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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:58:39 -0700 |
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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Zu Guter Letzt + +Author: Wilhelm Busch + +Release Date: June 27, 2010 [EBook #32989] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZU GUTER LETZT *** + + + + +Produced by The Online Distributed Proofreading Canada +Team at http://www.pgdpcanada.net (This file was produced +from images generously made available by The Internet +Archive/Canadian Libraries) + + + + + + + + + +Zu guter Letzt + +[Illustration: Wilh. Busch.] + + + + +Zu guter Letzt + +von + +Wilhelm Busch. + + +Mit dem Portrait des Verfassers. + + + +31stes bis 35stes Tausend. + + + +München. +Verlag von Fr. Bassermann. +1905. + +Alle Rechte vorbehalten. + + + + + Halt dein Rösslein nur im Zügel, + Kommst ja doch nicht allzuweit. + Hinter jedem neuen Hügel + Dehnt sich die Unendlichkeit. + + Nenne Niemand dumm und säumig, + Der das Nächste recht bedenkt. + Ach, die Welt ist so geräumig, + Und der Kopf ist so beschränkt. + + * * * * * + + + + + Dies für Den und Das für Jenen. + Viele Tische sind gedeckt. + Keine Zunge soll verhöhnen, + Was der andern Zunge schmeckt. + + Lasse Jedem seine Freuden, + Gönn ihm, daß er sich erquickt, + Wenn er sittsam und bescheiden + Auf den eignen Teller blickt. + + Wenn jedoch bei deinem Tisch er + Unverschämt dich neckt und stört, + Dann so gieb ihm einen Wischer, + Daß er merkt, was sich gehört. + + * * * * * + + + + + Nirgend sitzen todte Gäste. + Allerorten lebt die Kraft. + Ist nicht selbst der Fels, der feste, + Eine Kraftgenossenschaft? + + Durch und durch aus Eigenheiten, + So und so zu sein bestrebt, + Die sich lieben, die sich streiten, + Wird die bunte Welt gewebt. + + Hier gelingt es, da mißglückt es. + Wünsche finden keine Rast. + Unterdrücker, Unterdrücktes, + Jedes Ding hat seine Last. + + * * * * * + + + + + Der Fährmann lag in seinem Schiff + Beim Schein des Mondenlichts, + Als etwas kam und rief und pfiff + Doch sehen that er nichts. + + Ihm war, als stiegen hundert ein. + Das Schifflein wurde schwer. + Flink, Fährmann, fahr uns übern Rhein, + Die Zahlung folgt nachher. + + Und als er seine Pflicht gethan, + Da ging es klinglingling, + Da warf ein Goldstück in den Kahn + Jedwedes Geisterding. + + Husch, weg und weiter zog die Schar. + Verwundert steht der Mann: + So Seelen sind zwar unsichtbar + Und doch ist etwas dran. + + * * * * * + + + + + Ob er gleich von hinnen schied, + Ist er doch geblieben, + Der so manches schöne Lied + Einst für uns geschrieben. + + Unser Mund wird ihn entzückt + Lange noch erwähnen, + Und so lebt er hochbeglückt + Zwischen hohlen Zähnen. + + * * * * * + + + + + Ein Künstler auf dem hohen Seil, + Der alt geworden mittlerweil, + Stieg eines Tages vom Gerüst + Und sprach: Nun will ich unten bleiben + Und nur noch Hausgymnastik treiben, + Was zur Verdauung nöthig ist. + Da riefen alle: Oh, wie schad! + Der Meister scheint doch allnachgrad + Zu schwach und steif zum Seilbesteigen! + Ha! denkt er, dieses wird sich zeigen! + Und richtig, eh der Markt geschlossen, + Treibt er auf's neu die alten Possen + Hoch in der Luft und zwar mit Glück, + Bis auf ein kleines Mißgeschick. + Er fiel herab in großer Eile + Und knickte sich die Wirbelsäule. + Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm + So äußert sich das Publikum. + + * * * * * + + + + + Wenn die Tante Adelheide + Als Logierbesuch erschien, + Fühlte Fritzchen große Freude, + Denn dann gab es was für ihn. + + Immer hat die liebe Gute + Tief im Reisekorb versteckt + Eine angenehme Tute, + Deren Inhalt köstlich schmeckt. + + Täglich wird dem braven Knaben + Draus ein hübsches Stück beschert, + Bis wir schließlich nichts mehr haben + Und die Tante weiter fährt. + + Mit der Post fuhr sie von hinnen. + Fritzchens Trauer ist nur schwach. + Einer Tute, wo nichts drinnen, + Weint man keine Thräne nach. + + * * * * * + + + + + Gestützt auf seine beiden Krücken, + Die alte Kiepe auf dem Rücken, + Ging durch das Dorf ein Bettelmann + Und klopfte stets vergeblich an. + Erst aus dem allerletzten Haus + Kam eine gute Frau heraus, + Die grad den dritten Mann begraben, + Daher geneigt zu milden Gaben, + Und legt in seines Korbes Grund + Ein Brod von mehr als sieben Pfund. + Ein schmaler Steg führt gleich danach + Ihn über einen Rauschebach. + Jetzt hab ich Brod, jetzt bin ich glücklich! + So rief er froh, und augenblicklich + Fiel durch den Korb, der nicht mehr gut, + Sein Brod hinunter in die Fluth. + Das kommt von solchem Übermuth. + + * * * * * + + + + + In der ersten Nacht des Maien + Läßt's den Hexen keine Ruh. + Sich gesellig zu erfreuen, + Eilen sie dem Brocken zu. + + Dorten haben sie ihr Kränzchen. + Man verleumdet, man verführt, + Macht ein lasterhaftes Tänzchen, + Und der Teufel präsidiert. + + * * * * * + + + + + Willst du gelobt sein, so verzichte + Auf kindlich blödes Wesen. + Entschließ dich, deine himmlischen Gedichte + Den Leuten vorzulesen. + + Die Welt ist höflich und gesellig, + Und eh man dich beleidigt, + Sagt wohl ein jeder leicht, was dir gefällig, + Denn keiner ist beeidigt. + + * * * * * + + + + + Sie ist ein reizendes Geschöpfchen, + Mit allen Wassern wohl gewaschen; + Sie kennt die süßen Sündentöpfchen + Und liebt es, häufig draus zu naschen. + + Da bleibt den sittlich Hochgestellten + Nichts weiter übrig, als mit Freuden + Auf diese Schandperson zu schelten + Und sie mit Schmerzen zu beneiden. + + * * * * * + + + + + Ganz unverhofft, an einem Hügel, + Sind sich begegnet Fuchs und Igel. + Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht. + Kennst du des Königs Ordre nicht? + Ist nicht der Friede längst verkündigt, + Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, + Der immer noch gerüstet geht? + Im Namen seiner Majestät, + Geh her und übergieb dein Fell. + Der Igel sprach: Nur nicht so schnell. + Lass' dir erst deine Zähne brechen, + Dann wollen wir uns weiter sprechen. + Und allsogleich macht er sich rund, + Schließt seinen dichten Stachelbund + Und trotzt getrost der ganzen Welt, + Bewaffnet, doch als Friedensheld. + + * * * * * + + + + + Der Bauer sprach zu seinem Jungen: + Heut in der Stadt da wirst du gaffen. + Wir fahren hin und seh'n die Affen. + Es ist gelungen + Und um sich schief zu lachen, + Was die für Streiche machen + Und für Gesichter, + Wie rechte Bösewichter. + Sie krauen sich, + Sie zausen sich, + Sie hauen sich, + Sie lausen sich, + Beschnuppern dies, beknuppern das, + Und Keiner gönnt dem Andern was, + Und essen thun sie mit der Hand, + Und alles thun sie mit Verstand, + Und Jeder stiehlt als wie ein Rabe. + Paß auf, das siehst du heute. + Oh Vater, rief der Knabe, + Sind Affen denn auch Leute? + Der Vater sprach: Nun ja, + Nicht ganz, doch so beinah. + + * * * * * + + + + + Zwiefach sind die Phantasieen, + Sind ein Zauberschwesternpaar, + Sie erscheinen, singen, fliehen + Wesenlos und wunderbar. + + Eine ist die himmelblaue, + Die uns froh entgegen lacht, + Doch die andre ist die graue, + Welche angst und bange macht. + + Jene singt von lauter Rosen, + Singt von Liebe und Genuß; + Diese stürzt den Hoffnungslosen + Von der Brücke in den Fluß. + + * * * * * + + + + + Rötlich dämmert es im Westen + Und der laute Tag verklingt, + Nur daß auf den höchsten Ästen + Lieblich noch die Drossel singt. + + Jetzt in dichtbelaubten Hecken, + Wo es still verborgen blieb, + Rüstet sich das Volk der Schnecken + Für den nächtlichen Betrieb. + + Tastend streckt sich ihr Gehörne. + Schwach nur ist das Augenlicht. + Dennoch schon aus weiter Ferne + Wittern sie ihr Leibgericht. + + Schleimig, säumig, aber stete, + Immer auf dem nächsten Pfad, + Finden sie die Gartenbeete + Mit dem schönsten Kopfsalat. + + Hier vereint zu ernsten Dingen, + Bis zum Morgensonnenschein, + Nagen sie geheim und dringen + Tief ins grüne Herz hinein. + + Darum braucht die Köchin Jettchen + Dieses Kraut nie ohne Arg. + Sorgsam prüft sie jedes Blättchen, + Ob sich nichts darin verbarg. + + Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken + Ihres lieben gnädgen Herrn. + Kopfsalat, vermischt mit Schnecken, + Mag der alte Kerl nicht gern. + + * * * * * + + + + + Schon viel zu lang + Hab ich der Bosheit mich ergeben. + Ich lasse tödten, um zu leben, + Und bös macht bang. + + Denn niemals ruht + Die Stimme in des Herzens Tiefe, + Als ob es zärtlich klagend riefe: + Sei wieder gut. + + Und frisch vom Baum + Den allerschönsten Apfel brach ich. + Ich biss hinein, und seufzend sprach ich, + Wie halb im Traum: + + Du erstes Glück, + Du alter Paradiesesfrieden, + Da noch kein Lamm den Wolf gemieden, + Oh komm zurück. + + * * * * * + + + + + Wohl tausendmal schon ist er hier + Gestorben und wiedergeboren, + Sowohl als Mensch, wie auch als Thier, + Mit kurzen und langen Ohren. + + Jetzt ist er ein armer blinder Mann, + Es zittern ihm alle Glieder, + Und dennoch, wenn er nur irgend kann, + Kommt er noch tausendmal wieder. + + * * * * * + + + + + Es giebt ja leider Sachen und Geschichten, + Die reizend und pikant, + Nur werden sie von Tanten und von Nichten + Niemals genannt. + + Verehrter Freund, so sei denn nicht vermessen, + Sei zart und schweig auch du. + Bedenk: Man liebt den Käse wohl, indessen + Man deckt ihn zu. + + * * * * * + + + + + Auguste, wie fast jede Nichte, + Weiß wenig von Naturgeschichte. + Zu bilden sie in diesem Fache, + Ist für den Onkel Ehrensache. + Auguste, sprach er, glaub es mir, + Die Meise ist ein nettes Thier. + Gar zierlich ist ihr Leibesbau, + Auch ist sie schwarz weiß gelb und blau. + Hell flötet sie und klettert munter + Am Strauch kopfüber und kopfunter. + Das härtste Korn verschmäht sie nicht, + Sie hämmert, bis die Schale bricht. + Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand + Ein Löchlein in den Unterrand, + Weil dann die Sämerei gelind + Von selbst in ihren Schnabel rinnt. + Nicht immer liebt man Fastenspeisen, + Der Grundsatz gilt auch für die Meisen. + Sie gucken scharf in alle Ritzen, + Wo fette Käferlarven sitzen, + Und fangen sonst noch Myriaden + Insekten, die dem Menschen schaden, + Und hieran siehst du außerdem, + Wie weise das Natursystem. -- + So zeigt er, wie die Sache lag. + Es war kurz vor Martinitag. + Wer dann vernünftig ist und kann's + Sich leisten, kauft sich eine Gans. + Auch an des Onkels Außengiebel + Hing eine solche, die nicht übel, + Um, nackt im Freien aufgehangen, + Die rechte Reife zu erlangen. + Auf diesen Braten freute sich + Der Onkel sehr und namentlich + Vor allem auf die braune Haut, + Obgleich er sie nur schwer verdaut. + Martini kam, doch kein Arom + Von Braten spürt der gute Ohm. + Statt dessen trat voll Ungestüm + Die Nichte ein und zeigte ihm + Die Gans, die kaum noch Gans zu nennen, + Ein Scheusal, nicht zum Wiederkennen, + Zernagt beinah bis auf die Knochen. + Kein Zweifel war, wer dies verbrochen, + Denn deutlich lehrt der Augenschein, + Es konnten nur die Meisen sein. + Also ade! du braune Kruste. + Ja, lieber Onkel, sprach Auguste, + Die gern, nach weiblicher Manier, + Bei einem Irrthum ihn ertappt: + Die Meise ist ein nettes Thier. + Da hast du wieder recht gehabt. + + * * * * * + + + + + Von Fruchtomletts da mag berichten + Ein Dichter aus den höhern Schichten. + Wir aber, ohne Neid nach oben, + Mit bürgerlicher Zunge loben + Uns Pfannekuchen und Salat. + Wie unsre Liese delikat + So etwas backt und zubereitet, + Sei hier in Worten angedeutet. + Drei Eier, frisch und ohne Fehl, + Und Milch und einen Löffel Mehl, + Die quirlt sie fleißig durcheinand + Zu einem innigen Verband. + Sodann, wenn Thränen auch ein Übel, + Zerstückelt sie und mengt die Zwiebel + Mit Öl und Salz zu einer Brühe, + Daß der Salat sie an sich ziehe. + Um diesen ferner herzustellen, + Hat sie Kartoffeln abzupellen. + Da heißt es, fix die Finger brauchen, + Den Mund zu spitzen und zu hauchen, + Denn heiß geschnitten nur allein + Kann der Salat geschmeidig sein. + Hierauf so geht es wieder heiter + Mit unserm Pfannekuchen weiter. + Nachdem das Feuer leicht geschürt, + Die Pfanne sorgsam auspoliert, + Der Würfelspeck hinein geschüttelt, + So daß es lustig brät und brittelt, + Pisch, kommt darüber mit Gezisch + Das ersterwähnte Kunstgemisch. + Nun zeigt besonders und apart + Sich Lieschens Geistesgegenwart, + Denn nur zu bald, wie allbekannt, + Ist solch ein Kuchen angebrannt. + Sie prickelt ihn, sie stockert ihn, + Sie rüttelt, schüttelt, lockert ihn + Und lüftet ihn, bis augenscheinlich + Die Unterseite eben bräunlich, + Die umgekehrt geschickt und prompt + Jetzt ihrerseits nach oben kommt. + Geduld, es währt nur noch ein bissel, + Dann liegt der Kuchen auf der Schüssel. + Doch späterhin die Einverleibung, + Wie die zu Mund und Herzen spricht, + Das spottet jeglicher Beschreibung, + Und darum endet das Gedicht. + + * * * * * + + + + + Stark in Glauben und Vertrauen, + Von der Burg mit festen Thürmen + Kannst du dreist herniederschauen, + Keiner wird sie je erstürmen. + + Lass sie graben, lass sie schanzen, + Stolze Ritter, grobe Bauern, + Ihre Flegel, ihre Lanzen + Prallen ab von deinen Mauern. + + Aber hüte dich vor Zügen + In die Herrschaft des Verstandes, + Denn sogleich sollst du dich fügen + Den Gesetzen seines Landes. + + Bald umringen dich die Haufen, + Und sie ziehen dich vom Rosse, + Und du mußt zu Fuße laufen + Schleunig heim nach deinem Schlosse. + + * * * * * + + + + + Wie es scheint, ist die Moral + Nicht so bald beleidigt, + Während Schlauheit allemal + Wüthend sich vertheidigt. + + Nenn den Schlingel liederlich, + Leicht wird er's verdauen; + Nenn ihn dumm, so wird er dich, + Wenn er kann, verhauen. + + * * * * * + + + + + Ich bin mal so, sprach Förster Knast, + Die Flunkerei ist mir verhasst, + Doch sieht man oft was Sonderbares. + Im Frühling vor fünf Jahren war es, + Als ich stockstill, den Hahn gespannt, + Bei Mondschein vor dem Walde stand. + Da läßt sich plötzlich flügelsausend + Ein Kranichheer, wohl an die tausend, + Ganz dicht zu meinen Füßen nieder. + Sie kamen aus Egypten wieder + Und dachten auf der Reise nun + Sich hier ein Stündchen auszuruhn. + Ich selbstverständlich, schlau und sacht, + Gab sehr genau auf alles acht. + Du, Hans, so rief der Oberkranich, + Hast heut die Wache, drum ermahn ich + Dich ernstlich, halt dich stramm und pass + Gehörig auf, sonst giebt es was. + Bald schlief ein Jeder ein und sägte. + Hans aber stand und überlegte. + Er nahm sich einen Kieselstein, + Erhob ihn mit dem rechten Bein + Und hielt sich auf dem linken nur + In Gleichgewicht und Positur. + Der arme Kerl war schrecklich müd, + Erst fiel das linke Augenlid, + Das rechte blinzelt zwar noch schwach, + Dann aber folgt's dem andern nach. + Er schnarcht sogar. Ich denke schon: + Wie wird es dir ergehn, mein Sohn? + So denk ich, doch im Augenblick, + Als ich es dachte, geht es klick! + Der Stein fiel Hänschen auf die Zeh, + Das weckt ihn auf, er schreit auweh! + Er schaut sich um, hat mich gewittert, + Pfeift, daß es Mark und Bein erschüttert, + Und allsogleich im Winkelflug + Entschwebt der ganze Heereszug + Ich rief hurrah! und schwang den Hut. + Der Vogel der gefiel mir gut. + Er lebt auch noch. Schon oft seither + Sah man ihn fern am schwarzen Meer + Auf einem Bein auf Posten stehn. + Dies schreibt mein Freund, der Kapitän, + Und was er sagt, ist ohne Frage + So wahr, als was ich selber sage. + + * * * * * + + + + + Auf leichten Schwingen frei und flink + Zum Lindenwipfel flog der Fink + Und sang an dieser hohen Stelle + Sein Morgenlied so glockenhelle. + Ein Frosch, ein dicker, der im Grase + Am Boden hockt, erhob die Nase, + Strich selbstgefällig seinen Bauch + Und denkt: Die Künste kann ich auch. + Alsbald am rauhen Stamm der Linde + Begann er, wenn auch nicht geschwinde, + Doch mit Erfolg, empor zu steigen, + Bis er zuletzt von Zweig zu Zweigen, + Wobei er freilich etwas keucht, + Den höchsten Wipfelpunkt erreicht + Und hier sein allerschönstes Quacken + Ertönen läßt aus vollen Backen. + Der Fink, dem dieser Wettgesang + Nicht recht gefällt, entfloh und schwang + Sich auf das steile Kirchendach. + Wart, rief der Frosch, ich komme nach. + Und richtig ist er fortgeflogen, + Das heißt, nach unten hin im Bogen, + So daß er schnell und ohne Säumen + Nach mehr als zwanzig Purzelbäumen, + Zur Erde kam mit lautem Quack, + Nicht ohne großes Unbehagen. + Er fiel zum Glück auf seinen Magen, + Den dicken weichen Futtersack, + Sonst hätt er sicher sich verletzt. + Heil ihm! Er hat es durchgesetzt. + + * * * * * + + + + + Geld gehört zum Ehestande, + Hässlichkeit ist keine Schande, + Liebe ist beinah absurd. + Drum, du nimmst den Junker Jochen + Innerhalb der nächsten Wochen. + Also sprach der Ritter Kurt. + + Vater, flehte Kunigunde. + Schone meine Herzenswunde, + Ganz umsonst ist dein Bemühn. + Ja, ich schwör's bei Erd und Himmel, + Niemals nehm ich diesen Lümmel, + Ewig, ewig hass ich ihn. + + Nun, wenn Worte nicht mehr nützen, + Dann so bleibe ewig sitzen, + Marsch mit dir in's Burgverließ. + Zornig sagte dies der Alte, + Als er in die feuchte kalte + Kammer sie hinunterstieß. + + Jahre kamen, Jahre schwanden, + Nichts im Schlosse blieb vorhanden + Außer Kunigundens Geist. + Dort, wo graue Ratten rasseln, + Sitzt sie zwischen Kellerasseln, + Von dem Feuermolch umkreist. + + Heut noch ist es nicht geheuer + In dem alten Burggemäuer + Um die Mitternacht herum. + Wehe, ruft ein weißes Wesen, + Will denn Niemand mich erlösen? + Doch die Wände bleiben stumm. + + * * * * * + + + + + Sei es freundlich, sei es böse, + Meist genügend klar und scharf + Klingt des Mundes Wortgetöse + Für den täglichen Bedarf. + + Doch die Höchstgefühle heischen + Ihren ganz besondern Klang; + Dann sagt grunzen oder kreischen + Mehr als Rede und Gesang. + + * * * * * + + + + + Wie hat sich sonst so schön der Hahn + Auf unserm Thurm gedreht + Und damit Jedem kund gethan, + Woher der Wind geweht. + + Doch seit dem letzten Sturme hat + Er keinen rechten Lauf; + Er hängt so schief, er ist so matt, + Und Keiner schaut mehr drauf. + + Jetzt leckt man an den Finger halt + Und hält ihn hoch geschwind. + Die Seite, wo der Finger kalt, + Von daher weht der Wind. + + * * * * * + + + + + Er liebte sie in aller Stille. + Bescheiden, schüchtern und von fern + Schielt er nach ihr durch seine Brille + Und hat sie doch so schrecklich gern. + + Ein Mücklein, welches an der Nase + Des schönen Kindes saugend saß, + Ertränkte sich in seinem Glase. + Es schmeckt ihm fast wie Ananas. + + Sie hatte Haare, wie 'ne Puppe, + So unvergleichlich blond und kraus. + Einst fand er eines in der Suppe + Und zog es hochbeglückt heraus. + + Er rollt es auf zu einem Löckchen, + Hat's in ein Medaillon gelegt. + Nun hängt es unter seinem Röckchen + Da, wo sein treues Herze schlägt. + + * * * * * + + + + + Ein eigner Kerl war Krischan Bolte. + Er that nicht gerne, was er sollte. + Als Kind schon ist er so gewesen. + Religion, Rechtschreiben und Lesen + Fielen für ihn nicht ins Gewicht: + Er sollte zur Schule und wollte nicht. + Später kam er zu Meister Pfriem. + Der zeigte ihm redlich und sagte ihm, + Jedoch umsonst, was seine Pflicht: + Er sollte schustern und wollte nicht. + Er wollte sich nun mal nicht quälen, + Deßhalb verfiel er auf das Stehlen. + Man fasst ihn, stellt ihn vor Gericht: + Er sollte bekennen und wollte nicht. + Trotzdem verdammt man ihn zum Tode. + Er aber blieb, nach seiner Mode, + Ein widerspänstiger Bösewicht: + Er sollte hängen und wollte nicht. + + * * * * * + + + + + Durch das Feld ging die Familie, + Als mit glückbegabter Hand + Sanft erröthend Frau Ottilie + Eine Doppelähre fand. + + Was die alte Sage kündet, + Hat sich öfter schon bewährt: + Dem, der solche Ähren findet, + Wird ein Doppelglück beschert. + + Vater Franz blickt scheu zur Seite. + Zwei zu fünf, das wäre viel. + Kinder, sprach er, aber heute + Ist es ungewöhnlich schwül. + + * * * * * + + + + + Suche nicht apart zu scheinen, + Wandle auf betretnen Wegen. + Meinst du, was die andern meinen, + Kommt man freundlich dir entgegen. + + Mancher, auf dem Seitensteige, + Hat sich im Gebüsch verloren, + Und da schlugen ihm die Zweige + Links und rechts um seine Ohren. + + * * * * * + + + + + Es hat einmal, so wird gesagt, + Der Löwe mit dem Wolf gejagt. + Da haben sie vereint erlegt + Ein Wildschwein stark und gut gepflegt. + Doch als es an's Vertheilen ging, + Dünkt das dem Wolf ein misslich Ding. + Der Löwe sprach: Was grübelst du? + Glaubst du, es geht nicht redlich zu? + Dort kommt der Fuchs, er mag entscheiden, + Was jedem zukommt von uns beiden. + Gut, sagt der Wolf, dem solch ein Freund + Als Richter gar nicht übel scheint. + Der Löwe winkt dem Fuchs sogleich: + Herr Doctor, das ist was für Euch. + Hier dieses jüngst erlegte Schwein, + Bedenkt es wohl, ist mein und sein. + Ich fasst es vorn, er griff es hinten; + Jetzt theilt es uns, doch ohne Finten. + Der Fuchs war ein Jurist von Fach. + Sehr einfach, spricht er, liegt die Sach. + Das Vordertheil, ob viel ob wenig, + Erhält mit Fug und Recht der König. + Dir aber, Vetter Isegrimm, + Gebührt das Hintertheil. Da nimm! + Bei diesem Wort trennt er genau + Das Schwänzlein hinten von der Sau. + Indess der Wolf verschmäht die Beute. + Verneigt sich kurz und geht beiseite. + Fuchs, sprach der Löwe, bleibt bei mir. + Von heut an seid Ihr Großvezier. + + * * * * * + + + + + Mein Sohn, hast du allhier auf Erden + Dir vorgenommen, was zu werden, + Sei nicht zu keck; + Und denkst du, sei ein stiller Denker. + Nicht leicht befördert wird der Stänker. + Mit Demuth salbe deinen Rücken, + Voll Ehrfurcht hast du dich zu bücken, + Mußt heucheln, schmeicheln, mußt dich fügen, + Denn selbstverständlich nur durch Lügen + Kommst du vom Fleck. + Oh, thu's mit Eifer, thu's geduldig, + Bedenk, was du dir selber schuldig. + Das Gönnerherz wird sich erweichen, + Und wohl verdient wirst du erreichen + Den guten Zweck. + + * * * * * + + + + + Wie standen ehedem die Sachen + So neckisch da in ihrem Raum, + Schwer war's, ein Bild davon zu machen, + Und selbst der Beste konnt es kaum. + + Jetzt, ohne sich zu überhasten, + Stellt man die Guckmaschine fest + Und zieht die Bilder aus dem Kasten, + Wie junge Spatzen aus dem Nest. + + * * * * * + + + + + Er saß beim Frühstück äußerst grämlich, + Da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich: + Aha, so ist es mit dem Orden + Für diesmal wieder nichts geworden. + Ja Freund, wer seinen Blick erweitert + Und schaut nach hinten und nach vorn, + Der preist den Kummer, denn er läutert. + Ich selber war ein Weizenkorn. + Mit vielen, die mir anverwandt, + Lag ich im rauhen Ackerland. + Bedrückt von einem Erdenkloß, + Macht ich mich muthig strebend los. + Gleich kam ein alter Has gehupft + Und hat mich an der Nas gezupft, + Und als es Winter ward, verfror, + Was peinlich ist, mein linkes Ohr, + Und als ich reif mit meiner Sippe, + O weh, da hat mit seiner Hippe + Der Hans uns rutschweg abgesäbelt, + Und zum Ersticken festgeknebelt + Und auf die Tenne fortgeschafft, + Wo ihrer vier mit voller Kraft + In regelrechtem Flegeltakte + Uns klopften, daß die Schwarte knackte. + Ein Esel trug uns nach der Mühle. + Ich sage dir, das sind Gefühle, + Wenn man, zerrieben und gedrillt + Zum allerfeinsten Staubgebild, + Sich kaum besinnt und fast vergisst, + Ob Sonntag oder Montag ist. + Und schließlich schob der Bäckermeister, + Nachdem wir erst als zäher Kleister + In seinem Troge baß gehudelt, + Vermengt, geknetet und vernudelt, + Uns in des Ofens höchste Gluth. + Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut? + Frischauf, du hast genug, mein Lieber, + Greif zu und schneide nicht zu knapp + Und streiche tüchtig Butter drüber + Und gieb den Andern auch was ab. + + * * * * * + + + + + Man ist ja von Natur kein Engel, + Vielmehr ein Welt- und Menschenkind, + Und rings umher ist ein Gedrängel + Von Solchen, die dasselbe sind. + + In diesem Reich geborner Flegel, + Wer könnte sich des Lebens freun, + Würd es versäumt, schon früh die Regel + Der Rücksicht kräftig einzubläun. + + Es saust der Stock, es schwirrt die Ruthe. + Du darfst nicht zeigen, was du bist. + Wie schad, o Mensch, daß dir das Gute + Im Grunde so zuwider ist. + + * * * * * + + + + + Der Stoffel wankte frohbewegt + Spät in der Nacht nach Haus. + Da ging, wie das zu kommen pflegt, + Ihm seine Pfeife aus. + + Wer raucht, der raucht nicht gerne kalt. + Wie freut sich Stoffel da, + Als er ganz dicht vor sich im Wald + Ein Kohlenfeuer sah. + + Die Kohlen glühn in einem Topf. + Der frohe Stoffel drückt + Gleich eine in den Pfeifenkopf + Und zieht als wie verrückt. + + Wohl sieht er, wie die Kohle glüht, + Nur daß sie gar nicht brennt. + Da überläuft es sein Gemüth, + Er flucht Potzzapperment. + + Das Wort war hier nicht recht am Platz. + Es folgt ein Donnerschlag. + Versunken ist der Zauberschatz + Bis an den jüngsten Tag. + + Die Pfeife fällt vor Schreck und Graus + Auf einen harten Stein. + Ein Golddukaten rollt heraus + Blitzblank im Mondenschein. + + Von nun an, denkt der Stoffel schlau, + Schweig ich am rechten Ort. + Er kehrte heim zu seiner Frau + Und sprach kein einzig Wort. + + * * * * * + + + + + Wie dunkel ist der Lebenspfad, + Den wir zu wandeln pflegen. + Wie gut ist da ein Apparat + Zum Denken und Erwägen. + + Der Menschenkopf ist voller List + Und voll der schönsten Kniffe; + Er weiß, wo was zu kriegen ist + Und lehrt die rechten Griffe. + + Und weil er sich so nützlich macht, + Behält ihn jeder gerne. + Wer stehlen will, und zwar bei Nacht, + Braucht eine Diebslaterne. + + * * * * * + + + + + Unter all den hübschen Dingen + In der warmen Sommerzeit + Ist ein Corps von Schmetterlingen + Recht ergötzlich insoweit. + + Bist du dann zu deinem Wohle + In den Garten hinspaziert, + Siehst du über deinem Kohle + Muntre Tänze aufgeführt. + + Weiß gekleidet und behende + Flattert die vergnügte Schar, + Bis daß Lieb und Lust zu Ende + Wieder mal für dieses Jahr. + + Zum getreuen Angedenken, + Auf den Blättern kreuz und quer, + Lassen sie zurück und schenken + Dir ein schönes Raupenheer. + + Leidest du, daß diese Sippe + Weiter frisst, wie sie begehrt, + Kriegst du, nebst dem Blattgerippe, + Nur noch Proben ohne Werth. + + Also ist es zu empfehlen, + Lieber Freund, daß du dich bückst + Und sehr viele Raupenseelen, + Pitsch, aus ihren Häuten drückst. + + Denn nur der ist wirklich weise, + Der auch in die Zukunft schaut. + Denk an deine Lieblingsspeise: + Schweinekopf mit Sauerkraut. + + * * * * * + + + + + Fing man vorzeiten einen Dieb, + Hing man ihn auf mit Schnellbetrieb, + Und meinte man, er sei verschieden, + Ging man nachhaus und war zufrieden. + Ein Wandrer von der weichen Sorte + Kam einst zu solchem Galgenorte + Und sah, daß oben Einer hängt, + Dem kürzlich man den Hals verlängt. + Sogleich, als er ihn baumeln sieht, + Zerfließt in Thränen sein Gemüth. + Ich will den armen Schelm begraben, + Denkt er, sonst fressen ihn die Raben. + Nicht ohne Müh, doch mit Geschick, + Klimmt er hinauf und löst den Strick; + Und Jener, der im Wind geschwebt, + Liegt unten, scheinbar unbelebt. + Siehda, nach Änderung der Lage + Tritt neu die Lebenskraft zutage, + So daß der gute Delinquent + Die Welt ganz deutlich wiederkennt. + Zärtlich, als wär's der eigne Vetter, + Umarmt er seinen Lebensretter, + Nicht ein Mal, sondern noch ein Mal, + Vor Freude nach so großer Qual. + Mein lieber Mitmensch, sprach der Wandrer, + Geh in dich, sei hinfür ein Andrer. + Zum Anfang für dein neues Leben + Werd ich dir jetzt zwei Gulden geben. + Das Geben that ihm immer wohl. + Rasch griff er in sein Kamisol, + Wo er zur langen Pilgerfahrt + Den vollen Säckel aufbewahrt. + Er sucht und sucht und fand ihn nicht, + Und länger wurde sein Gesicht. + Er sucht und suchte, wie ein Narr, + Weit wird der Mund, das Auge starr, + Bald ist ihm heiß, bald ist ihm kalt. + Der Dieb verschwand im Tannenwald. + + * * * * * + + + + + Die Tugend will nicht immer passen, + Im ganzen läßt sie etwas kalt, + Und daß man eine unterlassen, + Vergißt man bald. + + Doch schmerzlich denkt manch alter Knaster, + Der von vergangnen Zeiten träumt, + An die Gelegenheit zum Laster, + Die er versäumt. + + * * * * * + + + + + Ein Fuchs voll flüchtiger Moral + Und unbedenklich, wenn er stahl, + Schlich sich beinacht zum Hühnerstalle + Von einem namens Jochen Dralle, + Der, weil die Mühe ihn verdross, + Die Thür mal wieder nicht verschloss. + Er hat sich, wie er immer pflegt, + So wie er war zubett gelegt. + Er schlief und schnarchte auch bereits. + Frau Dralle, welche ihrerseits + Noch wachte, denn sie hat die Grippe, + Stieß Jochen an die kurze Rippe. + Du, rief sie flüsternd, hör doch bloß, + Im Hühnerstall da ist was los; + Das ist der Fuchs der alte Racker. + Und schon ergriff sie kühn und wacker + Obgleich sie nur im Nachtgewand, + Den Besen, der am Ofen stand, + Indeß der Jochen leise flucht + Und erst mal Licht zu machen sucht. + Sie ging voran, er hinterdrein. + Es pfeift der Wind, die Hühner schrein. + Nur zu, mahnt Jochen, sei nur dreist + Und sag Bescheid, wenn er dich beißt. + Umsonst sucht sich der Dieb zu drücken + Vor Madam Dralles Geierblicken. + Sie schlägt ihm unaussprechlich schnelle + Zwei drei mal an derselben Stelle + Mit ihres Besens hartem Stiel + Auf's Nasenbein. Das war zuviel. -- + Ein Jeder kriegt, ein Jeder nimmt + In dieser Welt, was ihm bestimmt. + Der Fuchs, nachdem der Balg herab, + Bekommt ein Armesündergrab. + Frau Dralle, weil sie leichtgesinnt + Sich ausgesetzt dem Winterwind + Zum Trotz der Selbsterhaltungspflicht, + Kriegt zu der Grippe noch die Gicht. + Doch Jochen kriegte hocherfreut + Infolge der Gelegenheit + Von Pelzwerk eine warme Kappe + Mit Vorder- und mit Hinterklappe. + Stets hieß es dann, wenn er sie trug: + Der ist es, der den Fuchs erschlug. + + * * * * * + + + + + Ein gutes Thier + Ist das Klavier, + Still, friedlich und bescheiden, + Und muß dabei + Doch vielerlei + Erdulden und erleiden. + + Der Virtuos + Stürzt darauf los + Mit hochgesträubter Mähne. + Er öffnet ihm + Voll Ungestüm + Den Leib, gleich der Hyäne. + + Und rasend wild, + Das Herz erfüllt + Von mörderlicher Freude, + Durchwühlt er dann, + Soweit er kann, + Des Opfers Eingeweide. + + Wie es da schrie, + Das arme Vieh, + Und unter Angstgewimmer + Bald hoch, bald tief + Um Hülfe rief, + Vergess ich nie und nimmer. + + * * * * * + + + + + Dich freut die warme Sonne. + Du lebst im Monat Mai. + In deiner Regentonne + Da rührt sich allerlei. + + Viel kleine Thierlein steigen + Bald auf- bald niederwärts, + Und, was besonders eigen, + Sie atmen mit dem Sterz. + + Noch sind sie ohne Tücken, + Rein kindlich ist ihr Sinn. + Bald aber sind sie Mücken + Und fliegen frei dahin. + + Sie fliegen auf und nieder + Im Abendsonnenglanz + Und singen feine Lieder + Bei ihrem Hochzeitstanz. + + Du gehst zu Bett um zehne, + Du hast zu schlafen vor, + Dann hörst du jene Töne + Ganz dicht an deinem Ohr. + + Drückst du auch in die Kissen + Dein werthes Angesicht, + Dich wird zu finden wissen + Der Rüssel, welcher sticht. + + Merkst du, daß er dich impfe, + So reib mit Salmiak + Und dreh dich um und schimpfe + Auf dieses Mückenpack. + + * * * * * + + + + + Es geht ja leider nur soso + Hier auf der Welt, sprach Salomo. + Dies war verzeihlich. Das Geschnatter + Von tausend Frauen, denn die hatt er, + Macht auch den Besten ungerecht. + Uns aber geht es nicht so schlecht. + Wer, wie es Brauch in unsern Tagen, + Nur Eine hat, der soll nicht sagen + Und klagen, was doch mancher thut: + Ich bin für diese Welt zu gut. + Selbst, wem es fehlt an dieser Einen, + Der braucht darob nicht gleich zu weinen + Und sich kopfüber zu ertränken. + Er hat, das mag er wohl bedenken, + Am Weltgebäude mitgezimmert + Und allerlei daran verschlimmert. + Und wenn er so in sich gegangen, + Gewissenhaft und unbefangen, + Dann kusch er sich und denke froh: + Gottlob, ich bin kein Salomo; + Die Welt, obgleich sie wunderlich, + Ist mehr als gut genug für mich. + + * * * * * + + + + + Wer Bildung hat, der ist empört, + Wenn er so schrecklich fluchen hört. + Dies »Nasowolltich«, dies »Parblö«, + Dies ewige »Ojemineh«, + Dies »Eipotztausendnocheinmal«, + Ist das nicht eine Ohrenqual? + Und gar »Daßdichdasmäusleinbeiß«, + Da wird mir's immer kalt und heiß. + Wie oft wohl sag ich: Es ist häßlich, + Ist unanständig, roh und gräßlich. + Ich bitt und flehe: Lasst es sein, + Denn es ist sündlich. Aber nein, + Vergebens ring ich meine Hände, + Die Flucherei nimmt doch kein Ende. + + * * * * * + + + + + Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand, + Die gingen immer Hand in Hand, + Und selbst in einer Herzensfrage + Trat ihre Einigkeit zutage. + Sie liebten beide Nachbars Käthchen, + Ein blondgelocktes kleines Mädchen. + Einst sagte die verschmitzte Dirne: + Wer holt mir eine Sommerbirne, + Recht saftig, aber nicht zu klein? + Hernach soll er der Beste sein. + Der Fritz nahm seinen Freund beiseit + Und sprach: Das machen wir zu zweit; + Da drüben wohnt der alte Schramm, + Der hat den schönsten Birnenstamm; + Du steigst hinauf und schüttelst sacht, + Ich lese auf und gebe acht. + Gesagt gethan. Sie sind am Ziel. + Schon als die erste Birne fiel, + Macht Fritz damit sich aus dem Staube, + Denn eben schlich aus dunkler Laube, + In fester Faust ein spanisch Rohr, + Der aufmerksame Schramm hervor. + Auch Ferdinand sah ihn beizeiten + Und thät am Stamm herunter gleiten + In Ängstlichkeit und großer Hast, + Doch eh er unten Fuß gefasst, + Begrüßt ihn Schramm bereits mit Streichen, + Als wollt er einen Stein erweichen. + Der Ferdinand, voll Schmerz und Hitze, + Entfloh und suchte seinen Fritze. + Wie angewurzelt blieb er stehn. + Ach hätt er es doch nie gesehn: + Die Käthe hat den Fritz geküsst, + Worauf sie eine Birne isst. + Seit dies geschah, ist Ferdinand + Mit Fritz nicht mehr so gut bekannt. + + * * * * * + + + + + Wem's in der Unterwelt zu still, + Wer oberhalb erscheinen will, + Der baut sich, je nach seiner Weise, + Ein sichtbarliches Wohngehäuse. + Er ist ein blinder Architekt, + Der selbst nicht weiß, was er bezweckt. + Dennoch verfertigt er genau + Sich kunstvoll seinen Leibesbau, + Und sollte mal was dran passieren, + Kann er's verputzen und verschmieren, + Und ist er etwa gar ein solch + Geschicktes Thierlein, wie der Molch, + Dann ist ihm alles einerlei, + Und wär's ein Bein, er macht es neu. + Nur schad, daß, was so froh begründet, + So traurig mit der Zeit verschwindet, + Wie schließlich jeder Bau hienieden, + Sogar die stolzen Pyramiden. + + * * * * * + + + + + Es ist ein recht beliebter Bau. + Wer wollte ihn nicht loben? + Drin wohnt ein Mann mit seiner Frau, + Sie unten und er oben. + + Er, als ein schlaugewiegter Mann, + Hält viel auf weise Lehren, + Sie, ungestüm und drauf und dran, + Thut das, was ihr Begehren. + + Sie läßt ihn reden und begeht, + Blind, wie sie ist, viel Wüstes, + Und bringt sie das in Schwulität, + Na, sagt er kühl, da siehst es. + + Vereinen sich jedoch die zwei + Zu traulichem Verbande, + Dann kommt die schönste Lumperei + Hübsch regelrecht zustande. + + So geht's in diesem Hause her. + Man möchte fast erschrecken. + Auch ist's beweglich, aber mehr + Noch als das Haus der Schnecken. + + * * * * * + + + + + In einem Häuschen, sozusagen -- + (Den ersten Stock bewohnt der Magen) + In einem Häuschen war's nicht richtig. + Darinnen spukt und tobte tüchtig + Ein Kobold, wie ein wildes Bübchen, + Vom Keller bis zum Oberstübchen. + Fürwahr, es war ein bös Getös. + Der Hausherr wird zuletzt nervös, + Und als ein desperater Mann + Steckt er kurzweg sein Häuschen an + Und baut ein Haus sich anderswo + Und meint, da ging es ihm nicht so. + Allein, da sieht er sich betrogen. + Der Kobold ist mit umgezogen + Und macht Spektakel und Rumor + Viel ärger noch, als wie zuvor. + Ha, rief der Mann, wer bist du, sprich. + Der Kobold lacht: Ich bin dein Ich. + + * * * * * + + + + + Zu Olims Zeit, auf der Oase, + Am Quell, wo schlanke Palmen stehen, + Saß einst das Väterchen im Grase + Und hatte allerlei Ideeen. + + Gern sprach davon der Hochverehrte + Zu seinen Söhnen, seinen Töchtern, + Und das Gelehrte, oft Gehörte + Ging von Geschlechte zu Geschlechtern. + + Auch wir, in mancher Abendstunde, + Wenn treue Liebe uns bewachte, + Vernahmen froh die gute Kunde + Von dem, was Väterchen erdachte. + + Und sicher klingt das früh Gewusste + So lang in wohlgeneigte Ohren, + Bis auf der kalten Erdenkruste + Das letzte Menschenherz erfroren. + + * * * * * + + + + + Gehorchen wird jeder mit Genuss + Den Frauen, den hochgeschätzten, + Hingegen machen uns meist Verdruss + Die sonstigen Vorgesetzten. + + Nur wenn ein kleines Missgeschick + Betrifft den Treiber und Leiter, + Dann fühlt man für den Augenblick + Sich sehr befriedigt und heiter. + + Als neulich am Sonntag der Herr Pastor + Eine peinliche Pause machte, + Weil er den Faden der Rede verlor, + Da duckt sich der Küster und lachte. + + * * * * * + + + + + Abends, wenn die Heimchen singen, + Wenn die Lampe düster schwehlt, + Hör ich gern von Spukedingen, + Was die Tante mir erzählt. + + Wie es klopfte in den Wänden, + Wie der alte Schrank geknackt, + Wie es einst mit kalten Händen + Mutter Urschel angepackt, + + Wie man oft ein leises Jammern + Grad um Mitternacht gehört, + Oben in den Bodenkammern, + Scheint mir höchst bemerkenswerth. + + Doch erzählt sie gar das Märchen + Von dem Geiste ohne Kopf, + Dann erhebt sich jedes Härchen + Schaudervoll in meinem Schopf. + + Und ich kann es nicht verneinen, + Daß es böse Geister giebt, + Denn ich habe selber einen, + Der schon manchen Streich verübt. + + * * * * * + + + + + Frau Welt, was ist das nur mit euch? + Herr Walter sprach's, der alte. + Ihr werdet grau und faltenreich + Und traurig von Gestalte. + + Frau Welt darauf erwidert schnippsch: + Mein Herr, seid lieber stille. + Ihr scheint mir auch nicht mehr so hübsch + Mit eurer schwarzen Brille. + + * * * * * + + + + + Lache nicht, wenn mit den Jahren + Lieb und Freundlichkeit vergehen, + Was Paulinchen ist geschehen, + Kann auch dir mal widerfahren. + + Sieh nur, wie verändert hat sich + Unser guter Küchenbesen. + Er, der sonst so weich gewesen, + Ist jetzunder stumpf und kratzig. + + * * * * * + + + + + Hans, der soeben in der Stadt + Sein fettes Schwein verwerthet hat, + Ging spät nachhaus bei Mondenschein. + Ein Fremder folgt und holt ihn ein. + Grüßgott, rief Hans, das trifft sich gut, + Zuzweit verdoppelt sich der Muth. + Der Fremde denkt: Ha zapperlot, + Der Kerl hat Geld, ich schlag ihn todt, + Nur nicht von vorn, daß er es sieht, + Dagegen sträubt sich mein Gemüth. + Und weiter gehn sie allgemach, + Der Hans zuvor, der Fremde nach. + Jetzt, denkt sich dieser, mach ich's ab, + Er hob bereits den Knotenstab. + Was gilt die Butter denn bei euch? + Fragt Hans und dreht sich um zugleich. + Der Fremde schweigt, der Fremde stutzt, + Der Knittel senkt sich unbenutzt. + Und weiter gehn sie allgemach, + Der eine vor, der andre nach. + Hier, wo die dunklen Tannen stehn, + Hier, denkt der Fremde, soll's geschehn. + Spielt man auch Skat bei euch zuland? + Fragt Hans und hat sich umgewandt. + Der Fremde nickt und steht verdutzt, + Der Knittel senkt sich unbenutzt. + Und weiter gehn sie allgemach, + Der eine vor, der andre nach. + Hier, denkt der Fremde, wo das Moor, + Hier hau ich fest ihm hinter's Ohr. + Und wieder dreht der Hans sich um. + Prost, rief er fröhlich, mögt ihr Rum? + Und zog ein Fläschlein aus dem Rock. + Der Fremde senkt den Knotenstock, + Thät einen Zug, der war nicht schwach, + Und weiter gehn sie allgemach. + Schon sind sie aus dem Wald heraus, + Und schau, da steht das erste Haus. + Es kräht der Hahn, es bellt der Spitz. + Dies rief der Hans, ist mein Besitz. + Tritt ein du ehrlicher Gesell + Und nimm den Dank für dein Geleit. + Doch der Gesell entfernt sich schnell, + Vermuthlich aus Bescheidenheit. + + * * * * * + + + + + Ein weißes Kätzchen voller Schliche, + Ging heimlich, weil es gerne schleckt, + Des abends in die Nachbarküche. + Wo man es leider bald entdeckt. + + Mit Besen und mit Feuerzangen + Gejagt in alle Ecken ward's. + Es fuhr zuletzt voll Todesbangen + Zum Schlot hinaus und wurde schwarz. + + Ja, siehst du wohl, mein liebes Herze? + Wer schlecken will, was ihm gefällt, + Der kommt nicht ohne Schmutz und Schwärze + Hinaus aus dieser bösen Welt. + + * * * * * + + + + + Es wächst wohl auf der Haide + Und in des Waldes Raum + Ein Baum zu Nutz und Freude, + Genannt der Birkenbaum. + + Die Schuh, daraus geschnitzet, + Sind freundlich von Gestalt. + Wohl dem, der sie besitzet, + Ihm wird der Fuß nicht kalt. + + Es ist die weiße Rinde + Zu Tabaksdosen gut, + Als theures Angebinde + Für den, der schnupfen thut. + + Man zapfet aus der Birke + Sehr angenehmen Wein, + Man reibt sich, daß es wirke, + Die Glatze damit ein. + + Dem Birkenreiserbesen + Gebühret Preis und Ehr; + Das stärkste Kehrichtwesen + Das treibt er vor sich her. + + Von Birken eine Ruthe, + Gebraucht am rechten Ort, + Befördert oft das Gute + Mehr, als das beste Wort. + + Und kommt das Fest der Pfingsten, + Dann schmückt mir fein das Haus, + Ihr, meine liebsten Jüngsten, + Mit Birkenzweigen aus. + + * * * * * + + + + + Der Ruhm, wie alle Schwindelware, + Hält selten über tausend Jahre. + Zumeist vergeht schon etwas ehr + Die Haltbarkeit und die Kulör. + Ein Schmetterling voll Eleganz, + Genannt der Ritter Schwalbenschwanz, + Ein Exemplar von erster Güte, + Begrüßte jede Doldenblüthe + Und holte hier und holte da + Sich Nektar und Ambrosia. + Mitunter macht er sich auch breit + In seiner ganzen Herrlichkeit + Und zeigt den Leuten seine Orden + Und ist mit recht berühmt geworden. + Die jungen Mädchen fanden dies + Entzückend, goldig, reizend, süß. + Vergeblich schwenkten ihre Mützen + Die Knaben, um ihn zu besitzen. + Sogar der Spatz hat zugeschnappt + Und hätt ihn um ein Haar gehabt. + Jetzt aber naht sich ein Student, + Der seine Winkelzüge kennt. + In einem Netz mit engen Maschen + Thät er den Flüchtigen erhaschen, + Und da derselbe ohne Tadel, + Spießt er ihn auf die heiße Nadel. + So kam er unter Glas und Rahmen + Mit Datum, Jahreszahl und Namen + Und bleibt berühmt und unvergessen, + Bis ihn zuletzt die Motten fressen. + Man möchte weinen, wenn man sieht, + Daß dies das Ende von dem Lied. + + * * * * * + + + + + Der schöne Sommer ging von hinnen, + Der Herbst, der reiche zog in's Land. + Nun weben all die guten Spinnen + So manches feine Festgewand. + + Sie weben zu des Tages Feier + Mit kunstgeübtem Hinterbein + Ganz allerliebste Elfenschleier + Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain. + + Ja, tausend Silberfäden geben + Dem Winde sie zum leichten Spiel, + Die ziehen sanft dahin und schweben + An's unbewusst bestimmte Ziel. + + Sie ziehen in das Wunderländchen, + Wo Liebe scheu im Anbeginn, + Und leis verknüpft ein zartes Bändchen + Den Schäfer mit der Schäferin. + + * * * * * + + + + + Habt ihr denn wirklich keinen Schimmer + Von Angst, daß ihr noch ruhig schlaft? + Wird denn in dieser Welt nicht immer + Das Leben mit dem Tod bestraft? + + Ihr lebt vergnügt trotz dem Verhängniß, + Das näher stets und näher zieht. + So stiehlt der Dieb, dem das Gefängniß + Und später gar der Galgen blüht. + + Hör auf, entgegnet frech die Jugend, + Du altes Jammerinstrument. + Man merkt es gleich: du bist die Tugend, + Die Keinem sein Vergnügen gönnt. + + * * * * * + + + + + Ein Philosoph von ernster Art + Der sprach und strich sich seinen Bart: + Ich lache nie. Ich lieb es nicht, + Mein ehrenwerthes Angesicht + Durch Zähnefletschen zu entstellen + Und närrisch wie ein Hund zu bellen; + Ich lieb es nicht durch ein Gemecker + Zu zeigen, daß ich Witzentdecker; + Ich brauche nicht durch Werthvergleichen + Mit Andern mich herauszustreichen, + Um zu ermessen, was ich bin, + Denn dieses weiß ich ohnehin. + Das Lachen will ich überlassen + Den minder hochbegabten Klassen. + Ist einer ohne Selbstvertraun + In Gegenwart von schönen Fraun, + So daß sie ihn als faden Gecken + Abfahren lassen oder necken, + Und fühlt er drob geheimen Groll + Und weiß nicht, was er sagen soll, + Dann schwebt mit Recht auf seinen Zügen + Ein unaussprechliches Vergnügen. + Und hat er Kursverlust erlitten, + Ist er moralisch ausgeglitten, + So giebt es Leute, die doch immer + Noch dümmer sind als er und schlimmer. + Und hat er etwa krumme Beine, + So giebt's noch krümmere als seine. + Er tröstet sich und lacht darüber + Und denkt: Da bin ich mir doch lieber. + Den Teufel lass ich aus dem Spiele. + Auch sonst noch lachen ihrer Viele, + Besonders jene ewig Heitern, + Die unbewusst den Mund erweitern. + Die so zu sagen, auserkoren + Zum Lachen bis an beide Ohren. + Sie freuen sich mit Weib und Kind + Schon bloß, weil sie vorhanden sind. + Ich dahingegen, der ich sitze + Auf der Betrachtung höchster Spitze, + Weit über allem Was und Wie, + Ich bin für mich und lache nie. + + * * * * * + + + + + Was er liebt, ist Keinem fraglich; + Triumphirend und behaglich + Nimmt es seine Seele ein + Und befiehlt: So soll es sein. + + Suche nie, wo dies geschehen, + Widersprechend vorzugehen, + Sintemalen im Gemüth + Schon die höchste Macht entschied. + + Ungestört in ihren Lauben + Lass die Liebe, lass den Glauben, + Der, wenn man es recht ermisst, + Auch nur lauter Liebe ist. + + * * * * * + + + + + Du liebes Plappermäulchen, + Bedenk dich erst ein Weilchen, + Und sprich nicht so geschwind. + Du bist wie unsre Mühle + Mit ihrem Flügelspiele + Im frischen Sausewind. + + So lang der Müller thätig + Und schüttet auf was nöthig, + Geht alles richtig zu; + Doch ist kein Korn darinnen, + Dann kommt das Werk von Sinnen, + Und klappert so wie du. + + * * * * * + + + + + Des morgens früh, sobald ich mir + Mein Pfeifchen angezündet, + Geh ich hinaus zur Hinterthür, + Die in den Garten mündet. + + Besonders gern betracht ich dann + Die Rosen, die so niedlich; + Die Blattlaus sitzt und saugt daran + So grün, so still, so friedlich. + + Und doch wird sie, so still sie ist, + Der Grausamkeit zur Beute; + Der Schwebefliegen Larve frißt + Sie auf bis auf die Häute. + + Schluppwespchen flink und klimperklein, + So sehr die Laus sich sträube, + Sie legen doch ihr Ei hinein + Noch bei lebendgem Leibe. + + Sie aber sorgt nicht nur mit Fleiß + Durch Eier für Vermehrung; + Sie kriegt auch Junge hundertweis + Als weitere Bescherung. + + Sie nährt sich an dem jungen Schaft + Der Rosen, eh sie welken; + Ameisen kommen, ihr den Saft + Sanft streichelnd abzumelken. + + So seh ich in Betriebsamkeit + Das hübsche Ungeziefer + Und rauche während dieser Zeit + Mein Pfeifchen tief und tiefer. + + Daß keine Rose ohne Dorn, + Bringt mich nicht aus dem Häuschen. + Auch sag ich ohne jeden Zorn: + Kein Röslein ohne Läuschen! + + * * * * * + + + + + Stoffel hackte mit dem Beile. + Dabei that er sich sehr wehe, + Denn er traf in aller Eile + Ganz genau die große Zehe. + + Ohne jedes Schmerzgewimmer, + Nur mit Ruh, mit einer festen, + Sprach er: Ja, ich sag es immer, + Nebenzu trifft man am besten. + + * * * * * + + + + + Die Mutter plagte ein Gedanke. + Sie kramt im alten Kleiderschranke, + Wo Kurz und Lang, obschon gedrängt, + Doch friedlich, bei einander hängt. + Auf einmal ruft sie: Ei sieh da, + Der Schwalbenschwanz, da ist er ja! + Den blauen, längst nicht mehr benützten, + Den hinten zwiefach zugespitzten, + Mit blanken Knöpfen schön geschmückt, + Der einst so manches Herz berückt, + Ihn trägt sie klug und überlegt + Dahin, wo sie zu schneidern pflegt, + Und trennt und wendet, näht und misst, + Bis daß das Werk vollendet ist. + Auf die Art aus des Vaters Fracke + Kriegt Fritzchen eine neue Jacke. + Grad so behilft sich der Poet. + Du liebe Zeit, was soll er machen? + Gebraucht sind die Gedankensachen + Schon alle, seit die Welt besteht. + + * * * * * + + + + + Als ich in Jugendtagen + Noch ohne Grübelei, + Da meint ich mit Behagen, + Mein Denken wäre frei. + + Seitdem hab ich die Stirne + Oft auf die Hand gestützt + Und fand, daß im Gehirne + Ein harter Knoten sitzt. + + Mein Stolz der wurde kleiner. + Ich merkte mit Verdruss: + Es kann doch Unsereiner + Nur denken, wie er muss. + + * * * * * + + + + + Im Hochgebirg vor seiner Höhle + Saß der Asket; + Nur noch ein Rest von Leib und Seele + Infolge äußerster Diät. + Demüthig ihm zu Füßen kniet + Ein Jüngling, der sich längst bemüht, + Des strengen Büßers strenge Lehren + Nachdenklich prüfend anzuhören. + Grad schließt der Klausner den Sermon + Und spricht: Bekehre dich, mein Sohn. + Verlass das böse Weltgetriebe. + Vor allem unterlass die Liebe, + Denn grade sie erweckt auf's Neue + Das Leben und mit ihm die Reue. + Da schau mich an. Ich bin so leicht, + Fast hab ich schon das Nichts erreicht, + Und bald verschwind ich in das reine + Zeit- raum- und traumlos Allundeine. + Als so der Meister in Ekstase, + Sticht ihn ein Bienchen in die Nase. + Oh, welch ein Schrei! + Und dann das Mienenspiel dabei. + Der Jüngling stutzt und ruft: Was seh ich? + Wer solchermaßen leidensfähig, + Wer so gefühlvoll und empfindlich, + Der, fürcht ich, lebt noch viel zu gründlich + Und stirbt noch nicht zum letzten Mal. + Mit diesem kühlen Wort empfahl + Der Jüngling sich und stieg hernieder + Ins tiefe Thal und kam nicht wieder. + + * * * * * + + + + + Nachbar Nickel ist verdrießlich, + Und er darf sich wohl beklagen, + Weil ihm seine Pläne schließlich + Alle gänzlich fehl geschlagen. + + Unsre Ziege starb heut Morgen. + Geh und sag's ihm, lieber Knabe! + Daß er nach so vielen Sorgen + Auch mal eine Freude habe. + + * * * * * + + + + + Er war nicht unbegabt. Die Geisteskräfte + Genügten für die laufenden Geschäfte. + Nur hatt er die Marotte, + Er sei der Papst. Dies sagt er oft und gern, + Für jedermann zum Ärgerniss und Spotte, + Bis sie zuletzt ins Narrenhaus ihn sperrn. + Ein guter Freund, der ihn daselbst besuchte, + Fand ihn höchst aufgeregt. Er fluchte: + Zum Kuckuck, das ist doch zu dumm. + Ich soll ein Narr sein und weiß nicht warum. + Ja, sprach der Freund, so sind die Leute. + Man hat an einem Papst genug. + Du bist der zweite. + Das eben kann man nicht vertragen. + Hör zu, ich will dir mal was sagen: + Wer schweigt, ist klug. + Der Narr verstummt, als ob er überlege. + Der gute Freund ging leise seiner Wege. + Und schau, nach vierzehn Tagen grade + Da traf er ihn schon auf der Promenade. + Ei, rief der Freund, wo kommst du her? + Bist du denn jetzt der Papst nicht mehr? + Freund, sprach der Narr und lächelt schlau, + Du scheinst zur Neugier sehr geneigt. + Das, was wir sind, weiß ich genau. + Wir alle haben unsern Sparren, + Doch sagen thun es nur die Narren. + Der Weise schweigt. + + * * * * * + + + + + Als Kind von angenehmen Zügen + War Röschen ein gar lustig Ding. + Gern zupfte sie das Bein der Fliegen, + Die sie geschickt mit Spucke fing. + + Sie wuchs, und größere Objekte + Lockt sie von nun an in ihr Garn, + Nicht nur die jungen, nein, sie neckte + Und rupft auch manchen alten Narrn. + + Inzwischen that in stillem Walten + Die Zeit getreulich ihre Pflicht. + Durch wundersame Bügelfalten + Verziert sie Röschens Angesicht. + + Und locker wurden Röschens Zähne. + Kein Freier stellte sich mehr ein. + Und schließlich kriegt sie gar Migräne, + Und die pflegt dauerhaft zu sein. + + Dies führte sie zum Aberglauben, + Obwohl sie sonst nicht gläubig schien. + Sie meinte fest, daß Turteltauben + Den Schmerz der Menschen an sich ziehn. + + Zwei Stück davon hat sie im Bauer, + Ein Pärchen, welches zärtlich girrt; + Jetzt liegt sie täglich auf der Lauer, + Ob ihnen noch nicht übel wird. + + * * * * * + + + + + Ein Dornstrauch stand im Wiesenthal, + An einer Stiege, welche schmal, + Und ging vorüber irgend wer, + Den griff er an und kratzte er. + Ein Lämmlein kam daher gehupft. + Das hat er ebenfalls gerupft. + Es sieht ihn traurig an und spricht: + Du brauchst doch meine Wolle nicht, + Und niemals that ich dir ein Leid. + Weßhalb zerrupfst du denn mein Kleid? + Es thut mir weh und ist auch schad. + Ei, rief der Freche, darum grad. + + * * * * * + + + + + Miezel, eine schlaue Katze, + Molly, ein begabter Hund, + Wohnhaft an demselben Platze, + Hassten sich aus Herzensgrund. + + Schon der Ausdruck ihrer Mienen, + Bei gesträubter Haarfrisur, + Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen + Ist von Liebe keine Spur. + + Doch wenn Miezel in dem Baume, + Wo sie meistens hin entwich, + Friedlich dasitzt, wie im Traume, + Dann ist Molly außer sich. + + Beide lebten in der Scheune, + Die gefüllt mit frischem Heu. + Alle beide hatten Kleine, + Molly zwei und Miezel drei. + + Einst zur Jagd ging Miezel wieder + Auf das Feld. Da geht es bumm. + Der Herr Förster schoß sie nieder. + Ihre Lebenszeit ist um. + + Oh, wie jämmerlich miauen + Die drei Kinderchen daheim. + Molly eilt, sie zu beschauen, + Und ihr Herz geht aus dem Leim. + + Und sie trägt sie kurz entschlossen + Zu der eignen Lagerstatt, + Wo sie nunmehr fünf Genossen + An der Brust zu Gaste hat. + + Mensch, mit traurigem Gesichte, + Sprich nicht nur von Leid und Streit, + Selbst in Brehms Naturgeschichte + Findet sich Barmherzigkeit. + + * * * * * + + + + + Nachdem er am Sonntagmorgen + Vor seinem Spiegel gestanden, + Verschwanden die letzten Sorgen + Und Zweifel, die noch vorhanden. + + Er wurde so verwegen, + Daß er nicht länger schwankte. + Er schrieb ihr. Sie dagegen + Erwidert: Nein, sie dankte. + + Der Schreck, den er da hatte, + Hätt ihn fast umgeschmissen, + Als hätt ihn eine Ratte + Plötzlich ins Herz gebissen. + + * * * * * + + + + + Ach, wie eilte so geschwinde + Dieser Sommer durch die Welt. + Herbstlich rauscht es in der Linde, + Ihre Blätter mit dem Winde + Wehen über's Stoppelfeld. + + Hörst du in den Lüften klingend + Sehnlich klagend das Kuru? + Wandervögel, flügelschwingend, + Lebewohl der Heimath singend, + Ziehn dem fremden Lande zu. + + Morgen muß ich in die Ferne. + Liebes Mädchen, bleib mir gut. + Morgen lebt in der Kaserne, + Daß er exerziren lerne, + Dein dich liebender Rekrut. + + * * * * * + + + + + Es war die erste Maiennacht. + Kein Mensch im Dorf hat mehr gewacht. + Da hielten, wie es stets der Fall, + Die Thiere ihren Frühlingsball. + Die Gans, die gute Adelheid, + Fehlt nie bei solcher Festlichkeit, + Obgleich man sie nach altem Brauch + Zu necken pflegt. So heute auch. + Frau Schnabel, nannte sie der Kater, + Frau Plattfuß, rief der Ziegenvater; + Doch sie, zwar lächelnd, aber kühl, + Hüllt sich in sanftes Selbstgefühl. + So saß sie denn in ödem Schweigen + Allein für sich bei Spiel und Reigen, + Bei Freudenlärm und Jubeljux. + Sieh da, zum Schluß hat auch der Fuchs + Sich ungeladen eingedrängelt. + Schlau hat er sich herangeschlängelt. + Ihr Diener, säuselt er galant, + Wie geht's der Schönsten in Brabant? + Ich küss der gnäd'gen Frau den Fittig. + Ist noch ein Tänzchen frei, so bitt ich. + Sie nickt verschämt: O Herr Baron! + Indem so walzen sie auch schon. + Wie trippeln die Füße, wie wippeln die Schwänze + Im lustigen Kehraus, dem letzten der Tänze. + Da tönt es vier mit lautem Schlag. + Das Fest ist aus. Es naht der Tag, -- + Bald drauf, im frühsten Morgenschimmer, + Ging Mutter Urschel aus, wie immer, + Mit Korb und Sichel, um verstohlen + Sich etwas fremden Klee zu holen. + An einer Hecke bleibt sie stehn: + Herrjeh, was ist denn hier geschehn? + Die Füchse, sag ich, soll man rädern. + Das sind wahrhaftig Gänsefedern. + Ein frisches Ei liegt dicht daneben. + Ich bin so frei es aufzuheben. + Ach, armes Thier, sprach sie bewegt. + Dies Ei hast du vor Angst gelegt. + + * * * * * + + + + + Ach, wie vieles muß man rügen, + Weil es sündlich und gemein, + So, zum Beispiel, das Vergnügen, + Zuzusehn bei Prügelein. + + Noch vor kurzem hab ich selber + Mir zwei Gockel angesehn, + Hier ein schwarzer, da ein gelber, + Die nicht gut zusammen stehn. + + Plötzlich kam es zum Skandale, + Denn der schwarze macht die Kur, + Was dem gelben alle Male + Peinlich durch die Seele fuhr. + + Mit den Krallen, mit den Sporen, + Mit dem Schnabel, scharf gewetzt, + Mit den Flügeln um die Ohren + Hat es Hieb auf Hieb gesetzt. + + Manche Feder aus dem Leder + Reißen und zerschleißen sie, + Und zum Schlusse ruft ein jeder + Triumphirend Kickriki! + + Voller Freude und mit wahrem + Eifer sah ich diesen Zwist, + Während jedes Huhn im Harem + Höchst gelassen weiter frisst. + + Solch ein Weibervolk mit Flügeln + Meint, wenn Gockel früh und spät + Seinetwegen sich verprügeln, + Daß sich das vonselbst versteht. + + * * * * * + + + + + Ich ging zur Bahn. Der Abendzug + Kam erst um halber zehn. + Wer zeitig geht, der handelt klug, + Er kann gemüthlich gehn. + + Der Frühling war so warm und mild, + Ich ging wie neubelebt, + Zumal ein werthes Frauenbild + Mir vor der Seele schwebt. + + Daß ich sie heut noch sehen soll, + Daß sie gewiß noch wach, + Davon ist mir das Herz so voll, + Ich steh und denke nach. + + Ein Häslein, das vorüber stiebt, + Ermahnt ich: Lass dir Zeit, + Ein guter Mensch, der glücklich liebt, + Thut keinem was zu leid. + + Von ferne aus dem Wiesenteich + Erklang der Frösche Chor, + Und überm Walde stieg zugleich + Der goldne Mond empor. + + Da bist du ja, ich grüße dich, + Du traulicher Kumpan. + Bedächtig wandelst du wie ich + Dahin auf deiner Bahn. + + Dies lenkte meinen Denkersinn + Auf den Geschäftsverlauf; + Ich überschlug mir den Gewinn. + Das hielt mich etwas auf. + + Doch horch, da ist die Nachtigall, + Sie flötet wunderschön. + Ich flöte selbst mit sanftem Schall + Und bleib ein wenig stehn. + + Und flötend kam ich zur Station, + Wie das bei mir Gebrauch. + O weh, was ist das für ein Ton? + Der Zug der flötet auch. + + Dort saust er hin. Ich stand versteint. + Dann sah ich nach der Uhr, + Wie jeder, der zu spät erscheint. + So will es die Natur. + + * * * * * + + + + + Fritz, der mal wieder schrecklich träge, + Vermuthet, heute giebt es Schläge, + Und knöpft zur Abwehr der Attacke + Ein Buch sich unter seine Jacke, + Weil er sich in dem Glauben wiegt, + Daß er was auf den Buckel kriegt. + Die Schläge trafen richtig ein. + Der Lehrer meint es gut. Allein + Die Gabe wird für heut gespendet + Mehr unten, wo die Jacke endet, + Wo Fritz nur äußerst leicht bekleidet + Und darum ganz besonders leidet. + Ach, daß der Mensch so häufig irrt + Und nie recht weiß, was kommen wird! + + * * * * * + + + + + Ein Mensch, der etwas auf sich hält, + Bewegt sich gern in feiner Welt, + Denn erst in weltgewandten Kreisen + Lernt man die rechten Redeweisen, + Verbindlich, aber zugespitzt, + Und treffend, wo die Schwäre sitzt. + Es ist so wie mit Rector Knaut, + Der immer lächelt, wenn er haut. + Auch ist bei Knaben weit berüchtigt + Das Instrument, womit er züchtigt. + Zu diesem Zweck bedient er nämlich, + Als für den Sünder gut bekömmlich, + Sich einer schlanken Haselgerte, + Zwar biegsam, doch nicht ohne Härte, + Die sich, von rascher Hand bewegt, + Geschmeidig um die Hüfte legt. + Nur wer es fühlte, der begreift es: + Vorn schlägt er zu und hinten kneift es. + + * * * * * + + + + + Sag Atome, sage Stäubchen. + Sind sie auch unendlich klein, + Haben sie doch ihre Leibchen + Und die Neigung da zu sein. + + Haben sie auch keine Köpfchen, + Sind sie doch voll Eigensinn. + Trotzig spricht das Zwerggeschöpfchen: + Ich will sein so wie ich bin. + + Suche nur, sie zu bezwingen, + Stark und findig, wie du bist. + Solch ein Ding hat seine Schwingen, + Seine Kraft und seine List. + + Kannst du auch aus ihnen schmieden + Deine Rüstung als Despot, + Schließlich wirst du doch ermüden, + Und dann heißt es: Er ist todt. + + * * * * * + + + + + Lange warst du im Gedrängel, + Aller Dinge tief versteckt, + Bis als einen kleinen Bengel + Unser Auge dich entdeckt. + + Schreiend hast du Platz genommen, + Zum Genuß sofort bereit, + Und wir hießen dich willkommen, + Pflegten dich mit Zärtlichkeit. + + Aber eh du recht empfunden, + Was daheim für Freuden blühn, + Hast dein Bündel du gebunden, + Um in fremdes Land zu ziehn. + + Leichte lustige Gesellen + Finden sich an jedem Ort. + Weiber schelten, Hunde bellen, + Lachend zogst du weiter fort. + + Sahst die Welt an beiden Enden, + Hast genippt und hast genascht. + Endlich fest mit Klammerhänden + Hat die Liebe dich erhascht. + + Und du zogst den Kinderwagen, + Und du trugst, was dir bestimmt, + Seelenlast und Leibesplagen, + Bis der Rücken sich gekrümmt + + Nur Geduld. Es steht ein Flieder + An der Kirche grau und alt. + Dort für deine müden Glieder + Ist ein kühler Aufenthalt. + + * * * * * + + + + + Wahrlich, sagte meine Tante, + Die fast alle Geister kannte, + Keine Täuschung ist die Trud. + Weißt du nicht, daß böse Seelen + Nächtlich aus dem Leibe rücken, + Um den Menschen zu bedrücken + Und zu treten und zu quälen, + Wenn er auf dem Rücken ruht? + Lautlos durch verschlossne Thüren + Immer näher siehst du's kommen, + Zauberhaft und wunderlich. + Und dir graust es vor dem Dinge, + Und du kannst dich doch nicht rühren, + Und du fühlst dich so beklommen, + Möchtest rufen, wenn's nur ginge, + Und auf einmal hat es dich. + Doch wer klug, weiß sich zu schützen: + Abends beim Zurruhegehn + Brauchst du bloß darauf zu sehn, + Daß die Schuhe mit den Spitzen + Abgewandt vom Bette stehn. + Außerdem hab ich gehört: + Leichtes Herz und leichter Magen, + Wie in andern Lebenslagen, + Sind auch hier empfehlenswerth. + + * * * * * + + + + + Um acht, als seine werthe Sippe + Noch in den Federn schlummernd lag, + Begrüßt er von der Felsenklippe + Bereits den neuen Frühlingstag. + + Und wie die angenehme Sonne + Liebreich zu ihm hernieder schaut, + Da ist in süßer Rieselwonne + Sein ganzes Wesen aufgethaut. + + Es schmilzt die schwere Außenhülle. + Ihm wird so wohl, ihm wird so leicht. + Er schwebt im Geist als freier Wille + Hinaus, so weit das Auge reicht. + + Fort überthal, zu fernen Hügeln, + Den Strom entlang, bis an das Meer, + Windeilig, wie auf Möwenflügeln, + Zieht er in hoher Luft einher. + + Hier traf er eine Wetterwolke. + Die wählt er sich zum Herrschersitz. + Erhaben über allem Volke + Thront er in Regen, Sturm und Blitz. + + Oweh, der Zauber ist zuende. + Durchweicht vom Hut bis in die Schuh, + Der Buckel steif und lahm die Lende, + So schleicht er still der Heimat zu. + + Zum Trost für seine kalten Glieder + Empfängt ihn gleich ein warmer Gruß. + Na, hieß es, jetzt bekommst du wieder + Dein Reißen in den Hinterfuß. + + * * * * * + + + + + Es war ein Mägdlein froh und keck, + Stets lacht ihr Rosenmund, + Ihr schien die Liebe Lebenszweck + Und alles andre Schund. + + Sie denkt an nichts, als an Pläsir, + Seitdem die Mutter todt, + Sie lacht und liebt, obgleich es ihr + Der Vater oft verbot. + + Einst hat sie frech und unbedacht + Den Schatz, der ihr gefällt, + Sich für die Zeit um Mitternacht + Zum Kirchhof hinbestellt. + + Und als sie kam zum Stelldichein, + O hört, was sich begab. + Da stand ein Geist im Mondenschein + Auf ihrer Mutter Grab. + + Er steht so starr, er steht so stumm, + Er blickt so kummervoll. + Das Mägdlein dreht sich schaudernd um + Und rennt nach Haus wie toll. + + Es wird, wer einen Geist gesehn, + Nie mehr des Lebens froh, + Er fühlt, es ist um ihn geschehn. + Dem Mägdlein ging es so. + + Sie welkt dahin, sie will und mag + Nicht mehr zu Spiel und Tanz. + Man flocht ihr um Johannistag + Bereits den Todtenkranz. + + * * * * * + + + + + Das Pfäfflein saß beim Frühstückschmaus. + Er schaut und zieht die Stirne kraus. + Wer, fragt er, hat die Wurst gebracht? + Die Köchin sprach: Es war die Liese, + Die Alte von der Gänsewiese. + Drum, rief er, sah ich in letzter Nacht, + Wie durch die Luft in feurigem Bogen + Der Böse in ihren Schlot geflogen. + Verdammte Hex, + Ich riech, ich schmeck's, + Der Teufel hat die Wurst gemacht. + Spitz, da geh her! -- Der Hund, nicht faul, + Verzehrt die Wurst und leckt das Maul. + Er nimmt das Gute, ohne zu fragen, + Ob's Beelzebub unter dem Schwanz getragen. + + * * * * * + + + + + Es fand der geizige Bauer Kniep + Im Grabe keine Ruhe. + Die Sehnsucht nach dem Gelde trieb + Ihn wieder zu seiner Truhe. + + Die Erben wollten diesen Gast + Im Haus durchaus nicht haben, + Weil ihnen der Verkehr verhasst + Mit Einem, der schon begraben. + + Sie dachten, vor Drudenfuß und Kreuz + Ergebenst verschwinden sollt er. + Er aber vollführte seinerseits + Nur um so mehr Gepolter. + + Zum Glück kam gerade zugereist + Ein Meister, der vieles erkundet. + Der hat gar schlau den bösen Geist + In einem Fass verspundet. + + Man fuhr es bequem, als wär es leer, + Bis an ein fließend Gewässer. + Da