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+The Project Gutenberg EBook of Über den Expressionismus in der Literatur
+und die neue Dichtung, by Kasimir Edschmid
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Über den Expressionismus in der Literatur und die neue Dichtung
+
+Author: Kasimir Edschmid
+
+Release Date: May 20, 2010 [EBook #32450]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UBER DEN EXPRESSIONISMUS ***
+
+
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+
+Produced by Jens Sadowski
+
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+Transcriber's Note:
+Text that was s p a c e d - o u t has been changed to _italics_.
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+Über den Expressionismus
+in der Literatur
+und die neue Dichtung
+
+
+
+von
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+Kasimir Edschmid
+
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+
+Vierte Auflage
+
+
+
+Berlin
+
+Erich Reiß Verlag
+
+1919
+
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+
+Spamersche Buchdruckerei in Leipzig
+
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+Fil. Dr. Malte Jacobsson und Ernst Norlind
+in der großen Erinnerung der Tage
+in Marstrand und Schloß Borgeby
+
+
+
+ Ach der Menge gefällt, was auf dem Marktplatz taugt,
+ Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen;
+ An das Göttliche glauben
+ Die allein, die es selber sind.
+ Hölderlin.
+
+
+
+
+
+
+
+Über die dichterische deutsche Jugend
+
+
+ _An ein skandinavisches Publikum (März 1918)_
+
+
+Nicht, was man wähnt, einigt uns: nicht jenes Alter auf der Wage schwankend
+der Zwanzig und Dreißig.
+
+Nicht unsere Geburt in solcher Zeit, die uns heißt, auf die Rechte der
+Jugend verzichten, die uns nimmt, was Generationen vor uns inbrünstig
+verführte: das Meer, die Welt . . . die uns Eingeschlossenen diktiert,
+statt Lockungen und Freiheiten nur das eine zu sehen: Tod und Pflichten.
+
+Nicht Kampf gegen schon Stürzendes verbindet, wo wir doch, toleranter,
+duldsamer als Vorangegangene, auf Formales geringsten Wert legen, wo
+künstlerische Fragen, im Äußeren nur ruhend, uns gleichgültig abgewendet
+sehen, vielmehr bedacht auf die Gesinnung.
+
+Die Bindung ist das Ziel geistiger Kunst.
+
+Wir spürten Jungsein in uns, als wir aufwuchsen, niemals um uns aber
+Jugend. Wir blieben einzelne, bis selbst schaffend, an gleicher Arbeit
+erglüht, wir gemeinsame Ziele, gleiche Begeisterungen an Stirn und Gesicht
+erkannten.
+
+Nun waren wir herausgeschleudert aus abseitiger Verzweiflung, nun waren wir
+ganz: Generation.
+
+Eine Welle steigt mit den Mannesaltern, oft seltener noch, auf, und ihr
+Zittern steht gefangen noch lange in der folgenden Zeit. Die Herzen stehen
+bei ihrer Hochfahrt gereckt, Enthusiasmus entflammt, aus großer gemeinsamer
+Idee gebiert sich die Gemeinsamkeit: Jugend.
+
+Denn junge Menschen gab es zu jeder Zeit. Junge Menschen gab es, solang wir
+unsere Knabenzeit zu den Jünglingen entfalteten und wuchsen. Nie aber stand
+sie als Schar. Nie als Phalanx. Nie sahen wir Zusammensein zu großen Taten,
+nie begeisterte Munde, die dies forderten, jenes schufen, anderes in
+heiligem Eifer zerschlugen.
+
+Jungsein allein genügt nicht.
+
+Ist nicht, was Generationen mit dem Unvergleichlichsten und
+Vergänglichsten, dem Namen der Jugend nennt. Es ist nur die Idee.
+
+Der junge Mann, den der Bürger soupçonniert, den der alte Mann haßt, den
+reife Frauen verlachen, der junge Mensch ist nur ein Mißverständnis des
+Temperaments. Jugend, geschart, rufend unter Fahnen der Idee, die sie
+führt, Jugend, geeint, ist eines der gewaltigsten Dinge, eine der
+Umwälzungen, die die Menschheit weiterbringen.
+
+Jugend dieses Sinnes heißt Revolution des Geistes.
+
+Wir, in steriler Zeit groß geworden, nach schon gestorbenen Naturalisten
+geboren, die Karusselle bürgerlichen Weltgefühls eitel um unser Erstaunen
+schwingen sehend, wir, im Wachsen von keiner Dichtung begleitet, wir, die
+entbehrte, sehnsüchtig erwartete Ziele demütig und verwundert in eigener
+Brust entdeckten . . . wo grüßt uns Herzschlag wie unserer, wo stürmten sie
+Barrikaden vor uns, wo dröhnte das Zittern zuletzt, das uns so beseligt
+. . . ist das nicht unsere Frage?
+
+Ganz unten steht die Rotte um Goethe. In deutschem Sturm und Drang bricht
+sich Bewegung, Soziales gemischt mit der Literatur, da bereitet chaotisch
+sich vor, was Harmonie werden soll, unser aus blutendstem Herzen
+erschrienes, aus letzter Sehnsucht und jetzt schon fast verzweifelt
+ersehntes Ziel: deutsche Kultur.
+
+Da unten zerstörten junge Dichter ihr Leben, da sie so leben wollten, wie
+sie dichteten, und da die Zerrissenheit ihres Geistes Ausgleich finden
+mußte in äußerem Schicksal.
+
+Glänzendes Feuerwerk.
+
+Revolte der Kraft gegen die Verzweiflung. Ihr Dasein zerfetzt wie ihre
+Dramen. Ihr Leben ist kurz.
+
+Sie gehen nach Rußland, sterben in Moskau, sterben in Italien, sterben in
+der Schweiz. Sie sterben in Deutschland.
+
+Als steiles Monument ragend immer nur: Goethe.
+
+Als hätten sie sich zerstören müssen, nach irgendeinem Schicksal, daß in
+Goethes Saft solch unaussprechliche Kraft und Süßigkeit flösse, die nach
+allen Seiten, gerecht und harmonisch, einen Untergrund legte zur
+künstlerischen Struktur unseres Geistes, unserer Zeit.
+
+Wieder eine Ballung, wieder ein großer Versuch zum geistigen Ausdruck: die
+Romantik.
+
+Da erhoben junge Leute sich zur Höhe des Gefühls. Da trugen Schwärmende
+durch die Strecke vom Hirn gesäuberter phantasieloser Jahre, durch Jahre,
+vertrocknet von Aufklärung, das Herz vor sich hin. Gelösten Schrittes aus
+Toga und Chiton herausschreitend zu phantastischem Barock, in
+mittelalterliche Bewegtheit, zog sie die Buntheit ihres Rhythmus zu den
+mystischen Quellen des Blutes.
+
+Ihr Stil erhielt Lockerung, ihr Geist die Spannkraft, in barocker
+Geistigkeit deutsches Wesen zur Idee zu schmelzen. Bewegung schüttelte die
+Literatur von innen. Nach außen war Stille.
+
+Nicht jener Feuerbrand der Franzosen: Mussets Lieder, die den Boulevard
+überflogen, Victor Hugos stampfende Forderung »couleur«, Théophile Gautier,
+Fels in roter Weste, der alle Premierenschlachten schlug.
+
+Nein, gelehrtenhaft ging es, wie es deutschem Wesen früher entsprach, in
+der Stille der Korrektheit bis zum Verwelken.
+
+Der letzte große Versuch zum geistigen deutschen Stil verflammte hier.
+
+Noch war der Leib des Volkstums nicht genug in Training, nicht stark genug
+von Massage. So brach die Welle ab, die vor säkularer Epoche Deutschland,
+seinem Mittelalter näher, des Stromes der Kraft eigenmäßiger bewußt, seinem
+Katholizismus dichter ans Herz binden wollte.
+
+Von da ab kein großer geistiger Zug mehr. Junges Deutschland mit liberalen
+Frondeuren. Naturalisten, schwächlicher Protest auf den Mechanismus
+ungepflegter Zeit, Bürgerliches, sich eitel spiegelnd auf Pferden und
+Schaukeln, immer wandernd um die eigene unwichtige Welt . . . dies
+Jahrhundert, es ward gegeben als eine Medizin, an der zu leiden aber nicht
+zu vergehen das Schicksal uns unerbittlich hieß.
+
+Bürgerliches Jahrhundert mit bourgeoisen Temperamenten, epigonale Ritter
+schon donquichottisch abgegangenen Geistes, zielloses Zerfasern des
+Menschen, Jahrzehnte, gesäugt von der Arznei bittersten Jahrhunderts mit
+kapitalistischer Fassade, immer nur das Eigentliche verschüttend, immer die
+Kulisse als Panier erhoben, Zeit, die sich trennte und manifestierte nach
+Klassen, Zeit der Rechtsanwälte, der Offiziere und Proletare . . . liegt
+nicht solche Zeit wie maskenhaftes Lächeln grandios agierenden Schicksals,
+weggenommen vom tragischen Gesicht der Zeit, irgendwo unwichtig
+abgeschüttelt schon der Vergessenheit zugewendet, vor der nur glänzendes
+Können einiger Künstler es schützt.
+
+Schwingt nicht ein Regenbogen?
+
+Läuft die Brücke des Geistes nicht ehern, von den magischen Punkten der
+Zeit zueinander gestellt?
+
+Steht nicht, über solche Epoche aufgeschleudert, der Bogen zu Füßen
+Bettinas, Tieks und Brentanos. Steht auf dem Aufprall des anderen Bogens
+nicht Jugend von heute, Herzschlag empfindend tief aus magischer Nacht
+verflossenen Jahrhunderts. Alle Herzen schlagend auf der Spitze der großen
+Gefühle, alle Herzen entflammt vom großen Gedanken der Menschheit?
+
+Hier steht, wenn so Vielfältiges sich einigen kann, eine Generation mit
+ihrer Idee.
+
+Das sind die Summen.
