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+The Project Gutenberg EBook of Kino und Erdkunde, by Hermann Häfker
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
+
+
+Title: Kino und Erdkunde
+
+Author: Hermann Häfker
+
+Release Date: March 18, 2012 [EBook #39189]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KINO UND ERDKUNDE ***
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+Produced by Jana Srna, Katrin, Norbert H. Langkau and the
+Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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+ [ Anmerkungen zur Transkription:
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+ hat auch im Original keine dazugehörende Seitenzahl.
+ ]
+
+
+
+
+ Kino und Erdkunde
+
+ Von Hermann Häfker
+
+
+
+
+ Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 7
+ Herausgegeben von der Lichtbilderei GmbH.
+ M.Gladbach 1914, Volksvereins-Verlag GmbH.
+
+
+
+
+ Inhalt
+
+
+ Einleitung: Was will dieses Buch? 3
+
+ I. Erdkunde und Kino 7
+
+ II. Wissenschaftliche Erdkunde 28
+
+ III. Schulerdkunde und Kino 42
+
+ IV. Kinoerdkunde im Theater und in der Öffentlichkeit 47
+
+ V. Zusammenschluß und Einrichtungen 54
+
+ Anhang: Ein Blick auf den gegenwärtigen Markt erdkundlicher
+ Filme und Lichtbilder 64
+
+
+ =Copyright 1914 by Volksvereins-Verlag GmbH., M.Gladbach=
+
+
+
+
+Einleitung
+
+_Was will dieses Buch?_
+
+
+Vom Augenblick an, da die ersten Bewegungsbilder durch »Varietees« in
+die Öffentlichkeit drangen, hat man daran begeisterte Hoffnungen für
+die Verbreitung der Kenntnis der Erde und der Freude an ihr geknüpft;
+von da an haben alle wohlwollenden Förderer immer wieder auf große
+Naturaufnahmen als Höchstleistungen dieser Technik hingewiesen; und
+die ganze Bewegung zur Hebung und Wiederberichtigung des Kinos,
+besonders auch die, die es für Schule und Volksbildung nutzbar machen
+wollen, kommen immer wieder auf »Kino und Erdkunde« als Kern- und
+praktischen Ausgangspunkt zurück. Nichts entzückt jedermann so und
+erscheint jedem als die ureigenste Aufgabe der Bewegungsbilderkunst
+als die Wiedergabe von Landschaften und allem, was sich darin bewegt.
+Nichts leistet die Kinematographie so verhältnismäßig vollkommen. Sie
+bedarf dazu keiner künstlichen und ihr fremden Hilfsmittel, keiner
+Bühne, Maschinen, Kulissen, keines künstlichen Lichtes. Niemand
+braucht sich in Pose vor sie hinzustellen und durch unwahre Gefühle
+ein unreines Interesse wachzurufen. Hier zeigt sie auch die Dinge in
+ihrer ungefähr natürlichen Größe und Bewegung, so wie wir sie zu sehen
+gewohnt sind; die Phantasie bedarf insofern keiner künstlichen
+Nachhilfe. Es braucht auch keines Mikroskops und keiner sonstigen
+Vorrichtungen; der Aufnahmegegenstand hält still und gibt sich
+jederzeit in seiner ganzen erhabenen Wahrheit. »Unverfälschte
+Wirklichkeitswiedergabe« -- die wir als _eigentlichen_ Beruf der
+Kinematographie erkannten -- im höchsten Sinne, nämlich der
+Wirklichkeit, die auch den unbewaffneten Menschensinnen so erscheint,
+ihre _Heimat_ ist, leistet unsere Technik eigentlich nur hier. Und
+endlich ist auch die große Natur das eigentliche Gebiet, auf dem sich
+die »_Schönheit der Bewegung an sich_«, das Drama des freien und doch
+von geheimen Gesetzen beherrschten Weltrhythmus am reinsten abspielt.
+Auf der andern Seite ist gerade hier die Kinematographie zu Leistungen
+befähigt, in denen keine _andere_ Kunst oder Technik mit ihr
+wetteifern kann. So vieles Malerei und Dichtkunst, beschreibende
+und wissenschaftliche Darstellung auch auf dem Gebiete der
+Naturschilderungen vor dem Kino voraushaben und -behalten, in _einem_
+müssen sie ihm doch den Rang lassen: in der _Genauigkeit_ und dem
+_Reichtum_ der Einzelheiten, die _überhaupt_ das photographische Auge
+erfaßt. _Hier_ ist der Menschheit -- trotz der unbelebten Photographie
+-- in der Tat ein neuer künstlicher Sinn geschenkt, ein neues Werkzeug
+zur Überwindung der Schranken von Raum und Zeit. Das kann man -- wenn
+man den Begriff der »Erdkunde« so weit wie möglich faßt, und also
+alles auf dem Hintergrunde der Großnatur vor sich Gehende darunter
+versteht -- von den andern Gebieten des Kinos nicht in gleichem Maße
+behaupten.
+
+So strömen also auch hier gerade alle Erwartungen und Kräfte am
+reichsten zusammen, die sich von andern Betätigungsgebieten der
+Kinematographie unbefriedigt und abgestoßen fühlen, und die
+mit ganzer Inbrunst nach einer Erhebung des Kinos zu einem
+Menschheitsbildungsmittel hinstreben und dabei mittun wollen. Die
+_Wissenschaft_ sucht sich des neuen Hilfsmittels für Forschung und
+Fachunterricht zu bedienen, der _Weltreisende_ wünscht den Kino im
+Gefolge zu haben. Die _Schulen_ fassen kinematographischen
+Erdkundeunterricht ins Auge. Naturwissenschaftliche und
+Volksbildungs_vereine_ hätten längst gern ihre erd- und
+völkerkundlichen Darbietungen durch Bewegungsbilder bereichert, wenn
+sie nur wüßten, _wie_. Weitblickende sähen gern solche Bilder zum
+Nutzen von _Völkerverständigung_ und _Güteraustausch_, Kenntnis der
+_Heimat_ und der _Kolonien_ verbreitet. _Künstler und Kunstfreunde_
+sind in keinem Punkte dem Kino geneigter als in dem der Darbietung von
+Großnaturbildern. Die _Kinotheater_, die halb der Not gehorchend, halb
+dem eignen Triebe, sich mit Bestrebungen und Besucherkreisen
+freundlich stellen möchten, denen doch vielleicht die Zukunft gehört
+(und außerdem zum Teil doch vielleicht auch der auf die Dauer
+zahlungsfähigere und -willigere Geldbeutel), haben den Ehrgeiz, vor
+allem erdkundliche Filme einzufügen; und dementsprechend regt sich
+auch in den großen _Filmfirmen_ ein lebhafterer Schaffenstrieb in
+dieser Richtung. Aber mit dem bloßen Wollen und selbst mit noch so
+viel »Kapital« allein ist's nicht geschehen. Hier muß man sorgfältig
+und gewissenhaft arbeiten und vor allem mancherlei _wissen_, um mit
+Herstellung und Vorführung der Filme den Kenner zu befriedigen, aber
+auch den Laien ebenso und mehr zu begeistern, als mit -- Schunddramen.
+Allen diesen, die in einer der genannten Weisen interessiert sind,
+etwas über erdkundliche Bewegungsbilder, die Kunst ihrer Herstellung
+und Vorführung, ihre Bezugsquellen und Bedingungen, die Möglichkeiten
+und die Grenzen ihrer sachwürdigen Verwendung zu erfahren, will meine
+Schrift dienen.
+
+Sie will aber überdies und in nicht minderm Grade zweien dienen: der
+_Kundschaft_ und der _Kritik_ der Kinotheater. Der Kundschaft, d. h.
+jedermann in dem Sinne, daß er künftig kinematographische
+Landschaftsvorführungen mit tiefer dringendem Verständnis und daher
+wesentlich erhöhtem Genuß betrachte, wo immer er ihnen begegnet. Der
+Kritik, d. h. wieder jedermann, insofern wir alle, die wir eine
+Kinovorführung besuchen, auch ihre Kritiker, und zwar einflußreiche
+sind. Denn es unterliegt doch keinem Zweifel, daß alle Kinogesundung
+doch endlich nur von einem kritischen, d. h. verständnis-, aber auch
+anspruchsvoll _urteilenden Publikum_ getragen werden kann, das gute
+Vorführungen lobt, schlechte ablehnt. Loben und Ablehnen hat aber nur
+dann Wert, wenn es nicht -- wie es jetzt selbst von öffentlichen
+Vorkämpfern einer »Kinohebung« manchmal geschehen soll -- nur aus »der
+Tiefe des Gemüts«, sondern aus vollem Eindringen in das Wesen der
+technischen Bedingungen geschieht, unter denen der Kino arbeitet. Wir
+verschmähen es doch auch nicht, uns liebevoll in die Technik der
+Malerei und der Dichtkunst, der Radiernadel und des Modellierholzes
+und in die ganzen äußern Lebensbedingungen der Künste zu vertiefen,
+und wer das je getan hat, weiß, daß er erst an diesem Tage den Keim
+zum eignen _Urteil_ und zu tieferm Genuß gelegt hat. Nicht anders ist
+es mit der Kinematographie. Wer den Kino mit Genuß und Nutzen besuchen
+will, muß sich in gewissem Grade zum »Kenner« ausbilden. Er wird davon
+auch mannigfachen Nutzen für seine Bildung haben. Vor allem aber wird
+er dadurch, und erst dadurch, ein wirkliches Gewicht auf der Wage
+derer, die den Kino zu einem ernsthaften Kulturwerkzeug veredeln
+wollen. Nicht Schriftsteller und Geistliche, Polizei und Lehrer können
+den Kino heben, sondern nur ein anspruchsvolles Publikum.
+
+Bei »Kritik« denke ich allerdings noch in ganz besonderm Grade an die
+_Presse_. »An die Zeitungen«, sagte mir einmal ein einflußreicher
+Verleger, »werden viel zu große Forderungen gestellt. Es ist nicht
+unsere Aufgabe, uns mit der Hebung der Kinos zu befassen.« Ich will
+nicht darüber grübeln, was _überhaupt_ die »Aufgabe« der Zeitungen
+ist. Ich denke einfach, ihre Aufgabe ist jede, die sie sich selber
+setzen, und zu deren Bewältigung sie imstande sind. Und dazu sollte
+die Mitwirkung an der Hebung der Kinos nicht gehören? Sind nicht heute
+längst _alle_ Zeitungen über den Rahmen reiner Berichterstattung
+hinausgegangen und rühmen sich, Volks- und Kulturerzieher zu sein? Ist
+der Schundkino nur der »Konkurrent« der Kunst_theater_ und muß seine
+ungehemmte Verbreitung nicht auch eine Menge Leser der ernstern,
+immerhin geistige Ansprüche stellenden _Zeitung_ in Stadt und Land
+entfremden? Nun wohl, im eigensten, wenn nicht im allgemeinen
+Interesse sollte jedes sich achtende Tageblatt den Kino -- nicht
+_bekämpfen_, sondern zu _fördern_, seine Versuche, _höher_ zu kommen,
+zu unterstützen suchen. Das kann nur durch verständnisvolle und
+unabhängige Würdigung seiner bessern Leistungen, also vor allem seiner
+erdkundlichen Darbietungen geschehen. Dazu gehört aber _Kenntnis_ der
+Dinge -- und zu dieser Kenntnis einen Grund zu legen, soll meine
+Schrift dienen.
+
+Freilich kann ich hier nicht _alles_ auch nur zur Beurteilung
+erdkundlicher Bewegungsbilder Nötige geben, sondern nur das, was
+besonders mit dem Stoff zusammenhängt. Es ist geradezu unerläßlich,
+zur Ergänzung auch meine grundlegende Schrift »_Kino und Kunst_«
+(Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 2) zu lesen, deren _ganzer_ Inhalt für das
+Nachfolgende die Voraussetzung bildet. Alle _allgemeinen_ Fragen aber
+und einige besondere, die sich dem _Laien_ vor dem Kino aufdrängen,
+behandle ich in der allgemeinen Schrift »_Das Buch vom Kino_«,
+(Lichtbühnenbibliothek Nr. 8). Diese ergänzt das vorliegende
+Heft auch in der Hinsicht, daß sie ausführlich die Technik der
+_Liebhaber_aufnahmen behandelt, die naturgemäß zur Hälfte erdkundliche
+sein werden.
+
+
+
+
+I. Erdkunde und Kino
+
+
+Um zu einer klaren Vorstellung davon zu gelangen, was uns die
+Kinematographie in Beziehung auf Erdkunde sein und nutzen kann, müssen
+wir uns zuerst Rechenschaft davon geben, was wir überhaupt von der
+Erdkunde begehren, warum wir sie treiben, und welche Rolle sie im
+Geisteshaushalt der Menschheit und des einzelnen spielt.
+
+Unter Erdkunde verstehen wir alle diejenigen Wissenschaften, die uns
+die Natur, wie sie unmittelbar unsern Sinnen erscheint, in ihrer
+Beziehung auf die Erde kennen und verstehen lehren. In dieser
+unmittelbaren Beziehung zu unsern Sinnen liegt ihre geheime Kraft,
+liegt das Geheimnis des leidenschaftlich unwiderstehlichen Triebes,
+den ihr die Menschheit zu allen Zeiten entgegengebracht hat, und der
+in dem Maße gestiegen ist und sich über immer breitere Kreise
+ausgedehnt hat, wie die aufgesammelten Erfahrungen der Menschheit und
+ihre vervollkommneten Hilfsmittel jedermann ein immer weiter
+eindringendes _Verständnis_ der Natur ermöglicht haben. Die Erdkunde
+ist unter allen Naturwissenschaften die eigentlich »ästhetische«, d.
+h. aus sinnlichem Bedürfnis hervorgegangene, auf seine Veredlung und
+Durchgeistigung gerichtete, und deren eigentliches Werkzeug die Sinne
+sind. Die Erdkunde ist die Wissenschaft, die uns die Erde zur _Heimat_
+macht, dadurch, daß sie ihr ihre Schrecken nimmt, die in ihr waltenden
+Allgesetze entschleiert und sie uns dadurch untertan macht. Erdkunde
+ist undenkbar ohne die seltsame Anlage des Menschen, dem Un- und
+Außermenschlichen eine leidenschaftliche _Liebe_ entgegenzubringen,
+die eben die Heimatliebe ist; sie ist undenkbar ohne die
+unerschöpfliche, der künstlerischen verwandte Freude an der
+_Schönheit_ der Natur, worin sich wiederum ihr »ästhetisches« Wesen
+zeigt. In dieser unerschöpflichen, mit Worten nicht auszuschöpfenden
+Freude an der Erde Schönheit fließt der dunkle Drang des Ungelehrten
+mit der nüchternen Arbeit des Forschers zusammen, und es hat keinen
+großen Bahnbrecher der Erdkunde gegeben, der nicht auch ein Dichter,
+wenn auch oft ein »geheimer« war.
+
+Zur Heimat wird uns die Natur durch das, wodurch auch die Welt der
+Kunst dem Eingeweihten zu einer Heimat im geistigen Sinne wird:
+dadurch, daß wir mehr und mehr ihre Linien und Formen, ihre Farben und
+Glanze, ihren Duft und Klang und alles, wodurch sie an unsere Sinne
+brandet, als eine Sprache verstehen lernen, die der _Ausdruck_ eines
+allem Lebenden und auch uns verwandten _Wesens_ ist. Dieses
+Verstehenlernen beginnt bei der einfachen Entdeckerfreude des
+Hirtenknaben, der Jahr für Jahr seine Eichenwälder am Rande der Äcker
+in gleichen dunklen Formen rauschen, die gleichen Wolken und Wetter in
+großen Rhythmen darüber hinziehen sieht, dem die Ahnung aufgeht, daß
+hier ein geheimer lebendiger Wille alljährlich bestimmte, nicht
+willkürliche Lebensversuche den feindlichen toten Elementen
+entgegenschickt; und daß er selber mit Leben und Tod ein Ring in
+dieser Kette, ein Ton in diesem Lied ist, unlösbar und glückhaft mit
+diesem Ganzen verbunden. Es gipfelt -- über die stammelnden Versuche
+von Dichtern und Malern hinweg -- in der sorgsam unermüdlichen Arbeit
+eines Ringes von Wissenschaften, alle Einzelheiten, die zusammen das
+Bild dieser Planetenoberfläche bilden, festzustellen, in ihre Teile
+und Teilesteile zu zerlegen, ihre notwendigen und zufälligen
+Zusammenhänge zu zergliedern, ihrer Ursache und Folge nachzugehen und
+eine Sprache dafür zu finden, und endlich wieder sie in ihrer
+_Gesamtheit_ zu überschauen. So muß die Erdkunde das Weltall ins Auge
+fassen, um die Bewegungen dieses Einzelsterns zu begreifen, aus denen
+für die Erde Tag und Nacht, Sommer und Winter werden. Von den
+_Gestirnen_ nimmt sie die Linien her, um die Oberfläche in feste Orte
+zu teilen und ihren Maßen auf die Spur zu kommen. Sie sucht etwas vom
+_Innern_ dieses Körpers zu erahnen, dessen Ausbrüche rätselhafte
+Striche und Flecken auf sein Äußeres zeichnen; sie muß aus vielen
+Wissensgebieten die Fingerzeige aufspüren, die ein Bild von der
+_Entstehungsgeschichte_ der Erde und besonders der Formen und Art
+ihrer Oberfläche geben. Die Grundlage all ihrer Arbeit bildet das
+Zusammentragen einer möglichst lückenlosen und von keinen
+Sinnestäuschungen beeinflußten _Kenntnis_ aller Einzelheiten ihrer
+Oberfläche; und die großen Gruppen dieser Einzelheiten begründen
+wieder Wissenschaften an sich: Gesteins-, Gebirgs-, Wüsten-,
+Süßwasser-, Meereskunde, Pflanzen-, Tier-, Menschenkunde usw. Nicht
+minder muß die Erdkunde sich auf die Erforschung des Luftschleiers der
+Erde ausdehnen: _Klima-_, _Wetterkunde_ usw. Es gilt, die Reiche der
+lebendigen Natur in ihrer Beziehung zu den Erdgebieten, ihrer
+Abhängigkeit davon zu betrachten: Tiere-, Pflanzen- und
+Menschenerdkunde. Die letztere erst erschließt eine neue Welt von
+Aufgaben: die _Völkerkunde_ im allgemeinen, die wir auch hier unter
+den Begriff der Erdkunde einbeziehen, lehrt uns die Menschen als
+Naturwesen wesentlich in ihrer _Abhängigkeit_ von der Erde kennen.
+Dazu kommt dann die _politische Geographie_, die den Menschen als
+Bildner von Gesellschaften, als Krieger, als Jäger, Hirten,
+Ackerbauer, Handwerker, Techniker, Kaufmann, Industriellen, als
+Errichter von Bauten und Verteiler von Verkehrsmitteln und zuletzt als
+Künstler und Wanderer in seiner Eigenschaft als _Bezwinger_ und
+_Gestalter_ der Erde zeigt.
+
+Ebenso mannigfach wie die Beziehungen, unter denen der Mensch die Erde
+zu erforschen strebt, ist die _Art_ der Erkenntnis, mit der er an sie
+herantritt, und die Art der Befriedigung, die sie ihm gewährt. Zum
+Begriff der Erdkunde gehören die Reisen des Odysseus, des edelsten
+Urbildes aller Abenteurer, und die des Gilgamesch, des Urbildes
+babylonischer Weisheit und aller Weisheitspilger ebensogut wie die der
+heutigen Forscher von der Art Hedins und der Polreisenden. Der
+Wanderer, der mit Rad und Rucksack langsam die nächste Heimat
+durchfährt, um nichts als ein Gesundungsbad der Sinne in ihr
+zu nehmen, treibt ebensogut Erdkunde wie der Mann auf dem
+Hochschulkatheder, und der Landschaftsmaler ebensogut wie der Geometer
+oder Landwirtschaftsschüler. Unendlich sind heute unsere _Interessen_
+an einer gründlichen Kenntnis der Erde. Sie gehört zu jedermanns
+unerläßlicher Vorbildung, ohne die man kaum noch einen Beruf
+vollkommen beherrschen, geschweige denn das ganze geistige Leben der
+Gegenwart in Kunst und Wissenschaft, ja auch nur seine tägliche
+Zeitung verstehen kann. Aus der Erdkunde schöpfen nicht nur Wanderer,
+Abenteurer, Weltreisende flüchtigen Sinnesgenuß und dauernde
+Gesundheit; sie gibt auch all unsern Künsten -- Malerei, Dichtkunst,
+Musik, Theater, Plastik -- Anregungen, will wenigstens von ihnen
+achtungsvoll berücksichtigt sein (kein Dichter dürfte uns heute noch
+von der »böhmischen Seeküste« fabulieren). Die Tatsache, daß wir
+beginnen, wirklich die ganze Welt als »Heimat«, unsere Heimat zu
+empfinden, findet in dem Bestreben des _Weltnaturschutzes_ Ausdruck.
+Wir streben Weltschutzparke, Welttierreservate usw. an, ein
+unverkennbares Zeichen für das an keinen Ort mehr gebundene
+Verständnis für den Wert der unberührten Naturschönheit. Einen
+mächtigen Ansporn für den Erwerb eingehender Erdkenntnis bildet ihre
+heutige Ausnutzung: _Handel_, _Industrie_ und _Verkehr_ kennen keine
+Orts-, keine Völkergrenzen mehr. Auch das gesellschaftliche
+(politische) Interesse des letzten Arbeiters umfaßt heute bereits den
+Erdball: Erdkunde als allgemeines Bildungsgut ist der Boden, auf dem
+unsere Träume von gegenseitigem _Völkerverständnis_, vom Austausch
+geistiger Güter und damit _Weltfriede_ gedeihen können. Die
+Wissenschaft ist noch nicht am Ende ihrer Aufgabe, die letzten leeren
+Flecke auf dem Globus zu beseitigen; noch kämpfen ihre kühnen
+Bahnbrecher um die wissenschaftliche Eroberung der Pole, des
+Innern Asiens, dunkler Gebiete Afrikas. Schon aber senkt die
+Gedankenwissenschaft, die Philosophie, ihre Wurzeln in den reichen
+Wissensboden, den ihr die heutige Erdkunde bereits zusammengetragen
+hat, um daraus, in die Bahnen ihrer ältesten Vorbilder zurückkehrend,
+die Grundlinien einer neuen naturwissenschaftlichen »_Weltanschauung_«
+zu gewinnen, um das alte Menschenspiel der Vergleichung zwischen den
+Gesetzen der Geisteswelt und den Erscheinungen unserer Sinnenheimat
+fortzusetzen. Jener Gilgamesch, der aus der Heimat unseres
+Geschlechtes an die Grenzen der damaligen Welt pilgerte, um Antwort
+auf die Frage nach dem Wesen von Leben und Tod zu finden, das Urbild
+aller »Pilger in die Wüste«, in die lebensvolle Wüste der Nur-Natur,
+in der sie nichts suchten als Stille für ihren Geist -- er ist und
+bleibt auch das erhabene Urbild aller, die sich um »Erdkunde« bemühen.
+_Genuß_ -- _Nutzen_ -- _Wissen_ -- _Geistesklärung_ sind die vier
+Sterne, die der Wissenschaft von der Erde voranschweben.
+
+Welche Mittel hat nun der Mensch von heute, um diesem seinem Wissen
+diejenige Tiefe und Vollständigkeit zu geben, durch die es allein
+seine Ansprüche befriedigen, seinem Zeitgewissen genügen kann? Ein
+Blick rings um unsere heutige Kultur sagt uns, daß diese Mittel seit
+kaum einem Jahrhundert eine Ausdehnung und Vervollkommnung erfahren
+haben, die sich keines der Geschlechter, die vor uns ins Grab gesunken
+sind, je hat träumen lassen. Wir können sagen, daß erst die Fülle
+dieser Mittel uns in den Stand zu setzen beginnt, die Erdkunde aus
+einem zur Hälfte phantastischen »Traum vom Wissen« zu einer wirklichen
+nutzbaren Wissenschaft, einer wirklichen Bereicherung der allgemeinen
+Menschenbildung zu machen, sie aus einem »romantischen« in ihr
+»klassisches« Zeitalter zu überführen.
+
+Erdkunde ist ja nicht das Wissen von einem Teil der Erde als solchem,
+sondern von ihrer _Ganzheit_. Erst die Möglichkeit, _alle_ Teile zu
+vergleichen, alle unter dem Bilde einer Einheit zu sehen, von allen in
+_einem_ Hirn auch eine der Wirklichkeit entsprechende »Anschauung« zu
+vereinigen, erlaubt uns ja, überhaupt von »Erdkunde« zu sprechen. Die
+Schwierigkeit, die jeder Erdkunde entgegenstand, war die _Überwindung
+von Raum und Zeit_. Entferntes vergleichen, Vergangenes gegenwärtig zu
+haben, mußte ermöglicht werden. Dazu reichte früher, ohne unsere
+Hilfsmittel, kein Menschenleben aus. Heute ist es eine Möglichkeit für
+jedermann geworden. Die Mittel, die es uns ermöglichen, gliedern sich
+in zwei Gruppen: solche, die den körperlichen Verkehr erleichtern,
+und solche, die den Gedankenaustausch, den Austausch von
+Beschreibungen und Abbildungen der Erde ermöglichen: Werkzeuge des
+körperlichen und Werkzeuge des geistigen Verkehrs. Es ist eine
+wunderbare und nicht zufällige Fügung, daß die Entwicklung beider
+gleichzeitig und gleich großartig vor sich gegangen ist: daß
+wir auch heute imstande sind, sinnliche Anschauungen und
+Anschauungsersatzmittel einander die Wage halten lassen zu können.
+Eins ohne das andere hätte die menschliche Begriffswelt einseitig
+beeinflußt.
+
+Die Grundlage aller Erdkunde ist und bleibt für alle Zeiten das
+unmittelbare Sinnenerlebnis, die körperliche Anschauung der Dinge, und
+kein Hilfsmittel wird es je ersetzen, sondern immer nur ergänzen
+können. Aber die Anschauung selber bedarf der Hilfsmittel, soll sie
+sich in einem einzelnen Kopfe in annähernd genügender Vollständigkeit
+ansammeln. Ich brauche nur leise zu erinnern, was wir in dieser
+Beziehung heute zur Verfügung haben, heute zur Verfügung weniger, in
+zwei, drei Jahrzehnten vielleicht zur Verfügung vieler -- wenn sie nur
+aufwachen und es sich zunutze machen wollten! Über dem Gedanken an
+Eisenbahn, Dampfschiff und Automobil, der uns zuerst einfällt, dürfen
+wir nicht vergessen, was heute aus dem _Straßenwesen_ der Welt selber
+geworden ist, wie es technisch und politisch, frei von Zöllen und
+Gefahren, doch der Anfang und die Voraussetzung für alle Entwicklung
+des Weltverkehrs war. Vor den Köpfen unserer Heerstraßen und
+Eisenbahnen fliehen die Geister der Wildnis, richten sich die Ruinen
+verfallener Paradiese wieder auf, lernen Wilde die Sprache der
+Verständigung. Bald werden die Entfernungen durch elektrische und
+Motorenbahnen, durch Wasser- und Luftflugapparate und Luftschiffe
+abermals um die Hälfte und mehr verkleinert werden, immer wertvoller
+wird unsere Lebenszeit, immer reicher die Fülle von Stoff, die wir uns
+unmittelbar verschaffen können. Auch an dieser Stelle möchte ich aber
+nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß das vollkommenste Werkzeug,
+um die Erde wirklich betrachtend zu erleben, das eigentlichste
+Arbeitswerkzeug unmittelbarer Erdkunde das _Fahrrad_ ist -- das
+rechtmäßige Kind des heutigen Straßenwesens möchte ich es nennen, und
+doch überall brauchbar, wo es nur die Spur einer Straße gibt; uns von
+der Unzulänglichkeit der Fußwanderung befreiend, und doch all seine
+Vorzüge steigernd; uns und beträchtliche Lasten schleppend und doch
+ganz unabhängig von Nahrung, Betriebsmitteln, Kosten und
+Abfahrtzeiten; unser Freund und Diener auch, wo wir es nicht fahren,
+sondern neben ihm her gehen; das Reisen aufs äußerste verbilligend und
+dabei es recht eigentlich erst ermöglichend. Ich habe diesen Gedanken
+ausführlich in meiner Schrift »_Radzigeunerei_« (C. Ziehlke Verlag,
+Liebenwerda, M 1.50) behandelt, auf die ich verweise. Allein nicht
+um dieses Verweises willen spreche ich hier so dringlich davon. Es
+liegt mir daran, hier wie überall darauf hinzuweisen, daß wir Menschen
+vom Anfang des 20. Jahrhunderts _ganz allgemein gesprochen über das
+Wesen und die Ausnutzung fast all der technischen Hilfsmittel, die uns
+dieses kurze Zeitalter der künstlichen Sinnenvervollkommnung geschenkt
+hat und bald noch schenken wird, noch nicht entfernt genug
+nachgedacht, daß wir vor allem den Grundsatz, der in eisernen Lettern
+an der Stirnseite unserer öffentlichen Bauten von heute, an der Wand
+unserer Arbeitszimmer und auf der ersten Seite unserer Tagebücher
+stehen sollte, noch nicht erfaßt, geschweige denn uns zu Fleisch und
+Blut gemacht haben_: _daß alle unsere Gaben und ebenso alle Gaben
+technischer Vervollkommnung die der Menschheit in den Schoß fallen,
+uns nur und nur gegeben sind, um sie mit dem Aufgebot alles
+Scharfsinns, aller Willenskraft und Selbstbeherrschung in den Dienst
+unserer geistigen Vervollkommnung, unserer geistigen Weiterbildung zu
+stellen, zu der Gesundheit, Körperkräfte und Maschinenkräfte einzig
+und allein unentbehrliche, aber untergeordnete Mittel sind_. Das in
+Beziehung auf eine _einzelne_ Technik nachzuweisen und immer wieder zu
+betonen, und den Weg dazu finden zu helfen, ist im Grunde genommen der
+einzige Zweck auch dieser unserer Lichtbühnen-Bändchen, wie es die
+Seele und das A und O aller nicht in Redensarten stecken bleibenden
+Kinobesserung ist.
