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diff --git a/32450-8.txt b/32450-8.txt new file mode 100644 index 0000000..962f7a8 --- /dev/null +++ b/32450-8.txt @@ -0,0 +1,1699 @@ +The Project Gutenberg EBook of Über den Expressionismus in der Literatur +und die neue Dichtung, by Kasimir Edschmid + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Über den Expressionismus in der Literatur und die neue Dichtung + +Author: Kasimir Edschmid + +Release Date: May 20, 2010 [EBook #32450] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UBER DEN EXPRESSIONISMUS *** + + + + +Produced by Jens Sadowski + + + + +Transcriber's Note: +Text that was s p a c e d - o u t has been changed to _italics_. + + + + + + + + + +Über den Expressionismus +in der Literatur +und die neue Dichtung + + + +von + + + +Kasimir Edschmid + + + +Vierte Auflage + + + +Berlin + +Erich Reiß Verlag + +1919 + + + +Spamersche Buchdruckerei in Leipzig + + + +Fil. Dr. Malte Jacobsson und Ernst Norlind +in der großen Erinnerung der Tage +in Marstrand und Schloß Borgeby + + + + Ach der Menge gefällt, was auf dem Marktplatz taugt, + Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen; + An das Göttliche glauben + Die allein, die es selber sind. + Hölderlin. + + + + + + + +Über die dichterische deutsche Jugend + + + _An ein skandinavisches Publikum (März 1918)_ + + +Nicht, was man wähnt, einigt uns: nicht jenes Alter auf der Wage schwankend +der Zwanzig und Dreißig. + +Nicht unsere Geburt in solcher Zeit, die uns heißt, auf die Rechte der +Jugend verzichten, die uns nimmt, was Generationen vor uns inbrünstig +verführte: das Meer, die Welt . . . die uns Eingeschlossenen diktiert, +statt Lockungen und Freiheiten nur das eine zu sehen: Tod und Pflichten. + +Nicht Kampf gegen schon Stürzendes verbindet, wo wir doch, toleranter, +duldsamer als Vorangegangene, auf Formales geringsten Wert legen, wo +künstlerische Fragen, im Äußeren nur ruhend, uns gleichgültig abgewendet +sehen, vielmehr bedacht auf die Gesinnung. + +Die Bindung ist das Ziel geistiger Kunst. + +Wir spürten Jungsein in uns, als wir aufwuchsen, niemals um uns aber +Jugend. Wir blieben einzelne, bis selbst schaffend, an gleicher Arbeit +erglüht, wir gemeinsame Ziele, gleiche Begeisterungen an Stirn und Gesicht +erkannten. + +Nun waren wir herausgeschleudert aus abseitiger Verzweiflung, nun waren wir +ganz: Generation. + +Eine Welle steigt mit den Mannesaltern, oft seltener noch, auf, und ihr +Zittern steht gefangen noch lange in der folgenden Zeit. Die Herzen stehen +bei ihrer Hochfahrt gereckt, Enthusiasmus entflammt, aus großer gemeinsamer +Idee gebiert sich die Gemeinsamkeit: Jugend. + +Denn junge Menschen gab es zu jeder Zeit. Junge Menschen gab es, solang wir +unsere Knabenzeit zu den Jünglingen entfalteten und wuchsen. Nie aber stand +sie als Schar. Nie als Phalanx. Nie sahen wir Zusammensein zu großen Taten, +nie begeisterte Munde, die dies forderten, jenes schufen, anderes in +heiligem Eifer zerschlugen. + +Jungsein allein genügt nicht. + +Ist nicht, was Generationen mit dem Unvergleichlichsten und +Vergänglichsten, dem Namen der Jugend nennt. Es ist nur die Idee. + +Der junge Mann, den der Bürger soupçonniert, den der alte Mann haßt, den +reife Frauen verlachen, der junge Mensch ist nur ein Mißverständnis des +Temperaments. Jugend, geschart, rufend unter Fahnen der Idee, die sie +führt, Jugend, geeint, ist eines der gewaltigsten Dinge, eine der +Umwälzungen, die die Menschheit weiterbringen. + +Jugend dieses Sinnes heißt Revolution des Geistes. + +Wir, in steriler Zeit groß geworden, nach schon gestorbenen Naturalisten +geboren, die Karusselle bürgerlichen Weltgefühls eitel um unser Erstaunen +schwingen sehend, wir, im Wachsen von keiner Dichtung begleitet, wir, die +entbehrte, sehnsüchtig erwartete Ziele demütig und verwundert in eigener +Brust entdeckten . . . wo grüßt uns Herzschlag wie unserer, wo stürmten sie +Barrikaden vor uns, wo dröhnte das Zittern zuletzt, das uns so beseligt +. . . ist das nicht unsere Frage? + +Ganz unten steht die Rotte um Goethe. In deutschem Sturm und Drang bricht +sich Bewegung, Soziales gemischt mit der Literatur, da bereitet chaotisch +sich vor, was Harmonie werden soll, unser aus blutendstem Herzen +erschrienes, aus letzter Sehnsucht und jetzt schon fast verzweifelt +ersehntes Ziel: deutsche Kultur. + +Da unten zerstörten junge Dichter ihr Leben, da sie so leben wollten, wie +sie dichteten, und da die Zerrissenheit ihres Geistes Ausgleich finden +mußte in äußerem Schicksal. + +Glänzendes Feuerwerk. + +Revolte der Kraft gegen die Verzweiflung. Ihr Dasein zerfetzt wie ihre +Dramen. Ihr Leben ist kurz. + +Sie gehen nach Rußland, sterben in Moskau, sterben in Italien, sterben in +der Schweiz. Sie sterben in Deutschland. + +Als steiles Monument ragend immer nur: Goethe. + +Als hätten sie sich zerstören müssen, nach irgendeinem Schicksal, daß in +Goethes Saft solch unaussprechliche Kraft und Süßigkeit flösse, die nach +allen Seiten, gerecht und harmonisch, einen Untergrund legte zur +künstlerischen Struktur unseres Geistes, unserer Zeit. + +Wieder eine Ballung, wieder ein großer Versuch zum geistigen Ausdruck: die +Romantik. + +Da erhoben junge Leute sich zur Höhe des Gefühls. Da trugen Schwärmende +durch die Strecke vom Hirn gesäuberter phantasieloser Jahre, durch Jahre, +vertrocknet von Aufklärung, das Herz vor sich hin. Gelösten Schrittes aus +Toga und Chiton herausschreitend zu phantastischem Barock, in +mittelalterliche Bewegtheit, zog sie die Buntheit ihres Rhythmus zu den +mystischen Quellen des Blutes. + +Ihr Stil erhielt Lockerung, ihr Geist die Spannkraft, in barocker +Geistigkeit deutsches Wesen zur Idee zu schmelzen. Bewegung schüttelte die +Literatur von innen. Nach außen war Stille. + +Nicht jener Feuerbrand der Franzosen: Mussets Lieder, die den Boulevard +überflogen, Victor Hugos stampfende Forderung »couleur«, Théophile Gautier, +Fels in roter Weste, der alle Premierenschlachten schlug. + +Nein, gelehrtenhaft ging es, wie es deutschem Wesen früher entsprach, in +der Stille der Korrektheit bis zum Verwelken. + +Der letzte große Versuch zum geistigen deutschen Stil verflammte hier. + +Noch war der Leib des Volkstums nicht genug in Training, nicht stark genug +von Massage. So brach die Welle ab, die vor säkularer Epoche Deutschland, +seinem Mittelalter näher, des Stromes der Kraft eigenmäßiger bewußt, seinem +Katholizismus dichter ans Herz binden wollte. + +Von da ab kein großer geistiger Zug mehr. Junges Deutschland mit liberalen +Frondeuren. Naturalisten, schwächlicher Protest auf den Mechanismus +ungepflegter Zeit, Bürgerliches, sich eitel spiegelnd auf Pferden und +Schaukeln, immer wandernd um die eigene unwichtige Welt . . . dies +Jahrhundert, es ward gegeben als eine Medizin, an der zu leiden aber nicht +zu vergehen das Schicksal uns unerbittlich hieß. + +Bürgerliches Jahrhundert mit bourgeoisen Temperamenten, epigonale Ritter +schon donquichottisch abgegangenen Geistes, zielloses Zerfasern des +Menschen, Jahrzehnte, gesäugt von der Arznei bittersten Jahrhunderts mit +kapitalistischer Fassade, immer nur das Eigentliche verschüttend, immer die +Kulisse als Panier erhoben, Zeit, die sich trennte und manifestierte nach +Klassen, Zeit der Rechtsanwälte, der Offiziere und Proletare . . . liegt +nicht solche Zeit wie maskenhaftes Lächeln grandios agierenden Schicksals, +weggenommen vom tragischen Gesicht der Zeit, irgendwo unwichtig +abgeschüttelt schon der Vergessenheit zugewendet, vor der nur glänzendes +Können einiger Künstler es schützt. + +Schwingt nicht ein Regenbogen? + +Läuft die Brücke des Geistes nicht ehern, von den magischen Punkten der +Zeit zueinander gestellt? + +Steht nicht, über solche Epoche aufgeschleudert, der Bogen zu Füßen +Bettinas, Tieks und Brentanos. Steht auf dem Aufprall des anderen Bogens +nicht Jugend von heute, Herzschlag empfindend tief aus magischer Nacht +verflossenen Jahrhunderts. Alle Herzen schlagend auf der