+
+Braucht es Ergänzungen? Reihen werden nur genannt, Generationen, die hin
+und wieder aufstehend, Gesicht und Geist der Zeit bestimmten. Dies sind die
+Linien.
+
+Nie aber ist jugendlicher Opfermut, Begeisterung der Jugend hiermit
+erschöpft.
+
+Die gab es, in einzelne zersplittert, jede Stunde, jeden Tag. Einzelgänger
+haben wir mehr als ein anderes Volk. Hätten wir Kultur, hätten wir diese
+nicht, die an den Wänden unmitteilsamer Zeit das Hirn zerschlugen.
+
+Wo waren unseren Dichtern mütterliche Jahre, wo nahm empfangender,
+wiederschenkender Boden des Volkstums sie auf? Ausgespien wie aus dem Mund
+der Apokalypse, ging ihre Fahrt in den Irrsinn, die nichts hielt, nichts
+begriff und niemand liebte.
+
+Eigenwille und Chaotisches ihr Merkmal. Gigantische Begabung ohne Ziel ihr
+Fatum.
+
+Haben wir nicht Jahrhunderte nur nach innen gelebt und nie nach außen? Wo
+ist Ansatz einer Kultur, da noch der Leib des Volkstums zuckt vor eigenem
+nicht beendetem Gebären? War nicht lange unser Künstler ein Gelehrter,
+Dichter ein Sonderling, der Akademiker ziellose Hilflosigkeit im Dasein?
+
+Wir, dieser Zeit heftiger ausgeliefert, sie darum unerbittlicher
+bezwingend, enger verstrickt als je Dichter einer Zeit, hingegeben in
+tödlichem Maße, wir sind erst langsam an dem Anfang und dem Willen,
+deutschen Stil zu formen.
+
+Wir stellen die Forderungen, messen den Maßstab, heben die Fahne, ohne
+Rühmenswertes dabei zu finden, nur gehorchend der innersten Nötigung. Wir
+wollen die Tradition des von selbst sich auswirkenden tätigen Geistes.
+
+Wollen endlich für die Deutschen Fundament.
+
+Erstreben jene lange Kette, von Nabelschnur zu Nabelschnur geleitet, die
+die große bewunderte Literatur unseres romanischen Nachbarvolkes, die die
+Literatur Frankreichs rund macht, unübertrefflich, durchlebt zur Harmonie.
+
+Ach, es ist kostbarste Kraft fast ohne Maß verschäumt worden, ohne
+sichtbares Resultat, aus der Eigenbrötlerischkeit der Deutschen, die wieder
+ihre liebenswerte Stärke ist.
+
+Tausende starben, verzweifelt, Hände wund, Blut verspritzt, hoffnungslos
+über das Ziel . . . Tausende, deren Werk, aufgefangen, unsterbliche
+Leistung für sich vorwärts bewegende Menschheit wäre. Sie alle,
+Vereinzelte, fielen: Pioniere kommender Kultur. Losgerissene vom
+Mutterboden, Vagierende, Aufzuckende, Suchende nach dem großen Zentrum
+ihres Wesens . . . was blieb als Tod?
+
+Opfermutige kühne Jugend gab es jede Stunde, jeden Tag. Ach, ihr Dasein,
+ihr Kämpfen, jene Jünglinge und Männer, titanenhaft über die Möglichkeit
+ihrer Zeit begehrend, die ihre Spannung nicht aufnahm, ach, das Dasein
+dieser Jugend ist das heroischste Thema unserer tragischen Geschichte.
+
+Werke schaffen von oft unerreichter Größe des chaotischen Aufbaues, suchend
+ohne Ende, irrend an den Rändern des Radius, Vorstoß von jedem Punkte der
+Peripherien, stets die Mitte wollend, die nicht bestand.
+
+Gibt es Literatur, die mehr in solchem Ringen bestes Blut verspritzte?
+
+Gibt es Literatur, reicher an Opfern der einzelnen, an Beispiel nicht
+geahnter Hingabe des Geistes?
+
+Gibt es Literatur, wo die Besten, so viele der Auserwählten im Wahnsinn
+erst, im Tod Erlösung fanden? Gibt es nicht die unsterblichen Namen, den
+unsterblichsten Namen: Hölderlin?
+
+Ging darum nicht Georg Büchner in so frühen Tod, weil sein ungeheurer
+Ausbruch vorbeizuckte an der Zeit?
+
+Verkam darum nicht Grabbe, verreckte nicht Lenz?
+
+Stand nicht Hebbel wüst kämpfend gegen die Epoche, schoß Kleist die Kugel
+nicht durch sein unauslöschliches Leben?
+
+Ist nicht solches Schicksal, das ich anrufe, das Tragischste und Panische,
+die Tragik, die ich beschwöre, wenn ich Nietzsches heiligen Namen nenne?
+
+Trägt solch eigenwillige tapfere Jugend, in die Pausen der Geschichte
+gesprengt und verzischend, nicht Vermächtnisse der letzten Bedeutung?
+Umflorte Historie der deutschen Dichter, um die das Bürgerliche wuchs und
+gedieh, die wahnsinnig wurden, verreckten, als Alkoholiker eingingen wie
+Tiere? An Mutigen hat es nie gefehlt.
+
+Nie war Tapferkeit ein Fehler unseres Volkes in der Handlung.
+
+Nie auch im Geiste.
+
+Uns fehlte nur Zeit.
+
+Nichts verbindet außer der Tragik solch Abgesprengter und Suchender den
+letzten geistigen Ausdruck der deutschen Dichtung, nichts bindet als sie
+Bettina an unsere Zeit.
+
+Der Weg der Dichtung unserer Tage führt aus der Hülle zur Seele, aus dem
+Rang zum Menschen, vom Schildern zum Geist. Die Kunst wird positiv, sie
+zerfetzt den Menschen nicht mehr, sie gibt den Kosmos in seine Lunge.
+
+Befreite aus dem Ballon von Glas, der ihr Leben umfaßte, sehen die Menschen
+endlich die Welt, in der Gefühle steigen, fallen, sich regulieren, die
+Senkrechten ohne Ende sind, der Horizont ohne Maß. Vor in den Hintergrund
+getretener, vor bürgerlicher, kapitalistischer Welt, solchem Ziel, solchen
+Künsten zugewandter Stirn, steht die dichterische deutsche Jugend, große
+Gedanken der Menschheit wieder denkend, stärker noch entflammt als die
+Fechter der Romantik, die verschwommen noch nach dem Geiste suchten.
+
+Ihre Zeit gehäuft von Leid, ihr Schicksal prometheisch angeschmiedet ans
+Kreuz solchen Daseins, ihre Seele zum Grauen ergriffen vor dieser Opferung
+. . . wann in Jahrhunderten erlitt Jugend so Hartes?
+
+Aus Katastrophen und Zusammenbrüchen als einziger Halt eine Jugend, streng
+die Forderungen der Menschlichkeit aufgepflanzt, unerbittlich die Hand auf
+den Zielen, Schicksal dieses Krieges hinnehmend als Schickung wie anderes
+Leid, aber hingerissen dadurch, den Glauben noch höher fliegen. Wollen
+härter schweißen zu lassen, im Mord die eherne Stimme der Gerechtigkeit
+erbrausen zu sehen, im Wahnsinn der Ereignisse das entflammte Herz sicher
+in steter Berufung zu tragen . . . wann geschah solches?
+
+War vor diesen Katastrophen diese Jugend gehöhnt, gescholten, nur die
+Seltenen berührend, nun wuchs sie zum Ausgleich. Spielen die Schaubühnen
+nicht Stücke, die unzumutbar bürgerlichem Publikum früher erschienen? War
+Dichtung nicht Privileg weniger Köpfe in Deutschland . . . lesen nicht
+Jünglinge, Männer Bücher ihrer Dichter, wie nie früher Dichtung gelesen
+ward? Sagen Schauspieler nicht Verse auf Podiums und Kathedern? Erklärt
+solches Geheimnis fabulöser Wirkung nicht sich allein durch seine
+Einzigartigkeit selbst?
+
+Ewiges Wechselspiel der erlesenen Kräfte.
+
+Durstet die Zeit nicht nach der Kunst, die aus dem Geist kommt und nicht
+aus dem Stückwerk der Menschen? Braucht die harte Epoche nicht den Halt,
+der nicht in der fließenden Zeit steht, sondern aufgepflanzt im Innern der
+Menschen? Ist etwas mehr not als Trost gleichzeitig mit Erhebung? Ist ein
+Zweifel, daß Kunst in den Zielen enorm sein muß, die von Zeitgenossen, die
+leiden Stunde und Tag um Tag, begehrt wird mit solcher Inbrunst? Daß eine
+Kunst tief nach Wahrheit gehen muß, die selbst über Mode und den Snob hoch
+hinaus gesucht wird, obwohl sie schwer ist, schwerer als jede Kunst, die
+Deutschen seither ward in der Dichtung? Ist es eine Frage, daß nur groß
+gespannte Kunst dies Menschen reichen kann, deren Sehnsucht so nach
+Tiefstem geht? Ist es eine Frage, die fast nicht zu stellen mehr, kaum der
+Antwort bedürftig ist, daß diese Kunst nichts in ihren Achsen bewegt als
+jene Kraft aller Größe: Idee der Menschheit?
+
+Den schlichten Menschen in demütiger Höhe als Instrument . . . was bedarf
+es weiter? Die Welt steht offen mit Frage und Antwort.
+
+Großen Gefühlen untertan, auf ihnen schweifend . . . was sollen da Themen,
+was soll der bürgerliche Gehalt vergangener Kunst?
+
+Das Neue geht weit über Literatur, wird schon Frage der Moralität.
+
+Solche Dichtung ist ethisch von selbst: der Mensch vor die Ewigkeit
+gestellt.
+
+Keine Predigt.
+
+Nie erbauende Literatur.
+
+Aber Wille zur Steigerung und Hebung der Menschen . . . ihr Gehalt.
