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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Geschichte der Ilchane + das ist der Mongolen in Persien + +Author: Joseph von Hammer-Purgstall + +Release Date: March 20, 2010 [EBook #31713] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE *** + + + + +Produced by Wolfgang Menges, Karl Eichwalder, Carl Hudkins +and the Online Distributed Proofreading Team at +https://www.pgdp.net (This book was produced from scanned +images of public domain material from the Google Print +project.) + + + + + + +Anmerkungen zur Transkription: + +Kursiv gedruckte Passagen im Originaltext sind hier durch _Unterstriche_ +gekennzeichnet, fett gedruckte Stellen durch GROSSBUCHSTABEN. "RN" steht +für "Randnote". Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende des Textes. + + + + +GESCHICHTE + +DER + +ILCHANE + +DAS IST + +DER MONGOLEN IN PERSIEN + +VON + +HAMMER-PURGSTALL. + + +Mit + +neun Beilagen und neun Stammtafeln. + + +Erster Band. + +Mit vier Beilagen. + + +Darmstadt. + +DRUCK UND VERLAG VON CARL WILHELM LESKE. + +1842. + + + + +An + +SEINE MAJESTÄT + +den + +KÖNIG VON BAYERN. + + + Allerdurchlauchtigster König, + Allergnädigster Herr! + +Von der deutschen Hauptstadt der Künste, von der Residenz EUERER MAJESTÄT, +wo ich vor drei Tagen mit der Akademie der Wissenschaften das ALLERHÖCHSTE +Geburts- und Namensfest gefeiert, bin ich nach Berchtesgaden geeilt, wo der +erhabene Schutzgenius der schönen Künste im schönsten Tempel der Natur +residirt, um demselben in ALLERHÖCHST IHRER Person die Verehrung und +Bewunderung zu zollen, womit der Verein der Kunstwunder zu München jeden +Besucher erfüllt. + +Da mir EUERE MAJESTÄT allergnädigst erlaubet haben, mit ALLERHÖCHST IHREM +Namen das Giebelfeld eines meiner Werke zu schmücken, so erscheint die +Geschichte der Mongolen Persiens, wenigstens durch die Namen ihrer grossen +Fürsten, Bauherren, Gönner der Künste und Beschützer der Wissenschaften, +solcher Ehre nicht unwürdig. + +Wenn die Bauten Ghasan's und Chodabende's zu Tebris und Sultania nach einem +halben Jahrtausend die Namen ihrer Erbauer nur in Ruinen verherrlichen, so +liegt die Schuld davon nicht sowohl in Elementarereignissen und in +feindlicher Verheerung, als in dem Mangel an erhaltender Fürsorge, welche +Werken der Kunst wie den Staaten Dauer versichert. + +Geruhen EUERE MAJESTÄT, als Schöpfer eines Pantheon der Künste, als +Erhalter der ältesten Denkmale derselben und eines blühenden Reiches, die +Huldigung meiner tiefsten Ehrfurcht allergnädigst zu genehmigen. + + _Berchtesgaden_, + an Göthe's Geburtstag HAMMER-PURGSTALL. + _1841_. + + + + +Vorrede. + + +Diese Geschichte der Mongolen in Persien ist das Seitenstück zu der im +vorigen Jahre erschienenen des mongolischen Reiches in Kiptschak; jene ist +durch die Preisfrage der Petersburger Akademie veranlasst worden, die +Schreibung dieser ist aus eigenem Antriebe hervorgegangen. Bei der zum +Behufe der ersten nöthig gewordenen Sichtung der aufgeschichteten Massen +historischen Materials, ward es klar, dass zur zweiten, in den +orientalischen selbst durch Herrn von d'Ohssons sehr schätzbare Geschichte +nicht erschöpften Quellen, weit mehr dankbarer historischer Stoff +vorhanden. + +Die Geschichte der Mongolen in Kiptschak liegt dem Europäer zwar näher +wegen der verheerenden Raubzüge durch Polen und Ungarn bis ins Herz von +Deutschland, und wegen der tatarischen Herrschaft in Russland; aber die +Geschichte der Mongolen in Iran hat das grössere Interesse wichtigerer +asiatischer Weltereignisse, wie der Ruin der Assassinen und des Chalifates, +der Sturz alter Dynastien und die Gründung neuer, bisher selbst den +Orientalisten kaum dem Namen nach bekannter, die Feldzüge wider Aegypten +und das dschagatai'sche Reich, die diplomatischen Verhältnisse zwischen den +Kreuzfahrern und dem Papste. Der Ulus Dschudschi's beherrschte mit dem +europäischen das asiatische Russland, welches damals noch, wie von allem +Anfang der Geschichte her, in Asien das Land der Finsterniss und der +Barbarei, während Persien von der ältesten Zeit an das Land geregelter +Herrschaft und Religion, der Sitz von Wissenschaft und Künsten, der +Schauplatz grosser Bauten und Gelehrten, und der Mittelpunkt +mittelasiatischer Cultur. + +Zudem beut diese Geschichte keine Lücken, wie jene von Kiptschak, und +selbst über das zerrissene Ende derselben, wo die Thronanmasser über +einander stürzen, schwebt kein solches Dunkel, wie über die letzten +Herrscher des Uluses Dschudschi. Der Strom geschichtlicher Erzählung +fliesst also in geregeltem Flussbette reich und ruhig. Der in der +Geschichte von Kiptschak zur Rechtfertigung vor überstrengen akademischen +Richtern nothwendig gewordene Reichthum erläuternder Noten enthebt hier von +der Anhäufung derselben zur Beglaubigung vor sachkundigen Gelehrten und +billigen Lesern. Die Sparsamkeit an Citaten wird also hier nicht bedauert +werden, und noch weniger der Mangel an aller Polemik, welche in der +Geschichte von Kiptschak Nothwehr zur literarischen Ehrenrettung. Dafür ist +in dem Texte keine Nachricht von Dynastien oder Oertern übergangen worden, +wodurch das Gebiet der Geschichte und Erdbeschreibung erweitert, keine +Kunde von Sitten und Literatur, wodurch der Charakter der Völker und ihrer +geistigen Kultur beleuchtet wird. + + SCHLOSS HAINFELD, + den 24. October 1841. + + + + +Erstes Buch. + + Uebersicht der mongolischen Stämme, der Familie und Geschichte + Tschengischans; sein Gesetzbuch und sein Testament; Charakter + und Sitte, Aberglauben und Gebräuche der Mongolen. Die Regierung + Ogotai's, Gujuk's, Mengku's; die der gleichzeitigen Dynastien in + Asien und Aegypten. + + +[Randnote: Mongolische Geschichte.] + +Tschengischans und seiner Nachkommen Thaten, die von ihnen zerstörten und +gegründeten Reiche, ihre Raubzüge und Gesetzgebung, der Namen der +_Tartaren_ oder _Tocharen_, d. i. _Tataren_, und der der _Moalen_ oder +_Mogholen_, d. i. _Mongholen_, haben Europa durch zwei Jahrhunderte mit +Erstaunen und Schrecken gefüllt, von der chinesischen Mauer bis an die von +Wienerischneustadt und Olmütz, und fürchterlich hallte der Donner ihrer +Heere von den Ufern des gelben Flusses bis an die des rothen Meeres, vom +Altai bis an den Libanon zurück. Naturrevolutionen, mit denen _Gibbon_ das +Erscheinen der Mongolen so treffend verglichen hat, lassen nicht tiefere +Spuren ihrer verheerenden Kräfte auf der Oberfläche der Erde zurück, als +die verheerenden Hufen mongolischer Heere, unter denen Reiche und Cultur +zertreten wurden; sie fuhren daher wie die entfesselten Elemente, wie +Orkane und grosse Fluthen und das Erdbeben und der Wetterstrahl; sie +durchackerten die Erde mit dem Schwerte und düngten sie mit Blut. Das +Jahrhundert ihrer so fürchterlichen und verderblichen Grösse und Macht +fällt zusammen mit dem zweiten der Kreuzzüge, das ist mit dem dreizehnten +Jahrhundert unserer Zeitrechnung, dem durch grosse Begebenheiten vor +anderen historisch wichtigen, durch die Umgestaltung so vieler asiatischen +Reiche und durch den regsten Verkehr des Abendlandes mit dem Morgenlande. +Einen so namhaften Platz die Kreuzzüge auch in der europäischen Geschichte +einnehmen, so erscheinen sie in der asiatischen doch bei weitem nicht so +bedeutend, indem dieselben nur den Westrand von Asien bestreifen. Die Ringe +dieses Steinwurfs der Eroberung der Levante verebben schon an den Ufern des +Nils und des Tigris, während die hochaufschäumende Woge mongolischer +Eroberungsfluth über ganz Asien bis nach Europa, vom Baikalsee bis an den +Platensee, und vom Kokonor bis an den Ladoga sich verheerend fortwälzt. Die +Wichtigkeit der Geschichte der Mongolen und die Grösse des Stoffes springt +also von selbst in die Augen. Sie zerfällt in viererlei Geschichten, deren +jede, bei dem Reichthume der Quellen, Stoff für mehrere Bände. _Erstens_ +die Geschichte _Tschengischans_; _zweitens_ die der vier _Uluse_, d. i. der +durch die Nachkommen seiner vier Söhne beherrschten Reiche; dann nach der +Theilung der Herrschaft des vierten Uluses in das östliche chinesische und +in das westliche persische Reich, _drittens_ in die Geschichte der _Juan_ +oder der chinesischen Kaiser aus den Nachkommen _Kubilai's_; und _viertens_ +in die der _Ilchane_ oder persischen Herrscher, Nachkommen _Hulagu's_, des +Bruders Kubilai's. Eine vollständige Geschichte dieser Reiche könnte sich +keine engeren Gränzen des Umfangs stecken, als die des osmanischen; die +vorliegende beschränkt sich nur auf den vierten und letzten Zeitraum, als +ein Seitenstück zu der Geschichte der goldenen Horde in Kipdschak, aber von +weit grösserem Interesse, als jene, in Bezug auf Asien. + +[Randnote: Die der persischen Ilchane.] + +Die Geschichte des von Hulagu gegründeten Reichs der persischen _Ilchane_, +d. i. _Landes_- und _Volksfürsten_ [denn _Il_ heisst sowohl das eine als +das andere[1]], füllt nur Ein Jahrhundert, von der Hälfte des dreizehnten +bis in die Hälfte des vierzehnten unserer Zeitrechnung[2], während welchem +siebzehn Ilchane gezählet werden, von denen aber nur die neun ersten +achtzig Jahre den Thron als Alleinherrscher füllten, die acht anderen sich +um denselben mit ihren Mitbewerbern stritten, bis dass das mit so grosser +Machtäusserung gegründete, mit so grossem Glanze unter neun Herrschern +aufrecht gehaltene Reich der Ilchane, nach dem Tode _Ebu Said's_, durch die +inneren Kriege der Thronanmasser zerfiel und sein Andenken nur in drei, aus +den Ruinen derselben emporgeschossenen Pilzlingen mongolischer Dynastien, +in denen der _Indschu_, _Tschoban_ und _Ilkaan_, noch kurze Zeit +hinterliess, wie das untergegangene Reich der goldenen Horde in Kipdschak +in den aus seinen Trümmern entstandenen Dynastien der Chane von _Kasan_, +_Astrachan_ und der _Krim_ noch längere Zeit fortgelebt. Jene persischen +und diese kipdschakischen Dynastien gehören aber nicht mehr eigentlich der +Geschichte der Mongolen an, deren Herrschaft nur von Tschengischan's +Auftritt als Eroberer bis zum Untergange der goldenen Horde in Russland und +zur Erscheinung Timurs, nur zweihundert Jahre gedauert. Die Hälfte dieser +Zeit nimmt die Geschichte der persischen Ilchane als die glänzendste der +vier Uluse in Anspruch, die glänzendste durch die Eroberungen des Gründers +_Hulagu_ und seines Nachfolgers _Abaka_, durch die gesetzgebende Weisheit +_Ghasan's_ des siebenten und seines Nachfolgers _Oldschaitu_ nicht +unrühmliche Regierung, endlich durch den Flor der persischen Literatur +während dieses Jahrhunderts. Die grössten Geschichtschreiber der Perser, +_Dschuweini_, der Wesir Hulagu's, und _Reschideddin_, der Wesir Ghasan +Chan's, haben die Geschichte Tschengischan's und der Ilchane Persiens aus +den Quellen des goldenen Archiv's, d. i. des mongolischen Staatsarchivs, +und der Begebenheiten ihrer eigenen Zeit als Augenzeugen und mithandelnde +Werkzeuge beschrieben. Als Augenzeugen und Zeitgenossen schrieben auch +_Hamdallah Mestufi_, der Verfasser der bessten persischen Geographie und +Universalgeschichte, _Binaketi_, der Epitomator des grossen Werkes +Reschideddin's, und _Wassaful-hasret_, d. i. der Lobredner der Majestät, +unter _Oldschaitu_ und _Ebu Said_, dessen in allen Künsten der Rhetorik +üppig wuchernder Styl wohl das Lesen seines Werkes erschwert, aber der +historischen Wahrheit so wenig Eintrag thut, dass derselbe die einzige +verlässliche Quelle, aus welcher die späteren, mit Recht geschätzten +persischen Schreiber der Universalgeschichte: _Mirchuand_, _Chuandemir_, +_Hafis Ebru_ und _Ghaffari_ geschöpfet. Schon Wassaf, wiewohl er erst unter +dem achten und neunten Herrscher der Ilchane seine Geschichte schrieb, die +mit Hulagu, dem Gründer der Dynastie, beginnt, fühlte zu Ende seines Werkes +die Nothwendigkeit, demselben aus Dschuweini auch einen kurzen Ueberblick +der Geschichte Tschengischan's und seiner vier ersten Nachfolger +anzuhängen, welche besser dieselbe eingeleitet hätte, wie _Scherefeddin von +Jesd_ die Geschichte Timur's mit einem kurzen Ueberblicke der Geschichte +Tschengischan's und der vier Uluse aus den obigen Quellen eingeleitet hat. +Die Nothwendigkeit solcher Einleitung dringt sich auch hier um so +unabweislicher auf, als Tschengischan nur acht und zwanzig Jahre vor der +Gründung des persischen Reichs durch Hulagu verstorben, als die +mongolischen Stämme und die der Gründung des Reichs Hulagu's gleichzeitigen +asiatischen Herrscher den Lesern unbekannt. Dieses Buch leitet daher +dieselben durch die möglichst kurze Kunde über dieses Volk des Morgenlandes +und seine Stämme, über Tschengischan und seine vier ersten Nachfolger, und +über die dem Auftritte Hulagu's gleichzeitigen Herrscher Asiens in die +Geschichte der persischen Ilchane ein. + +[Randnote: Türken, Tataren und Mongolen.] + +Das älteste der Völker, welche die Geschichte in Hochasien als Herrscher +kennt, sind unstreitig die Türken, deren (der chinesischen Quellen zu +geschweigen) die byzantinischen schon in der Hälfte des sechsten +Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung erwähnen, wo die griechischen +Kaiser mit dem Chane der Türken am _Altai_, d. i. dem Goldberge, durch +Gesandtschaften verkehrten, d. i. schon sechs Jahrhunderte früher, als in +der Hälfte des zwölften die Tataren und Mongolen durch Tschengischan in +Europa geschichtlichen Namen erhielten. Die Geschlechtsregister der letzten +sind augenscheinlich türkischen eingepfropft, um dunkeln Ursprung der Väter +durch berühmte Altvordern zu adeln und ihr Geschlecht hinaufzuführen bis +Türk, den Sohn Japhet's, den gemeinsamen Ahnherrn von Tatarchan und +Mogolchan, die angeblichen Stammväter der Tataren und Mongolen. Der Namen +der letzten taucht erst unter Tschengischan mit Gewissheit auf, da es nicht +ausgemacht, ob die ältern _Moho_ der Chinesen eben so gewiss Mongolen, als +ihre _Tata_ Tataren; wie aber Türken und Tataren ganz verschiedenen +Stammes, indem jenen der Namen von diesen nur durch Missbrauch beigelegt +worden, und noch beigelegt wird, so sind Tataren und Mongolen ursprünglich +ein und dasselbe Volk, jenes der ältere unterjochte, dieses der jüngere +unterjochende Zweig. Die Türken sind vom östlichen _Altai_, die Tataren vom +_Baikalsee_ ausgezogen, die Mongolen am westlichen _Kentei_, von den +Quellen des _Onon_ und _Kerulon_, wo im bewaldeten Gebirge _Burhan Kaldun_ +die Geburts- und Grabstätte Tschengischan's. Nachdem Tschengischan die ihm +feindlichen Stämme der Tataren und ihre Verbündeten vernichtet oder +unterjocht, nachdem seine Herrschaft durch Sieg und Eroberung von den Ufern +des vaterländischen Sees _Dalai Nor_ bis an die des persischen Sees von +_Meragha_ über siebzig Längengrade ausgedehnt war, buhlten die unterjochten +Völker um die Ehre, dem siegenden und erobernden, dem gesetzgebenden und +herrschenden anzugehören; Türken und Tataren zählten sich nun den Mongolen +bei, wie diese in ihren Stammregistern sich früher den Türken +angeschlossen, wiewohl beide durch die nicht zu überspringende Kluft von +verschiedener Sprache und Gesichtsbildung von einander scharf getrennt. +Tataren wollten Mongolen, Türken Tataren heissen; hingegen protestirten die +Mongolen wider den Namen von Tataren, wie noch heute die Osmanen wider den +von Türken. Die Eitelkeit, altem Geschlechte anzugehören, und Adelstolz +(derselbe bei Völkern, wie bei Individuen), bringt durch Ahnen- und +Namen-Vermengung in die Stammtafeln von beiden nur Irrthum und +Verwirrung[3]. Eben so richtig als lichtvoll ordnet der grosse +Geschichtschreiber der Mongolen, Reschideddin, Anfangs seines Werkes eine +Centurie von Stämmen, welche zu seiner Zeit alle auf den Ehrennamen von +Mongolen Anspruch machten, ausser den Türken (denen er die Uighuren der +Sprache nach beigezählt) in drei Klassen, nämlich in Tataren (desselben +Stammes und derselben Sprache, wie die Mongolen), welche ursprünglich den +Namen von Mongolen nicht führten[4]; zweitens in Völker verschiedenen +Ursprungs, welche, weder Tataren noch Mongolen, den Namen der letzten der +Aehnlichkeit wegen annahmen, wie die _Turkmanen_ den der Türken, und die +daher am bessten _Mogolmanen_ genannt würden, weil sie an die Mongolen +_mahnen_[5], wie jene an die Türken; drittens in die eigentlichen Mongolen, +welche wieder in zwei Abtheilungen zerfallen, nämlich in die Mongolen +_Durlegin_, der neun Geschlechter vor _Alankowa_, der neunten Ahnfrau +Tschengischan's, und die Mongolen _Nirun_, deren Stammväter alle aber +Nachkommen _Alankowa's_. Es ist nöthig, den Leser wenigstens mit einem +Viertel der Centurie von Stämmen, die zur Zeit Reschideddin's, d. i. +Anfangs des vierzehnten Jahrhunderts, bestanden, bekannt zu machen, mit +denen nämlich, welche ihre Berühmtheit vor anderen entweder ihren Helden +und Frauen, ihrer Freundschaft für oder ihrer Feindschaft gegen +Tschengischan, ihrer Opposition oder Verschwägerung mit dessen Hause +danken. + +[Randnote: Die Stämme Tatar und Merkit.] + +Von den ursprünglichen tatarischen Stämmen nennen wir zuerst den +sechsgetheilten Stamm der Tataren selbst, von denen einer _Tschaghlan +Tatar_, d. i. die weissen Tataren[6], hiess, im Gegensatze der übrigen, +welche die schwarzen genennet werden; in der Folge wurde der Namen der +weissen Tataren auch den Uiguren, welche Türken, und anderen türkischen +Stämmen beigelegt, sowie den _Mandschu's_ der Namen der _Sui Tatar_, d. i. +der Wasser- oder schlechten Tataren; die mächtigsten und gefährlichsten der +Feinde des Hauses Tschengischan's, welcher bei seiner Geburt den Namen +_Temudschin_ erhielt, weil am selben Tage sein Vater _Jesukai Behadir_ +einen tatarischen Fürsten, _Temudschin_, geschlagen und gefangen gemacht. +Der Namen, den er trug, von dem am Tage seiner Geburt besiegten +Tatarfürsten hergenommen, und die in seiner Jugend von den Erbfeinden +seines Stammes erlittenen Unbilden spornten den Sohn Jesukai's zur Rache +und zum Vertilgungskriege wider diese unversöhnlichen Feinde seines Hauses +an; sie wurden vernichtet, und nur ihre Weiber gingen als Trophäen in das +Frauengemach Tschengischan's und seiner Söhne über. Zwei der fünf +Gemahlinnen Tschengischan's, _Jisulun_ und _Jisulut_, und eine seiner +Beischläferinnen, Mutter seines als Kind verstorbenen Sohnes _Uradschagan_, +waren Tatarinnen, so auch eine Frau seines Bruders _Dschudschi Kasar_, +seines Sohnes _Batu_ und _Tudai Mengku's_, des Herrschers von Kipdschak. +Die beiden Gemahlinnen Tschengischan's erflehten von ihm das Leben zweier +Kinder ihres Stammgenossen _Kuli_ und seines Bruders _Karamengku_, welche +beide gross gewachsen, den Dienst von _Bawerdschi_, d. i. Tafeldecker, +bekleideten. _Kuli_ genoss des grössten Ansehens und schloss sich nach +Tschengischan's Tod an die grosse Frau _Sijurkukteni_, die Gemahlin +_Tuli's_, welche ihn zum grossen Emir des Lagers und Obersthofmeister +_Sijuktu's_[7], des Sohnes _Tuli's_, ernannte. _Sali_, der Sohn +Karamengku's, erscheint unter der Regierung _Mengkukaan's_, gleich beim +ersten Feldzuge Hulagu's, als Sicherer des Rückens des Heers an der +indischen Gränze; bei Tschengischan selbst aber galt mehr, als die beiden +von seinen beiden Gemahlinnen zum Leben erbetenen obgenannten Kinder, und +mehr als die beiden Frauen _Akutuku's_, der Tatare _Kutku Nujan_; von +_Tschengischan_ als Findelkind angenommen und seiner ersten Gemahlin, noch +ehe sie ihm einen Sohn geboren, zur Pflege empfohlen, hatte sich _Kutku_ +schon als zwölfjähriger Knabe Tschengischan's besondere Zuneigung durch +seine Tapferkeit erworben, indem er taidschutischen Dieben ihre Beute +abjagte, und als fünfzehnjähriger Jüngling mitten im tiefen Schnee allein +dreissig Hirsche erlegt hatte. Er durfte den Tschengischan _Itsche_, d. i. +Vater, und dessen Gemahlin _Ike_, d. i. Mutter, nennen. _Ogotai_, der Sohn +und Nachfolger Tschengischan's, gab ihm den Ehrentitel eines Prinzen, +_Aka_, mit dem Vorsitze vor seinen eigenen Söhnen, und noch achtzigjährig +versah er das Amt des Oberrichters nach seinem Wahlspruche: _Fürchte Nichts +und sprich recht_.[8] Die Tataren sassen an der Gränze China's, dessen +Kaisern sie meistens steuerpflichtig waren.[9] 2. Der zweite feindliche +Stamm, welchen Tschengischan wie die Tataren als unversöhnliche Feinde mit +Vernichtungskrieg zu Boden trat, war der in vier Zweige getheilte der +_Merkit_ oder _Mekrit_, auch _Udujut_ genannt, denen die _Solongos_ +beigezählt wurden. Ihr Fürst _Tuktaibeg_ fiel mit sechs seiner Söhne als +Opfer der unversöhnlichen Feindschaft. Selbst der jüngste, welchem als +einem trefflichen Bogenschützen _Dschudschi_, der älteste Sohn +Tschengischan's, das Leben retten wollte, musste hingerichtet werden auf +ausdrücklichen Befehl des Vaters, welcher dem Sohne diese Milde nie vergab. +_Tairosim_, einer der Ersten des Stammes, gab dem Tschengischan die Tochter +_Kulan_ zur Frau, welche ihm den Sohn _Kulkan_ gebar. Vom Schwiegervater +bekriegt, verlor Tairosim die Schlacht, und seine Frau _Turakina_, welche +dem Sohne Tschengischan's beigelegt wurde, eine der grössten mongolischen +Frauen, verschaffte als Regentin nach Ogotai's Tode ihrem Sohne _Gujuk_ +(dessen Gemahlin ebenfalls eine Merkitin) die Herrschaft. Die Sitze der +Merkit waren im Osten des mongolischen Stammgebietes am linken Ufer der +_Selinga_. + +[Randnote: Die Stämme Dschelair, Sunit, Torghod, Uirat.] + +Der zehngetheilte mächtigste Stamm der _Dschelairen_, welche in dem +Stammgebiete des Hauses Tschengischan's am Onon, in siebzig Ringen, wie die +_Avaren_, jeder Ring tausend Familien stark, sassen, ist einer von der +ältesten bis in die neueste Zeit durch historische Namen und Begebenheiten +merkwürdigsten. Die Nachkommen des Brüderpaars _Dschudschi Tumle_ und +_Dschudschi Dschawerkai_, welche der Anlass des Kriegs Tschengischan's mit +den Taidschuten, haben unter den persischen Ilchanen zahlreiche und +wichtige Aemter des Staats und Hofs bekleidet; _Kadan_, der Dschelaire vom +Gefolge Tschengischan's, hatte zwei Söhne, _Iluk_ und _Ildschikitai_, wovon +jener Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des Sohnes und zweiten Nachfolgers +Tschengischan's, Ogotai's; dieser schätzte ihn sehr hoch, erlaubte ihm aber +nicht, den Bruder Ildschikitai zu tödten, der sich vor ihm ebenfalls zu +Ogotai geflüchtet. Auf dem Landtage der Wahl Mengkukaan's spielte +Ildschikitai eine höchst wichtige Rolle, indem er die Rechte des Uluses +Ogotai's auf den Thron wider die Ansprüche des Uluses Kubilai's +vertheidigte; im Gegentheile leistete der Dschelaire _Mingkasar Nujan_, aus +dem Zweige der Dschat, Grossfürst und Oberrichter _Miafarakain's_, dem +_Kubilai_ bei dem nach dessen Thronbesteigung über Majestätsverbrechen +gehaltenen Gerichte die grössten Dienste, indem er über die +widerspenstigen Prinzen der Uluse, Dschaghatai und Ogotai, das Todesurtheil +aussprach. Der Dschelaire _Dauldu_ war Vogt der vier grossen Lager +Tschengischan's und befehligte eine _Ssade_, d. i. Centurie, in jedem +_Hesare_, d. i. Regiment von tausend Mann; endlich das Brüderpaar _Olai +Kalschu_ und _Karadschai_, die Schafhirten Jisukai's, des Vaters +Tschengischan's, denen er sich immer sehr dankbar bewies, weil sie seine in +die Gefangenschaft der Merkit gerathene Gemahlin sicher zu Owangchan, dem +Fürsten der Kerait, geleiteten; auf dem Rückzuge genas sie vom Erstgebornen +Tschengischan's, welchen dieser, weil die (von Verläumdern sogar als zu +spät verdächtigte) Geburt des Sohnes unerwartet kam, _Dschudschi_, d. i. +den unverhofften Gast, nannte. Tschengischan wollte in der Folge das +Brüderpaar mit Aemtern belohnen; sie zogen aber vor, in ihrem Stande zu +bleiben und als Hirten seines Vertrauens zu geniessen; aus ihren Nachkommen +ist _Sertak_, der Fürst des Lagers zur Zeit Arghunchan's, des fünften der +persischen Ilchane, und von _Katschar_, dem Sohne _Sertak's_, leiten die +heutigen Schache Persiens ihre Dynastie als eine zweite des Stammes der +Dschelaire ab; denn eine frühere hatte nach Zertrümmerung des persischen +Reichs der Ilchane der Dschelaire Hasan (beigenannt der _Grosse_, zum +Unterschiede von _Hasan Dschoban_, aus dem Stamme _Suldu's_, welcher +Stifter der Dynastie _Dschoban_ der _Kleine_ beigenannt ward) in Persien +gestiftet, welche von der geschwächten Macht der _Ilchane_ Nichts als den +verstärkten Titel als _Ilkaane_ führten. Aus dem Stamme der _Sunit_, +welcher noch heute unter diesem Namen an der chinesischen Gränze +sitzt,[10] war _Dschurmaghun_, welchen Ogotai, nachdem _Dschebe_ und +_Subetai_ von ihrem persischen Feldzuge über Russland nach Hause gekehrt +waren, als Befehlshaber Statthalter nach Persien gesandt. Nicht minder +mächtig, als der Stamm der Dschelairen, war der der _Uirat_, deren Sitz +zwischen den acht Flüssen, die sich in die untere _Ankara_ ergiessen[11], +wo noch heute ihre Nachkommen unter dem verwandten Namen der _Buirat_, von +allen Stämmen der mit dem Hause Tschengischan's am meisten verschwägerte, +indem acht Uiratinnen in das Haus Tschengischan's verheirathet, und sieben +Prinzen desselben an Uiratinnen vermählet waren. Die Grossmutter +Tschengischan's, die Frau _Sunigil Futschin_, war aus dem Stamme der +_Torghut_ oder _Torghod_, welcher noch heute ein Zweig der Kalmuken oder +Oeluet (das nur die chinesische Aussprache für _Uirat_) und deren Andenken +in Kleinasien (wohin sie mit Timur's Heere kamen) im Namen des Sandschaks +_Torghud Ili_ fortlebt. + +[Randnote: Der Stamm der Kerait, Bekrin, Naiman, Tonghut und Uighur.] + +Drittens die Stämme der _Mogholmanen_, d. i. der Völker, welche weder +Tataren noch Mongolen, mit den letzten verbunden, auf den Namen derselben +Anspruch machten. Die mächtigste dieser Völkerschaften, die von +nestorianischen Priestern zum Christenthum bekehrte[12] der _Kerait_; ihres +Fürsten chinesischer Ehrentitel _Owang Chan_ erhielt durch die Missionarien +des Mittelalters als Priester _Joannes_ keine mindere Berühmtheit, als in +früherer mythologischer Zeit der Fisch _Oannes_ als Gesetzgeber an der +Küste des rothen Meeres; die Hauptstadt derselben war die Stadt _Thianto_ +am Flusse _Hoangho_, d. i. am gelben Flusse, das Land Tendum[13] _Marco +Polo's_; die Geschichte Owang Chan's und seines Bruders _Hakembo_[14] ist +auf das engste mit der Geschichte Tschengischan's verbunden, welcher erst +der Verbündete Owang Chan's, in der Folge denselben, weil er den Feinden +Tschengischan's Gehör gegeben, bekriegte und vom Throne stürzte. Vergebens +hatte Tschengischan früher die beiden Nichten[15] Owang Chan's für sich und +seinen ältesten Sohn Dschudschi als Gemahlinnen begehrt; sie waren ihm +verweigert worden, sowie die Hand der Enkelin Owang Chan's aus dem Sohne +_Sinkun_; aber die beiden Töchter _Ettiku's_, des Bruders _Sinkun's_, die +Frauen _Tokus_ und _Tukini_, wurden beide die Gemahlinnen _Hulagu's_, und +die dritte Nichte Owang Chan's, die Schwester der dem Tschengischan und +seinem ältesten Sohne verweigerten beiden Prinzessinnen, war die berühmte +_Sijurkukteni_[16], unstreitig die grösste aller mongolischen Frauen, +welche durch ihre Staatsklugheit dem Uluse Kubilai's den Thron verschaffte; +Mutter vier der grössten Fürsten der mongolischen Geschichte, nämlich der +Kaane _Mengku_ und _Kubilai_, des Ilchan's _Hulagu_, Gründers der +mongolischen Dynastie in Persien, und _Arikbuka's_, der als Nebenbuhler den +Brüdern den Thron streitig machte. Auch _But Tengri_, der Stiefvater +Tschengischan's, welcher um die Hand der Keraitin _Kadan_ geworben, erhielt +einen Korb, wie Tschengischan und Dschudchi, von der Nichte Owang Chan's. +Die nächsten südlichen Nachbarn der _Kerait_ waren die _Unkut_, d. i. die +Wächter der grossen chinesischen Mauer; ihr Fürst _Alakusch_, Verräther an +seinem Herrn, dem chinesischen Kaiser _Altun Chan_, öffnete dem Heere +Tschengischan's den Durchgang, und erhielt dafür die Hand _Olakai Begi's_, +der Tochter Tschengischan's, deren Sohn später mit der Tochter Tuli's +vermählet ward; die Unkut waren mit dem Hause Tschengischan's, wie die +Stämme der _Uirat_ und _Kerait_, durch Verschwägerung eng verbunden. Wie +die Unkut in der Nähe der Kerait längs der chinesischen Mauer, so sassen +diesen westlich die _Naiman_, deren berühmter Fürst _Kuschluk Chan_ einer +der erbittertsten und mächtigsten Feinde Tschengischan's sich wider +denselben, mit den Fürsten von acht anderen Stämmen er der neunte, +verbündete.[17] _Kuschluk's_ Tochter _Linkum_ ward die Gemahlin Tuli's, +Mutter seines dritten Sohnes _Kutumku_; auch Tuli's Beischläferin[18], die +Mutter seines achten Sohnes _Muke_, welche aber an desselben Statt den +vierten Sohn Kubilai säugte, war eine Naimanin. Die _Bekrin_ oder _Mekrin_, +welche weder Mongolen noch Uighuren, sassen im Lande der letzten (in der +kleinen Bucharei). Tschengischan nahm _Murkai_, die Tochter ihres Fürsten, +zur Frau, welche nach Tschengischan's Tode, von seinem Sohne und Nachfolger +_Ogotai_ vor seinen anderen Gemahlinnen geliebt, dem Bruder Dschagatai, +welcher sie von ihm begehrt hatte, verweigert ward; auch die Gemahlin +_Kaschin's_, des fünften Sohnes Ogotai's, die Mutter Kaidu's, des Vaters +von vierzig Söhnen, welcher in der Geschichte des Uluses Dschagatai als +Herrscher auftrat, war aus dem Stamme _Mekrin_. Zu den Mogholmanen zählt +Reschideddin auch die _Kirgisen_ und _Kemdschiut_, welche, Türken[19] wie +die _Ungut_, in Sibirien und an dem _Kem_ oder Jenisei sassen, von welchen +sie ihren Namen haben. Die _Tanghut_ im Gebirgslande an der sinesischen +Gränze, deren Hauptstadt _Ninghia_ am Ufer des gelben Flusses. +Tschengischan, welcher in vier Feldzügen dieselben nicht zu unterjochen im +Stande gewesen, starb auf dem letzten; und endlich in der kleinen Bucharei +die _Uighuren_, deren Sprache türkisch, deren Religionslehre aber auf +tübetanische hinweist, ein schriftgelehrtes Volk, von welchem die Mongolen +Schrift und Belehrung annahmen. + +[Randnote: Die Dürlegin, deren Ausbruch aus Ergenekun.] + +Alle wirklichen Mongolen behaupteten, unmittelbar von _Tegus_ und _Kijan_ +abzustammen, welche einige Jahrhunderte vor Tschengischan sich mittels +eines Durchbruchs aus dem Erzgebirge von Ergenekun, aus der Bothmässigkeit +ihrer Sieger und Zwingherrn befreit hatten. Ein Paar tausend Jahre vor +Tschengischan, so erzählt die Volkssage, waren die Mongolen von ihren +Feinden, den Tataren, bis auf zwei Männer ausgerottet worden, deren einer +_Tegus_, der andere _Kijan_, d. i. Strom, hiess; sie flüchteten in ein +rundum von steilen Felsen umschlossenes Thal, wo sie im Verlaufe von +Jahrhunderten sich vermehrend, ihres Bergkerkers und Bergbaues endlich +müde, den Ausgang aus demselben sich nur dadurch bahnten, dass sie mit +siebzig Blasbälgen die Flamme aufgeschichteter Holzstösse gegen die Erzwand +trieben, bis dieselbe schmolz und ihnen freien Ausweg aus dem Gebirge +gewährte, dessen Namen _Ergenekun_ als _festes Gewölbe_ oder auch als +Gewölbe der _Kunen_ übersetzt werden kann; in der mongolischen Volkssage +und in ihrem auf die Türken gepfropften Stammbaum scheint die +geschichtliche Wahrheit der Unterjochung und Vertreibung der _Hiongnu_, +d. i. Kunen, aus ihrem Reiche am Inschan gegen Norden am Altai, wo sie +lange Zeit in dunkler Knechtschaft für ihre Sieger Bergbau trieben, +verlarvt zu seyn. Das Erzgebirge _Ergenekun_ ist von europäischen Forschern +mongolischer Geschichten theils am Kokonor[20], d. i. am blauen See, in +Tangut im Süden der grossen Sandwüste _Schamo_ oder _Kobi_, theils im +Nordosten derselben am See _Dalai_[21], d. i. am heiligen See, in welchen +sich der Kerulon ergiesst, gesucht worden; dort, weil noch heute die +steilen Ufer des Sees von den Mongolen _Gunergi_[20] genannt werden, hier, +weil der in den See mündende Kerulon aus demselben unter dem Namen _Ergun_ +ausfliesst[21], und weil die Berge am mittleren Unun metallreich, wie der +Inschan, an welchem die Herrscher der Hiongnu oder Kunen ihre +Waffenarbeiter unterhielten[22]; aber wahrscheinlicher ist dieses +Erzgebirge weder hier noch dort, sondern am Altai zu suchen, aus dessen an +Gold wie an Eisen so reichhaltigen Felsenthälern die Türken im sechsten +Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung in der byzantinischen Geschichte +auftauchen; dorten ist der Felsendamm von Gog und Magog, welchen die alte +mongolische Geographie und Geschichte bis an die kaukasischen Pforten +zieht, und hinter welchen persische Geschichtschreiber und Dichter den +Bergkerker der Mongolen verlegen[23]; doch gleichviel, seyen die Mongolen +ursprünglich vom Inschan oder Kinschan (so nennen die Chinesen den Altai) +ausgebrochen, seyen sie von den Ufern des _blauen_ oder heiligen Sees +ausgegangen, das Andenken an diesen Auszug der Väter aus der Bergsclaverei +lebte von Geschlecht zu Geschlecht fort (bis auf den heutigen Tag); das +Fest des Auszugs ward alljährlich in der Nacht vor dem neuen Jahrestage als +ein Fest der Bergleute und Schmiede gefeiert. Glühendes Eisen wurde in +Gegenwart des Herrschers gehämmert und Gott für den Auszug aus dem +Erzgebirge gedankt; später machte die Volkssage den Tschengischan, den +Gründer der Grösse seines Volkes, selbst zum Schmiede[24], und am Berge +_Tarchan_, d. i. der _Schmied_, welcher auf sieben deutsche Meilen +sichtbar, aus rothem Granite als Riese den Eingang der grossen Sandwüste +bewacht, wird noch der Ambos bewahrt, auf welchem Tschengischan der Erste +das Eisen gehämmert; nicht ferne vom Berge _Tono_, d. i. der Rauchfang, +wird noch an den Ufern des Kerulon der Rauchfang der Jurte gezeigt, in +welcher er geschmiedet[25] haben soll. Auch in der altpersischen Geschichte +war der Befreier des Volkes von der Tyrannei Sohaks der Schmied _Gjawe_, +dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann das Reichspanier, und im +Mongolischen ist _Tarchan_, d. i. der _Schmied_, gleichbedeutend mit +Freiherr. + +[Randnote: Die Stämme der Uirangkut und Konghirat.] + +Die Mongolen, welche von den Altvordern stammen, die aus dem Erzgebirge +Ergenekun zogen, heissen _Dürlegin_, bis auf _Alankowa_, die neunte Ahnfrau +Tschengischan's, deren Nachkommen aus ihren drei Söhnen, die sie vom +himmlischen Lichte empfangen, die _Nirunen_, d. i. die Reinen, heissen; von +allen mongolischen Stämmen für den Mythologen und den Geschichtschreiber +des Aberglaubens der Völker merkwürdigster Stamm ist der der _Uirangkut_, +die einzigen Mongolen, welche nicht vor dem Donner zitterten, sondern den +Blitz mit Fluchen beschworen; alle anderen fürchteten den Wetterstrahl als +einen feurigen Drachen, der, aus dem Meere steigend, die Luft durchzieht +und die Erde mit feurigem Schweife schlägt[26]; sie glaubten, dass +ausgegossener Wein, süsse und sauere Milch und Trocknung von Schuhen den +Blitz herbeiziehe, wesshalb dieselben in freier Luft zu trocknen verboten +war; diese Meinung und dieses Verbot zeugt für die Fürchterlichkeit der +Ungewitter in jenen Gebirgen und Seen, und für die frühe Erfahrung, dass +Feuchtigkeit der besste elektrische Leiter; aus diesem Stamme waren die +meisten _Kamen_, d. i. Schamanen, Beschwörer von Ungewittern und Geistern; +aus demselben waren _Jisun Taischi_ und _Jisun Köke_, Befehlshaber des +linken und rechten Flügels im Heere Tschengischan's, _Subutai Behadir_, der +berühmte Feldherr, welcher mit _Dschebe Nujan_ die siegreichen Waffen der +Mongolen durch Persien nach Kipdschak trug, endlich _Udadschi_, der +Zeitgenosse Tschengischan's, dessen Nachkommen im Gebirge _Burhan Kaldun_ +die Grabwächter des tschengisischen Familienbegräbnisses, die Wächter der +acht weissen Häuser (Ordu), welche dort in der Gegend _Jeke Utek_, +zwischen der Schattenseite des westlichen Altai und der Sonnenseite des +östlichen Kentei, aufgerichtet worden[27], nach aller Wahrscheinlichkeit +die Ahnen des in der späteren mongolischen Geschichte erscheinenden und +noch heute an der chinesischen Gränze sitzenden mächtigen Stammes der +_Ordu's_[28]. Wenn der Stamm der _Urianghut_ so merkwürdig für den +Mythologen und Ethnographen, so ist der siebenzweigige[29] der _Konghirat_ +noch weit bedeutender in der Geschichte Tschengischan's und seiner +Nachfolger durch die vielfältige Verschwägerung desselben mit dem +Herrscherhause, indem ein Dutzend der Frauen des tschengischanischen Hauses +aus diesem Stamme in alle vier Uluse vermählt waren. Die Mutter +Tschengischan's war aus einem der Zweige dieses Stammes, eine Olkonutin, +und Tschengischan vermählte seine Töchter an Konghiraten; so gab er dem +_Schingku Gurgan_ seine Tochter Tumalin mit dem Befehle über viertausend +Konghiraten, eine andere wollte er dem Konghiraten _Tuli Amul_ zur Frau +geben, liess ihn aber hinrichten, da dieser den Antrag mit dem kühnen Worte +erwiederte: Wie soll ich deine Tochter nehmen, die Frosch und Schildkröte +(quackend und duckmäuserisch sicher). Von _Bestui_, dem Stammvater der +Konghirat und der sechs mit demselben verwandten Stämme, schreibt sich +Alles, was in der mongolischen Hofsprache _golden_ heisst, her, wesshalb er +auch _Bestui serin_, d. i. der goldene, beigenannt wird; daher das goldene +Lager, das goldene Archiv, das goldene Gesicht und das goldene Zimmer des +Herrschers. Aus den _Kinkliut_, einem Zweige der Konghirat, war _Miser +Uluk_, von dessen Stärke und Gefühllosigkeit Reschideddin seltsame +Anecdoten erzählt; drei Tage und Nächte schlief er statt der Decke mit +Muscheln zugedeckt, so dass Vögel auf seinen Rücken nisteten und Eier +legten; sein Sohn war der Stammvater der _Kurulas_, aus welchen _Merchitai_ +dem Tschengischan den wesentlichen Dienst leistete, ihm von der +Verschwörung der feindlichen Stämme, welche den erbitterten Feind +_Dschamuka_ zum Gurchan, d. i. zum grossen Herrscher ausgerufen hatten, +die früheste Kunde zu geben. Die Gemahlin _Miser Uluk's_ war eine Chinesin, +deren Namen[30] die auf dem Esel reitende Rose bedeutete, wesshalb der Sohn +_Ildschigin_, d. i. Langohr, genannt ward, der Stammvater des siebenten +Zweiges der Konghirat; sie hatten ihre Sitze an der chinesischen Gränze an +den finsteren Wäldern des Gebirges _Hingan_[31], woher die unter dem Namen +der _Karawinas_ berühmten Naphtafeuerwerker. + +[Randnote: Die Stämme Kungtan, Erlat, Huschin, Kelkenut, Bajaut, Suldus.] + +Der Namen des Stammes _Kungtan_ heisst die Grossnasichten, was sowohl +physisch als moralisch für stolz und anmassend verstanden werden kann.[32] +Aus diesen und den folgenden Stämmen der _Erlat_, _Huschin_ und _Suldus_ +waren die bessten persönlichen Freunde Tschengischan's, die werkthätigsten +Helfer seiner Jugend und seines männlichen Alters. _Menglik Itschke_, der +Kungtane, hatte nach Jisukai's Tode den dreizehnjährigen _Temudschin_ +gepflegt, sein Sohn aus einer früheren Ehe, _But tanri_, d. i. Gottes +Ebenbild, trat als begeisterter Schamane auf und verwandelte im Namen des +Himmels den Namen Temudschin's bei dessen Thronbesteigung in _Tschengis_, +als gleichbedeutend mit Gewaltiger, grosser Chan; der diesem gewogenste +Stamm waren die _Erlat_ oder _Arulad_, d. i. die Guten, als deren Chakan +Tschengischan den Thron bestieg[33]; aus diesem Stamme war _Bughurdschin +Nujan_, welcher mit _Burghul Nujan_, aus dem Stamme der _Huschin_, der +Lebensretter Temudschin's, als er blutspeiend mitten im Schnee zu sterben +Gefahr lief, wofür beide im höchsten Ansehen stehend in der Folge als die +Waffengenossen, die ihm am Quell _Baldschuna_ treu geblieben waren, zu +_Tarchanen_, d. i. Freiherren, geadelt, dieselbe Würde ohne Diplom +erhielten und über Diplome erhaben erklärt wurden; auch den ganzen +freundlichen Stamm der _Kelkenut_ adelte Tschengis als Freiherren, wie +Kaiser Friedrich I. alle Einwohner einer italienischen Stadt zu Conti +erhob; aus dem nicht minder freundlich gesinnten Stamme der Bajaut, welcher +in zwei Abtheilungen an der Selinga sass, war _Böke Gurgan_, einer der +Eidame Tschengischan's, dann _Ongkus Keisat_, d. i. der Truchsess[34], ob +der Plünderung der Schätze des chinesischen Kaisers Altan Chan in der Folge +verungnadet, und _Surkan_, der betraute Rath Tschengischan's, der, als die +Fürsten der Tataren und _Dschadscherat_ um die oberste Herrschaft der +Mongolen stritten, dasselbe dem Temudschin vorausgesagt. Endlich der Stamm +_Suldus_, verherrlicht durch die Familie _Surghan Schire's_, des Retters +Temudschin's, als dieser von seinen Feinden, den Taidschuten, gefangen, mit +dem Blocke am Halse sich in einen Teich versteckte, so dass nur die Nase +über dem Wasser sichtbar. Die alte Frau _Baidschu Ikadschi_ hatte sich +seiner in dieser Sklaverei erbarmt; aber wichtiger war der Dienst, den ihm +_Surghan Schire_ erwies, indem er, des Verborgenen gewahr, die ihn +aufsuchenden Taidschuten vom Teiche ableitete, Abends denselben hervorzog +und in seinem Hause in einem Sacke von Wolle verbarg; die Verfolger +durchsuchten das Haus und stiessen mit Spiessen in den Wollsack; als sie +ferne, gab ihm Surghan Schire Kleider, Waffen, Mundvorrath und eine weisse +Stute, auf welcher er seiner Familie zueilte, die längst alle Hoffnung, ihn +wieder zu sehen, aufgegeben; sein vierter Sohn, Tuli, sagte schon mehrere +Tage hindurch: Mutter! der Vater kommt auf weisser Stute; und desselben +Ankunft bestätigte des Knaben zweites Gesicht[35]. Viele der Nachkommen +Surghan Schire's kamen mit Hulagu nach Persien, und von denselben stammt +der berühmte Emir Tschoban, der Feldherr unter Ghasan, Oldschaitu und Ebu +Said, der in des letzten Regierung so wichtige Rolle spielt, und dessen +Sohn Hasan der Gründer der Dynastie _Tschoban_, welche, wie die der +Ilkaane, sich aus den Trümmern des ilchanischen Reichs in Iran erhob. +Tschengischan zählte unter den Stämmen der Durlegin mehrere Freunde als +unter den achtzehn der ihm nächstverwandten, von den lichtempfangenen +Söhnen von der neunten Ahnfrau abstammenden _Nirunen_, d. i. die Reinen. +Sein eigenes Haus hiess erst von seinem Ahnherrn _Kabulchan_ nur das der +_Kutat_ oder _Kitad_ und von seinem Vater _Jisukai_ das der _Kutat +Burdschugin_, d. i. die rothbräunlichten Augen. Von diesen achtzehn Stämmen +der _Nirunen_ wollen wir hier nur die vier mächtigsten, zwei freundliche, +die _Taidschut_ und _Dschadscherat_, und zwei feindliche, die _Barin_ und +_Jisut_, zur näheren Kenntniss einführen. + +[Randnote: Die Stämme der Taidschut, Dschadscherat, Barin und Jisut.] + +Die _Taidschut_, deren Namen an die Deutschen erinnert, wie der der +_Dschete_ an die Geten, und der der _Dschurmanen_ an die Germanen, stammten +mit den ihnen nächstverwandten drei Stämmen, der _Erikian_, _Sidschiut_ und +_Dschinis_, von Baiduchan, dem sechsten Ahnherrn Temudschin's, dessen +Urenkel Ainbaghi von den Tataren gefangen, dem chinesischen Kaiser +ausgeliefert, auf einem Esel paradirt und dann geschunden worden; gleiches +Schicksal hatte ein anderer Urenkel desselben, _Ökin Berkan_, und die +Blutrache dieser beiden Urgrossoheime Temudschin's diente in der Folge, den +wider die Dynastie der _Kin_ unternommenen Krieg zu rechtfertigen; aber +früher hatte Temudschin eigene Unbild an diesem seinem Hause so nahe +verwandten, aber feindlichen Stamme zu rächen; nach der Niederlage +derselben zu _Baldschusch_ wurden die Gefangenen in siebzig Kesseln +gesotten, welche in der mongolischen Geschichte eben so berühmt, als die +siebzig Blasbälge, welche die Felsenwand von Ergenekun sprengten, als die +siebzig Ringe[36] der Dschelairen, deren jeder aus tausend Familien +bestand. An der Spitze des zweiten feindlichen Stammes der _Dschadscherat_ +oder _Dschuirat_, deren Stammvater Odurbejan, der Bruder Kabulchan's, des +Urgrossvaters Temudschin's, stand Dschamuka, beigenannt _Satschan_, d. i. +der Listige, der gefährlichste und unversöhnlichste aller Feinde +Tschengischan's, dessen Ränke ihn mit Owangchan, dem Herrn der Kerait, +entzweiten und der von Tschengischan endlich besiegt, dem Neffen Iltschidai +zur Hinrichtung übergeben ward; doch theilten nicht alle Dschadscherat den +unversöhnlichen Hass ihres Fürsten, indem Tschengischan Mehreren derselben +wesentliche Dienste dankte, so den Brüdern _Kuschaul_ und _Dschusuk_, +welche während Tschengischan's chinesischen Feldzugs seinen Jurt hüteten; +und _Kalender_, welchen Tschengis in der Begleitung eines Uriangkuten mit +erdichteter Botschaft im Namen seines Bruders _Dschudschi Kasar_ an +Owangchan sandte, um diesen in die Falle zu locken. Aus dem Stamme der +_Barin_, dem nächsten Verwandten der _Durban_, d. i. das Meer, die in den +heutigen _Törbed_ fortleben, war _Sutukusu_ nach dem berühmten Feldherrn +_Mokli Kajanik_ der zweite im Befehle, der noch als hundertjähriger Greis +zur Zeit Ogotai's lebte und sich rühmte, den ersten Hochzeitsschmaus mit +Tschengischan gefeiert zu haben; dann _Bigi_, der Barine, welchen Tschengis +als _Ungkun_, d. i. freien Mann, erklärte, der bei ihm im höchsten Ansehen +wie die Prinzen vom Geblüte zu seiner Rechten sass, und dessen Pferde in +einer Hürde mit denen Tschengischan's; da er sehr alt, befahl +Tschengischan, dass ihm der Rücken eines _Sukanut_ beim Aufstehen zum +Schemel diene, woher diesem Stamme der Name _Aktadschi Bigi_, d. i. die +Stallmeister _Bigi's_, blieb, wider welchen sie protestirten. Die _Jisut_ +endlich leiten ihren Ursprung von _Tschintai Utdschigin_, dem jüngsten +Sohne Kabulchans, des Urgrossvaters Temudschin's, ab. _Utdschigin_, d. i. +der Feuerhüter, hiess bei den Mongolen der jüngste Sohn, welcher während +der Abwesenheit des Vaters und der Brüder im Felde das Haus als Ofensitzer +hüten musste, und welcher nach des Vaters Tode dasselbe erbte, weil er +besser als die Brüder im Felde sich mit der Wirthschaft bekannt zu machen +Gelegenheit gehabt. Diesen Beinamen führen also mehrere in der mongolischen +Geschichte berühmte jüngste Söhne als Ofensitzer-Haushüter, nebst +_Tschintai_ noch _Budan Utdschigin_, der jüngste Sohn _Burtan Behadir's_, +des Grossvaters Tschengischan's; _Taratai Utdschigin_, der jüngste Sohn +_Jisukai's_, des Vaters Tschengischan's, und endlich _Tuli_, des letzten +jüngster obengenannter Sohn. Diesen Stamm der Jisut verherrlicht die grosse +zahlreiche Familie _Dschebe Nujan's_, des Waffengefährten _Subatai +Behadir's_, welcher mit demselben den dreijährigen Feldzug wider Persien +und Russland vollbracht. + +Erst nach dieser vorläufigen Kenntniss der berühmtesten Stämme des +mongolischen Reichs ist es gerathen, die Geschichte seines Gründers kurz zu +überblicken. + +[Randnote: Perioden der Geschichte Tschengischan's.] + +Temudschin ward am 20. Silkide des fünfhundert neun und vierzigsten Jahrs +der Hidschret, d. i. am 26. Jänner d. J. tausend hundert fünf und fünfzig +der christlichen Zeitrechnung, im letzten Jahre des alttürkischen +Thiercyclus, nämlich im Jahre des Schweines, geboren, und starb, zwei und +siebzig Jahre alt, am vierten Ramasan d. J. d. H. 624, d. i. am 18. August +1227, nach dem sechsmal durchlaufenen zwölfjährigen Thiercyclus, abermal im +Jahre des Schweines, ein ominoses Geburtsjahr für den Herrscher der +mongolischen schweinischen Menge; nicht minder ominos, als dass Temudschin +ein Stück geronnenes Blut fest in der Hand verschliessend zur Welt kam, die +er mit Blut überschwemmen sollte. Von den ersten zwölf Jahren seines +Lebens, in dessen dreizehntem er den Vater Jisukai verlor, weiss die +Geschichte Nichts, als dass dieser ihm den Namen Temudschin von dem am Tage +seiner Geburt besiegten und gefangen eingebrachten Fürsten gab; die übrigen +sechzig Jahre seines Lebens zerfallen in die frühere kleinere Hälfte, +welche sieben und zwanzig Jahre umfassend, von seinem dreizehnten bis an +sein vierzigstes, und in die zweite grössere, welche von seinem vierzigsten +bis zu seinem Tode zwei und dreissig Jahre füllt; von der ersten Hälfte, in +welcher er den wiederholten Unbilden seiner Feinde ausgesetzt sich nur +mühsam die Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfte, kennt die Geschichte +verhältnissmässig für die Zahl der Jahre nur wenige Begebenheiten, aber +desto gellender und ohrenzerreissender durchschmettert sein Namen in den +folgenden zwei und dreissig Jahren die Welt. Der grosse Geschichtschreiber +Reschideddin hat die Geschichte des Lebens und der Herrschaft +Tschengischan's von seinem dreizehnten Jahre bis in dessen drei und +siebzigstes eben so pragmatisch als lichtvoll in fünf Perioden, die erste +von dreimal neun, die zweite von neun, die dritte und vierte von sieben, +die fünfte abermal von neun Jahren eingetheilt.[37] In der ersten Periode +tritt er als Sieger der Taidschut, deren Gefangene in siebzig Kesseln +gesotten worden, auf; schon wider seinen persönlichen Feind, _Dschamuka_, +den Fürsten der _Dschadscherat_, kämpfend, von denen sich jedoch ein Theil +ihm unterwirft, sowie die Stämme _Suldus_, _Jisut_ und _Barin_, deren Emire +sich seinem Dienste anreihen. Die Gelegenheit eines Festes führt einen +Streit mit dem Vetter _Sedschebegi_, dem Fürsten des nahverwandten Stammes +der _Kijat Burkin_, herbei, der nun Temudschin gegenüber als Bewerber um +die oberste Herrschaft auftritt; aber diesen Abfall vergütet der Sieg über +die _Tungkait_, einen Zweig eines wider seinen Fürsten Owangchan, welchem +Temudschin Hilfe leistet, empörten keraitischen Stammes. In der zweiten +Periode erscheint Temudschin als Verbündeter Owangchan's, des Fürsten der +Kerait, wider die ihnen beiden feindlichen Stämme der _Naiman Merkit_ und +_Tataren_; nach Besiegung derselben unterwirft sich der mächtige Stamm der +_Konghurat_ der Herrschaft Temudschin's, und er besteigt den Thron als Herr +der Mongolen in seinem siebenmal siebenten Jahre. Verschmähte Brautwerbung +und Dschamuka's Ränke führen den Krieg mit Owangchan herbei, von welchem +Temudschin zwar am Quell Baldschuna geschlagen, in der Folge denselben, +sowie die Naiman und Merkit oder Tangut, besiegt, worauf ihm die Uighuren, +Kirgisen, huldigen, und er als Herrscher aller Mongolen die neungipflige +Fahne mit neun weissen Rossschweifen aufgepflanzt, und den Namen Temudschin +in _Tchengis_, d. i. starker, grosser, gewaltiger Herrscher, verwandelt. +Die folgende Periode füllt der siebenjährige chinesische Krieg und die +letzten neun Jahre seines Lebens die Feldzüge wider Chuaresmschah's über +ganz Vorderasien verbreitete Macht in Transoxana, Chuaresm, Chorasan, Iran +und Kipdschak, theils in eigner Person, theils durch seine Söhne und +Feldherren, zuletzt die vierte wider Tangkut, wo er seinen Lauf als +Eroberer beschliesst. Gibbon hat diese Eroberungen nach den vier +Weltgegenden, im Norden, Süden, Osten und Westen, überblickt. Da die +Geschichte Tschengischan's zu schreiben und blos die Eroberungen +aufzuzählen, hier nicht unser Zweck, so beleuchten wir die grosse +historische Figur Tschengischan's von vier Seiten, zuerst in seiner Familie +als Menschen, dann gegenüber seinen Feinden als Sieger und Eroberer, +hierauf als Staatsmann und Gesetzgeber, und endlich in dem Ueberblicke +seiner Heeresmacht und letzten Anordnungen als den _Gewaltigen_ im +eigentlichsten Sinne des Worts. + +[Randnote: Die Familie Tschengischan's.] + +Man kennt insgemein nur die vier Söhne Tschengischan's: _Dschudschi_, +_Dschaghatai_, _Ogotai_ und _Tuli_, die Stammväter der vier nach ihnen +genannten Uluse aus der Konghuratin _Burte Fudschin_; aber Tschengis hatte +noch vier andere Söhne: _Kulkan_ oder Gulgan[38] aus Kulan Chatun, der +Tochter Tairosun's, des Fürsten der Merkit, und drei, die als Kinder +gestorben[39]; seine sechs Töchter[40], von denen er vier an die Prinzen +feindlicher Stämme vermählte, um die alte Feindschaft zu sühnen, und nur +zwei an befreundete Fürsten, nämlich: _Alakabegi_ an den Fürsten der +Ungkut, welcher ihm den Durchgang der grossen Mauer geöffnet, und Kalbi an +Idikut, den Fürsten der Uighuren, der ihm gehuldigt, so dass er ihn nicht +anders als seinen fünften Sohn nannte. Das Frauengemach Tschengischan's war +mit einem halben Tausend von Weibern und Mädchen bevölkert, aber von diesen +fünfhundert hatten nur fünf den Titel von grossen Frauen, als die fünf +Centurionen dieser fünf Weibercenturien, nämlich: 1. _Burte Fudschin_, die +Tochter des Stammhauptes der Konghurat, Mutter der vier Söhne, Gründer der +vier Uluse; 2. _Kulan Chatun_, die Tochter Tairosun's, des Fürsten des +feindlichen Stammes der Merkit, Mutter des Sohnes Gulgan; 3. die beiden +Tatarinnen, Schwestern, _Jesulat_ und 4. _Jesulun_; 5. _Kundschu_, die +Tochter des chinesischen Kaisers, welche keine Kinder hatte und in deren +Lager sich die durch ihre Schönheit berühmte _Hogutai_ befand; als die +nächsten an diesen fünf grossen Frauen sind fünf andere von der Geschichte +bezeichnet, nämlich die Tochter des viermal mit Krieg überzogenen Fürsten +von Tanghut, die Tochter _Tajangchan's_, des siebenmal besiegten Fürsten +der Naiman, die Naimanin, Mutter des Sohnes _Dschurdschetai_, die Tatarin, +Mutter des Sohnes _Urdschahan_, und endlich _Abika_, die Tochter Hakembu's, +des Fürsten der Kerait, welche Tschengischan durch ein Traumbild +erschreckt, dem Vertrauten Kehti Nujan, der in dieser Nacht die Nachtwache +hielt, mit allen ihren Schätzen und Pagen schenkte, und als Andenken von +ihr nur den Becher, worin sie mit ihm _Kumis_, d. i. Stutenmilch, +getrunken, und von ihrem Gefolge einen Tafeldecker zurückbehielt. Sollte +den Barbaren vielleicht die Ahnung einer Neigung zwischen der Prinzessin +und dem Leibwächter zum grossmüthigen Opfer dieser Abtretung bewogen haben? +oder hat ihm dieselbe wirklich ein Traum abgeschreckt? selbst in diesem +Falle ist das zurückbehaltene Andenken eine ganz unerwartete Spur +menschlichen Gefühls in der Brust eines Wütherichs, wie Tschengis, der +schon als Knabe, ehe er noch dreizehn Jahre alt, in Gemeinschaft mit dem +Bruder Belgutai den Bruder Belter erschlug; die überlebenden vier Brüder +Temudschin's sind _Belgutai_, sein Theilnehmer am Brudermord, _Kodschuiu_, +dessen Sohn _Iltschidai_ einer der treuesten und eifrigsten Diener des +Oheims, auf dessen Wink er den gefangenen Todfeind Dschamuka zerhieb; der +jüngste, _Temengu Uldschigin_, d. i. der Feuer- oder Herdhüter (seine +Mutter war die Olkunutin _Usedenu_, Verwandte der Mutter Tschengischan's), +ein grosser Bauliebhaber, der überall, wo er hinkam, baute, und so viel es +in seinen Kräften stand, -- wenigstens dem Willen nach gutmachte, was der +Zerstörungstrieb des Bruders Eroberers verheerte; endlich _Dschudschi +Keser_, wegen seines athletischen Körperbaues und seiner Stärke der Löwe +beigenannt; seine Brust war so hoch gewölbt, sein Bauch so zurückgezogen, +dass, wenn er worunter lag, ein Hund unter dem Bauche durchlaufen konnte, +seine Stärke so gross, dass er gefangene Feinde wie Pfeile in die Hand +nahm, indem er ihnen den Rückenwirbel wie Pfeile zerbrach.[41] Er war der +starke Helfer Tschengischan's, der ihn auszeichnete, aber auch ein Paarmal +mit ihm unzufrieden, die Beweise seiner Zufriedenheit und Unzufriedenheit, +die erste ehrenvoll und die zweite nachtheilig, auf die Nachkommen +desselben vererbte. Als Merkmal der Zufriedenheit seiner in dem Kriege +wider die Naiman bewiesenen Tapferkeit räumte Tschengis allen Nachkommen +des Oheims das Recht ein, wie die Prinzen Söhne auf der rechten Seite des +Thrones zu sitzen, während alle andere Verwandte des Hauses auf der linken +Seite mit den Emiren[42]; aber als in dem Kriege wider die Kerait +Dschudschi Keser zu spät kam und zur Zeit des Mahles auf sich warten liess, +sagte Tschengischan: »So erscheinen Mücken, nur wenn sie die Sonne +bescheint, und verschwinden, sobald sie sich versteckt; der Thautropfen +will, so klein er ist, mittels der Leiter der Sonnenstrahlen zum Himmel +steigen.« In seinem Unwillen gab er die unverbrüchliche Satzung, dass kein +Glied der Familie Dschudschi Keser's je der Chanschaft würdig geachtet +werde, und erniedrigte also alle Nachkommen desselben für alle künftige +Zeiten zu blossen Emiren _Karadschu_, d. i. unterthänigen Fürsten.[43] + +[Randnote: Die Feinde Temudschin's bis zu seiner ersten Thronbesteigung.] + +Der Jugendfreunde Temudschin's ist schon oben bei den Stämmen Erwähnung +geschehen; seine Feinde können in vier Klassen getheilt werden, erstens die +persönlichen unversöhnlichen; zweitens die besiegten und zum Theile, +wenigstens dem Scheine nach, versöhnten Stämme; drittens die sich +Herrschaft anmassenden Nebenbuhler um den Thron, und viertens, nachdem +Tschengischan denselben bestiegen, die reichsgefährlichen feindlichen +Mächte. Der erbittertste seiner persönlichen Feinde ist _Dschamuka Sasan_, +d. i. der Listige, der Fürst der Dschadscherat, dessen List ihn mit +Owangchan entzweite und die Anregung der Verschwägerung herbeiführte, +welche dann der nächste Anlass des Krieges zwischen Owangchan und +Tschengischan. Er machte gemeinsame Sache mit Taidschuten, welchen alsbald +nach dem Tode Jisukai's der Stamm der Konghuraten und der mit ihm +verwandten zugefallen waren. Von den Taidschuten hatte Tschengischan die +grössten Unbilden seiner Jugend zu erleiden, die Sklaverei, aus der ihn +_Schurkan[44] Schire_, der Sulduse, gerettet, und der Blutsturz, die Folge +von zwölf ihm an den Hals geschossenen Pfeilen, dessen Todesgefahr die +Freunde _Burghudschi_ und _Burghul_ abgewendet; solche Unbill und Schmach +büssten sie in den siebzig Kesseln gesotten. Nach den Taidschuten waren die +unerbittlichsten der Feinde die _Tataren_ und _Merkiten_, wider welche +Tschengis, sowie wider die Taidschuten, den Krieg bis zur Vertilgung +führte, die höchsten der Frauen schonend, die er als Frauen und +Beischläferinnen in sein eigenes Frauengemach nahm oder den Söhnen +überliess. Dem ältesten Sohne Dschudschi zürnte er unversöhnlich, weil +dieser dem jüngsten Sohne _Tuktabeg_ des Fürsten der Merkit als einem +trefflichen Pfeilschützen das Leben retten wollte. Von dem sechsgetheilten +Stamme der Tataren waren zuletzt auf Fürbitte der beiden Schwestern +Tatarinnen, Gemahlinnen Tschengischan's, nur dreissig Familien das Leben +gerettet, und vom Tataren Kuli, welchem eben diese beiden Frauen als Kind +das Leben erbeten hatten, in ein Regiment organisirt worden.[45] Die +Taidschuten waren das erstemal zu _Baldschusch_ in der Niederlage der +siebzig Kessel, [RN: I. J. 1198.] zum zweitenmale von Temudschin und +Owangchan zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, geschlagen worden; mit +ihnen verbündeten sich aus den Naimanen, den nächsten Stammverwandten +Temudschin's, die Stämme _Katagin_, _Saldschiut_, _Durbin_ und _Konghurat_, +ihr Bündniss durch das fünffache Opfer eines Pferdes, Stiers, Widders, +Hundes und Bockes beschwörend; die Fürsten, welche mit Tschengischan um die +Oberherrschaft der Mongolen buhlten, waren _Dschamuka_, der Fürst der +Dschadscherat, _Olak Odur_, der Fürst der Merkiten, _Sidschebeg_, der Fürst +der Kijat, _Burkin_, der nächste Verwandte Temudschin's, und _Dschudschi +Kasar_, der Oheim desselben. In diese Epoche fällt die Unzufriedenheit +Temudschin's mit dem Oheim, der Anlass aber des Abfalls des Vetters +Sidschebeg war der folgende. Bald nach dem ersten Siege über die +Taidschuten gab Temudschin seiner Mutter _Ulun Ike_, seinen Brüdern +Dschudschi, Bilkuti und Utdschigin ein Fest, bei welchem sich auch +Sidschebeg, das Haupt des Stammes der Kijat Burkin, mit seiner grossen und +kleinen Mutter, d. i. mit seiner wahren und Stiefmutter, einfand; die +Mutter fand sich beleidigt, weil _Sijudscher_, der erste Tafeldecker +Temudschin's, die Stutenmilch ihr nicht der ersten vorgesetzt; sie schlug +ihn desshalb, und als auch bald hierauf Bilgutei beleidigt worden, kam es +zwischen den Knechten Temudschin's und Sidschebeg's zum Handgemenge, die +beiden Frauen wurden gefangen, hernach wieder freigegeben, aber Sidschebeg +trennte sich mit seinem ganzen Stamme vom Hause Temudschin's und trat wider +ihn mit gewaffneter Hand als Anmasser der Oberherrschaft auf. [RN: I. J. +1201.] Die obgenannten verbündeten Stämme riefen den Dschamuka zum +Oberherrn mit dem Titel _Gurchan_, d. i. des grossen Herrschers, aus. Sie +verschworen sich abermal am Ufer der Tula, indem sie mit ihren Füssen die +Erde des Ufers in den Fluss stampften und mit ihren Säbeln das Gesträuch +abhieben: »dass der Verräther wie diese Erde zerstampft, wie dieses +Gesträuch niedergehauen sei!« Temudschin schlug die sieben Stämme zu _Jedi +Gurgan_, d. i. bei den _sieben Grabmalen_, was ein als ihre Grabstätte, +Unglück vorbedeutender Namen; als er hierauf auch die Tataren und Naimanen +geschlagen, [RN: I. J. 1201.] unterwarfen sich die _Konghurat_, der nächste +der Stämme der Naimanen, und Temudschin bestieg als grosser Herrscher +derselben den Thron. + +[Randnote: Die Feinde und Freunde Temudschin's bis zu seiner zweiten +Thronbesteigung als Tschengischan.] + +Das bisher zwischen Temudschin und Owangchan bestandene Bündniss wurde +durch die Einstreuungen Dschamuka's getrübt, welcher den Owangchan +bestimmte, dem Antrage Temudschin's einer näheren Verbindung der beiden +Häuser durch eine Doppelverbindung kein Gehör zu geben. Temudschin warb +nämlich für sich um _Abika_, die Tochter Hakembu's, des Bruders +Owangchan's, und um ihre Schwester _Begtutmisch_ für seinen ältesten Sohn +Dschudschi, während er dem _Singun_, dem Sohne Owangchan's, seine älteste +Tochter _Fudschin_ antrug; die ehemals Verbündeten waren nun offene Feinde; +Temudschin, der so oft mit den Kerait wider ihre gemeinschaftlichen Feinde, +die Tataren, Merkit und Naiman, gefochten, wurde geschlagen, und flüchtete +zum schlammichten Quelle Baldschuna, wohin ihm nur die Getreuesten folgten. +Diese waren in der Folge als die Waffengefährten von Baldschuna +ausgezeichnet, wie vor sechs Jahrhunderten von Mohammed die +Waffengefährten von Bedr und Ohod, er ernannte sie später alle zu +_Tarchanen_, d. i. Freiherren, sowie die beiden Lebensretter, +_Bughurdschin_ den Erlaten, und _Burghul_ den Huschinen, dann _Surgan +Schire_[46] den Suldusen, die beiden Dschelaire _Olai Kalgha_ und +_Karadschu_[47], den Taidschuten Jisukai, welcher vormals die mit +Dschudschi schwangere _Burte Fudschin_ sicher zu Owangchan geleitet hatte; +Burghul diente von der Pike, oder mongolisch richtiger zu sprechen, vom +Pfeile auf; denn Anfangs Tafeldecker, ward er _Gesiktu_, d. i. vom Vortrabe +der Pfeilschützen, dann _Emir Gesik_, Befehlshaber derselben, hierauf _Emir +Toman_, d. i. Befehlshaber eines Corps von zehntausend Mann, und endlich +Grossfürst. Von Bughurdschin sagte Tschengischan: Ich schätze ihn unter +meiner Seele, aber höher als alle Fürsten und _Karadschu_ (Unterthanen). +Bughurdschin nannte sich selbst den Unfehlbaren und sagte von sich selbst: +»Wann das Geschrei der Raben irret und fehlet, irre und fehle ich nicht; +wann den Vogel des Grabes Schwindel ergreift, bleibt mir Kopf und Gehirn +frei; wann der Staub von der Erde zum Himmel steigt und der Rauch des +Himmels zur Erde sinkt, verfehle ich meinen Weg nicht, desshalb nennt man +mich den Unfehlbaren.« Als Tschengischan den _Burghul_ und _Bughurdschin_ +zu Tarchanen ernannte und sie das Diplom begehrten, erklärte er sie über +alle Diplome erhaben. _Bughurdschin_ war der erste der neun _Örlök_[48], +d. i. die neun Mannen oder Helden, die andern acht: 2. _Burghul_ der +Huschine, 3. _Schurkan Schire_[49] der Sulduse, der Lebensretter, wie die +beiden vorigen; nach diesen Lebensrettern 4. _Mokli_ der Dschelaire[50], +der Eroberer China's; 5. _Dschebe_ der Jisute; 6. _Subutai Behadir_[51], +der Feldherr wider Persien und Kipdschak; 7. _Dschelme Oho_, d. i. der +tapfere Räuber[52], der erste Waffengenosse der Raubzüge Tschengischan's, +dessen Söhne die Befehlshaber des rechten und linken Flügels der +Leibwachen; 8. _Schiki Kuttu_, der von Tschengischan, noch ehe ihm seine +Gemahlin einen Sohn geboren, an Kindesstatt angenommene Pflegsohn, dessen +Wahlspruch als Richter: Fürchte Nichts und sprich Recht; endlich 9. der +Uirate _Kara Karaghu_[53]. Diese neun Helden waren die innigsten +Waffengefährten Tschengischan's, Stützen seiner Macht wider seine Feinde: +»Ihr neun Örlök, kommt mit mir herein, und ihr dreihundert und neun +Leibwachen, umgebt das Haus!«[54] und als er sieben Jahre nach der ersten +Thronbesteigung den Owangchan geschlagen und mit ihm Frieden geschlossen, +nachdem Tajangchan, der Fürst der Naiman, der gefährlichste und mächtigste +seiner Feinde, in der Niederlage gefallen, als er in der Gegenwart von +hundert versammelten Stämmen den Thron als Herrscher aller Mongolen mit dem +ihm von seinem gottbegeisterten Stiefvater _Buttangri_ (Ebenbild Gottes) +ertheilten Ehrentitel des Gewaltigen angenommen und die neungipflige Fahne +mit den neun weissen Rossschweifen und die viergipflige schwarze seines +Hauses aufgepflanzt, als er Herrscher des Volkes der viermalhunderttausend +Mongolen, als er die Fünffarbigen und Vierfarbigen[55] zu Einem Volke +vereint, denselben den Namen der _blauen Mongolen_[56] oder _einzigen_[57] +beigelegt und seine Staatseinrichtungen begann, redete er seinen Wesir +Bughurdschin und die neun Helden Waffengefährten an: »Du mein Bughurdschin, +dem Leben und Tod stets gleichgültig war, ihr neun _Örlök_, ihr meine +Fürsten und Edle, ihr meine Unterthanen und du ganzes grosses Volk, dass +Keiner ihn neide! Er soll die oberste Verwaltung der inneren +Reichsangelegenheiten führen und über die fünf Farben meines Volkes +befehlen; er soll die grosse fernhinschmetternde Trompete bewahren und als +Oberbefehlshaber über die neun Gebiete den Titel _Kuluk Bugudschi_ führen;« +er ward zum Oberhaupte der neun Örlök erhoben und seine Gemahlin erhielt +den Titel _Butschin Taibutsan_[58]. + +[Randnote: Die sieben Kurultai, die Fürsten, welche gehuldigt.] + +Das Kurultai, das ist allgemeine Volksversammlung, der Landtag, auf welchem +Temudschin als Tschengischan, d. i. gewaltiger Herrscher, der Fünf- und +Neunfarbigen, der blauen und anderen Mongolen ausgerufen worden, war das +vierte der sieben Kurultai, deren die Geschichte Tschengischan's erwähnt. +Das erste wurde unmittelbar vor dem Feldzuge wider die Taidschut und der +Niederlage der siebzig Kessel, das zweite vor sieben Jahren bei der ersten +Thronbesteigung als Herrscher der unterworfenen Stämme der Konghurat und +der mit denselben Verwandten, das dritte nach der durch den Fürsten der +Tunguten erhaltenen Kundschaft von dem Ueberfalle der Naiman und der +Niederlage Tajangchan's, ihres Fürsten, das vierte wurde zur Aufpflanzung +der vier schwarzen und neun weissen Rossschweife gehalten, das fünfte hat +bald hierauf zur Berathung des siebenjährigen chinesischen Kriegs, das +sechste sieben Jahre hernach zur Berathung des siebenjährigen persischen, +und das siebente und letzte sieben Jahre später und zwei Jahre vor seinem +Tode bei seiner letzten Rückkehr in die Heimath stattgehabt. Diese Kurultai +blieben sofort mongolischer Reichsbrauch bei den Thronbesteigungen der +Fürsten und anderen grossen Begebenheiten, welche der Chan mit allen +Stämmen berieth. Tschengischan spricht in seiner Thronbesteigungsrede an +die versammelten Stämme von den zwölf unterworfenen Reichen, worunter die +Gebiete der besiegten, ihm unterworfenen Feinde zu verstehen sein dürften; +zuerst die sieben des ihm nächsten verwandten, mächtigen Stammes der +_Konghurat_ mit seinen sechs Zweigen, dann die des verwandten Stammes der +_Kijat Burdschin_, dann der _Tataren_ und des ihnen engverbündeten Stammes +der _Mekrin_, dann der _Taidschut_ und der _Kerait_; der noch unbezwungene, +mächtigste feindliche Stamm war der der Naiman, wider welchen Tschengischan +siebenmal zu Felde gezogen, fünfmal vor seiner Thronbesteigung, zweimal +als gewaltiger Chan der Mongolen, und als Verbündeter Owangchan's. Immer +waren sie an der Spitze der wider Tschengis verschworenen Stämme und ihre +Niederlagen zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, [RN: I. J. 1198.] +nicht minder berühmt, als die der siebzig Kessel der Taidschut zu +_Baldschusch_, die der verbündeten Stämme an den sieben Grabhügeln und die +Tschengischan's selbst, als er nach der wider Owangchan verlornen Schlacht +von wenigen Treuen begleitet zum Quelle _Baldschuna_ geflohen. Nachdem in +der vierten Schlacht wider die Naimanen ihr grosser Fürst Tajangchan +geblieben, zog Tschengischan wider dessen Bruder _Bujuruk_, d. i. den +Befehlshaber, welcher ihm als Fürst seines Volkes gefolgt, und schlug +denselben an der Sudscha, in der Nachbarschaft des _Ulugtag_, d. i. des +grossen Bergs, die Fortsetzung der Bergkette des kleinen Altai ober dem +Balchasch-See. Tajang's Sohn Kuschluk floh mit Tukta, dem Fürsten der +Merkit, nach den Ländern am Irtisch. Ihre gefährliche Nachbarschaft mochte +ein Hauptgrund des Untergangs der _Kirkis_ und _Kemkemdschiut_ gewesen +sein, welche am Irtisch und Jenisei sassen, und welche nun dem gewaltigen +Herrscher huldigten; so huldigten ihm auch im Süden _Idikut_, der Fürst der +Uighuren, und die türkischen Fürsten der _Hoeihe_ in der kleinen Bucharei, +der _Gurchan_ von Karachatai, der Fürst des Stammes der Karlik von +_Kajaligh_ und der von _Almaligh_. Tschengis besiegelte den Bund der +Huldigung durch Verschwägerung, indem er dem letzten eine Tochter seines +ältesten Sohnes Dschudschi, dem Fürsten der Karlik eine andere Prinzessin +des Tschengischan'schen Hauses, und seine Tochter _Il Alti_ dem Fürsten +Idikut zur Frau gab, den er seinen fünften Sohn nannte.[59] Er war nun mit +nicht weniger als einem Dutzend der mächtigsten Stämme verschwägert; die +zwei Schwestern Tatarinnen ausgenommen, war jede seiner grossen Frauen aus +einem anderen Stamme, und ebenso gab er nicht mehrere seiner Töchter an +Fürsten Eines Stammes, sondern jede an einen anderen; nur mit dem Stamme +der Konghurat war er gegenseitig verschwägert, indem seine erste Gemahlin +_Burte Fudschin_ eine Konghuratin und er seine Tochter _Tumalun_ an den +Prinzen der Konghuraten vermählte, welcher, wie alle Eidame, den Titel +_Gurchan_ führte. + +[Randnote: Chinesische Ehrentitel, der chinesische und persische Krieg.] + +Stark durch Verbindung und Verschwägerung mit den mächtigsten Stämmen und +Fürsten, vernichtete er so leichter den Fürsten der Naimanen, _Kutschluk_, +in dem siebenten und letzten wider denselben geführten Krieg in der +Schlacht am _Kem_, und wagte nun den Krieg wider den Herrscher von China +selbst, wider _Altan Chan_, d. i. den goldenen, welcher ihm gleich Anfangs +seines Auftritts für die dem _Tschingsang_ (chinesischen Staatsminister) +wider empörte Tataren geleistete Hilfe den Ehrentitel eines +_Grossfürsten_[60], sowie damals der Herrscher der Kerait dem Owangchan[61] +und dem Fürsten der Naiman den Ehrentitel _Tajang_ verliehen hatte. Die +Seele dieses siebenjährigen chinesischen Krieges, welcher mit der Besiegung +Altanchan's, des vormaligen Oberherrn der Tataren und Mongolen, endete, war +der Dschelaire _Mokli_, welcher zur Belohnung seiner Dienste den +auszeichnenden chinesischen Titel _Kojang_[62], das ist Herrscher Eines +Distrikts, erhielt. Der Kaiser von China war der mächtigste Feind des +mongolischen Reichs im Osten, sowie Chuaresmschah, dessen Herrschaft sich +über ganz Mittel- und Vorderasien erstreckte, der mächtigste und +gefährlichste Nachbar im Westen. Nach dem glücklich vollendeten +siebenjährigen chinesischen Feldzuge und der Einschüchterung des Ostens +wandte Tschengischan seine ganze Macht wider den Herrscher des Westens, +wider Mohammed Tekesch, zur Blutrache einer Karawane mongolischer +Kaufleute, welche Ghairchan, der Statthalter von Otrar, hatte ermorden +lassen. In diesem siebenjährigen Kriege befehligten die zur Eroberung des +Westens bestimmten Heere theils Tschengischan in Person, theils seine vier +Söhne, theils seine beiden grossen Feldherren _Dschebe Nujan_ und _Subutai +Behadir_; sie eroberten eben so viele Länder: _Transoxana_, _Chuaresm_, +_Chorasan_, das _persische Irak_, _Masenderan_, _Ghasna_ und _Kipdschak_, +und die mongolischen Heere verheerten die Länder von den Ufern des Indus +bis an die der Wolga. Ogotai und Dschaghatai belagerten Otrar, worin sich +Ghairchan, dessen Gewaltthat der Anlass und die Rechtfertigung des Kriegs, +sich zwei Jahre lang tapfer vertheidigte. _Dschudschi_, welcher gegen +_Chodschend_ befehligt war, kehrte nach einiger Uneinigkeit mit seinen +Brüdern wieder nach Kipdschak zurück. Tschengischan befehligte in eigener +Person die Verheerung von Samarkand und Bochara, der beiden grössten und +bevölkertsten Städte Transoxana's, in deren jeder dreissigtausend +Schlachtopfer bluteten, was nicht unglaublich, wie die Zahl derer, welche +in den Städten Chorasan's bluteten, mit dessen Eroberung der vierte Sohn, +Tuli, betraut war. Zu _Nischabur_ soll eine Million, zu _Sebsewar_ +siebzigtausend gemetzelt worden sein. Glaublicher ist die Entvölkerung +Chuaresm's, aus dessen Hauptstadt allein einmalhunderttausend Künstler und +Handwerker in die östlichen Länder geschleppt worden. _Bamian_, vor dessen +Mauern ein Enkel Tschengischan's, aus seinem Sohne Dschaghatai, fiel, +erhielt den Namen _Mobaligh_, d. i. verfluchte Ballei, und musste den Mord +mit dem Blute seiner Einwohner sühnen. Die beiden Feldherren Dschebe Nujan +und Subutai Behadir durchstäupten Persien bis an die Ufer des Sees von +Urmia, drangen dann durch die Pässe des Kaukasus nach Russland und +Kipdschak vor und wurden durch die Niederlage der Russen Herrscher an der +Kalka, die sich in den Donesch ergiesst, wie sie Herrscher an der Kalka, +die in den Bujursee mündet. Tschengischan selbst verfolgte am Indus den +Sultan Dschelaleddin Mankburni, den Sohn des Mohammed Tekesch, der in einer +Insel des kaspischen Meeres sein Leben geendet, und konnte dem Sohne seine +Bewunderung nicht versagen, als derselbe, bis an das Ufer des Indus +verfolgt, vom steilen Ufer sich ganz bewaffnet mit dem Pferde in den Indus +stürzte und denselben durchschwamm: Ein Sohn, würdig seines Vaters, rief +Tschengischan, ihm mit Bewunderung nachsehend, aus. Beim Kurultai, welches +Tschengischan am Karagöl (Schwarzsee) zur grossen Jagd an alle Uluse +ausgeschrieben hatte, erschien der älteste, Dschudschi, nicht, doch sandte +er seinerstatt kostbare Geschenke an Pferden. Tschengischan unternahm von +da den vierten Feldzug wider das empörte Tanghut und starb auf demselben, +nachdem er durch letztwillige Anordnung zu seinem Nachfolger im Reiche +weder den ältesten _Dschudschi_, noch den zweiten _Dschagatai_, sondern den +dritten _Ogotai_ ernannt hatte. + +[Randnote: Die Jasa.] + +Tschengischan's Politik, deren Hauptaugenmerk die Versöhnung feindlicher +Stämme und die engere Verbindung mit freundlichen mittels Verschwägerung, +erhellt schon aus dem Erzählten; aber seine bürgerliche Gesetzgebung und +seine Staatseinrichtungen erfordern noch besondere Beleuchtung. Er ist der +Gesetzgeber seines Volkes. Aus den bisherigen europäischen +Geschichtschreibern mongolischer Geschichte ist nur die bürgerliche +Gesetzgebung desselben, d. i. die _Jasa_, bekannt, aber in Wassaf, dem +Livius der persischen Geschichtschreibung, welcher, berühmt unter dem Namen +des _Lobredners der Majestät_[63], schon anderthalb Jahrhunderte nach +Tschengischan, zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen +Zeitrechnung und zu Anfang des vierzehnten, schrieb, und aus der grossen +Sammlung von Staatsschreiben, welche ein halbes Jahrhundert später der +Staatssekretär Mohammed Hinduschah, beigenannt die _Sonne des +Stylisten_[64], für _Schah Oweis Behadirchan_, den zweiten Herrscher der +zweiten Dynastie der Ilchane (deren Gründer sein Vater, der grosse Hasan), +aus den Archiven zusammentrug, lernen wir auch die besonderen Namen der +Gerichtsordnung und des Militärcodex kennen. Die erste, nach welcher den +Oberrichtern das Recht zu sprechen in ihren Bestallungsdiplomen +eingeschärft ward, hiess _Kutatgu bilik Tschengischani_, d. i. das +Kutadische Tschengischanische überlieferte Wort; denn unter dem Titel von +_Bilik_ gibt Reschideddin neun und zwanzig überlieferte Worte +Tschengischan's, und _Kutat_ (oder _Kitad_) ist der Name der Familie +Tschengischan's; den Namen des Militärcodex hat nur Wassaf aufbewahrt; +derselbe hiess: _Tumendschin_, d. i. wovor man sich zu hüten; dieses ging, +sowie das _Bilik_, unmittelbar von Tschengischan selbst aus, aber an der +_Jasa_ hatte die Weisheit seines Sohnes Dschagatai grossen Antheil. Da die +einige und zwanzig Punkte des ersten und des zweiten bereits bekannt +gemacht worden, so genügen hier ein Paar Federstriche zum Umrisse des +Geistes der Gesetzgebung Tschengischan's. Häufige Todesstrafe und Prügel +waren die Sanction derselben, die Todesstrafe nicht nur auf Verbrechen, +sondern auch auf Unsittlichkeit und auf die Verletzung abergläubischer +Sitte gesetzt; so wurde der überwiesene Lügner, Zauberer, der, welcher bei +Donnerwetter badete, und wer ins Wasser oder auf Asche pisste, mit dem Tode +bestraft; den Prügeln, womit vorzüglich die Uebertretung der Kriegszucht +bestraft ward, waren auch die Prinzen des Geblüts unterworfen, und +dieselben entehrten nicht; ihre Zahl immer ungleich, von drei, fünf, sieben +bis sieben und siebzig.[65] Die grösste politische Tugend der Mongolen die +blindeste Unterwürfigkeit in den Willen des Herrschers, indem nur Einer der +Herr und alle Anderen Sklaven; Nichts von Geburt aus, oder wenn auch durch +diese und durch Stammverwandtschaft geadelt und zu Würden erhoben, wieder +Nichts vor des Herrschers Allmacht; die zweite Tugend schweinische +Unreinigkeit, indem es ihnen verboten, ihre Kleider zu waschen, die sie auf +dem Leibe tragen mussten, bis sie ihnen in Stücken abfielen[66], also +gerade das Gegentheil jüdischer und moslimischer Gesetzgebung, wovon jene +zwischen Reinem und Unreinem so genau unterscheidet, diese wiederholtes +Waschen zur Pflicht macht. Gastfreundschaft war geboten, doch durfte keiner +zum Mahle niedersitzen, ohne dazu geladen zu seyn, keiner auf Kosten seiner +Tischgenossen schlemmen; Titel und Phrasen waren untersagt, selbst der Kaan +durfte nicht anders als bei seinem Namen angeredet werden; ein persischer +Sekretär, welcher das im Namen Tschengischan's an eine belagerte Stadt +erlassene Aufforderungsschreiben mit Floskeln ausgeschmückt, büsste +dieselben mit seinem Leben. Alle Mädchen und Frauen der Mongolen standen +dem Herrscher zu Gebot; die Tarchanen, d. i. Freiherren, waren von allen +Steuern befreit und hatten zu jeder Stunde freien Zutritt zum Kaan. Die +Erbfolge in der Familie Tschengischan's war durch die Jasa, welche hievon +die Brüder Dschudschi Kasar's ausschloss und die Herrschaft dem Uluse +Ogotai's, des zweiten Sohnes, zusprach, festgesetzt, aber die Verkündung +der Thronbesteigung musste auf einem _Kurultai_, d. i. einem Landtage, +feierlich vollzogen werden. Der erste und grösste Hofdienst war der des +Oberstjägermeisters, denn die Jagd als Vorspiel und Vorübung des Kriegs +vertrat die Stelle der Bildung und Erziehung, da das Handwerk und die Kunst +der Mongolen nur Krieg und Verheerung. + +[Randnote: Das Heer und das Testament.] + +Die Periode der Staatseinrichtungen Tschengischan's fällt in die sieben +Jahre, welche von seiner zweiten Thronbesteigung als gewaltiger Herrscher +bis zum Ausbruche des siebenjährigen chinesischen Krieges verflossen; aber +die militärische Einrichtung des Heeres nach Zehnern, Hunderten, Tausenden +und Zehntausenden hatte schon früher stattgefunden. Das Buch der vier +Uluse, dessen Verfasser Ulugbeg und welches dem _Stammbaume der Türken_[67] +zu Grunde liegt, schreibt die Eintheilung des mongolischen Heeres in sieben +Treffen schon dem Oguschan zu; in jedem Falle ist diese Einrichtung eine +türkische und weit älter, als Tschengischan, und verschieden von der +arabischen Eintheilung, welche nur fünf Abtheilungen des Heeres kennt. Die +Türken und nach ihnen die Mongolen theilten ihr Heer in die folgenden +sieben Theile: 1. _Buldschunghar_, auf türkisch _Karaul_, die Vorposten +oder Vedetten; 2. _Borunghar_, auf türkisch _Mankalai_, der Vortrab des +Heeres, auf arabisch _Makaddemetol-dschisch_; 3. _Unghar_, auf türkisch +_Ssaghkol_, der rechte Flügel, auf arabisch _Jemin_; 4. _Dschunghar_, auf +türkisch _Ssolkol_, der linke Flügel, auf arabisch _Jesar_; 5. _Ghul_, auf +türkisch _Jesaul_, das Mitteltreffen, der Mittelpunkt des Heeres, die +Fahnen und Standarten, die Rossschweife und Heerpauken, von den Arabern +_Kalboldschisch_, d. i. das Herz des Heeres, genannt; 6. _Okdschunghar_, +auf türkisch _Tschenkdaul_, der Nachtrab, auf arabisch _Sakat_; 7. +_Bestunghar_, auf türkisch _Bassdürma_ und auf persisch _Kemingjah_, d. i. +der Hinterhalt; dieser Theil des Heeres war, wie der türkische und +persische Name zeigt, zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt; er zog +aber, der letzte, in so grosser Entfernung vom Nachtrab, dass er den Staub +desselben nicht sah. Diese letzte Abtheilung, sowie die erste, fehlt in der +Strategie der Araber. Ein Corps von zehntausend Mann hiess _Tumen_ oder +_Toman_, eine Benennung, welche auch den Länderabtheilungen und später +Münzen beigelegt ward, wie denn noch heute Silber- und Goldtomane in +Persien cursiren; die Silber- und Goldmünzen der Mongolen hiessen +_Balisch_. Die Jagd, Pfeilschiessen, Pferdetummeln und Ringen waren die +Uebungen des Heeres und der Feldherren, welche hierin mit gutem Beispiele +vorgehen mussten: »Die grossen Fürsten und das ganze Heer muss sich in der +Jagd üben und den Namen bestimmen, bei welchem sie, wenn sie ins Feld +ziehen, ausgerufen werden sollen; sie sollen mit zu Gott gewandtem Herzen +beten, bis sie mit göttlicher Hilfe die vier Weltgegenden unterjocht.« +lautet das zehnte der hinterlassenen Worte Tschengischan's; dann das +eilfte: »Der Mann sei unter dem Volke ruhig und schweigsam, wie ein Kalb, +falle aber in der Schlacht wie ein hungriger Geyer auf die Feinde.« und +das zwölfte: »Jedes Wort, das einmal gesprochen worden und von dem man +zweifelt, ob es im Scherze oder Ernste gesprochen worden, kann nicht mehr +zurückgenommen werden, -- gilt für Ernst.« Die grösste Auszeichnung war, +wenn der Kaan auf einen mit dem Finger zeigte; dem mit dem Finger +Ausgezeichneten[68] waren die Einkünfte der Minen, die guten Pfeilschützen, +die Pferde der Post, die Jagdvögel, die Jagdhunde der eroberten Länder +zugesprochen.[69] Die feste Grundlage des Herrschergesetzes Tschengischan's +war Familieneinigkeit und festes Zusammenhalten der Stammverwandtschaft; +eine Lehre, welche er durch das bekannte Gleichniss vom Pfeilbündel, dann +von den zwei Schlangen, der einköpfigen Vielschweifigen[70] und +einschweifigen Vielköpfigen, seinen Söhnen versinnlichte. Von diesen +bekleidete Ogotai, der Oberste Jägermeister, das erste Hofamt, Dschagatai +versah die Stelle des Obersten Richters und wachte auf die Vollziehung der +Jasa, an deren Verfassung er so grossen Antheil hatte; dem Ogotai lag die +innere Verwaltung, d. i. die Erhebung der Steuern, dem jüngsten, Tuli, die +Sorge für das Haus und die Truppen, für den Herd und das Heer ob; der +jüngste Sohn war, wie schon oben gesagt worden, nach mongolischen Gesetzen +der Hüter des Herds und der Herden und nach des Vaters Tod der Erbe der +ganzen Wirthschaft, wiewohl das Haupt der Familie und des Stammes stets der +Erstgeborne blieb. Das mongolische Gesetz trennte also das Ansehen der +Erstgeburt von dem Stammvermögen, indem die Stammherrschaft zwar dem +Aeltesten, das Vermögen aber dem Jüngsten des Hauses zuerkannt ward. In +diesem Sinne sollte Dschudschi, der älteste der vier Söhne, dem Vater auf +dem Throne gefolgt sein, aber mit demselben unzufrieden, besonders seitdem +er nicht auf dem letzten Kurultai zur grossen Jagd erschienen, sprach +Tschengischan's letzter Wille die Thronfolge dem dritten Sohne, Ogotai, +das Stammvermögen aber, das ist die grösste Macht des Heeres, dem jüngsten +Sohne, Tuli, zu. Von hundert neun und zwanzig Toman, d. i. hundert neun und +zwanzigtausend Mann, aus welchen das Heer bei Tschengischan's Tod bestand, +hinterliess er hundert ein Tausend dem Tuli, jedem der vier anderen: +Dschudschi, Dschagatai, Ogotai, Gulgan, nur viertausend; den rechten Flügel +über acht und dreissigtausend Mann befehligte der erste der neun Orlöke, +der treue Freund und Waffengefährte Bughurdschi; den linken von zwei und +sechzigtausend Mann der Eroberer China's, der Kojank Mokli der Dschelaire, +welchem drei _Hesare_, d. i. dreitausend Mann Dschelairen als ein +Leibregiment überlassen worden; fünftausend seinem jüngsten Bruder +_Utdschigin_, dreitausend seinem Bruder _Katschiun_ und eben so viele +seiner Mutter _Ulun_, tausend dem Sohne des Bruders Dschudschi Kasar's. +Diese Truppen erbten in den Familien fort. Als Tschengischan sein Testament +machte, liess er aus den Archiven den Familienpact holen, welchem noch das +goldene Siegel seines Vorfahren _Tumenai_ aufgedrückt war und welchem die +folgenden Ahnen, nämlich: _Kabulchan_, der Urgrossvater, _Bertan Behadir_, +der Grossvater, und _Jisukai_, der Vater Tschengischan's, ihre +Unterschriften beigesetzt hatten[71]; er zeigte diese Familienurkunde, +vermöge welcher der letzte Wille des Herrschers als Gesetz geachtet werden +musste, den Söhnen, befahl ihnen, den Bruder Ogotai als Herrn anzuerkennen, +und empfahl die Leitung der Reichsgeschäfte dem Vetter _Karadschar Nujan_, +dem Sohne seines Oheims, dem Ahnherrn Timur's. Ogotai erhielt das Reich als +oberster Herrscher, Tuli das Stammgebiet am Onon und Kerulon und die +östlichen Länder. Dem Uluse Dschudschi's, der kurz vor dem Vater +verstorben, ward der Besitz von Kipdschak erhalten; Dschagatai's Antheil +waren die Länder der Uighuren, die kleine und grosse Bucharei, die Länder +am _Ili_ und zwischen dem _Dschihun_ und _Sihun_ (Oxus und Jaxartes), +welchen, sowie der türkischen Mundart der Uighuren, der Name der +_Dschagataischen_ verblieb. + +[Randnote: Der Familienvertrag zu Karadscha.] + +Der Familienvertrag der Familie Tschengischan's sowohl, als der grosse +Einfluss Karadschar's als Leiter, Rath und Orakel der tschengisischen +Familie ist bisher von keinem europäischen Schreiber mongolischer +Geschichten gehörig ins Auge gefasst worden; selbst die soeben angeführte +Stelle Mirchuand's über den Familienvertrag ist unberücksichtigt geblieben. +Das seit kurzem erst in englischer Uebersetzung bekannt gewordene +treffliche Werk des _Stammbaums der Türken_, welches den Kern der +Geschichte der vier Uluse von Ulugbeg enthält, gibt darüber sowohl, als +über Karadschar's Einfluss und Ansehen umständlichen Bericht; wir lernen +daraus, dass dieser Familienvertrag _Temghai Tumenaichan_, d. i. das +Insiegel _Tuminechan's_, hiess, und also schon vom Ururgrossvater +Tschengischan's datirt. Diesen Familienvertrag liess Tschengischan auf +seinem Sterbebette holen und führte seinen Söhnen zu Gemüthe, dass er +sowohl, als Karadschar, denselben immer genau beobachtet hätten. +Karadscharchan erscheint also schon hier als das Haupt eines Zweiges der +Familie Tschengischan's, welches im Namen derselben mit Tschengischan einen +Familienvertrag eingegangen oder vielmehr den erneute, welchen der Ahnherr +Tumenaichan zwischen seinen Söhnen _Kabulchan_ und _Katschulai_ geschlossen +und welchen später _Jisukai_ und _Temudschin_ bestätigt hatten; mehr als +einmal erwähnt desselben die _Geschichte des Stammbaums_; sie erwähnt +desselben unter der Regierung _Tewa's_, des eilften Chan's der Familie +Dschaghatai, als des zwischen Karadschar Nujan und Tschengischan +geschlossenen Familienvertrags, und abermals unter der Regierung von +_Sijurghurtmisch_, dem zwei und dreissigsten Chane des Uluses +Dschaghatai[72]; dieser Familienvertrag des tschengisischen Hauses, welcher +zuerst von Tumenaichan, dem vierten Ahnherrn Tschengischan's, zwischen +seinen beiden Söhnen Kabul und Katschulai aufgerichtet, von seinem Urenkel +Jisukai bestätigt worden, ward von seinem Ururenkel Tschengischan mit +Karadschar erneuert und blieb bis zu dem letzten Chane des Uluses +Dschaghatai, von Tumenaichan bis auf die Zeit Timur's, d. i. durch +dreihundert Jahre, aufrecht. Karadschar Nujan hätte zweifelsohne den Thron, +wenigstens im Uluse Dschaghatai, für sich selbst behaupten können, aber er +wollte lieber denselben verleihen, als selbst einnehmen; so erhob er einige +Jahre nach dem Tode Dschaghatai's statt eines Sohnes den Enkel desselben, +Kara Hulagu, auf den Thron, setzte denselben zwar auf die Vorstellung des +Grosschan's _Gajuk_ ab und einen Sohn Dschaghatai's als Chan, dann aber, +als dieser gestorben, den _Kara Hulagu_ zum zweitenmal als Chan des Uluses +Dschaghatai ein.[73] Karadschar war der Sohn Emir _Songhur Tschitschan's_, +der Enkel Emir _Irdümdschi's_, der Urenkel Emir _Kadschulai's_, des Sohnes +_Tumenai's_ und also der Vetter Tschengischan's im dritten Grade, indem +ihre Urgrossväter Brüder waren. Warum Tumenai, da ihre Urgrossväter Kabul +und Katschulai Brüder, warum Tumenai, welcher acht Söhne hatte, den +Hausvertrag der Herrschaft nur unter den beiden obgenannten abschloss, +erhellt nicht aus den bisher bekannten Quellen mongolischer Geschichte; +wahrscheinlich weil Katschulai dem Kabulchan die Nachfolge streitig machte. +Nach den vier durch die vier Söhne Tschengischan's begründeten Ulusen war +das Haus Karadschar's das mächtigste des tschengisischen Stammes und +Herrschaft und Welteroberung gingen auf den Nachkömmling Karadschar's im +fünften Grade, auf Timur Gurgan, über.[74] Der Stamm des Hauses +Karadschar's war der der Berla's.[75] Karadschar, der Rath Tschengischan's +und seiner Söhne Ogotai und Dschaghatai, starb bald, nachdem er den Kara +Hulagu, den Enkel Dschaghatai's, zum zweitenmale auf den Thron gesetzt, +acht und neunzig Jahre alt[76], und hinterliess zehn Söhne, deren ältester, +_Itschel_, der Ururgrossvater Timur Gurgan's.[77] + +[Randnote: Charakter und Sitten der Mongolen.] + +Ehe wir von Tschengischan zur Geschichte seiner Nachfolger, Herrscher der +Mongolen, übergehen, nur noch ein Paar Worte über den Charakter und die +Sitten des Volkes. Die beste und kürzeste Schilderung derselben liegt im +Namen _Mongol_ selbst, sei es, dass derselbe, wie die persischen Quellen +sagen, _trübe_ und _traurig_, sei es, dass er, wie ein mongolischer +Geschichtschreiber behauptet, _trotzig_ und _unerschrocken_ bedeute. Es hat +mit dem Namen der Mongolen dieselbe Bewandtniss, wie mit dem der Slaven, +welchen die Fremden von _Slavo_: schwach und feige, die Eingebornen von +_Slaba_: Ruhm und Glanz, abgeleitet haben; wie dem auch sei, der Charakter +der Mongolen entspricht der doppelten Angabe der Bedeutung ihres Namens, +sie sind eben so ein trübes und trauriges, als trotziges und +unerschrockenes Volk. Die Traurigkeit und Schwermuth spricht sich schon in +den Klaggesängen, welche vom mongolischen Geschichtschreiber Ssetsen aus +der ältesten Zeit her erhalten sind, in der wehmüthigen Sehnsucht nach den +Ufern des Onon und Kerulon, sowie in den Volksliedern der heutigen Mongolen +aus; ihre Tapferkeit hat sich Asien unterworfen und Europa zittern gemacht, +ein trauriges barbarisches Volk, das erst Tschengischan durch das Beil und +die Prügel gesittigt, und das durch Raubsucht und angeborenen Sklavensinn +das tüchtigste Werkzeug zur Welteroberung; »sie hatten das Herz des +_Löwen_, die Geduld der _Hunde_, die Behutsamkeit des _Kranichs_, die List +des _Fuchses_, die Vorsicht des _Raben_, die Raubsucht des _Wolfes_, die +Heftigkeit der _Hahnen_, für Familie sorgend wie _Hühner_, die Ruhe der +_Katzen_, die Heftigkeit im Anfall vom _Schweine_«, welche Eigenschaften +der Morgenländer dem vollkommenen Krieger insgemein beilegt[78]; man könnte +aber auch sagen, dass sie alle Eigenschaften der zwölf Thiere ihres +Jahrescyclus in sich vereinten, dass sie diebisch wie _Mäuse_, stark wie +_Stiere_, raubsüchtig wie _Panther_, vorsichtig wie _Hasen_, listig wie +_Schlangen_, schrecklich wie _Drachen_, muthige Renner wie _Pferde_, +folgsam wie _Schafe_, kinderliebend wie _Affen_, familiensorgsam wie +_Hühner_, treu wie _Hunde_, unrein wie _Schweine_; der Cyclus ihres Jahres +war das Sinnbild ihres sittlichen Gesichtskreises. Mittler Statur, breit +von Schultern, stark vom Rücken, hervorragender Brust und eingezogenen +Bauchs, von grauen und braunen Augen, die aus schiefen Winkeln +hervorglotzen, von breiten olivenfarbenen Wangen, Stumpfnasen, dicken +Lippen, spärlichen Barthaaren, aber wucherndem Haarwuchse auf dem Kopfe, +dessen Vordertheil vom Scheitel bis zu den Ohren hufeisenförmig geschoren; +leicht, flink, mit ihren Pferden wie Centauren zusammengewachsen; gewandte +Bogenschützen, wie einst die Parther, nie gefährlicher als im Fliehen, mit +Kampf und Beute gesättigt noch immer nach Kampf und Beute durstend, +undankbar, schmutzig, grob, raubsüchtig, grausam, aber leibeigen, +wahrheitsliebend, prunkhassend, tapfer und blindlings gehorsam, Niemand war +ihnen Freund, aber sie hassten der Denuncianten scheussliche Brut. Ihre +Nahrung: Hirse, Haiden und Fleisch von allen Arten, am liebsten das des +Pferdes, aber auch Mäuse, Hunde, Katzen und sogar gebratenes +Menschenfleisch; das Fett leckten sie von den Fingern und schmierten damit +ihre Stiefel. Ihr liebstes Getränke: Stutenmilch sammt dem daraus +gezogenen, gegohrnen, berauschenden _Kumis_ und _Meth_; ihre Kleider aus +Thierfellen genäht, ihre Waffen aus Eisen geschmiedet, ihre Kopfbedeckung +eine dreieckige, am Rande verbrämte Mütze, der sogenannte tatarische Hut, +die der Frauen eine ellenhohe Pyramide aus leichtem Holz, deren Obertheil +mit Pfauenfedern und Juwelen geschmückt, mit einem Flore bedeckt, welcher +_Baghtak_ hiess, woraus die Missionäre _Botta_, die Venezianer _Bauta_ +gemacht. Die Weiber, deren grösste Schönheit die kleinste Nase, wie bei den +Chinesen der kleinste Fuss, bereiteten den _Kumis_ und die getrocknete +sauere Milch, welche _Kurut_[79] hiess; sie verfertigten alle Arten der +Hausgeräthe, Kleider, Zelte, Reitzeug, Schilde, Schuhe, Socken, Betten, die +vermählten mit weissem, bis auf die Brust reichenden Schleier verhüllt, +ihre ledernen aufgeschlagenen Oberkleider hielt ein Gürtel um die Brust +zusammen. Die Frauen, deren Zahl nur durch die Lust des Mannes oder durch +seine Mittel, sie zu erhalten, beschränkt war, genossen grossen Ansehens +und Einflusses, besonders die Mütter und die Stiefmütter, deren der Sohn +nach des Vaters Tod gewöhnlich sich einige als Gemahlinnen aneignete. Sie +glaubten, dass der Mann in jenem Leben seine Weiber wieder finde, aber +damit der Herrscher bis zu ihrem Hinscheiden im anderen Leben nicht +langweile, sandten sie ihm seine Beischläferinnen, dieselben schlachtend, +ins Grab nach. + +[Randnote: Aberglaube und Gebräuche.] + +Von dem Aberglauben ist bereits des das Donnerwetter betreffenden erwähnt +worden; wie sie glaubten, dass die _Kamen_ es beschwören könnten, so auch, +dass es in ihrer Macht stände, mittels des Regensteines, _Dschade_ (welcher +schon von Japhet her vererbt war), Regen zu machen, und die _Dschededschi_, +d. i. die Regenmacher, vertraten bei dem mongolischen Heere die Stelle der +Auguren des römischen. Zauberei wurde geübt, weil geglaubt, und war, wenn +die Person des Herrschers mit ins Spiel kam, Majestätsverbrechen. Um sich +wider die Wehen der Zauberei zu bewahren, mussten die zu Reinigenden +zwischen zwei Feuern durchgehen, die polnischen und russischen Gesandten +und die des Papstes im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, wie schon +fünf und sechs Jahrhunderte früher der byzantinische Gesandte Zemarchos am +Hofe des Königs der Türken durchs Feuer gereinigt ward.[80] Ihre Wahrsager +wahrsagten besonders aus den Schulterblättern der Schafe; sie schwuren bei +dem Blute geschlachteter Thiere, bei der in den Strom gestampften Erde, bei +den abgehauenen Bäumen, bei dem Fleisch und Blut ihrer Herrscher, aber +nicht im Namen Gottes. Ehe die Lehrer des Budhismus und des Islams die +Mongolen bekehrten, verehrten sie ein höchstes Wesen, von Marco Polo +_Natagai_, von Ssetsen _Hormusda_ genannt; das letzte ist gewiss der +Hormusd der Maghen, das erste vielleicht nur die Verstümmelung des +türkischen Wortes _Onggan_, d. i. Gott. Sie beteten die Sonne und Sterne +sammt den Elementen an, und weihten diesen ihren Göttern, ehe sie assen, +Speise und Trank. Bei dem Gebete wurden die Gürtel gelöst und über die +Schulter geworfen, wie Tschengischan gethan, als er in der Nacht hinaus +ging auf den Berg, um den Beistand des Himmels zu erflehen wider den +Herrscher des himmlischen Reichs auf Erden. Einer der grössten Lobsprüche, +welche ihm die Geschichte zollen muss, ist seine Duldung gegen alle +Religionen. Uighurische Kamen und chinesische Bonzen hielten vor ihm +Controverse, die Budhapriester erhielten die Erlaubniss, ihre +Burhanenbilder aufzustellen, aber die Kamen blieben in nicht minderem +Ansehen; neben ihnen wurden die Priester aller anderen Religionen, +namentlich die _Arghaun_, d. i. die Christlichen, der Nestorianer geduldet. +Zu Bochara war Tschengischan zwar in die Moschee geritten, stieg aber, als +er hörte, das sei Gottes Haus, vom Pferde auf die Kanzel und ertheilte die +Befugniss der allgemeinen Plünderung mit den Worten: Das Feld ist gemäht, +gebt euren Pferden zu fressen, worauf die Korane unter die Hufe der Pferde +getreten wurden und der Wein die Flur der Moschee überschwemmte, während +die Imame oder Scheiche als Stallknechte die Pferde warten mussten; aber +hingegen hatte er in der kleinen Bucharei, wo Kuschluk der Naimane den +Islam unterdrückt, die freie Ausübung desselben gestattet. Diese allgemeine +Duldung blieb Herrscherprincip der _Kaane_ und auch der persischen, und +selbst noch zum Theile nach ihrer Bekehrung zum Islam. Ausser dem grossen +Schmiedefest am neuen Jahrestag wurde alljährlich auch das des +Geburtstages des Chan's, sowie die Thronbesteigung desselben mit +Trinkgelagen gefeiert. Bei diesen Gelagen gab einer der Diener das Zeichen, +indem er _Ha!_ schrie, zum Beginne der Musik; der Cythernspieler begann +sein Spiel, die Männer tanzten vor dem Herrn, die Weiber vor der Frau des +Hauses, Alle in die Hände klatschend. Nachdem der Hausherr getrunken, +schrie der Diener wieder _Ha!_, der Cythernspieler verstummte, und nun +tranken alle Gäste unter Gesang, der aber mehr ein Geheul.[81] Bei diesen +Trinkgelagen wurden die Preise der Tapferkeit [_Ulisch_[82]] vertheilt, und +dieselben leben noch zum Theil in den kalmukischen _Uerrus_ fort.[83] Das +Seitenspiel zu diesem _Ha_rufe ist das Zetergeschrei von _Morio_ als +_Mordio_, das sie während des Pferderennens oder Pfeilschiessens +erhoben[84], indem sie die Hände ausstreckten. Im Kriege vermieden sie so +viel als möglich das Gefecht von Mann zu Mann und suchten nur im Fliehen zu +verwunden oder zu tödten; den Belagerten sicherten sie Schonung des Lebens +und Eigenthums zu, hielten aber fast niemals Wort; die Besatzungen +metzelten sie alle nieder und schonten manchmal nur der Künstler und +Handwerker, die sie in die Sklaverei mit sich schleppten. Bei der +Todtenzählung nach Schlachten oder Gefangnengemetzel wurde nach jedem +geschlachteten Zehntausend Ein Leichnam mit dem Kopfe zur Erde, mit den +Füssen in die Höhe als Trophäe aufgerichtet. Bei den Begräbnissen ihrer +Fürsten wurden ihre Sklavinnen oder Beischläferinnen geschlachtet, wie +schon Terxanthes, der Fürst der Türken, gefangene Hunnen am Grabe seines +Vaters geschlachtet.[85] Bei dem Begräbnisse wurde gewöhnlich dem Todten +ein Hengst, Stute oder Füllen mit ins Grab gegeben mit Sattel und Zeug, +damit er im anderen Leben sogleich beritten sei, damit es ihm an +Stutenmilch nicht fehle; ein anderes Pferd wurde zum Todtenmal geschlachtet +und dann ausgestopft über dem Grabe aufgestellt; die Gräber der Vornehmen +waren aus Stein, Häuser der Todten, nur Tschengischan hatte noch bei seinen +Lebzeiten geboten, sein Grab geheim zu halten und ihn ohne Maal zu begraben +unter einem grossen Baume im Walde von _Burhan Kaldun_. + +[Randnote: Tschengischan's Nachfolger.] + +Ungeachtet der klaren Anordnung Tschengischan's über die Nachfolge auf dem +Throne blieb derselbe fast zwei Jahre lang ledig, wovon die Ursache wohl +nur in der Umsicht Ogotai's, welcher seine Brüder Dschaghatai und Tuli und +des Neffen Batu Pläne und Absichten kennen und prüfen wollte, ehe er den +etwa von ihnen selbst gewünschten Thron bestieg. Diese Zögerung zeigt, dass +es ihm auch mit der dreissigtägigen Weigerung auf dem zur Thronbesteigung +im Familienhorde Tschengischan's zu _Keluran_ am Onon zusammenberufenen +Kurultai der Prinzen einigermassen Ernst gewesen sein mag; erst am +vierzigsten Tage zogen ihn sein Bruder Dschagatai und sein Oheim Utdschigin +(der jüngste Bruder Tschengischan's) auf den Thron, sein jüngster Bruder, +Tuli, brachte ihm knieend den mit Stutenmilch gefüllten Becher dar, im +selben Augenblicke warf die ganze Versammlung die Mützen in die Höhe und +den Gürtel über den Rücken, worauf er sich vor der Sonne anbetend +niederwarf und mit neunmaliger Kniebewegung dem neuen Kaan huldigte. Die +vorzüglichsten Prinzen, welche auf diesem Kurultai erschienen, waren nebst +den zwei schon genannten Brüdern der Bruder _Gulgan_ und der Oheim +_Belgetai_, sieben Neffen, Söhne _Dschudschi's_, von denen der zweite, +_Batu_, der Herrscher in Kipdschak; dann die Neffen _Iltschidai_, der Sohn +_Dschudschi Kasar's_, und _Karadschar Nujan_, welchem Tschengischan die +Berathung des Thronfolgers anempfohlen. Um dem Herrscher im Grabe zu +huldigen, wurden ihm vierzig seiner liebsten Sklavinnen unter die Erde +nachgesandt; um seine Anordnung der Welteroberung nach allen vier +Weltgegenden in Erfüllung zu sehen, ein dreifacher Heereszug beschlossen. +_Dschurmaghun_ der Dschelaire wurde mit einem Heere nach Persien gesandt, +um Dschelaleddin, den Schah von Chuaresm, welcher sich nach Tschengischan's +Tod eines Theils des väterlichen Erbes bemächtigt hatte, zu vernichten. +_Batu_ und seine Brüder wurden zur Eroberung des Westens, das ist +Russlands, Polens, Ungarns und der angränzenden Länder befehligt[86]; +_Ogotai_ selbst zog wider China aus, um die vom Vater begonnene Eroberung +des himmlischen Reichs zu vollenden. Unter ihm befehligten die Abtheilungen +des Heeres _Subutai_, der eine der beiden Feldherren, welche vor sieben +Jahren Persien bis nach Russland durchzogen, und _Tatschar_, der Sohn des +hochbetrauten ersten Örlök _Bugurdschi_, dessen Stelle als Wesir jetzt +einer der weisesten und menschlichsten und folglich grössten Wesire versah, +deren die Geschichte erwähnt. _Mahmud Jelwadsch_ war ein Perser und Moslim, +welchen sich die chinesischen Quellen aneignen, indem sie den Namen +_Jelwadsch_ in _Jelui_ verstümmeln, ihn selbst zu einem Chitanen, Bekenner +der Lehre des _Fo_, machen.[87] Sieben Jahre lang dauerte der Krieg im +Osten und Westen, glorreich in den nördlichen Provinzen China's, in +_Schensi_, _Petseli_ und _Iran_, in _Russland_, _Polen_ und _Ungarn_, +erobernd und verheerend geführt. Die mongolischen Heere drangen zu gleicher +Zeit bis an die Ufer des _Kara Muran_, d. i. der schwarzen _Mur_, oder des +gelben Flusses in China und fast bis an die der weissschäumenden _Mur_ in +Steiermark vor; China's Länder wurden bleibend erobert; mit dem Falle der +Residenz _Peanking_, deren von Subutai dem mongolischen Heere versprochene +Plünderung nur durch die Vorstellungen _Jelui Tschutsai's_ (Jelwadsch's) +abgewendet worden, stürzte auch die Dynastie der goldenen Kaiser zusammen, +deren letzter, von Tschengischan zuerst besiegter, sich erhing.[88] Im +Westen waren die Heere Batu's über Russland, Polen und Ungarn bis nach +Mähren, Oesterreich und Dalmatien vorgedrungen; sie erschienen belagernd +vor den Mauern von Wienerneustadt und zogen vor denen Wien's vorbei; von +denen von Olmütz, nachdem die Blüthe des mährischen und schlesischen Adels +in der unglücklichen Schlacht von Lignitz geblutet, wehrte sie Jaroslav von +Sternberg ab, von dessen Hand _Peta_, d. i. _Paidar_, der Sohn +Dschagatai's, fiel, wie sein Bruder Mowatukan vor den Mauern Bamian's +gefallen, wesshalb Olmütz für die Mongolen eine böse Stadt, wie sie Bamian +und Koseslk nannten. Auf dem Rückzuge von China starb Tuli, welcher während +des ganzen siebenjährigen Feldzugs dem Bruder eben so treu und tapfer als +Feldherr gedient, als vormals dem Vater, nur vierzig Jahre alt, ein wahrer +_Spiegel_ (was sein Name Tuli heisst) von Sohnespflicht und Brudertreue. + +[Randnote: Ogotai's Bauten, Feste, Jagden, Freigebigkeit und Unmässigkeit.] + +Die Verwaltung der von der goldenen Dynastie eroberten chinesischen Länder +übertrug Ogotai dem weisen Wesire Jelwadsch, welcher schon im ersten Jahre +des Feldzugs zehn Steuerämter zur Einrichtung und Einhebung der Steuern +niedersetzte, deren jedes einen Präsidenten und Vicepräsidenten hatte und +deren Beamte chinesische Gelehrte. [RN: I. J. 1230.] -- »Das Reich«, +stellte der weise Staatsmann dem Herrn vor, »ist zu Pferd erobert worden, +kann aber nicht zu Pferd regiert werden«; sechs Jahre hernach wurden die +ersten Tresorscheine für die Summe von zehntausend kleinen Barren, d. i. +für fünfzigtausend Unzen Silber, ausgegeben.[89] [RN: I. J. 1236.] Er +stiftete zwei hohe Schulen, die eine zu Pingang in _Schendai_, die andere +zu Peking in Petsche-li, wohin die mongolischen Emire ihre Söhne sandten, +um in der Geschichte, Geographie, Arithmetik und Astronomie unterrichtet zu +werden.[90] Durch Colonien, aus China weggeschleppte Maurer, Zimmerleute, +Maler und Vergolder, wurde während des Feldzugs zu Karakorum, welches auf +der Ostseite des Berges Utekian, in der Nähe des Flusses Orghan, ehemals +die Residenz der Uighuren, die neue Residenz des Herrschers gebaut und +geschmückt, welche _Ordubaligh_, d. i. Lagerballei, genannt ward, als +Seitenstück zur chinesischen Residenz _Peking_, welche später unter Kubilai +den Namen von _Chanbaligh_, d. i. Chansballei, erhielt.[91] In zwei +besonderen Quartieren derselben wohnten die Moslimen und Chinesen von den +Mongolen getrennt; an den nach den vier Himmelsgegenden gelegenen Thoren +wurden die Märkte der Schafe und Ziegen, Ochsen und Pferde gehalten[92]; +zwölf Götzentempel, zwei Moscheen, eine christliche Kirche zeigten, dass +nebst dem herrschenden heidnischen Kultus auch die freie Ausübung der +anderen gestattet ward. Die Stadt wurde täglich durch fünfhundert Wagen +verproviantirt, deren einige sehr gross, von acht Ochsen gezogen[93]; der +Palast der Residenz hiess _Karschi_; Goldschmiede, unter denen ein +französischer, von den Mongolen auf ihrem Raubzuge durch Ungarn von Belgrad +weggeschleppter[94], arbeiteten an den goldenen und vergoldeten künstlichen +Thieren, welche als Fontainen an festlichen Tagen statt Wassers _Kumis_, +Wein, Meth[95] und Reisabsud spien[96]. Den Frühling brachte der Kaan auf +den Weiden zu, wo vormals die Herden Efrasiab's geweidet haben sollen und +wo er das Zelt _Gewher Chagan_, d. i. des Chakan's Edelstein, baute[97], +den Sommer am Gebirge _Ormektu_[98], wo das goldene Zelt (Sira Ordu) +aufgeschlagen, dessen Nägel Gold, das von innen mit goldenen Tapeten +behangen, tausend Personen fassen konnte; den Herbst brachte er zu _Köschei +Nawer_, vier Tagreisen von Karakorum, zu, und im Winter jagte er +grösstentheils zu Ongko, an dem Gebirge von _Telenku_; nur einen Monat lang +schenkte er seine Gegenwart der Residenz; zwei Parasangen davon hatte er +ein hohes Köschk erbaut, welches _Terghubaligh_, d. i. Proviantballei, +hiess; hier ward vor dem Einzuge in die Stadt Einen Tag Rast gemacht, an +welchem der ganze Hofstaat einfarbig gekleidet erscheinen musste. Während +des Aufenthalts in der Residenz (Karschi) wurden täglich Feste gegeben und +die reichsten Geschenke gespendet, denn Ogotai war an Freigebigkeit ein +zweiter _Hatim_; die Zeit verging unter Bogenschiessen, Scheibenwerfen, +Ringen, Jagen. Vor der Stadt war ein Stück Landes im Umfange von zwei +Tagreisen mit einem Walle aus Lehmen und Reisig als Park umfangen, in +welchen das grosse, auf dreissig Tagreisen ausgedehnte Jagdrevier des +Heeres, immer näher zusammenrückend, das ganze Wild der Gegend hineintrieb. +Die Prinzen und Emire erlegten dasselbe in des Chanes Gegenwart; das +erlegte wurde unter den Hofstaat und das Volk vertheilt. In Chorasan wurde +die Stadt Herat, welche bei der Eroberung durch das Blutbad von +hundertachtzigtausend ihrer Bewohner entvölkert und niedergebrannt wurde, +wieder aufgebaut; fünfzigtausend Gefangene wurden zu diesem Ende dahin +befehligt. Die Statthalterschaft Chorasan's war dem Uiraten _Arghun_ +anvertraut[99], die von Persien dem _Körges_ (Blindaug), welcher mit +Dschurmaghun nach Persien gekommen; über die Länder vom Gebirge Chankai bis +an den Oxus war Mesud, der Sohn von Jelwadsch, als Statthalter bestellt. +Ogotai's Freigebigkeit kannte keine Gränzen, aber auch nicht seine +Unmässigkeit im Trinken, welche seinen frühzeitigen Tod herbeiführte; sein +Bruder Dschagatai hatte ihn beschworen, sich die Zahl der Becher zu +mindern; er minderte die Zahl, nahm aber Becher von grösserem Umfange. +_Abika_, die Schwester _Sijurkukteni's_, die Gemahlin Tuli's, um deren Hand +Tschengischan vergebens bei Owangchan geworben und die heimlich an einen +Tafeldecker vermählt an der chinesischen Gränze ihren Jurt hatte, kam +alljährlich mit ihrem Sohne, welcher mit dem Amt eines Mundschenken +bekleidet war, zur Aufwartung. Eines Nachts, wo ihr Sohn den Wein kredenzt +hatte, starb Ogotai. [RN: 11. Dec. 1241.] Man wollte Abika und ihren Sohn +der Vergiftung beschuldigen, aber Iltschidai und die anderen Emire +vertheidigten ihre Unschuld, indem es klar war, dass Ogotai im Uebermasse +des Rausches vom Schlage getroffen worden.[100] + +[Randnote: Turakina's Regentschaft.] + +Ogotai hatte vier grosse Frauen Gemahlinnen und sechzig Beischläferinnen, +aus den letzten nur zwei Söhne; die Mutter der fünf anderen war die zweite +der vier Gemahlinnen, _Turakina_, aus dem Stamme Ohos Merkit, welche von +Tschengischan ihrem Gemahle Tairosun, dem Fürsten der Merkit, geraubt und +dem Sohne Ogotai zur Frau gegeben worden, wiewohl jenem früher die +Prinzessin Kulan, die Tochter Tschengischan's, vermählt war; sie war nicht +schön, aber den Mangel an Schönheit ersetzte Herrschsucht und List, wodurch +sie nach Ogotai's Tod die Kaanschaft ihrem Sohne _Gujuk_ verschaffte, +wiewohl Ogotai dieselbe dem _Schiramun_, dem Sohne seines geliebten, vor +ihm verstorbenen Sohnes Kutschu, bestimmt hatte. Nach dem mongolischen +Familiengesetze war sie nach des Gemahles Tod als Mutter die Regentin, +welcher alle Stämme bis zur Thronbesteigung des neuen Herrschers gehorchen +mussten. Durch die Künste ihrer Herrschsucht und List verlängerte sie die +Regentschaft vier volle Jahre, während welcher sie Alleinherrscherin der +Mongolen. Sie begann ihre Herrschaft mit der Absetzung des Staatssecretärs +Ogotai's, des Uighuren _Tschinkai_[101], welcher die Worte Ogotai's +aufgezeichnet, und entzog ihr Vertrauen dem weisen Mahmud Jelwadsch, dem +Chuaresmier, welcher schon von Tschengischan als Gesandter an Chuaresmschah +verwendet, seinen Beinamen vermuthlich dieser Gesandtschaft dankt, wiewohl +Jelwadsch eigentlich nur einen Gottesgesandten, einen Propheten +bedeutet.[102] Turakina hatte ihr unbeschränktes Vertrauen in +Finanzgegenständen dem Moslim Abderrahman geschenkt, welcher zu Ende der +Regierung Ogotai's sich als Pächter der Staatseinkünfte China's mit +Verdoppelung des bisherigen Pachts von Einer Million auf zwei angetragen. +Jelwadsch stellte dagegen vor, dass man wohl fünf Millionen jährlich +erpressen könne, aber das Land zu Grund richten würde; der Pacht ward +dennoch bewilligt, und Abderrahman und die Moslimin Fatima, welche bei der +Verheerung von Tus geraubt worden, leiteten die Rathschläge Turakina's. +Bald nach dem Tode Ogotai's hatte dessen Oheim _Utdschigin_, der jüngste +Bruder Tschengischan's, Miene gemacht, sich der obersten Herrschaft +bemächtigen zu wollen, indem er mit Truppen der Residenz nahte. Turakina +sandte ihm Wort: warum er mit so zahlreichem Gefolge seine Tochter zu +besuchen käme? und sandte ihm seinen Sohn, der am Hofe Ogotai's verweilte, +zurück. Utdschigin antwortete, dass er blos gekommen, ihr sein Beileid über +den Tod des Gemahls zu bezeigen, und kehrte zurück. Der ausgeschriebene +Landtag hatte endlich am See _Köke_[103] statt, wo Ogotai den Herbst +zuzubringen pflegte. Der lange Aufschub rührte vorzüglich von Batu her, +welcher die Regentin nicht liebte, und ein Uebel am Fusse vorschützte, um +nicht auf dem Kurultai zu erscheinen; endlich versprach er zu kommen, +sandte aber seiner statt seine Söhne und Enkel; auch der Temgu Utdschigin +erschien mit achtzig seiner Söhne; die Frau Sijurkukteni, die Wittwe Tuli's +mit ihren Söhnen und die Dschagatai's[104]; ausserdem die Statthalter des +Reichs: der von Chorasan und Persien, _Arghun_; der von _Uighuristan_ und +Turkistan, _Mesud_, der Sohn von Jelwadsch; von den zinsbaren Fürsten +_Rukneddin_, der Seldschuke Rum's, _Jaroslaw_, der russische Grossfürst, +zwei Prinzen _David_, die sich um den Thron Georgiens stritten, der Bruder +des Herrschers von Mossul, aus dem Hause Ejub, die beiden Gebieter von +Kurdistan, _Schemseddin_ und _Schihabeddin_, im Namen des Fürsten der +Assassinen, die Herren von Rudbar und Alamut, _Fachreddin_ der Richter der +Richter, von Seite des Chalifen von Bagdad, der Gesandte des Fürsten von +Fars und Kerman, und im Namen des Papstes Innocenz des vierten die beiden +Franziskaner: der Pole Benedict und der Franzose Plan Carpin, deren letztem +wir das treue Gemälde des Kurultai und tatarischer Sitte in seiner +Reisebeschreibung verdanken. Zugleich waren vier Dominikaner Missionäre an +_Baidschu Nujan_[105], den mongolischen Befehlshaber in Persien, +abgegangen, von denen aber nur Simon von Saint Quentin über die +Missionsreise kurzen, im Geschichtsspiegel des Vincenz von Beauvais +erhaltenen, Bericht hinterlassen. + +[Randnote: Gujuk's Thronbesteigung.] + +Durch vier Tage wechselten die Prinzen und ihr Gefolge den Anzug, indem sie +am ersten Tage in weissen Kleidern, am zweiten in rothen, am dritten in +violeten, am vierten in scharlachfarbenen erschienen; zwei Eingänge führten +zum grossen Wahlzelte, in welchem Raum für zweitausend Personen; einer der +Eingänge unbewacht, nur für den Herrscher; der andere von Bogenschützen +besetzt, welche die, denen der Eingang nicht gestattet war, abwehrten. Die +Thronbesteigung sollte schon am Tage der Himmelfahrt Mariä statthaben, ward +aber ob eines fürchterlichen Hagels und Schneegestöbers (welches in der +Hälfte Augusts für die Rauheit des Klima's im Gebirge von Karakorum zeugt +und den mongolischen Volksaberglauben der donnerbeschwörenden Uriankuten +und der hagelmachenden Schamanen erklärt) bis an den Bartholomäustag +verschoben. [RN: 24. August 1246.] Turakina hatte für ihren Plan, den Thron +ihrem ältesten Sohne Gujuk zuzuwenden, die Stimme Sijurkukteni's und ihrer +Söhne gewonnen, und der Minister _Kaidak_, Chinese, wie _Tschinkai_, +leiteten die Wahl. Gujuk, von heftigem und wankelmüthigem Sinne[106], +verstand sich zur Annahme des ihm von der Mutter bestimmten Thrones nur +unter der Bedingniss, dass die Fortdauer der Herrschaft in seinem Uluse +beschworen werde. Der Vertrag ward mit der Formel unterzeichnet: »dass, so +lange vom Stamme des Kaan's ein Stück Fleisch übrig, an der Herrschaft kein +Anderer Theil nehmen solle«.[107] Dem Gujuk, wiewohl noch nicht zum +Herrscher ausgerufen, wurden schon ausschliessliche Ehren erwiesen; wenn er +aus seinem Zelte ging, traten ihm Sänger vor und die Hofdiener neigten vor +ihm ihre Ceremonienstäbe mit den rothen Quasten.