+
+Das zweite Hilfsmittel der Erdkunde, dem der unmittelbaren
+Selbstsinnenbeobachtung nachgeordnet und von ihr abhängig, aber nicht
+minder unentbehrlich, ist die Welt der _Anschauungsersatzmittel_. Sie
+dienen dazu, uns erstens ein Bild von dem zu machen, was wir eben doch
+nicht selber sehen können. Sie haben aber noch eine darüber
+hinausgehende Bedeutung: sie ermöglichen uns auch, räumlich und
+zeitlich Getrenntes nebeneinander oder in rascher Folge zu
+_vergleichen_, das Flüchtige in größerer Ruhe und Bequemlichkeit und
+so häufiger Wiederholung, wie wir wollen, zu betrachten und es zu
+_messen_, ja sie erlauben uns unter Umständen und in gewisser Richtung
+eine genauere sinnliche Wahrnehmung, eine gründlichere sinnliche
+Vertiefung und darauf folgende geistige Verarbeitung als der Anblick
+der Dinge selbst. Wenn sie diesem _vorangehen_, bilden sie auch eine
+vortreffliche Vorbereitung, um sich von der Wirklichkeit weniger
+überraschen und ihre kurzen Augenblicke desto trefflicher nutzen zu
+können. Ein Teil dieser Hilfsmittel -- die schematischen
+Veranschaulichungen z. B., aber im Grunde genommen jede Abbildung oder
+Beschreibung -- ermöglicht uns noch dazu, uns Dinge zu versinnlichen,
+die gar nicht unmittelbar sinnenfällig in der Wirklichkeit
+hervortreten: die Unterscheidung von »Haupt«- und »Neben«-Sachen,
+Kräftelinien usw. Jedes Bild _zerlegt_ zugleich das Veranschaulichte,
+indem es einen »Augenblick« davon herausgreift und es uns so als eine
+Kette von »Augenblicken« zu erfassen ermöglicht.
+
+Unter all diesen Anschauungs-, Ersatz- und Ergänzungsmitteln der
+Erdkunde leuchtet nun die Kinematographie mit ihrem Auftauchen als
+»Stern der höchsten Höhe« hervor. Noch niemals vorher hat ein Mensch,
+hatte die Menschheit das Aussehen der Natur in solcher Vollkommenheit,
+solchem Reichtum und solcher unverfälschten Genauigkeit der
+Einzelheiten im Bilde gesehen als damals, als zum ersten Male die
+»lebensgroße« Photographie auf der Leinwand zu »leben« anfing, als
+dort die Reize einfacher Blattaufnahmen vertausendfacht erschienen.
+Und so, wie man im Traumesflügelschwingen wohl plötzlich, durch ein
+unerklärliches und nun doch sofort ganz selbstverständlich
+und natürlich erscheinendes Wunder sich _wirklich_ von der
+Schwergefühlsangst, vom Gefühl ewig unzulänglichen Strebens erlöst,
+und »wirklich« schwebend emporgetragen fühlt, wie man plötzlich leicht
+und körperlich wie ein Vogel durch die Lüfte getragen wird (nicht mit
+sprungbereitem Mißtrauen gegen einen, wenn auch noch so genial
+erdachten Flugmechanismus) --, so sahen auch wir uns plötzlich leicht
+und licht hinweggetragen über das stille Bedenken, das innere
+bängliche Hemmnis, das wir unausgesprochen bis dahin vor jeder, auch
+der vollendetsten Naturdarstellung gefühlt hatten, über die Frage:
+»Wunder-, wunderschön -- _aber_ wieviel ist Menschenhand,
+Menschenphantasie, und wieviel ist -- _Wahrheit_?!« Wer kennt nicht
+die stille Selbstbescheidung, mit der der sehnsüchtig in die Ferne, in
+die Wunder der Natur- und Menschenwelt Hinausdenkende, sein
+illustriertes Geographiebuch zuklappte -- »die _Wirklichkeit_ -- wird
+doch wohl noch anders sein«! Man denke anderseits an den Riesenerfolg,
+den ein künstlerisch weniger bedeutender Zeichner, wie z. B. Allers,
+mit seinen Reiseskizzen hatte, weil er in etwas dem Hunger aller Welt
+nach _Wirklichkeitstreue_ an Stelle aller Künstlerträume entgegenkam.
+Man erinnere sich ferner an die Einbuße, die die wirkliche Kenntnis
+von Ländern und Völkern, die Geographie und Ethnographie als
+_Wissenschaft_ infolge der Schwierigkeit, zu allgemeiner _Anschauung_
+ihrer Gegenstände zu gelangen, bis in unsere Zeit erlitten hat.
+Gerade hier versagt ja angesichts der tausendfachen lebendigen
+_Mannigfaltigkeit_ der Dinge, die hier gerade eine Hauptsache ist, der
+Zeichenstift und auch, was ihn vornehmlich ergänzen mußte, das
+beschreibende Wort. Beide versagen, nicht nur, wo es gilt, dem
+Reichtum und der Beweglichkeit der Erscheinungen gerecht zu werden,
+sondern auch ihre Verhältnisse und ihre Bedeutung in gegenseitiger
+Abmessung wirklichkeitsgetreu festzuhalten. Bezeichnend sind da die
+bekannten »Prospekte« -- zeichnerische Wiedergaben von Landschafts-,
+Städte-, Raum- und Menschenszenerien. Man lege einen alten Merianschen
+Kupfer oder eine beliebige andere Städtedarstellung aus alter Zeit mit
+Photographien zusammen, die das etwa heute noch erhaltene selbe
+Stadtbild darstellen. Sofort hat man den Eindruck, als ob die Stadt zu
+Zeiten Merians aus lauter dicht gedrängten, malerisch ragenden Kirch-
+und Rathaustürmen, Burgen und Klöstern bestanden hätte, um die herum
+die Wohnhäuser verschwinden. Auf der Photographie werden die Türme
+klein und rücken weit auseinander, die Höhen werden unscheinbar, die
+Häuser sind gewachsen. Der Zeichner sah eben vor allem, was ihn
+_interessierte_: das _malerisch_ und das _gedanklich_ (z. B.
+geschichtlich) Hervorragende; das wurde ihm unter dem Stift groß, und
+das andere schrumpfte zusammen. Oder ein altes Platzbild: der Platz
+selbst erscheint ungeheuer erweitert, aber auf ihm tummeln sich
+Fußgänger, Reiter, Equipagen in solcher Größe und in so interessanten
+Stellungen und Beschäftigungen, daß man alles andere darüber vergißt.
+Die Photographie rückt die Maße ernüchternd zurecht. Diese
+Darstellungsmängel alter Zeiten wirkten aber begriffsverwirrend.
+Wesentlich mit durch sie glauben wir heute noch vielfach, das
+Mittelalter sei so viel »malerischer« gewesen als die Gegenwart und
+setzen auf unsern Bühnen das »malerische« Puppenspiel mit Fest- und
+Prunkkleidern in jeder Alltagsszene fort. In architektonischen
+Zeitschriften hat man manchmal Gelegenheit, ein und dasselbe Gebäude,
+ein und dieselbe Platzanlage nebeneinander photographisch und als
+zeichnerische (Architekten-) Skizze zu sehen. Selbst hier, wo
+doch mit genauen Maßstäben gearbeitet und zur Erhöhung des
+Wirklichkeitseindruckes sogar manchmal die photographische Technik
+nachgeahmt wird, ist man oft verblüfft, den Unterschied in der Wirkung
+zu sehen. Die Photographie ist -- selbst in gelegentlicher
+perspektivischer Unstimmigkeit -- nüchterne Wirklichkeit, die
+Zeichnung ein -- Künstlertraum. Woran liegt's? Kühn hinschweifende
+Wolken, ideal gehaltene Alleen, kleine Weglassungen von
+»Unwesentlichem« -- es läßt sich gar nicht aufzählen. Vor mir liegt
+ein geographisches Buch über »Deutschland«. Die Umschlagzeichnung
+(»Vom Fels zum Meer«) zeigt schneebedeckte Berge mit ausnahmslos nicht
+unter 45° Steigung, daneben Dünen von der halben Höhe der
+»Eisbedeckten«. Es _soll_ ja nur eine »dekorativ wirkende Skizze« sein
+-- aber was für falsche Vorstellungen sie bei denen weckt, die die
+Sache selbst nicht kennen, ist kaum nachzumessen. Wir alle erinnern
+uns doch wohl, wie gründlich wir unsere selbst aus den besten
+Abbildungen und Beschreibungen gewonnenen Vorstellungen haben
+umarbeiten müssen, als wir zum ersten Male _wirklich_ »das Gebirge«,
+»das Meer«, »die Tiefebene« sahen. Oder man versuche festzustellen,
+welche Vorstellung verschiedene Personen etwa von ein und demselben
+Schauplatz eines Ereignisses haben, nachdem sie dessen ausführliche
+Schilderung in einem Roman, in einer Gerichtsakte gelesen haben.
+Meistens nehmen wir in einem solchen Falle unbewußt die Zuflucht zu
+einem möglichst ähnlichen, irgendwo einmal gesehenen Bilde,
+bestenfalls zu einem ähnlichen, uns bekannten wirklichen Platze und
+bleiben dabei. Vielleicht _ist_ er auch wirklich ähnlich -- aber
+gerade Kleinigkeiten ändern hier das Bild sofort wesentlich! Die
+Schwierigkeit der Anschauung, der Mangel an Darstellungsmitteln, die
+Notwendigkeit, mit gedanklich abgeleiteten Vorstellungen
+(Abstraktionen) und Schemen (Typen) zu arbeiten, war die Hauptursache,
+weshalb eine ernst zu nehmende _allgemeinere_ geographische Bildung
+kaum in leisen Anfängen im 18. Jahrhundert begann. Was hier bereits
+die Anfänge der Kinetographie -- erst das einfache Lichtbild, dann
+aber entscheidend das unendlich überzeugendere, unendlich breiter
+wirkende Kinobild gebessert haben, ist gar nicht abzusehen.[1]
+
+ [1] Über Streben und Mängel der _literarischen_
+ Erdbeschreibung ist es interessant, eine zusammenhängende
+ Darstellung, z. B. »Die Naturschilderung bei (!) den
+ deutschen geographischen Reisebeschreibungen des 18.
+ Jahrhunderts« von Oertel (Leipzig 1899) nachzulesen.
+
+Die Photographie allein bringt allerdings auch »Wirklichkeit«. Sie
+_berichtigt_ unsere Vorstellungen, aber doch mehr auf dem Umwege über
+den rechnenden Verstand. Was ihr fehlt, ist die sinnliche Frische.
+Gewiß, ihre Landschaften, Häuser und Menschen sind »richtig« -- aber
+sie sind auch, von Ausnahmeleistungen abgesehen, langweilig. Die
+Photographie gibt zu _wenig_ von ihnen. Sie will uns einreden,
+Menschen und Dinge seien bloß erstarrte Schatten. Infolge der
+Kleinheit des Bildes sehen wir sie wie aus weiter Ferne. Was das
+Künstlerbild zu sehr betonte, fehlt hier -- besonders bei
+geographischen Bildern -- oft ganz: das Malerische, die Gedanken
+anregenden, beziehungsreichen Einzelheiten. Das Stereoskopbild, das
+die Plastik hinzufügt, wirkt um so beängstigender puppenhaft,
+lufthaft, mitten in einem wirklichen Augenblick erstarrt.
+
+Das kinematographische Bild ist ein Riesenschritt weiter. Echtes
+Licht -- naturähnliche Größe -- zitterndes, schwelgendes
+Bewegungsleben, und dadurch auch ein gewisser Ersatz der
+Körperlichkeit -- das ist schon ganz etwas anderes! Da wird nicht nur
+das Auge erregt -- ein Hauch vom fernen Leben selber umweht uns,
+spannt all unsere Sinne, weckt Denken und Fühlen, weckt die eigne
+_Mittätigkeit_, das Erfassen-, das Entdeckenwollen, und die
+ununterbrochene Veränderung auf dem Schauplatz hält die Aufmerksamkeit
+wach, läßt die Teilnahme nicht zur Ruhe kommen. Die zehnte Muse
+-- »Illusion« -- spinnt von der Leinwand aus ihre Zauber: das Haus, die
+Bänke, die Menschenköpfe und die Damenhüte, die roten Lichter und die
+Schatten der Nischen werden unwirklich, das lebenwimmelnde Bild wird
+allbeherrschende Wirklichkeit. »=We put the world before you=« nennt
+ein englisches Filmhaus mit Recht seinen Wahlspruch -- »Wir bringen die
+Welt zu euch her«. Wenn Mohammed nicht zum Berge kam, muß der Berg zu
+ihm hin -- das Wunder ist geschehen! Wenn wir nicht zu den Wundern der
+Welt hinaus kommen -- und wer wird sich je den lückenlosen Anblick von
+ihnen _selber_ verschaffen können, welches Menschenleben wäre lang
+genug dazu -- so muß nun die Welt, wo sie am schönsten ist, von ihrer
+Oberfläche her ihre lichten Ätherwellen bis hinein zu euch in Schule,
+Vortragssaal und Theater senden! Und damit es _jederzeit_ geschehen
+kann, lassen wir die Wellen sich abdrücken in festem Stoff, packen sie
+ein, versenden, bewahren sie und erwecken sie beliebig zu neuem Leben
+-- so wie wir das Licht der Sonne, das sich vor hunderttausend Jahren
+in Farrenwäldern verkörperte, heute als Kohle einpacken, versenden,
+aufbewahren und im Ofen wieder zum Licht erwecken! Und mehr: damit es
+auch _allerorten_ geschehen kann, vervielfältigen wir die
+Ätherwellenspuren, so oft wir wollen. So sehen wir, was irgendwo
+_ist_, an allen Orten, und was _war_ zu allen Zeiten! So scheint also
+das Ideal der Schule, das Ideal der Welt von heute erfüllt: Anschauung
+überall statt Begriffe, Wirklichkeit statt Phantasien, Wahrheit,
+unverfälschte, auch hier als einzige Quelle unseres Wissens und
+unserer Bildung; auch da, wo die persönliche Wahrnehmung versagt!
+
+Ist es das wirklich? Wenn unsere Freude über das Gewonnene uns nicht
+einen Streich spielen, nicht in Kürze in Enttäuschung und Überdruß
+umschlagen, ja den Segen der Kinematographie für Wissenschaft und
+Schule in sein Gegenteil wenden soll, so müssen wir mit demselben
+Willen zur Ehrlichkeit, mit der wir ihre Vorzüge anerkennen, uns ihre
+_Grenzen und Mängel_ vor Augen halten. Das ist ja _auch_ ein
+allgemeines Kennzeichen der Gegenwart, dieser Überdruß, der angesichts
+so vieler schöner Dinge zutage tritt -- nicht nur gegenüber
+technischen Hilfsmitteln, wie Kino, Fahrrad u. dgl., sondern ebenso
+und aus denselben Gründen gegen Theater, Illustrationswesen, Presse,
+die ganze »ästhetische Kultur« -- dieser Überdruß gerade der Denkenden
+und Gebildeten, der keine andere Ursache hat als die vorangegangene
+Überschätzung und daher den Mißbrauch dieser Dinge zu Zwecken, denen
+sie _nicht_ gewachsen sind, und in einer Art, die ihrem _Wesen_ nicht
+entspricht. Wie käme es sonst, daß _trotz_ der zahlreichen und oft mit
+Riesenkosten hergestellten erdkundlichen Filme und trotz des lebhaften
+Wunsches von Wissenschaftlern, Lehrern, Volksbildungsvereinen usw.
+weder diese Filme einzeln, noch die Kinematographie im allgemeinen
+ernstlich auf den betreffenden Gebieten Fuß gefaßt hat? Es liegt außer
+andern Ursachen, die wir untersuchen werden, daran, daß die
+Kinematographie überhaupt und die erdkundliche ebenfalls nicht
+innerhalb ihrer Leistungsmöglichkeiten und ihrem Wesen gemäß
+angewendet wird, daß ihr Unmögliches abgefordert und darüber ihre
+Höchstleistungen vernachlässigt werden. Es liegt von vornherein schon
+in dem jeden, der die Sache ernst nehmen möchte, abstoßenden Leugnen
+aller Mängel überhaupt, dem hirnlos uneingeschränkten Anpreisen der
+Kinematographie, all dem Unwesen der geschmacklosen Reklame, von dem
+sich auch viele ihrer nichtbezahlten Lobsprecher nicht freimachen
+können. Die Kinematographie hat keine Feinde als die Ausbeuter, die
+sachlich und moralisch an ihr Raubbau treiben!
+
+Ich habe in meiner Schrift »Kino und Kunst« die der Kinematographie
+überhaupt aus technischen und lebenswissenschaftlichen (physiologischen)
+Gründen anhaftenden Mängel ausführlich dargestellt. Die Mängel
+physiologischen Ursprungs liegen in unserm eignen Organismus.
+Andere Bilder nehmen wir einfach mit den Augen auf; diese müssen
+unsere Augen selber erst zu Bildern machen helfen. Ein kinematographisches
+Bild ist eine Leistung zur Hälfte von Photographie und Projektionskunst,
+zur andern Hälfte von sehenden Augen. Diese erst vollführen die
+beträchtliche Arbeit, die aber Tausende von Bildern -- an 53 000
+wurden für eine durchschnittliche Kinovorstellung berechnet! --,
+die ihnen da abwechselnd mit ebensoviel Verdunklungsunterbrechungen
+vorgesetzt werden, durch Überbrückung dieser Verdunklungen zu einer
+sich scheinbar bewegenden Einheit zu verschmelzen. Gerade die
+»Bewegung« des Bildes ist eine Arbeit nicht des Apparates, sondern
+unserer Augen. Und sie haben diese Arbeit unter höchst erschwerenden
+Umständen zu tun: aufs äußerste angestrengt durch den krassen und
+ausschließlichen Gegensatz von Licht und Schatten und die Überwindung
+einer Menge anderer Mängel, die wiederum von einem _unserer_ Organe
+geleistet werden muß: der mitwirkenden _Phantasie_, der blitzschnellen
+Denk- und eignen Vorstellungsarbeit, die ununterbrochen die in
+Wirklichkeit bloß vorhandenen _Andeutungen_ des Bildes erfassen und
+deuten und in ihnen die Vorstellung von Farbe, Plastik, Geräuschen,
+Düften und Berührungen ergänzen muß, die das Bild doch erst zu dem
+_machen_, als das es aufgefaßt sein möchte, als Wirklichkeitswiedergabe.
+Erschwert wird diese Nerventätigkeit durch die Unvorbereitetheit und
+Bruchstückhaftigkeit jedes Kinobildes. Dessen technische Mängel haben
+wir aber zum Teil schon angeführt. Wir vergessen ja gewöhnlich ganz
+(und das ist im Kino selbst auch recht gut, aber es fälscht das
+Ergebnis), daß dieses Bild dennoch immer nur ein Schattenbild ist,
+dem außer dem flächenhaften Schwarz-Weiß-Bestandteil des
+Wirklichkeitsanblicks so gut wie alles fehlt, was uns den Eindruck
+des _Lebens_ vermittelt: eben Farbe, Plastik, Geräusche, Düfte,
+Berührungen. Und mehr: die Tiefenwirkung (»Perspektive«) ist mehr
+oder minder falsch, daher auch ein Teil der Bewegungen unrichtig
+wirkend; Querbewegungen kommen ruckweise usw. Der Apparat zeigt uns,
+was er mit _einem_ Auge gesehen, wir sehen dies mit _zwei_ Augen,
+daher wieder etwas _anders_, als es der Kino gesehen hat und meint
+-- nicht die Wirklichkeit, sondern ein Bild, aber ein sich bewegendes;
+aber nicht sich bewegende Körper, sondern sich bewegende
+Flächenausschnitte -- Schatten. Unsere Nerven müssen fortwährend eine
+angestrengte Übersetzungsarbeit -- aus dem Kinematographischen zurück
+ins Wirkliche -- leisten, um so mehr, je mehr der Kino sich der
+Wirklichkeit durch bestechende Ähnlichkeiten annähert; und diese
+Übersetzungsarbeit ermüdet sie bald und sehr. Trotzdem versagen sie
+_allein_ -- wenn wir nicht nachhelfen -- in der Hälfte ihrer Aufgaben;
+sie versagen in vielen Fällen schon bei dem Bestreben, überhaupt zu
+erkennen, _was_ das Bild wiedergeben will, besonders infolge des
+Mangels an Farbe, Tiefe und Plastik, durch den sich oft vorn und
+hinten kaum voneinander abhebt, Fremdes sich zu Lichtknäueln
+zusammenballt und Zusammengehöriges bloß etwa durch verschiedene
+Beleuchtung seiner Teile auseinanderreißt. Bei alledem habe ich nur
+mehr _gute_, mit voller Beherrschung der Technik und an Kunstwerken
+und Kunstdenken geübtem Geschmack hergestellte Bilder im Auge, wie ich
+sie in »Kino und Kunst« beschrieben habe. Vor _andern_ Bildern
+durchschnittlicher Art wachsen die Schwierigkeiten noch mehr. Selbst
+die besten aber, das ist uns durch das Voraufgegangene hoffentlich
+abermals klar geworden, sind für sich allein so gut wie ohne _jeden_
+erdkundlichen Wert -- sie zeigen weniges nur bruchstückhaft,
+schattenhaft, falsch und irreführend. Der Kinofilm -- jeder, ganz
+besonders aber der erdkundliche -- bedarf der _Ergänzung_,
+um _überhaupt_ etwas zu sein. Um dem einen von vornherein
+unterscheidenden sprachlichen Ausdruck zu geben, habe ich die mit
+allen nötigen Mitteln zu einem »Kunstwerk«, d. h. zu einer in sich
+geschlossenen Darstellungs- und »Ausdrucks«-Einheit erhobene
+Kinematographie -- mit welchem Wort wir künftig die Herstellung und
+Vorführung von Bewegungsbildern _allein_ bezeichnen -- mit dem Worte
+»_Kinetographie_« benannt. »Kinetographie« -- wie wir das Wort auch
+hier anwenden wollen (über seinen sprachlichen und sachlichen Sinn
+vgl. »Kino und Kunst«) -- bedeutet also ausschließlich die
+_Vorführung_ von Bewegungsbildern im Rahmen einer zu einem
+Gesamtkunstwerk erhobenen Vorstellung, ergänzt durch alles, was dazu
+dient, das Bewegungsbild selbst seelisch richtig vorzubereiten, Sinne,
+Nerven und Hirn auf das Wesentliche einzustellen, seine nervösen
+Kraßheiten auszugleichen, und das, was der Film _nicht_ zeigen kann,
+durch andere Mittel zur Anschauung und zum Verständnis zu bringen.
+
+Zum allgemeinen Verständnis dieser Forderungen, soweit sie aus dem
+_ästhetischen_ Bedürfnis, der »Schönheits«-Forderung im
+durchgeistigten Sinne des Wortes, hervorgehen, muß ich abermals auf
+meine mehrmals genannte Schrift verweisen. Hier aber ist Gelegenheit,
+noch einmal von der _andern_ Seite her, nämlich aus unserm rein
+sachlich-wissenschaftlichen Gesichtspunkt, die Forderung nach
+Vollendung _jeder_ kinetographischen Vorführung zu begründen und zu
+beleuchten. Es handelt sich nicht in erster Linie um den Wunsch,
+der kinematographischen Landschaftsdarstellung an sich auch
+künstlerische Werte abzugewinnen, etwa durch »malerische« Wahl des
+Bildausschnittes und handarbeitliche Beeinflussung und Nachhilfe der
+Herstellungsvorgänge. Sondern hier fordern wir die Anwendung
+des geläutertsten Geschmacks und der gewissenhaftesten und
+erfindungsreichen Erfüllung aller Schönheitsforderungen lediglich im
+»ästhetischen«, d. h. (im Ursinne des Wortes) im Interesse der _Sinne_
+unserer Zuschauerschaft, damit nämlich ihre Sinne geschont,
+unterstützt, vervollkommnet und vor Irrschlüssen bewahrt werden. Nicht
+um ihnen »Genuß« von außen her zu verschaffen, sondern um ihnen eigne
+richtige Erkenntnisarbeit zu ermöglichen. _Nicht_: wissenschaftliche
+oder Schulkinovorführungen dürfen _auch_ »künstlerisch« vollkommen
+sein, sondern sie in erster Linie _müssen_ vollkommene Kunstwerke im
+Sinne der Vollendung in ihrem eignen Wesen sein, wenn sie überhaupt
+irgendwelchen -- erdkundlichen Lehrwert haben sollen.
+
+Welcher Art nun die notwendigen Ergänzungen sein müssen, kraft deren
+Filmvorführungen zu einem brauchbaren Hilfsmittel der Erdkunde werden
+können, wollen wir uns kurz überlegen. Zuerst spreche ich allem das
+Wort, was die dem Kinobild mangelnden _begleitenden Sinneseindrücke_
+ersetzen oder wenigstens zum Bewußtsein bringen kann. Dieser Ersatz
+ist gerade beim Kinobild viel mehr erforderlich als vor jedem andern
+auch nur Schwarz-Weiß-Bild, weil das Kinobild mehr wie andere den
+Beschauer -- besonders den nicht selbstkritisch und durch eigne
+Beobachtungen _sehr_ geübten -- in den Traum der Wirklichkeit
+versinken läßt. Vor einer Photographie verfallen wir keinen Augenblick
+in die Vorstellung: »so ist's« oder auch nur »so sieht's aus« -- beim
+Bewegungsbild ist die Gefahr größer, nun erst recht in eine
+falsche Vorstellung vom wirklichen Aussehen und den wirklichen
+Kräfteverteilungen in der Natur zu versinken. Um so sorgfältiger
+müssen wir dort vorbeugen. Diese Arbeit wird freilich _zumeist_ dem
+menschlichen _Worte_ zufallen, wovon wir noch sprechen. Das Wort
+allein wird uns über Plastik, richtige Perspektive, Größen-, Luft- und
+Wärmeverhältnisse im Dargestellten aufklären müssen, und zumeist auch,
+wo es sich um wissenschaftliche und Lehrzwecke handelt, über die
+_Begleitgeräusche_. _Völlig_ möchte ich diese aber -- denen ich in
+volkstümlichen und Jugendvorstellungen einen breiten Raum befürworte
+-- auch aus wissenschaftlichen Darstellungen nicht verbannt wissen.
+_Geräuschkunde_ ist ein meines Wissens als solcher nicht -- höchstens
+als Nebengebiet der Dramaturgie -- abgetrennter Zweig der
+Naturwissenschaft und findet, abgesehen von der Akustik, die sich
+nicht mit den Geräuschen, sondern mit ihren Ursachen beschäftigt, der
+Phonetik, der Musiklehre u. dgl., nur vielleicht in der Vogelkunde
+überhaupt Beachtung. Wenn sie darüber hinaus _nicht_ gepflegt worden
+ist, so liegt das meines Erachtens nur daran, daß man bisher
+schlechterdings außerstande war, den _Stoff_ herbeizuschaffen, d. h.
+Naturgeräusche in wissenschaftlich brauchbarer Weise aufzufassen und
+wiederzugeben. Wir sind, wie wir wissen, heute schon in der Lage, das
+zu tun: durch die Phonographie. Sie schreibt bereits ebenso
+selbsttätig die Klang- und Geräuschwellen aller Art auf wie die
+Photographie die dem Sehen zugrunde liegenden Äther-Bewegungen
+(Kinetographie, d. i. Bewegungsselbstniederschrift). Sie ist wie jene
+durchaus zwangläufig, d. h.: richtig eingestellt, gibt sie nach
+Zeitmaß und Klangfarbe genau das Aufgenommene wieder, abzüglich der
+feststellbaren Wirkungen ihrer technischen Fehlerquellen. Der
+gemeinsamen Aufnahme von Naturbewegungsvorgängen und der sie
+begleitenden Geräusche steht also gedanklich nichts mehr im Wege.
+Tatsächlich ist aber diese Aufgabe noch nicht gelöst (obgleich man von
+ihrer endgültig erfolgten Lösung alle Augenblicke hört). Zunächst
+leidet die grammophonische Wiedergabe an sich noch besonders
+an Nebengeräuschen von solcher Stärke, daß sie _feinere_
+Gegenstandsgeräusche verschluckt, falls diese von der Wachsschicht
+überhaupt richtig aufgenommen worden sind. Dann aber steht noch immer
+die große Aufgabe bevor, beides, kinematographische und
+phonographische Aufnahme und Wiedergabe, in _einem_ Verfahren oder
+doch mit zwangläufiger Gleichzeitigkeit zu verbinden. Alle
+sogenannten »Tonbilder« (ein irreführender Titel), die man bis jetzt
+sieht, werden so hergestellt, daß erst eine grammophonische Aufnahme,
+dann eine ihr nachträglich angepaßte Mimik aufgenommen werden. Die
+Wiedergabe wird dann möglichst der Gleichzeitigkeit angenähert; aber
+selbst, wo diese Gleichzeitigkeit erreicht wird, fehlt doch die
+_Echtheit_, die dem Ganzen erst wissenschaftlichen Wert geben würde.
+Überdies ist mir nicht bekannt geworden, daß _überhaupt_ erfolgreiche
+Versuche gemacht worden wären, Naturgeräusche -- z. B. die Brandung
+des Meeres, den Ausbruch eines Kraters, das Rauschen im Wald, das
+Gemurmel und Geheul der Großstadt -- grammophonisch aufzunehmen. Daß
+dies unmöglich sein sollte, möchte ich daraus nicht schließen -- kann
+man _künstliches_ Pfeifen und Sprechen usw. aufnehmen, warum nicht
+auch zunächst wenigstens die lauten (oft viel lautern!)