plötzlich machte sich Kniep so schwer, + Wie zehn gefüllte Fässer. + + Gottlieb, der Kutscher, wundert sich. + Nach rückwärts blickt er schnelle. + Wumm, knallt der Spund. Der Geist entwich + Und spukt an der alten Stelle. + + Wie sonst, besucht er jede Nacht + Die eisenbeschlagene Kiste + Und rumpelt, hustet, niest und lacht, + Als ob er von nichts was wüsste. + + Kein Mittel erwies sich als probat. + Der Geist ward nur erboster. + Man trug, es blieb kein andrer Rath, + Den Kasten zum nächsten Kloster. + + Der Pförtner sprach: Willkommen im Stift + Und herzlich guten Morgen! + Was Geld und böse Geister betrifft, + Das wollen wir schon besorgen. + + * * * * * + + + + + Ich bin ein armer Schreiber nur, + Hab weder Haus noch Acker, + Doch freut mich jede Kreatur, + Sogar der Spatz, der Racker. + + Er baut von Federn, Haar und Stroh + Sein Nest geschwind und flüchtig, + Er denkt, die Sache geht schon so, + Die Schönheit ist nicht wichtig. + + Wenn man den Hühnern Futter streut, + Gleich mengt er sich dazwischen, + Um schlau und voller Rührigkeit + Sein Körnlein zu erwischen. + + Maikäfer liebt er ungemein, + Er weiß sie zu behandeln; + Er hackt die Flügel, zwackt das Bein + Und knackt sie auf wie Mandeln. + + Im Kirschenbaum frisst er verschmitzt + Das Fleisch der Beeren gerne; + Dann hat, wer diesen Baum besitzt, + Nachher die schönsten Kerne. + + Es fallt ein Schuß. Der Spatz entfleucht + Und ordnet sein Gefieder. + Für heute bleibt er weg vielleicht, + Doch morgen kommt er wieder. + + Und ist es Winterzeit und hat's + Geschneit auf alle Dächer, + Verhungern thut kein rechter Spatz, + Er kennt im Dach die Löcher. + + Ich rief: Spatz komm, ich füttre dich! + Er fasst mich scharf in's Auge. + Er scheint zu glauben, daß auch ich + Im Grunde nicht viel tauge. + + * * * * * + + + + + Frau Grete hatt ein braves Huhn, + Das wusste seine Pflicht zu thun. + Es kratzte hinten, pickte vorn, + Fand hier ein Würmchen, da ein Korn, + Erhaschte Käfer, schnappte Fliegen + Und eilte dann mit viel Vergnügen + Zum stillen Nest, um hier geduldig + Das zu entrichten, was es schuldig. + Fast täglich tönte sein Geschrei: + Victoria, ein Ei, ein Ei! + Frau Grete denkt: Oh, welch ein Segen, + Doch könnt es wohl noch besser legen. + Drum reicht sie ihm, es zu verlocken, + Oft extra noch die schönsten Brocken. + Dem Hühnchen war das angenehm. + Es putzt sich, macht es sich bequem, + Wird wohlbeleibt, ist nicht mehr rührig + Und sein Geschäft erscheint ihm schwierig. + Kaum daß ihm noch mit Drang und Zwang + Mal hie und da ein Ei gelang. + Dies hat Frau Greten schwer bedrückt, + Besonders, wenn sie weiter blickt; + Denn wo kein Ei, da ist's vorbei + Mit Rührei und mit Kandisei. + Ein fettes Huhn legt wenig Eier. + Ganz ähnlich geht's dem Dichter Meier, + Der auch nicht viel mehr dichten kann, + Seit er das große Loos gewann. + + * * * * * + + + + + Wer einsam ist, der hat es gut, + Weil Keiner da, der ihm was thut. + Ihn stört in seinem Lustrevier + Kein Thier, kein Mensch und kein Klavier, + Und Niemand giebt ihm weise Lehren, + Die gut gemeint und bös zu hören. + Der Welt entronnen, geht er still + In Filzpantoffeln, wann er will. + Sogar im Schlafrock wandelt er + Bequem den ganzen Tag umher. + Er kennt kein weibliches Verbot, + Drum raucht und dampft er wie ein Schlot. + Geschützt vor fremden Späherblicken, + Kann er sich selbst die Hose flicken. + Liebt er Musik, so darf er flöten, + Um angenehm die Zeit zu tödten, + Und laut und kräftig darf er prusten, + Und ohne Rücksicht darf er husten, + Und allgemach vergisst man seiner. + Nur allerhöchstens fragt mal Einer: + Was, lebt er noch? Ei schwerenoth, + Ich dachte längst, er wäre todt. + Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen, + Läßt sich das Glück nicht schöner malen. + Worauf denn auch der Satz beruht: + Wer einsam ist, der hat es gut. + + * * * * * + + + + + Man sagt, ein Schnäpschen, insofern + Es kräftig ist, hat jeder gern. + Ganz anders denkt das Volk der Bienen, + Der Süffel ist verhasst bei ihnen, + Sein Wohlgeruch thut ihnen weh. + Sie trinken nichts wie Blüthenthee, + Und wenn wer kommt, der Schnäpse trank, + Gleich ziehen sie den Stachel blank. + Letzthin hat einem Bienenstöckel + Der brave alte Schneider Böckel, + Der nicht mehr nüchtern in der That, + Aus Neubegierde sich genaht. + Sofort von einem regen Leben + Sieht Meister Böckel sich umgeben. + Es dringen giftgetränkte Pfeile + In seine nackten Körpertheile, + Ja manche selbst durch die nur lose + Und leichtgewirkte Sommerhose, + Besonders, weil sie stramm gespannt. + Zum Glück ist Böckel kriegsgewandt. + Er zieht sich kämpfend wie ein Held + Zurück in's hohe Erbsenfeld. + Hier hat er Zeit, an vielen Stellen + Des Leibes merklich anzuschwellen, + Und als er wiederum erscheint, + Erkennt ihn kaum sein bester Freund. + Natürlich, denn bei solchem Streit + Verliert man seine Ähnlichkeit. + + * * * * * + + + + + Es grünte allenthalben. + Der Frühling wurde wach. + Bald flogen auch die Schwalben + Hell zwitschernd um das Dach. + + Sie sangen unermüdlich + Und bauten außerdem + Am Giebel rund und niedlich + Ihr Nest aus feuchtem Lehm. + + Und als sie eine Woche + Sich redlich abgequält, + Hat nur am Eingangsloche + Ein Stückchen noch gefehlt. + + Da nahm der Spatz, der Schlingel, + Die Wohnung in Besitz. + Jetzt hängt ein Strohgeklüngel + Hervor aus ihrem Schlitz. + + Nicht schön ist dies Gebahren + Und wenig ehrenwerth + Von Einem, der seit Jahren + Mit Menschen viel verkehrt. + + * * * * * + + + + + Tugend will, man soll sie holen, + Ungern ist sie gegenwärtig; + Laster ist auch unbefohlen + Dienstbereit und fix und fertig. + + Gute Thiere, spricht der Weise, + Mußt du züchten, mußt du kaufen, + Doch die Ratten und die Mäuse + Kommen ganz von selbst gelaufen. + + * * * * * + + + + + Frau Urschel theilte Freud und Leid + Mit ihrer lieben Kuh, + Sie lebten in Herzeinigkeit + Ganz wie auf Du und Du. + + Wie war der Winter doch so lang, + Wie knapp ward da das Heu, + Frau Urschel rief und seufzte bang: + O komm, du schöner Mai! + + Komm schnell und lindre unsre Noth, + Der du die Krippe füllst; + Wenn ich und meine Kuh erst todt, + Dann komme, wann du willst. + + * * * * * + + + + + Daß der Kopf die Welt beherrsche, + Wär zu wünschen und zu loben, + Längst vor Gründen wär die närrsche + Gaukelei in Nichts zerstoben. + + Aber wurzelhaft natürlich + Herrscht der Magen nebst Genossen, + Und so treibt, was unwillkürlich, + Täglich tausend neue Sprossen. + + * * * * * + + + + + Die laute Welt und ihr Ergötzen, + Als eine störende Erscheinung, + Vermag der Weise nicht zu schätzen. + Ein Maulwurf war der gleichen Meinung. + Er fand an Lärm kein Wohlgefallen, + Zog sich zurück in kühle Hallen + Und ging daselbst in seinem Fach + Stillfleißig den Geschäften nach. + Zwar sehen konnt er da kein Bissel, + Indessen sein getreuer Rüssel, + Ein Nervensitz voll Zartgefühl, + Führt sicher zum erwünschten Ziel. + Als Nahrung hat er sich erlesen + Die Leckerbissen der Chinesen, + Den Regenwurm und Engerling, + Wovon er vielfach fette fing. + Die Folge war, was ja kein Wunder, + Sein Bäuchlein wurde täglich runder, + Und wie das häufig so der Brauch, + Der Stolz wuchs mit dem Bauche auch. + Wohl ist er stattlich von Person + Und kleidet sich wie ein Baron, + Nur schad, ihn und sein Sammetkleid + Sah Niemand in der Dunkelheit. + So trieb ihn denn der Höhensinn, + Von unten her nach oben hin, + Zehn Zoll hoch, oder gar noch mehr, + Zu seines Namens Ruhm und Ehr + Gewölbte Tempel zu entwerfen, + Um denen draußen einzuschärfen, + Daß innerhalb noch einer wohne, + Der etwas kann, was nicht so ohne. + Mit Baulichkeiten ist es misslich. + Ob man sie schatzt, ist ungewisslich. + Ein Mensch von andrem Kunstgeschmacke, + Ein Gärtner, kam mit einer Hacke. + Durch kurzen Hieb nach langer Lauer + Zieht er an's Licht den Tempelbauer + Und haut so derb ihn übers Ohr, + Daß er den Lebensgeist verlor. + Da liegt er nun der stolze Mann. + Wer thut die letzte Ehr ihm an? + Drei Käfer, schwarz und gelb gefleckt, + Die haben ihn mit Sand bedeckt. + + * * * * * + + + + + Ich schlief. Da hatt ich einen Traum. + Mein Ich verließ den Seelenraum. + Frei vom gemeinen Tagesleben, + Vermocht ich leicht dahin zu schweben. + So, angenehm mich fortbewegend, + Erreicht ich eine schöne Gegend. + Wohin ich schwebte, wuchs empor + Alsbald ein bunter Blumenflor, + Und lustig schwärmten um die Dolden + Viel tausend Falter, roth und golden. + Ganz nah auf einem Lilienstengel, + Einsam und sinnend, saß ein Engel, + Und weil das Land mir unbekannt, + Fragt ich: Wie nennt sich dieses Land? + Hier, sprach er, ändern sich die Dinge. + Du bist im Reich der Schmetterlinge. + Ich aber, wohlgemuth und heiter, + Zog achtlos meines Weges weiter. + Da kam, wie ich so weiter glitt, + Ein Frauenbild und schwebte mit, + Als ein willkommenes Geleite, + Anmuthig lächelnd mir zur Seite, + Und um sie nie mehr loszulassen, + Dacht ich die Holde zu umfassen; + Doch eh ich Zeit dazu gefunden, + Schlüpft sie hinweg und ist verschwunden. + Mir war so schwül. Ich mußte trinken. + Nicht fern sah ich ein Bächlein blinken. + Ich bückte mich hinab zum Wasser. + Gleich faßt ein Arm, ein kalter blasser, + Vom Grund herauf mich beim Genick. + Zwar zog ich eilig mich zurück, + Allein der Hals war steif und krumm, + Nur mühsam dreht ich ihn herum, + Und ach, wie war es rings umher + Auf einmal traurig, öd und leer. + Von Schmetterlingen nichts zu sehn, + Die Blumen, eben noch so schön, + Sämtlich verdorrt, zerknickt, verkrumpelt. + So bin ich seufzend fortgehumpelt, + Denn mit dem Fliegen, leicht und frei, + War es nun leider auch vorbei. + Urplötzlich springt aus einem Graben, + Begleitet vom Geschrei der Raben, + Mir eine Hexe auf den Nacken + Und spornt mich an mit ihren Hacken, + Und macht sich schwer, wie Bleigewichte, + Und drückt und zwickt mich fast zunichte, + Bis daß ich matt und lendenlahm + Zu einem finstern Walde kam. + Ein Jägersmann, dürr von Gestalt, + Trat vor und rief ein dumpfes Halt. + Schon liegt ein Pfeil auf seinem Bogen, + Schon ist die Sehne straff gezogen. + Jetzt trifft er dich in's Herz, so dacht ich, + Und von dem Todesschreck erwacht ich + Und sprang vom Lager ungesäumt, + Sonst hätt ich wohl noch mehr geträumt. + + * * * * * + + + + + Der Winter ging, der Sommer kam. + Er bringt auf's neue wieder + Den vielbeliebten Wunderkram + Der Blumen und der Lieder. + + Wie das so wechselt Jahr um Jahr, + Betracht ich fast mit Sorgen. + Was lebte, starb, was ist, es war, + Und heute wird zu morgen. + + Stets muß die Bildnerin Natur + Den alten Thon benützen, + In Haus und Garten, Wald und Flur, + Zu ihren neuen Skizzen. + + * * * * * + + + + + Ich schnürte meinen Ranzen + Und kam zu einer Stadt, + Allwo es mir im ganzen + Recht gut gefallen hat. + + Nur eines macht beklommen, + So freundlich sonst der Ort: + Wer heute angekommen, + Geht morgen wieder fort. + + Bekränzt mit Trauerweiden, + Vorüber zieht der Fluß, + Den jeder beim Verscheiden + Zuletzt passiren muß. + + Wohl dem, der ohne Grauen, + In Liebe treu bewährt, + Zu jenen dunklen Auen + Getrost hinüber fährt. + + Zwei Blinde, müd vom Wandern, + Sah ich am Ufer stehn, + Der eine sprach zum andern: + Leb wohl, auf Wiedersehn. + + * * * * * + + + + +München. +Druck von Knorr & Hirth, G.m.b.H. + + +Verlag von Fr. Bassermann in München. + +Humoristische Schriften von Wilhelm Busch: + +KRITIK DES HERZENS. 6 Bogen kl. 8º cart. 9. Aufl. 2 Mk. + +DER SCHMETTERLING. 6 Bogen kl. 8º mit 20 Zeichnungen, 3. Aufl., cart. +2 Mk. + +EDUARD'S TRAUM. 4 Aufl. 5-1/2 Bog. 8º cart. 2 Mk. + +DIE FROMME HELENE. 7 Bogen mit 180 Holzschnitten. (151-155stes Tausend.) +1 Mark 50 Pfg. + +PLISCH UND PLUM. 4 Bogen mit 100 Bildern. (37-40stes Tausend.) 1 Mark. + +PATER FILUCIUS. Allegorisches Zeitbild mit Portrait und Selbstbiographie +Wilhelm Busch's. 2-1/2 Bogen mit 74 Holzschnitten. (54-58stes Tausend.) +1 Mk. + +BILDER ZUR JOBSIADE. 4-1/2 Bogen mit 104 Holzschnitten (37-39stes +Tausend.) 1 Mark. + +DIE HAARBEUTEL. 4 Bogen mit 112 Bildern. (35stes bis 37stes Tausend.) +1 Mark. + +BALDUIN BÄHLAMM, der verhinderte Dichter. 4-1/2 Bogen mit 108 Bildern. +(32-34stes Tausend.) 1 Mark. + +DER GEBURTSTAG oder DIE PARTIKULARISTEN. Schwank in 100 Bildern. +4 Bogen. (44-46stes Tausend.) 1 Mark. + +FIPPS, DER AFFE. 5-1/2 Bogen mit 150 Bildern. (32-35stes Tausend.) +1 Mk. 50 Pfg. + +DIDELDUM! 4 Bogen mit 100 Holzschnitten. (37-39stes Tausend.) 1 Mark. + +MALER KLECKSEL. 4 Bogen mit 100 Holzschnitten (35-37stes Tausend.) +1 Mark. + +ABENTEUER EINES JUNGGESELLEN. 5-1/2 Bogen mit 156 Holzschnitten. +(65stes bis 69stes Tausend.) 1 Mk. 50 Pfg. + +HERR UND FRAU KNOPP. 4-1/2 Bogen mit 100 Bildern. (64-68stes Tausend.) +1 Mark. + +JULCHEN. 4 Bogen mit 104 Bildern. (64-68stes Tausend.) 1 Mark. + +Die drei letzten Werkchen enthalten zusammen: +Knopp's Erlebnisse als Junggeselle, Ehemann und Vater. + + +Kinderbücher von Wilhelm Busch: + +BILDERPOSSEN. Vier heitere Geschichten in Versen mit 72 Bildern. 3 Aufl. +4-1/2 Bogen Quart. Gebunden. Schwarz 2 Mark. Colorirt 3 Mark. + +SECHS GESCHICHTEN FÜR NEFFEN UND NICHTEN. Märchen und Fabeln in Versen +mit 73 Bildern in Farbendruck. 14-15stes Tausend. 12 Bogen. Quart. +Gebunden 3 Mark 50 Pf. + +DER FUCHS. DIE DRACHEN. Zwei lustige Sachen. 5. Aufl. 4-1/2 Bogen +8º mit 38 Bildern. Cartonnirt. Schwarz 2 Mark. Colorirt 2 Mark 50 Pf. + + +Für alle, welche Sinn für echten Humor haben, ist das + +Wilhelm Busch-Album + +Humoristischer Hausschatz + +enthaltend 13 der besten Schriften des Humoristen mit 1500 Bildern u. +das Porträt W. Busch's nach Franz von Lenbach, ein ergötzlicher Besitz +und das passendste Geschenk bei jeglicher Gelegenheit. + +[Illustration] + +13. Auflage. 81stes bis 85stes Tausend. + +Preis: in roth oder grün Leinwand gebunden Mk. 20.--. + +Dieses elegant und vornehm ausgestattete Werk enthält sämmtliche in +unserm Verlag erschienene illustrirte humoristische Dichtungen Wilhelm +Busch's für Erwachsene. + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Zu Guter Letzt, by Wilhelm Busch + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZU GUTER LETZT *** + +***** This file should be named 32989-8.txt or 32989-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/2/9/8/32989/ + +Produced by The Online Distributed Proofreading Canada +Team at http://www.pgdpcanada.net (This file was produced +from images generously made available by The Internet +Archive/Canadian Libraries) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at https://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. To +SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any +particular state visit https://pglaf.org + +While we cannot and do not solicit contributions from states where we +have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition +against accepting unsolicited donations from donors in such states who +approach us with offers to donate. + +International donations are gratefully accepted, but we cannot make +any statements concerning tax treatment of donations received from +outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. + +Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation +methods and addresses. Donations are accepted in a number of other +ways including including checks, online payments and credit card +donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/32989-8.zip b/32989-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..f0578c1 --- /dev/null +++ b/32989-8.zip diff --git a/32989-h.zip b/32989-h.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..06b0d49 --- /dev/null +++ b/32989-h.zip diff --git a/32989-h/32989-h.htm b/32989-h/32989-h.htm new file mode 100644 index 0000000..050298c --- /dev/null +++ b/32989-h/32989-h.htm @@ -0,0 +1,3625 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" + "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> +<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de"> +<head> +<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=ISO-8859-1" /> +<title>The Project Gutenberg eBook of Zu Guter Letzt by Wilhelm Busch</title> +<style type="text/css"> + body {background:#fdfdfd; + color:black; + font-size: large; + margin-top:100px; + margin-left:15%; + margin-right:15%; + text-align:justify; } + h1, h2, h3, h4, h5, h6 {text-align: center; } + hr.minimal { width: 25%; + text-align: center; } + hr.min { width: 10%; + text-align: center; } + hr { width: 100%; } + hr.full { width: 100%; + margin-top: 3em; + margin-bottom: 0em; + margin-left: auto; + margin-right: auto; + height: 3px; + border-width: 4px 0 0 0; /* remove all borders except the top one */ + border-style: solid; + border-color: #000000; + clear: both; } + table {font-size: large; } + table.sm {font-size: medium; } + p {text-indent: 3%; } + p.noindent { text-indent: 0%; } + .big { font-size: 130% } + .center { text-align: center; } + img { border: 0; } + .ind1 { margin-left: 1em; } + .ind2 { margin-left: 2em; } + .nowrap { white-space: nowrap; } + .small { font-size: 70%; } + .wide { letter-spacing: .15em; } + a:link {color:blue; + text-decoration:none} + link {color:blue; + text-decoration:none} + a:visited {color:blue; + text-decoration:none} + a:hover {color:red; + text-decoration: underline; } + pre {font-size: 70%; } +</style> +</head> +<body> + + +<pre> + +The Project Gutenberg EBook of Zu Guter Letzt, by Wilhelm Busch + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Zu Guter Letzt + +Author: Wilhelm Busch + +Release Date: June 27, 2010 [EBook #32989] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZU GUTER LETZT *** + + + + +Produced by The Online Distributed Proofreading Canada +Team at http://www.pgdpcanada.net (This file was produced +from images generously made available by The Internet +Archive/Canadian Libraries) + + + + + + +</pre> + +<hr /> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="4" summary="Illustration"> + <tr> + <td align="center"> + <a href="images/frontis-a.jpg"> + <img src="images/frontis-a.jpg" height="500" + alt="BUSCH" /></a> + </td> + </tr> + </table> +</div> +<h1>Zu guter Letzt</h1> +<p> </p> +<h4>von</h4> +<h2>Wilhelm Busch.</h2> +<p> </p> +<h3>Mit dem Portrait des Verfassers.</h3> +<p> </p> +<hr class="min" /> + +<h4>31<sup><small>stes</small></sup> bis 35<sup><small>stes</small></sup> Tausend.</h4> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<h4>München.</h4> +<div class="center"> +<p class="noindent"><span class="wide"><small>Verlag von Fr. Bassermann.</small></span> +<br /> +<small>1905.</small></p> +</div> +<p> </p> +<hr class="minimal" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><big><b>H</b></big>alt dein Rösslein nur im Zügel,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Kommst ja doch nicht allzuweit.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Hinter jedem neuen Hügel</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Dehnt sich die Unendlichkeit.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> +<tr><td align="left">Nenne Niemand dumm und säumig,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Der das Nächste recht bedenkt.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Ach, die Welt ist so geräumig,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Und der Kopf ist so beschränkt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><big><b>D</b></big>ies für Den und Das für Jenen.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Viele Tische sind gedeckt.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Keine Zunge soll verhöhnen,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Was der andern Zunge schmeckt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> +<tr><td align="left">Lasse Jedem seine Freuden,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Gönn ihm, daß er sich erquickt,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Wenn er sittsam und bescheiden</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Auf den eignen Teller blickt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> +<tr><td align="left">Wenn jedoch bei deinem Tisch er</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Unverschämt dich neckt und stört,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Dann so gieb ihm einen Wischer,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Daß er merkt, was sich gehört.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><big><b>N</b></big>irgend sitzen todte Gäste.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Allerorten lebt die Kraft.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Ist nicht selbst der Fels, der feste,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Eine Kraftgenossenschaft?</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> +<tr><td align="left">Durch und durch aus Eigenheiten,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">So und so zu sein bestrebt,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Die sich lieben, die sich streiten,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Wird die bunte Welt gewebt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> +<tr><td align="left">Hier gelingt es, da mißglückt es.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Wünsche finden keine Rast.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Unterdrücker, Unterdrücktes,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Jedes Ding hat seine Last.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><big><b>D</b></big>er Fährmann lag in seinem Schiff</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Beim Schein des Mondenlichts,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Als etwas kam und rief und pfiff</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Doch sehen that er nichts.</span></td></tr> +<tr><td align="left"> </td></tr> +<tr><td align="left">Ihm war, als stiegen hundert ein.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Das Schifflein wurde schwer.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Flink, Fährmann, fahr uns übern Rhein,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Die Zahlung folgt nachher.</span></td></tr> +<tr><td align="left"> </td></tr> +<tr><td align="left">Und als er seine Pflicht gethan,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Da ging es klinglingling,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Da warf ein Goldstück in den Kahn</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Jedwedes Geisterding.</span></td></tr> +<tr><td align="left"> </td></tr> +<tr><td align="left">Husch, weg und weiter zog die Schar.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Verwundert steht der Mann:</span></td></tr> +<tr><td align="left">So Seelen sind zwar unsichtbar</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Und doch ist etwas dran.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><big><b>O</b></big>b er gleich von hinnen schied,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Ist er doch geblieben,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Der so manches schöne Lied</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Einst für uns geschrieben.</span></td></tr> +<tr><td align="left"> </td></tr> +<tr><td align="left">Unser Mund wird ihn entzückt</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Lange noch erwähnen,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Und so lebt er hochbeglückt</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Zwischen hohlen Zähnen.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"> <span class="ind1"><big><b>E</b></big>in Künstler auf dem hohen Seil,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Der alt geworden mittlerweil,</td></tr> +<tr><td align="left">Stieg eines Tages vom Gerüst</td></tr> +<tr><td align="left">Und sprach: Nun will ich unten bleiben</td></tr> +<tr><td align="left">Und nur noch Hausgymnastik treiben,</td></tr> +<tr><td align="left">Was zur Verdauung nöthig ist.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Da riefen alle: Oh, wie schad!</span></td></tr> +<tr><td align="left">Der Meister scheint doch allnachgrad</td></tr> +<tr><td align="left">Zu schwach und steif zum Seilbesteigen!</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Ha! denkt er, dieses wird sich zeigen!</span></td></tr> +<tr><td align="left">Und richtig, eh der Markt geschlossen,</td></tr> +<tr><td align="left">Treibt er auf's neu die alten Possen</td></tr> +<tr><td align="left">Hoch in der Luft und zwar mit Glück,</td></tr> +<tr><td align="left">Bis auf ein kleines Mißgeschick.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Er fiel herab in großer Eile</span></td></tr> +<tr><td align="left">Und knickte sich die Wirbelsäule.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm</span></td></tr> +<tr><td align="left">So äußert sich das Publikum.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><big><b>W</b></big>enn die Tante Adelheide</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Als Logierbesuch erschien,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Fühlte Fritzchen große Freude,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Denn dann gab es was für ihn.</span></td></tr> +<tr><td align="left"> </td></tr> +<tr><td align="left">Immer hat die liebe Gute</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Tief im Reisekorb versteckt</span></td></tr> +<tr><td align="left">Eine angenehme Tute,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Deren Inhalt köstlich schmeckt.</span></td></tr> +<tr><td align="left"> </td></tr> +<tr><td align="left">Täglich wird dem braven Knaben</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Draus ein hübsches Stück beschert,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Bis wir schließlich nichts mehr haben</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Und die Tante weiter fährt.</span></td></tr> +<tr><td align="left"> </td></tr> +<tr><td align="left">Mit der Post fuhr sie von hinnen.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Fritzchens Trauer ist nur schwach.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Einer Tute, wo nichts drinnen,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Weint man keine Thräne nach.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>G</b></big>estützt auf seine beiden Krücken,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Die alte Kiepe auf dem Rücken,</td></tr> +<tr><td align="left">Ging durch das Dorf ein Bettelmann</td></tr> +<tr><td align="left">Und klopfte stets vergeblich an.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Erst aus dem allerletzten Haus</span></td></tr> +<tr><td align="left">Kam eine gute Frau heraus,</td></tr> +<tr><td align="left">Die grad den dritten Mann begraben,</td></tr> +<tr><td align="left">Daher geneigt zu milden Gaben,</td></tr> +<tr><td align="left">Und legt in seines Korbes Grund</td></tr> +<tr><td align="left">Ein Brod von mehr als sieben Pfund.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Ein schmaler Steg führt gleich danach</span></td></tr> +<tr><td align="left">Ihn über einen Rauschebach.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Jetzt hab ich Brod, jetzt bin ich glücklich!</span></td></tr> +<tr><td align="left">So rief er froh, und augenblicklich</td></tr> +<tr><td align="left">Fiel durch den Korb, der nicht mehr gut,</td></tr> +<tr><td align="left">Sein Brod hinunter in die Fluth.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Das kommt von solchem Übermuth.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><big><b>I</b></big>n der ersten Nacht des Maien</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Läßt's den Hexen keine Ruh.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Sich gesellig zu erfreuen,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Eilen sie dem Brocken zu.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> +<tr><td align="left">Dorten haben sie ihr Kränzchen.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Man verleumdet, man verführt,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Macht ein lasterhaftes Tänzchen,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Und der Teufel präsidiert.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><big><b>W</b></big>illst du gelobt sein, so verzichte</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Auf kindlich blödes Wesen.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Entschließ dich, deine himmlischen Gedichte</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Den Leuten vorzulesen.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> +<tr><td align="left">Die Welt ist höflich und gesellig,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Und eh man dich beleidigt,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Sagt wohl ein jeder leicht, was dir gefällig,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Denn keiner ist beeidigt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><big><b>S</b></big>ie ist ein reizendes Geschöpfchen,</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Mit allen Wassern wohl gewaschen;</span></td></tr> +<tr><td align="left">Sie kennt die süßen Sündentöpfchen</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Und liebt es, häufig draus zu naschen.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> +<tr><td align="left">Da bleibt den sittlich Hochgestellten</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Nichts weiter übrig, als mit Freuden</span></td></tr> +<tr><td align="left">Auf diese Schandperson zu schelten</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Und sie mit Schmerzen zu beneiden.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> +<tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>G</b></big>anz unverhofft, an einem Hügel,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Sind sich begegnet Fuchs und Igel.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Kennst du des Königs Ordre nicht?</td></tr> +<tr><td align="left">Ist nicht der Friede längst verkündigt,</td></tr> +<tr><td align="left">Und weißt du nicht, daß jeder sündigt,</td></tr> +<tr><td align="left">Der immer noch gerüstet geht?</td></tr> +<tr><td align="left">Im Namen seiner Majestät,</td></tr> +<tr><td align="left">Geh her und übergieb dein Fell.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.</span></td></tr> +<tr><td align="left">Lass' dir erst deine Zähne brechen,</td></tr> +<tr><td align="left">Dann wollen wir uns weiter sprechen.</td></tr> +<tr><td align="left"><span class="ind1">Und allsogleich macht er sich rund,</span></td></tr> +<tr><td align="left">Schließt seinen dichten Stachelbund</td></tr> +<tr><td align="left">Und trotzt getrost der ganzen Welt,</td></tr> +<tr><td align="left">Bewaffnet, doch als Friedensheld.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>D</b></big>er Bauer sprach zu seinem Jungen:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Heut in der Stadt da wirst du gaffen.</td></tr> + <tr><td align="left">Wir fahren hin und seh'n die Affen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Es ist gelungen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und um sich schief zu lachen,</td></tr> + <tr><td align="left">Was die für Streiche machen</td></tr> + <tr><td align="left">Und für Gesichter,</td></tr> + <tr><td align="left">Wie rechte Bösewichter.</td></tr> + <tr><td align="left">Sie krauen sich,</td></tr> + <tr><td align="left">Sie zausen sich,</td></tr> + <tr><td align="left">Sie hauen sich,</td></tr> + <tr><td align="left">Sie lausen sich,</td></tr> + <tr><td align="left">Beschnuppern dies, beknuppern das,</td></tr> + <tr><td align="left">Und Keiner gönnt dem Andern was,</td></tr> + <tr><td align="left">Und essen thun sie mit der Hand,</td></tr> + <tr><td align="left">Und alles thun sie mit Verstand,</td></tr> + <tr><td align="left">Und Jeder stiehlt als wie ein Rabe.</td></tr> + <tr><td align="left">Paß auf, das siehst du heute.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Oh Vater, rief der Knabe,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sind Affen denn auch Leute?