[108] Als man endlich mit +dem Wahlvertrage im Reinen, hatte die Feierlichkeit der Thronbesteigung +statt. Gujuk wurde auf einen goldenen Stuhl gesetzt, und die Prinzen und +Nujanen erklärten, dass sie ihn zum Herrscher wollten. Gujuk fragte: ob sie +bereit, seinem Worte zu gehorchen, zu gehen und zu kommen nach seinem +Befehl und zu tödten auf seinen Wink? und als sie dies bejaht, sagte er: So +wird dann künftig sein mein Wort als Schwert. Sie gaben ihre Zustimmung, +setzten ihn vom goldenen Stuhle auf eine Filzdecke auf die Erde und sagten: +Schaue auf zu Gott im Himmel und nieder auf den Filz zur Erde; wenn du gut +regierst, wenn du gerecht, freigebig, die Prinzen und Freiherren ehrst, +wird dir die Erde unterthan sein nach deinem Willen; im Gegentheil wirst du +arm, verachtet und elend sein und nicht einmal der Filz wird dein gehören, +auf dem du sitzest[109]. Dann setzten sie neben ihn seine Gemahlin +Oghulkaimisch die Merkitin, hoben sie beide auf dem Filze empor und riefen +ihn als Chakan und _Moilchan_ und sie als grosse Frau der Mongolen aus. Die +Mützen flogen in die Luft, die Gürtel wurden über die Schulter geworfen, +die ganze Versammlung beugte neunmal das Knie, drei Becher von Stutenmilch, +Wein und Meth wurden ihm dargebracht, und als er aus dem Zelte ging, fiel +das versammelte Volk und Heer dreimal vor ihm nieder[110]; sieben Tage +dauerte das Fest, während welches vom Zelte des Chakan's Fleisch und Salz +und Stutenmilch ausgetheilt ward[111]. Die Frauen hatten ihre Sitze links +des Thrones, auf der rechten Seite standen nur die Prinzen[112]; die +Nujanen hatten ihre Sitze inmitten des goldenen Thronzeltes; die der Frauen +waren von weissem Filz; die Diplome wurden erneuert, die Jurte und +Privilegien bestätigt, die Statthalterschaften vertheilt. Die Feldherren +_Subutai Behadir_ und _Dschaghan_ wurden nach China, _Iltschikidai_ mit +einem schweren Heere nach Westen zur Schlichtung der Angelegenheiten Rum's +und Georgien's abgeordnet, dem _Arghun_ wurde die Reichshut wider die +Schlösser der Assassinen in Chorasan und Kuhistan aufgetragen, die +Gesandten von Alamut und die des Chalifen wurden mit drohenden Briefen +entlassen, indem über den Fürsten der Assassinen _Arghun_, der Statthalter +von Chorasan, über den Chalifen sich _Schiramun_, der Sohn Dschurmaghun's, +des vormaligen Feldherrn in Persien, beklagt hatten. Die Finanzverwaltung +von China war in den Händen Abderrahman's; Mesud, der Sohn von Jelwadsch, +behielt die Verwaltung Turkistan's; die Wesirschaft war zwischen den beiden +Chinesen _Tschinkai_ und _Kaidak_ getheilt, unter denen die nestorianischen +Priester hoch das Haupt empor trugen und auf deren Einfluss die Missionäre +des Papstes die Hoffnung der Bekehrung des Chan's zum Christenthume bauten. +Turakina starb schon zwei Monate nach ihres Sohnes Thronbesteigung, und +ihre Günstlingin Fatima ward unter der Anklage, dass sie dem Prinzen Kulan, +dem Bruder des Chan's, eine Krankheit angezaubert, als Zauberin ertränkt. +Im Frühjahre des zweiten Jahres seiner Regierung ging Gujuk von Karakorum +gegen Imil, sein Stammgebiet; die Wittwe Tuli's sandte hievon Batu, dem +Herrscher von Kipdschak, Kunde, um ihn zu warnen, dass der Marsch wider ihn +gerichtet sein könnte; auf demselben starb Gujuk im drei und vierzigsten +Jahre als ein Opfer seiner Ausschweifungen in Trunk und Weibern. + +[Randnote: Mengku's Thronbesteigung.] + +Der Tod Gujuk's ward nach der von Tschengischan herrührenden Staatsmaxime +geheim gehalten, bis der Aelteste der Familie (dies war Batu, der Herrscher +von Kipdschak) davon verständigt; er war auf Sijurkukteni's Warnung vom +Marsche Gujuk's demselben entgegengezogen und bis nach _Kialik_ gekommen, +als er die Kunde des Todes erhielt. Die Regentin, die Frau Oghulkaimisch, +sandte an ihn Botschaft im Namen ihrer Söhne, von denen der älteste, +Chodscha Aghul, den Thron vermöge der Jasa und des noch bei der +Thronbesteigung seines Vaters unterzeichneten Familienvertrags in Anspruch +nahm; aber auch die Frau Sijurkukteni, Wittwe Tuli's, die Mutter vier +seiner neun Söhne, nämlich: _Mengku's_, _Kubilai's_, _Hulagu's_ und _Arik +Buka's_, sandte Botschaft, um seine Stimme für den ältesten derselben zu +gewinnen. Sijurkukteni war die Nichte Owangchan's, eine Frau von +ausserordentlichem Geiste und Verstande, unstreitig die grösste aller +Frauen, von denen die mongolische Geschichte ein Paar Hundert, in die der +Herrscher verflochten, erwähnt. Hochangesehen durch ihre Geburt als die +Nichte des grossen Herrschers der Kerait aus seinem Bruder Hakembo, war sie +es noch mehr durch die Verschwägerung mittels ihrer drei Schwestern, von +denen _Begtutmisch_ eine der vier grossen Frauen Dschudschi's und also die +Stiefmutter Batu's, und vermöge der mongolischen Sitte, nach welcher die +Söhne nach des Vaters Tod die Stiefmütter zu Gemahlinnen nahmen, eine der +Frauen Batu's oder doch wenigstens von grossem Einflusse in seinem +Frauengemach; ausser diesen Vortheilen ihrer Geburt und Verschwägerung +genoss sie des höchsten Ansehens als die grosse Frau Tuli's, des Herdhüters +des Hauses Tschengischan's, als die Mutter seiner vier obgenannten Söhne +und als eine Frau von grosser Staatsklugheit. Durch diese hatte sie immer +den Herrscher Batu sich und ihren Söhnen günstig zu erhalten gewusst; als +Batu den kranken Fuss vorgeschützt, um sich der Gegenwart beim Kurultai der +Thronbesteigung Gujuk's zu entheben, hatte sie ihre Söhne an ihn gesandt, +um sich nach seiner Gesundheit an erkundigen; als Gujuk gegen die Gränze +marschirte, hatte sie ihm die früheste Kunde und Warnung gegeben, und fand +ihn also ihren Wünschen geneigt; ausserdem hatte sie als grosse +Menschenkennerin die durch Talente oder Heldenmuth ausgezeichnetsten +Männer der verschiedenen Stämme als Erzieher oder Umgebungen ihrer Söhne an +sich zu ziehen gewusst und sich mit dem Bollwerke ihres Kopfs und Arms +umgeben.[113] Die zahlreichsten Prinzen auf diesem Kurultai waren die der +Uluse Dschudschi und Tuli. _Iltschikidai_ der Dschelaire, der Befehlshaber +in Persien, brachte den versammelten Prinzen den bei der Thronbesteigung +Gujuk's unterschriebenen Familienvertrag in Erinnerung: dass, so lang ein +Stück Fleisch von seinem Hause übrig wäre, sie aus keinem anderen den +Herrscher wählen würden. Ihr habt, entgegnete Kubilai, zuerst die Jasa +Tschengischan's gebrochen, indem ihr seine Tochter _Atalun_ (die Gemahlin +Dschawer Satschan's des Olkoniten) getödtet, indem ihr die durch Ogotai's +letzten Willen seinem Enkel _Schiramun_ bestimmte Thronfolge dem Gujuk +zugewendet. Diese Einwendung unterstützte das Ansehen Batu's und der +Oberrichter[114] Mingkasar Nujan, welcher den Heldenmuth Mengku's, des +ältesten Sohnes Tuli's, und die von ihm in dem chinesischen Feldzuge noch +unter dem Grossvater Tschengischan und dann im siebenjährigen westlichen +Kriege wider Europa geleisteten grossen Dienste anpries. Die Prinzen trugen +den Thron Batu als dem Aeltesten des Hauses an; da dieser denselben aber +ausschlug, übertrugen sie ihm die Ernennung des Herrschers, und Batu +ernannte dazu Mengku, den ältesten Sohn Tuli's. Mengku entschuldigte sich, +aber sein Bruder _Muke_ bemerkte, dass, da Alle versprochen, sich dem +Ausspruche Batu's zu fügen, so sei hier Unterwerfung auch für Mengku +Pflicht; demnach ward ihm als künftigem Herrscher gehuldigt und Batu selbst +brachte ihm den Becher dar; zugleich ward ausgemacht, dass, da die +Versammlung nicht vollständig, nächsten Frühling im Stammgebiete Keluran +auf vollzähligem Kurultai die Thronbesteigung gefeiert werden, unterdessen +die Frau Oghulkaimisch die Regentschaft führen solle. Die Söhne Gujuk's +ziehen ihren Stellvertreter, der hiezu beigestimmt, überschrittener +Vollmacht, die Prinzen des Uluses Dschagatai und Ogotai weigerten sich, auf +dem Kurultai zu erscheinen; da sandte Batu seine beiden Brüder, Berke und +Tokatimur, mit zahlreichem Heere, um den Mengku trotz ihrer Abwesenheit als +Kaan auszurufen. Drei Jahre nach dem Tode Gujuk's wurde Mengku unter den +gewöhnlichen Feierlichkeiten als Kaan und Moilkan ausgerufen. [RN: 1. Juli +1251.] Es wurde ein Regierungsbefehl erlassen, vermöge dessen befohlen +ward, nicht nur der Menschen, sondern auch der Lastthiere zu schonen, +verboten, die Thiere, deren Fleisch gegessen, anders als nach mongolischer +Sitte zu erwürgen, die Reinheit des Wassers zu trüben. Sieben Tage dauerte +das Krönungsfest, an deren jedem neues Kleid von anderen Farben angezogen, +täglich das Fleisch von hundert Pferden und Ochsen, fünftausend Schafen +verzehrt, die Ladung von zweitausend Wägen Weins und Kumis ausgetrunken +ward. + +[Randnote: Hinrichtungen der Prinzen; Feldzug gegen Osten und Westen.] + +Während der Feste kam ein Soldat der Leibwache[115], welcher sein Maulthier +verloren, dasselbe zu suchen ausgegangen, in grösster Eile (er hatte in +Einem Tage den Marsch von dreien durchmessen) mit der Kunde, dass die +Prinzen des Uluses Ogotai, Schiramun, Baghu und Kutuktu mit versteckten +Waffen, die sie in bedeckten Wägen mit sich führten, im Anzuge. Mingkasar +ging ihnen mit Truppen entgegen, überfiel sie und führte sie ins Lager mit +sich; hier brachten sie nach mongolischer Sitte ihre Geschenke, neun +verschiedene Dinge und von jedem neun Stücke, dar; aber am dritten Tage +wurden sie beim Eintritt in's Zelt verhaftet und von Mengku selbst verhört. +Der Hofmeister Schiramun's gestand, geprügelt, den Auftrag, und Mengku +übertrug nun das Gericht über die Schuldigen dem Mingkasar; dieser sprach +über dieselben nach der Jasa die Todesstrafe aus. Siebzig Prinzen und +Nujanen wurden hingerichtet, unter den letzten zwei Söhne Iltschikidai's, +des Feldherrn in Persien, deren Vater zu Badgis verhaftet, zu Batu geführt, +von diesem hingerichtet ward. Die Todesart der Nujanen war, dass man ihnen +den Mund mit Steinen füllte und sie so erstickte; die der Prinzen, dass man +sie in seidene Tapeten einwickelte und darin zu Tode rollte[116]. +Katakasch, die Mutter Schiramun's, die Nichte Altschi Nujan's, sandte Bitte +an Sijurkukteni, die Schuld ihres Sohnes bekennend und für denselben um +Verzeihung flehend; auf die Fürbitte der Mutter schenkte Mengku den +Aghlanen, d. i. den Prinzen Schiramun, Chodscha Aghul, Baghu aus dem Uluse +Ogotai, Jesenbuke aus dem Uluse Dschagatai, das Leben, indem er sie nach +China sandte, dem Chodscha Aghul aber, welchem die Thronfolge gebührt +hätte, einen Jurt an der Selenga anwies[117]; auch den beiden grossen +Söhnen Ogotai's, _Timur_ und _Melik_, und denen Kutan's wurde das Leben +geschenkt, aber in der Folge, als Mengku selbst nach China zog, wurde der +Prinz Schiramun ertränkt. Seine Mutter Katakasch und Oghulkaimisch, die +Wittwe Gujuk's, wurden das Jahr hierauf vor das Gericht Mingkasar's +gestellt, beide als überwiesen, dass sie die Söhne zur Widerspenstigkeit +bei dem Kurultai der Thronbesteigung aufgehetzt, zum Tode verurtheilt und +in Filz eingewickelt ersäuft. Kaidak und Tschinkai, die beiden Räthe der +Oghulkaimisch, wurden hingerichtet. Buri, der Enkel Dschagatai's, wurde an +Batu ausgeliefert, der ihn um einige Schimpfreden, die er wider ihn +ausgestossen, tödten liess. So waren ausser siebzig Nujanen die Kaiserin +Oghulkaimisch und die Mutter Schiramun's, welcher von Ogotai zur Thronfolge +bestimmt worden war, als Opfer der Herrschaft des Uluses Tuli's gefallen. +Der Idikut, d. i. Fürst, der Uighuren, welchem Turakina die Herrschaft über +das Land verliehen, wurde, von einem Moslim eines Mordplans wider alle +Moslimen in seinem Lande angeklagt, vor das Gericht des unerbittlichen +Mingkasar gestellt; von diesem auf die Folter gelegt, bekannte er sich +schuldig, wurde zur Todesstrafe verurtheilt und nach Pischbaligh gesandt, +um dieselbe zu erleiden; an einem Freitage, als die Moslimen in die +Moschee gingen, wurde er zu ihrer grossen Freude geköpft; die Stelle des +Scharfrichters vertrat sein eigener Bruder, welchem Mengku die Herrschaft +des Landes der Uighuren verlieh. Berke Aghul und Buka Timur, die beiden +Söhne Batu's, wurden mit Ehren nach Kipdschak, so auch Kara Hulagu, der +Enkel Dschagatai's, aus dessen vor Bamian's Mauern gefallenem Sohne +_Muwatukan_, mit der Oberherrschaft seines Uluses entlassen; Mohammed +Jelwadsch, welcher, als Mengku einen Augenblick über die Strafe der +schuldigen Prinzen unschlüssig, denselben nach der aus der römischen +Geschichte bekannten Anekdote, der vom Vater Tarquinius als Antwort auf des +Sohnes anfragende Botschaft stillschweigend abgehauenen höheren Pflanzen, +zur Todesstrafe bestimmt hatte, ward wieder die Finanzverwaltung von China, +und seinem Sohne Mesud die Statthalterschaft über die Länder zwischen dem +Oxus und Irtisch anvertraut, dem Aghun die Statthalterschaft über ganz +Persien, von Chorasan bis nach Armenien und an die syrische Gränze +bestätiget. Mingkasar war der Oberrichter, der Christ Bulghai stand an der +Spitze der Staatskanzlei, in welcher Sekretäre für die Ausfertigungen in +sieben Sprachen: Perser, Uighuren, Araber, Chinesen, Tibeter, Mandschu und +Tanguten angestellt waren. Kuikur, der Sohn Dchudschi Kasar's, des Bruders +Tschengischan's, erhielt die Befehlshaberschaft der Residenz Karakorum; +Befehle wurden erlassen, um dem Misbrauche der von Ogotai eingesetzten +Posten _Jam_[118] zu steuern, indem die Kuriere und Gesandten den Bauern +die Pferde wegnahmen; die Abgabe _Kuntschur_ von den Herden wurde auf Eines +vom Hundert bestimmt; die Herde, die nicht Hundert zählte, war davon frei. +In Persien wurde nach dem Fusse der von Jelwadsch in Transoxana +eingeführten Besteuerung der Kopfsteuer, je nach dem Vermögen von Einem bis +zehn[119], in China von Einem bis fünfzehn Dukaten festgesetzt. +Forderungen von Kaufleuten, welche für die unter Gujuk gelieferten Waaren +keine Bezahlung erhalten hatten, wurden mit fünfzigtausend Silberbalischen +befriedigt[120]; hingegen zog er alle Ländereien ein, deren sich nach dem +Tode Gujuk's seine Wittwe Oghulkaimisch und ihre Söhne Chodscha und Baghu +bemächtigt hatten, welche siebzehntausend Balische Gold eintrugen[121]. Der +Bruder Kubilai wurde mit einem Heere nach China befehligt, und bei dem +Aufbruche desselben hielt der Kaan ein Kurultai, von Festen aller Art +begleitet; auf diesem erschienen der Richter Schemseddin von Kaswin, +welcher wider die ihn aufsuchenden Dolche der Assassinen zum Throne des +Kaans flüchtete, und Abgeordnete Baidschu Nujan's, des Befehlshabers in +Irak, welcher sich über den Chalifen von Bagdad beklagte. Da beschloss +Mengku den Krieg wider die Assassinen und den Chalifen und übertrug die +Führung desselben seinem Bruder Hulagu. Da einige Geschichtschreiber den +Anfang der Herrschaft der Mongolen in Persien von diesem Jahre an rechnen, +wiewohl Hulagu erst drei Jahre später dort als Eroberer einzog, so wird +auch das folgende Buch am bessten mit dem Feldzuge, dessen angekündigter +Zweck die Zerstörung der Herrschaft der Assassinen und des Chalifats, +beginnen, aber zuvor thut noch zur Orientirung des Lesers vonnöthen ein +Ueberblick der damals, das ist in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts +der christlichen Zeitrechnung, in Asien dem Reiche der Mongolen +gleichzeitigen asiatischen Dynastien. + +[Randnote: Dynastien im Osten Asiens.] + +China, dessen nördliche Hälfte unter Mengukaan, dessen südliche unter +Kubilai zu dauerndem Besitze und zur Gründung der Dynastie _Juan_, d. i. +der Mongolen, erobert worden, liegt hier eben so, wie das indische Reich +von Dehli, dessen grosse Stadt _Lahur_ noch unter Gujuk's Regierung von den +Mongolen belagert und für kurze Zeit erobert worden war[122], ausser dem +Bereiche dieses Ueberblicks, welcher blos die unmittelbar mit der +mongolischen Dynastie in Persien bei der Eroberung desselben oder später +verflochtenen asiatischen Reiche und Dynastien ins Auge nimmt. Wir wenden +den Blick nach sechs Seiten, so dass derselbe Persien selbst und seine +Gränzländer in Osten, Westen, Süden, Norden, sammt dem äussersten des +westlichen Asiens, bis wohin sich das Reich und die Macht der Ilchane +erstreckte, in sich begreift. Im Osten zuerst nach dem _indischen_ +Gränzreiche, nach _Chorasan_, d. i. dem Ostlande, dem persischen +Oesterreich und dem daran stossenden _Kuhistan_; im Süden gegen _Kerman_ +und _Jesd_, dann nach Persien im engsten Sinne, nach _Fars_, dem persischen +_Irak_ und den beiden dazu gehörigen _Luristan_; im Westen nach dem +_arabischen Irak_, dem Sitze des Chalifats, und nach dem Reiche der +Seldschuken in _Rum_; im Norden nach _Gilan_, _Georgien_ und _Armenien_; +endlich nach dem entfernten _Syrien_ und _Aegypten_ und dem +_byzantinischen_ Reiche: + +I. An der indischen Gränze, von deren Deckung gleich beim ersten Feldzuge +Hulagu's die Rede sein wird, herrschte die in der ersten Hälfte des +dreizehnten Jahrhunderts gegründete Dynastie der _Chuldschen_, d. i. die +fünfte der _Ghur_, nachdem die drei früheren dieses Namens zu _Ghasna_, +_Bamian_ und _Kabul_ erloschen, während die vierte, nämlich die der +_Ulugschahe_, mit ihnen gleichzeitig zu Dehli herrschte. Die Benennung der +zweiten tatarischen Dynastie, unter welcher _Ferischte_, der grosse +Geschichtschreiber der moslimischen Reiche in Indien, die Chuldschen +aufführt, könnte gelten, wenn es wahr wäre, dass sie von einem Eidam +Tschengischan's, Namens _Choldsch_, abstammen; aber keiner der Eidame +Tschengischan's trägt diesen Namen und keine derselben waren _Choldsche_ +oder _Challadsche_ (das indische Choldsch ist blos eine Verstümmelung des +Namens der _Challadsch_ oder _Kaladsch_), welche, wiewohl Türken von +Abkunft, von Reschideddin den uneigentlichen Mongolen beigesellt werden. In +der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts herrschte aus dieser Dynastie +_Dschelaleddin Firus_, welcher sich der Stadt Dehli bemächtigte, und dessen +vier glänzende Siege der grosse persische Dichter Chosrew von Dehli, in +einem besonderen: _die Eroberung der Eroberungen_[123] betitelten Werke +beschrieben, und dessen Sohne _Alaeddin_ ein anderes seiner Werke, nämlich +_die Vereinigung der beiden glücklichen Gestirne_[124], gewidmet. Chosrew +von Dehli war der Lobredner Dschelaleddin's und Alaeddin's, der beiden +grossen Herrscher der Chuldschen, wie ein halbes Jahrhundert später +_Wassaf_, der Lobredner der beiden Herrscher der Ilchane, _Chodabende_ und +_Ebu Said_. II. In _Chorasan_ war erst vor einigen Jahren zu Herat die +Dynastie der _Kert_ durch Schemseddin Mohammed gegründet worden, welchem +Tschengischan bei der Eroberung Herats den Besitz desselben eingeräumt, +Mengku, welchem er mit reichen Geschenken seine Huldigung darbrachte, die +Herrschaft von Herat und Ghardschistan bestätigte. In dem unmittelbar an +Herat anstossenden und längs der südlichen Gränze von Chorasan sich +hinziehenden Kuhistan, das ist dem Gebirgslande, sandten: III. die +Assassinen von ihren hundert Schlössern den Meuchelmord wider alle ihre +Feinde aus. Der siebente Grossmeister dieser Meuchelmörder, _Alaeddin +Mohammed Gurschah_, sass seit zwanzig Jahren als Alter vom Berge auf dem +Stuhle, auf welchen den neunjährigen Knaben die nächsten Verwandten, welche +den Vater vergiftet, gesetzt und dem er, vom eigenen Sohne gemordet, +entsank. + +[Randnote: Dynastien im Süden Persiens.] + +IV. _Kerman_, die südliche Landschaft Persiens, kam nach dem Untergange der +Herrschaft der Bujiden in die Macht der Seldschuken, von deren +fünfgetheilten Herrschergeschlechte ein Zweig den Namen von Kerman führt, +und blieb im Besitze der Söhne Kaurdin's bis zur Regierung Dscheladdin +Chuaresmschahs, zu dessen Zeit der Kämmerer _Borrak_, zum Islam bekehrt, +vom Chalifen mit der Herrschaft dieses Landes belehnet und mit dem +Ehrentitel _Kotlogh Sultan_, d. i. der gute Sultan, ausgezeichnet ward. +Kotlogh Sultan war mit dem Atabegen von Jesd Ghajaseddin in vielfältige und +langwierige Streitigkeiten verwickelt, welche in der _welteröffnenden +Geschichte_ Dschuweini's erzählet sind. Der Sohn Kotlogh Sultan's +_Rukneddin_ erhielt trotz der Empörung Kutbeddin's, des Neffen Borrak's, +vom ersten Nachfolger Tschengischan's von Ogotai die Belehnung von Kerman, +Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz am Hofe des Kaan, indem er seine +Schwester dem Kasar Beke und eine Tochter dem Ssahib Habesch Amid +vermählte; zwei Söhne aus dieser Ehe waren in der Folge die Stützen des +Throns von Kerman wider Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt, +durch den Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von Mengkutaan das Diplom der +Herrschaft Kerman's erhielt. Kutbeddin schickte mit der Botschaft der +Belehnung einen Gesandten an Rukneddin, [RN: 650/1252] der, als er beim +Atabegen von Fars Mosaffereddin Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch +beim Chalifen Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden Jahre +nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der Nebenbuhler um den Thron +Kutbeddin mit ihm zugleich eingetroffen. Diesem bestätigte Mengku, und +später auch Hulagu die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre +später erfolgten Tode behielt. [RN: 658/1258] Fast noch weniger als die +Geschichte der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der Atabegen +von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäischen Geschichtschreibern +bekannt. V. Die Atabege von Jesd leiten ihren Ursprung vom Dilemiten _Ebu +Dschaafer Mohammed Kakuje_ ab, dessen Namen die Araber in _Kakeweih_, so +wie den der _Buje_ in _Boweih_, und den der _Fasluje_ in _Fasleweih_ +verstümmeln; er war der Oheim _Side Chatun's_, der Mutter Medschdeddewlets +des Bujiden und Statthalters von Issfahan; sein Sohn _Ebu Manssur Firamurs_ +hatte vom Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte die Herrschaft von +Jesd erhalten; [RN: 443/1052] ihm war in derselben sein Sohn _Emir Ali Ben +Firamurs_ gefolgt, [RN: 536/1142] welcher im Kriege wider die Karachitanen +fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher der persischen Seldschuken, +verlieh die Herrschaft von Jesd dem _Sam Ben Wirdan_, [RN: 515/1122] einem +Abkömmlinge aus einer Tochter Emir Ali's, als Stellvertreter desselben. Sam +Ben Wirdan umfing das Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und +verherrlichte Jesd durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess die +Herrschaft seinem Bruder _Iseddin Beschker_, [RN: 590/1194] welcher, ein +tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit der Statthalterschaft +von Schiras und Issfahan betraut worden, zu Anfang des Jahrhunderts starb; +[RN: 604/1208] ihm folgte sein Bruder _Wirdansor_ durch zwölf Jahre, und +dann dessen Bruder _Ebu Manssur_, beigenannt Kutbeddin der Choldsche, [RN: +gest. 616/1219] nach ihm dessen Sohn _Mahmud_ durch dreizehn Jahre, und +nach diesem dessen Sohn _Salghurschah_, [RN: 621/1231] der Erbauer der nach +ihm genannten Stadt _Salghurabad_, und dann dessen Sohn _Toghanschah_, der +neunte der Herrscher der Familie Kakuje, der Zeitgenosse Hulagu's[125], +welcher das Dasein dieser Herrscherfamilie duldete, bis nach zwei späteren +Herrschern (Alaeddewlet und dessen Bruder _Jusufschah_), zu Ende des +dreizehnten Jahrhunderts, Jesd von Ghasan erobert und dessen Ertrag den +Einkünften des Diwans einverleibt ward. + +[Randnote: Die Dynastien in Fars.] + +In Persien herrschten ausser den Atabegen von Jesd noch die von Schiras, +insgemein bekannt unter dem Namen der Salghuren, und zu Darabscherd, einer +Landschaft von Fars, die Dynastie Schebankjare[126] aus der Familie +_Fasluje_. VI. Die Vorfahren _Fasl Ben Emir Fasluje's_ waren ursprünglich +die Ispehbede, d. i. die Heerführer von Fars; schon zur Zeit Omar's, als +Jesdedschird, der letzte Chosroes der Sasan, vor den arabischen Heeren nach +Issfahan flüchtete, versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare, +welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd einen Bund des +Friedens aufrichteten, während Jesdedschird nach Kerman ging. Ali Ben +Fasluje war die rechte Hand Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und +sein Nachkömmling zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der obengenannte +Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemein _Fasluje Ben Hasuje_ genannt, Isfehsalar +d. i. General der Reiterei. Unter der Regierung Adhadeddewlet's des grossen +Fürsten der Ben Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras, _Tasch +Ferrasch Schebankjare_, das Land mit einem Heere, [RN: 430/1038] und zu +dieser Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run, in der +Nähe der Stadt Darabscherd, an; fünfzehn Jahre später bemächtigten sie sich +des Gebietes von Fars, zu dessen Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje +angestellt worden. Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von +Kerman, verheerte Fars, Fasluje flüchtete zu Alparslan, und pachtete von +ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwanzig Millionen Dirhem; da er sich +wider seinen Lehensherrn empörte, überzog ihn Nisameddin, der grosse +Grosswesir Melekschah's, mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin Dschanli +der _Chuansalar_, d. i. Obersttruchsess, schlug sich mit dem Erbauer der +Residenz zu Darabscherd, dessen langer Namen _Nisameddin Mahmud Ben Jahja +Ben Hasuje_. Dschanli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse; ihm +folgte sein Sohn _Mobariseddin_, dann dessen Sohn _Nisameddin II._, dann +der Bruder _Mosaffer Mohammed_, [RN: 624/1227] welcher, ein weiser und +gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte, als Hulagu gegen den +Westen aufbrach. Von allen Dynastien, welche zur Zeit Hulagu's in Persien +herrschten, ist keine merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren, +deren Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's füllt, und +die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit behandelt, weil Fars das +Stammland Persiens und Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der +Folge die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen +Dynastien erzählen, weil die Regierung der fünf ersten Fürsten, welche alle +den Vornamen _Mosaffereddin_, d. i. _die mit dem Siege der Religion +Betheilten_, führten, eine schöne Zeit des Flores der Herrschaft und der +Wissenschaft, des Lebensgenusses und der Poesie, und weil der Namen des +letzten _Ebubekr Ben Saad's_ schon durch _Saadi's Gülistan_ allein +unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem Ende der Herrschaft der +Dilemiten bis zu dem Auftritte des ersten Salghuren _Sonkar Ben Mewdud_ in +der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des zwölften der +christlichen Zeitrechnung, Fars durch sieben Atabege, Statthalter der +Seldschuken, verwaltet worden. Der erste _Fasluje Schebankjare_, dessen +schon oben bei der Dynastie dieses Namens Erwähnung geschehen, und von dem +die Dichter, auf dessen Namen _Fasl_, d. i. Trefflichkeit, Verdienst, +Wohlthat und Huld anspielend, gesagt: + + Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück, + Den Uebermuth des Aufruhrs hielt _Faslui_ zurück. + +Der zweite _Rokneddewlet_, d. i. die Reichssäule _Chumar Tegin_, ertrank; +der dritte _Dschelaleddin Dschanli_ verheerte das Gebiet der Dynastie +Schebankjare; der vierte _Karadschu_ baute eine Medrese zu Schiras und ward +zu Hamadan erschlagen; der fünfte _Mengubers_ baute eine Medrese, an der er +begraben liegt, dessgleichen seine Gemahlin _Sahide_ die Medrese _Issmeti_ +zu Schiras; der sechste _Bosabe_ ward, wiewohl ein gerechter und billiger +Herr, gewaltsam getödtet, [RN: 543/1148] und der siebente _Melekschah_ +hielt der letzte das Ansehen der Seldschuken aufrecht, welchem _Sonkar Ben +Mewdud_, der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte, indem er +sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf. + +[Randnote: Die Dynastien von Gross- und Klein-Luristan.] + +Mit der Familie Fasluje's, welche zu Schebankjare herrschte, sind die +sogenannten _grossen Fasluje_ nicht zu vermengen, welche in Gross-Luristan +unter dem Namen der grossen Atabege, so wie die Familie Chorschid in +Klein-Luristan unter dem Namen der kleinen Atabege herrschten. Die beiden +Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern, _Lor_ oder _Lur_, welche dort +Statthalter im dritten Jahrhunderte der Hidschret, später über die Stämme +herrschten, welche um's Jahr fünfhundert der Hidschret vom Berge Saumal im +nördlichen Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Persiens eingewandert, +sich unter Anführung Chorschid's in Klein-Luristan niederliessen; von ihrer +westlichen Abstammung heissen sie die Könige des Westens[127]. VIII. In +Gross-Luristan dienten die Anführer dieser ausgewanderten Stämme _Ali_ und +dessen Sohn _Mohammed_ den Atabegen Salghuren, und _Abu Tahir_, der Sohn +Mohammed's, stand dem Atabegen Sonkar wider die Schebankjare bei. Sonkar, +der Salghure, sagte zum Abu Tahir: er möge sich eine Gnade erbitten; Abu +Tahir begehrte erst den Pfeil, dann das Pferd des Atabegen, und als ihn +dieser noch mehr begehren hiess, die Erlaubniss, Luristan von den Feinden +der Atabege zu reinigen; er eroberte es, erklärte aber sich selbst zum +unabhängigen Fürsten und Atabegen. [RN: 550/1155] Bei dieser Gelegenheit +siedelten sich zahlreiche Stämme aus Syrien in Luristan an, und vertrieben +die _Scholen_ oder _Schulen_, welche die Ureinwohner des Landes. Abu Tahir +hatte fünf Söhne, deren ältester _Hesarsif_ in beständigem Kriege mit +_Tikle_ dem Atabegen Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Gebiet der +Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf vier Farasangen von +Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen Sohn Tikle, welcher denselben Namen +trug wie der Atabege Salghure von Fars, weil er von mütterlicher Seite ein +Enkel desselben, ein Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir; der Salghure Saad +sandte Heere wider Tikle, welcher dieselben schlug, und auch wider +Hosameddin Chalil, den Neffen Schudschaaeddin's von Klein-Luristan, +siegreich Krieg führte; endlich kamen aus Chusistan zwei Feldherren des +Chalifen, welche den Bruder Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete den +einen, nahm den anderen gefangen und löste denselben für den Bruder aus. +Tikle war der Beherrscher Gross-Luristan's, als Hulagu wider Bagdad zog. +Zur selben Zeit herrschte in Klein-Luristan der kleine Atabege Bedreddin +Mesud, welcher sich dem Dienste der Mongolen stellte. IX. Die Dynastie der +kleinen Atabege in Klein-Luristan begann ein halbes Jahrhundert später als +die der Atabege von Gross-Luristan. _Schudschaaeddin Chorschid_, d. i. _der +Tapfere der Religion, die Sonne_, eroberte das Land, nahm, der erste, den +Titel _Atabeg_ an, und starb nach vierzigjähriger Regierung über hundert +Jahre alt; [RN: 580/1184] ihm folgte sein Neffe _Rustem_, ein gerechter +aber strenger Fürst, den sein Bruder _Scherefeddin Ebubekr_ ermordete; +dieser wurde von seinem Weibe vergiftet; sein Bruder _Iseddin Kerschasif_ +nahm den Thron ein und die Frau _Melike_, seines Bruders Gemahlin, die +Tochter Schihabeddin Suleimanschah's, zur Frau; in langwierigen Krieg mit +Hosameddin Chalil, dem Neffen Schudschaaeddin's, verwickelt, schloss er mit +demselben Frieden, ward aber von ihm erschlagen. [RN: 640/1242] Die Wittwe +Melike Chatun sandte ihre drei Söhne (_Schudschaaeddin Chorschid_, +_Ssafeddin Rustem_ und _Nureddin Mohammed_) zu ihrem Bruder +_Suleimanschah_, der mit Hosameddin den Krieg so erbittert führte, dass sie +sich in Einem Monate ein und dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren kam +es in der Ebene von Schabur zu einer entscheidenden Schlacht, in welcher +Suleimanschah von sechzigtausend Reitern des Chalifen unterstützt ward, +während das Heer Hosameddin's nur aus dreitausend Reitern und neuntausend +Fussgängern bestand; dennoch wurde Suleiman Anfangs in die Flucht +geschlagen, trug aber den Sieg davon, und improvisirte, als man ihm den +Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse darauf, in denen eben so viele +Wortspiele: + + Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst, + Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust[128]; + Ein _Diw_, begehrte er das Reich von Suleiman, + Zuletzt im _Diwan_ Salomoni's abgethan. + +Die Herrschaft kam an den obengenannten _Bedreddin Mesud_, den Bruder +Iseddin Kerschasif's. + +[Randnote: Dynastien i. arab. Irak, in Syrien, Aegypten und Arabien.] + +Im arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen zu Bagdad, in der +Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch drei Dynastien, deren Fürsten den +Titel von Atabegen, das ist von Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem +Dutzend von Dynastien, welche in der morgenländischen Geschichte unter +diesem Namen berühmt, waren die von _Damaskus_, _Haleb_, _Aserbeidschan_ +und _Irbil_ bereits erloschen, und es bestanden nur noch die schon +erwähnten persischen der Atabege von _Jesd_, _Darabscherd_, _Schiras_, +_Gross- und Klein-Luristan_, und die nun zu erwähnenden von _Mossul_, +_Dschesire_ und _Sindschar_. XI. Zu Mossul herrschten seit einem +Jahrhunderte sechszehn Atabege aus der Familie Amadeddin Sengi's, deren +Thron vom Chalifen Bagdad's dem _Bedreddin Lulu_, Obersthofmeister der +beiden letzten Fürsten, verliehen worden; dieser füllte den Thron rühmlich +vierzig Jahre lang und ward von Hulagu, dem er nach Bagdad's Eroberung zu +huldigen kam, gnädig aufgenommen. XII. Die Dynastie der Atabege von +_Sindschar_, deren Herrschaft vor einem Jahrhunderte[129] begonnen, hatte +nur durch ein halbes Jahrhundert geherrscht, und ihre Herrschaft war nach +Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, Tode dem Sohne desselben, +Mosaffer von Beibars, dem Sultane Aegyptens, zugesprochen worden; eben so +war die Linie der Atabegen Mossul's, welche seit acht und vierzig +Jahren[130] XIII. zu Dschesire geherrscht, erloschen, und an ihre Stelle +_Modschahid_, ein anderer Sohn Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, +getreten, so dass Bedreddin Lulu und seine drei Söhne (der dritte folgte +ihm als Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher in die +Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. Zu _Mardin_ herrschte ein +Zweig der _Beni Ortok_, deren Hauptlinie von Diarbekr seit zwanzig +Jahren[131] erloschen war; aber aus derselben Familie herrschten zu Mardin +schon seit hundert sechs und achtzig Jahren[132] Fürsten, deren Dynastie +erst im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung +erlosch.[133] _Ilghasi_, der Gründer dieser Dynastie, Sultan Melekschah's +des Seldschukiden Statthalter zu Bagdad, hatte sich Nissibin's und Mardin's +bemächtigt; ihm war sein Sohn _Hosameddin Timurtasch_ und sein Sohn +_Nedschmeddin_, diesen die beiden Söhne _Hosameddin II._ und _Nassireddin_ +und diesem der Sohn _Melik Said_ gefolgt, welcher der sechste Herrscher +dieser Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz trotzend, der +Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu Miafarakain hatte noch vor dreissig +Jahren Suleiman, ein Sohn Ilghasi's Ortok, geherrscht, aber zur Zeit +Hulagu's war diese Stadt im Besitze _Kjamil's_ des Ejubiden. XV. +Miafarakain's Fürstenthum ist also das zehnte des zehnzweigigen mächtigen +Herrscherstammes der Beni Ejub (die neun anderen, die von _Kairo_, +_Damaskus_, _Haleb_, _Hama_, _Himss_, _Kerek_, _Baalbek_, _Hossnkeif_ und +_Jemen_); von diesen zehn Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte +des dreizehnten Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die von +_Miafarakain_ und _Hossnkeif_, und in Syrien die vier von _Haleb_, _Hama_, +_Himss_ und _Kerek_. Kjamil war der fünfte Herrscher der Beni Ejub zu +Miafarakain; seine Vorfahren _Melikol-aadil_, der Bruder Ssalaheddin's, +dann _Melik el-eschref_, _Melik el-ewhad_, _Melik el-mosaffer_, die drei +Söhne _Melik el-aadil's_; der Sohn des letzten war _Melik Kjamil_, der +Grossneffe Ssalaheddin's, welcher den Versuch, den Waffen der Mongolen zu +widerstehen, mit dem Verluste seiner Hauptstadt und des Lebens bezahlte. +XVI. Die Dynastie der Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig Jahren +begonnen[134], indem Melik Ssalih Nedschmeddin von seinem Vater Kjamil die +Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem Kjamil, um Aegyptens und +Syriens Herrschaft zu übernehmen, sich dahin begeben, blieb sein Sohn Melik +Moaasem Turanschah im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser +dem Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die Herrschaft von +Amid und Hossnkeif seinem Sohne _Melik Mowahid_, der wie sein Vetter von +Miafarakain ein Opfer seines Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen +fiel. Vier andere Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien. XVII. Zu _Hama_ +Melik Manssur II., der bei Annäherung der Mongolen nach Aegypten flüchtete. +Der Gründer des Hauses war Takjeddin, der Enkel Ejub's, aus dessen Sohn +Schehinschah, von seinem Oheim Ssalaheddin als Herr von Hama installirt, +sein Sohn Nachfolger _Melik Manssur I._ ob seiner wider die Kreuzfahrer +erfochtenen Siege und des Schutzes, den er Gelehrten und Dichtern +angedeihen liess, von jenen in zahlreichen ihm gewidmeten Werken, von +diesen in Siegeshymnen und Elegien gepriesen. XVIII. Die Dynastie der Beni +Ejub zu Himss leitet ihren Ursprung von Esededdin Schirkuh, dem jüngeren +Bruder Ejub's, ab, welcher vom grossen Nureddin zum Statthalter vom Himss +bestellt worden war. Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und getreuen +Begleiter auf allen Feldzügen _Melik Nassireddin Mohammed_ des Vaters +Statthalterschaft als Eigenthum; nach dessen schnellem Tode verlieh er die +Herrschaft zwar dem Sohne desselben _Melik Modschahid Schirkuh_, zog aber +das väterliche Vermögen ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen +Neffen citirten Koransvers gemahnet, zurückgab; dem Modschahid folgte sein +Sohn _Manssur Ibrahim_, der den Chuaresmern tapferen Widerstand geleistet, +und nach ihm sein Sohn _Melik Eschref Mosafereddin Musa_, der Zeitgenosse +Hulagu's, von diesem, weil er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt. +XIX. Die Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unter _Melik Aadil +Seifeddin Ebubekr_, welcher vom Bruder Ssalaheddin die eroberte Stadt +erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft von Damaskus berufen, übergab +er Kerek seinem Sohne _Melik Moaasem Isa_, welchem der Sohn Melik Nassir +Daud und diesem _Melik Moghis Fetheddin Omar_ folgte, der Zeitgenosse +Hulagu's, von diesem ob des Briefwechsels mit Beibars getödtet. Beibars war +der vierte Sultan der Mamluken in XX. Aegypten, deren Dynastie gleichzeitig +mit der persischen Hulagu's in Persien emporstieg, und als eine +Nebenbuhlerin derselben um Syriens Herrschaft in der Folge genauere Kunde +erfordern wird. So herrschte auch zu Mekka der vierte Herrscher der XXI. +Dynastie der Beni Kitade, welcher nach den erloschenen drei Dynastien der +_Beni Ochaissar_, _Musa sani_ und _Beni Haschim_ seit einem halben +Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte Herrscher _Ebu Nemi +Mohammed_ durch sieben und vierzig Jahre gefüllt. + +[Randnote: Dynastien des nördl. Persiens, Armeniens, Georgiens u. +Kleinasiens.] + +Wir wenden uns nun zuletzt nach dem Norden und zwar zuerst nach den +nördlichen Landschaften Persiens, nach Taberistan und Masenderan, wo seit +der Hälfte des ersten Jahrhunderts der Hidschret bis in die Hälfte des +fünften die zwei Dynastien _Bawendije_, auf einander folgend, geherrscht; +aus der zweiten, im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen +Zeitrechnung[135] erloschenen, erstand in der Hälfte des vierzehnten ein +Zweig derselben in der Dynastie _Dschelawije_. Das Stillschweigen der +Geschichte durch diese anderthalb Jahrhunderte[136] beweiset, dass +Taberistan während dieser Zeit keine eigenen Herrscher hatte; in Gilan +herrschten XXII. die Beni _Badusian_ schon seit dem vierzigsten Jahre der +Hidschret zu Rujan und Rustemdar; der Gründer _Badusian_[137] war ein +Nachkömmling des Schmiedes Kjawe, des Befreiers seines Vaterlandes von der +Tyrannei, dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann Reichspanier.[138] +Sie führten den besonderen Titel _Astandar_, welches in der bisher ganz +unbekannten Mundart Taberistan's gleichbedeutend mit _Scheichol Dschebal_, +d. i. des Alten vom Berge wie der Grossmeister der Assassinen, hiess, +welcher diesen Namen von den früheren Herrschern Kuhistan's aus der +Dynastie Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs, der von _Alamut_ und +der von _Rustemdar_, bekriegten sich um die Hälfte des sechsten +Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde; aber nach dem Tode Keikawu's Ben +Hesarsif's schlug sein Sohn und Nachfolger Schehrnusch den +entgegengesetzten Pfad ein, und trat selbst in die Fussstapfen der +Assassinen, seiner Verbündeten. Nach Schehrnusch herrschte sein Bruder +_Isfendiar Kerkud_, nach ihm sein Neffe _Serin Kemer_, d. i. Goldgürtel, +der Erste der Sohn Hesarsif's, dann Goldgürtel der Zweite, der Sohn +Chassin's, der ein und zwanzigste Herrscher der Beni Badusian; diesem war +zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[139] +sein Sohn _Bisutun_, diesem nach zehnjähriger Regierung der Sohn +_Fachreddewlet_, diesem nach zwanzigjähriger Regierung der Sohn +_Hosameddewlet Ardeschir_ und diesem der Bruder _Iskender_ gefolgt. Sein +Nachfolger _Isfendiar Schehrahim_, der jüngste Fürst der Beni Badusian, +regierte drei und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und +Abaka's; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe gelassen, und die +Eroberung des Landes erst unter ihrem Nachfolger _Oldschaitu_, dem achten +Ilchane Persiens, versucht. XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder +Haithon I., der vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und vierzig Jahre, +während welcher er in häufiger Berührung mit Hulagu und dem Bruder +desselben, dem Grosskaan Mengku; ein nicht minder historisch wichtiger, in +die Geschichte der Mongolen eingreifender, grosser Herrschercharakter ist +XXIV. die Königin von Georgien, _Russuldan_, die Tochter der _Tamar_, nach +deren Tode das georgische Reich unter die beiden Davide, welche bei der +Thronbesteigung Gujuk's erschienen, nämlich zwischen ihrem Vetter David +Narin und ihrem Sohne _David Ssosslan_, getheilet ward. Dieser erhielt das +obere Georgien, d. i. _Karthli_, _Kachethi_, _Achal-ziche_ und _Schewar_; +der andere Niedergeorgien, d. i. _Imerethi_, _Mingrelien_, _Sswanethi_, +_Dschikhethi_ und _Abchasethi_; nach Mengkukaan's Tode zeichnete Hulagu den +David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen besonders aus. XXV. Das +Reich der Seldschuken in Rum beherrschte der zwölfte Sultan derselben, +_Iseddin Keikawus II._, erst allein, dann mit seinen Brüdern _Rukneddin +Kilidscharslan IV._ und _Alaeddin Keikobad II._, von welchen der vorletzte +bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen war. In Nicäa endlich thronte +XXVI. der griechische Kaiser Vataces, dessen drei und dreissigjährige +Regierung, ein Muster von Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedereroberung +Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbereitete, und dessen +Gesandte sich mit denen _Innocenz IV._ am Hofe Mengukaan's +zusammenfanden.[140] Der Papst und die Könige von Frankreich und Ungarn +verkehrten mit den Herrschern der Mongolen durch Gesandtschaften; aber +weder die fränkischen Kaiser von Konstantinopel, noch die Reste der +Kreuzfahrer in Syrien kamen mit denselben in unmittelbare Berührung, wie +die hier aufgeführten sechs und zwanzig asiatischen Dynastien, welche die +Zeitgenossen Hulagu's. Wie an der Pforte Mohammed Chuaresmschahs, des +mächtigsten Herrschers Asiens vor Tschengischan, sieben und zwanzig +besiegte oder huldigende Prinzen fünfmal des Tages die Heerpauken schlugen, +so schlugen diese sechs und zwanzig, dem Ursprunge des mongolischen Reichs +in Persien gleichzeitigen Dynastien, welche demselben widerstanden, +erlagen, gehorchten, huldigten oder vor demselben zitterten, gleichsam an +der Pforte desselben die Heerpauke der Herrschaft. + + + + +Zweites Buch. + + Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug nach Persien + wider die Schlösser der Assassinen und Bagdad; Rückblick auf die + Chalifen und die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte + Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung und Verwüstung + Bagdad's; Hinrichtung des Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; + der Herrscher von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten; + die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's und Gross- + und Klein-Armenien's. + + +[Randnote: Hulagu.] + +_Hulagu_ oder, wie die Mongolen den Namen schreiben und sprechen, _Chulagu_ +war der fünfte Sohn Tuli's, des jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der +Frau Sijurkukteni, der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten +Mengku, den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten seiner neun Söhne, +geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren (zwei vor seinem Tode) +Tschengischan das letztemal in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse, +durch Jagden gefeierte _Kurultai_ der Familie zu halten, bei welchem alle +Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (den ältesten Dschudschi +ausgenommen, der seiner statt nur ein herrliches Geschenk von Pferden +gesandt), kamen ihm die beiden Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn, +dieser neun Jahre alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit +einem Hasen, dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschengischan vollzog +an ihnen beiden den mongolischen Jagdgebrauch der _Fetteinschmierung_[141], +welcher darin besteht, den Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild +erlegt, den Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmieren, was +als eine günstige Vorbedeutung für die künftige Laufbahn der beiden Prinzen +mit Festen gefeiert ward; in jedem Falle eine minder unmenschliche +Vorbedeutung als die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan, +zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und die so grausam in +Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater Welteroberer selbst +vollzogene Fetteinschmierung ging an beiden Enkeln, künftigen Herrschern, +Eroberern und Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche +erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter der +mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische, als Gründer der +Dynastie der Ilchane. Hulagu war nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller +Reife männlicher Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm von +vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren waren, sprechender +Beweis. Wir können also die Zahl seiner Frauen und Kinder, welche die +Biographie sonst gewöhnlich am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt, am +bessten sogleich überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon +vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden Frauen und Kinder +dann keiner weiteren Einführung bedürfen. Hulagu hatte sechs Frauen +Gemahlinnen, aus deren vieren ihm sechs Söhne und drei Töchter, indem die +anderen acht der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben +Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche die Geschichte +aus der grossen Zahl derselben nennt, weil sie Mütter von Prinzen oder +Prinzessinnen. Von diesen zwölf Beischläferinnen waren drei[142] aus dem +Lager der ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau _Tokus_, und vier aus +dem Lager seiner fünften Gemahlin, der Konghuratine _Kutui_ Chatun, ein +Umstand, der vielleicht weniger für ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle +gefällig zu sein, als für ihren guten Geschmack, sich mit schönen +Sklavinnen zu umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am +schicklichsten mit den Namen der Söhne und Töchter, durch welche der ihrige +in der Geschichte in Vorschein gekommen, genannt werden; aber der sechs +Gemahlinnen wollen wir zuerst und besonders erwähnen, weil dieselben als +Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen; als Frauen +Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramidenförmigen, mit herabfallendem +Schleier bedeckten mongolischen Kopfschmuck _Baghtak_, dessen Namen die +europäischen Reisenden in _Botta_, die Venezianer in _Baiuta_ verstümmelt +haben.[143] + +[Randnote: Die Gemahlinnen Hulagu's.] + +Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den Mongolen immer den +andern weit voraus und welche die Frau und Gebieterin des Harems, wie noch +heute bei den Perserinnen die grosse Frau[144], war _Tokus Chatun_, d. i. +die Frau _Neun_, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode +zur Frau genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach der +mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen +Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu vermählt, +sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte. Tuli +war in seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre +alt; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, hätte +also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als wirkliche Mutter neues +Gewicht beifügen können; allein sie ward nie Mutter und behauptete sich +dennoch bis zu ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und +Gebieterin des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und mütterliche +Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass sie vielleicht um Vieles +älter, erst dem Vater Tuli und dann dem Sohne von der Mutter des letzten, +der staatsklugen _Sijurkukteni_, ihrer Tante, mehr an die Hand, als ins +Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre Schwester +_Tukini_ zur Beischläferin, die ihm eben so wenig als die Schwester Kinder +gab. Sie waren beide die Töchter _Ettiko's_, des zweiten Sohnes +Owangchan's, die Nichten der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche +die Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die +Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, und in der freien +Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom +Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von +nestorianischen Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die grosse +Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu +zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere als +Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit +dem Hause Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der _Uirat_, +nämlich _Kubak_ oder _Kojuk Chatun_, die Mutter seines zweiten Sohnes +_Dschumkur_, und ihre Stiefschwester _Oldschai_, die Mutter seines eilften +Sohnes Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's, des Sohnes +_Kutuke's_, des Fürsten der Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine +Tochter _Dschidschegan_ zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn _Buka Timur_ +geboren; aus einer anderen Gemahlin hatte Turaldschi die beiden Töchter +_Kubak_ und _Oldschai_, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's, +der Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen +waren zwei Konghuratinnen: _Kutui Chatun_, aus deren Lager Hulagu sieben +Beischläferinnen genommen, die Mutter _Tekschin's_, seines vierten, und +_Ahmed Tekudar's_, seines siebenten Sohnes; und _Mertai Chatun_, welche +kinderlos, wie die grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini; +endlich die Frau _Jisut_ oder _Jisuntschin_, aus dem Stamme Suldus, die +Mutter des Kronprinzen _Abaka_. Wir mussten in diese Umständlichkeiten +eingehen, weil sich nur aus denselben das Resultat der die Wahl der +Gemahlinnen mongolischer Herrscher leitenden Staats- und Familien-Maximen +klar herausstellt. Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte, +nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann waren +die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare angehörten, nämlich die +_Kerait_ und die _Uirat_, sowie der der _Konghurat_, aus welchem die zwei +anderen Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten +verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden Macht +Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der +Frauen Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die +Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt. + +[Randnote: Die Söhne und Töchter Hulagu's.] + +Der Erstgeborene _Abaka_ war als der Aelteste schon bei des Vaters +Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher er auch nach dessen Tode +der zweite der Ilchane in Iran, nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der +Zweitgeborene, nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den +Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im Lager des Kaans +Bruders zurück; in der Folge, als nach dem Tode Mengkukaan's der jüngste +Bruder desselben, Arikbugha, dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig +machte, ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider diesen zu +erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui auszog, von ihm ab, um in's +Lager des Vaters zurückzukehren, und starb auf dem Wege dahin; desselben, +sowie seiner beiden Söhne _Dschuschkub_ und _Kunkuschu_, wird im Verlaufe +dieser Geschichte noch mehrmals erwähnt werden. _Jaschmut_, der dritte Sohn +Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi, welche eine Sklavin des +Lagers der Frau Kutui, war Vater von drei Söhnen; Kutui selbst war die +Mutter des vierten Sohnes, _Tekschin_, welcher an einem Blasenübel +gestorben, und dessen Gemahlin _Nulun_, die Tochter Buka Timur's, des +Bruders Kubak Chatun's (folglich seine angeheirathete Base), nach +Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm. Der fünfte Sohn, +_Tarakai_, aus der dem Lager der Frau Kutui entnommenen Beischläferin +_Borkdschin_, ward auf der Reise nach Persien vom Blitze erschlagen; +merkwürdiger durch seinen Sohn _Baidu_, welcher einige Monate lang der +sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nach _Ahmed Tekudar_, dem +siebenten Sohne Hulagu's, dem fünften der Ilchane; zwischen beiden ward +_Tusin_, der sechste Sohn Hulagu's, aus derselben Mutter, wie Jaschmut, +geboren. _Adschai_, des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin Irtika +Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui; als Hulagu nach Persien zog, liess +er ihn an der Spitze des Lagers der Frau Kutui zur Besorgung der +Angelegenheiten zurück; er überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage. +Die Beischläferin _Dschudsche Ikadschi_, die Mutter des neunten Sohnes, +_Kuikurtai_, war eine Sklavin aus dem Lager der Frau _Tokus_; er war Vater +von sechs Söhnen und erreichte ein sehr hohes Alter. Die Mutter +_Jisudar's_, des zehnten Sohnes, war Uwischdschin, aus dem Stamme Kurlaut, +dessen diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilften Sohnes Mengku +Timur's[145] erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig Jahre alt starb; +Vater von drei Söhnen, allein drei aus der Sklavin Ilinak Ikadschi, und +keiner aus seinen drei Frauen, deren erste Oldschai, die Tochter Buka +Timur's, des Bruders der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine +Stiefbase; die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des Atabegen von +Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme; die dritte Nuhin Chatun. Sie +gaben ihm keine Söhne, aber mehrere Töchter, deren berühmteste die älteste, +_Kordotschin_, aus der Atabegin _Abisch_, in der Geschichte nicht minder +oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt ward; das erstemal +an Dschelaleddin Sijurghutmisch, den Sultan Kerman's, dann an den Emir +_Satilmisch_ und endlich an ihren Vetter _Taghai_; die Atabegin _Abisch_, +ihre Mutter _Turkan Chatun_ und _Kordotschin_, die obgenannte Tochter der +Abisch, sind drei der grössten weiblichen Charaktere, Hebel grosser +Begebenheiten in der Geschichte der Atabege von Fars und Sultane Kerman's, +welche eng mit der der Ilchane Persiens verflochten. _Huladschu_, der +zwölfte Sohn Hulagu's, hatte die Sklavin _Ilkadschi_, aus dem Lager der +Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem Kopfschmucke _Baghtak_ zur +Frau erhoben ward; Vater von vier Söhnen. Ilkadschi war auch die Mutter +_Scheibawedschi's_, des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten, +_Taghai Timur's_, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der Frau +_Kutui_, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's waren: die +erste _Bulughan Aka_, aus der Frau _Kobak_; sie wurde mit ihrem Oheim +_Dschume Gurgan_, dem Sohne des Tataren _Dschudschi_, vermählt, dessen +Gemahlin die mit der Tochter Tschengischan's gleichnamige _Dschidschegan_, +die Tochter _Utdschigin's_, des jüngsten Bruders Tschengischan's; _Dschume +Gurgan_ erhielt nach dem Tode _Bulughan Aka's_ auch die Hand der Nichte +_Dschemi_, der zweiten Tochter Hulagu's aus der Frau _Oldschai_; die dritte +Tochter, _Mengelugan_, ebenfalls aus der Frau _Oldschai_, ward an _Dschakir +Gurgan_, den Sohn _Buka Timur's_ den Uiraten, vermählt, welcher der Bruder +Oldschai's und folglich der Oheim seiner Gemahlin; die vierte, _Tutukasch_, +aus einer Beischläferin Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an +den Uiraten _Tengkir Gurgan_, welcher früher eine Tochter Gujuk's zur Frau +gehabt und welchem von dieser das Leben erbeten ward, dann an dessen Sohn +_Sulamisch_ und endlich an dessen Sohn _Dschidschek Gurgan_ vermählt, so +dass dieser der Vater, Sohn und Enkel der Gattin;[146] die fünfte, +_Tarakai_, deren Mutter die Beischläferin _Irtikan Ikadschi_, ward dem +Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan's aus seiner Tochter Tumalun, das +ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben; die sechste Tochter, _Kutlukan_, aus der +Beischläferin _Minklikadsch_, wurde zuerst dem _Jisubuka_, aus dem Stamme +_Durban_, dann nach dessen Tode seinem Sohne _Tokel_ angetraut; die Hand +der siebenten, _Baba_, aus der Frau _Oldschai_, erhielt _Legsi Gurgan_, der +Sohn Emir _Arghun's_, des Staatssecretärs, welchen Mengkukaan früher als +Hulagu nach Persien gesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an +Oheime und Vettern vermählt. + +[Randnote: Hulagu's Aufbruch.] + +Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf und dreissigsten Jahre +Vater, nahm er auf dem Zuge nach Persien den erstgeborenen, _Abaka_, und +den dritten, _Juschmut_, mit sich, trug dem zweiten, _Dschumkur_, im Lager +des Bruders Kaan's als seinem Agenten und seinem Bruder _Temkjan_[147] in +seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem aber begleiteten +ihn noch sein jüngster Bruder _Suntai_, der neunte Sohn Tuli's, dann aus +dem Uluse Dschagatai _Tekuder_[148], der Sohn Dschudschi's, des +erstgeborenen Sohnes Dschagatai's; aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem +ebengenannten gleichnamigen Neffen nicht zu verwechseln) der Enkel +_Bulghai_[149], der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli, +der Sohn seines Erstgeborenen _Orda_, und der Urenkel _Kotur_, der Sohn +Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten Sohnes _Tewel_; endlich _Buka +Timur_, der Sohn Dschidschegan's, der Tochter Tschengischan's, welche an +Turaldschi, den Sohn Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der +Stiefbruder von _Kubak Chatun_ und _Oldschai Chatun_, der zwei Gemahlinnen +Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's Feld die grosse Frau _Tokus +Chatun_, dann _Jisut Chatun_, die Mutter des erstgeborenen Abaka und +_Oldschai_, aus welcher ihm zwei Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku +Timur geboren ward; also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich: +_Hulagu_, seine Söhne _Abaka_ und _Juschmut_, sein Bruder _Suntai_, sein +Stiefschwager _Buka Timur_, der Neffe _Tekuder_; die Vettern: _Bulghai_, +_Kuli_ und _Kotar_. Des Bruders Kaan's Auftrag vom Kurultai, auf welchem +die Eroberung der Länder im Osten und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu +Chan beschlossen worden war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen +zu brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen; in Allem +sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen. Die Heere, welche schon früher +unter Baidschu Nujan und Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren, +wurden nun dem Befehle Hulagu's untergeben; so auch die an der indischen +Gränze, erst von _Dür Nujan_ und hernach vom Tataren _Sali Nujan_ gegen +Kaschmir befehligten, welche während des Feldzugs Hulagu's in Persien +demselben den Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der Befehl, +von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach Westen zu stellen; nach China +wurden Eilboten gesendet, um tausend Familien von Feuerwerkern und +Naphthaschleuderern aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus +wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag genommen, +alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen für das Heer gänge +gemacht; überall sollte Mehl und Wein als Mundvorrath in Bereitschaft seyn; +Baidschu und Dschurmaghun erhielten den Befehl, von Persien gegen +Kleinasien vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane _Keitbuka_, vormals +Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend Türken, welcher, bis die +Rüstungen vollendet waren, den Marsch nach Kuhistan antrat, um dasselbe +indessen zu verheeren. Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet +waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden Prinzen +und Frauen mit Geschenken überhäuft, im letzten Monde des Jahres +sechshundert und ein und fünfzig der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres +1254, der Marsch nach Persien angetreten; derselbe ging von der Residenz +Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des Changai nach dem +Flusse Hoen Murin, über den mit Ruderschiffen gesetzt ward, einige +Tagreisen später über den _Arungu_, der in den See _Kisilbasch_, d. i. +Rothkopf, fällt; weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit +Lerchenbäumen bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chinesische über +diesen Marsch abgestattete Bericht[150] _Pfuhle_ nennt, liegt ein Berg, von +welchem der Wind oft mit solcher Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende +in den See weht;[151] durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden +Brücke, öffnet sich der Weg nach _Almaligh_, einer Stadt voll fliessender +Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen. Hier kam ihm +Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukan's, des vor +Bamians Mauern gefallenen zweiten Sohnes Dschagatai's, bewillkommend +entgegen und bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die +Enkelin Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi vermählten +Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester, der Frau Oldschai, +welche in der Begleitung Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihm +_Mesud_, der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während des +Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet und in der herbstlichen +Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand auf der schönen Ebene von _Kjanigül_, +d. i. die Fundgrube der Rosen, gelagert. + +[Randnote: Das goldene Zelt; Arghun; Uebergang über den Oxus.] + +Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und innen von Gold +gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen Stricken befestigt, und vierzig +Tage lang gerastet und getrunken; dieses Fest wurde jedoch durch den Tod +des Prinzen _Suntai_, des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach der +Stadt _Kesch_[152] vorgerückt, welche in der Folge als der Geburtsort und +die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem Namen von _Schehr Sebs_, d. i. +der grünen Stadt, berühmt; diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von +zahlreichen Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen[153], genährt. Die +Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche vier Thore hat, +und der Vorstadt[154]; von fruchtbaren Gärten umgeben, in welchen alle +Arten von Korn und Gemüse gedeihen. Hier kam der Fürst von Herat, +_Schemseddin Mohammed Kert_, der Gründer der seinen Namen führenden und +unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden Dynastie +_Kert_, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen und von demselben seinen nicht +mehr zu trennen; auch Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's, +mit allen Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle des Herrn +zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen wird in der Folge dieser +Geschichte so oft die Rede sein, dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der +Dschelaire _Iluke_, dessen Vater _Kadan_, aus dem Gefolge Tschengischan's, +hatte seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet, bei +dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister in hohem Ansehen stand. In +einer grossen Hungersnoth verkaufte ein armer Uirate, um nicht Hungers zu +sterben, seinen Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als +sein Sohn Kadan in den Hofdienst[155] Ogotai's trat, gab er ihm den Sklaven +als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch gekaufte Sklave war _Arghun_. +Iluke's Bruder war der schon mehr als einmal genannte _Iltschidai_, welcher +vor des Bruders Zorn, der ihn tödten wollte, bei Ogotai Zuflucht suchte und +fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach Gujuk's Tod die +Rechte des Hauses Ogotai wider die Aufrührer des Uluses Tuli mit so warmer +Beredtsamkeit verfocht, dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo +ihn die Missionäre als _Ergutai_ kennen, und der, nachdem sein Sohn in die +Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und Ogotai begriffen, nach +des Sohnes Tode durch's Schwert ebenfalls hingerichtet worden. _Arghun_, +durch Verstand, Beredtsamkeit, Tapferkeit und Geschäftskenntniss +ausgezeichnet, schwang sich bald so hoch, dass er nach Mengkukaan's +Thronbesteigung zum _Baskaken_, d. i. Statthalter, Chorasan's ernannt ward. +Vater zahlreicher Söhne[156], von denen _Newrus_ und _Legsi_ in der Folge +die Hand von Prinzessinnen, seine Töchter die von Prinzen und Fürsten +erhielten. Von der Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und +Könige Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass der Zweck +des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung der gräuelvollen Macht der +Assassinen, dass Hülfe und Bereitwilligkeit im Dienste wider dieselben +durch Länderzuwachs ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den Verlust +der besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten waren +diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person, wie Schemseddin von +Kert, zuvorgekommen, nämlich die beiden Seldschuken Rum's, die Brüder +_Iseddin_ und _Rokneddin_, d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der +Atabeg von Fars, _Saad_, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus Arran, +Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche alle, Geschenke +darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen Schiffe und Nachen, um über +den Oxus zu setzen, herbeigeschafft worden, hatte der Uebergang über +denselben statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch den +Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am ersten Tage des letzten +Mondes des 653sten Jahres der Hidschret, d. i. am ersten Januar des Jahres +1256 unserer Zeitrechnung. + +[Randnote: Winterquartier zu Scheburghan; die beiden Dschuweini.] + +Um den Uebergang über den Oxus in dankbarem Andenken zu erhalten, hob +Hulagu den bisher von allen Schiffen genommenen Ueberfuhrszoll auf, was +von damals an während der ganzen mongolischen Herrschaft Gesetz blieb. +Jenseits des Oxus wurde auf Löwen gejagt und zehn derselben erlegt. Am +zehnten Tage nach dem Uebergange (am moslimischen Opferfeste) [RN: 10. +Januar 1256.] wurde südwestlich von Balch ausser der Stadt +_Scheburghan_[157] gelagert, deren District bei den morgenländischen +Geschichtschreibern unter dem Namen der Landschaft _Dschusdschan_ oder +_Dschusdschanan_ bekannt[158]; die mit fliessendem Wasser reichlich +bewässerten Gärten sind vorzüglich fruchtbar an Wassermelonen, welche +getrocknet verführt werden. Dem Heere ward verboten, die Stadt zu betreten; +ein heftiges Schneegestöber, das durch sieben Tage dauerte, von grimmiger +Kälte begleitet, war vieler Lastthiere Verderben. Hulagu beschloss, hier +den Rest des Winters abzuwarten. Emir Arghun brachte ein prächtiges, mit +goldenen Nägeln und Stricken versehenes, goldenes Zelt zum Geschenke dar, +in welchem Hulagu auf goldenem Throne sass, eine Vorbedeutung glücklicher +Herrschaft, während um ihn die Prinzen und Fürsten versammelt, die +gegebenen Feste verherrlichten. Nach aufgehobenen Festen begab sich Emir +Arghun an den Hof des Kaan's, um demselben Bericht zu erstatten, liess aber +für die Besorgung der Geschäfte seiner statt seinen Sohn _Kerrai Melik_ und +_Alaeddin Athamülk Dschuweini_ als Staatssekretär zum Dienste Hulagu's +zurück. Alaeddin Athamülk und sein älterer Bruder Schemseddin Mohammed +Dschuweini sind ein leuchtendes Doppelgestirn nicht nur der Wesirschaft, +sondern auch der Literatur; dieselben erscheinen so oft und wirksam in der +Geschichte Hulagu's und seines Nachfolgers Abaka, dass nähere Bekanntschaft +mit ihrer Herkunft und ihrem Wirken hier unabweislich. Dschuwein ist die +arabisirte Aussprache von _Kuwan_[159], einem Distrikte der Stadt +_Nischabur_ in Chorasan, dessen Hauptort _Asadwar_, auch _Dschuwein_ +genannt, durch das erlauchte Brüderpaar für immer in der Geschichte geadelt +worden. Sie waren die Söhne des Imams _Abdulmelik Dschuweini_, aus einer +seit langen Jahren durch hohe Staatsdienste geehrten Familie. Als Sultan +Mohammed Tekesch nach Dschuwein zog, [RN: I. J. 588/1192] bewillkommte ihn +Behaeddin, der Urgrossvater Alaeddin's, mit einem Distichon, das er gnädig +aufnahm, und sein Enkel Behaeddin, der Vater Alaeddin's, befand sich im +Gefolge _Dschelaleddin Mankburni's_, als dieser vor den Mongolen floh. [RN: +617/1220] Dreizehn Jahre hernach floh Behaeddin vor den vom mongolischen +Emir Dschintimur zur Dämpfung von Unruhen gesandten Truppen nach Tus, [RN: +630/1232] und Dschintimur ernannte ihn zum Herrn des Diwans in Chorasan und +Masenderan; [RN: 633/1235] drei Jahre später sandte ihn Dschintimur an +Ogotai, der ihn ehrenvoll empfing und in seinem Amte bestätigte; und als +abermal drei Jahre später der Emir Körgös, der Statthalter von Chorasan, an +den Hof des Kaan's sich zu vertheidigen ging, übertrug er in seiner +Abwesenheit die Statthalterschaft Chorasan's an Behaeddin; desgleichen that +der Nachfolger von Körgös, der Emir Arghun, bei seiner ersten Reise in's +Hoflager; bei seiner zweiten führte er ihn mit sich; endlich starb er zu +Issfahan, sechzig Jahre alt. Sein Sohn Alaeddin, im Sterbjahre +Tschengischan's geboren, kam schon in früher Jugend in das Gedränge der +Geschäfte des Diwan's, und verschloss, wie er selbst reuig in seiner +Geschichte bekennt, das Ohr den heilsamen Ermahnungen des Vaters, welcher +ihm gerathen, sich den Wissenschaften zu widmen. Später jedoch holte er das +Versäumte durch Studien nach, von denen seine Geschichte Tschengischan's, +welche den Titel _Dschihanguscha_, d. i. die Welteröffnende, führt[160], +die schönste und bleibende Frucht. In seinem siebzehnten und achtzehnten +Jahre begleitete er den Emir Arghun auf dessen Reisen in's Hoflager und in +seinem zwanzigsten zum Kurultai der Thronbesteigung Mengkukaan's, an dem er +sich mehrere Jahre aufgehalten zu haben scheint, da dort die Anforderung an +ihn erging, die Geschichte Tschengischan's zu schreiben, die er im sieben +und zwanzigsten Jahre seines Alters begann. Er spricht darin von seinen +Reisen in Mawereinnehr, Turkistan und an die chinesische Gränze und +beschreibt die in der Nähe Karakorums entdeckten Ruinen der vormaligen +Hauptstadt der Uighuren. Seit der Abreise Arghun's von Schaburghan an den +Hof des Kaan's versah _Athamülk_ bei Hulagu die wichtige Stelle des +Staatssekretärs, als Hulagu's unzertrennlicher Begleiter. + +[Randnote: Keitbuka belagert die Schlösser der Assassinen.] + +Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des Heeres gleich nach dem +Kurultai, auf welchem der Feldzug nach Westen beschlossen worden, gegen +Kuhistan aufgebrochen und mit fünftausend Fussgängern in _Kuhistan_, d. i. +im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des Schlosses _Girdkjuh_, d. i. +Kreisberg, einer ihrer beträchtlichsten Festen, gelangt. _Girdkjuh_, auch +_Derikunbed_, d. i. das Gewölbthor, genannt, liegt drei Farasangen von +Demghan in der Landschaft Kumis in der Nähe von Manssurabad oder +Manssurije[161]. Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem +unerhörte, ächt mongolische oder chinesische; rund um das Schloss wurde ein +Graben gezogen, hinter demselben eine Mauer aufgeführt, hinter der Mauer +stand das Heer und hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut, +damit es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und auf allen +Seiten der Weg zur Feldflucht gesperrt sei[162]; so war das Bergschloss von +einem dreifachen Kreise, dem des Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt, +und verdiente im eigentlichsten Sinne den Namen _Kreisberg_. Da das Schloss +festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen Schlössern, von +denen die Geschichte dieses Feldzugs ein Dutzend nennt, von denen nicht nur +bisher auf den bessten Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den +bessten geographischen Werken des Morgenlandes über Persien, in den +arabischen Abulfeda's[163], dem persischen Hamdallah Mestufi's[164] und im +türkischen Hadschi[165] Chalfa's, der aus beiden geschöpft, fehlen. So zog +er belagernd vor die Schlösser _Mehrin_, vor dem er Wurfmaschinen +aufstellte, _Schahdis_, wo er einen Haufen von Feinden tödtete und +zurückkehrte bis _Tarim_ und _Rudbar_, die er verwüstete, an den Fuss von +Manssurije und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekämpfet ward; die von +_Schirkjuh_ machten indessen einen nächtlichen Ueberfall, in welchem sie +den Belagerungswall verheerten[166]. Die beiden Schlösser _Schir_ und +_Sirkjuh_[167] wurden berennt, _Mehrin_ genommen; die Besatzung von +_Girdkjuh_ hatte indessen an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort +gesandt, dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald ergeben +müssen; [RN: Schaaban 651/Nov. 1255] da sandte der Grossmeister zwei seiner +Hauptleute[168] mit hundert zehn Tapferen, jeden mit drei _Menn_ Henna und +drei Menn Salz, an welchem das Schloss Mangel litt; das Henna nicht zum +gewöhnlichen Gebrauche der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als +Mittel wider die grassirende Pest; denn man hatte bei der Hochzeit der +Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche (ob +Wassermangels) von dem Wasser, worin das Henna aufgelöset worden, +getrunken, von der Pest frei geblieben waren. Indessen ward Alaeddin der +Grossmeister, dessen Vater und Nachfolger vor Einem Jahre[169] durch die +nächsten Verwandten vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von +Masenderan und hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des Sohnes +und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet. [RN: letzten Schaaban 653/Dec. 1255] +Der Vatermord rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt. Alaeddin +war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl gesetzt worden, den er +durch vier und dreissig Jahre mit Blut und Gräueln aller Art befleckte. +Hasan aus Masenderan hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum +Lotterbuben gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen geschenkt; +da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das Weib in beider Gegenwart, +diese an jenes statt, jenen als diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte +Hasan über so schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur ihm +den Tod; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem mit dem Vater stets +entzweiten Sohne mit, und als dieser dazu schwieg, führte er, unter +vorausgesetzter stillschweigender Beistimmung, das Werk der Rache aus. Der +Dichter Schemseddin Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Alaeddin's ein +Gedicht, woraus die Verse: + + Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen, + Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen; + Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken, + Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken. + +[Randnote: Die Städte Tun und Tus.] + +Hulagu sandte den Herrn von Herat, Schemseddin Kert, an den Gebietiger[170] +des Schlosses _Sertacht_, an Nassireddin, dessen Name durch den grossen +Astronomen Nassireddin von Tus, welcher seine demselben gewidmete berühmte +Ethik nach dessen Namen die _Nassirische Moral_[171] betitelte, rühmlich +fortlebt. Der Gebietiger übergab das Schloss und kam mit Melik Kert zur +Huldigung Hulagu's. Dieser fragte ihn: warum er nicht auch die Bewohner des +Schlosses mit sich geführt? Nassir entgegnete, dass diese dem Grossmeister +Chorschah und nicht ihm gehorchten. Hulagu liess ihm Diplom und das +Ehrenzeichen des Löwenkopfs geben und sandte ihn als Befehlshaber nach Tun. +_Tun_, eine der vorzüglichsten Städte Kuhistan's, zwei Tagreisen südlich +von Meschhed auf der Strasse von Kerman, nicht ferne von _Kain_[172], +zeichnet sich durch besondere Anlage der Häuser und Gärten aus, indem das +Schloss mit tiefem Graben, ausser welchem der Markt und die Häuser mit +Gärten und diese von Saatfeldern und die Felder mit Mauern umgeben, das +Ganze mit unterirdischen Wasserleitungen und mit Gruben durchschnitten, in +welchen Wassermelonen trefflich gedeihen[173]. Hulagu, nach _Sawa_ und +_Chawwaf_[174] vorgerückt, erlitt einigen Verlust; _Kuli Ilkai_ und +_Keitbuka_[175] wurden weiter an die Gränze von Kuhistan vorausgesandt, wo +sie einigen Widerstand fanden, aber binnen einer Woche denselben besiegten, +und dann vor Tun die Wurfmaschinen aufpflanzten; in zwölf Tagen war die +Stadt erobert, [RN: 7. Rebiulachir 654/5. Mai 1256] und sie kehrten +sogleich zu Hulagu zurück, der sich zu Tus befand. Tus, eine der ältesten +Städte Chorasan's, schon im Beginne des neunten Jahrhunderts der +christlichen Zeitrechnung[176] durch die Grabstätte des Chalifen Harun +Reschid[177] nur um neun Jahre später durch die Ali Ben Musa Risa's des +achten Imam's, zwei Jahrhunderte hernach durch die des grössten persischen +ethischen Dichters _Firdewsi_[178], als der Geburtsort _Ghasali's_ des +grossen Philosophen, _Nassireddin's_ des grossen Astronomen und _Hamdallah +Mestufi's_ des grossen Geographen und Geschichtschreibers, verherrlicht. +Dieser belehrt uns, dass die Stadt schon von Dschemschid gebaut, nach ihrer +Verwüstung von Tus, dem Sohne _Nuser's_, wieder aufgebaut, von ihm den +Namen erhalten; dass das Grabmal Ali Musas, vier Farasangen von Tus im +Dorfe des Distrikts _Sebanabad_[179], der um dasselbe angebauten Stadt den +heutigen Namen _Meschhed_ gegeben; folglich sind die Ruinen des alten Tus +vier Farasangen vom heutigen Meschhed, das schon mehrere Reisende besucht, +keiner so umständlich beschrieben, als Fraser[180]. Meschhed, der +Geburtsort und die Grabstätte so vieler der grössten Lichter Persiens, ist +heute, was ehemals Bochara war, der Sammelplatz der Gelehrten; von einigen +und zwanzig Tausend Einwohnern der Stadt sind die zahlreichsten die Imame, +Molla, Muderrise (Professoren) und Danischmende (Studenten), welche den +verschiedenen Moscheen, Medreseen, Grabstätten und Domen angehören. Das +Innere einer Medrese gleicht einem Karawanserai, nur mit Abwesenheit der +Stallgewölbe; dem Eingange in die Mitte der Nord- oder Nordostseite steht +in der Mitte der Süd- oder Südostseite eine gewölbte Nische entgegen, +welche die Kibla vorstellt und wohin sich alle Gesichter beim Gebete +wenden; in der Mitte der beiden Seitenwände sind Balcone, von Säulen +getragen, für die Wohnungen der höheren Molla, in der Mitte des Hofes ein +kleiner Garten und im Mittelpunkte desselben ein Wasserbecken. Die grosse +Moschee von Meschhed, welche das Grab Ali Risa's umschliesst, ist hundert +fünf und sechzig Klafter lang und fünf und zwanzig breit, in der Art eines +Karawanserai, mit zwei Stock hohen, rings herum laufenden Gemächern gebaut, +im Mittel und an den Ecken jeder Seite hochgewölbte Thore, das Ganze mit +glasirten vielfarbigen Ziegeln auf das Geschmackvollste bekleidet; dieser +herrliche Hof heisst _Ssahn_, d. i. das Feld, wie der Vorhof der grossen +Moscheen zu Konstantinopel, wesshalb die dort an der Moschee Mohammed's II. +angestellten Professoren der acht Medreseen die Achter vom Felde genannt +werden. Der Dom des Mausoleums, mit goldenen Ziegeln bedeckt, rings herum +mit goldenen Inschriften in lazurblauem Felde geschmückt, die Schafte der +beiden Minarete reich vergoldet und oben mit zierlich geschnitzten +hölzernen Gallerien gekrönt. Von diesen herrlichen, erst unter der Dynastie +der Ssefi errichteten Gebäuden bestand noch Nichts zur Zeit Hulagu's, wohl +aber waren die Grabstätten der grossen Chalifen Imam's und Dichter ein +Gegenstand der Verehrung der Wallfahrter; noch sind die Mauern von Tus mit +ihren Thürmen aus Lehmen sichtbar und ausser den obgenannten Grabmälern +grosser Männer wird noch das Grab Burk Eswed's besucht, welcher nach der +Volkssage ein Neger, Freund des Herrn Jesus gewesen, nach dessen Tode +hierher geflohen, hier gestorben und bestattet worden sein soll.[181] + +[Randnote: Tus, Bostam, Aufforderung an Chuarschah.] + +Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen Zelte ab, welches +dieser auf ausdrücklichen Befehl des Kaan's für Hulagu nach dem Muster der +grossen goldenen Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach +dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung wieder +hergestellt. Hier brachten die Frauen Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant +dar[182]; den nächsten Tag begab sich Hulagu nach der Ebene von _Radgjan_, +wohin von _Merw_, _Jesrud_ und _Dehistan_ Wein und Lebensmittel im +Ueberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der Ankunft der +Mongolen verwüsteten Flecken Chabuschan[183]. Hulagu befahl, denselben +wieder herzustellen, liess Kanäle graben, eine Fabrik bauen und neben der +Moschee einen Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser zu +bauen, und dem Wesir _Seifeddin_ die Leitung und Oberaufsicht des Baues +aufgetragen. Die drei Gesandte[184], welche an Chuarschah, den Grossmeister +der Assassinen, abgesandt worden, [RN: 29. Deschem. I. 654/24. Juli 1256] +kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward daher sogleich der Befehl +zur Verheerung des Landes gegeben. [RN: 10. Schaaban/2. Sept.] Acht Tage +hierauf stand das Lager zu Bestam, der östlichsten der drei Hauptstädte der +Landschaft Kumis (die beiden anderen sind Demghan und Semnan). Bestam, eine +alte, schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret durch +Erdbeben verwüstete Stadt[185], dankt ihren Ruhm vorzüglich der Grabstätte +des zwanzig Jahre hernach[186] gestorbenen grossen mystischen Scheichs +Bestami[187], dem Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische +Bestami; später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier anderer +grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abderrahman Ben Mohammed Bestami, +der in der Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen +Zeitrechnung, Verfasser von vierzig Werken, starb[188], und Ali Ben +Medschdeddin Bestami[189], welcher, berühmt unter dem Namen _Mussannifek_, +d. i. der kleine Compositor, sich in der osmanischen Geschichte keinen +minderen Namen durch seine zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus +erworben, welcher ihn dazu antrieb, an dem gefangenen letzten König von +Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken[190]. Von Bestam aus +sandte Hulagu abermal zwei Gesandte[191] an den Grossmeister der Assassinen +mit Drohungen und Verheissungen. Bei demselben befand sich der grosse +Astronom Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten[192], welcher, in die Macht +der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir, dem Gebietiger von +Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und Rath des neuen Fürsten der +Assassinen. Nassireddin beschloss mit seinen Collegen, dem Gräuel der +Assassinenherrschaft ein Ende zu machen, indem sie zum freundlichen +Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte ihren Rath +und sandte mit den freundlich empfangenen Botschaftern Hulagu's seinen +Bruder Schehinschah und den Chodscha Assileddin von Susen[193], um seine +Unterwerfung dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich und +sandte abermals vier Botschafter[194] mit dem Begehren, dass, wenn die +Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die Schlösser brechen und selbst am +Hofe des Chan's erscheinen möge. Chuarschah antwortete: wenn mein Vater +widerspenstig war, will ich unterwürfig sein; er fing an, an einigen +Schlössern, wie _Meimundis_, _Lemsir_ und _Alamut_, Zinnen, Thore und +Mauern abbrechen zu lassen, begehrte aber die Frist eines Jahres bis zu +deren gänzlichen Uebergabe. Die Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine +Heere auf und zog von Bestam aus wider die Schlösser; der rechte, von Köke +Ilka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von Masenderan, +der linke, unter dem Befehle des Prinzen Tekuder Aghul[195] und Keitbuka +Nujan's, auf der Strasse von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte mit +einem Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen _Firuskjuh_, d. i. +den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des Schlosses der Assassinen +für eine Windmühle und ein Bad aus der Zeit Alexander's des Grossen +gelten[196]. Er sandte abermals Aufforderung an Chuarschah, sich +unmittelbar zu ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor +Firuskjuh[197], kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir und traute +Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. Er bat im Namen seines Herrn +noch einmal um Frist eines Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die +Schonung Lemsir's und Alamut's, der ältesten Burgen ihrer Herrschaft; er +sandte Kabinetsbefehle an die Gebietiger von _Girdkjuh_ und _Kuhistan_, +sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so den Sturm zu beschwören. + +[Randnote: Demawend, Fall von Meimundis.] + +Die Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend, einer der ältesten Städte +Iran's, am Fusse des gleichnamigen Berges gelegen, der ein vulkanischer, +durch Erdbeben und Rauch Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte +der Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn der Satan +geküsst, nach der Volkssage nur durch das Gehirn zweier täglich +geschlachteter Menschen gelindert werden konnte. Von dieser Tyrannei +befreite sein Volk der Schmied Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess +gestekt, die Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Tyrannen +sammelten, vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer seiner Regierung bis +in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet hatten, und der endlich selbst in's +Gebirge von Demawend verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird, +unabhängig vom moslimischen Kalender, das Befreiungsfest von der Regierung +Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der Umgegend sammeln sich, auf +Pferden, Mäulern, Eseln beritten, und ziehen unter lautem Geschrei durch +das Feld[198], jubelnd, dass ihre Väter dem Halloh der Tyrannei entflohen, +welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; Nachts werden Feuer auf den +Terrassen der Häuser angezündet und die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über +die Erlösung von dem Drucke Sohak's, durch welchen die Seufzer der +Unterdrückten wie Flammen zum Himmel emporstiegen. Dieses Fest heisst das +Fest der Kurden, auf denen Sohak's Tyrannei vorzüglich lastete. Demawend +soll schon von Siamek, dem Sohne des Keiomer's, des zweiten Herrschers der +Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend, d. i. dem Diwbändiger, +sollen die Diwe in den Demawend gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn +noch durch Rauch und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu den +_Schemseddin Kilegi_ nach Girdkjuh (dem _Tigado Haithon's_), um den +Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und einen anderen Gesandten +an Chuarschah, um diesen zu bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser +Botschaften zu Abbasabad[199], in der Nähe von Rei, der alten Hauptstadt +des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn, einen achtjährigen +Knaben, [RN: 17. Ramasan 654/8. Oct. 1256] welchen ihm aber Hulagu mit der +Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen könne, er einen +anderen Bruder statt Schehinschah's senden möge. Chuarschah sandte seinen +Bruder Schiranschah und den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um +seine Huldigung darzubringen. [RN: 1. Schewwal 654/26. Oct.] Nach vier +Tagen wurden sie mit einem Diplome zurückgesendet, welches dem Chuarschah, +da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte, wenn er seine +Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt das Heer den Befehl, von +allen Seiten aufzubrechen. Köke Ilka und Tukatimur nahten sich von der +Seite von Ispidar; Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur +Unterwerfung bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf der +sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess gegen _Thalkan_[200] +gewendet, [RN: 10. Scheww./31. October] einer Stadt der Landschaft +_Tocharistan_, nach welcher die Mongolen von den Byzantinern den Namen +_Tocharen_ erhielten, der noch in dem der Mongolen _Tsacharen_ fortlebt. +Ohne einen eingefallenen Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am +Fusse seines Schlosses gefangen worden; acht Tage hernach, [RN: 19. +Scheww./8. November] als sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath +gehalten, ob die Belagerung des Schlosses noch bei so weit vorgerückter +Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu verschieben sei; der +Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka und Bukatimur stimmten für die +Belagerung. Hulagu sandte abermals Botschaft, halb drohend, halb +versöhnend, einen letzten Termin von fünf Tagen zur Uebergabe bestimmend. +Chuarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten Arzt und Rathgeber +Nassireddin von Tus mit seinem Bruder Iranschah und seinem Sohne Turkia mit +vielen Geschenken, seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernach, +Sonntags den 19. November, [RN: 19. Nov. 1256] kam Chuarschah selbst, um +den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unterwerfung in die +folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten Distichen ein: + + O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt, + Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt. + Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen, + Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen! + +Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich hatte; er +schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog ihn, alle Burgen seiner +Vorfahren, deren Zahl auf hundert stieg, zu brechen, nur _Girdkjuh_ und +_Lemsir_, in welchen sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen; +die zu _Meimundis_[201] aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert und +unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vor _Alamut_, d. i. das +Adlernest, den Hauptsitz des Grossmeisters der Assassinen, von wo unter dem +Gründer Hasan Ssabbah die Macht des Ordens wie ein Adler aufflog. Der +Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Widerstand geleistet. +[RN: 26. Silhidsche 654/15. December] Die Mongolen drangen ein, zerbrachen +die Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist zum Abzuge. + +[Randnote: Schlösser der Assassinen.] + +Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute, sandte Hulagu seinen +gelehrten Staatssekretär Athamülk Dschuweini in's Schloss von Alamut, um +die Archive und die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere +kostbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines, welches den Titel: +_Begebenheiten unsers Herrn und Meisters_[202] führte und das Leben Hasan +Ssabbah, des Gründers des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seiner +_Welteröffnenden Geschichte_ die verlässlichsten Nachrichten über denselben +gegeben; alle anderen Werke philosophischen und freigeisterischen Inhalts +über die Lehre der Ismaili wurden den Flammen übergeben. Ob er dieses +Autodafe der Bücher auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe +veranstaltet, ob, wenn dieser Brand blos sein Werk gewesen, ihn dazu nur +der Feuereifer rechtgläubigen Islams, oder, wie ihn spätere +Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdammenswerthe engherzige Habgier +ausschliesslicher Gelehrsamkeit bewogen, ist heute zu entscheiden +unmöglich. Er soll nämlich blos die historischen Werke, die er benutzen +wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preisgegeben haben, um +die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber zu monopolisiren. Eine ähnliche +Anklage lastet auch auf dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und +des grossen Arztes Ibn Sina[203]. In welchem Gelehrtenkopf immer solche +Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist dieselbe doch vom einseitigen +Mathematiker und Arzte oder Philosophen begreiflicher, als vom +Geschichtschreiber, welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben +anzuführen, vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört. Zur +Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und Arztes, welche so +ausschweifender und ausschliesslicher Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen +wir glauben, dass der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste, +sondern in dem engeren ihrer Ankläger Platz greifen konnte. _Alamut_, d. i. +das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen steilen Hügel, nordöstlich von +Kaswin gelegen, bietet noch heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch +Mauern mit einander verbundener Thürme dar, welche auch dem, der sie, wie +Ker Porter, der Maler des persischen Alterthums, nur von ferne gesehen, als +unbezwingbar ins Auge springen.[204] Der ganze Gebirgsdistrikt zwischen +Dilem und Irak, durch dessen Schluchten der Fluss _Schahrud_, d. i. der +Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisst _Rudbar_, d. i. das +Flussland, und zwar das von Alamut zum Unterschiede vom südlichen, von Lur, +in Issfahan's Nähe, welches der _Sendrud_, d. i. der lebendige Fluss, +durchströmt. Hasan Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit +List bemächtigt, [RN: 483/1090] dann sich vom seldschukischen Sultan +_Berkjarok_ das in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh erbeten, +und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Alamut das im selben Thalwege +gelegene feste Schloss von _Lembeser_[205]. Nebst Alamut, d. i. dem +Geyerneste, _Girdkjuh_, d. i. dem Gürtelberg, und _Lembeser_, d. i. _Ruh' +im Kopf_, waren die festesten Schlösser der Assassinen (nach den Citadellen +der Städte _Tun_ und _Kain_) in Kuhistan: das von _Meimundis_, d. i. die +glückliche Feste, aus welcher der letzte Grossmeister abzog, und +_Muminabad_, d. i. der _Bau der Gläubigen_, welches seinen Namen und seine +Befestigung vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den +Beinamen des _neuen Musulman_ führte, dankt, dessen Name in der heutigen +Verstümmelung von _Meiomend_[206] kaum zu erkennen, und dessen +ausserordentliche Festigkeit die Geographie Hamdallah's anrühmt[207]; so +auch die des am Berge _Demawend_ gelegenen _Firuskjuh_, d. i. Glücksberg, +und das Schloss _Dschenabdar_ oder _Kebajed_, welches aber nicht erst von +den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen Helden _Guders_ +befestigt worden sein soll.[208] + +[Randnote: Kaswin.] + +Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen des Januars in das grosse, +sieben Farasangen von Kaswin aufgeschlagene Lager, [RN: 16. Silhidsche +654/4. Jan. 1257] wo durch sieben Tage Feste gefeiert, die Prinzen und +Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche der Eroberung zugelassen wurden; +selbe, sowie der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne der zwei +grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren Rath wesentlich zur +Uebergabe von _Meimundis_ beigewirkt, wurden beehrt, beschenkt; der +Astronom und seine beiden Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von +demselben bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. Dem +Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut und die Hochzeit zu +Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu behandelte ihn mit Schonung, um von ihm +die nöthigen Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten, +dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen Heeres demselben ungesäumt +übergeben möchten. Nachdem er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn +Hulagu als Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die Nachricht +erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er: Wozu schickt man ihn? und +sandte ihm als Willkomm den Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und +hierauf seine ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin +niedergemacht. So hatte die blutige Dynastie der persischen Ismailije, +d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben und siebzig Mondjahren ihr +Ende erreicht[209], und der Dolch des Meuchlers ward durch das Schwert des +Mongolen gebrochen. Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo er im +Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der Geschichtschreiber und +Geograph Persiens, erwähnt in seiner _auserwählten Geschichte_ dieses +Besuchs als einer der merkwürdigsten Epochen der Geschichte seiner +Vaterstadt, die von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs in +Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer Bekanntschaft +werth.[210]. Zuerst baute Schabur[211] hier eine Stadt, welche seinen Namen +trug, als Feste wider die Dilemiten, die feindliches Nachbaren im Norden. +Bei einem denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung der +Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der Chosroes seinem +Feldherrn zugerufen haben: _an kesch win_, d. i. _jenen Winkel schau_, und +nach erfochtenem Siege zum Andenken desselben die Stadt erbaut haben, +welcher sofort der Namen _Keschwin_, d. i. _Winkel schau_, blieb, das +heutige _Kaswin_. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah Musa fügte +eine dritte Stadt hinzu, _Mubarekabad_, d. i. der gesegnete Bau, genannt; +diese drei Städte umfing der Chalife Harun Reschid mit einer Mauer, welche +den Namen _Reschidabad_ erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said +bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau derselben[212]. +Unter der Regierung Fachreddewlet's des Bujiden erneuerte sein berühmter +Wesir Ismail Ben Ibad die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des +nach ihm _Ssahibabad_ genannten Viertels. Hierauf[213] vom Dilemiten +Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali Dschaaferi wieder +hergestellt und vom grossen Sultan der Seldschuken, Alparslan, +erneuert[214], war sie jetzt durch die Mongolen abermal verheert worden. +Die Mauer, von zehntausend dreihundert Ellen im Umfange, war mit +zweihundert dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing neun +Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von denen die vom +Einsiedler Chumar Tekesch[215] gebaute das besste Wasser gibt; derselbe +baute auch ein halbes Jahrhundert später[216] die nach seinem Namen +genannte Moschee; eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter +Hidschadsch aus einem Götzentempel in einen Betort der Moslimen +umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, weil von ihrer Kanzel unter +der Regierung der Beni Omeije dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere +Ueberlieferung aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten Chalifen +heisst: _Ehret Kaswin, welches eine der höchsten Pforten des +Paradieses_[217]. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen Früchten, besonders +an Melonen, Wassermelonen und Trauben, welche für die bessten ganz Persiens +gelten[218]; die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von +Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die aus +mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken aus. Die Einwohner +gelten für die bessten Gesellschafter, und ein persisches bekanntes +Distichon räth dem Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu +wählen; Musiker aus _Chorasan_, Geschäftsmänner aus _Issfahan_, Krieger aus +_Tebris_ und Gesellschafter aus _Kaswin_[219]. Zur Verherrlichung des +literarischen Ruhmes Kaswin's genügen die beiden Sekretäre _Kaswini_, der +Verfasser der _Wunder der Geschöpfe_[220] und der _einzigen Perle der +Seltenheiten_[221], jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und +_Hamdallah Mestufi_, der Verfasser der auserwählten Geschichte[222] und der +bessten persischen Erdbeschreibung[223], so dass persische Natur- und +Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung keiner persischen Stadt mehr +verdanken, als dem reichbegabten gesellschaftlichen _Kaswin_. + +[Randnote: Hamadan.] + +Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Hulagu von Kaswin nach Hamadan, wo +Baidschu Nujan von Aserbeidschan zur Aufwartung erschien. Hulagu, mit +dessen Unthätigkeit unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: »Was hast +du, seit Dschurmaghun nicht mehr in Iran geblieben, gethan? welche +Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Rebellen geschlagen? Hat dir +das mongolische Heer zu Etwas Anderem gedient, als durch dessen Macht und +Grösse den Chalifen zu schrecken?« Baidschu kniete nieder und sagte: »Ich +habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen lassen und, was in meinen +Kräften lag, gethan. Von den Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe +ich Alles unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge +unermesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebrigens steht der +Befehl in der Hand des Padischah, und ich bin bereit, aus derselben Leben +oder Tod zu empfangen.« Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's; +er befahl ihm, aufzubrechen, den Westen bis an's Meer hin zu unterjochen +und die Länder Rum's diesseits und jenseits des Bosporos den Händen der +Griechen und Franken[224] zu entreissen. Baidschu Nujan hatte schon vor +vierzehn Jahren mit einem Heere von vierzigtausend Mann das +hundertsiebzigtausend starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes +Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen[225] und vollendete nun die Eroberung +Rum's bis an das Gestade des mittelländischen Meeres. Hulagu begab sich mit +den Prinzen _Kuli_, _Belghai_, _Kotar_ und mit den Befehlshabern +_Bukatimur_, _Sundschak_, _Köke Ilka_ in die Ebene von Hamadan, um dort das +Heer zu sammeln. _Hamadan_, insgemein für das uralte Ecbatana gehalten, ist +nach allen Quellen persischer Geschichte und Geographie eine der ältesten +Städte Persiens, welche schon Huscheng, der zweite der Pischdadier, erbaut, +Nabuchodonoser verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll.[226] Bedil, +der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und zwanzigsten Jahre der +Hidschret[227]; dreihundert Jahre hernach[228] wurde dieselbe von +_Medawidsch_, dem Dilemiten, und abermal dreihundert Jahre später[229] von +den mongolischen Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner verwüstet. +Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn bei der von Hamdallah +angegebenen Zahl der Quellen (tausend dreihundert) durch Fehler des +Abschreibers eine Nulle zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister, +Eingeborene von Hamadan, der Dichter _Ibn Chaleweih_ und _Bediesseman_, +d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das Klima sowohl als die Einwohner +in bekannten Versen[230] mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte: + + Die Kälte ist vielstimmig zu Hamadan, und sogestalt + Ist es, im Winter grimmig, im Sommer mässig kalt. + +Der Wunderseltsame der Zeit, der Verfasser der ersten Makame, welche denen +Hariri's zum Muster gedient, sagte: + + Wiewohl geboren ich zu Hamadan, + Dasselbe ich dennoch nicht preisen kann; + Denn seine Knaben sind altklug, wie Greise, + Die Alten kindisch, nach der Knaben Weise. + +Das frische Grün der Fluren, das Gemurmel der zahlreichen Quellen +verscheuchen allen Gram und stimmen zur heitersten Lebenslust, wesshalb die +Einwohner vorzüglich lebenslustig, Spielen und Scherzen ergeben; ausserdem, +dass Hamadan der Geburtsort zwei so ausgezeichneter Schöngeister, als die +beiden oberwähnten, wallfahrtet hier der Jude zum Grabe _Esther's_ und +_Mardochai's_, der Arzt zu dem _Avicena's_[231], die Mystiker zu dem eines +der grössten persischen Dichter, nämlich: _Aththar's_, des Verfassers der +_Vögelgespräche_ und eines Dutzends gereimter Bücher, nämlich: des Buchs +des _Raths_, der _Drangsale_, der _Nachtigallen_, der _Kantele_, der +_Geheimnisse der Gänse_, der _Chosroen_, der _Antworten_, der _Nöthen_, des +_Auserwählten_, des _Göttlichen_, und _Haider's_, des Biographen der +Heiligen, des ascetischen Werkes der _Brüder der Reinheit_ und anderer +mystischer in Versen und Prosa. Bei dem Einfalle des mongolischen Heeres +hatte Einer schon das Schwert aufgehoben, um den Dichter zu tödten, als ein +Anderer sagte: Tödte diesen Greis nicht, ich kaufe dir sein Leben um +tausend Silberstücke ab. Hüte dich, sagte Aththar, mich um so niedrigen +Preis wegzugeben; du wirst Käufer finden, die mich theuerer bezahlen. +Einige Schritte weiter bot ein Anderer für Aththar's Leben einen Sack +Stroh; hierüber ergrimmt, hieb ihn der Mongole nieder.[232] Seit diesem +ersten Einfalle der Mongolen, welche bei der Verfolgung Chuaresmschah's bis +an's kaspische Meer und an die Gränze des arabischen Irak vordrangen, bis +zur Erscheinung Hulagu's vor Hamadan, waren sieben und zwanzig Jahre +verflossen, und ehe wir mit Hulagu die Gränze vom persischen Irak in's +arabische überschreiten, überblicken wir noch die Schicksale Persiens unter +mongolischer Herrschaft in der vom ersten Einfalle der Mongolen bis zur +Gründung des Reichs der Ilchane verflossenen Zeit. + +[Randnote: Die Mongolen im westlichen Persien vor Hulagu.] + +Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften getheilt, wovon +die östliche Chuaresm und Chorasan, die westliche das persische Irak und +Aserbeidschan in sich begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen, +überblicken wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien, welches in +dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich _Dchurmaghun_ und _Baidschu +Nujan_, und dann erst das östliche, wo die Begebenheiten verwickelter durch +die Ränke der Nebenbuhler um die Leitung der Geschäfte. Als die Mongolen +bei der Verfolgung Chuaresmschah's zum erstenmal die Gegend um Irbil +verwüsteten, [RN: 633/1236] rüstete der Chalife Mostanssirbillah ein Heer +und rief die moslimischen Fürsten zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle +nahmen sie die Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie drangen bis +Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte Bagdad in +Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den Waffen auf. Am rothen +Berge (Dschebel Hamrin) ober Tekrit wurden die Mongolen geschlagen und +ihnen die Gefangenen, die sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt, +abgenommen; ein Corps von fünfzehntausend Mongolen, das bald darauf bis +_Dschaaferije_ vordrang, zog sich bei der Annäherung des Chalifen zurück. +Noch im selben Jahre [RN: 635/1238] war ein Corps von gleicher Stärke bis +Chanekin vorgedrungen und schlug das ihnen vom Chalifen entgegengesandte, +das nur halb so stark. Im Norden hatten sie sich Gendsche's bemächtigt, und +Dschurmaghun's Heere überschwemmten Georgien und Armenien. Er eroberte das +Land zwischen dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt Tiflis nebst +anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei; hierdurch erschreckt, +trugen ihm die Bewohner von Karss die Schlüssel ihrer Stadt entgegen; +nichtsdestoweniger wurden die waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit +Ausnahme der Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei geschleppt wurden. +Der armenische Prinz _Awak_ begab sich mit seiner Schwester _Thamtha_ an +den Hof Gujuk's, um die Zurückstellung des väterlichen Erbes zu erflehen, +und sie erhielten hiezu den Befehl an Dschurmaghun. Nach dessen Tode setzte +sein Nachfolger Baidschu Nujan die Eroberungen seines Vorfahrers fort. Er +wandte seine Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und schlug das in der +Ebene von Akschehr bei Ersendschan verstärkte Heer des Sultans von Rum, +unter dessen Verbündeten zweitausend von Johann Limminata aus Cypern und +Bonifacio de Castro von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte +Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst _Alakjuh_ hiess.[233] Nach dem +über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas, Tokat und Kaissarije +geplündert und verheert; ein General des Sultans und der Richter von Amasia +kamen in's mongolische Lager von Siwas und unterhandelten einen Frieden, +vermöge dessen der Sultan jährlich einen Tribut von hundert zwanzigtausend +Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe, fünfhundert Kamele, fünfhundert +Sklaven zu leisten verbunden.[234] Keichosrew war zu glücklich, diesen ohne +seine Vollmacht abgeschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen. Bei ihrem +Abzuge erstürmten die Mongolen Ersendschan und machten die Einwohner +nieder. Malatia kaufte sich von der Plünderung durch viertausend Goldstücke +los, zu deren Vervollständigung die goldenen und silbernen Kirchengefässe, +die Heiligenschreine und Reliquienkästen ausgeliefert werden mussten.[235] +Wahrscheinlich war es derselbe mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal +Bohemund V., den Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern +seiner Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen zu liefern; die +Forderung wurde abgeschlagen, aber später zahlten die Fürsten von +Antiochien an die Mongolen Tribut. Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain, +durch einen mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu schleifen, +[RN: 1244] antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem Beispiele der +Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde. Hethum I., der armenische Fürst +Ciliciens, suchte durch Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz +an. Baidschu forderte vor allem die Auslieferung des Harems Keichosrew's, +des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte um diesen Preis den Frieden und +das Diplom als Vasall des grossen Kaan's. Im folgenden Jahre [RN: 1245] +eroberten die Mongolen die nördlich des Sees von Wan gelegenen Länder, die +sie auf Ogotai's Befehl der armenischen Prinzessin Thamtha übergaben. Sie +nahmen Amid, Roha, Nissibin. Der Fürst von Mossul, Bedredin Lulu, schloss +in seinem und des Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag von, in drei +Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden Jahre [RN: 1246] erschienen +die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe von Bagdad zu Dakuka, von wo sie +der kleine Diwitdar zurückschlug, und im folgenden Jahre [RN: 1247] +tödteten die Mongolen zu Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die +Karawanen, und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen +Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in die Geschichte dieser Länder +und ihrer Fürsten; wir erwähnen nur noch der Mission der vier Dominikaner, +welche Baidschu auf den ihm im Namen des Papstes gemachten Antrag, sich zum +Christenthume zu bekehren, tödten wollte. Einer seiner Offiziere hatte +sogar vorgeschlagen, den ersten der Missionäre zu schinden und seine +ausgestopfte Haut dem Papst als Antwort zu senden[236]; doch auf die +Fürbitte der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das Leben geschenkt, +sondern sie erhielten sogar ein in dem Missionsberichte bis auf uns +gekommenes Schreiben und wurden von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst +begleitet, der sie auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken +überhäufte.[237] + +[Randnote: Dschintimur, Körgös, Statthalter Chorasan's.] + +In Persien liess Tschengischan, nachdem er abgezogen, als Statthalter den +Dschintimur zurück, welchem von allen vier Ulusen, d. i. Stämmen des +_Urugh_, d. i. des Hauses Tschengischan's, ein Amtsgehülfe beigegeben war, +indem Chorasan als ein, allen vier Söhnen Tschengischan's gemeinsamer +Besitz betrachtet ward; eine Zeit lang dem Dschurmaghun, dem Statthalter +Feldherrn in Persien, untergeordnet, unter dessen Oberbefehl er die, +Chorasan noch verheerenden türkischen Schaaren Chuaresmschah's schlug, +erhielt Dschintimur von Ogotai die unabhängige Statthalterschaft Chorasan's +und Masenderan's; als Gehülfe vom Blute des Kaan's war ihm _Kelilat_ +beigegeben; er selbst verlieh beide höchsten Staatsämter, nämlich das des +Wesirs oder Inhabers des Diwans und die Stelle des Staatssekretärs, an +zwei Moslimen, jenes an _Scherefeddin_ von _Jesd_, dieses an _Behaeddin_ +von _Dschuwein_, den Vater Athamülk's, des Geschichtschreiber's. Nach +Dschintimur's Tod erhielt seine Stelle _Nussal_, welcher schon von +Tschengischan dem Dschintimur als Amtsgehülfe von Seite des Uluses +Dschudschi's beigegeben worden war. Dem Nussal folgte in der +Statthalterschaft bald _Körgös_, d. i. Blindaug, welcher, an den Hof +Ogotai's gesandt, um über die Verwaltung Chorasan's Bericht zu erstatten, +gefiel und von seinem Landsmanne, dem Staatssekretär _Dschinkai_ dem +Uighuren, begünstigt. Der Kämmerer _Danischmend_, Gegner Dschinkai's, +bemühte sich seinerseits, die Statthalterschaft Chorasan's dem Sohne +Dschintimur's zu verschaffen; Dschinkai wünschte jedoch seinem Schützling +ein _Jerligh_, d. i. Diplom, des Kaan's zu verschaffen, vermöge welchem ihm +die statistische Zählung der Bewohner Chorasan's und Masenderan's +aufgetragen und alle Macht in seine Hände concentrirt ward. Der Wesir +Scherefeddin und Kelilat, ihrer Wirksamkeit durch das Jerligh beraubt, +schmiedeten mit _Ongu Timur_, dem Sohne Dschintimur's, Ränke wider Körgös +am Hofe des Kaan's, der ihn auf ihre Beschwerden zu sich berief. Körgös +machte sich auf den Weg, indem er den Behaeddin von Dschuwein an der Spitze +der Verwaltung zurückliess. Auf dem Wege in's Hoflager begegnete er zu +_Binaket_ den Commissären des Kaisers, welche ihm zurückzukehren befahlen; +es kam vom Wortwechsel zu Thätlichkeiten, in welchen Körgös blutig +geschlagen und ihm ein Zahn gebrochen ward; er musste den Commissären +folgen, aber in der Nacht sandte er einen Eilboten mit seinem +blutbefleckten Kleide nach Hof. Ogotai, über diese Behandlung seines +Statthalters aufgebracht, berief ihn zu sich; allein die Gegner _Kelilat_ +und der Sohn Dschintimur's folgten ihm auf dem Fusse. Zu Bochara wurde bei +einem demselben gegebenen Feste Kelilat am hellen Tage ermordet. Ogotai +wollte in dem ihm vom Sohne Dschintimur's dargebrachten Zelte speisen; kaum +hatte er es verlassen, als es ein Windstoss zusammenriss. Ogotai, durch +diese böse Vorbedeutung erschreckt, befahl, es in Stücke zu zerreissen. In +dem von Körgös ihm dargebrachten Zelte fand er im Gegentheil einen mit +Juwelen besetzten Gürtel, nach dessen Umbindung sein Lendenschmerz +verschwand, so dass er guten Muths wieder zechte. Die beiden Nebenbuhler um +Chorasan's Statthalterschaft blieben mehrere Monate am Hofe Ogotai's, +welcher wünschte, dass sie sich vertrügen, und ihnen befahl, aus demselben +Becher zu trinken, dasselbe Zelt zu bewohnen, nachdem sie zuvor ihre Waffen +abgegeben. Da sie sich nichtsdestoweniger nicht verglichen, ward, als sie +Beide in Ogotai's Gegenwart vor Gericht erschienen, der Sohn Dschintimur's +als schuldig verurtheilt, und sollte an den Herrscher seines Uluses, +nämlich an Batu, ausgeliefert werden. Der Sohn Dschintimur's flehte den +Kaan, selbst sein Schicksal zu entscheiden, indem ein Hund, wie er, nicht +werth sei, dass zwei grosse Herrscher, wie Ogotai und Batu, sich über ihn +beriethen. Du hast Recht, sprach Ogotai, Batu's Strenge würde selbst seinem +Sohne, wenn er sich in deinem Falle befände, nicht verzeihen. Dem Sohne +Dschintimur's wurde verziehen; aber seine Begleiter wurden nach der Jasa +bestraft, welche über die Verläumder Strafen verhängt. Körgös verwaltete +Chorasan mit Gerechtigkeit und Einsicht, baute Tus und Herat aus ihrem +Schutte wieder auf und warf den Ränkeschmied Scherefeddin, welcher unter +dem Scheine der Freundschaft gearbeitet, in's Gefängniss; dieser aber fand +mittels seines Weibes Schutz beim Uluse Dschagatai, und Arghun wurde mit +dem Befehle abgesandt, den Körgös lebendig oder todt nach Hofe zu +bringen.