Spitze der großen +Gefühle, alle Herzen entflammt vom großen Gedanken der Menschheit? + +Hier steht, wenn so Vielfältiges sich einigen kann, eine Generation mit +ihrer Idee. + +Das sind die Summen. + +Braucht es Ergänzungen? Reihen werden nur genannt, Generationen, die hin +und wieder aufstehend, Gesicht und Geist der Zeit bestimmten. Dies sind die +Linien. + +Nie aber ist jugendlicher Opfermut, Begeisterung der Jugend hiermit +erschöpft. + +Die gab es, in einzelne zersplittert, jede Stunde, jeden Tag. Einzelgänger +haben wir mehr als ein anderes Volk. Hätten wir Kultur, hätten wir diese +nicht, die an den Wänden unmitteilsamer Zeit das Hirn zerschlugen. + +Wo waren unseren Dichtern mütterliche Jahre, wo nahm empfangender, +wiederschenkender Boden des Volkstums sie auf? Ausgespien wie aus dem Mund +der Apokalypse, ging ihre Fahrt in den Irrsinn, die nichts hielt, nichts +begriff und niemand liebte. + +Eigenwille und Chaotisches ihr Merkmal. Gigantische Begabung ohne Ziel ihr +Fatum. + +Haben wir nicht Jahrhunderte nur nach innen gelebt und nie nach außen? Wo +ist Ansatz einer Kultur, da noch der Leib des Volkstums zuckt vor eigenem +nicht beendetem Gebären? War nicht lange unser Künstler ein Gelehrter, +Dichter ein Sonderling, der Akademiker ziellose Hilflosigkeit im Dasein? + +Wir, dieser Zeit heftiger ausgeliefert, sie darum unerbittlicher +bezwingend, enger verstrickt als je Dichter einer Zeit, hingegeben in +tödlichem Maße, wir sind erst langsam an dem Anfang und dem Willen, +deutschen Stil zu formen. + +Wir stellen die Forderungen, messen den Maßstab, heben die Fahne, ohne +Rühmenswertes dabei zu finden, nur gehorchend der innersten Nötigung. Wir +wollen die Tradition des von selbst sich auswirkenden tätigen Geistes. + +Wollen endlich für die Deutschen Fundament. + +Erstreben jene lange Kette, von Nabelschnur zu Nabelschnur geleitet, die +die große bewunderte Literatur unseres romanischen Nachbarvolkes, die die +Literatur Frankreichs rund macht, unübertrefflich, durchlebt zur Harmonie. + +Ach, es ist kostbarste Kraft fast ohne Maß verschäumt worden, ohne +sichtbares Resultat, aus der Eigenbrötlerischkeit der Deutschen, die wieder +ihre liebenswerte Stärke ist. + +Tausende starben, verzweifelt, Hände wund, Blut verspritzt, hoffnungslos +über das Ziel . . . Tausende, deren Werk, aufgefangen, unsterbliche +Leistung für sich vorwärts bewegende Menschheit wäre. Sie alle, +Vereinzelte, fielen: Pioniere kommender Kultur. Losgerissene vom +Mutterboden, Vagierende, Aufzuckende, Suchende nach dem großen Zentrum +ihres Wesens . . . was blieb als Tod? + +Opfermutige kühne Jugend gab es jede Stunde, jeden Tag. Ach, ihr Dasein, +ihr Kämpfen, jene Jünglinge und Männer, titanenhaft über die Möglichkeit +ihrer Zeit begehrend, die ihre Spannung nicht aufnahm, ach, das Dasein +dieser Jugend ist das heroischste Thema unserer tragischen Geschichte. + +Werke schaffen von oft unerreichter Größe des chaotischen Aufbaues, suchend +ohne Ende, irrend an den Rändern des Radius, Vorstoß von jedem Punkte der +Peripherien, stets die Mitte wollend, die nicht bestand. + +Gibt es Literatur, die mehr in solchem Ringen bestes Blut verspritzte? + +Gibt es Literatur, reicher an Opfern der einzelnen, an Beispiel nicht +geahnter Hingabe des Geistes? + +Gibt es Literatur, wo die Besten, so viele der Auserwählten im Wahnsinn +erst, im Tod Erlösung fanden? Gibt es nicht die unsterblichen Namen, den +unsterblichsten Namen: Hölderlin? + +Ging darum nicht Georg Büchner in so frühen Tod, weil sein ungeheurer +Ausbruch vorbeizuckte an der Zeit? + +Verkam darum nicht Grabbe, verreckte nicht Lenz? + +Stand nicht Hebbel wüst kämpfend gegen die Epoche, schoß Kleist die Kugel +nicht durch sein unauslöschliches Leben? + +Ist nicht solches Schicksal, das ich anrufe, das Tragischste und Panische, +die Tragik, die ich beschwöre, wenn ich Nietzsches heiligen Namen nenne? + +Trägt solch eigenwillige tapfere Jugend, in die Pausen der Geschichte +gesprengt und verzischend, nicht Vermächtnisse der letzten Bedeutung? +Umflorte Historie der deutschen Dichter, um die das Bürgerliche wuchs und +gedieh, die wahnsinnig wurden, verreckten, als Alkoholiker eingingen wie +Tiere? An Mutigen hat es nie gefehlt. + +Nie war Tapferkeit ein Fehler unseres Volkes in der Handlung. + +Nie auch im Geiste. + +Uns fehlte nur Zeit. + +Nichts verbindet außer der Tragik solch Abgesprengter und Suchender den +letzten geistigen Ausdruck der deutschen Dichtung, nichts bindet als sie +Bettina an unsere Zeit. + +Der Weg der Dichtung unserer Tage führt aus der Hülle zur Seele, aus dem +Rang zum Menschen, vom Schildern zum Geist. Die Kunst wird positiv, sie +zerfetzt den Menschen nicht mehr, sie gibt den Kosmos in seine Lunge. + +Befreite aus dem Ballon von Glas, der ihr Leben umfaßte, sehen die Menschen +endlich die Welt, in der Gefühle steigen, fallen, sich regulieren, die +Senkrechten ohne Ende sind, der Horizont ohne Maß. Vor in den Hintergrund +getretener, vor bürgerlicher, kapitalistischer Welt, solchem Ziel, solchen +Künsten zugewandter Stirn, steht die dichterische deutsche Jugend, große +Gedanken der Menschheit wieder denkend, stärker noch entflammt als die +Fechter der Romantik, die verschwommen noch nach dem Geiste suchten. + +Ihre Zeit gehäuft von Leid, ihr Schicksal prometheisch angeschmiedet ans +Kreuz solchen Daseins, ihre Seele zum Grauen ergriffen vor dieser Opferung +. . . wann in Jahrhunderten erlitt Jugend so Hartes? + +Aus Katastrophen und Zusammenbrüchen als einziger Halt eine Jugend, streng +die Forderungen der Menschlichkeit aufgepflanzt, unerbittlich die Hand auf +den Zielen, Schicksal dieses Krieges hinnehmend als Schickung wie anderes +Leid, aber hingerissen dadurch, den Glauben noch höher fliegen. Wollen +härter schweißen zu lassen, im Mord die eherne Stimme der Gerechtigkeit +erbrausen zu sehen, im Wahnsinn der Ereignisse das entflammte Herz sicher +in steter Berufung zu tragen . . . wann geschah solches? + +War vor diesen Katastrophen diese Jugend gehöhnt, gescholten, nur die +Seltenen berührend, nun wuchs sie zum Ausgleich. Spielen die Schaubühnen +nicht Stücke, die unzumutbar bürgerlichem Publikum früher erschienen? War +Dichtung nicht Privileg weniger Köpfe in Deutschland . . . lesen nicht +Jünglinge, Männer Bücher ihrer Dichter, wie nie früher Dichtung gelesen +ward? Sagen Schauspieler nicht Verse auf Podiums und Kathedern? Erklärt +solches Geheimnis fabulöser Wirkung nicht sich allein durch seine +Einzigartigkeit selbst? + +Ewiges Wechselspiel der erlesenen Kräfte. + +Durstet die Zeit nicht nach der Kunst, die aus dem Geist kommt und nicht +aus dem Stückwerk der Menschen? Braucht die harte Epoche nicht den Halt, +der nicht in der fließenden Zeit steht, sondern aufgepflanzt im Innern der +Menschen? Ist etwas mehr not als Trost gleichzeitig mit Erhebung? Ist ein +Zweifel, daß Kunst in den Zielen enorm sein muß, die von Zeitgenossen, die +leiden Stunde und Tag um Tag, begehrt wird mit solcher Inbrunst? Daß eine +Kunst tief nach Wahrheit gehen muß, die selbst über Mode und den Snob hoch +hinaus gesucht wird, obwohl sie schwer ist, schwerer als jede Kunst, die +Deutschen seither ward in der Dichtung? Ist es eine Frage, daß nur groß +gespannte Kunst dies Menschen reichen kann, deren Sehnsucht so nach +Tiefstem geht? Ist es eine Frage, die fast nicht zu stellen mehr, kaum der +Antwort bedürftig ist, daß diese Kunst nichts in ihren Achsen bewegt als +jene Kraft aller Größe: Idee der Menschheit? + +Den schlichten Menschen in demütiger Höhe als Instrument . . . was bedarf +es weiter? Die Welt steht offen mit Frage und Antwort. + +Großen Gefühlen untertan, auf ihnen schweifend . . . was sollen da Themen, +was soll der bürgerliche Gehalt vergangener Kunst? + +Das Neue geht weit über Literatur, wird schon Frage der Moralität. + +Solche Dichtung ist ethisch von selbst: der Mensch vor die Ewigkeit +gestellt. + +Keine Predigt. + +Nie erbauende Literatur. + +Aber Wille zur Steigerung und