</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Vater sprach: Nun ja,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nicht ganz, doch so beinah.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>Z</b></big>wiefach sind die Phantasieen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sind ein Zauberschwesternpaar,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sie erscheinen, singen, fliehen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wesenlos und wunderbar.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Eine ist die himmelblaue,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die uns froh entgegen lacht,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Doch die andre ist die graue,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Welche angst und bange macht.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Jene singt von lauter Rosen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Singt von Liebe und Genuß;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Diese stürzt den Hoffnungslosen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Von der Brücke in den Fluß.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>R</b></big>ötlich dämmert es im Westen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und der laute Tag verklingt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nur daß auf den höchsten Ästen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Lieblich noch die Drossel singt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Jetzt in dichtbelaubten Hecken,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wo es still verborgen blieb,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Rüstet sich das Volk der Schnecken</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Für den nächtlichen Betrieb.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Tastend streckt sich ihr Gehörne.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Schwach nur ist das Augenlicht.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dennoch schon aus weiter Ferne</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wittern sie ihr Leibgericht.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Schleimig, säumig, aber stete,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Immer auf dem nächsten Pfad,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Finden sie die Gartenbeete</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit dem schönsten Kopfsalat.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Hier vereint zu ernsten Dingen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bis zum Morgensonnenschein,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nagen sie geheim und dringen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Tief ins grüne Herz hinein.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Darum braucht die Köchin Jettchen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dieses Kraut nie ohne Arg.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sorgsam prüft sie jedes Blättchen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ob sich nichts darin verbarg.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihres lieben gnädgen Herrn.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Kopfsalat, vermischt mit Schnecken,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mag der alte Kerl nicht gern.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>S</b></big>chon viel zu lang</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hab ich der Bosheit mich ergeben.</td></tr> + <tr><td align="left">Ich lasse tödten, um zu leben,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und bös macht bang.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Denn niemals ruht</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die Stimme in des Herzens Tiefe,</td></tr> + <tr><td align="left">Als ob es zärtlich klagend riefe:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sei wieder gut.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und frisch vom Baum</span></td></tr> + <tr><td align="left">Den allerschönsten Apfel brach ich.</td></tr> + <tr><td align="left">Ich biss hinein, und seufzend sprach ich,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wie halb im Traum:</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Du erstes Glück,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Du alter Paradiesesfrieden,</td></tr> + <tr><td align="left">Da noch kein Lamm den Wolf gemieden,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Oh komm zurück.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>W</b></big>ohl tausendmal schon ist er hier</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Gestorben und wiedergeboren,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sowohl als Mensch, wie auch als Thier,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit kurzen und langen Ohren.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Jetzt ist er ein armer blinder Mann,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Es zittern ihm alle Glieder,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und dennoch, wenn er nur irgend kann,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Kommt er noch tausendmal wieder.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>E</b></big>s giebt ja leider Sachen und Geschichten,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Die reizend und pikant,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nur werden sie von Tanten und von Nichten</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Niemals genannt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Verehrter Freund, so sei denn nicht vermessen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Sei zart und schweig auch du.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bedenk: Man liebt den Käse wohl, indessen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Man deckt ihn zu.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>A</b></big>uguste, wie fast jede Nichte,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Weiß wenig von Naturgeschichte.</td></tr> + <tr><td align="left">Zu bilden sie in diesem Fache,</td></tr> + <tr><td align="left">Ist für den Onkel Ehrensache.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auguste, sprach er, glaub es mir,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die Meise ist ein nettes Thier.</td></tr> + <tr><td align="left">Gar zierlich ist ihr Leibesbau,</td></tr> + <tr><td align="left">Auch ist sie schwarz weiß gelb und blau.</td></tr> + <tr><td align="left">Hell flötet sie und klettert munter</td></tr> + <tr><td align="left">Am Strauch kopfüber und kopfunter.</td></tr> + <tr><td align="left">Das härtste Korn verschmäht sie nicht,</td></tr> + <tr><td align="left">Sie hämmert, bis die Schale bricht.</td></tr> + <tr><td align="left">Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand</td></tr> + <tr><td align="left">Ein Löchlein in den Unterrand,</td></tr> + <tr><td align="left">Weil dann die Sämerei gelind</td></tr> + <tr><td align="left">Von selbst in ihren Schnabel rinnt.</td></tr> + <tr><td align="left">Nicht immer liebt man Fastenspeisen,</td></tr> + <tr><td align="left">Der Grundsatz gilt auch für die Meisen.</td></tr> + <tr><td align="left">Sie gucken scharf in alle Ritzen,</td></tr> + <tr><td align="left">Wo fette Käferlarven sitzen,</td></tr> + <tr><td align="left">Und fangen sonst noch Myriaden</td></tr> + <tr><td align="left">Insekten, die dem Menschen schaden,</td></tr> + <tr><td align="left">Und hieran siehst du außerdem,</td></tr> + <tr><td align="left"> Wie weise das Natursystem. — </td></tr> + <tr><td align="left">So zeigt er, wie die Sache lag.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Es war kurz vor Martinitag.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wer dann vernünftig ist und kann's</td></tr> + <tr><td align="left">Sich leisten, kauft sich eine Gans.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auch an des Onkels Außengiebel</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hing eine solche, die nicht übel,</td></tr> + <tr><td align="left">Um, nackt im Freien aufgehangen,</td></tr> + <tr><td align="left">Die rechte Reife zu erlangen.</td></tr> + <tr><td align="left">Auf diesen Braten freute sich</td></tr> + <tr><td align="left">Der Onkel sehr und namentlich</td></tr> + <tr><td align="left">Vor allem auf die braune Haut,</td></tr> + <tr><td align="left">Obgleich er sie nur schwer verdaut.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Martini kam, doch kein Arom</span></td></tr> + <tr><td align="left">Von Braten spürt der gute Ohm.</td></tr> + <tr><td align="left">Statt dessen trat voll Ungestüm</td></tr> + <tr><td align="left">Die Nichte ein und zeigte ihm</td></tr> + <tr><td align="left">Die Gans, die kaum noch Gans zu nennen,</td></tr> + <tr><td align="left">Ein Scheusal, nicht zum Wiederkennen,</td></tr> + <tr><td align="left">Zernagt beinah bis auf die Knochen.</td></tr> + <tr><td align="left">Kein Zweifel war, wer dies verbrochen,</td></tr> + <tr><td align="left">Denn deutlich lehrt der Augenschein,</td></tr> + <tr><td align="left">Es konnten nur die Meisen sein.</td></tr> + <tr><td align="left">Also ade! du braune Kruste.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ja, lieber Onkel, sprach Auguste,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die gern, nach weiblicher Manier,</td></tr> + <tr><td align="left">Bei einem Irrthum ihn ertappt:</td></tr> + <tr><td align="left">Die Meise ist ein nettes Thier.</td></tr> + <tr><td align="left">Da hast du wieder recht gehabt.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>V</b></big>on Fruchtomletts da mag berichten</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ein Dichter aus den höhern Schichten.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wir aber, ohne Neid nach oben,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Mit bürgerlicher Zunge loben</td></tr> + <tr><td align="left">Uns Pfannekuchen und Salat.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wie unsre Liese delikat</span></td></tr> + <tr><td align="left">So etwas backt und zubereitet,</td></tr> + <tr><td align="left">Sei hier in Worten angedeutet.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Drei Eier, frisch und ohne Fehl,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und Milch und einen Löffel Mehl,</td></tr> + <tr><td align="left">Die quirlt sie fleißig durcheinand</td></tr> + <tr><td align="left"> Zu einem innigen Verband.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sodann, wenn Thränen auch ein Übel,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Zerstückelt sie und mengt die Zwiebel</td></tr> + <tr><td align="left">Mit Öl und Salz zu einer Brühe,</td></tr> + <tr><td align="left">Daß der Salat sie an sich ziehe.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Um diesen ferner herzustellen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hat sie Kartoffeln abzupellen.</td></tr> + <tr><td align="left">Da heißt es, fix die Finger brauchen,</td></tr> + <tr><td align="left">Den Mund zu spitzen und zu hauchen,</td></tr> + <tr><td align="left">Denn heiß geschnitten nur allein</td></tr> + <tr><td align="left">Kann der Salat geschmeidig sein.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hierauf so geht es wieder heiter</span></td></tr> + <tr><td align="left">Mit unserm Pfannekuchen weiter.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nachdem das Feuer leicht geschürt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die Pfanne sorgsam auspoliert,</td></tr> + <tr><td align="left">Der Würfelspeck hinein geschüttelt,</td></tr> + <tr><td align="left">So daß es lustig brät und brittelt,</td></tr> + <tr><td align="left">Pisch, kommt darüber mit Gezisch</td></tr> + <tr><td align="left">Das ersterwähnte Kunstgemisch.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nun zeigt besonders und apart</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sich Lieschens Geistesgegenwart,</td></tr> + <tr><td align="left">Denn nur zu bald, wie allbekannt,</td></tr> + <tr><td align="left">Ist solch ein Kuchen angebrannt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sie prickelt ihn, sie stockert ihn,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sie rüttelt, schüttelt, lockert ihn</td></tr> + <tr><td align="left">Und lüftet ihn, bis augenscheinlich</td></tr> + <tr><td align="left">Die Unterseite eben bräunlich,</td></tr> + <tr><td align="left">Die umgekehrt geschickt und prompt</td></tr> + <tr><td align="left">Jetzt ihrerseits nach oben kommt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Geduld, es währt nur noch ein bissel,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dann liegt der Kuchen auf der Schüssel.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Doch späterhin die Einverleibung,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wie die zu Mund und Herzen spricht,</td></tr> + <tr><td align="left">Das spottet jeglicher Beschreibung,</td></tr> + <tr><td align="left">Und darum endet das Gedicht.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>S</b></big>tark in Glauben und Vertrauen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Von der Burg mit festen Thürmen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Kannst du dreist herniederschauen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Keiner wird sie je erstürmen.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Lass sie graben, lass sie schanzen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Stolze Ritter, grobe Bauern,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihre Flegel, ihre Lanzen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Prallen ab von deinen Mauern.</td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Aber hüte dich vor Zügen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">In die Herrschaft des Verstandes,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Denn sogleich sollst du dich fügen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den Gesetzen seines Landes.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Bald umringen dich die Haufen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und sie ziehen dich vom Rosse,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und du mußt zu Fuße laufen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Schleunig heim nach deinem Schlosse.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>W</b></big>ie es scheint, ist die Moral</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nicht so bald beleidigt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Während Schlauheit allemal</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wüthend sich vertheidigt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Nenn den Schlingel liederlich,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Leicht wird er's verdauen;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nenn ihn dumm, so wird er dich,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wenn er kann, verhauen.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>I</b></big>ch bin mal so, sprach Förster Knast,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die Flunkerei ist mir verhasst,</td></tr> + <tr><td align="left">Doch sieht man oft was Sonderbares.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Im Frühling vor fünf Jahren war es,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Als ich stockstill, den Hahn gespannt,</td></tr> + <tr><td align="left">Bei Mondschein vor dem Walde stand.</td></tr> + <tr><td align="left">Da läßt sich plötzlich flügelsausend</td></tr> + <tr><td align="left">Ein Kranichheer, wohl an die tausend,</td></tr> + <tr><td align="left">Ganz dicht zu meinen Füßen nieder.</td></tr> + <tr><td align="left">Sie kamen aus Egypten wieder</td></tr> + <tr><td align="left">Und dachten auf der Reise nun</td></tr> + <tr><td align="left">Sich hier ein Stündchen auszuruhn.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ich selbstverständlich, schlau und sacht,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Gab sehr genau auf alles acht.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Du, Hans, so rief der Oberkranich,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hast heut die Wache, drum ermahn ich</td></tr> + <tr><td align="left">Dich ernstlich, halt dich stramm und pass</td></tr> + <tr><td align="left">Gehörig auf, sonst giebt es was.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bald schlief ein Jeder ein und sägte.</span></td></tr> + <tr><td align="left"> Hans aber stand und überlegte.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er nahm sich einen Kieselstein,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Erhob ihn mit dem rechten Bein</td></tr> + <tr><td align="left">Und hielt sich auf dem linken nur</td></tr> + <tr><td align="left">In Gleichgewicht und Positur.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der arme Kerl war schrecklich müd,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Erst fiel das linke Augenlid,</td></tr> + <tr><td align="left">Das rechte blinzelt zwar noch schwach,</td></tr> + <tr><td align="left">Dann aber folgt's dem andern nach.</td></tr> + <tr><td align="left">Er schnarcht sogar. Ich denke schon:</td></tr> + <tr><td align="left">Wie wird es dir ergehn, mein Sohn?</td></tr> + <tr><td align="left">So denk ich, doch im Augenblick,</td></tr> + <tr><td align="left">Als ich es dachte, geht es klick!</td></tr> + <tr><td align="left">Der Stein fiel Hänschen auf die Zeh,</td></tr> + <tr><td align="left">Das weckt ihn auf, er schreit auweh!</td></tr> + <tr><td align="left">Er schaut sich um, hat mich gewittert,</td></tr> + <tr><td align="left">Pfeift, daß es Mark und Bein erschüttert,</td></tr> + <tr><td align="left">Und allsogleich im Winkelflug</td></tr> + <tr><td align="left">Entschwebt der ganze Heereszug</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ich rief hurrah! und schwang den Hut.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Vogel der gefiel mir gut.</td></tr> + <tr><td align="left">Er lebt auch noch. Schon oft seither</td></tr> + <tr><td align="left">Sah man ihn fern am schwarzen Meer</td></tr> + <tr><td align="left">Auf einem Bein auf Posten stehn.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dies schreibt mein Freund, der Kapitän,</span></td></tr> +<tr><td align="left"> Und was er sagt, ist ohne Frage</td></tr> + <tr><td align="left">So wahr, als was ich selber sage.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>A</b></big>uf leichten Schwingen frei und flink</span></td></tr> + <tr><td align="left">Zum Lindenwipfel flog der Fink</td></tr> + <tr><td align="left">Und sang an dieser hohen Stelle</td></tr> + <tr><td align="left">Sein Morgenlied so glockenhelle.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Frosch, ein dicker, der im Grase</span></td></tr> + <tr><td align="left">Am Boden hockt, erhob die Nase,</td></tr> + <tr><td align="left">Strich selbstgefällig seinen Bauch</td></tr> + <tr><td align="left">Und denkt: Die Künste kann ich auch.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Alsbald am rauhen Stamm der Linde</span></td></tr> + <tr><td align="left">Begann er, wenn auch nicht geschwinde,</td></tr> + <tr><td align="left">Doch mit Erfolg, empor zu steigen,</td></tr> + <tr><td align="left">Bis er zuletzt von Zweig zu Zweigen,</td></tr> + <tr><td align="left">Wobei er freilich etwas keucht,</td></tr> + <tr><td align="left">Den höchsten Wipfelpunkt erreicht</td></tr> + <tr><td align="left">Und hier sein allerschönstes Quacken</td></tr> + <tr><td align="left">Ertönen läßt aus vollen Backen.</td></tr> + <tr><td><span class="ind1">Der Fink, dem dieser Wettgesang</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nicht recht gefällt, entfloh und schwang</td></tr> + <tr><td align="left">Sich auf das steile Kirchendach.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wart, rief der Frosch, ich komme nach.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und richtig ist er fortgeflogen,</td></tr> + <tr><td align="left">Das heißt, nach unten hin im Bogen,</td></tr> + <tr><td align="left">So daß er schnell und ohne Säumen</td></tr> + <tr><td align="left">Nach mehr als zwanzig Purzelbäumen,</td></tr> + <tr><td align="left">Zur Erde kam mit lautem Quack,</td></tr> + <tr><td align="left">Nicht ohne großes Unbehagen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er fiel zum Glück auf seinen Magen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Den dicken weichen Futtersack,</td></tr> + <tr><td align="left">Sonst hätt er sicher sich verletzt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Heil ihm! Er hat es durchgesetzt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>G</b></big>eld gehört zum Ehestande,</td></tr> + <tr><td align="left">Hässlichkeit ist keine Schande,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Liebe ist beinah absurd.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Drum, du nimmst den Junker Jochen</td></tr> + <tr><td align="left">Innerhalb der nächsten Wochen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Also sprach der Ritter Kurt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Vater, flehte Kunigunde.</td></tr> + <tr><td align="left">Schone meine Herzenswunde,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ganz umsonst ist dein Bemühn.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ja, ich schwör's bei Erd und Himmel,</td></tr> + <tr><td align="left">Niemals nehm ich diesen Lümmel,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ewig, ewig hass ich ihn.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Nun, wenn Worte nicht mehr nützen,</td></tr> + <tr><td align="left">Dann so bleibe ewig sitzen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Marsch mit dir in's Burgverließ.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Zornig sagte dies der Alte,</td></tr> + <tr><td align="left">Als er in die feuchte kalte</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Kammer sie hinunterstieß.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Jahre kamen, Jahre schwanden,</td></tr> + <tr><td align="left">Nichts im Schlosse blieb vorhanden</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Außer Kunigundens Geist.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dort, wo graue Ratten rasseln,</td></tr> + <tr><td align="left">Sitzt sie zwischen Kellerasseln,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Von dem Feuermolch umkreist.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Heut noch ist es nicht geheuer</td></tr> + <tr><td align="left">In dem alten Burggemäuer</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Um die Mitternacht herum.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wehe, ruft ein weißes Wesen,</td></tr> + <tr><td align="left">Will denn Niemand mich erlösen?</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Doch die Wände bleiben stumm.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>S</b></big>ei es freundlich, sei es böse,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Meist genügend klar und scharf</span></td></tr> + <tr><td align="left">Klingt des Mundes Wortgetöse</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Für den täglichen Bedarf.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Doch die Höchstgefühle heischen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihren ganz besondern Klang;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dann sagt grunzen oder kreischen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mehr als Rede und Gesang.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>W</b></big>ie hat sich sonst so schön der Hahn</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auf unserm Thurm gedreht</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und damit Jedem kund gethan,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Woher der Wind geweht.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Doch seit dem letzten Sturme hat</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er keinen rechten Lauf;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er hängt so schief, er ist so matt,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und Keiner schaut mehr drauf.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Jetzt leckt man an den Finger halt</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und hält ihn hoch geschwind.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die Seite, wo der Finger kalt,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Von daher weht der Wind.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>E</b></big>r liebte sie in aller Stille.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bescheiden, schüchtern und von fern</span></td></tr> + <tr><td align="left">Schielt er nach ihr durch seine Brille</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und hat sie doch so schrecklich gern.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Ein Mücklein, welches an der Nase</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Des schönen Kindes saugend saß,</span></td></tr> + <tr><td align="left"> Ertränkte sich in seinem Glase.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Es schmeckt ihm fast wie Ananas.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie hatte Haare, wie 'ne Puppe,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So unvergleichlich blond und kraus.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Einst fand er eines in der Suppe</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und zog es hochbeglückt heraus.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Er rollt es auf zu einem Löckchen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hat's in ein Medaillon gelegt.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nun hängt es unter seinem Röckchen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Da, wo sein treues Herze schlägt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>E</b></big>in eigner Kerl war Krischan Bolte.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er that nicht gerne, was er sollte.</td></tr> + <tr><td align="left">Als Kind schon ist er so gewesen.</td></tr> + <tr><td align="left">Religion, Rechtschreiben und Lesen</td></tr> + <tr><td align="left">Fielen für ihn nicht ins Gewicht:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er sollte zur Schule und wollte nicht.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Später kam er zu Meister Pfriem.</td></tr> + <tr><td align="left">Der zeigte ihm redlich und sagte ihm,</td></tr> + <tr><td align="left">Jedoch umsonst, was seine Pflicht:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er sollte schustern und wollte nicht.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er wollte sich nun mal nicht quälen,</td></tr> + <tr><td align="left">Deßhalb verfiel er auf das Stehlen.</td></tr> + <tr><td align="left">Man fasst ihn, stellt ihn vor Gericht:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er sollte bekennen und wollte nicht.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Trotzdem verdammt man ihn zum Tode.</td></tr> + <tr><td align="left">Er aber blieb, nach seiner Mode,</td></tr> + <tr><td align="left">Ein widerspänstiger Bösewicht:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er sollte hängen und wollte nicht.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>D</b></big>urch das Feld ging die Familie,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Als mit glückbegabter Hand</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sanft erröthend Frau Ottilie</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Eine Doppelähre fand.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Was die alte Sage kündet,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hat sich öfter schon bewährt:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dem, der solche Ähren findet,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wird ein Doppelglück beschert.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Vater Franz blickt scheu zur Seite.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zwei zu fünf, das wäre viel.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Kinder, sprach er, aber heute</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ist es ungewöhnlich schwül.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>S</b></big>uche nicht apart zu scheinen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wandle auf betretnen Wegen.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Meinst du, was die andern meinen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Kommt man freundlich dir entgegen.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Mancher, auf dem Seitensteige,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hat sich im Gebüsch verloren,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und da schlugen ihm die Zweige</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Links und rechts um seine Ohren.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>E</b></big>s hat einmal, so wird gesagt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Löwe mit dem Wolf gejagt.</td></tr> + <tr><td align="left">Da haben sie vereint erlegt</td></tr> + <tr><td align="left">Ein Wildschwein stark und gut gepflegt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Doch als es an's Vertheilen ging,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dünkt das dem Wolf ein misslich Ding.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Löwe sprach: Was grübelst du?</span></td></tr> + <tr><td align="left">Glaubst du, es geht nicht redlich zu?</td></tr> + <tr><td align="left">Dort kommt der Fuchs, er mag entscheiden,</td></tr> + <tr><td align="left">Was jedem zukommt von uns beiden.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Gut, sagt der Wolf, dem solch ein Freund</span></td></tr> + <tr><td align="left">Als Richter gar nicht übel scheint.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Löwe winkt dem Fuchs sogleich:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Herr Doctor, das ist was für Euch.</td></tr> + <tr><td align="left">Hier dieses jüngst erlegte Schwein,</td></tr> + <tr><td align="left">Bedenkt es wohl, ist mein und sein.</td></tr> + <tr><td align="left">Ich fasst es vorn, er griff es hinten;</td></tr> + <tr><td align="left">Jetzt theilt es uns, doch ohne Finten.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Fuchs war ein Jurist von Fach.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sehr einfach, spricht er, liegt die Sach.</td></tr> + <tr><td align="left">Das Vordertheil, ob viel ob wenig,</td></tr> + <tr><td align="left">Erhält mit Fug und Recht der König.</td></tr> + <tr><td align="left">Dir aber, Vetter Isegrimm,</td></tr> + <tr><td align="left">Gebührt das Hintertheil. Da nimm!</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bei diesem Wort trennt er genau</span></td></tr> + <tr><td align="left">Das Schwänzlein hinten von der Sau.</td></tr> + <tr><td align="left">Indess der Wolf verschmäht die Beute.</td></tr> + <tr><td align="left">Verneigt sich kurz und geht beiseite.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Fuchs, sprach der Löwe, bleibt bei mir.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Von heut an seid Ihr Großvezier.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>M</b></big>ein Sohn, hast du allhier auf Erden</td></tr> + <tr><td align="left">Dir vorgenommen, was zu werden,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Sei nicht zu keck;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und denkst du, sei ein stiller Denker.</td></tr> + <tr><td align="left">Nicht leicht befördert wird der Stänker.</td></tr> + <tr><td align="left">Mit Demuth salbe deinen Rücken,</td></tr> + <tr><td align="left">Voll Ehrfurcht hast du dich zu bücken,</td></tr> + <tr><td align="left">Mußt heucheln, schmeicheln, mußt dich fügen,</td></tr> + <tr><td align="left">Denn selbstverständlich nur durch Lügen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Kommst du vom Fleck.