+
+Drei kreisende Ringe in der Brust, die seit Ewigkeit große Kunst bewegten
+. . . dies ist, was sie erfüllt auf dem Wege: Liebe, Gott, Gerechtigeit.
+
+Wie die großen Maler hingegangener Zeit mit wenigen Vorwürfen ihr ganzes
+Leben verbrachten, den gleichen Vorwurf immer mit neuer Gläubigkeit inniger
+gestaltend, läuft Kunst, die nicht nur die Literatur, die die Menschen
+angeht, stets nach gleichem Ziel.
+
+Kreist solch Schaffen um den schlichten unverbildeten Menschen, hebt sein
+Element ihn über Kausales, muß seine Handlung gerecht sein auch im Bösen,
+letzthinnig in beliebiger Schlichtheit, vom dunklen Drang des Ethos
+angedonnert in _jeder_ Handlung.
+
+Die jungen Dichter, diesem Menschen die Freiheit gebend, dem Ausschlag
+seines Gefühls zu folgen, wohin es führe . . . die jungen Dichter, die
+wählen lassen zwischen Laster und Güte, sehen, wie von magnetischem Pole
+angerissen, ihre Menschen alle zur Güte streben. Doch nichts von Weichheit
+vor solchen Aufgaben! Nichts Gebundenes, selbst nicht in christlichem
+Sinne.
+
+Selten war Überschwang so hart, Kunst so stürmisch, Rhythmus der Seele
+derart unbändig geführt. Menschen schaukeln im Kosmos. Liebe ist ihnen
+Neigung zur Menschheit. Ist Religiosität, die über Konfessionelles hin das
+letzte, das streng gerichtet Rechte will.
+
+Donnernder schallt ihnen als die Kanonen der größten Offensiven das Wort
+der Zusammengehörigkeit unter den Menschen. Ist Kampf, sei er vom Geist.
+Sie wollen Gerechtigkeit, aber nicht von der Macht, ungeistig wie nur eine,
+sondern Gerechtigkeit der Tat und Liebe. Kämpferisch wie kaum eine
+Generation kämpfen sie um den Geist. Aus Blut und Qualm der Epoche sich
+hebend und fordernd treffen sie auf solchen Wegen Gott.
+
+Mit fiebrigen Händen, heißen Munden suchen sie; ergriffenste Prosa,
+unerhörter Rhythmus leidenschaftlichsten Gedichts fängt ihn ein. Jede Erde,
+jedes Blatt, jedes Tier erliegt der Beschwörung, einzustimmen in solche
+Harmonie. Kein Raum, der nicht mitzittert im religiösen Akkord der
+einfachen Schöpfung.
+
+Gott wird überallhin wiedergeboren.
+
+Seine Liebe schlägt zurück, ein Kranz bindet sich um die metaphysisch
+schwebende Erde. Nur das Wichtige hat Sinn, nur die Förderung, die jedes
+Echte trägt. Jedes Ding, angegriffen, bestürmt, entschält sich. Voll
+Ehrfurcht nähert Dichtung sich dem nur Wichtigen, dem Kern des Dinges.
+
+Keine Fassade mehr . . . Gefühl nur der Menschen . . . Erde unter
+unwägbarem Himmel . . . Melodie der Schöpfung aus dichterischem Ruf.
+
+Neue Zeit mit unwahrscheinlichen Kämpfen naht und droht.
+
+Gelassen und mutig sieht das Geschlecht nach vorn. Ihm gibt es nur
+Menschen, ohne Vorurteile, ohne Hemmung, ohne gezüchtete Moral. Ihm gibt es
+keine innere Trennung der Nation zu Nation. Sieht so gerichteter Blick
+nicht durch das Volk zum Menschen?
+
+Bewußtsein der Verantwortung bringt die Verpflichtung. Ahnen, Vorhut zu
+sein kommender Menschheit, großen Marschtritts ähnlichen Wollens Vortreter
+zu sein nur in einer Epoche der glatten Macht, der Militärs, der
+Knebelungen gegen die Freiheit und den Geist der Zeit, zwischen tausend
+Schlachten der Völker . . . Blutschuld am Geiste heißt verpflichtet sein,
+was gleicher Gesinnung vorausging.
+
+Dies geht über Deutschland auf Europa. Nach Westen gerichtet, Verehrung den
+großen Genien französischen Namens, gewiß, daß ebenso wie ohne Jean Paul,
+ohne Hölderlin, Luther und Goethe die Geschichte der Menschheit undenkbar
+sei ohne Voltaire, Pascal, Rabelais, Rousseau und Balzac. Nach Osten zum
+Licht des russischen Volkes gesprochen, Ehrfurcht Tolstoi, Gogol, Puschkin,
+Dostojeweski! Aus dem Norden hallend die Stimme des wilden, auch in
+Zerrissenheit noch an die Güte, an die Menschheit geklammerten Strindberg.
+
+Geht solche Verpflichtung nicht weiter? Überschreitet den dünnen Bord
+Europas? Kommt auf die Welt? Schafft Liebe nicht grenzenlos sich zu jedem,
+das die Welt weiterschafft?
+
+Ist solcher Geist, in Katastrophen erhoben, in Gewittern der Seele gesalbt
+von Blitzen des Grausens, aus Büchern ergreifend, auf Schaubühnen das neue
+Pathos erhebend, steil die Gesinnung vor sich aufgerichtet, ist solcher
+nicht anderer Zeit als der gegenwärtigen uns täglich mit Sinnlosigkeit, mit
+Drohung, mit diktatorischem Irrsinn schlagenden fast schon zugehörig?
+
+Revolution des Geistes schafft neue Form, der Bruch mit der Vergangenheit
+wird radikal. Kellers große Tradition versumpfte in bourgeoiser Niederung.
+
+Größer entfachtes Weltgefühl schafft die Kunst zur Vision. Nun diktiert der
+Geist, wohl eng verschmolzen der Materie, doch sie gestaltend, nicht in
+ihrer Abhängigkeit. Doch auch nicht in der dünnen Sphäre saftloser
+Geistigkeit. Die Gleichung heißt Geist und Blut. Nicht Geist und Geist. Wir
+wollen nicht schemenhafte Arien, die viele heut singen. Wir wollen den
+Naturalismus aufpeitschen zu fanatischer Vision. Das Ding vergewaltigen im
+Geist . . .! Prosa wird wieder Dichtung. Theater Kampfplatz größter
+Zusammenhänge der Seele. Sätze gestrafft mit der Biegung adliger Linie
+schöner Leiber. Form und Gehalt schon eins geworden, elastisch und bebend,
+stark die Verzückung und die Forderung zu tragen . . . ist dies nicht
+genug?
+
+In einem zentaurischen Bilde liegt das Gemeinsame verschmolzen: der Träger
+und das Getragene . . . unbändige im Gewitter des Ethos erscheinende
+Dichtung, schlank im umzuckten Lauf, stark aus den Lenden emporgetaucht das
+männlich Getragene. In der Neuheit des Bildes aber verwirrend, doch
+siegreich und schön wie Kyniska, die erste Frau, die in Athen sich Pferde
+hielt und, selber lenkend, in den olympischen Spielen mit ihnen siegte.
+
+Doch vielleicht erscheint es, daß Sie, wenn ich skandinavischem Publikum,
+dessen Dichter ich nicht nur verehre, sondern deren Atem ich liebe und
+deren gutem Geist ich ohne Ermüdung Verkünder bin in meiner Heimat . . .
+daß Sie, wenn ich schwedischem Publikum unsere Ziele dergestalt bringe,
+lächeln über so viel Begeisterungsfähigkeit eines Deutschen, der, seiner
+Nation Tugenden übertreibend, von eigenen Dingen, der von den Zielen seiner
+Generation allzu hingegebenen Herzens redet, fast der Kritik nicht mehr
+mächtig und illuminiert als ein Schwärmer.
+
+Was tat ich?
+
+Gab ich anderes als Glauben?
+
+Kamen hier Feststellungen über meßbare Zeit?
+
+Nur Linien des Geistes.
+
+Kann dies fallen? Niemals schwankte in irgendeiner Historie Begeisterung
+mit so starkem Ziel. Was sollen die Menschen? Rührt nicht an die Tragik,
+ihr Schicksal. Das ist kommender Zeit dunkel angehörig. Jugend, so
+vielspältig in Aufbau, Gebärde, Gehalt . . . kann anderes sie halten als
+eine Idee.
+
+Würde dies falsch sein, was ich sage, versagten sie alle. Es bliebe stehen,
+steiler als je. Dies ist die Grundlage des Jahrhunderts. Ob erreichbar, ob
+nicht, es bleibt gepflanzt. Es bleibt geglaubt. Das nimmt nichts. Auch
+nicht mörderischste Zeit.
+
+Selbst wenn alle Begabungen, schlecht gewertet im künstlerischen Maßstab,
+taub aus der Geschichte fielen, diese erstrebten Werke im Schatten später
+größer aufsteigenden Lichtes faulten. Dichter das in Zukunft träge und feig
+im Erwerb desavouierten, was heute ihr Lob ist, ja ich selbst, der dies
+heute kündet, es unaufhaltsam in späteren Jahren irr und grausam schmähte
+. . . was machte dies all?
+
+Ohnmächtige Auflehnung gegen den Geist, der treibt und schafft.
+
+Setze ich anderes hier fort als die Tradition meines Volkes, das die tiefen
+Ideen, die es einmal erkannte, in den besten Erscheinungen bis zum Tode
+festhielt, im Glauben oft unerbittlicher als in der Handlung, für welche
+die andere Seite des Volkes oft einstand, die weniger zum Geist gehörte?
+Setze ich anderes fort als die Geschichte der Jugend Deutschlands,
+Geschichte erlauchter Männer und Jünglinge, den immer wiederkehrenden
+tragischen Intervall unserer Geschichte? Denn hätten wir wie jene den
+Glauben nicht, wie sollten wir heute bestehen?
