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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-03-03 11:43:11 -0800 |
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Theilhaber +Release Date: May 28, 2014 [EBook #45808] +Language: German +Character set encoding: UTF-8 + + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE *** + + + + +Produced by Norbert Langkau, Enrico Segre, and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net. + +This file was produced from images generously made available by The +Internet Archive. + + + + + DIE JUDEN + IM WELTKRIEGE + + + *Mit besonderer Berücksichtigung* + *der Verhältnisse für Deutschland* + + Von + + *_Felix A. Theilhaber_* + + + + + 1916 + + + + WELTVERLAG BERLIN, UNTER DEN LINDEN 56 + + + + + + + + + * Inhalt.* + + + ────────────────────────────────────────────────────────────────── + Vorwort Seite 5 + Einleitung 7 + + Der Krieg und die Juden 13 + Die Stellung der deutschen Juden vor dem Kriege 13 + Die Juden im Kriege 28 + Juden im Ausland 36 + Die Lehren des Krieges 44 + Das Problem der Ostjuden 48 + + Schluß 58 + ────────────────────────────────────────────────────────────────── + + + + + + + + + + * Vorwort.* + + +Die folgenden Ausführungen verdanken ihr Entstehen freien Stunden an der +Front in Kurland, wo ich dem unendlichen Leid der Ostjuden auf Schritt +und Tritt begegnete, einer unterdrückten Menschenmasse, die menschlich +unser Interesse verdient, aber auch sprachlich, da sie den Deutschen +darin noch näher steht als die Vlamen. + +Vor allem gilt die Schrift den Beziehungen der deutschen Juden zu ihrer +Umgebung. Die Verhetzung, welche vor dem Krieg das Volk bald gegen +Sozialdemokraten, Agrarier und Zentrumsanhänger trieb, fehlte nicht +gegenüber den Juden. Aber jeder wirtschaftliche Haß, jede +chauvinistische nationale Abneigung wirkt auf die Dauer unfruchtbar und +schädlich. + + * * * + +Damit die gegenseitige Achtung auch nach dem Kriege fortdauere und +innerlich begründet wird, habe ich dargelegt, daß das Wort eines großen +Denkers nicht zu Unrecht besteht: „Jedes Land hat die Juden, die es +verdient“. + +„Wer die Luft, die ich atme, den Boden, auf dem ich stehe und in dem +meine Eltern bestattet sind, mir nehmen will, ist mein Mörder . . .“ + + +So ungefähr wandte sich vor fünfzig Jahren Gabriel Rießer an seine +Widersacher. Möge uns, wenn wir in die Heimat zurückkehren sollten, +diese Sprache in alle Zukunft erspart bleiben. + +Möge mein Wort der Verständigung, der Aufklärung und dem Frieden dienen! + + Herbst 1915. + + *Felix A. Theilhaber.* + + + + + + + + + * Einleitung.* + + +Die „Hilfe“ vom 2. September 1915 bringt einen Artikel _„Der Krieg und +die russischen Juden“ von Paul Barth_. Seine Worte mögen meine +Auseinandersetzung über das Problem „Judentum und Deutschtum“ einleiten. +Paul Barth schreibt: + +„Was aber lauter als alles andere zum Himmel schreit, das sind die +Massenverbrechen, die die russische Militär- und Zivilbürokratie +tagtäglich an den „lieben Juden“ des Zaren verübt. Wohin das russische +Heer kommt, da ist die erste kriegerische Leistung, daß die Juden +ausgewiesen werden. Im Februar dieses Jahres erließ der „Allgemeine +Jüdische Arbeiterbund Litauens, Polens und Rußlands“ einen Aufruf an +„die Kulturwelt“, der einigermaßen veranschaulichte, welches Meer von +Leiden hinter dem Worte „ausgewiesen“ steckt. Mit einer Frist von +vierundzwanzig, oft bloß von acht Stunden, hinausgetrieben in die Nacht +und die Kälte des russischen Winters, alle, auch Greise, Frauen und +Kinder; ohne Ziel, ohne Schutz in ein fast feindlich gesinntes Land; +rechtlos schon im Frieden, jetzt rechtloser denn je. Unsere Ostpreußen +sind gewiß tief zu beklagen, aber sie zogen doch in ein freundlich +gesinntes Land. Hunderttausend ausgewiesene Juden sammelten sich damals +hilflos in Warschau an, sehr viele, besonders Kinder, starben auf der +Landstraße. Wie glücklich verhältnismäßig diejenigen, die ein Kosak +erstochen hatte! Denn das ist nach jenem Aufruf ein regelmäßiger Sport +der Kosaken, der unbestraft bleibt. Der Römer Seneca ereiferte sich +darüber, daß ein Mensch, der Gladiator, „zum Spiele und Scherze getötet +wird“. Der Gladiator jedoch konnte sich wehren, er war bewaffnet, das +Ganze war ein Kampf zweier geübter Fechter. Der arme russische Jude aber +kann sich nicht wehren. + +Und ich fürchte, das ist erst der Anfang. Allerdings ein sehr großer +Anfang. Denn Mitte Mai wurden die Gouvernements Kurland, Kowno und ein +Teil von Suwalki von 280000, also mehr als einer Viertelmillion Juden +„evakuiert“, wie der russische technische Ausdruck lautet. Neuerdings +wurde eine Million Juden aus den Gouvernements Wilna, Grodno und +Warschau vertrieben, d. h. wirtschaftlich vernichtet. Das tut die +russische Regierung. Was wird erst geschehen, wenn die russische +„Volksseele“, besonders die der „echt russischen Leute“, unruhig wird! +Und sie wird aufkochen, wenn Rußland weitere Niederlagen erleidet, und +sich in „Pogromen“ Luft machen, genau so, wie es 1905 und 1906 geschah. +Was damals in Kertsch, Bialystok und vielen anderen Städten vorging, das +wird sich in ganz Rußland wiederholen und wahrscheinlich mit viel +größerer Heftigkeit. Und die Polizei wird, wie damals, teils wohlwollend +zusehen, teils wohlwollend helfen. Damals war es schließlich die erste, +sehr liberale Duma, unter einem viel besseren Stimmrecht als dem +jetzigen gewählt, die den Greueln ein Ende machte. Aber die Duma, die +jetzt zusammengetreten ist, wird für solche inneren Fragen keine Zeit +haben. + +Was tun nun dabei die Juden der übrigen Welt, außerhalb Rußlands? Im +allgemeinen nichts, — was überraschend, vielleicht auch ein +bedauerliches Symptom ist. Wie sehr sie auch die Kultur des Landes +angenommen haben, in dem sie wohnen, sie hegen doch alle die gleiche +Pietät für ihre Vergangenheit, die sie als starkes Band mit ihren +russischen Stammesgenossen vereinigt. Die deutschen Juden freilich sind +entschuldigt, sie _können_ nichts tun. Jeder öffentliche Schritt +ihrerseits würde den russischen Juden bloß schaden. Diese würden +daraufhin noch mehr verdächtigt werden, über die Grenze hinaus nach dem +Landesfeinde zu schielen. In den Ländern des Vierverbandes sehen wir nur +eins: überall sind Juden unter den Kriegshetzern, gegen die +Zentralmächte, also für den Zarismus. In Frankreich sind sehr viele +Juden in den höchsten Stellen, die beständig ihre Liebe zum Zarismus +betätigen. In England haben die Juden viel Einfluß in der höchsten +Aristokratie, die ganz besonders in der Hoffnung auf „die Dampfwalze“ +schwelgte. Lord Rosebery, einer der einflußreichsten Aristokraten, ist +ja Schwiegersohn des Barons Meyer Rothschild. + +In Italien finden wir unter den wildesten Kriegshetzern jüdische Namen. +Herr Nathan, der Bürgermeister von Rom, hielt im Dezember 1914 als +Freimaurer, als früherer Großmeister der Logen des Großorients, im +Theater Constanzi in Rom eine schwungvolle Rede, in der er zum Kriege +für den Dreiverband, also für den Zaren, aufrief. Zwei bekannte +italienische Politiker jüdischer Herkunft, Barzilai und Luzzatti, +trieben ebenfalls zum Kriege. + +Aber was tun die Juden in den neutralen Ländern? Der einzige, der sich +auf seine Herkunft und seine Gewissenspflicht besinnt, scheint Georg +Brandes in Kopenhagen, wie sein Briefwechsel mit Clémenceau bewies. +Andere sind auf seiten des Vierverbandes. Die rumänische Zeitung +„Adeverul“ (Wahrheit), die täglich gegen die Zentralmächte, also für +Rußland agitiert, war bis vor kurzem und ist wohl noch in jüdischen +Händen. Die übrigen tun gar nichts, nicht einmal die Sozialisten unter +den Neutralen. Vor kurzem meldete Reuter aus Neuyork, Samuel Gompers, +der Vorsitzende der American Federation of Labour, zweifellos jüdischer +Herkunft, habe auf eine Einladung zu einer Versammlung, die gegen die +amerikanische Kriegsbedarfsausfuhr protestieren wollte, durchaus +ablehnend geantwortet. Dunkel ist zwar die Begründung seiner Ablehnung: +„es gebe schrecklichere Dinge als den Krieg, nämlich des Geburtsrechts +(d. h. wohl des angeborenen Rechts), der Freiheit und der Gerechtigkeit +beraubt zu sein“. Dies alles sind ja die Leiden der russischen Juden; +aber Gompers lehnt ab, gegen die Unterstützung ihrer Unterdrücker zu +protestieren. + +Wenn nun die Juden selbst so gänzlich passiv sind, so müssen wir +_Nichtjuden_ uns regen und sie aus ihrer Resignation aufrütteln. Ich +möchte nochmals betonen, daß die Verfolgungen erst anfangen. Je weiter +die verbündeten Heere vorrücken, desto größer die Gefahr neuer +Wutausbrüche. Und schon, wie berichtet wird, sind die Juden teilweise +konzentriert in besondere Lager — sehr bequem für die Verfolger. Das +Volk wird einen Sündenbock suchen, auf den es die Schuld der Niederlagen +abwälze. Es wird die Regierung schuldig finden, aber es kann wieder +einen Minister geben, wie denjenigen, der im Oktober 1905 — nach +jüdischen Quellen — sagte: „Wir werden die Revolution im Blute der Juden +ersticken.