Hebung der Menschen . . . ihr Gehalt. + +Drei kreisende Ringe in der Brust, die seit Ewigkeit große Kunst bewegten +. . . dies ist, was sie erfüllt auf dem Wege: Liebe, Gott, Gerechtigeit. + +Wie die großen Maler hingegangener Zeit mit wenigen Vorwürfen ihr ganzes +Leben verbrachten, den gleichen Vorwurf immer mit neuer Gläubigkeit inniger +gestaltend, läuft Kunst, die nicht nur die Literatur, die die Menschen +angeht, stets nach gleichem Ziel. + +Kreist solch Schaffen um den schlichten unverbildeten Menschen, hebt sein +Element ihn über Kausales, muß seine Handlung gerecht sein auch im Bösen, +letzthinnig in beliebiger Schlichtheit, vom dunklen Drang des Ethos +angedonnert in _jeder_ Handlung. + +Die jungen Dichter, diesem Menschen die Freiheit gebend, dem Ausschlag +seines Gefühls zu folgen, wohin es führe . . . die jungen Dichter, die +wählen lassen zwischen Laster und Güte, sehen, wie von magnetischem Pole +angerissen, ihre Menschen alle zur Güte streben. Doch nichts von Weichheit +vor solchen Aufgaben! Nichts Gebundenes, selbst nicht in christlichem +Sinne. + +Selten war Überschwang so hart, Kunst so stürmisch, Rhythmus der Seele +derart unbändig geführt. Menschen schaukeln im Kosmos. Liebe ist ihnen +Neigung zur Menschheit. Ist Religiosität, die über Konfessionelles hin das +letzte, das streng gerichtet Rechte will. + +Donnernder schallt ihnen als die Kanonen der größten Offensiven das Wort +der Zusammengehörigkeit unter den Menschen. Ist Kampf, sei er vom Geist. +Sie wollen Gerechtigkeit, aber nicht von der Macht, ungeistig wie nur eine, +sondern Gerechtigkeit der Tat und Liebe. Kämpferisch wie kaum eine +Generation kämpfen sie um den Geist. Aus Blut und Qualm der Epoche sich +hebend und fordernd treffen sie auf solchen Wegen Gott. + +Mit fiebrigen Händen, heißen Munden suchen sie; ergriffenste Prosa, +unerhörter Rhythmus leidenschaftlichsten Gedichts fängt ihn ein. Jede Erde, +jedes Blatt, jedes Tier erliegt der Beschwörung, einzustimmen in solche +Harmonie. Kein Raum, der nicht mitzittert im religiösen Akkord der +einfachen Schöpfung. + +Gott wird überallhin wiedergeboren. + +Seine Liebe schlägt zurück, ein Kranz bindet sich um die metaphysisch +schwebende Erde. Nur das Wichtige hat Sinn, nur die Förderung, die jedes +Echte trägt. Jedes Ding, angegriffen, bestürmt, entschält sich. Voll +Ehrfurcht nähert Dichtung sich dem nur Wichtigen, dem Kern des Dinges. + +Keine Fassade mehr . . . Gefühl nur der Menschen . . . Erde unter +unwägbarem Himmel . . . Melodie der Schöpfung aus dichterischem Ruf. + +Neue Zeit mit unwahrscheinlichen Kämpfen naht und droht. + +Gelassen und mutig sieht das Geschlecht nach vorn. Ihm gibt es nur +Menschen, ohne Vorurteile, ohne Hemmung, ohne gezüchtete Moral. Ihm gibt es +keine innere Trennung der Nation zu Nation. Sieht so gerichteter Blick +nicht durch das Volk zum Menschen? + +Bewußtsein der Verantwortung bringt die Verpflichtung. Ahnen, Vorhut zu +sein kommender Menschheit, großen Marschtritts ähnlichen Wollens Vortreter +zu sein nur in einer Epoche der glatten Macht, der Militärs, der +Knebelungen gegen die Freiheit und den Geist der Zeit, zwischen tausend +Schlachten der Völker . . . Blutschuld am Geiste heißt verpflichtet sein, +was gleicher Gesinnung vorausging. + +Dies geht über Deutschland auf Europa. Nach Westen gerichtet, Verehrung den +großen Genien französischen Namens, gewiß, daß ebenso wie ohne Jean Paul, +ohne Hölderlin, Luther und Goethe die Geschichte der Menschheit undenkbar +sei ohne Voltaire, Pascal, Rabelais, Rousseau und Balzac. Nach Osten zum +Licht des russischen Volkes gesprochen, Ehrfurcht Tolstoi, Gogol, Puschkin, +Dostojeweski! Aus dem Norden hallend die Stimme des wilden, auch in +Zerrissenheit noch an die Güte, an die Menschheit geklammerten Strindberg. + +Geht solche Verpflichtung nicht weiter? Überschreitet den dünnen Bord +Europas? Kommt auf die Welt? Schafft Liebe nicht grenzenlos sich zu jedem, +das die Welt weiterschafft? + +Ist solcher Geist, in Katastrophen erhoben, in Gewittern der Seele gesalbt +von Blitzen des Grausens, aus Büchern ergreifend, auf Schaubühnen das neue +Pathos erhebend, steil die Gesinnung vor sich aufgerichtet, ist solcher +nicht anderer Zeit als der gegenwärtigen uns täglich mit Sinnlosigkeit, mit +Drohung, mit diktatorischem Irrsinn schlagenden fast schon zugehörig? + +Revolution des Geistes schafft neue Form, der Bruch mit der Vergangenheit +wird radikal. Kellers große Tradition versumpfte in bourgeoiser Niederung. + +Größer entfachtes Weltgefühl schafft die Kunst zur Vision. Nun diktiert der +Geist, wohl eng verschmolzen der Materie, doch sie gestaltend, nicht in +ihrer Abhängigkeit. Doch auch nicht in der dünnen Sphäre saftloser +Geistigkeit. Die Gleichung heißt Geist und Blut. Nicht Geist und Geist. Wir +wollen nicht schemenhafte Arien, die viele heut singen. Wir wollen den +Naturalismus aufpeitschen zu fanatischer Vision. Das Ding vergewaltigen im +Geist . . .! Prosa wird wieder Dichtung. Theater Kampfplatz größter +Zusammenhänge der Seele. Sätze gestrafft mit der Biegung adliger Linie +schöner Leiber. Form und Gehalt schon eins geworden, elastisch und bebend, +stark die Verzückung und die Forderung zu tragen . . . ist dies nicht +genug? + +In einem zentaurischen Bilde liegt das Gemeinsame verschmolzen: der Träger +und das Getragene . . . unbändige im Gewitter des Ethos erscheinende +Dichtung, schlank im umzuckten Lauf, stark aus den Lenden emporgetaucht das +männlich Getragene. In der Neuheit des Bildes aber verwirrend, doch +siegreich und schön wie Kyniska, die erste Frau, die in Athen sich Pferde +hielt und, selber lenkend, in den olympischen Spielen mit ihnen siegte. + +Doch vielleicht erscheint es, daß Sie, wenn ich skandinavischem Publikum, +dessen Dichter ich nicht nur verehre, sondern deren Atem ich liebe und +deren gutem Geist ich ohne Ermüdung Verkünder bin in meiner Heimat . . . +daß Sie, wenn ich schwedischem Publikum unsere Ziele dergestalt bringe, +lächeln über so viel Begeisterungsfähigkeit eines Deutschen, der, seiner +Nation Tugenden übertreibend, von eigenen Dingen, der von den Zielen seiner +Generation allzu hingegebenen Herzens redet, fast der Kritik nicht mehr +mächtig und illuminiert als ein Schwärmer. + +Was tat ich? + +Gab ich anderes als Glauben? + +Kamen hier Feststellungen über meßbare Zeit? + +Nur Linien des Geistes. + +Kann dies fallen? Niemals schwankte in irgendeiner Historie Begeisterung +mit so starkem Ziel. Was sollen die Menschen? Rührt nicht an die Tragik, +ihr Schicksal. Das ist kommender Zeit dunkel angehörig. Jugend, so +vielspältig in Aufbau, Gebärde, Gehalt . . . kann anderes sie halten als +eine Idee. + +Würde dies falsch sein, was ich sage, versagten sie alle. Es bliebe stehen, +steiler als je. Dies ist die Grundlage des Jahrhunderts. Ob erreichbar, ob +nicht, es bleibt gepflanzt. Es bleibt geglaubt. Das nimmt nichts. Auch +nicht mörderischste Zeit. + +Selbst wenn alle Begabungen, schlecht gewertet im künstlerischen Maßstab, +taub aus der Geschichte fielen, diese erstrebten Werke im Schatten später +größer aufsteigenden Lichtes faulten. Dichter das in Zukunft träge und feig +im Erwerb desavouierten, was heute ihr Lob ist, ja ich selbst, der dies +heute kündet, es unaufhaltsam in späteren Jahren irr und grausam schmähte +. . . was machte dies all? + +Ohnmächtige Auflehnung gegen den Geist, der treibt und schafft. + +Setze ich anderes hier fort als die Tradition meines Volkes, das die tiefen +Ideen, die es einmal erkannte, in den besten Erscheinungen bis zum Tode +festhielt, im Glauben oft unerbittlicher als in der Handlung, für welche +die andere Seite des Volkes oft einstand, die weniger zum Geist gehörte? +Setze ich anderes fort als die Geschichte der Jugend Deutschlands, +Geschichte erlauchter Männer und Jünglinge, den immer wiederkehrenden +tragischen Intervall unserer Geschichte? Denn hätten wir wie jene den +Glauben nicht, wie sollten wir heute bestehen? + +Vielleicht aber