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+Project Gutenberg's Geschichte der Ilchane, by Joseph von Hammer-Purgstall
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Geschichte der Ilchane
+ das ist der Mongolen in Persien
+
+Author: Joseph von Hammer-Purgstall
+
+Release Date: March 20, 2010 [EBook #31713]
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+Language: German
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+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE ***
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+Produced by Wolfgang Menges, Karl Eichwalder, Carl Hudkins
+and the Online Distributed Proofreading Team at
+https://www.pgdp.net (This book was produced from scanned
+images of public domain material from the Google Print
+project.)
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+Anmerkungen zur Transkription:
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+Kursiv gedruckte Passagen im Originaltext sind hier durch _Unterstriche_
+gekennzeichnet, fett gedruckte Stellen durch GROSSBUCHSTABEN. "RN" steht
+für "Randnote". Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende des Textes.
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+
+
+
+GESCHICHTE
+
+DER
+
+ILCHANE
+
+DAS IST
+
+DER MONGOLEN IN PERSIEN
+
+VON
+
+HAMMER-PURGSTALL.
+
+
+Mit
+
+neun Beilagen und neun Stammtafeln.
+
+
+Erster Band.
+
+Mit vier Beilagen.
+
+
+Darmstadt.
+
+DRUCK UND VERLAG VON CARL WILHELM LESKE.
+
+1842.
+
+
+
+
+An
+
+SEINE MAJESTÄT
+
+den
+
+KÖNIG VON BAYERN.
+
+
+ Allerdurchlauchtigster König,
+ Allergnädigster Herr!
+
+Von der deutschen Hauptstadt der Künste, von der Residenz EUERER MAJESTÄT,
+wo ich vor drei Tagen mit der Akademie der Wissenschaften das ALLERHÖCHSTE
+Geburts- und Namensfest gefeiert, bin ich nach Berchtesgaden geeilt, wo der
+erhabene Schutzgenius der schönen Künste im schönsten Tempel der Natur
+residirt, um demselben in ALLERHÖCHST IHRER Person die Verehrung und
+Bewunderung zu zollen, womit der Verein der Kunstwunder zu München jeden
+Besucher erfüllt.
+
+Da mir EUERE MAJESTÄT allergnädigst erlaubet haben, mit ALLERHÖCHST IHREM
+Namen das Giebelfeld eines meiner Werke zu schmücken, so erscheint die
+Geschichte der Mongolen Persiens, wenigstens durch die Namen ihrer grossen
+Fürsten, Bauherren, Gönner der Künste und Beschützer der Wissenschaften,
+solcher Ehre nicht unwürdig.
+
+Wenn die Bauten Ghasan's und Chodabende's zu Tebris und Sultania nach einem
+halben Jahrtausend die Namen ihrer Erbauer nur in Ruinen verherrlichen, so
+liegt die Schuld davon nicht sowohl in Elementarereignissen und in
+feindlicher Verheerung, als in dem Mangel an erhaltender Fürsorge, welche
+Werken der Kunst wie den Staaten Dauer versichert.
+
+Geruhen EUERE MAJESTÄT, als Schöpfer eines Pantheon der Künste, als
+Erhalter der ältesten Denkmale derselben und eines blühenden Reiches, die
+Huldigung meiner tiefsten Ehrfurcht allergnädigst zu genehmigen.
+
+ _Berchtesgaden_,
+ an Göthe's Geburtstag HAMMER-PURGSTALL.
+ _1841_.
+
+
+
+
+Vorrede.
+
+
+Diese Geschichte der Mongolen in Persien ist das Seitenstück zu der im
+vorigen Jahre erschienenen des mongolischen Reiches in Kiptschak; jene ist
+durch die Preisfrage der Petersburger Akademie veranlasst worden, die
+Schreibung dieser ist aus eigenem Antriebe hervorgegangen. Bei der zum
+Behufe der ersten nöthig gewordenen Sichtung der aufgeschichteten Massen
+historischen Materials, ward es klar, dass zur zweiten, in den
+orientalischen selbst durch Herrn von d'Ohssons sehr schätzbare Geschichte
+nicht erschöpften Quellen, weit mehr dankbarer historischer Stoff
+vorhanden.
+
+Die Geschichte der Mongolen in Kiptschak liegt dem Europäer zwar näher
+wegen der verheerenden Raubzüge durch Polen und Ungarn bis ins Herz von
+Deutschland, und wegen der tatarischen Herrschaft in Russland; aber die
+Geschichte der Mongolen in Iran hat das grössere Interesse wichtigerer
+asiatischer Weltereignisse, wie der Ruin der Assassinen und des Chalifates,
+der Sturz alter Dynastien und die Gründung neuer, bisher selbst den
+Orientalisten kaum dem Namen nach bekannter, die Feldzüge wider Aegypten
+und das dschagatai'sche Reich, die diplomatischen Verhältnisse zwischen den
+Kreuzfahrern und dem Papste. Der Ulus Dschudschi's beherrschte mit dem
+europäischen das asiatische Russland, welches damals noch, wie von allem
+Anfang der Geschichte her, in Asien das Land der Finsterniss und der
+Barbarei, während Persien von der ältesten Zeit an das Land geregelter
+Herrschaft und Religion, der Sitz von Wissenschaft und Künsten, der
+Schauplatz grosser Bauten und Gelehrten, und der Mittelpunkt
+mittelasiatischer Cultur.
+
+Zudem beut diese Geschichte keine Lücken, wie jene von Kiptschak, und
+selbst über das zerrissene Ende derselben, wo die Thronanmasser über
+einander stürzen, schwebt kein solches Dunkel, wie über die letzten
+Herrscher des Uluses Dschudschi. Der Strom geschichtlicher Erzählung
+fliesst also in geregeltem Flussbette reich und ruhig. Der in der
+Geschichte von Kiptschak zur Rechtfertigung vor überstrengen akademischen
+Richtern nothwendig gewordene Reichthum erläuternder Noten enthebt hier von
+der Anhäufung derselben zur Beglaubigung vor sachkundigen Gelehrten und
+billigen Lesern. Die Sparsamkeit an Citaten wird also hier nicht bedauert
+werden, und noch weniger der Mangel an aller Polemik, welche in der
+Geschichte von Kiptschak Nothwehr zur literarischen Ehrenrettung. Dafür ist
+in dem Texte keine Nachricht von Dynastien oder Oertern übergangen worden,
+wodurch das Gebiet der Geschichte und Erdbeschreibung erweitert, keine
+Kunde von Sitten und Literatur, wodurch der Charakter der Völker und ihrer
+geistigen Kultur beleuchtet wird.
+
+ SCHLOSS HAINFELD,
+ den 24. October 1841.
+
+
+
+
+Erstes Buch.
+
+ Uebersicht der mongolischen Stämme, der Familie und Geschichte
+ Tschengischans; sein Gesetzbuch und sein Testament; Charakter
+ und Sitte, Aberglauben und Gebräuche der Mongolen. Die Regierung
+ Ogotai's, Gujuk's, Mengku's; die der gleichzeitigen Dynastien in
+ Asien und Aegypten.
+
+
+[Randnote: Mongolische Geschichte.]
+
+Tschengischans und seiner Nachkommen Thaten, die von ihnen zerstörten und
+gegründeten Reiche, ihre Raubzüge und Gesetzgebung, der Namen der
+_Tartaren_ oder _Tocharen_, d. i. _Tataren_, und der der _Moalen_ oder
+_Mogholen_, d. i. _Mongholen_, haben Europa durch zwei Jahrhunderte mit
+Erstaunen und Schrecken gefüllt, von der chinesischen Mauer bis an die von
+Wienerischneustadt und Olmütz, und fürchterlich hallte der Donner ihrer
+Heere von den Ufern des gelben Flusses bis an die des rothen Meeres, vom
+Altai bis an den Libanon zurück. Naturrevolutionen, mit denen _Gibbon_ das
+Erscheinen der Mongolen so treffend verglichen hat, lassen nicht tiefere
+Spuren ihrer verheerenden Kräfte auf der Oberfläche der Erde zurück, als
+die verheerenden Hufen mongolischer Heere, unter denen Reiche und Cultur
+zertreten wurden; sie fuhren daher wie die entfesselten Elemente, wie
+Orkane und grosse Fluthen und das Erdbeben und der Wetterstrahl; sie
+durchackerten die Erde mit dem Schwerte und düngten sie mit Blut. Das
+Jahrhundert ihrer so fürchterlichen und verderblichen Grösse und Macht
+fällt zusammen mit dem zweiten der Kreuzzüge, das ist mit dem dreizehnten
+Jahrhundert unserer Zeitrechnung, dem durch grosse Begebenheiten vor
+anderen historisch wichtigen, durch die Umgestaltung so vieler asiatischen
+Reiche und durch den regsten Verkehr des Abendlandes mit dem Morgenlande.
+Einen so namhaften Platz die Kreuzzüge auch in der europäischen Geschichte
+einnehmen, so erscheinen sie in der asiatischen doch bei weitem nicht so
+bedeutend, indem dieselben nur den Westrand von Asien bestreifen. Die Ringe
+dieses Steinwurfs der Eroberung der Levante verebben schon an den Ufern des
+Nils und des Tigris, während die hochaufschäumende Woge mongolischer
+Eroberungsfluth über ganz Asien bis nach Europa, vom Baikalsee bis an den
+Platensee, und vom Kokonor bis an den Ladoga sich verheerend fortwälzt. Die
+Wichtigkeit der Geschichte der Mongolen und die Grösse des Stoffes springt
+also von selbst in die Augen. Sie zerfällt in viererlei Geschichten, deren
+jede, bei dem Reichthume der Quellen, Stoff für mehrere Bände. _Erstens_
+die Geschichte _Tschengischans_; _zweitens_ die der vier _Uluse_, d. i. der
+durch die Nachkommen seiner vier Söhne beherrschten Reiche; dann nach der
+Theilung der Herrschaft des vierten Uluses in das östliche chinesische und
+in das westliche persische Reich, _drittens_ in die Geschichte der _Juan_
+oder der chinesischen Kaiser aus den Nachkommen _Kubilai's_; und _viertens_
+in die der _Ilchane_ oder persischen Herrscher, Nachkommen _Hulagu's_, des
+Bruders Kubilai's. Eine vollständige Geschichte dieser Reiche könnte sich
+keine engeren Gränzen des Umfangs stecken, als die des osmanischen; die
+vorliegende beschränkt sich nur auf den vierten und letzten Zeitraum, als
+ein Seitenstück zu der Geschichte der goldenen Horde in Kipdschak, aber von
+weit grösserem Interesse, als jene, in Bezug auf Asien.
+
+[Randnote: Die der persischen Ilchane.]
+
+Die Geschichte des von Hulagu gegründeten Reichs der persischen _Ilchane_,
+d. i. _Landes_- und _Volksfürsten_ [denn _Il_ heisst sowohl das eine als
+das andere[1]], füllt nur Ein Jahrhundert, von der Hälfte des dreizehnten
+bis in die Hälfte des vierzehnten unserer Zeitrechnung[2], während welchem
+siebzehn Ilchane gezählet werden, von denen aber nur die neun ersten
+achtzig Jahre den Thron als Alleinherrscher füllten, die acht anderen sich
+um denselben mit ihren Mitbewerbern stritten, bis dass das mit so grosser
+Machtäusserung gegründete, mit so grossem Glanze unter neun Herrschern
+aufrecht gehaltene Reich der Ilchane, nach dem Tode _Ebu Said's_, durch die
+inneren Kriege der Thronanmasser zerfiel und sein Andenken nur in drei, aus
+den Ruinen derselben emporgeschossenen Pilzlingen mongolischer Dynastien,
+in denen der _Indschu_, _Tschoban_ und _Ilkaan_, noch kurze Zeit
+hinterliess, wie das untergegangene Reich der goldenen Horde in Kipdschak
+in den aus seinen Trümmern entstandenen Dynastien der Chane von _Kasan_,
+_Astrachan_ und der _Krim_ noch längere Zeit fortgelebt. Jene persischen
+und diese kipdschakischen Dynastien gehören aber nicht mehr eigentlich der
+Geschichte der Mongolen an, deren Herrschaft nur von Tschengischan's
+Auftritt als Eroberer bis zum Untergange der goldenen Horde in Russland und
+zur Erscheinung Timurs, nur zweihundert Jahre gedauert. Die Hälfte dieser
+Zeit nimmt die Geschichte der persischen Ilchane als die glänzendste der
+vier Uluse in Anspruch, die glänzendste durch die Eroberungen des Gründers
+_Hulagu_ und seines Nachfolgers _Abaka_, durch die gesetzgebende Weisheit
+_Ghasan's_ des siebenten und seines Nachfolgers _Oldschaitu_ nicht
+unrühmliche Regierung, endlich durch den Flor der persischen Literatur
+während dieses Jahrhunderts. Die grössten Geschichtschreiber der Perser,
+_Dschuweini_, der Wesir Hulagu's, und _Reschideddin_, der Wesir Ghasan
+Chan's, haben die Geschichte Tschengischan's und der Ilchane Persiens aus
+den Quellen des goldenen Archiv's, d. i. des mongolischen Staatsarchivs,
+und der Begebenheiten ihrer eigenen Zeit als Augenzeugen und mithandelnde
+Werkzeuge beschrieben. Als Augenzeugen und Zeitgenossen schrieben auch
+_Hamdallah Mestufi_, der Verfasser der bessten persischen Geographie und
+Universalgeschichte, _Binaketi_, der Epitomator des grossen Werkes
+Reschideddin's, und _Wassaful-hasret_, d. i. der Lobredner der Majestät,
+unter _Oldschaitu_ und _Ebu Said_, dessen in allen Künsten der Rhetorik
+üppig wuchernder Styl wohl das Lesen seines Werkes erschwert, aber der
+historischen Wahrheit so wenig Eintrag thut, dass derselbe die einzige
+verlässliche Quelle, aus welcher die späteren, mit Recht geschätzten
+persischen Schreiber der Universalgeschichte: _Mirchuand_, _Chuandemir_,
+_Hafis Ebru_ und _Ghaffari_ geschöpfet. Schon Wassaf, wiewohl er erst unter
+dem achten und neunten Herrscher der Ilchane seine Geschichte schrieb, die
+mit Hulagu, dem Gründer der Dynastie, beginnt, fühlte zu Ende seines Werkes
+die Nothwendigkeit, demselben aus Dschuweini auch einen kurzen Ueberblick
+der Geschichte Tschengischan's und seiner vier ersten Nachfolger
+anzuhängen, welche besser dieselbe eingeleitet hätte, wie _Scherefeddin von
+Jesd_ die Geschichte Timur's mit einem kurzen Ueberblicke der Geschichte
+Tschengischan's und der vier Uluse aus den obigen Quellen eingeleitet hat.
+Die Nothwendigkeit solcher Einleitung dringt sich auch hier um so
+unabweislicher auf, als Tschengischan nur acht und zwanzig Jahre vor der
+Gründung des persischen Reichs durch Hulagu verstorben, als die
+mongolischen Stämme und die der Gründung des Reichs Hulagu's gleichzeitigen
+asiatischen Herrscher den Lesern unbekannt. Dieses Buch leitet daher
+dieselben durch die möglichst kurze Kunde über dieses Volk des Morgenlandes
+und seine Stämme, über Tschengischan und seine vier ersten Nachfolger, und
+über die dem Auftritte Hulagu's gleichzeitigen Herrscher Asiens in die
+Geschichte der persischen Ilchane ein.
+
+[Randnote: Türken, Tataren und Mongolen.]
+
+Das älteste der Völker, welche die Geschichte in Hochasien als Herrscher
+kennt, sind unstreitig die Türken, deren (der chinesischen Quellen zu
+geschweigen) die byzantinischen schon in der Hälfte des sechsten
+Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung erwähnen, wo die griechischen
+Kaiser mit dem Chane der Türken am _Altai_, d. i. dem Goldberge, durch
+Gesandtschaften verkehrten, d. i. schon sechs Jahrhunderte früher, als in
+der Hälfte des zwölften die Tataren und Mongolen durch Tschengischan in
+Europa geschichtlichen Namen erhielten. Die Geschlechtsregister der letzten
+sind augenscheinlich türkischen eingepfropft, um dunkeln Ursprung der Väter
+durch berühmte Altvordern zu adeln und ihr Geschlecht hinaufzuführen bis
+Türk, den Sohn Japhet's, den gemeinsamen Ahnherrn von Tatarchan und
+Mogolchan, die angeblichen Stammväter der Tataren und Mongolen. Der Namen
+der letzten taucht erst unter Tschengischan mit Gewissheit auf, da es nicht
+ausgemacht, ob die ältern _Moho_ der Chinesen eben so gewiss Mongolen, als
+ihre _Tata_ Tataren; wie aber Türken und Tataren ganz verschiedenen
+Stammes, indem jenen der Namen von diesen nur durch Missbrauch beigelegt
+worden, und noch beigelegt wird, so sind Tataren und Mongolen ursprünglich
+ein und dasselbe Volk, jenes der ältere unterjochte, dieses der jüngere
+unterjochende Zweig. Die Türken sind vom östlichen _Altai_, die Tataren vom
+_Baikalsee_ ausgezogen, die Mongolen am westlichen _Kentei_, von den
+Quellen des _Onon_ und _Kerulon_, wo im bewaldeten Gebirge _Burhan Kaldun_
+die Geburts- und Grabstätte Tschengischan's. Nachdem Tschengischan die ihm
+feindlichen Stämme der Tataren und ihre Verbündeten vernichtet oder
+unterjocht, nachdem seine Herrschaft durch Sieg und Eroberung von den Ufern
+des vaterländischen Sees _Dalai Nor_ bis an die des persischen Sees von
+_Meragha_ über siebzig Längengrade ausgedehnt war, buhlten die unterjochten
+Völker um die Ehre, dem siegenden und erobernden, dem gesetzgebenden und
+herrschenden anzugehören; Türken und Tataren zählten sich nun den Mongolen
+bei, wie diese in ihren Stammregistern sich früher den Türken
+angeschlossen, wiewohl beide durch die nicht zu überspringende Kluft von
+verschiedener Sprache und Gesichtsbildung von einander scharf getrennt.
+Tataren wollten Mongolen, Türken Tataren heissen; hingegen protestirten die
+Mongolen wider den Namen von Tataren, wie noch heute die Osmanen wider den
+von Türken. Die Eitelkeit, altem Geschlechte anzugehören, und Adelstolz
+(derselbe bei Völkern, wie bei Individuen), bringt durch Ahnen- und
+Namen-Vermengung in die Stammtafeln von beiden nur Irrthum und
+Verwirrung[3]. Eben so richtig als lichtvoll ordnet der grosse
+Geschichtschreiber der Mongolen, Reschideddin, Anfangs seines Werkes eine
+Centurie von Stämmen, welche zu seiner Zeit alle auf den Ehrennamen von
+Mongolen Anspruch machten, ausser den Türken (denen er die Uighuren der
+Sprache nach beigezählt) in drei Klassen, nämlich in Tataren (desselben
+Stammes und derselben Sprache, wie die Mongolen), welche ursprünglich den
+Namen von Mongolen nicht führten[4]; zweitens in Völker verschiedenen
+Ursprungs, welche, weder Tataren noch Mongolen, den Namen der letzten der
+Aehnlichkeit wegen annahmen, wie die _Turkmanen_ den der Türken, und die
+daher am bessten _Mogolmanen_ genannt würden, weil sie an die Mongolen
+_mahnen_[5], wie jene an die Türken; drittens in die eigentlichen Mongolen,
+welche wieder in zwei Abtheilungen zerfallen, nämlich in die Mongolen
+_Durlegin_, der neun Geschlechter vor _Alankowa_, der neunten Ahnfrau
+Tschengischan's, und die Mongolen _Nirun_, deren Stammväter alle aber
+Nachkommen _Alankowa's_. Es ist nöthig, den Leser wenigstens mit einem
+Viertel der Centurie von Stämmen, die zur Zeit Reschideddin's, d. i.
+Anfangs des vierzehnten Jahrhunderts, bestanden, bekannt zu machen, mit
+denen nämlich, welche ihre Berühmtheit vor anderen entweder ihren Helden
+und Frauen, ihrer Freundschaft für oder ihrer Feindschaft gegen
+Tschengischan, ihrer Opposition oder Verschwägerung mit dessen Hause
+danken.
+
+[Randnote: Die Stämme Tatar und Merkit.]
+
+Von den ursprünglichen tatarischen Stämmen nennen wir zuerst den
+sechsgetheilten Stamm der Tataren selbst, von denen einer _Tschaghlan
+Tatar_, d. i. die weissen Tataren[6], hiess, im Gegensatze der übrigen,
+welche die schwarzen genennet werden; in der Folge wurde der Namen der
+weissen Tataren auch den Uiguren, welche Türken, und anderen türkischen
+Stämmen beigelegt, sowie den _Mandschu's_ der Namen der _Sui Tatar_, d. i.
+der Wasser- oder schlechten Tataren; die mächtigsten und gefährlichsten der
+Feinde des Hauses Tschengischan's, welcher bei seiner Geburt den Namen
+_Temudschin_ erhielt, weil am selben Tage sein Vater _Jesukai Behadir_
+einen tatarischen Fürsten, _Temudschin_, geschlagen und gefangen gemacht.
+Der Namen, den er trug, von dem am Tage seiner Geburt besiegten
+Tatarfürsten hergenommen, und die in seiner Jugend von den Erbfeinden
+seines Stammes erlittenen Unbilden spornten den Sohn Jesukai's zur Rache
+und zum Vertilgungskriege wider diese unversöhnlichen Feinde seines Hauses
+an; sie wurden vernichtet, und nur ihre Weiber gingen als Trophäen in das
+Frauengemach Tschengischan's und seiner Söhne über. Zwei der fünf
+Gemahlinnen Tschengischan's, _Jisulun_ und _Jisulut_, und eine seiner
+Beischläferinnen, Mutter seines als Kind verstorbenen Sohnes _Uradschagan_,
+waren Tatarinnen, so auch eine Frau seines Bruders _Dschudschi Kasar_,
+seines Sohnes _Batu_ und _Tudai Mengku's_, des Herrschers von Kipdschak.
+Die beiden Gemahlinnen Tschengischan's erflehten von ihm das Leben zweier
+Kinder ihres Stammgenossen _Kuli_ und seines Bruders _Karamengku_, welche
+beide gross gewachsen, den Dienst von _Bawerdschi_, d. i. Tafeldecker,
+bekleideten. _Kuli_ genoss des grössten Ansehens und schloss sich nach
+Tschengischan's Tod an die grosse Frau _Sijurkukteni_, die Gemahlin
+_Tuli's_, welche ihn zum grossen Emir des Lagers und Obersthofmeister
+_Sijuktu's_[7], des Sohnes _Tuli's_, ernannte. _Sali_, der Sohn
+Karamengku's, erscheint unter der Regierung _Mengkukaan's_, gleich beim
+ersten Feldzuge Hulagu's, als Sicherer des Rückens des Heers an der
+indischen Gränze; bei Tschengischan selbst aber galt mehr, als die beiden
+von seinen beiden Gemahlinnen zum Leben erbetenen obgenannten Kinder, und
+mehr als die beiden Frauen _Akutuku's_, der Tatare _Kutku Nujan_; von
+_Tschengischan_ als Findelkind angenommen und seiner ersten Gemahlin, noch
+ehe sie ihm einen Sohn geboren, zur Pflege empfohlen, hatte sich _Kutku_
+schon als zwölfjähriger Knabe Tschengischan's besondere Zuneigung durch
+seine Tapferkeit erworben, indem er taidschutischen Dieben ihre Beute
+abjagte, und als fünfzehnjähriger Jüngling mitten im tiefen Schnee allein
+dreissig Hirsche erlegt hatte. Er durfte den Tschengischan _Itsche_, d. i.
+Vater, und dessen Gemahlin _Ike_, d. i. Mutter, nennen. _Ogotai_, der Sohn
+und Nachfolger Tschengischan's, gab ihm den Ehrentitel eines Prinzen,
+_Aka_, mit dem Vorsitze vor seinen eigenen Söhnen, und noch achtzigjährig
+versah er das Amt des Oberrichters nach seinem Wahlspruche: _Fürchte Nichts
+und sprich recht_.[8] Die Tataren sassen an der Gränze China's, dessen
+Kaisern sie meistens steuerpflichtig waren.[9] 2. Der zweite feindliche
+Stamm, welchen Tschengischan wie die Tataren als unversöhnliche Feinde mit
+Vernichtungskrieg zu Boden trat, war der in vier Zweige getheilte der
+_Merkit_ oder _Mekrit_, auch _Udujut_ genannt, denen die _Solongos_
+beigezählt wurden. Ihr Fürst _Tuktaibeg_ fiel mit sechs seiner Söhne als
+Opfer der unversöhnlichen Feindschaft. Selbst der jüngste, welchem als
+einem trefflichen Bogenschützen _Dschudschi_, der älteste Sohn
+Tschengischan's, das Leben retten wollte, musste hingerichtet werden auf
+ausdrücklichen Befehl des Vaters, welcher dem Sohne diese Milde nie vergab.
+_Tairosim_, einer der Ersten des Stammes, gab dem Tschengischan die Tochter
+_Kulan_ zur Frau, welche ihm den Sohn _Kulkan_ gebar. Vom Schwiegervater
+bekriegt, verlor Tairosim die Schlacht, und seine Frau _Turakina_, welche
+dem Sohne Tschengischan's beigelegt wurde, eine der grössten mongolischen
+Frauen, verschaffte als Regentin nach Ogotai's Tode ihrem Sohne _Gujuk_
+(dessen Gemahlin ebenfalls eine Merkitin) die Herrschaft. Die Sitze der
+Merkit waren im Osten des mongolischen Stammgebietes am linken Ufer der
+_Selinga_.
+
+[Randnote: Die Stämme Dschelair, Sunit, Torghod, Uirat.]
+
+Der zehngetheilte mächtigste Stamm der _Dschelairen_, welche in dem
+Stammgebiete des Hauses Tschengischan's am Onon, in siebzig Ringen, wie die
+_Avaren_, jeder Ring tausend Familien stark, sassen, ist einer von der
+ältesten bis in die neueste Zeit durch historische Namen und Begebenheiten
+merkwürdigsten. Die Nachkommen des Brüderpaars _Dschudschi Tumle_ und
+_Dschudschi Dschawerkai_, welche der Anlass des Kriegs Tschengischan's mit
+den Taidschuten, haben unter den persischen Ilchanen zahlreiche und
+wichtige Aemter des Staats und Hofs bekleidet; _Kadan_, der Dschelaire vom
+Gefolge Tschengischan's, hatte zwei Söhne, _Iluk_ und _Ildschikitai_, wovon
+jener Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des Sohnes und zweiten Nachfolgers
+Tschengischan's, Ogotai's; dieser schätzte ihn sehr hoch, erlaubte ihm aber
+nicht, den Bruder Ildschikitai zu tödten, der sich vor ihm ebenfalls zu
+Ogotai geflüchtet. Auf dem Landtage der Wahl Mengkukaan's spielte
+Ildschikitai eine höchst wichtige Rolle, indem er die Rechte des Uluses
+Ogotai's auf den Thron wider die Ansprüche des Uluses Kubilai's
+vertheidigte; im Gegentheile leistete der Dschelaire _Mingkasar Nujan_, aus
+dem Zweige der Dschat, Grossfürst und Oberrichter _Miafarakain's_, dem
+_Kubilai_ bei dem nach dessen Thronbesteigung über Majestätsverbrechen
+gehaltenen Gerichte die grössten Dienste, indem er über die
+widerspenstigen Prinzen der Uluse, Dschaghatai und Ogotai, das Todesurtheil
+aussprach. Der Dschelaire _Dauldu_ war Vogt der vier grossen Lager
+Tschengischan's und befehligte eine _Ssade_, d. i. Centurie, in jedem
+_Hesare_, d. i. Regiment von tausend Mann; endlich das Brüderpaar _Olai
+Kalschu_ und _Karadschai_, die Schafhirten Jisukai's, des Vaters
+Tschengischan's, denen er sich immer sehr dankbar bewies, weil sie seine in
+die Gefangenschaft der Merkit gerathene Gemahlin sicher zu Owangchan, dem
+Fürsten der Kerait, geleiteten; auf dem Rückzuge genas sie vom Erstgebornen
+Tschengischan's, welchen dieser, weil die (von Verläumdern sogar als zu
+spät verdächtigte) Geburt des Sohnes unerwartet kam, _Dschudschi_, d. i.
+den unverhofften Gast, nannte. Tschengischan wollte in der Folge das
+Brüderpaar mit Aemtern belohnen; sie zogen aber vor, in ihrem Stande zu
+bleiben und als Hirten seines Vertrauens zu geniessen; aus ihren Nachkommen
+ist _Sertak_, der Fürst des Lagers zur Zeit Arghunchan's, des fünften der
+persischen Ilchane, und von _Katschar_, dem Sohne _Sertak's_, leiten die
+heutigen Schache Persiens ihre Dynastie als eine zweite des Stammes der
+Dschelaire ab; denn eine frühere hatte nach Zertrümmerung des persischen
+Reichs der Ilchane der Dschelaire Hasan (beigenannt der _Grosse_, zum
+Unterschiede von _Hasan Dschoban_, aus dem Stamme _Suldu's_, welcher
+Stifter der Dynastie _Dschoban_ der _Kleine_ beigenannt ward) in Persien
+gestiftet, welche von der geschwächten Macht der _Ilchane_ Nichts als den
+verstärkten Titel als _Ilkaane_ führten. Aus dem Stamme der _Sunit_,
+welcher noch heute unter diesem Namen an der chinesischen Gränze
+sitzt,[10] war _Dschurmaghun_, welchen Ogotai, nachdem _Dschebe_ und
+_Subetai_ von ihrem persischen Feldzuge über Russland nach Hause gekehrt
+waren, als Befehlshaber Statthalter nach Persien gesandt. Nicht minder
+mächtig, als der Stamm der Dschelairen, war der der _Uirat_, deren Sitz
+zwischen den acht Flüssen, die sich in die untere _Ankara_ ergiessen[11],
+wo noch heute ihre Nachkommen unter dem verwandten Namen der _Buirat_, von
+allen Stämmen der mit dem Hause Tschengischan's am meisten verschwägerte,
+indem acht Uiratinnen in das Haus Tschengischan's verheirathet, und sieben
+Prinzen desselben an Uiratinnen vermählet waren. Die Grossmutter
+Tschengischan's, die Frau _Sunigil Futschin_, war aus dem Stamme der
+_Torghut_ oder _Torghod_, welcher noch heute ein Zweig der Kalmuken oder
+Oeluet (das nur die chinesische Aussprache für _Uirat_) und deren Andenken
+in Kleinasien (wohin sie mit Timur's Heere kamen) im Namen des Sandschaks
+_Torghud Ili_ fortlebt.
+
+[Randnote: Der Stamm der Kerait, Bekrin, Naiman, Tonghut und Uighur.]
+
+Drittens die Stämme der _Mogholmanen_, d. i. der Völker, welche weder
+Tataren noch Mongolen, mit den letzten verbunden, auf den Namen derselben
+Anspruch machten. Die mächtigste dieser Völkerschaften, die von
+nestorianischen Priestern zum Christenthum bekehrte[12] der _Kerait_; ihres
+Fürsten chinesischer Ehrentitel _Owang Chan_ erhielt durch die Missionarien
+des Mittelalters als Priester _Joannes_ keine mindere Berühmtheit, als in
+früherer mythologischer Zeit der Fisch _Oannes_ als Gesetzgeber an der
+Küste des rothen Meeres; die Hauptstadt derselben war die Stadt _Thianto_
+am Flusse _Hoangho_, d. i. am gelben Flusse, das Land Tendum[13] _Marco
+Polo's_; die Geschichte Owang Chan's und seines Bruders _Hakembo_[14] ist
+auf das engste mit der Geschichte Tschengischan's verbunden, welcher erst
+der Verbündete Owang Chan's, in der Folge denselben, weil er den Feinden
+Tschengischan's Gehör gegeben, bekriegte und vom Throne stürzte. Vergebens
+hatte Tschengischan früher die beiden Nichten[15] Owang Chan's für sich und
+seinen ältesten Sohn Dschudschi als Gemahlinnen begehrt; sie waren ihm
+verweigert worden, sowie die Hand der Enkelin Owang Chan's aus dem Sohne
+_Sinkun_; aber die beiden Töchter _Ettiku's_, des Bruders _Sinkun's_, die
+Frauen _Tokus_ und _Tukini_, wurden beide die Gemahlinnen _Hulagu's_, und
+die dritte Nichte Owang Chan's, die Schwester der dem Tschengischan und
+seinem ältesten Sohne verweigerten beiden Prinzessinnen, war die berühmte
+_Sijurkukteni_[16], unstreitig die grösste aller mongolischen Frauen,
+welche durch ihre Staatsklugheit dem Uluse Kubilai's den Thron verschaffte;
+Mutter vier der grössten Fürsten der mongolischen Geschichte, nämlich der
+Kaane _Mengku_ und _Kubilai_, des Ilchan's _Hulagu_, Gründers der
+mongolischen Dynastie in Persien, und _Arikbuka's_, der als Nebenbuhler den
+Brüdern den Thron streitig machte. Auch _But Tengri_, der Stiefvater
+Tschengischan's, welcher um die Hand der Keraitin _Kadan_ geworben, erhielt
+einen Korb, wie Tschengischan und Dschudchi, von der Nichte Owang Chan's.
+Die nächsten südlichen Nachbarn der _Kerait_ waren die _Unkut_, d. i. die
+Wächter der grossen chinesischen Mauer; ihr Fürst _Alakusch_, Verräther an
+seinem Herrn, dem chinesischen Kaiser _Altun Chan_, öffnete dem Heere
+Tschengischan's den Durchgang, und erhielt dafür die Hand _Olakai Begi's_,
+der Tochter Tschengischan's, deren Sohn später mit der Tochter Tuli's
+vermählet ward; die Unkut waren mit dem Hause Tschengischan's, wie die
+Stämme der _Uirat_ und _Kerait_, durch Verschwägerung eng verbunden. Wie
+die Unkut in der Nähe der Kerait längs der chinesischen Mauer, so sassen
+diesen westlich die _Naiman_, deren berühmter Fürst _Kuschluk Chan_ einer
+der erbittertsten und mächtigsten Feinde Tschengischan's sich wider
+denselben, mit den Fürsten von acht anderen Stämmen er der neunte,
+verbündete.[17] _Kuschluk's_ Tochter _Linkum_ ward die Gemahlin Tuli's,
+Mutter seines dritten Sohnes _Kutumku_; auch Tuli's Beischläferin[18], die
+Mutter seines achten Sohnes _Muke_, welche aber an desselben Statt den
+vierten Sohn Kubilai säugte, war eine Naimanin. Die _Bekrin_ oder _Mekrin_,
+welche weder Mongolen noch Uighuren, sassen im Lande der letzten (in der
+kleinen Bucharei). Tschengischan nahm _Murkai_, die Tochter ihres Fürsten,
+zur Frau, welche nach Tschengischan's Tode, von seinem Sohne und Nachfolger
+_Ogotai_ vor seinen anderen Gemahlinnen geliebt, dem Bruder Dschagatai,
+welcher sie von ihm begehrt hatte, verweigert ward; auch die Gemahlin
+_Kaschin's_, des fünften Sohnes Ogotai's, die Mutter Kaidu's, des Vaters
+von vierzig Söhnen, welcher in der Geschichte des Uluses Dschagatai als
+Herrscher auftrat, war aus dem Stamme _Mekrin_. Zu den Mogholmanen zählt
+Reschideddin auch die _Kirgisen_ und _Kemdschiut_, welche, Türken[19] wie
+die _Ungut_, in Sibirien und an dem _Kem_ oder Jenisei sassen, von welchen
+sie ihren Namen haben. Die _Tanghut_ im Gebirgslande an der sinesischen
+Gränze, deren Hauptstadt _Ninghia_ am Ufer des gelben Flusses.
+Tschengischan, welcher in vier Feldzügen dieselben nicht zu unterjochen im
+Stande gewesen, starb auf dem letzten; und endlich in der kleinen Bucharei
+die _Uighuren_, deren Sprache türkisch, deren Religionslehre aber auf
+tübetanische hinweist, ein schriftgelehrtes Volk, von welchem die Mongolen
+Schrift und Belehrung annahmen.
+
+[Randnote: Die Dürlegin, deren Ausbruch aus Ergenekun.]
+
+Alle wirklichen Mongolen behaupteten, unmittelbar von _Tegus_ und _Kijan_
+abzustammen, welche einige Jahrhunderte vor Tschengischan sich mittels
+eines Durchbruchs aus dem Erzgebirge von Ergenekun, aus der Bothmässigkeit
+ihrer Sieger und Zwingherrn befreit hatten. Ein Paar tausend Jahre vor
+Tschengischan, so erzählt die Volkssage, waren die Mongolen von ihren
+Feinden, den Tataren, bis auf zwei Männer ausgerottet worden, deren einer
+_Tegus_, der andere _Kijan_, d. i. Strom, hiess; sie flüchteten in ein
+rundum von steilen Felsen umschlossenes Thal, wo sie im Verlaufe von
+Jahrhunderten sich vermehrend, ihres Bergkerkers und Bergbaues endlich
+müde, den Ausgang aus demselben sich nur dadurch bahnten, dass sie mit
+siebzig Blasbälgen die Flamme aufgeschichteter Holzstösse gegen die Erzwand
+trieben, bis dieselbe schmolz und ihnen freien Ausweg aus dem Gebirge
+gewährte, dessen Namen _Ergenekun_ als _festes Gewölbe_ oder auch als
+Gewölbe der _Kunen_ übersetzt werden kann; in der mongolischen Volkssage
+und in ihrem auf die Türken gepfropften Stammbaum scheint die
+geschichtliche Wahrheit der Unterjochung und Vertreibung der _Hiongnu_,
+d. i. Kunen, aus ihrem Reiche am Inschan gegen Norden am Altai, wo sie
+lange Zeit in dunkler Knechtschaft für ihre Sieger Bergbau trieben,
+verlarvt zu seyn. Das Erzgebirge _Ergenekun_ ist von europäischen Forschern
+mongolischer Geschichten theils am Kokonor[20], d. i. am blauen See, in
+Tangut im Süden der grossen Sandwüste _Schamo_ oder _Kobi_, theils im
+Nordosten derselben am See _Dalai_[21], d. i. am heiligen See, in welchen
+sich der Kerulon ergiesst, gesucht worden; dort, weil noch heute die
+steilen Ufer des Sees von den Mongolen _Gunergi_[20] genannt werden, hier,
+weil der in den See mündende Kerulon aus demselben unter dem Namen _Ergun_
+ausfliesst[21], und weil die Berge am mittleren Unun metallreich, wie der
+Inschan, an welchem die Herrscher der Hiongnu oder Kunen ihre
+Waffenarbeiter unterhielten[22]; aber wahrscheinlicher ist dieses
+Erzgebirge weder hier noch dort, sondern am Altai zu suchen, aus dessen an
+Gold wie an Eisen so reichhaltigen Felsenthälern die Türken im sechsten
+Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung in der byzantinischen Geschichte
+auftauchen; dorten ist der Felsendamm von Gog und Magog, welchen die alte
+mongolische Geographie und Geschichte bis an die kaukasischen Pforten
+zieht, und hinter welchen persische Geschichtschreiber und Dichter den
+Bergkerker der Mongolen verlegen[23]; doch gleichviel, seyen die Mongolen
+ursprünglich vom Inschan oder Kinschan (so nennen die Chinesen den Altai)
+ausgebrochen, seyen sie von den Ufern des _blauen_ oder heiligen Sees
+ausgegangen, das Andenken an diesen Auszug der Väter aus der Bergsclaverei
+lebte von Geschlecht zu Geschlecht fort (bis auf den heutigen Tag); das
+Fest des Auszugs ward alljährlich in der Nacht vor dem neuen Jahrestage als
+ein Fest der Bergleute und Schmiede gefeiert. Glühendes Eisen wurde in
+Gegenwart des Herrschers gehämmert und Gott für den Auszug aus dem
+Erzgebirge gedankt; später machte die Volkssage den Tschengischan, den
+Gründer der Grösse seines Volkes, selbst zum Schmiede[24], und am Berge
+_Tarchan_, d. i. der _Schmied_, welcher auf sieben deutsche Meilen
+sichtbar, aus rothem Granite als Riese den Eingang der grossen Sandwüste
+bewacht, wird noch der Ambos bewahrt, auf welchem Tschengischan der Erste
+das Eisen gehämmert; nicht ferne vom Berge _Tono_, d. i. der Rauchfang,
+wird noch an den Ufern des Kerulon der Rauchfang der Jurte gezeigt, in
+welcher er geschmiedet[25] haben soll. Auch in der altpersischen Geschichte
+war der Befreier des Volkes von der Tyrannei Sohaks der Schmied _Gjawe_,
+dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann das Reichspanier, und im
+Mongolischen ist _Tarchan_, d. i. der _Schmied_, gleichbedeutend mit
+Freiherr.
+
+[Randnote: Die Stämme der Uirangkut und Konghirat.]
+
+Die Mongolen, welche von den Altvordern stammen, die aus dem Erzgebirge
+Ergenekun zogen, heissen _Dürlegin_, bis auf _Alankowa_, die neunte Ahnfrau
+Tschengischan's, deren Nachkommen aus ihren drei Söhnen, die sie vom
+himmlischen Lichte empfangen, die _Nirunen_, d. i. die Reinen, heissen; von
+allen mongolischen Stämmen für den Mythologen und den Geschichtschreiber
+des Aberglaubens der Völker merkwürdigster Stamm ist der der _Uirangkut_,
+die einzigen Mongolen, welche nicht vor dem Donner zitterten, sondern den
+Blitz mit Fluchen beschworen; alle anderen fürchteten den Wetterstrahl als
+einen feurigen Drachen, der, aus dem Meere steigend, die Luft durchzieht
+und die Erde mit feurigem Schweife schlägt[26]; sie glaubten, dass
+ausgegossener Wein, süsse und sauere Milch und Trocknung von Schuhen den
+Blitz herbeiziehe, wesshalb dieselben in freier Luft zu trocknen verboten
+war; diese Meinung und dieses Verbot zeugt für die Fürchterlichkeit der
+Ungewitter in jenen Gebirgen und Seen, und für die frühe Erfahrung, dass
+Feuchtigkeit der besste elektrische Leiter; aus diesem Stamme waren die
+meisten _Kamen_, d. i. Schamanen, Beschwörer von Ungewittern und Geistern;
+aus demselben waren _Jisun Taischi_ und _Jisun Köke_, Befehlshaber des
+linken und rechten Flügels im Heere Tschengischan's, _Subutai Behadir_, der
+berühmte Feldherr, welcher mit _Dschebe Nujan_ die siegreichen Waffen der
+Mongolen durch Persien nach Kipdschak trug, endlich _Udadschi_, der
+Zeitgenosse Tschengischan's, dessen Nachkommen im Gebirge _Burhan Kaldun_
+die Grabwächter des tschengisischen Familienbegräbnisses, die Wächter der
+acht weissen Häuser (Ordu), welche dort in der Gegend _Jeke Utek_,
+zwischen der Schattenseite des westlichen Altai und der Sonnenseite des
+östlichen Kentei, aufgerichtet worden[27], nach aller Wahrscheinlichkeit
+die Ahnen des in der späteren mongolischen Geschichte erscheinenden und
+noch heute an der chinesischen Gränze sitzenden mächtigen Stammes der
+_Ordu's_[28]. Wenn der Stamm der _Urianghut_ so merkwürdig für den
+Mythologen und Ethnographen, so ist der siebenzweigige[29] der _Konghirat_
+noch weit bedeutender in der Geschichte Tschengischan's und seiner
+Nachfolger durch die vielfältige Verschwägerung desselben mit dem
+Herrscherhause, indem ein Dutzend der Frauen des tschengischanischen Hauses
+aus diesem Stamme in alle vier Uluse vermählt waren. Die Mutter
+Tschengischan's war aus einem der Zweige dieses Stammes, eine Olkonutin,
+und Tschengischan vermählte seine Töchter an Konghiraten; so gab er dem
+_Schingku Gurgan_ seine Tochter Tumalin mit dem Befehle über viertausend
+Konghiraten, eine andere wollte er dem Konghiraten _Tuli Amul_ zur Frau
+geben, liess ihn aber hinrichten, da dieser den Antrag mit dem kühnen Worte
+erwiederte: Wie soll ich deine Tochter nehmen, die Frosch und Schildkröte
+(quackend und duckmäuserisch sicher). Von _Bestui_, dem Stammvater der
+Konghirat und der sechs mit demselben verwandten Stämme, schreibt sich
+Alles, was in der mongolischen Hofsprache _golden_ heisst, her, wesshalb er
+auch _Bestui serin_, d. i. der goldene, beigenannt wird; daher das goldene
+Lager, das goldene Archiv, das goldene Gesicht und das goldene Zimmer des
+Herrschers. Aus den _Kinkliut_, einem Zweige der Konghirat, war _Miser
+Uluk_, von dessen Stärke und Gefühllosigkeit Reschideddin seltsame
+Anecdoten erzählt; drei Tage und Nächte schlief er statt der Decke mit
+Muscheln zugedeckt, so dass Vögel auf seinen Rücken nisteten und Eier
+legten; sein Sohn war der Stammvater der _Kurulas_, aus welchen _Merchitai_
+dem Tschengischan den wesentlichen Dienst leistete, ihm von der
+Verschwörung der feindlichen Stämme, welche den erbitterten Feind
+_Dschamuka_ zum Gurchan, d. i. zum grossen Herrscher ausgerufen hatten,
+die früheste Kunde zu geben. Die Gemahlin _Miser Uluk's_ war eine Chinesin,
+deren Namen[30] die auf dem Esel reitende Rose bedeutete, wesshalb der Sohn
+_Ildschigin_, d. i. Langohr, genannt ward, der Stammvater des siebenten
+Zweiges der Konghirat; sie hatten ihre Sitze an der chinesischen Gränze an
+den finsteren Wäldern des Gebirges _Hingan_[31], woher die unter dem Namen
+der _Karawinas_ berühmten Naphtafeuerwerker.
+
+[Randnote: Die Stämme Kungtan, Erlat, Huschin, Kelkenut, Bajaut, Suldus.]
+
+Der Namen des Stammes _Kungtan_ heisst die Grossnasichten, was sowohl
+physisch als moralisch für stolz und anmassend verstanden werden kann.[32]
+Aus diesen und den folgenden Stämmen der _Erlat_, _Huschin_ und _Suldus_
+waren die bessten persönlichen Freunde Tschengischan's, die werkthätigsten
+Helfer seiner Jugend und seines männlichen Alters. _Menglik Itschke_, der
+Kungtane, hatte nach Jisukai's Tode den dreizehnjährigen _Temudschin_
+gepflegt, sein Sohn aus einer früheren Ehe, _But tanri_, d. i. Gottes
+Ebenbild, trat als begeisterter Schamane auf und verwandelte im Namen des
+Himmels den Namen Temudschin's bei dessen Thronbesteigung in _Tschengis_,
+als gleichbedeutend mit Gewaltiger, grosser Chan; der diesem gewogenste
+Stamm waren die _Erlat_ oder _Arulad_, d. i. die Guten, als deren Chakan
+Tschengischan den Thron bestieg[33]; aus diesem Stamme war _Bughurdschin
+Nujan_, welcher mit _Burghul Nujan_, aus dem Stamme der _Huschin_, der
+Lebensretter Temudschin's, als er blutspeiend mitten im Schnee zu sterben
+Gefahr lief, wofür beide im höchsten Ansehen stehend in der Folge als die
+Waffengenossen, die ihm am Quell _Baldschuna_ treu geblieben waren, zu
+_Tarchanen_, d. i. Freiherren, geadelt, dieselbe Würde ohne Diplom
+erhielten und über Diplome erhaben erklärt wurden; auch den ganzen
+freundlichen Stamm der _Kelkenut_ adelte Tschengis als Freiherren, wie
+Kaiser Friedrich I. alle Einwohner einer italienischen Stadt zu Conti
+erhob; aus dem nicht minder freundlich gesinnten Stamme der Bajaut, welcher
+in zwei Abtheilungen an der Selinga sass, war _Böke Gurgan_, einer der
+Eidame Tschengischan's, dann _Ongkus Keisat_, d. i. der Truchsess[34], ob
+der Plünderung der Schätze des chinesischen Kaisers Altan Chan in der Folge
+verungnadet, und _Surkan_, der betraute Rath Tschengischan's, der, als die
+Fürsten der Tataren und _Dschadscherat_ um die oberste Herrschaft der
+Mongolen stritten, dasselbe dem Temudschin vorausgesagt. Endlich der Stamm
+_Suldus_, verherrlicht durch die Familie _Surghan Schire's_, des Retters
+Temudschin's, als dieser von seinen Feinden, den Taidschuten, gefangen, mit
+dem Blocke am Halse sich in einen Teich versteckte, so dass nur die Nase
+über dem Wasser sichtbar. Die alte Frau _Baidschu Ikadschi_ hatte sich
+seiner in dieser Sklaverei erbarmt; aber wichtiger war der Dienst, den ihm
+_Surghan Schire_ erwies, indem er, des Verborgenen gewahr, die ihn
+aufsuchenden Taidschuten vom Teiche ableitete, Abends denselben hervorzog
+und in seinem Hause in einem Sacke von Wolle verbarg; die Verfolger
+durchsuchten das Haus und stiessen mit Spiessen in den Wollsack; als sie
+ferne, gab ihm Surghan Schire Kleider, Waffen, Mundvorrath und eine weisse
+Stute, auf welcher er seiner Familie zueilte, die längst alle Hoffnung, ihn
+wieder zu sehen, aufgegeben; sein vierter Sohn, Tuli, sagte schon mehrere
+Tage hindurch: Mutter! der Vater kommt auf weisser Stute; und desselben
+Ankunft bestätigte des Knaben zweites Gesicht[35]. Viele der Nachkommen
+Surghan Schire's kamen mit Hulagu nach Persien, und von denselben stammt
+der berühmte Emir Tschoban, der Feldherr unter Ghasan, Oldschaitu und Ebu
+Said, der in des letzten Regierung so wichtige Rolle spielt, und dessen
+Sohn Hasan der Gründer der Dynastie _Tschoban_, welche, wie die der
+Ilkaane, sich aus den Trümmern des ilchanischen Reichs in Iran erhob.
+Tschengischan zählte unter den Stämmen der Durlegin mehrere Freunde als
+unter den achtzehn der ihm nächstverwandten, von den lichtempfangenen
+Söhnen von der neunten Ahnfrau abstammenden _Nirunen_, d. i. die Reinen.
+Sein eigenes Haus hiess erst von seinem Ahnherrn _Kabulchan_ nur das der
+_Kutat_ oder _Kitad_ und von seinem Vater _Jisukai_ das der _Kutat
+Burdschugin_, d. i. die rothbräunlichten Augen. Von diesen achtzehn Stämmen
+der _Nirunen_ wollen wir hier nur die vier mächtigsten, zwei freundliche,
+die _Taidschut_ und _Dschadscherat_, und zwei feindliche, die _Barin_ und
+_Jisut_, zur näheren Kenntniss einführen.
+
+[Randnote: Die Stämme der Taidschut, Dschadscherat, Barin und Jisut.]
+
+Die _Taidschut_, deren Namen an die Deutschen erinnert, wie der der
+_Dschete_ an die Geten, und der der _Dschurmanen_ an die Germanen, stammten
+mit den ihnen nächstverwandten drei Stämmen, der _Erikian_, _Sidschiut_ und
+_Dschinis_, von Baiduchan, dem sechsten Ahnherrn Temudschin's, dessen
+Urenkel Ainbaghi von den Tataren gefangen, dem chinesischen Kaiser
+ausgeliefert, auf einem Esel paradirt und dann geschunden worden; gleiches
+Schicksal hatte ein anderer Urenkel desselben, _Ökin Berkan_, und die
+Blutrache dieser beiden Urgrossoheime Temudschin's diente in der Folge, den
+wider die Dynastie der _Kin_ unternommenen Krieg zu rechtfertigen; aber
+früher hatte Temudschin eigene Unbild an diesem seinem Hause so nahe
+verwandten, aber feindlichen Stamme zu rächen; nach der Niederlage
+derselben zu _Baldschusch_ wurden die Gefangenen in siebzig Kesseln
+gesotten, welche in der mongolischen Geschichte eben so berühmt, als die
+siebzig Blasbälge, welche die Felsenwand von Ergenekun sprengten, als die
+siebzig Ringe[36] der Dschelairen, deren jeder aus tausend Familien
+bestand. An der Spitze des zweiten feindlichen Stammes der _Dschadscherat_
+oder _Dschuirat_, deren Stammvater Odurbejan, der Bruder Kabulchan's, des
+Urgrossvaters Temudschin's, stand Dschamuka, beigenannt _Satschan_, d. i.
+der Listige, der gefährlichste und unversöhnlichste aller Feinde
+Tschengischan's, dessen Ränke ihn mit Owangchan, dem Herrn der Kerait,
+entzweiten und der von Tschengischan endlich besiegt, dem Neffen Iltschidai
+zur Hinrichtung übergeben ward; doch theilten nicht alle Dschadscherat den
+unversöhnlichen Hass ihres Fürsten, indem Tschengischan Mehreren derselben
+wesentliche Dienste dankte, so den Brüdern _Kuschaul_ und _Dschusuk_,
+welche während Tschengischan's chinesischen Feldzugs seinen Jurt hüteten;
+und _Kalender_, welchen Tschengis in der Begleitung eines Uriangkuten mit
+erdichteter Botschaft im Namen seines Bruders _Dschudschi Kasar_ an
+Owangchan sandte, um diesen in die Falle zu locken. Aus dem Stamme der
+_Barin_, dem nächsten Verwandten der _Durban_, d. i. das Meer, die in den
+heutigen _Törbed_ fortleben, war _Sutukusu_ nach dem berühmten Feldherrn
+_Mokli Kajanik_ der zweite im Befehle, der noch als hundertjähriger Greis
+zur Zeit Ogotai's lebte und sich rühmte, den ersten Hochzeitsschmaus mit
+Tschengischan gefeiert zu haben; dann _Bigi_, der Barine, welchen Tschengis
+als _Ungkun_, d. i. freien Mann, erklärte, der bei ihm im höchsten Ansehen
+wie die Prinzen vom Geblüte zu seiner Rechten sass, und dessen Pferde in
+einer Hürde mit denen Tschengischan's; da er sehr alt, befahl
+Tschengischan, dass ihm der Rücken eines _Sukanut_ beim Aufstehen zum
+Schemel diene, woher diesem Stamme der Name _Aktadschi Bigi_, d. i. die
+Stallmeister _Bigi's_, blieb, wider welchen sie protestirten. Die _Jisut_
+endlich leiten ihren Ursprung von _Tschintai Utdschigin_, dem jüngsten
+Sohne Kabulchans, des Urgrossvaters Temudschin's, ab. _Utdschigin_, d. i.
+der Feuerhüter, hiess bei den Mongolen der jüngste Sohn, welcher während
+der Abwesenheit des Vaters und der Brüder im Felde das Haus als Ofensitzer
+hüten musste, und welcher nach des Vaters Tode dasselbe erbte, weil er
+besser als die Brüder im Felde sich mit der Wirthschaft bekannt zu machen
+Gelegenheit gehabt. Diesen Beinamen führen also mehrere in der mongolischen
+Geschichte berühmte jüngste Söhne als Ofensitzer-Haushüter, nebst
+_Tschintai_ noch _Budan Utdschigin_, der jüngste Sohn _Burtan Behadir's_,
+des Grossvaters Tschengischan's; _Taratai Utdschigin_, der jüngste Sohn
+_Jisukai's_, des Vaters Tschengischan's, und endlich _Tuli_, des letzten
+jüngster obengenannter Sohn. Diesen Stamm der Jisut verherrlicht die grosse
+zahlreiche Familie _Dschebe Nujan's_, des Waffengefährten _Subatai
+Behadir's_, welcher mit demselben den dreijährigen Feldzug wider Persien
+und Russland vollbracht.
+
+Erst nach dieser vorläufigen Kenntniss der berühmtesten Stämme des
+mongolischen Reichs ist es gerathen, die Geschichte seines Gründers kurz zu
+überblicken.
+
+[Randnote: Perioden der Geschichte Tschengischan's.]
+
+Temudschin ward am 20. Silkide des fünfhundert neun und vierzigsten Jahrs
+der Hidschret, d. i. am 26. Jänner d. J. tausend hundert fünf und fünfzig
+der christlichen Zeitrechnung, im letzten Jahre des alttürkischen
+Thiercyclus, nämlich im Jahre des Schweines, geboren, und starb, zwei und
+siebzig Jahre alt, am vierten Ramasan d. J. d. H. 624, d. i. am 18. August
+1227, nach dem sechsmal durchlaufenen zwölfjährigen Thiercyclus, abermal im
+Jahre des Schweines, ein ominoses Geburtsjahr für den Herrscher der
+mongolischen schweinischen Menge; nicht minder ominos, als dass Temudschin
+ein Stück geronnenes Blut fest in der Hand verschliessend zur Welt kam, die
+er mit Blut überschwemmen sollte. Von den ersten zwölf Jahren seines
+Lebens, in dessen dreizehntem er den Vater Jisukai verlor, weiss die
+Geschichte Nichts, als dass dieser ihm den Namen Temudschin von dem am Tage
+seiner Geburt besiegten und gefangen eingebrachten Fürsten gab; die übrigen
+sechzig Jahre seines Lebens zerfallen in die frühere kleinere Hälfte,
+welche sieben und zwanzig Jahre umfassend, von seinem dreizehnten bis an
+sein vierzigstes, und in die zweite grössere, welche von seinem vierzigsten
+bis zu seinem Tode zwei und dreissig Jahre füllt; von der ersten Hälfte, in
+welcher er den wiederholten Unbilden seiner Feinde ausgesetzt sich nur
+mühsam die Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfte, kennt die Geschichte
+verhältnissmässig für die Zahl der Jahre nur wenige Begebenheiten, aber
+desto gellender und ohrenzerreissender durchschmettert sein Namen in den
+folgenden zwei und dreissig Jahren die Welt. Der grosse Geschichtschreiber
+Reschideddin hat die Geschichte des Lebens und der Herrschaft
+Tschengischan's von seinem dreizehnten Jahre bis in dessen drei und
+siebzigstes eben so pragmatisch als lichtvoll in fünf Perioden, die erste
+von dreimal neun, die zweite von neun, die dritte und vierte von sieben,
+die fünfte abermal von neun Jahren eingetheilt.[37] In der ersten Periode
+tritt er als Sieger der Taidschut, deren Gefangene in siebzig Kesseln
+gesotten worden, auf; schon wider seinen persönlichen Feind, _Dschamuka_,
+den Fürsten der _Dschadscherat_, kämpfend, von denen sich jedoch ein Theil
+ihm unterwirft, sowie die Stämme _Suldus_, _Jisut_ und _Barin_, deren Emire
+sich seinem Dienste anreihen. Die Gelegenheit eines Festes führt einen
+Streit mit dem Vetter _Sedschebegi_, dem Fürsten des nahverwandten Stammes
+der _Kijat Burkin_, herbei, der nun Temudschin gegenüber als Bewerber um
+die oberste Herrschaft auftritt; aber diesen Abfall vergütet der Sieg über
+die _Tungkait_, einen Zweig eines wider seinen Fürsten Owangchan, welchem
+Temudschin Hilfe leistet, empörten keraitischen Stammes. In der zweiten
+Periode erscheint Temudschin als Verbündeter Owangchan's, des Fürsten der
+Kerait, wider die ihnen beiden feindlichen Stämme der _Naiman Merkit_ und
+_Tataren_; nach Besiegung derselben unterwirft sich der mächtige Stamm der
+_Konghurat_ der Herrschaft Temudschin's, und er besteigt den Thron als Herr
+der Mongolen in seinem siebenmal siebenten Jahre. Verschmähte Brautwerbung
+und Dschamuka's Ränke führen den Krieg mit Owangchan herbei, von welchem
+Temudschin zwar am Quell Baldschuna geschlagen, in der Folge denselben,
+sowie die Naiman und Merkit oder Tangut, besiegt, worauf ihm die Uighuren,
+Kirgisen, huldigen, und er als Herrscher aller Mongolen die neungipflige
+Fahne mit neun weissen Rossschweifen aufgepflanzt, und den Namen Temudschin
+in _Tchengis_, d. i. starker, grosser, gewaltiger Herrscher, verwandelt.
+Die folgende Periode füllt der siebenjährige chinesische Krieg und die
+letzten neun Jahre seines Lebens die Feldzüge wider Chuaresmschah's über
+ganz Vorderasien verbreitete Macht in Transoxana, Chuaresm, Chorasan, Iran
+und Kipdschak, theils in eigner Person, theils durch seine Söhne und
+Feldherren, zuletzt die vierte wider Tangkut, wo er seinen Lauf als
+Eroberer beschliesst. Gibbon hat diese Eroberungen nach den vier
+Weltgegenden, im Norden, Süden, Osten und Westen, überblickt. Da die
+Geschichte Tschengischan's zu schreiben und blos die Eroberungen
+aufzuzählen, hier nicht unser Zweck, so beleuchten wir die grosse
+historische Figur Tschengischan's von vier Seiten, zuerst in seiner Familie
+als Menschen, dann gegenüber seinen Feinden als Sieger und Eroberer,
+hierauf als Staatsmann und Gesetzgeber, und endlich in dem Ueberblicke
+seiner Heeresmacht und letzten Anordnungen als den _Gewaltigen_ im
+eigentlichsten Sinne des Worts.
+
+[Randnote: Die Familie Tschengischan's.]
+
+Man kennt insgemein nur die vier Söhne Tschengischan's: _Dschudschi_,
+_Dschaghatai_, _Ogotai_ und _Tuli_, die Stammväter der vier nach ihnen
+genannten Uluse aus der Konghuratin _Burte Fudschin_; aber Tschengis hatte
+noch vier andere Söhne: _Kulkan_ oder Gulgan[38] aus Kulan Chatun, der
+Tochter Tairosun's, des Fürsten der Merkit, und drei, die als Kinder
+gestorben[39]; seine sechs Töchter[40], von denen er vier an die Prinzen
+feindlicher Stämme vermählte, um die alte Feindschaft zu sühnen, und nur
+zwei an befreundete Fürsten, nämlich: _Alakabegi_ an den Fürsten der
+Ungkut, welcher ihm den Durchgang der grossen Mauer geöffnet, und Kalbi an
+Idikut, den Fürsten der Uighuren, der ihm gehuldigt, so dass er ihn nicht
+anders als seinen fünften Sohn nannte. Das Frauengemach Tschengischan's war
+mit einem halben Tausend von Weibern und Mädchen bevölkert, aber von diesen
+fünfhundert hatten nur fünf den Titel von grossen Frauen, als die fünf
+Centurionen dieser fünf Weibercenturien, nämlich: 1. _Burte Fudschin_, die
+Tochter des Stammhauptes der Konghurat, Mutter der vier Söhne, Gründer der
+vier Uluse; 2. _Kulan Chatun_, die Tochter Tairosun's, des Fürsten des
+feindlichen Stammes der Merkit, Mutter des Sohnes Gulgan; 3. die beiden
+Tatarinnen, Schwestern, _Jesulat_ und 4. _Jesulun_; 5. _Kundschu_, die
+Tochter des chinesischen Kaisers, welche keine Kinder hatte und in deren
+Lager sich die durch ihre Schönheit berühmte _Hogutai_ befand; als die
+nächsten an diesen fünf grossen Frauen sind fünf andere von der Geschichte
+bezeichnet, nämlich die Tochter des viermal mit Krieg überzogenen Fürsten
+von Tanghut, die Tochter _Tajangchan's_, des siebenmal besiegten Fürsten
+der Naiman, die Naimanin, Mutter des Sohnes _Dschurdschetai_, die Tatarin,
+Mutter des Sohnes _Urdschahan_, und endlich _Abika_, die Tochter Hakembu's,
+des Fürsten der Kerait, welche Tschengischan durch ein Traumbild
+erschreckt, dem Vertrauten Kehti Nujan, der in dieser Nacht die Nachtwache
+hielt, mit allen ihren Schätzen und Pagen schenkte, und als Andenken von
+ihr nur den Becher, worin sie mit ihm _Kumis_, d. i. Stutenmilch,
+getrunken, und von ihrem Gefolge einen Tafeldecker zurückbehielt. Sollte
+den Barbaren vielleicht die Ahnung einer Neigung zwischen der Prinzessin
+und dem Leibwächter zum grossmüthigen Opfer dieser Abtretung bewogen haben?
+oder hat ihm dieselbe wirklich ein Traum abgeschreckt? selbst in diesem
+Falle ist das zurückbehaltene Andenken eine ganz unerwartete Spur
+menschlichen Gefühls in der Brust eines Wütherichs, wie Tschengis, der
+schon als Knabe, ehe er noch dreizehn Jahre alt, in Gemeinschaft mit dem
+Bruder Belgutai den Bruder Belter erschlug; die überlebenden vier Brüder
+Temudschin's sind _Belgutai_, sein Theilnehmer am Brudermord, _Kodschuiu_,
+dessen Sohn _Iltschidai_ einer der treuesten und eifrigsten Diener des
+Oheims, auf dessen Wink er den gefangenen Todfeind Dschamuka zerhieb; der
+jüngste, _Temengu Uldschigin_, d. i. der Feuer- oder Herdhüter (seine
+Mutter war die Olkunutin _Usedenu_, Verwandte der Mutter Tschengischan's),
+ein grosser Bauliebhaber, der überall, wo er hinkam, baute, und so viel es
+in seinen Kräften stand, -- wenigstens dem Willen nach gutmachte, was der
+Zerstörungstrieb des Bruders Eroberers verheerte; endlich _Dschudschi
+Keser_, wegen seines athletischen Körperbaues und seiner Stärke der Löwe
+beigenannt; seine Brust war so hoch gewölbt, sein Bauch so zurückgezogen,
+dass, wenn er worunter lag, ein Hund unter dem Bauche durchlaufen konnte,
+seine Stärke so gross, dass er gefangene Feinde wie Pfeile in die Hand
+nahm, indem er ihnen den Rückenwirbel wie Pfeile zerbrach.[41] Er war der
+starke Helfer Tschengischan's, der ihn auszeichnete, aber auch ein Paarmal
+mit ihm unzufrieden, die Beweise seiner Zufriedenheit und Unzufriedenheit,
+die erste ehrenvoll und die zweite nachtheilig, auf die Nachkommen
+desselben vererbte. Als Merkmal der Zufriedenheit seiner in dem Kriege
+wider die Naiman bewiesenen Tapferkeit räumte Tschengis allen Nachkommen
+des Oheims das Recht ein, wie die Prinzen Söhne auf der rechten Seite des
+Thrones zu sitzen, während alle andere Verwandte des Hauses auf der linken
+Seite mit den Emiren[42]; aber als in dem Kriege wider die Kerait
+Dschudschi Keser zu spät kam und zur Zeit des Mahles auf sich warten liess,
+sagte Tschengischan: »So erscheinen Mücken, nur wenn sie die Sonne
+bescheint, und verschwinden, sobald sie sich versteckt; der Thautropfen
+will, so klein er ist, mittels der Leiter der Sonnenstrahlen zum Himmel
+steigen.« In seinem Unwillen gab er die unverbrüchliche Satzung, dass kein
+Glied der Familie Dschudschi Keser's je der Chanschaft würdig geachtet
+werde, und erniedrigte also alle Nachkommen desselben für alle künftige
+Zeiten zu blossen Emiren _Karadschu_, d. i. unterthänigen Fürsten.[43]
+
+[Randnote: Die Feinde Temudschin's bis zu seiner ersten Thronbesteigung.]
+
+Der Jugendfreunde Temudschin's ist schon oben bei den Stämmen Erwähnung
+geschehen; seine Feinde können in vier Klassen getheilt werden, erstens die
+persönlichen unversöhnlichen; zweitens die besiegten und zum Theile,
+wenigstens dem Scheine nach, versöhnten Stämme; drittens die sich
+Herrschaft anmassenden Nebenbuhler um den Thron, und viertens, nachdem
+Tschengischan denselben bestiegen, die reichsgefährlichen feindlichen
+Mächte. Der erbittertste seiner persönlichen Feinde ist _Dschamuka Sasan_,
+d. i. der Listige, der Fürst der Dschadscherat, dessen List ihn mit
+Owangchan entzweite und die Anregung der Verschwägerung herbeiführte,
+welche dann der nächste Anlass des Krieges zwischen Owangchan und
+Tschengischan. Er machte gemeinsame Sache mit Taidschuten, welchen alsbald
+nach dem Tode Jisukai's der Stamm der Konghuraten und der mit ihm
+verwandten zugefallen waren. Von den Taidschuten hatte Tschengischan die
+grössten Unbilden seiner Jugend zu erleiden, die Sklaverei, aus der ihn
+_Schurkan[44] Schire_, der Sulduse, gerettet, und der Blutsturz, die Folge
+von zwölf ihm an den Hals geschossenen Pfeilen, dessen Todesgefahr die
+Freunde _Burghudschi_ und _Burghul_ abgewendet; solche Unbill und Schmach
+büssten sie in den siebzig Kesseln gesotten. Nach den Taidschuten waren die
+unerbittlichsten der Feinde die _Tataren_ und _Merkiten_, wider welche
+Tschengis, sowie wider die Taidschuten, den Krieg bis zur Vertilgung
+führte, die höchsten der Frauen schonend, die er als Frauen und
+Beischläferinnen in sein eigenes Frauengemach nahm oder den Söhnen
+überliess. Dem ältesten Sohne Dschudschi zürnte er unversöhnlich, weil
+dieser dem jüngsten Sohne _Tuktabeg_ des Fürsten der Merkit als einem
+trefflichen Pfeilschützen das Leben retten wollte. Von dem sechsgetheilten
+Stamme der Tataren waren zuletzt auf Fürbitte der beiden Schwestern
+Tatarinnen, Gemahlinnen Tschengischan's, nur dreissig Familien das Leben
+gerettet, und vom Tataren Kuli, welchem eben diese beiden Frauen als Kind
+das Leben erbeten hatten, in ein Regiment organisirt worden.[45] Die
+Taidschuten waren das erstemal zu _Baldschusch_ in der Niederlage der
+siebzig Kessel, [RN: I. J. 1198.] zum zweitenmale von Temudschin und
+Owangchan zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, geschlagen worden; mit
+ihnen verbündeten sich aus den Naimanen, den nächsten Stammverwandten
+Temudschin's, die Stämme _Katagin_, _Saldschiut_, _Durbin_ und _Konghurat_,
+ihr Bündniss durch das fünffache Opfer eines Pferdes, Stiers, Widders,
+Hundes und Bockes beschwörend; die Fürsten, welche mit Tschengischan um die
+Oberherrschaft der Mongolen buhlten, waren _Dschamuka_, der Fürst der
+Dschadscherat, _Olak Odur_, der Fürst der Merkiten, _Sidschebeg_, der Fürst
+der Kijat, _Burkin_, der nächste Verwandte Temudschin's, und _Dschudschi
+Kasar_, der Oheim desselben. In diese Epoche fällt die Unzufriedenheit
+Temudschin's mit dem Oheim, der Anlass aber des Abfalls des Vetters
+Sidschebeg war der folgende. Bald nach dem ersten Siege über die
+Taidschuten gab Temudschin seiner Mutter _Ulun Ike_, seinen Brüdern
+Dschudschi, Bilkuti und Utdschigin ein Fest, bei welchem sich auch
+Sidschebeg, das Haupt des Stammes der Kijat Burkin, mit seiner grossen und
+kleinen Mutter, d. i. mit seiner wahren und Stiefmutter, einfand; die
+Mutter fand sich beleidigt, weil _Sijudscher_, der erste Tafeldecker
+Temudschin's, die Stutenmilch ihr nicht der ersten vorgesetzt; sie schlug
+ihn desshalb, und als auch bald hierauf Bilgutei beleidigt worden, kam es
+zwischen den Knechten Temudschin's und Sidschebeg's zum Handgemenge, die
+beiden Frauen wurden gefangen, hernach wieder freigegeben, aber Sidschebeg
+trennte sich mit seinem ganzen Stamme vom Hause Temudschin's und trat wider
+ihn mit gewaffneter Hand als Anmasser der Oberherrschaft auf. [RN: I. J.
+1201.] Die obgenannten verbündeten Stämme riefen den Dschamuka zum
+Oberherrn mit dem Titel _Gurchan_, d. i. des grossen Herrschers, aus. Sie
+verschworen sich abermal am Ufer der Tula, indem sie mit ihren Füssen die
+Erde des Ufers in den Fluss stampften und mit ihren Säbeln das Gesträuch
+abhieben: »dass der Verräther wie diese Erde zerstampft, wie dieses
+Gesträuch niedergehauen sei!« Temudschin schlug die sieben Stämme zu _Jedi
+Gurgan_, d. i. bei den _sieben Grabmalen_, was ein als ihre Grabstätte,
+Unglück vorbedeutender Namen; als er hierauf auch die Tataren und Naimanen
+geschlagen, [RN: I. J. 1201.] unterwarfen sich die _Konghurat_, der nächste
+der Stämme der Naimanen, und Temudschin bestieg als grosser Herrscher
+derselben den Thron.
+
+[Randnote: Die Feinde und Freunde Temudschin's bis zu seiner zweiten
+Thronbesteigung als Tschengischan.]
+
+Das bisher zwischen Temudschin und Owangchan bestandene Bündniss wurde
+durch die Einstreuungen Dschamuka's getrübt, welcher den Owangchan
+bestimmte, dem Antrage Temudschin's einer näheren Verbindung der beiden
+Häuser durch eine Doppelverbindung kein Gehör zu geben. Temudschin warb
+nämlich für sich um _Abika_, die Tochter Hakembu's, des Bruders
+Owangchan's, und um ihre Schwester _Begtutmisch_ für seinen ältesten Sohn
+Dschudschi, während er dem _Singun_, dem Sohne Owangchan's, seine älteste
+Tochter _Fudschin_ antrug; die ehemals Verbündeten waren nun offene Feinde;
+Temudschin, der so oft mit den Kerait wider ihre gemeinschaftlichen Feinde,
+die Tataren, Merkit und Naiman, gefochten, wurde geschlagen, und flüchtete
+zum schlammichten Quelle Baldschuna, wohin ihm nur die Getreuesten folgten.
+Diese waren in der Folge als die Waffengefährten von Baldschuna
+ausgezeichnet, wie vor sechs Jahrhunderten von Mohammed die
+Waffengefährten von Bedr und Ohod, er ernannte sie später alle zu
+_Tarchanen_, d. i. Freiherren, sowie die beiden Lebensretter,
+_Bughurdschin_ den Erlaten, und _Burghul_ den Huschinen, dann _Surgan
+Schire_[46] den Suldusen, die beiden Dschelaire _Olai Kalgha_ und
+_Karadschu_[47], den Taidschuten Jisukai, welcher vormals die mit
+Dschudschi schwangere _Burte Fudschin_ sicher zu Owangchan geleitet hatte;
+Burghul diente von der Pike, oder mongolisch richtiger zu sprechen, vom
+Pfeile auf; denn Anfangs Tafeldecker, ward er _Gesiktu_, d. i. vom Vortrabe
+der Pfeilschützen, dann _Emir Gesik_, Befehlshaber derselben, hierauf _Emir
+Toman_, d. i. Befehlshaber eines Corps von zehntausend Mann, und endlich
+Grossfürst. Von Bughurdschin sagte Tschengischan: Ich schätze ihn unter
+meiner Seele, aber höher als alle Fürsten und _Karadschu_ (Unterthanen).
+Bughurdschin nannte sich selbst den Unfehlbaren und sagte von sich selbst:
+»Wann das Geschrei der Raben irret und fehlet, irre und fehle ich nicht;
+wann den Vogel des Grabes Schwindel ergreift, bleibt mir Kopf und Gehirn
+frei; wann der Staub von der Erde zum Himmel steigt und der Rauch des
+Himmels zur Erde sinkt, verfehle ich meinen Weg nicht, desshalb nennt man
+mich den Unfehlbaren.« Als Tschengischan den _Burghul_ und _Bughurdschin_
+zu Tarchanen ernannte und sie das Diplom begehrten, erklärte er sie über
+alle Diplome erhaben. _Bughurdschin_ war der erste der neun _Örlök_[48],
+d. i. die neun Mannen oder Helden, die andern acht: 2. _Burghul_ der
+Huschine, 3. _Schurkan Schire_[49] der Sulduse, der Lebensretter, wie die
+beiden vorigen; nach diesen Lebensrettern 4. _Mokli_ der Dschelaire[50],
+der Eroberer China's; 5. _Dschebe_ der Jisute; 6. _Subutai Behadir_[51],
+der Feldherr wider Persien und Kipdschak; 7. _Dschelme Oho_, d. i. der
+tapfere Räuber[52], der erste Waffengenosse der Raubzüge Tschengischan's,
+dessen Söhne die Befehlshaber des rechten und linken Flügels der
+Leibwachen; 8. _Schiki Kuttu_, der von Tschengischan, noch ehe ihm seine
+Gemahlin einen Sohn geboren, an Kindesstatt angenommene Pflegsohn, dessen
+Wahlspruch als Richter: Fürchte Nichts und sprich Recht; endlich 9. der
+Uirate _Kara Karaghu_[53]. Diese neun Helden waren die innigsten
+Waffengefährten Tschengischan's, Stützen seiner Macht wider seine Feinde:
+»Ihr neun Örlök, kommt mit mir herein, und ihr dreihundert und neun
+Leibwachen, umgebt das Haus!«[54] und als er sieben Jahre nach der ersten
+Thronbesteigung den Owangchan geschlagen und mit ihm Frieden geschlossen,
+nachdem Tajangchan, der Fürst der Naiman, der gefährlichste und mächtigste
+seiner Feinde, in der Niederlage gefallen, als er in der Gegenwart von
+hundert versammelten Stämmen den Thron als Herrscher aller Mongolen mit dem
+ihm von seinem gottbegeisterten Stiefvater _Buttangri_ (Ebenbild Gottes)
+ertheilten Ehrentitel des Gewaltigen angenommen und die neungipflige Fahne
+mit den neun weissen Rossschweifen und die viergipflige schwarze seines
+Hauses aufgepflanzt, als er Herrscher des Volkes der viermalhunderttausend
+Mongolen, als er die Fünffarbigen und Vierfarbigen[55] zu Einem Volke
+vereint, denselben den Namen der _blauen Mongolen_[56] oder _einzigen_[57]
+beigelegt und seine Staatseinrichtungen begann, redete er seinen Wesir
+Bughurdschin und die neun Helden Waffengefährten an: »Du mein Bughurdschin,
+dem Leben und Tod stets gleichgültig war, ihr neun _Örlök_, ihr meine
+Fürsten und Edle, ihr meine Unterthanen und du ganzes grosses Volk, dass
+Keiner ihn neide! Er soll die oberste Verwaltung der inneren
+Reichsangelegenheiten führen und über die fünf Farben meines Volkes
+befehlen; er soll die grosse fernhinschmetternde Trompete bewahren und als
+Oberbefehlshaber über die neun Gebiete den Titel _Kuluk Bugudschi_ führen;«
+er ward zum Oberhaupte der neun Örlök erhoben und seine Gemahlin erhielt
+den Titel _Butschin Taibutsan_[58].
+
+[Randnote: Die sieben Kurultai, die Fürsten, welche gehuldigt.]
+
+Das Kurultai, das ist allgemeine Volksversammlung, der Landtag, auf welchem
+Temudschin als Tschengischan, d. i. gewaltiger Herrscher, der Fünf- und
+Neunfarbigen, der blauen und anderen Mongolen ausgerufen worden, war das
+vierte der sieben Kurultai, deren die Geschichte Tschengischan's erwähnt.
+Das erste wurde unmittelbar vor dem Feldzuge wider die Taidschut und der
+Niederlage der siebzig Kessel, das zweite vor sieben Jahren bei der ersten
+Thronbesteigung als Herrscher der unterworfenen Stämme der Konghurat und
+der mit denselben Verwandten, das dritte nach der durch den Fürsten der
+Tunguten erhaltenen Kundschaft von dem Ueberfalle der Naiman und der
+Niederlage Tajangchan's, ihres Fürsten, das vierte wurde zur Aufpflanzung
+der vier schwarzen und neun weissen Rossschweife gehalten, das fünfte hat
+bald hierauf zur Berathung des siebenjährigen chinesischen Kriegs, das
+sechste sieben Jahre hernach zur Berathung des siebenjährigen persischen,
+und das siebente und letzte sieben Jahre später und zwei Jahre vor seinem
+Tode bei seiner letzten Rückkehr in die Heimath stattgehabt. Diese Kurultai
+blieben sofort mongolischer Reichsbrauch bei den Thronbesteigungen der
+Fürsten und anderen grossen Begebenheiten, welche der Chan mit allen
+Stämmen berieth. Tschengischan spricht in seiner Thronbesteigungsrede an
+die versammelten Stämme von den zwölf unterworfenen Reichen, worunter die
+Gebiete der besiegten, ihm unterworfenen Feinde zu verstehen sein dürften;
+zuerst die sieben des ihm nächsten verwandten, mächtigen Stammes der
+_Konghurat_ mit seinen sechs Zweigen, dann die des verwandten Stammes der
+_Kijat Burdschin_, dann der _Tataren_ und des ihnen engverbündeten Stammes
+der _Mekrin_, dann der _Taidschut_ und der _Kerait_; der noch unbezwungene,
+mächtigste feindliche Stamm war der der Naiman, wider welchen Tschengischan
+siebenmal zu Felde gezogen, fünfmal vor seiner Thronbesteigung, zweimal
+als gewaltiger Chan der Mongolen, und als Verbündeter Owangchan's. Immer
+waren sie an der Spitze der wider Tschengis verschworenen Stämme und ihre
+Niederlagen zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, [RN: I. J. 1198.]
+nicht minder berühmt, als die der siebzig Kessel der Taidschut zu
+_Baldschusch_, die der verbündeten Stämme an den sieben Grabhügeln und die
+Tschengischan's selbst, als er nach der wider Owangchan verlornen Schlacht
+von wenigen Treuen begleitet zum Quelle _Baldschuna_ geflohen. Nachdem in
+der vierten Schlacht wider die Naimanen ihr grosser Fürst Tajangchan
+geblieben, zog Tschengischan wider dessen Bruder _Bujuruk_, d. i. den
+Befehlshaber, welcher ihm als Fürst seines Volkes gefolgt, und schlug
+denselben an der Sudscha, in der Nachbarschaft des _Ulugtag_, d. i. des
+grossen Bergs, die Fortsetzung der Bergkette des kleinen Altai ober dem
+Balchasch-See. Tajang's Sohn Kuschluk floh mit Tukta, dem Fürsten der
+Merkit, nach den Ländern am Irtisch. Ihre gefährliche Nachbarschaft mochte
+ein Hauptgrund des Untergangs der _Kirkis_ und _Kemkemdschiut_ gewesen
+sein, welche am Irtisch und Jenisei sassen, und welche nun dem gewaltigen
+Herrscher huldigten; so huldigten ihm auch im Süden _Idikut_, der Fürst der
+Uighuren, und die türkischen Fürsten der _Hoeihe_ in der kleinen Bucharei,
+der _Gurchan_ von Karachatai, der Fürst des Stammes der Karlik von
+_Kajaligh_ und der von _Almaligh_. Tschengis besiegelte den Bund der
+Huldigung durch Verschwägerung, indem er dem letzten eine Tochter seines
+ältesten Sohnes Dschudschi, dem Fürsten der Karlik eine andere Prinzessin
+des Tschengischan'schen Hauses, und seine Tochter _Il Alti_ dem Fürsten
+Idikut zur Frau gab, den er seinen fünften Sohn nannte.[59] Er war nun mit
+nicht weniger als einem Dutzend der mächtigsten Stämme verschwägert; die
+zwei Schwestern Tatarinnen ausgenommen, war jede seiner grossen Frauen aus
+einem anderen Stamme, und ebenso gab er nicht mehrere seiner Töchter an
+Fürsten Eines Stammes, sondern jede an einen anderen; nur mit dem Stamme
+der Konghurat war er gegenseitig verschwägert, indem seine erste Gemahlin
+_Burte Fudschin_ eine Konghuratin und er seine Tochter _Tumalun_ an den
+Prinzen der Konghuraten vermählte, welcher, wie alle Eidame, den Titel
+_Gurchan_ führte.
+
+[Randnote: Chinesische Ehrentitel, der chinesische und persische Krieg.]
+
+Stark durch Verbindung und Verschwägerung mit den mächtigsten Stämmen und
+Fürsten, vernichtete er so leichter den Fürsten der Naimanen, _Kutschluk_,
+in dem siebenten und letzten wider denselben geführten Krieg in der
+Schlacht am _Kem_, und wagte nun den Krieg wider den Herrscher von China
+selbst, wider _Altan Chan_, d. i. den goldenen, welcher ihm gleich Anfangs
+seines Auftritts für die dem _Tschingsang_ (chinesischen Staatsminister)
+wider empörte Tataren geleistete Hilfe den Ehrentitel eines
+_Grossfürsten_[60], sowie damals der Herrscher der Kerait dem Owangchan[61]
+und dem Fürsten der Naiman den Ehrentitel _Tajang_ verliehen hatte. Die
+Seele dieses siebenjährigen chinesischen Krieges, welcher mit der Besiegung
+Altanchan's, des vormaligen Oberherrn der Tataren und Mongolen, endete, war
+der Dschelaire _Mokli_, welcher zur Belohnung seiner Dienste den
+auszeichnenden chinesischen Titel _Kojang_[62], das ist Herrscher Eines
+Distrikts, erhielt. Der Kaiser von China war der mächtigste Feind des
+mongolischen Reichs im Osten, sowie Chuaresmschah, dessen Herrschaft sich
+über ganz Mittel- und Vorderasien erstreckte, der mächtigste und
+gefährlichste Nachbar im Westen. Nach dem glücklich vollendeten
+siebenjährigen chinesischen Feldzuge und der Einschüchterung des Ostens
+wandte Tschengischan seine ganze Macht wider den Herrscher des Westens,
+wider Mohammed Tekesch, zur Blutrache einer Karawane mongolischer
+Kaufleute, welche Ghairchan, der Statthalter von Otrar, hatte ermorden
+lassen. In diesem siebenjährigen Kriege befehligten die zur Eroberung des
+Westens bestimmten Heere theils Tschengischan in Person, theils seine vier
+Söhne, theils seine beiden grossen Feldherren _Dschebe Nujan_ und _Subutai
+Behadir_; sie eroberten eben so viele Länder: _Transoxana_, _Chuaresm_,
+_Chorasan_, das _persische Irak_, _Masenderan_, _Ghasna_ und _Kipdschak_,
+und die mongolischen Heere verheerten die Länder von den Ufern des Indus
+bis an die der Wolga. Ogotai und Dschaghatai belagerten Otrar, worin sich
+Ghairchan, dessen Gewaltthat der Anlass und die Rechtfertigung des Kriegs,
+sich zwei Jahre lang tapfer vertheidigte. _Dschudschi_, welcher gegen
+_Chodschend_ befehligt war, kehrte nach einiger Uneinigkeit mit seinen
+Brüdern wieder nach Kipdschak zurück. Tschengischan befehligte in eigener
+Person die Verheerung von Samarkand und Bochara, der beiden grössten und
+bevölkertsten Städte Transoxana's, in deren jeder dreissigtausend
+Schlachtopfer bluteten, was nicht unglaublich, wie die Zahl derer, welche
+in den Städten Chorasan's bluteten, mit dessen Eroberung der vierte Sohn,
+Tuli, betraut war. Zu _Nischabur_ soll eine Million, zu _Sebsewar_
+siebzigtausend gemetzelt worden sein. Glaublicher ist die Entvölkerung
+Chuaresm's, aus dessen Hauptstadt allein einmalhunderttausend Künstler und
+Handwerker in die östlichen Länder geschleppt worden. _Bamian_, vor dessen
+Mauern ein Enkel Tschengischan's, aus seinem Sohne Dschaghatai, fiel,
+erhielt den Namen _Mobaligh_, d. i. verfluchte Ballei, und musste den Mord
+mit dem Blute seiner Einwohner sühnen. Die beiden Feldherren Dschebe Nujan
+und Subutai Behadir durchstäupten Persien bis an die Ufer des Sees von
+Urmia, drangen dann durch die Pässe des Kaukasus nach Russland und
+Kipdschak vor und wurden durch die Niederlage der Russen Herrscher an der
+Kalka, die sich in den Donesch ergiesst, wie sie Herrscher an der Kalka,
+die in den Bujursee mündet. Tschengischan selbst verfolgte am Indus den
+Sultan Dschelaleddin Mankburni, den Sohn des Mohammed Tekesch, der in einer
+Insel des kaspischen Meeres sein Leben geendet, und konnte dem Sohne seine
+Bewunderung nicht versagen, als derselbe, bis an das Ufer des Indus
+verfolgt, vom steilen Ufer sich ganz bewaffnet mit dem Pferde in den Indus
+stürzte und denselben durchschwamm: Ein Sohn, würdig seines Vaters, rief
+Tschengischan, ihm mit Bewunderung nachsehend, aus. Beim Kurultai, welches
+Tschengischan am Karagöl (Schwarzsee) zur grossen Jagd an alle Uluse
+ausgeschrieben hatte, erschien der älteste, Dschudschi, nicht, doch sandte
+er seinerstatt kostbare Geschenke an Pferden. Tschengischan unternahm von
+da den vierten Feldzug wider das empörte Tanghut und starb auf demselben,
+nachdem er durch letztwillige Anordnung zu seinem Nachfolger im Reiche
+weder den ältesten _Dschudschi_, noch den zweiten _Dschagatai_, sondern den
+dritten _Ogotai_ ernannt hatte.
+
+[Randnote: Die Jasa.]
+
+Tschengischan's Politik, deren Hauptaugenmerk die Versöhnung feindlicher
+Stämme und die engere Verbindung mit freundlichen mittels Verschwägerung,
+erhellt schon aus dem Erzählten; aber seine bürgerliche Gesetzgebung und
+seine Staatseinrichtungen erfordern noch besondere Beleuchtung. Er ist der
+Gesetzgeber seines Volkes. Aus den bisherigen europäischen
+Geschichtschreibern mongolischer Geschichte ist nur die bürgerliche
+Gesetzgebung desselben, d. i. die _Jasa_, bekannt, aber in Wassaf, dem
+Livius der persischen Geschichtschreibung, welcher, berühmt unter dem Namen
+des _Lobredners der Majestät_[63], schon anderthalb Jahrhunderte nach
+Tschengischan, zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen
+Zeitrechnung und zu Anfang des vierzehnten, schrieb, und aus der grossen
+Sammlung von Staatsschreiben, welche ein halbes Jahrhundert später der
+Staatssekretär Mohammed Hinduschah, beigenannt die _Sonne des
+Stylisten_[64], für _Schah Oweis Behadirchan_, den zweiten Herrscher der
+zweiten Dynastie der Ilchane (deren Gründer sein Vater, der grosse Hasan),
+aus den Archiven zusammentrug, lernen wir auch die besonderen Namen der
+Gerichtsordnung und des Militärcodex kennen. Die erste, nach welcher den
+Oberrichtern das Recht zu sprechen in ihren Bestallungsdiplomen
+eingeschärft ward, hiess _Kutatgu bilik Tschengischani_, d. i. das
+Kutadische Tschengischanische überlieferte Wort; denn unter dem Titel von
+_Bilik_ gibt Reschideddin neun und zwanzig überlieferte Worte
+Tschengischan's, und _Kutat_ (oder _Kitad_) ist der Name der Familie
+Tschengischan's; den Namen des Militärcodex hat nur Wassaf aufbewahrt;
+derselbe hiess: _Tumendschin_, d. i. wovor man sich zu hüten; dieses ging,
+sowie das _Bilik_, unmittelbar von Tschengischan selbst aus, aber an der
+_Jasa_ hatte die Weisheit seines Sohnes Dschagatai grossen Antheil. Da die
+einige und zwanzig Punkte des ersten und des zweiten bereits bekannt
+gemacht worden, so genügen hier ein Paar Federstriche zum Umrisse des
+Geistes der Gesetzgebung Tschengischan's. Häufige Todesstrafe und Prügel
+waren die Sanction derselben, die Todesstrafe nicht nur auf Verbrechen,
+sondern auch auf Unsittlichkeit und auf die Verletzung abergläubischer
+Sitte gesetzt; so wurde der überwiesene Lügner, Zauberer, der, welcher bei
+Donnerwetter badete, und wer ins Wasser oder auf Asche pisste, mit dem Tode
+bestraft; den Prügeln, womit vorzüglich die Uebertretung der Kriegszucht
+bestraft ward, waren auch die Prinzen des Geblüts unterworfen, und
+dieselben entehrten nicht; ihre Zahl immer ungleich, von drei, fünf, sieben
+bis sieben und siebzig.[65] Die grösste politische Tugend der Mongolen die
+blindeste Unterwürfigkeit in den Willen des Herrschers, indem nur Einer der
+Herr und alle Anderen Sklaven; Nichts von Geburt aus, oder wenn auch durch
+diese und durch Stammverwandtschaft geadelt und zu Würden erhoben, wieder
+Nichts vor des Herrschers Allmacht; die zweite Tugend schweinische
+Unreinigkeit, indem es ihnen verboten, ihre Kleider zu waschen, die sie auf
+dem Leibe tragen mussten, bis sie ihnen in Stücken abfielen[66], also
+gerade das Gegentheil jüdischer und moslimischer Gesetzgebung, wovon jene
+zwischen Reinem und Unreinem so genau unterscheidet, diese wiederholtes
+Waschen zur Pflicht macht. Gastfreundschaft war geboten, doch durfte keiner
+zum Mahle niedersitzen, ohne dazu geladen zu seyn, keiner auf Kosten seiner
+Tischgenossen schlemmen; Titel und Phrasen waren untersagt, selbst der Kaan
+durfte nicht anders als bei seinem Namen angeredet werden; ein persischer
+Sekretär, welcher das im Namen Tschengischan's an eine belagerte Stadt
+erlassene Aufforderungsschreiben mit Floskeln ausgeschmückt, büsste
+dieselben mit seinem Leben. Alle Mädchen und Frauen der Mongolen standen
+dem Herrscher zu Gebot; die Tarchanen, d. i. Freiherren, waren von allen
+Steuern befreit und hatten zu jeder Stunde freien Zutritt zum Kaan. Die
+Erbfolge in der Familie Tschengischan's war durch die Jasa, welche hievon
+die Brüder Dschudschi Kasar's ausschloss und die Herrschaft dem Uluse
+Ogotai's, des zweiten Sohnes, zusprach, festgesetzt, aber die Verkündung
+der Thronbesteigung musste auf einem _Kurultai_, d. i. einem Landtage,
+feierlich vollzogen werden. Der erste und grösste Hofdienst war der des
+Oberstjägermeisters, denn die Jagd als Vorspiel und Vorübung des Kriegs
+vertrat die Stelle der Bildung und Erziehung, da das Handwerk und die Kunst
+der Mongolen nur Krieg und Verheerung.
+
+[Randnote: Das Heer und das Testament.]
+
+Die Periode der Staatseinrichtungen Tschengischan's fällt in die sieben
+Jahre, welche von seiner zweiten Thronbesteigung als gewaltiger Herrscher
+bis zum Ausbruche des siebenjährigen chinesischen Krieges verflossen; aber
+die militärische Einrichtung des Heeres nach Zehnern, Hunderten, Tausenden
+und Zehntausenden hatte schon früher stattgefunden. Das Buch der vier
+Uluse, dessen Verfasser Ulugbeg und welches dem _Stammbaume der Türken_[67]
+zu Grunde liegt, schreibt die Eintheilung des mongolischen Heeres in sieben
+Treffen schon dem Oguschan zu; in jedem Falle ist diese Einrichtung eine
+türkische und weit älter, als Tschengischan, und verschieden von der
+arabischen Eintheilung, welche nur fünf Abtheilungen des Heeres kennt. Die
+Türken und nach ihnen die Mongolen theilten ihr Heer in die folgenden
+sieben Theile: 1. _Buldschunghar_, auf türkisch _Karaul_, die Vorposten
+oder Vedetten; 2. _Borunghar_, auf türkisch _Mankalai_, der Vortrab des
+Heeres, auf arabisch _Makaddemetol-dschisch_; 3. _Unghar_, auf türkisch
+_Ssaghkol_, der rechte Flügel, auf arabisch _Jemin_; 4. _Dschunghar_, auf
+türkisch _Ssolkol_, der linke Flügel, auf arabisch _Jesar_; 5. _Ghul_, auf
+türkisch _Jesaul_, das Mitteltreffen, der Mittelpunkt des Heeres, die
+Fahnen und Standarten, die Rossschweife und Heerpauken, von den Arabern
+_Kalboldschisch_, d. i. das Herz des Heeres, genannt; 6. _Okdschunghar_,
+auf türkisch _Tschenkdaul_, der Nachtrab, auf arabisch _Sakat_; 7.
+_Bestunghar_, auf türkisch _Bassdürma_ und auf persisch _Kemingjah_, d. i.
+der Hinterhalt; dieser Theil des Heeres war, wie der türkische und
+persische Name zeigt, zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt; er zog
+aber, der letzte, in so grosser Entfernung vom Nachtrab, dass er den Staub
+desselben nicht sah. Diese letzte Abtheilung, sowie die erste, fehlt in der
+Strategie der Araber. Ein Corps von zehntausend Mann hiess _Tumen_ oder
+_Toman_, eine Benennung, welche auch den Länderabtheilungen und später
+Münzen beigelegt ward, wie denn noch heute Silber- und Goldtomane in
+Persien cursiren; die Silber- und Goldmünzen der Mongolen hiessen
+_Balisch_. Die Jagd, Pfeilschiessen, Pferdetummeln und Ringen waren die
+Uebungen des Heeres und der Feldherren, welche hierin mit gutem Beispiele
+vorgehen mussten: »Die grossen Fürsten und das ganze Heer muss sich in der
+Jagd üben und den Namen bestimmen, bei welchem sie, wenn sie ins Feld
+ziehen, ausgerufen werden sollen; sie sollen mit zu Gott gewandtem Herzen
+beten, bis sie mit göttlicher Hilfe die vier Weltgegenden unterjocht.«
+lautet das zehnte der hinterlassenen Worte Tschengischan's; dann das
+eilfte: »Der Mann sei unter dem Volke ruhig und schweigsam, wie ein Kalb,
+falle aber in der Schlacht wie ein hungriger Geyer auf die Feinde.« und
+das zwölfte: »Jedes Wort, das einmal gesprochen worden und von dem man
+zweifelt, ob es im Scherze oder Ernste gesprochen worden, kann nicht mehr
+zurückgenommen werden, -- gilt für Ernst.« Die grösste Auszeichnung war,
+wenn der Kaan auf einen mit dem Finger zeigte; dem mit dem Finger
+Ausgezeichneten[68] waren die Einkünfte der Minen, die guten Pfeilschützen,
+die Pferde der Post, die Jagdvögel, die Jagdhunde der eroberten Länder
+zugesprochen.[69] Die feste Grundlage des Herrschergesetzes Tschengischan's
+war Familieneinigkeit und festes Zusammenhalten der Stammverwandtschaft;
+eine Lehre, welche er durch das bekannte Gleichniss vom Pfeilbündel, dann
+von den zwei Schlangen, der einköpfigen Vielschweifigen[70] und
+einschweifigen Vielköpfigen, seinen Söhnen versinnlichte. Von diesen
+bekleidete Ogotai, der Oberste Jägermeister, das erste Hofamt, Dschagatai
+versah die Stelle des Obersten Richters und wachte auf die Vollziehung der
+Jasa, an deren Verfassung er so grossen Antheil hatte; dem Ogotai lag die
+innere Verwaltung, d. i. die Erhebung der Steuern, dem jüngsten, Tuli, die
+Sorge für das Haus und die Truppen, für den Herd und das Heer ob; der
+jüngste Sohn war, wie schon oben gesagt worden, nach mongolischen Gesetzen
+der Hüter des Herds und der Herden und nach des Vaters Tod der Erbe der
+ganzen Wirthschaft, wiewohl das Haupt der Familie und des Stammes stets der
+Erstgeborne blieb. Das mongolische Gesetz trennte also das Ansehen der
+Erstgeburt von dem Stammvermögen, indem die Stammherrschaft zwar dem
+Aeltesten, das Vermögen aber dem Jüngsten des Hauses zuerkannt ward. In
+diesem Sinne sollte Dschudschi, der älteste der vier Söhne, dem Vater auf
+dem Throne gefolgt sein, aber mit demselben unzufrieden, besonders seitdem
+er nicht auf dem letzten Kurultai zur grossen Jagd erschienen, sprach
+Tschengischan's letzter Wille die Thronfolge dem dritten Sohne, Ogotai,
+das Stammvermögen aber, das ist die grösste Macht des Heeres, dem jüngsten
+Sohne, Tuli, zu. Von hundert neun und zwanzig Toman, d. i. hundert neun und
+zwanzigtausend Mann, aus welchen das Heer bei Tschengischan's Tod bestand,
+hinterliess er hundert ein Tausend dem Tuli, jedem der vier anderen:
+Dschudschi, Dschagatai, Ogotai, Gulgan, nur viertausend; den rechten Flügel
+über acht und dreissigtausend Mann befehligte der erste der neun Orlöke,
+der treue Freund und Waffengefährte Bughurdschi; den linken von zwei und
+sechzigtausend Mann der Eroberer China's, der Kojank Mokli der Dschelaire,
+welchem drei _Hesare_, d. i. dreitausend Mann Dschelairen als ein
+Leibregiment überlassen worden; fünftausend seinem jüngsten Bruder
+_Utdschigin_, dreitausend seinem Bruder _Katschiun_ und eben so viele
+seiner Mutter _Ulun_, tausend dem Sohne des Bruders Dschudschi Kasar's.
+Diese Truppen erbten in den Familien fort. Als Tschengischan sein Testament
+machte, liess er aus den Archiven den Familienpact holen, welchem noch das
+goldene Siegel seines Vorfahren _Tumenai_ aufgedrückt war und welchem die
+folgenden Ahnen, nämlich: _Kabulchan_, der Urgrossvater, _Bertan Behadir_,
+der Grossvater, und _Jisukai_, der Vater Tschengischan's, ihre
+Unterschriften beigesetzt hatten[71]; er zeigte diese Familienurkunde,
+vermöge welcher der letzte Wille des Herrschers als Gesetz geachtet werden
+musste, den Söhnen, befahl ihnen, den Bruder Ogotai als Herrn anzuerkennen,
+und empfahl die Leitung der Reichsgeschäfte dem Vetter _Karadschar Nujan_,
+dem Sohne seines Oheims, dem Ahnherrn Timur's. Ogotai erhielt das Reich als
+oberster Herrscher, Tuli das Stammgebiet am Onon und Kerulon und die
+östlichen Länder. Dem Uluse Dschudschi's, der kurz vor dem Vater
+verstorben, ward der Besitz von Kipdschak erhalten; Dschagatai's Antheil
+waren die Länder der Uighuren, die kleine und grosse Bucharei, die Länder
+am _Ili_ und zwischen dem _Dschihun_ und _Sihun_ (Oxus und Jaxartes),
+welchen, sowie der türkischen Mundart der Uighuren, der Name der
+_Dschagataischen_ verblieb.
+
+[Randnote: Der Familienvertrag zu Karadscha.]
+
+Der Familienvertrag der Familie Tschengischan's sowohl, als der grosse
+Einfluss Karadschar's als Leiter, Rath und Orakel der tschengisischen
+Familie ist bisher von keinem europäischen Schreiber mongolischer
+Geschichten gehörig ins Auge gefasst worden; selbst die soeben angeführte
+Stelle Mirchuand's über den Familienvertrag ist unberücksichtigt geblieben.
+Das seit kurzem erst in englischer Uebersetzung bekannt gewordene
+treffliche Werk des _Stammbaums der Türken_, welches den Kern der
+Geschichte der vier Uluse von Ulugbeg enthält, gibt darüber sowohl, als
+über Karadschar's Einfluss und Ansehen umständlichen Bericht; wir lernen
+daraus, dass dieser Familienvertrag _Temghai Tumenaichan_, d. i. das
+Insiegel _Tuminechan's_, hiess, und also schon vom Ururgrossvater
+Tschengischan's datirt. Diesen Familienvertrag liess Tschengischan auf
+seinem Sterbebette holen und führte seinen Söhnen zu Gemüthe, dass er
+sowohl, als Karadschar, denselben immer genau beobachtet hätten.
+Karadscharchan erscheint also schon hier als das Haupt eines Zweiges der
+Familie Tschengischan's, welches im Namen derselben mit Tschengischan einen
+Familienvertrag eingegangen oder vielmehr den erneute, welchen der Ahnherr
+Tumenaichan zwischen seinen Söhnen _Kabulchan_ und _Katschulai_ geschlossen
+und welchen später _Jisukai_ und _Temudschin_ bestätigt hatten; mehr als
+einmal erwähnt desselben die _Geschichte des Stammbaums_; sie erwähnt
+desselben unter der Regierung _Tewa's_, des eilften Chan's der Familie
+Dschaghatai, als des zwischen Karadschar Nujan und Tschengischan
+geschlossenen Familienvertrags, und abermals unter der Regierung von
+_Sijurghurtmisch_, dem zwei und dreissigsten Chane des Uluses
+Dschaghatai[72]; dieser Familienvertrag des tschengisischen Hauses, welcher
+zuerst von Tumenaichan, dem vierten Ahnherrn Tschengischan's, zwischen
+seinen beiden Söhnen Kabul und Katschulai aufgerichtet, von seinem Urenkel
+Jisukai bestätigt worden, ward von seinem Ururenkel Tschengischan mit
+Karadschar erneuert und blieb bis zu dem letzten Chane des Uluses
+Dschaghatai, von Tumenaichan bis auf die Zeit Timur's, d. i. durch
+dreihundert Jahre, aufrecht. Karadschar Nujan hätte zweifelsohne den Thron,
+wenigstens im Uluse Dschaghatai, für sich selbst behaupten können, aber er
+wollte lieber denselben verleihen, als selbst einnehmen; so erhob er einige
+Jahre nach dem Tode Dschaghatai's statt eines Sohnes den Enkel desselben,
+Kara Hulagu, auf den Thron, setzte denselben zwar auf die Vorstellung des
+Grosschan's _Gajuk_ ab und einen Sohn Dschaghatai's als Chan, dann aber,
+als dieser gestorben, den _Kara Hulagu_ zum zweitenmal als Chan des Uluses
+Dschaghatai ein.[73] Karadschar war der Sohn Emir _Songhur Tschitschan's_,
+der Enkel Emir _Irdümdschi's_, der Urenkel Emir _Kadschulai's_, des Sohnes
+_Tumenai's_ und also der Vetter Tschengischan's im dritten Grade, indem
+ihre Urgrossväter Brüder waren. Warum Tumenai, da ihre Urgrossväter Kabul
+und Katschulai Brüder, warum Tumenai, welcher acht Söhne hatte, den
+Hausvertrag der Herrschaft nur unter den beiden obgenannten abschloss,
+erhellt nicht aus den bisher bekannten Quellen mongolischer Geschichte;
+wahrscheinlich weil Katschulai dem Kabulchan die Nachfolge streitig machte.
+Nach den vier durch die vier Söhne Tschengischan's begründeten Ulusen war
+das Haus Karadschar's das mächtigste des tschengisischen Stammes und
+Herrschaft und Welteroberung gingen auf den Nachkömmling Karadschar's im
+fünften Grade, auf Timur Gurgan, über.[74] Der Stamm des Hauses
+Karadschar's war der der Berla's.[75] Karadschar, der Rath Tschengischan's
+und seiner Söhne Ogotai und Dschaghatai, starb bald, nachdem er den Kara
+Hulagu, den Enkel Dschaghatai's, zum zweitenmale auf den Thron gesetzt,
+acht und neunzig Jahre alt[76], und hinterliess zehn Söhne, deren ältester,
+_Itschel_, der Ururgrossvater Timur Gurgan's.[77]
+
+[Randnote: Charakter und Sitten der Mongolen.]
+
+Ehe wir von Tschengischan zur Geschichte seiner Nachfolger, Herrscher der
+Mongolen, übergehen, nur noch ein Paar Worte über den Charakter und die
+Sitten des Volkes. Die beste und kürzeste Schilderung derselben liegt im
+Namen _Mongol_ selbst, sei es, dass derselbe, wie die persischen Quellen
+sagen, _trübe_ und _traurig_, sei es, dass er, wie ein mongolischer
+Geschichtschreiber behauptet, _trotzig_ und _unerschrocken_ bedeute. Es hat
+mit dem Namen der Mongolen dieselbe Bewandtniss, wie mit dem der Slaven,
+welchen die Fremden von _Slavo_: schwach und feige, die Eingebornen von
+_Slaba_: Ruhm und Glanz, abgeleitet haben; wie dem auch sei, der Charakter
+der Mongolen entspricht der doppelten Angabe der Bedeutung ihres Namens,
+sie sind eben so ein trübes und trauriges, als trotziges und
+unerschrockenes Volk. Die Traurigkeit und Schwermuth spricht sich schon in
+den Klaggesängen, welche vom mongolischen Geschichtschreiber Ssetsen aus
+der ältesten Zeit her erhalten sind, in der wehmüthigen Sehnsucht nach den
+Ufern des Onon und Kerulon, sowie in den Volksliedern der heutigen Mongolen
+aus; ihre Tapferkeit hat sich Asien unterworfen und Europa zittern gemacht,
+ein trauriges barbarisches Volk, das erst Tschengischan durch das Beil und
+die Prügel gesittigt, und das durch Raubsucht und angeborenen Sklavensinn
+das tüchtigste Werkzeug zur Welteroberung; »sie hatten das Herz des
+_Löwen_, die Geduld der _Hunde_, die Behutsamkeit des _Kranichs_, die List
+des _Fuchses_, die Vorsicht des _Raben_, die Raubsucht des _Wolfes_, die
+Heftigkeit der _Hahnen_, für Familie sorgend wie _Hühner_, die Ruhe der
+_Katzen_, die Heftigkeit im Anfall vom _Schweine_«, welche Eigenschaften
+der Morgenländer dem vollkommenen Krieger insgemein beilegt[78]; man könnte
+aber auch sagen, dass sie alle Eigenschaften der zwölf Thiere ihres
+Jahrescyclus in sich vereinten, dass sie diebisch wie _Mäuse_, stark wie
+_Stiere_, raubsüchtig wie _Panther_, vorsichtig wie _Hasen_, listig wie
+_Schlangen_, schrecklich wie _Drachen_, muthige Renner wie _Pferde_,
+folgsam wie _Schafe_, kinderliebend wie _Affen_, familiensorgsam wie
+_Hühner_, treu wie _Hunde_, unrein wie _Schweine_; der Cyclus ihres Jahres
+war das Sinnbild ihres sittlichen Gesichtskreises. Mittler Statur, breit
+von Schultern, stark vom Rücken, hervorragender Brust und eingezogenen
+Bauchs, von grauen und braunen Augen, die aus schiefen Winkeln
+hervorglotzen, von breiten olivenfarbenen Wangen, Stumpfnasen, dicken
+Lippen, spärlichen Barthaaren, aber wucherndem Haarwuchse auf dem Kopfe,
+dessen Vordertheil vom Scheitel bis zu den Ohren hufeisenförmig geschoren;
+leicht, flink, mit ihren Pferden wie Centauren zusammengewachsen; gewandte
+Bogenschützen, wie einst die Parther, nie gefährlicher als im Fliehen, mit
+Kampf und Beute gesättigt noch immer nach Kampf und Beute durstend,
+undankbar, schmutzig, grob, raubsüchtig, grausam, aber leibeigen,
+wahrheitsliebend, prunkhassend, tapfer und blindlings gehorsam, Niemand war
+ihnen Freund, aber sie hassten der Denuncianten scheussliche Brut. Ihre
+Nahrung: Hirse, Haiden und Fleisch von allen Arten, am liebsten das des
+Pferdes, aber auch Mäuse, Hunde, Katzen und sogar gebratenes
+Menschenfleisch; das Fett leckten sie von den Fingern und schmierten damit
+ihre Stiefel. Ihr liebstes Getränke: Stutenmilch sammt dem daraus
+gezogenen, gegohrnen, berauschenden _Kumis_ und _Meth_; ihre Kleider aus
+Thierfellen genäht, ihre Waffen aus Eisen geschmiedet, ihre Kopfbedeckung
+eine dreieckige, am Rande verbrämte Mütze, der sogenannte tatarische Hut,
+die der Frauen eine ellenhohe Pyramide aus leichtem Holz, deren Obertheil
+mit Pfauenfedern und Juwelen geschmückt, mit einem Flore bedeckt, welcher
+_Baghtak_ hiess, woraus die Missionäre _Botta_, die Venezianer _Bauta_
+gemacht. Die Weiber, deren grösste Schönheit die kleinste Nase, wie bei den
+Chinesen der kleinste Fuss, bereiteten den _Kumis_ und die getrocknete
+sauere Milch, welche _Kurut_[79] hiess; sie verfertigten alle Arten der
+Hausgeräthe, Kleider, Zelte, Reitzeug, Schilde, Schuhe, Socken, Betten, die
+vermählten mit weissem, bis auf die Brust reichenden Schleier verhüllt,
+ihre ledernen aufgeschlagenen Oberkleider hielt ein Gürtel um die Brust
+zusammen. Die Frauen, deren Zahl nur durch die Lust des Mannes oder durch
+seine Mittel, sie zu erhalten, beschränkt war, genossen grossen Ansehens
+und Einflusses, besonders die Mütter und die Stiefmütter, deren der Sohn
+nach des Vaters Tod gewöhnlich sich einige als Gemahlinnen aneignete. Sie
+glaubten, dass der Mann in jenem Leben seine Weiber wieder finde, aber
+damit der Herrscher bis zu ihrem Hinscheiden im anderen Leben nicht
+langweile, sandten sie ihm seine Beischläferinnen, dieselben schlachtend,
+ins Grab nach.
+
+[Randnote: Aberglaube und Gebräuche.]
+
+Von dem Aberglauben ist bereits des das Donnerwetter betreffenden erwähnt
+worden; wie sie glaubten, dass die _Kamen_ es beschwören könnten, so auch,
+dass es in ihrer Macht stände, mittels des Regensteines, _Dschade_ (welcher
+schon von Japhet her vererbt war), Regen zu machen, und die _Dschededschi_,
+d. i. die Regenmacher, vertraten bei dem mongolischen Heere die Stelle der
+Auguren des römischen. Zauberei wurde geübt, weil geglaubt, und war, wenn
+die Person des Herrschers mit ins Spiel kam, Majestätsverbrechen. Um sich
+wider die Wehen der Zauberei zu bewahren, mussten die zu Reinigenden
+zwischen zwei Feuern durchgehen, die polnischen und russischen Gesandten
+und die des Papstes im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, wie schon
+fünf und sechs Jahrhunderte früher der byzantinische Gesandte Zemarchos am
+Hofe des Königs der Türken durchs Feuer gereinigt ward.[80] Ihre Wahrsager
+wahrsagten besonders aus den Schulterblättern der Schafe; sie schwuren bei
+dem Blute geschlachteter Thiere, bei der in den Strom gestampften Erde, bei
+den abgehauenen Bäumen, bei dem Fleisch und Blut ihrer Herrscher, aber
+nicht im Namen Gottes. Ehe die Lehrer des Budhismus und des Islams die
+Mongolen bekehrten, verehrten sie ein höchstes Wesen, von Marco Polo
+_Natagai_, von Ssetsen _Hormusda_ genannt; das letzte ist gewiss der
+Hormusd der Maghen, das erste vielleicht nur die Verstümmelung des
+türkischen Wortes _Onggan_, d. i. Gott. Sie beteten die Sonne und Sterne
+sammt den Elementen an, und weihten diesen ihren Göttern, ehe sie assen,
+Speise und Trank. Bei dem Gebete wurden die Gürtel gelöst und über die
+Schulter geworfen, wie Tschengischan gethan, als er in der Nacht hinaus
+ging auf den Berg, um den Beistand des Himmels zu erflehen wider den
+Herrscher des himmlischen Reichs auf Erden. Einer der grössten Lobsprüche,
+welche ihm die Geschichte zollen muss, ist seine Duldung gegen alle
+Religionen. Uighurische Kamen und chinesische Bonzen hielten vor ihm
+Controverse, die Budhapriester erhielten die Erlaubniss, ihre
+Burhanenbilder aufzustellen, aber die Kamen blieben in nicht minderem
+Ansehen; neben ihnen wurden die Priester aller anderen Religionen,
+namentlich die _Arghaun_, d. i. die Christlichen, der Nestorianer geduldet.
+Zu Bochara war Tschengischan zwar in die Moschee geritten, stieg aber, als
+er hörte, das sei Gottes Haus, vom Pferde auf die Kanzel und ertheilte die
+Befugniss der allgemeinen Plünderung mit den Worten: Das Feld ist gemäht,
+gebt euren Pferden zu fressen, worauf die Korane unter die Hufe der Pferde
+getreten wurden und der Wein die Flur der Moschee überschwemmte, während
+die Imame oder Scheiche als Stallknechte die Pferde warten mussten; aber
+hingegen hatte er in der kleinen Bucharei, wo Kuschluk der Naimane den
+Islam unterdrückt, die freie Ausübung desselben gestattet. Diese allgemeine
+Duldung blieb Herrscherprincip der _Kaane_ und auch der persischen, und
+selbst noch zum Theile nach ihrer Bekehrung zum Islam. Ausser dem grossen
+Schmiedefest am neuen Jahrestag wurde alljährlich auch das des
+Geburtstages des Chan's, sowie die Thronbesteigung desselben mit
+Trinkgelagen gefeiert. Bei diesen Gelagen gab einer der Diener das Zeichen,
+indem er _Ha!_ schrie, zum Beginne der Musik; der Cythernspieler begann
+sein Spiel, die Männer tanzten vor dem Herrn, die Weiber vor der Frau des
+Hauses, Alle in die Hände klatschend. Nachdem der Hausherr getrunken,
+schrie der Diener wieder _Ha!_, der Cythernspieler verstummte, und nun
+tranken alle Gäste unter Gesang, der aber mehr ein Geheul.[81] Bei diesen
+Trinkgelagen wurden die Preise der Tapferkeit [_Ulisch_[82]] vertheilt, und
+dieselben leben noch zum Theil in den kalmukischen _Uerrus_ fort.[83] Das
+Seitenspiel zu diesem _Ha_rufe ist das Zetergeschrei von _Morio_ als
+_Mordio_, das sie während des Pferderennens oder Pfeilschiessens
+erhoben[84], indem sie die Hände ausstreckten. Im Kriege vermieden sie so
+viel als möglich das Gefecht von Mann zu Mann und suchten nur im Fliehen zu
+verwunden oder zu tödten; den Belagerten sicherten sie Schonung des Lebens
+und Eigenthums zu, hielten aber fast niemals Wort; die Besatzungen
+metzelten sie alle nieder und schonten manchmal nur der Künstler und
+Handwerker, die sie in die Sklaverei mit sich schleppten. Bei der
+Todtenzählung nach Schlachten oder Gefangnengemetzel wurde nach jedem
+geschlachteten Zehntausend Ein Leichnam mit dem Kopfe zur Erde, mit den
+Füssen in die Höhe als Trophäe aufgerichtet. Bei den Begräbnissen ihrer
+Fürsten wurden ihre Sklavinnen oder Beischläferinnen geschlachtet, wie
+schon Terxanthes, der Fürst der Türken, gefangene Hunnen am Grabe seines
+Vaters geschlachtet.[85] Bei dem Begräbnisse wurde gewöhnlich dem Todten
+ein Hengst, Stute oder Füllen mit ins Grab gegeben mit Sattel und Zeug,
+damit er im anderen Leben sogleich beritten sei, damit es ihm an
+Stutenmilch nicht fehle; ein anderes Pferd wurde zum Todtenmal geschlachtet
+und dann ausgestopft über dem Grabe aufgestellt; die Gräber der Vornehmen
+waren aus Stein, Häuser der Todten, nur Tschengischan hatte noch bei seinen
+Lebzeiten geboten, sein Grab geheim zu halten und ihn ohne Maal zu begraben
+unter einem grossen Baume im Walde von _Burhan Kaldun_.
+
+[Randnote: Tschengischan's Nachfolger.]
+
+Ungeachtet der klaren Anordnung Tschengischan's über die Nachfolge auf dem
+Throne blieb derselbe fast zwei Jahre lang ledig, wovon die Ursache wohl
+nur in der Umsicht Ogotai's, welcher seine Brüder Dschaghatai und Tuli und
+des Neffen Batu Pläne und Absichten kennen und prüfen wollte, ehe er den
+etwa von ihnen selbst gewünschten Thron bestieg. Diese Zögerung zeigt, dass
+es ihm auch mit der dreissigtägigen Weigerung auf dem zur Thronbesteigung
+im Familienhorde Tschengischan's zu _Keluran_ am Onon zusammenberufenen
+Kurultai der Prinzen einigermassen Ernst gewesen sein mag; erst am
+vierzigsten Tage zogen ihn sein Bruder Dschagatai und sein Oheim Utdschigin
+(der jüngste Bruder Tschengischan's) auf den Thron, sein jüngster Bruder,
+Tuli, brachte ihm knieend den mit Stutenmilch gefüllten Becher dar, im
+selben Augenblicke warf die ganze Versammlung die Mützen in die Höhe und
+den Gürtel über den Rücken, worauf er sich vor der Sonne anbetend
+niederwarf und mit neunmaliger Kniebewegung dem neuen Kaan huldigte. Die
+vorzüglichsten Prinzen, welche auf diesem Kurultai erschienen, waren nebst
+den zwei schon genannten Brüdern der Bruder _Gulgan_ und der Oheim
+_Belgetai_, sieben Neffen, Söhne _Dschudschi's_, von denen der zweite,
+_Batu_, der Herrscher in Kipdschak; dann die Neffen _Iltschidai_, der Sohn
+_Dschudschi Kasar's_, und _Karadschar Nujan_, welchem Tschengischan die
+Berathung des Thronfolgers anempfohlen. Um dem Herrscher im Grabe zu
+huldigen, wurden ihm vierzig seiner liebsten Sklavinnen unter die Erde
+nachgesandt; um seine Anordnung der Welteroberung nach allen vier
+Weltgegenden in Erfüllung zu sehen, ein dreifacher Heereszug beschlossen.
+_Dschurmaghun_ der Dschelaire wurde mit einem Heere nach Persien gesandt,
+um Dschelaleddin, den Schah von Chuaresm, welcher sich nach Tschengischan's
+Tod eines Theils des väterlichen Erbes bemächtigt hatte, zu vernichten.
+_Batu_ und seine Brüder wurden zur Eroberung des Westens, das ist
+Russlands, Polens, Ungarns und der angränzenden Länder befehligt[86];
+_Ogotai_ selbst zog wider China aus, um die vom Vater begonnene Eroberung
+des himmlischen Reichs zu vollenden. Unter ihm befehligten die Abtheilungen
+des Heeres _Subutai_, der eine der beiden Feldherren, welche vor sieben
+Jahren Persien bis nach Russland durchzogen, und _Tatschar_, der Sohn des
+hochbetrauten ersten Örlök _Bugurdschi_, dessen Stelle als Wesir jetzt
+einer der weisesten und menschlichsten und folglich grössten Wesire versah,
+deren die Geschichte erwähnt. _Mahmud Jelwadsch_ war ein Perser und Moslim,
+welchen sich die chinesischen Quellen aneignen, indem sie den Namen
+_Jelwadsch_ in _Jelui_ verstümmeln, ihn selbst zu einem Chitanen, Bekenner
+der Lehre des _Fo_, machen.[87] Sieben Jahre lang dauerte der Krieg im
+Osten und Westen, glorreich in den nördlichen Provinzen China's, in
+_Schensi_, _Petseli_ und _Iran_, in _Russland_, _Polen_ und _Ungarn_,
+erobernd und verheerend geführt. Die mongolischen Heere drangen zu gleicher
+Zeit bis an die Ufer des _Kara Muran_, d. i. der schwarzen _Mur_, oder des
+gelben Flusses in China und fast bis an die der weissschäumenden _Mur_ in
+Steiermark vor; China's Länder wurden bleibend erobert; mit dem Falle der
+Residenz _Peanking_, deren von Subutai dem mongolischen Heere versprochene
+Plünderung nur durch die Vorstellungen _Jelui Tschutsai's_ (Jelwadsch's)
+abgewendet worden, stürzte auch die Dynastie der goldenen Kaiser zusammen,
+deren letzter, von Tschengischan zuerst besiegter, sich erhing.[88] Im
+Westen waren die Heere Batu's über Russland, Polen und Ungarn bis nach
+Mähren, Oesterreich und Dalmatien vorgedrungen; sie erschienen belagernd
+vor den Mauern von Wienerneustadt und zogen vor denen Wien's vorbei; von
+denen von Olmütz, nachdem die Blüthe des mährischen und schlesischen Adels
+in der unglücklichen Schlacht von Lignitz geblutet, wehrte sie Jaroslav von
+Sternberg ab, von dessen Hand _Peta_, d. i. _Paidar_, der Sohn
+Dschagatai's, fiel, wie sein Bruder Mowatukan vor den Mauern Bamian's
+gefallen, wesshalb Olmütz für die Mongolen eine böse Stadt, wie sie Bamian
+und Koseslk nannten. Auf dem Rückzuge von China starb Tuli, welcher während
+des ganzen siebenjährigen Feldzugs dem Bruder eben so treu und tapfer als
+Feldherr gedient, als vormals dem Vater, nur vierzig Jahre alt, ein wahrer
+_Spiegel_ (was sein Name Tuli heisst) von Sohnespflicht und Brudertreue.