“ Es folgten darauf die furchtbaren, zehn Tage dauernden +Oktobermorde. Tausend Juden wurden erschlagen, achttausend wurden zu +Krüppeln. Werte im Betrage von 180 Millionen Mark wurden vernichtet, +300000 Juden flohen ins Ausland. (Vergl. „Allgemeine Zeitung des +Judentums“, 1910, S. 577.) + +Die deutschen Juden können, wie gesagt, unmittelbar nichts tun, aber +mittelbar sehr viel. Sie können die Juden der _nordamerikanischen_ Union +aufrufen, die für russische Angelegenheiten doch sonst Interesse zeigen. +Als der Beilisprozeß schwebte, haben diese beim russischen Gesandten in +Petersburg dagegen protestiert und später dem zwar freigesprochenen, +aber sehr geschädigten und gequälten Beilis eine Farm geschenkt. Jetzt +steht mehr als ein Menschenleben auf dem Spiele. Was dem einen Beilis +recht war, ist allen russischen Juden billig. Die amerikanischen Juden +müßten laut und energisch ihre Stimme erheben für ihre niedergetretenen +russischen Stammesgenossen, täglich, so oft als möglich, in den +Zeitungen, in allgemeinen Versammlungen der Juden und der Christen. Wenn +erst die russische Regierung weiß, daß man ihr Treiben beobachtet, wird +sie doch vielleicht stutzig werden und das Schlimmste unterlassen, sie +wird wenigstens nicht die Polizei zur schweigenden Duldung der Morde und +der Diebstähle anhalten, sondern notgedrungen den Befehl zur +Aufrechterhaltung der Ordnung geben müssen. Nordamerika ist ja der +künftige Geldmarkt für Rußland, der einzige, wo es einst Anleihen machen +kann. Denn alle europäischen Staaten werden nach dem Kriege selbst zu +viel Schulden haben, um anderen leihen zu können. Die Juden der Union +aber sind eine starke Kapitalmacht, besonders im Westen. Sie +haben — nach W. Sombart — eine herrschende oder wenigstens wichtige +Stellung im Getreidehandel, im Tabakhandel und im Baumwollhandel. Auf +allen drei Gebieten können sie den Russen schaden. Vor allem aber können +sie jede russische Anleihe erschweren, vielleicht unmöglich machen. +Damit müßten sie drohen. Darauf wird selbst die zarische Regierung +hören. + +Und wenn die Proteste und Drohungen nichts helfen, so werden sie doch +wenigstens Zeugnis ablegen, daß in der allgemeinen sittlichen +Verwilderung es noch Menschen gegeben hat, die die Unmenschlichkeiten +der zarischen Regierung als solche zu brandmarken gewagt haben. + +Wenn aber gar nichts geschieht, dann wird ganz gewiß sich das alte +Sprichwort bewähren: „Wenn die Menschen schweigen, so reden die Steine“, +freilich in diesem Falle nur die Steine des Pogroms, die auf +unschuldige, wehrlose Opfer fallen werden.“ + + * * * + +Wenn Barth sich auf die Einwirkung der amerikanischen Juden verläßt, so +fürchte ich, gibt er uns einen Wechsel auf die Zukunft. Die +amerikanischen Juden sind noch nicht genügend organisiert, z. T. auch +als Vollblutyankees zu sehr auf Seiten der Entente. + +Ich glaube und werde es zu beweisen versuchen, daß Deutschland allen +Grund hat, jede antisemitische Regung abzustreifen, den Juden im Inland +die Gerechtigkeit, die ihrer treuen Staatsbürgerschaft gebührt, +widerfahren zu lassen, den Juden in eroberten Gebieten jede Autonomie zu +gewähren und den Auswandernden im Orient allen Vorschub für eine +großzügige Kolonisation zu leisten. + +Doch damit komme ich schon zur Voraussetzung jeder Politik gegenüber den +Juden: die Bewertung derselben als zuverlässige und fähige Staatsbürger +gegenüber ihren Heimatsländern, und nicht zum mindesten in Deutschland! + + + + + + + + + * Der Krieg und die Juden.* + + +Der große Krieg hat infolge des grandiosen Kaiserwortes „Ich kenne keine +Parteien mehr“ den antisemitischen Angriffen und Übergriffen vorläufig +den Grund und Boden entzogen. Trotzdem will das Judenproblem keineswegs +von der Bildfläche verschwinden. Im Gegenteil. Der Einmarsch der +deutschen Truppen in die polnischen und russischen Gebiete hat mit einem +Schlage die innerpolitische Unhaltbarkeit des Schicksals, der nahezu +sieben Millionen starken jüdischen Bevölkerung Rußlands der ganzen +Kulturwelt aufgetan. Man wird nicht leugnen können, daß das jüdische +Problem beim Friedensschlusse sowohl von großem internationalem Belang +sein wird, als auch von hervorragender Bedeutung für die _deutsche +Politik_. + + + + *Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg.* + + +Die Judenfrage ist für Deutschland praktisch so wichtig, daß es sich +gewiß verlohnt, darauf einzugehen. Prüfen wir zunächst einmal die +Stellung der Juden Deutschlands und ihren Einfluß in diesem Lande. + +Die Mitte des verflossenen Jahrhunderts hat nicht nur einen völligen +Umsturz aller inner- und außen_politischen_ Verhältnisse Deutschlands +bedingt; die breiten Volksmassen erschütterte ein _sozialer_ Umschwung. +Aus einem rein agrarischen Staate wuchs in wenigen Jahrzehnten eine +gigantische Industrie heraus, welcher bald ein weltenumspannender Handel +die Wege bahnte. Die Technik feierte rascher ihre Triumphe, als die +Regierungsfürsorge und die von Organisationen getragene Selbsthilfe der +Interessengruppen sich auf die Neukonstellationen einstellen konnten. +Dadurch gerieten die Arbeiter stellenweise in die Gefahr, materiell und +physisch ausgenutzt zu werden. Auf dem Lande hatte sich einst ein +ähnlicher Prozeß, wodurch sich Latifundien bildeten, im Laufe der +Jahrhunderte entwickelt. Die industriellen und kommerziellen +Großunternehmungen aber kamen über Nacht. Erbarmungslos rang das +Großkapital den Stand der kleinen Leute nieder. Dieser ökonomische +Werdegang ging nicht ohne Gewalttat, ohne Härten ab, die den Trägern den +Haß des in seiner Existenz erschütterten dritten Standes eintragen +mußten. + +Die Sozialdemokratie als die Zusammenfassung der Proletarier ist das +naturnotwendige Produkt dieser Entwicklung. Der Antisemitismus ist die +Konsequenz des Prozesses insofern, als sich diese Bewegung gegen die +sichtbarsten Träger, gegen die Klasse von Menschen wandte, welche am +geschicktesten die Macht des Kapitals auszunutzen wußten. Die erste +Partei ist ein Versuch, der _Sache_ selbst entgegenzutreten, die +letztere kämpft gegen _Personen_, die nebenbei in ihrer religiösen und +rassigen Eigenart eine gute Zielscheibe boten. + +Uns interessiert hier nicht, wie die Auswüchse des Kapitalismus oder der +Kapitalismus selbst zu bekämpfen ist. Wir wollen nur der Frage +nähertreten, wie der Antisemitismus des weiteren zu erklären ist, +welches die Bedeutung der deutschen Judenheit gewesen ist, und ob wir +anläßlich des Krieges den Juden einen mehr oder minder günstigen Einfluß +auf die Wirtschaftsgestaltung Deutschlands einräumen können, um dann +später auf den Einfluß der deutschen Juden und überhaupt auf den Krieg +eingehen zu können. + +Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts strömte ein gut Teil +der jüdischen Jugend Deutschlands nach den Vereinigten Staaten von +Amerika, Südafrika, England, Frankreich etc. Teilweise war ihnen die +volle Gewerbefreiheit (wie z. B. in Bayern bis 1864) vorenthalten +gewesen. Die siebziger Jahre, die berühmten Gründerzeiten, bringen eine +Hochflut von aus den Dörfern in die Städte strömenden Juden. Die +jüdischen jungen Leute wandern nicht mehr in die Fremde, sondern wenden +sich dem deutschen Handel, der Industrie, den akademischen Berufen, und +vor allem den Großstädten zu. Das seit Jahrhunderten betätigte Wohnen in +den Städten, bedingt durch Eigenart, aber auch durch das +mittelalterliche Gesetz, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein Geltung +hatte, läßt sie allmählich in die größeren Städte abwandern, wo die +Verdienstmöglichkeiten sich stetig vergrößern. Dazu trägt auch die +antisemitische Ostmarkenpolitik bei, welche die Juden aus den Provinzen +Posen, Ost- und Westpreußen vertreibt. Der Druck der Hakatisten, der +wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott der evangelischen +Deutschen den Juden im Osten gegenüber, läßt ihre Stellung zwischen +Deutschtum und Polentum unhaltbar werden. Dazu kommen elementare +Ausbrüche der von den Antisemiten bearbeiteten Volksschichten. Der +„Ritualmord von Konitz“ ist eins dieser bezeichnenden Ereignisse. +Fluchtartig verläßt der Jude diese Städte, deren Charakter durch seine +Anwesenheit noch ein deutscher