+
+Vielleicht aber sehen wir, nach der Pause des Jahrhunderts den Geist
+vielstimmig, doch eindeutig aus uns rufen hörend, ja Denkmale neuen
+Weltbilds um uns da und da schon aufgerichtet erblickend, vielleicht sehen
+wir Erfolg zu sicher und nah.
+
+Vielleicht überschätzen wir, wie Sie kühleren und nordischeren Geistes
+bestimmter abschätzen, Leistung bereits mit der Idee, die führt.
+
+Vielleicht, ach, ist auch uns das Schicksal unserer brüderlichen Jugend,
+die vor uns stritt, wahnsinnig ward und verreckte, vielleicht ist uns auch
+das Schicksal aller bester deutscher Jugend bestimmt, statt der Erfüllung
+. . . auch nur Leidensstation zu sein deutschen Geistes und der Welt.
+
+Daß uns nichts bleibt, die glaubten, aus so viel edlem hingegangenen Blut
+die endgültige Fahne zu heben, statt Ernten und Beginnen nichts als
+Vorbereiten im Leid.
+
+Sollte das Ziel im Beginn schon immer entweichend, Traum unserer Kultur ein
+Phantom, flüchtig gleich einem Tier und nie einholbar bestem Herzblut
+bleiben? . . . Ach, sollte die Tragik deutscher Jugend ohne Ende sein?
+
+Medusisches Antlitz der Verheißung wieder verschwimmen? Alles umsonst getan
+sein in der Zeit, wo deutsche Jugend, zerstückt wie nie, unter Feuer und
+Eisen der Kanonen verdirbt, alle Begeisterung, alle Anstrengung umsonst in
+der Wirkung, die wir der Sinnlosigkeit entgegenhalten? Ach, Sie, der Sie
+solches nicht vom satanischen Mittelpunkt, es in abgeschwächten Echos der
+Peripherie und entfernter nur spüren, Sie ahnen die Anspannung nicht, mit
+der wir das Gegengewicht halten dieser Welt jeden Tag. Sollte dies zwecklos
+sein? Kann man das glauben? Wo bliebe Gerechtigkeit, Sieg des Geistes? Das
+Ziel herrlich gepflanzt in solcher Zeit, und nichts erreichen . . . wie
+schmerzlich. Wäre es möglich, frage ich, in solcher Zeit zu leben ohne den
+Glauben an die Menschheit unserer Idee, an die innere Überlegenheit unserer
+Minorität? Wäre es möglich, einen Tag nur zu existieren, ohne daß Geist,
+heftig umwerbend, über uns stände? Unmenschlich und sinnlos der Zweifel.
+
+Kein Nacken erhöbe sich, kein Lächeln erleuchtete mehr die Welt, fiele er
+nicht ab. Kein Hirn wagte den Gedanken der Menschheit einmal nur noch zu
+fassen. Wäre zu denken, daß einem dies fehlte?
+
+Fiele die Erde nicht, meteorisch und zwecklos, feuergeflügelt ins Nichts?
+
+Wäre der Mensch denkbar, wäre es möglich, daß es einen gebe, einen, der den
+Mut, der die Stirn hätte, die unmögliche, dieser Zeit nur den Blick eines
+Auges lang entgegenzutreten ohne den Glauben?
+
+Bedenken Sie diese Frage, die fast eine verzweifelte ist, aber als
+bestätigende und sichere sich ausweist . . . ich weiß, Sie werden und
+müssen die Antwort, damit gerecht gemessen werde, Sie müssen die Antwort
+sagen:
+
+Nein.
+
+
+
+
+Über den dichterischen Expressionismus
+
+
+ _(Herbst 1917)_
+
+
+Wenn man, selbst verstrickt in eine Bewegung, (auch wenn sie einem selbst
+keinen aktuellen sondern nur über-zeitlichen Sinn hat . . .) darüber
+auszusagen den Drang spürt, bedarf es vor allem Unerbittlichkeit und
+Hingabe. Voll tiefem Glauben an die Idee habe man Mißtrauen gegen die
+Zeitlichkeit.
+
+Unser Blick, allzusehr befangen im Irdischen, täuscht unsere Liebe zu
+leicht.
+
+Inbrunst ohne die Strenge aber ist zügellos. Der Glaube nur, der sich aus
+Sehnsucht selber peinigt, wird endlich aktiv. Tieferer Sinn steigt erst aus
+der Mißhandlung. Schmähung der eigenen Hingabe macht sie erst süß. Hier muß
+viel gewagt werden, um das Undeutliche zu vermeiden, alles, um das Gerechte
+deutlich zu machen.
+
+Eifer allein ist die Leidenschaft des Beschränkten.
+
+Kühnheit, die sich quält, ist das Ziel des Edlen und Tapferen.
+
+Schon der Außenstehende hat zwischen dem Absoluten und sich die Zeit. Der
+Innenstehende und Beteiligte hat zu der Zeit noch die Sehnsucht, daß der
+Ausdruck, dem er die unendliche Form gibt, der dauernde sei. Ihm verwirrt
+das Urteil noch dazu die Liebe.
+
+Es gibt darum nur eine Forderung: Grausamkeit.
+
+So allein vermag manchmal das objektive Bild aufzustehen und blank zu
+scheinen. Doch auch dies ahnen wir nur. Die letzten Urteile werden erst in
+der Zeit gefällt, nicht in der Zeitlichkeit unseres Tags.
+
+Um gerecht zu sein, bedürfen wir vieler Distanz. Die aber haben wir nur
+durch den Mut der Strenge. Ja, wir müssen es wagen, voll Hoffnung,
+unsterbliche Ziele aufzutürmen, den Gedanken zu halten, wir seien ein
+Spielzeug nur der Schöpfung und was uns groß erschien und das Höchste, sei
+nur ein kleiner Versuch. Hohn käme über das, was wir liebten, Verachtung
+auf unsere Inbrunst. Auch dies bedenkend, muß der Angriff gewagt sein.
+
+Es muß der Mut da sein, größer als jener, der bejaht, sich selbst zu
+schänden, zu bluffen, geformtem Ding den Schädel einzuschlagen, voll der
+Neugier, ob Bleibendes sich weise. Nur Wille, sich selbst zu mißtrauen,
+macht die Sehnsucht frisch, das Positive rund.
+
+Nur so erhält das prüfende Auge Distanz.
+
+Nur so verschwindet das gorgonische Haupt der Bewegung, das die Zeit
+umspielt, und wir greifen ihr ins Herz. Mit einem einzigen Griff. Sein
+Ausschlag, seine Zuckung weist in Vergangenes, weist in das Kommende.
+
+Durch strengste Forderung allein kommen wir zu überzeitlichem Urteil.
+Vielleicht aber müssen wir hier auch nur stehen, glaubend und hoffend, aber
+nicht wissend. Aber eines besitzen wir zum wenigsten dann: geprüfteren
+Blick.
+
+Der Blick geht auf die Historie.
+
+Doch ist diese nur logisch, dunkleren Zusammenhängen der Idee gegenüber
+taub. Logisch entwickelt der Geist sich nicht, tieferen Kräften nach steht
+er auf und braust oder schweigt. Wir fühlen ihn nur. Zusammenhänge laufen
+nicht geradlinig, mehr unter als in der sichtbaren Zeit. Dazu kommt, daß
+auch rein formale Entwicklung bei uns getrübt ist. Auch das rein
+Orientierende am äußeren Verlauf der Entwicklung ist in Deutschland schwer.
+
+Wir haben noch nicht Tradition, noch nicht gefestigten Mutterboden, aus dem
+in organischem Wachstum die Idee sich entwickelt.
+
+In Frankreich etwa steht jeder Revolutionär auf den Schultern seines
+Vorgängers. In Deutschland hält der Achtzehnjährige den von Zwanzig für
+einen Idioten.
+
+In Frankreich verehrt der Junge im Älteren irgendwie den Erzeuger. Bei uns
+ignoriert er ihn. Aus dem Zentrum völkischen Weltgefühls schafft der
+Franzose. Der Deutsche beginnt jeder von anderer Stelle der Peripherie. Bei
+uns ist vieles noch Zuckung sich gestaltender völkischer Mentalität. Vieles
+noch stürzendes Chaos, noch nicht starke tragfähige Ebene.
+
+Darum haben wir wildere, unendlichere aber zerrissenere Kunstwerke. Andere
+Völker haben mehr die stete Form.
+
+So ist selbst schwer beim Suchen des Wesentlichen die formale Entwicklung
+aufzuzeichnen. Historie bedeutet auch hier nur die äußere Leitung.
+
+Seit der Romantik war Stagnation.
+
+Der große Bogen bürgerlichen Gefühls, der zu enden anhebt, begann. Gegen
+ausgepumptes Epigonentum schlug die naturalistische Welle. Aus Schminke,
+Fassade und Feigenblatt brach schamlos die Tatsache. Nichts vom Wesen eines
+Dings. Nichts Eigentliches, was der Gegenstand unserer sensuellen Welt nur
+zudeckt. Nur Notiertes, nur endlich Ausgesprochenes. Aber mit grandioser
+Wucht. Lauter Dinge, belanglos für das Kunstwerk in seiner letzten Form,
+aber Anstöße, Kampf.
+
+Der Naturalismus war eine Schlacht, die wenig Sinn für sich hat, aber er
+gab Besinnung. Da standen plötzlich wieder Dinge: Häuser, Krankheit,
+Menschen, Armut, Fabriken. Sie hatten keine Verbindung noch zu Ewigem,
+waren nicht geschwängert von Idee. Aber sie wurden genannt, gezeigt.
+
+Nackte Zähne der Zeit klafften und zeigten Hunger.
+
+Er warf auch menschliche Fragen auf und brachte das Eigentliche damit
+näher. Er mischte sich mit Sozialem eng: schrie . . . Hunger, Huren,
+Seuche, Arbeiter. Doch ohne Ahnung seiner Grenzen focht er nicht nur gegen
+die Form der Zeitlichkeit, er hatte schöpferische Ambition. Er glaubte ohne
+Geist sein zu können, begann den Zikadenkampf gegen Gott.