+unwillkürlichen Naturgeräusche! Und mögen zunächst diese Aufnahmen
+selbst, alsdann ihre Zusammenstimmung mit der gleichzeitigen
+Kinoaufnahme noch so viel Unvollkommenheiten aufweisen --, der Versuch
+allein würde lohnen, und die Vervollkommnung würde meines Erachtens
+nicht lange auf sich warten lassen, sobald nur der _Wert_ dieser Sache
+allgemein erkannt würde. Daß eine solche Technik _überhaupt_ im Zuge
+der Kinetographie liegt, ja eins ihrer nächsten und erreichbaren
+Ziele sein müßte, wird weniger bezweifelt werden. Wenn aber
+Geräusch_nachahmungen_ von Wissenschaftlern und gebildeten Laien (zum
+Teil mit Unrecht) belächelt werden, so bedeutet das nicht, daß sie
+auch dokumentarisch getreuen Geräusch_nachbildungen_ Achtung versagen
+würden. Im Gegenteil: _die Geräusche, die besonders die Bewegung in
+der Natur begleiten, sind unentbehrlich für die unmittelbare sinnliche
+Bewertung der in dem betreffenden Vorgang spielenden Kraftmassen und
+Kraftverteilungen_. Das einfachste Gefühl des Laien sagt ihm doch
+schon, daß ein lautlos ausbrechender Vulkan, lautlos heranschwingende
+Meereswogen, eine lautlos dampfgebende Kanone, lautlos tanzende
+Eingeborene, lautlos stürzende Niagaras etwas Unsinniges, überhaupt
+_gar nichts_ sind. In der Zeichnung, in der Photographie vermissen wir
+dergleichen nicht, weil sie ja das Bewegungsleben nicht zu geben
+beansprucht, wo aber die _Bewegung_ der Dinge gezeigt wird, da fordern
+unsere Sinne auch ihr _Geräusch_. Ist dies somit eine »ästhetische«
+Forderung, so wird doch auch niemand bestreiten wollen, daß diese
+Geräusche an sich als Begleiterscheinungen von Naturbewegungen ein
+ernstester Forschung höchst würdiger Gegenstand sind. Ich bin der
+Meinung, daß auch bei rein wissenschaftlichen Vorführungen,
+mindestens wenn die Teilnehmer daneben auch irgend Menschen mit
+natürlichem Sinnenleben und Geschmack sind, in Ermangelung
+grammophonischer Mittel _einige_ Begleitgeräusche gegeben oder
+angedeutet, allermindestens aber durch vorangehende Beschreibung der
+Phantasie der Zuhörer zur Verfügung gestellt werden müßten. So zeigte
+ich einmal den Ausbruch eines Geisers, ein Bild, über das ich wegen
+seiner Kürze und anderer Mängel ganz unglücklich war: es kam mir
+völlig bruchstückartig und wertlos vor. Zufällig kam mir eine
+ausführliche Beschreibung dieses selben Geisers in die Hände, in der
+auch genaue Angaben über die Begleitgeräusche enthalten waren. Ich
+ließ diese nun sorgsam hinzufügen, und von diesem Augenblick an erwies
+sich das Bild -- rein erdkundlich-naturwissenschaftlich betrachtet! --
+als einer der Glanzpunkte meines Programms. Gewiß hatte _ich_ mir
+allenfalls nach langem Studieren diese Begleitgeräusche -- den
+kanonenschußartigen Ausbruch von Schlamm und Steinen, das regenartige
+Niederprasseln der Wassermengen usw., die vorangehende donnerartige
+Erderschütterung -- auch »denken« können -- aber wie hätten das meine
+_Zuschauer_ tun sollen? Und wenn sie es gekonnt hätten -- sollten sie
+und ich uns dessen schämen, daß wir uns eine mühsame und unvollkommene
+Eigentätigkeit durch ein paar meinethalben theaterhafte Hilfsmittel
+ersetzten? Und sollten sich endlich Studenten und Hochschullehrer
+selber in diesem Punkte in einer andern Lage befinden als wir? Sollte
+selbst jemand, der diese Geräusche einmal _erlebt_ hatte, sich ihrer
+vor diesem Bilde vollkommener erinnern, als unsere Hilfskräfte sie mit
+urwüchsigen Mitteln nachzuahmen vermochten?
+
+Mag man über Geräuschnachahmungen bei rein wissenschaftlichen
+Gelegenheiten denken, wie man will, für die unvorbereitete und mit
+erdkundlichen Erscheinungen durchaus ungenügend vertraute
+Öffentlichkeit sind sie unerläßlich sowohl um des Verständnisses wie
+um der ästhetischen Befriedigung willen. Daß und wie dabei die Grenzen
+des Geschmacks einzuhalten sind, habe ich anderswo behandelt. Sicher
+ist aber, daß _die Kinematographie an sich nicht eher ein vollwertiges
+erdkundliches Hilfsmittel ist, als bis sie wenigstens in zwangläufige
+Vereinigung mit der Grammophonie gelangt ist_. Bewegung und Geräusch
+sind zeitlich und räumlich, ursächlich und in der Erscheinung,
+ästhetisch und gedanklich nicht voneinander zu trennen, ein Verfahren,
+das das eine wiedergibt, muß auch das andere zeigen.
+
+Die zweite Ergänzung, die nicht zu verachten wäre, ist die _Farbe_.
+Auch hier sind manche Versuche unterwegs, beachtenswerte Erfolge
+errungen. Das bekannteste Verfahren ist _Urbans Kinemacolor_. Ich
+habe dieses Verfahren vor einigen Jahren in London gesehen und weiß
+nicht, ob es inzwischen verbessert worden ist. Es störte, bei allem
+unleugbaren Reiz, durch starkes Flimmern. Sein Hauptmangel ist, daß
+die Aufgabe, die eigentliche Bildfarbe zu bilden, wieder unsern
+_Augen_ überlassen ist, und diesen wird sie um so schwerer, als sie
+sie aus nicht mehr als zwei Grundfarben -- rot und grün -- herstellen
+müssen, die dem farblosen Doppelpositiv durch zwei Filter mitgeteilt
+werden. An der Ausbreitung des Kinemacolorverfahrens scheint außer den
+beträchtlich höhern Kosten und dem zur Alleinbestreitung einer
+Vorstellung nicht genügenden Erfolg auch die Monopolvergebung schuld
+zu sein. Auf jeden Fall ist die Sache noch nicht vollkommen; trotzdem
+sollte jeder sie kennen zu lernen suchen, und gutgestellte Kinotheater
+sie einfügen. An sich aber ist die »Naturfarbe« der Bilder -- solange
+sie nicht auf eine bisher unbekannte Weise auf photographischem
+Wege selber gewonnen wird -- _nicht_ eine so unerläßliche
+Vollkommenheitsforderung wie die des Begleitgeräusches. Es ist mir im
+Gegenteil zweifelhaft, ob sie in jedem Falle erwünscht wäre, da sie
+die Ansprüche an die Augen erhöht, die Fehlerquellen vermehrt und
+überdies dem Filmbild einen Vorzug wieder nimmt: den der
+Vereinfachung und Zurückführung des Bildes auf seine einfachen
+Schwarz-Weiß-Verhältnisse. Noch weniger kommt freilich hier die
+_künstliche_ Farbenergänzung in Betracht, wo wir ihr nicht aus
+Gründen, die nichts mit Erdkunde zu tun haben (Augenerholung) einmal
+nachsehen wollen. Die _echte_ Farbenselbstwiedergabe der Natur steht
+noch in weitem Feld, und wir sehen vorläufig noch nicht einmal einen
+Weg angedeutet, wie wir zu ihr zu gelangen vermöchten.[2]
+
+ [2] Inzwischen wird von einem neuen Verfahren der Firma
+ _Gaumont_ (deutsches Haus) berichtet, das Kinemacolor in
+ mancher Hinsicht übertreffen soll, wenn auch die
+ Farbenabstimmung naturgemäß noch durch die Fehlerquellen
+ beeinflußt wird.
+
+Anders die _Körperlichkeit_ (Plastik) des Dargestellten. Der Weg dazu
+ist klar: wir lassen unsern Apparat, wie wir selber, mit _zwei_ statt
+einem Auge sehen und zeigen dann, wie in der Wirklichkeit, jedem
+unserer Augen gesondert das entsprechende Bild. Wege dazu gibt es
+verschiedene, ihr einziger gemeinsamer Nachteil ist der, daß wir dazu
+das Auge bewaffnen müssen, sei es durch eine Brille mit zwei
+verschieden gefärbten Gläsern, sei es durch eine stereoskopartige
+Vorrichtung. Ich habe solche Bilder noch nicht gesehen, meine aber,
+wenn sie sich einbürgerten und sonst hübsch sind, würde die
+Beschaffung der Betrachtungshilfsmittel nicht so schwierig sein, wie
+es immer dargestellt wird. Kinobesucher werden sich ihre »optische
+Brille« kaufen, wie Theaterbesucher ihr Opernglas.
+
+Übrigens habe ich ein anderes Verfahren zur Verkörperlichung von
+Kinobildern gesehen, anscheinend auf Spiegelungen beruhend, das aber
+nur eine puppenhafte Wirkung hatte. Warum irgend jemand eine bessere
+körperliche Wirkung von erdkundlichen Kinobildern verschmähen sollte,
+wenn er sie nicht etwa durch Nachteile anderer Art erkaufen muß, sehe
+ich nicht ein.
+
+Eine Menge anderer Wirklichkeitseigenschaften werden dem Kinobild
+natürlich immer fehlen. So kann die Nachahmung von Begleit_gerüchen_
+immer nur ein gelegentlicher Scherz bleiben, und ebenso fehlt die
+körperliche Wirkung von Wind und Wetter usw. auf den Beschauer. Etwas
+anderes aber ist von größerer Wichtigkeit. Wir müssen ein Kinobild
+immer gleichsam mit festgeklemmtem Kopfe oder mit starren Augen
+besehen; wir können die Augen nicht in der Weise wandern lassen wie in
+der Natur. Tun wir es dort, so bietet sich uns bei jeder Bewegung ein
+anderes Bild; im Kino ist der Erfolg nur, daß wir je einen andern Teil
+desselben Bildes sehen. In einem gewissen Grade hilft dem freilich,
+aber auch nur scheinbar (da die Körperlichkeit fehlt), die Erfindung
+der _Panorama-Kinematographie_ ab, die man meines Wissens zurzeit nur
+in München sehen kann. Sie erzeugt durch kreisförmiges Drehen des
+Objektivs die Täuschung eines Landschaftenrundblickes. Das ist
+natürlich eine vielleicht sehr hübsche Spielerei, die aber als
+erdkundliches Hilfsmittel geringen Wert haben wird. Das vor allem aus
+praktischen Gründen; an sich mag die Sache für seltenere Aufgaben, bei
+denen es darauf ankommt, einen Gesamtüberblick über ein größeres
+Gebiet zu haben, brauchbar sein.
+
+Ich möchte, ehe ich die beiden Haupthilfsmittel, das _Wort_ und das
+_Lichtbild_, bespreche, noch eine Bemerkung über die Mithilfe der
+_Musik_ machen. Auf den ersten Blick hat sie in erdkundlichen Filmen,
+die der Belehrung dienen sollen, nichts zu suchen. Eine Ausnahme
+machen aber schon diejenigen _völkerkundlichen_ usw. Filme, die
+geradezu Musikszenen, z. B. Tänze, nach Musikrhythmen arbeitende
+Kolonnen usw., darstellen. Wir können hier auf das über
+Begleitgeräusche Gesagte verweisen; grammophonische Wiedergabe wäre
+Ideal, angepaßte Nachahmung in diesem Falle berechtigt, weil ja auch
+die Urmusik »künstlich« ist; _unerläßlich_ in diesem Falle die eine
+oder die andere. Einen Negertanz ohne dessen Begleitmusik vorzuführen,
+halte ich für geradezu unwissenschaftlich. -- Darüber hinaus aber habe
+ich mich einfach aus der Erfahrung heraus für die vereinzelte
+Anwendung musikalischer Begleitung selbst bei geeigneten erdkundlichen
+Filmen aus _gesundheitlichen_ Gründen ausgesprochen. Es ist nun einmal
+Tatsache, daß _gute_ angepaßte Musik wie kein anderes Mittel die
+Nerven abspannt, sie erfrischt und ihnen ihre Arbeit erleichtert.
+Selbstverständlich kommt Musik weder bei Filmen mit Geräuschwiedergabe
+in Betracht noch bei solchen mit »bewegungsdramatischem« Inhalt noch
+bei allen andern; aber sie kann Wunder tun bei Bildern, die eine
+ruhige rhythmische, in sich wiederkehrende Bewegung ausspinnen.
+_Begleitmusik beflügelt die Phantasie_ -- aus diesem Grunde weise ich
+sie nicht streng aus allen erdkundlichen Vorführungen heraus, sondern
+spreche ihr selbst sachlichen Wert zu.
+
+Was aber völlig unentbehrlich ist, sind zwei Dinge: das _Wort_ und das
+_stehende Lichtbild_. Ich kann sie gemeinsam behandeln. Über die
+Gestaltung des Begleitvortrags habe ich in »Kino und Kunst« alles
+Nötige gesagt. Er hat zwei Aufgaben: erstens abermals das Bild
+seelisch vorzubereiten und seine Lücken auszufüllen, zweitens den
+Geist darüber hinauszutragen. Die letztere Aufgabe kann in Verbindung
+mit einer Kinovorführung nur angesponnen, nicht ausgeführt werden. Wir
+wollen sie aber dennoch nicht unbeleuchtet lassen, um uns abermals
+gewärtig zu bleiben, daß alle Bildvorführung für die Erdkunde nur
+Mittel, nicht Zweck ist. So wie einerseits _keine_ noch so vollendeten
+Naturnachbildungen ohne geistige Nachteile von Zuschauern aufgenommen
+werden können, die nicht über genügenden Vergleichsstoff aus _eigner_
+unmittelbarer Anschauung verfügen (worüber wir im Absatz »Schule«
+gesondert sprechen) --, so ist anderseits alles von der Natur
+Geschaute nur Mittel und Vergleichsstoff für die _eigentliche_
+geistige Aufgabe der Erdkunde: eben aus der Welt der Erscheinungen
+zu den _Gedanken_ über sie zu gelangen, ihre Gesetze und
+Kraftverhältnisse, ihre Ursachen und ihre Zukunft, ihr Wesen und ihren
+Geist zu untersuchen. _Darüber_ spricht sich die Natur nicht, die
+Abbildung noch weniger aus. Was uns das Bild zeigt -- auch das müssen
+wir uns einmal wieder ins Gedächtnis rufen -- _sind_ ja gar
+nicht die vom Menschen bereits genannten und gemessenen, mit
+Erkenntnisgesichtspunkten und Gefühlswerten übersponnenen, menschlich
+geaichten Naturwerte, sondern es ist die Urnatur in ihrer unentdeckten
+Namenlosigkeit. Das ist nicht eine Grübelei, sondern eine sehr
+wichtige Alltagswahrheit, deren Übersehen wieder eine der
+Hauptursachen für die mangelhaften Erfolge »reformerischer«
+erdkundlicher Vorführungen in Kinotheatern usw. ist. Man stelle sich
+vor: da erscheint jenseits einer Flußfläche ein schlicht kegelförmig
+zugespitzter hoher Berg, oben mit Schnee bedeckt. Im Vordergrund wogen
+Binsen um einen Fischersteg. Vor dieses Bild setzt die Mägde und die
+Kuhknechte, die Käsehändler und Pflasterarbeiter einer Kleinstadt. Was
+sollen sie dazu sagen, was soll sie daran fesseln? Gewiß, es ist ganz
+»schön« -- aber das, was _sie_ urwüchsigerweise im Kino suchen,
+nämlich merkwürdige »Bewegungen«, sind gar nicht drin. Das Bild
+gefällt nicht! Nun sagt der Vorführer einen Namen: Der Berg Fujijama.
+»Ah!« entringt es sich den anwesenden gebildeten Besuchern. »Das also
+ist der Fujijama, so sieht er wirklich aus!« Eine Fülle von
+Gedankenverbindungen erweckt ihnen das Wort -- ihnen, aber immer noch
+nicht den andern! Wenn _denen_ nun ein Berufener in einer Sprache, die
+sie verstehen, sagen würde: »Hier ist es gar nicht irgendeine
+'merkwürdige' Bewegung, die euch fesseln soll, sondern ihr sollt das
+und das dabei denken,« wenn er ihnen etwa vorher ein paar japanische
+Künstlerbilder von dem Heiligen Berge zeigt, ein japanisches Gedicht
+oder eine Sage von ihm erzählte -- oder wenn er statt dessen wertvolle
+wissenschaftliche Angaben (immer in der Sprache der Einfachen) über
+ihn machte: damit würde er ihnen die richtigen _Augen_ geben, mit
+denen gesehen auch ihnen das Bild reizvoll erscheinen würde. Denn sein
+Wert liegt in dem, was wir, was ein ganzes Volk sich dabei denkt, in
+dessen Phantasie der Berg den Mittelpunkt bildet; sein Hauptwert liegt
+in dem, was das Bild _nicht_ zeigt, im Gedanklichen. Was ich hier am
+Beispiel der Einfachen zeige, gilt in entsprechender Anwendung bis
+hinauf zu den »gelehrtesten Häusern«. Niemand ist so vielwissend, daß
+er im Augenblick, wo irgendeine Landschaft usw. vor ihm im Kinobild
+auftaucht, gerade _den_ Wissensstoff genau gewärtig hat, der hier den
+Mittelpunkt des Interesses bildet. _Jeder_ Beschauer eines Kinobildes
+muß vorher darauf _eingestellt_ werden. Und das kann nur durch _Worte_
+geschehen. -- Diese Worte haben aber nicht nur allgemeine
+Gesichtspunkte zu geben, sondern sie müssen auch einen andern Mangel
+des Kinobildes, das schnelle, unvorbereitete Vorüberhuschen des Bildes
+ausgleichen, indem sie auf seine hauptsächlich zu beachtenden
+Einzelheiten vorher hinweisen. Diese vorherige Hinweisung,
+gewissermaßen das Vorauserzählen des Kommenden, ist ein zünftiges
+Kunstmittel des Theaters. Dadurch, daß man eine erst künftig auf der
+Bühne erscheinende Person vorher nach Tracht und Art von andern
+beschreiben und ihre Meinungen darüber tauschen läßt, wird das
+Interesse an dem Kommenden nicht vermindert, sondern vermehrt.
+
+Das letzte, nicht das schlechteste Ergänzungsmittel des erdkundlichen
+Bildes, das zugleich das Wort in hohem Grade entlastet, ist das
+_Lichtbild_. Es hat vor dem Bewegungsbild den Vorzug, eine lange
+ruhige Betrachtung zu ermöglichen, die großen Grundformen einer
+Landschaft usw. viel besser als der davonlaufende Film erkennen zu
+lassen, und auch künstliche Darstellungen, Schemen, Landkarten,
+Zeichnungen usw. zu ermöglichen. Es ist zugleich eine Erholung für das
+Auge, auch insofern, als es in einem ganz andern Sinne als der Film
+künstlerisch (malerisch) hervorragend sein und sowohl naturfarben wie
+bemalt dem besten Geschmack entsprechen und zeigen kann, was dem Film
+fehlt. Auf ihm kann man bequem die Stellen zeigen, an denen im
+Laufbilde etwas Besonderes zu beachten ist, und man kann anschaulich
+machen, wie sich die besondere Örtlichkeit des Laufbildes einem großen
+erdkundlichen Ganzen einordnet. Kein Film sollte ohne eingehende
+Vorbereitung und Vorbesprechung auf der Wand erscheinen. Nichts ist
+ein falscheres, stilwidrigeres Wirkungsmittel gerade für das
+Bewegungsbild als die _Überraschung_ des Beschauers.
+
+Alles, was wir genannt haben, läuft darauf hinaus, erdkundliche
+Bewegungsbilder in solcher Zurichtung, Vorbereitung, Ergänzung und
+Umgebung zu zeigen, daß die Beschauer das höchsterreichbare Maß von
+Wirklichkeitsanschauung unter allersorgfältigster Unschädlichmachung
+von Fehlerquellen und möglichster Erleichterung ihrer Sinnestätigkeit
+erhalten. So durchgeführt, vermag der Kino dem geübten Gelehrten den
+Forschungsgegenstand selbst in einem gewissen Grade zu ersetzen, dem
+Wissensbeflissenen wird er ein verläßliches Hilfsmittel, dem Schüler
+ein nicht irreführender Wegweiser, dem Künstler ein Genuß, jedermann
+eine geistige Bereicherung und der Menschheit ein Nutzen und eine
+kulturfördernde Völkerverbindung sein.
+
+
+
+
+II. Wissenschaftliche Erdkunde
+
+
+Das Wort »wissenschaftlich« wird im Zusammenhang mit Kinematographie
+geflissentlich mißbraucht. Man bezeichnet frischweg jeden Film nach
+Naturvorgängen als »wissenschaftlich«. Für alle andern bleibt ja das
+schöne Schildchen »künstlerisch«. In Wirklichkeit kann von
+»wissenschaftlicher« Kinematographie im strengen Sinne nur da
+gesprochen werden, wo diese Technik -- wie etwa das Mikroskop -- der
+_Forschung_ neue Möglichkeiten eröffnet, also etwa gestattet, Dinge zu
+beobachten, deren man ohne sie nicht habhaft werden konnte, oder alte
+in solcher Weise, die vorher nicht möglich war. Erst im weitern Sinne
+lassen sich Filme als wissenschaftlich bezeichnen, die alle
+Anforderungen erfüllen, um wenigstens als Hilfsmittel im auf
+wissenschaftliche Ziele gerichteten Unterricht verwendet werden zu
+können. Beides gilt von den bisher geschaffenen erdkundlichen Filmen
+nur ausnahmsweise, und wir wollen kurz untersuchen, wie weit die
+Kinematographie überhaupt für wissenschaftliche Zwecke brauchbar sein
+mag, und welche Anforderungen in diesem Falle an sie gestellt werden
+müssen.
+
+Zunächst als _Forschungs_mittel im strengen Sinne kommt sie in zweierlei
+Hinsicht in Betracht. Erstens für die Erd_geschichts_wissenschaft,
+insofern sie erdkundliche Erscheinungen, die der Veränderung oder dem
+Vergehen ausgesetzt sind, dauernd festhält und dadurch auch spätern
+Forschern und Geschlechtern die Untersuchung und Vergleichung
+ermöglicht. So stellte sich z. B. heraus, daß der Geiserfilm, den ich
+schon erwähnte (Neuseeländische Geiser, Urban-Eclipse), gerade dadurch
+einen außerordentlichen Wert hatte, daß er eine interessante,
+inzwischen aber verschwundene Naturerscheinung -- vielleicht die
+großartigste ihrer Art -- festhielt.[3] Dergleichen Gegenstände würden
+sich in der Welt viel finden, aber nicht bloß auf dem Gebiete der
+Superlative, der »großartigsten« usw., sondern mehr noch unter
+unscheinbaren Naturerscheinungen. Hier berühren sich die Interessen
+der Wissenschaft mit solchen der Allgemeinheit, für die
+erfreulicherweise das Verständnis mehr und mehr um sich greift: denen
+des _Naturschutzes_, und wo der nicht mehr möglich ist, der _Erhaltung
+von Naturdenkmälern_ wenigstens im Bilde. Die Natur- und
+_Heimatschutz_gesellschaften seien an dieser Stelle besonders auf das
+Hilfsmittel der Kinematographie im genannten Sinne wie auch zur
+_Werbung_ für ihre Bestrebungen aufmerksam gemacht. Wenn z. B. jetzt
+der Gedanke, große _Naturschutzparks_ nicht nur in der engern Heimat,
+sondern eben in der ganzen Welt, vor allem in den Kolonien, anzulegen
+und im ursprünglichen Zustande zu erhalten, Gestalt gewinnt, so sollte
+man das Interesse dafür aufrufen durch Bewegungsbilder der
+betreffenden Gegenden, denen andere von bereits als unrettbar
+erkannten Gegenden wirksam an die Seite gestellt werden
+könnten. Besonders kommt dieses Sammeln von kinematographischen
+Naturdenkmälerabbildungen für die Gebiete der Pflanzen-, Tier- und
+Menschengeographie in Betracht. Man vergleiche die ergreifenden
+Darstellungen, mit denen _Paasche_ im »Vortrupp« und an andern Orten
+die denkende Menschheit auf die entsetzliche Verödung der Natur gerade
+in bis dahin »jungfräulichen« Jagdgründen aufmerksam machen will, und
+lese da nach, wieviel der prächtigsten und bezeichnendsten Tierarten
+-- Elefanten, Wale usw. -- bereits dem Aussterben nahe sind. Ganz
+besonders denken wir hier natürlich auch an die _Menschenkunde_ im
+weitesten Sinne des Wortes (Ethnographie), Rassen-, Volkskunde
+einschließlich urwüchsiger Bauarten, Industrien, Trachten usw. Hier
+handelt es sich ja ebenfalls leider häufig genug schon um
+unabwendbares Aussterben; überall aber liegt ein ständiger, oft
+langsamer, oft sehr plötzlicher _Wandel_ der Erscheinungen vor. Diesen
+entwicklungsgeschichtlichen Wandel sowohl im Drum und Dran wie auf
+körperlichem Gebiete kann die Kinematographie in hervorragender, oft
+in einziger Weise der Forschung der Nachwelt vor Augen halten. Endlich
+kommt die Festhaltung _einzelner_ Naturschauspiele, z. B. des
+Ausbruchs und Werdens neuer Vulkane, in Betracht, zu deren Aufnahme
+freilich meistens Zufallsglück gehört. Es wäre eine planmäßige
+Aufnahme möglichst vieler derartiger Naturdenkmäler über die ganze
+Welt zu befürworten. Für diese Aufnahmen müßten dann natürlich
+_Sammlungen_ (Archive) angelegt werden, deren Inhalt nicht durch
+zeitgenössische Vorführungen gefährdet und im Wert gemindert werden
+dürfte. Ein solches Unternehmen wäre, wie unten nachzuweisen, durchaus
+kostenlos durchzuführen.
+
+ [3] Und zwar leider dennoch auf Nimmerwiedersehen! Bei
+ Nachforschung stellte sich heraus, daß das unschätzbar
+ wertvolle Negativ nach einer gewissen Anzahl Kopien wie
+ üblich »vernichtet« worden ist -- eine bezeichnende
+ Illustration zum Thema »Traum und Wirklichkeit in der
+ Kinematographie«. Filmarchive!
+
+Aufmerksam muß ich aber auch hier darauf machen, daß derartige Filme,
+richtig hergestellt, einen ganz unschätzbaren, mit der Zeit ungeheuer
+steigenden _Sammlerwert_ haben würden. Es würde also keineswegs eine
+tote Geldanlage sein. Über Filme als Sammlergegenstand beabsichtige
+ich mich, im »_Buch vom Kino_« weiter auszulassen.
+
+Die zweite Eigenart, durch die die Kinematographie für die _Forschung_
+unmittelbaren Wert hat, liegt in der Möglichkeit, die Aufnahmen zu
+_Messungszwecken_ zu verwenden. Der Film zerlegt jede Bewegungseinheit
+in eine große Menge einzelner Teile, deren Zeitabstand voneinander
+genau bemessen ist, und -- die zur genauen Nachbestimmung standhalten.
+Sie erlauben daher, Bewegungen zu untersuchen, die in der Wirklichkeit
+zu flüchtig oder vereinzelt, oder auch zu klein und kurz sind, um mit
+den Sinnen aufgefaßt zu werden. Dadurch wird der Wissenschaft geradezu
+ein neues Betätigungsgebiet erschlossen, welches ich _Rhythmologie_
+benennen möchte: die Erforschung der Zeitgesetze in den freien
+Bewegungserscheinungen der Natur. Sie ist z. B. betreffs der
+Wellenbewegung im Meere, des Aufschlagens bestimmter Wellen an
+Flußufer usw. schon versucht worden, aber es standen keine andern
+Hilfsmittel zur Verfügung als Uhr und Hand und etwa Instrumente, die
+jedenfalls kein beständiges (kontinuierliches) Bild der Erscheinungen
+boten. Über den Wert einer solchen Forschung brauche ich dem
+Gebildeten kein Wort zu sagen.
+
+Endlich das dritte kinematographische Forschungshilfsmittel, dem
+vorigen verwandt, wenn auch schon mehr auf das Gebiet der Lehr- und
+Veranschaulichungshilfsmittel hinüberweisend, ist die Aufnahme unter
+künstlich veränderten Bedingungen. So ist es vor allem möglich,
+Veränderungen, die sich in Wirklichkeit über längere Zeiträume
+erstrecken, in wenige Minuten zusammenzudrängen und dadurch ebenfalls
+wieder ihre Einheit und ihren Rhythmus sinnenfällig zu machen. Wenn
+auch dergleichen wohl mehr für andere Naturwissenschaften in Betracht
+kommt, so gibt es doch auch Gelegenheiten, wo es für die Erdkunde in
+Betracht kommt, und wenigstens vielen bequeme Beobachtungen
+ermöglicht, die -- etwa wie die täglichen Meeresgezeiten, die
+jährlichen Gletscherschwankungen, allmähliche Verwitterungsvorgänge --
+sonst nur vereinzelt ungenau, mühsam und mit unverhältnismäßigem
+Aufwand gemacht werden könnten.
+
+Ganz allgemein bildet der Kino eins der wertvollsten Hilfsmittel des
+_Forschungsreisenden_, dem sie eine bequeme, dokumentarisch getreue
+und dauernde Einheimsung seiner Beobachtungen, ihre schnelle
+Überführung in die Stoffmenge der Forschung ermöglicht und zugleich
+unter Umständen ein unwiderlegliches _Beweismittel_ seiner Erfolge und
+Behauptungen gibt. Wir wollen hier sogleich die Frage behandeln, auf
+welche Weise sich der Gebrauch dieses Hilfsmittels _praktisch_
+durchführen läßt. Es kommen hier namentlich zwei Schwierigkeiten in
+Betracht: die Belastung des Gepäcks und die Kostenfrage. Die _Technik_
+der Kinoaufnahmen kann kein Hindernis bieten; sie ist im allgemeinen
+sehr einfach und leicht. Eine kurze gute Einführung darin bietet
+Liesegangs »Lichtbild- und Kinotechnik« (Lichtbühnen-Bibliothek Nr.
+1), ausführlich desselben Verfassers »Handbuch der Kinematographie«
+(Düsseldorf, 8 M) und andere. Über die allgemein zu beobachtenden
+Maßregeln vgl. mein »Kino und Kunst«.