war, und überläßt den Platz den Polen. + + +Die neueren Schriften über das Ostmarkenproblem geben sämtlich zu, daß +die durch die staatliche und gesellschaftliche antisemitische Politik +bedingte Vertreibung der Ostmarkenjuden ein bedeutsamer Mißgriff war, +der sich nach drei Seiten bemerkbar machte: + +1. Für die Entwicklung dieser Städte, die durch den Verlust von +Menschen, von Kapital und von unternehmungslustigen und fähigen +Elementen gehemmt wurde. + +2. Für die deutsche Sache. Der Wegzug von ca. 150 bis 200000 Juden aus +den bedrohten Provinzen hat die deutsche Sache um so viel Anhänger ärmer +gemacht. + +3. Für den Staat. Der Jude der Ostmark (wie überhaupt in ganz +Deutschland) war ein zuverlässiger Staatsbürger, auf den in jeder Zeit +gerechnet werden konnte. + +Organisationen über Organisationen erwuchsen aus dem reichen Boden der +Gebiete rechts der Elbe. Deutsche und polnische Kleinbauern-Genossen- +schaften, Vereine der Gutsbesitzer und Groß-Eigentümer, die zugleich die +Zucker- und Spiritusfabrikation besaßen, politische Organisationen +beider Sprachengemeinschaften, alle aber mit leicht antisemitischen +Tendenzen, die durch den in Berlin geborenen Antisemitismus erst voll +und ganz durchtränkt werden sollten. Was dagegen der Jude an +Organisation entgegenstellte, war kaum der Rede wert. Er organisierte +sich nicht wirtschaftlich, sondern verzichtete darauf, sich in einen +Kampf einzulassen, in dem außer Regierung und Verwaltung auch die breite +Masse des Volkes gegen ihn Stellung nahm, und verschwand in die +Großstadt, wo er untertauchen konnte.¹ + + ¹ Die oft zitierten jüdischen Vereine haben keinen wirtschaftlichen, + sondern einen humanitären Charakter. + +Dadurch ist die unnatürliche plötzliche Überschwemmung der Hauptstädte +mit Juden bedingt worden. Nicht nur die Jungen und Fähigen kamen; viele, +die sich nicht mehr anzupassen wußten, schwemmte die Flut herein. Ältere +Menschen, die überall anstießen, weil sie in dem neuen Beruf nicht mehr +von der Pike auf dienen konnten. Neben einer großen Menge von Begabten +und Energischen auch „Luftmenschen“, Bassermann’sche Gestalten, labile +Charaktere. Aber was das junge Blut anlangt, so kann man leicht zeigen, +daß es Deutschland zum Segen gereichte. Deutschland ist der große, +kräftige und reiche Staat in hohem Maße auch durch die Mitarbeit der +_Juden_ geworden. + +Bekannt ist deren Mitwirken an der finanziellen Entwicklung. Die +Finanzgrößen, die die deutsche _Geldwirtschaft_ und die Großbanken +schufen, waren zum großen Teil Juden. Das Erstarken unserer finanziellen +Kraft liegt in der glücklichen Ausgestaltung unserer Finanzinstitute. +Die Banken sind nach Sombart eine jüdische Erfindung. Die Barone +Oppenheim sind die Gründer der ersten, der Darmstädter Bank. Neben den +Rothschild’s ragen als Eisenbahnkönige einige jüdische Häuser wie die in +Bayern nobilitierten Eichthal und die später in Preußen geadelten +Fould’s, später Dr. Strousberg und der Baron Hirsch hervor. Das Bankhaus +Mendelsohn hat heute noch seine nahen Beziehungen zu den maßgebenden +Stellen des Reiches, und der Chef der Firma Bleichröder ist der +Öffentlichkeit populär geworden, weil er Bismarck zu der hohen +französischen Kriegsentschädigung von 5 Milliarden in Gold zu bewegen +wußte. Auch die modernen Finanzgrößen, die Leiter unserer wichtigsten +Institute, zählen Juden an erster Stelle auf. Wir erinnern an die von +Cohn, von Wassermann, Fürstenberg, Speyer-Ellissen, von Schwabach, +Goldberger . . . + +Die Arnold, Berliner und Deutsch sind Namen, welche in der neudeutschen +Wirtschaftsgeschichte einen guten Klang besitzen. Hagen-Köln (früher +Levy geheißen) war wohl einer der Männer, welcher in dem Aufsichtsrat +der größten deutschen Gesellschaften den mächtigsten Einfluß besessen +hat. + +Juden haben in Hamburg die _Strumpfindustrie_, in Fürth das +_Spiegelglas_, im posenschen die _Schnapsbrennerei_ großgemacht. Wir +treffen sie auch als Großindustrielle in der _Seiden_fabrikation. + +Neben unseren vortrefflichen Geldinstituten haben uns vor allem unsere +großzügigen Wollfirmen die Kriegführung erleichtert. Der deutsche _Woll- +und Baumwollmarkt_ ist von Juden geschaffen und auf die Höhe gebracht +worden, die er heute einnimmt, wie wohl kein Kenner der Verhältnisse +bestreiten wird. Unter den vielen Tüchtigen verdienen hier die Gebrüder +Simon namentliche Erwähnung. + +An den grandiosen Woll- und Baumwollhandel konnten sich die zahlreichen, +vielfach jüdischen, Textilfabriken anlehnen. Die blühende deutsche +_Konfektion_ ist quasi eine jüdische Domäne. + +Daneben erinnere ich an den Leipziger _Rauch_markt. Wer die berühmte +Pelzmesse kennt, weiß, daß jüdischer Fleiß und Erwerbsfreudigkeit hierin +Deutschland eine erste Stelle in der Welt schuf. Die großen +„_Felljuden_“, welche unsere Lederindustrie mit ausbauten (z. B. +Adler-Oppenheimer), und die _Stiefelkönige_ sind bekannt. + +Den Neid aller Völker, den Stolz Deutschlands bedingte unsere so rasch, +fast über Nacht zu grandioser Größe entwickelte _Handelsflotte_, die +auch in Kriegszeiten dem Reiche ihre Dienste leiht. Der Schaffer der +Hamburg-Amerika-Linie aber ist der viel genannte _Ballin_. Seine +Bedeutung für die Entwicklung Deutschlands wird einst die Geschichte zu +würdigen haben. + +Der Vater der _elektrochemischen_ Industrie war der jüngst verstorbene +Rathenau, der Schöpfer der A.E.G. Sombart behauptet, daß auch die +Siemens und Halske-Werke erst den Wettkampf um die Vormachtstellung der +deutschen Industrie in aller Welt aufnehmen konnten, als der jüdische +Direktor Berliner an leitende Stellung trat. Aber nicht nur in +friedlichen Zeiten bedang die A.E.G. Deutschlands Ruhm und Größe. In +unserm Kriege haben sie Bedeutendes geleistet, wenn es jetzt auch noch +nicht Zeit ist, darauf näher einzugehen. + +Viel geschmäht worden ist die Arbeit der Juden auf dem Gebiete der +_Waffen-_ und _Munitionsfabriken_. Wie vereinzelte Sozialdemokraten die +Wichtigkeit der Kruppwerke und ihre vaterländische Rolle mißverstanden +und vor der breitesten Öffentlichkeit verunglimpften, so wußte +seinerzeit Ahlwardt den großen _Löwe_konzern zu verdächtigen. Aber die +„Juden“flinten, die Maschinengewehre und alle die Waffen, welche unsere +Heeresleitung von diesen Unternehmungen beziehen konnte, waren letzten +Endes nicht bedeutungslos. Der Nur-als-Krämer und Schacherer verschriene +Jude hat dem Reich zu Kriegsbeginn wertvolle Stätten zur Verfügung +stellen können: Angefangen von dem reich überfüllten Wollmarkt, von den +Handelsschiffen, welche die Flotte stützten, bis zu den Fabriken, die +direkt oder indirekt dem Heere alle Mittel moderner Kriegsführung +lieferten. + +Wenn wir an die treue Mitarbeit jüdischer Firmen in der +_Maschinentechnik_ anknüpfen, dann dürfen wir als deutsche +Unternehmungen von Weltgeltung herausgreifen die _Orenstein und Koppel_ +A.G., (Kleinbahn- und Baggerfabrikanten), die Mannheimer _Ladenburgs_, +die Nürnberger _Bings_. Selbst Erzschürfungen (Hirsch und +Beer-Sondheimer-Kupfer) werden von ihnen inauguriert. Caesar Wollheim, +v. Friedländer-Fould sind in ‚Kohle‘ bekannt. Neben der Wichtigkeit des +Materials und der Arbeitsstätten ist es Geheimrat Haber, der durch die +künstliche Gewinnung des Stickstoffes erst die ganze deutsche +Munitionserzeugung gewährleistete, und der (nach Davis Trietschs +Broschüre, „Juden und Deutsche: Eine Sprach- und Interessen- +gemeinschaft“²) jüdischen Eltern entstammt. Auf solche Köpfe kann die +deutsche _chemische_ Wissenschaft stolz sein. Wie ja überhaupt die +chemische Industrie Deutschlands Größe in der Welt mitgeschaffen hat. +(Es sei u. a. auch des jüdischen chemischen Industriellen _Gans_ +gedacht, dessen Sohn übrigens auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und der +Ballontechnik Bedeutung hat.) + + ² Verlag R. Löwit, Wien 1915. + +Auch sonst wäre noch viel aufzuführen. Wir könnten manches über andere +Wirtschaftskomplexe hier anfügen, so vom Tabakmarkt, von dem Sombart +behauptet, daß Juden die Tabakindustrie in Deutschland einführten. +Ebenso wie in der modernen Zigarren- und Zigarettenfabrikation halten +Juden den Wettbewerb als Uhren-, Sekt- und Schokolade-Fabrikanten und +als Getreideimporteure usw. usw. + +Wir wollen nicht ermüden. Die Reichtümer, die einzelne Juden sich +erwarben, waren nicht unverdient. Sie sind bedingt dadurch, daß +Deutschlands Handel und Wandel zu der Größe geführt wurde, die den Neid +der fremden Völker erregte, aber damit auch unserem Lande die +Möglichkeit gab, auch auf dem wirtschaftlichen Felde den allgewaltigen +Kampf gegen die Unmenge von Feinden