+
+Das löste ihn sofort auf.
+
+Er dauerte kaum einen Atemzug. Gegen seine wüste Orientierung gab es einen
+Gegenpol voll Aristokratie. Gegen den Lärm Adel, das Asoziale, das
+Kunst-à-tout-prix. Die Überschätzung des Maschinellen ließ auf die Seele
+deuten. Hier wurde zum erstenmal wieder Dichtung.
+
+Stefan Georges große Gestalt erhebt sich da. Doch war es ihr, die noch zu
+nah den reinen Tatsachen stand, nicht gegeben, Tempo, Geist und Form zu
+großen, umfassenden Schöpfungen zu verdichten. Dazu war die Zeit noch nicht
+reif. Das wesentlichste Verdienst dieser Bewegung ist der Wert, den sie auf
+das Formale legte.
+
+Man begann sich wieder zu besinnen, was Schilderung und was dagegen
+Dichtung sei. Die Unterschiede zwischen Schriftsteller und Dichter wurden
+klar.
+
+Sie wurden allzu klar gelegt. Denn so lief diese Bewegung in Erstarrung.
+Man verwechselte Dichten und Würde. Man glaubte, das Wesentliche sei das
+Erlauchte, und Würde sei besser als der Mut unbedenklichen Zugriffs. Es
+wurde Cenacelkult getrieben. Ästhetentum verbreitete sich und traf in eine
+Zeit, die reich geworden, von den Gründerjahren und dem Zustrom des Geldes
+übersättigt, noch völlig ohne die Struktur eines kulturellen Zeitbodens,
+glaubte die schöne Décadence spielen zu können. Immerhin aber hob sich das
+ganze Niveau.
+
+Man konnte nach George nicht mehr vergessen, daß eine große Form unumgängig
+sei für das Kunstwerk. Man konnte nicht mehr nur durch Kraßheit,
+Photographieren der Wirklichkeit, nicht mehr mit flauen Sentiments nach
+dichterischen Zielen greifen. Das strenge Gesetz Georges brach über den
+Rand des Geheimbunds, kam in Lyrik und Essai und Roman, auch ins Drama und
+half erziehen.
+
+Der Impressionismus begann, die Synthese ward versucht.
+
+Sie ward sogar erreicht in einem gewissen Bezirk. Die leitenden Ströme der
+Zeit schlossen sich zusammen, aber sie entzündeten sich nur am Moment.
+
+Es wurde die Kunst des _Augenblicks_.
+
+Man war geschult und hatte Vorwürfe. Mit nervöser Zärtlichkeit behandelte
+man die Objekte. Sprunghaft setzte man Stück an Stück. Mit gehobener
+Technik vermochte man die Dinge anzugreifen, doch wurde es oft Deskription.
+Das Eigentliche, der letzte Sinn der Objekte erschöpfte sich nicht. Denn
+der Lichtstrahl des Schöpfers überzuckte sie nur kurz.
+
+Es gab blendende Gebärden, göttliche Momente. Das Unsterbliche tauchte
+bestürzend auf und verschwand.
+
+Es war wie die Anrufung eines Geistes, dessen Umriß zitternd in der Luft
+schwebt, geahnt wird, aber nie mit Brausen in die Form der Wirklichwerdung
+stürzt. Es gab Momentbilder von Schönheit, gab Gesten von Tiefe, es gab
+vielleicht eine Tat, eine Handlung, eine kurz herausgebrochene,
+unsterbliche Schönheit.
+
+Aber auch diese Zeit lag noch in jenem Riesenbogen, der, bürgerlichen
+Vorstellungen zugängig, kapitalistischen Zusammenhängen unterworfen, privat
+blieb.
+
+Nöte und Sorgen des Individuums lebten darin. Die bürgerliche Gesellschaft
+gab ihr Thema, Not und Gehalt. Ehe, Familie, bürgerliches Dasein wurden
+Themen, die man künstlerisch und technisch geschickt verarbeitete.
+
+Versuchte man Kosmisches, ward es nicht erreicht, blieb im Lallen, gab man
+Natur, ward es Ausschnitt, gab man Leben, war es Sekunde, gab man Tod, war
+es nur das Erlöschen, nicht das ungeheure nie endende Geschehen des
+tragischen Hingangs.
+
+Der Impressionismus, der so nie total ward, nur Stückwerk gab, nur
+dramatisch oder lyrisch oder sentimental für _einen_ Gestus, ein Gefühl
+war, diese kleinen Ausschnitte der großen Welt aber formte, wurde und mußte
+werden dem Kosmos gegenüber, im Auge die Schöpfung, Mosaik. In unzählige
+kleine Teile zerlegte er die Welt, um ihr den tieferen Atem einzuhauchen.
+Er war das Ende einer langen Entwicklung.
+
+Das große Raumgefühl der Renaissance erreichte in ihm den Schluß. Er
+zersetzte, löste auf und parzellierte, formte das Zerschlagene in kleine
+Gefühle, nicht zu massiv verschmolzenen Zusammenhängen.
+
+Über ihn hinaus gab es nur Anarchie. Seine letzte Zerstäubung ist der
+Futurismus. Expressionismus hat nicht die Spur mit ihm zu tun. Futuristen
+waren es, die den schon in Teile, Minuten, Fermaten zerteilten Raum noch
+einmal zum Explodieren brachten, indem sie das Weltbild als ein
+gleichzeitiges Nebeneinander von Sinneseindrücken darstellten. Sie spitzten
+die Teile des Impressionismus nur zu, glätteten sie, gaben ihnen schärfere
+Form und gespenstigeren Umriß, vermieden das Kokette und schoben das
+Nacheinander des impressionistischen Weltlaufs zu einem hastigen, gehetzten
+Nebeneinander, Ineinander. Der Expressionismus, Schlagwort von
+zweifelhafter Formulierung, hat mit dem Impressionistischen nichts zu tun.
+
+Er kam nicht aus ihm. Er hat keinen inneren Kontakt, nicht einmal den des
+Neuen, der den Alten erschlägt. Es sei denn, daß dies die beiden Bewegungen
+verbände, daß der eine den anderen vorbereitete nach einem dunklen
+immanenten und unlogischen Gesetz des Triebes, der Steigerung der Idee und
+der Kraft.
+
+Der Expressionismus hat vielerlei Ahnen, gemäß dem Großen und Totalen, das
+seiner Idee zugrunde liegt, in aller Welt, in aller Zeit.
+
+Was die Menschen heute an ihm sehen, ist fast nur das Gesicht, das, was
+erregt, das, was epatiert. Man sieht nicht das Blut. Programme, leicht zu
+postulieren, nie auszufüllen mit Kraft, verwirren das Hirn, als ob je eine
+Kunst anders aufgefahren sei als aus der Notwendigkeit der Zeugung. Mode,
+Geschäft, Sucht, Erfolg umkreisen das erst Verhöhnte.
+
+Als Propagatoren stehen die da, die in dumpfem Drang des schaffenden
+Triebes zuerst Neues schufen. Als ich vor drei Jahren, wenig bekümmert um
+künstlerische Dinge, mein erstes Buch schrieb, las ich erstaunt, hier seien
+erstmals expressionistische Novellen. Wort und Sinn waren mir damals neu
+und taub. Aber nur die Unproduktiven eilen mit Theorie der Sache voraus.
+Eintreten für sein Ding ist eine Kühnheit und eine Sache voll Anstand. Sich
+für das Einzige erklären, Frage des bornierten Hirns. Eitel ist dies ganze
+_äußere_ Kämpfen um den Stil, um die Seele des Bürgers. Am Ende entscheidet
+lediglich die gerechte und gut gerichtete Kraft.
+
+Es kamen die Künstler der neuen Bewegung. Sie gaben nicht mehr die leichte
+Erregung. Sie gaben nicht mehr die nackte Tatsache. Ihnen war der Moment,
+die Sekunde der impressionistischen Schöpfung nur ein taubes Korn in der
+mahlenden Zeit. Sie waren nicht mehr unterworfen den Ideen, Nöten und
+persönlichen Tragödien bürgerlichen und kapitalistischen Denkens.
+
+Ihnen entfaltete das _Gefühl_ sich maßlos.
+
+Sie sahen nicht.
+
+Sie schauten.
+
+Sie photographierten nicht.
+
+Sie hatten Gesichte.
+
+Statt der Rakete schufen sie die dauernde Erregung.
+
+Statt dem Moment die Wirkung in die Zeit. Sie wiesen nicht die glänzende
+Parade eines Zirkus. Sie wollten das Erlebnis, das anhält.
+
+Vor allem gab es gegen das Atomische, Verstückte der Impressionisten nun
+ein großes, umspannendes Weltgefühl.
+
+In ihm stand die Erde, das Dasein als eine große Vision. Es gab Gefühle
+darin und Menschen. Sie sollten erfaßt werden im Kern und im
+Ursprünglichen.
+
+Die große Musik eines Dichters sind seine Menschen. Sie werden ihm nur
+groß, wenn ihre Umgebung groß ist. Nicht das heroische Format, das führte
+nur zum Dekorativen, nein, groß in dem Sinne, daß ihr Dasein, ihr Erleben
+teil hat an dem großen Dasein des Himmels und des Bodens, daß ihr Herz,
+verschwistert allem Geschehen, schlägt im gleichen Rhythmus wie die Welt.
+
+Dafür bedurfte es einer tatsächlich neuen Gestaltung der künstlerischen
+Welt. Ein _neues Weltbild_ mußte geschaffen werden, das nicht mehr teil
+hatte an jenem nur erfahrungsmäßig zu erfassenden der Naturalisten, nicht
+mehr teil hatte an jenem zerstückelten Raum, den die Impression gab, das
+vielmehr _einfach_ sein mußte, eigentlich, und darum schön.
