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Langkau and the +Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + + + + + + + [ Anmerkungen zur Transkription: + + Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes + wurden übernommen, lediglich offensichtliche + Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste der + vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des + Textes. + + Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Im Original + gesperrt gedruckter Text wurde _so_ markiert. Im + Original in Antiqua gedruckter Text wurde =so= markiert, + jedoch wurde aus Gründen der Lesbarkeit auf das Markieren + einzelner Buchstaben und Abkürzungen verzichtet. Im + Original fett gedruckter Text wurde #so# markiert. + + Die Tabelle auf S. 39 wurde an die inhaltlich passende + Stelle verschoben. Der Eintrag »Kinokritik« im Sachregister + hat auch im Original keine dazugehörende Seitenzahl. + ] + + + + + Kino und Erdkunde + + Von Hermann Häfker + + + + + Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 7 + Herausgegeben von der Lichtbilderei GmbH. + M.Gladbach 1914, Volksvereins-Verlag GmbH. + + + + + Inhalt + + + Einleitung: Was will dieses Buch? 3 + + I. Erdkunde und Kino 7 + + II. Wissenschaftliche Erdkunde 28 + + III. Schulerdkunde und Kino 42 + + IV. Kinoerdkunde im Theater und in der Öffentlichkeit 47 + + V. Zusammenschluß und Einrichtungen 54 + + Anhang: Ein Blick auf den gegenwärtigen Markt erdkundlicher + Filme und Lichtbilder 64 + + + =Copyright 1914 by Volksvereins-Verlag GmbH., M.Gladbach= + + + + +Einleitung + +_Was will dieses Buch?_ + + +Vom Augenblick an, da die ersten Bewegungsbilder durch »Varietees« in +die Öffentlichkeit drangen, hat man daran begeisterte Hoffnungen für +die Verbreitung der Kenntnis der Erde und der Freude an ihr geknüpft; +von da an haben alle wohlwollenden Förderer immer wieder auf große +Naturaufnahmen als Höchstleistungen dieser Technik hingewiesen; und +die ganze Bewegung zur Hebung und Wiederberichtigung des Kinos, +besonders auch die, die es für Schule und Volksbildung nutzbar machen +wollen, kommen immer wieder auf »Kino und Erdkunde« als Kern- und +praktischen Ausgangspunkt zurück. Nichts entzückt jedermann so und +erscheint jedem als die ureigenste Aufgabe der Bewegungsbilderkunst +als die Wiedergabe von Landschaften und allem, was sich darin bewegt. +Nichts leistet die Kinematographie so verhältnismäßig vollkommen. Sie +bedarf dazu keiner künstlichen und ihr fremden Hilfsmittel, keiner +Bühne, Maschinen, Kulissen, keines künstlichen Lichtes. Niemand +braucht sich in Pose vor sie hinzustellen und durch unwahre Gefühle +ein unreines Interesse wachzurufen. Hier zeigt sie auch die Dinge in +ihrer ungefähr natürlichen Größe und Bewegung, so wie wir sie zu sehen +gewohnt sind; die Phantasie bedarf insofern keiner künstlichen +Nachhilfe. Es braucht auch keines Mikroskops und keiner sonstigen +Vorrichtungen; der Aufnahmegegenstand hält still und gibt sich +jederzeit in seiner ganzen erhabenen Wahrheit. »Unverfälschte +Wirklichkeitswiedergabe« -- die wir als _eigentlichen_ Beruf der +Kinematographie erkannten -- im höchsten Sinne, nämlich der +Wirklichkeit, die auch den unbewaffneten Menschensinnen so erscheint, +ihre _Heimat_ ist, leistet unsere Technik eigentlich nur hier. Und +endlich ist auch die große Natur das eigentliche Gebiet, auf dem sich +die »_Schönheit der Bewegung an sich_«, das Drama des freien und doch +von geheimen Gesetzen beherrschten Weltrhythmus am reinsten abspielt. +Auf der andern Seite ist gerade hier die Kinematographie zu Leistungen +befähigt, in denen keine _andere_ Kunst oder Technik mit ihr +wetteifern kann. So vieles Malerei und Dichtkunst, beschreibende +und wissenschaftliche Darstellung auch auf dem Gebiete der +Naturschilderungen vor dem Kino voraushaben und -behalten, in _einem_ +müssen sie ihm doch den Rang lassen: in der _Genauigkeit_ und dem +_Reichtum_ der Einzelheiten, die _überhaupt_ das photographische Auge +erfaßt. _Hier_ ist der Menschheit -- trotz der unbelebten Photographie +-- in der Tat ein neuer künstlicher Sinn geschenkt, ein neues Werkzeug +zur Überwindung der Schranken von Raum und Zeit. Das kann man -- wenn +man den Begriff der »Erdkunde« so weit wie möglich faßt, und also +alles auf dem Hintergrunde der Großnatur vor sich Gehende darunter +versteht -- von den andern Gebieten des Kinos nicht in gleichem Maße +behaupten. + +So strömen also auch hier gerade alle Erwartungen und Kräfte am +reichsten zusammen, die sich von andern Betätigungsgebieten der +Kinematographie unbefriedigt und abgestoßen fühlen, und die +mit ganzer Inbrunst nach einer Erhebung des Kinos zu einem +Menschheitsbildungsmittel hinstreben und dabei mittun wollen. Die +_Wissenschaft_ sucht sich des neuen Hilfsmittels für Forschung und +Fachunterricht zu bedienen, der _Weltreisende_ wünscht den Kino im +Gefolge zu haben. Die _Schulen_ fassen kinematographischen +Erdkundeunterricht ins Auge. Naturwissenschaftliche und +Volksbildungs_vereine_ hätten längst gern ihre erd- und +völkerkundlichen Darbietungen durch Bewegungsbilder bereichert, wenn +sie nur wüßten, _wie_. Weitblickende sähen gern solche Bilder zum +Nutzen von _Völkerverständigung_ und _Güteraustausch_, Kenntnis der +_Heimat_ und der _Kolonien_ verbreitet. _Künstler und Kunstfreunde_ +sind in keinem Punkte dem Kino geneigter als in dem der Darbietung von +Großnaturbildern. Die _Kinotheater_, die halb der Not gehorchend, halb +dem eignen Triebe, sich mit Bestrebungen und Besucherkreisen +freundlich stellen möchten, denen doch vielleicht die Zukunft gehört +(und außerdem zum Teil doch vielleicht auch der auf die Dauer +zahlungsfähigere und -willigere Geldbeutel), haben den Ehrgeiz, vor +allem erdkundliche Filme einzufügen; und dementsprechend regt sich +auch in den großen _Filmfirmen_ ein lebhafterer Schaffenstrieb in +dieser Richtung. Aber mit dem bloßen Wollen und selbst mit noch so +viel »Kapital« allein ist's nicht geschehen. Hier muß man sorgfältig +und gewissenhaft arbeiten und vor allem mancherlei _wissen_, um mit +Herstellung und Vorführung der Filme den Kenner zu befriedigen, aber +auch den Laien ebenso und mehr zu begeistern, als mit -- Schunddramen. +Allen diesen, die in einer der genannten Weisen interessiert sind, +etwas über erdkundliche Bewegungsbilder, die Kunst ihrer Herstellung +und Vorführung, ihre Bezugsquellen und Bedingungen, die Möglichkeiten +und die Grenzen ihrer sachwürdigen Verwendung zu erfahren, will meine +Schrift dienen. + +Sie will aber überdies und in nicht minderm Grade zweien dienen: der +_Kundschaft_ und der _Kritik_ der Kinotheater. Der Kundschaft, d. h. +jedermann in dem Sinne, daß er künftig kinematographische +Landschaftsvorführungen mit tiefer dringendem Verständnis und daher +wesentlich erhöhtem Genuß betrachte, wo immer er ihnen begegnet. Der +Kritik, d. h. wieder jedermann, insofern wir alle, die wir eine +Kinovorführung besuchen, auch ihre Kritiker, und zwar einflußreiche +sind. Denn es unterliegt doch keinem Zweifel, daß alle Kinogesundung +doch endlich nur von einem kritischen, d. h. verständnis-, aber auch +anspruchsvoll _urteilenden Publikum_ getragen werden kann, das gute +Vorführungen lobt, schlechte ablehnt. Loben und Ablehnen hat aber nur +dann Wert, wenn es nicht -- wie es jetzt selbst von öffentlichen +Vorkämpfern einer »Kinohebung« manchmal geschehen soll -- nur aus »der +Tiefe des Gemüts«, sondern aus vollem Eindringen in das Wesen der +technischen Bedingungen geschieht, unter denen der Kino arbeitet. Wir +verschmähen es doch auch nicht, uns liebevoll in die Technik der +Malerei und der Dichtkunst, der Radiernadel und des Modellierholzes +und in die ganzen äußern Lebensbedingungen der Künste zu vertiefen, +und wer das je getan hat, weiß, daß er erst an diesem Tage den Keim +zum eignen _Urteil_ und zu tieferm Genuß gelegt hat. Nicht anders ist +es mit der Kinematographie. Wer den Kino mit Genuß und Nutzen besuchen +will, muß sich in gewissem Grade zum »Kenner« ausbilden. Er wird davon +auch mannigfachen Nutzen für seine Bildung haben. Vor allem aber wird +er dadurch, und erst dadurch, ein wirkliches Gewicht auf der Wage +derer, die den Kino zu einem ernsthaften Kulturwerkzeug veredeln +wollen. Nicht Schriftsteller und Geistliche, Polizei und Lehrer können +den Kino heben, sondern nur ein anspruchsvolles Publikum. + +Bei »Kritik« denke ich allerdings noch in ganz besonderm Grade an die +_Presse_. »An die Zeitungen«, sagte mir einmal ein einflußreicher +Verleger, »werden viel zu große Forderungen gestellt. Es ist nicht +unsere Aufgabe, uns mit der Hebung der Kinos zu befassen.« Ich will +nicht darüber grübeln, was _überhaupt_ die »Aufgabe« der Zeitungen +ist. Ich denke einfach, ihre Aufgabe ist jede, die sie sich selber +setzen, und zu deren Bewältigung sie imstande sind. Und dazu sollte +die Mitwirkung an der Hebung der Kinos nicht gehören? Sind nicht heute +längst _alle_ Zeitungen über den Rahmen reiner Berichterstattung +hinausgegangen und rühmen sich, Volks- und Kulturerzieher zu sein? Ist +der Schundkino nur der »Konkurrent« der Kunst_theater_ und muß seine +ungehemmte Verbreitung nicht auch eine Menge Leser der ernstern, +immerhin geistige Ansprüche stellenden _Zeitung_ in Stadt und Land +entfremden? Nun wohl, im eigensten, wenn nicht im allgemeinen +Interesse sollte jedes sich achtende Tageblatt den Kino -- nicht +_bekämpfen_, sondern zu _fördern_, seine Versuche, _höher_ zu kommen, +zu unterstützen suchen. Das kann nur durch verständnisvolle und +unabhängige Würdigung seiner bessern Leistungen, also vor allem seiner +erdkundlichen Darbietungen geschehen. Dazu gehört aber _Kenntnis_ der +Dinge -- und zu dieser Kenntnis einen Grund zu legen, soll meine +Schrift dienen. + +Freilich kann ich hier nicht _alles_ auch nur zur Beurteilung +erdkundlicher Bewegungsbilder Nötige geben, sondern nur das, was +besonders mit dem Stoff zusammenhängt. Es ist geradezu unerläßlich, +zur Ergänzung auch meine grundlegende Schrift »_Kino und Kunst_« +(Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 2) zu lesen, deren _ganzer_ Inhalt für das +Nachfolgende die Voraussetzung bildet. Alle _allgemeinen_ Fragen aber +und einige besondere, die sich dem _Laien_ vor dem Kino aufdrängen, +behandle ich in der allgemeinen Schrift »_Das Buch vom Kino_«, +(Lichtbühnenbibliothek Nr. 8). Diese ergänzt das vorliegende +Heft auch in der Hinsicht, daß sie ausführlich die Technik der +_Liebhaber_aufnahmen behandelt, die naturgemäß zur Hälfte erdkundliche +sein werden. + + + + +I. Erdkunde und Kino + + +Um zu einer klaren Vorstellung davon zu gelangen, was uns die +Kinematographie in Beziehung auf Erdkunde sein und nutzen kann, müssen +wir uns zuerst Rechenschaft davon geben, was wir überhaupt von der +Erdkunde begehren, warum wir sie treiben, und welche Rolle sie im +Geisteshaushalt der Menschheit und des einzelnen spielt. + +Unter Erdkunde verstehen wir alle diejenigen Wissenschaften, die uns +die Natur, wie sie unmittelbar unsern Sinnen erscheint, in ihrer +Beziehung auf die Erde kennen und verstehen lehren. In dieser +unmittelbaren Beziehung zu unsern Sinnen liegt ihre geheime Kraft, +liegt das Geheimnis des leidenschaftlich unwiderstehlichen Triebes, +den ihr die Menschheit zu allen Zeiten entgegengebracht hat, und der +in dem Maße gestiegen ist und sich über immer breitere Kreise +ausgedehnt hat, wie die aufgesammelten Erfahrungen der Menschheit und +ihre vervollkommneten Hilfsmittel jedermann ein immer weiter +eindringendes _Verständnis_ der Natur ermöglicht haben. Die Erdkunde +ist unter allen Naturwissenschaften die eigentlich »ästhetische«, d. +h. aus sinnlichem Bedürfnis hervorgegangene, auf seine Veredlung und +Durchgeistigung gerichtete, und deren eigentliches Werkzeug die Sinne +sind. Die Erdkunde ist die Wissenschaft, die uns die Erde zur _Heimat_ +macht, dadurch, daß sie ihr ihre Schrecken nimmt, die in ihr waltenden +Allgesetze entschleiert und sie uns dadurch untertan macht. Erdkunde +ist undenkbar ohne die seltsame Anlage des Menschen, dem Un- und +Außermenschlichen eine leidenschaftliche _Liebe_ entgegenzubringen, +die eben die Heimatliebe ist; sie ist undenkbar ohne die +unerschöpfliche, der künstlerischen verwandte Freude an der +_Schönheit_ der Natur, worin sich wiederum ihr »ästhetisches« Wesen +zeigt. In dieser unerschöpflichen, mit Worten nicht auszuschöpfenden +Freude an der Erde Schönheit fließt der dunkle Drang des Ungelehrten +mit der nüchternen Arbeit des Forschers zusammen, und es hat keinen +großen Bahnbrecher der Erdkunde gegeben, der nicht auch ein Dichter, +wenn auch oft ein »geheimer« war. + +Zur Heimat wird uns die Natur durch das, wodurch auch die Welt der +Kunst dem Eingeweihten zu einer Heimat im geistigen Sinne wird: +dadurch, daß wir mehr und mehr ihre Linien und Formen, ihre Farben und +Glanze, ihren Duft und Klang und alles, wodurch sie an unsere Sinne +brandet, als eine Sprache verstehen lernen, die der _Ausdruck_ eines +allem Lebenden und auch uns verwandten _Wesens_ ist. Dieses +Verstehenlernen beginnt bei der einfachen Entdeckerfreude des +Hirtenknaben, der Jahr für Jahr seine Eichenwälder am Rande der Äcker +in gleichen dunklen Formen rauschen, die gleichen Wolken und Wetter in +großen Rhythmen darüber hinziehen sieht, dem die Ahnung aufgeht, daß +hier ein geheimer lebendiger Wille alljährlich bestimmte, nicht +willkürliche Lebensversuche den feindlichen toten Elementen +entgegenschickt; und daß er selber mit Leben und Tod ein Ring in +dieser Kette, ein Ton in diesem Lied ist, unlösbar und glückhaft mit +diesem Ganzen verbunden. Es gipfelt -- über die stammelnden Versuche +von Dichtern und Malern hinweg -- in der sorgsam unermüdlichen Arbeit +eines Ringes von Wissenschaften, alle Einzelheiten, die zusammen das +Bild dieser Planetenoberfläche bilden, festzustellen, in ihre Teile +und Teilesteile zu zerlegen, ihre notwendigen und zufälligen +Zusammenhänge zu zergliedern, ihrer Ursache und Folge nachzugehen und +eine Sprache dafür zu finden, und endlich wieder sie in ihrer +_Gesamtheit_ zu überschauen. So muß die Erdkunde das Weltall ins Auge +fassen, um die Bewegungen dieses Einzelsterns zu begreifen, aus denen +für die Erde Tag und Nacht, Sommer und Winter werden. Von den +_Gestirnen_ nimmt sie die Linien her, um die Oberfläche in feste Orte +zu teilen und ihren Maßen auf die Spur zu kommen. Sie sucht etwas vom +_Innern_ dieses Körpers zu erahnen, dessen Ausbrüche rätselhafte +Striche und Flecken auf sein Äußeres zeichnen; sie muß aus vielen +Wissensgebieten die Fingerzeige aufspüren, die ein Bild von der +_Entstehungsgeschichte_ der Erde und besonders der Formen und Art +ihrer Oberfläche geben. Die Grundlage all ihrer Arbeit bildet das +Zusammentragen einer möglichst lückenlosen und von keinen +Sinnestäuschungen beeinflußten _Kenntnis_ aller Einzelheiten ihrer +Oberfläche; und die großen Gruppen dieser Einzelheiten begründen +wieder Wissenschaften an sich: Gesteins-, Gebirgs-, Wüsten-, +Süßwasser-, Meereskunde, Pflanzen-, Tier-, Menschenkunde usw. Nicht +minder muß die Erdkunde sich auf die Erforschung des Luftschleiers der +Erde ausdehnen: _Klima-_, _Wetterkunde_ usw. Es gilt, die Reiche der +lebendigen Natur in ihrer Beziehung zu den Erdgebieten, ihrer +Abhängigkeit davon zu betrachten: Tiere-, Pflanzen- und +Menschenerdkunde. Die letztere erst erschließt eine neue Welt von +Aufgaben: die _Völkerkunde_ im allgemeinen, die wir auch hier unter +den Begriff der Erdkunde einbeziehen, lehrt uns die Menschen als +Naturwesen wesentlich in ihrer _Abhängigkeit_ von der Erde kennen. +Dazu kommt dann die _politische Geographie_, die den Menschen als +Bildner von Gesellschaften, als Krieger, als Jäger, Hirten, +Ackerbauer, Handwerker, Techniker, Kaufmann, Industriellen, als +Errichter von Bauten und Verteiler von Verkehrsmitteln und zuletzt als +Künstler und Wanderer in seiner Eigenschaft als _Bezwinger_ und +_Gestalter_ der Erde zeigt. + +Ebenso mannigfach wie die Beziehungen, unter denen der Mensch die Erde +zu erforschen strebt, ist die _Art_ der Erkenntnis, mit der er an sie +herantritt, und die Art der Befriedigung, die sie ihm gewährt. Zum +Begriff der Erdkunde gehören die Reisen des Odysseus, des edelsten +Urbildes aller Abenteurer, und die des Gilgamesch, des Urbildes +babylonischer Weisheit und aller Weisheitspilger ebensogut wie die der +heutigen Forscher von der Art Hedins und der Polreisenden. Der +Wanderer, der mit Rad und Rucksack langsam die nächste Heimat +durchfährt, um nichts als ein Gesundungsbad der Sinne in ihr +zu nehmen, treibt ebensogut Erdkunde wie der Mann auf dem +Hochschulkatheder, und der Landschaftsmaler ebensogut wie der Geometer +oder Landwirtschaftsschüler. Unendlich sind heute unsere _Interessen_ +an einer gründlichen Kenntnis der Erde. Sie gehört zu jedermanns +unerläßlicher Vorbildung, ohne die man kaum noch einen Beruf +vollkommen beherrschen, geschweige denn das ganze geistige Leben der +Gegenwart in Kunst und Wissenschaft, ja auch nur seine tägliche +Zeitung verstehen kann. Aus der Erdkunde schöpfen nicht nur Wanderer, +Abenteurer, Weltreisende flüchtigen Sinnesgenuß und dauernde +Gesundheit; sie gibt auch all unsern Künsten -- Malerei, Dichtkunst, +Musik, Theater, Plastik -- Anregungen, will wenigstens von ihnen +achtungsvoll berücksichtigt sein (kein Dichter dürfte uns heute noch +von der »böhmischen Seeküste« fabulieren). Die Tatsache, daß wir +beginnen, wirklich die ganze Welt als »Heimat«, unsere Heimat zu +empfinden, findet in dem Bestreben des _Weltnaturschutzes_ Ausdruck. +Wir streben Weltschutzparke, Welttierreservate usw. an, ein +unverkennbares Zeichen für das an keinen Ort mehr gebundene +Verständnis für den Wert der unberührten Naturschönheit. Einen +mächtigen Ansporn für den Erwerb eingehender Erdkenntnis bildet ihre +heutige Ausnutzung: _Handel_, _Industrie_ und _Verkehr_ kennen keine +Orts-, keine Völkergrenzen mehr. Auch das gesellschaftliche +(politische) Interesse des letzten Arbeiters umfaßt heute bereits den +Erdball: Erdkunde als allgemeines Bildungsgut ist der Boden, auf dem +unsere Träume von gegenseitigem _Völkerverständnis_, vom Austausch +geistiger Güter und damit _Weltfriede_ gedeihen können. Die +Wissenschaft ist noch nicht am Ende ihrer Aufgabe, die letzten leeren +Flecke auf dem Globus zu beseitigen; noch kämpfen ihre kühnen +Bahnbrecher um die wissenschaftliche Eroberung der Pole, des +Innern Asiens, dunkler Gebiete Afrikas. Schon aber senkt die +Gedankenwissenschaft, die Philosophie, ihre Wurzeln in den reichen +Wissensboden, den ihr die heutige Erdkunde bereits zusammengetragen +hat, um daraus, in die Bahnen ihrer ältesten Vorbilder zurückkehrend, +die Grundlinien einer neuen naturwissenschaftlichen »_Weltanschauung_« +zu gewinnen, um das alte Menschenspiel der Vergleichung zwischen den +Gesetzen der Geisteswelt und den Erscheinungen unserer Sinnenheimat +fortzusetzen. Jener Gilgamesch, der aus der Heimat unseres +Geschlechtes an die Grenzen der damaligen Welt pilgerte, um Antwort +auf die Frage nach dem Wesen von Leben und Tod zu finden, das Urbild +aller »Pilger in die Wüste«, in die lebensvolle Wüste der Nur-Natur, +in der sie nichts suchten als Stille für ihren Geist -- er ist und +bleibt auch das erhabene Urbild aller, die sich um »Erdkunde« bemühen. +_Genuß_ -- _Nutzen_ -- _Wissen_ -- _Geistesklärung_ sind die vier +Sterne, die der Wissenschaft von der Erde voranschweben. + +Welche Mittel hat nun der Mensch von heute, um diesem seinem Wissen +diejenige Tiefe und Vollständigkeit zu geben, durch die es allein +seine Ansprüche befriedigen, seinem Zeitgewissen genügen kann? Ein +Blick rings um unsere heutige Kultur sagt uns, daß diese Mittel seit +kaum einem Jahrhundert eine Ausdehnung und Vervollkommnung erfahren +haben, die sich keines der Geschlechter, die vor uns ins Grab gesunken +sind, je hat träumen lassen. Wir können sagen, daß erst die Fülle +dieser Mittel uns in den Stand zu setzen beginnt, die Erdkunde aus +einem zur Hälfte phantastischen »Traum vom Wissen« zu einer wirklichen +nutzbaren Wissenschaft, einer wirklichen Bereicherung der allgemeinen +Menschenbildung zu machen, sie aus einem »romantischen« in ihr +»klassisches« Zeitalter zu überführen. + +Erdkunde ist ja nicht das Wissen von einem Teil der Erde als solchem, +sondern von ihrer _Ganzheit_. Erst die Möglichkeit, _alle_ Teile zu +vergleichen, alle unter dem Bilde einer Einheit zu sehen, von allen in +_einem_ Hirn auch eine der Wirklichkeit entsprechende »Anschauung« zu +vereinigen, erlaubt uns ja, überhaupt von »Erdkunde« zu sprechen. Die +Schwierigkeit, die jeder Erdkunde entgegenstand, war die _Überwindung +von Raum und Zeit_. Entferntes vergleichen, Vergangenes gegenwärtig zu +haben, mußte ermöglicht werden. Dazu reichte früher, ohne unsere +Hilfsmittel, kein Menschenleben aus. Heute ist es eine Möglichkeit für +jedermann geworden. Die Mittel, die es uns ermöglichen, gliedern sich +in zwei Gruppen: solche, die den körperlichen Verkehr erleichtern, +und solche, die den Gedankenaustausch, den Austausch von +Beschreibungen und Abbildungen der Erde ermöglichen: Werkzeuge des +körperlichen und Werkzeuge des geistigen Verkehrs. Es ist eine +wunderbare und nicht zufällige Fügung, daß die Entwicklung beider +gleichzeitig und gleich großartig vor sich gegangen ist: daß +wir auch heute imstande sind, sinnliche Anschauungen und +Anschauungsersatzmittel einander die Wage halten lassen zu können. +Eins ohne das andere hätte die menschliche Begriffswelt einseitig +beeinflußt. + +Die Grundlage aller Erdkunde ist und bleibt für alle Zeiten das +unmittelbare Sinnenerlebnis, die körperliche Anschauung der Dinge, und +kein Hilfsmittel wird es je ersetzen, sondern immer nur ergänzen +können. Aber die Anschauung selber bedarf der Hilfsmittel, soll sie +sich in einem einzelnen Kopfe in annähernd genügender Vollständigkeit +ansammeln. Ich brauche nur leise zu erinnern, was wir in dieser +Beziehung heute zur Verfügung haben, heute zur Verfügung weniger, in +zwei, drei Jahrzehnten vielleicht zur Verfügung vieler -- wenn sie nur +aufwachen und es sich zunutze machen wollten! Über dem Gedanken an +Eisenbahn, Dampfschiff und Automobil, der uns zuerst einfällt, dürfen +wir nicht vergessen, was heute aus dem _Straßenwesen_ der Welt selber +geworden ist, wie es technisch und politisch, frei von Zöllen und +Gefahren, doch der Anfang und die Voraussetzung für alle Entwicklung +des Weltverkehrs war. Vor den Köpfen unserer Heerstraßen und +Eisenbahnen fliehen die Geister der Wildnis, richten sich die Ruinen +verfallener Paradiese wieder auf, lernen Wilde die Sprache der +Verständigung. Bald werden die Entfernungen durch elektrische und +Motorenbahnen, durch Wasser- und Luftflugapparate und Luftschiffe +abermals um die Hälfte und mehr verkleinert werden, immer wertvoller +wird unsere Lebenszeit, immer reicher die Fülle von Stoff, die wir uns +unmittelbar verschaffen können. Auch an dieser Stelle möchte ich aber +nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß das vollkommenste Werkzeug, +um die Erde wirklich betrachtend zu erleben, das eigentlichste +Arbeitswerkzeug unmittelbarer Erdkunde das _Fahrrad_ ist -- das +rechtmäßige Kind des heutigen Straßenwesens möchte ich es nennen, und +doch überall brauchbar, wo es nur die Spur einer Straße gibt; uns von +der Unzulänglichkeit der Fußwanderung befreiend, und doch all seine +Vorzüge steigernd; uns und beträchtliche Lasten schleppend und doch +ganz unabhängig von Nahrung, Betriebsmitteln, Kosten und +Abfahrtzeiten; unser Freund und Diener auch, wo wir es nicht fahren, +sondern neben ihm her gehen; das Reisen aufs äußerste verbilligend und +dabei es recht eigentlich erst ermöglichend. Ich habe diesen Gedanken +ausführlich in meiner Schrift »_Radzigeunerei_« (C. Ziehlke Verlag, +Liebenwerda, M 1.50) behandelt, auf die ich verweise. Allein nicht +um dieses Verweises willen spreche ich hier so dringlich davon. Es +liegt mir daran, hier wie überall darauf hinzuweisen, daß wir Menschen +vom Anfang des 20. Jahrhunderts _ganz allgemein gesprochen über das +Wesen und die Ausnutzung fast all der technischen Hilfsmittel, die uns +dieses kurze Zeitalter der künstlichen Sinnenvervollkommnung geschenkt +hat und bald noch schenken wird, noch nicht entfernt genug +nachgedacht, daß wir vor allem den Grundsatz, der in eisernen Lettern +an der Stirnseite unserer öffentlichen Bauten von heute, an der Wand +unserer Arbeitszimmer und auf der ersten Seite unserer Tagebücher +stehen sollte, noch nicht erfaßt, geschweige denn uns zu Fleisch und +Blut gemacht haben_: _daß alle unsere Gaben und ebenso alle Gaben +technischer Vervollkommnung die der Menschheit in den Schoß fallen, +uns nur und nur gegeben sind, um sie mit dem Aufgebot alles +Scharfsinns, aller Willenskraft und Selbstbeherrschung in den Dienst +unserer geistigen Vervollkommnung, unserer geistigen Weiterbildung zu +stellen, zu der Gesundheit, Körperkräfte und Maschinenkräfte einzig +und allein unentbehrliche, aber untergeordnete Mittel sind_. Das in +Beziehung auf eine _einzelne_ Technik nachzuweisen und immer wieder zu +betonen, und den Weg dazu finden zu helfen, ist im Grunde genommen der +einzige Zweck auch dieser unserer Lichtbühnen-Bändchen, wie es die +Seele und das A und O aller nicht in Redensarten stecken bleibenden +Kinobesserung ist. + +Das zweite Hilfsmittel der Erdkunde, dem der unmittelbaren +Selbstsinnenbeobachtung nachgeordnet und von ihr abhängig, aber nicht +minder unentbehrlich, ist die Welt der _Anschauungsersatzmittel_. Sie +dienen dazu, uns erstens ein Bild von dem zu machen, was wir eben doch +nicht selber sehen können. Sie haben aber noch eine darüber +hinausgehende Bedeutung: sie ermöglichen uns auch, räumlich und +zeitlich Getrenntes nebeneinander oder in rascher Folge zu +_vergleichen_, das Flüchtige in größerer Ruhe und Bequemlichkeit und +so häufiger Wiederholung, wie wir wollen, zu betrachten und es zu +_messen_, ja sie erlauben uns unter Umständen und in gewisser Richtung +eine genauere sinnliche Wahrnehmung, eine gründlichere sinnliche +Vertiefung und darauf folgende geistige Verarbeitung als der Anblick +der Dinge selbst. Wenn sie diesem _vorangehen_, bilden sie auch eine +vortreffliche Vorbereitung, um sich von der Wirklichkeit weniger +überraschen und ihre kurzen Augenblicke desto trefflicher nutzen zu +können. Ein Teil dieser Hilfsmittel -- die schematischen +Veranschaulichungen z. B., aber im Grunde genommen jede Abbildung oder +Beschreibung -- ermöglicht uns noch dazu, uns Dinge zu versinnlichen, +die gar nicht unmittelbar sinnenfällig in der Wirklichkeit +hervortreten: die Unterscheidung von »Haupt«- und »Neben«-Sachen, +Kräftelinien usw. Jedes Bild _zerlegt_ zugleich das Veranschaulichte, +indem es einen »Augenblick« davon herausgreift und es uns so als eine +Kette von »Augenblicken« zu erfassen ermöglicht. + +Unter all diesen Anschauungs-, Ersatz- und Ergänzungsmitteln der +Erdkunde leuchtet nun die Kinematographie mit ihrem Auftauchen als +»Stern der höchsten Höhe« hervor. Noch niemals vorher hat ein Mensch, +hatte die Menschheit das Aussehen der Natur in solcher Vollkommenheit, +solchem Reichtum und solcher unverfälschten Genauigkeit der +Einzelheiten im Bilde gesehen als damals, als zum ersten Male die +»lebensgroße« Photographie auf der Leinwand zu »leben« anfing, als +dort die Reize einfacher Blattaufnahmen vertausendfacht erschienen. +Und so, wie man im Traumesflügelschwingen wohl plötzlich, durch ein +unerklärliches und nun doch sofort ganz selbstverständlich +und natürlich erscheinendes Wunder sich _wirklich_ von der +Schwergefühlsangst, vom Gefühl ewig unzulänglichen Strebens erlöst, +und »wirklich« schwebend emporgetragen fühlt, wie man plötzlich leicht +und körperlich wie ein Vogel durch die Lüfte getragen wird (nicht mit +sprungbereitem Mißtrauen gegen einen, wenn auch noch so genial +erdachten Flugmechanismus) --, so sahen auch wir uns plötzlich leicht +und licht hinweggetragen über das stille Bedenken, das innere +bängliche Hemmnis, das wir unausgesprochen bis dahin vor jeder, auch +der vollendetsten Naturdarstellung gefühlt hatten, über die Frage: +»Wunder-, wunderschön -- _aber_ wieviel ist Menschenhand, +Menschenphantasie, und wieviel ist -- _Wahrheit_?!