so siegreich zu bestehen. + +Auf dem Zeitungsgebiet zeigten die _Mosse_, _Ullstein_, _Sonnemann_ +(Frankfurter Zeitung) ihre Tatkraft und schufen, trotzdem ihre Blätter +als „verjudet“ verschrien wurden, gewaltige Betriebe. _S. Fischer_ ist +der bedeutendste literarische Verleger, _Reinhardt_, der +_Bühnentechniker_, welcher dem modernen Theater reiche Impulse verlieh, +ist gleichfalls Jude. Als _Antiquitätenhändler_, _Numismatiker_, als +_Sammler_ jeder Art haben die Juden den deutschen Ruf in der Welt +mitbegründet. + +Besonders stark angefeindet wurden sie in der Wissenschaft. Um auf +diesem Gebiete ihr Können einigermaßen zu belegen, müßten wir allein ein +dickes Buch schreiben. Aber ein paar Beispiele dürfen wir wohl geben. So +ist in der Medizin die Lehre der _sexuellen Krankheiten_ durch drei +Juden — _Neisser_, _Ehrlich_, _Wassermann_ — in grandioser Weise +gefördert worden. Neisser, der Entdecker des Gonokokkus, Wassermann, der +feinsinnige Schaffer des luetischen Blutnachweises, und Ehrlich, welcher +eine moderne Waffe gegen die Syphilis schmiedete. Die _Juristen_ +sprechen von den Begründern der deutschen Rechtswissenschaft, von +_Staub_ und _Dernburg_ mit all der Hochachtung, die man diesen kaum +vorenthalten dürfte. Die _Sprachwissenschaften_ (die _deutsche_ z. B. +vertreten durch _Mauthner_) schätzen die jüdische Mitarbeit; +_Statistik_, _Nationalökonomie_, _Chemie_³ sind wie _Literatur_, _Musik_ +und andere kulturelle Gebiete durch deutsche Juden befruchtet worden. +Auf _Schachturnieren_ (Lasker, Steinitz, Zuckertort, Tarrasch), aber +auch auf den olympischen Spielen, am Turf und auf gefahrvollen +Expeditionen bewährten sich Juden. _Emin Pascha_ hieß einst Schnitzer, +ein bedeutender Arabien-Forscher war _Glaser_, als einer der ersten +wirkte in deutschen westafrikanischen Schutzgebieten und erlag dort der +Malaria: Dr. _Kaiser_. . . . + + ³ Der letzte Nobelpreis für Chemie fiel nach Deutschland. Sein + Träger wurde eine allgemein anerkannte chemische Autorität; der + Nachfolger Bayers in München, der Vorstand des dortigen + staatlichen Laboratoriums, Geh. Rat Professor Willstätter. + + +Die antisemitische Bewegung, die vor dreißig Jahren gegen die Juden +entstand, ist dadurch erklärlich, daß von den vielen hervorragenden +Verdiensten deutscher Juden viel zu wenig bekannt wurde. + +Die politische Geschichte übergeht die Abstammung des ersten deutschen +Reichstagspräsidenten von Simson, der seinem Könige mehrfach die +Kaiserkrone antrug. Das damals als Musterländle gepriesene Baden hatte +einen nicht einmal getauften Finanzminister: Ellinger. + +Das waren einzelne Personen, die ihr Bestes für das Werden des Reiches +einsetzten. Schon in den 40er Jahren waren es jüdische Dichter in der +Sturm- und Drangperiode, welche für Einheit und Fortschritt eintraten. +Berthold Auerbach und Andere, deren Namen heute vergessen sind, mußten +wegen ihrer Zugehörigkeit zu alldeutschen Burschenschaften hinter +Kerkermauern dafür büßen, daß sie für ein geeintes Deutschland +agitierten. + +Bedeutender zeigt sich aber die Mitwirkung jüdischer Elemente bei der +Ausgestaltung des deutschen _politischen_ Lebens. Kein Volk der Welt hat +ein so gut fundamentiertes Parlament, in dem so überzeugungstreue +Parteien sitzen, die nicht nach Laune, nach persönlichen Vorteilen +stimmen, sondern die — oft viel zu sehr — nach theoretischen +Überlegungen und prinzipiellen Anschauungen den Fragen nähertreten. Kein +Abgeordnetenhaus hat sozialer und menschlicher gearbeitet. An ihren +Früchten kann man am besten nicht nur die Bäume, sondern auch die +Parlamente erkennen. Unsere _konservative_ Partei feiert als einen ihrer +Mitbegründer Stahl; Lasker und Bamberger schufen die _liberale_ Partei; +Marx und Lassalle standen an der Wiege der _Sozialdemokratie_, die in +Singer, Haase, Bernstein und Frank mit ihre besten Führer fand. + +Da wir noch keine Abhandlung über die jüdische Mitarbeit an der +Entwicklung Deutschlands in der neuesten Zeit besitzen, so war es wohl +nicht unangebracht, sie mit einigen Beispielen zu belegen. Ähnlich wie +_Deutschland_ in der _Welt_, so machten sich die _Juden_ in +_Deutschland_ „unliebsam bemerkbar“. + +Der Umwelt erschienen einst die deutschen Waren als „billig und +schlecht“, die aufblühende deutsche Flotte war den Engländern, die als +handeltreibendes Seevolk ein Monopol anstrebten, eine freche Konkurrenz, +die deutsche Beteiligung in der Weltpolitik kam den Engländern als +Aufdringlichkeit vor, selbst wenn sie noch so zurückhaltend war. + +Dazu kamen noch historische Vorurteile, von welchen z. B. besonders die +Franzosen nicht loskamen. Das Geschrei der Gasse umnebelte selbst +intelligente Engländer, Franzosen, Italiener, Amerikaner, Rumänen, +Russen. Auch in der neutralen Welt gibt es leider tüchtige Menschen, die +sich alle Fabeln über die Unkultur der Deutschen, über die +Eroberungssucht des Kaisers und seines Volkes zueigen machten. + +Geradeso hat man oft von den Juden gesprochen. Man hat sie des Mangels +an Kultur und an Redlichkeit geziehen und all des Schlechten, was man +den Deutschen heute nachsagt, beschuldigt. Wollten sie beim Militär +Karriere machen, dann hinderte man sie daran; wenn daraufhin wieder +Manche keine sonderliche Lust am Dienste hatten, hielt man es ihnen +wieder vor. Wurden sie reich, dann erweckte das Eifersucht; war irgendwo +ein unbedeutender Jude, dann wurde daraus der Schluß gezogen, daß der +Jude überhaupt unfähig ist. Es ist wirklich überraschend, wie ähnlich +das Eintreten Deutschlands in der großen Welt, und das Emporsteigen der +Juden in Deutschland von der Außenwelt gewertet werden. + + +Wir sehen es ja in unserer Zeit, wie nichts zu plump ist, um geglaubt zu +werden, wenn ein Volk neidisch ist. An diesen Instinkt appellierten auch +die Antisemiten. Der Jude, der die deutsche Sozialdemokratie mitschuf, +soll an den Auswüchsen des Kapitalismus schuld sein, bloß weil findige +Köpfe, wie die Tietz, Wertheim, Jandorf, Israel, den Fabrikbetrieb, das +Maschinelle auch in den Kleinverkauf einführten und das Warenhaus +schufen.⁴ Und wie einstmals die Handweber die Fabriken stürmten und die +Maschinen zertrümmerten, so kämpften die kleinbürgerlichen Kaufleute und +Handwerker gegen die Riesenunternehmen, und verwechselten Person und +Sache. Wer diese modernen Erfinder haßte, wurde Antisemit. + + ⁴ Den „kleinen“ Mann haben ähnliche Entwicklungstendenzen in den + meisten Fällen an die Wand gedrückt. Großbäckereien, + Großschlächtereien, Wäschereien, Restaurationsbetriebe im großen, + mit und ohne Filialen sind ähnliche Erscheinungen wie das + Warenhaus, welche die selbständigen Handwerker und Kleinbetriebe + in ihrer Existenz bedrohen. + +Wie _Deutschland in der Welt überall auf Neider stieß, so fand auch der +Jude in Deutschland überall mißgünstige Seelen_. Wie beschränkt diese +waren, geht schon daraus hervor, daß sie durch den Antisemitismus alle +sozialen Fragen und Schäden zu lösen glaubten. + +Die antisemitische Literatur ist zwar recht armselig, aber Deutschland +hat das traurige Verdienst, diese „Wissenschaft“ in der Hauptsache +geschaffen zu haben. Die anderen Länder, die sich vielfach viel länger +und viel ungenierter in der Bedrückung ihrer lieben Juden überboten, +bekamen leider von Deutschland neue Impulse. Die Pamphlete der Ahlwardts +gingen in alle Welt und richteten außerhalb der schwarz-weiß-roten +Grenzpfähle, besonders auch in Österreich, erschreckendes Unheil an. +Noch vor kurzem hat der große Staat Rußland den Juden einen +Ritualmordprozeß gemacht, nachdem vorher Österreich und Deutschland ihre +Ritualmordhetze gehabt hatten. Noch schmachtet in österreichischen +Kerkermauern ein wegen eines „Ritualmordes“, — wie alle Juristen +beteuern, unschuldig — verurteilter armer Jude: Leopold Hilsner. Keine +Lüge war den Antisemiten zu niedrig — man lese nur ihre Bücher — keiner +ihrer Führer zu — bedenkenfrei. Meist waren sie recht dunkle +Ehrenmänner. Aber das Gift, das sie verstreuten, trug dennoch eine +reiche Saat. Ein Mann beteiligte sich dabei, dessen Schriften man nicht +so ohne weiteres mit denen der anderen vergleichen darf: Houston Stewart +Chamberlain. Chamberlain hat zwar neuerdings einiges Wasser in seinen +Wein gegossen. Er hat erklärt, seine früheren Behauptungen gegenüber den +deutschen Juden⁵ nicht aufrecht zu erhalten. Chamberlain ist ein so +maßloser Chauvinist, daß er selbst Christus als Germanen reklamieren zu +müssen glaubte. Er, der noch vor kurzem allen Germanen, auch den +Engländern, Lob sang, hat nun ein Pamphlet losgelassen, für das es kaum +ein Wort der Entschuldigung