+
+Die Erde ist eine riesige Landschaft, die Gott uns gab. Es muß nach ihr so
+gesehen werden, daß sie unverbildet zu uns kommt. Niemand zweifelt, daß das
+das Echte nicht sein kann, was uns als äußere Realität erscheint.
+
+Die Realität muß von uns geschaffen werden. Der Sinn des Gegenstands muß
+erwühlt sein. Begnügt darf sich nicht werden mit der geglaubten, gewähnten,
+notierten Tatsache, es muß das Bild der Welt rein und unverfälscht
+gespiegelt werden. Das aber ist nur in uns selbst.
+
+So wird der ganze Raum des expressionistischen Künstlers Vision. Er sieht
+nicht, er schaut. Er schildert nicht, er erlebt. Er gibt nicht wieder, er
+gestaltet. Er nimmt nicht, er sucht. Nun gibt es nicht mehr die Kette der
+Tatsachen: Fabriken, Häuser, Krankheit, Huren, Geschrei und Hunger. Nun
+gibt es ihre Vision.
+
+Die Tatsachen haben Bedeutung nur so weit, als, durch sie hindurchgreifend,
+die Hand des Künstlers nach dem faßt, was hinter ihnen steht.
+
+Er sieht das Menschliche in den Huren, das Göttliche in den Fabriken. Er
+wirkt die einzelne Erscheinung in das Große ein, das die Welt ausmacht.
+
+Er gibt das tiefere Bild des Gegenstands, die Landschaft seiner Kunst ist
+die große paradiesische, die Gott ursprünglich schuf, die herrlicher ist,
+bunter und unendlicher als jene, die unsere Blicke nur in empirischer
+Blindheit wahrzunehmen vermögen, die zu schildern kein Reiz wäre, in der
+das Tiefe, Eigentliche und im Geiste Wunderbare zu suchen aber sekündlich
+voll von neuen Reizen und Offenbarungen wird.
+
+Alles bekommt Beziehung zur Ewigkeit.
+
+Der Kranke ist nicht nur der Krüppel, der leidet. Er wird die Krankheit
+selbst, das Leid der ganzen Kreatur scheint aus seinem Leib und bringt das
+Mitleid herab von dem Schöpfer.
+
+Ein Haus ist nicht mehr Gegenstand, nicht mehr nur Stein, nur Anblick, nur
+ein Viereck mit Attributen des Schön- oder Häßlichseins. Es steigt darüber
+hinaus. Es wird so lange gesucht in seinem eigentlichsten Wesen, bis seine
+tiefere Form sich ergibt, bis _das_ Haus aufsteht, das befreit ist von dem
+dumpfen Zwang der falschen Wirklichkeit, das bis zum letzten Winkel
+gesondert ist und gesiebt auf _den_ Ausdruck, der auch auf Kosten seiner
+Ähnlichkeit den letzten _Charakter_ herausbringt, bis es schwebt, oder
+einstürzt, sich reckt oder gefriert, bis endlich alles erfüllt ist, das an
+Möglichkeiten in ihm schläft.
+
+Eine Hure ist nicht mehr ein Gegenstand, behängt und bemalt mit den
+Dekorationen ihres Handwerks. Sie wird ohne Parfüme, ohne Farben, ohne
+Tasche, ohne wiegende Schenkel erscheinen. Aber ihr eigentliches Wesen muß
+aus ihr herauskommen, daß in der Einfachheit der Form doch alles gesprengt
+wird von den Lastern, der Liebe, der Gemeinheit und der Tragödie, die ihr
+Herz und ihr Handwerk ausmachen. Denn die Wirklichkeit ihres menschlichen
+Daseins ist ohne Belang. Ihr Hut, ihr Gang, ihre Lippe sind Surrogate. Ihr
+eigentliches Wesen ist damit nicht erschöpft.
+
+Die Welt ist da. Es wäre sinnlos, sie zu wiederholen.
+
+Sie im letzten Zucken, im eigentlichsten Kern aufzusuchen und neu zu
+schaffen, das ist die größte Aufgabe der Kunst.
+
+Jeder Mensch ist nicht mehr Individuum, gebunden an Pflicht, Moral,
+Gesellschaft, Familie.
+
+Er wird in dieser Kunst nichts als das Erhebendste und Kläglichste: _er
+wird Mensch_.
+
+Hier liegt das Neue und Unerhörte gegen die Epochen vorher.
+
+Hier wird der bürgerliche Weltgedanke endlich nicht mehr gedacht.
+
+Hier gibt es keine Zusammenhänge mehr, die das Bild des Menschlichen
+verschleiern. Keine Ehegeschichten, keine Tragödien, die aus Zusammenprall
+von Konvention und Freiheitsbedürfnis entstehen, keine Milieustücke, keine
+gestrengen Chefs, lebenslustigen Offiziere, keine Puppen, die an den
+Drähten psychologischer Weltanschauungen hängend, mit Gesetzen,
+Standpunkten, Irrungen und Lastern dieses von Menschen gemachten und
+konstruierten Gesellschaftsdaseins spielen, lachen und leiden.
+
+Durch alle diese Surrogate greift die Hand des Künstlers grausam hindurch.
+Es zeigt sich, daß sie Fassaden waren. Aus Kulisse und Joch überlieferten
+verfälschten Gefühls tritt nichts als der Mensch. Keine blonde Bestie, kein
+ruchloser Primitiver, sondern der einfache, schlichte Mensch.
+
+Sein Herz atmet, seine Lunge braust, er gibt sich hin der Schöpfung, von
+der er nicht ein Stück ist, die in ihm sich schaukelt, wie _er_ sie
+widerspiegelt. Sein Leben reguliert sich ohne die kleinliche Logik, ohne
+Folgerung, beschämende Moral und Kausalität lediglich nach dem ungeheueren
+Gradmesser seines Gefühls.
+
+Mit diesem Ausbruch seines Inneren ist er allem verbunden. Er begreift die
+Welt, die Erde steht in ihm. Er steht auf ihr, mit beiden Beinen
+angewachsen, seine Inbrunst umfaßt das Sichtbare und das Geschaute.
+
+Nun ist der Mensch wieder großer, unmittelbarer Gefühle mächtig. Er steht
+da, so deutlich in seinem Herzen zu erfassen, so absolut ursprünglich von
+den Wellen seines Bluts durchlaufen, daß es erscheint, er trüge sein Herz
+auf der Brust gemalt. Er bleibt nicht mehr Figur. Er ist wirklich Mensch.
+Er ist verstrickt in den Kosmos, aber mit kosmischem Empfinden.
+
+Er klügelt sich nicht durch das Leben. Er geht hindurch. Er denkt nicht
+über sich, er erlebt sich. Er schleicht nicht um die Dinge, er faßt sie im
+Mittelpunkt an. Er ist nicht un-, nicht übermenschlich, er ist nur Mensch,
+feig und stark, gut und gemein und herrlich, wie ihn Gott aus der Schöpfung
+entließ.
+
+So sind ihm alle Dinge, deren Kern, deren richtiges Wesen er zu schauen
+gewohnt ist, nahe.
+
+Er wird nicht unterdrückt, er liebt und kämpft unmittelbar. Sein großes
+Gefühl allein, kein verfälschtes Denken, führt ihn und leitet ihn.
+
+So kann er sich steigern und zu Begeisterungen kommen, große Ekstasen aus
+seiner Seele aufschwingen lassen.
+
+Er kommt bis an Gott als die große nur mit unerhörter Ekstase des Geistes
+zu erreichende Spitze des Gefühls.
+
+Doch sind diese Menschen keineswegs töricht. Ihr Denkprozeß verläuft nur in
+anderer Natur. Sie sind unverbildet. Sie reflektieren nicht.
+
+Sie erleben nicht in Kreisen, nicht durch Echos.
+
+Sie erleben _direkt_.
+
+Das ist das größte Geheimnis dieser Kunst: Sie ist ohne gewohnte
+Psychologie.
+
+Dennoch geht ihr Erleben tiefer. Es geht auf den einfachsten Bahnen, nicht
+auf den verdrehten, von Menschen geschaffenen, von Menschen geschändeten
+Arten des Denkens, das, von bekannten Kausalitäten gelenkt, nie kosmisch
+sein kann.
+
+Aus dem Psychologischen kommt nur Analyse. Es kommt Auseinanderfalten,
+Nachsehen, Konsequenzenziehen, Erklärenwollen, Besserwissen, eine Klugheit
+heucheln, die doch nur nach den Ergebnissen geht, die unseren für große
+Wunder blinden Augen bekannt und durchsichtig sind. Denn vergessen wir
+nicht: alle Gesetze, alle Lebenskreise, die psychologisch gebannt sind,
+sind nur von uns geschaffen, von uns angenommen und geglaubt. Für das
+Unerklärliche, für die Welt, für Gott gibt es im Vergangenen keine
+Erklärung. Ein Achselzucken nur, eine Verneinung.
+
+Daher ist diese neue Kunst positiv.
+
+Weil sie intuitiv ist. Weil sie elementar nur findend, willig, aber stolz
+sich den großen Wundern des Daseins hingebend, frische Kraft hat zum
+Handeln und zum Leiden. Diese Menschen machen nicht den Umweg über eine
+spiralenhafte Kultur.
+
+Sie geben sich dem Göttlichen preis. Sie sind direkt. Sie sind primitiv.
+Sie sind einfach, weil das Einfachste das Schwerste ist und das
+Komplizierteste, aber zu den größten Offenbarungen geht. Denn täuschen wir
+uns nicht: erst am Ende aller Dinge steht das Schlichte, erst am Ende
+gelebter Tage bekommt das Leben ruhigen steten Fluß.
+
+So kommt es, daß diese Kunst, da sie kosmisch ist, andere Höhe und Tiefe
+nehmen kann als irgendeine impressionistische oder naturalistische, wenn
+ihre Träger stark sind. Mit dem Fortfall des psychologischen Apparats fällt
+der ganze Décadencerummel, die letzten Fragen können erhascht, große
+Probleme des Lebens direkt attackiert werden. In ganz neuer Weise
+erschließt sich aufbrandendem Gefühl die Welt.