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Oh, thu's mit Eifer, thu's geduldig,</td></tr> + <tr><td align="left">Bedenk, was du dir selber schuldig.</td></tr> + <tr><td align="left">Das Gönnerherz wird sich erweichen,</td></tr> + <tr><td align="left">Und wohl verdient wirst du erreichen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Den guten Zweck.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>W</b></big>ie standen ehedem die Sachen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So neckisch da in ihrem Raum,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Schwer war's, ein Bild davon zu machen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und selbst der Beste konnt es kaum.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Jetzt, ohne sich zu überhasten,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Stellt man die Guckmaschine fest</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und zieht die Bilder aus dem Kasten,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wie junge Spatzen aus dem Nest.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>E</b></big>r saß beim Frühstück äußerst grämlich,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Aha, so ist es mit dem Orden</span></td></tr> + <tr><td align="left">Für diesmal wieder nichts geworden.</td></tr> + <tr><td align="left">Ja Freund, wer seinen Blick erweitert</td></tr> + <tr><td align="left">Und schaut nach hinten und nach vorn,</td></tr> + <tr><td align="left">Der preist den Kummer, denn er läutert.</td></tr> + <tr><td align="left">Ich selber war ein Weizenkorn.</td></tr> + <tr><td align="left">Mit vielen, die mir anverwandt,</td></tr> + <tr><td align="left">Lag ich im rauhen Ackerland.</td></tr> + <tr><td align="left">Bedrückt von einem Erdenkloß,</td></tr> + <tr><td align="left">Macht ich mich muthig strebend los.</td></tr> + <tr><td align="left">Gleich kam ein alter Has gehupft</td></tr> + <tr><td align="left">Und hat mich an der Nas gezupft,</td></tr> + <tr><td align="left">Und als es Winter ward, verfror,</td></tr> + <tr><td align="left">Was peinlich ist, mein linkes Ohr,</td></tr> + <tr><td align="left">Und als ich reif mit meiner Sippe,</td></tr> + <tr><td align="left">O weh, da hat mit seiner Hippe</td></tr> + <tr><td align="left">Der Hans uns rutschweg abgesäbelt,</td></tr> + <tr><td align="left">Und zum Ersticken festgeknebelt</td></tr> + <tr><td align="left">Und auf die Tenne fortgeschafft,</td></tr> + <tr><td align="left">Wo ihrer vier mit voller Kraft</td></tr> + <tr><td align="left">In regelrechtem Flegeltakte</td></tr> + <tr><td align="left">Uns klopften, daß die Schwarte knackte.</td></tr> + <tr><td align="left">Ein Esel trug uns nach der Mühle.</td></tr> + <tr><td align="left">Ich sage dir, das sind Gefühle,</td></tr> + <tr><td align="left">Wenn man, zerrieben und gedrillt</td></tr> + <tr><td align="left">Zum allerfeinsten Staubgebild,</td></tr> + <tr><td align="left">Sich kaum besinnt und fast vergisst,</td></tr> + <tr><td align="left">Ob Sonntag oder Montag ist.</td></tr> + <tr><td align="left">Und schließlich schob der Bäckermeister,</td></tr> + <tr><td align="left">Nachdem wir erst als zäher Kleister</td></tr> + <tr><td align="left">In seinem Troge baß gehudelt,</td></tr> + <tr><td align="left">Vermengt, geknetet und vernudelt,</td></tr> + <tr><td align="left">Uns in des Ofens höchste Gluth.</td></tr> + <tr><td align="left">Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?</td></tr> + <tr><td align="left">Frischauf, du hast genug, mein Lieber,</td></tr> + <tr><td align="left">Greif zu und schneide nicht zu knapp</td></tr> + <tr><td align="left">Und streiche tüchtig Butter drüber</td></tr> + <tr><td align="left">Und gieb den Andern auch was ab.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>M</b></big>an ist ja von Natur kein Engel,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Vielmehr ein Welt- und Menschenkind,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und rings umher ist ein Gedrängel</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Von Solchen, die dasselbe sind.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">In diesem Reich geborner Flegel,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wer könnte sich des Lebens freun,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Würd es versäumt, schon früh die Regel</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Rücksicht kräftig einzubläun.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Es saust der Stock, es schwirrt die Ruthe.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Du darfst nicht zeigen, was du bist.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wie schad, o Mensch, daß dir das Gute</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Im Grunde so zuwider ist.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>D</b></big>er Stoffel wankte frohbewegt</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Spät in der Nacht nach Haus.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Da ging, wie das zu kommen pflegt,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihm seine Pfeife aus.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Wer raucht, der raucht nicht gerne kalt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wie freut sich Stoffel da,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Als er ganz dicht vor sich im Wald</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Kohlenfeuer sah.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Die Kohlen glühn in einem Topf.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der frohe Stoffel drückt</span></td></tr> + <tr><td align="left">Gleich eine in den Pfeifenkopf</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und zieht als wie verrückt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Wohl sieht er, wie die Kohle glüht,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nur daß sie gar nicht brennt.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Da überläuft es sein Gemüth,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er flucht Potzzapperment.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Das Wort war hier nicht recht am Platz.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Es folgt ein Donnerschlag.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Versunken ist der Zauberschatz</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bis an den jüngsten Tag.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Die Pfeife fällt vor Schreck und Graus</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1"> Auf einen harten Stein.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ein Golddukaten rollt heraus</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Blitzblank im Mondenschein.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Von nun an, denkt der Stoffel schlau,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Schweig ich am rechten Ort.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er kehrte heim zu seiner Frau</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und sprach kein einzig Wort.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>W</b></big>ie dunkel ist der Lebenspfad,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den wir zu wandeln pflegen.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wie gut ist da ein Apparat</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zum Denken und Erwägen.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Der Menschenkopf ist voller List</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und voll der schönsten Kniffe;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er weiß, wo was zu kriegen ist</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und lehrt die rechten Griffe.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und weil er sich so nützlich macht,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Behält ihn jeder gerne.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wer stehlen will, und zwar bei Nacht,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Braucht eine Diebslaterne.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>U</b></big>nter all den hübschen Dingen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">In der warmen Sommerzeit</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ist ein Corps von Schmetterlingen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Recht ergötzlich insoweit.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Bist du dann zu deinem Wohle</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">In den Garten hinspaziert,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Siehst du über deinem Kohle</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Muntre Tänze aufgeführt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Weiß gekleidet und behende</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Flattert die vergnügte Schar,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bis daß Lieb und Lust zu Ende</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wieder mal für dieses Jahr.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Zum getreuen Angedenken,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auf den Blättern kreuz und quer,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Lassen sie zurück und schenken</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dir ein schönes Raupenheer.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Leidest du, daß diese Sippe</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Weiter frisst, wie sie begehrt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Kriegst du, nebst dem Blattgerippe,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nur noch Proben ohne Werth</span>.</td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Also ist es zu empfehlen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Lieber Freund, daß du dich bückst</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und sehr viele Raupenseelen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Pitsch, aus ihren Häuten drückst</span>.</td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Denn nur der ist wirklich weise,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der auch in die Zukunft schaut.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Denk an deine Lieblingsspeise:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Schweinekopf mit Sauerkraut.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>F</b></big>ing man vorzeiten einen Dieb,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hing man ihn auf mit Schnellbetrieb,</td></tr> + <tr><td align="left">Und meinte man, er sei verschieden,</td></tr> + <tr><td align="left">Ging man nachhaus und war zufrieden.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Wandrer von der weichen Sorte</span></td></tr> + <tr><td align="left">Kam einst zu solchem Galgenorte</td></tr> + <tr><td align="left">Und sah, daß oben Einer hängt,</td></tr> + <tr><td align="left">Dem kürzlich man den Hals verlängt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sogleich, als er ihn baumeln sieht,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Zerfließt in Thränen sein Gemüth.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ich will den armen Schelm begraben,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Denkt er, sonst fressen ihn die Raben.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nicht ohne Müh, doch mit Geschick,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Klimmt er hinauf und löst den Strick;</td></tr> + <tr><td align="left">Und Jener, der im Wind geschwebt,</td></tr> + <tr><td align="left">Liegt unten, scheinbar unbelebt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Siehda, nach Änderung der Lage</span></td></tr> + <tr><td align="left">Tritt neu die Lebenskraft zutage,</td></tr> + <tr><td align="left">So daß der gute Delinquent</td></tr> + <tr><td align="left">Die Welt ganz deutlich wiederkennt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zärtlich, als wär's der eigne Vetter,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Umarmt er seinen Lebensretter,</td></tr> + <tr><td align="left">Nicht ein Mal, sondern noch ein Mal,</td></tr> + <tr><td align="left">Vor Freude nach so großer Qual.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mein lieber Mitmensch, sprach der Wandrer,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Geh in dich, sei hinfür ein Andrer.</td></tr> + <tr><td align="left">Zum Anfang für dein neues Leben</td></tr> + <tr><td align="left">Werd ich dir jetzt zwei Gulden geben.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Das Geben that ihm immer wohl.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Rasch griff er in sein Kamisol,</td></tr> + <tr><td align="left">Wo er zur langen Pilgerfahrt</td></tr> + <tr><td align="left">Den vollen Säckel aufbewahrt.</td></tr> + <tr><td align="left">Er sucht und sucht und fand ihn nicht,</td></tr> + <tr><td align="left">Und länger wurde sein Gesicht.</td></tr> + <tr><td align="left">Er sucht und suchte, wie ein Narr,</td></tr> + <tr><td align="left">Weit wird der Mund, das Auge starr,</td></tr> + <tr><td align="left">Bald ist ihm heiß, bald ist ihm kalt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Dieb verschwand im Tannenwald.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>D</b></big>ie Tugend will nicht immer passen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Im ganzen läßt sie etwas kalt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und daß man eine unterlassen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Vergißt man bald.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Doch schmerzlich denkt manch alter Knaster,</td></tr> + <tr><td align="left"> <span class="ind1">Der von vergangnen Zeiten träumt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">An die Gelegenheit zum Laster,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die er versäumt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>E</b></big>in Fuchs voll flüchtiger Moral</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und unbedenklich, wenn er stahl,</td></tr> + <tr><td align="left">Schlich sich beinacht zum Hühnerstalle</td></tr> + <tr><td align="left">Von einem namens Jochen Dralle,</td></tr> + <tr><td align="left">Der, weil die Mühe ihn verdross,</td></tr> + <tr><td align="left">Die Thür mal wieder nicht verschloss.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er hat sich, wie er immer pflegt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">So wie er war zubett gelegt.</td></tr> + <tr><td align="left">Er schlief und schnarchte auch bereits.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Frau Dralle, welche ihrerseits</span></td></tr> + <tr><td align="left">Noch wachte, denn sie hat die Grippe,</td></tr> + <tr><td align="left">Stieß Jochen an die kurze Rippe.</td></tr> + <tr><td align="left">Du, rief sie flüsternd, hör doch bloß,</td></tr> + <tr><td align="left">Im Hühnerstall da ist was los;</td></tr> + <tr><td align="left">Das ist der Fuchs der alte Racker.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und schon ergriff sie kühn und wacker</span></td></tr> + <tr><td align="left">Obgleich sie nur im Nachtgewand,</td></tr> + <tr><td align="left">Den Besen, der am Ofen stand,</td></tr> + <tr><td align="left">Indeß der Jochen leise flucht</td></tr> + <tr><td align="left">Und erst mal Licht zu machen sucht.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sie ging voran, er hinterdrein.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Es pfeift der Wind, die Hühner schrein.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nur zu, mahnt Jochen, sei nur dreist</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und sag Bescheid, wenn er dich beißt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Umsonst sucht sich der Dieb zu drücken</span></td></tr> + <tr><td align="left">Vor Madam Dralles Geierblicken.</td></tr> + <tr><td align="left">Sie schlägt ihm unaussprechlich schnelle</td></tr> + <tr><td align="left">Zwei drei mal an derselben Stelle</td></tr> + <tr><td align="left">Mit ihres Besens hartem Stiel</td></tr> + <tr><td align="left">Auf's Nasenbein. Das war zuviel. — </td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Jeder kriegt, ein Jeder nimmt</span></td></tr> + <tr><td align="left">In dieser Welt, was ihm bestimmt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Fuchs, nachdem der Balg herab,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bekommt ein Armesündergrab.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Frau Dralle, weil sie leichtgesinnt</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sich ausgesetzt dem Winterwind</td></tr> + <tr><td align="left">Zum Trotz der Selbsterhaltungspflicht,</td></tr> + <tr><td align="left">Kriegt zu der Grippe noch die Gicht.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Doch Jochen kriegte hocherfreut</span></td></tr> + <tr><td align="left">Infolge der Gelegenheit</td></tr> + <tr><td align="left">Von Pelzwerk eine warme Kappe</td></tr> + <tr><td align="left">Mit Vorder- und mit Hinterklappe.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Stets hieß es dann, wenn er sie trug:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der ist es, der den Fuchs erschlug.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind2"><big><b>E</b></big>in gutes Thier</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Ist das Klavier,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Still, friedlich und bescheiden,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Und muß dabei</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Doch vielerlei</span></td></tr> + <tr><td align="left">Erdulden und erleiden.</td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Der Virtuos</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Stürzt darauf los</span></td></tr> + <tr><td align="left">Mit hochgesträubter Mähne.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Er öffnet ihm</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Voll Ungestüm</span></td></tr> + <tr><td align="left">Den Leib, gleich der Hyäne.</td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Und rasend wild,</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Das Herz erfüllt</span></td></tr> + <tr><td align="left">Von mörderlicher Freude,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Durchwühlt er dann,</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Soweit er kann,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Des Opfers Eingeweide.</td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Wie es da schrie,</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Das arme Vieh,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und unter Angstgewimmer</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Bald hoch, bald tief</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Um Hülfe rief,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Vergess ich nie und nimmer.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>D</b></big>ich freut die warme Sonne.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Du lebst im Monat Mai.</span></td></tr> + <tr><td align="left">In deiner Regentonne</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Da rührt sich allerlei.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Viel kleine Thierlein steigen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bald auf- bald niederwärts,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und, was besonders eigen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sie atmen mit dem Sterz.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Noch sind sie ohne Tücken,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Rein kindlich ist ihr Sinn.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bald aber sind sie Mücken</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und fliegen frei dahin.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie fliegen auf und nieder</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Im Abendsonnenglanz</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und singen feine Lieder</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bei ihrem Hochzeitstanz.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Du gehst zu Bett um zehne,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Du hast zu schlafen vor,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dann hörst du jene Töne</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ganz dicht an deinem Ohr.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Drückst du auch in die Kissen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dein werthes Angesicht,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dich wird zu finden wissen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Rüssel, welcher sticht.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Merkst du, daß er dich impfe,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So reib mit Salmiak</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und dreh dich um und schimpfe</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auf dieses Mückenpack.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>E</b></big>s geht ja leider nur soso</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hier auf der Welt, sprach Salomo.</td></tr> + <tr><td align="left">Dies war verzeihlich. Das Geschnatter</td></tr> + <tr><td align="left">Von tausend Frauen, denn die hatt er,</td></tr> + <tr><td align="left">Macht auch den Besten ungerecht.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Uns aber geht es nicht so schlecht.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wer, wie es Brauch in unsern Tagen,</td></tr> + <tr><td align="left">Nur Eine hat, der soll nicht sagen</td></tr> + <tr><td align="left">Und klagen, was doch mancher thut:</td></tr> + <tr><td align="left">Ich bin für diese Welt zu gut.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Selbst, wem es fehlt an dieser Einen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der braucht darob nicht gleich zu weinen</td></tr> + <tr><td align="left">Und sich kopfüber zu ertränken.</td></tr> + <tr><td align="left">Er hat, das mag er wohl bedenken,</td></tr> + <tr><td align="left">Am Weltgebäude mitgezimmert</td></tr> + <tr><td align="left">Und allerlei daran verschlimmert.</td></tr> + <tr><td align="left">Und wenn er so in sich gegangen,</td></tr> + <tr><td align="left">Gewissenhaft und unbefangen,</td></tr> + <tr><td align="left">Dann kusch er sich und denke froh:</td></tr> + <tr><td align="left">Gottlob, ich bin kein Salomo;</td></tr> + <tr><td align="left">Die Welt, obgleich sie wunderlich,</td></tr> + <tr><td align="left">Ist mehr als gut genug für mich.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>W</b></big>er Bildung hat, der ist empört,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wenn er so schrecklich fluchen hört.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dies »Nasowolltich«, dies »Parblö«,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dies ewige »Ojemineh«,</td></tr> + <tr><td align="left">Dies »Eipotztausendnocheinmal«,</td></tr> + <tr><td align="left">Ist das nicht eine Ohrenqual?</td></tr> + <tr><td align="left">Und gar »Daßdichdasmäusleinbeiß«,</td></tr> + <tr><td align="left">Da wird mir's immer kalt und heiß.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wie oft wohl sag ich: Es ist häßlich,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ist unanständig, roh und gräßlich.</td></tr> + <tr><td align="left">Ich bitt und flehe: Lasst es sein,</td></tr> + <tr><td align="left">Denn es ist sündlich. Aber nein,</td></tr> + <tr><td align="left">Vergebens ring ich meine Hände,</td></tr> + <tr><td align="left">Die Flucherei nimmt doch kein Ende.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>Z</b></big>wei Knaben, Fritz und Ferdinand,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die gingen immer Hand in Hand,</td></tr> + <tr><td align="left">Und selbst in einer Herzensfrage</td></tr> + <tr><td align="left">Trat ihre Einigkeit zutage.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sie liebten beide Nachbars Käthchen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ein blondgelocktes kleines Mädchen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Einst sagte die verschmitzte Dirne:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wer holt mir eine Sommerbirne,</td></tr> + <tr><td align="left">Recht saftig, aber nicht zu klein?</td></tr> + <tr><td align="left">Hernach soll er der Beste sein.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Fritz nahm seinen Freund beiseit</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und sprach: Das machen wir zu zweit;</td></tr> + <tr><td align="left">Da drüben wohnt der alte Schramm,</td></tr> + <tr><td align="left">Der hat den schönsten Birnenstamm;</td></tr> + <tr><td align="left">Du steigst hinauf und schüttelst sacht,</td></tr> + <tr><td align="left">Ich lese auf und gebe acht.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Gesagt gethan. Sie sind am Ziel.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Schon als die erste Birne fiel,</td></tr> + <tr><td align="left">Macht Fritz damit sich aus dem Staube,</td></tr> + <tr><td align="left">Denn eben schlich aus dunkler Laube,</td></tr> + <tr><td align="left">In fester Faust ein spanisch Rohr,</td></tr> + <tr><td align="left">Der aufmerksame Schramm hervor.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auch Ferdinand sah ihn beizeiten</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und thät am Stamm herunter gleiten</td></tr> + <tr><td align="left">In Ängstlichkeit und großer Hast,</td></tr> + <tr><td align="left">Doch eh er unten Fuß gefasst,</td></tr> + <tr><td align="left">Begrüßt ihn Schramm bereits mit Streichen,</td></tr> + <tr><td align="left">Als wollt er einen Stein erweichen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Ferdinand, voll Schmerz und Hitze,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Entfloh und suchte seinen Fritze.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wie angewurzelt blieb er stehn.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ach hätt er es doch nie gesehn:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die Käthe hat den Fritz geküsst,</span></td></tr> + <tr><td align="left"> Worauf sie eine Birne isst.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Seit dies geschah, ist Ferdinand</span></td></tr> + <tr><td align="left">Mit Fritz nicht mehr so gut bekannt.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind2"><big><b>W</b></big>em's in der Unterwelt zu still,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wer oberhalb erscheinen will,</td></tr> + <tr><td align="left">Der baut sich, je nach seiner Weise,</td></tr> + <tr><td align="left">Ein sichtbarliches Wohngehäuse.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er ist ein blinder Architekt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der selbst nicht weiß, was er bezweckt.</td></tr> + <tr><td align="left">Dennoch verfertigt er genau</td></tr> + <tr><td align="left">Sich kunstvoll seinen Leibesbau,</td></tr> + <tr><td align="left">Und sollte mal was dran passieren,</td></tr> + <tr><td align="left">Kann er's verputzen und verschmieren,</td></tr> + <tr><td align="left">Und ist er etwa gar ein solch</td></tr> + <tr><td align="left">Geschicktes Thierlein, wie der Molch,</td></tr> + <tr><td align="left">Dann ist ihm alles einerlei,</td></tr> + <tr><td align="left">Und wär's ein Bein, er macht es neu.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nur schad, daß, was so froh begründet,</span></td></tr> + <tr><td align="left">So traurig mit der Zeit verschwindet,</td></tr> + <tr><td align="left">Wie schließlich jeder Bau hienieden,</td></tr> + <tr><td align="left">Sogar die stolzen Pyramiden.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>E</b></big>s ist ein recht beliebter Bau.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wer wollte ihn nicht loben?</span></td></tr> + <tr><td align="left">Drin wohnt ein Mann mit seiner Frau,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sie unten und er oben.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Er, als ein schlaugewiegter Mann,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hält viel auf weise Lehren,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sie, ungestüm und drauf und dran,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Thut das, was ihr Begehren.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie läßt ihn reden und begeht,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Blind, wie sie ist, viel Wüstes,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und bringt sie das in Schwulität,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Na, sagt er kühl, da siehst es.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Vereinen sich jedoch die zwei</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zu traulichem Verbande,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dann kommt die schönste Lumperei</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hübsch regelrecht zustande.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">So geht's in diesem Hause her.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Man möchte fast erschrecken.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Auch ist's beweglich, aber mehr</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Noch als das Haus der Schnecken.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>I</b></big>n einem Häuschen, sozusagen — </td></tr> + <tr><td align="left">(Den ersten Stock bewohnt der Magen)</td></tr> + <tr><td align="left">In einem Häuschen war's nicht richtig.</td></tr> + <tr><td align="left">Darinnen spukt und tobte tüchtig</td></tr> + <tr><td align="left">Ein Kobold, wie ein wildes Bübchen,</td></tr> + <tr><td align="left">Vom Keller bis zum Oberstübchen.</td></tr> + <tr><td align="left">Fürwahr, es war ein bös Getös.</td></tr> + <tr><td align="left">Der Hausherr wird zuletzt nervös,</td></tr> + <tr><td align="left">Und als ein desperater Mann</td></tr> + <tr><td align="left">Steckt er kurzweg sein Häuschen an</td></tr> + <tr><td align="left">Und baut ein Haus sich anderswo</td></tr> + <tr><td align="left">Und meint, da ging es ihm nicht so.</td></tr> + <tr><td align="left">Allein, da sieht er sich betrogen.</td></tr> + <tr><td align="left">Der Kobold ist mit umgezogen</td></tr> + <tr><td align="left">Und macht Spektakel und Rumor</td></tr> + <tr><td align="left">Viel ärger noch, als wie zuvor.</td></tr> + <tr><td align="left">Ha, rief der Mann, wer bist du, sprich.</td></tr> + <tr><td align="left">Der Kobold lacht: Ich bin dein Ich.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>Z</b></big>u Olims Zeit, auf der Oase,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Am Quell, wo schlanke Palmen stehen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Saß einst das Väterchen im Grase</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und hatte allerlei Ideeen.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Gern sprach davon der Hochverehrte</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zu seinen Söhnen, seinen Töchtern,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und das Gelehrte, oft Gehörte</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ging von Geschlechte zu Geschlechtern.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Auch wir, in mancher Abendstunde,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wenn treue Liebe uns bewachte,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Vernahmen froh die gute Kunde</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Von dem, was Väterchen erdachte.