sehen wir, nach der Pause des Jahrhunderts den Geist +vielstimmig, doch eindeutig aus uns rufen hörend, ja Denkmale neuen +Weltbilds um uns da und da schon aufgerichtet erblickend, vielleicht sehen +wir Erfolg zu sicher und nah. + +Vielleicht überschätzen wir, wie Sie kühleren und nordischeren Geistes +bestimmter abschätzen, Leistung bereits mit der Idee, die führt. + +Vielleicht, ach, ist auch uns das Schicksal unserer brüderlichen Jugend, +die vor uns stritt, wahnsinnig ward und verreckte, vielleicht ist uns auch +das Schicksal aller bester deutscher Jugend bestimmt, statt der Erfüllung +. . . auch nur Leidensstation zu sein deutschen Geistes und der Welt. + +Daß uns nichts bleibt, die glaubten, aus so viel edlem hingegangenen Blut +die endgültige Fahne zu heben, statt Ernten und Beginnen nichts als +Vorbereiten im Leid. + +Sollte das Ziel im Beginn schon immer entweichend, Traum unserer Kultur ein +Phantom, flüchtig gleich einem Tier und nie einholbar bestem Herzblut +bleiben? . . . Ach, sollte die Tragik deutscher Jugend ohne Ende sein? + +Medusisches Antlitz der Verheißung wieder verschwimmen? Alles umsonst getan +sein in der Zeit, wo deutsche Jugend, zerstückt wie nie, unter Feuer und +Eisen der Kanonen verdirbt, alle Begeisterung, alle Anstrengung umsonst in +der Wirkung, die wir der Sinnlosigkeit entgegenhalten? Ach, Sie, der Sie +solches nicht vom satanischen Mittelpunkt, es in abgeschwächten Echos der +Peripherie und entfernter nur spüren, Sie ahnen die Anspannung nicht, mit +der wir das Gegengewicht halten dieser Welt jeden Tag. Sollte dies zwecklos +sein? Kann man das glauben? Wo bliebe Gerechtigkeit, Sieg des Geistes? Das +Ziel herrlich gepflanzt in solcher Zeit, und nichts erreichen . . . wie +schmerzlich. Wäre es möglich, frage ich, in solcher Zeit zu leben ohne den +Glauben an die Menschheit unserer Idee, an die innere Überlegenheit unserer +Minorität? Wäre es möglich, einen Tag nur zu existieren, ohne daß Geist, +heftig umwerbend, über uns stände? Unmenschlich und sinnlos der Zweifel. + +Kein Nacken erhöbe sich, kein Lächeln erleuchtete mehr die Welt, fiele er +nicht ab. Kein Hirn wagte den Gedanken der Menschheit einmal nur noch zu +fassen. Wäre zu denken, daß einem dies fehlte? + +Fiele die Erde nicht, meteorisch und zwecklos, feuergeflügelt ins Nichts? + +Wäre der Mensch denkbar, wäre es möglich, daß es einen gebe, einen, der den +Mut, der die Stirn hätte, die unmögliche, dieser Zeit nur den Blick eines +Auges lang entgegenzutreten ohne den Glauben? + +Bedenken Sie diese Frage, die fast eine verzweifelte ist, aber als +bestätigende und sichere sich ausweist . . . ich weiß, Sie werden und +müssen die Antwort, damit gerecht gemessen werde, Sie müssen die Antwort +sagen: + +Nein. + + + + +Über den dichterischen Expressionismus + + + _(Herbst 1917)_ + + +Wenn man, selbst verstrickt in eine Bewegung, (auch wenn sie einem selbst +keinen aktuellen sondern nur über-zeitlichen Sinn hat . . .) darüber +auszusagen den Drang spürt, bedarf es vor allem Unerbittlichkeit und +Hingabe. Voll tiefem Glauben an die Idee habe man Mißtrauen gegen die +Zeitlichkeit. + +Unser Blick, allzusehr befangen im Irdischen, täuscht unsere Liebe zu +leicht. + +Inbrunst ohne die Strenge aber ist zügellos. Der Glaube nur, der sich aus +Sehnsucht selber peinigt, wird endlich aktiv. Tieferer Sinn steigt erst aus +der Mißhandlung. Schmähung der eigenen Hingabe macht sie erst süß. Hier muß +viel gewagt werden, um das Undeutliche zu vermeiden, alles, um das Gerechte +deutlich zu machen. + +Eifer allein ist die Leidenschaft des Beschränkten. + +Kühnheit, die sich quält, ist das Ziel des Edlen und Tapferen. + +Schon der Außenstehende hat zwischen dem Absoluten und sich die Zeit. Der +Innenstehende und Beteiligte hat zu der Zeit noch die Sehnsucht, daß der +Ausdruck, dem er die unendliche Form gibt, der dauernde sei. Ihm verwirrt +das Urteil noch dazu die Liebe. + +Es gibt darum nur eine Forderung: Grausamkeit. + +So allein vermag manchmal das objektive Bild aufzustehen und blank zu +scheinen. Doch auch dies ahnen wir nur. Die letzten Urteile werden erst in +der Zeit gefällt, nicht in der Zeitlichkeit unseres Tags. + +Um gerecht zu sein, bedürfen wir vieler Distanz. Die aber haben wir nur +durch den Mut der Strenge. Ja, wir müssen es wagen, voll Hoffnung, +unsterbliche Ziele aufzutürmen, den Gedanken zu halten, wir seien ein +Spielzeug nur der Schöpfung und was uns groß erschien und das Höchste, sei +nur ein kleiner Versuch. Hohn käme über das, was wir liebten, Verachtung +auf unsere Inbrunst. Auch dies bedenkend, muß der Angriff gewagt sein. + +Es muß der Mut da sein, größer als jener, der bejaht, sich selbst zu +schänden, zu bluffen, geformtem Ding den Schädel einzuschlagen, voll der +Neugier, ob Bleibendes sich weise. Nur Wille, sich selbst zu mißtrauen, +macht die Sehnsucht frisch, das Positive rund. + +Nur so erhält das prüfende Auge Distanz. + +Nur so verschwindet das gorgonische Haupt der Bewegung, das die Zeit +umspielt, und wir greifen ihr ins Herz. Mit einem einzigen Griff. Sein +Ausschlag, seine Zuckung weist in Vergangenes, weist in das Kommende. + +Durch strengste Forderung allein kommen wir zu überzeitlichem Urteil. +Vielleicht aber müssen wir hier auch nur stehen, glaubend und hoffend, aber +nicht wissend. Aber eines besitzen wir zum wenigsten dann: geprüfteren +Blick. + +Der Blick geht auf die Historie. + +Doch ist diese nur logisch, dunkleren Zusammenhängen der Idee gegenüber +taub. Logisch entwickelt der Geist sich nicht, tieferen Kräften nach steht +er auf und braust oder schweigt. Wir fühlen ihn nur. Zusammenhänge laufen +nicht geradlinig, mehr unter als in der sichtbaren Zeit. Dazu kommt, daß +auch rein formale Entwicklung bei uns getrübt ist. Auch das rein +Orientierende am äußeren Verlauf der Entwicklung ist in Deutschland schwer. + +Wir haben noch nicht Tradition, noch nicht gefestigten Mutterboden, aus dem +in organischem Wachstum die Idee sich entwickelt. + +In Frankreich etwa steht jeder Revolutionär auf den Schultern seines +Vorgängers. In Deutschland hält der Achtzehnjährige den von Zwanzig für +einen Idioten. + +In Frankreich verehrt der Junge im Älteren irgendwie den Erzeuger. Bei uns +ignoriert er ihn. Aus dem Zentrum völkischen Weltgefühls schafft der +Franzose. Der Deutsche beginnt jeder von anderer Stelle der Peripherie. Bei +uns ist vieles noch Zuckung sich gestaltender völkischer Mentalität. Vieles +noch stürzendes Chaos, noch nicht starke tragfähige Ebene. + +Darum haben wir wildere, unendlichere aber zerrissenere Kunstwerke. Andere +Völker haben mehr die stete Form. + +So ist selbst schwer beim Suchen des Wesentlichen die formale Entwicklung +aufzuzeichnen. Historie bedeutet auch hier nur die äußere Leitung. + +Seit der Romantik war Stagnation. + +Der große Bogen bürgerlichen Gefühls, der zu enden anhebt, begann. Gegen +ausgepumptes Epigonentum schlug die naturalistische Welle. Aus Schminke, +Fassade und Feigenblatt brach schamlos die Tatsache. Nichts vom Wesen eines +Dings. Nichts Eigentliches, was der Gegenstand unserer sensuellen Welt nur +zudeckt. Nur Notiertes, nur endlich Ausgesprochenes. Aber mit grandioser +Wucht. Lauter Dinge, belanglos für das Kunstwerk in seiner letzten Form, +aber Anstöße, Kampf. + +Der Naturalismus war eine Schlacht, die wenig Sinn für sich hat, aber er +gab Besinnung. Da standen plötzlich wieder Dinge: Häuser, Krankheit, +Menschen, Armut, Fabriken. Sie hatten keine Verbindung noch zu Ewigem, +waren nicht geschwängert von Idee. Aber sie wurden genannt, gezeigt. + +Nackte Zähne der Zeit klafften und zeigten Hunger. + +Er warf auch menschliche Fragen auf und brachte das Eigentliche damit +näher. Er mischte sich mit Sozialem eng: schrie . . . Hunger, Huren, +Seuche, Arbeiter. Doch ohne Ahnung seiner Grenzen focht er nicht nur gegen +die Form der Zeitlichkeit, er hatte schöpferische Ambition. Er glaubte ohne +Geist sein zu können, begann den Zikadenkampf gegen Gott. + +Das löste ihn