gibt. Als geborener Engländer durfte er nie +und nimmer in der Weise das Nest beschmutzen, dem er entstammte. Es gibt +nichts Verächtlicheres, als wenn Renegaten dem Volke, dem sie +entstammen, in solcher Weise seine Fehler vorhalten. Wenn sie, die die +Schwächen am besten kennen, sie zusammenstellen, übertreiben und daraus +ein Urteil fällen. Wenn wir nach der Methode Chamberlains dozieren +wollten, müßten wir zu dem Schlusse kommen: Alle Engländer taugen +nichts. Der Engländer ist so und so. Also ist auch Houston Stewart +Chamberlain . . . So ähnlich wurde nämlich nach H. St. Chamberlain über +den semitischen Geist, über den Juden im allgemeinen und im besonderen +geurteilt, selbst wenn er — weit mehr als Chamberlain, der die deutsche +Kultur erst seit einiger Zeit genossen hat — seit _Jahrhunderten_ Anteil +an allen Gütern deutschen Geisteslebens genommen hatte. + + ⁵ Das erklärt er _heute_, nachdem die Rassenverhetzung den Juden das + Leben auf Schritt und Tritt verekelt hat, nachdem seine voreilige + Behauptung gegen die Juden die christliche Nächstenliebe + bedingungslos aus Hunderttausenden zu Gunsten des Hasses gegen + alle Anhänger des mosaischen Glaubens getilgt hat. + +Nein, „der Jude“ in Deutschland war zum Teil tüchtig und fähig, zum Teil +faul und indolent. Er war auf der einen Seite ein stiller Mann der +Wissenschaft, der nach dem Muster des genialen Spinoza, Marx und vieler +anderer, die ohne nach der Anerkennung der Öffentlichkeit zu lauern, in +stillem Kämmerlein ihre Werke schufen.⁶ Es gab aber auch Eintagsgrößen, +die sich kaum von Charlatanen unterschieden. Maezene und Volksfreunde +hat es unter den Juden gegeben, die ihr Vermögen dem Fortschritt +hingaben, ohne daß es die Menge erfuhr. Keine ideale Bewegung existiert, +die nicht an den Juden reiche Förderer hat: für Frauenrechte, für +Kinderschutz, für die Waisen, Arbeitslosen, Blinden etc., die +Bestrebungen für die Abstinenz, für Friedenspropaganda, für +Vegetarismus, für alte Bühnenkünstler, für alle Künste, — der Jude hat +seine Person, sein Ansehen und nicht zum mindesten sein Geld jederzeit +guten und idealen Zwecken zur Verfügung gestellt. + + ⁶ So hat der auf dem Felde der Ehre gefallene jugendliche Komponist, + Kriegsfreiwilliger Walter _Asch_, wie eine Münchener Zeitung + meldet, in allzu großer Bescheidenheit als seinen letzten Willen + hinterlassen, daß seine Werke nicht gedruckt werden dürfen. + +Der Jude, der so sehr für jeden sozialen Fortschritt zu haben war, der +auf Grund alter historischer Gewohnheiten für den Ruhetag in der +Arbeitswoche, für das Angestelltenrecht etc. eintrat, der sich stets für +Freiheit einsetzte, wurde den Massen als Ausbeuter schlimmster Sorte, +als soziales Hemmnis hingestellt. Vergeblich sein Eintreten für alle +demokratischen Ideale, für individuelle Freiheit, für internationale +Verständigung. Wie der wirtschaftliche Neid nicht nur den Blick trübt, +sondern fast blind macht, sehen wir jetzt ja an den Engländern. Diese +Gewaltsmacht, die so oft ganz real die Verhältnisse beurteilte, schilt +die Deutschen Barbaren, während sie ihr Heer zusammensetzt und sich +verbündet mit Hunderttausenden von Negern, Indiern, Zuaven, +Tscherkessen, Kosaken, Kalmücken und allen schiffbrüchigen Existenzen +der neuen und alten Welt. Dieses für Geld geworbene Analphabetengesindel +soll das Vorkämpfertum der Kultur sein! Die Engländer, die am längsten +den Sklavenhandel geduldet, nein gezüchtet hatten, die in Südafrika die +Burenfrauen mordeten, in Ägypten die Verträge brachen und die Indier +verhungern ließen, sind mit Recht als Heuchler an den Pranger gestellt +worden. Bei den Franzosen gelten _alle_ Deutschen als Boches, als +Verbrecher und als Schweine. . . . Dieser Weltkrieg, an dem 10 Millionen +Juden beteiligt sind und schwere Opfer bringen, darf nicht vorübergehen, +ohne daß das von Antisemiten getragene absprechende Urteil über sie in +Acht und Bann getan wird. Ein Urteil, das ebenso unberechtigt ist wie +das der Entente-Mächte über die Deutschen. Nicht nur, weil ein +prächtiges Kaiserwort das gehässige Treiben der Rassen- und +Religionsschnüffler für die Dauer des Krieges unterband, sondern weil +Deutschland und die Welt einsehen muß, daß die Behauptung der +Minderwertigkeit Andersgearteter allzuoft nur eine billige, überall +gehandhabte Waffe des _Neides_ ist. + + +Und so unterstreichen wir nochmals die Tatsache: + + +Daß der Jude am Gemeinwohl, am Fortschritt, an der Entwicklung +Deutschlands freudig teilgenommen hat, kann kein objektiv denkender +Mensch bestreiten. Ob er als Bürgermeister von Posen⁷ oder als Stadtrat +von Berlin⁸ oder Frankfurt, oder im Ehrenamt, oder als Wähler einer +Gemeinde seine Pflicht erfüllen konnte, — als der Abkömmling einer alten +Kulturrasse interessierte ihn alles öffentliche Leben. Die Städte, in +denen die Juden seit langem wohnen und eine gewichtige Stimme haben, +sind nicht schlecht damit gefahren. Das reiche Frankfurt blüht, +Nürnberg, Fürth entwickeln sich überaus rasch, Hamburg gedeiht. + +Die neueste Wissenschaft hat den Juden mehr Gerechtigkeit widerfahren +lassen. _Sombarts_ Arbeiten zeigten die Bedeutung der Juden. Es ist +ziemlich gleichgültig, ob die Juden Handel und Wandel in die Orte +bringen, wohin sie kommen, oder ob sie ihn mit zur Blüte bringen. +Jedenfalls ist dort Entwicklung, wo sie unbedrückt leben können. + + ⁷ Witting (Witkowski). + + ⁸ z. B. Cassel. + + +Außerdem hat eine ziemlich starke Verschmelzung des Adels mit der +deutsch-jüdischen Geldaristokratie, die übrigens auch ca. 100 geadelte +Familien zählt, stattgefunden. Ebenso ist in den besten bürgerlichen +Kreisen vielfach eine Vermischung eingetreten. Solchen Familien +entstammte z. B. Dernburg, der bekannte Kolonialpolitiker, Heyse, der +Schriftsteller, der Admiral Bendemann, andere führende Männer sind mit +Jüdinnen verheiratet.⁹ + + ⁹ So sind z. B. die Nachkommen der bekannten jüdischen Gelddynastien + Gumpert und Heine aus Hamburg mit dem deutschen und + internationalen Hochadel verschwägert, ebenso wie die als + Rennstallbesitzer geschätzten v. Oppenheimer aus Köln, v. Weinberg + aus Frankfurt, die Bernstein-Becker aus Königsberg, v. + Hirsch-Gereuth aus München. Ursprünglich jüdisch waren folgende + nobilitierte Familien: v. Ukro, v. Oppenfeld, v. Renard, v. + Moßner, v. Schwanenfeld, v. Halle, v. Löwenthal u. a. + + + + *Die Juden im Kriege.* + + +Obwohl nachweislich viele jüdische Burschenschafter für das +schwarz-rot-goldene Band gekämpft und gelitten hatten, obwohl in der +Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne jüdische Burschenschafter an der +Spitze der Verbindungen standen, erklärte 50 Jahre später der +Weidhofener Verband der deutsch-österreichischen Burschenschaften alle +Juden insgesamt für jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die +Satisfaktion, also auch denen, die bis kurz vorher als alte Herren dem +Verband angehört hatten. Dieselbe Überhebung, die ein anderer großer +studentischer Verband zeigte, als er Naumann und andere höchst +ehrenwerte deutsche Politiker wegen ‚sozialistischer‘ Tendenzen +ausstieß, veranlaßte geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch +und Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt die +Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdächtigung uns nach. Auch dem +jüdischen Soldaten. + +Der Jude hat sich als Soldat bewährt. In allen Kämpfen der letzten Jahre +haben sich Juden bewährt. Die Bulgaren und Türken haben sie im +vorletzten Krieg vielfach gerühmt. Selbst im antisemitischen Rumänien +ist ein jüdischer Oberst (Brociner), der sich im Krieg 1878 +auszeichnete, der Kommandeur der Leibgarde und des Königl. Schlosses. In +Österreich sind Juden kommandierende Generale, in Italien war der +frühere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon hatte jüdische +Heerführer. + +In den deutschen Freiheitskämpfen gab es viele freiwillige jüdische +Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch den Offiziersrang. Auch +später konnten Juden, hauptsächlich anno 1870, Offiziere werden; aktive +Offiziere standen nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier +hauptsächlich Reserveoffiziere und aktive Militärärzte, ein Jude brachte +es einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major.