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und sicher klingt das früh Gewusste</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So lang in wohlgeneigte Ohren,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bis auf der kalten Erdenkruste</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Das letzte Menschenherz erfroren.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>G</b></big>ehorchen wird jeder mit Genuss</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den Frauen, den hochgeschätzten,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hingegen machen uns meist Verdruss</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die sonstigen Vorgesetzten.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Nur wenn ein kleines Missgeschick</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Betrifft den Treiber und Leiter,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dann fühlt man für den Augenblick</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sich sehr befriedigt und heiter.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Als neulich am Sonntag der Herr Pastor</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Eine peinliche Pause machte,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Weil er den Faden der Rede verlor,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Da duckt sich der Küster und lachte.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>A</b></big>bends, wenn die Heimchen singen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wenn die Lampe düster schwehlt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hör ich gern von Spukedingen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Was die Tante mir erzählt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Wie es klopfte in den Wänden,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wie der alte Schrank geknackt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wie es einst mit kalten Händen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mutter Urschel angepackt,</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Wie man oft ein leises Jammern</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Grad um Mitternacht gehört,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Oben in den Bodenkammern,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Scheint mir höchst bemerkenswerth.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Doch erzählt sie gar das Märchen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Von dem Geiste ohne Kopf,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dann erhebt sich jedes Härchen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Schaudervoll in meinem Schopf.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und ich kann es nicht verneinen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Daß es böse Geister giebt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Denn ich habe selber einen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der schon manchen Streich verübt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>F</b></big>rau Welt, was ist das nur mit euch?</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Herr Walter sprach's, der alte.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ihr werdet grau und faltenreich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und traurig von Gestalte.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Frau Welt darauf erwidert schnippsch:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mein Herr, seid lieber stille.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ihr scheint mir auch nicht mehr so hübsch</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit eurer schwarzen Brille.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>L</b></big>ache nicht, wenn mit den Jahren</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Lieb und Freundlichkeit vergehen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Was Paulinchen ist geschehen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Kann auch dir mal widerfahren.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sieh nur, wie verändert hat sich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Unser guter Küchenbesen.</span></td></tr> + <tr><td align="left"> Er, der sonst so weich gewesen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ist jetzunder stumpf und kratzig.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind2"><big><b>H</b></big>ans, der soeben in der Stadt</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sein fettes Schwein verwerthet hat,</td></tr> + <tr><td align="left">Ging spät nachhaus bei Mondenschein.</td></tr> + <tr><td align="left">Ein Fremder folgt und holt ihn ein.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Grüßgott, rief Hans, das trifft sich gut,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Zuzweit verdoppelt sich der Muth.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Fremde denkt: Ha zapperlot,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Kerl hat Geld, ich schlag ihn todt,</td></tr> + <tr><td align="left">Nur nicht von vorn, daß er es sieht,</td></tr> + <tr><td align="left">Dagegen sträubt sich mein Gemüth.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und weiter gehn sie allgemach,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Hans zuvor, der Fremde nach.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Jetzt, denkt sich dieser, mach ich's ab,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er hob bereits den Knotenstab.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Was gilt die Butter denn bei euch?</span></td></tr> + <tr><td align="left">Fragt Hans und dreht sich um zugleich.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Fremde schweigt, der Fremde stutzt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Knittel senkt sich unbenutzt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und weiter gehn sie allgemach,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der eine vor, der andre nach.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hier, wo die dunklen Tannen stehn,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hier, denkt der Fremde, soll's geschehn.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Spielt man auch Skat bei euch zuland?</span></td></tr> + <tr><td align="left">Fragt Hans und hat sich umgewandt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Fremde nickt und steht verdutzt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Knittel senkt sich unbenutzt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und weiter gehn sie allgemach,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der eine vor, der andre nach.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hier, denkt der Fremde, wo das Moor,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hier hau ich fest ihm hinter's Ohr.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und wieder dreht der Hans sich um.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Prost, rief er fröhlich, mögt ihr Rum?</td></tr> + <tr><td align="left">Und zog ein Fläschlein aus dem Rock.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Fremde senkt den Knotenstock,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Thät einen Zug, der war nicht schwach,</td></tr> + <tr><td align="left">Und weiter gehn sie allgemach.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Schon sind sie aus dem Wald heraus,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und schau, da steht das erste Haus.</td></tr> + <tr><td align="left">Es kräht der Hahn, es bellt der Spitz.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dies rief der Hans, ist mein Besitz.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Tritt ein du ehrlicher Gesell</td></tr> + <tr><td align="left">Und nimm den Dank für dein Geleit.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Doch der Gesell entfernt sich schnell,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Vermuthlich aus Bescheidenheit.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>E</b></big>in weißes Kätzchen voller Schliche,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ging heimlich, weil es gerne schleckt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Des abends in die Nachbarküche.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wo man es leider bald entdeckt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Mit Besen und mit Feuerzangen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Gejagt in alle Ecken ward's.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Es fuhr zuletzt voll Todesbangen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zum Schlot hinaus und wurde schwarz.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Ja, siehst du wohl, mein liebes Herze?</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wer schlecken will, was ihm gefällt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der kommt nicht ohne Schmutz und Schwärze</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hinaus aus dieser bösen Welt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>E</b></big>s wächst wohl auf der Haide</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und in des Waldes Raum</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ein Baum zu Nutz und Freude,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Genannt der Birkenbaum.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Die Schuh, daraus geschnitzet,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sind freundlich von Gestalt.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wohl dem, der sie besitzet,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihm wird der Fuß nicht kalt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left"> Es ist die weiße Rinde</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zu Tabaksdosen gut,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Als theures Angebinde</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Für den, der schnupfen thut.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Man zapfet aus der Birke</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sehr angenehmen Wein,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Man reibt sich, daß es wirke,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die Glatze damit ein.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Dem Birkenreiserbesen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Gebühret Preis und Ehr;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Das stärkste Kehrichtwesen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Das treibt er vor sich her.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Von Birken eine Ruthe,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Gebraucht am rechten Ort,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Befördert oft das Gute</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mehr, als das beste Wort.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und kommt das Fest der Pfingsten,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dann schmückt mir fein das Haus,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ihr, meine liebsten Jüngsten,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit Birkenzweigen aus.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>D</b></big>er Ruhm, wie alle Schwindelware,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hält selten über tausend Jahre.</td></tr> + <tr><td align="left">Zumeist vergeht schon etwas ehr</td></tr> + <tr><td align="left">Die Haltbarkeit und die Kulör.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Schmetterling voll Eleganz,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Genannt der Ritter Schwalbenschwanz,</td></tr> + <tr><td align="left">Ein Exemplar von erster Güte,</td></tr> + <tr><td align="left">Begrüßte jede Doldenblüthe</td></tr> + <tr><td align="left">Und holte hier und holte da</td></tr> + <tr><td align="left">Sich Nektar und Ambrosia.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mitunter macht er sich auch breit</span></td></tr> + <tr><td align="left">In seiner ganzen Herrlichkeit</td></tr> + <tr><td align="left">Und zeigt den Leuten seine Orden</td></tr> + <tr><td align="left">Und ist mit recht berühmt geworden.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die jungen Mädchen fanden dies</span></td></tr> + <tr><td align="left">Entzückend, goldig, reizend, süß.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Vergeblich schwenkten ihre Mützen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die Knaben, um ihn zu besitzen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sogar der Spatz hat zugeschnappt</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und hätt ihn um ein Haar gehabt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Jetzt aber naht sich ein Student,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der seine Winkelzüge kennt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">In einem Netz mit engen Maschen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Thät er den Flüchtigen erhaschen,</td></tr> + <tr><td align="left">Und da derselbe ohne Tadel,</td></tr> + <tr><td align="left">Spießt er ihn auf die heiße Nadel.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So kam er unter Glas und Rahmen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Mit Datum, Jahreszahl und Namen</td></tr> + <tr><td align="left">Und bleibt berühmt und unvergessen,</td></tr> + <tr><td align="left">Bis ihn zuletzt die Motten fressen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Man möchte weinen, wenn man sieht,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Daß dies das Ende von dem Lied.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>D</b></big>er schöne Sommer ging von hinnen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Herbst, der reiche zog in's Land.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nun weben all die guten Spinnen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So manches feine Festgewand.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie weben zu des Tages Feier</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit kunstgeübtem Hinterbein</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ganz allerliebste Elfenschleier</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Ja, tausend Silberfäden geben</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dem Winde sie zum leichten Spiel,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die ziehen sanft dahin und schweben</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">An's unbewusst bestimmte Ziel.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie ziehen in das Wunderländchen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wo Liebe scheu im Anbeginn,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und leis verknüpft ein zartes Bändchen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den Schäfer mit der Schäferin.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>H</b></big>abt ihr denn wirklich keinen Schimmer</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Von Angst, daß ihr noch ruhig schlaft?</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wird denn in dieser Welt nicht immer</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Das Leben mit dem Tod bestraft?</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Ihr lebt vergnügt trotz dem Verhängniß,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Das näher stets und näher zieht.</span></td></tr> + <tr><td align="left">So stiehlt der Dieb, dem das Gefängniß</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und später gar der Galgen blüht.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Hör auf, entgegnet frech die Jugend,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Du altes Jammerinstrument.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Man merkt es gleich: du bist die Tugend,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die Keinem sein Vergnügen gönnt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>E</b></big>in Philosoph von ernster Art</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der sprach und strich sich seinen Bart:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ich lache nie. Ich lieb es nicht,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Mein ehrenwerthes Angesicht</td></tr> + <tr><td align="left">Durch Zähnefletschen zu entstellen</td></tr> + <tr><td align="left">Und närrisch wie ein Hund zu bellen;</td></tr> + <tr><td align="left">Ich lieb es nicht durch ein Gemecker</td></tr> + <tr><td align="left">Zu zeigen, daß ich Witzentdecker;</td></tr> + <tr><td align="left">Ich brauche nicht durch Werthvergleichen</td></tr> + <tr><td align="left">Mit Andern mich herauszustreichen,</td></tr> + <tr><td align="left">Um zu ermessen, was ich bin,</td></tr> + <tr><td align="left">Denn dieses weiß ich ohnehin.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Das Lachen will ich überlassen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Den minder hochbegabten Klassen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ist einer ohne Selbstvertraun</span></td></tr> + <tr><td align="left">In Gegenwart von schönen Fraun,</td></tr> + <tr><td align="left">So daß sie ihn als faden Gecken</td></tr> + <tr><td align="left">Abfahren lassen oder necken,</td></tr> + <tr><td align="left">Und fühlt er drob geheimen Groll</td></tr> + <tr><td align="left">Und weiß nicht, was er sagen soll,</td></tr> + <tr><td align="left">Dann schwebt mit Recht auf seinen Zügen</td></tr> + <tr><td align="left">Ein unaussprechliches Vergnügen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und hat er Kursverlust erlitten,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ist er moralisch ausgeglitten,</td></tr> + <tr><td align="left">So giebt es Leute, die doch immer</td></tr> + <tr><td align="left">Noch dümmer sind als er und schlimmer.</td></tr> + <tr><td align="left">Und hat er etwa krumme Beine,</td></tr> + <tr><td align="left">So giebt's noch krümmere als seine.</td></tr> + <tr><td align="left">Er tröstet sich und lacht darüber</td></tr> + <tr><td align="left">Und denkt: Da bin ich mir doch lieber.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den Teufel lass ich aus dem Spiele.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Auch sonst noch lachen ihrer Viele,</td></tr> + <tr><td align="left">Besonders jene ewig Heitern,</td></tr> + <tr><td align="left">Die unbewusst den Mund erweitern.</td></tr> + <tr><td align="left">Die so zu sagen, auserkoren</td></tr> + <tr><td align="left">Zum Lachen bis an beide Ohren.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sie freuen sich mit Weib und Kind</span></td></tr> + <tr><td align="left">Schon bloß, weil sie vorhanden sind.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ich dahingegen, der ich sitze</span></td></tr> + <tr><td align="left">Auf der Betrachtung höchster Spitze,</td></tr> + <tr><td align="left">Weit über allem Was und Wie,</td></tr> + <tr><td align="left">Ich bin für mich und lache nie.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>W</b></big>as er liebt, ist Keinem fraglich;</td></tr> + <tr><td align="left">Triumphirend und behaglich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Nimmt es seine Seele ein</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Und befiehlt: So soll es sein.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Suche nie, wo dies geschehen,</td></tr> + <tr><td align="left">Widersprechend vorzugehen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Sintemalen im Gemüth</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Schon die höchste Macht entschied.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Ungestört in ihren Lauben</td></tr> + <tr><td align="left">Lass die Liebe, lass den Glauben,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Der, wenn man es recht ermisst,</span></td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind2">Auch nur lauter Liebe ist.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>D</b></big>u liebes Plappermäulchen,</td></tr> + <tr><td align="left">Bedenk dich erst ein Weilchen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und sprich nicht so geschwind.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Du bist wie unsre Mühle</td></tr> + <tr><td align="left">Mit ihrem Flügelspiele</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Im frischen Sausewind.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">So lang der Müller thätig</td></tr> + <tr><td align="left">Und schüttet auf was nöthig,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Geht alles richtig zu;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Doch ist kein Korn darinnen,</td></tr> + <tr><td align="left"> Dann kommt das Werk von Sinnen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und klappert so wie du.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>D</b></big>es morgens früh, sobald ich mir</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mein Pfeifchen angezündet,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Geh ich hinaus zur Hinterthür,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die in den Garten mündet.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Besonders gern betracht ich dann</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die Rosen, die so niedlich;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die Blattlaus sitzt und saugt daran</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So grün, so still, so friedlich.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und doch wird sie, so still sie ist,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Grausamkeit zur Beute;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Schwebefliegen Larve frißt</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sie auf bis auf die Häute.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Schluppwespchen flink und klimperklein,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So sehr die Laus sich sträube,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sie legen doch ihr Ei hinein</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Noch bei lebendgem Leibe.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie aber sorgt nicht nur mit Fleiß</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Durch Eier für Vermehrung;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sie kriegt auch Junge hundertweis</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Als weitere Bescherung.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie nährt sich an dem jungen Schaft</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Rosen, eh sie welken;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ameisen kommen, ihr den Saft</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sanft streichelnd abzumelken.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">So seh ich in Betriebsamkeit</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Das hübsche Ungeziefer</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und rauche während dieser Zeit</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mein Pfeifchen tief und tiefer.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Daß keine Rose ohne Dorn,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1"> Bringt mich nicht aus dem Häuschen.</span></td></tr> + <tr><td align="left"> Auch sag ich ohne jeden Zorn:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Kein Röslein ohne Läuschen!</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>S</b></big>toffel hackte mit dem Beile.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dabei that er sich sehr wehe,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Denn er traf in aller Eile</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ganz genau die große Zehe.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Ohne jedes Schmerzgewimmer,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nur mit Ruh, mit einer festen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sprach er: Ja, ich sag es immer,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nebenzu trifft man am besten.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>D</b></big>ie Mutter plagte ein Gedanke.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sie kramt im alten Kleiderschranke,</td></tr><tr><td align="left"></td></tr> + <tr><td align="left">Wo Kurz und Lang, obschon gedrängt,</td></tr> + <tr><td align="left">Doch friedlich, bei einander hängt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auf einmal ruft sie: Ei sieh da,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Schwalbenschwanz, da ist er ja!</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den blauen, längst nicht mehr benützten,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Den hinten zwiefach zugespitzten,</td></tr> + <tr><td align="left">Mit blanken Knöpfen schön geschmückt,</td></tr> + <tr><td align="left">Der einst so manches Herz berückt,</td></tr> + <tr><td align="left">Ihn trägt sie klug und überlegt</td></tr> + <tr><td align="left">Dahin, wo sie zu schneidern pflegt,</td></tr> + <tr><td align="left">Und trennt und wendet, näht und misst,</td></tr> + <tr><td align="left">Bis daß das Werk vollendet ist.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auf die Art aus des Vaters Fracke</span></td></tr> + <tr><td align="left">Kriegt Fritzchen eine neue Jacke.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Grad so behilft sich der Poet.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Du liebe Zeit, was soll er machen?</td></tr> + <tr><td align="left">Gebraucht sind die Gedankensachen</td></tr> + <tr><td align="left">Schon alle, seit die Welt besteht.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>A</b></big>ls ich in Jugendtagen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Noch ohne Grübelei,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Da meint ich mit Behagen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mein Denken wäre frei.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Seitdem hab ich die Stirne</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Oft auf die Hand gestützt</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und fand, daß im Gehirne</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein harter Knoten sitzt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Mein Stolz der wurde kleiner.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ich merkte mit Verdruss:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Es kann doch Unsereiner</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nur denken, wie er muss.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>I</b></big>m Hochgebirg vor seiner Höhle</span></td></tr> + <tr><td align="left">Saß der Asket;</td></tr> + <tr><td align="left">Nur noch ein Rest von Leib und Seele</td></tr> + <tr><td align="left">Infolge äußerster Diät.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Demüthig ihm zu Füßen kniet</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ein Jüngling, der sich längst bemüht,</td></tr> + <tr><td align="left">Des strengen Büßers strenge Lehren</td></tr> + <tr><td align="left">Nachdenklich prüfend anzuhören.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Grad schließt der Klausner den Sermon</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und spricht: Bekehre dich, mein Sohn.</td></tr> + <tr><td align="left">Verlass das böse Weltgetriebe.</td></tr> + <tr><td align="left">Vor allem unterlass die Liebe,</td></tr> + <tr><td align="left">Denn grade sie erweckt auf's Neue</td></tr> + <tr><td align="left">Das Leben und mit ihm die Reue.</td></tr> + <tr><td align="left">Da schau mich an. Ich bin so leicht,</td></tr> + <tr><td align="left">Fast hab ich schon das Nichts erreicht,</td></tr> + <tr><td align="left">Und bald verschwind ich in das reine</td></tr> + <tr><td align="left">Zeit- raum- und traumlos Allundeine.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Als so der Meister in Ekstase,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sticht ihn ein Bienchen in die Nase.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Oh, welch ein Schrei!</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und dann das Mienenspiel dabei.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Jüngling stutzt und ruft: Was seh ich?</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wer solchermaßen leidensfähig,</td></tr> + <tr><td align="left">Wer so gefühlvoll und empfindlich,</td></tr> + <tr><td align="left">Der, fürcht ich, lebt noch viel zu gründlich</td></tr> + <tr><td align="left">Und stirbt noch nicht zum letzten Mal.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit diesem kühlen Wort empfahl</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Jüngling sich und stieg hernieder</td></tr> + <tr><td align="left">Ins tiefe Thal und kam nicht wieder.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>N</b></big>achbar Nickel ist verdrießlich,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und er darf sich wohl beklagen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Weil ihm seine Pläne schließlich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Alle gänzlich fehl geschlagen.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Unsre Ziege starb heut Morgen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Geh und sag's ihm, lieber Knabe!</span></td></tr> + <tr><td align="left">Daß er nach so vielen Sorgen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auch mal eine Freude habe.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>E</b></big>r war nicht unbegabt. Die Geisteskräfte</span></td></tr> + <tr><td align="left">Genügten für die laufenden Geschäfte.</td></tr> + <tr><td align="left">Nur hatt er die Marotte,</td></tr> + <tr><td align="left">Er sei der Papst. Dies sagt er oft und gern,</td></tr> + <tr><td align="left">Für jedermann zum Ärgerniss und Spotte,</td></tr> + <tr><td align="left">Bis sie zuletzt ins Narrenhaus ihn sperrn.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein guter Freund, der ihn daselbst besuchte,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Fand ihn höchst aufgeregt. Er fluchte:</td></tr> + <tr><td align="left">Zum Kuckuck, das ist doch zu dumm.</td></tr> + <tr><td align="left">Ich soll ein Narr sein und weiß nicht warum.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ja, sprach der Freund, so sind die Leute.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Man hat an einem Papst genug.</td></tr> + <tr><td align="left">Du bist der zweite.</td></tr> + <tr><td align="left">Das eben kann man nicht vertragen.</td></tr> + <tr><td align="left">Hör zu, ich will dir mal was sagen:</td></tr> + <tr><td align="left">Wer schweigt, ist klug.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Narr verstummt, als ob er überlege.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der gute Freund ging leise seiner Wege.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und schau, nach vierzehn Tagen grade</span></td></tr> + <tr><td align="left">Da traf er ihn schon auf der Promenade.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ei, rief der Freund, wo kommst du her?</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bist du denn jetzt der Papst nicht mehr?</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Freund, sprach der Narr und lächelt schlau,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Du scheinst zur Neugier sehr geneigt.</td></tr> + <tr><td align="left">Das, was wir sind, weiß ich genau.</td></tr> + <tr><td align="left">Wir alle haben unsern Sparren,</td></tr> + <tr><td align="left">Doch sagen thun es nur die Narren.</td></tr> + <tr><td align="left">Der Weise schweigt.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>A</b></big>ls Kind von angenehmen Zügen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">War Röschen ein gar lustig Ding.