sofort auf. + +Er dauerte kaum einen Atemzug. Gegen seine wüste Orientierung gab es einen +Gegenpol voll Aristokratie. Gegen den Lärm Adel, das Asoziale, das +Kunst-à-tout-prix. Die Überschätzung des Maschinellen ließ auf die Seele +deuten. Hier wurde zum erstenmal wieder Dichtung. + +Stefan Georges große Gestalt erhebt sich da. Doch war es ihr, die noch zu +nah den reinen Tatsachen stand, nicht gegeben, Tempo, Geist und Form zu +großen, umfassenden Schöpfungen zu verdichten. Dazu war die Zeit noch nicht +reif. Das wesentlichste Verdienst dieser Bewegung ist der Wert, den sie auf +das Formale legte. + +Man begann sich wieder zu besinnen, was Schilderung und was dagegen +Dichtung sei. Die Unterschiede zwischen Schriftsteller und Dichter wurden +klar. + +Sie wurden allzu klar gelegt. Denn so lief diese Bewegung in Erstarrung. +Man verwechselte Dichten und Würde. Man glaubte, das Wesentliche sei das +Erlauchte, und Würde sei besser als der Mut unbedenklichen Zugriffs. Es +wurde Cenacelkult getrieben. Ästhetentum verbreitete sich und traf in eine +Zeit, die reich geworden, von den Gründerjahren und dem Zustrom des Geldes +übersättigt, noch völlig ohne die Struktur eines kulturellen Zeitbodens, +glaubte die schöne Décadence spielen zu können. Immerhin aber hob sich das +ganze Niveau. + +Man konnte nach George nicht mehr vergessen, daß eine große Form unumgängig +sei für das Kunstwerk. Man konnte nicht mehr nur durch Kraßheit, +Photographieren der Wirklichkeit, nicht mehr mit flauen Sentiments nach +dichterischen Zielen greifen. Das strenge Gesetz Georges brach über den +Rand des Geheimbunds, kam in Lyrik und Essai und Roman, auch ins Drama und +half erziehen. + +Der Impressionismus begann, die Synthese ward versucht. + +Sie ward sogar erreicht in einem gewissen Bezirk. Die leitenden Ströme der +Zeit schlossen sich zusammen, aber sie entzündeten sich nur am Moment. + +Es wurde die Kunst des _Augenblicks_. + +Man war geschult und hatte Vorwürfe. Mit nervöser Zärtlichkeit behandelte +man die Objekte. Sprunghaft setzte man Stück an Stück. Mit gehobener +Technik vermochte man die Dinge anzugreifen, doch wurde es oft Deskription. +Das Eigentliche, der letzte Sinn der Objekte erschöpfte sich nicht. Denn +der Lichtstrahl des Schöpfers überzuckte sie nur kurz. + +Es gab blendende Gebärden, göttliche Momente. Das Unsterbliche tauchte +bestürzend auf und verschwand. + +Es war wie die Anrufung eines Geistes, dessen Umriß zitternd in der Luft +schwebt, geahnt wird, aber nie mit Brausen in die Form der Wirklichwerdung +stürzt. Es gab Momentbilder von Schönheit, gab Gesten von Tiefe, es gab +vielleicht eine Tat, eine Handlung, eine kurz herausgebrochene, +unsterbliche Schönheit. + +Aber auch diese Zeit lag noch in jenem Riesenbogen, der, bürgerlichen +Vorstellungen zugängig, kapitalistischen Zusammenhängen unterworfen, privat +blieb. + +Nöte und Sorgen des Individuums lebten darin. Die bürgerliche Gesellschaft +gab ihr Thema, Not und Gehalt. Ehe, Familie, bürgerliches Dasein wurden +Themen, die man künstlerisch und technisch geschickt verarbeitete. + +Versuchte man Kosmisches, ward es nicht erreicht, blieb im Lallen, gab man +Natur, ward es Ausschnitt, gab man Leben, war es Sekunde, gab man Tod, war +es nur das Erlöschen, nicht das ungeheure nie endende Geschehen des +tragischen Hingangs. + +Der Impressionismus, der so nie total ward, nur Stückwerk gab, nur +dramatisch oder lyrisch oder sentimental für _einen_ Gestus, ein Gefühl +war, diese kleinen Ausschnitte der großen Welt aber formte, wurde und mußte +werden dem Kosmos gegenüber, im Auge die Schöpfung, Mosaik. In unzählige +kleine Teile zerlegte er die Welt, um ihr den tieferen Atem einzuhauchen. +Er war das Ende einer langen Entwicklung. + +Das große Raumgefühl der Renaissance erreichte in ihm den Schluß. Er +zersetzte, löste auf und parzellierte, formte das Zerschlagene in kleine +Gefühle, nicht zu massiv verschmolzenen Zusammenhängen. + +Über ihn hinaus gab es nur Anarchie. Seine letzte Zerstäubung ist der +Futurismus. Expressionismus hat nicht die Spur mit ihm zu tun. Futuristen +waren es, die den schon in Teile, Minuten, Fermaten zerteilten Raum noch +einmal zum Explodieren brachten, indem sie das Weltbild als ein +gleichzeitiges Nebeneinander von Sinneseindrücken darstellten. Sie spitzten +die Teile des Impressionismus nur zu, glätteten sie, gaben ihnen schärfere +Form und gespenstigeren Umriß, vermieden das Kokette und schoben das +Nacheinander des impressionistischen Weltlaufs zu einem hastigen, gehetzten +Nebeneinander, Ineinander. Der Expressionismus, Schlagwort von +zweifelhafter Formulierung, hat mit dem Impressionistischen nichts zu tun. + +Er kam nicht aus ihm. Er hat keinen inneren Kontakt, nicht einmal den des +Neuen, der den Alten erschlägt. Es sei denn, daß dies die beiden Bewegungen +verbände, daß der eine den anderen vorbereitete nach einem dunklen +immanenten und unlogischen Gesetz des Triebes, der Steigerung der Idee und +der Kraft. + +Der Expressionismus hat vielerlei Ahnen, gemäß dem Großen und Totalen, das +seiner Idee zugrunde liegt, in aller Welt, in aller Zeit. + +Was die Menschen heute an ihm sehen, ist fast nur das Gesicht, das, was +erregt, das, was epatiert. Man sieht nicht das Blut. Programme, leicht zu +postulieren, nie auszufüllen mit Kraft, verwirren das Hirn, als ob je eine +Kunst anders aufgefahren sei als aus der Notwendigkeit der Zeugung. Mode, +Geschäft, Sucht, Erfolg umkreisen das erst Verhöhnte. + +Als Propagatoren stehen die da, die in dumpfem Drang des schaffenden +Triebes zuerst Neues schufen. Als ich vor drei Jahren, wenig bekümmert um +künstlerische Dinge, mein erstes Buch schrieb, las ich erstaunt, hier seien +erstmals expressionistische Novellen. Wort und Sinn waren mir damals neu +und taub. Aber nur die Unproduktiven eilen mit Theorie der Sache voraus. +Eintreten für sein Ding ist eine Kühnheit und eine Sache voll Anstand. Sich +für das Einzige erklären, Frage des bornierten Hirns. Eitel ist dies ganze +_äußere_ Kämpfen um den Stil, um die Seele des Bürgers. Am Ende entscheidet +lediglich die gerechte und gut gerichtete Kraft. + +Es kamen die Künstler der neuen Bewegung. Sie gaben nicht mehr die leichte +Erregung. Sie gaben nicht mehr die nackte Tatsache. Ihnen war der Moment, +die Sekunde der impressionistischen Schöpfung nur ein taubes Korn in der +mahlenden Zeit. Sie waren nicht mehr unterworfen den Ideen, Nöten und +persönlichen Tragödien bürgerlichen und kapitalistischen Denkens. + +Ihnen entfaltete das _Gefühl_ sich maßlos. + +Sie sahen nicht. + +Sie schauten. + +Sie photographierten nicht. + +Sie hatten Gesichte. + +Statt der Rakete schufen sie die dauernde Erregung. + +Statt dem Moment die Wirkung in die Zeit. Sie wiesen nicht die glänzende +Parade eines Zirkus. Sie wollten das Erlebnis, das anhält. + +Vor allem gab es gegen das Atomische, Verstückte der Impressionisten nun +ein großes, umspannendes Weltgefühl. + +In ihm stand die Erde, das Dasein als eine große Vision. Es gab Gefühle +darin und Menschen. Sie sollten erfaßt werden im Kern und im +Ursprünglichen. + +Die große Musik eines Dichters sind seine Menschen. Sie werden ihm nur +groß, wenn ihre Umgebung groß ist. Nicht das heroische Format, das führte +nur zum Dekorativen, nein, groß in dem Sinne, daß ihr Dasein, ihr Erleben +teil hat an dem großen Dasein des Himmels und des Bodens, daß ihr Herz, +verschwistert allem Geschehen, schlägt im gleichen Rhythmus wie die Welt. + +Dafür bedurfte es einer tatsächlich neuen Gestaltung der künstlerischen +Welt. Ein _neues Weltbild_ mußte geschaffen werden, das nicht mehr teil +hatte an jenem nur erfahrungsmäßig zu erfassenden der Naturalisten, nicht +mehr teil hatte an jenem zerstückelten Raum, den die Impression gab, das +vielmehr _einfach_ sein mußte, eigentlich, und darum schön. + +Die Erde ist eine riesige Landschaft, die Gott uns gab. Es muß nach ihr so +gesehen werden, daß sie unverbildet zu uns kommt. Niemand zweifelt, daß