+
+[Randnote: Ogotai's Bauten, Feste, Jagden, Freigebigkeit und Unmässigkeit.]
+
+Die Verwaltung der von der goldenen Dynastie eroberten chinesischen Länder
+übertrug Ogotai dem weisen Wesire Jelwadsch, welcher schon im ersten Jahre
+des Feldzugs zehn Steuerämter zur Einrichtung und Einhebung der Steuern
+niedersetzte, deren jedes einen Präsidenten und Vicepräsidenten hatte und
+deren Beamte chinesische Gelehrte. [RN: I. J. 1230.] -- »Das Reich«,
+stellte der weise Staatsmann dem Herrn vor, »ist zu Pferd erobert worden,
+kann aber nicht zu Pferd regiert werden«; sechs Jahre hernach wurden die
+ersten Tresorscheine für die Summe von zehntausend kleinen Barren, d. i.
+für fünfzigtausend Unzen Silber, ausgegeben.[89] [RN: I. J. 1236.] Er
+stiftete zwei hohe Schulen, die eine zu Pingang in _Schendai_, die andere
+zu Peking in Petsche-li, wohin die mongolischen Emire ihre Söhne sandten,
+um in der Geschichte, Geographie, Arithmetik und Astronomie unterrichtet zu
+werden.[90] Durch Colonien, aus China weggeschleppte Maurer, Zimmerleute,
+Maler und Vergolder, wurde während des Feldzugs zu Karakorum, welches auf
+der Ostseite des Berges Utekian, in der Nähe des Flusses Orghan, ehemals
+die Residenz der Uighuren, die neue Residenz des Herrschers gebaut und
+geschmückt, welche _Ordubaligh_, d. i. Lagerballei, genannt ward, als
+Seitenstück zur chinesischen Residenz _Peking_, welche später unter Kubilai
+den Namen von _Chanbaligh_, d. i. Chansballei, erhielt.[91] In zwei
+besonderen Quartieren derselben wohnten die Moslimen und Chinesen von den
+Mongolen getrennt; an den nach den vier Himmelsgegenden gelegenen Thoren
+wurden die Märkte der Schafe und Ziegen, Ochsen und Pferde gehalten[92];
+zwölf Götzentempel, zwei Moscheen, eine christliche Kirche zeigten, dass
+nebst dem herrschenden heidnischen Kultus auch die freie Ausübung der
+anderen gestattet ward. Die Stadt wurde täglich durch fünfhundert Wagen
+verproviantirt, deren einige sehr gross, von acht Ochsen gezogen[93]; der
+Palast der Residenz hiess _Karschi_; Goldschmiede, unter denen ein
+französischer, von den Mongolen auf ihrem Raubzuge durch Ungarn von Belgrad
+weggeschleppter[94], arbeiteten an den goldenen und vergoldeten künstlichen
+Thieren, welche als Fontainen an festlichen Tagen statt Wassers _Kumis_,
+Wein, Meth[95] und Reisabsud spien[96]. Den Frühling brachte der Kaan auf
+den Weiden zu, wo vormals die Herden Efrasiab's geweidet haben sollen und
+wo er das Zelt _Gewher Chagan_, d. i. des Chakan's Edelstein, baute[97],
+den Sommer am Gebirge _Ormektu_[98], wo das goldene Zelt (Sira Ordu)
+aufgeschlagen, dessen Nägel Gold, das von innen mit goldenen Tapeten
+behangen, tausend Personen fassen konnte; den Herbst brachte er zu _Köschei
+Nawer_, vier Tagreisen von Karakorum, zu, und im Winter jagte er
+grösstentheils zu Ongko, an dem Gebirge von _Telenku_; nur einen Monat lang
+schenkte er seine Gegenwart der Residenz; zwei Parasangen davon hatte er
+ein hohes Köschk erbaut, welches _Terghubaligh_, d. i. Proviantballei,
+hiess; hier ward vor dem Einzuge in die Stadt Einen Tag Rast gemacht, an
+welchem der ganze Hofstaat einfarbig gekleidet erscheinen musste. Während
+des Aufenthalts in der Residenz (Karschi) wurden täglich Feste gegeben und
+die reichsten Geschenke gespendet, denn Ogotai war an Freigebigkeit ein
+zweiter _Hatim_; die Zeit verging unter Bogenschiessen, Scheibenwerfen,
+Ringen, Jagen. Vor der Stadt war ein Stück Landes im Umfange von zwei
+Tagreisen mit einem Walle aus Lehmen und Reisig als Park umfangen, in
+welchen das grosse, auf dreissig Tagreisen ausgedehnte Jagdrevier des
+Heeres, immer näher zusammenrückend, das ganze Wild der Gegend hineintrieb.
+Die Prinzen und Emire erlegten dasselbe in des Chanes Gegenwart; das
+erlegte wurde unter den Hofstaat und das Volk vertheilt. In Chorasan wurde
+die Stadt Herat, welche bei der Eroberung durch das Blutbad von
+hundertachtzigtausend ihrer Bewohner entvölkert und niedergebrannt wurde,
+wieder aufgebaut; fünfzigtausend Gefangene wurden zu diesem Ende dahin
+befehligt. Die Statthalterschaft Chorasan's war dem Uiraten _Arghun_
+anvertraut[99], die von Persien dem _Körges_ (Blindaug), welcher mit
+Dschurmaghun nach Persien gekommen; über die Länder vom Gebirge Chankai bis
+an den Oxus war Mesud, der Sohn von Jelwadsch, als Statthalter bestellt.
+Ogotai's Freigebigkeit kannte keine Gränzen, aber auch nicht seine
+Unmässigkeit im Trinken, welche seinen frühzeitigen Tod herbeiführte; sein
+Bruder Dschagatai hatte ihn beschworen, sich die Zahl der Becher zu
+mindern; er minderte die Zahl, nahm aber Becher von grösserem Umfange.
+_Abika_, die Schwester _Sijurkukteni's_, die Gemahlin Tuli's, um deren Hand
+Tschengischan vergebens bei Owangchan geworben und die heimlich an einen
+Tafeldecker vermählt an der chinesischen Gränze ihren Jurt hatte, kam
+alljährlich mit ihrem Sohne, welcher mit dem Amt eines Mundschenken
+bekleidet war, zur Aufwartung. Eines Nachts, wo ihr Sohn den Wein kredenzt
+hatte, starb Ogotai. [RN: 11. Dec. 1241.] Man wollte Abika und ihren Sohn
+der Vergiftung beschuldigen, aber Iltschidai und die anderen Emire
+vertheidigten ihre Unschuld, indem es klar war, dass Ogotai im Uebermasse
+des Rausches vom Schlage getroffen worden.[100]
+
+[Randnote: Turakina's Regentschaft.]
+
+Ogotai hatte vier grosse Frauen Gemahlinnen und sechzig Beischläferinnen,
+aus den letzten nur zwei Söhne; die Mutter der fünf anderen war die zweite
+der vier Gemahlinnen, _Turakina_, aus dem Stamme Ohos Merkit, welche von
+Tschengischan ihrem Gemahle Tairosun, dem Fürsten der Merkit, geraubt und
+dem Sohne Ogotai zur Frau gegeben worden, wiewohl jenem früher die
+Prinzessin Kulan, die Tochter Tschengischan's, vermählt war; sie war nicht
+schön, aber den Mangel an Schönheit ersetzte Herrschsucht und List, wodurch
+sie nach Ogotai's Tod die Kaanschaft ihrem Sohne _Gujuk_ verschaffte,
+wiewohl Ogotai dieselbe dem _Schiramun_, dem Sohne seines geliebten, vor
+ihm verstorbenen Sohnes Kutschu, bestimmt hatte. Nach dem mongolischen
+Familiengesetze war sie nach des Gemahles Tod als Mutter die Regentin,
+welcher alle Stämme bis zur Thronbesteigung des neuen Herrschers gehorchen
+mussten. Durch die Künste ihrer Herrschsucht und List verlängerte sie die
+Regentschaft vier volle Jahre, während welcher sie Alleinherrscherin der
+Mongolen. Sie begann ihre Herrschaft mit der Absetzung des Staatssecretärs
+Ogotai's, des Uighuren _Tschinkai_[101], welcher die Worte Ogotai's
+aufgezeichnet, und entzog ihr Vertrauen dem weisen Mahmud Jelwadsch, dem
+Chuaresmier, welcher schon von Tschengischan als Gesandter an Chuaresmschah
+verwendet, seinen Beinamen vermuthlich dieser Gesandtschaft dankt, wiewohl
+Jelwadsch eigentlich nur einen Gottesgesandten, einen Propheten
+bedeutet.[102] Turakina hatte ihr unbeschränktes Vertrauen in
+Finanzgegenständen dem Moslim Abderrahman geschenkt, welcher zu Ende der
+Regierung Ogotai's sich als Pächter der Staatseinkünfte China's mit
+Verdoppelung des bisherigen Pachts von Einer Million auf zwei angetragen.
+Jelwadsch stellte dagegen vor, dass man wohl fünf Millionen jährlich
+erpressen könne, aber das Land zu Grund richten würde; der Pacht ward
+dennoch bewilligt, und Abderrahman und die Moslimin Fatima, welche bei der
+Verheerung von Tus geraubt worden, leiteten die Rathschläge Turakina's.
+Bald nach dem Tode Ogotai's hatte dessen Oheim _Utdschigin_, der jüngste
+Bruder Tschengischan's, Miene gemacht, sich der obersten Herrschaft
+bemächtigen zu wollen, indem er mit Truppen der Residenz nahte. Turakina
+sandte ihm Wort: warum er mit so zahlreichem Gefolge seine Tochter zu
+besuchen käme? und sandte ihm seinen Sohn, der am Hofe Ogotai's verweilte,
+zurück. Utdschigin antwortete, dass er blos gekommen, ihr sein Beileid über
+den Tod des Gemahls zu bezeigen, und kehrte zurück. Der ausgeschriebene
+Landtag hatte endlich am See _Köke_[103] statt, wo Ogotai den Herbst
+zuzubringen pflegte. Der lange Aufschub rührte vorzüglich von Batu her,
+welcher die Regentin nicht liebte, und ein Uebel am Fusse vorschützte, um
+nicht auf dem Kurultai zu erscheinen; endlich versprach er zu kommen,
+sandte aber seiner statt seine Söhne und Enkel; auch der Temgu Utdschigin
+erschien mit achtzig seiner Söhne; die Frau Sijurkukteni, die Wittwe Tuli's
+mit ihren Söhnen und die Dschagatai's[104]; ausserdem die Statthalter des
+Reichs: der von Chorasan und Persien, _Arghun_; der von _Uighuristan_ und
+Turkistan, _Mesud_, der Sohn von Jelwadsch; von den zinsbaren Fürsten
+_Rukneddin_, der Seldschuke Rum's, _Jaroslaw_, der russische Grossfürst,
+zwei Prinzen _David_, die sich um den Thron Georgiens stritten, der Bruder
+des Herrschers von Mossul, aus dem Hause Ejub, die beiden Gebieter von
+Kurdistan, _Schemseddin_ und _Schihabeddin_, im Namen des Fürsten der
+Assassinen, die Herren von Rudbar und Alamut, _Fachreddin_ der Richter der
+Richter, von Seite des Chalifen von Bagdad, der Gesandte des Fürsten von
+Fars und Kerman, und im Namen des Papstes Innocenz des vierten die beiden
+Franziskaner: der Pole Benedict und der Franzose Plan Carpin, deren letztem
+wir das treue Gemälde des Kurultai und tatarischer Sitte in seiner
+Reisebeschreibung verdanken. Zugleich waren vier Dominikaner Missionäre an
+_Baidschu Nujan_[105], den mongolischen Befehlshaber in Persien,
+abgegangen, von denen aber nur Simon von Saint Quentin über die
+Missionsreise kurzen, im Geschichtsspiegel des Vincenz von Beauvais
+erhaltenen, Bericht hinterlassen.
+
+[Randnote: Gujuk's Thronbesteigung.]
+
+Durch vier Tage wechselten die Prinzen und ihr Gefolge den Anzug, indem sie
+am ersten Tage in weissen Kleidern, am zweiten in rothen, am dritten in
+violeten, am vierten in scharlachfarbenen erschienen; zwei Eingänge führten
+zum grossen Wahlzelte, in welchem Raum für zweitausend Personen; einer der
+Eingänge unbewacht, nur für den Herrscher; der andere von Bogenschützen
+besetzt, welche die, denen der Eingang nicht gestattet war, abwehrten. Die
+Thronbesteigung sollte schon am Tage der Himmelfahrt Mariä statthaben, ward
+aber ob eines fürchterlichen Hagels und Schneegestöbers (welches in der
+Hälfte Augusts für die Rauheit des Klima's im Gebirge von Karakorum zeugt
+und den mongolischen Volksaberglauben der donnerbeschwörenden Uriankuten
+und der hagelmachenden Schamanen erklärt) bis an den Bartholomäustag
+verschoben. [RN: 24. August 1246.] Turakina hatte für ihren Plan, den Thron
+ihrem ältesten Sohne Gujuk zuzuwenden, die Stimme Sijurkukteni's und ihrer
+Söhne gewonnen, und der Minister _Kaidak_, Chinese, wie _Tschinkai_,
+leiteten die Wahl. Gujuk, von heftigem und wankelmüthigem Sinne[106],
+verstand sich zur Annahme des ihm von der Mutter bestimmten Thrones nur
+unter der Bedingniss, dass die Fortdauer der Herrschaft in seinem Uluse
+beschworen werde. Der Vertrag ward mit der Formel unterzeichnet: »dass, so
+lange vom Stamme des Kaan's ein Stück Fleisch übrig, an der Herrschaft kein
+Anderer Theil nehmen solle«.[107] Dem Gujuk, wiewohl noch nicht zum
+Herrscher ausgerufen, wurden schon ausschliessliche Ehren erwiesen; wenn er
+aus seinem Zelte ging, traten ihm Sänger vor und die Hofdiener neigten vor
+ihm ihre Ceremonienstäbe mit den rothen Quasten.[108] Als man endlich mit
+dem Wahlvertrage im Reinen, hatte die Feierlichkeit der Thronbesteigung
+statt. Gujuk wurde auf einen goldenen Stuhl gesetzt, und die Prinzen und
+Nujanen erklärten, dass sie ihn zum Herrscher wollten. Gujuk fragte: ob sie
+bereit, seinem Worte zu gehorchen, zu gehen und zu kommen nach seinem
+Befehl und zu tödten auf seinen Wink? und als sie dies bejaht, sagte er: So
+wird dann künftig sein mein Wort als Schwert. Sie gaben ihre Zustimmung,
+setzten ihn vom goldenen Stuhle auf eine Filzdecke auf die Erde und sagten:
+Schaue auf zu Gott im Himmel und nieder auf den Filz zur Erde; wenn du gut
+regierst, wenn du gerecht, freigebig, die Prinzen und Freiherren ehrst,
+wird dir die Erde unterthan sein nach deinem Willen; im Gegentheil wirst du
+arm, verachtet und elend sein und nicht einmal der Filz wird dein gehören,
+auf dem du sitzest[109]. Dann setzten sie neben ihn seine Gemahlin
+Oghulkaimisch die Merkitin, hoben sie beide auf dem Filze empor und riefen
+ihn als Chakan und _Moilchan_ und sie als grosse Frau der Mongolen aus. Die
+Mützen flogen in die Luft, die Gürtel wurden über die Schulter geworfen,
+die ganze Versammlung beugte neunmal das Knie, drei Becher von Stutenmilch,
+Wein und Meth wurden ihm dargebracht, und als er aus dem Zelte ging, fiel
+das versammelte Volk und Heer dreimal vor ihm nieder[110]; sieben Tage
+dauerte das Fest, während welches vom Zelte des Chakan's Fleisch und Salz
+und Stutenmilch ausgetheilt ward[111]. Die Frauen hatten ihre Sitze links
+des Thrones, auf der rechten Seite standen nur die Prinzen[112]; die
+Nujanen hatten ihre Sitze inmitten des goldenen Thronzeltes; die der Frauen
+waren von weissem Filz; die Diplome wurden erneuert, die Jurte und
+Privilegien bestätigt, die Statthalterschaften vertheilt. Die Feldherren
+_Subutai Behadir_ und _Dschaghan_ wurden nach China, _Iltschikidai_ mit
+einem schweren Heere nach Westen zur Schlichtung der Angelegenheiten Rum's
+und Georgien's abgeordnet, dem _Arghun_ wurde die Reichshut wider die
+Schlösser der Assassinen in Chorasan und Kuhistan aufgetragen, die
+Gesandten von Alamut und die des Chalifen wurden mit drohenden Briefen
+entlassen, indem über den Fürsten der Assassinen _Arghun_, der Statthalter
+von Chorasan, über den Chalifen sich _Schiramun_, der Sohn Dschurmaghun's,
+des vormaligen Feldherrn in Persien, beklagt hatten. Die Finanzverwaltung
+von China war in den Händen Abderrahman's; Mesud, der Sohn von Jelwadsch,
+behielt die Verwaltung Turkistan's; die Wesirschaft war zwischen den beiden
+Chinesen _Tschinkai_ und _Kaidak_ getheilt, unter denen die nestorianischen
+Priester hoch das Haupt empor trugen und auf deren Einfluss die Missionäre
+des Papstes die Hoffnung der Bekehrung des Chan's zum Christenthume bauten.
+Turakina starb schon zwei Monate nach ihres Sohnes Thronbesteigung, und
+ihre Günstlingin Fatima ward unter der Anklage, dass sie dem Prinzen Kulan,
+dem Bruder des Chan's, eine Krankheit angezaubert, als Zauberin ertränkt.
+Im Frühjahre des zweiten Jahres seiner Regierung ging Gujuk von Karakorum
+gegen Imil, sein Stammgebiet; die Wittwe Tuli's sandte hievon Batu, dem
+Herrscher von Kipdschak, Kunde, um ihn zu warnen, dass der Marsch wider ihn
+gerichtet sein könnte; auf demselben starb Gujuk im drei und vierzigsten
+Jahre als ein Opfer seiner Ausschweifungen in Trunk und Weibern.
+
+[Randnote: Mengku's Thronbesteigung.]
+
+Der Tod Gujuk's ward nach der von Tschengischan herrührenden Staatsmaxime
+geheim gehalten, bis der Aelteste der Familie (dies war Batu, der Herrscher
+von Kipdschak) davon verständigt; er war auf Sijurkukteni's Warnung vom
+Marsche Gujuk's demselben entgegengezogen und bis nach _Kialik_ gekommen,
+als er die Kunde des Todes erhielt. Die Regentin, die Frau Oghulkaimisch,
+sandte an ihn Botschaft im Namen ihrer Söhne, von denen der älteste,
+Chodscha Aghul, den Thron vermöge der Jasa und des noch bei der
+Thronbesteigung seines Vaters unterzeichneten Familienvertrags in Anspruch
+nahm; aber auch die Frau Sijurkukteni, Wittwe Tuli's, die Mutter vier
+seiner neun Söhne, nämlich: _Mengku's_, _Kubilai's_, _Hulagu's_ und _Arik
+Buka's_, sandte Botschaft, um seine Stimme für den ältesten derselben zu
+gewinnen. Sijurkukteni war die Nichte Owangchan's, eine Frau von
+ausserordentlichem Geiste und Verstande, unstreitig die grösste aller
+Frauen, von denen die mongolische Geschichte ein Paar Hundert, in die der
+Herrscher verflochten, erwähnt. Hochangesehen durch ihre Geburt als die
+Nichte des grossen Herrschers der Kerait aus seinem Bruder Hakembo, war sie
+es noch mehr durch die Verschwägerung mittels ihrer drei Schwestern, von
+denen _Begtutmisch_ eine der vier grossen Frauen Dschudschi's und also die
+Stiefmutter Batu's, und vermöge der mongolischen Sitte, nach welcher die
+Söhne nach des Vaters Tod die Stiefmütter zu Gemahlinnen nahmen, eine der
+Frauen Batu's oder doch wenigstens von grossem Einflusse in seinem
+Frauengemach; ausser diesen Vortheilen ihrer Geburt und Verschwägerung
+genoss sie des höchsten Ansehens als die grosse Frau Tuli's, des Herdhüters
+des Hauses Tschengischan's, als die Mutter seiner vier obgenannten Söhne
+und als eine Frau von grosser Staatsklugheit. Durch diese hatte sie immer
+den Herrscher Batu sich und ihren Söhnen günstig zu erhalten gewusst; als
+Batu den kranken Fuss vorgeschützt, um sich der Gegenwart beim Kurultai der
+Thronbesteigung Gujuk's zu entheben, hatte sie ihre Söhne an ihn gesandt,
+um sich nach seiner Gesundheit an erkundigen; als Gujuk gegen die Gränze
+marschirte, hatte sie ihm die früheste Kunde und Warnung gegeben, und fand
+ihn also ihren Wünschen geneigt; ausserdem hatte sie als grosse
+Menschenkennerin die durch Talente oder Heldenmuth ausgezeichnetsten
+Männer der verschiedenen Stämme als Erzieher oder Umgebungen ihrer Söhne an
+sich zu ziehen gewusst und sich mit dem Bollwerke ihres Kopfs und Arms
+umgeben.[113] Die zahlreichsten Prinzen auf diesem Kurultai waren die der
+Uluse Dschudschi und Tuli. _Iltschikidai_ der Dschelaire, der Befehlshaber
+in Persien, brachte den versammelten Prinzen den bei der Thronbesteigung
+Gujuk's unterschriebenen Familienvertrag in Erinnerung: dass, so lang ein
+Stück Fleisch von seinem Hause übrig wäre, sie aus keinem anderen den
+Herrscher wählen würden. Ihr habt, entgegnete Kubilai, zuerst die Jasa
+Tschengischan's gebrochen, indem ihr seine Tochter _Atalun_ (die Gemahlin
+Dschawer Satschan's des Olkoniten) getödtet, indem ihr die durch Ogotai's
+letzten Willen seinem Enkel _Schiramun_ bestimmte Thronfolge dem Gujuk
+zugewendet. Diese Einwendung unterstützte das Ansehen Batu's und der
+Oberrichter[114] Mingkasar Nujan, welcher den Heldenmuth Mengku's, des
+ältesten Sohnes Tuli's, und die von ihm in dem chinesischen Feldzuge noch
+unter dem Grossvater Tschengischan und dann im siebenjährigen westlichen
+Kriege wider Europa geleisteten grossen Dienste anpries. Die Prinzen trugen
+den Thron Batu als dem Aeltesten des Hauses an; da dieser denselben aber
+ausschlug, übertrugen sie ihm die Ernennung des Herrschers, und Batu
+ernannte dazu Mengku, den ältesten Sohn Tuli's. Mengku entschuldigte sich,
+aber sein Bruder _Muke_ bemerkte, dass, da Alle versprochen, sich dem
+Ausspruche Batu's zu fügen, so sei hier Unterwerfung auch für Mengku
+Pflicht; demnach ward ihm als künftigem Herrscher gehuldigt und Batu selbst
+brachte ihm den Becher dar; zugleich ward ausgemacht, dass, da die
+Versammlung nicht vollständig, nächsten Frühling im Stammgebiete Keluran
+auf vollzähligem Kurultai die Thronbesteigung gefeiert werden, unterdessen
+die Frau Oghulkaimisch die Regentschaft führen solle. Die Söhne Gujuk's
+ziehen ihren Stellvertreter, der hiezu beigestimmt, überschrittener
+Vollmacht, die Prinzen des Uluses Dschagatai und Ogotai weigerten sich, auf
+dem Kurultai zu erscheinen; da sandte Batu seine beiden Brüder, Berke und
+Tokatimur, mit zahlreichem Heere, um den Mengku trotz ihrer Abwesenheit als
+Kaan auszurufen. Drei Jahre nach dem Tode Gujuk's wurde Mengku unter den
+gewöhnlichen Feierlichkeiten als Kaan und Moilkan ausgerufen. [RN: 1. Juli
+1251.] Es wurde ein Regierungsbefehl erlassen, vermöge dessen befohlen
+ward, nicht nur der Menschen, sondern auch der Lastthiere zu schonen,
+verboten, die Thiere, deren Fleisch gegessen, anders als nach mongolischer
+Sitte zu erwürgen, die Reinheit des Wassers zu trüben. Sieben Tage dauerte
+das Krönungsfest, an deren jedem neues Kleid von anderen Farben angezogen,
+täglich das Fleisch von hundert Pferden und Ochsen, fünftausend Schafen
+verzehrt, die Ladung von zweitausend Wägen Weins und Kumis ausgetrunken
+ward.
+
+[Randnote: Hinrichtungen der Prinzen; Feldzug gegen Osten und Westen.]
+
+Während der Feste kam ein Soldat der Leibwache[115], welcher sein Maulthier
+verloren, dasselbe zu suchen ausgegangen, in grösster Eile (er hatte in
+Einem Tage den Marsch von dreien durchmessen) mit der Kunde, dass die
+Prinzen des Uluses Ogotai, Schiramun, Baghu und Kutuktu mit versteckten
+Waffen, die sie in bedeckten Wägen mit sich führten, im Anzuge. Mingkasar
+ging ihnen mit Truppen entgegen, überfiel sie und führte sie ins Lager mit
+sich; hier brachten sie nach mongolischer Sitte ihre Geschenke, neun
+verschiedene Dinge und von jedem neun Stücke, dar; aber am dritten Tage
+wurden sie beim Eintritt in's Zelt verhaftet und von Mengku selbst verhört.
+Der Hofmeister Schiramun's gestand, geprügelt, den Auftrag, und Mengku
+übertrug nun das Gericht über die Schuldigen dem Mingkasar; dieser sprach
+über dieselben nach der Jasa die Todesstrafe aus. Siebzig Prinzen und
+Nujanen wurden hingerichtet, unter den letzten zwei Söhne Iltschikidai's,
+des Feldherrn in Persien, deren Vater zu Badgis verhaftet, zu Batu geführt,
+von diesem hingerichtet ward. Die Todesart der Nujanen war, dass man ihnen
+den Mund mit Steinen füllte und sie so erstickte; die der Prinzen, dass man
+sie in seidene Tapeten einwickelte und darin zu Tode rollte[116].
+Katakasch, die Mutter Schiramun's, die Nichte Altschi Nujan's, sandte Bitte
+an Sijurkukteni, die Schuld ihres Sohnes bekennend und für denselben um
+Verzeihung flehend; auf die Fürbitte der Mutter schenkte Mengku den
+Aghlanen, d. i. den Prinzen Schiramun, Chodscha Aghul, Baghu aus dem Uluse
+Ogotai, Jesenbuke aus dem Uluse Dschagatai, das Leben, indem er sie nach
+China sandte, dem Chodscha Aghul aber, welchem die Thronfolge gebührt
+hätte, einen Jurt an der Selenga anwies[117]; auch den beiden grossen
+Söhnen Ogotai's, _Timur_ und _Melik_, und denen Kutan's wurde das Leben
+geschenkt, aber in der Folge, als Mengku selbst nach China zog, wurde der
+Prinz Schiramun ertränkt. Seine Mutter Katakasch und Oghulkaimisch, die
+Wittwe Gujuk's, wurden das Jahr hierauf vor das Gericht Mingkasar's
+gestellt, beide als überwiesen, dass sie die Söhne zur Widerspenstigkeit
+bei dem Kurultai der Thronbesteigung aufgehetzt, zum Tode verurtheilt und
+in Filz eingewickelt ersäuft. Kaidak und Tschinkai, die beiden Räthe der
+Oghulkaimisch, wurden hingerichtet. Buri, der Enkel Dschagatai's, wurde an
+Batu ausgeliefert, der ihn um einige Schimpfreden, die er wider ihn
+ausgestossen, tödten liess. So waren ausser siebzig Nujanen die Kaiserin
+Oghulkaimisch und die Mutter Schiramun's, welcher von Ogotai zur Thronfolge
+bestimmt worden war, als Opfer der Herrschaft des Uluses Tuli's gefallen.
+Der Idikut, d. i. Fürst, der Uighuren, welchem Turakina die Herrschaft über
+das Land verliehen, wurde, von einem Moslim eines Mordplans wider alle
+Moslimen in seinem Lande angeklagt, vor das Gericht des unerbittlichen
+Mingkasar gestellt; von diesem auf die Folter gelegt, bekannte er sich
+schuldig, wurde zur Todesstrafe verurtheilt und nach Pischbaligh gesandt,
+um dieselbe zu erleiden; an einem Freitage, als die Moslimen in die
+Moschee gingen, wurde er zu ihrer grossen Freude geköpft; die Stelle des
+Scharfrichters vertrat sein eigener Bruder, welchem Mengku die Herrschaft
+des Landes der Uighuren verlieh. Berke Aghul und Buka Timur, die beiden
+Söhne Batu's, wurden mit Ehren nach Kipdschak, so auch Kara Hulagu, der
+Enkel Dschagatai's, aus dessen vor Bamian's Mauern gefallenem Sohne
+_Muwatukan_, mit der Oberherrschaft seines Uluses entlassen; Mohammed
+Jelwadsch, welcher, als Mengku einen Augenblick über die Strafe der
+schuldigen Prinzen unschlüssig, denselben nach der aus der römischen
+Geschichte bekannten Anekdote, der vom Vater Tarquinius als Antwort auf des
+Sohnes anfragende Botschaft stillschweigend abgehauenen höheren Pflanzen,
+zur Todesstrafe bestimmt hatte, ward wieder die Finanzverwaltung von China,
+und seinem Sohne Mesud die Statthalterschaft über die Länder zwischen dem
+Oxus und Irtisch anvertraut, dem Aghun die Statthalterschaft über ganz
+Persien, von Chorasan bis nach Armenien und an die syrische Gränze
+bestätiget. Mingkasar war der Oberrichter, der Christ Bulghai stand an der
+Spitze der Staatskanzlei, in welcher Sekretäre für die Ausfertigungen in
+sieben Sprachen: Perser, Uighuren, Araber, Chinesen, Tibeter, Mandschu und
+Tanguten angestellt waren. Kuikur, der Sohn Dchudschi Kasar's, des Bruders
+Tschengischan's, erhielt die Befehlshaberschaft der Residenz Karakorum;
+Befehle wurden erlassen, um dem Misbrauche der von Ogotai eingesetzten
+Posten _Jam_[118] zu steuern, indem die Kuriere und Gesandten den Bauern
+die Pferde wegnahmen; die Abgabe _Kuntschur_ von den Herden wurde auf Eines
+vom Hundert bestimmt; die Herde, die nicht Hundert zählte, war davon frei.
+In Persien wurde nach dem Fusse der von Jelwadsch in Transoxana
+eingeführten Besteuerung der Kopfsteuer, je nach dem Vermögen von Einem bis
+zehn[119], in China von Einem bis fünfzehn Dukaten festgesetzt.
+Forderungen von Kaufleuten, welche für die unter Gujuk gelieferten Waaren
+keine Bezahlung erhalten hatten, wurden mit fünfzigtausend Silberbalischen
+befriedigt[120]; hingegen zog er alle Ländereien ein, deren sich nach dem
+Tode Gujuk's seine Wittwe Oghulkaimisch und ihre Söhne Chodscha und Baghu
+bemächtigt hatten, welche siebzehntausend Balische Gold eintrugen[121]. Der
+Bruder Kubilai wurde mit einem Heere nach China befehligt, und bei dem
+Aufbruche desselben hielt der Kaan ein Kurultai, von Festen aller Art
+begleitet; auf diesem erschienen der Richter Schemseddin von Kaswin,
+welcher wider die ihn aufsuchenden Dolche der Assassinen zum Throne des
+Kaans flüchtete, und Abgeordnete Baidschu Nujan's, des Befehlshabers in
+Irak, welcher sich über den Chalifen von Bagdad beklagte. Da beschloss
+Mengku den Krieg wider die Assassinen und den Chalifen und übertrug die
+Führung desselben seinem Bruder Hulagu. Da einige Geschichtschreiber den
+Anfang der Herrschaft der Mongolen in Persien von diesem Jahre an rechnen,
+wiewohl Hulagu erst drei Jahre später dort als Eroberer einzog, so wird
+auch das folgende Buch am bessten mit dem Feldzuge, dessen angekündigter
+Zweck die Zerstörung der Herrschaft der Assassinen und des Chalifats,
+beginnen, aber zuvor thut noch zur Orientirung des Lesers vonnöthen ein
+Ueberblick der damals, das ist in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts
+der christlichen Zeitrechnung, in Asien dem Reiche der Mongolen
+gleichzeitigen asiatischen Dynastien.
+
+[Randnote: Dynastien im Osten Asiens.]
+
+China, dessen nördliche Hälfte unter Mengukaan, dessen südliche unter
+Kubilai zu dauerndem Besitze und zur Gründung der Dynastie _Juan_, d. i.
+der Mongolen, erobert worden, liegt hier eben so, wie das indische Reich
+von Dehli, dessen grosse Stadt _Lahur_ noch unter Gujuk's Regierung von den
+Mongolen belagert und für kurze Zeit erobert worden war[122], ausser dem
+Bereiche dieses Ueberblicks, welcher blos die unmittelbar mit der
+mongolischen Dynastie in Persien bei der Eroberung desselben oder später
+verflochtenen asiatischen Reiche und Dynastien ins Auge nimmt. Wir wenden
+den Blick nach sechs Seiten, so dass derselbe Persien selbst und seine
+Gränzländer in Osten, Westen, Süden, Norden, sammt dem äussersten des
+westlichen Asiens, bis wohin sich das Reich und die Macht der Ilchane
+erstreckte, in sich begreift. Im Osten zuerst nach dem _indischen_
+Gränzreiche, nach _Chorasan_, d. i. dem Ostlande, dem persischen
+Oesterreich und dem daran stossenden _Kuhistan_; im Süden gegen _Kerman_
+und _Jesd_, dann nach Persien im engsten Sinne, nach _Fars_, dem persischen
+_Irak_ und den beiden dazu gehörigen _Luristan_; im Westen nach dem
+_arabischen Irak_, dem Sitze des Chalifats, und nach dem Reiche der
+Seldschuken in _Rum_; im Norden nach _Gilan_, _Georgien_ und _Armenien_;
+endlich nach dem entfernten _Syrien_ und _Aegypten_ und dem
+_byzantinischen_ Reiche:
+
+I. An der indischen Gränze, von deren Deckung gleich beim ersten Feldzuge
+Hulagu's die Rede sein wird, herrschte die in der ersten Hälfte des
+dreizehnten Jahrhunderts gegründete Dynastie der _Chuldschen_, d. i. die
+fünfte der _Ghur_, nachdem die drei früheren dieses Namens zu _Ghasna_,
+_Bamian_ und _Kabul_ erloschen, während die vierte, nämlich die der
+_Ulugschahe_, mit ihnen gleichzeitig zu Dehli herrschte. Die Benennung der
+zweiten tatarischen Dynastie, unter welcher _Ferischte_, der grosse
+Geschichtschreiber der moslimischen Reiche in Indien, die Chuldschen
+aufführt, könnte gelten, wenn es wahr wäre, dass sie von einem Eidam
+Tschengischan's, Namens _Choldsch_, abstammen; aber keiner der Eidame
+Tschengischan's trägt diesen Namen und keine derselben waren _Choldsche_
+oder _Challadsche_ (das indische Choldsch ist blos eine Verstümmelung des
+Namens der _Challadsch_ oder _Kaladsch_), welche, wiewohl Türken von
+Abkunft, von Reschideddin den uneigentlichen Mongolen beigesellt werden. In
+der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts herrschte aus dieser Dynastie
+_Dschelaleddin Firus_, welcher sich der Stadt Dehli bemächtigte, und dessen
+vier glänzende Siege der grosse persische Dichter Chosrew von Dehli, in
+einem besonderen: _die Eroberung der Eroberungen_[123] betitelten Werke
+beschrieben, und dessen Sohne _Alaeddin_ ein anderes seiner Werke, nämlich
+_die Vereinigung der beiden glücklichen Gestirne_[124], gewidmet. Chosrew
+von Dehli war der Lobredner Dschelaleddin's und Alaeddin's, der beiden
+grossen Herrscher der Chuldschen, wie ein halbes Jahrhundert später
+_Wassaf_, der Lobredner der beiden Herrscher der Ilchane, _Chodabende_ und
+_Ebu Said_. II. In _Chorasan_ war erst vor einigen Jahren zu Herat die
+Dynastie der _Kert_ durch Schemseddin Mohammed gegründet worden, welchem
+Tschengischan bei der Eroberung Herats den Besitz desselben eingeräumt,
+Mengku, welchem er mit reichen Geschenken seine Huldigung darbrachte, die
+Herrschaft von Herat und Ghardschistan bestätigte. In dem unmittelbar an
+Herat anstossenden und längs der südlichen Gränze von Chorasan sich
+hinziehenden Kuhistan, das ist dem Gebirgslande, sandten: III. die
+Assassinen von ihren hundert Schlössern den Meuchelmord wider alle ihre
+Feinde aus. Der siebente Grossmeister dieser Meuchelmörder, _Alaeddin
+Mohammed Gurschah_, sass seit zwanzig Jahren als Alter vom Berge auf dem
+Stuhle, auf welchen den neunjährigen Knaben die nächsten Verwandten, welche
+den Vater vergiftet, gesetzt und dem er, vom eigenen Sohne gemordet,
+entsank.
+
+[Randnote: Dynastien im Süden Persiens.]
+
+IV. _Kerman_, die südliche Landschaft Persiens, kam nach dem Untergange der
+Herrschaft der Bujiden in die Macht der Seldschuken, von deren
+fünfgetheilten Herrschergeschlechte ein Zweig den Namen von Kerman führt,
+und blieb im Besitze der Söhne Kaurdin's bis zur Regierung Dscheladdin
+Chuaresmschahs, zu dessen Zeit der Kämmerer _Borrak_, zum Islam bekehrt,
+vom Chalifen mit der Herrschaft dieses Landes belehnet und mit dem
+Ehrentitel _Kotlogh Sultan_, d. i. der gute Sultan, ausgezeichnet ward.
+Kotlogh Sultan war mit dem Atabegen von Jesd Ghajaseddin in vielfältige und
+langwierige Streitigkeiten verwickelt, welche in der _welteröffnenden
+Geschichte_ Dschuweini's erzählet sind. Der Sohn Kotlogh Sultan's
+_Rukneddin_ erhielt trotz der Empörung Kutbeddin's, des Neffen Borrak's,
+vom ersten Nachfolger Tschengischan's von Ogotai die Belehnung von Kerman,
+Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz am Hofe des Kaan, indem er seine
+Schwester dem Kasar Beke und eine Tochter dem Ssahib Habesch Amid
+vermählte; zwei Söhne aus dieser Ehe waren in der Folge die Stützen des
+Throns von Kerman wider Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt,
+durch den Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von Mengkutaan das Diplom der
+Herrschaft Kerman's erhielt. Kutbeddin schickte mit der Botschaft der
+Belehnung einen Gesandten an Rukneddin, [RN: 650/1252] der, als er beim
+Atabegen von Fars Mosaffereddin Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch
+beim Chalifen Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden Jahre
+nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der Nebenbuhler um den Thron
+Kutbeddin mit ihm zugleich eingetroffen. Diesem bestätigte Mengku, und
+später auch Hulagu die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre
+später erfolgten Tode behielt. [RN: 658/1258] Fast noch weniger als die
+Geschichte der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der Atabegen
+von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäischen Geschichtschreibern
+bekannt. V. Die Atabege von Jesd leiten ihren Ursprung vom Dilemiten _Ebu
+Dschaafer Mohammed Kakuje_ ab, dessen Namen die Araber in _Kakeweih_, so
+wie den der _Buje_ in _Boweih_, und den der _Fasluje_ in _Fasleweih_
+verstümmeln; er war der Oheim _Side Chatun's_, der Mutter Medschdeddewlets
+des Bujiden und Statthalters von Issfahan; sein Sohn _Ebu Manssur Firamurs_
+hatte vom Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte die Herrschaft von
+Jesd erhalten; [RN: 443/1052] ihm war in derselben sein Sohn _Emir Ali Ben
+Firamurs_ gefolgt, [RN: 536/1142] welcher im Kriege wider die Karachitanen
+fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher der persischen Seldschuken,
+verlieh die Herrschaft von Jesd dem _Sam Ben Wirdan_, [RN: 515/1122] einem
+Abkömmlinge aus einer Tochter Emir Ali's, als Stellvertreter desselben. Sam
+Ben Wirdan umfing das Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und
+verherrlichte Jesd durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess die
+Herrschaft seinem Bruder _Iseddin Beschker_, [RN: 590/1194] welcher, ein
+tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit der Statthalterschaft
+von Schiras und Issfahan betraut worden, zu Anfang des Jahrhunderts starb;
+[RN: 604/1208] ihm folgte sein Bruder _Wirdansor_ durch zwölf Jahre, und
+dann dessen Bruder _Ebu Manssur_, beigenannt Kutbeddin der Choldsche, [RN:
+gest. 616/1219] nach ihm dessen Sohn _Mahmud_ durch dreizehn Jahre, und
+nach diesem dessen Sohn _Salghurschah_, [RN: 621/1231] der Erbauer der nach
+ihm genannten Stadt _Salghurabad_, und dann dessen Sohn _Toghanschah_, der
+neunte der Herrscher der Familie Kakuje, der Zeitgenosse Hulagu's[125],
+welcher das Dasein dieser Herrscherfamilie duldete, bis nach zwei späteren
+Herrschern (Alaeddewlet und dessen Bruder _Jusufschah_), zu Ende des
+dreizehnten Jahrhunderts, Jesd von Ghasan erobert und dessen Ertrag den
+Einkünften des Diwans einverleibt ward.
+
+[Randnote: Die Dynastien in Fars.]
+
+In Persien herrschten ausser den Atabegen von Jesd noch die von Schiras,
+insgemein bekannt unter dem Namen der Salghuren, und zu Darabscherd, einer
+Landschaft von Fars, die Dynastie Schebankjare[126] aus der Familie
+_Fasluje_. VI. Die Vorfahren _Fasl Ben Emir Fasluje's_ waren ursprünglich
+die Ispehbede, d. i. die Heerführer von Fars; schon zur Zeit Omar's, als
+Jesdedschird, der letzte Chosroes der Sasan, vor den arabischen Heeren nach
+Issfahan flüchtete, versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare,
+welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd einen Bund des
+Friedens aufrichteten, während Jesdedschird nach Kerman ging. Ali Ben
+Fasluje war die rechte Hand Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und
+sein Nachkömmling zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der obengenannte
+Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemein _Fasluje Ben Hasuje_ genannt, Isfehsalar
+d. i. General der Reiterei. Unter der Regierung Adhadeddewlet's des grossen
+Fürsten der Ben Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras, _Tasch
+Ferrasch Schebankjare_, das Land mit einem Heere, [RN: 430/1038] und zu
+dieser Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run, in der
+Nähe der Stadt Darabscherd, an; fünfzehn Jahre später bemächtigten sie sich
+des Gebietes von Fars, zu dessen Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje
+angestellt worden. Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von
+Kerman, verheerte Fars, Fasluje flüchtete zu Alparslan, und pachtete von
+ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwanzig Millionen Dirhem; da er sich
+wider seinen Lehensherrn empörte, überzog ihn Nisameddin, der grosse
+Grosswesir Melekschah's, mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin Dschanli
+der _Chuansalar_, d. i. Obersttruchsess, schlug sich mit dem Erbauer der
+Residenz zu Darabscherd, dessen langer Namen _Nisameddin Mahmud Ben Jahja
+Ben Hasuje_. Dschanli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse; ihm
+folgte sein Sohn _Mobariseddin_, dann dessen Sohn _Nisameddin II._, dann
+der Bruder _Mosaffer Mohammed_, [RN: 624/1227] welcher, ein weiser und
+gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte, als Hulagu gegen den
+Westen aufbrach. Von allen Dynastien, welche zur Zeit Hulagu's in Persien
+herrschten, ist keine merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren,
+deren Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's füllt, und
+die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit behandelt, weil Fars das
+Stammland Persiens und Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der
+Folge die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen
+Dynastien erzählen, weil die Regierung der fünf ersten Fürsten, welche alle
+den Vornamen _Mosaffereddin_, d. i. _die mit dem Siege der Religion
+Betheilten_, führten, eine schöne Zeit des Flores der Herrschaft und der
+Wissenschaft, des Lebensgenusses und der Poesie, und weil der Namen des
+letzten _Ebubekr Ben Saad's_ schon durch _Saadi's Gülistan_ allein
+unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem Ende der Herrschaft der
+Dilemiten bis zu dem Auftritte des ersten Salghuren _Sonkar Ben Mewdud_ in
+der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des zwölften der
+christlichen Zeitrechnung, Fars durch sieben Atabege, Statthalter der
+Seldschuken, verwaltet worden. Der erste _Fasluje Schebankjare_, dessen
+schon oben bei der Dynastie dieses Namens Erwähnung geschehen, und von dem
+die Dichter, auf dessen Namen _Fasl_, d. i. Trefflichkeit, Verdienst,
+Wohlthat und Huld anspielend, gesagt:
+
+ Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück,
+ Den Uebermuth des Aufruhrs hielt _Faslui_ zurück.
+
+Der zweite _Rokneddewlet_, d. i. die Reichssäule _Chumar Tegin_, ertrank;
+der dritte _Dschelaleddin Dschanli_ verheerte das Gebiet der Dynastie
+Schebankjare; der vierte _Karadschu_ baute eine Medrese zu Schiras und ward
+zu Hamadan erschlagen; der fünfte _Mengubers_ baute eine Medrese, an der er
+begraben liegt, dessgleichen seine Gemahlin _Sahide_ die Medrese _Issmeti_
+zu Schiras; der sechste _Bosabe_ ward, wiewohl ein gerechter und billiger
+Herr, gewaltsam getödtet, [RN: 543/1148] und der siebente _Melekschah_
+hielt der letzte das Ansehen der Seldschuken aufrecht, welchem _Sonkar Ben
+Mewdud_, der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte, indem er
+sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf.
+
+[Randnote: Die Dynastien von Gross- und Klein-Luristan.]
+
+Mit der Familie Fasluje's, welche zu Schebankjare herrschte, sind die
+sogenannten _grossen Fasluje_ nicht zu vermengen, welche in Gross-Luristan
+unter dem Namen der grossen Atabege, so wie die Familie Chorschid in
+Klein-Luristan unter dem Namen der kleinen Atabege herrschten. Die beiden
+Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern, _Lor_ oder _Lur_, welche dort
+Statthalter im dritten Jahrhunderte der Hidschret, später über die Stämme
+herrschten, welche um's Jahr fünfhundert der Hidschret vom Berge Saumal im
+nördlichen Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Persiens eingewandert,
+sich unter Anführung Chorschid's in Klein-Luristan niederliessen; von ihrer
+westlichen Abstammung heissen sie die Könige des Westens[127]. VIII. In
+Gross-Luristan dienten die Anführer dieser ausgewanderten Stämme _Ali_ und
+dessen Sohn _Mohammed_ den Atabegen Salghuren, und _Abu Tahir_, der Sohn
+Mohammed's, stand dem Atabegen Sonkar wider die Schebankjare bei. Sonkar,
+der Salghure, sagte zum Abu Tahir: er möge sich eine Gnade erbitten; Abu
+Tahir begehrte erst den Pfeil, dann das Pferd des Atabegen, und als ihn
+dieser noch mehr begehren hiess, die Erlaubniss, Luristan von den Feinden
+der Atabege zu reinigen; er eroberte es, erklärte aber sich selbst zum
+unabhängigen Fürsten und Atabegen. [RN: 550/1155] Bei dieser Gelegenheit
+siedelten sich zahlreiche Stämme aus Syrien in Luristan an, und vertrieben
+die _Scholen_ oder _Schulen_, welche die Ureinwohner des Landes. Abu Tahir
+hatte fünf Söhne, deren ältester _Hesarsif_ in beständigem Kriege mit
+_Tikle_ dem Atabegen Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Gebiet der
+Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf vier Farasangen von
+Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen Sohn Tikle, welcher denselben Namen
+trug wie der Atabege Salghure von Fars, weil er von mütterlicher Seite ein
+Enkel desselben, ein Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir; der Salghure Saad
+sandte Heere wider Tikle, welcher dieselben schlug, und auch wider
+Hosameddin Chalil, den Neffen Schudschaaeddin's von Klein-Luristan,
+siegreich Krieg führte; endlich kamen aus Chusistan zwei Feldherren des
+Chalifen, welche den Bruder Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete den
+einen, nahm den anderen gefangen und löste denselben für den Bruder aus.
+Tikle war der Beherrscher Gross-Luristan's, als Hulagu wider Bagdad zog.
+Zur selben Zeit herrschte in Klein-Luristan der kleine Atabege Bedreddin
+Mesud, welcher sich dem Dienste der Mongolen stellte. IX. Die Dynastie der
+kleinen Atabege in Klein-Luristan begann ein halbes Jahrhundert später als
+die der Atabege von Gross-Luristan. _Schudschaaeddin Chorschid_, d. i. _der
+Tapfere der Religion, die Sonne_, eroberte das Land, nahm, der erste, den
+Titel _Atabeg_ an, und starb nach vierzigjähriger Regierung über hundert
+Jahre alt; [RN: 580/1184] ihm folgte sein Neffe _Rustem_, ein gerechter
+aber strenger Fürst, den sein Bruder _Scherefeddin Ebubekr_ ermordete;
+dieser wurde von seinem Weibe vergiftet; sein Bruder _Iseddin Kerschasif_
+nahm den Thron ein und die Frau _Melike_, seines Bruders Gemahlin, die
+Tochter Schihabeddin Suleimanschah's, zur Frau; in langwierigen Krieg mit
+Hosameddin Chalil, dem Neffen Schudschaaeddin's, verwickelt, schloss er mit
+demselben Frieden, ward aber von ihm erschlagen. [RN: 640/1242] Die Wittwe
+Melike Chatun sandte ihre drei Söhne (_Schudschaaeddin Chorschid_,
+_Ssafeddin Rustem_ und _Nureddin Mohammed_) zu ihrem Bruder
+_Suleimanschah_, der mit Hosameddin den Krieg so erbittert führte, dass sie
+sich in Einem Monate ein und dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren kam
+es in der Ebene von Schabur zu einer entscheidenden Schlacht, in welcher
+Suleimanschah von sechzigtausend Reitern des Chalifen unterstützt ward,
+während das Heer Hosameddin's nur aus dreitausend Reitern und neuntausend
+Fussgängern bestand; dennoch wurde Suleiman Anfangs in die Flucht
+geschlagen, trug aber den Sieg davon, und improvisirte, als man ihm den
+Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse darauf, in denen eben so viele
+Wortspiele:
+
+ Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst,
+ Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust[128];
+ Ein _Diw_, begehrte er das Reich von Suleiman,
+ Zuletzt im _Diwan_ Salomoni's abgethan.
+
+Die Herrschaft kam an den obengenannten _Bedreddin Mesud_, den Bruder
+Iseddin Kerschasif's.
+
+[Randnote: Dynastien i. arab. Irak, in Syrien, Aegypten und Arabien.]
+
+Im arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen zu Bagdad, in der
+Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch drei Dynastien, deren Fürsten den
+Titel von Atabegen, das ist von Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem
+Dutzend von Dynastien, welche in der morgenländischen Geschichte unter
+diesem Namen berühmt, waren die von _Damaskus_, _Haleb_, _Aserbeidschan_
+und _Irbil_ bereits erloschen, und es bestanden nur noch die schon
+erwähnten persischen der Atabege von _Jesd_, _Darabscherd_, _Schiras_,
+_Gross- und Klein-Luristan_, und die nun zu erwähnenden von _Mossul_,
+_Dschesire_ und _Sindschar_. XI. Zu Mossul herrschten seit einem
+Jahrhunderte sechszehn Atabege aus der Familie Amadeddin Sengi's, deren
+Thron vom Chalifen Bagdad's dem _Bedreddin Lulu_, Obersthofmeister der
+beiden letzten Fürsten, verliehen worden; dieser füllte den Thron rühmlich
+vierzig Jahre lang und ward von Hulagu, dem er nach Bagdad's Eroberung zu
+huldigen kam, gnädig aufgenommen. XII. Die Dynastie der Atabege von
+_Sindschar_, deren Herrschaft vor einem Jahrhunderte[129] begonnen, hatte
+nur durch ein halbes Jahrhundert geherrscht, und ihre Herrschaft war nach
+Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, Tode dem Sohne desselben,
+Mosaffer von Beibars, dem Sultane Aegyptens, zugesprochen worden; eben so
+war die Linie der Atabegen Mossul's, welche seit acht und vierzig
+Jahren[130] XIII. zu Dschesire geherrscht, erloschen, und an ihre Stelle
+_Modschahid_, ein anderer Sohn Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul,
+getreten, so dass Bedreddin Lulu und seine drei Söhne (der dritte folgte
+ihm als Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher in die
+Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. Zu _Mardin_ herrschte ein
+Zweig der _Beni Ortok_, deren Hauptlinie von Diarbekr seit zwanzig
+Jahren[131] erloschen war; aber aus derselben Familie herrschten zu Mardin
+schon seit hundert sechs und achtzig Jahren[132] Fürsten, deren Dynastie
+erst im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung
+erlosch.[133] _Ilghasi_, der Gründer dieser Dynastie, Sultan Melekschah's
+des Seldschukiden Statthalter zu Bagdad, hatte sich Nissibin's und Mardin's
+bemächtigt; ihm war sein Sohn _Hosameddin Timurtasch_ und sein Sohn
+_Nedschmeddin_, diesen die beiden Söhne _Hosameddin II._ und _Nassireddin_
+und diesem der Sohn _Melik Said_ gefolgt, welcher der sechste Herrscher
+dieser Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz trotzend, der
+Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu Miafarakain hatte noch vor dreissig
+Jahren Suleiman, ein Sohn Ilghasi's Ortok, geherrscht, aber zur Zeit
+Hulagu's war diese Stadt im Besitze _Kjamil's_ des Ejubiden. XV.
+Miafarakain's Fürstenthum ist also das zehnte des zehnzweigigen mächtigen
+Herrscherstammes der Beni Ejub (die neun anderen, die von _Kairo_,
+_Damaskus_, _Haleb_, _Hama_, _Himss_, _Kerek_, _Baalbek_, _Hossnkeif_ und
+_Jemen_); von diesen zehn Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte
+des dreizehnten Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die von
+_Miafarakain_ und _Hossnkeif_, und in Syrien die vier von _Haleb_, _Hama_,
+_Himss_ und _Kerek_. Kjamil war der fünfte Herrscher der Beni Ejub zu
+Miafarakain; seine Vorfahren _Melikol-aadil_, der Bruder Ssalaheddin's,
+dann _Melik el-eschref_, _Melik el-ewhad_, _Melik el-mosaffer_, die drei
+Söhne _Melik el-aadil's_; der Sohn des letzten war _Melik Kjamil_, der
+Grossneffe Ssalaheddin's, welcher den Versuch, den Waffen der Mongolen zu
+widerstehen, mit dem Verluste seiner Hauptstadt und des Lebens bezahlte.
+XVI. Die Dynastie der Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig Jahren
+begonnen[134], indem Melik Ssalih Nedschmeddin von seinem Vater Kjamil die
+Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem Kjamil, um Aegyptens und
+Syriens Herrschaft zu übernehmen, sich dahin begeben, blieb sein Sohn Melik
+Moaasem Turanschah im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser
+dem Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die Herrschaft von
+Amid und Hossnkeif seinem Sohne _Melik Mowahid_, der wie sein Vetter von
+Miafarakain ein Opfer seines Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen
+fiel. Vier andere Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien. XVII. Zu _Hama_
+Melik Manssur II., der bei Annäherung der Mongolen nach Aegypten flüchtete.
+Der Gründer des Hauses war Takjeddin, der Enkel Ejub's, aus dessen Sohn
+Schehinschah, von seinem Oheim Ssalaheddin als Herr von Hama installirt,
+sein Sohn Nachfolger _Melik Manssur I._ ob seiner wider die Kreuzfahrer
+erfochtenen Siege und des Schutzes, den er Gelehrten und Dichtern
+angedeihen liess, von jenen in zahlreichen ihm gewidmeten Werken, von
+diesen in Siegeshymnen und Elegien gepriesen. XVIII. Die Dynastie der Beni
+Ejub zu Himss leitet ihren Ursprung von Esededdin Schirkuh, dem jüngeren
+Bruder Ejub's, ab, welcher vom grossen Nureddin zum Statthalter vom Himss
+bestellt worden war. Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und getreuen
+Begleiter auf allen Feldzügen _Melik Nassireddin Mohammed_ des Vaters
+Statthalterschaft als Eigenthum; nach dessen schnellem Tode verlieh er die
+Herrschaft zwar dem Sohne desselben _Melik Modschahid Schirkuh_, zog aber
+das väterliche Vermögen ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen
+Neffen citirten Koransvers gemahnet, zurückgab; dem Modschahid folgte sein
+Sohn _Manssur Ibrahim_, der den Chuaresmern tapferen Widerstand geleistet,
+und nach ihm sein Sohn _Melik Eschref Mosafereddin Musa_, der Zeitgenosse
+Hulagu's, von diesem, weil er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt.
+XIX. Die Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unter _Melik Aadil
+Seifeddin Ebubekr_, welcher vom Bruder Ssalaheddin die eroberte Stadt
+erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft von Damaskus berufen, übergab
+er Kerek seinem Sohne _Melik Moaasem Isa_, welchem der Sohn Melik Nassir
+Daud und diesem _Melik Moghis Fetheddin Omar_ folgte, der Zeitgenosse
+Hulagu's, von diesem ob des Briefwechsels mit Beibars getödtet. Beibars war
+der vierte Sultan der Mamluken in XX. Aegypten, deren Dynastie gleichzeitig
+mit der persischen Hulagu's in Persien emporstieg, und als eine
+Nebenbuhlerin derselben um Syriens Herrschaft in der Folge genauere Kunde
+erfordern wird. So herrschte auch zu Mekka der vierte Herrscher der XXI.
+Dynastie der Beni Kitade, welcher nach den erloschenen drei Dynastien der
+_Beni Ochaissar_, _Musa sani_ und _Beni Haschim_ seit einem halben
+Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte Herrscher _Ebu Nemi
+Mohammed_ durch sieben und vierzig Jahre gefüllt.
+
+[Randnote: Dynastien des nördl. Persiens, Armeniens, Georgiens u.
+Kleinasiens.]
+
+Wir wenden uns nun zuletzt nach dem Norden und zwar zuerst nach den
+nördlichen Landschaften Persiens, nach Taberistan und Masenderan, wo seit
+der Hälfte des ersten Jahrhunderts der Hidschret bis in die Hälfte des
+fünften die zwei Dynastien _Bawendije_, auf einander folgend, geherrscht;
+aus der zweiten, im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen
+Zeitrechnung[135] erloschenen, erstand in der Hälfte des vierzehnten ein
+Zweig derselben in der Dynastie _Dschelawije_. Das Stillschweigen der
+Geschichte durch diese anderthalb Jahrhunderte[136] beweiset, dass
+Taberistan während dieser Zeit keine eigenen Herrscher hatte; in Gilan
+herrschten XXII. die Beni _Badusian_ schon seit dem vierzigsten Jahre der
+Hidschret zu Rujan und Rustemdar; der Gründer _Badusian_[137] war ein
+Nachkömmling des Schmiedes Kjawe, des Befreiers seines Vaterlandes von der
+Tyrannei, dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann Reichspanier.[138]
+Sie führten den besonderen Titel _Astandar_, welches in der bisher ganz
+unbekannten Mundart Taberistan's gleichbedeutend mit _Scheichol Dschebal_,
+d. i. des Alten vom Berge wie der Grossmeister der Assassinen, hiess,
+welcher diesen Namen von den früheren Herrschern Kuhistan's aus der
+Dynastie Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs, der von _Alamut_ und
+der von _Rustemdar_, bekriegten sich um die Hälfte des sechsten
+Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde; aber nach dem Tode Keikawu's Ben
+Hesarsif's schlug sein Sohn und Nachfolger Schehrnusch den
+entgegengesetzten Pfad ein, und trat selbst in die Fussstapfen der
+Assassinen, seiner Verbündeten. Nach Schehrnusch herrschte sein Bruder
+_Isfendiar Kerkud_, nach ihm sein Neffe _Serin Kemer_, d. i. Goldgürtel,
+der Erste der Sohn Hesarsif's, dann Goldgürtel der Zweite, der Sohn
+Chassin's, der ein und zwanzigste Herrscher der Beni Badusian; diesem war
+zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[139]
+sein Sohn _Bisutun_, diesem nach zehnjähriger Regierung der Sohn
+_Fachreddewlet_, diesem nach zwanzigjähriger Regierung der Sohn
+_Hosameddewlet Ardeschir_ und diesem der Bruder _Iskender_ gefolgt. Sein
+Nachfolger _Isfendiar Schehrahim_, der jüngste Fürst der Beni Badusian,
+regierte drei und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und
+Abaka's; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe gelassen, und die
+Eroberung des Landes erst unter ihrem Nachfolger _Oldschaitu_, dem achten
+Ilchane Persiens, versucht. XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder
+Haithon I., der vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und vierzig Jahre,
+während welcher er in häufiger Berührung mit Hulagu und dem Bruder
+desselben, dem Grosskaan Mengku; ein nicht minder historisch wichtiger, in
+die Geschichte der Mongolen eingreifender, grosser Herrschercharakter ist
+XXIV. die Königin von Georgien, _Russuldan_, die Tochter der _Tamar_, nach
+deren Tode das georgische Reich unter die beiden Davide, welche bei der
+Thronbesteigung Gujuk's erschienen, nämlich zwischen ihrem Vetter David
+Narin und ihrem Sohne _David Ssosslan_, getheilet ward. Dieser erhielt das
+obere Georgien, d. i. _Karthli_, _Kachethi_, _Achal-ziche_ und _Schewar_;
+der andere Niedergeorgien, d. i. _Imerethi_, _Mingrelien_, _Sswanethi_,
+_Dschikhethi_ und _Abchasethi_; nach Mengkukaan's Tode zeichnete Hulagu den
+David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen besonders aus. XXV. Das
+Reich der Seldschuken in Rum beherrschte der zwölfte Sultan derselben,
+_Iseddin Keikawus II._, erst allein, dann mit seinen Brüdern _Rukneddin
+Kilidscharslan IV._ und _Alaeddin Keikobad II._, von welchen der vorletzte
+bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen war. In Nicäa endlich thronte
+XXVI. der griechische Kaiser Vataces, dessen drei und dreissigjährige
+Regierung, ein Muster von Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedereroberung
+Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbereitete, und dessen
+Gesandte sich mit denen _Innocenz IV._ am Hofe Mengukaan's
+zusammenfanden.[140] Der Papst und die Könige von Frankreich und Ungarn
+verkehrten mit den Herrschern der Mongolen durch Gesandtschaften; aber
+weder die fränkischen Kaiser von Konstantinopel, noch die Reste der
+Kreuzfahrer in Syrien kamen mit denselben in unmittelbare Berührung, wie
+die hier aufgeführten sechs und zwanzig asiatischen Dynastien, welche die
+Zeitgenossen Hulagu's. Wie an der Pforte Mohammed Chuaresmschahs, des
+mächtigsten Herrschers Asiens vor Tschengischan, sieben und zwanzig
+besiegte oder huldigende Prinzen fünfmal des Tages die Heerpauken schlugen,
+so schlugen diese sechs und zwanzig, dem Ursprunge des mongolischen Reichs
+in Persien gleichzeitigen Dynastien, welche demselben widerstanden,
+erlagen, gehorchten, huldigten oder vor demselben zitterten, gleichsam an
+der Pforte desselben die Heerpauke der Herrschaft.
+
+
+
+
+Zweites Buch.
+
+ Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug nach Persien
+ wider die Schlösser der Assassinen und Bagdad; Rückblick auf die
+ Chalifen und die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte
+ Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung und Verwüstung
+ Bagdad's; Hinrichtung des Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin;
+ der Herrscher von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten;
+ die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's und Gross-
+ und Klein-Armenien's.
+
+
+[Randnote: Hulagu.]
+
+_Hulagu_ oder, wie die Mongolen den Namen schreiben und sprechen, _Chulagu_
+war der fünfte Sohn Tuli's, des jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der
+Frau Sijurkukteni, der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten
+Mengku, den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten seiner neun Söhne,
+geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren (zwei vor seinem Tode)
+Tschengischan das letztemal in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse,
+durch Jagden gefeierte _Kurultai_ der Familie zu halten, bei welchem alle
+Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (den ältesten Dschudschi
+ausgenommen, der seiner statt nur ein herrliches Geschenk von Pferden
+gesandt), kamen ihm die beiden Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn,
+dieser neun Jahre alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit
+einem Hasen, dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschengischan vollzog
+an ihnen beiden den mongolischen Jagdgebrauch der _Fetteinschmierung_[141],
+welcher darin besteht, den Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild
+erlegt, den Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmieren, was
+als eine günstige Vorbedeutung für die künftige Laufbahn der beiden Prinzen
+mit Festen gefeiert ward; in jedem Falle eine minder unmenschliche
+Vorbedeutung als die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan,
+zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und die so grausam in
+Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater Welteroberer selbst
+vollzogene Fetteinschmierung ging an beiden Enkeln, künftigen Herrschern,
+Eroberern und Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche
+erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter der
+mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische, als Gründer der
+Dynastie der Ilchane. Hulagu war nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller
+Reife männlicher Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm von
+vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren waren, sprechender
+Beweis. Wir können also die Zahl seiner Frauen und Kinder, welche die
+Biographie sonst gewöhnlich am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt, am
+bessten sogleich überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon
+vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden Frauen und Kinder
+dann keiner weiteren Einführung bedürfen. Hulagu hatte sechs Frauen
+Gemahlinnen, aus deren vieren ihm sechs Söhne und drei Töchter, indem die
+anderen acht der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben
+Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche die Geschichte
+aus der grossen Zahl derselben nennt, weil sie Mütter von Prinzen oder
+Prinzessinnen. Von diesen zwölf Beischläferinnen waren drei[142] aus dem
+Lager der ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau _Tokus_, und vier aus
+dem Lager seiner fünften Gemahlin, der Konghuratine _Kutui_ Chatun, ein
+Umstand, der vielleicht weniger für ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle
+gefällig zu sein, als für ihren guten Geschmack, sich mit schönen
+Sklavinnen zu umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am
+schicklichsten mit den Namen der Söhne und Töchter, durch welche der ihrige
+in der Geschichte in Vorschein gekommen, genannt werden; aber der sechs
+Gemahlinnen wollen wir zuerst und besonders erwähnen, weil dieselben als
+Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen; als Frauen
+Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramidenförmigen, mit herabfallendem
+Schleier bedeckten mongolischen Kopfschmuck _Baghtak_, dessen Namen die
+europäischen Reisenden in _Botta_, die Venezianer in _Baiuta_ verstümmelt
+haben.[143]
+
+[Randnote: Die Gemahlinnen Hulagu's.]
+
+Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den Mongolen immer den
+andern weit voraus und welche die Frau und Gebieterin des Harems, wie noch
+heute bei den Perserinnen die grosse Frau[144], war _Tokus Chatun_, d. i.
+die Frau _Neun_, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode
+zur Frau genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach der
+mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen
+Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu vermählt,
+sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte. Tuli
+war in seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre
+alt; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, hätte
+also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als wirkliche Mutter neues
+Gewicht beifügen können; allein sie ward nie Mutter und behauptete sich
+dennoch bis zu ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und
+Gebieterin des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und mütterliche
+Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass sie vielleicht um Vieles
+älter, erst dem Vater Tuli und dann dem Sohne von der Mutter des letzten,
+der staatsklugen _Sijurkukteni_, ihrer Tante, mehr an die Hand, als ins
+Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre Schwester
+_Tukini_ zur Beischläferin, die ihm eben so wenig als die Schwester Kinder
+gab. Sie waren beide die Töchter _Ettiko's_, des zweiten Sohnes
+Owangchan's, die Nichten der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche
+die Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die
+Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, und in der freien
+Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom
+Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von
+nestorianischen Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die grosse
+Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu
+zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere als
+Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit
+dem Hause Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der _Uirat_,
+nämlich _Kubak_ oder _Kojuk Chatun_, die Mutter seines zweiten Sohnes
+_Dschumkur_, und ihre Stiefschwester _Oldschai_, die Mutter seines eilften
+Sohnes Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's, des Sohnes
+_Kutuke's_, des Fürsten der Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine
+Tochter _Dschidschegan_ zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn _Buka Timur_
+geboren; aus einer anderen Gemahlin hatte Turaldschi die beiden Töchter
+_Kubak_ und _Oldschai_, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's,
+der Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen
+waren zwei Konghuratinnen: _Kutui Chatun_, aus deren Lager Hulagu sieben
+Beischläferinnen genommen, die Mutter _Tekschin's_, seines vierten, und
+_Ahmed Tekudar's_, seines siebenten Sohnes; und _Mertai Chatun_, welche
+kinderlos, wie die grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini;
+endlich die Frau _Jisut_ oder _Jisuntschin_, aus dem Stamme Suldus, die
+Mutter des Kronprinzen _Abaka_. Wir mussten in diese Umständlichkeiten
+eingehen, weil sich nur aus denselben das Resultat der die Wahl der
+Gemahlinnen mongolischer Herrscher leitenden Staats- und Familien-Maximen
+klar herausstellt. Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte,
+nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann waren
+die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare angehörten, nämlich die
+_Kerait_ und die _Uirat_, sowie der der _Konghurat_, aus welchem die zwei
+anderen Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten
+verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden Macht
+Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der
+Frauen Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die
+Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt.
+
+[Randnote: Die Söhne und Töchter Hulagu's.]
+
+Der Erstgeborene _Abaka_ war als der Aelteste schon bei des Vaters
+Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher er auch nach dessen Tode
+der zweite der Ilchane in Iran, nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der
+Zweitgeborene, nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den
+Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im Lager des Kaans
+Bruders zurück; in der Folge, als nach dem Tode Mengkukaan's der jüngste
+Bruder desselben, Arikbugha, dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig
+machte, ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider diesen zu
+erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui auszog, von ihm ab, um in's
+Lager des Vaters zurückzukehren, und starb auf dem Wege dahin; desselben,
+sowie seiner beiden Söhne _Dschuschkub_ und _Kunkuschu_, wird im Verlaufe
+dieser Geschichte noch mehrmals erwähnt werden. _Jaschmut_, der dritte Sohn
+Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi, welche eine Sklavin des
+Lagers der Frau Kutui, war Vater von drei Söhnen; Kutui selbst war die
+Mutter des vierten Sohnes, _Tekschin_, welcher an einem Blasenübel
+gestorben, und dessen Gemahlin _Nulun_, die Tochter Buka Timur's, des
+Bruders Kubak Chatun's (folglich seine angeheirathete Base), nach
+Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm. Der fünfte Sohn,
+_Tarakai_, aus der dem Lager der Frau Kutui entnommenen Beischläferin
+_Borkdschin_, ward auf der Reise nach Persien vom Blitze erschlagen;
+merkwürdiger durch seinen Sohn _Baidu_, welcher einige Monate lang der
+sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nach _Ahmed Tekudar_, dem
+siebenten Sohne Hulagu's, dem fünften der Ilchane; zwischen beiden ward
+_Tusin_, der sechste Sohn Hulagu's, aus derselben Mutter, wie Jaschmut,
+geboren. _Adschai_, des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin Irtika
+Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui; als Hulagu nach Persien zog, liess
+er ihn an der Spitze des Lagers der Frau Kutui zur Besorgung der
+Angelegenheiten zurück; er überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage.
+Die Beischläferin _Dschudsche Ikadschi_, die Mutter des neunten Sohnes,
+_Kuikurtai_, war eine Sklavin aus dem Lager der Frau _Tokus_; er war Vater
+von sechs Söhnen und erreichte ein sehr hohes Alter. Die Mutter
+_Jisudar's_, des zehnten Sohnes, war Uwischdschin, aus dem Stamme Kurlaut,
+dessen diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilften Sohnes Mengku
+Timur's[145] erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig Jahre alt starb;
+Vater von drei Söhnen, allein drei aus der Sklavin Ilinak Ikadschi, und
+keiner aus seinen drei Frauen, deren erste Oldschai, die Tochter Buka
+Timur's, des Bruders der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine
+Stiefbase; die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des Atabegen von
+Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme; die dritte Nuhin Chatun. Sie
+gaben ihm keine Söhne, aber mehrere Töchter, deren berühmteste die älteste,
+_Kordotschin_, aus der Atabegin _Abisch_, in der Geschichte nicht minder
+oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt ward; das erstemal
+an Dschelaleddin Sijurghutmisch, den Sultan Kerman's, dann an den Emir
+_Satilmisch_ und endlich an ihren Vetter _Taghai_; die Atabegin _Abisch_,
+ihre Mutter _Turkan Chatun_ und _Kordotschin_, die obgenannte Tochter der
+Abisch, sind drei der grössten weiblichen Charaktere, Hebel grosser
+Begebenheiten in der Geschichte der Atabege von Fars und Sultane Kerman's,
+welche eng mit der der Ilchane Persiens verflochten. _Huladschu_, der
+zwölfte Sohn Hulagu's, hatte die Sklavin _Ilkadschi_, aus dem Lager der
+Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem Kopfschmucke _Baghtak_ zur
+Frau erhoben ward; Vater von vier Söhnen. Ilkadschi war auch die Mutter
+_Scheibawedschi's_, des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten,
+_Taghai Timur's_, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der Frau
+_Kutui_, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's waren: die
+erste _Bulughan Aka_, aus der Frau _Kobak_; sie wurde mit ihrem Oheim
+_Dschume Gurgan_, dem Sohne des Tataren _Dschudschi_, vermählt, dessen
+Gemahlin die mit der Tochter Tschengischan's gleichnamige _Dschidschegan_,
+die Tochter _Utdschigin's_, des jüngsten Bruders Tschengischan's; _Dschume
+Gurgan_ erhielt nach dem Tode _Bulughan Aka's_ auch die Hand der Nichte
+_Dschemi_, der zweiten Tochter Hulagu's aus der Frau _Oldschai_; die dritte
+Tochter, _Mengelugan_, ebenfalls aus der Frau _Oldschai_, ward an _Dschakir
+Gurgan_, den Sohn _Buka Timur's_ den Uiraten, vermählt, welcher der Bruder
+Oldschai's und folglich der Oheim seiner Gemahlin; die vierte, _Tutukasch_,
+aus einer Beischläferin Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an
+den Uiraten _Tengkir Gurgan_, welcher früher eine Tochter Gujuk's zur Frau
+gehabt und welchem von dieser das Leben erbeten ward, dann an dessen Sohn
+_Sulamisch_ und endlich an dessen Sohn _Dschidschek Gurgan_ vermählt, so
+dass dieser der Vater, Sohn und Enkel der Gattin;[146] die fünfte,
+_Tarakai_, deren Mutter die Beischläferin _Irtikan Ikadschi_, ward dem
+Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan's aus seiner Tochter Tumalun, das
+ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben; die sechste Tochter, _Kutlukan_, aus der
+Beischläferin _Minklikadsch_, wurde zuerst dem _Jisubuka_, aus dem Stamme
+_Durban_, dann nach dessen Tode seinem Sohne _Tokel_ angetraut; die Hand
+der siebenten, _Baba_, aus der Frau _Oldschai_, erhielt _Legsi Gurgan_, der
+Sohn Emir _Arghun's_, des Staatssecretärs, welchen Mengkukaan früher als
+Hulagu nach Persien gesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an
+Oheime und Vettern vermählt.
+
+[Randnote: Hulagu's Aufbruch.]
+
+Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf und dreissigsten Jahre
+Vater, nahm er auf dem Zuge nach Persien den erstgeborenen, _Abaka_, und
+den dritten, _Juschmut_, mit sich, trug dem zweiten, _Dschumkur_, im Lager
+des Bruders Kaan's als seinem Agenten und seinem Bruder _Temkjan_[147] in
+seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem aber begleiteten
+ihn noch sein jüngster Bruder _Suntai_, der neunte Sohn Tuli's, dann aus
+dem Uluse Dschagatai _Tekuder_[148], der Sohn Dschudschi's, des
+erstgeborenen Sohnes Dschagatai's; aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem
+ebengenannten gleichnamigen Neffen nicht zu verwechseln) der Enkel
+_Bulghai_[149], der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli,
+der Sohn seines Erstgeborenen _Orda_, und der Urenkel _Kotur_, der Sohn
+Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten Sohnes _Tewel_; endlich _Buka
+Timur_, der Sohn Dschidschegan's, der Tochter Tschengischan's, welche an
+Turaldschi, den Sohn Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der
+Stiefbruder von _Kubak Chatun_ und _Oldschai Chatun_, der zwei Gemahlinnen
+Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's Feld die grosse Frau _Tokus
+Chatun_, dann _Jisut Chatun_, die Mutter des erstgeborenen Abaka und
+_Oldschai_, aus welcher ihm zwei Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku
+Timur geboren ward; also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich:
+_Hulagu_, seine Söhne _Abaka_ und _Juschmut_, sein Bruder _Suntai_, sein
+Stiefschwager _Buka Timur_, der Neffe _Tekuder_; die Vettern: _Bulghai_,
+_Kuli_ und _Kotar_. Des Bruders Kaan's Auftrag vom Kurultai, auf welchem
+die Eroberung der Länder im Osten und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu
+Chan beschlossen worden war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen
+zu brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen; in Allem
+sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen. Die Heere, welche schon früher
+unter Baidschu Nujan und Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren,
+wurden nun dem Befehle Hulagu's untergeben; so auch die an der indischen
+Gränze, erst von _Dür Nujan_ und hernach vom Tataren _Sali Nujan_ gegen
+Kaschmir befehligten, welche während des Feldzugs Hulagu's in Persien
+demselben den Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der Befehl,
+von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach Westen zu stellen; nach China
+wurden Eilboten gesendet, um tausend Familien von Feuerwerkern und
+Naphthaschleuderern aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus
+wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag genommen,
+alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen für das Heer gänge
+gemacht; überall sollte Mehl und Wein als Mundvorrath in Bereitschaft seyn;
+Baidschu und Dschurmaghun erhielten den Befehl, von Persien gegen
+Kleinasien vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane _Keitbuka_, vormals
+Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend Türken, welcher, bis die
+Rüstungen vollendet waren, den Marsch nach Kuhistan antrat, um dasselbe
+indessen zu verheeren. Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet
+waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden Prinzen
+und Frauen mit Geschenken überhäuft, im letzten Monde des Jahres
+sechshundert und ein und fünfzig der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres
+1254, der Marsch nach Persien angetreten; derselbe ging von der Residenz
+Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des Changai nach dem
+Flusse Hoen Murin, über den mit Ruderschiffen gesetzt ward, einige
+Tagreisen später über den _Arungu_, der in den See _Kisilbasch_, d. i.
+Rothkopf, fällt; weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit
+Lerchenbäumen bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chinesische über
+diesen Marsch abgestattete Bericht[150] _Pfuhle_ nennt, liegt ein Berg, von
+welchem der Wind oft mit solcher Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende
+in den See weht;[151] durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden
+Brücke, öffnet sich der Weg nach _Almaligh_, einer Stadt voll fliessender
+Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen. Hier kam ihm
+Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukan's, des vor
+Bamians Mauern gefallenen zweiten Sohnes Dschagatai's, bewillkommend
+entgegen und bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die
+Enkelin Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi vermählten
+Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester, der Frau Oldschai,
+welche in der Begleitung Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihm
+_Mesud_, der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während des
+Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet und in der herbstlichen
+Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand auf der schönen Ebene von _Kjanigül_,
+d. i. die Fundgrube der Rosen, gelagert.
+
+[Randnote: Das goldene Zelt; Arghun; Uebergang über den Oxus.]
+
+Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und innen von Gold
+gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen Stricken befestigt, und vierzig
+Tage lang gerastet und getrunken; dieses Fest wurde jedoch durch den Tod
+des Prinzen _Suntai_, des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach der
+Stadt _Kesch_[152] vorgerückt, welche in der Folge als der Geburtsort und
+die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem Namen von _Schehr Sebs_, d. i.
+der grünen Stadt, berühmt; diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von
+zahlreichen Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen[153], genährt. Die
+Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche vier Thore hat,
+und der Vorstadt[154]; von fruchtbaren Gärten umgeben, in welchen alle
+Arten von Korn und Gemüse gedeihen. Hier kam der Fürst von Herat,
+_Schemseddin Mohammed Kert_, der Gründer der seinen Namen führenden und
+unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden Dynastie
+_Kert_, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen und von demselben seinen nicht
+mehr zu trennen; auch Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's,
+mit allen Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle des Herrn
+zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen wird in der Folge dieser
+Geschichte so oft die Rede sein, dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der
+Dschelaire _Iluke_, dessen Vater _Kadan_, aus dem Gefolge Tschengischan's,
+hatte seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet, bei
+dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister in hohem Ansehen stand. In
+einer grossen Hungersnoth verkaufte ein armer Uirate, um nicht Hungers zu
+sterben, seinen Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als
+sein Sohn Kadan in den Hofdienst[155] Ogotai's trat, gab er ihm den Sklaven
+als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch gekaufte Sklave war _Arghun_.
+Iluke's Bruder war der schon mehr als einmal genannte _Iltschidai_, welcher
+vor des Bruders Zorn, der ihn tödten wollte, bei Ogotai Zuflucht suchte und
+fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach Gujuk's Tod die
+Rechte des Hauses Ogotai wider die Aufrührer des Uluses Tuli mit so warmer
+Beredtsamkeit verfocht, dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo
+ihn die Missionäre als _Ergutai_ kennen, und der, nachdem sein Sohn in die
+Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und Ogotai begriffen, nach
+des Sohnes Tode durch's Schwert ebenfalls hingerichtet worden. _Arghun_,
+durch Verstand, Beredtsamkeit, Tapferkeit und Geschäftskenntniss
+ausgezeichnet, schwang sich bald so hoch, dass er nach Mengkukaan's
+Thronbesteigung zum _Baskaken_, d. i. Statthalter, Chorasan's ernannt ward.
+Vater zahlreicher Söhne[156], von denen _Newrus_ und _Legsi_ in der Folge
+die Hand von Prinzessinnen, seine Töchter die von Prinzen und Fürsten
+erhielten. Von der Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und
+Könige Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass der Zweck
+des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung der gräuelvollen Macht der
+Assassinen, dass Hülfe und Bereitwilligkeit im Dienste wider dieselben
+durch Länderzuwachs ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den Verlust
+der besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten waren
+diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person, wie Schemseddin von
+Kert, zuvorgekommen, nämlich die beiden Seldschuken Rum's, die Brüder
+_Iseddin_ und _Rokneddin_, d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der
+Atabeg von Fars, _Saad_, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus Arran,
+Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche alle, Geschenke
+darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen Schiffe und Nachen, um über
+den Oxus zu setzen, herbeigeschafft worden, hatte der Uebergang über
+denselben statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch den
+Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am ersten Tage des letzten
+Mondes des 653sten Jahres der Hidschret, d. i. am ersten Januar des Jahres
+1256 unserer Zeitrechnung.
+
+[Randnote: Winterquartier zu Scheburghan; die beiden Dschuweini.]
+
+Um den Uebergang über den Oxus in dankbarem Andenken zu erhalten, hob
+Hulagu den bisher von allen Schiffen genommenen Ueberfuhrszoll auf, was
+von damals an während der ganzen mongolischen Herrschaft Gesetz blieb.
+Jenseits des Oxus wurde auf Löwen gejagt und zehn derselben erlegt. Am
+zehnten Tage nach dem Uebergange (am moslimischen Opferfeste) [RN: 10.
+Januar 1256.] wurde südwestlich von Balch ausser der Stadt
+_Scheburghan_[157] gelagert, deren District bei den morgenländischen
+Geschichtschreibern unter dem Namen der Landschaft _Dschusdschan_ oder
+_Dschusdschanan_ bekannt[158]; die mit fliessendem Wasser reichlich
+bewässerten Gärten sind vorzüglich fruchtbar an Wassermelonen, welche
+getrocknet verführt werden. Dem Heere ward verboten, die Stadt zu betreten;
+ein heftiges Schneegestöber, das durch sieben Tage dauerte, von grimmiger
+Kälte begleitet, war vieler Lastthiere Verderben. Hulagu beschloss, hier
+den Rest des Winters abzuwarten. Emir Arghun brachte ein prächtiges, mit
+goldenen Nägeln und Stricken versehenes, goldenes Zelt zum Geschenke dar,
+in welchem Hulagu auf goldenem Throne sass, eine Vorbedeutung glücklicher
+Herrschaft, während um ihn die Prinzen und Fürsten versammelt, die
+gegebenen Feste verherrlichten. Nach aufgehobenen Festen begab sich Emir
+Arghun an den Hof des Kaan's, um demselben Bericht zu erstatten, liess aber
+für die Besorgung der Geschäfte seiner statt seinen Sohn _Kerrai Melik_ und
+_Alaeddin Athamülk Dschuweini_ als Staatssekretär zum Dienste Hulagu's
+zurück. Alaeddin Athamülk und sein älterer Bruder Schemseddin Mohammed
+Dschuweini sind ein leuchtendes Doppelgestirn nicht nur der Wesirschaft,
+sondern auch der Literatur; dieselben erscheinen so oft und wirksam in der
+Geschichte Hulagu's und seines Nachfolgers Abaka, dass nähere Bekanntschaft
+mit ihrer Herkunft und ihrem Wirken hier unabweislich. Dschuwein ist die
+arabisirte Aussprache von _Kuwan_[159], einem Distrikte der Stadt
+_Nischabur_ in Chorasan, dessen Hauptort _Asadwar_, auch _Dschuwein_
+genannt, durch das erlauchte Brüderpaar für immer in der Geschichte geadelt
+worden. Sie waren die Söhne des Imams _Abdulmelik Dschuweini_, aus einer
+seit langen Jahren durch hohe Staatsdienste geehrten Familie. Als Sultan
+Mohammed Tekesch nach Dschuwein zog, [RN: I. J. 588/1192] bewillkommte ihn
+Behaeddin, der Urgrossvater Alaeddin's, mit einem Distichon, das er gnädig
+aufnahm, und sein Enkel Behaeddin, der Vater Alaeddin's, befand sich im
+Gefolge _Dschelaleddin Mankburni's_, als dieser vor den Mongolen floh. [RN:
+617/1220] Dreizehn Jahre hernach floh Behaeddin vor den vom mongolischen
+Emir Dschintimur zur Dämpfung von Unruhen gesandten Truppen nach Tus, [RN:
+630/1232] und Dschintimur ernannte ihn zum Herrn des Diwans in Chorasan und
+Masenderan; [RN: 633/1235] drei Jahre später sandte ihn Dschintimur an
+Ogotai, der ihn ehrenvoll empfing und in seinem Amte bestätigte; und als
+abermal drei Jahre später der Emir Körgös, der Statthalter von Chorasan, an
+den Hof des Kaan's sich zu vertheidigen ging, übertrug er in seiner
+Abwesenheit die Statthalterschaft Chorasan's an Behaeddin; desgleichen that
+der Nachfolger von Körgös, der Emir Arghun, bei seiner ersten Reise in's
+Hoflager; bei seiner zweiten führte er ihn mit sich; endlich starb er zu
+Issfahan, sechzig Jahre alt. Sein Sohn Alaeddin, im Sterbjahre
+Tschengischan's geboren, kam schon in früher Jugend in das Gedränge der
+Geschäfte des Diwan's, und verschloss, wie er selbst reuig in seiner
+Geschichte bekennt, das Ohr den heilsamen Ermahnungen des Vaters, welcher
+ihm gerathen, sich den Wissenschaften zu widmen. Später jedoch holte er das
+Versäumte durch Studien nach, von denen seine Geschichte Tschengischan's,
+welche den Titel _Dschihanguscha_, d. i. die Welteröffnende, führt[160],
+die schönste und bleibende Frucht. In seinem siebzehnten und achtzehnten
+Jahre begleitete er den Emir Arghun auf dessen Reisen in's Hoflager und in
+seinem zwanzigsten zum Kurultai der Thronbesteigung Mengkukaan's, an dem er
+sich mehrere Jahre aufgehalten zu haben scheint, da dort die Anforderung an
+ihn erging, die Geschichte Tschengischan's zu schreiben, die er im sieben
+und zwanzigsten Jahre seines Alters begann. Er spricht darin von seinen
+Reisen in Mawereinnehr, Turkistan und an die chinesische Gränze und
+beschreibt die in der Nähe Karakorums entdeckten Ruinen der vormaligen
+Hauptstadt der Uighuren. Seit der Abreise Arghun's von Schaburghan an den
+Hof des Kaan's versah _Athamülk_ bei Hulagu die wichtige Stelle des
+Staatssekretärs, als Hulagu's unzertrennlicher Begleiter.
+
+[Randnote: Keitbuka belagert die Schlösser der Assassinen.]
+
+Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des Heeres gleich nach dem
+Kurultai, auf welchem der Feldzug nach Westen beschlossen worden, gegen
+Kuhistan aufgebrochen und mit fünftausend Fussgängern in _Kuhistan_, d. i.
+im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des Schlosses _Girdkjuh_, d. i.
+Kreisberg, einer ihrer beträchtlichsten Festen, gelangt. _Girdkjuh_, auch
+_Derikunbed_, d. i. das Gewölbthor, genannt, liegt drei Farasangen von
+Demghan in der Landschaft Kumis in der Nähe von Manssurabad oder
+Manssurije[161]. Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem
+unerhörte, ächt mongolische oder chinesische; rund um das Schloss wurde ein
+Graben gezogen, hinter demselben eine Mauer aufgeführt, hinter der Mauer
+stand das Heer und hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut,
+damit es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und auf allen
+Seiten der Weg zur Feldflucht gesperrt sei[162]; so war das Bergschloss von
+einem dreifachen Kreise, dem des Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt,
+und verdiente im eigentlichsten Sinne den Namen _Kreisberg_. Da das Schloss
+festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen Schlössern, von
+denen die Geschichte dieses Feldzugs ein Dutzend nennt, von denen nicht nur
+bisher auf den bessten Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den
+bessten geographischen Werken des Morgenlandes über Persien, in den
+arabischen Abulfeda's[163], dem persischen Hamdallah Mestufi's[164] und im
+türkischen Hadschi[165] Chalfa's, der aus beiden geschöpft, fehlen. So zog
+er belagernd vor die Schlösser _Mehrin_, vor dem er Wurfmaschinen
+aufstellte, _Schahdis_, wo er einen Haufen von Feinden tödtete und
+zurückkehrte bis _Tarim_ und _Rudbar_, die er verwüstete, an den Fuss von
+Manssurije und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekämpfet ward; die von
+_Schirkjuh_ machten indessen einen nächtlichen Ueberfall, in welchem sie
+den Belagerungswall verheerten[166]. Die beiden Schlösser _Schir_ und
+_Sirkjuh_[167] wurden berennt, _Mehrin_ genommen; die Besatzung von
+_Girdkjuh_ hatte indessen an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort
+gesandt, dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald ergeben
+müssen; [RN: Schaaban 651/Nov. 1255] da sandte der Grossmeister zwei seiner
+Hauptleute[168] mit hundert zehn Tapferen, jeden mit drei _Menn_ Henna und
+drei Menn Salz, an welchem das Schloss Mangel litt; das Henna nicht zum
+gewöhnlichen Gebrauche der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als
+Mittel wider die grassirende Pest; denn man hatte bei der Hochzeit der
+Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche (ob
+Wassermangels) von dem Wasser, worin das Henna aufgelöset worden,
+getrunken, von der Pest frei geblieben waren. Indessen ward Alaeddin der
+Grossmeister, dessen Vater und Nachfolger vor Einem Jahre[169] durch die
+nächsten Verwandten vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von
+Masenderan und hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des Sohnes
+und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet. [RN: letzten Schaaban 653/Dec. 1255]
+Der Vatermord rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt. Alaeddin
+war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl gesetzt worden, den er
+durch vier und dreissig Jahre mit Blut und Gräueln aller Art befleckte.
+Hasan aus Masenderan hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum
+Lotterbuben gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen geschenkt;
+da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das Weib in beider Gegenwart,
+diese an jenes statt, jenen als diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte
+Hasan über so schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur ihm
+den Tod; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem mit dem Vater stets
+entzweiten Sohne mit, und als dieser dazu schwieg, führte er, unter
+vorausgesetzter stillschweigender Beistimmung, das Werk der Rache aus. Der
+Dichter Schemseddin Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Alaeddin's ein
+Gedicht, woraus die Verse:
+
+ Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen,
+ Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen;
+ Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken,
+ Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken.
+
+[Randnote: Die Städte Tun und Tus.]
+
+Hulagu sandte den Herrn von Herat, Schemseddin Kert, an den Gebietiger[170]
+des Schlosses _Sertacht_, an Nassireddin, dessen Name durch den grossen
+Astronomen Nassireddin von Tus, welcher seine demselben gewidmete berühmte
+Ethik nach dessen Namen die _Nassirische Moral_[171] betitelte, rühmlich
+fortlebt. Der Gebietiger übergab das Schloss und kam mit Melik Kert zur
+Huldigung Hulagu's. Dieser fragte ihn: warum er nicht auch die Bewohner des
+Schlosses mit sich geführt? Nassir entgegnete, dass diese dem Grossmeister
+Chorschah und nicht ihm gehorchten. Hulagu liess ihm Diplom und das
+Ehrenzeichen des Löwenkopfs geben und sandte ihn als Befehlshaber nach Tun.
+_Tun_, eine der vorzüglichsten Städte Kuhistan's, zwei Tagreisen südlich
+von Meschhed auf der Strasse von Kerman, nicht ferne von _Kain_[172],
+zeichnet sich durch besondere Anlage der Häuser und Gärten aus, indem das
+Schloss mit tiefem Graben, ausser welchem der Markt und die Häuser mit
+Gärten und diese von Saatfeldern und die Felder mit Mauern umgeben, das
+Ganze mit unterirdischen Wasserleitungen und mit Gruben durchschnitten, in
+welchen Wassermelonen trefflich gedeihen[173]. Hulagu, nach _Sawa_ und
+_Chawwaf_[174] vorgerückt, erlitt einigen Verlust; _Kuli Ilkai_ und
+_Keitbuka_[175] wurden weiter an die Gränze von Kuhistan vorausgesandt, wo
+sie einigen Widerstand fanden, aber binnen einer Woche denselben besiegten,
+und dann vor Tun die Wurfmaschinen aufpflanzten; in zwölf Tagen war die
+Stadt erobert, [RN: 7. Rebiulachir 654/5. Mai 1256] und sie kehrten
+sogleich zu Hulagu zurück, der sich zu Tus befand. Tus, eine der ältesten
+Städte Chorasan's, schon im Beginne des neunten Jahrhunderts der
+christlichen Zeitrechnung[176] durch die Grabstätte des Chalifen Harun
+Reschid[177] nur um neun Jahre später durch die Ali Ben Musa Risa's des
+achten Imam's, zwei Jahrhunderte hernach durch die des grössten persischen
+ethischen Dichters _Firdewsi_[178], als der Geburtsort _Ghasali's_ des
+grossen Philosophen, _Nassireddin's_ des grossen Astronomen und _Hamdallah
+Mestufi's_ des grossen Geographen und Geschichtschreibers, verherrlicht.
+Dieser belehrt uns, dass die Stadt schon von Dschemschid gebaut, nach ihrer
+Verwüstung von Tus, dem Sohne _Nuser's_, wieder aufgebaut, von ihm den
+Namen erhalten; dass das Grabmal Ali Musas, vier Farasangen von Tus im
+Dorfe des Distrikts _Sebanabad_[179], der um dasselbe angebauten Stadt den
+heutigen Namen _Meschhed_ gegeben; folglich sind die Ruinen des alten Tus
+vier Farasangen vom heutigen Meschhed, das schon mehrere Reisende besucht,
+keiner so umständlich beschrieben, als Fraser[180]. Meschhed, der
+Geburtsort und die Grabstätte so vieler der grössten Lichter Persiens, ist
+heute, was ehemals Bochara war, der Sammelplatz der Gelehrten; von einigen
+und zwanzig Tausend Einwohnern der Stadt sind die zahlreichsten die Imame,
+Molla, Muderrise (Professoren) und Danischmende (Studenten), welche den
+verschiedenen Moscheen, Medreseen, Grabstätten und Domen angehören. Das
+Innere einer Medrese gleicht einem Karawanserai, nur mit Abwesenheit der
+Stallgewölbe; dem Eingange in die Mitte der Nord- oder Nordostseite steht
+in der Mitte der Süd- oder Südostseite eine gewölbte Nische entgegen,
+welche die Kibla vorstellt und wohin sich alle Gesichter beim Gebete
+wenden; in der Mitte der beiden Seitenwände sind Balcone, von Säulen
+getragen, für die Wohnungen der höheren Molla, in der Mitte des Hofes ein
+kleiner Garten und im Mittelpunkte desselben ein Wasserbecken. Die grosse
+Moschee von Meschhed, welche das Grab Ali Risa's umschliesst, ist hundert
+fünf und sechzig Klafter lang und fünf und zwanzig breit, in der Art eines
+Karawanserai, mit zwei Stock hohen, rings herum laufenden Gemächern gebaut,
+im Mittel und an den Ecken jeder Seite hochgewölbte Thore, das Ganze mit
+glasirten vielfarbigen Ziegeln auf das Geschmackvollste bekleidet; dieser
+herrliche Hof heisst _Ssahn_, d. i. das Feld, wie der Vorhof der grossen
+Moscheen zu Konstantinopel, wesshalb die dort an der Moschee Mohammed's II.
+angestellten Professoren der acht Medreseen die Achter vom Felde genannt
+werden. Der Dom des Mausoleums, mit goldenen Ziegeln bedeckt, rings herum
+mit goldenen Inschriften in lazurblauem Felde geschmückt, die Schafte der
+beiden Minarete reich vergoldet und oben mit zierlich geschnitzten
+hölzernen Gallerien gekrönt. Von diesen herrlichen, erst unter der Dynastie
+der Ssefi errichteten Gebäuden bestand noch Nichts zur Zeit Hulagu's, wohl
+aber waren die Grabstätten der grossen Chalifen Imam's und Dichter ein
+Gegenstand der Verehrung der Wallfahrter; noch sind die Mauern von Tus mit
+ihren Thürmen aus Lehmen sichtbar und ausser den obgenannten Grabmälern
+grosser Männer wird noch das Grab Burk Eswed's besucht, welcher nach der
+Volkssage ein Neger, Freund des Herrn Jesus gewesen, nach dessen Tode
+hierher geflohen, hier gestorben und bestattet worden sein soll.[181]
+
+[Randnote: Tus, Bostam, Aufforderung an Chuarschah.]
+
+Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen Zelte ab, welches
+dieser auf ausdrücklichen Befehl des Kaan's für Hulagu nach dem Muster der
+grossen goldenen Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach
+dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung wieder
+hergestellt. Hier brachten die Frauen Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant
+dar[182]; den nächsten Tag begab sich Hulagu nach der Ebene von _Radgjan_,
+wohin von _Merw_, _Jesrud_ und _Dehistan_ Wein und Lebensmittel im
+Ueberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der Ankunft der
+Mongolen verwüsteten Flecken Chabuschan[183]. Hulagu befahl, denselben
+wieder herzustellen, liess Kanäle graben, eine Fabrik bauen und neben der
+Moschee einen Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser zu
+bauen, und dem Wesir _Seifeddin_ die Leitung und Oberaufsicht des Baues
+aufgetragen. Die drei Gesandte[184], welche an Chuarschah, den Grossmeister
+der Assassinen, abgesandt worden, [RN: 29. Deschem. I. 654/24. Juli 1256]
+kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward daher sogleich der Befehl
+zur Verheerung des Landes gegeben. [RN: 10. Schaaban/2. Sept.] Acht Tage
+hierauf stand das Lager zu Bestam, der östlichsten der drei Hauptstädte der
+Landschaft Kumis (die beiden anderen sind Demghan und Semnan). Bestam, eine
+alte, schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret durch
+Erdbeben verwüstete Stadt[185], dankt ihren Ruhm vorzüglich der Grabstätte
+des zwanzig Jahre hernach[186] gestorbenen grossen mystischen Scheichs
+Bestami[187], dem Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische
+Bestami; später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier anderer
+grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abderrahman Ben Mohammed Bestami,
+der in der Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen
+Zeitrechnung, Verfasser von vierzig Werken, starb[188], und Ali Ben
+Medschdeddin Bestami[189], welcher, berühmt unter dem Namen _Mussannifek_,
+d. i. der kleine Compositor, sich in der osmanischen Geschichte keinen
+minderen Namen durch seine zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus
+erworben, welcher ihn dazu antrieb, an dem gefangenen letzten König von
+Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken[190]. Von Bestam aus
+sandte Hulagu abermal zwei Gesandte[191] an den Grossmeister der Assassinen
+mit Drohungen und Verheissungen. Bei demselben befand sich der grosse
+Astronom Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten[192], welcher, in die Macht
+der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir, dem Gebietiger von
+Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und Rath des neuen Fürsten der
+Assassinen. Nassireddin beschloss mit seinen Collegen, dem Gräuel der
+Assassinenherrschaft ein Ende zu machen, indem sie zum freundlichen
+Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte ihren Rath
+und sandte mit den freundlich empfangenen Botschaftern Hulagu's seinen
+Bruder Schehinschah und den Chodscha Assileddin von Susen[193], um seine
+Unterwerfung dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich und
+sandte abermals vier Botschafter[194] mit dem Begehren, dass, wenn die
+Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die Schlösser brechen und selbst am
+Hofe des Chan's erscheinen möge. Chuarschah antwortete: wenn mein Vater
+widerspenstig war, will ich unterwürfig sein; er fing an, an einigen
+Schlössern, wie _Meimundis_, _Lemsir_ und _Alamut_, Zinnen, Thore und
+Mauern abbrechen zu lassen, begehrte aber die Frist eines Jahres bis zu
+deren gänzlichen Uebergabe. Die Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine
+Heere auf und zog von Bestam aus wider die Schlösser; der rechte, von Köke
+Ilka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von Masenderan,
+der linke, unter dem Befehle des Prinzen Tekuder Aghul[195] und Keitbuka
+Nujan's, auf der Strasse von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte mit
+einem Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen _Firuskjuh_, d. i.
+den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des Schlosses der Assassinen
+für eine Windmühle und ein Bad aus der Zeit Alexander's des Grossen
+gelten[196]. Er sandte abermals Aufforderung an Chuarschah, sich
+unmittelbar zu ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor
+Firuskjuh[197], kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir und traute
+Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. Er bat im Namen seines Herrn
+noch einmal um Frist eines Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die
+Schonung Lemsir's und Alamut's, der ältesten Burgen ihrer Herrschaft; er
+sandte Kabinetsbefehle an die Gebietiger von _Girdkjuh_ und _Kuhistan_,
+sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so den Sturm zu beschwören.
+
+[Randnote: Demawend, Fall von Meimundis.]
+
+Die Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend, einer der ältesten Städte
+Iran's, am Fusse des gleichnamigen Berges gelegen, der ein vulkanischer,
+durch Erdbeben und Rauch Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte
+der Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn der Satan
+geküsst, nach der Volkssage nur durch das Gehirn zweier täglich
+geschlachteter Menschen gelindert werden konnte. Von dieser Tyrannei
+befreite sein Volk der Schmied Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess
+gestekt, die Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Tyrannen
+sammelten, vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer seiner Regierung bis
+in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet hatten, und der endlich selbst in's
+Gebirge von Demawend verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird,
+unabhängig vom moslimischen Kalender, das Befreiungsfest von der Regierung
+Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der Umgegend sammeln sich, auf
+Pferden, Mäulern, Eseln beritten, und ziehen unter lautem Geschrei durch
+das Feld[198], jubelnd, dass ihre Väter dem Halloh der Tyrannei entflohen,
+welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; Nachts werden Feuer auf den
+Terrassen der Häuser angezündet und die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über
+die Erlösung von dem Drucke Sohak's, durch welchen die Seufzer der
+Unterdrückten wie Flammen zum Himmel emporstiegen. Dieses Fest heisst das
+Fest der Kurden, auf denen Sohak's Tyrannei vorzüglich lastete. Demawend
+soll schon von Siamek, dem Sohne des Keiomer's, des zweiten Herrschers der
+Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend, d. i. dem Diwbändiger,
+sollen die Diwe in den Demawend gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn
+noch durch Rauch und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu den
+_Schemseddin Kilegi_ nach Girdkjuh (dem _Tigado Haithon's_), um den
+Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und einen anderen Gesandten
+an Chuarschah, um diesen zu bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser
+Botschaften zu Abbasabad[199], in der Nähe von Rei, der alten Hauptstadt
+des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn, einen achtjährigen
+Knaben, [RN: 17. Ramasan 654/8. Oct. 1256] welchen ihm aber Hulagu mit der
+Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen könne, er einen
+anderen Bruder statt Schehinschah's senden möge. Chuarschah sandte seinen
+Bruder Schiranschah und den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um
+seine Huldigung darzubringen. [RN: 1. Schewwal 654/26. Oct.] Nach vier
+Tagen wurden sie mit einem Diplome zurückgesendet, welches dem Chuarschah,
+da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte, wenn er seine
+Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt das Heer den Befehl, von
+allen Seiten aufzubrechen. Köke Ilka und Tukatimur nahten sich von der
+Seite von Ispidar; Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur
+Unterwerfung bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf der
+sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess gegen _Thalkan_[200]
+gewendet, [RN: 10. Scheww./31. October] einer Stadt der Landschaft
+_Tocharistan_, nach welcher die Mongolen von den Byzantinern den Namen
+_Tocharen_ erhielten, der noch in dem der Mongolen _Tsacharen_ fortlebt.
+Ohne einen eingefallenen Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am
+Fusse seines Schlosses gefangen worden; acht Tage hernach, [RN: 19.
+Scheww./8. November] als sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath
+gehalten, ob die Belagerung des Schlosses noch bei so weit vorgerückter
+Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu verschieben sei; der
+Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka und Bukatimur stimmten für die
+Belagerung. Hulagu sandte abermals Botschaft, halb drohend, halb
+versöhnend, einen letzten Termin von fünf Tagen zur Uebergabe bestimmend.
+Chuarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten Arzt und Rathgeber
+Nassireddin von Tus mit seinem Bruder Iranschah und seinem Sohne Turkia mit
+vielen Geschenken, seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernach,
+Sonntags den 19. November, [RN: 19. Nov. 1256] kam Chuarschah selbst, um
+den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unterwerfung in die
+folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten Distichen ein:
+
+ O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt,
+ Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt.
+ Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen,
+ Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen!
+
+Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich hatte; er
+schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog ihn, alle Burgen seiner
+Vorfahren, deren Zahl auf hundert stieg, zu brechen, nur _Girdkjuh_ und
+_Lemsir_, in welchen sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen;
+die zu _Meimundis_[201] aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert und
+unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vor _Alamut_, d. i. das
+Adlernest, den Hauptsitz des Grossmeisters der Assassinen, von wo unter dem
+Gründer Hasan Ssabbah die Macht des Ordens wie ein Adler aufflog. Der
+Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Widerstand geleistet.
+[RN: 26. Silhidsche 654/15. December] Die Mongolen drangen ein, zerbrachen
+die Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist zum Abzuge.
+
+[Randnote: Schlösser der Assassinen.]
+
+Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute, sandte Hulagu seinen
+gelehrten Staatssekretär Athamülk Dschuweini in's Schloss von Alamut, um
+die Archive und die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere
+kostbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines, welches den Titel:
+_Begebenheiten unsers Herrn und Meisters_[202] führte und das Leben Hasan
+Ssabbah, des Gründers des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seiner
+_Welteröffnenden Geschichte_ die verlässlichsten Nachrichten über denselben
+gegeben; alle anderen Werke philosophischen und freigeisterischen Inhalts
+über die Lehre der Ismaili wurden den Flammen übergeben. Ob er dieses
+Autodafe der Bücher auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe
+veranstaltet, ob, wenn dieser Brand blos sein Werk gewesen, ihn dazu nur
+der Feuereifer rechtgläubigen Islams, oder, wie ihn spätere
+Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdammenswerthe engherzige Habgier
+ausschliesslicher Gelehrsamkeit bewogen, ist heute zu entscheiden
+unmöglich. Er soll nämlich blos die historischen Werke, die er benutzen
+wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preisgegeben haben, um
+die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber zu monopolisiren. Eine ähnliche
+Anklage lastet auch auf dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und
+des grossen Arztes Ibn Sina[203]. In welchem Gelehrtenkopf immer solche
+Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist dieselbe doch vom einseitigen
+Mathematiker und Arzte oder Philosophen begreiflicher, als vom
+Geschichtschreiber, welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben
+anzuführen, vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört. Zur
+Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und Arztes, welche so
+ausschweifender und ausschliesslicher Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen
+wir glauben, dass der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste,
+sondern in dem engeren ihrer Ankläger Platz greifen konnte. _Alamut_, d. i.
+das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen steilen Hügel, nordöstlich von
+Kaswin gelegen, bietet noch heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch
+Mauern mit einander verbundener Thürme dar, welche auch dem, der sie, wie
+Ker Porter, der Maler des persischen Alterthums, nur von ferne gesehen, als
+unbezwingbar ins Auge springen.[204] Der ganze Gebirgsdistrikt zwischen
+Dilem und Irak, durch dessen Schluchten der Fluss _Schahrud_, d. i. der
+Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisst _Rudbar_, d. i. das
+Flussland, und zwar das von Alamut zum Unterschiede vom südlichen, von Lur,
+in Issfahan's Nähe, welches der _Sendrud_, d. i. der lebendige Fluss,
+durchströmt. Hasan Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit
+List bemächtigt, [RN: 483/1090] dann sich vom seldschukischen Sultan
+_Berkjarok_ das in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh erbeten,
+und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Alamut das im selben Thalwege
+gelegene feste Schloss von _Lembeser_[205]. Nebst Alamut, d. i. dem
+Geyerneste, _Girdkjuh_, d. i. dem Gürtelberg, und _Lembeser_, d. i. _Ruh'
+im Kopf_, waren die festesten Schlösser der Assassinen (nach den Citadellen
+der Städte _Tun_ und _Kain_) in Kuhistan: das von _Meimundis_, d. i. die
+glückliche Feste, aus welcher der letzte Grossmeister abzog, und
+_Muminabad_, d. i. der _Bau der Gläubigen_, welches seinen Namen und seine
+Befestigung vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den
+Beinamen des _neuen Musulman_ führte, dankt, dessen Name in der heutigen
+Verstümmelung von _Meiomend_[206] kaum zu erkennen, und dessen
+ausserordentliche Festigkeit die Geographie Hamdallah's anrühmt[207]; so
+auch die des am Berge _Demawend_ gelegenen _Firuskjuh_, d. i. Glücksberg,
+und das Schloss _Dschenabdar_ oder _Kebajed_, welches aber nicht erst von
+den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen Helden _Guders_
+befestigt worden sein soll.[208]
+
+[Randnote: Kaswin.]
+
+Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen des Januars in das grosse,
+sieben Farasangen von Kaswin aufgeschlagene Lager, [RN: 16. Silhidsche
+654/4. Jan. 1257] wo durch sieben Tage Feste gefeiert, die Prinzen und
+Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche der Eroberung zugelassen wurden;
+selbe, sowie der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne der zwei
+grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren Rath wesentlich zur
+Uebergabe von _Meimundis_ beigewirkt, wurden beehrt, beschenkt; der
+Astronom und seine beiden Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von
+demselben bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. Dem
+Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut und die Hochzeit zu
+Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu behandelte ihn mit Schonung, um von ihm
+die nöthigen Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten,
+dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen Heeres demselben ungesäumt
+übergeben möchten. Nachdem er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn
+Hulagu als Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die Nachricht
+erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er: Wozu schickt man ihn? und
+sandte ihm als Willkomm den Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und
+hierauf seine ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin
+niedergemacht. So hatte die blutige Dynastie der persischen Ismailije,
+d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben und siebzig Mondjahren ihr
+Ende erreicht[209], und der Dolch des Meuchlers ward durch das Schwert des
+Mongolen gebrochen. Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo er im
+Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der Geschichtschreiber und
+Geograph Persiens, erwähnt in seiner _auserwählten Geschichte_ dieses
+Besuchs als einer der merkwürdigsten Epochen der Geschichte seiner
+Vaterstadt, die von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs in
+Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer Bekanntschaft
+werth.[210]. Zuerst baute Schabur[211] hier eine Stadt, welche seinen Namen
+trug, als Feste wider die Dilemiten, die feindliches Nachbaren im Norden.
+Bei einem denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung der
+Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der Chosroes seinem
+Feldherrn zugerufen haben: _an kesch win_, d. i. _jenen Winkel schau_, und
+nach erfochtenem Siege zum Andenken desselben die Stadt erbaut haben,
+welcher sofort der Namen _Keschwin_, d. i. _Winkel schau_, blieb, das
+heutige _Kaswin_. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah Musa fügte
+eine dritte Stadt hinzu, _Mubarekabad_, d. i. der gesegnete Bau, genannt;
+diese drei Städte umfing der Chalife Harun Reschid mit einer Mauer, welche
+den Namen _Reschidabad_ erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said
+bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau derselben[212].
+Unter der Regierung Fachreddewlet's des Bujiden erneuerte sein berühmter
+Wesir Ismail Ben Ibad die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des
+nach ihm _Ssahibabad_ genannten Viertels. Hierauf[213] vom Dilemiten
+Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali Dschaaferi wieder
+hergestellt und vom grossen Sultan der Seldschuken, Alparslan,
+erneuert[214], war sie jetzt durch die Mongolen abermal verheert worden.
+Die Mauer, von zehntausend dreihundert Ellen im Umfange, war mit
+zweihundert dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing neun
+Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von denen die vom
+Einsiedler Chumar Tekesch[215] gebaute das besste Wasser gibt; derselbe
+baute auch ein halbes Jahrhundert später[216] die nach seinem Namen
+genannte Moschee; eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter
+Hidschadsch aus einem Götzentempel in einen Betort der Moslimen
+umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, weil von ihrer Kanzel unter
+der Regierung der Beni Omeije dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere
+Ueberlieferung aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten Chalifen
+heisst: _Ehret Kaswin, welches eine der höchsten Pforten des
+Paradieses_[217]. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen Früchten, besonders
+an Melonen, Wassermelonen und Trauben, welche für die bessten ganz Persiens
+gelten[218]; die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von
+Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die aus
+mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken aus. Die Einwohner
+gelten für die bessten Gesellschafter, und ein persisches bekanntes
+Distichon räth dem Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu
+wählen; Musiker aus _Chorasan_, Geschäftsmänner aus _Issfahan_, Krieger aus
+_Tebris_ und Gesellschafter aus _Kaswin_[219]. Zur Verherrlichung des
+literarischen Ruhmes Kaswin's genügen die beiden Sekretäre _Kaswini_, der
+Verfasser der _Wunder der Geschöpfe_[220] und der _einzigen Perle der
+Seltenheiten_[221], jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und
+_Hamdallah Mestufi_, der Verfasser der auserwählten Geschichte[222] und der
+bessten persischen Erdbeschreibung[223], so dass persische Natur- und
+Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung keiner persischen Stadt mehr
+verdanken, als dem reichbegabten gesellschaftlichen _Kaswin_.
+
+[Randnote: Hamadan.]
+
+Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Hulagu von Kaswin nach Hamadan, wo
+Baidschu Nujan von Aserbeidschan zur Aufwartung erschien. Hulagu, mit
+dessen Unthätigkeit unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: »Was hast
+du, seit Dschurmaghun nicht mehr in Iran geblieben, gethan? welche
+Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Rebellen geschlagen? Hat dir
+das mongolische Heer zu Etwas Anderem gedient, als durch dessen Macht und
+Grösse den Chalifen zu schrecken?« Baidschu kniete nieder und sagte: »Ich
+habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen lassen und, was in meinen
+Kräften lag, gethan. Von den Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe
+ich Alles unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge
+unermesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebrigens steht der
+Befehl in der Hand des Padischah, und ich bin bereit, aus derselben Leben
+oder Tod zu empfangen.« Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's;
+er befahl ihm, aufzubrechen, den Westen bis an's Meer hin zu unterjochen
+und die Länder Rum's diesseits und jenseits des Bosporos den Händen der
+Griechen und Franken[224] zu entreissen. Baidschu Nujan hatte schon vor
+vierzehn Jahren mit einem Heere von vierzigtausend Mann das
+hundertsiebzigtausend starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes
+Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen[225] und vollendete nun die Eroberung
+Rum's bis an das Gestade des mittelländischen Meeres. Hulagu begab sich mit
+den Prinzen _Kuli_, _Belghai_, _Kotar_ und mit den Befehlshabern
+_Bukatimur_, _Sundschak_, _Köke Ilka_ in die Ebene von Hamadan, um dort das
+Heer zu sammeln. _Hamadan_, insgemein für das uralte Ecbatana gehalten, ist
+nach allen Quellen persischer Geschichte und Geographie eine der ältesten
+Städte Persiens, welche schon Huscheng, der zweite der Pischdadier, erbaut,
+Nabuchodonoser verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll.[226] Bedil,
+der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und zwanzigsten Jahre der
+Hidschret[227]; dreihundert Jahre hernach[228] wurde dieselbe von
+_Medawidsch_, dem Dilemiten, und abermal dreihundert Jahre später[229] von
+den mongolischen Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner verwüstet.
+Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn bei der von Hamdallah
+angegebenen Zahl der Quellen (tausend dreihundert) durch Fehler des
+Abschreibers eine Nulle zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister,
+Eingeborene von Hamadan, der Dichter _Ibn Chaleweih_ und _Bediesseman_,
+d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das Klima sowohl als die Einwohner
+in bekannten Versen[230] mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte:
+
+ Die Kälte ist vielstimmig zu Hamadan, und sogestalt
+ Ist es, im Winter grimmig, im Sommer mässig kalt.
+
+Der Wunderseltsame der Zeit, der Verfasser der ersten Makame, welche denen
+Hariri's zum Muster gedient, sagte:
+
+ Wiewohl geboren ich zu Hamadan,
+ Dasselbe ich dennoch nicht preisen kann;
+ Denn seine Knaben sind altklug, wie Greise,
+ Die Alten kindisch, nach der Knaben Weise.
+
+Das frische Grün der Fluren, das Gemurmel der zahlreichen Quellen
+verscheuchen allen Gram und stimmen zur heitersten Lebenslust, wesshalb die
+Einwohner vorzüglich lebenslustig, Spielen und Scherzen ergeben; ausserdem,
+dass Hamadan der Geburtsort zwei so ausgezeichneter Schöngeister, als die
+beiden oberwähnten, wallfahrtet hier der Jude zum Grabe _Esther's_ und
+_Mardochai's_, der Arzt zu dem _Avicena's_[231], die Mystiker zu dem eines
+der grössten persischen Dichter, nämlich: _Aththar's_, des Verfassers der
+_Vögelgespräche_ und eines Dutzends gereimter Bücher, nämlich: des Buchs
+des _Raths_, der _Drangsale_, der _Nachtigallen_, der _Kantele_, der
+_Geheimnisse der Gänse_, der _Chosroen_, der _Antworten_, der _Nöthen_, des
+_Auserwählten_, des _Göttlichen_, und _Haider's_, des Biographen der
+Heiligen, des ascetischen Werkes der _Brüder der Reinheit_ und anderer
+mystischer in Versen und Prosa. Bei dem Einfalle des mongolischen Heeres
+hatte Einer schon das Schwert aufgehoben, um den Dichter zu tödten, als ein
+Anderer sagte: Tödte diesen Greis nicht, ich kaufe dir sein Leben um
+tausend Silberstücke ab. Hüte dich, sagte Aththar, mich um so niedrigen
+Preis wegzugeben; du wirst Käufer finden, die mich theuerer bezahlen.
+Einige Schritte weiter bot ein Anderer für Aththar's Leben einen Sack
+Stroh; hierüber ergrimmt, hieb ihn der Mongole nieder.[232] Seit diesem
+ersten Einfalle der Mongolen, welche bei der Verfolgung Chuaresmschah's bis
+an's kaspische Meer und an die Gränze des arabischen Irak vordrangen, bis
+zur Erscheinung Hulagu's vor Hamadan, waren sieben und zwanzig Jahre
+verflossen, und ehe wir mit Hulagu die Gränze vom persischen Irak in's
+arabische überschreiten, überblicken wir noch die Schicksale Persiens unter
+mongolischer Herrschaft in der vom ersten Einfalle der Mongolen bis zur
+Gründung des Reichs der Ilchane verflossenen Zeit.
+
+[Randnote: Die Mongolen im westlichen Persien vor Hulagu.]
+
+Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften getheilt, wovon
+die östliche Chuaresm und Chorasan, die westliche das persische Irak und
+Aserbeidschan in sich begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen,
+überblicken wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien, welches in
+dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich _Dchurmaghun_ und _Baidschu
+Nujan_, und dann erst das östliche, wo die Begebenheiten verwickelter durch
+die Ränke der Nebenbuhler um die Leitung der Geschäfte. Als die Mongolen
+bei der Verfolgung Chuaresmschah's zum erstenmal die Gegend um Irbil
+verwüsteten, [RN: 633/1236] rüstete der Chalife Mostanssirbillah ein Heer
+und rief die moslimischen Fürsten zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle
+nahmen sie die Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie drangen bis
+Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte Bagdad in
+Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den Waffen auf. Am rothen
+Berge (Dschebel Hamrin) ober Tekrit wurden die Mongolen geschlagen und
+ihnen die Gefangenen, die sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt,
+abgenommen; ein Corps von fünfzehntausend Mongolen, das bald darauf bis
+_Dschaaferije_ vordrang, zog sich bei der Annäherung des Chalifen zurück.
+Noch im selben Jahre [RN: 635/1238] war ein Corps von gleicher Stärke bis
+Chanekin vorgedrungen und schlug das ihnen vom Chalifen entgegengesandte,
+das nur halb so stark. Im Norden hatten sie sich Gendsche's bemächtigt, und
+Dschurmaghun's Heere überschwemmten Georgien und Armenien. Er eroberte das
+Land zwischen dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt Tiflis nebst
+anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei; hierdurch erschreckt,
+trugen ihm die Bewohner von Karss die Schlüssel ihrer Stadt entgegen;
+nichtsdestoweniger wurden die waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit
+Ausnahme der Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei geschleppt wurden.
+Der armenische Prinz _Awak_ begab sich mit seiner Schwester _Thamtha_ an
+den Hof Gujuk's, um die Zurückstellung des väterlichen Erbes zu erflehen,
+und sie erhielten hiezu den Befehl an Dschurmaghun. Nach dessen Tode setzte
+sein Nachfolger Baidschu Nujan die Eroberungen seines Vorfahrers fort. Er
+wandte seine Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und schlug das in der
+Ebene von Akschehr bei Ersendschan verstärkte Heer des Sultans von Rum,
+unter dessen Verbündeten zweitausend von Johann Limminata aus Cypern und
+Bonifacio de Castro von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte
+Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst _Alakjuh_ hiess.[233] Nach dem
+über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas, Tokat und Kaissarije
+geplündert und verheert; ein General des Sultans und der Richter von Amasia
+kamen in's mongolische Lager von Siwas und unterhandelten einen Frieden,
+vermöge dessen der Sultan jährlich einen Tribut von hundert zwanzigtausend
+Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe, fünfhundert Kamele, fünfhundert
+Sklaven zu leisten verbunden.[234] Keichosrew war zu glücklich, diesen ohne
+seine Vollmacht abgeschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen. Bei ihrem
+Abzuge erstürmten die Mongolen Ersendschan und machten die Einwohner
+nieder. Malatia kaufte sich von der Plünderung durch viertausend Goldstücke
+los, zu deren Vervollständigung die goldenen und silbernen Kirchengefässe,
+die Heiligenschreine und Reliquienkästen ausgeliefert werden mussten.[235]
+Wahrscheinlich war es derselbe mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal
+Bohemund V., den Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern
+seiner Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen zu liefern; die
+Forderung wurde abgeschlagen, aber später zahlten die Fürsten von
+Antiochien an die Mongolen Tribut. Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain,
+durch einen mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu schleifen,
+[RN: 1244] antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem Beispiele der
+Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde. Hethum I., der armenische Fürst
+Ciliciens, suchte durch Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz
+an. Baidschu forderte vor allem die Auslieferung des Harems Keichosrew's,
+des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte um diesen Preis den Frieden und
+das Diplom als Vasall des grossen Kaan's. Im folgenden Jahre [RN: 1245]
+eroberten die Mongolen die nördlich des Sees von Wan gelegenen Länder, die
+sie auf Ogotai's Befehl der armenischen Prinzessin Thamtha übergaben. Sie
+nahmen Amid, Roha, Nissibin. Der Fürst von Mossul, Bedredin Lulu, schloss
+in seinem und des Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag von, in drei
+Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden Jahre [RN: 1246] erschienen
+die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe von Bagdad zu Dakuka, von wo sie
+der kleine Diwitdar zurückschlug, und im folgenden Jahre [RN: 1247]
+tödteten die Mongolen zu Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die
+Karawanen, und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen
+Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in die Geschichte dieser Länder
+und ihrer Fürsten; wir erwähnen nur noch der Mission der vier Dominikaner,
+welche Baidschu auf den ihm im Namen des Papstes gemachten Antrag, sich zum
+Christenthume zu bekehren, tödten wollte. Einer seiner Offiziere hatte
+sogar vorgeschlagen, den ersten der Missionäre zu schinden und seine
+ausgestopfte Haut dem Papst als Antwort zu senden[236]; doch auf die
+Fürbitte der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das Leben geschenkt,
+sondern sie erhielten sogar ein in dem Missionsberichte bis auf uns
+gekommenes Schreiben und wurden von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst
+begleitet, der sie auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken
+überhäufte.[237]
+
+[Randnote: Dschintimur, Körgös, Statthalter Chorasan's.]