« Wer kennt nicht +die stille Selbstbescheidung, mit der der sehnsüchtig in die Ferne, in +die Wunder der Natur- und Menschenwelt Hinausdenkende, sein +illustriertes Geographiebuch zuklappte -- »die _Wirklichkeit_ -- wird +doch wohl noch anders sein«! Man denke anderseits an den Riesenerfolg, +den ein künstlerisch weniger bedeutender Zeichner, wie z. B. Allers, +mit seinen Reiseskizzen hatte, weil er in etwas dem Hunger aller Welt +nach _Wirklichkeitstreue_ an Stelle aller Künstlerträume entgegenkam. +Man erinnere sich ferner an die Einbuße, die die wirkliche Kenntnis +von Ländern und Völkern, die Geographie und Ethnographie als +_Wissenschaft_ infolge der Schwierigkeit, zu allgemeiner _Anschauung_ +ihrer Gegenstände zu gelangen, bis in unsere Zeit erlitten hat. +Gerade hier versagt ja angesichts der tausendfachen lebendigen +_Mannigfaltigkeit_ der Dinge, die hier gerade eine Hauptsache ist, der +Zeichenstift und auch, was ihn vornehmlich ergänzen mußte, das +beschreibende Wort. Beide versagen, nicht nur, wo es gilt, dem +Reichtum und der Beweglichkeit der Erscheinungen gerecht zu werden, +sondern auch ihre Verhältnisse und ihre Bedeutung in gegenseitiger +Abmessung wirklichkeitsgetreu festzuhalten. Bezeichnend sind da die +bekannten »Prospekte« -- zeichnerische Wiedergaben von Landschafts-, +Städte-, Raum- und Menschenszenerien. Man lege einen alten Merianschen +Kupfer oder eine beliebige andere Städtedarstellung aus alter Zeit mit +Photographien zusammen, die das etwa heute noch erhaltene selbe +Stadtbild darstellen. Sofort hat man den Eindruck, als ob die Stadt zu +Zeiten Merians aus lauter dicht gedrängten, malerisch ragenden Kirch- +und Rathaustürmen, Burgen und Klöstern bestanden hätte, um die herum +die Wohnhäuser verschwinden. Auf der Photographie werden die Türme +klein und rücken weit auseinander, die Höhen werden unscheinbar, die +Häuser sind gewachsen. Der Zeichner sah eben vor allem, was ihn +_interessierte_: das _malerisch_ und das _gedanklich_ (z. B. +geschichtlich) Hervorragende; das wurde ihm unter dem Stift groß, und +das andere schrumpfte zusammen. Oder ein altes Platzbild: der Platz +selbst erscheint ungeheuer erweitert, aber auf ihm tummeln sich +Fußgänger, Reiter, Equipagen in solcher Größe und in so interessanten +Stellungen und Beschäftigungen, daß man alles andere darüber vergißt. +Die Photographie rückt die Maße ernüchternd zurecht. Diese +Darstellungsmängel alter Zeiten wirkten aber begriffsverwirrend. +Wesentlich mit durch sie glauben wir heute noch vielfach, das +Mittelalter sei so viel »malerischer« gewesen als die Gegenwart und +setzen auf unsern Bühnen das »malerische« Puppenspiel mit Fest- und +Prunkkleidern in jeder Alltagsszene fort. In architektonischen +Zeitschriften hat man manchmal Gelegenheit, ein und dasselbe Gebäude, +ein und dieselbe Platzanlage nebeneinander photographisch und als +zeichnerische (Architekten-) Skizze zu sehen. Selbst hier, wo +doch mit genauen Maßstäben gearbeitet und zur Erhöhung des +Wirklichkeitseindruckes sogar manchmal die photographische Technik +nachgeahmt wird, ist man oft verblüfft, den Unterschied in der Wirkung +zu sehen. Die Photographie ist -- selbst in gelegentlicher +perspektivischer Unstimmigkeit -- nüchterne Wirklichkeit, die +Zeichnung ein -- Künstlertraum. Woran liegt's? Kühn hinschweifende +Wolken, ideal gehaltene Alleen, kleine Weglassungen von +»Unwesentlichem« -- es läßt sich gar nicht aufzählen. Vor mir liegt +ein geographisches Buch über »Deutschland«. Die Umschlagzeichnung +(»Vom Fels zum Meer«) zeigt schneebedeckte Berge mit ausnahmslos nicht +unter 45° Steigung, daneben Dünen von der halben Höhe der +»Eisbedeckten«. Es _soll_ ja nur eine »dekorativ wirkende Skizze« sein +-- aber was für falsche Vorstellungen sie bei denen weckt, die die +Sache selbst nicht kennen, ist kaum nachzumessen. Wir alle erinnern +uns doch wohl, wie gründlich wir unsere selbst aus den besten +Abbildungen und Beschreibungen gewonnenen Vorstellungen haben +umarbeiten müssen, als wir zum ersten Male _wirklich_ »das Gebirge«, +»das Meer«, »die Tiefebene« sahen. Oder man versuche festzustellen, +welche Vorstellung verschiedene Personen etwa von ein und demselben +Schauplatz eines Ereignisses haben, nachdem sie dessen ausführliche +Schilderung in einem Roman, in einer Gerichtsakte gelesen haben. +Meistens nehmen wir in einem solchen Falle unbewußt die Zuflucht zu +einem möglichst ähnlichen, irgendwo einmal gesehenen Bilde, +bestenfalls zu einem ähnlichen, uns bekannten wirklichen Platze und +bleiben dabei. Vielleicht _ist_ er auch wirklich ähnlich -- aber +gerade Kleinigkeiten ändern hier das Bild sofort wesentlich! Die +Schwierigkeit der Anschauung, der Mangel an Darstellungsmitteln, die +Notwendigkeit, mit gedanklich abgeleiteten Vorstellungen +(Abstraktionen) und Schemen (Typen) zu arbeiten, war die Hauptursache, +weshalb eine ernst zu nehmende _allgemeinere_ geographische Bildung +kaum in leisen Anfängen im 18. Jahrhundert begann. Was hier bereits +die Anfänge der Kinetographie -- erst das einfache Lichtbild, dann +aber entscheidend das unendlich überzeugendere, unendlich breiter +wirkende Kinobild gebessert haben, ist gar nicht abzusehen.[1] + + [1] Über Streben und Mängel der _literarischen_ + Erdbeschreibung ist es interessant, eine zusammenhängende + Darstellung, z. B. »Die Naturschilderung bei (!) den + deutschen geographischen Reisebeschreibungen des 18. + Jahrhunderts« von Oertel (Leipzig 1899) nachzulesen. + +Die Photographie allein bringt allerdings auch »Wirklichkeit«. Sie +_berichtigt_ unsere Vorstellungen, aber doch mehr auf dem Umwege über +den rechnenden Verstand. Was ihr fehlt, ist die sinnliche Frische. +Gewiß, ihre Landschaften, Häuser und Menschen sind »richtig« -- aber +sie sind auch, von Ausnahmeleistungen abgesehen, langweilig. Die +Photographie gibt zu _wenig_ von ihnen. Sie will uns einreden, +Menschen und Dinge seien bloß erstarrte Schatten. Infolge der +Kleinheit des Bildes sehen wir sie wie aus weiter Ferne. Was das +Künstlerbild zu sehr betonte, fehlt hier -- besonders bei +geographischen Bildern -- oft ganz: das Malerische, die Gedanken +anregenden, beziehungsreichen Einzelheiten. Das Stereoskopbild, das +die Plastik hinzufügt, wirkt um so beängstigender puppenhaft, +lufthaft, mitten in einem wirklichen Augenblick erstarrt. + +Das kinematographische Bild ist ein Riesenschritt weiter. Echtes +Licht -- naturähnliche Größe -- zitterndes, schwelgendes +Bewegungsleben, und dadurch auch ein gewisser Ersatz der +Körperlichkeit -- das ist schon ganz etwas anderes! Da wird nicht nur +das Auge erregt -- ein Hauch vom fernen Leben selber umweht uns, +spannt all unsere Sinne, weckt Denken und Fühlen, weckt die eigne +_Mittätigkeit_, das Erfassen-, das Entdeckenwollen, und die +ununterbrochene Veränderung auf dem Schauplatz hält die Aufmerksamkeit +wach, läßt die Teilnahme nicht zur Ruhe kommen. Die zehnte Muse +-- »Illusion« -- spinnt von der Leinwand aus ihre Zauber: das Haus, die +Bänke, die Menschenköpfe und die Damenhüte, die roten Lichter und die +Schatten der Nischen werden unwirklich, das lebenwimmelnde Bild wird +allbeherrschende Wirklichkeit. »=We put the world before you=« nennt +ein englisches Filmhaus mit Recht seinen Wahlspruch -- »Wir bringen die +Welt zu euch her«. Wenn Mohammed nicht zum Berge kam, muß der Berg zu +ihm hin -- das Wunder ist geschehen! Wenn wir nicht zu den Wundern der +Welt hinaus kommen -- und wer wird sich je den lückenlosen Anblick von +ihnen _selber_ verschaffen können, welches Menschenleben wäre lang +genug dazu -- so muß nun die Welt, wo sie am schönsten ist, von ihrer +Oberfläche her ihre lichten Ätherwellen bis hinein zu euch in Schule, +Vortragssaal und Theater senden! Und damit es _jederzeit_ geschehen +kann, lassen wir die Wellen sich abdrücken in festem Stoff, packen sie +ein, versenden, bewahren sie und erwecken sie beliebig zu neuem Leben +-- so wie wir das Licht der Sonne, das sich vor hunderttausend Jahren +in Farrenwäldern verkörperte, heute als Kohle einpacken, versenden, +aufbewahren und im Ofen wieder zum Licht erwecken! Und mehr: damit es +auch _allerorten_ geschehen kann, vervielfältigen wir die +Ätherwellenspuren, so oft wir wollen. So sehen wir, was irgendwo +_ist_, an allen Orten, und was _war_ zu allen Zeiten! So scheint also +das Ideal der Schule, das Ideal der Welt von heute erfüllt: Anschauung +überall statt Begriffe, Wirklichkeit statt Phantasien, Wahrheit, +unverfälschte, auch hier als einzige Quelle unseres Wissens und +unserer Bildung; auch da, wo die persönliche Wahrnehmung versagt! + +Ist es das wirklich? Wenn unsere Freude über das Gewonnene uns nicht +einen Streich spielen, nicht in Kürze in Enttäuschung und Überdruß +umschlagen, ja den Segen der Kinematographie für Wissenschaft und +Schule in sein Gegenteil wenden soll, so müssen wir mit demselben +Willen zur Ehrlichkeit, mit der wir ihre Vorzüge anerkennen, uns ihre +_Grenzen und Mängel_ vor Augen halten. Das ist ja _auch_ ein +allgemeines Kennzeichen der Gegenwart, dieser Überdruß, der angesichts +so vieler schöner Dinge zutage tritt -- nicht nur gegenüber +technischen Hilfsmitteln, wie Kino, Fahrrad u. dgl., sondern ebenso +und aus denselben Gründen gegen Theater, Illustrationswesen, Presse, +die ganze »ästhetische Kultur« -- dieser Überdruß gerade der Denkenden +und Gebildeten, der keine andere Ursache hat als die vorangegangene +Überschätzung und daher den Mißbrauch dieser Dinge zu Zwecken, denen +sie _nicht_ gewachsen sind, und in einer Art, die ihrem _Wesen_ nicht +entspricht. Wie käme es sonst, daß _trotz_ der zahlreichen und oft mit +Riesenkosten hergestellten erdkundlichen Filme und trotz des lebhaften +Wunsches von Wissenschaftlern, Lehrern, Volksbildungsvereinen usw. +weder diese Filme einzeln, noch die Kinematographie im allgemeinen +ernstlich auf den betreffenden Gebieten Fuß gefaßt hat? Es liegt außer +andern Ursachen, die wir untersuchen werden, daran, daß die +Kinematographie überhaupt und die erdkundliche ebenfalls nicht +innerhalb ihrer Leistungsmöglichkeiten und ihrem Wesen gemäß +angewendet wird, daß ihr Unmögliches abgefordert und darüber ihre +Höchstleistungen vernachlässigt werden. Es liegt von vornherein schon +in dem jeden, der die Sache ernst nehmen möchte, abstoßenden Leugnen +aller Mängel überhaupt, dem hirnlos uneingeschränkten Anpreisen der +Kinematographie, all dem Unwesen der geschmacklosen Reklame, von dem +sich auch viele ihrer nichtbezahlten Lobsprecher nicht freimachen +können. Die Kinematographie hat keine Feinde als die Ausbeuter, die +sachlich und moralisch an ihr Raubbau treiben! + +Ich habe in meiner Schrift »Kino und Kunst« die der Kinematographie +überhaupt aus technischen und lebenswissenschaftlichen (physiologischen) +Gründen anhaftenden Mängel ausführlich dargestellt. Die Mängel +physiologischen Ursprungs liegen in unserm eignen Organismus. +Andere Bilder nehmen wir einfach mit den Augen auf; diese müssen +unsere Augen selber erst zu Bildern machen helfen. Ein kinematographisches +Bild ist eine Leistung zur Hälfte von Photographie und Projektionskunst, +zur andern Hälfte von sehenden Augen. Diese erst vollführen die +beträchtliche Arbeit, die aber Tausende von Bildern -- an 53 000 +wurden für eine durchschnittliche Kinovorstellung berechnet! --, +die ihnen da abwechselnd mit ebensoviel Verdunklungsunterbrechungen +vorgesetzt werden, durch Überbrückung dieser Verdunklungen zu einer +sich scheinbar bewegenden Einheit zu verschmelzen. Gerade die +»Bewegung« des Bildes ist eine Arbeit nicht des Apparates, sondern +unserer Augen. Und sie haben diese Arbeit unter höchst erschwerenden +Umständen zu tun: aufs äußerste angestrengt durch den krassen und +ausschließlichen Gegensatz von Licht und Schatten und die Überwindung +einer Menge anderer Mängel, die wiederum von einem _unserer_ Organe +geleistet werden muß: der mitwirkenden _Phantasie_, der blitzschnellen +Denk- und eignen Vorstellungsarbeit, die ununterbrochen die in +Wirklichkeit bloß vorhandenen _Andeutungen_ des Bildes erfassen und +deuten und in ihnen die Vorstellung von Farbe, Plastik, Geräuschen, +Düften und Berührungen ergänzen muß, die das Bild doch erst zu dem +_machen_, als das es aufgefaßt sein möchte, als Wirklichkeitswiedergabe. +Erschwert wird diese Nerventätigkeit durch die Unvorbereitetheit und +Bruchstückhaftigkeit jedes Kinobildes. Dessen technische Mängel haben +wir aber zum Teil schon angeführt. Wir vergessen ja gewöhnlich ganz +(und das ist im Kino selbst auch recht gut, aber es fälscht das +Ergebnis), daß dieses Bild dennoch immer nur ein Schattenbild ist, +dem außer dem flächenhaften Schwarz-Weiß-Bestandteil des +Wirklichkeitsanblicks so gut wie alles fehlt, was uns den Eindruck +des _Lebens_ vermittelt: eben Farbe, Plastik, Geräusche, Düfte, +Berührungen. Und mehr: die Tiefenwirkung (»Perspektive«) ist mehr +oder minder falsch, daher auch ein Teil der Bewegungen unrichtig +wirkend; Querbewegungen kommen ruckweise usw. Der Apparat zeigt uns, +was er mit _einem_ Auge gesehen, wir sehen dies mit _zwei_ Augen, +daher wieder etwas _anders_, als es der Kino gesehen hat und meint +-- nicht die Wirklichkeit, sondern ein Bild, aber ein sich bewegendes; +aber nicht sich bewegende Körper, sondern sich bewegende +Flächenausschnitte -- Schatten. Unsere Nerven müssen fortwährend eine +angestrengte Übersetzungsarbeit -- aus dem Kinematographischen zurück +ins Wirkliche -- leisten, um so mehr, je mehr der Kino sich der +Wirklichkeit durch bestechende Ähnlichkeiten annähert; und diese +Übersetzungsarbeit ermüdet sie bald und sehr. Trotzdem versagen sie +_allein_ -- wenn wir nicht nachhelfen -- in der Hälfte ihrer Aufgaben; +sie versagen in vielen Fällen schon bei dem Bestreben, überhaupt zu +erkennen, _was_ das Bild wiedergeben will, besonders infolge des +Mangels an Farbe, Tiefe und Plastik, durch den sich oft vorn und +hinten kaum voneinander abhebt, Fremdes sich zu Lichtknäueln +zusammenballt und Zusammengehöriges bloß etwa durch verschiedene +Beleuchtung seiner Teile auseinanderreißt. Bei alledem habe ich nur +mehr _gute_, mit voller Beherrschung der Technik und an Kunstwerken +und Kunstdenken geübtem Geschmack hergestellte Bilder im Auge, wie ich +sie in »Kino und Kunst« beschrieben habe. Vor _andern_ Bildern +durchschnittlicher Art wachsen die Schwierigkeiten noch mehr. Selbst +die besten aber, das ist uns durch das Voraufgegangene hoffentlich +abermals klar geworden, sind für sich allein so gut wie ohne _jeden_ +erdkundlichen Wert -- sie zeigen weniges nur bruchstückhaft, +schattenhaft, falsch und irreführend. Der Kinofilm -- jeder, ganz +besonders aber der erdkundliche -- bedarf der _Ergänzung_, +um _überhaupt_ etwas zu sein. Um dem einen von vornherein +unterscheidenden sprachlichen Ausdruck zu geben, habe ich die mit +allen nötigen Mitteln zu einem »Kunstwerk«, d. h. zu einer in sich +geschlossenen Darstellungs- und »Ausdrucks«-Einheit erhobene +Kinematographie -- mit welchem Wort wir künftig die Herstellung und +Vorführung von Bewegungsbildern _allein_ bezeichnen -- mit dem Worte +»_Kinetographie_« benannt. »Kinetographie« -- wie wir das Wort auch +hier anwenden wollen (über seinen sprachlichen und sachlichen Sinn +vgl. »Kino und Kunst«) -- bedeutet also ausschließlich die +_Vorführung_ von Bewegungsbildern im Rahmen einer zu einem +Gesamtkunstwerk erhobenen Vorstellung, ergänzt durch alles, was dazu +dient, das Bewegungsbild selbst seelisch richtig vorzubereiten, Sinne, +Nerven und Hirn auf das Wesentliche einzustellen, seine nervösen +Kraßheiten auszugleichen, und das, was der Film _nicht_ zeigen kann, +durch andere Mittel zur Anschauung und zum Verständnis zu bringen. + +Zum allgemeinen Verständnis dieser Forderungen, soweit sie aus dem +_ästhetischen_ Bedürfnis, der »Schönheits«-Forderung im +durchgeistigten Sinne des Wortes, hervorgehen, muß ich abermals auf +meine mehrmals genannte Schrift verweisen. Hier aber ist Gelegenheit, +noch einmal von der _andern_ Seite her, nämlich aus unserm rein +sachlich-wissenschaftlichen Gesichtspunkt, die Forderung nach +Vollendung _jeder_ kinetographischen Vorführung zu begründen und zu +beleuchten. Es handelt sich nicht in erster Linie um den Wunsch, +der kinematographischen Landschaftsdarstellung an sich auch +künstlerische Werte abzugewinnen, etwa durch »malerische« Wahl des +Bildausschnittes und handarbeitliche Beeinflussung und Nachhilfe der +Herstellungsvorgänge. Sondern hier fordern wir die Anwendung +des geläutertsten Geschmacks und der gewissenhaftesten und +erfindungsreichen Erfüllung aller Schönheitsforderungen lediglich im +»ästhetischen«, d. h. (im Ursinne des Wortes) im Interesse der _Sinne_ +unserer Zuschauerschaft, damit nämlich ihre Sinne geschont, +unterstützt, vervollkommnet und vor Irrschlüssen bewahrt werden. Nicht +um ihnen »Genuß« von außen her zu verschaffen, sondern um ihnen eigne +richtige Erkenntnisarbeit zu ermöglichen. _Nicht_: wissenschaftliche +oder Schulkinovorführungen dürfen _auch_ »künstlerisch« vollkommen +sein, sondern sie in erster Linie _müssen_ vollkommene Kunstwerke im +Sinne der Vollendung in ihrem eignen Wesen sein, wenn sie überhaupt +irgendwelchen -- erdkundlichen Lehrwert haben sollen. + +Welcher Art nun die notwendigen Ergänzungen sein müssen, kraft deren +Filmvorführungen zu einem brauchbaren Hilfsmittel der Erdkunde werden +können, wollen wir uns kurz überlegen. Zuerst spreche ich allem das +Wort, was die dem Kinobild mangelnden _begleitenden Sinneseindrücke_ +ersetzen oder wenigstens zum Bewußtsein bringen kann. Dieser Ersatz +ist gerade beim Kinobild viel mehr erforderlich als vor jedem andern +auch nur Schwarz-Weiß-Bild, weil das Kinobild mehr wie andere den +Beschauer -- besonders den nicht selbstkritisch und durch eigne +Beobachtungen _sehr_ geübten -- in den Traum der Wirklichkeit +versinken läßt. Vor einer Photographie verfallen wir keinen Augenblick +in die Vorstellung: »so ist's« oder auch nur »so sieht's aus« -- beim +Bewegungsbild ist die Gefahr größer, nun erst recht in eine +falsche Vorstellung vom wirklichen Aussehen und den wirklichen +Kräfteverteilungen in der Natur zu versinken. Um so sorgfältiger +müssen wir dort vorbeugen. Diese Arbeit wird freilich _zumeist_ dem +menschlichen _Worte_ zufallen, wovon wir noch sprechen. Das Wort +allein wird uns über Plastik, richtige Perspektive, Größen-, Luft- und +Wärmeverhältnisse im Dargestellten aufklären müssen, und zumeist auch, +wo es sich um wissenschaftliche und Lehrzwecke handelt, über die +_Begleitgeräusche_. _Völlig_ möchte ich diese aber -- denen ich in +volkstümlichen und Jugendvorstellungen einen breiten Raum befürworte +-- auch aus wissenschaftlichen Darstellungen nicht verbannt wissen. +_Geräuschkunde_ ist ein meines Wissens als solcher nicht -- höchstens +als Nebengebiet der Dramaturgie -- abgetrennter Zweig der +Naturwissenschaft und findet, abgesehen von der Akustik, die sich +nicht mit den Geräuschen, sondern mit ihren Ursachen beschäftigt, der +Phonetik, der Musiklehre u. dgl., nur vielleicht in der Vogelkunde +überhaupt Beachtung. Wenn sie darüber hinaus _nicht_ gepflegt worden +ist, so liegt das meines Erachtens nur daran, daß man bisher +schlechterdings außerstande war, den _Stoff_ herbeizuschaffen, d. h. +Naturgeräusche in wissenschaftlich brauchbarer Weise aufzufassen und +wiederzugeben. Wir sind, wie wir wissen, heute schon in der Lage, das +zu tun: durch die Phonographie. Sie schreibt bereits ebenso +selbsttätig die Klang- und Geräuschwellen aller Art auf wie die +Photographie die dem Sehen zugrunde liegenden Äther-Bewegungen +(Kinetographie, d. i. Bewegungsselbstniederschrift). Sie ist wie jene +durchaus zwangläufig, d. h.: richtig eingestellt, gibt sie nach +Zeitmaß und Klangfarbe genau das Aufgenommene wieder, abzüglich der +feststellbaren Wirkungen ihrer technischen Fehlerquellen. Der +gemeinsamen Aufnahme von Naturbewegungsvorgängen und der sie +begleitenden Geräusche steht also gedanklich nichts mehr im Wege. +Tatsächlich ist aber diese Aufgabe noch nicht gelöst (obgleich man von +ihrer endgültig erfolgten Lösung alle Augenblicke hört). Zunächst +leidet die grammophonische Wiedergabe an sich noch besonders +an Nebengeräuschen von solcher Stärke, daß sie _feinere_ +Gegenstandsgeräusche verschluckt, falls diese von der Wachsschicht +überhaupt richtig aufgenommen worden sind. Dann aber steht noch immer +die große Aufgabe bevor, beides, kinematographische und +phonographische Aufnahme und Wiedergabe, in _einem_ Verfahren oder +doch mit zwangläufiger Gleichzeitigkeit zu verbinden. Alle +sogenannten »Tonbilder« (ein irreführender Titel), die man bis jetzt +sieht, werden so hergestellt, daß erst eine grammophonische Aufnahme, +dann eine ihr nachträglich angepaßte Mimik aufgenommen werden. Die +Wiedergabe wird dann möglichst der Gleichzeitigkeit angenähert; aber +selbst, wo diese Gleichzeitigkeit erreicht wird, fehlt doch die +_Echtheit_, die dem Ganzen erst wissenschaftlichen Wert geben würde. +Überdies ist mir nicht bekannt geworden, daß _überhaupt_ erfolgreiche +Versuche gemacht worden wären, Naturgeräusche -- z. B. die Brandung +des Meeres, den Ausbruch eines Kraters, das Rauschen im Wald, das +Gemurmel und Geheul der Großstadt -- grammophonisch aufzunehmen. Daß +dies unmöglich sein sollte, möchte ich daraus nicht schließen -- kann +man _künstliches_ Pfeifen und Sprechen usw. aufnehmen, warum nicht +auch zunächst wenigstens die lauten (oft viel lautern!) +unwillkürlichen Naturgeräusche! Und mögen zunächst diese Aufnahmen +selbst, alsdann ihre Zusammenstimmung mit der gleichzeitigen +Kinoaufnahme noch so viel Unvollkommenheiten aufweisen --, der Versuch +allein würde lohnen, und die Vervollkommnung würde meines Erachtens +nicht lange auf sich warten lassen, sobald nur der _Wert_ dieser Sache +allgemein erkannt würde. Daß eine solche Technik _überhaupt_ im Zuge +der Kinetographie liegt, ja eins ihrer nächsten und erreichbaren +Ziele sein müßte, wird weniger bezweifelt werden. Wenn aber +Geräusch_nachahmungen_ von Wissenschaftlern und gebildeten Laien (zum +Teil mit Unrecht) belächelt werden, so bedeutet das nicht, daß sie +auch dokumentarisch getreuen Geräusch_nachbildungen_ Achtung versagen +würden. Im Gegenteil: _die Geräusche, die besonders die Bewegung in +der Natur begleiten, sind unentbehrlich für die unmittelbare sinnliche +Bewertung der in dem betreffenden Vorgang spielenden Kraftmassen und +Kraftverteilungen_. Das einfachste Gefühl des Laien sagt ihm doch +schon, daß ein lautlos ausbrechender Vulkan, lautlos heranschwingende +Meereswogen, eine lautlos dampfgebende Kanone, lautlos tanzende +Eingeborene, lautlos stürzende Niagaras etwas Unsinniges, überhaupt +_gar nichts_ sind. In der Zeichnung, in der Photographie vermissen wir +dergleichen nicht, weil sie ja das Bewegungsleben nicht zu geben +beansprucht, wo aber die _Bewegung_ der Dinge gezeigt wird, da fordern +unsere Sinne auch ihr _Geräusch_. Ist dies somit eine »ästhetische« +Forderung, so wird doch auch niemand bestreiten wollen, daß diese +Geräusche an sich als Begleiterscheinungen von Naturbewegungen ein +ernstester Forschung höchst würdiger Gegenstand sind. Ich bin der +Meinung, daß auch bei rein wissenschaftlichen Vorführungen, +mindestens wenn die Teilnehmer daneben auch irgend Menschen mit +natürlichem Sinnenleben und Geschmack sind, in Ermangelung +grammophonischer Mittel _einige_ Begleitgeräusche gegeben oder +angedeutet, allermindestens aber durch vorangehende Beschreibung der +Phantasie der Zuhörer zur Verfügung gestellt werden müßten. So zeigte +ich einmal den Ausbruch eines Geisers, ein Bild, über das ich wegen +seiner Kürze und anderer Mängel ganz unglücklich war: es kam mir +völlig bruchstückartig und wertlos vor. Zufällig kam mir eine +ausführliche Beschreibung dieses selben Geisers in die Hände, in der +auch genaue Angaben über die Begleitgeräusche enthalten waren. Ich +ließ diese nun sorgsam hinzufügen, und von diesem Augenblick an erwies +sich das Bild -- rein erdkundlich-naturwissenschaftlich betrachtet! -- +als einer der Glanzpunkte meines Programms. Gewiß hatte _ich_ mir +allenfalls nach langem Studieren diese Begleitgeräusche -- den +kanonenschußartigen Ausbruch von Schlamm und Steinen, das regenartige +Niederprasseln der Wassermengen usw., die vorangehende donnerartige +Erderschütterung -- auch »denken« können -- aber wie hätten das meine +_Zuschauer_ tun sollen? Und wenn sie es gekonnt hätten -- sollten sie +und ich uns dessen schämen, daß wir uns eine mühsame und unvollkommene +Eigentätigkeit durch ein paar meinethalben theaterhafte Hilfsmittel +ersetzten? Und sollten sich endlich Studenten und Hochschullehrer +selber in diesem Punkte in einer andern Lage befinden als wir? Sollte +selbst jemand, der diese Geräusche einmal _erlebt_ hatte, sich ihrer +vor diesem Bilde vollkommener erinnern, als unsere Hilfskräfte sie mit +urwüchsigen Mitteln nachzuahmen vermochten? + +Mag man über Geräuschnachahmungen bei rein wissenschaftlichen +Gelegenheiten denken, wie man will, für die unvorbereitete und mit +erdkundlichen Erscheinungen durchaus ungenügend vertraute +Öffentlichkeit sind sie unerläßlich sowohl um des Verständnisses wie +um der ästhetischen Befriedigung willen. Daß und wie dabei die Grenzen +des Geschmacks einzuhalten sind, habe ich anderswo behandelt. Sicher +ist aber, daß _die Kinematographie an sich nicht eher ein vollwertiges +erdkundliches Hilfsmittel ist, als bis sie wenigstens in zwangläufige +Vereinigung mit der Grammophonie gelangt ist_. Bewegung und Geräusch +sind zeitlich und räumlich, ursächlich und in der Erscheinung, +ästhetisch und gedanklich nicht voneinander zu trennen, ein Verfahren, +das das eine wiedergibt, muß auch das andere zeigen. + +Die zweite Ergänzung, die nicht zu verachten wäre, ist die _Farbe_. +Auch hier sind manche Versuche unterwegs, beachtenswerte Erfolge +errungen. Das bekannteste Verfahren ist _Urbans Kinemacolor_. Ich +habe dieses Verfahren vor einigen Jahren in London gesehen und weiß +nicht, ob es inzwischen verbessert worden ist. Es störte, bei allem +unleugbaren Reiz, durch starkes Flimmern. Sein Hauptmangel ist, daß +die Aufgabe, die eigentliche Bildfarbe zu bilden, wieder unsern +_Augen_ überlassen ist, und diesen wird sie um so schwerer, als sie +sie aus nicht mehr als zwei Grundfarben -- rot und grün -- herstellen +müssen, die dem farblosen Doppelpositiv durch zwei Filter mitgeteilt +werden. An der Ausbreitung des Kinemacolorverfahrens scheint außer den +beträchtlich höhern Kosten und dem zur Alleinbestreitung einer +Vorstellung nicht genügenden Erfolg auch die Monopolvergebung schuld +zu sein. Auf jeden Fall ist die Sache noch nicht vollkommen; trotzdem +sollte jeder sie kennen zu lernen suchen, und gutgestellte Kinotheater +sie einfügen. An sich aber ist die »Naturfarbe« der Bilder -- solange +sie nicht auf eine bisher unbekannte Weise auf photographischem +Wege selber gewonnen wird -- _nicht_ eine so unerläßliche +Vollkommenheitsforderung wie die des Begleitgeräusches. Es ist mir im +Gegenteil zweifelhaft, ob sie in jedem Falle erwünscht wäre, da sie +die Ansprüche an die Augen erhöht, die Fehlerquellen vermehrt und +überdies dem Filmbild einen Vorzug wieder nimmt: den der +Vereinfachung und Zurückführung des Bildes auf seine einfachen +Schwarz-Weiß-Verhältnisse. Noch weniger kommt freilich hier die +_künstliche_ Farbenergänzung in Betracht, wo wir ihr nicht aus +Gründen, die nichts mit Erdkunde zu tun haben (Augenerholung) einmal +nachsehen wollen. Die _echte_ Farbenselbstwiedergabe der Natur steht +noch in weitem Feld, und wir sehen vorläufig noch nicht einmal einen +Weg angedeutet, wie wir zu ihr zu gelangen vermöchten.[2] + + [2] Inzwischen wird von einem neuen Verfahren der Firma + _Gaumont_ (deutsches Haus) berichtet, das Kinemacolor in + mancher Hinsicht übertreffen soll, wenn auch die + Farbenabstimmung naturgemäß noch durch die Fehlerquellen + beeinflußt wird. + +Anders die _Körperlichkeit_ (Plastik) des Dargestellten. Der Weg dazu +ist klar: wir lassen unsern Apparat, wie wir selber, mit _zwei_ statt +einem Auge sehen und zeigen dann, wie in der Wirklichkeit, jedem +unserer Augen gesondert das entsprechende Bild. Wege dazu gibt es +verschiedene, ihr einziger gemeinsamer Nachteil ist der, daß wir dazu +das Auge bewaffnen müssen, sei es durch eine Brille mit zwei +verschieden gefärbten Gläsern, sei es durch eine stereoskopartige +Vorrichtung. Ich habe solche Bilder noch nicht gesehen, meine aber, +wenn sie sich einbürgerten und sonst hübsch sind, würde die +Beschaffung der Betrachtungshilfsmittel nicht so schwierig sein, wie +es immer dargestellt wird. Kinobesucher werden sich ihre »optische +Brille« kaufen, wie Theaterbesucher ihr Opernglas. + +Übrigens habe ich ein anderes Verfahren zur Verkörperlichung von +Kinobildern gesehen, anscheinend auf Spiegelungen beruhend, das aber +nur eine puppenhafte Wirkung hatte. Warum irgend jemand eine bessere +körperliche Wirkung von erdkundlichen Kinobildern verschmähen sollte, +wenn er sie nicht etwa durch Nachteile anderer Art erkaufen muß, sehe +ich nicht ein. + +Eine Menge anderer Wirklichkeitseigenschaften werden dem Kinobild +natürlich immer fehlen. So kann die Nachahmung von Begleit_gerüchen_ +immer nur ein gelegentlicher Scherz bleiben, und ebenso fehlt die +körperliche Wirkung von Wind und Wetter usw. auf den Beschauer. Etwas +anderes aber ist von größerer Wichtigkeit. Wir müssen ein Kinobild +immer gleichsam mit festgeklemmtem Kopfe oder mit starren Augen +besehen; wir können die Augen nicht in der Weise wandern lassen wie in +der Natur. Tun wir es dort, so bietet sich uns bei jeder Bewegung ein +anderes Bild; im Kino ist der Erfolg nur, daß wir je einen andern Teil +desselben Bildes sehen. In einem gewissen Grade hilft dem freilich, +aber auch nur scheinbar (da die Körperlichkeit fehlt), die Erfindung +der _Panorama-Kinematographie_ ab, die man meines Wissens zurzeit nur +in München sehen kann. Sie erzeugt durch kreisförmiges Drehen des +Objektivs die Täuschung eines Landschaftenrundblickes. Das ist +natürlich eine vielleicht sehr hübsche Spielerei, die aber als +erdkundliches Hilfsmittel geringen Wert haben wird. Das vor allem aus +praktischen Gründen; an sich mag die Sache für seltenere Aufgaben, bei +denen es darauf ankommt, einen Gesamtüberblick über ein größeres +Gebiet zu haben, brauchbar sein. + +Ich möchte, ehe ich die beiden Haupthilfsmittel, das _Wort_ und das +_Lichtbild_, bespreche, noch eine Bemerkung über die Mithilfe der +_Musik_ machen. Auf den ersten Blick hat sie in erdkundlichen Filmen, +die der Belehrung dienen sollen, nichts zu suchen. Eine Ausnahme +machen aber schon diejenigen _völkerkundlichen_ usw. Filme, die +geradezu Musikszenen, z. B. Tänze, nach Musikrhythmen arbeitende +Kolonnen usw., darstellen. Wir können hier auf das über +Begleitgeräusche Gesagte verweisen; grammophonische Wiedergabe wäre +Ideal, angepaßte Nachahmung in diesem Falle berechtigt, weil ja auch +die Urmusik »künstlich« ist; _unerläßlich_ in diesem Falle die eine +oder die andere. Einen Negertanz ohne dessen Begleitmusik vorzuführen, +halte ich für geradezu unwissenschaftlich. -- Darüber hinaus aber habe +ich mich einfach aus der Erfahrung heraus für die vereinzelte +Anwendung musikalischer Begleitung selbst bei geeigneten erdkundlichen +Filmen aus _gesundheitlichen_ Gründen ausgesprochen. Es ist nun einmal +Tatsache, daß _gute_ angepaßte Musik wie kein anderes Mittel die +Nerven abspannt, sie erfrischt und ihnen ihre Arbeit erleichtert. +Selbstverständlich kommt Musik weder bei Filmen mit Geräuschwiedergabe +in Betracht noch bei solchen mit »bewegungsdramatischem« Inhalt noch +bei allen andern; aber sie kann Wunder tun bei Bildern, die eine +ruhige rhythmische, in sich wiederkehrende Bewegung ausspinnen. +_Begleitmusik beflügelt die Phantasie_ -- aus diesem Grunde weise ich +sie nicht streng aus allen erdkundlichen Vorführungen heraus, sondern +spreche ihr selbst sachlichen Wert zu. + +Was aber völlig unentbehrlich ist, sind zwei Dinge: das _Wort_ und das +_stehende Lichtbild_. Ich kann sie gemeinsam behandeln. Über die +Gestaltung des Begleitvortrags habe ich in »Kino und Kunst« alles +Nötige gesagt. Er hat zwei Aufgaben: erstens abermals das Bild +seelisch vorzubereiten und seine Lücken auszufüllen, zweitens den +Geist darüber hinauszutragen. Die letztere Aufgabe kann in Verbindung +mit einer Kinovorführung nur angesponnen, nicht ausgeführt werden. Wir +wollen sie aber dennoch nicht unbeleuchtet lassen, um uns abermals +gewärtig zu bleiben, daß alle Bildvorführung für die Erdkunde nur +Mittel, nicht Zweck ist. So wie einerseits _keine_ noch so vollendeten +Naturnachbildungen ohne geistige Nachteile von Zuschauern aufgenommen +werden können, die nicht über genügenden Vergleichsstoff aus _eigner_ +unmittelbarer Anschauung verfügen (worüber wir im Absatz »Schule« +gesondert sprechen) --, so ist anderseits alles von der Natur +Geschaute nur Mittel und Vergleichsstoff für die _eigentliche_ +geistige Aufgabe der Erdkunde: eben aus der Welt der Erscheinungen +zu den _Gedanken_ über sie zu gelangen, ihre Gesetze und +Kraftverhältnisse, ihre Ursachen und ihre Zukunft, ihr Wesen und ihren +Geist zu untersuchen. _Darüber_ spricht sich die Natur nicht, die +Abbildung noch weniger aus. Was uns das Bild zeigt -- auch das müssen +wir uns einmal wieder ins Gedächtnis rufen -- _sind_ ja gar +nicht die vom Menschen bereits genannten und gemessenen, mit +Erkenntnisgesichtspunkten und Gefühlswerten übersponnenen, menschlich +geaichten Naturwerte, sondern es ist die Urnatur in ihrer unentdeckten +Namenlosigkeit. Das ist nicht eine Grübelei, sondern eine sehr +wichtige Alltagswahrheit, deren Übersehen wieder eine der +Hauptursachen für die mangelhaften Erfolge »reformerischer« +erdkundlicher Vorführungen in Kinotheatern usw. ist. Man stelle sich +vor: da erscheint jenseits einer Flußfläche ein schlicht kegelförmig +zugespitzter hoher Berg, oben mit Schnee bedeckt. Im Vordergrund wogen +Binsen um einen Fischersteg. Vor dieses Bild setzt die Mägde und die +Kuhknechte, die Käsehändler und Pflasterarbeiter einer Kleinstadt. Was +sollen sie dazu sagen, was soll sie daran fesseln? Gewiß, es ist ganz +»schön« -- aber das, was _sie_ urwüchsigerweise im Kino suchen, +nämlich merkwürdige »Bewegungen«, sind gar nicht drin. Das Bild +gefällt nicht! Nun sagt der Vorführer einen Namen: Der Berg Fujijama. +»Ah!« entringt es sich den anwesenden gebildeten Besuchern. »Das also +ist der Fujijama, so sieht er wirklich aus!« Eine Fülle von +Gedankenverbindungen erweckt ihnen das Wort -- ihnen, aber immer noch +nicht den andern! Wenn _denen_ nun ein Berufener in einer Sprache, die +sie verstehen, sagen würde: »Hier ist es gar nicht irgendeine +'merkwürdige' Bewegung, die euch fesseln soll, sondern ihr sollt das +und das dabei denken,« wenn er ihnen etwa vorher ein paar japanische +Künstlerbilder von dem Heiligen Berge zeigt, ein japanisches Gedicht +oder eine Sage von ihm erzählte -- oder wenn er statt dessen wertvolle +wissenschaftliche Angaben (immer in der Sprache der Einfachen) über +ihn machte: damit würde er ihnen die richtigen _Augen_ geben, mit +denen gesehen auch ihnen das Bild reizvoll erscheinen würde. Denn sein +Wert liegt in dem, was wir, was ein ganzes Volk sich dabei denkt, in +dessen Phantasie der Berg den Mittelpunkt bildet; sein Hauptwert liegt +in dem, was das Bild _nicht_ zeigt, im Gedanklichen. Was ich hier am +Beispiel der Einfachen zeige, gilt in entsprechender Anwendung bis +hinauf zu den »gelehrtesten Häusern«. Niemand ist so vielwissend, daß +er im Augenblick, wo irgendeine Landschaft usw. vor ihm im Kinobild +auftaucht, gerade _den_ Wissensstoff genau gewärtig hat, der hier den +Mittelpunkt des Interesses bildet. _Jeder_ Beschauer eines Kinobildes +muß vorher darauf _eingestellt_ werden. Und das kann nur durch _Worte_ +geschehen. -- Diese Worte haben aber nicht nur allgemeine +Gesichtspunkte zu geben, sondern sie müssen auch einen andern Mangel +des Kinobildes, das schnelle, unvorbereitete Vorüberhuschen des Bildes +ausgleichen, indem sie auf seine hauptsächlich zu beachtenden +Einzelheiten vorher hinweisen. Diese vorherige Hinweisung, +gewissermaßen das Vorauserzählen des Kommenden, ist ein zünftiges +Kunstmittel des Theaters. Dadurch, daß man eine erst künftig auf der +Bühne erscheinende Person vorher nach Tracht und Art von andern +beschreiben und ihre Meinungen darüber tauschen läßt, wird das +Interesse an dem Kommenden nicht vermindert, sondern vermehrt. + +Das letzte, nicht das schlechteste Ergänzungsmittel des erdkundlichen +Bildes, das zugleich das Wort in hohem Grade entlastet, ist das +_Lichtbild_. Es hat vor dem Bewegungsbild den Vorzug, eine lange +ruhige Betrachtung zu ermöglichen, die großen Grundformen einer +Landschaft usw. viel besser als der davonlaufende Film erkennen zu +lassen, und auch künstliche Darstellungen, Schemen, Landkarten, +Zeichnungen usw. zu ermöglichen. Es ist zugleich eine Erholung für das +Auge, auch insofern, als es in einem ganz andern Sinne als der Film +künstlerisch (malerisch) hervorragend sein und sowohl naturfarben wie +bemalt dem besten Geschmack entsprechen und zeigen kann, was dem Film +fehlt. Auf ihm kann man bequem die Stellen zeigen, an denen im +Laufbilde etwas Besonderes zu beachten ist, und man kann anschaulich +machen, wie sich die besondere Örtlichkeit des Laufbildes einem großen +erdkundlichen Ganzen einordnet. Kein Film sollte ohne eingehende +Vorbereitung und Vorbesprechung auf der Wand erscheinen. Nichts ist +ein falscheres, stilwidrigeres Wirkungsmittel gerade für das +Bewegungsbild als die _Überraschung_ des Beschauers. + +Alles, was wir genannt haben, läuft darauf hinaus, erdkundliche +Bewegungsbilder in solcher Zurichtung, Vorbereitung, Ergänzung und +Umgebung zu zeigen, daß die Beschauer das höchsterreichbare Maß von +Wirklichkeitsanschauung unter allersorgfältigster Unschädlichmachung +von Fehlerquellen und möglichster Erleichterung ihrer Sinnestätigkeit +erhalten. So durchgeführt, vermag der Kino dem geübten Gelehrten den +Forschungsgegenstand selbst in einem gewissen Grade zu ersetzen, dem +Wissensbeflissenen wird er ein verläßliches Hilfsmittel, dem Schüler +ein nicht irreführender Wegweiser, dem Künstler ein Genuß, jedermann +eine geistige Bereicherung und der Menschheit ein Nutzen und eine +kulturfördernde Völkerverbindung sein. + + + + +II. Wissenschaftliche Erdkunde + + +Das Wort »wissenschaftlich« wird im Zusammenhang mit Kinematographie +geflissentlich mißbraucht. Man bezeichnet frischweg jeden Film nach +Naturvorgängen als »wissenschaftlich«. Für alle andern bleibt ja das +schöne Schildchen »künstlerisch«. In Wirklichkeit kann von +»wissenschaftlicher« Kinematographie im strengen Sinne nur da +gesprochen werden, wo diese Technik -- wie etwa das Mikroskop -- der +_Forschung_ neue Möglichkeiten eröffnet, also etwa gestattet, Dinge zu +beobachten, deren man ohne sie nicht habhaft werden konnte, oder alte +in solcher Weise, die vorher nicht möglich war. Erst im weitern Sinne +lassen sich Filme als wissenschaftlich bezeichnen, die alle +Anforderungen erfüllen, um wenigstens als Hilfsmittel im auf +wissenschaftliche Ziele gerichteten Unterricht verwendet werden zu +können. Beides gilt von den bisher geschaffenen erdkundlichen Filmen +nur ausnahmsweise, und wir wollen kurz untersuchen, wie weit die +Kinematographie überhaupt für wissenschaftliche Zwecke brauchbar sein +mag, und welche Anforderungen in diesem Falle an sie gestellt werden +müssen. + +Zunächst als _Forschungs_mittel im strengen Sinne kommt sie in zweierlei +Hinsicht in Betracht. Erstens für die Erd_geschichts_wissenschaft, +insofern sie erdkundliche Erscheinungen, die der Veränderung oder dem +Vergehen ausgesetzt sind, dauernd festhält und dadurch auch spätern +Forschern und Geschlechtern die Untersuchung und Vergleichung +ermöglicht. So stellte sich z. B. heraus, daß der Geiserfilm, den ich +schon erwähnte (Neuseeländische Geiser, Urban-Eclipse), gerade dadurch +einen außerordentlichen Wert hatte, daß er eine interessante, +inzwischen aber verschwundene Naturerscheinung -- vielleicht die +großartigste ihrer Art -- festhielt.[3] Dergleichen Gegenstände würden +sich in der Welt viel finden, aber nicht bloß auf dem Gebiete der +Superlative, der »großartigsten« usw., sondern mehr noch unter +unscheinbaren Naturerscheinungen. Hier berühren sich die Interessen +der Wissenschaft mit solchen der Allgemeinheit, für die +erfreulicherweise das Verständnis mehr und mehr um sich greift: denen +des _Naturschutzes_, und wo der nicht mehr möglich ist, der _Erhaltung +von Naturdenkmälern_ wenigstens im Bilde. Die Natur- und +_Heimatschutz_gesellschaften seien an dieser Stelle besonders auf das +Hilfsmittel der Kinematographie im genannten Sinne wie auch zur +_Werbung_ für ihre Bestrebungen aufmerksam gemacht. Wenn z. B. jetzt +der Gedanke, große _Naturschutzparks_ nicht nur in der engern Heimat, +sondern eben in der ganzen Welt, vor allem in den Kolonien, anzulegen +und im ursprünglichen Zustande zu erhalten, Gestalt gewinnt, so sollte +man das Interesse dafür aufrufen durch Bewegungsbilder der +betreffenden Gegenden, denen andere von bereits als unrettbar +erkannten Gegenden wirksam an die Seite gestellt werden +könnten. Besonders kommt dieses Sammeln von kinematographischen +Naturdenkmälerabbildungen für die Gebiete der Pflanzen-, Tier- und +Menschengeographie in Betracht. Man vergleiche die ergreifenden +Darstellungen, mit denen _Paasche_ im »Vortrupp« und an andern Orten +die denkende Menschheit auf die entsetzliche Verödung der Natur gerade +in bis dahin »jungfräulichen« Jagdgründen aufmerksam machen will, und +lese da nach, wieviel der prächtigsten und bezeichnendsten Tierarten +-- Elefanten, Wale usw. -- bereits dem Aussterben nahe sind. Ganz +besonders denken wir hier natürlich auch an die _Menschenkunde_ im +weitesten Sinne des Wortes (Ethnographie), Rassen-, Volkskunde +einschließlich urwüchsiger Bauarten, Industrien, Trachten usw. Hier +handelt es sich ja ebenfalls leider häufig genug schon um +unabwendbares Aussterben; überall aber liegt ein ständiger, oft +langsamer, oft sehr plötzlicher _Wandel_ der Erscheinungen vor. Diesen +entwicklungsgeschichtlichen Wandel sowohl im Drum und Dran wie auf +körperlichem Gebiete kann die Kinematographie in hervorragender, oft +in einziger Weise der Forschung der Nachwelt vor Augen halten. Endlich +kommt die Festhaltung _einzelner_ Naturschauspiele, z. B. des +Ausbruchs und Werdens neuer Vulkane, in Betracht, zu deren Aufnahme +freilich meistens Zufallsglück gehört. Es wäre eine planmäßige +Aufnahme möglichst vieler derartiger Naturdenkmäler über die ganze +Welt zu befürworten. Für diese Aufnahmen müßten dann natürlich +_Sammlungen_ (Archive) angelegt werden, deren Inhalt nicht durch +zeitgenössische Vorführungen gefährdet und im Wert gemindert werden +dürfte. Ein solches Unternehmen wäre, wie unten nachzuweisen, durchaus +kostenlos durchzuführen. + + [3] Und zwar leider dennoch auf Nimmerwiedersehen! Bei + Nachforschung stellte sich heraus, daß das unschätzbar + wertvolle Negativ nach einer gewissen Anzahl Kopien wie + üblich »vernichtet« worden ist -- eine bezeichnende + Illustration zum Thema »Traum und Wirklichkeit in der + Kinematographie«. Filmarchive! + +Aufmerksam muß ich aber auch hier darauf machen, daß derartige Filme, +richtig hergestellt, einen ganz unschätzbaren, mit der Zeit ungeheuer +steigenden _Sammlerwert_ haben würden. Es würde also keineswegs eine +tote Geldanlage sein. Über Filme als Sammlergegenstand beabsichtige +ich mich, im »_Buch vom Kino_« weiter auszulassen. + +Die zweite Eigenart, durch die die Kinematographie für die _Forschung_ +unmittelbaren Wert hat, liegt in der Möglichkeit, die Aufnahmen zu +_Messungszwecken_ zu verwenden. Der Film zerlegt jede Bewegungseinheit +in eine große Menge einzelner Teile, deren Zeitabstand voneinander +genau bemessen ist, und -- die zur genauen Nachbestimmung standhalten. +Sie erlauben daher, Bewegungen zu untersuchen, die in der Wirklichkeit +zu flüchtig oder vereinzelt, oder auch zu klein und kurz sind, um mit +den Sinnen aufgefaßt zu werden. Dadurch wird der Wissenschaft geradezu +ein neues Betätigungsgebiet erschlossen, welches ich _Rhythmologie_ +benennen möchte: die Erforschung der Zeitgesetze in den freien +Bewegungserscheinungen der Natur. Sie ist z. B. betreffs der +Wellenbewegung im Meere, des Aufschlagens bestimmter Wellen an +Flußufer usw. schon versucht worden, aber es standen keine andern +Hilfsmittel zur Verfügung als Uhr und Hand und etwa Instrumente, die +jedenfalls kein beständiges (kontinuierliches) Bild der Erscheinungen +boten. Über den Wert einer solchen Forschung brauche ich dem +Gebildeten kein Wort zu sagen. + +Endlich das dritte kinematographische Forschungshilfsmittel, dem +vorigen verwandt, wenn auch schon mehr auf das Gebiet der Lehr- und +Veranschaulichungshilfsmittel hinüberweisend, ist die Aufnahme unter +künstlich veränderten Bedingungen. So ist es vor allem möglich, +Veränderungen, die sich in Wirklichkeit über längere Zeiträume +erstrecken, in wenige Minuten zusammenzudrängen und dadurch ebenfalls +wieder ihre Einheit und ihren Rhythmus sinnenfällig zu machen. Wenn +auch dergleichen wohl mehr für andere Naturwissenschaften in Betracht +kommt, so gibt es doch auch Gelegenheiten, wo es für die Erdkunde in +Betracht kommt, und wenigstens vielen bequeme Beobachtungen +ermöglicht, die -- etwa wie die täglichen Meeresgezeiten, die +jährlichen Gletscherschwankungen, allmähliche Verwitterungsvorgänge -- +sonst nur vereinzelt ungenau, mühsam und mit unverhältnismäßigem +Aufwand gemacht werden könnten. + +Ganz allgemein bildet der Kino eins der wertvollsten Hilfsmittel des +_Forschungsreisenden_, dem sie eine bequeme, dokumentarisch getreue +und dauernde Einheimsung seiner Beobachtungen, ihre schnelle +Überführung in die Stoffmenge der Forschung ermöglicht und zugleich +unter Umständen ein unwiderlegliches _Beweismittel_ seiner Erfolge und +Behauptungen gibt. Wir wollen hier sogleich die Frage behandeln, auf +welche Weise sich der Gebrauch dieses Hilfsmittels _praktisch_ +durchführen läßt. Es kommen hier namentlich zwei Schwierigkeiten in +Betracht: die Belastung des Gepäcks und die Kostenfrage. Die _Technik_ +der Kinoaufnahmen kann kein Hindernis bieten; sie ist im allgemeinen +sehr einfach und leicht. Eine kurze gute Einführung darin bietet +Liesegangs »Lichtbild- und Kinotechnik« (Lichtbühnen-Bibliothek Nr. +1), ausführlich desselben Verfassers »Handbuch der Kinematographie« +(Düsseldorf, 8 M) und andere. Über die allgemein zu beobachtenden +Maßregeln vgl. mein »Kino und Kunst«. + +Der im Großbetrieb übliche Aufnahmekino, wie er von zahlreichen Firmen +hergestellt wird, bildet mit dem nötigen schweren Fuß (Stativ) und +allem Zubehör allerdings eine beträchtliche Last, zu deren Bewältigung +auf längere Märsche mehrere Träger abwechseln müssen. Dennoch kommt er +in erster Linie in Betracht, da er doch wohl nicht nur allein die für +die unvermeidliche Inanspruchnahme durch Beförderung usw. nötige +Festigkeit und Derbheit besitzt, sondern auch allein die Filme +liefert, deren Format und Durchlöcherung den allgemein in Kinotheatern +usw. verbreiteten Vorführungsapparaten entspricht. Diese sind aber +wieder für die Vorführung in _großen_ Räumen notwendig. Auf der +Möglichkeit aber, die aufgenommenen Bilder wenigstens zum Teil von den +Kinotheatern und in Vereinsvorführungen usw. geschäftlich zu +verwerten, beruht aber hauptsächlich die vorteilhafte Erledigung der +Kostenfrage. -- Es gibt aber auch mittlere und kleinere Aufnahme- und +Vorführungsapparate, die erstern »Schul«-, die letztern +»Salon«-Kinematographen genannt. Diese