das +das Echte nicht sein kann, was uns als äußere Realität erscheint. + +Die Realität muß von uns geschaffen werden. Der Sinn des Gegenstands muß +erwühlt sein. Begnügt darf sich nicht werden mit der geglaubten, gewähnten, +notierten Tatsache, es muß das Bild der Welt rein und unverfälscht +gespiegelt werden. Das aber ist nur in uns selbst. + +So wird der ganze Raum des expressionistischen Künstlers Vision. Er sieht +nicht, er schaut. Er schildert nicht, er erlebt. Er gibt nicht wieder, er +gestaltet. Er nimmt nicht, er sucht. Nun gibt es nicht mehr die Kette der +Tatsachen: Fabriken, Häuser, Krankheit, Huren, Geschrei und Hunger. Nun +gibt es ihre Vision. + +Die Tatsachen haben Bedeutung nur so weit, als, durch sie hindurchgreifend, +die Hand des Künstlers nach dem faßt, was hinter ihnen steht. + +Er sieht das Menschliche in den Huren, das Göttliche in den Fabriken. Er +wirkt die einzelne Erscheinung in das Große ein, das die Welt ausmacht. + +Er gibt das tiefere Bild des Gegenstands, die Landschaft seiner Kunst ist +die große paradiesische, die Gott ursprünglich schuf, die herrlicher ist, +bunter und unendlicher als jene, die unsere Blicke nur in empirischer +Blindheit wahrzunehmen vermögen, die zu schildern kein Reiz wäre, in der +das Tiefe, Eigentliche und im Geiste Wunderbare zu suchen aber sekündlich +voll von neuen Reizen und Offenbarungen wird. + +Alles bekommt Beziehung zur Ewigkeit. + +Der Kranke ist nicht nur der Krüppel, der leidet. Er wird die Krankheit +selbst, das Leid der ganzen Kreatur scheint aus seinem Leib und bringt das +Mitleid herab von dem Schöpfer. + +Ein Haus ist nicht mehr Gegenstand, nicht mehr nur Stein, nur Anblick, nur +ein Viereck mit Attributen des Schön- oder Häßlichseins. Es steigt darüber +hinaus. Es wird so lange gesucht in seinem eigentlichsten Wesen, bis seine +tiefere Form sich ergibt, bis _das_ Haus aufsteht, das befreit ist von dem +dumpfen Zwang der falschen Wirklichkeit, das bis zum letzten Winkel +gesondert ist und gesiebt auf _den_ Ausdruck, der auch auf Kosten seiner +Ähnlichkeit den letzten _Charakter_ herausbringt, bis es schwebt, oder +einstürzt, sich reckt oder gefriert, bis endlich alles erfüllt ist, das an +Möglichkeiten in ihm schläft. + +Eine Hure ist nicht mehr ein Gegenstand, behängt und bemalt mit den +Dekorationen ihres Handwerks. Sie wird ohne Parfüme, ohne Farben, ohne +Tasche, ohne wiegende Schenkel erscheinen. Aber ihr eigentliches Wesen muß +aus ihr herauskommen, daß in der Einfachheit der Form doch alles gesprengt +wird von den Lastern, der Liebe, der Gemeinheit und der Tragödie, die ihr +Herz und ihr Handwerk ausmachen. Denn die Wirklichkeit ihres menschlichen +Daseins ist ohne Belang. Ihr Hut, ihr Gang, ihre Lippe sind Surrogate. Ihr +eigentliches Wesen ist damit nicht erschöpft. + +Die Welt ist da. Es wäre sinnlos, sie zu wiederholen. + +Sie im letzten Zucken, im eigentlichsten Kern aufzusuchen und neu zu +schaffen, das ist die größte Aufgabe der Kunst. + +Jeder Mensch ist nicht mehr Individuum, gebunden an Pflicht, Moral, +Gesellschaft, Familie. + +Er wird in dieser Kunst nichts als das Erhebendste und Kläglichste: _er +wird Mensch_. + +Hier liegt das Neue und Unerhörte gegen die Epochen vorher. + +Hier wird der bürgerliche Weltgedanke endlich nicht mehr gedacht. + +Hier gibt es keine Zusammenhänge mehr, die das Bild des Menschlichen +verschleiern. Keine Ehegeschichten, keine Tragödien, die aus Zusammenprall +von Konvention und Freiheitsbedürfnis entstehen, keine Milieustücke, keine +gestrengen Chefs, lebenslustigen Offiziere, keine Puppen, die an den +Drähten psychologischer Weltanschauungen hängend, mit Gesetzen, +Standpunkten, Irrungen und Lastern dieses von Menschen gemachten und +konstruierten Gesellschaftsdaseins spielen, lachen und leiden. + +Durch alle diese Surrogate greift die Hand des Künstlers grausam hindurch. +Es zeigt sich, daß sie Fassaden waren. Aus Kulisse und Joch überlieferten +verfälschten Gefühls tritt nichts als der Mensch. Keine blonde Bestie, kein +ruchloser Primitiver, sondern der einfache, schlichte Mensch. + +Sein Herz atmet, seine Lunge braust, er gibt sich hin der Schöpfung, von +der er nicht ein Stück ist, die in ihm sich schaukelt, wie _er_ sie +widerspiegelt. Sein Leben reguliert sich ohne die kleinliche Logik, ohne +Folgerung, beschämende Moral und Kausalität lediglich nach dem ungeheueren +Gradmesser seines Gefühls. + +Mit diesem Ausbruch seines Inneren ist er allem verbunden. Er begreift die +Welt, die Erde steht in ihm. Er steht auf ihr, mit beiden Beinen +angewachsen, seine Inbrunst umfaßt das Sichtbare und das Geschaute. + +Nun ist der Mensch wieder großer, unmittelbarer Gefühle mächtig. Er steht +da, so deutlich in seinem Herzen zu erfassen, so absolut ursprünglich von +den Wellen seines Bluts durchlaufen, daß es erscheint, er trüge sein Herz +auf der Brust gemalt. Er bleibt nicht mehr Figur. Er ist wirklich Mensch. +Er ist verstrickt in den Kosmos, aber mit kosmischem Empfinden. + +Er klügelt sich nicht durch das Leben. Er geht hindurch. Er denkt nicht +über sich, er erlebt sich. Er schleicht nicht um die Dinge, er faßt sie im +Mittelpunkt an. Er ist nicht un-, nicht übermenschlich, er ist nur Mensch, +feig und stark, gut und gemein und herrlich, wie ihn Gott aus der Schöpfung +entließ. + +So sind ihm alle Dinge, deren Kern, deren richtiges Wesen er zu schauen +gewohnt ist, nahe. + +Er wird nicht unterdrückt, er liebt und kämpft unmittelbar. Sein großes +Gefühl allein, kein verfälschtes Denken, führt ihn und leitet ihn. + +So kann er sich steigern und zu Begeisterungen kommen, große Ekstasen aus +seiner Seele aufschwingen lassen. + +Er kommt bis an Gott als die große nur mit unerhörter Ekstase des Geistes +zu erreichende Spitze des Gefühls. + +Doch sind diese Menschen keineswegs töricht. Ihr Denkprozeß verläuft nur in +anderer Natur. Sie sind unverbildet. Sie reflektieren nicht. + +Sie erleben nicht in Kreisen, nicht durch Echos. + +Sie erleben _direkt_. + +Das ist das größte Geheimnis dieser Kunst: Sie ist ohne gewohnte +Psychologie. + +Dennoch geht ihr Erleben tiefer. Es geht auf den einfachsten Bahnen, nicht +auf den verdrehten, von Menschen geschaffenen, von Menschen geschändeten +Arten des Denkens, das, von bekannten Kausalitäten gelenkt, nie kosmisch +sein kann. + +Aus dem Psychologischen kommt nur Analyse. Es kommt Auseinanderfalten, +Nachsehen, Konsequenzenziehen, Erklärenwollen, Besserwissen, eine Klugheit +heucheln, die doch nur nach den Ergebnissen geht, die unseren für große +Wunder blinden Augen bekannt und durchsichtig sind. Denn vergessen wir +nicht: alle Gesetze, alle Lebenskreise, die psychologisch gebannt sind, +sind nur von uns geschaffen, von uns angenommen und geglaubt. Für das +Unerklärliche, für die Welt, für Gott gibt es im Vergangenen keine +Erklärung. Ein Achselzucken nur, eine Verneinung. + +Daher ist diese neue Kunst positiv. + +Weil sie intuitiv ist. Weil sie elementar nur findend, willig, aber stolz +sich den großen Wundern des Daseins hingebend, frische Kraft hat zum +Handeln und zum Leiden. Diese Menschen machen nicht den Umweg über eine +spiralenhafte Kultur. + +Sie geben sich dem Göttlichen preis. Sie sind direkt. Sie sind primitiv. +Sie sind einfach, weil das Einfachste das Schwerste ist und das +Komplizierteste, aber zu den größten Offenbarungen geht. Denn täuschen wir +uns nicht: erst am Ende aller Dinge steht das Schlichte, erst am Ende +gelebter Tage bekommt das Leben ruhigen steten Fluß. + +So kommt es, daß diese Kunst, da sie kosmisch ist, andere Höhe und Tiefe +nehmen kann als irgendeine impressionistische oder naturalistische, wenn +ihre Träger stark sind. Mit dem Fortfall des psychologischen Apparats fällt +der ganze Décadencerummel, die letzten Fragen können erhascht, große +Probleme des Lebens direkt attackiert werden. In ganz neuer Weise +erschließt sich aufbrandendem Gefühl die Welt. + +Der große Garten Gottes liegt paradiesisch geschaut hinter der Welt der +Dinge, wie