+
+In Persien liess Tschengischan, nachdem er abgezogen, als Statthalter den
+Dschintimur zurück, welchem von allen vier Ulusen, d. i. Stämmen des
+_Urugh_, d. i. des Hauses Tschengischan's, ein Amtsgehülfe beigegeben war,
+indem Chorasan als ein, allen vier Söhnen Tschengischan's gemeinsamer
+Besitz betrachtet ward; eine Zeit lang dem Dschurmaghun, dem Statthalter
+Feldherrn in Persien, untergeordnet, unter dessen Oberbefehl er die,
+Chorasan noch verheerenden türkischen Schaaren Chuaresmschah's schlug,
+erhielt Dschintimur von Ogotai die unabhängige Statthalterschaft Chorasan's
+und Masenderan's; als Gehülfe vom Blute des Kaan's war ihm _Kelilat_
+beigegeben; er selbst verlieh beide höchsten Staatsämter, nämlich das des
+Wesirs oder Inhabers des Diwans und die Stelle des Staatssekretärs, an
+zwei Moslimen, jenes an _Scherefeddin_ von _Jesd_, dieses an _Behaeddin_
+von _Dschuwein_, den Vater Athamülk's, des Geschichtschreiber's. Nach
+Dschintimur's Tod erhielt seine Stelle _Nussal_, welcher schon von
+Tschengischan dem Dschintimur als Amtsgehülfe von Seite des Uluses
+Dschudschi's beigegeben worden war. Dem Nussal folgte in der
+Statthalterschaft bald _Körgös_, d. i. Blindaug, welcher, an den Hof
+Ogotai's gesandt, um über die Verwaltung Chorasan's Bericht zu erstatten,
+gefiel und von seinem Landsmanne, dem Staatssekretär _Dschinkai_ dem
+Uighuren, begünstigt. Der Kämmerer _Danischmend_, Gegner Dschinkai's,
+bemühte sich seinerseits, die Statthalterschaft Chorasan's dem Sohne
+Dschintimur's zu verschaffen; Dschinkai wünschte jedoch seinem Schützling
+ein _Jerligh_, d. i. Diplom, des Kaan's zu verschaffen, vermöge welchem ihm
+die statistische Zählung der Bewohner Chorasan's und Masenderan's
+aufgetragen und alle Macht in seine Hände concentrirt ward. Der Wesir
+Scherefeddin und Kelilat, ihrer Wirksamkeit durch das Jerligh beraubt,
+schmiedeten mit _Ongu Timur_, dem Sohne Dschintimur's, Ränke wider Körgös
+am Hofe des Kaan's, der ihn auf ihre Beschwerden zu sich berief. Körgös
+machte sich auf den Weg, indem er den Behaeddin von Dschuwein an der Spitze
+der Verwaltung zurückliess. Auf dem Wege in's Hoflager begegnete er zu
+_Binaket_ den Commissären des Kaisers, welche ihm zurückzukehren befahlen;
+es kam vom Wortwechsel zu Thätlichkeiten, in welchen Körgös blutig
+geschlagen und ihm ein Zahn gebrochen ward; er musste den Commissären
+folgen, aber in der Nacht sandte er einen Eilboten mit seinem
+blutbefleckten Kleide nach Hof. Ogotai, über diese Behandlung seines
+Statthalters aufgebracht, berief ihn zu sich; allein die Gegner _Kelilat_
+und der Sohn Dschintimur's folgten ihm auf dem Fusse. Zu Bochara wurde bei
+einem demselben gegebenen Feste Kelilat am hellen Tage ermordet. Ogotai
+wollte in dem ihm vom Sohne Dschintimur's dargebrachten Zelte speisen; kaum
+hatte er es verlassen, als es ein Windstoss zusammenriss. Ogotai, durch
+diese böse Vorbedeutung erschreckt, befahl, es in Stücke zu zerreissen. In
+dem von Körgös ihm dargebrachten Zelte fand er im Gegentheil einen mit
+Juwelen besetzten Gürtel, nach dessen Umbindung sein Lendenschmerz
+verschwand, so dass er guten Muths wieder zechte. Die beiden Nebenbuhler um
+Chorasan's Statthalterschaft blieben mehrere Monate am Hofe Ogotai's,
+welcher wünschte, dass sie sich vertrügen, und ihnen befahl, aus demselben
+Becher zu trinken, dasselbe Zelt zu bewohnen, nachdem sie zuvor ihre Waffen
+abgegeben. Da sie sich nichtsdestoweniger nicht verglichen, ward, als sie
+Beide in Ogotai's Gegenwart vor Gericht erschienen, der Sohn Dschintimur's
+als schuldig verurtheilt, und sollte an den Herrscher seines Uluses,
+nämlich an Batu, ausgeliefert werden. Der Sohn Dschintimur's flehte den
+Kaan, selbst sein Schicksal zu entscheiden, indem ein Hund, wie er, nicht
+werth sei, dass zwei grosse Herrscher, wie Ogotai und Batu, sich über ihn
+beriethen. Du hast Recht, sprach Ogotai, Batu's Strenge würde selbst seinem
+Sohne, wenn er sich in deinem Falle befände, nicht verzeihen. Dem Sohne
+Dschintimur's wurde verziehen; aber seine Begleiter wurden nach der Jasa
+bestraft, welche über die Verläumder Strafen verhängt. Körgös verwaltete
+Chorasan mit Gerechtigkeit und Einsicht, baute Tus und Herat aus ihrem
+Schutte wieder auf und warf den Ränkeschmied Scherefeddin, welcher unter
+dem Scheine der Freundschaft gearbeitet, in's Gefängniss; dieser aber fand
+mittels seines Weibes Schutz beim Uluse Dschagatai, und Arghun wurde mit
+dem Befehle abgesandt, den Körgös lebendig oder todt nach Hofe zu
+bringen.[238]
+
+[Randnote: Scherefeddin von Jesd, Blutegel der Finanz, und Arghun.]
+
+Körgös, der sich Anfangs in einem von ihm zu Tus erbauten Magazine
+eingesperrt, ging endlich, als man Gewalt brauchen wollte, selbst heraus,
+und ward von den Söhnen Dschagatai's nach Hof gesandt, wo sein Beschützer
+Dschinkai von der Regentin Turakina verungnadet worden. Körgös, ohne
+Beschützer, ohne Geld, wurde auf Befehl Kara Hulagu's, des Enkels
+Dschagatai's, hingerichtet, und von der Regentin wurde _Arghun_ zum
+Statthalter Chorasan's ernannt. Er begehrte den Scherefeddin als _Ulug
+Bitekdschi_, d. i. grossen Staatssekretär oder Finanzminister, weil er sich
+verbindlich gemacht, viertausend Balische, welche in den beiden Ländern
+Chorasan und Masenderan an Steuern ausständig, einzutreiben. Scherefeddin,
+Sohn eines Lastträgers von Chuaresm und seiner schönen Gestalt willen
+Lieblingspage des Statthalters von Chuaresm, war von diesem, als der Page
+die Frische des Jugendreizes verloren, dem Dschintimur abgetreten, bei dem
+er sich durch seine Geschicklichkeit als Sekretär und seine Kenntniss der
+mongolischen Sprache als brauchbar empfahl; er stellte ihn in
+Steuergeschäften an, in welchen er bald Proben seines blutaussaugenden
+Druckes gab, wodurch sein Name in der Geschichte für immer gebrandmarkt. Er
+unterschied zwischen den Dörfern, welche sich freiwillig den Mongolen
+ergeben, oder mit Gewalt erobert worden waren, und belastete die Einwohner
+der letzten mit allen Arten von Auflagen und Qualen[239]. In diesem Geiste
+hatte er unter Körgös das Land gedrückt und noch mehr unter Arghun, um die
+Summe, zu deren Eintreibung er sich anheischig gemacht, einzutreiben. Weder
+Weiber noch Waisen wurden verschont und Foltern aller Art angewandt, um
+Geld zu erpressen; die Häuser wurden geplündert, den Todten selbst das
+Leichentuch weggenommen, dar Mann vom Weibe, der Vater vom Sohne gerissen
+und als Sklave verkauft; die Männer wurden barfuss, die Weiber
+unverschleiert aus den Häusern geschleppt; jene bei den Füssen, diese bei
+den Brüsten aufgehängt. Zu Rei wurden die geraubten Einrichtungen der
+Häuser in der Moschee aufgeschichtet, dort auf Maulthiere geladen und diese
+mit den Teppichen der Moschee zugedeckt. So schaltete und waltete er zu
+Tebris und Kaswin, zu Issfahan, Kum, Kaschan, Rei und Hamadan, alle Häuser
+und alle Foltern erschöpfend. Seinen Helfer Mahmud von Sebsewar sandte er,
+um Isferain und Dschadscherm auszusaugen, er selbst lag schwer als Alp der
+Finanz auf Astrabad, Amul und den Städten Masenderan's. Als Arghun zu Tus,
+bat der Imam der Grabstätte Musa Risa's um Gnade und Schonung, und Arghun
+gab ihm einen Kabinetsbefehl an Scherefeddin zur Zurückstellung eines
+Theils des Geraubten. Scherefeddin befahl, den Vorzeiger des Befehls mit
+Fäusten zu ohrfeigen, so dass er besinnungslos niederfiel. Die Pflugstiere
+nahm er vom Acker, die Heerden aus den Haiden weg, so dass Ackerbau und
+Viehzucht darniederlag. Glücklicherweise befreite sein Tod das Land von
+seiner Tyrannei; [RN: 1244] aber noch auf dem Todbette sandte er Wort an
+Arghun, ja die Eingesperrten nicht frei zu lassen, bis sie gezahlt, und ja
+keinen Heller nachzusehen, weil sonst alle Ordnung zu Ende. Arghun that das
+Gegentheil, indem er die Gefangenen losgab, die noch zu leistenden
+Zahlungen nachsah und sich dadurch den Segen des Landes erwarb. Bei der
+Thronbesteigung Gujuk's brachte Arghun alle eingesammelten Anweisungen,
+welche sich verschiedene Prinzen gesetzwidrig auf verschiedene Distrikte
+Chorasan's verschafft hatten, dem neuen Kaan als das angenehmste Geschenk
+dar; die Stellen wurden nach seinem Vorschlag besetzt, die durch den Tod
+des Blutegels Scherefeddin erledigte des Ulugh Bitekdschi erhielt
+_Fachreddin Behischti_. Nach Gujuk's Tod riss während des Zwischenreichs
+der Missbrauch der Anweisungen, wodurch den Prinzen Einkünfte von Dörfern
+und Flecken in Chorasan für Jahre hinaus zugesichert wurden, wieder ein.
+Bei Mengku's Thronbesteigung verschafften sich die Klagen des Landes Gehör,
+und es wurde beschlossen, Chorasan auf die von Mohammed Jelwadsch in
+Transoxana eingeführte Weise zu besteuern. Die Statthalterschaft wurde ihm
+mit _Jerligh_ und _Paise_, d. i. mittels Diploms und Löwenkopfs, bestätigt,
+und Behaeddin von Dschuwein für die Finanzverwaltung beigegeben; aber die
+Brüder des Kaisers: Kubilai, Hulagu, Arikbugha, hatten bei ihm ihre
+Agenten; so auch _Nikpei_, der Herr des Uluses Dschagatai. Persien wurde in
+vier Steuerbezirke abgetheilt und die Vorsteher derselben erhielten den
+Titel _Melik_, welches gewöhnlich König, hier aber so viel als Intendant
+oder Generalpächter bedeutet. Arghun veranstaltete bei seiner Zurückkunft
+neue Zählung und regelte die Kopfsteuer nach den Klassen, was bereits,
+sowie die Einrichtungen Hulagu's durch denselben oben erzählt worden.
+
+[Randnote: Rückblick auf das Chalifat.]
+
+Hulagu befand sich Ende Aprils zu Denna, [RN: 9. Rebiulachir 655/26. April
+1257] drei Monate hernach zu Hamadan; [RN: 10. Redscheb/26. Juli] in der
+herbstlichen Tag- und Nachtgleiche sandte er einen Gesandten an den
+Chalifen von Bagdad mit der Aufforderung von Unterwürfigkeit und dem
+Vorwurfe, dass die zur Besiegung der Assassinen angesprochene Hülfe nicht
+geleistet worden. Doch ehe wir die Begebenheiten der zwischen dieser
+Aufforderung und dem Sturze des Chalifats verflossenen fünf Monate
+erzählen, fordert geschichtlicher Zusammenhang den Rückblick auf die
+letzten Zeiten des sinkenden Chalifats, das unter den Beni Abbas nun
+bereits durch fünf Jahrhunderte gedauert. Ohne diesen Rückblick auf die
+ersten und letzten Ursachen des Sinkens und gänzlichen Verfalls würde es
+unmöglich sein, zu begreifen, wie der durch fünf Jahrhunderte aufrecht
+stehende Thron des Chalifen in fünf Monaten zertrümmert ward[240]. Der Wurm
+hatte schon lange an dem Herrscherstabe des Chalifen genagt, ehe derselbe
+und das darauf gestützte Schattenbild der Herrschaft zu Boden fiel. Von
+innen zerrissen das Reich die Partheiungen der Sunni und Schii und die
+Anführer der türkischen Leibwachen, mit denen sich schon der achte Chalife
+_Moteaassim_ in der Hoffnung umgeben, durch dieselben den Thron zu
+schützen, die aber statt Vertheidiger Empörer, von Sklaven sich zu Sultanen
+emporschwangen. Von aussen erschütterten und zertrümmerten das Reich die
+mit dem Schwerte den Islam reformirende Secte der _Karmathen_ und die
+überall emporsteigenden Dynastien, von denen alle den Titel der Herrschaft
+den durch Gewalt abgenöthigten Diplomen des Chalifen dankten, von denen
+aber die mächtigsten, wie die _Beni Hamdan_ und _Beni Buje_, um die
+Oberherrschaft über den Chalifen buhlten, und desshalb im beständigen
+Kriege mit dem Emirol-umera, d. i. dem Fürsten der Fürsten, dem Hausmeyer
+des Chalifats, bis sie den Titel desselben sich selbst angeeignet. Kaum ein
+Jahrhundert war seit der Gründung der Dynastie der Beni Abbas durch
+_Abdallah es-seffah_, d. i. den Diener Gottes, den Blutvergiesser,
+verflossen, als schon mit dem Einflusse der türkischen Leibwachen der
+Saamen des Unheils wuchernd aufschoss; ein Jahrhundert hernach unter dem
+neunzehnten Chalifen _Kahirbillah_, d. i. der _Rächende durch Gott_, war
+bereits das Loos der Theilung über das Ehrenkleid des Chalifats geworfen
+und die Länder desselben in zwölf Theile zerstückelt. [RN: i. J. 325/936]
+Heute vor neunhundert Jahren herrschte in Persien die mächtigste, in vier
+Zweige getheilte Dynastie der Beni _Buje_, in Diarbekr und Dijari Rebia, zu
+Mossul und zu Haleb die Dynastie der Beni _Hamdan_; Chorasan war in den
+Händen der Beni _Saman_, Masenderan und Dschordschan in denen der Beni
+_Dilem_; der südlichen arabischen Landschaften hatten sich die _Karmathen_,
+der südlichen persischen _Ahwas_ und _Wasit_, die Söhne _Berid's_, als
+Empörer bemächtigt. In Aegypten und Syrien führten die türkischen Sklaven
+der Familie _Achschid_ als Herrn den Titel von Sultanen und zu _Bagdad_
+selbst den des Fürsten der Fürsten. Zwei Dynastien der Beni _Sijad_
+regierten zu Sebid in Jemen und die anderen in Taberistan; in Kufa die Beni
+_Thaba Thaba_ aus der Familie Ali und die Beni _Ochaissar_ in Hidschas. Den
+Titel und die Macht als Chalifen machten den Beni Abbas die alte Dynastie
+der Beni _Omeije_ in Spanien und die neue der _Fatimiten_ in Afrika
+streitig[241]. So hatten sich Leibwachen und Sklaven, Sectirer und Empörer,
+arabische und persische Emire in das weite Reich des Chalifats von Osten
+bis Westen getheilt, und das Gebiet desselben war, wie in der letzten Zeit
+des byzantinischen Reichs, fast nur auf das Weichbild der Residenz
+beschränkt; was sich innerhalb den weiten Gränzen des ehemaligen Reichs der
+Chalifen zutrug, gehört in die Geschichte der Dynastien, die sich dort
+erhoben, und nicht mehr in die des Chalifats, das seit dem Beginne des
+zehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung noch durch
+vierthalbhundert Jahre seinem Untergange allmählig zusank.
+
+[Randnote: Wesire Verräther; Religionssecten; Ueberschwemmungen.]
+
+Am Eingange und Ende dieser vierthalbhundertjährigen Periode stehen zwei
+Wesire Staatssekretäre, beide Gelehrte, beide als Hebel des Verderbens des
+Reichs von der Geschichte gebrandmarkt. Der erste, _Ibn Mokla_, der
+Verbesserer der arabischen Schrift in ihrer schönsten, gefälligsten Form
+des _Neschi_, der dreimal den Koran abgeschrieben, dreimal die Wesirschaft
+verwaltet, dreimal Heere befehligt, dreimal die Pilgerreise vollzogen und
+zuletzt sogar dreimal bestattet worden, unterhielt verrätherischen
+Briefwechsel mit _Jahkim_, dem türkischen Emire, wie _Ibn Alkami_, der
+letzte gelehrte Wesir des letzten der Chalifen, mit Hulagu; jener die
+Türken, dieser die Mongolen rufend. Der zwischen beiden liegende Zeitraum
+zerfällt in vier Perioden, in deren erster die _Bujiden_, in der zweiten
+die _Seldschuken_, in der dritten die _Chuaresmschahe_ und endlich die
+_Mongolen_ die mächtigsten Herrscher Mittel- und Vorderasiens. Wir haben
+hier nicht die Geschichte dieser Reiche zu überblicken, sondern nur die des
+unter ihrem eisernen Fusstritte tief darniedergebeugten Chalifats. Die
+erste Periode der Uebermacht der Beni Buje bis zum Auftritte der
+Seldschuken unter Toghrul umfasst hundert fünf und zwanzig Jahre, die
+Herrschaft der Seldschuken in Chorasan und Kerman anderthalb Jahrhunderte,
+die überwiegende Macht der Chuaresmschahe unter den beiden letzten grossen
+Sultanen derselben, Mohammed Tekesch, die der mongolischen Herrschaft seit
+dem Tode Tschengischan's, dreissig Jahre. Während dieses durch die
+Uebermacht der Beni Buje, der Seldschuken, der Chuaresmschahe und der
+Mongolen unterdrückten, durch innere Unruhen zerstückten Chalifats sassen
+seit dem neunzehnten Chalifen, Kahirbillah, noch achtzehn sogenannte
+Schatten Gottes auf Erden als Schatten auf dem Chalifenstuhle, mit dem
+Mantel des Propheten angethan, mit seinem Stabe als Richter die weltliche
+Herrschaft zum Scheine und nur noch die geistliche als die Imame des Islams
+ausübend, auch diese nicht unbestritten, sondern von Ketzern und
+Glaubensreformern vielfach beeinträchtigt, von den Chalifen der Beni Omeije
+in Spanien und von denen der Fatimiten in Afrika in Anspruch genommen.
+Zuerst entzweite das Chalifat die zu Bagdad mit gleicher Erbitterung
+geführte Glaubensspaltung der _Sunni_ und _Schii_, wovon jene die
+Katholiken, diese die Protestanten des Islams; jene dem Hause Abbas, diese
+dem Ali's und folglich allen denen, welche als Verwandte der
+Prophetenfamilie auf Herrschaft Anspruch machten, gewogen. Die für den
+Thron sowohl als für den Altar gefährlichsten Religionsneuerer aber waren
+die _Karmathen_ und _Ismailiten_, wovon jene mit dem Schwerte in der Hand
+als Zerstörer der Kaaba und Räuber des heiligen schwarzen Steines, als
+Mauerbrecher das feste Gebäude des Islams erschütterten; diese unter dem
+Schleier geheimer Lehren und Verbindungen die Grundfeste der Religion
+untergruben und mit dolchbewaffnetem Arm schneidende Beweise führten;
+höchst gefährliche Neuerer der Lehre, welche den ihnen beigelegten Namen
+der _Mulhad_, d. i. der Freigeister oder Gottlosen, wohl verdienten und
+welche nur unter dem tropischen Gewande der Allegorie und Mystik das Skelet
+ihrer Grundlehre: _Nichts zu glauben und sich Alles zu erlauben_,
+verlarvten; gefährlicher als die Anhänger _Masdek's_ unter Nuschirwan, als
+die _Babek's_ unter den Chalifen Mamun und Moteaassim, welche offen die
+Gemeinschaft der Güter und Weiber predigten, das Scheusal ihrer Grundsätze
+offen Preis gaben, während diese es unter dem Schleier ascetischer Uebungen
+und philosophischer Lehren im tiefsten Geheimnisse verbargen. Von der Zeit
+an, wo unter Kahirbillah die Karmathen und Beridäer die Länder des
+Chalifats mit Blut überschwemmten bis zur letzten Blutüberschwemmung durch
+die Mongolen, waren die grossen politischen Unheile des Reichs fast immer
+gleichzeitig mit grossen verderblichen Naturbegebenheiten, mit Erdbeben,
+Hungersnoth und besonders grossen Verheerungen des Tigris, so dass die
+Ueberschwemmung des letzten nur als ein Vorzeichen einer Ueberschwemmung
+von Blut galt, ein Glaube an eine geheime Verbindung physischer und
+moralischer grosser Begebenheiten, welche durch die furchtbaren
+Ueberschwemmungen des Tigris, welche im Jahre der Einnahme Alamut's
+statthatte und nur zu bald durch das Blutbad und den Ruin Bagdad's
+bestätigt ward.
+
+[Randnote: Die Emirol-umera aus der Familie Buje.]
+
+Der Tyrann Kahirbillah, Nachfolger des Chalifen Radhi, der letzte der
+Chalifen, welcher dichtete und selbst am Freitage das Chutbe verrichtete,
+berief den Türken _Raik_ als Fürsten der Fürsten nach Bagdad und stiftete
+so die oberste Gewalt der Fürsten der Fürsten, um die sich mit den
+Befehlshabern der Leibwachen die mächtigen Fürsten des Hauses Hamdan und
+Buje stritten. Er bestellte, der erste, einen Stellvertreter in der
+Moschee, in welcher vor ihm die Chalifen selbst als Imame dem Gebete
+vorstanden, am Freitage die Rede selbst von der Kanzel als _Chatibe_
+gehalten hatten.[242] [RN: 330/941] Unter seines Bruders und Nachfolgers
+_Mottakki_, d. i. des Gottesfürchtigen, Regierung verkündeten grosse
+Ueberschwemmung des Tigris und grosse Pest und Hungersnoth eben so grosses
+politisches Unheil. Der Anführer _Beridi_ verheerte Bagdad dritthalb Monate
+lang mit seinen Truppen, der Türke _Tusun_ drängte sich nach Raik's Tod dem
+Chalifen als Fürst der Fürsten auf, dem byzantinischen Kaiser Romanus
+Lapachenes musste das Schweisstuch Christi als Lösegeld ausgeliefert
+werden; Mottakki ward geblendet und vom Throne gestossen. Sein Neffe
+_Mostekfibillah_ verlieh nach Tusun's Tod die Stelle des Fürsten der
+Fürsten dem _Schirsad_, welchem sie Ahmed der Bujide entriss und vom
+Chalifen mit dem Ehrentitel _Moiseddewlet_, d. i. der den _Hof_ oder das
+_Reich Ehrende_, anerkannt ward. Er bemächtigte sich der Leitung aller
+Geschäfte, wies dem Chalifen nur fünftausend Dirhem für dessen täglichen
+Unterhalt an, riss ihn endlich gewaltsam vom Throne und verstiess ihn
+geblendet in den Kerker. Die Wesire wurden von nun an nicht mehr Wesire,
+sondern nur _Kjatibe_, d. i. Sekretäre, genannt.[243] Sein Nachfolger
+_Motiilillah_, d. i. der Gehorsame in Gott, war nur den Befehlen
+Moiseddewlet's und seines Sohnes Bachtiar gehorsam, welche die wahren
+Herren von Bagdad, als Schii die Sunni als Ketzer und die Chalifen aus dem
+Hause Abbas als ungerechte Thronbesitzer anfeindeten; Verwünschungen wider
+Omar, der _Fedek_, das Landgut Ali's, eingezogen, und den _Ebu Serr_
+verdammte, wurden an die Thore der Moscheen geschrieben, Nachts zwar von
+den Sunniten wieder ausgelöscht, dann aber dem Moawia von den Kanzeln
+geflucht und das Fest Aaschura zum Preis des Martyrthums Husein's
+eingesetzt[244]. Moiseddewlet verkaufte die Stelle des Obersten Richters um
+zwanzigtausend Dirhem, das erste Beispiel so schändlicher Verkäuflichkeit
+im Islam, und Bachtiar, als es ihm an Geld mangelte, zwang den Chalifen,
+seine ganze Garderobe und sein Hausgeräthe zu verkaufen, und zog die aus
+der Versteigerung gelösten vierzigtausend Dirhem ein, so dass man sagte, er
+habe den Chalifen vergantet[245]. Die Karmathen hatten zwar den schwarzen
+heiligen Stein wieder an die Kaaba zurückgestellt, aber hingegen eroberten
+die Griechen alle Gränzfestungen des Reichs. Zu Tarsus verwandelten sie die
+Moscheen in einen Stall und verbrannten die Kanzel; Antiochien und Haleb,
+Edessa und Nissibin wurden geplündert. Dschewher, der Feldherr der
+Fatimiten, hatte Aegypten erobert. So grosse und schwere Unfälle waren
+durch ausserordentliche Naturverheerungen vorbedeutet oder von denselben
+begleitet worden. [RN: 346/957] Erdbeben verschluckte die Stadt Thalkan mit
+allen ihren Einwohnern, bis auf dreissig[246], und hundert fünfzig Dörfer.
+Die Erde warf die Gebeine der Todten aus und sprengte heisses Wasser zum
+Himmel empor; Kum und Holwan wurden durch Erdbeben verwüstet; die
+Heuschrecken verzehrten nicht nur das Gras der Fluren, sondern auch die
+Blätter der Bäume; das Meer trat achtzig Ellen weit von seinen Ufern
+zurück[247] und enthüllte die Naturwunder seines Schooses; drei Jahre
+später verschlang es das Gepäck der Pilgerkarawane, die ein Wolkenbruch
+demselben zugeschwemmt; [RN: 349/960] in diesem Jahre wurde Kreta von den
+Griechen erobert. Der Sohn Motii's war _Thaai_, was ebenfalls _gehorsam_
+bedeutet; er gehorsamte, wie der Vater, dem Fürsten der Beni Buje, die sich
+nun mit den Türken und unter sich um die Obervormundschaft des gehorsamen
+Chalifen stritten; doch beobachtete Adhadeddewlet, der grosse Fürst der
+Bujiden, wenigstens den äusseren Anstand, indem er siebenmal vor dem
+Chalifen die Erde küsste, während Behaeddewlet den Palast des Chalifen
+plünderte, ihn selbst durch zwei Dilemiten von dem Throne reissen liess und
+geblendet in den Kerker verstiess. Adhadeddewlet hatte zu Bagdad Spital und
+Sternwarte gebaut, und inmitten der finsteren Nacht, welche den Thron des
+Chalifats umdunkelte, leuchteten am literarischen Himmel Gestirne der
+ersten Grösse. Der Dichter _Motenebbi_, der Geschichtschreiber _Mesudi_,
+der Philosoph _Farabi_ und _Ebulferedsch von Issfahan_, der Verfasser der
+grossen Blüthenlese, _Aghani_, welcher dem Wesir Ibad die fünfhundert
+Kameellasten von Büchern, die er vor Erscheinung derselben mit sich zu
+führen pflegte, ersparte.
+
+[Randnote: Kadirbillah und Kaimbiemrillah.]
+
+In die vierzigjährige Regierung Kadirbillah's, des fünf und zwanzigsten
+Chalifen, des Enkels Moktedir's, fällt das Ende der Herrschaft der Beni
+Buje und der Beginn der Grösse der Sultane von Ghasna, welche aber zu
+ferne, um unmittelbaren Einfluss auf die Schicksale Bagdads zu nehmen.
+Nichtsdestoweniger ertheilte ihnen der Chalife Ehrentitel, indem er dem
+Vater Sebugtegin den _der rechten Hand des Hofes und des Intendenten des
+Volkes_[248] beilegte, wie die Fürsten der Buje der _Bewahrer_[249], der
+_Arm_[250], der _Ruhm_[251], der _Adel_[252], das _Schwert_[253], der
+_Werth_[254], die _Säule_[255] und die _Ehre_[256], der _Veredler_[257],
+die _Erhabenheit_[258] des Reichs und des Hofs geheissen hatten; fünf und
+vierzig Jahre alt, als er den Thron bestieg, füllte _Kadir_, d. i. der
+Mächtige, denselben vierzig Jahre lang, wenn nicht mit Macht, doch mit
+Anstand und Würde, war genau und eifrig in Vollziehung der vorgeschriebenen
+Religionspflichten im Gegensatze seiner Vorfahren, welche Wüstlinge und
+Schlemmer, schrieb ein Buch wider die Schismatiker, welche die Lehre, dass
+der Koran erschaffen, vertheidigen, welches alle Freitage in der Moschee
+vorgelesen ward; nur wurde seine lange Regierung häufig durch die blutigen
+Streitigkeiten der Sunni und Schii getrübt, weil er die letzten auf Kosten
+der ersten begünstigte. In dem ersten dieser Religionsaufruhre wurde der
+Wesir Behaeddewlet erschlagen, weil er die Todtenfeier des Martyrthums
+Husein's abstellen wollte. [RN: i. J. 382/992] Neun Jahre hernach empörten
+sich die Ketzer, indem sie die Einführung eines neuen Festes, nämlich des
+schiitischen des _Teiches_, durchsetzten[259]. [RN: 389/998] Zehn Jahre
+hernach, im selben, wo ein heftiges Erdbeben die Stadt dreimal, und
+Hakimbiemrillah die Kirche, das heilige Grab zu Jerusalem in Schutt
+verwandelte, schlugen sich die Sunni und Schii in den Strassen von Bagdad.
+[RN: i. J. 407/1016] Neun Jahre später wurden die Ketzer zu Wasith von den
+Sunni geschlagen und die Kuppel der grossen Moschee zu Jerusalem stürzte
+ein. Schon im nächsten Jahre [RN: i. J. 408/1017] entbrannte der Kampf
+zwischen ihnen umso heftiger zu Bagdad; und abermals nach dreizehn Jahren
+[RN: i. J. 421/1030] schlugen sie sich wegen des Festes _Aaschura_, d. i.
+des Trauerfestes Husein's. Ausser dieser so oft wiederholten blutigen
+Polemik wurde Bagdad von Zeit zu Zeit durch Diebsbanden beunruhigt, so
+dass Niemand seines Eigenthums sicher[260]. Nichtsdestoweniger brachte es
+Kadir dahin, dass die Beni _Okail_ in Syrien das Kanzelgebet auf seinen
+Namen und nicht auf den der Fatimiten verrichteten, deren angeblicher
+Ursprung von Ali, zu Bagdad öffentlich in den Schulen angegriffen ward.
+[RN: i. J. 402/1011] Die Gleichzeitigkeit _Firdewsi's_ und _Kabus
+Schemsolmaali's_, des Dilemiten, wie die _Hamdan's_, des Gründers der Beni
+Hamdan, und _Avicena's_ verherrlichte die vierzigjährige Regierung Kadir's
+nicht minder, als die fünf und vierzigjährige seines Sohnes
+_Kaimbiemrillah's_, d. i. des auf Befehl Gottes Aufrechtstehenden, durch
+das Aufsteigen _Toghrul's_, des Gründers der Dynastie der Seldschuken, als
+Beginn einer neuen Epoche, indem die Vormundschaft der Chalifen von dem
+Hause Buje in das der Seldschuken überging. Toghrul, von dem Chalifen um
+Schutz wider den übermächtigen Türken Besasiri angefleht, gewährte
+denselben, aber gegen die Belehnung mit der Herrschaft des Ostens und
+Westens mittels zweier Kopfbünde, zweier Schwerter, sieben Fahnen und
+sieben nacheinander angelegter Ehrenkleider, während der Chalife auf sieben
+Ellen hohem Throne sass. Der Chalife vermählte sich mit der Nichte
+Toghrul's und dieser nahm die Tochter des Chalifen zur Frau, starb aber vor
+Vollzug der Hochzeit siebzigjährig. Zwei Kometen[261], Erdbeben,
+Hungersnoth, Meeresebbe und Ueberschwemmungen verkündeten und begleiteten
+diesen neuen Umschwung der Herrschaft des Ostens und Westens. In Aegypten
+und Palästina spie die Erde Wasser[262], das Meer zog sich auf einen Tag
+weit von den Gestaden zurück und verschlang in unvermutheter Rückkehr die,
+welche in seinen aufgedeckten Tiefen nach Schätzen suchten[263]. Die
+Hungersnoth in Aegypten war so gross, dass seit des ägyptischen Joseph's
+Zeit keine grössere gedacht ward[264] und die Stärkeren die Schwächeren
+ohne Scheu auffrassen; durch zwei Ueberschwemmungen des Tigris[265] wurden
+über hunderttausend Häuser verwüstet. Solche Zeichen mussten die Herrschaft
+der Türken über Vorderasien verkünden; aber ausserdem ward Bagdad noch
+durch Diebesbanden und die Religionskämpfe der Sunni und Schii verwüstet;
+diese fügten zum Gebetsaufruf die Formel: _Auf! zu guten Werken!_[266] bei
+und schrieben auf ihre Bollwerke: _Mohammed und Ali sind die bessten der
+Geschöpfe; wer vollzieht, ist dankbar, wer sich dessen weigert, undankbar_;
+die Sunni widersetzten sich; die Grabmäler der Imame _Musa_ und _Takki_
+wurden ihrer goldenen Leuchter und Lampen beraubt, die Schreine aus
+Ebenholz angezündet; sie verbrannten auch die Grabdome des Chalifen _Emin_
+und seiner Mutter _Sobeide_, die der Bujiden _Mois_ und
+_Dschelaleddewlet_[267]; die Moscheen der Hanefiten wurden von den Schiiten
+geplündert. Sie unterliessen dafür das Kanzelgebet für den Chalifen, weil
+er sie zu schützen nicht im Stande, nicht Chalife und Imam zu heissen
+verdiene. Doch hatte er vor seinem Ende den Trost, dass der Scherif von
+Mekka das Kanzelgebet nicht mehr auf den Namen der Fatimiten, sondern auf
+den der Beni Abbas verrichtete; und unter seiner Regierung erhob sich zu
+Bagdad die erste, vom grossen Wesire Melekschah's von Nisameddin gestiftete
+hohe Schule _Nisamije_[268].
+
+[Randnote: Die Chalifen Moktefi, Mostadhir.]
+
+Mit Moktefi, dem Sohne Kaimbiemrillah's, dem sieben und zwanzigsten
+Chalifen, welcher zwanzigjährig den Thron bestiegen, setzte sich auf
+denselben in Chuaresm _Itsis_, einer der Emire Melekschah's, der Gründer
+der Dynastie der Chuaresmschahe, die erst ein Jahrhundert später zum Gipfel
+der Macht emporstieg. _Itsis_ liess das Freitagsgebet wieder auf den Namen
+des Chalifen aus dem Hause Abbas, statt auf den der Fatimiten, verrichten.
+Moktefi vermählte sich mit der Tochter seines Schirmvogtes, des grossen
+Sultan's der Seldschuken, Melekschah. Die Hochzeit war die glänzendste,
+welche Bagdad seit der berühmten Mamun's mit der Tochter seines Wesirs
+_Sehl_ gesehen; der grosse Wesir Nisamolmülk mit zweitausend Reitern
+begleitete die Braut; hundert vier und dreissig Reihen von Kamelen (jede
+Reihe zu sieben) trugen den Brautschatz, in welchem die juwelenbesetzten
+Pantoffeln das Hauptstück. Die Hochzeit, sowie ein Paar Jahre hernach das
+Geburtsfest des Sohnes Dschaafer aus der Frau Turkjan, wurde mit grossen
+Festen gefeiert; dem letzten wohnte Melekschah in eigener Person bei und
+legte bei dieser Gelegenheit den Grund der nach seinem Namen genannten
+Moschee Bagdad's. Nach Verlauf eines Jahres zertrugen sich der Chalife und
+die Tochter Melekschah's, welche zu ihrem Vater nach Issfahan zurückkehrte,
+weil Moktefi statt ihres Sohnes Dschaafer's den _Mostadhir_ zum Thronerben
+ernannte. Melekschah forderte, dass der Chalife die Erbfolge an seinen
+Enkel Dschaafer, den Sohn Turkjan's, übertrage, und war eben im Begriffe,
+ihm dieses Familiengesetz mit gewaffneter Hand aufzuzwingen, als er
+vergiftet starb, was von Bagdads Einwohnern der Wirkung des
+himmeldurchdringenden Gebetes des Chalifen zugeschrieben ward. [RN:
+487/1094] Moktefi überlebte ihn nur drei Jahre und hatte seinen
+sechzehnjährigen Sohn _Mostadhir_ zum Nachfolger. [RN: 489/1096] Zwei Jahre
+nach seiner Thronbesteigung ward ganz Asien durch den Schrecken der
+Astronomen über den Verein der Planeten, den Saturnus ausgenommen, im
+Zeichen des Fisches mit Vorhersagungen von Sündfluth aufgelärmt, indem zur
+Zeit der Sündfluth alle sieben Planeten im Fische gestanden haben sollen;
+wirklich schwemmte ein Wolkenbruch das Gepäck der Pilgerkarawane fort; aber
+verderblicher als diese Ueberschwemmung war die der Kreuzfahrer, deren
+Fluth bald hierauf an den syrischen Gestaden emporbrandete. [RN: 499/1105]
+Ein Comet von einer Grösse, dessgleichen nie gesehen worden, galt als
+Vorzeichen des ungeheueren Brandes, dessgleichen Bagdad noch nicht erlebt
+hatte, und in welchem nebst dem Palaste des Chalifen die hohe Schule
+Nisamolmülk's und die ganze Flussseite der Stadt in Asche gelegt ward; [RN:
+511/1117] was vom Brande übrig geblieben, zerstörte ein Erdbeben. Brand und
+Erdbeben mussten den Tod Mohammedschah's des Seldschuken und des Chalifen
+vorbedeutet haben, welche bald hierauf im Zwischenraume von wenigen
+Monaten starben. Es war das drittemal, dass der Tod des Chalifen mit dem
+seines seldschukischen Schirmvogtes fast zusammenfiel; Sultan _Alparslan_
+war zwei Jahre vor dem Chalifen _Kaim_[269], Sultan _Melekschah_ zwei Jahre
+vor dem Chalifen _Moktefi_[270] und jetzt Sultan Mohammed nur einige Monate
+vor dem Chalifen _Mostadhir_ gestorben, und sowohl die drei Sultane als die
+drei Chalifen gehörten unter die grössten und bessten Herrscher ihres
+Hauses[271]. _Mostadhir_, beredt, freigebig und Schönschreiber, machte den
+Bewohnern Bagdads angenehme und fröhliche Tage, indem seine vier und
+zwanzigjährige Regierung im Ganzen eine ruhige, während die siebzehnjährige
+seines Sohnes und Nachfolgers _Mosterschid_ das Gegentheil durch die
+Thronnebenbuhlerschaft der beiden Seldschuken, Mahmud und Mesud, von denen
+Mosterschid jenen als Oberherrn anerkennend mit sieben, diesen nur mit zwei
+Ehrenkleidern bekleidete. Mesud überzog in der Folge den Chalifen mit
+Krieg, belagerte Bagdad und nahm ihn gefangen; als aber sein Oheim
+Sindschar solche Verletzung der dem Oberhaupte des Islams schuldigen
+Ehrfurcht hoch missbilligte, setzte er ihn in Freiheit und ging sogar vor
+dessen Pferde, die Satteldecke desselben tragend, einher. Ein Feuerregen zu
+Mossul und fliegender Skorpionen zu Bagdad, an deren Bissen Viele starben,
+gingen dem gewaltsamen Tode des Chalifen voraus, der unter dem Dolche der
+Assassinen fiel. Sie hatten ihn zu ihrem Opfer ausersehen, weil er ihnen
+feind; ein tugendhafter Fürst, ausgezeichneter Schönschreiber,
+Rechtsgelehrter und Ueberlieferer, in dessen Gegenwart Lesungen der
+Ueberlieferungen gehalten worden. Unter seiner Regierung wurden zu Hebron
+in einer Felsenhöhle Leichname entdeckt, welche für die Abraham's, Isak's
+und Jakob's galten, deren Gräber seitdem dort der Gegenstand moslimischer
+Verehrung; und zu Bagdad fiel, was vordem und seitdem unerhört, mannstiefer
+Schnee, der vierzehn Tage liegen blieb[272].
+
+[Randnote: Die Chalifen Raschid und Moktefi.]
+
+Raschid[273], der Sohn Mosterschid's, der dreissigste Chalife, trat
+keineswegs in seines Vaters und Grossvaters Fussstapfen; wider Sultan Mesud
+lehnte er sich auf, indem er das Kanzelgebet zu Bagdad, statt auf dessen
+Namen, auf den David's, des Neffen Mesud's, verrichten liess. Mesud
+plünderte dafür Bagdad mit solcher Raubsucht, dass den Frauen und
+Sklavinnen sogar die Halsbänder und Ohrgehänge weggerissen wurden; durch
+sechzehn Tage und Nächte bebte die Erde zu Bagdad, und schon eilf Monate,
+nachdem er den Thron bestiegen, dessen ihn die Richter und Rechtsgelehrten
+durch ein Fetwa als unfähig erklärten, fiel er, wie sein Vater, unter
+Meuchlerdolch. Das Reich war so gesunken und verarmt, dass, als Raschid's
+Nachfolger, sein Vetter _Moktefi_, der Sohn Mostadhir's, den Chalifenstuhl
+bestieg, ihm kein Einkommen blieb, als der Ertrag seiner Privatgüter; aber
+auch diesen hätte er nicht eintreiben können, wenn ihm nicht die Sklaven
+Mesud's dazu verholfen hätten. Er vermählte sich mit der Schwester Sultan
+Mesud's, welche ihm hunderttausend Dukaten als Heirathsgut zubrachte; aber
+vierzehn Jahre hernach, als die Araber der Wüste die ganze Pilgerkarawane
+plünderten und gefangen nahmen, musste die Gemahlin des Chalifen, welche
+sie gefangen behielten, um hunderttausend Dukaten losgekauft werden, so
+dass das Heirathsgut als Lösegeld aufging. Hierauf sandte ihm Sultan
+Sindschar, der Oheim Mesud's, den Mantel und den Stab des Propheten,
+welchen Mesud, als er den Chalifen Mosterschid gefangen genommen, dem Oheim
+gesandt. Moktefi hatte während seiner vier und zwanzigjährigen Regierung
+mit Widerwärtigkeiten aller Art zu kämpfen. Die Naturbegebenheiten schienen
+sich wider ihn verschworen zu haben, wie die Emire Sultan Mesud's, welche
+Bagdad belagerten und verheerten. Ein Erdbeben, in welchem dreissigtausend
+Menschen zu Grunde gingen, verschlang die Stadt _Hire_, an deren Stätte
+schwarzes Wasser aufquoll; [RN: 534/1139] in Syrien zählte man in Einer
+Nacht achtzig Erdstösse; Orkane und Wolkenbrüche verheerten Kleinasien und
+ein Comet zog flammend von Osten gegen Westen. Zu Bagdad rettete sich der
+Chalife nackt aus den Flammen, welche den kaum aufgebauten Palast mit der
+ganzen Einrichtung verzehrten. [RN: 543/1148] In Arabien regnete es Blut;
+aber mehr noch als alle diese Naturerscheinungen bedrängte den Chalifen der
+Druck seines Schwagers Schirmvogtes Mesud; wider denselben blieb dem
+Unterdrückten keine Waffe, als der himmeldurchdringende Pfeil des Gebetes;
+diesem ward der gähe Tod Mesud's zugeschrieben, durch welchen nicht nur
+Moktefi seines Drängers ledig, sondern auch das nun schon dreihundert Jahre
+auf dem Chalifate schwer lastende Joch türkischer Sklaverei für immer
+zerschlagen ward; [RN: 547/1152] eine höchst günstige Begebenheit, wodurch
+die Chalifen wieder ihre Unabhängigkeit genossen, welche sie seit der
+Einführung der türkischen Sklaven unter Moteaassim verloren hatten. Doch
+nützte ihnen dieselbe nicht viel, da das Reich zerstücket, ihre Herrschaft
+nur auf das Grabmal von Bagdad und einige Städte des arabischen Irak
+beschränkt war und die Macht der Chuaresmschahe drohend emporwuchs.
+Indessen ist diese Epoche doch eine sehr merkwürdige in der Geschichte des
+Chalifats, welches in dem letzten Jahrhunderte seines Daseins keinen
+Schirmvogt anerkannte. Moktefi selbst benützte den ersten freien Odemzug,
+den ihm der Tod Mesud's gewährte, zur Belagerung von Tekrit und einem
+Streifzuge wider die in der Gegend herumziehenden Turkmanen, denen er
+viermalhunderttausend Schafe und grosse Beute abnahm und damit zu Bagdad
+einzog. Suleiman, der Sultan der Seldschuken Rum's, kam nach Bagdad, um aus
+der Hand des Chalifen den Titel der Herrschaft und den Befehl zur Eroberung
+des Gebirgslandes zu empfangen. Das Erdbeben, das im folgenden Jahre acht
+Städte der Moslimen und fünf der Franken in Syrien verheerte, war eines der
+schrecklichsten; [RN: 552/1157] die Einwohner _Hamid's_ wurden alle
+erschlagen, zu _Scheiser_ blieb nur ein Weib, zu _Kefrtab_ keine Seele
+lebendig. Zu _Apamea_, _Himss_, _Maarret_ und _Tell Hamdan_ wurde die
+Hälfte der Einwohner verschüttet, die von _Hossn Ekrad_ und _Arka_ gingen
+alle zu Grunde, Niemand wollte innerhalb der Mauern bleiben, und die
+Uebriggebliebenen suchten Rettung im Freien. Im folgenden Jahre verwüstete
+die Ueberschwemmung des Tigris dreissigtausend Häuser von Bagdad und Hagel
+in der Grösse von Hühnereiern und den seltsamsten Figuren ging dem Tode
+des sechs und sechzigjährigen Chalifen voraus.
+
+[Randnote: Neue Periode des Chalifats; Mostendschid.]
+
+Die Periode der Unabhängigkeit der Chalifen von dem seit Mesud's Tode
+abgeschüttelten Joche der seldschukischen Vogtschaft ist in keiner der
+bisherigen europäischen Geschichten des Chalifats gehörig hervorgehoben,
+kaum mit ein Paar Worten über den Charakter der Gemahlin Moktefi's
+angedeutet worden[274]; diese, welche _Taus_, d. i. Pfau, hiess, flösste
+ihrem Gemahle den hohen Sinn und den Muth ein, sich von der schmählichen
+Oberherrschaft der Türken, unter denen die Chalifen durch drei Jahrhunderte
+geschmachtet, loszusagen. Das letzte Jahrhundert der Dauer des Chalifats
+war also ein für dasselbe ehrenvolleres, als die drei verflossenen, indem
+die letzten sechs Chalifen keine Obervogtschaft anerkannten und selbst ihre
+Heeresmacht wieder zu einer Höhe brachten, wodurch sie in den Stand gesetzt
+wurden, nicht nur die Anmassungen der Chuaresmschahe auf gleiche Vogtschaft
+zurückzuweisen, sondern sogar Empörungen niederzuschlagen und ein Paar dem
+Chalifate längst entrissene Landschaften demselben wieder einzuverleiben.
+Die Ursache des gänzlichen Ruines des Chalifats ist, ausser der Alles vor
+sich in den Staub tretenden Uebermacht der Mongolen, hauptsächlich die
+Unterthänigkeit des letzten Chalifen aus dem Hause Abbas, welchem, wenn er
+in die Fussstapfen seiner fünf unmittelbaren Vorfahren, und namentlich in
+die _Nassirbillah's_, getreten wäre, es wohl hätte gelingen können, die
+Macht der Mongolen von den Mauern Bagdad's zurückzuschlagen, wie diess ein
+Paarmal seine Vorfahren mit Muth und gutem Glück gethan. Die Periode der
+vorletzten fünf Chalifen gehört, wenn nicht unter die schönsten Zeiten des
+Chalifats aus dem Gesichtspunkte des Glanzes und der Macht, doch unter die
+bessten und ehrenvollsten Tage desselben, aus dem Gesichtspunkte äusserer
+Jochentlastung und Unabhängigkeit und innerer Ruhe und Sicherheit
+betrachtet. Der Zeitraum der fünf und achtzig Jahre, welche unter den
+vorletzten fünf Chalifen verflossen, kann mit einigem Fuge dem Zeitraume
+der neun und achtzig verglichen werden, in welchem Rom unter der Herrschaft
+Trajan's, Hadrian's und der Antonine aufathmete, das vorige Weltreich
+wieder einigen Ansehens, die Menschheit wieder einiger Ruhe genoss. Der
+Name Mostendschid, der mehrere Bedeutungen hat, kann in zweien dieser
+Bedeutungen für den geschichtlich bezeichnenden seiner Herrschaft gelten.
+Mostendschid heisst sowohl der einen Vertheidiger Suchende, als ein nach
+überstandener Krankheit seine Kräfte Sammelnder. Er hoffte in dem syrischen
+Atabegen einen Vertheidiger des Chalifats zu finden; eine Hoffnung, die
+nicht durch _Nureddin_, der selbst mit dem ägyptischen Chalifen im Kampfe
+lag, wohl aber unter Ssalaheddin, dem ersten Herrscher des mächtigen Hauses
+Ejub, unter _Mostadhir_, dem Nachfolger _Mostendschid's_, durch den Sturz
+des Chalifen Nebenbuhlers in Aegypten und durch die Uebertragung des
+Kanzelgebetes von ihrem Namen auf den der Familie Abbas einigermassen
+erfüllet ward. Mostendschid, ein gerechter, gebildeter und energischer
+Fürst, hob die von seinem Vorfahrer zum Ruin des Handels eingeführten
+drückenden Stempelgefälle auf, verbot die scholastischen Vorlesungen über
+metaphysische Werke und entriss den Händen der _Beni Mesud_ die der Stadt
+des Heiles so nahe gelegenen _Hille_, _Kufa_ und _Enbar_.
+
+[Randnote: Mostadhi und Nassirlidinillah.]
+
+Mostendschid's Sohn und Nachfolger, _Mostadhi_, d. i. der Erleuchtung
+Suchende, schritt während seiner neunjährigen Regierung auf dem von seinem
+Vater, während seiner eilfjährigen, betretenen Pfade fort. Dem Gründer der
+Grösse des Hauses Ejub, dem grossen _Ssalaheddin_, welcher der Herrschaft
+der Chalifen Nebenbuhler in Aegypten ein Ende gemacht und das Kanzelgebet
+wieder auf den Namen der Chalifen aus dem Hause Abbas übertragen, sandte er
+Ehrenkleider und ein höchst ehrenvolles Diplom mit glänzenden Titeln und
+Geschenken. So ward nun wieder in Aegypten und Arabien der Chalife Bagdad's
+von den Kanzeln als der rechtmässige erkannt. Grössere Kräfte, als unter
+den nur zwei Jahre füllenden Regierungen Mostendschid's und Mostadhi's,
+sammelte das Chalifat unter der sechs und vierzigjährigen
+_Nassirlidinillah's_, d. i. des Helfers der Religion Gottes, welchem bald
+nach dem Antritte seiner Regierung die Freude ward, dass nach dem Sturze
+der Beni Omeije in Spanien nun auch dort von den Herrschern aus der Familie
+Abdol Mumin das Kanzelgebet auf den Namen des Chalifen aus dem Hause Abbas
+verrichtet ward, eine frohe Botschaft, welche so, wie unter Mostadhi die
+von der Veränderung des Kanzelgebetes in Aegypten und Arabien, zu Bagdad
+mit Freudenfesten gefeiert ward. Während Ssalaheddin die heilige Stadt der
+Herrschaft der Christen entriss, eroberte der Chalife die am Euphrat
+gelegenen Schlösser Aana und Hadise wieder dem Reiche zurück, das sich nun
+wenigstens wieder über den grössten Theil Mesopotamiens, von den Ufern des
+Tigris bis an die des Euphrats, und über Chusistan erstreckte, dessen
+Schlösser der Wesir _Ibnol aththar_ wieder der Macht des Chalifen
+unterwarf. Den Triumph Nassir's vollendete der gänzliche Ruin der
+persischen Seldschuken, vormaligen Schirmvögten, indem Sultan Tekesch der
+Chuaresmschah den Kopf des von ihm besiegten letzten persischen Seldschuken
+Toghrulschah dem Chalifen nach Rei sandte, wo derselbe an der Moschee als
+Trophäe aufgehangen ward. Den Gesandten des Sultans, welcher die Vogtschaft
+Bagdads, welche jetzt die Seldschuken besassen, nun für sich begehrte,
+entliess er ohne Antwort. Chuaresmschah stellte, um die Weigerung zu
+rächen, das auf den Namen Nassir's verrichtete Kanzelgebet ab und ernannte
+sogar einen Gegen-Chalifen in der Person des Seid _Alaeddin_ von Tirmid,
+dem er als Chalifen huldigen liess. Nassir sandte, um den Sultan auf
+bessere Gesinnungen zu bringen, den grossen Scheich _Schihabeddin
+Suhrwerdi_, der ihn zu Hamadan traf. Der Sultan empfing ihn verächtlich,
+indem er ihn nicht einmal niedersetzen hiess; und als der gelehrte und
+beredte Scheich in einer langen Rede die Stellen der Ueberlieferung zu
+Gunsten des Hauses Abbas und die Herrschertugenden Nassir's gepriessen,
+antwortete der Sultan: Alles dieses passt nicht auf Nassir; ich ziehe nach
+Bagdad, um dort einen, der wirklich alle von dir hergezählten Eigenschaften
+besitzt, als Chalifen einzusetzen. Er rückte gegen Bagdad vor, welches
+Nassir noch vor kurzem mit einer Mauer umfangen hatte, welche die Stadt
+wohl schwerlich vor der Uebermacht des Sultans gerettet hätte. Diesen bewog
+ein ungeheures Schneegestöber zum Rückzuge, indem, als er nach Holwan
+gekommen, es zwanzig Tage ununterbrochen schneite, so dass der Schnee so
+hoch als die Zelte, das Heer durch ungeheueren Verlust an Menschen und
+Thieren schwächte. Diese Naturbegebenheit war für Bagdad erfolgreicher, als
+einige andere frühere ausserordentliche Erscheinungen; [RN: i. J. 583/1186]
+diese waren der Verein der sieben Planeten im Zeichen der Wage, woraus die
+Astronomen ungeheuere Orkane für die Nacht der Vereinigung vorausgesagt; in
+derselben herrschte aber so grosse Windstille, dass die Lampe auf der
+Sternwarte in freier Luft unausgelöscht brannte, zu grosser Beschämung der
+Astronomen. Sechzehn Jahre hernach [RN: i. J. 599/1202] flammte eine ganze
+Nacht voll fallender Sterne, die nach allen Richtungen hin und herschossen,
+eine Erscheinung, die durch ähnliche in unseren Tagen genauer beobachtete
+beglaubigt wird. Nassir hatte den Chalifenpalast zu Bagdad abbrechen
+lassen, aber ausser der Stadtmauer viele Moscheen und Medreseen und ein
+Speisehaus für die Armen gebaut; die erste Anstalt dieser Art, welcher die
+Geschichte des Islams erwähnt. Nassir war ein besonders in der
+Ueberlieferung gelehrter Fürst und hinterliess über dieselbe ein Werk, das
+den Titel: _Geist des Erkennenden_[275] führt; aber Nassir war auch ein
+harter, habsüchtiger Fürst, dessen Gier, Schätze zu sammeln, keine Gränzen
+kannte, der die Unterthanen durch Gelderpressungen drückte und das Heer
+der Finanzbeamten noch mit einem Heere von Ausspähern vermehrte. Von den
+Kanzeln, wo ehe für die Chalifen des Hauses Omeije in Andalus, dann für die
+des Hauses Fatima in Aegypten als Chalifen gebetet worden, wurde nun das
+Kanzelgebet wieder auf den Namen Nassir's verrichtet, so auch in Hidschas
+und Jemen, in Chorasan und Masenderan und in Indien auf den Namen Nassir's,
+als des einzigen rechtmässigen Chalifen des Islams.
+
+[Randnote: Sahirbiemrillah und Mostanssir.]
+
+Der Sohn und Nachfolger Nassirlidinillah's, der Chalife _Sahirbiemrillah_,
+d. i. der Offenbare durch Gottes Befehl, war vor allen Chalifen aus dem
+Hause Abbas seines Beinamens werth, nach dem Zeugnisse der
+Geschichtschreiber, dass seit Omar el-assis, dem wegen seiner Frömmigkeit
+und Gottesfurcht berühmten achten Chalifen der Beni Omeije, kein
+Gerechterer auf dem Chalifenstuhle gesessen. Diesen guten Klang seines
+Namens dankt er dem freigebig geschenkten Golde und der kurzen Zeit seiner
+Regierung, indem er nur neun Monate lang den Völkern als ein Muster des
+Chalifats mehr gezeigt als bewährt. Er stellte bei seiner Thronbesteigung
+confiscirte Grundstücke ihren Eigenthümern zurück, sandte dem Richter der
+Richter zehntausend Dukaten zur Bezahlung der Schulden derer, die desshalb
+im Thurme sassen, setzte die Kopfsteuer von Jakuba, welche vormals nur
+zehntausend Goldstücke betragen, unter seinem Vater aber auf's Siebenfache
+gesteigert worden war, wieder auf die obige Summe zurück, liess von der
+Gesammtsumme der Steuern dreimalhundert fünfzigtausend den Unterthanen nach
+und vertheilte am Opferfeste hunderttausend Dinare unter die
+Gesetzgelehrten und Ssofi; denen, die ihn fragten, warum er sich so beeile,
+Gutes zu thun, antwortete er mit Anspielung auf das vorgerückte Alter von
+ein und fünfzig Jahren, in welchem er den Thron bestiegen: Ich gleiche
+denen, die erst Nachmittags ihre Buden öffnen und sich also beeilen müssen,
+wenn ihr Handel Gewinn tragen soll; hindert mich also nicht in guter
+Handlungen Handel. In seine Fussstapfen, als ein gerechter, freigebiger und
+gelehrter Fürst, trat sein Sohn und Nachfolger _Mostanssirbillah_, d. i.
+der bei Gott Hülfe Suchende. Er baute die berühmte, nach seinem Namen
+genannte hohe Schule, deren Grösse und Glanz die frühere, vom Wesire
+Nisamolmülk zu Bagdad erbaute, bei weitem zurückliess; sie bestand in vier
+besonderen Schulen, nach den vier Ritus des Islams, wo die
+Rechtsgelehrsamkeit nach den Ueberlieferungen _Ebu Hanife's_, _Schaafii's_,
+_Malik's_ und _Hanbeli's_ gelehrt ward; an jeder dieser vier Medreseen
+waren zwei und sechzig Plätze für Studenten[276] und zwei für
+Correpetitoren[277] gestiftet. In vier Jahren war der Bau vollendet; am
+Tage der Eröffnung besuchte der Chalife mit allen Richtern und
+Rechtsgelehrten die Schulen und vertheilte reiche Geschenke unter die
+Professoren und Studenten. Das Seitenstück zur _Mostanssirije_, d. i. zur
+hohen Schule _Mostanssir's_, war die _Kamerije_, d. i. die _Mondige_, eine
+am Ufer des Tigris gebaute, reich gestiftete Speiseanstalt für Dürftige.
+Seine Wohlthaten strömten vorzüglich den Gelehrten zu, dieselben
+überschritten aber das Maass vernünftigen Staatshaushalts, wenn die
+folgenden Anekdoten wahr. Jedesmal, als aus einem mit Gold gefüllten Becken
+geschöpft ward, rief er aus: Ach, wann werde ich dich leeren! während sein
+Vater jedesmal, als Gold hineinfloss: Ach, wann werde ich dich füllen!
+ausgerufen haben soll. Eines Tages, als er von der Terrasse seines Palastes
+rund um auf den Terrassen Wäsche aufgehangen sah und der, was dies bedeute,
+gefragte Wesir antwortete, dass es die für das nächste Fest gewaschenen
+alten Kleider seien, wunderte sich Mostanssir, dass nicht jeder seiner
+Unterthanen sich neues Festkleid anschaffen könne, liess aus Gold
+Armbrustkugeln verfertigen und verschoss dieselben auf die Terrassen der
+Nachbarn. Wider die Mongolen, welche unter seiner Regierung bis Meragha
+vorgedrungen und Erdebil vom Grunde aus verheeret hatten, brachte er ein
+Heer von siebzigtausend Mann auf, von welchem zwar Anfangs die Mongolen,
+dann aber die Truppen des Chalifen zu _Dakuk_, das seiner Naphthabrunnen
+willen berühmt[278], geschlagen wurden. [RN: 653/1237] Im selben Jahre
+richteten die Mongolen das Blutbad von Issfahan an, in welchem der grosse
+Dichter _Ismail Kemal_ von Issfahan, beigenannt der Vater der Bedeutungen,
+unter ihrem Schwerte erlag, wie früher der grosse mystische Dichter
+Aththar. Unter Mostanssir's Regierung blühte vorzüglich die Mystik, und in
+dieselbe fällt der Tod von vier höchst merkwürdigen Männern, Säulen der
+Mystik, des Scheich's _Behaeddin Weled_, des Vaters _Dschelaleddin Rumi's_,
+des grossen mystischen Dichters _Omer Ibn Faradh_, des grossen Scheich's
+_Schihabeddin Omer Suhrwerdi_ und des Inders _Reten_[279], welcher, der
+erste, aus Indien das berauschende Opiat (Haschische) nach Mittelasien
+gebracht, dessen sich die Assassinen bedienten, um ihren todtgeweihten
+Handlangern die Freuden des Paradieses vorzuspiegeln, und von dem sie ihren
+Namen[280] Haschischin, d. i. die _Kräutler_, erhielten.
+
+[Randnote: Moteaassim.]
+
+_Moteaassimbillah_, d. i. der an Gott Festhaltende, der Sohn Mostanssir's,
+der sieben und dreissigste und letzte Chalife des Hauses Abbas, bestieg den
+Thron, den er sechzehn Jahre gefüllt, im dreissigsten seines Alters; ein
+prachtliebender, grossthuender, schwacher Fürst, doch nicht ohne löbliche
+Eigenschaften und Werke. Ein _Hafis_, d. i. Bewahrer des Koran's (wie Alle
+heissen, welche denselben auswendig wissen), war er den Gesetzgelehrten
+geneigt und baute für dieselben, nach seines Vaters Beispiel, eine hohe
+Schule, gegenüber dem Grabmale des Scheich's _Karchi_, so nach dem,
+vorzüglich von Schiiten bewohnten Stadtviertel Bagdad's genannt, welche aus
+vier Medreseen für die vier Ritus des Islam's bestand[281]. Im dritten
+Jahre seiner Regierung erschien ein mongolisches Heer in der Nähe von
+Bagdad, von wo es zu _Baakuba_ durch den kleinen Diwitdar (Staatssekretär)
+zurückgeschlagen ward[282]. Dieser Vortheil vermehrte den Dünkel
+Moteaassim's, unter welchem das Ceremoniel des Hofes von Bagdad auf einen
+bisher nie gehörten Grad getrieben ward. Die Schwelle des Thronsaales war
+ein schwarzer Stein, welchen Alle, selbst Gesandte und Fürsten, die ihre
+Belehnung empfingen, nicht ausgenommen, sich unterwerfend küssen und dann
+den schwarzen Schleier, welcher dem daranstossenden Fenster vorgezogen
+ward, wie den Vorhang des Heiligthums der Kaaba verehren mussten.
+Medschdeddin Ismail, der Gesandte des Atabegen Ebubekr Ben Segi, unterwarf
+sich dem vorgeschriebenen Ceremoniel, legte aber einen kleinen Koran, den
+er in der Hand verborgen, auf die Schwelle und küsste deren statt den
+Koran. Wann Moteaassim ausritt, sass er auf hohem Rappen, schwarz
+verschleiert mit schwarzem Turban, dessen Enden über die Schultern
+zurückflogen, von vierzig schwarzen Leibwachen umgeben; der Rappe war mit
+goldenem Halsband und edelsteinbesetztem Zügel und Bügel geschmückt, und
+wann ihn der Chalife bestieg, erscholl der Siegesruf, dessen Worte aus
+Koranstexten zusammengesetzt: »_Gott mache das Gute zum Stirneknoten des
+Pferdes und binde es an seine Mähnen; er mache die Füsse desselben weiss
+durch Erreichung aller Begehren; er wolle dem Laufe desselben mit
+losgelassenen Zügeln alle Sicherheit gewähren, die Eroberungen sollen
+seinen Wettlauf am Ziele kennen und das Heil des Erfolgs seine Zügel
+dehnen!_«[283] Alle moslimischen Fürsten erhielten den Titel rechtmässiger
+Herrschaft einzig von dem Belehnungsdiplome Moteaassim's, welche derselbe
+mittels Gesandten ertheilte, die nebst dem Diplome der Investitur, Kaftan,
+Turban, Fahne, Schwert, Ring und ein Maul mit goldbeschlagenen Hufen und
+juwelengestickter Satteldecke zum Geschenke brachten[284]. Der Gesandte
+vollzog nun ein Paar Tage nach seinem feierlichen Einzuge in die Residenz
+des Sultans oder Emirs die Investitur, indem er dem Fürsten den Kopfbund
+aufsetzte, den Ring ansteckte, das Diplom vorlesen liess und ihm dreimal
+wiederholte: _Sei gerecht und übertrete das Gesetz nicht_; dann erst ward
+ihm erlaubt, den Thron zu besteigen, und erst, nachdem er den Thron
+bestiegen, ward er für würdig erachtet, dem vom Chalifen gesandten Maul in
+Gegenwart des ganzen Hofes den goldbeschlagenen Huf zu küssen. Der Gesandte
+warf Geld aus und begleitete den Sultan, der nun unter einem über seinem
+Kopfe emporgehaltenen Sonnenschirme die Stadt durchritt. Wann immer ein
+Gesandter des Chalifen an den Hof des Sultans kam, ward sein Maul bis in
+den Thronsaal geführt und ein Vorhang niedergelassen; der Sultan musste vom
+Throne steigen, hinter dem Vorhange den Huf des Maulthieres küssen, worauf
+er mit dem vom Chalifen gesandten Ehrenkleide erst wieder den Thron
+bestieg. Die Insignien der Investitur von Seite des Chalifen waren also:
+_Kaftan_, _Turban_, _Schwert_, _Ring_, _Fahnen_, _Sonnenschirm_ und der
+_Huf_ des Maulthiers. Krone, Mantel, Schwert, Ring, Fahne finden sich auch
+als Insignien der Investitur fürstlicher und kirchlicher Würden im
+europäischen Mittelalter; nur an die Stelle des Hufes trat das Horn, mit
+welchem dänische und angelsächsische Könige ihre Vasallen belehnten[285].
+Das Heer Moteaassim's war hunderttausend Mann stark, von denen die Hälfte
+vom Diwan aus besoldet; der Befehlshaber desselben, Suleimanschah, welchen
+der Dichter _Esireddin Umani_ in Lobgedichten gepriesen. Die innere
+Verwaltung besorgten die beiden _Diwitdare_ (Tintenzeughalter), d. i.
+Staatssekretäre; die Geschäfte des Hofes leitete der _Scherabdar_,
+Mundschenk, aber die Summe der Regierung war in den Händen des Wesirs
+_Moejededdin Mohammed Abdolmelik El-Alkami_, ein ausgezeichneter Gelehrter
+in Prose und Poesie, in Ueberlieferungs- und philosophischen Wissenschaften
+gleich gewandt, der Chalife aber selbst dem Wohlleben und Sinnengenusse
+ergeben. Die nächsten Hebel seines Verderbens waren von innen der Wesir
+Alkami, von aussen der grosse Astronome Nassireddin, der sich im Geleite
+Hulagu's befand.
+
+[Randnote: Alkami; Wüsten- und Bücherbrand.]
+
+Nassireddin von Tus hatte eines Tages, als Moteaassim an den Ufern des
+Tigris sass, demselben huldigend ein Gedicht dargebracht, das der Chalife,
+statt, wie es der Wesir erwartet hatte, reich zu belohnen, auf des Wesirs
+Alkami darüber ausgesprochene Kritik in den Tigris warf. Von diesem
+Augenblicke schwur der tief beleidigte, tief grollende Astronome Schöngeist
+dem Wesir und dem Chalifen Rache; er verliess Bagdad und verweilte bei dem
+ihm gleichnamigen Comthur des Assassinenschlosses Sertacht. Alkami warnte
+den Comthur wider seinen Schutzgenossen, als wider einen Ränkeschmied, der
+ihn im Geiste des Chalifen verderben wolle; und diese Warnung war nur ein
+neuer Sporn in die rachedürstenden Weichen des durch Geringschätzung seines
+Gedichtes so tief beleidigten Astronomen Schöngeistes. Als Gesandter des
+letzten Herrschers der Assassinen an Hulagu gesandt, hatte er durch sein
+grosses Talent sich dessen Achtung erworben und demselben erst zum
+Verderben der Assassinen, dann zu dem des Chalifats sich als hilfreiches
+Werkzeug angeboten. Sein Feind, der Wesir Alkami, arbeitete seiner Rache
+durch Verrätherei selbst in die Hände. Von den nächsten Umgebungen des
+Chalifen, dem Diwitdar und dem Mundschenken, nicht die Achtung geniessend,
+deren er werth zu sein glaubte, und als Schii dem Chalifen grollend, weil
+der Sohn desselben, Ahmed, die Plünderung des nur von Schiiten bewohnten
+Stadtviertels von Karch und die hierbei vorgefallenen Gräuel von Schändung
+und Gemetzel begünstigt hatte. Er schrieb an den Seid Tadscheddin al
+Hoseini, welcher damals der erste der Herren der Familie des Propheten,
+klagend: »dass die Söhne des Hauses Ali geplündert, das Volk des Stammes
+Haschim gefangen und die Schmach, welche vormals Husein, der Enkel des
+Propheten, durch Plünderung seines Harems und Blutvergiessung getroffen,
+jetzt wieder erneuert worden sei«[286]. Der Seid antwortete im Namen aller
+Prophetenverwandten: »Die Ketzer müssen ermordet, verbrannt, ihre Rasse
+ausgerottet werden; wenn du nicht mit uns hältst, bist du verloren, du
+wirst zu Bagdad weniger geschätzt sein, als vom Manne das Henna der Frauen
+und als der Ring dessen, dem die Hand abgehauen«[287]. Nach dem Falle von
+Alamut hielt Alkami den Augenblick für günstig zur Förderung seiner Rache;
+er sandte heimlich an Hulagu einen Brief, in welchem er, die Macht des
+Chalifen verkleinernd und die Schwäche Bagdad's ins hellste Licht setzend,
+den Eroberer seine Zügel nach der Stadt des Heils zu lenken einlud. Hulagu,
+wohl eingedenk, dass vormals ein Heer von hundert vier und zwanzigtausend
+Mann wider die Mongolen gesandt, zweimal den Dschurmaghun geschlagen,
+zauderte, der Einladung Gehör zu geben, und berieth sich mit Nassireddin,
+dem Astronomen, und erst, als dieser ihn versichert, dass »das Unternehmen
+im Bunde mit der Gestirne günstiger Stunde«[288], beschloss er den Marsch
+nach Bagdad, wo indessen ein Versuch des kleinen Diwitdar, den Chalifen zu
+entthronen, das Feuer des Bürgerkrieges angeflammt. Moteaassim sah sich
+gezwungen, den Versicherungen des kleinen Diwitdar von seiner Treue und
+Ergebenheit scheinbaren Glauben zu schenken. Die Unschuld desselben wurde
+laut auf den Strassen Bagdad's verkündet und der Name des kleinen Diwitdar,
+des Feindes Alkami's, sogar nach dem des Chalifen im Kanzelgebete
+eingeschaltet; das Heer wurde nach des Verräthers Alkami Vorschlag um die
+Hälfte vermindert, ein Drittel des verminderten in die nahe gelegenen
+Städte geschickt, so dass nur zwanzigtausend zu Bagdad's Vertheidigung
+blieben[289]. In diesem, durch den Fall Alamuts und die Verrätherei
+Alkami's für die Stadt des Heils so unheilschwangeren Jahre schreckten
+nicht nur Ueberschwemmung des Tigris und Erdbeben, sondern auch der Brand
+von Medina und der Wüstenbrand in Arabien die moslimische Welt auf. Zu
+Hara, in der Nähe von Medina, brannte die Wüste, und allgemein ward
+geglaubt, diess sei das Feuer, welches die Ueberlieferung des Propheten als
+den Vorboten des jüngsten Tages verkündet. Drei Monate lang brannte die
+Wüste in der Ausdehnung von vier Parasangen. Zu Medina zündeten die
+Einwohner des Nachts kein Licht an, da der Wüstenbrand die Stadt erhellte.
+Dieses, wie es scheint, elektrische Feuer soll Holz verschont, Eisen
+verzehrt haben, so dass von hineingeschossenen Pfeilen das Holz unversehrt,
+die Spitze zerfressen ward[290]. Nach dem Wüstenbrande plünderten Beduinen
+die Stadt, bis man das Thal, aus dem sie ausfielen, mit steinerner Mauer
+verdämmte. Das grösste Unglück aber entstand durch die Unvorsichtigkeit
+eines der Küster der Moschee des Propheten, der eine Kerze umfallen liess,
+wodurch die Moschee in Brand gerieth und mit derselben die ganze grosse
+Büchersammlung aufflammte[291], so dass dieses Jahr zwei der reichsten
+Bibliotheken in Flammen aufgingen, die von Alamut und die von Medina; der
+Verlust von dieser war aus mehr als einem Grunde weniger beklagenswerth,
+als der von jener, indem zu Medina meistens nur Korane und Bücher der
+Ueberlieferung, zu Alamut aber mathematische und philosophische Werke ein
+Opfer des Brandes, die dort ein Werk des Zufalls, hier der zu verdammenden
+Willkür des gelehrten Wesirs _Athamülk Dschuweini_.
+
+[Randnote: Gesandtschaften Hulagu's an den Chalifen und Prophezeihungen.]
+
+Diess waren die Zustände Bagdads, als Hulagu, durch Alkami's Einladung und
+Nassireddin's Vorhersagung aufgemuntert, von seinem Lager zu Hamadan aus an
+den Chalifen einen Gesandten mit dem Begehren schickte, dass er entweder
+selbst erscheine oder eine der vier Säulen seines Hofes, nämlich den Wesir,
+den kleinen Diwitdar, den Heerführer Suleimanschah oder den Mundschenken
+sende. Moteaassim, statt diesem befehlartigen Begehren zu willfahren,
+sandte den _Scherefeddin Ibnol Dschewsi_, einen durch Beredtsamkeit
+ausgezeichneten Gelehrten, und den Bedreddin Mohammed von Nachdschiwan.
+Hulagu, als er von ihrer Sendung Kunde erhielt, sagte in aufwallendem
+Zorne: Der Chalife handelt krumm, wie ein Bogen; Gott gebe, dass ich ihn
+wie ein Pfeil gerad machen könne[292]. Den Gesandten, als sie vor ihm
+erschienen, herrschte er entgegen: Gott hat dem Hause Tschengischan's die
+Herrschaft vom Osten bis Westen verliehen; wer sich uns unterwirft, dessen
+Blut und Gut wird nicht verderbt und vergossen, wenn nicht, ist dessen
+Untergang beschlossen. Wir ziehen mit einem Heer, zahlreich wie
+Heuschrecken und Ameisen, wider Bagdad. Als die Gesandten mit dieser
+Botschaft zurückgekehrt, rieth Ibn Alkami, tausend Lasten Korn, tausend
+Kameele, tausend Pferde für Hulagu mit vielen Geschenken für die Prinzen
+huldigend, mit Ueberlassung der beiden Majestätsrechte des Islams: des
+Kanzelgebets und der Münze, abzusenden. Der kleine Diwitdar _Modschahiddin
+Ibek_ machte Vorstellungen dagegen, aber _Ibn Alkami_, der die Schwächen
+und den Dünkel des Chalifen kannte, bestärkte ihn in demselben, indem er in
+seinen Reden die Macht der Mongolen verkleinerte, die des Chalifen
+vergrösserte und dem neuaufgeschossenen Pilzlinge mongolischer Herrschaft
+die uralte legitime des Hauses Abbas entgegenstellte. Suleimanschah, der
+Oberstbefehlshaber, Fetheddin Ibn Kerr, der grosse Diwitdar und der kleine
+Modschahiddin Ibek versammelten sich beim Wesire, ihren Aerger über die
+Sorglosigkeit und Blindheit des Chalifen in bitteren Worten lüftend.
+Suleimanschah trug sich an, dem Feinde entgegen zu ziehen, und Alkami ging
+zum Scheine in den Vorschlag ein, wohl wissend, dass der Chalife seinem
+Rathe folgsam, dass er Rüstung und das zum Solde der Truppen nöthige Geld
+verweigern werde[293]. Er sandte auf dessen Rath den Bedreddin von
+Nachdschiwan und den Richter Berdindschan mit geringen Geschenken und der
+hochtrabenden Botschaft: Alle Fürsten, welche sich jemals wider das Haus
+Abbas zu erheben gewagt, seien zu Grunde gegangen; Beispiele davon seien
+Jakub Leis der Soffaride, der Türke Besasiri, der Seldschuke Sultan
+Mohammed und Mohammed Chuaresmschah, welche Alle das Verderben ereilt, das
+auch Hulagu's harre, wenn er auf seinem Vorhaben bestehe. Hulagu, ergrimmt,
+antwortete ihnen mit dem persischen Verse des Schahname[294]:
+
+ Bau' nur zu, aus Eisen deinen Wall,
+ Führe Bollwerk auf mit Zinnen, die von Stahl,
+ Rüst' aus ein Heer von Peris und von Dschinnen,
+ Komm' nur heraus, du wirst den Tod gewinnen;
+ Birgst unter'm Himmel dich, ich will dich suchen,
+ Ich werde dich im Schlund des Löwen suchen.
+
+Hulagu war nun zuerst bedacht, sich des grossen Passes von _Deriteng_,
+d. i. Engthor, welcher über das gordiaische Gebirge oder den Zagros in die
+Ebene des arabischen Irak führt, zu versichern. Auf steilem Felsen, auf der
+Heerstrasse vom persischen ins arabische Irak erhebt sich das Schloss in
+einer engen Schlucht, wovon es den Namen _Engthor_ führt. Die Bewohner
+dieser Felsenschlucht waren nicht minder durch ihre Schönheit, als das
+Schloss durch seine Festigkeit berühmt[295]. Dieselbe wird vom _Diala_
+durchbrochen, welcher in der Entfernung einiger Stunden oben an den Ruinen
+von _Kassr Schirin_ (das alte Artemita) vorbeifliesst. Hulagu, dem nicht
+unbekannt, dass Hosameddin Aka, der Befehlshaber des Engpasses, sich über
+den Chalifen zu beklagen habe, lud ihn zu sich, überhäufte ihn mit Ehren
+und Geschenken und schenkte ihm die Schlösser _Disser_, d. i. das
+Goldschloss, _Dis Merdsch_, d. i. das Wiesenschloss, und einige andere;
+aber hierdurch übermüthig, sandte Aka an _Ssalaje_, den Befehlshaber von
+_Irbil_, Wort, dass, wenn ihm der Chalife sein Vertrauen schenken wolle, er
+mit hunderttausend Turkmanen und Kurden den Hulagu zurückzutreiben bereit.
+Der Chalife gab diesem Vorschlage kein Gehör. Hulagu, der davon Kunde
+erhalten, sandte den _Keitbuka_ mit dreitausend Reitern mit dem scheinbaren
+Auftrage, sich mit Aka über die Mittel des Marsches nach Bagdad zu
+berathen. Dieser ging in die Falle; Keitbuka, Herr seiner Person, forderte
+die Schleifung der Schlösser und er ward, nachdem dieselben geschleift
+waren, getödtet. Kein günstiger Stern waltete über dem Haupte des von
+Mengukaan seinem Bruder zur Berathung beigegebenen Astronomen Hosameddin.
+Um seine Meinung über den Zug wider Bagdad befragt, sagte er unter
+Verbürgung mit seinem Kopfe, im Falle, dass der Marsch unternommen werde,
+sieben Unfälle voraus: den Fall von Pferden und Menschen durch Seuchen,
+Mangel an Sonne und Regen, schreckliche Orkane und Erdbeben,
+Unfruchtbarkeit und Hungersnoth und endlich den Tod eines grossen Monarchen
+im selben Jahre. Hulagu liess sich diese Prophezeihung und Bürgschaft
+schriftlich geben und befragte nun den Astronomen Nassireddin, was denn
+geschehen würde, wenn er nach Bagdad zöge; Nichts, antwortete Nassireddin,
+als dass Hulagu die Stelle des Chalifen einnehmen wird. Er zerstreute
+hierauf alle Besorgniss Hulagu's über etwa aus solchem Zuge wider Bagdad zu
+befürchtende Unglücke durch die Anführung geschichtlicher Beispiele. Tahir
+sei aus Chorasan wider Bagdad gezogen und habe den Bruder des Chalifen
+erschlagen; Motewekkil und sein Sohn und mehrere Chalifen seien erschlagen
+worden, ohne dass für die Stadt irgend ein Unheil daraus entstanden. Hulagu
+ergab sich gern den seinen Wünschen schmeichelnden Versicherungen des
+Astronomen von Tus; der andere wurde, da keine seiner Prophezeihungen
+eingetroffen, fünf Jahre hernach hingerichtet.
+
+[Randnote: Hulagu's Marsch nach Bagdad.]
+
+Die Anordnung der verschiedenen Heereskörper, welche vermöge Hulagu's
+Befehl nun Bagdad von allen Seiten umzingelten, ist eines der schönsten
+Zeugnisse für Hulagu's grosses Feldherrntalent. _Dschurmaghun_ und
+_Baidschu Nujan_, die beiden in den persischen Feldzügen ergrauten
+Feldherrn, welchen aber seit Hulagu's Eintritt in Persien ihr Standort in
+Kleinasien angewiesen worden, befehligten den rechten Flügel, der, von
+Irbil und Mossul heranrückend, über die Brücke von Mossul ging und sich auf
+der Westseite von Bagdad niederliess. Mit ihnen vereinten sich die Prinzen
+_Bulgha_, _Kuli_, _Kotar_ (der Enkel Batu's) und die persischen _Buka
+Timur_ und _Sundschak Nujan_, welche die Strasse von Schehrsor über
+_Dakuk_ heranzogen. _Keitbuka_, der Befehlshaber des Vortrabs beim
+Einmarsche Hulagu's in Persien, mit _Kurusun_ und _Ilka_ kamen mit dem
+linken Flügel von Seite Luristan's und Chusistan's. Hulagu selbst stand mit
+dem schweren Gepäcke des ganzen Heeres im Mittelpunkte zu Hamadan und brach
+in den ersten Tagen des Januars des Jahres tausend zweihundert acht und
+fünfzig, gerade zwei Jahre nach dem Uebergange über den Oxus, gegen den
+Tigris über Kermanschahan und Holwan auf. In seinem Geleite die grossen
+Emire _Köke Ilka_ und _Arghunaga_, die beiden Bitekdschi (Kanzler)
+_Karakai_ und _Seifeddin_, der Staatssekretär _Alaeddin Athamülk_ von
+_Dschuwein_, der grosse Geschichtschreiber, und _Nassireddin von Tus_, der
+grosse Astronom; jener, um die Thaten und Begebenheiten des Feldzugs zu
+beschreiben, dieser, um die durch den Lauf der Gestirne angezeigten
+günstigen Stunden anzugeben; jener die Feder, dieser der Zeitmesser des
+Feldzugs. Von Esedabad aus sandte Hulagu abermal einen Gesandten nach
+Bagdad, um den Chalifen zur Uebergabe aufzufordern, und zu _Deinewer_
+erschien abermal _Ibnol Dschewsi_, der Gesandte des Chalifen, mit dem
+Antrage: die Summen, welche Hulagu aussprechen würde, jährlich in dessen
+Schatz abzuführen, und mit der Bitte: dass das Heer zurückkehren möge.
+Hulagu antwortete: Da wir schon so weit gekommen, um den Chalifen zu sehen,
+wie sollen wir nun umkehren, was nach persönlicher Zusammenkunft geschehen
+mag. Von Deinewer ging der Marsch über _Kuh Girdaa_, und am siebenten Tage
+nach dem Aufbruche von Hamadan ward Kermanschahan geplündert und verheert.
+[RN: 7. Moharrem 656/13. Januar 1258] Von hier wurden Eilboten abgefertigt,
+um die Ankunft von Sundschak, Baidschu und Suntai zu beschleunigen; sie
+warteten zu _Takkesrai_ und brachten als Gefangene den Ibek von Haleb und
+Seifeddin Melik mit sich, welche sie streifend aufgegriffen. Hulagu
+schenkte Beiden das Leben und machte sie zu Dienern der Schildwachen[296].
+Die Emire wurden, mit schmeichelhaften Beweisen von Gunst und
+Freigebigkeit überhäuft, zurückgesendet, um auf das Eheste den Uebergang
+über den Tigris auf der westlichen Seite von Bagdad zu bewerkstelligen. Von
+dort holten die Verräther des Heeres des Chalifen die beiden Chuaresmier
+_Kara Sankor_ und _Sultandschuk_, die Befehlshaber der mongolischen ein;
+Kiptschak schrieb an den ersten: Du und ich sind von Einem Stamme (Türken);
+wir haben uns unterworfen und befinden uns gut dabei, thuet desgleichen.
+Kara Sankor antwortete in dem Sinne des Astronomen Hosameddin: Wie sich ein
+neu aufgeschossener Zweig, wie die Herrschaft der Mongolen, mit dem schon
+ein halbes Jahrtausend wurzelnden Stamme des Chalifats messen könne? Wenn
+sich Hulagu unterwerfen wolle, würde man trachten, durch Vermittelung des
+Diwitdars den Frieden vom Chalifen zu erwirken. Hulagu, als man ihm dieses
+Schreiben brachte, lachte darüber und sagte: Meine Hilfe kommt von Gott und
+nicht vom Gold; wenn er mir hilft, was kümmert mich die Zahl der Heere des
+Chalifen[297].
+
+[Randnote: Bagdad's Belagerung.]
+
+Ein neuer Gesandter ward nach Bagdad abgefertigt, um den Chalifen zur
+Unterwürfigkeit aufzufordern, und zugleich nach Holwan aufgebrochen, wo
+eine Woche gerastet ward. Indessen gingen die Emire Baidschu, Buka Timur
+und Sundschak über den kleinen Tigris und standen am Kanale _Nehr Isa_.
+Sundschak erbat sich von Baidschu die Erlaubniss aus, den Vortrab des
+westlichen Heeres gegen Bagdad zu befehligen, und nachdem er dieselbe
+erhalten, rückte er bis _Dscherbije_ vor. _Mudschahideddin Ibek_, der
+kleine Diwitdar, und _Fetheddin Ibnol-Kerr_, die Feldherren des Chalifen,
+waren mit zehntausend Mann bei Jakuba über den _Diala_ und dann über den
+Tigris gegangen und trafen mit dem mongolischen Vortrabe in der Gegend von
+_Enbar_[298], neun Parasangen westlich von Bagdad, zusammen. Fetheddin Kerr
+wollte die Schlacht hier nicht wagen, aber die Ungestümme des Diwitdar
+zwang ihm dieselbe auf. Der Sohn Kerr's, um seinen Sinn kund zu geben, dass
+er auf dem Schlachtfelde feststehen und dasselbe keineswegs als Flüchtiger
+verlassen wolle, ritt statt eines Pferdes ein Maulthier, dessen Hufe so
+schwer mit eisernen Schienen beschlagen, dass es zur Flucht
+untauglich[299]. Die Schlacht dauerte den ganzen Tag und endete mit der
+Vernichtung des Heeres des Chalifen, von welchem der Diwitdar nur der
+Selbdritte entfloh. Als er mit der Nachricht des verlorenen Heeres vor dem
+Chalifen erschien, der eben Schah spielte, sagte dieser blos dreimal: _Gott
+sei Dank für das Heil Mudschahideddin's_. Moteaassim's an Blödsinn
+gränzende Sorglosigkeit und Unwissenheit ging so weit, dass, als man ihm
+die erste Nachricht brachte: die Vorposten der Mongolen hätten bereits die
+Höhen von _Hamrin_ (das von Westen nach Osten zwischen dem Euphrat und
+Tigris nach Tekrit laufende niedere Gebirge) passirt, er fragte: wie das
+wohl möglich? Man antwortete ihm: »Das Heer der Tataren, die wie die
+Meeresfluthen einherfahren, überfliegt der Berge Gipfel wie der Adler
+Schaaren; da sie den Damm von Gog und Magog für Spinngeweb' ansehen, was
+soll auf des Hamrin's Höhen aus ihren Hufen wohl anders erstehen, als
+Staub, was soll aus dem Sturme, in dem sie daherfahren, wohl anders
+aufgehen, als Feuer und Raub«[300]. In der Hälfte des Moharrem [RN: 14.
+Moharrem/21. Januar 1258] stunden die drei Nujane, Baidschu, Buka Timur und
+Sundschak auf der westlichen Seite des Tigris vor Bagdad, während Keitbuka
+und die mit ihm von Nachaire kamen, und Hulagu mit dem schweren Gepäcke zu
+Chanikin stand. Am folgenden Tage lagerte er an der östlichen Seite von
+Bagdad, das nun von allen Seiten, wie von Ameisenzügen und
+Heuschreckenschwärmen, und nach der mongolischen Belagerungsweise sogleich
+mit einer Mauer, oder, um richtiger zu sprechen, mit einem in aller Eile
+aufgeworfenen Erddamme eingeschlossen ward. Dienstags den neun und
+zwanzigsten Januar begann der Kampf. [RN: 22. Moharr./29. Januar] Hulagu
+stand auf der Heerstrasse von Chorasan, gegenüber dem persischen Bollwerk,
+Ilka Nujan vor dem Gülwadischen Thore, die drei Prinzen, Enkel
+Dschudschi's, mit Schiramun und Arktin vor dem Thore des Sultansmarktes,
+Buka Timur auf der Südwestseite an den Mühlen, Baidschu und Sundschak auf
+der Westseite gegenüber dem Spitale, welches Adhaddewlet, der grosse
+Herrscher aus dem Hause Buje, der erste zu Bagdad, gebaut. Die
+Belagerungsmaschinen waren vorzüglich gegen das persische Bollwerk
+gerichtet und in demselben bald Wallbruch gemacht. Nun sandte Moteaassim
+den Wesir und einen Bischof[301] mit der Botschaft, er füge sich dem
+Verlangen des Padischah, welcher verlangt, dass ihm der Wesir gesendet
+werde; -- »diess«, antwortete Hulagu, »war mein Begehren zu Hamadan, wie
+soll ich mich aber vor Bagdad's Thoren mit Einem begnügen? Es sollen auch
+die drei anderen Säulen der Herrschaft des Chalifen erscheinen, der
+Diwitdar, der Scherabdar und Suleimanschah, der Oberbefehlshaber des
+Heeres.« Am folgenden Tage erschien der Wesir mit einer Schaar von
+Vornehmen, aber ohne die verlangten Drei. Hulagu sandte sie zurück; er
+befahl, ein an die Richter, Scheiche, Danischmende (Studenten), Arkaune
+(christlichen Priester) von Bagdad gerichtetes Diplom, wodurch denen, die
+sich friedlich halten würden, das Leben zugesichert ward, in sechs
+Abschriften von sechs Seiten der Stadt durch Pfeilflug in dieselbe
+abzufertigen. Die Wurfmaschinen schleuderten in Ermangelung von Steinen
+Thonflötze, die man von Hamrin gebracht, und abgehauene Palmen wider das
+persische Bollwerk, das Freitags am ersten Februar zu Boden sank. [RN: 25.
+Moharrem/1. Februar]
+
+[Randnote: Bagdad's Eroberung.]
+
+Am fünften Februar standen Hulagu's Krieger bereits auf der Mauer des
+Bollwerks, während auf der anderen Seite die Prinzen noch nicht bis an den
+Fuss der Mauer vorgedrungen waren. Hulagu sandte ihnen ausscheltendes Wort
+und befahl zugleich, Brücken zu schlagen. [RN: 28. Moharr./4. Febr.] Buka
+Timur wurde mit einem Toman, d. i. mit einer Abtheilung von zehntausend
+Mann, auf der Heerstrasse von Medain und Bassra befehligt, um die, so etwa
+mit den Schiffen auf dem Tigris zu entfliehen versuchten, aufzufangen. Der
+Diwitdar, welcher auf diese Weise mit mehreren Schiffen zu entkommen
+hoffte, wurde aufgehalten, drei Schiffe genommen, die anderen versenkt oder
+zerstört. Auf diese Nachricht entsank dem Chalifen aller Muth zu fernerem
+Widerstande; er sandte den Fachreddin von Demaghan und den Ibn Dernus mit
+wenigen Geschenken; denn er fürchtete, dass, wenn er viele sendete, die
+Grösse derselben für den Maassstab seiner Furcht gelten könnte. Hulagu wies
+dieselben mit den Ueberbringern zurück. Am folgenden Tage kam Ebulfadhl
+Abderrahman an der Spitze aller Grossen mit grossen Geschenken; aber auch
+diese wurden nicht genehmigt. [RN: 29. Moharr./5. Febr.] Hulagu sandte den
+Nassireddin von Tus als Gesandten in die Stadt; welcher Triumph für den
+rachsüchtigen Astronomen, welcher seiner Empfindlichkeit für die
+Verschmähung seiner Verse die Stadt des Heils und das Heil des Chalifats
+geopfert, welcher Triumph für ihn, dem Chalifen nun im Namen des Siegers
+Gesetze vorzuschreiben! Am folgenden Tage kehrte er zurück, und Hulagu
+sandte die aus der Stadt gekommenen drei Gesandten, den _Fachreddin
+Demaghani_, den _Ibnol Dschewsi_ und _Ibn Dernus_, mit dem Begehren, dass
+Suleimanschah und der Diwitdar erscheinen mögen. Sie erschienen wirklich
+zwei Tage hernach. [RN: 1. Ssafer/7. Februar] Hulagu sandte sie wieder in
+die Stadt zurück, um die Ihrigen mit sich zu bringen. Die syrischen und
+irakischen Truppen und eine Menge Volkes benützten diese Gelegenheit, um
+die Stadt zu verlassen und sich in's Lager der Mongolen, wo sie Rettung und
+Sicherheit zu finden hofften, zu begeben; sie wurden in Tausende, Hunderte
+und Zehn abgetheilt, den mongolischen Befehlshabern der Tausender,
+Hunderter und Zehner übergeben und von diesen regelmässig umgebracht.
+Abgeordnete kamen aus der Stadt, um das Leben der noch Zurückgebliebenen zu
+erflehen, die Alle unterwürfig. Hulagu begehrte, dass der Chalife seine
+Söhne sende und selbst komme. Während diesen Unterhandlungen ward einem
+Inder Bitekdschi, der bei Hulagu in grossem Ansehen, ein Auge
+ausgeschossen; Hulagu, hierüber ergrimmt, wollte nun von weiterem Aufschub
+nicht mehr hören. Er befahl dem Nassireddin von Tus, sich an's Thor der
+Wettrenner[302] zu begeben und die Einwohner mit Zusicherung des Lebens
+herauszuführen; als diess geschehen, wurden sie Alle niedergemacht. [RN: 2.
+Ssafer/8. Febr.] Suleimanschah wurde mit Siebenhundert der Seinen in die
+Gegenwart Hulagu's geführt. Dieser fragte ihn: Wie kommt's, dass du, ein
+Sternkundiger, nicht den Frieden vorgezogen und deinem Herrn nicht dazu
+gerathen? Suleimanschah erwiederte: Der Chalife ist an Geist und Glück
+verwahrlost und leiht denen, die es wohl mit ihm meinen, kein Ohr. Suleiman
+und seine Siebenhundert wurden niedergemetzelt, so auch der Diwitdar und
+dessen Sohn, und die drei Köpfe an Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul,
+gesandt, der, ein Freund Suleimanschah's, seinen Tod beweinte, aber
+nothgedrungen, um nicht seinen Kopf zu verlieren, den des Freundes an dem
+Thore seines Palastes aufhängen musste. Nach diesem tragischen Ende seiner
+Getreuesten rief der Chalife seinen Wesir und fragte ihn, was zu thun;
+dieser antwortete ihm mit dem arabischen Distichon:
+
+ Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten,
+ Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten.
+
+Endlich begab sich der Chalife, mit seinen drei Söhnen und von dreitausend
+Seiden, Imamen, Scheichen und Kadis begleitet, Freitags den zehnten Februar
+zu Hulagu. [RN: 4. Ssafer/10. Febr.] Dieser empfing ihn ohne Merkmal des
+Zorns und begehrte kalt und ruhig, der Chalife möge Wort in die Stadt
+senden, dass die Einwohner die Waffen wegwerfen und zur Zählung
+herauskommen möchten. Der Chalife gehorchte und Bagdad's Einwohner gingen
+wie Schafe zur Schlachtbank, denn statt gezählt zu werden, wurden sie
+ungezählt Alle getödtet, der Chalife und seine Söhne in Zelte gewiesen vor
+dem Gülwadischen Thore, wo der Standort Keitbuka's. Drei Tage hernach
+begann die allgemeine Plünderung. [RN: 7. Ssafer/13. Febr.] Alle Paläste
+und Gebäude wurden niedergebrannt, bis auf einige wenige, ausdrücklich
+ausgenommene Häuser von _Arkaunen_, das ist nestorianischen Priestern und
+Fremden. Die Priester dankten diese Schonung vermuthlich Niemanden Anderem,
+als ihrer Glaubensgenossin, der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau
+_Tokus_, der Keraitin, welcher im Lager Kapelle mit Glockengeläute
+gestattet ward. Unter den Fremden sind vielleicht fränkische Kaufleute
+gemeint, Venezianer und Genueser, welche sich zu Bagdad des Handels willen
+aufhielten.
+
+[Randnote: Blutbad und Hinrichtung des Chalifen.]
+
+Freitags am fünfzehnten Februar begab sich Hulagu selbst in die
+entvölkerte, niedergebrannte, verheerte Stadt und ordnete auf den Ruinen
+derselben Feste an. Er liess den Chalifen vorführen und sagte ihm: Du bist
+der Gastgeber und ich der Gast; tische uns also auf, was du hast. Der
+Chalife zitterte und hatte aus Furcht alle Besinnung verloren, so dass er
+die Schlüssel zu den Schatzkisten, die er ausliefern sollte, nicht fand.
+Die Kisten wurden erbrochen und er brachte huldigend dem Sieger zweitausend
+Kleider und zehntausend Goldstücke nebst vielen Juwelen und anderen
+Kostbarkeiten dar. Hulagu würdigte das Geschenk keines Blickes und befahl,
+es unter die Emire und die nächste Umgebung zu vertheilen. Dann herrschte
+er weiter: Was über der Erde von deinen Schätzen, ist klar und offenbar;
+doch nun entdecke uns auch die unterirdischen. Der Chalife gab die
+unterirdische Cisterne an, bei deren Anblick sein Urgrossvater _Nassir_ so
+oft seufzte, dass er dieselbe trotz seines Zusammenscharrens von Gold nicht
+damit ganz füllen, sein Vater _Mostanssir_, dass er dieselbe trotz seiner
+verschwenderischen Freigebigkeit nicht ganz leeren konnte. Moteaassim's
+Geiz hatte den durch des Vaters Freigebigkeit entstandenen Abgang wieder
+ausgefüllt. Hierauf wurde das Frauengemach des Chalifen gezählt; es waren
+siebenhundert Sklavinnen und tausend Verschnittene. Der Chalife, als er
+den Zählungsbefehl vernahm, bat um Schonung dieser, selbst von Sonne und
+Mond nie geschauten Schönheiten. Hulagu erlaubte ihm, hundert auszuwählen.
+Mit sinkender Nacht kehrte Hulagu aus der Stadt wieder in's Lager zurück
+und befahl dem Sundschak Nujan, die Schätze des Chalifen in Besitz zu
+nehmen; die seit einem halben Jahrtausend aufgehäuften Schätze wurden rings
+des Herrscherzeltes aufgeschichtet; die edelsten Wallfahrtsstätten, wie die
+Moschee des Chalifen, die Grabstätte Musa's, die Grabmäler von Rossafa,
+wurden geplündert; die noch übrigen Einwohner der Stadt baten durch
+Scherefeddin von Meragha und Schihabeddin von Sindschar um Schonung und
+Vergebung; da erging der Befehl, dass das Blutbad und die Plünderung
+aufhöre, denn Bagdad sei sofort des Padischah's Eigenthum. [RN: 14.
+Ssafer/20. Febr.] Hulagu zog nach einigen Tagen, der ungesunden Luft
+willen, sein Lager auf einige Entfernung von der Stadt zurück; dann liess
+er abermals den Chalifen in seine Gegenwart fordern. Der Chalife sagte zum
+Wesir: Was ist zu thun? »Unser Bart ist lang«, antwortete dieser in
+bitterer Beziehung auf das Wort des Diwitdar's, der, als der Wesir bei der
+ersten Aufforderung Hulagu's gerathen, sich mit einer reichen Ladung von
+Schätzen abzufinden, dem Chalifen sagte: »Der Wesir hat einen langen Bart«
+(auf das arabische Sprichwort hindeutend: _langer Bart und kurzer
+Verstand_). Der Chalife bat nun den Ilchan um die Erlaubniss, sich in's Bad
+zu begeben, welche ihm Hulagu unter der Begleitung von fünf Mongolen
+gewährte. Ich wünschte nicht, sagte Moteaassim, die Gesellschaft von fünf
+Folterengeln, und declamirte einige Verse einer berühmten Kassidet, deren
+Anfang:
+
+ Wir wachten auf in einem Freudenhorte,
+ Voll Paradieseslust und Pracht;
+ Der Abend findet uns an einem Orte,
+ Woran wir gestern nicht gedacht.
+
+Am selben Tage, [RN: 14. Ssafer/20. Febr.] wo Hulagu sein Lager von Bagdad
+zurückzog, wurde der Chalife, in einen Teppich eingewickelt, zu Tode
+gerollt und unter den Hufen der Pferde zertreten; drei seiner Söhne und
+seine fünf Begleiter wurden im Dorfe _Wakf_ hingerichtet, und am folgenden
+Tage Alle die, so am Gülwadischen Thore zurückbehalten worden waren,
+getödtet; der jüngste Sohn des Chalifen, Mubarekschah, wurde der Gemahlin
+Hulagu's, der Frau Oldschai, zum Geschenke gemacht, welche ihm eine
+mongolische Sklavin zur Frau gab und an Nassireddin von Tus nach Meragha
+sandte. Am selben Tage mit dem Chalifen wurde der Wesir Alkami und der
+Staatssekretär, Vorsitzer des Diwan's, Fachreddin von Demaghan in die Stadt
+gesendet und Ali Behadir, der Steuereinnehmer, welcher das Heer während der
+Belagerung mit Lebensmitteln von Baakuba aus versehen hatte, zum
+Statthalter, der Emir Karakai Imadeddin von Kaswin zum Naib (Stellvertreter
+des Richters) ernannt; dem Nedschmeddin Ebi Dschaafer Amran, der den
+schönen Beinamen _Meliki rast_, d. i. des geraden Königs, führte, wurde die
+Steuereinnahme über das östliche Gebiet Bagdad's anvertraut, und dem
+Richter der Richter Nisameddin Abdolmumin die Aufrechthaltung der Polizei
+aufgetragen. Ilka Nujan und Kara Buka wurden mit dreitausend Mann zur
+Aufräumung des Schuttes und zur Beerdigung der Todten, zur Auferbauung der
+verheerten Gebäude befehligt; ein vergeblicher Befehl, denn das alte Bagdad
+erstand nie wieder in seinem vorigen Glanze; und als sechzig Jahre nach der
+Eroberung der Geschichtschreiber Wassaf Bagdad besuchte, war nicht der
+zehnte Theil der alten Gebäude und Bevölkerung vorhanden; dem _Ibnol
+Alkami_ aber, dessen Verrätherei die Hauptursache des Ruins des Chalifats,
+und welcher nur drei Monate die Eroberung Bagdad's überlebte, ward noch
+allgemein geflucht, und an den Thoren der Moscheen und Medreseen war die
+Inschrift zu lesen: _Gott verfluche den, der nicht fluchet dem Ibnol
+Alkami_[303].
+
+[Randnote: Gesandtschaften an Hulagu; Alkami's Tod; Bibliothekenruin.]
+
+Von Hille, das der Sitz der Seide, Prophetenverwandten, hatte der
+Vorsteher derselben, _Medschdeddin Mohammed Ibnol Hasan Ben Taus_ (das
+erste Viertel dieses viertheiligen langen Namens heisst _Glaubensruhm_, das
+letzte _Pfauensohn_) durch einen Gesandten ein Schreiben unterwürfigen
+Inhalts an Hulagu gesandt[304]. Dieser entgegnete ihnen Diplom und
+Geschenke durch Tekele und Ali von Nachdschiwan, welcher als Gesandter, der
+Emir Alaeddin der Perser als Statthalter nach Hille gingen[305]. Ihnen
+folgte auf dem Fusse _Buka Timur_, der Bruder der Frau Oldschai, um sich
+Hille's, Wasith's und Kufa's zu bemächtigen. [RN: 10. Ssafer/16. Febr.] Die
+Bewohner Hille's kamen ihm freundlich entgegen und erleichterten seinen
+Marsch, indem sie Brücken über den Euphrat schlugen. Von den Bewohnern
+Wasith's, das sich nicht unterwarf, wurden vierzigtausend niedergemetzelt.
+Von Wasith zog Buka Timur gegen Chusistan, den Schereffeddin Ibnol-Dschewsi
+mit sich führend, um durch denselben die Einwohner der Stadt _Schuster_ zur
+Uebergabe zu bereden. Bassra und die Umgegend unterwarf sich gutwillig, der
+Emir Seifeddin, der Bitekdschi, erbat sich hundert Mongolen als
+Sicherheitswache für die Grabstätte Ali's zu Nedschef; nach Verlauf von
+fünf Wochen war Buka Timur im Lager zurück. [RN: 19. Rebiulewwel/26. März]
+Ein Monat nach der Eroberung Bagdad's wurden die Gesandten des Fürsten der
+Ejubiden zu Haleb mit einem von Nassireddin von Tus aufgesetzten arabischen
+Schreiben zurückgefertigt; es lautete: »Wir haben gelagert vor Bagdad im
+Jahre sechshundert sechs und fünfzig und übel tagte der Morgen über die
+Bewohner, und wir luden den Besitzer ein; er weigerte sich; da ward an ihm
+das Wort erfüllt, und wir nahmen ihn gefangen. Wir laden dich ein zu
+Unserem Gehorsam; wenn du denselben verweigerst, ist's dein Verderben. Sei
+nicht wie der, der sich streitet um ein Aas, denn der Listige verliert, er
+weiss nicht was, sonst wirst du seyn von den Verworfenen, welche ihren
+Fleiss auf das irdische Leben wenden an, und die da wähnen, sie hätten
+Etwas für's Künftige gethan; Heil dem, der wahrer Leitung folgt!« [RN: 11.
+Rebiulachir/17. April] Hulagu befand sich in der zweiten Hälfte Aprils
+wieder bei seinem schweren Gepäcke[306] zu Hamadan, wo er seine Gesundheit
+pflegte, da er unwohl. [RN: 16. Rebiul. II./22. April] Fünf Tage später
+erschienen Ilka und die anderen Emire zur Aufwartung; sechs Wochen hernach
+starb Moejeddin Ibnol Alkami, [RN: 2. Dschem. II./6. Juni] welcher
+wenigstens dem Namen nach die Wesirschaft von Bagdad beibehalten hatte;
+nach dessen Tode erhielt dieselbe sein Sohn Scherefeddin. Wiewohl der Name
+Ibnol Alkami's nichts anderes als der eines Verräthers auf den Zungen der
+glaubwürdigsten Geschichtschreiber, so erfordert es doch unsere Pflicht,
+als solcher auch des Ehrenvollen zu erwähnen, was eine andere, freilich
+nicht sehr glaubwürdige Quelle von demselben meldet. Der Verfasser des
+_Sittenspiegels der Herrschaft_[307], welcher sich im Seltsamen zu gefallen
+scheint, sucht ihn von aller Schuld der Verrätherei rein zu waschen, indem
+er den schlechten Ruf desselben einzig als Verläumdung und aus dem Hasse
+und Neide der nächsten Umgebungen des Chalifen, welcher ihm sein ganzes
+Vertrauen geschenkt, zu erklären bemüht ist; dass er des Vertrauens des
+Chalifen nicht ausschliesslich genoss, erhellt schon aus dem, dass sein
+Rath von dem seines Gegners, des Diwitdar's, überflügelt worden, und dass
+ihm Hulagu nach Bagdad's Eroberung den Titel der Wesirschaft liess,
+beweiset keineswegs, dass er kein Verräther. Wassaf, welcher ein halbes
+Jahrhundert darauf seine Geschichte schrieb, bestätigt die Worte
+Reschideddin's, seines Zeitgenossen, und entkräftet das angebliche
+Vertrauen, das jenem Sittenspiegel zufolge Hulagu in ihn gesetzt haben
+soll, durch das, was er bei dieser Gelegenheit über die löbliche Sitte
+mongolischer Herrscher sagt: die Verrätherei und Anschwärzerei zwar zu
+ihrem Vortheile zu benützen, aber den Verräther und Anschwärzer zu
+verachten; seiner Verrätherei aus Niederträchtigkeit und
+Leidenschaftlichkeit ungeachtet, kann Ibnol Alkami sehr wohl ein
+gebildeter, selbst gelehrter Wesir, grosser Gönner und Freund der
+Gelehrten gewesen sein, der eine Bibliothek von zehntausend Bänden besass,
+deren viele ihm gewidmet waren; selbst der grosse Gelehrte Nassireddin
+erscheint in nicht viel besserem Lichte, indem ihn gekränkte Eitelkeit zur
+Rache an dem Chalifen durch den Ruin des Chalifats anspornte, und so stehen
+der gelehrte Wesir und der gelehrte Astronom leider beide von Seite ihres
+Charakters und ihrer politischen Grundsätze in höchst ungünstigem Lichte
+vor den Augen der Nachwelt. Die zehntausend Bände der Bibliothek Ibn
+Alkami's wurden, wie die der anderen Bibliotheken Bagdad's, von den
+Mongolen entweder in den Tigris geworfen oder verbrannt; binnen zwei Jahren
+der dritte grosse, für Bibliotheken verderbliche Brand, in welchem zu
+Alamut, Medina und Bagdad die Werke östlicher Weisheit, welche die Welt
+erleuchten sollten, ein Raub der Flammen. Durch diesen dreifachen
+Bibliothekenbrand binnen zwei Jahren ging nur zu sehr in leidige Erfüllung
+die Vorbedeutung des um zwei Jahre früheren Brandes der arabischen Wüste.
+
+[Randnote: Irbil's grosser, wohlthätiger Fürst; das persische Königstein;
+die Sternwarte von Meragha.]
+
+Nach Bagdad's Eroberung befehligte Hulagu den _Oroktu Nujan_ zur Eroberung
+Irbil's, der zwischen dem grossen und kleinen Sab, zwei Tagreisen von
+Mossul gelegenen Hauptstadt des oberen Kurdistan's, welches durch die
+Bauten des erst vor acht und zwanzig Jahren[308] verstorbenen turkmanischen
+Fürsten _Kewkebusi Ben Ebul Hasan Ali_ damals eine der blühendsten Städte
+des persischen Irak. Dieser edle Fürst, von welchem die europäischen
+Geschichtschreiber bisher nicht die geringste Kunde genommen, ist einer der
+wohlthätigsten des Islams und verdient als solcher sehr wohl seinen
+doppelten Ehrennamen _Melik Moaasem Mosaffereddin_, d. i. des
+grossgeehrten, durch die Religion siegreichen Königs. Täglich speiste er
+Arme und kleidete sie im Winter; alljährlich sandte er Commissäre in die
+Häfen, um Gefangene auszulösen, und nach Mekka, um die Pilgerkarawane mit
+Speise und Trank zu versehen. Zu Mekka führte er die erste Wasserleitung
+vom Aarafat und baute mehrere Wasserbehälter, zu Irbil gründete er ein
+Dutzend wohlthätiger Anstalten, mehrere solche, von denen weder vordem noch
+seitdem im Islam gehört worden; nämlich: ein Haus für Findelkinder, eine
+Anstalt für Ammen und Säuglinge, eine Versorgungsanstalt für Wittwen, ein
+gemeines Krankenhaus, ein besonderes Spital für Blinde, ein Karawanserai,
+in welchem die Reisenden nicht nur umsonst bewirthet, sondern auch noch
+ausserdem mit Reisegeld versehen wurden, ein Kloster, eine Medrese, an
+welcher Muderrise für die beiden Ritus Hanefi und Schafii, und endlich eine
+Moschee, an welcher alljährlich das Fest der Geburt des Propheten mit einer
+Pracht und einem Zulaufe von Menschen begangen ward, wie vordem und seitdem
+nirgends. Von Mossul, Sindschar, Dschesire, Nissibin strömten die Besucher,
+Prediger, Redner, Dichter, Koranleser, Ssofi nach Irbil; einen ganzen Monat
+vor dem Feste waren zwischen der Moschee und dem Kloster zwanzig, drei
+Stock hohe Dome aus Brettern aufgeschlagen, von deren Gallerien Dichter
+declamirten, Redner sprachen, Schattenspieler die Zuschauer unterhielten.
+Täglich nach dem Nachmittagsgebete begab sich Mosaffereddin zu diesen
+Domen, wohnte in der Nacht im Kloster dem Reigen der Ssofi bei und ging
+nach dem Morgengebete auf die Jagd. Am Geburtsfeste selbst ward eine
+unzählbare Menge von Kameelen, Rindern, Schafen unter Musik auf den Platz
+gebracht, geschlachtet, gesotten und gebraten, während der Nacht die Stadt
+erleuchtet und am folgenden Tage die Gäste an zwei grossen Tafeln, deren
+eine für die Vornehmen, die andere für das Volk, bewirthet; im Schlosse
+walzten die Derwische, von den Gallerien wurden die Hymnen des Gebets
+abgesungen, die Sänger, Prediger und Derwische reichlich beschenkt.
+Mosaffereddin wurde in der Nähe von Kufa, seine Gemahlin Rebiaa am Berge
+Kasiun bei Damaskus in der von ihr gestifteten Medrese bestattet. In keiner
+Schlacht besiegt, von keinem anderen Fürsten in Stiftungen der
+Wohlthätigkeit übertroffen, verdient dieser turkmanische Fürst von Irbil
+wohl den Namen _des durch die Religion siegreichen, grossmächtigen
+Königs_[309]. Das Schloss von Irbil erhebt sich auf einem vereinzelten
+Berge, während die Stadt in der Ebene. Tadscheddin, der Sohn Salaje's (des
+oben erwähnten Befehlshabers des Passes von Deriteng [Engthor]), war
+bereit, die Stadt zu übergeben; aber die Kurden gehorchten ihm nicht.
+Oroktu begehrte Hülfstruppen von Bedreddin Lulu, dem Fürsten Mossul's, der
+sie ihm auch sandte und den guten Rath ertheilte, den Sommer abzuwarten,
+weil dann die Kurden nicht mehr im Schlosse aushalten, den Gebirgen zueilen
+würden. Oroktu übergab die Belagerung dem Bedreddin, dessen Vorhersagung
+durch den Abzug der Kurden im Sommer erfüllet ward; er schleifte die
+Mauern. Hulagu schickte einen Theil der erbeuteten Schätze mit dem
+Siegesberichte seines Eroberungszuges an den Bruder Kaan, den grössten
+Theil derselben aber speicherte er in dem am See Urmia auf unbezwinglichem
+Felsen gelegenen Schlosse Tala (das heute Gurtschinkalaa heisst) auf; eine
+vereinzelte, auf drei Seiten unzugängliche Felsenmasse, welche den
+englischen Reisenden Porter an den Königstein in Sachsen erinnerte und
+welche ein Steiermärker die persische _Riegersburg_ nennen würde[310].
+Bedreddin Lulu, der neunzigjährige Fürst von Mossul, wartete dem Eroberer
+Persiens, für den er Irbil eroberte, zu Meragha auf; [RN: 7. Schaaban
+654/9. August 1258] ebenda _Atabeg Saad_, der Salghure, Herr von Fars, und
+die beiden seldschukischen Prinzen von Rum, Isededdin und Rokneddin. Hulagu
+war über jenen sehr ungehalten, weil er wider Baidschu Nujan sich zu
+schlagen gewagt. Um den Erzürnten zu versöhnen, stellte sich Isededdin zur
+Audienz mit einem Geschenke von einem Paar Pantoffeln, deren Sohlen sein
+Portrait eingestickt war, und mit der Bitte dar, dass der Padischah auf
+diese Weise ihn, den Sklaven, unter den Sohlen in den Staub tretend, adeln
+möge. Hulagu verzieh ihm, durch diese Schmeichelei besänftigt und auf die
+Fürbitte der Frau Tokus. Einen schönen Gegensatz zu dieser niederträchtigen
+Schmeichelei des Sultans von Rum bildet die Freimüthigkeit des Astronomen
+Nassireddin von Tus, welcher dem Eroberer in Erinnerung brachte, dass, als
+Chuaresmschah erobernd bis Tebris vorgedrungen, er auf die wider die
+Ausschweifungen seines Heeres vorgebrachten Klagen geantwortet: _Ich kam
+als Welteroberer und nicht als Welterhalter_[311]; Hulagu antwortete: Ich
+bin, Gott sei Dank! sowohl Welteroberer als Welterhalter und kein
+Schwächling, wie Dschelaleddin von Chuaresm. Den ersten Beweis von der
+Wahrheit dieses Wortes gab Hulagu durch den Bau der Sternwarte von Meragha,
+deren Grund jetzt gelegt, aber deren Bau erst unter der folgenden Regierung
+vollendet ward. Vier Astronomen[312] von Damaskus, Kaswin, Achlath und
+Mossul waren die Gehilfen Nassireddin's von Tus, der an dieser Sternwarte
+die ilchanischen Tafeln verfertigte, die, vollkommener als die
+früheren[313], ein bleibendes Denkmal des Ruhmes des Ilchans, Erbauers der
+Sternwarte und des an derselben beobachtenden grossen Astronomen
+Nassireddin's von Tus.
+
+[Randnote: Herrscher Gross- und Klein-Luristan's]
+
+Von den Fürsten, welche dem neuen _Ilchan_ oder Landesherrn nach Bagdad's
+Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits des Salghuren von Fars und des
+Seldschuken von Rum, sowie des Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's,
+welcher bei Irbil's Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung
+geschehen, und es wird von ihnen noch weiter unten die Rede sein; doch hier
+ist noch von anderen Fürsten zu melden, deren Staaten nun in unmittelbarer
+Berührung mit der mongolischen Macht, derselben sich nur scheinbar oder
+erst durch Gewalt gezwungen unterworfen; solche waren die Atabege von
+Gross- und Klein-Luristan, die Könige Gross- und Klein-Armeniens, endlich
+die Sultane Syriens und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung des wider
+die letzten geführten syrischen Krieges ist dem folgenden Buche
+vorbehalten; hier also nur kurz von den Atabegen und den christlichen
+Fürsten. Tekele, der Sohn Hesarsif's, der dritte Herrscher der im
+Geburtsjahre Tschengischan's vor einem Jahrhunderte als unabhängig
+emporgeschossenen Dynastie der Atabege von Gross-Luristan, war, als Hulagu
+gegen Bagdad zog, demselben huldigend entgegengekommen und von ihm dem
+Tomane Keitbuka Newin's, des Befehlshabers des Vortrabes, zugetheilt
+worden. Nicht im Stande, die Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz
+des Chalifats und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken, hatte er
+sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen, der Truppen wider ihn
+sandte. Schemseddin Alp Arghun, der Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder
+an, sich selbst in's Lager des Ilchans zu begeben, um dessen Verzeihung zu
+erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar an. An der Gränze Luristan's fiel
+Alp Arghun den mongolischen Truppen in die Hände, deren Heerführer ihn
+trotz seiner Sendung als Unterhändler tödteten. Tekele vertheidigte sich in
+dem Schlosse Mandschascht und ergab sich erst, als ihm durch Sendung des
+Ringes Hulagu's sicheres Geleite versprochen ward. Nichtsdestoweniger ward
+er nach Tebris geschleppt und dort hingerichtet und die Herrschaft
+Grossluristan's dem mit dem hingerichteten Bruder Tekele's gleichnamigen
+Schemseddin Alp Arghun verliehen[314]. In Klein-Luristan war die Herrschaft
+der vor siebzig Jahren unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen des
+vierten Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich auf dem Feldzuge
+Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben stellte, von ihm die
+Auslieferung seines Schwagers und mächtigen Nebenbuhlers um den Thron,
+Suleimanschah's, begehrte. Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort,
+dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und Suleimanschah
+erschlagen worden war, erhielt Bedreddin Mesud die von ihm begehrte
+Familie des Schwagers. Er behandelte dieselbe so gütig und beförderte durch
+weise und gerechte Regierung den Wohlstand des Landes so sehr, dass, als er
+ihnen später die Wahl liess, ob sie in Luristan bleiben, oder nach dem aus
+der Asche sich wieder erhebenden Bagdad wandern wollten, nur Wenige dahin
+auswanderten; ein gerechter, eingezogener und besonders der
+Ueberlieferungen wohl kundiger Fürst. Die _auserwählte Geschichte_[315]
+rühmt an ihm, dass er nie unrechtmässigen Beischlaf gepflogen und dass er
+viertausend juridische, nach den Grundsätzen des Ritus _Schafii_
+entschiedene Rechtsfragen auswendig gewusst. Nach seinem, nun zwei Jahre
+nach dem Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten sich um die Herrschaft
+Klein-Luristan's seine Söhne _Dschemaleddin Bedr_ (Schönheit der Religion,
+Vollmond) und _Nassireddin Omer_ mit _Tadscheddin Schah_, dem Sohne des in
+der Schlacht wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil. Dieser
+Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger Hulagu's, durch das
+wider die Söhne Bedreddin Mesud's ausgesprochene Todesurtheil blutig
+entschieden. Der Thron Klein-Luristan's wurde dem Sohne Suleimanschah's,
+_Tadscheddin_, zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang
+behauptete, welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten beiden
+Söhne Bedreddin Mesud's, dem _Felekeddin Hasan_ und _Iseddin Husein_,
+zugesprochen ward.
+
+[Randnote: Könige Gross- und Klein-Armenien's.]