haben den Vorzug, sehr viel +handlicher zu sein, besonders die letztern, die kaum das Gewicht einer +9 × 12-Kamera ausmachen, und deren Stativ natürlich ebenfalls leichter +sein kann. Die Bilder dieser Apparate genügen bei richtiger Behandlung +durchaus den meisten, auch wissenschaftlichen Zwecken, nur lassen sich +die Bilder nicht so groß und daher nicht in sehr großen Sälen +projizieren. Die Filme sind nämlich nur von etwa halber Breite und die +Bildchen von halber Höhe der im Großbetrieb üblichen, und +die Durchlöcherung ist anders angeordnet. Dadurch sind sie +schwieriger und jedenfalls nur ausnahmsweise in Kinotheatern +usw. unterzubringen. Dadurch, daß man sie auch sonst nur in +kleinern Kreisen zeigen kann, lassen sie sich auch finanziell +nicht so verwerten, ein Übelstand, dem allerdings die bedeutende +Film- und Behandlungsersparnis gegenübersteht. In der Kleinheit +liegt aber noch ein weiterer Nachteil: die Einzelheiten kommen +nicht so heraus, die Unterscheidungsgrenze liegt um die Hälfte +tiefer als bei Normalfilmen, und wenn man sie auf gleiches Format +zu projizieren versucht, so tritt das photographische Korn störend in +die Erscheinung. Der größte Mangel ist aber wohl der, daß die +Kassetten, die diesen Apparaten angehängt werden, nur kurze Filme zu +fassen vermögen. Bei längern würde die ungleiche Abwicklung infolge +der unverhältnismäßigen Verminderung des Umfangs der Filmrolle auch +Ungleichmäßigkeit des Aufnahmezeitmaßes zur Folge haben. (Ausführlich +gedenke ich die Frage der Liebhaber-Kinematographie in meiner Schrift +»_Das Buch vom Kino_« zu behandeln.) Neuerdings sind aber auch eine +ganze Reihe von Apparaten mittleren Umfangs und Gewichts geschaffen +worden, die für »Normalfilme« eingerichtet sind, und übrigens läßt die +lebhafte Tätigkeit hinter den Kulissen der Apparate-Fabriken auf +diesem Gebiete darauf schließen, daß hier bald Vollkommenes zutage +treten wird. + +Wichtig ist die Kostenfrage. Sie kann indessen nicht ernstlich +schrecken, wenn man sich überlegt, daß zwar jedes einzelne Meter +Rohfilm 1 M kostet (ein 5 Minuten laufender Normalfilm ist ungefähr +100 Meter lang), für ein Negativ und ein Positiv also ohne die +Behandlungskosten und Verpfuschtes, Abfall usw. 2 M (im großen wird +es etwas billiger), daß aber auf der andern Seite der fertige Film, +wenn er gelungen ist, einen großen unmittelbaren und einen größern +Zukunftswert besitzt. Von dem Zukunftswert wissenschaftlicher Filme +haben wir gesprochen. Es wird leicht einzuführen sein, ihn durch die +Anregung des Sammeltriebes vermögender Privater und interessierter +Körperschaften (Gemeinde, Staat usw.) unmittelbar zu verwirklichen. +Noch gewisser und leichter ist der Weg, wenigstens Teile guter +derartiger Aufnahmen der öffentlichen Benutzung, dem Turnus der +Kinotheater usw. zur Verfügung zu stellen. Naturgemäß werden +Forscheraufnahmen sowieso ein bedeutend größeres Interesse selbst für +die breite Öffentlichkeit haben als gewöhnliche Operateuraufnahmen, +die ja meistens von der Heerstraße stammen. Dieses Interesse wird sich +durch geeignete Behandlung bei der Vorführung wesentlich steigern +lassen, und die lebhafte Kinoreformbewegung wird ein übriges dazu tun. +Eine Aufnahme aber, die erst mal die Runde durch die Kinotheater der +Welt gemacht hat, hat sich selber und viele andere reichlich bezahlt +gemacht. Hier ist also der Weg für Forscher, wissenschaftliche +Institute und Sammlungen gegeben, kostenlos, ja mit Überschuß, sich +das Wertvollste zuzulegen. In welcher Weise das im einzelnen geschehen +könnte, darüber werde ich im Abschnitt »Kinogesundung« sprechen. Hier +will ich nur hinzufügen, daß an ein Kostenhereinbringen auf dem Wege +von Einzelvorführungen wohl in keinem Falle zu denken ist. Nur berührt +sei, daß auf Forschungsreisen selbst durch gelegentliche Vorführung +von eignen und fremden Aufnahmen dem Unternehmenden manche Gelegenheit +geöffnet, mancher Nutzen geschaffen werden, und nötigenfalls auch eine +unmittelbare finanzielle Erleichterung entstehen kann. + +Über Nutzen, Verwendung und Berechtigung der Kinematographie für den +wissenschaftlichen Unterricht, also an Hochschulen, Handels-, +Kolonial- usw. Schulen, brauche ich mich kaum noch beweisend zu +verbreiten. Wenn dagegen hier und da noch Vorurteile bestehen mögen, +so liegen sie meines Erachtens nur in der ungenügenden Beschaffenheit +und der Kostspieligkeit und besonders der Schwierigkeit der Erlangung +genügenden Filmstoffes. Die Anschaffung von Apparaten und +Einrichtungen lohnt natürlich nicht, solange nur wenige unvollkommene +Filme in Betracht kommen, und jeder Beflissene diese ebensogut im +nächsten Kinotheater sehen kann. Das wird ja ganz anders werden, +sobald Aufnahmen von Wissenschaftlern selbst in reichlicher Menge zur +Verfügung stehen. Über die zurzeit herrschende Schwierigkeit der +Beschaffung erdkundlicher Filme und ihre Behebung spreche ich an +anderer Stelle. Hier aber ist der Ort, über die notwendige +Beschaffenheit wissenschaftlich brauchbarer Filme zu sprechen, und wir +kommen damit zu dem Gegenstand: _erdkundliche Filmaufnahmen_. Für sie +gelten die allgemeinen, im erhöhten Grade all die Vorschriften, die +ich in meiner Schrift »Kino und Kunst« als unerläßlich für +»kunstgerechte«, d. h. einfach sachgemäße und wohldurchdachte +Aufnahmen ausführlich behandelt habe. Wir wollen sie hier unter unserm +besondern Gesichtspunkte abermals durchnehmen. + +Für Kinoaufnahmen kommen naturgemäß diejenigen Gegenstände vornehmlich +in Betracht, in denen die _Bewegung_ irgendeine wichtige sachliche +oder ästhetische Rolle spielt, soweit der Film imstande ist, sie +deutlich und richtig wiederzugeben. Vielleicht gibt es da _kein_ +Gebiet der Erdkunde, das gar nicht in Betracht käme, aber doch einige +ganz vorwiegend. Die Erde als Weltkörper, also in ihren Beziehungen +zum Raum und zu den Gestirnen, bietet unmittelbar nur wenig Stoff für +uns, ebenso als Gegenstand der Messung und Teilung. Für die +_Erdgeschichte_ sind vorwiegend Archivaufnahmen wichtig, auf die wir +hingewiesen haben. Außerdem sind eine Menge alltäglicher Vorgänge +erdgeschichtliche Entwicklungen im kleinen, so die unmittelbare +Beobachtung eines Sturzregens und seiner geologischen Folgen, die +Beobachtung von Lawinen, Gletscherbewegungen usw. Ferner können wir +hierher Erdbebenerscheinungen, Vulkanausbrüche und Verwandtes rechnen, +dessen kinematographische Festhaltung von größtem Werte wäre. Hieran +schließt sich die Meteorologie: Wetter- und Klimavorgänge und andere +atmosphärische Erscheinungen. Ich möchte hier deutlich dem etwaigen +Vorurteil entgegentreten, als ob atmosphärische Bildungen für den +Kinematographen zu fein wären. Sie lassen sich alle, soweit das bloße +Auge sie erkennt, auch kinematographieren, wenn wir auch hier die +Farbe als etwas sehr Wesentliches vermissen werden. Zur +Veranschaulichung der Oberflächengestaltung der Erde, ihrer großen +Grundformen und ihrer feinen Einzelheiten ist das Bewegungsbild +viel berufener und nötiger, als man zunächst angesichts der +Bewegungslosigkeit des festen Landes denkt. Denn erstens regt es sich +und lebt überall in der Welt, selbst in der Wüste, und je ruhiger der +Hauptgegenstand, desto feiner und für das Ganze bezeichnender und +unentbehrlicher sind die _kleinen_ Bewegungen -- das Hinhuschen einer +Eidechse, das Hinhauchen einer Staubwolke usw. Zweitens aber bewegt +sich, wo die Erde regungslos ist, doch _auf_ ihr das Licht und zaubert +durch sein Spiel geheimnisvolles Leben. Dasjenige aber, was fast +überall die Welt belebt, und vielleicht der gewaltigste Gegenstand der +Kinematographie ist das _Wasser_ in allen seinen Formen. Ob es als +Salzlake überm Wüstenboden blinkt, als Bächlein rieselt, als Fluß +strömt, als Wasserfall herniederbraust, als Meer blinkt, kräuselt, +brandet oder tobt, ob es als Regen oder Schnee herniederfällt, als Eis +funkelt oder als Nebel glänzt und wallt -- in all seinen Formen ist es +unerschöpflich schön, unergründlich gesetzmäßig, voll unendlicher +Aufgaben für den Forscher, voll Lehren für den Schüler, der große +Gestalter und Maler des Erdballs. Wenig einzelnes habe ich zu sagen +über die Pflanzen-, Tier- und Menschengeographie. Mit den genannten +Dingen tritt ja das Leben selbst, die vom Geiste beherrschte Bewegung +auf die erdkundliche Bühne, und hier versagt jeder Versuch, das dem +Kinematographen Zugängliche auch nur in seinen Grundzügen aufzuzählen. +An _Stoff_ fehlt es hier nicht, aber nicht der Stoff, sondern nur die +Art der Aufnahme macht den erdkundlichen wie den allgemeinen Wert des +Bildes aus. + +Abermals muß ich hier, und zwar in der nachdrücklichsten Weise, +bitten, meine Schrift »Kino und Kunst« zur Ergänzung heranzuziehen, +denn ohne die großen allgemeinen Zusammenhänge und Gesichtspunkte, die +dort ausführlich behandelt werden, sind die nachfolgenden +Sonderangaben nicht voll zu verstehen. Vollendete Kinokunst -- und +jede Aufnahme ist ein Stück _Kunst_, d. h. freie menschliche +Höchstbetätigung im Rahmen des technisch und zwecklich Angezeigten, +oder sie ist gar nichts --; vollendete Kinokunst läßt sich nicht durch +Befolgung einzelner Vorschriften lernen, sondern nur aus Erfassung des +_Geistes_ der Sache heraus. Auch kann ich mich hier über die Technik +im engern Sinne nicht auslassen, obgleich ihre meisterhafte Anwendung +natürlich die Hauptbedingung für den Sachwert des Bildes ist. + +Noch mehr wie sonst gilt auf dem Gebiete erd- und menschenkundlicher +Bewegungsaufnahmen, daß ihr Wert einzig und allein in der +unverfälschten, dokumentarisch genauen _Wirklichkeits_wiedergabe +beruht. Und zwar wollen wir die unbelauschte Wirklichkeit beobachten, +nicht -- den Eindruck, den Apparat und Aufnahme auf die Welt gemacht +haben. Erde, Wasser, Luft und Bäume lassen sich ja dadurch nicht +beirren; Tiere aber muß man in den meisten Fällen durch oft sehr +schlaue Mittel und vor allem genaue Vorerforschung ihrer Gewohnheiten +und -- Geduld belauern und täuschen. Dafür ist eine wohlgelungene +Landschaftsaufnahme mit tierischer Staffage auch vielleicht das Bild, +das das meiste Entzücken und die höchste Bewunderung hervorruft, vor +allem aber auch eine wirkliche Höhenleistung der Kinokunst, und von +außerordentlichem Sachwert. Jeder erinnert sich ja an die wunderbaren +Tieraufnahmen von Kearton. Gewiß hat aber auch jeder Kinobesucher mit +einem peinlichen Nebengefühl bemerkt, daß fast alle derartigen +Aufnahmen in _künstlicher_ Umgebung, besonders in täuschend +ausgestatteten zoologischen Gärten (Hagenbeck) gemacht worden sind. +Solche Bilder haben so gut wie gar keinen wissenschaftlichen und sehr +geringen Lehrwert, und kinematographisch sind es keine Leistungen. +Auch die Zuhilfenahme von künstlichem Köder, versteckten Zutreibern, +Magnesiumlicht usw. entspricht nicht dem Geiste des Kinos, denn alles +das bringt unwirkliche, unnatürliche Züge hinein. Noch schwieriger +fast als die natürliche Aufnahme von Tierbildern ist die von Menschen. +Das unerschöpfliche Stoffgebiet der Völkerkunde und Menschengeographie +wird bedeutend eingeengt durch die Sonderbarkeit jedes Menschenwesens, +sich vor dem Apparat anders als natürlich zu geben. Fast auf allen +derartigen Bildern gibt es -- manchmal mit, meist wider Willen des +Aufnehmers -- mindestens einige Personen, die die Kamera entdeckt +haben, und sich infolgedessen zu großer Heiterkeit und zur Zugabe von +Extrafaxen verpflichtet fühlen, oder sich plötzlich erinnern, daß der +Mensch eigentlich seine Beine und Arme ganz anders gebrauchen müßte, +als er es unbeobachtet tut, oder die aus Schüchternheit, ja gar aus +Furcht -- ausreißen. Die Aufnahme von Menschenszenen ist nicht nur +eine technische, sondern vor allen Dingen eine ganz bedeutende -- +seelenkundliche Leistung. Es wird sich in vielen Fällen empfehlen, den +Aufnahmezweck und -vorgang nicht zu verhehlen, da eben doch die +Aufnehmenden dabei selber zuviel bewußt mittun müssen -- sie müssen +innerhalb eines bestimmten Gesichtskreises bleiben usw. --, und da +eben eine _zufällige_ Entdeckung der Sache den _größten_ Schaden +stiftet. Der sichere Weg ist in solchen Fällen wohl der, den jeder +einschlagen muß, der volkskundlichen Stoff einsammeln will: sich erst +so das Vertrauen der Leute gewinnen und sie dabei so weit in das +Verständnis einführen, auch ihr eignes Interesse anregen, daß der +Sache für sie das Befremdende genommen wird, und sie, nötigenfalls +durch Vorproben, Befangenheitsfehler ablegen lernen. Daß auch dann +noch das Unternehmen die größte Menschenkenntnis und geistige +Überlegenheit, überdies sehr viel Umsicht und Übung erfordert, ist +gewiß. Denn: wenn auch das Menschenleben überall _interessant_ ist, wo +man hineingreift, so ist es doch nicht überall _kinematographisch_ +erfaßbar. Namentlich spielt da ein anderer Umstand, nämlich die +Beleuchtung, eine oft recht unbarmherzige Rolle. Sie muß man bei +derartigen Aufnahmen lange vorher auskundschaften und berechnen. + +Nur soweit der Wirklichkeitswert der Aufnahmen dadurch nicht +beeinflußt wird, dürfen wir andere Gesichtspunkte des guten Geschmacks +sprechen lassen. Diese sind vor allem: Auswahl des _Wesentlichen_ (das +sind hier hauptsächlich Bewegungsvorgänge, nicht die Gegenstände an +sich) und, aus geld- und kraftwirtschaftlichen Gründen möglichste +_Häufung_ desselben -- wiederum nur bedingungsweise. Was ich aber +besonders hervorheben will, ist die Notwendigkeit, jeder einzelnen +Szene die nötige _Länge_ zu bewilligen. Sie muß so lange dauern, daß +erstens mindestens eine vollständige _Bewegungseinheit_ darauf kommt. +Es sollte ja selbstverständlich sein, daß die Filmparze dem mähenden +Bauern nicht gerade dann den Lebensfaden abschneiden darf, wenn er den +Arm zum Schwunge erhoben hat, ebenso wie sie ihn nicht mitten in einer +Tätigkeit das Licht der Bogenlampe erblicken lassen darf. Wo es sich +um systematisch wiederkehrende Bewegungen handelt, müssen diese +Rhythmen vollständig und mehreremal zur Anschauung kommen. Ich +erinnere mich an eine großartige Meeresbrandung: wie rabiate Vorläufer +kommen lange flache Wellen schäumend auf Klippen losgerannt und +scheinen vor ihnen umzukehren, um sich mit den nachkommenden zu +vereinigen. Dann stürzen sie brandend heran ... mittlerweile sieht man +hinter ihnen eine der »Großen« sich sammeln, erheben, heranschweben +... sie stürzt brüllend und in Schaumkaskaden zerfetzt, über die +Felsen weg. Nach dieser Kraftprobe tritt eine unheimliche Pause ein -- +da sammelt es sich im Hintergrunde schwarz und mächtig, bäumt sich +ungeheuer auf, den Himmel verdunkelnd, gleitet heran wie ein auf die +Hinterbeine gebäumtes Ungeheuer und naht sich so drohend, daß man +unwillkürlich die Augen schließt -- im nächsten Augenblick ist alles +auf der Leinwand ein Chaos. Schaudernd und doch mit einer +ästhetischen Befriedigung, die nur die größten Szenen der reinsten +Kunstwerke gewähren, erleben wir das Kraftschauspiel der Natur. Aber +-- im selben Moment springt das Bild um, und es erscheint irgendeine +andere Szene. Das ist sachlich so falsch wie geschmacklich. Was wir +gesehen haben, war eine Wogenperiode -- es gehört zu ihrem Wesen, daß +sie sich im gleichen gelassenen Rhythmus je und je wiederholt: wir +müssen das _ein paarmal_ erleben, um es richtig zu erfassen. Aber auch +ästhetisch ist es notwendig, denn unsere Seele ist bis ins Innerste im +Banne dieses Schauspiels; es muß sich ausleben und auswirken, unsere +Nerven müssen ihm gegenüber den Halt wiederfinden, und es muß uns Zeit +gelassen werden, uns vollkommen in die _Stimmung_ hineinzuleben. Nur +nebenbei bemerke ich, daß es natürlich Barbarismus schlimmster Art +ist, nach solcher Szene ohne Pause eine andere folgen zu lassen; es +muß eine Ruhepause folgen. In der üblichen Kinematographie wird aber +noch viel schlimmer gegen die Gesetze des Nervenlebens, des Geschmacks +und der Sachlichkeit gesündigt. Szenen von zwei bis drei Sekunden sind +nicht selten, Szenen von sachgenügender Länge geradezu eine Ausnahme. +_Jede Bewegungsszene muß so lange dauern, bis die über der wildesten +Bewegung schwebende heitere Weltruhe wieder im Beschauer zur +Herrschaft kommt._ Selbst die geringst bewegten Bilder -- Wüste, +Waldeinsamkeit usw. -- ja diese, in denen abgeschlossene +Bewegungseinheiten eigentlich fehlen, erst recht, müssen so lange +dauern, daß die in ihnen liegende _Stimmung_ deutlich und nachhaltig +zum Ausdruck kommt -- ganz abgesehen davon, daß vor allem natürlich +das Auge Gelegenheit haben muß, das Dargestellte überhaupt sachlich +voll zu erfassen. + +Eine weitere Bedingung für die Brauchbarkeit erdkundlicher Aufnahmen +in irgendeinem Sinne ist die Besorgung und Beigabe ausführlichen +Sachfeststellungs- und Erläuterungsstoffs. Auch dessen Mangel ist eine +Hauptursache für die bisherige verhältnismäßige Erfolglosigkeit +erdkundlicher Bilder in Kinotheatern und ihre Ablehnung durch +wissenschaftliche und Unterrichtsfachleute. Es ist unglaublich, aber +wahr, daß es bei den meisten im Handel befindlichen Filmen gar nicht +möglich ist, ihren Inhalt so festzustellen, wie es für das volle +Verständnis, ja auch nur dazu nötig wäre, um zu erfassen, worin +eigentlich das Interesse des Bildes liegen soll. In sehr vielen Fällen +sind sogar die Bezeichnungen und Inhaltsangaben der Bilder _falsch_. +Von drei Palästinafilmen, die ich von drei Firmen erhielt, war je etwa +die Hälfte der Teile nicht aus Palästina, sondern anderswoher, und +zwar handelte es sich dabei nicht um Ähnlichkeiten -- daß etwa Oasen +aus Ägypten und Palmenhaine aus Arabien »eingelegt« waren, sondern +ein angebliches Jerusalem war in Wirklichkeit einmal Kairo, einmal +Damaskus usw.; dabei hatte ich die Bilder persönlich von den +Ursprungsfirmen geholt, und sie waren für mich zu besonders wichtigem +Zwecke gedruckt worden. Jene mehrmals erwähnten Geiser Neuseelands +waren mir als solche von den Fidschiinseln verkauft worden. Es +bedurfte im ersten Falle der Mitwirkung des Probstes von Jerusalem, +der zufällig am Orte war, um die Irrtümer festzustellen, der +Durchsicht umfangreicher Literatur, um sie zu berichtigen. Im zweiten +Falle habe ich mir mit Fachleuten lange den Kopf zerbrochen, bis wir +durch eine wahre Nick-Carter-Arbeit auf das Richtige kamen. Zahlreiche +andere, und zwar Glanzfilme jenes erdkundlichen Musterprogramms, die +wir teuer bezahlt hatten, mußten wegen der Unmöglichkeit, ihren +Gegenstand trotz der Beihilfe von Fachleuten festzustellen, ausgemerzt +werden, und ich weiß heute noch nicht, was sie bedeuten. Die meisten, +die wir brachten, erhielten ihren Wert, ihr brennendes Interesse erst +durch Erläuterungen, die wir den Zuschauern geben konnten, weil wir in +monatelanger mühsamer Durchackerung der Literatur diejenigen Hinweise +gefunden hatten, von denen die lächerlichen Begleittexte der Firmen +nichts wußten. So erhielt der Film »Flußfahrt auf dem Avon in +Neuseeland« -- an sich eine der schönsten Aufnahmen, die ich kenne +(Urban) -- doch sein ich möchte sagen: pikantes, unmittelbar +ergreifendes, nicht nur menschliches, sondern auch erdkundliches +Interesse erst dadurch, daß wir die Urgeschichte der Riesen- und +Trauerweiden aufstöberten, die an beiden Ufern wogten. (Sie sind +Abkömmlinge eines einzigen Reises vom Grabe Napoleons auf St. Helena, +und zugleich ein Musterbeispiel für die Gier, mit der der Boden +Neuseelands fremde Einführungen aufgenommen hat.) Diese Beispiele +könnte ich ins Unendliche vermehren. Über die Ursachen dieser Mängel +habe ich mich in »Kino und Kunst« ausgelassen. + +Jede erdkundliche Aufnahme muß mit ihrem eignen _Tagebuch_ verbunden +sein, d. h. es müssen ausführliche Angaben nicht nur über Ort, Datum +usw. der Aufnahme, sondern vor allem über ihre Einzelheiten gemacht +werden, auch solche, die im Augenblick nebensächlich oder +selbstverständlich erscheinen. Ich würde vorschlagen, zunächst jedem +Negativ einen Aufnahmezettel folgender Art beizugeben (s. S. 39.) + + + + + A + + Nr. Bilderreihe: »Neu-Seeland« + + Aufgenommen von ............. + Rohfilm ............... + Apparat ............... + + ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------ + Nr.| Tag | Ort | Personen | Blende | Dauer | + | Stunde |Gegenstand| usw. |Beleuch-| Tempo, | Bemerkungen + | | | | tung | Länge | + ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------ + | | | | | 40 | Dampf und heiß. + |14. III. | Geiser |Hintergrund|Bedeckt | Sek. | Wasser, nicht + 1. | 1914 | »Wairoa« | X...Berg | Bl. 2 | Normal | sehr hoch, vorn + | 11½ v. | | | | (etwa | links flüchtender + | | | | | 14 m) | Mann + ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------ + | | Geiser | | | 70 | Kennzeichen: + | |»Feder d. | | | Sek. | mehrere wie ein + |14. III. |Prinzen v.| | Klar | (etwa | Federbusch aus- + 2. | 1914 | Wales« | | Bl. 3 | 25 m) | einanderfahrende + | 3 n |»Prince of| | | | Strahlen, durch + | | Wales | | | | Schlamm usw. + | | Feather« | | | | schattiert + ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------ + | | | + | | | Hierzu: drei Photos + | | | + ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------ + | | | | | 30 | + |16. III. |Dorf X... | Poi-Tanz | Klar | Sek. | Anmarsch mit + 3. | 1914 |bei Napier| (Näheres | Bl. 2 | Normal | Gesang + | | | Tageb.) | | (etwa | + | | | | | 10 m) | + ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------ + 4. | | | " | | 40 | Erster Tanz + | " | " |Fortsetzung| " | Sek. | + + + + + B + + Firma ...... + Entwicklung .............. + + ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+-------------- + | | | | Bem. | Dauernde | | + Nr.|Erhalten| Entw. | Ergebnis | f. d. | Nummer | Ver- | Verwendet in + | am | | | Kopie | d. |bleib | + | | | | | Negativs | | + ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+-------------- + | | | | | | | Serie: + |12. IV. |17. IV.