¹⁰ + + ¹⁰ In Bayern gibt es jetzt aktive jüdische Majore und Oberstabsärzte, + erstere etwa fünf, von letzteren, soviel bekannt wurde, sieben. In + Österreich haben sich Juden als Generale ausgezeichnet; aktive + Offiziere gibt es einige Hundert. Nach Bloch’s „Österreichische + Israel. Wochenschrift“ haben sehr viele während des jetzigen + Krieges ein glänzendes Avancement erfahren. Eine soeben + erschienene Broschüre Ludwig Geiger’s „Deutsche Juden und der + Krieg“, die mir bei der Korrektur vorliegt, bringt genauere Zahlen + über die Beteiligung der deutschen Juden an den Kriegen des XIX. + Jahrhunderts. Hardenberg anerkannte danach schon am 4. 1. 1815: + „Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten + ihrer Mitbürger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des + wahren Heldenmutes und der rühmlichen Verachtung der Todesgefahr + aufzuweisen, sowie die Einwohner Berlins, namentlich auch die + Frauen, in Opfern jeder Art sich den Christen angeschlossen + haben.“ + + Eine Denkschrift der Regierung Preußens vom Jahre 1847 ermittelte + das Verhalten der Juden als Soldaten und stellte fest, daß die + Juden in den Freiheitskriegen wie im Frieden den übrigen Truppen + nicht nachstanden. + +Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure auf den +Standpunkt, den einmal der leider auf dem Felde gefallene Hauptmann von +Treskow also präzisierte: „Wenn wir die Juden prinzipiell nicht +befördern, dürften wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen“. Nach +Schätzungen werden jetzt über 900 Juden als Offiziere, ungerechnet die +Militärärzte, im Felde stehen. Viele sind wegen besonderer Tüchtigkeit +befördert worden, das „Hamburger Israel. Familienblatt“ stellte schon +über 20 Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse fest (z. B. der Flieger +Frankl, der Reichstagsabgeordnete Haas), darunter waren alle +Waffengattungen vertreten. Auch bei der Marine und in den Schutztruppen +haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem Kriege werden die Ziffern +insgesamt zur Verfügung stehen. Das in Breslau erscheinende „Jüdische +Volksblatt“ hat die Namen veröffentlicht, die bestimmt dem Judentum +angehören. Darnach haben bis zum Herbst 1915 knapp 5000 Juden (also fast +1% der gesamten deutschen Judenheit!) das Eiserne Kreuz erhalten, von +über 3000 Juden konnte namentlich festgestellt werden, daß sie den +Heldentod fürs Vaterland gefunden. Leider kann diese wöchentliche +Zusammenstellung nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Da die +jüdische Jugend, soweit sie nicht gedient hatte, gleich zu Beginn des +Feldzuges freiwillig in großer Zahl (— es wäre sehr interessant, wenn +die Heeresverwaltung diese Ziffer veröffentlichen würde —) sich stellte, +sind die Verluste sehr stark.¹¹ In allen jüdischen Jugendvereinen wird +diese Tatsache festgestellt. So ist z. B. in der jüdischen Turnerschaft +eine Kriegssterblichkeit, die sich in den einzelnen Untervereinen bis +33% der Mannschaften (wie z. B. bei dem Ruderklub ‚Ivria‘) stellt. Die +meisten Turn- und Sportvereine der jüdischen Turnerschaft mußten zu +Beginn des Krieges ihren Betrieb aufgeben, da alle Mitglieder zu den +Fahnen eilten. + + ¹¹ Die „Leipziger Neuesten Nachrichten“ konstatierten, daß die in + Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher + Staatsangehörigkeit, in großer Zahl freiwillig zu den Fahnen + eilten. + +Die Mitglieder der jüdischen studentischen Verbindungen stellten +gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern des K. C. +(Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell jüdischer Verbindungen) +rückten fast alle aus; ein Drittel davon als Kriegsfreiwillige. Sehr +zahlreich war auch die Beteiligung freiwilliger jüdischer Ärzte. Nach +einer Statistik beträgt die Verlustliste bei den jüdischen Ärzten schon +über Hundert. Auch der jüdische Arzt hat an der Front und im +Seuchenlazarett seinen Posten ausgefüllt. + +Der tapfere jüdische Soldat und Offizier verschwindet oft in der Menge. +So glaubte man z. B. allgemein nicht, daß der einzige Soldat, der bei +meinem Regiment das Eiserne Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besaß, ein +Jude war (der später als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an +einer jüdischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp bis zum +Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die Tüchtigkeit des +jüdischen Vorgesetzten und Soldaten von hohen Offizieren anerkannt +worden. Exempla docent. Die überaus große Zahl von Beförderungen, +Dekorationen etc., über die sich jeder, namentlich z. B. im „Hamburger +Israelitischen Familienblatt“ informieren kann, gibt die beste Gewähr. +Der österreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit genommen, sich +dahin auszusprechen, daß der persönliche Mut und die Zuverlässigkeit des +jüdischen Soldaten durch diesen Krieg aufs neue bewiesen wurden.¹² + + ¹² Überall ist die Tapferkeit der Juden anerkannt worden. + + Prinz Fuad, der Flügeladjutant des türkischen Sultans, hat dem + offiziellen ungarischen Pressevertreter folgende Erklärung + abgegeben (in der deutschen Presse im Jüd. Echo, München, Nr. 27, + 1915, wiedergegeben): + + „Die jüdische Legion, welche auf den Dardanellen operiert, + verrichtet wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein türkischer + Jude, bekam den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung. In den + übrigen Militärteilen kämpfen die Juden mit andern zusammen + ausgezeichnet. Die türkischen Militärbehörden machen daher keinen + Unterschied zwischen jüdischen und nichtjüdischen Soldaten. Das + Gleiche kann hinsichtlich der jüdischen Zivilbevölkerung gesagt + werden, welche im jetzigen schweren Moment opferwillig dem Lande + hilft, soviel sie nur vermag. Die jüdischen Bestrebungen in + Palästina sind gut bekannt; niemand zweifelt an dem Patriotismus + der türkischen Juden“. + + Und Gustav Hervé sagt über die viel geschmähten russischen + Juden — welche ein eignes Regiment gebildet hatten und in den + erbitterten Frühjahrskämpfen bei Arras fielen — bei Gelegenheit + der Veröffentlichung von Briefen gefallener Juden der jüdischen + Fremdenlegion: + + „Held Litwak — du, dessen herrlicher Brief, geschrieben am Tag + deines ruhmvollen Todes bei Carency an der Seite von 2000 + Mitjuden, ich unlängst abgedruckt habe, vergib diesen armen + Sergeanten, die euch monatelang als schmutzige Judenbuben und + ähnlich beschimpft haben — euch, die ohne dazu verpflichtet zu + sein, in einem Augenblick edler Begeisterung euer Blut großmütig + an Frankreich dahingegeben habt, das in euren Augen das Sinnbild + aller Freiheit und sittlichen Größe war.“ . . . Und das beste + Zeichen, wie sehr die Juden freiwillig für die Freiheit zu kämpfen + wissen, daß gerade die Anführer der polnischen Legionisten fast + durchwegs Juden sind: Nach dem Jüd. Echo (Nr. 31, 1914, München) + ist der Vorsitzende des Polnischen Nationalen Hauptkomités und der + Legionen ein Jude namens Mosche Scherer und ebenso eine ganze + Anzahl von Führern der Legion. + +Ebenso wie der sozialdemokratische wurde auch der jüdische Soldat +endlich einmal von den Meisten vorurteilsfrei betrachtet und bewertet. +Natürlich gibt es auch Fälle, wo sich Vorgesetzte noch nicht in den +Gedanken der Gleichwertigkeit „solcher Elemente“ hineinleben konnten. + +Die ungeheure sozialdemokratische Begeisterung ist nicht zuletzt das +Produkt der so oft geschmähten „inter“-nationalen Denkweise jüdischer +Führer, mit der man früher alles Unrecht gegen Juden deckte und +erklärte. Die Führer haben ihren Patriotismus nicht nur durch billige +Phrasen dokumentiert, sie sind nicht wie andere Sozialistenführer à la +Vandervelde als Wanderredner durch die Lande gefahren, um die Menschen +aufzuwiegeln, haben à la Hervé billige blutrünstige Artikel geschrieben +oder sich als Leutnants, wie D’Annunzio, zu Hause wichtig gemacht. Der +Jude _Ludwig Frank_¹³, vielleicht der fähigste Kopf in der +sozialdemokratischen Partei, trat als einfacher Soldat in Reih und Glied +und fiel — wie er es wünschte — als ein einfaches, aber schönes Beispiel +treuer Vaterlandsliebe. + + ¹³ Der bekannte Genosse Davidsohn „nur“ zweimal verwundet, nunmehr + Offizierstellvertreter. + +Aber nun kam, was nicht kommen durfte. Man hat in vielen Zeitungen über +den Mannheimer, über den Rechtsanwalt, über den Sozialdemokraten Frank +geschrieben. Man hat bewiesen, daß ein Sozialdemokrat patriotisch sein +könne. Daß er aber ein Jude war, diese Tatsache wurde nach Möglichkeit +verschwiegen. — Nicht zum Beweis der Tapferkeit und der Vaterlandsliebe +wollen wir Frank als Juden registrieren. Es liegt eigentlich eine +unglaubliche Verworfenheit des Charakters vor, wenn jemand von einer +kulturell so hochstehenden Rasse wie der jüdischen, von der Tausende im +öffentlichen Leben wirken, welche alle Kulturstätten deutscher und +anderer Bildung genossen haben, annehmen könnte, daß Mannesehre und +Würde bei ihnen nicht zu finden wäre. + +Daß man bei allen Nachrufen aber sichtlich vergessen wollte, zu +erwähnen, daß der erste deutsche Volksführer, welcher mit seinem Tode +die Treue zur Heimat und zum Staate besiegelte, ein Jude war, ist keine +erfreuliche Erscheinung.