+
+Der im Großbetrieb übliche Aufnahmekino, wie er von zahlreichen Firmen
+hergestellt wird, bildet mit dem nötigen schweren Fuß (Stativ) und
+allem Zubehör allerdings eine beträchtliche Last, zu deren Bewältigung
+auf längere Märsche mehrere Träger abwechseln müssen. Dennoch kommt er
+in erster Linie in Betracht, da er doch wohl nicht nur allein die für
+die unvermeidliche Inanspruchnahme durch Beförderung usw. nötige
+Festigkeit und Derbheit besitzt, sondern auch allein die Filme
+liefert, deren Format und Durchlöcherung den allgemein in Kinotheatern
+usw. verbreiteten Vorführungsapparaten entspricht. Diese sind aber
+wieder für die Vorführung in _großen_ Räumen notwendig. Auf der
+Möglichkeit aber, die aufgenommenen Bilder wenigstens zum Teil von den
+Kinotheatern und in Vereinsvorführungen usw. geschäftlich zu
+verwerten, beruht aber hauptsächlich die vorteilhafte Erledigung der
+Kostenfrage. -- Es gibt aber auch mittlere und kleinere Aufnahme- und
+Vorführungsapparate, die erstern »Schul«-, die letztern
+»Salon«-Kinematographen genannt. Diese haben den Vorzug, sehr viel
+handlicher zu sein, besonders die letztern, die kaum das Gewicht einer
+9 × 12-Kamera ausmachen, und deren Stativ natürlich ebenfalls leichter
+sein kann. Die Bilder dieser Apparate genügen bei richtiger Behandlung
+durchaus den meisten, auch wissenschaftlichen Zwecken, nur lassen sich
+die Bilder nicht so groß und daher nicht in sehr großen Sälen
+projizieren. Die Filme sind nämlich nur von etwa halber Breite und die
+Bildchen von halber Höhe der im Großbetrieb üblichen, und
+die Durchlöcherung ist anders angeordnet. Dadurch sind sie
+schwieriger und jedenfalls nur ausnahmsweise in Kinotheatern
+usw. unterzubringen. Dadurch, daß man sie auch sonst nur in
+kleinern Kreisen zeigen kann, lassen sie sich auch finanziell
+nicht so verwerten, ein Übelstand, dem allerdings die bedeutende
+Film- und Behandlungsersparnis gegenübersteht. In der Kleinheit
+liegt aber noch ein weiterer Nachteil: die Einzelheiten kommen
+nicht so heraus, die Unterscheidungsgrenze liegt um die Hälfte
+tiefer als bei Normalfilmen, und wenn man sie auf gleiches Format
+zu projizieren versucht, so tritt das photographische Korn störend in
+die Erscheinung. Der größte Mangel ist aber wohl der, daß die
+Kassetten, die diesen Apparaten angehängt werden, nur kurze Filme zu
+fassen vermögen. Bei längern würde die ungleiche Abwicklung infolge
+der unverhältnismäßigen Verminderung des Umfangs der Filmrolle auch
+Ungleichmäßigkeit des Aufnahmezeitmaßes zur Folge haben. (Ausführlich
+gedenke ich die Frage der Liebhaber-Kinematographie in meiner Schrift
+»_Das Buch vom Kino_« zu behandeln.) Neuerdings sind aber auch eine
+ganze Reihe von Apparaten mittleren Umfangs und Gewichts geschaffen
+worden, die für »Normalfilme« eingerichtet sind, und übrigens läßt die
+lebhafte Tätigkeit hinter den Kulissen der Apparate-Fabriken auf
+diesem Gebiete darauf schließen, daß hier bald Vollkommenes zutage
+treten wird.
+
+Wichtig ist die Kostenfrage. Sie kann indessen nicht ernstlich
+schrecken, wenn man sich überlegt, daß zwar jedes einzelne Meter
+Rohfilm 1 M kostet (ein 5 Minuten laufender Normalfilm ist ungefähr
+100 Meter lang), für ein Negativ und ein Positiv also ohne die
+Behandlungskosten und Verpfuschtes, Abfall usw. 2 M (im großen wird
+es etwas billiger), daß aber auf der andern Seite der fertige Film,
+wenn er gelungen ist, einen großen unmittelbaren und einen größern
+Zukunftswert besitzt. Von dem Zukunftswert wissenschaftlicher Filme
+haben wir gesprochen. Es wird leicht einzuführen sein, ihn durch die
+Anregung des Sammeltriebes vermögender Privater und interessierter
+Körperschaften (Gemeinde, Staat usw.) unmittelbar zu verwirklichen.
+Noch gewisser und leichter ist der Weg, wenigstens Teile guter
+derartiger Aufnahmen der öffentlichen Benutzung, dem Turnus der
+Kinotheater usw. zur Verfügung zu stellen. Naturgemäß werden
+Forscheraufnahmen sowieso ein bedeutend größeres Interesse selbst für
+die breite Öffentlichkeit haben als gewöhnliche Operateuraufnahmen,
+die ja meistens von der Heerstraße stammen. Dieses Interesse wird sich
+durch geeignete Behandlung bei der Vorführung wesentlich steigern
+lassen, und die lebhafte Kinoreformbewegung wird ein übriges dazu tun.
+Eine Aufnahme aber, die erst mal die Runde durch die Kinotheater der
+Welt gemacht hat, hat sich selber und viele andere reichlich bezahlt
+gemacht. Hier ist also der Weg für Forscher, wissenschaftliche
+Institute und Sammlungen gegeben, kostenlos, ja mit Überschuß, sich
+das Wertvollste zuzulegen. In welcher Weise das im einzelnen geschehen
+könnte, darüber werde ich im Abschnitt »Kinogesundung« sprechen. Hier
+will ich nur hinzufügen, daß an ein Kostenhereinbringen auf dem Wege
+von Einzelvorführungen wohl in keinem Falle zu denken ist. Nur berührt
+sei, daß auf Forschungsreisen selbst durch gelegentliche Vorführung
+von eignen und fremden Aufnahmen dem Unternehmenden manche Gelegenheit
+geöffnet, mancher Nutzen geschaffen werden, und nötigenfalls auch eine
+unmittelbare finanzielle Erleichterung entstehen kann.
+
+Über Nutzen, Verwendung und Berechtigung der Kinematographie für den
+wissenschaftlichen Unterricht, also an Hochschulen, Handels-,
+Kolonial- usw. Schulen, brauche ich mich kaum noch beweisend zu
+verbreiten. Wenn dagegen hier und da noch Vorurteile bestehen mögen,
+so liegen sie meines Erachtens nur in der ungenügenden Beschaffenheit
+und der Kostspieligkeit und besonders der Schwierigkeit der Erlangung
+genügenden Filmstoffes. Die Anschaffung von Apparaten und
+Einrichtungen lohnt natürlich nicht, solange nur wenige unvollkommene
+Filme in Betracht kommen, und jeder Beflissene diese ebensogut im
+nächsten Kinotheater sehen kann. Das wird ja ganz anders werden,
+sobald Aufnahmen von Wissenschaftlern selbst in reichlicher Menge zur
+Verfügung stehen. Über die zurzeit herrschende Schwierigkeit der
+Beschaffung erdkundlicher Filme und ihre Behebung spreche ich an
+anderer Stelle. Hier aber ist der Ort, über die notwendige
+Beschaffenheit wissenschaftlich brauchbarer Filme zu sprechen, und wir
+kommen damit zu dem Gegenstand: _erdkundliche Filmaufnahmen_. Für sie
+gelten die allgemeinen, im erhöhten Grade all die Vorschriften, die
+ich in meiner Schrift »Kino und Kunst« als unerläßlich für
+»kunstgerechte«, d. h. einfach sachgemäße und wohldurchdachte
+Aufnahmen ausführlich behandelt habe. Wir wollen sie hier unter unserm
+besondern Gesichtspunkte abermals durchnehmen.
+
+Für Kinoaufnahmen kommen naturgemäß diejenigen Gegenstände vornehmlich
+in Betracht, in denen die _Bewegung_ irgendeine wichtige sachliche
+oder ästhetische Rolle spielt, soweit der Film imstande ist, sie
+deutlich und richtig wiederzugeben. Vielleicht gibt es da _kein_
+Gebiet der Erdkunde, das gar nicht in Betracht käme, aber doch einige
+ganz vorwiegend. Die Erde als Weltkörper, also in ihren Beziehungen
+zum Raum und zu den Gestirnen, bietet unmittelbar nur wenig Stoff für
+uns, ebenso als Gegenstand der Messung und Teilung. Für die
+_Erdgeschichte_ sind vorwiegend Archivaufnahmen wichtig, auf die wir
+hingewiesen haben. Außerdem sind eine Menge alltäglicher Vorgänge
+erdgeschichtliche Entwicklungen im kleinen, so die unmittelbare
+Beobachtung eines Sturzregens und seiner geologischen Folgen, die
+Beobachtung von Lawinen, Gletscherbewegungen usw. Ferner können wir
+hierher Erdbebenerscheinungen, Vulkanausbrüche und Verwandtes rechnen,
+dessen kinematographische Festhaltung von größtem Werte wäre. Hieran
+schließt sich die Meteorologie: Wetter- und Klimavorgänge und andere
+atmosphärische Erscheinungen. Ich möchte hier deutlich dem etwaigen
+Vorurteil entgegentreten, als ob atmosphärische Bildungen für den
+Kinematographen zu fein wären. Sie lassen sich alle, soweit das bloße
+Auge sie erkennt, auch kinematographieren, wenn wir auch hier die
+Farbe als etwas sehr Wesentliches vermissen werden. Zur
+Veranschaulichung der Oberflächengestaltung der Erde, ihrer großen
+Grundformen und ihrer feinen Einzelheiten ist das Bewegungsbild
+viel berufener und nötiger, als man zunächst angesichts der
+Bewegungslosigkeit des festen Landes denkt. Denn erstens regt es sich
+und lebt überall in der Welt, selbst in der Wüste, und je ruhiger der
+Hauptgegenstand, desto feiner und für das Ganze bezeichnender und
+unentbehrlicher sind die _kleinen_ Bewegungen -- das Hinhuschen einer
+Eidechse, das Hinhauchen einer Staubwolke usw. Zweitens aber bewegt
+sich, wo die Erde regungslos ist, doch _auf_ ihr das Licht und zaubert
+durch sein Spiel geheimnisvolles Leben. Dasjenige aber, was fast
+überall die Welt belebt, und vielleicht der gewaltigste Gegenstand der
+Kinematographie ist das _Wasser_ in allen seinen Formen. Ob es als
+Salzlake überm Wüstenboden blinkt, als Bächlein rieselt, als Fluß
+strömt, als Wasserfall herniederbraust, als Meer blinkt, kräuselt,
+brandet oder tobt, ob es als Regen oder Schnee herniederfällt, als Eis
+funkelt oder als Nebel glänzt und wallt -- in all seinen Formen ist es
+unerschöpflich schön, unergründlich gesetzmäßig, voll unendlicher
+Aufgaben für den Forscher, voll Lehren für den Schüler, der große
+Gestalter und Maler des Erdballs. Wenig einzelnes habe ich zu sagen
+über die Pflanzen-, Tier- und Menschengeographie. Mit den genannten
+Dingen tritt ja das Leben selbst, die vom Geiste beherrschte Bewegung
+auf die erdkundliche Bühne, und hier versagt jeder Versuch, das dem
+Kinematographen Zugängliche auch nur in seinen Grundzügen aufzuzählen.
+An _Stoff_ fehlt es hier nicht, aber nicht der Stoff, sondern nur die
+Art der Aufnahme macht den erdkundlichen wie den allgemeinen Wert des
+Bildes aus.
+
+Abermals muß ich hier, und zwar in der nachdrücklichsten Weise,
+bitten, meine Schrift »Kino und Kunst« zur Ergänzung heranzuziehen,
+denn ohne die großen allgemeinen Zusammenhänge und Gesichtspunkte, die
+dort ausführlich behandelt werden, sind die nachfolgenden
+Sonderangaben nicht voll zu verstehen. Vollendete Kinokunst -- und
+jede Aufnahme ist ein Stück _Kunst_, d. h. freie menschliche
+Höchstbetätigung im Rahmen des technisch und zwecklich Angezeigten,
+oder sie ist gar nichts --; vollendete Kinokunst läßt sich nicht durch
+Befolgung einzelner Vorschriften lernen, sondern nur aus Erfassung des
+_Geistes_ der Sache heraus. Auch kann ich mich hier über die Technik
+im engern Sinne nicht auslassen, obgleich ihre meisterhafte Anwendung
+natürlich die Hauptbedingung für den Sachwert des Bildes ist.
+
+Noch mehr wie sonst gilt auf dem Gebiete erd- und menschenkundlicher
+Bewegungsaufnahmen, daß ihr Wert einzig und allein in der
+unverfälschten, dokumentarisch genauen _Wirklichkeits_wiedergabe
+beruht. Und zwar wollen wir die unbelauschte Wirklichkeit beobachten,
+nicht -- den Eindruck, den Apparat und Aufnahme auf die Welt gemacht
+haben. Erde, Wasser, Luft und Bäume lassen sich ja dadurch nicht
+beirren; Tiere aber muß man in den meisten Fällen durch oft sehr
+schlaue Mittel und vor allem genaue Vorerforschung ihrer Gewohnheiten
+und -- Geduld belauern und täuschen. Dafür ist eine wohlgelungene
+Landschaftsaufnahme mit tierischer Staffage auch vielleicht das Bild,
+das das meiste Entzücken und die höchste Bewunderung hervorruft, vor
+allem aber auch eine wirkliche Höhenleistung der Kinokunst, und von
+außerordentlichem Sachwert. Jeder erinnert sich ja an die wunderbaren
+Tieraufnahmen von Kearton. Gewiß hat aber auch jeder Kinobesucher mit
+einem peinlichen Nebengefühl bemerkt, daß fast alle derartigen
+Aufnahmen in _künstlicher_ Umgebung, besonders in täuschend
+ausgestatteten zoologischen Gärten (Hagenbeck) gemacht worden sind.
+Solche Bilder haben so gut wie gar keinen wissenschaftlichen und sehr
+geringen Lehrwert, und kinematographisch sind es keine Leistungen.
+Auch die Zuhilfenahme von künstlichem Köder, versteckten Zutreibern,
+Magnesiumlicht usw. entspricht nicht dem Geiste des Kinos, denn alles
+das bringt unwirkliche, unnatürliche Züge hinein. Noch schwieriger
+fast als die natürliche Aufnahme von Tierbildern ist die von Menschen.
+Das unerschöpfliche Stoffgebiet der Völkerkunde und Menschengeographie
+wird bedeutend eingeengt durch die Sonderbarkeit jedes Menschenwesens,
+sich vor dem Apparat anders als natürlich zu geben. Fast auf allen
+derartigen Bildern gibt es -- manchmal mit, meist wider Willen des
+Aufnehmers -- mindestens einige Personen, die die Kamera entdeckt
+haben, und sich infolgedessen zu großer Heiterkeit und zur Zugabe von
+Extrafaxen verpflichtet fühlen, oder sich plötzlich erinnern, daß der
+Mensch eigentlich seine Beine und Arme ganz anders gebrauchen müßte,
+als er es unbeobachtet tut, oder die aus Schüchternheit, ja gar aus
+Furcht -- ausreißen. Die Aufnahme von Menschenszenen ist nicht nur
+eine technische, sondern vor allen Dingen eine ganz bedeutende --
+seelenkundliche Leistung. Es wird sich in vielen Fällen empfehlen, den
+Aufnahmezweck und -vorgang nicht zu verhehlen, da eben doch die
+Aufnehmenden dabei selber zuviel bewußt mittun müssen -- sie müssen
+innerhalb eines bestimmten Gesichtskreises bleiben usw. --, und da
+eben eine _zufällige_ Entdeckung der Sache den _größten_ Schaden
+stiftet. Der sichere Weg ist in solchen Fällen wohl der, den jeder
+einschlagen muß, der volkskundlichen Stoff einsammeln will: sich erst
+so das Vertrauen der Leute gewinnen und sie dabei so weit in das
+Verständnis einführen, auch ihr eignes Interesse anregen, daß der
+Sache für sie das Befremdende genommen wird, und sie, nötigenfalls
+durch Vorproben, Befangenheitsfehler ablegen lernen. Daß auch dann
+noch das Unternehmen die größte Menschenkenntnis und geistige
+Überlegenheit, überdies sehr viel Umsicht und Übung erfordert, ist
+gewiß. Denn: wenn auch das Menschenleben überall _interessant_ ist, wo
+man hineingreift, so ist es doch nicht überall _kinematographisch_
+erfaßbar. Namentlich spielt da ein anderer Umstand, nämlich die
+Beleuchtung, eine oft recht unbarmherzige Rolle. Sie muß man bei
+derartigen Aufnahmen lange vorher auskundschaften und berechnen.
+
+Nur soweit der Wirklichkeitswert der Aufnahmen dadurch nicht
+beeinflußt wird, dürfen wir andere Gesichtspunkte des guten Geschmacks
+sprechen lassen. Diese sind vor allem: Auswahl des _Wesentlichen_ (das
+sind hier hauptsächlich Bewegungsvorgänge, nicht die Gegenstände an
+sich) und, aus geld- und kraftwirtschaftlichen Gründen möglichste
+_Häufung_ desselben -- wiederum nur bedingungsweise. Was ich aber
+besonders hervorheben will, ist die Notwendigkeit, jeder einzelnen
+Szene die nötige _Länge_ zu bewilligen. Sie muß so lange dauern, daß
+erstens mindestens eine vollständige _Bewegungseinheit_ darauf kommt.
+Es sollte ja selbstverständlich sein, daß die Filmparze dem mähenden
+Bauern nicht gerade dann den Lebensfaden abschneiden darf, wenn er den
+Arm zum Schwunge erhoben hat, ebenso wie sie ihn nicht mitten in einer
+Tätigkeit das Licht der Bogenlampe erblicken lassen darf. Wo es sich
+um systematisch wiederkehrende Bewegungen handelt, müssen diese
+Rhythmen vollständig und mehreremal zur Anschauung kommen. Ich
+erinnere mich an eine großartige Meeresbrandung: wie rabiate Vorläufer
+kommen lange flache Wellen schäumend auf Klippen losgerannt und
+scheinen vor ihnen umzukehren, um sich mit den nachkommenden zu
+vereinigen. Dann stürzen sie brandend heran ... mittlerweile sieht man
+hinter ihnen eine der »Großen« sich sammeln, erheben, heranschweben
+... sie stürzt brüllend und in Schaumkaskaden zerfetzt, über die
+Felsen weg. Nach dieser Kraftprobe tritt eine unheimliche Pause ein --
+da sammelt es sich im Hintergrunde schwarz und mächtig, bäumt sich
+ungeheuer auf, den Himmel verdunkelnd, gleitet heran wie ein auf die
+Hinterbeine gebäumtes Ungeheuer und naht sich so drohend, daß man
+unwillkürlich die Augen schließt -- im nächsten Augenblick ist alles
+auf der Leinwand ein Chaos. Schaudernd und doch mit einer
+ästhetischen Befriedigung, die nur die größten Szenen der reinsten
+Kunstwerke gewähren, erleben wir das Kraftschauspiel der Natur. Aber
+-- im selben Moment springt das Bild um, und es erscheint irgendeine
+andere Szene. Das ist sachlich so falsch wie geschmacklich. Was wir
+gesehen haben, war eine Wogenperiode -- es gehört zu ihrem Wesen, daß
+sie sich im gleichen gelassenen Rhythmus je und je wiederholt: wir
+müssen das _ein paarmal_ erleben, um es richtig zu erfassen. Aber auch
+ästhetisch ist es notwendig, denn unsere Seele ist bis ins Innerste im
+Banne dieses Schauspiels; es muß sich ausleben und auswirken, unsere
+Nerven müssen ihm gegenüber den Halt wiederfinden, und es muß uns Zeit
+gelassen werden, uns vollkommen in die _Stimmung_ hineinzuleben. Nur
+nebenbei bemerke ich, daß es natürlich Barbarismus schlimmster Art
+ist, nach solcher Szene ohne Pause eine andere folgen zu lassen; es
+muß eine Ruhepause folgen. In der üblichen Kinematographie wird aber
+noch viel schlimmer gegen die Gesetze des Nervenlebens, des Geschmacks
+und der Sachlichkeit gesündigt. Szenen von zwei bis drei Sekunden sind
+nicht selten, Szenen von sachgenügender Länge geradezu eine Ausnahme.
+_Jede Bewegungsszene muß so lange dauern, bis die über der wildesten
+Bewegung schwebende heitere Weltruhe wieder im Beschauer zur
+Herrschaft kommt._ Selbst die geringst bewegten Bilder -- Wüste,
+Waldeinsamkeit usw. -- ja diese, in denen abgeschlossene
+Bewegungseinheiten eigentlich fehlen, erst recht, müssen so lange
+dauern, daß die in ihnen liegende _Stimmung_ deutlich und nachhaltig
+zum Ausdruck kommt -- ganz abgesehen davon, daß vor allem natürlich
+das Auge Gelegenheit haben muß, das Dargestellte überhaupt sachlich
+voll zu erfassen.
+
+Eine weitere Bedingung für die Brauchbarkeit erdkundlicher Aufnahmen
+in irgendeinem Sinne ist die Besorgung und Beigabe ausführlichen
+Sachfeststellungs- und Erläuterungsstoffs. Auch dessen Mangel ist eine
+Hauptursache für die bisherige verhältnismäßige Erfolglosigkeit
+erdkundlicher Bilder in Kinotheatern und ihre Ablehnung durch
+wissenschaftliche und Unterrichtsfachleute. Es ist unglaublich, aber
+wahr, daß es bei den meisten im Handel befindlichen Filmen gar nicht
+möglich ist, ihren Inhalt so festzustellen, wie es für das volle
+Verständnis, ja auch nur dazu nötig wäre, um zu erfassen, worin
+eigentlich das Interesse des Bildes liegen soll. In sehr vielen Fällen
+sind sogar die Bezeichnungen und Inhaltsangaben der Bilder _falsch_.
+Von drei Palästinafilmen, die ich von drei Firmen erhielt, war je etwa
+die Hälfte der Teile nicht aus Palästina, sondern anderswoher, und
+zwar handelte es sich dabei nicht um Ähnlichkeiten -- daß etwa Oasen
+aus Ägypten und Palmenhaine aus Arabien »eingelegt« waren, sondern
+ein angebliches Jerusalem war in Wirklichkeit einmal Kairo, einmal
+Damaskus usw.; dabei hatte ich die Bilder persönlich von den
+Ursprungsfirmen geholt, und sie waren für mich zu besonders wichtigem
+Zwecke gedruckt worden. Jene mehrmals erwähnten Geiser Neuseelands
+waren mir als solche von den Fidschiinseln verkauft worden. Es
+bedurfte im ersten Falle der Mitwirkung des Probstes von Jerusalem,
+der zufällig am Orte war, um die Irrtümer festzustellen, der
+Durchsicht umfangreicher Literatur, um sie zu berichtigen. Im zweiten
+Falle habe ich mir mit Fachleuten lange den Kopf zerbrochen, bis wir
+durch eine wahre Nick-Carter-Arbeit auf das Richtige kamen. Zahlreiche
+andere, und zwar Glanzfilme jenes erdkundlichen Musterprogramms, die
+wir teuer bezahlt hatten, mußten wegen der Unmöglichkeit, ihren
+Gegenstand trotz der Beihilfe von Fachleuten festzustellen, ausgemerzt
+werden, und ich weiß heute noch nicht, was sie bedeuten. Die meisten,
+die wir brachten, erhielten ihren Wert, ihr brennendes Interesse erst
+durch Erläuterungen, die wir den Zuschauern geben konnten, weil wir in
+monatelanger mühsamer Durchackerung der Literatur diejenigen Hinweise
+gefunden hatten, von denen die lächerlichen Begleittexte der Firmen
+nichts wußten. So erhielt der Film »Flußfahrt auf dem Avon in
+Neuseeland« -- an sich eine der schönsten Aufnahmen, die ich kenne
+(Urban) -- doch sein ich möchte sagen: pikantes, unmittelbar
+ergreifendes, nicht nur menschliches, sondern auch erdkundliches
+Interesse erst dadurch, daß wir die Urgeschichte der Riesen- und
+Trauerweiden aufstöberten, die an beiden Ufern wogten. (Sie sind
+Abkömmlinge eines einzigen Reises vom Grabe Napoleons auf St. Helena,
+und zugleich ein Musterbeispiel für die Gier, mit der der Boden
+Neuseelands fremde Einführungen aufgenommen hat.) Diese Beispiele
+könnte ich ins Unendliche vermehren. Über die Ursachen dieser Mängel
+habe ich mich in »Kino und Kunst« ausgelassen.
+
+Jede erdkundliche Aufnahme muß mit ihrem eignen _Tagebuch_ verbunden
+sein, d. h. es müssen ausführliche Angaben nicht nur über Ort, Datum
+usw. der Aufnahme, sondern vor allem über ihre Einzelheiten gemacht
+werden, auch solche, die im Augenblick nebensächlich oder
+selbstverständlich erscheinen. Ich würde vorschlagen, zunächst jedem
+Negativ einen Aufnahmezettel folgender Art beizugeben (s. S. 39.)
+
+
+
+
+ A
+
+ Nr. Bilderreihe: »Neu-Seeland«
+
+ Aufgenommen von .............
+ Rohfilm ...............
+ Apparat ...............
+
+ ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
+ Nr.| Tag | Ort | Personen | Blende | Dauer |
+ | Stunde |Gegenstand| usw. |Beleuch-| Tempo, | Bemerkungen
+ | | | | tung | Länge |
+ ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
+ | | | | | 40 | Dampf und heiß.
+ |14. III. | Geiser |Hintergrund|Bedeckt | Sek. | Wasser, nicht
+ 1. | 1914 | »Wairoa« | X...Berg | Bl. 2 | Normal | sehr hoch, vorn
+ | 11½ v. | | | | (etwa | links flüchtender
+ | | | | | 14 m) | Mann
+ ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
+ | | Geiser | | | 70 | Kennzeichen:
+ | |»Feder d. | | | Sek. | mehrere wie ein
+ |14. III. |Prinzen v.| | Klar | (etwa | Federbusch aus-
+ 2. | 1914 | Wales« | | Bl. 3 | 25 m) | einanderfahrende
+ | 3 n |»Prince of| | | | Strahlen, durch
+ | | Wales | | | | Schlamm usw.
+ | | Feather« | | | | schattiert
+ ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
+ | | |
+ | | | Hierzu: drei Photos
+ | | |
+ ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
+ | | | | | 30 |
+ |16. III. |Dorf X... | Poi-Tanz | Klar | Sek. | Anmarsch mit
+ 3. | 1914 |bei Napier| (Näheres | Bl. 2 | Normal | Gesang
+ | | | Tageb.) | | (etwa |
+ | | | | | 10 m) |
+ ---+---------+----------+-----------+--------+--------+------------------
+ 4. | | | " | | 40 | Erster Tanz
+ | " | " |Fortsetzung| " | Sek. |
+
+
+
+
+ B
+
+ Firma ......
+ Entwicklung ..............
+
+ ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
+ | | | | Bem. | Dauernde | |
+ Nr.|Erhalten| Entw. | Ergebnis | f. d. | Nummer | Ver- | Verwendet in
+ | am | | | Kopie | d. |bleib |
+ | | | | | Negativs | |
+ ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
+ | | | | | | | Serie:
+ |12. IV. |17. IV.| Sehr hell | Vira- | |N. S. | Neu-Seeland
+ 1. | 1914 | 1914 | verstärkt |gieren | 342 | 1316 | 1316
+ | | | | | | | Serie:
+ | | | | | | |Wasserwunder
+ | | | | | | | 227
+ ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
+ | | | | | | |
+ | | | | | | |
+ | | | | | | |
+ 2. | " | " | Gut | -- | 343 | " | wie 342
+ | | | | | | |
+ | | | | | | |
+ | | | | | | |
+ ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
+ | | | | | | |
+ | | | | | | |
+ | | | | | | |
+ ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
+ | | | | | | | Serie:
+ | | | | | | | Neu-Seeland
+ 3. | " | " | Gut |Virage | 344 | " | 1316
+ | | | | | | | Serie:
+ | | | | | | | Volkstänze
+ | | | | | | | 2703
+ ---+--------+-------+-----------+-------+----------+------+--------------
+ 4. | " | " | " | " | 345 | " | " "
+
+
+
+
+Die Angaben unter A werden vom Aufnehmenden ausgefüllt, die unter
+B von der entwickelnden Anstalt usw. Den Abschnitten entsprechende
+Schlußzeichen und Vermerke werden mit Bleistift auf dem Rohfilm
+angebracht. Außerdem aber sind in einem besondern Tagebuch (unter der
+in Sp. 1 vermerkten Nummer und Wiederholung der Bezeichnung in Sp. 3)
+genaue Angaben über den Inhalt des Films zu machen, als:
+
+Allgemeiner Sinn und wissenschaftliche Bedeutung der Aufnahme.
+
+Die Namen (nebst Aussprache!) und Kennzeichen aller Einzelheiten der
+Örtlichkeit (Berge, Wasser, Ansiedlungen, Bäume, Tiere) und
+kinematographisch hervorragenden Personen (Name, Stand oder Beruf,
+Tätigkeit im Bilde, Kennzeichen, Tracht, Waffen usw.).
+
+Verlauf der Szene, Geschehnisse, Bewegungsvorgänge.
+
+Dabei wahrgenommene, im Bilde nicht wiedererscheinende, daher zu
+ergänzende Nebenerscheinungen (Geräusche, Farben, eventuell Maße,
+Reden, Ausrufe, Liedertexte, Noten usw.) und andere wissenswerte oder
+wissenschaftlich nötige oder interessante Einzelheiten.
+
+Es ist einleuchtend, daß erst durch diese gedanklichen Ergänzungen
+der Film seinen höchsten gegenständlichen und eventuell
+erscheinungsgeschichtlichen Wert erhält. Ebenso einleuchtend aber ist
+es, daß diese Erläuterungen nur von einem Fachmann, jedenfalls einer
+dem Gegenstand wissenschaftlich ganz gewachsenen Persönlichkeit
+gegeben werden können, und zweitens, daß nur selten ein und dieselbe
+Person das Bild aufnehmen _und_ die nötigen Beobachtungen und Notizen
+dazu machen kann. Ja häufig werden sich in letztere Arbeit allein
+mehrere Personen teilen müssen.
+
+Die Unzulänglichkeit der bisherigen geschäftsmäßigen erdkundlichen
+Kinematographie beruht letzten Endes darauf, daß sie zumeist von ganz
+unberufenen Laien nach reinen Geschäftsgesichtspunkten gemacht wird.