| Sehr hell | Vira- | |N. S. | Neu-Seeland + 1. | 1914 | 1914 | verstärkt |gieren | 342 | 1316 | 1316 + | | | | | | | Serie: + | | | | | | |Wasserwunder + | | | | | | | 227 + ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+-------------- + | | | | | | | + | | | | | | | + | | | | | | | + 2. | " | " | Gut | -- | 343 | " | wie 342 + | | | | | | | + | | | | | | | + | | | | | | | + ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+-------------- + | | | | | | | + | | | | | | | + | | | | | | | + ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+-------------- + | | | | | | | Serie: + | | | | | | | Neu-Seeland + 3. | " | " | Gut |Virage | 344 | " | 1316 + | | | | | | | Serie: + | | | | | | | Volkstänze + | | | | | | | 2703 + ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+-------------- + 4. | " | " | " | " | 345 | " | " " + + + + +Die Angaben unter A werden vom Aufnehmenden ausgefüllt, die unter +B von der entwickelnden Anstalt usw. Den Abschnitten entsprechende +Schlußzeichen und Vermerke werden mit Bleistift auf dem Rohfilm +angebracht. Außerdem aber sind in einem besondern Tagebuch (unter der +in Sp. 1 vermerkten Nummer und Wiederholung der Bezeichnung in Sp. 3) +genaue Angaben über den Inhalt des Films zu machen, als: + +Allgemeiner Sinn und wissenschaftliche Bedeutung der Aufnahme. + +Die Namen (nebst Aussprache!) und Kennzeichen aller Einzelheiten der +Örtlichkeit (Berge, Wasser, Ansiedlungen, Bäume, Tiere) und +kinematographisch hervorragenden Personen (Name, Stand oder Beruf, +Tätigkeit im Bilde, Kennzeichen, Tracht, Waffen usw.). + +Verlauf der Szene, Geschehnisse, Bewegungsvorgänge. + +Dabei wahrgenommene, im Bilde nicht wiedererscheinende, daher zu +ergänzende Nebenerscheinungen (Geräusche, Farben, eventuell Maße, +Reden, Ausrufe, Liedertexte, Noten usw.) und andere wissenswerte oder +wissenschaftlich nötige oder interessante Einzelheiten. + +Es ist einleuchtend, daß erst durch diese gedanklichen Ergänzungen +der Film seinen höchsten gegenständlichen und eventuell +erscheinungsgeschichtlichen Wert erhält. Ebenso einleuchtend aber ist +es, daß diese Erläuterungen nur von einem Fachmann, jedenfalls einer +dem Gegenstand wissenschaftlich ganz gewachsenen Persönlichkeit +gegeben werden können, und zweitens, daß nur selten ein und dieselbe +Person das Bild aufnehmen _und_ die nötigen Beobachtungen und Notizen +dazu machen kann. Ja häufig werden sich in letztere Arbeit allein +mehrere Personen teilen müssen. + +Die Unzulänglichkeit der bisherigen geschäftsmäßigen erdkundlichen +Kinematographie beruht letzten Endes darauf, daß sie zumeist von ganz +unberufenen Laien nach reinen Geschäftsgesichtspunkten gemacht wird. +Die geschäftlichen Gesichtspunkte bewirken, daß die meisten Bilder von +den großen Heerstraßen der Cookweltreisenden gemacht werden, wo sie +natürlich selten mehr ein wirkliches Stück natürliche Natur zeigen, +sondern fast immer jenes Fremdenindustrieelend, das alles, lebende und +tote Dinge, und die Menschen zumeist, auf den Fremdenfang »frisiert« +zeigt. Wer die üblichen Kinobilder daraufhin beobachtet, wird das sehr +häufig bestätigt finden. Derselbe Beweggrund bewirkt, daß zumeist fade +»Sensationsszenen« unter der Herrschaft superlativer Schlagwörter +(»die größten ... die berühmtesten ... der Welt« usw.) und mit +alberner, theatermäßiger Staffage gemacht werden, weil sie so +vermeintlich besser »ziehen«. Dasselbe bewirkt die erdkundliche +Unbildung der meisten »Operateure«. Sie gehen nicht nach dem, was +erdkundlich wichtig und fesselnd ist, sondern nach dem, was sich am +tüchtigsten bewegt -- und wenn sie mal etwas Wertvolles erwischen, so +wissen sie selber nicht warum, und die Sache bekommt dadurch etwas +Schiefes. _Wenn irgendwo, so ist auf dem Gebiete erdkundlicher +Aufnahmen eine enge Verbindung kinematographischer mit wissenschaftlichen +Fachleuten im beiderseitigen Interesse geboten._ Mit dem ungeheuern +Kapital, das von den Firmen in erdkundliche Aufnahmen gesteckt wird, +ließe sich ein Material von unermeßlich sachlichem Werte aufhäufen, +das sich aber auch durch ein zehnfach und hundertfach gesteigertes +Interesse der Öffentlichkeit viel glänzender als jetzt verzinsen +ließe. Die großen Firmen klagen ja alle, daß sie mit ihren +Naturaufnahmen schlechte Geschäfte machen, daß trotz des großen +Aufwandes kein rechtes Interesse dafür, am wenigsten bei Fachleuten, +aber nicht einmal bei Schulbehörden zu erwecken ist. Nun, das liegt +einzig und allein an der Unsachgemäßheit der Aufnahmen. Ohne +maßgebende Mitwirkung erdkundlicher Fachleute, und zwar Spezialisten, +bei der Wahl, Vorbereitung, Ausführung und nachhaltigen Behandlung +kann keine erdenkliche Aufnahme von höherm Werte und wissenschaftlich +erzieherischer Brauchbarkeit entstehen. Geographische Fachleute aber +können dadurch, daß sie derartige Aufnahmen machen helfen -- aber +natürlich nicht als eine »populäre« Spielerei, mit der man eigentlich +seiner Würde etwas vergibt, und der man nur die Brosamen zugute kommen +läßt, die vom Tische »ernster« Wissenschaft abfallen, sondern mit +voller Hingabe und Gewissenhaftigkeit, und nach eingehender +schülermäßiger Einübung -- nicht nur sich selber und der Wissenschaft +manche kühne Hoffnung erfüllen, sondern auch ein tüchtiges Stück +Arbeit im Dienste der allgemeinen Bildung, der Ausbreitung +erdkundlichen Wissens und des Interesses an und des Verständnisses für +diese Wissenschaft tun. Hier liegt der Keim aller Kinogesundung und +der Hebel, den Kino zu einem Kultur- und Bildungswerkzeug zu machen, +und die Geographen sind die berufenen Mitarbeiter dazu. Es ist keine +Schande für sie, in diesem Sinne über den Kreis ihrer engern +Fachinteressen hinaus zu blicken. + +Besonders möchte ich hier auch noch auf den Nutzen hinweisen, den +beide Teile davon haben könnten, wenn sich Kinoleute und Missionare in +aller Welt verständigten. Die letzteren sind naturgemäß oft große +Kenner der Erd- und Völkerkunde ihres Gebiets. + + + + +III. Schulerdkunde und Kino + + +Wer das Bisherige aus dem Interesse des Lehrers und Jugend-Erziehers +heraus gelesen hat, wird die Fragen so weit geklärt gefunden haben, +daß wir nunmehr die besondere Frage des Kinos im erdkundlichen +Schulunterricht ohne zu viel Belastung mit Selbstverständlichem und +Allgemeinem in Angriff nehmen können. Es handelt sich wohl vornehmlich +um drei Fragen, erstens: welche besondern Anforderungen sind etwa an +Unterrichtsfilme zu stellen, zweitens: wie bekommt man sie und +drittens: wie gestaltet sich die Vorführung und der ganze Unterricht? + +_Daß_ die Kinematographie im Schulunterricht, und vor allem im +erdkundlichen, eine große Rolle zu spielen berufen ist, ist schon zu +oft von Fachleuten anerkannt worden, als daß wir noch viel Worte +darüber machen zu müssen glauben. Etwaige Zweifler hoffe ich besonders +durch die allgemeinen Ausführungen im ersten Abschnitt beruhigt zu +haben. Selbstverständliche Voraussetzung ist die Umrahmung des +Bilderanschauungsunterrichts durch gesteigerte Eigenanschauung +einerseits und durch gedankliche Vorbereitung und Verarbeitung des +Stoffes anderseits. Der naturgeschichtliche Schulunterricht geht ja in +noch engerm Sinne als die Wissenschaft auf _Begriffe_ aus. In der +ganzen Richtung der heutigen Pädagogik liegt es aber, diesen Begriffen +durch erhöhte Anschauung die Wage zu halten und sie vor Verkrüppelung +zu bewahren. Daß hierbei die unmittelbare Naturanschauung bei weitem +das Wichtigste und ihre Ausdehnung das Nötigste ist, ist zweifellos. +_Ich rede einer Ausdehnung des Anschauungsunterrichts durch +Ersatzmittel (also auch durch Kinematographie)_ nur unter der +_Bedingung das Wort, daß sie einen Teil einer umfassenden +Gesamtunterrichtsreform bildet, in der »Freiluftbildung« der +wichtigste Programmpunkt ist_. Ohne das wirkt jede Erweiterung des +Ersatzmittelanschauungsunterrichts unverdaulich, und der Kino im +Schulunterricht geradezu irreführend und _ver_bildend. + +Unter Wahrung dieser Voraussetzungen aber bildet der erdkundliche Film +das zeitsparendste, echteste und beredteste Mittel zur _Vorbereitung_ +eigner Anschauung und zur _Vergleichung_ und richtigen Erfassung des +den Schülern nicht sinnenfällig zu machenden Stoffes. Hierzu kommen +aber nicht nur ausschließlich fachgemäß und kunstgerecht aufgenommene +und vorgeführte Filme in Betracht, sondern wiederum nur solche, die +die besondern Wünsche der pädagogischen Fachleute erfüllen, und +möglichst von vornherein auch unter ihrer Beratung, Mitwirkung und +Begutachtung hergestellt worden sind. + +Die Wünsche der Lehrer werden dabei besonders zweierlei Filme +bevorzugen: solche, die in immer weitern Kreisen vom engsten ausgehend +die _Heimat_ darstellen, und solche, die von diesen und andern +erdkundlichen Gegenständen das _Typische_ in besonderer Klarheit und +Vollkommenheit hervorheben. Zu den letztern werden auch solche Filme +gehören, die z. B. die Drehung der Erde in _schematischer Weise_ +veranschaulichen. Eine allgemeine Forderung, die zum Teil durch die +genannten Eigenschaften erfüllt werden würde, ist die, daß der Kino im +Unterricht nicht _zerstreuend_, sondern eben belehrend wirken soll. + +Anderseits wird die Zahl und Mannigfaltigkeit der Filme, die im +Schulunterricht benötigt werden, verhältnismäßig gering sein. Es +handelt sich ja im großen und ganzen in allen Schulen für alle +Schülergeschlechter um ein und denselben Lehrgang, der in den höhern +Schulen ausführlicher, in den niedern einfacher immer wiederkehrt. Es +würde also wohl möglich sein, eine typische Liste wünschenswerter +Bewegungsaufnahmen für den erdkundlichen Unterricht in allen Schulen +z. B. Deutschlands aufzustellen. Diese Aufnahmen wären für engere +Bezirke durch Heimataufnahmen zu ergänzen. + +Diese Verhältnisse weisen darauf hin, daß Schulfilme als solche eine +Sache für sich sind, die einer besondern Organisation zu unterwerfen +sind und am ehesten von Kinotheatern und dem üblichen Geschäftsturnus +unabhängig gehalten werden können. Sehr wohl könnte eine +Reichsvereinigung aller Schulkinointeressenten die Herstellung der +benötigten Filme selbst in die Hand nehmen, sie könnte ein gemeinsames +Negativarchiv schaffen, von wo aus die benötigten Positive an die +Einzelstellen geleitet werden könnten. Diese wären wieder nicht die +einzelnen Schulen, sondern landschaftliche und örtliche Schulverbände, +die sich gemeinsam die nötige geringe Zahl von Positiven anschaffen +würden. Diese würden dann in einem geregelten Verleihungskreislauf +jeweils vor alle Schüler gebracht werden. Das noch übrige, die +kinetographische Einrichtung, müßte m. E. jede Schule einzeln +besitzen, da es niemals gedeihen kann, wenn der kinematographische +Unterricht jedesmal mit ganzen Klassenwanderungen durch die Straßen zu +der oder jener Projektionsanstalt verbunden sein müßte. Damit ginge +zuviel Zeit verloren, und die Ablenkung wäre größer als der Gewinn. +Vielmehr könnte das Physikzimmer oder auch der Festsaal in jeder +Schule dazu eingerichtet werden, und die Erdkundestunde würde dann +immer dorthin verlegt werden. + +Neuerdings sind von verschiedenen Firmen Apparate von so geringem +Umfang und einfacher Handhabung (für Normalfilme) in den Handel +gebracht worden, daß mit ihnen auch in jeder Schulklasse Bilder von +etwa 100 × 80 cm vorgeführt werden können. Die Lichtquelle bildet +eine Glühlampe ohne Lichtgehäuse, die an die Hausleitung oder eine +kleine Batterie angeschlossen werden kann. Auch dann wäre die +Einrichtung gar nicht so schwierig, wenn, was wegen der besondern +Verhältnisse recht gut möglich, eine andere kleine oder mittlere +(Salon- oder Schul-)vorstellungseinrichtung gewählt werden könnte. Es +würde sich ja nur darum handeln, daß _ein_ Typ, wenigstens nur die auf +_ein_ Filmformat eingerichteten Typen für alle Schulen vereinbart +würden. Die Wahl eines solchen Typs würde es auch erleichtern, daß +besonders die Aufnahmen aus der engern Heimat von Lehrern selbst +hergestellt werden könnten. Wohlhabende und anspruchsvolle Schulen +könnten einen großen Kinoapparat daneben bereithalten, um auch mal +etwas Besonderes zeigen zu können. + +Alles hier Gesagte ist aber noch Zukunftsmusik, und es bleibt die +Frage zu besprechen, wie sich erdkundliche Bewegungsbilder _zurzeit_ +in den Unterricht einfügen ließen. + +Dazu gibt es nun zwei Wege: gelegentliche Einzelvorstellungen von +Unternehmern oder Liebhabern in der Schule oder das Mieten oder der +gemeinsame Besuch von Kinotheatern. Die Einzelanschaffung von +Apparaten für Schulen ist aus Gründen, die ich nebst der ganzen Frage +besonders im »Buch vom Kino« behandeln werde, und mit der sich +übrigens ein weiteres Bändchen dieser Bücherei gesondert +beschäftigen wird, zurzeit unmöglich, d. h. unwirtschaftlich. Zu +Einzel»gastspielen« wird die Gelegenheit aber auch selten sein (auch +dürften sie sich schwerlich lohnen); und so bleibt zurzeit als +Hauptsache die _Verbindung der Schule mit Kinotheatern_. + +Was darüber allgemein zu sagen ist, gehört ebenfalls an einen andern +Ort. Bemerken will ich nur, daß u. a. in Hamburg 30 000 Schulkinder +mit Genehmigung der betreffenden Behörde unter Leitung des dortigen +Lehrerkinoausschusses vormittags -- zur Schulzeit -- in ein Kino +geführt wurden, um dort ein von mir mit großer Mühe und Kosten +geschaffenes erdkundliches Musterprogramm zu sehen. Einige +Veränderungen und Abstreichungen, die man sich zu machen bemüßigt +fand, boten freilich den Vorwand, meine Autorschaft zu verschweigen +und andere damit zu schmücken. Immerhin zeigt die Gelegenheit, daß es +geht. Daneben aber können Kinotheater sich die Förderung der Lehrer +und Schulbehörden sowie Vormittagseinnnahmen usw. dadurch sichern, daß +sie erdkundliche wie überhaupt naturwissenschaftliche Vorstellungen +unter Wahrung aller hier und in »Kino und Kunst« geltend gemachten +Gesichtspunkte und unter Ausschluß aller andern Sachen bieten. Da +werden sie dann freilich wieder mit dem Grundübel, der schwierigen +Beschaffung guter und der Hebung mangelhafter Filme, zu kämpfen haben. +Und bestehen bleibt der Einwand, daß derartige Dauervorstellungen +gehäufter Gegenstände vom erzieherischen Standpunkt aus immer ein mit +vielen Gebrechen behaftetes Nothilfsmittel bleiben. + +Den ernsthaften und über vollkommene Mittel verfügenden Unterricht der +Zukunft denke ich mir nämlich keineswegs so, daß nun die +Erdkundestunden eine Art lustiges Kinotheater werden. Vielmehr wird es +sich darum handeln, in einer Stunde oder auch je mehrern _einen_ +Begriff durch reichliche Vorbehandlung allmählich so weit in den +Köpfen klar werden zu lassen, daß er endlich durch die -- nötigenfalls +wiederholte -- Vorführung eines _einzelnen_ Bewegungsbildes gleichsam +in höchster Wirklichkeitskraft zusammengefaßt wird. Ein Kinobild darf +nicht eher erscheinen, als bis alle Schüler in ihm nicht mehr das +Stoffliche allein, sondern durch es hindurch gleichsam die +verkörperten Begriffe sehen, um die es sich handelt. So mag zuerst die +Lehre von der Kugelgestalt der Erde in der üblichen Weise vorgetragen +werden: Feststellung des falschen _Scheines_, seine Bezweiflung, +Aufzählung ihm widersprechender Erscheinungen des täglichen Lebens, +Veranschaulichung der wirklichen Verhältnisse durch schematische +Zeichnung, durch Globus usw., Feststellung der Größenverhältnisse +durch Zahlen usw., dann ausführliche Besprechung des sich daraus +ergebenden Anblicks etwa von einem senkrecht aufsteigenden Ballon aus, +und dann erst, nachdem alle diese Erscheinungen selber gleichsam +errechnet haben, ihre Bestätigung durch das vom Ballon aufgenommene +Kinobild, das das Aufsteigen ferner Kirchturmspitzen, dann des Daches, +der Kirchwände usw. zeigt. In ähnlicher Weise wird ein andermal, auch +nach Lesung klassischer Beschreibungen, ein Stück Wüste nebst Oase +usw. vorgeführt. Nur in dieser Behandlung würde der Kino im +Erdkundeunterricht nicht zerstreuend und verwirrend, sondern wahrhaft +begriffbefestigend wirken. Die »Schülerprogramme«, die zurzeit +manchmal öffentlich oder geschlossen gezeigt werden, sind -- abgesehen +von allen Mängeln -- nur hübsche, der Erholung dienende +Veranstaltungen zum Lohn für saure Wochen --; mit der Kinetographie +als Unterrichtshilfsmittel haben sie so gut wie gar nichts zu tun. Ja +sie haben -- eben infolge der falschen Maßstäbe, die sie lieferten -- +mehr zur Hemmung als zur Förderung ernster Schulkinematographie +beigetragen. + +Inzwischen ist in dieser Sammlung über den Gegenstand die überaus +reichen Stoff bringende Sonderschrift von Prof. _Sellmann_ »_Kino und +Schule_« erschienen, auf die ich besonders verweise. + + + + +IV. Kinoerdkunde im Theater und in der Öffentlichkeit + + +Wenn ich dem Gegenstand »Öffentliche erdkundliche Vorstellungen« einen +räumlich nicht sehr umfangreichen Abschnitt widme, so liegt das nur +daran, daß Wesentliches -- und zwar unentbehrlich Wesentliches -- +darüber in den vorangegangenen und den folgenden Abschnitten, vor +allem aber in meiner Schrift »Kino und Kunst« enthalten ist. Besonders +in letzterer habe ich ausführlich nachgewiesen und begründet, weswegen +erdwissenschaftliche Darstellungen die Haupt- und vornehmste Aufgabe +für den Kino sind; ich habe dort aber auch so eingehend wie möglich +beschrieben, _wie_ derartige Aufführungen als Gesamtkunstwerk +beschaffen sein müssen, wenn sie Wert haben sollen. Daselbst ist, und +ausführlicher in dieser Schrift wiederholt, auch angegeben, wie +schon bei der Aufnahme selber die Rücksicht auf meisterhafte +Vorführungswirkung beginnen muß, und welche Anforderungen die Filme +sachlich erfüllen müssen. Es ist somit nunmehr jedem Mißverständnis +vorgebeugt, von was für einer Art von geographischen Vorstellungen ich +mir den Erfolg verspreche, von dem hier die Rede ist. Es kann mir ganz +und gar nicht mehr entgegnet werden, erdkundliche Filme +»interessierten« das Publikum nicht, da die Filme, an denen solche +Erfahrungen gemacht worden sind, weder selbst noch so, _wie_ und in +welcher Umgebung sie aufgeführt wurden, eine höheres Interesse hatten. +In dieser Schrift sind wiederum schon mehrmals die starken Fäden +aufgewiesen worden, die sowohl die erdkundliche Forschung wie den +erdkundlichen höhern und Schulunterricht mit den Kinotheatern und der +ganzen Organisation des Filmmarktes verbinden. Hiervon soll noch +besonders die Rede sein. Jedenfalls wiesen wir darauf hin, daß zur +Erreichung einer anständigen Höhe der öffentlichen Kinematographie +diese nicht nur emporsteigen, sondern auch erdkundliche und +erzieherische Wissenschaft zu ihr »hinabsteigen«, besser gesagt, sie +eng zu sich heranziehen müssen. Hinzuzufügen wäre, daß wieder das +eigens hierzu eingerichtete Kinotheater der eigentliche Mittelpunkt +öffentlicher Vorführungen ist und bleibt. _Vereine_ -- z. B. +Volksbildungs-, kaufmännische Vereine -- werden selten in der Lage +sein, eigne Vorstellungen ohne Mithilfe der Kinotheater und anders als +in deren Räumen zu veranstalten. Das liegt in der Organisation des +Geschäfts begründet, wovon ich das zu wissen Nötige, soweit es nicht +der nächste Abschnitt bringt, im »Buch vom Kino« mitteilen werde. Aus +demselben Grunde sind die Einrichtungen nach Art der _Urania_ in +Berlin und Wien, des »Poloptical Institute« in London usw. auf diesem +Gebiete vor den Kinotheatern im Nachteil; _ihnen ganz eigentlich_ und +viel mehr als den Menschentheatern sind die Kinos eine »Konkurrenz«, +vor der sie sich nur dadurch retten können, daß sie sich nach +Organisation und Vorführungsplan ganz in ihre Reihen stellen, d. h. +selber »Kinotheater« werden. Das in den zu einer Vorstellung nötigen +Filmen enthaltene Kapital kann -- abgesehen natürlich von der Mithilfe +von Wohltätern oder öffentlichen Mitteln -- nur ein _Ring_ von +regelmäßigen Abnehmern verzinsen, deren ganzer Betrieb also auch +gleichmäßig geregelt sein muß. + +Öffentliche erdkundliche Vorstellungen werden also in der Hauptsache +immer »Kinovorstellungen« bleiben, und darüber freuen sich +ausnahmsweise mal die Kinobesitzer und die ganze »Fachwelt« ebenso wie +die bösen »Kinoreformer«. Denn diese wünschen nicht nur sich und ihren +Freunden in erster Linie musterhaft ausgebildete »Erdkundeabende« um +des Genusses willen, sondern sie versprechen sich auch gerade davon +die unwiderstehliche Verdrängung minderwertiger Kinodarbietungen. Um +so mehr haben wir Ursache, dem Thema »Kino und Erdkunde« im engern +Sinne peinlich genau nachzugehen, um zu prüfen, ob wir uns nicht +Täuschungen hingeben, denen dann früher oder später die Ernüchterung +folgen muß. Warnend steht uns ja das Schicksal all der »Panoramen« vor +Augen, in denen allwöchentlich oder öfter wechselnd erdkundliche +Stereoskopbilderreihen gezeigt werden, und die trotz des Reizes und +des Lehrwerts des Dargebotenen meist sozusagen »am Hungertuche nagen«. +Überhaupt bildet ja der Mißerfolg so manches gut und »bildend« oder +»lehrreich« gemeinten und angefangenen Unternehmens das +Hauptschlagwort aller Gegner einer Veredlung geistiger Volkskost. + +Das Kinotheater hat aber vor dem »Panorama« und ähnlichem dreierlei +voraus: erstens eine viel günstigere wirtschaftliche _Organisation_ +überhaupt, die ihm ständigen Wechsel des Dargebotenen ohne Belastung +des einzelnen mit bleibenden Filmanschaffungen ermöglicht; zweitens +den unvergleichlich mannigfaltigen _Reiz_ seiner Techniken, der sich +durch kunstgemäße Vorführung vielfältig steigern läßt. Drittens die +ständige »Aktualität«, d. h. das -- leicht zu erhaltende -- +Tagesinteresse des Vorgeführten. Dadurch, daß die Kinematographie +täglich neu aus aller Welt ihre Bilder holt, kann sie auch das täglich +neue und besonders Fesselnde zeigen. Allerdings wäre sie in der Lage, +gerade diese »Aktualität« -- den intimen Augenblicksreiz ihrer +Vorführungen dadurch noch besonders zu steigern, daß sie den +unermeßlichen Schatz ihrer einmal eingeheimsten erdwissenschaftlichen +Negative beweglicher und anpassungsfähiger als bisher zur Ergänzung +aktueller Programme bereithielte. _Nicht die Einzelaufnahme_ ist in +der Regel »aktuell« in dem Sinne wie etwa eine Zeitungsnachricht -- +_sondern im »Programm« muß die Aktualität liegen_. Wirklich »aktuelle« +Einzelaufnahmen sind gewöhnlich überhaupt nicht möglich, da »aktuelle« +Ereignisse sich nicht so anzukündigen pflegen, daß der Kino +rechtzeitig dazu kommt; und der Weg des Films von der Aufnahme durch +die Ateliers und die Vertreterräume in die Kinos ist für gewöhnliche +Fälle immer noch zu lang. Seine bedeutende Beschleunigung für erd- und +völkerkundliche Aufnahmen -- wozu zum Teil ja auch politische zu +zählen sind -- wäre sehr zu wünschen. + +Ein _Programm_ »aktuell« zu gestalten, dazu reicht aber die Zeit immer +noch aus. Das ist überhaupt viel mehr Sache der geistvollen und +lebendigen Behandlung des Ganzen durch den Leiter, als der zufälligen +Beziehung auf Tagesereignisse. Diese letztere Beziehung sollte -- +besonders in erdkundlichen Vorstellungen -- überhaupt nicht die +Hauptsache sein. Wenn auf dem Balkan Krieg ist, so kann die +Kinematographie von dem, was wohl lohnend wäre -- Schlachten und all +die Begleitgreuel des Krieges -- in der Regel _nichts_ bringen, weil +es erstens ein zu großes Wagnis für den Aufnehmenden, zweitens mit zu +großen technischen Schwierigkeiten verbunden wäre, namentlich die +Ereignisse nicht vorher zu berechnen wären, drittens es zumeist von +den interessierten Parteien verhindert würde, und endlich, wenigstens +in diesem Falle -- die Vorführung der Aufnahmen wohl gar anstößig, +aufhetzend usw. gefunden werden würde. Das letztere leider ohne daß +man sich erfolgreich dagegen wenden könnte, solange nicht der +Gegenstand, sondern die übliche _Art_ der kinematographischen +Behandlung so geschmacklos und dumm ist. In Ermangelung derartiger +Aufnahmen dann irgendein Landschaftsbild aus Serbien oder Albanien zu +geben, ist aber -- abermals in Anbetracht der _Art_ dieser Aufnahmen +-- etwas, was wenig Dank beim Publikum findet. Besserung, d. h. +Erfolgsbürgschaft könnte nur durch eine Reihe von Aufnahmen geboten +werden, die in der in meinen Schriften angegebenen Weise gemacht, +zusammengestellt und vorgeführt würden. -- Aber es gibt eine Menge +geographischer Aufnahmen -- und gerade dieser --, die nicht durch +Beziehung auf ein einmaliges Tagesereignis, sondern auf Gedanken, +Bewegungen, Strömungen, Interessen »aktuell« sind, die auf längere +Zeiträume die Hirne der Besten beschäftigen, und von da auch durch +tausend Kanäle der Presse usw. in die große Masse gelangen. Einer der +wichtigsten dieser Gedanken ist der _vaterländische_, mit seiner von +ihm unzertrennbaren Kehrseite, dem _internationalen_ Interesse. Wir +müssen uns gegenwärtig halten, daß jeder Film ein »Vaterland«, eine +Menschenheimat und je nachdem ein Stück nationale Landwirtschaft, +Industrie, Verkehrswesen, Kunst usw. vorführt. Bei uns leider meist +nur _ausländische_ »Heimatbilder«, die bei uns Deutschen mehr oder +minder beabsichtigt, uns mehr oder minder bewußt für die Eigenart, die +Erzeugnisse, die Fruchtbarkeit usw. des betreffenden Landes _werben_. +D. h. sie erfüllen uns nicht nur (erfreulicherweise!) mit dem Gefühl +warmer menschlicher Teilnahme, die überall leicht erweckt werden kann, +wo wir unbefangenes menschliches Glück, besonders aber tüchtige +Leistungen sehen, sondern sie veranlassen uns auch, Erzeugnisse des +Auslandes zu kaufen und zu schätzen, unsere Reisen dahin zu richten, +unter Umständen ziehen sie auch wertvolle Volksgenossen zu Tausenden +dahin. Ganz bewußt im Dienste solcher Zwecke arbeitet bekanntlich z. +B. zurzeit Kanada. Aber nicht minder bewußt und unwillkürlich stehen +auch die Filmfirmen Frankreichs, Englands, Amerikas, Italiens, +Norwegens im Dienste ihrer Länder, geben uns ein anschauliches, +werbendes Bild von ihrer Größe und Macht, ihrem Wohlstand, ihrer +Arbeit; lassen uns an eindrucksvollen politischen Ereignissen wie am +intimen Leben ihres letzten Dorfes teilnehmen. Es ist gar nicht +abzusehen, wieviel infolgedessen diese Länder im Vergleich zu andern +der Vorstellung breitester Kreise im Auslande nahe gerückt sind, und +in welchem Grade das ihrer Exportindustrie, aber auch ihren mehr +geistigen Interessen genützt haben mag. Fern liegt es mir, dieser Form +anständigen Wettbewerbs um unsere Achtung, unsere Freundschaft, unser +Verständnis und -- unsere Kundschaft irgendwelche Einschränkung zu +wünschen. Aber wo bleiben _wir_? Bekanntlich werden in Deutschland +außerordentlich wenige Filme hergestellt, am wenigsten erdkundliche +usw. Ausnahmen tauchen freilich auf, aber es wäre wertvoll, einmal +festzustellen, wie weit deutsche Landschaften, landwirtschaftliche, +Industrie-, Volkslebenaufnahmen in den Theatern Frankreichs, Englands, +Italiens, Amerikas usw. auch zur _Anschauung_ gebracht werden, und ob +man dort etwa von den deutschen Mittelgebirgen, Strömen und Städten, +vom Spreewald und vom Schwarzwald, von der deutschen Eisen- und +Maschinenindustrie, unserer Volks- und Arbeitsorganisation usw. usw. +ebensoviel und häufig zu sehen kriegt, wie wir etwa von der +Herstellung der Ölsardinen in Frankreich, Italien und Afrika und dem +Teebau in China. Für uns selber hätten natürlich diese Aufnahmen nicht +minder Wert wie für das Ausland; _wir_ säßen gleichsam hinter der +Leinwand, und die Fremden davor. Es ist hier ähnlich wie mit den +»Filmen« zeitgeschichtlichen Inhalts, von denen ich in »Kino und +Kunst« sprach. So wie diese ihren »aktuellen« Wert, d. h. +Gegenwartswert, gerade dadurch erhalten, daß wir sie mit den Augen des +fernen Nachkommen betrachten, der die Kulturgeschichte unserer Zeit +studiert, so liegt das stetige »aktuelle« Interesse deutscher erd- und +volkskundlicher Aufnahmen darin, daß wir uns sagen: »Das sehen nun in +diesem selben Augenblick Hunderttausende und vielleicht Millionen +Menschen in der weiten Welt. Hierdurch und so lernen sie Deutschland, +seine Schönheit und Eigenart, seine Arbeit und -- uns kennen. Ist das +der richtige Eindruck, den sie bekommen? Und haben wir Grund, stolz +darauf zu sein, oder wäre hier und da etwas zu verschweigen gewesen?