¹⁴ Ebensowenig wie die Tatsache, daß die Dichter +des großen Krieges, die zuerst verwendet wurden und starben, Juden +waren. Wir nennen nur _Zuckermann_, der das wundersame österreichische +Reiterlied empfand, und _Heymann_, den jungen Königsberger Lyriker, +sowie den Schlesier Georg _Hecht_. Man hat so oft über die billige +Poesie, wie sie Literaten hinterm Schreibtisch gewinnsüchtig betreiben, +gespottet. Zuckermann, Heymann, Georg Hecht. _Ich kannte die glühende +Begeisterung, die sie mit dem Leben zahlten._ + + ¹⁴ Dagegen unterstreichen z. B. die deutsch völkischen Blätter + hämisch, daß Haase, welcher den verunglückten Aufruf veranlaßte, + _Jude_ sei, was man zu Kriegsbeginn, als er noch in minder + unsympathischem Fahrwasser segelte, sorgsam unterließ, bei ihm zu + erwähnen. + + Eine typische Todesanzeige für einen aktiven jüdischen Offizier + mag hier folgen: + + + + + Gestern Abend um ½9 Uhr verschied in der Medizinischen Klinik des + Bürgerspitals zu Straßburg + + *Herr Major* *Max Hollerbaum* + + *Kommandeur des B. Landsturm-Infanterie-Bataillons Passau II + Ritter d. Eisernen Kreuzes, d. K. B. Militär-Verdienstordens usw.* + + Das Bataillon steht in tiefer Trauer an der Bahre seines ersten + Kommandeurs. + + Durch und durch Soldat, ein vornehmer, ritterlicher, zuverlässiger + Charakter, durch Willenskraft und warmherziges Wohlwollen + gleichmäßig ausgezeichnet, war er uns allen vorbildlich auch durch + den Heroismus, den er im Kampfe gegen ein langwieriges, schweres + Leiden bis zuletzt bewahrt hat. Es war ihm nicht vergönnt, wie an + dem Kriege um die Gründung des Reichs so an dem um seine + Behauptung bis zum ehrenvollen Abschluß teilzunehmen. Aber er hat + Treue bis zum Tode gehalten, und sein Gedächtnis wird in hohen + Ehren bleiben. + + Am 27. September 1915. + + *Für das Landsturm-Infanterie-Bataillon Passau II* + + I. V.: *Hauptmann Freiherr von Pechmann.* + + + + Anschließend mag noch bemerkt werden, daß Major Hollerbaum nicht + der einzige aktive jüdische Offizier in der bayerischen Armee war. + Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien nur + einige namentlich genannt: Der alte bayerische Kürassiergeneral + Carl Ritter v. Obermayer, Major Isidor Marx (Vater) und Major + Maximilian Marx (Sohn), die Majore Orfenau, Friedmann, Henle u. a. + Außerdem gab und gibt es viele jüdische aktive Sanitätsoffiziere, + Militärbeamte und auch untere Chargen. + +Wie aber war die Haltung der jüdischen Bevölkerung vor dem Ausbruch des +Krieges? Die Juden haben sich in allem überaus würdig benommen. Daß sie +als Kaufleute und Bankiers usw. nicht wie die Militärs beständig sich um +die Militärangelegenheiten bekümmerten, ist selbstverständlich. Das +berühmte „jüdische _internationale_ Großkapital“, von dem soviel +gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten. Die jüdischen Bankiers und +die jüdischen Kaufleute benahmen sich nicht anders wie die andern +Schichten der Bevölkerung. Ruhig und ernst, wie es der Situation +entsprach, als ihre Söhne entweder freiwillig oder als Militärpflichtige +hinauszogen. Reiche Gaben und Spenden flossen allen Instituten von ihnen +zu. Und was in der Heimat geleistet werden konnte, wurde getan. Männer +wie Ballin, Rathenau, Riesser ruhten im Kriege nicht. Es ist noch nicht +die Zeit, ihrer Verdienste für die Volksernährung, für die +Munitionsergänzung und anderer Dinge zu gedenken.¹⁵ + + ¹⁵ Otto v. Gottberg, die offiziöse Feder unseres Kriegsministeriums, + schreibt in einem Artikel „D. K. R. A.“ über Rathenau: „Er kam + ohne Ruf und Amt, ein Deutscher in Sorge um das Vaterland. Wie + wenige ein Kenner unserer Wirtschaft, fühlte Dr. Walter Rathenau, + daß Deutschland einen längeren Krieg siegreich nur dann überstehen + könne, wenn der Staat ohne Säumen zu organisiertem Sammeln, Sparen + und Mehren der für die Kriegführung nötigen Stoffe schritt. Der + Kriegsminister sah den Mann, den er gesucht hatte. Sankt + Bureaukratius schlug wohl unter Protest die Hände über dem Kopf + zusammen, als der General den Zivilisten, Doktor und Ingenieur mit + höflicher Geste beim Kragen nahm und im Allerheiligsten der + Heeresverwaltung in einen Stuhl setzte mit dem Auftrag, die + Kriegs-Rohstoff-Abteilung ins Leben zu rufen.“ + + Die Art, wie Rathenau die Aufgabe in achtmonatlichem Wirken löste, + sichert ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte des + Wirtschaftskrieges. + +Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine zu geringe +Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen Gründen oder aus Laune +Junggesellen; die vielen Spätehen der akademischen Kreise und der +Kaufleute bedingten einen hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die +Kinder haben, begnügen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit, +welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen hat, wird der +Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er rächt die Beschränkung der +Kinderzahl. + +Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwächte deutsche +Judenheit weiß, daß dieses elementare Ereignis ihre Reihen noch mehr +lichten wird. Alte Familien werden durch den Krieg erlöschen, die +deutsche Judenheit wird unendlich geschwächt und in ihrer Existenz +erschüttert aus dem Kriege hervorgehen. + +Die jüdische Jugend zahlte gern die Teilnahme an der deutschen +Kulturgemeinschaft mit dem Tode. + + + + + + + + + * Juden im Ausland.* + + +Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien hat nur 40000, +Frankreich 120000, England nicht ganz 300000, also alle drei Länder +zusammen nicht viel mehr als Preußen. In der englischen Regierung saß +vor 35 Jahren ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck +eine Verständigung der beiden Länder herbeiführte. Heute hat im +britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille, das des +Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten eine Stimme hat. + +In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften +italienischen Juden und einer englischen Christin. Außerdem ist in +Italien der Finanzminister Luzzatti Jude, der sich ursprünglich gegen +den Krieg aussprach.¹⁶ Das judenreinste Kabinett Rußlands trägt die +Hauptverantwortung für diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am +wenigsten zu sagen haben, hat am stärksten zum Kampf gedrängt. + + ¹⁶ Die Abkunft Barzilais’ ist übrigens nicht sicher auf Juden + zurückzuführen. + +In England lag die Entscheidung ausschließlich bei wenigen Nichtjuden. +Bedeutende englische Juden hatten sich gerade in den letzten Jahren für +eine gegenseitige Annäherung Deutschlands und Englands bemüht, weil sie +instinktiv die Entfremdung der Länder bemerkten.¹⁷ Als der Krieg begann, +legten Sir Cassel und Sir Speyer ihre Würden nieder. + + ¹⁷ Dafür hat Ernst Cassel Millionen gespendet, die er dem Kaiser + übermittelte; der einzige Engländer, der sich die Freundschaft der + beiden Länder etwas kosten ließ und sich ernsthaft darum bemühte. + +In Frankreich war das Kabinett wie in Rußland und Serbien „judenrein“. +Die Juden an der Pariser Börse haben wahrlich keinen Krieg inszeniert. +Als der Krieg aber ein fait accompli geworden war, haben einzelne +frühere Deutsche resp. Elsässer in Frankreich und England aus der Angst +für ihre Existenz unsympathische Kundgebungen erlassen. Ob sich darunter +viele Juden befanden, weiß ich nicht. Ich konnte es nicht erfahren. Der +berüchtigte Obermacher der Bethlehem Steel Company, _Schwab_ in Amerika, +welcher wohl der anrüchigste Typ des Renegaten ist, stammt von +württembergischen Eltern, ist nicht, wie deutsche antisemitische Blätter +verleumderisch behaupten, ein Jude. Er ist vielmehr der Nachkomme eines +Pfarrers. + +Wenn in einem Staate eine ziffernmäßig einflußreiche jüdische Volkschaft +war, die sich für den Frieden hätte einsetzen können, so wäre es die +Rußlands gewesen. An sieben Millionen Menschen, die aber in der Duma nur +durch _einen_ Abgeordneten vertreten sind. (Auf diese Juden werden wir +noch später zu sprechen kommen.) Sie waren vollkommen machtlos. + +Der Jude ist nicht, wie das alte, aber abgeschmackte Märlein der +Antisemiten es will, der Brandzünder des Weltkrieges gewesen. Er war ein +Freund des Friedens. Er würde als Kriegshetzer auch am allermeisten +gegen sein Interesse handeln. Der