+Die geschäftlichen Gesichtspunkte bewirken, daß die meisten Bilder von
+den großen Heerstraßen der Cookweltreisenden gemacht werden, wo sie
+natürlich selten mehr ein wirkliches Stück natürliche Natur zeigen,
+sondern fast immer jenes Fremdenindustrieelend, das alles, lebende und
+tote Dinge, und die Menschen zumeist, auf den Fremdenfang »frisiert«
+zeigt. Wer die üblichen Kinobilder daraufhin beobachtet, wird das sehr
+häufig bestätigt finden. Derselbe Beweggrund bewirkt, daß zumeist fade
+»Sensationsszenen« unter der Herrschaft superlativer Schlagwörter
+(»die größten ... die berühmtesten ... der Welt« usw.) und mit
+alberner, theatermäßiger Staffage gemacht werden, weil sie so
+vermeintlich besser »ziehen«. Dasselbe bewirkt die erdkundliche
+Unbildung der meisten »Operateure«. Sie gehen nicht nach dem, was
+erdkundlich wichtig und fesselnd ist, sondern nach dem, was sich am
+tüchtigsten bewegt -- und wenn sie mal etwas Wertvolles erwischen, so
+wissen sie selber nicht warum, und die Sache bekommt dadurch etwas
+Schiefes. _Wenn irgendwo, so ist auf dem Gebiete erdkundlicher
+Aufnahmen eine enge Verbindung kinematographischer mit wissenschaftlichen
+Fachleuten im beiderseitigen Interesse geboten._ Mit dem ungeheuern
+Kapital, das von den Firmen in erdkundliche Aufnahmen gesteckt wird,
+ließe sich ein Material von unermeßlich sachlichem Werte aufhäufen,
+das sich aber auch durch ein zehnfach und hundertfach gesteigertes
+Interesse der Öffentlichkeit viel glänzender als jetzt verzinsen
+ließe. Die großen Firmen klagen ja alle, daß sie mit ihren
+Naturaufnahmen schlechte Geschäfte machen, daß trotz des großen
+Aufwandes kein rechtes Interesse dafür, am wenigsten bei Fachleuten,
+aber nicht einmal bei Schulbehörden zu erwecken ist. Nun, das liegt
+einzig und allein an der Unsachgemäßheit der Aufnahmen. Ohne
+maßgebende Mitwirkung erdkundlicher Fachleute, und zwar Spezialisten,
+bei der Wahl, Vorbereitung, Ausführung und nachhaltigen Behandlung
+kann keine erdenkliche Aufnahme von höherm Werte und wissenschaftlich
+erzieherischer Brauchbarkeit entstehen. Geographische Fachleute aber
+können dadurch, daß sie derartige Aufnahmen machen helfen -- aber
+natürlich nicht als eine »populäre« Spielerei, mit der man eigentlich
+seiner Würde etwas vergibt, und der man nur die Brosamen zugute kommen
+läßt, die vom Tische »ernster« Wissenschaft abfallen, sondern mit
+voller Hingabe und Gewissenhaftigkeit, und nach eingehender
+schülermäßiger Einübung -- nicht nur sich selber und der Wissenschaft
+manche kühne Hoffnung erfüllen, sondern auch ein tüchtiges Stück
+Arbeit im Dienste der allgemeinen Bildung, der Ausbreitung
+erdkundlichen Wissens und des Interesses an und des Verständnisses für
+diese Wissenschaft tun. Hier liegt der Keim aller Kinogesundung und
+der Hebel, den Kino zu einem Kultur- und Bildungswerkzeug zu machen,
+und die Geographen sind die berufenen Mitarbeiter dazu. Es ist keine
+Schande für sie, in diesem Sinne über den Kreis ihrer engern
+Fachinteressen hinaus zu blicken.
+
+Besonders möchte ich hier auch noch auf den Nutzen hinweisen, den
+beide Teile davon haben könnten, wenn sich Kinoleute und Missionare in
+aller Welt verständigten. Die letzteren sind naturgemäß oft große
+Kenner der Erd- und Völkerkunde ihres Gebiets.
+
+
+
+
+III. Schulerdkunde und Kino
+
+
+Wer das Bisherige aus dem Interesse des Lehrers und Jugend-Erziehers
+heraus gelesen hat, wird die Fragen so weit geklärt gefunden haben,
+daß wir nunmehr die besondere Frage des Kinos im erdkundlichen
+Schulunterricht ohne zu viel Belastung mit Selbstverständlichem und
+Allgemeinem in Angriff nehmen können. Es handelt sich wohl vornehmlich
+um drei Fragen, erstens: welche besondern Anforderungen sind etwa an
+Unterrichtsfilme zu stellen, zweitens: wie bekommt man sie und
+drittens: wie gestaltet sich die Vorführung und der ganze Unterricht?
+
+_Daß_ die Kinematographie im Schulunterricht, und vor allem im
+erdkundlichen, eine große Rolle zu spielen berufen ist, ist schon zu
+oft von Fachleuten anerkannt worden, als daß wir noch viel Worte
+darüber machen zu müssen glauben. Etwaige Zweifler hoffe ich besonders
+durch die allgemeinen Ausführungen im ersten Abschnitt beruhigt zu
+haben. Selbstverständliche Voraussetzung ist die Umrahmung des
+Bilderanschauungsunterrichts durch gesteigerte Eigenanschauung
+einerseits und durch gedankliche Vorbereitung und Verarbeitung des
+Stoffes anderseits. Der naturgeschichtliche Schulunterricht geht ja in
+noch engerm Sinne als die Wissenschaft auf _Begriffe_ aus. In der
+ganzen Richtung der heutigen Pädagogik liegt es aber, diesen Begriffen
+durch erhöhte Anschauung die Wage zu halten und sie vor Verkrüppelung
+zu bewahren. Daß hierbei die unmittelbare Naturanschauung bei weitem
+das Wichtigste und ihre Ausdehnung das Nötigste ist, ist zweifellos.
+_Ich rede einer Ausdehnung des Anschauungsunterrichts durch
+Ersatzmittel (also auch durch Kinematographie)_ nur unter der
+_Bedingung das Wort, daß sie einen Teil einer umfassenden
+Gesamtunterrichtsreform bildet, in der »Freiluftbildung« der
+wichtigste Programmpunkt ist_. Ohne das wirkt jede Erweiterung des
+Ersatzmittelanschauungsunterrichts unverdaulich, und der Kino im
+Schulunterricht geradezu irreführend und _ver_bildend.
+
+Unter Wahrung dieser Voraussetzungen aber bildet der erdkundliche Film
+das zeitsparendste, echteste und beredteste Mittel zur _Vorbereitung_
+eigner Anschauung und zur _Vergleichung_ und richtigen Erfassung des
+den Schülern nicht sinnenfällig zu machenden Stoffes. Hierzu kommen
+aber nicht nur ausschließlich fachgemäß und kunstgerecht aufgenommene
+und vorgeführte Filme in Betracht, sondern wiederum nur solche, die
+die besondern Wünsche der pädagogischen Fachleute erfüllen, und
+möglichst von vornherein auch unter ihrer Beratung, Mitwirkung und
+Begutachtung hergestellt worden sind.
+
+Die Wünsche der Lehrer werden dabei besonders zweierlei Filme
+bevorzugen: solche, die in immer weitern Kreisen vom engsten ausgehend
+die _Heimat_ darstellen, und solche, die von diesen und andern
+erdkundlichen Gegenständen das _Typische_ in besonderer Klarheit und
+Vollkommenheit hervorheben. Zu den letztern werden auch solche Filme
+gehören, die z. B. die Drehung der Erde in _schematischer Weise_
+veranschaulichen. Eine allgemeine Forderung, die zum Teil durch die
+genannten Eigenschaften erfüllt werden würde, ist die, daß der Kino im
+Unterricht nicht _zerstreuend_, sondern eben belehrend wirken soll.
+
+Anderseits wird die Zahl und Mannigfaltigkeit der Filme, die im
+Schulunterricht benötigt werden, verhältnismäßig gering sein. Es
+handelt sich ja im großen und ganzen in allen Schulen für alle
+Schülergeschlechter um ein und denselben Lehrgang, der in den höhern
+Schulen ausführlicher, in den niedern einfacher immer wiederkehrt. Es
+würde also wohl möglich sein, eine typische Liste wünschenswerter
+Bewegungsaufnahmen für den erdkundlichen Unterricht in allen Schulen
+z. B. Deutschlands aufzustellen. Diese Aufnahmen wären für engere
+Bezirke durch Heimataufnahmen zu ergänzen.
+
+Diese Verhältnisse weisen darauf hin, daß Schulfilme als solche eine
+Sache für sich sind, die einer besondern Organisation zu unterwerfen
+sind und am ehesten von Kinotheatern und dem üblichen Geschäftsturnus
+unabhängig gehalten werden können. Sehr wohl könnte eine
+Reichsvereinigung aller Schulkinointeressenten die Herstellung der
+benötigten Filme selbst in die Hand nehmen, sie könnte ein gemeinsames
+Negativarchiv schaffen, von wo aus die benötigten Positive an die
+Einzelstellen geleitet werden könnten. Diese wären wieder nicht die
+einzelnen Schulen, sondern landschaftliche und örtliche Schulverbände,
+die sich gemeinsam die nötige geringe Zahl von Positiven anschaffen
+würden. Diese würden dann in einem geregelten Verleihungskreislauf
+jeweils vor alle Schüler gebracht werden. Das noch übrige, die
+kinetographische Einrichtung, müßte m. E. jede Schule einzeln
+besitzen, da es niemals gedeihen kann, wenn der kinematographische
+Unterricht jedesmal mit ganzen Klassenwanderungen durch die Straßen zu
+der oder jener Projektionsanstalt verbunden sein müßte. Damit ginge
+zuviel Zeit verloren, und die Ablenkung wäre größer als der Gewinn.
+Vielmehr könnte das Physikzimmer oder auch der Festsaal in jeder
+Schule dazu eingerichtet werden, und die Erdkundestunde würde dann
+immer dorthin verlegt werden.
+
+Neuerdings sind von verschiedenen Firmen Apparate von so geringem
+Umfang und einfacher Handhabung (für Normalfilme) in den Handel
+gebracht worden, daß mit ihnen auch in jeder Schulklasse Bilder von
+etwa 100 × 80 cm vorgeführt werden können. Die Lichtquelle bildet
+eine Glühlampe ohne Lichtgehäuse, die an die Hausleitung oder eine
+kleine Batterie angeschlossen werden kann. Auch dann wäre die
+Einrichtung gar nicht so schwierig, wenn, was wegen der besondern
+Verhältnisse recht gut möglich, eine andere kleine oder mittlere
+(Salon- oder Schul-)vorstellungseinrichtung gewählt werden könnte. Es
+würde sich ja nur darum handeln, daß _ein_ Typ, wenigstens nur die auf
+_ein_ Filmformat eingerichteten Typen für alle Schulen vereinbart
+würden. Die Wahl eines solchen Typs würde es auch erleichtern, daß
+besonders die Aufnahmen aus der engern Heimat von Lehrern selbst
+hergestellt werden könnten. Wohlhabende und anspruchsvolle Schulen
+könnten einen großen Kinoapparat daneben bereithalten, um auch mal
+etwas Besonderes zeigen zu können.
+
+Alles hier Gesagte ist aber noch Zukunftsmusik, und es bleibt die
+Frage zu besprechen, wie sich erdkundliche Bewegungsbilder _zurzeit_
+in den Unterricht einfügen ließen.
+
+Dazu gibt es nun zwei Wege: gelegentliche Einzelvorstellungen von
+Unternehmern oder Liebhabern in der Schule oder das Mieten oder der
+gemeinsame Besuch von Kinotheatern. Die Einzelanschaffung von
+Apparaten für Schulen ist aus Gründen, die ich nebst der ganzen Frage
+besonders im »Buch vom Kino« behandeln werde, und mit der sich
+übrigens ein weiteres Bändchen dieser Bücherei gesondert
+beschäftigen wird, zurzeit unmöglich, d. h. unwirtschaftlich. Zu
+Einzel»gastspielen« wird die Gelegenheit aber auch selten sein (auch
+dürften sie sich schwerlich lohnen); und so bleibt zurzeit als
+Hauptsache die _Verbindung der Schule mit Kinotheatern_.
+
+Was darüber allgemein zu sagen ist, gehört ebenfalls an einen andern
+Ort. Bemerken will ich nur, daß u. a. in Hamburg 30 000 Schulkinder
+mit Genehmigung der betreffenden Behörde unter Leitung des dortigen
+Lehrerkinoausschusses vormittags -- zur Schulzeit -- in ein Kino
+geführt wurden, um dort ein von mir mit großer Mühe und Kosten
+geschaffenes erdkundliches Musterprogramm zu sehen. Einige
+Veränderungen und Abstreichungen, die man sich zu machen bemüßigt
+fand, boten freilich den Vorwand, meine Autorschaft zu verschweigen
+und andere damit zu schmücken. Immerhin zeigt die Gelegenheit, daß es
+geht. Daneben aber können Kinotheater sich die Förderung der Lehrer
+und Schulbehörden sowie Vormittagseinnnahmen usw. dadurch sichern, daß
+sie erdkundliche wie überhaupt naturwissenschaftliche Vorstellungen
+unter Wahrung aller hier und in »Kino und Kunst« geltend gemachten
+Gesichtspunkte und unter Ausschluß aller andern Sachen bieten. Da
+werden sie dann freilich wieder mit dem Grundübel, der schwierigen
+Beschaffung guter und der Hebung mangelhafter Filme, zu kämpfen haben.
+Und bestehen bleibt der Einwand, daß derartige Dauervorstellungen
+gehäufter Gegenstände vom erzieherischen Standpunkt aus immer ein mit
+vielen Gebrechen behaftetes Nothilfsmittel bleiben.
+
+Den ernsthaften und über vollkommene Mittel verfügenden Unterricht der
+Zukunft denke ich mir nämlich keineswegs so, daß nun die
+Erdkundestunden eine Art lustiges Kinotheater werden. Vielmehr wird es
+sich darum handeln, in einer Stunde oder auch je mehrern _einen_
+Begriff durch reichliche Vorbehandlung allmählich so weit in den
+Köpfen klar werden zu lassen, daß er endlich durch die -- nötigenfalls
+wiederholte -- Vorführung eines _einzelnen_ Bewegungsbildes gleichsam
+in höchster Wirklichkeitskraft zusammengefaßt wird. Ein Kinobild darf
+nicht eher erscheinen, als bis alle Schüler in ihm nicht mehr das
+Stoffliche allein, sondern durch es hindurch gleichsam die
+verkörperten Begriffe sehen, um die es sich handelt. So mag zuerst die
+Lehre von der Kugelgestalt der Erde in der üblichen Weise vorgetragen
+werden: Feststellung des falschen _Scheines_, seine Bezweiflung,
+Aufzählung ihm widersprechender Erscheinungen des täglichen Lebens,
+Veranschaulichung der wirklichen Verhältnisse durch schematische
+Zeichnung, durch Globus usw., Feststellung der Größenverhältnisse
+durch Zahlen usw., dann ausführliche Besprechung des sich daraus
+ergebenden Anblicks etwa von einem senkrecht aufsteigenden Ballon aus,
+und dann erst, nachdem alle diese Erscheinungen selber gleichsam
+errechnet haben, ihre Bestätigung durch das vom Ballon aufgenommene
+Kinobild, das das Aufsteigen ferner Kirchturmspitzen, dann des Daches,
+der Kirchwände usw. zeigt. In ähnlicher Weise wird ein andermal, auch
+nach Lesung klassischer Beschreibungen, ein Stück Wüste nebst Oase
+usw. vorgeführt. Nur in dieser Behandlung würde der Kino im
+Erdkundeunterricht nicht zerstreuend und verwirrend, sondern wahrhaft
+begriffbefestigend wirken. Die »Schülerprogramme«, die zurzeit
+manchmal öffentlich oder geschlossen gezeigt werden, sind -- abgesehen
+von allen Mängeln -- nur hübsche, der Erholung dienende
+Veranstaltungen zum Lohn für saure Wochen --; mit der Kinetographie
+als Unterrichtshilfsmittel haben sie so gut wie gar nichts zu tun. Ja
+sie haben -- eben infolge der falschen Maßstäbe, die sie lieferten --
+mehr zur Hemmung als zur Förderung ernster Schulkinematographie
+beigetragen.
+
+Inzwischen ist in dieser Sammlung über den Gegenstand die überaus
+reichen Stoff bringende Sonderschrift von Prof. _Sellmann_ »_Kino und
+Schule_« erschienen, auf die ich besonders verweise.
+
+
+
+
+IV. Kinoerdkunde im Theater und in der Öffentlichkeit
+
+
+Wenn ich dem Gegenstand »Öffentliche erdkundliche Vorstellungen« einen
+räumlich nicht sehr umfangreichen Abschnitt widme, so liegt das nur
+daran, daß Wesentliches -- und zwar unentbehrlich Wesentliches --
+darüber in den vorangegangenen und den folgenden Abschnitten, vor
+allem aber in meiner Schrift »Kino und Kunst« enthalten ist. Besonders
+in letzterer habe ich ausführlich nachgewiesen und begründet, weswegen
+erdwissenschaftliche Darstellungen die Haupt- und vornehmste Aufgabe
+für den Kino sind; ich habe dort aber auch so eingehend wie möglich
+beschrieben, _wie_ derartige Aufführungen als Gesamtkunstwerk
+beschaffen sein müssen, wenn sie Wert haben sollen. Daselbst ist, und
+ausführlicher in dieser Schrift wiederholt, auch angegeben, wie
+schon bei der Aufnahme selber die Rücksicht auf meisterhafte
+Vorführungswirkung beginnen muß, und welche Anforderungen die Filme
+sachlich erfüllen müssen. Es ist somit nunmehr jedem Mißverständnis
+vorgebeugt, von was für einer Art von geographischen Vorstellungen ich
+mir den Erfolg verspreche, von dem hier die Rede ist. Es kann mir ganz
+und gar nicht mehr entgegnet werden, erdkundliche Filme
+»interessierten« das Publikum nicht, da die Filme, an denen solche
+Erfahrungen gemacht worden sind, weder selbst noch so, _wie_ und in
+welcher Umgebung sie aufgeführt wurden, eine höheres Interesse hatten.
+In dieser Schrift sind wiederum schon mehrmals die starken Fäden
+aufgewiesen worden, die sowohl die erdkundliche Forschung wie den
+erdkundlichen höhern und Schulunterricht mit den Kinotheatern und der
+ganzen Organisation des Filmmarktes verbinden. Hiervon soll noch
+besonders die Rede sein. Jedenfalls wiesen wir darauf hin, daß zur
+Erreichung einer anständigen Höhe der öffentlichen Kinematographie
+diese nicht nur emporsteigen, sondern auch erdkundliche und
+erzieherische Wissenschaft zu ihr »hinabsteigen«, besser gesagt, sie
+eng zu sich heranziehen müssen. Hinzuzufügen wäre, daß wieder das
+eigens hierzu eingerichtete Kinotheater der eigentliche Mittelpunkt
+öffentlicher Vorführungen ist und bleibt. _Vereine_ -- z. B.
+Volksbildungs-, kaufmännische Vereine -- werden selten in der Lage
+sein, eigne Vorstellungen ohne Mithilfe der Kinotheater und anders als
+in deren Räumen zu veranstalten. Das liegt in der Organisation des
+Geschäfts begründet, wovon ich das zu wissen Nötige, soweit es nicht
+der nächste Abschnitt bringt, im »Buch vom Kino« mitteilen werde. Aus
+demselben Grunde sind die Einrichtungen nach Art der _Urania_ in
+Berlin und Wien, des »Poloptical Institute« in London usw. auf diesem
+Gebiete vor den Kinotheatern im Nachteil; _ihnen ganz eigentlich_ und
+viel mehr als den Menschentheatern sind die Kinos eine »Konkurrenz«,
+vor der sie sich nur dadurch retten können, daß sie sich nach
+Organisation und Vorführungsplan ganz in ihre Reihen stellen, d. h.
+selber »Kinotheater« werden. Das in den zu einer Vorstellung nötigen
+Filmen enthaltene Kapital kann -- abgesehen natürlich von der Mithilfe
+von Wohltätern oder öffentlichen Mitteln -- nur ein _Ring_ von
+regelmäßigen Abnehmern verzinsen, deren ganzer Betrieb also auch
+gleichmäßig geregelt sein muß.
+
+Öffentliche erdkundliche Vorstellungen werden also in der Hauptsache
+immer »Kinovorstellungen« bleiben, und darüber freuen sich
+ausnahmsweise mal die Kinobesitzer und die ganze »Fachwelt« ebenso wie
+die bösen »Kinoreformer«. Denn diese wünschen nicht nur sich und ihren
+Freunden in erster Linie musterhaft ausgebildete »Erdkundeabende« um
+des Genusses willen, sondern sie versprechen sich auch gerade davon
+die unwiderstehliche Verdrängung minderwertiger Kinodarbietungen. Um
+so mehr haben wir Ursache, dem Thema »Kino und Erdkunde« im engern
+Sinne peinlich genau nachzugehen, um zu prüfen, ob wir uns nicht
+Täuschungen hingeben, denen dann früher oder später die Ernüchterung
+folgen muß. Warnend steht uns ja das Schicksal all der »Panoramen« vor
+Augen, in denen allwöchentlich oder öfter wechselnd erdkundliche
+Stereoskopbilderreihen gezeigt werden, und die trotz des Reizes und
+des Lehrwerts des Dargebotenen meist sozusagen »am Hungertuche nagen«.
+Überhaupt bildet ja der Mißerfolg so manches gut und »bildend« oder
+»lehrreich« gemeinten und angefangenen Unternehmens das
+Hauptschlagwort aller Gegner einer Veredlung geistiger Volkskost.
+
+Das Kinotheater hat aber vor dem »Panorama« und ähnlichem dreierlei
+voraus: erstens eine viel günstigere wirtschaftliche _Organisation_
+überhaupt, die ihm ständigen Wechsel des Dargebotenen ohne Belastung
+des einzelnen mit bleibenden Filmanschaffungen ermöglicht; zweitens
+den unvergleichlich mannigfaltigen _Reiz_ seiner Techniken, der sich
+durch kunstgemäße Vorführung vielfältig steigern läßt. Drittens die
+ständige »Aktualität«, d. h. das -- leicht zu erhaltende --
+Tagesinteresse des Vorgeführten. Dadurch, daß die Kinematographie
+täglich neu aus aller Welt ihre Bilder holt, kann sie auch das täglich
+neue und besonders Fesselnde zeigen. Allerdings wäre sie in der Lage,
+gerade diese »Aktualität« -- den intimen Augenblicksreiz ihrer
+Vorführungen dadurch noch besonders zu steigern, daß sie den
+unermeßlichen Schatz ihrer einmal eingeheimsten erdwissenschaftlichen
+Negative beweglicher und anpassungsfähiger als bisher zur Ergänzung
+aktueller Programme bereithielte. _Nicht die Einzelaufnahme_ ist in
+der Regel »aktuell« in dem Sinne wie etwa eine Zeitungsnachricht --
+_sondern im »Programm« muß die Aktualität liegen_. Wirklich »aktuelle«
+Einzelaufnahmen sind gewöhnlich überhaupt nicht möglich, da »aktuelle«
+Ereignisse sich nicht so anzukündigen pflegen, daß der Kino
+rechtzeitig dazu kommt; und der Weg des Films von der Aufnahme durch
+die Ateliers und die Vertreterräume in die Kinos ist für gewöhnliche
+Fälle immer noch zu lang. Seine bedeutende Beschleunigung für erd- und
+völkerkundliche Aufnahmen -- wozu zum Teil ja auch politische zu
+zählen sind -- wäre sehr zu wünschen.
+
+Ein _Programm_ »aktuell« zu gestalten, dazu reicht aber die Zeit immer
+noch aus. Das ist überhaupt viel mehr Sache der geistvollen und
+lebendigen Behandlung des Ganzen durch den Leiter, als der zufälligen
+Beziehung auf Tagesereignisse. Diese letztere Beziehung sollte --
+besonders in erdkundlichen Vorstellungen -- überhaupt nicht die
+Hauptsache sein. Wenn auf dem Balkan Krieg ist, so kann die
+Kinematographie von dem, was wohl lohnend wäre -- Schlachten und all
+die Begleitgreuel des Krieges -- in der Regel _nichts_ bringen, weil
+es erstens ein zu großes Wagnis für den Aufnehmenden, zweitens mit zu
+großen technischen Schwierigkeiten verbunden wäre, namentlich die
+Ereignisse nicht vorher zu berechnen wären, drittens es zumeist von
+den interessierten Parteien verhindert würde, und endlich, wenigstens
+in diesem Falle -- die Vorführung der Aufnahmen wohl gar anstößig,
+aufhetzend usw. gefunden werden würde. Das letztere leider ohne daß
+man sich erfolgreich dagegen wenden könnte, solange nicht der
+Gegenstand, sondern die übliche _Art_ der kinematographischen
+Behandlung so geschmacklos und dumm ist. In Ermangelung derartiger
+Aufnahmen dann irgendein Landschaftsbild aus Serbien oder Albanien zu
+geben, ist aber -- abermals in Anbetracht der _Art_ dieser Aufnahmen
+-- etwas, was wenig Dank beim Publikum findet. Besserung, d. h.
+Erfolgsbürgschaft könnte nur durch eine Reihe von Aufnahmen geboten
+werden, die in der in meinen Schriften angegebenen Weise gemacht,
+zusammengestellt und vorgeführt würden. -- Aber es gibt eine Menge
+geographischer Aufnahmen -- und gerade dieser --, die nicht durch
+Beziehung auf ein einmaliges Tagesereignis, sondern auf Gedanken,
+Bewegungen, Strömungen, Interessen »aktuell« sind, die auf längere
+Zeiträume die Hirne der Besten beschäftigen, und von da auch durch
+tausend Kanäle der Presse usw. in die große Masse gelangen. Einer der
+wichtigsten dieser Gedanken ist der _vaterländische_, mit seiner von
+ihm unzertrennbaren Kehrseite, dem _internationalen_ Interesse. Wir
+müssen uns gegenwärtig halten, daß jeder Film ein »Vaterland«, eine
+Menschenheimat und je nachdem ein Stück nationale Landwirtschaft,
+Industrie, Verkehrswesen, Kunst usw. vorführt. Bei uns leider meist
+nur _ausländische_ »Heimatbilder«, die bei uns Deutschen mehr oder
+minder beabsichtigt, uns mehr oder minder bewußt für die Eigenart, die
+Erzeugnisse, die Fruchtbarkeit usw. des betreffenden Landes _werben_.
+D. h. sie erfüllen uns nicht nur (erfreulicherweise!) mit dem Gefühl
+warmer menschlicher Teilnahme, die überall leicht erweckt werden kann,
+wo wir unbefangenes menschliches Glück, besonders aber tüchtige
+Leistungen sehen, sondern sie veranlassen uns auch, Erzeugnisse des
+Auslandes zu kaufen und zu schätzen, unsere Reisen dahin zu richten,
+unter Umständen ziehen sie auch wertvolle Volksgenossen zu Tausenden
+dahin. Ganz bewußt im Dienste solcher Zwecke arbeitet bekanntlich z.
+B. zurzeit Kanada. Aber nicht minder bewußt und unwillkürlich stehen
+auch die Filmfirmen Frankreichs, Englands, Amerikas, Italiens,
+Norwegens im Dienste ihrer Länder, geben uns ein anschauliches,
+werbendes Bild von ihrer Größe und Macht, ihrem Wohlstand, ihrer
+Arbeit; lassen uns an eindrucksvollen politischen Ereignissen wie am
+intimen Leben ihres letzten Dorfes teilnehmen. Es ist gar nicht
+abzusehen, wieviel infolgedessen diese Länder im Vergleich zu andern
+der Vorstellung breitester Kreise im Auslande nahe gerückt sind, und
+in welchem Grade das ihrer Exportindustrie, aber auch ihren mehr
+geistigen Interessen genützt haben mag. Fern liegt es mir, dieser Form
+anständigen Wettbewerbs um unsere Achtung, unsere Freundschaft, unser
+Verständnis und -- unsere Kundschaft irgendwelche Einschränkung zu
+wünschen. Aber wo bleiben _wir_? Bekanntlich werden in Deutschland
+außerordentlich wenige Filme hergestellt, am wenigsten erdkundliche
+usw. Ausnahmen tauchen freilich auf, aber es wäre wertvoll, einmal
+festzustellen, wie weit deutsche Landschaften, landwirtschaftliche,
+Industrie-, Volkslebenaufnahmen in den Theatern Frankreichs, Englands,
+Italiens, Amerikas usw. auch zur _Anschauung_ gebracht werden, und ob
+man dort etwa von den deutschen Mittelgebirgen, Strömen und Städten,
+vom Spreewald und vom Schwarzwald, von der deutschen Eisen- und
+Maschinenindustrie, unserer Volks- und Arbeitsorganisation usw. usw.
+ebensoviel und häufig zu sehen kriegt, wie wir etwa von der
+Herstellung der Ölsardinen in Frankreich, Italien und Afrika und dem
+Teebau in China. Für uns selber hätten natürlich diese Aufnahmen nicht
+minder Wert wie für das Ausland; _wir_ säßen gleichsam hinter der
+Leinwand, und die Fremden davor. Es ist hier ähnlich wie mit den
+»Filmen« zeitgeschichtlichen Inhalts, von denen ich in »Kino und
+Kunst« sprach. So wie diese ihren »aktuellen« Wert, d. h.
+Gegenwartswert, gerade dadurch erhalten, daß wir sie mit den Augen des
+fernen Nachkommen betrachten, der die Kulturgeschichte unserer Zeit
+studiert, so liegt das stetige »aktuelle« Interesse deutscher erd- und
+volkskundlicher Aufnahmen darin, daß wir uns sagen: »Das sehen nun in
+diesem selben Augenblick Hunderttausende und vielleicht Millionen
+Menschen in der weiten Welt. Hierdurch und so lernen sie Deutschland,
+seine Schönheit und Eigenart, seine Arbeit und -- uns kennen. Ist das
+der richtige Eindruck, den sie bekommen? Und haben wir Grund, stolz
+darauf zu sein, oder wäre hier und da etwas zu verschweigen gewesen?«
+Natürlich soll dieses »Sehen mit den Augen des Auslandes« uns nur
+veranlassen, die eignen besser aufzumachen. Nicht etwa das Bestreben
+erzeugen, das Ausland als Muster und nachzuahmende Höhe zu
+vergleichen, sondern im Gegenteil die heimische _Eigenart_ immer mehr
+zu begreifen, zu lieben und zu fördern. Aber immer nicht in dummem
+»Partikularismus«, sondern mit Weltblick. Die Kinematographie kann ein
+gut Stück gesunden _internationalen_ Sinn erziehen, gerade in dem sie
+recht anschaulich macht, wo die Kraft und Eigenart des _Vaterlandes_
+liegt und -- wo wir sie _nicht_ suchen müssen. -- Wir haben aber auch
+genug vaterländische Gesichtspunkte, die uns jede gute eigne
+Heimataufnahme jederzeit »aktuell« machen. Ich erinnere an
+_Heimat_kenntnis, Heimatverständnis, -schutz und -pflege, an die
+besondern Bestrebungen für Heimat- und Natur_denkmälerschutz_, Sitten-
+und Trachtenerhaltung usw., worauf ich schon hinwies. Ich erinnere
+ferner an die großen Aufgaben des innern und äußern _Kolonial- und
+Besiedlungswesens_. Zeigt uns doch Kinoaufnahmen aus unsern deutschen
+Kolonien, um uns für sie zu begeistern, lehrt aber auch den
+Westdeutschen, wie es im Osten hergeht usw.; zeigt dem Gebirgler den
+Gemüsebau des Elblandes und die Kornfelder der Goldenen Aue, zeigt dem
+Binnenländler unsere, aber _unsere_ Handels- und Fischerflotte, zeigt
+uns, wie unser Brot, unsere Kleider, unsere Maschinen gemacht werden,
+zeigt das Leben der deutschen Volksstämme überall in ihrer Landschaft,
+zeigt dem weltabgeschiedenen Dörfler das Gewimmel der Großstadt, aber
+dem Großstädter auch wieder die Arbeit und die Daseinsbedingungen der
+Landwirtschaft! Treibt Volksverständigung durch den Kino, sowie ihr an
+Völkerverständigung teilnehmt!