[238] + +[Randnote: Scherefeddin von Jesd, Blutegel der Finanz, und Arghun.] + +Körgös, der sich Anfangs in einem von ihm zu Tus erbauten Magazine +eingesperrt, ging endlich, als man Gewalt brauchen wollte, selbst heraus, +und ward von den Söhnen Dschagatai's nach Hof gesandt, wo sein Beschützer +Dschinkai von der Regentin Turakina verungnadet worden. Körgös, ohne +Beschützer, ohne Geld, wurde auf Befehl Kara Hulagu's, des Enkels +Dschagatai's, hingerichtet, und von der Regentin wurde _Arghun_ zum +Statthalter Chorasan's ernannt. Er begehrte den Scherefeddin als _Ulug +Bitekdschi_, d. i. grossen Staatssekretär oder Finanzminister, weil er sich +verbindlich gemacht, viertausend Balische, welche in den beiden Ländern +Chorasan und Masenderan an Steuern ausständig, einzutreiben. Scherefeddin, +Sohn eines Lastträgers von Chuaresm und seiner schönen Gestalt willen +Lieblingspage des Statthalters von Chuaresm, war von diesem, als der Page +die Frische des Jugendreizes verloren, dem Dschintimur abgetreten, bei dem +er sich durch seine Geschicklichkeit als Sekretär und seine Kenntniss der +mongolischen Sprache als brauchbar empfahl; er stellte ihn in +Steuergeschäften an, in welchen er bald Proben seines blutaussaugenden +Druckes gab, wodurch sein Name in der Geschichte für immer gebrandmarkt. Er +unterschied zwischen den Dörfern, welche sich freiwillig den Mongolen +ergeben, oder mit Gewalt erobert worden waren, und belastete die Einwohner +der letzten mit allen Arten von Auflagen und Qualen[239]. In diesem Geiste +hatte er unter Körgös das Land gedrückt und noch mehr unter Arghun, um die +Summe, zu deren Eintreibung er sich anheischig gemacht, einzutreiben. Weder +Weiber noch Waisen wurden verschont und Foltern aller Art angewandt, um +Geld zu erpressen; die Häuser wurden geplündert, den Todten selbst das +Leichentuch weggenommen, dar Mann vom Weibe, der Vater vom Sohne gerissen +und als Sklave verkauft; die Männer wurden barfuss, die Weiber +unverschleiert aus den Häusern geschleppt; jene bei den Füssen, diese bei +den Brüsten aufgehängt. Zu Rei wurden die geraubten Einrichtungen der +Häuser in der Moschee aufgeschichtet, dort auf Maulthiere geladen und diese +mit den Teppichen der Moschee zugedeckt. So schaltete und waltete er zu +Tebris und Kaswin, zu Issfahan, Kum, Kaschan, Rei und Hamadan, alle Häuser +und alle Foltern erschöpfend. Seinen Helfer Mahmud von Sebsewar sandte er, +um Isferain und Dschadscherm auszusaugen, er selbst lag schwer als Alp der +Finanz auf Astrabad, Amul und den Städten Masenderan's. Als Arghun zu Tus, +bat der Imam der Grabstätte Musa Risa's um Gnade und Schonung, und Arghun +gab ihm einen Kabinetsbefehl an Scherefeddin zur Zurückstellung eines +Theils des Geraubten. Scherefeddin befahl, den Vorzeiger des Befehls mit +Fäusten zu ohrfeigen, so dass er besinnungslos niederfiel. Die Pflugstiere +nahm er vom Acker, die Heerden aus den Haiden weg, so dass Ackerbau und +Viehzucht darniederlag. Glücklicherweise befreite sein Tod das Land von +seiner Tyrannei; [RN: 1244] aber noch auf dem Todbette sandte er Wort an +Arghun, ja die Eingesperrten nicht frei zu lassen, bis sie gezahlt, und ja +keinen Heller nachzusehen, weil sonst alle Ordnung zu Ende. Arghun that das +Gegentheil, indem er die Gefangenen losgab, die noch zu leistenden +Zahlungen nachsah und sich dadurch den Segen des Landes erwarb. Bei der +Thronbesteigung Gujuk's brachte Arghun alle eingesammelten Anweisungen, +welche sich verschiedene Prinzen gesetzwidrig auf verschiedene Distrikte +Chorasan's verschafft hatten, dem neuen Kaan als das angenehmste Geschenk +dar; die Stellen wurden nach seinem Vorschlag besetzt, die durch den Tod +des Blutegels Scherefeddin erledigte des Ulugh Bitekdschi erhielt +_Fachreddin Behischti_. Nach Gujuk's Tod riss während des Zwischenreichs +der Missbrauch der Anweisungen, wodurch den Prinzen Einkünfte von Dörfern +und Flecken in Chorasan für Jahre hinaus zugesichert wurden, wieder ein. +Bei Mengku's Thronbesteigung verschafften sich die Klagen des Landes Gehör, +und es wurde beschlossen, Chorasan auf die von Mohammed Jelwadsch in +Transoxana eingeführte Weise zu besteuern. Die Statthalterschaft wurde ihm +mit _Jerligh_ und _Paise_, d. i. mittels Diploms und Löwenkopfs, bestätigt, +und Behaeddin von Dschuwein für die Finanzverwaltung beigegeben; aber die +Brüder des Kaisers: Kubilai, Hulagu, Arikbugha, hatten bei ihm ihre +Agenten; so auch _Nikpei_, der Herr des Uluses Dschagatai. Persien wurde in +vier Steuerbezirke abgetheilt und die Vorsteher derselben erhielten den +Titel _Melik_, welches gewöhnlich König, hier aber so viel als Intendant +oder Generalpächter bedeutet. Arghun veranstaltete bei seiner Zurückkunft +neue Zählung und regelte die Kopfsteuer nach den Klassen, was bereits, +sowie die Einrichtungen Hulagu's durch denselben oben erzählt worden. + +[Randnote: Rückblick auf das Chalifat.] + +Hulagu befand sich Ende Aprils zu Denna, [RN: 9. Rebiulachir 655/26. April +1257] drei Monate hernach zu Hamadan; [RN: 10. Redscheb/26. Juli] in der +herbstlichen Tag- und Nachtgleiche sandte er einen Gesandten an den +Chalifen von Bagdad mit der Aufforderung von Unterwürfigkeit und dem +Vorwurfe, dass die zur Besiegung der Assassinen angesprochene Hülfe nicht +geleistet worden. Doch ehe wir die Begebenheiten der zwischen dieser +Aufforderung und dem Sturze des Chalifats verflossenen fünf Monate +erzählen, fordert geschichtlicher Zusammenhang den Rückblick auf die +letzten Zeiten des sinkenden Chalifats, das unter den Beni Abbas nun +bereits durch fünf Jahrhunderte gedauert. Ohne diesen Rückblick auf die +ersten und letzten Ursachen des Sinkens und gänzlichen Verfalls würde es +unmöglich sein, zu begreifen, wie der durch fünf Jahrhunderte aufrecht +stehende Thron des Chalifen in fünf Monaten zertrümmert ward[240]. Der Wurm +hatte schon lange an dem Herrscherstabe des Chalifen genagt, ehe derselbe +und das darauf gestützte Schattenbild der Herrschaft zu Boden fiel. Von +innen zerrissen das Reich die Partheiungen der Sunni und Schii und die +Anführer der türkischen Leibwachen, mit denen sich schon der achte Chalife +_Moteaassim_ in der Hoffnung umgeben, durch dieselben den Thron zu +schützen, die aber statt Vertheidiger Empörer, von Sklaven sich zu Sultanen +emporschwangen. Von aussen erschütterten und zertrümmerten das Reich die +mit dem Schwerte den Islam reformirende Secte der _Karmathen_ und die +überall emporsteigenden Dynastien, von denen alle den Titel der Herrschaft +den durch Gewalt abgenöthigten Diplomen des Chalifen dankten, von denen +aber die mächtigsten, wie die _Beni Hamdan_ und _Beni Buje_, um die +Oberherrschaft über den Chalifen buhlten, und desshalb im beständigen +Kriege mit dem Emirol-umera, d. i. dem Fürsten der Fürsten, dem Hausmeyer +des Chalifats, bis sie den Titel desselben sich selbst angeeignet. Kaum ein +Jahrhundert war seit der Gründung der Dynastie der Beni Abbas durch +_Abdallah es-seffah_, d. i. den Diener Gottes, den Blutvergiesser, +verflossen, als schon mit dem Einflusse der türkischen Leibwachen der +Saamen des Unheils wuchernd aufschoss; ein Jahrhundert hernach unter dem +neunzehnten Chalifen _Kahirbillah_, d. i. der _Rächende durch Gott_, war +bereits das Loos der Theilung über das Ehrenkleid des Chalifats geworfen +und die Länder desselben in zwölf Theile zerstückelt. [RN: i. J. 325/936] +Heute vor neunhundert Jahren herrschte in Persien die mächtigste, in vier +Zweige getheilte Dynastie der Beni _Buje_, in Diarbekr und Dijari Rebia, zu +Mossul und zu Haleb die Dynastie der Beni _Hamdan_; Chorasan war in den +Händen der Beni _Saman_, Masenderan und Dschordschan in denen der Beni +_Dilem_; der südlichen arabischen Landschaften hatten sich die _Karmathen_, +der südlichen persischen _Ahwas_ und _Wasit_, die Söhne _Berid's_, als +Empörer bemächtigt. In Aegypten und Syrien führten die türkischen Sklaven +der Familie _Achschid_ als Herrn den Titel von Sultanen und zu _Bagdad_ +selbst den des Fürsten der Fürsten. Zwei Dynastien der Beni _Sijad_ +regierten zu Sebid in Jemen und die anderen in Taberistan; in Kufa die Beni +_Thaba Thaba_ aus der Familie Ali und die Beni _Ochaissar_ in Hidschas. Den +Titel und die Macht als Chalifen machten den Beni Abbas die alte Dynastie +der Beni _Omeije_ in Spanien und die neue der _Fatimiten_ in Afrika +streitig[241]. So hatten sich Leibwachen und Sklaven, Sectirer und Empörer, +arabische und persische Emire in das weite Reich des Chalifats von Osten +bis Westen getheilt, und das Gebiet desselben war, wie in der letzten Zeit +des byzantinischen Reichs, fast nur auf das Weichbild der Residenz +beschränkt; was sich innerhalb den weiten Gränzen des ehemaligen Reichs der +Chalifen zutrug, gehört in die Geschichte der Dynastien, die sich dort +erhoben, und nicht mehr in die des Chalifats, das seit dem Beginne des +zehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung noch durch +vierthalbhundert Jahre seinem Untergange allmählig zusank. + +[Randnote: Wesire Verräther; Religionssecten; Ueberschwemmungen.] + +Am Eingange und Ende dieser vierthalbhundertjährigen Periode stehen zwei +Wesire Staatssekretäre, beide Gelehrte, beide als Hebel des Verderbens des +Reichs von der Geschichte gebrandmarkt. Der erste, _Ibn Mokla_, der +Verbesserer der arabischen Schrift in ihrer schönsten, gefälligsten Form +des _Neschi_, der dreimal den Koran abgeschrieben, dreimal die Wesirschaft +verwaltet, dreimal Heere befehligt, dreimal die Pilgerreise vollzogen und +zuletzt sogar dreimal bestattet worden, unterhielt verrätherischen +Briefwechsel mit _Jahkim_, dem türkischen Emire, wie _Ibn Alkami_, der +letzte gelehrte Wesir des letzten der Chalifen, mit Hulagu; jener die +Türken, dieser die Mongolen rufend. Der zwischen beiden liegende Zeitraum +zerfällt in vier Perioden, in deren erster die _Bujiden_, in der zweiten +die _Seldschuken_, in der dritten die _Chuaresmschahe_ und endlich die +_Mongolen_ die mächtigsten Herrscher Mittel- und Vorderasiens. Wir haben +hier nicht die Geschichte dieser Reiche zu überblicken, sondern nur die des +unter ihrem eisernen Fusstritte tief darniedergebeugten Chalifats. Die +erste Periode der Uebermacht der Beni Buje bis zum Auftritte der +Seldschuken unter Toghrul umfasst hundert fünf und zwanzig Jahre, die +Herrschaft der Seldschuken in Chorasan und Kerman anderthalb Jahrhunderte, +die überwiegende Macht der Chuaresmschahe unter den beiden letzten grossen +Sultanen derselben, Mohammed Tekesch, die der mongolischen Herrschaft seit +dem Tode Tschengischan's, dreissig Jahre. Während dieses durch die +Uebermacht der Beni Buje, der Seldschuken, der Chuaresmschahe und der +Mongolen unterdrückten, durch innere Unruhen zerstückten Chalifats sassen +seit dem neunzehnten Chalifen, Kahirbillah, noch achtzehn sogenannte +Schatten Gottes auf Erden als Schatten auf dem Chalifenstuhle, mit dem +Mantel des Propheten angethan, mit seinem Stabe als Richter die weltliche +Herrschaft zum Scheine und nur noch die geistliche als die Imame des Islams +ausübend, auch diese nicht unbestritten, sondern von Ketzern und +Glaubensreformern vielfach beeinträchtigt, von den Chalifen der Beni Omeije +in Spanien und von denen der Fatimiten in Afrika in Anspruch genommen. +Zuerst entzweite das Chalifat die zu Bagdad mit gleicher Erbitterung +geführte Glaubensspaltung der _Sunni_ und _Schii_, wovon jene die +Katholiken, diese die Protestanten des Islams; jene dem Hause Abbas, diese +dem Ali's und folglich allen denen, welche als Verwandte der +Prophetenfamilie auf Herrschaft Anspruch machten, gewogen. Die für den +Thron sowohl als für den Altar gefährlichsten Religionsneuerer aber waren +die _Karmathen_ und _Ismailiten_, wovon jene mit dem Schwerte in der Hand +als Zerstörer der Kaaba und Räuber des heiligen schwarzen Steines, als +Mauerbrecher das feste Gebäude des Islams erschütterten; diese unter dem +Schleier geheimer Lehren und Verbindungen die Grundfeste der Religion +untergruben und mit dolchbewaffnetem Arm schneidende Beweise führten; +höchst gefährliche Neuerer der Lehre, welche den ihnen beigelegten Namen +der _Mulhad_, d. i. der Freigeister oder Gottlosen, wohl verdienten und +welche nur unter dem tropischen Gewande der Allegorie und Mystik das Skelet +ihrer Grundlehre: _Nichts zu glauben und sich Alles zu erlauben_, +verlarvten; gefährlicher als die Anhänger _Masdek's_ unter Nuschirwan, als +die _Babek's_ unter den Chalifen Mamun und Moteaassim, welche offen die +Gemeinschaft der Güter und Weiber predigten, das Scheusal ihrer Grundsätze +offen Preis gaben, während diese es unter dem Schleier ascetischer Uebungen +und philosophischer Lehren im tiefsten Geheimnisse verbargen. Von der Zeit +an, wo unter Kahirbillah die Karmathen und Beridäer die Länder des +Chalifats mit Blut überschwemmten bis zur letzten Blutüberschwemmung durch +die Mongolen, waren die grossen politischen Unheile des Reichs fast immer +gleichzeitig mit grossen verderblichen Naturbegebenheiten, mit Erdbeben, +Hungersnoth und besonders grossen Verheerungen des Tigris, so dass die +Ueberschwemmung des letzten nur als ein Vorzeichen einer Ueberschwemmung +von Blut galt, ein Glaube an eine geheime Verbindung physischer und +moralischer grosser Begebenheiten, welche durch die furchtbaren +Ueberschwemmungen des Tigris, welche im Jahre der Einnahme Alamut's +statthatte und nur zu bald durch das Blutbad und den Ruin Bagdad's +bestätigt ward. + +[Randnote: Die Emirol-umera aus der Familie Buje.] + +Der Tyrann Kahirbillah, Nachfolger des Chalifen Radhi, der letzte der +Chalifen, welcher dichtete und selbst am Freitage das Chutbe verrichtete, +berief den Türken _Raik_ als Fürsten der Fürsten nach Bagdad und stiftete +so die oberste Gewalt der Fürsten der Fürsten, um die sich mit den +Befehlshabern der Leibwachen die mächtigen Fürsten des Hauses Hamdan und +Buje stritten. Er bestellte, der erste, einen Stellvertreter in der +Moschee, in welcher vor ihm die Chalifen selbst als Imame dem Gebete +vorstanden, am Freitage die Rede selbst von der Kanzel als _Chatibe_ +gehalten hatten.[242] [RN: 330/941] Unter seines Bruders und Nachfolgers +_Mottakki_, d. i. des Gottesfürchtigen, Regierung verkündeten grosse +Ueberschwemmung des Tigris und grosse Pest und Hungersnoth eben so grosses +politisches Unheil. Der Anführer _Beridi_ verheerte Bagdad dritthalb Monate +lang mit seinen Truppen, der Türke _Tusun_ drängte sich nach Raik's Tod dem +Chalifen als Fürst der Fürsten auf, dem byzantinischen Kaiser Romanus +Lapachenes musste das Schweisstuch Christi als Lösegeld ausgeliefert +werden; Mottakki ward geblendet und vom Throne gestossen. Sein Neffe +_Mostekfibillah_ verlieh nach Tusun's Tod die Stelle des Fürsten der +Fürsten dem _Schirsad_, welchem sie Ahmed der Bujide entriss und vom +Chalifen mit dem Ehrentitel _Moiseddewlet_, d. i. der den _Hof_ oder das +_Reich Ehrende_, anerkannt ward. Er bemächtigte sich der Leitung aller +Geschäfte, wies dem Chalifen nur fünftausend Dirhem für dessen täglichen +Unterhalt an, riss ihn endlich gewaltsam vom Throne und verstiess ihn +geblendet in den Kerker. Die Wesire wurden von nun an nicht mehr Wesire, +sondern nur _Kjatibe_, d. i. Sekretäre, genannt.[243] Sein Nachfolger +_Motiilillah_, d. i. der Gehorsame in Gott, war nur den Befehlen +Moiseddewlet's und seines Sohnes Bachtiar gehorsam, welche die wahren +Herren von Bagdad, als Schii die Sunni als Ketzer und die Chalifen aus dem +Hause Abbas als ungerechte Thronbesitzer anfeindeten; Verwünschungen wider +Omar, der _Fedek_, das Landgut Ali's, eingezogen, und den _Ebu Serr_ +verdammte, wurden an die Thore der Moscheen geschrieben, Nachts zwar von +den Sunniten wieder ausgelöscht, dann aber dem Moawia von den Kanzeln +geflucht und das Fest Aaschura zum Preis des Martyrthums Husein's +eingesetzt[244]. Moiseddewlet verkaufte die Stelle des Obersten Richters um +zwanzigtausend Dirhem, das erste Beispiel so schändlicher Verkäuflichkeit +im Islam, und Bachtiar, als es ihm an Geld mangelte, zwang den Chalifen, +seine ganze Garderobe und sein Hausgeräthe zu verkaufen, und zog die aus +der Versteigerung gelösten vierzigtausend Dirhem ein, so dass man sagte, er +habe den Chalifen vergantet[245]. Die Karmathen hatten zwar den schwarzen +heiligen Stein wieder an die Kaaba zurückgestellt, aber hingegen eroberten +die Griechen alle Gränzfestungen des Reichs. Zu Tarsus verwandelten sie die +Moscheen in einen Stall und verbrannten die Kanzel; Antiochien und Haleb, +Edessa und Nissibin wurden geplündert. Dschewher, der Feldherr der +Fatimiten, hatte Aegypten erobert. So grosse und schwere Unfälle waren +durch ausserordentliche Naturverheerungen vorbedeutet oder von denselben +begleitet worden. [RN: 346/957] Erdbeben verschluckte die Stadt Thalkan mit +allen ihren Einwohnern, bis auf dreissig[246], und hundert fünfzig Dörfer. +Die Erde warf die Gebeine der Todten aus und sprengte heisses Wasser zum +Himmel empor; Kum und Holwan wurden durch Erdbeben verwüstet; die +Heuschrecken verzehrten nicht nur das Gras der Fluren, sondern auch die +Blätter der Bäume; das Meer trat achtzig Ellen weit von seinen Ufern +zurück[247] und enthüllte die Naturwunder seines Schooses; drei Jahre +später verschlang es das Gepäck der Pilgerkarawane, die ein Wolkenbruch +demselben zugeschwemmt; [RN: 349/960] in diesem Jahre wurde Kreta von den +Griechen erobert. Der Sohn Motii's war _Thaai_, was ebenfalls _gehorsam_ +bedeutet; er gehorsamte, wie der Vater, dem Fürsten der Beni Buje, die sich +nun mit den Türken und unter sich um die Obervormundschaft des gehorsamen +Chalifen stritten; doch beobachtete Adhadeddewlet, der grosse Fürst der +Bujiden, wenigstens den äusseren Anstand, indem er siebenmal vor dem +Chalifen die Erde küsste, während Behaeddewlet den Palast des Chalifen +plünderte, ihn selbst durch zwei Dilemiten von dem Throne reissen liess und +geblendet in den Kerker verstiess. Adhadeddewlet hatte zu Bagdad Spital und +Sternwarte gebaut, und inmitten der finsteren Nacht, welche den Thron des +Chalifats umdunkelte, leuchteten am literarischen Himmel Gestirne der +ersten Grösse. Der Dichter _Motenebbi_, der Geschichtschreiber _Mesudi_, +der Philosoph _Farabi_ und _Ebulferedsch von Issfahan_, der Verfasser der +grossen Blüthenlese, _Aghani_, welcher dem Wesir Ibad die fünfhundert +Kameellasten von Büchern, die er vor Erscheinung derselben mit sich zu +führen pflegte, ersparte. + +[Randnote: Kadirbillah und Kaimbiemrillah.] + +In die vierzigjährige Regierung Kadirbillah's, des fünf und zwanzigsten +Chalifen, des Enkels Moktedir's, fällt das Ende der Herrschaft der Beni +Buje und der Beginn der Grösse der Sultane von Ghasna, welche aber zu +ferne, um unmittelbaren Einfluss auf die Schicksale Bagdads zu nehmen. +Nichtsdestoweniger ertheilte ihnen der Chalife Ehrentitel, indem er dem +Vater Sebugtegin den _der rechten Hand des Hofes und des Intendenten des +Volkes_[248] beilegte, wie die Fürsten der Buje der _Bewahrer_[249], der +_Arm_[250], der _Ruhm_[251], der _Adel_[252], das _Schwert_[253], der +_Werth_[254], die _Säule_[255] und die _Ehre_[256], der _Veredler_[257], +die _Erhabenheit_[258] des Reichs und des Hofs geheissen hatten; fünf und +vierzig Jahre alt, als er den Thron bestieg, füllte _Kadir_, d. i. der +Mächtige, denselben vierzig Jahre lang, wenn nicht mit Macht, doch mit +Anstand und Würde, war genau und eifrig in Vollziehung der vorgeschriebenen +Religionspflichten im Gegensatze seiner Vorfahren, welche Wüstlinge und +Schlemmer, schrieb ein Buch wider die Schismatiker, welche die Lehre, dass +der Koran erschaffen, vertheidigen, welches alle Freitage in der Moschee +vorgelesen ward; nur wurde seine lange Regierung häufig durch die blutigen +Streitigkeiten der Sunni und Schii getrübt, weil er die letzten auf Kosten +der ersten begünstigte. In dem ersten dieser Religionsaufruhre wurde der +Wesir Behaeddewlet erschlagen, weil er die Todtenfeier des Martyrthums +Husein's abstellen wollte. [RN: i. J. 382/992] Neun Jahre hernach empörten +sich die Ketzer, indem sie die Einführung eines neuen Festes, nämlich des +schiitischen des _Teiches_, durchsetzten[259]. [RN: 389/998] Zehn Jahre +hernach, im selben, wo ein heftiges Erdbeben die Stadt dreimal, und +Hakimbiemrillah die Kirche, das heilige Grab zu Jerusalem in Schutt +verwandelte, schlugen sich die Sunni und Schii in den Strassen von Bagdad. +[RN: i. J. 407/1016] Neun Jahre später wurden die Ketzer zu Wasith von den +Sunni geschlagen und die Kuppel der grossen Moschee zu Jerusalem stürzte +ein. Schon im nächsten Jahre [RN: i. J. 408/1017] entbrannte der Kampf +zwischen ihnen umso heftiger zu Bagdad; und abermals nach dreizehn Jahren +[RN: i. J. 421/1030] schlugen sie sich wegen des Festes _Aaschura_, d. i. +des Trauerfestes Husein's. Ausser dieser so oft wiederholten blutigen +Polemik wurde Bagdad von Zeit zu Zeit durch Diebsbanden beunruhigt, so +dass Niemand seines Eigenthums sicher[260]. Nichtsdestoweniger brachte es +Kadir dahin, dass die Beni _Okail_ in Syrien das Kanzelgebet auf seinen +Namen und nicht auf den der Fatimiten verrichteten, deren angeblicher +Ursprung von Ali, zu Bagdad öffentlich in den Schulen angegriffen ward. +[RN: i. J. 402/1011] Die Gleichzeitigkeit _Firdewsi's_ und _Kabus +Schemsolmaali's_, des Dilemiten, wie die _Hamdan's_, des Gründers der Beni +Hamdan, und _Avicena's_ verherrlichte die vierzigjährige Regierung Kadir's +nicht minder, als die fünf und vierzigjährige seines Sohnes +_Kaimbiemrillah's_, d. i. des auf Befehl Gottes Aufrechtstehenden, durch +das Aufsteigen _Toghrul's_, des Gründers der Dynastie der Seldschuken, als +Beginn einer neuen Epoche, indem die Vormundschaft der Chalifen von dem +Hause Buje in das der Seldschuken überging. Toghrul, von dem Chalifen um +Schutz wider den übermächtigen Türken Besasiri angefleht, gewährte +denselben, aber gegen die Belehnung mit der Herrschaft des Ostens und +Westens mittels zweier Kopfbünde, zweier Schwerter, sieben Fahnen und +sieben nacheinander angelegter Ehrenkleider, während der Chalife auf sieben +Ellen hohem Throne sass. Der Chalife vermählte sich mit der Nichte +Toghrul's und dieser nahm die Tochter des Chalifen zur Frau, starb aber vor +Vollzug der Hochzeit siebzigjährig. Zwei Kometen[261], Erdbeben, +Hungersnoth, Meeresebbe und Ueberschwemmungen verkündeten und begleiteten +diesen neuen Umschwung der Herrschaft des Ostens und Westens. In Aegypten +und Palästina spie die Erde Wasser[262], das Meer zog sich auf einen Tag +weit von den Gestaden zurück und verschlang in unvermutheter Rückkehr die, +welche in seinen aufgedeckten Tiefen nach Schätzen suchten[263]. Die +Hungersnoth in Aegypten war so gross, dass seit des ägyptischen Joseph's +Zeit keine grössere gedacht ward[264] und die Stärkeren die Schwächeren +ohne Scheu auffrassen; durch zwei Ueberschwemmungen des Tigris[265] wurden +über hunderttausend Häuser verwüstet. Solche Zeichen mussten die Herrschaft +der Türken über Vorderasien verkünden; aber ausserdem ward Bagdad noch +durch Diebesbanden und die Religionskämpfe der Sunni und Schii verwüstet; +diese fügten zum Gebetsaufruf die Formel: _Auf! zu guten Werken!_[266] bei +und schrieben auf ihre Bollwerke: _Mohammed und Ali sind die bessten der +Geschöpfe; wer vollzieht, ist dankbar, wer sich dessen weigert, undankbar_; +die Sunni widersetzten sich; die Grabmäler der Imame _Musa_ und _Takki_ +wurden ihrer goldenen Leuchter und Lampen beraubt, die Schreine aus +Ebenholz angezündet; sie verbrannten auch die Grabdome des Chalifen _Emin_ +und seiner Mutter _Sobeide_, die der Bujiden _Mois_ und +_Dschelaleddewlet_[267]; die Moscheen der Hanefiten wurden von den Schiiten +geplündert. Sie unterliessen dafür das Kanzelgebet für den Chalifen, weil +er sie zu schützen nicht im Stande, nicht Chalife und Imam zu heissen +verdiene. Doch hatte er vor seinem Ende den Trost, dass der Scherif von +Mekka das Kanzelgebet nicht mehr auf den Namen der Fatimiten, sondern auf +den der Beni Abbas verrichtete; und unter seiner Regierung erhob sich zu +Bagdad die erste, vom grossen Wesire Melekschah's von Nisameddin gestiftete +hohe Schule _Nisamije_[268]. + +[Randnote: Die Chalifen Moktefi, Mostadhir.] + +Mit Moktefi, dem Sohne Kaimbiemrillah's, dem sieben und zwanzigsten +Chalifen, welcher zwanzigjährig den Thron bestiegen, setzte sich auf +denselben in Chuaresm _Itsis_, einer der Emire Melekschah's, der Gründer +der Dynastie der Chuaresmschahe, die erst ein Jahrhundert später zum Gipfel +der Macht emporstieg. _Itsis_ liess das Freitagsgebet wieder auf den Namen +des Chalifen aus dem Hause Abbas, statt auf den der Fatimiten, verrichten. +Moktefi vermählte sich mit der Tochter seines Schirmvogtes, des grossen +Sultan's der Seldschuken, Melekschah. Die Hochzeit war die glänzendste, +welche Bagdad seit der berühmten Mamun's mit der Tochter seines Wesirs +_Sehl_ gesehen; der grosse Wesir Nisamolmülk mit zweitausend Reitern +begleitete die Braut; hundert vier und dreissig Reihen von Kamelen (jede +Reihe zu sieben) trugen den Brautschatz, in welchem die juwelenbesetzten +Pantoffeln das Hauptstück. Die Hochzeit, sowie ein Paar Jahre hernach das +Geburtsfest des Sohnes Dschaafer aus der Frau Turkjan, wurde mit grossen +Festen gefeiert; dem letzten wohnte Melekschah in eigener Person bei und +legte bei dieser Gelegenheit den Grund der nach seinem Namen genannten +Moschee Bagdad's. Nach Verlauf eines Jahres zertrugen sich der Chalife und +die Tochter Melekschah's, welche zu ihrem Vater nach Issfahan zurückkehrte, +weil Moktefi statt ihres Sohnes Dschaafer's den _Mostadhir_ zum Thronerben +ernannte. Melekschah forderte, dass der Chalife die Erbfolge an seinen +Enkel Dschaafer, den Sohn Turkjan's, übertrage, und war eben im Begriffe, +ihm dieses Familiengesetz mit gewaffneter Hand aufzuzwingen, als er +vergiftet starb, was von Bagdads Einwohnern der Wirkung des +himmeldurchdringenden Gebetes des Chalifen zugeschrieben ward. [RN: +487/1094] Moktefi überlebte ihn nur drei Jahre und hatte seinen +sechzehnjährigen Sohn _Mostadhir_ zum Nachfolger. [RN: 489/1096] Zwei Jahre +nach seiner Thronbesteigung ward ganz Asien durch den Schrecken der +Astronomen über den Verein der Planeten, den Saturnus ausgenommen, im +Zeichen des Fisches mit Vorhersagungen von Sündfluth aufgelärmt, indem zur +Zeit der Sündfluth alle sieben Planeten im Fische gestanden haben sollen; +wirklich schwemmte ein Wolkenbruch das Gepäck der Pilgerkarawane fort; aber +verderblicher als diese Ueberschwemmung war die der Kreuzfahrer, deren +Fluth bald hierauf an den syrischen Gestaden emporbrandete. [RN: 499/1105] +Ein Comet von einer Grösse, dessgleichen nie gesehen worden, galt als +Vorzeichen des ungeheueren Brandes, dessgleichen Bagdad noch nicht erlebt +hatte, und in welchem nebst dem Palaste des Chalifen die hohe Schule +Nisamolmülk's und die ganze Flussseite der Stadt in Asche gelegt ward; [RN: +511/1117] was vom Brande übrig geblieben, zerstörte ein Erdbeben. Brand und +Erdbeben mussten den Tod Mohammedschah's des Seldschuken und des Chalifen +vorbedeutet haben, welche bald hierauf im Zwischenraume von wenigen +Monaten starben. Es war das drittemal, dass der Tod des Chalifen mit dem +seines seldschukischen Schirmvogtes fast zusammenfiel; Sultan _Alparslan_ +war zwei Jahre vor dem Chalifen _Kaim_[269], Sultan _Melekschah_ zwei Jahre +vor dem Chalifen _Moktefi_[270] und jetzt Sultan Mohammed nur einige Monate +vor dem Chalifen _Mostadhir_ gestorben, und sowohl die drei Sultane als die +drei Chalifen gehörten unter die grössten und bessten Herrscher ihres +Hauses[271]. _Mostadhir_, beredt, freigebig und Schönschreiber, machte den +Bewohnern Bagdads angenehme und fröhliche Tage, indem seine vier und +zwanzigjährige Regierung im Ganzen eine ruhige, während die siebzehnjährige +seines Sohnes und Nachfolgers _Mosterschid_ das Gegentheil durch die +Thronnebenbuhlerschaft der beiden Seldschuken, Mahmud und Mesud, von denen +Mosterschid jenen als Oberherrn anerkennend mit sieben, diesen nur mit zwei +Ehrenkleidern bekleidete. Mesud überzog in der Folge den Chalifen mit +Krieg, belagerte Bagdad und nahm ihn gefangen; als aber sein Oheim +Sindschar solche Verletzung der dem Oberhaupte des Islams schuldigen +Ehrfurcht hoch missbilligte, setzte er ihn in Freiheit und ging sogar vor +dessen Pferde, die Satteldecke desselben tragend, einher. Ein Feuerregen zu +Mossul und fliegender Skorpionen zu Bagdad, an deren Bissen Viele starben, +gingen dem gewaltsamen Tode des Chalifen voraus, der unter dem Dolche der +Assassinen fiel. Sie hatten ihn zu ihrem Opfer ausersehen, weil er ihnen +feind; ein tugendhafter Fürst, ausgezeichneter Schönschreiber, +Rechtsgelehrter und Ueberlieferer, in dessen Gegenwart Lesungen der +Ueberlieferungen gehalten worden. Unter seiner Regierung wurden zu Hebron +in einer Felsenhöhle Leichname entdeckt, welche für die Abraham's, Isak's +und Jakob's galten, deren Gräber seitdem dort der Gegenstand moslimischer +Verehrung; und zu Bagdad fiel, was vordem und seitdem unerhört, mannstiefer +Schnee, der vierzehn Tage liegen blieb[272]. + +[Randnote: Die Chalifen Raschid und Moktefi.] + +Raschid[273], der Sohn Mosterschid's, der dreissigste Chalife, trat +keineswegs in seines Vaters und Grossvaters Fussstapfen; wider Sultan Mesud +lehnte er sich auf, indem er das Kanzelgebet zu Bagdad, statt auf dessen +Namen, auf den David's, des Neffen Mesud's, verrichten liess. Mesud +plünderte dafür Bagdad mit solcher Raubsucht, dass den Frauen und +Sklavinnen sogar die Halsbänder und Ohrgehänge weggerissen wurden; durch +sechzehn Tage und Nächte bebte die Erde zu Bagdad, und schon eilf Monate, +nachdem er den Thron bestiegen, dessen ihn die Richter und Rechtsgelehrten +durch ein Fetwa als unfähig erklärten, fiel er, wie sein Vater, unter +Meuchlerdolch. Das Reich war so gesunken und verarmt, dass, als Raschid's +Nachfolger, sein Vetter _Moktefi_, der Sohn Mostadhir's, den Chalifenstuhl +bestieg, ihm kein Einkommen blieb, als der Ertrag seiner Privatgüter; aber +auch diesen hätte er nicht eintreiben können, wenn ihm nicht die Sklaven +Mesud's dazu verholfen hätten. Er vermählte sich mit der Schwester Sultan +Mesud's, welche ihm hunderttausend Dukaten als Heirathsgut zubrachte; aber +vierzehn Jahre hernach, als die Araber der Wüste die ganze Pilgerkarawane +plünderten und gefangen nahmen, musste die Gemahlin des Chalifen, welche +sie gefangen behielten, um hunderttausend Dukaten losgekauft werden, so +dass das Heirathsgut als Lösegeld aufging. Hierauf sandte ihm Sultan +Sindschar, der Oheim Mesud's, den Mantel und den Stab des Propheten, +welchen Mesud, als er den Chalifen Mosterschid gefangen genommen, dem Oheim +gesandt. Moktefi hatte während seiner vier und zwanzigjährigen Regierung +mit Widerwärtigkeiten aller Art zu kämpfen. Die Naturbegebenheiten schienen +sich wider ihn verschworen zu haben, wie die Emire Sultan Mesud's, welche +Bagdad belagerten und verheerten. Ein Erdbeben, in welchem dreissigtausend +Menschen zu Grunde gingen, verschlang die Stadt _Hire_, an deren Stätte +schwarzes Wasser aufquoll; [RN: 534/1139] in Syrien zählte man in Einer +Nacht achtzig Erdstösse; Orkane und Wolkenbrüche verheerten Kleinasien und +ein Comet zog flammend von Osten gegen Westen. Zu Bagdad rettete sich der +Chalife nackt aus den Flammen, welche den kaum aufgebauten Palast mit der +ganzen Einrichtung verzehrten. [RN: 543/1148] In Arabien regnete es Blut; +aber mehr noch als alle diese Naturerscheinungen bedrängte den Chalifen der +Druck seines Schwagers Schirmvogtes Mesud; wider denselben blieb dem +Unterdrückten keine Waffe, als der himmeldurchdringende Pfeil des Gebetes; +diesem ward der gähe Tod Mesud's zugeschrieben, durch welchen nicht nur +Moktefi seines Drängers ledig, sondern auch das nun schon dreihundert Jahre +auf dem Chalifate schwer lastende Joch türkischer Sklaverei für immer +zerschlagen ward; [RN: 547/1152] eine höchst günstige Begebenheit, wodurch +die Chalifen wieder ihre Unabhängigkeit genossen, welche sie seit der +Einführung der türkischen Sklaven unter Moteaassim verloren hatten. Doch +nützte ihnen dieselbe nicht viel, da das Reich zerstücket, ihre Herrschaft +nur auf das Grabmal von Bagdad und einige Städte des arabischen Irak +beschränkt war und die Macht der Chuaresmschahe drohend emporwuchs. +Indessen ist diese Epoche doch eine sehr merkwürdige in der Geschichte des +Chalifats, welches in dem letzten Jahrhunderte seines Daseins keinen +Schirmvogt anerkannte. Moktefi selbst benützte den ersten freien Odemzug, +den ihm der Tod Mesud's gewährte, zur Belagerung von Tekrit und einem +Streifzuge wider die in der Gegend herumziehenden Turkmanen, denen er +viermalhunderttausend Schafe und grosse Beute abnahm und damit zu Bagdad +einzog. Suleiman, der Sultan der Seldschuken Rum's, kam nach Bagdad, um aus +der Hand des Chalifen den Titel der Herrschaft und den Befehl zur Eroberung +des Gebirgslandes zu empfangen. Das Erdbeben, das im folgenden Jahre acht +Städte der Moslimen und fünf der Franken in Syrien verheerte, war eines der +schrecklichsten; [RN: 552/1157] die Einwohner _Hamid's_ wurden alle +erschlagen, zu _Scheiser_ blieb nur ein Weib, zu _Kefrtab_ keine Seele +lebendig. Zu _Apamea_, _Himss_, _Maarret_ und _Tell Hamdan_ wurde die +Hälfte der Einwohner verschüttet, die von _Hossn Ekrad_ und _Arka_ gingen +alle zu Grunde, Niemand wollte innerhalb der Mauern bleiben, und die +Uebriggebliebenen suchten Rettung im Freien. Im folgenden Jahre verwüstete +die Ueberschwemmung des Tigris dreissigtausend Häuser von Bagdad und Hagel +in der Grösse von Hühnereiern und den seltsamsten Figuren ging dem Tode +des sechs und sechzigjährigen Chalifen voraus. + +[Randnote: Neue Periode des Chalifats; Mostendschid.] + +Die Periode der Unabhängigkeit der Chalifen von dem seit Mesud's Tode +abgeschüttelten Joche der seldschukischen Vogtschaft ist in keiner der +bisherigen europäischen Geschichten des Chalifats gehörig hervorgehoben, +kaum mit ein Paar Worten über den Charakter der Gemahlin Moktefi's +angedeutet worden[274]; diese, welche _Taus_, d. i. Pfau, hiess, flösste +ihrem Gemahle den hohen Sinn und den Muth ein, sich von der schmählichen +Oberherrschaft der Türken, unter denen die Chalifen durch drei Jahrhunderte +geschmachtet, loszusagen. Das letzte Jahrhundert der Dauer des Chalifats +war also ein für dasselbe ehrenvolleres, als die drei verflossenen, indem +die letzten sechs Chalifen keine Obervogtschaft anerkannten und selbst ihre +Heeresmacht wieder zu einer Höhe brachten, wodurch sie in den Stand gesetzt +wurden, nicht nur die Anmassungen der Chuaresmschahe auf gleiche Vogtschaft +zurückzuweisen, sondern sogar Empörungen niederzuschlagen und ein Paar dem +Chalifate längst entrissene Landschaften demselben wieder einzuverleiben. +Die Ursache des gänzlichen Ruines des Chalifats ist, ausser der Alles vor +sich in den Staub tretenden Uebermacht der Mongolen, hauptsächlich die +Unterthänigkeit des letzten Chalifen aus dem Hause Abbas, welchem, wenn er +in die Fussstapfen seiner fünf unmittelbaren Vorfahren, und namentlich in +die _Nassirbillah's_, getreten wäre, es wohl hätte gelingen können, die +Macht der Mongolen von den Mauern Bagdad's zurückzuschlagen, wie diess ein +Paarmal seine Vorfahren mit Muth und gutem Glück gethan. Die Periode der +vorletzten fünf Chalifen gehört, wenn nicht unter die schönsten Zeiten des +Chalifats aus dem Gesichtspunkte des Glanzes und der Macht, doch unter die +bessten und ehrenvollsten Tage desselben, aus dem Gesichtspunkte äusserer +Jochentlastung und Unabhängigkeit und innerer Ruhe und Sicherheit +betrachtet. Der Zeitraum der fünf und achtzig Jahre, welche unter den +vorletzten fünf Chalifen verflossen, kann mit einigem Fuge dem Zeitraume +der neun und achtzig verglichen werden, in welchem Rom unter der Herrschaft +Trajan's, Hadrian's und der Antonine aufathmete, das vorige Weltreich +wieder einigen Ansehens, die Menschheit wieder einiger Ruhe genoss. Der +Name Mostendschid, der mehrere Bedeutungen hat, kann in zweien dieser +Bedeutungen für den geschichtlich bezeichnenden seiner Herrschaft gelten. +Mostendschid heisst sowohl der einen Vertheidiger Suchende, als ein nach +überstandener Krankheit seine Kräfte Sammelnder. Er hoffte in dem syrischen +Atabegen einen Vertheidiger des Chalifats zu finden; eine Hoffnung, die +nicht durch _Nureddin_, der selbst mit dem ägyptischen Chalifen im Kampfe +lag, wohl aber unter Ssalaheddin, dem ersten Herrscher des mächtigen Hauses +Ejub, unter _Mostadhir_, dem Nachfolger _Mostendschid's_, durch den Sturz +des Chalifen Nebenbuhlers in Aegypten und durch die Uebertragung des +Kanzelgebetes von ihrem Namen auf den der Familie Abbas einigermassen +erfüllet ward. Mostendschid, ein gerechter, gebildeter und energischer +Fürst, hob die von seinem Vorfahrer zum Ruin des Handels eingeführten +drückenden Stempelgefälle auf, verbot die scholastischen Vorlesungen über +metaphysische Werke und entriss den Händen der _Beni Mesud_ die der Stadt +des Heiles so nahe gelegenen _Hille_, _Kufa_ und _Enbar_. + +[Randnote: Mostadhi und Nassirlidinillah.] + +Mostendschid's Sohn und Nachfolger, _Mostadhi_, d. i. der Erleuchtung +Suchende, schritt während seiner neunjährigen Regierung auf dem von seinem +Vater, während seiner eilfjährigen, betretenen Pfade fort. Dem Gründer der +Grösse des Hauses Ejub, dem grossen _Ssalaheddin_, welcher der Herrschaft +der Chalifen Nebenbuhler in Aegypten ein Ende gemacht und das Kanzelgebet +wieder auf den Namen der Chalifen aus dem Hause Abbas übertragen, sandte er +Ehrenkleider und ein höchst ehrenvolles Diplom mit glänzenden Titeln und +Geschenken. So ward nun wieder in Aegypten und Arabien der Chalife Bagdad's +von den Kanzeln als der rechtmässige erkannt. Grössere Kräfte, als unter +den nur zwei Jahre füllenden Regierungen Mostendschid's und Mostadhi's, +sammelte das Chalifat unter der sechs und vierzigjährigen +_Nassirlidinillah's_, d. i. des Helfers der Religion Gottes, welchem bald +nach dem Antritte seiner Regierung die Freude ward, dass nach dem Sturze +der Beni Omeije in Spanien nun auch dort von den Herrschern aus der Familie +Abdol Mumin das Kanzelgebet auf den Namen des Chalifen aus dem Hause Abbas +verrichtet ward, eine frohe Botschaft, welche so, wie unter Mostadhi die +von der Veränderung des Kanzelgebetes in Aegypten und Arabien, zu Bagdad +mit Freudenfesten gefeiert ward. Während Ssalaheddin die heilige Stadt der +Herrschaft der Christen entriss, eroberte der Chalife die am Euphrat +gelegenen Schlösser Aana und Hadise wieder dem Reiche zurück, das sich nun +wenigstens wieder über den grössten Theil Mesopotamiens, von den Ufern des +Tigris bis an die des Euphrats, und über Chusistan erstreckte, dessen +Schlösser der Wesir _Ibnol aththar_ wieder der Macht des Chalifen +unterwarf. Den Triumph Nassir's vollendete der gänzliche Ruin der +persischen Seldschuken, vormaligen Schirmvögten, indem Sultan Tekesch der +Chuaresmschah den Kopf des von ihm besiegten letzten persischen Seldschuken +Toghrulschah dem Chalifen nach Rei sandte, wo derselbe an der Moschee als +Trophäe aufgehangen ward. Den Gesandten des Sultans, welcher die Vogtschaft +Bagdads, welche jetzt die Seldschuken besassen, nun für sich begehrte, +entliess er ohne Antwort. Chuaresmschah stellte, um die Weigerung zu +rächen, das auf den Namen Nassir's verrichtete Kanzelgebet ab und ernannte +sogar einen Gegen-Chalifen in der Person des Seid _Alaeddin_ von Tirmid, +dem er als Chalifen huldigen liess. Nassir sandte, um den Sultan auf +bessere Gesinnungen zu bringen, den grossen Scheich _Schihabeddin +Suhrwerdi_, der ihn zu Hamadan traf. Der Sultan empfing ihn verächtlich, +indem er ihn nicht einmal niedersetzen hiess; und als der gelehrte und +beredte Scheich in einer langen Rede die Stellen der Ueberlieferung zu +Gunsten des Hauses Abbas und die Herrschertugenden Nassir's gepriessen, +antwortete der Sultan: Alles dieses passt nicht auf Nassir; ich ziehe nach +Bagdad, um dort einen, der wirklich alle von dir hergezählten Eigenschaften +besitzt, als Chalifen einzusetzen. Er rückte gegen Bagdad vor, welches +Nassir noch vor kurzem mit einer Mauer umfangen hatte, welche die Stadt +wohl schwerlich vor der Uebermacht des Sultans gerettet hätte. Diesen bewog +ein ungeheures Schneegestöber zum Rückzuge, indem, als er nach Holwan +gekommen, es zwanzig Tage ununterbrochen schneite, so dass der Schnee so +hoch als die Zelte, das Heer durch ungeheueren Verlust an Menschen und +Thieren schwächte. Diese Naturbegebenheit war für Bagdad erfolgreicher, als +einige andere frühere ausserordentliche Erscheinungen; [RN: i. J. 583/1186] +diese waren der Verein der sieben Planeten im Zeichen der Wage, woraus die +Astronomen ungeheuere Orkane für die Nacht der Vereinigung vorausgesagt; in +derselben herrschte aber so grosse Windstille, dass die Lampe auf der +Sternwarte in freier Luft unausgelöscht brannte, zu grosser Beschämung der +Astronomen. Sechzehn Jahre hernach [RN: i. J. 599/1202] flammte eine ganze +Nacht voll fallender Sterne, die nach allen Richtungen hin und herschossen, +eine Erscheinung, die durch ähnliche in unseren Tagen genauer beobachtete +beglaubigt wird. Nassir hatte den Chalifenpalast zu Bagdad abbrechen +lassen, aber ausser der Stadtmauer viele Moscheen und Medreseen und ein +Speisehaus für die Armen gebaut; die erste Anstalt dieser Art, welcher die +Geschichte des Islams erwähnt. Nassir war ein besonders in der +Ueberlieferung gelehrter Fürst und hinterliess über dieselbe ein Werk, das +den Titel: _Geist des Erkennenden_[275] führt; aber Nassir war auch ein +harter, habsüchtiger Fürst, dessen Gier, Schätze zu sammeln, keine Gränzen +kannte, der die Unterthanen durch Gelderpressungen drückte und das Heer +der Finanzbeamten noch mit einem Heere von Ausspähern vermehrte. Von den +Kanzeln, wo ehe für die Chalifen des Hauses Omeije in Andalus, dann für die +des Hauses Fatima in Aegypten als Chalifen gebetet worden, wurde nun das +Kanzelgebet wieder auf den Namen Nassir's verrichtet, so auch in Hidschas +und Jemen, in Chorasan und Masenderan und in Indien auf den Namen Nassir's, +als des einzigen rechtmässigen Chalifen des Islams. + +[Randnote: Sahirbiemrillah und Mostanssir.] + +Der Sohn und Nachfolger Nassirlidinillah's, der Chalife _Sahirbiemrillah_, +d. i. der Offenbare durch Gottes Befehl, war vor allen Chalifen aus dem +Hause Abbas seines Beinamens werth, nach dem Zeugnisse der +Geschichtschreiber, dass seit Omar el-assis, dem wegen seiner Frömmigkeit +und Gottesfurcht berühmten achten Chalifen der Beni Omeije, kein +Gerechterer auf dem Chalifenstuhle gesessen. Diesen guten Klang seines +Namens dankt er dem freigebig geschenkten Golde und der kurzen Zeit seiner +Regierung, indem er nur neun Monate lang den Völkern als ein Muster des +Chalifats mehr gezeigt als bewährt. Er stellte bei seiner Thronbesteigung +confiscirte Grundstücke ihren Eigenthümern zurück, sandte dem Richter der +Richter zehntausend Dukaten zur Bezahlung der Schulden derer, die desshalb +im Thurme sassen, setzte die Kopfsteuer von Jakuba, welche vormals nur +zehntausend Goldstücke betragen, unter seinem Vater aber auf's Siebenfache +gesteigert worden war, wieder auf die obige Summe zurück, liess von der +Gesammtsumme der Steuern dreimalhundert fünfzigtausend den Unterthanen nach +und vertheilte am Opferfeste hunderttausend Dinare unter die +Gesetzgelehrten und Ssofi; denen, die ihn fragten, warum er sich so beeile, +Gutes zu thun, antwortete er mit Anspielung auf das vorgerückte Alter von +ein und fünfzig Jahren, in welchem er den Thron bestiegen: Ich gleiche +denen, die erst Nachmittags ihre Buden öffnen und sich also beeilen müssen, +wenn ihr Handel Gewinn tragen soll; hindert mich also nicht in guter +Handlungen Handel. In seine Fussstapfen, als ein gerechter, freigebiger und +gelehrter Fürst, trat sein Sohn und Nachfolger _Mostanssirbillah_, d. i. +der bei Gott Hülfe Suchende. Er baute die berühmte, nach seinem Namen +genannte hohe Schule, deren Grösse und Glanz die frühere, vom Wesire +Nisamolmülk zu Bagdad erbaute, bei weitem zurückliess; sie bestand in vier +besonderen Schulen, nach den vier Ritus des Islams, wo die +Rechtsgelehrsamkeit nach den Ueberlieferungen _Ebu Hanife's_, _Schaafii's_, +_Malik's_ und _Hanbeli's_ gelehrt ward; an jeder dieser vier Medreseen +waren zwei und sechzig Plätze für Studenten[276] und zwei für +Correpetitoren[277] gestiftet. In vier Jahren war der Bau vollendet; am +Tage der Eröffnung besuchte der Chalife mit allen Richtern und +Rechtsgelehrten die Schulen und vertheilte reiche Geschenke unter die +Professoren und Studenten. Das Seitenstück zur _Mostanssirije_, d. i. zur +hohen Schule _Mostanssir's_, war die _Kamerije_, d. i. die _Mondige_, eine +am Ufer des Tigris gebaute, reich gestiftete Speiseanstalt für Dürftige. +Seine Wohlthaten strömten vorzüglich den Gelehrten zu, dieselben +überschritten aber das Maass vernünftigen Staatshaushalts, wenn die +folgenden Anekdoten wahr. Jedesmal, als aus einem mit Gold gefüllten Becken +geschöpft ward, rief er aus: Ach, wann werde ich dich leeren! während sein +Vater jedesmal, als Gold hineinfloss: Ach, wann werde ich dich füllen! +ausgerufen haben soll. Eines Tages, als er von der Terrasse seines Palastes +rund um auf den Terrassen Wäsche aufgehangen sah und der, was dies bedeute, +gefragte Wesir antwortete, dass es die für das nächste Fest gewaschenen +alten Kleider seien, wunderte sich Mostanssir, dass nicht jeder seiner +Unterthanen sich neues Festkleid anschaffen könne, liess aus Gold +Armbrustkugeln verfertigen und verschoss dieselben auf die Terrassen der +Nachbarn. Wider die Mongolen, welche unter seiner Regierung bis Meragha +vorgedrungen und Erdebil vom Grunde aus verheeret hatten, brachte er ein +Heer von siebzigtausend Mann auf, von welchem zwar Anfangs die Mongolen, +dann aber die Truppen des Chalifen zu _Dakuk_, das seiner Naphthabrunnen +willen berühmt[278], geschlagen wurden. [RN: 653/1237] Im selben Jahre +richteten die Mongolen das Blutbad von Issfahan an, in welchem der grosse +Dichter _Ismail Kemal_ von Issfahan, beigenannt der Vater der Bedeutungen, +unter ihrem Schwerte erlag, wie früher der grosse mystische Dichter +Aththar. Unter Mostanssir's Regierung blühte vorzüglich die Mystik, und in +dieselbe fällt der Tod von vier höchst merkwürdigen Männern, Säulen der +Mystik, des Scheich's _Behaeddin Weled_, des Vaters _Dschelaleddin Rumi's_, +des grossen mystischen Dichters _Omer Ibn Faradh_, des grossen Scheich's +_Schihabeddin Omer Suhrwerdi_ und des Inders _Reten_[279], welcher, der +erste, aus Indien das berauschende Opiat (Haschische) nach Mittelasien +gebracht, dessen sich die Assassinen bedienten, um ihren todtgeweihten +Handlangern die Freuden des Paradieses vorzuspiegeln, und von dem sie ihren +Namen[280] Haschischin, d. i. die _Kräutler_, erhielten. + +[Randnote: Moteaassim.] + +_Moteaassimbillah_, d. i. der an Gott Festhaltende, der Sohn Mostanssir's, +der sieben und dreissigste und letzte Chalife des Hauses Abbas, bestieg den +Thron, den er sechzehn Jahre gefüllt, im dreissigsten seines Alters; ein +prachtliebender, grossthuender, schwacher Fürst, doch nicht ohne löbliche +Eigenschaften und Werke. Ein _Hafis_, d. i. Bewahrer des Koran's (wie Alle +heissen, welche denselben auswendig wissen), war er den Gesetzgelehrten +geneigt und baute für dieselben, nach seines Vaters Beispiel, eine hohe +Schule, gegenüber dem Grabmale des Scheich's _Karchi_, so nach dem, +vorzüglich von Schiiten bewohnten Stadtviertel Bagdad's genannt, welche aus +vier Medreseen für die vier Ritus des Islam's bestand[281]. Im dritten +Jahre seiner Regierung erschien ein mongolisches Heer in der Nähe von +Bagdad, von wo es zu _Baakuba_ durch den kleinen Diwitdar (Staatssekretär) +zurückgeschlagen ward[282]. Dieser Vortheil vermehrte den Dünkel +Moteaassim's, unter welchem das Ceremoniel des Hofes von Bagdad auf einen +bisher nie gehörten Grad getrieben ward. Die Schwelle des Thronsaales war +ein schwarzer Stein, welchen Alle, selbst Gesandte und Fürsten, die ihre +Belehnung empfingen, nicht ausgenommen, sich unterwerfend küssen und dann +den schwarzen Schleier, welcher dem daranstossenden Fenster vorgezogen +ward, wie den Vorhang des Heiligthums der Kaaba verehren mussten. +Medschdeddin Ismail, der Gesandte des Atabegen Ebubekr Ben Segi, unterwarf +sich dem vorgeschriebenen Ceremoniel, legte aber einen kleinen Koran, den +er in der Hand verborgen, auf die Schwelle und küsste deren statt den +Koran. Wann Moteaassim ausritt, sass er auf hohem Rappen, schwarz +verschleiert mit schwarzem Turban, dessen Enden über die Schultern +zurückflogen, von vierzig schwarzen Leibwachen umgeben; der Rappe war mit +goldenem Halsband und edelsteinbesetztem Zügel und Bügel geschmückt, und +wann ihn der Chalife bestieg, erscholl der Siegesruf, dessen Worte aus +Koranstexten zusammengesetzt: »_Gott mache das Gute zum Stirneknoten des +Pferdes und binde es an seine Mähnen; er mache die Füsse desselben weiss +durch Erreichung aller Begehren; er wolle dem Laufe desselben mit +losgelassenen Zügeln alle Sicherheit gewähren, die Eroberungen sollen +seinen Wettlauf am Ziele kennen und das Heil des Erfolgs seine Zügel +dehnen!_«[283] Alle moslimischen Fürsten erhielten den Titel rechtmässiger +Herrschaft einzig von dem Belehnungsdiplome Moteaassim's, welche derselbe +mittels Gesandten ertheilte, die nebst dem Diplome der Investitur, Kaftan, +Turban, Fahne, Schwert, Ring und ein Maul mit goldbeschlagenen Hufen und +juwelengestickter Satteldecke zum Geschenke brachten[284]. Der Gesandte +vollzog nun ein Paar Tage nach seinem feierlichen Einzuge in die Residenz +des Sultans oder Emirs die Investitur, indem er dem Fürsten den Kopfbund +aufsetzte, den Ring ansteckte, das Diplom vorlesen liess und ihm dreimal +wiederholte: _Sei gerecht und übertrete das Gesetz nicht_; dann erst ward +ihm erlaubt, den Thron zu besteigen, und erst, nachdem er den Thron +bestiegen, ward er für würdig erachtet, dem vom Chalifen gesandten Maul in +Gegenwart des ganzen Hofes den goldbeschlagenen Huf zu küssen. Der Gesandte +warf Geld aus und begleitete den Sultan, der nun unter einem über seinem +Kopfe emporgehaltenen Sonnenschirme die Stadt durchritt. Wann immer ein +Gesandter des Chalifen an den Hof des Sultans kam, ward sein Maul bis in +den Thronsaal geführt und ein Vorhang niedergelassen; der Sultan musste vom +Throne steigen, hinter dem Vorhange den Huf des Maulthieres küssen, worauf +er mit dem vom Chalifen gesandten Ehrenkleide erst wieder den Thron +bestieg. Die Insignien der Investitur von Seite des Chalifen waren also: +_Kaftan_, _Turban_, _Schwert_, _Ring_, _Fahnen_, _Sonnenschirm_ und der +_Huf_ des Maulthiers. Krone, Mantel, Schwert, Ring, Fahne finden sich auch +als Insignien der Investitur fürstlicher und kirchlicher Würden im +europäischen Mittelalter; nur an die Stelle des Hufes trat das Horn, mit +welchem dänische und angelsächsische Könige ihre Vasallen belehnten[285]. +Das Heer Moteaassim's war hunderttausend Mann stark, von denen die Hälfte +vom Diwan aus besoldet; der Befehlshaber desselben, Suleimanschah, welchen +der Dichter _Esireddin Umani_ in Lobgedichten gepriesen. Die innere +Verwaltung besorgten die beiden _Diwitdare_ (Tintenzeughalter), d. i. +Staatssekretäre; die Geschäfte des Hofes leitete der _Scherabdar_, +Mundschenk, aber die Summe der Regierung war in den Händen des Wesirs +_Moejededdin Mohammed Abdolmelik El-Alkami_, ein ausgezeichneter Gelehrter +in Prose und Poesie, in Ueberlieferungs- und philosophischen Wissenschaften +gleich gewandt, der Chalife aber selbst dem Wohlleben und Sinnengenusse +ergeben. Die nächsten Hebel seines Verderbens waren von innen der Wesir +Alkami, von aussen der grosse Astronome Nassireddin, der sich im Geleite +Hulagu's befand. + +[Randnote: Alkami; Wüsten- und Bücherbrand.] + +Nassireddin von Tus hatte eines Tages, als Moteaassim an den Ufern des +Tigris sass, demselben huldigend ein Gedicht dargebracht, das der Chalife, +statt, wie es der Wesir erwartet hatte, reich zu belohnen, auf des Wesirs +Alkami darüber ausgesprochene Kritik in den Tigris warf. Von diesem +Augenblicke schwur der tief beleidigte, tief grollende Astronome Schöngeist +dem Wesir und dem Chalifen Rache; er verliess Bagdad und verweilte bei dem +ihm gleichnamigen Comthur des Assassinenschlosses Sertacht. Alkami warnte +den Comthur wider seinen Schutzgenossen, als wider einen Ränkeschmied, der +ihn im Geiste des Chalifen verderben wolle; und diese Warnung war nur ein +neuer Sporn in die rachedürstenden Weichen des durch Geringschätzung seines +Gedichtes so tief beleidigten Astronomen Schöngeistes. Als Gesandter des +letzten Herrschers der Assassinen an Hulagu gesandt, hatte er durch sein +grosses Talent sich dessen Achtung erworben und demselben erst zum +Verderben der Assassinen, dann zu dem des Chalifats sich als hilfreiches +Werkzeug angeboten. Sein Feind, der Wesir Alkami, arbeitete seiner Rache +durch Verrätherei selbst in die Hände. Von den nächsten Umgebungen des +Chalifen, dem Diwitdar und dem Mundschenken, nicht die Achtung geniessend, +deren er werth zu sein glaubte, und als Schii dem Chalifen grollend, weil +der Sohn desselben, Ahmed, die Plünderung des nur von Schiiten bewohnten +Stadtviertels von Karch und die hierbei vorgefallenen Gräuel von Schändung +und Gemetzel begünstigt hatte. Er schrieb an den Seid Tadscheddin al +Hoseini, welcher damals der erste der Herren der Familie des Propheten, +klagend: »dass die Söhne des Hauses Ali geplündert, das Volk des Stammes +Haschim gefangen und die Schmach, welche vormals Husein, der Enkel des +Propheten, durch Plünderung seines Harems und Blutvergiessung getroffen, +jetzt wieder erneuert worden sei«[286]. Der Seid antwortete im Namen aller +Prophetenverwandten: »Die Ketzer müssen ermordet, verbrannt, ihre Rasse +ausgerottet werden; wenn du nicht mit uns hältst, bist du verloren, du +wirst zu Bagdad weniger geschätzt sein, als vom Manne das Henna der Frauen +und als der Ring dessen, dem die Hand abgehauen«[287]. Nach dem Falle von +Alamut hielt Alkami den Augenblick für günstig zur Förderung seiner Rache; +er sandte heimlich an Hulagu einen Brief, in welchem er, die Macht des +Chalifen verkleinernd und die Schwäche Bagdad's ins hellste Licht setzend, +den Eroberer seine Zügel nach der Stadt des Heils zu lenken einlud. Hulagu, +wohl eingedenk, dass vormals ein Heer von hundert vier und zwanzigtausend +Mann wider die Mongolen gesandt, zweimal den Dschurmaghun geschlagen, +zauderte, der Einladung Gehör zu geben, und berieth sich mit Nassireddin, +dem Astronomen, und erst, als dieser ihn versichert, dass »das Unternehmen +im Bunde mit der Gestirne günstiger Stunde«[288], beschloss er den Marsch +nach Bagdad, wo indessen ein Versuch des kleinen Diwitdar, den Chalifen zu +entthronen, das Feuer des Bürgerkrieges angeflammt. Moteaassim sah sich +gezwungen, den Versicherungen des kleinen Diwitdar von seiner Treue und +Ergebenheit scheinbaren Glauben zu schenken. Die Unschuld desselben wurde +laut auf den Strassen Bagdad's verkündet und der Name des kleinen Diwitdar, +des Feindes Alkami's, sogar nach dem des Chalifen im Kanzelgebete +eingeschaltet; das Heer wurde nach des Verräthers Alkami Vorschlag um die +Hälfte vermindert, ein Drittel des verminderten in die nahe gelegenen +Städte geschickt, so dass nur zwanzigtausend zu Bagdad's Vertheidigung +blieben[289]. In diesem, durch den Fall Alamuts und die Verrätherei +Alkami's für die Stadt des Heils so unheilschwangeren Jahre schreckten +nicht nur Ueberschwemmung des Tigris und Erdbeben, sondern auch der Brand +von Medina und der Wüstenbrand in Arabien die moslimische Welt auf. Zu +Hara, in der Nähe von Medina, brannte die Wüste, und allgemein ward +geglaubt, diess sei das Feuer, welches die Ueberlieferung des Propheten als +den Vorboten des jüngsten Tages verkündet. Drei Monate lang brannte die +Wüste in der Ausdehnung von vier Parasangen. Zu Medina zündeten die +Einwohner des Nachts kein Licht an, da der Wüstenbrand die Stadt erhellte. +Dieses, wie es scheint, elektrische Feuer soll Holz verschont, Eisen +verzehrt haben, so dass von hineingeschossenen Pfeilen das Holz unversehrt, +die Spitze zerfressen ward[290]. Nach dem Wüstenbrande plünderten Beduinen +die Stadt, bis man das Thal, aus dem sie ausfielen, mit steinerner Mauer +verdämmte. Das grösste Unglück aber entstand durch die Unvorsichtigkeit +eines der Küster der Moschee des Propheten, der eine Kerze umfallen liess, +wodurch die Moschee in Brand gerieth und mit derselben die ganze grosse +Büchersammlung aufflammte[291], so dass dieses Jahr zwei der reichsten +Bibliotheken in Flammen aufgingen, die von Alamut und die von Medina; der +Verlust von dieser war aus mehr als einem Grunde weniger beklagenswerth, +als der von jener, indem zu Medina meistens nur Korane und Bücher der +Ueberlieferung, zu Alamut aber mathematische und philosophische Werke ein +Opfer des Brandes, die dort ein Werk des Zufalls, hier der zu verdammenden +Willkür des gelehrten Wesirs _Athamülk Dschuweini_. + +[Randnote: Gesandtschaften Hulagu's an den Chalifen und Prophezeihungen.] + +Diess waren die Zustände Bagdads, als Hulagu, durch Alkami's Einladung und +Nassireddin's Vorhersagung aufgemuntert, von seinem Lager zu Hamadan aus an +den Chalifen einen Gesandten mit dem Begehren schickte, dass er entweder +selbst erscheine oder eine der vier Säulen seines Hofes, nämlich den Wesir, +den kleinen Diwitdar, den Heerführer Suleimanschah oder den Mundschenken +sende. Moteaassim, statt diesem befehlartigen Begehren zu willfahren, +sandte den _Scherefeddin Ibnol Dschewsi_, einen durch Beredtsamkeit +ausgezeichneten Gelehrten, und den Bedreddin Mohammed von Nachdschiwan. +Hulagu, als er von ihrer Sendung Kunde erhielt, sagte in aufwallendem +Zorne: Der Chalife handelt krumm, wie ein Bogen; Gott gebe, dass ich ihn +wie ein Pfeil gerad machen könne[292]. Den Gesandten, als sie vor ihm +erschienen, herrschte er entgegen: Gott hat dem Hause Tschengischan's die +Herrschaft vom Osten bis Westen verliehen; wer sich uns unterwirft, dessen +Blut und Gut wird nicht verderbt und vergossen, wenn nicht, ist dessen +Untergang beschlossen. Wir ziehen mit einem Heer, zahlreich wie +Heuschrecken und Ameisen, wider Bagdad. Als die Gesandten mit dieser +Botschaft zurückgekehrt, rieth Ibn Alkami, tausend Lasten Korn, tausend +Kameele, tausend Pferde für Hulagu mit vielen Geschenken für die Prinzen +huldigend, mit Ueberlassung der beiden Majestätsrechte des Islams: des +Kanzelgebets und der Münze, abzusenden. Der kleine Diwitdar _Modschahiddin +Ibek_ machte Vorstellungen dagegen, aber _Ibn Alkami_, der die Schwächen +und den Dünkel des Chalifen kannte, bestärkte ihn in demselben, indem er in +seinen Reden die Macht der Mongolen verkleinerte, die des Chalifen +vergrösserte und dem neuaufgeschossenen Pilzlinge mongolischer Herrschaft +die uralte legitime des Hauses Abbas entgegenstellte. Suleimanschah, der +Oberstbefehlshaber, Fetheddin Ibn Kerr, der grosse Diwitdar und der kleine +Modschahiddin Ibek versammelten sich beim Wesire, ihren Aerger über die +Sorglosigkeit und Blindheit des Chalifen in bitteren Worten lüftend. +Suleimanschah trug sich an, dem Feinde entgegen zu ziehen, und Alkami ging +zum Scheine in den Vorschlag ein, wohl wissend, dass der Chalife seinem +Rathe folgsam, dass er Rüstung und das zum Solde der Truppen nöthige Geld +verweigern werde[293]. Er sandte auf dessen Rath den Bedreddin von +Nachdschiwan und den Richter Berdindschan mit geringen Geschenken und der +hochtrabenden Botschaft: Alle Fürsten, welche sich jemals wider das Haus +Abbas zu erheben gewagt, seien zu Grunde gegangen; Beispiele davon seien +Jakub Leis der Soffaride, der Türke Besasiri, der Seldschuke Sultan +Mohammed und Mohammed Chuaresmschah, welche Alle das Verderben ereilt, das +auch Hulagu's harre, wenn er auf seinem Vorhaben bestehe. Hulagu, ergrimmt, +antwortete ihnen mit dem persischen Verse des Schahname[294]: + + Bau' nur zu, aus Eisen deinen Wall, + Führe Bollwerk auf mit Zinnen, die von Stahl, + Rüst' aus ein Heer von Peris und von Dschinnen, + Komm' nur heraus, du wirst den Tod gewinnen; + Birgst unter'm Himmel dich, ich will dich suchen, + Ich werde dich im Schlund des Löwen suchen. + +Hulagu war nun zuerst bedacht, sich des grossen Passes von _Deriteng_, +d. i. Engthor, welcher über das gordiaische Gebirge oder den Zagros in die +Ebene des arabischen Irak führt, zu versichern. Auf steilem Felsen, auf der +Heerstrasse vom persischen ins arabische Irak erhebt sich das Schloss in +einer engen Schlucht, wovon es den Namen _Engthor_ führt. Die Bewohner +dieser Felsenschlucht waren nicht minder durch ihre Schönheit, als das +Schloss durch seine Festigkeit berühmt[295]. Dieselbe wird vom _Diala_ +durchbrochen, welcher in der Entfernung einiger Stunden oben an den Ruinen +von _Kassr Schirin_ (das alte Artemita) vorbeifliesst. Hulagu, dem nicht +unbekannt, dass Hosameddin Aka, der Befehlshaber des Engpasses, sich über +den Chalifen zu beklagen habe, lud ihn zu sich, überhäufte ihn mit Ehren +und Geschenken und schenkte ihm die Schlösser _Disser_, d. i. das +Goldschloss, _Dis Merdsch_, d. i. das Wiesenschloss, und einige andere; +aber hierdurch übermüthig, sandte Aka an _Ssalaje_, den Befehlshaber von +_Irbil_, Wort, dass, wenn ihm der Chalife sein Vertrauen schenken wolle, er +mit hunderttausend Turkmanen und Kurden den Hulagu zurückzutreiben bereit. +Der Chalife gab diesem Vorschlage kein Gehör. Hulagu, der davon Kunde +erhalten, sandte den _Keitbuka_ mit dreitausend Reitern mit dem scheinbaren +Auftrage, sich mit Aka über die Mittel des Marsches nach Bagdad zu +berathen. Dieser ging in die Falle; Keitbuka, Herr seiner Person, forderte +die Schleifung der Schlösser und er ward, nachdem dieselben geschleift +waren, getödtet. Kein günstiger Stern waltete über dem Haupte des von +Mengukaan seinem Bruder zur Berathung beigegebenen Astronomen Hosameddin. +Um seine Meinung über den Zug wider Bagdad befragt, sagte er unter +Verbürgung mit seinem Kopfe, im Falle, dass der Marsch unternommen werde, +sieben Unfälle voraus: den Fall von Pferden und Menschen durch Seuchen, +Mangel an Sonne und Regen, schreckliche Orkane und Erdbeben, +Unfruchtbarkeit und Hungersnoth und endlich den Tod eines grossen Monarchen +im selben Jahre. Hulagu liess sich diese Prophezeihung und Bürgschaft +schriftlich geben und befragte nun den Astronomen Nassireddin, was denn +geschehen würde, wenn er nach Bagdad zöge; Nichts, antwortete Nassireddin, +als dass Hulagu die Stelle des Chalifen einnehmen wird. Er zerstreute +hierauf alle Besorgniss Hulagu's über etwa aus solchem Zuge wider Bagdad zu +befürchtende Unglücke durch die Anführung geschichtlicher Beispiele. Tahir +sei aus Chorasan wider Bagdad gezogen und habe den Bruder des Chalifen +erschlagen; Motewekkil und sein Sohn und mehrere Chalifen seien erschlagen +worden, ohne dass für die Stadt irgend ein Unheil daraus entstanden. Hulagu +ergab sich gern den seinen Wünschen schmeichelnden Versicherungen des +Astronomen von Tus; der andere wurde, da keine seiner Prophezeihungen +eingetroffen, fünf Jahre hernach hingerichtet. + +[Randnote: Hulagu's Marsch nach Bagdad.] + +Die Anordnung der verschiedenen Heereskörper, welche vermöge Hulagu's +Befehl nun Bagdad von allen Seiten umzingelten, ist eines der schönsten +Zeugnisse für Hulagu's grosses Feldherrntalent. _Dschurmaghun_ und +_Baidschu Nujan_, die beiden in den persischen Feldzügen ergrauten +Feldherrn, welchen aber seit Hulagu's Eintritt in Persien ihr Standort in +Kleinasien angewiesen worden, befehligten den rechten Flügel, der, von +Irbil und Mossul heranrückend, über die Brücke von Mossul ging und sich auf +der Westseite von Bagdad niederliess. Mit ihnen vereinten sich die Prinzen +_Bulgha_, _Kuli_, _Kotar_ (der Enkel Batu's) und die persischen _Buka +Timur_ und _Sundschak Nujan_, welche die Strasse von Schehrsor über +_Dakuk_ heranzogen. _Keitbuka_, der Befehlshaber des Vortrabs beim +Einmarsche Hulagu's in Persien, mit _Kurusun_ und _Ilka_ kamen mit dem +linken Flügel von Seite Luristan's und Chusistan's. Hulagu selbst stand mit +dem schweren Gepäcke des ganzen Heeres im Mittelpunkte zu Hamadan und brach +in den ersten Tagen des Januars des Jahres tausend zweihundert acht und +fünfzig, gerade zwei Jahre nach dem Uebergange über den Oxus, gegen den +Tigris über Kermanschahan und Holwan auf. In seinem Geleite die grossen +Emire _Köke Ilka_ und _Arghunaga_, die beiden Bitekdschi (Kanzler) +_Karakai_ und _Seifeddin_, der Staatssekretär _Alaeddin Athamülk_ von +_Dschuwein_, der grosse Geschichtschreiber, und _Nassireddin von Tus_, der +grosse Astronom; jener, um die Thaten und Begebenheiten des Feldzugs zu +beschreiben, dieser, um die durch den Lauf der Gestirne angezeigten +günstigen Stunden anzugeben; jener die Feder, dieser der Zeitmesser des +Feldzugs. Von Esedabad aus sandte Hulagu abermal einen Gesandten nach +Bagdad, um den Chalifen zur Uebergabe aufzufordern, und zu _Deinewer_ +erschien abermal _Ibnol Dschewsi_, der Gesandte des Chalifen, mit dem +Antrage: die Summen, welche Hulagu aussprechen würde, jährlich in dessen +Schatz abzuführen, und mit der Bitte: dass das Heer zurückkehren möge. +Hulagu antwortete: Da wir schon so weit gekommen, um den Chalifen zu sehen, +wie sollen wir nun umkehren, was nach persönlicher Zusammenkunft geschehen +mag. Von Deinewer ging der Marsch über _Kuh Girdaa_, und am siebenten Tage +nach dem Aufbruche von Hamadan ward Kermanschahan geplündert und verheert. +[RN: 7. Moharrem 656/13. Januar 1258] Von hier wurden Eilboten abgefertigt, +um die Ankunft von Sundschak, Baidschu und Suntai zu beschleunigen; sie +warteten zu _Takkesrai_ und brachten als Gefangene den Ibek von Haleb und +Seifeddin Melik mit sich, welche sie streifend aufgegriffen. Hulagu +schenkte Beiden das Leben und machte sie zu Dienern der Schildwachen[296]. +Die Emire wurden, mit schmeichelhaften Beweisen von Gunst und +Freigebigkeit überhäuft, zurückgesendet, um auf das Eheste den Uebergang +über den Tigris auf der westlichen Seite von Bagdad zu bewerkstelligen. Von +dort holten die Verräther des Heeres des Chalifen die beiden Chuaresmier +_Kara Sankor_ und _Sultandschuk_, die Befehlshaber der mongolischen ein; +Kiptschak schrieb an den ersten: Du und ich sind von Einem Stamme (Türken); +wir haben uns unterworfen und befinden uns gut dabei, thuet desgleichen. +Kara Sankor antwortete in dem Sinne des Astronomen Hosameddin: Wie sich ein +neu aufgeschossener Zweig, wie die Herrschaft der Mongolen, mit dem schon +ein halbes Jahrtausend wurzelnden Stamme des Chalifats messen könne? Wenn +sich Hulagu unterwerfen wolle, würde man trachten, durch Vermittelung des +Diwitdars den Frieden vom Chalifen zu erwirken. Hulagu, als man ihm dieses +Schreiben brachte, lachte darüber und sagte: Meine Hilfe kommt von Gott und +nicht vom Gold; wenn er mir hilft, was kümmert mich die Zahl der Heere des +Chalifen[297]. + +[Randnote: Bagdad's Belagerung.] + +Ein neuer Gesandter ward nach Bagdad abgefertigt, um den Chalifen zur +Unterwürfigkeit aufzufordern, und zugleich nach Holwan aufgebrochen, wo +eine Woche gerastet ward. Indessen gingen die Emire Baidschu, Buka Timur +und Sundschak über den kleinen Tigris und standen am Kanale _Nehr Isa_. +Sundschak erbat sich von Baidschu die Erlaubniss aus, den Vortrab des +westlichen Heeres gegen Bagdad zu befehligen, und nachdem er dieselbe +erhalten, rückte er bis _Dscherbije_ vor. _Mudschahideddin Ibek_, der +kleine Diwitdar, und _Fetheddin Ibnol-Kerr_, die Feldherren des Chalifen, +waren mit zehntausend Mann bei Jakuba über den _Diala_ und dann über den +Tigris gegangen und trafen mit dem mongolischen Vortrabe in der Gegend von +_Enbar_[298], neun Parasangen westlich von Bagdad, zusammen. Fetheddin Kerr +wollte die Schlacht hier nicht wagen, aber die Ungestümme des Diwitdar +zwang ihm dieselbe auf. Der Sohn Kerr's, um seinen Sinn kund zu geben, dass +er auf dem Schlachtfelde feststehen und dasselbe keineswegs als Flüchtiger +verlassen wolle, ritt statt eines Pferdes ein Maulthier, dessen Hufe so +schwer mit eisernen Schienen beschlagen, dass es zur Flucht +untauglich[299]. Die Schlacht dauerte den ganzen Tag und endete mit der +Vernichtung des Heeres des Chalifen, von welchem der Diwitdar nur der +Selbdritte entfloh. Als er mit der Nachricht des verlorenen Heeres vor dem +Chalifen erschien, der eben Schah spielte, sagte dieser blos dreimal: _Gott +sei Dank für das Heil Mudschahideddin's_. Moteaassim's an Blödsinn +gränzende Sorglosigkeit und Unwissenheit ging so weit, dass, als man ihm +die erste Nachricht brachte: die Vorposten der Mongolen hätten bereits die +Höhen von _Hamrin_ (das von Westen nach Osten zwischen dem Euphrat und +Tigris nach Tekrit laufende niedere Gebirge) passirt, er fragte: wie das +wohl möglich? Man antwortete ihm: »Das Heer der Tataren, die wie die +Meeresfluthen einherfahren, überfliegt der Berge Gipfel wie der Adler +Schaaren; da sie den Damm von Gog und Magog für Spinngeweb' ansehen, was +soll auf des Hamrin's Höhen aus ihren Hufen wohl anders erstehen, als +Staub, was soll aus dem Sturme, in dem sie daherfahren, wohl anders +aufgehen, als Feuer und Raub«[300]. In der Hälfte des Moharrem [RN: 14. +Moharrem/21. Januar 1258] stunden die drei Nujane, Baidschu, Buka Timur und +Sundschak auf der westlichen Seite des Tigris vor Bagdad, während Keitbuka +und die mit ihm von Nachaire kamen, und Hulagu mit dem schweren Gepäcke zu +Chanikin stand. Am folgenden Tage lagerte er an der östlichen Seite von +Bagdad, das nun von allen Seiten, wie von Ameisenzügen und +Heuschreckenschwärmen, und nach der mongolischen Belagerungsweise sogleich +mit einer Mauer, oder, um richtiger zu sprechen, mit einem in aller Eile +aufgeworfenen Erddamme eingeschlossen ward. Dienstags den neun und +zwanzigsten Januar begann der Kampf. [RN: 22. Moharr./29. Januar] Hulagu +stand auf der Heerstrasse von Chorasan, gegenüber dem persischen Bollwerk, +Ilka Nujan vor dem Gülwadischen Thore, die drei Prinzen, Enkel +Dschudschi's, mit Schiramun und Arktin vor dem Thore des Sultansmarktes, +Buka Timur auf der Südwestseite an den Mühlen, Baidschu und Sundschak auf +der Westseite gegenüber dem Spitale, welches Adhaddewlet, der grosse +Herrscher aus dem Hause Buje, der erste zu Bagdad, gebaut. Die +Belagerungsmaschinen waren vorzüglich gegen das persische Bollwerk +gerichtet und in demselben bald Wallbruch gemacht. Nun sandte Moteaassim +den Wesir und einen Bischof[301] mit der Botschaft, er füge sich dem +Verlangen des Padischah, welcher verlangt, dass ihm der Wesir gesendet +werde; -- »diess«, antwortete Hulagu, »war mein Begehren zu Hamadan, wie +soll ich mich aber vor Bagdad's Thoren mit Einem begnügen? Es sollen auch +die drei anderen Säulen der Herrschaft des Chalifen erscheinen, der +Diwitdar, der Scherabdar und Suleimanschah, der Oberbefehlshaber des +Heeres.« Am folgenden Tage erschien der Wesir mit einer Schaar von +Vornehmen, aber ohne die verlangten Drei. Hulagu sandte sie zurück; er +befahl, ein an die Richter, Scheiche, Danischmende (Studenten), Arkaune +(christlichen Priester) von Bagdad gerichtetes Diplom, wodurch denen, die +sich friedlich halten würden, das Leben zugesichert ward, in sechs +Abschriften von sechs Seiten der Stadt durch Pfeilflug in dieselbe +abzufertigen. Die Wurfmaschinen schleuderten in Ermangelung von Steinen +Thonflötze, die man von Hamrin gebracht, und abgehauene Palmen wider das +persische Bollwerk, das Freitags am ersten Februar zu Boden sank. [RN: 25. +Moharrem/1. Februar] + +[Randnote: Bagdad's Eroberung.] + +Am fünften Februar standen Hulagu's Krieger bereits auf der Mauer des +Bollwerks, während auf der anderen Seite die Prinzen noch nicht bis an den +Fuss der Mauer vorgedrungen waren. Hulagu sandte ihnen ausscheltendes Wort +und befahl zugleich, Brücken zu schlagen. [RN: 28. Moharr./4. Febr.] Buka +Timur wurde mit einem Toman, d. i. mit einer Abtheilung von zehntausend +Mann, auf der Heerstrasse von Medain und Bassra befehligt, um die, so etwa +mit den Schiffen auf dem Tigris zu entfliehen versuchten, aufzufangen. Der +Diwitdar, welcher auf diese Weise mit mehreren Schiffen zu entkommen +hoffte, wurde aufgehalten, drei Schiffe genommen, die anderen versenkt oder +zerstört. Auf diese Nachricht entsank dem Chalifen aller Muth zu fernerem +Widerstande; er sandte den Fachreddin von Demaghan und den Ibn Dernus mit +wenigen Geschenken; denn er fürchtete, dass, wenn er viele sendete, die +Grösse derselben für den Maassstab seiner Furcht gelten könnte. Hulagu wies +dieselben mit den Ueberbringern zurück. Am folgenden Tage kam Ebulfadhl +Abderrahman an der Spitze aller Grossen mit grossen Geschenken; aber auch +diese wurden nicht genehmigt. [RN: 29. Moharr./5. Febr.] Hulagu sandte den +Nassireddin von Tus als Gesandten in die Stadt; welcher Triumph für den +rachsüchtigen Astronomen, welcher seiner Empfindlichkeit für die +Verschmähung seiner Verse die Stadt des Heils und das Heil des Chalifats +geopfert, welcher Triumph für ihn, dem Chalifen nun im Namen des Siegers +Gesetze vorzuschreiben! Am folgenden Tage kehrte er zurück, und Hulagu +sandte die aus der Stadt gekommenen drei Gesandten, den _Fachreddin +Demaghani_, den _Ibnol Dschewsi_ und _Ibn Dernus_, mit dem Begehren, dass +Suleimanschah und der Diwitdar erscheinen mögen. Sie erschienen wirklich +zwei Tage hernach. [RN: 1. Ssafer/7. Februar] Hulagu sandte sie wieder in +die Stadt zurück, um die Ihrigen mit sich zu bringen. Die syrischen und +irakischen Truppen und eine Menge Volkes benützten diese Gelegenheit, um +die Stadt zu verlassen und sich in's Lager der Mongolen, wo sie Rettung und +Sicherheit zu finden hofften, zu begeben; sie wurden in Tausende, Hunderte +und Zehn abgetheilt, den mongolischen Befehlshabern der Tausender, +Hunderter und Zehner übergeben und von diesen regelmässig umgebracht. +Abgeordnete kamen aus der Stadt, um das Leben der noch Zurückgebliebenen zu +erflehen, die Alle unterwürfig. Hulagu begehrte, dass der Chalife seine +Söhne sende und selbst komme. Während diesen Unterhandlungen ward einem +Inder Bitekdschi, der bei Hulagu in grossem Ansehen, ein Auge +ausgeschossen; Hulagu, hierüber ergrimmt, wollte nun von weiterem Aufschub +nicht mehr hören. Er befahl dem Nassireddin von Tus, sich an's Thor der +Wettrenner[302] zu begeben und die Einwohner mit Zusicherung des Lebens +herauszuführen; als diess geschehen, wurden sie Alle niedergemacht. [RN: 2. +Ssafer/8. Febr.] Suleimanschah wurde mit Siebenhundert der Seinen in die +Gegenwart Hulagu's geführt. Dieser fragte ihn: Wie kommt's, dass du, ein +Sternkundiger, nicht den Frieden vorgezogen und deinem Herrn nicht dazu +gerathen? Suleimanschah erwiederte: Der Chalife ist an Geist und Glück +verwahrlost und leiht denen, die es wohl mit ihm meinen, kein Ohr. Suleiman +und seine Siebenhundert wurden niedergemetzelt, so auch der Diwitdar und +dessen Sohn, und die drei Köpfe an Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, +gesandt, der, ein Freund Suleimanschah's, seinen Tod beweinte, aber +nothgedrungen, um nicht seinen Kopf zu verlieren, den des Freundes an dem +Thore seines Palastes aufhängen musste. Nach diesem tragischen Ende seiner +Getreuesten rief der Chalife seinen Wesir und fragte ihn, was zu thun; +dieser antwortete ihm mit dem arabischen Distichon: + + Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten, + Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten. + +Endlich begab sich der Chalife, mit seinen drei Söhnen und von dreitausend +Seiden, Imamen, Scheichen und Kadis begleitet, Freitags den zehnten Februar +zu Hulagu. [RN: 4. Ssafer/10. Febr.] Dieser empfing ihn ohne Merkmal des +Zorns und begehrte kalt und ruhig, der Chalife möge Wort in die Stadt +senden, dass die Einwohner die Waffen wegwerfen und zur Zählung +herauskommen möchten. Der Chalife gehorchte und Bagdad's Einwohner gingen +wie Schafe zur Schlachtbank, denn statt gezählt zu werden, wurden sie +ungezählt Alle getödtet, der Chalife und seine Söhne in Zelte gewiesen vor +dem Gülwadischen Thore, wo der Standort Keitbuka's. Drei Tage hernach +begann die allgemeine Plünderung. [RN: 7. Ssafer/13. Febr.] Alle Paläste +und Gebäude wurden niedergebrannt, bis auf einige wenige, ausdrücklich +ausgenommene Häuser von _Arkaunen_, das ist nestorianischen Priestern und +Fremden. Die Priester dankten diese Schonung vermuthlich Niemanden Anderem, +als ihrer Glaubensgenossin, der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau +_Tokus_, der Keraitin, welcher im Lager Kapelle mit Glockengeläute +gestattet ward. Unter den Fremden sind vielleicht fränkische Kaufleute +gemeint, Venezianer und Genueser, welche sich zu Bagdad des Handels willen +aufhielten. + +[Randnote: Blutbad und Hinrichtung des Chalifen.] + +Freitags am fünfzehnten Februar begab sich Hulagu selbst in die +entvölkerte, niedergebrannte, verheerte Stadt und ordnete auf den Ruinen +derselben Feste an. Er liess den Chalifen vorführen und sagte ihm: Du bist +der Gastgeber und ich der Gast; tische uns also auf, was du hast. Der +Chalife zitterte und hatte aus Furcht alle Besinnung verloren, so dass er +die Schlüssel zu den Schatzkisten, die er ausliefern sollte, nicht fand. +Die Kisten wurden erbrochen und er brachte huldigend dem Sieger zweitausend +Kleider und zehntausend Goldstücke nebst vielen Juwelen und anderen +Kostbarkeiten dar. Hulagu würdigte das Geschenk keines Blickes und befahl, +es unter die Emire und die nächste Umgebung zu vertheilen. Dann herrschte +er weiter: Was über der Erde von deinen Schätzen, ist klar und offenbar; +doch nun entdecke uns auch die unterirdischen. Der Chalife gab die +unterirdische Cisterne an, bei deren Anblick sein Urgrossvater _Nassir_ so +oft seufzte, dass er dieselbe trotz seines Zusammenscharrens von Gold nicht +damit ganz füllen, sein Vater _Mostanssir_, dass er dieselbe trotz seiner +verschwenderischen Freigebigkeit nicht ganz leeren konnte. Moteaassim's +Geiz hatte den durch des Vaters Freigebigkeit entstandenen Abgang wieder +ausgefüllt. Hierauf wurde das Frauengemach des Chalifen gezählt; es waren +siebenhundert Sklavinnen und tausend Verschnittene. Der Chalife, als er +den Zählungsbefehl vernahm, bat um Schonung dieser, selbst von Sonne und +Mond nie geschauten Schönheiten. Hulagu erlaubte ihm, hundert auszuwählen. +Mit sinkender Nacht kehrte Hulagu aus der Stadt wieder in's Lager zurück +und befahl dem Sundschak Nujan, die Schätze des Chalifen in Besitz zu +nehmen; die seit einem halben Jahrtausend aufgehäuften Schätze wurden rings +des Herrscherzeltes aufgeschichtet; die edelsten Wallfahrtsstätten, wie die +Moschee des Chalifen, die Grabstätte Musa's, die Grabmäler von Rossafa, +wurden geplündert; die noch übrigen Einwohner der Stadt baten durch +Scherefeddin von Meragha und Schihabeddin von Sindschar um Schonung und +Vergebung; da erging der Befehl, dass das Blutbad und die Plünderung +aufhöre, denn Bagdad sei sofort des Padischah's Eigenthum. [RN: 14. +Ssafer/20. Febr.] Hulagu zog nach einigen Tagen, der ungesunden Luft +willen, sein Lager auf einige Entfernung von der Stadt zurück; dann liess +er abermals den Chalifen in seine Gegenwart fordern. Der Chalife sagte zum +Wesir: Was ist zu thun? »Unser Bart ist lang«, antwortete dieser in +bitterer Beziehung auf das Wort des Diwitdar's, der, als der Wesir bei der +ersten Aufforderung Hulagu's gerathen, sich mit einer reichen Ladung von +Schätzen abzufinden, dem Chalifen sagte: »Der Wesir hat einen langen Bart« +(auf das arabische Sprichwort hindeutend: _langer Bart und kurzer +Verstand_). Der Chalife bat nun den Ilchan um die Erlaubniss, sich in's Bad +zu begeben, welche ihm Hulagu unter der Begleitung von fünf Mongolen +gewährte. Ich wünschte nicht, sagte Moteaassim, die Gesellschaft von fünf +Folterengeln, und declamirte einige Verse einer berühmten Kassidet, deren +Anfang: + + Wir wachten auf in einem Freudenhorte, + Voll Paradieseslust und Pracht; + Der Abend findet uns an einem Orte, + Woran wir gestern nicht gedacht. + +Am selben Tage, [RN: 14. Ssafer/20. Febr.] wo Hulagu sein Lager von Bagdad +zurückzog, wurde der Chalife, in einen Teppich eingewickelt, zu Tode +gerollt und unter den Hufen der Pferde zertreten; drei seiner Söhne und +seine fünf Begleiter wurden im Dorfe _Wakf_ hingerichtet, und am folgenden +Tage Alle die, so am Gülwadischen Thore zurückbehalten worden waren, +getödtet; der jüngste Sohn des Chalifen, Mubarekschah, wurde der Gemahlin +Hulagu's, der Frau Oldschai, zum Geschenke gemacht, welche ihm eine +mongolische Sklavin zur Frau gab und an Nassireddin von Tus nach Meragha +sandte. Am selben Tage mit dem Chalifen wurde der Wesir Alkami und der +Staatssekretär, Vorsitzer des Diwan's, Fachreddin von Demaghan in die Stadt +gesendet und Ali Behadir, der Steuereinnehmer, welcher das Heer während der +Belagerung mit Lebensmitteln von Baakuba aus versehen hatte, zum +Statthalter, der Emir Karakai Imadeddin von Kaswin zum Naib (Stellvertreter +des Richters) ernannt; dem Nedschmeddin Ebi Dschaafer Amran, der den +schönen Beinamen _Meliki rast_, d. i. des geraden Königs, führte, wurde die +Steuereinnahme über das östliche Gebiet Bagdad's anvertraut, und dem +Richter der Richter Nisameddin Abdolmumin die Aufrechthaltung der Polizei +aufgetragen. Ilka Nujan und Kara Buka wurden mit dreitausend Mann zur +Aufräumung des Schuttes und zur Beerdigung der Todten, zur Auferbauung der +verheerten Gebäude befehligt; ein vergeblicher Befehl, denn das alte Bagdad +erstand nie wieder in seinem vorigen Glanze; und als sechzig Jahre nach der +Eroberung der Geschichtschreiber Wassaf Bagdad besuchte, war nicht der +zehnte Theil der alten Gebäude und Bevölkerung vorhanden; dem _Ibnol +Alkami_ aber, dessen Verrätherei die Hauptursache des Ruins des Chalifats, +und welcher nur drei Monate die Eroberung Bagdad's überlebte, ward noch +allgemein geflucht, und an den Thoren der Moscheen und Medreseen war die +Inschrift zu lesen: _Gott verfluche den, der nicht fluchet dem Ibnol +Alkami_[303]. + +[Randnote: Gesandtschaften an Hulagu; Alkami's Tod; Bibliothekenruin.] + +Von Hille, das der Sitz der Seide, Prophetenverwandten, hatte der +Vorsteher derselben, _Medschdeddin Mohammed Ibnol Hasan Ben Taus_ (das +erste Viertel dieses viertheiligen langen Namens heisst _Glaubensruhm_, das +letzte _Pfauensohn_) durch einen Gesandten ein Schreiben unterwürfigen +Inhalts an Hulagu gesandt[304]. Dieser entgegnete ihnen Diplom und +Geschenke durch Tekele und Ali von Nachdschiwan, welcher als Gesandter, der +Emir Alaeddin der Perser als Statthalter nach Hille gingen[305]. Ihnen +folgte auf dem Fusse _Buka Timur_, der Bruder der Frau Oldschai, um sich +Hille's, Wasith's und Kufa's zu bemächtigen. [RN: 10. Ssafer/16. Febr.] Die +Bewohner Hille's kamen ihm freundlich entgegen und erleichterten seinen +Marsch, indem sie Brücken über den Euphrat schlugen. Von den Bewohnern +Wasith's, das sich nicht unterwarf, wurden vierzigtausend niedergemetzelt. +Von Wasith zog Buka Timur gegen Chusistan, den Schereffeddin Ibnol-Dschewsi +mit sich führend, um durch denselben die Einwohner der Stadt _Schuster_ zur +Uebergabe zu bereden. Bassra und die Umgegend unterwarf sich gutwillig, der +Emir Seifeddin, der Bitekdschi, erbat sich hundert Mongolen als +Sicherheitswache für die Grabstätte Ali's zu Nedschef; nach Verlauf von +fünf Wochen war Buka Timur im Lager zurück. [RN: 19. Rebiulewwel/26. März] +Ein Monat nach der Eroberung Bagdad's wurden die Gesandten des Fürsten der +Ejubiden zu Haleb mit einem von Nassireddin von Tus aufgesetzten arabischen +Schreiben zurückgefertigt; es lautete: »Wir haben gelagert vor Bagdad im +Jahre sechshundert sechs und fünfzig und übel tagte der Morgen über die +Bewohner, und wir luden den Besitzer ein; er weigerte sich; da ward an ihm +das Wort erfüllt, und wir nahmen ihn gefangen. Wir laden dich ein zu +Unserem Gehorsam; wenn du denselben verweigerst, ist's dein Verderben. Sei +nicht wie der, der sich streitet um ein Aas, denn der Listige verliert, er +weiss nicht was, sonst wirst du seyn von den Verworfenen, welche ihren +Fleiss auf das irdische Leben wenden an, und die da wähnen, sie hätten +Etwas für's Künftige gethan; Heil dem, der wahrer Leitung folgt!« [RN: 11. +Rebiulachir/17. April] Hulagu befand sich in der zweiten Hälfte Aprils +wieder bei seinem schweren Gepäcke[306] zu Hamadan, wo er seine Gesundheit +pflegte, da er unwohl. [RN: 16. Rebiul. II./22. April] Fünf Tage später +erschienen Ilka und die anderen Emire zur Aufwartung; sechs Wochen hernach +starb Moejeddin Ibnol Alkami, [RN: 2. Dschem. II./6. Juni] welcher +wenigstens dem Namen nach die Wesirschaft von Bagdad beibehalten hatte; +nach dessen Tode erhielt dieselbe sein Sohn Scherefeddin. Wiewohl der Name +Ibnol Alkami's nichts anderes als der eines Verräthers auf den Zungen der +glaubwürdigsten Geschichtschreiber, so erfordert es doch unsere Pflicht, +als solcher auch des Ehrenvollen zu erwähnen, was eine andere, freilich +nicht sehr glaubwürdige Quelle von demselben meldet. Der Verfasser des +_Sittenspiegels der Herrschaft_[307], welcher sich im Seltsamen zu gefallen +scheint, sucht ihn von aller Schuld der Verrätherei rein zu waschen, indem +er den schlechten Ruf desselben einzig als Verläumdung und aus dem Hasse +und Neide der nächsten Umgebungen des Chalifen, welcher ihm sein ganzes +Vertrauen geschenkt, zu erklären bemüht ist; dass er des Vertrauens des +Chalifen nicht ausschliesslich genoss, erhellt schon aus dem, dass sein +Rath von dem seines Gegners, des Diwitdar's, überflügelt worden, und dass +ihm Hulagu nach Bagdad's Eroberung den Titel der Wesirschaft liess, +beweiset keineswegs, dass er kein Verräther. Wassaf, welcher ein halbes +Jahrhundert darauf seine Geschichte schrieb, bestätigt die Worte +Reschideddin's, seines Zeitgenossen, und entkräftet das angebliche +Vertrauen, das jenem Sittenspiegel zufolge Hulagu in ihn gesetzt haben +soll, durch das, was er bei dieser Gelegenheit über die löbliche Sitte +mongolischer Herrscher sagt: die Verrätherei und Anschwärzerei zwar zu +ihrem Vortheile zu benützen, aber den Verräther und Anschwärzer zu +verachten; seiner Verrätherei aus Niederträchtigkeit und +Leidenschaftlichkeit ungeachtet, kann Ibnol Alkami sehr wohl ein +gebildeter, selbst gelehrter Wesir, grosser Gönner und Freund der +Gelehrten gewesen sein, der eine Bibliothek von zehntausend Bänden besass, +deren viele ihm gewidmet waren; selbst der grosse Gelehrte Nassireddin +erscheint in nicht viel besserem Lichte, indem ihn gekränkte Eitelkeit zur +Rache an dem Chalifen durch den Ruin des Chalifats anspornte, und so stehen +der gelehrte Wesir und der gelehrte Astronom leider beide von Seite ihres +Charakters und ihrer politischen Grundsätze in höchst ungünstigem Lichte +vor den Augen der Nachwelt. Die zehntausend Bände der Bibliothek Ibn +Alkami's wurden, wie die der anderen Bibliotheken Bagdad's, von den +Mongolen entweder in den Tigris geworfen oder verbrannt; binnen zwei Jahren +der dritte grosse, für Bibliotheken verderbliche Brand, in welchem zu +Alamut, Medina und Bagdad die Werke östlicher Weisheit, welche die Welt +erleuchten sollten, ein Raub der Flammen. Durch diesen dreifachen +Bibliothekenbrand binnen zwei Jahren ging nur zu sehr in leidige Erfüllung +die Vorbedeutung des um zwei Jahre früheren Brandes der arabischen Wüste. + +[Randnote: Irbil's grosser, wohlthätiger Fürst; das persische Königstein; +die Sternwarte von Meragha.] + +Nach Bagdad's Eroberung befehligte Hulagu den _Oroktu Nujan_ zur Eroberung +Irbil's, der zwischen dem grossen und kleinen Sab, zwei Tagreisen von +Mossul gelegenen Hauptstadt des oberen Kurdistan's, welches durch die +Bauten des erst vor acht und zwanzig Jahren[308] verstorbenen turkmanischen +Fürsten _Kewkebusi Ben Ebul Hasan Ali_ damals eine der blühendsten Städte +des persischen Irak. Dieser edle Fürst, von welchem die europäischen +Geschichtschreiber bisher nicht die geringste Kunde genommen, ist einer der +wohlthätigsten des Islams und verdient als solcher sehr wohl seinen +doppelten Ehrennamen _Melik Moaasem Mosaffereddin_, d. i. des +grossgeehrten, durch die Religion siegreichen Königs. Täglich speiste er +Arme und kleidete sie im Winter; alljährlich sandte er Commissäre in die +Häfen, um Gefangene auszulösen, und nach Mekka, um die Pilgerkarawane mit +Speise und Trank zu versehen. Zu Mekka führte er die erste Wasserleitung +vom Aarafat und baute mehrere Wasserbehälter, zu Irbil gründete er ein +Dutzend wohlthätiger Anstalten, mehrere solche, von denen weder vordem noch +seitdem im Islam gehört worden; nämlich: ein Haus für Findelkinder, eine +Anstalt für Ammen und Säuglinge, eine Versorgungsanstalt für Wittwen, ein +gemeines Krankenhaus, ein besonderes Spital für Blinde, ein Karawanserai, +in welchem die Reisenden nicht nur umsonst bewirthet, sondern auch noch +ausserdem mit Reisegeld versehen wurden, ein Kloster, eine Medrese, an +welcher Muderrise für die beiden Ritus Hanefi und Schafii, und endlich eine +Moschee, an welcher alljährlich das Fest der Geburt des Propheten mit einer +Pracht und einem Zulaufe von Menschen begangen ward, wie vordem und seitdem +nirgends. Von Mossul, Sindschar, Dschesire, Nissibin strömten die Besucher, +Prediger, Redner, Dichter, Koranleser, Ssofi nach Irbil; einen ganzen Monat +vor dem Feste waren zwischen der Moschee und dem Kloster zwanzig, drei +Stock hohe Dome aus Brettern aufgeschlagen, von deren Gallerien Dichter +declamirten, Redner sprachen, Schattenspieler die Zuschauer unterhielten. +Täglich nach dem Nachmittagsgebete begab sich Mosaffereddin zu diesen +Domen, wohnte in der Nacht im Kloster dem Reigen der Ssofi bei und ging +nach dem Morgengebete auf die Jagd. Am Geburtsfeste selbst ward eine +unzählbare Menge von Kameelen, Rindern, Schafen unter Musik auf den Platz +gebracht, geschlachtet, gesotten und gebraten, während der Nacht die Stadt +erleuchtet und am folgenden Tage die Gäste an zwei grossen Tafeln, deren +eine für die Vornehmen, die andere für das Volk, bewirthet; im Schlosse +walzten die Derwische, von den Gallerien wurden die Hymnen des Gebets +abgesungen, die Sänger, Prediger und Derwische reichlich beschenkt. +Mosaffereddin wurde in der Nähe von Kufa, seine Gemahlin Rebiaa am Berge +Kasiun bei Damaskus in der von ihr gestifteten Medrese bestattet. In keiner +Schlacht besiegt, von keinem anderen Fürsten in Stiftungen der +Wohlthätigkeit übertroffen, verdient dieser turkmanische Fürst von Irbil +wohl den Namen _des durch die Religion siegreichen, grossmächtigen +Königs_[309]. Das Schloss von Irbil erhebt sich auf einem vereinzelten +Berge, während die Stadt in der Ebene. Tadscheddin, der Sohn Salaje's (des +oben erwähnten Befehlshabers des Passes von Deriteng [Engthor]), war +bereit, die Stadt zu übergeben; aber die Kurden gehorchten ihm nicht. +Oroktu begehrte Hülfstruppen von Bedreddin Lulu, dem Fürsten Mossul's, der +sie ihm auch sandte und den guten Rath ertheilte, den Sommer abzuwarten, +weil dann die Kurden nicht mehr im Schlosse aushalten, den Gebirgen zueilen +würden. Oroktu übergab die Belagerung dem Bedreddin, dessen Vorhersagung +durch den Abzug der Kurden im Sommer erfüllet ward; er schleifte die +Mauern. Hulagu schickte einen Theil der erbeuteten Schätze mit dem +Siegesberichte seines Eroberungszuges an den Bruder Kaan, den grössten +Theil derselben aber speicherte er in dem am See Urmia auf unbezwinglichem +Felsen gelegenen Schlosse Tala (das heute Gurtschinkalaa heisst) auf; eine +vereinzelte, auf drei Seiten unzugängliche Felsenmasse, welche den +englischen Reisenden Porter an den Königstein in Sachsen erinnerte und +welche ein Steiermärker die persische _Riegersburg_ nennen würde[310]. +Bedreddin Lulu, der neunzigjährige Fürst von Mossul, wartete dem Eroberer +Persiens, für den er Irbil eroberte, zu Meragha auf; [RN: 7. Schaaban +654/9. August 1258] ebenda _Atabeg Saad_, der Salghure, Herr von Fars, und +die beiden seldschukischen Prinzen von Rum, Isededdin und Rokneddin. Hulagu +war über jenen sehr ungehalten, weil er wider Baidschu Nujan sich zu +schlagen gewagt. Um den Erzürnten zu versöhnen, stellte sich Isededdin zur +Audienz mit einem Geschenke von einem Paar Pantoffeln, deren Sohlen sein +Portrait eingestickt war, und mit der Bitte dar, dass der Padischah auf +diese Weise ihn, den Sklaven, unter den Sohlen in den Staub tretend, adeln +möge. Hulagu verzieh ihm, durch diese Schmeichelei besänftigt und auf die +Fürbitte der Frau Tokus. Einen schönen Gegensatz zu dieser niederträchtigen +Schmeichelei des Sultans von Rum bildet die Freimüthigkeit des Astronomen +Nassireddin von Tus, welcher dem Eroberer in Erinnerung brachte, dass, als +Chuaresmschah erobernd bis Tebris vorgedrungen, er auf die wider die +Ausschweifungen seines Heeres vorgebrachten Klagen geantwortet: _Ich kam +als Welteroberer und nicht als Welterhalter_[311]; Hulagu antwortete: Ich +bin, Gott sei Dank! sowohl Welteroberer als Welterhalter und kein +Schwächling, wie Dschelaleddin von Chuaresm. Den ersten Beweis von der +Wahrheit dieses Wortes gab Hulagu durch den Bau der Sternwarte von Meragha, +deren Grund jetzt gelegt, aber deren Bau erst unter der folgenden Regierung +vollendet ward. Vier Astronomen[312] von Damaskus, Kaswin, Achlath und +Mossul waren die Gehilfen Nassireddin's von Tus, der an dieser Sternwarte +die ilchanischen Tafeln verfertigte, die, vollkommener als die +früheren[313], ein bleibendes Denkmal des Ruhmes des Ilchans, Erbauers der +Sternwarte und des an derselben beobachtenden grossen Astronomen +Nassireddin's von Tus. + +[Randnote: Herrscher Gross- und Klein-Luristan's] + +Von den Fürsten, welche dem neuen _Ilchan_ oder Landesherrn nach Bagdad's +Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits des Salghuren von Fars und des +Seldschuken von Rum, sowie des Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's, +welcher bei Irbil's Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung +geschehen, und es wird von ihnen noch weiter unten die Rede sein; doch hier +ist noch von anderen Fürsten zu melden, deren Staaten nun in unmittelbarer +Berührung mit der mongolischen Macht, derselben sich nur scheinbar oder +erst durch Gewalt gezwungen unterworfen; solche waren die Atabege von +Gross- und Klein-Luristan, die Könige Gross- und Klein-Armeniens, endlich +die Sultane Syriens und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung des wider +die letzten geführten syrischen Krieges ist dem folgenden Buche +vorbehalten; hier also nur kurz von den Atabegen und den christlichen +Fürsten. Tekele, der Sohn Hesarsif's, der dritte Herrscher der im +Geburtsjahre Tschengischan's vor einem Jahrhunderte als unabhängig +emporgeschossenen Dynastie der Atabege von Gross-Luristan, war, als Hulagu +gegen Bagdad zog, demselben huldigend entgegengekommen und von ihm dem +Tomane Keitbuka Newin's, des Befehlshabers des Vortrabes, zugetheilt +worden. Nicht im Stande, die Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz +des Chalifats und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken, hatte er +sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen, der Truppen wider ihn +sandte. Schemseddin Alp Arghun, der Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder +an, sich selbst in's Lager des Ilchans zu begeben, um dessen Verzeihung zu +erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar an. An der Gränze Luristan's fiel +Alp Arghun den mongolischen Truppen in die Hände, deren Heerführer ihn +trotz seiner Sendung als Unterhändler tödteten. Tekele vertheidigte sich in +dem Schlosse Mandschascht und ergab sich erst, als ihm durch Sendung des +Ringes Hulagu's sicheres Geleite versprochen ward. Nichtsdestoweniger ward +er nach Tebris geschleppt und dort hingerichtet und die Herrschaft +Grossluristan's dem mit dem hingerichteten Bruder Tekele's gleichnamigen +Schemseddin Alp Arghun verliehen[314]. In Klein-Luristan war die Herrschaft +der vor siebzig Jahren unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen des +vierten Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich auf dem Feldzuge +Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben stellte, von ihm die +Auslieferung seines Schwagers und mächtigen Nebenbuhlers um den Thron, +Suleimanschah's, begehrte. Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort, +dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und Suleimanschah +erschlagen worden war, erhielt Bedreddin Mesud die von ihm begehrte +Familie des Schwagers. Er behandelte dieselbe so gütig und beförderte durch +weise und gerechte Regierung den Wohlstand des Landes so sehr, dass, als er +ihnen später die Wahl liess, ob sie in Luristan bleiben, oder nach dem aus +der Asche sich wieder erhebenden Bagdad wandern wollten, nur Wenige dahin +auswanderten; ein gerechter, eingezogener und besonders der +Ueberlieferungen wohl kundiger Fürst. Die _auserwählte Geschichte_[315] +rühmt an ihm, dass er nie unrechtmässigen Beischlaf gepflogen und dass er +viertausend juridische, nach den Grundsätzen des Ritus _Schafii_ +entschiedene Rechtsfragen auswendig gewusst. Nach seinem, nun zwei Jahre +nach dem Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten sich um die Herrschaft +Klein-Luristan's seine Söhne _Dschemaleddin Bedr_ (Schönheit der Religion, +Vollmond) und _Nassireddin Omer_ mit _Tadscheddin Schah_, dem Sohne des in +der Schlacht wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil. Dieser +Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger Hulagu's, durch das +wider die Söhne Bedreddin Mesud's ausgesprochene Todesurtheil blutig +entschieden. Der Thron Klein-Luristan's wurde dem Sohne Suleimanschah's, +_Tadscheddin_, zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang +behauptete, welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten beiden +Söhne Bedreddin Mesud's, dem _Felekeddin Hasan_ und _Iseddin Husein_, +zugesprochen ward. + +[Randnote: Könige Gross- und Klein-Armenien's.] + +Der König Klein-Armeniens, Hethum I., welchen die Araber _Hatim_, die +Kreuzfahrer _Haithon_ nennen, hatte sich bei der Thronbesteigung Mengku's +über Kipdschak in das Hoflager des grossen Kaan's zu Karakorum und nach +einer Abwesenheit von sechzehn Monaten wieder in seine Staaten +zurückbegeben. Mit goldener Krone gekrönt, mit goldenem, geweihtem Scepter +in der Hand auf hohen goldenen Thron gesetzt[316], füllte er denselben +fünf und vierzig Jahre mit umsichtiger Klugheit, sein Schiff durch den +Fluthenschwall ungeheuerer Heeresmacht und die Klippen der Scheelsucht der +Könige Georgien's glücklich durchsteuernd. Wenn seinem Vetter, dem +genannten Hethum gleichnamiger Mönch, Geschichtschreiber, Glauben +beizumessen wäre, hätte Mengku seinem Vetter König sieben vorgetragene +Begehren gewährt, aber das angebliche, als Gewährung des ersten Begehrens +gegebene Versprechen Mengku's, sich taufen zu lassen[317], verdächtigt auch +die Gewährung der anderen sechs Artikel. Vor ihm war schon sein Bruder +Sempad, der Connetable Armenien's[318], in's Hoflager gezogen, und ward nun +zum zweitenmal dahin gesandt, um Schutz wider die georgischen Fürsten aus +der Familie _Awak_ anzuflehen, welcher, wie Arghun dem mongolischen +Statthalter, dem Sempad nach dem Leben gestrebt, die Länder seines Bruders +Hethum verwüstet[319]. Bald nach Sempad's Abreise ward auch Arghun in's +Hoflager berufen, um unter der Anklage von Erpressungen über seine +Verwaltung Rechenschaft zu geben. Sempad fand ihn dort durch den Einfluss +seiner Feinde _Sewindsch_ und _Scherefeddin_ eingekerkert, welche Arghun's +Tod suchten, um seine Stelle zu erhalten. Das Zeugniss Sempad's zu Gunsten +der Verwaltung Arghun's rettete diesem das Leben; die Ankläger wurden +hingerichtet, Arghun und Sempad kehrten nach Armenien und Georgien +zurück[320]. Arghun brachte neue Einrichtung des Steuerwesens mit sich, das +bisher unverhältnissmässig mehr auf den Armen, als auf den Reichen gelastet +hatte. Von nun an waren die Reichen mit fünfhundert Dinaren, die Armen nur +mit Einem besteuert[321]. Arghun, dankbar gegen seinen Vertheidiger Sempad, +unterstützte ihn wider seine Feinde, die georgischen Prinzen aus dem Hause +Awak, von denen David, der Sohn der Königin Russadan, sich wider die +Mongolen empörte. Hulagu sandte wider ihn ein aus Mongolen und Moslimen +zusammengesetztes Heer, von dem er geschlagen ward[322]. [RN: 657/1259] +Arghun verfügte sich nach Tebris, um über die Zustände Georgien's zu +berichten. Als Arghun nach Tiflis zurückkehrte, hatte sich David zum +zweitenmale empört, weil die Entrichtung des verspäteten Tributs gefordert +worden. Sowohl Sempad, der Orpeliane und Herrscher von Grossarmenien, als +Hethum, der Herrscher von Kleinarmenien, dem cilicischen Reiche, erhielten +sich als Vasallen mongolischer Herrschaft auf ihren Fürstenstühlen, Dank +dem Schutze der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau _Tokus_, welche +eine eifrige Christin, durch deren Einfluss nach Bagdad's Eroberung der +Patriarch der Nestorianer den Palast des kleinen Diwitdar zum Sitze des +Patriarchats erhalten hatte. Nur zu Tekrit siegten die Moslimen über die +Christen, wo wegen Verheimlichung von Gütern hingerichteter Moslimen auf +Befehl Hulagu's allgemeines Gemetzel der Christen stattfand[323]. Die +Blutvesper von Tekrit ausgenommen, hatten sich die Christen mittels des +Schutzes der Frau Tokus nur günstiger Behandlung von Hulagu zu erfreuen, +namentlich Hethum, der Pagratide, Herr von Kleinarmenien, und der von +Grossarmenien, der Orpeliane Sempad. Die Residenz des ersten war die Stadt +_Ain_; am Zusammenflusse zweier Ströme, die in den Araxes münden, gelegen, +zählte sie im eilften Jahrhundert hunderttausend Einwohner und tausend +Kirchen[324]; die Residenz des zweiten, _Sis_, in Cilicien an einem kleinen +Flusse, der sich in den Dschihan ergiesst[324], der Sitz des armenischen +Patriarchen. Der Pagratide Hethum und der Orpeliane Sempad standen beide +bei Hulagu als treue Vasallen in Gnaden, der erste musste ihm das Holz zu +seinen Bauten am Alatagh liefern, dafür konnte er ungehindert kostbare +Reliquien in Gold und Silber fassen; so die Hirnschale des heil. Gregor des +Erleuchteten aus dem Kloster bei _Kaghseman_[325], das zwischen Karss und +Pasin am Durchbruche des Araxes zwischen geklüftetem Gebirge, und den +Schädel S. Gregor's des Wunderthäters, den er der berühmten Kirche von +Norevanch schenkte[326]. _Hethum_, schon durch die Lage seines Königreichs +ferne dem Hulagu und näher den Kreuzfahrern, als der nördliche Herrscher +Grossarmenien's, war mit den angesehensten Fürsten der Kreuzfahrer durch +Vermählung seiner Töchter (mit dem Fürsten Antiochien's, Sadan, und dem +Herrn von Ibelim) verschwägert. Von seinen Söhnen fiel der jüngere, Toros, +im Kriegsdienste Hulagu's im syrischen Kriege wider den Sultan der +Mamluken, sowie hernach _Purthel_, der Neffe Sempad's, im Feldzuge Hulagu's +wider Kipdschak in der Schlacht am Terek blieb. Die christlichen Herrscher +Gross- und Klein-Armeniens waren also treuere Vasallen des Ilchan's, als +die moslimischen Gross- und Klein-Luristan's, und es darf nicht Wunder +nehmen, wenn durch die Namensähnlichkeit der Pagratide _Hethum_ in den +Geschichten der Araber als ein zweiter _Hatim_ (das arabische Muster von +Freigebigkeit und Grossmuth) und der Orpeliane Sempad (als ein zweiter +Sindbad, der berühmte Reisende der arabischen Mährchen) durch seine Reisen +in's mongolische Hoflager figurirt. + + + + +Drittes Buch. + + Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, Miafarakain; + Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor Damaskus; Schlachten von + Aindschalut und Himss; das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten; + Anlass des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak; + Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, Arikbuka, Alghui, + Kaidu; Vertheilung der Länder und Statthalterschaften; Dynastie + der Beni Aamaret und Schebankjare von Fars. + + +[Randnote: Verhältniss Hulagu's mit den gleichzeitigen asiatischen +Dynastien.] + +Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen, der Thron des Chalifats +war umgestürzt, die Fürsten von Fars und Mossul, von Gross- und +Klein-Armenien, von Gross- und Klein-Luristan, hatten freiwillig oder +gezwungen gehuldigt, das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu denen des +Tigris war der Herrschaft des _Ilchan's_ unterworfen, aber hierdurch der +Auftrag, welchen der Eroberer Hulagu vom Bruder Kaan erhalten, ganz Asien +bis an den äussersten Westen zu erobern, nur zur Hälfte erfüllt; noch +blieb Mesopotamien und Syrien bis nach Aegypten hin zu erobern übrig. In +dem letzten dieser drei Länder war der Hauptstamm der Herrschaft der +Ejubiden, welche sich zu Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit +der der Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung +gebrochen worden und die Stelle der Herren aus dem Hause Ejub hatten ihre +Sklaven, die Mamluken, auf dem Throne als Herrscher eingenommen; aber von +dem hohen und mächtigen Baume dieses grossen Herrschergeschlechtes +wurzelten noch sieben Zweige im arabischen Irak und in Syrien, vom Jenseits +der Wüste an, welche Mesopotamien von Syrien, bis zu der, welche Syrien von +Aegypten trennt, _Miafarakain_ und _Hossnkeif_, bis nach _Damaskus_ und +_Karak_; inmitten derselben die von _Haleb_, _Hama_ und _Himss_. Wären +diese sieben Strahlen der Herrschaft in dem Brennpunkte Eines einzigen +starken Volkes und Muthes vereint gewesen, hätte die sieben Herrscher nur +das Band aufrichtiger, zusammenwirkender politischer Eintracht verbunden, +so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber auch immer aufrichtig +vereinte Macht der Hulagu's wahrscheinlich siegreich widerstanden haben, da +sogar Einzelne derselben männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht +und den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang gehemmt; +aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im Herrscherhause Ejub nur +unter der ruhmwürdigen Regierung Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von +ihm gegründete Reich befestigte. Nach seinem Tode war die Macht +vielgetheilt und durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt, nicht im +Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer Herrschaft zu +gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig im Osten und Westen Asien's +emporgestiegene Herrschaft des Hauses Tschengischan's und Ejub's zeigt im +hellsten Lichte die Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses und +Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht, ohne dessen strenge +Beobachtung die Herrschaft der Mongolen nie zu solcher Macht gediehen wäre. +Zwar zeigten sich auch schon bald nach Tschengischan's Tode Symptome der +Uneinigkeit und des Familienzwistes in den Ansprüchen auf die oberste +Herrschaft, aber das Schwert rottete bei Mengku's Thronbesteigung in dem +blutigen Sinne der Jasa siebzig Prinzen auf einmal aus, und das Reich erhob +sich unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai zu einer Ausdehnung von Macht +und Grösse, dergleichen die Geschichte vor- und nachdem nie gesehen. Erst +als die Bande der Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der +Familieneinigkeit sich lockerten, begannen auch die Thronen der +mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder Uebermacht, wie jetzt +der mongolischen die Grösse des Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz +gedrillten Faden der Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu +gleichzeitigen Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf, wo wir denselben +im ersten Buche dieser Geschichte verlassen haben. + +[Randnote: Die Beni Ejub zu Miafarakain und Hossnkeif.] + +Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des Hauses Ejub, welche mit +seiner Macht in Berührung, von demselben, weil sie widerstanden, +vernichtet, oder weil sie gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war +die von _Haleb_, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's herrschten, +die mächtigste, deren Uebermacht soeben die von Damaskus verschlungen +hatte. In Mesopotamien, zu Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze +Syriens, zu _Kerek_, herrschten Abkömmlinge _Melikol-aadil's_ (d. i. des +gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zu _Hama_ die Nachkommen +_Schehinschah's_, des Bruders Ssalaheddin's und _Melikol-aadil's_, und zu +_Himss_ die _Schirkuh's_, des Oheims der drei Brüder. _Melik Nassir Jusuf_, +der Urenkel Ssalaheddin's, war nach seines Vaters, _Melikol-asis_, Tode +schon in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche während +seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter, die Tochter Melikol-aadil's, +die Frau _Ssaffije_, führte. Seinem Vetter, dem Herrn von Himss, _Manssur +Ibrahim_, dem Urenkel Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit +einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem Sturze des +chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie die Condottieri des +Mittelalters, Mesopotamien und Syrien durchrannten und ausraubten. Er +bemächtigte sich ihrer beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's. [RN: +646/1248] Für den Sohn und Nachfolger Manssur Ibrahim's, _Melikol-eschref +Musa_, nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, hatte er +demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und ihm dafür das aus der +Geschichte der Kreuzzüge bekannte Schloss von _Tell baschir_ gegeben. Im +folgenden Jahre hatte er wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein +Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und im Besitze des +ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb. [RN: 647/1249] Als im nächsten +Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni Ejub in Aegypten erlosch, luden +die Emire von Damaskus den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein. +[RN: 648/1250] Er zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern, +dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben zwar zuerst bei +_Abbasa_, ward aber dann geschlagen und floh nach Damaskus zurück. Er zog +zum zweitenmale aus, und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der +Jordan die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten Herrscher +der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt Hulagu's erobernde Macht; +aber auf dem Wege dahin standen ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's, +die Herren von Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die +Festigkeit ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain +herrschte _Melikol-kjamil_, der Sohn Melikol-Mosaffer's, des dritten der +drei Söhne Melikol-aadil's, welche nach ihrem Vater Herren dieser festen +Stadt; der von _Hossnkeif_ war _Melikol Mowwahid_, der Ururenkel +Melikol-aadil's, aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines Vaters Tod +den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin +die Stadt Amid und das Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's +Enkel Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort die +Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen, blieb Hossnkeif +seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge. Die beiden Herren von Hossnkeif und +Miafarakain waren würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf +ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer Burgen, dem +mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten, während ihr mächtiger +Vetter Nassir von Haleb huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und +von demselben _Jerligh_ und _Paise_, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen des +Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, als er das persische Gebiet +betreten, hatte er heimlich unterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber +nun bei der Annäherung Hulagu's nach Aegypten. + +[Randnote: Aufbruch von Tebris.] + +Nach der Eroberung Bagdad's war Hulagu erst gegen Hamadan und von da über +Meragha nach Tebris gezogen, das von nun an die Hauptstadt von +_Aserbeidschan_ (dem alten Atropatene), von nun an auch die des neuen +mongolischen Reichs in Persien und die Residenz des Ilchan's; seitdem +heisst dieselbe mit dem ganzen Lande umher _Paitachti Hulagu_, d. i. der +Fuss des Thrones Hulagu's. _Tebris_, d. i. das _warm Rieselnde_, hat seinen +Namen, der gleichbedeutend mit _Tepliz_, von seinen warmen Quellen; es +liegt auf der Westseite des Berges _Sehend_ mitten unter üppigen Gärten, +vom Flusse _Surchab_, d. i. Rothwasser, bespült. Es ist möglich, dass +_Tebris_ nur eine Verstümmelung des alten, beim Ptolemäus vorkommenden +_Gabris_; aber alle Quellen arabischer Geschichte nennen als Erbauerin der +Stadt die Gemahlin Harun Reschid's, seine Base, die grosse Frau _Sobeide_. +[RN: 175 (791)] Schon neun und dreissig Jahre nach ihrer Erbauung vom +Erdbeben zerstört, wurde Tebris vom Chalifen Motewekkil wieder erneuert +[RN: 245 (857)] und zweihundert Jahre später vom Erdbeben gänzlich in +Schutt gelegt. [RN: 434 (1042)] Der Astronom _Abu Tahir_ von Schiras hatte +das Erdbeben für die Nacht, wo es stattfand, vorausgesagt und die Einwohner +der Stadt, dieselbe zu verlassen, ermahnt; Viele beherzigten seine Warnung, +aber vierzigtausend, welche in den Häusern zurückblieben, wurden unter +denselben begraben. Der neue Bau ward unter der Leitung des genannten +berühmten Astronomen im Zeichen des Scorpions begonnen, um dadurch für +immer die Gefahr gänzlicher Zerstörung durch Erdbeben abzuwenden; »und +wirklich«, sagt Hamdallah Mestufi, der persische Geschichtschreiber +Geographe, »haben in den seitdem verflossenen dreihundert Jahren mehrmal +Erdbeben stattgefunden, ohne der Stadt wesentlich zu schaden, so dass die +Stadt ihren Ruin nicht mehr von Erdbeben, sondern nur von Ueberschwemmung +fürchtet«. Zahlreiche, seitdem gegrabene Kanäle und unterirdische +Wasserleitungen gewähren dem Wasser Abfluss, so dass auch diese Furcht +verschwunden; der vom Berge Sehend niederströmende kleine Fluss _Mehranrud_ +vertheilt sich in mehr als hundert solcher Kanäle, um die Gärten der Stadt +zu bewässern; die Waldungen rund um die Stadt sind so dicht, dass, als zu +Beginn des vorigen Jahrhunderts das osmanische Heer hier den Befehl +erhielt, dieselben auszuhauen, dreitägige Arbeit der Axt keinen merklichen +Unterschied hervorbrachte, so dass sie so dicht, wie ehe, schienen. Die +schöne und fruchtbare Ebene von Tebris, welche sich auf der Westseite der +Stadt gegen den See von Urmia hinzieht, wetteifert durch üppigen Baumwuchs +mit den Zauberthälern von _Soghd_, _Damaskus_, _Schaabbewwan_ und mit der +Ebene von _Mamschanrud_ bei Hamadan um edenischen Ruhm. Die Aepfel, Birnen, +Aprikosen und vorzüglich die Weinbeeren ohne Kern sind vortrefflich; die +Einwohner blühender Gesichtsfarbe, gewerbfleissig und auch nicht ohne Muth, +aber durch Treulosigkeit verschrien. Derohalben ist von ihnen der persische +Viervers gang und gäbe: + + Als Freund hat Keiner noch Tebrisern je getraut; + Die Anderen sind Mark, Tebriser ist nur Haut. + Wer in der Freundschaft nicht beständig wird geschaut, + Hat, wenn nicht von Tebris, sich dorten angebaut. + +Hierauf entgegnete ein Dichter von Tebris: + + Tebris ist Paradies, sein Volk ist spiegelrein. + Du sagst, dass sie aufrichtig nicht in Freundschaft sei'n; + Wie konntest And'res dir von ihnen bilden ein, + Der Spiegel wirft zurück von dir den Widerschein. + +Vorzüglich hat sich in der Landschaft Aserbeidschan von jeher +wissenschaftliches Streben kund gegeben, und schon Abu Tahir sagte: +Aserbeidschan ist im Osten, was Andalus im Westen, durch philologischen und +medicinischen Ruhm. Von den grossen Männern und Dichtern, deren Ruhm die +Stadt verherrlicht, sowie von den grossen Gebäuden derselben, wird unter +der Regierung Ghasan's, dessen Grabdom noch heute die schönste Ruine der +Stadt, zu sprechen der Ort sein[327]. + +[Randnote: Marsch Hulagu's bis Roha.] + +Von Tebris, seinem neuen Thronsitze, brach Hulagu Freitags den zwölften +September gegen Syrien auf. [RN: 22. Ramasan 657/12. September 1259] Vor +seinem Aufbruche sandte er Botschaft an seinen Vasallen Bedreddin Lulu, den +Herrn von Mossul, ihn seines hohen Alters willen der persönlichen +Erscheinung im Felde enthebend, aber dafür die Gegenwart seines Sohnes +Ssalih fordernd. Dieser erschien und Hulagu belohnte ihn dafür mit der Hand +einer Tochter des letzten grossen Sultans von Chuareſm, _Dſchelaleddin_. +Seinen Feldherren _Baidſchu_ und _Schiktur_ übertrug er den Befehl des +rechten, anderen Emiren den des linken Flügels, er selbst führte das +Mitteltreffen an. Wir folgen nun seinem Zuge nach den Stationen, deren die +persischen Geschichten erwähnen, wie wir demselben von Karakorum an bis an +den Oxus nach den chinesischen Berichten gefolgt sind. Auf der Westseite +des Ararat, zwischen demselben und Erſerum, südlich von _Hasan Kalaa_, +erhebt sich das Gebirge _Alatagh_, d. i. der bunte Berg, in welchem +herrliche Alpenweiden, Jagden und die Hauptquelle des Euphrat's, nämlich +die des _Muradſsuji_, welcher hier aus mehreren Bächen zusammenströmt[328]. +Hulagu fand so grosses Wohlgefallen an den Weiden von _Alatagh_, dass er +denselben einen mongolischen Ehrennamen beigelegt[329]. Von hier wandte er +sich südwärts nach _Achlath_, der auf dem nördlichen Ufer des Sees von Wan, +gegenüber des Schneegebirgs _Siban_, gelegenen Stadt, die eine uralte, +schon zu Nuſchirwan's Zeit der Sitz seines Oheims Dschamasb, von den +Byzantinern Chliat genannt[330], berühmt durch die Grösse seiner Aepfel, +deren einer bis hundert Drachmen wiegt. Ihren Flor verheerte zuerst der +Einfall Chuareſmschah's und zwanzig Jahre hernach ein Erdbeben. [RN: +626/1228] Seid Husein von Achlath, in allen esoterischen Wissenschaften +tief gelehrt, hatte noch vor dem Einfalle der Mongolen in Persien das +Unheil Tſchengiſchan's vorausgesagt und war mit zwölftausend Familien nach +Kairo ausgewandert, wo noch seine Grabstätte und noch das Stadtviertel der +Achlather das Andenken an diese Ansiedelung bewährt[331]. Die Kurden des +Stammes _Hakkjari_, welche um Achlath wohnen, wurden vom Heere wie scheues +Vieh verfolgt und getödtet[332]. Als das Lager zu Diarbekr, beschloss +Hulagu vor Allem die gänzliche Eroberung Mesopotamiens, um auf dem Marsche +gegen Syrien den Rücken frei zu behalten. Der Herr von Miafarakain[333], +Melik Kjamil, hatte nicht nur der Einladung zur Unterwürfigkeit keine Folge +geleistet, sondern auch einen syrischen Priester, welcher während der +Belagerung Bagdad's mit einem Jerligh des grossen Kaan's an ihn abgesendet +worden, gekreuziget[334]. Der Prinz Jaschmut[335] und Suntai Nujan wurden +die Stadt zu belagern befehligt; den Sohn Bedreddin Lulu's sandte Hulagu +gegen Amid, das heute unter dem Namen Diarbekr bekannter; er selbst wandte +sich nach _Roha_, das alte Edeſſa, das sich freundlich ergab; _Harran_ und +_Niſsibin_ wurden mit Gewalt genommen und verheert; die Einwohner von +_Serudsch_, die keinen Boten der Unterwürfigkeit gesandt, niedergemacht. Zu +Roha schlug er sein Winterquartier auf und beschied dahin seine Vasallen, +Hethum, den König Kleinarmeniens, und die Seldschuken Rum's; auch an +Nassir, den Sultan von Haleb, sandte er von hier wiederholte Botschaft, ihn +persönlich in's Lager zu laden; Nassir schickte seiner statt seinen Sohn +Melikelasis mit reichen Geschenken. Hulagu behielt ihn den ganzen Winter +hindurch bei sich und sandte ihn erst im nächsten Frühjahre nach Ostern an +den Vater mit der lakonischen Botschaft zurück: »Nicht dich haben wir +begehrt, sondern deinen Vater; er komme also, sonst kommen wir zu ihm«. +König Hethum erschien an der Spitze einer grossen Anzahl gewaffneten +Gefolges; ein nicht zu verachtender Bundesgenosse, denn er war zwölftausend +Reiter und vierzigtausend Fussgänger in's Feld zu stellen im Stande[336]. +Hethum setzte dem Eroberer die Annehmlichkeit Haleb's auseinander und bewog +ihn zu dem Entschlusse (oder bestärkte ihn darin), vor allen anderen +Städten nach Haleb seine Waffen zu wenden. Den armenischen König scheint zu +diesem Rathe hauptsächlich das Interesse der Kreuzfahrer und zunächst das +seines Schwiegersohnes, des Herrschers von Antiochien, des nächsten +Nachbars Haleb's, bewogen zu haben. Unter die Seldschuken Iseddin und +Rokneddin wurden die Länder Rum's so vertheilt, dass dieser Herr der Länder +zwischen Cäsarea und Grossarmenien, jener Herr Kleinasiens bis an's +mittelländische Meer. [RN: 20. Juli 1259] Von hier aus wurde ein +Botschafter mit dem berühmten, von Nassireddin mit allem Schmucke +morgenländischer Rhetorik geschwellten Schreiben an Nassir gesandt, welches +Wassaf sammt der Antwort gibt, wie folgt: + +»Gott, der Ernährer der Himmel und Erden«, so kündet der siegreiche König: +»Wir haben gelagert vor Bagdad im sechshundert fünf und fünfzigsten Jahre, +wir haben den Beherrscher gefangen gemacht und ihn ausgefragt, und da er +bestand mit nichten, war es nöthig, ihn zu vernichten. Er geizte mit seinem +Gold, und so kam die Sache dahin, wie sie es gesollt; er opferte kostbare +Seelen den irdischen Lüsten auf, und das war klar aus dem ganzen Verlauf. +Sie hatten den Lohn ihrer Thaten und der Sagende sagt: Sobald ein Ding +vollkommen, hat es auch schon abgenommen, aber uns kann noch der Wachsthum +frommen. Hernach sollen wissen die Fürsten, die siegreichen, _Seifeddin_ +(das Schwert des Glaubens), _Ihn Jaghmur_ und _Alaeddin El-Koscheimri_ und +die übrigen Emire Syriens und Truppen: Ich bin ein Kämpe Gottes, den er +erschaffen in seinem Grimme, um ihn loszulassen wider die, denen er zürnet. +Nehmet euch ein Beispiel an dem, was geschehen, um euch an den Erschlagenen +zu ersehen. Werdet durch fremden Schaden klug und ergebt euch Uns, ehe der +Vorhang aufgezogen wird, und ehe wider euch ergehet der Zug. Wir erbarmen +uns nicht des Weinens und haben kein Mitleiden mit der Klage; Gott hat aus +Unserem Herzen gerissen die Barmherzigkeit. Wehe! und abermals Wehe! denen, +die nicht streiten auf Unseren Seiten. Wir haben die Länder verheert mit +Macht und die Kinder zu Waisen gemacht. Wir haben über die Erde Verderben +gebracht; an euch ist die Flucht vor Uns, der euch sucht; wo ist die Erde, +die euch nährte? und das Land, das euch Zufluchtsort gewährte? Ihr werdet +Unseren Schwertern nicht enteilen, und habet keine Rettung vor Unseren +Pfeilen; Unsere Pferde sind vorauseilende, Unsere Schwerter +leiberzertheilende und Unsere Pfeile sicherbetheilende; Unsere harten +Herzen halten wie Berge Bestand, und die Zahl Unserer Heere ist unzählbar +wie der Sand. Wer sich Uns ergibt, der findet Heil, und wer wider Uns +kämpft, dem wird Reue zu Theil. Unser Reich wird von keinem Andern begehrt +und das Land Unserer Nachbarn wird nicht verheert. Wenn ihr Unsere +Bedingungen annehmet und zu Unserm Gehorsame euch bequemet, so ist Unsere +Sache die eurige, und die eurige die Unsere; wenn ihr aber widerstrebt, und +euch wider Uns erhebt, wenn ihr verharrt als Rebellen, so schmähet hernach +nur eure Seelen, denn es wird euch am Ende: _was erwerben eure Hände_. Wer +voraus droht, ist entschuldigt durch die Noth, und wer da warnt, Niemanden +unbillig umgarnt. Die Schlösser vor Uns werden umgekehrt, und Unsere Heere +werden vom Kampfe nicht abgewehrt. Euere Bitten werden von Uns weder +erhört noch angehört, denn ihr habt die Ungerechtigkeit gefressen und den +Glauben vergessen; ihr habt die Neuerung eingesetzt und das Gemeinwohl +verletzt; ihr überliesset euch den Lastern und der Passion und es waltet in +euch der Neid und die Rebellion. Nehmet daher in Betrachtung die Kunde der +Erniedrigung und Verachtung. _Heut empfangt ihr den Lohn euerer Verachtung, +weil ihr hochmüthig gewesen auf Erden ohne Wahrheit[337], für euere Laster. +Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden +umgewälzt werden._[338] Bei euch ist es ausgemacht, dass wir die +Ungläubigen, und bei Uns ist es ausgemacht, dass ihr die Lasterhaften. Uns +hat auf euch losgelassen Er, in dessen Hand die Geschäfte, die geleiteten, +und die Gebote, die von ewig her bereiteten. Von Uns wird verachtet, wer +euch dünket ein König, und was euch Viel ist, das däucht Uns Wenig. Wehe +und Furcht dem, der sich vor Uns gross macht, und Sicherheit und Verzeihung +dem, der erzittert Unserer Macht. Wir haben die Erde in Besitz genommen im +Osten und Westen und die Güter der Reichsten und Besten; wir haben sie +zerstaubt und alle Schiffe geraubt. Unterscheidet mit eurer Vernunft das +Wahre und Klare, und ihr sollt eilen, uns Antwort zu ertheilen, eh' dass +die, so ihr unglaubig nennet, euch verbrennet, ehe ihr sehet die Funken, +ehe ihr unter der Last des Kriegs seid versunken, ehe grosses Unglück bei +der Hand, und Niemand lösche den Brand; _weisst du, was das sei, flammender +Brand?