+
+Der König Klein-Armeniens, Hethum I., welchen die Araber _Hatim_, die
+Kreuzfahrer _Haithon_ nennen, hatte sich bei der Thronbesteigung Mengku's
+über Kipdschak in das Hoflager des grossen Kaan's zu Karakorum und nach
+einer Abwesenheit von sechzehn Monaten wieder in seine Staaten
+zurückbegeben. Mit goldener Krone gekrönt, mit goldenem, geweihtem Scepter
+in der Hand auf hohen goldenen Thron gesetzt[316], füllte er denselben
+fünf und vierzig Jahre mit umsichtiger Klugheit, sein Schiff durch den
+Fluthenschwall ungeheuerer Heeresmacht und die Klippen der Scheelsucht der
+Könige Georgien's glücklich durchsteuernd. Wenn seinem Vetter, dem
+genannten Hethum gleichnamiger Mönch, Geschichtschreiber, Glauben
+beizumessen wäre, hätte Mengku seinem Vetter König sieben vorgetragene
+Begehren gewährt, aber das angebliche, als Gewährung des ersten Begehrens
+gegebene Versprechen Mengku's, sich taufen zu lassen[317], verdächtigt auch
+die Gewährung der anderen sechs Artikel. Vor ihm war schon sein Bruder
+Sempad, der Connetable Armenien's[318], in's Hoflager gezogen, und ward nun
+zum zweitenmal dahin gesandt, um Schutz wider die georgischen Fürsten aus
+der Familie _Awak_ anzuflehen, welcher, wie Arghun dem mongolischen
+Statthalter, dem Sempad nach dem Leben gestrebt, die Länder seines Bruders
+Hethum verwüstet[319]. Bald nach Sempad's Abreise ward auch Arghun in's
+Hoflager berufen, um unter der Anklage von Erpressungen über seine
+Verwaltung Rechenschaft zu geben. Sempad fand ihn dort durch den Einfluss
+seiner Feinde _Sewindsch_ und _Scherefeddin_ eingekerkert, welche Arghun's
+Tod suchten, um seine Stelle zu erhalten. Das Zeugniss Sempad's zu Gunsten
+der Verwaltung Arghun's rettete diesem das Leben; die Ankläger wurden
+hingerichtet, Arghun und Sempad kehrten nach Armenien und Georgien
+zurück[320]. Arghun brachte neue Einrichtung des Steuerwesens mit sich, das
+bisher unverhältnissmässig mehr auf den Armen, als auf den Reichen gelastet
+hatte. Von nun an waren die Reichen mit fünfhundert Dinaren, die Armen nur
+mit Einem besteuert[321]. Arghun, dankbar gegen seinen Vertheidiger Sempad,
+unterstützte ihn wider seine Feinde, die georgischen Prinzen aus dem Hause
+Awak, von denen David, der Sohn der Königin Russadan, sich wider die
+Mongolen empörte. Hulagu sandte wider ihn ein aus Mongolen und Moslimen
+zusammengesetztes Heer, von dem er geschlagen ward[322]. [RN: 657/1259]
+Arghun verfügte sich nach Tebris, um über die Zustände Georgien's zu
+berichten. Als Arghun nach Tiflis zurückkehrte, hatte sich David zum
+zweitenmale empört, weil die Entrichtung des verspäteten Tributs gefordert
+worden. Sowohl Sempad, der Orpeliane und Herrscher von Grossarmenien, als
+Hethum, der Herrscher von Kleinarmenien, dem cilicischen Reiche, erhielten
+sich als Vasallen mongolischer Herrschaft auf ihren Fürstenstühlen, Dank
+dem Schutze der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau _Tokus_, welche
+eine eifrige Christin, durch deren Einfluss nach Bagdad's Eroberung der
+Patriarch der Nestorianer den Palast des kleinen Diwitdar zum Sitze des
+Patriarchats erhalten hatte. Nur zu Tekrit siegten die Moslimen über die
+Christen, wo wegen Verheimlichung von Gütern hingerichteter Moslimen auf
+Befehl Hulagu's allgemeines Gemetzel der Christen stattfand[323]. Die
+Blutvesper von Tekrit ausgenommen, hatten sich die Christen mittels des
+Schutzes der Frau Tokus nur günstiger Behandlung von Hulagu zu erfreuen,
+namentlich Hethum, der Pagratide, Herr von Kleinarmenien, und der von
+Grossarmenien, der Orpeliane Sempad. Die Residenz des ersten war die Stadt
+_Ain_; am Zusammenflusse zweier Ströme, die in den Araxes münden, gelegen,
+zählte sie im eilften Jahrhundert hunderttausend Einwohner und tausend
+Kirchen[324]; die Residenz des zweiten, _Sis_, in Cilicien an einem kleinen
+Flusse, der sich in den Dschihan ergiesst[324], der Sitz des armenischen
+Patriarchen. Der Pagratide Hethum und der Orpeliane Sempad standen beide
+bei Hulagu als treue Vasallen in Gnaden, der erste musste ihm das Holz zu
+seinen Bauten am Alatagh liefern, dafür konnte er ungehindert kostbare
+Reliquien in Gold und Silber fassen; so die Hirnschale des heil. Gregor des
+Erleuchteten aus dem Kloster bei _Kaghseman_[325], das zwischen Karss und
+Pasin am Durchbruche des Araxes zwischen geklüftetem Gebirge, und den
+Schädel S. Gregor's des Wunderthäters, den er der berühmten Kirche von
+Norevanch schenkte[326]. _Hethum_, schon durch die Lage seines Königreichs
+ferne dem Hulagu und näher den Kreuzfahrern, als der nördliche Herrscher
+Grossarmenien's, war mit den angesehensten Fürsten der Kreuzfahrer durch
+Vermählung seiner Töchter (mit dem Fürsten Antiochien's, Sadan, und dem
+Herrn von Ibelim) verschwägert. Von seinen Söhnen fiel der jüngere, Toros,
+im Kriegsdienste Hulagu's im syrischen Kriege wider den Sultan der
+Mamluken, sowie hernach _Purthel_, der Neffe Sempad's, im Feldzuge Hulagu's
+wider Kipdschak in der Schlacht am Terek blieb. Die christlichen Herrscher
+Gross- und Klein-Armeniens waren also treuere Vasallen des Ilchan's, als
+die moslimischen Gross- und Klein-Luristan's, und es darf nicht Wunder
+nehmen, wenn durch die Namensähnlichkeit der Pagratide _Hethum_ in den
+Geschichten der Araber als ein zweiter _Hatim_ (das arabische Muster von
+Freigebigkeit und Grossmuth) und der Orpeliane Sempad (als ein zweiter
+Sindbad, der berühmte Reisende der arabischen Mährchen) durch seine Reisen
+in's mongolische Hoflager figurirt.
+
+
+
+
+Drittes Buch.
+
+ Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, Miafarakain;
+ Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor Damaskus; Schlachten von
+ Aindschalut und Himss; das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten;
+ Anlass des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak;
+ Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, Arikbuka, Alghui,
+ Kaidu; Vertheilung der Länder und Statthalterschaften; Dynastie
+ der Beni Aamaret und Schebankjare von Fars.
+
+
+[Randnote: Verhältniss Hulagu's mit den gleichzeitigen asiatischen
+Dynastien.]
+
+Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen, der Thron des Chalifats
+war umgestürzt, die Fürsten von Fars und Mossul, von Gross- und
+Klein-Armenien, von Gross- und Klein-Luristan, hatten freiwillig oder
+gezwungen gehuldigt, das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu denen des
+Tigris war der Herrschaft des _Ilchan's_ unterworfen, aber hierdurch der
+Auftrag, welchen der Eroberer Hulagu vom Bruder Kaan erhalten, ganz Asien
+bis an den äussersten Westen zu erobern, nur zur Hälfte erfüllt; noch
+blieb Mesopotamien und Syrien bis nach Aegypten hin zu erobern übrig. In
+dem letzten dieser drei Länder war der Hauptstamm der Herrschaft der
+Ejubiden, welche sich zu Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit
+der der Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung
+gebrochen worden und die Stelle der Herren aus dem Hause Ejub hatten ihre
+Sklaven, die Mamluken, auf dem Throne als Herrscher eingenommen; aber von
+dem hohen und mächtigen Baume dieses grossen Herrschergeschlechtes
+wurzelten noch sieben Zweige im arabischen Irak und in Syrien, vom Jenseits
+der Wüste an, welche Mesopotamien von Syrien, bis zu der, welche Syrien von
+Aegypten trennt, _Miafarakain_ und _Hossnkeif_, bis nach _Damaskus_ und
+_Karak_; inmitten derselben die von _Haleb_, _Hama_ und _Himss_. Wären
+diese sieben Strahlen der Herrschaft in dem Brennpunkte Eines einzigen
+starken Volkes und Muthes vereint gewesen, hätte die sieben Herrscher nur
+das Band aufrichtiger, zusammenwirkender politischer Eintracht verbunden,
+so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber auch immer aufrichtig
+vereinte Macht der Hulagu's wahrscheinlich siegreich widerstanden haben, da
+sogar Einzelne derselben männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht
+und den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang gehemmt;
+aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im Herrscherhause Ejub nur
+unter der ruhmwürdigen Regierung Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von
+ihm gegründete Reich befestigte. Nach seinem Tode war die Macht
+vielgetheilt und durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt, nicht im
+Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer Herrschaft zu
+gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig im Osten und Westen Asien's
+emporgestiegene Herrschaft des Hauses Tschengischan's und Ejub's zeigt im
+hellsten Lichte die Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses und
+Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht, ohne dessen strenge
+Beobachtung die Herrschaft der Mongolen nie zu solcher Macht gediehen wäre.
+Zwar zeigten sich auch schon bald nach Tschengischan's Tode Symptome der
+Uneinigkeit und des Familienzwistes in den Ansprüchen auf die oberste
+Herrschaft, aber das Schwert rottete bei Mengku's Thronbesteigung in dem
+blutigen Sinne der Jasa siebzig Prinzen auf einmal aus, und das Reich erhob
+sich unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai zu einer Ausdehnung von Macht
+und Grösse, dergleichen die Geschichte vor- und nachdem nie gesehen. Erst
+als die Bande der Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der
+Familieneinigkeit sich lockerten, begannen auch die Thronen der
+mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder Uebermacht, wie jetzt
+der mongolischen die Grösse des Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz
+gedrillten Faden der Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu
+gleichzeitigen Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf, wo wir denselben
+im ersten Buche dieser Geschichte verlassen haben.
+
+[Randnote: Die Beni Ejub zu Miafarakain und Hossnkeif.]
+
+Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des Hauses Ejub, welche mit
+seiner Macht in Berührung, von demselben, weil sie widerstanden,
+vernichtet, oder weil sie gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war
+die von _Haleb_, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's herrschten,
+die mächtigste, deren Uebermacht soeben die von Damaskus verschlungen
+hatte. In Mesopotamien, zu Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze
+Syriens, zu _Kerek_, herrschten Abkömmlinge _Melikol-aadil's_ (d. i. des
+gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zu _Hama_ die Nachkommen
+_Schehinschah's_, des Bruders Ssalaheddin's und _Melikol-aadil's_, und zu
+_Himss_ die _Schirkuh's_, des Oheims der drei Brüder. _Melik Nassir Jusuf_,
+der Urenkel Ssalaheddin's, war nach seines Vaters, _Melikol-asis_, Tode
+schon in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche während
+seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter, die Tochter Melikol-aadil's,
+die Frau _Ssaffije_, führte. Seinem Vetter, dem Herrn von Himss, _Manssur
+Ibrahim_, dem Urenkel Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit
+einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem Sturze des
+chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie die Condottieri des
+Mittelalters, Mesopotamien und Syrien durchrannten und ausraubten. Er
+bemächtigte sich ihrer beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's. [RN:
+646/1248] Für den Sohn und Nachfolger Manssur Ibrahim's, _Melikol-eschref
+Musa_, nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, hatte er
+demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und ihm dafür das aus der
+Geschichte der Kreuzzüge bekannte Schloss von _Tell baschir_ gegeben. Im
+folgenden Jahre hatte er wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein
+Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und im Besitze des
+ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb. [RN: 647/1249] Als im nächsten
+Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni Ejub in Aegypten erlosch, luden
+die Emire von Damaskus den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein.
+[RN: 648/1250] Er zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern,
+dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben zwar zuerst bei
+_Abbasa_, ward aber dann geschlagen und floh nach Damaskus zurück. Er zog
+zum zweitenmale aus, und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der
+Jordan die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten Herrscher
+der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt Hulagu's erobernde Macht;
+aber auf dem Wege dahin standen ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's,
+die Herren von Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die
+Festigkeit ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain
+herrschte _Melikol-kjamil_, der Sohn Melikol-Mosaffer's, des dritten der
+drei Söhne Melikol-aadil's, welche nach ihrem Vater Herren dieser festen
+Stadt; der von _Hossnkeif_ war _Melikol Mowwahid_, der Ururenkel
+Melikol-aadil's, aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines Vaters Tod
+den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin
+die Stadt Amid und das Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's
+Enkel Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort die
+Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen, blieb Hossnkeif
+seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge. Die beiden Herren von Hossnkeif und
+Miafarakain waren würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf
+ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer Burgen, dem
+mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten, während ihr mächtiger
+Vetter Nassir von Haleb huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und
+von demselben _Jerligh_ und _Paise_, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen des
+Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, als er das persische Gebiet
+betreten, hatte er heimlich unterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber
+nun bei der Annäherung Hulagu's nach Aegypten.
+
+[Randnote: Aufbruch von Tebris.]
+
+Nach der Eroberung Bagdad's war Hulagu erst gegen Hamadan und von da über
+Meragha nach Tebris gezogen, das von nun an die Hauptstadt von
+_Aserbeidschan_ (dem alten Atropatene), von nun an auch die des neuen
+mongolischen Reichs in Persien und die Residenz des Ilchan's; seitdem
+heisst dieselbe mit dem ganzen Lande umher _Paitachti Hulagu_, d. i. der
+Fuss des Thrones Hulagu's. _Tebris_, d. i. das _warm Rieselnde_, hat seinen
+Namen, der gleichbedeutend mit _Tepliz_, von seinen warmen Quellen; es
+liegt auf der Westseite des Berges _Sehend_ mitten unter üppigen Gärten,
+vom Flusse _Surchab_, d. i. Rothwasser, bespült. Es ist möglich, dass
+_Tebris_ nur eine Verstümmelung des alten, beim Ptolemäus vorkommenden
+_Gabris_; aber alle Quellen arabischer Geschichte nennen als Erbauerin der
+Stadt die Gemahlin Harun Reschid's, seine Base, die grosse Frau _Sobeide_.
+[RN: 175 (791)] Schon neun und dreissig Jahre nach ihrer Erbauung vom
+Erdbeben zerstört, wurde Tebris vom Chalifen Motewekkil wieder erneuert
+[RN: 245 (857)] und zweihundert Jahre später vom Erdbeben gänzlich in
+Schutt gelegt. [RN: 434 (1042)] Der Astronom _Abu Tahir_ von Schiras hatte
+das Erdbeben für die Nacht, wo es stattfand, vorausgesagt und die Einwohner
+der Stadt, dieselbe zu verlassen, ermahnt; Viele beherzigten seine Warnung,
+aber vierzigtausend, welche in den Häusern zurückblieben, wurden unter
+denselben begraben. Der neue Bau ward unter der Leitung des genannten
+berühmten Astronomen im Zeichen des Scorpions begonnen, um dadurch für
+immer die Gefahr gänzlicher Zerstörung durch Erdbeben abzuwenden; »und
+wirklich«, sagt Hamdallah Mestufi, der persische Geschichtschreiber
+Geographe, »haben in den seitdem verflossenen dreihundert Jahren mehrmal
+Erdbeben stattgefunden, ohne der Stadt wesentlich zu schaden, so dass die
+Stadt ihren Ruin nicht mehr von Erdbeben, sondern nur von Ueberschwemmung
+fürchtet«. Zahlreiche, seitdem gegrabene Kanäle und unterirdische
+Wasserleitungen gewähren dem Wasser Abfluss, so dass auch diese Furcht
+verschwunden; der vom Berge Sehend niederströmende kleine Fluss _Mehranrud_
+vertheilt sich in mehr als hundert solcher Kanäle, um die Gärten der Stadt
+zu bewässern; die Waldungen rund um die Stadt sind so dicht, dass, als zu
+Beginn des vorigen Jahrhunderts das osmanische Heer hier den Befehl
+erhielt, dieselben auszuhauen, dreitägige Arbeit der Axt keinen merklichen
+Unterschied hervorbrachte, so dass sie so dicht, wie ehe, schienen. Die
+schöne und fruchtbare Ebene von Tebris, welche sich auf der Westseite der
+Stadt gegen den See von Urmia hinzieht, wetteifert durch üppigen Baumwuchs
+mit den Zauberthälern von _Soghd_, _Damaskus_, _Schaabbewwan_ und mit der
+Ebene von _Mamschanrud_ bei Hamadan um edenischen Ruhm. Die Aepfel, Birnen,
+Aprikosen und vorzüglich die Weinbeeren ohne Kern sind vortrefflich; die
+Einwohner blühender Gesichtsfarbe, gewerbfleissig und auch nicht ohne Muth,
+aber durch Treulosigkeit verschrien. Derohalben ist von ihnen der persische
+Viervers gang und gäbe:
+
+ Als Freund hat Keiner noch Tebrisern je getraut;
+ Die Anderen sind Mark, Tebriser ist nur Haut.
+ Wer in der Freundschaft nicht beständig wird geschaut,
+ Hat, wenn nicht von Tebris, sich dorten angebaut.
+
+Hierauf entgegnete ein Dichter von Tebris:
+
+ Tebris ist Paradies, sein Volk ist spiegelrein.
+ Du sagst, dass sie aufrichtig nicht in Freundschaft sei'n;
+ Wie konntest And'res dir von ihnen bilden ein,
+ Der Spiegel wirft zurück von dir den Widerschein.
+
+Vorzüglich hat sich in der Landschaft Aserbeidschan von jeher
+wissenschaftliches Streben kund gegeben, und schon Abu Tahir sagte:
+Aserbeidschan ist im Osten, was Andalus im Westen, durch philologischen und
+medicinischen Ruhm. Von den grossen Männern und Dichtern, deren Ruhm die
+Stadt verherrlicht, sowie von den grossen Gebäuden derselben, wird unter
+der Regierung Ghasan's, dessen Grabdom noch heute die schönste Ruine der
+Stadt, zu sprechen der Ort sein[327].
+
+[Randnote: Marsch Hulagu's bis Roha.]
+
+Von Tebris, seinem neuen Thronsitze, brach Hulagu Freitags den zwölften
+September gegen Syrien auf. [RN: 22. Ramasan 657/12. September 1259] Vor
+seinem Aufbruche sandte er Botschaft an seinen Vasallen Bedreddin Lulu, den
+Herrn von Mossul, ihn seines hohen Alters willen der persönlichen
+Erscheinung im Felde enthebend, aber dafür die Gegenwart seines Sohnes
+Ssalih fordernd. Dieser erschien und Hulagu belohnte ihn dafür mit der Hand
+einer Tochter des letzten grossen Sultans von Chuareſm, _Dſchelaleddin_.
+Seinen Feldherren _Baidſchu_ und _Schiktur_ übertrug er den Befehl des
+rechten, anderen Emiren den des linken Flügels, er selbst führte das
+Mitteltreffen an. Wir folgen nun seinem Zuge nach den Stationen, deren die
+persischen Geschichten erwähnen, wie wir demselben von Karakorum an bis an
+den Oxus nach den chinesischen Berichten gefolgt sind. Auf der Westseite
+des Ararat, zwischen demselben und Erſerum, südlich von _Hasan Kalaa_,
+erhebt sich das Gebirge _Alatagh_, d. i. der bunte Berg, in welchem
+herrliche Alpenweiden, Jagden und die Hauptquelle des Euphrat's, nämlich
+die des _Muradſsuji_, welcher hier aus mehreren Bächen zusammenströmt[328].
+Hulagu fand so grosses Wohlgefallen an den Weiden von _Alatagh_, dass er
+denselben einen mongolischen Ehrennamen beigelegt[329]. Von hier wandte er
+sich südwärts nach _Achlath_, der auf dem nördlichen Ufer des Sees von Wan,
+gegenüber des Schneegebirgs _Siban_, gelegenen Stadt, die eine uralte,
+schon zu Nuſchirwan's Zeit der Sitz seines Oheims Dschamasb, von den
+Byzantinern Chliat genannt[330], berühmt durch die Grösse seiner Aepfel,
+deren einer bis hundert Drachmen wiegt. Ihren Flor verheerte zuerst der
+Einfall Chuareſmschah's und zwanzig Jahre hernach ein Erdbeben. [RN:
+626/1228] Seid Husein von Achlath, in allen esoterischen Wissenschaften
+tief gelehrt, hatte noch vor dem Einfalle der Mongolen in Persien das
+Unheil Tſchengiſchan's vorausgesagt und war mit zwölftausend Familien nach
+Kairo ausgewandert, wo noch seine Grabstätte und noch das Stadtviertel der
+Achlather das Andenken an diese Ansiedelung bewährt[331]. Die Kurden des
+Stammes _Hakkjari_, welche um Achlath wohnen, wurden vom Heere wie scheues
+Vieh verfolgt und getödtet[332]. Als das Lager zu Diarbekr, beschloss
+Hulagu vor Allem die gänzliche Eroberung Mesopotamiens, um auf dem Marsche
+gegen Syrien den Rücken frei zu behalten. Der Herr von Miafarakain[333],
+Melik Kjamil, hatte nicht nur der Einladung zur Unterwürfigkeit keine Folge
+geleistet, sondern auch einen syrischen Priester, welcher während der
+Belagerung Bagdad's mit einem Jerligh des grossen Kaan's an ihn abgesendet
+worden, gekreuziget[334]. Der Prinz Jaschmut[335] und Suntai Nujan wurden
+die Stadt zu belagern befehligt; den Sohn Bedreddin Lulu's sandte Hulagu
+gegen Amid, das heute unter dem Namen Diarbekr bekannter; er selbst wandte
+sich nach _Roha_, das alte Edeſſa, das sich freundlich ergab; _Harran_ und
+_Niſsibin_ wurden mit Gewalt genommen und verheert; die Einwohner von
+_Serudsch_, die keinen Boten der Unterwürfigkeit gesandt, niedergemacht. Zu
+Roha schlug er sein Winterquartier auf und beschied dahin seine Vasallen,
+Hethum, den König Kleinarmeniens, und die Seldschuken Rum's; auch an
+Nassir, den Sultan von Haleb, sandte er von hier wiederholte Botschaft, ihn
+persönlich in's Lager zu laden; Nassir schickte seiner statt seinen Sohn
+Melikelasis mit reichen Geschenken. Hulagu behielt ihn den ganzen Winter
+hindurch bei sich und sandte ihn erst im nächsten Frühjahre nach Ostern an
+den Vater mit der lakonischen Botschaft zurück: »Nicht dich haben wir
+begehrt, sondern deinen Vater; er komme also, sonst kommen wir zu ihm«.
+König Hethum erschien an der Spitze einer grossen Anzahl gewaffneten
+Gefolges; ein nicht zu verachtender Bundesgenosse, denn er war zwölftausend
+Reiter und vierzigtausend Fussgänger in's Feld zu stellen im Stande[336].
+Hethum setzte dem Eroberer die Annehmlichkeit Haleb's auseinander und bewog
+ihn zu dem Entschlusse (oder bestärkte ihn darin), vor allen anderen
+Städten nach Haleb seine Waffen zu wenden. Den armenischen König scheint zu
+diesem Rathe hauptsächlich das Interesse der Kreuzfahrer und zunächst das
+seines Schwiegersohnes, des Herrschers von Antiochien, des nächsten
+Nachbars Haleb's, bewogen zu haben. Unter die Seldschuken Iseddin und
+Rokneddin wurden die Länder Rum's so vertheilt, dass dieser Herr der Länder
+zwischen Cäsarea und Grossarmenien, jener Herr Kleinasiens bis an's
+mittelländische Meer. [RN: 20. Juli 1259] Von hier aus wurde ein
+Botschafter mit dem berühmten, von Nassireddin mit allem Schmucke
+morgenländischer Rhetorik geschwellten Schreiben an Nassir gesandt, welches
+Wassaf sammt der Antwort gibt, wie folgt:
+
+»Gott, der Ernährer der Himmel und Erden«, so kündet der siegreiche König:
+»Wir haben gelagert vor Bagdad im sechshundert fünf und fünfzigsten Jahre,
+wir haben den Beherrscher gefangen gemacht und ihn ausgefragt, und da er
+bestand mit nichten, war es nöthig, ihn zu vernichten. Er geizte mit seinem
+Gold, und so kam die Sache dahin, wie sie es gesollt; er opferte kostbare
+Seelen den irdischen Lüsten auf, und das war klar aus dem ganzen Verlauf.
+Sie hatten den Lohn ihrer Thaten und der Sagende sagt: Sobald ein Ding
+vollkommen, hat es auch schon abgenommen, aber uns kann noch der Wachsthum
+frommen. Hernach sollen wissen die Fürsten, die siegreichen, _Seifeddin_
+(das Schwert des Glaubens), _Ihn Jaghmur_ und _Alaeddin El-Koscheimri_ und
+die übrigen Emire Syriens und Truppen: Ich bin ein Kämpe Gottes, den er
+erschaffen in seinem Grimme, um ihn loszulassen wider die, denen er zürnet.
+Nehmet euch ein Beispiel an dem, was geschehen, um euch an den Erschlagenen
+zu ersehen. Werdet durch fremden Schaden klug und ergebt euch Uns, ehe der
+Vorhang aufgezogen wird, und ehe wider euch ergehet der Zug. Wir erbarmen
+uns nicht des Weinens und haben kein Mitleiden mit der Klage; Gott hat aus
+Unserem Herzen gerissen die Barmherzigkeit. Wehe! und abermals Wehe! denen,
+die nicht streiten auf Unseren Seiten. Wir haben die Länder verheert mit
+Macht und die Kinder zu Waisen gemacht. Wir haben über die Erde Verderben
+gebracht; an euch ist die Flucht vor Uns, der euch sucht; wo ist die Erde,
+die euch nährte? und das Land, das euch Zufluchtsort gewährte? Ihr werdet
+Unseren Schwertern nicht enteilen, und habet keine Rettung vor Unseren
+Pfeilen; Unsere Pferde sind vorauseilende, Unsere Schwerter
+leiberzertheilende und Unsere Pfeile sicherbetheilende; Unsere harten
+Herzen halten wie Berge Bestand, und die Zahl Unserer Heere ist unzählbar
+wie der Sand. Wer sich Uns ergibt, der findet Heil, und wer wider Uns
+kämpft, dem wird Reue zu Theil. Unser Reich wird von keinem Andern begehrt
+und das Land Unserer Nachbarn wird nicht verheert. Wenn ihr Unsere
+Bedingungen annehmet und zu Unserm Gehorsame euch bequemet, so ist Unsere
+Sache die eurige, und die eurige die Unsere; wenn ihr aber widerstrebt, und
+euch wider Uns erhebt, wenn ihr verharrt als Rebellen, so schmähet hernach
+nur eure Seelen, denn es wird euch am Ende: _was erwerben eure Hände_. Wer
+voraus droht, ist entschuldigt durch die Noth, und wer da warnt, Niemanden
+unbillig umgarnt. Die Schlösser vor Uns werden umgekehrt, und Unsere Heere
+werden vom Kampfe nicht abgewehrt. Euere Bitten werden von Uns weder
+erhört noch angehört, denn ihr habt die Ungerechtigkeit gefressen und den
+Glauben vergessen; ihr habt die Neuerung eingesetzt und das Gemeinwohl
+verletzt; ihr überliesset euch den Lastern und der Passion und es waltet in
+euch der Neid und die Rebellion. Nehmet daher in Betrachtung die Kunde der
+Erniedrigung und Verachtung. _Heut empfangt ihr den Lohn euerer Verachtung,
+weil ihr hochmüthig gewesen auf Erden ohne Wahrheit[337], für euere Laster.
+Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden
+umgewälzt werden._[338] Bei euch ist es ausgemacht, dass wir die
+Ungläubigen, und bei Uns ist es ausgemacht, dass ihr die Lasterhaften. Uns
+hat auf euch losgelassen Er, in dessen Hand die Geschäfte, die geleiteten,
+und die Gebote, die von ewig her bereiteten. Von Uns wird verachtet, wer
+euch dünket ein König, und was euch Viel ist, das däucht Uns Wenig. Wehe
+und Furcht dem, der sich vor Uns gross macht, und Sicherheit und Verzeihung
+dem, der erzittert Unserer Macht. Wir haben die Erde in Besitz genommen im
+Osten und Westen und die Güter der Reichsten und Besten; wir haben sie
+zerstaubt und alle Schiffe geraubt. Unterscheidet mit eurer Vernunft das
+Wahre und Klare, und ihr sollt eilen, uns Antwort zu ertheilen, eh' dass
+die, so ihr unglaubig nennet, euch verbrennet, ehe ihr sehet die Funken,
+ehe ihr unter der Last des Kriegs seid versunken, ehe grosses Unglück bei
+der Hand, und Niemand lösche den Brand; _weisst du, was das sei, flammender
+Brand?_ ehe dass Ehre und Würde von euch schwindet, und ihr weder
+Zufluchtsort noch Schutz findet, und ehe dass der Ausrufer des Verderbens
+auch mit den Worten des Korans ruft: _Ist einer von ihnen zu finden, ist
+von ihnen zu hören der geringste Laut._[339] Wir sind billig gewesen, indem
+Wir euch senden dieses Schreiben zum Lesen. Antwortet darauf, ehe die
+Strafe nimmt ihren Lauf, und ihr unverständig seid. Stellt auf Sternwarten
+euere Beobachtungen an, eh' der Treiber wie Holz zerbricht eueren Plan; und
+wenn ihr leset dieses Schreiben genau, leset zugleich den Anfang der Sura:
+_Nachl_[340], und das Ende der Sura: _Ssad_[341]. Wir haben Perlen des
+Worts ausgestreut, und die Antwort wird zeigen, wie ihr seid. Heil werde zu
+Theil dem, der verdient Heil.«
+
+
+Antwort.
+
+»_Bei Gott ist die Vorsehung. Sag: Gott ist der Besitzer des Reichs, es
+wird gegeben das Reich, wem er will_; es hat uns seine Vorsehung geleitet,
+Lob sei Gott, dem Herrn der Welten, und Gebet und Lob über den Herrn der
+Gottgesandten, den Schlussring der Propheten, Mohammed den Propheten, den
+Ungebildeten[342], und seine ganze Familie. Antwort auf das Schreiben,
+welches kündend gekommen von der Majestät des Ilchan's und der Schwelle des
+Sultan's (Gott wolle dieselbe mit Rechtlichkeit bedräuen und derselben die
+Annahme des Rechten und Wahren verleihen!). Hochdieselben sind, wie sie
+sagen, erschaffen aus Gottes Grimme, überwältigend Alle, über welche ergeht
+seines Zornes Stimme, ohne sich der Klagenden zu erbarmen, oder für die
+Weinenden ein Mitleid zu erwarmen, weil Hochdenselben Gott aus dem Herzen
+gerissen das Erbarmen. Dieses sind schändliche Eigenschaften der Satane und
+nicht der Sultane. Diese Zeugenschaft genügt als Prediger wider euch und
+von eurem selbst beschriebenen Reich abhaltend die Vernünftigen von euch.
+So sagt der Koran: »_O ihr Ungläubigen, ich bete nicht an, was ihr betet
+an!_« Ihr habt euch selbst geflucht durch den Brief, den ihr geschrieben,
+und habet euch selbst mit allen Schändlichkeiten beschrieben, und alle
+Propheten haben Euer erwähnt. Wir haben von euch Kunde seit der Zeit, wo
+ihr erschaffen worden seid; und ihr, die ihr Ungläubige seid, wie ihr
+dessen selbst im Wahne seid, hat Gott in seinem Buch nicht den Drängern
+gegeben den Fluch? Ihr sagt: wir (die Moslimen) hätten Neuerungen gemacht
+und das Gemeinwesen heruntergebracht, den Glauben gebrochen und alle Laster
+verbrochen; das ist kein Wunder. Hat nicht Pharao sich die Rolle des
+Ermahnenden angeeignet und zugleich das Gesetz geläugnet? -- Wir halten
+fest auf der Grundfeste, Uns nicht bekümmernd um die Zweige und Aeste; Wir
+sind die Rechtgläubigen fürwahr! Wir nehmen das Schädliche nicht an und
+legen den Zweifel in Bann. Zu Uns stieg nieder der Koran, und der ewige
+Gott sieht Uns erbarmend an; Wir haben die Sendung des göttlichen Worts
+vergewisst und wissen, wie dasselbe auszulegen ist. Es ward für euch das
+höllische Feuer erschaffen, um eure Hartherzigkeit zu strafen.
+
+ Wann sich spaltet der Himmel,
+ Wann die Sterne sich zerstreuen,
+ Wann sich mischet der Meere Getümmel,
+ Wann die Gräber ihre Todten ausspeien;
+ Dann weiss die Seele, was war und kommen wird.[343]
+
+Wunderbar, wunderbar! mit Schlägen zu dräuen den Leuen, reissenden Thieren
+mit Streichen von Rappieren und Recken mit Stöcken. Unsere Pferde sind
+blitzende, Unsere Bogen ägyptische, Unsere Schwerter jemenische, Unsere
+Schultern festsitzende; Wir sind bekannt zum Bessten in Osten und Westen;
+Unsere Pferde sind Löwen, wenn Wir sie besteigen, und Unsere Reiter
+erreichen den Feind, sobald sie sich zeigen; Unsere Schwerter schneiden,
+wann sie treffen, und Unsere Lanzen zermalmen, wann sie sich senken im
+Treffen; Unser Kürass ist Unsere Haut, Unser Panzer ist Unsere Brust;
+Unsere Herzen werden durch keinen Unfall erbittert und Unsere Versammlung
+keiner Drohung erzittert durch die Kraft des Allgeehrten und
+Alllobenswerthen! Durch Drohungen werden wir nicht erschreckt, durch
+Anrücken des Heeres nicht geschwächt; wenn wir als Empörer auftreten, so
+ist es des Gehorsames Pflicht, und wenn wir tödten, so ist diess ein
+Kapital von Gewicht. Zwischen Unserer Erdenrunde und dem Tode ist nur Eine
+Stunde[344]. Ihr sagt: »Unsere Herzen halten wie die Berge Stand, und
+Unsere Zahl ist unzählbar, wie Sand«. Den Fleischer die Menge der Schafe
+nicht erschreckt, und vieles Holz wird durch einen kleinen Funken in Brand
+gesteckt. Werden Wir denn vor dem Tode fliehen und die Schmach vorziehen?
+Ist es nicht gefehlt, was ihr befehlt? Wir fliehen vor der Schmach und
+laufen lieber dem Tode nach; der Tod in dieser Welt ist, was Uns am meisten
+gefällt; wenn wir leben, sind wir selig, und wenn wir sterben, als Martyrer
+glückselig: _Wird nicht Gottes Verein der überwältigende sein?_[345] Nach
+dem Fürsten der Rechtgläubigen, nach dem Nachfolger des Propheten Gottes,
+des Herrn der Welten, fordert ihr von Uns Gehorsam. Wir horchen euch nicht
+und gehorchen euch nicht. Die Sehnsucht, ihm (dem Propheten) nachzufolgen,
+genügt, um von Uns abzuwehren die Begierden, die schädlichen, und die
+Phantasien, die leeren. -- Ihr begehrt von Uns, dass Wir Uns euch ergeben,
+ehe sich die Decke wird heben, und ehe Wir Uns in die Gefahr begeben. Das
+sind Worte, ungereimt, aus deren Reihung Zweifel keimt. Wenn die Decke
+aufgezogen würde und niedersänke des Looses Bürde, so würde sich's zeigen,
+was grössere Sünde sei, ob der Unglaube nach dem Glauben, ob der Bruch nach
+der Bewährung, ob die Lüge nach der Erklärung, oder Gehorsam geschworen den
+Idolen und die Vermessenheit, sich einen zweiten Gott zu holen: _Ihr habt
+eine unaussprechliche Sache vorgezogen; wenig fehlte, dass die Himmel
+klafften und die Erden sich spalteten und einstürzte der Berge Bogen._[346]
+Sagt eurem Schreiber, der diese und diese Worte angefasst und dieses
+Schreiben verfasst: Wie kurzsichtig ist deine Kürze, wie öde die
+Uebertreibung deiner Rede; dein Schreiben wirkt auf Uns, wie des Thürangels
+Hummen und der Fliegen Summen; du hast des Islams Gnade zu leicht genommen,
+und es wird Gottes Pein über dich kommen; du erachtetest zu erweitern durch
+das Schreiben die Pein und betrachtetest den Briefwechsel und die
+lügnerischen Drohungen als Spielerei'n. Dein Zweck war, in Vorschein zu
+bringen deine Beredtsamkeit und zu zeigen deine Wohlredenheit. Du bist der,
+von dem der Sprechende spricht: _Du hast Etwas im Gedächtnisse behalten,
+aber es fliehen dich der Dinge Gestalten._ Du hast geschrieben den Text:
+_Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden
+umgewälzt werden._[347] Auf dieses Wort kommt die Antwort sofort: _Gottes
+Geschäft ist gekommen, beschleunigt es nicht_, der König _Nassir_ und
+_Jaghmur_ und _Alaeddin Koscheimri_ und die übrigen Emire Syriens achten
+nicht das Feuerschlagen zwischen Kiesel und Stahl, sie erwarten das Wiehern
+der Rosse und das Zusammentreffen im Stosse; sie geloben, sich im heiligen
+Kampf zu erproben, euch den Höllen und dem Abgrund zuzugesellen, euch die
+Haare, welche über die Ohren niederstürzen, mit dem Stahle des Schwertes zu
+kürzen; sie sagen euch Alle: Seid ihr zum Kampf bereit, so sei das eure
+Beredtsamkeit; was braucht es, Verse zu citiren und Histörchen zu
+componiren und Lügen einzustudiren. Wir sind nun im letzten _Ssafer_ und
+Unsere Verheissung kommt (als eine wahre) vom Morgen her. Gott beflügelt
+für den, wen er will, den Sieg. Wir haben diess nicht bloss prosaisch
+geschrieben und sind dabei im Orte der Schmach sitzen geblieben; Wir
+sagten, was zur Hand, und entschuldigen den, der zu schwach zum Widerstand.
+Heil!«
+
+[Randnote: Marsch bis Haleb.]
+
+Nachdem Hulagu den Sommer in Mesopotamien verweilt, trat er erst im Herbste
+des Jahres zwölfhundert neun und fünfzig seinen Marsch nach Syrien an. Auf
+vier Punkten wurden Brücken über den Euphrat geschlagen; diese vier Orte
+sind noch heute die betretensten gewöhnlichen Uebergangspunkte, nämlich zu
+_Malatia_, _Kalaatol Rum_, _Bire_ und _Kirkesia_, alle vier als Uebergänge
+des Euphrats schon aus der römischen und byzantinischen Kriegsgeschichte
+bekannt. _Malatia_, das alte Melitene, _Kalaatol Rum_, d. i. das
+Römerschloss, an der Stelle des alten Zeugma, d. i. der Brückenverband,
+_Bire_, das alte Birtha, und _Kirkesia_, ganz unverändert das alte
+_Kirkesion_. Das erste Blutbad hatte zu _Menbedsch_, dem alten Hierapolis,
+statt, dessen heutiger Name aus dem alten _Bambyce_ verstümmelt; die beiden
+alten Namen enthalten schon statistische und historische Kunde der Stadt,
+die berühmt durch ihre Baumwollpflanzungen und ihre Tempel, besonders den
+der Astarte, der grossen syrischen Göttin, vor welchem sich vereinzelte
+Thürme erhoben, Thürme, die heute _Minarete_, d. i. Leuchtthürme, genannt,
+ursprünglich Phallische Sinnbilder der Zeugung. Von hier aus wurden die
+Castelle am Euphrat, deren Einwohner alle unter dem Schwerte fielen, mit
+Besatzungen versehen, nämlich: die Schlösser _Nedschm_, _Rakka_ und
+_Dschaaber_. _Nedschm_ heisst das Sternschloss; _Rakka_ hat in der
+römischen und griechischen Kriegsgeschichte als Kalinike oder Nicephorium
+schönen Sieg verkündenden Namen, _Dschaaber_ aber in der osmanischen die
+grösste Wichtigkeit, weil hier dreissig Jahre vor dem Uebergange Hulagu's
+über den Euphrat Suleiman, der Grossvater Osman's, des Gründers des
+osmanischen Reichs, als er von Chorasan, vor dem Heere Tschengischan's
+auswandernd, flüchtete, hier bei'm Uebergange über den Euphrat vom steilen
+Ufer in den Fluss stürzte und ertrank, wo seine Grabstätte noch heute unter
+dem Namen des Türkengrabs geehrt wird[348]. Noch im October[349] streiften
+ungeheuere Schaaren bis in die Nachbarschaft von Haleb, wo ihnen Moaasem,
+der Sohn Nassir's, der Urenkel[350] des grossen Ssalaheddin, entgegen kam,
+aber von ihnen geschlagen in die Stadt floh. Abtheilungen des Heeres
+rückten vor _Maarretnaaman_, _Hama_ und _Himss_, welche sich ergaben; die
+Sultane der beiden letzten Städte waren nach Aegypten entflohen, so auch
+_Melik Nassir_, der Sultan von Haleb, welcher sich in das innerste Syrien,
+nach Schaubek und Kerek, gerettet. Damaskus ergab sich gutwillig, aber
+Haleb wurde von Hulagu belagert. Er selbst lagerte vor dem westlichen
+Thore, das nach Antiochien führt, Oroktu Nujan vor dem Thore der Juden,
+Keitbuka Nujan vor dem Thore der Griechen und Sundsche Nujan vor dem
+südlichen Thore von Damaskus. Vor dem Judenthore, das auch Thor der Freude
+heisst, ist ein grosser[351] alter Stein, bei welchem Juden und Christen
+schwören; ausser demselben wallfahrtet der Moslim zu Haleb noch zu zwei
+Stätten Chiser's, des Hüters des Lebensquells, dessen Legende in Syrien mit
+der des heil. Georg zusammengewachsen, und zu zwei Stätten Abraham's,
+dessen Heerden hier gemelket worden sein sollen[352], eine Legende
+entstanden aus der Verstümmelung des alten Namens _Chalybon_ in _Haleb_,
+was auf arabisch Milch heisst. Haleb ist durch seine Früchte, sowie durch
+seinen Handel von jeher berühmt gewesen, durch seine Gurken, Wassermelonen,
+Feigen, Aprikosen, vorzüglich aber durch seine Pistazien, welche der Araber
+die _Tochter des Gedächtnisses_[353] nennt, weil sie gegessen das
+Gedächtniss stärken sollen; als Niederlage indischer Waaren wird Haleb auch
+das kleine Indien genannt.
+
+[Randnote: Eroberung von Haleb und Harim.]
+
+Der Befehlshaber des Schlosses war Moaasem Turanschah, der Sohn Nassir's,
+an welchen die Aufforderung der Mongolen erging: Wir wollen euch Nichts
+Uebles, lautete die Botschaft, wir suchen nur den König Nassir auf, um uns
+zu schlagen; nehmt also zwei mongolische Vögte an, deren einer in der
+Stadt, der andere im Schlosse residire, so lange noch das Kriegsglück
+unentschieden; wenn wir das moslimische Heer geschlagen, seid ihr uns
+ohnedies als Sklaven verfallen; schmiegt euch daher lieber früher als
+später in's Joch; sollten wir besiegt werden, so steht es euch immer frei,
+unsere Vögte hinaus zu werfen, oder wenn ihr lieber wollt, sie zu tödten.
+Moaasem's Antwort war eines Ejubiden würdig: er habe für die Mongolen
+Nichts, als sein blankes Schwert. Auf diese Antwort umzingelten die
+Mongolen die Stadt, besetzten die Brücken, bei deren Vertheidigung
+Esededdin, der Sohn Soheir's, des Sohnes Nassireddin's, fiel. Das Schwert
+wüthete durch fünf Tage, von Sonntag bis Freitag, bis Hulagu's Befehl dem
+Morden Einhalt that; nur sechs Gebäude waren durch besondere
+Sicherheitsbriefe von der allgemeinen Plünderung ausgenommen[354], nämlich
+vier Häuser von Prälaten, das Kloster der Ssofi und die Synagoge der Juden,
+aber weder die griechische noch die syrische Kirche. Während Abulfaradsch,
+der Syrer, welcher die Geschichte dieses Feldzugs als Augenzeuge
+beschrieben, als Abgesandter der Christen an Hulagu im Sternschloss
+aufgehalten ward, drangen die Tataren in die Stadt ein und metzelten die
+Christen nieder, die sich in die griechische Kirche geflüchtet, bis auf
+wenige, welche der armenische Priester Toros rettete[355]. Das Blutbad war
+gross und grösser, als zu Bagdad[356]; die Zahl der in den verschonten
+Gebäuden Geretteten belief sich auf fünfzigtausend[357]; das Schloss ward
+mit Wurfmaschinen beschossen. Die Emire Kurchan, Adschu Sukurdschi und
+Ssadik Gurdschi wurden verwundet. Hulagu beschenkte sie und sagte: Wie die
+rothe Farbe die Schminke der Weiber, so ist die Schminke der Männer das
+Blut[358]. In dem Schlosse wurden Mehrere, als des Einverständnisses mit
+den Mongolen verdächtig, getödtet; über zwei Monate[359] hatte die
+Belagerung gedauert, als der Besatzung freier Abzug gestattet ward. [RN:
+11. Rebiulachir 659/6. April 1261] Die Emire der ägyptischen Mamluken,
+welche sich unter der Besatzung befanden, wurden der Sorge eines
+Kipdschaken empfohlen, welcher vormals bei Nassir, dem Herrn Haleb's,
+Schutz gesucht, von demselben gütig aufgenommen, jedoch, weil es ihm in
+Syrien nicht gefiel, wieder zu den Mongolen übergegangen war. Ausrufer
+verkündeten, dass es den Moslimen erlaubt sei, in ihre Wohnungen
+zurückzukehren, und dass ihnen Niemand Etwas in den Weg legen solle. Hulagu
+ernannte zum Vogte Fachreddin, den Mundschenken, und Tokal Bachschi, liess
+den ersten in der Folge, als sich die Einwohner über seine Erpressungen
+beklagten, hinrichten, und gab die Stelle dem Seineddin Hafis[360]. Nun kam
+Melikol-Eschref Musa, der Herr von Himss, welchem Nassir, wie vordem gesagt
+worden, die väterliche Stadt weggenommen und ihm dafür Telbaschir gegeben
+hatte, und der mit Nassir und dessen Bruder bei Annäherung der Mongolen aus
+Haleb nach Aegypten geflohen, um sich dem Eroberer huldigend zu Füssen zu
+werfen. Hulagu empfing ihn gnädig und setzte ihn in das ihm entrissene
+Fürstenthum von Himss wieder ein; auch erschien Mohijeddin, der Sohn
+Seki's, der Richter von Damaskus, um ihm die Huldigung der Stadt
+darzubringen; Hulagu empfing ihn ehrenvoll und sandte ihn nach Damaskus mit
+goldenen Ehrenkleidern für die Gesetzgelehrten zurück. Er theilte dieselben
+dort in öffentlicher Versammlung aus und las das Jerligh vor, welches ihm
+die Stelle als Richter von Damaskus verlieh[361]. Nachdem Haleb's
+Einrichtung getroffen war, wandte sich Hulagu gegen Harun, welches unter
+dem Namen _Harim_ aus der Geschichte der Kreuzzüge bisher besser als seine
+Lage bekannt, durch mehrere Schlachten berühmt; von den Christen
+eingenommen, von Nureddin belagert und erstürmt, fiel es wieder in der
+Kreuzfahrer Hände, denen es Ssalaheddin entriss[362]. Es liegt zwischen
+Haleb und Antiochien, zwei Tagreisen von jenem und eine von diesem
+entfernt, und ist besonders seiner herrlichen Granatäpfel willen berühmt,
+welche die saftigsten Syriens[363]. Die Besatzung erklärte, sie wolle sich
+an Niemanden als an Fachreddin, den Naib (Stellvertreter des Richters) von
+Haleb, ergeben, welcher, herbeigerufen, ihre Uebergabe im Namen Hulagu's
+empfing; diesen aber wurmte der ihm hierdurch zugefügte Schimpf so sehr,
+dass er trotz des zugesicherten Lebens alle Einwohner mit Weib und Kind
+erwürgen liess. Den Sultan von Himss, Melikol Eschref, sandte er nach Hama,
+dessen Emire, nachdem ihr Sultan Melik Manssur sich nach Damaskus
+geflüchtet hatte, dem Hulagu die Schlüssel der Stadt überbracht und um
+einen mongolischen Vogt gebeten. Er sandte ihnen den Wesir Chosrewschah,
+der seinen Stamm vom Schwerte des Islams von Chalid, dem Sohne Welid's, dem
+berühmten Feldherrn der beiden ersten Chalifen, dem Eroberer Syriens,
+herleitete[364]. Melik Eschref erhielt von Hulagu den Auftrag, die Mauern
+Hama's und die seiner eigenen Stadt Himss zu zerstören. Melikol Eschref
+verfuhr schonungslos zu Hama, wo er die Mauern des Schlosses schleifte, das
+Arsenal verbrannte, die schöne Bibliothek versteigerte und auch die Mauern
+der Stadt gebrochen haben würde, wenn nicht ein Franke dem mongolischen
+Zerstörer, dem Perser Chosrewschah, vorgestellt, dass die Nachbarschaft der
+Christen zu _Hossnol Ekrad_ es nicht rathsam mache, die Stadt ihres Walles
+zu entmanteln. Nicht so genau vollzog Melikol Eschref die Befehle Hulagu's
+in seiner eigenen Stadt Himss, wo er nur Weniges zum Scheine abbrach, sein
+übriges Erbe verschonend[365].
+
+[Randnote: Miafarakain.]
+
+Ehe wir die Erzählung des syrischen Feldzugs weiter verfolgen, wenden wir
+uns nach Mesopotamien zurück, wo Hulagu auf seinem Durchzuge seinen Sohn
+Jaschmut mit einer Heeresabtheilung belagernd vor der Stadt Miafarakain
+gelassen, welche nordöstlich von Diarbekr gelegen. _Miafarakain_, das
+südlich demselben gelegene _Hossnkeif_ und das noch südlichere, am Berge
+_Dschudi_ oder _Masius_ gelegene _Mardin_, das alte _Merde_, drei der
+festesten Horte des arabischen Irak und Gränzfestungen des byzantinischen
+und persischen Reichs, wollen ihrer Wichtigkeit wegen vom Leser dieser
+Geschichte näher gekannt sein. Das erste, auf armenisch _Nefrgerd_, auf
+griechisch die _Stadt der Martyrer_ geheissen, ist vielleicht das alte
+_Carcatiocerta_, welche die Hauptstadt _Sophiene's_, wie Miafarakain die
+Hauptstadt des Landes Bekr's war[366]; sie liegt am dritten Gränzflusse des
+byzantinischen und persischen Reichs, am Nymphius, der heute der Goldfluss
+heisst[367] und nördlich der Stadt aus einer Quelle entspringt, welche die
+Quelle _Bekr's_ heisst[368]. Die orientalischen Geographen nennen nur ein
+einziges Denkmal der Stadt, aber dieses einzige macht viele andere zum
+Ruhme der Stadt überflüssig und leuchtet hell hervor aus dem Dunkel
+unbekannter Martyrer, von denen die Stadt den armenischen und griechischen
+Namen hat; es ist das Grabmal _Seifeddewlet's_, d. i. des Reichsschwerts,
+des grossen Fürsten der Beni Hamdan, dessen zahlreiche glückliche und
+unglückliche Kämpfe gegen das byzantinische Reich, dessen Kriegsthaten in
+Asien von Haleb bis an die Ufer des Bosporos die Geschichte erzählt und
+Motenebbi in unsterblichem Gedichte verherrlicht hat. Hier ist das
+eigentliche Land Bekr's, von welchem die spätere Hauptstadt desselben, Amid
+oder Diarbekr, den heutigen Namen trägt. Ursprünglich der Sitz des Stammes
+_Bekr Ben Wail_, dann der Könige von _Kinde_, aus welchen _Amrolkai's_,
+einer der sieben grössten Dichter vor Mohammed, um des von den Beni Esed
+erschlagenen Vaters Tod zu rächen, Bundesgenosse des griechischen Kaisers,
+zuletzt von seinen Feinden im Bade mittels vergifteten Kleides getödtet.
+Nach der Eroberung unter dem Chalifate Omar's herrschten hier die Dynastien
+der _Beni Merwan_ und _Beni Ortok_, und als Hulagu's Heer vor Miafarakain
+belagernd erschien, war dasselbe seit siebzig Jahren in den Händen eines
+Zweiges der Beni Ejub, deren vierter Herrscher, Melikol Kjamil, durch die
+Hinrichtung des Gesandten und durch die Verweigerung der Unterwerfung unter
+die Macht des Kaan's und Ilchan's gesichert. Als Prinz Jaschmut mit den
+beiden ihm untergebenen Feldherren, _Ilkai Nujan_ und _Suntai_, zur
+Uebergabe aufforderte, antwortete er: der Prinz möge nicht kaltes Eisen
+schmieden und Unmögliches nicht erwarten. Ist er nicht der Sohn des Vaters,
+der dem Chorschah (dem Fürsten der Assassinen), dem Chalifen von Bagdad,
+dem Hosameddin Aka (dem Befehlshaber von Deriteng) und dessen Sohne
+Tadscheddin (dem Befehlshaber von Irbil) das gegebene Wort gebrochen[369]
+und sie trotz des gewährten sicheren Geleites getödtet hat? Da mich
+gleiches Loos erwarten würde, wie sie, will ich mich bis auf den letzten
+Odemzug vertheidigen. Er öffnete seine Schätze und Magazine der Besatzung
+und sagte ihnen: Theilt euch darein, denn ich bin nicht, Gott sei Dank! der
+Chalife Moteaassim, dessen Geiz die Ursache von Bagdads Ruin. Wurfmaschinen
+wurden wider Wurfmaschinen aufgepflanzt und zwar mit so grosser Genauigkeit
+der Richtung der einen gegen die andere, dass die geschleuderten
+Felsenstücke mehrmals in der Luft zusammenstiessen und, durch den
+Zusammenstoss zerschmettert, als Kies und Sand herunterregneten. Endlich
+gelang es den Belagerten, die Wurfmaschinen der Belagerer mittels
+geschleuderten Naphtafeuers zu verbrennen.
+
+[Randnote: Eroberung von Miafarakain und Hossnkeif.]
+
+Hulagu, von dem Widerstande Miafarakain's unterrichtet, sandte den Oroktu
+mit dem Befehle, dass der Prinz und das Heer so lange weile, bis die Stadt
+durch Hunger zur Uebergabe gezwungen seyn würde. Dieser Zeitpunkt trat
+ein; einen ganzen Monat lang schon ass die Besatzung nichts als Hunde,
+Katzen, Mäuse und Ratten, zuletzt Leichname der Erschlagenen. Da schrieben
+die wenigen, noch vom Tode Verschonten an Jaschmut: »Die Lebensmittel sind
+ausgegangen und die Stadt ist ihrer Vertheidiger entblösst; wenn jetzt die
+Reiter kommen, werden sie keinen Widerstand finden.« Der Prinz sandte den
+Oroktu, und dieser fand nur siebzig halb verhungerte, halb durch Wunden
+verstümmelte Männer, die sich nicht mehr vertheidigen konnten; nur zwei
+Reiter, die während der ganzen Belagerung in wiederholten Ausfällen Wunder
+der Tapferkeit gethan, kämpften auch nun mit vorgehaltenen Schilden gegen
+der Feinde Uebermacht, bis sie derselben erlagen. Melik Kjamil wurde mit
+seinem Bruder an Hulagu gesandt, der damals zu Tellbaschir (das Turbeysel
+der Kreuzfahrer in der Nähe von Haleb); Hulagu überhäufte ihn mit Vorwürfen
+über seinen Undank und seine Treulosigkeit, dass er den Gesandten des
+Kaan's, der ihm Diplom und Löwenkopf gesandt, getödtet. Er befahl, ihm
+Riemen Fleisches aus dem Leib zu schneiden und in den Mund zu stecken; der
+abgeschnittene Kopf wurde als Trophäe in den syrischen Städten zu Haleb,
+Hama und Damaskus unter Musik herumgetragen und in der letzten Stadt an
+einem Fenster des Stadtthores, welches das Thor des Paradieses heisst,
+aufgehängt[370], erst nach Abzug der Mongolen in dem Grabmale Husein's
+beigesetzt. [RN: 7. Dschem. ewwel 658/21. April 1260] Der Scheich
+Schihabeddin, als Dichter unter dem Namen _Abu Schama_, d. i. Vater des
+Muttermaals, berühmt, beweinte dessen Tod in einer berühmten Kassidet,
+woraus die Verse:
+
+ Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren,
+ Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren;
+ Hellstrahlend und erhaben in Gefahren,
+ Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren.
+ Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren,
+ Womit auch das _Husein's_ ward gefahren;
+ Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren;
+ Im Leben und im Tode gleich Verfahren.
+
+Gleiches Schicksal mit dem Fürsten von Miafarakain hatte sein Vetter
+Mowwahid, der Sohn Turanschah's, des letzten Sultans der Beni Ejub in
+Aegypten, der Herr des festen Schlosses von _Hossnkeif_, welches zur selben
+Zeit wie Miafarakain fiel und dessen Fürst ebenfalls von den Mongolen
+getödtet ward. _Hossnkeif_ oder _Hissnkeifa_, von den Byzantinern das
+Schloss des _Kiphas_ genannt[371], liegt auf dem westlichen Ufer des
+Tigris, auf dem Wege von Miafarakain nach Mossul[372]. Die Stadt hängt mit
+dem auf einem hohen Berge gelegenen Schlosse mittels einer Brücke zusammen;
+bevor dasselbe der ejubidische Emir Merd Mahmare befestigte, hiess es bei
+den Arabern _Rasol Ghul_, d. i. das Dämonenhaupt, weil es, wie im Sternbild
+des Perseus das Haupt der Gorgone, welches der Araber ebenfalls
+_Dämonenhaupt_ nennt, fürchterlich und hoch vom Himmel herunterdroht. Nach
+der arabischen Legende soll der Name Hossn oder Hissn Keifa ursprünglich
+_Hasan Keifa_ gelautet haben, und zwar aus folgendem Anlasse: Ein Wackerer,
+Namens Hasan, im Schlosse gefangen gehalten, erbat sich beim Emire eines
+Tages die Erlaubniss, eine seiner Stuten auf dem Schlosshofe zu tummeln;
+die Erlaubniss wurde gewährt; Hasan tummelte und tummelte das Pferd und
+setzte damit zuletzt in toddrohendem Sprunge über die Mauer, mit dem Pferd
+hinunterstürzend in den Tigris, den er glücklich durchschwamm. Da erscholl
+der Zuruf der Bewunderung solcher Tollkühnheit: _Hasan Keifa!_ d. i. Hasan
+Wohlauf! und der Name blieb dem Schloss. Vielleicht ist es dasselbe mit dem
+alten persischen _Schlosse der Vergessenheit_, worin Prinzen und andere
+Staatsgefangene zu ewiger Vergessenheit eingekerkert worden, und dessen die
+byzantinischen Geschichtschreiber mehrmals erwähnen[373]; da aber jenes auf
+persisch _Gilgerd_[374] genannt wird, so ist es weit wahrscheinlicher, dass
+dasselbe eins mit einem der festesten Schlösser der Assassinen, mit
+_Girdkjuh_, dem _Tigado_ Hethum's[375], das länger als alle anderen
+aushielt[376].
+
+[Randnote: Mardin's Belagerung.]
+
+Nach Miafarakain's und Hossnkeif's Eroberung befehligte Hulagu seinen Sohn
+Jaschmut und die ihm beigegebenen Emire wider Mardin, die Residenz Melik
+Said's, des Fürsten der Familie Ortok, von denen die ältere Linie zu Amid
+und auch zu Hossnkeif geherrscht, ehe das letzte in den Besitz der Ejubiden
+kam. Mardin ist das alte Marde, der Sitz des kriegerischen, störrigen
+Stammes der Marden, welche der persische König _Arsaces_ theils hierher,
+theils nach dem Libanon verpflanzte, deren Wohnsitze sich später bis nach
+Satalia an der cilicischen Küste ausdehnten[377] und deren Nachkommen, im
+Peloponnesos angesiedelt, noch heute in dem tapfersten Stamme der Schipetar
+oder Albanesen in den Mirdaiten fortleben. Der Berg _Masius_, sogenannt von
+seinen Eichenwäldern [auf persisch Masu[378]], ehemals _Izale_, dann von
+den Arabern Dschudi genannt, ist eine Raubhöhle der verschiedenartigsten
+Stämme und Secten, welche zu verschiedenen Zeiten die Freiheit ihres
+verfolgten Cultus in die Eichenwälder und Schluchten dieses Berges
+gerettet, an dessen steilstem Ende nach der moslimischen Ueberlieferung die
+Arche Noah's sitzen geblieben und von wo aus er mit seinen Söhnen in die
+Ebene Mesopotamiens heruntergestiegen sein soll. Sunni und Schii,
+katholische und schismatische Armenier, Jacobiten, Nestorianer, Chaldäer
+und Juden, Sonne-, Feuer-, Kalbs- und Teufelsverehrer wohnen hier einander
+über den Köpfen; denn die Stadt steigt in Terrassen auf und die Häuser
+stehen alle eines ober dem anderen, so dass Dächer und Thore in einer
+senkrechten Linie sich übereinander erheben; die zahlreichste Bevölkerung
+Kurden, Jesidi, welche dem Teufel göttliche Ehre erweisen, wahrscheinlich
+Nachkommen der Marden, welche vermuthlich zur altpersischen Secte gehörten,
+die das böse Princip anbetete. Wenn irgendwo in Asien noch Spuren der
+Ungarn anzutreffen sein sollen, so dürften dieselben ausser Sibirien noch
+in den Eichenwäldern des Masius in dem Volksgemische der Umgegend zu suchen
+sein, denn hierherum kennt Theophylaktus das Schloss der _Magyaren_ und den
+Pass der _Sabiren_, welche die Namen der Ungarn, die bei dem Auszuge aus
+dem Lande zwischen der Wolga und dem Dniepr sich südlich nach Persien
+wandten[379]. Melik Said, Fürst der Familie Ortok, beantwortete mit
+gleichem Muthe und in gleichem Sinne, wie die Herren von Miafarakain und
+Hossnkeif, die Aufforderung Jaschmut's: »Ich hatte den Sinn, mich euch zu
+unterwerfen, aber die Art, wie ihr die, so sich euch ergaben, behandelt,
+hat meinen Sinn geändert; an lobenswerthen, an tapferen Kurden und Türken
+fehlt es mir, Gott sei Dank! nicht.« Oroktu pflanzte also die Wurfmaschinen
+auf, welche acht Monate fruchtlos die steile Bergfeste beschossen. Die
+Mongolen rächten sich für den tapferen Widerstand des Schlosses durch die
+Plünderung der Stadt und der nächstgelegenen Städte Ersen und Dinsar. Der
+ältere der beiden Söhne Said's, Mosafereddin, hatte zu wiederholtenmalen
+dem Vater fruchtlose Vorstellungen wider die längere Vertheidigung gemacht;
+endlich räumte er dessen längeren Widerstand durch Gift aus dem Wege und
+begab sich in's Lager, sich selbst als Vatermörder aus Menschenliebe
+angebend, weil er überzeugt, dass das Schloss doch endlich der Uebermacht
+der Eroberer weichen müsse, durch den Tod des Einen das Leben von Tausend
+habe bewirken wollen. Der Vatermörder fand Gnade vor Hulagu, der ihm des
+Vaters Herrschaft verlieh; seine Nachkommen erhielten dieselbe als zahme
+Vasallen der Ilchane. Hundert dreissig Jahre nach dieser Unterwerfung
+trotzte Sultan Isa, der letzte des grossen Herrschergeschlechtes der Beni
+Ortok, noch den welterobernden Waffen Timur's, der von den fruchtlos
+Belagerten die gewöhnliche Neunzahl der Geschenke und das Versprechen
+jährlichen Tributs annahm[380]. Die Dynastie der Beni Ortok erlosch fast
+gleichzeitig mit der der Beni Ejub zu Hossnkeif, wo nach Mowwahid's
+Hinrichtung dessen Nachkommen das Schloss ebenfalls als Vasallen der
+Mongolen besassen, bis der achte derselben der aufsteigenden Dynastie der
+Bajandere, d. i. des weissen Hammels, erlag, deren Gründer _Kara Juluk_,
+d. i. der schwarze Blutegel, von Timur mit der Herrschaft von Amid und
+Mardin belehnt ward[381]. Zwei der Zweige der Beni Ejub wurden also als
+Vasallen der Mongolen zu _Hossnkeif_ und _Himss_ geduldet, während die
+Dynastien der beiden anderen von _Miafarakain_ und _Haleb_ mit ihren
+Hauptstädten zu Grunde gingen. Ehe wir das Ende des mächtigsten dieser
+Fürsten, nämlich Nassir's von Haleb, als Folge der Niederlage von
+_Aindschalut_ erzählen, erwähnen wir noch einmal des Fürsten von Mossul.
+
+[Randnote: Ssalih's, des Sohnes Bedreddin Lulu's, Empfang und Ende.]
+
+Bedreddin Lulu, der sechs und neunzigjährige[382] Greis, der vierzigjährige
+Herrscher von Mossul, welchen Hulagu in Anbetracht seines hohen Alters der
+Pflicht, im letzten Feldzuge persönlich zu erscheinen, enthoben und seiner
+statt seinem ältesten Sohn Ssalih der Belagerung Miafarakain's beizuwohnen,
+aufgetragen hatte, war während derselben gestorben. Bedreddin Lulu, d. i.
+Vollmond-Perle, erst Sklave des sechzehnten Atabegen von Mossul, dann
+Obersthofmeister von dessen beiden Söhnen Mesud und Mahmud, eignete sich,
+nachdem sie bald auf einander gestorben, den Thron selbst an und mass seine
+Macht mit der der Fürsten aus dem Hause Ejub; zuerst mit Ssalih
+Nedschmeddin, dem Sohne Kjamil's, dem Herrn von Sindschar, das er zweimal
+belagerte; das erstemal war er durch das dem Sultan zu Hilfe eilende Heer
+Chuaresmschah's die Belagerung aufzuheben gezwungen; das zweitemal aber
+entriss er die Stadt dem Enkel Melikol aadil's, _Dschewad_; hierauf die
+festen Städte _Nissibin_ und _Dara_ den Händen der Chuaresmier, den Sohn
+Melik Ssalih's, den nachmaligen letzten Herrscher der Beni Ejub in
+Aegypten, aus der Gefangenschaft der Chuaresmier befreiend. [RN: 637/1239]
+Zehn Jahre hernach wurden ihm diese Städte von dem wider ihn gesandten
+Heere Nassir's von Haleb wieder abgenommen[383]. Seiner Unterwürfigkeit und
+Huldigung gegen Hulagu ist schon oben Erwähnung geschehen. Nach seinem Tode
+wurden seine drei Söhne, Ssalih, Mosaffer Ali und Melik Modschahid, von
+Bondokdar, dem Sultane Aegyptens, mit den Fürstenthümern von _Mossul_,
+_Sindschar_ und _Dschesiret Ben Omar_ belehnt. Ssalih wurde in's Lager
+gefordert und die Tochter Dschelaleddin Chuaresmschah's, welche ihm Hulagu
+früher vermählt, wurde zur Huldigung nach Syrien gefordert; dort nahm sich
+seiner Rokneddin Beidak an; aber Hulagu sandte den Senedarghun Nujan mit
+einem Tomane mongolischen Heeres, um Mossul zu besetzen und die Schätze
+auszuliefern. Als Ssalih in seine Stadt zurückeilte, fand er alle Wege von
+Mongolen besetzt; er verweilte zu _Dschewsak_, wo ihn die mongolische
+Schlachttrompete aus weichlichem Wohlleben aufschreckte; da eilte er nach
+Mossul und rüstete die Stadt zur Verteidigung wider die Mongolen, die
+Einwohner mit der Hoffnung tröstend, dass sein Beschützer, _Beidak_ der
+Syrer[384], bald zum Entsatze erscheinen werde. Von beiden Seiten flogen
+Felsenstücke und feuerbeschwingte Pfeile; mehrere wackere Mongolen, welche
+bereits die Mauern erstiegen hatten, wurden getödtet und ihre Köpfe in's
+mongolische Lager gepfeilt. Melik Ssalih, von einem Pfeile verwundet, eilte
+in's Lager zu Hulagu, um ihm von dieser halsstarrigen Empörung Ssalih's
+Kunde zu geben. Beidak, von der üblen Lage seines Schützlings unterrichtet,
+sandte ihm Truppen zu Hilfe, die von Sindschar aus durch Taubenpost von
+ihrer nächsten Ankunft Wort sandten. Die Taube ward von einem Mongolen
+geschossen, der Brief dem _Senedarghun Nujan_ gebracht. Er legte sich in
+Hinterhalt, schlug die von Beidak zu Hilfe gesandten syrischen Truppen und
+steckte die Mongolen in ihre erbeuteten Kleider; unter dieser Verlarvung
+erschienen sie vor den Mauern Mossul's, dessen Einwohner, sie für den
+syrischen Entsatz haltend, ihnen entgegen gingen, aber alle niedergemacht
+wurden; dennoch hielt sich die Stadt noch sechs Monate, bis die Sonne in
+ihrer höchsten Hitze, im Löwen, und die Hungersnoth in der Stadt aufs
+Höchste gestiegen. Da verliessen die Vertheidiger Mossul's, durch Hunger
+gezwungen, die Stadt und wurden vom Schwerte der Mongolen gefressen. Ssalih
+unterhandelte nun die Uebergabe um Schonung des Lebens und sicheres Geleite
+an Hulagu. Senedarghun[385] verhiess und gewährte beides, aber nur der
+Person Ssalih's, denn die Besatzung wurde bis auf Wenige zusammengehauen.
+Neun Tage dauerte das Morden, die Stadt ward entvölkert, nur nach Abzug der
+Mongolen kamen etwa Tausend, die sich in's Gebirg gerettet hatten, wieder
+in die Stadt zurück. [RN: 5. Schaaban 660/27. Januar 1262] Hulagu war über
+Ssalih's Empörung so ergrimmt, dass er an demselben ein Beispiel mehr als
+gewöhnlicher, ekelhafter, unmenschlicher Grausamkeit aufstellte; er wurde,
+das Gesicht auf die Schaam gebunden, in einen Filz gewickelt und in die
+Sonne geworfen; so musste er elend verschmachten; sein dreijähriger Sohn
+wurde nach Mossul gesendet, am Ufer des Tigris entzweigehauen und die zwei
+Hälften auf den beiden Seiten des Flusses aufgehangen, bis sie verfault,
+abfielen. Solche echt mongolische Grausamkeit schändet den Ruhm Hulagu's,
+welchem sein Volk den Ehrennamen _Ssain Adschu_, d. i. der
+Schwierigkeitenlöser, beilegte, welcher mit seinen Söhnen für das
+_Hemd_[386] des mongolischen Reichs galt, während alle anderen Prinzen nur
+als Oberkleider[387] angesehen wurden.
+
+[Randnote: Hulagu's Aufbruch von Haleb, Keitbuka zu Damaskus.]
+
+Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus, mit den Plänen
+weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt, zu Haleb, als er die Nachricht
+von dem Tode seines Bruders, des grossen Kaan's Mengku, erhielt. Er brach
+sogleich auf, wie es scheint in der Absicht, die oberste Herrschaft des
+Reichs im Kurultai zu Karakorum für sich selbst anzusprechen, erfuhr aber
+schon zu Tebris, dass sein Bruder Kubilai zum _Kaan_ und _Moilchan_
+ausgerufen worden, und kehrte in der Folge wieder nach Haleb zurück. Ehe er
+Haleb verlassen, befahl er die Schleifung der Mauern und des Schlosses von
+Haleb, was vollzogen ward; den Oberbefehl über das Heer liess er in den
+Händen Keitbuka's, des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im
+zauberischen Thale von _Ghuta_ gelagert, welches durch die üppige Fülle
+seines Grüns und Baumwuchses eines der vier Paradiese des Ostens (die drei
+anderen sind die Auen von _Obolla_ an der Mündung des Euphrats, das
+Zauberthal _Schaab Bewwan_ in Fars und die Ebene von _Soghd_ im Lande
+jenseits des Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die Paradiese des
+Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen und eifrige Moslimen
+deren acht, indem nach der Lehre des Koran's die Zahl der Höllen sieben,
+die der Paradiese aber acht, indem Gottes Grimm minder als seine Huld und
+jenseits wie diesseits verdiente Strafe von unverdienter Gnade überwogen
+wird. Diese vier anderen Paradiese sind das Thal von _Tebris_[388], das von
+_Mamschanrud zu Hamadan_, der Sommeraufenthalt der Bewohner Malatia's zu
+_Sebusi_[389], dem vom Flusse des Messias bewässerten Thale, und endlich
+das des _Bosporos_, dessen Schönheiten nach dem bekannten Distichon des
+türkischen Dichters _Melhemi_ die Schönheiten der vier ersten Paradiese
+weichen müssen[390]. Im schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka
+Gesandte der Franken, welche ihm den Prinzen _Sahir_, den Bruder Jusuf
+Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb, zuführten. Keitbuka bestätigte
+ihn im Besitze seines Leibgedinges, nämlich der Herrschaft von
+_Ssarchad_[391]; eine Heeresabtheilung wurde unter Kuschluchan's Befehl
+gegen Nablus (Neapolis) gesandt, das alte, zwischen den Bergen _Garazin_
+und _Tobal_, welche die Kibla der Samaritaner, gelegene _Sichem_[392], und
+die Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen. Die Mongolen kehrten das
+grosse syrische Gestade bis hinunter nach Ghasa sengend und brennend aus.
+_Panias_[393], die anderthalb Tagreise nordöstlich von Damaskus gelegene
+kleine Stadt, wurde verheert. Während dieser Begebenheiten ward Keitbuka
+Herr von Nassir's, des flüchtigen Sultan's von Haleb, Person. Nur von
+seinem Bruder Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des Herrn von
+Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen) Emiren (gebornen
+Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach Kathije an Aegyptens Gränze
+gekommen, von wo, sich nicht weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und,
+alles seines Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nach _Kerek_ und von da
+nach _Belka_ begab. Durch zwei kurdische Hellebardiere an Keitbuka
+verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen und vor Keitbuka geführt, der
+belagernd vor _Adschalun's_ Mauern stand. Keitbuka zwang ihn, den
+Belagerten den Befehl der Uebergabe zuzurufen; die Stadt ergab sich und die
+Mauern derselben, welche Iseddin, einer der Emire Ssalaheddin's,
+erbaut[394], wurden geschleift. Keitbuka sandte den Sultan Nassir mit
+seinem Bruder _Sahir_, mit _Ssalih_, dem Sohne des Sultans von Himss, und
+mit _Asis_, dem minderjährigen Sohne von Moghis, dem Sultan von Kerek, nach
+Tebris in die Gegenwart Hulagu's. Dieser empfing die vier Prinzen des
+Hauses Ejub gnädig und versprach dem Sultan von Haleb, ihm sein väterliches
+Erbe zurückzustellen, sobald Aegypten im Besitze des mongolischen Heeres.
+
+[Randnote: Keitbuka's Stellung gegen die Kreuzfahrer in Aegypten.]
+
+Wiewohl Keitbuka wie Hulagu die Christen als die Feinde seiner Feinde, der
+Moslimen, begünstigte, so ergrimmte er doch wider die Franken von Sidon und
+Beaufort, welche einige den Mongolen zinsbare, im Gebiete von Beaufort
+gelegene saracenische Ortschaften geplündert, mehrere der Bewohner
+getödtet, andere in Gefangenschaft geschleppt, einen Neffen Keitbuka's,
+welcher an sie gesendet worden, um die gemachte Beute zurückzubegehren,
+erschlagen hatten und dem Keitbuka Zurückstellung der Beute und Genugthuung
+verweigerten. Keitbuka züchtigte sie dafür durch die Eroberung von Sidon
+und die Schleifung eines Theiles der Stadtmauer. Die Einwohner flüchteten
+in die nächst der Stadt auf einer Insel gelegene Burg. Durch diese
+Feindseligkeit wurde das bisherige Zutrauen der syrischen Christen und
+Mongolen für immer zerstört[395]. Die politische Zuneigung Hulagu's für die
+Christen ward hauptsächlich durch die Frauen, durch die Frau Tokus, die
+erste Gemahlin und grosse Frau Hulagu's, seine Begleiterin auf diesem
+Feldzuge, und durch Hethum, den König Kleinarmeniens, bestärkt. Diesem
+dankte sein Eidam, der Prinz von Antiochien, einzig seine Rettung, indem
+sonst nach Haleb's Ruin der Antiochien's wohl unvermeidlich gewesen wäre.
+Hulagu sandte ihm aber Geschenke und Diplom, wodurch der Fürst von
+Antiochien wieder in den Besitz aller, zu seinem Fürstenthume gehörigen,
+ihm von den Saracenen entrissenen Ortschaften eingesetzt ward[396]. Der
+grössere Theil des mongolischen Heeres war theils in Mesopotamien, mit der
+Belagerung oder Huth der dortigen Städte beschäftigt, theils in Syrien zu
+Grunde gegangen, theils dem Hulagu bei seinem Aufbruche von Haleb gefolgt;
+Keitbuka blieb mit nicht mehr als zehntausend Mongolen zur Eroberung
+Aegyptens oder doch wenigstens zur Huth Syriens wider Aegypten zurück[397].
+Keitbuka war zu Damaskus auf die Vertheidigung und den Schutz Syriens
+bedacht, als er die Nachricht von dem Anmarsche des Sultans von Aegypten,
+_Mois Seifeddin Kotos_, erhielt, in dessen Gefolge sich _Melik el Manssur_,
+der Sultan von Hama, mit seinem Enkel _Efdhal_, dem Vater Abulfeda's, des
+grossen Geographen, Geschichtschreibers, und andere moslimische Fürsten
+befanden, welche sich bei der Annäherung der Mongolen nach Aegypten
+geflüchtet und bei dem Sultane der Mamluken vom Nile den Schutz gesucht,
+den ihnen ihre Uneinigkeit wider die Mongolen nicht gewährte. _Kotos_, der
+erst seit einem halben Jahre auf dem Throne sass, war der dritte der
+Sultane Mamluken, welche denselben seit dem, der Gefangenschaft des
+heiligen Ludwig gleichzeitigen, Ruine des Hauses Ejub gefüllt; denn nachdem
+Melikolmoaasem Turanschah in dem Aufruhre der Mamluken zwischen Gluth und
+Fluth, halb versengt und halb ertränkt[398], endlich von den Pfeilen der
+Rebellen ereilt, geendet hatte, war die Herrschaft Aegyptens erst in den
+Händen der Frau _Schedschreteddurr_, d. i. Perlenbaum, der Gemahlin
+Ssalih's, des vorletzten Sultans der Beni Ejub, und ihres Gemahls, des
+Turkmanen _Iseddin Aibek Dschaschnegir_, d. i. Glaubensehre, Mondfürst,
+Truchsess, den sie aber selbst durch ihre Sklavinnen im Bade ersticken
+liess, als sie vernommen, dass er die Tochter Bedreddin Lulu's von Mossul
+zur Gemahlin nehmen wolle. Seine Mamluken setzten dessen fünfzehnjährigen
+Sohn auf den Thron und rächten des Vaters Mord durch den der Frau
+Perlenbaum, deren Leichnam aus der rothen Burg[399], in der sie
+unumschränkt befahl, hervorgezogen, nackt in den Graben geworfen ward. An
+der Spitze der Bluträcher stand der Emir Atabeg, Oberbefehlshaber des
+Heeres Seifeddin Kotos, welcher unter dem scheinbaren Grunde, dass der
+Mongolen drohende Gefahr statt des unerfahrenen Jünglings einen kräftigen
+Mann zum Herrscher Aegyptens dringend fordere, den Sohn Aibek's schon nach
+dritthalb Jahren des Thrones, worauf er ihn gesetzt, entsetzte und diesen
+selbst als Sultan Aegyptens einnahm.
+
+[Randnote: Begebenheiten zu Damaskus; Mord der mongolischen Botschafter zu
+Kairo.]
+
+Am dritten Sonntage des Monats Ssafer waren die Abgeordneten Hulagu's, vom
+Richter _Muhijeddin Ben Seki_ begleitet, angekommen, welcher sich nach
+Haleb begeben hatte und dort von Hulagu zum Oberrichter ganz Syriens
+ernannt worden war. [RN: 19. Ssafer 658] Am folgenden Morgen versammelten
+sich die Bewohner ohne Furcht in der grossen Moschee; _Ibn Seki_, mit dem
+Ehrenkleide Hulagu's angethan, las den versammelten Rechtsgelehrten das
+Diplom der Investitur (_Taklid_) des mongolischen Herrschers und die
+Fermane, wodurch den Bewohnern von Damaskus Sicherheit ihres Lebens und
+Gutes versprochen ward. [RN: 16. Reb. ewwel 658/3. März 1260] In der Hälfte
+des folgenden Monates waren die Generale Hulagu's an der Spitze einer
+zahlreichen Truppenabtheilung von Tataren im Geleite _Keitbugha Nujan's_
+erschienen und bald darauf wurde durch ein Diplom der Richter _Kemaleddin
+Omer_ von Tiflis zum Stellvertreter der richterlichen Gewalt
+(_Naibol-hukm_) ernannt, so dass er als Richter der Richter in den Städten
+Syriens zu Mossul, Mardin und Miafarakain Recht sprach. Dasselbe Diplom
+verlieh ihm die Aufsicht der Moscheen und der frommen Stiftungen. Die
+Tataren hatten indessen ganz Syrien überschwemmt; sie waren bis _Ghasa_,
+_Beit_, _Dschibrail_, _Hebron_ und _Ssalt_ vorgedrungen, hatten überall
+geplündert und Sklaven gemacht und verkauften die Beute auf den Märkten von
+Damaskus[400]. Die Christen von Damaskus, welche einen besonderen
+Schutzbefehl Hulagu's zu Gunsten freier Religionsübung erhalten hatten,
+übernahmen sich in der ihnen zugestandenen Freiheit gegen die Moslimen,
+indem sie im Ramasan öffentlich auf den Gassen Wein tranken und denselben
+vor den Moscheen ausschütteten; sie zogen mit dem Kreuze durch die Strassen
+und zwangen die Kaufleute, demselben aufzustehen, die sich dessen
+Weigernden misshandelnd; Prozessionen zogen mit dem Kreuze nach der Kirche
+der heiligen Jungfrau, von deren Kanzel der Triumph des Christenthums über
+den Islam verkündet ward. Die gekränkten und misshandelten Moslimen
+beschwerten sich darüber beim mongolischen Statthalter, von dem sie, statt
+Ausrichtung zu erhalten, mit Schlägen abgefertigt wurden; er überhäufte die
+christlichen Priester mit Ehren, besuchte ihre Kirchen und begünstigte
+offenbar das Christenthum. Eine merkwürdige Epoche für die Geschichte
+christlicher Kirchen in Syrien während der mongolischen Herrschaft unter
+der Statthalterschaft Keitbugha's; aber diese dauerte nicht lange, denn
+_Melik Eschref_, der ejubidische Fürst von Himss, erschien mit einem
+Diplome Hulagu's, welches ihn zum Statthalter über ganz Syrien bestellte.
+Indessen hatte der Emir _Bedreddin Mohammed Ben Kermdsche_, der
+Festungsbefehlshaber der Citadelle von Damaskus, und der Emir
+_Dschelaleddin Ben Seirafi_ den Entschluss gefasst, die Thore der Citadelle
+zu schliessen und sich darin wider die Mongolen zu vertheidigen.
+_Keitbugha_ begann die Belagerung des Schlosses. [RN: 6. Rebiulachir
+658/10. März 1260] Dieselbe dauerte fünf und vierzig Tage mitten unter
+fürchterlichen Ungewittern, die mit Erdbeben begleitet waren; mehr als
+zwanzig Wurfmaschinen schleuderten Felsenstücke wider die Mauern, um sie zu
+erschüttern, während eine Menge anderer Häuser durch das Erdbeben
+einstürzten, und mit den Blitzen kreuzten sich die Flammengeschosse des
+Naphta. [RN: 22. Dschem. ewwel/7. Mai 1260] Nachdem die Belagerten endlich
+zu kapituliren begehrt, plünderten die Tataren das Schloss, zündeten
+dasselbe an mehreren Ecken an, schleiften mehrere Thürme und zerstörten
+alle Kriegsmaschinen; von hier zogen sie nach _Baalbek_, wo die Citadelle
+ebenfalls zerstört ward; eine andere Heeresabtheilung verheerte _Bamias_
+und die Umgegend. Hulagu, nachdem er von Haleb abgezogen, liess dort den
+Keitbugha und zu Damaskus den _Baidera_ als Statthalter zurück und führte
+sieben Emire der Mamluken _Bahri_, d. i. derer vom Nile, mit sich. Bald
+darauf erschienen Botschafter Hulagu's mit einem Schreiben[401] an _Kotos_
+voll Drohungen, dessen Inhalt in den folgenden Schlussworten desselben
+zusammengedrängt ist: »Sag' dem Lande Aegypten, Hulagu kommt, begleitet von
+entblössten Degen und schneidenden Schwertern; er wird die Mächtigen
+demüthigen, die Grossen zurechtweisen und die Kinder nachsenden den
+Greisen.« Im gehaltenen Kriegsrathe der Emire wurde beschlossen, die
+Botschafter Hulagu's, es waren deren vier an der Zahl, zu vernichten; vor
+der Hand wurden sie aber nur in den Kerker geworfen[401]. [RN: 15. Schaaban
+658/Juli 1260] Hälfte Schaaban's zog Sultan Kotos, von seinen Truppen
+begleitet, aus dem Schlosse Kairo's gegen Ssalihije aus. Unmittelbar vor
+seinem Auszuge wurden die vier mongolischen Botschafter an vier der
+volkreichsten Plätzen der Stadt, nämlich am Fusse des Schlosses, ausser dem
+Thore _Soweila_[402], dem Thore _Nassr_ und zu _Ridhania_ entzweigehauen,
+ihre Köpfe an dem Thore _Soweila_ aufgehangen; vier bedeutungsvolle
+Stätten, mehr als einmal in der späteren mamlukischen und osmanischen
+Geschichte und bis in unsere Tage herunter durch die Schlachten von Heeren
+und das Schlachten von Menschenopfern blutig befleckt; durch das Thor
+_Nassr's_, d. i. des Sieges, zogen die jeweiligen Eroberer Kairo's
+triumphirend ein, am Fusse des Bergschlosses rann das Blut der letzten, von
+Mohammed Ali veranstalteten Mamlukenvesper; in der Schlacht von _Ridhania_
+zwischen Sultan _Selim_, dem Eroberer Aegyptens, und Sultan Tumanbai, dem
+letzten Sultan der Mamluken, wurde das tragische Schicksal des letzten
+entschieden, und am Thore _Soweila_, wo jetzt die Köpfe der vier
+entzweigehauenen mongolischen Botschafter hingen, baumelte dritthalbhundert
+Jahre später der Kopf _Tumanbai's_, des letzten Sultan's der Mamluken
+Tscherkessen. Im Gefolge der mongolischen Gesandten befand sich ein Kind,
+welches der Sultan begnadigte und unter die Zahl seiner Mamluken aufnahm.
+Wassaf erzählt diese Botschaft und das Sendschreiben derselben auf eine im
+Wesentlichen zwar übereinstimmende, in den Nebenumständen aber abweichende
+Weise. Nach ihm waren nicht vier Botschafter, sondern nur Einer, von
+vierzig Dienern begleitet, und die Botschaft lautete: »Gott hat dem Hause
+Tschengischan's die Weltherrschaft zuerkannt; der sich Uns unterwirft, hat
+sich und seiner Familie Leben und Gut gerettet. Der Ruf Unseres unzählbaren
+Heeres geht demselben wie die Heldensage _Rustem's_ und Isfendiar's voraus;
+sende unterwürfige Botschaft und komme selbst, um einen Vogt in Aegypten zu
+bitten; wenn nicht, so sei gerüstet zum Kriege.« Sultan Kotos berief bei
+Ankunft der mongolischen Botschaft seine sechs chuaresmischen Emire[403],
+welche nach der Zerstörung der chuaresmischen Länder sich von Achlath nach
+Aegypten geflüchtet und hier besonders zur Erhebung Sultans Kotos auf den
+Thron beigetragen hatten. »Hulagu«, sagte er ihnen, »wäre schon in Aegypten
+eingefallen, wenn ihn nicht die Nachricht von des Bruders Tod aus Syrien
+abgerufen hätte; er hat aber den Keitbuka an der Gränze zurückgelassen, der
+das Land wie ein grimmiger Löwe und wüthiger Drache zu verheeren droht und
+dem Niemand zu widerstehen im Stande; was denket ihr hierüber!« Der sechste
+Emir, _Nassireddin Kimeri_[404], von welchem die kimrischen oder
+cimerischen Mamluken ihren Namen haben, sprach: »Es wäre keine Schande für
+uns, dem Hulagu, als dem Sohne Tului's, dem Enkel Tschengischan's, entgegen
+zu gehen; welcher Vernünftige wird sich aber selbst vergiften und
+muthwillig dem Tode entgegen gehen? Die Beweise seiner Treulosigkeit liegen
+in dem Schicksale der Herren von Alamut, Deriteng, Irbil, Miafarakain und
+des Chalifen offen.« Kotos sprach im selben Sinne und endete so: »Mir
+bleibt nur eines von dreien zu wählen übrig: Freundschaft, Feindschaft oder
+Auswanderung.« Alle stimmten für den Krieg. Kotos berieth sich noch
+insbesondere mit _Bondokdar_, dem Emirol umera, dem ersten der ägyptischen
+Mamluken, welcher sich schon seit zehn Jahren dadurch, dass er der erste
+den Todesstreich wider Melik Moaasem, den letzten Herrscher Aegyptens aus
+dem Hause Ejub, führte, Namen und Ansehen erworben und seitdem als Fürst
+der Fürsten behauptet hatte. _Bondokdar_, d. i. der Bogenhalter, der
+Kipdschake, dessen ursprünglich türkischer Name _Beibars_, d. i. Beg
+Panther, und der später als Sultan Aegyptens der Schrecken der Franken in
+Syrien wie der Mongolen, rieth zum Morde des Gesandten; noch in derselben
+Nacht blutete der Gesandte und seine vierzig Begleiter bis auf einen als
+Martyrer mamlukischen diplomatischen Verkehrs; ihre Köpfe wurden am Thore
+_Soweila_ aufgesteckt, und am Morgen brach Kotos mit zwölftausend Reitern
+gegen Syrien auf.
+
+[Randnote: Schlacht von Aindschalut. 25. Ramasan 658/3. Sept. 1260]
+
+Zu _Ssalihije_, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen Heeres, fand _Kotos_
+Widerwillen bei seinen Emiren, wider den Feind zu ziehen; mit den Worten:
+»Ich werde allein wider die Tataren ziehen«, schloss er den Kriegsrath,
+indem er bei einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche zu rühren
+befahl. Der Emir _Beibars Bondokdari_ (der nachmalige Sultan der Mamluken)
+erhielt den Befehl, mit einer Truppenabtheilung vorauszueilen, um
+Erkundigung vom Feinde einzuziehen. Alsbald er vor den Mauern Ghasa's
+erschienen, wurde die Stadt geräumt. _Kotos_ folgte ihm auf dem Fusse nach;
+aus _Aka_ kamen ihm die Franken mit Anerbietung von Hilfe und Begleitung
+entgegen. Er lehnte den Antrag ab und forderte nur das Versprechen der
+strengsten Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen drohte[405]. Zu
+_Aindschalut_, d. i. am Quelle Goliath's, zwischen _Beisan_ und _Nablus_,
+kam es zur entscheidenden Schlacht. _Keitbugha_ und _Baidera_, die beiden
+Feldherren, Statthalter Hulagu's zu Damaskus und Haleb, hatten alle in
+Syrien befindlichen tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten Freitag
+des Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das ganze weite Thal vom
+Pferdegewieher und Waffengetöse; das Geschrei der Dorfbewohner tönte in den
+unaufhörlich fortrollenden Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der
+Heermusik seiner Emire[406]. Die Aegypter gebrauchten die Kriegslist, sich
+dem mongolischen Heere in weissen Burken, d. i. mongolischen Pelzen, zu
+nahen, so dass sie von den Mongolen für Schaaren Ihriger gehalten
+wurden[407]. Einer der Flügel des ägyptischen Heeres war bereits in
+Unordnung und gebrochen; Sultan _Kotos_ warf seinen Helm zur Erde und
+schrie aus allen Kräften: »o Islam!« Er stürzte sich mit allen, die um ihn
+waren, auf den Feind und kämpfte mit äusserster Unerschrockenheit. Die
+Mongolen flüchteten in's Geröhricht des sumpfigen Thales; Kotos befahl, das
+Geröhricht anzuzünden, und sie gingen zwischen Feuer und Schwert elend zu
+Grunde. Der Emir _Beibars_ that Wunder der Tapferkeit vor den Augen des
+Sultans. Als dieser mitten im Gemenge der Schlacht, spannte der mongolische
+Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner Jugend beim Gesandtenmorde
+das Leben gerettet hatte, seinen Bogen von rückwärts auf den Sultan, um
+durch dessen Tod das vergossene Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen
+wurde er auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens
+gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen; nach Anderen, erst
+nachdem er denselben abgeschossen und damit das Pferd des Sultans verwundet
+hatte, welches denselben abwarf. Die Mongolen wurden von den Tataren bis in
+die Nähe von _Beisan_ verfolgt, wo sie sich umwandten und noch einmal Stand
+machten zum hartnäckigsten Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie Sultan
+Kotos dreimal mit lauter Stimme: »o Islam! o Gott, schütze deinen Diener
+Kotos und verleihe mir Sieg über die Tataren!« Als diese zum zweitenmale
+besiegt, stieg der Sultan vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und
+verrichtete ein Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi ward
+_Keitbugha_ in der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen vor Kotos
+geführt. »Sei nicht stolz«, sagte der mongolische Feldherr dem Sultan der
+Mamluken, »auf deinen Sieg, dem die Rache auf dem Fusse folgen wird. Von
+Aserbeidschan nach Aegypten wird die Erde vom Hufe mongolischer Pferde
+gestampft, welche den Sand Aegyptens in Säcken davon tragen werden. Hulagu
+hat dreimalhunderttausend tapfere Reiter, von denen ich nur Einer.« --
+»Prahle nicht«, sagte Kotos, »mit eueren Heeren, die nur durch
+Treulosigkeit siegen.« -- »Ich bin«, entgegnete Keitbugha, »meinem Herrn
+nur treu gewesen, nicht, wie du, ein Verräther am selben; mach' es kurz mit
+mir!« Er wurde enthauptet. Das ganze mongolische Heer fiel in die Hände der
+Sieger, die nun ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die Vögte wurden
+getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft geschleppt, der Kopf
+Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf dem Thore _Soweila_ aufgesteckt.
+Hulagu ward von der Kunde der verlorenen Schlacht und des getödteten
+Feldherrn tief betrübt; es war die erste Niederlage, welche seine Heere
+erlitten hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager auf. _Melik
+Nassir Jusuf_, der Sohn von _Melik Asis_, der ehemalige Fürst von Damaskus,
+war kurz vorher zu Hulagu gekommen, von ihm mit Ehren überhäuft, seiner
+innersten Gesellschaft beigezogen und neben ihm auf einen Thron gesetzt
+worden; mit einem Diplome zum Fürsten Syriens und Aegyptens eingesetzt, mit
+Ehrenkleidern und Geschenken überhäuft, hatte er die Strasse Syriens
+eingeschlagen; aber nachdem die Nachricht der Niederlage von _Aindschalut_
+eingetroffen, liess ihn Hulagu einholen und im Gebirge von Selmas
+hinrichten; [RN: 12. Schewwal/22. Sept.] dasselbe Schicksal theilte Melik
+Sahir Ghasi, Bruder Nassir's, Melik Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und andere
+Prinzen des Hauses Ejub; Tokus Chatun, die Gemahlin Hulagu's, hatte für
+_Melik Asis_, den Sohn Nassir's, fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus
+den bei Hulagu befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie diess
+sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht von _Aindschalut_ für die
+Christen und das Haus Ejub's hatte, umständlicher erzählt werden soll. Sie
+erhielten den verdienten Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten,
+ihren Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den hereinbrechenden Feind
+des Islams zu verbünden, demselben gehuldigt hatten; eine oft wiederholte
+und dennoch nur selten fruchtende blutige Lehre der Geschichte.
+
+[Randnote: Folgen der Schlacht von Aindschalut für die Christen und das
+Haus Ejub's.]
+
+Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage, sowohl für die
+syrischen Christen, als für das Haus Ejub's. Während der Gegenwart der
+Mongolen zu Damaskus hatten die Christen die ihnen gewährte grössere
+Freiheit ihres Cultus gegen die Moslimen missbraucht; von allen Kirchen
+übertönte das Glockengeläute den Ruf der Muesine, und sie trieben den
+Uebermuth so weit, dass sie Wein in die grosse Moschee trugen. Schon am
+vierten Tage nach der Niederlage der Mongolen überfielen die Moslimen die
+grosse, der heiligen Jungfrau geweihte Kirche zu Damaskus und schleiften
+dieselbe. [RN: 27. Ramasan/7. September] Dies war die Kirche, welche der
+Chalife Omar II. Ben Asis den Christen eingeräumt hatte, um sie für den
+Verlust der Kirche des heiligen Joannes zu entschädigen, welche ihnen laut
+der unter Omar I. (Ben Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt für
+immer hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid, dem Sohne
+Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee, das Meisterstück
+saracenischer Baukunst, verwandelt worden war. Kotos hatte bei seinem
+Auszuge die beiden Fürsten des Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref,
+und Said, einen Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne Asis[408], welcher
+von Hulagu mit dem Besitze von _Sobeibe_ und _Banias_ belehnt worden war,
+zur Hilfe wider die Mongolen auffordern lassen. Der Herr von Himss empfing
+den Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm auf, in seinem Namen die
+Erde vor den Füssen des Sultans zu küssen, in dem er den Retter des Islams
+verehre. Said hingegen entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan
+Kotos[409]; er focht in den Reihen der Mongolen. Nach der Niederlage
+derselben nahte er sich huldigend dem Pferde des Sultans, um demselben die
+Hand zu küssen. Kotos, statt ihm die Hand zum Kusse zu gewähren, stiess ihm
+die Ferse in's Maul, dass das Blut herausschoss; er liess ihn dann
+enthaupten. Eben so tragisch war das Schicksal Melik Nassir's, des letzten
+Sultans von Haleb, der mit seinem Bruder sich in seiner alten Residenz
+befand, wo Hulagu die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's[410] erhalten
+hatte. [RN: 20. Silkide 658/29. Oct. 1260] Hulagu überhäufte den vorigen
+Herrscher Haleb's mit Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren
+Unterwürfigkeit Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der Aegypter
+gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, in
+Syrien zu weilen, kein syrischer Soldat es gewagt haben würde, wider einen
+Mongolen das Schwert zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus
+beherrscht werden? -- Hulagu, statt hierdurch besänftigt zu werden, nur
+noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil nach ihm, der ihn verwundete. Schone
+meiner! rief ihm der unglückliche Nassir zu; aber sein Bruder Sahir
+ermahnte ihn, nicht auf unwürdige Art zu sterben; und er erlag dem zweiten,
+von Hulagu auf ihn geschossenen Pfeile[411]. Die anderen Prinzen und das
+Gefolge derselben, in Allem dreihundert Reiter, wurden von dreihundert
+mongolischen Reitern getödtet, bis auf Einen, den Astronomen Mohijeddin El
+Mahghribi[412], welchem das Ansehen, worin die Astronomie bei den Mongolen
+stand, das Leben rettete, und aus dessen Munde der syrische
+Geschichtschreiber die Umstände dieses Gemetzels erzählt[413]. Mit Melik
+Nassir und seinem Bruder Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte
+Melik Ssalih, der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss, welcher die
+von seinem Vater dem Gesandten des Sultans gegebene unterwürfige Antwort
+jetzt mit dem Leben büsste[414]. Nur das Leben Melikolasis, des unmündigen
+Sohnes Melikonnassir Jusuf's, wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf
+Ssalaheddin, gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater, hatte nicht nur
+über ganz Syrien, sondern auch über einen grossen Theil Mesopotamiens, über
+Haran, Roha, Rakka, Reis Ain, später über Damaskus und bis an Aegyptens
+Gränze geherrscht, wo er schon zum Sultan ausgerufen, als solcher wieder
+den Thron dem Hause Ssalaheddin's erworben hätte, wenn ihn nicht in der
+Schlacht zu _Abbasa_[415] der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane
+Aibek, und die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen hätten.
+[RN: 10. Silkide 649/24. Jan. 1252] Er liebte den Aufwand, besonders den
+der Küche, in welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden;
+übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter seiner
+Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus hatte er die nach ihm
+genannte Moschee, zu Ssalihije sein Grabmal erbaut, in welches aber nicht
+er, sondern der mongolische Emir Kormun begraben werden sollte[416]; der
+Dichtkunst nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte, aus denen
+Abulfeda das folgende erhalten:
+
+ Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktest
+ Und statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest,
+ So würdest du nur mehren meine Liebe,
+ Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe.
+
+[Randnote: Einrichtungen Syriens; Schlacht bei Himss.]
+
+Sultan Kotos ordnete nach dem Siege von _Aindschalut_ die Verwaltung des
+nun von der Herrschaft der Mongolen der der Mamluken anheim gefallenen
+Syriens. Dem Ejubiden Melik Manssur wurde das väterliche Erbe von _Hama_
+zurückgestellt, nachdem der mongolische Vogt Chosrewschah daraus abgezogen;
+auch erhielt er _Barin_ und _Mearret_, welche Melik Nassir, der Sultan von
+Haleb, schon vor fünf und zwanzig Jahren vom Fürstenthume Hama abgerissen;
+nur mit _Selimije_ wurde ein arabischer Emir belehnt. Dann zog Kotos, vom
+Fürsten Hama's begleitet, nach Damaskus, wo er im Triumphe als der Hort
+des Islams empfangen ward. Viele Tataren wurden hingerichtet, darunter
+Husein der Kurde, der Beilträger[417] Melik Nassir's; dreissig Christen
+wurden gehenkt und der christlichen Bevölkerung von Damaskus eine Steuer
+von hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur, der Fürst Hama's,
+wurde von hier nach Hause entlassen, und von den Dichtern seiner Stadt als
+Sieger über die Tataren und Wiedereroberer Maarra's bewillkommt[418]. Kotos
+setzte über die südliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin
+von Berlas[419], einer der asisischen Mamluken, welcher in der Schlacht
+Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den Mamluken, zu diesem
+verrätherisch übergegangen, für ihn die Herrschaft Aegyptens entschieden,
+dann aber, wider ihn Ränke schmiedend, wieder nach Syrien entflohen war,
+von ihm in _Adschlun_ festgesetzt worden; dann, als Melikonnassir bei
+Annäherung der Mongolen gegen Aegypten flüchtete, wieder freigelassen,
+folgte er seinem natürlichen Herrn eine Zeit lang, verliess ihn aber zum
+zweitenmale und ging zu Kotos über, der ihn nun dafür mit der
+Statthalterschaft von Ghasa belehnte; die von Damaskus übertrug er dem Emir
+Alemeddin[420] Senschar von Haleb, dem vorigen Atabeg des Sohnes Aibek's,
+des ersten Sultans der Mamluken, und die von Haleb, welche der Emirol umera
+Bondokdar für sich gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin
+Lulu's, dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende bereits oben erzählt
+worden. Er selbst brach von Syrien nach Aegypten auf. [RN: 26. Schewwal
+658/5. October] Bondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem er die
+Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor sich wider den Sultan,
+und dieser wurde schon am zwanzigsten Tage nach seinem Aufbruche aus Syrien
+zu Kossair, eine Tagreise von Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen
+ermordet. [RN: 17. Silkide/25. October] Die Emire Kairo's waren dem als
+Sieger über die Tataren im Triumphe zurückkehrenden Sultan zum Bewillkomm
+bis nach Ssalihije entgegen gegangen, wo sie den Mord desselben vernahmen;
+der Emir Ogotai, welchen Kotos bei seiner Abreise als seinen Stellvertreter
+an der Spitze der Verwaltung Aegyptens zurückgelassen, fragte, als es sich
+um die Wahl des Sultans handelte, wer den Kotos getödtet, weil es der
+Türken Brauch, dass der Tödter die Stelle des Getödteten einnehme. Sie
+zeigten auf _Beibars Bondokdar_. So besteige du den Thron, sagte Ogotai,
+indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron setzte. Ich setze mich
+darauf, antwortete Beibars, im Namen Gottes; leistet den Eid! An dir ist's,
+sagte Ogotai, der erste zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen
+gütig behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen, ihre Grade
+vermehren wirst[421]. Beibars nahm den Titel _Melikol kahir_, d. i. des
+rächenden Königs, an, den er aber später mit dem von _Melikol-dahir_, d. i.
+des Offenbaren, vertauschte, und zog zu Kairo unter den Triumphfesten ein,
+welche für seinen Vorfahrer bereitet worden waren. In Syrien begann
+unterdessen Aalemeddin, der Statthalter von Damaskus, die geschleiften
+Mauern wieder aufzubauen, und erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan,
+die Macht des Sultans des Rächenden, des Offenbaren verhöhnend. Zu Haleb
+hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's, durch Kopflosigkeit und die
+unbedeutsame Absendung einer zu schwachen Truppenabtheilung, welche zu
+_Bire_ am Euphrat von den Mongolen geschlagen wurden, den Hass der
+Einwohner auf sich geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen und
+gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die Emire unter sich
+theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr sandten und seiner statt
+Hosameddin, den Mailleschläger, zum Statthalter einsetzten; bald darnach
+erschienen die Mongolen vor Haleb, und Hosameddin flüchtete mit den Emiren
+nach Hama, die Stadt Haleb der Wuth der Mongolen überlassend. [RN:
+Silhidsche 658/Nov. 1260] Von Hama zogen sie mit dem Fürsten Hama's und
+seinem Bruder Efdhal gegen Himss, ihre Streitkräfte mit denen des Fürsten
+dieser Stadt vereinigend, und lieferten vor Himss den Tataren eine
+Schlacht, in welcher diese geschlagen abzogen, auf ihrem Rückzuge von dem
+Befehlshaber Apamia's geharket. [RN: 5. Moharrem 659/10. Dec. 1260] Auch
+der Statthalter von Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie der von
+Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan, und dieser und jener
+wollten die Prinzen von Hama und Himss für sich gewinnen; aber diese gaben
+ihnen kein Gehör, und nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's,
+Senshar und Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar, der Sultan
+Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb und Damaskus, zu Hama und
+Himss anerkannt.
+
+[Randnote: Das Chalifat der Beni Abbas zu Kairo.]
+
+Beibars Bondokdar, der sich den Weg zum Throne durch doppelten Mord
+gebahnt, erst durch den Moaasem Turanschah's, des letzten Fürsten der Beni
+Ejub, und dann durch den des dritten Sultans der Mamluken, Kotos, war vor
+Allem bedacht, seiner Usurpation des Thrones den Mantel der Legitimität
+umzuhängen. Zu diesem Ende stellte er zu Kairo einen angeblichen Abkömmling
+des Hauses Abbas, _Abulkasim Ahmed_, welcher für einen Sohn Dahir's, des
+vorvorletzten Chalifen, ausgegeben ward, als Phantom eines Chalifen auf,
+der nur dazu diente, kraft seines angestammten Rechts als Chalife durch
+Verleihung von Titeln die Herrschaft desselben als legitim zu
+rechtfertigen. Zu Kairo ward feierlicher Einzug desselben veranstaltet, bei
+welchem die Ulema von Missr und Kahir den Koran, die Rabbinen die Bibel,
+die Christen das Evangelium voraustrugen. [RN: 5. Redscheb 659/9. Juni
+1261] Vier Tage hernach ward in feierlicher Versammlung aller Ulema und
+Emire das Schauspiel des Beweises der vorgegebenen Abstammung aufgeführt,
+der angebliche Sohn Dahir's von Beibars als Chalife ausgerufen, und dieser
+hierauf von ihm, dem rechtmässigen Chalifen, als Sultan Aegyptens und
+Syriens belehnt. Der Chalife, mit dem schwarzen Mantel des Hauses Abbas
+angethan, bekleidete den Sultan mit eigener Hand, indem er ihm den Kaftan
+anzog und goldene Kette um den Hals gab. Beibars ritt auf einem Schimmel
+durch die Stadt und der Wesir und der Hofmarschall trugen abwechselnd das
+Diplom des Chalifen, auf ihren Händen über den Kopf emporgehalten, vor. Am
+nächsten Freitage predigte der Chalife in der Moschee, und als dem Sultan
+die Predigt zu lange währte, indem er fürchtete, dass der Chalife das Volk
+und das Heer sich selbst zuwenden könnte, liess er ihm Gold- und
+Silbermünzen über den Kopf schauern, womit die Predigt zu Ende. Nachdem
+Beibars durch die Investitur seinen Zweck erreicht, war ihm die Gegenwart
+des Chalifen überflüssig und konnte ihm sogar gefährlich werden; er setzte
+also das Schauspiel in noch grösserem Maasstabe fort, indem er ihm einen
+Hofstaat mit allen Titeln des alten Chalifenhofes beilegte und zweitausend
+Reiter mit einer Truppe Beduinen beigab, mit denen er zur Wiedereroberung
+Bagdad's, seiner Hauptstadt, ausziehen sollte. Ihn begleiteten die von
+Beibars mit den Fürstenthümern von Mossul, Sindschar und Dschesiret
+belehnten drei Söhne Bedreddin Lulu's. Am Ufer des Euphrats trat _Elhakim_,
+ein anderer Imam aus dem Hause Abbas, als Nebenbuhler um die
+Chalifenherrschaft auf. Bondokdar's Schützling zog mit Hilfe der ihm von
+diesem beigegebenen Truppen zu _Aana_ und _Hadise_ ein, welche ihm Anfangs
+ihre Thore gesperrt hatten; _Hadise_, das sich widersetzte, wurde mit
+Gewalt genommen, die Christen und Juden geplündert. Unterdessen zogen die
+mongolischen Befehlshaber Karabuga mit fünftausend Reitern gegen Enbar und
+Behadir Ali, der mongolische Statthalter von Bagdad, wider den Abenteurer
+heran, der als der wahre Chalife seine alte Residenz einzunehmen kam. [RN:
+4. Moharrem 660/1. Dec. 1261] Vor Enbar kam es zur Schlacht; der Chalife
+ordnete die Turkmanen auf dem rechten Flügel, die Araber auf dem linken, er
+selbst in der Mitte. Behadir's Truppen ergriffen Anfangs die Flucht und
+stürzten sich die meisten in den Euphrat; als aber eine Truppe Mongolen aus
+einem Hinterhalte herbeiflog, wichen die Turkmanen und Araber, und der
+Chalife verschwand. Wie der letzte der Chalifen des Hauses Abbas zu Bagdad,
+war nun der erste der Schatten-Chalifen aus demselben Hause zu Kairo unter
+dem Schwerte der Mongolen gefallen. Der Nebenbuhler um diese
+Schattenherrschaft, der Imam Hakim, welcher sein Geschlecht im fünften
+Grade von Mosterschid, dem neun und zwanzigsten Chalifen des Hauses Abbas,
+ableitete[422], flüchtete nach dieser Schlacht nach Aegypten, wo ihn
+Beibars, dem es bequem und angenehm, einen solchen Münzwardein der
+Legitimität unter seinen Händen zu haben, die Abstammung desselben aus dem
+Blute der Beni Abbas gerne anerkannte, ihn aber, den Geflüchteten, im
+Palaste _Menasirolkebesch_, d. i. Belvedere des Widders, als einen
+Staatsgefangenen ehrenvoll unterhielt. Sein Geschäft war blos die
+Ertheilung der Investitur und der Diplome als Titel der Rechtmässigkeit der
+Herrschaft; er empfing von dem damit Belehnten Geschenke, und schattete so
+durch vierzig Jahre unter dem Titel von Schatten Gottes auf Erden,
+Herrscher durch Gottes Befehl[423], während er als Titular-Chalife nur ein
+Schatten des ehemaligen Chalifen unter des Sklaven-Sultans Befehl. Er
+selbst, nur ein Titelträger der Herrschaft, stempelte durch die von ihm
+ausgehenden Diplome die Herrschaft moslimischer Usurpatoren zur
+rechtmässigen; hierdurch gewann _Beibars_ im Angesicht der moslimischen
+Welt einen ungeheueren Vortheil über Hulagu, dessen Herrschaftstitel auch
+nur das Schwert, wie der des Sultans Aegyptens, weil er, nicht Moslim, nie
+vom Chalifen als rechtmässig legitimirt werden konnte. Hakim war der
+Stammvater der übrigen ägyptischen Chalifen aus dem Hause Abbas, aus
+welchem mit ihm zwanzig durch dritthalbhundert Jahre zu Kairo als
+Drahtpuppen der Sultane figurirten, bis nach dem letzten derselben Selim
+der Erste, der Erbe Aegyptens, ohne Recht der Geburt, nur als Eroberer
+Aegyptens, den Chalifentitel annahm, der seitdem dem Titel der osmanischen
+Sultane beigefügt, wie aus dem Gesagten erhellet, nur der eines Schattens
+vom Schatten.
+
+[Randnote: Anlass des Kriegs mit Berke.]
+
+Hulagu war im Begriffe, ein neues Heer nach Syrien zu senden und dasselbe
+dem Besitze des Sultans der Mamluken zu entreissen, als ihn die bis zum
+offenen Kriege gereifte Misshelligkeit mit _Berke_, dem Herrscher der
+Mongolen in Kipdschak, dorthin sich zu wenden und seine Waffen von den
+Ufern des mittelländischen Meeres an die des kaspischen zu übertragen
+zwang. Die Ursachen dieses, trotz des nachdruckvollsten Vermächtnisses
+Tschengischan's und der Jasa, welche die Einigkeit zwischen den Gliedern
+der Familie als die Grundmaxime der Politik des tschengischanischen Hauses
+einschärft, aufflammenden Familienkriegs waren mehrere, und das Feuer
+glimmte schon seit längerer Zeit unter der Asche; auch hier sind, wie fast
+bei allen Kriegen und Feindschaften (von Staaten, wie von Einzelnen), der
+wirkliche und scheinbare Grund, die Masse, welche schon längst das Gefäss
+füllt, von dem Tropfen, der es erst überfliessen macht, wohl von einander
+zu unterscheiden. Die wahre und eigentliche politische Ursache dieses
+Krieges war der streitige Besitz der Landschaften _Arran_ und
+_Aserbeidschan_, welche, als ausser dem eisernen Thore von Derbend gelegen,
+vermöge der Ländertheilung Tschengischan's unter seine vier Söhne nicht zum
+Jurte des Uluses Dschudschi's gehörig, von diesem jetzt angesprochen
+ward[424]. Nach dieser Ländertheilung erstreckte sich der Jurt
+Dschaghatai's von den mittägigen Pässen bis nach Samarkand und Bochara, der
+Ogotai's lag im Mittelpunkte des Reichs zu _Imil_ und _Kobak_; Tuli besass
+die angränzenden Länder von _Kialik_ und _Chuaresm_ bis an die äusserste
+Gränze Kipdschak's und die Länder der _Ssaksinen_; _Dschudschi_ endlich die
+nördlichen Jurte innerhalb der kaukasischen Pässe. Hulagu, Herr der
+westlichen Hälfte der Jurte, als Ilchan des durch ihn gegründeten
+mongolischen Reichs in Persien, konnte unmöglich die Ansprüche des Chanes
+der goldenen Horde von Kipdschak auf den Besitz der nördlichsten
+Gränzlandschaften seines Reichs gelten lassen. Dieser politische Grund ward
+durch persönliche Empfindlichkeiten Hulagu's noch eindringlicher gemacht.
+Berke's Einfluss hatte auf dem Kurultai nach Mengku's Tode die Wahl der
+Prinzen für Kubilai wider seinen Bruder Hulagu und Arik Bugha, welche
+ebenfalls Ansprüche auf die Kaanschaft machten, entschieden. Als der
+Aeltere der Familie hatte Berke dem Hulagu zu wiederholtenmalen Lehren und
+Ermahnungen zugesandt, als neubekehrter Moslim hatte Berke besonders das
+treulose Benehmen Hulagu's gegen moslimische Fürsten, die Verwüstung so
+vieler Städte, das Blutbad so vieler Menschen und den Ruin des Chalifats
+hart getadelt. Wiewohl er mein Aelterer, sagte Hulagu, so kann ich sein
+Hofmeistern doch nicht weiter ertragen; endlich war der Tropfe, welcher das
+längst gefüllte Gefäss des Grolles überfliessend machte, der folgende. Auf
+dem Zuge nach Syrien war Bulghai, der Enkel Dschudschi's, aus seinem
+fünften Sohne Scheiban, gäh nach einem Gastmahle gestorben, und sein Vetter
+_Kutar_[425] wurde angeklagt, durch Zauberei den Tod desselben bewirkt zu
+haben. Hulagu, der es nicht auf sich nehmen wollte, ihn zu richten, hatte
+ihn in Begleitung Sundschak Nujan's nach Kipdschak geschickt, um dort vor
+dem Throne Berke's, seinem natürlichen Richter, Rede zu stehen. Berke
+sandte denselben wieder zurück und Hulagu liess an ihm das Todesurtheil
+vollstrecken; zugleich mit ihm ward auch _Ssadreddin Sawedschi_ als der
+Zauberei schuldig angeklagt und hingerichtet; [RN: 17. Ssafer 658/2. Febr.
+1260] da auch bald darauf Kuli, der dritte Prinz des Uluses Dschudschi,
+welcher diesen Feldzug mitmachte, gestorben, und ihre Angehörigen sich nach
+Kipdschak geflüchtet hatten, brach die politische Feindseligkeit und
+persönliche Empfindlichkeit in die offenen Flammen des Familienkriegs aus.
+Ein Heer von dreissigtausend Kipdschaken, welches _Nokai_, der Vetter des
+hingerichteten _Kutar_, befehligte, war von Derbend aufgebrochen und vor
+Schamachi, der Hauptstadt Schirwan's, gelagert.
+
+[Randnote: Verkehr zwischen Kipdschak und Aegypten.]
+
+Der Umschwung der Verhältnisse zwischen _Berke_ und _Hulagu_ hatte
+natürlicherweise die Politik des ersten gegen den Sultan der Mamluken, als
+Beherrscher Syriens und Aegyptens, wesentlich umgestimmt und die
+feindlichen Gesinnungen wider denselben in freundliche verwandelt. Gewiss
+hatte die äussere Politik wenigstens eben so grossen Einfluss als die
+innere auf die Bekehrung _Berke's_ vom mongolischen Heidenthume zum Islam.
+Im Sommer desselben Jahres, mit dessen Beginn der Feldzug nach Persien
+beschlossen ward, begab sich eine Gesandtschaft Berke's auf den Weg nach
+Aegypten, um die Mitwirkung des Sultans in Anspruch zu nehmen; Botschafter
+waren Emir _Dschelaleddin_, Sohn des Richters, und der Scheich _Nureddin
+Ali_, von grossem Gefolge begleitet; [RN: 1. Redscheb 661/11. Mai 1262] sie
+waren Ueberbringer eines am ersten Redscheb des laufenden Jahres datirten
+Beglaubigungsschreibens, in welchem _Berke_ seine Annahme des Islams
+kündete. Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft des byzantinischen
+Kaisers _Lascaris_ erschienen; sie wurden gemeinschaftlich mit einem
+Gastmahle bewirthet, und jeden Mittwoch und Sonnabend, wo der Sultan sich
+in die Maillebahn begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt.
+[RN: 28. Schaab. 661/5. Aug. 1262] Am letzten Freitage des Monats Schaaban,
+welcher der erste des August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses
+Abbas, _Hakimbiemrillah_, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen des Sultans
+_Beibars_, Herrschers von Syrien und Aegypten, als auf den _Berke's_, des
+Herrschers Kipdschak's[426]. Vier Tage hernach hatte die Ceremonie der
+Investitur des Ritterthums für den Chalifen _Hakimbiemrillah_ statt.
+_Futuwwet_[427] bedeutet nicht sowohl den Adel, welcher auf arabisch
+_Scherf_ heisst, als das Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als den
+Inbegriff grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger Gesinnungen und
+Handlungen. Das bekannte Wort _La Feta illa Ali_ kann nur mit den Worten:
+_Es gibt keinen Helden oder keinen Ritter als Ali_, übersetzt werden, und
+nicht als: _Es ist kein Adeliger als Ali_. Das Symbol des Heldenthums oder
+vielmehr ritterlicher Gesinnungen bestand aber nicht in Schild und Schwert,
+Panzer oder Helm, welche im Abendlande die Insignien des Ritterthums,
+sondern in einem Paar von -- Beinkleidern. Tags darauf, nach der Ceremonie
+der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden die Botschafter _Berke's_ im
+Bergschlosse durch den _Atabeg_ (Obersthofmeister) mit Ehrenkleidern
+ausgezeichnet. Das Antwortschreiben war so weitläufig gewortet und
+geschrieben, dass es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates aus
+den Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben, _Mohijeddin Abdes-sahir_,
+las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart der Emire vor, und es ward mit
+einem herrlichen Geschenke den zwei ägyptischen Botschaftern, dem Emir
+_Fariseddin Akusch Mesudi_ und dem Scherif _Imadeddin Haschimi_, übergeben.
+Auch zu Mekka und Medina wurde das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet.
+Um den Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer Verhältnisse nicht
+durch den Bericht des nordischen Feldzuges, welchem der nächste Abschnitt
+gewidmet ist, zu unterbrechen, reihen sich hier noch die folgenden
+Begebenheiten ein, welche das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und
+Mongolen betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate nach dem Abgange der
+Botschaft an Berke verflossen, als eine grosse Anzahl mongolischer
+Emire[428] ankamen, um dem Sultane ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er
+ritt ihnen zum Empfange entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen sie
+vom Pferde und küssten die Erde vor dem Sultane, der im Sattel sitzen
+blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft, kehrte er in's Schloss zurück.
+_Hosameddin_, der Sohn Berke's, welcher als ein Beweis der Freundschaft
+seines Vaters für den Sultan nach Kairo gekommen, starb allda; [RN: 5.
+Silhidsche 661/9. Nov. 1262] drei Tage hernach wurden die Botschafter mit
+Ehrenkleidern angethan und der Sultan besuchte das Grabmal des Sohnes
+Berke's. Bald darauf kam eine zweite Schaar und endlich eine dritte
+tatarischer Edelen; der Sultan verlieh den Vornehmsten derselben den Rang
+eines Emirs und sie bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam[429].
+Kairo war damals von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl von der
+Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen jene öffentlich als Freunde,
+die sich meistens zum Islam bekehrten, diese aber nur heimlich als
+Kundschafter, die, wenn entdeckt, ergriffen wurden. Unter die Emire der
+bekehrten Tataren sowohl, als die Franken, welche sich zum Islam bekehret
+hatten, wurden an Einem Tage vom Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig
+Pferde vertheilt. Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch gegenseitige
+Botschaften erklärt die Verpflanzung mongolischer Hofwürden nach Aegypten,
+wo sich dieselben mit ihren ursprünglichen türkischen Namen erhielten, und
+erklärt die bei Makrisi erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei
+der Betrachtung des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der beiden
+Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen Verhältnisse mit
+Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer damals nicht gegen alle
+Tataren gleiche Gesinnungen hegen und dieselben insgesammt als Feinde des
+Sultans von Aegypten und also als natürliche Freunde und Verbündete
+betrachten konnten. Dieses waren für die Kreuzfahrer nur die Mongolen
+Persiens, während die Mongolen Kipdschak's als die Freunde und Verbündete
+von Beibars auch die Feinde der Christen im gelobten Lande. Da der Krieg
+zwischen Berke und Hulagu dem Sultan in Aegypten und Syrien so freiere Hand
+liess, so konnte derselbe den Kreuzfahrern nur höchst unerwünscht sein.
+
+[Randnote: Feldzug gegen Kipdschak.]
+
+Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider Kipdschak auf, setzte
+sich mit demselben Hälfte Mai's des Jahres zwölfhundert zwei und sechzig
+von _Alatagh_ aus in Bewegung. [RN: 2. Schewwal 660/14. Mai 1262]
+Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige Statthalter Persiens,
+befehligte den Vortrab. Die Nujanen _Basmaghan_ und _Abatai_ standen
+Anfangs Novembers vor Schamachi. [RN: 26. Silkide 660/11. Nov. 1262]
+Schiramun war von dem Heere Berke's überfallen und geschlagen worden, aber
+vier Tage vor Ende des moslimischen Jahres schlug Abatai bei _Schaburan_
+den _Nokai_ in die Flucht. [RN: 6. Moharrem 661/20. Nov. 1262] Hulagu brach
+hierauf von Schamachi gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin,
+der Chodscha _Asis_ der Georgier und Chodscha _Medschdeddin_ von Tebris
+ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort sammt dem Astronomen Hosameddin
+hingerichtet. _Melik Ssadreddin_ von Tebris und _Ali Melik_, die
+Befehlshaber von Irak, schlugen sich in theilweisen Gefechten durch; [RN:
+21. Moharr. 661/7. Dec. 1262] am siebenten December stand das Heer Hulagu's
+vor den Mauern Derbend's. Nach dreitägigem Kampfe wurde die Feste erobert
+und acht Tage hernach Nokai geschlagen. Die Nujanen Schiramun und Abatai
+wollten den Prinzen Abaka, den ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur
+Hilfe gesendet, zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte männlich den
+Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters. Hulagu ertheilte sieben
+anderen Nujanen[430] den Befehl, sich des Lagers der Kipdschaken zu
+bemächtigen. Sie gingen über den Terek und schleppten Zelte und Herden von
+allen Seiten zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon in
+Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem Heere aus den
+Schneegefilden der Steppe auf sie los; [RN: 7. Rebiulewwel 661/16. Jan.