+
+Der große Garten Gottes liegt paradiesisch geschaut hinter der Welt der
+Dinge, wie unser sterblicher Blick sie sieht. Große Horizonte brechen auf.
+
+Allein die andere Art des Blickpunkts verwirrt den Menschen oft das
+Dargestellte. Da beschaut und nicht gesehen wird, täuscht der neue Umriß.
+Dem Menschen, der ungeschult lebt, ist die Vision etwas Entferntes, der
+plumpe Gegenstand aber deutlich und nah.
+
+Das ausgewiesene Psychologische gibt dem Aufbau des Kunstwerks andere
+Gesetze, edlere Struktur. Es verschwindet das Sekundäre, der Apparat, das
+Milieu bleibt nur angedeutet und mit kurzem Umriß nur der glühenden Masse
+des Seelischen einverschmolzen.
+
+Die Kunst, die das Eigentliche nur will, scheidet die Nebensache aus. Es
+gibt keine Entremets mehr, keine Hors d'oeuvres, nichts Kluges, was
+hineingemogelt, nichts Essaiistisches, was allgemein unterstreichen, nichts
+Dekoratives mehr, was von außen her schmücken soll. Nein, das Wesentliche
+reiht sich an das Wichtige. Das Ganze bekommt gehämmerten Umriß, bekommt
+Linie und gestraffte Form.
+
+Es gibt keine Bäuche mehr, keine hängenden Brüste. Der Torso des Kunstwerks
+wächst aus straffen Schenkeln in edle Hüften und steigt von dort in den
+Rumpf voll Training und Gleichmaß. Die Flamme des Gefühls, das direkt
+zusammenfließt mit dem Kern der Welt, erfaßt das Direkte und schmilzt es in
+sich ein.
+
+Es bleibt nichts anderes übrig.
+
+Manchmal unter dem großen Trieb des Gefühls schmilzt die Hingabe an das
+Werk diese übermäßig zusammen, es erscheint verzerrt. Seine Struktur aber
+ist nur auf das letzte Maß der Anspannung getrieben, die Hitze des Gefühls
+bog die Seele des Schaffenden so, daß sie, dunkel das Unermeßliche wollend,
+das Unerhörte hinauszuschreien begann.
+
+Dies Wollen wird deutlich im Malerischen, am klarsten in der Plastik. Im
+Schreiben verwirrt die nicht zum erstenmal, aber noch nie mit solcher
+Innigkeit und solcher Radikalität vorgenommene Verkürzung und Veränderung
+der Form.
+
+Bei Plastiken Rodins sind die Oberflächen noch zerrissen, jede Linie, jede
+Gebärde noch orientiert nach einem Affekt, einem Moment, einer einmaligen
+Handlung, kurz: eingefangen in dem Augenblick, und bei aller Kraft doch
+unterworfen einer psychologischen Idee. Einer denkt, zwei andere küssen
+sich. Es bleibt ein Vorgang.
+
+Bei modernen Figuren sind die Oberflächen mit kurzem Umriß gegeben, die
+Furchen geglättet, nur das Wichtige modelliert. Aber die Figur wird
+typisch, nicht mehr. Untertan _einem_ Gedanken, nicht mehr hinauszuckend in
+die Sekunde, vielmehr sie erhält Geltung in die Zeit. Alles Nebensächliche
+fehlt. Das Wichtige gibt die Idee: nicht mehr ein Denkender, nein: das
+Denken. Nicht zwei Umschlungene: nein, die Umarmung selbst.
+
+Dasselbe unbewußt waltende Gesetz, das ausscheidet, ohne negativ zu sein,
+das nur erlesenen Moment zu magnetisch gleichen Punkten bindet, reißt die
+Struktur des _Schreibenden_ zusammen.
+
+Die Sätze liegen im Rhythmus anders gefaltet als gewohnt. Sie unterstehen
+der gleichen Absicht, demselben Strom des Geistes, der nur das Eigentliche
+gibt. Melodik und Biegung beherrscht sie. Doch nicht zum Selbstzweck. Die
+Sätze dienen in großer Kette hängend dem Geist, der sie formt.
+
+Sie kennen nur seinen Weg, sein Ziel, seinen Sinn. Sie binden Spitze an
+Spitze, sie schnellen ineinander, nicht mehr verbunden durch Puffer
+logischer Überleitung, nicht mehr durch den federnden äußerlichen Kitt der
+Psychologie. Ihre Elastizität liegt in ihnen selbst.
+
+Auch das Wort erhält andere Gewalt. Das beschreibende, das umschürfende
+hört auf. Dafür ist kein Platz mehr. Es wird Pfeil. Trifft in das Innere
+des Gegenstands und wird von ihm beseelt. Es wird kristallisch das
+eigentliche Bild des Dinges.
+
+Dann fallen die Füllwörter.
+
+Das Verbum dehnt sich und verschärft sich, angespannt so deutlich und
+eigentlich den Ausdruck zu fassen.
+
+Das Adjektiv bekommt Verschmelzung mit dem Träger des Wortgedankens. Auch
+es darf nicht umschreiben. Es allein muß das Wesen am knappsten geben und
+nur das Wesen.
+
+Sonst nichts.
+
+Doch an diesen sekundären Dingen, nicht an den Zielen, scheitert gewöhnlich
+die Diskussion. Die technische Frage verwirrt und wird gehöhnt. Man glaubt
+sie Bluff. Nie ist in einer Kunst das Technische so sehr Produkt des
+Geistes wie hier. Nicht das ungewohnte Formale schafft die Höhe des
+Kunstwerks. Nicht hierin liegt Zweck und Idee.
+
+Der Ansturm des Geistes und die brausende Wolke des Gefühls schmelzen das
+Kunstwerk auf diese Stufe zusammen und erst aus dieser gesiebten,
+geläuterten Form erhebt sich die aufsteigende Vision.
+
+Die Menschheit aber will nicht wissen, daß unter dem Äußeren erst das
+Dauernde liegt. Der Geist, der die Dinge hinauftreibt in eine größere
+Existenz, anders geformt als die Sinne sie zeigen in dieser begrenzten
+Welt, ist ihr unbekannt.
+
+Es ist ein lächerlich kleiner Sprung zu diesem Begreifen. Aber die
+Menschheit weiß noch nicht, daß die Kunst nur eine Etappe ist zu Gott.
+
+Die Ziele aber liegen nahe bei Gott.
+
+Das Herz der Menschen strahlt über die Oberfläche hin. Persönliches wächst
+in das Allgemeine. Seitherig übertriebene Bedeutung des einzelnen
+unterzieht sich größerer Wirkung der Idee. Das Reiche entkleidet sich
+seines äußeren Rahmens und wird reich in seiner Einfachheit. Alle Dinge
+werden zurückgestaut auf ihr eigentliches Wesen: das Einfache, das
+Allgemeine, das Wesentliche.
+
+Die Herzen, so unmittelbar gelenkt, schlagen groß und frei. Die Handlung
+wird voll Ehrfurcht auch im Gemeinen. Die Elemente walten nach großem
+Gesetz.
+
+So wird das Ganze auch ethisch.
+
+Nun aber springen die verwandten Züge auf.
+
+Sie liegen nicht in der vorhergegangenen Generation, von der diese Kunst
+alles scheidet. Sie liegen nicht im einzelnen, nicht in der Gotik, nicht im
+Nationalen, nicht bei Goethe, Grünewald oder Mechtild von Magdeburg. Nicht
+in romanischer Krypta, nicht bei Notker, bei Otto dem Dritten, nicht bei
+Eckehard, Chrestien von Troye oder den Zaubersprüchen.
+
+So einfach läuft die Geschichte der Seele nicht am logisch historischen
+Band.
+
+Verwandtschaft ist nicht begrenzt. Tradition im letzten Sinne nicht
+national oder an Geschichte einer Zeit gebunden. Nein, überall ist das
+Verwandte, der Ansatz, das Gleiche, wo eine ungeheure Macht die Seele
+antrieb, mächtig zu sein, das Unendliche zu suchen, und das letzte
+auszudrücken, was Menschen schöpferisch mit dem Universum bindet.
+
+Überall wo die Flamme des Geistes glühend aufbrach und das Molluskenhafte
+zu Kadavern brannte, Unendliches aber formte, als solle es zurückgehen in
+die Hand des Schöpfers, alle dunkeln großen Evolutionen des Geistes trieben
+dasselbe Bild der Schöpfung hervor.
+
+Es ist eine Lüge, daß das, was mit verbrauchtem Abwort das
+Expressionistische genannt wird, neu sei. Schändung, es umfasse eine Mode.
+Verleumdung, es sei eine nur künstlerische Bewegung.
+
+Immer wenn der oder jener der Menschheit die _Wurzeln_ der Dinge in der
+Hand hielt und seine Faust Griff hatte und Ehrfurcht, gelang das Gleiche.
+Diese Art des Ausdrucks ist nicht deutsch, nicht französisch.
+
+Sie ist übernational.
+
+Sie ist nicht nur Angelegenheit der Kunst. Sie ist Forderung des Geistes.
+
+Sie ist kein Programm des Stils. Sie ist eine Frage der Seele.
+
+Ein Ding der Menschheit.
+
+Es gab Expressionismus in jeder Zeit. Keine Zone, die ihn nicht hatte,
+keine Religion, die ihn nicht feurig schuf. Kein Stamm, der nicht das
+dumpfe Göttliche damit besang und formte. Ausgebaut in großen Zeiten
+mächtiger Ergriffenheit, gespeist aus tiefen Schichten harmonisch
+gesteigerten Lebens, einer breit ins Hohe wachsenden, in Harmonie
+gebildeter Tradition wurde er Stil der Gesamtheit: Assyrer, Perser,
+Griechen, die Gotik, Ägypter, die Primitiven, altdeutsche Maler hatten ihn.