_ ehe dass Ehre und Würde von euch schwindet, und ihr weder +Zufluchtsort noch Schutz findet, und ehe dass der Ausrufer des Verderbens +auch mit den Worten des Korans ruft: _Ist einer von ihnen zu finden, ist +von ihnen zu hören der geringste Laut._[339] Wir sind billig gewesen, indem +Wir euch senden dieses Schreiben zum Lesen. Antwortet darauf, ehe die +Strafe nimmt ihren Lauf, und ihr unverständig seid. Stellt auf Sternwarten +euere Beobachtungen an, eh' der Treiber wie Holz zerbricht eueren Plan; und +wenn ihr leset dieses Schreiben genau, leset zugleich den Anfang der Sura: +_Nachl_[340], und das Ende der Sura: _Ssad_[341]. Wir haben Perlen des +Worts ausgestreut, und die Antwort wird zeigen, wie ihr seid. Heil werde zu +Theil dem, der verdient Heil.« + + +Antwort. + +»_Bei Gott ist die Vorsehung. Sag: Gott ist der Besitzer des Reichs, es +wird gegeben das Reich, wem er will_; es hat uns seine Vorsehung geleitet, +Lob sei Gott, dem Herrn der Welten, und Gebet und Lob über den Herrn der +Gottgesandten, den Schlussring der Propheten, Mohammed den Propheten, den +Ungebildeten[342], und seine ganze Familie. Antwort auf das Schreiben, +welches kündend gekommen von der Majestät des Ilchan's und der Schwelle des +Sultan's (Gott wolle dieselbe mit Rechtlichkeit bedräuen und derselben die +Annahme des Rechten und Wahren verleihen!). Hochdieselben sind, wie sie +sagen, erschaffen aus Gottes Grimme, überwältigend Alle, über welche ergeht +seines Zornes Stimme, ohne sich der Klagenden zu erbarmen, oder für die +Weinenden ein Mitleid zu erwarmen, weil Hochdenselben Gott aus dem Herzen +gerissen das Erbarmen. Dieses sind schändliche Eigenschaften der Satane und +nicht der Sultane. Diese Zeugenschaft genügt als Prediger wider euch und +von eurem selbst beschriebenen Reich abhaltend die Vernünftigen von euch. +So sagt der Koran: »_O ihr Ungläubigen, ich bete nicht an, was ihr betet +an!_« Ihr habt euch selbst geflucht durch den Brief, den ihr geschrieben, +und habet euch selbst mit allen Schändlichkeiten beschrieben, und alle +Propheten haben Euer erwähnt. Wir haben von euch Kunde seit der Zeit, wo +ihr erschaffen worden seid; und ihr, die ihr Ungläubige seid, wie ihr +dessen selbst im Wahne seid, hat Gott in seinem Buch nicht den Drängern +gegeben den Fluch? Ihr sagt: wir (die Moslimen) hätten Neuerungen gemacht +und das Gemeinwesen heruntergebracht, den Glauben gebrochen und alle Laster +verbrochen; das ist kein Wunder. Hat nicht Pharao sich die Rolle des +Ermahnenden angeeignet und zugleich das Gesetz geläugnet? -- Wir halten +fest auf der Grundfeste, Uns nicht bekümmernd um die Zweige und Aeste; Wir +sind die Rechtgläubigen fürwahr! Wir nehmen das Schädliche nicht an und +legen den Zweifel in Bann. Zu Uns stieg nieder der Koran, und der ewige +Gott sieht Uns erbarmend an; Wir haben die Sendung des göttlichen Worts +vergewisst und wissen, wie dasselbe auszulegen ist. Es ward für euch das +höllische Feuer erschaffen, um eure Hartherzigkeit zu strafen. + + Wann sich spaltet der Himmel, + Wann die Sterne sich zerstreuen, + Wann sich mischet der Meere Getümmel, + Wann die Gräber ihre Todten ausspeien; + Dann weiss die Seele, was war und kommen wird.[343] + +Wunderbar, wunderbar! mit Schlägen zu dräuen den Leuen, reissenden Thieren +mit Streichen von Rappieren und Recken mit Stöcken. Unsere Pferde sind +blitzende, Unsere Bogen ägyptische, Unsere Schwerter jemenische, Unsere +Schultern festsitzende; Wir sind bekannt zum Bessten in Osten und Westen; +Unsere Pferde sind Löwen, wenn Wir sie besteigen, und Unsere Reiter +erreichen den Feind, sobald sie sich zeigen; Unsere Schwerter schneiden, +wann sie treffen, und Unsere Lanzen zermalmen, wann sie sich senken im +Treffen; Unser Kürass ist Unsere Haut, Unser Panzer ist Unsere Brust; +Unsere Herzen werden durch keinen Unfall erbittert und Unsere Versammlung +keiner Drohung erzittert durch die Kraft des Allgeehrten und +Alllobenswerthen! Durch Drohungen werden wir nicht erschreckt, durch +Anrücken des Heeres nicht geschwächt; wenn wir als Empörer auftreten, so +ist es des Gehorsames Pflicht, und wenn wir tödten, so ist diess ein +Kapital von Gewicht. Zwischen Unserer Erdenrunde und dem Tode ist nur Eine +Stunde[344]. Ihr sagt: »Unsere Herzen halten wie die Berge Stand, und +Unsere Zahl ist unzählbar, wie Sand«. Den Fleischer die Menge der Schafe +nicht erschreckt, und vieles Holz wird durch einen kleinen Funken in Brand +gesteckt. Werden Wir denn vor dem Tode fliehen und die Schmach vorziehen? +Ist es nicht gefehlt, was ihr befehlt? Wir fliehen vor der Schmach und +laufen lieber dem Tode nach; der Tod in dieser Welt ist, was Uns am meisten +gefällt; wenn wir leben, sind wir selig, und wenn wir sterben, als Martyrer +glückselig: _Wird nicht Gottes Verein der überwältigende sein?_[345] Nach +dem Fürsten der Rechtgläubigen, nach dem Nachfolger des Propheten Gottes, +des Herrn der Welten, fordert ihr von Uns Gehorsam. Wir horchen euch nicht +und gehorchen euch nicht. Die Sehnsucht, ihm (dem Propheten) nachzufolgen, +genügt, um von Uns abzuwehren die Begierden, die schädlichen, und die +Phantasien, die leeren. -- Ihr begehrt von Uns, dass Wir Uns euch ergeben, +ehe sich die Decke wird heben, und ehe Wir Uns in die Gefahr begeben. Das +sind Worte, ungereimt, aus deren Reihung Zweifel keimt. Wenn die Decke +aufgezogen würde und niedersänke des Looses Bürde, so würde sich's zeigen, +was grössere Sünde sei, ob der Unglaube nach dem Glauben, ob der Bruch nach +der Bewährung, ob die Lüge nach der Erklärung, oder Gehorsam geschworen den +Idolen und die Vermessenheit, sich einen zweiten Gott zu holen: _Ihr habt +eine unaussprechliche Sache vorgezogen; wenig fehlte, dass die Himmel +klafften und die Erden sich spalteten und einstürzte der Berge Bogen._[346] +Sagt eurem Schreiber, der diese und diese Worte angefasst und dieses +Schreiben verfasst: Wie kurzsichtig ist deine Kürze, wie öde die +Uebertreibung deiner Rede; dein Schreiben wirkt auf Uns, wie des Thürangels +Hummen und der Fliegen Summen; du hast des Islams Gnade zu leicht genommen, +und es wird Gottes Pein über dich kommen; du erachtetest zu erweitern durch +das Schreiben die Pein und betrachtetest den Briefwechsel und die +lügnerischen Drohungen als Spielerei'n. Dein Zweck war, in Vorschein zu +bringen deine Beredtsamkeit und zu zeigen deine Wohlredenheit. Du bist der, +von dem der Sprechende spricht: _Du hast Etwas im Gedächtnisse behalten, +aber es fliehen dich der Dinge Gestalten._ Du hast geschrieben den Text: +_Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden +umgewälzt werden._[347] Auf dieses Wort kommt die Antwort sofort: _Gottes +Geschäft ist gekommen, beschleunigt es nicht_, der König _Nassir_ und +_Jaghmur_ und _Alaeddin Koscheimri_ und die übrigen Emire Syriens achten +nicht das Feuerschlagen zwischen Kiesel und Stahl, sie erwarten das Wiehern +der Rosse und das Zusammentreffen im Stosse; sie geloben, sich im heiligen +Kampf zu erproben, euch den Höllen und dem Abgrund zuzugesellen, euch die +Haare, welche über die Ohren niederstürzen, mit dem Stahle des Schwertes zu +kürzen; sie sagen euch Alle: Seid ihr zum Kampf bereit, so sei das eure +Beredtsamkeit; was braucht es, Verse zu citiren und Histörchen zu +componiren und Lügen einzustudiren. Wir sind nun im letzten _Ssafer_ und +Unsere Verheissung kommt (als eine wahre) vom Morgen her. Gott beflügelt +für den, wen er will, den Sieg. Wir haben diess nicht bloss prosaisch +geschrieben und sind dabei im Orte der Schmach sitzen geblieben; Wir +sagten, was zur Hand, und entschuldigen den, der zu schwach zum Widerstand. +Heil!« + +[Randnote: Marsch bis Haleb.] + +Nachdem Hulagu den Sommer in Mesopotamien verweilt, trat er erst im Herbste +des Jahres zwölfhundert neun und fünfzig seinen Marsch nach Syrien an. Auf +vier Punkten wurden Brücken über den Euphrat geschlagen; diese vier Orte +sind noch heute die betretensten gewöhnlichen Uebergangspunkte, nämlich zu +_Malatia_, _Kalaatol Rum_, _Bire_ und _Kirkesia_, alle vier als Uebergänge +des Euphrats schon aus der römischen und byzantinischen Kriegsgeschichte +bekannt. _Malatia_, das alte Melitene, _Kalaatol Rum_, d. i. das +Römerschloss, an der Stelle des alten Zeugma, d. i. der Brückenverband, +_Bire_, das alte Birtha, und _Kirkesia_, ganz unverändert das alte +_Kirkesion_. Das erste Blutbad hatte zu _Menbedsch_, dem alten Hierapolis, +statt, dessen heutiger Name aus dem alten _Bambyce_ verstümmelt; die beiden +alten Namen enthalten schon statistische und historische Kunde der Stadt, +die berühmt durch ihre Baumwollpflanzungen und ihre Tempel, besonders den +der Astarte, der grossen syrischen Göttin, vor welchem sich vereinzelte +Thürme erhoben, Thürme, die heute _Minarete_, d. i. Leuchtthürme, genannt, +ursprünglich Phallische Sinnbilder der Zeugung. Von hier aus wurden die +Castelle am Euphrat, deren Einwohner alle unter dem Schwerte fielen, mit +Besatzungen versehen, nämlich: die Schlösser _Nedschm_, _Rakka_ und +_Dschaaber_. _Nedschm_ heisst das Sternschloss; _Rakka_ hat in der +römischen und griechischen Kriegsgeschichte als Kalinike oder Nicephorium +schönen Sieg verkündenden Namen, _Dschaaber_ aber in der osmanischen die +grösste Wichtigkeit, weil hier dreissig Jahre vor dem Uebergange Hulagu's +über den Euphrat Suleiman, der Grossvater Osman's, des Gründers des +osmanischen Reichs, als er von Chorasan, vor dem Heere Tschengischan's +auswandernd, flüchtete, hier bei'm Uebergange über den Euphrat vom steilen +Ufer in den Fluss stürzte und ertrank, wo seine Grabstätte noch heute unter +dem Namen des Türkengrabs geehrt wird[348]. Noch im October[349] streiften +ungeheuere Schaaren bis in die Nachbarschaft von Haleb, wo ihnen Moaasem, +der Sohn Nassir's, der Urenkel[350] des grossen Ssalaheddin, entgegen kam, +aber von ihnen geschlagen in die Stadt floh. Abtheilungen des Heeres +rückten vor _Maarretnaaman_, _Hama_ und _Himss_, welche sich ergaben; die +Sultane der beiden letzten Städte waren nach Aegypten entflohen, so auch +_Melik Nassir_, der Sultan von Haleb, welcher sich in das innerste Syrien, +nach Schaubek und Kerek, gerettet. Damaskus ergab sich gutwillig, aber +Haleb wurde von Hulagu belagert. Er selbst lagerte vor dem westlichen +Thore, das nach Antiochien führt, Oroktu Nujan vor dem Thore der Juden, +Keitbuka Nujan vor dem Thore der Griechen und Sundsche Nujan vor dem +südlichen Thore von Damaskus. Vor dem Judenthore, das auch Thor der Freude +heisst, ist ein grosser[351] alter Stein, bei welchem Juden und Christen +schwören; ausser demselben wallfahrtet der Moslim zu Haleb noch zu zwei +Stätten Chiser's, des Hüters des Lebensquells, dessen Legende in Syrien mit +der des heil. Georg zusammengewachsen, und zu zwei Stätten Abraham's, +dessen Heerden hier gemelket worden sein sollen[352], eine Legende +entstanden aus der Verstümmelung des alten Namens _Chalybon_ in _Haleb_, +was auf arabisch Milch heisst. Haleb ist durch seine Früchte, sowie durch +seinen Handel von jeher berühmt gewesen, durch seine Gurken, Wassermelonen, +Feigen, Aprikosen, vorzüglich aber durch seine Pistazien, welche der Araber +die _Tochter des Gedächtnisses_[353] nennt, weil sie gegessen das +Gedächtniss stärken sollen; als Niederlage indischer Waaren wird Haleb auch +das kleine Indien genannt. + +[Randnote: Eroberung von Haleb und Harim.] + +Der Befehlshaber des Schlosses war Moaasem Turanschah, der Sohn Nassir's, +an welchen die Aufforderung der Mongolen erging: Wir wollen euch Nichts +Uebles, lautete die Botschaft, wir suchen nur den König Nassir auf, um uns +zu schlagen; nehmt also zwei mongolische Vögte an, deren einer in der +Stadt, der andere im Schlosse residire, so lange noch das Kriegsglück +unentschieden; wenn wir das moslimische Heer geschlagen, seid ihr uns +ohnedies als Sklaven verfallen; schmiegt euch daher lieber früher als +später in's Joch; sollten wir besiegt werden, so steht es euch immer frei, +unsere Vögte hinaus zu werfen, oder wenn ihr lieber wollt, sie zu tödten. +Moaasem's Antwort war eines Ejubiden würdig: er habe für die Mongolen +Nichts, als sein blankes Schwert. Auf diese Antwort umzingelten die +Mongolen die Stadt, besetzten die Brücken, bei deren Vertheidigung +Esededdin, der Sohn Soheir's, des Sohnes Nassireddin's, fiel. Das Schwert +wüthete durch fünf Tage, von Sonntag bis Freitag, bis Hulagu's Befehl dem +Morden Einhalt that; nur sechs Gebäude waren durch besondere +Sicherheitsbriefe von der allgemeinen Plünderung ausgenommen[354], nämlich +vier Häuser von Prälaten, das Kloster der Ssofi und die Synagoge der Juden, +aber weder die griechische noch die syrische Kirche. Während Abulfaradsch, +der Syrer, welcher die Geschichte dieses Feldzugs als Augenzeuge +beschrieben, als Abgesandter der Christen an Hulagu im Sternschloss +aufgehalten ward, drangen die Tataren in die Stadt ein und metzelten die +Christen nieder, die sich in die griechische Kirche geflüchtet, bis auf +wenige, welche der armenische Priester Toros rettete[355]. Das Blutbad war +gross und grösser, als zu Bagdad[356]; die Zahl der in den verschonten +Gebäuden Geretteten belief sich auf fünfzigtausend[357]; das Schloss ward +mit Wurfmaschinen beschossen. Die Emire Kurchan, Adschu Sukurdschi und +Ssadik Gurdschi wurden verwundet. Hulagu beschenkte sie und sagte: Wie die +rothe Farbe die Schminke der Weiber, so ist die Schminke der Männer das +Blut[358]. In dem Schlosse wurden Mehrere, als des Einverständnisses mit +den Mongolen verdächtig, getödtet; über zwei Monate[359] hatte die +Belagerung gedauert, als der Besatzung freier Abzug gestattet ward. [RN: +11. Rebiulachir 659/6. April 1261] Die Emire der ägyptischen Mamluken, +welche sich unter der Besatzung befanden, wurden der Sorge eines +Kipdschaken empfohlen, welcher vormals bei Nassir, dem Herrn Haleb's, +Schutz gesucht, von demselben gütig aufgenommen, jedoch, weil es ihm in +Syrien nicht gefiel, wieder zu den Mongolen übergegangen war. Ausrufer +verkündeten, dass es den Moslimen erlaubt sei, in ihre Wohnungen +zurückzukehren, und dass ihnen Niemand Etwas in den Weg legen solle. Hulagu +ernannte zum Vogte Fachreddin, den Mundschenken, und Tokal Bachschi, liess +den ersten in der Folge, als sich die Einwohner über seine Erpressungen +beklagten, hinrichten, und gab die Stelle dem Seineddin Hafis[360]. Nun kam +Melikol-Eschref Musa, der Herr von Himss, welchem Nassir, wie vordem gesagt +worden, die väterliche Stadt weggenommen und ihm dafür Telbaschir gegeben +hatte, und der mit Nassir und dessen Bruder bei Annäherung der Mongolen aus +Haleb nach Aegypten geflohen, um sich dem Eroberer huldigend zu Füssen zu +werfen. Hulagu empfing ihn gnädig und setzte ihn in das ihm entrissene +Fürstenthum von Himss wieder ein; auch erschien Mohijeddin, der Sohn +Seki's, der Richter von Damaskus, um ihm die Huldigung der Stadt +darzubringen; Hulagu empfing ihn ehrenvoll und sandte ihn nach Damaskus mit +goldenen Ehrenkleidern für die Gesetzgelehrten zurück. Er theilte dieselben +dort in öffentlicher Versammlung aus und las das Jerligh vor, welches ihm +die Stelle als Richter von Damaskus verlieh[361]. Nachdem Haleb's +Einrichtung getroffen war, wandte sich Hulagu gegen Harun, welches unter +dem Namen _Harim_ aus der Geschichte der Kreuzzüge bisher besser als seine +Lage bekannt, durch mehrere Schlachten berühmt; von den Christen +eingenommen, von Nureddin belagert und erstürmt, fiel es wieder in der +Kreuzfahrer Hände, denen es Ssalaheddin entriss[362]. Es liegt zwischen +Haleb und Antiochien, zwei Tagreisen von jenem und eine von diesem +entfernt, und ist besonders seiner herrlichen Granatäpfel willen berühmt, +welche die saftigsten Syriens[363]. Die Besatzung erklärte, sie wolle sich +an Niemanden als an Fachreddin, den Naib (Stellvertreter des Richters) von +Haleb, ergeben, welcher, herbeigerufen, ihre Uebergabe im Namen Hulagu's +empfing; diesen aber wurmte der ihm hierdurch zugefügte Schimpf so sehr, +dass er trotz des zugesicherten Lebens alle Einwohner mit Weib und Kind +erwürgen liess. Den Sultan von Himss, Melikol Eschref, sandte er nach Hama, +dessen Emire, nachdem ihr Sultan Melik Manssur sich nach Damaskus +geflüchtet hatte, dem Hulagu die Schlüssel der Stadt überbracht und um +einen mongolischen Vogt gebeten. Er sandte ihnen den Wesir Chosrewschah, +der seinen Stamm vom Schwerte des Islams von Chalid, dem Sohne Welid's, dem +berühmten Feldherrn der beiden ersten Chalifen, dem Eroberer Syriens, +herleitete[364]. Melik Eschref erhielt von Hulagu den Auftrag, die Mauern +Hama's und die seiner eigenen Stadt Himss zu zerstören. Melikol Eschref +verfuhr schonungslos zu Hama, wo er die Mauern des Schlosses schleifte, das +Arsenal verbrannte, die schöne Bibliothek versteigerte und auch die Mauern +der Stadt gebrochen haben würde, wenn nicht ein Franke dem mongolischen +Zerstörer, dem Perser Chosrewschah, vorgestellt, dass die Nachbarschaft der +Christen zu _Hossnol Ekrad_ es nicht rathsam mache, die Stadt ihres Walles +zu entmanteln. Nicht so genau vollzog Melikol Eschref die Befehle Hulagu's +in seiner eigenen Stadt Himss, wo er nur Weniges zum Scheine abbrach, sein +übriges Erbe verschonend[365]. + +[Randnote: Miafarakain.] + +Ehe wir die Erzählung des syrischen Feldzugs weiter verfolgen, wenden wir +uns nach Mesopotamien zurück, wo Hulagu auf seinem Durchzuge seinen Sohn +Jaschmut mit einer Heeresabtheilung belagernd vor der Stadt Miafarakain +gelassen, welche nordöstlich von Diarbekr gelegen. _Miafarakain_, das +südlich demselben gelegene _Hossnkeif_ und das noch südlichere, am Berge +_Dschudi_ oder _Masius_ gelegene _Mardin_, das alte _Merde_, drei der +festesten Horte des arabischen Irak und Gränzfestungen des byzantinischen +und persischen Reichs, wollen ihrer Wichtigkeit wegen vom Leser dieser +Geschichte näher gekannt sein. Das erste, auf armenisch _Nefrgerd_, auf +griechisch die _Stadt der Martyrer_ geheissen, ist vielleicht das alte +_Carcatiocerta_, welche die Hauptstadt _Sophiene's_, wie Miafarakain die +Hauptstadt des Landes Bekr's war[366]; sie liegt am dritten Gränzflusse des +byzantinischen und persischen Reichs, am Nymphius, der heute der Goldfluss +heisst[367] und nördlich der Stadt aus einer Quelle entspringt, welche die +Quelle _Bekr's_ heisst[368]. Die orientalischen Geographen nennen nur ein +einziges Denkmal der Stadt, aber dieses einzige macht viele andere zum +Ruhme der Stadt überflüssig und leuchtet hell hervor aus dem Dunkel +unbekannter Martyrer, von denen die Stadt den armenischen und griechischen +Namen hat; es ist das Grabmal _Seifeddewlet's_, d. i. des Reichsschwerts, +des grossen Fürsten der Beni Hamdan, dessen zahlreiche glückliche und +unglückliche Kämpfe gegen das byzantinische Reich, dessen Kriegsthaten in +Asien von Haleb bis an die Ufer des Bosporos die Geschichte erzählt und +Motenebbi in unsterblichem Gedichte verherrlicht hat. Hier ist das +eigentliche Land Bekr's, von welchem die spätere Hauptstadt desselben, Amid +oder Diarbekr, den heutigen Namen trägt. Ursprünglich der Sitz des Stammes +_Bekr Ben Wail_, dann der Könige von _Kinde_, aus welchen _Amrolkai's_, +einer der sieben grössten Dichter vor Mohammed, um des von den Beni Esed +erschlagenen Vaters Tod zu rächen, Bundesgenosse des griechischen Kaisers, +zuletzt von seinen Feinden im Bade mittels vergifteten Kleides getödtet. +Nach der Eroberung unter dem Chalifate Omar's herrschten hier die Dynastien +der _Beni Merwan_ und _Beni Ortok_, und als Hulagu's Heer vor Miafarakain +belagernd erschien, war dasselbe seit siebzig Jahren in den Händen eines +Zweiges der Beni Ejub, deren vierter Herrscher, Melikol Kjamil, durch die +Hinrichtung des Gesandten und durch die Verweigerung der Unterwerfung unter +die Macht des Kaan's und Ilchan's gesichert. Als Prinz Jaschmut mit den +beiden ihm untergebenen Feldherren, _Ilkai Nujan_ und _Suntai_, zur +Uebergabe aufforderte, antwortete er: der Prinz möge nicht kaltes Eisen +schmieden und Unmögliches nicht erwarten. Ist er nicht der Sohn des Vaters, +der dem Chorschah (dem Fürsten der Assassinen), dem Chalifen von Bagdad, +dem Hosameddin Aka (dem Befehlshaber von Deriteng) und dessen Sohne +Tadscheddin (dem Befehlshaber von Irbil) das gegebene Wort gebrochen[369] +und sie trotz des gewährten sicheren Geleites getödtet hat? Da mich +gleiches Loos erwarten würde, wie sie, will ich mich bis auf den letzten +Odemzug vertheidigen. Er öffnete seine Schätze und Magazine der Besatzung +und sagte ihnen: Theilt euch darein, denn ich bin nicht, Gott sei Dank! der +Chalife Moteaassim, dessen Geiz die Ursache von Bagdads Ruin. Wurfmaschinen +wurden wider Wurfmaschinen aufgepflanzt und zwar mit so grosser Genauigkeit +der Richtung der einen gegen die andere, dass die geschleuderten +Felsenstücke mehrmals in der Luft zusammenstiessen und, durch den +Zusammenstoss zerschmettert, als Kies und Sand herunterregneten. Endlich +gelang es den Belagerten, die Wurfmaschinen der Belagerer mittels +geschleuderten Naphtafeuers zu verbrennen. + +[Randnote: Eroberung von Miafarakain und Hossnkeif.] + +Hulagu, von dem Widerstande Miafarakain's unterrichtet, sandte den Oroktu +mit dem Befehle, dass der Prinz und das Heer so lange weile, bis die Stadt +durch Hunger zur Uebergabe gezwungen seyn würde. Dieser Zeitpunkt trat +ein; einen ganzen Monat lang schon ass die Besatzung nichts als Hunde, +Katzen, Mäuse und Ratten, zuletzt Leichname der Erschlagenen. Da schrieben +die wenigen, noch vom Tode Verschonten an Jaschmut: »Die Lebensmittel sind +ausgegangen und die Stadt ist ihrer Vertheidiger entblösst; wenn jetzt die +Reiter kommen, werden sie keinen Widerstand finden.« Der Prinz sandte den +Oroktu, und dieser fand nur siebzig halb verhungerte, halb durch Wunden +verstümmelte Männer, die sich nicht mehr vertheidigen konnten; nur zwei +Reiter, die während der ganzen Belagerung in wiederholten Ausfällen Wunder +der Tapferkeit gethan, kämpften auch nun mit vorgehaltenen Schilden gegen +der Feinde Uebermacht, bis sie derselben erlagen. Melik Kjamil wurde mit +seinem Bruder an Hulagu gesandt, der damals zu Tellbaschir (das Turbeysel +der Kreuzfahrer in der Nähe von Haleb); Hulagu überhäufte ihn mit Vorwürfen +über seinen Undank und seine Treulosigkeit, dass er den Gesandten des +Kaan's, der ihm Diplom und Löwenkopf gesandt, getödtet. Er befahl, ihm +Riemen Fleisches aus dem Leib zu schneiden und in den Mund zu stecken; der +abgeschnittene Kopf wurde als Trophäe in den syrischen Städten zu Haleb, +Hama und Damaskus unter Musik herumgetragen und in der letzten Stadt an +einem Fenster des Stadtthores, welches das Thor des Paradieses heisst, +aufgehängt[370], erst nach Abzug der Mongolen in dem Grabmale Husein's +beigesetzt. [RN: 7. Dschem. ewwel 658/21. April 1260] Der Scheich +Schihabeddin, als Dichter unter dem Namen _Abu Schama_, d. i. Vater des +Muttermaals, berühmt, beweinte dessen Tod in einer berühmten Kassidet, +woraus die Verse: + + Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren, + Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren; + Hellstrahlend und erhaben in Gefahren, + Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren. + Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren, + Womit auch das _Husein's_ ward gefahren; + Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren; + Im Leben und im Tode gleich Verfahren. + +Gleiches Schicksal mit dem Fürsten von Miafarakain hatte sein Vetter +Mowwahid, der Sohn Turanschah's, des letzten Sultans der Beni Ejub in +Aegypten, der Herr des festen Schlosses von _Hossnkeif_, welches zur selben +Zeit wie Miafarakain fiel und dessen Fürst ebenfalls von den Mongolen +getödtet ward. _Hossnkeif_ oder _Hissnkeifa_, von den Byzantinern das +Schloss des _Kiphas_ genannt[371], liegt auf dem westlichen Ufer des +Tigris, auf dem Wege von Miafarakain nach Mossul[372]. Die Stadt hängt mit +dem auf einem hohen Berge gelegenen Schlosse mittels einer Brücke zusammen; +bevor dasselbe der ejubidische Emir Merd Mahmare befestigte, hiess es bei +den Arabern _Rasol Ghul_, d. i. das Dämonenhaupt, weil es, wie im Sternbild +des Perseus das Haupt der Gorgone, welches der Araber ebenfalls +_Dämonenhaupt_ nennt, fürchterlich und hoch vom Himmel herunterdroht. Nach +der arabischen Legende soll der Name Hossn oder Hissn Keifa ursprünglich +_Hasan Keifa_ gelautet haben, und zwar aus folgendem Anlasse: Ein Wackerer, +Namens Hasan, im Schlosse gefangen gehalten, erbat sich beim Emire eines +Tages die Erlaubniss, eine seiner Stuten auf dem Schlosshofe zu tummeln; +die Erlaubniss wurde gewährt; Hasan tummelte und tummelte das Pferd und +setzte damit zuletzt in toddrohendem Sprunge über die Mauer, mit dem Pferd +hinunterstürzend in den Tigris, den er glücklich durchschwamm. Da erscholl +der Zuruf der Bewunderung solcher Tollkühnheit: _Hasan Keifa!_ d. i. Hasan +Wohlauf! und der Name blieb dem Schloss. Vielleicht ist es dasselbe mit dem +alten persischen _Schlosse der Vergessenheit_, worin Prinzen und andere +Staatsgefangene zu ewiger Vergessenheit eingekerkert worden, und dessen die +byzantinischen Geschichtschreiber mehrmals erwähnen[373]; da aber jenes auf +persisch _Gilgerd_[374] genannt wird, so ist es weit wahrscheinlicher, dass +dasselbe eins mit einem der festesten Schlösser der Assassinen, mit +_Girdkjuh_, dem _Tigado_ Hethum's[375], das länger als alle anderen +aushielt[376]. + +[Randnote: Mardin's Belagerung.] + +Nach Miafarakain's und Hossnkeif's Eroberung befehligte Hulagu seinen Sohn +Jaschmut und die ihm beigegebenen Emire wider Mardin, die Residenz Melik +Said's, des Fürsten der Familie Ortok, von denen die ältere Linie zu Amid +und auch zu Hossnkeif geherrscht, ehe das letzte in den Besitz der Ejubiden +kam. Mardin ist das alte Marde, der Sitz des kriegerischen, störrigen +Stammes der Marden, welche der persische König _Arsaces_ theils hierher, +theils nach dem Libanon verpflanzte, deren Wohnsitze sich später bis nach +Satalia an der cilicischen Küste ausdehnten[377] und deren Nachkommen, im +Peloponnesos angesiedelt, noch heute in dem tapfersten Stamme der Schipetar +oder Albanesen in den Mirdaiten fortleben. Der Berg _Masius_, sogenannt von +seinen Eichenwäldern [auf persisch Masu[378]], ehemals _Izale_, dann von +den Arabern Dschudi genannt, ist eine Raubhöhle der verschiedenartigsten +Stämme und Secten, welche zu verschiedenen Zeiten die Freiheit ihres +verfolgten Cultus in die Eichenwälder und Schluchten dieses Berges +gerettet, an dessen steilstem Ende nach der moslimischen Ueberlieferung die +Arche Noah's sitzen geblieben und von wo aus er mit seinen Söhnen in die +Ebene Mesopotamiens heruntergestiegen sein soll. Sunni und Schii, +katholische und schismatische Armenier, Jacobiten, Nestorianer, Chaldäer +und Juden, Sonne-, Feuer-, Kalbs- und Teufelsverehrer wohnen hier einander +über den Köpfen; denn die Stadt steigt in Terrassen auf und die Häuser +stehen alle eines ober dem anderen, so dass Dächer und Thore in einer +senkrechten Linie sich übereinander erheben; die zahlreichste Bevölkerung +Kurden, Jesidi, welche dem Teufel göttliche Ehre erweisen, wahrscheinlich +Nachkommen der Marden, welche vermuthlich zur altpersischen Secte gehörten, +die das böse Princip anbetete. Wenn irgendwo in Asien noch Spuren der +Ungarn anzutreffen sein sollen, so dürften dieselben ausser Sibirien noch +in den Eichenwäldern des Masius in dem Volksgemische der Umgegend zu suchen +sein, denn hierherum kennt Theophylaktus das Schloss der _Magyaren_ und den +Pass der _Sabiren_, welche die Namen der Ungarn, die bei dem Auszuge aus +dem Lande zwischen der Wolga und dem Dniepr sich südlich nach Persien +wandten[379]. Melik Said, Fürst der Familie Ortok, beantwortete mit +gleichem Muthe und in gleichem Sinne, wie die Herren von Miafarakain und +Hossnkeif, die Aufforderung Jaschmut's: »Ich hatte den Sinn, mich euch zu +unterwerfen, aber die Art, wie ihr die, so sich euch ergaben, behandelt, +hat meinen Sinn geändert; an lobenswerthen, an tapferen Kurden und Türken +fehlt es mir, Gott sei Dank! nicht.« Oroktu pflanzte also die Wurfmaschinen +auf, welche acht Monate fruchtlos die steile Bergfeste beschossen. Die +Mongolen rächten sich für den tapferen Widerstand des Schlosses durch die +Plünderung der Stadt und der nächstgelegenen Städte Ersen und Dinsar. Der +ältere der beiden Söhne Said's, Mosafereddin, hatte zu wiederholtenmalen +dem Vater fruchtlose Vorstellungen wider die längere Vertheidigung gemacht; +endlich räumte er dessen längeren Widerstand durch Gift aus dem Wege und +begab sich in's Lager, sich selbst als Vatermörder aus Menschenliebe +angebend, weil er überzeugt, dass das Schloss doch endlich der Uebermacht +der Eroberer weichen müsse, durch den Tod des Einen das Leben von Tausend +habe bewirken wollen. Der Vatermörder fand Gnade vor Hulagu, der ihm des +Vaters Herrschaft verlieh; seine Nachkommen erhielten dieselbe als zahme +Vasallen der Ilchane. Hundert dreissig Jahre nach dieser Unterwerfung +trotzte Sultan Isa, der letzte des grossen Herrschergeschlechtes der Beni +Ortok, noch den welterobernden Waffen Timur's, der von den fruchtlos +Belagerten die gewöhnliche Neunzahl der Geschenke und das Versprechen +jährlichen Tributs annahm[380]. Die Dynastie der Beni Ortok erlosch fast +gleichzeitig mit der der Beni Ejub zu Hossnkeif, wo nach Mowwahid's +Hinrichtung dessen Nachkommen das Schloss ebenfalls als Vasallen der +Mongolen besassen, bis der achte derselben der aufsteigenden Dynastie der +Bajandere, d. i. des weissen Hammels, erlag, deren Gründer _Kara Juluk_, +d. i. der schwarze Blutegel, von Timur mit der Herrschaft von Amid und +Mardin belehnt ward[381]. Zwei der Zweige der Beni Ejub wurden also als +Vasallen der Mongolen zu _Hossnkeif_ und _Himss_ geduldet, während die +Dynastien der beiden anderen von _Miafarakain_ und _Haleb_ mit ihren +Hauptstädten zu Grunde gingen. Ehe wir das Ende des mächtigsten dieser +Fürsten, nämlich Nassir's von Haleb, als Folge der Niederlage von +_Aindschalut_ erzählen, erwähnen wir noch einmal des Fürsten von Mossul. + +[Randnote: Ssalih's, des Sohnes Bedreddin Lulu's, Empfang und Ende.] + +Bedreddin Lulu, der sechs und neunzigjährige[382] Greis, der vierzigjährige +Herrscher von Mossul, welchen Hulagu in Anbetracht seines hohen Alters der +Pflicht, im letzten Feldzuge persönlich zu erscheinen, enthoben und seiner +statt seinem ältesten Sohn Ssalih der Belagerung Miafarakain's beizuwohnen, +aufgetragen hatte, war während derselben gestorben. Bedreddin Lulu, d. i. +Vollmond-Perle, erst Sklave des sechzehnten Atabegen von Mossul, dann +Obersthofmeister von dessen beiden Söhnen Mesud und Mahmud, eignete sich, +nachdem sie bald auf einander gestorben, den Thron selbst an und mass seine +Macht mit der der Fürsten aus dem Hause Ejub; zuerst mit Ssalih +Nedschmeddin, dem Sohne Kjamil's, dem Herrn von Sindschar, das er zweimal +belagerte; das erstemal war er durch das dem Sultan zu Hilfe eilende Heer +Chuaresmschah's die Belagerung aufzuheben gezwungen; das zweitemal aber +entriss er die Stadt dem Enkel Melikol aadil's, _Dschewad_; hierauf die +festen Städte _Nissibin_ und _Dara_ den Händen der Chuaresmier, den Sohn +Melik Ssalih's, den nachmaligen letzten Herrscher der Beni Ejub in +Aegypten, aus der Gefangenschaft der Chuaresmier befreiend. [RN: 637/1239] +Zehn Jahre hernach wurden ihm diese Städte von dem wider ihn gesandten +Heere Nassir's von Haleb wieder abgenommen[383]. Seiner Unterwürfigkeit und +Huldigung gegen Hulagu ist schon oben Erwähnung geschehen. Nach seinem Tode +wurden seine drei Söhne, Ssalih, Mosaffer Ali und Melik Modschahid, von +Bondokdar, dem Sultane Aegyptens, mit den Fürstenthümern von _Mossul_, +_Sindschar_ und _Dschesiret Ben Omar_ belehnt. Ssalih wurde in's Lager +gefordert und die Tochter Dschelaleddin Chuaresmschah's, welche ihm Hulagu +früher vermählt, wurde zur Huldigung nach Syrien gefordert; dort nahm sich +seiner Rokneddin Beidak an; aber Hulagu sandte den Senedarghun Nujan mit +einem Tomane mongolischen Heeres, um Mossul zu besetzen und die Schätze +auszuliefern. Als Ssalih in seine Stadt zurückeilte, fand er alle Wege von +Mongolen besetzt; er verweilte zu _Dschewsak_, wo ihn die mongolische +Schlachttrompete aus weichlichem Wohlleben aufschreckte; da eilte er nach +Mossul und rüstete die Stadt zur Verteidigung wider die Mongolen, die +Einwohner mit der Hoffnung tröstend, dass sein Beschützer, _Beidak_ der +Syrer[384], bald zum Entsatze erscheinen werde. Von beiden Seiten flogen +Felsenstücke und feuerbeschwingte Pfeile; mehrere wackere Mongolen, welche +bereits die Mauern erstiegen hatten, wurden getödtet und ihre Köpfe in's +mongolische Lager gepfeilt. Melik Ssalih, von einem Pfeile verwundet, eilte +in's Lager zu Hulagu, um ihm von dieser halsstarrigen Empörung Ssalih's +Kunde zu geben. Beidak, von der üblen Lage seines Schützlings unterrichtet, +sandte ihm Truppen zu Hilfe, die von Sindschar aus durch Taubenpost von +ihrer nächsten Ankunft Wort sandten. Die Taube ward von einem Mongolen +geschossen, der Brief dem _Senedarghun Nujan_ gebracht. Er legte sich in +Hinterhalt, schlug die von Beidak zu Hilfe gesandten syrischen Truppen und +steckte die Mongolen in ihre erbeuteten Kleider; unter dieser Verlarvung +erschienen sie vor den Mauern Mossul's, dessen Einwohner, sie für den +syrischen Entsatz haltend, ihnen entgegen gingen, aber alle niedergemacht +wurden; dennoch hielt sich die Stadt noch sechs Monate, bis die Sonne in +ihrer höchsten Hitze, im Löwen, und die Hungersnoth in der Stadt aufs +Höchste gestiegen. Da verliessen die Vertheidiger Mossul's, durch Hunger +gezwungen, die Stadt und wurden vom Schwerte der Mongolen gefressen. Ssalih +unterhandelte nun die Uebergabe um Schonung des Lebens und sicheres Geleite +an Hulagu. Senedarghun[385] verhiess und gewährte beides, aber nur der +Person Ssalih's, denn die Besatzung wurde bis auf Wenige zusammengehauen. +Neun Tage dauerte das Morden, die Stadt ward entvölkert, nur nach Abzug der +Mongolen kamen etwa Tausend, die sich in's Gebirg gerettet hatten, wieder +in die Stadt zurück. [RN: 5. Schaaban 660/27. Januar 1262] Hulagu war über +Ssalih's Empörung so ergrimmt, dass er an demselben ein Beispiel mehr als +gewöhnlicher, ekelhafter, unmenschlicher Grausamkeit aufstellte; er wurde, +das Gesicht auf die Schaam gebunden, in einen Filz gewickelt und in die +Sonne geworfen; so musste er elend verschmachten; sein dreijähriger Sohn +wurde nach Mossul gesendet, am Ufer des Tigris entzweigehauen und die zwei +Hälften auf den beiden Seiten des Flusses aufgehangen, bis sie verfault, +abfielen. Solche echt mongolische Grausamkeit schändet den Ruhm Hulagu's, +welchem sein Volk den Ehrennamen _Ssain Adschu_, d. i. der +Schwierigkeitenlöser, beilegte, welcher mit seinen Söhnen für das +_Hemd_[386] des mongolischen Reichs galt, während alle anderen Prinzen nur +als Oberkleider[387] angesehen wurden. + +[Randnote: Hulagu's Aufbruch von Haleb, Keitbuka zu Damaskus.] + +Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus, mit den Plänen +weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt, zu Haleb, als er die Nachricht +von dem Tode seines Bruders, des grossen Kaan's Mengku, erhielt. Er brach +sogleich auf, wie es scheint in der Absicht, die oberste Herrschaft des +Reichs im Kurultai zu Karakorum für sich selbst anzusprechen, erfuhr aber +schon zu Tebris, dass sein Bruder Kubilai zum _Kaan_ und _Moilchan_ +ausgerufen worden, und kehrte in der Folge wieder nach Haleb zurück. Ehe er +Haleb verlassen, befahl er die Schleifung der Mauern und des Schlosses von +Haleb, was vollzogen ward; den Oberbefehl über das Heer liess er in den +Händen Keitbuka's, des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im +zauberischen Thale von _Ghuta_ gelagert, welches durch die üppige Fülle +seines Grüns und Baumwuchses eines der vier Paradiese des Ostens (die drei +anderen sind die Auen von _Obolla_ an der Mündung des Euphrats, das +Zauberthal _Schaab Bewwan_ in Fars und die Ebene von _Soghd_ im Lande +jenseits des Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die Paradiese des +Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen und eifrige Moslimen +deren acht, indem nach der Lehre des Koran's die Zahl der Höllen sieben, +die der Paradiese aber acht, indem Gottes Grimm minder als seine Huld und +jenseits wie diesseits verdiente Strafe von unverdienter Gnade überwogen +wird. Diese vier anderen Paradiese sind das Thal von _Tebris_[388], das von +_Mamschanrud zu Hamadan_, der Sommeraufenthalt der Bewohner Malatia's zu +_Sebusi_[389], dem vom Flusse des Messias bewässerten Thale, und endlich +das des _Bosporos_, dessen Schönheiten nach dem bekannten Distichon des +türkischen Dichters _Melhemi_ die Schönheiten der vier ersten Paradiese +weichen müssen[390]. Im schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka +Gesandte der Franken, welche ihm den Prinzen _Sahir_, den Bruder Jusuf +Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb, zuführten. Keitbuka bestätigte +ihn im Besitze seines Leibgedinges, nämlich der Herrschaft von +_Ssarchad_[391]; eine Heeresabtheilung wurde unter Kuschluchan's Befehl +gegen Nablus (Neapolis) gesandt, das alte, zwischen den Bergen _Garazin_ +und _Tobal_, welche die Kibla der Samaritaner, gelegene _Sichem_[392], und +die Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen. Die Mongolen kehrten das +grosse syrische Gestade bis hinunter nach Ghasa sengend und brennend aus. +_Panias_[393], die anderthalb Tagreise nordöstlich von Damaskus gelegene +kleine Stadt, wurde verheert. Während dieser Begebenheiten ward Keitbuka +Herr von Nassir's, des flüchtigen Sultan's von Haleb, Person. Nur von +seinem Bruder Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des Herrn von +Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen) Emiren (gebornen +Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach Kathije an Aegyptens Gränze +gekommen, von wo, sich nicht weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und, +alles seines Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nach _Kerek_ und von da +nach _Belka_ begab. Durch zwei kurdische Hellebardiere an Keitbuka +verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen und vor Keitbuka geführt, der +belagernd vor _Adschalun's_ Mauern stand. Keitbuka zwang ihn, den +Belagerten den Befehl der Uebergabe zuzurufen; die Stadt ergab sich und die +Mauern derselben, welche Iseddin, einer der Emire Ssalaheddin's, +erbaut[394], wurden geschleift. Keitbuka sandte den Sultan Nassir mit +seinem Bruder _Sahir_, mit _Ssalih_, dem Sohne des Sultans von Himss, und +mit _Asis_, dem minderjährigen Sohne von Moghis, dem Sultan von Kerek, nach +Tebris in die Gegenwart Hulagu's. Dieser empfing die vier Prinzen des +Hauses Ejub gnädig und versprach dem Sultan von Haleb, ihm sein väterliches +Erbe zurückzustellen, sobald Aegypten im Besitze des mongolischen Heeres. + +[Randnote: Keitbuka's Stellung gegen die Kreuzfahrer in Aegypten.] + +Wiewohl Keitbuka wie Hulagu die Christen als die Feinde seiner Feinde, der +Moslimen, begünstigte, so ergrimmte er doch wider die Franken von Sidon und +Beaufort, welche einige den Mongolen zinsbare, im Gebiete von Beaufort +gelegene saracenische Ortschaften geplündert, mehrere der Bewohner +getödtet, andere in Gefangenschaft geschleppt, einen Neffen Keitbuka's, +welcher an sie gesendet worden, um die gemachte Beute zurückzubegehren, +erschlagen hatten und dem Keitbuka Zurückstellung der Beute und Genugthuung +verweigerten. Keitbuka züchtigte sie dafür durch die Eroberung von Sidon +und die Schleifung eines Theiles der Stadtmauer. Die Einwohner flüchteten +in die nächst der Stadt auf einer Insel gelegene Burg. Durch diese +Feindseligkeit wurde das bisherige Zutrauen der syrischen Christen und +Mongolen für immer zerstört[395]. Die politische Zuneigung Hulagu's für die +Christen ward hauptsächlich durch die Frauen, durch die Frau Tokus, die +erste Gemahlin und grosse Frau Hulagu's, seine Begleiterin auf diesem +Feldzuge, und durch Hethum, den König Kleinarmeniens, bestärkt. Diesem +dankte sein Eidam, der Prinz von Antiochien, einzig seine Rettung, indem +sonst nach Haleb's Ruin der Antiochien's wohl unvermeidlich gewesen wäre. +Hulagu sandte ihm aber Geschenke und Diplom, wodurch der Fürst von +Antiochien wieder in den Besitz aller, zu seinem Fürstenthume gehörigen, +ihm von den Saracenen entrissenen Ortschaften eingesetzt ward[396]. Der +grössere Theil des mongolischen Heeres war theils in Mesopotamien, mit der +Belagerung oder Huth der dortigen Städte beschäftigt, theils in Syrien zu +Grunde gegangen, theils dem Hulagu bei seinem Aufbruche von Haleb gefolgt; +Keitbuka blieb mit nicht mehr als zehntausend Mongolen zur Eroberung +Aegyptens oder doch wenigstens zur Huth Syriens wider Aegypten zurück[397]. +Keitbuka war zu Damaskus auf die Vertheidigung und den Schutz Syriens +bedacht, als er die Nachricht von dem Anmarsche des Sultans von Aegypten, +_Mois Seifeddin Kotos_, erhielt, in dessen Gefolge sich _Melik el Manssur_, +der Sultan von Hama, mit seinem Enkel _Efdhal_, dem Vater Abulfeda's, des +grossen Geographen, Geschichtschreibers, und andere moslimische Fürsten +befanden, welche sich bei der Annäherung der Mongolen nach Aegypten +geflüchtet und bei dem Sultane der Mamluken vom Nile den Schutz gesucht, +den ihnen ihre Uneinigkeit wider die Mongolen nicht gewährte. _Kotos_, der +erst seit einem halben Jahre auf dem Throne sass, war der dritte der +Sultane Mamluken, welche denselben seit dem, der Gefangenschaft des +heiligen Ludwig gleichzeitigen, Ruine des Hauses Ejub gefüllt; denn nachdem +Melikolmoaasem Turanschah in dem Aufruhre der Mamluken zwischen Gluth und +Fluth, halb versengt und halb ertränkt[398], endlich von den Pfeilen der +Rebellen ereilt, geendet hatte, war die Herrschaft Aegyptens erst in den +Händen der Frau _Schedschreteddurr_, d. i. Perlenbaum, der Gemahlin +Ssalih's, des vorletzten Sultans der Beni Ejub, und ihres Gemahls, des +Turkmanen _Iseddin Aibek Dschaschnegir_, d. i. Glaubensehre, Mondfürst, +Truchsess, den sie aber selbst durch ihre Sklavinnen im Bade ersticken +liess, als sie vernommen, dass er die Tochter Bedreddin Lulu's von Mossul +zur Gemahlin nehmen wolle. Seine Mamluken setzten dessen fünfzehnjährigen +Sohn auf den Thron und rächten des Vaters Mord durch den der Frau +Perlenbaum, deren Leichnam aus der rothen Burg[399], in der sie +unumschränkt befahl, hervorgezogen, nackt in den Graben geworfen ward. An +der Spitze der Bluträcher stand der Emir Atabeg, Oberbefehlshaber des +Heeres Seifeddin Kotos, welcher unter dem scheinbaren Grunde, dass der +Mongolen drohende Gefahr statt des unerfahrenen Jünglings einen kräftigen +Mann zum Herrscher Aegyptens dringend fordere, den Sohn Aibek's schon nach +dritthalb Jahren des Thrones, worauf er ihn gesetzt, entsetzte und diesen +selbst als Sultan Aegyptens einnahm. + +[Randnote: Begebenheiten zu Damaskus; Mord der mongolischen Botschafter zu +Kairo.] + +Am dritten Sonntage des Monats Ssafer waren die Abgeordneten Hulagu's, vom +Richter _Muhijeddin Ben Seki_ begleitet, angekommen, welcher sich nach +Haleb begeben hatte und dort von Hulagu zum Oberrichter ganz Syriens +ernannt worden war. [RN: 19. Ssafer 658] Am folgenden Morgen versammelten +sich die Bewohner ohne Furcht in der grossen Moschee; _Ibn Seki_, mit dem +Ehrenkleide Hulagu's angethan, las den versammelten Rechtsgelehrten das +Diplom der Investitur (_Taklid_) des mongolischen Herrschers und die +Fermane, wodurch den Bewohnern von Damaskus Sicherheit ihres Lebens und +Gutes versprochen ward. [RN: 16. Reb. ewwel 658/3. März 1260] In der Hälfte +des folgenden Monates waren die Generale Hulagu's an der Spitze einer +zahlreichen Truppenabtheilung von Tataren im Geleite _Keitbugha Nujan's_ +erschienen und bald darauf wurde durch ein Diplom der Richter _Kemaleddin +Omer_ von Tiflis zum Stellvertreter der richterlichen Gewalt +(_Naibol-hukm_) ernannt, so dass er als Richter der Richter in den Städten +Syriens zu Mossul, Mardin und Miafarakain Recht sprach. Dasselbe Diplom +verlieh ihm die Aufsicht der Moscheen und der frommen Stiftungen. Die +Tataren hatten indessen ganz Syrien überschwemmt; sie waren bis _Ghasa_, +_Beit_, _Dschibrail_, _Hebron_ und _Ssalt_ vorgedrungen, hatten überall +geplündert und Sklaven gemacht und verkauften die Beute auf den Märkten von +Damaskus[400]. Die Christen von Damaskus, welche einen besonderen +Schutzbefehl Hulagu's zu Gunsten freier Religionsübung erhalten hatten, +übernahmen sich in der ihnen zugestandenen Freiheit gegen die Moslimen, +indem sie im Ramasan öffentlich auf den Gassen Wein tranken und denselben +vor den Moscheen ausschütteten; sie zogen mit dem Kreuze durch die Strassen +und zwangen die Kaufleute, demselben aufzustehen, die sich dessen +Weigernden misshandelnd; Prozessionen zogen mit dem Kreuze nach der Kirche +der heiligen Jungfrau, von deren Kanzel der Triumph des Christenthums über +den Islam verkündet ward. Die gekränkten und misshandelten Moslimen +beschwerten sich darüber beim mongolischen Statthalter, von dem sie, statt +Ausrichtung zu erhalten, mit Schlägen abgefertigt wurden; er überhäufte die +christlichen Priester mit Ehren, besuchte ihre Kirchen und begünstigte +offenbar das Christenthum. Eine merkwürdige Epoche für die Geschichte +christlicher Kirchen in Syrien während der mongolischen Herrschaft unter +der Statthalterschaft Keitbugha's; aber diese dauerte nicht lange, denn +_Melik Eschref_, der ejubidische Fürst von Himss, erschien mit einem +Diplome Hulagu's, welches ihn zum Statthalter über ganz Syrien bestellte. +Indessen hatte der Emir _Bedreddin Mohammed Ben Kermdsche_, der +Festungsbefehlshaber der Citadelle von Damaskus, und der Emir +_Dschelaleddin Ben Seirafi_ den Entschluss gefasst, die Thore der Citadelle +zu schliessen und sich darin wider die Mongolen zu vertheidigen. +_Keitbugha_ begann die Belagerung des Schlosses. [RN: 6. Rebiulachir +658/10. März 1260] Dieselbe dauerte fünf und vierzig Tage mitten unter +fürchterlichen Ungewittern, die mit Erdbeben begleitet waren; mehr als +zwanzig Wurfmaschinen schleuderten Felsenstücke wider die Mauern, um sie zu +erschüttern, während eine Menge anderer Häuser durch das Erdbeben +einstürzten, und mit den Blitzen kreuzten sich die Flammengeschosse des +Naphta. [RN: 22. Dschem. ewwel/7. Mai 1260] Nachdem die Belagerten endlich +zu kapituliren begehrt, plünderten die Tataren das Schloss, zündeten +dasselbe an mehreren Ecken an, schleiften mehrere Thürme und zerstörten +alle Kriegsmaschinen; von hier zogen sie nach _Baalbek_, wo die Citadelle +ebenfalls zerstört ward; eine andere Heeresabtheilung verheerte _Bamias_ +und die Umgegend. Hulagu, nachdem er von Haleb abgezogen, liess dort den +Keitbugha und zu Damaskus den _Baidera_ als Statthalter zurück und führte +sieben Emire der Mamluken _Bahri_, d. i. derer vom Nile, mit sich. Bald +darauf erschienen Botschafter Hulagu's mit einem Schreiben[401] an _Kotos_ +voll Drohungen, dessen Inhalt in den folgenden Schlussworten desselben +zusammengedrängt ist: »Sag' dem Lande Aegypten, Hulagu kommt, begleitet von +entblössten Degen und schneidenden Schwertern; er wird die Mächtigen +demüthigen, die Grossen zurechtweisen und die Kinder nachsenden den +Greisen.« Im gehaltenen Kriegsrathe der Emire wurde beschlossen, die +Botschafter Hulagu's, es waren deren vier an der Zahl, zu vernichten; vor +der Hand wurden sie aber nur in den Kerker geworfen[401]. [RN: 15. Schaaban +658/Juli 1260] Hälfte Schaaban's zog Sultan Kotos, von seinen Truppen +begleitet, aus dem Schlosse Kairo's gegen Ssalihije aus. Unmittelbar vor +seinem Auszuge wurden die vier mongolischen Botschafter an vier der +volkreichsten Plätzen der Stadt, nämlich am Fusse des Schlosses, ausser dem +Thore _Soweila_[402], dem Thore _Nassr_ und zu _Ridhania_ entzweigehauen, +ihre Köpfe an dem Thore _Soweila_ aufgehangen; vier bedeutungsvolle +Stätten, mehr als einmal in der späteren mamlukischen und osmanischen +Geschichte und bis in unsere Tage herunter durch die Schlachten von Heeren +und das Schlachten von Menschenopfern blutig befleckt; durch das Thor +_Nassr's_, d. i. des Sieges, zogen die jeweiligen Eroberer Kairo's +triumphirend ein, am Fusse des Bergschlosses rann das Blut der letzten, von +Mohammed Ali veranstalteten Mamlukenvesper; in der Schlacht von _Ridhania_ +zwischen Sultan _Selim_, dem Eroberer Aegyptens, und Sultan Tumanbai, dem +letzten Sultan der Mamluken, wurde das tragische Schicksal des letzten +entschieden, und am Thore _Soweila_, wo jetzt die Köpfe der vier +entzweigehauenen mongolischen Botschafter hingen, baumelte dritthalbhundert +Jahre später der Kopf _Tumanbai's_, des letzten Sultan's der Mamluken +Tscherkessen. Im Gefolge der mongolischen Gesandten befand sich ein Kind, +welches der Sultan begnadigte und unter die Zahl seiner Mamluken aufnahm. +Wassaf erzählt diese Botschaft und das Sendschreiben derselben auf eine im +Wesentlichen zwar übereinstimmende, in den Nebenumständen aber abweichende +Weise. Nach ihm waren nicht vier Botschafter, sondern nur Einer, von +vierzig Dienern begleitet, und die Botschaft lautete: »Gott hat dem Hause +Tschengischan's die Weltherrschaft zuerkannt; der sich Uns unterwirft, hat +sich und seiner Familie Leben und Gut gerettet. Der Ruf Unseres unzählbaren +Heeres geht demselben wie die Heldensage _Rustem's_ und Isfendiar's voraus; +sende unterwürfige Botschaft und komme selbst, um einen Vogt in Aegypten zu +bitten; wenn nicht, so sei gerüstet zum Kriege.« Sultan Kotos berief bei +Ankunft der mongolischen Botschaft seine sechs chuaresmischen Emire[403], +welche nach der Zerstörung der chuaresmischen Länder sich von Achlath nach +Aegypten geflüchtet und hier besonders zur Erhebung Sultans Kotos auf den +Thron beigetragen hatten. »Hulagu«, sagte er ihnen, »wäre schon in Aegypten +eingefallen, wenn ihn nicht die Nachricht von des Bruders Tod aus Syrien +abgerufen hätte; er hat aber den Keitbuka an der Gränze zurückgelassen, der +das Land wie ein grimmiger Löwe und wüthiger Drache zu verheeren droht und +dem Niemand zu widerstehen im Stande; was denket ihr hierüber!« Der sechste +Emir, _Nassireddin Kimeri_[404], von welchem die kimrischen oder +cimerischen Mamluken ihren Namen haben, sprach: »Es wäre keine Schande für +uns, dem Hulagu, als dem Sohne Tului's, dem Enkel Tschengischan's, entgegen +zu gehen; welcher Vernünftige wird sich aber selbst vergiften und +muthwillig dem Tode entgegen gehen? Die Beweise seiner Treulosigkeit liegen +in dem Schicksale der Herren von Alamut, Deriteng, Irbil, Miafarakain und +des Chalifen offen.« Kotos sprach im selben Sinne und endete so: »Mir +bleibt nur eines von dreien zu wählen übrig: Freundschaft, Feindschaft oder +Auswanderung.« Alle stimmten für den Krieg. Kotos berieth sich noch +insbesondere mit _Bondokdar_, dem Emirol umera, dem ersten der ägyptischen +Mamluken, welcher sich schon seit zehn Jahren dadurch, dass er der erste +den Todesstreich wider Melik Moaasem, den letzten Herrscher Aegyptens aus +dem Hause Ejub, führte, Namen und Ansehen erworben und seitdem als Fürst +der Fürsten behauptet hatte. _Bondokdar_, d. i. der Bogenhalter, der +Kipdschake, dessen ursprünglich türkischer Name _Beibars_, d. i. Beg +Panther, und der später als Sultan Aegyptens der Schrecken der Franken in +Syrien wie der Mongolen, rieth zum Morde des Gesandten; noch in derselben +Nacht blutete der Gesandte und seine vierzig Begleiter bis auf einen als +Martyrer mamlukischen diplomatischen Verkehrs; ihre Köpfe wurden am Thore +_Soweila_ aufgesteckt, und am Morgen brach Kotos mit zwölftausend Reitern +gegen Syrien auf. + +[Randnote: Schlacht von Aindschalut. 25. Ramasan 658/3. Sept. 1260] + +Zu _Ssalihije_, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen Heeres, fand _Kotos_ +Widerwillen bei seinen Emiren, wider den Feind zu ziehen; mit den Worten: +»Ich werde allein wider die Tataren ziehen«, schloss er den Kriegsrath, +indem er bei einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche zu rühren +befahl. Der Emir _Beibars Bondokdari_ (der nachmalige Sultan der Mamluken) +erhielt den Befehl, mit einer Truppenabtheilung vorauszueilen, um +Erkundigung vom Feinde einzuziehen. Alsbald er vor den Mauern Ghasa's +erschienen, wurde die Stadt geräumt. _Kotos_ folgte ihm auf dem Fusse nach; +aus _Aka_ kamen ihm die Franken mit Anerbietung von Hilfe und Begleitung +entgegen. Er lehnte den Antrag ab und forderte nur das Versprechen der +strengsten Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen drohte[405]. Zu +_Aindschalut_, d. i. am Quelle Goliath's, zwischen _Beisan_ und _Nablus_, +kam es zur entscheidenden Schlacht. _Keitbugha_ und _Baidera_, die beiden +Feldherren, Statthalter Hulagu's zu Damaskus und Haleb, hatten alle in +Syrien befindlichen tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten Freitag +des Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das ganze weite Thal vom +Pferdegewieher und Waffengetöse; das Geschrei der Dorfbewohner tönte in den +unaufhörlich fortrollenden Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der +Heermusik seiner Emire[406]. Die Aegypter gebrauchten die Kriegslist, sich +dem mongolischen Heere in weissen Burken, d. i. mongolischen Pelzen, zu +nahen, so dass sie von den Mongolen für Schaaren Ihriger gehalten +wurden[407]. Einer der Flügel des ägyptischen Heeres war bereits in +Unordnung und gebrochen; Sultan _Kotos_ warf seinen Helm zur Erde und +schrie aus allen Kräften: »o Islam!« Er stürzte sich mit allen, die um ihn +waren, auf den Feind und kämpfte mit äusserster Unerschrockenheit. Die +Mongolen flüchteten in's Geröhricht des sumpfigen Thales; Kotos befahl, das +Geröhricht anzuzünden, und sie gingen zwischen Feuer und Schwert elend zu +Grunde. Der Emir _Beibars_ that Wunder der Tapferkeit vor den Augen des +Sultans. Als dieser mitten im Gemenge der Schlacht, spannte der mongolische +Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner Jugend beim Gesandtenmorde +das Leben gerettet hatte, seinen Bogen von rückwärts auf den Sultan, um +durch dessen Tod das vergossene Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen +wurde er auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens +gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen; nach Anderen, erst +nachdem er denselben abgeschossen und damit das Pferd des Sultans verwundet +hatte, welches denselben abwarf. Die Mongolen wurden von den Tataren bis in +die Nähe von _Beisan_ verfolgt, wo sie sich umwandten und noch einmal Stand +machten zum hartnäckigsten Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie Sultan +Kotos dreimal mit lauter Stimme: »o Islam! o Gott, schütze deinen Diener +Kotos und verleihe mir Sieg über die Tataren!« Als diese zum zweitenmale +besiegt, stieg der Sultan vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und +verrichtete ein Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi ward +_Keitbugha_ in der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen vor Kotos +geführt. »Sei nicht stolz«, sagte der mongolische Feldherr dem Sultan der +Mamluken, »auf deinen Sieg, dem die Rache auf dem Fusse folgen wird. Von +Aserbeidschan nach Aegypten wird die Erde vom Hufe mongolischer Pferde +gestampft, welche den Sand Aegyptens in Säcken davon tragen werden. Hulagu +hat dreimalhunderttausend tapfere Reiter, von denen ich nur Einer.« -- +»Prahle nicht«, sagte Kotos, »mit eueren Heeren, die nur durch +Treulosigkeit siegen.« -- »Ich bin«, entgegnete Keitbugha, »meinem Herrn +nur treu gewesen, nicht, wie du, ein Verräther am selben; mach' es kurz mit +mir!« Er wurde enthauptet. Das ganze mongolische Heer fiel in die Hände der +Sieger, die nun ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die Vögte wurden +getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft geschleppt, der Kopf +Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf dem Thore _Soweila_ aufgesteckt. +Hulagu ward von der Kunde der verlorenen Schlacht und des getödteten +Feldherrn tief betrübt; es war die erste Niederlage, welche seine Heere +erlitten hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager auf. _Melik +Nassir Jusuf_, der Sohn von _Melik Asis_, der ehemalige Fürst von Damaskus, +war kurz vorher zu Hulagu gekommen, von ihm mit Ehren überhäuft, seiner +innersten Gesellschaft beigezogen und neben ihm auf einen Thron gesetzt +worden; mit einem Diplome zum Fürsten Syriens und Aegyptens eingesetzt, mit +Ehrenkleidern und Geschenken überhäuft, hatte er die Strasse Syriens +eingeschlagen; aber nachdem die Nachricht der Niederlage von _Aindschalut_ +eingetroffen, liess ihn Hulagu einholen und im Gebirge von Selmas +hinrichten; [RN: 12. Schewwal/22. Sept.] dasselbe Schicksal theilte Melik +Sahir Ghasi, Bruder Nassir's, Melik Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und andere +Prinzen des Hauses Ejub; Tokus Chatun, die Gemahlin Hulagu's, hatte für +_Melik Asis_, den Sohn Nassir's, fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus +den bei Hulagu befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie diess +sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht von _Aindschalut_ für die +Christen und das Haus Ejub's hatte, umständlicher erzählt werden soll. Sie +erhielten den verdienten Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten, +ihren Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den hereinbrechenden Feind +des Islams zu verbünden, demselben gehuldigt hatten; eine oft wiederholte +und dennoch nur selten fruchtende blutige Lehre der Geschichte. + +[Randnote: Folgen der Schlacht von Aindschalut für die Christen und das +Haus Ejub's.] + +Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage, sowohl für die +syrischen Christen, als für das Haus Ejub's. Während der Gegenwart der +Mongolen zu Damaskus hatten die Christen die ihnen gewährte grössere +Freiheit ihres Cultus gegen die Moslimen missbraucht; von allen Kirchen +übertönte das Glockengeläute den Ruf der Muesine, und sie trieben den +Uebermuth so weit, dass sie Wein in die grosse Moschee trugen. Schon am +vierten Tage nach der Niederlage der Mongolen überfielen die Moslimen die +grosse, der heiligen Jungfrau geweihte Kirche zu Damaskus und schleiften +dieselbe. [RN: 27. Ramasan/7. September] Dies war die Kirche, welche der +Chalife Omar II. Ben Asis den Christen eingeräumt hatte, um sie für den +Verlust der Kirche des heiligen Joannes zu entschädigen, welche ihnen laut +der unter Omar I. (Ben Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt für +immer hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid, dem Sohne +Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee, das Meisterstück +saracenischer Baukunst, verwandelt worden war. Kotos hatte bei seinem +Auszuge die beiden Fürsten des Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref, +und Said, einen Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne Asis[408], welcher +von Hulagu mit dem Besitze von _Sobeibe_ und _Banias_ belehnt worden war, +zur Hilfe wider die Mongolen auffordern lassen. Der Herr von Himss empfing +den Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm auf, in seinem Namen die +Erde vor den Füssen des Sultans zu küssen, in dem er den Retter des Islams +verehre. Said hingegen entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan +Kotos[409]; er focht in den Reihen der Mongolen. Nach der Niederlage +derselben nahte er sich huldigend dem Pferde des Sultans, um demselben die +Hand zu küssen. Kotos, statt ihm die Hand zum Kusse zu gewähren, stiess ihm +die Ferse in's Maul, dass das Blut herausschoss; er liess ihn dann +enthaupten. Eben so tragisch war das Schicksal Melik Nassir's, des letzten +Sultans von Haleb, der mit seinem Bruder sich in seiner alten Residenz +befand, wo Hulagu die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's[410] erhalten +hatte. [RN: 20. Silkide 658/29. Oct. 1260] Hulagu überhäufte den vorigen +Herrscher Haleb's mit Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren +Unterwürfigkeit Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der Aegypter +gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, in +Syrien zu weilen, kein syrischer Soldat es gewagt haben würde, wider einen +Mongolen das Schwert zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus +beherrscht werden? -- Hulagu, statt hierdurch besänftigt zu werden, nur +noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil nach ihm, der ihn verwundete. Schone +meiner! rief ihm der unglückliche Nassir zu; aber sein Bruder Sahir +ermahnte ihn, nicht auf unwürdige Art zu sterben; und er erlag dem zweiten, +von Hulagu auf ihn geschossenen Pfeile[411]. Die anderen Prinzen und das +Gefolge derselben, in Allem dreihundert Reiter, wurden von dreihundert +mongolischen Reitern getödtet, bis auf Einen, den Astronomen Mohijeddin El +Mahghribi[412], welchem das Ansehen, worin die Astronomie bei den Mongolen +stand, das Leben rettete, und aus dessen Munde der syrische +Geschichtschreiber die Umstände dieses Gemetzels erzählt[413]. Mit Melik +Nassir und seinem Bruder Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte +Melik Ssalih, der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss, welcher die +von seinem Vater dem Gesandten des Sultans gegebene unterwürfige Antwort +jetzt mit dem Leben büsste[414]. Nur das Leben Melikolasis, des unmündigen +Sohnes Melikonnassir Jusuf's, wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf +Ssalaheddin, gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater, hatte nicht nur +über ganz Syrien, sondern auch über einen grossen Theil Mesopotamiens, über +Haran, Roha, Rakka, Reis Ain, später über Damaskus und bis an Aegyptens +Gränze geherrscht, wo er schon zum Sultan ausgerufen, als solcher wieder +den Thron dem Hause Ssalaheddin's erworben hätte, wenn ihn nicht in der +Schlacht zu _Abbasa_[415] der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane +Aibek, und die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen hätten. +[RN: 10. Silkide 649/24. Jan. 1252] Er liebte den Aufwand, besonders den +der Küche, in welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden; +übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter seiner +Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus hatte er die nach ihm +genannte Moschee, zu Ssalihije sein Grabmal erbaut, in welches aber nicht +er, sondern der mongolische Emir Kormun begraben werden sollte[416]; der +Dichtkunst nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte, aus denen +Abulfeda das folgende erhalten: + + Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktest + Und statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest, + So würdest du nur mehren meine Liebe, + Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe. + +[Randnote: Einrichtungen Syriens; Schlacht bei Himss.] + +Sultan Kotos ordnete nach dem Siege von _Aindschalut_ die Verwaltung des +nun von der Herrschaft der Mongolen der der Mamluken anheim gefallenen +Syriens. Dem Ejubiden Melik Manssur wurde das väterliche Erbe von _Hama_ +zurückgestellt, nachdem der mongolische Vogt Chosrewschah daraus abgezogen; +auch erhielt er _Barin_ und _Mearret_, welche Melik Nassir, der Sultan von +Haleb, schon vor fünf und zwanzig Jahren vom Fürstenthume Hama abgerissen; +nur mit _Selimije_ wurde ein arabischer Emir belehnt. Dann zog Kotos, vom +Fürsten Hama's begleitet, nach Damaskus, wo er im Triumphe als der Hort +des Islams empfangen ward. Viele Tataren wurden hingerichtet, darunter +Husein der Kurde, der Beilträger[417] Melik Nassir's; dreissig Christen +wurden gehenkt und der christlichen Bevölkerung von Damaskus eine Steuer +von hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur, der Fürst Hama's, +wurde von hier nach Hause entlassen, und von den Dichtern seiner Stadt als +Sieger über die Tataren und Wiedereroberer Maarra's bewillkommt[418]. Kotos +setzte über die südliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin +von Berlas[419], einer der asisischen Mamluken, welcher in der Schlacht +Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den Mamluken, zu diesem +verrätherisch übergegangen, für ihn die Herrschaft Aegyptens entschieden, +dann aber, wider ihn Ränke schmiedend, wieder nach Syrien entflohen war, +von ihm in _Adschlun_ festgesetzt worden; dann, als Melikonnassir bei +Annäherung der Mongolen gegen Aegypten flüchtete, wieder freigelassen, +folgte er seinem natürlichen Herrn eine Zeit lang, verliess ihn aber zum +zweitenmale und ging zu Kotos über, der ihn nun dafür mit der +Statthalterschaft von Ghasa belehnte; die von Damaskus übertrug er dem Emir +Alemeddin[420] Senschar von Haleb, dem vorigen Atabeg des Sohnes Aibek's, +des ersten Sultans der Mamluken, und die von Haleb, welche der Emirol umera +Bondokdar für sich gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin +Lulu's, dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende bereits oben erzählt +worden. Er selbst brach von Syrien nach Aegypten auf. [RN: 26. Schewwal +658/5. October] Bondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem er die +Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor sich wider den Sultan, +und dieser wurde schon am zwanzigsten Tage nach seinem Aufbruche aus Syrien +zu Kossair, eine Tagreise von Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen +ermordet. [RN: 17. Silkide/25. October] Die Emire Kairo's waren dem als +Sieger über die Tataren im Triumphe zurückkehrenden Sultan zum Bewillkomm +bis nach Ssalihije entgegen gegangen, wo sie den Mord desselben vernahmen; +der Emir Ogotai, welchen Kotos bei seiner Abreise als seinen Stellvertreter +an der Spitze der Verwaltung Aegyptens zurückgelassen, fragte, als es sich +um die Wahl des Sultans handelte, wer den Kotos getödtet, weil es der +Türken Brauch, dass der Tödter die Stelle des Getödteten einnehme. Sie +zeigten auf _Beibars Bondokdar_. So besteige du den Thron, sagte Ogotai, +indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron setzte. Ich setze mich +darauf, antwortete Beibars, im Namen Gottes; leistet den Eid! An dir ist's, +sagte Ogotai, der erste zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen +gütig behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen, ihre Grade +vermehren wirst[421]. Beibars nahm den Titel _Melikol kahir_, d. i. des +rächenden Königs, an, den er aber später mit dem von _Melikol-dahir_, d. i. +des Offenbaren, vertauschte, und zog zu Kairo unter den Triumphfesten ein, +welche für seinen Vorfahrer bereitet worden waren. In Syrien begann +unterdessen Aalemeddin, der Statthalter von Damaskus, die geschleiften +Mauern wieder aufzubauen, und erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan, +die Macht des Sultans des Rächenden, des Offenbaren verhöhnend. Zu Haleb +hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's, durch Kopflosigkeit und die +unbedeutsame Absendung einer zu schwachen Truppenabtheilung, welche zu +_Bire_ am Euphrat von den Mongolen geschlagen wurden, den Hass der +Einwohner auf sich geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen und +gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die Emire unter sich +theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr sandten und seiner statt +Hosameddin, den Mailleschläger, zum Statthalter einsetzten; bald darnach +erschienen die Mongolen vor Haleb, und Hosameddin flüchtete mit den Emiren +nach Hama, die Stadt Haleb der Wuth der Mongolen überlassend. [RN: +Silhidsche 658/Nov. 1260] Von Hama zogen sie mit dem Fürsten Hama's und +seinem Bruder Efdhal gegen Himss, ihre Streitkräfte mit denen des Fürsten +dieser Stadt vereinigend, und lieferten vor Himss den Tataren eine +Schlacht, in welcher diese geschlagen abzogen, auf ihrem Rückzuge von dem +Befehlshaber Apamia's geharket. [RN: 5. Moharrem 659/10. Dec. 1260] Auch +der Statthalter von Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie der von +Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan, und dieser und jener +wollten die Prinzen von Hama und Himss für sich gewinnen; aber diese gaben +ihnen kein Gehör, und nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's, +Senshar und Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar, der Sultan +Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb und Damaskus, zu Hama und +Himss anerkannt. + +[Randnote: Das Chalifat der Beni Abbas zu Kairo.] + +Beibars Bondokdar, der sich den Weg zum Throne durch doppelten Mord +gebahnt, erst durch den Moaasem Turanschah's, des letzten Fürsten der Beni +Ejub, und dann durch den des dritten Sultans der Mamluken, Kotos, war vor +Allem bedacht, seiner Usurpation des Thrones den Mantel der Legitimität +umzuhängen. Zu diesem Ende stellte er zu Kairo einen angeblichen Abkömmling +des Hauses Abbas, _Abulkasim Ahmed_, welcher für einen Sohn Dahir's, des +vorvorletzten Chalifen, ausgegeben ward, als Phantom eines Chalifen auf, +der nur dazu diente, kraft seines angestammten Rechts als Chalife durch +Verleihung von Titeln die Herrschaft desselben als legitim zu +rechtfertigen. Zu Kairo ward feierlicher Einzug desselben veranstaltet, bei +welchem die Ulema von Missr und Kahir den Koran, die Rabbinen die Bibel, +die Christen das Evangelium voraustrugen. [RN: 5. Redscheb 659/9. Juni +1261] Vier Tage hernach ward in feierlicher Versammlung aller Ulema und +Emire das Schauspiel des Beweises der vorgegebenen Abstammung aufgeführt, +der angebliche Sohn Dahir's von Beibars als Chalife ausgerufen, und dieser +hierauf von ihm, dem rechtmässigen Chalifen, als Sultan Aegyptens und +Syriens belehnt. Der Chalife, mit dem schwarzen Mantel des Hauses Abbas +angethan, bekleidete den Sultan mit eigener Hand, indem er ihm den Kaftan +anzog und goldene Kette um den Hals gab. Beibars ritt auf einem Schimmel +durch die Stadt und der Wesir und der Hofmarschall trugen abwechselnd das +Diplom des Chalifen, auf ihren Händen über den Kopf emporgehalten, vor. Am +nächsten Freitage predigte der Chalife in der Moschee, und als dem Sultan +die Predigt zu lange währte, indem er fürchtete, dass der Chalife das Volk +und das Heer sich selbst zuwenden könnte, liess er ihm Gold- und +Silbermünzen über den Kopf schauern, womit die Predigt zu Ende. Nachdem +Beibars durch die Investitur seinen Zweck erreicht, war ihm die Gegenwart +des Chalifen überflüssig und konnte ihm sogar gefährlich werden; er setzte +also das Schauspiel in noch grösserem Maasstabe fort, indem er ihm einen +Hofstaat mit allen Titeln des alten Chalifenhofes beilegte und zweitausend +Reiter mit einer Truppe Beduinen beigab, mit denen er zur Wiedereroberung +Bagdad's, seiner Hauptstadt, ausziehen sollte. Ihn begleiteten die von +Beibars mit den Fürstenthümern von Mossul, Sindschar und Dschesiret +belehnten drei Söhne Bedreddin Lulu's. Am Ufer des Euphrats trat _Elhakim_, +ein anderer Imam aus dem Hause Abbas, als Nebenbuhler um die +Chalifenherrschaft auf. Bondokdar's Schützling zog mit Hilfe der ihm von +diesem beigegebenen Truppen zu _Aana_ und _Hadise_ ein, welche ihm Anfangs +ihre Thore gesperrt hatten; _Hadise_, das sich widersetzte, wurde mit +Gewalt genommen, die Christen und Juden geplündert. Unterdessen zogen die +mongolischen Befehlshaber Karabuga mit fünftausend Reitern gegen Enbar und +Behadir Ali, der mongolische Statthalter von Bagdad, wider den Abenteurer +heran, der als der wahre Chalife seine alte Residenz einzunehmen kam. [RN: +4. Moharrem 660/1. Dec. 1261] Vor Enbar kam es zur Schlacht; der Chalife +ordnete die Turkmanen auf dem rechten Flügel, die Araber auf dem linken, er +selbst in der Mitte. Behadir's Truppen ergriffen Anfangs die Flucht und +stürzten sich die meisten in den Euphrat; als aber eine Truppe Mongolen aus +einem Hinterhalte herbeiflog, wichen die Turkmanen und Araber, und der +Chalife verschwand. Wie der letzte der Chalifen des Hauses Abbas zu Bagdad, +war nun der erste der Schatten-Chalifen aus demselben Hause zu Kairo unter +dem Schwerte der Mongolen gefallen. Der Nebenbuhler um diese +Schattenherrschaft, der Imam Hakim, welcher sein Geschlecht im fünften +Grade von Mosterschid, dem neun und zwanzigsten Chalifen des Hauses Abbas, +ableitete[422], flüchtete nach dieser Schlacht nach Aegypten, wo ihn +Beibars, dem es bequem und angenehm, einen solchen Münzwardein der +Legitimität unter seinen Händen zu haben, die Abstammung desselben aus dem +Blute der Beni Abbas gerne anerkannte, ihn aber, den Geflüchteten, im +Palaste _Menasirolkebesch_, d. i. Belvedere des Widders, als einen +Staatsgefangenen ehrenvoll unterhielt. Sein Geschäft war blos die +Ertheilung der Investitur und der Diplome als Titel der Rechtmässigkeit der +Herrschaft; er empfing von dem damit Belehnten Geschenke, und schattete so +durch vierzig Jahre unter dem Titel von Schatten Gottes auf Erden, +Herrscher durch Gottes Befehl[423], während er als Titular-Chalife nur ein +Schatten des ehemaligen Chalifen unter des Sklaven-Sultans Befehl. Er +selbst, nur ein Titelträger der Herrschaft, stempelte durch die von ihm +ausgehenden Diplome die Herrschaft moslimischer Usurpatoren zur +rechtmässigen; hierdurch gewann _Beibars_ im Angesicht der moslimischen +Welt einen ungeheueren Vortheil über Hulagu, dessen Herrschaftstitel auch +nur das Schwert, wie der des Sultans Aegyptens, weil er, nicht Moslim, nie +vom Chalifen als rechtmässig legitimirt werden konnte. Hakim war der +Stammvater der übrigen ägyptischen Chalifen aus dem Hause Abbas, aus +welchem mit ihm zwanzig durch dritthalbhundert Jahre zu Kairo als +Drahtpuppen der Sultane figurirten, bis nach dem letzten derselben Selim +der Erste, der Erbe Aegyptens, ohne Recht der Geburt, nur als Eroberer +Aegyptens, den Chalifentitel annahm, der seitdem dem Titel der osmanischen +Sultane beigefügt, wie aus dem Gesagten erhellet, nur der eines Schattens +vom Schatten. + +[Randnote: Anlass des Kriegs mit Berke.] + +Hulagu war im Begriffe, ein neues Heer nach Syrien zu senden und dasselbe +dem Besitze des Sultans der Mamluken zu entreissen, als ihn die bis zum +offenen Kriege gereifte Misshelligkeit mit _Berke_, dem Herrscher der +Mongolen in Kipdschak, dorthin sich zu wenden und seine Waffen von den +Ufern des mittelländischen Meeres an die des kaspischen zu übertragen +zwang. Die Ursachen dieses, trotz des nachdruckvollsten Vermächtnisses +Tschengischan's und der Jasa, welche die Einigkeit zwischen den Gliedern +der Familie als die Grundmaxime der Politik des tschengischanischen Hauses +einschärft, aufflammenden Familienkriegs waren mehrere, und das Feuer +glimmte schon seit längerer Zeit unter der Asche; auch hier sind, wie fast +bei allen Kriegen und Feindschaften (von Staaten, wie von Einzelnen), der +wirkliche und scheinbare Grund, die Masse, welche schon längst das Gefäss +füllt, von dem Tropfen, der es erst überfliessen macht, wohl von einander +zu unterscheiden. Die wahre und eigentliche politische Ursache dieses +Krieges war der streitige Besitz der Landschaften _Arran_ und +_Aserbeidschan_, welche, als ausser dem eisernen Thore von Derbend gelegen, +vermöge der Ländertheilung Tschengischan's unter seine vier Söhne nicht zum +Jurte des Uluses Dschudschi's gehörig, von diesem jetzt angesprochen +ward[424]. Nach dieser Ländertheilung erstreckte sich der Jurt +Dschaghatai's von den mittägigen Pässen bis nach Samarkand und Bochara, der +Ogotai's lag im Mittelpunkte des Reichs zu _Imil_ und _Kobak_; Tuli besass +die angränzenden Länder von _Kialik_ und _Chuaresm_ bis an die äusserste +Gränze Kipdschak's und die Länder der _Ssaksinen_; _Dschudschi_ endlich die +nördlichen Jurte innerhalb der kaukasischen Pässe. Hulagu, Herr der +westlichen Hälfte der Jurte, als Ilchan des durch ihn gegründeten +mongolischen Reichs in Persien, konnte unmöglich die Ansprüche des Chanes +der goldenen Horde von Kipdschak auf den Besitz der nördlichsten +Gränzlandschaften seines Reichs gelten lassen. Dieser politische Grund ward +durch persönliche Empfindlichkeiten Hulagu's noch eindringlicher gemacht. +Berke's Einfluss hatte auf dem Kurultai nach Mengku's Tode die Wahl der +Prinzen für Kubilai wider seinen Bruder Hulagu und Arik Bugha, welche +ebenfalls Ansprüche auf die Kaanschaft machten, entschieden. Als der +Aeltere der Familie hatte Berke dem Hulagu zu wiederholtenmalen Lehren und +Ermahnungen zugesandt, als neubekehrter Moslim hatte Berke besonders das +treulose Benehmen Hulagu's gegen moslimische Fürsten, die Verwüstung so +vieler Städte, das Blutbad so vieler Menschen und den Ruin des Chalifats +hart getadelt. Wiewohl er mein Aelterer, sagte Hulagu, so kann ich sein +Hofmeistern doch nicht weiter ertragen; endlich war der Tropfe, welcher das +längst gefüllte Gefäss des Grolles überfliessend machte, der folgende. Auf +dem Zuge nach Syrien war Bulghai, der Enkel Dschudschi's, aus seinem +fünften Sohne Scheiban, gäh nach einem Gastmahle gestorben, und sein Vetter +_Kutar_[425] wurde angeklagt, durch Zauberei den Tod desselben bewirkt zu +haben. Hulagu, der es nicht auf sich nehmen wollte, ihn zu richten, hatte +ihn in Begleitung Sundschak Nujan's nach Kipdschak geschickt, um dort vor +dem Throne Berke's, seinem natürlichen Richter, Rede zu stehen. Berke +sandte denselben wieder zurück und Hulagu liess an ihm das Todesurtheil +vollstrecken; zugleich mit ihm ward auch _Ssadreddin Sawedschi_ als der +Zauberei schuldig angeklagt und hingerichtet; [RN: 17. Ssafer 658/2. Febr. +1260] da auch bald darauf Kuli, der dritte Prinz des Uluses Dschudschi, +welcher diesen Feldzug mitmachte, gestorben, und ihre Angehörigen sich nach +Kipdschak geflüchtet hatten, brach die politische Feindseligkeit und +persönliche Empfindlichkeit in die offenen Flammen des Familienkriegs aus. +Ein Heer von dreissigtausend Kipdschaken, welches _Nokai_, der Vetter des +hingerichteten _Kutar_, befehligte, war von Derbend aufgebrochen und vor +Schamachi, der Hauptstadt Schirwan's, gelagert. + +[Randnote: Verkehr zwischen Kipdschak und Aegypten.] + +Der Umschwung der Verhältnisse zwischen _Berke_ und _Hulagu_ hatte +natürlicherweise die Politik des ersten gegen den Sultan der Mamluken, als +Beherrscher Syriens und Aegyptens, wesentlich umgestimmt und die +feindlichen Gesinnungen wider denselben in freundliche verwandelt. Gewiss +hatte die äussere Politik wenigstens eben so grossen Einfluss als die +innere auf die Bekehrung _Berke's_ vom mongolischen Heidenthume zum Islam. +Im Sommer desselben Jahres, mit dessen Beginn der Feldzug nach Persien +beschlossen ward, begab sich eine Gesandtschaft Berke's auf den Weg nach +Aegypten, um die Mitwirkung des Sultans in Anspruch zu nehmen; Botschafter +waren Emir _Dschelaleddin_, Sohn des Richters, und der Scheich _Nureddin +Ali_, von grossem Gefolge begleitet; [RN: 1. Redscheb 661/11. Mai 1262] sie +waren Ueberbringer eines am ersten Redscheb des laufenden Jahres datirten +Beglaubigungsschreibens, in welchem _Berke_ seine Annahme des Islams +kündete. Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft des byzantinischen +Kaisers _Lascaris_ erschienen; sie wurden gemeinschaftlich mit einem +Gastmahle bewirthet, und jeden Mittwoch und Sonnabend, wo der Sultan sich +in die Maillebahn begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt. +[RN: 28. Schaab. 661/5. Aug. 1262] Am letzten Freitage des Monats Schaaban, +welcher der erste des August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses +Abbas, _Hakimbiemrillah_, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen des Sultans +_Beibars_, Herrschers von Syrien und Aegypten, als auf den _Berke's_, des +Herrschers Kipdschak's[426]. Vier Tage hernach hatte die Ceremonie der +Investitur des Ritterthums für den Chalifen _Hakimbiemrillah_ statt. +_Futuwwet_[427] bedeutet nicht sowohl den Adel, welcher auf arabisch +_Scherf_ heisst, als das Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als den +Inbegriff grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger Gesinnungen und +Handlungen. Das bekannte Wort _La Feta illa Ali_ kann nur mit den Worten: +_Es gibt keinen Helden oder keinen Ritter als Ali_, übersetzt werden, und +nicht als: _Es ist kein Adeliger als Ali_. Das Symbol des Heldenthums oder +vielmehr ritterlicher Gesinnungen bestand aber nicht in Schild und Schwert, +Panzer oder Helm, welche im Abendlande die Insignien des Ritterthums, +sondern in einem Paar von -- Beinkleidern. Tags darauf, nach der Ceremonie +der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden die Botschafter _Berke's_ im +Bergschlosse durch den _Atabeg_ (Obersthofmeister) mit Ehrenkleidern +ausgezeichnet. Das Antwortschreiben war so weitläufig gewortet und +geschrieben, dass es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates aus +den Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben, _Mohijeddin Abdes-sahir_, +las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart der Emire vor, und es ward mit +einem herrlichen Geschenke den zwei ägyptischen Botschaftern, dem Emir +_Fariseddin Akusch Mesudi_ und dem Scherif _Imadeddin Haschimi_, übergeben. +Auch zu Mekka und Medina wurde das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet. +Um den Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer Verhältnisse nicht +durch den Bericht des nordischen Feldzuges, welchem der nächste Abschnitt +gewidmet ist, zu unterbrechen, reihen sich hier noch die folgenden +Begebenheiten ein, welche das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und +Mongolen betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate nach dem Abgange der +Botschaft an Berke verflossen, als eine grosse Anzahl mongolischer +Emire[428] ankamen, um dem Sultane ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er +ritt ihnen zum Empfange entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen sie +vom Pferde und küssten die Erde vor dem Sultane, der im Sattel sitzen +blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft, kehrte er in's Schloss zurück. +_Hosameddin_, der Sohn Berke's, welcher als ein Beweis der Freundschaft +seines Vaters für den Sultan nach Kairo gekommen, starb allda; [RN: 5. +Silhidsche 661/9. Nov. 1262] drei Tage hernach wurden die Botschafter mit +Ehrenkleidern angethan und der Sultan besuchte das Grabmal des Sohnes +Berke's. Bald darauf kam eine zweite Schaar und endlich eine dritte +tatarischer Edelen; der Sultan verlieh den Vornehmsten derselben den Rang +eines Emirs und sie bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam[429]. +Kairo war damals von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl von der +Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen jene öffentlich als Freunde, +die sich meistens zum Islam bekehrten, diese aber nur heimlich als +Kundschafter, die, wenn entdeckt, ergriffen wurden. Unter die Emire der +bekehrten Tataren sowohl, als die Franken, welche sich zum Islam bekehret +hatten, wurden an Einem Tage vom Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig +Pferde vertheilt. Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch gegenseitige +Botschaften erklärt die Verpflanzung mongolischer Hofwürden nach Aegypten, +wo sich dieselben mit ihren ursprünglichen türkischen Namen erhielten, und +erklärt die bei Makrisi erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei +der Betrachtung des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der beiden +Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen Verhältnisse mit +Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer damals nicht gegen alle +Tataren gleiche Gesinnungen hegen und dieselben insgesammt als Feinde des +Sultans von Aegypten und also als natürliche Freunde und Verbündete +betrachten konnten. Dieses waren für die Kreuzfahrer nur die Mongolen +Persiens, während die Mongolen Kipdschak's als die Freunde und Verbündete +von Beibars auch die Feinde der Christen im gelobten Lande. Da der Krieg +zwischen Berke und Hulagu dem Sultan in Aegypten und Syrien so freiere Hand +liess, so konnte derselbe den Kreuzfahrern nur höchst unerwünscht sein. + +[Randnote: Feldzug gegen Kipdschak.] + +Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider Kipdschak auf, setzte +sich mit demselben Hälfte Mai's des Jahres zwölfhundert zwei und sechzig +von _Alatagh_ aus in Bewegung. [RN: 2. Schewwal 660/14. Mai 1262] +Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige Statthalter Persiens, +befehligte den Vortrab. Die Nujanen _Basmaghan_ und _Abatai_ standen +Anfangs Novembers vor Schamachi. [RN: 26. Silkide 660/11. Nov. 1262] +Schiramun war von dem Heere Berke's überfallen und geschlagen worden, aber +vier Tage vor Ende des moslimischen Jahres schlug Abatai bei _Schaburan_ +den _Nokai_ in die Flucht. [RN: 6. Moharrem 661/20. Nov. 1262] Hulagu brach +hierauf von Schamachi gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin, +der Chodscha _Asis_ der Georgier und Chodscha _Medschdeddin_ von Tebris +ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort sammt dem Astronomen Hosameddin +hingerichtet. _Melik Ssadreddin_ von Tebris und _Ali Melik_, die +Befehlshaber von Irak, schlugen sich in theilweisen Gefechten durch; [RN: +21. Moharr. 661/7. Dec. 1262] am siebenten December stand das Heer Hulagu's +vor den Mauern Derbend's. Nach dreitägigem Kampfe wurde die Feste erobert +und acht Tage hernach Nokai geschlagen. Die Nujanen Schiramun und Abatai +wollten den Prinzen Abaka, den ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur +Hilfe gesendet, zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte männlich den +Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters. Hulagu ertheilte sieben +anderen Nujanen[430] den Befehl, sich des Lagers der Kipdschaken zu +bemächtigen. Sie gingen über den Terek und schleppten Zelte und Herden von +allen Seiten zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon in +Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem Heere aus den +Schneegefilden der Steppe auf sie los; [RN: 7. Rebiulewwel 661/16. Jan. +1263] einen ganzen Tag ward an den Ufern des Terek gekämpft; als die +persischen Truppen sich über den Fluss zurückzogen, brach das Eis ein und +eine grosse Anzahl derselben ging zu Grunde; Abaka kam heil nach Schaburan; +Berke hielt sich inner Derbend und Hulagu kam im Frühjahre nach Tebris +zurück[431]. [RN: 11. Dschemasiulachir/9. Mai 1263] Hulagu rächte sich für +die Unfälle des Feldzugs, wie nach dem syrischen, durch den Mord von +Unschuldigen. Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die sich zu Tebris +befanden, hinrichten und ihre Güter einziehen[432]. Berke, um Gleiches mit +Gleichem zu vergelten, liess alle persischen Kaufleute, die in Kipdschak, +morden; und Hulagu vergalt dieses Blutbad mit dem eines Theiles der +Bewohner Bochara's, welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben begann. +Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu Bochara lagen, gehörten +fünf dem Batu, drei der Frau _Sijurkukteni_, der Mutter Hulagu's, die +übrigen acht dem grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's +liess Hulagu ausrücken und niederhauen[433]. Im folgenden Jahre erscholl +abermal das Gerücht, dass ein Heer aus Kipdschak im Anzuge. Hulagu sandte +den Scheich Scherif Tebrisi auf die Strasse von Lesgistan nach Kipdschak, +um Erkundigung einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai gebracht. Was +macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt er noch fort, aus Grimm unsere +Krieger und Edele, unsere Kaufleute und Derwische zu morden? -- Der Scheich +entgegnete: Unser Padischah war vormals erzürnt ob der Misshelligkeit mit +seinen Brüdern (Kubilai und Arigh) und das Feuer seines Grimms verbrannte, +was trocken und feucht; allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron +beendigt ist, übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich Gesandte +mit der Nachricht angekommen, dass _Aiktokt_, welcher dem Bruder Kubilai +den Thron streitig machen wollte, sich unterworfen; dass Alghui, der Enkel +Dschafer's, aus seinem Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent, +gestorben, dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der Herrschaft von den +Ufern des Oxus bis an die äussersten Gränzen Syriens als _Ilchan_ und +_Padischah_ und obendrein dreissigtausend auserlesene mongolische Jünglinge +zur Hilfe gesendet. Diese Nachricht lähmte die Kriegslust Nokai's, und der +Scheich kehrte mit der Nachricht, dass, wiewohl kein Friede, die +Feindseligkeiten aufgehört, zu Hulagu zurück. Das Interesse Hulagu's ist in +die Streitigkeiten der Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so enge +verflochten und er hat an denselben durch seinen Gesandten so einwirkenden +Antheil genommen, dass eine kurze Erzählung jener Begebenheiten als +unmittelbar in dessen Geschichte gehörig hier unabweislich. + +[Randnote: Arikbugha.] + +Nach dem Tode Mengkukaan's, dessen Todeskunde seinen Bruder Hulagu zur +Rückkehr aus Syrien, wie vor vierzig Jahren die Nachricht von dem Tode +Ogotai's dessen Vetter Batu zum Abzuge aus Ungarn veranlasst, hatten die im +Kurultai versammelten Prinzen, welche den Kubilai zum Kaan und Moilchan +ausgerufen, hundert Gesandte an _Arikbugha_, dessen Bruder und Nebenbuhler +um den Thron, abgeordnet, um ihm die Nachricht zu überbringen, dass durch +einstimmigen Beschluss der Prinzen _Kubilai_ den Thron als grosser Chan +bestiegen und _Apuschkan_, der Urenkel Dschagatai's[434], dem Uluse seines +Grossvaters vorgesetzt, mit seinem jüngeren Bruder Kasar dorthin abgesendet +worden sei. Die hundert Gesandten trafen an der Gränze Tangkut's Arikbugha, +der sie einkerkern liess und ein von dem zweitgebornen Sohne Hulagu's, dem +Prinzen _Dschumkur_, und _Karatschar_, dem Sohne Orda's, befehligtes Heer +gegen Kubilai sandte; sie wurden geschlagen und gefangen; Arikbugha liess +die hundert Gesandten hinrichten und zog sich in's Land der Kirgisen +zurück. Er wandte sich an Alghui, den Sohn Paidar's (des vor Olmütz +gefallenen Peta), mit der Bitte, für ihn als Gränzhüter am Oxus die Truppen +Hulagu's und Berke's abzuwehren. Indess sammelte sich für ihn ein Heer zu +Kaschghar, das bald über hundert fünfzigtausend stark, in vollem Aufruhre +wider Kubilai. Dieser sandte wider die Rebellen ein von dem _Jeke Kadak_ +und _Karadschu_, dem Sohne Dschudschi Kasar's (des Bruders +Tschengischan's), befehligtes Heer, das geschlagen und zerstreut ward. Die +Prinzen Anführer flüchteten zu Arikbugha, der flüchtig und halb verhungert +(denn Kubilai hatte ihm die Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten) im Lager +der Kirgisen und Kemdschiuten weilte. Kubilai hatte zu Karakorum die vier +Lager Arikbugha's und das des mit ihm verbündeten Gulgan's (des fünften +Sohnes Tschengischan's) aufgehoben. Arikbugha sandte Botschaft mit dem +Bekenntniss seiner Schuld und Bitte um Verzeihung; er erwarte nur, dass +seine Pferde fett und dass Hulagu, Berke und Alghui kämen, um sich mit +ihnen dem Kaan huldigend zu Füssen zu werfen. Kubilai sandte Antwort: dass, +wenn er, ohne die Ankunft der Prinzen abzuwarten, erscheinen wolle, seine +Ankunft um so willkommener sein würde, und zog sich nach _Karawin +Dschidun_, wo er die zu Karakorum aufgehobenen Lager Arikbugha's und +Gulgan's freigab. Zu dieser Zeit war häufiger Gesandtenwechsel zwischen +_Kubilai_ mit seinem Bruder Hulagu und seinem Vetter _Berke_, dem Herrn des +Uluses _Dschudschi_, und _Alghui_, dem Haupte des Uluses Dschaghatai, die +sich nun dem Kaan näherten. Er gab ihnen kund, dass Alghui das Land vom +Altai bis zum Oxus, Hulagu vom Oxus bis nach Aegypten besetzen möge, +während er selbst die Länder vom Altai bis an's chinesische Meer hüten +wolle. Arikbugha brach, sobald seine Pferde sich wieder erholt hatten, +wieder als Rebelle gegen die Macht Kubilai's auf, überfiel den Prinzen +_Jesunke_, den Neffen Kubilai's, welcher die Vorhut desselben befehligte, +und schlug ihn. Das Heer Arikbugha's und das Kubilai's[435] schlugen sich +zu _Indschije Kutku_ am Hügel _Chodscha Buldak_. Das Heer der Rebellen +wurde geschlagen und viele Uiraten getödtet. _Suntai_, der Sohn des letzten +Kaan Mengku's, berieth sich mit Arikbugha, und sie beschlossen, eine zweite +Schlacht zu liefern, am Rande der Sandwüste, in der _Olt_ genannten Gegend, +zu _Schirghan Taghun_ am Hügel _Schilklik_. Der rechte Flügel Arikbugha's +war geschlagen, aber der linke hielt tapfer bis in die sinkende Nacht aus, +welche die beiden Heere trennte, die sich in die Winterquartiere begaben. +Arikbugha, durch diesen wiederholten Versuch, seine Streitkräfte mit denen +Kubilai's zu messen, ermuthigt, sandte im nächsten Jahre seine Waffen wider +_Alghui_, welchen er als Herrn des Uluses Dschaghatai eingesetzt und von +welchem er zu wiederholtenmalen Hilfe begehrt hatte, ohne dieselbe zu +erhalten[436]. + +[Randnote: Alghui.] + +_Alghui_, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha eingesetzte +Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als er nach Turkistan gekommen, +ein Heer von mehr als hunderttausend Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz +_Nikpei Aghul_ (Sohn Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's), war an der +Spitze von fünf tausend Mann in Transoxana eingefallen, und hatte zu +Samarkand und Bochara, das damals zum Gebiete Kipdschak's gehörte, geraubt +und die Angehörigen Berke's getödtet, unter diesen auch den grossen Scheich +_Seifeddin Bachersi_. Gesandte Arikbugha's, an deren Spitze _Schadi_, der +Sohn _Jaschmut's_ des _Arkaun_, d. i. des nestorianischen Priesters, +forderten vermittels Jerlighs die Zurückstellung der geraubten Güter, +welche Alghui verweigerte, und eben darum die Gesandten tödtete. Hierüber +ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu Karakorum forderte er die +Einwohner zur Hilfeleistung auf; die Imame, die Schreiber der Christen +entschuldigten sich, dass sie die Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg +derselben beten könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er das +treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien Tschengischan's +und Mengku's bestätigte, sie alle zu Tarchanen (Freiherren) ernannte; +Vorfälle in China nöthigten ihn, bald wieder zurückzukehren. Karabuka, der +Befehlshaber des Vortrabs Arikbugha's, war von Alghui zu _Sutgol_, d. i. am +Milchsee[437], geschlagen und getödtet worden. Alghui zog sich sorglos an's +Ufer des _Hile Muran_; von dem Prinzen _Suntai_, welcher das Heer +Arikbugha's befehligte, geschlagen, ging er über die Anhöhen von +_Timurkahalka_ und den _Hile Muran_ nach Almaligh, dem Jurte Alghui's, und +plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau und die Truppen des rechten +Flügels, welche Suntai noch nicht geschlagen, und flüchtete damit nach +Choten und Kaschghar. Arikbugha brachte den Winter am _Hile Muran_ und zu +Almaligh in Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen des Kaan's +aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach Samarkand und Bochara +gezogen, wohin auch Dschumkur, der bisher von Arikbugha bei sich +zurückgehaltene Sohn Hulagu's, kam, indem ihm Arikbugha, um seine +Gesundheit herzustellen, sich jenseits des Oxus zu begeben erlaubt hatte. +[RN: Rebiulewwel 662/Januar 1263] Das Benehmen Arikbugha's, welcher überall +die Leute des Kaan's aufsuchte und tödtete, entwandte ihm die Herzen der +Bewohner und eine Hungersnoth schwächte gewaltig die Zahl seiner Truppen. +Dazu kam die böse Vorbedeutung eines Sturmes, welcher das an tausend +Pflöcken befestigte Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben viele +Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach allen Seiten, nur +einige wenige blieben mit Arikbugha und Suntai zu Almaligh. Unterdessen war +_Uriktasch_, der Sohn Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder _Suntai_, +mit Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am _Altai_[438] und die Truppen +schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha, um ihm das grosse Siegel +seines Vaters Mengku, welches bisher in Arikbugha's Händen, abzufordern, +und dieser lieferte es aus. Alghui, welchem hieraus die Schwäche +Arikbugha's kund geworden, zog nun wider ihn, und begehrte die Herausgabe +der Frau Hirghana, der Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukjan's, +welche vor einiger Zeit, um die Beschwerden Alghui's anzubringen, in's +Lager Arikbugha's gegangen, von demselben zurückbehalten worden war. Er +sandte sie mit ihrem Minister _Mesud_, dem Sohne von Jelwadsch, zurück. +Alghui empfing sie ehrenvoll und bestellte den Mesud zur Verwaltung der +Länder jenseits des Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara residirte. Durch +seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz und die Macht Alghui's, der +sich zu wiederholtenmalen mit dem Heere Berke's schlug, und diesem Otrar +entriss; ihm gegenüber stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's +der Prinz _Kaidu_, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's. Anfangs +von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben verlassen und sich zu Berke +geflüchtet, der ihm sein Vertrauen schenkte, weil die Astrologen das +Horoscop Kaidu's ungemein günstig und glückvorbedeutend gefunden[439]. Bald +hierauf starb Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's ward ihr Sohn +Mubarekschah als Herrscher des Uluses Dschagatai anerkannt. + +[Randnote: Kaidu.] + +Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich reuig an dem Hofe des +Bruders eingestellt, an welchem er nach dem mongolischen Gebrauche als +Schuldiger eingeführt ward. Nach dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht +durch das gewöhnliche Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt, sondern bei +einer heimlichen Pforte hineingestossen, und statt eines Ehrenkleides mit +Filz bekleidet[440]. Das offene Bekenntniss der Schuld ward gnädig +aufgenommen; aber _Dschingkum_, der Gesandte Hulagu's, welcher gegenwärtig, +rieth im Namen seines Herrn, nach der Strenge der Jasa zu verfahren und den +Prinzen sammt seinen Mitschuldigen vor Gericht zu stellen; auch _Dschikar_, +der Bruder Apuschka's, welcher durch die Hand des Prinzen Suntai gefallen, +warf dem Arikbugha hartes Wort, dass er bereit sei, dessen Blut zu +vergiessen, in's Gesicht. Am folgenden Tage gingen die grossen Nujane mit +den Prinzen in's Gericht[441]. Auf die wider sie vorgebrachte Klage +schwiegen sie alle; endlich redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so +von Gesicht als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr Fürsten! Haben +wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha auf den Thron zu setzen, oder +mit ihm zu sterben? Nun ist der Tag gekommen, den zweiten Theil unseres +gegebenen Wortes zu lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des Aufruhrs und +die Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai wollte dennoch nicht zur +Vollstreckung des Urtheils schreiten, ohne zuvor das Gutachten Berke's und +Hulagu's und auch Alghui's, der damals noch am Leben, eingeholt zu haben; +nur die schuldigsten der Emire wurden sogleich hingerichtet: _Bulgha +Nujan_, der erste Hebel des Aufruhrs, _Ildschetai_, welcher Gurundschi, den +Sohn Kadan's, verschwärzt, und _Tokus_, welcher das meiste Blut der Truppen +des Kaan's vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt[442]; nur um +das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu verhängende Loos wurden +_Berke_, _Hulagu_ und _Alghui_ um ihr Gutachten befragt. Alghui erklärte, +dass er sich der Meinung des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei, +anschliesse. Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des +Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim Kurultai zu +erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten starb Arikbugha +natürlichen Todes, und es brach der Krieg zwischen Hulagu und Berke aus. +Kubilai verlieh die Herrschaft des Uluses Dschagatai, welche die Frau +Hirghana ihrem Sohne Mubarekschah zugewandt hatte, dem _Beirak_, dem Sohne +_Jesun Tewa's_, des zweiten Sohnes _Muwatukjan's_, welcher den +_Mubarekschah_ zur Abdankung bewog und sich der Zügel der Herrschaft des +Uluses Dschagatai bemächtigte; aber nachdem Arikbugha und Alghui, die +beiden Thronanmasser aus dem Uluse Tuli's und Dschagatai's, verschwunden, +hatte Kubilai noch einen dritten aus dem Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den +Sohn Kaschin's, zu bekämpfen. Kubilai sandte ihm ein von seinen Söhnen +_Numughan_ und _Kukistu_ befehligtes Heer entgegen, in welchem sich Söhne +Ogotai's[443] und Arikbugha's befanden. Die Prinzen Tokatimur und +_Schiregi_ (der Sohn Ogotai's) verschworen sich mitsammen, ergriffen die +beiden Prinzen, Söhne Kubilai's, und sandten dieselben an Mengku Timur, den +Herrn von Kipdschak, aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus, dass die +Söhne Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache machten, das aber nicht dem +so. Zwar vereinten sich mit Schiregi und Tokatimur auch _Sarban_, der achte +Sohn Dschaghatai's; aber sie wurden vom Heere Kubilai's geschlagen, und +die beiden letzten entflohen nach der Landschaft _Narin_, wo sie am Ufer +des Irtisch weilten; während Tokatimur im Lande der Kirgisen streifte, ward +sein Lager von den Truppen Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte sich an +Schiregi um Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte, lockte er den Sarban +mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er früher den Schiregi damit +verlockt hatte. Die beiden gleich getäuschten Thronbewerber Sarban und +Schiregi bekriegten sich nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf, +bis beide in die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch Sumpfluft +verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl über eine Abtheilung von +Truppen gab. Melik Timur und der Sohn Schiregi's begaben sich zu _Kaidu_, +der, noch nach vierzig Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai, im +Verlaufe dieser Geschichte noch mehr als einmal in die der Ilchane +eingreifend erscheinen wird. + +[Randnote: Vertheilung der Statthalterschaften; Tod Hulagu's.] + +Hulagu beschäftigte sich nach beendigtem Feldzuge wider Kipdschak mit dem +Baue zweier Schlösser, das eine in der Ebene von _Alatak_, das andere zu +_Chui_, und begab sich dann von Tebris an den Goldfluss[444], welchen die +Mongolen _Tschaghatuwunghatu_ nannten, bei Meragha, dort mit der Vollendung +der Sternwarte und mit wissenschaftlichen Versammlungen beschäftigt; nebst +der Astronomie war er vorzüglich der Alchymie ergeben und verschwendete +grosse Summen an Alchemiker, deren Vorspiegelungen so, wie die ihnen +zugewandten grossen Summen, in Rauch aufgingen. Zugleich ordnete er die +Verwaltung des durch seine Eroberungen gegründeten neuen Reichs. Seinem +ältesten Sohne, Abaka, übertrug er die Statthalterschaft von Chorasan; +seinem dritten Sohne, Jaschmut, dem Eroberer Mesopotamiens, die +Statthalterschaft von Arran und Aserbeidschan; dann die von Jaschmut +eroberten Landschaften Mesopotamiens: _Diari Bekr_ und _Rebiaa_, von dem +Ufer des Tigris bis an das des Euphrats, dem Emir _Tudan_, und die der +Länder Rum's dem Emir _Moineddin Perwane_; die Verwaltung von Tebris +vertraute er den Händen Melik Ssadreddin's, die Kerman's der Frau Turkjan +Chatun an. Nach der, während des Feldzugs von Kipdschak vollzogenen, oben +erwähnten Hinrichtung des Staatskanzlers _Seifeddin Bitekdschi_ ward dieses +höchste Staatsamt dem _Schemseddin Mohammed Dschuweini_, als Herrn und +Vorsteher des Diwan's, und der Vorsitz des Diwan's zu Bagdad seinem Bruder +Atamülk, dem Geschichtschreiber, verliehen. Besonderes Vertrauen schenkte +er dem Sohne des vormaligen kleinen Diwitdar von Bagdad, dem Dschelaleddin; +dieser täuschte das Vertrauen Hulagu's nicht minder, als sein Vater das des +letzten Chalifen getäuscht. Er trug ihm vor, dass sich in der Landschaft +Bagdad's mehrere Tausend Kipdschaken befänden, die, wenn Hulagu hierzu den +Befehl ertheilen wolle, er zu sammeln bereit sei, um dieselben zum Vortrab +im nächsten Feldzuge wider Kipdschak zu verwenden. Hulagu, durch seinen +Vorschlag verblendet, gab ihm Diplom und Löwenkopf und unumschränkte +Vollmacht über alle Truppen und Waffen der Landschaft Bagdad's. Er warb die +Kipdschaken und Andere an, wiegelte sie aber gegen Hulagu auf, indem er sie +heimlich versicherte, dass er nicht gesonnen, sie wider ihre Landsleute auf +die Schlachtbank zu führen, sie vielmehr retten wolle. Nachdem er sie aus +den Zeughäusern Bagdad's bewaffnet, führte er sie unter dem gegen den +Statthalter Bagdad's vorgeschützten Vorwande, dass er mit ihnen nach +Derbend und Schirwan ausziehe, in's Gebiet des arabischen Stammes +_Chafadsche_, das er plündernd durchzog und dann mit der ganzen Truppe +längs des Euphrats bis Aana und Hadise vorbeiziehend nach Syrien und +Aegypten aufbrach. Der Aerger, so schändlich vom Günstlinge getäuscht +worden zu sein, nagte als giftiger Wurm in der Brust Hulagu's und +beschleunigte seinen Tod, der ihn nach kurzer Krankheit hingerafft[445]. +[RN: 9. Rebiulachir 668/8. Febr. 1265] Er ward auf dem Gipfel des Berges +_Schahu_[446], gegenüber von _Destchawakan_, bestattet. Nach mongolischem +Gebrauche wurden ihm Gold und Edelsteine in den Sarg gegeben und die +schönsten seiner Beischläferinnen geschlachtet[447], um ihm die Einsamkeit +des Grabes zu versüssen. Aber ausser den geschlachteten Beischläferinnen +folgten ihm bald zwei seiner Frauen natürlichen Todes in's Grab nach, die +Frau Irtekan, die Mutter seines achten Sohnes _Adschai_, schon am neunten +Tage nach dem Tode ihres Gemahls, [RN: 3. Ramasan/17. Febr.] und vier +Monate und eilf Tage später, drei Tage vor der Thronbesteigung Abaka's, die +Frau _Tokus Chatun_, die Christin, die grosse Beschützerin ihrer +Glaubensgenossen. Auf ihren Einfluss gründete sich vermuthlich die Hoffnung +des Papstes, dass Hulagu sich nächstens zum Christenthume bekehren werde, +wovon ihm der Ungar Joannes die Kunde gebracht und worüber sich der Papst +in seinem Schreiben an Hulagu so hoch erfreut[448]. Eine grosse Frau, deren +Wirken stiller und wohlthätiger, als das zweier der berühmtesten Frauen +persischer Geschichte, nämlich der Frau _Turkjan_ und der Atabegin _Abisch_ +aus der Dynastie der Salghuren, welche Persien beherrschten, und deren +Geschichte in die Hulagu's enge verflochten, nun zum Schlusse dieses Buches +besonders erzählt werden soll. + +[Randnote: Fars.] + +Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne, der Kern des +persischen Reichs, in welchem das Haupt desselben die alte Persepolis, die +Geburts- und Grabstätte des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als +Mutterland persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte, von der +ältesten bis zur neuesten, und folglich auch binnen des Jahrhunderts +mongolischer Herrschaft vor allen anderen Landschaften des Reichs von +vorwiegendem Interesse und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i. +_Iran_, das _Ariene_ der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das +zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem _Digloth_ +(Tigris), _Frat_ (Euphrat), _Gihon_ (Dschihun) und _Phischon_ (Sihun), +östlich und westlich eingeschlossene asiatische Hochland. Persien im +engsten Sinne, d. i. _Fars_, ist die von Natur und Kunst vor allen anderen +Landschaften des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich vom +persischen _Irak_, südlich vom persischen Meerbusen, östlich von der +Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande Luristan begränzt, in welcher +das paradiesische Thal _Schaab Bewwan_, von den asiatischen +Geschichtschreibern als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die +Naturfeste _Kalaaisefid_, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem Schahname +als der Sitz des weissen _Diwe's_ bekannt, die Ruinen der vierzig +Säulen[449] oder der vierzig Leuchtthürme[450], die behauene Steinwand des +Ebenbildes Rustem's[451], die der alten Königsgräber, das Grab der Mutter +Salomon's[452], d. i. das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift), +die des Kerkers[453] und der Musikkapelle Dschemschid's[454], Felsengrotten +mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von Schabur, welche den +Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen, Königsgräber, Heldengrotten, +Bergaltäre, Feuertempel und mehrere andere solcher steinerner +Ueberlieferungen der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der Natur +durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land, in welchem die Rosen und +der Wein von Schiras glühen, das reine Wasser von Mossella fliesst, ein +Land, das der Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen +Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten Zeit von +Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten der Dynastie Buje den Namen +hat[455]; das Land, wo der königliche Berg der Gräber von Persepolis und +das vielfarbige Salzgebirge von _Darabdscherd_ sich erheben, wo zu Schiras +die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern von Hafis und +Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst haben in Fars ihre höchsten +Triumphe gefeiert, und ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist +seit dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der Mittelpunkt +derselben geblieben, bis erst in der jüngsten Zeit sich dieselbe in dem +Brennpunkte der nach Norden übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris +gesammelt. In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte +morgenländische Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter der Herrschaft +der Beni _Saman_ und _Chorasan_ auf und erhielt sich dort noch mit der +Herrschaft der _Seldschuken_ in bedeutendem Flore; denn _Fars_ wetteiferte +hierin mit Chorasan schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug +unter der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben erst nach +dem Untergange dieser Dynastie, unter der Herrschaft der Ilchane vom +nördlichen Persien, wo die Residenz _Tebris_ aufblühte, streitig gemacht, +in der Folge aber unter der Herrschaft der Dynastien der _Beni Mosaffer_ +und _Sseffi_ wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet ward, +wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder den nördlichen Hauptstädten und +Residenzen Teheran und Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon +aus dem Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte der +Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft der Ilchane Fars +beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit, indem dieselbe auch die +Kulturgeschichte Persiens während der Eroberung und der dreizehnjährigen +Herrschaft Hulagu's einschliesst. + +[Randnote: Die Beni Amare, Beni Buje und Beni Seldschuken.] + +In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen Orientalisten und +Geschichtschreibern nicht einmal dem Namen nach bekannt gewordene Dynastie +der Beni _Dschelendi_, welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den +Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak hin herrschten, +einen bedeutungsvollen Beinamen, indem dieselben auch Beni _Amare_ oder +_Imare_, d. i. die Söhne der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort +_Amr_ oder _Omr_ bezeichnet _Leben_ und _Kultur_, indem die Kultur belebt +und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt mit _Omer_, +d. i. _Homeros_, dem Inbegriffe ältester griechischer geistiger, vom Orient +aus belebter Kultur[456]. _Aammar_ heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche +Liebende, sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer Bildung, +wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt die europäische +Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien der Beni _Ammer_, die, +welche zur Zeit der Kreuzfahrer in Tripolis herrschte, wo die herrliche, +angeblich drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den +Kreuzfahrern verbrannt ward[457]; die zweite, welche im ersten Viertel des +vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen Küste gegründet, +unter sieben Fürsten durch sieben und siebzig Jahre gedauert[458], welche +ebenfalls Freunde der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die +hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird, die der Beni _Amare_ +in Fars, welche, auf ihre Bergfesten stolz, nicht nur den arabischen +Eroberungen, sondern auch noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der +Beni _Ssaffer_ trotzten, indem _Omer Ben Leis_, der Fürst der letzten, zwei +Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi, den Fürsten der Beni +Amare, bekriegte, ohne denselben besiegen zu können. Nach den historischen +Ueberlieferungen der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare +als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des Moses geherrscht und +das Schiff weggenommen haben, dessen im Koran bei der Erzählung der +Wanderung des Moses mit Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des +arabischen und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung +geschieht[459]. Nach der Herrschaft der Beni Omeije erhob sich unter der +der Beni Abbas in Fars die der Beni Buje, deren grösste Fürsten besonders +die neue Hauptstadt Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben +und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der Beni Buje bis zu dem +Beginne der Herrschaft der Salghuren verflossen, ward Fars durch sieben +Statthalter Atabege der Seldschuken verwaltet. Der erste, _Faslui +Schebankjare_, von dem ein Dichter gesagt: + + Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück, + Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt _Faslu_ zurück. + +Der zweite, _Rokneddin Chumar Tekin_, ertrank; der dritte, _Dschelaleddin +Dschanli_, zerstörte Schebankjare; der vierte, _Rokneddin Dschanli_, +welcher eine Medrese zu Schiras gebaut, ward zu Hamadan erschlagen; der +fünfte, _Mengubers_, baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt, +desgleichen seine Gemahlin _Sahide_, d. i. die Einsiedlerin, die nach ihr +_Issmeti_, d. i. die keusche, genannte Medrese; der sechste, _Besabe_, +ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsamer Weise getödtet, +und der siebente, _Melekschah_, hielt, der letzte, das Ansehen der +Seldschuken aufrecht. [RN: i. J. 543/1048] Wider diesen stand in der Hälfte +des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des eilften der christlichen +Zeitrechnung, _Sonkar Ben Mewdud_, der Salghure, vormaliger Sklave +Melekschahs, in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die Krone an. Er +war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen Sohnes Sultan +Mohammed's, des Seldschuken, gewesen und war von ihm zum Statthalter von +Fars bestellt worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch +seines Bruders Tekele List eingesperrt ward[460]. Er hatte sich am Fusse +des Berges _Giluje_ angesiedelt, von wo aus er seine neue Herrschaft +begründete; er schlug sich zu wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem +Herrn von Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft +durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras Kloster, Moschee, +Karawanserai und eine hohe Minaret, er selbst ein hoher Leuchtthurm der +Herrschaft, welcher durch Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer +seinen zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet[461]. + +[Randnote: Die fünf ersten Atabegen Salghuren.] + +Der Atabeg _Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed_, der Bruder des Gründers, vom +Sultan der Seldschuken, Toghrul, als Atabege bestätigt, behauptete, wie +sein Bruder, die Herrschaft durch vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von +seinem Schwager Saik, welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut, mit den +Waffen in der Hand streitig gemacht ward. Er baute für den grossen Scheich +Abdollah Chafif eine kleine Zelle, welche in der Folge bis zu drei Domen +vergrössert, erst von Schah Ismail, dem Gründer der Dynastie Ssofi, +zerstöret ward. [RN: 570/1174] Ihm folgte als dritter Atabeg sein Sohn +Tekele, ein gerechter Fürst, dessen weiser Grosswesir, Emineddin Karasun, +zu Schiras Moschee und Kloster erbaute; im fünften Jahre seiner Regierung +verheerte der Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis, das +Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren kaum hinreichend, +die dem Lande durch die Verheerung geschlagenen Wunden durch gerechte +Verwaltung zu heilen; [RN: 590/1194] kaum vernarbt, wurden dieselben +während der siebenjährigen seines Vetters und Nachfolgers _Toghrul Ben +Sonkor_[462] wieder durch den Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der +fünfte Atabeg, _Ebu Schudschaa_, d. i. der Vater der Tapferen, _Saad Ben +Sengi_, den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen und durch Landplagen +so schmerzlicher gemacht. Auf unerhörte Trockenheit folgte schreckliche +Hungersnoth, in welcher die Leichname der Hungers Gestorbenen von den +Ueberlebenden verzehrt wurden, und auf die schrecklichste Hungersnoth noch +schrecklichere Pest. [RN: 600/1203] Usbeg, der Sohn Pehliwan's, der Atabege +von Aserbeidschan, verheerte Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der +Sultan Mohammed Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit dreimalhunderttausend +Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des Gebirgslandes des persischen Irak +bemächtigt hatte, schlug sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm +gefangen. Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die +Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm die Herrschaft von +Fars unter der Bedingniss bestätigte, dass dessen Tochter _Melike Chatun_ +dem Sohne Chuaresmschah's, dem grossen und unglücklichen _Dschelaleddin +Mankburni_ (dem letzten der Chuaresmschahe), vermählt werde; dass das +Drittel der Einkünfte von Fars in den Schatz Chuaresmschah's fliesse und +das feste Schloss Istachr chuaresmische Besatzung einnähme. Saad's Sohn +Ebubekr missbilligte den vom Vater geschlossenen Rettungsvertrag, stand +wider denselben mit den Waffen in der Hand auf, schlug ihn einigemal und +sperrte ihn im Schlosse von Istachr, welches sammt den von _Ischnekwan_ von +Chuaresmschah hätte besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten +des Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach dem Vater mit +Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom Pferde und sperrte ihn in einem +der drei Schlösser von Istachr ein, erfüllte den mit Chuaresmschah +geschlossenen Vertrag durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden +zum Baue einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf dem Wege von Tebris, +welches _Schehrallah_, d. i. die Stadt Gottes, heisst, und zu Erneuerung +der Mauern von Schiras[463]. Saad's Wesir war _Amideddin Abu Nassir Esaad +Abrisi_, welcher einen Band arabischer und persischer Geschichte +hinterliess und mit welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters in poetischen +Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben ist die berühmte, seitdem +auf allen Zungen gang und gäbe Antithese Chuaresmschah's: + + In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs, + Verderblich dem Feinde, gesegnet dem Freunde[464]. + +Der Wesir _Amideddin_ stand in gelehrtem Briefwechsel mit dem Meister aller +Humanitätswissenschaften, _Omer Er-Rasi_, über die Schwierigkeiten des +mystischen Epos _Selaman_ und _Absal_, welches unter der Hülle einer +Männerliebe die Allegorie des Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe. +Die Volkssage hat die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes +altpersischen Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen von Schiras[465] +aufgeheftet, sowie denen von Tak Bostan bei Kermanschahan die Sage von +Chosrew und Schirin. Saad hatte den Wesir Amideddin sammt seinem Sohne +Tadscheddin zu Ischnekwan, einem der Schlösser Istachr's[466], eingesperrt; +er kürzte sich die lange Weile seiner Gefangenschaft durch Gedichte, die er +an die Wand schrieb, und deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn: + + Wer bringt meinen Geist zu _Batha's_ freien Tauben? + Die sich der reinen Fluth erfreu'n und grüner Lauben. + +[Randnote: Ebubekr Ben Saad und sein Bruder Salghurschah.] + +Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu Istachr unmittelbar vor +des Vaters Tod an dessen Sterbebett berufen, und bestieg nach dessen acht +und zwanzigjähriger Regierung den Thron. [RN: 623/1226] Sein Vater, Saad, +hatte Kerman erobert und die Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn +Ebubekr war ein weit grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr oder Gönner +von Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden die Inseln des persischen +Meerbusens _Kisch_ und _Bahrein_ und das arabische Gebiet von _Katif_ und +_Lahsa_ erobert. Seine dreissigjährige Regierung ist der Glanzpunkt der +Salghurenherrschaft. Ueberall erhoben sich in Fars Karawanseraien unter dem +Namen Mosaffer Ebubekr's, als zu _Ebrkuh_, _Beidha_, _Karun_, im Passe +_Adhadi_ und an der Küste von _Dschaaber_, die schönste Juwele aber der +Strahlenkrone seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines Gülistan, in +welchem der Dichter gleich Eingangs mit einer von dem emphatischen +Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr vortheilhaft auszeichnenden +Bescheidenheit den Beifall seiner Zeitgenossen einzig dem des Atabegen +zuschreibt und auf ihn und sich den bekannten schönen Apolog des durch die +Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet: + + Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist; + Mein Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist; + Wenn Alles auch an mir nur Fehl' und Mangel ist, + Fehlen, das der Sultan billigt, Tugendangel ist. + +Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist durch Saadi, nicht +aber dieser durch jenen berühmt. Nach dem Verderben Chuaresmschah's +huldigte Ebubekr Ben Saad staatsklug den Herrschern der Mongolen und ward +als Atabeg in der Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich nur +dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe, welche damals der +kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit dieser Summe sandte er alljährlich +den Sohn Saad mit einem seiner Neffen an den Chan; die mongolischen Vögte +behandelte er freigebig, stellte aber zugleich Späher auf, um alle +Verbindung des Volkes mit denselben zu hindern, damit jene nicht die +Wahrheit seiner glänzenden Umstände erführen; er genoss des Lebens im +Stillen im Garten Firusi, von wo er jeden Morgen nach dem Lager sich begab +und nach aufgehobener Mittagstafel wieder in den Garten zurückkehrte. Ein +grosser Beschützer der Dichter und Gelehrten, besonders aber der Frommen +und Derwische, die er mehr als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es +scheint, dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei dessen +Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem Titel _Kotloghschah_ +erhalten; er hatte denselben seinem Sohne Saad und seinem Bruder +Salghurschah entgegengesandt. Der Bruder, beigenannt _Karandank Chan_, war +ein humaner, verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen +Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten paradiesischen Gärten, +welche _Ssubuhabad_, d. i. Morgentrunksbau, hiessen, ungestört nachhing; +seiner unablässigen Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als +Kalligraphe einige Verse des Korans und sandte die Abschrift an die Kaaba, +Verfasser anmuthiger vierzeiliger anacreontischer Strophen. Jedem Gedanken +auf Herrschaft fern, lebte er einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr, +durch eine lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft +unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von Trinkern, wie +Wassaf sagt: + + »Morgentrunk und dann des Weines Gluglu, + Rose, Rosenstrauch und Nachtigall dazu, + Traute Sänger, die gebunden und betrunken, + Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken. + +Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen, die Schöne +zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die Halbtrommel eine Zeit lang von +den Ohrfeigen nicht ertönend, und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick +aufgähnend, die Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche das +Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen, von den Aesten sang ein +Ghasel die Nachtigall und ein Wunder ist's, dass die Schlafenden nicht +erwachten von dessen Schall und Widerhall.« Bei solcher Lebensart vertiefte +er sich in Schulden, die dann der Bruder grossmüthig zahlte. Eines Tages +improvisirte Salghurschah: + + Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre, + Wenn mir der Kopf voll Groll und Geizes wäre; + So würd' ich dich, wie du gewohnt, gen mich zu handeln, + An deiner Statt gerade wie du mich behandeln. + +Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider, zehn edle +Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine Schulden getilgt seien[467]. + +[Randnote: Eroberung von Kisch; und Literatur.] + +Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der Inseln _Kais_ oder +_Kisch_ (auf persisch Kosch) und _Bahrein_, wo die reichsten +Perlenfischereien im persischen Meerbusen. Die erste dieser Inseln hat +ihren Namen von Kais, dem Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von _Siraf_, +der Hafen- und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung +der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war eine Katze, welche die arme +Mutter der drei Söhne Kaissar's einem Schiffer als ihr einziges Habe auf +einer Fahrt nach Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo +gelandet ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten +zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold rentirte. Die Söhne +der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren und dehnten ihre Unternehmungen +bis an die indische Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast, +den sie _Aferide_ nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's +zu _Nabend_ (dem östlich von _Siraf_ gelegenen Dorfe) und mit den +Säulenhallen des Elephantenhauses Adhadeddewlet's zu _Siraf_ um den Vorzug +buhlte[468], und der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der +Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan _Ibnol Melik Dschemschid_. So +herrschten die _Beni Kaissar_, deren Dasein bisher aber, sowie das der Beni +_Amare_ in Fars, europäischen Geschichtschreibern entgangen, auf _Kais_, +als Seifeddin Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus, dem +Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais anbot; die Befehlshaber +von _Germsir_, d. i. dem warmen Landstriche der südlichen persischen Küste, +wurden zur Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde nur +einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. [RN: 12. Dchem. achir +626/17. Mai 1229] Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und +nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem _Abu Nadhr_ zum Sturze +Melik _Sultans_ angetragen, so boten Indienfahrer von Kisch, welche mit +ihren reichen, nach Malatia bestimmten Ladungen zu _Chorschif_ gelandet +hatten, ihre Hilfe zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein Heer +von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i. das Schwert der +Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte der Feinde. [RN: 4. Moharrem +628/12. Nov. 1230] Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte dem Atabegen +von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte, dessen Beginn: Im Namen Gottes +der Erbe des Reichs Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und +See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad, der Helfer der +Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf wurde die mit ihren +Perlenfischereien in die Steuerregister des Chalifats eingetragene Insel +_Owal_, insgemein _Bahrein_ genannt, [RN: 3. Silhidsche 633/8. Aug. 1236] +und sieben Jahre darnach die Insel _Katif_, auf welcher das Schloss +_Tharut_, erobert und mit jährlichen zwölftausend Dukaten vom Ertrage der +Perlenernte besteuert. Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem +sieben und siebzigsten Jahre, [RN: 5. Dschem. achir 658/19. Mai 1260] von +seinem Sohne Saad II., dem siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt, +worauf der letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter +Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen von Jesd, +_Alaeddewlet's_, den Thron bestieg. Ebubekr, des grössten der persischen +Atabege Namen, ist nicht nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch +die Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und seine +Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe persischer Kultur. +Nach dem Beispiele der Fürsten der Dynastien Saman, der Seldschuken und +Chuaresmschahe hatte er einen Dichterkönig, _Hemkjar Farsi_, beigenannt +_Medschdeddin Semeki_, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan +hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem Umgange mit den +grossen Dichtern _Imami_ aus Herat, _Abdulkadr_ von Nain, _Said_ von Herat, +_Nefieddin Lokmani_[469] und _Esireddin Omani_, dem Schüler Nassireddin's +von Tus. Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha +Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann und +aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten offen stand[470]. So +günstig, als Ebubekr den Dichtern, so wenig liebte er die Gelehrten, +besonders die, so sich Philosophen nannten; er verbannte mehrere derselben +aus Schiras, darunter den grossen Imam _Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi_, den +berühmtesten Prediger seiner Zeit[471]; er fürchtete, sagt Wassaf, dass die +Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die Regierungsgeheimnisse erfahren, +die Regierung in ihrem freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste +und schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von Schiras mit +dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's Lobpreis steht im Gülistan +Saadi's das Saad's, seines Sohnes und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr. + +[Randnote: Turkjan's tragisches Ende; Fars, dem mongolisch. Reiche +einverleibt.] + +Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke an Hulagu und +erhielt von demselben das Diplom der Herrschaft auf den Namen ihres +Sohnes, welcher schon nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch +einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte war der von Saadi +im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin Ebubekr, der als Gesandter an +Hulagu ging, ihr bekannter Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin +Miak, ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod wurde sein Vetter +Mohammed, der Sohn Salghur's, zum Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan +zwar ihre Tochter _Selgham_ vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn +bei Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's (der Bruder +Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im Geleite des Ilchan's vor Bagdad +durch Proben seiner Tapferkeit sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als +er zur Regierung gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im Schlosse +von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens in Versen um Befreiung. +Da verschwor sich die Frau Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren +der Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen und sandte ihn +nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung unfähig, an Hulagu. Die +Emire der Schulen befreiten den gefangenen Bruder _Seldschuk_ und setzten +denselben auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre Hand gereicht und so +sehr darauf gerechnet, seinen Arm zu leiten, als er in ihre Schönheit +verliebt war; aber bei einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die +Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer und persischer +Romane vorstellten, nämlich: _Koseir_ und _Osa_, _Amrol Kais_ und _Oneise_, +_Irwet_ und _Aafra_, _Emher_ und _Wefa_, _Leila_ und _Medschnun_, _Weise_ +und _Gilschad_, _Schirin_ und _Ferkad_, scheint den schon Trunkenen die +Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt zu haben; +auf den von ihm einem gegenüberstehenden Neger gegebenen Wink hieb dieser +der Frau Turkjan den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem +Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der Ohrgehänge weg und +warf sie den Sängern vor, wie es scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu +solcher That begeisterte. Die beiden mongolischen Vögte _Oghlobeg_ und +_Kotlogh Bitekdschi_, die Mordthat missbilligend, suchten zu Schiff zu +entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr, eilte ihnen im Hemde, +nur mit goldener Keule bewaffnet, nach, erschlug den einen und liess den +anderen ermorden. _Miak_ war an den Hof Hulagu's gegangen, wo Mohammed noch +gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt und nach Fars bestimmt, bald +aber darauf hingerichtet ward. Hulagu sandte seine Generale _Altadschu_ und +_Timur_ nach Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an ihn +ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung folgen sollte, den +Boten misshandelte, rückte Altadschu, verstärkt von den Truppen des Sultans +von Kerman und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in Fars ein. +Seldschuk flüchtete nach _Chorschif_. Zu Kjarsun kam es zur Schlacht; +geschlagen, suchte Seldschuk vergebens am Grabmale des Schwagers Morschid +Rettung und ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet und +Münze wurden nun auf den Namen des einzigen übrigen Sprösslings der +Atabegen, der Tochter Turkjan's, _Abisch_[472] (aus Saad Ebubekr), +verrichtet. Nach der Niederlage Seldschuk's hatte der General Timur auf ein +allgemeines Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen, aber Altadschu +gab hierzu seine Einwilligung nicht, und wurde in der Folge, als der Seid +_Scherefeddin_ neuen Aufruhr zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht +gestellt und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe +verurtheilt. [RN: 661/1262] Schon im ersten Jahre nach dem Tode Seldschuk's +wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit Mengu Timur, dem eilften Sohne +Hulagu's, vermählt; statt des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen +sollte, wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den Einkünften +von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden, und _Abisch_ blieb bei +ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch zwanzig Jahre als Atabeg von Fars +geehrt, ihr Land aber von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten +(Melik) verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte noch +mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des Kerns ganz Persiens, der +Landschaft Fars, welche, wie Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel, +das achte der Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu +Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der Assassinen und +Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone des Ilchan's und Padischah's von +Iran durfte die schönste Juwele derselben nicht fehlen, welche die +Landschaft Fars. + + + + +Viertes Buch. + + Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften; + die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai; + armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und + dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod + grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die + niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug + wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan; + Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu + Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht + von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen. + + +[Randnote: Abaka's Thronbesteigung.] + +Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik am sichersten +bewegt; am wenigsten bedarf derselben die gerade, offene des Völkerwohls, +welcher das Gesetz den sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel +quergängige des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten +Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in östlichen Reichen +und auch in westlichen, schon vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers +angefangen, Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als +möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen zeitgemässen Anstalten +die Kunde desselben immer zugleich mit der von der Besitzergreifung des +Nachfolgers verlaute[473]; daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach +mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl erlassen, dass +Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein Eilbote ward an _Abaka_, den +durch des Vaters Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter +von Chorasan, abgefertigt, und zugleich _Arghun_, welcher bei Abaka die +Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im +Winterquartiere von _Arran_, und sein Bruder Jaschmut, der sich an der +Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein; +der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, dass die Fluth der +Stimmen der Emire wider ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück; [RN: 19. +Dschem. ewwel 663/9. März 1265] Abaka aber stieg im Lager von _Tschaghantu_ +(am Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire bewillkommend +entgegengingen und _Ilkai_, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer +Diener zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen der +Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid +bezeugt, versammelten sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben +Viele gegenwärtig befanden[474]. _Sundschak_ Nujan, welchem Hulagu seinen +letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, und _Arghun_ bezeugten +mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger Anordnung _Abaka_ +zum Nachfolger auf dem Throne bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder +nieder und huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den Befehl +Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber sagten: Du kennst besser +als wir die Gebote und Verbote der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er +einen anderen ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung +und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den Thron im ein +und dreissigsten Jahre seines Alters. [RN: 3. Ramasan 663/19. Juni 1265] +Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel um den Hals, um +dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass +ihr Gürtel bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren, +beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. »Die +Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der leichter als des Feuers +Schein, und wie des Paradieses Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen +und grossen Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.« Mehrere Tage +dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich +bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung am _Tschaghan Nur_, d. i. am +weissen See, im Distrikte _Ferahan_, statt; _Ferahan_ ist eine Stadt +mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher +Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die +längst in Schutt zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie +das vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte +_Dolfabad_, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz, +Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs _Ebu Dolf Kasim Ben Isa +Ben Idris_; südlich vom Gebirge Rasmend, an dessen Fusse die grosse +Fontaine Chosrew's Perwis. An dieser, durch historische Erinnerungen aus +der ältesten Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so +reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an. + +[Randnote: Verleihung der Befehlshaberschaften.] + +Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's nicht auf dem +Throne, sondern nur auf einem lehnlosen Stuhle sitzen; aber er traf +nichtsdestoweniger alle Massregeln und Anordnungen der Herrschaft als +_Chan_, _Ilchan_, _Schah_ und _Padischah_, d. i. als Herr, Landesfürst, +König und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen, die Nujane und +Emire der Tomane (der Zehntausenden), der Hesare und Ssade (Tausender und +Hunderter) mit Geschenken überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit der +Nachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für Bestätigung und +Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's und Hulagu's im strengsten Sinne; +dann vertheilte er die Befehlshaberschaften der Heere und die +Statthalterschaften des Reichs. Dem Bruder _Jaschmut_ wurde mit +wohlgerüstetem Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend[476], +Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai; dem Bruder _Tuktin_ die Huth +der östlichen Gränze von Masenderan und Chorasan bis an den Oxus +anvertraut. Der _Bitekdschi_ (Staatssekretär) _Tughu_, der Sohn Ilkai +Nujan's, und _Tudan_, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr des zu Ende +dieser Geschichte als ein grosser Charakter auftretenden Emirs _Tschoban_), +wurden nach Rum gesendet, wo sie später von den Emiren _Semaghar_ und +_Kehurkai_ abgelöset wurden. _Dutai_ Nujan wurde nach Diarbekr und _Dijar +Rebiaa_ an die syrische Gränze befehligt, die militärische Aufsicht +Georgiens dem _Schiramun_, dem Sohne Dschurmaghun's, des vormaligen +Befehlshabers in Persien, die von Bagdad und Fars dem _Sundschak_ Nujan +übertragen; die Verwaltung der Krongüter erhielt _Baltadschu_ Aga und die +der Pachten[477] _Arghunaga_. Zur obersten Würde des Wesirs als Leiter und +Herrn des Diwans zu Tebris wurde _Schemseddin Mohammed_ von Dschuwein und +zu seinem Stellvertreter als Leiter und Inhaber des Diwans sein Bruder +_Alaeddin Atamülk_, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu Issfahan stand der +Sohn des Wesirs Schemseddin, _Chodscha Behaeddin_, an der Spitze der +Geschäfte. Die Verwaltung von _Chorasan_ wurde dem Chodscha _Iseddin Tahir_ +und nach ihm seinem Sohne Chodscha _Wedschiheddin_ zugewandt; _Fars_ wurde +im Namen der Atabegin _Abisch_ verwaltet und die Aufsicht der Pachten hatte +dort _Tasiku_ auf sich. Die Herrschaft von _Kerman_ wurde der Prinzessin +Turkjan Chatun, die von _Nimrus_ dem _Melik Schemseddin Mohammed Kert_ und +von _Georgien_ dem _Abd_ und seinem Sohne _Ssadren_, die _Armeniens_ dem +König _Hethum_ bestätigt. _Diarbekr_ wurde dem Dschelaleddin Tarsi, _Dijar +Rebiaa_ dem _Mosaffer Fachreddin Kara Arslan_, _Kaswin_ und ein Theil Iraks +dem _Iftichareddin Kaswini_, Tebris dem _Ssadreddin_ zur Verwaltung +anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen Uebersicht der Heere und +Ländervertheilung erhellet, dass schon damals, wie später im osmanischen +Reiche, dessen Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen +nachgebildet sind, die militärischen Befehlshaberschaften der Gränze von +den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans von denen der Finanz +getrennt waren. Wir haben hier sechs grosse militärische Hüter der Gränzen: +in _Schirwan_ und _Chorasan_, in _Georgien_, _Kleinasien_, in _Fars_ und im +arabischen _Irak_, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zu _Tebris_, _Bagdad_ +und _Issfahan_, drei Intendenten der Krongüter und Pachten, fünf Vorsteher +der inneren Verwaltung: in _Chorasan_, _Diarbekr_, _Dijar Rebiaa_, zu +_Kaswin_ und _Tebris_ und endlich die dem Namen nach herrschenden, aber +eigentlich nur im Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten von +_Kerman_, _Nimrus_, _Georgien_, _Armenien_ und _Fars_; zählen wir hierzu +noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche nur unter der eisernen Keule +mongolischer Herrschaft ihr Land regierten, nämlich die Atabegen von +_Gross-_ und _Klein-Luristan_ und von _Jesd_, die noch zu _Mardin_ +herrschenden Fürsten aus der Familie Ortok und die zu _Hossnkeif_ aus der +Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen von _Himss_, _Hama_ und +_Kerek_ gehorchten nun dem Sultan Aegyptens), so haben wir beim +Regierungsantritte Abaka's sieben und zwanzig von ihm begewaltigte grosse +Befehlshaber der Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter +der Güter. + +[Randnote: Schemseddin's Familie.] + +Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung zu geben, hebt als +die vier Säulen des Ruhms der Zeit Abaka's, von welcher die feste und +sichere Herrschaft der Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache +ausgezeichnete Männer hervor als »die vier Grossen unter ihren +Zeitgenossen«; der erste derselben der grösste Astronom und Philosoph +seiner Zeit, _Nassireddin_ von Tus, der Gründer der Sternwarte zu Meragha, +der Verfasser der grossen Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's +und Abaka's die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei +Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner Schüler mit +Geschenken des neuen Herrn bedräute[478]. Der zweite der Wesir _Schemseddin +Dschuweini_, der dritte der Tonkünstler _Ssafijeddin Abdolmumin El Ormewi_ +und der vierte der Schönschreiber _Dschemaleddin Jakut_. Von den beiden +letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir bereits in dieser +Geschichte handeln gesehen; Schemseddin Mohammed Dschuweini tritt aber erst +jetzt als Wesir an die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse +auf. »Unter seiner Regierung«, sagt Wassaf, »begehrten die Schafe von den +Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und das Repphuhn liebäugelte mit Falken +und Habichten; durch ihn wurde der gute Name des Padischah auf den +schwarzen und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner +Glückesschrift aufgezeichnet.« Unter seiner gerechten Verwaltung erhob sich +Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter, wieder aus dem Schutte der +Verheerung Hulagu's. Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf +die Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte Ali's) und die +Umgegend von Nedschef zu bewässern. Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs +Dolfendi, welcher von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem +Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien beauftragt war, +hinterliess über dieses verdienstliche Werk eine besondere Abhandlung. +Seide und Imame, Redner und Dichter erschöpften sich in Prose und Versen, +im Lobe seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde. In seine +Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad, aber nicht Schemseddin's +Sohn, der Chodscha Behaeddin, der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher +die öffentliche Sicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge +erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche Runde der +Wachen gemacht, dass er den Hauptmann wach und eifrig auf seinem Posten, +einen Mann der Wache aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden, +befahl er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil der +Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige der Bestrafung der +zwei Schuldigen gemacht. Einem, der ihn zu fest angesehen, liess er die +Augen ausstechen; einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse +spielend, ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür an den +Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen fürzubitten wagte, +packten die Schergen den Knaben und schlugen ihn vor des Vaters Augen zur +Erfüllung von dessen Eidschwur an den Hacken[479]. So ein blutiger Tyrann +Behaeddin, so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten, und ein +trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen Studien und +Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen theilte: + + »Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen, + Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen[480].« + +Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche mit Gelehrten, +eingedenk des Spruchs: + + »Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.« + +und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen Vertrauten +ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen: + + »Wein, der unter'm Schleier[481] spricht, + Durch die Rosen im Gesicht.« + +Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die Nacht hinein mit +politischen Untersuchungen und polemischen Studien, nur wenige Stunden dem +Hareme und dem Schlafe gönnend, und nur seinen Bruder _Harun_, der es ihm +an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um diesen Vorzug mit +Recht beneidend. Diesem widmete der grosse obgenannte Tonkünstler +Ssafijeddin Abdolmumin seine Abhandlungen über die Volkslieder[482], über +ihren Ursprung, Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer +Versammlung bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler gegenwärtig, +Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzweg _Ssafijeddin_ anredete, +entschuldigte Behaeddin vor den Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders, +einen so grossen Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu +haben, indem er sagte: _Harun_, der den Namen des grössten der Chalifen +trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen zur Frau hat, dessen +Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen +Künstler nach der Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt +mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess waren die Söhne +Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen seines Bruders _Atamülk_, des +Verfassers der _Welterobernden Geschichte_. + +[Randnote: Abaka's Familie.] + +Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer, Statthalter und Wesire +Abaka's kennen gelernt, müssen sie sich auch mit seiner eigenen Familie +näher bekannt machen. Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen +ungerechnet, aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern, +sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die Frau _Jesundschin_ +aus dem Stamme Suldus. Von seinen Frauen nennen wir die beiden, nach des +Vaters Tode aus dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil +sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese waren: die Frau +_Oldschai Chatun_, welche mit _Tokus_ Chatun den Vater Hulagu auf seinem +Auszuge nach Persien begleitet hatte, die treue Gefährtin desselben auf +seinen dreizehnjährigen Feldzügen; dann _Tokini_ Chatun, die Base der +grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher Abaka nach dem Tode +ihrer Base das Lager derselben aneignete, ihr als Frau den _Baghtak_, d. i. +den Frauenkopfschmuck, aufsetzte und an die Stelle _Durdschi Chatun's_ als +grosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war die Tatarin +_Nukdan_, die Mutter seines Sohnes _Kendschatu_, welche aber jung starb. +Ihr folgte _Iltürmisch_ Chatun, die Tochter Timurgurgan's, die Schwester +_Turka Gurgan's_, des Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin +_Padischah_ Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's von +Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, _Jesundschin_, setzte, so dass +ihr die ersten Ehren des Frauengemachs erwiesen wurden. Die siebente und +achte Gemahlin waren ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen +Frauen _Mertai_ und _Kuti Chatun_, Schwestern Musa Gurgan's, des Sohnes der +Tochter Tschengischan's, von denen die erste unter der Regierung Arghun's +gestorben. Die neunte Gemahlin, _Tudai_ Chatun, die Konghuratin, und nach +ihr _Bulghan_ Chatun, die Verwandte des Oberstrichters _Nokai_ [die +Konghuratin[483]], welche er vor allen anderen liebte und daher im Range +sowohl der _Mertai_ als der _Despina_, d. i. der griechischen Prinzessin, +vorsetzte. Die letzte war _Maria_, die natürliche Tochter Michael's, des +Paläologen, aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende der +Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft unterhandelt +hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben die Tochter vom Archimandriten +des Klosters des Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten +des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter diesen befand +sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines Zeltes, dessen Wände und Dach +dichte seidene Stoffe, mit goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den +Opfergefässen[484]. Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe als +Christin von ihrer Glaubensgenossin, der Frau _Tokus_, wohl empfangen, wie +dieselbe die Freiheit öffentlichen Gottesdienstes im Lager mit Glocken +geniessen würde. In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom Tode +Hulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik, welcher er die +Tochter opferte, und in der mongolischen Ansicht, nach welcher die +Gemahlinnen und Bräute aus dem Frauengemache der Väter in das der Söhne +übergingen, sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof Abaka's, +in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher Neigung vorgezogenen +Frau Bulghan weichen musste. Von seinen Beischläferinnen gebar ihm +_Kaitmisch Ikadschi_ den Sohn _Arghun_, dann _Kewkebi Ikadschi_ die Tochter +_Toghandschuk_, hierauf _Buludschin Ikadschi_ die beiden Töchter +_Ilkotlogh_ und _Oldschatai_; die vier anderen wurden ihm von Gemahlinnen +geboren, nämlich _Julkotlogh_ und _Taghai_ aus der Frau _Tudai_, dann +_Nudschin_ aus der Frau _Mertai_ und endlich _Melike_ aus der Frau Bulghan. +Diese sieben Töchter waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an +Söhne von Emiren oder grossen Beamten vermählt; so _Julkotlogh_ an den +_Ildschitai Kuschdschi_ von der Leibwache, Toghandschuk an den Emir +_Newrus_, den Sohn Arghunaga's, Melike an _Taghai Buka_, den Sohn des +Oberrichters Nokai. In dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten +die griechische Prinzessin _Maria_, die karachitaische Prinzessin +_Padischah Chatun_ und vor allen _Bulghan Chatun_, eine gewiss eben so an +Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche ohne so ausgezeichnete +Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt haben könnte, in welcher sie, von +einem Frauengemache der Herrscher in's andere wandernd, dieselben mehr oder +minder beherrschte durch Schönheit und Geist, hohen Muth und Charakter ein +ganzes Menschenalter hindurch, dreissig Jahre lang. + +[Randnote: Schlacht mit Nokai.] + +Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der nördlichen Gränze +statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene Schlappe zu rächen, aus +Derbend auf das Heer des Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den _Kor_ +gezogen war. Die Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses _Akssu_[485], +[RN: 3. Schewwal 663/19. Juli 1265] den die Mongolen _Tschaghan Muran_ +nennen (das eine und andere heisst _Weisswasser_). Der Verlust war von +beiden Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen, flüchtete +nach Schirwan. Jaschmut ging über den _Kor_, aber wieder zurück, als er +vernahm, dass Berke mit einem Heere von dreimalhunderttausend Mann nahe; +die Brücken waren alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er +vierzehn Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder nach +Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu setzen; aber auf dem +Wege erkrankte und starb er. Abaka befahl, von _Delai Nor_ bis an die Wüste +der Kurden einen Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an +dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb der +Handelsverkehr der beiden Länder mittels der Karawanen unterbrochen ward. +Nach Beendigung dieses Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur +(den eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der Frau +Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und Gurgan (dem alten +Hyrkanien) zu. [RN: 665/1266] Während dieses Winters erschien _Mesudbeg_, +der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des +Herrschers des Uluses Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige +Rechnung der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka empfing +denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid Tschengischan's anziehen und +wies ihm seinen Sitz ober allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug +dem Inhaber des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung auf's +schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche kehrte der Gesandte, +reich beschenkt, schnell zurück. Erst einige Tage nach seiner Abreise, als +die Nachricht eintraf, dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah +Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand gewesen und dass +Mesud als Kundschafter _Borrak's_, des Urenkels Dschaghatai's, gekommen, +welcher dem Mubarekschah die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen. +Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten Kundschafter +Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aber die Ufer des Oxus in dem +Augenblicke, als Mesudbeg eben über denselben gesetzt. Abaka ging nach +Chorasan bis Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach +Masenderan. Zu _Kebuddschame_, d. i. Blaukleid, in der an Korn, Wein und +Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's[486], ging er dem Gepäcke Hulagu's +entgegen, welches mit dessen Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's, +_Tekschin_ und _Tekuder_, und mit dem Enkel desselben, _Dschuschkab_, dem +Sohne Dschumkur's, _Badu_, dem Sohne Tarakai's, und Jesundschin Chatun, der +Mutter Abaka's, welche zur Zeit des Aufbruches Hulagu's nach Persien im +Hoflager Mengkukaan's geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's +und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai und Arikbugha +gezwungen gewesen, die Partei des letzten zu ergreifen, was jetzt die Söhne +entschuldigten; er war seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu +Bedachschan den Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh +ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen anderen Oertern als +Nadelgeld, das bei den Mongolen _Tonlik_, das Geld auf Unterhosen, heisst. +Die Einkünfte betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er brachte +den Winter zu _Tschanganlu_ (in der Gegend von Meragha), den Sommer in den +Weiden von _Alatagh_ an den Quellen des Euphrats und zu _Siahkuh_ +(Schwarzberg) zu, und überwinterte dann in der Landschaft _Arran_. + +[Randnote: Armenische und ägyptische Verhältnisse.] + +Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan, um die weiteren +Fortschritte Sultan Beibars in Syrien zu hindern, hatte dieser den +Kreuzfahrern die Städte _Cäsarea_, _Arssuf_, _Ssafed_, _Jafa_, _Schakif_, +die Schlösser _Haifa_, _Arka_, _Kaliat_, _Meluhat_, _Dschebele_ +entrissen[487] und war in Cilicien in die Staaten König Hethum's +eingefallen, welcher erst beim mongolischen Befehlshaber in Rum und dann +bei Abaka selbst vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn +Hethum's, den Pass von _Iskenderun_ (Alexandriette) besetzt hielt, ward er +von den Aegyptern umgangen und dann bei Serwend geschlagen und gefangen; +sein Bruder _Toros_ und einer seiner Oheime fielen in der Schlacht. Die +Sieger kamen am folgenden Tage nach Tel Hamdun, setzten über den Dschihun +und bemächtigten sich des den Templern gehörigen, auf einem steilen Hügel +gelegenen Schlosses Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatte +_Sir_, die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der jetzt in den +Reihen der Aegypter focht, lagerte an den Ruinen dieser Stadt, während der +ägyptische Feldherr _Kilawun_ (der nachmalige Sultan) die Städte Ajas, +Massissa und Adana verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher +Beute beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück, dass der Ochs, im +Lager um zwei Dirhem losgeschlagen, keinen Käufer fand. Hethum, der +vergebens bei Abaka Hilfe gesucht, sah sich gezwungen, den Frieden mit +Beibars auf dessen Bedingungen abzuschliessen. Dieser begehrte die +Zurückstellung mehrerer von den Mongolen den Aegyptern entrissener, dem +Königreiche Armenien einverleibter Schlösser und die Freigebung des +ägyptischen Generals _Schemseddin Sonkar el-Aschkar_, d. i. Sonne der +Religion, Falke der Falbe, seines alten Waffengefährten, welchen Hulagu zu +Haleb gefangen, nach Persien gesendet hatte. [RN: Juni 1267] Der Friede +wurde zu Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna, Derbesek, +Merseban[488] wurden zurückgestellt, der Emir Sonkar gegen den bisher im +Schlosse von Kairo in Verhaft gehaltenen Prinzen Leon ausgewechselt[489]. +Bald darauf verfügte sich König Hethum an den Hof Abaka's, der sich damals +zu Bagdad befand, um ihm für die Auslösung seines Sohnes zu danken und um +die Erlaubniss zu bitten, dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen. [RN: +1269] Nachdem er dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu +Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's und zog sich nach +fünf und vierzigjähriger Regierung unter dem Namen Makarius in's Kloster +von _Trazargh_ zurück, wo er einige Monate hierauf starb[490]. Im selben +Jahre sandte Abaka Gesandte an Beibars, welcher dieselben zu Damaskus +zugleich mit den Gesandten des griechischen Kaisers und Mengku Timur's, des +Nachfolgers Berke's auf dem Throne von Kipdschak, empfing. Abaka warf in +seinem Schreiben dem Sultan Aegyptens den an seinem Herrn Kotos begangenen +Königsmord vor und fragte, wie er, der vormals zu Siwas verkaufte Mamluke, +es wagen könne, den Königen, Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern, +zu widerstehen. Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte zu +opfern; er schrieb an Beibars selbst: »und wenn du in die Wolken +aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest, du würdest mir +nicht entfliehen«. Beibars antwortete: »Es ist wahr, dass ich den Kotos +getödtet, aber die Sultanschaft ist mir durch freie Wahl der Bege +übertragen worden; wenn es dir Ernst, mich anzugreifen, so komm', wir +werden bereit sein, dich zu empfangen, um die den Musulmanen entrissenen +Länder denselben wieder zurückzuerobern.« Abaka war nicht im Stande, seinen +Drohungen Folge zu geben; daran hinderte ihn das von Osten sein Reich +bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der Herrscher des Uluses Dschagatai, +wider Chorasan herangezogen. Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka +würde vom Leser nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn derselbe nicht +in Kenntniss der früheren Begebenheiten, welche zwischen diesem und Kaidu, +dem Herrscher des Uluses Ogotai, vorgefallen und die wir nun nach +Reschideddin erzählen. + +[Randnote: Kaidu's und Borrak's Vertrag.] + +Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes Ogotai's, ist bereits +Erwähnung geschehen, so auch Borrak's, des Sohnes Jesentewa's, des zweiten +Sohnes Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's[491]. Dieser, von +Kubilai zum Herrscher des Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich nicht +sobald in den Besitz des Uluses gesetzt, als er mit dem Statthalter +Turkistan's, _Mogholtai_, Streit begann. Dieser sandte den Emir _Tekmisch_, +jener den Emir _Kuwindschi_ mit einem Heere; Tekmisch ward von Kuwindschi +geschlagen, aber dieser musste sich vor einem zweiten stärkeren Borrak's +zurückziehen. Borrak verwüstete Choten und schlug auch das Heer, welches +Kaidu und Kipdschak, der Feldherr Mengu Timur's, des Herrschers von +Kipdschak, wider ihn geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt, sandte seinen +Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu Hilfe Kaidu's. Borrak, von +demselben geschlagen, zog sich nach Samarkand in der Absicht, das +fruchtbare Land zu verheeren. Kaidu und Kipdschak beriethen sich, wie das +Unheil abzuwenden, und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte +Freundschaftsbande bestanden, trug sich an, den Frieden zu unterhandeln. In +der Ebene von Soghd empfing Borrak den Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn +neben sich, trank mit ihm und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der +Steppe von _Katwan_ in der Nähe des Karawanserai[492]. Abu Mohammed's +Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten Tonarten, um dem +Prinzen Kipdschakaghul zu gefallen. Dieser war der Sohn Durdschi's, des +Sohnes Kadan's, des sechsten Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe +Kaidu's. Er kam mit Borrak überein, dass sich dieser und Kaidu mit den +Truppen, mit denen sie dermalen zu Samarkand und Bochara standen, +begnügen, dieselben nicht vermehren sollten und Borrak Bochara verschone. +Kaidu und Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und die Prinzen versammelten +sich im Frühjahre [RN: 667/1269] in der Ebene von Talas und Kundschuk, wo +nach achttägiger Gasterei Kurultai stattfand[493]. Kaidu sprach von dem +Vertrage Tschengischan's und wie alle Zwietracht der Prinzen demselben +zuwider; dann nahm Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der Spitze des +Uluses Ogotai stehe, wie Mengu Timur an der des Uluses Dschudschi's in +Kipdschak, wie Kubilai und Abaka die Herrschaft des Uluses Tuli's im Osten +und Westen theilten, so möge man auch ihn als Oberhaupt des Uluses +Dschagatai unangefochten lassen und sich friedlich mit ihm verständigen. +Die drei Prinzen der drei Uluse kamen dann überein, das Land zwischen dem +Dschihun und Sihun in drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die +beiden anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt bleiben +sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren Reitern nur in den +Steppen herum zu ziehen, die Städte nicht zu betreten, die Unterthanen zu +schonen; im folgenden Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen +Chorasan zu ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern: »Sie +besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit gewechselten Bechern +und Kleidern, indem sie die Hefe auf die Erde gossen«[494]. Eine Zeit lang +genoss das Land unter der gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser +Wesir in seines Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten +Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur und Kaidu sich veruneinigt +hatten, das Heer des letzten dem des ersten entgegenziehend Bochara +verlassen, die Besitzungen desselben berannte, das Land, trotz der +Vorstellungen seines Wesirs Mesudbeg, durch Erpressungen verheerend. +Borrak, im Besitze des Landes zwischen dem Dschihun und Sihun, war nun auf +den Feldzug gegen Abaka bedacht, worüber ihm die Herrscher des Hauses +Ogotai und Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli, freie Hand gelassen, +sandte aber zuerst die schon oben erwähnte Gesandtschaft an Abaka, um den +Zustand desselben besser zu erkunden. + +[Randnote: Botschaft Borrak's und Rüstungen desselben.] + +Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie schon oben gesagt +worden, die ausständigen Rechnungen über die beiden Prinzen gemeinsamen +Krongüter zu verlangen; aber ein geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul, +den ersten Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's, welcher im +Heere Abaka's diente, von demselben abspenstig zu machen. Zu diesem Ende +war der Gesandte mit einem der geheimen Briefpfeile versehen, welche die +Mongolen _Tughane_ nennen, in deren Schaft die geheime Depesche +verborgen[495]. In dem Briefe gab Borrak dem Prinzen Kunde, dass er im +Begriffe, wider Abaka in's Feld zu ziehen; er möge, als ein Prinz des +Uluses Dschagatai, sich hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die +Aufforderung fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen, +entschuldigte sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach Georgien +zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend, im Norden des kaspischen +Meeres, das Lager Borrak's zu erreichen; aber Dschiramun Nujan, welchem die +Huth der nördlichen Gränze übertragen war, hinderte ihn an der Ausführung +dieses Planes, indem er ihn, sich nach Georgien zu werfen, zwang, wo er +durch die Hand der Tochter des Königs David Bürgschaft seiner Sicherheit +suchte, aber nicht fand; denn die Gegner trachteten ihm nach dem Leben, so +dass er im folgenden Jahre mit Weib und Kind sich auf Gnade und Ungnade in +die Arme Abaka's warf. [RN: 668/1270] Abaka liess sechs seiner Emire +hinrichten, seine Truppen unter die Tausender, Hunderter und Zehner +vertheilen, setzte ihm fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu +Derjar Kebudan in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge, nach der +Niederlage Borrak's, entlassen ward[496]. Der Botschaft Borrak's ritt +Schemseddin Dschuweini, der Wesir Abaka's, bewillkommend entgegen, und +trotz der hohen Meinung, die er von sich selber hatte, stieg er, als er in +die Nähe Mesud's kam, doch vom Pferde und küsste dem Mesudbeg +ehrfurchtsvoll die Bügel. Dieser, minder bescheiden, als sein Vater, +Jelwadsch, sagte, verächtlich auf Schemseddin herabsehend: »Du bist der +Inhaber des Diwan's! Dein Name ist besser, als dein Aussehen.« +Schemseddin's Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den Augenblick +mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach durch die Nachsendung der +Boten, welche den Gesandten als Kundschafter zurückbringen sollten, und als +diese zu spät kamen, durch die Entflammung des Krieges wider Borrak, der +seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach. Kaidu sandte Jerligh an die +Prinzen _Ahmed Ben Buri_[497], _Balighu_[498] und _Nikpei Aghul_[499], dass +sie bei Tirwed über den Oxus gehen sollten; _Tschabad_, der Sohn +Huku's[500], _Mobarekschah_[501] und _Kipdschak_, der Sohn Kaidu's[502], +erhielten den Befehl, mit Borrak zu Amu über den Dschihun zu setzen; weiter +hinauf sollten _Kokadschu_[503] der grosse und _Banial_ bei Chiwa, +_Kokadschu_ der kleine aber bei _Mingkkischlagh_, welches der gewöhnliche +Ueberfuhrsort von Chuaresm, über den Fluss gehen und sich mit Borrak +jenseits desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen Kräften, +alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen und des Tages mit +sieben Menn Gerste und Korn gefüttert, um sie fett, alle Hunde wurden +getödtet, um aus ihren Häuten Schilde zu machen; so entstand Theuerung und +Mangel. Um dem Heere Proviant zu verschaffen, befahl Borrak, das Land bis +Bochara und Samarkand zu verheeren. Mesud machte ihm abermals Vorstellungen +dagegen und auf die Unklugheit aufmerksam, sich auf diese Weise selbst +sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak bestrafte diese freimüthige +Vorstellung des weisen Wesirs mit sieben Prügelstreichen, nahm aber den +Befehl der Verheerung zurück. + +[Randnote: Borrak zieht über den Oxus und wird von Kipdschak verlassen.] + +Ausser den oben genannten, von Kaidu zur Hilfe Borrak's bestellten neun +Prinzen des Uluses Ogotai und Dschagatai stellten sich zu seinem Dienste +noch vier des Uluses Dschudschi, nämlich die beiden Jesawur [der grosse und +kleine][504], _Meraghul_ und _Dschelertai_[505]. Mit diesem Heere eroberte +Borrak Chorasan von den Gränzen Bedachschan's und Schiburghan's (bei Balch) +bis nach Nischabur. Ehe er noch über den Oxus gesetzt, sandte er Botschaft +an Tekschin (den vierten Sohn Hulagu's, den Bruder Abaka's), welchem vom +Vater die Herrschaft über das Gebiet von _Badghis_, östlich von Herat, +eingeräumt, vom Bruder bestätigt worden. _Badghis_, was nur verderbte +Aussprache von _Badchis_, d. i. Windaufstehend, weil dort immer die Winde +rege, hiess vormals _Pasin_ und war die Hauptstadt der Hunnen Euthaliten; +die Wälder der Gegend sind meistens Pistazienwälder, von denen Herat und +andere Städte mit Pistazien versehen werden. In diesem Bezirke liegt das +unbezwingliche Schloss _Nertku_[506], das _Aornos_ Chorasan's, auf einem +tausend Ellen hohen Felsen, zu welchem eine halbe Stunde lang ein nur für +Einen Menschen gangbarer Pfad führt, noch nie durch Gewalt der Waffen +bezwungen; die Gegend umher ist so kalt, dass die Rosen hier erst im Juli +blühen; das Holz zu dem Baue der Häuser von Herat kommt aus diesen Wäldern +und ist so trefflicher Eigenschaft, dass es weder austrocknet noch fault, +der Boden so fruchtbar, dass derselbe ohne Mühe und Kultur hundertfach +trägt[507]. Nach der Felsenburg _Nertku_ ist _Kiasis_ ein geschichtlich +merkwürdiger Ort des Gebietes von _Badghis_, weil es die Grabstätte +_Mokannaa's_, des berühmten falschen Propheten, der allnächtlich aus einem +Brunnen von _Nachscheb_ einen Mond aufsteigen liess (vermuthlich von +bengalischem Feuer), der die Gegend weit umher erleuchtete[508]. Borrak +liess den Prinzen Tekschin wissen, das Land von Badghis bis Ghasnin und dem +Indus gehöre zur Weide seiner Väter, und er möge daher dasselbe räumen. +Tekschin antwortete: er hätte es als väterliches Erbe von seinem _Aka_, +d. i. dem älteren Bruder und Herrn Abaka, bei dem er sich erst anfragen +müsse. Abaka antwortete: dass das Land von Badghis zu den Krongütern des +Hauses Hulagu's gehöre und dass er dasselbe wider den Angriff Borrak's zu +vertheidigen wissen werde. Auf diese Antwort hatte Borrak mit den Prinzen, +die in seinem Geleite, Kriegsrath gehalten und war über den Oxus gegangen, +nachdem er seinen Sohn Begtimur mit tausend Reitern zu Kesch und Nachscheb +zurückgelassen. Melik Schemseddin Kert von Herat kam dem Prinzen huldigend +entgegen, um die Schonung seines Landes zu erhalten, welche auch +zugestanden, aber die Verheerung alles übrigen, dem Kubilai oder seinem +Neffen Abaka gehörigen Landes befohlen ward[509]. Von Seite Abaka's +befehligte sein älterer Sohn Arghun, welchem die Statthalterschaft von +Chorasan verliehen ward, das Heer; in demselben befand sich ein Emir der +Tausender Namens _Sidschektu_, welcher ehemals ein Hausgenosse des Prinzen +Kipdschak; als er hörte, dass dieser sich im Heere Borrak's befände, sandte +er ihm ein Geschenk von Pferden, das dieser mit gleichem entgegnete; diess +war der Anlass eines heftigen Streites zwischen Kipdschak und dem Feldherrn +Dschelartai dem Dschelairen, welcher dem Kipdschak in Borrak's Gegenwart +vorwarf, die bessten Pferde für sich behalten und nur die schlechteren dem +Borrak gegeben zu haben. Kipdschak rief aus: »Hat je ein Karadschu, d. i. +ein Unterthan, solche Worte gegen einen Abkömmling Tschengischan's so +gesprochen, dass sich solch ein Hund solcher Worte erfrechen darf.« -- +»Wenn ich ein Hund bin«, antwortete Dschelartai, »bin ich der Hund Borrak's +und nicht der deine.« -- »Ich werde dich entzwei hauen,« rief Kipdschak, +»ohne dass mein _Aka_ es mir verarge.« -- »Und ich,« entgegnete +Dschelartai, die Hand auf den Dolch legend, »wenn du nahest, dir den Bauch +spalten.« Da Borrak durch sein Stillschweigen dem Dschelartai Recht gab, +verliess Kipdschak erzürnt die Versammlung und in der Nacht mit zweitausend +Reitern das Lager. Die Versuche Borrak's, denselben durch die Sendung von +drei Prinzen zur Rückkehr zu bewegen, waren vergebens. Dschelartai folgte +mit dreitausend Mann, in der Hoffnung, ihn zu überrumpeln; aber da die +Prinzen fürchteten, dass, wenn die Truppen desselben in Sicht kämen, +Kipdschak sie mit sich führen würde, kehrten sie unverrichteter Dinge +zurück. Kaidu fühlte empfindlich diese, seinem Vetter zugefügte +Beleidigung; er machte gegen Abaka die Flucht Kipdschak's aus dem Lager +Borrak's als ein Verdienst geltend, und verband sich, seinen alten +Verbündeten Borrak verlassend, mit Abaka in Freundschaft, so dass sie sich +fortan _Ortak_, d. i. Genossen, hiessen. + +[Randnote: Held Merghaul, Dschebat's Flucht.] + +Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere zu Hilfe Tekschin's, +welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's preisgegeben, während Schiramun im +Norden sich mit Nigudar, dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen +Prinzen, schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend Mann, trat +Borrak den Zug durch Chorasan an[510]; seine beiden tapfersten Feldherren, +_Dschelartai_ der Dschelaire und _Merghaul_, jener ein Bogenschütze, wie +_Aresch_, der berühmte Bogenschütze der altpersischen Geschichte; den Bogen +Dschelartai's vermochte kein Anderer zu spannen, als er selbst. Merghaul +war vorzüglich in der Kunde des _Dschade_, d. i. des Wetter- und +Hagelmachens mittels des Regensteines, bewandert; er sagte von sich selbst: +»Ich binde den Gaul zu _Konghus Alanik_ an und reite nicht faul den +Falben[511] bis an die Alpen desselben[512], ohne dass, um auszuruhn, ich +den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne dass die Schweissdecke trocken +werde.« _Purbaha Dschami_, der persische berühmte Dichter, welcher, ein +Türke oder Mongole von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's) halb +aus persischen, halb aus türkischen und mongolischen Worten bestehende +Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in seiner zum Lobe Schemseddin +Dschuweini's verfassten Kassidet: + + Die Trennung _Merghaul_ verheert Geduld mit Schwert, + Wie jüngst _Borrak_ mit seinem Heer das Land verheert[513]. + +Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun, Jaschmut und +Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime Abaka's) nicht zu widerstehen, +und er zog also selbst an der Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen +hatte Borrak Gesandte an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen der +beiden Prinzen _Kipdschak_ und _Dschebat_, welche er ihm zu Hilfe gesandt +und die ihn nun verlassen, zu beklagen. Als Dschebat an die Gränze +Bochara's gelangt, rastete er einige Tage aus. Die Emire der Tadschiken +(Perser) gaben hiervon dem Begtimur Aghul, welchen der Vater, Borrak, +jenseits des Oxus zurückgelassen, Kunde: »Könntest du,« fragte Begtimur den +Tasikaka (den Emir der Tadschiken), »mit fünfhundert Reitern denselben +nicht abwehren?« -- Tasik antwortete: »Ich bin _Karadschu_, d. i. +Unterthan, und Dschebat ist _Urugh_, d. i. vom Herrscherhause, wie kann +sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?« -- Da sass Begtimur selbst zur +Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit genauer Mühe mit zehn Reitern +rettete, nachdem er die Brücke von _Tschirameghan_ zerstört; dreissig +Parasangen weit verfolgte ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen zu +können. Borrak machte sich jedoch nicht viel aus der Entweichung der beiden +ogotaischen Prinzen, Kipdschak und Dschebat, vertheilte ihre +zurückgebliebenen Truppen unter die seinen, und schwelgte, unbesorgt der +Zukunft. Merghaul wurde nach Nischabur gesandt, Borrak blieb zu Thalkan; +Nischabur wurde geplündert, und gleiches Loos hatte Borrak der Stadt Herat +bestimmt. [RN: 6. Ramasan 668/30. April 1269] Da stellte ihm Kotlogh Timur +vor, dass, wenn er sich den Herrn von Herat, Melik Schemseddin Kert, zum +Feinde mache, derselbe ganz Chorasan empören würde. Borrak gab der +Vorstellung Gehör und sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den +Herrn von Herat in's Lager zu laden. Im Schlosse _Chaisar_ trafen sie +zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf, folgte der Einladung; +er ward von Borrak ehrenvoll empfangen und mit Chorasan belehnt; Mehreres +noch versprach ihm Borrak nach Persiens Eroberung; sie sprachen von Nichts, +als von der Verheerung Bagdads und der Stadt Tebris, deren Schätze sie +schon im Gedanken theilten, indem der Herr von Herat sich dem +Lieblingsplane Borrak's hingab. Dieser begehrte von ihm eine Liste der +reichsten Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch diese und begehrte die +Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren, um dort Waffen und Pferde +aufzubringen. Die Einwohner Herat's gingen ihm entgegen und vernahmen +trostlos die mongolische Forderung; da aber indessen die Nachricht vom +Anzuge des Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin in das +östlich von Herat gelegene Schloss _Chaisar_ zurück; hier erwartete er +politisch den Ausgang des Kampfes zwischen dem Uluse Dschagatai und +Hulagu's, zwischen Abaka und Borrak, den Untergang des letzten +voraussehend[514]. + +[Randnote: Abaka's Aufbruch; Borrak's Niederlage.] + +Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte, brach Abaka, von +allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin ausgenommen, die schon in +Chorasan, begleitet, dahin von der Gränze Aserbeidschan's auf. [RN: 4. +Ramasan 668/28. April 1269] Als er nach dem zwischen _Sendschan_ und +_Ebher_ gelegenen Distrikt _Schirgis_[515] gekommen (wo später die Stadt +_Sultanie_ erbaut ward), welchen die Mongolen _Kungurulang_ nennen, wartete +ihm der von Kubilai an ihn geschickte Gesandte _Tekadschek_ auf, welcher +von Borrak aufgefangen und in Verhaft gehalten, demselben entflohen war. +Auf die durch ihn erhaltene Kundschaft von der Schwelgerei und der +Sorglosigkeit Borrak's beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zu +_Kumis_, kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und sein Sohn +Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend entgegen; auf der +Ebene von Radegan wurden Gold und Silber in Menge unter das Heer vertheilt +und demselben mit Drohungen und Verheissungen die Erfüllung seiner +Pflichten eingebunden. Von hier ging der Marsch nach _Bachers_, dem +zwischen Nischabur und Herat gelegenen Distrikte, in der +Literaturgeschichte durch _Bachersi_, den Verfasser der berühmten +Blüthenlese, für immer geadelt. Gegen _Farab_, nicht zu verwechseln mit +Farab, dem Geburtsorte des grössten Philosophen und Gesetzgebers der +Tonkunst, _Farabi_, welchen die Araber den zweiten Lehrer, wie Aristoteles +den ersten, nennen, sandte er Streifparteien aus und beschäftigte sich mit +der Vertheilung des Heeres in verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut +übertrug er den Befehl des rechten Flügels, den _Obotai_ Nujan behielt er +bei sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin sandte er nach +_Beldschaghran_, dem Jurte Merghaul's, wo einige der Vorposten Merghaul's +getödtet wurden; dieser eilte, dem Borrak die Kunde zu bringen, dass ein +feindliches Heer zugegen. Borrak sagte: Wenn Tekschin und Arghun wieder +zurückgekommen, so wissen wir schon, was von ihnen zu halten, da wir sie +geschlagen; ein Anderes wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg, +bis wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka einen fündigen +Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen: er wolle ihm Ghasnin und Kerman +und das Land bis an den Indus überlassen, er möge freiwillig zurückkehren; +wenn nicht, zur Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden, +weil Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch schwach. Merghaul +ereiferte sich dagegen und behauptete, das anziehende Heer seien nur die +Truppen Tekschin's und Jaschmut's, indem das Abaka's in Syrien beschäftigt +sei. Dschelartai sprach im Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriege ausgezogen; +wenn du Frieden gewünscht, wärest du besser jenseits des Oxus geblieben. +Borrak fragte den Astrologen _Dschelal_; dieser rieth, einen Monat zu +warten, indem die Ansichten der Gestirne ungünstig. Merghaul und +Dschelartai sprachen erzürnt dagegen; die Schlacht ward beschlossen. Abaka +befahl dem Emire Toghus, das Terrain auszuwählen. Er bestimmte am Fusse +eines Berges eine grosse Ebene, vom Flusse _Karasu_ durchschnitten. Drei +hier aufgegriffene Kundschafter wurden durch eine Kriegslist Abaka's +getäuscht, indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter Bote die falsche +Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von den Feinden im Norden +überfallen, schleunigen Rückzug fordere. Dieser wurde in der grössten Eile +veranstaltet, das ganze Lager im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung +der Kundschafter ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man einen +derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden schlachtlustigen +Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen in die Falle; das +zurückgelassene Lager ward geplündert und dann der flüchtige Feind verfolgt +bis an den Ort, welchen Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak, +betroffen, stellte sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den +Befehl des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem Emir Semghur, den +des linken dem Bruder Jaschmut, unter welchem die Generale Suntai und +Arghunaga; der letzte befehligte die Hilfstruppen von Kerman und Fars, +deren Anführer Sultan Hidschadsch und der Atabeg Jusufschah; Obotai +befehligte das Mitteltreffen. Merghaul fiel gleich Anfangs der Schlacht, +Dschelartai schlug den linken Flügel und drückte denselben bis Fuschendsch +zurück; der rechte Flügel und der Mittelpunkt hielten noch fest; als aber +auch die Truppen Abaka's zu wanken begannen, liess sich Suntai, der +neunzigjährige Feldherr desselben, auf einem Sessel mitten im Schlachtfeld +nieder und sagte zu den ihn umgebenden Offizieren: »Heut' ist der Tag, uns +dankbar gegen Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.« Nach dreimaligem +Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre verloren gewesen +ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart. Er sammelte die zerstreuten +Flüchtlinge und bewirkte ihren Rückzug über den Oxus. + +[Randnote: Ende Borrak's.] + +Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und dazu vom Schlage berührt +worden, kam gelähmt nach Bochara, wo er sich zum Islam bekehrte und den +Namen Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen Laune +ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen Vorwänden. Der Prinz +Ahmed Aghul, der Sohn Buri's[516], zog missvergnügt mit seinen Truppen nach +Pischbaligh. Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen +Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen und ihm den +Prinzen zurückzubringen. Der Emir Mauldan erhielt den Befehl zur +Verfolgung, Borrak folgte in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die +Nachricht ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach Chodschend +entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, den Sohn Kadaki's, des +Sohnes Buri's, nach, und erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit +seiner Hilfsgenossen und über die Unfälle der letzten Schlacht: »Als ich,« +sagte er, »vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin euer Padischah, gebt +mir ein Pferd! hörte mich keiner; Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis +ein _Karawine_ (ein Naphtafeuerwerker), Namens _Sali_, vom Pferde stieg, +mir dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die ich ihm +reichte.« Er sandte den Bruder Jesar[517] an Kaidu, um sich über den +Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat zu beklagen. Kaidu brachte ihm +die Treulosigkeit Borrak's in Erinnerung, welcher, während die Prinzen, +seine Brüder, mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai +nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu versammelte +seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie verächtlich bisher die +Verbindung mit Borrak für das Haus Ogotai's gewesen; es ward beschlossen, +den Jesar in Gewahr zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen +unter dem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, aufsitze, +weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein würde. Indessen hatte +_Nauldar_ den Prinzen _Ahmed Buri_ und _Balighu_ den Prinzen _Nikpei_ +verfolgend erreicht und in dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri +und Nikpei. Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an Kaidu, +dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für seine Hilfe zu danken, die +nun überflüssig geworden sei. Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch +fort; ehe er noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich +gestorben, vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen. Als Kaidu dem +Lager nahte, hörte er die Todtenklage und sah die Wachen mit fliegenden +Haaren. Kaidu und alle Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die +Trauer an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge bestattet. Am +folgenden Tage erschienen die Prinzen _Mubarekschah_ (der Enkel +Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara Hulagu und der Frau Hirghana), _Kajan_ +und _Dschobai_, die Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta][518], und +liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee nieder, sich +seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die Behandlung, die sie von Borrak +erlitten; Kaidu versprach ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen +Güter und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah +nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der Frau _Tukai_, der Gemahlin +Borrak's, vom Ohre. Borrak hatte vier Söhne hinterlassen: _Peik Timur_, +_Tewaburi_, _Tehu_ und _Uladai_; mit ihnen vereinigten sich die Söhne +Alghui's, die beiden obgenannten, _Dschobai_ und _Kijan_; des dem Kaidu +gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze Land von Chodschend +bis Bochara und bis jenseits des Oxus. [RN: 671/1272] Drei Jahre hernach +kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin, dass es die höchste Zeit, den +Unordnungen im Lande jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter +dem Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, des +vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch, Chiwa und +Karakusch, wurden von Gütern geleert, mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara +schlugen sie sich mit dem dschagataischen Heere; [RN: 7. Redscheb 671/20. +Jan. 1273] sieben Tage dauerte die Schlacht, zehntausend Todte deckten die +Erde. Bochara ward von neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese +und die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies war eine strenge +Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche Wort, welches Mesudbeg dem +Grosswesir Schemseddin zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge und +Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai und Kijan nahmen ihnen +jedoch die Hälfte wieder ab. Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen +des Turkmanen _Okbal_[519]. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet. + +[Randnote: Zweite Thronbesteigung; Halswunde; Todesfälle.] + +Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere nach seinem Thronsitze +in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht ward so strenge gehalten, dass, +wie auf dem Hinmarsche im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld +zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten keine Garbe +geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine Kriegszucht, so löblicher, je +ungezügelter die Raubsucht mongolischer Heere im feindlichen Lande. [RN: 1. +Rebiulewwel 669/18. Oct. 1270] Am achtzehnten October, dem in der +Geschichte durch vielfache Schlachten als Kriegsfest so berühmten Tage, +stieg er zu Meragha ab und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zu +_Dschaghantu_ die zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt, +[RN: 20. Rebiulewwel/6. November] indem die Gesandtschaft des Kaan's mit +der Bestätigung der Herrschaft als _Ilchan und Padischah in Iran_ mit dem +Herrscherdiplome eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese Bestätigung +volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos in dem Bürgerkriege +Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen haben, weil, ehe das Loos der Waffen +durch die Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft des +ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen der Kaan Anstand nahm. +Zu gleicher Zeit mit den Gesandten des Kaan's trafen auch die Mengutimur's, +des Herrschers von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen +Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden ehrenvoll empfangen +und reich beschenkt entlassen. Auf einer der Stationen des Marsches, vor +der Ankunft zu Meragha, [RN: 2. Ssafer 669/20. Sept.] war Abaka auf der +Jagd durch das Horn eines wilden Stieres am Halse verwundet worden, so dass +das Blut aus der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer der +_Aidadschi_, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer Bogensehne, so +dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür von Abaka reichlich belohnt +ward; aber es hatte sich ein Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich +fiel und auch gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben +zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin, welcher auch ein +geschickter Arzt, verbürgte sich, die Operation ohne Gefahr zu unternehmen; +er schnitt den Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer Woche +geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward durch den Tod der beiden +Prinzen _Jaschmut_ und _Tekschin_, die Oheime und treuen Waffengefährten +Abaka's in dem Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt. [RN: 8. Silhidsche +669/18. Juli 1271] Sechs Monate früher war auch Jesundschin, die Mutter +Abaka's, gestorben; ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin +Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans von Kerman. So hatte +Abaka Chan nach dem Tode seiner Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun, +ihr Lager ihrer Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu, +verliehen, welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben, worauf es +Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen Frau Bulughan, der Gemahlin +Ghasan's, und nach deren Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters +der Frau Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der Regierung +Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen) die Frau Kotloghschah, die +Tochter Emir Irindschi's, eines Neffen der grossen Tokus, verliehen +ward[520]. So erbte der Besitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht +regelmässig fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge, +theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr aus Chorasan ergab +sich endlich das Schloss der Assassinen _Girdkjuh_, [RN: 6. Rebiulachir +669/15. Dec. 1270] welches seit der Uebergabe von Alamut noch vierzehn +Jahre[521] ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen demselben zwar +den von Hulagu gestellten öffentlichen Befehl, sich zu übergeben, aber +heimlich sich zu halten, Wort gesandt hatte. _Girdkjuh_, das letzte blutige +Nest der Assassinen, vielleicht das _Gilgerd_ der Byzantiner, das Schloss +der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit eingesperrt +wurden; sowohl der Name als die Festigkeit desselben geben dieser +Vermuthung Wahrscheinlichkeit. + +[Randnote: Herrscher von Luristan; Tod grosser Männer.] + +Auf dem Rückmarsche von Chorasan nach Aserbeidschan war Abaka an der Gränze +Gilan's von einer Schaar dilemischen Gesindels aus einem Hinterhalte +angefallen worden. Jusufschah, der Sohn Schemseddin Alp Arghaun's, der +Atabeg von Gross-Luristan, welcher auf diesem Feldzuge den Chan als Vassal +begleitet hatte und sich eben in dessen Nähe befand, sprang vom Pferde und +wehrte durch seine Tapferkeit die Gefahr vom Haupte Abaka's ab. Zur +Belohnung dafür verlieh ihm der Chan zu Gross-Luristan noch den Besitz von +Chusistan, das Gebirge _Kiluje_ und die beiden Städte _Firusan_ und +_Dscherbadakan_; die erste, im persischen Irak in der Nähe von Firusan +gelegen, ward von _Firus_, dem Könige der altpersischen Dynastie der Beni +Sasan, erbaut, von welchem sie den Namen hat, in einer an Baumwolle, Korn +und Früchten aller Art gesegneten Gegend gelegen[522]. Dscherbadakan, auch +_Derbajekan_ oder _Güljadkjan_ genannt, ist eine zwischen Kerdsch und +Hamadan gelegene Stadt, welche Humai, die Tochter Behmen's, des Kejanen +(die Parisatis der Griechen), baute und _Samere_ nannte[523]. Jusufschah +begab sich nach dem Gebirge Kiluje (in Luristan) und schlug die Schulen, +den Sieg mit seines Bruders Nedschmeddin Tod bezahlend[524]. In Chorasan +schlugen sich indessen die Feldherren _Nikpei Behdi_ und der Turkmane +_Akbeg_ wider die dschagataischen Prinzen _Dschoba_ und _Kapan_, den Sohn +Alghui's, das Land verödend, wie bereits oben gesagt worden. Akbeg hätte +sich gerne mit seiner Beute zu Kaidu geflüchtet, aber einer seiner Brüder +kam zum Dienste des Steigbügels des Prinzen Arghun und entdeckte demselben +des Bruders Anschlag. Arghun berief den Turkmanen ein, um ihn an den Hof +Abaka's zu senden; auf dem Wege dahin wurde er zu _Kökdsche denis_, d. i. +am blauen Meere (am Uralssee), abgethan; so ward auch der Intendent Melik +Ssadreddin zu Rei hingerichtet. Der von Hulagu und Abaka hochgeschätzte +Sekretär _Dschenglaun Bachschi_ und der Feldherr Emir Arghun, der Sohn +Dschurmaghun's, starben natürlichen Todes. Zu Tebris stürzten alle Thürme +im Erdbeben ein. [RN: 671/1272] In diesem Jahre, wo zu Tebris Melik +Ssadreddin hingerichtet ward, starb zu Konia in Rum, dessen Fürsten unter +der eisernen Ruthe mongolischer Vogtschaft standen, der grosse mystische +Scheich Ssadreddin von Konia; im nächsten Jahre aber hatten Astronomie und +Philosophie, Mystik und Poesie noch weit grösseren Verlust zu beklagen in +dem Tode Nassireddin's von Tus, des Werkzeugs des Sturzes der Assassinen +und des Chalifats, des Errichters der Sternwarte von Meragha, des +Verfassers der berühmten Metaphysik und Ethik, deren schon oben Erwähnung +geschehen, und des grössten mystischen Dichters der Perser, _Mewlana +Dschelaleddin's_ Rumi, beigenannt der Molla Kaiser, des Verfassers des +Mesnewi, des Stifters der Mewlewi. Nassireddin von Tus befand sich am Hofe +Abaka's im Mittelpunkte des Reichs als der Repräsentant der Wissenschaft, +während die Mystik und Poesie in den äussersten Enden desselben, in Rum und +in Fars, blühten, in Rum durch die obengenannten beiden grossen Scheiche +Dichter, in Fars noch durch _Saadi_, den wahren König der persischen +Dichter seiner Zeit, wiewohl _Hemker Farsi_ das Amt des Dichterkönigs am +Hofe der Atabegen zu Schiras bekleidete; dass aber schon damals der +Dichterkönig von Amtswegen nicht unbedingt als der grösste Dichter erkannt +ward, beweiset, was Dewletschah in seinen Lebensbeschreibungen persischer +Dichter bei der Imami's von Herat erzählet. In einer Abendversammlung +stritten sich die vier geistreichsten und gelehrtesten Staatsmänner +Abaka's, nämlich der Wesir Schemseddin Dschuweini, der Statthalter Rums +Moineddin Perwane, der Richter Mewlana Schemseddin und der Intendent Melik +Iftichareddin von Kerman, einen Abend lang darüber, ob _Saadi_, ob _Imami_ +aus Herat oder _Hemker Farsi_ (der Dichterkönig) der grösste Dichter; sie +kleideten diese Frage in Versen ein[525] und sandten dieselben zur +Entscheidung an den Dichterkönig von Amtswegen; dieser antwortete +bescheiden und wahr: + + Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang, + Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund; + Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund, + So läuft _Imami_ mir und _Saadi_ ab den Rang. + +Wie tief persische poetische Bildung damals in Staatsgeschäfte eingriff, +wird sogleich aus dem Verhältnisse und Briefwechsel des gelehrten Wesirs +Schemseddin Dschuweini mit Melik Schemseddin Kert, dem Herrn von Herat, +erhellen. + +[Randnote: Schemseddin Kert.] + +Melik Schemseddin Kert, welchem schon Tschengischan die Herrschaft von +Herat überlassen und welchen sein dritter Nachfolger, Mengku, als Herrn von +_Herat_, _Sebsewar_, _Ghur_ und _Ghardschistan_ bestätiget hatte, war ein +unternehmender, staatskluger, hochgebildeter Fürst, dessen Arm nie seinem +Kopfe zuvoreilte und dieser nie hinter jenem zurückblieb. »Er war,« sagt +Wassaf, »ein Mann von hohem Geist und erhabenem Sinne, der sich der +Humanitätswissenschaften befleisst. Er vereinigte in sich die beiden Lehren +von den Fingern und von den Speeren, gleich geschickt zu tanzen den Reigen +der Worte und der Lanzen. Inhaber von Büchern und von Heeresschaaren, ein +Bereiter, kundig, die Stufen und Grade zu bewahren, der auf Orion's +Schultern sass und auf denselben, als seinem Reitpferde, die Himmel +durchmass. + + Schüttelt die Hand er zum Wohlthun, so ist sie ein Meer, + Schüttelt die Hand er zum Kampfe, so ist sie ein Speer; + Wann sich die Erde verfinstert, so ist er die Sonne, + Wann sie verdorret, erfrischt er als Guss sie mit Wonne.« + +Sein Vater, _Kert_, war zur Zeit der Sultane _Ghurs_ einer ihrer Emire und +gehörte zu den nächsten Umgebungen Sultan Schihabeddin's, des neunten +Herrschers von Ghur, welcher vor Sultan Mohammed Chuaresmschah sich nie +gebeugt. Zu Beginn der Regierung Mengkukaan's, als wider diesen Jesui +Menluk, der dritte Sohn Dschagatai's, ein Heer gerüstet, ward Schemseddin +Kert geschlagen und flüchtete zu Batu, fand sich aber, sobald Mengku die +Prinzen, seine Nebenbuhler um den Thron, aus dem Wege geräumt, am Hofe +desselben huldigend ein. Er trug vor, dass, weil er bei der Annäherung des +Heeres Tschengischan's demselben huldigend entgegengekommen, er von +demselben mit dem Lande Ghur[526] mit dem tiefeingeschnittenen +Schluchtlande des nordöstlichen Sistan's ober Kabul und mit Ghardschistan, +dem nördlich von Ghur unter Balch gelegenen Gebirgslande belehnt worden +sey. Mengku bestätigte ihm nicht allein den Besitz der beiden +Gebirgslandschaften von Ghur und Ghardschistan[527], deren Einwohner +derselbe Schlag von Menschen, durch Diplom und das Ehrenzeichen des +Löwenkopfs, sondern schlug noch Herat und Nimrus, jenes östlich, dieses +südlich von Ghur (das eigentliche Sistan), dazu. Schemseddin begab sich in +den Dienst Arghun's, des Statthalters in Chorasan, und erhielt von +demselben das ganze Land bis an die Ufer des Oxus in Acht und Pacht. Auch +Hulagu hatte denselben mit Ehren und Geschenken ausgezeichnet, aber schon +im Jahre nach der Eroberung Bagdads [RN: 658/1259] (bei welcher er nicht im +Heere Hulagu's erschienen) entbrannte wider ihn der Zorn Hulagu's in so +hohem Grade, dass er dem wider ihn gesandten Heerführer Tegur den Auftrag +gab, ihm die Haut Schemseddin Kert's mit Stroh ausgestopft zu schicken. +Kert schlug nicht nur die Truppen Tegur's, sondern auch ein zweites, wider +ihn gesandtes ilchanisches Heer zu Schelaun, an der Gränze Herats, sandte +aber dann Botschaft der Unterwürfigkeit und Geschenke an Hulagu und erhielt +dessen Verzeihung. Als er, am Hofe angelangt, von Hulagu befragt ward, +warum er ohne Befehl den Statthalter von Nimrus getödtet, antwortete er +schlagfertig: »damit der Padischah an ihn nicht dieselbe Frage stelle, wie +jetzt an mich.« Dem Hulagu gefiel die Antwort, und er nahm den Herrn von +Herat und Ghur wieder zu Gnaden auf; Schemseddin machte in Hulagu's Geleite +den Feldzug wider Berke mit und erwarb sich dessen Zufriedenheit durch +Tapferkeit und Ergebenheit; aber in dem Feldzuge wider Chorasan fiel er in +die Ungnade Abaka's, weil er der Einladung des Prinzen _Tebsin_, in dessen +Lager zu erscheinen, nicht Folge geleistet, in seinem festen Schlosse von +Chaisar fest sass. Abaka sandte Truppen, um denselben durch Gewalt zu +bezwingen. Schemseddin machte Vorstellungen wider diese Massregel, wodurch +Chorasan von neuem verheert werden würde; er bat den Ilchan, die +Schlichtung dieses Geschäfts seinem Sohne Chodscha Behaeddin, dem +Statthalter von Issfahan, zu überlassen. + +[Randnote: Briefwechsel zwischen den beiden Schemseddin (Kert und +Dschuweini)] + +Schemseddin Kert, an hohem Muthe und Geist ein würdiger Zeitgenosse und +Nebenbuhler des Wesirs Schemseddin Mohammed Dschuweini, sandte an diesen, +als er die Annäherung der wider ihn gesandten Truppen vernahm, die +folgenden Verse: + + Wer schickt nach Chata Botschaft an den Türkenchan? + Ist nicht _Nimrus_ das Vaterland von _Purdestan_[528], + Von dessen Schwerte und von dessen Stiereskeule + Das Haus Efrasiab's noch heute trägt die Beule? + +Schemseddin Dschuweini, um als Dichter nicht zurückzubleiben und um die +Sache in Gutem beizulegen, sandte Schemseddin Kert das folgende Schreiben, +halb in Versen, halb in Prose: + + »Reichsglanz, o König _Schemseddin Mohammed Kert_, + In dem der König und der Engel[529] sich bewährt. + Wie schwer dem Herzen deine Trennung fällt zur Last, + Wird nicht von Genien, von Menschen nicht gefasst. + O Du von hellem Sinn und von wahrhaftem Wesen, + Es ziemt sich, dass, wenn du diess Schreiben hast gelesen, + Du, wie der Wind, entflammst der Wunscherreichung Gluth, + Und diesen Staub abwaschest mit der Vorsicht Fluth. + +Da der Gebrauch des lieblosen Himmels und des trübseligen Erdgetümmels +droht, dass sie das Begehrte und Beliebte hinter dem Schleier der +Verwehrung verstecken und den Zweck des Herzens und der Seele ferne +stecken, so geschieht es, dass alle Lüsten und Mühen, welche sich der +Menschenliebe geben, nur Beschwerden und Gefahren nach sich ziehen, und +dass sie allzumal in der Wahl der Sicherheit, wie sie dieselbe immer +erfinden, nur Stoff der Entäusserung und Täuschung finden. + + Weltenbrauch ist's einmal nun, + Stäts das Gegentheil zu thun; + Hätten wir die Eintracht nicht begehrt, + Hätte Welt dieselbe uns gewährt. + + O wenn Genuss zu uns doch heute wiederkehrte, + Ich würde sagen ihm, wie Trennung uns beschwerte. + +Der Sinn des Gesagten ist: Seit Jahren ist das Ohr der Seele und die Seele +des Ohrs mit dem Schalle der Grossmuth des Königs des Islams, des +Herrschers von Iran, des Chosrews der Erde, die Sonne der Wahrheit und der +Religion (die Welt sei seinen Geboten und Verboten unterthänig und der +Himmel seinem Vorhaben günstig!) als mit einem Ohrgehänge geschmücket und +entzücket worden, und dieser elende Sklave Mohammed Ben Mohammed +El-Dschuweini hat gewünscht, dass er von Angesicht zu Angesicht denselben +schaue; als es nahe daran war, dass dieser Wunsch erfüllet worden ganz und +gar, brach von dem Loos eine geheime Absicht der Verzögerung los (sie möge +nur Gutes bewirken!); das erstaunte Herz blieb ohne Kopf und die Seele +blieb nur das Ergebniss des Spruchs: _Der Gierige bleibt beraubt zurück:_ + + Ein Engel sitzt an des lazurnen Daches Rand, + Der für die Liebenden dort bildet Scheidewand. + +Seit einigen Tagen sind Boten des Prinzen Mohammed von jener Seite gekommen +und haben erfreuliche Nachrichten von beglückter höchstdero Seite gebracht. +Diese Kunden hatten des Messias Eigenschaft, dessen Wunderkraft Todte in's +Leben rafft; der Kiel des Schreibers der Kunden hatte über die +Nothwendigkeit, sich vor Seiner Majestät dem Ilchan zu hüten, sich +herausgelassen; hier erkühnt man sich aber, zu schreiben, dass der Weg +unnöthiger Behutsamkeit des leeren Verdachts möge verschlossen bleiben, +indem der Vorsatz jener Majestät (des Ilchan's) nach Westen und nicht nach +Osten steht.« + +Hierauf antwortete Schemseddin Kert, wie folgt: + +»Da die Tage und Nächte, die nacheinander ziehen, sich dahin bemühen, dass +kein Geschöpf den Wunsch des Herzens erreiche, und dass jeder Gedanke, auf +welchen man das Herz setzt[530], verändert sich nimmer gleiche, so nützen +Nichts Fleiss und Streben, und Mühen und Beschwerden können keinen Gewinn +geben. Jahre sind es, dass ich mit Gebet und Fasten und Bitten ohne Rasten +gewünscht das verehrte Antlitz des grossen Inhabers (des Diwans), des +gerechtesten und geehrtesten Wesirs, dessen Rath und That gesiegt, der die +Sonne des Reichs und der Religion (seine Würde werde vermehrt!), zu sehen +und demselben alten und neuen Gram zu gestehen, aber + + Da mit den Feinden viel der Freund ist umgegangen, + Geziemt sich nicht, von diesem Freunde zu verlangen: + Hüt' vor dem Honig dich, dem Gift ist beigemischt, + Und vor der Fliege, die gesessen ist bei Schlangen. + +Durch die Frische der Rosenzeit und durch die Bewässerung der Jahre wurden +die Banden der Eintracht und Freundschaft und die Formen der Liebe zwischen +beiden Seiten befestigt und das Gebäude der Einigkeit stark und hart vor +den Giftwunden alles Fremdartigen bewahrt, die Kibla der Wahrheit +zugewendet, und es wurden alle Tage Briefe gesendet, einzuladen Tataren und +lasterhafte Barbaren. (Hemistich) + + _Was dir gefällt, gefällt mir nicht._ + +Diess liegt aber ausser der gesunden Vernunft Pfaden, und es ist zuwider +dem reinen prophetischen Gesetze und den Ueberlieferungen Mustafas, des +Freunds der Gnaden. + + Besser ist's, dass Weiser einsam streife, + Dass nach Winkeln er als Festen greife, + Dass er trinke, küsse und ausschweife, + Bis dass Welt Beständigkeit ergreife. + +In diesen Tagen wird an den Sohn Mohammed kommen, was soll frommen, so Gott +will, der Allgeehrte.« + +[Randnote: Schemseddin's Verse: das Grün und Roth.] + +Die Verse, welche Schemseddin Kert mit Schemseddin Mohammed gewechselt, +sind nicht die einzigen, welche die Geschichte von diesen beiden _Sonnen +der Religion_ aufbehalten; vom zweiten wird noch in dieser und in der +folgenden Regierung die Rede seyn; vom ersten sprechen wir hier zum +letztenmale und erwähnen daher noch zwei anderer Früchte seines +Dichtertalentes, wovon das eine nur von geringem poetischem Werthe, weil +das grösste Verdienst desselben im Wortspiel, das andere aber so +merkwürdiger, als es in Europa neuer Beitrag nicht zur ethnographischen, +wohl aber zur ethographischen Farbentheorie der Morgenländer. Das erste, +eine Antwort an _Siadeddin_, das ist _Glanz der Religion_, den König von +Kabul, mit welchem Schemseddin in grosser Zerwürfniss und Bewilderung. +Jener schrieb ihm: + + Aus Groll gen Kabul wollte ghurscher Junge + Nicht lösen zum Gespräch mit mir die Zunge; + Du bist die _Sonn'_, ich _Glanz_; ein Jeder weiss, + Die Sonne macht durch Glanz nur hell und heiss. + +Schemseddin Kert entgegnete hierauf: + + Du, deiner nicht bewusst, nimm dich in Acht! + Warum hast Feindschaft du mit mir gemacht? + Ich bin die _Sonne_ und du bist der _Glanz_, + Der von der Sonne kommt; was will der Glanz? + +Die zweiten Verse sind zum Lobe des _Grünen_ im Gegensatze mit dem +_Rothen_, worunter aber keineswegs das Grün der Erde, des Meers oder +Smaragds, oder das Roth des Morgens oder der Blumen oder des Rubins, +sondern ganz ein anderes Grün und Roth verstanden wird. Ohne nähere +Belehrung hierüber würde das folgende Lob des _Grünen_ und _Rothen_ einem +Abendländer eben so unverständlich sein, als einem Morgenländer die _grüne_ +und _blaue_ Partei des Rennplatzes gleich Eingangs der Commentare Mark +Aurel's. Die Farben des Lebens und Todes des Morgenländers sind, wie bei +den Abendländern, das Weiss der Tage und das Schwarz der Nächte, jenes +Glück, dieses Unglück vorbedeutend, worin er mit dem Abendländer +übereinstimmt; aber schon bei dem Unterschiede der Menschenrassen setzt +jener den Schwarzen nicht die _Weissen_, sondern nur die _Rothen_ entgegen; +so ist Mohammed der an die _Rothen_ und _Schwarzen_, d. i. an alle Rassen +der Menschen, gesandte Prophet; die _Rothen_ sind jenen die blutigen Säbel +und der gewaltsame Tod, die _Schwarzen_ die giftgeschwollenen Schlangen +und der Tod durch die Pest; dem _Schwarzen_ steht das _Grün_ entgegen; dem +_schwarzen Korn_, die Begier, das jedem Menschensohn in die Brust gepflanzt +ist, und das nur dem Propheten durch Gabriel der gespaltenen Brust +entnommen ward, ist entgegengesetzt das _grüne_ Korn der Mystiker, welches, +durch Beschauung gross gezogen, in der Brust des Menschen zum Baume des +Lebens und der Erkenntniss aufwächst. Das _grüne Korn_ in rein sinnlicher +Bedeutung ist aber das des Bilsenkrauts und des daraus bereiteten Opiats +als Berauschungsmittel, im Gegensatze des _Rothen_, d. i. des Weins. +Schemseddin, dem Genusse des ersten ergeben, sang zum Lobe desselben die +folgenden Verse: + + Der Reiche, welcher trinket Wein, wird warm, + Die Welt füllt sich für ihn mit Lust statt Harm. + Ich giess' Smaragd in den Rubin gelinde[531], + Damit das Aug' der Gramesschlang' erblinde[532]. + Wenn Staub des grünen Korns versüsst das Maul, + Besteige ich des Himmels grünen Gaul; + Mit _Grünen_ ess' ich _Grünes_ in dem _Grün_, + Bis dass mein Staub wird einst als Pflanze grün. + +Wassaf entgegnet hierauf zum Lobe des _Rothen_: + + _Rothe_ Rose, _rother_ Wein und _rothe_ Wangen; + Trink', so lang noch frisch und _roth_ ist das Verlangen; + Gilb' nicht dein Gesicht mit Gram, denn _blau_ ist Himmel, + Wenn auch _schwarz_ und _weiss_ des Tags, der Nacht Gewimmel. + +Behaeddin, der Sohn Schemseddin Dschuweini's, beredete zwar den Herrn +Herats, sich an den Hof Abaka's zu begeben, aber dieser liess ihn im +Schlosse von Tebris einsperren, wo er bald hierauf starb, wie es heisst, +durch Gift, das er im Ringe trug und selbst in die Speise gemischt haben +soll. Die Meinung von seiner Listigkeit war so gross, dass der zur +Begräbniss bestellte Emir, fürchtend, er möge sich nur todt stellen, um +dann zu entwischen, ihn in zwei ineinander geschachtelte Särge legen und +beide in seiner Gegenwart fest vernageln liess[533]. Das auf seinen Tod +verfasste Distichon finde hier Raum, weil dasselbe, wie die obigen Verse, +sich auf eine dem Morgenländer eigene Sitte, nämlich auf die der +Orakelverse aus dem aufgestochenen des Korans beziehen. Dieses Aufstechen +heisst _Fal_, was vielleicht dasselbe mit dem deutschen und englischen +_Fall_[534]. + +[Randnote: Schewwal 676/März 1278] + + Im Jahr sechshundert sechs und siebzig im Schewwal, + Da schlug in dem Koran das Schicksal auf als _Fal_ + Dem Leu'n des Islams, der genannt _Mohammed Kert_, + Den Vers: _Verfinstert ward die Sonne allzumal_. + +[Randnote: Die Niguderischen Banden in Fars; Lob der Mongolen aus dem Munde +Wassaf's.] + +Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem in Europa Rudolph +von Habsburg die Macht seines Hauses nach dem Siege über Ottokar +befestigte, war für Persien ein unheilbringendes durch die Vergiessung +seines Herzblutes in Fars durch den Einfall und die Verheerung der +Niguderischen Banden[535], d. i. die Truppen des dschagataischen Prinzen +Niguder, welcher, wie oben erzählt worden, auf Borrak's Schreiben aus dem +Lager Abaka's entwichen, im Norden eine Zeit lang den Krieg fortführte, +welchen nach seinem Tode seine Heere durch Raub und Verheerung fortsetzten, +wie ehemals nach dem Sturze Chuaresmschah's die chuaresmischen Banden in +Syrien. Die niguderischen Banden bestanden aus Raubgesindel aller Nationen, +aus Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie fielen in Fars im +Distrikte _Korbal_ ein und schlugen das persische Heer zu _Teng Schikem_, +wo die Emire desselben die Brücke so abgebrochen hatten, dass nur für Einen +Mann Raum zum Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nur +_Bulghtuwan_ hieb sich mit dreihundert Reitern durch den rechten Flügel der +Feinde und rannte, indem er die Brücke hinter sich verbrannte, fliehend bis +Issfahan; der Rest des Heeres wurde zerstreut oder ertrank. [RN: 17. +Ramasan 677/1. Febr. 1278] Korbal wurde geplündert, dreitausend +verschnittene Pferde wurden sammt einer Horde von Mädchen und Knaben +weggeschleppt. Drei Jahre später [RN: 680/1281] überschwemmten die +mongolischen Banden abermal Germsir, d. i. die südlichste Landschaft von +Fars, und wandten sich dann gegen Sistan; jeden Winter fürchtete man zu +Schiras ihre Rückkehr und war mit Ausbesserung der Mauern beschäftigt, denn +auf die verweichlichten Truppen von Fars war kein Vertrauen zu setzen. +Wassaf setzt der Schilderung der Weichlichkeit von jenen die der Tapferkeit +der Mongolen mit folgenden Worten entgegen: + +»Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach Jahrtausenden die +Erzählungen der Kunden in Vers und Prose geweiht, und deren Mannhaftigkeit +und Tapferkeit die Gemälde der Bücher und Blätter weit und breit, wieder +zur Welt zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn ritterlicher +Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der Schlacht von jedem einzelnen +Mongolen Lection nehmen und Nichts Besseres thun, als im Dienste ihres +Steigbügels die Satteldecke auf die Schulter zu nehmen. Wenn die +berühmtesten Bogenschützen vergangener Völker, von den Arabern die Stämme +_Siraa_ und _Kara_ und von den vier persischen Dynastien die berühmtesten +vier Schützen, nämlich: _Aresch Schefatir_[536], _Isfendiar Rujinten_[537], +_Koresch Aschghan_[538] und _Behramgur_[539], deren Bogenkunde das Buch von +den _Graden der Reiter_ so umständlich ausführt und commentirt; wenn diese +den Flug der Geschosse der Mongolen, die Stärke ihres Arms, die Spannung +ihrer Bogen, die Wirkung ihrer Pfeile erführen, so würden sie sich nur als +Verwundete des Pfeiles der Eifersucht getroffen vor dem Geschosse der +Schmach und den Pfeilen des Schmerzes prostituiren. Ueber die Heftigkeit +und Hartherzigkeit, die Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen, über ihr +Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu erniedrigen, die ihnen +unterliegen, über ihre Kunst, zu kriegen und Helfer anzufesseln ihren +Siegen, ist es überflüssig, Etwas zu wiederholen: _Was thut Saturnus Noth, +wenn du die Sonne schaust!_ Sie gewähren der Gelegenheit die Macht, mit +kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld Alles zu verschmerzen, +listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas verfolgen; am Tage der Schlacht +spalten sie die Herzen der Löwen mit Macht und brechen den Damm der +Zufälle, so dass es kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar, einem +der Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte und steht hier an +ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe der vollkommene zehn Eigenschaften der +Thiere besitzen müsse: die Tapferkeit des _Hahns_, die Milde des _Huhns_, +das Herz des _Löwen_, den Anfall des _Schweins_, die Geduld des _Hundes_ in +Ertragung von Wunden, die Behutsamkeit des _Kranichs_, die List des +_Fuchses_, die Vorsicht der _Raben_, die Raubsucht des _Wolfs_ und die Ruhe +der _Katze_. Diese Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit +Billigkeit muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der Welteroberung +und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward gegeben; ihre Folgsamkeit für +die Befehle ihrer Befehlshaber, ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu +enthalten, ihre Hut von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt +und ausser Zweifel gesetzt.« + +[Randnote: Verhältnisse mit Aegypten; natürliche Politik.] + +Auf die kriegerischen Eigenschaften der Mongolen und ihre Feindschaft gegen +die Mamluken hatten die Kreuzfahrer in Syrien ihre Hoffnungen gebaut, und +eine Gesandtschaft derselben flehte Abaka um thätige Hilfe an. Auf seinen +Befehl fiel ein von _Semaghar_, dem Befehlshaber der mongolischen +Streitkräfte in Kleinasien, und von _Perwane_, dem mongolischen Vogte +Kleinasiens, befehligtes Heer in Syrien ein. [RN: 670/1271] Der Vortrab von +tausend fünfhundert Mann hieb einen zwischen Harun und Antiochien +gelagerten turkmanischen Stamm zusammen und verheerte das Gebiet von Harun +und Murudsch. Auf die erste Kunde hatte Bondokdar, der sich zu Damaskus +befand, [RN: 18. Rebiulewwel/24. Oct. 1271] einen Eilboten nach Kairo mit +dem Befehle, dass der General _Beiseri_ mit dreitausend Mann aufbreche, +gesandt. Bondokdar verliess mit demselben Haleb, [RN: 12. Nov.] aber die +Mongolen hatten sich schon aus Syrien zurückgezogen. Sultan Beibars sandte +eine Truppenabtheilung nach Meraasch, dem alten Germanicia, der Hauptstadt +der noch heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, die anderen +nach Harran (dem alten Carra zur Römerzeit), durch den Tod des Caligula, +durch die Niederlage des Cassius, in älterer Zeit durch den Tempel der +Sabäer, namentlich durch den der Luna, und als der Wohnsitz Abraham's im +Lande _Ur_ geschichtlich geadelt. Die Einwohner Harran's öffneten die Thore +und zerstreuten sich in die Städte Syriens; aber im nächsten Jahre kam eine +mongolische Truppe und schleifte die Mauern der Stadt. Zu Damaskus +erschienen vor Bondokdar Gesandte Semaghar's und Perwane's, welche im Namen +Abaka's Friedensunterhändler begehrten; der Sultan sandte zwei seiner +Officiere mit ihnen, welche den Feldherrn Semaghar zu Siwas fanden und ihm +statt der gewöhnlichen neunmal neun Geschenke nur neun Bogen und neun +Pfeile darbrachten, den Abgang der andern neunmal sieben durch die +Eilfertigkeit ihres Ritts entschuldigend. Perwane begleitete die Gesandten +des Sultans an den Hof Abaka's, dem sie zum Geschenke einen Helm von +Igelstacheln, einen Säbel und neun Pferde darbrachten und ihm den von Mengu +Timur, dem Herrn von Kipdschak, gemachten Vorschlag eines +gemeinschaftlichen Angriffs auf die Länder Abaka's im Norden und Süden +mittheilten. Die Stammeifersucht zwischen dem Feldherrn des Uluses Hulagu's +und Dschudschi's, welche unter Hulagu und Berke in offenen Krieg +ausgebrochen, unter Abaka's Regierung nur durch Waffenruhe, nicht durch +Frieden besänftiget war, machte die Herrscher Kipdschaks zum natürlichen +Verbündeten der Sultane von Aegypten, so wie gemeinsames Interesse wider +die letzten die Kreuzfahrer wider die Mongolen verband, während die +Schaukelpolitik der byzantinischen Kaiser sowohl an den Herrscher des +Uluses Dschudschi's als an den des Uluses Hulagu's die Sendung von +Gesandtschaften und Prinzessinnen vervielfältigte, um ihre, den Rest des +byzantinischen Reichs in der Hauptstadt bedrohende, von allen Seiten +hervorbrechende Macht so lange als möglich ferne zu halten. Dieses +sogenannte natürliche Interesse, wodurch die nächsten Nachbarn geborne +Feinde eines Staats, sowie die unmittelbaren Gränznachbarn der Feinde +geborene Verbündete, ist eine Parallele barbarischer Politik zu der nicht +minder barbarischen türkischen Ansicht der Familienverhältnisse, vermöge +welcher die Söhne die natürlichen Feinde der Väter, sowie ihre natürlichen +Freunde die Enkel, weil diese als Feinde ihrer Väter geboren. Hier wie dort +misst der niedrigste Eigennutz der Habsucht die Grade der Freundschaft und +Feindschaft im umgekehrten Verhältnisse der Entfernungen der Länder und des +Bluts, und diese bisher sogenannte natürliche Schaukelpolitik, welche +vielmehr mit dem Namen der unnatürlichen gebrandmarkt sein sollte, muss in +dem Masse verschwinden, als sich die Völker durch gegenseitigen Austausch +der Ideen verbinden und die Bildung der Humanität fortschreitet; sie wird +sich (sowie die Familienansicht der Feindschaft der Söhne und Freundschaft +der Enkel schon heute keine christliche und europäische mehr) zuletzt nur +bei den Barbaren finden, so lange es deren noch auf Erden geben wird; dass +diese Politik aber im Mittelalter und besonders im byzantinischen und +mongolischen Reiche, bei den Mamluken und Kreuzfahrern culminirte, darf bei +der allen gemeinsamen, vorherrschenden Barbarei jener Zeit nicht Wunder +nehmen. + +[Randnote: Streifzug in Armenien.] + +Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft an Beibars, um zu +begehren, dass der Sultan selbst oder einer der ersten Männer des Reichs an +den Hof Abaka's komme, den Frieden zu unterhandeln. [RN: Ssafer 671/Aug. +1272] Bondokdar antwortete: wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst +oder einer seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die Nachricht, +dass mongolische Truppen die beiden Gränzplätze _Rahbet_ und _Birtha_ am +Euphrat bedrohten, brach Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte +Schiffe mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen. [RN: 9. Rebiulewwel +671/4. Oct. 1272] So haben wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung +der Dampfschifffahrt auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch die Wüste +Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar die Nachricht erhalten, +dass die Mongolen vor Bire, und durch dieselbe versprach er der Stadt den +schleunigsten Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig +Poststationen zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben Tagen +zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber entweder nicht angelangt +oder zu wenig, denn der Uebergang über den Euphrat ward mittels fünf und +dreissigtausend Kameelen[540] bewerkstelligt, auf denen das Heer +überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt dem ägyptischen Heere +überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar verfolgte sie und erbeutete von den +Nachzüglern einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer +grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu Damaskus ein. Der +Befehlshaber von Haleb, Hossameddin von Aintab, sandte einen Streifzug nach +Armenien, weil dasselbe für die Streifereien des Kastellans von _Kinuk_ die +begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen, die Männer wurden +niedergehauen, die Weiber in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der +Hauptstadt Sis widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert. +Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens und den Marsch Abaka's +längs des Sab gegen den Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich +nach Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte. An seinem Hofe +erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige Melik Schemseddin Behadir, Herr von +Samosate, Sohn des Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm, +welcher nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan und +endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; [RN: 17. Ssafer 672/2. Sept. +1273] er hatte schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste +geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen des Sultans an +einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, von Reliquien +begleiteten Brief, den er hernach auffangen liess, die Hinrichtung dieses +Bischofs bewirkt[541]; auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der +Nestorianer, welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen verfolgt, +Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen hatte, war neue +Verfolgung im Anzuge; um derselben zu entgehen, verlegte er seinen Sitz von +Irbil nach Aschim in Aserbeidschan[542], in der Nähe der Hauptstadt, weil +die Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars, der sich über +Verletzungen des mit dem Könige von Armenien geschlossenen Vertrags zu +beklagen hatte, beschloss, Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im +Geleite Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin Isa's, des +Emirs der syrischen Beduinen, auf. [RN: 3. Schaaban 673/1. Febr. 1275] Der +Emir und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb, erhielten den +Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu nehmen; aber zu Sermin +angelangt, liess Beibars dort sein Gepäcke unter der Obhut des +Befehlshabers Ben Sonkar zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch +die Einnahme Ssalaheddin's[543] und fünfzig Jahre hernach durch einen Sieg +der Saracenen über die Templer in der Geschichte der Kreuzzüge schwarz +gezeichnete feste Burg liegt am _Nehr Eswed_, d. i. am schwarzen Flusse, +welcher dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten +fruchtbarer Fluren und Gärten[544]. Von den Mongolen erobert, ward sie an +König Hethum abgetreten, von diesem vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar +übergeben worden[545]. + +[Randnote: Verheerung Ciliciens.] + +Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn Miglien davon gelegenen +Baghr, dessen Einwohner meistens christliche Fischer[546], und sandte von +hier Truppenabtheilungen zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken +zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen Richtungen in's +Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter einer von König Hethum, dem Vater +des regierenden Königs Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegen +_Merkes_[547] durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner Enge +_Ssakaltutan_, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss von Merkes ist der +alte _Kersos_, dessen Name sich in dem des Schlosses zum Theile +erhalten[548]. Die ägyptischen Truppen verheerten Massissa, das alte +_Mopsuestia_, d. i. der Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des +Dschihan (Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen der +Goldstoffwiese[549] in den Kriegen der Byzantiner mit Seifeddewlet durch +Schlachten berühmten Ebene, eine halbe Tagreise von Adana; eine steinerne +Brücke verbindet den diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der +Stadt. Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von Massissa bis +an das Meer zieht, heisst der _Dschebelon-nur_, d. i. der Lichtberg, auf +welchem die schönsten Hiacinthen und seltene Pflanzen, unter andern +Mandragoren und ein Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb +färbt, von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins der Weisen +gesucht wird[550]. Unter Massissa liegt die tiefe Felsenschlucht, welche +_Kurd Kulaghi_, d. i. das Wolfsohr[551], heisst, zur Linken auf einem hohen +Berge das weisse Schloss _Jilan Kalaasi_, d. i. das Schlangenschloss, das +für die Residenz der Schlangenkönigin gilt[552], die sich mit der +Kronjuwele auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese und auf den Höhen +des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang in dem Gebirgspasse bis nach _Sis_, +der Hauptstadt des alten armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe +gelegenen Festen von _Ainsarbe_, _Tel Hamdun_, _Serfendkjar_ und +_Bersbert_ von den Arabern die Schneidezähne[553], d. i. die Gränzfesten +des Islams, genannt werden; die letzte war der Schatzhort der armenischen +Könige und eine Zeit lang die Residenz derselben[554]. Nachdem _Sis_ +verbrannt worden, kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier +seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere gelegenen +cilicischen Städte _Tarsus_, _Adana_, _Barin_ und _Ajas_ gewendet. +_Tarsus_, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischen Könige hinauf datirt, +indem sich Sardanapalus dasselbe erbauet zu haben rühmte, ist in der des +Chalifats als der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist +aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien berühmteste +Stadt Ciliciens; am Cydnus[555], welcher die Mauern derselben wäscht, hatte +Alexander nicht ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher +als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph oder +Calycadnus[556], der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod gefunden. Den Cydnus +war Kleopatra in ihrer mit purpurnen Segeln und vielfarbigen Flaggen +bepfauten goldenen Galeere hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische +Ueberlieferung nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der +Dschinnen[557], wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und +einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen befahl. Der +schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne) sprang wieder in's Wasser, so +dass derselbe die Kleider Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber, +befahl, den Fisch wieder herauszuziehen. »Nun werde ich dich sogleich +gebraten essen«, sagte der Chalife, und übergab ihn dem Koch, aber im +selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger Fieberschauer; als der Fisch +ihm gebraten vorgesetzt wurde, war er nicht mehr im Stande, davon zu essen, +und nach einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch diese +Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die Höhle der Siebenschläfer +verleget (wiewohl man sie auch zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus +nicht minder geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der +byzantinischen Feldzüge, [RN: i. J. 350/961] in welchen Tarsus, vom +byzantinischen Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste des +Islams ward. Zu _Adana_, der Hauptstadt der heute darnach genannten +osmanischen Statthalterschaft, welche Harun Raschid am Ufer des Sihan, +d. i. des Sarus, erbaut hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und +Kinder geraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von Baghras und +eine von Tel Hamdun entfernt, war in den Händen der Franken, welche ihr +Habe auf die Schiffe im Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern +verbrannt; tausend Franken und Armenier, die sich zur See retten wollten, +gingen in derselben zu Grunde[558]. Massissa wurde verbrannt. Im folgenden +Spätjahre wurde Bire von Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener +Belagerung zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo dieselbe +in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim des Königs, angegriffen +ward. [RN: 29. Nov. 1275] Das Treffen kostete dem Oheim des Königs, +vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern das Leben. Die Turkmanen, wiewohl +Sieger, zogen sich zurück[559]. + +[Randnote: Unruhen in Rum; Schlacht von Albestan.] + +Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald neue feindliche +Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens und dem Ilchane Persiens herbei. +Wir haben schon im vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden +Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und der Theilung Rums +zwischen beiden erwähnt. _Moineddin Ssahib Perwane_, d. i. der Inhaber des +Kabinetssiegels, der Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn +bei Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines +Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in der That hatte +Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage der Abtretung der Hälfte seines +Landes gesandt, wenn er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf +dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines Bruders und dessen +Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete sich zum byzantinischen Kaiser, +welcher, um dem Hulagu gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als +Staatsgefangenen einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den +Herrscher von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem von diesem +verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, die ihn aus Ainos befreiten; +er starb als Vassal des Herrschers der goldenen Horde in der Krim. +Rokneddin herrschte nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der +eigentliche Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn bei +Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner Hinrichtung. [RN: +666/1268] Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, wurde mit einer +Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, wo der letzte der Hohenstaufen, +Konradin von Schwaben, auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte. +Perwane herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen Sohnes +Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums, unter diesen auch der Sohn +Perwane's[560], flüchteten zu Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider +Abaka auf. Nachdem er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren zum +Nachfolger ernannten Sohn _Said Berke_ in seiner Abwesenheit mit +unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet hatte, brach er nach Syrien und +von da gegen Cilicien auf. Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der +Wüste (Isa, der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber Chafadsche, +welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar zog über Aintab, +Dulak[561], Kinuk, d. i. durch den taurischen Pass, die heutige Strasse der +Pilgerkarawane. Er mündete in der Ebene von _Ablestan_ oder _Albostan_, +wohin Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten +Tempelstädte _Komane_, nämlich das kappadocische, verlegen[562]; hier +sowohl als in der goldenen Komane an der Vereinigung der beiden Arme des +Euphrat in Sakasene und im pontischen wurde die taurische _Artemis_ als +_Anaitis_ oder die Kriegsgöttin _Enyo_ in Tempeln verehrt, die unter Hut +grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden. Der Name +_Albestan_, d. i. der Garten, scheint derselbe mit dem des alten _Pästum_ +zu seyn, dessen Tempel vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das +pontische Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den Sieg +Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen Ruhm sollte nun das +kappadocische in der Kriegsgeschichte der Mamluken und Mongolen durch die +Niederlage der letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf +Regimentern von tausend Mann bestehend, ward von _Tokus_, seinem Bruder +_Uruktu_ und von _Tudaun_, dem Bruder Sughurdschak's, dem Suldusen, +befehligt; die Hilfstruppen bestanden aus türkischen, deren Treue[563] in +einer Schlacht wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen +Hilfscorps von dreitausend Mann. [RN: 11. Silhidsche 675/16. April 1277] +Freitags in der Hälfte Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag +Ssalaheddin's und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil dieser +vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an einem Freitage erfochten), +hatte die Schlacht statt. Der linke Flügel der Mongolen warf das +Mitteltreffen der Mamluken, in welchem das Panier des Sultans flatterte, +auf den rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und stellte die +gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu und Tudaun sassen mit ihrer +Reiterei ab, um den Anfall der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten; +aber die ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen wurden +geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun und sechstausend siebenhundert +siebzig gezählte Mongolen deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die +Gefangenen vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere +ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten überhäufte er mit +Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen der Ungläubigen schlügen; unter den +Gefangenen befand sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's[564]. +Ein Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem Ilchan, der +erzürnt nach Tebris zurückkehrte. + +[Randnote: Beibars zu Cäsarea.] + +Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu Kaissarije (Cäsarea) im +Triumphe, unter einem Thronhimmel, wie derselbe ober dem Haupte der Sultane +Seldschuken getragen ward, in den Palast des Sultans ein und setzte sich +auf den Thron. [RN: 18. Silkide/23. April] Mit dem Sultansbunde auf dem +Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte den Prinzessinnen des +Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten Grüsse; dann setzte er sich +wieder auf den Thron und empfing die Huldigung der _Ulema_ und _Kadi_, der +_Imame_ und _Scheiche_, der Prediger und Leser des Korans, der _Fakihe_ und +_Fakire_; der Ceremonienmeister, mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel +angethan, wies jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte den +Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn erscholl, die Leser +lasen Suren des Korans, Dichter declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit +einem Frühmahle königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee +des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet ward, so auch +in den übrigen sechs Moscheen der Stadt[565]; das ausgeworfene Geld war auf +seinen Namen gemünzt[566]. Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin +zu Kaissarije zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane, +welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans von Rum befehligt +hatte, war nach Verlust derselben nach Kaissarije geflohen und hatte sich +von hier mit dem Namensträger der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin, +nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin war seine von +vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin Gurdschi Chatun, die Tochter +Ghajaseddin's, des Herrn von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an +Beibars, um ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort forderte +Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane bat um einen Aufschub +von vierzehn Tagen, in der Hoffnung, dass Beibars, von dem Anmarsche +Abaka's benachrichtigt, eher Cäsarea verlassen haben würde, das er wirklich +am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess. Beibars verliess Cäsarea in +dem Augenblicke, wo zu erwarten stand, dass er seine Eroberungen in Rum +verfolgen würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, sonst +wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche die Lieferungen genau +bezahlten, nicht misshandelt. Während seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte +Beibars die Huldigung des Herrschers von Karaman empfangen, welcher, der +Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch vier und zwanzig Jahre +ein Nebenbuhler des der Seldschuken und dann durch hundert sechs und +siebzig Jahre der Osmanen, bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn +von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert ward[567]. +Schemseddin Mohammed, der Karamane, zog an der Spitze von dreitausend +Reitern nach der Hauptstadt Konia, vor welcher er die ihm von Sultan +Beibars gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe +aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die Stadt nicht, doch +würden sie ihn nicht hindern, wenn er die Thore verbrennen wolle, +einzuziehen. Er verbrannte zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte +sich der Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere entgegen, +welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, von seinen beiden Söhnen +befehligt, wider ihn gesendet; [RN: 29. Silkide 675/3. Juni 1277] der +Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der beiden Söhne des Wesirs +nach Konia, verliess dasselbe aber nach sieben und dreissig Tagen und zog +sich in's cilicische Gebirge zurück. [RN: Ssafer 676/Juli 1277] Im +folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal gegen Rum[568]. Zu Ablistan oder +Elbestan wartete ihm der Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin +von Issfahan auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen +Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen, Urheber von Unruhen, +hinrichten und gab den Befehl zur Verheerung der Städte Rums. In dem +Ausfluge von sieben Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner +geschlachtet; es fielen mehr als hunderttausend derselben als ein Opfer des +Schwertes[569]. Mohammed Schemseddin Dschuweini, der gerechte und gelehrte +Grosswesir, kaufte mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas +zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine Vorstellungen, +dass die Einwohner unschuldig der Rache verfallen, rettete. Nureddin +Chasneji und Sahireddin Ibn Husch wurden hingerichtet[570]. + +[Randnote: Gesandtschaft an Beibars, dessen Tod, Perwane's Hinrichtung.] + +Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. Die Emire stellten ihm +vor, dass in der Mitte des Sommers die Beschwerden des Zuges zu gross, dass +der Marsch besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte also +indessen Botschaft an Bondokdar: »Ihr seid wie Räuber auf die Vorwachen +unserer Heere gefallen und habt dieselben erschlagen, und als Wir uns +genaht, seid ihr wie Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun +auf dem Kampfplatze: + + Komm', dass du meine Lanze streifest, + Komm', dass du meinen Zügel greifest; + Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben, + Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben; + Hast du von Männern je gehört der Schlachten, + Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?« + +Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald darauf starb[571]. +Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem Bruder, dem Prinzen +Konghurtai[572] Aghul zur Huth, liess Tokat und das Schloss Perwane's +verwüsten[573] und kehrte nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von +Baiburt vorbeikam, das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen +berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe und Kumach durch die +Feinheit seiner Leindwand[574], erbat sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm +frei die Wahrheit sagen zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er: +»Herr, dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen Unterthanen +Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme entwischet, hast du denselben an +deinen Völkern ausgelassen, hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen +Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen gethan?« Die +Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck auf Abaka, der die Freigebung +von viermalhunderttausend Gefangenen befahl[575]. Im Lager von Alatak wurde +Moineddin Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt: +dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage sich nicht zum +Herrn begeben, dass er denselben nicht frühzeitig genug vom Anzuge der +Aegypter unterrichtet. Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's +sagten überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars auf +dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine Hände zu liefern +versprochen, dass er hernach aber vor demselben geflohen sei. An Perwane, +welcher den Sultan Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches mit +Gleichem vergolten; [RN: 1. Rebiulewwel 677/23. Juli 1278] Abaka war schon +auf dem Punkte, ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als die +Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei vor dem Palaste +Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt +den Befehl der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah, +seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von zwei Verbeugungen +verrichten zu dürfen; nachdem er es verrichtet, wurde er zusammengehauen. +Die Angabe des armenischen Mönchs Geschichtschreibers[576], dass Abaka vom +Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und selbst davon +gegessen haben soll, verdient wenig Glauben. Moineddin Suleiman Perwane aus +Dilem war der Sohn Mobariseddin Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum +gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's als Eidam +begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle als Wesir erhalten +hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte Rum im Namen der Seldschuken als +unumschränkter Herr; Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope +verpachtet, deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf seinen Sohn +Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's, Mohesebeddin Mesud, +überging[577]. Dieser bemächtigte sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach +seinem Tode[578] in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen +nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin nach Rum gesandt, +um dem verwüsteten Lande wieder aufzuhelfen; [RN: 17. Rebiulachir/7. Sept.] +er baute die verheerten Städte wieder auf, führte aber auch die +Stempelgebühr ein, welche vordem in Rum nicht bestanden. Der Fürst von +Karaman, der sich in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben +verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft Malatia's. +Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten Rums eingerichtet, wandte sich +nach dem Kaukasus und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der +mongolischen Herrschaft unterwarf[579]. + +[Randnote: Verungnadung Schemseddin's und Wiederaufnahme zu Gnaden.] + +In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung Rums nach der +Unterwerfung Lesgistans dem Reiche die wichtigsten Dienste erweisend und +seine Macht im höchsten, war auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe +war das Werk der Ränke _Medschdulmülk's_, des Sohnes _Ssafiolmülk's_, des +vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd. Zuerst im Dienste Behaeddin's, des +Sohnes Schemseddin's, zu Issfahan, war er von diesem dem Vater empfohlen +worden, welcher ihn in verschiedenen Aufträgen und zur Zählung der +Einwohner Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet hatte. Medschdulmülk +hinterbrachte dem _Jesu Buka Gurgan_, welcher als Gemahl Kutlukan's, der +sechsten Tochter Hulagu's, der Schwager Abaka's, dass Medschdeddin Esir, +der Bestellte Alaeddin Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's), in seinem +und seines Bruders Namen geheimes Einverständniss mit den Aegyptern +unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern. Abaka, hiervon durch seinen +Schwager unterrichtet, befragte den Medschdeddin Esir, von dem aber selbst +fünfhundert Prügel kein Geständniss erpressten. Schemseddin, in der +Hoffnung, einen gefährlichen Feind zu versöhnen, verlieh seinem Ankläger +Medschdulmülk die Statthalterschaft von Siwas mit einer Anweisung von +zehntausend Dinaren auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und +unversöhnlich suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre Abaka's mittels +dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem machte er zu Kaswin in einer +geheimen Unterredung weis, Perwane habe auf Schemseddin's Einflüsterung den +Bondokdar nach Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich eine +mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er könne dem Wesir +beweisen, dass er sich viertausend Tomane[580] von den Krongütern erpresst, +dass er ausserdem zweitausend Tomane an Heerden und Juwelen besitze, ohne +zu rechnen, was er von den Schlössern der Assassinen und von Bagdad +weggeschleppt; sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von Issfahan, habe dort +ausser den aufgelegten Steuern sechshundert Tomane erpresst; um ihm das +Maul zu stopfen, habe er ihm die Statthalterschaft von Siwas mit einer +Summe Geldes verliehen. Arghun hinterbrachte diese Reden seinem Vater; als +dieser sich zu _Scherujas_ (in der Ebene zwischen Ebher und Serdschan) +befand, ward Medschdulmülk durch Vermittelung des Emirs Taghadschar von +Abaka im Bade empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten Meinung von +Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem Ankläger den Auftrag, die +Rechnungen der letzten Jahre zu untersuchen und die Güterbeschreibungen zu +durchgehen, ohne dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern +dürfe. Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes glänzender und +schöner, als dieselben Sultanen und Königen verliehen worden[581]. Die +Naibe oder Stellvertreter der Steuervögte wurden nach Tebris einberufen. +Medschdulmülk stand auf einmal in hoher Gunst und verkündete dieselbe durch +seinen Aufwand; er umgab sich mit berittenen Pagen, die auf arabischen +Pferden mit goldenen Gürteln, und spannte ein von vierzig Säulen getragenes +Zelt aus Atlas von _Schuster_ aus. Schemseddin wandte sich an seine +Gönnerin und Beschützerin Oldschai Chatun, welche den aufgebrachten Gemahl +dem Wesir zu versöhnen sich bestrebte. Er erhielt eine Audienz: »Wir haben +dich«, redete ihn Abaka an, »in dem dir von Unserem Vater verliehenen Amte +der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit bestätigt und alle +Länder deiner Feder untergeben; wie hast du unser Vertrauen zu misbrauchen +und das Doppelte der Gebühren undankbarerweise dir anzueignen gewagt?« Der +Chalife Motedhad biemrillah hat gesagt: »Ueber den, der die Gnaden der +Könige mit Undank erwiedert, werden die Schwerter Recht sprechen.« +Schemseddin antwortete: »Ein Theil der eingenommenen Gelder ward im Dienste +der Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen und Prinzessinnen, ein Theil +zu Gaben und Almosen für's allgemeine Besste verwendet; was ich besitze an +Kapitalien und Gütern, an Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden +und ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden Wink +zurückzugeben erbötig.« Abaka, durch diese Sprache des Wesirs versöhnt, +verzieh ihm; er sagte: »Alle deine Schuld, die sich begeben und die sich +nicht begeben, habe ich dir vergeben[582] und dich in deinem Amte +neuerdings bestätigt.« Die gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der +Intendenten des Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin erliess +Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster Gnade kund zu thun; in +demselben waren die Worte Abaka's, wie folgt, angeführt: »Eine Zeit ist es, +dass durch verlautende Kunden der Veränderung Unserer Gnade dir die +Sicherheit der Nahrung und die Süssigkeit des Schlafes geraubt worden; nun +gehe von hier in Unserem Dienste betrunken nach Haus, strecke mit Herzen +voll Lust und mit gesättigter Brust Hand und Fuss fröhlich im Hareme aus; +lege dich früh nieder und stehe spät auf.« + +[Randnote: Medschdulmülk, Amtsgenosse Schemseddin's.] + +Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs zu vorigen Gnaden +beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter den Schutz eines der Emire seines +Hofes stellen oder davon entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er +den Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem Medschdulmülk Nichts +Uebles wolle und dass er beim Emir _Taghadschar_ bleiben könne. +Medschdulmülk, von seinem Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan +unterstützt, fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem Erfolge, +dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk von Jesd dem Inhaber +des Diwans an die Seite gegeben ward. [RN: 679/1280] Dieses Diplom ward im +Götzentempel zu Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen +öffentlich verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch kein +Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen Jerligh erhalten. Abaka +empfahl dem Medschdulmülk die grösste Wachsamkeit in Bewahrung und +Gebahrung der Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er +unter seinem Schutze stehe[583]. Medschdulmülk stellte in allen Ländern +Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an, und in den Erlassen des Diwans +wurde der Name Schemseddin's als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's +links auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb Medschdulmülk, +seine Feindschaft nicht verhehlend, an Schemseddin die Verse: + + Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen, + Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen; + Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust, + Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust[584]. + +Schemseddin antwortete hierauf: + + Da es unmöglich, Schahe zu verklagen, + So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen; + Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen, + Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen. + +Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher der Demüthigung bis +zum Hefen aus. Als er eines Tages mit seinem Amtsgenossen Feinde auf den +Stufen des Thrones erschienen, befahl ihm Abaka, die untere Stufe +einzunehmen; ein andermal, bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka dreimal +den ihm von Schemseddin dargebrachten Becher, den dieser hiernach dem ober +ihm knienden Feinde darbrachte; Abaka reichte hierauf dem Schemseddin, dem +eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch, das dieser schweigend +verschluckte; da sagte Abaka zu den Trinkgenossen: Dort ist ein guter und +ausharrender Mann; ich hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch +zu essen geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug' auszustechen. +[RN: Rebiulewwel 680/1281] Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads, +der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der Anklage von +Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad ohne allen Aufwand in reinlicher +Kleidung, und sogleich war von allen Seiten ein Heer von Anklägern und +Zwischenträgern in der Luft; Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin habe nun +durch zwanzig Jahre die Steuerausschreibung des arabischen Irak und +Chusistan's verwaltet und in jedem dieser Jahre über zwanzig Tomane +Zuschuss erhoben. Alaeddin rechtfertigte sich »durch die ihm aufgebürdeten +Ausgaben für die Prinzen und Frauen, für die Emire und Intendenten der +Gauen, durch den Aufwand für die Gesandten am Hofe, für Geschenke und +reiche Stoffe, welche alle die wichtigen Lasten der Pachten die +Diwanseinnahmen vollmachten«[585]. Da die Ankläger hierin nicht aufkamen, +änderten sie ihr Spiel. »Sie stellten«, sind Wassaf's Worte, »dem Könige +gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen vor, dass von den vor +zehn Jahren[586] gelegten Rechnungen noch zweihundert fünfzig Tomane zu +zahlen übrig seien.« Bei gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass +diese Summe nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der Districte zur +Last falle, von denen dieselbe einzutreiben unmöglich. So wurde darüber +hinausgegangen und Alaeddin wieder nach Bagdad zur Verwaltung seines Amtes +zurückgesandt. Was den Anklägern Schemseddin's und seines Bruders +vorzüglich zu statten kam, war der durch die neuen Kriegsrüstungen +eingetretene Geldmangel. Von Aegypten her nahten sich die ägyptischen +Befehlshaber _Elfi_ und _Aschkar Sonkar_ mit einem Heere, welchem der Prinz +Mengu Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer ging nach Osten zum +Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan, und ein drittes war zur Huth +der Gränze von Derbend erforderlich. Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu +überwintern, auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen und Alaeddin +hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt. [RN: 1. Redscheb 680/16. +Oct. 1281] Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat von hier den Weg +nach Bagdad an. Diesen Augenblick benutzte Medschdulmülk, um dem Padischah +zur Füllung der geleerten Cassen die von Alaeddin dem Schatze schuldigen +Summen in's Gedächtniss zu rufen. + +[Randnote: Alaeddin opfert sein Habe und wird verbannt.] + +Alaeddin, von allen Seiten der neuen, seinem Habe und Blute drohenden +Gefahr benachrichtigt, ergriff das einzige Rettungsmittel des letzten durch +freiwilliges Opfer des ersten. Er sandte sogleich sein ganzes Habe vom +Grössten bis zum Kleinsten an den Fuss der Majestät: »Sein ganzes Habe«, +nach den Worten des in der ganzen Fülle asiatischen Styles wuchernden +Wassaf, »von den glänzenden Perlen, welche wie Glückessterne strahlten, bis +zu den geringsten Korallen und den hölzernen Geschirren, den gemalten, von +den kostbarsten Tapeten geflochten aus den goldenen Drähten bis zu den +schlechtesten Kotzen und strohgeflochtenen Matten, von den Reinsten und +Schöngestaltetsten bis zu den Niedrigsten und Veraltetsten, von den +Gefässen, den vergoldeten, den auserwählten, bis zu den alten Hausgeräthen, +den in die Rumpelkammer gestellten, von den Gürteln und Floren bis zu den +Vorhängen von Thoren, von den Sklavinnen, den schönsten der Zeit, deren +Wangen Rubinen von Bedachschan, bis zu den Stallknechten (Kutal), mit +groben Kitteln angethan; er schaffte herbei aus der Musikkapelle die +Pfeifen und Trommeln, an deren Stelle die wiehernden und yahenden, die sich +stattlich und mannichfarbig als Reitthier nahenden, von den Mäulern und +Pferden die wohlfeilen und die werthen, Kameele und Kameelinnen, Böcke und +Widder. Sein Zweck war, in Ehren zu beharren und nicht die Waaren zu +bewahren; er war bereit, Alles zu wagen und beizutragen und setzte den Fuss +auf den Spruch: + + _Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen_, + +als auf seinen höchsten und unabänderlichsten Entschluss.« Zugleich eilte +Alaeddin dem Ilchan entgegen und warf sich auf der Station Dodscheil zu +seinen Füssen. Da die Summe der eingelieferten Schätze doch noch unter der +Erwartung geblieben, wurde er ungnädig empfangen, und es erging ein +Jerligh, um den Emir Taghadschar zur Einleitung des Prozesses nach Bagdad +zu berufen; er plünderte noch das von Alaeddin gestiftete Karawanserai +(Robath) Kloster, und da im Hause Alaeddin's nur der Besitzer allein +zurückgeblieben war, wurde dieser in Empfang und Verhaft genommen. Alaeddin +wurde in den Halsblock geschlagen, auf die Folter gelegt, nackt zu Bagdad +hineingeführt und dann verbannt. In dieser Tiefe seines Elends sandte er an +seinen Bruder, den Wesir, die arabischen Verse: + + Freund! dein Ohr dem Manne schenke, + Den man führt zur Todestränke; + Meinem gnädigen Herrn klag' ich + Und der Zeiten Unbill trag' ich; + Nacken schlanker Mädchen steht mir an, + Nicht der Bannstrahl im Dorfe _Ban_. + +_Ban_ heisst das Dorf bei Nissibin, nach welchem er verbannt ward und +dessen Name hier mit _Ban_ spielt, dem Namen der babylonischen Weide, mit +deren biegsamen Stamm und Aesten der Nacken und die Glieder der Schönen +verglichen werden. Seine Feinde fanden in diesen Versen neuen Stoff von +Anschwärzung und Verfolgung; sie ärgerten sich darüber, dass er inmitten +seines Unglücks noch Lust und Geist genug besitze zu arabischen Versen und +Wortspielen. Einem Freunde, der ihm von der Stimmung der Feinde Nachricht +gab, schrieb er: + + Dem Freunde send' ich Wort: Mich beugt Erniedrung nicht, + Wann Nächte wenden sich mit seltsamem Gesicht; + Wie soll ich kümmern mich um der Geschäfte Macht, + Da Gott sich meiner annimmt, mich beschützt, bewacht. + +Alaeddin, welcher europäischen Orientalisten bisher nur als +Geschichtschreiber bekannt gewesen, verfasste in seinem Elende mehrere +Gedichte, deren einige in dem Buche des _Trostes der Brüder_, welche eine +Art von arabischen Boethius, gesammelt sind. Seine berühmte Kassidet +allein, deren Beginn: + + Wenn dich die Welt anschauet schief, + Bewege diess dir nicht die Brust, + +haben über siebzig Dichter durch Glossen commentirt[587]. + +[Randnote: Alaeddin's fernere Schicksale.] + +Die Feinde Alaeddin's, um seinen Ruin zu vollenden, nahmen zu neuen Listen +und Lügen, Verschwärzungen und Verläumdungen die Zuflucht. Sie klagten ihn +verrätherischen Briefwechsels mit Aegypten an und bedienten sich als +Werkzeuges ihrer Ränke eines unbekannten Juden. Dieser beschrieb zu +wiederholtenmalen ein Papier mit farbigen Linien aus Safran und Grünspan +als einen Talisman, und dieses wurde während der Hausuntersuchung in den +Kleidern Alaeddin's verborgen. Dieser falschen Anklage sollten die +ägyptischen Zustände Glaubwürdigkeit geben. Vor einigen Monaten war +zwischen _Kilawun Elfi_, dem im Namen des unmündigen Sohnes Bondokdar's +Aegypten beherrschenden Fürsten, und den Begen der Mamluken Uneinigkeit +ausgebrochen und Sonkar Aschkar hatte sich mit Isa Ben Mohenna, dem Emire +der syrischen Beduinen, verbunden; wider dieselben sandte Elfi ein Heer +nach Damaskus, welches bis nach Aana und Hadise an die Ufer des Euphrats +streifte. Abaka sandte einen Gesandten an Elfi und Sonkar, um sie +einzuladen, die Länder des Ilchan's nicht zu belästigen und sich ihm zu +unterwerfen. Diese Gesandtschaft traf in dem Augenblicke ein, als die +beiden verbündeten Emire von Elfi geschlagen worden waren; sie versprachen +sich Hilfe von Abaka, und der Emir der Wüste sandte seinen Bruder mit dem +Gesandten nach Bagdad, als Alaeddin dort noch in der Machtvollkommenheit +seines Amtes stand. Er berichtete an den Ilchan die wahre Lage der Dinge +und erhielt den Befehl desselben, den Sonkar und den Bruder des Emirs +freundlich zu behandeln. Diesem Befehle gemäss hatte Alaeddin dieselben +freundlich empfangen und ihnen zu Bagdad Gold und Korn angewiesen; dies war +Alles, was an der Verbindung Alaeddin's mit Aegypten wirklich und wahr. Zu +dieser Zeit hatte Mengu Timur (der Bruder Abaka's) ein zahlreiches Heer an +die Ufer des Euphrats geführt; Sonkar und Isa schickten Gesandte an Abaka, +um den Rückmarsch dieses sie bedrohenden Heeres zu bitten, und Mengu Timur +erhielt den Befehl, sich vom Euphrat abzuwenden, während auf der anderen +Seite gleichzeitig Prinz Baidu, der Sohn Tarakai's (des fünften Sohnes +Hulagu's) und folglich der Neffe Abaka's, mit einem Heere in Syrien +einfiel. Diesen scheinbaren Widerspruch der Bewegung der mongolischen Heere +in Syrien und am Euphrat, indem sie dort vordrangen, hier sich zurückzogen, +rissen die Feinde Alaeddin's als eine Waffe wider denselben an sich, und +indem sie den Gesandten des Beduinenfürsten für sich gewannen, traten sie +mit Alaeddin in Banden die Reise nach dem Hofe an, der damals zu Hamadan. +Alaeddin's Trost in dieser misslichen Lage waren die Beweise von +Theilnahme, die er von allen Grossen erhielt, die ihm dieselben in Briefen +und Gedichten kund gaben. So schrieb ihm Behaeddin Ali: + + Ich höre, dass du immer klagst und weinest + Und früh und spät mit deinem Kummer greinest; + Wie lang' setzt Welt dir an den Hals das Messer? + Sei ruhig und geduldig, es ist besser. + +Alaeddin antwortete hierauf: + + Wie soll ich klagen nicht, mein Aug' nicht weinen, + Da wenig fehlt, dass mich zertrümmern Peinen? + Die Welt hat angefallen mich mit Steinen, + Wie soll ich schlottern nicht in den Gebeinen? + +Als Alaeddin, von seinen Feinden geführt, auf dem Wege von Bagdad nach +Hamadan auf die Höhe von Esedabad gekommen, begegnete ihnen die Nachricht +von dem Tode Abaka's, welcher dem Schicksale Alaeddin's und seines Bruders +günstigere Wendung gab. Ehe wir des Todes Abaka's umständlicher erwähnen, +liegt uns noch ob, einige frühere Begebenheiten und den weiteren Verfolg +des syrischen Feldzuges zu erzählen. + +[Randnote: Feldzug wider Sistan, Chorasan, Syrien.] + +Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris gegen Chorasan +aufgebrochen, wohin er seinen Sohn _Arghun_ vorausgesandt, um die +Niguderischen Banden, deren Einfall in Fars oben erzählt worden, zu Paaren +zu treiben; er kam aber nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er +belagerte und dann wieder zurückkehrte; [RN: 1. Moharrem 677/25. Mai 1278] +er brachte den Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes +Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai mit sich; [RN: 14. +Reb. II. 677/5. Aug. 1278] dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire +der Karawinas[588], eines der kriegerischsten und, wie Wassaf sagt, der +teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker), huldigten, welche +ihren Namen vermuthlich von ihrem Sitze zu _Karawin dscheidun_ haben. Bei +seiner Rückkehr nach Tebris vertheilte er nach dem Beispiele seines Vaters, +Hulagu, Ländereien als Leibgedinge der Frauen. [RN: 2. Reb. II./23. August +1278] Die Frau Kutui erhielt Miafarakain, die Frau Oldschai einen Theil +Diarbekrs und _Dschiseretol-Omar_, der Gemahlin Dschumkur's, _Nulun +Chatun_, des Oheims Abaka's, und ihren beiden Söhnen, _Dschuschkab_ und +_Kunschu_, wurde Selmas mit seinem Gebiete verliehen. Buka, der Sohn +Hukutai's, der Dschelaire, welcher, nach des Vaters Tod ein unmündiger +Waise, unter Abaka's Augen erzogen worden, wurde zu einem der grossen +_Inaken_, d. i. der vertrauten Hofdiener, und später zum Schatzmeister des +Pelzschatzes (_Postin_[589], woher das _Postelnik_ der Russen und +Wallachen) ernannt. Die Niguderischen Banden waren kaum aus Fars abgezogen, +als die Nachricht eintraf von einem Angriffe der Aegypter auf _Kalaater +Rum_, d. i. das Römerschloss, welches an der Stelle des alten _Zeugma_ den +Uebergang über den Euphrat vertheidigt. Sultan Said, der Sohn und +Nachfolger Bondokdar's (unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein +Heer von neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern wider diese +Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen befehligte der Emir _Beiseri_, +die syrischen Hossameddin von Aintab. Die Stadt wurde eingenommen und +verbrannt; da die Citadelle aber fest hielt, zogen die Eroberer nach fünf +Tagen beutebeladen ab. Sultan Said war in Aegypten abgesetzt, mit dem +Leibgedinge von Kerek dahin verwiesen und die Sultanschaft dem Emir Kilawin +Elfi, dem Kipdschaken aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen worden; +dieser nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern begnügte sich, im Namen +des siebenjährigen Selamisch, des Sohnes Bondokdar's, als der Atabeg +desselben zu herrschen; aber die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben +dauerte nur hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem Bruder +nach Kerek verwiesen ward. [RN: 2. Redscheb 678/27. Nov. 1279] Kilawin +Elfi, so beigenannt, weil er um tausend Goldstücke gekauft worden, und +_Ssalihi_, weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten ägyptischen Sultans +aus der Familie Ejub, bestieg den Thron als Sultan Manssur, d. i. der +Siegreiche, ein Beiname, dessen gute Vorbedeutung während seiner ganzen +Regierung erfüllet ward. Der Emir _Sonkar aschkar_, d. i. der Blonde, +machte ihm als Nebenbuhler den Thron streitig, indem er sich zu Damaskus +zum Sultan ausrufen liess, aber bald mit seinem Verbündeten, Isa Ben +Mohenna, von den Truppen des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben +erwähnt worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in +Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss _Sahiun_, +eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen, geworfen. Abaka +hielt diesen Augenblick günstig für den syrischen Feldzug. [RN: 18. Oct. +1280] Seine Truppen marschirten in's Gebiet von Haleb ein, wo sie _Aintab_, +_Derbesak_ und _Baghras_ besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend, +brennend, staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als Sklavinnen +das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten, wo er seinen Sohn unter dem +Namen _Melik ess-Ssalih_ als Thronfolger ausgerufen, gegen Syrien +aufgebrochen; als er vernommen, dass der Feind mit der Beute von Haleb +abgezogen, wieder nach Kairo zurückgekehrt. + +[Randnote: Schlacht von Himss; Abaka's Tod.] + +Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler _Sonkar_ +aus, der noch im festen Schlosse _Scheiser_ hielt. [RN: 19. Moharrem +680/10. Mai 1281] Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung +von _Famia_ (Apamia), Antiochien, _Latakia_ (Laodicea) und der Schlösser +_Sahiun_, _Belatonus_, _Bersijet_; auch die beiden letzten gehörten, wie +Sahiun, unter die festesten Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches +von ihnen den Namen des _Messers_ (_Sikin_) führt. Belatonus ist das alte +Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, ein kleines +Schloss an dem westlichen Saume des Berges _Chait_, welcher auf der +Ostseite des Sees von Apamea[590]. Diese Forderung war kaum zugestanden, +als Kilawin den Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von +Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere, unter dem +Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's, zwischen Kaissarije und +Ablistan (Cäsarea und Comane) gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in +Syrien auf der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert, vor +Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen Sonkar's verstärkt, eingetroffen +war. [RN: 14. Redscheb 680/30. Oct. 1281] Die Schlacht blutete in der Ebene +nicht ferne vom Grabmale _Chalid's_ (beigenannt das Schwert Gottes), des +Eroberers Syriens unter dem Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte +fünf und zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische, +von König Leo befehligte Truppenabtheilung und eine der Türken Rums; auch +das ägyptische Heer, welches die ersten der Emire[591] befehligten, war von +syrischen Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der Aegypter vom +rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur an der Spitze der Uiraten, +Georgier und Armenier befehligte, wurde bis an die Thore von Himss +zurückgeschlagen; aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir +verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage des +mongolischen Heeres nach sich, das nach allen Seiten floh. Von Seite der +Mongolen war Semaghar, einer ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der +Aegypter der Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und vom +Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten sich theils gegen +Haleb, theils gegen Selemijet, die an der Gränze der Wüste gelegene Stadt, +geflüchtet; die letzten, durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's +abgeschnitten, irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen; +nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet geköpft; eine andere, +vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung wurde gleichzeitig von den +Belagerten angegriffen, die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur +zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter, Oldschai Chatun, +zurück. [RN: 9. Dschemm. sani/25. Sept.] Abaka war, während Mengu Timur in +Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte aber dann nach +Sindschar zurück und war Anfangs Novembers in seinem Lager vor Mossul +eingetroffen. Hier erhielt er die Kunde der Niederlage seines Heeres. +Erzürnt kündete er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die +Feldherren, die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, bestraft +werden sollten. [RN: 6. Silkide/13. Februar] In der Hälfte des Februars +brach Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste Fachreddin +Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem Genusse geistiger Getränke, +dem er unmässig ergeben. Eines Abends glaubte er in seiner Trunkenheit +einen schwarzen Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel, rief +er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von einem schwarzen Vogel +nichts zu sehen. Auf einmal schloss er die Augen und gab, auf goldenem +Throne sitzend, den Geist auf[592]. [RN: 20. Silhidsche 680/1. April 1282] +Er wurde an der Seite seines Vaters in dem Schlosse _Teke_ am See von +Meragha bestattet; schon am fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode +folgte ihm auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke[593]. Abaka starb +acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn geherrscht, der +Befestiger der Herrschaft der Ilchane in Persien und Georgien im Geiste des +Gründers Hulagu; kein Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam. +»Abaka«, sagt der Mönch Haitho, »war ein staatskluger, sein Reich glücklich +verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen unglücklich; erstens, dass +er nicht Christ werden wollte und als Götzendiener den Götzenpriestern +Glauben beimass; zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn +verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, der sich durch +mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse mit dem Herrscher des Uluses +Kipdschak verstärkte.« + +[Randnote: Verhältniss gegen die Christen.] + +Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden wollte, beweiset schon, +dass Hoffnungen oder Bemühungen zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren +Beweis liefern die in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen +Schreiben desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem aus Veterbo +erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben des Chan's erhalten; [RN: 1267] +bedauert aber, dass dasselbe nicht lateinisch abgefasst, weil Niemand +dasselbe lesen und verdolmetschen konnte und er also den Worten des Boten +allein Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine Botschaft +grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, denn es ist nicht +wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm Clemens dafür dankt) ihm seine Freude +über die Niederlage Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine +Bereitwilligkeit gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem Paläologen und den +Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, dass er gegen ihn den +Wunsch, Christ zu werden, geäussert habe. [RN: 26. Jan. 1274] Sieben Jahre +später waren Gesandte Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern +auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I., der König von +England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben, in dem Entschlusse der +Bekehrung zum Christenthume zu verharren, und Gregor X. empfing den +Gesandten Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des Senders +wenigstens der Gesandte getauft ward. [RN: 1277] Drei Jahre hernach +erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte Abaka's ausgaben, am +Hofe des Papstes Joannes XXI. mit einem Aufrufe an alle christlichen +Fürsten zu einem Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der +Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem Könige Philipp +versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn er zu Akka landen wollte. Diese +beiden Gesandte, welche georgische Christen gewesen zu sein scheinen, +hatten zu Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan Kubilai, +bereit seien, zum Christenthume überzutreten; Joann XXI. bestimmte fünf +Franziskaner zur Erwiederung der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise +starb, traten sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an +Abaka und seinen Oheim Kubilai[594] die Reise an. »Die römische +Mutterkirche«, schreibt Nikolaus an Abaka, »freut sich des Inhaltes des +durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, Joannes und Jakob _Vussali_, +Unserem Vorfahren gebrachten Schreibens, welches, wenn ein christliches +Heer in Syrien landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem Ende +Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen aufgefordert werden. +Unter dieser Beglaubigung[595] haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen +Cardinälen Wir uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben, +dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr beide unsere in Christo +geliebteste Söhne, einige Personen verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der +christlichen Lehre zu unterrichten und zu taufen.« Der Papst bittet den +Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem, was sie ihm über +die Taufe, Dogmen und Religionspflichten sagen werden, Glauben beizumessen, +sie auf ihrer Reise zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann +alle Christen Unterthanen des Chans als Freunde[596]. In dem den fünf +Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, in allen den Tataren +untergebenen Ländern das Wort Gottes zu predigen, den Abaka und alle, die +sich zum christlichen Glauben bekehren wollten, zu taufen, die +Excommunicirten zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch +sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, wenn sie nur +an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld zahlen, neue Kirchen zu +stiften, den Neuvermählten ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen +Graden verwandt, zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst dort, wo +weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen, die Grundfeste einzusegnen, +Gelübde umzuändern, Messkleider und Altäre zu weihen, wo katholische +Bischöfe nicht vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen, +was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen Lehre +förderlich und erspriesslich[597]. Die Bekehrung Kubilai's und Abaka's +wurde durch diese fünf Franziskaner eben so wenig bewirkt, als dreissig +Jahre früher die Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.; +aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan Carpin's und +Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher der Mongolen, während von +der Mission der fünf Franziskaner keine weitere Spur[598]. + +[Randnote: Literatur.] + +Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur, dessen wir schon +unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt haben, in erfreulichem Glanze +fort; das grösste Verdienst dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von +Tus wohl dem gelehrten Brüderpaar _Schemseddin_ und _Alaeddin Dschuweini_, +welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten Leitung der +Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während der siebzehnjährigen +Regierung Abaka's vorstanden, bis zum Schlusse derselben ihr Kredit und +Ansehen, erschüttert, wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe +mystischer Philosophie und Poesie in den Werken _Ssadreddin's von Konia_ +und _Dschelaleddin Rum's_ entfaltet. Zu Schiras lebte noch der +hundertjährige _Saadi_ (dessen Lebenscenturie zugleich das Jahrhundert des +grössten Aufschwungs persischer Poesie) in Freundschaft mit dem +Dichterkönig und Schönschreiber Hemker Farsi, der als Dichterkönig +_Medschdeddin Semeki_[599] hiess, mit _Imami_ aus Herat und mit Chodscha +_Hemameddin_[600], dem Schreiber Nassireddin's von Tus, dem reichen und +gastfreien Manne, welcher den Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit +einem in vierhundert porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle +bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: _Purbeha Dschami_, +welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete und mit Chodscha Hemameddin +besonders im künstlichen und schweren Versmaasse wetteiferte[601]; +_Abulmadhi Raigani_, so von dem in der Nähe Kaswins gelegenen Dorfe +_Raigan_ beigenannt, berühmt durch einen auf die fromme Stiftung Melik +Iftichareddin's von Kaswin aus dem Stegreife gesagten Viervers[602]. +_Dschemaleddin von Kaschan_, welcher eine berühmte Redondille Saadi's mit +gleicher entgegnete[603]. _Dschemaleddin Rastak ol kotu_, welcher seinen +Beinamen von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und unter der +Regierung Abaka's neunzigjährig starb[604]; der Richter _Behaeddin +Sendschani_, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs, welcher so, wie +Purbeha, mongolische und türkische Wörter persischen einmischte[605]. +_Rasijeddin Bela_ war Intendent der Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka +absetzte und seine Stelle dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher +ursprünglich ein Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem Wesir +Schemseddin den Viervers zuzusenden: + + O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib, + Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib; + Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten, + Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten[606]. + +Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein Zeitgenosse Abaka's, der +aber auch unter der Regierung Arghun's lebte und seine Beschäftigung und +Armuth durch die folgenden Verse schilderte: + + Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold; + Das Leben wird dadurch nicht heller. + Ich sitze immer zwischen Gold + Und habe niemals einen Heller[607]. + +Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch dichtete und von +welchem der Schreiber der auserwählten Geschichte eine Kassidet zum Lobe +des grossen Wesirs Schemseddin Dschuweini[608] erhalten, welche, da +Schemseddin und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur und +Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher diese Uebersicht +persischer Literatur zur Zeit Abaka's schliesst, als der Schluss des +Lobgedichtes selbst ein arabisches Distichon des grossen Wesirs +Schemseddin: + + Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen, + Der sich mit der Cypresse zugetragen. + Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth + In hundert Zungen und in hundert Sagen; + Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund, + Willst du, warum ich zittere, mich fragen? + Ich bin gerad' und stehe festen Fusses, + Indess dich krumm die Spötter weiter tragen. + Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so + Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen. + Bald brausest du mit Heftigkeit einher, + Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen. + Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt, + Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen: + Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht + Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen; + Du stets aufstrebend und empörerisch, + Und weich und lind und mild ist mein Betragen. + Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht, + Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen; + Du nährtest vormals dich in meinem Schooss, + Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen, + Du weihest nun sehr wenig Schatten mir, + Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen; + Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld, + Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen; + Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor, + Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt; + Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön, + Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen; + Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest, + Indessen mich von dir die Winde jagen. + So sprach der Bach und barg sich in den Staub, + In Thränen fliessend hin und Weheklagen; + Cypresse ward darob gar sehr verwirrt, + Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen, + Im Garten schlug die Hände sie zusammen; + Der Vögel Chor begann, darob zu klagen, + Da war die Zeit, den Vers von _Schemseddin_, + Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen: + _Der Garten haucht wie Aloe aus Hind, + Auf Aloen die Turteltauben klagen_[609]. + + + + +Fünftes Buch. + + Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung; + Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; Konguratai + getödtet; Krieg zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften + Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch nach Kumis; + Arghun vor Kelat; Thronbesteigung Arghun's; dessen Gemahlinnen, + Söhne und Töchter; Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs + Schemseddin; die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin + Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; Hinrichtung der + Prinzen Dschuschkab, Huladschu und Karabuka; Verwaltung des + Juden Seadeddewlet; Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse + gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung und dessen Familie; + Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und + Fars, und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; Verrath + der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's und Baidu's Nachfolge. + + +[Randnote: Parteiungen um die Thronfolge.] + +Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des Gründers des Reichs, in +zwei Büchern, die der siebzehnjährigen seines Nachfolgers in dem +vorhergehenden erzählt; wir werden auch, so Gott will, das Leben und die +Regierung der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten und grössten +mongolischen Herrschers in Persien, in zwei Büchern beschreiben; aber nur +in diesem Einen die Regierungen von _Teguder_, _Arghun_ und _Kendschatu_, +die durch zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste der +Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; _Abaka_, der zweite, +dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die Stätigkeit seiner Wesire, des +grossen Brüderpaars Schemseddin und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten; +unter den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit der Prinzen +um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte Gebäude der Herrschaft +wieder mit blutigem Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum +Giebel seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige +Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen mit dem +zehnjährigen der osmanischen Geschichte verglichen werden, in welchem nach +Bajesid's des Wetterstrahls Tod die Söhne desselben sich um den Thron +stritten und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort längere +Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während hier die schnelle +Entscheidung des Thronstreites durch das Schwert nur zwischen _Baidu_ und +_Ghasan_ getheilter Herrschaft Raum übrig liess. In der osmanischen +Geschichte ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder _Suleiman_, +_Musa_ und _Mohammed_ eine Zwischenherrschaft, während hier die drei ersten +genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert, sondern den bestrittenen +und dem Vorfahrer entrissenen Thron nur nach einander durch kurze Zeit +behauptet haben. Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im +Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft von +Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben nicht gehindert haben, +sein Recht auf den Thron zu behaupten, hätten nicht andere Umstände dem +Oheime Teguder und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der Aka +Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere Alter gab, wie +schon beim Streite zwischen Hulagu und Berke zu bemerken Gelegenheit +gewesen, in der mongolischen Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen +vor dem _Ini_, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde dem +Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die Entfernung von der +Residenz dem Arghun denselben geraubt haben, wären nicht andere Hebel +wirksam thätig gewesen. Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht +gehörig heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten +Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet bei näherer Betrachtung +des zu Ende des vorigen Buches berührten Verhältnisses zwischen Arghun und +dem gestürzten Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu zu +Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt. Arghun war der Kanal +gewesen, durch welchen die Anklagen Medschdolmülk's, des Todfeindes +Schemseddin's und Alaeddin's, bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch +zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig gewordene, durch +ihren Sturz aber in den Staub getretene Partei hatte von der Thronfolge +Arghun's und der tyrannischen Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen +und Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, welche +dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, dessen Oheim Teguder vorzog und +diesem die Stimme der Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den +Uebertritt zum Islam gewann. + +[Randnote: Teguder's Thronbesteigung.] + +Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit ihm und seinem +Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser der vierte Sohn Hulagu's, +während des persischen Feldzugs im Lager Mengkukaan's zurückbehalten und +unter Abaka's Regierung von Kubilai nach Persien gesandt worden; in seiner +Jugend war derselbe getauft worden und hatte den Namen Nikolaus +erhalten[610]. Hierdurch schon dem Götzendienste des Budhismus entfremdet, +mochte er so leichter zum Islam zu bekehren gewesen sein, als seine +Bekehrer nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer Ansicht der +Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den Uebertritt zum Islam als eine +Erhebung zu reinerem Gottesdienste, durch den Aufschwung von Vielgötterei +zur Anbetung eines einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste +Bekehrungsgrund war aber ganz gewiss die Aussicht auf den Thron, indem er +den Islam erst, als er denselben bestieg, annahm. Die Nebenbuhler um +denselben nach dem Tode Abaka's waren drei; Arghun hatte die Emire des +Hauses seines Vaters[611], mehrere der grossen Emire[612] auf seiner Seite; +die drei Prinzen _Adschai_, _Kungurtai_, _Huladschu_ (die drei Söhne +Hulagu's), _Dschuskab_ und _Kunkschu_, die Söhne _Tschumkur's_, des zweiten +Sohnes Hulagu's, die Emire _Schingtur_, _Sughundschak_ und andere stimmten +für _Teguder_; endlich suchte die Frau Oldschai Chatun, die Mutter Mengu +Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen; als dieser aber am fünf und +zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode gestorben, schlug sie sich mit der Frau +Kutui, der Wittwe Abaka's, auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der +Beischläferin Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode eilte Teguder +aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher ohnedies auf dem Wege von +Chorasan nach der Residenz, begegnete auf der vierten Station vor Tebris +dem _Schingtur_ Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod +entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren der Trauer nach +mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen Todtenmahle, bei welchem, wie bei +Festgelagen, der Becher mit _Kumis_ herumging; die Leibwachen[613], +Speerträger[614] und Stallmeister[615] seines Vaters wurden ihm übergeben. +Die Prinzen des Hauses, die Oheime und Neffen Arghun's, beriethen sich und +stimmten für _Teguder_, und auf den Rath des weisen Emirs _Schischi +Bachschi_ that Arghun, um sein Leben zu retten, keinen Einspruch. [RN: 26. +Moharrem 681/6. Mai 1282] Fünf Wochen nach dem Tode Abaka's wurde Teguder +als Chan und Ilchan, Schah und Padischah ausgerufen; die Herrlichkeit der +festlichen Thronbesteigung wurde auf zwei Monate hinausgeschoben. Arghun +begab sich nach _Alatagh_[616], um dort von dem Lager und dem Schatze +seines Vaters Besitz zu nehmen; Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste +und die Frau Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager +Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen Macht befand, wurde +ihm abgefordert, und der Emir des Lagers der Frau Kutui brachte denselben +zu Teguder[617]. Am Tage der Sommersonnenwende[618] hatte die feierliche +Thronbesteigung statt. [RN: 13. Rebiulewwel/21. Juni 1282] Nach dem +uralten, schon auf den ägyptischen Denkmalen abgebildeten +Krönungsgebrauche, vermöge welchem zwei Geleitsmänner den König, der eine +zur rechten, der andere zur linken Hand, auf den Thron einführend, wurde +Teguder vom Bruder Kungurtai und vom Emir Schingtur Nujan auf den Thron +gesetzt, indem jener dessen rechte, dieser dessen linke Hand ergriff[619]; +die Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken, ihre Mützen in die Luft, +zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf den Wink des Herrschers mit dem Gürtel +oder Strang zugeschnürt zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt, das +ist, nicht mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung wurde die Sonne, mit +neunmaliger der neue Herrscher verehrt zur glücklichen, durch die +Astronomen ausersehenen Stunde. + + Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne + Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne[620]. + +[Randnote: Schemseddin geschützt von einer der Gemahlinnen Teguder's.] + +Nach Beendigung der Krönungsfeste liess sich Teguder die im +unbezwinglichen Schlosse _Schahutela_ (dem persischen Königstein) +aufbewahrten Schätze bringen und vertheilte dieselben unter die Prinzen, +Nujanen und Emire des Hauses und des Heeres; jeder Soldat erhielt zwanzig +Dinare und Arghun, der sich beklagte, dass man auf ihn mit der +Krönungsfeierlichkeit nicht gewartet, zwanzig Goldbalische. Bei dieser +Gelegenheit verbanden sich Arghun und sein Oheim Konghuratai (der neunte +Sohn Hulagu's) im Lager der Frau Tuktini[621] durch Eidschwur in +unzertrennlicher Freundschaft, welche hernach den häufigen Gesandtenwechsel +zwischen ihnen und den gewaltsamen Tod Konghuratai's herbeiführte. Teguder +befahl, seine Bekehrung zum Islame auszurufen, und erliess an die +Obrigkeiten von Bagdad ein Jerligh, dass sie die gute Kunde den Einwohnern +Bagdads mittheilen, den frommen Stiftungen ihre Einkünfte wie zur Zeit des +Chalifats wieder geben, den Moscheen und Medreseen ihre vorigen Rechte +wieder einräumen sollten; der Prophet habe gesagt, dass der Islam nicht +aufhören werde, siegreich zu sein, bis an den Tag des Gerichts[622]. [RN: +2. Rebiul./4. Juli] Tags darauf lagerte er zu _Siahkuh_[623] und sandte +Befehl nach Hamadan, dass Medschdolmülk und _Atamülk Dschuweini_, der noch +als dessen Schlachtopfer dort gefangen gehalten ward, vor ihm erscheine. +Medschdolmülk begann seine alten Ränke wider Schemseddin, und wenig fehlte, +dass er nicht auch diesmal gesiegt hätte; nur der Schutz Ermeni Chatun's, +der Gemahlin Teguder's, zu welcher Schemseddin flüchtete, rettete ihm und +dem Bruder das Leben und verschaffte ihnen den Triumph über den Todfeind. +Ermeni Chatun war nicht die Herrin des Harems, d. i. die erste Gemahlin +oder grosse Frau Teguder's (welche Tokus Chatun, die Konghuratin), sondern +die zweite, keine Armenierin, wie der Name glauben machen konnte, sondern +auch eine Konghuratin; die dritte, _Tudakun Chatun_, die Tochter _Musa +Gurgan's_, des Konghuraten, des Eidams Hulagu's, welchem dieser seine +fünfte Tochter, _Tarakai_, zur Gemahlin gegeben, und folglich die Nichte +Arghun's; die vierte _Baitegin_, die Tochter Huseinaga's; die fünfte, +_Ilkotlogh_, die Mutter _Tughandschik's_, der Tochter Schadi Nujan's, des +Gemahls der Prinzessin _Arguruk_, Tochter Dschumkur's, des zweiten Sohnes +Hulagu's, aber nicht aus dieser, sondern aus der Beischläferin _Ilkotlogh_; +Tughandschik, während der Herrschaft Teguder's getraut, wurde ob Verdacht +von Zauberei in den _Kor_ (Cyrus) geworfen; die sechste, _Tudai Chatun_; +diese gaben ihm drei Söhne[624] und sechs Töchter[625]. Stark durch den +Schutz _Ermeni Chatun's_, arbeitete nun Schemseddin an dem Sturze +Medschdolmülk's, denselben in allerhand Klagen verwickelnd und vor Gericht +fordernd. Medschdolmülk, seines drohenden Ruines gewahr, sandte Wort an den +Prinzen Arghun: Schemseddin habe Abaka vergiftet, und wenn nun er +(Medschdolmülk) mit seinem Leben büssen müsse, geschähe es, um den Beweis +der Vergiftung zu unterdrücken; auf diese Art warf er, selbst des Todes +gewärtig, den Saamen der Rache am Todfeind in die Brust Arghun's, wo +derselbe später zur blutigen Frucht zeitigen sollte. Schemseddin bediente +sich als Werkzeug zum Sturze Medschdolmülk's eines Neffen des letzten, +Namens Seaadeddin, welcher vom Oheime wegen Geldveruntreuungen seines Amtes +entsetzt worden war; demselben ward die Stelle eines _Mestufi_ +(Finanzpräsidenten) in Irak und Persien versprochen, und er klagte dafür +den Oheim verrätherischen Briefwechsels mit Arghun an; demselben wurde die +Zurückstellung aller von seinem Oheim confiscirten Güter Atamülk's, des +Bruders Schemseddin's, aufgetragen, Medschdolmülk selbst vor Gericht +gestellt. + +[Randnote: Hinrichtung Medschdolmülk's.] + +Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten, Befehlshaber der Truppen, +_Sundschak_ und _Arukaka_. Dem _Medschdolmülk_ wurde nun mit gleichem +Maasse eingemessen; wie er wider _Kudschuk Atamülk_ Papiere, mit Zügen und +Schnörkeln beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht, so wurde als +gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk eine mit gelben und rothen Figuren +bemalte Löwenhaut vorgehalten, welche sich unter seinen confiscirten +reichen Stoffen gefunden und welche seine Feinde bei der Untersuchung eben +so eingeschwärzt hatten, wie vormals er selbst unter das Habe Atamülk's; +die Bachschi und Kamen, d. i. die mongolischen Schreiber und Wahrsager, +gaben ihr Gutachten ab, dass diese Haut in Wasser geweicht, das Wasser dem +Beklagten zu trinken gegeben werde, damit das Uebel der Zauberei an ihm +selbst ausgehen möge. Medschdolmülk weigerte sich dessen, weil er wohl +wusste, dass diesen Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf +Schemseddin's, verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift getränkt habe. +Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr auch der Scheich und Atamülk +darauf drangen, das Todesurtheil nicht aussprechen; als aber Sughundschak, +durch ein Fussübel zu Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert war, +besuchte ihn der Scheich und drang so lang in ihn, bis er das Urtheil +erhielt. Es lautete dahin, dass er dem Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin +übergeben und von denselben nach der Jasa, d. i. mit dem Tode bestraft +werden solle. Schemseddin wollte ihn mit dem Leben begnadigen, aber sein +Bruder Alaeddin und sein Sohn Harun drangen auf die Todesstrafe. +_Medschdolmülk_ (der Reichsruhm) wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe) +geführt, wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft über +alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome, Schenkungen, Vergantungen +ablegen und, ausser allen Besitzungen, dreihundert Tomane zu Bagdad +erpresster Gelder herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete +begab, wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor demselben +versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen[626]. [RN: 8. +Dschemmasiulewwel 681/14. August] Er ward sogleich zerstückt und Kopf und +Zunge und Hände und Füsse in die Hauptstädte des Reichs zur Aussteckung +gesandt; der Kopf nach Bagdad, wo er denselben so stolz erhoben. Der +Geschichtschreiber Reschideddin sagt hierüber: + + Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen, + So der Wesirschaft selbst für sich vermessen, + Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand + Und jedes Glied in eines And'ren Hand. + +Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte dieselbe nach +Tebris, und Wassaf commentirt hierzu: + + Hättest schweigend deine Zunge du bewährt, + Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert. + +Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig aufgetreten war, +und die Hände nach Issfahan, wo er dieselben so gierig ausgestreckt. Der +schon mehr als einmal erwähnte Dichter _Pur Beha Dschami_ sagte, als die +Hände ankamen: + + Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand; + Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand. + +und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese Gliederversendung +die Verse: + + Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen, + Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut; + Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus, + Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf[627]. + +Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von Bagdad und die +Investitur derselben mittels eines vom Chane selbst getragenen Kaftans, +Schemseddin die Wesirschaft in der vorigen Machtvollkommenheit und der +Scheich Kemaleddin Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit +der Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die Einkünfte +derselben auf die Pensionen grosser und berühmter Gelehrten und Almosen für +Ssofi und Derwische und die Verwandlung der christlichen Kirchen in +Moscheen zu verwenden. + +[Randnote: Wassaf bei Schemseddin; Zustände von Schiras.] + +Schemseddin, welchem unter Abaka's Regierung von seinen Anklägern +Vergeudung der Staatsgelder zur Last gelegt worden und der sich +ausgewiesen, dass dieselben zum Theil für den Hofstaat der Prinzen und +andere Ausgaben des Hofes aufgegangen, begann seine neue Verwaltung mit +Einschränkungen der Ausgaben der Küche des Chans und des Hofstaates der +Prinzen und Prinzessinnen. Die Ausgaben der Küche, welche bisher unter dem +Oberstküchenmeister Fachreddin jährlich achtzig Tomane (Toman ist +zehntausend) betragen hatten, wurden nun ohne Einmischung des +Oberstküchenmeisters mit der Hälfte dieser Summe bestritten. Dieser +besonders wider das Zehrgadenamt gerichteten Oekonomie lag einige +Persönlichkeit Schemseddin's wider Fachreddin zum Grunde, weil diesem +gleich nach der Thronbesteigung Teguder die Wesirschaft verleihen wollte, +was sich Fachreddin verbeten hatte; nichtsdestoweniger war Schemseddin auf +denselben eifersüchtig; Wassaf, bei welchem sich diese Angabe findet, +konnte um so besser von der Sache unterrichtet sein, als er gerade in +diesem Jahre dem Wesir Schemseddin persönlich aufwartete, und einige +Spannung, in welcher er mit demselben gestanden, auszugleichen bemüht war; +es scheint nämlich, dass Wassaf sich einigen Tadel über des Wesirs frühere +Verwaltung erlaubt, worüber ihn der Wesir zur Rede stellte. Wassaf +bekräftigte zwar mit den stärksten Schwüren das Gegentheil und sandte +zweimal entschuldigende und um Vergebung flehende Verse an +Schemseddin[628], aber »ohne dadurch«, wie er sagt, »den leicht zu lösenden +Knoten der Entfremdung des Inhabers des Diwans zu entwirren«. Wiewohl +Wassaf weder den Gegenstand des Tadels, noch den Anlass seiner Reise ins +Hoflager näher angibt, so betrafen wahrscheinlich beide die Angelegenheiten +seines Vaterlandes, die Landschaft Fars, deren Geschichte er der seinen so +umständlich einverleibt hat. [RN: 678/1279] Zu Ende der Regierung Abaka's +war die Statthalterschaft von Schiras dem Emir Sughundschak (von dem so +eben als vom Richter Medschdolmülk's die Rede gewesen) anvertraut, von +dessen Scharfsinn und die Wahrheit ergründenden Urtheilen Wassaf Belege +erzählt. Unzufrieden mit den Pächtern der Steuereinnahme, ernannte er einen +derselben, der die wenigsten Staatsgelder unterschlagen hatte, den Chodscha +_Nisameddin_, zum Wesir und ordnete ihm die anderen Pächter unter. Zum +Richter der Richter ernannte er den _Ebu Mohammed Jahja Imadeddin_, wiewohl +der grössere Theil der Einwohner den hochgelehrten _Seid Abdallah_, den +Verfasser vieler Werke über die Exegese und Hermeneutik, über die +Ueberlieferung und Rechtsgelehrsamkeit, über Dogmatik und Philosophie für +den Würdigeren erkannten. Sughundschak begab sich mit einigen Pächtern, +deren Summen noch ausständig, nach Hof; nur als es in seiner Abwesenheit +zwischen dem Wesir und dem Oberrichter zu Reibungen kam, sandte er einen +Befehl, vermöge dessen der letzte im Hause des ersten in Verhaft gesetzt +ward. Zu dieser Zeit (wo eben Medschdolmülk's Anklage wider Schemseddin +angebracht und Abaka's Sinn auf Zusammenscharren des Goldes erpicht war) +wandte sich der Seid Richter an Buka, einen der geheimen Schatzmeister +Abaka's, welcher sich damals zu Schiras befand, und dieser sandte den Seid +und den Intendenten Schemseddin nach Hof, wo sie, von Abaka wohl empfangen, +ihre Beschwerden wider die Verwaltung Sughundschak's und des von ihm +bestellten Wesirs Nisameddin anbrachten. Abaka reichte ihnen mit eigener +Hand einen Becher Wein und befahl, dass Nisameddin zweihundert der +ausständigen Tomane abtrage; dieser wurde nun im Hause des Seid Imadeddin +festgesetzt und der Emir Taghadschar kam, die Eintreibung der Summe zu +vollstrecken; die Pächter aber, hierdurch aufgelärmt, machten mit +Nisameddin gemeinsame Sache, und wiewohl sie dem Scheine nach sich den +Befehlen Taghadschar's fügten, so ruhten sie doch nicht, bis sie den +Nisameddin aus der Haft befreit und Taghadschar in Verlegenheit brachten. +Dieser begab sich, da unterdessen die Thronbesteigung Teguder's +stattgefunden, an's Hoflager und führte seine beiden Schutzgenossen, den +Melik Schemseddin und den Seid Imadeddin, mit sich. Teguder verlieh dem +letzten die Wesirschaft von Schiras und forderte den Statthalter Bulghuwan, +welcher öffentlich die Partei der Intendenten wider Taghadschar ergriffen +hatte, nach Hof; dieser hielt die Gesandten des Chans zu Schiras auf, ohne +ihnen Erlaubniss zur Rückkehr zu gewähren, und wandte sich heimlich an den +Prinzen Arghun in Chorasan, von dessen Umtrieben weiter unten die Rede sein +wird. Diess war der Zustand der Dinge in Fars, als Wassaf sich bei +Schemseddin rein zu waschen bemüht war. + +Auf Veranlassung Schemseddin's wurde eine feierliche Botschaft an den +Sultan Aegyptens abgesandt, um demselben von dem Uebertritte Teguder's zum +Islam Kunde zu geben. Das Beglaubigungsschreiben der beiden Gesandten und +die Antwort Kilawin's sind so durch Gehalt als Styl merkwürdig genug, um +unverändert hier in sach- und wortgetreuer Uebersetzung zu folgen: + +»Durch Gottes des Allmächtigen Kraft (welcher erhöhet werde!) Ferman des +Kaan Ahmed an Aegyptens Sultan. Gott der Allmächtige hat durch die Vorgänge +seiner Gnaden und das Licht seiner Leitung in der ersten Jugend und Frische +Uns geleitet auf die wahren Pfade zur Kenntniss seiner Herrlichkeit und zum +Geständniss seiner Einheit, zur Zeugenschaft, dass Mohammed (über welchen +das reinste Gebet!) Gottes Prophet, zum schönen Glauben in seine Heiligen +und frommen Männer. Wen Gott leiten will, dessen Brust erleichtert er durch +den Islam, und Wir haben nicht aufgehört, Uns für die Erhöhung der Religion +und Zurechtbringung der Geschäfte des Islams geneigt zu zeigen, bis von +Unserem Vater, dem Bessten, und Unserem Bruder, dem Grössten, die Reihe der +Regierung auf Uns gekommen, bis dass über Uns der Schmuck seiner Gnaden +ausgegossen und Wir von seinen Wohlthaten, was Wir verdienten, genossen in +dem Uebermaasse seiner Gnaden, der grossen; und es ward Uns das Brautgemach +des Reichs aufgeschlossen und die Braut Uns vorgeführt unverdrossen. Es +wurde von Uns ein gebenedeites _Kurultai_ versammelt, diess ist die +Versammlung, wo einen Funken gibt der Feuerstahl der Brüder und Kinder, der +Emire, der Grossen, der Führer des Heers, der Vorgesetzten der Truppen; ihr +Wort stimmte darin überein, die Verfügung Unseres Bruders des Grossen +auszuführen in der Aufstellung eines allgemeinen Aufgebotes Unserer Heere: +die Erde ist zu enge vor ihrer Menge, und es füllet die Herzen Schrecken +vor der Gewalt, womit sie die Erde bedecken; vor ihrem hohen Muthe werden +die Berge zu Ebenen ausgegleichet und die härtesten Felsen erweichet. Wir +dachten nach über das, was sie sich vorgenommen und worin ihre Begierden +übereingekommen, und Wir fanden, dass ihre Absicht widerstreite mit dem, +was Wir in Unserem Innern beschlossen zur Bewirkung allgemeinen Wohls. +Hierunter verstehen Wir die Stärkung der Satzungen des Islams, dass so viel +als möglich keiner von Unseren Befehlen in anderer Absicht ergehe, als um +Blut und Brand zu stillen und alle Länder mit dem Wehen der Winde der Ruhe +und der Sicherheit zu erfüllen, und damit ausruhen mögen die Könige der +anderen Länder auf dem Lager der Milde und Wohlthätigkeit, um Gottes +Befehle zu ehren und dem Volke Gottes Mitleid zu gewähren. Gott hat Uns +eingegeben, dieses Feuer auszulöschen und diese Unruhe zu stillen, und die +Anzeige dessen, den Gott der Allmächtige hierauf geleitet hat, ist die des +Vorschlags der Mittel, womit die Heilung der Welt von den Gebrechen +erzweckt und die Anwendung der letzten verschoben würde; denn Wir lieben, +nicht schneller die Pfeile zu senden und uns zu den Lanzen des Kampfes zu +wenden, als nachdem Wir das Nöthige erklärt, und Wir gestatten diess nicht, +als nachdem Wir die Wahrheit und Nothwendigkeit mit Beweisen bewährt. Wir +wurden bestärkt in dem, was wir Uns Gutes vorgenommen hatten, und in der +Durchführung gemeinnütziger Thaten durch die frommen Wünsche des Scheichs +des Islams, des Musterbildes der Erkennenden, dessen Hilfe Uns in den +Geschäften der Religion nützt und unterstützt, und Wir haben dieses +Schreiben erlassen als Gottes Barmherzigkeit für den, der sich demselben +fügt, wie sich's gehört, und als Pein wider den, der sich abwendet und +empört. Wir haben damit betraut den entscheidendsten der Richter, den Pol +der Religion und des Volks (Kutbeddin), und den Atabeg (Behaeddin), welche +beide von den Bewährtesten und Gelehrtesten dieses blühenden Reichs, weil +sie Unsere Wege kennen und weil sie mit Gewissheit wissen, was Uns eingibt +Unser Gewissen zum allgemeinen Wohl der Moslimen. Wir haben sie in dieser +Absicht gesendet, denn Wir sind von Gott auf die Wachsamkeit angewiesen, +denn der Islam liebt, was ihn empfängt, und Gott der Allmächtige hat in +Unser Herz gelegt, dass Wir der Wahrheit und ihren Bekennern folgen sollen, +damit sie bezeugen die grosse Gnade Gottes über die Gesammtheit in dem, was +wir fordern als Vertrag der Ursachen der Wohlthat. Sucht dieses nicht zu +erproben durch einen Rückblick auf Unsere Brüder (die Herrscher vergangener +Zeit), denn jedem Tage ist anderes Loos bereit. Wenn die Seelen Einsicht +nehmen wollen in einen Beweis, wodurch die Forderung des Vertrauens +befestiget würde, und in eine Urkunde, worin sie die Erfüllung ihres +Wunsches fänden, so sollen sie ihre Blicke auf Unsere Denkmale richten, +deren Ruhm nicht klein und deren Wirkung allgemein. Wir haben unter Gottes +Leitung angefangen, die Spuren der Religion zu erheben, dieselben in jedem +Dinge an Tag zu legen und auszuheben zur Aufrechterhaltung der Novellen des +Gesetzes, des mohammedanischen, nach Erforderniss der Kanone der +Gerechtigkeit, der ahmedischen, um es zu erheben und demselben Ehre zu +geben. Wir liessen Freude scheinen in die Herzen des Wesens, des gemeinen, +Wir haben nachgesehen die Vergehen und den Schuldigen verziehen und +stellten auf die Verbesserung der Geschäfte Unser Bemühen, auf die frommen +Stiftungen der Moslimen, von Moscheen, Grabstätten, Medreseen, auf den Bau +frommer Zellen und verfallener Wachposten, indem Wir die Einkünfte +derselben denen, so dieselben verdienen, verlieh'n und dadurch erfüllet der +Stifter Sinn; Wir haben verwehrt, dass Neuerung in denselben werde begehrt +und dass das Geringste werde verletzt von dem, was ursprünglich +festgesetzt; Wir haben befohlen, den Pilgerreisen die grösste Ehre zu +erweisen, ihre Schaaren zu bewahren, ihre Wege zu sichern und zu ebnen die +Bahnen der Karawanen; Wir haben freigelassen die Strassen den Kaufleuten, +die von Land zu Land wandeln und handeln, damit sie nach ihrer Willkür und +mit ihrem bessten Vermögen reisen mögen; Wir verwehren den Heeren, den +Wachen und denen, welche die Runde machen, dass sie denselben auf ihren +Wegen, wenn sie kommen oder gehen, das Geringste in den Weg legen. Eine +Unserer Wachen hat einen Kundschafter ergriffen in der Verkleidung eines +Fakirs, und wiewohl es in der Ordnung gewesen wäre, denselben zu tödten, so +wollten Wir doch nicht sein Blut vergiessen lassen aus Schonung dessen, was +Gott verboten, und Wir haben denselben zurückgesandt. Indessen ist es +denselben nicht unbekannt, dass die Kundschafter ein Schaden im Land; denn +so lang unsere Armeen dieselben in der Gestalt von Fakiren und Andächtigen +sehen, ist ihre Meinung von diesen Leuten schlecht, sie tödten den Mann und +thun, was sie gethan: die Nothwendigkeit davon ist, Gott sei Dank, erhöhet +durch das, was Wir ergehen liessen, um die Wege aufzuschliessen dem Zuge +der Kaufleute und anderer Wanderer. Wenn dieselben diesen Geschäften +einiges Bedenken schenken, so wird denselben nicht verborgen sein, dass +diese Eigenschaften uns angeboren als zweite Natur und dass darin von +Affectation keine Spur; und da die Sache so liegt, so sind alle +Anforderungen gegenseitiger Abneigung, welche zum Widerstand führten, aus +dem Wege geräumt. Diese gründeten sich vormals auf den Weg verschiedener +Religion und der Entfernung von dem Schoosse des Islams; aber nun ist durch +Gottes Huld und die Gunst Unseres Glückes das helle Licht erschienen, und +wenn es vormals Ursachen gab, so wandten wir uns nun von denselben zum +Besseren ab; Wir sind auf dem Pfade der Gnade, wo Einkehr und Rückkehr. Wir +haben den Schleier aufgehoben durch dieser Anrede Farben und haben +dieselben unterrichtet von dem, was wir zu thun aufrichtig gesonnen, und +haben hiermit begonnen; Wir haben Unseren Heeren verboten, zuwider zu +handeln diesen Geboten, Gott und seinem Propheten zu Gefallen. Damit auf +den Blättern die Spuren des Glücks und der Annahme erscheinen, damit die +Welt über die Verschiedenheit des Wortes beruhiget werde, damit durch das +Licht des Einverständnisses verschwinde die Finsterniss des +Missverständnisses, damit ausruhen mögen unter dem weiten Schatten die +Städter und die Bewohner der Matten, und damit sich erfrischen die Seelen, +welchen die Plagen gestiegen in die Kehlen. Wenn Gott der Herr den Sultan +Aegyptens leitet zum Besten der Welt und zu dem, was die Ordnung der +Menschen erhält, so ist's nöthig für ihn, den Eimer fester Anhänglichkeit +zu erfassen und zu wandeln dergleichen Strassen durch Eröffnung der Thore +der Unterwürfigkeit und Einigkeit, durch Erwähnung der Aufrichtigkeit, +damit diese Länder sich dieser Gnaden erfreuen, damit die Unruhen sich +legen, welche zerstreuen, damit die Schwerter, welche schneiden, gesteckt +werden in die Scheiden, damit die ganze Erde ein Eden der Ruhe werde, damit +die Nacken der Moslimen werden befreit von dem Joche der Verachtung und +Niedrigkeit. Sollte aber böse Meinung die Oberhand behalten über das, was +Wir aus Gottes des Allverleihers Barmherzigkeit behalten, und sollte +dieselbe verwehren, diesem Antrage, wie er es verdient, Anerkennung zu +gewähren, so wird Gott Unsere Bemühungen ehren und Unsere Entschuldigungen +lassen gewähren. Wir haben Uns nicht zur Strafe gewandt, ehe Wir einen +Gesandten gesandt; bei Gott, er leitet zur Rechtlichkeit und zum rechten +Verstand! Er bewahret sicher die Unterthanen und das Land. Wir rechnen auf +Gott den Einen. Geschrieben Ende Dschemmasiulewwels 681 (Anfangs September +1282).« + + +Antwort. + +»Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen. Durch Gottes des +Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an Sultan Ahmed: Lob sei Gott! +welcher Uns den Pfad der Wahrheit erhellt. In Uns ist die Hilfe und der +Sieg Gottes gekommen, und Er hat uns schaarweise in die Religion Gottes +aufgenommen. Gebet über Unseren Herrn Mohammed; Er, den Gott über Alles, +wodurch sein Volk gerettet ward, erhöht, und über alle Propheten, welche +retten, und über seine Familie und seine Gefährten! Gebet, welches +erleuchtet die finstere Nacht und dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit +und Ergebenheit vom Imam _Hakim biemrillah_, dem _Emirolmuminin_, dem +Abkömmlinge der Chalifen, der den wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn +der Propheten, dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen. Es ist +angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren gewährliche, +enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte in die Religion und dem +Ausfalle wider Alle, welche dem wahren Leben widerstreben. Nachdem geöffnet +worden dieses Schreiben, welches Kunde der Ueberlieferungen haucht, +Ueberlieferungen, welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten der +Ueberlieferungen, welche überlieferte _Moslim_[629], wurden die Gesichter +zu Gott dem Allmächtigen gewendet mit der Bitte, dass er diess befestige +mit dem Worte, dem festen, und dass der Samen dieser Religion im Herzen +sprosse, wie die schönsten der Pflanzen aus dem härtesten Boden sprossen. +In nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche Betrachtung über die +Erwähnung der aufrichtigen Absicht, dass im Anfang des Lebens und in der +Frische jugendlichen Strebens die Einheit Gottes verkündet und der Eintritt +in das Volk Mohammed's mit Wort und That und Einsicht und Rath begründet +werde. Gott sei Lob! dass er die Brust des Sultans für den Islam erweitert +und dieselbe mit der edelsten der Eingebungen aufgeheitert; Gott sei Lob! +dass er uns unter die Vorgehenden, die ersten gesetzt zu diesem erhabenen +Orte, und dass er Unsere Füsse befestiget auf jedem Standorte des Kampfs, +im Feld und mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche durch +Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten und des Bruders des +Grössten, über die Ausgiessung dieser grossen Gnaden auf den Sultan, wie +derselbe den Gipfel der Glaubensreinigung erklommen und den Titel der +Herrschaft angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt und ihn aus +seinen Dienern auserwählt durch die wahren Kunden von den Wundern seiner +Helfer und Diener; und weiters über die Versammlung der Brüder und Kinder +der Fürsten, der grossen, der Führer des Heers, der Vorsteher der Truppen +in der Versammlung des _Kuriltai_, wo die Menge zusammengeflockt und der +Feuerstahl dem Kiesel die Funken der Meinungen entlockt, und wie ihr Wort +mit den Geboten des weiland grossen Bruders übereingestimmt in der Sendung +der Heere nach dieser Seite, dass aber derselbe (der Ilchan) nachgedacht +über das, was ihre gesammte Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem +Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch gefunden mit dem, was +er selbst in seinem Innern ausgedacht, indem er nur das Gute bezwecke und +sich die Verbesserung zum Ziel stecke, damit er lösche dieses Feuer und +stille die Unruh, die nicht geheuer. Diesen Schritt hat der König (Ilchan) +aus Liebe zu seinem Volke gemacht, indem er das Ende mit durchdringendem +Sinne erwägend bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten sie die +Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so wäre dieser Kampf der +Kämpfe letzter gewesen; allein der Ilchan ist wie Einer, der die Stationen +seines Herrn fürchtet, der seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht +der Rede des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt. Was nun +das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt zum Schlachtfeld, wo die +Lanze Stösse austheilt, als nachdem er das Nöthige erklärt, so weiss Gott +der Allmächtige, und es wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um +dem Volke zu helfen, und dass, wenn wir mit That und Worten streiten, es +nur Gottes wegen geschieht; und da nun der Ilchan mit uns eingetreten in +Gottes Religion, so ging die Feindschaft davon, und indem die Abneigung +aufgehoben, wird sich glücklicher Erfolg erproben. Der Glaube ist wie ein +Gebäude, in welchem ein Theil den andern befestigt und hält; wer eine +Minaret aufgerichtet, dem fehlt es nicht an freien Bewohnern an jedem Orte +und an gesitteten Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters, was die +Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der allgemeine, der Erwähnung +des Scheichs des Islams, des Musters der Erlernenden, _Kemaleddin +Abderrahman_ (Gott vergelte ihm's mit seinem Segen!) zu danken sei, so +haben Wir von keinem Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir +hoffen von seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass jedes Haus zum +Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des Glaubens erfüllet werde und der +Islam umfasse die ganze Erde, Alles umfassend, von den Bessten Nichts übrig +lassend. Es ist kein Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der Anfang +dieser Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit kehrt mit seinem Segen +zu ihrem Ursprung zurück. Weiters, was die Wirksamkeit des entscheidendsten +der Richter des Islams, des Glaubens und des Reichs (_Kutbeddin_) und des +Atabegs (_Behaeddin_), welche Beide mit Ueberbringung dieses wohlberedten +Sendschreibens beauftragt waren, so sind dieselben Beide erschienen, +bereit, sich aller guten Worte zu bedienen, welche die Umstände eingeben +und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender mag erwarten mit Lob +und Dank von allen Arten, so dass sie im Namen Ahmed's (des Ilchans) +Ueberlieferungen sprachen, festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten). +Weiters, was die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht des +geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die Anforderungen vollkommener +Liebe befriedigt würden und dass man betrachten solle die Monumente, die er +im Beginne der Ausübung seiner Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit, +übend mit Zung' und Herzen, schon hervorgebracht, wie er auf die +Verbesserung der Wakfe, die Ausbesserung der Moscheen und Gränzposten, die +Erleichterung der Strassen der Wallfahrt und anderer dergleichen bedacht, +so sind diess Attribute, von denen abhängt der Reiche Dauer, die gute. Wenn +der König herrscht mit Gerechtigkeit und so weder die Feinde begünstigt, +noch den Tadlern Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen und gute +Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen alle Zungen des Gebotes +auf Erden, so sind dieses Pflichten, die man schuldig, zu entrichten; diess +ist grösser, als dass es hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass +es durch Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt werden +könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme gereicht, dass er den Ländern und +Schlössern Zeit gewährt zur Befestigung seines Reichs (welches Gott wolle +bewahren in Sicherheit!). Weiters, was den Verbot betrifft an die Diener +und Wachen und an die, welche die Runde machen, dass sie Niemanden +veruneinigen wollen und die reine Tränke der Ankommenden und Abgehenden +nicht mit den Splittern von Plackereien verunreinigen sollen, so haben Wir, +sobald Uns dieser Vorgang zugegangen, ein Gleiches Unseren Nowwaben (Nabob) +zu Rahbe, Haleb, Bire, Aintab befohlen, und liessen desshalb an die Führer +Unserer Armeen das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich in +Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden, so sind die Gebote +besiegelt, in denen sich die Vollziehung der Befehle abspiegelt. Weiters, +was den Kundschafter betrifft, den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben +ward (als ob dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung von +Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen werden würden), so ist +diess ein Thor, das der Ilchan aufgemacht, und ein Feuerstahl, an dem er +den Funken angefacht. Denn wie viele verkleidete Fakire sind nicht gekommen +von jener Seite in diese Reviere, um sich Einsicht zu verschaffen in die +Geschäfte und des Landes Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar derselben +ergriffen; es erhob sich über sie der Säbel, geschliffen, und dennoch wurde +nicht entdeckt, was die Kutte des Fakirs versteckt, trotz aller angewandten +Müh' mit _Was_ und _Nein_ und _Wie_. Weiters, was die Andeutung betrifft, +dass in der Uebereinstimmung des Wortes das Wohl der Welt und dass dasselbe +die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird nicht zurückgewiesen, +wer da klopfet am Thor der Einigkeit, und es wird keiner abgewiesen und +abgewehrt, der gutes Einvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen +abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum Handschlag +herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters, was die Befestigung und +Bekräftigung der Befehle betrifft, so ist es nöthig, dass auf dieselben +Regeln angewandt und dass aus dem Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn +die Geschäfte sind gebunden an die Schrift, und es ist nothwendig, dass +darin jeder Fündige und Kündige darüber entschieden, ob Krieg oder Frieden. +Hernach ist es nothwendig, dass die Geschäfte werden entschieden in der +Reihe der Knoten der Verträge und ihrer Belege, dass dieselben, mündlich +vorgetragen, durch die Annahme dem Antrage zusagen; denn viele Fragen, +welche die Gesandten mündlich sagen, werden besser erörtert, als wenn +dieselben in verwischten Papieren werden überschlagen. Was endlich die +Berufung auf das Wort Gottes betrifft: _Wir senden keine Pein, eh' Wir +nicht gesandt einen Gesandten_[630], so wird nicht auf diese Art der Stoff +der Liebe gewebt und nicht auf diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern +vielmehr wegen Unseres Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten und +Begehren zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich vorgetragen die Zunge +des entscheidendsten der Richter, des Pols des Glaubens und des Volks +(Kutbeddin), und es entsprach dem, was das Schreiben versprach von dem +Eintritte des Ilchans in die wahre Religion, und dass er sich angekettet +auf der Moslimen Station, was er geübet durch Wohlthätigkeit und +Gerechtigkeit, durch seine Sitte und seinen Wandel, der berühmt weit und +breit. Gott sei Dank für die Gnade, welche durch keinen Vorwurf gehindert +und vermindert wird; Gott der Herr hat seinem Propheten den Vers des Korans +gegeben Betreff derer, welche ihm den Islam vorwarfen: _Sage, werfet mir +Euren Islam nicht vor; Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum +Glauben geleitet_[631], und mündlich trug er vor, dass Gott der Allmächtige +dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn darüber hinaussetzt, seine Blicke zu +richten auf das, was Andere haben an Gut und Land. Wenn also festgesetzt +nach der Eintracht das Begehren, so ist es leicht, zu gewähren, und Unsere +Antwort folgt hierauf nach der Geschäfte Lauf. Wann die Uebereinstimmung +ist erreicht, so ist auch das gute Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die +Menschen sehen, wie Wir aufrichtig zu Werke und Unseren Feinden zu Leibe +gehen und in Unseren Kämpfen stehen. Wie mancher Freund wird nicht +gefunden, der besser als Vater, Bruder und Verwandter wird befunden? Die +mohammedanische Religion wird nicht vollendet und dem Islam nicht die +Befestigung zugewendet, als nur durch die Gefährten, die werthen. Wenn also +das Verlangen des Ilchans gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes +Vernehmen, auf gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der +Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum Widerstände stemmen, +so wollen Wir Uns herzlich gern dazu bequemen. Weiters, was mündlich +vorgebracht: dass, wenn Unser Verlangen sich erstreckte auf das, was der +Ilchan besitzt von Land und Gut, so bedarf es nicht der Einwirkung der +Aneiferer, welche die Moslimen nutzlos beleidigen. Hierauf antworten Wir: +Wenn die Hand der Feindschaft zurückgezogen wird und die Länder +moslimischer Könige geleert werden, so wird gedämpft die Gluth und +gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass Alles, was Uns von +denselben verboten wird, in der Natur ganz so zu treffen ist, und dass man +das, was geboten wird, selbst zu thun vergisst. So befindet sich nun +_Konghuratai_ dermalen im Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet +und an euch Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger Blutvergiessen, +Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung vor Allem, ausgenommen vor +der Verlängerung dieser Schäden. Endlich ward mündlich vorgetragen, dass, +wenn man entschlossen sei, diese Streifzüge nicht aufzuheben und diese +Spuren nicht aufzugeben, so solle man einen Ort bestimmen auf der Erde, wo +man sich treffen und schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg +verleihen werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter), wo die +beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind noch heil, und wer von +diesem Volke (den Mongolen) davon gekommen mit Heil, fürchtet sich, dahin +zurückzukehren, und kann sich durch folgenden Vers beehren: + + Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war! + Er, welchen »Himss« besiegt, nun widersteht und kriegt. + Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen, + Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen. + +Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott, welcher die +Bestimmung des Looses macht. Und es ist keine Hilfe, als bei Gott! dem +Allgeehrten, dem Allweisen! er sendet sie dem und verleihet die Macht, und +nicht dem, der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir sind nicht +von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand lauern, und nicht von denen, +welche sich abwenden und niederkauern; und die Stunde der siegreichen +Schlacht ist nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher +Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur zum Guten dieses Volk, +und er ist der Mächtige, im Stande, jede Kunde und Gnade zu vollenden. +Geschrieben im Neumonde des Ramasan des obgedachten Jahres.« + +[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod Alaeddin Dschuweini's.] + +Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte indessen Wolken +über dem Haupte Schemseddin's und Teguder's zum Gewitter, aus welchen der +den Herrscher und seinen Wesir verzehrende Wetterstrahl fahren sollte. +Nachdem Arghun auf wiederholtes Begehren des Chans demselben den Emir Buka +gesendet, welcher die Hand Kutui Chatun's (der Wittwe Abaka Chan's) +ehrenvoll empfing, brach Arghun von Ssughurluk nach Chorasan auf. [RN: 4. +Reb. II. 681/12. Juli 1282] Ahmed suchte den Oheim Konghuratai für sich zu +gewinnen, indem er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's (die Nichte der +grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit einem grossen Heere zur +Gränzhuth nach Rum abordnete, nach vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka +nachsandte. [RN: 19. Reb. II. 681/27. Juli] Ahmed war von zwei moslimischen +Gesetzgelehrten, dem schon erwähnten Abderrahman von Mossul, berathen, +welcher, Sohn eines Sklaven des letzten Chalifen der Beni Abbas, vom +Blutbade nach Mossul gerettet, dort eine Zeit lang Tischler, dann von +Iseddin, dem Herrn Amadia's, bei dem er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka +überlassen worden, und bald durch angebliche Kenntniss von +Schatzentdeckungskunde und geheimen Wissenschaften sich dessen Vertrauen +erwarb[632]. Teguder hiess denselben nicht anders, als Vater, und einen +zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht anders, als Sohn; diese und +Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr verständige und zur Regierung tüchtige +Frau, lenkten die Zügel derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak, +wiewohl denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf den Thron dankte, +zur Seite gesetzt wurden[633]. [RN: 19. Dschem. II. 681/24. Sept. 1282] +Zwei treulose Diener Atamülk's Dschuweini[634] erschienen vor Arghun, bei +demselben ihren Herrn anzuschwärzen, dass er dem _Wedschiheddin Sengi_, dem +Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt, den Prinzen Arghun zu vergiften. +Arghun liess denselben sogleich in den Kerker werfen, zog das ganze Habe +desselben ein und schenkte ihm das Leben nur auf Fürbitte der Frau Bulughan +Chatun, der geliebtesten Gemahlin Abaka's, welche nach dessen Tod in das +Harem seines Sohnes Arghun übergegangen. Arghun zog gegen Bagdad, um dort +zu überwintern. [RN: 23. Dschem. II./28. Sept.] Zu Rei empfing er den Melik +Fachreddin ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft des Landes; +Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte Gesandte, um den Fachreddin +aufzuheben und nach Schirwan zu bringen, wo er die von Arghun empfangenen +Ehrenbezeugungen mit der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet, sandte +Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin, den Inhaber des Diwans, des +Inhaltes: Sein Vater, Abaka, habe ihm den Melik Fachreddin überlassen, er +werde die demselben zugefügte Schmach und Pein rächen. Als er nach Bagdad +gekommen, forderte er von Nedschmeddin Assfer, dem Stellvertreter Alaeddin +Dschuweini's, dass er die vom Vater, Abaka, geforderten, von Alaeddin nie +bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den Staub geworfen, und als +Alaeddin davon die Nachricht erhielt, traf ihn in Arran der Schlag; seine +Stelle erhielt sein Neffe Harun[635]. [RN: 4. Silhidsche 681/5. März 1283] +Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht und während desselben +zehntausend der Karawinas, welche nach den Worten Wassaf's: »eine Art von +Dämonen, die fürchterlichsten der mongolischen Nationen«, sich angeeignet. +Von den Prinzen des Hauses standen der Bruder Kendschatu und der Vetter +Baidu, der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, ihm zur Seite; von +den Emiren waren ihm mehrere zugefallen[636], deren mächtigster +Taghadschar, der ehemalige Befehlshaber in Fars, dem er die +Befehlshaberschaft eines Tomans mit den Insignien der Standarte und Pauken +verlieh. Der mit ihm einverstandene Prinz Dschuschkab (der Sohn +Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) überwinterte zu Diarbekr. Auch +Alinak, der Statthalter Georgiens, welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der +Einladung zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben gewonnen worden und +hatte sich mit ihm verbündet; als er aber an den Hof Ahmed's zurückkam, +ward derselbe durch Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne +durchschaute, wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste der +Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt ward. Als Arghun im +Frühjahre von Bagdad nach Chorasan zurückkehrte, liess er den Prinzen +Dschuschkab an der Spitze seines Lagers als Vorhuth zurück. + +[Randnote: Konguratai getödtet.] + +Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei gekommen, liess er den +Vogt Teguder's prügeln, ihm an den Hals und an die Füsse einen Block +schlagen und sandte ihn so auf einem Esel an Teguder, zugleich die +Forderung der Auslieferung des Wesirs Schemseddin zur Berichtigung der dem +Vater schuldig gebliebenen Summen stellend. An der Gränze Masenderans kam +ihm Jankadschi Nujan mit einem Tomane (zehntausend Mann) des Heeres +entgegen; er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem Befehlshaber der beiden +Tomane, welche die Gränze am Dschihun hüteten: Als mein Vater mich vor +seinem Tode zu sich berief, war ich bis hierher gekommen, als ich die +Nachricht, dass er gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des +mir bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen, wenn ihr +mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte zu erobern. Hindu +antwortete: Wiewohl die Sache sich so verhält, so ist doch Teguder als der +Aka, d. i. der Aeltere, dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und +Padischah in diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath des im +Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber Teguder dich angreifen +wollen, so sind wir bereit, die Seele für dich zu opfern. Zu gleicher Zeit, +als Tarchun gegen Chorasan gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen und +hatte von hier seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich Abderrahman, als +Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt; er wurde zu Damaskus in den +Kerker geworfen, aus welchem ihn nur der Tod befreite. Teguder lud seinen +Bruder, den Prinzen Konguratai, den Statthalter Rum's, ein, auf einem +Kurultai zu erscheinen. Dieser hatte zwei seiner Vertrauten zu Arghun +gesendet, welcher dieselben höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei +Kuppeln Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte das höchste +Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's. Konguratai verschwor +sich mit zwei Emiren[637] wider das Leben Teguder's, und sie bestimmten zur +Ausführung ihrer That die Festnacht des neuen Jahrs[638], wo nach +mongolischem Herkommen zum Andenken des Auszugs aus den Erzgebirgen von +_Ergenekun_ der Chan mit seinem ganzen Hofe der Schmiedung von Eisenmassen +beiwohnte. Teguder, hiervon benachrichtigt, begab sich zu Alinak, seinem +Eidam, und bewog ihn, am Tage vor der neuen Jahresnacht sich zu Konguratai +zu verfügen und ihm denselben zu bringen. [RN: 26. Schewwal 682/17. Jan. +1284] Alinak versprach, nicht nur den Konguratai, sondern auch den Arghun +auf gleiche Weise in Teguder's Hände zu liefern. Dieser überhäufte ihn mit +Ehren und Geschenken und übertrug ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am +neuen Jahrstage des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen +Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu Karabagh in Arran sassen die +Richter durch sechs Tage lang zu Gericht und verurtheilten die beiden +Emire, Mitverschworenen Konguratai's, zum Tode; nach Bagdad erging der +Befehl, den Prinzen Dschuschkab und sieben Emire Arghun's zu ergreifen[639] +und gebunden nach Tebris zu bringen, wo sie erst später durch die Ankunft +Arghun's von ihren Banden befreit wurden; auch den Bruder des Chans, den +Bruder Kendschatu, welcher sich selbst als ergeben stellte, hatte man nach +Tebris gesendet, aber auf dem Wege dahin, zu Sawa, entwich er seinem +Geleite und begab sich zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin, +Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung der Emire, die +Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle Alinak's. [RN: 18. Moharrem 682/6. +April 1284] Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner Nichte Tudai +Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls Tarakai's, der fünften +Tochter Hulagu's. _Gurgan_ war der Ehrentitel aller Eidame und mit dem +regierenden Hause verschwägerten Emire. + +[Randnote: Ausbruch des Kriegs zwischen Teguder und Arghun.] + +Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den Thron auch seiner Macht +und seinem Leben gelte, bot Alles zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf. +Hunderttausend auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen, +Mongolen, Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen das Feld. Den +Vortrab von fünfzehntausend befehligte Alinak[640]. Ein Ende Januars +eingefallener tiefer Schnee verspätete den Aufbruch des Heeres. [RN: 9. +Silkide 682/29. Jan. 1284] Endlich zog der Vortrab unter dem Befehle von +_Alinak_, _Baisar Aghul_ und _Taghai Kokoltasch_ gegen Kaswin, wo +dreihundert dem Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden. +Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des Heeres Kunde erhalten, Boten +an seinen Schatz in Gurgan (Hyrkanien) und an die Werkstätten von +Nischabur, Tus und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, die +er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin von Rei, der das +Register darüber führte, hatte dasselbe: _Verzeichniss der unter das +siegreiche Heer vertheilten Summen_ überschrieben. Arghun, der zufällig zur +Vertheilung gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder und schrieb +das Wort: _siegreich_ mit ungemein schönem persischem Schriftzug, dessen er +vollkommen Meister war, hin. Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen, +deutete diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften +Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von dem Unfalle Kaswins ein; +Arghun sandte den Vortrab unter dem Befehle Timur's voraus, liess den +Sischi Bachschi beim schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der +Strasse von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen, d. i. mit +achtzigtausend Mann[641], über die Ebene von Moghan herangezogen und am +ersten Mai zeigten sich seine Vorposten zu Thalkan. [RN: 8. Ssafer 683/27. +April 1284] Von Erdebil hatte er Kurmischi, den Sohn Alinak's, an den Vater +mit dem Befehle gesandt: die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an +Macht überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach von Erdebil +auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjan zurückgelassen. [RN: 18. +Ssafer/7. Mai] Arghun hatte seinerseits einen Boten an den Emir Newrus +gesendet, um ihn mit einem Tomane der Karawinas in's Feld zu laden, und +zugleich den Hindu Nujan zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte +mit achttausend Mann das Land. Zu _Chiel büsürg_ stiessen die Vorposten der +beiden Heere auf einander und in der Ebene von _Ak Chodscha_ in der Nähe +von Kaswin kam es zur Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligten +_Jula Timur_ und _Amakadschi_, den linken _Bulughan_; das Mitteltreffen +_Taulai_. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen Prinz Huladschu, +der zwölfte Sohn Hulagu's, der Bruder Teguder's; den linken Flügel +befehligte _Basaraghul_ und den rechten _Alinak_. Arghun, wiewohl ihm der +Feind an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit, wie +weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker Flügel ward von Alinak +geschlagen, während Jula Timur und Amakadschi den Basaraghul's +zurückdrängten. Jula Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis +vor die Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf dauerte von +Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog sich von Dschemelabad bis nach +Ebher, zehn Parasangen, zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter +Arghun's gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre mir +nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, wie die +unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen fliehen und dass dein +edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet werden würde. Als Arghun zu Rei und +Tehran, riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober Dschadscherm, +zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften Schlachtfeldes und vor den +Thoren ihre Zelte sein würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie +keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet hatten, und +erhielten die Nachricht, dass das Heer Arghun's gänzlich geschlagen und +zerstreut worden sei. Die Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha +angekommen, als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also blos +das Land und verbrannten Demaghan. + +[Randnote: Die Landschaften Kumis und Taberistan; die Scheiche von Semnan, +Demaghan und Bostam.] + +Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder und Arghun jetzt +geführt ward, sind die beiden Landschaften Taberistan und Kumis, welche +nördlich von Masenderan, westlich vom persischen Irak, östlich und südlich +von Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu dem +nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle morgenländischen +Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere Landschaften aufführen; sie +ziehen sich längs des Gebirges hin, so dass Taberistan die untere +südwestliche, unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die +nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten Schlösser +der Assassinen, deren schon bei der Eroberung derselben durch Hulagu +Erwähnung geschehen, wie _Firuskjuh_, d. i. der Glücksberg, und _Girdkjuh_, +d. i. der Gürtelberg; die Hauptstadt ist _Demawend_, gleichen Namen mit dem +Berge führend, in dessen Klüfte die persischen Heldensagen den Kerker des +von Dämonen gefolterten Tyrannen Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan +mit seinen Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich +der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen Oesterreich (Chorasan) +wie Tyrol dem europäischen Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor[642]. +Das obere Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte von _Schahrud_, +_Semnan_, _Demaghan_, _Bostam_, wovon der erste nach dem Berge und Flusse +so genannt ist, die anderen drei aber nach den gleichnamigen Städten. +_Semnan_, die südwestlichste dieser drei Städte, am Rande der Wüste, +unmittelbar nach dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen[643], +kleiner als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine Pistazien +und Feigen, als durch den hier geborenen und begrabenen grossen Scheich +_Alaeddewlet Semnani_ berühmt[644]. »In dieser alten Stadt«, sagt Fraser, +»herrscht eine wunderbare Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige +Häuser von sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von Schlössern, +mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen, unstreitig von hohem +Alterthume; viele tiefe Klüfte innerhalb der Stadtmauern, welche ihren +Ursprung der Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen, +welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte dienen und von +ihnen den zahlreichen Ruinen ober der Erde vorgezogen werden.