+1263] einen ganzen Tag ward an den Ufern des Terek gekämpft; als die
+persischen Truppen sich über den Fluss zurückzogen, brach das Eis ein und
+eine grosse Anzahl derselben ging zu Grunde; Abaka kam heil nach Schaburan;
+Berke hielt sich inner Derbend und Hulagu kam im Frühjahre nach Tebris
+zurück[431]. [RN: 11. Dschemasiulachir/9. Mai 1263] Hulagu rächte sich für
+die Unfälle des Feldzugs, wie nach dem syrischen, durch den Mord von
+Unschuldigen. Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die sich zu Tebris
+befanden, hinrichten und ihre Güter einziehen[432]. Berke, um Gleiches mit
+Gleichem zu vergelten, liess alle persischen Kaufleute, die in Kipdschak,
+morden; und Hulagu vergalt dieses Blutbad mit dem eines Theiles der
+Bewohner Bochara's, welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben begann.
+Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu Bochara lagen, gehörten
+fünf dem Batu, drei der Frau _Sijurkukteni_, der Mutter Hulagu's, die
+übrigen acht dem grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's
+liess Hulagu ausrücken und niederhauen[433]. Im folgenden Jahre erscholl
+abermal das Gerücht, dass ein Heer aus Kipdschak im Anzuge. Hulagu sandte
+den Scheich Scherif Tebrisi auf die Strasse von Lesgistan nach Kipdschak,
+um Erkundigung einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai gebracht. Was
+macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt er noch fort, aus Grimm unsere
+Krieger und Edele, unsere Kaufleute und Derwische zu morden? -- Der Scheich
+entgegnete: Unser Padischah war vormals erzürnt ob der Misshelligkeit mit
+seinen Brüdern (Kubilai und Arigh) und das Feuer seines Grimms verbrannte,
+was trocken und feucht; allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron
+beendigt ist, übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich Gesandte
+mit der Nachricht angekommen, dass _Aiktokt_, welcher dem Bruder Kubilai
+den Thron streitig machen wollte, sich unterworfen; dass Alghui, der Enkel
+Dschafer's, aus seinem Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent,
+gestorben, dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der Herrschaft von den
+Ufern des Oxus bis an die äussersten Gränzen Syriens als _Ilchan_ und
+_Padischah_ und obendrein dreissigtausend auserlesene mongolische Jünglinge
+zur Hilfe gesendet. Diese Nachricht lähmte die Kriegslust Nokai's, und der
+Scheich kehrte mit der Nachricht, dass, wiewohl kein Friede, die
+Feindseligkeiten aufgehört, zu Hulagu zurück. Das Interesse Hulagu's ist in
+die Streitigkeiten der Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so enge
+verflochten und er hat an denselben durch seinen Gesandten so einwirkenden
+Antheil genommen, dass eine kurze Erzählung jener Begebenheiten als
+unmittelbar in dessen Geschichte gehörig hier unabweislich.
+
+[Randnote: Arikbugha.]
+
+Nach dem Tode Mengkukaan's, dessen Todeskunde seinen Bruder Hulagu zur
+Rückkehr aus Syrien, wie vor vierzig Jahren die Nachricht von dem Tode
+Ogotai's dessen Vetter Batu zum Abzuge aus Ungarn veranlasst, hatten die im
+Kurultai versammelten Prinzen, welche den Kubilai zum Kaan und Moilchan
+ausgerufen, hundert Gesandte an _Arikbugha_, dessen Bruder und Nebenbuhler
+um den Thron, abgeordnet, um ihm die Nachricht zu überbringen, dass durch
+einstimmigen Beschluss der Prinzen _Kubilai_ den Thron als grosser Chan
+bestiegen und _Apuschkan_, der Urenkel Dschagatai's[434], dem Uluse seines
+Grossvaters vorgesetzt, mit seinem jüngeren Bruder Kasar dorthin abgesendet
+worden sei. Die hundert Gesandten trafen an der Gränze Tangkut's Arikbugha,
+der sie einkerkern liess und ein von dem zweitgebornen Sohne Hulagu's, dem
+Prinzen _Dschumkur_, und _Karatschar_, dem Sohne Orda's, befehligtes Heer
+gegen Kubilai sandte; sie wurden geschlagen und gefangen; Arikbugha liess
+die hundert Gesandten hinrichten und zog sich in's Land der Kirgisen
+zurück. Er wandte sich an Alghui, den Sohn Paidar's (des vor Olmütz
+gefallenen Peta), mit der Bitte, für ihn als Gränzhüter am Oxus die Truppen
+Hulagu's und Berke's abzuwehren. Indess sammelte sich für ihn ein Heer zu
+Kaschghar, das bald über hundert fünfzigtausend stark, in vollem Aufruhre
+wider Kubilai. Dieser sandte wider die Rebellen ein von dem _Jeke Kadak_
+und _Karadschu_, dem Sohne Dschudschi Kasar's (des Bruders
+Tschengischan's), befehligtes Heer, das geschlagen und zerstreut ward. Die
+Prinzen Anführer flüchteten zu Arikbugha, der flüchtig und halb verhungert
+(denn Kubilai hatte ihm die Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten) im Lager
+der Kirgisen und Kemdschiuten weilte. Kubilai hatte zu Karakorum die vier
+Lager Arikbugha's und das des mit ihm verbündeten Gulgan's (des fünften
+Sohnes Tschengischan's) aufgehoben. Arikbugha sandte Botschaft mit dem
+Bekenntniss seiner Schuld und Bitte um Verzeihung; er erwarte nur, dass
+seine Pferde fett und dass Hulagu, Berke und Alghui kämen, um sich mit
+ihnen dem Kaan huldigend zu Füssen zu werfen. Kubilai sandte Antwort: dass,
+wenn er, ohne die Ankunft der Prinzen abzuwarten, erscheinen wolle, seine
+Ankunft um so willkommener sein würde, und zog sich nach _Karawin
+Dschidun_, wo er die zu Karakorum aufgehobenen Lager Arikbugha's und
+Gulgan's freigab. Zu dieser Zeit war häufiger Gesandtenwechsel zwischen
+_Kubilai_ mit seinem Bruder Hulagu und seinem Vetter _Berke_, dem Herrn des
+Uluses _Dschudschi_, und _Alghui_, dem Haupte des Uluses Dschaghatai, die
+sich nun dem Kaan näherten. Er gab ihnen kund, dass Alghui das Land vom
+Altai bis zum Oxus, Hulagu vom Oxus bis nach Aegypten besetzen möge,
+während er selbst die Länder vom Altai bis an's chinesische Meer hüten
+wolle. Arikbugha brach, sobald seine Pferde sich wieder erholt hatten,
+wieder als Rebelle gegen die Macht Kubilai's auf, überfiel den Prinzen
+_Jesunke_, den Neffen Kubilai's, welcher die Vorhut desselben befehligte,
+und schlug ihn. Das Heer Arikbugha's und das Kubilai's[435] schlugen sich
+zu _Indschije Kutku_ am Hügel _Chodscha Buldak_. Das Heer der Rebellen
+wurde geschlagen und viele Uiraten getödtet. _Suntai_, der Sohn des letzten
+Kaan Mengku's, berieth sich mit Arikbugha, und sie beschlossen, eine zweite
+Schlacht zu liefern, am Rande der Sandwüste, in der _Olt_ genannten Gegend,
+zu _Schirghan Taghun_ am Hügel _Schilklik_. Der rechte Flügel Arikbugha's
+war geschlagen, aber der linke hielt tapfer bis in die sinkende Nacht aus,
+welche die beiden Heere trennte, die sich in die Winterquartiere begaben.
+Arikbugha, durch diesen wiederholten Versuch, seine Streitkräfte mit denen
+Kubilai's zu messen, ermuthigt, sandte im nächsten Jahre seine Waffen wider
+_Alghui_, welchen er als Herrn des Uluses Dschaghatai eingesetzt und von
+welchem er zu wiederholtenmalen Hilfe begehrt hatte, ohne dieselbe zu
+erhalten[436].
+
+[Randnote: Alghui.]
+
+_Alghui_, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha eingesetzte
+Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als er nach Turkistan gekommen,
+ein Heer von mehr als hunderttausend Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz
+_Nikpei Aghul_ (Sohn Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's), war an der
+Spitze von fünf tausend Mann in Transoxana eingefallen, und hatte zu
+Samarkand und Bochara, das damals zum Gebiete Kipdschak's gehörte, geraubt
+und die Angehörigen Berke's getödtet, unter diesen auch den grossen Scheich
+_Seifeddin Bachersi_. Gesandte Arikbugha's, an deren Spitze _Schadi_, der
+Sohn _Jaschmut's_ des _Arkaun_, d. i. des nestorianischen Priesters,
+forderten vermittels Jerlighs die Zurückstellung der geraubten Güter,
+welche Alghui verweigerte, und eben darum die Gesandten tödtete. Hierüber
+ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu Karakorum forderte er die
+Einwohner zur Hilfeleistung auf; die Imame, die Schreiber der Christen
+entschuldigten sich, dass sie die Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg
+derselben beten könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er das
+treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien Tschengischan's
+und Mengku's bestätigte, sie alle zu Tarchanen (Freiherren) ernannte;
+Vorfälle in China nöthigten ihn, bald wieder zurückzukehren. Karabuka, der
+Befehlshaber des Vortrabs Arikbugha's, war von Alghui zu _Sutgol_, d. i. am
+Milchsee[437], geschlagen und getödtet worden. Alghui zog sich sorglos an's
+Ufer des _Hile Muran_; von dem Prinzen _Suntai_, welcher das Heer
+Arikbugha's befehligte, geschlagen, ging er über die Anhöhen von
+_Timurkahalka_ und den _Hile Muran_ nach Almaligh, dem Jurte Alghui's, und
+plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau und die Truppen des rechten
+Flügels, welche Suntai noch nicht geschlagen, und flüchtete damit nach
+Choten und Kaschghar. Arikbugha brachte den Winter am _Hile Muran_ und zu
+Almaligh in Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen des Kaan's
+aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach Samarkand und Bochara
+gezogen, wohin auch Dschumkur, der bisher von Arikbugha bei sich
+zurückgehaltene Sohn Hulagu's, kam, indem ihm Arikbugha, um seine
+Gesundheit herzustellen, sich jenseits des Oxus zu begeben erlaubt hatte.
+[RN: Rebiulewwel 662/Januar 1263] Das Benehmen Arikbugha's, welcher überall
+die Leute des Kaan's aufsuchte und tödtete, entwandte ihm die Herzen der
+Bewohner und eine Hungersnoth schwächte gewaltig die Zahl seiner Truppen.
+Dazu kam die böse Vorbedeutung eines Sturmes, welcher das an tausend
+Pflöcken befestigte Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben viele
+Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach allen Seiten, nur
+einige wenige blieben mit Arikbugha und Suntai zu Almaligh. Unterdessen war
+_Uriktasch_, der Sohn Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder _Suntai_,
+mit Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am _Altai_[438] und die Truppen
+schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha, um ihm das grosse Siegel
+seines Vaters Mengku, welches bisher in Arikbugha's Händen, abzufordern,
+und dieser lieferte es aus. Alghui, welchem hieraus die Schwäche
+Arikbugha's kund geworden, zog nun wider ihn, und begehrte die Herausgabe
+der Frau Hirghana, der Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukjan's,
+welche vor einiger Zeit, um die Beschwerden Alghui's anzubringen, in's
+Lager Arikbugha's gegangen, von demselben zurückbehalten worden war. Er
+sandte sie mit ihrem Minister _Mesud_, dem Sohne von Jelwadsch, zurück.
+Alghui empfing sie ehrenvoll und bestellte den Mesud zur Verwaltung der
+Länder jenseits des Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara residirte. Durch
+seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz und die Macht Alghui's, der
+sich zu wiederholtenmalen mit dem Heere Berke's schlug, und diesem Otrar
+entriss; ihm gegenüber stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's
+der Prinz _Kaidu_, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's. Anfangs
+von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben verlassen und sich zu Berke
+geflüchtet, der ihm sein Vertrauen schenkte, weil die Astrologen das
+Horoscop Kaidu's ungemein günstig und glückvorbedeutend gefunden[439]. Bald
+hierauf starb Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's ward ihr Sohn
+Mubarekschah als Herrscher des Uluses Dschagatai anerkannt.
+
+[Randnote: Kaidu.]
+
+Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich reuig an dem Hofe des
+Bruders eingestellt, an welchem er nach dem mongolischen Gebrauche als
+Schuldiger eingeführt ward. Nach dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht
+durch das gewöhnliche Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt, sondern bei
+einer heimlichen Pforte hineingestossen, und statt eines Ehrenkleides mit
+Filz bekleidet[440]. Das offene Bekenntniss der Schuld ward gnädig
+aufgenommen; aber _Dschingkum_, der Gesandte Hulagu's, welcher gegenwärtig,
+rieth im Namen seines Herrn, nach der Strenge der Jasa zu verfahren und den
+Prinzen sammt seinen Mitschuldigen vor Gericht zu stellen; auch _Dschikar_,
+der Bruder Apuschka's, welcher durch die Hand des Prinzen Suntai gefallen,
+warf dem Arikbugha hartes Wort, dass er bereit sei, dessen Blut zu
+vergiessen, in's Gesicht. Am folgenden Tage gingen die grossen Nujane mit
+den Prinzen in's Gericht[441]. Auf die wider sie vorgebrachte Klage
+schwiegen sie alle; endlich redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so
+von Gesicht als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr Fürsten! Haben
+wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha auf den Thron zu setzen, oder
+mit ihm zu sterben? Nun ist der Tag gekommen, den zweiten Theil unseres
+gegebenen Wortes zu lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des Aufruhrs und
+die Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai wollte dennoch nicht zur
+Vollstreckung des Urtheils schreiten, ohne zuvor das Gutachten Berke's und
+Hulagu's und auch Alghui's, der damals noch am Leben, eingeholt zu haben;
+nur die schuldigsten der Emire wurden sogleich hingerichtet: _Bulgha
+Nujan_, der erste Hebel des Aufruhrs, _Ildschetai_, welcher Gurundschi, den
+Sohn Kadan's, verschwärzt, und _Tokus_, welcher das meiste Blut der Truppen
+des Kaan's vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt[442]; nur um
+das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu verhängende Loos wurden
+_Berke_, _Hulagu_ und _Alghui_ um ihr Gutachten befragt. Alghui erklärte,
+dass er sich der Meinung des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei,
+anschliesse. Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des
+Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim Kurultai zu
+erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten starb Arikbugha
+natürlichen Todes, und es brach der Krieg zwischen Hulagu und Berke aus.
+Kubilai verlieh die Herrschaft des Uluses Dschagatai, welche die Frau
+Hirghana ihrem Sohne Mubarekschah zugewandt hatte, dem _Beirak_, dem Sohne
+_Jesun Tewa's_, des zweiten Sohnes _Muwatukjan's_, welcher den
+_Mubarekschah_ zur Abdankung bewog und sich der Zügel der Herrschaft des
+Uluses Dschagatai bemächtigte; aber nachdem Arikbugha und Alghui, die
+beiden Thronanmasser aus dem Uluse Tuli's und Dschagatai's, verschwunden,
+hatte Kubilai noch einen dritten aus dem Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den
+Sohn Kaschin's, zu bekämpfen. Kubilai sandte ihm ein von seinen Söhnen
+_Numughan_ und _Kukistu_ befehligtes Heer entgegen, in welchem sich Söhne
+Ogotai's[443] und Arikbugha's befanden. Die Prinzen Tokatimur und
+_Schiregi_ (der Sohn Ogotai's) verschworen sich mitsammen, ergriffen die
+beiden Prinzen, Söhne Kubilai's, und sandten dieselben an Mengku Timur, den
+Herrn von Kipdschak, aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus, dass die
+Söhne Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache machten, das aber nicht dem
+so. Zwar vereinten sich mit Schiregi und Tokatimur auch _Sarban_, der achte
+Sohn Dschaghatai's; aber sie wurden vom Heere Kubilai's geschlagen, und
+die beiden letzten entflohen nach der Landschaft _Narin_, wo sie am Ufer
+des Irtisch weilten; während Tokatimur im Lande der Kirgisen streifte, ward
+sein Lager von den Truppen Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte sich an
+Schiregi um Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte, lockte er den Sarban
+mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er früher den Schiregi damit
+verlockt hatte. Die beiden gleich getäuschten Thronbewerber Sarban und
+Schiregi bekriegten sich nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf,
+bis beide in die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch Sumpfluft
+verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl über eine Abtheilung von
+Truppen gab. Melik Timur und der Sohn Schiregi's begaben sich zu _Kaidu_,
+der, noch nach vierzig Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai, im
+Verlaufe dieser Geschichte noch mehr als einmal in die der Ilchane
+eingreifend erscheinen wird.
+
+[Randnote: Vertheilung der Statthalterschaften; Tod Hulagu's.]
+
+Hulagu beschäftigte sich nach beendigtem Feldzuge wider Kipdschak mit dem
+Baue zweier Schlösser, das eine in der Ebene von _Alatak_, das andere zu
+_Chui_, und begab sich dann von Tebris an den Goldfluss[444], welchen die
+Mongolen _Tschaghatuwunghatu_ nannten, bei Meragha, dort mit der Vollendung
+der Sternwarte und mit wissenschaftlichen Versammlungen beschäftigt; nebst
+der Astronomie war er vorzüglich der Alchymie ergeben und verschwendete
+grosse Summen an Alchemiker, deren Vorspiegelungen so, wie die ihnen
+zugewandten grossen Summen, in Rauch aufgingen. Zugleich ordnete er die
+Verwaltung des durch seine Eroberungen gegründeten neuen Reichs. Seinem
+ältesten Sohne, Abaka, übertrug er die Statthalterschaft von Chorasan;
+seinem dritten Sohne, Jaschmut, dem Eroberer Mesopotamiens, die
+Statthalterschaft von Arran und Aserbeidschan; dann die von Jaschmut
+eroberten Landschaften Mesopotamiens: _Diari Bekr_ und _Rebiaa_, von dem
+Ufer des Tigris bis an das des Euphrats, dem Emir _Tudan_, und die der
+Länder Rum's dem Emir _Moineddin Perwane_; die Verwaltung von Tebris
+vertraute er den Händen Melik Ssadreddin's, die Kerman's der Frau Turkjan
+Chatun an. Nach der, während des Feldzugs von Kipdschak vollzogenen, oben
+erwähnten Hinrichtung des Staatskanzlers _Seifeddin Bitekdschi_ ward dieses
+höchste Staatsamt dem _Schemseddin Mohammed Dschuweini_, als Herrn und
+Vorsteher des Diwan's, und der Vorsitz des Diwan's zu Bagdad seinem Bruder
+Atamülk, dem Geschichtschreiber, verliehen. Besonderes Vertrauen schenkte
+er dem Sohne des vormaligen kleinen Diwitdar von Bagdad, dem Dschelaleddin;
+dieser täuschte das Vertrauen Hulagu's nicht minder, als sein Vater das des
+letzten Chalifen getäuscht. Er trug ihm vor, dass sich in der Landschaft
+Bagdad's mehrere Tausend Kipdschaken befänden, die, wenn Hulagu hierzu den
+Befehl ertheilen wolle, er zu sammeln bereit sei, um dieselben zum Vortrab
+im nächsten Feldzuge wider Kipdschak zu verwenden. Hulagu, durch seinen
+Vorschlag verblendet, gab ihm Diplom und Löwenkopf und unumschränkte
+Vollmacht über alle Truppen und Waffen der Landschaft Bagdad's. Er warb die
+Kipdschaken und Andere an, wiegelte sie aber gegen Hulagu auf, indem er sie
+heimlich versicherte, dass er nicht gesonnen, sie wider ihre Landsleute auf
+die Schlachtbank zu führen, sie vielmehr retten wolle. Nachdem er sie aus
+den Zeughäusern Bagdad's bewaffnet, führte er sie unter dem gegen den
+Statthalter Bagdad's vorgeschützten Vorwande, dass er mit ihnen nach
+Derbend und Schirwan ausziehe, in's Gebiet des arabischen Stammes
+_Chafadsche_, das er plündernd durchzog und dann mit der ganzen Truppe
+längs des Euphrats bis Aana und Hadise vorbeiziehend nach Syrien und
+Aegypten aufbrach. Der Aerger, so schändlich vom Günstlinge getäuscht
+worden zu sein, nagte als giftiger Wurm in der Brust Hulagu's und
+beschleunigte seinen Tod, der ihn nach kurzer Krankheit hingerafft[445].
+[RN: 9. Rebiulachir 668/8. Febr. 1265] Er ward auf dem Gipfel des Berges
+_Schahu_[446], gegenüber von _Destchawakan_, bestattet. Nach mongolischem
+Gebrauche wurden ihm Gold und Edelsteine in den Sarg gegeben und die
+schönsten seiner Beischläferinnen geschlachtet[447], um ihm die Einsamkeit
+des Grabes zu versüssen. Aber ausser den geschlachteten Beischläferinnen
+folgten ihm bald zwei seiner Frauen natürlichen Todes in's Grab nach, die
+Frau Irtekan, die Mutter seines achten Sohnes _Adschai_, schon am neunten
+Tage nach dem Tode ihres Gemahls, [RN: 3. Ramasan/17. Febr.] und vier
+Monate und eilf Tage später, drei Tage vor der Thronbesteigung Abaka's, die
+Frau _Tokus Chatun_, die Christin, die grosse Beschützerin ihrer
+Glaubensgenossen. Auf ihren Einfluss gründete sich vermuthlich die Hoffnung
+des Papstes, dass Hulagu sich nächstens zum Christenthume bekehren werde,
+wovon ihm der Ungar Joannes die Kunde gebracht und worüber sich der Papst
+in seinem Schreiben an Hulagu so hoch erfreut[448]. Eine grosse Frau, deren
+Wirken stiller und wohlthätiger, als das zweier der berühmtesten Frauen
+persischer Geschichte, nämlich der Frau _Turkjan_ und der Atabegin _Abisch_
+aus der Dynastie der Salghuren, welche Persien beherrschten, und deren
+Geschichte in die Hulagu's enge verflochten, nun zum Schlusse dieses Buches
+besonders erzählt werden soll.
+
+[Randnote: Fars.]
+
+Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne, der Kern des
+persischen Reichs, in welchem das Haupt desselben die alte Persepolis, die
+Geburts- und Grabstätte des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als
+Mutterland persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte, von der
+ältesten bis zur neuesten, und folglich auch binnen des Jahrhunderts
+mongolischer Herrschaft vor allen anderen Landschaften des Reichs von
+vorwiegendem Interesse und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i.
+_Iran_, das _Ariene_ der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das
+zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem _Digloth_
+(Tigris), _Frat_ (Euphrat), _Gihon_ (Dschihun) und _Phischon_ (Sihun),
+östlich und westlich eingeschlossene asiatische Hochland. Persien im
+engsten Sinne, d. i. _Fars_, ist die von Natur und Kunst vor allen anderen
+Landschaften des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich vom
+persischen _Irak_, südlich vom persischen Meerbusen, östlich von der
+Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande Luristan begränzt, in welcher
+das paradiesische Thal _Schaab Bewwan_, von den asiatischen
+Geschichtschreibern als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die
+Naturfeste _Kalaaisefid_, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem Schahname
+als der Sitz des weissen _Diwe's_ bekannt, die Ruinen der vierzig
+Säulen[449] oder der vierzig Leuchtthürme[450], die behauene Steinwand des
+Ebenbildes Rustem's[451], die der alten Königsgräber, das Grab der Mutter
+Salomon's[452], d. i. das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift),
+die des Kerkers[453] und der Musikkapelle Dschemschid's[454], Felsengrotten
+mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von Schabur, welche den
+Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen, Königsgräber, Heldengrotten,
+Bergaltäre, Feuertempel und mehrere andere solcher steinerner
+Ueberlieferungen der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der Natur
+durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land, in welchem die Rosen und
+der Wein von Schiras glühen, das reine Wasser von Mossella fliesst, ein
+Land, das der Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen
+Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten Zeit von
+Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten der Dynastie Buje den Namen
+hat[455]; das Land, wo der königliche Berg der Gräber von Persepolis und
+das vielfarbige Salzgebirge von _Darabdscherd_ sich erheben, wo zu Schiras
+die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern von Hafis und
+Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst haben in Fars ihre höchsten
+Triumphe gefeiert, und ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist
+seit dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der Mittelpunkt
+derselben geblieben, bis erst in der jüngsten Zeit sich dieselbe in dem
+Brennpunkte der nach Norden übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris
+gesammelt. In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte
+morgenländische Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter der Herrschaft
+der Beni _Saman_ und _Chorasan_ auf und erhielt sich dort noch mit der
+Herrschaft der _Seldschuken_ in bedeutendem Flore; denn _Fars_ wetteiferte
+hierin mit Chorasan schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug
+unter der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben erst nach
+dem Untergange dieser Dynastie, unter der Herrschaft der Ilchane vom
+nördlichen Persien, wo die Residenz _Tebris_ aufblühte, streitig gemacht,
+in der Folge aber unter der Herrschaft der Dynastien der _Beni Mosaffer_
+und _Sseffi_ wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet ward,
+wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder den nördlichen Hauptstädten und
+Residenzen Teheran und Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon
+aus dem Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte der
+Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft der Ilchane Fars
+beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit, indem dieselbe auch die
+Kulturgeschichte Persiens während der Eroberung und der dreizehnjährigen
+Herrschaft Hulagu's einschliesst.
+
+[Randnote: Die Beni Amare, Beni Buje und Beni Seldschuken.]
+
+In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen Orientalisten und
+Geschichtschreibern nicht einmal dem Namen nach bekannt gewordene Dynastie
+der Beni _Dschelendi_, welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den
+Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak hin herrschten,
+einen bedeutungsvollen Beinamen, indem dieselben auch Beni _Amare_ oder
+_Imare_, d. i. die Söhne der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort
+_Amr_ oder _Omr_ bezeichnet _Leben_ und _Kultur_, indem die Kultur belebt
+und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt mit _Omer_,
+d. i. _Homeros_, dem Inbegriffe ältester griechischer geistiger, vom Orient
+aus belebter Kultur[456]. _Aammar_ heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche
+Liebende, sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer Bildung,
+wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt die europäische
+Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien der Beni _Ammer_, die,
+welche zur Zeit der Kreuzfahrer in Tripolis herrschte, wo die herrliche,
+angeblich drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den
+Kreuzfahrern verbrannt ward[457]; die zweite, welche im ersten Viertel des
+vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen Küste gegründet,
+unter sieben Fürsten durch sieben und siebzig Jahre gedauert[458], welche
+ebenfalls Freunde der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die
+hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird, die der Beni _Amare_
+in Fars, welche, auf ihre Bergfesten stolz, nicht nur den arabischen
+Eroberungen, sondern auch noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der
+Beni _Ssaffer_ trotzten, indem _Omer Ben Leis_, der Fürst der letzten, zwei
+Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi, den Fürsten der Beni
+Amare, bekriegte, ohne denselben besiegen zu können. Nach den historischen
+Ueberlieferungen der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare
+als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des Moses geherrscht und
+das Schiff weggenommen haben, dessen im Koran bei der Erzählung der
+Wanderung des Moses mit Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des
+arabischen und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung
+geschieht[459]. Nach der Herrschaft der Beni Omeije erhob sich unter der
+der Beni Abbas in Fars die der Beni Buje, deren grösste Fürsten besonders
+die neue Hauptstadt Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben
+und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der Beni Buje bis zu dem
+Beginne der Herrschaft der Salghuren verflossen, ward Fars durch sieben
+Statthalter Atabege der Seldschuken verwaltet. Der erste, _Faslui
+Schebankjare_, von dem ein Dichter gesagt:
+
+ Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück,
+ Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt _Faslu_ zurück.
+
+Der zweite, _Rokneddin Chumar Tekin_, ertrank; der dritte, _Dschelaleddin
+Dschanli_, zerstörte Schebankjare; der vierte, _Rokneddin Dschanli_,
+welcher eine Medrese zu Schiras gebaut, ward zu Hamadan erschlagen; der
+fünfte, _Mengubers_, baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt,
+desgleichen seine Gemahlin _Sahide_, d. i. die Einsiedlerin, die nach ihr
+_Issmeti_, d. i. die keusche, genannte Medrese; der sechste, _Besabe_,
+ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsamer Weise getödtet,
+und der siebente, _Melekschah_, hielt, der letzte, das Ansehen der
+Seldschuken aufrecht. [RN: i. J. 543/1048] Wider diesen stand in der Hälfte
+des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des eilften der christlichen
+Zeitrechnung, _Sonkar Ben Mewdud_, der Salghure, vormaliger Sklave
+Melekschahs, in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die Krone an. Er
+war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen Sohnes Sultan
+Mohammed's, des Seldschuken, gewesen und war von ihm zum Statthalter von
+Fars bestellt worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch
+seines Bruders Tekele List eingesperrt ward[460]. Er hatte sich am Fusse
+des Berges _Giluje_ angesiedelt, von wo aus er seine neue Herrschaft
+begründete; er schlug sich zu wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem
+Herrn von Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft
+durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras Kloster, Moschee,
+Karawanserai und eine hohe Minaret, er selbst ein hoher Leuchtthurm der
+Herrschaft, welcher durch Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer
+seinen zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet[461].
+
+[Randnote: Die fünf ersten Atabegen Salghuren.]
+
+Der Atabeg _Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed_, der Bruder des Gründers, vom
+Sultan der Seldschuken, Toghrul, als Atabege bestätigt, behauptete, wie
+sein Bruder, die Herrschaft durch vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von
+seinem Schwager Saik, welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut, mit den
+Waffen in der Hand streitig gemacht ward. Er baute für den grossen Scheich
+Abdollah Chafif eine kleine Zelle, welche in der Folge bis zu drei Domen
+vergrössert, erst von Schah Ismail, dem Gründer der Dynastie Ssofi,
+zerstöret ward. [RN: 570/1174] Ihm folgte als dritter Atabeg sein Sohn
+Tekele, ein gerechter Fürst, dessen weiser Grosswesir, Emineddin Karasun,
+zu Schiras Moschee und Kloster erbaute; im fünften Jahre seiner Regierung
+verheerte der Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis, das
+Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren kaum hinreichend,
+die dem Lande durch die Verheerung geschlagenen Wunden durch gerechte
+Verwaltung zu heilen; [RN: 590/1194] kaum vernarbt, wurden dieselben
+während der siebenjährigen seines Vetters und Nachfolgers _Toghrul Ben
+Sonkor_[462] wieder durch den Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der
+fünfte Atabeg, _Ebu Schudschaa_, d. i. der Vater der Tapferen, _Saad Ben
+Sengi_, den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen und durch Landplagen
+so schmerzlicher gemacht. Auf unerhörte Trockenheit folgte schreckliche
+Hungersnoth, in welcher die Leichname der Hungers Gestorbenen von den
+Ueberlebenden verzehrt wurden, und auf die schrecklichste Hungersnoth noch
+schrecklichere Pest. [RN: 600/1203] Usbeg, der Sohn Pehliwan's, der Atabege
+von Aserbeidschan, verheerte Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der
+Sultan Mohammed Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit dreimalhunderttausend
+Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des Gebirgslandes des persischen Irak
+bemächtigt hatte, schlug sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm
+gefangen. Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die
+Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm die Herrschaft von
+Fars unter der Bedingniss bestätigte, dass dessen Tochter _Melike Chatun_
+dem Sohne Chuaresmschah's, dem grossen und unglücklichen _Dschelaleddin
+Mankburni_ (dem letzten der Chuaresmschahe), vermählt werde; dass das
+Drittel der Einkünfte von Fars in den Schatz Chuaresmschah's fliesse und
+das feste Schloss Istachr chuaresmische Besatzung einnähme. Saad's Sohn
+Ebubekr missbilligte den vom Vater geschlossenen Rettungsvertrag, stand
+wider denselben mit den Waffen in der Hand auf, schlug ihn einigemal und
+sperrte ihn im Schlosse von Istachr, welches sammt den von _Ischnekwan_ von
+Chuaresmschah hätte besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten
+des Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach dem Vater mit
+Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom Pferde und sperrte ihn in einem
+der drei Schlösser von Istachr ein, erfüllte den mit Chuaresmschah
+geschlossenen Vertrag durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden
+zum Baue einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf dem Wege von Tebris,
+welches _Schehrallah_, d. i. die Stadt Gottes, heisst, und zu Erneuerung
+der Mauern von Schiras[463]. Saad's Wesir war _Amideddin Abu Nassir Esaad
+Abrisi_, welcher einen Band arabischer und persischer Geschichte
+hinterliess und mit welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters in poetischen
+Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben ist die berühmte, seitdem
+auf allen Zungen gang und gäbe Antithese Chuaresmschah's:
+
+ In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs,
+ Verderblich dem Feinde, gesegnet dem Freunde[464].
+
+Der Wesir _Amideddin_ stand in gelehrtem Briefwechsel mit dem Meister aller
+Humanitätswissenschaften, _Omer Er-Rasi_, über die Schwierigkeiten des
+mystischen Epos _Selaman_ und _Absal_, welches unter der Hülle einer
+Männerliebe die Allegorie des Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe.
+Die Volkssage hat die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes
+altpersischen Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen von Schiras[465]
+aufgeheftet, sowie denen von Tak Bostan bei Kermanschahan die Sage von
+Chosrew und Schirin. Saad hatte den Wesir Amideddin sammt seinem Sohne
+Tadscheddin zu Ischnekwan, einem der Schlösser Istachr's[466], eingesperrt;
+er kürzte sich die lange Weile seiner Gefangenschaft durch Gedichte, die er
+an die Wand schrieb, und deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn:
+
+ Wer bringt meinen Geist zu _Batha's_ freien Tauben?
+ Die sich der reinen Fluth erfreu'n und grüner Lauben.
+
+[Randnote: Ebubekr Ben Saad und sein Bruder Salghurschah.]
+
+Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu Istachr unmittelbar vor
+des Vaters Tod an dessen Sterbebett berufen, und bestieg nach dessen acht
+und zwanzigjähriger Regierung den Thron. [RN: 623/1226] Sein Vater, Saad,
+hatte Kerman erobert und die Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn
+Ebubekr war ein weit grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr oder Gönner
+von Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden die Inseln des persischen
+Meerbusens _Kisch_ und _Bahrein_ und das arabische Gebiet von _Katif_ und
+_Lahsa_ erobert. Seine dreissigjährige Regierung ist der Glanzpunkt der
+Salghurenherrschaft. Ueberall erhoben sich in Fars Karawanseraien unter dem
+Namen Mosaffer Ebubekr's, als zu _Ebrkuh_, _Beidha_, _Karun_, im Passe
+_Adhadi_ und an der Küste von _Dschaaber_, die schönste Juwele aber der
+Strahlenkrone seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines Gülistan, in
+welchem der Dichter gleich Eingangs mit einer von dem emphatischen
+Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr vortheilhaft auszeichnenden
+Bescheidenheit den Beifall seiner Zeitgenossen einzig dem des Atabegen
+zuschreibt und auf ihn und sich den bekannten schönen Apolog des durch die
+Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet:
+
+ Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist;
+ Mein Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist;
+ Wenn Alles auch an mir nur Fehl' und Mangel ist,
+ Fehlen, das der Sultan billigt, Tugendangel ist.
+
+Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist durch Saadi, nicht
+aber dieser durch jenen berühmt. Nach dem Verderben Chuaresmschah's
+huldigte Ebubekr Ben Saad staatsklug den Herrschern der Mongolen und ward
+als Atabeg in der Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich nur
+dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe, welche damals der
+kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit dieser Summe sandte er alljährlich
+den Sohn Saad mit einem seiner Neffen an den Chan; die mongolischen Vögte
+behandelte er freigebig, stellte aber zugleich Späher auf, um alle
+Verbindung des Volkes mit denselben zu hindern, damit jene nicht die
+Wahrheit seiner glänzenden Umstände erführen; er genoss des Lebens im
+Stillen im Garten Firusi, von wo er jeden Morgen nach dem Lager sich begab
+und nach aufgehobener Mittagstafel wieder in den Garten zurückkehrte. Ein
+grosser Beschützer der Dichter und Gelehrten, besonders aber der Frommen
+und Derwische, die er mehr als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es
+scheint, dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei dessen
+Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem Titel _Kotloghschah_
+erhalten; er hatte denselben seinem Sohne Saad und seinem Bruder
+Salghurschah entgegengesandt. Der Bruder, beigenannt _Karandank Chan_, war
+ein humaner, verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen
+Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten paradiesischen Gärten,
+welche _Ssubuhabad_, d. i. Morgentrunksbau, hiessen, ungestört nachhing;
+seiner unablässigen Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als
+Kalligraphe einige Verse des Korans und sandte die Abschrift an die Kaaba,
+Verfasser anmuthiger vierzeiliger anacreontischer Strophen. Jedem Gedanken
+auf Herrschaft fern, lebte er einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr,
+durch eine lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft
+unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von Trinkern, wie
+Wassaf sagt:
+
+ »Morgentrunk und dann des Weines Gluglu,
+ Rose, Rosenstrauch und Nachtigall dazu,
+ Traute Sänger, die gebunden und betrunken,
+ Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken.
+
+Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen, die Schöne
+zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die Halbtrommel eine Zeit lang von
+den Ohrfeigen nicht ertönend, und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick
+aufgähnend, die Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche das
+Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen, von den Aesten sang ein
+Ghasel die Nachtigall und ein Wunder ist's, dass die Schlafenden nicht
+erwachten von dessen Schall und Widerhall.« Bei solcher Lebensart vertiefte
+er sich in Schulden, die dann der Bruder grossmüthig zahlte. Eines Tages
+improvisirte Salghurschah:
+
+ Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,
+ Wenn mir der Kopf voll Groll und Geizes wäre;
+ So würd' ich dich, wie du gewohnt, gen mich zu handeln,
+ An deiner Statt gerade wie du mich behandeln.
+
+Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider, zehn edle
+Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine Schulden getilgt seien[467].
+
+[Randnote: Eroberung von Kisch; und Literatur.]
+
+Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der Inseln _Kais_ oder
+_Kisch_ (auf persisch Kosch) und _Bahrein_, wo die reichsten
+Perlenfischereien im persischen Meerbusen. Die erste dieser Inseln hat
+ihren Namen von Kais, dem Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von _Siraf_,
+der Hafen- und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung
+der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war eine Katze, welche die arme
+Mutter der drei Söhne Kaissar's einem Schiffer als ihr einziges Habe auf
+einer Fahrt nach Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo
+gelandet ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten
+zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold rentirte. Die Söhne
+der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren und dehnten ihre Unternehmungen
+bis an die indische Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast,
+den sie _Aferide_ nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's
+zu _Nabend_ (dem östlich von _Siraf_ gelegenen Dorfe) und mit den
+Säulenhallen des Elephantenhauses Adhadeddewlet's zu _Siraf_ um den Vorzug
+buhlte[468], und der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der
+Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan _Ibnol Melik Dschemschid_. So
+herrschten die _Beni Kaissar_, deren Dasein bisher aber, sowie das der Beni
+_Amare_ in Fars, europäischen Geschichtschreibern entgangen, auf _Kais_,
+als Seifeddin Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus, dem
+Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais anbot; die Befehlshaber
+von _Germsir_, d. i. dem warmen Landstriche der südlichen persischen Küste,
+wurden zur Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde nur
+einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. [RN: 12. Dchem. achir
+626/17. Mai 1229] Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und
+nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem _Abu Nadhr_ zum Sturze
+Melik _Sultans_ angetragen, so boten Indienfahrer von Kisch, welche mit
+ihren reichen, nach Malatia bestimmten Ladungen zu _Chorschif_ gelandet
+hatten, ihre Hilfe zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein Heer
+von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i. das Schwert der
+Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte der Feinde. [RN: 4. Moharrem
+628/12. Nov. 1230] Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte dem Atabegen
+von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte, dessen Beginn: Im Namen Gottes
+der Erbe des Reichs Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und
+See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad, der Helfer der
+Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf wurde die mit ihren
+Perlenfischereien in die Steuerregister des Chalifats eingetragene Insel
+_Owal_, insgemein _Bahrein_ genannt, [RN: 3. Silhidsche 633/8. Aug. 1236]
+und sieben Jahre darnach die Insel _Katif_, auf welcher das Schloss
+_Tharut_, erobert und mit jährlichen zwölftausend Dukaten vom Ertrage der
+Perlenernte besteuert. Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem
+sieben und siebzigsten Jahre, [RN: 5. Dschem. achir 658/19. Mai 1260] von
+seinem Sohne Saad II., dem siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt,
+worauf der letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter
+Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen von Jesd,
+_Alaeddewlet's_, den Thron bestieg. Ebubekr, des grössten der persischen
+Atabege Namen, ist nicht nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch
+die Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und seine
+Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe persischer Kultur.
+Nach dem Beispiele der Fürsten der Dynastien Saman, der Seldschuken und
+Chuaresmschahe hatte er einen Dichterkönig, _Hemkjar Farsi_, beigenannt
+_Medschdeddin Semeki_, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan
+hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem Umgange mit den
+grossen Dichtern _Imami_ aus Herat, _Abdulkadr_ von Nain, _Said_ von Herat,
+_Nefieddin Lokmani_[469] und _Esireddin Omani_, dem Schüler Nassireddin's
+von Tus. Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha
+Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann und
+aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten offen stand[470]. So
+günstig, als Ebubekr den Dichtern, so wenig liebte er die Gelehrten,
+besonders die, so sich Philosophen nannten; er verbannte mehrere derselben
+aus Schiras, darunter den grossen Imam _Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi_, den
+berühmtesten Prediger seiner Zeit[471]; er fürchtete, sagt Wassaf, dass die
+Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die Regierungsgeheimnisse erfahren,
+die Regierung in ihrem freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste
+und schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von Schiras mit
+dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's Lobpreis steht im Gülistan
+Saadi's das Saad's, seines Sohnes und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr.
+
+[Randnote: Turkjan's tragisches Ende; Fars, dem mongolisch. Reiche
+einverleibt.]
+
+Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke an Hulagu und
+erhielt von demselben das Diplom der Herrschaft auf den Namen ihres
+Sohnes, welcher schon nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch
+einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte war der von Saadi
+im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin Ebubekr, der als Gesandter an
+Hulagu ging, ihr bekannter Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin
+Miak, ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod wurde sein Vetter
+Mohammed, der Sohn Salghur's, zum Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan
+zwar ihre Tochter _Selgham_ vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn
+bei Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's (der Bruder
+Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im Geleite des Ilchan's vor Bagdad
+durch Proben seiner Tapferkeit sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als
+er zur Regierung gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im Schlosse
+von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens in Versen um Befreiung.
+Da verschwor sich die Frau Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren
+der Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen und sandte ihn
+nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung unfähig, an Hulagu. Die
+Emire der Schulen befreiten den gefangenen Bruder _Seldschuk_ und setzten
+denselben auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre Hand gereicht und so
+sehr darauf gerechnet, seinen Arm zu leiten, als er in ihre Schönheit
+verliebt war; aber bei einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die
+Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer und persischer
+Romane vorstellten, nämlich: _Koseir_ und _Osa_, _Amrol Kais_ und _Oneise_,
+_Irwet_ und _Aafra_, _Emher_ und _Wefa_, _Leila_ und _Medschnun_, _Weise_
+und _Gilschad_, _Schirin_ und _Ferkad_, scheint den schon Trunkenen die
+Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt zu haben;
+auf den von ihm einem gegenüberstehenden Neger gegebenen Wink hieb dieser
+der Frau Turkjan den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem
+Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der Ohrgehänge weg und
+warf sie den Sängern vor, wie es scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu
+solcher That begeisterte. Die beiden mongolischen Vögte _Oghlobeg_ und
+_Kotlogh Bitekdschi_, die Mordthat missbilligend, suchten zu Schiff zu
+entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr, eilte ihnen im Hemde,
+nur mit goldener Keule bewaffnet, nach, erschlug den einen und liess den
+anderen ermorden. _Miak_ war an den Hof Hulagu's gegangen, wo Mohammed noch
+gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt und nach Fars bestimmt, bald
+aber darauf hingerichtet ward. Hulagu sandte seine Generale _Altadschu_ und
+_Timur_ nach Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an ihn
+ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung folgen sollte, den
+Boten misshandelte, rückte Altadschu, verstärkt von den Truppen des Sultans
+von Kerman und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in Fars ein.
+Seldschuk flüchtete nach _Chorschif_. Zu Kjarsun kam es zur Schlacht;
+geschlagen, suchte Seldschuk vergebens am Grabmale des Schwagers Morschid
+Rettung und ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet und
+Münze wurden nun auf den Namen des einzigen übrigen Sprösslings der
+Atabegen, der Tochter Turkjan's, _Abisch_[472] (aus Saad Ebubekr),
+verrichtet. Nach der Niederlage Seldschuk's hatte der General Timur auf ein
+allgemeines Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen, aber Altadschu
+gab hierzu seine Einwilligung nicht, und wurde in der Folge, als der Seid
+_Scherefeddin_ neuen Aufruhr zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht
+gestellt und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe
+verurtheilt. [RN: 661/1262] Schon im ersten Jahre nach dem Tode Seldschuk's
+wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit Mengu Timur, dem eilften Sohne
+Hulagu's, vermählt; statt des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen
+sollte, wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den Einkünften
+von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden, und _Abisch_ blieb bei
+ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch zwanzig Jahre als Atabeg von Fars
+geehrt, ihr Land aber von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten
+(Melik) verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte noch
+mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des Kerns ganz Persiens, der
+Landschaft Fars, welche, wie Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel,
+das achte der Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu
+Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der Assassinen und
+Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone des Ilchan's und Padischah's von
+Iran durfte die schönste Juwele derselben nicht fehlen, welche die
+Landschaft Fars.
+
+
+
+
+Viertes Buch.
+
+ Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften;
+ die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai;
+ armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und
+ dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod
+ grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die
+ niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug
+ wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan;
+ Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu
+ Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht
+ von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen.
+
+
+[Randnote: Abaka's Thronbesteigung.]
+
+Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik am sichersten
+bewegt; am wenigsten bedarf derselben die gerade, offene des Völkerwohls,
+welcher das Gesetz den sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel
+quergängige des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten
+Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in östlichen Reichen
+und auch in westlichen, schon vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers
+angefangen, Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als
+möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen zeitgemässen Anstalten
+die Kunde desselben immer zugleich mit der von der Besitzergreifung des
+Nachfolgers verlaute[473]; daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach
+mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl erlassen, dass
+Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein Eilbote ward an _Abaka_, den
+durch des Vaters Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter
+von Chorasan, abgefertigt, und zugleich _Arghun_, welcher bei Abaka die
+Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im
+Winterquartiere von _Arran_, und sein Bruder Jaschmut, der sich an der
+Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein;
+der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, dass die Fluth der
+Stimmen der Emire wider ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück; [RN: 19.
+Dschem. ewwel 663/9. März 1265] Abaka aber stieg im Lager von _Tschaghantu_
+(am Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire bewillkommend
+entgegengingen und _Ilkai_, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer
+Diener zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen der
+Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid
+bezeugt, versammelten sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben
+Viele gegenwärtig befanden[474]. _Sundschak_ Nujan, welchem Hulagu seinen
+letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, und _Arghun_ bezeugten
+mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger Anordnung _Abaka_
+zum Nachfolger auf dem Throne bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder
+nieder und huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den Befehl
+Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber sagten: Du kennst besser
+als wir die Gebote und Verbote der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er
+einen anderen ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung
+und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den Thron im ein
+und dreissigsten Jahre seines Alters. [RN: 3. Ramasan 663/19. Juni 1265]
+Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel um den Hals, um
+dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass
+ihr Gürtel bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren,
+beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. »Die
+Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der leichter als des Feuers
+Schein, und wie des Paradieses Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen
+und grossen Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.« Mehrere Tage
+dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich
+bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung am _Tschaghan Nur_, d. i. am
+weissen See, im Distrikte _Ferahan_, statt; _Ferahan_ ist eine Stadt
+mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher
+Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die
+längst in Schutt zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie
+das vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte
+_Dolfabad_, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz,
+Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs _Ebu Dolf Kasim Ben Isa
+Ben Idris_; südlich vom Gebirge Rasmend, an dessen Fusse die grosse
+Fontaine Chosrew's Perwis. An dieser, durch historische Erinnerungen aus
+der ältesten Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so
+reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.
+
+[Randnote: Verleihung der Befehlshaberschaften.]
+
+Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's nicht auf dem
+Throne, sondern nur auf einem lehnlosen Stuhle sitzen; aber er traf
+nichtsdestoweniger alle Massregeln und Anordnungen der Herrschaft als
+_Chan_, _Ilchan_, _Schah_ und _Padischah_, d. i. als Herr, Landesfürst,
+König und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen, die Nujane und
+Emire der Tomane (der Zehntausenden), der Hesare und Ssade (Tausender und
+Hunderter) mit Geschenken überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit der
+Nachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für Bestätigung und
+Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's und Hulagu's im strengsten Sinne;
+dann vertheilte er die Befehlshaberschaften der Heere und die
+Statthalterschaften des Reichs. Dem Bruder _Jaschmut_ wurde mit
+wohlgerüstetem Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend[476],
+Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai; dem Bruder _Tuktin_ die Huth
+der östlichen Gränze von Masenderan und Chorasan bis an den Oxus
+anvertraut. Der _Bitekdschi_ (Staatssekretär) _Tughu_, der Sohn Ilkai
+Nujan's, und _Tudan_, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr des zu Ende
+dieser Geschichte als ein grosser Charakter auftretenden Emirs _Tschoban_),
+wurden nach Rum gesendet, wo sie später von den Emiren _Semaghar_ und
+_Kehurkai_ abgelöset wurden. _Dutai_ Nujan wurde nach Diarbekr und _Dijar
+Rebiaa_ an die syrische Gränze befehligt, die militärische Aufsicht
+Georgiens dem _Schiramun_, dem Sohne Dschurmaghun's, des vormaligen
+Befehlshabers in Persien, die von Bagdad und Fars dem _Sundschak_ Nujan
+übertragen; die Verwaltung der Krongüter erhielt _Baltadschu_ Aga und die
+der Pachten[477] _Arghunaga_. Zur obersten Würde des Wesirs als Leiter und
+Herrn des Diwans zu Tebris wurde _Schemseddin Mohammed_ von Dschuwein und
+zu seinem Stellvertreter als Leiter und Inhaber des Diwans sein Bruder
+_Alaeddin Atamülk_, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu Issfahan stand der
+Sohn des Wesirs Schemseddin, _Chodscha Behaeddin_, an der Spitze der
+Geschäfte. Die Verwaltung von _Chorasan_ wurde dem Chodscha _Iseddin Tahir_
+und nach ihm seinem Sohne Chodscha _Wedschiheddin_ zugewandt; _Fars_ wurde
+im Namen der Atabegin _Abisch_ verwaltet und die Aufsicht der Pachten hatte
+dort _Tasiku_ auf sich. Die Herrschaft von _Kerman_ wurde der Prinzessin
+Turkjan Chatun, die von _Nimrus_ dem _Melik Schemseddin Mohammed Kert_ und
+von _Georgien_ dem _Abd_ und seinem Sohne _Ssadren_, die _Armeniens_ dem
+König _Hethum_ bestätigt. _Diarbekr_ wurde dem Dschelaleddin Tarsi, _Dijar
+Rebiaa_ dem _Mosaffer Fachreddin Kara Arslan_, _Kaswin_ und ein Theil Iraks
+dem _Iftichareddin Kaswini_, Tebris dem _Ssadreddin_ zur Verwaltung
+anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen Uebersicht der Heere und
+Ländervertheilung erhellet, dass schon damals, wie später im osmanischen
+Reiche, dessen Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen
+nachgebildet sind, die militärischen Befehlshaberschaften der Gränze von
+den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans von denen der Finanz
+getrennt waren. Wir haben hier sechs grosse militärische Hüter der Gränzen:
+in _Schirwan_ und _Chorasan_, in _Georgien_, _Kleinasien_, in _Fars_ und im
+arabischen _Irak_, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zu _Tebris_, _Bagdad_
+und _Issfahan_, drei Intendenten der Krongüter und Pachten, fünf Vorsteher
+der inneren Verwaltung: in _Chorasan_, _Diarbekr_, _Dijar Rebiaa_, zu
+_Kaswin_ und _Tebris_ und endlich die dem Namen nach herrschenden, aber
+eigentlich nur im Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten von
+_Kerman_, _Nimrus_, _Georgien_, _Armenien_ und _Fars_; zählen wir hierzu
+noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche nur unter der eisernen Keule
+mongolischer Herrschaft ihr Land regierten, nämlich die Atabegen von
+_Gross-_ und _Klein-Luristan_ und von _Jesd_, die noch zu _Mardin_
+herrschenden Fürsten aus der Familie Ortok und die zu _Hossnkeif_ aus der
+Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen von _Himss_, _Hama_ und
+_Kerek_ gehorchten nun dem Sultan Aegyptens), so haben wir beim
+Regierungsantritte Abaka's sieben und zwanzig von ihm begewaltigte grosse
+Befehlshaber der Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter
+der Güter.
+
+[Randnote: Schemseddin's Familie.]
+
+Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung zu geben, hebt als
+die vier Säulen des Ruhms der Zeit Abaka's, von welcher die feste und
+sichere Herrschaft der Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache
+ausgezeichnete Männer hervor als »die vier Grossen unter ihren
+Zeitgenossen«; der erste derselben der grösste Astronom und Philosoph
+seiner Zeit, _Nassireddin_ von Tus, der Gründer der Sternwarte zu Meragha,
+der Verfasser der grossen Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's
+und Abaka's die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei
+Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner Schüler mit
+Geschenken des neuen Herrn bedräute[478]. Der zweite der Wesir _Schemseddin
+Dschuweini_, der dritte der Tonkünstler _Ssafijeddin Abdolmumin El Ormewi_
+und der vierte der Schönschreiber _Dschemaleddin Jakut_. Von den beiden
+letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir bereits in dieser
+Geschichte handeln gesehen; Schemseddin Mohammed Dschuweini tritt aber erst
+jetzt als Wesir an die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse
+auf. »Unter seiner Regierung«, sagt Wassaf, »begehrten die Schafe von den
+Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und das Repphuhn liebäugelte mit Falken
+und Habichten; durch ihn wurde der gute Name des Padischah auf den
+schwarzen und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner
+Glückesschrift aufgezeichnet.« Unter seiner gerechten Verwaltung erhob sich
+Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter, wieder aus dem Schutte der
+Verheerung Hulagu's. Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf
+die Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte Ali's) und die
+Umgegend von Nedschef zu bewässern. Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs
+Dolfendi, welcher von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem
+Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien beauftragt war,
+hinterliess über dieses verdienstliche Werk eine besondere Abhandlung.
+Seide und Imame, Redner und Dichter erschöpften sich in Prose und Versen,
+im Lobe seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde. In seine
+Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad, aber nicht Schemseddin's
+Sohn, der Chodscha Behaeddin, der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher
+die öffentliche Sicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge
+erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche Runde der
+Wachen gemacht, dass er den Hauptmann wach und eifrig auf seinem Posten,
+einen Mann der Wache aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden,
+befahl er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil der
+Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige der Bestrafung der
+zwei Schuldigen gemacht. Einem, der ihn zu fest angesehen, liess er die
+Augen ausstechen; einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse
+spielend, ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür an den
+Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen fürzubitten wagte,
+packten die Schergen den Knaben und schlugen ihn vor des Vaters Augen zur
+Erfüllung von dessen Eidschwur an den Hacken[479]. So ein blutiger Tyrann
+Behaeddin, so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten, und ein
+trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen Studien und
+Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen theilte:
+
+ »Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen,
+ Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen[480].«
+
+Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche mit Gelehrten,
+eingedenk des Spruchs:
+
+ »Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.«
+
+und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen Vertrauten
+ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen:
+
+ »Wein, der unter'm Schleier[481] spricht,
+ Durch die Rosen im Gesicht.«
+
+Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die Nacht hinein mit
+politischen Untersuchungen und polemischen Studien, nur wenige Stunden dem
+Hareme und dem Schlafe gönnend, und nur seinen Bruder _Harun_, der es ihm
+an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um diesen Vorzug mit
+Recht beneidend. Diesem widmete der grosse obgenannte Tonkünstler
+Ssafijeddin Abdolmumin seine Abhandlungen über die Volkslieder[482], über
+ihren Ursprung, Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer
+Versammlung bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler gegenwärtig,
+Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzweg _Ssafijeddin_ anredete,
+entschuldigte Behaeddin vor den Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders,
+einen so grossen Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu
+haben, indem er sagte: _Harun_, der den Namen des grössten der Chalifen
+trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen zur Frau hat, dessen
+Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen
+Künstler nach der Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt
+mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess waren die Söhne
+Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen seines Bruders _Atamülk_, des
+Verfassers der _Welterobernden Geschichte_.
+
+[Randnote: Abaka's Familie.]
+
+Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer, Statthalter und Wesire
+Abaka's kennen gelernt, müssen sie sich auch mit seiner eigenen Familie
+näher bekannt machen. Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen
+ungerechnet, aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern,
+sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die Frau _Jesundschin_
+aus dem Stamme Suldus. Von seinen Frauen nennen wir die beiden, nach des
+Vaters Tode aus dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil
+sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese waren: die Frau
+_Oldschai Chatun_, welche mit _Tokus_ Chatun den Vater Hulagu auf seinem
+Auszuge nach Persien begleitet hatte, die treue Gefährtin desselben auf
+seinen dreizehnjährigen Feldzügen; dann _Tokini_ Chatun, die Base der
+grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher Abaka nach dem Tode
+ihrer Base das Lager derselben aneignete, ihr als Frau den _Baghtak_, d. i.
+den Frauenkopfschmuck, aufsetzte und an die Stelle _Durdschi Chatun's_ als
+grosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war die Tatarin
+_Nukdan_, die Mutter seines Sohnes _Kendschatu_, welche aber jung starb.
+Ihr folgte _Iltürmisch_ Chatun, die Tochter Timurgurgan's, die Schwester
+_Turka Gurgan's_, des Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin
+_Padischah_ Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's von
+Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, _Jesundschin_, setzte, so dass
+ihr die ersten Ehren des Frauengemachs erwiesen wurden. Die siebente und
+achte Gemahlin waren ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen
+Frauen _Mertai_ und _Kuti Chatun_, Schwestern Musa Gurgan's, des Sohnes der
+Tochter Tschengischan's, von denen die erste unter der Regierung Arghun's
+gestorben. Die neunte Gemahlin, _Tudai_ Chatun, die Konghuratin, und nach
+ihr _Bulghan_ Chatun, die Verwandte des Oberstrichters _Nokai_ [die
+Konghuratin[483]], welche er vor allen anderen liebte und daher im Range
+sowohl der _Mertai_ als der _Despina_, d. i. der griechischen Prinzessin,
+vorsetzte. Die letzte war _Maria_, die natürliche Tochter Michael's, des
+Paläologen, aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende der
+Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft unterhandelt
+hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben die Tochter vom Archimandriten
+des Klosters des Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten
+des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter diesen befand
+sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines Zeltes, dessen Wände und Dach
+dichte seidene Stoffe, mit goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den
+Opfergefässen[484]. Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe als
+Christin von ihrer Glaubensgenossin, der Frau _Tokus_, wohl empfangen, wie
+dieselbe die Freiheit öffentlichen Gottesdienstes im Lager mit Glocken
+geniessen würde. In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom Tode
+Hulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik, welcher er die
+Tochter opferte, und in der mongolischen Ansicht, nach welcher die
+Gemahlinnen und Bräute aus dem Frauengemache der Väter in das der Söhne
+übergingen, sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof Abaka's,
+in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher Neigung vorgezogenen
+Frau Bulghan weichen musste. Von seinen Beischläferinnen gebar ihm
+_Kaitmisch Ikadschi_ den Sohn _Arghun_, dann _Kewkebi Ikadschi_ die Tochter
+_Toghandschuk_, hierauf _Buludschin Ikadschi_ die beiden Töchter
+_Ilkotlogh_ und _Oldschatai_; die vier anderen wurden ihm von Gemahlinnen
+geboren, nämlich _Julkotlogh_ und _Taghai_ aus der Frau _Tudai_, dann
+_Nudschin_ aus der Frau _Mertai_ und endlich _Melike_ aus der Frau Bulghan.
+Diese sieben Töchter waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an
+Söhne von Emiren oder grossen Beamten vermählt; so _Julkotlogh_ an den
+_Ildschitai Kuschdschi_ von der Leibwache, Toghandschuk an den Emir
+_Newrus_, den Sohn Arghunaga's, Melike an _Taghai Buka_, den Sohn des
+Oberrichters Nokai. In dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten
+die griechische Prinzessin _Maria_, die karachitaische Prinzessin
+_Padischah Chatun_ und vor allen _Bulghan Chatun_, eine gewiss eben so an
+Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche ohne so ausgezeichnete
+Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt haben könnte, in welcher sie, von
+einem Frauengemache der Herrscher in's andere wandernd, dieselben mehr oder
+minder beherrschte durch Schönheit und Geist, hohen Muth und Charakter ein
+ganzes Menschenalter hindurch, dreissig Jahre lang.
+
+[Randnote: Schlacht mit Nokai.]
+
+Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der nördlichen Gränze
+statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene Schlappe zu rächen, aus
+Derbend auf das Heer des Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den _Kor_
+gezogen war. Die Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses _Akssu_[485],
+[RN: 3. Schewwal 663/19. Juli 1265] den die Mongolen _Tschaghan Muran_
+nennen (das eine und andere heisst _Weisswasser_). Der Verlust war von
+beiden Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen, flüchtete
+nach Schirwan. Jaschmut ging über den _Kor_, aber wieder zurück, als er
+vernahm, dass Berke mit einem Heere von dreimalhunderttausend Mann nahe;
+die Brücken waren alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er
+vierzehn Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder nach
+Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu setzen; aber auf dem
+Wege erkrankte und starb er. Abaka befahl, von _Delai Nor_ bis an die Wüste
+der Kurden einen Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an
+dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb der
+Handelsverkehr der beiden Länder mittels der Karawanen unterbrochen ward.
+Nach Beendigung dieses Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur
+(den eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der Frau
+Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und Gurgan (dem alten
+Hyrkanien) zu. [RN: 665/1266] Während dieses Winters erschien _Mesudbeg_,
+der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des
+Herrschers des Uluses Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige
+Rechnung der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka empfing
+denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid Tschengischan's anziehen und
+wies ihm seinen Sitz ober allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug
+dem Inhaber des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung auf's
+schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche kehrte der Gesandte,
+reich beschenkt, schnell zurück. Erst einige Tage nach seiner Abreise, als
+die Nachricht eintraf, dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah
+Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand gewesen und dass
+Mesud als Kundschafter _Borrak's_, des Urenkels Dschaghatai's, gekommen,
+welcher dem Mubarekschah die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen.
+Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten Kundschafter
+Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aber die Ufer des Oxus in dem
+Augenblicke, als Mesudbeg eben über denselben gesetzt. Abaka ging nach
+Chorasan bis Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach
+Masenderan. Zu _Kebuddschame_, d. i. Blaukleid, in der an Korn, Wein und
+Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's[486], ging er dem Gepäcke Hulagu's
+entgegen, welches mit dessen Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's,
+_Tekschin_ und _Tekuder_, und mit dem Enkel desselben, _Dschuschkab_, dem
+Sohne Dschumkur's, _Badu_, dem Sohne Tarakai's, und Jesundschin Chatun, der
+Mutter Abaka's, welche zur Zeit des Aufbruches Hulagu's nach Persien im
+Hoflager Mengkukaan's geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's
+und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai und Arikbugha
+gezwungen gewesen, die Partei des letzten zu ergreifen, was jetzt die Söhne
+entschuldigten; er war seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu
+Bedachschan den Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh
+ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen anderen Oertern als
+Nadelgeld, das bei den Mongolen _Tonlik_, das Geld auf Unterhosen, heisst.
+Die Einkünfte betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er brachte
+den Winter zu _Tschanganlu_ (in der Gegend von Meragha), den Sommer in den
+Weiden von _Alatagh_ an den Quellen des Euphrats und zu _Siahkuh_
+(Schwarzberg) zu, und überwinterte dann in der Landschaft _Arran_.
+
+[Randnote: Armenische und ägyptische Verhältnisse.]
+
+Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan, um die weiteren
+Fortschritte Sultan Beibars in Syrien zu hindern, hatte dieser den
+Kreuzfahrern die Städte _Cäsarea_, _Arssuf_, _Ssafed_, _Jafa_, _Schakif_,
+die Schlösser _Haifa_, _Arka_, _Kaliat_, _Meluhat_, _Dschebele_
+entrissen[487] und war in Cilicien in die Staaten König Hethum's
+eingefallen, welcher erst beim mongolischen Befehlshaber in Rum und dann
+bei Abaka selbst vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn
+Hethum's, den Pass von _Iskenderun_ (Alexandriette) besetzt hielt, ward er
+von den Aegyptern umgangen und dann bei Serwend geschlagen und gefangen;
+sein Bruder _Toros_ und einer seiner Oheime fielen in der Schlacht. Die
+Sieger kamen am folgenden Tage nach Tel Hamdun, setzten über den Dschihun
+und bemächtigten sich des den Templern gehörigen, auf einem steilen Hügel
+gelegenen Schlosses Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatte
+_Sir_, die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der jetzt in den
+Reihen der Aegypter focht, lagerte an den Ruinen dieser Stadt, während der
+ägyptische Feldherr _Kilawun_ (der nachmalige Sultan) die Städte Ajas,
+Massissa und Adana verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher
+Beute beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück, dass der Ochs, im
+Lager um zwei Dirhem losgeschlagen, keinen Käufer fand. Hethum, der
+vergebens bei Abaka Hilfe gesucht, sah sich gezwungen, den Frieden mit
+Beibars auf dessen Bedingungen abzuschliessen. Dieser begehrte die
+Zurückstellung mehrerer von den Mongolen den Aegyptern entrissener, dem
+Königreiche Armenien einverleibter Schlösser und die Freigebung des
+ägyptischen Generals _Schemseddin Sonkar el-Aschkar_, d. i. Sonne der
+Religion, Falke der Falbe, seines alten Waffengefährten, welchen Hulagu zu
+Haleb gefangen, nach Persien gesendet hatte. [RN: Juni 1267] Der Friede
+wurde zu Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna, Derbesek,
+Merseban[488] wurden zurückgestellt, der Emir Sonkar gegen den bisher im
+Schlosse von Kairo in Verhaft gehaltenen Prinzen Leon ausgewechselt[489].
+Bald darauf verfügte sich König Hethum an den Hof Abaka's, der sich damals
+zu Bagdad befand, um ihm für die Auslösung seines Sohnes zu danken und um
+die Erlaubniss zu bitten, dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen. [RN:
+1269] Nachdem er dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu
+Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's und zog sich nach
+fünf und vierzigjähriger Regierung unter dem Namen Makarius in's Kloster
+von _Trazargh_ zurück, wo er einige Monate hierauf starb[490]. Im selben
+Jahre sandte Abaka Gesandte an Beibars, welcher dieselben zu Damaskus
+zugleich mit den Gesandten des griechischen Kaisers und Mengku Timur's, des
+Nachfolgers Berke's auf dem Throne von Kipdschak, empfing. Abaka warf in
+seinem Schreiben dem Sultan Aegyptens den an seinem Herrn Kotos begangenen
+Königsmord vor und fragte, wie er, der vormals zu Siwas verkaufte Mamluke,
+es wagen könne, den Königen, Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern,
+zu widerstehen. Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte zu
+opfern; er schrieb an Beibars selbst: »und wenn du in die Wolken
+aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest, du würdest mir
+nicht entfliehen«. Beibars antwortete: »Es ist wahr, dass ich den Kotos
+getödtet, aber die Sultanschaft ist mir durch freie Wahl der Bege
+übertragen worden; wenn es dir Ernst, mich anzugreifen, so komm', wir
+werden bereit sein, dich zu empfangen, um die den Musulmanen entrissenen
+Länder denselben wieder zurückzuerobern.« Abaka war nicht im Stande, seinen
+Drohungen Folge zu geben; daran hinderte ihn das von Osten sein Reich
+bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der Herrscher des Uluses Dschagatai,
+wider Chorasan herangezogen. Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka
+würde vom Leser nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn derselbe nicht
+in Kenntniss der früheren Begebenheiten, welche zwischen diesem und Kaidu,
+dem Herrscher des Uluses Ogotai, vorgefallen und die wir nun nach
+Reschideddin erzählen.
+
+[Randnote: Kaidu's und Borrak's Vertrag.]
+
+Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes Ogotai's, ist bereits
+Erwähnung geschehen, so auch Borrak's, des Sohnes Jesentewa's, des zweiten
+Sohnes Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's[491]. Dieser, von
+Kubilai zum Herrscher des Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich nicht
+sobald in den Besitz des Uluses gesetzt, als er mit dem Statthalter
+Turkistan's, _Mogholtai_, Streit begann. Dieser sandte den Emir _Tekmisch_,
+jener den Emir _Kuwindschi_ mit einem Heere; Tekmisch ward von Kuwindschi
+geschlagen, aber dieser musste sich vor einem zweiten stärkeren Borrak's
+zurückziehen. Borrak verwüstete Choten und schlug auch das Heer, welches
+Kaidu und Kipdschak, der Feldherr Mengu Timur's, des Herrschers von
+Kipdschak, wider ihn geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt, sandte seinen
+Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu Hilfe Kaidu's. Borrak, von
+demselben geschlagen, zog sich nach Samarkand in der Absicht, das
+fruchtbare Land zu verheeren. Kaidu und Kipdschak beriethen sich, wie das
+Unheil abzuwenden, und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte
+Freundschaftsbande bestanden, trug sich an, den Frieden zu unterhandeln. In
+der Ebene von Soghd empfing Borrak den Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn
+neben sich, trank mit ihm und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der
+Steppe von _Katwan_ in der Nähe des Karawanserai[492]. Abu Mohammed's
+Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten Tonarten, um dem
+Prinzen Kipdschakaghul zu gefallen. Dieser war der Sohn Durdschi's, des
+Sohnes Kadan's, des sechsten Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe
+Kaidu's. Er kam mit Borrak überein, dass sich dieser und Kaidu mit den
+Truppen, mit denen sie dermalen zu Samarkand und Bochara standen,
+begnügen, dieselben nicht vermehren sollten und Borrak Bochara verschone.
+Kaidu und Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und die Prinzen versammelten
+sich im Frühjahre [RN: 667/1269] in der Ebene von Talas und Kundschuk, wo
+nach achttägiger Gasterei Kurultai stattfand[493]. Kaidu sprach von dem
+Vertrage Tschengischan's und wie alle Zwietracht der Prinzen demselben
+zuwider; dann nahm Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der Spitze des
+Uluses Ogotai stehe, wie Mengu Timur an der des Uluses Dschudschi's in
+Kipdschak, wie Kubilai und Abaka die Herrschaft des Uluses Tuli's im Osten
+und Westen theilten, so möge man auch ihn als Oberhaupt des Uluses
+Dschagatai unangefochten lassen und sich friedlich mit ihm verständigen.
+Die drei Prinzen der drei Uluse kamen dann überein, das Land zwischen dem
+Dschihun und Sihun in drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die
+beiden anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt bleiben
+sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren Reitern nur in den
+Steppen herum zu ziehen, die Städte nicht zu betreten, die Unterthanen zu
+schonen; im folgenden Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen
+Chorasan zu ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern: »Sie
+besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit gewechselten Bechern
+und Kleidern, indem sie die Hefe auf die Erde gossen«[494]. Eine Zeit lang
+genoss das Land unter der gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser
+Wesir in seines Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten
+Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur und Kaidu sich veruneinigt
+hatten, das Heer des letzten dem des ersten entgegenziehend Bochara
+verlassen, die Besitzungen desselben berannte, das Land, trotz der
+Vorstellungen seines Wesirs Mesudbeg, durch Erpressungen verheerend.
+Borrak, im Besitze des Landes zwischen dem Dschihun und Sihun, war nun auf
+den Feldzug gegen Abaka bedacht, worüber ihm die Herrscher des Hauses
+Ogotai und Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli, freie Hand gelassen,
+sandte aber zuerst die schon oben erwähnte Gesandtschaft an Abaka, um den
+Zustand desselben besser zu erkunden.
+
+[Randnote: Botschaft Borrak's und Rüstungen desselben.]
+
+Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie schon oben gesagt
+worden, die ausständigen Rechnungen über die beiden Prinzen gemeinsamen
+Krongüter zu verlangen; aber ein geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul,
+den ersten Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's, welcher im
+Heere Abaka's diente, von demselben abspenstig zu machen. Zu diesem Ende
+war der Gesandte mit einem der geheimen Briefpfeile versehen, welche die
+Mongolen _Tughane_ nennen, in deren Schaft die geheime Depesche
+verborgen[495]. In dem Briefe gab Borrak dem Prinzen Kunde, dass er im
+Begriffe, wider Abaka in's Feld zu ziehen; er möge, als ein Prinz des
+Uluses Dschagatai, sich hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die
+Aufforderung fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen,
+entschuldigte sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach Georgien
+zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend, im Norden des kaspischen
+Meeres, das Lager Borrak's zu erreichen; aber Dschiramun Nujan, welchem die
+Huth der nördlichen Gränze übertragen war, hinderte ihn an der Ausführung
+dieses Planes, indem er ihn, sich nach Georgien zu werfen, zwang, wo er
+durch die Hand der Tochter des Königs David Bürgschaft seiner Sicherheit
+suchte, aber nicht fand; denn die Gegner trachteten ihm nach dem Leben, so
+dass er im folgenden Jahre mit Weib und Kind sich auf Gnade und Ungnade in
+die Arme Abaka's warf. [RN: 668/1270] Abaka liess sechs seiner Emire
+hinrichten, seine Truppen unter die Tausender, Hunderter und Zehner
+vertheilen, setzte ihm fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu
+Derjar Kebudan in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge, nach der
+Niederlage Borrak's, entlassen ward[496]. Der Botschaft Borrak's ritt
+Schemseddin Dschuweini, der Wesir Abaka's, bewillkommend entgegen, und
+trotz der hohen Meinung, die er von sich selber hatte, stieg er, als er in
+die Nähe Mesud's kam, doch vom Pferde und küsste dem Mesudbeg
+ehrfurchtsvoll die Bügel. Dieser, minder bescheiden, als sein Vater,
+Jelwadsch, sagte, verächtlich auf Schemseddin herabsehend: »Du bist der
+Inhaber des Diwan's! Dein Name ist besser, als dein Aussehen.«
+Schemseddin's Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den Augenblick
+mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach durch die Nachsendung der
+Boten, welche den Gesandten als Kundschafter zurückbringen sollten, und als
+diese zu spät kamen, durch die Entflammung des Krieges wider Borrak, der
+seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach. Kaidu sandte Jerligh an die
+Prinzen _Ahmed Ben Buri_[497], _Balighu_[498] und _Nikpei Aghul_[499], dass
+sie bei Tirwed über den Oxus gehen sollten; _Tschabad_, der Sohn
+Huku's[500], _Mobarekschah_[501] und _Kipdschak_, der Sohn Kaidu's[502],
+erhielten den Befehl, mit Borrak zu Amu über den Dschihun zu setzen; weiter
+hinauf sollten _Kokadschu_[503] der grosse und _Banial_ bei Chiwa,
+_Kokadschu_ der kleine aber bei _Mingkkischlagh_, welches der gewöhnliche
+Ueberfuhrsort von Chuaresm, über den Fluss gehen und sich mit Borrak
+jenseits desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen Kräften,
+alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen und des Tages mit
+sieben Menn Gerste und Korn gefüttert, um sie fett, alle Hunde wurden
+getödtet, um aus ihren Häuten Schilde zu machen; so entstand Theuerung und
+Mangel. Um dem Heere Proviant zu verschaffen, befahl Borrak, das Land bis
+Bochara und Samarkand zu verheeren. Mesud machte ihm abermals Vorstellungen
+dagegen und auf die Unklugheit aufmerksam, sich auf diese Weise selbst
+sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak bestrafte diese freimüthige
+Vorstellung des weisen Wesirs mit sieben Prügelstreichen, nahm aber den
+Befehl der Verheerung zurück.
+
+[Randnote: Borrak zieht über den Oxus und wird von Kipdschak verlassen.]
+
+Ausser den oben genannten, von Kaidu zur Hilfe Borrak's bestellten neun
+Prinzen des Uluses Ogotai und Dschagatai stellten sich zu seinem Dienste
+noch vier des Uluses Dschudschi, nämlich die beiden Jesawur [der grosse und
+kleine][504], _Meraghul_ und _Dschelertai_[505]. Mit diesem Heere eroberte
+Borrak Chorasan von den Gränzen Bedachschan's und Schiburghan's (bei Balch)
+bis nach Nischabur. Ehe er noch über den Oxus gesetzt, sandte er Botschaft
+an Tekschin (den vierten Sohn Hulagu's, den Bruder Abaka's), welchem vom
+Vater die Herrschaft über das Gebiet von _Badghis_, östlich von Herat,
+eingeräumt, vom Bruder bestätigt worden. _Badghis_, was nur verderbte
+Aussprache von _Badchis_, d. i. Windaufstehend, weil dort immer die Winde
+rege, hiess vormals _Pasin_ und war die Hauptstadt der Hunnen Euthaliten;
+die Wälder der Gegend sind meistens Pistazienwälder, von denen Herat und
+andere Städte mit Pistazien versehen werden. In diesem Bezirke liegt das
+unbezwingliche Schloss _Nertku_[506], das _Aornos_ Chorasan's, auf einem
+tausend Ellen hohen Felsen, zu welchem eine halbe Stunde lang ein nur für
+Einen Menschen gangbarer Pfad führt, noch nie durch Gewalt der Waffen
+bezwungen; die Gegend umher ist so kalt, dass die Rosen hier erst im Juli
+blühen; das Holz zu dem Baue der Häuser von Herat kommt aus diesen Wäldern
+und ist so trefflicher Eigenschaft, dass es weder austrocknet noch fault,
+der Boden so fruchtbar, dass derselbe ohne Mühe und Kultur hundertfach
+trägt[507]. Nach der Felsenburg _Nertku_ ist _Kiasis_ ein geschichtlich
+merkwürdiger Ort des Gebietes von _Badghis_, weil es die Grabstätte
+_Mokannaa's_, des berühmten falschen Propheten, der allnächtlich aus einem
+Brunnen von _Nachscheb_ einen Mond aufsteigen liess (vermuthlich von
+bengalischem Feuer), der die Gegend weit umher erleuchtete[508]. Borrak
+liess den Prinzen Tekschin wissen, das Land von Badghis bis Ghasnin und dem
+Indus gehöre zur Weide seiner Väter, und er möge daher dasselbe räumen.
+Tekschin antwortete: er hätte es als väterliches Erbe von seinem _Aka_,
+d. i. dem älteren Bruder und Herrn Abaka, bei dem er sich erst anfragen
+müsse. Abaka antwortete: dass das Land von Badghis zu den Krongütern des
+Hauses Hulagu's gehöre und dass er dasselbe wider den Angriff Borrak's zu
+vertheidigen wissen werde. Auf diese Antwort hatte Borrak mit den Prinzen,
+die in seinem Geleite, Kriegsrath gehalten und war über den Oxus gegangen,
+nachdem er seinen Sohn Begtimur mit tausend Reitern zu Kesch und Nachscheb
+zurückgelassen. Melik Schemseddin Kert von Herat kam dem Prinzen huldigend
+entgegen, um die Schonung seines Landes zu erhalten, welche auch
+zugestanden, aber die Verheerung alles übrigen, dem Kubilai oder seinem
+Neffen Abaka gehörigen Landes befohlen ward[509]. Von Seite Abaka's
+befehligte sein älterer Sohn Arghun, welchem die Statthalterschaft von
+Chorasan verliehen ward, das Heer; in demselben befand sich ein Emir der
+Tausender Namens _Sidschektu_, welcher ehemals ein Hausgenosse des Prinzen
+Kipdschak; als er hörte, dass dieser sich im Heere Borrak's befände, sandte
+er ihm ein Geschenk von Pferden, das dieser mit gleichem entgegnete; diess
+war der Anlass eines heftigen Streites zwischen Kipdschak und dem Feldherrn
+Dschelartai dem Dschelairen, welcher dem Kipdschak in Borrak's Gegenwart
+vorwarf, die bessten Pferde für sich behalten und nur die schlechteren dem
+Borrak gegeben zu haben. Kipdschak rief aus: »Hat je ein Karadschu, d. i.
+ein Unterthan, solche Worte gegen einen Abkömmling Tschengischan's so
+gesprochen, dass sich solch ein Hund solcher Worte erfrechen darf.« --
+»Wenn ich ein Hund bin«, antwortete Dschelartai, »bin ich der Hund Borrak's
+und nicht der deine.« -- »Ich werde dich entzwei hauen,« rief Kipdschak,
+»ohne dass mein _Aka_ es mir verarge.« -- »Und ich,« entgegnete
+Dschelartai, die Hand auf den Dolch legend, »wenn du nahest, dir den Bauch
+spalten.« Da Borrak durch sein Stillschweigen dem Dschelartai Recht gab,
+verliess Kipdschak erzürnt die Versammlung und in der Nacht mit zweitausend
+Reitern das Lager. Die Versuche Borrak's, denselben durch die Sendung von
+drei Prinzen zur Rückkehr zu bewegen, waren vergebens. Dschelartai folgte
+mit dreitausend Mann, in der Hoffnung, ihn zu überrumpeln; aber da die
+Prinzen fürchteten, dass, wenn die Truppen desselben in Sicht kämen,
+Kipdschak sie mit sich führen würde, kehrten sie unverrichteter Dinge
+zurück. Kaidu fühlte empfindlich diese, seinem Vetter zugefügte
+Beleidigung; er machte gegen Abaka die Flucht Kipdschak's aus dem Lager
+Borrak's als ein Verdienst geltend, und verband sich, seinen alten
+Verbündeten Borrak verlassend, mit Abaka in Freundschaft, so dass sie sich
+fortan _Ortak_, d. i. Genossen, hiessen.
+
+[Randnote: Held Merghaul, Dschebat's Flucht.]
+
+Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere zu Hilfe Tekschin's,
+welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's preisgegeben, während Schiramun im
+Norden sich mit Nigudar, dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen
+Prinzen, schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend Mann, trat
+Borrak den Zug durch Chorasan an[510]; seine beiden tapfersten Feldherren,
+_Dschelartai_ der Dschelaire und _Merghaul_, jener ein Bogenschütze, wie
+_Aresch_, der berühmte Bogenschütze der altpersischen Geschichte; den Bogen
+Dschelartai's vermochte kein Anderer zu spannen, als er selbst. Merghaul
+war vorzüglich in der Kunde des _Dschade_, d. i. des Wetter- und
+Hagelmachens mittels des Regensteines, bewandert; er sagte von sich selbst:
+»Ich binde den Gaul zu _Konghus Alanik_ an und reite nicht faul den
+Falben[511] bis an die Alpen desselben[512], ohne dass, um auszuruhn, ich
+den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne dass die Schweissdecke trocken
+werde.« _Purbaha Dschami_, der persische berühmte Dichter, welcher, ein
+Türke oder Mongole von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's) halb
+aus persischen, halb aus türkischen und mongolischen Worten bestehende
+Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in seiner zum Lobe Schemseddin
+Dschuweini's verfassten Kassidet:
+
+ Die Trennung _Merghaul_ verheert Geduld mit Schwert,
+ Wie jüngst _Borrak_ mit seinem Heer das Land verheert[513].
+
+Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun, Jaschmut und
+Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime Abaka's) nicht zu widerstehen,
+und er zog also selbst an der Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen
+hatte Borrak Gesandte an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen der
+beiden Prinzen _Kipdschak_ und _Dschebat_, welche er ihm zu Hilfe gesandt
+und die ihn nun verlassen, zu beklagen. Als Dschebat an die Gränze
+Bochara's gelangt, rastete er einige Tage aus. Die Emire der Tadschiken
+(Perser) gaben hiervon dem Begtimur Aghul, welchen der Vater, Borrak,
+jenseits des Oxus zurückgelassen, Kunde: »Könntest du,« fragte Begtimur den
+Tasikaka (den Emir der Tadschiken), »mit fünfhundert Reitern denselben
+nicht abwehren?« -- Tasik antwortete: »Ich bin _Karadschu_, d. i.
+Unterthan, und Dschebat ist _Urugh_, d. i. vom Herrscherhause, wie kann
+sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?« -- Da sass Begtimur selbst zur
+Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit genauer Mühe mit zehn Reitern
+rettete, nachdem er die Brücke von _Tschirameghan_ zerstört; dreissig
+Parasangen weit verfolgte ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen zu
+können. Borrak machte sich jedoch nicht viel aus der Entweichung der beiden
+ogotaischen Prinzen, Kipdschak und Dschebat, vertheilte ihre
+zurückgebliebenen Truppen unter die seinen, und schwelgte, unbesorgt der
+Zukunft. Merghaul wurde nach Nischabur gesandt, Borrak blieb zu Thalkan;
+Nischabur wurde geplündert, und gleiches Loos hatte Borrak der Stadt Herat
+bestimmt. [RN: 6. Ramasan 668/30. April 1269] Da stellte ihm Kotlogh Timur
+vor, dass, wenn er sich den Herrn von Herat, Melik Schemseddin Kert, zum
+Feinde mache, derselbe ganz Chorasan empören würde. Borrak gab der
+Vorstellung Gehör und sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den
+Herrn von Herat in's Lager zu laden. Im Schlosse _Chaisar_ trafen sie
+zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf, folgte der Einladung;
+er ward von Borrak ehrenvoll empfangen und mit Chorasan belehnt; Mehreres
+noch versprach ihm Borrak nach Persiens Eroberung; sie sprachen von Nichts,
+als von der Verheerung Bagdads und der Stadt Tebris, deren Schätze sie
+schon im Gedanken theilten, indem der Herr von Herat sich dem
+Lieblingsplane Borrak's hingab. Dieser begehrte von ihm eine Liste der
+reichsten Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch diese und begehrte die
+Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren, um dort Waffen und Pferde
+aufzubringen. Die Einwohner Herat's gingen ihm entgegen und vernahmen
+trostlos die mongolische Forderung; da aber indessen die Nachricht vom
+Anzuge des Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin in das
+östlich von Herat gelegene Schloss _Chaisar_ zurück; hier erwartete er
+politisch den Ausgang des Kampfes zwischen dem Uluse Dschagatai und
+Hulagu's, zwischen Abaka und Borrak, den Untergang des letzten
+voraussehend[514].
+
+[Randnote: Abaka's Aufbruch; Borrak's Niederlage.]
+
+Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte, brach Abaka, von
+allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin ausgenommen, die schon in
+Chorasan, begleitet, dahin von der Gränze Aserbeidschan's auf. [RN: 4.
+Ramasan 668/28. April 1269] Als er nach dem zwischen _Sendschan_ und
+_Ebher_ gelegenen Distrikt _Schirgis_[515] gekommen (wo später die Stadt
+_Sultanie_ erbaut ward), welchen die Mongolen _Kungurulang_ nennen, wartete
+ihm der von Kubilai an ihn geschickte Gesandte _Tekadschek_ auf, welcher
+von Borrak aufgefangen und in Verhaft gehalten, demselben entflohen war.
+Auf die durch ihn erhaltene Kundschaft von der Schwelgerei und der
+Sorglosigkeit Borrak's beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zu
+_Kumis_, kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und sein Sohn
+Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend entgegen; auf der
+Ebene von Radegan wurden Gold und Silber in Menge unter das Heer vertheilt
+und demselben mit Drohungen und Verheissungen die Erfüllung seiner
+Pflichten eingebunden. Von hier ging der Marsch nach _Bachers_, dem
+zwischen Nischabur und Herat gelegenen Distrikte, in der
+Literaturgeschichte durch _Bachersi_, den Verfasser der berühmten
+Blüthenlese, für immer geadelt. Gegen _Farab_, nicht zu verwechseln mit
+Farab, dem Geburtsorte des grössten Philosophen und Gesetzgebers der
+Tonkunst, _Farabi_, welchen die Araber den zweiten Lehrer, wie Aristoteles
+den ersten, nennen, sandte er Streifparteien aus und beschäftigte sich mit
+der Vertheilung des Heeres in verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut
+übertrug er den Befehl des rechten Flügels, den _Obotai_ Nujan behielt er
+bei sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin sandte er nach
+_Beldschaghran_, dem Jurte Merghaul's, wo einige der Vorposten Merghaul's
+getödtet wurden; dieser eilte, dem Borrak die Kunde zu bringen, dass ein
+feindliches Heer zugegen. Borrak sagte: Wenn Tekschin und Arghun wieder
+zurückgekommen, so wissen wir schon, was von ihnen zu halten, da wir sie
+geschlagen; ein Anderes wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg,
+bis wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka einen fündigen
+Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen: er wolle ihm Ghasnin und Kerman
+und das Land bis an den Indus überlassen, er möge freiwillig zurückkehren;
+wenn nicht, zur Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden,
+weil Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch schwach. Merghaul
+ereiferte sich dagegen und behauptete, das anziehende Heer seien nur die
+Truppen Tekschin's und Jaschmut's, indem das Abaka's in Syrien beschäftigt
+sei. Dschelartai sprach im Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriege ausgezogen;
+wenn du Frieden gewünscht, wärest du besser jenseits des Oxus geblieben.
+Borrak fragte den Astrologen _Dschelal_; dieser rieth, einen Monat zu
+warten, indem die Ansichten der Gestirne ungünstig. Merghaul und
+Dschelartai sprachen erzürnt dagegen; die Schlacht ward beschlossen. Abaka
+befahl dem Emire Toghus, das Terrain auszuwählen. Er bestimmte am Fusse
+eines Berges eine grosse Ebene, vom Flusse _Karasu_ durchschnitten. Drei
+hier aufgegriffene Kundschafter wurden durch eine Kriegslist Abaka's
+getäuscht, indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter Bote die falsche
+Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von den Feinden im Norden
+überfallen, schleunigen Rückzug fordere. Dieser wurde in der grössten Eile
+veranstaltet, das ganze Lager im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung
+der Kundschafter ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man einen
+derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden schlachtlustigen
+Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen in die Falle; das
+zurückgelassene Lager ward geplündert und dann der flüchtige Feind verfolgt
+bis an den Ort, welchen Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak,
+betroffen, stellte sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den
+Befehl des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem Emir Semghur, den
+des linken dem Bruder Jaschmut, unter welchem die Generale Suntai und
+Arghunaga; der letzte befehligte die Hilfstruppen von Kerman und Fars,
+deren Anführer Sultan Hidschadsch und der Atabeg Jusufschah; Obotai
+befehligte das Mitteltreffen. Merghaul fiel gleich Anfangs der Schlacht,
+Dschelartai schlug den linken Flügel und drückte denselben bis Fuschendsch
+zurück; der rechte Flügel und der Mittelpunkt hielten noch fest; als aber
+auch die Truppen Abaka's zu wanken begannen, liess sich Suntai, der
+neunzigjährige Feldherr desselben, auf einem Sessel mitten im Schlachtfeld
+nieder und sagte zu den ihn umgebenden Offizieren: »Heut' ist der Tag, uns
+dankbar gegen Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.« Nach dreimaligem
+Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre verloren gewesen
+ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart. Er sammelte die zerstreuten
+Flüchtlinge und bewirkte ihren Rückzug über den Oxus.
+
+[Randnote: Ende Borrak's.]
+
+Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und dazu vom Schlage berührt
+worden, kam gelähmt nach Bochara, wo er sich zum Islam bekehrte und den
+Namen Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen Laune
+ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen Vorwänden. Der Prinz
+Ahmed Aghul, der Sohn Buri's[516], zog missvergnügt mit seinen Truppen nach
+Pischbaligh. Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen
+Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen und ihm den
+Prinzen zurückzubringen. Der Emir Mauldan erhielt den Befehl zur
+Verfolgung, Borrak folgte in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die
+Nachricht ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach Chodschend
+entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, den Sohn Kadaki's, des
+Sohnes Buri's, nach, und erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit
+seiner Hilfsgenossen und über die Unfälle der letzten Schlacht: »Als ich,«
+sagte er, »vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin euer Padischah, gebt
+mir ein Pferd! hörte mich keiner; Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis
+ein _Karawine_ (ein Naphtafeuerwerker), Namens _Sali_, vom Pferde stieg,
+mir dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die ich ihm
+reichte.« Er sandte den Bruder Jesar[517] an Kaidu, um sich über den
+Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat zu beklagen. Kaidu brachte ihm
+die Treulosigkeit Borrak's in Erinnerung, welcher, während die Prinzen,
+seine Brüder, mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai
+nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu versammelte
+seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie verächtlich bisher die
+Verbindung mit Borrak für das Haus Ogotai's gewesen; es ward beschlossen,
+den Jesar in Gewahr zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen
+unter dem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, aufsitze,
+weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein würde. Indessen hatte
+_Nauldar_ den Prinzen _Ahmed Buri_ und _Balighu_ den Prinzen _Nikpei_
+verfolgend erreicht und in dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri
+und Nikpei. Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an Kaidu,
+dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für seine Hilfe zu danken, die
+nun überflüssig geworden sei. Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch
+fort; ehe er noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich
+gestorben, vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen. Als Kaidu dem
+Lager nahte, hörte er die Todtenklage und sah die Wachen mit fliegenden
+Haaren. Kaidu und alle Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die
+Trauer an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge bestattet. Am
+folgenden Tage erschienen die Prinzen _Mubarekschah_ (der Enkel
+Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara Hulagu und der Frau Hirghana), _Kajan_
+und _Dschobai_, die Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta][518], und
+liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee nieder, sich
+seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die Behandlung, die sie von Borrak
+erlitten; Kaidu versprach ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen
+Güter und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah
+nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der Frau _Tukai_, der Gemahlin
+Borrak's, vom Ohre. Borrak hatte vier Söhne hinterlassen: _Peik Timur_,
+_Tewaburi_, _Tehu_ und _Uladai_; mit ihnen vereinigten sich die Söhne
+Alghui's, die beiden obgenannten, _Dschobai_ und _Kijan_; des dem Kaidu
+gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze Land von Chodschend
+bis Bochara und bis jenseits des Oxus. [RN: 671/1272] Drei Jahre hernach
+kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin, dass es die höchste Zeit, den
+Unordnungen im Lande jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter
+dem Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, des
+vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch, Chiwa und
+Karakusch, wurden von Gütern geleert, mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara
+schlugen sie sich mit dem dschagataischen Heere; [RN: 7. Redscheb 671/20.
+Jan. 1273] sieben Tage dauerte die Schlacht, zehntausend Todte deckten die
+Erde. Bochara ward von neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese
+und die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies war eine strenge
+Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche Wort, welches Mesudbeg dem
+Grosswesir Schemseddin zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge und
+Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai und Kijan nahmen ihnen
+jedoch die Hälfte wieder ab. Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen
+des Turkmanen _Okbal_[519]. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet.
+
+[Randnote: Zweite Thronbesteigung; Halswunde; Todesfälle.]
+
+Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere nach seinem Thronsitze
+in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht ward so strenge gehalten, dass,
+wie auf dem Hinmarsche im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld
+zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten keine Garbe
+geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine Kriegszucht, so löblicher, je
+ungezügelter die Raubsucht mongolischer Heere im feindlichen Lande. [RN: 1.
+Rebiulewwel 669/18. Oct. 1270] Am achtzehnten October, dem in der
+Geschichte durch vielfache Schlachten als Kriegsfest so berühmten Tage,
+stieg er zu Meragha ab und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zu
+_Dschaghantu_ die zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt,
+[RN: 20. Rebiulewwel/6. November] indem die Gesandtschaft des Kaan's mit
+der Bestätigung der Herrschaft als _Ilchan und Padischah in Iran_ mit dem
+Herrscherdiplome eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese Bestätigung
+volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos in dem Bürgerkriege
+Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen haben, weil, ehe das Loos der Waffen
+durch die Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft des
+ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen der Kaan Anstand nahm.
+Zu gleicher Zeit mit den Gesandten des Kaan's trafen auch die Mengutimur's,
+des Herrschers von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen
+Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden ehrenvoll empfangen
+und reich beschenkt entlassen. Auf einer der Stationen des Marsches, vor
+der Ankunft zu Meragha, [RN: 2. Ssafer 669/20. Sept.] war Abaka auf der
+Jagd durch das Horn eines wilden Stieres am Halse verwundet worden, so dass
+das Blut aus der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer der
+_Aidadschi_, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer Bogensehne, so
+dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür von Abaka reichlich belohnt
+ward; aber es hatte sich ein Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich
+fiel und auch gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben
+zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin, welcher auch ein
+geschickter Arzt, verbürgte sich, die Operation ohne Gefahr zu unternehmen;
+er schnitt den Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer Woche
+geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward durch den Tod der beiden
+Prinzen _Jaschmut_ und _Tekschin_, die Oheime und treuen Waffengefährten
+Abaka's in dem Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt. [RN: 8. Silhidsche
+669/18. Juli 1271] Sechs Monate früher war auch Jesundschin, die Mutter
+Abaka's, gestorben; ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin
+Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans von Kerman. So hatte
+Abaka Chan nach dem Tode seiner Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun,
+ihr Lager ihrer Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu,
+verliehen, welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben, worauf es
+Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen Frau Bulughan, der Gemahlin
+Ghasan's, und nach deren Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters
+der Frau Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der Regierung
+Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen) die Frau Kotloghschah, die
+Tochter Emir Irindschi's, eines Neffen der grossen Tokus, verliehen
+ward[520]. So erbte der Besitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht
+regelmässig fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge,
+theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr aus Chorasan ergab
+sich endlich das Schloss der Assassinen _Girdkjuh_, [RN: 6. Rebiulachir
+669/15. Dec. 1270] welches seit der Uebergabe von Alamut noch vierzehn
+Jahre[521] ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen demselben zwar
+den von Hulagu gestellten öffentlichen Befehl, sich zu übergeben, aber
+heimlich sich zu halten, Wort gesandt hatte. _Girdkjuh_, das letzte blutige
+Nest der Assassinen, vielleicht das _Gilgerd_ der Byzantiner, das Schloss
+der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit eingesperrt
+wurden; sowohl der Name als die Festigkeit desselben geben dieser
+Vermuthung Wahrscheinlichkeit.
+
+[Randnote: Herrscher von Luristan; Tod grosser Männer.]
+
+Auf dem Rückmarsche von Chorasan nach Aserbeidschan war Abaka an der Gränze
+Gilan's von einer Schaar dilemischen Gesindels aus einem Hinterhalte
+angefallen worden. Jusufschah, der Sohn Schemseddin Alp Arghaun's, der
+Atabeg von Gross-Luristan, welcher auf diesem Feldzuge den Chan als Vassal
+begleitet hatte und sich eben in dessen Nähe befand, sprang vom Pferde und
+wehrte durch seine Tapferkeit die Gefahr vom Haupte Abaka's ab. Zur
+Belohnung dafür verlieh ihm der Chan zu Gross-Luristan noch den Besitz von
+Chusistan, das Gebirge _Kiluje_ und die beiden Städte _Firusan_ und
+_Dscherbadakan_; die erste, im persischen Irak in der Nähe von Firusan
+gelegen, ward von _Firus_, dem Könige der altpersischen Dynastie der Beni
+Sasan, erbaut, von welchem sie den Namen hat, in einer an Baumwolle, Korn
+und Früchten aller Art gesegneten Gegend gelegen[522]. Dscherbadakan, auch
+_Derbajekan_ oder _Güljadkjan_ genannt, ist eine zwischen Kerdsch und
+Hamadan gelegene Stadt, welche Humai, die Tochter Behmen's, des Kejanen
+(die Parisatis der Griechen), baute und _Samere_ nannte[523]. Jusufschah
+begab sich nach dem Gebirge Kiluje (in Luristan) und schlug die Schulen,
+den Sieg mit seines Bruders Nedschmeddin Tod bezahlend[524]. In Chorasan
+schlugen sich indessen die Feldherren _Nikpei Behdi_ und der Turkmane
+_Akbeg_ wider die dschagataischen Prinzen _Dschoba_ und _Kapan_, den Sohn
+Alghui's, das Land verödend, wie bereits oben gesagt worden. Akbeg hätte
+sich gerne mit seiner Beute zu Kaidu geflüchtet, aber einer seiner Brüder
+kam zum Dienste des Steigbügels des Prinzen Arghun und entdeckte demselben
+des Bruders Anschlag. Arghun berief den Turkmanen ein, um ihn an den Hof
+Abaka's zu senden; auf dem Wege dahin wurde er zu _Kökdsche denis_, d. i.
+am blauen Meere (am Uralssee), abgethan; so ward auch der Intendent Melik
+Ssadreddin zu Rei hingerichtet. Der von Hulagu und Abaka hochgeschätzte
+Sekretär _Dschenglaun Bachschi_ und der Feldherr Emir Arghun, der Sohn
+Dschurmaghun's, starben natürlichen Todes. Zu Tebris stürzten alle Thürme
+im Erdbeben ein. [RN: 671/1272] In diesem Jahre, wo zu Tebris Melik
+Ssadreddin hingerichtet ward, starb zu Konia in Rum, dessen Fürsten unter
+der eisernen Ruthe mongolischer Vogtschaft standen, der grosse mystische
+Scheich Ssadreddin von Konia; im nächsten Jahre aber hatten Astronomie und
+Philosophie, Mystik und Poesie noch weit grösseren Verlust zu beklagen in
+dem Tode Nassireddin's von Tus, des Werkzeugs des Sturzes der Assassinen
+und des Chalifats, des Errichters der Sternwarte von Meragha, des
+Verfassers der berühmten Metaphysik und Ethik, deren schon oben Erwähnung
+geschehen, und des grössten mystischen Dichters der Perser, _Mewlana
+Dschelaleddin's_ Rumi, beigenannt der Molla Kaiser, des Verfassers des
+Mesnewi, des Stifters der Mewlewi. Nassireddin von Tus befand sich am Hofe
+Abaka's im Mittelpunkte des Reichs als der Repräsentant der Wissenschaft,
+während die Mystik und Poesie in den äussersten Enden desselben, in Rum und
+in Fars, blühten, in Rum durch die obengenannten beiden grossen Scheiche
+Dichter, in Fars noch durch _Saadi_, den wahren König der persischen
+Dichter seiner Zeit, wiewohl _Hemker Farsi_ das Amt des Dichterkönigs am
+Hofe der Atabegen zu Schiras bekleidete; dass aber schon damals der
+Dichterkönig von Amtswegen nicht unbedingt als der grösste Dichter erkannt
+ward, beweiset, was Dewletschah in seinen Lebensbeschreibungen persischer
+Dichter bei der Imami's von Herat erzählet. In einer Abendversammlung
+stritten sich die vier geistreichsten und gelehrtesten Staatsmänner
+Abaka's, nämlich der Wesir Schemseddin Dschuweini, der Statthalter Rums
+Moineddin Perwane, der Richter Mewlana Schemseddin und der Intendent Melik
+Iftichareddin von Kerman, einen Abend lang darüber, ob _Saadi_, ob _Imami_
+aus Herat oder _Hemker Farsi_ (der Dichterkönig) der grösste Dichter; sie
+kleideten diese Frage in Versen ein[525] und sandten dieselben zur
+Entscheidung an den Dichterkönig von Amtswegen; dieser antwortete
+bescheiden und wahr:
+
+ Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang,
+ Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund;
+ Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund,
+ So läuft _Imami_ mir und _Saadi_ ab den Rang.
+
+Wie tief persische poetische Bildung damals in Staatsgeschäfte eingriff,
+wird sogleich aus dem Verhältnisse und Briefwechsel des gelehrten Wesirs
+Schemseddin Dschuweini mit Melik Schemseddin Kert, dem Herrn von Herat,
+erhellen.
+
+[Randnote: Schemseddin Kert.]
+
+Melik Schemseddin Kert, welchem schon Tschengischan die Herrschaft von
+Herat überlassen und welchen sein dritter Nachfolger, Mengku, als Herrn von
+_Herat_, _Sebsewar_, _Ghur_ und _Ghardschistan_ bestätiget hatte, war ein
+unternehmender, staatskluger, hochgebildeter Fürst, dessen Arm nie seinem
+Kopfe zuvoreilte und dieser nie hinter jenem zurückblieb. »Er war,« sagt
+Wassaf, »ein Mann von hohem Geist und erhabenem Sinne, der sich der
+Humanitätswissenschaften befleisst. Er vereinigte in sich die beiden Lehren
+von den Fingern und von den Speeren, gleich geschickt zu tanzen den Reigen
+der Worte und der Lanzen. Inhaber von Büchern und von Heeresschaaren, ein
+Bereiter, kundig, die Stufen und Grade zu bewahren, der auf Orion's
+Schultern sass und auf denselben, als seinem Reitpferde, die Himmel
+durchmass.
+
+ Schüttelt die Hand er zum Wohlthun, so ist sie ein Meer,
+ Schüttelt die Hand er zum Kampfe, so ist sie ein Speer;
+ Wann sich die Erde verfinstert, so ist er die Sonne,
+ Wann sie verdorret, erfrischt er als Guss sie mit Wonne.«
+
+Sein Vater, _Kert_, war zur Zeit der Sultane _Ghurs_ einer ihrer Emire und
+gehörte zu den nächsten Umgebungen Sultan Schihabeddin's, des neunten
+Herrschers von Ghur, welcher vor Sultan Mohammed Chuaresmschah sich nie
+gebeugt. Zu Beginn der Regierung Mengkukaan's, als wider diesen Jesui
+Menluk, der dritte Sohn Dschagatai's, ein Heer gerüstet, ward Schemseddin
+Kert geschlagen und flüchtete zu Batu, fand sich aber, sobald Mengku die
+Prinzen, seine Nebenbuhler um den Thron, aus dem Wege geräumt, am Hofe
+desselben huldigend ein. Er trug vor, dass, weil er bei der Annäherung des
+Heeres Tschengischan's demselben huldigend entgegengekommen, er von
+demselben mit dem Lande Ghur[526] mit dem tiefeingeschnittenen
+Schluchtlande des nordöstlichen Sistan's ober Kabul und mit Ghardschistan,
+dem nördlich von Ghur unter Balch gelegenen Gebirgslande belehnt worden
+sey. Mengku bestätigte ihm nicht allein den Besitz der beiden
+Gebirgslandschaften von Ghur und Ghardschistan[527], deren Einwohner
+derselbe Schlag von Menschen, durch Diplom und das Ehrenzeichen des
+Löwenkopfs, sondern schlug noch Herat und Nimrus, jenes östlich, dieses
+südlich von Ghur (das eigentliche Sistan), dazu. Schemseddin begab sich in
+den Dienst Arghun's, des Statthalters in Chorasan, und erhielt von
+demselben das ganze Land bis an die Ufer des Oxus in Acht und Pacht. Auch
+Hulagu hatte denselben mit Ehren und Geschenken ausgezeichnet, aber schon
+im Jahre nach der Eroberung Bagdads [RN: 658/1259] (bei welcher er nicht im
+Heere Hulagu's erschienen) entbrannte wider ihn der Zorn Hulagu's in so
+hohem Grade, dass er dem wider ihn gesandten Heerführer Tegur den Auftrag
+gab, ihm die Haut Schemseddin Kert's mit Stroh ausgestopft zu schicken.
+Kert schlug nicht nur die Truppen Tegur's, sondern auch ein zweites, wider
+ihn gesandtes ilchanisches Heer zu Schelaun, an der Gränze Herats, sandte
+aber dann Botschaft der Unterwürfigkeit und Geschenke an Hulagu und erhielt
+dessen Verzeihung. Als er, am Hofe angelangt, von Hulagu befragt ward,
+warum er ohne Befehl den Statthalter von Nimrus getödtet, antwortete er
+schlagfertig: »damit der Padischah an ihn nicht dieselbe Frage stelle, wie
+jetzt an mich.« Dem Hulagu gefiel die Antwort, und er nahm den Herrn von
+Herat und Ghur wieder zu Gnaden auf; Schemseddin machte in Hulagu's Geleite
+den Feldzug wider Berke mit und erwarb sich dessen Zufriedenheit durch
+Tapferkeit und Ergebenheit; aber in dem Feldzuge wider Chorasan fiel er in
+die Ungnade Abaka's, weil er der Einladung des Prinzen _Tebsin_, in dessen
+Lager zu erscheinen, nicht Folge geleistet, in seinem festen Schlosse von
+Chaisar fest sass. Abaka sandte Truppen, um denselben durch Gewalt zu
+bezwingen. Schemseddin machte Vorstellungen wider diese Massregel, wodurch
+Chorasan von neuem verheert werden würde; er bat den Ilchan, die
+Schlichtung dieses Geschäfts seinem Sohne Chodscha Behaeddin, dem
+Statthalter von Issfahan, zu überlassen.
+
+[Randnote: Briefwechsel zwischen den beiden Schemseddin (Kert und
+Dschuweini)]
+
+Schemseddin Kert, an hohem Muthe und Geist ein würdiger Zeitgenosse und
+Nebenbuhler des Wesirs Schemseddin Mohammed Dschuweini, sandte an diesen,
+als er die Annäherung der wider ihn gesandten Truppen vernahm, die
+folgenden Verse:
+
+ Wer schickt nach Chata Botschaft an den Türkenchan?
+ Ist nicht _Nimrus_ das Vaterland von _Purdestan_[528],
+ Von dessen Schwerte und von dessen Stiereskeule
+ Das Haus Efrasiab's noch heute trägt die Beule?
+
+Schemseddin Dschuweini, um als Dichter nicht zurückzubleiben und um die
+Sache in Gutem beizulegen, sandte Schemseddin Kert das folgende Schreiben,
+halb in Versen, halb in Prose:
+
+ »Reichsglanz, o König _Schemseddin Mohammed Kert_,
+ In dem der König und der Engel[529] sich bewährt.
+ Wie schwer dem Herzen deine Trennung fällt zur Last,
+ Wird nicht von Genien, von Menschen nicht gefasst.
+ O Du von hellem Sinn und von wahrhaftem Wesen,
+ Es ziemt sich, dass, wenn du diess Schreiben hast gelesen,
+ Du, wie der Wind, entflammst der Wunscherreichung Gluth,
+ Und diesen Staub abwaschest mit der Vorsicht Fluth.
+
+Da der Gebrauch des lieblosen Himmels und des trübseligen Erdgetümmels
+droht, dass sie das Begehrte und Beliebte hinter dem Schleier der
+Verwehrung verstecken und den Zweck des Herzens und der Seele ferne
+stecken, so geschieht es, dass alle Lüsten und Mühen, welche sich der
+Menschenliebe geben, nur Beschwerden und Gefahren nach sich ziehen, und
+dass sie allzumal in der Wahl der Sicherheit, wie sie dieselbe immer
+erfinden, nur Stoff der Entäusserung und Täuschung finden.
+
+ Weltenbrauch ist's einmal nun,
+ Stäts das Gegentheil zu thun;
+ Hätten wir die Eintracht nicht begehrt,
+ Hätte Welt dieselbe uns gewährt.
+
+ O wenn Genuss zu uns doch heute wiederkehrte,
+ Ich würde sagen ihm, wie Trennung uns beschwerte.
+
+Der Sinn des Gesagten ist: Seit Jahren ist das Ohr der Seele und die Seele
+des Ohrs mit dem Schalle der Grossmuth des Königs des Islams, des
+Herrschers von Iran, des Chosrews der Erde, die Sonne der Wahrheit und der
+Religion (die Welt sei seinen Geboten und Verboten unterthänig und der
+Himmel seinem Vorhaben günstig!) als mit einem Ohrgehänge geschmücket und
+entzücket worden, und dieser elende Sklave Mohammed Ben Mohammed
+El-Dschuweini hat gewünscht, dass er von Angesicht zu Angesicht denselben
+schaue; als es nahe daran war, dass dieser Wunsch erfüllet worden ganz und
+gar, brach von dem Loos eine geheime Absicht der Verzögerung los (sie möge
+nur Gutes bewirken!); das erstaunte Herz blieb ohne Kopf und die Seele
+blieb nur das Ergebniss des Spruchs: _Der Gierige bleibt beraubt zurück:_
+
+ Ein Engel sitzt an des lazurnen Daches Rand,
+ Der für die Liebenden dort bildet Scheidewand.
+
+Seit einigen Tagen sind Boten des Prinzen Mohammed von jener Seite gekommen
+und haben erfreuliche Nachrichten von beglückter höchstdero Seite gebracht.
+Diese Kunden hatten des Messias Eigenschaft, dessen Wunderkraft Todte in's
+Leben rafft; der Kiel des Schreibers der Kunden hatte über die
+Nothwendigkeit, sich vor Seiner Majestät dem Ilchan zu hüten, sich
+herausgelassen; hier erkühnt man sich aber, zu schreiben, dass der Weg
+unnöthiger Behutsamkeit des leeren Verdachts möge verschlossen bleiben,
+indem der Vorsatz jener Majestät (des Ilchan's) nach Westen und nicht nach
+Osten steht.«
+
+Hierauf antwortete Schemseddin Kert, wie folgt:
+
+»Da die Tage und Nächte, die nacheinander ziehen, sich dahin bemühen, dass
+kein Geschöpf den Wunsch des Herzens erreiche, und dass jeder Gedanke, auf
+welchen man das Herz setzt[530], verändert sich nimmer gleiche, so nützen
+Nichts Fleiss und Streben, und Mühen und Beschwerden können keinen Gewinn
+geben. Jahre sind es, dass ich mit Gebet und Fasten und Bitten ohne Rasten
+gewünscht das verehrte Antlitz des grossen Inhabers (des Diwans), des
+gerechtesten und geehrtesten Wesirs, dessen Rath und That gesiegt, der die
+Sonne des Reichs und der Religion (seine Würde werde vermehrt!), zu sehen
+und demselben alten und neuen Gram zu gestehen, aber
+
+ Da mit den Feinden viel der Freund ist umgegangen,
+ Geziemt sich nicht, von diesem Freunde zu verlangen:
+ Hüt' vor dem Honig dich, dem Gift ist beigemischt,
+ Und vor der Fliege, die gesessen ist bei Schlangen.
+
+Durch die Frische der Rosenzeit und durch die Bewässerung der Jahre wurden
+die Banden der Eintracht und Freundschaft und die Formen der Liebe zwischen
+beiden Seiten befestigt und das Gebäude der Einigkeit stark und hart vor
+den Giftwunden alles Fremdartigen bewahrt, die Kibla der Wahrheit
+zugewendet, und es wurden alle Tage Briefe gesendet, einzuladen Tataren und
+lasterhafte Barbaren. (Hemistich)
+
+ _Was dir gefällt, gefällt mir nicht._
+
+Diess liegt aber ausser der gesunden Vernunft Pfaden, und es ist zuwider
+dem reinen prophetischen Gesetze und den Ueberlieferungen Mustafas, des
+Freunds der Gnaden.
+
+ Besser ist's, dass Weiser einsam streife,
+ Dass nach Winkeln er als Festen greife,
+ Dass er trinke, küsse und ausschweife,
+ Bis dass Welt Beständigkeit ergreife.
+
+In diesen Tagen wird an den Sohn Mohammed kommen, was soll frommen, so Gott
+will, der Allgeehrte.«
+
+[Randnote: Schemseddin's Verse: das Grün und Roth.]
+
+Die Verse, welche Schemseddin Kert mit Schemseddin Mohammed gewechselt,
+sind nicht die einzigen, welche die Geschichte von diesen beiden _Sonnen
+der Religion_ aufbehalten; vom zweiten wird noch in dieser und in der
+folgenden Regierung die Rede seyn; vom ersten sprechen wir hier zum
+letztenmale und erwähnen daher noch zwei anderer Früchte seines
+Dichtertalentes, wovon das eine nur von geringem poetischem Werthe, weil
+das grösste Verdienst desselben im Wortspiel, das andere aber so
+merkwürdiger, als es in Europa neuer Beitrag nicht zur ethnographischen,
+wohl aber zur ethographischen Farbentheorie der Morgenländer. Das erste,
+eine Antwort an _Siadeddin_, das ist _Glanz der Religion_, den König von
+Kabul, mit welchem Schemseddin in grosser Zerwürfniss und Bewilderung.
+Jener schrieb ihm:
+
+ Aus Groll gen Kabul wollte ghurscher Junge
+ Nicht lösen zum Gespräch mit mir die Zunge;
+ Du bist die _Sonn'_, ich _Glanz_; ein Jeder weiss,
+ Die Sonne macht durch Glanz nur hell und heiss.
+
+Schemseddin Kert entgegnete hierauf:
+
+ Du, deiner nicht bewusst, nimm dich in Acht!
+ Warum hast Feindschaft du mit mir gemacht?
+ Ich bin die _Sonne_ und du bist der _Glanz_,
+ Der von der Sonne kommt; was will der Glanz?
+
+Die zweiten Verse sind zum Lobe des _Grünen_ im Gegensatze mit dem
+_Rothen_, worunter aber keineswegs das Grün der Erde, des Meers oder
+Smaragds, oder das Roth des Morgens oder der Blumen oder des Rubins,
+sondern ganz ein anderes Grün und Roth verstanden wird. Ohne nähere
+Belehrung hierüber würde das folgende Lob des _Grünen_ und _Rothen_ einem
+Abendländer eben so unverständlich sein, als einem Morgenländer die _grüne_
+und _blaue_ Partei des Rennplatzes gleich Eingangs der Commentare Mark
+Aurel's. Die Farben des Lebens und Todes des Morgenländers sind, wie bei
+den Abendländern, das Weiss der Tage und das Schwarz der Nächte, jenes
+Glück, dieses Unglück vorbedeutend, worin er mit dem Abendländer
+übereinstimmt; aber schon bei dem Unterschiede der Menschenrassen setzt
+jener den Schwarzen nicht die _Weissen_, sondern nur die _Rothen_ entgegen;
+so ist Mohammed der an die _Rothen_ und _Schwarzen_, d. i. an alle Rassen
+der Menschen, gesandte Prophet; die _Rothen_ sind jenen die blutigen Säbel
+und der gewaltsame Tod, die _Schwarzen_ die giftgeschwollenen Schlangen
+und der Tod durch die Pest; dem _Schwarzen_ steht das _Grün_ entgegen; dem
+_schwarzen Korn_, die Begier, das jedem Menschensohn in die Brust gepflanzt
+ist, und das nur dem Propheten durch Gabriel der gespaltenen Brust
+entnommen ward, ist entgegengesetzt das _grüne_ Korn der Mystiker, welches,
+durch Beschauung gross gezogen, in der Brust des Menschen zum Baume des
+Lebens und der Erkenntniss aufwächst. Das _grüne Korn_ in rein sinnlicher
+Bedeutung ist aber das des Bilsenkrauts und des daraus bereiteten Opiats
+als Berauschungsmittel, im Gegensatze des _Rothen_, d. i. des Weins.
+Schemseddin, dem Genusse des ersten ergeben, sang zum Lobe desselben die
+folgenden Verse:
+
+ Der Reiche, welcher trinket Wein, wird warm,
+ Die Welt füllt sich für ihn mit Lust statt Harm.
+ Ich giess' Smaragd in den Rubin gelinde[531],
+ Damit das Aug' der Gramesschlang' erblinde[532].
+ Wenn Staub des grünen Korns versüsst das Maul,
+ Besteige ich des Himmels grünen Gaul;
+ Mit _Grünen_ ess' ich _Grünes_ in dem _Grün_,
+ Bis dass mein Staub wird einst als Pflanze grün.
+
+Wassaf entgegnet hierauf zum Lobe des _Rothen_:
+
+ _Rothe_ Rose, _rother_ Wein und _rothe_ Wangen;
+ Trink', so lang noch frisch und _roth_ ist das Verlangen;
+ Gilb' nicht dein Gesicht mit Gram, denn _blau_ ist Himmel,
+ Wenn auch _schwarz_ und _weiss_ des Tags, der Nacht Gewimmel.
+
+Behaeddin, der Sohn Schemseddin Dschuweini's, beredete zwar den Herrn
+Herats, sich an den Hof Abaka's zu begeben, aber dieser liess ihn im
+Schlosse von Tebris einsperren, wo er bald hierauf starb, wie es heisst,
+durch Gift, das er im Ringe trug und selbst in die Speise gemischt haben
+soll. Die Meinung von seiner Listigkeit war so gross, dass der zur
+Begräbniss bestellte Emir, fürchtend, er möge sich nur todt stellen, um
+dann zu entwischen, ihn in zwei ineinander geschachtelte Särge legen und
+beide in seiner Gegenwart fest vernageln liess[533]. Das auf seinen Tod
+verfasste Distichon finde hier Raum, weil dasselbe, wie die obigen Verse,
+sich auf eine dem Morgenländer eigene Sitte, nämlich auf die der
+Orakelverse aus dem aufgestochenen des Korans beziehen. Dieses Aufstechen
+heisst _Fal_, was vielleicht dasselbe mit dem deutschen und englischen
+_Fall_[534].
+
+[Randnote: Schewwal 676/März 1278]
+
+ Im Jahr sechshundert sechs und siebzig im Schewwal,
+ Da schlug in dem Koran das Schicksal auf als _Fal_
+ Dem Leu'n des Islams, der genannt _Mohammed Kert_,
+ Den Vers: _Verfinstert ward die Sonne allzumal_.
+
+[Randnote: Die Niguderischen Banden in Fars; Lob der Mongolen aus dem Munde
+Wassaf's.]
+
+Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem in Europa Rudolph
+von Habsburg die Macht seines Hauses nach dem Siege über Ottokar
+befestigte, war für Persien ein unheilbringendes durch die Vergiessung
+seines Herzblutes in Fars durch den Einfall und die Verheerung der
+Niguderischen Banden[535], d. i. die Truppen des dschagataischen Prinzen
+Niguder, welcher, wie oben erzählt worden, auf Borrak's Schreiben aus dem
+Lager Abaka's entwichen, im Norden eine Zeit lang den Krieg fortführte,
+welchen nach seinem Tode seine Heere durch Raub und Verheerung fortsetzten,
+wie ehemals nach dem Sturze Chuaresmschah's die chuaresmischen Banden in
+Syrien. Die niguderischen Banden bestanden aus Raubgesindel aller Nationen,
+aus Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie fielen in Fars im
+Distrikte _Korbal_ ein und schlugen das persische Heer zu _Teng Schikem_,
+wo die Emire desselben die Brücke so abgebrochen hatten, dass nur für Einen
+Mann Raum zum Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nur
+_Bulghtuwan_ hieb sich mit dreihundert Reitern durch den rechten Flügel der
+Feinde und rannte, indem er die Brücke hinter sich verbrannte, fliehend bis
+Issfahan; der Rest des Heeres wurde zerstreut oder ertrank. [RN: 17.
+Ramasan 677/1. Febr. 1278] Korbal wurde geplündert, dreitausend
+verschnittene Pferde wurden sammt einer Horde von Mädchen und Knaben
+weggeschleppt. Drei Jahre später [RN: 680/1281] überschwemmten die
+mongolischen Banden abermal Germsir, d. i. die südlichste Landschaft von
+Fars, und wandten sich dann gegen Sistan; jeden Winter fürchtete man zu
+Schiras ihre Rückkehr und war mit Ausbesserung der Mauern beschäftigt, denn
+auf die verweichlichten Truppen von Fars war kein Vertrauen zu setzen.
+Wassaf setzt der Schilderung der Weichlichkeit von jenen die der Tapferkeit
+der Mongolen mit folgenden Worten entgegen:
+
+»Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach Jahrtausenden die
+Erzählungen der Kunden in Vers und Prose geweiht, und deren Mannhaftigkeit
+und Tapferkeit die Gemälde der Bücher und Blätter weit und breit, wieder
+zur Welt zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn ritterlicher
+Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der Schlacht von jedem einzelnen
+Mongolen Lection nehmen und Nichts Besseres thun, als im Dienste ihres
+Steigbügels die Satteldecke auf die Schulter zu nehmen. Wenn die
+berühmtesten Bogenschützen vergangener Völker, von den Arabern die Stämme
+_Siraa_ und _Kara_ und von den vier persischen Dynastien die berühmtesten
+vier Schützen, nämlich: _Aresch Schefatir_[536], _Isfendiar Rujinten_[537],
+_Koresch Aschghan_[538] und _Behramgur_[539], deren Bogenkunde das Buch von
+den _Graden der Reiter_ so umständlich ausführt und commentirt; wenn diese
+den Flug der Geschosse der Mongolen, die Stärke ihres Arms, die Spannung
+ihrer Bogen, die Wirkung ihrer Pfeile erführen, so würden sie sich nur als
+Verwundete des Pfeiles der Eifersucht getroffen vor dem Geschosse der
+Schmach und den Pfeilen des Schmerzes prostituiren. Ueber die Heftigkeit
+und Hartherzigkeit, die Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen, über ihr
+Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu erniedrigen, die ihnen
+unterliegen, über ihre Kunst, zu kriegen und Helfer anzufesseln ihren
+Siegen, ist es überflüssig, Etwas zu wiederholen: _Was thut Saturnus Noth,
+wenn du die Sonne schaust!_ Sie gewähren der Gelegenheit die Macht, mit
+kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld Alles zu verschmerzen,
+listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas verfolgen; am Tage der Schlacht
+spalten sie die Herzen der Löwen mit Macht und brechen den Damm der
+Zufälle, so dass es kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar, einem
+der Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte und steht hier an
+ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe der vollkommene zehn Eigenschaften der
+Thiere besitzen müsse: die Tapferkeit des _Hahns_, die Milde des _Huhns_,
+das Herz des _Löwen_, den Anfall des _Schweins_, die Geduld des _Hundes_ in
+Ertragung von Wunden, die Behutsamkeit des _Kranichs_, die List des
+_Fuchses_, die Vorsicht der _Raben_, die Raubsucht des _Wolfs_ und die Ruhe
+der _Katze_. Diese Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit
+Billigkeit muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der Welteroberung
+und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward gegeben; ihre Folgsamkeit für
+die Befehle ihrer Befehlshaber, ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu
+enthalten, ihre Hut von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt
+und ausser Zweifel gesetzt.«
+
+[Randnote: Verhältnisse mit Aegypten; natürliche Politik.]