+
+Unzählig sind -- wie ich ja eingangs allgemein ausgeführt habe -- die
+Gesichtspunkte, unter denen _jedermann_ heute erdkundliche
+Vorstellungen aller Art interessant, ja von brennendem Tagesinteresse
+sind. Wenn sie nur gut sind und richtig vorgeführt werden. Auch heute
+schon ließen sich wertvolle und dankbare Programme dieser Art für
+Kinotheater zusammenstellen, wenn auch längst nicht so reichlich wie
+»dramatische« und gemischte. Bedingung wäre nur, daß das gesamte, also
+auch ältere Filmmaterial der Welt dauernd zugänglich bliebe, wovon ich
+im folgenden Abschnitt spreche. Bedingung für den Erfolg wäre aber
+ferner natürlich die _völlige Lostrennung erdkundlicher
+Vorführungen von andern_, sowohl »dramatischen« wie auch sonst
+»naturwissenschaftlichen« usw. Diese Lostrennung ist erforderlich
+erstens um der Wirkung der betreffenden Filme usw. selber willen, die
+ja eine geschlossene Vorstellung mit einheitlicher Idee bilden müssen,
+und deren meist feinere Reize in Umrahmung durch Sensationsdramen,
+Possen usw. nicht entfernt zur Vollwirkung kommen würden. Zweitens ist
+sie erforderlich, weil die Besucherkreise _solcher_ Vorstellungen im
+allgemeinen völlig andere als die der gemischten und »Sensationsprogramme«
+sind. Die einen wollen dies, die andern jenes nicht sehen.
+Erdkundliche Bilder vertragen sich mit Sensationsbildern wie Feuer und
+Wasser. Die Kinotheater sollten z. B. -- je nach den Verhältnissen --
+alle zwei Wochen oder jede Woche _Montags_ oder _Montags und
+Donnerstags_ bekanntgeben:
+
+ »Heute: _Naturschauspiele_,
+ Kinematographisches Programm ...«
+
+oder etwa die Nachmittage diesem Gegenstand widmen oder jeden Monat
+eine Woche u. dgl. Die Ankündigung müßte ferner enthalten Angabe des
+Themas und seiner Gliederung, der einzelnen Bewegungs- und
+Lichtbilder, des Vortragenden und des _geistigen Urhebers_,
+gegebenenfalls auch der Hauptaufnahmekünstler usw. Jeder sieht ein,
+daß die geistige Urheberschaft eines solchen Programms -- umfassend
+die Zusammenstellung der Filme und Lichtbilder, der Ausarbeitung des
+Begleitvortrags und der Erläuterungen, der Musik- und Regieangaben
+usw. -- dasjenige ist, wovon wesentlich der Wert und also auch die
+Werbekraft eines solchen Programms abhängt. Aus hundertmal angegebenen
+Gründen kann ja der einzelne Kinobesitzer als solcher sein Programm
+nicht frei zusammenstellen, es muß ringmäßig vorgeführt werden. Die
+Programmschaffung muß also an Mittelstellen geschehen, wozu
+Reformkino-Verleihanstalten, aber auch populärwissenschaftliche
+Vereine usw. berufen wären, in deren Auftrage natürlich jeweils ein
+einzelner oder ein kleiner Ausschuß die geistige Arbeit zu leisten
+hätte. Die Vorführung selber würde aber ebenfalls mindestens die
+Mitwirkung eines Fachgebildeten als Vortragenden und Leiter erfordern.
+Dieser brauchte nicht jedesmal wissenschaftlicher Geograph, Lehrer
+oder dergleichen zu sein; im Gegenteil ist hier ja das _erste_
+Erfordernis eine gute klare Vortragsgabe und im besten Sinne
+volkstümliche Wirkung; unerläßlich ist aber auch volles eignes
+Verständnis für den vorgetragenen Stoff.
+
+Es ist sicher, daß erdkundliche Vorstellungen, nach diesen
+Gesichtspunkten und in dieser Art gestaltet, großen Erfolg haben
+würden. Auch hier hat reformbeflissenes, aber zu billigen
+Zugeständnissen nur zu leicht geneigtes, von keinerlei Sach- und
+Fachkenntnis beschwertes, »schöngeistiges« Laientum bereits viel
+Schaden getan, indem es erfolglose Versuche veranlaßte und sich daran
+beteiligte, und die Begriffe von dem, was eigentlich anzustreben ist,
+verwirrte. Entweder es wird mit diesem verantwortungslosen Laientum im
+Kinoreformwesen unerbittlich geräumt, und sach- und fachkundiger Ernst
+zieht ein, oder wir müssen alle Hoffnung auf Besserung für lange
+vertagen.
+
+
+
+
+V. Zusammenschluß und Einrichtungen
+
+
+Ich habe im vorangehenden gezeigt, wie gerade erdkundliche
+Kinematographie infolge der Anforderungen, die ihr _Gegenstand_
+stellt, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und endlich wegen der
+Allgemeinheit und Vielseitigkeit des Interesses, das sie bietet, nicht
+ohne ein enges Zusammengehen der verschiedensten Mitarbeiter,
+Fachleute und Interessenten gedeihen kann. Die Aufnahme brauchbarer
+erdkundlicher Filme kann nicht ohne vorherige Beratung und Planung mit
+wissenschaftlichen und teilweise Schulfachleuten, und nicht ohne
+wesentliche Mitwirkung der erstern ihre Leitung und Bearbeitung
+geschehen. Die wertvollsten Aufnahmen werden von Forschern selber auf
+ihren Reisen usw. gemacht werden müssen; wo nicht, werden
+deren Gesichtspunkte und gegebenenfalls gleichzeitig die von
+Unterrichtsfachleuten für Gegenstand und Art der Aufnahme maßgebend
+sein müssen. Daneben aber bleibt für Aufnahme wie Ausarbeitung der
+Filme der technische Fachmann unentbehrlich. Aber diese Sachfachleute
+sind ebensowenig wie die Einzelinteressenten imstande, die gewünschten
+Aufnahmen wirtschaftlich zu ermöglichen und auszunützen. Die
+Kostspieligkeit derartiger Filme einerseits, die Kostspieligkeit und
+Schwerfälligkeit der zu ihrer Vorführung nötigen Vorrichtungen
+anderseits verweisen auf einen großzügigen geschäftlichen Organismus
+für ihre Herstellung, Verteilung und wirtschaftliche Ausnützung.
+Dieser geschäftliche Organismus ist aber zugleich eine der
+Eigenschaften der Kinematographie, auf der ihre gewaltige
+Kulturbedeutung im Guten wie im Bösen beruht. Diese ihre
+Kulturbedeutung zieht wieder alle diejenigen Schichten und Kreise der
+Öffentlichkeit unter die engern Interessenten der Kinematographie,
+denen gesunde und nahrhafte geistige Kost für sich und für ihre minder
+urteilsfähigen und anspruchsvollen Volksgenossen Gewissenssache ist.
+So wenig sich die Kino- und Geschäftsleute auf die Dauer ihren
+Ansprüchen entziehen können, so wenig können Kinoreformer selber
+irgend etwas unabhängig von jener großen Weltorganisation zu erreichen
+hoffen. Die Erdkinetographie aber ist, weil sich in ihr die höchste
+Leistungsfähigkeit des Kinos mit den allgemeinen Interessen aller
+Kreise deckt, und weil ihre Wesensbedingungen von denen anderer
+Kinogebiete verschieden sind, gerade dasjenige Gebiet, auf dem -- wie
+eingangs dargestellt -- alle Hoffnungen und alle Arbeitskraft und
+-lust der führenden Geister am reichsten zusammentreffen. Sollen diese
+Hoffnungen und Kräfte nicht scheitern, so müssen sie sich zu einem
+Sonderzusammenschluß zusammenfinden, der allen Lebensbedingungen
+dieses Kinozweiges Rechnung trägt.
+
+Ich möchte meine Auffassung von der dazu nötigen Organisation in den
+folgenden _Hauptsatzungsentwurf_ kleiden, den ich der Beratung aller
+Sachverständigen zur Verfügung stelle.
+
+
+_Hauptsatzungsentwurf für eine Deutsche Erdkundliche
+Kinogenossenschaft_
+
+1. Die _Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft_ ist eine
+eingetragene _G.m.b.H._ aller Körperschaften, Firmen und Personen
+in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Skandinavien, die an
+erdkundlichen Kinoaufnahmen und ihrer sachgemäßen und geschmackvollen
+Ausnützung und Vorführung interessiert sind.
+
+2. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft wird die Gründung
+gleichgerichteter Genossenschaften in allen übrigen Erdteilen
+anstreben, begünstigen und mit ihnen in Arbeitsgemeinschaft (Kartell)
+treten, deren Endziel ein Erdkundlicher Kino-Weltbund ist.
+
+3. Zweck der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft ist:
+
+a) vollendete erdkundliche Kinoaufnahmen zu ermöglichen, dadurch,
+daß dem Geist des wissenschaftlichen Fachmanns in Beziehung auf
+Gegenstand und Art der Aufnahme die unbedingte Führung eingeräumt
+wird;
+
+b) diese Kinoaufnahmen ihren wissenschaftlichen, Unterrichts-,
+Volksbildungs-, Unterhaltungs- und Sammlungszwecken in vollkommener
+Weise zuzuführen und sie ihnen alle jederzeit zur Verfügung zu halten;
+
+c) sie durch geeignete geschäftliche Organisation wirtschaftlich zu
+ermöglichen, auszunützen und die Erträge in einer dem Verdienst und
+Interesse aller Beteiligten entsprechenden Weise zu verteilen;
+
+d) sie zum Ausgangs- und Mittelpunkt aller auf Kinogesundung und
+-gesunderhaltung gerichteten Bestrebungen zu machen.
+
+4. Zur Erreichung dieses Zweckes dient ein ständiger Arbeitsausschuß,
+der zu je einem Drittel aus Vertretern der Wissenschaften, der
+Kinofachleute und Geschäftsinteressenten und aus Vertretern von
+Schulen und gemeinnützigen Volksbildungskörperschaften besteht. Ihre
+Wahl geschieht durch geeignete Gesamtverbände der genannten drei
+Interessengruppen.
+
+5. Die Aufgabe dieses Ausschusses ist es:
+
+a) auf Antrag alle erdkundlichen Kinoaufnahmen nebst Begleit- und
+Ergänzungsmaterial zu prüfen, zu begutachten und sie, falls sie allen
+Sachansprüchen genügen, zu kennzeichnen und in ein allen Interessenten
+zugängliches Verzeichnis einzutragen;
+
+b) alle für die öffentliche Vorführung bestimmten
+Gesamtvorstellungen oder den Stoff dazu ebenso zu prüfen und die
+einwandfreien zu bezeichnen;
+
+c) auf Wunsch geplante derartige Aufnahmen und Vorstellungen vorher
+zu begutachten und zu beraten, Mitarbeiter dazu nachzuweisen usw.
+
+d) die Zusammenarbeit der Interessentengruppen zu vermitteln, und in
+Streitigkeiten zwischen ihnen zu entscheiden.
+
+6. Für diese Tätigkeit sind für jeden geprüften Film von der
+betreffenden Filmverlagsanstalt nach der Filmlänge zu bemessende
+Gebühren zu zahlen, deren Höhe durch die Genossenschaft festgesetzt
+wird. Von den Gebühren sind die Honorare für die Prüfungsteilnehmer
+und die sonstigen Geschäftskosten zu bestreiten. Der Überschuß dient
+zur Bildung eines Vermögens, das ausschließlich für eigne
+Unternehmungen der Genossenschaft im Sinne ihrer Satzungszwecke
+verwendet werden darf und im Auflösungsfalle verwandten gemeinnützigen
+oder wissenschaftlichen Bestrebungen anheimfällt.
+
+7. Die Mitglieder der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft
+verpflichten sich sämtlich, von der Deutschen Erdkundlichen
+Kinogenossenschaft bezeichnete Filme nicht mit andern zugleich und nur
+in dem vom Arbeitsausschuß begutachteten Zusammenhange vorzuführen und
+als solche zu bezeichnen.
+
+8. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft gibt ein Verzeichnis
+sämtlicher von ihr empfohlener erdkundlicher Filme heraus, das
+enthält:
+
+Titel, Ort und Datum der Aufnahme,
+
+die Namen des oder der Aufnehmenden und sonstigen Mitarbeiter und ihre
+Tätigkeit,
+
+die Verlagsfirma und den Verbleib des Negativs,
+
+die genaue Beschreibung der einzelnen Szenen nebst Längenangabe usw.,
+
+genaue Angaben des Begleitmaterials (eventuell Geräusch- und
+Musikaufnahmen, ergänzende Lichtbilder, Regieangaben, Vortragstext und
+dessen Verfasser),
+
+die einzeln zu erhaltenden Teile.
+
+9. Die Negative und ein Positiv der von der Deutschen Erdkundlichen
+Kinogenossenschaft empfohlenen erdkundlichen Aufnahmen sollen in einer
+einzurichtenden Mittelstelle geordnet aufbewahrt und verwaltet werden.
+Interessenten sollen jederzeit die Positive gezeigt und Abzüge auch
+nach ältern Negativen sowie abgeschlossenen Teilen davon abgegeben
+werden.
+
+10. Von den von der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft
+begutachteten erdkundlichen Aufnahmen sollen geschlossene Programme
+geschaffen werden, die in den der Deutschen Erdkundlichen
+Kinogenossenschaft angeschlossenen Kinotheatern in zu vereinbarender
+Weise kreisen werden.
+
+11. Die der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossenen
+Einzelmitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 1 bis 2 M und haben
+dafür Vorzugspreise in den betreffenden Kinovorstellungen und
+sonstigen Veranstaltungen.
+
+12. Die der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossenen
+Körperschaften zahlen je nach Bedarf eine jährlich festzusetzende
+Summe zu den Arbeitskosten.
+
+13. Die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft wirkt außer durch
+ihre Verzeichnisse durch eine eigne Zeitschrift, Zeitungskorrespondenzen
+usw. sowie eventuell eigne Veranstaltungen für die geschaffenen
+Filme und Programme und für die Bestrebungen der erdkundlichen
+Kinoreform überhaupt.
+
+14. Der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft angeschlossen und
+mit ihr im Austauschverhältnis wirken ähnliche Genossenschaften für
+erdkundliche Schul- und dergleichen Liebhaberkinematographie.
+
+15. Zwecks Verwirklichung dieses Planes wird nach vorangegangener
+Besprechung in den Fachblättern aller beteiligten Kreise sowie der
+öffentlichen Presse eine Zusammenkunft von bevollmächtigten Vertretern
+aller Interessenten zur Gründung der Deutschen Erdkundlichen
+Kinogenossenschaft an einem Orte innerhalb der unter 1. genannten
+Länder veranstaltet. Die dazu nötigen Vorarbeiten werden durch einen
+Geschäftsausschuß der sich Beteiligenden erledigt.
+
+ * * * * *
+
+Absichtlich habe ich diesen Entwurf auch in wichtigen Einzelheiten
+ganz allgemein gehalten, so daß nur der Zweck, die geistigen Leitsätze
+und die möglichen Grundbedingungen einer solchen Organisation scharf
+hervortreten. Schon das Vorliegen eines solchen Entwurfs wird m. E.
+die gute Folge haben, unzweideutig zu zeigen, ob und wie weit es allen
+Stellen, die für eine Kinoreform in Betracht kommen und sich zum Teil
+stark dafür ins Zeug legen, _Ernst_ ist. Ich betone ganz besonders,
+daß meiner Meinung nach weder ein anderer Weg vorhanden ist, um
+zunächst auf einem Teilgebiete der Kinematographie zum Ziele zu kommen
+und damit wenigstens den haltbaren Grund zur umfassenden Kinogesundung
+zu legen -- noch diese aus einer (außer in unwesentlichen Punkten) von
+der in meinen genannten Schriften niedergelegten abweichenden
+»Auffassung« hervorgehen kann. Es handelt sich da ja in der Hauptsache
+kaum um diese oder jene freigestellte »Auffassung«, sondern einfach um
+die Frage: Sachkenntnis und Sacheindringen oder nicht? Es ist kein
+Zweifel, daß die bisherigen so gut wie vollkommenen Mißerfolge der
+Kinoreform (gemessen an ihrem irgend ernst zu nehmenden Ziele)
+wesentlich auf dem Mangel an Sachkenntnis und Überblick, der Neigung
+zu verantwortungslosem Nachgeben und oberflächlicher Spielerei
+beruhen. Auf keinem Gebiete erfordert die Reform so ernste,
+umfangreiche und gewissenhafte _Arbeit_, führt dann aber auch so
+sicher und großzügig zum Ziele, wie auf dem der Kinematographie, denn
+hier gibt es nur _einen_ geschlossen entgegenstehenden Feind, der
+entweder gewonnen wird und dann selber das mächtigste Bollwerk
+internationaler Kinokultur ist, oder weiter trotzt. Eigenbrödeleien
+sind hier von vornherein zum Mißerfolg verurteilt. Die erdkundliche
+Kinematographie zum Ausgangs- und Mittelpunkte der Kinetographie
+überhaupt machen, heißt an sich schon ein Stück Kinoreform tun,
+nämlich den Kino auf _sein_ Gebiet zurechtrücken. Die erdkundliche
+Kinematographie und Kinetographie organisieren, heißt nicht nur eine
+öffentliche Bildungs- und Unterhaltungsquelle gesund machen, sondern
+zugleich der Schule und der Wissenschaft einen wesentlichen Dienst tun
+und sie auf ihrem eignen Gebiete um einen großen Schritt fördern.
+
+Zu den Einzelheiten meines Satzungsentwurfs wären Erläuterungen zu
+geben. Die unten genannten Länder bilden nicht nur nach der
+vorherrschenden Rasse und nach geschichtlichen Gesichtspunkten eine
+Art Kulturgemeinschaft, sondern sie haben auch insofern gemeinsame
+Kinointeressen, als sie alle zusammen im wesentlichen nur »Abnehmer«
+sind, d. h. ihren Filmsegen zurzeit hauptsächlich aus dem Ausland
+erhalten. Eine Ausnahme macht etwa nur Dänemark-Norwegen, insofern
+dort am Welthandel selbständig beteiligte Filmfirmen vorhanden sind;
+gerade diese Länder einschließlich Schweden gehören aber um so mehr zu
+uns, als sie mit Deutschland zusammen schon längst am eifrigsten und
+tatkräftigsten Kinoreformbestrebungen huldigen. Die gesunde Auffassung
+von dem wesentlich erdkundlichen Beruf des Kinos dürfte in allen
+genannten Ländern mehr wenigstens als in den romanischen allgemein
+einleuchten. Dies freilich auch in englischen Kreisen, aber doch
+abgeschwächt durch das dortige, wesentlich geringere Interesse an der
+uns so sehr beschäftigenden »Organisation der Bildung« und des Schul-
+und Unterrichtswesens. Auch Deutschland erzeugt ja Filme, darunter ja
+erfreulicherweise mehr und mehr gute erdkundliche, es überwiegen aber
+doch wohl »dramatische« und melodramatische (»Tonbilder«) von Berliner
+Firmen. Sie alle zusammen sind aber von geringer Bedeutung gegen die
+Auslandeinführung. Aus allen Gründen steht auch diesen Staaten als
+wirkungsvolles gemeinsames Notmittel der Ausschluß ausländischer
+Filmeinfuhr zu Gebote. Natürlich ist in andern Kulturländern ein
+ähnlicher Zusammenschluß gleichfalls zu erwarten, aber unter
+wesentlich andern Bedingungen. Mit solchen Genossenschaften müßte
+natürlich zusammengearbeitet werden (2). Anderseits ist ein
+Zusammenschluß über ein größeres Gebiet als etwa nur Deutschland
+nötig, da dieses Land als Kundschaft allein nicht eine genügende Macht
+ausüben würde, um einen wirkungsvollen Druck auf das ausländische
+Kinokapital auszuüben. -- Zum »ständigen Arbeitsausschuß« (4) könnte
+nötigenfalls noch eine Berufungsstelle treten. Es muß den Firmen
+natürlich freigestellt bleiben, ihre erdkundlichen Aufnahmen nach wie
+vor nach eigner Verantwortung und eignem Geschmack auszuführen, oder
+aber, wenn sie Wert darauf legen, sie dem großen, von der Deutschen
+Erdkundlichen Kinogenossenschaft zu schaffenden Turnus einzufügen, sie
+prüfen und möglichst schon vom Plane an begutachten zu lassen,
+und dabei die Wünsche und Gesichtspunkte erdkundlicher und
+Volksbildungsberufsleute als maßgebend zu berücksichtigen. -- Ich
+denke mir unter diesen Umständen den gewöhnlichen Gang erdkundlicher
+Aufnahmen etwa wie folgt. Die _Anregung_ geht je nachdem von einem
+Geographen, einem Forschungsreisenden oder dem Kenner eines
+bestimmten, z. B. heimatlichen Gebietes aus, oder von wissenschaftlichen
+oder volkswissenschaftlichen Erdkundevereinen, Fremdenverkehrs-,
+Heimatschutz-, Denkmalsschutz-, Weltnaturschutz- oder sonstigen
+interessierten Vereinen u. a. aus. Auch Schulbehörden können es sein
+oder auch Industrievereinigungen, landwirtschaftliche Körperschaften,
+Firmen; ferner Kolonial- und andere Behörden, die Geschäftsleitungen
+von Ausstellungen; endlich Private aller Art, und daneben natürlich
+nach wie vor Filmfirmen usw. Es wird nun, gewünschtenfalls schon durch
+Vermittlung des Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschafts-Ausschusses,
+die Planung der ganzen Aufnahme so vorbereitet, daß _neben_ den
+besondern Wünschen und Interessen der Anregenden möglichst auch den
+_allgemeinen_ Wünschen und Interessen, besonders auch denen der
+Wissenschaft und der Volksbildung und -unterhaltung (der allgemeinen
+Öffentlichkeit) Rechnung getragen wird. Dies geschieht, um sowohl
+wirtschaftlich wie ideell der oder den Aufnahmen eine möglichst weite
+und dauernde Verwendbarkeit zu sichern. Nur durch diese wird
+einerseits ein solches Unternehmen wirtschaftlich ermöglicht und
+ertragreich, und es wird anderseits erreicht, daß die immerhin nicht
+häufig wiederkehrende Aufnahmegelegenheit möglichst vollkommen
+ausgenützt wird. -- Die Aufnahme würde nun jedesmal irgendwie unter
+der Leitung geographischer Fachleute oder doch unter Berücksichtigung
+ihrer Angaben und der in dieser Schrift angegebenen Regeln von
+Berufenen ausgeführt werden, als welche sich alsbald besondere
+Begabungen finden würden, denen eine Mischung von wissenschaftlichem,
+künstlerischem, Lehr- und technischem Sinne eigen sein müßte. -- Die
+fertigen Filme würden nun nebst ausgearbeiteten Angaben der
+Filmprüfungsabteilung der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft
+überwiesen werden, die sie begutachtete, eventuell Anregungen zu ihrer
+Verbesserung im einzelnen gäbe und die wertvoll befundenen, wie im
+Entwurf angedeutet, beurkundete und ihnen ein geschütztes Abzeichen
+verliehe. Die Negative würden -- falls nicht gegenteilige Wünsche der
+Beteiligten vorlägen -- der Mittelstelle übergeben, die für sie und
+ihre den Wünschen des oder der Eigentümer entsprechende
+Benutzungsweise haftete. Diese Mittelstelle soll -- ganz wie der
+Kommissionär im Buchhandel, oder als eine Art Dauermesse -- lediglich
+der Erleichterung und Beschleunigung des Austausches zwischen
+Filmverlag und Käufer dienen. Es ist daher kaum anzunehmen, daß ihre
+Tätigkeit in dieser Hinsicht irgendwie mit andern Interessen in Zwist
+käme. Sie soll nicht nur die Negative aufbewahren, sondern vor allem
+auch je ein Positiv, um dies jederzeit »zur Ansicht« vorführen zu
+können (dies braucht bekanntlich nicht immer auf der Projektionswand
+zu geschehen, sondern es gibt auch Apparate für nur je einen
+Betrachter). Diese Einrichtung soll dem gegenwärtigen Übelstand
+abhelfen, daß namentlich ältere Aufnahmen, nachdem sie in den
+Kinotheatern die übliche Frist abgelaufen haben, so gut wie nicht mehr
+zu erlangen, jedenfalls vom Interessenten nicht mehr zu besichtigen
+sind. Gerade für sachgemäße erdkundliche Vorführungen ist aber
+natürlich das Zurückgreifen auf ältere Aufnahmen unbedingt nötig; und
+die ganze Organisation, wie wir sie hier im Auge haben, wird auch das
+bisherige _Interesse_ der Verlagsfirmen an der Außerdienststellung
+ihrer ältern Aufnahmen, namentlich erdkundlicher, beseitigen. Dieses
+Interesse beruhte namentlich auf der Befürchtung, daß die Möglichkeit
+der Kinobesitzer, beliebig auf ältere Aufnahmen zurückgreifen zu
+können, den Absatz der jeweils neuen Wochenschöpfungen unsicher machen
+könnte. Das wäre aber eine Gefährdung des oft außerordentlichen
+Kapitals, das namentlich in die im Vergleich mit den meisten
+erdkundlichen ungleich kostspieligern »dramatischen« Sachen gesteckt
+wird. Durch die völlige Loslösung der erdkundlichen Vorführungen von
+den »dramatischen« und ihre verabredungsgemäße Beschränkung auf
+bestimmte Tage oder Wochen (1 bis 2 in der Woche, im Monat oder
+ähnlich) einerseits, durch den größern, auf dem nunmehr
+eingeschlagenen Wege erforderlichen Kapitalaufwand und die größere
+Rentabilität erdkundlich-»aktueller« Filme anderseits würde jenes
+Bedenken hinfällig werden. Aus denselben Gründen wäre aber die Abgabe
+von _Filmteilen_ ebenso im Verbraucher- wie im Hersteller-Interesse
+gelegen. Wenn ein Gesamtfilm beispielsweise »Bilder aus Bosnien«
+heißt, so ist er vielleicht aus Teilen zusammengesetzt, deren einer
+mehr landschaftlich-geologisches, ein anderer militärisches, ein
+dritter volkskundliches, ein vierter zoologisches Interesse hat; es
+wäre ein unbilliges Verlangen, daß nun z. B. ein Zoologe, der ein
+Programm mit dem zoologischen Abschnitt wertvoll bereichern könnte,
+den ganzen Film »Bosnien« kaufen müßte, noch dazu ohne ihn vorher
+sehen zu können. Zurzeit ist dies aber meistens so, d. h. die
+Filmfirmen verweigern meist die Abgabe älterer Bilder und erst recht
+von Teilen älterer Bilder. Der Grund liegt außer in den geschilderten
+geschäftlichen Bedenken in der Zerstreutheit der Negative in London,
+Paris, Florenz, Amerika usw., in der Überlastung der Firmen mit der
+notwendigen Tagesproduktion, die jeweils alle verfügbaren
+Kopiermaschinen, Hände und Köpfe in Anspruch nimmt, und
+in der Unmöglichkeit -- weil unlohnend -- einer geordneten
+Negativ-Archiv-Führung. Besonders das Heraussuchen einzelner
+Negativteile, wenn sie nicht von vornherein äußerlich sichtbar
+bezeichnet sind, würde ja eine zu große Zumutung sein. Eine nur diesen
+Aufgaben dienende Mittelstelle könnte das aber leicht und schnell
+leisten.
+
+Auf dem gedachten Wege wären nun also namentlich Forschungsreisende,
+wissenschaftliche Lehrinstitute, Sammlungen, Schulen usw. bereits in
+den Besitz derjenigen Aufnahmen gekommen, um die es ihnen zu tun ist;
+es wäre ihre Privatsache, sich über die Eigentums- und gegenseitigen
+Entschädigungsverhältnisse auseinanderzusetzen, und die Art der
+Benutzung bliebe natürlich ganz ihre eigne Sache. In den meisten
+Fällen wird aber nun als wirtschaftlicher Neben- oder als Hauptzweck
+die Überführung der Aufnahmen oder eines Teiles von ihnen in den
+Turnus öffentlicher Aufführungen, besonders also der Kinotheater,
+erwünscht sein. Diese zu bewirken, bliebe die geschäftliche Aufgabe
+des »Verlegers« durch Vermittlung der Deutschen Erdkundlichen
+Kinogenossenschaft-Mittelstelle; durch deren Tätigkeit und die ganze
+Organisation würde aber das Ergebnis gleichmäßiger und sicherer
+erreicht und von vornherein -- schon bei der Planung -- in gewissem
+Grade schon mit verabredet und in Rechnung gezogen werden können. Von
+vorher sorgfältig geplanten und fachmännisch vorbereiteten
+Kinoaufnahmen etwa einer Expedition durch Tibet oder einer
+Landes-Naturdenkmäler-Aufnahme ließen sich von vornherein einige
+öffentliche Programme versuchsweise entwerfen, und deren Ertrag ließe
+sich, eben infolge der eigenartigen Organisation dieses
+Geschäftszweiges überhaupt, mit einer gewissen Sicherheit übersehen.
+Das würde also die vorherige Kostenberechnung solcher Unternehmungen
+erleichtern. -- Bestimmte erdkundliche Theaterprogramme zu schaffen
+wäre dann aber eine zweite »Autoren«aufgabe, die wieder von
+verschiedenen Interessenten in Angriff genommen werden könnte. -- Für
+die unter 5 a bis d genannten Zwecke würde der Ausschuß
+vorteilhaft mehrere ständige »Kammern« bilden. -- Die Tätigkeit der
+Mitglieder des Ausschusses würde in ehrenamtliche und honorierte
+zerfallen. Daß jede im Zuge eines geschäftlich angelegten Unternehmens
+eintretende wirkliche Arbeit und Zeitopferung ihres Lohnes wert ist,
+ist ebenso selbstverständlich, wie daß eine unverpflichtete und
+verantwortungslose, rein sogenannt »gemeinnützige« Tätigkeit _auf die
+Dauer_ in Verfall gerät und stets zweifelhaften Wert besitzt. Außer
+Honoraren und Gehältern würden der Mittelstelle durch Einrichtung und
+Mieten für Geschäfts-, Aufbewahrungs-, Vorführungsräume usw. Kosten
+entstehen, endlich durch die gesamte Werbearbeit, besonders
+Zeitschrift und Filmführer. Mein Entwurf begnügt sich mit dem
+Hinweise, daß dem eine Menge natürlicher und die Industrie keineswegs
+ungebührlich belastender Einnahmequellen gegenüberstehen. -- Zu 7:
+Keinem der an die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft
+Angeschlossenen kann die Verpflichtung auferlegt werden, _nur_ von ihr
+begutachtete Aufnahmen herzustellen, zu vertreiben, vorzuführen oder
+anzusehen. Das Interesse, dies zu tun, kann nur in dem für alle
+Beteiligten daraus entspringenden tatsächlichen Nutzen bestehen.