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Gern zupfte sie das Bein der Fliegen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die sie geschickt mit Spucke fing.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie wuchs, und größere Objekte</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Lockt sie von nun an in ihr Garn,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nicht nur die jungen, nein, sie neckte</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und rupft auch manchen alten Narrn.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Inzwischen that in stillem Walten</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die Zeit getreulich ihre Pflicht.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Durch wundersame Bügelfalten</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Verziert sie Röschens Angesicht.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und locker wurden Röschens Zähne.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Kein Freier stellte sich mehr ein.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und schließlich kriegt sie gar Migräne,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und die pflegt dauerhaft zu sein.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Dies führte sie zum Aberglauben,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Obwohl sie sonst nicht gläubig schien.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sie meinte fest, daß Turteltauben</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den Schmerz der Menschen an sich ziehn.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Zwei Stück davon hat sie im Bauer,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Pärchen, welches zärtlich girrt;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Jetzt liegt sie täglich auf der Lauer,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ob ihnen noch nicht übel wird.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>E</b></big>in Dornstrauch stand im Wiesenthal,</span></td></tr> + <tr><td align="left">An einer Stiege, welche schmal,</td></tr> + <tr><td align="left">Und ging vorüber irgend wer,</td></tr> + <tr><td align="left">Den griff er an und kratzte er.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Lämmlein kam daher gehupft.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Das hat er ebenfalls gerupft.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Es sieht ihn traurig an und spricht:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Du brauchst doch meine Wolle nicht,</td></tr> + <tr><td align="left">Und niemals that ich dir ein Leid.</td></tr> + <tr><td align="left">Weßhalb zerrupfst du denn mein Kleid?</td></tr> + <tr><td align="left">Es thut mir weh und ist auch schad.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ei, rief der Freche, darum grad.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>M</b></big>iezel, eine schlaue Katze,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Molly, ein begabter Hund,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wohnhaft an demselben Platze,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hassten sich aus Herzensgrund.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Schon der Ausdruck ihrer Mienen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bei gesträubter Haarfrisur,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ist von Liebe keine Spur.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Doch wenn Miezel in dem Baume,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wo sie meistens hin entwich,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Friedlich dasitzt, wie im Traume,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dann ist Molly außer sich.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Beide lebten in der Scheune,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die gefüllt mit frischem Heu.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Alle beide hatten Kleine,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Molly zwei und Miezel drei.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Einst zur Jagd ging Miezel wieder</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auf das Feld. Da geht es bumm.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Herr Förster schoß sie nieder.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihre Lebenszeit ist um.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Oh, wie jämmerlich miauen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die drei Kinderchen daheim.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Molly eilt, sie zu beschauen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und ihr Herz geht aus dem Leim.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und sie trägt sie kurz entschlossen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zu der eignen Lagerstatt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wo sie nunmehr fünf Genossen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">An der Brust zu Gaste hat.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Mensch, mit traurigem Gesichte,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sprich nicht nur von Leid und Streit,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Selbst in Brehms Naturgeschichte</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1"> Findet sich Barmherzigkeit.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>N</b></big>achdem er am Sonntagmorgen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Vor seinem Spiegel gestanden,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Verschwanden die letzten Sorgen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und Zweifel, die noch vorhanden.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Er wurde so verwegen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Daß er nicht länger schwankte.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er schrieb ihr. Sie dagegen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Erwidert: Nein, sie dankte.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Der Schreck, den er da hatte,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hätt ihn fast umgeschmissen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Als hätt ihn eine Ratte</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Plötzlich ins Herz gebissen.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>A</b></big>ch, wie eilte so geschwinde</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dieser Sommer durch die Welt.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Herbstlich rauscht es in der Linde,</td></tr> + <tr><td align="left">Ihre Blätter mit dem Winde</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wehen über's Stoppelfeld.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Hörst du in den Lüften klingend</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sehnlich klagend das Kuru?</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wandervögel, flügelschwingend,</td></tr> + <tr><td align="left">Lebewohl der Heimath singend,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ziehn dem fremden Lande zu.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Morgen muß ich in die Ferne.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Liebes Mädchen, bleib mir gut.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Morgen lebt in der Kaserne,</td></tr> + <tr><td align="left">Daß er exerziren lerne,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dein dich liebender Rekrut.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>E</b></big>s war die erste Maiennacht.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Kein Mensch im Dorf hat mehr gewacht.</td></tr> + <tr><td align="left">Da hielten, wie es stets der Fall,</td></tr> + <tr><td align="left">Die Thiere ihren Frühlingsball.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die Gans, die gute Adelheid,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Fehlt nie bei solcher Festlichkeit,</td></tr> + <tr><td align="left">Obgleich man sie nach altem Brauch</td></tr> + <tr><td align="left">Zu necken pflegt. So heute auch.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Frau Schnabel, nannte sie der Kater,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Frau Plattfuß, rief der Ziegenvater;</td></tr> + <tr><td align="left">Doch sie, zwar lächelnd, aber kühl,</td></tr> + <tr><td align="left">Hüllt sich in sanftes Selbstgefühl.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So saß sie denn in ödem Schweigen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Allein für sich bei Spiel und Reigen,</td></tr> + <tr><td align="left">Bei Freudenlärm und Jubeljux.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sieh da, zum Schluß hat auch der Fuchs</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sich ungeladen eingedrängelt.</td></tr> + <tr><td align="left">Schlau hat er sich herangeschlängelt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihr Diener, säuselt er galant,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wie geht's der Schönsten in Brabant?</td></tr> + <tr><td align="left">Ich küss der gnäd'gen Frau den Fittig.</td></tr> + <tr><td align="left">Ist noch ein Tänzchen frei, so bitt ich.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sie nickt verschämt: O Herr Baron!</span></td></tr> + <tr><td align="left">Indem so walzen sie auch schon.</td></tr> + <tr><td align="left">Wie trippeln die Füße, wie wippeln die Schwänze</td></tr> + <tr><td align="left">Im lustigen Kehraus, dem letzten der Tänze.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Da tönt es vier mit lautem Schlag.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Das Fest ist aus. Es naht der Tag, — </td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bald drauf, im frühsten Morgenschimmer,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ging Mutter Urschel aus, wie immer,</td></tr> + <tr><td align="left">Mit Korb und Sichel, um verstohlen</td></tr> + <tr><td align="left">Sich etwas fremden Klee zu holen.</td></tr> + <tr><td align="left">An einer Hecke bleibt sie stehn:</td></tr> + <tr><td align="left">Herrjeh, was ist denn hier geschehn?</td></tr> + <tr><td align="left">Die Füchse, sag ich, soll man rädern.</td></tr> + <tr><td align="left">Das sind wahrhaftig Gänsefedern.</td></tr> + <tr><td align="left">Ein frisches Ei liegt dicht daneben.</td></tr> + <tr><td align="left">Ich bin so frei es aufzuheben.</td></tr> + <tr><td align="left">Ach, armes Thier, sprach sie bewegt.</td></tr> + <tr><td align="left">Dies Ei hast du vor Angst gelegt.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>A</b></big>ch, wie vieles muß man rügen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Weil es sündlich und gemein,</span></td></tr> + <tr><td align="left">So, zum Beispiel, das Vergnügen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zuzusehn bei Prügelein.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Noch vor kurzem hab ich selber</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mir zwei Gockel angesehn,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hier ein schwarzer, da ein gelber,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die nicht gut zusammen stehn.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Plötzlich kam es zum Skandale,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Denn der schwarze macht die Kur,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Was dem gelben alle Male</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Peinlich durch die Seele fuhr.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Mit den Krallen, mit den Sporen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit dem Schnabel, scharf gewetzt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Mit den Flügeln um die Ohren</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hat es Hieb auf Hieb gesetzt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Manche Feder aus dem Leder</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Reißen und zerschleißen sie,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und zum Schlusse ruft ein jeder</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Triumphirend Kickriki!</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Voller Freude und mit wahrem</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Eifer sah ich diesen Zwist,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Während jedes Huhn im Harem</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Höchst gelassen weiter frisst.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Solch ein Weibervolk mit Flügeln</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Meint, wenn Gockel früh und spät</span></td></tr> + <tr><td align="left">Seinetwegen sich verprügeln,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Daß sich das vonselbst versteht.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>I</b></big>ch ging zur Bahn. Der Abendzug</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Kam erst um halber zehn.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wer zeitig geht, der handelt klug,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er kann gemüthlich gehn.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Der Frühling war so warm und mild,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ich ging wie neubelebt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Zumal ein werthes Frauenbild</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mir vor der Seele schwebt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Daß ich sie heut noch sehen soll,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Daß sie gewiß noch wach,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Davon ist mir das Herz so voll,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ich steh und denke nach.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Ein Häslein, das vorüber stiebt,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ermahnt ich: Lass dir Zeit,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ein guter Mensch, der glücklich liebt,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Thut keinem was zu leid.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Von ferne aus dem Wiesenteich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Erklang der Frösche Chor,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und überm Walde stieg zugleich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der goldne Mond empor.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Da bist du ja, ich grüße dich,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Du traulicher Kumpan.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bedächtig wandelst du wie ich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dahin auf deiner Bahn.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Dies lenkte meinen Denkersinn</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auf den Geschäftsverlauf;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ich überschlug mir den Gewinn.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Das hielt mich etwas auf.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Doch horch, da ist die Nachtigall,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sie flötet wunderschön.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ich flöte selbst mit sanftem Schall</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und bleib ein wenig stehn.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und flötend kam ich zur Station,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wie das bei mir Gebrauch.</span></td></tr> + <tr><td align="left">O weh, was ist das für ein Ton?</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Zug der flötet auch.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Dort saust er hin. Ich stand versteint.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dann sah ich nach der Uhr,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wie jeder, der zu spät erscheint.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So will es die Natur.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>F</b></big>ritz, der mal wieder schrecklich träge,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Vermuthet, heute giebt es Schläge,</td></tr> + <tr><td align="left">Und knöpft zur Abwehr der Attacke</td></tr> + <tr><td align="left">Ein Buch sich unter seine Jacke,</td></tr> + <tr><td align="left">Weil er sich in dem Glauben wiegt,</td></tr> + <tr><td align="left">Daß er was auf den Buckel kriegt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die Schläge trafen richtig ein.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Lehrer meint es gut. Allein</td></tr> + <tr><td align="left">Die Gabe wird für heut gespendet</td></tr> + <tr><td align="left">Mehr unten, wo die Jacke endet,</td></tr> + <tr><td align="left">Wo Fritz nur äußerst leicht bekleidet</td></tr> + <tr><td align="left">Und darum ganz besonders leidet.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ach, daß der Mensch so häufig irrt</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und nie recht weiß, was kommen wird!</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>E</b></big>in Mensch, der etwas auf sich hält,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bewegt sich gern in feiner Welt,</td></tr> + <tr><td align="left">Denn erst in weltgewandten Kreisen</td></tr> + <tr><td align="left">Lernt man die rechten Redeweisen,</td></tr> + <tr><td align="left">Verbindlich, aber zugespitzt,</td></tr> + <tr><td align="left">Und treffend, wo die Schwäre sitzt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Es ist so wie mit Rector Knaut,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der immer lächelt, wenn er haut.</td></tr> + <tr><td align="left">Auch ist bei Knaben weit berüchtigt</td></tr> + <tr><td align="left">Das Instrument, womit er züchtigt.</td></tr> + <tr><td align="left">Zu diesem Zweck bedient er nämlich,</td></tr> + <tr><td align="left">Als für den Sünder gut bekömmlich,</td></tr> + <tr><td align="left">Sich einer schlanken Haselgerte,</td></tr> + <tr><td align="left">Zwar biegsam, doch nicht ohne Härte,</td></tr> + <tr><td align="left">Die sich, von rascher Hand bewegt,</td></tr> + <tr><td align="left">Geschmeidig um die Hüfte legt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nur wer es fühlte, der begreift es:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Vorn schlägt er zu und hinten kneift es.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>S</b></big>ag Atome, sage Stäubchen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>S</b></big>ind sie auch unendlich klein,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Haben sie doch ihre Leibchen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und die Neigung da zu sein.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Haben sie auch keine Köpfchen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sind sie doch voll Eigensinn.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Trotzig spricht das Zwerggeschöpfchen:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ich will sein so wie ich bin.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Suche nur, sie zu bezwingen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Stark und findig, wie du bist.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Solch ein Ding hat seine Schwingen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Seine Kraft und seine List.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Kannst du auch aus ihnen schmieden</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Deine Rüstung als Despot</span>,</td></tr> + <tr><td align="left">Schließlich wirst du doch ermüden,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und dann heißt es: Er ist todt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>L</b></big>ange warst du im Gedrängel,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Aller Dinge tief versteckt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bis als einen kleinen Bengel</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Unser Auge dich entdeckt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Schreiend hast du Platz genommen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zum Genuß sofort bereit,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und wir hießen dich willkommen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Pflegten dich mit Zärtlichkeit.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Aber eh du recht empfunden,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Was daheim für Freuden blühn,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hast dein Bündel du gebunden,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Um in fremdes Land zu ziehn.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Leichte lustige Gesellen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Finden sich an jedem Ort.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Weiber schelten, Hunde bellen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Lachend zogst du weiter fort.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sahst die Welt an beiden Enden,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hast genippt und hast genascht.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Endlich fest mit Klammerhänden</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hat die Liebe dich erhascht.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und du zogst den Kinderwagen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und du trugst, was dir bestimmt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Seelenlast und Leibesplagen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bis der Rücken sich gekrümmt</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Nur Geduld. Es steht ein Flieder</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">An der Kirche grau und alt.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dort für deine müden Glieder</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ist ein kühler Aufenthalt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>W</b></big>ahrlich, sagte meine Tante,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die fast alle Geister kannte,</td></tr> + <tr><td align="left">Keine Täuschung ist die Trud.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Weißt du nicht, daß böse Seelen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nächtlich aus dem Leibe rücken,</td></tr> + <tr><td align="left">Um den Menschen zu bedrücken</td></tr> + <tr><td align="left">Und zu treten und zu quälen,</td></tr> + <tr><td align="left">Wenn er auf dem Rücken ruht?</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Lautlos durch verschlossne Thüren</span></td></tr> + <tr><td align="left">Immer näher siehst du's kommen,</td></tr> + <tr><td align="left">Zauberhaft und wunderlich.</td></tr> + <tr><td align="left">Und dir graust es vor dem Dinge,</td></tr> + <tr><td align="left">Und du kannst dich doch nicht rühren,</td></tr> + <tr><td align="left">Und du fühlst dich so beklommen,</td></tr> + <tr><td align="left">Möchtest rufen, wenn's nur ginge,</td></tr> + <tr><td align="left">Und auf einmal hat es dich.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Doch wer klug, weiß sich zu schützen:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Abends beim Zurruhegehn</td></tr> + <tr><td align="left">Brauchst du bloß darauf zu sehn,</td></tr> + <tr><td align="left">Daß die Schuhe mit den Spitzen</td></tr> + <tr><td align="left">Abgewandt vom Bette stehn.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Außerdem hab ich gehört:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Leichtes Herz und leichter Magen,</td></tr> + <tr><td align="left">Wie in andern Lebenslagen,</td></tr> + <tr><td align="left">Sind auch hier empfehlenswerth.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>U</b></big>m acht, als seine werthe Sippe</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Noch in den Federn schlummernd lag,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Begrüßt er von der Felsenklippe</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bereits den neuen Frühlingstag.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und wie die angenehme Sonne</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Liebreich zu ihm hernieder schaut,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Da ist in süßer Rieselwonne</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sein ganzes Wesen aufgethaut.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Es schmilzt die schwere Außenhülle.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihm wird so wohl, ihm wird so leicht.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er schwebt im Geist als freier Wille</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hinaus, so weit das Auge reicht.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Fort überthal, zu fernen Hügeln,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den Strom entlang, bis an das Meer,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Windeilig, wie auf Möwenflügeln,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zieht er in hoher Luft einher.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Hier traf er eine Wetterwolke.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die wählt er sich zum Herrschersitz.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Erhaben über allem Volke</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Thront er in Regen, Sturm und Blitz.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Oweh, der Zauber ist zuende.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Durchweicht vom Hut bis in die Schuh,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Buckel steif und lahm die Lende,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So schleicht er still der Heimat zu.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Zum Trost für seine kalten Glieder</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Empfängt ihn gleich ein warmer Gruß.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Na, hieß es, jetzt bekommst du wieder</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dein Reißen in den Hinterfuß.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>E</b></big>s war ein Mägdlein froh und keck,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Stets lacht ihr Rosenmund,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ihr schien die Liebe Lebenszweck</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und alles andre Schund.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie denkt an nichts, als an Pläsir,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Seitdem die Mutter todt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sie lacht und liebt, obgleich es ihr</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Vater oft verbot.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Einst hat sie frech und unbedacht</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den Schatz, der ihr gefällt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sich für die Zeit um Mitternacht</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zum Kirchhof hinbestellt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und als sie kam zum Stelldichein,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">O hört, was sich begab.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Da stand ein Geist im Mondenschein</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Auf ihrer Mutter Grab.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Er steht so starr, er steht so stumm,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er blickt so kummervoll.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Das Mägdlein dreht sich schaudernd um</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und rennt nach Haus wie toll.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Es wird, wer einen Geist gesehn,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nie mehr des Lebens froh,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er fühlt, es ist um ihn geschehn.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dem Mägdlein ging es so.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie welkt dahin, sie will und mag</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nicht mehr zu Spiel und Tanz.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Man flocht ihr um Johannistag</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bereits den Todtenkranz.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>D</b></big>as Pfäfflein saß beim Frühstückschmaus.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er schaut und zieht die Stirne kraus.</td></tr> + <tr><td align="left">Wer, fragt er, hat die Wurst gebracht?</td></tr> + <tr><td align="left">Die Köchin sprach: Es war die Liese,</td></tr> + <tr><td align="left">Die Alte von der Gänsewiese.</td></tr> + <tr><td align="left">Drum, rief er, sah ich in letzter Nacht,</td></tr> + <tr><td align="left">Wie durch die Luft in feurigem Bogen</td></tr> + <tr><td align="left">Der Böse in ihren Schlot geflogen.</td></tr> + <tr><td align="left">Verdammte Hex,</td></tr> + <tr><td align="left">Ich riech, ich schmeck's,</td></tr> + <tr><td align="left">Der Teufel hat die Wurst gemacht.</td></tr> + <tr><td align="left">Spitz, da geh her! — Der Hund, nicht faul,</td></tr> + <tr><td align="left">Verzehrt die Wurst und leckt das Maul.</td></tr> + <tr><td align="left">Er nimmt das Gute, ohne zu fragen,</td></tr> + <tr><td align="left">Ob's Beelzebub unter dem Schwanz getragen.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>E</b></big>s fand der geizige Bauer Kniep</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Im Grabe keine Ruhe.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die Sehnsucht nach dem Gelde trieb</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihn wieder zu seiner Truhe.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Die Erben wollten diesen Gast</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Im Haus durchaus nicht haben,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Weil ihnen der Verkehr verhasst</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit Einem, der schon begraben.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie dachten, vor Drudenfuß und Kreuz</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ergebenst verschwinden sollt er.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er aber vollführte seinerseits</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nur um so mehr Gepolter.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Zum Glück kam gerade zugereist</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Meister, der vieles erkundet.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der hat gar schlau den bösen Geist</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">In einem Fass verspundet.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Man fuhr es bequem, als wär es leer,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Bis an ein fließend Gewässer.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Da plötzlich machte sich Kniep so schwer,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wie zehn gefüllte Fässer.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Gottlieb, der Kutscher, wundert sich.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nach rückwärts blickt er schnelle.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wumm, knallt der Spund. Der Geist entwich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und spukt an der alten Stelle.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Wie sonst, besucht er jede Nacht</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die eisenbeschlagene Kiste</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und rumpelt, hustet, niest und lacht,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Als ob er von nichts was wüsste.