+
+Auf die kriegerischen Eigenschaften der Mongolen und ihre Feindschaft gegen
+die Mamluken hatten die Kreuzfahrer in Syrien ihre Hoffnungen gebaut, und
+eine Gesandtschaft derselben flehte Abaka um thätige Hilfe an. Auf seinen
+Befehl fiel ein von _Semaghar_, dem Befehlshaber der mongolischen
+Streitkräfte in Kleinasien, und von _Perwane_, dem mongolischen Vogte
+Kleinasiens, befehligtes Heer in Syrien ein. [RN: 670/1271] Der Vortrab von
+tausend fünfhundert Mann hieb einen zwischen Harun und Antiochien
+gelagerten turkmanischen Stamm zusammen und verheerte das Gebiet von Harun
+und Murudsch. Auf die erste Kunde hatte Bondokdar, der sich zu Damaskus
+befand, [RN: 18. Rebiulewwel/24. Oct. 1271] einen Eilboten nach Kairo mit
+dem Befehle, dass der General _Beiseri_ mit dreitausend Mann aufbreche,
+gesandt. Bondokdar verliess mit demselben Haleb, [RN: 12. Nov.] aber die
+Mongolen hatten sich schon aus Syrien zurückgezogen. Sultan Beibars sandte
+eine Truppenabtheilung nach Meraasch, dem alten Germanicia, der Hauptstadt
+der noch heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, die anderen
+nach Harran (dem alten Carra zur Römerzeit), durch den Tod des Caligula,
+durch die Niederlage des Cassius, in älterer Zeit durch den Tempel der
+Sabäer, namentlich durch den der Luna, und als der Wohnsitz Abraham's im
+Lande _Ur_ geschichtlich geadelt. Die Einwohner Harran's öffneten die Thore
+und zerstreuten sich in die Städte Syriens; aber im nächsten Jahre kam eine
+mongolische Truppe und schleifte die Mauern der Stadt. Zu Damaskus
+erschienen vor Bondokdar Gesandte Semaghar's und Perwane's, welche im Namen
+Abaka's Friedensunterhändler begehrten; der Sultan sandte zwei seiner
+Officiere mit ihnen, welche den Feldherrn Semaghar zu Siwas fanden und ihm
+statt der gewöhnlichen neunmal neun Geschenke nur neun Bogen und neun
+Pfeile darbrachten, den Abgang der andern neunmal sieben durch die
+Eilfertigkeit ihres Ritts entschuldigend. Perwane begleitete die Gesandten
+des Sultans an den Hof Abaka's, dem sie zum Geschenke einen Helm von
+Igelstacheln, einen Säbel und neun Pferde darbrachten und ihm den von Mengu
+Timur, dem Herrn von Kipdschak, gemachten Vorschlag eines
+gemeinschaftlichen Angriffs auf die Länder Abaka's im Norden und Süden
+mittheilten. Die Stammeifersucht zwischen dem Feldherrn des Uluses Hulagu's
+und Dschudschi's, welche unter Hulagu und Berke in offenen Krieg
+ausgebrochen, unter Abaka's Regierung nur durch Waffenruhe, nicht durch
+Frieden besänftiget war, machte die Herrscher Kipdschaks zum natürlichen
+Verbündeten der Sultane von Aegypten, so wie gemeinsames Interesse wider
+die letzten die Kreuzfahrer wider die Mongolen verband, während die
+Schaukelpolitik der byzantinischen Kaiser sowohl an den Herrscher des
+Uluses Dschudschi's als an den des Uluses Hulagu's die Sendung von
+Gesandtschaften und Prinzessinnen vervielfältigte, um ihre, den Rest des
+byzantinischen Reichs in der Hauptstadt bedrohende, von allen Seiten
+hervorbrechende Macht so lange als möglich ferne zu halten. Dieses
+sogenannte natürliche Interesse, wodurch die nächsten Nachbarn geborne
+Feinde eines Staats, sowie die unmittelbaren Gränznachbarn der Feinde
+geborene Verbündete, ist eine Parallele barbarischer Politik zu der nicht
+minder barbarischen türkischen Ansicht der Familienverhältnisse, vermöge
+welcher die Söhne die natürlichen Feinde der Väter, sowie ihre natürlichen
+Freunde die Enkel, weil diese als Feinde ihrer Väter geboren. Hier wie dort
+misst der niedrigste Eigennutz der Habsucht die Grade der Freundschaft und
+Feindschaft im umgekehrten Verhältnisse der Entfernungen der Länder und des
+Bluts, und diese bisher sogenannte natürliche Schaukelpolitik, welche
+vielmehr mit dem Namen der unnatürlichen gebrandmarkt sein sollte, muss in
+dem Masse verschwinden, als sich die Völker durch gegenseitigen Austausch
+der Ideen verbinden und die Bildung der Humanität fortschreitet; sie wird
+sich (sowie die Familienansicht der Feindschaft der Söhne und Freundschaft
+der Enkel schon heute keine christliche und europäische mehr) zuletzt nur
+bei den Barbaren finden, so lange es deren noch auf Erden geben wird; dass
+diese Politik aber im Mittelalter und besonders im byzantinischen und
+mongolischen Reiche, bei den Mamluken und Kreuzfahrern culminirte, darf bei
+der allen gemeinsamen, vorherrschenden Barbarei jener Zeit nicht Wunder
+nehmen.
+
+[Randnote: Streifzug in Armenien.]
+
+Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft an Beibars, um zu
+begehren, dass der Sultan selbst oder einer der ersten Männer des Reichs an
+den Hof Abaka's komme, den Frieden zu unterhandeln. [RN: Ssafer 671/Aug.
+1272] Bondokdar antwortete: wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst
+oder einer seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die Nachricht,
+dass mongolische Truppen die beiden Gränzplätze _Rahbet_ und _Birtha_ am
+Euphrat bedrohten, brach Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte
+Schiffe mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen. [RN: 9. Rebiulewwel
+671/4. Oct. 1272] So haben wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung
+der Dampfschifffahrt auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch die Wüste
+Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar die Nachricht erhalten,
+dass die Mongolen vor Bire, und durch dieselbe versprach er der Stadt den
+schleunigsten Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig
+Poststationen zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben Tagen
+zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber entweder nicht angelangt
+oder zu wenig, denn der Uebergang über den Euphrat ward mittels fünf und
+dreissigtausend Kameelen[540] bewerkstelligt, auf denen das Heer
+überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt dem ägyptischen Heere
+überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar verfolgte sie und erbeutete von den
+Nachzüglern einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer
+grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu Damaskus ein. Der
+Befehlshaber von Haleb, Hossameddin von Aintab, sandte einen Streifzug nach
+Armenien, weil dasselbe für die Streifereien des Kastellans von _Kinuk_ die
+begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen, die Männer wurden
+niedergehauen, die Weiber in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der
+Hauptstadt Sis widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert.
+Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens und den Marsch Abaka's
+längs des Sab gegen den Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich
+nach Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte. An seinem Hofe
+erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige Melik Schemseddin Behadir, Herr von
+Samosate, Sohn des Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm,
+welcher nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan und
+endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; [RN: 17. Ssafer 672/2. Sept.
+1273] er hatte schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste
+geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen des Sultans an
+einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, von Reliquien
+begleiteten Brief, den er hernach auffangen liess, die Hinrichtung dieses
+Bischofs bewirkt[541]; auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der
+Nestorianer, welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen verfolgt,
+Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen hatte, war neue
+Verfolgung im Anzuge; um derselben zu entgehen, verlegte er seinen Sitz von
+Irbil nach Aschim in Aserbeidschan[542], in der Nähe der Hauptstadt, weil
+die Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars, der sich über
+Verletzungen des mit dem Könige von Armenien geschlossenen Vertrags zu
+beklagen hatte, beschloss, Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im
+Geleite Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin Isa's, des
+Emirs der syrischen Beduinen, auf. [RN: 3. Schaaban 673/1. Febr. 1275] Der
+Emir und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb, erhielten den
+Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu nehmen; aber zu Sermin
+angelangt, liess Beibars dort sein Gepäcke unter der Obhut des
+Befehlshabers Ben Sonkar zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch
+die Einnahme Ssalaheddin's[543] und fünfzig Jahre hernach durch einen Sieg
+der Saracenen über die Templer in der Geschichte der Kreuzzüge schwarz
+gezeichnete feste Burg liegt am _Nehr Eswed_, d. i. am schwarzen Flusse,
+welcher dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten
+fruchtbarer Fluren und Gärten[544]. Von den Mongolen erobert, ward sie an
+König Hethum abgetreten, von diesem vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar
+übergeben worden[545].
+
+[Randnote: Verheerung Ciliciens.]
+
+Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn Miglien davon gelegenen
+Baghr, dessen Einwohner meistens christliche Fischer[546], und sandte von
+hier Truppenabtheilungen zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken
+zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen Richtungen in's
+Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter einer von König Hethum, dem Vater
+des regierenden Königs Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegen
+_Merkes_[547] durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner Enge
+_Ssakaltutan_, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss von Merkes ist der
+alte _Kersos_, dessen Name sich in dem des Schlosses zum Theile
+erhalten[548]. Die ägyptischen Truppen verheerten Massissa, das alte
+_Mopsuestia_, d. i. der Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des
+Dschihan (Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen der
+Goldstoffwiese[549] in den Kriegen der Byzantiner mit Seifeddewlet durch
+Schlachten berühmten Ebene, eine halbe Tagreise von Adana; eine steinerne
+Brücke verbindet den diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der
+Stadt. Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von Massissa bis
+an das Meer zieht, heisst der _Dschebelon-nur_, d. i. der Lichtberg, auf
+welchem die schönsten Hiacinthen und seltene Pflanzen, unter andern
+Mandragoren und ein Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb
+färbt, von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins der Weisen
+gesucht wird[550]. Unter Massissa liegt die tiefe Felsenschlucht, welche
+_Kurd Kulaghi_, d. i. das Wolfsohr[551], heisst, zur Linken auf einem hohen
+Berge das weisse Schloss _Jilan Kalaasi_, d. i. das Schlangenschloss, das
+für die Residenz der Schlangenkönigin gilt[552], die sich mit der
+Kronjuwele auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese und auf den Höhen
+des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang in dem Gebirgspasse bis nach _Sis_,
+der Hauptstadt des alten armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe
+gelegenen Festen von _Ainsarbe_, _Tel Hamdun_, _Serfendkjar_ und
+_Bersbert_ von den Arabern die Schneidezähne[553], d. i. die Gränzfesten
+des Islams, genannt werden; die letzte war der Schatzhort der armenischen
+Könige und eine Zeit lang die Residenz derselben[554]. Nachdem _Sis_
+verbrannt worden, kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier
+seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere gelegenen
+cilicischen Städte _Tarsus_, _Adana_, _Barin_ und _Ajas_ gewendet.
+_Tarsus_, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischen Könige hinauf datirt,
+indem sich Sardanapalus dasselbe erbauet zu haben rühmte, ist in der des
+Chalifats als der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist
+aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien berühmteste
+Stadt Ciliciens; am Cydnus[555], welcher die Mauern derselben wäscht, hatte
+Alexander nicht ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher
+als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph oder
+Calycadnus[556], der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod gefunden. Den Cydnus
+war Kleopatra in ihrer mit purpurnen Segeln und vielfarbigen Flaggen
+bepfauten goldenen Galeere hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische
+Ueberlieferung nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der
+Dschinnen[557], wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und
+einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen befahl. Der
+schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne) sprang wieder in's Wasser, so
+dass derselbe die Kleider Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber,
+befahl, den Fisch wieder herauszuziehen. »Nun werde ich dich sogleich
+gebraten essen«, sagte der Chalife, und übergab ihn dem Koch, aber im
+selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger Fieberschauer; als der Fisch
+ihm gebraten vorgesetzt wurde, war er nicht mehr im Stande, davon zu essen,
+und nach einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch diese
+Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die Höhle der Siebenschläfer
+verleget (wiewohl man sie auch zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus
+nicht minder geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der
+byzantinischen Feldzüge, [RN: i. J. 350/961] in welchen Tarsus, vom
+byzantinischen Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste des
+Islams ward. Zu _Adana_, der Hauptstadt der heute darnach genannten
+osmanischen Statthalterschaft, welche Harun Raschid am Ufer des Sihan,
+d. i. des Sarus, erbaut hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und
+Kinder geraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von Baghras und
+eine von Tel Hamdun entfernt, war in den Händen der Franken, welche ihr
+Habe auf die Schiffe im Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern
+verbrannt; tausend Franken und Armenier, die sich zur See retten wollten,
+gingen in derselben zu Grunde[558]. Massissa wurde verbrannt. Im folgenden
+Spätjahre wurde Bire von Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener
+Belagerung zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo dieselbe
+in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim des Königs, angegriffen
+ward. [RN: 29. Nov. 1275] Das Treffen kostete dem Oheim des Königs,
+vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern das Leben. Die Turkmanen, wiewohl
+Sieger, zogen sich zurück[559].
+
+[Randnote: Unruhen in Rum; Schlacht von Albestan.]
+
+Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald neue feindliche
+Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens und dem Ilchane Persiens herbei.
+Wir haben schon im vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden
+Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und der Theilung Rums
+zwischen beiden erwähnt. _Moineddin Ssahib Perwane_, d. i. der Inhaber des
+Kabinetssiegels, der Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn
+bei Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines
+Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in der That hatte
+Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage der Abtretung der Hälfte seines
+Landes gesandt, wenn er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf
+dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines Bruders und dessen
+Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete sich zum byzantinischen Kaiser,
+welcher, um dem Hulagu gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als
+Staatsgefangenen einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den
+Herrscher von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem von diesem
+verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, die ihn aus Ainos befreiten;
+er starb als Vassal des Herrschers der goldenen Horde in der Krim.
+Rokneddin herrschte nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der
+eigentliche Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn bei
+Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner Hinrichtung. [RN:
+666/1268] Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, wurde mit einer
+Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, wo der letzte der Hohenstaufen,
+Konradin von Schwaben, auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte.
+Perwane herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen Sohnes
+Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums, unter diesen auch der Sohn
+Perwane's[560], flüchteten zu Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider
+Abaka auf. Nachdem er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren zum
+Nachfolger ernannten Sohn _Said Berke_ in seiner Abwesenheit mit
+unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet hatte, brach er nach Syrien und
+von da gegen Cilicien auf. Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der
+Wüste (Isa, der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber Chafadsche,
+welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar zog über Aintab,
+Dulak[561], Kinuk, d. i. durch den taurischen Pass, die heutige Strasse der
+Pilgerkarawane. Er mündete in der Ebene von _Ablestan_ oder _Albostan_,
+wohin Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten
+Tempelstädte _Komane_, nämlich das kappadocische, verlegen[562]; hier
+sowohl als in der goldenen Komane an der Vereinigung der beiden Arme des
+Euphrat in Sakasene und im pontischen wurde die taurische _Artemis_ als
+_Anaitis_ oder die Kriegsgöttin _Enyo_ in Tempeln verehrt, die unter Hut
+grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden. Der Name
+_Albestan_, d. i. der Garten, scheint derselbe mit dem des alten _Pästum_
+zu seyn, dessen Tempel vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das
+pontische Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den Sieg
+Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen Ruhm sollte nun das
+kappadocische in der Kriegsgeschichte der Mamluken und Mongolen durch die
+Niederlage der letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf
+Regimentern von tausend Mann bestehend, ward von _Tokus_, seinem Bruder
+_Uruktu_ und von _Tudaun_, dem Bruder Sughurdschak's, dem Suldusen,
+befehligt; die Hilfstruppen bestanden aus türkischen, deren Treue[563] in
+einer Schlacht wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen
+Hilfscorps von dreitausend Mann. [RN: 11. Silhidsche 675/16. April 1277]
+Freitags in der Hälfte Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag
+Ssalaheddin's und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil dieser
+vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an einem Freitage erfochten),
+hatte die Schlacht statt. Der linke Flügel der Mongolen warf das
+Mitteltreffen der Mamluken, in welchem das Panier des Sultans flatterte,
+auf den rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und stellte die
+gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu und Tudaun sassen mit ihrer
+Reiterei ab, um den Anfall der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten;
+aber die ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen wurden
+geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun und sechstausend siebenhundert
+siebzig gezählte Mongolen deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die
+Gefangenen vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere
+ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten überhäufte er mit
+Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen der Ungläubigen schlügen; unter den
+Gefangenen befand sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's[564].
+Ein Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem Ilchan, der
+erzürnt nach Tebris zurückkehrte.
+
+[Randnote: Beibars zu Cäsarea.]
+
+Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu Kaissarije (Cäsarea) im
+Triumphe, unter einem Thronhimmel, wie derselbe ober dem Haupte der Sultane
+Seldschuken getragen ward, in den Palast des Sultans ein und setzte sich
+auf den Thron. [RN: 18. Silkide/23. April] Mit dem Sultansbunde auf dem
+Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte den Prinzessinnen des
+Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten Grüsse; dann setzte er sich
+wieder auf den Thron und empfing die Huldigung der _Ulema_ und _Kadi_, der
+_Imame_ und _Scheiche_, der Prediger und Leser des Korans, der _Fakihe_ und
+_Fakire_; der Ceremonienmeister, mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel
+angethan, wies jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte den
+Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn erscholl, die Leser
+lasen Suren des Korans, Dichter declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit
+einem Frühmahle königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee
+des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet ward, so auch
+in den übrigen sechs Moscheen der Stadt[565]; das ausgeworfene Geld war auf
+seinen Namen gemünzt[566]. Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin
+zu Kaissarije zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane,
+welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans von Rum befehligt
+hatte, war nach Verlust derselben nach Kaissarije geflohen und hatte sich
+von hier mit dem Namensträger der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin,
+nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin war seine von
+vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin Gurdschi Chatun, die Tochter
+Ghajaseddin's, des Herrn von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an
+Beibars, um ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort forderte
+Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane bat um einen Aufschub
+von vierzehn Tagen, in der Hoffnung, dass Beibars, von dem Anmarsche
+Abaka's benachrichtigt, eher Cäsarea verlassen haben würde, das er wirklich
+am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess. Beibars verliess Cäsarea in
+dem Augenblicke, wo zu erwarten stand, dass er seine Eroberungen in Rum
+verfolgen würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, sonst
+wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche die Lieferungen genau
+bezahlten, nicht misshandelt. Während seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte
+Beibars die Huldigung des Herrschers von Karaman empfangen, welcher, der
+Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch vier und zwanzig Jahre
+ein Nebenbuhler des der Seldschuken und dann durch hundert sechs und
+siebzig Jahre der Osmanen, bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn
+von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert ward[567].
+Schemseddin Mohammed, der Karamane, zog an der Spitze von dreitausend
+Reitern nach der Hauptstadt Konia, vor welcher er die ihm von Sultan
+Beibars gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe
+aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die Stadt nicht, doch
+würden sie ihn nicht hindern, wenn er die Thore verbrennen wolle,
+einzuziehen. Er verbrannte zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte
+sich der Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere entgegen,
+welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, von seinen beiden Söhnen
+befehligt, wider ihn gesendet; [RN: 29. Silkide 675/3. Juni 1277] der
+Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der beiden Söhne des Wesirs
+nach Konia, verliess dasselbe aber nach sieben und dreissig Tagen und zog
+sich in's cilicische Gebirge zurück. [RN: Ssafer 676/Juli 1277] Im
+folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal gegen Rum[568]. Zu Ablistan oder
+Elbestan wartete ihm der Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin
+von Issfahan auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen
+Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen, Urheber von Unruhen,
+hinrichten und gab den Befehl zur Verheerung der Städte Rums. In dem
+Ausfluge von sieben Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner
+geschlachtet; es fielen mehr als hunderttausend derselben als ein Opfer des
+Schwertes[569]. Mohammed Schemseddin Dschuweini, der gerechte und gelehrte
+Grosswesir, kaufte mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas
+zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine Vorstellungen,
+dass die Einwohner unschuldig der Rache verfallen, rettete. Nureddin
+Chasneji und Sahireddin Ibn Husch wurden hingerichtet[570].
+
+[Randnote: Gesandtschaft an Beibars, dessen Tod, Perwane's Hinrichtung.]
+
+Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. Die Emire stellten ihm
+vor, dass in der Mitte des Sommers die Beschwerden des Zuges zu gross, dass
+der Marsch besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte also
+indessen Botschaft an Bondokdar: »Ihr seid wie Räuber auf die Vorwachen
+unserer Heere gefallen und habt dieselben erschlagen, und als Wir uns
+genaht, seid ihr wie Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun
+auf dem Kampfplatze:
+
+ Komm', dass du meine Lanze streifest,
+ Komm', dass du meinen Zügel greifest;
+ Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben,
+ Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben;
+ Hast du von Männern je gehört der Schlachten,
+ Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?«
+
+Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald darauf starb[571].
+Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem Bruder, dem Prinzen
+Konghurtai[572] Aghul zur Huth, liess Tokat und das Schloss Perwane's
+verwüsten[573] und kehrte nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von
+Baiburt vorbeikam, das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen
+berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe und Kumach durch die
+Feinheit seiner Leindwand[574], erbat sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm
+frei die Wahrheit sagen zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er:
+»Herr, dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen Unterthanen
+Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme entwischet, hast du denselben an
+deinen Völkern ausgelassen, hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen
+Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen gethan?« Die
+Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck auf Abaka, der die Freigebung
+von viermalhunderttausend Gefangenen befahl[575]. Im Lager von Alatak wurde
+Moineddin Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt:
+dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage sich nicht zum
+Herrn begeben, dass er denselben nicht frühzeitig genug vom Anzuge der
+Aegypter unterrichtet. Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's
+sagten überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars auf
+dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine Hände zu liefern
+versprochen, dass er hernach aber vor demselben geflohen sei. An Perwane,
+welcher den Sultan Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches mit
+Gleichem vergolten; [RN: 1. Rebiulewwel 677/23. Juli 1278] Abaka war schon
+auf dem Punkte, ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als die
+Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei vor dem Palaste
+Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt
+den Befehl der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah,
+seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von zwei Verbeugungen
+verrichten zu dürfen; nachdem er es verrichtet, wurde er zusammengehauen.
+Die Angabe des armenischen Mönchs Geschichtschreibers[576], dass Abaka vom
+Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und selbst davon
+gegessen haben soll, verdient wenig Glauben. Moineddin Suleiman Perwane aus
+Dilem war der Sohn Mobariseddin Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum
+gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's als Eidam
+begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle als Wesir erhalten
+hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte Rum im Namen der Seldschuken als
+unumschränkter Herr; Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope
+verpachtet, deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf seinen Sohn
+Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's, Mohesebeddin Mesud,
+überging[577]. Dieser bemächtigte sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach
+seinem Tode[578] in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen
+nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin nach Rum gesandt,
+um dem verwüsteten Lande wieder aufzuhelfen; [RN: 17. Rebiulachir/7. Sept.]
+er baute die verheerten Städte wieder auf, führte aber auch die
+Stempelgebühr ein, welche vordem in Rum nicht bestanden. Der Fürst von
+Karaman, der sich in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben
+verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft Malatia's.
+Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten Rums eingerichtet, wandte sich
+nach dem Kaukasus und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der
+mongolischen Herrschaft unterwarf[579].
+
+[Randnote: Verungnadung Schemseddin's und Wiederaufnahme zu Gnaden.]
+
+In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung Rums nach der
+Unterwerfung Lesgistans dem Reiche die wichtigsten Dienste erweisend und
+seine Macht im höchsten, war auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe
+war das Werk der Ränke _Medschdulmülk's_, des Sohnes _Ssafiolmülk's_, des
+vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd. Zuerst im Dienste Behaeddin's, des
+Sohnes Schemseddin's, zu Issfahan, war er von diesem dem Vater empfohlen
+worden, welcher ihn in verschiedenen Aufträgen und zur Zählung der
+Einwohner Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet hatte. Medschdulmülk
+hinterbrachte dem _Jesu Buka Gurgan_, welcher als Gemahl Kutlukan's, der
+sechsten Tochter Hulagu's, der Schwager Abaka's, dass Medschdeddin Esir,
+der Bestellte Alaeddin Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's), in seinem
+und seines Bruders Namen geheimes Einverständniss mit den Aegyptern
+unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern. Abaka, hiervon durch seinen
+Schwager unterrichtet, befragte den Medschdeddin Esir, von dem aber selbst
+fünfhundert Prügel kein Geständniss erpressten. Schemseddin, in der
+Hoffnung, einen gefährlichen Feind zu versöhnen, verlieh seinem Ankläger
+Medschdulmülk die Statthalterschaft von Siwas mit einer Anweisung von
+zehntausend Dinaren auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und
+unversöhnlich suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre Abaka's mittels
+dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem machte er zu Kaswin in einer
+geheimen Unterredung weis, Perwane habe auf Schemseddin's Einflüsterung den
+Bondokdar nach Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich eine
+mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er könne dem Wesir
+beweisen, dass er sich viertausend Tomane[580] von den Krongütern erpresst,
+dass er ausserdem zweitausend Tomane an Heerden und Juwelen besitze, ohne
+zu rechnen, was er von den Schlössern der Assassinen und von Bagdad
+weggeschleppt; sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von Issfahan, habe dort
+ausser den aufgelegten Steuern sechshundert Tomane erpresst; um ihm das
+Maul zu stopfen, habe er ihm die Statthalterschaft von Siwas mit einer
+Summe Geldes verliehen. Arghun hinterbrachte diese Reden seinem Vater; als
+dieser sich zu _Scherujas_ (in der Ebene zwischen Ebher und Serdschan)
+befand, ward Medschdulmülk durch Vermittelung des Emirs Taghadschar von
+Abaka im Bade empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten Meinung von
+Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem Ankläger den Auftrag, die
+Rechnungen der letzten Jahre zu untersuchen und die Güterbeschreibungen zu
+durchgehen, ohne dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern
+dürfe. Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes glänzender und
+schöner, als dieselben Sultanen und Königen verliehen worden[581]. Die
+Naibe oder Stellvertreter der Steuervögte wurden nach Tebris einberufen.
+Medschdulmülk stand auf einmal in hoher Gunst und verkündete dieselbe durch
+seinen Aufwand; er umgab sich mit berittenen Pagen, die auf arabischen
+Pferden mit goldenen Gürteln, und spannte ein von vierzig Säulen getragenes
+Zelt aus Atlas von _Schuster_ aus. Schemseddin wandte sich an seine
+Gönnerin und Beschützerin Oldschai Chatun, welche den aufgebrachten Gemahl
+dem Wesir zu versöhnen sich bestrebte. Er erhielt eine Audienz: »Wir haben
+dich«, redete ihn Abaka an, »in dem dir von Unserem Vater verliehenen Amte
+der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit bestätigt und alle
+Länder deiner Feder untergeben; wie hast du unser Vertrauen zu misbrauchen
+und das Doppelte der Gebühren undankbarerweise dir anzueignen gewagt?« Der
+Chalife Motedhad biemrillah hat gesagt: »Ueber den, der die Gnaden der
+Könige mit Undank erwiedert, werden die Schwerter Recht sprechen.«
+Schemseddin antwortete: »Ein Theil der eingenommenen Gelder ward im Dienste
+der Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen und Prinzessinnen, ein Theil
+zu Gaben und Almosen für's allgemeine Besste verwendet; was ich besitze an
+Kapitalien und Gütern, an Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden
+und ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden Wink
+zurückzugeben erbötig.« Abaka, durch diese Sprache des Wesirs versöhnt,
+verzieh ihm; er sagte: »Alle deine Schuld, die sich begeben und die sich
+nicht begeben, habe ich dir vergeben[582] und dich in deinem Amte
+neuerdings bestätigt.« Die gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der
+Intendenten des Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin erliess
+Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster Gnade kund zu thun; in
+demselben waren die Worte Abaka's, wie folgt, angeführt: »Eine Zeit ist es,
+dass durch verlautende Kunden der Veränderung Unserer Gnade dir die
+Sicherheit der Nahrung und die Süssigkeit des Schlafes geraubt worden; nun
+gehe von hier in Unserem Dienste betrunken nach Haus, strecke mit Herzen
+voll Lust und mit gesättigter Brust Hand und Fuss fröhlich im Hareme aus;
+lege dich früh nieder und stehe spät auf.«
+
+[Randnote: Medschdulmülk, Amtsgenosse Schemseddin's.]
+
+Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs zu vorigen Gnaden
+beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter den Schutz eines der Emire seines
+Hofes stellen oder davon entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er
+den Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem Medschdulmülk Nichts
+Uebles wolle und dass er beim Emir _Taghadschar_ bleiben könne.
+Medschdulmülk, von seinem Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan
+unterstützt, fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem Erfolge,
+dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk von Jesd dem Inhaber
+des Diwans an die Seite gegeben ward. [RN: 679/1280] Dieses Diplom ward im
+Götzentempel zu Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen
+öffentlich verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch kein
+Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen Jerligh erhalten. Abaka
+empfahl dem Medschdulmülk die grösste Wachsamkeit in Bewahrung und
+Gebahrung der Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er
+unter seinem Schutze stehe[583]. Medschdulmülk stellte in allen Ländern
+Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an, und in den Erlassen des Diwans
+wurde der Name Schemseddin's als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's
+links auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb Medschdulmülk,
+seine Feindschaft nicht verhehlend, an Schemseddin die Verse:
+
+ Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen,
+ Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen;
+ Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust,
+ Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust[584].
+
+Schemseddin antwortete hierauf:
+
+ Da es unmöglich, Schahe zu verklagen,
+ So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen;
+ Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen,
+ Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.
+
+Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher der Demüthigung bis
+zum Hefen aus. Als er eines Tages mit seinem Amtsgenossen Feinde auf den
+Stufen des Thrones erschienen, befahl ihm Abaka, die untere Stufe
+einzunehmen; ein andermal, bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka dreimal
+den ihm von Schemseddin dargebrachten Becher, den dieser hiernach dem ober
+ihm knienden Feinde darbrachte; Abaka reichte hierauf dem Schemseddin, dem
+eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch, das dieser schweigend
+verschluckte; da sagte Abaka zu den Trinkgenossen: Dort ist ein guter und
+ausharrender Mann; ich hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch
+zu essen geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug' auszustechen.
+[RN: Rebiulewwel 680/1281] Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads,
+der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der Anklage von
+Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad ohne allen Aufwand in reinlicher
+Kleidung, und sogleich war von allen Seiten ein Heer von Anklägern und
+Zwischenträgern in der Luft; Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin habe nun
+durch zwanzig Jahre die Steuerausschreibung des arabischen Irak und
+Chusistan's verwaltet und in jedem dieser Jahre über zwanzig Tomane
+Zuschuss erhoben. Alaeddin rechtfertigte sich »durch die ihm aufgebürdeten
+Ausgaben für die Prinzen und Frauen, für die Emire und Intendenten der
+Gauen, durch den Aufwand für die Gesandten am Hofe, für Geschenke und
+reiche Stoffe, welche alle die wichtigen Lasten der Pachten die
+Diwanseinnahmen vollmachten«[585]. Da die Ankläger hierin nicht aufkamen,
+änderten sie ihr Spiel. »Sie stellten«, sind Wassaf's Worte, »dem Könige
+gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen vor, dass von den vor
+zehn Jahren[586] gelegten Rechnungen noch zweihundert fünfzig Tomane zu
+zahlen übrig seien.« Bei gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass
+diese Summe nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der Districte zur
+Last falle, von denen dieselbe einzutreiben unmöglich. So wurde darüber
+hinausgegangen und Alaeddin wieder nach Bagdad zur Verwaltung seines Amtes
+zurückgesandt. Was den Anklägern Schemseddin's und seines Bruders
+vorzüglich zu statten kam, war der durch die neuen Kriegsrüstungen
+eingetretene Geldmangel. Von Aegypten her nahten sich die ägyptischen
+Befehlshaber _Elfi_ und _Aschkar Sonkar_ mit einem Heere, welchem der Prinz
+Mengu Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer ging nach Osten zum
+Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan, und ein drittes war zur Huth
+der Gränze von Derbend erforderlich. Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu
+überwintern, auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen und Alaeddin
+hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt. [RN: 1. Redscheb 680/16.
+Oct. 1281] Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat von hier den Weg
+nach Bagdad an. Diesen Augenblick benutzte Medschdulmülk, um dem Padischah
+zur Füllung der geleerten Cassen die von Alaeddin dem Schatze schuldigen
+Summen in's Gedächtniss zu rufen.
+
+[Randnote: Alaeddin opfert sein Habe und wird verbannt.]
+
+Alaeddin, von allen Seiten der neuen, seinem Habe und Blute drohenden
+Gefahr benachrichtigt, ergriff das einzige Rettungsmittel des letzten durch
+freiwilliges Opfer des ersten. Er sandte sogleich sein ganzes Habe vom
+Grössten bis zum Kleinsten an den Fuss der Majestät: »Sein ganzes Habe«,
+nach den Worten des in der ganzen Fülle asiatischen Styles wuchernden
+Wassaf, »von den glänzenden Perlen, welche wie Glückessterne strahlten, bis
+zu den geringsten Korallen und den hölzernen Geschirren, den gemalten, von
+den kostbarsten Tapeten geflochten aus den goldenen Drähten bis zu den
+schlechtesten Kotzen und strohgeflochtenen Matten, von den Reinsten und
+Schöngestaltetsten bis zu den Niedrigsten und Veraltetsten, von den
+Gefässen, den vergoldeten, den auserwählten, bis zu den alten Hausgeräthen,
+den in die Rumpelkammer gestellten, von den Gürteln und Floren bis zu den
+Vorhängen von Thoren, von den Sklavinnen, den schönsten der Zeit, deren
+Wangen Rubinen von Bedachschan, bis zu den Stallknechten (Kutal), mit
+groben Kitteln angethan; er schaffte herbei aus der Musikkapelle die
+Pfeifen und Trommeln, an deren Stelle die wiehernden und yahenden, die sich
+stattlich und mannichfarbig als Reitthier nahenden, von den Mäulern und
+Pferden die wohlfeilen und die werthen, Kameele und Kameelinnen, Böcke und
+Widder. Sein Zweck war, in Ehren zu beharren und nicht die Waaren zu
+bewahren; er war bereit, Alles zu wagen und beizutragen und setzte den Fuss
+auf den Spruch:
+
+ _Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen_,
+
+als auf seinen höchsten und unabänderlichsten Entschluss.« Zugleich eilte
+Alaeddin dem Ilchan entgegen und warf sich auf der Station Dodscheil zu
+seinen Füssen. Da die Summe der eingelieferten Schätze doch noch unter der
+Erwartung geblieben, wurde er ungnädig empfangen, und es erging ein
+Jerligh, um den Emir Taghadschar zur Einleitung des Prozesses nach Bagdad
+zu berufen; er plünderte noch das von Alaeddin gestiftete Karawanserai
+(Robath) Kloster, und da im Hause Alaeddin's nur der Besitzer allein
+zurückgeblieben war, wurde dieser in Empfang und Verhaft genommen. Alaeddin
+wurde in den Halsblock geschlagen, auf die Folter gelegt, nackt zu Bagdad
+hineingeführt und dann verbannt. In dieser Tiefe seines Elends sandte er an
+seinen Bruder, den Wesir, die arabischen Verse:
+
+ Freund! dein Ohr dem Manne schenke,
+ Den man führt zur Todestränke;
+ Meinem gnädigen Herrn klag' ich
+ Und der Zeiten Unbill trag' ich;
+ Nacken schlanker Mädchen steht mir an,
+ Nicht der Bannstrahl im Dorfe _Ban_.
+
+_Ban_ heisst das Dorf bei Nissibin, nach welchem er verbannt ward und
+dessen Name hier mit _Ban_ spielt, dem Namen der babylonischen Weide, mit
+deren biegsamen Stamm und Aesten der Nacken und die Glieder der Schönen
+verglichen werden. Seine Feinde fanden in diesen Versen neuen Stoff von
+Anschwärzung und Verfolgung; sie ärgerten sich darüber, dass er inmitten
+seines Unglücks noch Lust und Geist genug besitze zu arabischen Versen und
+Wortspielen. Einem Freunde, der ihm von der Stimmung der Feinde Nachricht
+gab, schrieb er:
+
+ Dem Freunde send' ich Wort: Mich beugt Erniedrung nicht,
+ Wann Nächte wenden sich mit seltsamem Gesicht;
+ Wie soll ich kümmern mich um der Geschäfte Macht,
+ Da Gott sich meiner annimmt, mich beschützt, bewacht.
+
+Alaeddin, welcher europäischen Orientalisten bisher nur als
+Geschichtschreiber bekannt gewesen, verfasste in seinem Elende mehrere
+Gedichte, deren einige in dem Buche des _Trostes der Brüder_, welche eine
+Art von arabischen Boethius, gesammelt sind. Seine berühmte Kassidet
+allein, deren Beginn:
+
+ Wenn dich die Welt anschauet schief,
+ Bewege diess dir nicht die Brust,
+
+haben über siebzig Dichter durch Glossen commentirt[587].
+
+[Randnote: Alaeddin's fernere Schicksale.]
+
+Die Feinde Alaeddin's, um seinen Ruin zu vollenden, nahmen zu neuen Listen
+und Lügen, Verschwärzungen und Verläumdungen die Zuflucht. Sie klagten ihn
+verrätherischen Briefwechsels mit Aegypten an und bedienten sich als
+Werkzeuges ihrer Ränke eines unbekannten Juden. Dieser beschrieb zu
+wiederholtenmalen ein Papier mit farbigen Linien aus Safran und Grünspan
+als einen Talisman, und dieses wurde während der Hausuntersuchung in den
+Kleidern Alaeddin's verborgen. Dieser falschen Anklage sollten die
+ägyptischen Zustände Glaubwürdigkeit geben. Vor einigen Monaten war
+zwischen _Kilawun Elfi_, dem im Namen des unmündigen Sohnes Bondokdar's
+Aegypten beherrschenden Fürsten, und den Begen der Mamluken Uneinigkeit
+ausgebrochen und Sonkar Aschkar hatte sich mit Isa Ben Mohenna, dem Emire
+der syrischen Beduinen, verbunden; wider dieselben sandte Elfi ein Heer
+nach Damaskus, welches bis nach Aana und Hadise an die Ufer des Euphrats
+streifte. Abaka sandte einen Gesandten an Elfi und Sonkar, um sie
+einzuladen, die Länder des Ilchan's nicht zu belästigen und sich ihm zu
+unterwerfen. Diese Gesandtschaft traf in dem Augenblicke ein, als die
+beiden verbündeten Emire von Elfi geschlagen worden waren; sie versprachen
+sich Hilfe von Abaka, und der Emir der Wüste sandte seinen Bruder mit dem
+Gesandten nach Bagdad, als Alaeddin dort noch in der Machtvollkommenheit
+seines Amtes stand. Er berichtete an den Ilchan die wahre Lage der Dinge
+und erhielt den Befehl desselben, den Sonkar und den Bruder des Emirs
+freundlich zu behandeln. Diesem Befehle gemäss hatte Alaeddin dieselben
+freundlich empfangen und ihnen zu Bagdad Gold und Korn angewiesen; dies war
+Alles, was an der Verbindung Alaeddin's mit Aegypten wirklich und wahr. Zu
+dieser Zeit hatte Mengu Timur (der Bruder Abaka's) ein zahlreiches Heer an
+die Ufer des Euphrats geführt; Sonkar und Isa schickten Gesandte an Abaka,
+um den Rückmarsch dieses sie bedrohenden Heeres zu bitten, und Mengu Timur
+erhielt den Befehl, sich vom Euphrat abzuwenden, während auf der anderen
+Seite gleichzeitig Prinz Baidu, der Sohn Tarakai's (des fünften Sohnes
+Hulagu's) und folglich der Neffe Abaka's, mit einem Heere in Syrien
+einfiel. Diesen scheinbaren Widerspruch der Bewegung der mongolischen Heere
+in Syrien und am Euphrat, indem sie dort vordrangen, hier sich zurückzogen,
+rissen die Feinde Alaeddin's als eine Waffe wider denselben an sich, und
+indem sie den Gesandten des Beduinenfürsten für sich gewannen, traten sie
+mit Alaeddin in Banden die Reise nach dem Hofe an, der damals zu Hamadan.
+Alaeddin's Trost in dieser misslichen Lage waren die Beweise von
+Theilnahme, die er von allen Grossen erhielt, die ihm dieselben in Briefen
+und Gedichten kund gaben. So schrieb ihm Behaeddin Ali:
+
+ Ich höre, dass du immer klagst und weinest
+ Und früh und spät mit deinem Kummer greinest;
+ Wie lang' setzt Welt dir an den Hals das Messer?
+ Sei ruhig und geduldig, es ist besser.
+
+Alaeddin antwortete hierauf:
+
+ Wie soll ich klagen nicht, mein Aug' nicht weinen,
+ Da wenig fehlt, dass mich zertrümmern Peinen?
+ Die Welt hat angefallen mich mit Steinen,
+ Wie soll ich schlottern nicht in den Gebeinen?
+
+Als Alaeddin, von seinen Feinden geführt, auf dem Wege von Bagdad nach
+Hamadan auf die Höhe von Esedabad gekommen, begegnete ihnen die Nachricht
+von dem Tode Abaka's, welcher dem Schicksale Alaeddin's und seines Bruders
+günstigere Wendung gab. Ehe wir des Todes Abaka's umständlicher erwähnen,
+liegt uns noch ob, einige frühere Begebenheiten und den weiteren Verfolg
+des syrischen Feldzuges zu erzählen.
+
+[Randnote: Feldzug wider Sistan, Chorasan, Syrien.]
+
+Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris gegen Chorasan
+aufgebrochen, wohin er seinen Sohn _Arghun_ vorausgesandt, um die
+Niguderischen Banden, deren Einfall in Fars oben erzählt worden, zu Paaren
+zu treiben; er kam aber nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er
+belagerte und dann wieder zurückkehrte; [RN: 1. Moharrem 677/25. Mai 1278]
+er brachte den Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes
+Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai mit sich; [RN: 14.
+Reb. II. 677/5. Aug. 1278] dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire
+der Karawinas[588], eines der kriegerischsten und, wie Wassaf sagt, der
+teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker), huldigten, welche
+ihren Namen vermuthlich von ihrem Sitze zu _Karawin dscheidun_ haben. Bei
+seiner Rückkehr nach Tebris vertheilte er nach dem Beispiele seines Vaters,
+Hulagu, Ländereien als Leibgedinge der Frauen. [RN: 2. Reb. II./23. August
+1278] Die Frau Kutui erhielt Miafarakain, die Frau Oldschai einen Theil
+Diarbekrs und _Dschiseretol-Omar_, der Gemahlin Dschumkur's, _Nulun
+Chatun_, des Oheims Abaka's, und ihren beiden Söhnen, _Dschuschkab_ und
+_Kunschu_, wurde Selmas mit seinem Gebiete verliehen. Buka, der Sohn
+Hukutai's, der Dschelaire, welcher, nach des Vaters Tod ein unmündiger
+Waise, unter Abaka's Augen erzogen worden, wurde zu einem der grossen
+_Inaken_, d. i. der vertrauten Hofdiener, und später zum Schatzmeister des
+Pelzschatzes (_Postin_[589], woher das _Postelnik_ der Russen und
+Wallachen) ernannt. Die Niguderischen Banden waren kaum aus Fars abgezogen,
+als die Nachricht eintraf von einem Angriffe der Aegypter auf _Kalaater
+Rum_, d. i. das Römerschloss, welches an der Stelle des alten _Zeugma_ den
+Uebergang über den Euphrat vertheidigt. Sultan Said, der Sohn und
+Nachfolger Bondokdar's (unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein
+Heer von neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern wider diese
+Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen befehligte der Emir _Beiseri_,
+die syrischen Hossameddin von Aintab. Die Stadt wurde eingenommen und
+verbrannt; da die Citadelle aber fest hielt, zogen die Eroberer nach fünf
+Tagen beutebeladen ab. Sultan Said war in Aegypten abgesetzt, mit dem
+Leibgedinge von Kerek dahin verwiesen und die Sultanschaft dem Emir Kilawin
+Elfi, dem Kipdschaken aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen worden;
+dieser nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern begnügte sich, im Namen
+des siebenjährigen Selamisch, des Sohnes Bondokdar's, als der Atabeg
+desselben zu herrschen; aber die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben
+dauerte nur hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem Bruder
+nach Kerek verwiesen ward. [RN: 2. Redscheb 678/27. Nov. 1279] Kilawin
+Elfi, so beigenannt, weil er um tausend Goldstücke gekauft worden, und
+_Ssalihi_, weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten ägyptischen Sultans
+aus der Familie Ejub, bestieg den Thron als Sultan Manssur, d. i. der
+Siegreiche, ein Beiname, dessen gute Vorbedeutung während seiner ganzen
+Regierung erfüllet ward. Der Emir _Sonkar aschkar_, d. i. der Blonde,
+machte ihm als Nebenbuhler den Thron streitig, indem er sich zu Damaskus
+zum Sultan ausrufen liess, aber bald mit seinem Verbündeten, Isa Ben
+Mohenna, von den Truppen des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben
+erwähnt worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in
+Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss _Sahiun_,
+eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen, geworfen. Abaka
+hielt diesen Augenblick günstig für den syrischen Feldzug. [RN: 18. Oct.
+1280] Seine Truppen marschirten in's Gebiet von Haleb ein, wo sie _Aintab_,
+_Derbesak_ und _Baghras_ besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend,
+brennend, staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als Sklavinnen
+das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten, wo er seinen Sohn unter dem
+Namen _Melik ess-Ssalih_ als Thronfolger ausgerufen, gegen Syrien
+aufgebrochen; als er vernommen, dass der Feind mit der Beute von Haleb
+abgezogen, wieder nach Kairo zurückgekehrt.
+
+[Randnote: Schlacht von Himss; Abaka's Tod.]
+
+Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler _Sonkar_
+aus, der noch im festen Schlosse _Scheiser_ hielt. [RN: 19. Moharrem
+680/10. Mai 1281] Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung
+von _Famia_ (Apamia), Antiochien, _Latakia_ (Laodicea) und der Schlösser
+_Sahiun_, _Belatonus_, _Bersijet_; auch die beiden letzten gehörten, wie
+Sahiun, unter die festesten Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches
+von ihnen den Namen des _Messers_ (_Sikin_) führt. Belatonus ist das alte
+Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, ein kleines
+Schloss an dem westlichen Saume des Berges _Chait_, welcher auf der
+Ostseite des Sees von Apamea[590]. Diese Forderung war kaum zugestanden,
+als Kilawin den Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von
+Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere, unter dem
+Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's, zwischen Kaissarije und
+Ablistan (Cäsarea und Comane) gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in
+Syrien auf der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert, vor
+Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen Sonkar's verstärkt, eingetroffen
+war. [RN: 14. Redscheb 680/30. Oct. 1281] Die Schlacht blutete in der Ebene
+nicht ferne vom Grabmale _Chalid's_ (beigenannt das Schwert Gottes), des
+Eroberers Syriens unter dem Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte
+fünf und zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische,
+von König Leo befehligte Truppenabtheilung und eine der Türken Rums; auch
+das ägyptische Heer, welches die ersten der Emire[591] befehligten, war von
+syrischen Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der Aegypter vom
+rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur an der Spitze der Uiraten,
+Georgier und Armenier befehligte, wurde bis an die Thore von Himss
+zurückgeschlagen; aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir
+verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage des
+mongolischen Heeres nach sich, das nach allen Seiten floh. Von Seite der
+Mongolen war Semaghar, einer ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der
+Aegypter der Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und vom
+Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten sich theils gegen
+Haleb, theils gegen Selemijet, die an der Gränze der Wüste gelegene Stadt,
+geflüchtet; die letzten, durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's
+abgeschnitten, irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen;
+nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet geköpft; eine andere,
+vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung wurde gleichzeitig von den
+Belagerten angegriffen, die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur
+zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter, Oldschai Chatun,
+zurück. [RN: 9. Dschemm. sani/25. Sept.] Abaka war, während Mengu Timur in
+Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte aber dann nach
+Sindschar zurück und war Anfangs Novembers in seinem Lager vor Mossul
+eingetroffen. Hier erhielt er die Kunde der Niederlage seines Heeres.
+Erzürnt kündete er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die
+Feldherren, die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, bestraft
+werden sollten. [RN: 6. Silkide/13. Februar] In der Hälfte des Februars
+brach Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste Fachreddin
+Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem Genusse geistiger Getränke,
+dem er unmässig ergeben. Eines Abends glaubte er in seiner Trunkenheit
+einen schwarzen Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel, rief
+er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von einem schwarzen Vogel
+nichts zu sehen. Auf einmal schloss er die Augen und gab, auf goldenem
+Throne sitzend, den Geist auf[592]. [RN: 20. Silhidsche 680/1. April 1282]
+Er wurde an der Seite seines Vaters in dem Schlosse _Teke_ am See von
+Meragha bestattet; schon am fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode
+folgte ihm auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke[593]. Abaka starb
+acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn geherrscht, der
+Befestiger der Herrschaft der Ilchane in Persien und Georgien im Geiste des
+Gründers Hulagu; kein Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam.
+»Abaka«, sagt der Mönch Haitho, »war ein staatskluger, sein Reich glücklich
+verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen unglücklich; erstens, dass
+er nicht Christ werden wollte und als Götzendiener den Götzenpriestern
+Glauben beimass; zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn
+verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, der sich durch
+mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse mit dem Herrscher des Uluses
+Kipdschak verstärkte.«
+
+[Randnote: Verhältniss gegen die Christen.]
+
+Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden wollte, beweiset schon,
+dass Hoffnungen oder Bemühungen zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren
+Beweis liefern die in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen
+Schreiben desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem aus Veterbo
+erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben des Chan's erhalten; [RN: 1267]
+bedauert aber, dass dasselbe nicht lateinisch abgefasst, weil Niemand
+dasselbe lesen und verdolmetschen konnte und er also den Worten des Boten
+allein Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine Botschaft
+grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, denn es ist nicht
+wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm Clemens dafür dankt) ihm seine Freude
+über die Niederlage Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine
+Bereitwilligkeit gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem Paläologen und den
+Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, dass er gegen ihn den
+Wunsch, Christ zu werden, geäussert habe. [RN: 26. Jan. 1274] Sieben Jahre
+später waren Gesandte Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern
+auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I., der König von
+England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben, in dem Entschlusse der
+Bekehrung zum Christenthume zu verharren, und Gregor X. empfing den
+Gesandten Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des Senders
+wenigstens der Gesandte getauft ward. [RN: 1277] Drei Jahre hernach
+erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte Abaka's ausgaben, am
+Hofe des Papstes Joannes XXI. mit einem Aufrufe an alle christlichen
+Fürsten zu einem Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der
+Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem Könige Philipp
+versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn er zu Akka landen wollte. Diese
+beiden Gesandte, welche georgische Christen gewesen zu sein scheinen,
+hatten zu Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan Kubilai,
+bereit seien, zum Christenthume überzutreten; Joann XXI. bestimmte fünf
+Franziskaner zur Erwiederung der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise
+starb, traten sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an
+Abaka und seinen Oheim Kubilai[594] die Reise an. »Die römische
+Mutterkirche«, schreibt Nikolaus an Abaka, »freut sich des Inhaltes des
+durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, Joannes und Jakob _Vussali_,
+Unserem Vorfahren gebrachten Schreibens, welches, wenn ein christliches
+Heer in Syrien landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem Ende
+Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen aufgefordert werden.
+Unter dieser Beglaubigung[595] haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen
+Cardinälen Wir uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben,
+dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr beide unsere in Christo
+geliebteste Söhne, einige Personen verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der
+christlichen Lehre zu unterrichten und zu taufen.« Der Papst bittet den
+Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem, was sie ihm über
+die Taufe, Dogmen und Religionspflichten sagen werden, Glauben beizumessen,
+sie auf ihrer Reise zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann
+alle Christen Unterthanen des Chans als Freunde[596]. In dem den fünf
+Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, in allen den Tataren
+untergebenen Ländern das Wort Gottes zu predigen, den Abaka und alle, die
+sich zum christlichen Glauben bekehren wollten, zu taufen, die
+Excommunicirten zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch
+sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, wenn sie nur
+an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld zahlen, neue Kirchen zu
+stiften, den Neuvermählten ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen
+Graden verwandt, zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst dort, wo
+weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen, die Grundfeste einzusegnen,
+Gelübde umzuändern, Messkleider und Altäre zu weihen, wo katholische
+Bischöfe nicht vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen,
+was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen Lehre
+förderlich und erspriesslich[597]. Die Bekehrung Kubilai's und Abaka's
+wurde durch diese fünf Franziskaner eben so wenig bewirkt, als dreissig
+Jahre früher die Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.;
+aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan Carpin's und
+Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher der Mongolen, während von
+der Mission der fünf Franziskaner keine weitere Spur[598].
+
+[Randnote: Literatur.]
+
+Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur, dessen wir schon
+unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt haben, in erfreulichem Glanze
+fort; das grösste Verdienst dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von
+Tus wohl dem gelehrten Brüderpaar _Schemseddin_ und _Alaeddin Dschuweini_,
+welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten Leitung der
+Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während der siebzehnjährigen
+Regierung Abaka's vorstanden, bis zum Schlusse derselben ihr Kredit und
+Ansehen, erschüttert, wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe
+mystischer Philosophie und Poesie in den Werken _Ssadreddin's von Konia_
+und _Dschelaleddin Rum's_ entfaltet. Zu Schiras lebte noch der
+hundertjährige _Saadi_ (dessen Lebenscenturie zugleich das Jahrhundert des
+grössten Aufschwungs persischer Poesie) in Freundschaft mit dem
+Dichterkönig und Schönschreiber Hemker Farsi, der als Dichterkönig
+_Medschdeddin Semeki_[599] hiess, mit _Imami_ aus Herat und mit Chodscha
+_Hemameddin_[600], dem Schreiber Nassireddin's von Tus, dem reichen und
+gastfreien Manne, welcher den Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit
+einem in vierhundert porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle
+bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: _Purbeha Dschami_,
+welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete und mit Chodscha Hemameddin
+besonders im künstlichen und schweren Versmaasse wetteiferte[601];
+_Abulmadhi Raigani_, so von dem in der Nähe Kaswins gelegenen Dorfe
+_Raigan_ beigenannt, berühmt durch einen auf die fromme Stiftung Melik
+Iftichareddin's von Kaswin aus dem Stegreife gesagten Viervers[602].
+_Dschemaleddin von Kaschan_, welcher eine berühmte Redondille Saadi's mit
+gleicher entgegnete[603]. _Dschemaleddin Rastak ol kotu_, welcher seinen
+Beinamen von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und unter der
+Regierung Abaka's neunzigjährig starb[604]; der Richter _Behaeddin
+Sendschani_, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs, welcher so, wie
+Purbeha, mongolische und türkische Wörter persischen einmischte[605].
+_Rasijeddin Bela_ war Intendent der Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka
+absetzte und seine Stelle dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher
+ursprünglich ein Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem Wesir
+Schemseddin den Viervers zuzusenden:
+
+ O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib,
+ Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib;
+ Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten,
+ Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten[606].
+
+Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein Zeitgenosse Abaka's, der
+aber auch unter der Regierung Arghun's lebte und seine Beschäftigung und
+Armuth durch die folgenden Verse schilderte:
+
+ Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold;
+ Das Leben wird dadurch nicht heller.
+ Ich sitze immer zwischen Gold
+ Und habe niemals einen Heller[607].
+
+Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch dichtete und von
+welchem der Schreiber der auserwählten Geschichte eine Kassidet zum Lobe
+des grossen Wesirs Schemseddin Dschuweini[608] erhalten, welche, da
+Schemseddin und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur und
+Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher diese Uebersicht
+persischer Literatur zur Zeit Abaka's schliesst, als der Schluss des
+Lobgedichtes selbst ein arabisches Distichon des grossen Wesirs
+Schemseddin:
+
+ Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen,
+ Der sich mit der Cypresse zugetragen.
+ Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth
+ In hundert Zungen und in hundert Sagen;
+ Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund,
+ Willst du, warum ich zittere, mich fragen?
+ Ich bin gerad' und stehe festen Fusses,
+ Indess dich krumm die Spötter weiter tragen.
+ Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so
+ Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen.
+ Bald brausest du mit Heftigkeit einher,
+ Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen.
+ Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt,
+ Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen:
+ Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht
+ Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen;
+ Du stets aufstrebend und empörerisch,
+ Und weich und lind und mild ist mein Betragen.
+ Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht,
+ Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen;
+ Du nährtest vormals dich in meinem Schooss,
+ Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen,
+ Du weihest nun sehr wenig Schatten mir,
+ Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen;
+ Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld,
+ Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen;
+ Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor,
+ Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt;
+ Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön,
+ Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen;
+ Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest,
+ Indessen mich von dir die Winde jagen.
+ So sprach der Bach und barg sich in den Staub,
+ In Thränen fliessend hin und Weheklagen;
+ Cypresse ward darob gar sehr verwirrt,
+ Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen,
+ Im Garten schlug die Hände sie zusammen;
+ Der Vögel Chor begann, darob zu klagen,
+ Da war die Zeit, den Vers von _Schemseddin_,
+ Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen:
+ _Der Garten haucht wie Aloe aus Hind,
+ Auf Aloen die Turteltauben klagen_[609].
+
+
+
+
+Fünftes Buch.
+
+ Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung;
+ Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; Konguratai
+ getödtet; Krieg zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften
+ Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch nach Kumis;
+ Arghun vor Kelat; Thronbesteigung Arghun's; dessen Gemahlinnen,
+ Söhne und Töchter; Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs
+ Schemseddin; die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin
+ Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; Hinrichtung der
+ Prinzen Dschuschkab, Huladschu und Karabuka; Verwaltung des
+ Juden Seadeddewlet; Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse
+ gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung und dessen Familie;
+ Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und
+ Fars, und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; Verrath
+ der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's und Baidu's Nachfolge.
+
+
+[Randnote: Parteiungen um die Thronfolge.]
+
+Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des Gründers des Reichs, in
+zwei Büchern, die der siebzehnjährigen seines Nachfolgers in dem
+vorhergehenden erzählt; wir werden auch, so Gott will, das Leben und die
+Regierung der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten und grössten
+mongolischen Herrschers in Persien, in zwei Büchern beschreiben; aber nur
+in diesem Einen die Regierungen von _Teguder_, _Arghun_ und _Kendschatu_,
+die durch zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste der
+Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; _Abaka_, der zweite,
+dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die Stätigkeit seiner Wesire, des
+grossen Brüderpaars Schemseddin und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten;
+unter den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit der Prinzen
+um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte Gebäude der Herrschaft
+wieder mit blutigem Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum
+Giebel seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige
+Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen mit dem
+zehnjährigen der osmanischen Geschichte verglichen werden, in welchem nach
+Bajesid's des Wetterstrahls Tod die Söhne desselben sich um den Thron
+stritten und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort längere
+Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während hier die schnelle
+Entscheidung des Thronstreites durch das Schwert nur zwischen _Baidu_ und
+_Ghasan_ getheilter Herrschaft Raum übrig liess. In der osmanischen
+Geschichte ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder _Suleiman_,
+_Musa_ und _Mohammed_ eine Zwischenherrschaft, während hier die drei ersten
+genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert, sondern den bestrittenen
+und dem Vorfahrer entrissenen Thron nur nach einander durch kurze Zeit
+behauptet haben. Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im
+Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft von
+Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben nicht gehindert haben,
+sein Recht auf den Thron zu behaupten, hätten nicht andere Umstände dem
+Oheime Teguder und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der Aka
+Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere Alter gab, wie
+schon beim Streite zwischen Hulagu und Berke zu bemerken Gelegenheit
+gewesen, in der mongolischen Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen
+vor dem _Ini_, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde dem
+Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die Entfernung von der
+Residenz dem Arghun denselben geraubt haben, wären nicht andere Hebel
+wirksam thätig gewesen. Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht
+gehörig heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten
+Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet bei näherer Betrachtung
+des zu Ende des vorigen Buches berührten Verhältnisses zwischen Arghun und
+dem gestürzten Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu zu
+Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt. Arghun war der Kanal
+gewesen, durch welchen die Anklagen Medschdolmülk's, des Todfeindes
+Schemseddin's und Alaeddin's, bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch
+zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig gewordene, durch
+ihren Sturz aber in den Staub getretene Partei hatte von der Thronfolge
+Arghun's und der tyrannischen Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen
+und Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, welche
+dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, dessen Oheim Teguder vorzog und
+diesem die Stimme der Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den
+Uebertritt zum Islam gewann.
+
+[Randnote: Teguder's Thronbesteigung.]
+
+Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit ihm und seinem
+Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser der vierte Sohn Hulagu's,
+während des persischen Feldzugs im Lager Mengkukaan's zurückbehalten und
+unter Abaka's Regierung von Kubilai nach Persien gesandt worden; in seiner
+Jugend war derselbe getauft worden und hatte den Namen Nikolaus
+erhalten[610]. Hierdurch schon dem Götzendienste des Budhismus entfremdet,
+mochte er so leichter zum Islam zu bekehren gewesen sein, als seine
+Bekehrer nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer Ansicht der
+Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den Uebertritt zum Islam als eine
+Erhebung zu reinerem Gottesdienste, durch den Aufschwung von Vielgötterei
+zur Anbetung eines einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste
+Bekehrungsgrund war aber ganz gewiss die Aussicht auf den Thron, indem er
+den Islam erst, als er denselben bestieg, annahm. Die Nebenbuhler um
+denselben nach dem Tode Abaka's waren drei; Arghun hatte die Emire des
+Hauses seines Vaters[611], mehrere der grossen Emire[612] auf seiner Seite;
+die drei Prinzen _Adschai_, _Kungurtai_, _Huladschu_ (die drei Söhne
+Hulagu's), _Dschuskab_ und _Kunkschu_, die Söhne _Tschumkur's_, des zweiten
+Sohnes Hulagu's, die Emire _Schingtur_, _Sughundschak_ und andere stimmten
+für _Teguder_; endlich suchte die Frau Oldschai Chatun, die Mutter Mengu
+Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen; als dieser aber am fünf und
+zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode gestorben, schlug sie sich mit der Frau
+Kutui, der Wittwe Abaka's, auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der
+Beischläferin Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode eilte Teguder
+aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher ohnedies auf dem Wege von
+Chorasan nach der Residenz, begegnete auf der vierten Station vor Tebris
+dem _Schingtur_ Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod
+entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren der Trauer nach
+mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen Todtenmahle, bei welchem, wie bei
+Festgelagen, der Becher mit _Kumis_ herumging; die Leibwachen[613],
+Speerträger[614] und Stallmeister[615] seines Vaters wurden ihm übergeben.
+Die Prinzen des Hauses, die Oheime und Neffen Arghun's, beriethen sich und
+stimmten für _Teguder_, und auf den Rath des weisen Emirs _Schischi
+Bachschi_ that Arghun, um sein Leben zu retten, keinen Einspruch. [RN: 26.
+Moharrem 681/6. Mai 1282] Fünf Wochen nach dem Tode Abaka's wurde Teguder
+als Chan und Ilchan, Schah und Padischah ausgerufen; die Herrlichkeit der
+festlichen Thronbesteigung wurde auf zwei Monate hinausgeschoben. Arghun
+begab sich nach _Alatagh_[616], um dort von dem Lager und dem Schatze
+seines Vaters Besitz zu nehmen; Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste
+und die Frau Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager
+Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen Macht befand, wurde
+ihm abgefordert, und der Emir des Lagers der Frau Kutui brachte denselben
+zu Teguder[617]. Am Tage der Sommersonnenwende[618] hatte die feierliche
+Thronbesteigung statt. [RN: 13. Rebiulewwel/21. Juni 1282] Nach dem
+uralten, schon auf den ägyptischen Denkmalen abgebildeten
+Krönungsgebrauche, vermöge welchem zwei Geleitsmänner den König, der eine
+zur rechten, der andere zur linken Hand, auf den Thron einführend, wurde
+Teguder vom Bruder Kungurtai und vom Emir Schingtur Nujan auf den Thron
+gesetzt, indem jener dessen rechte, dieser dessen linke Hand ergriff[619];
+die Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken, ihre Mützen in die Luft,
+zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf den Wink des Herrschers mit dem Gürtel
+oder Strang zugeschnürt zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt, das
+ist, nicht mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung wurde die Sonne, mit
+neunmaliger der neue Herrscher verehrt zur glücklichen, durch die
+Astronomen ausersehenen Stunde.
+
+ Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne
+ Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne[620].
+
+[Randnote: Schemseddin geschützt von einer der Gemahlinnen Teguder's.]
+
+Nach Beendigung der Krönungsfeste liess sich Teguder die im
+unbezwinglichen Schlosse _Schahutela_ (dem persischen Königstein)
+aufbewahrten Schätze bringen und vertheilte dieselben unter die Prinzen,
+Nujanen und Emire des Hauses und des Heeres; jeder Soldat erhielt zwanzig
+Dinare und Arghun, der sich beklagte, dass man auf ihn mit der
+Krönungsfeierlichkeit nicht gewartet, zwanzig Goldbalische. Bei dieser
+Gelegenheit verbanden sich Arghun und sein Oheim Konghuratai (der neunte
+Sohn Hulagu's) im Lager der Frau Tuktini[621] durch Eidschwur in
+unzertrennlicher Freundschaft, welche hernach den häufigen Gesandtenwechsel
+zwischen ihnen und den gewaltsamen Tod Konghuratai's herbeiführte. Teguder
+befahl, seine Bekehrung zum Islame auszurufen, und erliess an die
+Obrigkeiten von Bagdad ein Jerligh, dass sie die gute Kunde den Einwohnern
+Bagdads mittheilen, den frommen Stiftungen ihre Einkünfte wie zur Zeit des
+Chalifats wieder geben, den Moscheen und Medreseen ihre vorigen Rechte
+wieder einräumen sollten; der Prophet habe gesagt, dass der Islam nicht
+aufhören werde, siegreich zu sein, bis an den Tag des Gerichts[622]. [RN:
+2. Rebiul./4. Juli] Tags darauf lagerte er zu _Siahkuh_[623] und sandte
+Befehl nach Hamadan, dass Medschdolmülk und _Atamülk Dschuweini_, der noch
+als dessen Schlachtopfer dort gefangen gehalten ward, vor ihm erscheine.
+Medschdolmülk begann seine alten Ränke wider Schemseddin, und wenig fehlte,
+dass er nicht auch diesmal gesiegt hätte; nur der Schutz Ermeni Chatun's,
+der Gemahlin Teguder's, zu welcher Schemseddin flüchtete, rettete ihm und
+dem Bruder das Leben und verschaffte ihnen den Triumph über den Todfeind.
+Ermeni Chatun war nicht die Herrin des Harems, d. i. die erste Gemahlin
+oder grosse Frau Teguder's (welche Tokus Chatun, die Konghuratin), sondern
+die zweite, keine Armenierin, wie der Name glauben machen konnte, sondern
+auch eine Konghuratin; die dritte, _Tudakun Chatun_, die Tochter _Musa
+Gurgan's_, des Konghuraten, des Eidams Hulagu's, welchem dieser seine
+fünfte Tochter, _Tarakai_, zur Gemahlin gegeben, und folglich die Nichte
+Arghun's; die vierte _Baitegin_, die Tochter Huseinaga's; die fünfte,
+_Ilkotlogh_, die Mutter _Tughandschik's_, der Tochter Schadi Nujan's, des
+Gemahls der Prinzessin _Arguruk_, Tochter Dschumkur's, des zweiten Sohnes
+Hulagu's, aber nicht aus dieser, sondern aus der Beischläferin _Ilkotlogh_;
+Tughandschik, während der Herrschaft Teguder's getraut, wurde ob Verdacht
+von Zauberei in den _Kor_ (Cyrus) geworfen; die sechste, _Tudai Chatun_;
+diese gaben ihm drei Söhne[624] und sechs Töchter[625]. Stark durch den
+Schutz _Ermeni Chatun's_, arbeitete nun Schemseddin an dem Sturze
+Medschdolmülk's, denselben in allerhand Klagen verwickelnd und vor Gericht
+fordernd. Medschdolmülk, seines drohenden Ruines gewahr, sandte Wort an den
+Prinzen Arghun: Schemseddin habe Abaka vergiftet, und wenn nun er
+(Medschdolmülk) mit seinem Leben büssen müsse, geschähe es, um den Beweis
+der Vergiftung zu unterdrücken; auf diese Art warf er, selbst des Todes
+gewärtig, den Saamen der Rache am Todfeind in die Brust Arghun's, wo
+derselbe später zur blutigen Frucht zeitigen sollte. Schemseddin bediente
+sich als Werkzeug zum Sturze Medschdolmülk's eines Neffen des letzten,
+Namens Seaadeddin, welcher vom Oheime wegen Geldveruntreuungen seines Amtes
+entsetzt worden war; demselben ward die Stelle eines _Mestufi_
+(Finanzpräsidenten) in Irak und Persien versprochen, und er klagte dafür
+den Oheim verrätherischen Briefwechsels mit Arghun an; demselben wurde die
+Zurückstellung aller von seinem Oheim confiscirten Güter Atamülk's, des
+Bruders Schemseddin's, aufgetragen, Medschdolmülk selbst vor Gericht
+gestellt.
+
+[Randnote: Hinrichtung Medschdolmülk's.]
+
+Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten, Befehlshaber der Truppen,
+_Sundschak_ und _Arukaka_. Dem _Medschdolmülk_ wurde nun mit gleichem
+Maasse eingemessen; wie er wider _Kudschuk Atamülk_ Papiere, mit Zügen und
+Schnörkeln beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht, so wurde als
+gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk eine mit gelben und rothen Figuren
+bemalte Löwenhaut vorgehalten, welche sich unter seinen confiscirten
+reichen Stoffen gefunden und welche seine Feinde bei der Untersuchung eben
+so eingeschwärzt hatten, wie vormals er selbst unter das Habe Atamülk's;
+die Bachschi und Kamen, d. i. die mongolischen Schreiber und Wahrsager,
+gaben ihr Gutachten ab, dass diese Haut in Wasser geweicht, das Wasser dem
+Beklagten zu trinken gegeben werde, damit das Uebel der Zauberei an ihm
+selbst ausgehen möge. Medschdolmülk weigerte sich dessen, weil er wohl
+wusste, dass diesen Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf
+Schemseddin's, verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift getränkt habe.
+Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr auch der Scheich und Atamülk
+darauf drangen, das Todesurtheil nicht aussprechen; als aber Sughundschak,
+durch ein Fussübel zu Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert war,
+besuchte ihn der Scheich und drang so lang in ihn, bis er das Urtheil
+erhielt. Es lautete dahin, dass er dem Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin
+übergeben und von denselben nach der Jasa, d. i. mit dem Tode bestraft
+werden solle. Schemseddin wollte ihn mit dem Leben begnadigen, aber sein
+Bruder Alaeddin und sein Sohn Harun drangen auf die Todesstrafe.
+_Medschdolmülk_ (der Reichsruhm) wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe)
+geführt, wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft über
+alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome, Schenkungen, Vergantungen
+ablegen und, ausser allen Besitzungen, dreihundert Tomane zu Bagdad
+erpresster Gelder herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete
+begab, wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor demselben
+versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen[626]. [RN: 8.
+Dschemmasiulewwel 681/14. August] Er ward sogleich zerstückt und Kopf und
+Zunge und Hände und Füsse in die Hauptstädte des Reichs zur Aussteckung
+gesandt; der Kopf nach Bagdad, wo er denselben so stolz erhoben. Der
+Geschichtschreiber Reschideddin sagt hierüber:
+
+ Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen,
+ So der Wesirschaft selbst für sich vermessen,
+ Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand
+ Und jedes Glied in eines And'ren Hand.
+
+Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte dieselbe nach
+Tebris, und Wassaf commentirt hierzu:
+
+ Hättest schweigend deine Zunge du bewährt,
+ Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.
+
+Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig aufgetreten war,
+und die Hände nach Issfahan, wo er dieselben so gierig ausgestreckt. Der
+schon mehr als einmal erwähnte Dichter _Pur Beha Dschami_ sagte, als die
+Hände ankamen:
+
+ Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand;
+ Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.
+
+und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese Gliederversendung
+die Verse:
+
+ Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen,
+ Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut;
+ Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus,
+ Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf[627].
+
+Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von Bagdad und die
+Investitur derselben mittels eines vom Chane selbst getragenen Kaftans,
+Schemseddin die Wesirschaft in der vorigen Machtvollkommenheit und der
+Scheich Kemaleddin Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit
+der Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die Einkünfte
+derselben auf die Pensionen grosser und berühmter Gelehrten und Almosen für
+Ssofi und Derwische und die Verwandlung der christlichen Kirchen in
+Moscheen zu verwenden.
+
+[Randnote: Wassaf bei Schemseddin; Zustände von Schiras.]
+
+Schemseddin, welchem unter Abaka's Regierung von seinen Anklägern
+Vergeudung der Staatsgelder zur Last gelegt worden und der sich
+ausgewiesen, dass dieselben zum Theil für den Hofstaat der Prinzen und
+andere Ausgaben des Hofes aufgegangen, begann seine neue Verwaltung mit
+Einschränkungen der Ausgaben der Küche des Chans und des Hofstaates der
+Prinzen und Prinzessinnen. Die Ausgaben der Küche, welche bisher unter dem
+Oberstküchenmeister Fachreddin jährlich achtzig Tomane (Toman ist
+zehntausend) betragen hatten, wurden nun ohne Einmischung des
+Oberstküchenmeisters mit der Hälfte dieser Summe bestritten. Dieser
+besonders wider das Zehrgadenamt gerichteten Oekonomie lag einige
+Persönlichkeit Schemseddin's wider Fachreddin zum Grunde, weil diesem
+gleich nach der Thronbesteigung Teguder die Wesirschaft verleihen wollte,
+was sich Fachreddin verbeten hatte; nichtsdestoweniger war Schemseddin auf
+denselben eifersüchtig; Wassaf, bei welchem sich diese Angabe findet,
+konnte um so besser von der Sache unterrichtet sein, als er gerade in
+diesem Jahre dem Wesir Schemseddin persönlich aufwartete, und einige
+Spannung, in welcher er mit demselben gestanden, auszugleichen bemüht war;
+es scheint nämlich, dass Wassaf sich einigen Tadel über des Wesirs frühere
+Verwaltung erlaubt, worüber ihn der Wesir zur Rede stellte. Wassaf
+bekräftigte zwar mit den stärksten Schwüren das Gegentheil und sandte
+zweimal entschuldigende und um Vergebung flehende Verse an
+Schemseddin[628], aber »ohne dadurch«, wie er sagt, »den leicht zu lösenden
+Knoten der Entfremdung des Inhabers des Diwans zu entwirren«. Wiewohl
+Wassaf weder den Gegenstand des Tadels, noch den Anlass seiner Reise ins
+Hoflager näher angibt, so betrafen wahrscheinlich beide die Angelegenheiten
+seines Vaterlandes, die Landschaft Fars, deren Geschichte er der seinen so
+umständlich einverleibt hat. [RN: 678/1279] Zu Ende der Regierung Abaka's
+war die Statthalterschaft von Schiras dem Emir Sughundschak (von dem so
+eben als vom Richter Medschdolmülk's die Rede gewesen) anvertraut, von
+dessen Scharfsinn und die Wahrheit ergründenden Urtheilen Wassaf Belege
+erzählt. Unzufrieden mit den Pächtern der Steuereinnahme, ernannte er einen
+derselben, der die wenigsten Staatsgelder unterschlagen hatte, den Chodscha
+_Nisameddin_, zum Wesir und ordnete ihm die anderen Pächter unter. Zum
+Richter der Richter ernannte er den _Ebu Mohammed Jahja Imadeddin_, wiewohl
+der grössere Theil der Einwohner den hochgelehrten _Seid Abdallah_, den
+Verfasser vieler Werke über die Exegese und Hermeneutik, über die
+Ueberlieferung und Rechtsgelehrsamkeit, über Dogmatik und Philosophie für
+den Würdigeren erkannten. Sughundschak begab sich mit einigen Pächtern,
+deren Summen noch ausständig, nach Hof; nur als es in seiner Abwesenheit
+zwischen dem Wesir und dem Oberrichter zu Reibungen kam, sandte er einen
+Befehl, vermöge dessen der letzte im Hause des ersten in Verhaft gesetzt
+ward. Zu dieser Zeit (wo eben Medschdolmülk's Anklage wider Schemseddin
+angebracht und Abaka's Sinn auf Zusammenscharren des Goldes erpicht war)
+wandte sich der Seid Richter an Buka, einen der geheimen Schatzmeister
+Abaka's, welcher sich damals zu Schiras befand, und dieser sandte den Seid
+und den Intendenten Schemseddin nach Hof, wo sie, von Abaka wohl empfangen,
+ihre Beschwerden wider die Verwaltung Sughundschak's und des von ihm
+bestellten Wesirs Nisameddin anbrachten. Abaka reichte ihnen mit eigener
+Hand einen Becher Wein und befahl, dass Nisameddin zweihundert der
+ausständigen Tomane abtrage; dieser wurde nun im Hause des Seid Imadeddin
+festgesetzt und der Emir Taghadschar kam, die Eintreibung der Summe zu
+vollstrecken; die Pächter aber, hierdurch aufgelärmt, machten mit
+Nisameddin gemeinsame Sache, und wiewohl sie dem Scheine nach sich den
+Befehlen Taghadschar's fügten, so ruhten sie doch nicht, bis sie den
+Nisameddin aus der Haft befreit und Taghadschar in Verlegenheit brachten.
+Dieser begab sich, da unterdessen die Thronbesteigung Teguder's
+stattgefunden, an's Hoflager und führte seine beiden Schutzgenossen, den
+Melik Schemseddin und den Seid Imadeddin, mit sich. Teguder verlieh dem
+letzten die Wesirschaft von Schiras und forderte den Statthalter Bulghuwan,
+welcher öffentlich die Partei der Intendenten wider Taghadschar ergriffen
+hatte, nach Hof; dieser hielt die Gesandten des Chans zu Schiras auf, ohne
+ihnen Erlaubniss zur Rückkehr zu gewähren, und wandte sich heimlich an den
+Prinzen Arghun in Chorasan, von dessen Umtrieben weiter unten die Rede sein
+wird. Diess war der Zustand der Dinge in Fars, als Wassaf sich bei
+Schemseddin rein zu waschen bemüht war.
+
+Auf Veranlassung Schemseddin's wurde eine feierliche Botschaft an den
+Sultan Aegyptens abgesandt, um demselben von dem Uebertritte Teguder's zum
+Islam Kunde zu geben. Das Beglaubigungsschreiben der beiden Gesandten und
+die Antwort Kilawin's sind so durch Gehalt als Styl merkwürdig genug, um
+unverändert hier in sach- und wortgetreuer Uebersetzung zu folgen:
+
+»Durch Gottes des Allmächtigen Kraft (welcher erhöhet werde!) Ferman des
+Kaan Ahmed an Aegyptens Sultan. Gott der Allmächtige hat durch die Vorgänge
+seiner Gnaden und das Licht seiner Leitung in der ersten Jugend und Frische
+Uns geleitet auf die wahren Pfade zur Kenntniss seiner Herrlichkeit und zum
+Geständniss seiner Einheit, zur Zeugenschaft, dass Mohammed (über welchen
+das reinste Gebet!) Gottes Prophet, zum schönen Glauben in seine Heiligen
+und frommen Männer. Wen Gott leiten will, dessen Brust erleichtert er durch
+den Islam, und Wir haben nicht aufgehört, Uns für die Erhöhung der Religion
+und Zurechtbringung der Geschäfte des Islams geneigt zu zeigen, bis von
+Unserem Vater, dem Bessten, und Unserem Bruder, dem Grössten, die Reihe der
+Regierung auf Uns gekommen, bis dass über Uns der Schmuck seiner Gnaden
+ausgegossen und Wir von seinen Wohlthaten, was Wir verdienten, genossen in
+dem Uebermaasse seiner Gnaden, der grossen; und es ward Uns das Brautgemach
+des Reichs aufgeschlossen und die Braut Uns vorgeführt unverdrossen. Es
+wurde von Uns ein gebenedeites _Kurultai_ versammelt, diess ist die
+Versammlung, wo einen Funken gibt der Feuerstahl der Brüder und Kinder, der
+Emire, der Grossen, der Führer des Heers, der Vorgesetzten der Truppen; ihr
+Wort stimmte darin überein, die Verfügung Unseres Bruders des Grossen
+auszuführen in der Aufstellung eines allgemeinen Aufgebotes Unserer Heere:
+die Erde ist zu enge vor ihrer Menge, und es füllet die Herzen Schrecken
+vor der Gewalt, womit sie die Erde bedecken; vor ihrem hohen Muthe werden
+die Berge zu Ebenen ausgegleichet und die härtesten Felsen erweichet. Wir
+dachten nach über das, was sie sich vorgenommen und worin ihre Begierden
+übereingekommen, und Wir fanden, dass ihre Absicht widerstreite mit dem,
+was Wir in Unserem Innern beschlossen zur Bewirkung allgemeinen Wohls.
+Hierunter verstehen Wir die Stärkung der Satzungen des Islams, dass so viel
+als möglich keiner von Unseren Befehlen in anderer Absicht ergehe, als um
+Blut und Brand zu stillen und alle Länder mit dem Wehen der Winde der Ruhe
+und der Sicherheit zu erfüllen, und damit ausruhen mögen die Könige der
+anderen Länder auf dem Lager der Milde und Wohlthätigkeit, um Gottes
+Befehle zu ehren und dem Volke Gottes Mitleid zu gewähren. Gott hat Uns
+eingegeben, dieses Feuer auszulöschen und diese Unruhe zu stillen, und die
+Anzeige dessen, den Gott der Allmächtige hierauf geleitet hat, ist die des
+Vorschlags der Mittel, womit die Heilung der Welt von den Gebrechen
+erzweckt und die Anwendung der letzten verschoben würde; denn Wir lieben,
+nicht schneller die Pfeile zu senden und uns zu den Lanzen des Kampfes zu
+wenden, als nachdem Wir das Nöthige erklärt, und Wir gestatten diess nicht,
+als nachdem Wir die Wahrheit und Nothwendigkeit mit Beweisen bewährt. Wir
+wurden bestärkt in dem, was wir Uns Gutes vorgenommen hatten, und in der
+Durchführung gemeinnütziger Thaten durch die frommen Wünsche des Scheichs
+des Islams, des Musterbildes der Erkennenden, dessen Hilfe Uns in den
+Geschäften der Religion nützt und unterstützt, und Wir haben dieses
+Schreiben erlassen als Gottes Barmherzigkeit für den, der sich demselben
+fügt, wie sich's gehört, und als Pein wider den, der sich abwendet und
+empört. Wir haben damit betraut den entscheidendsten der Richter, den Pol
+der Religion und des Volks (Kutbeddin), und den Atabeg (Behaeddin), welche
+beide von den Bewährtesten und Gelehrtesten dieses blühenden Reichs, weil
+sie Unsere Wege kennen und weil sie mit Gewissheit wissen, was Uns eingibt
+Unser Gewissen zum allgemeinen Wohl der Moslimen. Wir haben sie in dieser
+Absicht gesendet, denn Wir sind von Gott auf die Wachsamkeit angewiesen,
+denn der Islam liebt, was ihn empfängt, und Gott der Allmächtige hat in
+Unser Herz gelegt, dass Wir der Wahrheit und ihren Bekennern folgen sollen,
+damit sie bezeugen die grosse Gnade Gottes über die Gesammtheit in dem, was
+wir fordern als Vertrag der Ursachen der Wohlthat. Sucht dieses nicht zu
+erproben durch einen Rückblick auf Unsere Brüder (die Herrscher vergangener
+Zeit), denn jedem Tage ist anderes Loos bereit. Wenn die Seelen Einsicht
+nehmen wollen in einen Beweis, wodurch die Forderung des Vertrauens
+befestiget würde, und in eine Urkunde, worin sie die Erfüllung ihres
+Wunsches fänden, so sollen sie ihre Blicke auf Unsere Denkmale richten,
+deren Ruhm nicht klein und deren Wirkung allgemein. Wir haben unter Gottes
+Leitung angefangen, die Spuren der Religion zu erheben, dieselben in jedem
+Dinge an Tag zu legen und auszuheben zur Aufrechterhaltung der Novellen des
+Gesetzes, des mohammedanischen, nach Erforderniss der Kanone der
+Gerechtigkeit, der ahmedischen, um es zu erheben und demselben Ehre zu
+geben. Wir liessen Freude scheinen in die Herzen des Wesens, des gemeinen,
+Wir haben nachgesehen die Vergehen und den Schuldigen verziehen und
+stellten auf die Verbesserung der Geschäfte Unser Bemühen, auf die frommen
+Stiftungen der Moslimen, von Moscheen, Grabstätten, Medreseen, auf den Bau
+frommer Zellen und verfallener Wachposten, indem Wir die Einkünfte
+derselben denen, so dieselben verdienen, verlieh'n und dadurch erfüllet der
+Stifter Sinn; Wir haben verwehrt, dass Neuerung in denselben werde begehrt
+und dass das Geringste werde verletzt von dem, was ursprünglich
+festgesetzt; Wir haben befohlen, den Pilgerreisen die grösste Ehre zu
+erweisen, ihre Schaaren zu bewahren, ihre Wege zu sichern und zu ebnen die
+Bahnen der Karawanen; Wir haben freigelassen die Strassen den Kaufleuten,
+die von Land zu Land wandeln und handeln, damit sie nach ihrer Willkür und
+mit ihrem bessten Vermögen reisen mögen; Wir verwehren den Heeren, den
+Wachen und denen, welche die Runde machen, dass sie denselben auf ihren
+Wegen, wenn sie kommen oder gehen, das Geringste in den Weg legen. Eine
+Unserer Wachen hat einen Kundschafter ergriffen in der Verkleidung eines
+Fakirs, und wiewohl es in der Ordnung gewesen wäre, denselben zu tödten, so
+wollten Wir doch nicht sein Blut vergiessen lassen aus Schonung dessen, was
+Gott verboten, und Wir haben denselben zurückgesandt. Indessen ist es
+denselben nicht unbekannt, dass die Kundschafter ein Schaden im Land; denn
+so lang unsere Armeen dieselben in der Gestalt von Fakiren und Andächtigen
+sehen, ist ihre Meinung von diesen Leuten schlecht, sie tödten den Mann und
+thun, was sie gethan: die Nothwendigkeit davon ist, Gott sei Dank, erhöhet
+durch das, was Wir ergehen liessen, um die Wege aufzuschliessen dem Zuge
+der Kaufleute und anderer Wanderer. Wenn dieselben diesen Geschäften
+einiges Bedenken schenken, so wird denselben nicht verborgen sein, dass
+diese Eigenschaften uns angeboren als zweite Natur und dass darin von
+Affectation keine Spur; und da die Sache so liegt, so sind alle
+Anforderungen gegenseitiger Abneigung, welche zum Widerstand führten, aus
+dem Wege geräumt. Diese gründeten sich vormals auf den Weg verschiedener
+Religion und der Entfernung von dem Schoosse des Islams; aber nun ist durch
+Gottes Huld und die Gunst Unseres Glückes das helle Licht erschienen, und
+wenn es vormals Ursachen gab, so wandten wir uns nun von denselben zum
+Besseren ab; Wir sind auf dem Pfade der Gnade, wo Einkehr und Rückkehr. Wir
+haben den Schleier aufgehoben durch dieser Anrede Farben und haben
+dieselben unterrichtet von dem, was wir zu thun aufrichtig gesonnen, und
+haben hiermit begonnen; Wir haben Unseren Heeren verboten, zuwider zu
+handeln diesen Geboten, Gott und seinem Propheten zu Gefallen. Damit auf
+den Blättern die Spuren des Glücks und der Annahme erscheinen, damit die
+Welt über die Verschiedenheit des Wortes beruhiget werde, damit durch das
+Licht des Einverständnisses verschwinde die Finsterniss des
+Missverständnisses, damit ausruhen mögen unter dem weiten Schatten die
+Städter und die Bewohner der Matten, und damit sich erfrischen die Seelen,
+welchen die Plagen gestiegen in die Kehlen. Wenn Gott der Herr den Sultan
+Aegyptens leitet zum Besten der Welt und zu dem, was die Ordnung der
+Menschen erhält, so ist's nöthig für ihn, den Eimer fester Anhänglichkeit
+zu erfassen und zu wandeln dergleichen Strassen durch Eröffnung der Thore
+der Unterwürfigkeit und Einigkeit, durch Erwähnung der Aufrichtigkeit,
+damit diese Länder sich dieser Gnaden erfreuen, damit die Unruhen sich
+legen, welche zerstreuen, damit die Schwerter, welche schneiden, gesteckt
+werden in die Scheiden, damit die ganze Erde ein Eden der Ruhe werde, damit
+die Nacken der Moslimen werden befreit von dem Joche der Verachtung und
+Niedrigkeit. Sollte aber böse Meinung die Oberhand behalten über das, was
+Wir aus Gottes des Allverleihers Barmherzigkeit behalten, und sollte
+dieselbe verwehren, diesem Antrage, wie er es verdient, Anerkennung zu
+gewähren, so wird Gott Unsere Bemühungen ehren und Unsere Entschuldigungen
+lassen gewähren. Wir haben Uns nicht zur Strafe gewandt, ehe Wir einen
+Gesandten gesandt; bei Gott, er leitet zur Rechtlichkeit und zum rechten
+Verstand! Er bewahret sicher die Unterthanen und das Land. Wir rechnen auf
+Gott den Einen. Geschrieben Ende Dschemmasiulewwels 681 (Anfangs September
+1282).«
+
+
+Antwort.
+
+»Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen. Durch Gottes des
+Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an Sultan Ahmed: Lob sei Gott!
+welcher Uns den Pfad der Wahrheit erhellt. In Uns ist die Hilfe und der
+Sieg Gottes gekommen, und Er hat uns schaarweise in die Religion Gottes
+aufgenommen. Gebet über Unseren Herrn Mohammed; Er, den Gott über Alles,
+wodurch sein Volk gerettet ward, erhöht, und über alle Propheten, welche
+retten, und über seine Familie und seine Gefährten! Gebet, welches
+erleuchtet die finstere Nacht und dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit
+und Ergebenheit vom Imam _Hakim biemrillah_, dem _Emirolmuminin_, dem
+Abkömmlinge der Chalifen, der den wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn
+der Propheten, dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen. Es ist
+angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren gewährliche,
+enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte in die Religion und dem
+Ausfalle wider Alle, welche dem wahren Leben widerstreben. Nachdem geöffnet
+worden dieses Schreiben, welches Kunde der Ueberlieferungen haucht,
+Ueberlieferungen, welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten der
+Ueberlieferungen, welche überlieferte _Moslim_[629], wurden die Gesichter
+zu Gott dem Allmächtigen gewendet mit der Bitte, dass er diess befestige
+mit dem Worte, dem festen, und dass der Samen dieser Religion im Herzen
+sprosse, wie die schönsten der Pflanzen aus dem härtesten Boden sprossen.
+In nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche Betrachtung über die
+Erwähnung der aufrichtigen Absicht, dass im Anfang des Lebens und in der
+Frische jugendlichen Strebens die Einheit Gottes verkündet und der Eintritt
+in das Volk Mohammed's mit Wort und That und Einsicht und Rath begründet
+werde. Gott sei Lob! dass er die Brust des Sultans für den Islam erweitert
+und dieselbe mit der edelsten der Eingebungen aufgeheitert; Gott sei Lob!
+dass er uns unter die Vorgehenden, die ersten gesetzt zu diesem erhabenen
+Orte, und dass er Unsere Füsse befestiget auf jedem Standorte des Kampfs,
+im Feld und mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche durch
+Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten und des Bruders des
+Grössten, über die Ausgiessung dieser grossen Gnaden auf den Sultan, wie
+derselbe den Gipfel der Glaubensreinigung erklommen und den Titel der
+Herrschaft angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt und ihn aus
+seinen Dienern auserwählt durch die wahren Kunden von den Wundern seiner
+Helfer und Diener; und weiters über die Versammlung der Brüder und Kinder
+der Fürsten, der grossen, der Führer des Heers, der Vorsteher der Truppen
+in der Versammlung des _Kuriltai_, wo die Menge zusammengeflockt und der
+Feuerstahl dem Kiesel die Funken der Meinungen entlockt, und wie ihr Wort
+mit den Geboten des weiland grossen Bruders übereingestimmt in der Sendung
+der Heere nach dieser Seite, dass aber derselbe (der Ilchan) nachgedacht
+über das, was ihre gesammte Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem
+Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch gefunden mit dem, was
+er selbst in seinem Innern ausgedacht, indem er nur das Gute bezwecke und
+sich die Verbesserung zum Ziel stecke, damit er lösche dieses Feuer und
+stille die Unruh, die nicht geheuer. Diesen Schritt hat der König (Ilchan)
+aus Liebe zu seinem Volke gemacht, indem er das Ende mit durchdringendem
+Sinne erwägend bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten sie die
+Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so wäre dieser Kampf der
+Kämpfe letzter gewesen; allein der Ilchan ist wie Einer, der die Stationen
+seines Herrn fürchtet, der seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht
+der Rede des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt. Was nun
+das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt zum Schlachtfeld, wo die
+Lanze Stösse austheilt, als nachdem er das Nöthige erklärt, so weiss Gott
+der Allmächtige, und es wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um
+dem Volke zu helfen, und dass, wenn wir mit That und Worten streiten, es
+nur Gottes wegen geschieht; und da nun der Ilchan mit uns eingetreten in
+Gottes Religion, so ging die Feindschaft davon, und indem die Abneigung
+aufgehoben, wird sich glücklicher Erfolg erproben. Der Glaube ist wie ein
+Gebäude, in welchem ein Theil den andern befestigt und hält; wer eine
+Minaret aufgerichtet, dem fehlt es nicht an freien Bewohnern an jedem Orte
+und an gesitteten Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters, was die
+Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der allgemeine, der Erwähnung
+des Scheichs des Islams, des Musters der Erlernenden, _Kemaleddin
+Abderrahman_ (Gott vergelte ihm's mit seinem Segen!) zu danken sei, so
+haben Wir von keinem Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir
+hoffen von seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass jedes Haus zum
+Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des Glaubens erfüllet werde und der
+Islam umfasse die ganze Erde, Alles umfassend, von den Bessten Nichts übrig
+lassend. Es ist kein Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der Anfang
+dieser Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit kehrt mit seinem Segen
+zu ihrem Ursprung zurück. Weiters, was die Wirksamkeit des entscheidendsten
+der Richter des Islams, des Glaubens und des Reichs (_Kutbeddin_) und des
+Atabegs (_Behaeddin_), welche Beide mit Ueberbringung dieses wohlberedten
+Sendschreibens beauftragt waren, so sind dieselben Beide erschienen,
+bereit, sich aller guten Worte zu bedienen, welche die Umstände eingeben
+und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender mag erwarten mit Lob
+und Dank von allen Arten, so dass sie im Namen Ahmed's (des Ilchans)
+Ueberlieferungen sprachen, festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten).
+Weiters, was die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht des
+geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die Anforderungen vollkommener
+Liebe befriedigt würden und dass man betrachten solle die Monumente, die er
+im Beginne der Ausübung seiner Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit,
+übend mit Zung' und Herzen, schon hervorgebracht, wie er auf die
+Verbesserung der Wakfe, die Ausbesserung der Moscheen und Gränzposten, die
+Erleichterung der Strassen der Wallfahrt und anderer dergleichen bedacht,
+so sind diess Attribute, von denen abhängt der Reiche Dauer, die gute. Wenn
+der König herrscht mit Gerechtigkeit und so weder die Feinde begünstigt,
+noch den Tadlern Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen und gute
+Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen alle Zungen des Gebotes
+auf Erden, so sind dieses Pflichten, die man schuldig, zu entrichten; diess
+ist grösser, als dass es hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass
+es durch Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt werden
+könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme gereicht, dass er den Ländern und
+Schlössern Zeit gewährt zur Befestigung seines Reichs (welches Gott wolle
+bewahren in Sicherheit!). Weiters, was den Verbot betrifft an die Diener
+und Wachen und an die, welche die Runde machen, dass sie Niemanden
+veruneinigen wollen und die reine Tränke der Ankommenden und Abgehenden
+nicht mit den Splittern von Plackereien verunreinigen sollen, so haben Wir,
+sobald Uns dieser Vorgang zugegangen, ein Gleiches Unseren Nowwaben (Nabob)
+zu Rahbe, Haleb, Bire, Aintab befohlen, und liessen desshalb an die Führer
+Unserer Armeen das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich in
+Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden, so sind die Gebote
+besiegelt, in denen sich die Vollziehung der Befehle abspiegelt. Weiters,
+was den Kundschafter betrifft, den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben
+ward (als ob dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung von
+Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen werden würden), so ist
+diess ein Thor, das der Ilchan aufgemacht, und ein Feuerstahl, an dem er
+den Funken angefacht. Denn wie viele verkleidete Fakire sind nicht gekommen
+von jener Seite in diese Reviere, um sich Einsicht zu verschaffen in die
+Geschäfte und des Landes Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar derselben
+ergriffen; es erhob sich über sie der Säbel, geschliffen, und dennoch wurde
+nicht entdeckt, was die Kutte des Fakirs versteckt, trotz aller angewandten
+Müh' mit _Was_ und _Nein_ und _Wie_. Weiters, was die Andeutung betrifft,
+dass in der Uebereinstimmung des Wortes das Wohl der Welt und dass dasselbe
+die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird nicht zurückgewiesen,
+wer da klopfet am Thor der Einigkeit, und es wird keiner abgewiesen und
+abgewehrt, der gutes Einvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen
+abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum Handschlag
+herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters, was die Befestigung und
+Bekräftigung der Befehle betrifft, so ist es nöthig, dass auf dieselben
+Regeln angewandt und dass aus dem Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn
+die Geschäfte sind gebunden an die Schrift, und es ist nothwendig, dass
+darin jeder Fündige und Kündige darüber entschieden, ob Krieg oder Frieden.
+Hernach ist es nothwendig, dass die Geschäfte werden entschieden in der
+Reihe der Knoten der Verträge und ihrer Belege, dass dieselben, mündlich
+vorgetragen, durch die Annahme dem Antrage zusagen; denn viele Fragen,
+welche die Gesandten mündlich sagen, werden besser erörtert, als wenn
+dieselben in verwischten Papieren werden überschlagen. Was endlich die
+Berufung auf das Wort Gottes betrifft: _Wir senden keine Pein, eh' Wir
+nicht gesandt einen Gesandten_[630], so wird nicht auf diese Art der Stoff
+der Liebe gewebt und nicht auf diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern
+vielmehr wegen Unseres Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten und
+Begehren zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich vorgetragen die Zunge
+des entscheidendsten der Richter, des Pols des Glaubens und des Volks
+(Kutbeddin), und es entsprach dem, was das Schreiben versprach von dem
+Eintritte des Ilchans in die wahre Religion, und dass er sich angekettet
+auf der Moslimen Station, was er geübet durch Wohlthätigkeit und
+Gerechtigkeit, durch seine Sitte und seinen Wandel, der berühmt weit und
+breit. Gott sei Dank für die Gnade, welche durch keinen Vorwurf gehindert
+und vermindert wird; Gott der Herr hat seinem Propheten den Vers des Korans
+gegeben Betreff derer, welche ihm den Islam vorwarfen: _Sage, werfet mir
+Euren Islam nicht vor; Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum
+Glauben geleitet_[631], und mündlich trug er vor, dass Gott der Allmächtige
+dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn darüber hinaussetzt, seine Blicke zu
+richten auf das, was Andere haben an Gut und Land. Wenn also festgesetzt
+nach der Eintracht das Begehren, so ist es leicht, zu gewähren, und Unsere
+Antwort folgt hierauf nach der Geschäfte Lauf. Wann die Uebereinstimmung
+ist erreicht, so ist auch das gute Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die
+Menschen sehen, wie Wir aufrichtig zu Werke und Unseren Feinden zu Leibe
+gehen und in Unseren Kämpfen stehen. Wie mancher Freund wird nicht
+gefunden, der besser als Vater, Bruder und Verwandter wird befunden? Die
+mohammedanische Religion wird nicht vollendet und dem Islam nicht die
+Befestigung zugewendet, als nur durch die Gefährten, die werthen. Wenn also
+das Verlangen des Ilchans gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes
+Vernehmen, auf gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der
+Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum Widerstände stemmen,
+so wollen Wir Uns herzlich gern dazu bequemen. Weiters, was mündlich
+vorgebracht: dass, wenn Unser Verlangen sich erstreckte auf das, was der
+Ilchan besitzt von Land und Gut, so bedarf es nicht der Einwirkung der
+Aneiferer, welche die Moslimen nutzlos beleidigen. Hierauf antworten Wir:
+Wenn die Hand der Feindschaft zurückgezogen wird und die Länder
+moslimischer Könige geleert werden, so wird gedämpft die Gluth und
+gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass Alles, was Uns von
+denselben verboten wird, in der Natur ganz so zu treffen ist, und dass man
+das, was geboten wird, selbst zu thun vergisst. So befindet sich nun
+_Konghuratai_ dermalen im Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet
+und an euch Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger Blutvergiessen,
+Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung vor Allem, ausgenommen vor
+der Verlängerung dieser Schäden. Endlich ward mündlich vorgetragen, dass,
+wenn man entschlossen sei, diese Streifzüge nicht aufzuheben und diese
+Spuren nicht aufzugeben, so solle man einen Ort bestimmen auf der Erde, wo
+man sich treffen und schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg
+verleihen werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter), wo die
+beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind noch heil, und wer von
+diesem Volke (den Mongolen) davon gekommen mit Heil, fürchtet sich, dahin
+zurückzukehren, und kann sich durch folgenden Vers beehren:
+
+ Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war!
+ Er, welchen »Himss« besiegt, nun widersteht und kriegt.
+ Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen,
+ Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen.
+
+Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott, welcher die
+Bestimmung des Looses macht. Und es ist keine Hilfe, als bei Gott! dem
+Allgeehrten, dem Allweisen! er sendet sie dem und verleihet die Macht, und
+nicht dem, der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir sind nicht
+von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand lauern, und nicht von denen,
+welche sich abwenden und niederkauern; und die Stunde der siegreichen
+Schlacht ist nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher
+Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur zum Guten dieses Volk,
+und er ist der Mächtige, im Stande, jede Kunde und Gnade zu vollenden.
+Geschrieben im Neumonde des Ramasan des obgedachten Jahres.«
+
+[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod Alaeddin Dschuweini's.]
+
+Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte indessen Wolken
+über dem Haupte Schemseddin's und Teguder's zum Gewitter, aus welchen der
+den Herrscher und seinen Wesir verzehrende Wetterstrahl fahren sollte.
+Nachdem Arghun auf wiederholtes Begehren des Chans demselben den Emir Buka
+gesendet, welcher die Hand Kutui Chatun's (der Wittwe Abaka Chan's)
+ehrenvoll empfing, brach Arghun von Ssughurluk nach Chorasan auf. [RN: 4.
+Reb. II. 681/12. Juli 1282] Ahmed suchte den Oheim Konghuratai für sich zu
+gewinnen, indem er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's (die Nichte der
+grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit einem grossen Heere zur
+Gränzhuth nach Rum abordnete, nach vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka
+nachsandte. [RN: 19. Reb. II. 681/27. Juli] Ahmed war von zwei moslimischen
+Gesetzgelehrten, dem schon erwähnten Abderrahman von Mossul, berathen,
+welcher, Sohn eines Sklaven des letzten Chalifen der Beni Abbas, vom
+Blutbade nach Mossul gerettet, dort eine Zeit lang Tischler, dann von
+Iseddin, dem Herrn Amadia's, bei dem er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka
+überlassen worden, und bald durch angebliche Kenntniss von
+Schatzentdeckungskunde und geheimen Wissenschaften sich dessen Vertrauen
+erwarb[632]. Teguder hiess denselben nicht anders, als Vater, und einen
+zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht anders, als Sohn; diese und
+Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr verständige und zur Regierung tüchtige
+Frau, lenkten die Zügel derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak,
+wiewohl denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf den Thron dankte,
+zur Seite gesetzt wurden[633]. [RN: 19. Dschem. II. 681/24. Sept. 1282]
+Zwei treulose Diener Atamülk's Dschuweini[634] erschienen vor Arghun, bei
+demselben ihren Herrn anzuschwärzen, dass er dem _Wedschiheddin Sengi_, dem
+Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt, den Prinzen Arghun zu vergiften.
+Arghun liess denselben sogleich in den Kerker werfen, zog das ganze Habe
+desselben ein und schenkte ihm das Leben nur auf Fürbitte der Frau Bulughan
+Chatun, der geliebtesten Gemahlin Abaka's, welche nach dessen Tod in das
+Harem seines Sohnes Arghun übergegangen. Arghun zog gegen Bagdad, um dort
+zu überwintern. [RN: 23. Dschem. II./28. Sept.] Zu Rei empfing er den Melik
+Fachreddin ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft des Landes;
+Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte Gesandte, um den Fachreddin
+aufzuheben und nach Schirwan zu bringen, wo er die von Arghun empfangenen
+Ehrenbezeugungen mit der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet, sandte
+Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin, den Inhaber des Diwans, des
+Inhaltes: Sein Vater, Abaka, habe ihm den Melik Fachreddin überlassen, er
+werde die demselben zugefügte Schmach und Pein rächen. Als er nach Bagdad
+gekommen, forderte er von Nedschmeddin Assfer, dem Stellvertreter Alaeddin
+Dschuweini's, dass er die vom Vater, Abaka, geforderten, von Alaeddin nie
+bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den Staub geworfen, und als
+Alaeddin davon die Nachricht erhielt, traf ihn in Arran der Schlag; seine
+Stelle erhielt sein Neffe Harun[635]. [RN: 4. Silhidsche 681/5. März 1283]
+Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht und während desselben
+zehntausend der Karawinas, welche nach den Worten Wassaf's: »eine Art von
+Dämonen, die fürchterlichsten der mongolischen Nationen«, sich angeeignet.
+Von den Prinzen des Hauses standen der Bruder Kendschatu und der Vetter
+Baidu, der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, ihm zur Seite; von
+den Emiren waren ihm mehrere zugefallen[636], deren mächtigster
+Taghadschar, der ehemalige Befehlshaber in Fars, dem er die
+Befehlshaberschaft eines Tomans mit den Insignien der Standarte und Pauken
+verlieh. Der mit ihm einverstandene Prinz Dschuschkab (der Sohn
+Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) überwinterte zu Diarbekr. Auch
+Alinak, der Statthalter Georgiens, welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der
+Einladung zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben gewonnen worden und
+hatte sich mit ihm verbündet; als er aber an den Hof Ahmed's zurückkam,
+ward derselbe durch Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne
+durchschaute, wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste der
+Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt ward. Als Arghun im
+Frühjahre von Bagdad nach Chorasan zurückkehrte, liess er den Prinzen
+Dschuschkab an der Spitze seines Lagers als Vorhuth zurück.
+
+[Randnote: Konguratai getödtet.]
+
+Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei gekommen, liess er den
+Vogt Teguder's prügeln, ihm an den Hals und an die Füsse einen Block
+schlagen und sandte ihn so auf einem Esel an Teguder, zugleich die
+Forderung der Auslieferung des Wesirs Schemseddin zur Berichtigung der dem
+Vater schuldig gebliebenen Summen stellend. An der Gränze Masenderans kam
+ihm Jankadschi Nujan mit einem Tomane (zehntausend Mann) des Heeres
+entgegen; er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem Befehlshaber der beiden
+Tomane, welche die Gränze am Dschihun hüteten: Als mein Vater mich vor
+seinem Tode zu sich berief, war ich bis hierher gekommen, als ich die
+Nachricht, dass er gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des
+mir bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen, wenn ihr
+mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte zu erobern. Hindu
+antwortete: Wiewohl die Sache sich so verhält, so ist doch Teguder als der
+Aka, d. i. der Aeltere, dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und
+Padischah in diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath des im
+Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber Teguder dich angreifen
+wollen, so sind wir bereit, die Seele für dich zu opfern. Zu gleicher Zeit,
+als Tarchun gegen Chorasan gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen und
+hatte von hier seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich Abderrahman, als
+Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt; er wurde zu Damaskus in den
+Kerker geworfen, aus welchem ihn nur der Tod befreite. Teguder lud seinen
+Bruder, den Prinzen Konguratai, den Statthalter Rum's, ein, auf einem
+Kurultai zu erscheinen. Dieser hatte zwei seiner Vertrauten zu Arghun
+gesendet, welcher dieselben höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei
+Kuppeln Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte das höchste
+Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's. Konguratai verschwor
+sich mit zwei Emiren[637] wider das Leben Teguder's, und sie bestimmten zur
+Ausführung ihrer That die Festnacht des neuen Jahrs[638], wo nach
+mongolischem Herkommen zum Andenken des Auszugs aus den Erzgebirgen von
+_Ergenekun_ der Chan mit seinem ganzen Hofe der Schmiedung von Eisenmassen
+beiwohnte. Teguder, hiervon benachrichtigt, begab sich zu Alinak, seinem
+Eidam, und bewog ihn, am Tage vor der neuen Jahresnacht sich zu Konguratai
+zu verfügen und ihm denselben zu bringen. [RN: 26. Schewwal 682/17. Jan.
+1284] Alinak versprach, nicht nur den Konguratai, sondern auch den Arghun
+auf gleiche Weise in Teguder's Hände zu liefern. Dieser überhäufte ihn mit
+Ehren und Geschenken und übertrug ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am
+neuen Jahrstage des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen
+Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu Karabagh in Arran sassen die
+Richter durch sechs Tage lang zu Gericht und verurtheilten die beiden
+Emire, Mitverschworenen Konguratai's, zum Tode; nach Bagdad erging der
+Befehl, den Prinzen Dschuschkab und sieben Emire Arghun's zu ergreifen[639]
+und gebunden nach Tebris zu bringen, wo sie erst später durch die Ankunft
+Arghun's von ihren Banden befreit wurden; auch den Bruder des Chans, den
+Bruder Kendschatu, welcher sich selbst als ergeben stellte, hatte man nach
+Tebris gesendet, aber auf dem Wege dahin, zu Sawa, entwich er seinem
+Geleite und begab sich zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin,
+Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung der Emire, die
+Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle Alinak's. [RN: 18. Moharrem 682/6.
+April 1284] Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner Nichte Tudai
+Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls Tarakai's, der fünften
+Tochter Hulagu's. _Gurgan_ war der Ehrentitel aller Eidame und mit dem
+regierenden Hause verschwägerten Emire.
+
+[Randnote: Ausbruch des Kriegs zwischen Teguder und Arghun.]
+
+Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den Thron auch seiner Macht
+und seinem Leben gelte, bot Alles zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf.
+Hunderttausend auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen,
+Mongolen, Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen das Feld. Den
+Vortrab von fünfzehntausend befehligte Alinak[640]. Ein Ende Januars
+eingefallener tiefer Schnee verspätete den Aufbruch des Heeres. [RN: 9.
+Silkide 682/29. Jan. 1284] Endlich zog der Vortrab unter dem Befehle von
+_Alinak_, _Baisar Aghul_ und _Taghai Kokoltasch_ gegen Kaswin, wo
+dreihundert dem Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden.
+Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des Heeres Kunde erhalten, Boten
+an seinen Schatz in Gurgan (Hyrkanien) und an die Werkstätten von
+Nischabur, Tus und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, die
+er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin von Rei, der das
+Register darüber führte, hatte dasselbe: _Verzeichniss der unter das
+siegreiche Heer vertheilten Summen_ überschrieben. Arghun, der zufällig zur
+Vertheilung gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder und schrieb
+das Wort: _siegreich_ mit ungemein schönem persischem Schriftzug, dessen er
+vollkommen Meister war, hin. Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen,
+deutete diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften
+Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von dem Unfalle Kaswins ein;
+Arghun sandte den Vortrab unter dem Befehle Timur's voraus, liess den
+Sischi Bachschi beim schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der
+Strasse von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen, d. i. mit
+achtzigtausend Mann[641], über die Ebene von Moghan herangezogen und am
+ersten Mai zeigten sich seine Vorposten zu Thalkan. [RN: 8. Ssafer 683/27.
+April 1284] Von Erdebil hatte er Kurmischi, den Sohn Alinak's, an den Vater
+mit dem Befehle gesandt: die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an
+Macht überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach von Erdebil
+auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjan zurückgelassen. [RN: 18.
+Ssafer/7. Mai] Arghun hatte seinerseits einen Boten an den Emir Newrus
+gesendet, um ihn mit einem Tomane der Karawinas in's Feld zu laden, und
+zugleich den Hindu Nujan zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte
+mit achttausend Mann das Land. Zu _Chiel büsürg_ stiessen die Vorposten der
+beiden Heere auf einander und in der Ebene von _Ak Chodscha_ in der Nähe
+von Kaswin kam es zur Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligten
+_Jula Timur_ und _Amakadschi_, den linken _Bulughan_; das Mitteltreffen
+_Taulai_. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen Prinz Huladschu,
+der zwölfte Sohn Hulagu's, der Bruder Teguder's; den linken Flügel
+befehligte _Basaraghul_ und den rechten _Alinak_. Arghun, wiewohl ihm der
+Feind an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit, wie
+weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker Flügel ward von Alinak
+geschlagen, während Jula Timur und Amakadschi den Basaraghul's
+zurückdrängten. Jula Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis
+vor die Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf dauerte von
+Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog sich von Dschemelabad bis nach
+Ebher, zehn Parasangen, zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter
+Arghun's gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre mir
+nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, wie die
+unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen fliehen und dass dein
+edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet werden würde. Als Arghun zu Rei und
+Tehran, riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober Dschadscherm,
+zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften Schlachtfeldes und vor den
+Thoren ihre Zelte sein würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie
+keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet hatten, und
+erhielten die Nachricht, dass das Heer Arghun's gänzlich geschlagen und
+zerstreut worden sei. Die Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha
+angekommen, als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also blos
+das Land und verbrannten Demaghan.
+
+[Randnote: Die Landschaften Kumis und Taberistan; die Scheiche von Semnan,
+Demaghan und Bostam.]
+
+Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder und Arghun jetzt
+geführt ward, sind die beiden Landschaften Taberistan und Kumis, welche
+nördlich von Masenderan, westlich vom persischen Irak, östlich und südlich
+von Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu dem
+nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle morgenländischen
+Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere Landschaften aufführen; sie
+ziehen sich längs des Gebirges hin, so dass Taberistan die untere
+südwestliche, unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die
+nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten Schlösser
+der Assassinen, deren schon bei der Eroberung derselben durch Hulagu
+Erwähnung geschehen, wie _Firuskjuh_, d. i. der Glücksberg, und _Girdkjuh_,
+d. i. der Gürtelberg; die Hauptstadt ist _Demawend_, gleichen Namen mit dem
+Berge führend, in dessen Klüfte die persischen Heldensagen den Kerker des
+von Dämonen gefolterten Tyrannen Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan
+mit seinen Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich
+der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen Oesterreich (Chorasan)
+wie Tyrol dem europäischen Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor[642].
+Das obere Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte von _Schahrud_,
+_Semnan_, _Demaghan_, _Bostam_, wovon der erste nach dem Berge und Flusse
+so genannt ist, die anderen drei aber nach den gleichnamigen Städten.
+_Semnan_, die südwestlichste dieser drei Städte, am Rande der Wüste,
+unmittelbar nach dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen[643],
+kleiner als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine Pistazien
+und Feigen, als durch den hier geborenen und begrabenen grossen Scheich
+_Alaeddewlet Semnani_ berühmt[644]. »In dieser alten Stadt«, sagt Fraser,
+»herrscht eine wunderbare Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige
+Häuser von sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von Schlössern,
+mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen, unstreitig von hohem
+Alterthume; viele tiefe Klüfte innerhalb der Stadtmauern, welche ihren
+Ursprung der Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen,
+welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte dienen und von
+ihnen den zahlreichen Ruinen ober der Erde vorgezogen werden.« Das Bad der
+Stadt ward schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut[645]. Die
+Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit, der Dynastie
+_Ssafewi_ an[646]. In der Nähe ist die von persischen Geschichten und auch
+von Fraser erwähnte Windquelle, welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter
+verursacht[647], eine auch in Europa mehreren Quellen und Höhlen auf hohen
+Gebirgen gemeinsame Volkssage[648]. _Demaghan_, deren Erbauung von
+persischen Geschichtschreibern und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der
+alten persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers, der
+Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf der Strassen von Chorasan,
+Kuhistan, Masenderan und Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle
+des alten _Hekatompylos_, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen[649], in
+dessen Nähe der Fluss _Stiboetes_ aus einer schönen Felsenhöhle
+entsprang[650]; diess ist der von den morgenländischen Erdbeschreibern
+gerühmte _Chosrewi_, welcher sich in hundert und zwanzig unterirdische
+Bäche vertheilt[651]; die Stadt liegt heute in Ruinen; das berühmteste
+Grabmal ist das der vierzig Köpfe oder Töchter[652], und von den
+berühmtesten Scheichen der Ssofi ist _Ebu Dschaafer Demaghani_ nach der
+Stadt genannt[653]. Von den Scheichen von _Demaghan_ und den von _Semnan_
+geht weit im Rufe der Heiligkeit und Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid
+von _Bostam_, der dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte
+des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben[654], war er der Stifter
+des nach seinem Namen genannten Ordens der Derwische _Bostami_; auch als
+Geburtsort späterer Gelehrten ist Bostam berühmt[655], aber doch keiner,
+wie der Scheich _Ebu Jesid_ oder _Bajesid_, von dem die Antworten auf die
+Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter dem höchsten Himmel, und
+auf die Frage: Wie bist du zu Gott gelangt? Indem ich über mich
+hinausgegangen; und dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben
+zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn ich dir gedienet,
+war's flauer Dienst in der Noth[656].
+
+[Randnote: Unterhandlungen und Marsch durch Kumis.]
+
+Arghun, als er auf seinem Rückzuge nach Bostam gekommen, wallfahrtete zum
+Grabmale des Scheichs _Ebu Jesid_, während Ahmed Teguder seinerseits am
+Grabe des Scheichs Babi den Beistand desselben erflehte, eine Wallfahrt,
+die von diesem, der den Islam angenommen, natürlicher, als von jenem, der
+kein Moslim war. Teguder befehligte seinen Bruder Huladschu mit einem
+Tomane nach Rei, und befahl dort allen Befehlshabern des Heeres, eine
+Schrift zu unterzeichnen, dass sie Niemanden gehorchen würden, als dem zum
+obersten Feldherrn ernannten Bugha; Alle unterschrieben bis auf Alinak.
+Zwei Gesandte Arghun's, Kotloghschah[657] und Legsi, kamen nach der Ebene
+von Akchodscha bei Kaswin, um Frieden zu bitten und sich über die
+Streifzüge der Truppen Teguder's, welche das Land weitum verwüsteten, zu
+beklagen. [RN: 28. Ssafer 683/13. Mai 1284] Teguder verwies die Gesandten
+an den Inhaber des Diwans, Schemseddin; dieser aber trug vor: Es sei
+unmöglich, dem Rauben des Heeres Einhalt zu thun, indem diese Streifzüge
+die Vorspiele des Krieges; auch Jagdvögeln sei Beute lieber, als täglich
+zugemessene regelmässige Fütterung. »Diese Gedanken des Inhabers des
+Diwans«, sagt Wassaf, »brachten demselben kein Heil und das Reich ward
+schnell dem Verderben zu Theil.« Alle Entschuldigungen, welche die
+Gesandten Arghun's vorbrachten, blieben unbeachtet, und der Sultan (Ahmed)
+befahl abermal dem Heere, in's Feld zu ziehen. _Ssadreddin_ und
+_Assileddin_, die zwei Söhne des grossen Astronomen Nassireddin von Tus,
+welche, wenn nicht die astronomische Wissenschaft des Vaters, doch die
+astrologischen Verrichtungen geerbt hatten, stellten vor, dass die Gestirne
+den Auszug eines Heeres nicht begünstigten, worüber Ahmed ungnädig auf sie.
+Arghun empfing im Dorfe Surch[658], in der Nähe von Semnan, seinen Sohn
+Ghasan und Omer Aghul, den Sohn Niguder's, des Enkels Dschaghatai's, aus
+dessen erstgeborenem Sohne Dschudschi, gleichnamig mit seinem Oheime
+Dschudschi, dem erstgeborenen Sohne Tschengischan's; mit ihnen stellten
+sich Nokai, der Jarghudschi, d. i. der Oberrichter, und Sischi Bachschi,
+d. i. der Staatssekretär, zum Dienste Arghun's ein. Zur Erwiederung der
+Gesandtschaft Arghun's sandte Ahmed die Prinzen _Toghatimur_ (den
+vierzehnten Sohn Hulagu's), welcher, wie sein Bruder Huladschu, im
+Interesse ihres Bruders Teguder, und _Suke_, den dritten Sohn Jaschmut's,
+des dritten Sohnes Hulagu's, mit den Emiren Buka und Doladai Jarghudschi
+mit der Botschaft, dass, wenn Arghun unterthänig, er selbst kommen oder den
+Bruder Kendschatu senden möge. Buka stellte dem Sultan vor, dass, da er nun
+unterhandle, er nicht weiter marschiren dürfe; und Ahmed antwortete: dass
+er zu _Charkan_ ihre Ankunft abwarten wolle. [RN: 14. Rebiulewwel 683/1.
+Juni 1284] Er zog ihnen verheerend über Demaghan nach, dessen Einwohner
+vielfältig gepeinigt wurden; fünf Tage hernach war er zu Charkan angelangt,
+welches ein zu Bostam gehöriges Dorf, nur als Geburtsort und Grabstätte des
+Scheichs _Ebul Hasan Charkani_ berühmt[659]. [RN: 20. Rebiulewwel/7. Juni
+1284] Der Emir _Dschirkudai_, sein Bruder _Jesuder_ und _Bulughan_, der
+Statthalter von Schiras, brachten ihre Huldigung dar. Zu Charkan machte
+Ahmed keineswegs Halt, wie er seinem Gesandten Buka versprochen, sondern
+sandte den Alinak mit dem Vortrab weiter voraus[660]; [RN: 28.
+Rebiulewwel/15. Juni] er selbst lagerte acht Tage hernach zu _Kalpusch_ und
+drei Tage später zu _Kebud Dschame_, d. i. _Blaukleid_, einem zum Gebiete
+von _Dehistan_ (dem alten Sitze der Dahen) gehörigen Orte, das reich an
+Korn, Trauben und Seide[661]. Zwar kam die Wesirschaft Ahmed's, nämlich die
+beiden Prinzen Toghatimur und Suka und die beiden Emire Buka und Doladai,
+zurück und brachten Kendschatu, den Bruder Arghun's, mit sich[662]; mit
+ihnen trafen die Emire _Newrus_ und _Buralighi_ als Gesandte Arghun's ein.
+Buka zürnte darob, dass Ahmed nicht seinem gegebenen Worte getreu zu
+Charkan Halt gemacht; er deutete diese Wortverletzung unglücklich für Ahmed
+und glücklich für Arghun aus. Newrus und Buralighi kehrten unverrichteter
+Dinge zurück. [RN: 3. Rebiulachir] Drei Tage hernach ward von Kalpusch
+aufgebrochen; die Emire Jula Timur und Imkadschin, der Sohn Suntai's,
+brachten ihre Huldigung dar. Ahmed, ungeduldig des Verzuges, gab dem Akbuka
+die Stelle Buka's und machte diesen dadurch um so mehr im Herzen dem Arghun
+zugethan.
+
+[Randnote: Arghun zu Kelat; ergibt sich.]
+
+Arghun hatte sich indessen mit nicht mehr als hundert Begleitern von den
+Fürsten seines Gefolges über Meschhed hinaus in das feste Schloss Kelat
+geflüchtet[663]; dieses bis in die neueste Geschichte als der Schatzhort
+Nadirschah's berühmte feste Schloss spielt schon in der Geschichte der
+ersten moslimischen Dynastien Persiens eine bedeutende Rolle. _Otbi_[664],
+der Verfasser des _Jemini_, d. i. der durch ihren rednerischen Schmuck
+berühmten Geschichte Mahmud's, des Sultans von Ghasna, Eroberers Indiens,
+malt die Höhe desselben durch das Distichon:
+
+ Wind ermüdet, indem er will die Zinnen erklimmen,
+ Und es gleitet das Aug' nieder von schwindelnder Höh'.