+Anderseits würde natürlich durch Vermischung der Deutschen
+Erdkundlichen Kinogenossenschaftsfilme mit andern aus genügend
+gekennzeichneten Gründen der ganze Zweck und Erfolg des Unternehmens
+hinfällig. Es muß darauf bestanden werden, daß als Deutsche
+Erdkundliche Genossenschaftsfilme nur von ihr geprüfte und empfohlene
+Aufnahmen, aber auch nur in der von ihr angegebenen Weise, und in den
+Kinotheatern nur im Zusammenhange der von ihr empfohlenen
+Gesamtprogramme vorgeführt werden. Das letztere aus denselben
+technischen Gründen, weswegen auch sonst die Kinotheater nicht
+Einzelfilme, sondern nur ganze Programme leihen können, soweit sie
+nicht selber die Urheber der letztern sind. -- Zu den »Interessenten«
+der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft gehören also auch die
+Lichtbilderfirmen, die erdkundliche Lichtbilder zu verleihen oder zu
+verkaufen haben. Diese würden, soweit nötig, den Gesamtprogrammen
+beizufügen sein. -- Den sozusagen ursächlich -- also geschäftlich,
+wissenschaftlich oder volksbildnerisch interessierten Kreisen
+gegenüber wäre nun als wichtige von der Deutschen Erdkundlichen
+Kinogenossenschaft zu fördernde Aufgabe ein loser Zusammenschluß der
+»Schauinteressenten«, d. h. des erdkundlich interessierten
+Kinopublikums herbeizuführen. Die unter 11 genannte Maßnahme würde m.
+E. dazu genügen und alles Erreichbare umfassen.
+
+ * * * * *
+
+Ich hoffe mit diesem wenigen den Grundgedanken einer Deutschen
+Erdkundlichen Kinogenossenschaft genügend veranschaulicht und seine
+Wichtigkeit verständlich gemacht zu haben. Sollte es mir damit
+gelungen sein, auf Grund jahrelanger Arbeit und umfassender, mit
+großen Opfern erkaufter Erfahrungen einen Grundstein zu fruchtbarer,
+schöpferischer, aufbauender Kinogesundungsarbeit gelegt und zugleich
+der erdkundlichen Wissenschaft und dem Schulunterricht der Zukunft
+neue Möglichkeiten klären geholfen zu haben, so wäre diese meine
+Arbeit reichlich belohnt.
+
+
+
+
+Anhang
+
+_Ein Blick auf den gegenwärtigen Markt erdkundlicher Filme und
+Lichtbilder_
+
+
+Mit unermüdlichem Entgegenkommen hat die Lichtbilderei GmbH. in
+M.Gladbach alles Erdenkliche getan, um meinen Wunsch, einen
+praktischen Überblick über die zurzeit zugänglichen Quellen
+erdkundlichen kinematographischen Stoffes zu gewinnen, zu erfüllen.
+Dennoch würden die auf unsere Rundfragen ergangenen Antworten
+besonders betreffend der _Film_erzeugung ohne die Benutzung
+anderweitig gewonnener Erfahrungen ein sehr lückenhaftes Bild geben.
+Der Gesamtüberblick bezeugt sowohl betreffend der Lichtbilder wie der
+Filme vor allem einen gewissen Mangel an Beweglichkeit in der
+Organisation, insofern erstens zumeist nur ganze Serien von
+Lichtbildern und Kinoaufnahmen verliehen (von letztern auch verkauft)
+werden, zweitens auch dies noch mannigfachen Beschränkungen und
+Schwierigkeiten unterliegt. Die Unmöglichkeit, die Sachen vorher _zur
+Ansicht_ zu haben oder sonst prüfen zu können, liegt ja in der Natur
+der Sache. Sie ließe sich nur -- wie im vorangehenden angedeutet --
+durch eine wohlorganisierte ständige _Projektionsbildermesse_
+nebst Zentralverleihstelle und in Verbindung mit einem nach
+wissenschaftlichen und gemeinnützigen praktischen Gesichtspunkten
+durchgearbeiteten illustrierten und beschreibenden _Realkatalog_
+beheben. Dazu müßte ein beweglicheres _Leihaustauschsystem_ treten.
+Eine Hauptursache für die verhältnismäßig geringe Rolle, die das
+Projektionswesen als ernsthaftes Bildungsmittel noch spielt, liegt
+darin, daß die Bilder, die man nach den Titeln beschafft, selten
+gerade das zeigen, was man zeigen will. Ist dieser Übelstand auf dem
+Lichtbildergebiet schon empfindlich, so wirkt er gegen die Ausbreitung
+der Filmbenutzung geradezu entscheidend.
+
+Da nach unserer Überzeugung das Kinobild, besonders das erdkundliche,
+fast stets vom stehenden unterstützt werden muß, so geben wir zunächst
+einen Überblick über die Quellen für erdkundliche Lichtbilder.
+Zunächst Firmen, die geschäftsmäßig an jedermann verkaufen und
+verleihen, soweit uns näheres Material vorliegt (alphabetisch):
+
+1. _Evangelischer Verein für kirchliche Zwecke_, Berlin SW 68,
+Oranienstr. 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und
+innere Mission) auch einige geographisch interessierende Serien. Alle
+Bilder sind koloriert (5 M). Mitwirkung von Kunstmalern,
+Missionsleuten, Pastoren. Es werden nur Serien verliehen, Texte werden
+beigegeben. Verleiht auch Apparate.
+
+2. _Graystone Bird_, Kunstphotograph, 3, Milsom Street, Bath, England.
+Pflegt besonders das Gebiet von Landschafts- (See-, Wolken-,
+Winterlandschaften usw.) Diapositiven nach _künstlerischen_
+Gesichtspunkten. Wetter, Stimmungen usw., ferner britische und
+Schweizer intime Aufnahmen.
+
+3. _Bruno Hentschel_, Leipzig, Kunstverlag (Kollektion Hentschel):
+Landschaften-, Trachten- und Städtebilder aus dem _Orient_ (Ägypten,
+Palästina, Syrien, Kleinasien, Konstantinopel, Griechenland). Bilder
+auch einzeln (15 Pf.), jedoch Mindestgebühr 7.50 M. _Versendet zur
+Ansicht Papierkopien_ sowie ganze _Serien_.
+
+4. Die _Lichtbilderei_ GmbH., M._Gladbach_, verfügt über nicht weniger
+als 450 Lichtbilderserien, von denen die erste der 13 Untergruppen der
+_Erdkunde_ gewidmet ist (Land und Leute -- Deutschland, deutsche
+Kolonien, Ausland). Auch die Abteilungen »Naturwissenschaft«,
+»Industrie und Technik«, »Handwerk«, »Landwirtschaft«, »Volkswirtschaft«
+u. a. bieten manchen ergänzenden Stoff. Die Lichtbilderei, die unter
+Mitwirkung des Volksvereins-Verlags vor sieben Jahren gegründet wurde,
+verfolgt auf geschäftlicher Grundlage den Zweck, die Projektionskunst
+durch künstlerischen Geschmack und wissenschaftliche Gründlichkeit in
+der Auswahl der Bilder und durch die Beigabe von Vortragstexten, die
+sich über den vielfach üblichen oberflächlichen Dilettantismus
+erheben, zu einem ernsthaften Mittel für die möglichst allseitige
+tiefgehende und nachhaltige Bildung breitester Volksschichten zu
+erheben und so ein vorbildliches Musterinstitut zu werden. Als
+Verfasser der geographischen und ethnographischen Vortragstexte wirken
+hervorragende Fachleute. Bilder und Texte werden an jedermann
+verliehen. Katalog kostenlos. Über ihre Filmverleihzentrale siehe
+unten. Verkauft und verleiht auch Apparate und Zubehör.
+
+5. _Ed. Liesegang, Düsseldorf._ Der Katalog verzeichnet eine große
+Auswahl erd- und völkerkundlicher Serien sowie solche aus den Gebieten
+»Naturkräfte und Naturwissenschaft«. Besonders zahlreich (mit Betonung
+von Architektur und Kunst) die Serien »Italien, Palästina und
+Deutschland«. Eine große Menge in »Woodburydruck« (eine Art getöntes
+Gelatinerelief, das viel transparenter als die aus undurchsichtigem
+Metallniederschlag bestehenden Silberkopien sein soll). Meist nur
+Serienverleihung. Verkauft auch Apparate usw.
+
+6. Die _Neue Photographische Gesellschaft, Steglitz-Berlin_, verleiht
+nicht, sondern verkauft. Die umfassende Sammlung geographischer
+Lichtbilder (Album mit 110 verkleinerten Bildertafeln je 15 Bilder
+Mk. 20 auch leihweise) ist von Prof. Dr. Deckert an der Akademie für
+Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt a. M., die betreffs
+Geologie des Norddeutschen Flachlandes von Prof. Dr. Wahnschaffe,
+Berlin, zusammengestellt. Außerdem zahlreiche aus andern
+Naturwissenschaften. Die Diapositive sind teils im Kontaktverfahren,
+teils im nassen Verfahren hergestellt. (Katalog »Das photographische
+Anschauungsmittel« 2 M.)
+
+7. _Richard Rösch, Dresden-A._ Viele Serien erdkundlicher Bilder.
+Verleiht auch einzeln (10 Pf. für Bild und Woche).
+
+8. _E. A. Seemanns Lichtbildanstalt, Leipzig._ Serien China und
+Marokko; ferner (hauptsächlich in künstlerischer Hinsicht) Regensburg
+und Nürnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumière).
+»Durch bestimmte Herstellungsmethoden wird die Schicht und das Glas
+des Diapositivs vor den Gefahren großer Hitze bewahrt, wodurch auch
+bei hoher Lichtstärke ein besonderer Schutz (Wasserkammer) entbehrlich
+wird.« (Farbenproben, die ich gesehen habe, waren _sehr_ schön; und
+das Feuerschutzverfahren wäre ja für Mitbenutzung im Kino sehr
+wertvoll!) Projektionseinrichtungen.
+
+9. _Unger & Hoffmann_, A.-G., _Dresden-A._ Sehr großes Lager
+geographischer und naturwissenschaftlicher Bilder. Serienverleihung.
+Ansichtssendungen, auch _Papierabzüge_ zur Auswahl. Führen auch
+Apparate usw.
+
+10. _Emil Weises Buchhandlung, Dresden-A._ Farbig: Palästina, Orient,
+Sachsen, Indien, Rhein, Deutsche Kolonien (Mission). Serien mit Text.
+
+11. _York & Son_, 67, Lancaster Road, Notting Hill, London W.
+Katalog mit großer Auswahl, 1 Schilling. Nur Verkauf. Sehr viel
+geographische Serien.
+
+Zu diesen Firmen (weiteres Material für spätere Auflagen usw.
+erwünscht!) treten nun einige Vereine und Institute, die ihre Bilder
+nur an Mitglieder oder unter Beschränkungen verleihen.
+
+12. _Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung_, Berlin NW 52,
+Lüneburger Str. 51 (an 8000 angeschlossene Vereine!). Dieser
+gemeinnützige Verein verleiht nur an Mitglieder (Schulen und andere
+Bildungsinstitute) usw. Falls Vortragstexte mitgeliefert werden, nur
+mit diesen. (Diese Maßregel wird mit dem im Titel bezeichneten Zweck
+begründet.) Einzelne Bilder (außer »Tierwelt«) werden nicht verliehen,
+wohl aber verkauft. Die Texte stammen aus der Feder von Fachleuten.
+254 Serien, von welchen die überwiegende Zahl erdkundlichen und
+naturwissenschaftlichen Inhalts sind. Betreffs Kinematographie siehe
+unten. Stellt auch Apparate und Vorführer usw.
+
+13. _Süddeutsche Lichtbilderzentrale, München._ Ist eine Einrichtung
+der Hauptstelle süddeutscher katholischer Arbeitervereine. Verleihen
+und verkaufen auch Apparate. (Näheres siehe unter Kinematographie.)
+
+14. _Verein Naturschutzpark, Sitz Stuttgart_, Pfizerstr. 5. Verleiht
+kostenlos nur zur Agitation für die Schaffung und Förderung von
+Naturschutzparken. Bilder und Texte.
+
+15. _Stiftung für Heimatschutz_, Verwaltungssitz Meiningen. Besitzt
+eine große Lichtbildersammlung betreffend Heimatschutz.
+
+16. Die _Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung_ (Frankfurt a.
+M.), 17. _Großh. Techn. Hochschule Darmstadt_ (Prof. Dr. Greim)
+verleihen nicht. 18. Die _Oberschulbehörde Lübeck_ besitzt zahlreiche
+erdkundliche Lichtbilder in den höhern und mittlern Schulen.
+
+Ganz anders als bei den Lichtbildern liegt die Sache auf dem Gebiete
+der _erdkundlichen Kinematographie_. Während ein einmal hergestelltes
+gutes Lichtbild und Negativ ein »Schatz fürs Leben« ist, ist in der
+Kinematographie alles in beständigem Fluß. Die teuren erdkundlichen
+Aufnahmen, die oft mit großen Reisekosten usw. hergestellt worden
+sind, verlieren ein Vierteljahr nach dem Erscheinen der ersten
+Positive jede »Aktualität«, d. h. sie sind in den Augen der
+Kinobesitzer und Filmverleihanstalten Ladenhüter. Und nach wenigen
+Jahren ist es unwahrscheinlich, daß auch nur das Negativ davon noch
+vorhanden ist. Das hat zwei Hauptursachen: erstens die große
+Inanspruchnahme auch der Negative durch das Kopieren, wodurch sie nach
+einer verhältnismäßig geringen Zahl von Abzügen ebenso »verregnen«
+(und dies dann natürlich auf weitere Abzüge übertragen würden) wie
+vielgebrauchte Positive. Zweitens aber ist ein Zurückgreifen auf
+ältere Aufnahmen, wie mehrmals bemerkt, im Kinogeschäftsorganismus
+weder vorgesehen und bequem durchführbar noch gewünscht. Wer
+erdkundliche Kinofilme unter gegenwärtigen Umständen benutzen will,
+hat dazu also im Grunde nur _einen_ Weg: er lasse sich die Prospekte
+über die wöchentlichen Neuerscheinungen regelmäßig zusenden, fahre,
+wenn etwas ihn interessiert, zum angegebenen Zeitpunkt nach Berlin,
+lasse es sich dort zeigen und kaufe es gegebenenfalls, um es dann so
+lange liegen zu lassen, bis der Zeitpunkt des Gebrauches kommt.
+Selbst in den Fabriken gibt es begreiflicherweise keine Positive, es
+sei denn, daß einmal zufällig eins liegen geblieben ist -- welches
+Kapital würde sonst in solchem bloßen Vorführungsmaterial tot liegen!
+Erst eine Organisation, wie ich sie beschrieben habe, kann bei
+geregeltem Filmkauf durch Reforminteressenten da Wandel bringen.
+Vollkommen verfehlt ist natürlich auch der Glaube, dem man in
+dilettantischen Reformkreisen so oft begegnet, daß Kinotheater und
+Filmverleihanstalten -- von vereinzelten zufälligen Ausnahmen
+abgesehen -- gute Einzelbilder für gute Worte oder Geld abgeben
+könnten. Wenn eine Verleihanstalt oder ein Kinotheater selbst
+erdkundliche Filme kauft, so werden diese natürlich sofort einem der
+üblichen Gesamt-Programme eingefügt und machen mit diesem die Runde
+durch die darauf abonnierten Kinotheater. Daß sie während dieser Zeit
+nicht willkürlich herausgenommen werden können, leuchtet ein, und
+ebenso, daß sie, wenn sie frei werden, eben »ausrangiert«
+sind, d. h. in einem Zustande, in dem sie nur eben noch für --
+»Kinoreform«vorstellungen gut sind (?). -- Der Ankauf einzelner Filme
+ist aber ebenfalls eine praktisch für den einzelnen kaum durchführbare
+Sache. Wer unsere Vortrags- und Vereinsverhältnisse kennt, weiß, daß
+es kaum durchführbar ist, ein eventuell in die Tausende gehendes
+Kapital in ein einzelnes Programm zu stecken, zumal die Vorführung
+dann noch jedesmal bedeutende besondere Kosten verursacht. Da sind als
+für Vereine, Schulen, einzelne Redner usw. einstweilen rettender
+Ausweg die _Kinoreformverleihinstitute_ willkommen. Das sind
+Verleihanstalten, die ausschließlich Kinoreformbedürfnissen dienen
+wollen. Da diese Bedürfnisse aber wenigstens einstweilen noch
+geschäftlich kaum ins Gewicht fallen, auch die ganze Einrichtung immer
+noch einen nur vorläufigen Ausweg darstellt, so liegt diese Art von
+Filmverleih zurzeit fast ausschließlich in den Händen gemeinnützig
+arbeitender Volksbildungsvereine. Von diesen sind mir drei bekannt
+geworden.
+
+1. Die _Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung_, Berlin NW 52
+(siehe oben), hat neben ihrem Lichtbilderdienst auch eine Verleihung
+von kinematographischen Apparaten und Filmen eingerichtet. Außerhalb
+Berlins und der Vororte werden die Apparate in der Regel nur behufs
+Vorführung durch einen eignen Monteur der Gesellschaft verliehen. Die
+Verleihung erfolgt nur an Mitglieder der Gesellschaft (Schulen,
+Behörden, Vereine, Reformkinos usw.). Das Verzeichnis weist 31 eigne,
+daher sofort verleihbare Filme auf, freilich nur wenig erdkundliche.
+Es ist jedoch eine bedeutende Summe für den Ausbau dieses Unternehmens
+eingestellt worden. Es werden nur je etwa 1000, gewöhnlich 2000 m
+zusammen verliehen. Außerdem vermittelt die Gesellschaft aber auch
+das Leihen von andern Filmen. (Ich möchte hier die Bemerkung einfügen,
+daß juristisch nach Hellwig nicht von einem »Leihen«, sondern
+»Pachten« der Filme gesprochen werden muß.) Ich würde außerdem
+Programme, die allein 1000 oder gar 2000 m Filme umfassen, für viel
+zu lang halten. Ich gehe dabei von der meines Erachtens aber schon
+allgemein anerkannten Auffassung aus, daß 1. Filme nur in Verbindung
+mit Lichtbildern und Vortrag vorführbar sind (so zeigen es auch die
+neuen Programmbeispiele der Gesellschaft zur Verbreitung von
+Volksbildung), 2. der Vortrag nicht während der Filmvorführung,
+sondern nur dazwischen stattfinden darf. Auf diese Weise dauert mit
+den unentbehrlichen Pausen ein Programm mit etwa 800 m schon reichlich
+2 Stunden. Außerdem stellt die Gesellschaft ihren Mitgliedern ein
+»_Wanderkino_« zur Verfügung, das Apparate, Filme und Lichtbilder
+(ganze Programme), zwei Vorführungen täglich (eine mit Lichtbildern)
+und Erläuterungen umfaßt. Für die Filme werden Aufnahmen mit
+Farbenphotographie bevorzugt (darunter sind wohl kolorierte Filme zu
+verstehen). -- In ähnlicher Weise versorgt
+
+2. _die Süddeutsche Lichtbilderzentrale München_ (siehe oben)
+die ihr angeschlossenen Vereine mit fertig zusammengestellten
+»Volksbildungsabenden«, die Lichtbilder, Filme, Vortrag, Gedichte,
+Lieder u. a. umfassen (Wanderkino). Die mir mitgeteilten Programme
+machen einen sehr ansprechenden und geschmackvollen Eindruck.
+
+3. Bei weitem die meisten Filme dieser Art (schätzungsweise 500, nebst
+101 fertigen Programmen), darunter eine große Menge erdkundliche und
+andere naturwissenschaftliche, hält die _Lichtbilderei_ GmbH.,
+M._Gladbach_ (siehe oben), bereit, und ihr Verleihsystem ist wohl auch
+das beweglichste, das sich daher den Bedürfnissen von Schulen,
+Bildungsvereinen, Reformkinos usw. am meisten anpassen läßt. (Kataloge
+»Belehrende Filme für Schule und Volk« -- »Belehrende Programme für
+Volk und Schule«.) Da die Lichtbilderei auch eine Verleihanstalt für
+Kinos selbst hat (die natürlich nur, wenn auch mit Zugeständnissen an
+manche Vorurteile des Kinobesitzerdurchschnitts, sittlich einwandfreie
+und geschmacklich diskutable Programme liefert), so ist sie in der
+Lage, der Reformsache bedeutende Opfer zu bringen. Wer also für
+einzelne Vorträge und Veranstaltungen einigermaßen frei wählen will
+(im allgemeinen können natürlich auch hier nicht Filmteile, sondern
+nur ganze Filme abgegeben werden), der findet hier am ehesten, und
+zwar zu sehr billigen Bedingungen, was er braucht.
+
+Die Lichtbilderei ist aber auch im Begriffe, die weitern in dieser
+Schrift geforderten Verbesserungen zu organisieren, indem sie
+aktuelle, vollständig ausgearbeitete Reformprogramme -- freilich nicht
+nur erdkundliche, sondern von jedem rechtmäßigen Gebiete der
+Kinematographie -- gebrauchsfertig mit allem Zubehör (Filme,
+Lichtbilder, Texte, Musik, ausführliche Vorführungsanweisungen usw.)
+_unmittelbar für den geschäftlichen Turnus in Kinotheatern
+bereitstellt_. Die Ausarbeitung dieser Programme liegt in meiner Hand
+(_Reformprogramme Häfker_). Damit ist der wesentliche Schritt zur
+Verpflanzung wirklicher Kinoreform in die Kinotheater getan, _wohin
+sie gehört_ -- denn alle Versuche außerhalb dieser Theater sind,
+abgesehen von der Unterrichtskinematographie, ja doch nur Anregungen
+und Versuche, die stets zu einer gewissen Unvollkommenheit verurteilt,
+mindestens auf die Dauer ohne große Opfer nicht durchführbar sind.
+
+Bestrebungen, den Kinotheatern und namentlich den Schulen ganze
+Programme und einzelne Filme zugänglich zu machen, werden auch vom
+Rektor _Lemke_, Storckow (Mark) nicht ohne Sachkenntnis und
+praktischen Blick vertreten. Es würde mich zu weit über den Gegenstand
+dieser Schrift hinausführen, diese Bewegung eingehend zu besprechen;
+dies geschieht an anderer Stelle. Vorläufig ist auch hier sowohl dem
+Rektor _Lemke_ wie der Firma _Pathé Frères_ gegenüber (mit der er in
+engem Zusammenhange steht) _Vorsicht_ anzuraten, da die
+kinoreformerischen Zugeständnisse von dieser Seite mit viel Phrasen,
+abzulehnenden Geschäftsinteressen und -- besonders von Pathé Frères --
+mit dem Bestreben verbunden sind, andere, ernster zu nehmende und
+gründlichere Kinoreformarbeit zu hintertreiben. So willkommen und
+erfreulich selbstverständlich gerade die Zugeständnisse
+leistungsfähiger Firmen an die Sache der Kinoreform sind, so unbedingt
+ist doch dem Laien zur Überlegung zu empfehlen, was mir kürzlich
+eine besonders der Förderung der wissenschaftlichen und
+Schulkinematographie dienende, ernstzunehmende Zeitschrift
+schrieb: »Es macht so den Anschein, als ob sich unter dem Titel
+wissenschaftlicher Film manches verbergen würde, was, unter der Lupe
+besehen, sich als etwas ganz anderes entpuppt. Leider ist es nun mal
+so, daß große Firmen nur einen redegewandten Reiseschriftsteller oder
+Reisevertreter zu harmlosen Schulmännern zu schicken brauchen, um
+alsbald mit einem an schönen Phrasen überreichen Empfehlungsschreiben
+dieser Herren tüchtig Reklame zu machen. Solche Fälle lassen sich
+mehrere aufzählen.« Das kann ich nur Wort für Wort bestätigen und füge
+hinzu, daß verantwortungsloser und launischer Kinoreformdilettantismus
+der Sache mehr geschadet hat als die gesamte Schundproduktion gewisser
+Firmen.
+
+Firmen, die erdkundliche Filme im weitern Sinne des Wortes regelmäßig
+in die Welt senden, sind u. a. _Urban_ (London), _Eclipse_ (Paris),
+_Cines_ (Rom), _Raleigh & Robert_ (Paris), _Edison_ (Amerika), _Pathé
+Frères_ (Paris), _Eclair_ (Paris), _Gaumont_ (Paris), _Neue
+Photographische Gesellschaft_ (Berlin), _Meßters Projektion_ (Berlin),
+_Expreß-Films_ (Freiburg i. B.). Alle diese Firmen haben (außer
+Expreß?) ihre deutschen Vertretungen und Filialen in Berlin, zum Teil
+auch in andern deutschen Städten. Die meisten bringen etwa als ein
+Achtel ihrer Wochenproduktion »aktuelle« (d. h. nicht »gestellte«)
+Filme, darunter naturgemäß viele geographische. Besondere (englische
+und französische) Kataloge darüber -- die aber nicht dauernd
+maßgeblich sind -- bringen u. a. die Firmen _Urban_, _Eclipse_,
+_Radios_ gemeinsam heraus. Einen deutschen Auszug daraus erhält man
+von der Firma Eclipse (Berlin). Von den andern lasse man sich die
+regelmäßigen Prospekte schicken. Besondere Mitteilungen machten mir
+die folgenden Firmen:
+
+1. _Expreß-Films-Co._, GmbH., _Freiburg i. B._ Redaktion und Verlag
+»Der Tag im Film«, erste und älteste internationale _tägliche_
+kinematographische Berichterstattung. -- Diese Firma fertigt _nur_
+Naturaufnahmen und »Aktualitäten« (wissenschaftliche Filme, Militär,
+Industrie, Sportbilder usw.) und hat besondere Expeditionen dazu teils
+ausgerüstet, teils ausgesandt. Abzüge von allen bisher erschienenen
+erdkundlichen Filmen werden an Händler (nur? -- warum?) unverbindlich
+für 80 Pf. für das Meter verkauft. Begleittexte usw. und Material dazu
+werden stets an Ort und Stelle gesammelt. Intelligente geeignete Leute
+werden in Kursen zu Aufnahmeoperateuren ausgebildet. Besonders
+wertvoll sind natürlich die Expeditionsbilder, von denen die Firma
+folgende Liste aufstellt:
+
+ _Expeditionsbilder_
+
+ Eine Reise quer durch Afrika.
+
+ Eine Reise durch Indien.
+
+ Eine Reise in die arktischen Regionen.
+
+ Die deutsche arktische Zeppelin-Luftschiff-Studienreise
+ 1910 nach Spitzbergen unter Leitung Sr. Kgl. Hoheit
+ Prinz Heinrich von Preußen und Sr. Exzellenz Graf v.
+ Zeppelin.
+
+ Die Besteigung des Himalaja durch Se. Kgl. Hoheit den
+ Herzog der Abruzzen, Welthöhenrekord 7493 m.
+
+ Die Molukken-Expedition der Herren Dr. Deninger und Dr.
+ Tauern.
+
+ Die Expedition des Herrn Dr. Koch (Grünberg) nach dem
+ Quellgebiet des Amazonenstromes.
+
+ Die schweizerische Grönland-Expedition des Herrn Dr. A.
+ de Quervain.
+
+ Die deutsche Hilfsexpedition Lerner nach Spitzbergen
+ zur Auffindung der Schröder-Strantz-Expedition.
+
+ Die offizielle Reise Sr. Kgl. Hoheit des Kronprinzen
+ von Griechenland in die eroberten Gebiete.
+
+ »Mit der Kamera in der Schlachtfront«, Aufnahmen vom
+ griechisch-bulgarischen Krieg, welche unsere Reporter
+ auf Befehl Sr. Majestät des Königs von Griechenland
+ aufgenommen haben usw. usw.
+
+Auch sonst weisen die Listen eine Fülle geographischer Aufnahmen auf.
+Es ist hier wie überall zu berücksichtigen, daß die internationalen
+Firmen auch Aufnahmen untereinander austauschen oder sie gegenseitig
+für bestimmte Länder unter ihre geschäftlichen Fittiche nehmen.
+
+Besonders interessant ist die Bemerkung der Firma: »_In Deutschland
+ist für belehrende Filme großer Rückschritt zu verzeichnen, in England
+und Amerika großer Fortschritt._«
+
+Diese -- auch sonst bestätigte -- Bemerkung überrascht mich durchaus
+nicht. Die Ursachen sind zum Teil aus dieser meiner Schrift zu
+ersehen. Wir Deutschen unterscheiden uns von andern Völkern dadurch,
+daß wir, besonders wo »Wissenschaft« und »Bildung« in Betracht kommen,
+entweder gründlich mittun wollen oder gar nicht. Wenig Völker stehen
+auf solcher Höhe wissenschaftlicher, keines auf solcher Höhe
+pädagogischer und volkserzieherischer Gewissenhaftigkeit wie das
+deutsche; niemand kann sich nach Feinheit und Durchgeistigung der
+Lehrmethoden, niemand nach dem Stande _allgemeiner_ bewußter
+ästhetischer Volkskultur mit uns messen. Das führt gewiß einerseits
+auch gerade in Deutschland zu unliebsamen Erscheinungen: Pedanterie,
+Trockenheit, »Schulmeisterei«, beflissene Vielgeschäftigkeit,
+Übersehen des Wesentlichen und Hängenbleiben in Kleinigkeitskrämerei,
+weltfremder »Idealismus«. Gewiß, solche Nebenerscheinungen auch in der
+Kinoreform selbst haben viel dazu beigetragen, die Jugend und das Volk
+von »Reform«programmen eher abzuschrecken. Das Beiwort »belehrend«
+mußte durch solchen Zusammenhang einen unangenehmen Beigeschmack
+bekommen. Ebenso wie mit Worten wie »Bildung« und »Gebildete« bei uns
+viel Mißbrauch getrieben wird. (Es ist bezeichnend, daß andere
+Sprachen überhaupt keine Bezeichnung für diesen Begriff haben.) So
+kommt es wohl, daß die Massen anderswo -- zumal wo, wie in Frankreich,
+England, Amerika, ein frischerer internationaler Wind, mehr Odem vom
+Weltmeer, weht als leider immer noch bei uns, geographische,
+ethnographische usw. Bilder leichter und lieber aufgenommen werden.
+Man nimmt sie eben hin, wie sie sind, empfindet sie gar nicht als
+besonders »belehrend«, denkt sich nicht viel dabei und macht noch
+weniger Ansprüche. Wenn uns Deutschen das Spielzeug gefallen soll, so
+muß es solider und namentlich feiner ausgeführt sein. Das Bessere --
+wovon wir infolge unserer verhältnismäßig hohen allgemeinen
+Volksbildung doch mindestens ein Gefühl in uns tragen -- ist hier der
+Feind auch des »Guten«. Das bloße Gaffen befriedigt uns nicht, wir
+wollen auch für den Geist was haben. In Deutschland wird die
+erdkundliche Geographie nicht eher durchdringen, als bis sie in dem
+Geiste, dem ich in dieser und meiner vorigen Schrift Ausdruck gegeben
+habe, durchgeführt ist. Filme allein, und wenn sie noch so gut sind,
+sind nur -- Rohstoff.