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Kein Mittel erwies sich als probat.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Geist ward nur erboster.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Man trug, es blieb kein andrer Rath,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den Kasten zum nächsten Kloster.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Der Pförtner sprach: Willkommen im Stift</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und herzlich guten Morgen!</span></td></tr> + <tr><td align="left">Was Geld und böse Geister betrifft,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Das wollen wir schon besorgen.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>I</b></big>ch bin ein armer Schreiber nur,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hab weder Haus noch Acker,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Doch freut mich jede Kreatur,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sogar der Spatz, der Racker.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Er baut von Federn, Haar und Stroh</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sein Nest geschwind und flüchtig,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er denkt, die Sache geht schon so,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die Schönheit ist nicht wichtig.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Wenn man den Hühnern Futter streut,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Gleich mengt er sich dazwischen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Um schlau und voller Rührigkeit</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sein Körnlein zu erwischen.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Maikäfer liebt er ungemein,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er weiß sie zu behandeln;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er hackt die Flügel, zwackt das Bein</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und knackt sie auf wie Mandeln.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Im Kirschenbaum frisst er verschmitzt</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Das Fleisch der Beeren gerne;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Dann hat, wer diesen Baum besitzt,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Nachher die schönsten Kerne.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Es fallt ein Schuß. Der Spatz entfleucht</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und ordnet sein Gefieder.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Für heute bleibt er weg vielleicht,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Doch morgen kommt er wieder.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und ist es Winterzeit und hat's</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Geschneit auf alle Dächer,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Verhungern thut kein rechter Spatz,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er kennt im Dach die Löcher.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Ich rief: Spatz komm, ich füttre dich!</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er fasst mich scharf in's Auge.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er scheint zu glauben, daß auch ich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Im Grunde nicht viel tauge.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>F</b></big>rau Grete hatt ein braves Huhn,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Das wusste seine Pflicht zu thun.</td></tr> + <tr><td align="left">Es kratzte hinten, pickte vorn,</td></tr> + <tr><td align="left">Fand hier ein Würmchen, da ein Korn,</td></tr> + <tr><td align="left">Erhaschte Käfer, schnappte Fliegen</td></tr> + <tr><td align="left">Und eilte dann mit viel Vergnügen</td></tr> + <tr><td align="left">Zum stillen Nest, um hier geduldig</td></tr> + <tr><td align="left">Das zu entrichten, was es schuldig.</td></tr> + <tr><td align="left">Fast täglich tönte sein Geschrei:</td></tr> + <tr><td align="left">Victoria, ein Ei, ein Ei!</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Frau Grete denkt: Oh, welch ein Segen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Doch könnt es wohl noch besser legen.</td></tr> + <tr><td align="left">Drum reicht sie ihm, es zu verlocken,</td></tr> + <tr><td align="left">Oft extra noch die schönsten Brocken.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dem Hühnchen war das angenehm.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Es putzt sich, macht es sich bequem,</td></tr> + <tr><td align="left">Wird wohlbeleibt, ist nicht mehr rührig</td></tr> + <tr><td align="left">Und sein Geschäft erscheint ihm schwierig.</td></tr> + <tr><td align="left">Kaum daß ihm noch mit Drang und Zwang</td></tr> + <tr><td align="left">Mal hie und da ein Ei gelang.</td></tr> + <tr><td align="left">Dies hat Frau Greten schwer bedrückt,</td></tr> + <tr><td align="left">Besonders, wenn sie weiter blickt;</td></tr> + <tr><td align="left">Denn wo kein Ei, da ist's vorbei</td></tr> + <tr><td align="left">Mit Rührei und mit Kandisei.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein fettes Huhn legt wenig Eier.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ganz ähnlich geht's dem Dichter Meier,</td></tr> + <tr><td align="left">Der auch nicht viel mehr dichten kann,</td></tr> + <tr><td align="left">Seit er das große Loos gewann.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>W</b></big>er einsam ist, der hat es gut,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Weil Keiner da, der ihm was thut.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihn stört in seinem Lustrevier</span></td></tr> + <tr><td align="left">Kein Thier, kein Mensch und kein Klavier,</td></tr> + <tr><td align="left">Und Niemand giebt ihm weise Lehren,</td></tr> + <tr><td align="left">Die gut gemeint und bös zu hören.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Welt entronnen, geht er still</span></td></tr> + <tr><td align="left">In Filzpantoffeln, wann er will.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sogar im Schlafrock wandelt er</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bequem den ganzen Tag umher.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er kennt kein weibliches Verbot,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Geschützt vor fremden Späherblicken,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Kann er sich selbst die Hose flicken.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Liebt er Musik, so darf er flöten,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Um angenehm die Zeit zu tödten,</td></tr> + <tr><td align="left">Und laut und kräftig darf er prusten,</td></tr> + <tr><td align="left">Und ohne Rücksicht darf er husten,</td></tr> + <tr><td align="left">Und allgemach vergisst man seiner.</td></tr> + <tr><td align="left">Nur allerhöchstens fragt mal Einer:</td></tr> + <tr><td align="left">Was, lebt er noch? Ei schwerenoth,</td></tr> + <tr><td align="left">Ich dachte längst, er wäre todt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Läßt sich das Glück nicht schöner malen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Worauf denn auch der Satz beruht:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wer einsam ist, der hat es gut.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>M</b></big>an sagt, ein Schnäpschen, insofern</span></td></tr> + <tr><td align="left">Es kräftig ist, hat jeder gern.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ganz anders denkt das Volk der Bienen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der Süffel ist verhasst bei ihnen,</td></tr> + <tr><td align="left">Sein Wohlgeruch thut ihnen weh.</td></tr> + <tr><td align="left">Sie trinken nichts wie Blüthenthee,</td></tr> + <tr><td align="left">Und wenn wer kommt, der Schnäpse trank,</td></tr> + <tr><td align="left">Gleich ziehen sie den Stachel blank.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Letzthin hat einem Bienenstöckel</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der brave alte Schneider Böckel,</td></tr> + <tr><td align="left">Der nicht mehr nüchtern in der That,</td></tr> + <tr><td align="left">Aus Neubegierde sich genaht.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sofort von einem regen Leben</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sieht Meister Böckel sich umgeben.</td></tr> + <tr><td align="left">Es dringen giftgetränkte Pfeile</td></tr> + <tr><td align="left">In seine nackten Körpertheile,</td></tr> + <tr><td align="left">Ja manche selbst durch die nur lose</td></tr> + <tr><td align="left">Und leichtgewirkte Sommerhose,</td></tr> + <tr><td align="left">Besonders, weil sie stramm gespannt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zum Glück ist Böckel kriegsgewandt.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er zieht sich kämpfend wie ein Held</td></tr> + <tr><td align="left">Zurück in's hohe Erbsenfeld.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hier hat er Zeit, an vielen Stellen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Des Leibes merklich anzuschwellen,</td></tr> + <tr><td align="left">Und als er wiederum erscheint,</td></tr> + <tr><td align="left">Erkennt ihn kaum sein bester Freund.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Natürlich, denn bei solchem Streit</span></td></tr> + <tr><td align="left">Verliert man seine Ähnlichkeit.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>E</b></big>s grünte allenthalben.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Frühling wurde wach.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Bald flogen auch die Schwalben</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hell zwitschernd um das Dach.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Sie sangen unermüdlich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und bauten außerdem</span></td></tr> + <tr><td align="left">Am Giebel rund und niedlich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ihr Nest aus feuchtem Lehm.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Und als sie eine Woche</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sich redlich abgequält,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Hat nur am Eingangsloche</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Stückchen noch gefehlt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Da nahm der Spatz, der Schlingel,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die Wohnung in Besitz.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Jetzt hängt ein Strohgeklüngel</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hervor aus ihrem Schlitz.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Nicht schön ist dies Gebahren</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und wenig ehrenwerth</span></td></tr> + <tr><td align="left">Von Einem, der seit Jahren</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit Menschen viel verkehrt.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>T</b></big>ugend will, man soll sie holen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ungern ist sie gegenwärtig;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Laster ist auch unbefohlen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dienstbereit und fix und fertig.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Gute Thiere, spricht der Weise,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mußt du züchten, mußt du kaufen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Doch die Ratten und die Mäuse</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Kommen ganz von selbst gelaufen.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>F</b></big>rau Urschel theilte Freud und Leid</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit ihrer lieben Kuh,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sie lebten in Herzeinigkeit</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ganz wie auf Du und Du.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Wie war der Winter doch so lang,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wie knapp ward da das Heu,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Frau Urschel rief und seufzte bang:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">O komm, du schöner Mai!</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Komm schnell und lindre unsre Noth,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der du die Krippe füllst;</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wenn ich und meine Kuh erst todt,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Dann komme, wann du willst.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>D</b></big>aß der Kopf die Welt beherrsche,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wär zu wünschen und zu loben,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Längst vor Gründen wär die närrsche</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Gaukelei in Nichts zerstoben.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Aber wurzelhaft natürlich</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Herrscht der Magen nebst Genossen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und so treibt, was unwillkürlich,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Täglich tausend neue Sprossen.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>D</b></big>ie laute Welt und ihr Ergötzen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Als eine störende Erscheinung,</td></tr> + <tr><td align="left">Vermag der Weise nicht zu schätzen.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Maulwurf war der gleichen Meinung.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Er fand an Lärm kein Wohlgefallen,</td></tr> + <tr><td align="left">Zog sich zurück in kühle Hallen</td></tr> + <tr><td align="left">Und ging daselbst in seinem Fach</td></tr> + <tr><td align="left">Stillfleißig den Geschäften nach.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zwar sehen konnt er da kein Bissel,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Indessen sein getreuer Rüssel,</td></tr> + <tr><td align="left">Ein Nervensitz voll Zartgefühl,</td></tr> + <tr><td align="left">Führt sicher zum erwünschten Ziel.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Als Nahrung hat er sich erlesen</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die Leckerbissen der Chinesen,</td></tr> + <tr><td align="left">Den Regenwurm und Engerling,</td></tr> + <tr><td align="left">Wovon er vielfach fette fing.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Die Folge war, was ja kein Wunder,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Sein Bäuchlein wurde täglich runder,</td></tr> + <tr><td align="left">Und wie das häufig so der Brauch,</td></tr> + <tr><td align="left">Der Stolz wuchs mit dem Bauche auch.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wohl ist er stattlich von Person</span></td></tr> + <tr><td align="left">Und kleidet sich wie ein Baron,</td></tr> + <tr><td align="left">Nur schad, ihn und sein Sammetkleid</td></tr> + <tr><td align="left">Sah Niemand in der Dunkelheit.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So trieb ihn denn der Höhensinn,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Von unten her nach oben hin,</td></tr> + <tr><td align="left">Zehn Zoll hoch, oder gar noch mehr,</td></tr> + <tr><td align="left">Zu seines Namens Ruhm und Ehr</td></tr> + <tr><td align="left">Gewölbte Tempel zu entwerfen,</td></tr> + <tr><td align="left">Um denen draußen einzuschärfen,</td></tr> + <tr><td align="left">Daß innerhalb noch einer wohne,</td></tr> + <tr><td align="left">Der etwas kann, was nicht so ohne.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mit Baulichkeiten ist es misslich.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ob man sie schatzt, ist ungewisslich.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Mensch von andrem Kunstgeschmacke,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ein Gärtner, kam mit einer Hacke.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Durch kurzen Hieb nach langer Lauer</span></td></tr> + <tr><td align="left">Zieht er an's Licht den Tempelbauer</td></tr> + <tr><td align="left">Und haut so derb ihn übers Ohr,</td></tr> + <tr><td align="left">Daß er den Lebensgeist verlor.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Da liegt er nun der stolze Mann.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wer thut die letzte Ehr ihm an?</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Drei Käfer, schwarz und gelb gefleckt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die haben ihn mit Sand bedeckt.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><span class="ind1"><big><b>I</b></big>ch schlief. Da hatt ich einen Traum.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Mein Ich verließ den Seelenraum.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Frei vom gemeinen Tagesleben,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Vermocht ich leicht dahin zu schweben.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So, angenehm mich fortbewegend,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Erreicht ich eine schöne Gegend.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Wohin ich schwebte, wuchs empor</span></td></tr> + <tr><td align="left">Alsbald ein bunter Blumenflor,</td></tr> + <tr><td align="left">Und lustig schwärmten um die Dolden</td></tr> + <tr><td align="left">Viel tausend Falter, roth und golden.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ganz nah auf einem Lilienstengel,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Einsam und sinnend, saß ein Engel,</td></tr> + <tr><td align="left">Und weil das Land mir unbekannt,</td></tr> + <tr><td align="left">Fragt ich: Wie nennt sich dieses Land?</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Hier, sprach er, ändern sich die Dinge.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Du bist im Reich der Schmetterlinge.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ich aber, wohlgemuth und heiter,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Zog achtlos meines Weges weiter.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Da kam, wie ich so weiter glitt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Ein Frauenbild und schwebte mit,</td></tr> + <tr><td align="left">Als ein willkommenes Geleite,</td></tr> + <tr><td align="left">Anmuthig lächelnd mir zur Seite,</td></tr> + <tr><td align="left">Und um sie nie mehr loszulassen,</td></tr> + <tr><td align="left">Dacht ich die Holde zu umfassen;</td></tr> + <tr><td align="left">Doch eh ich Zeit dazu gefunden,</td></tr> + <tr><td align="left">Schlüpft sie hinweg und ist verschwunden.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Mir war so schwül. Ich mußte trinken.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Nicht fern sah ich ein Bächlein blinken.</td></tr> + <tr><td align="left">Ich bückte mich hinab zum Wasser.</td></tr> + <tr><td align="left">Gleich faßt ein Arm, ein kalter blasser,</td></tr> + <tr><td align="left">Vom Grund herauf mich beim Genick.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zwar zog ich eilig mich zurück,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Allein der Hals war steif und krumm,</td></tr> + <tr><td align="left">Nur mühsam dreht ich ihn herum,</td></tr> + <tr><td align="left">Und ach, wie war es rings umher</td></tr> + <tr><td align="left">Auf einmal traurig, öd und leer.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Von Schmetterlingen nichts zu sehn,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Die Blumen, eben noch so schön,</td></tr> + <tr><td align="left">Sämtlich verdorrt, zerknickt, verkrumpelt.</td></tr> + <tr><td align="left">So bin ich seufzend fortgehumpelt,</td></tr> + <tr><td align="left">Denn mit dem Fliegen, leicht und frei,</td></tr> + <tr><td align="left">War es nun leider auch vorbei.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Urplötzlich springt aus einem Graben,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Begleitet vom Geschrei der Raben,</td></tr> + <tr><td align="left">Mir eine Hexe auf den Nacken</td></tr> + <tr><td align="left">Und spornt mich an mit ihren Hacken,</td></tr> + <tr><td align="left">Und macht sich schwer, wie Bleigewichte,</td></tr> + <tr><td align="left">Und drückt und zwickt mich fast zunichte,</td></tr> + <tr><td align="left">Bis daß ich matt und lendenlahm</td></tr> + <tr><td align="left">Zu einem finstern Walde kam.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Ein Jägersmann, dürr von Gestalt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Trat vor und rief ein dumpfes Halt.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Schon liegt ein Pfeil auf seinem Bogen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Schon ist die Sehne straff gezogen.</td></tr> + <tr><td align="left">Jetzt trifft er dich in's Herz, so dacht ich,</td></tr> + <tr><td align="left">Und von dem Todesschreck erwacht ich</td></tr> + <tr><td align="left">Und sprang vom Lager ungesäumt,</td></tr> + <tr><td align="left">Sonst hätt ich wohl noch mehr geträumt.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>D</b></big>er Winter ging, der Sommer kam.</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Er bringt auf's neue wieder</span></td></tr> + <tr><td align="left">Den vielbeliebten Wunderkram</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Der Blumen und der Lieder.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Wie das so wechselt Jahr um Jahr,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Betracht ich fast mit Sorgen.</span></td></tr> + <tr><td align="left">Was lebte, starb, was ist, es war,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und heute wird zu morgen.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Stets muß die Bildnerin Natur</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Den alten Thon benützen,</span></td></tr> + <tr><td align="left">In Haus und Garten, Wald und Flur,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zu ihren neuen Skizzen.</span></td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="min" /> +<p> </p> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="poem"> + <tr><td align="left"><big><b>I</b></big>ch schnürte meinen Ranzen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Und kam zu einer Stadt</span>,</td></tr> + <tr><td align="left">Allwo es mir im ganzen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Recht gut gefallen hat.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Nur eines macht beklommen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">So freundlich sonst der Ort:</span></td></tr> + <tr><td align="left">Wer heute angekommen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Geht morgen wieder fort.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Bekränzt mit Trauerweiden,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Vorüber zieht der Fluß,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Den jeder beim Verscheiden</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Zuletzt passiren muß.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Wohl dem, der ohne Grauen,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">In Liebe treu bewährt,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Zu jenen dunklen Auen</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Getrost hinüber fährt.</span></td></tr> +<tr><td> </td></tr> + <tr><td align="left">Zwei Blinde, müd vom Wandern,</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Sah ich am Ufer stehn,</span></td></tr> + <tr><td align="left">Der eine sprach zum andern:</td></tr> + <tr><td align="left"><span class="ind1">Leb wohl, auf Wiedersehn.</span></td></tr> +</table></div> +<p> </p> +<hr class="minimal" /> +<p> </p> + +<h3>München.<br /><br /> +Druck von Knorr & Hirth, G.m.b.H.</h3> +<p> </p> + +<div class="center"> +<table class="sm" style="margin: 0 auto" cellpadding="3" cellspacing="2" summary="ad"> +<tr><td align="center" colspan="2">Verlag von <span class="wide"> Fr. Bassermann</span> in München.<br /> +Humoristische Schriften von Wilhelm Busch:</td></tr> +<tr><td align="left" valign="top"><big>Kritik des Herzens.</big></td><td align="left" valign="top">6 Bogen kl. 8º cart. 9. Aufl. 2 Mk.</td></tr> +<tr><td align="left" valign="top"><big>Der Schmetterling.</big></td><td align="left" valign="top">6 Bogen kl. 8º mit 20 Zeichnungen,<br /> + 3. Aufl., cart. 2 Mk.</td></tr> +<tr><td align="left" valign="top"><big>Eduard's Traum.</big></td><td align="left" valign="top">4 Aufl. 5½ Bog. 8º cart. 2 Mk.</td></tr> +<tr><td align="left" valign="top"><big>Die fromme Helene.</big></td><td align="left" valign="top">7 Bogen mit 180 Holzschnitten.<br /> + (151-155<small><sup>stes</sup></small> +Tausend.) 1 Mark 50 Pfg.</td></tr> +<tr><td align="left" valign="top"><big>Plisch und Plum.</big></td><td align="left" valign="top">4 Bogen mit 100 Bildern.<br /> + (37-40<small><sup>stes</sup></small> Tausend.) 1 +Mark.</td></tr> +<tr><td align="left" valign="top"><big>Pater Filucius.</big></td> <td align="left" valign="top">Allegorisches Zeitbild mit Portrait<br /> +und Selbstbiographie +Wilhelm Busch's.<br /> + 2½ Bogen mit 74 Holzschnitten.<br /> + (54-58<small><sup>stes</sup></small> +Tausend.) 1 Mk.</td></tr> +<tr><td align="left" valign="top"><big>Bilder zur Jobsiade.</big></td> <td align="left" valign="top">4½ Bogen mit 104 Holzschnitten<br /> + (37-39<small><sup>stes</sup></small> +Tausend.) 1 Mark.</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Die Haarbeutel.</big></td> <td align="left" valign="top">4 Bogen mit 112 Bildern.<br /> +(35<small><sup>stes</sup></small> bis 37<small><sup>stes</sup></small> +Tausend.) 1 Mark.</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Balduin Bählamm,</big></td> <td align="left" valign="top">der verhinderte Dichter.<br /> +4½ Bogen mit 108 Bildern.<br /> +(32-34<small><sup>stes</sup></small> Tausend.) 1 Mark.</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Der Geburtstag</big> oder<br /> +<big>Die Partikularisten.</big></td><td align="left" valign="top">Schwank in 100 Bildern. 4 Bogen.<br /> + (44-46<small><sup>stes</sup></small> Tausend.) 1 Mark.</td></tr> + +<tr><td align="left"><big>Fipps, der Affe.</big></td> <td align="left" valign="top">5½ Bogen mit 150 Bildern.<br /> + (32-35<small><sup>stes</sup></small> Tausend.) 1 +Mk. 50 Pfg.</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Dideldum!</big></td> <td align="left" valign="top">4 Bogen mit 100 Holzschnitten.<br /> + (37-39<small><sup>stes</sup></small> Tausend.) 1 Mark.</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Maler Klecksel.</big></td> <td align="left" valign="top">4 Bogen mit 100 Holzschnitten<br /> +(35-37<small><sup>stes</sup></small> Tausend.) 1 Mark.</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Abenteuer eines Junggesellen.</big></td> <td align="left" valign="top">5½ Bogen mit 156 Holzschnitten.<br /> +(65<small><sup>stes</sup></small> bis 69<small><sup>stes</sup></small> Tausend.)<br /> + 1 Mk. 50 Pfg.</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Herr und Frau Knopp.</big></td> <td align="left" valign="top">4½ Bogen mit 100 Bildern.<br /> +(64-68<small><sup>stes</sup></small> +Tausend.) 1 Mark.</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Julchen.</big></td> <td align="left" valign="top">4 Bogen mit 104 Bildern.<br /> +(64-68<small><sup>stes</sup></small> Tausend.) 1 Mark.</td></tr> +<tr><td align="center" colspan="2">Die drei letzten Werkchen enthalten zusammen:<br /> +Knopp's Erlebnisse als +Junggeselle, Ehemann und Vater.<br /><br /> +<hr class="min" /></td></tr> +</table> +</div> +<div class="center"> +<table class="sm" style="margin: 0 auto" cellpadding="3" cellspacing="2" summary="ad"> +<tr><td align="center" colspan="2">Kinderbücher von Wilhelm Busch: +</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Bilderpossen.</big></td> <td align="left" valign="top">Vier heitere Geschichten in Versen<br /> +mit 72 Bildern. 3 Aufl. +4½ Bogen Quart.<br /> Gebunden. +Schwarz 2 Mark. Colorirt 3 Mark.</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Sechs Geschichten für<br /> Neffen und +Nichten.</big></td> <td align="left" valign="top"> Märchen und Fabeln in Versen +mit 73<br /> Bildern in Farbendruck. 14-15<small><sup>stes</sup></small> Tausend.<br /> +12 Bogen. Quart. +Gebunden 3 Mark 50 Pf.</td></tr> +<tr><td align="left"><big>Der Fuchs. Die Drachen.</big></td> <td align="left" valign="top">Zwei lustige Sachen. 5. Aufl. + 4½ Bogen 8º<br /> mit +38 Bildern. + Cartonnirt. Schwarz 2 Mark.<br /> Colorirt 2 Mark 50 Pf.</td></tr> +</table> +</div> +<p> </p> +<hr class="minimal" /> +<p> </p> +<div class="center"><p class="noindent">Für alle, welche <b>Sinn für echten Humor</b> haben, ist das</p></div> + +<h2>Wilhelm Busch-Album</h2> + +<h4><i>Humoristischer Hausschatz</i></h4> +<div class="center"> +<p class="noindent">enthaltend 13 der besten Schriften des Humoristen mit 1500 Bildern u. +das Porträt W. Busch's nach<br /><br /> + + Franz von Lenbach,<br /><br /> + + ein ergötzlicher Besitz +und das passendste Geschenk bei jeglicher Gelegenheit.<br /><br /> +</p></div> +<div class="center"> +<table style="margin: 0 auto" cellpadding="4" summary="Illustration"> + <tr> + <td align="center"> + <a href="images/adimg.png"> + <img src="images/adimg.png" height="200" + alt="man" /></a> + </td> + </tr> + </table> +</div> +<div class="center"> +<p class="noindent">13. Auflage. 81<sup><small>stes</small></sup> bis 85<sup><small>stes</small></sup> Tausend.</p> +</div> + +<h4>Preis: in roth oder grün Leinwand gebunden Mk. 20.—.</h4> +<hr class="min" /> +<p>Dieses elegant und vornehm ausgestattete Werk enthält sämmtliche in +unserm Verlag erschienene illustrirte humoristische Dichtungen</p> +<div class="center"><p class="noindent"><b>Wilhelm Busch's</b><br /> + für Erwachsene.</p></div> + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Zu Guter Letzt, by Wilhelm Busch + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZU GUTER LETZT *** + +***** This file should be named 32989-h.htm or 32989-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/2/9/8/32989/ + +Produced by The Online Distributed Proofreading Canada +Team at http://www.pgdpcanada.net (This file was produced +from images generously made available by The Internet +Archive/Canadian Libraries) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the +trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone +providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance +with this agreement, and any volunteers associated with the production, +promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, +harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, +that arise directly or indirectly from any of the following which you do +or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm +work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any +Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause. + + +Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm + +Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of +electronic works in formats readable by the widest variety of computers +including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + + +</pre> + +</body> +</html> diff --git a/32989-h/images/adimg.png b/32989-h/images/adimg.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..dcba754 --- /dev/null +++ b/32989-h/images/adimg.png diff --git a/32989-h/images/frontis-a.jpg b/32989-h/images/frontis-a.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..1f7eb7f --- /dev/null +++ b/32989-h/images/frontis-a.jpg diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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