+
+Dieses Bergschloss liegt zwischen Kasermian, Serchas, Abiwerd und Tus in
+schönem und fruchtbarem Thale, welches fünfzig bis sechzig englische Meilen
+lang, zehn bis fünfzehn breit, von Osten nach Westen zieht und von den
+Hügeln, welche die Ebene Meschheds von der Wüste trennen, eingeschlossen
+wird. Der Anblick des Thales ist reich und grün, es hat Ueberfluss an
+Pferden und Wildpret und wird ausser dem Strome, welcher dasselbe der Länge
+nach durchfliesst, noch von kleinen, in Cascadellen die Hügel
+herabströmenden Bächen bewässert; aber alle diese Wasser sind schädlich und
+im Herbste sogar tödtlich, wesshalb das Regenwasser zum Trinken in
+Cisternen gesammelt werden muss[665]. In diese durch Natur unbezwingliche
+Bergfeste schloss sich Arghun mit Bulughan, der geliebtesten seiner Frauen,
+ein. Der Emir Newrus, als er Kunde erhielt, dass Alinak wider das Schloss
+im Anzuge, bat kniend, Arghun möge über den Oxus ziehen und in dem Jurte
+Kuwindschi's (des zwölften Sohnes Scheiban's, des fünften Sohnes
+Dschudschi's) Zuflucht suchen. Arghun gab dem wohlgemeinten Rathe kein
+Gehör; _Legsi_, welchen wir oben als Gesandten Arghun's an Ahmed kennen
+gelernt, ging zu diesem über und erbat sich ein Heer, mit welchem er ihm
+den Arghun zu liefern versprach. Ahmed gab ihm Truppen, mit denen er das
+Lager der Frau Kotlogh Chatun, der Gemahlin Arghun's, plünderte. Der Emir
+Newrus kam, um ihn zur Rückkehr zu bewegen; Legsi ergriff die Zügel seines
+Pferdes, um ihn mit sich zum Sultan zu führen; aber Newrus legte die Hand
+an's Schwert, betheuernd, dass er, so lang er athme, den Dienst Arghun's
+nicht verlassen wolle; Legsi liess ihn frei und brachte die Beute des
+Lagers der Frau Kotlogh in das Ahmed's zurück, der ihn davon reichlich
+betheilte. Alinak war indessen vor Kelat angekommen und hatte den Arghun
+beredet, ihm in das Lager des Oheims, der ihm nichts Uebles wolle, zu
+folgen. [RN: 13. Rebiulsani 683/29. Juni 1284] Ahmed umarmte ihn, küsste
+ihn und übergab ihn der Obhuth Alinak's; dieser stellte vor, dass jetzt der
+Augenblick, sich des Feindes zu entledigen; aber Ahmed, der, ganz der Liebe
+seiner neuen Gemahlin Tudai hingegeben, für nichts Anderes Sinn hatte,
+sprach: Was kann er ohne Heer und Schatz unternehmen? Ich will die Frau
+Kutui (seine Mutter), wenn ich sie sehe, um ihre Meinung hierüber fragen.
+Indessen befahl er doch, die Emire Arghun's, _Sischi Bachschi_, _Kadan_,
+_Buraligh_ fest zu setzen, von seinen eigenen einige[666], weil sie dem
+Arghun ergeben, hinzurichten. [RN: 16. Rebiul. II./2. Juli] Er wollte eben
+aufbrechen, als er auf Bitte Buka's, dass er erlauben möge, die Vermählung
+seiner Tochter mit Kipdschak Kaghul, einem Abkömmlinge Dschudschi Kasar's,
+des Bruders Tschengischan's, zu feiern, noch zu bleiben beschloss. Arghun
+war in die Seele betrübt, indem er unglücklichen Ausgang seines Schicksals
+fürchtete. Da sprach ihm die Frau Bulughan, welche seine Gefangenschaft
+getheilt und welche auch von Ahmed gnädig empfangen worden war, indem er
+ihr selbst den Becher reichte[667], Trost ein. Er versprach ihr, dem Arghun
+die Statthalterschaft von Chorasan zu verleihen, und verlieh ihm ein
+kaiserliches Zelt. Ganz in dem Genusse der Frau Tudai schwelgend, hatte
+Ahmed keinen Sinn für die Wichtigkeit des Augenblicks, oder die Gefahr,
+die ihm von den nächsten Umgebungen drohte; er befahl jedoch dem Alinak,
+den Arghun nach dem Aufbruche des Lagers hinzurichten[668]. In der nächsten
+Nacht »sollte das Zelt seines Lebens abgebrochen werden, als durch eine
+unvorgesehene Wendung der Dinge der arabische Spruch, welchen Bulughan dem
+Arghun zu Gemüthe führte: dass die Nächte, schwanger, gar Vieles vor dem
+Morgen gebären, auf das glücklichste ausging«.
+
+[Randnote: Verschwörung Buka's und Ermordung Teguder's.]
+
+_Buka_, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob gebrochenem Wort und
+genommenem Oberbefehl nährte, vermochte mehrere Emire[669] zu einer
+Verschwörung wider Alinak und Ahmed, indem er sie versicherte, dass dieser
+beschlossen, sie an der Gränze von Isferain hinrichten zu lassen; auch den
+Prinzen Huladschu, den Bruder Ahmed's, brachte er auf seine Seite. Sie
+beriethen sich zuerst über das Mittel, sich Alinak's zu entledigen. Buka
+sandte durch einen Vertrauten Arghun's demselben Wort, diesen Abend den
+Alinak zu begehren, und zwei der Verschworenen[670] nahmen es auf sich,
+desgleichen die Emire Karabuka und Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete
+begab sich Buka, von drei Reitern begleitet, in den von Wachen besetzten
+Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein, um den Prinzen leise
+zu wecken. Arghun glaubte, es sei List und Verrätherei; als ihm aber dieser
+schwur, dass Nichts zu fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als
+seinen Herrn zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben an. Als
+sie um den dritten Kreis der Umzäunung[671] kamen, rief sie eine Wache an:
+Wie ist's, dass ihr ginget vier hinein und kommet fünf heraus? Du irrst
+dich, Freund, sagte Buka, deine schlafbenebelten Augen haben ehe um einen
+zu wenig gezählt. So kamen sie glücklich durch in's Zelt Buka's. Arghun
+ward bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt, und sie begaben sich in das Zelt
+Alinak's, der im Rausche abgethan, sein Kopf vor's Zelt geworfen ward.
+[RN: 18. Rebiulachir 683/4. Juli 1284] In derselben Nacht wurden Boten an
+Huladschu und Bektu abgesandt, die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene an
+Basar Aghul und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und Taitak gethan;
+in derselben Nacht wurden auch Karabuka und andere Emire ergriffen und am
+nächsten Morgen hingerichtet. Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem
+Prinzen Kinschu (dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und
+den Emiren Akbuka und Legsi, als er die Nachricht erhielt, dass alle seine
+Treuen getödtet; er unterhielt sich zu Kalpusch noch mit der Frau Tudai und
+floh dann auch von Isferain gegen Kumis und Irak. [RN: 19. Rebiul. II./5.
+Juli] Die Verschworenen hatten ihrerseits den Buri, den Vogt, nach Issfahan
+an die Karawinas, die zu Siakuh hielten, abgesandt, dass sie aufsitzen und
+den Ahmed ergreifen sollten. Dscherik, der Emir des Lagers des
+hingerichteten Prinzen Konghuratai, wurde zur Blutrache seines Herrn mit
+viertausend Reitern dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der Oberrichter,
+machte sich an der Spitze von vierhundert auf den Weg. Die Prinzen
+Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun zu Charkan; die Emire
+berathschlagten nun über die Wahl des Chans. [RN: 24. Rebiul. II./10. Juli]
+Buka erklärte sich laut für Arghun, während sein Bruder Aruk und Kurmischi
+für Dschuschkab, den Bruder Kinschu's, Tekia für Huladschu stimmten. Buka
+legte die Hand an's Schwert und schwur, dass, so lang er es führe, es nur
+für Arghun und seine Feinde dienen solle. Sie fragten nun den Tengir
+Gurgan, den Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's,
+und den Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's, um den letzten Willen
+Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem Nachfolger seinen Bruder Mengu
+Timur und nach dessen Tode den Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei
+mongolischen Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit,
+dass man ihn mit dem Throne verschonen und die Statthalterschaft Chorasan,
+wie bei seines Vaters Lebzeit, lassen wolle. Buka brachte die
+Entschuldigungen zum Schweigen, indem er sagte: das erste sei, sich der
+Person Ahmed's zu versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der
+Frau Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer der Prinzen
+zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und Dschuschkab zogen mit dem
+Vortrab voraus, Huladschu, Kinschu und Bektu folgten mit dem schweren
+Gepäcke. Zu Konkurlang bei Tebris wurde das Haus Buka's geplündert, sein
+Harem auf Sundschak's Fürbitte verschont. [RN: 27. Rebiul. II./13. Juli]
+Ahmed, der noch gekommen, seine Mutter Kutui zu sehen, wollte nach Derbend
+entfliehen; aber _Schiktur_ und _Karabuka_ sandten Botschaft an Kutui
+Chatun, dass es der Prinzen allgemeiner Wille, sich der Person ihres Sohnes
+zu bemächtigen, und dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten wollten.
+Die Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab den Sultan einer Wache
+von dreihundert Mann. Unterdessen kamen die unverschämten Räuber, die
+Karawinas, an, welche Buka nach Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das
+Harem und stiessen sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen Tudai und
+Ermeni Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen von Nemuwer vorgerückt
+und hatte zu Abaschur bei Jüs Agadsch gelagert. Karaukai und Schiktimur
+hatten mit den Karawinen den Sultan gefangen; als ihn Arghun erblickte,
+streckte er nach der mongolischen Sitte der siegreichen Pfeilschützen die
+Hände aus und schrie: _Mordio!_[672]; er ward sogleich getödtet. Die von
+Ahmed verhafteten Emire: Taghadschar, Kundschukbal und Toladai erhielten
+nun ihre Freiheit; die Frauen und Emire waren einstimmig in der Wahl
+Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht gestellt; Bektu und der Diener
+Konghuratai's befragten ihn als seine Richter: warum er den Konghuratai
+unschuldiger Weise getödtet, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan
+missgönnt, ihm den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte, dass er übel
+gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die Emire wollten sein Leben
+der Frau Kutui schenken, welche bei Allen in grösstem Ansehen; da erhoben
+aber die Mutter Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache.
+Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin Kutulun, der
+sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die Versammlung durch die
+Nachricht, dass die Prinzen Huladschu und Dschuschkab an der Gränze
+Hamadan's ein Heer zum Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der
+Blutrache Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste der mongolischen
+Herrscher, unter der Sanktion der Jasa, um das vergossene Blut
+Konghuratai's zu büssen; [RN: 26. Dschem. achir 683/10. August 1284] das
+Todesurtheil ward in der Nacht vom Donnerstage am zehnten August vollzogen
+durch Timur und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's; sie rächten des Vaters Tod
+durch den des Oheims, indem sie ihm den Rückenwirbel brachen[673].
+
+[Randnote: Arghun's Thronbesteigung, Gemahlinnen, Söhne, Töchter.]
+
+Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung Teguder's heraufgeführt,
+hatte die Thronbesteigung Arghun's mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in
+dem Jurte Suktu statt[674]. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi
+die linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem die Prinzen
+und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel um den Hals, die Mützen in die
+Luft warfen und ihm den Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu
+_Kamsiun_, welches zwischen _Heschtrud_ und _Kurban schire_, statt. Drei
+Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen Kinschu und
+Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und unterschrieben die Urkunde der
+Krönung. Abukjan, der Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des
+Befehlshabers in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i.
+Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's hingerichtet;
+allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte ein Jerligh das Leben und Ruhe;
+die Prinzen Dschuschkab und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes
+Hulagu's) wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, der Oheim
+Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum gesendet. Georgien erhielt der
+Oheim Adschai (der achte Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die
+Statthalterschaft der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und Rei
+übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, dem Hebel der
+Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst findiger, zum Regieren tüchtiger
+Kopf. Nach der Sitte mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den
+Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er unter der
+angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun konnte bei seiner
+Thronbesteigung nicht älter als beiläufig dreissig Jahre sein, da sein
+Vater, Abaka, vor zwei Jahren, acht und vierzig alt, gestorben war. Seine
+Mutter war die Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen:
+1. Die Frau _Kotlogh_, die Tochter Tengir's des Uiraten, welcher ein
+doppelter _Gurgan_, d. i. dem Herrscherhaus Verschwägerter, indem er selbst
+mit der vierten Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's
+Schwiegervater. 2. _Oldschatai_, die Tochter der Tudukasch, aber nicht aus
+Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, aus einer anderen Frau, nach
+des Vaters Tod mongolischer Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die
+nach dem Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek Gurgan, also
+von ihrem Enkel, geheirathet ward[675]. 3. Die Frau _Uruk_, die Tochter
+Sarudsche's, der Schwester Emir Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau
+_Seldschuk_, die Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache
+seines Vaters nahm er 5. die Frau _Bulughan_, die Verwandte des Buka
+Jarghudschi, und nach ihrem Tode 6. die Frau _Bulughan_, die Tochter
+Utaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten[676]. So war 7. die
+Frau _Mertai_ die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das Harem seines
+Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als Frau übergegangen, so dass
+dieselbe Stief- und Grossmutter ihres Gemahls. 8. _Tudai Chatun_, die
+Tochter Musa Gurgan's (des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften
+Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder Tudai geliebt,
+hatte ihn über die Gefahren, die seinem Throne drohten, verblendet. Tudai,
+die Enkelin Hulagu's, die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's),
+war also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. 9. _Kultak
+Ikadschi_, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, dessen drei Brüder
+_Jesu Timur_, _Oldschaitu_ (beide aus der Frau Uruk) und _Chatai Aghul_ aus
+der Frau Kotlogh; dann vier Töchter, _Oldschatai_, _Oldschai Timur_,
+_Kotlogh Timur_ (alle drei Töchter der Frau Uruk) und _Dilendschi_, Tochter
+der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten _Bulughai_.
+
+[Randnote: Schemseddin Dschuweini zu Kum.]
+
+Nach dem Herrscher _Arghun_ und seinem Wesire _Buka_[677], der ihn auf den
+Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide vor uns, nämlich der flüchtige
+Wesir Schemseddin Dschuweini, dessen Auslieferung Arghun zu
+wiederholtenmalen vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind
+Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter Abaka's, sondern
+auch der Vergiftung desselben und des Bruders Mengu Timur angeklagt.
+Nachdem Alinak getödtet und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin
+von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare mit ein Paar
+Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan geflüchtet. Die Einwohner,
+sobald sie von der Umwälzung der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit
+dem Atabeg von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen dem
+Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's in Verhaft gehalten, was
+zu thun. Schemseddin, hiervon benachrichtigt, begab sich unter dem
+Vorwande, zu einer Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh
+auf trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des Grabes der
+Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses Grabmal ist seit einem
+Jahrtausend die sichere Freistätte Unschuldiger und Schuldiger, die in die
+Mauern desselben flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen,
+wie von den früheren Herrschern Persiens, den _Seldschuken_ und _Bujiden_,
+wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern der Dynastie _Ssafewi_ und der
+regierenden der _Katscharen_, hoch geachtet. Die Pracht desselben hat
+Chardin ausführlich beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit
+silbernen Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz, dessen
+Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der Familie Ssafewi herschreibt,
+haben reiche Opferspenden Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher
+einen Kopfschmuck seiner Mutter, wie einst Crösus[678] das Halsband und den
+Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali jagte nie in der Umgegend,
+ohne den Umgang um das heilige Grab, von welchem die Stadt auch die
+_heilige_ heisst, zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren
+Schemseddin Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so in unseren
+Tagen der von Feth Alischah und dann von seinem Enkel, dem regierenden
+Schah, verungnadete, in Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte
+Botschafter Mirsa Abul Hasan. »Die Stadt ist heute«, sagt Morier, »nur
+durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete Kuppel des Grabmals,
+durch die zahlreichen Märkte und durch ihre Ruinen«; denn der Umfang der
+Mauern betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen mehr,
+als die von Kaswin[679]. _Kum_ ward im Beginn des achten Jahrhunderts der
+christlichen Zeitrechnung[680], als Hidschadsch, der tyrannische
+Statthalter von Irak, das Heer Abderrahman Asker's schlug, aus sieben
+Dörfern, deren Vorsteher getödtet worden waren, in eine Stadt vereint,
+deren sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt den Namen
+gab[681]. Von derselben erhielten hernach, als persischer Kunstfleiss und
+Handel im höchsten Flore, die schöngewirkten seidenen Stoffe den Namen
+_Kumasch_, den dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre
+luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge[682], als das
+benachbarte _Kaschan_ durch sein Fayence und seine Scorpionen und
+Giftspinnen, als der Geburtsort des grossen Geschichtschreibers Abderresak,
+des _Verfassers des Aufganges zweier Glücksgestirne_ (der Geschichte
+Timur's und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs Feth
+Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs[683] Feth Alischah's. In dem
+Heiligthume Kums sammelten sich um Schemseddin seine Freunde, deren Meinung
+dahin ging, dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der Weg
+weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen Schemseddin, meine
+Söhne nicht in den Händen der Mongolen zurücklassen; das Besste ist, ich
+begebe mich zu dem Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka,
+der mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe, was Gott
+will. Unschlüssig verweilte er einige Tage, als von Seiten des Chans Melik
+Imameddin von Kaswin und Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen.
+
+[Randnote: Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und
+angestellt.]
+
+Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der Regierung Abaka's
+erzählet worden, wie er, dessen treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider
+Borrak auf dem Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern
+gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte.
+Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er, der
+Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu unterstützen, nur
+nothgedrungen Folge leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger
+in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei
+Tabs in die Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen;
+diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben; es war das
+erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt sandte ihn
+Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um denselben nach Hof zu bringen.
+Arghun's Politik war eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er
+sandte an alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um sich
+dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen Sonnenschirm, »welcher«,
+sagt Wassaf, »wie die Flügel des Königsgeiers schattete und dessen Glanz,
+wie das Licht der Sonne, nie ermattete«, um ihn nach Hof einzuladen, denn
+Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem Botschafter
+keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit
+noch gehen? Er zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und
+Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen
+nicht erschienen, schwur ihnen Arghun:
+
+ Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht,
+ Der schirmt das Diadem der Majestät,
+
+dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen werde. Er gab
+jedem derselben Mütze und Gürtel, und sie verbanden sich ihm als Vasallen;
+mehrere der ersten Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt,
+wurden freigesprochen und erhielten Aemter[684]. Jusufschah von Lur,
+welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin gegeben[685],
+führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa
+kam ihnen der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch alles
+Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess
+Schemseddin Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine
+Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden. [RN: 10. Redscheb 683/21.
+Sept. 1284] Freitags in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zu _Kurban
+Schire_ ein und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in
+freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige Empfang war
+voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von beiden Seiten verstellter).
+Am nächsten Tage stellte ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn
+weder gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte
+ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans gemeinschaftlich mit
+Buka ein. Schemseddin erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter
+Buka's im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und
+Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's Eifersucht
+und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er
+sandte Ali, den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den
+Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin Mestufi und
+Hosameddin Ssahib, zwei Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider
+denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen Flammen
+auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit nur ein
+Schatten, so lang Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf
+seinerseits Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm
+vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste zu
+erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem Schemseddin an die Seite
+gegeben, und zu Audschan erging der Befehl, demselben zweitausend Tomane
+abzufordern und ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein
+Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande,
+tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O Emir Buka,
+lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir.
+Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu verhören.
+
+[Randnote: Schemseddin's Hinrichtung.]
+
+Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte Anklage der
+Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei, dass, was den Abgang
+des Staatsschatzes betreffe, er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er
+aber unschuldig des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm als
+schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte gebunden worden,
+erscholl das Geschrei der Türken und Perser: warum man die Nahrungsquellen
+der Völker binde! Zu _Minia_, in der Nähe von _Ebher_, der nördlich von
+Kaswin gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er verrichtete
+sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in den Koran, den er bei sich
+trug, das Loos, begehrte Tintenzeug und Feder, setzte seinen letzten Willen
+für die Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris: »Als ich
+den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender Vers gekommen: _Die da
+sagen, Gott nur sei Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden
+Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und fürchtet euch nicht,
+ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses, das euch versprochen worden._
+Da Gott der Allmächtige diesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt
+immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner Wünsche versagt
+und ihm sogar die frohe Kunde künftigen Lebens zugesagt, so muss man den
+Mewlana _Mohijeddin_, den Mewlana _Efdhaleddin_, den Mewlana _Schemseddin_,
+den Mewlana _Hemameddin_ und den grossen Scheichen, welche aufzuzählen hier
+zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese gute Kunde geben, damit sie
+wissen, dass ich aller Anhänglichkeit an die Welt entsagt habe und mir mit
+ihrem guten Gebete helfen möge[686]. Sie sollen meine Söhne grüssen, die
+ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle; _denn Gott verliert nicht die
+ihm anvertrauten Pfande_. Ich hoffte sie noch einmal zu sehen und ihnen
+mündliche Lehren zu hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose
+geworden, so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts
+ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem Erwerb
+ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott ihnen verliehene Gut
+vernachlässigen. Wenn mein Sohn, der Atabeg, und seine Mutter, die Frau
+Choschek, in ihr Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss
+gegönnt. Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit ihrer Mutter im
+Geleite der Frau Bulughan bleiben und an den beiden Enden meines Grabmals
+stehen; wenn sie für das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin
+etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich dahin begeben.
+Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg begleiten, Sekeria auf den
+Gütern des Padischah arbeiten; die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka
+vermacht, welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen; wenn er
+etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn nicht, sollen sie sich
+begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen und auch seinen Segen! Ich habe
+jetzt mein Gemüth auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen
+Antheil nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig! Wenn
+Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will, sollen sie es nehmen
+und sich damit begnügen; wohin nur das grosse Harem von Tebris sich begibt,
+soll auch das meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!« Dieses
+Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils Bestellten vor;
+sie lasen es, ohne dass es Eindruck auf sie gemacht. Schemseddin sagte
+dann: »_Was von dir kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es
+Heilung_«; und das Todesurtheil ward vollstreckt. [RN: 4. Schaaban 683/16.
+Oct. 1284] Vier seiner Söhne: _Jahja_, _Ferruchschah_, _Mesud_ und
+_Atabeg_, wurden ihm sogleich in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam
+Schemseddin's, kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück, starb aber
+auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne: _Edib_ und _Ahmed_, wovon
+der erste mit der Herrschaft Luristans belehnt ward, der zweite am Hofe
+Arghun's als Geissel zurückblieb[687]. Schemseddin ward mit seinen Söhnen
+im Viertel _Dscherendab_, wo schon sein Bruder Alaeddin ruhte, zu Tebris
+bestattet. Unter den vielen Trauergedichten, welche den Schmerz der Völker
+über den Sturz dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der
+kürzesten und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene:
+
+ O _Dscherendab_, wo zu Tebris sein Grab,
+ Der erste Regen ström' auf dich herab!
+ Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub,
+ Der grössten Männer Wangen sind dein Raub.
+ Hier hat die Sonne[688] höchsten Punkt[689] erreicht,
+ Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht.
+ Es weinen über sie die sieben Sterne,
+ In ihrem Licht und ihrer finstern Ferne
+ Die sieben Himmel und die Erden, sieben,
+ Der Meere und der Wochentage Sieben.
+ _Feredschullah_, _Jahja_, _Mesud_, _Harun_
+ (Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun)
+ Den Vater Mohammed so hoch geehrt,
+ Es frass dieselben all' das scharfe Schwert.
+ Mich hat der Schmerz des _Atabegs_ verzehrt
+ Wie Flamme, welche in die Höhe fährt;
+ Und ob _Ataul Melik_ gekränket theils,
+ Er, der _Ssahib_, der Herr der Stadt des Heils,
+ Es saget über dieser Gräber Stätte,
+ Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete.
+
+[Randnote: Statthalterschaft von Fars.]
+
+Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im Gebiete von Arran
+gelegenen Palast Manssurije gekommen, kehrten die an den Grosskaan, Oheim
+Kubilai, geschickten Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere,
+zurück. [RN: 11. Redscheb 683/23. Sept. 1284] Zwischen Serah und Erdebil
+und Ssain wurde Kurultai gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach
+Tebris zurück; [RN: 20. Redscheb/2. October] dann wurde das Winterquartier
+in Arran bezogen; und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen
+statt, indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch, die Atabegin
+von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten Statthalterschaft vor
+Gericht gestellt ward. Um die Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem
+ganzen Umfange zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der
+Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen, wieder
+aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen Statthalterschaft _Bulughan's_
+(des Nachfolgers Taghadschar's, des Statthalters von Fars) erwähnt worden.
+Um die Ruhe wieder herzustellen, war _Taschmenku_ zu seinem Nachfolger
+ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von Lur zugewiesen worden. Als
+seinen Vorläufer sandte er den Stellvertreter des Diwans der Krongüter,
+Hosammeddin, den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan.
+Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald er vor ihm
+erschienen, zusammen. _Taschmenku_ sprach sogleich die Hilfe Jusufschah's,
+des Atabegen von Luristan, an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als
+Statthalter wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er, was im
+Schatze, und entfloh mit seinen beiden Geschäftsführern _Kawameddin_ und
+_Seifeddin_ nach Chorasan. Taschmenku beschäftigte sich mit den
+Regierungsgeschäften, ward aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der
+Spitze der im Namen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der
+hergebrachten Formel blos _Ahmedaga_ schrieb, was wider allen mongolischen
+Kanzleistyl[690]. Nachdem er ein Jahr lang Fars verwaltet, wurde die
+Statthalterschaft der Frau _Abisch_, der gebornen Atabegin, Fürstin des
+Landes, Wittwe Mengu Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka
+verstorbenen eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben unter
+der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle in's Lager der
+Mongolen gefolgt und hatte immer seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward
+ihr die Erlaubniss der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe
+im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil; sie dankte
+diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der grossen Frau _Oldschai_, der
+Mutter Mengu Timur's, welche nebst der grossen Frau Tokuschan und der
+Mutter Abaka's vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem
+Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben und dann
+seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens genoss. Ganz Fars jubelte über
+die Rückkehr der Prinzessin _Abisch_, des letzten Zweiges des hochverehrten
+erlauchten Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers: _Ein gutes
+Land, ein gnädiger Herr_, war auf allen Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im
+Diwan ernannte sie ihren Verwandten _Dschelaleddin Arkan_[691] und die
+Wesirschaft sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem Chodscha
+_Nisameddin Ebubekr_, dessen schon Eingangs dieses Buchs im Gegensatze mit
+dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin, Erwähnung geschehen. Die Feindschaft
+Nisameddin's und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom
+finanziellen Unheils sich über Fars ergoss.
+
+[Randnote: Die Prinzessin Abisch und dann Seid Imadeddin, Statthalter von
+Fars.]
+
+Nisameddin, ein fündiger Finanzmann, machte der Atabegin den Vorschlag,
+sich durch ein Diplom des Ilchans die Begewaltigung zur Wiedereinlösung der
+in fremden Händen befindlichen Familiengüter zu verschaffen. Ahmed Teguder
+gab in einem Augenblicke der Uebereilung das Diplom im verlangten Sinne.
+Nisameddin machte aber den grössten Missbrauch, indem er Krongüter und
+Privatgüter als Familiengüter der Atabegin ansah und einzog und die
+Bewohner von Schiras, Vornehme und Gemeine, wie gekaufte Sklaven
+behandelte. Der Beginn der Statthalterschaft der Abisch und die
+Finanzverwaltung ihres Wesirs Nisameddin fiel in das Ende der Regierung
+Teguder's. Nach der Thronbesteigung Arghun's begab sich der Seid Imadeddin,
+der Schützling Buka's, an den Hof, um die dem Staatsschatze, wie dem
+Privatvermögen so heillose Verwaltung von Fars in ihrem gehörigen Lichte
+darzustellen. Durch Buka's Einfluss erging ein ilchanisches Diplom, wodurch
+dem Seid Imadeddin die Statthalterschaft von Schiras zu Land und See, d. i.
+mit Einbegriff der Inseln im persischen Meerbusen, ohne Theilnehmer und
+Mitgenossen übertragen ward. Nach den Worten desselben war »die Schliessung
+und Oeffnung der Erfolge, die Bindung und Lösung der Geschäftsschreiben,
+die Anstellung und Absetzung der Emire dem Gutachten des Seid
+anheimgestellt«. Er wurde mit den beiden mongolischen Insignien
+übertragener Herrschaft, dem goldenen Löwenkopfe und dem goldenen
+Katzenkopfe, bekleidet[692]. Wenn sich diese Investitur mittels Löwen- und
+Katzenkopfes in Sanchoniaton oder einer anderen altägyptischen Geschichte
+fände, so möchten dieselben wohl im mystischen Sinn als die Köpfe von Isis
+und Bubastis erklärt werden; bei den Mongolen aber sind sie blos das rohe
+Symbol einschüchternden Herrschergrimms und einschläfernder arglistiger
+Schmeichelei, welche dem Mongolen für die beiden höchsten Herrschertugenden
+gelten. Die mongolische Gerechtigkeitshand ist die Tatze des Löwen und die
+Kralle der Katze. Die beiden Geschäftsleute des vorigen Statthalters
+Bulughan, die beiden Chodscha, d. i. Herren der Finanz, der Kämmerer
+Kawameddin von Bochara und Seifeddin Jusuf, waren indess von Chorasan
+wieder nach Fars zurückgekommen und von der Atabegin mit der Verwaltung der
+Finanz betraut worden. Sie erbitterten die Atabegin in voraus wider den ihr
+zum Nachfolger in der Statthalterschaft bestimmten _Seid_, und als dieser
+von der Gränze aus, wo die Rechnungsabforderung ihren Anfang nahm, gleich
+einen der Vögte der Atabegin an einen Baum hatte aufhenken lassen und der
+Atabegin den Befehl zugefertigt hatte, vor der Majestät des Chans zu
+erscheinen, stieg ihr Zorn immer höher und höher. Sobald der _Seid_ zu
+Schiras angekommen, errichtete er einen königlichen Thron; acht Tage
+hernach hatte das feierliche Festgebet des Bairams statt, wobei die
+Prinzessin nicht wie gewöhnlich erschien. [RN: 22. Ramasan 683/2. Dec.
+1284] Sie hatte erwartet, dass der Seid wenigstens die Formen beobachten
+und ihr schuldiger Weise aufwarten werde; als aber diess nicht geschah, war
+sie so zornig, dass sie vor Wuth weinte und sich in die Lippen biss[693].
+Bald darauf kam die Nachricht, dass Fars von einem Einfalle der
+niguderischen Banden bedroht sei. Der Seid sandte der Prinzessin Wort, dass
+die Annäherung der Feinde zu ihrer Sicherheit erfordere, dass sie sich nach
+dem Schlosse Istachr (Persepolis) begebe. Sie weigerte sich dessen, weil
+sie fürchtete, dass der Seid sie dort einsperren wolle. Während dieser
+Verhandlung kehrte der Seid eines Abends mit grossem Gefolge nach Hause.
+Auf der Gasse kamen ihm Mamluken der Atabegin mit dem Befehle, vor ihr zu
+erscheinen, entgegen; die gebieterischen Worte der Mamluken entgegnete der
+Seid mit rauhen; der erste der Mamluken warf sich auf ihn und sie stürzten
+beide von ihren Pferden. Da führte Seradscheddin Fasli von Lur, welcher
+noch vor wenigen Tagen vom Seid mit Gnaden überhäuft worden war und auf
+dessen Treue, weil er der Anführer seiner Truppen, er vorzüglich gezählt
+hatte, den ersten Streich, und der Seid erlag alsbald den vervielfältigten
+Streichen der Mamluken. [RN: 21. Schewwal/31. Dec. 1284] Der Kopf wurde
+abgeschnitten, der Rumpf hingeworfen, sein Haus der Plünderung
+preisgegeben.
+
+[Randnote: Verurtheilung der Atabegin Abisch, und ihr Tod.]
+
+Abisch liess in den Strassen von Schiras ausrufen, dass, weil der Seid in
+dem Lande schädliche Finanzneuerungen unternommen, derselbe auf ihren
+Befehl sei aus dem Wege geräumt worden; Jedermann solle seinen Geschäften
+nachgehen und die Stadt ruhig bleiben. Der Sturz des Seid's brachte, wie
+jeder Umschwung von Glücksverhältnissen, seltsame Beispiele von Undank und
+treuer Anhänglichkeit in Vorschein. Ein Gelehrter, welchen der Seid mit
+Gnaden überhäuft hatte, brandmarkte sich als einen Undankbaren,
+Niederträchtigen durch die Verse, die er an den Fussschämel der Atabegin
+schrieb:
+
+ Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin,
+ Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin;
+ Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen,
+ Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen.
+
+Das Gegenstück hierzu ist die schöne Dankbarkeit des Geschichtschreibers
+Wassaf, welcher seiner Erzählung ein Trauergedicht von siebzehn Distichen
+einverleibt hat, dessen Beginn:
+
+ Eine Sonne ging im Staube unter,
+ Die im Ost des Glückes aufging munter.
+ Um zu stürzen diesen Bau, o Loos!
+ Lässt die Zügel schiessen du dem Ross.
+
+Nach dem Tode des _Seid Imadeddin_ wurde sein Vetter, der _Seid
+Dschemaleddin Mohammed_, welcher, mit Gnaden der Atabegin überhäuft, sich
+für ganz sicher gehalten, an ihre Pforte vorgeladen. Sie berieth sich mit
+einem ihrer Räthe über den zu fassenden Entschluss. Er rieth ihr zur
+Hinrichtung, zu welcher so besserer Grund vorhanden, weil er weit reicher,
+als Imadeddin, welcher blos als ein Opfer der Bewilderung zwischen ihr und
+ihm gefallen sei. Die Mamluken tödteten ihn in der Nacht und streuten am
+Morgen das Gerücht aus, dass er aus dem Kerker entflohen sei. Die bald
+hierauf erfolgte grosse Landplage der Heuschrecken wurde als eine Strafe
+des Himmels für den Mord der beiden _Seide_ angesehen. Mehr als
+hunderttausend Bewohner von Schiras sollen an der als Folge der
+Heuschreckenverheerung entstandenen Hungersnoth zu Grunde gegangen sein.
+Der unmündige Sohn des Seid war mit einigen treuen Dienern in das Lager des
+Chans geflüchtet, wo er Buka's, seines Vaters Schutzherrn, Hilfe anrief.
+Buka trug die Vergehungen der Atabegin dem Ilchan vor, welcher sie und alle
+Gegner des Seid vor Gericht zu laden befahl, und zugleich zurück Botschaft
+an die Frau Oldschai sandte, durch deren Einfluss die Atabegin die
+Statthalterschaft erhalten hatte; diese überhäufte den Gesandten, der sie
+in's Hoflager führen sollte, mit Geschenken, folgte aber nicht. Drei
+Richtern[694] ward die Untersuchung über das unschuldig vergossene Blut der
+beiden Seide und die unrechtmässige Besitznahme von Gütern aufgetragen. Die
+Herren der Finanzkammer wurden in Ketten und Blöcken vorgeführt; als die
+Prinzessin nicht erschien, wurde Kotan Atadschi abgeordnet, um sie mit
+Gewalt in's Hoflager zu bringen. Als die Prinzessin Nachts in's Lager kam,
+führte sie der Haushofmeister Buka's in eines der Zelte seines Herrn.
+Dieser liess ihm aber am folgenden Tage sieben Prügel geben, weil er sich
+unterstanden, eine Prinzessin königlichen Geblüts in das Zelt eines Emirs
+Karadschu, d. i. Unterthanen, wie er, zu führen; trotz dieser dem Range der
+Prinzessin schuldigen wahren oder geheuchelten Ehrfurcht erhielt sie den
+Befehl, am folgenden Morgen vor Gericht zu erscheinen. Ihre Beschützerin,
+die Frau Oldschai, sprach entschuldigend für, indem sie Alles auf
+Dschelaleddin Arkan, den Verwandten der Atabegin, schob; die drei Herren
+der Finanzkammer, Kawameddin, Seifeddin und Schemseddin, erhielten jeder
+nach der Jasa zwei und siebzig Prügel auf die Sohlen; die Mamluken des Seid
+Imadeddin waren den Gerichtsdienern beigegeben, damit deren Strafe
+schonungslos vollzogen werde. Dschelaleddin, zu Rede gestellt, wusch sich
+auf Kosten der Prinzessin rein. Sie und ihre Angehörigen wurden zur Zahlung
+von fünfzig Tomanen Goldes (fünfzigtausend Dukaten) und zwanzig Tomanen an
+die Waisen der ermordeten Seide verurtheilt. Sie überlebte die Schmach
+dieses Urtheils kaum zwei Jahre und starb, nachdem sie deren zwei und
+zwanzig als der letzte Zweig der Salghuren über Fars geherrscht. [RN:
+685/1286] Drei Tage lang wurde für sie zu Schiras in den Moscheen durch
+öffentliche Gebete, Lesungen des Korans und Almosen die Gebühren der
+Trauer, dann ihr letzter Wille vollzogen. Nach diesem wurden ihre
+Familiengüter in vier Theile getheilt; zwei fielen den Töchtern
+Prinzessinnen _Gardudschan_ und _Alghardschi_, der dritte ihren Mamluken
+und Freigelassenen, der vierte dem Prinzen _Taidschu_, dem Sohne Mengu
+Timur's, und diesem noch ausserdem zehntausend Dukaten zu. Die Dynastie der
+Salghuren war in ihr erloschen und mit ihr der letzte Schatten
+einheimischer Herrschaft in Fars verschwunden.
+
+[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod der Frauen Bulughan und Kotlogh;
+Hochzeit Tudai's.]
+
+Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung an den Oheim
+Kaan gesendet hatte, kam jetzt mit der Bestätigung derselben und mit dem
+_Dschingsangtitel_ für Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum
+zweitenmale gefeiert. [RN: 27. Silhidsche 684/6. März 1286] Zehn Tage
+darnach wurden sechzehntausend vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem
+Vogelfänger, und vom Dschelairen _Nurinaga_ befehligte Reiter wider die
+Kurden _Hakari_ gesandt, und der Aufruhr derselben gedämpft. Die Frau
+_Bulghan_ starb am Ufer des Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge
+Sedschas übergeführt. [RN: 10. Ssafer 685/7. April 1286] Im Frühlinge kam
+Arghun nach Tebris und ward von Buka festlich bewirthet. [RN: 23.
+Ssafer/20. April] Ende Mai's brach er von da über Meragha nach Sughurluk
+auf. [RN: 12. Rebiulachir 685/27. Mai 1286] Hier wartete ihm während des
+Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's, mit den mongolischen
+Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad auf; in seinem Geleite befand sich
+Harun, der Sohn Schemseddin Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines
+Bruders Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's,
+und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan hierzu begewaltigt zu
+sein, hinrichten lassen. Medschdeddin gehörte einem der Krongüter
+Kendschatu's (des Bruders Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert,
+welchem auch _Jesu Gurgan_ (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der
+vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen Bruder wider
+Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten wurde hinterbracht: Aruk habe den
+Sohn Esir's auf Harun's Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem
+Vater und den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu Gurgan bald
+hernach starb, zog das Ungewitter, welches wider Buka's Macht brauste,
+diessmal unschädlich vorüber. Arghun Chan kam nach Tebris. [RN: 6. Schaaban
+685/27. Sept. 1286] Zwei Monate hernach [RN: 28. Ramasan 685/17. Nov. 1286]
+kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich viele Haare durch
+den Kamm ausgingen. Diess galt nach mongolischen Begriffen für ein Zeichen
+von gegebenem Gifte, und _Wedschih_, der Sohn Iseddin's, wurde der
+Beibringung von Gift verdächtig hingerichtet. [RN: 20. Silkide 685/7. Jan.
+1287] Vierzehn Tage hernach hatte die Krönung der Frau _Tudai Chatun_, der
+Konghuratin, statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes
+übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin Hulagu's,
+Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke der königlichen Gemahlinnen
+(Baghtak) geschmücket ward[695]. [RN: 5. Silkidsche 685/22. Jan. 1287] Zwei
+Monate hernach im Frühling begab er sich nach _Pil Suwar_, [RN: 19. Ssafer
+686/5. April 1287] nach Tebris und von da in's Sommerquartier von Alatagh,
+[RN: 24. Reb. achir 686/18. Juni 1287] und im Herbste in's Winterquartier
+von Arran. [RN: 2. Ramasan/11. Oct. 1287] Im nächsten Frühjahr brachten
+Gesandte aus Chorasan die Nachricht, dass _Kinschu_ (der Sohn Dschumkur's,
+des zweiten Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des Uiraten
+Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu) an der Spitze von
+dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's (des Enkels Ogotai's) im
+Anmarsche gegen Persien, dass sie das Land um Balch, Merw und Schaburkan
+verheert, bis Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. [RN: 15. Moharrem
+687/20. Februar 1288] Drei Wochen hierauf starb die Frau Kotlogh, die
+Tochter Tengir Gurgan's, des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des
+jüngsten der Söhne Arghun's. [RN: 7. Ssafer 687/14. März 1288] Einen Monat
+hernach brachten Buka's Gesandte eine von den Bekennern der Lehre
+Schakamuni's hoch verehrte Reliquie, welche sie _Scharil_ nennen, nämlich
+ein verknöchertes Menschenherz. [RN: 7. Rebiulewwel 687/12. April 1288]
+Nach ihrer Ueberlieferung war _Schakamuni's_ Herz nicht Fleisch, sondern
+Bein, welches im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind
+verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher nicht Moslim, wie
+sein Oheim Teguder gewesen, sondern Götzendiener, ging dieser Reliquie mit
+den grössten Ehrenbezeugungen entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, und
+es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach, [RN: 30. Rebiulewwel
+687/5. Mai 1288] als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht
+ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak, mit fünftausend
+Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle Kaufleute der Gegend geplündert
+habe; und Arghun brach schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres
+gegen Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi stehen. Buka
+und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als Vortrab vorausgesandt, kamen nach
+einigen Tagen mit der guten Nachricht zurück, dass die Feinde
+abgezogen[696].
+
+[Randnote: Buka, der strenge Wesir.]
+
+Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad erreicht; er hatte mit dem
+Titel eines _Dschingsang_ noch ein Diplom ausserordentlicher Privilegien
+vom Kaan erhalten; vermöge derselben konnte er erst, wenn er neun
+Staatsverbrechen begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch dann vor kein
+anderes Gericht, als das des Chans selbst, gestellt werden; kein Befehl des
+Chans konnte in Vollzug gesetzt werden, wenn demselben nicht das Siegel
+Buka's beigesetzt, während seine Befehle zur Vollstreckung des Siegels des
+Chans nicht bedurften. So ausserordentlich waren die vom Grosskaan dem Buka
+verliehenen Privilegien, dass die Meinung desselben von der
+Selbstständigkeit Arghun's null zu sein und dass der Botschafter, welcher
+mit dem Diplome der Bestätigung Arghun's auf dem Throne zugleich das mit
+diesen ausserordentlichen Privilegien Buka's brachte, eigentlich jenen nur
+der Form nach, diesen aber in der That zum Herrn eingesetzt zu haben
+schien. So ausserordentliche Macht musste um so mehr den Neid der anderen
+Emire und der Günstlinge Arghun's[697] erwecken, als Buka, hochmüthig und
+heftig, durch seine Strenge sich Feinde machte. »Er war«, sagt Wassaf, »ein
+fürchterlicher Türke, dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen
+Rathschlag den Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung
+verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle und die Beförderung
+der Reichsangelegenheiten Regeln fest, deren Erwähnung auf dem schwarzen
+und weissen Buche der Zeit bis an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch die
+Wirkung seiner Gerechtigkeit und Strenge warf der Falke auf das Repphuhn
+verliebte Blicke; er glich die Gegensätze der Welt aus und des Schicksals
+Tücke.« Seine Gerechtigkeit war so streng, dass er einen Knecht seines
+Marstalls, welcher einen Apfel von einem Fruchtverkäufer genommen,
+hinrichten liess. Solche Strenge war das grösste Verdienst eines
+Staatsmanns nach der Satzung Tschengischan's und erwarb diesem nach allem
+Anscheine das Vertrauen, womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die
+Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit übertragen.
+Besonders waren ihm Sultan _Aidadschi_ und _Tughan_, Arghun's vertrauter
+Gesellschafter (_Inak_) aufsässig, weil dieser zweimal auf Buka's Befehl
+geprügelt und öffentlich beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine
+Gelegenheit, den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein Bruder _Aruk_, der
+Statthalter Bagdads, war dort den Emiren nicht weniger verhasst. Er machte
+sich wenig aus den Gesandten des Chans, und verschlang die Einkünfte in
+seinen Beutel, statt sie in die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute
+Ordu Kaja, der Intendent Scherefeddin und der Jude Saad, welcher alsbald
+als ein höchst bedeutender Charakter auftreten wird, brachten endlich
+einmal fünfhundert Tomane, statt dieselben dem Aruk auszuliefern,
+unmittelbar dem Chan, welcher nun den Aruk, der nie einen Heller
+eingesendet, seiner Statthalterschaft entsetzte. _Ssadreddin Sendschani_,
+der Finanzmann Taghadschar's, von welchem Buka ausständige Gelder der
+Landschaft Fars forderte, stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei
+Buka's nicht mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten, alle Macht in
+den Händen Buka's sei[698]. Das Ungewitter, welches sich über dem Kopfe
+Buka's zusammenzog, stieg aus den Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen
+von Schiras stritten sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor,
+dass, wenn ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die Küste eingeräumt
+würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen bereit seien. Sie erhielten
+hierauf verbindende schriftliche Urkunde. Nun wandten sie sich an Tughan um
+einen zur Eintreibung der Summen Begewaltigten, und er ernannte hierzu den
+Seid Fachreddin Mobarek. Buka protestirte wider diese Ernennung und diese
+Maassregel, aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka in die
+Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin übertragen sei, nicht zu
+mischen habe; denn Fachreddin hatte dem Arghun vorgetragen, dass viele,
+vormals dem Seid Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen,
+jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien. Arghun übertrug
+die Verwaltung der Familiengüter dem Emir Taghadschar und die des Heeres
+dem Emir Kundschukbal, so dass auf einmal Buka all seiner Macht und seines
+Einflusses beraubt.
+
+[Randnote: Buka's Verschwörung und Sturz.]
+
+Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche Demüthigungen
+verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine Finanzkammer wurden vor den Chan
+gefordert, alle seine Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir
+Ali, der _Temghadschi_, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris. Buka,
+als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband sich mit mehreren
+Prinzen und Emiren[699] zur Entthronung Arghun's, indem er den Thron dem
+Prinzen Dschuschkab zudachte. Er sandte an diesen, der an den Ufern des
+Euphrats lagerte, Botschaft, um sich über den Undank Arghun's, der ihm
+allein den Thron verdankte, zu beklagen und diesen dem Dschuschkab
+anzutragen. Dschuschkab sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge
+seiner Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem Throne
+strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort: Ich bin dem Buka für
+seine gute Absicht sehr verbunden, traue aber mündlichen Versicherungen
+nicht und werde nicht an die Verbindung der mir genannten Prinzen und Emire
+glauben, bis ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche Urkunde des
+Vertrags sehe. Buka sandte ihm die Unterschriften der Verschworenen.
+Dschuschkab sandte Wort: das Heer möge in Waffen ihn erwarten; er aber
+begab sich eiligst nach Tebris, um den Neffen Chan von der seinem Throne
+drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Arghun wollte Anfangs der Anklage
+keinen Glauben beimessen; als er aber in der unterschriebenen Urkunde von
+der Schuld Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor Augen hatte,
+befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und den Buka aus seinem Lager
+am _Kor_ ihm zuzuführen. Sultan Aidadschi, Doladai und Tughan überfielen
+ihn in seinem Lager, doch hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben
+jenseits des _Kor_ in das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn aber
+nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers der Frau Oldschai,
+gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht. Sultan Aidadschi und Tughan gingen
+noch in der Nacht über den Fluss und waren im Begriffe, das Lager der Frau
+Oldschai zu stürmen, als ihnen Sengi zitternd den im Zelte seines Sohnes
+versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht gestellt, antwortete er dem
+Schinktur, welcher ihn als die Ursache aller Unruhen anklagte und ihm
+vorwarf, dass er immer anderen Padischah einzusetzen trachte: er habe
+Nichts wider den Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan Aidadschi
+und Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte ihm in's Gesicht: »An dem
+und dem Tage hast du mich gesandt, um das Lager und ein Heer aufzubringen
+und damit vorzudringen.« Buka sprach: »Du irrest dich; ich habe gesagt: um
+was schwer vorzubringen.« Als aber Dschuschkab die unterschriebene Urkunde
+der Verschwörung vorwies, deren Ausbruch für die Festnacht des neuen Jahres
+der Mongolen festgesetzt war[700], konnte er nicht mehr länger läugnen.
+Arghun gab das Zeichen zu dessen Hinrichtung, und Prinz Dschuschkab erbat
+sich die Gunst, dieselbe selbst vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem
+Richtplatze angelangt, gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust mit den
+Worten: »Das ist der Lohn für deine Lust nach dem Throne«. Dschuschkab
+trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom Rumpfe und schnitt ihm dann mit eigner
+Hand Riemen der Haut aus dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft,
+unter der Brücke Dschaghan aufgehangen. [RN: 21. Silhidsche 687/17. Jan.
+1289] Am folgenden Tage sassen die Richter abermal zu Gericht, und es
+wurden die verschworenen Emire hingerichtet[701]. Kadan, weil er der
+Gesandte des Kaans, der Bitekdschi _Noghai_, weil er wahres Wort geredet,
+und ein anderer, weil die Emire für ihn gebeten, wurden mit dem Leben
+verschont. Unter den Hingerichteten war auch der Astronom _Imadeddin_, der
+Christ Simon von _Rumkalaa Behaeddewlet Abul Kirem_; _Demitrius_, König
+von Georgien, welcher in diese Verschwörung verwickelt war, wurde an den
+Ufern des Kor hingerichtet[702]; dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu
+plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers überliefert, die
+Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt; es erging der Befehl, die
+Leichname der Erschlagenen in Hügeln aufzuschichten, erst wenn sie von
+Wölfen und Hunden zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben. Drei
+Emire[703] wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne und Brüder Buka's zu
+holen. In sechs Tagen rannten sie von Arran nach Irbil, tödteten Ghasan,
+den ältesten Sohn Buka's, der sich bei seinem Oheime Aruk befand, und
+führten diesen nach Tebris. Als er an der Brücke Dschaghan des Bruders
+ausgestopften Kopf sah, fragte er: Wo ist der Kopf Audschan's, seines
+Waffenträgers? und der geforderte fiel. [RN: 9. Moharrem 688/3. Febr. 1289]
+Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte seines Sohnes Zuflucht gestattet,
+wurde von der Frau Oldschai ausgeliefert; sie erklärte, dass sie ihren
+ältesten Sohn, Enbardschi, ausgeliefert haben würde, wenn er sich solcher
+Staatsverbrechen schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne Buka's[704]
+übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich ihrer angenommen; als er
+sie aber nach einiger Zeit dem Arghun, dessen Grimm er versöhnt glaubte,
+vorstellte, befahl dieser, durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so
+dem geschah. [RN: Ende Ssafer 688/Halben Mai 1289]
+
+[Randnote: Der Prinzen Dschuschkab, Huladschu, Karabukai Hinrichtung.]
+
+Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung Buka's angezeigt und dem
+Verräther mit eigener Hand den Kopf abgeschlagen, sah bald hierauf seinen
+eigenen gefährdet; auf die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen
+Plänen umgehe, hatte ihm Arghun Emire[705] mit Truppen nachgesendet, die
+ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen und Miafarakain erreichten; er schlug
+sich mit ihnen, floh und wurde nach drei Tagen ergriffen, vor Arghun
+gebracht, von demselben zum Tode verurtheilt. [RN: 15. Dschem. ewwel 688/6.
+Juni 1289] Diese Hinrichtung hatte die Empörung des ihm innigst ergebenen
+_Newrus_, des Sohnes Arghun's (des Statthalters Hulagu's in Persien) zur
+Folge, mit welchem sich die Prinzen _Huladschu_ (der zwölfte Sohn Hulagu's)
+und _Karabukai_, der Sohn Jaschmut's (des dritten Sohnes Hulagu's)
+verbanden; sie wurden von _Muktil_, dem Bruder Ordu Kaja's, welcher im
+Dienste _Karabukai's_ seinen Herrn verrieth, ergriffen und im Schlosse
+_Girdkjuh_, dem alten Assassinenschloss, das so lange den belagernden
+Waffen der Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate hernach
+hingerichtet. [RN: 20. Ramasan 688/7. Oct. 1289] _Huladschu_, der zwölfte
+Sohn Hulagu's, der dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel
+(wie vor ihm _Konghuratai_ und _Teguder_); _Karabukai_, der zweite Neffe,
+der wie Dschuschkab des Todes Loos der Oheime theilte. Ein Heer unter dem
+Befehle Arghun's wurde nach Chorasan gesandt, um dort den Kronprinzen
+_Ghasan_ wider den Aufrührer _Newrus_ zu verstärken. Arghunchan hatte das
+Winterquartier von Arran mit dem Sommerlager zu Kongorolang vertauscht und
+zum zweitenmale den _Ordu Kaja_ und den Juden _Seaad_ empfangen, welche ihm
+Gelder von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden, und als der
+Jude vortrug, dass er das Doppelte abgeführt haben würde, wenn nicht die
+mongolischen Landschreiber ihm entgegen gewesen wären, wurde die
+Hinrichtung derselben befohlen; ihre Köpfe wurden zu Bagdad aufgesteckt;
+auch Manssur, der Sohn Chodscha Alaeddin's Dschuweini, wurde von Hille
+gebracht und hingerichtet; gleiches Schicksal hatte _Dschelaleddin
+Semnani_, welcher, dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte
+Berende Bachschi's an dem Leben verschont worden war. [RN: 1. Dschem. II.
+688/22. Juni 1289] Arghun hatte die oberste Wesirschaft dem Juden _Seaad_
+übertragen, eine vor und nachdem in den Geschichten des Islams unerhörte
+Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts und Bluts der Moslimen.
+_Seaadeddewlet_, d. i. die Glückseligkeit des Hofes, der Sohn des Juden
+Hebetollah Ben Mohesib von Ebher, war vor fünf Jahren vom Vogte Bagdads
+oder dessen Kammer angestellt worden und hatte durch seine
+Geschäftstüchtigkeit bald sehr grossen Einfluss erworben. Der Befehlshaber
+Bagdads, Kotloghschah, ein vormaliger Diener Alaeddin's Dschuweini,
+Medschdeddin Giti und Andere waren vor zwei Jahren in's Sommerlager von
+Sughurluk gekommen, [RN: 686/1287] um sich bei den Wesiren über Seaad,
+durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten gesetzt wurde, zu beklagen;
+sie priesen den Seaad als einen vortrefflichen Arzt an, der seiner
+medicinischen Kenntnisse willen an den Hof gezogen zu werden verdiene.
+Seaad, nach Hof berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt durch
+dessen Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage, die Rückstände der
+Steuern Bagdads, welche fünfhundert Tomane betrugen, einzutreiben. Mittels
+Erpressungen und Qualen brachte er eine ansehnliche Summe Geldes auf, die
+er dem Chan in's Sommerlager von Kongorolang brachte. Arghun, hiermit sehr
+zufrieden, verlieh die Emirschaft von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die
+Vogtschaft dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger; Scherefeddin von
+_Semnan_ wurde zum _Melik_, d. i. Vorsteher der Finanzen, und Seaad zu
+dessen _Moscherrif_[706], d. i. Ceremonienmeister, ernannt. Diese vier
+gleichzeitigen Ernennungen geben Aufschluss über die Einrichtung
+mongolischer Landesverwaltung, deren Häupter der _Emir_ (Befehlshaber der
+Truppen), der _Schohne_ oder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, der _Melik_,
+d. i. Intendent der Finanzen, und _Moscherrif_, Gehülfe desselben; dazu
+kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen die arabischen _Munschi_, die
+mongolischen _Bitekdschi_, die türkischen _Bachschi_ heissen. Als Seaad zur
+Wesirschaft gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines
+vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen in der Ausübung
+seiner unumschränkten Machtvollkommenheit beschränkt; als aber auch dieser
+auf Arghun's Befehl, weil ihm zu Ohren gekommen, dass er des Juden
+unumschränkte Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet worden,
+herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht als Wesir[707].
+
+[Randnote: Seaadeddewlet's Verwaltung.]
+
+Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und goldene, Aderlass und
+Schacher. Noch lebten die Enkel seines grossen Vorfahrers in der
+Wesirschaft, Mohammed Schemseddin's, Mahmud und Ali[708], die beiden Söhne
+seines Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in Irak. Ali
+war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's, nach Issfahan gegangen,
+als Medschdeddin Muminan von Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an
+Arghun Bericht erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der
+Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins
+hinzurichten. Von diesen wurden _Mesud_ und _Feredschullah_ zu Tebris
+getödtet; [RN: 3. Redscheb 688/23. Juli 1289] dem Enkel _Mahmud_ rettete
+der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den Söhnen und nicht von
+den Enkeln die Rede; aber _Ali_, welcher zu Issfahan sich befand, wurde
+getödtet, und sechzehn Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren von
+den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich: _Atabeg_ und _Sekeria_, übrig,
+welche, die einzigen, nicht gewaltsamen Todes starben. Der Jude legte nun
+seinem Namen und dem seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem
+Hause Buje den Ehrennamen _Dewlet_, d. i. _Reich_ oder _Hof_, bei; er
+nannte sich _Seaadeddewlet_, d. i. das Reichsglück, seine Brüder hiessen:
+_Fachreddewlet_, d. i. Reichsruhm, _Mohesibeddewlet_, d. i. Reichsläuterer,
+desgleichen seinen anderen Angehörigen, unter die er die
+Statthalterschaften des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und
+dem Dschemaleddin von _Destadscherd_ übertrug er die Befehlshaberschaft von
+Bagdad; nach Fars sandte er den Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den
+Sohn des Astronomen _Montachabeddewlet_, d. i. des Reichsauserwählten, als
+Statthalter nach Diarbekr seinen Bruder _Emineddewlet_, d. i.
+Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris verlieh er seinem
+Neffen Ebu Manssur _Mohesibeddewlet_ (ein zweiter Reichsläuterer) dem
+Arzte[709]. Fünf Juden (die vier Brüder und der Neffe) hatten die
+Verwaltung unter sich getheilt. Die Emire _Taghadschar_, _Ordu Kaja_ und
+_Dschuschi_, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden durch ein Patent
+verständigt, dass _Seaadeddewlet_ der Befehlshaber des Staatsschatzes sei,
+»und dass sie ohne dessen Gutheissung kein Geschäft dem Padischah
+vorzutragen ermächtiget seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jeder
+Zeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu richten«. Die Wesire
+und Emire der Länder wurden ihm untergeordnet, Könige und Sultane standen
+dem Arzte Juden zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze
+Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's, gewesen, so hätte er
+auch diese Länder an seine Geschöpfe verliehen[710]. Er vernichtete gleich
+Anfangs seiner Verwaltung in allen Ländern die _Melik_, wörtlich _Könige_,
+der Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und erregte in den
+Herzen der Juden die Erwartung, dass in ihm der versprochene Messias
+erschienen, der Wiederhersteller des Reichs im vorigen Glanze. Die
+Verordnungen, die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber
+verständig, auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung des
+Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten und Vögte wurde
+gesteuert, arabische und persische Dichter und Philologen mit Geschenken
+und Pensionen zur Verbreitung seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war
+ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe erschienenen
+_Ghaselen_, _Kassidete_, _Makame_ und Lobreden enthielt, gesammelt, und
+welches sich noch zur Zeit Wassaf's zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur
+mit den Prinzen und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen
+Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages, als er mit dem
+Schah langen Puff spielte, streckte er mir nichts dir nichts seine Füsse
+aus, als läge er auf einem Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam,
+redete ihn an: »Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines solchen Chans,
+dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel wie mit einer Kugel aus Handteig
+spielen, ohne Scheu den Fuss auszustrecken?« Seaadeddewlet entschuldigte
+sich mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung gelten.
+
+[Randnote: Verwaltung von Fars; Emir Tughan.]
+
+Da die grossen Emire _Taghadschar_, _Semaghar_, _Kundschukbal_ und _Tughan_
+ihm alle aufsässig, so suchte er sich wenigstens mit dreien zu befreunden,
+denen er einen Antheil an der Verwaltung überliess; diese waren _Ordu
+Kaja_, den er als Helfer zu sich nahm; _Karadschar_, dem er die Verwaltung
+von Arran anvertraute, und _Dschuschi_, dem er die von Schiras übergab; dem
+letzten gab er noch zwei Beamte[711] und den Sohn Sundschak's als _Serwan_
+oder _Tschausch_, d. i. Vollstrecker der Befehle, an die Seite. Die Herren
+der Finanz zu Schiras versprachen die fünfhundert Tomane, die Ausstände,
+binnen Jahr und Tag herbeizuschaffen, wenn man ihnen den _Dschelaleddin
+Serwistani_ gebunden ausliefere. Diess geschah; als aber die Inhaber der
+Pachtdistrikte[712] und die Landschreiber[713] nicht Wort hielten, wurden
+die ersten, die Herren der Kammer, die schon oben bei der Erzählung der
+Zustände von Fars genannt worden, hingerichtet[714]. Die Steuereinnehmer
+und Verwalter wurden alle gefoltert und durch Vergantungen und
+Confiscationen eine ungeheuere Summe erpresst. Seaadeddewlet's Strenge war
+rücksichtlos gegen die Emire und führte später seinen Sturz durch die Rache
+einer empfindlichen Beleidigung des Emirs Tughan herbei, welcher, wie wir
+gesehen, schon den allmächtigen Buka aus Rache für empfangene Stockschläge
+gestürzt. Tughan, der Sohn Tarakai's, ehemals der Vogt in Kuhistan, einer
+der ersten Inaken, d. i. Hofdiener, »war«, sagt Wassaf, »ein höchst
+scharfsinniger und feiner Kopf[715] an Urtheilskraft, durchdringendem
+Scharfsinn, in der Rede Schlagfertigkeit und Zierlichkeit, hatte er unter
+den Mongolen nicht seines Gleichen«; dazu war er ein gewandter
+Briefsteller, Buchhalter, Dichter und Astronom, ein ganzer _Keschadschem_,
+d. i. ein in den fünf freien Künsten, deren Anfangsbuchstaben in diesem
+Worte enthalten sind[716] (_Schreibkunst_, _Dichtkunst_, _Astronomie_,
+_Philologie und Musik_), vollkommen bewanderter, hochgebildeter Mann. Als
+nach der Hinrichtung Buka's der Emir _Newrus_ in Chorasan rebellirte, wurde
+Tughan mit einem Auftrage dahin abgesandt; bei seiner Rückkehr liess
+Seaadeddewlet dem Schah vortragen, dass die Curiere Tughan's mehr als ihre
+normalmässigen Taxen genommen, und Tughan wurde zu der hierauf durch die
+Jasa gesetzten normalmässigen Strafe von siebzehn Stockprügeln verurtheilt.
+Tughan, welchen Nichts aus der Fassung brachte und welchem ein guter
+Einfall immer zur Hand, sah sich im Saale um und sagte: Was würde es denn
+schaden, wenn jeder der Collegen Emire einen der siebzehn Stockstreiche auf
+sich nehmen wollte? Es waren mehr als siebzehn Emire zugegen. Der Schah
+lachte, und allsogleich citirte Tughan das Distichon Motenebbi's:
+
+ Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht,
+ Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht[717].
+
+Durch diesen glücklichen Einfall und seine Geistesgegenwart kam er diessmal
+von der verhängten Strafe los, aber der Groll wider den Juden, der ihm die
+Schmach der Verurtheilung zugezogen, wurzelte so tiefer in seiner Brust,
+und er verband sich zum Sturze desselben mit dem Emir _Kundschukbal_ und
+Anderen, indem sie keine Gelegenheit unterliessen, ihren Feind beim Schah
+zu verschwärzen. Dieser indessen, voll hochfliegender Pläne, stand noch
+immer fest durch den guten Erfolg seiner Finanzverwaltung, welche den
+Schatz füllte, und durch seine Einstreuungen von der Einführung einer neuen
+Religion, deren Oberhaupt der Schah sein sollte[718]. Arghun war nicht
+Moslim, wie sein Vorfahrer, sondern vielmehr den Juden und Christen
+geneigt; von seiner Neigung für die Juden spricht die fünfgetheilte
+Herrschaft der vier Brüder und des Neffen, von seiner Vorliebe für die
+Christen sein Befehl, die von Teguder zerstörten Kirchen wieder
+herzustellen[719], und seine Verbindungen mit den Königen Armeniens und
+Georgiens, seine Gesandtschaften an den Papst und König von Frankreich, von
+denen weiter unten die Rede sein wird. Indessen, da sein Plan der neuen
+Religion noch nicht reif, konnte er nicht umhin, dem Scheine nach den Islam
+zu beschützen, wovon ein von Wassaf erhaltener, zu Gunsten der
+Pilgerkarawane von Mekka erlassener Befehl das Belege; indessen lag ihm
+wenig daran, dass das Blut der Pilger im Umfange des heiligen Hauses
+vergossen wurde, und siebzehn der grössten Imame verbannte er nach Schiras,
+um dort von Schemseddewlet die Strafe der Jasa, d. i. Prügel, zu empfangen.
+
+[Randnote: Feldzug gegen Derbend; Bauten.]
+
+In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres begab sich Arghun,
+welcher auch ein Freund der Astronomie, wiewohl er mit Vorliebe Alchymie
+trieb, nach Meragha, um die Sternwarte zu besuchen; [RN: 4. Ramasan 688/21.
+Sept. 1289] in der folgenden Tag- und Nachtgleiche des Frühlings verehrte
+er der Frau Bulughan, der Tochter Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des
+Konghuraten, das Lager der verstorbenen Frau Bulughan, welche aus dem
+Hareme des Grossvaters Hulagu und des Vaters Abaka in das seine
+übergegangen war. [RN: 9. Rebiulewwel 689/24. März 1290] Vier Tage nach
+vollzogener Hochzeit kamen Boten, welche feindlichen Einfall an der Gränze
+von Derbend meldeten. [RN: 13. Rebiulewwel 689/28. März 1290] Die Emire
+Schiktur Nujan, Kundschukbal und Taghadschar wurden allsogleich aufzusitzen
+befehligt. Der Chan begab sich nach Pilsuwar und rückte mit dem schweren
+Gepäcke bis Schaburan vor; am Ufer des Karasu traf der Vortrab der beiden
+Heere auf einander. [RN: 1. Reb. achir 689/15. April 1290] Das feindliche
+befehligte _Abadschi_ und _Mengli_, die beiden Söhne _Mengku Timur's_, des
+Herrschers von Kipdschak, und der Feldherr _Nokai_; das Arghun's: die Emire
+_Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Toghruldsche_ und _Taidschu_, der Sohn
+Bukuwa's; die letzten drei setzten über den Fluss, schlugen die
+Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert Mann und machten mehrere
+Gefangene[720]. Hierauf wurde zu Pilsuwar der Sieg mit Festen gefeiert, und
+Seaadeddewlet sandte die frohe Nachricht mittels Siegesschreiben durch's
+Reich[721]. [RN: 17. Reb. achir 689/3. Mai 1290] Da die Ruhe an der Gränze
+von Derbend hergestellt war, wandte sich Taghadschar nach der östlichen, wo
+in Chorasan der Aufruhr des Emirs Newrus in hellen Flammen emporloderte.
+Arghun wurde durch den Tod seines Sohnes _Jesutum_ betrübt; [RN: 7. Dschem.
+ewwel/19. Juni] auch waren der Emir _Sundschak_ und sein Sohn _Schadi_ zu
+Meragha gestorben. Zwei Monate hernach ward zu Tebris _Medschdeddin
+Muminan_, dessen oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen,
+hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager von
+_Alatagh_ ein; [RN: 2. Schaaban/12. August] er kehrte über Wan und Wastan
+zurück. Auf dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin der Schiraser auf
+und brachte seinen Atlas der westlichen Meere mit einer Beschreibung ihrer
+Gestade und Inseln, der Länder Rums und des mittelländischen Meeres dar.
+[RN: 13. Schaaban/23. August] Der Blick Arghun's fiel auf die Stadt
+_Amuria_, so berühmt, als die Geburtsstadt des Kaisers Theophilos und die
+Verheerung derselben durch den Chalifen Moteaassim. Arghun liess sich Alles
+erklären und war mit der Erklärung ungemein zufrieden; er ging auf die
+Jagd, und sagte dem Molla, sich nach derselben wieder bei ihm einzufinden,
+weil er mit ihm gerne weiter spreche, da er so wohlberedt. Hierauf ging der
+Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter, welche aus Rum zurückgekehrt
+waren: _Emirschah_, _Fachreddin_ und den Sohn _Hadschi Leila's_, zu
+ergreifen; dem ersten rettete die Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's
+das Leben, der dritte ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht
+gesetzt und später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire: _Akbuka_,
+_Doladai_ und _Aldschiwaktan_, aus Rum, von denen der erste dorthin
+zurückgesandt ward. [RN: 5. Schewwal 689/13. Oct. 1290] Das Fest des
+Fastenmondes wurde zu Tebris zur Freude der Moslimen mit grosser
+Feierlichkeit begangen. Es wurden vier Minarete erhöht; die Kadi und Imame,
+die Chatibe und Scheiche wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser
+Bauliebhaber, befahl, auf der Westseite der Stadt eine Vorstadt anzulegen,
+welche _Schem_ oder _Schenb_ hiess, und in der später sein Sohn Ghasan sein
+berühmtes Grabmal erbaute; er befahl den Bau einer Stadt zu _Scherujas_,
+nördlich von Kaswin, welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet,
+den Namen _Sultanije_ erhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije, zu
+_Andscherud_, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen Palast in der Ebene
+erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken mit zwei Abflüssen, dessen Wasser
+sich nie mindern und mehren soll, wenn auch die Abflüsse verdämmt
+werden[722]. In der Nähe von Sedschas ist der gleichnamige Berg, auf
+welchem hernach Arghun begraben ward; auch im Gebirge Alatagh, welches das
+gewöhnliche Sommerlager schon von Hulagu's Zeit her, baute er ein
+Serai[723]. Zu _Lar_ oder _Lardschan_[724], der gleichnamigen Hauptstadt
+der am Fusse von Hügeln gelegenen Landschaft _Laristan_, baute er einen
+Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess; der Basar der Stadt gilt
+noch heute für den schönsten Persiens; das heute in Ruinen liegende Schloss
+galt ehemals für uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von dem
+Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen; alle Häuser sind
+bequem und nett eingerichtet; jedes mit den beiden Luxusanstalten einer
+persischen Sommerwohnung, nämlich einem _Badgir_ und _Serdab_[725], d. i.
+mit einem Windfang und einem unterirdischen Saale, versehen; in diesen
+dringt die Hitze nicht ein, durch jenen kreist im oberen Theile des Hauses
+der Luftzug. Zu Tebris erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den Namen
+_Arghunije_; er gab Jedermann die Freiheit, sich dort anzusiedeln; und
+liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben nach dem in Persien von uralter
+Zeit her eingeführten und heute noch üblichen Systeme unterirdischen
+Kanalbaues. Die kühlen Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche
+Sommerlager, die südlichen Ebenen von _Kongorolang_, d. i. die Falkenweide,
+das Sommerlager, wo hernach _Sultania_ gebaut ward; der Frühling und Herbst
+wurde, wie gesagt, wechselweise zu Meragha und Tebris zugebracht, wie
+vormals die persischen Könige ihre Residenz nach den Jahreszeiten zu
+Babylon, Ekbatana oder Susa aufschlugen.
+
+[Randnote: Arghun's Krankheit.]
+
+Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften ergeben, hatte
+indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt, durch welche Mittel sie sich
+ihr Leben so langwierig fristeten. Sie gaben ihm ein aus Schwefel und
+Merkur zusammengesetztes Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung an.
+Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und als ihm hierauf die Bachschi
+eine Quarantäne zu Tebris vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne
+Jemanden Anderen, als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer _Ordu Kaja_
+und _Kadschan_ zu empfangen. Nach den vollendeten vierzig Tagen begab er
+sich in's Winterquartier nach _Arran_, wo er krank ward, vom Arzt
+Emineddewlet Arznei nahm; als diese nicht anschlug, gab ihm einer der
+Bachschi eines Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von
+Zipperlein hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, die Ursachen
+der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung Schuld gegeben ward,
+untersuchen zu lassen. Die Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und
+könne nur durch Almosen geheilet werden; die _Kamen_, welche nach
+mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus Schulterbeinen der Schafe
+erforschten, warfen den Verdacht von Zauberei auf. Die Prinzessin
+_Tughandschak_, die Tochter der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete
+Nichte _Dschuschkab's_, dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan
+vermählt, mit diesem die Tochter _Tughandschak_ aus dessen Beischläferin
+Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus dem Harem _Schadi
+Gurgan's_ in das Arghun's übergegangen, und _Tughandschak_ erscheint hier
+als Nebenbuhlerin ihrer Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit
+anderen Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, dass sie,
+um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane geschrieben, und dass
+sie, um sein Leben zu retten, gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der
+Zauberei schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch die
+Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste bestürzt, indem er
+wohl einsah, dass sein Leben an das des Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu
+guten Werken die Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben,
+sogenannte Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit
+einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner grössten Wohlthaten waren
+dreissigtausend Dukaten, womit er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk
+gemacht, und hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras
+zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward, den Verwandten der
+Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern, Schwägern, das Geringste zu nehmen;
+hierdurch hoffte er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein
+die Emire[726], denen seine Herrschaft immer unerträglicher, verschworen
+sich zur Abschüttelung dieses Joches, [RN: 4. Ssafer 690/5. Febr. 1291] und
+sie traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug der
+Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen vor zwei Jahren die
+Prinzen Huladschu und Karabukai und eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen
+aus dem Geblüte Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese
+Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit Arghun's
+angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit ihren Vätern hingerichteten
+unschuldigen Kinder, Söhne Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun
+erschienen und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung
+gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss ich nichts; nicht ich bin
+euer Mörder, sondern Sultan Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt,
+berief sich auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht darum.
+Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan diess gesagt haben, da ihm
+die Krankheit seit langem die Sprache benommen. Die Richter urtheilten,
+dass, wenn der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner Krankheit
+keine andere als das durch Aidadschi gegebene Bluturtheil sei, und
+verurtheilten ihn zum Tode. [RN: 1. Rebiulewwel 690/4. März 1291] Am selben
+Tage (es war das Geburtsfest des Prinzen _Chatai Aghul_) wurde Dschudschi
+auf Tughan's Befehl ergriffen und in der Nacht hingerichtet; am folgenden
+Tage zog Taghadschar den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor
+Gericht, und Beide wurden getödtet[727]; ihre Häuser wurden vom Heere
+geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu Baghdschei Arran [RN: 7.
+Rebiulewwel 690/10. März 1291] und zwei Tage später wurde sein Leichnam
+nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch nach dem alten
+Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten, bis es in der Folge von seiner
+Tochter entdeckt, mit einem Dome überwölbet ward[728].
+
+[Randnote: Arghun's Verhältniss mit Aegypten und den europäischen Fürsten.]
+
+Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's die Darstellung seiner
+Verhältnisse mit Aegypten und mit christlichen Fürsten nachzutragen.
+Bereits unter der Regierung Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der
+Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, im Kerker
+gestorben sei. Nähere Umstände über diesen Botschafter finden sich bei den
+ägyptischen Geschichtschreibern. Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo
+nach Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die Thronbesteigung
+Arghun's erfahren. [RN: 12. Dschem. ewwel 683/27. Juli 1284] Einen Monat
+hernach gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz. Sie
+bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu und dem Wesir des
+Fürsten von Mardin[729]; der Scheich war in den Habit der Derwische als
+Fakir gekleidet; als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er
+gewaltsam zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte ihn keines
+Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's und liess die Botschafter mit
+Kaftanen bekleiden. Das Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen
+Formel mongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens. Unter den
+Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen, ein Topas im Gewichte von
+zweihundert Miskalen und ein Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen
+aus. Kilawun liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte
+sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie wurden alle ihres
+Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der Scheich starb noch vor Ende des
+Jahres und seine Begleiter wurden dann in Freiheit gesetzt. [RN: 28.
+Ramasan 683/8. Dec. 1284] Während dieser feierlichen, zur Schliessung
+festen Friedens gesandten Botschaft hatte sich Sultan Kilawun zweier
+beträchtlichen festen Plätze bemächtigt. Der eine, _Katibe_, in der
+Landschaft Amid, in der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret,
+Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, _Kachta_, dessen
+aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete und das Schloss
+verrätherischer Weise an den Befehlshaber von Haleb übergab. Diesem
+fertigte im selben Jahre Arghun den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien
+zu, um die Armenier dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher
+sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die grosse Moschee
+eingeäschert. Sie drangen bis _Ajas_ vor, schlugen die armenischen Truppen
+im Passe von Iskenderun, verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann
+zurück[730]. Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung von
+Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen von Mossul die Besatzung,
+welche einen Ausfall gemacht, mit dem Verluste von zweihundert Mann
+zurück. Mit Papst Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von
+Gesandten, deren einer, _Buscarell_, ein _Kuridschi_, d. i. von seiner
+Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an Eduard, König von
+England, und Philipp den Schönen von Frankreich. Die Gesandten versprachen
+Hilfe wider die Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die
+Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach Jerusalems
+Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen; der Papst belehrte ihn in
+seinem Schreiben über die Dogmen und Pflichten des Christenthums. Nikolaus
+schrieb nicht nur an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen
+Sohn _Oldschaitu_, welchen die Mutter (_Urukchan_) getauft und Niklas
+genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin _Ilkotlogh_[731], die er
+zur Verbreitung des Christenthums, nachdem sie beigetreten, aufmunterte;
+die Frau Uruk[732], welche von jeher Christin, bat er, auch die Prinzen
+_Ghasan_ und _Chatai Aghul_[733], welche von anderen Müttern, zur Annahme
+des Christenthums zu bewegen. An König Eduard I. nahm der Gesandte
+Buscarell ein Schreiben des Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem
+Empfange und geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb Arghun im
+fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution, dass er im
+folgenden mit seinen Truppen vor Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte
+Jerusalem schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an den Papst
+war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im selben, wo der Jude
+Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen. Diese Botschaften Arghun's sind
+also wohl weniger dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen
+zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch die Hilfe des
+Papstes die Könige von Frankreich und England, die Aegypter von Syrien
+abzuhalten hoffte. Sie umfassen die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis
+zu seinem, Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine
+Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn und an Eduard, König
+von England, gerichtete Schreiben datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun
+schon fünf Monate todt.
+
+[Randnote: Kendschatu's Thronbesteigung.]
+
+Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien der Emire, welche über
+die Nachfolge des Thrones getheilter Meinung, die Kunde an die drei
+Prinzen, denen sie denselben zugedacht; nach Chorasan an _Ghasan_, den
+ältesten Sohn Arghun's, nach Bagdad an _Baidu_, den Sohn Tarakai's, des
+fünften Sohnes Hulagu's, und nach Rum an _Kendschatu_[734], den Bruder
+Arghun's, welchem nach dem mongolischen Erbrechte die Nachfolge der
+Herrschaft als dem Aeltesten des Hauses gebührt. Am ersten Tage waren die
+Emire zwar über die Nachfolge Kendschatu's einig gewesen, aber schon am
+anderen sandten Taghadschar und Semaghar dem Legsi, welcher mit der
+Nachricht des Todes an Kendschatu abgefertigt worden, den Balisad mit der
+Nachricht nach, dass die versammelten Emire und Frauen noch den _Baidu_ als
+den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten. Hierzu bestimmte die
+beiden genannten Emire einerseits die Furcht vor Ghasan's bekannter Energie
+und Herrscherkraft, bei welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits
+die Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen Einfluss der Herrschaft
+seinen mit ihm in Rum befindlichen Emiren überlassen und sie mit ihrer
+Partei leer ausgehen würden. Die Partei Baidu's bestand aus den Emiren:
+_Taghadschar_, _Semaghar_, _Kundschukbal_, _Tokal_, _Schiktur_, _Tughan_,
+_Timurbuka_, _Tekne_, _Ildschidai_, _Toghdai_ und _Doladai_; der letzte
+wurde auf der Stelle mit einem Heere nach Fars abgeordnet, wo die Luren
+eingefallen, Schiras erobert, den Vogt todtgeschlagen hatten. [RN: 8.
+Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Baidu, klug und umsichtig und ohne Heer, um
+dem an ihn gestellten Antrage anderer Emire Gewicht zu geben, anwortete:
+Nach dem Gesetze Tschengischan's gebührt die Chanschaft den Söhnen des
+Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen; welches Recht habe ich auf
+den Thron, so lange jener und andere Prinzen leben, die mir dem Alter nach
+vorgehen? Nach diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron dem
+Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es scheint, dass, weil
+Kendschatu die grösste Partei für sich hatte, er es für klüger fand, sich
+an diesen zu halten, indem er ihm die Nachricht von dem an ihn gelangten
+Antrage mittheilte[735]. Baidu's Weigerung bestürzte die Emire, welche ihm
+den Antrag gemacht, und an deren Spitze Tughan, der Hebel des Sturzes der
+beiden Grosswesire der vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des Juden
+Seaadeddewlet. Einige[736] gingen nach Rum, um sich an Kendschatu
+anzuschliessen. _Kundschukbal_ entfloh, _Tokal_ verliess sich auf einen
+Haufen Georgier, _Tughan_ brütete Aufruhr in Irak, der Prinz _Suka_ (der
+jüngste Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren
+_Tschoban_, dem Suldusen, und _Kurmischi_, der Sohn Alinak's, führten auf
+Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem Gebirge von Alatagh dem
+Kendschatu entgegen. Die Frau _Uruk_, die Wittwe Arghun's, die Mutter
+zweier seiner Söhne und dreier seiner Töchter, war mit ihnen verstanden.
+Die Emire[737] welche dem Baidu zu _Kökbuldagh_[738], d. i. am blauen
+Quelle, in der Nähe von Sughurluk, aufgewartet, verliessen ihn. _Ildschitai
+Kuschdschi_, _Kundschukbal_, _Timurbuka_, _Tschoban_ gingen zu Kendschatu
+über. Als er in die Nähe von Alatagh kam, gingen ihm _Chatai Aghul_, der
+jüngste Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen. _Taghadschar_, das
+Haupt der Partei _Baidu's_, wurde sogleich in Empfang genommen; _Tughan_,
+welcher nach Gilan entflohen, wurde eingebracht; doch wurde ihm, weil er
+ein Schützling Baidu's, vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu
+bestieg in der Stadt Achlath den Thron. [RN: 4. Redscheb 690/23. Juli]
+
+[Randnote: Gericht über die Emire; Kendschatu's Krankheit und Familie.]
+
+Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung der beiden Häupter der
+Gegenpartei, der Emire Taghadschar und Kundschukbal, indem er jedem nach
+der Jasa drei Stockstreiche geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen
+übertrug[739], und den Tughan mit den Söhnen der von ihm unmittelbar vor
+dem Tode Arghuns hingerichteten Emire, Dschudschi und Ordu Kaja, welche
+Blutrache forderten, vor Gericht stellte. Als die Emire, des Todschlags
+ihrer Mitgenossen angeklagt, zur Rede gestellt wurden, bekannten sich
+_Schiktur_, _Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Semaghar_, _Tekne_ und Andere
+schuldig und flehten die Gnade des Padischah an, der dieselben auch
+begnadigte, Andere gelinde (mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider
+Tughan, welchem sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's, als die
+Frau _Urukchan_ feind waren, wurden die Söhne _Dschuschi's_ und _Ordu
+Kaja's_ mit der Klage der Blutrache losgelassen; dennoch wollte ihm
+Kendschatu das Leben schenken; auf die Vorstellung der Frau Uruk aber, dass
+Tughan der Urheber alles Unheils, sagte Kendschatu: dass er in diesem Falle
+wohl den Tod verdiene; kaum war dieses Wort seinen Lippen entfahren, als
+Akbuka den Söhnen _Dchuschi's_ und _Ordu Kaja's_ die Blutrache der Väter
+überliess. [RN: 6. Schewwal 690/5. Oct. 1291] Taghadschar und Kundschukbal
+wurden begnadigt, Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien ernannt.
+Kendschatu bezog das Winterquartier in Arran und lagerte zu Karadschal am
+Ufer des _Kor_, seinem ehemaligen Horte. Von hieraus wurden die
+Kundmachungsbefehle der Thronbesteigung in die Länder gesandt; auf ein
+Gutachten der Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzen dem Namen
+Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von dem _Kamen_ ertheilte Formel,
+_Irindschin Durdschi_[740] beigesetzt. _Senbu_, der Bruder _Suka's_, der
+zweite Sohn Jaschmut's, starb zu Dschaghatu[741]; der Prinz _Enbardschi_,
+der älteste Sohn Mengu Timur's (des eilften Sohnes Hulagu's), wurde in die
+östlichen Länder gesandt. Auch dieser hegte herrschsüchtige Gedanken,
+welche während der Abwesenheit Kendschatu's in Rum, wohin er sogleich nach
+der Thronbesteigung zurückgekehrt war, in seinem Hause durch Taghadschar
+genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter des letzten Ssadreddin von
+Sindschar, ein grosses Verwaltungstalent, hatte seinem Bruder Kutbeddin,
+welcher sich im Lager Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene
+falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von den Turkmanen und
+Karamanen aufgerieben sei und dass er sich beeilen möge, Besitz vom Throne
+zu nehmen. Kutbeddin gab diese Nachricht dem Scheich Dschemal von Schiras,
+welcher des Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser, klug und umsichtig,
+sandte den Scheich auf Kundschaft an Schiktur Nujan; auf dem Wege begegnete
+er dem Taghadschar und Ssadreddin, welche ihn bewegen wollten, auf der
+Stelle umzukehren und den Enbardschi zu schnellem Anmarsche zu bewegen. Der
+Scheich stellte sich willfährig, sagte aber, dass er nur, da er schon in
+der Nähe, sein Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich
+geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er sich von der
+Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte. Er entledigte sich also
+freundlicher Botschaft im Namen Enbardschi's und theilte dann dem
+_Schiktur_ insgeheim den Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit.
+_Schiktur_ sandte ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken an
+_Enbardschi_ zurück; aber am nächsten Morgen überfiel er die Zelte
+_Taghadschar's_ und behielt ihn und _Ssadreddin_ bis zur Rückkehr
+Kendschatu's bei sich; als die Nachricht von dessen Ankunft verlautete,
+sandte er sie in einem Geleite von fünfhundert Reitern demselben bis
+_Ersenrum_ entgegen. [RN: 12. Redscheb 691/30. Juni 1292] Als Kendschatu zu
+_Alatagh_ ankam, befiel ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte; während
+derselben wurden von allen Gemeinden der verschiedenen Religionen Gebete
+angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner und Budhapriester beteten für die
+Dauer seines Lebens[742]; keiner Religion besonders zugethan, war er für
+alle gleichgültig[743], nur sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen
+waren: 1. _Aische_, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai Nujan's; 2.
+_Dundi_, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's, die Base der vorigen; 3.
+_Iltürmisch_, die Tochter Kotlogh Timur Gurgan's, des Konghuraten; 4.
+_Padischah Chatun_, die Tochter Kutbeddin's, des Sultan's von Kerman; aus
+dem Hareme seines Vorfahrers die Frauen: 5. _Bulughan_ und 6. _Uruk_.
+Ausser diesen hatte er die Söhne _Alafreng_ und _Iranschah_ aus der Frau
+_Dundi_ und _Dschinkpulad_ aus der Frau _Bulughan_, drei Töchter aus der
+Frau _Aische_ und eine vierte aus der Beischläferin _Abisch_, der Tochter
+des _Biklimisch_, des Bruders _Audschan's_, des Erlaten.
+
+[Randnote: Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und
+Fars.]
+
+Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, dessen oben erwähnet
+worden, bemühte sich um die Wesirsstelle durch _Buraldschin Ikadschi_, den
+Günstling Kendschatu's, und _Scherefeddin Semnani_, welcher beim Emir
+Akbuka in grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle gelang
+es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs zu vereinigen. Er erhielt
+dazu das goldene Ehrenzeichen des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und
+einen Toman von Truppen. [RN: 6. Silhidsche 691/19. Nov. 1292] Sein
+Anstellungsdiplom verbot den Prinzen und Prinzessinnen, sich im Geringsten
+in die Geschäfte der Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein Vorname
+_Ssadreddin_, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den von _Ssadri
+dschihan_, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich erhielt sein Bruder
+_Kutbeddin_, d. i. Pol der Religion, das Amt des Richters der Richter mit
+der Veränderung seines Namens in _Kutbi dschihan_, d. i. Pol der Welt; ihr
+Oheim _Kawameddin_, d. i. die Feste der Religion, erhielt die
+Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen von _Kawamolmülk_, d. i.
+Feste des Reichs. Zum zweitenmale sah Persien die Verwaltung der Geschäfte
+den Gliedern einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter
+Hulagu den beiden Brüdern _Dschuweini_ und dem Sohne des Wesirs
+Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von _Schiras_. Die Sorge für die
+Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt des Heeres, wurde
+dem _Fachreddin Aidadschi_ bestätigt[744]; dieser aber bat um
+Entschuldigung, indem er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang
+mit diesem Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der Prinzen
+und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu wies dreissig
+Tomane zur Zahlung der Schulden an und empfahl ihm fürderhin die grösste
+Freigebigkeit und Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der
+Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth und Milde, aber
+auch den Hang zum Wohlleben gemein hatte. Das grösste Lob seiner Regierung
+ist, dass während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan
+ausgenommen[745], Niemand getödtet ward; den grössten Beweis seiner Milde
+gibt die Nachsicht, die er den rebellischen Fürsten von Lur und Jesd
+angedeihen liess. _Efrasiab_ von Lur, der Sohn des unter der Regierung
+Abaka's und nachmalig erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der
+Regierung Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber von
+Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches die Gränzscheide
+zwischen Fars und Lur, überfallen lassen. Er bemächtigte sich des festen
+Schlosses Mandschescht und setzte seinen Neffen Kisil über den neu
+erworbenen Gebirgsdistrikt. Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben
+so vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheime und Neffen
+Streit über die Verwaltung des Berggebietes; Kisil, einigemal geschlagen,
+floh nach Schiras, kehrte dann aber wieder zurück, und schloss seinen
+Frieden mit dem Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab
+zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung von Geldern.
+Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's das Reich durch die Uneinigkeit der
+Emire und Arghun's schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung,
+benützte Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan die
+Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten, und der mongolische Vogt
+Baidu, der Schwager Taghadschar's ward durch die lurischen Reiter vor der
+Stadt getödtet. [RN: 8. Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Kisil sandte seinen
+Bruder Salghurschah in dieselbe, und das Heer der Luren nahm unter dem
+Geschrei: Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in dem
+Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die Münze von Schiras prägte
+auf den Namen Efrasiab's von _Lur_[746]; dann dehnte er seine Herrschaft
+von den Gränzen Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische
+Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des Atabegen _Tekele_, und Melik
+Nussret sandte er mit zweitausend Pferden[747] wider den Toman Arghasun's;
+auf dem Marsche erhob sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des
+Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs schlugen sie zwar die
+Mongolen und machten grosse Beute, aber diese kehrten zurück, und rächten
+die verlorene Beute durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen
+tödtete ein mongolisches Weib allein zehn Luren[748]. Endlich wurde Toladai
+wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, den Atabeg von Jesd,
+gesandt, welche zu gleicher Zeit sich empört hatten. Toladai schlug die
+Luren und Efrasiab erhielt durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch
+Chatun seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden
+hingerichtet.
+
+[Randnote: Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's; Papiergeld.]
+
+Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars traf die
+Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am
+Uebergange des Euphrats belagere. [RN: 8. Dschem. sani 691/27. Mai 1292]
+Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage Steine und
+Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch Sturm erobert, die
+Besatzung, welche aus Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen,
+zwölfhundert Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei
+geschleppt[749]. [RN: 1. Redscheb 691/26. Juni] Kalaaterrum, das Schloss
+der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt,
+genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse Merseban[750] liegt,
+war seit vier und zwanzig Jahren der Sitz des armenischen Patriarchen,
+dessen Pallast und Kirche bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan
+Eschref, welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den
+Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer- oder
+Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte
+dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu
+vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten Gemahlin seines
+Vorfahrers und seines Bruders Arghun. _Tekia_ oder _Tetkaul_ starb in dem
+Pallaste Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet. [RN: 3.
+Dsch. ewwel 692/11. April 1293] Von Meragha begab sich der Hof nach
+Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des
+Zweitgebornen Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit
+Versicherungen von Freiheit und Eintracht, [RN: 7. Schaaban 692/13. Juli
+1293] und zwei Tage darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes
+Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch Gesandte
+von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an sich gerissen.
+Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen
+die Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus
+Diarbekr ein. [RN: 17. Schaaban 692/23. Juli 1293] Kerrai Aghul, der Sohn
+Mengku Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Doladai und
+Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet worden, kehrten zurück. [RN:
+12. Ramasan 692/16. Aug. 1293] Das Hoflager zog nach Audschan, von da nach
+Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert ward. In diesem Winterquartier
+wurde die Geburt des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu
+Bire gefeiert. [RN: 5. Rebiulewwel 693/24. Jan. 1294] Drei Tage hernach
+traf die Botschaft Tuktai's, des Herrschers von Kipdschak, ein, deren
+Vorsteher der Prinz _Kalintai_. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör
+gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen,
+[RN: 8. Rebiulachir/8. März 1294] nachdem sie noch Tags vorher der
+Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den
+Namen _Kotlogh Baligh_, d. i. der guten Balley, erhielt. [RN: 2. Dschem.
+ewwel 693/31. Mai 1294] Kerrai Aghul, welcher vor noch eilf Monaten aus
+Chorasan zurückgekehrt war, ging mit Tod ab, [RN: 7. Redscheb 693/3. Juni
+1294] und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager zu Alatak, um
+seine Huldigung darzubringen; [RN: 16. Redscheb 693/12. Juni 1294] er ward
+ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf die
+Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt
+worden, dem Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte.
+Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in
+China längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich durch
+die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolisch _Tschaw_ heisst.
+Vergebens stellte _Schiktur Nujan_ vor, dass diese Massregel der Ruin des
+Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der
+Wesir Ssadreddin und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um
+dort das Papiergeld einzuführen; [RN: 19. Schaaban 693/15. Juli 1294] sie
+kamen dort im Fastenmonde an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer
+Ankunft vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an
+Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die Todesstrafe
+setzte. [RN: 10. Ramasan 693/12. Sept. 1294] Dieser den Bewohnern von
+Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September[751]. Eine
+Woche lang ward dasselbe durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern
+aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, indem aller
+Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen desselben ward als _gebenedeites
+Papiergeld_[752] zum Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das
+mohammedanische Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel:
+_Irdschin Turdschin_, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294)[753].
+_Iseddin Mosaffer_, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben, war der
+Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte Aufstände und
+Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom Bruder endlich die
+Erlaubniss, das Vorhandene um baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber
+entstand allgemeiner Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach
+ein Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie
+angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche in Chorasan
+so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist rosteten, das Papier bald
+zerfressen haben würde, und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir
+setzen die Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen
+Worten hieher.
+
+[Randnote: Verrath der Emire; Kendschatu's Ende; Baidu's Thronbesteigung.]
+
+Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in Weichlichkeit und
+Wollust versunkenen Leben Kendschatu's ermuthigte den Prinzen Baidu,
+welchem vor ihm von den Emiren der Thron angetragen worden war, zum
+Versuche, denselben wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner letzten
+Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur durch die Fürbitte des
+Günstlings _Burekdschin Ikadschi_ vorgekommen, beklagte er sich über solche
+Behandlung bei den Emiren, und als von diesen _Tudadschu_, der Oberrichter
+_Dschidschek Gurgan Legsi_, der Sohn Arghun's (des Statthalters) und
+_Iltimur_, der Sohn Hindukur Nujan's, nach Bagdad gekommen, verband er sich
+mit ihnen zum Aufstande wider Kendschatu. Dschemaleddin von Destadscherd,
+der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu Bagdad, schloss sich an dieselben
+an, und schaffte ihnen die für den Unterhalt des Heeres nothwendigen
+Lebensmittel. Baidu schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed
+Sikurdschi, welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's die Vogtei
+verwaltete, zu tödten[754]. _Ghurantai Gurgan_, der Eidam Kendschatu's,
+Gemahl von dessen ältester Tochter Kotlogh, gab durch Eilboten dem
+Schwiegervater von der Verschwörung der Emire, und von dem, was zu Bagdad
+vorgefallen, Nachricht, und warnte ihn wider seine nächsten Umgebungen, die
+Emire _Doladai Ordadschi_, d. i. Kellermeister, _Kundschukbal_ (welchem
+Oldschatai, die erstgeborene Tochter Arghun's, sowie seinem Bruder Ahmed
+früher _Taghai_, die zweite Tochter Abaka's, als Frau bestimmt gewesen),
+_Tukal_ (der Gemahl Oldschai Timur's, der zweiten Tochter Arghun's),
+_Ildschidai_ und _Bukdai_, als dieses Anschlages theilhaftig. Kendschatu
+berieth sich mit Akbuka, in dessen Händen noch immer die Zügel der obersten
+Leitung der Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und schickte sie
+gebunden nach Tebris[755]. _Hasan_ und _Taidschu_, die beiden mit der
+Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's stellten die Nothwendigkeit
+vor, durch die Hinrichtung der Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten;
+aber _Taghadschar_, der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte die
+Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris in Verhaft, den
+_Tukal_ ausgenommen, welcher nach Georgien geschickt ward. Von Arran aus
+gingen Gesandte an Baibuka, den Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort
+den Baidu ergreife. Als die Gesandten nach _Irbil_ gekommen, vernahmen sie,
+dass Baibuka von Baidu's Abgesandten aufgehoben worden sei; sie kehrten
+also schnell zurück, um diesen Unfall dem Herrn zu berichten. [RN: 28.
+Rebiulachir 694/17. März 1295] Hierauf wurden die Emire Akbuka und
+Taghadschar mit Truppen wider Baidu gesandt. _Taitak_ führte den Vortrab
+von fünftausend Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und Taghadschar
+mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die Vorposten Taghadschar's und
+Baidu's aufeinander; die Baidu's wurden zurückgeschlagen. [RN: 3.
+Dschemasiulewwel 694/21. März 1295] Der Chan selbst brach mit einem Heere
+vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher, da Akbuka das höchste Vertrauen
+genoss, von Kendschatu sich abgewandt, sandte heimlicher Weise
+verrätherische Botschaft an Baidu, ihn zum Aufruhre ermunternd. Als das
+Heer am Ufer des Dschaghan stand, sagte Akbuka, wiewohl er von der
+heimlichen Sendung Taghadschar's keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein
+Ränkeschmied, und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich einlässest.
+Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth sich in der Nacht mit
+seinen Emiren und ging zu Baidu über. Akbuka, als er sich auf diese Weise
+verlassen sah, eilte mit dreihundert Reitern zum Dienste des Schah.
+Kendschatu, bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen
+redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung des Feindes ermuthigend.
+Das Lager brach gegen Arran auf; als er zu Pilsuwar stand, entfloh Hasan,
+der Sohn Buku's, welcher von der Wiege auf von den Umgebungen der Majestät,
+um Mitternacht zu Baidu, und die Emire Doladai und Kundschukbal, welche
+bisher zu Tebris in Verhaft gehalten worden waren, thaten desgleichen. Die
+Emire Irindschin und Taidschik verbanden sich mit einigen anderen, und
+setzten ebenfalls den Kifdschak, den Sohn Baidu's welcher vom Vater an
+Kendschatu gesandt, von diesem in Gewahrsam behalten worden war, in
+Freiheit und führten denselben dem Vater zu[756].
+
+[Randnote: Hinrichtung der Emire; Austheilung der Statthalterschaften.]
+
+Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser Hamadan schlugen sich
+dort _Taitak_ und _Toghruldsche_ mit _Baschmak Aghul_ und _Karadscha_,
+dieser einer der Prinzen des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan
+Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur Frau hatte. [RN: 6.
+Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt
+aber war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in Anzug; er sandte
+den aus der Haft befreiten, und den noch darin gehaltenen Emiren Wort, dass
+er zum Dienste des Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an
+den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche zu Pilsuwar stand
+und den Aufenthalt Kendschatu's kannte, ergriff denselben und lieferte ihn
+den empörten Emiren aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das
+Heer Baidu's geschlagen. [RN: 6. Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Von den
+Günstlingen Kendschatu's wurden _Itogthu_ und _Itpuki_ mit ihm zugleich
+hingerichtet[757]. _Itkuli_, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit
+er über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte ihm aber
+das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung der Emire bestieg Baidu den Thron
+zu Audschan[758]. [RN: 8. Dschem. ewwel 694/26. März 1295] Die Emire
+Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's Grab nachgesandt[759]; die
+Emire Akbuka und Taidschu wurden aber nicht jetzt, sondern erst in der
+Folge, als Baidu von Ghasan am Flusse _Heschtrud_ geschlagen ward,
+hingerichtet. Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen in Iran,
+welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, ein Opfer des Aufruhrs der Emire
+gefallen war, und das Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht
+weniger blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei haben der
+nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige Ungethüm der Emirenherrschaft
+im Zaum zu halten, ermangelt, und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan,
+der Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des Wortes. Von
+dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und des _Dschaghantu_, d. i. des
+weisschäumenden Araxes, wurden Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen
+Kendschatu's in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu geben,
+an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu, der nähere, welchem der
+Thron schon vor Kendschatu von den Emiren zugedacht worden, bestieg
+denselben [RN: 19. Dschem. ewwel 694/6. April 1295] und erliess in alle
+Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: »Da Kendschatu sich von den
+Pflichten der Herrschaft abgewandt und die Gebote Tschengischan's verbannt,
+so haben Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen
+entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder und die Vollendung der
+wichtigsten Geschäfte der Unterthanen liegt nun im Ringe des königlichen
+Willens.« Dem Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den Thron,
+wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem Oberbefehle des Heeres und
+der Finanzen verliehen[760]. Die Emire _Kundschukbal_, _Tukal_,
+_Tudadschu_, _Legsi Gurgan_ wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von
+Destadscherd, der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den
+verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine Anstellung in den
+Finanzen, und nahm seinen Vornamen für eine gute Vorbedeutung. In die
+Fusstapfen Abakachan's tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren
+übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte, übertrug er Bagdad
+und die Umgegend dem _Tudadschu_; Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen
+Distrikten dem _Taghadschar Nujan_; die Gebiete von _Irak_ und _Lur_ dem
+_Toladai Aidadschi_; die Statthalterschaft von Schiras und Schebankjare
+verlieh er dem _Kundschukbal_; dem _Dschemaleddin_ wurden die
+Statthalterschaften von Schiras mit allem Zubehör zu Land und zur See, wie
+zur Zeit Kendschatu's, mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels
+Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin _Kurdudschin_
+die Statthalterschaft von Kerman bestätigt, von welcher unter der folgenden
+Regierung ausführlicher zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht Monate
+dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen Thronansprüchen seines
+Nachfolgers Ghasan verflochten und ist, die entscheidenden Begebenheiten in
+Chorasan abgerechnet, so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der
+Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung im folgenden
+Buche verwebt wird.
+
+
+
+
+I. Beilage.
+
+Auszug aus der Geschichte Haider's über Dschudschi.
+
+Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. Bibliothek zu Berlin. Band
+II. Blatt 601.
+
+
+Kurz _Dschudschi_ starb ein Jahr nach Tschengis Chan, aber die
+Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's nicht einig. Einige
+sagen, dass Dschudschi Chan, nachdem er sich nach der Eroberung Chuaresm's
+von den Brüdern getrennt, nach _Kipdschak_ gegangen, von dort aber wieder
+zurückgekehrt, an der Gränze Indiens mit des Vaters Gegenwart geadelt ward,
+und demselben tausend Schimmel zum Geschenke schickte; aber _Hafis Ebru_
+setzt das Gegentheil auseinander, nämlich, dass nach der bei der Belagerung
+Chuaresm's zwischen _Dschudschi_, _Ogotai_ und _Dschaghatai_ vorgefallenen
+Misshelligkeit Dschaghatai und Ogotai sich zum Vater begaben und an der
+Gränze Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart geadelt
+worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm gegen den _Irtisch_, wo sich
+dessen schweres Gepäck befand, begab, und sich mit seinen Lagern vereinte.
+Da Tschengis Chan früher befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen
+Länder, nämlich die der Bulgaren, Baschkiren, Russen, Tscherkessen und
+Deschtkipdschak erobern solle, und Dschudschi sich jetzt gegen den Irtisch
+gewendet hatte, so glaubten die Söhne Tschengis Chan's, dass Dschudschi
+vermöge Befehls diesem Dienste obliege; als es aber zuletzt erhellte, dass
+er Nichts unternahm, und nach Hause gegangen war, um des Wohllebens zu
+geniessen, ergrimmte Tschengis Chan gar sehr und befahl, an demselben, ohne
+dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des Gesetzes zu vollziehen.
+Unterdessen war Dschudschi mit Krankheit behaftet und war desshalb, als
+Tschengis Chan aus Persien zurückgekehrt, in sein eigenes Lager gekommen;
+er war nicht im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und schickte ihm
+blos einige Säcke von Turteltauben[761], indem er sich mit seiner Krankheit
+entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute von den Jurten und Gränzen
+Dschudschi's zu Tschengis Chan; auf dem Wege sah er, dass dieser seine
+Jurten verändert, an einen anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward; da er
+selber krank, hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt; jener, der im
+Vorüberziehen eine Menge Volks jagen gesehen, schloss daraus, dass
+Dschudschi selber jage, und sagte daher, als Tschengis Chan um die
+Krankheit denselben fragte: Ich weiss von seiner Krankheit Nichts, denn als
+ich herzog, habe ich ihn an dem und dem Berge mit der Jagd beschäftigt
+gefunden; dieses Wort brachte Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es
+war in seinem Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer, auf das
+Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi ist närrisch geworden und
+hat thörichte Handlungen begangen; nun ist es nothwendig, Truppen wider
+ihn zu schicken, an deren Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen und ihm
+nachsetzen sollen. Unterdessen lief die Nachricht von Dschudschi's Tod ein,
+wodurch Tschengis Chan sehr betrübt ward; er zog genauere Erkundigung ein,
+und als er fand, dass der Bericht jenes Tanguten Lüge und Verläumdung
+gewesen, gab er den Befehl, ihn hinzurichten; allein dieser, hiervon
+verständigt, war früher aus dem Lager entflohen. Die Zeit der Lebensjahre
+Dschudschi's war dreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denen _Batu_
+ihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne Dschudschi's sind die
+folgenden: 1) _Orda_, 2) _Batu_, 3) _Berke_, 4) _Berketschiter_, 5)
+_Jetukami?_, 6) _Scheiban_, 7) _Tangkut_, 8) _Juden_ (Tuden?), 9)
+_Tschilaun_, 10) _Sikur_, 11) _Dschemi_, 12) _Udur_, 13) _Boka Timur_, 14)
+_Schikum_.
+
+Hier sind nur vierzehn statt fünfzehn aufgeführt; es fehlt nämlich der von
+Reschideddin vor _Udur_ aufgeführte _Mohammed_; dafür fehlt bei
+Reschideddin _Jetukami_, welcher interpolirt scheint. Weiter ist über diese
+Namen zu bemerken, dass der dritte bei D'Ohsson S. 325 Berkatschar, in der
+Handschrift Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek _Berktschapar_, was
+jedoch ob Mangel der Punkte zweifelhaft und in meiner Handschrift des
+Dschihanguscha bei der Thronbesteigung Ogotai's _Berketschiter_ genennet
+wird. Das letzte scheint das richtigste und eine Zusammenziehung von _Berke
+kitschikter_, d. i. der kleinere Berke, zu sein; der vierte, hier _Juden_
+oder vielmehr _Tuden_ genannt, heisst bei Reschideddin _Tewal_; der
+folgende bei demselben richtiger _Tschilaikun_ statt _Tschilaun_, was
+daraus zusammengezogen. Der hier _Dschemi_ genannte heisst bei Reschideddin
+_Dschintimai_ und ist aller Wahrscheinlichkeit derselbe mit Suntai, welchen
+Wassaf in dem Abschnitte: von dem Ende Tschengis Chan's und der
+Thronbesteigung seines Nachfolgers, mit dem Bruder _Batu_ nennt, und
+welcher auch im Dschihanguscha als der Befehlshaber des zur Eroberung des
+Restes von Kipdschak gesandten Heeres erscheint; endlich ist vom
+vorletzten, _Boka Timur_, zu bemerken, dass derselbe beim Abul Ghasi (B.
+96 der Textausgabe) _Tokai Timur_ heisst, dass _Boka Timur_ im
+Dschihanguscha im Geleite _Batu's_ bei der Thronbesteigung Ogotai's
+erscheint, während nach Abul Ghasi _Tokai Timur_ als Regent in Kipdschak
+zurückgelassen ward. Hierauf folgt bei Haider die Aufzählung der Chane der
+weissen Horde: 1) _Menkai_, 2) _Sasi Boka_, 3) _Eideren Ben Sasi_, 4)
+_Tschitschai_, Sohn _Eideren's_, 5) _Urus Chan_, Sohn _Tschitschai's_, 6)
+_Tokatmisch Chan_. Im _Munedschimbaschi_ (auf der kais. Hofbibliothek Bl.
+397) heisst 1) _Sasi Boka_ der Sohn _Tuli's_, des Sohnes _Orda's_; ihm
+folgt, 2) _Ebrsan_, der Eideren Haider's, 3) _Mubarek Chodscha_, 4)
+_Schintai_, der _Tschitschai_ Haider's, 5) _Urus Chan_. Hierüber ist zu
+bemerken, dass in den Geschlechtstafeln bei Reschideddin unter den Söhnen
+Orda's kein Menkai vorkömmt, welcher nach Haider's Angabe, sowie _Tuli_
+nach der Munedschinbaschi's, der Vater _Sasi Boka's_ gewesen sein soll;
+nach Reschideddin war _Sasi Boka_ der Sohn _Pajan's_, des Sohnes
+_Kubindschi's_, des Sohnes _Sertaktai's_, des Sohnes _Orda's_, so dass er
+der Ururenkel Orda's und nicht der Enkel desselben gewesen, was wohl als
+das richtigere anzunehmen ist. Im Abul Ghasi (S. 99 der Textausgabe)
+erscheint Tokatmisch als der Sohn Chodschaoghlan's, des Sohnes _Tukkul's_,
+des Sohnes _Saritsche's_, des Sohnes _Us Timur's_, des Sohnes Tokai
+Timur's, des Sohnes Dschudschi's.
+
+
+
+
+II. Beilage.
+
+Auszug aus Wassaf über den Ulus Dschudschi's.
+
+Erwähnung der Länder Dschudschi's.
+
+
+Als Dschudschi vom Dienste Tschengis Chan's zurückkehrte, so ereignete es
+sich alsbald, dass er wider seinen Willen zur Reise in's andere Leben,
+welches die eigentliche grosse Reise ist, aufbrach. Es blieben von ihm
+sieben Söhne[762] zurück, als eben so viele Planeten am Himmel der
+Chanschaft, und die Person des Reiches war gleichsam aus sieben Gliedern
+zusammengesetzt. _Hordu_, _Batu_, _Berestai_, _Schekut_, _Berke_,
+_Berkedschar_, _Buka Timur_. Von ihnen war Batu, ausgezeichnet vor seinen
+Brüdern durch Genius seines Wesens, Gerechtigkeit seines Benehmens und
+Freigebigkeit seiner Anlagen, der Erbe der Länder des Vaters. Vier
+Distrikte (Hesare) der Krongüter Dschudschi's, _Gesek_, _Esan_, _Osek_,
+_Alghui_, welche zusammen mehr als neun Tomane (Landes) ausmachten,
+untergab er der Aufsicht seines älteren Bruders _Hordu_; der Sammelplatz
+der Heere Batu's waren die Distrikte am _Itil_ (Wolga). Er unternahm den
+Bau einer Stadt, deren Ausdehnung weit wie das Feld hohen
+Unternehmungsgeistes und diesen Fröhlichkeit sichernden Ort nannte er
+_Serai_.
+
+Obwohl er der christlichen Secte folgte, deren Beistand und Hülfe Vernunft
+zuwider ist, so neigte er sich doch auf keine Seite der verschiedenen
+Secten hin, und war weit davon entfernt, an einer derselben halsstarrig zu
+halten, als das Feld der Welt durch die Thronbesteigung dieses Siegelringes
+der Zeiten zum Rosenfeld und das Auge der Welt durch die Lichter seiner
+Gerechtigkeit erhellet worden, als Zeit und Raum diese beiden Verse
+declamirten:
+
+ Die Welt ist hell von Deines Thrones Schatten,
+ Er hat die Welt verkehrt in Rosenmatten.
+
+Bei dem zweiten Kuriltai kamen die Prinzen darin überein, dass der Säbel
+mit Grimm wider die Köpfe der Anführer der Russen und Assen geführt werden
+solle, welche den Fuss der Feilheit in die Reihen der Widersetzlichkeit
+gesetzt. Von den Prinzen Mangu Kaan's wurden _Kajuk_, _Kadachan_, _Kurgan_,
+_Turi_, _Paidar_, _Hordu_, _Tangut_, welche letzte beide am Tage der
+Schlacht festen Fusses standen, und _Basintai Behadir_ zu dieser
+Unternehmung bestimmt. Sie setzten sich zur Zeit, als der Frühlingswind in
+voller Kraft wehte:
+
+ Der Rosenstrauch schwang in dem Garten Speere,
+ Das Blatt war Dolch, die Dornen Lanzenspitzen,
+
+in Bewegung. Die Heere kamen an der Gränze Bochara's zusammen und zogen
+wider Russland aus:
+
+ Was Indien, zeigt sein indisch Schwert
+ Den _Assen_, _Russen_ und _Alanen_.
+
+Sie eroberten die Stadt Moskau, gefüllt mit einem Heere zahlreicher als
+Heuschrecken, zanksüchtiger als Fliegen, und das sich bei der Wehr
+zusammennimmt, plünderten und mordeten nach ihrer Gewohnheit. Sie schnitten
+die Ohren der Erschlagenen ab.
+
+ Es füllet in der Welt dein Ruhm die Ohren,
+ Vor deinem Grimm droht Untergang den Ohren.
+
+Man zählte 270,000 abgeschnittene Ohren.
+
+ Du, schärf' das Ohr; der Himmel haut dich über's Ohr.
+
+Die Prinzen und grossen Fürsten und siegreichen Freien waren
+
+ (Der Himmel war zu Willen und das Schicksal folgte)
+
+wunschbefriedigt und die Engel sangen dazu:
+
+ Der, so sich wider Dein Gebot empört,
+ Der, so dein Reich im mindesten nur stört,
+ Dem spalte Partisan' das Aug' inmitten,
+ Dess Körper sei dem Grimm des Dolchs zu Theil,
+ Dem sei vom Messer Zunge abgeschnitten,
+ Dem sei der Hals durchbohret von dem Pfeil.
+
+Als sie zurückgekehrt, hatte Batu Lust, wider die _Kelaren_ und
+_Baschkirden_, welche die christliche Religion befolgten, aufzubrechen. Als
+die Heere des Winters, aus Furcht vor den Dolchen der Neider, das Gesicht
+abwandten, und die Rosen sich, wie das Glück der Glücklichen, mit hundert
+offenen Gesichtern zeigten und die Nachtigall mit bestimmtem Schall:
+
+ Weisst Du, warum der Lyra Saiten gellend schrein?
+ Weil ohne dem Gesicht die Ros' nicht Ros' und Wein nicht Wein.
+ Auf deiner Rosenwange ist das Heer zu schauen,
+ Weil es darauf sich legt mit herzlichem Vertrauen,
+
+ging der Prinz, der das Glück gefunden.
+
+ _Hem._ Die Welt an seinem Zügel, die Zeit an seinem Bügel.
+
+ _Hem._ Wenn deine Bügel weiter gehn,
+ Was Wunder, wenn wir auch nicht stehn!
+
+Er zog, fest wie Schlösser, mit 40,000 Reitern, deren jeder die Stütze
+eines mächtigen Heeres, in's Feld. Zur Zeit, als die beiden Heere auf
+einander trafen, trennte sie ein Fluss mit steilen Ufern. Batu sandte
+seinen Sohn mit einem Tomane Heeres, um über den Fluss zu setzen, und er
+selbst besetzte einen Hügel und betete demüthig vor der Majestät Gottes,
+des absoluten Gnadenverleihers, mit einem Herzen, brennend wie die Lampe
+dessen, der die Nacht durchwacht, und mit einem Hauche, kalt wie der des
+Morgens. So brachte er die Nacht bis an den Tag hin; am andern Tage, als
+der einpferdige Chosroes der Welt frohe Nachricht gebracht, und auf dem
+Degen (Rücken) der Berge das Rad (der Sonne) sichtbar gemacht, reihten sich
+beide Heere zur Schlacht. _Sertak_ fiel den Feind mit einem Toman stürmend
+an, und die anderen auf dem Hügel aufgestellten Heere rannten wie ein
+Gürtel von der Höhe nieder; gleich niederstürzendem Loose, welchem nichts
+zu wehren im Stande, wandten sie ihr Gesicht gegen das feindliche Lager,
+und zerstückten mit ihrem Säbel die Zeltstricke wie den Strick der
+Freundschaft der Verbrecher. Furcht und Schrecken bemächtigten sich der
+Einwohner von _Kelar_, die Waldteufeln glichen; die meisten derselben
+wurden ein Frass des Schwertes und der Hyänen, und so wurde auch dieses
+Land den Schwesterländern beigesellt. Im Jahre 653, als Mangu Kaan ein
+Kuriltai hielt, wurde _Sertak_ zum Dienste des himmelhohen Thrones gesandt.
+Ehe er zurückgekehrt, hatte sich Batu von der Braut der Chanschaft dreimal,
+d. i. unwiderruflich, geschieden und Sertak, mit Gnaden und
+Gunstbezeugungen überhäuft, kehrte in die Residenz zurück, und ohne sich
+lange aufzuhalten, ward er zur Abreise (aus dieser Welt) gezwungen. Vermög
+des Befehles Mangu Kaan's übernahm _Berakdschin Chatun_, welche die grösste
+der Frauen, die Sorge für die Beförderung der Reichsgeschäfte, und erzog
+hiezu den _Ulaghdschi_, den Sohn _Sertak's_; doch auch _Ulaghdschi_
+
+ _Hem._ endete in kurzer Zeit sein Leben.
+
+_Berke Aghul_ erhielt die chanische Krone, dessen Heere sich zu
+wiederholtenmalen mit denen Hulagu's schlugen, und als die Chanschaft an
+_Mangu Timur_ gekommen, war diess der Fall mit den Heeren Abakachan's, wie
+diess schon oben vorgekommen.
+
+
+
+
+III. Beilage.
+
+Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen Hulagu und Berke.
+
+Erwähnung der Ursachen der Bewilderung, welche zwischen Hulagu Chan und
+Berke Aghul statt gefunden.
+
+
+Zur Zeit, als der welterobernde Padischah Dschengis-Chan alle Könige und
+Länder der Welt beherrschte und besass und dieselben seinen vier Söhnen
+Tuschi, Tschagatai, Ogtai und Tuli vertheilte und zumass, als er die Orte
+und Horte auf allen vier Seiten bestimmte, wie es seinem Scharfsinn gut
+dünkte und seinem durchdringenden Genius ziemte (die umständliche Theilung
+der Länder und Gebiete ist in der Geschichte _Dschihanguschai_ ausführlich
+beschrieben), wurden dem Dschagatai die Stationen und Regionen von den
+Gränzen der nigurischen Pässe bis nach Samarkand und Bochara zugetheilt,
+und sein gewöhnlicher Aufenthalt war in der Nachbarschaft von _Almaligh_.
+_Ogotai_, welchen der Vater bei seinen Lebzeiten noch zum Nachfolger
+bestimmt hatte, residirte an den Gränzen von _Imil_ und _Kobak_, welches
+der Chanschaft Thron und der Nabel des Reichs. _Tuli_ besass die Jurte,
+welche an die Chatai's stiessen, und von Kialik und Chuaresm, von den
+äussersten Gränzen von Saksin und Bulghar bis an die Gränzpässe von Derbend
+und Baku, war Alles auf den Namen des ältesten Sohnes Tuschi geschrieben.
+Hinter Derbend, welches insgemein das eiserne Thor heisst, war das
+Winterquartier seiner Heere, von wo dieselben bis Arran streiften, und
+Arran und Aserbeidschan gehörten noch zu ihren Ländern. Die Ursachen,
+welche Stoff zum Streit herbeiführten und die Zwistigkeit schürten, sind
+die folgenden: Im Winter des Jahres 662 (1263), als der Goldschmied der
+Allmacht die Flüsse von Derbend mit Silberplatten überzogen, und der
+Kirschner des Winters nach dem Maasse der Hügel und Haiden denselben
+Hermelinkleider angezogen, als die Oberfläche des Flusses auf die Tiefe
+eines Lanzenfusses gefroren wie Bein und Stein, ging auf Befehl Berke
+Aghul's ein Heer von Mongolen, die unreiner als Wüstenteufel und Ghulen,
+und deren Schaaren zahlreicher als die Tropfen des Regens waren:
+
+ Sie kamen, Flüsse tragend,
+ Wie Teiche Wogen schlagend,
+
+über den gefrornen Fluss wie Feuer und Wind geschwind. Von dem Gewieher und
+Geklirre ihrer Pferde und Truppen war die Zauberin der Erde voll rollender
+Donner und leuchtender Blitze; im flammenden Feuer des Zornes kamen sie bis
+an die Ufer des Kur (Cyrus). Hulaguchan ging ihnen zur Abwehrung des
+Funkens ihres Bösen mit einem Heere entgegen:
+
+ _Arab. Vers._ Morgens trafen sie auf ein vermischtes Heer,
+ Unaufhörlich zog es wie die Erde her.
+ Pferde, schwerbepanzert, mit zwei Reitern liefen
+ Unterm Staub wie Dromedare in die Tiefen;
+ Klingen strahlen weiss und Speere dunkeln braun;
+ Sieh! die Braunen bohren und die Weissen hau'n.
+
+In dem Treffen wurden sie geschlagen und zogen sich alsogleich zurück:
+
+ _Arab. Vers._ Wenn sie fliehen, wird der Feind nach ihnen ziehen,
+ Wenn sie stehen, ist es um ihr Gut geschehen.
+
+Im Passe Baluje standen sie abermal zur Schlacht. Es froren die Füsse dem
+Boden an, und im Heere Berke's hielten Klein und Gross, Mann und Ross aus,
+bis dass sie alle erschlagen, und die Andern, besiegt, die Zügel der Flucht
+davon getragen. Hulagu erlaubte den Heeren nicht, zurückzukehren, bis sie
+nicht über den gefrorenen Fluss gesetzt.
+
+ _Arab. Vers._ Des Blutes Ströme gehn wie Wasserrinnen,
+ Die Säbel löschen ihren Durst darinnen;
+ Sie schwanken zwischen Tod und zwischen Leben
+ Und zwischen Leichtsinn und vernünft'gem Streben.
+
+So wurden von Tag zu Tag die Stationen der Rebellen die Lagerorte des
+ilchanischen Heeres. Sie schlugen auch den Weg friedlicher Unterhandlung
+und Ausgleichung ein, und thaten die Hand der Verlängerung auf, bis sie das
+ganze Land von den Nachtheilen der Usurpation gereinigt und die Uebermacht
+der Fremden daraus verbannt.
+
+ _A. V._ Sie fielen aus im Sturm auf die, so in der Nähe;
+ Wir fielen aus im Sturm auf die uns in der Nähe.
+
+Sie trieben sie in die Enge und verfolgten sie durch einige Stationen
+Länge. Als der feindeverbrennende Padischah mit seinem glücklichen Lager
+herangenaht, gab er den Befehl, die Genossen Berke Aghul's, welche zu
+Tebris im Besitze von Reichthum und Waaren, mit Handel und Wandel
+beschäftigt waren, hinzurichten und ihre Güter in dem Schatze
+aufzuschichten. Viele derselben waren blos Commissaire, in deren Händen die
+Capitale und Güter ihrer Principale geblieben waren. Berke Aghul, um
+Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess die Kaufleute der Länder des
+Chans tödten und legte ihnen auf diese Weise das Geschäft. Der Weg der
+Gehenden und Kommenden, das Reisen der Kaufleute, war nun auf einmal, wie
+das Geschäft der Verdienstvollen, gesperrt und die Teufel der Unruhe waren
+der Flasche der Zeit entsprungen. Indessen hatte Kublai Kaan einen
+Gesandten gesendet und die Dinge Bochara's anders gewendet. Von sechzehn
+Hesaren, welche zu Bochara lagen, waren fünf dem Batu anhänglich, drei der
+Frau _Kutibeg_, der Mutter Hulagu-Chan's, und die übrigen dem Ulugh Kul,
+das ist dem grossen Delai, welche jedem der Kinder Tschengis-Chan's, die
+von dem Throne der Chanschaft Besitz nähmen, zu Befehl. Diese fünf Hesare
+führte _Batu_ in das Feld und las ihnen von den Klingen der Schwerter,
+welche die Bothen des Todes, des rothen, ihr Todesurtheil vor. Ihrer Güter,
+Weiber, Söhne wurde nicht geschont. Da die Regel des Spruches:
+
+ Die Liebe erbt fort und der Groll erbt fort,
+
+in der Ansicht der Vernünftigen gegründet ist, so breitete auch _Mengu
+Timur_, der Sohn _Berke Aghul's_, welcher nach dessen Tode dessen Stelle
+vertrat, wider _Abaka Kaan_ den Teppich der alten Widerspenstigkeit auf,
+und es hatten zwischen ihnen zu widerholtenmalen Streitigkeiten und
+Zwistigkeiten Curs und Lauf. Einmal wurden 30,000 Reiter, säbelschärfende,
+lanzenwerfende, zur Zeit ihrer Rückkehr über den Fluss wie zerbröckeltes
+Eis aufgerieben und in den Abgrund getrieben und das Resultat ihres Lebens
+auf die Platten von Eis geschrieben. Als nun der hohe Abaka Chan mit der
+Menge ihrer Heere und ihrer Kühnheit näher bekannt, zog er gegen Derbend
+eine Mauer durchs Land, welche _Sitab_ genannt, um diesen weltverwirrenden
+Heeren den Einfall und Einbruch zu erschweren. Diese beiderseitige
+Feindschaft bestand, und diese gegenseitige Huth und Scheelsucht hatte
+Bestand, bis Kendschatu, der Chan, im Land. Als _Noghai_ der Erbe des
+Landes Mengu Timur's ward, wurde durch gegenseitige Gesandtschaften und
+Schreibenwechsel der Weg der Kaufleute und Handelsgenossen wieder
+aufgethan. Die Ursachen des Heiles lagen in dem Plan; das Land Arran fing
+durch die Menge von Wagen und Zelten, von Pferden und Schafen Wogen zu
+schlagen an und dieser Länder Waaren nach einigen Jahren wieder an zu
+gebahren.