unser sterblicher Blick sie sieht. Große Horizonte brechen auf. + +Allein die andere Art des Blickpunkts verwirrt den Menschen oft das +Dargestellte. Da beschaut und nicht gesehen wird, täuscht der neue Umriß. +Dem Menschen, der ungeschult lebt, ist die Vision etwas Entferntes, der +plumpe Gegenstand aber deutlich und nah. + +Das ausgewiesene Psychologische gibt dem Aufbau des Kunstwerks andere +Gesetze, edlere Struktur. Es verschwindet das Sekundäre, der Apparat, das +Milieu bleibt nur angedeutet und mit kurzem Umriß nur der glühenden Masse +des Seelischen einverschmolzen. + +Die Kunst, die das Eigentliche nur will, scheidet die Nebensache aus. Es +gibt keine Entremets mehr, keine Hors d'oeuvres, nichts Kluges, was +hineingemogelt, nichts Essaiistisches, was allgemein unterstreichen, nichts +Dekoratives mehr, was von außen her schmücken soll. Nein, das Wesentliche +reiht sich an das Wichtige. Das Ganze bekommt gehämmerten Umriß, bekommt +Linie und gestraffte Form. + +Es gibt keine Bäuche mehr, keine hängenden Brüste. Der Torso des Kunstwerks +wächst aus straffen Schenkeln in edle Hüften und steigt von dort in den +Rumpf voll Training und Gleichmaß. Die Flamme des Gefühls, das direkt +zusammenfließt mit dem Kern der Welt, erfaßt das Direkte und schmilzt es in +sich ein. + +Es bleibt nichts anderes übrig. + +Manchmal unter dem großen Trieb des Gefühls schmilzt die Hingabe an das +Werk diese übermäßig zusammen, es erscheint verzerrt. Seine Struktur aber +ist nur auf das letzte Maß der Anspannung getrieben, die Hitze des Gefühls +bog die Seele des Schaffenden so, daß sie, dunkel das Unermeßliche wollend, +das Unerhörte hinauszuschreien begann. + +Dies Wollen wird deutlich im Malerischen, am klarsten in der Plastik. Im +Schreiben verwirrt die nicht zum erstenmal, aber noch nie mit solcher +Innigkeit und solcher Radikalität vorgenommene Verkürzung und Veränderung +der Form. + +Bei Plastiken Rodins sind die Oberflächen noch zerrissen, jede Linie, jede +Gebärde noch orientiert nach einem Affekt, einem Moment, einer einmaligen +Handlung, kurz: eingefangen in dem Augenblick, und bei aller Kraft doch +unterworfen einer psychologischen Idee. Einer denkt, zwei andere küssen +sich. Es bleibt ein Vorgang. + +Bei modernen Figuren sind die Oberflächen mit kurzem Umriß gegeben, die +Furchen geglättet, nur das Wichtige modelliert. Aber die Figur wird +typisch, nicht mehr. Untertan _einem_ Gedanken, nicht mehr hinauszuckend in +die Sekunde, vielmehr sie erhält Geltung in die Zeit. Alles Nebensächliche +fehlt. Das Wichtige gibt die Idee: nicht mehr ein Denkender, nein: das +Denken. Nicht zwei Umschlungene: nein, die Umarmung selbst. + +Dasselbe unbewußt waltende Gesetz, das ausscheidet, ohne negativ zu sein, +das nur erlesenen Moment zu magnetisch gleichen Punkten bindet, reißt die +Struktur des _Schreibenden_ zusammen. + +Die Sätze liegen im Rhythmus anders gefaltet als gewohnt. Sie unterstehen +der gleichen Absicht, demselben Strom des Geistes, der nur das Eigentliche +gibt. Melodik und Biegung beherrscht sie. Doch nicht zum Selbstzweck. Die +Sätze dienen in großer Kette hängend dem Geist, der sie formt. + +Sie kennen nur seinen Weg, sein Ziel, seinen Sinn. Sie binden Spitze an +Spitze, sie schnellen ineinander, nicht mehr verbunden durch Puffer +logischer Überleitung, nicht mehr durch den federnden äußerlichen Kitt der +Psychologie. Ihre Elastizität liegt in ihnen selbst. + +Auch das Wort erhält andere Gewalt. Das beschreibende, das umschürfende +hört auf. Dafür ist kein Platz mehr. Es wird Pfeil. Trifft in das Innere +des Gegenstands und wird von ihm beseelt. Es wird kristallisch das +eigentliche Bild des Dinges. + +Dann fallen die Füllwörter. + +Das Verbum dehnt sich und verschärft sich, angespannt so deutlich und +eigentlich den Ausdruck zu fassen. + +Das Adjektiv bekommt Verschmelzung mit dem Träger des Wortgedankens. Auch +es darf nicht umschreiben. Es allein muß das Wesen am knappsten geben und +nur das Wesen. + +Sonst nichts. + +Doch an diesen sekundären Dingen, nicht an den Zielen, scheitert gewöhnlich +die Diskussion. Die technische Frage verwirrt und wird gehöhnt. Man glaubt +sie Bluff. Nie ist in einer Kunst das Technische so sehr Produkt des +Geistes wie hier. Nicht das ungewohnte Formale schafft die Höhe des +Kunstwerks. Nicht hierin liegt Zweck und Idee. + +Der Ansturm des Geistes und die brausende Wolke des Gefühls schmelzen das +Kunstwerk auf diese Stufe zusammen und erst aus dieser gesiebten, +geläuterten Form erhebt sich die aufsteigende Vision. + +Die Menschheit aber will nicht wissen, daß unter dem Äußeren erst das +Dauernde liegt. Der Geist, der die Dinge hinauftreibt in eine größere +Existenz, anders geformt als die Sinne sie zeigen in dieser begrenzten +Welt, ist ihr unbekannt. + +Es ist ein lächerlich kleiner Sprung zu diesem Begreifen. Aber die +Menschheit weiß noch nicht, daß die Kunst nur eine Etappe ist zu Gott. + +Die Ziele aber liegen nahe bei Gott. + +Das Herz der Menschen strahlt über die Oberfläche hin. Persönliches wächst +in das Allgemeine. Seitherig übertriebene Bedeutung des einzelnen +unterzieht sich größerer Wirkung der Idee. Das Reiche entkleidet sich +seines äußeren Rahmens und wird reich in seiner Einfachheit. Alle Dinge +werden zurückgestaut auf ihr eigentliches Wesen: das Einfache, das +Allgemeine, das Wesentliche. + +Die Herzen, so unmittelbar gelenkt, schlagen groß und frei. Die Handlung +wird voll Ehrfurcht auch im Gemeinen. Die Elemente walten nach großem +Gesetz. + +So wird das Ganze auch ethisch. + +Nun aber springen die verwandten Züge auf. + +Sie liegen nicht in der vorhergegangenen Generation, von der diese Kunst +alles scheidet. Sie liegen nicht im einzelnen, nicht in der Gotik, nicht im +Nationalen, nicht bei Goethe, Grünewald oder Mechtild von Magdeburg. Nicht +in romanischer Krypta, nicht bei Notker, bei Otto dem Dritten, nicht bei +Eckehard, Chrestien von Troye oder den Zaubersprüchen. + +So einfach läuft die Geschichte der Seele nicht am logisch historischen +Band. + +Verwandtschaft ist nicht begrenzt. Tradition im letzten Sinne nicht +national oder an Geschichte einer Zeit gebunden. Nein, überall ist das +Verwandte, der Ansatz, das Gleiche, wo eine ungeheure Macht die Seele +antrieb, mächtig zu sein, das Unendliche zu suchen, und das letzte +auszudrücken, was Menschen schöpferisch mit dem Universum bindet. + +Überall wo die Flamme des Geistes glühend aufbrach und das Molluskenhafte +zu Kadavern brannte, Unendliches aber formte, als solle es zurückgehen in +die Hand des Schöpfers, alle dunkeln großen Evolutionen des Geistes trieben +dasselbe Bild der Schöpfung hervor. + +Es ist eine Lüge, daß das, was mit verbrauchtem Abwort das +Expressionistische genannt wird, neu sei. Schändung, es umfasse eine Mode. +Verleumdung, es sei eine nur künstlerische Bewegung. + +Immer wenn der oder jener der Menschheit die _Wurzeln_ der Dinge in der +Hand hielt und seine Faust Griff hatte und Ehrfurcht, gelang das Gleiche. +Diese Art des Ausdrucks ist nicht deutsch, nicht französisch. + +Sie ist übernational. + +Sie ist nicht nur Angelegenheit der Kunst. Sie ist Forderung des Geistes. + +Sie ist kein Programm des Stils. Sie ist eine Frage der Seele. + +Ein Ding der Menschheit. + +Es gab Expressionismus in jeder Zeit. Keine Zone, die ihn nicht hatte, +keine Religion, die ihn nicht feurig schuf. Kein Stamm, der nicht das +dumpfe Göttliche damit besang und formte. Ausgebaut in großen Zeiten +mächtiger Ergriffenheit, gespeist aus tiefen Schichten harmonisch +gesteigerten Lebens, einer breit ins Hohe wachsenden, in Harmonie +gebildeter Tradition wurde er Stil der Gesamtheit: Assyrer, Perser, +Griechen, die Gotik, Ägypter, die Primitiven, altdeutsche Maler hatten ihn. + +Bei ganz tiefen Völkern, die Witterung der Gottheit aus schrankenloser +Natur überstob, wurde er anonymer Ausdruck der Angst und Ehrfurcht. Großen +einzelnen Meistern, deren Seele von Fruchtbarkeit übervoll war, heftete er +sich als