« Das Bad der +Stadt ward schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut[645]. Die +Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit, der Dynastie +_Ssafewi_ an[646]. In der Nähe ist die von persischen Geschichten und auch +von Fraser erwähnte Windquelle, welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter +verursacht[647], eine auch in Europa mehreren Quellen und Höhlen auf hohen +Gebirgen gemeinsame Volkssage[648]. _Demaghan_, deren Erbauung von +persischen Geschichtschreibern und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der +alten persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers, der +Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf der Strassen von Chorasan, +Kuhistan, Masenderan und Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle +des alten _Hekatompylos_, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen[649], in +dessen Nähe der Fluss _Stiboetes_ aus einer schönen Felsenhöhle +entsprang[650]; diess ist der von den morgenländischen Erdbeschreibern +gerühmte _Chosrewi_, welcher sich in hundert und zwanzig unterirdische +Bäche vertheilt[651]; die Stadt liegt heute in Ruinen; das berühmteste +Grabmal ist das der vierzig Köpfe oder Töchter[652], und von den +berühmtesten Scheichen der Ssofi ist _Ebu Dschaafer Demaghani_ nach der +Stadt genannt[653]. Von den Scheichen von _Demaghan_ und den von _Semnan_ +geht weit im Rufe der Heiligkeit und Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid +von _Bostam_, der dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte +des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben[654], war er der Stifter +des nach seinem Namen genannten Ordens der Derwische _Bostami_; auch als +Geburtsort späterer Gelehrten ist Bostam berühmt[655], aber doch keiner, +wie der Scheich _Ebu Jesid_ oder _Bajesid_, von dem die Antworten auf die +Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter dem höchsten Himmel, und +auf die Frage: Wie bist du zu Gott gelangt? Indem ich über mich +hinausgegangen; und dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben +zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn ich dir gedienet, +war's flauer Dienst in der Noth[656]. + +[Randnote: Unterhandlungen und Marsch durch Kumis.] + +Arghun, als er auf seinem Rückzuge nach Bostam gekommen, wallfahrtete zum +Grabmale des Scheichs _Ebu Jesid_, während Ahmed Teguder seinerseits am +Grabe des Scheichs Babi den Beistand desselben erflehte, eine Wallfahrt, +die von diesem, der den Islam angenommen, natürlicher, als von jenem, der +kein Moslim war. Teguder befehligte seinen Bruder Huladschu mit einem +Tomane nach Rei, und befahl dort allen Befehlshabern des Heeres, eine +Schrift zu unterzeichnen, dass sie Niemanden gehorchen würden, als dem zum +obersten Feldherrn ernannten Bugha; Alle unterschrieben bis auf Alinak. +Zwei Gesandte Arghun's, Kotloghschah[657] und Legsi, kamen nach der Ebene +von Akchodscha bei Kaswin, um Frieden zu bitten und sich über die +Streifzüge der Truppen Teguder's, welche das Land weitum verwüsteten, zu +beklagen. [RN: 28. Ssafer 683/13. Mai 1284] Teguder verwies die Gesandten +an den Inhaber des Diwans, Schemseddin; dieser aber trug vor: Es sei +unmöglich, dem Rauben des Heeres Einhalt zu thun, indem diese Streifzüge +die Vorspiele des Krieges; auch Jagdvögeln sei Beute lieber, als täglich +zugemessene regelmässige Fütterung. »Diese Gedanken des Inhabers des +Diwans«, sagt Wassaf, »brachten demselben kein Heil und das Reich ward +schnell dem Verderben zu Theil.« Alle Entschuldigungen, welche die +Gesandten Arghun's vorbrachten, blieben unbeachtet, und der Sultan (Ahmed) +befahl abermal dem Heere, in's Feld zu ziehen. _Ssadreddin_ und +_Assileddin_, die zwei Söhne des grossen Astronomen Nassireddin von Tus, +welche, wenn nicht die astronomische Wissenschaft des Vaters, doch die +astrologischen Verrichtungen geerbt hatten, stellten vor, dass die Gestirne +den Auszug eines Heeres nicht begünstigten, worüber Ahmed ungnädig auf sie. +Arghun empfing im Dorfe Surch[658], in der Nähe von Semnan, seinen Sohn +Ghasan und Omer Aghul, den Sohn Niguder's, des Enkels Dschaghatai's, aus +dessen erstgeborenem Sohne Dschudschi, gleichnamig mit seinem Oheime +Dschudschi, dem erstgeborenen Sohne Tschengischan's; mit ihnen stellten +sich Nokai, der Jarghudschi, d. i. der Oberrichter, und Sischi Bachschi, +d. i. der Staatssekretär, zum Dienste Arghun's ein. Zur Erwiederung der +Gesandtschaft Arghun's sandte Ahmed die Prinzen _Toghatimur_ (den +vierzehnten Sohn Hulagu's), welcher, wie sein Bruder Huladschu, im +Interesse ihres Bruders Teguder, und _Suke_, den dritten Sohn Jaschmut's, +des dritten Sohnes Hulagu's, mit den Emiren Buka und Doladai Jarghudschi +mit der Botschaft, dass, wenn Arghun unterthänig, er selbst kommen oder den +Bruder Kendschatu senden möge. Buka stellte dem Sultan vor, dass, da er nun +unterhandle, er nicht weiter marschiren dürfe; und Ahmed antwortete: dass +er zu _Charkan_ ihre Ankunft abwarten wolle. [RN: 14. Rebiulewwel 683/1. +Juni 1284] Er zog ihnen verheerend über Demaghan nach, dessen Einwohner +vielfältig gepeinigt wurden; fünf Tage hernach war er zu Charkan angelangt, +welches ein zu Bostam gehöriges Dorf, nur als Geburtsort und Grabstätte des +Scheichs _Ebul Hasan Charkani_ berühmt[659]. [RN: 20. Rebiulewwel/7. Juni +1284] Der Emir _Dschirkudai_, sein Bruder _Jesuder_ und _Bulughan_, der +Statthalter von Schiras, brachten ihre Huldigung dar. Zu Charkan machte +Ahmed keineswegs Halt, wie er seinem Gesandten Buka versprochen, sondern +sandte den Alinak mit dem Vortrab weiter voraus[660]; [RN: 28. +Rebiulewwel/15. Juni] er selbst lagerte acht Tage hernach zu _Kalpusch_ und +drei Tage später zu _Kebud Dschame_, d. i. _Blaukleid_, einem zum Gebiete +von _Dehistan_ (dem alten Sitze der Dahen) gehörigen Orte, das reich an +Korn, Trauben und Seide[661]. Zwar kam die Wesirschaft Ahmed's, nämlich die +beiden Prinzen Toghatimur und Suka und die beiden Emire Buka und Doladai, +zurück und brachten Kendschatu, den Bruder Arghun's, mit sich[662]; mit +ihnen trafen die Emire _Newrus_ und _Buralighi_ als Gesandte Arghun's ein. +Buka zürnte darob, dass Ahmed nicht seinem gegebenen Worte getreu zu +Charkan Halt gemacht; er deutete diese Wortverletzung unglücklich für Ahmed +und glücklich für Arghun aus. Newrus und Buralighi kehrten unverrichteter +Dinge zurück. [RN: 3. Rebiulachir] Drei Tage hernach ward von Kalpusch +aufgebrochen; die Emire Jula Timur und Imkadschin, der Sohn Suntai's, +brachten ihre Huldigung dar. Ahmed, ungeduldig des Verzuges, gab dem Akbuka +die Stelle Buka's und machte diesen dadurch um so mehr im Herzen dem Arghun +zugethan. + +[Randnote: Arghun zu Kelat; ergibt sich.] + +Arghun hatte sich indessen mit nicht mehr als hundert Begleitern von den +Fürsten seines Gefolges über Meschhed hinaus in das feste Schloss Kelat +geflüchtet[663]; dieses bis in die neueste Geschichte als der Schatzhort +Nadirschah's berühmte feste Schloss spielt schon in der Geschichte der +ersten moslimischen Dynastien Persiens eine bedeutende Rolle. _Otbi_[664], +der Verfasser des _Jemini_, d. i. der durch ihren rednerischen Schmuck +berühmten Geschichte Mahmud's, des Sultans von Ghasna, Eroberers Indiens, +malt die Höhe desselben durch das Distichon: + + Wind ermüdet, indem er will die Zinnen erklimmen, + Und es gleitet das Aug' nieder von schwindelnder Höh'. + +Dieses Bergschloss liegt zwischen Kasermian, Serchas, Abiwerd und Tus in +schönem und fruchtbarem Thale, welches fünfzig bis sechzig englische Meilen +lang, zehn bis fünfzehn breit, von Osten nach Westen zieht und von den +Hügeln, welche die Ebene Meschheds von der Wüste trennen, eingeschlossen +wird. Der Anblick des Thales ist reich und grün, es hat Ueberfluss an +Pferden und Wildpret und wird ausser dem Strome, welcher dasselbe der Länge +nach durchfliesst, noch von kleinen, in Cascadellen die Hügel +herabströmenden Bächen bewässert; aber alle diese Wasser sind schädlich und +im Herbste sogar tödtlich, wesshalb das Regenwasser zum Trinken in +Cisternen gesammelt werden muss[665]. In diese durch Natur unbezwingliche +Bergfeste schloss sich Arghun mit Bulughan, der geliebtesten seiner Frauen, +ein. Der Emir Newrus, als er Kunde erhielt, dass Alinak wider das Schloss +im Anzuge, bat kniend, Arghun möge über den Oxus ziehen und in dem Jurte +Kuwindschi's (des zwölften Sohnes Scheiban's, des fünften Sohnes +Dschudschi's) Zuflucht suchen. Arghun gab dem wohlgemeinten Rathe kein +Gehör; _Legsi_, welchen wir oben als Gesandten Arghun's an Ahmed kennen +gelernt, ging zu diesem über und erbat sich ein Heer, mit welchem er ihm +den Arghun zu liefern versprach. Ahmed gab ihm Truppen, mit denen er das +Lager der Frau Kotlogh Chatun, der Gemahlin Arghun's, plünderte. Der Emir +Newrus kam, um ihn zur Rückkehr zu bewegen; Legsi ergriff die Zügel seines +Pferdes, um ihn mit sich zum Sultan zu führen; aber Newrus legte die Hand +an's Schwert, betheuernd, dass er, so lang er athme, den Dienst Arghun's +nicht verlassen wolle; Legsi liess ihn frei und brachte die Beute des +Lagers der Frau Kotlogh in das Ahmed's zurück, der ihn davon reichlich +betheilte. Alinak war indessen vor Kelat angekommen und hatte den Arghun +beredet, ihm in das Lager des Oheims, der ihm nichts Uebles wolle, zu +folgen. [RN: 13. Rebiulsani 683/29. Juni 1284] Ahmed umarmte ihn, küsste +ihn und übergab ihn der Obhuth Alinak's; dieser stellte vor, dass jetzt der +Augenblick, sich des Feindes zu entledigen; aber Ahmed, der, ganz der Liebe +seiner neuen Gemahlin Tudai hingegeben, für nichts Anderes Sinn hatte, +sprach: Was kann er ohne Heer und Schatz unternehmen? Ich will die Frau +Kutui (seine Mutter), wenn ich sie sehe, um ihre Meinung hierüber fragen. +Indessen befahl er doch, die Emire Arghun's, _Sischi Bachschi_, _Kadan_, +_Buraligh_ fest zu setzen, von seinen eigenen einige[666], weil sie dem +Arghun ergeben, hinzurichten. [RN: 16. Rebiul. II./2. Juli] Er wollte eben +aufbrechen, als er auf Bitte Buka's, dass er erlauben möge, die Vermählung +seiner Tochter mit Kipdschak Kaghul, einem Abkömmlinge Dschudschi Kasar's, +des Bruders Tschengischan's, zu feiern, noch zu bleiben beschloss. Arghun +war in die Seele betrübt, indem er unglücklichen Ausgang seines Schicksals +fürchtete. Da sprach ihm die Frau Bulughan, welche seine Gefangenschaft +getheilt und welche auch von Ahmed gnädig empfangen worden war, indem er +ihr selbst den Becher reichte[667], Trost ein. Er versprach ihr, dem Arghun +die Statthalterschaft von Chorasan zu verleihen, und verlieh ihm ein +kaiserliches Zelt. Ganz in dem Genusse der Frau Tudai schwelgend, hatte +Ahmed keinen Sinn für die Wichtigkeit des Augenblicks, oder die Gefahr, +die ihm von den nächsten Umgebungen drohte; er befahl jedoch dem Alinak, +den Arghun nach dem Aufbruche des Lagers hinzurichten[668]. In der nächsten +Nacht »sollte das Zelt seines Lebens abgebrochen werden, als durch eine +unvorgesehene Wendung der Dinge der arabische Spruch, welchen Bulughan dem +Arghun zu Gemüthe führte: dass die Nächte, schwanger, gar Vieles vor dem +Morgen gebären, auf das glücklichste ausging«. + +[Randnote: Verschwörung Buka's und Ermordung Teguder's.] + +_Buka_, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob gebrochenem Wort und +genommenem Oberbefehl nährte, vermochte mehrere Emire[669] zu einer +Verschwörung wider Alinak und Ahmed, indem er sie versicherte, dass dieser +beschlossen, sie an der Gränze von Isferain hinrichten zu lassen; auch den +Prinzen Huladschu, den Bruder Ahmed's, brachte er auf seine Seite. Sie +beriethen sich zuerst über das Mittel, sich Alinak's zu entledigen. Buka +sandte durch einen Vertrauten Arghun's demselben Wort, diesen Abend den +Alinak zu begehren, und zwei der Verschworenen[670] nahmen es auf sich, +desgleichen die Emire Karabuka und Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete +begab sich Buka, von drei Reitern begleitet, in den von Wachen besetzten +Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein, um den Prinzen leise +zu wecken. Arghun glaubte, es sei List und Verrätherei; als ihm aber dieser +schwur, dass Nichts zu fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als +seinen Herrn zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben an. Als +sie um den dritten Kreis der Umzäunung[671] kamen, rief sie eine Wache an: +Wie ist's, dass ihr ginget vier hinein und kommet fünf heraus? Du irrst +dich, Freund, sagte Buka, deine schlafbenebelten Augen haben ehe um einen +zu wenig gezählt. So kamen sie glücklich durch in's Zelt Buka's. Arghun +ward bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt, und sie begaben sich in das Zelt +Alinak's, der im Rausche abgethan, sein Kopf vor's Zelt geworfen ward. +[RN: 18. Rebiulachir 683/4. Juli 1284] In derselben Nacht wurden Boten an +Huladschu und Bektu abgesandt, die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene an +Basar Aghul und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und Taitak gethan; +in derselben Nacht wurden auch Karabuka und andere Emire ergriffen und am +nächsten Morgen hingerichtet. Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem +Prinzen Kinschu (dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und +den Emiren Akbuka und Legsi, als er die Nachricht erhielt, dass alle seine +Treuen getödtet; er unterhielt sich zu Kalpusch noch mit der Frau Tudai und +floh dann auch von Isferain gegen Kumis und Irak. [RN: 19. Rebiul. II./5. +Juli] Die Verschworenen hatten ihrerseits den Buri, den Vogt, nach Issfahan +an die Karawinas, die zu Siakuh hielten, abgesandt, dass sie aufsitzen und +den Ahmed ergreifen sollten. Dscherik, der Emir des Lagers des +hingerichteten Prinzen Konghuratai, wurde zur Blutrache seines Herrn mit +viertausend Reitern dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der Oberrichter, +machte sich an der Spitze von vierhundert auf den Weg. Die Prinzen +Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun zu Charkan; die Emire +berathschlagten nun über die Wahl des Chans. [RN: 24. Rebiul. II./10. Juli] +Buka erklärte sich laut für Arghun, während sein Bruder Aruk und Kurmischi +für Dschuschkab, den Bruder Kinschu's, Tekia für Huladschu stimmten. Buka +legte die Hand an's Schwert und schwur, dass, so lang er es führe, es nur +für Arghun und seine Feinde dienen solle. Sie fragten nun den Tengir +Gurgan, den Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's, +und den Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's, um den letzten Willen +Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem Nachfolger seinen Bruder Mengu +Timur und nach dessen Tode den Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei +mongolischen Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit, +dass man ihn mit dem Throne verschonen und die Statthalterschaft Chorasan, +wie bei seines Vaters Lebzeit, lassen wolle. Buka brachte die +Entschuldigungen zum Schweigen, indem er sagte: das erste sei, sich der +Person Ahmed's zu versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der +Frau Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer der Prinzen +zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und Dschuschkab zogen mit dem +Vortrab voraus, Huladschu, Kinschu und Bektu folgten mit dem schweren +Gepäcke. Zu Konkurlang bei Tebris wurde das Haus Buka's geplündert, sein +Harem auf Sundschak's Fürbitte verschont. [RN: 27. Rebiul. II./13. Juli] +Ahmed, der noch gekommen, seine Mutter Kutui zu sehen, wollte nach Derbend +entfliehen; aber _Schiktur_ und _Karabuka_ sandten Botschaft an Kutui +Chatun, dass es der Prinzen allgemeiner Wille, sich der Person ihres Sohnes +zu bemächtigen, und dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten wollten. +Die Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab den Sultan einer Wache +von dreihundert Mann. Unterdessen kamen die unverschämten Räuber, die +Karawinas, an, welche Buka nach Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das +Harem und stiessen sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen Tudai und +Ermeni Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen von Nemuwer vorgerückt +und hatte zu Abaschur bei Jüs Agadsch gelagert. Karaukai und Schiktimur +hatten mit den Karawinen den Sultan gefangen; als ihn Arghun erblickte, +streckte er nach der mongolischen Sitte der siegreichen Pfeilschützen die +Hände aus und schrie: _Mordio!_[672]; er ward sogleich getödtet. Die von +Ahmed verhafteten Emire: Taghadschar, Kundschukbal und Toladai erhielten +nun ihre Freiheit; die Frauen und Emire waren einstimmig in der Wahl +Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht gestellt; Bektu und der Diener +Konghuratai's befragten ihn als seine Richter: warum er den Konghuratai +unschuldiger Weise getödtet, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan +missgönnt, ihm den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte, dass er übel +gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die Emire wollten sein Leben +der Frau Kutui schenken, welche bei Allen in grösstem Ansehen; da erhoben +aber die Mutter Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache. +Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin Kutulun, der +sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die Versammlung durch die +Nachricht, dass die Prinzen Huladschu und Dschuschkab an der Gränze +Hamadan's ein Heer zum Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der +Blutrache Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste der mongolischen +Herrscher, unter der Sanktion der Jasa, um das vergossene Blut +Konghuratai's zu büssen; [RN: 26. Dschem. achir 683/10. August 1284] das +Todesurtheil ward in der Nacht vom Donnerstage am zehnten August vollzogen +durch Timur und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's; sie rächten des Vaters Tod +durch den des Oheims, indem sie ihm den Rückenwirbel brachen[673]. + +[Randnote: Arghun's Thronbesteigung, Gemahlinnen, Söhne, Töchter.] + +Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung Teguder's heraufgeführt, +hatte die Thronbesteigung Arghun's mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in +dem Jurte Suktu statt[674]. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi +die linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem die Prinzen +und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel um den Hals, die Mützen in die +Luft warfen und ihm den Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu +_Kamsiun_, welches zwischen _Heschtrud_ und _Kurban schire_, statt. Drei +Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen Kinschu und +Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und unterschrieben die Urkunde der +Krönung. Abukjan, der Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des +Befehlshabers in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i. +Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's hingerichtet; +allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte ein Jerligh das Leben und Ruhe; +die Prinzen Dschuschkab und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes +Hulagu's) wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, der Oheim +Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum gesendet. Georgien erhielt der +Oheim Adschai (der achte Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die +Statthalterschaft der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und Rei +übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, dem Hebel der +Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst findiger, zum Regieren tüchtiger +Kopf. Nach der Sitte mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den +Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er unter der +angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun konnte bei seiner +Thronbesteigung nicht älter als beiläufig dreissig Jahre sein, da sein +Vater, Abaka, vor zwei Jahren, acht und vierzig alt, gestorben war. Seine +Mutter war die Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen: +1. Die Frau _Kotlogh_, die Tochter Tengir's des Uiraten, welcher ein +doppelter _Gurgan_, d. i. dem Herrscherhaus Verschwägerter, indem er selbst +mit der vierten Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's +Schwiegervater. 2. _Oldschatai_, die Tochter der Tudukasch, aber nicht aus +Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, aus einer anderen Frau, nach +des Vaters Tod mongolischer Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die +nach dem Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek Gurgan, also +von ihrem Enkel, geheirathet ward[675]. 3. Die Frau _Uruk_, die Tochter +Sarudsche's, der Schwester Emir Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau +_Seldschuk_, die Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache +seines Vaters nahm er 5. die Frau _Bulughan_, die Verwandte des Buka +Jarghudschi, und nach ihrem Tode 6. die Frau _Bulughan_, die Tochter +Utaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten[676]. So war 7. die +Frau _Mertai_ die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das Harem seines +Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als Frau übergegangen, so dass +dieselbe Stief- und Grossmutter ihres Gemahls. 8. _Tudai Chatun_, die +Tochter Musa Gurgan's (des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften +Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder Tudai geliebt, +hatte ihn über die Gefahren, die seinem Throne drohten, verblendet. Tudai, +die Enkelin Hulagu's, die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's), +war also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. 9. _Kultak +Ikadschi_, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, dessen drei Brüder +_Jesu Timur_, _Oldschaitu_ (beide aus der Frau Uruk) und _Chatai Aghul_ aus +der Frau Kotlogh; dann vier Töchter, _Oldschatai_, _Oldschai Timur_, +_Kotlogh Timur_ (alle drei Töchter der Frau Uruk) und _Dilendschi_, Tochter +der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten _Bulughai_. + +[Randnote: Schemseddin Dschuweini zu Kum.] + +Nach dem Herrscher _Arghun_ und seinem Wesire _Buka_[677], der ihn auf den +Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide vor uns, nämlich der flüchtige +Wesir Schemseddin Dschuweini, dessen Auslieferung Arghun zu +wiederholtenmalen vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind +Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter Abaka's, sondern +auch der Vergiftung desselben und des Bruders Mengu Timur angeklagt. +Nachdem Alinak getödtet und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin +von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare mit ein Paar +Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan geflüchtet. Die Einwohner, +sobald sie von der Umwälzung der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit +dem Atabeg von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen dem +Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's in Verhaft gehalten, was +zu thun. Schemseddin, hiervon benachrichtigt, begab sich unter dem +Vorwande, zu einer Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh +auf trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des Grabes der +Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses Grabmal ist seit einem +Jahrtausend die sichere Freistätte Unschuldiger und Schuldiger, die in die +Mauern desselben flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen, +wie von den früheren Herrschern Persiens, den _Seldschuken_ und _Bujiden_, +wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern der Dynastie _Ssafewi_ und der +regierenden der _Katscharen_, hoch geachtet. Die Pracht desselben hat +Chardin ausführlich beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit +silbernen Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz, dessen +Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der Familie Ssafewi herschreibt, +haben reiche Opferspenden Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher +einen Kopfschmuck seiner Mutter, wie einst Crösus[678] das Halsband und den +Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali jagte nie in der Umgegend, +ohne den Umgang um das heilige Grab, von welchem die Stadt auch die +_heilige_ heisst, zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren +Schemseddin Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so in unseren +Tagen der von Feth Alischah und dann von seinem Enkel, dem regierenden +Schah, verungnadete, in Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte +Botschafter Mirsa Abul Hasan. »Die Stadt ist heute«, sagt Morier, »nur +durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete Kuppel des Grabmals, +durch die zahlreichen Märkte und durch ihre Ruinen«; denn der Umfang der +Mauern betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen mehr, +als die von Kaswin[679]. _Kum_ ward im Beginn des achten Jahrhunderts der +christlichen Zeitrechnung[680], als Hidschadsch, der tyrannische +Statthalter von Irak, das Heer Abderrahman Asker's schlug, aus sieben +Dörfern, deren Vorsteher getödtet worden waren, in eine Stadt vereint, +deren sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt den Namen +gab[681]. Von derselben erhielten hernach, als persischer Kunstfleiss und +Handel im höchsten Flore, die schöngewirkten seidenen Stoffe den Namen +_Kumasch_, den dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre +luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge[682], als das +benachbarte _Kaschan_ durch sein Fayence und seine Scorpionen und +Giftspinnen, als der Geburtsort des grossen Geschichtschreibers Abderresak, +des _Verfassers des Aufganges zweier Glücksgestirne_ (der Geschichte +Timur's und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs Feth +Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs[683] Feth Alischah's. In dem +Heiligthume Kums sammelten sich um Schemseddin seine Freunde, deren Meinung +dahin ging, dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der Weg +weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen Schemseddin, meine +Söhne nicht in den Händen der Mongolen zurücklassen; das Besste ist, ich +begebe mich zu dem Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka, +der mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe, was Gott +will. Unschlüssig verweilte er einige Tage, als von Seiten des Chans Melik +Imameddin von Kaswin und Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen. + +[Randnote: Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und +angestellt.] + +Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der Regierung Abaka's +erzählet worden, wie er, dessen treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider +Borrak auf dem Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern +gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte. +Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er, der +Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu unterstützen, nur +nothgedrungen Folge leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger +in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei +Tabs in die Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen; +diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben; es war das +erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt sandte ihn +Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um denselben nach Hof zu bringen. +Arghun's Politik war eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er +sandte an alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um sich +dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen Sonnenschirm, »welcher«, +sagt Wassaf, »wie die Flügel des Königsgeiers schattete und dessen Glanz, +wie das Licht der Sonne, nie ermattete«, um ihn nach Hof einzuladen, denn +Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem Botschafter +keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit +noch gehen? Er zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und +Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen +nicht erschienen, schwur ihnen Arghun: + + Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht, + Der schirmt das Diadem der Majestät, + +dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen werde. Er gab +jedem derselben Mütze und Gürtel, und sie verbanden sich ihm als Vasallen; +mehrere der ersten Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt, +wurden freigesprochen und erhielten Aemter[684]. Jusufschah von Lur, +welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin gegeben[685], +führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa +kam ihnen der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch alles +Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess +Schemseddin Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine +Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden. [RN: 10. Redscheb 683/21. +Sept. 1284] Freitags in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zu _Kurban +Schire_ ein und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in +freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige Empfang war +voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von beiden Seiten verstellter). +Am nächsten Tage stellte ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn +weder gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte +ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans gemeinschaftlich mit +Buka ein. Schemseddin erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter +Buka's im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und +Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's Eifersucht +und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er +sandte Ali, den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den +Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin Mestufi und +Hosameddin Ssahib, zwei Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider +denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen Flammen +auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit nur ein +Schatten, so lang Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf +seinerseits Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm +vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste zu +erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem Schemseddin an die Seite +gegeben, und zu Audschan erging der Befehl, demselben zweitausend Tomane +abzufordern und ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein +Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande, +tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O Emir Buka, +lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir. +Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu verhören. + +[Randnote: Schemseddin's Hinrichtung.] + +Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte Anklage der +Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei, dass, was den Abgang +des Staatsschatzes betreffe, er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er +aber unschuldig des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm als +schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte gebunden worden, +erscholl das Geschrei der Türken und Perser: warum man die Nahrungsquellen +der Völker binde! Zu _Minia_, in der Nähe von _Ebher_, der nördlich von +Kaswin gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er verrichtete +sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in den Koran, den er bei sich +trug, das Loos, begehrte Tintenzeug und Feder, setzte seinen letzten Willen +für die Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris: »Als ich +den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender Vers gekommen: _Die da +sagen, Gott nur sei Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden +Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und fürchtet euch nicht, +ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses, das euch versprochen worden._ +Da Gott der Allmächtige diesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt +immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner Wünsche versagt +und ihm sogar die frohe Kunde künftigen Lebens zugesagt, so muss man den +Mewlana _Mohijeddin_, den Mewlana _Efdhaleddin_, den Mewlana _Schemseddin_, +den Mewlana _Hemameddin_ und den grossen Scheichen, welche aufzuzählen hier +zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese gute Kunde geben, damit sie +wissen, dass ich aller Anhänglichkeit an die Welt entsagt habe und mir mit +ihrem guten Gebete helfen möge[686]. Sie sollen meine Söhne grüssen, die +ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle; _denn Gott verliert nicht die +ihm anvertrauten Pfande_. Ich hoffte sie noch einmal zu sehen und ihnen +mündliche Lehren zu hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose +geworden, so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts +ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem Erwerb +ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott ihnen verliehene Gut +vernachlässigen. Wenn mein Sohn, der Atabeg, und seine Mutter, die Frau +Choschek, in ihr Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss +gegönnt. Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit ihrer Mutter im +Geleite der Frau Bulughan bleiben und an den beiden Enden meines Grabmals +stehen; wenn sie für das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin +etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich dahin begeben. +Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg begleiten, Sekeria auf den +Gütern des Padischah arbeiten; die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka +vermacht, welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen; wenn er +etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn nicht, sollen sie sich +begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen und auch seinen Segen! Ich habe +jetzt mein Gemüth auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen +Antheil nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig! Wenn +Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will, sollen sie es nehmen +und sich damit begnügen; wohin nur das grosse Harem von Tebris sich begibt, +soll auch das meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!« Dieses +Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils Bestellten vor; +sie lasen es, ohne dass es Eindruck auf sie gemacht. Schemseddin sagte +dann: »_Was von dir kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es +Heilung_«; und das Todesurtheil ward vollstreckt. [RN: 4. Schaaban 683/16. +Oct. 1284] Vier seiner Söhne: _Jahja_, _Ferruchschah_, _Mesud_ und +_Atabeg_, wurden ihm sogleich in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam +Schemseddin's, kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück, starb aber +auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne: _Edib_ und _Ahmed_, wovon +der erste mit der Herrschaft Luristans belehnt ward, der zweite am Hofe +Arghun's als Geissel zurückblieb[687]. Schemseddin ward mit seinen Söhnen +im Viertel _Dscherendab_, wo schon sein Bruder Alaeddin ruhte, zu Tebris +bestattet. Unter den vielen Trauergedichten, welche den Schmerz der Völker +über den Sturz dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der +kürzesten und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene: + + O _Dscherendab_, wo zu Tebris sein Grab, + Der erste Regen ström' auf dich herab! + Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub, + Der grössten Männer Wangen sind dein Raub. + Hier hat die Sonne[688] höchsten Punkt[689] erreicht, + Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht. + Es weinen über sie die sieben Sterne, + In ihrem Licht und ihrer finstern Ferne + Die sieben Himmel und die Erden, sieben, + Der Meere und der Wochentage Sieben. + _Feredschullah_, _Jahja_, _Mesud_, _Harun_ + (Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun) + Den Vater Mohammed so hoch geehrt, + Es frass dieselben all' das scharfe Schwert. + Mich hat der Schmerz des _Atabegs_ verzehrt + Wie Flamme, welche in die Höhe fährt; + Und ob _Ataul Melik_ gekränket theils, + Er, der _Ssahib_, der Herr der Stadt des Heils, + Es saget über dieser Gräber Stätte, + Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete. + +[Randnote: Statthalterschaft von Fars.] + +Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im Gebiete von Arran +gelegenen Palast Manssurije gekommen, kehrten die an den Grosskaan, Oheim +Kubilai, geschickten Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere, +zurück. [RN: 11. Redscheb 683/23. Sept. 1284] Zwischen Serah und Erdebil +und Ssain wurde Kurultai gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach +Tebris zurück; [RN: 20. Redscheb/2. October] dann wurde das Winterquartier +in Arran bezogen; und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen +statt, indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch, die Atabegin +von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten Statthalterschaft vor +Gericht gestellt ward. Um die Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem +ganzen Umfange zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der +Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen, wieder +aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen Statthalterschaft _Bulughan's_ +(des Nachfolgers Taghadschar's, des Statthalters von Fars) erwähnt worden. +Um die Ruhe wieder herzustellen, war _Taschmenku_ zu seinem Nachfolger +ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von Lur zugewiesen worden. Als +seinen Vorläufer sandte er den Stellvertreter des Diwans der Krongüter, +Hosammeddin, den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan. +Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald er vor ihm +erschienen, zusammen. _Taschmenku_ sprach sogleich die Hilfe Jusufschah's, +des Atabegen von Luristan, an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als +Statthalter wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er, was im +Schatze, und entfloh mit seinen beiden Geschäftsführern _Kawameddin_ und +_Seifeddin_ nach Chorasan. Taschmenku beschäftigte sich mit den +Regierungsgeschäften, ward aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der +Spitze der im Namen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der +hergebrachten Formel blos _Ahmedaga_ schrieb, was wider allen mongolischen +Kanzleistyl[690]. Nachdem er ein Jahr lang Fars verwaltet, wurde die +Statthalterschaft der Frau _Abisch_, der gebornen Atabegin, Fürstin des +Landes, Wittwe Mengu Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka +verstorbenen eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben unter +der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle in's Lager der +Mongolen gefolgt und hatte immer seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward +ihr die Erlaubniss der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe +im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil; sie dankte +diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der grossen Frau _Oldschai_, der +Mutter Mengu Timur's, welche nebst der grossen Frau Tokuschan und der +Mutter Abaka's vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem +Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben und dann +seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens genoss. Ganz Fars jubelte über +die Rückkehr der Prinzessin _Abisch_, des letzten Zweiges des hochverehrten +erlauchten Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers: _Ein gutes +Land, ein gnädiger Herr_, war auf allen Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im +Diwan ernannte sie ihren Verwandten _Dschelaleddin Arkan_[691] und die +Wesirschaft sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem Chodscha +_Nisameddin Ebubekr_, dessen schon Eingangs dieses Buchs im Gegensatze mit +dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin, Erwähnung geschehen. Die Feindschaft +Nisameddin's und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom +finanziellen Unheils sich über Fars ergoss. + +[Randnote: Die Prinzessin Abisch und dann Seid Imadeddin, Statthalter von +Fars.] + +Nisameddin, ein fündiger Finanzmann, machte der Atabegin den Vorschlag, +sich durch ein Diplom des Ilchans die Begewaltigung zur Wiedereinlösung der +in fremden Händen befindlichen Familiengüter zu verschaffen. Ahmed Teguder +gab in einem Augenblicke der Uebereilung das Diplom im verlangten Sinne. +Nisameddin machte aber den grössten Missbrauch, indem er Krongüter und +Privatgüter als Familiengüter der Atabegin ansah und einzog und die +Bewohner von Schiras, Vornehme und Gemeine, wie gekaufte Sklaven +behandelte. Der Beginn der Statthalterschaft der Abisch und die +Finanzverwaltung ihres Wesirs Nisameddin fiel in das Ende der Regierung +Teguder's. Nach der Thronbesteigung Arghun's begab sich der Seid Imadeddin, +der Schützling Buka's, an den Hof, um die dem Staatsschatze, wie dem +Privatvermögen so heillose Verwaltung von Fars in ihrem gehörigen Lichte +darzustellen. Durch Buka's Einfluss erging ein ilchanisches Diplom, wodurch +dem Seid Imadeddin die Statthalterschaft von Schiras zu Land und See, d. i. +mit Einbegriff der Inseln im persischen Meerbusen, ohne Theilnehmer und +Mitgenossen übertragen ward. Nach den Worten desselben war »die Schliessung +und Oeffnung der Erfolge, die Bindung und Lösung der Geschäftsschreiben, +die Anstellung und Absetzung der Emire dem Gutachten des Seid +anheimgestellt«. Er wurde mit den beiden mongolischen Insignien +übertragener Herrschaft, dem goldenen Löwenkopfe und dem goldenen +Katzenkopfe, bekleidet[692]. Wenn sich diese Investitur mittels Löwen- und +Katzenkopfes in Sanchoniaton oder einer anderen altägyptischen Geschichte +fände, so möchten dieselben wohl im mystischen Sinn als die Köpfe von Isis +und Bubastis erklärt werden; bei den Mongolen aber sind sie blos das rohe +Symbol einschüchternden Herrschergrimms und einschläfernder arglistiger +Schmeichelei, welche dem Mongolen für die beiden höchsten Herrschertugenden +gelten. Die mongolische Gerechtigkeitshand ist die Tatze des Löwen und die +Kralle der Katze. Die beiden Geschäftsleute des vorigen Statthalters +Bulughan, die beiden Chodscha, d. i. Herren der Finanz, der Kämmerer +Kawameddin von Bochara und Seifeddin Jusuf, waren indess von Chorasan +wieder nach Fars zurückgekommen und von der Atabegin mit der Verwaltung der +Finanz betraut worden. Sie erbitterten die Atabegin in voraus wider den ihr +zum Nachfolger in der Statthalterschaft bestimmten _Seid_, und als dieser +von der Gränze aus, wo die Rechnungsabforderung ihren Anfang nahm, gleich +einen der Vögte der Atabegin an einen Baum hatte aufhenken lassen und der +Atabegin den Befehl zugefertigt hatte, vor der Majestät des Chans zu +erscheinen, stieg ihr Zorn immer höher und höher. Sobald der _Seid_ zu +Schiras angekommen, errichtete er einen königlichen Thron; acht Tage +hernach hatte das feierliche Festgebet des Bairams statt, wobei die +Prinzessin nicht wie gewöhnlich erschien. [RN: 22. Ramasan 683/2. Dec. +1284] Sie hatte erwartet, dass der Seid wenigstens die Formen beobachten +und ihr schuldiger Weise aufwarten werde; als aber diess nicht geschah, war +sie so zornig, dass sie vor Wuth weinte und sich in die Lippen biss[693]. +Bald darauf kam die Nachricht, dass Fars von einem Einfalle der +niguderischen Banden bedroht sei. Der Seid sandte der Prinzessin Wort, dass +die Annäherung der Feinde zu ihrer Sicherheit erfordere, dass sie sich nach +dem Schlosse Istachr (Persepolis) begebe. Sie weigerte sich dessen, weil +sie fürchtete, dass der Seid sie dort einsperren wolle. Während dieser +Verhandlung kehrte der Seid eines Abends mit grossem Gefolge nach Hause. +Auf der Gasse kamen ihm Mamluken der Atabegin mit dem Befehle, vor ihr zu +erscheinen, entgegen; die gebieterischen Worte der Mamluken entgegnete der +Seid mit rauhen; der erste der Mamluken warf sich auf ihn und sie stürzten +beide von ihren Pferden. Da führte Seradscheddin Fasli von Lur, welcher +noch vor wenigen Tagen vom Seid mit Gnaden überhäuft worden war und auf +dessen Treue, weil er der Anführer seiner Truppen, er vorzüglich gezählt +hatte, den ersten Streich, und der Seid erlag alsbald den vervielfältigten +Streichen der Mamluken. [RN: 21. Schewwal/31. Dec. 1284] Der Kopf wurde +abgeschnitten, der Rumpf hingeworfen, sein Haus der Plünderung +preisgegeben. + +[Randnote: Verurtheilung der Atabegin Abisch, und ihr Tod.] + +Abisch liess in den Strassen von Schiras ausrufen, dass, weil der Seid in +dem Lande schädliche Finanzneuerungen unternommen, derselbe auf ihren +Befehl sei aus dem Wege geräumt worden; Jedermann solle seinen Geschäften +nachgehen und die Stadt ruhig bleiben. Der Sturz des Seid's brachte, wie +jeder Umschwung von Glücksverhältnissen, seltsame Beispiele von Undank und +treuer Anhänglichkeit in Vorschein. Ein Gelehrter, welchen der Seid mit +Gnaden überhäuft hatte, brandmarkte sich als einen Undankbaren, +Niederträchtigen durch die Verse, die er an den Fussschämel der Atabegin +schrieb: + + Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin, + Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin; + Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen, + Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen. + +Das Gegenstück hierzu ist die schöne Dankbarkeit des Geschichtschreibers +Wassaf, welcher seiner Erzählung ein Trauergedicht von siebzehn Distichen +einverleibt hat, dessen Beginn: + + Eine Sonne ging im Staube unter, + Die im Ost des Glückes aufging munter. + Um zu stürzen diesen Bau, o Loos! + Lässt die Zügel schiessen du dem Ross. + +Nach dem Tode des _Seid Imadeddin_ wurde sein Vetter, der _Seid +Dschemaleddin Mohammed_, welcher, mit Gnaden der Atabegin überhäuft, sich +für ganz sicher gehalten, an ihre Pforte vorgeladen. Sie berieth sich mit +einem ihrer Räthe über den zu fassenden Entschluss. Er rieth ihr zur +Hinrichtung, zu welcher so besserer Grund vorhanden, weil er weit reicher, +als Imadeddin, welcher blos als ein Opfer der Bewilderung zwischen ihr und +ihm gefallen sei. Die Mamluken tödteten ihn in der Nacht und streuten am +Morgen das Gerücht aus, dass er aus dem Kerker entflohen sei. Die bald +hierauf erfolgte grosse Landplage der Heuschrecken wurde als eine Strafe +des Himmels für den Mord der beiden _Seide_ angesehen. Mehr als +hunderttausend Bewohner von Schiras sollen an der als Folge der +Heuschreckenverheerung entstandenen Hungersnoth zu Grunde gegangen sein. +Der unmündige Sohn des Seid war mit einigen treuen Dienern in das Lager des +Chans geflüchtet, wo er Buka's, seines Vaters Schutzherrn, Hilfe anrief. +Buka trug die Vergehungen der Atabegin dem Ilchan vor, welcher sie und alle +Gegner des Seid vor Gericht zu laden befahl, und zugleich zurück Botschaft +an die Frau Oldschai sandte, durch deren Einfluss die Atabegin die +Statthalterschaft erhalten hatte; diese überhäufte den Gesandten, der sie +in's Hoflager führen sollte, mit Geschenken, folgte aber nicht. Drei +Richtern[694] ward die Untersuchung über das unschuldig vergossene Blut der +beiden Seide und die unrechtmässige Besitznahme von Gütern aufgetragen. Die +Herren der Finanzkammer wurden in Ketten und Blöcken vorgeführt; als die +Prinzessin nicht erschien, wurde Kotan Atadschi abgeordnet, um sie mit +Gewalt in's Hoflager zu bringen. Als die Prinzessin Nachts in's Lager kam, +führte sie der Haushofmeister Buka's in eines der Zelte seines Herrn. +Dieser liess ihm aber am folgenden Tage sieben Prügel geben, weil er sich +unterstanden, eine Prinzessin königlichen Geblüts in das Zelt eines Emirs +Karadschu, d. i. Unterthanen, wie er, zu führen; trotz dieser dem Range der +Prinzessin schuldigen wahren oder geheuchelten Ehrfurcht erhielt sie den +Befehl, am folgenden Morgen vor Gericht zu erscheinen. Ihre Beschützerin, +die Frau Oldschai, sprach entschuldigend für, indem sie Alles auf +Dschelaleddin Arkan, den Verwandten der Atabegin, schob; die drei Herren +der Finanzkammer, Kawameddin, Seifeddin und Schemseddin, erhielten jeder +nach der Jasa zwei und siebzig Prügel auf die Sohlen; die Mamluken des Seid +Imadeddin waren den Gerichtsdienern beigegeben, damit deren Strafe +schonungslos vollzogen werde. Dschelaleddin, zu Rede gestellt, wusch sich +auf Kosten der Prinzessin rein. Sie und ihre Angehörigen wurden zur Zahlung +von fünfzig Tomanen Goldes (fünfzigtausend Dukaten) und zwanzig Tomanen an +die Waisen der ermordeten Seide verurtheilt. Sie überlebte die Schmach +dieses Urtheils kaum zwei Jahre und starb, nachdem sie deren zwei und +zwanzig als der letzte Zweig der Salghuren über Fars geherrscht. [RN: +685/1286] Drei Tage lang wurde für sie zu Schiras in den Moscheen durch +öffentliche Gebete, Lesungen des Korans und Almosen die Gebühren der +Trauer, dann ihr letzter Wille vollzogen. Nach diesem wurden ihre +Familiengüter in vier Theile getheilt; zwei fielen den Töchtern +Prinzessinnen _Gardudschan_ und _Alghardschi_, der dritte ihren Mamluken +und Freigelassenen, der vierte dem Prinzen _Taidschu_, dem Sohne Mengu +Timur's, und diesem noch ausserdem zehntausend Dukaten zu. Die Dynastie der +Salghuren war in ihr erloschen und mit ihr der letzte Schatten +einheimischer Herrschaft in Fars verschwunden. + +[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod der Frauen Bulughan und Kotlogh; +Hochzeit Tudai's.] + +Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung an den Oheim +Kaan gesendet hatte, kam jetzt mit der Bestätigung derselben und mit dem +_Dschingsangtitel_ für Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum +zweitenmale gefeiert. [RN: 27. Silhidsche 684/6. März 1286] Zehn Tage +darnach wurden sechzehntausend vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem +Vogelfänger, und vom Dschelairen _Nurinaga_ befehligte Reiter wider die +Kurden _Hakari_ gesandt, und der Aufruhr derselben gedämpft. Die Frau +_Bulghan_ starb am Ufer des Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge +Sedschas übergeführt. [RN: 10. Ssafer 685/7. April 1286] Im Frühlinge kam +Arghun nach Tebris und ward von Buka festlich bewirthet. [RN: 23. +Ssafer/20. April] Ende Mai's brach er von da über Meragha nach Sughurluk +auf. [RN: 12. Rebiulachir 685/27. Mai 1286] Hier wartete ihm während des +Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's, mit den mongolischen +Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad auf; in seinem Geleite befand sich +Harun, der Sohn Schemseddin Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines +Bruders Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's, +und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan hierzu begewaltigt zu +sein, hinrichten lassen. Medschdeddin gehörte einem der Krongüter +Kendschatu's (des Bruders Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert, +welchem auch _Jesu Gurgan_ (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der +vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen Bruder wider +Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten wurde hinterbracht: Aruk habe den +Sohn Esir's auf Harun's Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem +Vater und den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu Gurgan bald +hernach starb, zog das Ungewitter, welches wider Buka's Macht brauste, +diessmal unschädlich vorüber. Arghun Chan kam nach Tebris. [RN: 6. Schaaban +685/27. Sept. 1286] Zwei Monate hernach [RN: 28. Ramasan 685/17. Nov. 1286] +kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich viele Haare durch +den Kamm ausgingen. Diess galt nach mongolischen Begriffen für ein Zeichen +von gegebenem Gifte, und _Wedschih_, der Sohn Iseddin's, wurde der +Beibringung von Gift verdächtig hingerichtet. [RN: 20. Silkide 685/7. Jan. +1287] Vierzehn Tage hernach hatte die Krönung der Frau _Tudai Chatun_, der +Konghuratin, statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes +übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin Hulagu's, +Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke der königlichen Gemahlinnen +(Baghtak) geschmücket ward[695]. [RN: 5. Silkidsche 685/22. Jan. 1287] Zwei +Monate hernach im Frühling begab er sich nach _Pil Suwar_, [RN: 19. Ssafer +686/5. April 1287] nach Tebris und von da in's Sommerquartier von Alatagh, +[RN: 24. Reb. achir 686/18. Juni 1287] und im Herbste in's Winterquartier +von Arran. [RN: 2. Ramasan/11. Oct. 1287] Im nächsten Frühjahr brachten +Gesandte aus Chorasan die Nachricht, dass _Kinschu_ (der Sohn Dschumkur's, +des zweiten Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des Uiraten +Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu) an der Spitze von +dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's (des Enkels Ogotai's) im +Anmarsche gegen Persien, dass sie das Land um Balch, Merw und Schaburkan +verheert, bis Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. [RN: 15. Moharrem +687/20. Februar 1288] Drei Wochen hierauf starb die Frau Kotlogh, die +Tochter Tengir Gurgan's, des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des +jüngsten der Söhne Arghun's. [RN: 7. Ssafer 687/14. März 1288] Einen Monat +hernach brachten Buka's Gesandte eine von den Bekennern der Lehre +Schakamuni's hoch verehrte Reliquie, welche sie _Scharil_ nennen, nämlich +ein verknöchertes Menschenherz. [RN: 7. Rebiulewwel 687/12. April 1288] +Nach ihrer Ueberlieferung war _Schakamuni's_ Herz nicht Fleisch, sondern +Bein, welches im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind +verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher nicht Moslim, wie +sein Oheim Teguder gewesen, sondern Götzendiener, ging dieser Reliquie mit +den grössten Ehrenbezeugungen entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, und +es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach, [RN: 30. Rebiulewwel +687/5. Mai 1288] als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht +ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak, mit fünftausend +Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle Kaufleute der Gegend geplündert +habe; und Arghun brach schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres +gegen Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi stehen. Buka +und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als Vortrab vorausgesandt, kamen nach +einigen Tagen mit der guten Nachricht zurück, dass die Feinde +abgezogen[696]. + +[Randnote: Buka, der strenge Wesir.] + +Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad erreicht; er hatte mit dem +Titel eines _Dschingsang_ noch ein Diplom ausserordentlicher Privilegien +vom Kaan erhalten; vermöge derselben konnte er erst, wenn er neun +Staatsverbrechen begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch dann vor kein +anderes Gericht, als das des Chans selbst, gestellt werden; kein Befehl des +Chans konnte in Vollzug gesetzt werden, wenn demselben nicht das Siegel +Buka's beigesetzt, während seine Befehle zur Vollstreckung des Siegels des +Chans nicht bedurften. So ausserordentlich waren die vom Grosskaan dem Buka +verliehenen Privilegien, dass die Meinung desselben von der +Selbstständigkeit Arghun's null zu sein und dass der Botschafter, welcher +mit dem Diplome der Bestätigung Arghun's auf dem Throne zugleich das mit +diesen ausserordentlichen Privilegien Buka's brachte, eigentlich jenen nur +der Form nach, diesen aber in der That zum Herrn eingesetzt zu haben +schien. So ausserordentliche Macht musste um so mehr den Neid der anderen +Emire und der Günstlinge Arghun's[697] erwecken, als Buka, hochmüthig und +heftig, durch seine Strenge sich Feinde machte. »Er war«, sagt Wassaf, »ein +fürchterlicher Türke, dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen +Rathschlag den Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung +verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle und die Beförderung +der Reichsangelegenheiten Regeln fest, deren Erwähnung auf dem schwarzen +und weissen Buche der Zeit bis an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch die +Wirkung seiner Gerechtigkeit und Strenge warf der Falke auf das Repphuhn +verliebte Blicke; er glich die Gegensätze der Welt aus und des Schicksals +Tücke.« Seine Gerechtigkeit war so streng, dass er einen Knecht seines +Marstalls, welcher einen Apfel von einem Fruchtverkäufer genommen, +hinrichten liess. Solche Strenge war das grösste Verdienst eines +Staatsmanns nach der Satzung Tschengischan's und erwarb diesem nach allem +Anscheine das Vertrauen, womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die +Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit übertragen. +Besonders waren ihm Sultan _Aidadschi_ und _Tughan_, Arghun's vertrauter +Gesellschafter (_Inak_) aufsässig, weil dieser zweimal auf Buka's Befehl +geprügelt und öffentlich beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine +Gelegenheit, den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein Bruder _Aruk_, der +Statthalter Bagdads, war dort den Emiren nicht weniger verhasst. Er machte +sich wenig aus den Gesandten des Chans, und verschlang die Einkünfte in +seinen Beutel, statt sie in die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute +Ordu Kaja, der Intendent Scherefeddin und der Jude Saad, welcher alsbald +als ein höchst bedeutender Charakter auftreten wird, brachten endlich +einmal fünfhundert Tomane, statt dieselben dem Aruk auszuliefern, +unmittelbar dem Chan, welcher nun den Aruk, der nie einen Heller +eingesendet, seiner Statthalterschaft entsetzte. _Ssadreddin Sendschani_, +der Finanzmann Taghadschar's, von welchem Buka ausständige Gelder der +Landschaft Fars forderte, stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei +Buka's nicht mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten, alle Macht in +den Händen Buka's sei[698]. Das Ungewitter, welches sich über dem Kopfe +Buka's zusammenzog, stieg aus den Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen +von Schiras stritten sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor, +dass, wenn ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die Küste eingeräumt +würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen bereit seien. Sie erhielten +hierauf verbindende schriftliche Urkunde. Nun wandten sie sich an Tughan um +einen zur Eintreibung der Summen Begewaltigten, und er ernannte hierzu den +Seid Fachreddin Mobarek. Buka protestirte wider diese Ernennung und diese +Maassregel, aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka in die +Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin übertragen sei, nicht zu +mischen habe; denn Fachreddin hatte dem Arghun vorgetragen, dass viele, +vormals dem Seid Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen, +jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien. Arghun übertrug +die Verwaltung der Familiengüter dem Emir Taghadschar und die des Heeres +dem Emir Kundschukbal, so dass auf einmal Buka all seiner Macht und seines +Einflusses beraubt. + +[Randnote: Buka's Verschwörung und Sturz.] + +Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche Demüthigungen +verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine Finanzkammer wurden vor den Chan +gefordert, alle seine Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir +Ali, der _Temghadschi_, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris. Buka, +als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband sich mit mehreren +Prinzen und Emiren[699] zur Entthronung Arghun's, indem er den Thron dem +Prinzen Dschuschkab zudachte. Er sandte an diesen, der an den Ufern des +Euphrats lagerte, Botschaft, um sich über den Undank Arghun's, der ihm +allein den Thron verdankte, zu beklagen und diesen dem Dschuschkab +anzutragen. Dschuschkab sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge +seiner Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem Throne +strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort: Ich bin dem Buka für +seine gute Absicht sehr verbunden, traue aber mündlichen Versicherungen +nicht und werde nicht an die Verbindung der mir genannten Prinzen und Emire +glauben, bis ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche Urkunde des +Vertrags sehe. Buka sandte ihm die Unterschriften der Verschworenen. +Dschuschkab sandte Wort: das Heer möge in Waffen ihn erwarten; er aber +begab sich eiligst nach Tebris, um den Neffen Chan von der seinem Throne +drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Arghun wollte Anfangs der Anklage +keinen Glauben beimessen; als er aber in der unterschriebenen Urkunde von +der Schuld Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor Augen hatte, +befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und den Buka aus seinem Lager +am _Kor_ ihm zuzuführen. Sultan Aidadschi, Doladai und Tughan überfielen +ihn in seinem Lager, doch hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben +jenseits des _Kor_ in das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn aber +nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers der Frau Oldschai, +gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht. Sultan Aidadschi und Tughan gingen +noch in der Nacht über den Fluss und waren im Begriffe, das Lager der Frau +Oldschai zu stürmen, als ihnen Sengi zitternd den im Zelte seines Sohnes +versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht gestellt, antwortete er dem +Schinktur, welcher ihn als die Ursache aller Unruhen anklagte und ihm +vorwarf, dass er immer anderen Padischah einzusetzen trachte: er habe +Nichts wider den Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan Aidadschi +und Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte ihm in's Gesicht: »An dem +und dem Tage hast du mich gesandt, um das Lager und ein Heer aufzubringen +und damit vorzudringen.« Buka sprach: »Du irrest dich; ich habe gesagt: um +was schwer vorzubringen.« Als aber Dschuschkab die unterschriebene Urkunde +der Verschwörung vorwies, deren Ausbruch für die Festnacht des neuen Jahres +der Mongolen festgesetzt war[700], konnte er nicht mehr länger läugnen. +Arghun gab das Zeichen zu dessen Hinrichtung, und Prinz Dschuschkab erbat +sich die Gunst, dieselbe selbst vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem +Richtplatze angelangt, gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust mit den +Worten: »Das ist der Lohn für deine Lust nach dem Throne«. Dschuschkab +trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom Rumpfe und schnitt ihm dann mit eigner +Hand Riemen der Haut aus dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft, +unter der Brücke Dschaghan aufgehangen. [RN: 21. Silhidsche 687/17. Jan. +1289] Am folgenden Tage sassen die Richter abermal zu Gericht, und es +wurden die verschworenen Emire hingerichtet[701]. Kadan, weil er der +Gesandte des Kaans, der Bitekdschi _Noghai_, weil er wahres Wort geredet, +und ein anderer, weil die Emire für ihn gebeten, wurden mit dem Leben +verschont. Unter den Hingerichteten war auch der Astronom _Imadeddin_, der +Christ Simon von _Rumkalaa Behaeddewlet Abul Kirem_; _Demitrius_, König +von Georgien, welcher in diese Verschwörung verwickelt war, wurde an den +Ufern des Kor hingerichtet[702]; dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu +plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers überliefert, die +Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt; es erging der Befehl, die +Leichname der Erschlagenen in Hügeln aufzuschichten, erst wenn sie von +Wölfen und Hunden zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben. Drei +Emire[703] wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne und Brüder Buka's zu +holen. In sechs Tagen rannten sie von Arran nach Irbil, tödteten Ghasan, +den ältesten Sohn Buka's, der sich bei seinem Oheime Aruk befand, und +führten diesen nach Tebris. Als er an der Brücke Dschaghan des Bruders +ausgestopften Kopf sah, fragte er: Wo ist der Kopf Audschan's, seines +Waffenträgers? und der geforderte fiel. [RN: 9. Moharrem 688/3. Febr. 1289] +Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte seines Sohnes Zuflucht gestattet, +wurde von der Frau Oldschai ausgeliefert; sie erklärte, dass sie ihren +ältesten Sohn, Enbardschi, ausgeliefert haben würde, wenn er sich solcher +Staatsverbrechen schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne Buka's[704] +übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich ihrer angenommen; als er +sie aber nach einiger Zeit dem Arghun, dessen Grimm er versöhnt glaubte, +vorstellte, befahl dieser, durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so +dem geschah. [RN: Ende Ssafer 688/Halben Mai 1289] + +[Randnote: Der Prinzen Dschuschkab, Huladschu, Karabukai Hinrichtung.] + +Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung Buka's angezeigt und dem +Verräther mit eigener Hand den Kopf abgeschlagen, sah bald hierauf seinen +eigenen gefährdet; auf die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen +Plänen umgehe, hatte ihm Arghun Emire[705] mit Truppen nachgesendet, die +ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen und Miafarakain erreichten; er schlug +sich mit ihnen, floh und wurde nach drei Tagen ergriffen, vor Arghun +gebracht, von demselben zum Tode verurtheilt. [RN: 15. Dschem. ewwel 688/6. +Juni 1289] Diese Hinrichtung hatte die Empörung des ihm innigst ergebenen +_Newrus_, des Sohnes Arghun's (des Statthalters Hulagu's in Persien) zur +Folge, mit welchem sich die Prinzen _Huladschu_ (der zwölfte Sohn Hulagu's) +und _Karabukai_, der Sohn Jaschmut's (des dritten Sohnes Hulagu's) +verbanden; sie wurden von _Muktil_, dem Bruder Ordu Kaja's, welcher im +Dienste _Karabukai's_ seinen Herrn verrieth, ergriffen und im Schlosse +_Girdkjuh_, dem alten Assassinenschloss, das so lange den belagernden +Waffen der Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate hernach +hingerichtet. [RN: 20. Ramasan 688/7. Oct. 1289] _Huladschu_, der zwölfte +Sohn Hulagu's, der dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel +(wie vor ihm _Konghuratai_ und _Teguder_); _Karabukai_, der zweite Neffe, +der wie Dschuschkab des Todes Loos der Oheime theilte. Ein Heer unter dem +Befehle Arghun's wurde nach Chorasan gesandt, um dort den Kronprinzen +_Ghasan_ wider den Aufrührer _Newrus_ zu verstärken. Arghunchan hatte das +Winterquartier von Arran mit dem Sommerlager zu Kongorolang vertauscht und +zum zweitenmale den _Ordu Kaja_ und den Juden _Seaad_ empfangen, welche ihm +Gelder von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden, und als der +Jude vortrug, dass er das Doppelte abgeführt haben würde, wenn nicht die +mongolischen Landschreiber ihm entgegen gewesen wären, wurde die +Hinrichtung derselben befohlen; ihre Köpfe wurden zu Bagdad aufgesteckt; +auch Manssur, der Sohn Chodscha Alaeddin's Dschuweini, wurde von Hille +gebracht und hingerichtet; gleiches Schicksal hatte _Dschelaleddin +Semnani_, welcher, dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte +Berende Bachschi's an dem Leben verschont worden war. [RN: 1. Dschem. II. +688/22. Juni 1289] Arghun hatte die oberste Wesirschaft dem Juden _Seaad_ +übertragen, eine vor und nachdem in den Geschichten des Islams unerhörte +Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts und Bluts der Moslimen. +_Seaadeddewlet_, d. i. die Glückseligkeit des Hofes, der Sohn des Juden +Hebetollah Ben Mohesib von Ebher, war vor fünf Jahren vom Vogte Bagdads +oder dessen Kammer angestellt worden und hatte durch seine +Geschäftstüchtigkeit bald sehr grossen Einfluss erworben. Der Befehlshaber +Bagdads, Kotloghschah, ein vormaliger Diener Alaeddin's Dschuweini, +Medschdeddin Giti und Andere waren vor zwei Jahren in's Sommerlager von +Sughurluk gekommen, [RN: 686/1287] um sich bei den Wesiren über Seaad, +durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten gesetzt wurde, zu beklagen; +sie priesen den Seaad als einen vortrefflichen Arzt an, der seiner +medicinischen Kenntnisse willen an den Hof gezogen zu werden verdiene. +Seaad, nach Hof berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt durch +dessen Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage, die Rückstände der +Steuern Bagdads, welche fünfhundert Tomane betrugen, einzutreiben. Mittels +Erpressungen und Qualen brachte er eine ansehnliche Summe Geldes auf, die +er dem Chan in's Sommerlager von Kongorolang brachte. Arghun, hiermit sehr +zufrieden, verlieh die Emirschaft von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die +Vogtschaft dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger; Scherefeddin von +_Semnan_ wurde zum _Melik_, d. i. Vorsteher der Finanzen, und Seaad zu +dessen _Moscherrif_[706], d. i. Ceremonienmeister, ernannt. Diese vier +gleichzeitigen Ernennungen geben Aufschluss über die Einrichtung +mongolischer Landesverwaltung, deren Häupter der _Emir_ (Befehlshaber der +Truppen), der _Schohne_ oder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, der _Melik_, +d. i. Intendent der Finanzen, und _Moscherrif_, Gehülfe desselben; dazu +kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen die arabischen _Munschi_, die +mongolischen _Bitekdschi_, die türkischen _Bachschi_ heissen. Als Seaad zur +Wesirschaft gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines +vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen in der Ausübung +seiner unumschränkten Machtvollkommenheit beschränkt; als aber auch dieser +auf Arghun's Befehl, weil ihm zu Ohren gekommen, dass er des Juden +unumschränkte Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet worden, +herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht als Wesir[707]. + +[Randnote: Seaadeddewlet's Verwaltung.] + +Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und goldene, Aderlass und +Schacher. Noch lebten die Enkel seines grossen Vorfahrers in der +Wesirschaft, Mohammed Schemseddin's, Mahmud und Ali[708], die beiden Söhne +seines Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in Irak. Ali +war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's, nach Issfahan gegangen, +als Medschdeddin Muminan von Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an +Arghun Bericht erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der +Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins +hinzurichten. Von diesen wurden _Mesud_ und _Feredschullah_ zu Tebris +getödtet; [RN: 3. Redscheb 688/23. Juli 1289] dem Enkel _Mahmud_ rettete +der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den Söhnen und nicht von +den Enkeln die Rede; aber _Ali_, welcher zu Issfahan sich befand, wurde +getödtet, und sechzehn Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren von +den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich: _Atabeg_ und _Sekeria_, übrig, +welche, die einzigen, nicht gewaltsamen Todes starben. Der Jude legte nun +seinem Namen und dem seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem +Hause Buje den Ehrennamen _Dewlet_, d. i. _Reich_ oder _Hof_, bei; er +nannte sich _Seaadeddewlet_, d. i. das Reichsglück, seine Brüder hiessen: +_Fachreddewlet_, d. i. Reichsruhm, _Mohesibeddewlet_, d. i. Reichsläuterer, +desgleichen seinen anderen Angehörigen, unter die er die +Statthalterschaften des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und +dem Dschemaleddin von _Destadscherd_ übertrug er die Befehlshaberschaft von +Bagdad; nach Fars sandte er den Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den +Sohn des Astronomen _Montachabeddewlet_, d. i. des Reichsauserwählten, als +Statthalter nach Diarbekr seinen Bruder _Emineddewlet_, d. i. +Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris verlieh er seinem +Neffen Ebu Manssur _Mohesibeddewlet_ (ein zweiter Reichsläuterer) dem +Arzte[709]. Fünf Juden (die vier Brüder und der Neffe) hatten die +Verwaltung unter sich getheilt. Die Emire _Taghadschar_, _Ordu Kaja_ und +_Dschuschi_, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden durch ein Patent +verständigt, dass _Seaadeddewlet_ der Befehlshaber des Staatsschatzes sei, +»und dass sie ohne dessen Gutheissung kein Geschäft dem Padischah +vorzutragen ermächtiget seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jeder +Zeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu richten«. Die Wesire +und Emire der Länder wurden ihm untergeordnet, Könige und Sultane standen +dem Arzte Juden zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze +Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's, gewesen, so hätte er +auch diese Länder an seine Geschöpfe verliehen[710]. Er vernichtete gleich +Anfangs seiner Verwaltung in allen Ländern die _Melik_, wörtlich _Könige_, +der Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und erregte in den +Herzen der Juden die Erwartung, dass in ihm der versprochene Messias +erschienen, der Wiederhersteller des Reichs im vorigen Glanze. Die +Verordnungen, die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber +verständig, auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung des +Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten und Vögte wurde +gesteuert, arabische und persische Dichter und Philologen mit Geschenken +und Pensionen zur Verbreitung seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war +ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe erschienenen +_Ghaselen_, _Kassidete_, _Makame_ und Lobreden enthielt, gesammelt, und +welches sich noch zur Zeit Wassaf's zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur +mit den Prinzen und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen +Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages, als er mit dem +Schah langen Puff spielte, streckte er mir nichts dir nichts seine Füsse +aus, als läge er auf einem Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam, +redete ihn an: »Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines solchen Chans, +dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel wie mit einer Kugel aus Handteig +spielen, ohne Scheu den Fuss auszustrecken?« Seaadeddewlet entschuldigte +sich mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung gelten. + +[Randnote: Verwaltung von Fars; Emir Tughan.] + +Da die grossen Emire _Taghadschar_, _Semaghar_, _Kundschukbal_ und _Tughan_ +ihm alle aufsässig, so suchte er sich wenigstens mit dreien zu befreunden, +denen er einen Antheil an der Verwaltung überliess; diese waren _Ordu +Kaja_, den er als Helfer zu sich nahm; _Karadschar_, dem er die Verwaltung +von Arran anvertraute, und _Dschuschi_, dem er die von Schiras übergab; dem +letzten gab er noch zwei Beamte[711] und den Sohn Sundschak's als _Serwan_ +oder _Tschausch_, d. i. Vollstrecker der Befehle, an die Seite. Die Herren +der Finanz zu Schiras versprachen die fünfhundert Tomane, die Ausstände, +binnen Jahr und Tag herbeizuschaffen, wenn man ihnen den _Dschelaleddin +Serwistani_ gebunden ausliefere. Diess geschah; als aber die Inhaber der +Pachtdistrikte[712] und die Landschreiber[713] nicht Wort hielten, wurden +die ersten, die Herren der Kammer, die schon oben bei der Erzählung der +Zustände von Fars genannt worden, hingerichtet[714]. Die Steuereinnehmer +und Verwalter wurden alle gefoltert und durch Vergantungen und +Confiscationen eine ungeheuere Summe erpresst. Seaadeddewlet's Strenge war +rücksichtlos gegen die Emire und führte später seinen Sturz durch die Rache +einer empfindlichen Beleidigung des Emirs Tughan herbei, welcher, wie wir +gesehen, schon den allmächtigen Buka aus Rache für empfangene Stockschläge +gestürzt. Tughan, der Sohn Tarakai's, ehemals der Vogt in Kuhistan, einer +der ersten Inaken, d. i. Hofdiener, »war«, sagt Wassaf, »ein höchst +scharfsinniger und feiner Kopf[715] an Urtheilskraft, durchdringendem +Scharfsinn, in der Rede Schlagfertigkeit und Zierlichkeit, hatte er unter +den Mongolen nicht seines Gleichen«; dazu war er ein gewandter +Briefsteller, Buchhalter, Dichter und Astronom, ein ganzer _Keschadschem_, +d. i. ein in den fünf freien Künsten, deren Anfangsbuchstaben in diesem +Worte enthalten sind[716] (_Schreibkunst_, _Dichtkunst_, _Astronomie_, +_Philologie und Musik_), vollkommen bewanderter, hochgebildeter Mann. Als +nach der Hinrichtung Buka's der Emir _Newrus_ in Chorasan rebellirte, wurde +Tughan mit einem Auftrage dahin abgesandt; bei seiner Rückkehr liess +Seaadeddewlet dem Schah vortragen, dass die Curiere Tughan's mehr als ihre +normalmässigen Taxen genommen, und Tughan wurde zu der hierauf durch die +Jasa gesetzten normalmässigen Strafe von siebzehn Stockprügeln verurtheilt. +Tughan, welchen Nichts aus der Fassung brachte und welchem ein guter +Einfall immer zur Hand, sah sich im Saale um und sagte: Was würde es denn +schaden, wenn jeder der Collegen Emire einen der siebzehn Stockstreiche auf +sich nehmen wollte? Es waren mehr als siebzehn Emire zugegen. Der Schah +lachte, und allsogleich citirte Tughan das Distichon Motenebbi's: + + Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht, + Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht[717]. + +Durch diesen glücklichen Einfall und seine Geistesgegenwart kam er diessmal +von der verhängten Strafe los, aber der Groll wider den Juden, der ihm die +Schmach der Verurtheilung zugezogen, wurzelte so tiefer in seiner Brust, +und er verband sich zum Sturze desselben mit dem Emir _Kundschukbal_ und +Anderen, indem sie keine Gelegenheit unterliessen, ihren Feind beim Schah +zu verschwärzen. Dieser indessen, voll hochfliegender Pläne, stand noch +immer fest durch den guten Erfolg seiner Finanzverwaltung, welche den +Schatz füllte, und durch seine Einstreuungen von der Einführung einer neuen +Religion, deren Oberhaupt der Schah sein sollte[718]. Arghun war nicht +Moslim, wie sein Vorfahrer, sondern vielmehr den Juden und Christen +geneigt; von seiner Neigung für die Juden spricht die fünfgetheilte +Herrschaft der vier Brüder und des Neffen, von seiner Vorliebe für die +Christen sein Befehl, die von Teguder zerstörten Kirchen wieder +herzustellen[719], und seine Verbindungen mit den Königen Armeniens und +Georgiens, seine Gesandtschaften an den Papst und König von Frankreich, von +denen weiter unten die Rede sein wird. Indessen, da sein Plan der neuen +Religion noch nicht reif, konnte er nicht umhin, dem Scheine nach den Islam +zu beschützen, wovon ein von Wassaf erhaltener, zu Gunsten der +Pilgerkarawane von Mekka erlassener Befehl das Belege; indessen lag ihm +wenig daran, dass das Blut der Pilger im Umfange des heiligen Hauses +vergossen wurde, und siebzehn der grössten Imame verbannte er nach Schiras, +um dort von Schemseddewlet die Strafe der Jasa, d. i. Prügel, zu empfangen. + +[Randnote: Feldzug gegen Derbend; Bauten.] + +In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres begab sich Arghun, +welcher auch ein Freund der Astronomie, wiewohl er mit Vorliebe Alchymie +trieb, nach Meragha, um die Sternwarte zu besuchen; [RN: 4. Ramasan 688/21. +Sept. 1289] in der folgenden Tag- und Nachtgleiche des Frühlings verehrte +er der Frau Bulughan, der Tochter Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des +Konghuraten, das Lager der verstorbenen Frau Bulughan, welche aus dem +Hareme des Grossvaters Hulagu und des Vaters Abaka in das seine +übergegangen war. [RN: 9. Rebiulewwel 689/24. März 1290] Vier Tage nach +vollzogener Hochzeit kamen Boten, welche feindlichen Einfall an der Gränze +von Derbend meldeten. [RN: 13. Rebiulewwel 689/28. März 1290] Die Emire +Schiktur Nujan, Kundschukbal und Taghadschar wurden allsogleich aufzusitzen +befehligt. Der Chan begab sich nach Pilsuwar und rückte mit dem schweren +Gepäcke bis Schaburan vor; am Ufer des Karasu traf der Vortrab der beiden +Heere auf einander. [RN: 1. Reb. achir 689/15. April 1290] Das feindliche +befehligte _Abadschi_ und _Mengli_, die beiden Söhne _Mengku Timur's_, des +Herrschers von Kipdschak, und der Feldherr _Nokai_; das Arghun's: die Emire +_Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Toghruldsche_ und _Taidschu_, der Sohn +Bukuwa's; die letzten drei setzten über den Fluss, schlugen die +Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert Mann und machten mehrere +Gefangene[720]. Hierauf wurde zu Pilsuwar der Sieg mit Festen gefeiert, und +Seaadeddewlet sandte die frohe Nachricht mittels Siegesschreiben durch's +Reich[721]. [RN: 17. Reb. achir 689/3. Mai 1290] Da die Ruhe an der Gränze +von Derbend hergestellt war, wandte sich Taghadschar nach der östlichen, wo +in Chorasan der Aufruhr des Emirs Newrus in hellen Flammen emporloderte. +Arghun wurde durch den Tod seines Sohnes _Jesutum_ betrübt; [RN: 7. Dschem. +ewwel/19. Juni] auch waren der Emir _Sundschak_ und sein Sohn _Schadi_ zu +Meragha gestorben. Zwei Monate hernach ward zu Tebris _Medschdeddin +Muminan_, dessen oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen, +hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager von +_Alatagh_ ein; [RN: 2. Schaaban/12. August] er kehrte über Wan und Wastan +zurück. Auf dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin der Schiraser auf +und brachte seinen Atlas der westlichen Meere mit einer Beschreibung ihrer +Gestade und Inseln, der Länder Rums und des mittelländischen Meeres dar. +[RN: 13. Schaaban/23. August] Der Blick Arghun's fiel auf die Stadt +_Amuria_, so berühmt, als die Geburtsstadt des Kaisers Theophilos und die +Verheerung derselben durch den Chalifen Moteaassim. Arghun liess sich Alles +erklären und war mit der Erklärung ungemein zufrieden; er ging auf die +Jagd, und sagte dem Molla, sich nach derselben wieder bei ihm einzufinden, +weil er mit ihm gerne weiter spreche, da er so wohlberedt. Hierauf ging der +Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter, welche aus Rum zurückgekehrt +waren: _Emirschah_, _Fachreddin_ und den Sohn _Hadschi Leila's_, zu +ergreifen; dem ersten rettete die Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's +das Leben, der dritte ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht +gesetzt und später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire: _Akbuka_, +_Doladai_ und _Aldschiwaktan_, aus Rum, von denen der erste dorthin +zurückgesandt ward. [RN: 5. Schewwal 689/13. Oct. 1290] Das Fest des +Fastenmondes wurde zu Tebris zur Freude der Moslimen mit grosser +Feierlichkeit begangen. Es wurden vier Minarete erhöht; die Kadi und Imame, +die Chatibe und Scheiche wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser +Bauliebhaber, befahl, auf der Westseite der Stadt eine Vorstadt anzulegen, +welche _Schem_ oder _Schenb_ hiess, und in der später sein Sohn Ghasan sein +berühmtes Grabmal erbaute; er befahl den Bau einer Stadt zu _Scherujas_, +nördlich von Kaswin, welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet, +den Namen _Sultanije_ erhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije, zu +_Andscherud_, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen Palast in der Ebene +erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken mit zwei Abflüssen, dessen Wasser +sich nie mindern und mehren soll, wenn auch die Abflüsse verdämmt +werden[722]. In der Nähe von Sedschas ist der gleichnamige Berg, auf +welchem hernach Arghun begraben ward; auch im Gebirge Alatagh, welches das +gewöhnliche Sommerlager schon von Hulagu's Zeit her, baute er ein +Serai[723]. Zu _Lar_ oder _Lardschan_[724], der gleichnamigen Hauptstadt +der am Fusse von Hügeln gelegenen Landschaft _Laristan_, baute er einen +Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess; der Basar der Stadt gilt +noch heute für den schönsten Persiens; das heute in Ruinen liegende Schloss +galt ehemals für uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von dem +Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen; alle Häuser sind +bequem und nett eingerichtet; jedes mit den beiden Luxusanstalten einer +persischen Sommerwohnung, nämlich einem _Badgir_ und _Serdab_[725], d. i. +mit einem Windfang und einem unterirdischen Saale, versehen; in diesen +dringt die Hitze nicht ein, durch jenen kreist im oberen Theile des Hauses +der Luftzug. Zu Tebris erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den Namen +_Arghunije_; er gab Jedermann die Freiheit, sich dort anzusiedeln; und +liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben nach dem in Persien von uralter +Zeit her eingeführten und heute noch üblichen Systeme unterirdischen +Kanalbaues. Die kühlen Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche +Sommerlager, die südlichen Ebenen von _Kongorolang_, d. i. die Falkenweide, +das Sommerlager, wo hernach _Sultania_ gebaut ward; der Frühling und Herbst +wurde, wie gesagt, wechselweise zu Meragha und Tebris zugebracht, wie +vormals die persischen Könige ihre Residenz nach den Jahreszeiten zu +Babylon, Ekbatana oder Susa aufschlugen. + +[Randnote: Arghun's Krankheit.] + +Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften ergeben, hatte +indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt, durch welche Mittel sie sich +ihr Leben so langwierig fristeten. Sie gaben ihm ein aus Schwefel und +Merkur zusammengesetztes Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung an. +Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und als ihm hierauf die Bachschi +eine Quarantäne zu Tebris vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne +Jemanden Anderen, als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer _Ordu Kaja_ +und _Kadschan_ zu empfangen. Nach den vollendeten vierzig Tagen begab er +sich in's Winterquartier nach _Arran_, wo er krank ward, vom Arzt +Emineddewlet Arznei nahm; als diese nicht anschlug, gab ihm einer der +Bachschi eines Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von +Zipperlein hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, die Ursachen +der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung Schuld gegeben ward, +untersuchen zu lassen. Die Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und +könne nur durch Almosen geheilet werden; die _Kamen_, welche nach +mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus Schulterbeinen der Schafe +erforschten, warfen den Verdacht von Zauberei auf. Die Prinzessin +_Tughandschak_, die Tochter der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete +Nichte _Dschuschkab's_, dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan +vermählt, mit diesem die Tochter _Tughandschak_ aus dessen Beischläferin +Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus dem Harem _Schadi +Gurgan's_ in das Arghun's übergegangen, und _Tughandschak_ erscheint hier +als Nebenbuhlerin ihrer Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit +anderen Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, dass sie, +um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane geschrieben, und dass +sie, um sein Leben zu retten, gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der +Zauberei schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch die +Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste bestürzt, indem er +wohl einsah, dass sein Leben an das des Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu +guten Werken die Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben, +sogenannte Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit +einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner grössten Wohlthaten waren +dreissigtausend Dukaten, womit er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk +gemacht, und hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras +zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward, den Verwandten der +Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern, Schwägern, das Geringste zu nehmen; +hierdurch hoffte er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein +die Emire[726], denen seine Herrschaft immer unerträglicher, verschworen +sich zur Abschüttelung dieses Joches, [RN: 4. Ssafer 690/5. Febr. 1291] und +sie traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug der +Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen vor zwei Jahren die +Prinzen Huladschu und Karabukai und eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen +aus dem Geblüte Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese +Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit Arghun's +angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit ihren Vätern hingerichteten +unschuldigen Kinder, Söhne Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun +erschienen und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung +gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss ich nichts; nicht ich bin +euer Mörder, sondern Sultan Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt, +berief sich auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht darum. +Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan diess gesagt haben, da ihm +die Krankheit seit langem die Sprache benommen. Die Richter urtheilten, +dass, wenn der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner Krankheit +keine andere als das durch Aidadschi gegebene Bluturtheil sei, und +verurtheilten ihn zum Tode. [RN: 1. Rebiulewwel 690/4. März 1291] Am selben +Tage (es war das Geburtsfest des Prinzen _Chatai Aghul_) wurde Dschudschi +auf Tughan's Befehl ergriffen und in der Nacht hingerichtet; am folgenden +Tage zog Taghadschar den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor +Gericht, und Beide wurden getödtet[727]; ihre Häuser wurden vom Heere +geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu Baghdschei Arran [RN: 7. +Rebiulewwel 690/10. März 1291] und zwei Tage später wurde sein Leichnam +nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch nach dem alten +Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten, bis es in der Folge von seiner +Tochter entdeckt, mit einem Dome überwölbet ward[728]. + +[Randnote: Arghun's Verhältniss mit Aegypten und den europäischen Fürsten.] + +Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's die Darstellung seiner +Verhältnisse mit Aegypten und mit christlichen Fürsten nachzutragen. +Bereits unter der Regierung Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der +Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, im Kerker +gestorben sei. Nähere Umstände über diesen Botschafter finden sich bei den +ägyptischen Geschichtschreibern. Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo +nach Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die Thronbesteigung +Arghun's erfahren. [RN: 12. Dschem. ewwel 683/27. Juli 1284] Einen Monat +hernach gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz. Sie +bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu und dem Wesir des +Fürsten von Mardin[729]; der Scheich war in den Habit der Derwische als +Fakir gekleidet; als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er +gewaltsam zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte ihn keines +Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's und liess die Botschafter mit +Kaftanen bekleiden. Das Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen +Formel mongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens. Unter den +Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen, ein Topas im Gewichte von +zweihundert Miskalen und ein Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen +aus. Kilawun liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte +sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie wurden alle ihres +Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der Scheich starb noch vor Ende des +Jahres und seine Begleiter wurden dann in Freiheit gesetzt. [RN: 28. +Ramasan 683/8. Dec. 1284] Während dieser feierlichen, zur Schliessung +festen Friedens gesandten Botschaft hatte sich Sultan Kilawun zweier +beträchtlichen festen Plätze bemächtigt. Der eine, _Katibe_, in der +Landschaft Amid, in der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret, +Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, _Kachta_, dessen +aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete und das Schloss +verrätherischer Weise an den Befehlshaber von Haleb übergab. Diesem +fertigte im selben Jahre Arghun den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien +zu, um die Armenier dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher +sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die grosse Moschee +eingeäschert. Sie drangen bis _Ajas_ vor, schlugen die armenischen Truppen +im Passe von Iskenderun, verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann +zurück[730]. Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung von +Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen von Mossul die Besatzung, +welche einen Ausfall gemacht, mit dem Verluste von zweihundert Mann +zurück. Mit Papst Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von +Gesandten, deren einer, _Buscarell_, ein _Kuridschi_, d. i. von seiner +Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an Eduard, König von +England, und Philipp den Schönen von Frankreich. Die Gesandten versprachen +Hilfe wider die Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die +Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach Jerusalems +Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen; der Papst belehrte ihn in +seinem Schreiben über die Dogmen und Pflichten des Christenthums. Nikolaus +schrieb nicht nur an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen +Sohn _Oldschaitu_, welchen die Mutter (_Urukchan_) getauft und Niklas +genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin _Ilkotlogh_[731], die er +zur Verbreitung des Christenthums, nachdem sie beigetreten, aufmunterte; +die Frau Uruk[732], welche von jeher Christin, bat er, auch die Prinzen +_Ghasan_ und _Chatai Aghul_[733], welche von anderen Müttern, zur Annahme +des Christenthums zu bewegen. An König Eduard I. nahm der Gesandte +Buscarell ein Schreiben des Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem +Empfange und geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb Arghun im +fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution, dass er im +folgenden mit seinen Truppen vor Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte +Jerusalem schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an den Papst +war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im selben, wo der Jude +Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen. Diese Botschaften Arghun's sind +also wohl weniger dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen +zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch die Hilfe des +Papstes die Könige von Frankreich und England, die Aegypter von Syrien +abzuhalten hoffte. Sie umfassen die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis +zu seinem, Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine +Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn und an Eduard, König +von England, gerichtete Schreiben datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun +schon fünf Monate todt. + +[Randnote: Kendschatu's Thronbesteigung.] + +Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien der Emire, welche über +die Nachfolge des Thrones getheilter Meinung, die Kunde an die drei +Prinzen, denen sie denselben zugedacht; nach Chorasan an _Ghasan_, den +ältesten Sohn Arghun's, nach Bagdad an _Baidu_, den Sohn Tarakai's, des +fünften Sohnes Hulagu's, und nach Rum an _Kendschatu_[734], den Bruder +Arghun's, welchem nach dem mongolischen Erbrechte die Nachfolge der +Herrschaft als dem Aeltesten des Hauses gebührt. Am ersten Tage waren die +Emire zwar über die Nachfolge Kendschatu's einig gewesen, aber schon am +anderen sandten Taghadschar und Semaghar dem Legsi, welcher mit der +Nachricht des Todes an Kendschatu abgefertigt worden, den Balisad mit der +Nachricht nach, dass die versammelten Emire und Frauen noch den _Baidu_ als +den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten. Hierzu bestimmte die +beiden genannten Emire einerseits die Furcht vor Ghasan's bekannter Energie +und Herrscherkraft, bei welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits +die Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen Einfluss der Herrschaft +seinen mit ihm in Rum befindlichen Emiren überlassen und sie mit ihrer +Partei leer ausgehen würden. Die Partei Baidu's bestand aus den Emiren: +_Taghadschar_, _Semaghar_, _Kundschukbal_, _Tokal_, _Schiktur_, _Tughan_, +_Timurbuka_, _Tekne_, _Ildschidai_, _Toghdai_ und _Doladai_; der letzte +wurde auf der Stelle mit einem Heere nach Fars abgeordnet, wo die Luren +eingefallen, Schiras erobert, den Vogt todtgeschlagen hatten. [RN: 8. +Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Baidu, klug und umsichtig und ohne Heer, um +dem an ihn gestellten Antrage anderer Emire Gewicht zu geben, anwortete: +Nach dem Gesetze Tschengischan's gebührt die Chanschaft den Söhnen des +Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen; welches Recht habe ich auf +den Thron, so lange jener und andere Prinzen leben, die mir dem Alter nach +vorgehen? Nach diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron dem +Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es scheint, dass, weil +Kendschatu die grösste Partei für sich hatte, er es für klüger fand, sich +an diesen zu halten, indem er ihm die Nachricht von dem an ihn gelangten +Antrage mittheilte[735]. Baidu's Weigerung bestürzte die Emire, welche ihm +den Antrag gemacht, und an deren Spitze Tughan, der Hebel des Sturzes der +beiden Grosswesire der vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des Juden +Seaadeddewlet. Einige[736] gingen nach Rum, um sich an Kendschatu +anzuschliessen. _Kundschukbal_ entfloh, _Tokal_ verliess sich auf einen +Haufen Georgier, _Tughan_ brütete Aufruhr in Irak, der Prinz _Suka_ (der +jüngste Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren +_Tschoban_, dem Suldusen, und _Kurmischi_, der Sohn Alinak's, führten auf +Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem Gebirge von Alatagh dem +Kendschatu entgegen. Die Frau _Uruk_, die Wittwe Arghun's, die Mutter +zweier seiner Söhne und dreier seiner Töchter, war mit ihnen verstanden. +Die Emire[737] welche dem Baidu zu _Kökbuldagh_[738], d. i. am blauen +Quelle, in der Nähe von Sughurluk, aufgewartet, verliessen ihn. _Ildschitai +Kuschdschi_, _Kundschukbal_, _Timurbuka_, _Tschoban_ gingen zu Kendschatu +über. Als er in die Nähe von Alatagh kam, gingen ihm _Chatai Aghul_, der +jüngste Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen. _Taghadschar_, das +Haupt der Partei _Baidu's_, wurde sogleich in Empfang genommen; _Tughan_, +welcher nach Gilan entflohen, wurde eingebracht; doch wurde ihm, weil er +ein Schützling Baidu's, vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu +bestieg in der Stadt Achlath den Thron. [RN: 4. Redscheb 690/23. Juli] + +[Randnote: Gericht über die Emire; Kendschatu's Krankheit und Familie.] + +Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung der beiden Häupter der +Gegenpartei, der Emire Taghadschar und Kundschukbal, indem er jedem nach +der Jasa drei Stockstreiche geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen +übertrug[739], und den Tughan mit den Söhnen der von ihm unmittelbar vor +dem Tode Arghuns hingerichteten Emire, Dschudschi und Ordu Kaja, welche +Blutrache forderten, vor Gericht stellte. Als die Emire, des Todschlags +ihrer Mitgenossen angeklagt, zur Rede gestellt wurden, bekannten sich +_Schiktur_, _Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Semaghar_, _Tekne_ und Andere +schuldig und flehten die Gnade des Padischah an, der dieselben auch +begnadigte, Andere gelinde (mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider +Tughan, welchem sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's, als die +Frau _Urukchan_ feind waren, wurden die Söhne _Dschuschi's_ und _Ordu +Kaja's_ mit der Klage der Blutrache losgelassen; dennoch wollte ihm +Kendschatu das Leben schenken; auf die Vorstellung der Frau Uruk aber, dass +Tughan der Urheber alles Unheils, sagte Kendschatu: dass er in diesem Falle +wohl den Tod verdiene; kaum war dieses Wort seinen Lippen entfahren, als +Akbuka den Söhnen _Dchuschi's_ und _Ordu Kaja's_ die Blutrache der Väter +überliess. [RN: 6. Schewwal 690/5. Oct. 1291] Taghadschar und Kundschukbal +wurden begnadigt, Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien ernannt. +Kendschatu bezog das Winterquartier in Arran und lagerte zu Karadschal am +Ufer des _Kor_, seinem ehemaligen Horte. Von hieraus wurden die +Kundmachungsbefehle der Thronbesteigung in die Länder gesandt; auf ein +Gutachten der Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzen dem Namen +Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von dem _Kamen_ ertheilte Formel, +_Irindschin Durdschi_[740] beigesetzt. _Senbu_, der Bruder _Suka's_, der +zweite Sohn Jaschmut's, starb zu Dschaghatu[741]; der Prinz _Enbardschi_, +der älteste Sohn Mengu Timur's (des eilften Sohnes Hulagu's), wurde in die +östlichen Länder gesandt. Auch dieser hegte herrschsüchtige Gedanken, +welche während der Abwesenheit Kendschatu's in Rum, wohin er sogleich nach +der Thronbesteigung zurückgekehrt war, in seinem Hause durch Taghadschar +genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter des letzten Ssadreddin von +Sindschar, ein grosses Verwaltungstalent, hatte seinem Bruder Kutbeddin, +welcher sich im Lager Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene +falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von den Turkmanen und +Karamanen aufgerieben sei und dass er sich beeilen möge, Besitz vom Throne +zu nehmen. Kutbeddin gab diese Nachricht dem Scheich Dschemal von Schiras, +welcher des Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser, klug und umsichtig, +sandte den Scheich auf Kundschaft an Schiktur Nujan; auf dem Wege begegnete +er dem Taghadschar und Ssadreddin, welche ihn bewegen wollten, auf der +Stelle umzukehren und den Enbardschi zu schnellem Anmarsche zu bewegen. Der +Scheich stellte sich willfährig, sagte aber, dass er nur, da er schon in +der Nähe, sein Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich +geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er sich von der +Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte. Er entledigte sich also +freundlicher Botschaft im Namen Enbardschi's und theilte dann dem +_Schiktur_ insgeheim den Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit. +_Schiktur_ sandte ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken an +_Enbardschi_ zurück; aber am nächsten Morgen überfiel er die Zelte +_Taghadschar's_ und behielt ihn und _Ssadreddin_ bis zur Rückkehr +Kendschatu's bei sich; als die Nachricht von dessen Ankunft verlautete, +sandte er sie in einem Geleite von fünfhundert Reitern demselben bis +_Ersenrum_ entgegen. [RN: 12. Redscheb 691/30. Juni 1292] Als Kendschatu zu +_Alatagh_ ankam, befiel ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte; während +derselben wurden von allen Gemeinden der verschiedenen Religionen Gebete +angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner und Budhapriester beteten für die +Dauer seines Lebens[742]; keiner Religion besonders zugethan, war er für +alle gleichgültig[743], nur sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen +waren: 1. _Aische_, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai Nujan's; 2. +_Dundi_, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's, die Base der vorigen; 3. +_Iltürmisch_, die Tochter Kotlogh Timur Gurgan's, des Konghuraten; 4. +_Padischah Chatun_, die Tochter Kutbeddin's, des Sultan's von Kerman; aus +dem Hareme seines Vorfahrers die Frauen: 5. _Bulughan_ und 6. _Uruk_. +Ausser diesen hatte er die Söhne _Alafreng_ und _Iranschah_ aus der Frau +_Dundi_ und _Dschinkpulad_ aus der Frau _Bulughan_, drei Töchter aus der +Frau _Aische_ und eine vierte aus der Beischläferin _Abisch_, der Tochter +des _Biklimisch_, des Bruders _Audschan's_, des Erlaten. + +[Randnote: Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und +Fars.] + +Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, dessen oben erwähnet +worden, bemühte sich um die Wesirsstelle durch _Buraldschin Ikadschi_, den +Günstling Kendschatu's, und _Scherefeddin Semnani_, welcher beim Emir +Akbuka in grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle gelang +es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs zu vereinigen. Er erhielt +dazu das goldene Ehrenzeichen des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und +einen Toman von Truppen. [RN: 6. Silhidsche 691/19. Nov. 1292] Sein +Anstellungsdiplom verbot den Prinzen und Prinzessinnen, sich im Geringsten +in die Geschäfte der Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein Vorname +_Ssadreddin_, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den von _Ssadri +dschihan_, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich erhielt sein Bruder +_Kutbeddin_, d. i. Pol der Religion, das Amt des Richters der Richter mit +der Veränderung seines Namens in _Kutbi dschihan_, d. i. Pol der Welt; ihr +Oheim _Kawameddin_, d. i. die Feste der Religion, erhielt die +Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen von _Kawamolmülk_, d. i. +Feste des Reichs. Zum zweitenmale sah Persien die Verwaltung der Geschäfte +den Gliedern einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter +Hulagu den beiden Brüdern _Dschuweini_ und dem Sohne des Wesirs +Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von _Schiras_. Die Sorge für die +Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt des Heeres, wurde +dem _Fachreddin Aidadschi_ bestätigt[744]; dieser aber bat um +Entschuldigung, indem er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang +mit diesem Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der Prinzen +und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu wies dreissig +Tomane zur Zahlung der Schulden an und empfahl ihm fürderhin die grösste +Freigebigkeit und Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der +Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth und Milde, aber +auch den Hang zum Wohlleben gemein hatte. Das grösste Lob seiner Regierung +ist, dass während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan +ausgenommen[745], Niemand getödtet ward; den grössten Beweis seiner Milde +gibt die Nachsicht, die er den rebellischen Fürsten von Lur und Jesd +angedeihen liess. _Efrasiab_ von Lur, der Sohn des unter der Regierung +Abaka's und nachmalig erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der +Regierung Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber von +Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches die Gränzscheide +zwischen Fars und Lur, überfallen lassen. Er bemächtigte sich des festen +Schlosses Mandschescht und setzte seinen Neffen Kisil über den neu +erworbenen Gebirgsdistrikt. Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben +so vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheime und Neffen +Streit über die Verwaltung des Berggebietes; Kisil, einigemal geschlagen, +floh nach Schiras, kehrte dann aber wieder zurück, und schloss seinen +Frieden mit dem Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab +zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung von Geldern. +Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's das Reich durch die Uneinigkeit der +Emire und Arghun's schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung, +benützte Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan die +Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten, und der mongolische Vogt +Baidu, der Schwager Taghadschar's ward durch die lurischen Reiter vor der +Stadt getödtet. [RN: 8. Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Kisil sandte seinen +Bruder Salghurschah in dieselbe, und das Heer der Luren nahm unter dem +Geschrei: Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in dem +Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die Münze von Schiras prägte +auf den Namen Efrasiab's von _Lur_[746]; dann dehnte er seine Herrschaft +von den Gränzen Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische +Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des Atabegen _Tekele_, und Melik +Nussret sandte er mit zweitausend Pferden[747] wider den Toman Arghasun's; +auf dem Marsche erhob sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des +Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs schlugen sie zwar die +Mongolen und machten grosse Beute, aber diese kehrten zurück, und rächten +die verlorene Beute durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen +tödtete ein mongolisches Weib allein zehn Luren[748]. Endlich wurde Toladai +wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, den Atabeg von Jesd, +gesandt, welche zu gleicher Zeit sich empört hatten. Toladai schlug die +Luren und Efrasiab erhielt durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch +Chatun seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden +hingerichtet. + +[Randnote: Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's; Papiergeld.] + +Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars traf die +Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am +Uebergange des Euphrats belagere. [RN: 8. Dschem. sani 691/27. Mai 1292] +Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage Steine und +Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch Sturm erobert, die +Besatzung, welche aus Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen, +zwölfhundert Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei +geschleppt[749]. [RN: 1. Redscheb 691/26. Juni] Kalaaterrum, das Schloss +der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt, +genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse Merseban[750] liegt, +war seit vier und zwanzig Jahren der Sitz des armenischen Patriarchen, +dessen Pallast und Kirche bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan +Eschref, welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den +Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer- oder +Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte +dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu +vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten Gemahlin seines +Vorfahrers und seines Bruders Arghun. _Tekia_ oder _Tetkaul_ starb in dem +Pallaste Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet. [RN: 3. +Dsch. ewwel 692/11. April 1293] Von Meragha begab sich der Hof nach +Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des +Zweitgebornen Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit +Versicherungen von Freiheit und Eintracht, [RN: 7. Schaaban 692/13. Juli +1293] und zwei Tage darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes +Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch Gesandte +von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an sich gerissen. +Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen +die Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus +Diarbekr ein. [RN: 17. Schaaban 692/23. Juli 1293] Kerrai Aghul, der Sohn +Mengku Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Doladai und +Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet worden, kehrten zurück. [RN: +12. Ramasan 692/16. Aug. 1293] Das Hoflager zog nach Audschan, von da nach +Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert ward. In diesem Winterquartier +wurde die Geburt des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu +Bire gefeiert. [RN: 5. Rebiulewwel 693/24. Jan. 1294] Drei Tage hernach +traf die Botschaft Tuktai's, des Herrschers von Kipdschak, ein, deren +Vorsteher der Prinz _Kalintai_. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör +gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen, +[RN: 8. Rebiulachir/8. März 1294] nachdem sie noch Tags vorher der +Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den +Namen _Kotlogh Baligh_, d. i. der guten Balley, erhielt. [RN: 2. Dschem. +ewwel 693/31. Mai 1294] Kerrai Aghul, welcher vor noch eilf Monaten aus +Chorasan zurückgekehrt war, ging mit Tod ab, [RN: 7. Redscheb 693/3. Juni +1294] und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager zu Alatak, um +seine Huldigung darzubringen; [RN: 16. Redscheb 693/12. Juni 1294] er ward +ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf die +Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt +worden, dem Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte. +Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in +China längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich durch +die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolisch _Tschaw_ heisst. +Vergebens stellte _Schiktur Nujan_ vor, dass diese Massregel der Ruin des +Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der +Wesir Ssadreddin und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um +dort das Papiergeld einzuführen; [RN: 19. Schaaban 693/15. Juli 1294] sie +kamen dort im Fastenmonde an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer +Ankunft vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an +Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die Todesstrafe +setzte. [RN: 10. Ramasan 693/12. Sept. 1294] Dieser den Bewohnern von +Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September[751]. Eine +Woche lang ward dasselbe durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern +aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, indem aller +Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen desselben ward als _gebenedeites +Papiergeld_[752] zum Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das +mohammedanische Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel: +_Irdschin Turdschin_, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294)[753]. +_Iseddin Mosaffer_, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben, war der +Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte Aufstände und +Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom Bruder endlich die +Erlaubniss, das Vorhandene um baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber +entstand allgemeiner Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach +ein Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie +angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche in Chorasan +so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist rosteten, das Papier bald +zerfressen haben würde, und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir +setzen die Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen +Worten hieher. + +[Randnote: Verrath der Emire; Kendschatu's Ende; Baidu's Thronbesteigung.] + +Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in Weichlichkeit und +Wollust versunkenen Leben Kendschatu's ermuthigte den Prinzen Baidu, +welchem vor ihm von den Emiren der Thron angetragen worden war, zum +Versuche, denselben wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner letzten +Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur durch die Fürbitte des +Günstlings _Burekdschin Ikadschi_ vorgekommen, beklagte er sich über solche +Behandlung bei den Emiren, und als von diesen _Tudadschu_, der Oberrichter +_Dschidschek Gurgan Legsi_, der Sohn Arghun's (des Statthalters) und +_Iltimur_, der Sohn Hindukur Nujan's, nach Bagdad gekommen, verband er sich +mit ihnen zum Aufstande wider Kendschatu. Dschemaleddin von Destadscherd, +der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu Bagdad, schloss sich an dieselben +an, und schaffte ihnen die für den Unterhalt des Heeres nothwendigen +Lebensmittel. Baidu schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed +Sikurdschi, welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's die Vogtei +verwaltete, zu tödten[754]. _Ghurantai Gurgan_, der Eidam Kendschatu's, +Gemahl von dessen ältester Tochter Kotlogh, gab durch Eilboten dem +Schwiegervater von der Verschwörung der Emire, und von dem, was zu Bagdad +vorgefallen, Nachricht, und warnte ihn wider seine nächsten Umgebungen, die +Emire _Doladai Ordadschi_, d. i. Kellermeister, _Kundschukbal_ (welchem +Oldschatai, die erstgeborene Tochter Arghun's, sowie seinem Bruder Ahmed +früher _Taghai_, die zweite Tochter Abaka's, als Frau bestimmt gewesen), +_Tukal_ (der Gemahl Oldschai Timur's, der zweiten Tochter Arghun's), +_Ildschidai_ und _Bukdai_, als dieses Anschlages theilhaftig. Kendschatu +berieth sich mit Akbuka, in dessen Händen noch immer die Zügel der obersten +Leitung der Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und schickte sie +gebunden nach Tebris[755]. _Hasan_ und _Taidschu_, die beiden mit der +Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's stellten die Nothwendigkeit +vor, durch die Hinrichtung der Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten; +aber _Taghadschar_, der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte die +Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris in Verhaft, den +_Tukal_ ausgenommen, welcher nach Georgien geschickt ward. Von Arran aus +gingen Gesandte an Baibuka, den Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort +den Baidu ergreife. Als die Gesandten nach _Irbil_ gekommen, vernahmen sie, +dass Baibuka von Baidu's Abgesandten aufgehoben worden sei; sie kehrten +also schnell zurück, um diesen Unfall dem Herrn zu berichten. [RN: 28. +Rebiulachir 694/17. März 1295] Hierauf wurden die Emire Akbuka und +Taghadschar mit Truppen wider Baidu gesandt. _Taitak_ führte den Vortrab +von fünftausend Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und Taghadschar +mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die Vorposten Taghadschar's und +Baidu's aufeinander; die Baidu's wurden zurückgeschlagen. [RN: 3. +Dschemasiulewwel 694/21. März 1295] Der Chan selbst brach mit einem Heere +vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher, da Akbuka das höchste Vertrauen +genoss, von Kendschatu sich abgewandt, sandte heimlicher Weise +verrätherische Botschaft an Baidu, ihn zum Aufruhre ermunternd. Als das +Heer am Ufer des Dschaghan stand, sagte Akbuka, wiewohl er von der +heimlichen Sendung Taghadschar's keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein +Ränkeschmied, und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich einlässest. +Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth sich in der Nacht mit +seinen Emiren und ging zu Baidu über. Akbuka, als er sich auf diese Weise +verlassen sah, eilte mit dreihundert Reitern zum Dienste des Schah. +Kendschatu, bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen +redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung des Feindes ermuthigend. +Das Lager brach gegen Arran auf; als er zu Pilsuwar stand, entfloh Hasan, +der Sohn Buku's, welcher von der Wiege auf von den Umgebungen der Majestät, +um Mitternacht zu Baidu, und die Emire Doladai und Kundschukbal, welche +bisher zu Tebris in Verhaft gehalten worden waren, thaten desgleichen. Die +Emire Irindschin und Taidschik verbanden sich mit einigen anderen, und +setzten ebenfalls den Kifdschak, den Sohn Baidu's welcher vom Vater an +Kendschatu gesandt, von diesem in Gewahrsam behalten worden war, in +Freiheit und führten denselben dem Vater zu[756]. + +[Randnote: Hinrichtung der Emire; Austheilung der Statthalterschaften.] + +Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser Hamadan schlugen sich +dort _Taitak_ und _Toghruldsche_ mit _Baschmak Aghul_ und _Karadscha_, +dieser einer der Prinzen des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan +Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur Frau hatte. [RN: 6. +Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt +aber war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in Anzug; er sandte +den aus der Haft befreiten, und den noch darin gehaltenen Emiren Wort, dass +er zum Dienste des Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an +den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche zu Pilsuwar stand +und den Aufenthalt Kendschatu's kannte, ergriff denselben und lieferte ihn +den empörten Emiren aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das +Heer Baidu's geschlagen. [RN: 6. Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Von den +Günstlingen Kendschatu's wurden _Itogthu_ und _Itpuki_ mit ihm zugleich +hingerichtet[757]. _Itkuli_, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit +er über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte ihm aber +das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung der Emire bestieg Baidu den Thron +zu Audschan[758]. [RN: 8. Dschem. ewwel 694/26. März 1295] Die Emire +Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's Grab nachgesandt[759]; die +Emire Akbuka und Taidschu wurden aber nicht jetzt, sondern erst in der +Folge, als Baidu von Ghasan am Flusse _Heschtrud_ geschlagen ward, +hingerichtet. Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen in Iran, +welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, ein Opfer des Aufruhrs der Emire +gefallen war, und das Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht +weniger blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei haben der +nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige Ungethüm der Emirenherrschaft +im Zaum zu halten, ermangelt, und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan, +der Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des Wortes. Von +dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und des _Dschaghantu_, d. i. des +weisschäumenden Araxes, wurden Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen +Kendschatu's in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu geben, +an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu, der nähere, welchem der +Thron schon vor Kendschatu von den Emiren zugedacht worden, bestieg +denselben [RN: 19. Dschem. ewwel 694/6. April 1295] und erliess in alle +Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: »Da Kendschatu sich von den +Pflichten der Herrschaft abgewandt und die Gebote Tschengischan's verbannt, +so haben Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen +entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder und die Vollendung der +wichtigsten Geschäfte der Unterthanen liegt nun im Ringe des königlichen +Willens.« Dem Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den Thron, +wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem Oberbefehle des Heeres und +der Finanzen verliehen[760]. Die Emire _Kundschukbal_, _Tukal_, +_Tudadschu_, _Legsi Gurgan_ wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von +Destadscherd, der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den +verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine Anstellung in den +Finanzen, und nahm seinen Vornamen für eine gute Vorbedeutung. In die +Fusstapfen Abakachan's tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren +übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte, übertrug er Bagdad +und die Umgegend dem _Tudadschu_; Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen +Distrikten dem _Taghadschar Nujan_; die Gebiete von _Irak_ und _Lur_ dem +_Toladai Aidadschi_; die Statthalterschaft von Schiras und Schebankjare +verlieh er dem _Kundschukbal_; dem _Dschemaleddin_ wurden die +Statthalterschaften von Schiras mit allem Zubehör zu Land und zur See, wie +zur Zeit Kendschatu's, mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels +Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin _Kurdudschin_ +die Statthalterschaft von Kerman bestätigt, von welcher unter der folgenden +Regierung ausführlicher zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht Monate +dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen Thronansprüchen seines +Nachfolgers Ghasan verflochten und ist, die entscheidenden Begebenheiten in +Chorasan abgerechnet, so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der +Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung im folgenden +Buche verwebt wird. + + + + +I. Beilage. + +Auszug aus der Geschichte Haider's über Dschudschi. + +Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. Bibliothek zu Berlin. Band +II. Blatt 601. + + +Kurz _Dschudschi_ starb ein Jahr nach Tschengis Chan, aber die +Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's nicht einig. Einige +sagen, dass Dschudschi Chan, nachdem er sich nach der Eroberung Chuaresm's +von den Brüdern getrennt, nach _Kipdschak_ gegangen, von dort aber wieder +zurückgekehrt, an der Gränze Indiens mit des Vaters Gegenwart geadelt ward, +und demselben tausend Schimmel zum Geschenke schickte; aber _Hafis Ebru_ +setzt das Gegentheil auseinander, nämlich, dass nach der bei der Belagerung +Chuaresm's zwischen _Dschudschi_, _Ogotai_ und _Dschaghatai_ vorgefallenen +Misshelligkeit Dschaghatai und Ogotai sich zum Vater begaben und an der +Gränze Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart geadelt +worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm gegen den _Irtisch_, wo sich +dessen schweres Gepäck befand, begab, und sich mit seinen Lagern vereinte. +Da Tschengis Chan früher befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen +Länder, nämlich die der Bulgaren, Baschkiren, Russen, Tscherkessen und +Deschtkipdschak erobern solle, und Dschudschi sich jetzt gegen den Irtisch +gewendet hatte, so glaubten die Söhne Tschengis Chan's, dass Dschudschi +vermöge Befehls diesem Dienste obliege; als es aber zuletzt erhellte, dass +er Nichts unternahm, und nach Hause gegangen war, um des Wohllebens zu +geniessen, ergrimmte Tschengis Chan gar sehr und befahl, an demselben, ohne +dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des Gesetzes zu vollziehen. +Unterdessen war Dschudschi mit Krankheit behaftet und war desshalb, als +Tschengis Chan aus Persien zurückgekehrt, in sein eigenes Lager gekommen; +er war nicht im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und schickte ihm +blos einige Säcke von Turteltauben[761], indem er sich mit seiner Krankheit +entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute von den Jurten und Gränzen +Dschudschi's zu Tschengis Chan; auf dem Wege sah er, dass dieser seine +Jurten verändert, an einen anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward; da er +selber krank, hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt; jener, der im +Vorüberziehen eine Menge Volks jagen gesehen, schloss daraus, dass +Dschudschi selber jage, und sagte daher, als Tschengis Chan um die +Krankheit denselben fragte: Ich weiss von seiner Krankheit Nichts, denn als +ich herzog, habe ich ihn an dem und dem Berge mit der Jagd beschäftigt +gefunden; dieses Wort brachte Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es +war in seinem Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer, auf das +Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi ist närrisch geworden und +hat thörichte Handlungen begangen; nun ist es nothwendig, Truppen wider +ihn zu schicken, an deren Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen und ihm +nachsetzen sollen. Unterdessen lief die Nachricht von Dschudschi's Tod ein, +wodurch Tschengis Chan sehr betrübt ward; er zog genauere Erkundigung ein, +und als er fand, dass der Bericht jenes Tanguten Lüge und Verläumdung +gewesen, gab er den Befehl, ihn hinzurichten; allein dieser, hiervon +verständigt, war früher aus dem Lager entflohen. Die Zeit der Lebensjahre +Dschudschi's war dreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denen _Batu_ +ihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne Dschudschi's sind die +folgenden: 1) _Orda_, 2) _Batu_, 3) _Berke_, 4) _Berketschiter_, 5) +_Jetukami?_, 6) _Scheiban_, 7) _Tangkut_, 8) _Juden_ (Tuden?), 9) +_Tschilaun_, 10) _Sikur_, 11) _Dschemi_, 12) _Udur_, 13) _Boka Timur_, 14) +_Schikum_. + +Hier sind nur vierzehn statt fünfzehn aufgeführt; es fehlt nämlich der von +Reschideddin vor _Udur_ aufgeführte _Mohammed_; dafür fehlt bei +Reschideddin _Jetukami_, welcher interpolirt scheint. Weiter ist über diese +Namen zu bemerken, dass der dritte bei D'Ohsson S. 325 Berkatschar, in der +Handschrift Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek _Berktschapar_, was +jedoch ob Mangel der Punkte zweifelhaft und in meiner Handschrift des +Dschihanguscha bei der Thronbesteigung Ogotai's _Berketschiter_ genennet +wird. Das letzte scheint das richtigste und eine Zusammenziehung von _Berke +kitschikter_, d. i. der kleinere Berke, zu sein; der vierte, hier _Juden_ +oder vielmehr _Tuden_ genannt, heisst bei Reschideddin _Tewal_; der +folgende bei demselben richtiger _Tschilaikun_ statt _Tschilaun_, was +daraus zusammengezogen. Der hier _Dschemi_ genannte heisst bei Reschideddin +_Dschintimai_ und ist aller Wahrscheinlichkeit derselbe mit Suntai, welchen +Wassaf in dem Abschnitte: von dem Ende Tschengis Chan's und der +Thronbesteigung seines Nachfolgers, mit dem Bruder _Batu_ nennt, und +welcher auch im Dschihanguscha als der Befehlshaber des zur Eroberung des +Restes von Kipdschak gesandten Heeres erscheint; endlich ist vom +vorletzten, _Boka Timur_, zu bemerken, dass derselbe beim Abul Ghasi (B. +96 der Textausgabe) _Tokai Timur_ heisst, dass _Boka Timur_ im +Dschihanguscha im Geleite _Batu's_ bei der Thronbesteigung Ogotai's +erscheint, während nach Abul Ghasi _Tokai Timur_ als Regent in Kipdschak +zurückgelassen ward. Hierauf folgt bei Haider die Aufzählung der Chane der +weissen Horde: 1) _Menkai_, 2) _Sasi Boka_, 3) _Eideren Ben Sasi_, 4) +_Tschitschai_, Sohn _Eideren's_, 5) _Urus Chan_, Sohn _Tschitschai's_, 6) +_Tokatmisch Chan_. Im _Munedschimbaschi_ (auf der kais. Hofbibliothek Bl. +397) heisst 1) _Sasi Boka_ der Sohn _Tuli's_, des Sohnes _Orda's_; ihm +folgt, 2) _Ebrsan_, der Eideren Haider's, 3) _Mubarek Chodscha_, 4) +_Schintai_, der _Tschitschai_ Haider's, 5) _Urus Chan_. Hierüber ist zu +bemerken, dass in den Geschlechtstafeln bei Reschideddin unter den Söhnen +Orda's kein Menkai vorkömmt, welcher nach Haider's Angabe, sowie _Tuli_ +nach der Munedschinbaschi's, der Vater _Sasi Boka's_ gewesen sein soll; +nach Reschideddin war _Sasi Boka_ der Sohn _Pajan's_, des Sohnes +_Kubindschi's_, des Sohnes _Sertaktai's_, des Sohnes _Orda's_, so dass er +der Ururenkel Orda's und nicht der Enkel desselben gewesen, was wohl als +das richtigere anzunehmen ist. Im Abul Ghasi (S. 99 der Textausgabe) +erscheint Tokatmisch als der Sohn Chodschaoghlan's, des Sohnes _Tukkul's_, +des Sohnes _Saritsche's_, des Sohnes _Us Timur's_, des Sohnes Tokai +Timur's, des Sohnes Dschudschi's. + + + + +II. Beilage. + +Auszug aus Wassaf über den Ulus Dschudschi's. + +Erwähnung der Länder Dschudschi's. + + +Als Dschudschi vom Dienste Tschengis Chan's zurückkehrte, so ereignete es +sich alsbald, dass er wider seinen Willen zur Reise in's andere Leben, +welches die eigentliche grosse Reise ist, aufbrach. Es blieben von ihm +sieben Söhne[762] zurück, als eben so viele Planeten am Himmel der +Chanschaft, und die Person des Reiches war gleichsam aus sieben Gliedern +zusammengesetzt. _Hordu_, _Batu_, _Berestai_, _Schekut_, _Berke_, +_Berkedschar_, _Buka Timur_. Von ihnen war Batu, ausgezeichnet vor seinen +Brüdern durch Genius seines Wesens, Gerechtigkeit seines Benehmens und +Freigebigkeit seiner Anlagen, der Erbe der Länder des Vaters. Vier +Distrikte (Hesare) der Krongüter Dschudschi's, _Gesek_, _Esan_, _Osek_, +_Alghui_, welche zusammen mehr als neun Tomane (Landes) ausmachten, +untergab er der Aufsicht seines älteren Bruders _Hordu_; der Sammelplatz +der Heere Batu's waren die Distrikte am _Itil_ (Wolga). Er unternahm den +Bau einer Stadt, deren Ausdehnung weit wie das Feld hohen +Unternehmungsgeistes und diesen Fröhlichkeit sichernden Ort nannte er +_Serai_. + +Obwohl er der christlichen Secte folgte, deren Beistand und Hülfe Vernunft +zuwider ist, so neigte er sich doch auf keine Seite der verschiedenen +Secten hin, und war weit davon entfernt, an einer derselben halsstarrig zu +halten, als das Feld der Welt durch die Thronbesteigung dieses Siegelringes +der Zeiten zum Rosenfeld und das Auge der Welt durch die Lichter seiner +Gerechtigkeit erhellet worden, als Zeit und Raum diese beiden Verse +declamirten: + + Die Welt ist hell von Deines Thrones Schatten, + Er hat die Welt verkehrt in Rosenmatten. + +Bei dem zweiten Kuriltai kamen die Prinzen darin überein, dass der Säbel +mit Grimm wider die Köpfe der Anführer der Russen und Assen geführt werden +solle, welche den Fuss der Feilheit in die Reihen der Widersetzlichkeit +gesetzt. Von den Prinzen Mangu Kaan's wurden _Kajuk_, _Kadachan_, _Kurgan_, +_Turi_, _Paidar_, _Hordu_, _Tangut_, welche letzte beide am Tage der +Schlacht festen Fusses standen, und _Basintai Behadir_ zu dieser +Unternehmung bestimmt. Sie setzten sich zur Zeit, als der Frühlingswind in +voller Kraft wehte: + + Der Rosenstrauch schwang in dem Garten Speere, + Das Blatt war Dolch, die Dornen Lanzenspitzen, + +in Bewegung. Die Heere kamen an der Gränze Bochara's zusammen und zogen +wider Russland aus: + + Was Indien, zeigt sein indisch Schwert + Den _Assen_, _Russen_ und _Alanen_. + +Sie eroberten die Stadt Moskau, gefüllt mit einem Heere zahlreicher als +Heuschrecken, zanksüchtiger als Fliegen, und das sich bei der Wehr +zusammennimmt, plünderten und mordeten nach ihrer Gewohnheit. Sie schnitten +die Ohren der Erschlagenen ab. + + Es füllet in der Welt dein Ruhm die Ohren, + Vor deinem Grimm droht Untergang den Ohren. + +Man zählte 270,000 abgeschnittene Ohren. + + Du, schärf' das Ohr; der Himmel haut dich über's Ohr. + +Die Prinzen und grossen Fürsten und siegreichen Freien waren + + (Der Himmel war zu Willen und das Schicksal folgte) + +wunschbefriedigt und die Engel sangen dazu: + + Der, so sich wider Dein Gebot empört, + Der, so dein Reich im mindesten nur stört, + Dem spalte Partisan' das Aug' inmitten, + Dess Körper sei dem Grimm des Dolchs zu Theil, + Dem sei vom Messer Zunge abgeschnitten, + Dem sei der Hals durchbohret von dem Pfeil. + +Als sie zurückgekehrt, hatte Batu Lust, wider die _Kelaren_ und +_Baschkirden_, welche die christliche Religion befolgten, aufzubrechen. Als +die Heere des Winters, aus Furcht vor den Dolchen der Neider, das Gesicht +abwandten, und die Rosen sich, wie das Glück der Glücklichen, mit hundert +offenen Gesichtern zeigten und die Nachtigall mit bestimmtem Schall: + + Weisst Du, warum der Lyra Saiten gellend schrein? + Weil ohne dem Gesicht die Ros' nicht Ros' und Wein nicht Wein. + Auf deiner Rosenwange ist das Heer zu schauen, + Weil es darauf sich legt mit herzlichem Vertrauen, + +ging der Prinz, der das Glück gefunden. + + _Hem._ Die Welt an seinem Zügel, die Zeit an seinem Bügel. + + _Hem._ Wenn deine Bügel weiter gehn, + Was Wunder, wenn wir auch nicht stehn! + +Er zog, fest wie Schlösser, mit 40,000 Reitern, deren jeder die Stütze +eines mächtigen Heeres, in's Feld. Zur Zeit, als die beiden Heere auf +einander trafen, trennte sie ein Fluss mit steilen Ufern. Batu sandte +seinen Sohn mit einem Tomane Heeres, um über den Fluss zu setzen, und er +selbst besetzte einen Hügel und betete demüthig vor der Majestät Gottes, +des absoluten Gnadenverleihers, mit einem Herzen, brennend wie die Lampe +dessen, der die Nacht durchwacht, und mit einem Hauche, kalt wie der des +Morgens. So brachte er die Nacht bis an den Tag hin; am andern Tage, als +der einpferdige Chosroes der Welt frohe Nachricht gebracht, und auf dem +Degen (Rücken) der Berge das Rad (der Sonne) sichtbar gemacht, reihten sich +beide Heere zur Schlacht. _Sertak_ fiel den Feind mit einem Toman stürmend +an, und die anderen auf dem Hügel aufgestellten Heere rannten wie ein +Gürtel von der Höhe nieder; gleich niederstürzendem Loose, welchem nichts +zu wehren im Stande, wandten sie ihr Gesicht gegen das feindliche Lager, +und zerstückten mit ihrem Säbel die Zeltstricke wie den Strick der +Freundschaft der Verbrecher. Furcht und Schrecken bemächtigten sich der +Einwohner von _Kelar_, die Waldteufeln glichen; die meisten derselben +wurden ein Frass des Schwertes und der Hyänen, und so wurde auch dieses +Land den Schwesterländern beigesellt. Im Jahre 653, als Mangu Kaan ein +Kuriltai hielt, wurde _Sertak_ zum Dienste des himmelhohen Thrones gesandt. +Ehe er zurückgekehrt, hatte sich Batu von der Braut der Chanschaft dreimal, +d. i. unwiderruflich, geschieden und Sertak, mit Gnaden und +Gunstbezeugungen überhäuft, kehrte in die Residenz zurück, und ohne sich +lange aufzuhalten, ward er zur Abreise (aus dieser Welt) gezwungen. Vermög +des Befehles Mangu Kaan's übernahm _Berakdschin Chatun_, welche die grösste +der Frauen, die Sorge für die Beförderung der Reichsgeschäfte, und erzog +hiezu den _Ulaghdschi_, den Sohn _Sertak's_; doch auch _Ulaghdschi_ + + _Hem._ endete in kurzer Zeit sein Leben. + +_Berke Aghul_ erhielt die chanische Krone, dessen Heere sich zu +wiederholtenmalen mit denen Hulagu's schlugen, und als die Chanschaft an +_Mangu Timur_ gekommen, war diess der Fall mit den Heeren Abakachan's, wie +diess schon oben vorgekommen. + + + + +III. Beilage. + +Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen Hulagu und Berke. + +Erwähnung der Ursachen der Bewilderung, welche zwischen Hulagu Chan und +Berke Aghul statt gefunden. + + +Zur Zeit, als der welterobernde Padischah Dschengis-Chan alle Könige und +Länder der Welt beherrschte und besass und dieselben seinen vier Söhnen +Tuschi, Tschagatai, Ogtai und Tuli vertheilte und zumass, als er die Orte +und Horte auf allen vier Seiten bestimmte, wie es seinem Scharfsinn gut +dünkte und seinem durchdringenden Genius ziemte (die umständliche Theilung +der Länder und Gebiete ist in der Geschichte _Dschihanguschai_ ausführlich +beschrieben), wurden dem Dschagatai die Stationen und Regionen von den +Gränzen der nigurischen Pässe bis nach Samarkand und Bochara zugetheilt, +und sein gewöhnlicher Aufenthalt war in der Nachbarschaft von _Almaligh_. +_Ogotai_, welchen der Vater bei seinen Lebzeiten noch zum Nachfolger +bestimmt hatte, residirte an den Gränzen von _Imil_ und _Kobak_, welches +der Chanschaft Thron und der Nabel des Reichs. _Tuli_ besass die Jurte, +welche an die Chatai's stiessen, und von Kialik und Chuaresm, von den +äussersten Gränzen von Saksin und Bulghar bis an die Gränzpässe von Derbend +und Baku, war Alles auf den Namen des ältesten Sohnes Tuschi geschrieben. +Hinter Derbend, welches insgemein das eiserne Thor heisst, war das +Winterquartier seiner Heere, von wo dieselben bis Arran streiften, und +Arran und Aserbeidschan gehörten noch zu ihren Ländern. Die Ursachen, +welche Stoff zum Streit herbeiführten und die Zwistigkeit schürten, sind +die folgenden: Im Winter des Jahres 662 (1263), als der Goldschmied der +Allmacht die Flüsse von Derbend mit Silberplatten überzogen, und der +Kirschner des Winters nach dem Maasse der Hügel und Haiden denselben +Hermelinkleider angezogen, als die Oberfläche des Flusses auf die Tiefe +eines Lanzenfusses gefroren wie Bein und Stein, ging auf Befehl Berke +Aghul's ein Heer von Mongolen, die unreiner als Wüstenteufel und Ghulen, +und deren Schaaren zahlreicher als die Tropfen des Regens waren: + + Sie kamen, Flüsse tragend, + Wie Teiche Wogen schlagend, + +über den gefrornen Fluss wie Feuer und Wind geschwind. Von dem Gewieher und +Geklirre ihrer Pferde und Truppen war die Zauberin der Erde voll rollender +Donner und leuchtender Blitze; im flammenden Feuer des Zornes kamen sie bis +an die Ufer des Kur (Cyrus). Hulaguchan ging ihnen zur Abwehrung des +Funkens ihres Bösen mit einem Heere entgegen: + + _Arab. Vers._ Morgens trafen sie auf ein vermischtes Heer, + Unaufhörlich zog es wie die Erde her. + Pferde, schwerbepanzert, mit zwei Reitern liefen + Unterm Staub wie Dromedare in die Tiefen; + Klingen strahlen weiss und Speere dunkeln braun; + Sieh! die Braunen bohren und die Weissen hau'n. + +In dem Treffen wurden sie geschlagen und zogen sich alsogleich zurück: + + _Arab. Vers._ Wenn sie fliehen, wird der Feind nach ihnen ziehen, + Wenn sie stehen, ist es um ihr Gut geschehen. + +Im Passe Baluje standen sie abermal zur Schlacht. Es froren die Füsse dem +Boden an, und im Heere Berke's hielten Klein und Gross, Mann und Ross aus, +bis dass sie alle erschlagen, und die Andern, besiegt, die Zügel der Flucht +davon getragen. Hulagu erlaubte den Heeren nicht, zurückzukehren, bis sie +nicht über den gefrorenen Fluss gesetzt. + + _Arab. Vers._ Des Blutes Ströme gehn wie Wasserrinnen, + Die Säbel löschen ihren Durst darinnen; + Sie schwanken zwischen Tod und zwischen Leben + Und zwischen Leichtsinn und vernünft'gem Streben. + +So wurden von Tag zu Tag die Stationen der Rebellen die Lagerorte des +ilchanischen Heeres. Sie schlugen auch den Weg friedlicher Unterhandlung +und Ausgleichung ein, und thaten die Hand der Verlängerung auf, bis sie das +ganze Land von den Nachtheilen der Usurpation gereinigt und die Uebermacht +der Fremden daraus verbannt. + + _A. V._ Sie fielen aus im Sturm auf die, so in der Nähe; + Wir fielen aus im Sturm auf die uns in der Nähe. + +Sie trieben sie in die Enge und verfolgten sie durch einige Stationen +Länge. Als der feindeverbrennende Padischah mit seinem glücklichen Lager +herangenaht, gab er den Befehl, die Genossen Berke Aghul's, welche zu +Tebris im Besitze von Reichthum und Waaren, mit Handel und Wandel +beschäftigt waren, hinzurichten und ihre Güter in dem Schatze +aufzuschichten. Viele derselben waren blos Commissaire, in deren Händen die +Capitale und Güter ihrer Principale geblieben waren. Berke Aghul, um +Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess die Kaufleute der Länder des +Chans tödten und legte ihnen auf diese Weise das Geschäft. Der Weg der +Gehenden und Kommenden, das Reisen der Kaufleute, war nun auf einmal, wie +das Geschäft der Verdienstvollen, gesperrt und die Teufel der Unruhe waren +der Flasche der Zeit entsprungen. Indessen hatte Kublai Kaan einen +Gesandten gesendet und die Dinge Bochara's anders gewendet. Von sechzehn +Hesaren, welche zu Bochara lagen, waren fünf dem Batu anhänglich, drei der +Frau _Kutibeg_, der Mutter Hulagu-Chan's, und die übrigen dem Ulugh Kul, +das ist dem grossen Delai, welche jedem der Kinder Tschengis-Chan's, die +von dem Throne der Chanschaft Besitz nähmen, zu Befehl. Diese fünf Hesare +führte _Batu_ in das Feld und las ihnen von den Klingen der Schwerter, +welche die Bothen des Todes, des rothen, ihr Todesurtheil vor. Ihrer Güter, +Weiber, Söhne wurde nicht geschont. Da die Regel des Spruches: + + Die Liebe erbt fort und der Groll erbt fort, + +in der Ansicht der Vernünftigen gegründet ist, so breitete auch _Mengu +Timur_, der Sohn _Berke Aghul's_, welcher nach dessen Tode dessen Stelle +vertrat, wider _Abaka Kaan_ den Teppich der alten Widerspenstigkeit auf, +und es hatten zwischen ihnen zu widerholtenmalen Streitigkeiten und +Zwistigkeiten Curs und Lauf. Einmal wurden 30,000 Reiter, säbelschärfende, +lanzenwerfende, zur Zeit ihrer Rückkehr über den Fluss wie zerbröckeltes +Eis aufgerieben und in den Abgrund getrieben und das Resultat ihres Lebens +auf die Platten von Eis geschrieben. Als nun der hohe Abaka Chan mit der +Menge ihrer Heere und ihrer Kühnheit näher bekannt, zog er gegen Derbend +eine Mauer durchs Land, welche _Sitab_ genannt, um diesen weltverwirrenden +Heeren den Einfall und Einbruch zu erschweren. Diese beiderseitige +Feindschaft bestand, und diese gegenseitige Huth und Scheelsucht hatte +Bestand, bis Kendschatu, der Chan, im Land. Als _Noghai_ der Erbe des +Landes Mengu Timur's ward, wurde durch gegenseitige Gesandtschaften und +Schreibenwechsel der Weg der Kaufleute und Handelsgenossen wieder +aufgethan. Die Ursachen des Heiles lagen in dem Plan; das Land Arran fing +durch die Menge von Wagen und Zelten, von Pferden und Schafen Wogen zu +schlagen an und dieser Länder Waaren nach einigen Jahren wieder an zu +gebahren. + + + + +IV. Beilage. + +Auszug aus Wassaf über das Papiergeld. + +Erläuterung der Ursachen, welche die Einführung und Vernichtung des +Papiergeldes (Dschaw) herbeigeführt. + + +Der von ewig her bestehende Spender der Nahrung und der allweise Schöpfer +(geheiligt seien seine Eigenschaften!), welcher die Bewohner der vier Wände +der Naturen der Menschheit und die Eingekerkerten der sechs Richtungen +irdischer Körper bald ohne Anlass geleisteten Dienstes durch den Ausfluss +seiner, keinen Dank ansprechenden Gnaden bestimmt, und bald ohne +vorhergehende Schuld seine Geschenke und Spenden zurücknimmt, Er dessen +ewige Wissenschaft: Koranstext: + + »_Ihm ist kein Sonnenstäubchen fremd + auf Erden und im Himmel_«[763]. + +das vollkommenste Gemälde der Herrschergrösse ist, wollte es so, dass nach +der Begebenheit (der Thronbesteigung) Arghun-Chan's in alle Herden der +Mongolen eine Seuche fiel, welche sie in ihrer Sprache _Jut_ nennen. Aus +diesem Anlass fehlte es den meisten Truppen zu Bagdad, Mossul, Diarbekr und +Chorasan an den nöthigen Lastthieren und in dem Schatze war durch die +Veränderung der Chane und Vergeudung des Goldes an die Truppen nichts +zurückgeblieben; diess war der zweite Unglücksfall; dazu kam noch drittens, +durch die angeborne Huld und natürliche Freigebigkeit des Vorsitzes der +Welt und der Zeit, um die Völker zufrieden zu stellen und um Nothdurft zu +stillen, ein Ausgabenüberschuss und Gnadenüberfluss; das vierte war die +wenige Achtung des Ilchan's für Geschenke und Gaben und seine Verachtung +der Oeconomie[764], d. i. des Besitzes in beweglichem und unbeweglichem +Gut[765], an Geld und Vieh, und das Sprichwort sagt: »_Die Fünf findet sich +in den Fünfzig._« Er hatte in der Zeit von zwei Jahren, während welchen der +Welt Vorstand der Wissenschaft und Herrschaft vorstand, gegen fünfhundert +zu Leihe genommene Tomane mittels rother Fertigungen an die Herren der +Anweisungen übertragen, so, dass die grossen Fürsten diese Sache endlich +gewahr wurden. Eines Tages hörte man von dem Munde des Herrn (des +Grosswesirs) folgende Worte: »_Seadeddewlet_ hat zur Zeit, als er die +Geschäfte der Länder förderte und tausend Tomane in dem grossen Schatze +bereit lagen, und die stärkste Veranlassung zu dieser Zusammenhaltung +Arghun-Chan's genaue Verwaltung gewesen, die Einkünfte und Ausgaben der +Finanzen ohne rothe Fertigung[766] besorgt und für die Verproviantirung des +Heeres und alle Erfordernisse der Küche, des Lagers und der Frauen gesorgt, +und so habe der Ilchan in der kurzen Zeit von vierzig Jahren vom Jurt +_Dilbertschin_ bis nach _Kiawbasi_ ein und vierzig Tomane für die Frauen, +Pagen und Vertrauten der Majestät hergegeben. + + _Arab. Vers._ Wenn Du aufgehst, müssen Sonn' und Mond sich + niederlegen, + Wenn Du scheidest, müssen sich verstecken Meer + und Regen. + +Zur Zeit Abaka-Chan's und Sultan Ahmed's waren für die ganzen Kosten der +Küche nur vierzig Tomane bestimmt und doch waren die Verwalter und +Küchenaufseher[767] nicht sicher vor dem Tadel der Tadelnden und dem Spotte +der Spottenden und dem Schimpfe der Schimpfenden. Zur Zeit (Unserer) den +Tag vermehrenden Regierung haben Wir hundert fünf und sechzig Tomane auf +diese Weise an goldenen Verwendungen ausgetheilt, und dennoch rufen sie +immerwährend: Wer gibt mehr? Die Prinzen und Prinzessinnen geben immer neue +Wünsche kund und schliessen, gegen einander rechtend und spiegelfechtend, +nicht den Mund.« Der Zweck dieser Prolegomenen ist, dass der Schatz auf +alle Weise für den Bedarf baaren Geldes[768] bedurfte, dass die Einkünfte +der Länder in einem Jahre 1800 Tomane, die bestimmten Ausgaben 700 Tomane +betrugen und dass der Rest für die wichtigsten Geschäfte des Reiches, für +die Gaben und Geschenke des Padischah nicht hinreichte. Der Herr des Diwans +befahl, die Auflagen der Länder, besonders der von Bagdad und Schiras, +welche der Gürtel des Reiches, zu läutern[769]; doch der Ueberschuss der +Ausbeutungen des Dieners (des Grosswesirs) gab für die Majestät, auf deren +Weberstuhl der Einschlag gestreifter Kleider steht, so viel aus, als der +arabische Spruch: + + _Arab. Vers._ Es sättigt nicht, was vom Zahnstochern kommt heraus, + +und durch diese Massregeln der Läuterung wurde der Verwirrung der Finanzen +nicht abgeholfen. Da befand sich _Aseddin Mosaffir Ben Mohammed Amid_, +dessen hässliche Gestalt, dessen geschminktes Gesicht, dessen gebrechliche +Constitution und schändliches Naturel ein Muster seiner Sitten und +Eigenschaften war, im Lager an der Seite der Majestät und des Grosswesirs, +als dessen Berather und leitender Vater. Er war's, der die Mühle des +Betruges in den Gang gebracht, der mit Hoffnung und Furcht denselben kirr +gemacht. Aus Eingebung schlechter Seele, welche, allen Geschäften des +Menschen feind, als das Gegentheil des ursprünglichen Guten erscheint, +wollte er seinen schlechten Namen bei den Weltbewohnern einfassen in einen +ewigen Rahmen, damit er auf der Erde bis zu dem Tage der Auferstehung das +Ziel der Pfeile des Fluches und des Spottes aller Menschen werde. Er +stellte vor: »Es fehlen zur hinlänglichen Aufbringung der Gelder die +Quellen; sei es im Schlimmen, sei es im Guten, bedarf der Schatz Gold für +seinen Bedarf. Die Ueberschüsse der Einkünfte sind Heu und Spreu[770], und +Anlehen zu machen, gehört künftighin zu den schwierigsten Sachen. Wenn es +sich darum handelte, schnell das Heer zu rüsten und beritten zu machen, +würde es schwer halten in allen Sachen, und das tändelnde und schändende +Gerede der grollenden Feinde, die schnell und hart daherfahrende Fehde +daimonischer Männer, von denen jetzt keine Rede, würde sich breit machen; +die Bemühungen und Bestrebungen, welche dermalen gäng und gäbe, um die +Spalten des Reiches zu verdämmen und um durch rechtliche und wohlthätige +Gesinnung alles Unrecht zu hemmen, würde ein Ende nehmen, und wollte man +(was jedoch nicht unmöglich anzunehmen) öffentlich die reinen Wasser mit +Steuern belegen, oder neue Vergantungen[771] und schwere Strafgelder den +Unterthanen zumuthen und auflegen, so würde dieses die Gemüther erbittern +und das Land würde verwittern. Eine Maassregel, welche, vor allem Angriff +vor Verschwärzern geschützt, schnell zur Herstellung alles Verfalles nützt +und mannigfaltigen Nutzen umfasst und besitzt, ist mir so in den Sinn +gekommen, dass man, wie in den Ländern des Kaan, auch in denen des Ilchan +das Scheingeld, statt Silbers und Goldes, in Umlauf setze, damit dadurch +die Thore des Verkehres geöffnet würden, damit das Geld ganz in den Schatz +einlaufe und Schaden und Verlust keinen Menschen treffe auf Erden.« Nach +diesen vorausgeschickten eingebildeten Gründen trugen der Herr des Diwans +und _Bulad Dschinksanek_, der Gesandte des Kaans, das Wort vor. Da diese +Maassregel dem Aeussern nach den Reichthum vermehrte, die Magazine der +Kaufleute leerte, den Armen und Elenden Beruhigung gewährte, so schien +dieselbe Anfangs denen, die darüber nachdachten, erspriesslich und gut. Der +Ilchan erliess ein Diplom, befehlend, absolut und entscheidend, kurz und +gut, dass man auch in den übrigen Ländern nicht mehr mit baarem Gelde +Handel und Wandel treibe, sondern dass man überall die Webung goldener +Kleider abschaffe und nur soviel davon gestatte, als für das Kleid des +Padischah und seiner nächsten Umgebungen erforderlich sei, dass man sich +nicht mit Verfertigung goldener und silberner Geschirre und mit keiner +Kunst, welche Vergeudung des Goldes und Silbers mit sich führe, befasse, +dass man die Goldschmiedekunst und die Silberarbeiterei der Gesichtsfarbe +und dem thränenden Auge der Verliebten überlasse; kurz, durch die +Einflüsterung und Verführung, Verlockung und Versuchung dieses Unholdes und +gespenstischen Koboldes, der seinen Herrn auf diese Weise schändete, +geschah es, dass er in alle Länder, in's arabische und persische Irak, nach +Diarbekr, Rebiaa, Mossul und Miafarakein, nach Chorasan und Kerman und +Schiras einen grossen mit diesem Geschäfte beauftragten Emir sandte, und +dass überall eine Fabrik solchen Scheingeldes errichtet, dass Verwalter, +Schreiber, Schatzmeister und andere Beamte dabei verwendet und überall +grosse Summen zur Verfertigung des Scheingeldes gespendet wurden. Durch +die Verlautbarung dieser Geschichten wurden die Völker in den Reif des +Erstaunens gezwängt und blieben in demselben ohne Seele beengt. + + _Arab. Vers._ Schnell, wie die Hoffnungen, des Lebens Zeit vergeht, + Und umgekehrt, auf Persisch heisset _Dem_ nur _Med_[772]. + +Die Gestalt und Form des Scheingeldes _Dschaw_ war diese: Ein länglichtes, +viereckiges Blatt Papier mit einigen chinesischen Worten beschrieben, in +denen immer Fehler geblieben[773]; ober diesen chinesischen Worten stand +auf beiden Seiten: + + »_Es ist kein Gott als Gott, und Mohammed ist sein Prophet!_« + +Dieses war das Gepräge dieses Silberblattes, der Juwelenknoten dieses +Perlenstates, das Tughra dieser Befehle und das Amulet dieser Kehle; unter +demselben war geschrieben: _Iritschi Turitschi_, auf Chinesisch +(uighurisch), d. i. _Sobald es angekommen, sei es für bleibend angenommen!_ +In der Mitte war ein Kreis beschrieben, der aber ausser dem Mittelpunkt +ruhiger Ansicht liegen geblieben; dabei war der Werth des Papieres von +einem _halben Dirhem_ bis _zehn Goldstücke_, und dann in Schrift das, was +folget, geschrieben: »_Der Padischah der Welt hat im Jahre 693 (1293) +eingesetzt dieses gebenedeite Papiergeld; es soll cursiren in Ländern +allen; wer es verfälscht oder verändert, sei mit Weib und Kind der +Todesstrafe und sein Gut dem Fiscus verfallen._« Nach Schiras war ein +Patent dieses Papiergeldes, das, sehr ausführlich und lang, eingebildete +Fragen aufwarf und die Antworten darauf aufdrang, gekommen. Ein Exemplar +desselben ist noch in den Händen und es wäre unnütz, darüber noch mehrere +Worte zu verschwenden. Das Wesentlichste seines Inhaltes ist: »dass, +sobald das gebenedeite Papiergeld Goldes statt, wie die Thränen der +Verbannten Lauf gefunden hat; so wird Armuth und Dürftigkeit und Schaden +und Elendigkeit verschwunden sein unter den Söhnen der Zeit, Korn und +Getreide wird zu haben sein in Wohlfeilheit, und Arme oder Reiche sind dann +einander gleich.« Die Dichter und Trefflichen der Zeit haben zum Lobe des +Papiergeldes nach der Eingebung ihres Genius dem Padischah und dem Herrn +des Diwans lobend die Resultate ihrer Gedanken geweiht; als eine Probe von +diesem Lobe ist das folgende Distichon aus einem Bruchstücke eines der +Trefflichen hier eingereiht: + + »Geht Papiergeld in der Welt, + Sein Entgelt[774] sie frisch erhält.« + +Es erging der Befehl, dass alle Künstler und Handwerker, welche Gold und +Silber in ihren Arbeiten verarbeiten, dasselbe aus dem Hause, wo das +gebenedeite Papiergeld ausgetheilt ward, erhalten, dass Alle, welche als +Befehlshaber Länder verwalten, nach ihren Verdiensten ihre Besoldungen und +Bezahlungen dort beziehen sollen, dass das alte abgenützte Papier dorthin +gelangen, und der Bringer für den Gehalt von zehn Dinaren alten +Papiergeldes neun Dinare neues empfangen soll, dass die Kaufleute des +persischen Meeres, welche in fremde Länder handeln und wandeln aus dem +Schatze Gold erheben und dafür ihr Papiergeld abgeben sollen, +vorausgesetzt, dass dabei der Weg der Behutsamkeit beobachtet und ihre +Erlaubniss und Befugniss von Nowaben und Aufsehern des Diwans gehörig +betrachtet und erachtet worden sei. Verfügungen dergestalten waren in +diesem Patente enthalten. + + Tausendmal ist's besser, gar nicht anzufangen, + Was zu keinem Resultate kann gelangen. + +Wenn (wovon das Gegentheil nicht zu denken) diese Bedingungen nicht schon +von Grund aus schlechter Art, wenn mittels der Umwälzung der Zustände, der +Uebertragung der Herrscherkräfte und Veränderung der Geschäfte, diese +Befehle von allem Fehle beschützt und bewahrt geblieben, wenn die Leute +ohne Widersetzlichkeit und Blödigkeit, dasselbe zu nehmen und zu geben und +den Lauf desselben zu gewähren, willig gewesen wären, so wäre es möglich +gewesen, dass einige dieser präliminären Verfügungen gekommen wären zu +eines Resultates Ehren; allein, wie man diess immer aus dem Gesichtspunkte +der Vernunft und der Analogie betrachtet, so ist dieses eine Maassregel, +nicht verwaltbar und (auf dem Spitz ein Kegel) nicht haltbar, besonders da +der Zweck dieser Einbildungen ganz und gar kein andrer war, als die Schätze +des Padischah zu erneuen und die der Unterthanen zu zerstreuen. + + »_Zu bewahren des Moslim's Gut, ist Pflicht, + wie zu bewahren des Moslim's Blut._« + +In der practischen Philosophie ist durch Beweise festgesetzt, dass das Gold +von Gott, als die kleine Gesetzgebung, eingesetzt; dass dasselbe den Werth +der Sachen bestimmt und die Ordnung der Welt in Anspruch nimmt; dass ein +kleiner Theil desselben eine grosse Menge anderer Sachen vertritt, deren +Transportirung und Verführung sehr schwer und vielen Ungemaches nicht leer; +dass wegen seiner inneren Festigkeit und Trefflichkeit dasselbe vor aller +Gefahr der Vernichtung geschützt; dass es nicht durch Wasser, nicht durch +Feuer, nicht durch Schneiden und Stossen verwundet wird und abgenützt. +Diese Bedeutung bedarf keiner Erweiterung und Erläuterung, + + »_Diess ist Erforderniss mündiger Weisheit._« + +Die Nothwendigkeit und Dürftigkeit ist's, welche demselben Adel verleiht; + + _Arab. Vers._ Wenn ich ein Gottesfürchtiger nicht wäre, + Erwies' ich selbem göttliche Ehre. + +»_Für der Welt Wunden ist das Pflaster im Golde gefunden_,« ist ein +bekanntes Sprichwort; + + _Vers._ »Hätte ich Gold, so wären meine Geschäfte auch golden; + Golden sind sie nicht, weil ich besitze nicht Gold.« + + _Ar. V._ Kein Gesandter fährt mit besserem Glück, + Als das rundgeprägte Silberstück. + +Wenn der Schreiber (dieser Geschichte) die Gleichnisse und seltsamen +Einfälle, welche die Wohlberedten Arabiens und Persiens über die +Eigenschaften, den Nutzen und das Lob des Papiergeldes geschrieben, und die +ihm im Gedächtniss geblieben, aufgeschrieben hätte, so hiesse dieses Buch +_die goldene Kette_[775] oder _die unvollkommene Erreichung des Zweckes_. +Würde aber mit diesen Lobsprüchen das Gold zerstieben, woraus würde man +denn verfertigen die Kronen mächtiger Sultane und Reiter, die Ohrgehänge, +Armbänder und Knöchelringe der Schönen, welche den sich blähenden Busen +gewärtigen? und wie könnte denn, mit dem papiernen Geld, die frische Rose, +welche freudig die goldene Scheibe in der Faust und Goldbarren (die +Staubfäden) im Busen verborgen hält, wie könnte sie die Wange des Windes +anlachen? und wie könnte die Blüthe ohne Silber sich einen Schatz für ihr +Alter zur Hülfe wider das anrückende Heer des Frühlings machen? Die +trunkene Narcisse ist bemüht, im Zauberschlafe mit dem Traume des Goldes +ihr sehnendes Auge zu färben, und im steinernen unbarmherzigen Herzen des +Berges stocken die Blutadern (die Rubinen) aus Begierde, sich von der +goldausstreuenden Sonne Einiges zu erwerben. Wie könnte das Gold einem +Stücke Papier sich vergleichen? wie könnte den Werth von jenem dieses +erreichen, welches durch einen Funken aufgeht in Rauch und wie die Töchter +der Luft (die Dämpfe) davonfliegt bei des Windes geringstem Hauch, welches +durch einen Tropfen Thau wird des Wassers Raub und im Staube wird zu Staub? +Die Prahlerei kannte keine Gränzen mehr, und durch die Vergleichungen und +Herausstreichungen ward die Traurigkeit immer mehr und mehr. Im Silkide d. +J. 693 (1293) kam das Papiergeld zu Tebris in Lauf und vermöge der +Herzensknoten und den Maassregeln von der Vernunft geboten, begann man +sogleich, um seine Seele zu schützen und um etwas zu besitzen, mit Speisen +und Waaren niedrigen Handel und Wandel. Binnen drei Tagen war Tebris, +welches das kleine Kairo hiess, wie der Beutel der Geduld der Sehnsüchtigen +leer; im Lande war kein Glanz und keine Freude mehr, und die Brust der +Sicherheit und Rechtlichkeit hatte nicht Fett noch Schmeer. Die Laden und +Gassen waren wie öde Häuser verlassen und geleert, die Thore des Handels +und Wandels waren versperrt. Verkaufte man den Man Brotes um Einen Dukaten, +so glaubten die Käufer, dass sie gewonnen, und die Verkäufer, dass sie +verloren hatten. Ein Freund erzählte mir vom Blitze der Witze jener Gegend, +was folgt: In dieser Umstände drängender Gefährde stand ich gaffend zu +Tebris auf dem Markte der Pferde. Die Verkäufer schlugen ein Pferd, das um +fünfzehn Goldstücke doppelt bezahlt gewesen wäre, schlugen dasselbe, +fortgezogen durch der Begebenheiten Wogen, um hundert und fünfzig Dukaten +Papiergeldes an, und der Käufer, aus Freude über den grossen Preis, lief +herum im Kreis, um durch diesen Reigen gleichsam die Bewegung des Pferdes +zu zeigen; dann bestieg er einen Gaul, tummelte denselben nicht faul, bis +er aus den Augen verschwand. Seine Abreise war zum folgenden Verse der +Realcommentar: + + _A. V. des Verfass._: Wer das Papiergeld erfand, verführt als + schlimmer Betrüger, + Unter den Hunden ist keiner so trügrisch wie er. + +Der Lärmen und das Getöse, der Saus und Braus der Nationen stieg bis an den +Gürtel der Constellationen; die Befehlshaber und das Heer hatten keine +Geduld mehr, das gemeine Volk flehte am Freitag in der Moschee mit +klagendem Gebete; es verlauteten die Klagen über die Ungerechtigkeit, womit +sie geschlagen. Sie verfluchten den Aseddin Mosaffir mit allen denen, +welche zu dieser Neuerung und Theuerung das Gleiche beigetragen: + +Spruch der Ueberlieferung: »_Wer schlechte Sitte eingesetzt, dem wird sie +bleiben als Last bis an den jüngsten Tag._« + +Sie wollten ihn mit seinen Einverstandenen erschlagen. Sie flohen aus dem +Kreise und nahmen mit ihrer Seele bösen Namen mit auf die Reise. Die +Trefflichen und Dichter der Zeit waren, ihn mit Spottgedichten zu +durchgeiseln, bereit; so sagte Einer derselben, als er den Namen +_Amidol-mülk_, die Säule des Reichs, angenommen: + + Das Schiff _Amidol-mülk's_ inmitten Reichsgefahr, + Ist wie das Wasser, wenn damit ein Schiff[776] gefüllt. + Sein schlechter Bart ist schlechter als des Hundes Haar, + Diess ist dagegen Atlas und ein seidner Quilt[777]. + Sieh, ob er morgen stehet noch auf dem Altar, + Wiewohl er heute für des Reiches Summe gilt. + +Auch das folgende Bruchstück reimte Einer: + + Du bist nicht Weltenehre, du bist der Schimpf der Welt, + Die auf dein Sein und Wohl nicht das Geringste hält. + Wenn _Geber_, _Jud_, _Moslim_ vor der Altäre Stufen + _Ormusd_, _Jehova_ und _Allah ist gross!_ ausrufen, + So flehen alle drei in Unterthänigkeit + Zur Majestät des Herrn, der Welten Glück verleiht, + Es möge ihm in dieser Welt von allen Dingen + Kein einziges nach seines Herzens Wunsch gelingen![778] + +Zu Schiras wurden fünf Tomane Goldes in Sachen des Papiergeldes ausgegeben. +Da das Papier, in welchem das Capital der Männer von Verdienst bestand, auf +vierzig Weisen ging von Hand zu Hand, so hätte der, welcher heimlich von +den Nowaben der Papierfabrik einen Teller Goldes hätte erwirkt, spurlos wie +das Gold sein Dasein verwirkt. Zu dieser Zeit wurde an einen Bruder der +Reinigkeit (an einen guten Freund) wie es scheint, das folgende Bruchstück +verfertigt und in der gehörigen Form abgefertigt: »Der Sicherheit Kiel +laufe auf dem Blatte der Wohlfahrt für NN. zum Ziel! und Gott helfe Dir, wo +Du immer sein mögest, gleichviel! Der aufrichtige Wohlwünscher und ganz +eigene Sehnsüchtige legt gleich der Feder den Gürtel freundschaftlicher +Liebe um die Mitte an; er hat den Mund zu wohlduftendem Preise und +eröffnendem Wunsche aufgethan, und stellt das Gesicht reinen Verhältnisses +weiss und klar mit Schriftzeichen der Aufrichtigkeit folgendermaassen dar: +Das offene Feld der Sehnsucht nach dem Umgange mit dem Freunde, dem +vertrauten, welcher süsser als das gewöhnliche Leben, hat sich Perlen +gleich so ausgebreitet, dass es unmöglich ist, die Länge und Breite dieses +Feldes mittels der Messkunst des zweizüngigten Kieles und mittels der +Quadratfläche des zweigesichtigen Papieres, + +»_Dieses ist heut in der Welt eben so wenig zu finden als der Ambra_,« + +auszumessen. Schon geraume Zeit ist's, dass die goldenen Papageien der +Federn, welche das Wort ausschreien: + + »_Mittels der Federn werden die Länder regiert_,« + +von der Moschustränke der Gnaden des Tintenzeuges dem weissen Silbersitze +der Gärten der Wörter nicht zugeflogen, und dass die Gesandten +freundschaftlicher Anzeige aus dem _Kairewan_ des Westens nach dem Lande +des Südens Botschaft bringend ausgezogen. Wenn das Gemüth Gedanken und +ihren Ausdruck flieht, so muss der Kiel der Denkkraft auf eingebildetem +Blatte weilen oder die rothe Thräne die Schwärze des gekränkten Auges +heilen. Es wird erwartet, dass einige Blätter jener Art, von welchen allein +vor diesem Freund die Rede (einige Blätter Papiergeldes) _wie Blätter der +Bäume voll Glanz, wie Busen der Schönen geglättet ganz, hell wie das +aufgehende Licht und wie der aufrichtige Morgen, wenn er anbricht_, die +Klagen der auf den Kopf geschlagenen Feder stillen werden. Bliebe aber das +Gesicht dieser begehrten Sicherheit in den Schleier der Verweigerung +verhüllt, so ist dieses Stoffes genug, dass der trauernde Kiel der Klage +über Unterdrückung nach dem Papierhemde der Bedrückten lange und das +Gestöhne der kratzenden Feder bis zum Gipfel des Himmels Merkur's, des +Schreibers des Himmels, gelange; dass der Kiel mit der Zunge _Chakani's_ +aus Schirwan, des Chakans der Bedeutungen, diesen Vers anwende: + + Für mich sei Freundeshand als Klägerhemd gewandt, + Weil er verweigert mir die Feder, das Papier, + +und demselben sende.« Als nun die Klage der Erde und der Stunde gedrungen +zu des Himmels Runde, als die That und das Messer drang in die Seele ein +und das Messer geschnitten bis an das Bein, als der Strom gelangt war zum +Munde, stellten die Emire und Nuwianen einstimmig dem Herrn des Diwans vor: +Wenn dieser Zustand noch einige Zeit dauert; so ist aller Glanz der Länder +aufgegeben, und es ist unmöglich die weitere Verwirrung zu heben: + +»_Willst du, dass man dir gehorche, so fordre nur das Mögliche!_« + +Da ergingen wirksame Befehle, dass man das Papiergeld abstelle. Gesandte +gingen nach allen Seiten, um die Abschneidung des Bösen und Einkleidung +dieser Maassregel einzuleiten. So ward durch Gottes, des Allmächt'gen, +Gnade dieses ungeheure Unglück: + + _Koransvers_: Weist du, was da die Flammenwuth? + Es ist der Hölle brennende Gluth![779] + +abgekehrt und den Gemüthern aller Völker Freude gewährt. Vornehme und +Gemeine sagten: + +»_Gott sei gelobt und gebenedeit! Er hat von uns abgewendet die +Traurigkeit; denn Er ist unser Herr, der Allen Alles verzeiht; Er liebet +die Dankbarkeit._« + + + + +Druckfehler. + + +Seite. Zeile. + + 8 17 v. u. statt Recht lies recht + 9 9 v. o. st. Ocean l. Onon + 11 7 -- -- st. Sprache l. Aussprache + 13 8 -- -- st. vier l. vierzig. + 15 16 v. u. st. Gjawr l. Gjawe + 16 7 v. u. st. der l. das + 21 16 v. o. st. Begi l. Bigi + 24 2 v. u. st. Tschitschejan l. Tschitschegjan + 26 9 v. o. st. darnieder l. worunter + 27 17 v. u. st. geschossener Pfeile l. geschossenen Pfeilen + 32 9 v. u. st. Thronbesteigung als l. Thronbesteigung, zweimal als + -- 14 v. u. st. die Tataren l. der Tataren + 33 15 v. o. st. Karachetai l. Karachatai + 35 12 v. u. st. Minkburni l. Mankburni + 36 15 v. u. st. Sonne der l. Sonne des + 43 13 v. u. st. Temur l. Timur + 50 3 v. u. st. Mohakkah l. Mohakkak + 65 8 v. o. st. Von der l. An der + 70 16 v. u. st. am Berge l. vom Berge + 72 10 v. u. st. hatten l. herrschten + 75 13 v. u. st. Nami l. Nemi + 78 4 v. u. st. denselben l. demselben + -- 3 v. u. st. erlegen l. erlagen, st. ob denselben l. vor demselben + -- 2 v. u. st. derselben l. desselben + 81 am Rand st. Gemahlin l. Gemahlinnen + 87 1 v. u. st. Journal II. l. Journal asiatique II. + 93 13 v. o. st. Weg zu l. Weg zur + -- 5 v. u. st. Schebehun l. Schebchun + 96 5 v. o. st. und um l. nur um + 102 11 v. u. st. dem Adlerneste, dem Hauptsitze l. das Adlernest, + den Hauptsitz + 109 4 v. o. st. Chalweih l. Chaleweih + 117 14 v. o. st. Betekdschi l. Bitekdschi + 121 2 v. o. st. einer gleichen l. mit gleicher + 124 13 v. u. st. Intendanten l. Intendenten + 125 8 v. u. st. des Musters l. des Gründers + 163 4 v. u. st. by Naima l. by Neumann + 178 9 v. o. st. vor der l. von der + 180 9 v. u. st. Thierangels l. Thürangels + 185 7 v. o. st. Telbaschil l. Telbaschir + 186 11 v. o. st. Hama's oder l. Hama's und + 187 4 v. o. st. Quelle entsteigt l. Quelle entspringt + -- 18 v. u. st. Amrolkai l. Amrolkai's + 189 6 v. o. st. des Turbeysel l. das Turbeysel + 208 17 v. o. st. Mahribi l. Mahghribi + 211 17 v. u. st. Maillenschläger l. Mailleschläger + 214 15 v. o. st. nur vom l. nie vom + 214 13 v. u. st. nur eines l. nur der eines + 232 7 v. u. st. Ammer l. Aammar + 237 4 v. o. st. Betha's l. Batha's + 237 11 v. o. st. war ein Vergrösserer l. war ein weit grösserer + 239 7 v. o. st. Wenn nur das Glück wie die Beisitzer wäre, + l. Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre, + 240 2 v. u. st. geistiger Dichter l. persischer Dichter + 241 3 v. o. st. Hamkjar l. Hemkjar + 242 18 v. u. st. Aasa l. Osa + 253 14 v. u. st. Ville Hardouin l. Villehardouin + 259 3 v. o. st. Mogholtei l. Mogholtai + -- 9 v. o. st. dem Herrscher l. des Herrschers + 261 12 v. u. st. Armen l. Arme + 262 1 v. u. st. Kuhdschu l. Kukdschu + 268 13 v. o. st. Ferjab l. Farab + -- 15 v. o. st. Ferjabi l. Farabi + 274 5 v. u. st. Kejanenen l. Kejanen + -- 17 v. u. st. Vasal l. Vassal + 276 12 v. o. st. Mewlane l. Mewlana + 280 2 v. u. st. nisadin l. nihaden + 283 8 v. u. st. Aufgestochenen l. aufgestochenen + 291 2 v. u. st. Suhuri l. Sughuri + 293 17 v. u. st. Mineddin l. Moineddin + 303 16 v. o. st. Mekka l. Mocha + 308 14 v. o. st. (der Oheim Abaka's) l. (der Bruder Abaka's) + 315 13 v. u. st. Buse l. Busse + 318 13 v. u. st. Denn stets l. Du stets + 320 4 v. u. st. nur diesem l. nur in diesem + 329 8 v. o. st. Zehrgnadenamt l. Zehrgadenamt + 345 10 v. o. st. mir nun l. mir nur + -- 14 v. u. st. Rumi's l. Rum's + 352 17 v. o. st. gleichzeitig mit l. gleichnamig mit + 365 8 v. u. st. und Feder und setzte l. und Feder, setzte + 367 5 v. u. st. beizustehn l. beizustehen + 374 15 v. o. st. einheimischer Herrscher Herrschaft l. einheimischer + Herrschaft + 375 8 v. u. st. dass das l. dass sie das + 393 11 v. u. st. Derwische Fakir l. Derwische als Fakir + +Noch ist zu bemerken, dass durch ein Versehen der Druckerei die in eigenen +Namen als lange geschriebenen ſ durchaus als kurze gedruckt worden, was +ebenso wenig gleichgültig, als es im Deutschen gleichgültig ist + K r e i ſ' oder K r e i s, r e i ſ' oder R e i s zu schreiben. Mit +lindem ſ sind also auszusprechen: Abulghaſi, Abderreſak, Aſerbeidschan, +Aaſiſ, Bacherſ, Bediieſ-ſeman, Chuareſm, Chumiaſ, Chuſistan, Dsheſire, +Dchuſistan, Erſendschan, Faſl, Faſluje, Firamurſ, Firuſ, Firuſi, Ghaſa, +Ghaſali, Ghaſna, Hafiſ, Haſret, Heſar, Heſarsif, Irſi, Iſeddin, Jeſd, +Kjarſun, Kjariſ, Kirgiſ, Kaſwin, Kiſil, Kotoſ, Legſi, Maſenderan, Merſeban, +Meimundiſ, Merkeſ, Mobariſeddin, Moiſ, Moheſib, Moſaffereddin, Newruſ, +Nimruſ, Niſam, Niſameddin, Oghuſ, Oneiſe, Ormuſd, Paiſe, Raſieddin, Rabſ +(besser Rabdh), Sebſ, Sebſewar, Sekiſ, Schahdiſ, Schiraſ, Schirſad, Taſik, +Tebriſ, Teguſ, Toghuſ, Tokuſ, Tschengiſchan u. a. m. + + + + +Fussnoten. + + +[1] Fraehnii de Ilchanorum seu Chulagidarum nummis Commentatio. Petropoli. +1831. + +[2] v. J. d. H. 653 (1255) bis 754 (1353). + +[3] Leurs fils actuellement s'imaginoient, qu'ils avoient été connus aussi +autrefois sous le nom de Mogols. Rechideddin. Journal asiat. + +[4] Des peuples turcs qu'on nomme maintenant Mogols, mais dont chacun +anciennement avoit un nom particulier. Rechideddin. Journ. asiat. + +[5] _Be Moghol manende schude end_, welche den Mongholen _ähnlich_ waren, +an dieselben _mahnen_, denn das persische _Manende_ und das deutsche +_Mahnende_ ist eins und dasselbe. + +[6] Dieser Umstand ist bisher allen mongolischen Geschichtschreibern, +welche sich über den Ursprung des Namens der _weissen_ und _schwarzen_ +Tataren den Kopf zerbrochen, entgangen. + +[7] An anderen Orten heisst er Sungtai. + +[8] Meters u rast gui. + +[9] Reschideddin. + +[10] Weg durch die Gebiete der _Sunit_ Mongolen nach Timkowsky in Ritters +Asien II. S. 356, auf D'Anville's Karte Souhit, bei Ssetsen _Ssunid_. + +[11] _Sekis Muran_, bei Abulghasi sind die Namen derselben sehr +verstümmelt, bei Reschideddin sind doch wenigstens vier derselben zu +erkennen, nämlich die _Irkut_ im _Ikra Muran_, die _Oka_ im _Aka Muran_, +die _Biela_ im _Tschaghlan Muran_, d. i. Weissfluss, die obere _Tunguska_ +in _Dschurdsche Muran_ (Dschurdsche ist der Namen der Tungusen), endlich +die _Ankara_ und der _Kem_ (Jenisei), in den sie fällt, ganz unverändert. + +[12] Das Christenthum desselben bezeugt Reschideddin ausdrücklich: daaweti +Isa peighamber aleihi selam ba ischan reside we bedini wei der amedend, +d. i. der Ruf (der Mission) des Herrn Jesus des Propheten kam zu ihnen und +sie nahmen dessen Glauben an. + +[13] Ueber das Land _Tendum_ M. Polo's in Ritters Asien I. S. 248-256 nach +Klaproth. + +[14] Bei Ssetsen. + +[15] _Abika_ und _Begtutmisch_. + +[16] _Sijurkukteni_, die Gemahlin Tuli's, war nicht die Tochter, sondern +die Nichte Owang Chan's; bei Ritter I. S. 297 wird sie mit _Turakina_, der +Gemahlin Ogotai's, vermengt. + +[17] Unter denen die _Kerait_, _Merkit_, _Uirat_, _Dschadscherat Tatar_, +_Katkin_, _Durban_, _Saldschiut_. + +[18] _Jeksarik_ oder Niksarit. + +[19] Türken sind auch die _Turkatun_, eine Art Wachen, deren nur +_Abulghasi_ und nicht Reschideddin erwähnt, die _Tilengut_ (Tekait), welche +Reschideddin unter den Tataren, und die _Mankut_, die er mit den _Nirunen_ +aufzählt. + +[20] Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 227 und 372, und Ritter s. +ebendas. + +[21] D'Ohsson Hist. d. Mongols I. p. 22 notes und nach demselben Ritters +Asien I. 439. + +[22] Deguignes L. I. p. 26. + +[23] Im Damme Gog versperret waren die Mongolen, + Und nahmen dann in Anspruch Würd' und Stamm der Türken. + _Kemal Ben Ghajass_. + +[24] Rubruquis und Timkowsky. + +[25] Timkowsky's Reise nach China. Wien 1826. I. B. S. 228. 244. II. 14. + +[26] Reschideddin führt dabei die folgenden Verse an: + + Die Donnerwolk' als Krokodil die Welt durchläuft, + Das aus dem Meere steigt mit Ingrimm schwarz beschweift, + Sie grinnet als ein Drach, der Unheil prophezeit, + Und zwischen Gaum' und Zahn nur Rauch und Feuer speit. + +[27] Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 109. + +[28] Ebend. S. 407. 408.; über Tschengischan's Begräbnissort s. Ritter I. +238. 482. 504. 506. + +[29] _Konghirat_, _Ikiras_, _Olkonut_, _Karanut_, _Kurlas_, _Kinkut_, +_Ildschegin_. + +[30] Udawkai Jabudak. + +[31] In Reschideddin _Karawin_, _Haidun_ oder _Hidun_; bei D'Ohsson I. +Caraoun Tchidoun u. p. 73 Caravoun Cabdjal. + +[32] So heissen in der osmanischen Reichsgeschichte die engl. Bothschafter +die _Grosshirnichten_ oder _Grossnasichten_. Geschichte des osm. Reichs V. +532. + +[33] Schmidt's Geschichte S. 107. + +[34] In der Sprache der Naimanen, in der mongolischen _Bekaul_. +Reschideddin. + +[35] _Binaketi_; bei Ssetsen, der alle Daten der Geschichte Tschengischan's +verwirrt, ist diese Geschichte in das Jünglingsalter Tschengischan's +hinaufgerückt. Reschideddin. + +[36] Diese Ringe hiessen _Kur_ oder _Kewr_, was dasselbe Wort mit dem +persischen _Kaer_, wie die Steingräber in Schottland heissen. + +[37] Die chinesischen Quellen geben die Geburt Tschengischan's ohne alle +Datenbestimmung des Monats und Tages um 7 Jahre zu spät an, im J. 1162; +dieselben verdienen hierin weit weniger Glauben als Reschideddin, welcher +seine Geschichte aus den mongolischen Archiven verfasst, und Wassaf, +welcher die Berechnung der chinesischen Cyklen gibt und dann zu Ende der +Regierung eine chronologische Uebersicht von Jahr zu Jahr beifügt. + +[38] H. v. Ohsson sagt: Goulgan, dont on ne connoit que le nom; aber +Reschideddin meldet, dass Gulgan's Sohn Kodscha nach seines Vaters Tod 6000 +Mann erhielt, dass dessen Sohn Urdui ein Hofdiener Kubilai's war und dass +Urdui's Sohn Abukian, weil er es mit Kaidu und den mongolischen Prinzen +hielt, hingerichtet ward. + +[39] Dschurdschtai und Dschawur -- Urdschaten. + +[40] H. v. Ohsson p. 419 kennt nur fünf: 1. Kutschi (Fudschin) begi, 2. +Tschitschegjan, 3. Alakai, 4. Tumalin, 5. Ultalin, 6. Ilalu, diese fehlt +bei D'Ohsson. + +[41] Reschideddin. + +[42] Derselbe im Hauptstücke der Söhne Jisukai's. + +[43] Wassaf im Hauptstücke Tschengischan's. + +[44] Bei D'Ohsson Schebourgha. + +[45] Reschideddin im Hauptstücke von den Tataren. + +[46] Bei Schmidt _Torghan Schaain_, bei d'Ohsson _Scheburghan_. + +[47] Bei d'Ohsson p. 72 _Kischlik_ und _Badai_. + +[48] _Örlök_ ist wohl Nichts als das türkische _Erlik_ -- Mannhaftigkeit. + +[49] Bei Schmidt _Torghon Schaara_. + +[50] Bei Schmidt S. 381 _Muchuli_. + +[51] Bei Schmidt S. 381 steht _Sso Mergen_, die Dschurdschid (welche ein +Zweig der Uirangkut), S. 87, wo Subutai Behadir statt der Uirangkute der +_Dschurdschid_ genannt. + +[52] Die Bedeutung gibt Reschideddin. + +[53] Bei Schmidt _Chara Kiragho_. + +[54] Schmidt S. 89. + +[55] Schmidt glaubt, unter den Vierfarbigen seien die Stämme der vier Uirat +zu verstehen, unter den Fünffarbigen die anderen Mongolen. + +[56] _Köke Mongol._ + +[57] _Jekta_, bei Wassaf im Gegensatz der _Ssu Monghol_. + +[58] Schmidt S. 95. + +[59] Bei d'Ohsson S. 419 fehlt dieselbe, aber S. 111 wird sie _Altunbegi_ +genannt. + +[60] _Dschawut Kuri_, auf chinesisch sagt Reschideddin _Emiri moasem_, +d. i. Grossfürst. + +[61] _Owangchan_, Herr eines Reichs; Padischahi jek mulk. + +[62] Kojang übersetzt Reschideddin Padischahi jek nahiet, d. i. Monarch +eines Distrikts. + +[63] Wassaful-hasret. + +[64] Schemschul-munschi. + +[65] Wassaf. + +[66] Die Jasa in Makrisi. + +[67] The Shajrat ul Atrak. London 1838. p. 32. + +[68] Noch heute im Arabischen: Muschar bil bunan. + +[69] XXV. Wort Tschengischan's in Reschideddin. + +[70] Von Lafontaine bei der Audienz eines kais. Gesandten einem Türken in +den Mund gelegt. + +[71] Mirchuand. + +[72] The treaty made between Kurachar Noyaun and Changeez Khan. _The +Shajrat ul Atrak_ p. 367; und ebend. p. 381: The covenant renewed between +Changeez Khan and Kurachar Noyaun. + +[73] The Shajrat ul Atrak S. 354. + +[74] Timur, der Sohn Emir _Tharagai_ Nujan's, des Sohnes _Tukil_ Nujan's, +des Sohnes Emir _Belegir_ Nujan's, des Sohnes Emir _Itschil_ Nujan's, des +Sohnes Emir _Karadschar_ Nujan's; _Abder-vesak_ im _Matlaa es-saadein_. + +[75] Nicht _Berolas_, wie Freih. v. d'Ohsson schreibt; im dschaghataischen +zu Calcutta gedruckten Wörterbuche S. 116. + +[76] I. J. 652 (1254). + +[77] _The Shajrat ul Atrak_ p. 198. 344. 347. 352. 355. 366; die Namen sind +aber alle so verstümmelt, dass sie kaum zu erkennen, nämlich _Irdümdschi_ +als Eeroomchi, _Kadschulai_ als Kuchooli, _Songhur Tschitschan_ als Sooghoo +chi chun. + +[78] Wassaf. + +[79] Bei Rubruquis _Griut_. + +[80] Stritter p. 50. Step. Kniga. I. 342. Rubruquis. + +[81] Rubruquis. + +[82] Memoir of Baber. + +[83] Bergman I. 60. + +[84] Wassaf. + +[85] Stritt III. 60. _docheia_ eorum lingua vocant; das persische _Dachme_. + +[86] Batu, der Herrscher von Kipdschak, sein älterer Bruder Orda und die +anderen _Scherban_, _Berke_, _Berketschar_, _Tukatimur_, _Bina Timur_. + +[87] D'Ohsson II. 193; nach Remusat. + +[88] Mohakkak anest ki chodra berawicht, ausgemacht ist es, dass er sich +erhing. Reschideddin. + +[89] D'Ohsson II. 67; nach Mailla p. 115. + +[90] Mailla ebend. + +[91] Die Hauptstädte Uighuristan's sind: _Almaligh_ und _Pischbaligh_ +erhielt den Ehrennamen der guten Stadt, _Kotloghbaligh_; wie Bamian den der +bösen, _Mobaligh_. + +[92] Rubruquis chap. 44. + +[93] Reschideddin. + +[94] Guillaume; bei Rubruquis 44. + +[95] Bei Rubruquis 33. _Cerasine_ soll _Tarasun_ heissen. + +[96] Reschideddin. + +[97] Dieser Frühlingssalon fehlt bei d'Ohsson II. 85., sowie +_Terghubaligh_. + +[98] In der Nähe des hohen Bergs _Urmuchtu_ gingen wir herab bis auf die +Auen des Flusses _Schara_. Pallas Reisebeschreibung I. S. 79. + +[99] Mirchuand, fehlt bei d'Ohsson S. 73. + +[100] Reschideddin. + +[101] Bei Plan Carpin chap. 14. le _Secretaire Chinguy_. + +[102] Peigbamter es tarafi choda; dschagataisches Wörterbuch, gedruckt zu +Calcutta. + +[103] Bei d'Ohsson II. p. 85 Keusche, p. 195 geuca; in der Handschrift der +Geschichte Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek Kösche. + +[104] Wassaf nennt von dem Uluse Dschagatai's: _Kisil_, _Buri_, _Paidar_, +_Jesenbuka_, und dem Uluse Batu's: _Hirdu_, _Bersebai_, _Berke_, +_Berkedscha_. + +[105] _Bajoth noi_, Bajoth est son nom propre, et _Noy_ est un nom de +dignité. Plan Carpin chap. 10. soll heissen _Baidschu Nojan_ oder _Nowin_, +was richtig der mongolische Fürstentitel. + +[106] Be takallub u tehewwur maaruf heisst heftig und wankelmüthig, nicht +grave et severe, wie bei d'Ohsson II. 234. + +[107] Mirchuand und Dschihanguschai. + +[108] Mirchuand. + +[109] Plan Carpin chap. 9. + +[110] Mirchuand. + +[111] Plan Carpin ch. 9. + +[112] Au côté droit personne n'étoit assis; ebend. + +[113] Reschideddin. Mirchuand. + +[114] Bei d'Ohsson II. 249. irrig le général Mangoussar. + +[115] Wassaf. + +[116] Derselbe. + +[117] Dschihanguscha u. Mirchuand und nach demselben d'Ohsson II. 272. + +[118] Bei Rubruquis chap. 29. _Jani_ statt _Jam_. + +[119] Wassaf; bei d'Ohsson II. 263. à sept. + +[120] D'Ohsson II. 267. hat aber Nichts vom Folgenden. + +[121] Wassaf. + +[122] Firischte und nach demselben d'Ohsson II. 280. + +[123] Fethol-fatuh. + +[124] Kiran Saadein; dieser Titel ist das Muster des _Matlaai Saadein_, +d. i. der Aufgang zweier Glückssterne von _Abderresak_. + +[125] Dschihannuma S. 281. + +[126] Von diesen ist in Deguignes keine Kunde; Wassaf behandelt aber im 13. +Kap. des IV. Buchs unmittelbar vor der Eroberung Kerman's ihre Geschichte, +welche auch im Munedschimbaschi und im Dschihannuma S. 279 wiederholt ist. + +[127] _Melikol-gharb._ + +[128] Geschte war, gischte pflanzte, küschte erschlagen, diwan Plural von +_Diw_ und Diwan die Rathsversammlung. + +[129] i. J. 566 (1170). + +[130] seit 576 (1180). + +[131] seit 629 (1231). + +[132] seit 464 (1071). + +[133] i. J. 814 (1411). + +[134] i. J. 629 (1231). + +[135] I. J. 606 (1209). + +[136] Von 1209-1349. + +[137] Geschichte Taberistan's und Masenderan's von Sahireddin, auf der +kaiserl. Bibliothek zu Wien, schon in der Geschichte der Assassinen S. 230 +benützt, wo statt _Badusian_ _Badusgan_ gedruckt. + +[138] _Ben Dschil_, _B. Gilan_, _B. Firus_, _B. Nersi_, _B. Dschaut_. + +[139] i. J. 610 (1214). + +[140] En ce même tems les Ambassadeurs de Vastarce étoient logés bien près +de nous. Rubruquis. Ch. 32. + +[141] Dschamischi Mirchuand. + +[142] _Dschurdsche Ikadschi_ die Mutter Kuchurtai's, _Il Ikadschi_ die +Mutter Huladschu des zwölften Sohnes, und die Mutter des vierten Sohnes +_Tedekadu_. + +[143] Les femmes ont un ornement de tête, qu'ils appellent _Botta_. Rubruq. +ch. 15. + +[144] _Banui Mehin._ + +[145] Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256), gest. 16. Moharrem +681 (26. April 1282), welcher aber ein Donnerstag, nicht ein Montag, wie in +Reschideddin vermuthlich durch Schreibfehler, sowie der 23. October 1256 +ein Montag und nicht ein Sonntag war. + +[146] Reschideddin im Abschnitte der _Uirat_. + +[147] Im Schedschretol Etrak S. 243 heisst er _Tumgha Oghul_; his eldest +son soll heissen: sein jüngster Sohn; der älteste war Abaka. + +[148] Bei Bar. Hebräus ex parte Schagatai Techodar p. 536. + +[149] Bei Bar. Hebr. Bulghai filius _Sibkani_ et _Kotar_ et _Koli_. + +[150] Relation de l'expédition de Houlagou par Abel Rémusat. Journal +asiatique II. p. 283. + +[151] Ganz übereinstimmend mit dem, was hierüber Rubruquis ch. 29 und Plan +Carpin 145 berichten, und nach ihnen Ritter, Asia I. S. 429. + +[152] Mirchuand. + +[153] Das Dschihannuma nennt S. 353 _Rudi Dschadsch_, _Rudi Hasek_, _Rudi +Dschowan_ und die beiden aus dem Stadtthor fliessenden _Nehr Kassarin_, +d. i. der Fluss der Walker, und _Nehr Eswed_, d. i. der schwarze Fluss. + +[154] _Kohondos_ ist das Schloss, _Scharistan_ die Stadt, _Rabsch_ die +Vorstadt; die Namen der Thore im Dschihannuma: das _eiserne_, das des +_Flusses_, das _Abdallah's_ und das _Turkistan's_, welches der Namen eines +vor demselben gelegenen Dorfes. + +[155] als _Kebtaul_(?); Reschideddin sowohl unter dem Artikel _Dschelair_, +als unter dem _Uirat_. + +[156] Reschideddin nennt acht: _Kerrai Melik_, _Turaschi_, _Newrus_, +_Legsi_, _Dschami_, _Jutkotlogh_, _Bulduk_, _Uiratai_. + +[157] Im Schedschretol eschrak S. 243 ist der Name _Scheburghan_ in +_Surghan_ verstümmelt, und gleich das _Chuarschah_ in _Chuaresmschah_. + +[158] Dschihannuma S. 316. + +[159] Dschihannuma S. 322 Nushetul-muschtak. + +[160] Quatremère mémoire historique sur la vie et le ouvrages _d'Alaeddin +Ata Melik Djouaeiny_, mines de l'orient I. p. 220. + +[161] Nushet. + +[162] Reschideddin, schon im Journal asiat. übersetzt. + +[163] _Takwimol-boldan_, die Ephemeriden der Länder. + +[164] _Nushetol-Kolub_, die Ergötzungen der Herzen. + +[165] _Dschihannuma_, die Weltschau. + +[166] Schebchun awerdend dscherkera charab kerdend; aus der fehlerhaften +Schreibart des Manuscripts der Hofbibliothek sind in der französischen +Uebersetzung irrig zwei eigene Namen von Cheikhorun und Herke entstanden; +so heisst in der Geschichte der Assassinen _Keitbuka Nujan_ irrig +Kajukanian. + +[167] _Sirkuh_ im Dschihannuma S. 326 mit den Namen der drei dazu gehörigen +Flecken. + +[168] _Mobareseddin Ali Turan_ und _Schudschaaeddin Hasan_. + +[169] In Reschideddin ist hier eine Verwirrung der Daten, indem das Jahr +nicht richtig angegeben; nämlich 651 statt 653, wie aus dem Nushet zu +ersehen. + +[170] _Mohteschim_, so hiessen die Commandeure der Assassinen. + +[171] Achlaki Nassiri. + +[172] Auf Fraser's Karte _Ghain_ oder _Kain_. + +[173] Nushet und nach demselben das Dschihannuma S. 325. + +[174] _Chawwaf_ und _Sawa_, ebend. S. 319. + +[175] Den Namen Keitbuka verstümmelt der Uebersetzer des +Schedschretol-etrak in Kunooka S. 245, sowie den Sultan Aegyptens, +_Seifeddin Kotus_, in Syfe-ud-din Furdooz und _Jaschmut_ in Bishmoot. + +[176] 203 (818). + +[177] I. J. 193 (809). + +[178] Gest. im J. 411 (1020). + +[179] Im Dschihannuma S. 318 durch Druckfehler Senabad. + +[180] Narrative of a journey into Khorassan 444. + +[181] Fraser 519. + +[182] Terghu, dies ist der wahre Sinn, der in der französ. Uebersetzung im +journ. as. verfehlt ist: les dames reçurent des titres. + +[183] Manuscript, Mirchuand, Dschihannuma S. 323. bei Quatremère mémoire +d'Ata Melik dasselbe unrichtig Djouvuchan und unrichtig nach der Eroberung +Alamut's. + +[184] Beigtimur Kurdschi, Sahireddin Sipehsalar Bitekdschi, Schati Emir. + +[185] Fraser nach Price im J. 242. + +[186] I. J. 261 (874). + +[187] Seine Lebensbeschreibung die 42. im Nefhatol Ins. Dschami's. + +[188] Gest. i. J. 858 (1454). + +[189] I. J. 875 (1470). + +[190] Geschichte des osm. Reichs II. B. S. 76 und S. 351, wo die Titel von +zwanzig seiner Werke. + +[191] Merketai und Ikilmisch. + +[192] _Reiseddewlet_ und _Muwafikeddewlet_. + +[193] _Suseni_, nicht _Rouveni_, wie in der französ. Uebersetzung. + +[194] _Ssadreddin_, _Sahireddin_, _Tolek Behadir_ und _Berrak_ (der erste +fehlt in der franz. Uebersetzung). + +[195] Nicht Koudraghoul, wie in der franz. Uebersetzung. + +[196] Morier second journ. 363. + +[197] Firuskjuh, auf der Strasse von Demghan nach Tehran, nahe bei +Demawend, auf Frasers Karte; nach dem Nushet ebenfalls hart an Demawend +gelegen; in Dschihann. S. 339 unter _Girdkjuh_. + +[198] Morier second journey p. 357. + +[199] The wretched village of Abbasabad. Fraser 248. + +[200] Thalkan, wie Semnan, eine Stadt der _Tocharistan_ genannten +Landschaft. _Nushet_. + +[201] _Meimundis_ findet sich weder im Manuscript, noch im Dschihannuma, es +scheint dasselbe _Meimend_ zu sein, was im Nushet. + +[202] _Sergūseschti Sidina._ Wassaf. + +[203] Nach ihm auch _Claproth_: »Hier erzählt man sich, er habe, als er +eine 12 Werste von der Buchtana in einen Felsen gehauene Hieroglyphe nicht +entziffern konnte, sie heraushauen lassen, um keinem anderen den Ruhm zu +lassen.« Briefe aus Sibirien; im Ausland Nr. 102 vom 11. April 1836. + +[204] Traces of a very extended line of towers connected with walls and so +situated as to appear to the gazer below absolute impregnable. I. p. 289. + +[205] Insgemein _Lemsir_ geschrieben; am 20. Silkide 495 (5. Sept. 1102). +Wassaf. + +[206] Fraser p. 248. + +[207] Mulahide sachte end bighajet muhkemest. + +[208] Hamdallah und im Dschihannuma _Alamut_ S. 296, _Tun_, _Kain_, +_Dschenabdar_ S. 325, _Muminabad_ S. 326. + +[209] Nach Reschideddin vom J. d. H. 477-654, nach Hadschi Chalfa v. J. d. +H. 483 angefangen. + +[210] Ausführlich zu Ende des _Tarichi Güside_, kürzer im _Nushetol-Kolub_; +nach beiden und nach dem _Tedwin_ Imam Rafii's, das Dschihannuma S. 293. + +[211] I. J. 463 der alexandrinischen Aere. + +[212] I. J. 204 (819). + +[213] I. J. 411 (1020). + +[214] I. J. 572 (1176). + +[215] I. J. 500 (1106). + +[216] I. J. 548 (1153). + +[217] Aasu Kaswine feinnehu min aala babil-dschenneti, Dschihannuma S. 293. + +[218] Morier second journey. p. 203. + +[219] Dschihannuma, ebend. + +[220] Adschaibol machlukat. + +[221] Charidetol-gharaib. + +[222] Tarichi Güside. + +[223] Nushetol-kolub. + +[224] Fersendani Aferinisch u Longtar. + +[225] Im J. 641 (1243); Nochbetettewarich, der Ort in Reschideddin. + +[226] Dschihannuma S. 299 und das Nushet. + +[227] Im J. 23 (643). + +[228] Im J. 320 (932). + +[229] Im J. 618 (1221). + +[230] Dschihannuma S. 300. + +[231] Morier second journ. p. 265. 269. Malcolm's Geschichte. + +[232] Am 1. Dchemasiul sani 627 (26. April 1230). Dewletschah, +glaubwürdiger, als andere Daten, welche in der Geschichte der persischen +Redekünste S. 141 durch Druckfehler verstümmelt sind, indem 727, 732 für +719, 627, 632, 619 steht. + +[233] Haitho ch. 18; Marino Sanuto III. pars 13. ch. 5. und nach demselben +d'Ohsson III. p. 81. + +[234] Vincent. Bellov. Spec. hist. L. XXXI. c. 28 und nach demselben +d'Ohsson III. p. 83. + +[235] Bar. Hebr. und d'Ohsson III. 85. + +[236] Ascelin, bei Vincent de Beauvais und in Remusat's Mémoire sur les +rapports des princes Chrétiens avec les Tatares, in den mémoires de +l'Institut de France VI. p. 422. + +[237] Ebenda S. 426. + +[238] d'Ohsson III. 103-118. + +[239] Mirchuand. + +[240] Die grössere Umständlichkeit dieser Uebersicht hat noch die Kritik +Herrn v. Poujoulat's im Temps 18. Mars 1836 angeregt, welcher findet, dass +in der Geschichte des osm. Reichs die Anarchie des byzantinischen Reichs +nicht ausführlich genug charakterisirt worden: Peutêtre devoit il mieux +caractériser l'anarchie de l'empire grec morcelé par les croisades. + +[241] Elmacinus p. 255. -- Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln. + +[242] Nochbet; Sojuti. + +[243] Munedschimbaschi. + +[244] Sojuti, Munedschimbaschi. + +[245] Nochbet. + +[246] Sojuti und Nochbet. + +[247] Munedschimbaschi. + +[248] Emineddewlet we eminol-millet. + +[249] Moiseddewlet. + +[250] Adhadeddewlet. + +[251] Fachreddewlet. + +[252] Scherfeddewlet. + +[253] Ssamssameddewlet. + +[254] Behaeddewlet. + +[255] Imadeddewlet. + +[256] Iseddewlet. + +[257] Moschrifeddewlet. + +[258] Dschelaleddewlet. + +[259] S. Garcin de Tassy und S. de Sacy's Anthologie. + +[260] In Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln i. J. 397, 417, 424; im +Munedschimbaschi i. J. 384 (994). + +[261] Im J. 443 (1051) und 458 (1065). + +[262] 460 (1067), Nochbet. + +[263] Nochbet. + +[264] I. J. 462 (1069); Nochbet. + +[265] I. J. 466 (1073) und i. J. 454 (1061). + +[266] Hei ala chairil ammel. + +[267] Nochbet. + +[268] I. J. 459 (1066). + +[269] Alparslan i. J. 465 (1072); Kaimbiemrillah i. J. 467 (1074). + +[270] Melekschah i. J. 485 (1092); Moktefi i. J. 487 (1094). + +[271] Das Nochbet nach dem _Ikdol-dscheman_ Ibnol-dschewsi's. + +[272] I. J. 514 (1120). + +[273] Re, Elif und folglich Raschid, und nicht Reschid, was der Beiname +Harun's. + +[274] Rampoldi VII. 289. + +[275] Ruhol-aarifin. + +[276] _Danischmend._ + +[277] _Muid._ + +[278] Dschihannuma S. 466. + +[279] Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln und Kamus. + +[280] Haschischin. + +[281] Nochbet. + +[282] Ebenda nach Noveiri; bei d'Ohsson III. S. 89. + +[283] Wassaf. + +[284] d'Ohsson III. p. 200, nach Noveiri. + +[285] Horna an instrument of conveyance, the Pureyhorn, the Borrstalhorn, +Brusshorn u. s. w., im dritten Bande der Archaeologia britannica I. 7. + +[286] Wassaf. + +[287] Derselbe. + +[288] Wassaf. + +[289] Nochbet. + +[290] Nochbet. + +[291] Nochbet, Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln. + +[292] Reschideddin. + +[293] Reschideddin. + +[294] d'Ohsson III. 222 gibt die Botschaft, aber nicht die Antwort, und +sagt: Houlagou les congédia sans faire grande attention à leurs discours. + +[295] Dschihannuma S. 456. + +[296] Nökeri gesik. + +[297] Reschideddin setzt die Verse hinzu: + + Was sind Ameisen mir, was Elephantenwuth, + Was Quell, was Fluss und was des Niles Fluth; + Und wenn sich der Befehl von Gott nun anders wendet, + Wer weiss wohl ausser Ihm, wie dieses Werk noch endet. + +[298] Bei Köschk Manssur ober Mesrike; Reschideddin. Wassaf sagt: in der +Nähe von Dudscheil. + +[299] Wassaf. + +[300] Wassaf. + +[301] _Dscharlik_, eigentlich Diakon. + +[302] _Babol-Halbe._ + +[303] Ein schiitischer Molla, welcher aus der Inschrift das _La_ (nicht) +weglöschte, ward mit siebzig Stockstreichen bestraft. Wassaf. Mirchuand; +Noveiri; bei d'Ohsson III. p. 243. + +[304] Das Schreiben des Langen noch bei Wassaf. + +[305] Reschideddin; Wassaf. + +[306] d'Ohsson III. 256. près de Hamadan où étoient restés ses Oghruks +(Aghrik); das türkische Aghirlik heisst das schwere Gepäck. + +[307] _Adabes-Sultanijet._ + +[308] Am 18. Ramasan 630. + +[309] Dschihannuma S. 346 und 347 ein volles Blatt. + +[310] Porter sagt hierüber II. 592. 593. + +[311] Dschihangir ne Dschihandar. + +[312] 1. _Moejeddin Ben Irsi_ von Damaskus, 2. _Nedschmeddin Kjatib_ von +Kaswin, 3. Fachreddin von Mossul, gebürtig von Meraasch, 4. Fachreddin von +Tiflis, gebürtig von Achlat. + +[313] als die von _Fachir_, _Alai_, _Schahi_, _Guschjar_. Wassaf. d'Ohsson +III. 265. + +[314] _Tarichi Güside._ + +[315] Ebenda. + +[316] Vahram's chronicle of the Armenian Kingdom in Cilicia translated by +Neumann p. 47. + +[317] Haitho c. XXIII.; diese sieben Artikel sind die des Vertrags, von +welchen die Geschichte Vahram's spricht, die als Antwort auf Neuman's Frage +in der Note 67: Is this treaty to be any where found? + +[318] Sinebaldus Conestabulus regni Armeniae. + +[319] S. Martin Mem. II. scheint diese zwei Reisen _Sempad's_ mit den +seines Bruders _Hethum_ vermengt zu haben. + +[320] Orpellian in S. Martin. Mem. II. p. 143. + +[321] d'Ohsson III. 268.; nach Dschuweini. + +[322] Derselbe S. 269. + +[323] Mouradjea d'Ohsson III. 271., nach Bar. Hebr. 530. + +[324] S. Martin Mem. I. 112. und Dschih. S. 602. + +[325] Der Aufmerksamkeit S. Martin's ist entgangen, dass Kaghzevan (das in +seinem geographischen Register fehlt) dasselbe mit Kaghseman (Dschih. S. +408). + +[326] S. Martin Mem. p. 145. + +[327] Dschihannuma S. 382 und Hamdallah. + +[328] Dschihannuma S. 426 und 425. + +[329] _Lobasanagut_ oder _Libasanagut_ oder _Lebasanagut_, nur der erste +Vocal ist zweifelhaft. + +[330] Constantin Porphyrogenita. + +[331] Dschihannuma S. 419. + +[332] Reschideddin. + +[333] Beim Bar Hebr. _Maiphercata_. + +[334] Bar Hebr. nennt ihn _Aschraph fil. Malic Ghazi_; er hiess aber +_Kjamil Ben Melik Mosaffer Ghasi_. Nochbet. + +[335] Beim Bar Hebr. _Aischmut_, bei Abulfeda IV. 573. _Samud_. + +[336] Bar Hebräus ch. 28. + +[337] Aus dem 94. Vers der VI. Sura. + +[338] Aus dem 226. Vers der XXVI. Sura. + +[339] Aus dem 97. Vers der XIX. Sura. + +[340] Die 16. Sure, die _Biene_; sie beginnt mit dem Verse: _Gekommen ist +Gottes Befehl; beschleuniget nicht sein Gericht._ + +[341] Das Ende der Sura _Ssad_, d. i. der 38., ist der Vers: _Und ihr +werdet wissen, dass die Kunde wahr, nach einiger Zeit._ + +[342] _Ummi._ + +[343] Die ersten 4 Verse der LXXXII. Sura. + +[344] Anspielung auf den Ueberlieferungs-Spruch, der auf den Zifferblättern +morgenländischer Uhren zu sehen: _Eddunja saatun fe edschaalha taaten_, die +Welt ist Eine Stunde, gehorsam mach' die Runde. + +[345] Der 65. Vers der V. Sura. + +[346] Der 88. und 89. Vers der XIX. Sura. + +[347] Der 226. Vers der XXVI. Sura. + +[348] Gesch. des osm. Reichs I., nach Neschri, Seadeddin, Dschenabi. + +[349] Primo mense, d. i. des syrischen Jahres, welches Ende September +begann. Bar Hebr. + +[350] Moazem filius Saladini magni beim Bar Hebr. p. 255 ist unrichtig, +denn Ssalaheddin hatte keinen Sohn, der so hiess; es ist hier die Rede von +dem ältesten Sohne Nassir's, welcher auch Ssalaheddin hiess, wie sein +Grossvater. + +[351] Reschideddin. + +[352] Dschihannuma S. 593. Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par +Makrizi, traduite par Quatremère I. 19. + +[353] _Bintol-Hafisa._ + +[354] Schehabeddin Ben Amru's, das Nedschmeddin's, des Bruders Marsdekin's, +das Basdedde's, das Alemeddin Kaissar's. Abulfeda IV. 579. + +[355] Bar Hebr. 556. + +[356] Bar Hebr. + +[357] Abulfeda IV. p. 579. + +[358] Reschideddin. + +[359] nicht vierzig Tage, wie Reschideddin sagt; Abulfeda gibt die Daten +genau. + +[360] Reschideddin, Abulfeda IV. nennt den _Naib_ Amadeddin von Kaswin. + +[361] Abulfeda IV. 585. + +[362] Wilkens Geschichte der Kreuzzüge I. 180. II. 516. 633. III. 52. 82. +90. 92. 219. Abulfeda III. 511. 583. 593. 755. IV. 35. 59. + +[363] Dschihannuma S. 597; der Richter von Harim zu Selkin, auf der Karte +_Serkin_. + +[364] Abulfeda IV. 581. + +[365] Abulfeda IV. 587. + +[366] S. Martin Mem. II. 97. Dschihannuma S. 437. + +[367] Aini Hausile musemma bu ainden, d. i. aus einer Quelle, welche +Beckenquelle heisst; es ist also unrichtig, wenn S. Martin p. 97 sagt: le +Nymphius appellé actuellement _Aynathaoudh_. + +[368] Macdonald Kinneir. + +[369] Reschideddin setzt noch den Nassir von Haleb hinzu, was aber ein +Anachronismus, indem dessen Hinrichtung erst nach der Niederlage von +Aindschalut statthatte, welche, wie wir sogleich zeigen werden, später als +die Eroberung von Miafarakain. + +[370] Da Abulfeda IV. 509 das Datum gibt, so bleibt kein Zweifel übrig über +die Epoche des Falles von Miafarakain, wiewohl Reschideddin denselben erst +nach der Schlacht von Aindschalut erzählt. + +[371] S. Martin Mem. I. p. 174. + +[372] Dschihan. S. 437. + +[373] Procop. de bello persico I. 5. + +[374] Γιλιγερδον. Theophanes IV. 1. + +[375] Haitho Histor. 24. + +[376] Hiernach wäre die Stelle in der Gesch. des osm. Reichs II. 448 bei +einer neuen Ausgabe zu berichtigen. + +[377] Theophanes, Cedinus, Justinus und nach denselben Geschichte des osm. +Reichs II. 443. + +[378] Dschihann. S. 441. + +[379] Theophylaktus III. 5. S. Gesch. des osm. Reichs II. 448 und 648. +_Matha_ ist vermuthlich das Schloss der Magyaren und Beiramkai (Macdonald +Kinneir p. 425) vielleicht das alte Beidum. + +[380] Cherefeddin bei La Croix ch. 37. p. 275. + +[381] Dschihannuma S. 443. + +[382] _Muwad_ und _Schesch_ 96, Reschideddin; also nicht 80jährig, wie +d'Ohsson sagt. + +[383] Nochbet. + +[384] Bei d'Ohsson III. 322. Alakuh, der Statthalter Bondokdar's zu Haleb. + +[385] Bei d'Ohsson III. 373, nach Bar Heb. _Samdaghun_. + +[386] Dschemdschadar. + +[387] _Durghan_, Wassaf im V. Bande, Eingangs der Erwähnung des Zuges +Hulagu's nach Westen. + +[388] _Chuthai Tebris_, Dschihannuma S. 381. + +[389] Ewlia in der Beschreibung Malatia's und Dschih. S. 600. + +[390] Wie _Schaab_, _Ghuta_, _Obolla_, _Soghd_ auf Erden berühmt sind, + So ist des Bosporos Gestad' im Paradiese berühmt. + +Geschichte des osm. Reichs V. S. 594. + +[391] d'Ohsson III. 329. nach Noweiri. + +[392] Dschihannuma S. 570. + +[393] Banias, wie bei d'Ohsson, nicht zu vermengen mit dem Balanias +Abulfeda's, welches auf den Karten auch als Banias steht. + +[394] Haitho c. 29. + +[395] Haitho. + +[396] Gurboga, bei Haithon 29. + +[397] Haithon 50; bei Wilken VII. 416. + +[398] hem harik hem gharik. Nochbet und Abulfeda IV. p. 511. + +[399] Burdschi ahmer. + +[400] Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par Makrizi, traduite par +Quatremère. I. p. 98. + +[401] Ebenda p. 103. + +[402] _Soweila_, nicht Zwilah, wie in der Uebersetzung Makrisi's von +Quatremère I. p. 103 dieser Name irrig geschrieben wird; bei demselben +findet sich auch S. 101 das Schreiben Hulagu's an Kotos in voller +Ausdehnung. + +[403] 1. Emir Melik Husein Chan; 2. Melik Ichtiareddin Chan; 3. Melik +Seifeddin Ssadik Chan; 4. Melik Nassireddin Gülschu Chan; 5. Atlas Chan; 6. +Nassireddin Kimeri. + +[404] Kaimeri statt _Kimeri_ ist Reiskische Leseart. + +[405] Makrizi, trad. par Quatremère I. p. 104. + +[406] Ebenda. + +[407] _Burke_, noch heute der tscherkessische Wettermantel. + +[408] Abulfeda IV. 595, fehlt in der Stammtafel bei Rehm, so auch sein +Vater _Asis_. + +[409] d'Ohsson III. 335, nach Noweiri und Reschideddin. + +[410] Nach Abulfeda V. 621 auch die Nachricht der Schlacht bei Himss, was +aber ein Widerspruch mit Bar Hebr., welcher als den Tag der Hinrichtung den +29. October angibt, während die Schlacht von Himss am 10. December statt +hatte. + +[411] Abulfeda IV. p. 621. + +[412] Reschideddin bei Bar Hebr. _Mowahid_. + +[413] Bar Hebr. p. 559 aber abweichend von Reschideddin. + +[414] am 29. October 1260, nicht 1261, wie in Rehm's Stammtafel; denn Bar +Hebr. gibt den Tag an. + +[415] Abulfeda IV. p. 523. + +[416] Abulfeda IV. p. 625. + +[417] Tebrdar, nicht Taudar, wie bei Reiske IV. 599; aber auch nicht +hellebardier, wie bei d'Ohsson p. 345, in welchem Falle es Harbedar heissen +müsste. + +[418] Proben dieser Siegesgedichte bei Abulfeda IV. p. 601. + +[419] nicht _Elbarli_, wie bei Abulfeda IV. 603. + +[420] Abulfeda IV. 344. + +[421] d'Ohsson III. 346. nach dem Leben Beibars. + +[422] El Hakimbiemrillah Ahmed Ben Hasan Ben Ali B. Ebibekr B. Mosterschid. + +[423] Hakimbiemrillah. + +[424] Ueber Dschudschi und seinen Ulus siehe die Beilagen I. u. II. aus den +Geschichten Haider's und Wassaf's. + +[425] Bei Bar. Hebräus _Kotar_, d'Ohsson _Tumor_ ist Schreibfehler des +Manuscripts. + +[426] Histoire des Sultans Mamlouks par Makrizi, traduite par Quatremère I. +p. 212. + +[427] Quatremère übersetzt durchaus: Signe de la Noblesse, was nicht +richtig. + +[428] Makrisi nennt die vorzüglichsten: _Keramun_, _Amtagjah_, _Noghai_, +_Dscherek_, _Kajan_, _Nasagjah_, _Taischur_, _Bentu_, _Sobhi_, +_Dschaudschelan_, _Adschkarka_, _Adkerek_, _Kerai_, _Salagjah_, +_Motekaddem_ und _Daragan_. Quatremère I. p. 222. + +[429] Ebenda u. S. 235. + +[430] 1. _Ilkai_, 2. _Turan Behadir_, 3. _Batu_, 4. _Saldschedai_, 5. +_Tschaghan_, 6. _Belarghu_, 7. _Doghus_. + +[431] Ueber den Feldzug wider Berke siehe die Beilage III. aus Wassaf. + +[432] Wassaf. + +[433] Derselbe. + +[434] Apuschka, Sohn Buri's, des Sohnes Muwatukjan's, des Sohnes +Dschaghatai's. + +[435] In demselben waren _Taghadschar_, _Hulagu_, der Sohn Ildschitai's, +_Nadin Kadan_. + +[436] Reschideddin. + +[437] in der Nähe der Stadt _Bulad(?)_, _Tulad(?)_. + +[438] Reng Altui, am Flusse Dschaikan. + +[439] Mirchuand. + +[440] Reschideddin, Mirchuand. + +[441] _Taghadschar_, der Sohn Ewbadschi Nujan's, _Jesunke_, der Sohn +Dschudschi Kasar's, _Jekekadak_, Dschingtimur, der Sohn Kadak's, +_Aschikai_; die schuldigen Prinzen: _Schiregi_, _Taghai_, _Dscherku_, +_Baitimur_; die Emire: _Hintunk_ Nujan, _Durbai_, _Pulad_ Dschingsang. + +[442] _Huku_, der Sohn Gujukchan's, _Hobat_, der Sohn Nako's, _Kutuk_, der +Sohn Karadschar's. + +[443] _Schiregi_, der Sohn Ogotai's; die Söhne Arikbugha's: _Tukukur_ und +_Melik Timur_; _Tokatimur_, der Sohn Suktu's; _Urughadai_; die Neffen +Kubilai's: _Horrak_ und _Ogin_. + +[444] Serinerud. + +[445] Sonntags den 9. Rebiulachir (8. Febr., Sonntagsbuchstabe D, richtig +ein Sonntag). + +[446] d'Ohsson sagt, ich weiss nicht, auf welche Autorität, dass dies das +Schloss _Tala_ am See von Urmia; aber Reschideddin sagt: gegenüber von +_Dehchuaregjan_ (bei d'Ohsson _Sachwareku_), was nur Verstümmelung von +_Destchawakan_ [Dschihannuma S. 386, welches nicht ferne vom Berge +_Sehend_.] + +[447] Mirchuand, Wassaf. + +[448] Odoricus Raynaldus XIV. 1260. N. 29. + +[449] _Tschehelsutun._ + +[450] _Tschehel Minar._ + +[451] _Nakschi Rustem._ + +[452] _Meschdschedi Maderi Suleiman._ + +[453] _Sindani Dschemschid._ + +[454] _Nakarachana Dschemschid._ + +[455] _Bend Emir_, d. i. der Damm des Fürsten, nämlich _Adhadeddewlet's_. + +[456] Dass Ομηρος dasselbe mit _Omer_, ist in den Jahrbüchern der Literatur +bei Gelegenheit der Anzeige des Werkes »Ulysse Homere« dargethan worden. + +[457] Quatremère mémoires géographiques sur l'Égypte II. p. 506; dann +Wilken's Geschichte der Kreuzzüge II. 78. 119. 201. + +[458] Geschichte des osm. Reichs III. S. 413, nach dem +Nochbet-_ettewarich_. + +[459] Dschihannuma S. 278. + +[460] Dschihannuma S. 281. + +[461] Tarichi Güside; Wassaf. + +[462] Dieser fehlt in der Liste bei Deguignes I. 260. + +[463] Lari, Nochbet, Güside, Wassaf, Mirchuand. + +[464] Wassaf. + +[465] Kämpfer amoenitates exoticae. + +[466] Mirchuand und Wassaf führen bei dieser Gelegenheit das Distichon des +Schahname an: + + In den drei Domen, wo zu Istachar + Die Residenz der Schahe von Iran war. + +[467] Wassaf. + +[468] Derselbe. + +[469] Geschichte der schönen Redekünste S. 202. 203. 160 und 161 nach +Dewletschah. + +[470] S. 214. + +[471] Wassaf. + +[472] _Abisch_, nicht Aische, wie bei Deguignes, auch nicht _Uns_, wie +d'Ohsson, durch einen Schreibfehler des Manuscripts verleitet, schreibt, +ist der Namen dieser Prinzessin, welcher die morgenländische Sitte eines +freundschaftlichen Pikniks bezeichnet. S. Gol. qui atrium alienae domus +instruit cibo ac potu suo, quod facere apud Arabes inter se amici solent, +quasi symbola conferentes; eine Art συσιτια. + +[473] Donec provisis quae tempus monebat simul excessisse + Augustum et rerum potiri Neronem fama eadem tulit. + +Tacit. Annal. I. 5. + +[474] Reschideddin nennt sieben: 1. _Ilkai_ Nujan; 2. _Sundschak_ N.; 3. +_Suntai_ N.; 4. _Abtai_ N.; 5. _Semaghar_ N.; 6. _Schiktur_ N.; 7. _Arghun +Aka_. + +[475] Nushet und nach demselben Dschihannuma S. 299. + +[476] Dieses übersetzt Miles, ohne das eiserne Thor am kaspischen Meere zu +erkennen, S. 248: he presented the iron durbund of Shirwan to Bishmoot, und +_Tuktin_ ist in Tyubeen verstümmelt, _Sundschak_ als Sooghchak, +_Dschuweini_ als Joini u. s. w. + +[477] _Makatii._ + +[478] Reschideddin. + +[479] Wassaf. + +[480] Derselbe. + +[481] sub rosa. + +[482] Scherfijet auf der kais. Hofbibliothek. + +[483] Nicht zu verwechseln mit Bulghan Chatun, der Gemahlin Ghasan's, +welche ebenfalls eine Konghuratin; diese war die Tochter _Tesu's_, jene die +Tochter Utaman's. + +[484] Pachymeres T. I. p. 273. Stritter III. 1044. + +[485] Im _Schedschretol Etrak_ wird als das Datum der Schlacht der 20. +Ssafer 664 angegeben; die Namen sind, wie gewöhnlich, alle verstümmelt, +Berke in _Boorkeh_ und Nokai in Booka. + +[486] Nushet, nach demselben Dschihannuma S. 341. + +[487] Noweiri, bei d'Ohsson III. p. 421; Dschebele heisst dort Djeliba. + +[488] Bei d'Ohsson nach _Ranan er-Roub?_ und _Sikhulhadid_, d. i. eiserner +Bratspiess. + +[489] Noweiri, Bar Hebräus 645. Haithon hist. orient. c. 33. + +[490] Haithon hist. orient. c. 33. + +[491] _Jesentewa_, der Sohn Muwatukjan's, heisst im Schedschretol Etrak +durch die Verstümmelung des Uebersetzers einmal Sookur Kaan, the son of +Kamkar, S. 250 und S. 251 Tokzur Sookur und _Abaka_ Abukai. + +[492] _Robath_; Wassaf. + +[493] Derselbe; Schedschretol Etrak p. 360. + +[494] Wassaf; aber von dem, was bei d'Ohsson zweimal, III. B. S. 427 und +429, vorkommt: ils burent ensemble, après avoir choqué leurs coupes, du +sang où il y avoit de l'or, ist keine Spur im citirten Wassaf, wo bloss vom +Blute der Rebe die Rede, _Chunireschardend_, sie tranken das Blut der Rebe; +es scheint, dass H. v. O. _Chuniser_ las, das heissen würde: sie tranken +das _Blut des Goldes_. + +[495] Reschideddin. + +[496] Derselbe. + +[497] der Sohn Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's. + +[498] der Sohn Kaidu's, des siebenten Sohnes Dschagatai's. + +[499] der Sohn Serban's, des achten Sohnes Dschagatai's. + +[500] der Sohn Gujuk's, des zweiten Nachfolgers Tschengischan's. + +[501] der Sohn Kara Hulagu's, der Erstgeborene Muwatukjan's. + +[502] der sechste Sohn Ogotai's. + +[503] _Kukdschu_ heisst auch der neunte Sohn Kubilai's. + +[504] der grosse _Jesawur_, der Bruder Borrak's, bei Wassaf _Besmar_, bei +Reschideddin auch _Jesas_; der kleine war _Jesawur_, der Sohn Dschudschi's +(der Bruder Kipdschak's), des Sohnes Kaidu's, des sechsten Sohnes Ogotai's. + +[505] der Sohn Batu's, des Sohnes Hindu's, des Sohnes Dschagatai's, des +zehnten Sohnes Dschudschi's. + +[506] In den Jahrbüchern der Literatur VII. 300. irrig _Nertuke_, weil das +_Ki_ zum Namen gezogen worden. + +[507] Nushet; Dschihannuma S. 314. + +[508] Dschihannuma S. 315. + +[509] Reschideddin. + +[510] Wassaf nennt die Prinzen: _Jesdar_, _Kongurtai_, _Adschai_, +_Tikeschi_, Nigudar Huladschu; die Emire: _Arghesun_, _Masuk Ahmed_, +_Kotschek_, _Timur_, _Olinak_, _Menkeser_, _Abdullah_, der Sohn Tulak +Bawerdschi's, und Aradschuk. + +[511] _Ala at._ + +[512] _Alatagh._ + +[513] Wassaf. + +[514] Reschideddin. + +[515] d'Ohsson III. 505. + +[516] Der Enkel Dschagatai's aus seinem zweiten Sohne Muwatukjan. + +[517] Bei d'Ohsson _Jesar_, in Wassaf _Basmar_, in der Handschrift +Reschideddin's der k. k. Hofbibliothek _Parso_. + +[518] In der Handschrift der k. k. Hofbibliothek einmal _Dschanli_ und +einmal _Dschobai_, in Wassaf _Dschoban_. + +[519] Wassaf. + +[520] i. J. 703 (1303), Reschideddin von den Frauen Hulagu's. + +[521] Vom J. 654 (1256) bis 669 (1270) machen vierzehn Sonnen- und fünfzehn +Mondjahre, was die Hälfte der von Haithon als Belagerungszeit des Schlosses +Tigaddo angegebenen dreissig Jahre. + +[522] Nushet und Dschihannuma S. 292. + +[523] Nushet und Dschihannuma S. 299. + +[524] Tarichi Güside. + +[525] Geschichte der persischen Redekünste S. 203. + +[526] Von drei Seiten von Chorasan umgeben. Dschih. S. 254. Hier sind die +Schlösser _Firuskuh_ und Girdkjuh. + +[527] _Ghardschistan_ Dschih. S. 238, 254, 324. + +[528] _Purdestan_, der Sohn Destan's, ist Rustem, der Herr von Nimrus +(Sistan), der Inhaber der berühmten Stierkeule, welche eine der persischen +Reichsinsignien. + +[529] Wortspiel zwischen _Melik_, König, und _Melek_, Engel. + +[530] _dil ber an nihaden_, ganz und gar dasselbe mit dem Englischen: set +his heart upon some thing. + +[531] _Chamrol adschem_, der Wein der Perser, das grüne Opiat; insgemein +_Esrar_ genannt. + +[532] Die Schlangen sollen blind werden, wenn sie Smaragd anschauen. + +[533] Reschideddin. + +[534] wirklich schreiben es die englischen Reisebeschreiber nicht anders +als _Fall_. + +[535] d'Ohsson vermengt sie III. 516. mit den Karawinen; ces guerriers +designés sous le nom de _Nigoudariens_ ou Caraviniens. + +[536] Aresch, Αρης. + +[537] Isfendiar mit dem ehernen Leib gilt insgemein für Xerxes. + +[538] Cyrus, der Aschghiane. + +[539] Der ritterlichste Fürst der Beni Sasan. + +[540] H. v. Ohsson III. 464. bürdet dem Wassaf auf, was er nicht gesagt: +Beibars fit jetter dans le fleuve jusqu'à 35000 chameaux, dont les corps +servirent de pont à ses troupes. Wassaf sagt ausdrücklich, dass der Sultan +der erste den Zügel hineinlenkte. + +[541] d'Ohsson III. 468., nach Nuweiri. + +[542] Bar Hebr. 546. + +[543] i. J. 1188, Wilken IV. 241. + +[544] Dschihannuma S. 594 verdruckt als _Derbak_. + +[545] Wilken's Geschichte der Kreuzzüge VI. S. 495. + +[546] Dschihannuma S. 594. + +[547] nicht Manca, wie bei d'Ohsson III. 472. + +[548] Mannert VI. II. 49. _Menasikol-hadsch_ S. 43. + +[549] _Merdsched-dibadsch._ + +[550] Ewlia. + +[551] Dschihannuma S. 602; auf Paultres Karte nicht richtig Kurtu Cular; +auf der Karte M. Kinneirs blos Kulaghi als Castabala. + +[552] Ebenda. + +[553] Sughuri Islam. + +[554] S. Martin Mem. I. p. 201. + +[555] heute Kisildsche. + +[556] heute Gökssu. + +[557] Paul Lucas; Dschihannuma S. 603. + +[558] d'Ohsson III. S. 475. + +[559] Bar Hebräus 553. + +[560] Reschideddin. + +[561] _Gulek_, Dschihannuma S. 601, oder _Dulek_, S. 40, nicht _Doluk_, wie +bei d'Ohsson III. 481. + +[562] Das kappadocische Komane lag am _Sarus_, welches der _Sihan_; in M. +Kinneir's Karte am _Kisil Irmak_, welches der obere Pyramus zu seyn +scheint; nach dem Menasikol-hadsch ist aber dieser Kisil Irmak derselbe mit +dem _Sihan_, d. i. dem Sarus, so dass die Lage mit der Angabe der alten +Geographen in Uebereinstimmung. Jahrbücher der Literatur XIV. S. 46. + +[563] Bar Hebr. p. 556. + +[564] Nuweiri; Bar Hebr. p. 537. + +[565] Nuweiri, bei d'Ohsson III. S. 485. + +[566] Reschideddin. + +[567] Geschichte des osm. Reichs I. u. II. Band. + +[568] d'Ohsson IV. S. 490. + +[569] Nuweiri, bei d'Ohsson III. 496. + +[570] Reschideddin. + +[571] Nach Reschideddin im Silhidsche 676 (Mai 1277), nach Nuweiri und +Makrisi, die hier glaubwürdiger, 5. Moharrem 676 (8. Juni 1277). + +[572] Bei Wassaf _Konghosatai_. + +[573] Reschideddin nennt es _Koghanie(?)_; fehlt bei d'Ohsson, sowie die +Botschaft. + +[574] Dschihannuma. + +[575] Nuweiri, bei d'Ohsson. IV. 498. + +[576] Haithon 34. + +[577] i. J. 698 (1299). + +[578] 700 (1300), d'Ohsson III. 500. nach Munedschimbaschi. + +[579] Reschideddin. + +[580] Bei d'Ohsson S. 400. + +[581] Wassaf. + +[582] Wassaf. + +[583] Reschideddin. + +[584] _Rothes Gesicht_, glücklicher Erfolg; _rothe Brust_, gewaltsamer Tod. + +[585] Wassaf. + +[586] i. J. 669 (1270). + +[587] Wassaf gibt die Glosse _Asaseddin El-Jakubi's_ in achtzehn +fünfzeiligen Strophen. + +[588] d'Ohsson III. macht sie zu denselben mit den Niguderischen Banden: +Nigoudariens ou Caraounass; aber Reschideddin, in dem Abschnitte +unmittelbar vor den Begebenheiten Medschdulmülk's und Schemseddin's, +spricht erst von den Niguderischen Banden in Sistan, dann von den Karawinen +in Chorasan. + +[589] Hier nennt Reschideddin den Schatz _Chasinei Narin_, im Abschnitte +der Stämme aber bei den Dschelairen _Postin_. + +[590] Dschihannuma S. 594. + +[591] Die Namen derselben bei d'Ohsson III. 526. nach Noweiri. + +[592] Im Schedschretol Etrak S. 254 dasselbe Datum, nur mit der +gewöhnlichen Verstümmelung des Uebersetzers statt Silhidsche Zi Huj. + +[593] Reschideddin, Nuweiri, Bar Hebräus; der letzte irrig Silkide statt +Silhidsche. Mengu Timur heisst bei Haitho _Mongodamir_; nach ihm wäre Mengu +Timur schon am achten Tage nach dem Bruder gestorben, und beide durch Gift. +Verlässiger als der syrische Bischof Bar Hebräus und der armenische Mönch +Haitho sind hierüber Reschideddin und Wassaf. + +[594] Dieser Name ist als Quolibey verstümmelt in Quolibet. + +[595] sub qua credulitate lautet fast ironisch. + +[596] Reynaldus III. p. 453 und in Moshemii historia Tatarorum ecclesiast. +p. 72. + +[597] Waddington annales Minorum V. 40 und in Moshemius p. 80. + +[598] Die umständlichsten und gründlichsten Nachrichten über die Missionen +enthält die vortreffliche relation des Mongols ou Tartares par M. d'Avezac +im IV. Bande des recueil de voyages et de mémoires der geographischen +Gesellschaft zu Paris. + +[599] Güside B. 343 gibt das poetische Fetwa desselben über den Rangstreit +zwischen Sahir und Enweri, welcher von beiden ein grösserer Dichter. + +[600] Dewletschah und Güside B. 345. + +[601] Geschichte der persischen Redekünste S. 221. + +[602] Güside B. 333. + +[603] Güside B. 335. + +[604] Güside B. 335. + +[605] Güside B. 335 gibt als Beispiel den Anfangsvers einer Kassidet: + + Ei kerde ruh ba lebi laali tu _Nokeri_ + Maaschuki _Usbegi_ we nigari her Chaweri. + +Hier sind _Nokeri_ und _Usbegi_ die fremden Wörter. + +[606] Güside. + +[607] Die letzten sieben Dichter fehlen in Dewletschah, und auch in der +Geschichte der persischen Poesie, zu der das _Güside_ noch nicht benutzt +werden konnte. + +[608] Güside B. 343. + +[609] Lakad fahet el aaud el Komari + We faher-raudh kel aaud el Komari. + +Das Wortspiel liegt in dem Doppelsinn der Worte _Fahet_ und _Komari_; jenes +heisst im ersten Verse _klagen_, im zweiten _hauchen_; dieses ist im ersten +Hemistich der Plural von _Kumri_, Turteltaube, im zweiten Epithet: +kumarische Aloe. + +[610] Haitho C. 37 nennt ihn Tongodar, die Perser nennen ihn durch einen +aus Versetzung der Punkte leicht erklärbaren Schreibfehler _Nigudar_, was +der Name des dschaghataischen Prinzen, des Sohnes Dschudschi's, des +Erstgebornen Dschaghatai's; wahrscheinlich ist _Niguder_ aus seinem +christlichen Namen _Nikolaus_ entstanden. + +[611] Die zwei Brüder _Buka_ und _Oruk_, und Akbuka. + +[612] _Schischi Bachschi_, _Doladai Aidadschi_, _Dschuschi_, _Ordukia_. + +[613] _Kurdschian._ + +[614] _Sikurdschian._ + +[615] _Aktadschian._ + +[616] Reschideddin, bei d'Ohsson Siahkuh III. 552. + +[617] Reschideddin. + +[618] 13. Rebiulewwel Sonntags ist der 21. Juni, der richtig ein Sonntag, +folglich das Datum bei Wassaf, 14. statt 13., wie bei Reschideddin gefehlt; +das Schedschretol Etrak S. 257 hat das richtige Datum vom 13. + +[619] Reschideddin. + +[620] Wassaf. + +[621] Bei d'Ohsson III. 553 Tuktai. + +[622] Derselbe nach Noweiri S. 553. + +[623] _Siah kuh nusul kerd_, heisst: er lagerte zu _Siahkuh_, nicht: il +quitta Siahkuh, wie d'Ohsson übersetzt. + +[624] _Kaplandschi_, _Arslandschi_, _Nukadschije_. + +[625] 1. _Kutschuk_, aus der Frau Tokus; 2. _Kimdschuk_, aus der Frau +Ermeni; 3. _Tschitschek_, aus eben derselben; 4. _Mainan_, gleichfalls; 5. +_Sailun_, aus der Frau _Tudaku_; 6. _Kiltürmisch_, aus der Beischläferin +_Kurkudschije_. + +[626] in der Nacht vom Mittwoch, sagt Reschideddin, was der 12. August war, +denn der 14. (Sonntagsbuchstabe D) war ein Freitag. + +[627] Wassaf. + +[628] Wassaf theilt dieselben mit. + +[629] Wortspiel zwischen _Moslimen_ Gläubigen, und _Moslim_, dem eigenen +Namen eines der ersten Ueberlieferer der Sunna. + +[630] Das Ende des 15. Verses der XVII. Sura. + +[631] Das Ende des 17. Verses der XLIX. Sura. + +[632] Bar Hebr. und nach demselben d'Ohsson III. 560. + +[633] Reschideddin. + +[634] _Ali Dschingsan_ und _Kotlogschah_. + +[635] _Buradersade_, Neffe, nicht Bruder, wie bei d'Ohsson S. 582. + +[636] _Dschankur_, _Dschinkutur_, _Doladai_, _Idadschi_, _Idschi_, +_Tetkaul_, _Dschuschi_, _Kimdschkabal_. + +[637] _Kutschuk Anukdschi_ und Schadi _Achtadschi_. + +[638] _Rusi Kunilamischi_ im angeblichen Beidhawi _Guikesi_, was Schreib-, +Lese- oder Druckfehler. + +[639] 1. _Taghadschar_, 2. _Dschankur_, 3. _Dschinkutur_, 4. _Doladai_, 5. +_Idschi Tetkaul_, 6. _Dschuschi_, 7. _Kundschukbal_; bei Wassaf heisst +Dschankur _Dschaigir_, Abai der Sohn _Suntai's_, _Dschenghatu_ der Sohn +Dschuschi's. + +[640] Wassaf nennt die Emire Arghun's: _Jasar Aghul_, _Taghai_, _Adschu +Sukurdschi_, _Ghasan_, der Ceremonienmeister, _Tokli Schadi_, der Sohn +_Sundschak's_; Reschideddin. + +[641] Wassaf nennt die Emire: _Ainkadschi_, _Nakai Jarghudschi_, _Tawtai_, +_Kasan_, der Sohn Kotloghbuka's, _Baitmisch Kuschdschi_, _Sertak_, +_Alghui_, _Oladai Kadaghan_, _Aghman_. + +[642] Moriers second journey und darnach in den Jahrbüchern der Literatur +VII. 257.; vier andere Pässe sind die zwei bei _Firuskjuh_ (_Sawadschi_ und +_Tengi serensa_), _Tengi Nimrud_ und _Tengi Schimschirbur_. + +[643] Moriers second journey. + +[644] Dschihannuma S. 339. + +[645] i. J. 566 (1170), Fraser 302. + +[646] Die im J. 880 (1475) erbaute Moschee kann nicht, wie Fraser sagt, von +Schahroch erbaut worden sein, da dieser schon fünf und zwanzig Jahre +früher, im J. 850, starb. + +[647] Quelle Belasan beim Dorfe Kohen; nach den _Adschaibol-machlukat_ in +den Jahrbüchern der Literatur VII. 258. LXII. 43., Fraser 304. + +[648] So am Scheckel in Steiermark. + +[649] Mannert hält es für das alte _Taghi_. + +[650] Adschaibol-machlukat Sekerias. + +[651] Baconi in den notices et extraits II. 482.; übereinstimmend mit +Diodor. + +[652] Tschehel seran, _tschehel dochteran_, Fraser. + +[653] In Dschami's _Nefhatol Ins_ der 205te. + +[654] i. J. 261 (874). + +[655] Abderrahman Ben Mohammed, gest. 858 (1454), Verfasser von vierzig +Werken, und _Mossannifek Bostami_, gest. 875 (1470), der den letzten +bosnischen König eigenhändig köpfte. + +[656] Dschami's _Nefhatol Ins_, die 42te. + +[657] Bei Reschideddin _Legsi_ und _Ordubugha_. + +[658] _Dih Surch_, bei Reschideddin, ist das _Surikkala_ Frasers; der in +der Moschee von Semnan eingemauerten Inschrift Schah Abbas I. wird erwähnt +304. + +[659] Nushetol-kolub; Dschihannuma S. 341. + +[660] Reschideddin. + +[661] Nushetol-kolub; Dschih. 341. + +[662] Reschideddin, Wassaf. + +[663] Das Schedschretol Etrak S. 358. + +[664] Sein ganzer Name: Ebun-nassr Mohammed Ben Abdol-Dschebbar El-otbi. + +[665] Fraser S. 245. + +[666] _Urtimur Kuschdschi_, _Nikpei Kuschdschi_ und der Bruder _Kadschu +Achtadschi's_. + +[667] Wassaf. + +[668] Derselbe. + +[669] _Jesubuka Gurgan_, _Aruk_, _Kurmischi_, _Arkasun Nujan_, der Sohn +_Ilkai's_. + +[670] _Kurmischi_ und _Aruk_, die Brüder Buka's. + +[671] Nerke. + +[672] Wassaf. + +[673] Wassaf. + +[674] Reschideddin; Wassaf; nach dem Schedschretol etrak S. 350 am 7. +Dschem. achir. + +[675] Reschideddin bei den Töchtern Hulagu's. + +[676] Sie lebte noch zur Zeit Reschideddin's. + +[677] Im Schedschretol Etrak S. 260 in _Yoogha_ verstümmelt. + +[678] Herodot's Clio 51. + +[679] Nushetol kulab. + +[680] i. J. d. H. 83 (701). + +[681] _Kumedan_, hernach _Kum_. Dschihannuma S. 298. + +[682] Durch ein unerklärliches Versehen steht im Dschihannuma, dass Kum der +Geburtsort Nisami's, des Verfassers des Chamse, sei, welcher zu Gendsche +geboren, auch dort begraben liegt. + +[683] Das Schehinschahname von Feth Alischah dem österreichischen Kaiser +Franz I. durch Mirsa Abul Hasan zum Geschenke gesandt. + +[684] Emir _Bukia_, _Tinai_, _Arukian_, _Bastak_, _Huladschu_. Wassaf. + +[685] Güside. + +[686] d'Ohsson gibt nur die Hälfte aus Wassaf, aber nicht die folgende +historisch wichtigere Hälfte aus Reschideddin. + +[687] Güside. + +[688] _Schems_, anspielend auf den Namen Schemseddin. + +[689] _Ala_, Höhe, anspielend auf den Namen des Bruders Alaeddin. + +[690] Wassaf. + +[691] Der Sohn Melikchan B. Mohammed B. Sengi's. + +[692] Wassaf. + +[693] Das Feuer ihres Zorns entflammte sich in so hohem Grade, dass +dasselbe die gestockte Feuchtigkeit ihrer Thränenlinse auflöste und bei dem +Auge ausfliessen liess; Perlen regneten aus dem Narciss und tränkten die +Rose, Hagel (der Zähne) biss in die Jubeben (des Munds). Wassaf. + +[694] _Tuladai Jarghudschi_, _Dschijurghutai_, _Hosameddin_. + +[695] Reschideddin auch unter den Frauen Abaka's. + +[696] Schedschretol Etrak S. 263. + +[697] Reschideddin nennt die sieben: _Taghadschar_, _Kundschukbal_, +_Doladai_, _Aidadschi_, _Sultan Aidadschi_, _Tughan_, _Dschuschi_, +_Ordukap_. + +[698] Reschideddin. + +[699] mit den Prinzen: _Huladschu_, _Karankai_, _Konghschir_, _Togai +Timur_, _Anberdschin_; mit den Emiren: _Uruk_, _Kurmischi_, _Temdui_, +_Madschu_, _Toglok Karawinas_; Wassaf. Im Reschideddin noch: _Kurmischi_, +der Sohn _Haidu Nujan's_, _Audschan_, dem Waffenträger, _Kadan_, dem +Gesandten, _Sengi_, dem Sohn _Baba Nujan's_, Emir des Lagers der Frau +_Oldschai_, _Ghasan Behadir_, _Ischik Toghli_, _Aschak Toghli_. + +[700] _Kujun Kumischi_. Wassaf. + +[701] _Madschu_, _Toghlok_, _Aschak Toghli_, _Serwana_, _Nochschi_, +_Tuschkina_, _Hosameddin von Kaswin_, Emir _Ali Melik_ der _Temghadschi_ +von Tebris. Wassaf. + +[702] Hist. des Orpeliens in S. Martin. mém. II. p. 171. + +[703] _Baitmisch Kuschdschi_, _Tamudai Aktadschi_, _Schadi_, Sohn Buka's. + +[704] _Abadschi_, _Melik_, _Teichan Timur_, _Kotlogh Timur_. + +[705] _Jatmisch Kuschdschi_, _Gharbetai Gurgan_, _Burdschu_, der Sohn +_Duriai's_, _Boghdai_, _Arkasun Nujan_. + +[706] Mocherofago, bei Cassiri. + +[707] Reschideddin. + +[708] in d'Ohsson IV. 39. irrig fils du Vezir Schemseddin. + +[709] Reschideddin. + +[710] Wassaf. + +[711] Wassaf nennt _Schemseddewlet_ und _Iseddin Mosaffer_, und +Reschideddin den _Dschelaleddin Serwistani_. + +[712] _Asshabi Buluk._ + +[713] _Bitekdschi._ + +[714] _Fachreddin Mubarekschah_, _Medschdeddin Rumi_, _Schemseddin +Huseini_; Wassaf und Reschideddin. + +[715] Scharfsichtiger als _Ajas_, feiner als _Kais Ben Soheir_, als +_Moghairet B. Schaabet_, als _Amru Bel el aass_; Wassaf. + +[716] _K. Kjatib_, d. i. der Schreiber, _Sch_, d. i. _Schaair_, Dichter, +_Dschim_, d. i. _Munedschim_, d. i. Astronom, _Mim_, d. i. Musik; Kamus; +das Wort und die Erklärung fehlt in Freitag's Wörterbuch. + +[717] Wassaf in dem Hauptstücke der Verwaltung von _Schiras_. + +[718] Wassaf. + +[719] Haithonis hist. C. 38. + +[720] Unter den Todten: _Burultai_ und _Kadai_, Emire von Tausenden, und +der Bruder _Jenitsche's_; unter den Gefangenen: _Huriktai_, der grosse +Emir. + +[721] Reschideddin. + +[722] Dschihannuma S. 297. + +[723] Dschih. S. 426. + +[724] Dschih. S. 341. + +[725] M. Kinneir's geographic mem. on the persian Empire p. 84. + +[726] Die Emire _Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Tewekkul Toghan_. + +[727] Im Schedschretol Etrak ward Seaadeddewlet am letzten Ssafer des J. +690 hingerichtet und Arghun starb drei Tage hernach, am 3. Rebiulewwel. + +[728] Dschihannuma S. 297; im Schedschretol Etrak S. 265 im Berge Sobeir(?) +nächst der Grabstätte des Propheten Kyde(?). + +[729] d'Ohsson III. 612. nach Makrisi. + +[730] d'Ohsson p. 616. + +[731] Bei Odoric Raynald IV. p. 41 et 42. _Elegag_ und _Tuctan_; d'Ohsson +IV. 99. meint, unter der letzten sei _Tuktan_, die Wittwe Abaka's, Mutter +Kendschatu's, zu verstehen, was aber unrichtig, da Reschideddin (unter den +Frauen Abaka's) ausdrücklich sagt, dass sie bei Lebzeiten Abaka's +gestorben, durch die Frau Ildürmisch ersetzt worden sei; i. J. 1288, wo +Nikolaus IV. schrieb, war Tudai seit einem Jahre Gemahlin an der Stelle der +verstorbenen Bulughan, und den Tod der anderen grossen Frau, Kotlogh, +konnte Nikolaus nicht wissen, da sie am 12. April 1288 starb und der an sie +gerichtete Brief vom 12. datirt ist. + +[732] Die Tochter Sarudsche's, die Schwester des Emirs Irindschin, des +Keraiten, die Urenkelin Owang's. + +[733] Bei Odericus _Casian_ und _Saron_; da Arghun nur vier Söhne hatte und +über _Chodabende_ und _Ghasan_ kein Zweifel obwalten kann, so fragt sich +nur, ob unter _Saron_ der dritte, _Jesu Timur_, oder der vierte, _Chatai +Aghul_, zu verstehen sei; der letzte hiess ehemals _Sonkar Kanis_. +Reschideddin. + +[734] Nach dem Schedschretol Etrak und anderen _Kendschatu_; bei Haithon +Cap. XXXIX heist er _Regayto_, was augenscheinlich eine Verstümmelung von +_Keichatu_ und nicht von _Kendschatu_; aber das Schedschretol Etrak sagt p. +270 nach der Geschichte der vier Uluse, dass sein Name ursprünglich +_Enkatu_ gewesen, was auf mongolisch wunderbar, staunenswerth heisse. + +[735] durch _Kutla Kokultasch_. Wassaf. + +[736] _Tamerbugha_, _Saji Ebdschi_, _Konan Achtadschi_. + +[737] _Sati_, _Kuman_, _Tudadschu_. + +[738] _Koildagh_ ist ein Schreibfehler. + +[739] den _Taghadschar's_ dem _Baidschu Tetkaul_, den _Kundschukbal's_ dem +_Schiktur Nujan_. Wassaf. + +[740] Wassaf und Reschideddin. + +[741] Reschideddin. + +[742] Wassaf. + +[743] nullam habebat legem vel fidem. Haithon C. 39. + +[744] Wassaf dem grossen _Ssahib_; Fraser übersetzt in seinem Kuzulbasch +diesen Ehrentitel mit Sir, Gentlemen, _Eltschi Ssahib_, d. i. +Heergesandter. + +[745] _Kisil_ mit seinen Brüdern _Nussret_ und _Ali Melik_. Wassaf. + +[746] Wassaf. + +[747] Güside. + +[748] Wassaf. + +[749] D'Ohsson IV. 88 nach Makrisi und Noweiri, dann Reschideddin und +Wassaf. + +[750] Dschihannuma. S. 598. + +[751] S. Beilage IV. + +[752] Tschawi mubarek. + +[753] Sobald es angekommen, sei es angenommen. Wassaf giebt die Formel für +chinesisch an, sie ist aber alttürkisch und würde auf neutürkisch: irdükde +tursun lauten, d. i. wenn es angekommen, soll es stehen (gelten.) + +[754] Schedschretol Etrak, S. 268, statt Sikurdschi Skukurchee; jenes +heisst Speerhalter, dieses Zuckerbäcker. + +[755] Reschideddin nach Wassaf giebt die Verhaftung der Emire _Idar_, +_Kundschukbal_, _Toladai_, Tukjal, _Ildschai_ zu _Kjawabari_. Schedschretol +Etrak, S. 261. + +[756] Reschideddin. + +[757] Nach dem Schedschretol Etrak, S. 270, ward er zu Karabagh begraben. + +[758] Schedschretol Etrak, S. 270. + +[759] Wassaf. + +[760] Wassaf. + +[761] _Kuku_ steht im Meninski als _Guckguck_, heisst aber auf Persisch +Turteltaube (Ferheng Schuuri II. Bl. 228); die Türken nennen auch den +Schwan Kuku. + +[762] Batu hatte nicht sieben, sondern vierzehn Söhne. + +[763] Der 61. Vers der X. Sura. + +[764] _Moktainat_ definirt der Commentar als den an Vieh und Geld ersparten +Reichthum. + +[765] _Natik u Ssamit_, das Sprechende und Stumme, d. i. Schafe und Kamele +im Gegensatze mit Gold und Silber. + +[766] _Kisil Bilka_, [arabischer Text] dasselbe Wort, das als Bilek in der +Bedeutung der Vorschriften Tschengis-Chans vorkommt. + +[767] _Aidadschian_, dasselbe, was die _Kilardschi_ zu Constantinopel, die +Diener der Speisekammer. + +[768] _Wudschuh_, Weisen, Arten, und _Wudschuh_, baares Geld, Plural von +_Widschh_, Gesicht; derselbe Grundbegriff wie im Französischen faire face +aux dépenses. + +[769] Das mongolische Wort _Ilghamischi_ mit dem arabischen _Tenkih_ +übersetzt, entspricht dem Finanzausdrucke des épuremens. + +[770] _Dhigsen ala ibballetin_, ein Heuschüppel zu einem Grasbund, Klein +auf Klein, d. i. Nichts zu Nichts. + +[771] _Kaftschari_, Confiscation. + +[772] _Dem_, der Hauch, heisst durch erweiternde Metonymie auch die Zeit; +wird das Wort umgekehrt, so heisst es _Medd_, welches auf Arabisch +Erweiterung, Ausdehnung bedeutet. + +[773] Wortspiel zwischen _Chata_, das nördliche China, und _Chata_, Fehler. + +[774] Das Wortspiel ist im Persischen zwischen _Tschaw_, dem Namen des +Papiergeldes, und _Dschawidan_, ewig. + +[775] _Musehhib es-scheb_, d. i. der Vergolder des Goldes. + +[776] _Senbus_, Kahn, scheint mit cymba verwandt. + +[777] _Külk_ erklärt der Commentar als gleichbedeutend mit _Chaw_, +villositas panni holoserici. + +[778] Eine Nachahmung der berühmten schönen Verse Firdewsi's, und Wortspiel +mit den beiden Namen _Iseddin_, Ehre des Glaubens, und _Mosaffir_, der +Siegreiche, dem sein Wunsch gelingt. + +[779] Der 7. und 8. Vers der CI. Sura. + + + + +Anmerkungen zur Transkription: + +Die Rechtschreibung des Originaltextes wurde beibehalten, ebenso +unterschiedliche Schreibweisen von Eigennamen. An einigen Stellen wurde +die Zeichensetzung geändert. Umrechnungen zwischen dem islamischen und dem +christlichen Kalender, die offensichtlich falsch und deshalb wahrscheinlich +Druckfehler waren, wurden korrigiert, wobei folgende Hilfsmittel verwendet +wurden: + +1. http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Zeitrechnung (Umrechnungsformel +für Jahreszahlen), + +2. http://www.heinrichbernd.de/calendar (Kalender-Umrechner). + +Ansonsten wurden die Datumsangaben des Buches auch dort beibehalten, wo sie +unstimmig zu sein scheinen. + + S. 2: "Die Gesichte des von Hulagu" wurde geändert in + "Die Geschichte des von Hulagu" + S. 7: "des Herschers von Kipdschak" wurde geändert in + "des Herrschers von Kipdschak" + S. 16: "die Wächter der acht weissen Häusser" wurde geändert in + "die Wächter der acht weissen Häuser" + S. 23: "Verschmähte Brautwerburg" wurde geändert in + "Verschmähte Brautwerbung" + S. 39: "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte besimmt" wurde geändert in + "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt" + S. 57: "Jltschikidai" wurde geändert in "Iltschikidai" + S. 69, Randnote: "624/1337" wurde geändert in "624/1227" + S. 71, Randnote: "640/1142" wurde geändert in "640/1242" + S. 84, Fussnote 145: "Geboren den 24. Schewwal 614 (25. October 1256)" + wurde geändert in "Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256)" + (Anmerkung: der im weiteren Verlauf der Fussnote genannte 26. April + 1282 war weder ein Donnerstag noch ein Montag, sondern ein Sonntag.) + S. 85: "die Sklavinn Ilkadschi" wurde geändert in "die Sklavin Ilkadschi" + S. 85: "mit dem Kopfschmucke Bagthak" wurde geändert in + "mit dem Kopfschmucke Baghtak" + S. 90: "auser der Stadt" wurde geändert in "ausser der Stadt" + S. 97, Fussnote 182: "Uebersezung" wurde geändert in "Uebersetzung" + S. 104: "zwichen Dilem und Irak" wurde geändert in + "zwischen Dilem und Irak" + S. 107: nach "der bessten persischen Erdbeschreibung" wurde der Hinweis + auf die Fussnote 223 eingefügt + S. 109: "schon des Schwert aufgehoben" wurde geändert in + "schon das Schwert aufgehoben" + S. 133: "der Grösse des Hausses Ejub" wurde geändert in + "der Grösse des Hauses Ejub" + S. 136: "Auf bem Chalifenstuhle" wurde geändert in + "Auf dem Chalifenstuhle" + S. 140: "vorauf er" wurde geändert in "worauf er" + S. 140, Fussnote 285: "instrunent" wurde geändert in "instrument", + "brittancia" wurde geändert in "britannica" + S. 141: "Augenklick" wurde geändert in "Augenblick" + S. 163, Fussnote 316: "Vahran's" wurde geändert in + "Vahram's" (vgl. Google) + S. 168: "welche Syrien von Aegyten trennt" wurde geändert in + "welche Syrien von Aegypten trennt" + S. 170: "wandte sich also jezt" wurde geändert in + "wandte sich also jetzt" + S. 173, Fussnote 329: "Lobanasagut" wurde geändert in "Lobasanagut" + S. 187, Fussnote 368 und S. 192, Fussnote 379: "Macdonald Kineir" + wurde geändert in "Macdonald Kinneir" (vgl. Google) + S. 194, Fussnote 384: "Statthalttr" wurde geändert in "Statthalter" + S. 220: "Es liess alle Kaufleute" wurde geändert in + "Er liess alle Kaufleute" + S. 234: "Oschelaeddin Dschanli" wurde geändert in + "Dschelaleddin Dschanli" + S. 241: "Shönredner" wurde geändert in "Schönredner" + S. 246: "Sundschar Nujan" wurde geändert in "Sundschak Nujan" + S. 258: "vom Kubilai" wurde geändert in "von Kubilai" + S. 262: "über den Oxus gehen sollen" wurde geändert in + "über den Oxus gehen sollten" + S. 265: "verliess Kispdchak erzürnt" wurde geändert in + "verliess Kipdschak erzürnt" + S. 271: "Sodald Borrak" wurde geändert in "Sobald Borrak" + S. 299: "Moinedddin Perwane" wurde geändert in "Moineddin Perwane" + S. 311: "in's Gebiet von Haleb ein, wie sie" wurde geändert in + "in's Gebiet von Haleb ein, wo sie" + S. 314: "nicht wahrscheinlich, dass Akaka" wurde geändert in + "nicht wahrscheinlich, dass Abaka" + S. 327, Randnote: "8. Dschemmasiulewwel 681/24. August" wurde geändert in + "8. Dschemmasiulewwel 681/14. August" + S. 329: "vom Richter Medschdolmülk" wurde geändert in + "vom Richter Medschdolmülk's" + S. 333: "Wir baben befohlen" wurde geändert in "Wir haben befohlen" + S. 342: "zum Gemahlin gab" wurde geändert in "zur Gemahlin gab" + S. 348: "den linken Flügel kefehligte" wurde geändert in + "den linken Flügel befehligte" + S. 355: "Sischi, Bachschi" wurde geändert in "Sischi Bachschi" + S. 363: "Er zog sich noch Kirbanschir" wurde geändert in + "Er zog sich nach Kirbanschir" + S. 366: "Ich habe jezt mein Gemüth" wurde geändert in + "Ich habe jetzt mein Gemüth" + S. 388, Randnote: "9. Rebiulewwel 689/24. Mai 1290" wurde geändert in + "9. Rebiulewwel 689/24. März 1290" + S. 393, Randnote: "7. Rebiulachir 690/10. März 1291" wurde geändert in + "7. Rebiulewwel 690/10. März 1291" + S. 400: "das Amts des Richters der Richter" wurde geändert in + "das Amt des Richters der Richter" + S. 406: "Betrauten Kensdchatu's" wurde geändert in + "Betrauten Kendschatu's" + S. 406, Randnote: "28. Rebiulachir 694/17. März 1245" wurde geändert in + "28. Rebiulachir 694/17. März 1295" + S. 407: "die Vorposten Taghadschars's" wurde geändert in + "die Vorposten Taghadschar's" + S. 432: "Seine Abreise was" wurde geändert in "Seine Abreise war" + S. 434: "des zweigesichigen Papieres" wurde geändert in + "des zweigesichtigen Papieres" + +Die in der Druckfehlerliste am Ende des Buches enthaltenen +Korrekturanweisungen wurden durchgeführt. + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte der Ilchane, by +Joseph von Hammer-Purgstall + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE *** + +***** This file should be named 31713-0.txt or 31713-0.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/1/7/1/31713/ + +Produced by Wolfgang Menges, Karl Eichwalder, Carl Hudkins +and the Online Distributed Proofreading Team at +https://www.pgdp.net (This book was produced from scanned +images of public domain material from the Google Print +project.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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