+
+Bei ganz tiefen Völkern, die Witterung der Gottheit aus schrankenloser
+Natur überstob, wurde er anonymer Ausdruck der Angst und Ehrfurcht. Großen
+einzelnen Meistern, deren Seele von Fruchtbarkeit übervoll war, heftete er
+sich als natürlichster Ausdruck in ihr Werk. Er war in der dramatischsten
+Ekstase bei Grünewald, lyrisch in den Jesuliedern der Nonne, bewegt bei
+Shakespeare, in der Starre bei Strindberg, unerbittlich in der Weichheit
+bei den Märchen der Chinesen. Nun ergreift er eine ganze Generation. Eine
+ganze Generation Europas.
+
+Die große Welle einer geistigen Bewegung schlägt überall hoch. Die
+Sehnsucht der Zeit fordert das letzte. Eine ganze Jugend sucht gerecht zu
+werden der Forderung. Was kommen wird, ist der Kampf der Kraft mit der
+Forderung.
+
+Denn daß Kunstwerke entstanden, war nie allein Folge der Idee. _Sie_ ist
+nur die Sehnsucht nach Vollkommenerem, die in die Menschen schlägt. Zur
+Formung gehört die _Kraft_. Die Generation wird sie besitzen oder nicht.
+Das liegt nach vorwärts und entzieht sich unserem Hirn. Um so schärfer, da
+diese Hauptgefahr einer Bewegung noch im Dunkeln liegt, muß die Forderung
+nach dem Echten mit Strenge gestellt sein.
+
+Nur innere Gerechtigkeit bringt bei so hohem Ziel das Radikale. Schon wird
+das, was Ausbruch war, Mode. Schon schleicht übler Geist herein.
+Nachläuferisches aufzudecken, Fehler bloßzulegen. Ungenügendes zu betonen
+bleibt die Aufgabe der Ehrlichen, soweit es klarliegt und schon erkennbar
+ist. Der tiefste Wert und der tiefste Sinn liegt uns allen verborgen.
+
+Nicht die schöpferische Stärke, die seltsame Außenformen annimmt, verwischt
+nach außen das Gesicht der Bewegung ins Irritierende und Modegeile. Es ist
+vielmehr das _bewußt_ durchgeführte _Programm_. Geistige Bewegung ist kein
+Rezept. Sie gehorcht lediglich gestaltendem Gefühl. Da die Bewegung
+durchgesetzt ist, beginnt ihre nachträgliche Theorie produktiv zu werden.
+Sie wird Schule, wird Akademie. Die Fackelträger werden Polizisten,
+Ausrufer der einseitigen Dogmatik, Beschränkte, Festgebundene an das Heil
+eines Buchstabens. Stil in höherem Sinne setzt sich durch als Kraft, als
+selbständige Wucherung, reguliert von tausend Zuflüssen und Strömen vom
+Geist gebändigter Schöpferkraft. Nie als Form. Gerade die einfachen Linien,
+die großen Flächen, die verkürzte Struktur werden einförmig bis zum
+Entsetzen, langweilig zum Erbleichen werden, wenn sie nur gekonnt, nicht
+gefühlt werden. Das abstrakte Wollen aber sieht keine Grenze mehr. Erkennt
+nicht mehr, welch ausbalanciertes Vermögen besteht zwischen dem Gegenstand
+und der schaffenden Form. Die Grenzen des Sinnlichen durchbrechend schafft
+sie lauter Theorie. Da ist kein Ding mehr, das gestaltet, umgeformt,
+aufgesucht wird, da ist, den Kampfplatz verlassend, nur öde Abstraktion.
+
+Hier wird wie oft vergessen, daß jede Wahrheit einen Punkt hat, wo sie, mit
+törichter Überkonsequenz ausgeübt, Unwahrheit wird.
+
+Man ist nicht genial, wenn man stottert, man ist nicht schlicht, indem man
+niggert, man ist nicht neu, indem man imitiert. Hier mehr wie irgendwo
+entscheidet die _Ehrlichkeit_. Wir können nicht aus unserer Haut und
+unserer Zeit. Bewußte Naivität ist ein Greuel. Gemachter Expressionismus
+ein übles Gebräu, gewollte Menschen werden Maschinerie. Auch dies wird
+Frage der dienenden Stärke. Hier ist das Treibende und Gemeinsame nur, der
+Glaube, die Kraft und die Inbrunst.
+
+Wo dies aber beisammen sich fand zur mystischen Hochzeit, war
+Expressionismus in jeder Kunst, in jeder Tat.
+
+Am Anfang die Schöpfung, die großen Kreise der Mythen, die Sagen, die. Edda
+Bei Hamsun, bei Baalschem, bei Hölderlin, Novalis, Dante, bei den Utas, im
+Sanskrit, bei De Coster, bei Gogol, bei Flaubert, bei der Mystik des
+Mittelalters, in den Briefen van Goghs, in Achim von Arnim. Bei dem Flamen
+Demolder, bei Goethe, manchmal bei Heinse. Im serbischen Volkslied, bei
+Rabelais, bei Georg Büchner, bei Bocacce. Diese Namen, zufällig
+herausgegriffen, sind kein Abschluß, keine Vollständigkeit, nur Andeutungen
+und vielleicht nicht einmal hierin genügend.
+
+Es ist vom Wichtigen nur das eine und das andere.
+
+Aber sie leiten über. Da stehen die Heutigen. Da steht eine ganze
+Generation. Die Generation Europas. Sie bildet aus tiefst leidender Zeit
+den Menschen, die Liebe, die Welt, das Schicksal.
+
+Es kann große Kunst werden, babylonisch gelungener Turm über solcher Zeit.
+Wenn die Kraft dazu langt.
+
+Denn die Ziele stehen klar und übersichtlich, in der Kunst wie in der
+Moralität. Aber die Stärke der Begabungen übersieht hier keiner. Es ist
+billig, zu tadeln, beschränkt, nur zu loben. Noch vermag niemand das
+tiefere Bild zu entscheiden. Hier ist ebenso vermessen ja zu sagen wie
+nein.
+
+Dies alles ist Schicksal.
+
+Uns vermag der Glaube, daß die Ziele dieser Kunst höher sind als die
+vergangener unserer nahen Zeitlichkeit, nicht darüber zu täuschen, daß das
+große Kunstwerk dennoch nur der große Schöpfer bildet.
+
+Dies ist das letzte.
+
+Die Tragödie der Zeit könnte es gewollt haben, die Begabungen zu verteilen
+nach ihrem Ermessen und uns nicht durchdringbarem Sinn. Sie kann das eine
+meinen wie das andere.
+
+Sie kann die großen Begabungen hinüberwerfen in Zeiten niederer Kunst und
+die kleinen aufsparen für die großen Kämpfe und tiefen Ziele. Auch dies ist
+hinzunehmen.
+
+Noch sind unsere Augen zu befangen. Noch haben wir nicht Raum zum Sehen.
+Einziger Regulator geleisteten Werkes bleibt nur die Zeit. Das letzte
+entscheidet, das wissen wir heute wie immer, die _Kraft_.
+
+Dies ist aber die größte Verwirrung, daß die Menschen, geschlagen von dem
+Geist der Zeitlichkeit, die Ambition der Leistung verwechseln mit dem Werk.
+
+Wohl steigt der Wille des Geistes heftiger und höher heute, aber die
+Entscheidung letzter Stunde liegt bei der _Persönlichkeit_. Niemand ist
+gut, weil er neu ist. Keine Kunst ist schlecht, weil sie anders ist. Diese
+Anmaßung wäre grenzenlos. Ruhig urteilendem Gefühl der Gerechtigkeit nach
+ist nur das Gute dauernd, nur das Echte gerecht.
+
+Ein guter Impressionist ist größerer Künstler und bleibt für die Ewigkeit
+aufbewahrter als die mittelmäßige Schöpfung des Expressionisten, der nach
+Unsterblichkeit schaut.
+
+Vielleicht besteht vor dem Urteil des letzten Tages Zolas schamlose,
+gigantische, stammelnde Nacktheit der Kraft besser als unser großes Ringen
+um Gott. Auch das ist Schicksal.
+
+Vielleicht daß diese Kunst aber zu großen Dingen führt. Wir würden es
+tragen. Vielleicht daß wir zu niederen Dingen nur ausersehen waren und die
+Ziele nicht erreichen. Wir hätten auch dann Sinn gehabt. Wir hätten anderes
+vielleicht erst spät einbrechendes Große vorbereitet, das Niveau an großen
+Aufgaben geschult und einen tatsächlichen Stil der Epoche vorbereitet. Es
+wäre menschlich auch dies zu tragen.
+
+Hier haben wir kein Wissen. Das steht bei Gott, der uns anrührte, daß wir
+schufen. Wir haben kein Urteil, nur Glauben. Wir dienen auch im Geringen.
+
+Auch dies ist unsterblich.
+
+
+
+
+Nachwort
+
+
+Die beiden Versuche entstanden auf Anregung zweier Reden, die gesprochen
+wurden, um ein Bild zu geben, einen Zustand darzustellen, keineswegs um ein
+Programm zu postulieren. Die Rede über den Expressionismus wurde gehalten
+im Dezember Neunzehnhundertsiebzehn vor der »Deutschen Gesellschaft« und
+dem »Bund deutscher Künstler und Gelehrter«. Die Rede über die dichterische
+deutsche Jugend im Mai Neunzehnhundertachtzehn in Stockholm, Göteborg,
+Lund.
+
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Über den Expressionismus in der
+Literatur und die neue Dichtung, by Kasimir Edschmid
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UBER DEN EXPRESSIONISMUS ***
+
+***** This file should be named 32450-8.txt or 32450-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/3/2/4/5/32450/
+
+Produced by Jens Sadowski
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
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+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
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+works. See paragraph 1.E below.
+
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+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
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+collection are in the public domain in the United States. If an
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+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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