natürlichster Ausdruck in ihr Werk. Er war in der dramatischsten +Ekstase bei Grünewald, lyrisch in den Jesuliedern der Nonne, bewegt bei +Shakespeare, in der Starre bei Strindberg, unerbittlich in der Weichheit +bei den Märchen der Chinesen. Nun ergreift er eine ganze Generation. Eine +ganze Generation Europas. + +Die große Welle einer geistigen Bewegung schlägt überall hoch. Die +Sehnsucht der Zeit fordert das letzte. Eine ganze Jugend sucht gerecht zu +werden der Forderung. Was kommen wird, ist der Kampf der Kraft mit der +Forderung. + +Denn daß Kunstwerke entstanden, war nie allein Folge der Idee. _Sie_ ist +nur die Sehnsucht nach Vollkommenerem, die in die Menschen schlägt. Zur +Formung gehört die _Kraft_. Die Generation wird sie besitzen oder nicht. +Das liegt nach vorwärts und entzieht sich unserem Hirn. Um so schärfer, da +diese Hauptgefahr einer Bewegung noch im Dunkeln liegt, muß die Forderung +nach dem Echten mit Strenge gestellt sein. + +Nur innere Gerechtigkeit bringt bei so hohem Ziel das Radikale. Schon wird +das, was Ausbruch war, Mode. Schon schleicht übler Geist herein. +Nachläuferisches aufzudecken, Fehler bloßzulegen. Ungenügendes zu betonen +bleibt die Aufgabe der Ehrlichen, soweit es klarliegt und schon erkennbar +ist. Der tiefste Wert und der tiefste Sinn liegt uns allen verborgen. + +Nicht die schöpferische Stärke, die seltsame Außenformen annimmt, verwischt +nach außen das Gesicht der Bewegung ins Irritierende und Modegeile. Es ist +vielmehr das _bewußt_ durchgeführte _Programm_. Geistige Bewegung ist kein +Rezept. Sie gehorcht lediglich gestaltendem Gefühl. Da die Bewegung +durchgesetzt ist, beginnt ihre nachträgliche Theorie produktiv zu werden. +Sie wird Schule, wird Akademie. Die Fackelträger werden Polizisten, +Ausrufer der einseitigen Dogmatik, Beschränkte, Festgebundene an das Heil +eines Buchstabens. Stil in höherem Sinne setzt sich durch als Kraft, als +selbständige Wucherung, reguliert von tausend Zuflüssen und Strömen vom +Geist gebändigter Schöpferkraft. Nie als Form. Gerade die einfachen Linien, +die großen Flächen, die verkürzte Struktur werden einförmig bis zum +Entsetzen, langweilig zum Erbleichen werden, wenn sie nur gekonnt, nicht +gefühlt werden. Das abstrakte Wollen aber sieht keine Grenze mehr. Erkennt +nicht mehr, welch ausbalanciertes Vermögen besteht zwischen dem Gegenstand +und der schaffenden Form. Die Grenzen des Sinnlichen durchbrechend schafft +sie lauter Theorie. Da ist kein Ding mehr, das gestaltet, umgeformt, +aufgesucht wird, da ist, den Kampfplatz verlassend, nur öde Abstraktion. + +Hier wird wie oft vergessen, daß jede Wahrheit einen Punkt hat, wo sie, mit +törichter Überkonsequenz ausgeübt, Unwahrheit wird. + +Man ist nicht genial, wenn man stottert, man ist nicht schlicht, indem man +niggert, man ist nicht neu, indem man imitiert. Hier mehr wie irgendwo +entscheidet die _Ehrlichkeit_. Wir können nicht aus unserer Haut und +unserer Zeit. Bewußte Naivität ist ein Greuel. Gemachter Expressionismus +ein übles Gebräu, gewollte Menschen werden Maschinerie. Auch dies wird +Frage der dienenden Stärke. Hier ist das Treibende und Gemeinsame nur, der +Glaube, die Kraft und die Inbrunst. + +Wo dies aber beisammen sich fand zur mystischen Hochzeit, war +Expressionismus in jeder Kunst, in jeder Tat. + +Am Anfang die Schöpfung, die großen Kreise der Mythen, die Sagen, die. Edda +Bei Hamsun, bei Baalschem, bei Hölderlin, Novalis, Dante, bei den Utas, im +Sanskrit, bei De Coster, bei Gogol, bei Flaubert, bei der Mystik des +Mittelalters, in den Briefen van Goghs, in Achim von Arnim. Bei dem Flamen +Demolder, bei Goethe, manchmal bei Heinse. Im serbischen Volkslied, bei +Rabelais, bei Georg Büchner, bei Bocacce. Diese Namen, zufällig +herausgegriffen, sind kein Abschluß, keine Vollständigkeit, nur Andeutungen +und vielleicht nicht einmal hierin genügend. + +Es ist vom Wichtigen nur das eine und das andere. + +Aber sie leiten über. Da stehen die Heutigen. Da steht eine ganze +Generation. Die Generation Europas. Sie bildet aus tiefst leidender Zeit +den Menschen, die Liebe, die Welt, das Schicksal. + +Es kann große Kunst werden, babylonisch gelungener Turm über solcher Zeit. +Wenn die Kraft dazu langt. + +Denn die Ziele stehen klar und übersichtlich, in der Kunst wie in der +Moralität. Aber die Stärke der Begabungen übersieht hier keiner. Es ist +billig, zu tadeln, beschränkt, nur zu loben. Noch vermag niemand das +tiefere Bild zu entscheiden. Hier ist ebenso vermessen ja zu sagen wie +nein. + +Dies alles ist Schicksal. + +Uns vermag der Glaube, daß die Ziele dieser Kunst höher sind als die +vergangener unserer nahen Zeitlichkeit, nicht darüber zu täuschen, daß das +große Kunstwerk dennoch nur der große Schöpfer bildet. + +Dies ist das letzte. + +Die Tragödie der Zeit könnte es gewollt haben, die Begabungen zu verteilen +nach ihrem Ermessen und uns nicht durchdringbarem Sinn. Sie kann das eine +meinen wie das andere. + +Sie kann die großen Begabungen hinüberwerfen in Zeiten niederer Kunst und +die kleinen aufsparen für die großen Kämpfe und tiefen Ziele. Auch dies ist +hinzunehmen. + +Noch sind unsere Augen zu befangen. Noch haben wir nicht Raum zum Sehen. +Einziger Regulator geleisteten Werkes bleibt nur die Zeit. Das letzte +entscheidet, das wissen wir heute wie immer, die _Kraft_. + +Dies ist aber die größte Verwirrung, daß die Menschen, geschlagen von dem +Geist der Zeitlichkeit, die Ambition der Leistung verwechseln mit dem Werk. + +Wohl steigt der Wille des Geistes heftiger und höher heute, aber die +Entscheidung letzter Stunde liegt bei der _Persönlichkeit_. Niemand ist +gut, weil er neu ist. Keine Kunst ist schlecht, weil sie anders ist. Diese +Anmaßung wäre grenzenlos. Ruhig urteilendem Gefühl der Gerechtigkeit nach +ist nur das Gute dauernd, nur das Echte gerecht. + +Ein guter Impressionist ist größerer Künstler und bleibt für die Ewigkeit +aufbewahrter als die mittelmäßige Schöpfung des Expressionisten, der nach +Unsterblichkeit schaut. + +Vielleicht besteht vor dem Urteil des letzten Tages Zolas schamlose, +gigantische, stammelnde Nacktheit der Kraft besser als unser großes Ringen +um Gott. Auch das ist Schicksal. + +Vielleicht daß diese Kunst aber zu großen Dingen führt. Wir würden es +tragen. Vielleicht daß wir zu niederen Dingen nur ausersehen waren und die +Ziele nicht erreichen. Wir hätten auch dann Sinn gehabt. Wir hätten anderes +vielleicht erst spät einbrechendes Große vorbereitet, das Niveau an großen +Aufgaben geschult und einen tatsächlichen Stil der Epoche vorbereitet. Es +wäre menschlich auch dies zu tragen. + +Hier haben wir kein Wissen. Das steht bei Gott, der uns anrührte, daß wir +schufen. Wir haben kein Urteil, nur Glauben. Wir dienen auch im Geringen. + +Auch dies ist unsterblich. + + + + +Nachwort + + +Die beiden Versuche entstanden auf Anregung zweier Reden, die gesprochen +wurden, um ein Bild zu geben, einen Zustand darzustellen, keineswegs um ein +Programm zu postulieren. Die Rede über den Expressionismus wurde gehalten +im Dezember Neunzehnhundertsiebzehn vor der »Deutschen Gesellschaft« und +dem »Bund deutscher Künstler und Gelehrter«. Die Rede über die dichterische +deutsche Jugend im Mai Neunzehnhundertachtzehn in Stockholm, Göteborg, +Lund. + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Über den Expressionismus in der +Literatur und die neue Dichtung, by Kasimir Edschmid + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UBER DEN EXPRESSIONISMUS *** + +***** This file should be named 32450-8.txt or 32450-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/2/4/5/32450/ + +Produced by Jens Sadowski + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at https://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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Donations are accepted in a number of other +ways including including checks, online payments and credit card +donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. |