+
+
+
+
+IV. Beilage.
+
+Auszug aus Wassaf über das Papiergeld.
+
+Erläuterung der Ursachen, welche die Einführung und Vernichtung des
+Papiergeldes (Dschaw) herbeigeführt.
+
+
+Der von ewig her bestehende Spender der Nahrung und der allweise Schöpfer
+(geheiligt seien seine Eigenschaften!), welcher die Bewohner der vier Wände
+der Naturen der Menschheit und die Eingekerkerten der sechs Richtungen
+irdischer Körper bald ohne Anlass geleisteten Dienstes durch den Ausfluss
+seiner, keinen Dank ansprechenden Gnaden bestimmt, und bald ohne
+vorhergehende Schuld seine Geschenke und Spenden zurücknimmt, Er dessen
+ewige Wissenschaft: Koranstext:
+
+ »_Ihm ist kein Sonnenstäubchen fremd
+ auf Erden und im Himmel_«[763].
+
+das vollkommenste Gemälde der Herrschergrösse ist, wollte es so, dass nach
+der Begebenheit (der Thronbesteigung) Arghun-Chan's in alle Herden der
+Mongolen eine Seuche fiel, welche sie in ihrer Sprache _Jut_ nennen. Aus
+diesem Anlass fehlte es den meisten Truppen zu Bagdad, Mossul, Diarbekr und
+Chorasan an den nöthigen Lastthieren und in dem Schatze war durch die
+Veränderung der Chane und Vergeudung des Goldes an die Truppen nichts
+zurückgeblieben; diess war der zweite Unglücksfall; dazu kam noch drittens,
+durch die angeborne Huld und natürliche Freigebigkeit des Vorsitzes der
+Welt und der Zeit, um die Völker zufrieden zu stellen und um Nothdurft zu
+stillen, ein Ausgabenüberschuss und Gnadenüberfluss; das vierte war die
+wenige Achtung des Ilchan's für Geschenke und Gaben und seine Verachtung
+der Oeconomie[764], d. i. des Besitzes in beweglichem und unbeweglichem
+Gut[765], an Geld und Vieh, und das Sprichwort sagt: »_Die Fünf findet sich
+in den Fünfzig._« Er hatte in der Zeit von zwei Jahren, während welchen der
+Welt Vorstand der Wissenschaft und Herrschaft vorstand, gegen fünfhundert
+zu Leihe genommene Tomane mittels rother Fertigungen an die Herren der
+Anweisungen übertragen, so, dass die grossen Fürsten diese Sache endlich
+gewahr wurden. Eines Tages hörte man von dem Munde des Herrn (des
+Grosswesirs) folgende Worte: »_Seadeddewlet_ hat zur Zeit, als er die
+Geschäfte der Länder förderte und tausend Tomane in dem grossen Schatze
+bereit lagen, und die stärkste Veranlassung zu dieser Zusammenhaltung
+Arghun-Chan's genaue Verwaltung gewesen, die Einkünfte und Ausgaben der
+Finanzen ohne rothe Fertigung[766] besorgt und für die Verproviantirung des
+Heeres und alle Erfordernisse der Küche, des Lagers und der Frauen gesorgt,
+und so habe der Ilchan in der kurzen Zeit von vierzig Jahren vom Jurt
+_Dilbertschin_ bis nach _Kiawbasi_ ein und vierzig Tomane für die Frauen,
+Pagen und Vertrauten der Majestät hergegeben.
+
+ _Arab. Vers._ Wenn Du aufgehst, müssen Sonn' und Mond sich
+ niederlegen,
+ Wenn Du scheidest, müssen sich verstecken Meer
+ und Regen.
+
+Zur Zeit Abaka-Chan's und Sultan Ahmed's waren für die ganzen Kosten der
+Küche nur vierzig Tomane bestimmt und doch waren die Verwalter und
+Küchenaufseher[767] nicht sicher vor dem Tadel der Tadelnden und dem Spotte
+der Spottenden und dem Schimpfe der Schimpfenden. Zur Zeit (Unserer) den
+Tag vermehrenden Regierung haben Wir hundert fünf und sechzig Tomane auf
+diese Weise an goldenen Verwendungen ausgetheilt, und dennoch rufen sie
+immerwährend: Wer gibt mehr? Die Prinzen und Prinzessinnen geben immer neue
+Wünsche kund und schliessen, gegen einander rechtend und spiegelfechtend,
+nicht den Mund.« Der Zweck dieser Prolegomenen ist, dass der Schatz auf
+alle Weise für den Bedarf baaren Geldes[768] bedurfte, dass die Einkünfte
+der Länder in einem Jahre 1800 Tomane, die bestimmten Ausgaben 700 Tomane
+betrugen und dass der Rest für die wichtigsten Geschäfte des Reiches, für
+die Gaben und Geschenke des Padischah nicht hinreichte. Der Herr des Diwans
+befahl, die Auflagen der Länder, besonders der von Bagdad und Schiras,
+welche der Gürtel des Reiches, zu läutern[769]; doch der Ueberschuss der
+Ausbeutungen des Dieners (des Grosswesirs) gab für die Majestät, auf deren
+Weberstuhl der Einschlag gestreifter Kleider steht, so viel aus, als der
+arabische Spruch:
+
+ _Arab. Vers._ Es sättigt nicht, was vom Zahnstochern kommt heraus,
+
+und durch diese Massregeln der Läuterung wurde der Verwirrung der Finanzen
+nicht abgeholfen. Da befand sich _Aseddin Mosaffir Ben Mohammed Amid_,
+dessen hässliche Gestalt, dessen geschminktes Gesicht, dessen gebrechliche
+Constitution und schändliches Naturel ein Muster seiner Sitten und
+Eigenschaften war, im Lager an der Seite der Majestät und des Grosswesirs,
+als dessen Berather und leitender Vater. Er war's, der die Mühle des
+Betruges in den Gang gebracht, der mit Hoffnung und Furcht denselben kirr
+gemacht. Aus Eingebung schlechter Seele, welche, allen Geschäften des
+Menschen feind, als das Gegentheil des ursprünglichen Guten erscheint,
+wollte er seinen schlechten Namen bei den Weltbewohnern einfassen in einen
+ewigen Rahmen, damit er auf der Erde bis zu dem Tage der Auferstehung das
+Ziel der Pfeile des Fluches und des Spottes aller Menschen werde. Er
+stellte vor: »Es fehlen zur hinlänglichen Aufbringung der Gelder die
+Quellen; sei es im Schlimmen, sei es im Guten, bedarf der Schatz Gold für
+seinen Bedarf. Die Ueberschüsse der Einkünfte sind Heu und Spreu[770], und
+Anlehen zu machen, gehört künftighin zu den schwierigsten Sachen. Wenn es
+sich darum handelte, schnell das Heer zu rüsten und beritten zu machen,
+würde es schwer halten in allen Sachen, und das tändelnde und schändende
+Gerede der grollenden Feinde, die schnell und hart daherfahrende Fehde
+daimonischer Männer, von denen jetzt keine Rede, würde sich breit machen;
+die Bemühungen und Bestrebungen, welche dermalen gäng und gäbe, um die
+Spalten des Reiches zu verdämmen und um durch rechtliche und wohlthätige
+Gesinnung alles Unrecht zu hemmen, würde ein Ende nehmen, und wollte man
+(was jedoch nicht unmöglich anzunehmen) öffentlich die reinen Wasser mit
+Steuern belegen, oder neue Vergantungen[771] und schwere Strafgelder den
+Unterthanen zumuthen und auflegen, so würde dieses die Gemüther erbittern
+und das Land würde verwittern. Eine Maassregel, welche, vor allem Angriff
+vor Verschwärzern geschützt, schnell zur Herstellung alles Verfalles nützt
+und mannigfaltigen Nutzen umfasst und besitzt, ist mir so in den Sinn
+gekommen, dass man, wie in den Ländern des Kaan, auch in denen des Ilchan
+das Scheingeld, statt Silbers und Goldes, in Umlauf setze, damit dadurch
+die Thore des Verkehres geöffnet würden, damit das Geld ganz in den Schatz
+einlaufe und Schaden und Verlust keinen Menschen treffe auf Erden.« Nach
+diesen vorausgeschickten eingebildeten Gründen trugen der Herr des Diwans
+und _Bulad Dschinksanek_, der Gesandte des Kaans, das Wort vor. Da diese
+Maassregel dem Aeussern nach den Reichthum vermehrte, die Magazine der
+Kaufleute leerte, den Armen und Elenden Beruhigung gewährte, so schien
+dieselbe Anfangs denen, die darüber nachdachten, erspriesslich und gut. Der
+Ilchan erliess ein Diplom, befehlend, absolut und entscheidend, kurz und
+gut, dass man auch in den übrigen Ländern nicht mehr mit baarem Gelde
+Handel und Wandel treibe, sondern dass man überall die Webung goldener
+Kleider abschaffe und nur soviel davon gestatte, als für das Kleid des
+Padischah und seiner nächsten Umgebungen erforderlich sei, dass man sich
+nicht mit Verfertigung goldener und silberner Geschirre und mit keiner
+Kunst, welche Vergeudung des Goldes und Silbers mit sich führe, befasse,
+dass man die Goldschmiedekunst und die Silberarbeiterei der Gesichtsfarbe
+und dem thränenden Auge der Verliebten überlasse; kurz, durch die
+Einflüsterung und Verführung, Verlockung und Versuchung dieses Unholdes und
+gespenstischen Koboldes, der seinen Herrn auf diese Weise schändete,
+geschah es, dass er in alle Länder, in's arabische und persische Irak, nach
+Diarbekr, Rebiaa, Mossul und Miafarakein, nach Chorasan und Kerman und
+Schiras einen grossen mit diesem Geschäfte beauftragten Emir sandte, und
+dass überall eine Fabrik solchen Scheingeldes errichtet, dass Verwalter,
+Schreiber, Schatzmeister und andere Beamte dabei verwendet und überall
+grosse Summen zur Verfertigung des Scheingeldes gespendet wurden. Durch
+die Verlautbarung dieser Geschichten wurden die Völker in den Reif des
+Erstaunens gezwängt und blieben in demselben ohne Seele beengt.
+
+ _Arab. Vers._ Schnell, wie die Hoffnungen, des Lebens Zeit vergeht,
+ Und umgekehrt, auf Persisch heisset _Dem_ nur _Med_[772].
+
+Die Gestalt und Form des Scheingeldes _Dschaw_ war diese: Ein länglichtes,
+viereckiges Blatt Papier mit einigen chinesischen Worten beschrieben, in
+denen immer Fehler geblieben[773]; ober diesen chinesischen Worten stand
+auf beiden Seiten:
+
+ »_Es ist kein Gott als Gott, und Mohammed ist sein Prophet!_«
+
+Dieses war das Gepräge dieses Silberblattes, der Juwelenknoten dieses
+Perlenstates, das Tughra dieser Befehle und das Amulet dieser Kehle; unter
+demselben war geschrieben: _Iritschi Turitschi_, auf Chinesisch
+(uighurisch), d. i. _Sobald es angekommen, sei es für bleibend angenommen!_
+In der Mitte war ein Kreis beschrieben, der aber ausser dem Mittelpunkt
+ruhiger Ansicht liegen geblieben; dabei war der Werth des Papieres von
+einem _halben Dirhem_ bis _zehn Goldstücke_, und dann in Schrift das, was
+folget, geschrieben: »_Der Padischah der Welt hat im Jahre 693 (1293)
+eingesetzt dieses gebenedeite Papiergeld; es soll cursiren in Ländern
+allen; wer es verfälscht oder verändert, sei mit Weib und Kind der
+Todesstrafe und sein Gut dem Fiscus verfallen._« Nach Schiras war ein
+Patent dieses Papiergeldes, das, sehr ausführlich und lang, eingebildete
+Fragen aufwarf und die Antworten darauf aufdrang, gekommen. Ein Exemplar
+desselben ist noch in den Händen und es wäre unnütz, darüber noch mehrere
+Worte zu verschwenden. Das Wesentlichste seines Inhaltes ist: »dass,
+sobald das gebenedeite Papiergeld Goldes statt, wie die Thränen der
+Verbannten Lauf gefunden hat; so wird Armuth und Dürftigkeit und Schaden
+und Elendigkeit verschwunden sein unter den Söhnen der Zeit, Korn und
+Getreide wird zu haben sein in Wohlfeilheit, und Arme oder Reiche sind dann
+einander gleich.« Die Dichter und Trefflichen der Zeit haben zum Lobe des
+Papiergeldes nach der Eingebung ihres Genius dem Padischah und dem Herrn
+des Diwans lobend die Resultate ihrer Gedanken geweiht; als eine Probe von
+diesem Lobe ist das folgende Distichon aus einem Bruchstücke eines der
+Trefflichen hier eingereiht:
+
+ »Geht Papiergeld in der Welt,
+ Sein Entgelt[774] sie frisch erhält.«
+
+Es erging der Befehl, dass alle Künstler und Handwerker, welche Gold und
+Silber in ihren Arbeiten verarbeiten, dasselbe aus dem Hause, wo das
+gebenedeite Papiergeld ausgetheilt ward, erhalten, dass Alle, welche als
+Befehlshaber Länder verwalten, nach ihren Verdiensten ihre Besoldungen und
+Bezahlungen dort beziehen sollen, dass das alte abgenützte Papier dorthin
+gelangen, und der Bringer für den Gehalt von zehn Dinaren alten
+Papiergeldes neun Dinare neues empfangen soll, dass die Kaufleute des
+persischen Meeres, welche in fremde Länder handeln und wandeln aus dem
+Schatze Gold erheben und dafür ihr Papiergeld abgeben sollen,
+vorausgesetzt, dass dabei der Weg der Behutsamkeit beobachtet und ihre
+Erlaubniss und Befugniss von Nowaben und Aufsehern des Diwans gehörig
+betrachtet und erachtet worden sei. Verfügungen dergestalten waren in
+diesem Patente enthalten.
+
+ Tausendmal ist's besser, gar nicht anzufangen,
+ Was zu keinem Resultate kann gelangen.
+
+Wenn (wovon das Gegentheil nicht zu denken) diese Bedingungen nicht schon
+von Grund aus schlechter Art, wenn mittels der Umwälzung der Zustände, der
+Uebertragung der Herrscherkräfte und Veränderung der Geschäfte, diese
+Befehle von allem Fehle beschützt und bewahrt geblieben, wenn die Leute
+ohne Widersetzlichkeit und Blödigkeit, dasselbe zu nehmen und zu geben und
+den Lauf desselben zu gewähren, willig gewesen wären, so wäre es möglich
+gewesen, dass einige dieser präliminären Verfügungen gekommen wären zu
+eines Resultates Ehren; allein, wie man diess immer aus dem Gesichtspunkte
+der Vernunft und der Analogie betrachtet, so ist dieses eine Maassregel,
+nicht verwaltbar und (auf dem Spitz ein Kegel) nicht haltbar, besonders da
+der Zweck dieser Einbildungen ganz und gar kein andrer war, als die Schätze
+des Padischah zu erneuen und die der Unterthanen zu zerstreuen.
+
+ »_Zu bewahren des Moslim's Gut, ist Pflicht,
+ wie zu bewahren des Moslim's Blut._«
+
+In der practischen Philosophie ist durch Beweise festgesetzt, dass das Gold
+von Gott, als die kleine Gesetzgebung, eingesetzt; dass dasselbe den Werth
+der Sachen bestimmt und die Ordnung der Welt in Anspruch nimmt; dass ein
+kleiner Theil desselben eine grosse Menge anderer Sachen vertritt, deren
+Transportirung und Verführung sehr schwer und vielen Ungemaches nicht leer;
+dass wegen seiner inneren Festigkeit und Trefflichkeit dasselbe vor aller
+Gefahr der Vernichtung geschützt; dass es nicht durch Wasser, nicht durch
+Feuer, nicht durch Schneiden und Stossen verwundet wird und abgenützt.
+Diese Bedeutung bedarf keiner Erweiterung und Erläuterung,
+
+ »_Diess ist Erforderniss mündiger Weisheit._«
+
+Die Nothwendigkeit und Dürftigkeit ist's, welche demselben Adel verleiht;
+
+ _Arab. Vers._ Wenn ich ein Gottesfürchtiger nicht wäre,
+ Erwies' ich selbem göttliche Ehre.
+
+»_Für der Welt Wunden ist das Pflaster im Golde gefunden_,« ist ein
+bekanntes Sprichwort;
+
+ _Vers._ »Hätte ich Gold, so wären meine Geschäfte auch golden;
+ Golden sind sie nicht, weil ich besitze nicht Gold.«
+
+ _Ar. V._ Kein Gesandter fährt mit besserem Glück,
+ Als das rundgeprägte Silberstück.
+
+Wenn der Schreiber (dieser Geschichte) die Gleichnisse und seltsamen
+Einfälle, welche die Wohlberedten Arabiens und Persiens über die
+Eigenschaften, den Nutzen und das Lob des Papiergeldes geschrieben, und die
+ihm im Gedächtniss geblieben, aufgeschrieben hätte, so hiesse dieses Buch
+_die goldene Kette_[775] oder _die unvollkommene Erreichung des Zweckes_.
+Würde aber mit diesen Lobsprüchen das Gold zerstieben, woraus würde man
+denn verfertigen die Kronen mächtiger Sultane und Reiter, die Ohrgehänge,
+Armbänder und Knöchelringe der Schönen, welche den sich blähenden Busen
+gewärtigen? und wie könnte denn, mit dem papiernen Geld, die frische Rose,
+welche freudig die goldene Scheibe in der Faust und Goldbarren (die
+Staubfäden) im Busen verborgen hält, wie könnte sie die Wange des Windes
+anlachen? und wie könnte die Blüthe ohne Silber sich einen Schatz für ihr
+Alter zur Hülfe wider das anrückende Heer des Frühlings machen? Die
+trunkene Narcisse ist bemüht, im Zauberschlafe mit dem Traume des Goldes
+ihr sehnendes Auge zu färben, und im steinernen unbarmherzigen Herzen des
+Berges stocken die Blutadern (die Rubinen) aus Begierde, sich von der
+goldausstreuenden Sonne Einiges zu erwerben. Wie könnte das Gold einem
+Stücke Papier sich vergleichen? wie könnte den Werth von jenem dieses
+erreichen, welches durch einen Funken aufgeht in Rauch und wie die Töchter
+der Luft (die Dämpfe) davonfliegt bei des Windes geringstem Hauch, welches
+durch einen Tropfen Thau wird des Wassers Raub und im Staube wird zu Staub?
+Die Prahlerei kannte keine Gränzen mehr, und durch die Vergleichungen und
+Herausstreichungen ward die Traurigkeit immer mehr und mehr. Im Silkide d.
+J. 693 (1293) kam das Papiergeld zu Tebris in Lauf und vermöge der
+Herzensknoten und den Maassregeln von der Vernunft geboten, begann man
+sogleich, um seine Seele zu schützen und um etwas zu besitzen, mit Speisen
+und Waaren niedrigen Handel und Wandel. Binnen drei Tagen war Tebris,
+welches das kleine Kairo hiess, wie der Beutel der Geduld der Sehnsüchtigen
+leer; im Lande war kein Glanz und keine Freude mehr, und die Brust der
+Sicherheit und Rechtlichkeit hatte nicht Fett noch Schmeer. Die Laden und
+Gassen waren wie öde Häuser verlassen und geleert, die Thore des Handels
+und Wandels waren versperrt. Verkaufte man den Man Brotes um Einen Dukaten,
+so glaubten die Käufer, dass sie gewonnen, und die Verkäufer, dass sie
+verloren hatten. Ein Freund erzählte mir vom Blitze der Witze jener Gegend,
+was folgt: In dieser Umstände drängender Gefährde stand ich gaffend zu
+Tebris auf dem Markte der Pferde. Die Verkäufer schlugen ein Pferd, das um
+fünfzehn Goldstücke doppelt bezahlt gewesen wäre, schlugen dasselbe,
+fortgezogen durch der Begebenheiten Wogen, um hundert und fünfzig Dukaten
+Papiergeldes an, und der Käufer, aus Freude über den grossen Preis, lief
+herum im Kreis, um durch diesen Reigen gleichsam die Bewegung des Pferdes
+zu zeigen; dann bestieg er einen Gaul, tummelte denselben nicht faul, bis
+er aus den Augen verschwand. Seine Abreise war zum folgenden Verse der
+Realcommentar:
+
+ _A. V. des Verfass._: Wer das Papiergeld erfand, verführt als
+ schlimmer Betrüger,
+ Unter den Hunden ist keiner so trügrisch wie er.
+
+Der Lärmen und das Getöse, der Saus und Braus der Nationen stieg bis an den
+Gürtel der Constellationen; die Befehlshaber und das Heer hatten keine
+Geduld mehr, das gemeine Volk flehte am Freitag in der Moschee mit
+klagendem Gebete; es verlauteten die Klagen über die Ungerechtigkeit, womit
+sie geschlagen. Sie verfluchten den Aseddin Mosaffir mit allen denen,
+welche zu dieser Neuerung und Theuerung das Gleiche beigetragen:
+
+Spruch der Ueberlieferung: »_Wer schlechte Sitte eingesetzt, dem wird sie
+bleiben als Last bis an den jüngsten Tag._«
+
+Sie wollten ihn mit seinen Einverstandenen erschlagen. Sie flohen aus dem
+Kreise und nahmen mit ihrer Seele bösen Namen mit auf die Reise. Die
+Trefflichen und Dichter der Zeit waren, ihn mit Spottgedichten zu
+durchgeiseln, bereit; so sagte Einer derselben, als er den Namen
+_Amidol-mülk_, die Säule des Reichs, angenommen:
+
+ Das Schiff _Amidol-mülk's_ inmitten Reichsgefahr,
+ Ist wie das Wasser, wenn damit ein Schiff[776] gefüllt.
+ Sein schlechter Bart ist schlechter als des Hundes Haar,
+ Diess ist dagegen Atlas und ein seidner Quilt[777].
+ Sieh, ob er morgen stehet noch auf dem Altar,
+ Wiewohl er heute für des Reiches Summe gilt.
+
+Auch das folgende Bruchstück reimte Einer:
+
+ Du bist nicht Weltenehre, du bist der Schimpf der Welt,
+ Die auf dein Sein und Wohl nicht das Geringste hält.
+ Wenn _Geber_, _Jud_, _Moslim_ vor der Altäre Stufen
+ _Ormusd_, _Jehova_ und _Allah ist gross!_ ausrufen,
+ So flehen alle drei in Unterthänigkeit
+ Zur Majestät des Herrn, der Welten Glück verleiht,
+ Es möge ihm in dieser Welt von allen Dingen
+ Kein einziges nach seines Herzens Wunsch gelingen![778]
+
+Zu Schiras wurden fünf Tomane Goldes in Sachen des Papiergeldes ausgegeben.
+Da das Papier, in welchem das Capital der Männer von Verdienst bestand, auf
+vierzig Weisen ging von Hand zu Hand, so hätte der, welcher heimlich von
+den Nowaben der Papierfabrik einen Teller Goldes hätte erwirkt, spurlos wie
+das Gold sein Dasein verwirkt. Zu dieser Zeit wurde an einen Bruder der
+Reinigkeit (an einen guten Freund) wie es scheint, das folgende Bruchstück
+verfertigt und in der gehörigen Form abgefertigt: »Der Sicherheit Kiel
+laufe auf dem Blatte der Wohlfahrt für NN. zum Ziel! und Gott helfe Dir, wo
+Du immer sein mögest, gleichviel! Der aufrichtige Wohlwünscher und ganz
+eigene Sehnsüchtige legt gleich der Feder den Gürtel freundschaftlicher
+Liebe um die Mitte an; er hat den Mund zu wohlduftendem Preise und
+eröffnendem Wunsche aufgethan, und stellt das Gesicht reinen Verhältnisses
+weiss und klar mit Schriftzeichen der Aufrichtigkeit folgendermaassen dar:
+Das offene Feld der Sehnsucht nach dem Umgange mit dem Freunde, dem
+vertrauten, welcher süsser als das gewöhnliche Leben, hat sich Perlen
+gleich so ausgebreitet, dass es unmöglich ist, die Länge und Breite dieses
+Feldes mittels der Messkunst des zweizüngigten Kieles und mittels der
+Quadratfläche des zweigesichtigen Papieres,
+
+»_Dieses ist heut in der Welt eben so wenig zu finden als der Ambra_,«
+
+auszumessen. Schon geraume Zeit ist's, dass die goldenen Papageien der
+Federn, welche das Wort ausschreien:
+
+ »_Mittels der Federn werden die Länder regiert_,«
+
+von der Moschustränke der Gnaden des Tintenzeuges dem weissen Silbersitze
+der Gärten der Wörter nicht zugeflogen, und dass die Gesandten
+freundschaftlicher Anzeige aus dem _Kairewan_ des Westens nach dem Lande
+des Südens Botschaft bringend ausgezogen. Wenn das Gemüth Gedanken und
+ihren Ausdruck flieht, so muss der Kiel der Denkkraft auf eingebildetem
+Blatte weilen oder die rothe Thräne die Schwärze des gekränkten Auges
+heilen. Es wird erwartet, dass einige Blätter jener Art, von welchen allein
+vor diesem Freund die Rede (einige Blätter Papiergeldes) _wie Blätter der
+Bäume voll Glanz, wie Busen der Schönen geglättet ganz, hell wie das
+aufgehende Licht und wie der aufrichtige Morgen, wenn er anbricht_, die
+Klagen der auf den Kopf geschlagenen Feder stillen werden. Bliebe aber das
+Gesicht dieser begehrten Sicherheit in den Schleier der Verweigerung
+verhüllt, so ist dieses Stoffes genug, dass der trauernde Kiel der Klage
+über Unterdrückung nach dem Papierhemde der Bedrückten lange und das
+Gestöhne der kratzenden Feder bis zum Gipfel des Himmels Merkur's, des
+Schreibers des Himmels, gelange; dass der Kiel mit der Zunge _Chakani's_
+aus Schirwan, des Chakans der Bedeutungen, diesen Vers anwende:
+
+ Für mich sei Freundeshand als Klägerhemd gewandt,
+ Weil er verweigert mir die Feder, das Papier,
+
+und demselben sende.« Als nun die Klage der Erde und der Stunde gedrungen
+zu des Himmels Runde, als die That und das Messer drang in die Seele ein
+und das Messer geschnitten bis an das Bein, als der Strom gelangt war zum
+Munde, stellten die Emire und Nuwianen einstimmig dem Herrn des Diwans vor:
+Wenn dieser Zustand noch einige Zeit dauert; so ist aller Glanz der Länder
+aufgegeben, und es ist unmöglich die weitere Verwirrung zu heben:
+
+»_Willst du, dass man dir gehorche, so fordre nur das Mögliche!_«
+
+Da ergingen wirksame Befehle, dass man das Papiergeld abstelle. Gesandte
+gingen nach allen Seiten, um die Abschneidung des Bösen und Einkleidung
+dieser Maassregel einzuleiten. So ward durch Gottes, des Allmächt'gen,
+Gnade dieses ungeheure Unglück:
+
+ _Koransvers_: Weist du, was da die Flammenwuth?
+ Es ist der Hölle brennende Gluth![779]
+
+abgekehrt und den Gemüthern aller Völker Freude gewährt. Vornehme und
+Gemeine sagten:
+
+»_Gott sei gelobt und gebenedeit! Er hat von uns abgewendet die
+Traurigkeit; denn Er ist unser Herr, der Allen Alles verzeiht; Er liebet
+die Dankbarkeit._«
+
+
+
+
+Druckfehler.
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+ 8 17 v. u. statt Recht lies recht
+ 9 9 v. o. st. Ocean l. Onon
+ 11 7 -- -- st. Sprache l. Aussprache
+ 13 8 -- -- st. vier l. vierzig.
+ 15 16 v. u. st. Gjawr l. Gjawe
+ 16 7 v. u. st. der l. das
+ 21 16 v. o. st. Begi l. Bigi
+ 24 2 v. u. st. Tschitschejan l. Tschitschegjan
+ 26 9 v. o. st. darnieder l. worunter
+ 27 17 v. u. st. geschossener Pfeile l. geschossenen Pfeilen
+ 32 9 v. u. st. Thronbesteigung als l. Thronbesteigung, zweimal als
+ -- 14 v. u. st. die Tataren l. der Tataren
+ 33 15 v. o. st. Karachetai l. Karachatai
+ 35 12 v. u. st. Minkburni l. Mankburni
+ 36 15 v. u. st. Sonne der l. Sonne des
+ 43 13 v. u. st. Temur l. Timur
+ 50 3 v. u. st. Mohakkah l. Mohakkak
+ 65 8 v. o. st. Von der l. An der
+ 70 16 v. u. st. am Berge l. vom Berge
+ 72 10 v. u. st. hatten l. herrschten
+ 75 13 v. u. st. Nami l. Nemi
+ 78 4 v. u. st. denselben l. demselben
+ -- 3 v. u. st. erlegen l. erlagen, st. ob denselben l. vor demselben
+ -- 2 v. u. st. derselben l. desselben
+ 81 am Rand st. Gemahlin l. Gemahlinnen
+ 87 1 v. u. st. Journal II. l. Journal asiatique II.
+ 93 13 v. o. st. Weg zu l. Weg zur
+ -- 5 v. u. st. Schebehun l. Schebchun
+ 96 5 v. o. st. und um l. nur um
+ 102 11 v. u. st. dem Adlerneste, dem Hauptsitze l. das Adlernest,
+ den Hauptsitz
+ 109 4 v. o. st. Chalweih l. Chaleweih
+ 117 14 v. o. st. Betekdschi l. Bitekdschi
+ 121 2 v. o. st. einer gleichen l. mit gleicher
+ 124 13 v. u. st. Intendanten l. Intendenten
+ 125 8 v. u. st. des Musters l. des Gründers
+ 163 4 v. u. st. by Naima l. by Neumann
+ 178 9 v. o. st. vor der l. von der
+ 180 9 v. u. st. Thierangels l. Thürangels
+ 185 7 v. o. st. Telbaschil l. Telbaschir
+ 186 11 v. o. st. Hama's oder l. Hama's und
+ 187 4 v. o. st. Quelle entsteigt l. Quelle entspringt
+ -- 18 v. u. st. Amrolkai l. Amrolkai's
+ 189 6 v. o. st. des Turbeysel l. das Turbeysel
+ 208 17 v. o. st. Mahribi l. Mahghribi
+ 211 17 v. u. st. Maillenschläger l. Mailleschläger
+ 214 15 v. o. st. nur vom l. nie vom
+ 214 13 v. u. st. nur eines l. nur der eines
+ 232 7 v. u. st. Ammer l. Aammar
+ 237 4 v. o. st. Betha's l. Batha's
+ 237 11 v. o. st. war ein Vergrösserer l. war ein weit grösserer
+ 239 7 v. o. st. Wenn nur das Glück wie die Beisitzer wäre,
+ l. Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,
+ 240 2 v. u. st. geistiger Dichter l. persischer Dichter
+ 241 3 v. o. st. Hamkjar l. Hemkjar
+ 242 18 v. u. st. Aasa l. Osa
+ 253 14 v. u. st. Ville Hardouin l. Villehardouin
+ 259 3 v. o. st. Mogholtei l. Mogholtai
+ -- 9 v. o. st. dem Herrscher l. des Herrschers
+ 261 12 v. u. st. Armen l. Arme
+ 262 1 v. u. st. Kuhdschu l. Kukdschu
+ 268 13 v. o. st. Ferjab l. Farab
+ -- 15 v. o. st. Ferjabi l. Farabi
+ 274 5 v. u. st. Kejanenen l. Kejanen
+ -- 17 v. u. st. Vasal l. Vassal
+ 276 12 v. o. st. Mewlane l. Mewlana
+ 280 2 v. u. st. nisadin l. nihaden
+ 283 8 v. u. st. Aufgestochenen l. aufgestochenen
+ 291 2 v. u. st. Suhuri l. Sughuri
+ 293 17 v. u. st. Mineddin l. Moineddin
+ 303 16 v. o. st. Mekka l. Mocha
+ 308 14 v. o. st. (der Oheim Abaka's) l. (der Bruder Abaka's)
+ 315 13 v. u. st. Buse l. Busse
+ 318 13 v. u. st. Denn stets l. Du stets
+ 320 4 v. u. st. nur diesem l. nur in diesem
+ 329 8 v. o. st. Zehrgnadenamt l. Zehrgadenamt
+ 345 10 v. o. st. mir nun l. mir nur
+ -- 14 v. u. st. Rumi's l. Rum's
+ 352 17 v. o. st. gleichzeitig mit l. gleichnamig mit
+ 365 8 v. u. st. und Feder und setzte l. und Feder, setzte
+ 367 5 v. u. st. beizustehn l. beizustehen
+ 374 15 v. o. st. einheimischer Herrscher Herrschaft l. einheimischer
+ Herrschaft
+ 375 8 v. u. st. dass das l. dass sie das
+ 393 11 v. u. st. Derwische Fakir l. Derwische als Fakir
+
+Noch ist zu bemerken, dass durch ein Versehen der Druckerei die in eigenen
+Namen als lange geschriebenen ſ durchaus als kurze gedruckt worden, was
+ebenso wenig gleichgültig, als es im Deutschen gleichgültig ist
+ K r e i ſ'  oder  K r e i s,  r e i ſ'  oder  R e i s  zu schreiben. Mit
+lindem ſ sind also auszusprechen: Abulghaſi, Abderreſak, Aſerbeidschan,
+Aaſiſ, Bacherſ, Bediieſ-ſeman, Chuareſm, Chumiaſ, Chuſistan, Dsheſire,
+Dchuſistan, Erſendschan, Faſl, Faſluje, Firamurſ, Firuſ, Firuſi, Ghaſa,
+Ghaſali, Ghaſna, Hafiſ, Haſret, Heſar, Heſarsif, Irſi, Iſeddin, Jeſd,
+Kjarſun, Kjariſ, Kirgiſ, Kaſwin, Kiſil, Kotoſ, Legſi, Maſenderan, Merſeban,
+Meimundiſ, Merkeſ, Mobariſeddin, Moiſ, Moheſib, Moſaffereddin, Newruſ,
+Nimruſ, Niſam, Niſameddin, Oghuſ, Oneiſe, Ormuſd, Paiſe, Raſieddin, Rabſ
+(besser Rabdh), Sebſ, Sebſewar, Sekiſ, Schahdiſ, Schiraſ, Schirſad, Taſik,
+Tebriſ, Teguſ, Toghuſ, Tokuſ, Tschengiſchan u. a. m.
+
+
+
+
+Fussnoten.
+
+
+[1] Fraehnii de Ilchanorum seu Chulagidarum nummis Commentatio. Petropoli.
+1831.
+
+[2] v. J. d. H. 653 (1255) bis 754 (1353).
+
+[3] Leurs fils actuellement s'imaginoient, qu'ils avoient été connus aussi
+autrefois sous le nom de Mogols. Rechideddin. Journal asiat.
+
+[4] Des peuples turcs qu'on nomme maintenant Mogols, mais dont chacun
+anciennement avoit un nom particulier. Rechideddin. Journ. asiat.
+
+[5] _Be Moghol manende schude end_, welche den Mongholen _ähnlich_ waren,
+an dieselben _mahnen_, denn das persische _Manende_ und das deutsche
+_Mahnende_ ist eins und dasselbe.
+
+[6] Dieser Umstand ist bisher allen mongolischen Geschichtschreibern,
+welche sich über den Ursprung des Namens der _weissen_ und _schwarzen_
+Tataren den Kopf zerbrochen, entgangen.
+
+[7] An anderen Orten heisst er Sungtai.
+
+[8] Meters u rast gui.
+
+[9] Reschideddin.
+
+[10] Weg durch die Gebiete der _Sunit_ Mongolen nach Timkowsky in Ritters
+Asien II. S. 356, auf D'Anville's Karte Souhit, bei Ssetsen _Ssunid_.
+
+[11] _Sekis Muran_, bei Abulghasi sind die Namen derselben sehr
+verstümmelt, bei Reschideddin sind doch wenigstens vier derselben zu
+erkennen, nämlich die _Irkut_ im _Ikra Muran_, die _Oka_ im _Aka Muran_,
+die _Biela_ im _Tschaghlan Muran_, d. i. Weissfluss, die obere _Tunguska_
+in _Dschurdsche Muran_ (Dschurdsche ist der Namen der Tungusen), endlich
+die _Ankara_ und der _Kem_ (Jenisei), in den sie fällt, ganz unverändert.
+
+[12] Das Christenthum desselben bezeugt Reschideddin ausdrücklich: daaweti
+Isa peighamber aleihi selam ba ischan reside we bedini wei der amedend,
+d. i. der Ruf (der Mission) des Herrn Jesus des Propheten kam zu ihnen und
+sie nahmen dessen Glauben an.
+
+[13] Ueber das Land _Tendum_ M. Polo's in Ritters Asien I. S. 248-256 nach
+Klaproth.
+
+[14] Bei Ssetsen.
+
+[15] _Abika_ und _Begtutmisch_.
+
+[16] _Sijurkukteni_, die Gemahlin Tuli's, war nicht die Tochter, sondern
+die Nichte Owang Chan's; bei Ritter I. S. 297 wird sie mit _Turakina_, der
+Gemahlin Ogotai's, vermengt.
+
+[17] Unter denen die _Kerait_, _Merkit_, _Uirat_, _Dschadscherat Tatar_,
+_Katkin_, _Durban_, _Saldschiut_.
+
+[18] _Jeksarik_ oder Niksarit.
+
+[19] Türken sind auch die _Turkatun_, eine Art Wachen, deren nur
+_Abulghasi_ und nicht Reschideddin erwähnt, die _Tilengut_ (Tekait), welche
+Reschideddin unter den Tataren, und die _Mankut_, die er mit den _Nirunen_
+aufzählt.
+
+[20] Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 227 und 372, und Ritter s.
+ebendas.
+
+[21] D'Ohsson Hist. d. Mongols I. p. 22 notes und nach demselben Ritters
+Asien I. 439.
+
+[22] Deguignes L. I. p. 26.
+
+[23] Im Damme Gog versperret waren die Mongolen,
+ Und nahmen dann in Anspruch Würd' und Stamm der Türken.
+ _Kemal Ben Ghajass_.
+
+[24] Rubruquis und Timkowsky.
+
+[25] Timkowsky's Reise nach China. Wien 1826. I. B. S. 228. 244. II. 14.
+
+[26] Reschideddin führt dabei die folgenden Verse an:
+
+ Die Donnerwolk' als Krokodil die Welt durchläuft,
+ Das aus dem Meere steigt mit Ingrimm schwarz beschweift,
+ Sie grinnet als ein Drach, der Unheil prophezeit,
+ Und zwischen Gaum' und Zahn nur Rauch und Feuer speit.
+
+[27] Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 109.
+
+[28] Ebend. S. 407. 408.; über Tschengischan's Begräbnissort s. Ritter I.
+238. 482. 504. 506.
+
+[29] _Konghirat_, _Ikiras_, _Olkonut_, _Karanut_, _Kurlas_, _Kinkut_,
+_Ildschegin_.
+
+[30] Udawkai Jabudak.
+
+[31] In Reschideddin _Karawin_, _Haidun_ oder _Hidun_; bei D'Ohsson I.
+Caraoun Tchidoun u. p. 73 Caravoun Cabdjal.
+
+[32] So heissen in der osmanischen Reichsgeschichte die engl. Bothschafter
+die _Grosshirnichten_ oder _Grossnasichten_. Geschichte des osm. Reichs V.
+532.
+
+[33] Schmidt's Geschichte S. 107.
+
+[34] In der Sprache der Naimanen, in der mongolischen _Bekaul_.
+Reschideddin.
+
+[35] _Binaketi_; bei Ssetsen, der alle Daten der Geschichte Tschengischan's
+verwirrt, ist diese Geschichte in das Jünglingsalter Tschengischan's
+hinaufgerückt. Reschideddin.
+
+[36] Diese Ringe hiessen _Kur_ oder _Kewr_, was dasselbe Wort mit dem
+persischen _Kaer_, wie die Steingräber in Schottland heissen.
+
+[37] Die chinesischen Quellen geben die Geburt Tschengischan's ohne alle
+Datenbestimmung des Monats und Tages um 7 Jahre zu spät an, im J. 1162;
+dieselben verdienen hierin weit weniger Glauben als Reschideddin, welcher
+seine Geschichte aus den mongolischen Archiven verfasst, und Wassaf,
+welcher die Berechnung der chinesischen Cyklen gibt und dann zu Ende der
+Regierung eine chronologische Uebersicht von Jahr zu Jahr beifügt.
+
+[38] H. v. Ohsson sagt: Goulgan, dont on ne connoit que le nom; aber
+Reschideddin meldet, dass Gulgan's Sohn Kodscha nach seines Vaters Tod 6000
+Mann erhielt, dass dessen Sohn Urdui ein Hofdiener Kubilai's war und dass
+Urdui's Sohn Abukian, weil er es mit Kaidu und den mongolischen Prinzen
+hielt, hingerichtet ward.
+
+[39] Dschurdschtai und Dschawur -- Urdschaten.
+
+[40] H. v. Ohsson p. 419 kennt nur fünf: 1. Kutschi (Fudschin) begi, 2.
+Tschitschegjan, 3. Alakai, 4. Tumalin, 5. Ultalin, 6. Ilalu, diese fehlt
+bei D'Ohsson.
+
+[41] Reschideddin.
+
+[42] Derselbe im Hauptstücke der Söhne Jisukai's.
+
+[43] Wassaf im Hauptstücke Tschengischan's.
+
+[44] Bei D'Ohsson Schebourgha.
+
+[45] Reschideddin im Hauptstücke von den Tataren.
+
+[46] Bei Schmidt _Torghan Schaain_, bei d'Ohsson _Scheburghan_.
+
+[47] Bei d'Ohsson p. 72 _Kischlik_ und _Badai_.
+
+[48] _Örlök_ ist wohl Nichts als das türkische _Erlik_ -- Mannhaftigkeit.
+
+[49] Bei Schmidt _Torghon Schaara_.
+
+[50] Bei Schmidt S. 381 _Muchuli_.
+
+[51] Bei Schmidt S. 381 steht _Sso Mergen_, die Dschurdschid (welche ein
+Zweig der Uirangkut), S. 87, wo Subutai Behadir statt der Uirangkute der
+_Dschurdschid_ genannt.
+
+[52] Die Bedeutung gibt Reschideddin.
+
+[53] Bei Schmidt _Chara Kiragho_.
+
+[54] Schmidt S. 89.
+
+[55] Schmidt glaubt, unter den Vierfarbigen seien die Stämme der vier Uirat
+zu verstehen, unter den Fünffarbigen die anderen Mongolen.
+
+[56] _Köke Mongol._
+
+[57] _Jekta_, bei Wassaf im Gegensatz der _Ssu Monghol_.
+
+[58] Schmidt S. 95.
+
+[59] Bei d'Ohsson S. 419 fehlt dieselbe, aber S. 111 wird sie _Altunbegi_
+genannt.
+
+[60] _Dschawut Kuri_, auf chinesisch sagt Reschideddin _Emiri moasem_,
+d. i. Grossfürst.
+
+[61] _Owangchan_, Herr eines Reichs; Padischahi jek mulk.
+
+[62] Kojang übersetzt Reschideddin Padischahi jek nahiet, d. i. Monarch
+eines Distrikts.
+
+[63] Wassaful-hasret.
+
+[64] Schemschul-munschi.
+
+[65] Wassaf.
+
+[66] Die Jasa in Makrisi.
+
+[67] The Shajrat ul Atrak. London 1838. p. 32.
+
+[68] Noch heute im Arabischen: Muschar bil bunan.
+
+[69] XXV. Wort Tschengischan's in Reschideddin.
+
+[70] Von Lafontaine bei der Audienz eines kais. Gesandten einem Türken in
+den Mund gelegt.
+
+[71] Mirchuand.
+
+[72] The treaty made between Kurachar Noyaun and Changeez Khan. _The
+Shajrat ul Atrak_ p. 367; und ebend. p. 381: The covenant renewed between
+Changeez Khan and Kurachar Noyaun.
+
+[73] The Shajrat ul Atrak S. 354.
+
+[74] Timur, der Sohn Emir _Tharagai_ Nujan's, des Sohnes _Tukil_ Nujan's,
+des Sohnes Emir _Belegir_ Nujan's, des Sohnes Emir _Itschil_ Nujan's, des
+Sohnes Emir _Karadschar_ Nujan's; _Abder-vesak_ im _Matlaa es-saadein_.
+
+[75] Nicht _Berolas_, wie Freih. v. d'Ohsson schreibt; im dschaghataischen
+zu Calcutta gedruckten Wörterbuche S. 116.
+
+[76] I. J. 652 (1254).
+
+[77] _The Shajrat ul Atrak_ p. 198. 344. 347. 352. 355. 366; die Namen sind
+aber alle so verstümmelt, dass sie kaum zu erkennen, nämlich _Irdümdschi_
+als Eeroomchi, _Kadschulai_ als Kuchooli, _Songhur Tschitschan_ als Sooghoo
+chi chun.
+
+[78] Wassaf.
+
+[79] Bei Rubruquis _Griut_.
+
+[80] Stritter p. 50. Step. Kniga. I. 342. Rubruquis.
+
+[81] Rubruquis.
+
+[82] Memoir of Baber.
+
+[83] Bergman I. 60.
+
+[84] Wassaf.
+
+[85] Stritt III. 60. _docheia_ eorum lingua vocant; das persische _Dachme_.
+
+[86] Batu, der Herrscher von Kipdschak, sein älterer Bruder Orda und die
+anderen _Scherban_, _Berke_, _Berketschar_, _Tukatimur_, _Bina Timur_.
+
+[87] D'Ohsson II. 193; nach Remusat.
+
+[88] Mohakkak anest ki chodra berawicht, ausgemacht ist es, dass er sich
+erhing. Reschideddin.
+
+[89] D'Ohsson II. 67; nach Mailla p. 115.
+
+[90] Mailla ebend.
+
+[91] Die Hauptstädte Uighuristan's sind: _Almaligh_ und _Pischbaligh_
+erhielt den Ehrennamen der guten Stadt, _Kotloghbaligh_; wie Bamian den der
+bösen, _Mobaligh_.
+
+[92] Rubruquis chap. 44.
+
+[93] Reschideddin.
+
+[94] Guillaume; bei Rubruquis 44.
+
+[95] Bei Rubruquis 33. _Cerasine_ soll _Tarasun_ heissen.
+
+[96] Reschideddin.
+
+[97] Dieser Frühlingssalon fehlt bei d'Ohsson II. 85., sowie
+_Terghubaligh_.
+
+[98] In der Nähe des hohen Bergs _Urmuchtu_ gingen wir herab bis auf die
+Auen des Flusses _Schara_. Pallas Reisebeschreibung I. S. 79.
+
+[99] Mirchuand, fehlt bei d'Ohsson S. 73.
+
+[100] Reschideddin.
+
+[101] Bei Plan Carpin chap. 14. le _Secretaire Chinguy_.
+
+[102] Peigbamter es tarafi choda; dschagataisches Wörterbuch, gedruckt zu
+Calcutta.
+
+[103] Bei d'Ohsson II. p. 85 Keusche, p. 195 geuca; in der Handschrift der
+Geschichte Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek Kösche.
+
+[104] Wassaf nennt von dem Uluse Dschagatai's: _Kisil_, _Buri_, _Paidar_,
+_Jesenbuka_, und dem Uluse Batu's: _Hirdu_, _Bersebai_, _Berke_,
+_Berkedscha_.
+
+[105] _Bajoth noi_, Bajoth est son nom propre, et _Noy_ est un nom de
+dignité. Plan Carpin chap. 10. soll heissen _Baidschu Nojan_ oder _Nowin_,
+was richtig der mongolische Fürstentitel.
+
+[106] Be takallub u tehewwur maaruf heisst heftig und wankelmüthig, nicht
+grave et severe, wie bei d'Ohsson II. 234.
+
+[107] Mirchuand und Dschihanguschai.
+
+[108] Mirchuand.
+
+[109] Plan Carpin chap. 9.
+
+[110] Mirchuand.
+
+[111] Plan Carpin ch. 9.
+
+[112] Au côté droit personne n'étoit assis; ebend.
+
+[113] Reschideddin. Mirchuand.
+
+[114] Bei d'Ohsson II. 249. irrig le général Mangoussar.
+
+[115] Wassaf.
+
+[116] Derselbe.
+
+[117] Dschihanguscha u. Mirchuand und nach demselben d'Ohsson II. 272.
+
+[118] Bei Rubruquis chap. 29. _Jani_ statt _Jam_.
+
+[119] Wassaf; bei d'Ohsson II. 263. à sept.
+
+[120] D'Ohsson II. 267. hat aber Nichts vom Folgenden.
+
+[121] Wassaf.
+
+[122] Firischte und nach demselben d'Ohsson II. 280.
+
+[123] Fethol-fatuh.
+
+[124] Kiran Saadein; dieser Titel ist das Muster des _Matlaai Saadein_,
+d. i. der Aufgang zweier Glückssterne von _Abderresak_.
+
+[125] Dschihannuma S. 281.
+
+[126] Von diesen ist in Deguignes keine Kunde; Wassaf behandelt aber im 13.
+Kap. des IV. Buchs unmittelbar vor der Eroberung Kerman's ihre Geschichte,
+welche auch im Munedschimbaschi und im Dschihannuma S. 279 wiederholt ist.
+
+[127] _Melikol-gharb._
+
+[128] Geschte war, gischte pflanzte, küschte erschlagen, diwan Plural von
+_Diw_ und Diwan die Rathsversammlung.
+
+[129] i. J. 566 (1170).
+
+[130] seit 576 (1180).
+
+[131] seit 629 (1231).
+
+[132] seit 464 (1071).
+
+[133] i. J. 814 (1411).
+
+[134] i. J. 629 (1231).
+
+[135] I. J. 606 (1209).
+
+[136] Von 1209-1349.
+
+[137] Geschichte Taberistan's und Masenderan's von Sahireddin, auf der
+kaiserl. Bibliothek zu Wien, schon in der Geschichte der Assassinen S. 230
+benützt, wo statt _Badusian_ _Badusgan_ gedruckt.
+
+[138] _Ben Dschil_, _B. Gilan_, _B. Firus_, _B. Nersi_, _B. Dschaut_.
+
+[139] i. J. 610 (1214).
+
+[140] En ce même tems les Ambassadeurs de Vastarce étoient logés bien près
+de nous. Rubruquis. Ch. 32.
+
+[141] Dschamischi Mirchuand.
+
+[142] _Dschurdsche Ikadschi_ die Mutter Kuchurtai's, _Il Ikadschi_ die
+Mutter Huladschu des zwölften Sohnes, und die Mutter des vierten Sohnes
+_Tedekadu_.
+
+[143] Les femmes ont un ornement de tête, qu'ils appellent _Botta_. Rubruq.
+ch. 15.
+
+[144] _Banui Mehin._
+
+[145] Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256), gest. 16. Moharrem
+681 (26. April 1282), welcher aber ein Donnerstag, nicht ein Montag, wie in
+Reschideddin vermuthlich durch Schreibfehler, sowie der 23. October 1256
+ein Montag und nicht ein Sonntag war.
+
+[146] Reschideddin im Abschnitte der _Uirat_.
+
+[147] Im Schedschretol Etrak S. 243 heisst er _Tumgha Oghul_; his eldest
+son soll heissen: sein jüngster Sohn; der älteste war Abaka.
+
+[148] Bei Bar. Hebräus ex parte Schagatai Techodar p. 536.
+
+[149] Bei Bar. Hebr. Bulghai filius _Sibkani_ et _Kotar_ et _Koli_.
+
+[150] Relation de l'expédition de Houlagou par Abel Rémusat. Journal
+asiatique II. p. 283.
+
+[151] Ganz übereinstimmend mit dem, was hierüber Rubruquis ch. 29 und Plan
+Carpin 145 berichten, und nach ihnen Ritter, Asia I. S. 429.
+
+[152] Mirchuand.
+
+[153] Das Dschihannuma nennt S. 353 _Rudi Dschadsch_, _Rudi Hasek_, _Rudi
+Dschowan_ und die beiden aus dem Stadtthor fliessenden _Nehr Kassarin_,
+d. i. der Fluss der Walker, und _Nehr Eswed_, d. i. der schwarze Fluss.
+
+[154] _Kohondos_ ist das Schloss, _Scharistan_ die Stadt, _Rabsch_ die
+Vorstadt; die Namen der Thore im Dschihannuma: das _eiserne_, das des
+_Flusses_, das _Abdallah's_ und das _Turkistan's_, welches der Namen eines
+vor demselben gelegenen Dorfes.
+
+[155] als _Kebtaul_(?); Reschideddin sowohl unter dem Artikel _Dschelair_,
+als unter dem _Uirat_.
+
+[156] Reschideddin nennt acht: _Kerrai Melik_, _Turaschi_, _Newrus_,
+_Legsi_, _Dschami_, _Jutkotlogh_, _Bulduk_, _Uiratai_.
+
+[157] Im Schedschretol eschrak S. 243 ist der Name _Scheburghan_ in
+_Surghan_ verstümmelt, und gleich das _Chuarschah_ in _Chuaresmschah_.
+
+[158] Dschihannuma S. 316.
+
+[159] Dschihannuma S. 322 Nushetul-muschtak.
+
+[160] Quatremère mémoire historique sur la vie et le ouvrages _d'Alaeddin
+Ata Melik Djouaeiny_, mines de l'orient I. p. 220.
+
+[161] Nushet.
+
+[162] Reschideddin, schon im Journal asiat. übersetzt.
+
+[163] _Takwimol-boldan_, die Ephemeriden der Länder.
+
+[164] _Nushetol-Kolub_, die Ergötzungen der Herzen.
+
+[165] _Dschihannuma_, die Weltschau.
+
+[166] Schebchun awerdend dscherkera charab kerdend; aus der fehlerhaften
+Schreibart des Manuscripts der Hofbibliothek sind in der französischen
+Uebersetzung irrig zwei eigene Namen von Cheikhorun und Herke entstanden;
+so heisst in der Geschichte der Assassinen _Keitbuka Nujan_ irrig
+Kajukanian.
+
+[167] _Sirkuh_ im Dschihannuma S. 326 mit den Namen der drei dazu gehörigen
+Flecken.
+
+[168] _Mobareseddin Ali Turan_ und _Schudschaaeddin Hasan_.
+
+[169] In Reschideddin ist hier eine Verwirrung der Daten, indem das Jahr
+nicht richtig angegeben; nämlich 651 statt 653, wie aus dem Nushet zu
+ersehen.
+
+[170] _Mohteschim_, so hiessen die Commandeure der Assassinen.
+
+[171] Achlaki Nassiri.
+
+[172] Auf Fraser's Karte _Ghain_ oder _Kain_.
+
+[173] Nushet und nach demselben das Dschihannuma S. 325.
+
+[174] _Chawwaf_ und _Sawa_, ebend. S. 319.
+
+[175] Den Namen Keitbuka verstümmelt der Uebersetzer des
+Schedschretol-etrak in Kunooka S. 245, sowie den Sultan Aegyptens,
+_Seifeddin Kotus_, in Syfe-ud-din Furdooz und _Jaschmut_ in Bishmoot.
+
+[176] 203 (818).
+
+[177] I. J. 193 (809).
+
+[178] Gest. im J. 411 (1020).
+
+[179] Im Dschihannuma S. 318 durch Druckfehler Senabad.
+
+[180] Narrative of a journey into Khorassan 444.
+
+[181] Fraser 519.
+
+[182] Terghu, dies ist der wahre Sinn, der in der französ. Uebersetzung im
+journ. as. verfehlt ist: les dames reçurent des titres.
+
+[183] Manuscript, Mirchuand, Dschihannuma S. 323. bei Quatremère mémoire
+d'Ata Melik dasselbe unrichtig Djouvuchan und unrichtig nach der Eroberung
+Alamut's.
+
+[184] Beigtimur Kurdschi, Sahireddin Sipehsalar Bitekdschi, Schati Emir.
+
+[185] Fraser nach Price im J. 242.
+
+[186] I. J. 261 (874).
+
+[187] Seine Lebensbeschreibung die 42. im Nefhatol Ins. Dschami's.
+
+[188] Gest. i. J. 858 (1454).
+
+[189] I. J. 875 (1470).
+
+[190] Geschichte des osm. Reichs II. B. S. 76 und S. 351, wo die Titel von
+zwanzig seiner Werke.
+
+[191] Merketai und Ikilmisch.
+
+[192] _Reiseddewlet_ und _Muwafikeddewlet_.
+
+[193] _Suseni_, nicht _Rouveni_, wie in der französ. Uebersetzung.
+
+[194] _Ssadreddin_, _Sahireddin_, _Tolek Behadir_ und _Berrak_ (der erste
+fehlt in der franz. Uebersetzung).
+
+[195] Nicht Koudraghoul, wie in der franz. Uebersetzung.
+
+[196] Morier second journ. 363.
+
+[197] Firuskjuh, auf der Strasse von Demghan nach Tehran, nahe bei
+Demawend, auf Frasers Karte; nach dem Nushet ebenfalls hart an Demawend
+gelegen; in Dschihann. S. 339 unter _Girdkjuh_.
+
+[198] Morier second journey p. 357.
+
+[199] The wretched village of Abbasabad. Fraser 248.
+
+[200] Thalkan, wie Semnan, eine Stadt der _Tocharistan_ genannten
+Landschaft. _Nushet_.
+
+[201] _Meimundis_ findet sich weder im Manuscript, noch im Dschihannuma, es
+scheint dasselbe _Meimend_ zu sein, was im Nushet.
+
+[202] _Sergūseschti Sidina._ Wassaf.
+
+[203] Nach ihm auch _Claproth_: »Hier erzählt man sich, er habe, als er
+eine 12 Werste von der Buchtana in einen Felsen gehauene Hieroglyphe nicht
+entziffern konnte, sie heraushauen lassen, um keinem anderen den Ruhm zu
+lassen.« Briefe aus Sibirien; im Ausland Nr. 102 vom 11. April 1836.
+
+[204] Traces of a very extended line of towers connected with walls and so
+situated as to appear to the gazer below absolute impregnable. I. p. 289.
+
+[205] Insgemein _Lemsir_ geschrieben; am 20. Silkide 495 (5. Sept. 1102).
+Wassaf.
+
+[206] Fraser p. 248.
+
+[207] Mulahide sachte end bighajet muhkemest.
+
+[208] Hamdallah und im Dschihannuma _Alamut_ S. 296, _Tun_, _Kain_,
+_Dschenabdar_ S. 325, _Muminabad_ S. 326.
+
+[209] Nach Reschideddin vom J. d. H. 477-654, nach Hadschi Chalfa v. J. d.
+H. 483 angefangen.
+
+[210] Ausführlich zu Ende des _Tarichi Güside_, kürzer im _Nushetol-Kolub_;
+nach beiden und nach dem _Tedwin_ Imam Rafii's, das Dschihannuma S. 293.
+
+[211] I. J. 463 der alexandrinischen Aere.
+
+[212] I. J. 204 (819).
+
+[213] I. J. 411 (1020).
+
+[214] I. J. 572 (1176).
+
+[215] I. J. 500 (1106).
+
+[216] I. J. 548 (1153).
+
+[217] Aasu Kaswine feinnehu min aala babil-dschenneti, Dschihannuma S. 293.
+
+[218] Morier second journey. p. 203.
+
+[219] Dschihannuma, ebend.
+
+[220] Adschaibol machlukat.
+
+[221] Charidetol-gharaib.
+
+[222] Tarichi Güside.
+
+[223] Nushetol-kolub.
+
+[224] Fersendani Aferinisch u Longtar.
+
+[225] Im J. 641 (1243); Nochbetettewarich, der Ort in Reschideddin.
+
+[226] Dschihannuma S. 299 und das Nushet.
+
+[227] Im J. 23 (643).
+
+[228] Im J. 320 (932).
+
+[229] Im J. 618 (1221).
+
+[230] Dschihannuma S. 300.
+
+[231] Morier second journ. p. 265. 269. Malcolm's Geschichte.
+
+[232] Am 1. Dchemasiul sani 627 (26. April 1230). Dewletschah,
+glaubwürdiger, als andere Daten, welche in der Geschichte der persischen
+Redekünste S. 141 durch Druckfehler verstümmelt sind, indem 727, 732 für
+719, 627, 632, 619 steht.
+
+[233] Haitho ch. 18; Marino Sanuto III. pars 13. ch. 5. und nach demselben
+d'Ohsson III. p. 81.
+
+[234] Vincent. Bellov. Spec. hist. L. XXXI. c. 28 und nach demselben
+d'Ohsson III. p. 83.
+
+[235] Bar. Hebr. und d'Ohsson III. 85.
+
+[236] Ascelin, bei Vincent de Beauvais und in Remusat's Mémoire sur les
+rapports des princes Chrétiens avec les Tatares, in den mémoires de
+l'Institut de France VI. p. 422.
+
+[237] Ebenda S. 426.
+
+[238] d'Ohsson III. 103-118.
+
+[239] Mirchuand.
+
+[240] Die grössere Umständlichkeit dieser Uebersicht hat noch die Kritik
+Herrn v. Poujoulat's im Temps 18. Mars 1836 angeregt, welcher findet, dass
+in der Geschichte des osm. Reichs die Anarchie des byzantinischen Reichs
+nicht ausführlich genug charakterisirt worden: Peutêtre devoit il mieux
+caractériser l'anarchie de l'empire grec morcelé par les croisades.
+
+[241] Elmacinus p. 255. -- Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln.
+
+[242] Nochbet; Sojuti.
+
+[243] Munedschimbaschi.
+
+[244] Sojuti, Munedschimbaschi.
+
+[245] Nochbet.
+
+[246] Sojuti und Nochbet.
+
+[247] Munedschimbaschi.
+
+[248] Emineddewlet we eminol-millet.
+
+[249] Moiseddewlet.
+
+[250] Adhadeddewlet.
+
+[251] Fachreddewlet.
+
+[252] Scherfeddewlet.
+
+[253] Ssamssameddewlet.
+
+[254] Behaeddewlet.
+
+[255] Imadeddewlet.
+
+[256] Iseddewlet.
+
+[257] Moschrifeddewlet.
+
+[258] Dschelaleddewlet.
+
+[259] S. Garcin de Tassy und S. de Sacy's Anthologie.
+
+[260] In Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln i. J. 397, 417, 424; im
+Munedschimbaschi i. J. 384 (994).
+
+[261] Im J. 443 (1051) und 458 (1065).
+
+[262] 460 (1067), Nochbet.
+
+[263] Nochbet.
+
+[264] I. J. 462 (1069); Nochbet.
+
+[265] I. J. 466 (1073) und i. J. 454 (1061).
+
+[266] Hei ala chairil ammel.
+
+[267] Nochbet.
+
+[268] I. J. 459 (1066).
+
+[269] Alparslan i. J. 465 (1072); Kaimbiemrillah i. J. 467 (1074).
+
+[270] Melekschah i. J. 485 (1092); Moktefi i. J. 487 (1094).
+
+[271] Das Nochbet nach dem _Ikdol-dscheman_ Ibnol-dschewsi's.
+
+[272] I. J. 514 (1120).
+
+[273] Re, Elif und folglich Raschid, und nicht Reschid, was der Beiname
+Harun's.
+
+[274] Rampoldi VII. 289.
+
+[275] Ruhol-aarifin.
+
+[276] _Danischmend._
+
+[277] _Muid._
+
+[278] Dschihannuma S. 466.
+
+[279] Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln und Kamus.
+
+[280] Haschischin.
+
+[281] Nochbet.
+
+[282] Ebenda nach Noveiri; bei d'Ohsson III. S. 89.
+
+[283] Wassaf.
+
+[284] d'Ohsson III. p. 200, nach Noveiri.
+
+[285] Horna an instrument of conveyance, the Pureyhorn, the Borrstalhorn,
+Brusshorn u. s. w., im dritten Bande der Archaeologia britannica I. 7.
+
+[286] Wassaf.
+
+[287] Derselbe.
+
+[288] Wassaf.
+
+[289] Nochbet.
+
+[290] Nochbet.
+
+[291] Nochbet, Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln.
+
+[292] Reschideddin.
+
+[293] Reschideddin.
+
+[294] d'Ohsson III. 222 gibt die Botschaft, aber nicht die Antwort, und
+sagt: Houlagou les congédia sans faire grande attention à leurs discours.
+
+[295] Dschihannuma S. 456.
+
+[296] Nökeri gesik.
+
+[297] Reschideddin setzt die Verse hinzu:
+
+ Was sind Ameisen mir, was Elephantenwuth,
+ Was Quell, was Fluss und was des Niles Fluth;
+ Und wenn sich der Befehl von Gott nun anders wendet,
+ Wer weiss wohl ausser Ihm, wie dieses Werk noch endet.
+
+[298] Bei Köschk Manssur ober Mesrike; Reschideddin. Wassaf sagt: in der
+Nähe von Dudscheil.
+
+[299] Wassaf.
+
+[300] Wassaf.
+
+[301] _Dscharlik_, eigentlich Diakon.
+
+[302] _Babol-Halbe._
+
+[303] Ein schiitischer Molla, welcher aus der Inschrift das _La_ (nicht)
+weglöschte, ward mit siebzig Stockstreichen bestraft. Wassaf. Mirchuand;
+Noveiri; bei d'Ohsson III. p. 243.
+
+[304] Das Schreiben des Langen noch bei Wassaf.
+
+[305] Reschideddin; Wassaf.
+
+[306] d'Ohsson III. 256. près de Hamadan où étoient restés ses Oghruks
+(Aghrik); das türkische Aghirlik heisst das schwere Gepäck.
+
+[307] _Adabes-Sultanijet._
+
+[308] Am 18. Ramasan 630.
+
+[309] Dschihannuma S. 346 und 347 ein volles Blatt.
+
+[310] Porter sagt hierüber II. 592. 593.
+
+[311] Dschihangir ne Dschihandar.
+
+[312] 1. _Moejeddin Ben Irsi_ von Damaskus, 2. _Nedschmeddin Kjatib_ von
+Kaswin, 3. Fachreddin von Mossul, gebürtig von Meraasch, 4. Fachreddin von
+Tiflis, gebürtig von Achlat.
+
+[313] als die von _Fachir_, _Alai_, _Schahi_, _Guschjar_. Wassaf. d'Ohsson
+III. 265.
+
+[314] _Tarichi Güside._
+
+[315] Ebenda.
+
+[316] Vahram's chronicle of the Armenian Kingdom in Cilicia translated by
+Neumann p. 47.
+
+[317] Haitho c. XXIII.; diese sieben Artikel sind die des Vertrags, von
+welchen die Geschichte Vahram's spricht, die als Antwort auf Neuman's Frage
+in der Note 67: Is this treaty to be any where found?
+
+[318] Sinebaldus Conestabulus regni Armeniae.
+
+[319] S. Martin Mem. II. scheint diese zwei Reisen _Sempad's_ mit den
+seines Bruders _Hethum_ vermengt zu haben.
+
+[320] Orpellian in S. Martin. Mem. II. p. 143.
+
+[321] d'Ohsson III. 268.; nach Dschuweini.
+
+[322] Derselbe S. 269.
+
+[323] Mouradjea d'Ohsson III. 271., nach Bar. Hebr. 530.
+
+[324] S. Martin Mem. I. 112. und Dschih. S. 602.
+
+[325] Der Aufmerksamkeit S. Martin's ist entgangen, dass Kaghzevan (das in
+seinem geographischen Register fehlt) dasselbe mit Kaghseman (Dschih. S.
+408).
+
+[326] S. Martin Mem. p. 145.
+
+[327] Dschihannuma S. 382 und Hamdallah.
+
+[328] Dschihannuma S. 426 und 425.
+
+[329] _Lobasanagut_ oder _Libasanagut_ oder _Lebasanagut_, nur der erste
+Vocal ist zweifelhaft.
+
+[330] Constantin Porphyrogenita.
+
+[331] Dschihannuma S. 419.
+
+[332] Reschideddin.
+
+[333] Beim Bar Hebr. _Maiphercata_.
+
+[334] Bar Hebr. nennt ihn _Aschraph fil. Malic Ghazi_; er hiess aber
+_Kjamil Ben Melik Mosaffer Ghasi_. Nochbet.
+
+[335] Beim Bar Hebr. _Aischmut_, bei Abulfeda IV. 573. _Samud_.
+
+[336] Bar Hebräus ch. 28.
+
+[337] Aus dem 94. Vers der VI. Sura.
+
+[338] Aus dem 226. Vers der XXVI. Sura.
+
+[339] Aus dem 97. Vers der XIX. Sura.
+
+[340] Die 16. Sure, die _Biene_; sie beginnt mit dem Verse: _Gekommen ist
+Gottes Befehl; beschleuniget nicht sein Gericht._
+
+[341] Das Ende der Sura _Ssad_, d. i. der 38., ist der Vers: _Und ihr
+werdet wissen, dass die Kunde wahr, nach einiger Zeit._
+
+[342] _Ummi._
+
+[343] Die ersten 4 Verse der LXXXII. Sura.
+
+[344] Anspielung auf den Ueberlieferungs-Spruch, der auf den Zifferblättern
+morgenländischer Uhren zu sehen: _Eddunja saatun fe edschaalha taaten_, die
+Welt ist Eine Stunde, gehorsam mach' die Runde.
+
+[345] Der 65. Vers der V. Sura.
+
+[346] Der 88. und 89. Vers der XIX. Sura.
+
+[347] Der 226. Vers der XXVI. Sura.
+
+[348] Gesch. des osm. Reichs I., nach Neschri, Seadeddin, Dschenabi.
+
+[349] Primo mense, d. i. des syrischen Jahres, welches Ende September
+begann. Bar Hebr.
+
+[350] Moazem filius Saladini magni beim Bar Hebr. p. 255 ist unrichtig,
+denn Ssalaheddin hatte keinen Sohn, der so hiess; es ist hier die Rede von
+dem ältesten Sohne Nassir's, welcher auch Ssalaheddin hiess, wie sein
+Grossvater.
+
+[351] Reschideddin.
+
+[352] Dschihannuma S. 593. Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par
+Makrizi, traduite par Quatremère I. 19.
+
+[353] _Bintol-Hafisa._
+
+[354] Schehabeddin Ben Amru's, das Nedschmeddin's, des Bruders Marsdekin's,
+das Basdedde's, das Alemeddin Kaissar's. Abulfeda IV. 579.
+
+[355] Bar Hebr. 556.
+
+[356] Bar Hebr.
+
+[357] Abulfeda IV. p. 579.
+
+[358] Reschideddin.
+
+[359] nicht vierzig Tage, wie Reschideddin sagt; Abulfeda gibt die Daten
+genau.
+
+[360] Reschideddin, Abulfeda IV. nennt den _Naib_ Amadeddin von Kaswin.
+
+[361] Abulfeda IV. 585.
+
+[362] Wilkens Geschichte der Kreuzzüge I. 180. II. 516. 633. III. 52. 82.
+90. 92. 219. Abulfeda III. 511. 583. 593. 755. IV. 35. 59.
+
+[363] Dschihannuma S. 597; der Richter von Harim zu Selkin, auf der Karte
+_Serkin_.
+
+[364] Abulfeda IV. 581.
+
+[365] Abulfeda IV. 587.
+
+[366] S. Martin Mem. II. 97. Dschihannuma S. 437.
+
+[367] Aini Hausile musemma bu ainden, d. i. aus einer Quelle, welche
+Beckenquelle heisst; es ist also unrichtig, wenn S. Martin p. 97 sagt: le
+Nymphius appellé actuellement _Aynathaoudh_.
+
+[368] Macdonald Kinneir.
+
+[369] Reschideddin setzt noch den Nassir von Haleb hinzu, was aber ein
+Anachronismus, indem dessen Hinrichtung erst nach der Niederlage von
+Aindschalut statthatte, welche, wie wir sogleich zeigen werden, später als
+die Eroberung von Miafarakain.
+
+[370] Da Abulfeda IV. 509 das Datum gibt, so bleibt kein Zweifel übrig über
+die Epoche des Falles von Miafarakain, wiewohl Reschideddin denselben erst
+nach der Schlacht von Aindschalut erzählt.
+
+[371] S. Martin Mem. I. p. 174.
+
+[372] Dschihan. S. 437.
+
+[373] Procop. de bello persico I. 5.
+
+[374] Γιλιγερδον. Theophanes IV. 1.
+
+[375] Haitho Histor. 24.
+
+[376] Hiernach wäre die Stelle in der Gesch. des osm. Reichs II. 448 bei
+einer neuen Ausgabe zu berichtigen.
+
+[377] Theophanes, Cedinus, Justinus und nach denselben Geschichte des osm.
+Reichs II. 443.
+
+[378] Dschihann. S. 441.
+
+[379] Theophylaktus III. 5. S. Gesch. des osm. Reichs II. 448 und 648.
+_Matha_ ist vermuthlich das Schloss der Magyaren und Beiramkai (Macdonald
+Kinneir p. 425) vielleicht das alte Beidum.
+
+[380] Cherefeddin bei La Croix ch. 37. p. 275.
+
+[381] Dschihannuma S. 443.
+
+[382] _Muwad_ und _Schesch_ 96, Reschideddin; also nicht 80jährig, wie
+d'Ohsson sagt.
+
+[383] Nochbet.
+
+[384] Bei d'Ohsson III. 322. Alakuh, der Statthalter Bondokdar's zu Haleb.
+
+[385] Bei d'Ohsson III. 373, nach Bar Heb. _Samdaghun_.
+
+[386] Dschemdschadar.
+
+[387] _Durghan_, Wassaf im V. Bande, Eingangs der Erwähnung des Zuges
+Hulagu's nach Westen.
+
+[388] _Chuthai Tebris_, Dschihannuma S. 381.
+
+[389] Ewlia in der Beschreibung Malatia's und Dschih. S. 600.
+
+[390] Wie _Schaab_, _Ghuta_, _Obolla_, _Soghd_ auf Erden berühmt sind,
+ So ist des Bosporos Gestad' im Paradiese berühmt.
+
+Geschichte des osm. Reichs V. S. 594.
+
+[391] d'Ohsson III. 329. nach Noweiri.
+
+[392] Dschihannuma S. 570.
+
+[393] Banias, wie bei d'Ohsson, nicht zu vermengen mit dem Balanias
+Abulfeda's, welches auf den Karten auch als Banias steht.
+
+[394] Haitho c. 29.
+
+[395] Haitho.
+
+[396] Gurboga, bei Haithon 29.
+
+[397] Haithon 50; bei Wilken VII. 416.
+
+[398] hem harik hem gharik. Nochbet und Abulfeda IV. p. 511.
+
+[399] Burdschi ahmer.
+
+[400] Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par Makrizi, traduite par
+Quatremère. I. p. 98.
+
+[401] Ebenda p. 103.
+
+[402] _Soweila_, nicht Zwilah, wie in der Uebersetzung Makrisi's von
+Quatremère I. p. 103 dieser Name irrig geschrieben wird; bei demselben
+findet sich auch S. 101 das Schreiben Hulagu's an Kotos in voller
+Ausdehnung.
+
+[403] 1. Emir Melik Husein Chan; 2. Melik Ichtiareddin Chan; 3. Melik
+Seifeddin Ssadik Chan; 4. Melik Nassireddin Gülschu Chan; 5. Atlas Chan; 6.
+Nassireddin Kimeri.
+
+[404] Kaimeri statt _Kimeri_ ist Reiskische Leseart.
+
+[405] Makrizi, trad. par Quatremère I. p. 104.
+
+[406] Ebenda.
+
+[407] _Burke_, noch heute der tscherkessische Wettermantel.
+
+[408] Abulfeda IV. 595, fehlt in der Stammtafel bei Rehm, so auch sein
+Vater _Asis_.
+
+[409] d'Ohsson III. 335, nach Noweiri und Reschideddin.
+
+[410] Nach Abulfeda V. 621 auch die Nachricht der Schlacht bei Himss, was
+aber ein Widerspruch mit Bar Hebr., welcher als den Tag der Hinrichtung den
+29. October angibt, während die Schlacht von Himss am 10. December statt
+hatte.
+
+[411] Abulfeda IV. p. 621.
+
+[412] Reschideddin bei Bar Hebr. _Mowahid_.
+
+[413] Bar Hebr. p. 559 aber abweichend von Reschideddin.
+
+[414] am 29. October 1260, nicht 1261, wie in Rehm's Stammtafel; denn Bar
+Hebr. gibt den Tag an.
+
+[415] Abulfeda IV. p. 523.
+
+[416] Abulfeda IV. p. 625.
+
+[417] Tebrdar, nicht Taudar, wie bei Reiske IV. 599; aber auch nicht
+hellebardier, wie bei d'Ohsson p. 345, in welchem Falle es Harbedar heissen
+müsste.
+
+[418] Proben dieser Siegesgedichte bei Abulfeda IV. p. 601.
+
+[419] nicht _Elbarli_, wie bei Abulfeda IV. 603.
+
+[420] Abulfeda IV. 344.
+
+[421] d'Ohsson III. 346. nach dem Leben Beibars.
+
+[422] El Hakimbiemrillah Ahmed Ben Hasan Ben Ali B. Ebibekr B. Mosterschid.
+
+[423] Hakimbiemrillah.
+
+[424] Ueber Dschudschi und seinen Ulus siehe die Beilagen I. u. II. aus den
+Geschichten Haider's und Wassaf's.
+
+[425] Bei Bar. Hebräus _Kotar_, d'Ohsson _Tumor_ ist Schreibfehler des
+Manuscripts.
+
+[426] Histoire des Sultans Mamlouks par Makrizi, traduite par Quatremère I.
+p. 212.
+
+[427] Quatremère übersetzt durchaus: Signe de la Noblesse, was nicht
+richtig.
+
+[428] Makrisi nennt die vorzüglichsten: _Keramun_, _Amtagjah_, _Noghai_,
+_Dscherek_, _Kajan_, _Nasagjah_, _Taischur_, _Bentu_, _Sobhi_,
+_Dschaudschelan_, _Adschkarka_, _Adkerek_, _Kerai_, _Salagjah_,
+_Motekaddem_ und _Daragan_. Quatremère I. p. 222.
+
+[429] Ebenda u. S. 235.
+
+[430] 1. _Ilkai_, 2. _Turan Behadir_, 3. _Batu_, 4. _Saldschedai_, 5.
+_Tschaghan_, 6. _Belarghu_, 7. _Doghus_.
+
+[431] Ueber den Feldzug wider Berke siehe die Beilage III. aus Wassaf.
+
+[432] Wassaf.
+
+[433] Derselbe.
+
+[434] Apuschka, Sohn Buri's, des Sohnes Muwatukjan's, des Sohnes
+Dschaghatai's.
+
+[435] In demselben waren _Taghadschar_, _Hulagu_, der Sohn Ildschitai's,
+_Nadin Kadan_.
+
+[436] Reschideddin.
+
+[437] in der Nähe der Stadt _Bulad(?)_, _Tulad(?)_.
+
+[438] Reng Altui, am Flusse Dschaikan.
+
+[439] Mirchuand.
+
+[440] Reschideddin, Mirchuand.
+
+[441] _Taghadschar_, der Sohn Ewbadschi Nujan's, _Jesunke_, der Sohn
+Dschudschi Kasar's, _Jekekadak_, Dschingtimur, der Sohn Kadak's,
+_Aschikai_; die schuldigen Prinzen: _Schiregi_, _Taghai_, _Dscherku_,
+_Baitimur_; die Emire: _Hintunk_ Nujan, _Durbai_, _Pulad_ Dschingsang.
+
+[442] _Huku_, der Sohn Gujukchan's, _Hobat_, der Sohn Nako's, _Kutuk_, der
+Sohn Karadschar's.
+
+[443] _Schiregi_, der Sohn Ogotai's; die Söhne Arikbugha's: _Tukukur_ und
+_Melik Timur_; _Tokatimur_, der Sohn Suktu's; _Urughadai_; die Neffen
+Kubilai's: _Horrak_ und _Ogin_.
+
+[444] Serinerud.
+
+[445] Sonntags den 9. Rebiulachir (8. Febr., Sonntagsbuchstabe D, richtig
+ein Sonntag).
+
+[446] d'Ohsson sagt, ich weiss nicht, auf welche Autorität, dass dies das
+Schloss _Tala_ am See von Urmia; aber Reschideddin sagt: gegenüber von
+_Dehchuaregjan_ (bei d'Ohsson _Sachwareku_), was nur Verstümmelung von
+_Destchawakan_ [Dschihannuma S. 386, welches nicht ferne vom Berge
+_Sehend_.]
+
+[447] Mirchuand, Wassaf.
+
+[448] Odoricus Raynaldus XIV. 1260. N. 29.
+
+[449] _Tschehelsutun._
+
+[450] _Tschehel Minar._
+
+[451] _Nakschi Rustem._
+
+[452] _Meschdschedi Maderi Suleiman._
+
+[453] _Sindani Dschemschid._
+
+[454] _Nakarachana Dschemschid._
+
+[455] _Bend Emir_, d. i. der Damm des Fürsten, nämlich _Adhadeddewlet's_.
+
+[456] Dass Ομηρος dasselbe mit _Omer_, ist in den Jahrbüchern der Literatur
+bei Gelegenheit der Anzeige des Werkes »Ulysse Homere« dargethan worden.
+
+[457] Quatremère mémoires géographiques sur l'Égypte II. p. 506; dann
+Wilken's Geschichte der Kreuzzüge II. 78. 119. 201.
+
+[458] Geschichte des osm. Reichs III. S. 413, nach dem
+Nochbet-_ettewarich_.
+
+[459] Dschihannuma S. 278.
+
+[460] Dschihannuma S. 281.
+
+[461] Tarichi Güside; Wassaf.
+
+[462] Dieser fehlt in der Liste bei Deguignes I. 260.
+
+[463] Lari, Nochbet, Güside, Wassaf, Mirchuand.
+
+[464] Wassaf.
+
+[465] Kämpfer amoenitates exoticae.
+
+[466] Mirchuand und Wassaf führen bei dieser Gelegenheit das Distichon des
+Schahname an:
+
+ In den drei Domen, wo zu Istachar
+ Die Residenz der Schahe von Iran war.
+
+[467] Wassaf.
+
+[468] Derselbe.
+
+[469] Geschichte der schönen Redekünste S. 202. 203. 160 und 161 nach
+Dewletschah.
+
+[470] S. 214.
+
+[471] Wassaf.
+
+[472] _Abisch_, nicht Aische, wie bei Deguignes, auch nicht _Uns_, wie
+d'Ohsson, durch einen Schreibfehler des Manuscripts verleitet, schreibt,
+ist der Namen dieser Prinzessin, welcher die morgenländische Sitte eines
+freundschaftlichen Pikniks bezeichnet. S. Gol. qui atrium alienae domus
+instruit cibo ac potu suo, quod facere apud Arabes inter se amici solent,
+quasi symbola conferentes; eine Art συσιτια.
+
+[473] Donec provisis quae tempus monebat simul excessisse
+ Augustum et rerum potiri Neronem fama eadem tulit.
+
+Tacit. Annal. I. 5.
+
+[474] Reschideddin nennt sieben: 1. _Ilkai_ Nujan; 2. _Sundschak_ N.; 3.
+_Suntai_ N.; 4. _Abtai_ N.; 5. _Semaghar_ N.; 6. _Schiktur_ N.; 7. _Arghun
+Aka_.
+
+[475] Nushet und nach demselben Dschihannuma S. 299.
+
+[476] Dieses übersetzt Miles, ohne das eiserne Thor am kaspischen Meere zu
+erkennen, S. 248: he presented the iron durbund of Shirwan to Bishmoot, und
+_Tuktin_ ist in Tyubeen verstümmelt, _Sundschak_ als Sooghchak,
+_Dschuweini_ als Joini u. s. w.
+
+[477] _Makatii._
+
+[478] Reschideddin.
+
+[479] Wassaf.
+
+[480] Derselbe.
+
+[481] sub rosa.
+
+[482] Scherfijet auf der kais. Hofbibliothek.
+
+[483] Nicht zu verwechseln mit Bulghan Chatun, der Gemahlin Ghasan's,
+welche ebenfalls eine Konghuratin; diese war die Tochter _Tesu's_, jene die
+Tochter Utaman's.
+
+[484] Pachymeres T. I. p. 273. Stritter III. 1044.
+
+[485] Im _Schedschretol Etrak_ wird als das Datum der Schlacht der 20.
+Ssafer 664 angegeben; die Namen sind, wie gewöhnlich, alle verstümmelt,
+Berke in _Boorkeh_ und Nokai in Booka.
+
+[486] Nushet, nach demselben Dschihannuma S. 341.
+
+[487] Noweiri, bei d'Ohsson III. p. 421; Dschebele heisst dort Djeliba.
+
+[488] Bei d'Ohsson nach _Ranan er-Roub?_ und _Sikhulhadid_, d. i. eiserner
+Bratspiess.
+
+[489] Noweiri, Bar Hebräus 645. Haithon hist. orient. c. 33.
+
+[490] Haithon hist. orient. c. 33.
+
+[491] _Jesentewa_, der Sohn Muwatukjan's, heisst im Schedschretol Etrak
+durch die Verstümmelung des Uebersetzers einmal Sookur Kaan, the son of
+Kamkar, S. 250 und S. 251 Tokzur Sookur und _Abaka_ Abukai.
+
+[492] _Robath_; Wassaf.
+
+[493] Derselbe; Schedschretol Etrak p. 360.
+
+[494] Wassaf; aber von dem, was bei d'Ohsson zweimal, III. B. S. 427 und
+429, vorkommt: ils burent ensemble, après avoir choqué leurs coupes, du
+sang où il y avoit de l'or, ist keine Spur im citirten Wassaf, wo bloss vom
+Blute der Rebe die Rede, _Chunireschardend_, sie tranken das Blut der Rebe;
+es scheint, dass H. v. O. _Chuniser_ las, das heissen würde: sie tranken
+das _Blut des Goldes_.
+
+[495] Reschideddin.
+
+[496] Derselbe.
+
+[497] der Sohn Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's.
+
+[498] der Sohn Kaidu's, des siebenten Sohnes Dschagatai's.
+
+[499] der Sohn Serban's, des achten Sohnes Dschagatai's.
+
+[500] der Sohn Gujuk's, des zweiten Nachfolgers Tschengischan's.
+
+[501] der Sohn Kara Hulagu's, der Erstgeborene Muwatukjan's.
+
+[502] der sechste Sohn Ogotai's.
+
+[503] _Kukdschu_ heisst auch der neunte Sohn Kubilai's.
+
+[504] der grosse _Jesawur_, der Bruder Borrak's, bei Wassaf _Besmar_, bei
+Reschideddin auch _Jesas_; der kleine war _Jesawur_, der Sohn Dschudschi's
+(der Bruder Kipdschak's), des Sohnes Kaidu's, des sechsten Sohnes Ogotai's.
+
+[505] der Sohn Batu's, des Sohnes Hindu's, des Sohnes Dschagatai's, des
+zehnten Sohnes Dschudschi's.
+
+[506] In den Jahrbüchern der Literatur VII. 300. irrig _Nertuke_, weil das
+_Ki_ zum Namen gezogen worden.
+
+[507] Nushet; Dschihannuma S. 314.
+
+[508] Dschihannuma S. 315.
+
+[509] Reschideddin.
+
+[510] Wassaf nennt die Prinzen: _Jesdar_, _Kongurtai_, _Adschai_,
+_Tikeschi_, Nigudar Huladschu; die Emire: _Arghesun_, _Masuk Ahmed_,
+_Kotschek_, _Timur_, _Olinak_, _Menkeser_, _Abdullah_, der Sohn Tulak
+Bawerdschi's, und Aradschuk.
+
+[511] _Ala at._
+
+[512] _Alatagh._
+
+[513] Wassaf.
+
+[514] Reschideddin.
+
+[515] d'Ohsson III. 505.
+
+[516] Der Enkel Dschagatai's aus seinem zweiten Sohne Muwatukjan.
+
+[517] Bei d'Ohsson _Jesar_, in Wassaf _Basmar_, in der Handschrift
+Reschideddin's der k. k. Hofbibliothek _Parso_.
+
+[518] In der Handschrift der k. k. Hofbibliothek einmal _Dschanli_ und
+einmal _Dschobai_, in Wassaf _Dschoban_.
+
+[519] Wassaf.
+
+[520] i. J. 703 (1303), Reschideddin von den Frauen Hulagu's.
+
+[521] Vom J. 654 (1256) bis 669 (1270) machen vierzehn Sonnen- und fünfzehn
+Mondjahre, was die Hälfte der von Haithon als Belagerungszeit des Schlosses
+Tigaddo angegebenen dreissig Jahre.
+
+[522] Nushet und Dschihannuma S. 292.
+
+[523] Nushet und Dschihannuma S. 299.
+
+[524] Tarichi Güside.
+
+[525] Geschichte der persischen Redekünste S. 203.
+
+[526] Von drei Seiten von Chorasan umgeben. Dschih. S. 254. Hier sind die
+Schlösser _Firuskuh_ und Girdkjuh.
+
+[527] _Ghardschistan_ Dschih. S. 238, 254, 324.
+
+[528] _Purdestan_, der Sohn Destan's, ist Rustem, der Herr von Nimrus
+(Sistan), der Inhaber der berühmten Stierkeule, welche eine der persischen
+Reichsinsignien.
+
+[529] Wortspiel zwischen _Melik_, König, und _Melek_, Engel.
+
+[530] _dil ber an nihaden_, ganz und gar dasselbe mit dem Englischen: set
+his heart upon some thing.
+
+[531] _Chamrol adschem_, der Wein der Perser, das grüne Opiat; insgemein
+_Esrar_ genannt.
+
+[532] Die Schlangen sollen blind werden, wenn sie Smaragd anschauen.
+
+[533] Reschideddin.
+
+[534] wirklich schreiben es die englischen Reisebeschreiber nicht anders
+als _Fall_.
+
+[535] d'Ohsson vermengt sie III. 516. mit den Karawinen; ces guerriers
+designés sous le nom de _Nigoudariens_ ou Caraviniens.
+
+[536] Aresch, Αρης.
+
+[537] Isfendiar mit dem ehernen Leib gilt insgemein für Xerxes.
+
+[538] Cyrus, der Aschghiane.
+
+[539] Der ritterlichste Fürst der Beni Sasan.
+
+[540] H. v. Ohsson III. 464. bürdet dem Wassaf auf, was er nicht gesagt:
+Beibars fit jetter dans le fleuve jusqu'à 35000 chameaux, dont les corps
+servirent de pont à ses troupes. Wassaf sagt ausdrücklich, dass der Sultan
+der erste den Zügel hineinlenkte.
+
+[541] d'Ohsson III. 468., nach Nuweiri.
+
+[542] Bar Hebr. 546.
+
+[543] i. J. 1188, Wilken IV. 241.
+
+[544] Dschihannuma S. 594 verdruckt als _Derbak_.
+
+[545] Wilken's Geschichte der Kreuzzüge VI. S. 495.
+
+[546] Dschihannuma S. 594.
+
+[547] nicht Manca, wie bei d'Ohsson III. 472.
+
+[548] Mannert VI. II. 49. _Menasikol-hadsch_ S. 43.
+
+[549] _Merdsched-dibadsch._
+
+[550] Ewlia.
+
+[551] Dschihannuma S. 602; auf Paultres Karte nicht richtig Kurtu Cular;
+auf der Karte M. Kinneirs blos Kulaghi als Castabala.
+
+[552] Ebenda.
+
+[553] Sughuri Islam.
+
+[554] S. Martin Mem. I. p. 201.
+
+[555] heute Kisildsche.
+
+[556] heute Gökssu.
+
+[557] Paul Lucas; Dschihannuma S. 603.
+
+[558] d'Ohsson III. S. 475.
+
+[559] Bar Hebräus 553.
+
+[560] Reschideddin.
+
+[561] _Gulek_, Dschihannuma S. 601, oder _Dulek_, S. 40, nicht _Doluk_, wie
+bei d'Ohsson III. 481.
+
+[562] Das kappadocische Komane lag am _Sarus_, welches der _Sihan_; in M.
+Kinneir's Karte am _Kisil Irmak_, welches der obere Pyramus zu seyn
+scheint; nach dem Menasikol-hadsch ist aber dieser Kisil Irmak derselbe mit
+dem _Sihan_, d. i. dem Sarus, so dass die Lage mit der Angabe der alten
+Geographen in Uebereinstimmung. Jahrbücher der Literatur XIV. S. 46.
+
+[563] Bar Hebr. p. 556.
+
+[564] Nuweiri; Bar Hebr. p. 537.
+
+[565] Nuweiri, bei d'Ohsson III. S. 485.
+
+[566] Reschideddin.
+
+[567] Geschichte des osm. Reichs I. u. II. Band.
+
+[568] d'Ohsson IV. S. 490.
+
+[569] Nuweiri, bei d'Ohsson III. 496.
+
+[570] Reschideddin.
+
+[571] Nach Reschideddin im Silhidsche 676 (Mai 1277), nach Nuweiri und
+Makrisi, die hier glaubwürdiger, 5. Moharrem 676 (8. Juni 1277).
+
+[572] Bei Wassaf _Konghosatai_.
+
+[573] Reschideddin nennt es _Koghanie(?)_; fehlt bei d'Ohsson, sowie die
+Botschaft.
+
+[574] Dschihannuma.
+
+[575] Nuweiri, bei d'Ohsson. IV. 498.
+
+[576] Haithon 34.
+
+[577] i. J. 698 (1299).
+
+[578] 700 (1300), d'Ohsson III. 500. nach Munedschimbaschi.
+
+[579] Reschideddin.
+
+[580] Bei d'Ohsson S. 400.
+
+[581] Wassaf.
+
+[582] Wassaf.
+
+[583] Reschideddin.
+
+[584] _Rothes Gesicht_, glücklicher Erfolg; _rothe Brust_, gewaltsamer Tod.
+
+[585] Wassaf.
+
+[586] i. J. 669 (1270).
+
+[587] Wassaf gibt die Glosse _Asaseddin El-Jakubi's_ in achtzehn
+fünfzeiligen Strophen.
+
+[588] d'Ohsson III. macht sie zu denselben mit den Niguderischen Banden:
+Nigoudariens ou Caraounass; aber Reschideddin, in dem Abschnitte
+unmittelbar vor den Begebenheiten Medschdulmülk's und Schemseddin's,
+spricht erst von den Niguderischen Banden in Sistan, dann von den Karawinen
+in Chorasan.
+
+[589] Hier nennt Reschideddin den Schatz _Chasinei Narin_, im Abschnitte
+der Stämme aber bei den Dschelairen _Postin_.
+
+[590] Dschihannuma S. 594.
+
+[591] Die Namen derselben bei d'Ohsson III. 526. nach Noweiri.
+
+[592] Im Schedschretol Etrak S. 254 dasselbe Datum, nur mit der
+gewöhnlichen Verstümmelung des Uebersetzers statt Silhidsche Zi Huj.
+
+[593] Reschideddin, Nuweiri, Bar Hebräus; der letzte irrig Silkide statt
+Silhidsche. Mengu Timur heisst bei Haitho _Mongodamir_; nach ihm wäre Mengu
+Timur schon am achten Tage nach dem Bruder gestorben, und beide durch Gift.
+Verlässiger als der syrische Bischof Bar Hebräus und der armenische Mönch
+Haitho sind hierüber Reschideddin und Wassaf.
+
+[594] Dieser Name ist als Quolibey verstümmelt in Quolibet.
+
+[595] sub qua credulitate lautet fast ironisch.
+
+[596] Reynaldus III. p. 453 und in Moshemii historia Tatarorum ecclesiast.
+p. 72.
+
+[597] Waddington annales Minorum V. 40 und in Moshemius p. 80.
+
+[598] Die umständlichsten und gründlichsten Nachrichten über die Missionen
+enthält die vortreffliche relation des Mongols ou Tartares par M. d'Avezac
+im IV. Bande des recueil de voyages et de mémoires der geographischen
+Gesellschaft zu Paris.
+
+[599] Güside B. 343 gibt das poetische Fetwa desselben über den Rangstreit
+zwischen Sahir und Enweri, welcher von beiden ein grösserer Dichter.
+
+[600] Dewletschah und Güside B. 345.
+
+[601] Geschichte der persischen Redekünste S. 221.
+
+[602] Güside B. 333.
+
+[603] Güside B. 335.
+
+[604] Güside B. 335.
+
+[605] Güside B. 335 gibt als Beispiel den Anfangsvers einer Kassidet:
+
+ Ei kerde ruh ba lebi laali tu _Nokeri_
+ Maaschuki _Usbegi_ we nigari her Chaweri.
+
+Hier sind _Nokeri_ und _Usbegi_ die fremden Wörter.
+
+[606] Güside.
+
+[607] Die letzten sieben Dichter fehlen in Dewletschah, und auch in der
+Geschichte der persischen Poesie, zu der das _Güside_ noch nicht benutzt
+werden konnte.
+
+[608] Güside B. 343.
+
+[609] Lakad fahet el aaud el Komari
+ We faher-raudh kel aaud el Komari.
+
+Das Wortspiel liegt in dem Doppelsinn der Worte _Fahet_ und _Komari_; jenes
+heisst im ersten Verse _klagen_, im zweiten _hauchen_; dieses ist im ersten
+Hemistich der Plural von _Kumri_, Turteltaube, im zweiten Epithet:
+kumarische Aloe.
+
+[610] Haitho C. 37 nennt ihn Tongodar, die Perser nennen ihn durch einen
+aus Versetzung der Punkte leicht erklärbaren Schreibfehler _Nigudar_, was
+der Name des dschaghataischen Prinzen, des Sohnes Dschudschi's, des
+Erstgebornen Dschaghatai's; wahrscheinlich ist _Niguder_ aus seinem
+christlichen Namen _Nikolaus_ entstanden.
+
+[611] Die zwei Brüder _Buka_ und _Oruk_, und Akbuka.
+
+[612] _Schischi Bachschi_, _Doladai Aidadschi_, _Dschuschi_, _Ordukia_.
+
+[613] _Kurdschian._
+
+[614] _Sikurdschian._
+
+[615] _Aktadschian._
+
+[616] Reschideddin, bei d'Ohsson Siahkuh III. 552.
+
+[617] Reschideddin.
+
+[618] 13. Rebiulewwel Sonntags ist der 21. Juni, der richtig ein Sonntag,
+folglich das Datum bei Wassaf, 14. statt 13., wie bei Reschideddin gefehlt;
+das Schedschretol Etrak S. 257 hat das richtige Datum vom 13.
+
+[619] Reschideddin.
+
+[620] Wassaf.
+
+[621] Bei d'Ohsson III. 553 Tuktai.
+
+[622] Derselbe nach Noweiri S. 553.
+
+[623] _Siah kuh nusul kerd_, heisst: er lagerte zu _Siahkuh_, nicht: il
+quitta Siahkuh, wie d'Ohsson übersetzt.
+
+[624] _Kaplandschi_, _Arslandschi_, _Nukadschije_.
+
+[625] 1. _Kutschuk_, aus der Frau Tokus; 2. _Kimdschuk_, aus der Frau
+Ermeni; 3. _Tschitschek_, aus eben derselben; 4. _Mainan_, gleichfalls; 5.
+_Sailun_, aus der Frau _Tudaku_; 6. _Kiltürmisch_, aus der Beischläferin
+_Kurkudschije_.
+
+[626] in der Nacht vom Mittwoch, sagt Reschideddin, was der 12. August war,
+denn der 14. (Sonntagsbuchstabe D) war ein Freitag.
+
+[627] Wassaf.
+
+[628] Wassaf theilt dieselben mit.
+
+[629] Wortspiel zwischen _Moslimen_ Gläubigen, und _Moslim_, dem eigenen
+Namen eines der ersten Ueberlieferer der Sunna.
+
+[630] Das Ende des 15. Verses der XVII. Sura.
+
+[631] Das Ende des 17. Verses der XLIX. Sura.
+
+[632] Bar Hebr. und nach demselben d'Ohsson III. 560.
+
+[633] Reschideddin.
+
+[634] _Ali Dschingsan_ und _Kotlogschah_.
+
+[635] _Buradersade_, Neffe, nicht Bruder, wie bei d'Ohsson S. 582.
+
+[636] _Dschankur_, _Dschinkutur_, _Doladai_, _Idadschi_, _Idschi_,
+_Tetkaul_, _Dschuschi_, _Kimdschkabal_.
+
+[637] _Kutschuk Anukdschi_ und Schadi _Achtadschi_.
+
+[638] _Rusi Kunilamischi_ im angeblichen Beidhawi _Guikesi_, was Schreib-,
+Lese- oder Druckfehler.
+
+[639] 1. _Taghadschar_, 2. _Dschankur_, 3. _Dschinkutur_, 4. _Doladai_, 5.
+_Idschi Tetkaul_, 6. _Dschuschi_, 7. _Kundschukbal_; bei Wassaf heisst
+Dschankur _Dschaigir_, Abai der Sohn _Suntai's_, _Dschenghatu_ der Sohn
+Dschuschi's.
+
+[640] Wassaf nennt die Emire Arghun's: _Jasar Aghul_, _Taghai_, _Adschu
+Sukurdschi_, _Ghasan_, der Ceremonienmeister, _Tokli Schadi_, der Sohn
+_Sundschak's_; Reschideddin.
+
+[641] Wassaf nennt die Emire: _Ainkadschi_, _Nakai Jarghudschi_, _Tawtai_,
+_Kasan_, der Sohn Kotloghbuka's, _Baitmisch Kuschdschi_, _Sertak_,
+_Alghui_, _Oladai Kadaghan_, _Aghman_.
+
+[642] Moriers second journey und darnach in den Jahrbüchern der Literatur
+VII. 257.; vier andere Pässe sind die zwei bei _Firuskjuh_ (_Sawadschi_ und
+_Tengi serensa_), _Tengi Nimrud_ und _Tengi Schimschirbur_.
+
+[643] Moriers second journey.
+
+[644] Dschihannuma S. 339.
+
+[645] i. J. 566 (1170), Fraser 302.
+
+[646] Die im J. 880 (1475) erbaute Moschee kann nicht, wie Fraser sagt, von
+Schahroch erbaut worden sein, da dieser schon fünf und zwanzig Jahre
+früher, im J. 850, starb.
+
+[647] Quelle Belasan beim Dorfe Kohen; nach den _Adschaibol-machlukat_ in
+den Jahrbüchern der Literatur VII. 258. LXII. 43., Fraser 304.
+
+[648] So am Scheckel in Steiermark.
+
+[649] Mannert hält es für das alte _Taghi_.
+
+[650] Adschaibol-machlukat Sekerias.
+
+[651] Baconi in den notices et extraits II. 482.; übereinstimmend mit
+Diodor.
+
+[652] Tschehel seran, _tschehel dochteran_, Fraser.
+
+[653] In Dschami's _Nefhatol Ins_ der 205te.
+
+[654] i. J. 261 (874).
+
+[655] Abderrahman Ben Mohammed, gest. 858 (1454), Verfasser von vierzig
+Werken, und _Mossannifek Bostami_, gest. 875 (1470), der den letzten
+bosnischen König eigenhändig köpfte.
+
+[656] Dschami's _Nefhatol Ins_, die 42te.
+
+[657] Bei Reschideddin _Legsi_ und _Ordubugha_.
+
+[658] _Dih Surch_, bei Reschideddin, ist das _Surikkala_ Frasers; der in
+der Moschee von Semnan eingemauerten Inschrift Schah Abbas I. wird erwähnt
+304.
+
+[659] Nushetol-kolub; Dschihannuma S. 341.
+
+[660] Reschideddin.
+
+[661] Nushetol-kolub; Dschih. 341.
+
+[662] Reschideddin, Wassaf.
+
+[663] Das Schedschretol Etrak S. 358.
+
+[664] Sein ganzer Name: Ebun-nassr Mohammed Ben Abdol-Dschebbar El-otbi.
+
+[665] Fraser S. 245.
+
+[666] _Urtimur Kuschdschi_, _Nikpei Kuschdschi_ und der Bruder _Kadschu
+Achtadschi's_.
+
+[667] Wassaf.
+
+[668] Derselbe.
+
+[669] _Jesubuka Gurgan_, _Aruk_, _Kurmischi_, _Arkasun Nujan_, der Sohn
+_Ilkai's_.
+
+[670] _Kurmischi_ und _Aruk_, die Brüder Buka's.
+
+[671] Nerke.
+
+[672] Wassaf.
+
+[673] Wassaf.
+
+[674] Reschideddin; Wassaf; nach dem Schedschretol etrak S. 350 am 7.
+Dschem. achir.
+
+[675] Reschideddin bei den Töchtern Hulagu's.
+
+[676] Sie lebte noch zur Zeit Reschideddin's.
+
+[677] Im Schedschretol Etrak S. 260 in _Yoogha_ verstümmelt.
+
+[678] Herodot's Clio 51.
+
+[679] Nushetol kulab.
+
+[680] i. J. d. H. 83 (701).
+
+[681] _Kumedan_, hernach _Kum_. Dschihannuma S. 298.
+
+[682] Durch ein unerklärliches Versehen steht im Dschihannuma, dass Kum der
+Geburtsort Nisami's, des Verfassers des Chamse, sei, welcher zu Gendsche
+geboren, auch dort begraben liegt.
+
+[683] Das Schehinschahname von Feth Alischah dem österreichischen Kaiser
+Franz I. durch Mirsa Abul Hasan zum Geschenke gesandt.
+
+[684] Emir _Bukia_, _Tinai_, _Arukian_, _Bastak_, _Huladschu_. Wassaf.
+
+[685] Güside.
+
+[686] d'Ohsson gibt nur die Hälfte aus Wassaf, aber nicht die folgende
+historisch wichtigere Hälfte aus Reschideddin.
+
+[687] Güside.
+
+[688] _Schems_, anspielend auf den Namen Schemseddin.
+
+[689] _Ala_, Höhe, anspielend auf den Namen des Bruders Alaeddin.
+
+[690] Wassaf.
+
+[691] Der Sohn Melikchan B. Mohammed B. Sengi's.
+
+[692] Wassaf.
+
+[693] Das Feuer ihres Zorns entflammte sich in so hohem Grade, dass
+dasselbe die gestockte Feuchtigkeit ihrer Thränenlinse auflöste und bei dem
+Auge ausfliessen liess; Perlen regneten aus dem Narciss und tränkten die
+Rose, Hagel (der Zähne) biss in die Jubeben (des Munds). Wassaf.
+
+[694] _Tuladai Jarghudschi_, _Dschijurghutai_, _Hosameddin_.
+
+[695] Reschideddin auch unter den Frauen Abaka's.
+
+[696] Schedschretol Etrak S. 263.
+
+[697] Reschideddin nennt die sieben: _Taghadschar_, _Kundschukbal_,
+_Doladai_, _Aidadschi_, _Sultan Aidadschi_, _Tughan_, _Dschuschi_,
+_Ordukap_.
+
+[698] Reschideddin.
+
+[699] mit den Prinzen: _Huladschu_, _Karankai_, _Konghschir_, _Togai
+Timur_, _Anberdschin_; mit den Emiren: _Uruk_, _Kurmischi_, _Temdui_,
+_Madschu_, _Toglok Karawinas_; Wassaf. Im Reschideddin noch: _Kurmischi_,
+der Sohn _Haidu Nujan's_, _Audschan_, dem Waffenträger, _Kadan_, dem
+Gesandten, _Sengi_, dem Sohn _Baba Nujan's_, Emir des Lagers der Frau
+_Oldschai_, _Ghasan Behadir_, _Ischik Toghli_, _Aschak Toghli_.
+
+[700] _Kujun Kumischi_. Wassaf.
+
+[701] _Madschu_, _Toghlok_, _Aschak Toghli_, _Serwana_, _Nochschi_,
+_Tuschkina_, _Hosameddin von Kaswin_, Emir _Ali Melik_ der _Temghadschi_
+von Tebris. Wassaf.
+
+[702] Hist. des Orpeliens in S. Martin. mém. II. p. 171.
+
+[703] _Baitmisch Kuschdschi_, _Tamudai Aktadschi_, _Schadi_, Sohn Buka's.
+
+[704] _Abadschi_, _Melik_, _Teichan Timur_, _Kotlogh Timur_.
+
+[705] _Jatmisch Kuschdschi_, _Gharbetai Gurgan_, _Burdschu_, der Sohn
+_Duriai's_, _Boghdai_, _Arkasun Nujan_.
+
+[706] Mocherofago, bei Cassiri.
+
+[707] Reschideddin.
+
+[708] in d'Ohsson IV. 39. irrig fils du Vezir Schemseddin.
+
+[709] Reschideddin.
+
+[710] Wassaf.
+
+[711] Wassaf nennt _Schemseddewlet_ und _Iseddin Mosaffer_, und
+Reschideddin den _Dschelaleddin Serwistani_.
+
+[712] _Asshabi Buluk._
+
+[713] _Bitekdschi._
+
+[714] _Fachreddin Mubarekschah_, _Medschdeddin Rumi_, _Schemseddin
+Huseini_; Wassaf und Reschideddin.
+
+[715] Scharfsichtiger als _Ajas_, feiner als _Kais Ben Soheir_, als
+_Moghairet B. Schaabet_, als _Amru Bel el aass_; Wassaf.
+
+[716] _K. Kjatib_, d. i. der Schreiber, _Sch_, d. i. _Schaair_, Dichter,
+_Dschim_, d. i. _Munedschim_, d. i. Astronom, _Mim_, d. i. Musik; Kamus;
+das Wort und die Erklärung fehlt in Freitag's Wörterbuch.
+
+[717] Wassaf in dem Hauptstücke der Verwaltung von _Schiras_.
+
+[718] Wassaf.
+
+[719] Haithonis hist. C. 38.
+
+[720] Unter den Todten: _Burultai_ und _Kadai_, Emire von Tausenden, und
+der Bruder _Jenitsche's_; unter den Gefangenen: _Huriktai_, der grosse
+Emir.
+
+[721] Reschideddin.
+
+[722] Dschihannuma S. 297.
+
+[723] Dschih. S. 426.
+
+[724] Dschih. S. 341.
+
+[725] M. Kinneir's geographic mem. on the persian Empire p. 84.
+
+[726] Die Emire _Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Tewekkul Toghan_.
+
+[727] Im Schedschretol Etrak ward Seaadeddewlet am letzten Ssafer des J.
+690 hingerichtet und Arghun starb drei Tage hernach, am 3. Rebiulewwel.
+
+[728] Dschihannuma S. 297; im Schedschretol Etrak S. 265 im Berge Sobeir(?)
+nächst der Grabstätte des Propheten Kyde(?).
+
+[729] d'Ohsson III. 612. nach Makrisi.
+
+[730] d'Ohsson p. 616.
+
+[731] Bei Odoric Raynald IV. p. 41 et 42. _Elegag_ und _Tuctan_; d'Ohsson
+IV. 99. meint, unter der letzten sei _Tuktan_, die Wittwe Abaka's, Mutter
+Kendschatu's, zu verstehen, was aber unrichtig, da Reschideddin (unter den
+Frauen Abaka's) ausdrücklich sagt, dass sie bei Lebzeiten Abaka's
+gestorben, durch die Frau Ildürmisch ersetzt worden sei; i. J. 1288, wo
+Nikolaus IV. schrieb, war Tudai seit einem Jahre Gemahlin an der Stelle der
+verstorbenen Bulughan, und den Tod der anderen grossen Frau, Kotlogh,
+konnte Nikolaus nicht wissen, da sie am 12. April 1288 starb und der an sie
+gerichtete Brief vom 12. datirt ist.
+
+[732] Die Tochter Sarudsche's, die Schwester des Emirs Irindschin, des
+Keraiten, die Urenkelin Owang's.
+
+[733] Bei Odericus _Casian_ und _Saron_; da Arghun nur vier Söhne hatte und
+über _Chodabende_ und _Ghasan_ kein Zweifel obwalten kann, so fragt sich
+nur, ob unter _Saron_ der dritte, _Jesu Timur_, oder der vierte, _Chatai
+Aghul_, zu verstehen sei; der letzte hiess ehemals _Sonkar Kanis_.
+Reschideddin.
+
+[734] Nach dem Schedschretol Etrak und anderen _Kendschatu_; bei Haithon
+Cap. XXXIX heist er _Regayto_, was augenscheinlich eine Verstümmelung von
+_Keichatu_ und nicht von _Kendschatu_; aber das Schedschretol Etrak sagt p.
+270 nach der Geschichte der vier Uluse, dass sein Name ursprünglich
+_Enkatu_ gewesen, was auf mongolisch wunderbar, staunenswerth heisse.
+
+[735] durch _Kutla Kokultasch_. Wassaf.
+
+[736] _Tamerbugha_, _Saji Ebdschi_, _Konan Achtadschi_.
+
+[737] _Sati_, _Kuman_, _Tudadschu_.
+
+[738] _Koildagh_ ist ein Schreibfehler.
+
+[739] den _Taghadschar's_ dem _Baidschu Tetkaul_, den _Kundschukbal's_ dem
+_Schiktur Nujan_. Wassaf.
+
+[740] Wassaf und Reschideddin.
+
+[741] Reschideddin.
+
+[742] Wassaf.
+
+[743] nullam habebat legem vel fidem. Haithon C. 39.
+
+[744] Wassaf dem grossen _Ssahib_; Fraser übersetzt in seinem Kuzulbasch
+diesen Ehrentitel mit Sir, Gentlemen, _Eltschi Ssahib_, d. i.
+Heergesandter.
+
+[745] _Kisil_ mit seinen Brüdern _Nussret_ und _Ali Melik_. Wassaf.
+
+[746] Wassaf.
+
+[747] Güside.
+
+[748] Wassaf.
+
+[749] D'Ohsson IV. 88 nach Makrisi und Noweiri, dann Reschideddin und
+Wassaf.
+
+[750] Dschihannuma. S. 598.
+
+[751] S. Beilage IV.
+
+[752] Tschawi mubarek.
+
+[753] Sobald es angekommen, sei es angenommen. Wassaf giebt die Formel für
+chinesisch an, sie ist aber alttürkisch und würde auf neutürkisch: irdükde
+tursun lauten, d. i. wenn es angekommen, soll es stehen (gelten.)
+
+[754] Schedschretol Etrak, S. 268, statt Sikurdschi Skukurchee; jenes
+heisst Speerhalter, dieses Zuckerbäcker.
+
+[755] Reschideddin nach Wassaf giebt die Verhaftung der Emire _Idar_,
+_Kundschukbal_, _Toladai_, Tukjal, _Ildschai_ zu _Kjawabari_. Schedschretol
+Etrak, S. 261.
+
+[756] Reschideddin.
+
+[757] Nach dem Schedschretol Etrak, S. 270, ward er zu Karabagh begraben.
+
+[758] Schedschretol Etrak, S. 270.
+
+[759] Wassaf.
+
+[760] Wassaf.
+
+[761] _Kuku_ steht im Meninski als _Guckguck_, heisst aber auf Persisch
+Turteltaube (Ferheng Schuuri II. Bl. 228); die Türken nennen auch den
+Schwan Kuku.
+
+[762] Batu hatte nicht sieben, sondern vierzehn Söhne.
+
+[763] Der 61. Vers der X. Sura.
+
+[764] _Moktainat_ definirt der Commentar als den an Vieh und Geld ersparten
+Reichthum.
+
+[765] _Natik u Ssamit_, das Sprechende und Stumme, d. i. Schafe und Kamele
+im Gegensatze mit Gold und Silber.
+
+[766] _Kisil Bilka_, [arabischer Text] dasselbe Wort, das als Bilek in der
+Bedeutung der Vorschriften Tschengis-Chans vorkommt.
+
+[767] _Aidadschian_, dasselbe, was die _Kilardschi_ zu Constantinopel, die
+Diener der Speisekammer.
+
+[768] _Wudschuh_, Weisen, Arten, und _Wudschuh_, baares Geld, Plural von
+_Widschh_, Gesicht; derselbe Grundbegriff wie im Französischen faire face
+aux dépenses.
+
+[769] Das mongolische Wort _Ilghamischi_ mit dem arabischen _Tenkih_
+übersetzt, entspricht dem Finanzausdrucke des épuremens.
+
+[770] _Dhigsen ala ibballetin_, ein Heuschüppel zu einem Grasbund, Klein
+auf Klein, d. i. Nichts zu Nichts.
+
+[771] _Kaftschari_, Confiscation.
+
+[772] _Dem_, der Hauch, heisst durch erweiternde Metonymie auch die Zeit;
+wird das Wort umgekehrt, so heisst es _Medd_, welches auf Arabisch
+Erweiterung, Ausdehnung bedeutet.
+
+[773] Wortspiel zwischen _Chata_, das nördliche China, und _Chata_, Fehler.
+
+[774] Das Wortspiel ist im Persischen zwischen _Tschaw_, dem Namen des
+Papiergeldes, und _Dschawidan_, ewig.
+
+[775] _Musehhib es-scheb_, d. i. der Vergolder des Goldes.
+
+[776] _Senbus_, Kahn, scheint mit cymba verwandt.
+
+[777] _Külk_ erklärt der Commentar als gleichbedeutend mit _Chaw_,
+villositas panni holoserici.
+
+[778] Eine Nachahmung der berühmten schönen Verse Firdewsi's, und Wortspiel
+mit den beiden Namen _Iseddin_, Ehre des Glaubens, und _Mosaffir_, der
+Siegreiche, dem sein Wunsch gelingt.
+
+[779] Der 7. und 8. Vers der CI. Sura.
+
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription:
+
+Die Rechtschreibung des Originaltextes wurde beibehalten, ebenso
+unterschiedliche Schreibweisen von Eigennamen. An einigen Stellen wurde
+die Zeichensetzung geändert. Umrechnungen zwischen dem islamischen und dem
+christlichen Kalender, die offensichtlich falsch und deshalb wahrscheinlich
+Druckfehler waren, wurden korrigiert, wobei folgende Hilfsmittel verwendet
+wurden:
+
+1. http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Zeitrechnung (Umrechnungsformel
+für Jahreszahlen),
+
+2. http://www.heinrichbernd.de/calendar (Kalender-Umrechner).
+
+Ansonsten wurden die Datumsangaben des Buches auch dort beibehalten, wo sie
+unstimmig zu sein scheinen.
+
+ S. 2: "Die Gesichte des von Hulagu" wurde geändert in
+ "Die Geschichte des von Hulagu"
+ S. 7: "des Herschers von Kipdschak" wurde geändert in
+ "des Herrschers von Kipdschak"
+ S. 16: "die Wächter der acht weissen Häusser" wurde geändert in
+ "die Wächter der acht weissen Häuser"
+ S. 23: "Verschmähte Brautwerburg" wurde geändert in
+ "Verschmähte Brautwerbung"
+ S. 39: "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte besimmt" wurde geändert in
+ "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt"
+ S. 57: "Jltschikidai" wurde geändert in "Iltschikidai"
+ S. 69, Randnote: "624/1337" wurde geändert in "624/1227"
+ S. 71, Randnote: "640/1142" wurde geändert in "640/1242"
+ S. 84, Fussnote 145: "Geboren den 24. Schewwal 614 (25. October 1256)"
+ wurde geändert in "Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256)"
+ (Anmerkung: der im weiteren Verlauf der Fussnote genannte 26. April
+ 1282 war weder ein Donnerstag noch ein Montag, sondern ein Sonntag.)
+ S. 85: "die Sklavinn Ilkadschi" wurde geändert in "die Sklavin Ilkadschi"
+ S. 85: "mit dem Kopfschmucke Bagthak" wurde geändert in
+ "mit dem Kopfschmucke Baghtak"
+ S. 90: "auser der Stadt" wurde geändert in "ausser der Stadt"
+ S. 97, Fussnote 182: "Uebersezung" wurde geändert in "Uebersetzung"
+ S. 104: "zwichen Dilem und Irak" wurde geändert in
+ "zwischen Dilem und Irak"
+ S. 107: nach "der bessten persischen Erdbeschreibung" wurde der Hinweis
+ auf die Fussnote 223 eingefügt
+ S. 109: "schon des Schwert aufgehoben" wurde geändert in
+ "schon das Schwert aufgehoben"
+ S. 133: "der Grösse des Hausses Ejub" wurde geändert in
+ "der Grösse des Hauses Ejub"
+ S. 136: "Auf bem Chalifenstuhle" wurde geändert in
+ "Auf dem Chalifenstuhle"
+ S. 140: "vorauf er" wurde geändert in "worauf er"
+ S. 140, Fussnote 285: "instrunent" wurde geändert in "instrument",
+ "brittancia" wurde geändert in "britannica"
+ S. 141: "Augenklick" wurde geändert in "Augenblick"
+ S. 163, Fussnote 316: "Vahran's" wurde geändert in
+ "Vahram's" (vgl. Google)
+ S. 168: "welche Syrien von Aegyten trennt" wurde geändert in
+ "welche Syrien von Aegypten trennt"
+ S. 170: "wandte sich also jezt" wurde geändert in
+ "wandte sich also jetzt"
+ S. 173, Fussnote 329: "Lobanasagut" wurde geändert in "Lobasanagut"
+ S. 187, Fussnote 368 und S. 192, Fussnote 379: "Macdonald Kineir"
+ wurde geändert in "Macdonald Kinneir" (vgl. Google)
+ S. 194, Fussnote 384: "Statthalttr" wurde geändert in "Statthalter"
+ S. 220: "Es liess alle Kaufleute" wurde geändert in
+ "Er liess alle Kaufleute"
+ S. 234: "Oschelaeddin Dschanli" wurde geändert in
+ "Dschelaleddin Dschanli"
+ S. 241: "Shönredner" wurde geändert in "Schönredner"
+ S. 246: "Sundschar Nujan" wurde geändert in "Sundschak Nujan"
+ S. 258: "vom Kubilai" wurde geändert in "von Kubilai"
+ S. 262: "über den Oxus gehen sollen" wurde geändert in
+ "über den Oxus gehen sollten"
+ S. 265: "verliess Kispdchak erzürnt" wurde geändert in
+ "verliess Kipdschak erzürnt"
+ S. 271: "Sodald Borrak" wurde geändert in "Sobald Borrak"
+ S. 299: "Moinedddin Perwane" wurde geändert in "Moineddin Perwane"
+ S. 311: "in's Gebiet von Haleb ein, wie sie" wurde geändert in
+ "in's Gebiet von Haleb ein, wo sie"
+ S. 314: "nicht wahrscheinlich, dass Akaka" wurde geändert in
+ "nicht wahrscheinlich, dass Abaka"
+ S. 327, Randnote: "8. Dschemmasiulewwel 681/24. August" wurde geändert in
+ "8. Dschemmasiulewwel 681/14. August"
+ S. 329: "vom Richter Medschdolmülk" wurde geändert in
+ "vom Richter Medschdolmülk's"
+ S. 333: "Wir baben befohlen" wurde geändert in "Wir haben befohlen"
+ S. 342: "zum Gemahlin gab" wurde geändert in "zur Gemahlin gab"
+ S. 348: "den linken Flügel kefehligte" wurde geändert in
+ "den linken Flügel befehligte"
+ S. 355: "Sischi, Bachschi" wurde geändert in "Sischi Bachschi"
+ S. 363: "Er zog sich noch Kirbanschir" wurde geändert in
+ "Er zog sich nach Kirbanschir"
+ S. 366: "Ich habe jezt mein Gemüth" wurde geändert in
+ "Ich habe jetzt mein Gemüth"
+ S. 388, Randnote: "9. Rebiulewwel 689/24. Mai 1290" wurde geändert in
+ "9. Rebiulewwel 689/24. März 1290"
+ S. 393, Randnote: "7. Rebiulachir 690/10. März 1291" wurde geändert in
+ "7. Rebiulewwel 690/10. März 1291"
+ S. 400: "das Amts des Richters der Richter" wurde geändert in
+ "das Amt des Richters der Richter"
+ S. 406: "Betrauten Kensdchatu's" wurde geändert in
+ "Betrauten Kendschatu's"
+ S. 406, Randnote: "28. Rebiulachir 694/17. März 1245" wurde geändert in
+ "28. Rebiulachir 694/17. März 1295"
+ S. 407: "die Vorposten Taghadschars's" wurde geändert in
+ "die Vorposten Taghadschar's"
+ S. 432: "Seine Abreise was" wurde geändert in "Seine Abreise war"
+ S. 434: "des zweigesichigen Papieres" wurde geändert in
+ "des zweigesichtigen Papieres"
+
+Die in der Druckfehlerliste am Ende des Buches enthaltenen
+Korrekturanweisungen wurden durchgeführt.
+
+
+
+
+
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+End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte der Ilchane, by
+Joseph von Hammer-Purgstall
+
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+
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+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
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+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
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