, sowohl +komische, als ernsthafte. Sie sind nicht nur Meisterstücke in der Kunst +sondern auch sehr unterhaltend. + +Zum Schlusse setzen wir noch eine Anekdote her, die mehr als eine +Lobrede sagt. Ein alter italienischer Impressarius einer +Operngesellschaft in Teutschland, der es an seiner Kasse zu fühlen +schien, daß seit Mozart keine andern Opern, am wenigsten die von +welschen Authoren gefallen wollen, pflegte immer, so oft er in seiner +Opernregistratur auf eine Oper von Mozart kam, mit einem Seufzer +auszurufen: _Der ist mein Unglück!_ + + + +Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf +Grundlage der 1808 erschienenen zweiten Auflage erstellt. Kleinere +Unregelmäßigkeiten in der Schreibweise wurden beibehalten. Die +nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem +Originaltext vorgenommenen Korrekturen. + +Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen +wurden folgendermaßen ersetzt: + +Sperrung: _gesperrter Text_ +Großdruck: =groß gedruckter Text= +Antiquaschrift: #Antiquatext# + +Die Fraktur-Ligatur für »etc.« wurde durch etc. ersetzt. + + +Transcriber’s Note: This ebook has been prepared from the second edition +published in 1808. Minor spelling inconsistencies have been maintained. +The table below lists all corrections applied to the original text. + +The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been +replaced by: + +Spaced-out: _spaced out text_ +Bigger font: =bigger font= +Antiqua: #text in Antiqua font# + +The ligature for “etc.” has been replaced by etc. + + +p. 004: und deu Thatsacheu -> und den Thatsachen +p. 006: Es ist noch uicht fertig -> nicht +p. 009: [added period] Tanzstücke u. d. gl -> u. d. gl. +p. 011: ihn nicht weier stören -> weiter +p. 013: [added comma] in einer Sache, wo das +p. 013: auserordentlich großen Talent -> außerordentlich +p. 015: zweyten Tochter der Königs -> des +p. 016: den 10 April 1764 -> 10. April +p. 017: konnte man ihm kaum vom Spielen -> ihn +p. 020: mit den man ihn aufnahm -> dem +p. 021: zu schatzen verstehen -> schätzen +p. 024: den vollendesten Künstler hörten -> vollendetesten +p. 025: Der Pabst durch alle die Wunder -> Papst +p. 025: [deleted period] den Karneval von 1773. eingegangen +p. 031: München eine Oper seria zu schreiben -> Opera +p. 033: der schon damal der Stolz -> damals +p. 036: [deleted comma] Man sieht, es diesen Quartetten an +p. 041: obschon sie wohl hundermal gehört waren -> hundertmal +p. 042: empfing ihm das ganze -> ihn +p. 043: Der große Rnf seines Namens -> Ruf +p. 044: oft von da Einladuugen -> Einladungen +p. 045: vom dem Roste der Mode -> von +p. 048: eben so geheimnißvoll als merkmürdig -> merkwürdig +p. 048: sich in dieser Gattuug -> Gattung +p. 053: der Unbekannte Verehrer -> unbekannte +p. 054: [added comma] und wahrlich, bis jetzt +p. 055: ein feyrrliches Seelenamt -> feyerliches +p. 057: das Haus voll, nnd die Einnahme gut -> und +p. 057: [deleted comma] nicht weniger, als 30,000 Gulden +p. 057: [added comma] eine Summe, über die +p. 060: über ihn so streng urtheien -> urtheilen +p. 062: so drückt sich ein Berliner Wochenblatt, worinn -> aus, worin +p. 068: [added comma] zu dem einfachen Liede, von der +p. 070: die Meisterstücke der Römer und Griechen -> Die +p. 072: [deleted comma] 20, bis 30 Jahre alt +p. 072: bey dem gewöhnlichen Kompositionen -> den +p. 072: von so unbestimmten Charakter -> unbestimmtem +p. 072: [added comma] Anmuth und Lieblichkeit, diese wahren Zaubermittel +p. 082: [added comma] damit herum, dachte sich +p. 085: die am 30 September geschah -> 30. September +p. 092: Schriftsteller der gebildesten Nationen -> gebildetesten +p. 093: Unter guten Freuden -> Freunden +p. 096: nach eigenem Geständuisse -> Geständnisse +p. 096: Menschrnfreundlich und uneigennützig -> Menschenfreundlich +p. 096: den Werh des Geldes -> Werth +p. 096: nnd zog sich dadurch -> und +p. 100: [deleted period] seit dem Jahre 1784. bis -> 1784 bis +p. 101: Eine Klavierkantatate -> Klavierkantate +p. 101: das Neue in ihrer Ausführuug -> Ausführung +p. 102: verdienen hier allerdings einen Plaz -> Platz +p. 102: Wie ihr Schöpfer kannt’ und grif -> griff +p. 107: wo Popularität uöthig war -> nöthig +p. 111: in leiblicher Eintracht gepaart -> lieblicher +p. 116: auch das gefülloseste Herz -> gefühlloseste +p. 116: [added comma] mehrere Parthien, Menuetten und teutsche Tänze +p. 117: sieht mau aus dem -> man +p. 117: 11te Klase: Kirchenmusik -> Klasse +p. 118: sondern auch sehr unhaltend -> unterhaltend + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Lebensbeschreibung des k. k. +Kapellmeisters Wolfgang Amad, by Franz Xaver Niemetschek + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LEBENSBESCHREIBUNG *** + +***** This file should be named 29474-0.txt or 29474-0.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/2/9/4/7/29474/ + +Produced by Norbert H. 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