« +Natürlich soll dieses »Sehen mit den Augen des Auslandes« uns nur +veranlassen, die eignen besser aufzumachen. Nicht etwa das Bestreben +erzeugen, das Ausland als Muster und nachzuahmende Höhe zu +vergleichen, sondern im Gegenteil die heimische _Eigenart_ immer mehr +zu begreifen, zu lieben und zu fördern. Aber immer nicht in dummem +»Partikularismus«, sondern mit Weltblick. Die Kinematographie kann ein +gut Stück gesunden _internationalen_ Sinn erziehen, gerade in dem sie +recht anschaulich macht, wo die Kraft und Eigenart des _Vaterlandes_ +liegt und -- wo wir sie _nicht_ suchen müssen. -- Wir haben aber auch +genug vaterländische Gesichtspunkte, die uns jede gute eigne +Heimataufnahme jederzeit »aktuell« machen. Ich erinnere an +_Heimat_kenntnis, Heimatverständnis, -schutz und -pflege, an die +besondern Bestrebungen für Heimat- und Natur_denkmälerschutz_, Sitten- +und Trachtenerhaltung usw., worauf ich schon hinwies. Ich erinnere +ferner an die großen Aufgaben des innern und äußern _Kolonial- und +Besiedlungswesens_. Zeigt uns doch Kinoaufnahmen aus unsern deutschen +Kolonien, um uns für sie zu begeistern, lehrt aber auch den +Westdeutschen, wie es im Osten hergeht usw.; zeigt dem Gebirgler den +Gemüsebau des Elblandes und die Kornfelder der Goldenen Aue, zeigt dem +Binnenländler unsere, aber _unsere_ Handels- und Fischerflotte, zeigt +uns, wie unser Brot, unsere Kleider, unsere Maschinen gemacht werden, +zeigt das Leben der deutschen Volksstämme überall in ihrer Landschaft, +zeigt dem weltabgeschiedenen Dörfler das Gewimmel der Großstadt, aber +dem Großstädter auch wieder die Arbeit und die Daseinsbedingungen der +Landwirtschaft! Treibt Volksverständigung durch den Kino, sowie ihr an +Völkerverständigung teilnehmt! + +Unzählig sind -- wie ich ja eingangs allgemein ausgeführt habe -- die +Gesichtspunkte, unter denen _jedermann_ heute erdkundliche +Vorstellungen aller Art interessant, ja von brennendem Tagesinteresse +sind. Wenn sie nur gut sind und richtig vorgeführt werden. Auch heute +schon ließen sich wertvolle und dankbare Programme dieser Art für +Kinotheater zusammenstellen, wenn auch längst nicht so reichlich wie +»dramatische« und gemischte. Bedingung wäre nur, daß das gesamte, also +auch ältere Filmmaterial der Welt dauernd zugänglich bliebe, wovon ich +im folgenden Abschnitt spreche. Bedingung für den Erfolg wäre aber +ferner natürlich die _völlige Lostrennung erdkundlicher +Vorführungen von andern_, sowohl »dramatischen« wie auch sonst +»naturwissenschaftlichen« usw. Diese Lostrennung ist erforderlich +erstens um der Wirkung der betreffenden Filme usw. selber willen, die +ja eine geschlossene Vorstellung mit einheitlicher Idee bilden müssen, +und deren meist feinere Reize in Umrahmung durch Sensationsdramen, +Possen usw. nicht entfernt zur Vollwirkung kommen würden. Zweitens ist +sie erforderlich, weil die Besucherkreise _solcher_ Vorstellungen im +allgemeinen völlig andere als die der gemischten und »Sensationsprogramme« +sind. Die einen wollen dies, die andern jenes nicht sehen. +Erdkundliche Bilder vertragen sich mit Sensationsbildern wie Feuer und +Wasser. Die Kinotheater sollten z. B. -- je nach den Verhältnissen -- +alle zwei Wochen oder jede Woche _Montags_ oder _Montags und +Donnerstags_ bekanntgeben: + + »Heute: _Naturschauspiele_, + Kinematographisches Programm ...« + +oder etwa die Nachmittage diesem Gegenstand widmen oder jeden Monat +eine Woche u. dgl. Die Ankündigung müßte ferner enthalten Angabe des +Themas und seiner Gliederung, der einzelnen Bewegungs- und +Lichtbilder, des Vortragenden und des _geistigen Urhebers_, +gegebenenfalls auch der Hauptaufnahmekünstler usw. Jeder sieht ein, +daß die geistige Urheberschaft eines solchen Programms -- umfassend +die Zusammenstellung der Filme und Lichtbilder, der Ausarbeitung des +Begleitvortrags und der Erläuterungen, der Musik- und Regieangaben +usw. -- dasjenige ist, wovon wesentlich der Wert und also auch die +Werbekraft eines solchen Programms abhängt. Aus hundertmal angegebenen +Gründen kann ja der einzelne Kinobesitzer als solcher sein Programm +nicht frei zusammenstellen, es muß ringmäßig vorgeführt werden. Die +Programmschaffung muß also an Mittelstellen geschehen, wozu +Reformkino-Verleihanstalten, aber auch populärwissenschaftliche +Vereine usw. berufen wären, in deren Auftrage natürlich jeweils ein +einzelner oder ein kleiner Ausschuß die geistige Arbeit zu leisten +hätte. Die Vorführung selber würde aber ebenfalls mindestens die +Mitwirkung eines Fachgebildeten als Vortragenden und Leiter erfordern. +Dieser brauchte nicht jedesmal wissenschaftlicher Geograph, Lehrer +oder dergleichen zu sein; im Gegenteil ist hier ja das _erste_ +Erfordernis eine gute klare Vortragsgabe und im besten Sinne +volkstümliche Wirkung; unerläßlich ist aber auch volles eignes +Verständnis für den vorgetragenen Stoff. + +Es ist sicher, daß erdkundliche Vorstellungen, nach diesen +Gesichtspunkten und in dieser Art gestaltet, großen Erfolg haben +würden. Auch hier hat reformbeflissenes, aber zu billigen +Zugeständnissen nur zu leicht geneigtes, von keinerlei Sach- und +Fachkenntnis beschwertes, »schöngeistiges« Laientum bereits viel +Schaden getan, indem es erfolglose Versuche veranlaßte und sich daran +beteiligte, und die Begriffe von dem, was eigentlich anzustreben ist, +verwirrte. Entweder es wird mit diesem verantwortungslosen Laientum im +Kinoreformwesen unerbittlich geräumt, und sach- und fachkundiger Ernst +zieht ein, oder wir müssen alle Hoffnung auf Besserung für lange +vertagen. + + + + +V. Zusammenschluß und Einrichtungen + + +Ich habe im vorangehenden gezeigt, wie gerade erdkundliche +Kinematographie infolge der Anforderungen, die ihr _Gegenstand_ +stellt, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und endlich wegen der +Allgemeinheit und Vielseitigkeit des Interesses, das sie bietet, nicht +ohne ein enges Zusammengehen der verschiedensten Mitarbeiter, +Fachleute und Interessenten gedeihen kann. Die Aufnahme brauchbarer +erdkundlicher Filme kann nicht ohne vorherige Beratung und Planung mit +wissenschaftlichen und teilweise Schulfachleuten, und nicht ohne +wesentliche Mitwirkung der erstern ihre Leitung und Bearbeitung +geschehen. Die wertvollsten Aufnahmen werden von Forschern selber auf +ihren Reisen usw. gemacht werden müssen; wo nicht, werden +deren Gesichtspunkte und gegebenenfalls gleichzeitig die von +Unterrichtsfachleuten für Gegenstand und Art der Aufnahme maßgebend +sein müssen. Daneben aber bleibt für Aufnahme wie Ausarbeitung der +Filme der technische Fachmann unentbehrlich. Aber diese Sachfachleute +sind ebensowenig wie die Einzelinteressenten imstande, die gewünschten +Aufnahmen wirtschaftlich zu ermöglichen und auszunützen. Die +Kostspieligkeit derartiger Filme einerseits, die Kostspieligkeit und +Schwerfälligkeit der zu ihrer Vorführung nötigen Vorrichtungen +anderseits verweisen auf einen großzügigen geschäftlichen Organismus +für ihre Herstellung, Verteilung und wirtschaftliche Ausnützung. +Dieser geschäftliche Organismus ist aber zugleich eine der +Eigenschaften der Kinematographie, auf der ihre gewaltige +Kulturbedeutung im Guten wie im Bösen beruht. Diese ihre +Kulturbedeutung zieht wieder alle diejenigen Schichten und Kreise der +Öffentlichkeit unter die engern Interessenten der Kinematographie, +denen gesunde und nahrhafte geistige Kost für sich und für ihre minder +urteilsfähigen und anspruchsvollen Volksgenossen Gewissenssache ist. +So wenig sich die Kino- und Geschäftsleute auf die Dauer ihren +Ansprüchen entziehen können, so wenig können Kinoreformer selber +irgend etwas unabhängig von jener großen Weltorganisation zu erreichen +hoffen. Die Erdkinetographie aber ist, weil sich in ihr die höchste +Leistungsfähigkeit des Kinos mit den allgemeinen Interessen aller +Kreise deckt, und weil ihre Wesensbedingungen von denen anderer +Kinogebiete verschieden sind, gerade dasjenige Gebiet, auf dem -- wie +eingangs dargestellt -- alle Hoffnungen und alle Arbeitskraft und +-lust der führenden Geister am reichsten zusammentreffen. Sollen diese +Hoffnungen und Kräfte nicht scheitern, so müssen sie sich zu einem +Sonderzusammenschluß zusammenfinden, der allen Lebensbedingungen +dieses Kinozweiges Rechnung trägt. + +Ich möchte meine Auffassung von der dazu nötigen Organisation in den +folgenden _Hauptsatzungsentwurf_ kleiden, den ich der Beratung aller +Sachverständigen zur Verfügung stelle. + + +_Hauptsatzungsentwurf für eine Deutsche Erdkundliche +Kinogenossenschaft_ + +1. Die _Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft_ ist eine +eingetragene _G.m.b.H._ aller Körperschaften, Firmen und Personen +in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Skandinavien, die an +erdkundlichen Kinoaufnahmen und ihrer sachgemäßen und geschmackvollen +Ausnützung und Vorführung interessiert sind. + +2. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft wird die Gründung +gleichgerichteter Genossenschaften in allen übrigen Erdteilen +anstreben, begünstigen und mit ihnen in Arbeitsgemeinschaft (Kartell) +treten, deren Endziel ein Erdkundlicher Kino-Weltbund ist. + +3. Zweck der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft ist: + +a) vollendete erdkundliche Kinoaufnahmen zu ermöglichen, dadurch, +daß dem Geist des wissenschaftlichen Fachmanns in Beziehung auf +Gegenstand und Art der Aufnahme die unbedingte Führung eingeräumt +wird; + +b) diese Kinoaufnahmen ihren wissenschaftlichen, Unterrichts-, +Volksbildungs-, Unterhaltungs- und Sammlungszwecken in vollkommener +Weise zuzuführen und sie ihnen alle jederzeit zur Verfügung zu halten; + +c) sie durch geeignete geschäftliche Organisation wirtschaftlich zu +ermöglichen, auszunützen und die Erträge in einer dem Verdienst und +Interesse aller Beteiligten entsprechenden Weise zu verteilen; + +d) sie zum Ausgangs- und Mittelpunkt aller auf Kinogesundung und +-gesunderhaltung gerichteten Bestrebungen zu machen. + +4. Zur Erreichung dieses Zweckes dient ein ständiger Arbeitsausschuß, +der zu je einem Drittel aus Vertretern der Wissenschaften, der +Kinofachleute und Geschäftsinteressenten und aus Vertretern von +Schulen und gemeinnützigen Volksbildungskörperschaften besteht. Ihre +Wahl geschieht durch geeignete Gesamtverbände der genannten drei +Interessengruppen. + +5. Die Aufgabe dieses Ausschusses ist es: + +a) auf Antrag alle erdkundlichen Kinoaufnahmen nebst Begleit- und +Ergänzungsmaterial zu prüfen, zu begutachten und sie, falls sie allen +Sachansprüchen genügen, zu kennzeichnen und in ein allen Interessenten +zugängliches Verzeichnis einzutragen; + +b) alle für die öffentliche Vorführung bestimmten +Gesamtvorstellungen oder den Stoff dazu ebenso zu prüfen und die +einwandfreien zu bezeichnen; + +c) auf Wunsch geplante derartige Aufnahmen und Vorstellungen vorher +zu begutachten und zu beraten, Mitarbeiter dazu nachzuweisen usw. + +d) die Zusammenarbeit der Interessentengruppen zu vermitteln, und in +Streitigkeiten zwischen ihnen zu entscheiden. + +6. Für diese Tätigkeit sind für jeden geprüften Film von der +betreffenden Filmverlagsanstalt nach der Filmlänge zu bemessende +Gebühren zu zahlen, deren Höhe durch die Genossenschaft festgesetzt +wird. Von den Gebühren sind die Honorare für die Prüfungsteilnehmer +und die sonstigen Geschäftskosten zu bestreiten. Der Überschuß dient +zur Bildung eines Vermögens, das ausschließlich für eigne +Unternehmungen der Genossenschaft im Sinne ihrer Satzungszwecke +verwendet werden darf und im Auflösungsfalle verwandten gemeinnützigen +oder wissenschaftlichen Bestrebungen anheimfällt. + +7. Die Mitglieder der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft +verpflichten sich sämtlich, von der Deutschen Erdkundlichen +Kinogenossenschaft bezeichnete Filme nicht mit andern zugleich und nur +in dem vom Arbeitsausschuß begutachteten Zusammenhange vorzuführen und +als solche zu bezeichnen. + +8. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft gibt ein Verzeichnis +sämtlicher von ihr empfohlener erdkundlicher Filme heraus, das +enthält: + +Titel, Ort und Datum der Aufnahme, + +die Namen des oder der Aufnehmenden und sonstigen Mitarbeiter und ihre +Tätigkeit, + +die Verlagsfirma und den Verbleib des Negativs, + +die genaue Beschreibung der einzelnen Szenen nebst Längenangabe usw., + +genaue Angaben des Begleitmaterials (eventuell Geräusch- und +Musikaufnahmen, ergänzende Lichtbilder, Regieangaben, Vortragstext und +dessen Verfasser), + +die einzeln zu erhaltenden Teile. + +9. Die Negative und ein Positiv der von der Deutschen Erdkundlichen +Kinogenossenschaft empfohlenen erdkundlichen Aufnahmen sollen in einer +einzurichtenden Mittelstelle geordnet aufbewahrt und verwaltet werden. +Interessenten sollen jederzeit die Positive gezeigt und Abzüge auch +nach ältern Negativen sowie abgeschlossenen Teilen davon abgegeben +werden. + +10. Von den von der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft +begutachteten erdkundlichen Aufnahmen sollen geschlossene Programme +geschaffen werden, die in den der Deutschen Erdkundlichen +Kinogenossenschaft angeschlossenen Kinotheatern in zu vereinbarender +Weise kreisen werden. + +11. Die der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossenen +Einzelmitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 1 bis 2 M und haben +dafür Vorzugspreise in den betreffenden Kinovorstellungen und +sonstigen Veranstaltungen. + +12. Die der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossenen +Körperschaften zahlen je nach Bedarf eine jährlich festzusetzende +Summe zu den Arbeitskosten. + +13. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft wirkt außer durch +ihre Verzeichnisse durch eine eigne Zeitschrift, Zeitungskorrespondenzen +usw. sowie eventuell eigne Veranstaltungen für die geschaffenen +Filme und Programme und für die Bestrebungen der erdkundlichen +Kinoreform überhaupt. + +14. Der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossen und +mit ihr im Austauschverhältnis wirken ähnliche Genossenschaften für +erdkundliche Schul- und dergleichen Liebhaberkinematographie. + +15. Zwecks Verwirklichung dieses Planes wird nach vorangegangener +Besprechung in den Fachblättern aller beteiligten Kreise sowie der +öffentlichen Presse eine Zusammenkunft von bevollmächtigten Vertretern +aller Interessenten zur Gründung der Deutschen Erdkundlichen +Kinogenossenschaft an einem Orte innerhalb der unter 1. genannten +Länder veranstaltet. Die dazu nötigen Vorarbeiten werden durch einen +Geschäftsausschuß der sich Beteiligenden erledigt. + + * * * * * + +Absichtlich habe ich diesen Entwurf auch in wichtigen Einzelheiten +ganz allgemein gehalten, so daß nur der Zweck, die geistigen Leitsätze +und die möglichen Grundbedingungen einer solchen Organisation scharf +hervortreten. Schon das Vorliegen eines solchen Entwurfs wird m. E. +die gute Folge haben, unzweideutig zu zeigen, ob und wie weit es allen +Stellen, die für eine Kinoreform in Betracht kommen und sich zum Teil +stark dafür ins Zeug legen, _Ernst_ ist. Ich betone ganz besonders, +daß meiner Meinung nach weder ein anderer Weg vorhanden ist, um +zunächst auf einem Teilgebiete der Kinematographie zum Ziele zu kommen +und damit wenigstens den haltbaren Grund zur umfassenden Kinogesundung +zu legen -- noch diese aus einer (außer in unwesentlichen Punkten) von +der in meinen genannten Schriften niedergelegten abweichenden +»Auffassung« hervorgehen kann. Es handelt sich da ja in der Hauptsache +kaum um diese oder jene freigestellte »Auffassung«, sondern einfach um +die Frage: Sachkenntnis und Sacheindringen oder nicht? Es ist kein +Zweifel, daß die bisherigen so gut wie vollkommenen Mißerfolge der +Kinoreform (gemessen an ihrem irgend ernst zu nehmenden Ziele) +wesentlich auf dem Mangel an Sachkenntnis und Überblick, der Neigung +zu verantwortungslosem Nachgeben und oberflächlicher Spielerei +beruhen. Auf keinem Gebiete erfordert die Reform so ernste, +umfangreiche und gewissenhafte _Arbeit_, führt dann aber auch so +sicher und großzügig zum Ziele, wie auf dem der Kinematographie, denn +hier gibt es nur _einen_ geschlossen entgegenstehenden Feind, der +entweder gewonnen wird und dann selber das mächtigste Bollwerk +internationaler Kinokultur ist, oder weiter trotzt. Eigenbrödeleien +sind hier von vornherein zum Mißerfolg verurteilt. Die erdkundliche +Kinematographie zum Ausgangs- und Mittelpunkte der Kinetographie +überhaupt machen, heißt an sich schon ein Stück Kinoreform tun, +nämlich den Kino auf _sein_ Gebiet zurechtrücken. Die erdkundliche +Kinematographie und Kinetographie organisieren, heißt nicht nur eine +öffentliche Bildungs- und Unterhaltungsquelle gesund machen, sondern +zugleich der Schule und der Wissenschaft einen wesentlichen Dienst tun +und sie auf ihrem eignen Gebiete um einen großen Schritt fördern. + +Zu den Einzelheiten meines Satzungsentwurfs wären Erläuterungen zu +geben. Die unten genannten Länder bilden nicht nur nach der +vorherrschenden Rasse und nach geschichtlichen Gesichtspunkten eine +Art Kulturgemeinschaft, sondern sie haben auch insofern gemeinsame +Kinointeressen, als sie alle zusammen im wesentlichen nur »Abnehmer« +sind, d. h. ihren Filmsegen zurzeit hauptsächlich aus dem Ausland +erhalten. Eine Ausnahme macht etwa nur Dänemark-Norwegen, insofern +dort am Welthandel selbständig beteiligte Filmfirmen vorhanden sind; +gerade diese Länder einschließlich Schweden gehören aber um so mehr zu +uns, als sie mit Deutschland zusammen schon längst am eifrigsten und +tatkräftigsten Kinoreformbestrebungen huldigen. Die gesunde Auffassung +von dem wesentlich erdkundlichen Beruf des Kinos dürfte in allen +genannten Ländern mehr wenigstens als in den romanischen allgemein +einleuchten. Dies freilich auch in englischen Kreisen, aber doch +abgeschwächt durch das dortige, wesentlich geringere Interesse an der +uns so sehr beschäftigenden »Organisation der Bildung« und des Schul- +und Unterrichtswesens. Auch Deutschland erzeugt ja Filme, darunter ja +erfreulicherweise mehr und mehr gute erdkundliche, es überwiegen aber +doch wohl »dramatische« und melodramatische (»Tonbilder«) von Berliner +Firmen. Sie alle zusammen sind aber von geringer Bedeutung gegen die +Auslandeinführung. Aus allen Gründen steht auch diesen Staaten als +wirkungsvolles gemeinsames Notmittel der Ausschluß ausländischer +Filmeinfuhr zu Gebote. Natürlich ist in andern Kulturländern ein +ähnlicher Zusammenschluß gleichfalls zu erwarten, aber unter +wesentlich andern Bedingungen. Mit solchen Genossenschaften müßte +natürlich zusammengearbeitet werden (2). Anderseits ist ein +Zusammenschluß über ein größeres Gebiet als etwa nur Deutschland +nötig, da dieses Land als Kundschaft allein nicht eine genügende Macht +ausüben würde, um einen wirkungsvollen Druck auf das ausländische +Kinokapital auszuüben. -- Zum »ständigen Arbeitsausschuß« (4) könnte +nötigenfalls noch eine Berufungsstelle treten. Es muß den Firmen +natürlich freigestellt bleiben, ihre erdkundlichen Aufnahmen nach wie +vor nach eigner Verantwortung und eignem Geschmack auszuführen, oder +aber, wenn sie Wert darauf legen, sie dem großen, von der Deutschen +Erdkundlichen Kinogenossenschaft zu schaffenden Turnus einzufügen, sie +prüfen und möglichst schon vom Plane an begutachten zu lassen, +und dabei die Wünsche und Gesichtspunkte erdkundlicher und +Volksbildungsberufsleute als maßgebend zu berücksichtigen. -- Ich +denke mir unter diesen Umständen den gewöhnlichen Gang erdkundlicher +Aufnahmen etwa wie folgt. Die _Anregung_ geht je nachdem von einem +Geographen, einem Forschungsreisenden oder dem Kenner eines +bestimmten, z. B. heimatlichen Gebietes aus, oder von wissenschaftlichen +oder volkswissenschaftlichen Erdkundevereinen, Fremdenverkehrs-, +Heimatschutz-, Denkmalsschutz-, Weltnaturschutz- oder sonstigen +interessierten Vereinen u. a. aus. Auch Schulbehörden können es sein +oder auch Industrievereinigungen, landwirtschaftliche Körperschaften, +Firmen; ferner Kolonial- und andere Behörden, die Geschäftsleitungen +von Ausstellungen; endlich Private aller Art, und daneben natürlich +nach wie vor Filmfirmen usw. Es wird nun, gewünschtenfalls schon durch +Vermittlung des Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschafts-Ausschusses, +die Planung der ganzen Aufnahme so vorbereitet, daß _neben_ den +besondern Wünschen und Interessen der Anregenden möglichst auch den +_allgemeinen_ Wünschen und Interessen, besonders auch denen der +Wissenschaft und der Volksbildung und -unterhaltung (der allgemeinen +Öffentlichkeit) Rechnung getragen wird. Dies geschieht, um sowohl +wirtschaftlich wie ideell der oder den Aufnahmen eine möglichst weite +und dauernde Verwendbarkeit zu sichern. Nur durch diese wird +einerseits ein solches Unternehmen wirtschaftlich ermöglicht und +ertragreich, und es wird anderseits erreicht, daß die immerhin nicht +häufig wiederkehrende Aufnahmegelegenheit möglichst vollkommen +ausgenützt wird. -- Die Aufnahme würde nun jedesmal irgendwie unter +der Leitung geographischer Fachleute oder doch unter Berücksichtigung +ihrer Angaben und der in dieser Schrift angegebenen Regeln von +Berufenen ausgeführt werden, als welche sich alsbald besondere +Begabungen finden würden, denen eine Mischung von wissenschaftlichem, +künstlerischem, Lehr- und technischem Sinne eigen sein müßte. -- Die +fertigen Filme würden nun nebst ausgearbeiteten Angaben der +Filmprüfungsabteilung der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft +überwiesen werden, die sie begutachtete, eventuell Anregungen zu ihrer +Verbesserung im einzelnen gäbe und die wertvoll befundenen, wie im +Entwurf angedeutet, beurkundete und ihnen ein geschütztes Abzeichen +verliehe. Die Negative würden -- falls nicht gegenteilige Wünsche der +Beteiligten vorlägen -- der Mittelstelle übergeben, die für sie und +ihre den Wünschen des oder der Eigentümer entsprechende +Benutzungsweise haftete. Diese Mittelstelle soll -- ganz wie der +Kommissionär im Buchhandel, oder als eine Art Dauermesse -- lediglich +der Erleichterung und Beschleunigung des Austausches zwischen +Filmverlag und Käufer dienen. Es ist daher kaum anzunehmen, daß ihre +Tätigkeit in dieser Hinsicht irgendwie mit andern Interessen in Zwist +käme. Sie soll nicht nur die Negative aufbewahren, sondern vor allem +auch je ein Positiv, um dies jederzeit »zur Ansicht« vorführen zu +können (dies braucht bekanntlich nicht immer auf der Projektionswand +zu geschehen, sondern es gibt auch Apparate für nur je einen +Betrachter). Diese Einrichtung soll dem gegenwärtigen Übelstand +abhelfen, daß namentlich ältere Aufnahmen, nachdem sie in den +Kinotheatern die übliche Frist abgelaufen haben, so gut wie nicht mehr +zu erlangen, jedenfalls vom Interessenten nicht mehr zu besichtigen +sind. Gerade für sachgemäße erdkundliche Vorführungen ist aber +natürlich das Zurückgreifen auf ältere Aufnahmen unbedingt nötig; und +die ganze Organisation, wie wir sie hier im Auge haben, wird auch das +bisherige _Interesse_ der Verlagsfirmen an der Außerdienststellung +ihrer ältern Aufnahmen, namentlich erdkundlicher, beseitigen. Dieses +Interesse beruhte namentlich auf der Befürchtung, daß die Möglichkeit +der Kinobesitzer, beliebig auf ältere Aufnahmen zurückgreifen zu +können, den Absatz der jeweils neuen Wochenschöpfungen unsicher machen +könnte. Das wäre aber eine Gefährdung des oft außerordentlichen +Kapitals, das namentlich in die im Vergleich mit den meisten +erdkundlichen ungleich kostspieligern »dramatischen« Sachen gesteckt +wird. Durch die völlige Loslösung der erdkundlichen Vorführungen von +den »dramatischen« und ihre verabredungsgemäße Beschränkung auf +bestimmte Tage oder Wochen (1 bis 2 in der Woche, im Monat oder +ähnlich) einerseits, durch den größern, auf dem nunmehr +eingeschlagenen Wege erforderlichen Kapitalaufwand und die größere +Rentabilität erdkundlich-»aktueller« Filme anderseits würde jenes +Bedenken hinfällig werden. Aus denselben Gründen wäre aber die Abgabe +von _Filmteilen_ ebenso im Verbraucher- wie im Hersteller-Interesse +gelegen. Wenn ein Gesamtfilm beispielsweise »Bilder aus Bosnien« +heißt, so ist er vielleicht aus Teilen zusammengesetzt, deren einer +mehr landschaftlich-geologisches, ein anderer militärisches, ein +dritter volkskundliches, ein vierter zoologisches Interesse hat; es +wäre ein unbilliges Verlangen, daß nun z. B. ein Zoologe, der ein +Programm mit dem zoologischen Abschnitt wertvoll bereichern könnte, +den ganzen Film »Bosnien« kaufen müßte, noch dazu ohne ihn vorher +sehen zu können. Zurzeit ist dies aber meistens so, d. h. die +Filmfirmen verweigern meist die Abgabe älterer Bilder und erst recht +von Teilen älterer Bilder. Der Grund liegt außer in den geschilderten +geschäftlichen Bedenken in der Zerstreutheit der Negative in London, +Paris, Florenz, Amerika usw., in der Überlastung der Firmen mit der +notwendigen Tagesproduktion, die jeweils alle verfügbaren +Kopiermaschinen, Hände und Köpfe in Anspruch nimmt, und +in der Unmöglichkeit -- weil unlohnend -- einer geordneten +Negativ-Archiv-Führung. Besonders das Heraussuchen einzelner +Negativteile, wenn sie nicht von vornherein äußerlich sichtbar +bezeichnet sind, würde ja eine zu große Zumutung sein. Eine nur diesen +Aufgaben dienende Mittelstelle könnte das aber leicht und schnell +leisten. + +Auf dem gedachten Wege wären nun also namentlich Forschungsreisende, +wissenschaftliche Lehrinstitute, Sammlungen, Schulen usw. bereits in +den Besitz derjenigen Aufnahmen gekommen, um die es ihnen zu tun ist; +es wäre ihre Privatsache, sich über die Eigentums- und gegenseitigen +Entschädigungsverhältnisse auseinanderzusetzen, und die Art der +Benutzung bliebe natürlich ganz ihre eigne Sache. In den meisten +Fällen wird aber nun als wirtschaftlicher Neben- oder als Hauptzweck +die Überführung der Aufnahmen oder eines Teiles von ihnen in den +Turnus öffentlicher Aufführungen, besonders also der Kinotheater, +erwünscht sein. Diese zu bewirken, bliebe die geschäftliche Aufgabe +des »Verlegers« durch Vermittlung der Deutschen Erdkundlichen +Kinogenossenschaft-Mittelstelle; durch deren Tätigkeit und die ganze +Organisation würde aber das Ergebnis gleichmäßiger und sicherer +erreicht und von vornherein -- schon bei der Planung -- in gewissem +Grade schon mit verabredet und in Rechnung gezogen werden können. Von +vorher sorgfältig geplanten und fachmännisch vorbereiteten +Kinoaufnahmen etwa einer Expedition durch Tibet oder einer +Landes-Naturdenkmäler-Aufnahme ließen sich von vornherein einige +öffentliche Programme versuchsweise entwerfen, und deren Ertrag ließe +sich, eben infolge der eigenartigen Organisation dieses +Geschäftszweiges überhaupt, mit einer gewissen Sicherheit übersehen. +Das würde also die vorherige Kostenberechnung solcher Unternehmungen +erleichtern. -- Bestimmte erdkundliche Theaterprogramme zu schaffen +wäre dann aber eine zweite »Autoren«aufgabe, die wieder von +verschiedenen Interessenten in Angriff genommen werden könnte. -- Für +die unter 5 a bis d genannten Zwecke würde der Ausschuß +vorteilhaft mehrere ständige »Kammern« bilden. -- Die Tätigkeit der +Mitglieder des Ausschusses würde in ehrenamtliche und honorierte +zerfallen. Daß jede im Zuge eines geschäftlich angelegten Unternehmens +eintretende wirkliche Arbeit und Zeitopferung ihres Lohnes wert ist, +ist ebenso selbstverständlich, wie daß eine unverpflichtete und +verantwortungslose, rein sogenannt »gemeinnützige« Tätigkeit _auf die +Dauer_ in Verfall gerät und stets zweifelhaften Wert besitzt. Außer +Honoraren und Gehältern würden der Mittelstelle durch Einrichtung und +Mieten für Geschäfts-, Aufbewahrungs-, Vorführungsräume usw. Kosten +entstehen, endlich durch die gesamte Werbearbeit, besonders +Zeitschrift und Filmführer. Mein Entwurf begnügt sich mit dem +Hinweise, daß dem eine Menge natürlicher und die Industrie keineswegs +ungebührlich belastender Einnahmequellen gegenüberstehen. -- Zu 7: +Keinem der an die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft +Angeschlossenen kann die Verpflichtung auferlegt werden, _nur_ von ihr +begutachtete Aufnahmen herzustellen, zu vertreiben, vorzuführen oder +anzusehen. Das Interesse, dies zu tun, kann nur in dem für alle +Beteiligten daraus entspringenden tatsächlichen Nutzen bestehen. +Anderseits würde natürlich durch Vermischung der Deutschen +Erdkundlichen Kinogenossenschaftsfilme mit andern aus genügend +gekennzeichneten Gründen der ganze Zweck und Erfolg des Unternehmens +hinfällig. Es muß darauf bestanden werden, daß als Deutsche +Erdkundliche Genossenschaftsfilme nur von ihr geprüfte und empfohlene +Aufnahmen, aber auch nur in der von ihr angegebenen Weise, und in den +Kinotheatern nur im Zusammenhange der von ihr empfohlenen +Gesamtprogramme vorgeführt werden. Das letztere aus denselben +technischen Gründen, weswegen auch sonst die Kinotheater nicht +Einzelfilme, sondern nur ganze Programme leihen können, soweit sie +nicht selber die Urheber der letztern sind. -- Zu den »Interessenten« +der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft gehören also auch die +Lichtbilderfirmen, die erdkundliche Lichtbilder zu verleihen oder zu +verkaufen haben. Diese würden, soweit nötig, den Gesamtprogrammen +beizufügen sein. -- Den sozusagen ursächlich -- also geschäftlich, +wissenschaftlich oder volksbildnerisch interessierten Kreisen +gegenüber wäre nun als wichtige von der Deutschen Erdkundlichen +Kinogenossenschaft zu fördernde Aufgabe ein loser Zusammenschluß der +»Schauinteressenten«, d. h. des erdkundlich interessierten +Kinopublikums herbeizuführen. Die unter 11 genannte Maßnahme würde m. +E. dazu genügen und alles Erreichbare umfassen. + + * * * * * + +Ich hoffe mit diesem wenigen den Grundgedanken einer Deutschen +Erdkundlichen Kinogenossenschaft genügend veranschaulicht und seine +Wichtigkeit verständlich gemacht zu haben. Sollte es mir damit +gelungen sein, auf Grund jahrelanger Arbeit und umfassender, mit +großen Opfern erkaufter Erfahrungen einen Grundstein zu fruchtbarer, +schöpferischer, aufbauender Kinogesundungsarbeit gelegt und zugleich +der erdkundlichen Wissenschaft und dem Schulunterricht der Zukunft +neue Möglichkeiten klären geholfen zu haben, so wäre diese meine +Arbeit reichlich belohnt. + + + + +Anhang + +_Ein Blick auf den gegenwärtigen Markt erdkundlicher Filme und +Lichtbilder_ + + +Mit unermüdlichem Entgegenkommen hat die Lichtbilderei GmbH. in +M.Gladbach alles Erdenkliche getan, um meinen Wunsch, einen +praktischen Überblick über die zurzeit zugänglichen Quellen +erdkundlichen kinematographischen Stoffes zu gewinnen, zu erfüllen. +Dennoch würden die auf unsere Rundfragen ergangenen Antworten +besonders betreffend der _Film_erzeugung ohne die Benutzung +anderweitig gewonnener Erfahrungen ein sehr lückenhaftes Bild geben. +Der Gesamtüberblick bezeugt sowohl betreffend der Lichtbilder wie der +Filme vor allem einen gewissen Mangel an Beweglichkeit in der +Organisation, insofern erstens zumeist nur ganze Serien von +Lichtbildern und Kinoaufnahmen verliehen (von letztern auch verkauft) +werden, zweitens auch dies noch mannigfachen Beschränkungen und +Schwierigkeiten unterliegt. Die Unmöglichkeit, die Sachen vorher _zur +Ansicht_ zu haben oder sonst prüfen zu können, liegt ja in der Natur +der Sache. Sie ließe sich nur -- wie im vorangehenden angedeutet -- +durch eine wohlorganisierte ständige _Projektionsbildermesse_ +nebst Zentralverleihstelle und in Verbindung mit einem nach +wissenschaftlichen und gemeinnützigen praktischen Gesichtspunkten +durchgearbeiteten illustrierten und beschreibenden _Realkatalog_ +beheben. Dazu müßte ein beweglicheres _Leihaustauschsystem_ treten. +Eine Hauptursache für die verhältnismäßig geringe Rolle, die das +Projektionswesen als ernsthaftes Bildungsmittel noch spielt, liegt +darin, daß die Bilder, die man nach den Titeln beschafft, selten +gerade das zeigen, was man zeigen will. Ist dieser Übelstand auf dem +Lichtbildergebiet schon empfindlich, so wirkt er gegen die Ausbreitung +der Filmbenutzung geradezu entscheidend. + +Da nach unserer Überzeugung das Kinobild, besonders das erdkundliche, +fast stets vom stehenden unterstützt werden muß, so geben wir zunächst +einen Überblick über die Quellen für erdkundliche Lichtbilder. +Zunächst Firmen, die geschäftsmäßig an jedermann verkaufen und +verleihen, soweit uns näheres Material vorliegt (alphabetisch): + +1. _Evangelischer Verein für kirchliche Zwecke_, Berlin SW 68, +Oranienstr. 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und +innere Mission) auch einige geographisch interessierende Serien. Alle +Bilder sind koloriert (5 M). Mitwirkung von Kunstmalern, +Missionsleuten, Pastoren. Es werden nur Serien verliehen, Texte werden +beigegeben. Verleiht auch Apparate. + +2. _Graystone Bird_, Kunstphotograph, 3, Milsom Street, Bath, England. +Pflegt besonders das Gebiet von Landschafts- (See-, Wolken-, +Winterlandschaften usw.) Diapositiven nach _künstlerischen_ +Gesichtspunkten. Wetter, Stimmungen usw., ferner britische und +Schweizer intime Aufnahmen. + +3. _Bruno Hentschel_, Leipzig, Kunstverlag (Kollektion Hentschel): +Landschaften-, Trachten- und Städtebilder aus dem _Orient_ (Ägypten, +Palästina, Syrien, Kleinasien, Konstantinopel, Griechenland). Bilder +auch einzeln (15 Pf.), jedoch Mindestgebühr 7.50 M. _Versendet zur +Ansicht Papierkopien_ sowie ganze _Serien_. + +4. Die _Lichtbilderei_ GmbH., M._Gladbach_, verfügt über nicht weniger +als 450 Lichtbilderserien, von denen die erste der 13 Untergruppen der +_Erdkunde_ gewidmet ist (Land und Leute -- Deutschland, deutsche +Kolonien, Ausland). Auch die Abteilungen »Naturwissenschaft«, +»Industrie und Technik«, »Handwerk«, »Landwirtschaft«, »Volkswirtschaft« +u. a. bieten manchen ergänzenden Stoff. Die Lichtbilderei, die unter +Mitwirkung des Volksvereins-Verlags vor sieben Jahren gegründet wurde, +verfolgt auf geschäftlicher Grundlage den Zweck, die Projektionskunst +durch künstlerischen Geschmack und wissenschaftliche Gründlichkeit in +der Auswahl der Bilder und durch die Beigabe von Vortragstexten, die +sich über den vielfach üblichen oberflächlichen Dilettantismus +erheben, zu einem ernsthaften Mittel für die möglichst allseitige +tiefgehende und nachhaltige Bildung breitester Volksschichten zu +erheben und so ein vorbildliches Musterinstitut zu werden. Als +Verfasser der geographischen und ethnographischen Vortragstexte wirken +hervorragende Fachleute. Bilder und Texte werden an jedermann +verliehen. Katalog kostenlos. Über ihre Filmverleihzentrale siehe +unten. Verkauft und verleiht auch Apparate und Zubehör. + +5. _Ed. Liesegang, Düsseldorf._ Der Katalog verzeichnet eine große +Auswahl erd- und völkerkundlicher Serien sowie solche aus den Gebieten +»Naturkräfte und Naturwissenschaft«. Besonders zahlreich (mit Betonung +von Architektur und Kunst) die Serien »Italien, Palästina und +Deutschland«. Eine große Menge in »Woodburydruck« (eine Art getöntes +Gelatinerelief, das viel transparenter als die aus undurchsichtigem +Metallniederschlag bestehenden Silberkopien sein soll). Meist nur +Serienverleihung. Verkauft auch Apparate usw. + +6. Die _Neue Photographische Gesellschaft, Steglitz-Berlin_, verleiht +nicht, sondern verkauft. Die umfassende Sammlung geographischer +Lichtbilder (Album mit 110 verkleinerten Bildertafeln je 15 Bilder +Mk. 20 auch leihweise) ist von Prof. Dr. Deckert an der Akademie für +Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt a. M., die betreffs +Geologie des Norddeutschen Flachlandes von Prof. Dr. Wahnschaffe, +Berlin, zusammengestellt. Außerdem zahlreiche aus andern +Naturwissenschaften. Die Diapositive sind teils im Kontaktverfahren, +teils im nassen Verfahren hergestellt. (Katalog »Das photographische +Anschauungsmittel« 2 M.) + +7. _Richard Rösch, Dresden-A._ Viele Serien erdkundlicher Bilder. +Verleiht auch einzeln (10 Pf. für Bild und Woche). + +8. _E. A. Seemanns Lichtbildanstalt, Leipzig._ Serien China und +Marokko; ferner (hauptsächlich in künstlerischer Hinsicht) Regensburg +und Nürnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumière). +»Durch bestimmte Herstellungsmethoden wird die Schicht und das Glas +des Diapositivs vor den Gefahren großer Hitze bewahrt, wodurch auch +bei hoher Lichtstärke ein besonderer Schutz (Wasserkammer) entbehrlich +wird.« (Farbenproben, die ich gesehen habe, waren _sehr_ schön; und +das Feuerschutzverfahren wäre ja für Mitbenutzung im Kino sehr +wertvoll!) Projektionseinrichtungen. + +9. _Unger & Hoffmann_, A.-G., _Dresden-A._ Sehr großes Lager +geographischer und naturwissenschaftlicher Bilder. Serienverleihung. +Ansichtssendungen, auch _Papierabzüge_ zur Auswahl. Führen auch +Apparate usw. + +10. _Emil Weises Buchhandlung, Dresden-A._ Farbig: Palästina, Orient, +Sachsen, Indien, Rhein, Deutsche Kolonien (Mission). Serien mit Text. + +11. _York & Son_, 67, Lancaster Road, Notting Hill, London W. +Katalog mit großer Auswahl, 1 Schilling. Nur Verkauf. Sehr viel +geographische Serien. + +Zu diesen Firmen (weiteres Material für spätere Auflagen usw. +erwünscht!) treten nun einige Vereine und Institute, die ihre Bilder +nur an Mitglieder oder unter Beschränkungen verleihen. + +12. _Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung_, Berlin NW 52, +Lüneburger Str. 51 (an 8000 angeschlossene Vereine!). Dieser +gemeinnützige Verein verleiht nur an Mitglieder (Schulen und andere +Bildungsinstitute) usw. Falls Vortragstexte mitgeliefert werden, nur +mit diesen. (Diese Maßregel wird mit dem im Titel bezeichneten Zweck +begründet.) Einzelne Bilder (außer »Tierwelt«) werden nicht verliehen, +wohl aber verkauft. Die Texte stammen aus der Feder von Fachleuten. +254 Serien, von welchen die überwiegende Zahl erdkundlichen und +naturwissenschaftlichen Inhalts sind. Betreffs Kinematographie siehe +unten. Stellt auch Apparate und Vorführer usw. + +13. _Süddeutsche Lichtbilderzentrale, München._ Ist eine Einrichtung +der Hauptstelle süddeutscher katholischer Arbeitervereine. Verleihen +und verkaufen auch Apparate. (Näheres siehe unter Kinematographie.) + +14. _Verein Naturschutzpark, Sitz Stuttgart_, Pfizerstr. 5. Verleiht +kostenlos nur zur Agitation für die Schaffung und Förderung von +Naturschutzparken. Bilder und Texte. + +15. _Stiftung für Heimatschutz_, Verwaltungssitz Meiningen. Besitzt +eine große Lichtbildersammlung betreffend Heimatschutz. + +16. Die _Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung_ (Frankfurt a. +M.), 17. _Großh. Techn. Hochschule Darmstadt_ (Prof. Dr. Greim) +verleihen nicht. 18. Die _Oberschulbehörde Lübeck_ besitzt zahlreiche +erdkundliche Lichtbilder in den höhern und mittlern Schulen. + +Ganz anders als bei den Lichtbildern liegt die Sache auf dem Gebiete +der _erdkundlichen Kinematographie_. Während ein einmal hergestelltes +gutes Lichtbild und Negativ ein »Schatz fürs Leben« ist, ist in der +Kinematographie alles in beständigem Fluß. Die teuren erdkundlichen +Aufnahmen, die oft mit großen Reisekosten usw. hergestellt worden +sind, verlieren ein Vierteljahr nach dem Erscheinen der ersten +Positive jede »Aktualität«, d. h. sie sind in den Augen der +Kinobesitzer und Filmverleihanstalten Ladenhüter. Und nach wenigen +Jahren ist es unwahrscheinlich, daß auch nur das Negativ davon noch +vorhanden ist. Das hat zwei Hauptursachen: erstens die große +Inanspruchnahme auch der Negative durch das Kopieren, wodurch sie nach +einer verhältnismäßig geringen Zahl von Abzügen ebenso »verregnen« +(und dies dann natürlich auf weitere Abzüge übertragen würden) wie +vielgebrauchte Positive. Zweitens aber ist ein Zurückgreifen auf +ältere Aufnahmen, wie mehrmals bemerkt, im Kinogeschäftsorganismus +weder vorgesehen und bequem durchführbar noch gewünscht. Wer +erdkundliche Kinofilme unter gegenwärtigen Umständen benutzen will, +hat dazu also im Grunde nur _einen_ Weg: er lasse sich die Prospekte +über die wöchentlichen Neuerscheinungen regelmäßig zusenden, fahre, +wenn etwas ihn interessiert, zum angegebenen Zeitpunkt nach Berlin, +lasse es sich dort zeigen und kaufe es gegebenenfalls, um es dann so +lange liegen zu lassen, bis der Zeitpunkt des Gebrauches kommt. +Selbst in den Fabriken gibt es begreiflicherweise keine Positive, es +sei denn, daß einmal zufällig eins liegen geblieben ist -- welches +Kapital würde sonst in solchem bloßen Vorführungsmaterial tot liegen! +Erst eine Organisation, wie ich sie beschrieben habe, kann bei +geregeltem Filmkauf durch Reforminteressenten da Wandel bringen. +Vollkommen verfehlt ist natürlich auch der Glaube, dem man in +dilettantischen Reformkreisen so oft begegnet, daß Kinotheater und +Filmverleihanstalten -- von vereinzelten zufälligen Ausnahmen +abgesehen -- gute Einzelbilder für gute Worte oder Geld abgeben +könnten. Wenn eine Verleihanstalt oder ein Kinotheater selbst +erdkundliche Filme kauft, so werden diese natürlich sofort einem der +üblichen Gesamt-Programme eingefügt und machen mit diesem die Runde +durch die darauf abonnierten Kinotheater. Daß sie während dieser Zeit +nicht willkürlich herausgenommen werden können, leuchtet ein, und +ebenso, daß sie, wenn sie frei werden, eben »ausrangiert« +sind, d. h. in einem Zustande, in dem sie nur eben noch für -- +»Kinoreform«vorstellungen gut sind (?). -- Der Ankauf einzelner Filme +ist aber ebenfalls eine praktisch für den einzelnen kaum durchführbare +Sache. Wer unsere Vortrags- und Vereinsverhältnisse kennt, weiß, daß +es kaum durchführbar ist, ein eventuell in die Tausende gehendes +Kapital in ein einzelnes Programm zu stecken, zumal die Vorführung +dann noch jedesmal bedeutende besondere Kosten verursacht. Da sind als +für Vereine, Schulen, einzelne Redner usw. einstweilen rettender +Ausweg die _Kinoreformverleihinstitute_ willkommen. Das sind +Verleihanstalten, die ausschließlich Kinoreformbedürfnissen dienen +wollen. Da diese Bedürfnisse aber wenigstens einstweilen noch +geschäftlich kaum ins Gewicht fallen, auch die ganze Einrichtung immer +noch einen nur vorläufigen Ausweg darstellt, so liegt diese Art von +Filmverleih zurzeit fast ausschließlich in den Händen gemeinnützig +arbeitender Volksbildungsvereine. Von diesen sind mir drei bekannt +geworden. + +1. Die _Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung_, Berlin NW 52 +(siehe oben), hat neben ihrem Lichtbilderdienst auch eine Verleihung +von kinematographischen Apparaten und Filmen eingerichtet. Außerhalb +Berlins und der Vororte werden die Apparate in der Regel nur behufs +Vorführung durch einen eignen Monteur der Gesellschaft verliehen. Die +Verleihung erfolgt nur an Mitglieder der Gesellschaft (Schulen, +Behörden, Vereine, Reformkinos usw.). Das Verzeichnis weist 31 eigne, +daher sofort verleihbare Filme auf, freilich nur wenig erdkundliche. +Es ist jedoch eine bedeutende Summe für den Ausbau dieses Unternehmens +eingestellt worden. Es werden nur je etwa 1000, gewöhnlich 2000 m +zusammen verliehen. Außerdem vermittelt die Gesellschaft aber auch +das Leihen von andern Filmen. (Ich möchte hier die Bemerkung einfügen, +daß juristisch nach Hellwig nicht von einem »Leihen«, sondern +»Pachten« der Filme gesprochen werden muß.) Ich würde außerdem +Programme, die allein 1000 oder gar 2000 m Filme umfassen, für viel +zu lang halten. Ich gehe dabei von der meines Erachtens aber schon +allgemein anerkannten Auffassung aus, daß 1. Filme nur in Verbindung +mit Lichtbildern und Vortrag vorführbar sind (so zeigen es auch die +neuen Programmbeispiele der Gesellschaft zur Verbreitung von +Volksbildung), 2. der Vortrag nicht während der Filmvorführung, +sondern nur dazwischen stattfinden darf. Auf diese Weise dauert mit +den unentbehrlichen Pausen ein Programm mit etwa 800 m schon reichlich +2 Stunden. Außerdem stellt die Gesellschaft ihren Mitgliedern ein +»_Wanderkino_« zur Verfügung, das Apparate, Filme und Lichtbilder +(ganze Programme), zwei Vorführungen täglich (eine mit Lichtbildern) +und Erläuterungen umfaßt. Für die Filme werden Aufnahmen mit +Farbenphotographie bevorzugt (darunter sind wohl kolorierte Filme zu +verstehen). -- In ähnlicher Weise versorgt + +2. _die Süddeutsche Lichtbilderzentrale München_ (siehe oben) +die ihr angeschlossenen Vereine mit fertig zusammengestellten +»Volksbildungsabenden«, die Lichtbilder, Filme, Vortrag, Gedichte, +Lieder u. a. umfassen (Wanderkino). Die mir mitgeteilten Programme +machen einen sehr ansprechenden und geschmackvollen Eindruck. + +3. Bei weitem die meisten Filme dieser Art (schätzungsweise 500, nebst +101 fertigen Programmen), darunter eine große Menge erdkundliche und +andere naturwissenschaftliche, hält die _Lichtbilderei_ GmbH., +M._Gladbach_ (siehe oben), bereit, und ihr Verleihsystem ist wohl auch +das beweglichste, das sich daher den Bedürfnissen von Schulen, +Bildungsvereinen, Reformkinos usw. am meisten anpassen läßt. (Kataloge +»Belehrende Filme für Schule und Volk« -- »Belehrende Programme für +Volk und Schule«.) Da die Lichtbilderei auch eine Verleihanstalt für +Kinos selbst hat (die natürlich nur, wenn auch mit Zugeständnissen an +manche Vorurteile des Kinobesitzerdurchschnitts, sittlich einwandfreie +und geschmacklich diskutable Programme liefert), so ist sie in der +Lage, der Reformsache bedeutende Opfer zu bringen. Wer also für +einzelne Vorträge und Veranstaltungen einigermaßen frei wählen will +(im allgemeinen können natürlich auch hier nicht Filmteile, sondern +nur ganze Filme abgegeben werden), der findet hier am ehesten, und +zwar zu sehr billigen Bedingungen, was er braucht. + +Die Lichtbilderei ist aber auch im Begriffe, die weitern in dieser +Schrift geforderten Verbesserungen zu organisieren, indem sie +aktuelle, vollständig ausgearbeitete Reformprogramme -- freilich nicht +nur erdkundliche, sondern von jedem rechtmäßigen Gebiete der +Kinematographie -- gebrauchsfertig mit allem Zubehör (Filme, +Lichtbilder, Texte, Musik, ausführliche Vorführungsanweisungen usw.) +_unmittelbar für den geschäftlichen Turnus in Kinotheatern +bereitstellt_. Die Ausarbeitung dieser Programme liegt in meiner Hand +(_Reformprogramme Häfker_). Damit ist der wesentliche Schritt zur +Verpflanzung wirklicher Kinoreform in die Kinotheater getan, _wohin +sie gehört_ -- denn alle Versuche außerhalb dieser Theater sind, +abgesehen von der Unterrichtskinematographie, ja doch nur Anregungen +und Versuche, die stets zu einer gewissen Unvollkommenheit verurteilt, +mindestens auf die Dauer ohne große Opfer nicht durchführbar sind. + +Bestrebungen, den Kinotheatern und namentlich den Schulen ganze +Programme und einzelne Filme zugänglich zu machen, werden auch vom +Rektor _Lemke_, Storckow (Mark) nicht ohne Sachkenntnis und +praktischen Blick vertreten. Es würde mich zu weit über den Gegenstand +dieser Schrift hinausführen, diese Bewegung eingehend zu besprechen; +dies geschieht an anderer Stelle. Vorläufig ist auch hier sowohl dem +Rektor _Lemke_ wie der Firma _Pathé Frères_ gegenüber (mit der er in +engem Zusammenhange steht) _Vorsicht_ anzuraten, da die +kinoreformerischen Zugeständnisse von dieser Seite mit viel Phrasen, +abzulehnenden Geschäftsinteressen und -- besonders von Pathé Frères -- +mit dem Bestreben verbunden sind, andere, ernster zu nehmende und +gründlichere Kinoreformarbeit zu hintertreiben. So willkommen und +erfreulich selbstverständlich gerade die Zugeständnisse +leistungsfähiger Firmen an die Sache der Kinoreform sind, so unbedingt +ist doch dem Laien zur Überlegung zu empfehlen, was mir kürzlich +eine besonders der Förderung der wissenschaftlichen und +Schulkinematographie dienende, ernstzunehmende Zeitschrift +schrieb: »Es macht so den Anschein, als ob sich unter dem Titel +wissenschaftlicher Film manches verbergen würde, was, unter der Lupe +besehen, sich als etwas ganz anderes entpuppt. Leider ist es nun mal +so, daß große Firmen nur einen redegewandten Reiseschriftsteller oder +Reisevertreter zu harmlosen Schulmännern zu schicken brauchen, um +alsbald mit einem an schönen Phrasen überreichen Empfehlungsschreiben +dieser Herren tüchtig Reklame zu machen. Solche Fälle lassen sich +mehrere aufzählen.