+
+2. =Société des Etablissements _Gaumont_=, _Paris, Deutsche
+Gaumont-Gesellschaft m.b.H., Berlin_. Bringt jede Woche ein bis zwei
+erdkundliche Filme heraus. Ältere Aufnahmen können nur nach Katalog
+hergestellt werden. _Teile_ von Negativen werden nicht kopiert.
+Erdkundliche Aufnahmen wurden unter Mitwirkung von Gelehrten, Lehrern
+und Forschungsreisenden, solche für Schulzwecke unter Aufsicht eines
+Pädagogen gemacht. »Der sprechende Film Gaumont« ist meines Wissens
+nur eine neue Synchronvorrichtung, die für erdkundliche Aufnahmen
+nicht in Betracht kommt; doch wurde u. a. ein krähender Hahn damit
+gezeigt. Die Firma rühmt sich auch, »_eine komplette Lösung der
+Naturfarbenkinematographie_« gefunden zu haben. Die Erfindung, die
+Kinemacolor übertreffen soll, wird von der Presse sehr gelobt. Von
+Gaumont wurden u. a. die Südpolaufnahmen der Expeditionen Shackleton
+und Scott gemacht. »Wir hoffen, daß die Schulen endlich einsehen
+werden, welche materiellen Opfer die großen Filmfabriken im Interesse
+der Schulkinematographie bringen.« Es liegt im Interesse dieser
+Filmfabriken, daß sie der Organisation einer Filmmesse usw., wie ich
+sie vorgeschlagen habe, ebenso wie andern Bestrebungen zur
+_Verwirklichung_ von Reformbestrebungen nicht wie bisher
+Gleichgültigkeit entgegenbringen oder gar Schwierigkeiten machen. Nur
+wenn Naturfilme in einem Zustande, der allen Ansprüchen entspricht, in
+den Verkehr kommen, wird ihre Herstellung für die Fabriken nicht mehr
+ein _Opfer_ sein.
+
+3. Die Firma _Meßters Projektion_ GmbH., _Berlin_ S 61, erzeugt etwa
+20 v. H. erdkundliche Aufnahmen, darunter solche von Prof. C. H.
+Schillings (Berlin), Prof. Dr. Neuhaus, Prof. Dr. Bockenheimer, Sr.
+Hoheit Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Marinemaler Rave
+(Schröder-Strantz-Expedition). Hat auch Aufnahmen eigens für
+Schulzwecke gemacht. Auf Begleittexte, Material dazu usw. hat die
+Firma keinen Wert gelegt. Baut auch besondere Apparate für Schule und
+Liebhaberzwecke, für Expeditionen (leichtes Gewicht usw.); u. a.
+einen Apparat, mittels dessen auf einen Film oder Reihen Bilder
+nebeneinander genommen werden können. »Wir halten die Bestrebung,
+naturwissenschaftliche Filme zu machen, durch den Mangel an Käufern
+für solche Bilder für nicht rentabel.«
+
+4. Die _Neue Photographische Gesellschaft_ A.-G., _Berlin-Steglitz_,
+deutsche Vertretung für wissenschaftliche Filme: _Gesellschaft für
+wissenschaftliche Filme und Diapositive_ GmbH., _Berlin, Wilhelmstr.
+1a_, bringt außer andern naturwissenschaftlichen Filmen auch
+erdkundliche (allgemeine und astronomische Geographie, Aufnahmen von
+Meeresstürmen in der biologischen Anstalt in Helgoland unter Leitung
+von Prof. Dr. Berndt, aus der Folge »Aus dem Leben des Meeres«).
+Unter den Aufnehmenden Herr G. N. Mendel, der sich viel mit
+naturwissenschaftlichen Studien beschäftigt hat. »Wir halten es für
+angebracht, daß die Schule sich mit den Kinobesitzern in Verbindung
+setzt derart, daß die Kinobesitzer wöchentlich oder zweimal
+wöchentlich wissenschaftliche Kinovorstellungen unter Leitung der
+Schule zu billigern Preisen abgeben.«
+
+Aus sonst eingelaufenen Antworten auf unsere Fragebogen ist --
+abgesehen von Verneinungen sämtlicher Fragen und Antwortablehnungen --
+hervorzuheben: eine »Klasse für sich« sind Institute wie die
+»_Urania_« sowie die »_Treptower Sternwarte_« in Berlin, die auch die
+Kinematographie in den Dienst ihrer volksbildenden Tätigkeit gestellt
+haben. Die »Treptower Sternwarte« (Dir. Archenhold) berichtet,
+trotzdem die Programme nur »belehrend« sind, daß die Vorträge,
+namentlich auch die Sondervorstellungen vor Vereinen, großen Beifall
+finden.
+
+Prof. Dr. _Karl Sapper_ vom _Geographischen Seminar_ der Universität
+Straßburg i. E. schreibt: »Kinematographische Vorführungen haben wir
+hier noch nicht gemacht, weil die Möglichkeit fehlt; ich würde sie
+aber in der Völkerkunde, Wirtschafts- und Verkehrsgeographie, auch
+physischen Erdkunde für sehr instruktiv halten (bei geeigneter
+Auswahl).«
+
+In _Altenburg_ (Sachsen-Altenburg) ist die Schulbehörde dabei, eine
+Sammlung erdkundlicher Filme zu beschaffen.
+
+Die _Industrielle Gesellschaft Mülhausen i. E._ hat mit
+zufriedenstellendem Erfolge erdkundliche Filme für wissenschaftliche
+und populäre Vorträge benutzt, »nur ist es noch schwierig, geeignete
+Filme leihweise zu erhalten«.
+
+Das _Institut für Zuckerindustrie_ der Landwirtschaftlichen
+Hochschule, _Berlin_ N 65, hat einen Film über Zuckerrübenkultur
+in Arbeit und besitzt Filme über Ahornzuckerfabrikation,
+Zuckerrohrfabrikation, Champagnerfabrikation. Die Haltbarkeit der
+Filme ist gut. Die Aufbewahrung findet im kühlen, feuchten Raum statt.
+Verliehen werden Filme und Diapositive nicht.
+
+Manchen weitern Beitrag zum Thema sowie Nachweise usw. enthält
+_Sellmann_, »Kino und Schule« (Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 6);
+pädagogisch besser als »kinematologisch« ist _Knospe_, »Der
+Kinematograph im Dienste der Schule«, unter besonderer Berücksichtigung
+des erdkundlichen Unterrichts. Manchen guten Gedanken neben manchem
+oberflächlichem enthalten die Schriften von _Lemke_, auch in dessen
+Zeitschrift »_Lichtbildkunst_« findet sich Brauchbares; es ist aber zu
+beachten, daß hier überall das Bild durch geschäftliche Interessen
+getrübt und »einseitig koloriert« ist. Wer in der Angelegenheit der
+Nutzung der Kinetographie für Schule, Wissenschaft, Volksbildung und
+Kinoreform auf dem laufenden bleiben will, halte sich an die
+ernstzunehmenden Zeitschriften »_Bild und Film_«, Zeitschrift für
+Lichtbilderei und Kinematographie, Verlag der Lichtbilderei
+M._Gladbach_ (das einzige Fachblatt, das ausschließlich von
+allgemeinen Gesichtspunkten ausgehend ernster Kinoreform dient), und
+»_Film und Lichtbild_« _Stuttgart_, das derselben Sache ebenso
+ernsthaft besonders vom Interesse der Wissenschaft und Schule aus
+nachgeht.
+
+
+
+
+Sachregister
+
+
+ Abruzzen, Herzog der 71
+
+ Adolf Friedrich von Mecklenburg 73
+
+ Afrika 71
+
+ »Aktualität« s. Tagesinteresse
+
+ Altenburg 74
+
+ Amazonas 71
+
+ Amerika 72
+
+ Anschauung und Begriffe 11 16 25 42
+
+ Anschauungsmittel 11 12 f
+
+ Anschauungsunterricht 42
+
+ Apparate 31 74
+
+ Archenhold 74
+
+ Ästhetik 6 34 f
+
+ »Ästhetische Kultur« 17 18/19
+
+ Aufnahmen 33
+ -- Organisation 41 59
+
+ Aussprache 40
+
+
+ Begleitnotizen, Schema 38
+
+ Berndt 74
+
+ Besiedlungswesen 51
+
+ Bewegungseinheiten 36
+
+ »Bild und Film« 75
+
+ Bockenheimer 73
+
+ »Buch vom Kino« (= »Kino und Laien«) 6
+
+
+ Cines 70
+
+
+ Darstellungsmittel, erdkundliche 9 10 ff
+
+ Deninger 71
+
+ »Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft« 55
+
+ Deutsche Filmerzeugung 59 71 f
+
+ Deutschland in der Kinematographie 50
+ -- Interesse an erdkundlichen Filmen 72 f
+
+
+ Eclair 70
+
+ Eclipse 28 70
+
+ Edison (Filmfirma) 70
+
+ England 72
+
+ Erdgeschichte 8 28 33
+
+ Erdkunde, Wesen 6
+
+ Erläuterungen 20 25
+
+ Erläuterungsstoff 37 ff 56
+
+ Ethnologie s. Völkerkunde
+
+ Evangelischer Verein für kirchliche Zwecke 65
+
+ Expreß-Films 71 f
+
+
+ Fahrrad 11 f
+
+ Farben 18 22 40 73
+
+ Film, Format usw. 31
+
+ »Film und Lichtbild« 75
+
+ Filmarchive 29 33
+
+ Filmbeschreibungen 37
+
+ Filmfirmen 4 70 ff
+
+ Filmmarkt 47 64 ff 67
+
+ Filmprüfungen 56 60
+
+ Forschung, erdkundliche 28
+
+ Forschungsreisen 30
+
+ »Freiluftbildung« 42
+
+ Fremdenverkehrsvereine 59
+
+ Friedensbewegung 9
+
+ Fujijama 28
+
+
+ Gaumont 70 73
+
+ Geiser 28
+
+ Geographie s. Erdkunde
+
+ Geographisches Seminar Straßburg 74
+
+ Geologie 8 33
+
+ Geräusche 18 20 f 40
+
+ Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung 66 68
+
+ Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung 67
+
+ Gesellschaft für wissenschaftliche Filme und Diapositive 74
+
+ Gezeiten 30
+
+ Gilgamesch 9 10
+
+ Gletscher 30 33
+
+ Grammophon s. Phonograph
+
+ Graystone Bird 65
+
+ Griechenland 72
+
+ Grönland 71
+
+
+ Handel 9
+
+ Hedin 9
+
+ Heimatkenntnis 4 7 43 51
+
+ Heimatschutz 29 51
+ -- (Stiftung) 67
+
+ Heinrich, Prinz von Preußen 71
+
+ Hellwig 69
+
+ Hentschel 65
+
+ Himalaja 71
+
+
+ Jerusalem 38
+
+ »Illusion« 16
+
+ Indien 71
+
+ Industrie 9 59
+
+ Industrie-Gesellschaft Mülhausen i. E. 74
+
+ Institut für Zuckerindustrie 74
+
+
+ Kanada 50
+
+ Kinemacolor 23
+
+ Kinematographie, Wesen 3/4
+ -- und Erdkunde 13 16
+ -- Grenzen und Mängel 16
+ -- Mißbrauch 17
+
+ »Kinetographie« 19
+
+ Kino und Kunst 6 17 31 33 34 47
+
+ »Kino und Laien« s. »Buch vom Kino«
+
+ »Kino und Schule« (Sellmann) 46 75
+
+ Kinokritik
+
+ Kinoreform 3 4 5 48 52/53 54 ff 58
+
+ Kinotheater 4 32
+ -- und Schule 44 47 ff 52 57 70 74
+
+ Knospe 75
+
+ Koch (Grünberg) 71
+
+ Körperlichkeit (Plastik) 18 23
+
+ Kolonien 51 59
+
+ Kosten 32 60 usw.
+
+ Kriegsdarstellungen 49 72
+
+ Kunst und Künstler 4 5 14
+ -- im Kino 5 18
+
+ Künstliche Aufnahmen 30
+
+
+ Laien 4 5 53
+
+ Landschaftsmalerei 9
+
+ Landwirtschaft 4 50 59
+
+ Lemke 70 75
+
+ »Lichtbild und Kinotechnik« (Liesegang) 31
+
+ Lichtbilder 15 26 f 65
+
+ Lichtbilderei GmbH. 65 69
+
+ Lichtbilderverleihung 65 f
+
+ »Lichtbildkunst« 75
+
+ Lichtbühnen-Bibliothek 12
+
+ Liebhaberaufnahmen 6 31
+
+ Literatur 75
+
+ Luftschiffahrt 11
+
+
+ Meer 8 15 30 74
+
+ Menschenerdkunde 8 29 35
+
+ Messungen, kinematographische 12 30
+
+ Meßter 71 73
+
+ Meteorologie s. Wetterkunde
+
+ Missionen 41
+
+ Molukken 71
+
+ Musik 24 40
+
+
+ Naturfarbenkinematographie 23 73
+
+ Naturschutz 9 29 51
+
+ Naturschutzpark (Verein) 67
+
+ Negative, Aufbewahrung 61
+
+ Nervenbeanspruchung 17/18
+
+ Neue Photographische Gesellschaft 66 70 74
+
+ Neuhaus 73
+
+ Neu-Seeland 28 38
+
+
+ Odysseus 9
+
+ »Operateure« 40
+
+ Organisation 48 54
+
+ Organisationsreform s. Zusammenschluß
+
+
+ Paasche 29
+
+ Palästina 37
+
+ Panoramaaufnahmen 24
+
+ Panoramen (Schaustellungen) 48
+
+ Pathé-Frères 70
+
+ Perspektive s. Tiefenwirkung
+
+ Pflanzengeographie 8
+
+ Phonograph 20 22
+
+ Phonographie 14 15
+
+ Photographie 14 15
+
+ Polforschung 9 71 73
+
+ Politik 50 59
+
+ »Poloptical Institute« 48
+
+ Presse 5 57
+
+ Programme 49 52/53 57 62
+
+ Projektionsbildermesse 64
+
+ Propaganda, politische, wirtschaftliche 50
+
+ »Prospekte« (Zeichnungen) 14
+
+
+ Querbewegungen 18
+
+ Quervain 71
+
+
+ Radios 71
+
+ »Radzigeunerei« 11
+
+ Raleigh & Robert 70
+
+ Rave 73
+
+ Realkatalog 64
+
+ Reformprogramme 70
+
+ Rhythmologie 30 36
+
+ Rösch 66
+
+
+ Sammeln von Filmen 29 32 57
+
+ Sapper 74
+
+ Schematische Darstellungen 43
+
+ Schillings 73
+
+ Schulbildung in Deutschland 72
+
+ Schulerdkunde 43 70
+
+ »Schülerprogramme« 46
+
+ Schulfilme 43 73
+
+ Schulkinematographen 31 44
+
+ Schulvorstellungen 44 74
+
+ Schröder-Strantz-Expedition 71 73
+
+ Scott 73
+
+ Seemann 66
+
+ Sellmann 46 75
+
+ Shackleton 73
+
+ Spitzbergen 71
+
+ Städtebilder 14
+
+ Stereoskop 15
+
+ Straßenwesen 11
+
+ Süddeutsche Lichtbilderzentrale 67
+
+
+ Tagesinteresse erdkundlicher Bilder 49 52
+
+ »Tagebuch« 38
+
+ Tauern 71
+
+ Technik 31
+
+ Technik und Kultur 12
+
+ Teile von Filmen 61
+
+ Theater (Konkurrenz) 5
+
+ Tiefebene 15
+
+ Tiefenwirkung (Perspektive) 18
+
+ Tiergeographie 8 35
+
+ »Tonbilder« 21 59 73
+
+ Treptower Sternwarte 74
+
+
+ Urban 22 28 38 70
+
+ Unger & Hoffmann 65
+
+ Unterricht, wissenschaftlicher 33
+
+ Unterrichtsstunde, erdkundliche 45
+
+ »Urania« 48 74
+
+
+ Vereine 4 48 59
+
+ Verkehr 9 11
+
+ Verleihanstalten 60 64
+
+ Völkerkunde 8 24
+
+ Völkerverständigung 4 9 51/52
+
+ Volksbildung 25/26 47 ff
+ -- deutsche 72 f
+
+ Vorführung 19
+
+ Vortrag 25
+
+ »Vortrupp« 29
+
+ Vulkane 33
+
+
+ Wanderkinos 69
+
+ Wandern 9
+
+ Waise 66
+
+ Wellenbewegung 30 36
+
+ Weltanschauung 9
+
+ Weltbund 55
+
+ Weltfriede 9
+
+ Weltnaturschutz 9
+
+ Weltreisen 4
+
+ Weltschutzparke 9
+
+ Weltwirtschaft 4 50
+
+ Wetterkunde 8 34
+
+ Wirklichkeitsdarstellung 13 35
+
+ Wissenschaftliche Erdkunde 4 28 ff 72
+
+ Wüste 8 37
+
+
+ York & Son 66
+
+ Zeitungen 5/6 9
+
+ Zeitschriften 75
+
+ Zeppelin 71
+
+ Zusammenschluß 49 54 ff
+
+
+
+
+_Lichtbühnen-Bibliothek_
+
+
+Lichtbild- und Kino-Technik.
+
+Von _F. Paul Liesegang_. 8º (76) Mit 55 Abbildungen. Broschiert
+M. 1.--. Heft 1.
+
+_Inhalt_: Der Lichtbilderapparat und seine Wirkungsweise. Die
+Lichtquellen. Zubehör zum Lichtbilderapparat. Anschaffungs- und
+Betriebskosten des Lichtbilderapparates. Die Glasbilder und deren
+Aufbewahrung. Aufstellung und Handhabung des Lichtbilderapparates. Die
+episkopische Projektion. Wissenschaftliche und mikroskopische
+Projektion. Der Lichtbilderapparat als Scheinwerfer. Der
+Lichtbilderapparat als photographischer Vergrößerungsapparat. Die
+Darstellung lebender Lichtbilder. Handhabung des Kinematographen.
+Behandlung und Pflege des Kinematographen. Das kinematographische
+Aufnahmeverfahren. Die Herstellung des Trickfilms. Die wissenschaftliche
+Kinematographie.
+
+
+Kino und Kunst.
+
+Von _Hermann Häfker_. 8º (72) Broschiert M. 1.-- Heft 2.
+
+_Inhalt_: _Allgemeines_: Der Ruf nach Kunst. Das Wesen der
+Kinematographie. Die künstlerische Aufgabe. -- _Die Herstellung des
+Films_: Die künstlerischen Gesichtspunkte in der technischen
+Filmherstellung. Technische, industrielle usw. Lehr- und
+Verdeutlichungsaufnahmen. Geschichtliche und kulturgeschichtliche
+Aufnahmen. Die Schönheit der natürlichen Bewegung. -- _Die
+Vorführung_: Gestellte Bilder. Kinematographie oder Kinetographie. Das
+Programm. Einzelheiten. Wege.
+
+
+Kino und Gemeinde.
+
+Von Dr. _Willi Warstat_ und _Franz Bergmann_. 8º (112) Broschiert
+M. 1.50. Heft 3.
+
+_Inhalt_: 1. Teil: Die Bedeutung des Gemeindekinos für die Reform des
+Kinematographenwesens. 1. Die Mißstände im Kinematographenwesen und
+ihre Ursache. 2. Die Unzulänglichkeit prohibitiver Mittel bei der
+Reform des Kinematographenwesens. 3. Die positive Reformarbeit der
+kinematographischen Musterbühnen, der Gemeindekinos. 4. Die
+Gemeindekinobewegung und ihre Erfolge. Die Arten der Gemeindekinos. 5.
+Die Aufgaben der Gemeindekinos. 6. Der Gemeindekino und sein
+Verhältnis zu den Privattheatern und der Industrie. 7. Die
+Zentralisation der Gemeindekinos. Zentralverband für Kinoreform. -- 2.
+Teil: Das Kinowesen vom verwaltungsrechtlichen und wirtschaftlichen
+Standpunkte. 1. Polizeiliche Mittel gegen den Kinoschund. 2.
+Besteuerung der Kinematographentheater. 3. Gemeindelichtspielhäuser.
+4. Zentralorganisation für Gemeindekinos. Anhang.
+
+
+Kino und Bühne.
+
+Von _Willy Rath_. 8º (52) Broschiert M. 1.-- Heft 4.
+
+_Inhalt_: 1. Emporkömmling Kino. 2. Die Bühne in Not? 3. Künstlerische
+Möglichkeiten des Lichtspiels.
+
+
+Rechtsquellen des öffentlichen Kinematographenrechtes.
+
+Von Dr. _Albert Hellwig_. 8º (256) Geb. M. 5.-- Heft 5.
+
+
+Kino und Schule.
+
+Von Prof. Dr. _Adolf Sellmann_. 8º (72) Broschiert M. 1.-- Heft 6.
+
+_Inhalt_: 1. Wider den Schulkino. 2. Für den Schulkino. 3. Der Kino
+und die einzelnen Unterrichtsfächer. 4. Der Kino und die verschiedenen
+Schulgattungen. 5. Der Schulfilm. 6. Kino und Unterricht. 7.
+Erfahrungen auf dem Gebiete der Schulkinematographie.
+
+
+In kurzem wird erscheinen:
+
+8. Heft: Allerlei vom Kino für jedermann. Von _H. Häfker_.
+
+
+
+
+Bild und Film
+
+
+ Zeitschrift für Lichtbilderei und Kinematographie.
+ Verlag der Lichtbilderei GmbH. in M.Gladbach.
+ Quartformat. Erscheint monatlich. Abonnement
+ halbjährlich M. 2.40. _Redaktion_: Dr. Lorenz Pieper,
+ M.Gladbach, Waldhausener Straße 100.
+
+ Das Abonnement kann durch jede Buchhandlung, durch die
+ Post und auch direkt durch den Verlag bewirkt werden;
+ im letztern Falle liefert der Verlag im
+ Postüberweisungsverfahren, läßt Bezugsgebühr und
+ Bestellgeld durch die Post einfordern und liefert an
+ diese. Probehefte stehen gratis zur Verfügung.
+
+»_Bild und Film_« war als erste Kinozeitschrift auf dem Plane, frei
+von Geschäfts- und Parteirücksichten ausschließlich dem idealen Ziele
+einer ethischen und literarischen Hebung des Kinowesens die Wege zu
+bahnen. Sie läßt es sich vor allem angelegen sein, die zahlreichen
+_Bildungsmöglichkeiten_ aufzuweisen, die der Kinematograph im
+Interesse der _modernen Volksbildung_, des _Unterrichts_ und der
+_Jugendpflege_ für _Volk_ und _Schule_ in sich trägt. Als Organ der
+vom vierten Westfälischen Provinzial-Landgemeindetag in Münster (1912)
+eingesetzten Kinematographischen Kommission (Vorsitzender: Amtmann
+Berkermann, Eickel) fördert sie speziell die Errichtung und Leitung
+von Kinematographentheatern durch die Gemeinden. Das Abonnement ist
+vor allem zu empfehlen den zahlreichen, weitverästelten
+Volksbildungsorganisationen, der Presse, den Kommunen,
+Polizeiverwaltungen, Lehrerkreisen, Volks-, Fach-, Fortbildungs- und
+Hochschulen, den kirchlichen Kreisen der verschiedenen Konfessionen
+und den verschiedenen Standesorganisationen, die ja alle auch die
+Volksbildung auf ihre Fahne geschrieben haben. Ebensosehr aber sind
+interessiert die _Kinobesitzer_ selbst, denen an der allseitigen
+Hebung des Kinowesens gelegen ist.
+
+ #Es liegen abgeschlossen vor:#
+
+ #I. Jahrgang 1912.# Vier Hefte. gr. 4º (128) Geb. M. 3.20
+
+ #II. Jahrgang 1913.# Zwölf Hefte. gr. 4º (270) Geb. M. 6.--
+
+ Preis der Einbanddecke M. 1.10
+
+ Durch alle Buchhandlungen zu beziehen
+
+ * * * * *
+
+ Volksvereins-Verlag GmbH., M.Gladbach
+
+ 3954
+
+
+
+
+ [ Im folgenden sind die Änderungen am Originaltext aufgeführt.
+ Unter der Beschreibung der Änderung steht jeweils zuerst die
+ Textstelle im Original, dann die geänderte Textstelle.
+
+
+ Falsche Seitenzahl im Inhaltsverzeichnis korrigiert:
+ IV. Kinoerdkunde im Theater und in der Öffentlichkeit 48
+ IV. Kinoerdkunde im Theater und in der Öffentlichkeit 47
+
+ »ererfaßt« geändert zu »erfaßt«:
+ stehen sollte, noch nicht ererfaßt, geschweige denn uns zu Fleisch und
+ stehen sollte, noch nicht erfaßt, geschweige denn uns zu Fleisch und
+
+ »wir« geändert zu »wie«:
+ auch nur Schwarz-Weiß-Bild, weil das Kinobild mehr wir andere den
+ auch nur Schwarz-Weiß-Bild, weil das Kinobild mehr wie andere den
+
+ »Ermaugelung« geändert zu »Ermangelung«:
+ natürlichem Sinnenleben und Geschmack sind, in Ermaugelung
+ natürlichem Sinnenleben und Geschmack sind, in Ermangelung
+
+ »a s« geändert zu »als«:
+ Auge, auch insofern, a s es in einem ganz andern Sinne als der Film
+ Auge, auch insofern, als es in einem ganz andern Sinne als der Film
+
+ »Naturschutzparkes« geändert zu »Naturschutzparks«:
+ der Gedanke, große _Naturschutzparkes_ nicht nur in der engern Heimat,
+ der Gedanke, große _Naturschutzparks_ nicht nur in der engern Heimat,
+
+ »Liehaber-Kinematographie« geändert zu »Liebhaber-Kinematographie«:
+ gedenke ich die Frage der Liehaber-Kinematographie in meiner Schrift
+ gedenke ich die Frage der Liebhaber-Kinematographie in meiner Schrift
+
+ fehlendes Komma ergänzt:
+ wissenschaftlichen Unterricht, also an Hochschulen Handels-,
+ wissenschaftlichen Unterricht, also an Hochschulen, Handels-,
+
+ »Gewohnheitenn« geändert zu »Gewohnheiten«:
+ schlaue Mittel und vor allem genaue Vorerforschung ihrer Gewohnheitenn
+ schlaue Mittel und vor allem genaue Vorerforschung ihrer Gewohnheiten
+
+ »nd« geändert zu »und«:
+ nd -- Geduld belauern und täuschen. Dafür ist eine wohlgelungene
+ und -- Geduld belauern und täuschen. Dafür ist eine wohlgelungene
+
+ »ewas« geändert zu »etwas«:
+ tüchtigsten bewegt -- und wenn sie mal ewas Wertvolles erwischen, so
+ tüchtigsten bewegt -- und wenn sie mal etwas Wertvolles erwischen, so
+
+ »Ausnahme« geändert zu »Aufnahme«:
+ kann keine erdenkliche Ausnahme von höherm Werte und wissenschaftlich
+ kann keine erdenkliche Aufnahme von höherm Werte und wissenschaftlich
+
+ »mittere« geändert zu »mittlere«:
+ Verhältnisse recht gut möglich, eine andere kleine oder mittere
+ Verhältnisse recht gut möglich, eine andere kleine oder mittlere
+
+ »Erdkundeuntericht« geändert zu »Erdkundeunterricht«:
+ Erdkundeuntericht nicht zerstreuend und verwirrend, sondern wahrhaft
+ Erdkundeunterricht nicht zerstreuend und verwirrend, sondern wahrhaft
+
+ Fehlendes Anführungszeichen ergänzt:
+ des Lehrwerts des Dargebotenen meist sozusagen am Hungertuche nagen«.
+ des Lehrwerts des Dargebotenen meist sozusagen »am Hungertuche nagen«.
+
+ Fehlenden Punkt ergänzt:
+ Leinwand, und die Fremden davor Es ist hier ähnlich wie mit den
+ Leinwand, und die Fremden davor. Es ist hier ähnlich wie mit den
+
+ Fehlendes Ausführungszeichen ergänzt:
+ darauf zu sein, oder wäre hier und da etwas zu verschweigen gewesen?
+ darauf zu sein, oder wäre hier und da etwas zu verschweigen gewesen?«
+
+ »st« geändert zu »ist«:
+ hoffen. Die Erdkinetographie aber st, weil sich in ihr die höchste
+ hoffen. Die Erdkinetographie aber ist, weil sich in ihr die höchste
+
+ »ein« geändert zu »eine«:
+ nötig, da dieses Land als Kundschaft allein nicht ein genügende Macht
+ nötig, da dieses Land als Kundschaft allein nicht eine genügende Macht
+
+ Doppeltes »oder« gelöscht:
+ oder oder auch Industrievereinigungen, landwirtschaftliche
+ oder auch Industrievereinigungen, landwirtschaftliche
+
+ Fehlenden Abkürzungspunkt ergänzt:
+ Oranienstr 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und
+ Oranienstr. 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und
+
+ Fehlendes Komma ergänzt:
+ Landschaften- Trachten- und Städtebilder aus dem _Orient_ (Ägypten,
+ Landschaften-, Trachten- und Städtebilder aus dem _Orient_ (Ägypten,
+
+ Fehlenden Punkt ergänzt:
+ und Nürnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumière)
+ und Nürnberg. Zum Teil farbig (Dreifarbenaufnahmen und Lumière).
+
+ »duchführbar« geändert zu »durchführbar«:
+ mindestens auf die Dauer ohne große Opfer nicht duchführbar sind.
+ mindestens auf die Dauer ohne große Opfer nicht durchführbar sind.
+
+ Fehlenden Abkürzungspunkt ergänzt:
+ auf Befehl Sr Majestät des Königs von Griechenland
+ auf Befehl Sr. Majestät des Königs von Griechenland
+
+ Fehlendes Ausführungszeichen ergänzt:
+ physischen Erdkunde für sehr instruktiv halten (bei geeigneter
+ Auswahl).
+ physischen Erdkunde für sehr instruktiv halten (bei geeigneter
+ Auswahl).«
+ ]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Kino und Erdkunde, by Hermann Häfker
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KINO UND ERDKUNDE ***
+
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+Produced by Jana Srna, Katrin, Norbert H. Langkau and the
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+
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+will be renamed.
+
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+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
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+
+
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+
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+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+
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+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
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+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
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+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
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