« Das kann ich nur Wort für Wort bestätigen und füge +hinzu, daß verantwortungsloser und launischer Kinoreformdilettantismus +der Sache mehr geschadet hat als die gesamte Schundproduktion gewisser +Firmen. + +Firmen, die erdkundliche Filme im weitern Sinne des Wortes regelmäßig +in die Welt senden, sind u. a. _Urban_ (London), _Eclipse_ (Paris), +_Cines_ (Rom), _Raleigh & Robert_ (Paris), _Edison_ (Amerika), _Pathé +Frères_ (Paris), _Eclair_ (Paris), _Gaumont_ (Paris), _Neue +Photographische Gesellschaft_ (Berlin), _Meßters Projektion_ (Berlin), +_Expreß-Films_ (Freiburg i. B.). Alle diese Firmen haben (außer +Expreß?) ihre deutschen Vertretungen und Filialen in Berlin, zum Teil +auch in andern deutschen Städten. Die meisten bringen etwa als ein +Achtel ihrer Wochenproduktion »aktuelle« (d. h. nicht »gestellte«) +Filme, darunter naturgemäß viele geographische. Besondere (englische +und französische) Kataloge darüber -- die aber nicht dauernd +maßgeblich sind -- bringen u. a. die Firmen _Urban_, _Eclipse_, +_Radios_ gemeinsam heraus. Einen deutschen Auszug daraus erhält man +von der Firma Eclipse (Berlin). Von den andern lasse man sich die +regelmäßigen Prospekte schicken. Besondere Mitteilungen machten mir +die folgenden Firmen: + +1. _Expreß-Films-Co._, GmbH., _Freiburg i. B._ Redaktion und Verlag +»Der Tag im Film«, erste und älteste internationale _tägliche_ +kinematographische Berichterstattung. -- Diese Firma fertigt _nur_ +Naturaufnahmen und »Aktualitäten« (wissenschaftliche Filme, Militär, +Industrie, Sportbilder usw.) und hat besondere Expeditionen dazu teils +ausgerüstet, teils ausgesandt. Abzüge von allen bisher erschienenen +erdkundlichen Filmen werden an Händler (nur? -- warum?) unverbindlich +für 80 Pf. für das Meter verkauft. Begleittexte usw. und Material dazu +werden stets an Ort und Stelle gesammelt. Intelligente geeignete Leute +werden in Kursen zu Aufnahmeoperateuren ausgebildet. Besonders +wertvoll sind natürlich die Expeditionsbilder, von denen die Firma +folgende Liste aufstellt: + + _Expeditionsbilder_ + + Eine Reise quer durch Afrika. + + Eine Reise durch Indien. + + Eine Reise in die arktischen Regionen. + + Die deutsche arktische Zeppelin-Luftschiff-Studienreise + 1910 nach Spitzbergen unter Leitung Sr. Kgl. Hoheit + Prinz Heinrich von Preußen und Sr. Exzellenz Graf v. + Zeppelin. + + Die Besteigung des Himalaja durch Se. Kgl. Hoheit den + Herzog der Abruzzen, Welthöhenrekord 7493 m. + + Die Molukken-Expedition der Herren Dr. Deninger und Dr. + Tauern. + + Die Expedition des Herrn Dr. Koch (Grünberg) nach dem + Quellgebiet des Amazonenstromes. + + Die schweizerische Grönland-Expedition des Herrn Dr. A. + de Quervain. + + Die deutsche Hilfsexpedition Lerner nach Spitzbergen + zur Auffindung der Schröder-Strantz-Expedition. + + Die offizielle Reise Sr. Kgl. Hoheit des Kronprinzen + von Griechenland in die eroberten Gebiete. + + »Mit der Kamera in der Schlachtfront«, Aufnahmen vom + griechisch-bulgarischen Krieg, welche unsere Reporter + auf Befehl Sr. Majestät des Königs von Griechenland + aufgenommen haben usw. usw. + +Auch sonst weisen die Listen eine Fülle geographischer Aufnahmen auf. +Es ist hier wie überall zu berücksichtigen, daß die internationalen +Firmen auch Aufnahmen untereinander austauschen oder sie gegenseitig +für bestimmte Länder unter ihre geschäftlichen Fittiche nehmen. + +Besonders interessant ist die Bemerkung der Firma: »_In Deutschland +ist für belehrende Filme großer Rückschritt zu verzeichnen, in England +und Amerika großer Fortschritt._« + +Diese -- auch sonst bestätigte -- Bemerkung überrascht mich durchaus +nicht. Die Ursachen sind zum Teil aus dieser meiner Schrift zu +ersehen. Wir Deutschen unterscheiden uns von andern Völkern dadurch, +daß wir, besonders wo »Wissenschaft« und »Bildung« in Betracht kommen, +entweder gründlich mittun wollen oder gar nicht. Wenig Völker stehen +auf solcher Höhe wissenschaftlicher, keines auf solcher Höhe +pädagogischer und volkserzieherischer Gewissenhaftigkeit wie das +deutsche; niemand kann sich nach Feinheit und Durchgeistigung der +Lehrmethoden, niemand nach dem Stande _allgemeiner_ bewußter +ästhetischer Volkskultur mit uns messen. Das führt gewiß einerseits +auch gerade in Deutschland zu unliebsamen Erscheinungen: Pedanterie, +Trockenheit, »Schulmeisterei«, beflissene Vielgeschäftigkeit, +Übersehen des Wesentlichen und Hängenbleiben in Kleinigkeitskrämerei, +weltfremder »Idealismus«. Gewiß, solche Nebenerscheinungen auch in der +Kinoreform selbst haben viel dazu beigetragen, die Jugend und das Volk +von »Reform«programmen eher abzuschrecken. Das Beiwort »belehrend« +mußte durch solchen Zusammenhang einen unangenehmen Beigeschmack +bekommen. Ebenso wie mit Worten wie »Bildung« und »Gebildete« bei uns +viel Mißbrauch getrieben wird. (Es ist bezeichnend, daß andere +Sprachen überhaupt keine Bezeichnung für diesen Begriff haben.) So +kommt es wohl, daß die Massen anderswo -- zumal wo, wie in Frankreich, +England, Amerika, ein frischerer internationaler Wind, mehr Odem vom +Weltmeer, weht als leider immer noch bei uns, geographische, +ethnographische usw. Bilder leichter und lieber aufgenommen werden. +Man nimmt sie eben hin, wie sie sind, empfindet sie gar nicht als +besonders »belehrend«, denkt sich nicht viel dabei und macht noch +weniger Ansprüche. Wenn uns Deutschen das Spielzeug gefallen soll, so +muß es solider und namentlich feiner ausgeführt sein. Das Bessere -- +wovon wir infolge unserer verhältnismäßig hohen allgemeinen +Volksbildung doch mindestens ein Gefühl in uns tragen -- ist hier der +Feind auch des »Guten«. Das bloße Gaffen befriedigt uns nicht, wir +wollen auch für den Geist was haben. In Deutschland wird die +erdkundliche Geographie nicht eher durchdringen, als bis sie in dem +Geiste, dem ich in dieser und meiner vorigen Schrift Ausdruck gegeben +habe, durchgeführt ist. Filme allein, und wenn sie noch so gut sind, +sind nur -- Rohstoff. + +2. =Société des Etablissements _Gaumont_=, _Paris, Deutsche +Gaumont-Gesellschaft m.b.H., Berlin_. Bringt jede Woche ein bis zwei +erdkundliche Filme heraus. Ältere Aufnahmen können nur nach Katalog +hergestellt werden. _Teile_ von Negativen werden nicht kopiert. +Erdkundliche Aufnahmen wurden unter Mitwirkung von Gelehrten, Lehrern +und Forschungsreisenden, solche für Schulzwecke unter Aufsicht eines +Pädagogen gemacht. »Der sprechende Film Gaumont« ist meines Wissens +nur eine neue Synchronvorrichtung, die für erdkundliche Aufnahmen +nicht in Betracht kommt; doch wurde u. a. ein krähender Hahn damit +gezeigt. Die Firma rühmt sich auch, »_eine komplette Lösung der +Naturfarbenkinematographie_« gefunden zu haben. Die Erfindung, die +Kinemacolor übertreffen soll, wird von der Presse sehr gelobt. Von +Gaumont wurden u. a. die Südpolaufnahmen der Expeditionen Shackleton +und Scott gemacht. »Wir hoffen, daß die Schulen endlich einsehen +werden, welche materiellen Opfer die großen Filmfabriken im Interesse +der Schulkinematographie bringen.« Es liegt im Interesse dieser +Filmfabriken, daß sie der Organisation einer Filmmesse usw., wie ich +sie vorgeschlagen habe, ebenso wie andern Bestrebungen zur +_Verwirklichung_ von Reformbestrebungen nicht wie bisher +Gleichgültigkeit entgegenbringen oder gar Schwierigkeiten machen. Nur +wenn Naturfilme in einem Zustande, der allen Ansprüchen entspricht, in +den Verkehr kommen, wird ihre Herstellung für die Fabriken nicht mehr +ein _Opfer_ sein. + +3. Die Firma _Meßters Projektion_ GmbH., _Berlin_ S 61, erzeugt etwa +20 v. H. erdkundliche Aufnahmen, darunter solche von Prof. C. H. +Schillings (Berlin), Prof. Dr. Neuhaus, Prof. Dr. Bockenheimer, Sr. +Hoheit Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Marinemaler Rave +(Schröder-Strantz-Expedition). Hat auch Aufnahmen eigens für +Schulzwecke gemacht. Auf Begleittexte, Material dazu usw. hat die +Firma keinen Wert gelegt. Baut auch besondere Apparate für Schule und +Liebhaberzwecke, für Expeditionen (leichtes Gewicht usw.); u. a. +einen Apparat, mittels dessen auf einen Film oder Reihen Bilder +nebeneinander genommen werden können. »Wir halten die Bestrebung, +naturwissenschaftliche Filme zu machen, durch den Mangel an Käufern +für solche Bilder für nicht rentabel.« + +4. Die _Neue Photographische Gesellschaft_ A.-G., _Berlin-Steglitz_, +deutsche Vertretung für wissenschaftliche Filme: _Gesellschaft für +wissenschaftliche Filme und Diapositive_ GmbH., _Berlin, Wilhelmstr. +1a_, bringt außer andern naturwissenschaftlichen Filmen auch +erdkundliche (allgemeine und astronomische Geographie, Aufnahmen von +Meeresstürmen in der biologischen Anstalt in Helgoland unter Leitung +von Prof. Dr. Berndt, aus der Folge »Aus dem Leben des Meeres«). +Unter den Aufnehmenden Herr G. N. Mendel, der sich viel mit +naturwissenschaftlichen Studien beschäftigt hat. »Wir halten es für +angebracht, daß die Schule sich mit den Kinobesitzern in Verbindung +setzt derart, daß die Kinobesitzer wöchentlich oder zweimal +wöchentlich wissenschaftliche Kinovorstellungen unter Leitung der +Schule zu billigern Preisen abgeben.« + +Aus sonst eingelaufenen Antworten auf unsere Fragebogen ist -- +abgesehen von Verneinungen sämtlicher Fragen und Antwortablehnungen -- +hervorzuheben: eine »Klasse für sich« sind Institute wie die +»_Urania_« sowie die »_Treptower Sternwarte_« in Berlin, die auch die +Kinematographie in den Dienst ihrer volksbildenden Tätigkeit gestellt +haben. Die »Treptower Sternwarte« (Dir. Archenhold) berichtet, +trotzdem die Programme nur »belehrend« sind, daß die Vorträge, +namentlich auch die Sondervorstellungen vor Vereinen, großen Beifall +finden. + +Prof. Dr. _Karl Sapper_ vom _Geographischen Seminar_ der Universität +Straßburg i. E. schreibt: »Kinematographische Vorführungen haben wir +hier noch nicht gemacht, weil die Möglichkeit fehlt; ich würde sie +aber in der Völkerkunde, Wirtschafts- und Verkehrsgeographie, auch +physischen Erdkunde für sehr instruktiv halten (bei geeigneter +Auswahl).« + +In _Altenburg_ (Sachsen-Altenburg) ist die Schulbehörde dabei, eine +Sammlung erdkundlicher Filme zu beschaffen. + +Die _Industrielle Gesellschaft Mülhausen i. E._ hat mit +zufriedenstellendem Erfolge erdkundliche Filme für wissenschaftliche +und populäre Vorträge benutzt, »nur ist es noch schwierig, geeignete +Filme leihweise zu erhalten«. + +Das _Institut für Zuckerindustrie_ der Landwirtschaftlichen +Hochschule, _Berlin_ N 65, hat einen Film über Zuckerrübenkultur +in Arbeit und besitzt Filme über Ahornzuckerfabrikation, +Zuckerrohrfabrikation, Champagnerfabrikation. Die Haltbarkeit der +Filme ist gut. Die Aufbewahrung findet im kühlen, feuchten Raum statt. +Verliehen werden Filme und Diapositive nicht. + +Manchen weitern Beitrag zum Thema sowie Nachweise usw. enthält +_Sellmann_, »Kino und Schule« (Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 6); +pädagogisch besser als »kinematologisch« ist _Knospe_, »Der +Kinematograph im Dienste der Schule«, unter besonderer Berücksichtigung +des erdkundlichen Unterrichts. Manchen guten Gedanken neben manchem +oberflächlichem enthalten die Schriften von _Lemke_, auch in dessen +Zeitschrift »_Lichtbildkunst_« findet sich Brauchbares; es ist aber zu +beachten, daß hier überall das Bild durch geschäftliche Interessen +getrübt und »einseitig koloriert« ist. Wer in der Angelegenheit der +Nutzung der Kinetographie für Schule, Wissenschaft, Volksbildung und +Kinoreform auf dem laufenden bleiben will, halte sich an die +ernstzunehmenden Zeitschriften »_Bild und Film_«, Zeitschrift für +Lichtbilderei und Kinematographie, Verlag der Lichtbilderei +M._Gladbach_ (das einzige Fachblatt, das ausschließlich von +allgemeinen Gesichtspunkten ausgehend ernster Kinoreform dient), und +»_Film und Lichtbild_« _Stuttgart_, das derselben Sache ebenso +ernsthaft besonders vom Interesse der Wissenschaft und Schule aus +nachgeht. + + + + +Sachregister + + + Abruzzen, Herzog der 71 + + Adolf Friedrich von Mecklenburg 73 + + Afrika 71 + + »Aktualität« s. Tagesinteresse + + Altenburg 74 + + Amazonas 71 + + Amerika 72 + + Anschauung und Begriffe 11 16 25 42 + + Anschauungsmittel 11 12 f + + Anschauungsunterricht 42 + + Apparate 31 74 + + Archenhold 74 + + Ästhetik 6 34 f + + »Ästhetische Kultur« 17 18/19 + + Aufnahmen 33 + -- Organisation 41 59 + + Aussprache 40 + + + Begleitnotizen, Schema 38 + + Berndt 74 + + Besiedlungswesen 51 + + Bewegungseinheiten 36 + + »Bild und Film« 75 + + Bockenheimer 73 + + »Buch vom Kino« (= »Kino und Laien«) 6 + + + Cines 70 + + + Darstellungsmittel, erdkundliche 9 10 ff + + Deninger 71 + + »Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft« 55 + + Deutsche Filmerzeugung 59 71 f + + Deutschland in der Kinematographie 50 + -- Interesse an erdkundlichen Filmen 72 f + + + Eclair 70 + + Eclipse 28 70 + + Edison (Filmfirma) 70 + + England 72 + + Erdgeschichte 8 28 33 + + Erdkunde, Wesen 6 + + Erläuterungen 20 25 + + Erläuterungsstoff 37 ff 56 + + Ethnologie s. Völkerkunde + + Evangelischer Verein für kirchliche Zwecke 65 + + Expreß-Films 71 f + + + Fahrrad 11 f + + Farben 18 22 40 73 + + Film, Format usw. 31 + + »Film und Lichtbild« 75 + + Filmarchive 29 33 + + Filmbeschreibungen 37 + + Filmfirmen 4 70 ff + + Filmmarkt 47 64 ff 67 + + Filmprüfungen 56 60 + + Forschung, erdkundliche 28 + + Forschungsreisen 30 + + »Freiluftbildung« 42 + + Fremdenverkehrsvereine 59 + + Friedensbewegung 9 + + Fujijama 28 + + + Gaumont 70 73 + + Geiser 28 + + Geographie s. Erdkunde + + Geographisches Seminar Straßburg 74 + + Geologie 8 33 + + Geräusche 18 20 f 40 + + Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung 66 68 + + Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung 67 + + Gesellschaft für wissenschaftliche Filme und Diapositive 74 + + Gezeiten 30 + + Gilgamesch 9 10 + + Gletscher 30 33 + + Grammophon s. Phonograph + + Graystone Bird 65 + + Griechenland 72 + + Grönland 71 + + + Handel 9 + + Hedin 9 + + Heimatkenntnis 4 7 43 51 + + Heimatschutz 29 51 + -- (Stiftung) 67 + + Heinrich, Prinz von Preußen 71 + + Hellwig 69 + + Hentschel 65 + + Himalaja 71 + + + Jerusalem 38 + + »Illusion« 16 + + Indien 71 + + Industrie 9 59 + + Industrie-Gesellschaft Mülhausen i. E. 74 + + Institut für Zuckerindustrie 74 + + + Kanada 50 + + Kinemacolor 23 + + Kinematographie, Wesen 3/4 + -- und Erdkunde 13 16 + -- Grenzen und Mängel 16 + -- Mißbrauch 17 + + »Kinetographie« 19 + + Kino und Kunst 6 17 31 33 34 47 + + »Kino und Laien« s. »Buch vom Kino« + + »Kino und Schule« (Sellmann) 46 75 + + Kinokritik + + Kinoreform 3 4 5 48 52/53 54 ff 58 + + Kinotheater 4 32 + -- und Schule 44 47 ff 52 57 70 74 + + Knospe 75 + + Koch (Grünberg) 71 + + Körperlichkeit (Plastik) 18 23 + + Kolonien 51 59 + + Kosten 32 60 usw. + + Kriegsdarstellungen 49 72 + + Kunst und Künstler 4 5 14 + -- im Kino 5 18 + + Künstliche Aufnahmen 30 + + + Laien 4 5 53 + + Landschaftsmalerei 9 + + Landwirtschaft 4 50 59 + + Lemke 70 75 + + »Lichtbild und Kinotechnik« (Liesegang) 31 + + Lichtbilder 15 26 f 65 + + Lichtbilderei GmbH. 65 69 + + Lichtbilderverleihung 65 f + + »Lichtbildkunst« 75 + + Lichtbühnen-Bibliothek 12 + + Liebhaberaufnahmen 6 31 + + Literatur 75 + + Luftschiffahrt 11 + + + Meer 8 15 30 74 + + Menschenerdkunde 8 29 35 + + Messungen, kinematographische 12 30 + + Meßter 71 73 + + Meteorologie s. Wetterkunde + + Missionen 41 + + Molukken 71 + + Musik 24 40 + + + Naturfarbenkinematographie 23 73 + + Naturschutz 9 29 51 + + Naturschutzpark (Verein) 67 + + Negative, Aufbewahrung 61 + + Nervenbeanspruchung 17/18 + + Neue Photographische Gesellschaft 66 70 74 + + Neuhaus 73 + + Neu-Seeland 28 38 + + + Odysseus 9 + + »Operateure« 40 + + Organisation 48 54 + + Organisationsreform s. Zusammenschluß + + + Paasche 29 + + Palästina 37 + + Panoramaaufnahmen 24 + + Panoramen (Schaustellungen) 48 + + Pathé-Frères 70 + + Perspektive s. Tiefenwirkung + + Pflanzengeographie 8 + + Phonograph 20 22 + + Phonographie 14 15 + + Photographie 14 15 + + Polforschung 9 71 73 + + Politik 50 59 + + »Poloptical Institute« 48 + + Presse 5 57 + + Programme 49 52/53 57 62 + + Projektionsbildermesse 64 + + Propaganda, politische, wirtschaftliche 50 + + »Prospekte« (Zeichnungen) 14 + + + Querbewegungen 18 + + Quervain 71 + + + Radios 71 + + »Radzigeunerei« 11 + + Raleigh & Robert 70 + + Rave 73 + + Realkatalog 64 + + Reformprogramme 70 + + Rhythmologie 30 36 + + Rösch 66 + + + Sammeln von Filmen 29 32 57 + + Sapper 74 + + Schematische Darstellungen 43 + + Schillings 73 + + Schulbildung in Deutschland 72 + + Schulerdkunde 43 70 + + »Schülerprogramme« 46 + + Schulfilme 43 73 + + Schulkinematographen 31 44 + + Schulvorstellungen 44 74 + + Schröder-Strantz-Expedition 71 73 + + Scott 73 + + Seemann 66 + + Sellmann 46 75 + + Shackleton 73 + + Spitzbergen 71 + + Städtebilder 14 + + Stereoskop 15 + + Straßenwesen 11 + + Süddeutsche Lichtbilderzentrale 67 + + + Tagesinteresse erdkundlicher Bilder 49 52 + + »Tagebuch« 38 + + Tauern 71 + + Technik 31 + + Technik und Kultur 12 + + Teile von Filmen 61 + + Theater (Konkurrenz) 5 + + Tiefebene 15 + + Tiefenwirkung (Perspektive) 18 + + Tiergeographie 8 35 + + »Tonbilder« 21 59 73 + + Treptower Sternwarte 74 + + + Urban 22 28 38 70 + + Unger & Hoffmann 65 + + Unterricht, wissenschaftlicher 33 + + Unterrichtsstunde, erdkundliche 45 + + »Urania« 48 74 + + + Vereine 4 48 59 + + Verkehr 9 11 + + Verleihanstalten 60 64 + + Völkerkunde 8 24 + + Völkerverständigung 4 9 51/52 + + Volksbildung 25/26 47 ff + -- deutsche 72 f + + Vorführung 19 + + Vortrag 25 + + »Vortrupp« 29 + + Vulkane 33 + + + Wanderkinos 69 + + Wandern 9 + + Waise 66 + + Wellenbewegung 30 36 + + Weltanschauung 9 + + Weltbund 55 + + Weltfriede 9 + + Weltnaturschutz 9 + + Weltreisen 4 + + Weltschutzparke 9 + + Weltwirtschaft 4 50 + + Wetterkunde 8 34 + + Wirklichkeitsdarstellung 13 35 + + Wissenschaftliche Erdkunde 4 28 ff 72 + + Wüste 8 37 + + + York & Son 66 + + Zeitungen 5/6 9 + + Zeitschriften 75 + + Zeppelin 71 + + Zusammenschluß 49 54 ff + + + + +_Lichtbühnen-Bibliothek_ + + +Lichtbild- und Kino-Technik. + +Von _F. Paul Liesegang_. 8º (76) Mit 55 Abbildungen. Broschiert +M. 1.--. Heft 1. + +_Inhalt_: Der Lichtbilderapparat und seine Wirkungsweise. Die +Lichtquellen. Zubehör zum Lichtbilderapparat. Anschaffungs- und +Betriebskosten des Lichtbilderapparates. Die Glasbilder und deren +Aufbewahrung. Aufstellung und Handhabung des Lichtbilderapparates. Die +episkopische Projektion. Wissenschaftliche und mikroskopische +Projektion. Der Lichtbilderapparat als Scheinwerfer. Der +Lichtbilderapparat als photographischer Vergrößerungsapparat. Die +Darstellung lebender Lichtbilder. Handhabung des Kinematographen. +Behandlung und Pflege des Kinematographen. Das kinematographische +Aufnahmeverfahren. Die Herstellung des Trickfilms. Die wissenschaftliche +Kinematographie. + + +Kino und Kunst. + +Von _Hermann Häfker_. 8º (72) Broschiert M. 1.-- Heft 2. + +_Inhalt_: _Allgemeines_: Der Ruf nach Kunst. Das Wesen der +Kinematographie. Die künstlerische Aufgabe. -- _Die Herstellung des +Films_: Die künstlerischen Gesichtspunkte in der technischen +Filmherstellung. Technische, industrielle usw. Lehr- und +Verdeutlichungsaufnahmen. Geschichtliche und kulturgeschichtliche +Aufnahmen. Die Schönheit der natürlichen Bewegung. -- _Die +Vorführung_: Gestellte Bilder. Kinematographie oder Kinetographie. Das +Programm. Einzelheiten. Wege. + + +Kino und Gemeinde. + +Von Dr. _Willi Warstat_ und _Franz Bergmann_. 8º (112) Broschiert +M. 1.50. Heft 3. + +_Inhalt_: 1. Teil: Die Bedeutung des Gemeindekinos für die Reform des +Kinematographenwesens. 1. Die Mißstände im Kinematographenwesen und +ihre Ursache. 2. Die Unzulänglichkeit prohibitiver Mittel bei der +Reform des Kinematographenwesens. 3. Die positive Reformarbeit der +kinematographischen Musterbühnen, der Gemeindekinos. 4. Die +Gemeindekinobewegung und ihre Erfolge. Die Arten der Gemeindekinos. 5. +Die Aufgaben der Gemeindekinos. 6. Der Gemeindekino und sein +Verhältnis zu den Privattheatern und der Industrie. 7. Die +Zentralisation der Gemeindekinos. Zentralverband für Kinoreform. -- 2. +Teil: Das Kinowesen vom verwaltungsrechtlichen und wirtschaftlichen +Standpunkte. 1. Polizeiliche Mittel gegen den Kinoschund. 2. +Besteuerung der Kinematographentheater. 3. Gemeindelichtspielhäuser. +4. Zentralorganisation für Gemeindekinos. Anhang. + + +Kino und Bühne. + +Von _Willy Rath_. 8º (52) Broschiert M. 1.-- Heft 4. + +_Inhalt_: 1. Emporkömmling Kino. 2. Die Bühne in Not? 3. Künstlerische +Möglichkeiten des Lichtspiels. + + +Rechtsquellen des öffentlichen Kinematographenrechtes. + +Von Dr. _Albert Hellwig_. 8º (256) Geb. M. 5.-- Heft 5. + + +Kino und Schule. + +Von Prof. Dr. _Adolf Sellmann_. 8º (72) Broschiert M. 1.-- Heft 6. + +_Inhalt_: 1. Wider den Schulkino. 2. Für den Schulkino. 3. Der Kino +und die einzelnen Unterrichtsfächer. 4. Der Kino und die verschiedenen +Schulgattungen. 5. Der Schulfilm. 6. Kino und Unterricht. 7. +Erfahrungen auf dem Gebiete der Schulkinematographie. + + +In kurzem wird erscheinen: + +8. Heft: Allerlei vom Kino für jedermann. Von _H. Häfker_. + + + + +Bild und Film + + + Zeitschrift für Lichtbilderei und Kinematographie. + Verlag der Lichtbilderei GmbH. in M.Gladbach. + Quartformat. Erscheint monatlich. Abonnement + halbjährlich M. 2.40. _Redaktion_: Dr. Lorenz Pieper, + M.Gladbach, Waldhausener Straße 100. + + Das Abonnement kann durch jede Buchhandlung, durch die + Post und auch direkt durch den Verlag bewirkt werden; + im letztern Falle liefert der Verlag im + Postüberweisungsverfahren, läßt Bezugsgebühr und + Bestellgeld durch die Post einfordern und liefert an + diese. Probehefte stehen gratis zur Verfügung. + +»_Bild und Film_« war als erste Kinozeitschrift auf dem Plane, frei +von Geschäfts- und Parteirücksichten ausschließlich dem idealen Ziele +einer ethischen und literarischen Hebung des Kinowesens die Wege zu +bahnen. Sie läßt es sich vor allem angelegen sein, die zahlreichen +_Bildungsmöglichkeiten_ aufzuweisen, die der Kinematograph im +Interesse der _modernen Volksbildung_, des _Unterrichts_ und der +_Jugendpflege_ für _Volk_ und _Schule_ in sich trägt. Als Organ der +vom vierten Westfälischen Provinzial-Landgemeindetag in Münster (1912) +eingesetzten Kinematographischen Kommission (Vorsitzender: Amtmann +Berkermann, Eickel) fördert sie speziell die Errichtung und Leitung +von Kinematographentheatern durch die Gemeinden. Das Abonnement ist +vor allem zu empfehlen den zahlreichen, weitverästelten +Volksbildungsorganisationen, der Presse, den Kommunen, +Polizeiverwaltungen, Lehrerkreisen, Volks-, Fach-, Fortbildungs- und +Hochschulen, den kirchlichen Kreisen der verschiedenen Konfessionen +und den verschiedenen Standesorganisationen, die ja alle auch die +Volksbildung auf ihre Fahne geschrieben haben. Ebensosehr aber sind +interessiert die _Kinobesitzer_ selbst, denen an der allseitigen +Hebung des Kinowesens gelegen ist. + + #Es liegen abgeschlossen vor:# + + #I. Jahrgang 1912.# Vier Hefte. gr. 4º (128) Geb. M. 3.20 + + #II. Jahrgang 1913.# Zwölf Hefte. gr. 4º (270) Geb. M. 6.-- + + Preis der Einbanddecke M. 1.10 + + Durch alle Buchhandlungen zu beziehen + + * * * * * + + Volksvereins-Verlag GmbH., M.Gladbach + + 3954 + + + + + [ Im folgenden sind die Änderungen am Originaltext aufgeführt. + Unter der Beschreibung der Änderung steht jeweils zuerst die + Textstelle im Original, dann die geänderte Textstelle. + + + Falsche Seitenzahl im Inhaltsverzeichnis korrigiert: + IV. Kinoerdkunde im Theater und in der Öffentlichkeit 48 + IV. Kinoerdkunde im Theater und in der Öffentlichkeit 47 + + »ererfaßt« geändert zu »erfaßt«: + stehen sollte, noch nicht ererfaßt, geschweige denn uns zu Fleisch und + stehen sollte, noch nicht erfaßt, geschweige denn uns zu Fleisch und + + »wir« geändert zu »wie«: + auch nur Schwarz-Weiß-Bild, weil das Kinobild mehr wir andere den + auch nur Schwarz-Weiß-Bild, weil das Kinobild mehr wie andere den + + »Ermaugelung« geändert zu »Ermangelung«: + natürlichem Sinnenleben und Geschmack sind, in Ermaugelung + natürlichem Sinnenleben und Geschmack sind, in Ermangelung + + »a s« geändert zu »als«: + Auge, auch insofern, a s es in einem ganz andern Sinne als der Film + Auge, auch insofern, als es in einem ganz andern Sinne als der Film + + »Naturschutzparkes« geändert zu »Naturschutzparks«: + der Gedanke, große _Naturschutzparkes_ nicht nur in der engern Heimat, + der Gedanke, große _Naturschutzparks_ nicht nur in der engern Heimat, + + »Liehaber-Kinematographie« geändert zu »Liebhaber-Kinematographie«: + gedenke ich die Frage der Liehaber-Kinematographie in meiner Schrift + gedenke ich die Frage der Liebhaber-Kinematographie in meiner Schrift + + fehlendes Komma ergänzt: + wissenschaftlichen Unterricht, also an Hochschulen Handels-, + wissenschaftlichen Unterricht, also an Hochschulen, Handels-, + + »Gewohnheitenn« geändert zu »Gewohnheiten«: + schlaue Mittel und vor allem genaue Vorerforschung ihrer Gewohnheitenn + schlaue Mittel und vor allem genaue Vorerforschung ihrer Gewohnheiten + + »nd« geändert zu »und«: + nd -- Geduld belauern und täuschen. Dafür ist eine wohlgelungene + und -- Geduld belauern und täuschen. Dafür ist eine wohlgelungene + + »ewas« geändert zu »etwas«: + tüchtigsten bewegt -- und wenn sie mal ewas Wertvolles erwischen, so + tüchtigsten bewegt -- und wenn sie mal etwas Wertvolles erwischen, so + + »Ausnahme« geändert zu »Aufnahme«: + kann keine erdenkliche Ausnahme von höherm Werte und wissenschaftlich + kann keine erdenkliche Aufnahme von höherm Werte und wissenschaftlich + + »mittere« geändert zu »mittlere«: + Verhältnisse recht gut möglich, eine andere kleine oder mittere + Verhältnisse recht gut möglich, eine andere kleine oder mittlere + + »Erdkundeuntericht« geändert zu »Erdkundeunterricht«: + Erdkundeuntericht nicht zerstreuend und verwirrend, sondern wahrhaft + Erdkundeunterricht nicht zerstreuend und verwirrend, sondern wahrhaft + + Fehlendes Anführungszeichen ergänzt: + des Lehrwerts des Dargebotenen meist sozusagen am Hungertuche nagen«. + des Lehrwerts des Dargebotenen meist sozusagen »am Hungertuche nagen«. + + Fehlenden Punkt ergänzt: + Leinwand, und die Fremden davor Es ist hier ähnlich wie mit den + Leinwand, und die Fremden davor. Es ist hier ähnlich wie mit den + + Fehlendes Ausführungszeichen ergänzt: + darauf zu sein, oder wäre hier und da etwas zu verschweigen gewesen? + darauf zu sein, oder wäre hier und da etwas zu verschweigen gewesen?« + + »st« geändert zu »ist«: + hoffen. Die Erdkinetographie aber st, weil sich in ihr die höchste + hoffen. Die Erdkinetographie aber ist, weil sich in ihr die höchste + + »ein« geändert zu »eine«: + nötig, da dieses Land als Kundschaft allein nicht ein genügende Macht + nötig, da dieses Land als Kundschaft allein nicht eine genügende Macht + + Doppeltes »oder« gelöscht: + oder oder auch Industrievereinigungen, landwirtschaftliche + oder auch Industrievereinigungen, landwirtschaftliche + + Fehlenden Abkürzungspunkt ergänzt: + Oranienstr 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und + Oranienstr. 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und + + Fehlendes Komma ergänzt: + Landschaften- Trachten- und Städtebilder aus dem _Orient_ (Ägypten, + Landschaften-, Trachten- und Städtebilder aus dem _Orient_ (Ägypten, + + Fehlenden Punkt ergänzt: + und Nürnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumière) + und Nürnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumière). + + »duchführbar« geändert zu »durchführbar«: + mindestens auf die Dauer ohne große Opfer nicht duchführbar sind. + mindestens auf die Dauer ohne große Opfer nicht durchführbar sind. + + Fehlenden Abkürzungspunkt ergänzt: + auf Befehl Sr Majestät des Königs von Griechenland + auf Befehl Sr. Majestät des Königs von Griechenland + + Fehlendes Ausführungszeichen ergänzt: + physischen Erdkunde für sehr instruktiv halten (bei geeigneter + Auswahl). + physischen Erdkunde für sehr instruktiv halten (bei geeigneter + Auswahl).« + ] + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Kino und Erdkunde, by Hermann Häfker + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KINO UND ERDKUNDE *** + +***** This file should be named 39189-8.txt or 39189-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/9/1/8/39189/ + +Produced by Jana Srna, Katrin, Norbert H. Langkau and the +Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose +such as creation of derivative works, reports, performances and +research. 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Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at http://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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