Beamte wird im Krieg durch den Staat +hinreichend ökonomisch geschützt, der Bauer findet nach dem Kriege immer +seinen Grund und Boden wieder. Der Jude aber als Kaufmann hat durch die +Unterbindung des Außenhandels enorm verloren. Bei einer großen Zahl der +jüdischen Firmen ist mit einem Schlage der Lohn arbeitsvoller Jahre +dahin gewesen. Und nach dem Kriege wird es auch für sie des größten +Fleißes bedürfen, um nur annähernd das wieder zu erreichen, was man +vorher an Wirtschaftsbeziehungen besaß. + +Am meisten unter allen Völkern haben die _Juden in Österreich_ gelitten. +Die Besetzung Galiziens und der Bukowina stürzte 800000 Juden ins +Unglück. Der ruthenische oder polnische Bauer wurde von der russischen +Regierung mit aller Schonung behandelt. Gegen den Juden ist man jedoch +mit aller Niedertracht verfahren, die man sich denken kann. Der Bauer +hat sein Heim, seine Ernte, seinen Verdienst behalten. Der galizische +Jude ist —, wenn er nicht gar nach Sibirien transportiert wurde, — zum +armseligen Bettler geworden. Sein Haus, seine Ware, sein Geld +vernichtet, er selbst brotlos und heimatlos. Man lese darüber das Buch +Segels „Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen Volkes“¹⁸ — und +man wird das Gruseln dabei lernen. + + ¹⁸ Verlag Stilke, Berlin 1915. + + +Eines der auch amtlich nachgewiesenen Ereignisse möchte ich hier zur +Probe nach der Schilderung Benjamin Segels wiedergeben: + +„Im 16. Jahrhundert pflegten sich die Kosaken im Kampfe gegen Polen +eines von den Tataren entlehnten Kriegsmittels zu bedienen: wenn sie +eine Festung stürmten, trieben sie mit Lanzenstichen und Gewehrfeuer +Gefangene vor, die Säcke voll Erde auf den Schultern trugen und unter +dem Kugelregen ihrer eigenen belagerten Landsleute die Laufgräben um die +Festung ausfüllen mußten, wobei sie unter der Last begraben wurden. +Diese unmenschliche Sitte ist aus dem Kriege zwischen zivilisierten +Völkern verschwunden. Die Japaner haben nur oftmals gegen die russische +Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer auffingen. +Die Russen aber haben in Galizien aufs neue den Brauch eingeführt, +Menschen, wehrlose Menschen zu diesem Zwecke zu gebrauchen. Nicht etwa +Gefangene, sondern Nichtkämpfer, Greise, Frauen und Kinder. Vor +_Nadworna_ im Südosten Galiziens geschah das Furchtbare. Die Russen +brachten _eintausendfünfhundert jüdische_ Familien zusammen und trieben +sie vor die österreichische Front, während sie selber hinterdrein +vorrückten. + +Die menschliche Sprache hat keine Worte, um das Grausame dieser Untat +auch nur annähernd zu kennzeichnen.“ — + +Bekannt sind die Befehle russischer Kommandanten, von denen ich z. B. +den des Etappenkommandeurs von Krosna, vom 10. März, wiedergebe: + +„Für jeden Fall, in dem die deutsche oder österreichische Regierung +jemanden aus der nichtjüdischen Bevölkerung bestraft, sind die Juden +verantwortlich. Zu diesem Zweck werden jüdische Geiseln mitgenommen und +für jeden Nichtjuden wird man zwei Juden umbringen.“ + +Das Stockholmer Blatt „Sozialdemokraten“ konstatierte: Jeder russische +General, der eine Niederlage erleidet, schiebt die Schuld einfach +auf — die Juden in dem Gebiete, wo er ist. Die Juden wurden zu +Zehntausenden ausgewiesen: auf lose Angebereien wurden sie erschossen +und erhängt. + + +Und in _Rußland_? Die russischen Juden dürfen, das ist in Deutschland +kaum bekannt, nur in den westlichen polnischen, litauischen und +bessarabischen Provinzen Rußlands wohnen und auch hier nicht auf dem +Lande, sondern nur in den Städten. Sie sind vom Ackerbau abgeschlossen, +Bodenerwerb ist ihnen streng untersagt. Künstlich hat die russische +Regierung alle modernen Bildungsbestrebungen verboten, alle +freiheitlichen Regungen unterdrückt, die idealistische Jugend, die ihre +Glaubensgenossen organisieren wollten, die für irgend einen Fortschritt +kämpften, gefangen gesetzt. Tausende gerade der Fähigsten sind +ausgewandert. Amerika nahm allein 2 Millionen dieser unfreiwilligen +Emigranten auf. Was blieb, ist ein Torso. Die ständigen Judengesetze und +Verordnungen treiben willkürlich die Juden in gewissen Städten zusammen. +So hat das Jahr 1882 eine maßlose Überfüllung des Ansiedlungsrayons +hervorgerufen. Das polnisch-jüdische Ghetto ist ein modernes +Kunstprodukt, wofür die russische Regierung verantwortlich zeichnet. Mit +Gewalt hält die Obrigkeit die jüdische Bevölkerung in Armut, hindert +jede hygienische Regung und verbietet alle geistigen Bestrebungen. Es +ist unmöglich, daß die Verhältnisse anders sind, als wir sie antreffen, +und das antisemitisch absprechende Urteil berücksichtigt nicht, daß es +sich um ein Volk handelt, das in allem geknebelt und entrechtet ist. Der +Krieg, der sich im Westen Rußlands abspielt, hat naturgemäß die Juden am +stärksten betroffen. + +Hunderte jüdischer Gemeinden sind zertreten. Ich habe selbst viele in +Polen sowie nördlich der Weichsel und besonders im Gouvernement Kowno, +sowie in Kurland gesehen. + +Über die Lage der Juden in Rußland informiert das Büchlein von Kurt +_Aram_: Der Zar und seine Juden¹⁹ („Das jüdische Elend in Warschau ist +doch noch viel gräßlicher als alles andere, was ich sah.“) Und Dr. Claus +schreibt im Russenheft der Süddeutschen Monatshefte: „Schon in +Friedenszeiten war das Elend unter den Juden groß; wer einmal einen +Einblick in die Ghetti Warschaus oder einer litauischen Stadt getan hat, +wird das Bild des Grauens so leicht nicht los.“ + + ¹⁹ Verlag Ullstein, Berlin. + +Ich will nicht eingehend über all das Grauenhafte schreiben, was selbst +die russische Zensur in ihren Blättern bringen ließ. Einwandsfreie +nichtjüdische Abgeordnete haben in den denkwürdigen Dumatagen des August +das tragische Geschick des jüdischen Volkes, das von der Regierung zu +allen Zeiten als Blitzableiter dienen mußte, gekennzeichnet. Geben wir +der „Guerre Sociale“, dem bundesgenössischen Blatt, darüber das Wort: + +„Das österreichische wie das russische Polen ist von Polen und Juden +bewohnt. Was hat man getan, um z. B. die Juden für die Sache der +Verbündeten zu gewinnen? Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en bloc +in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn alles das, was +amerikanische Blätter über die den Juden seit Kriegsbeginn zuteil +gewordene _schmachvolle Behandlung_ mitteilen, wahr ist, wie kann +Rußland dann für sie etwas anderes sein, als ein _Land des Schreckens +und der Schande_, wo ihre verfolgte Rasse den Becher bis zur Neige +geleert hat.“ + +Und nochmals die „Guerre Sociale“ (Gustav Hervé): „Mir kommt nicht zu, +in diesem Augenblick, wo das befreundete und verbündete Rußland +schmerzliche Stunden durchlebt, davon zu erzählen, wie es viel zu lange +die Juden behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren +sie im Mittelalter behandelt haben.“ + +Und schließen wir mit den mutigen Worten des jüdischen Dumadeputierten +_Friedmann_, den keine Angst vor Einkerkerung oder vor Sibirien abhalten +konnte, nach allen vorliegenden Zeitungen u. a. folgendes festzustellen: + +„Die Zeitungen registrierten eine ungeheure Menge jüdischer +Kriegsfreiwilliger. Diese Freiwilligen sollten ihrem Bildungsgrad nach +Anspruch auf Offiziersrang haben, aber sie wußten ganz gut, daß sie als +Juden den Offiziersrang nicht bekamen. Trotzdem zogen sie in den Krieg. + +Zahlreiche jüdische Studenten kamen aus dem Ausland und gingen an die +Front. Die Juden zuhause bauten Lazarette, spendeten viel Geld und +brachten verhältnismäßig _weit größere Opfer als andere Nationen_. + +Viele jüdische Soldaten bekamen auch das Georgskreuz. (Ich habe selbst +verschiedene gesehen. Der Verf.) So war die Stimmung der Juden bei +Kriegsausbruch. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß im Polenland +jüdisches Blut in starken Strömen fließt, und zum Unglück nicht nur von +Feindeshand. Militärbehörden und Regierung brauchten Sündenböcke für +ihre Mißerfolge. Man benutzt zu diesem Zweck die alte Firma, das ist der +Jude. Kaum überschritt der Feind die Grenze, so verbreiteten sich +Gerüchte, daß jüdisches Gold auf Aeroplanen, in Särgen und Eingeweiden +von Gänsen zu den Deutschen floß. Die Legende wuchs, sie verbreitete +sich dank der Agitation der Regierungsagenten und nahm schließlich +ungeheure Dimensionen an. Den Juden gegenüber wurden unerhörte Maßnahmen +angewendet und diese Maßnahmen, die vor den Augen der ganzen Bevölkerung +vollzogen wurden, flößten derselben und der Armee das Gefühl ein, daß +die Juden als schlimmste Feinde außerhalb des Gesetzes stehen. Zuerst +wurden alle Juden aus Polen und Litauen ausgewiesen. _Über eine Million_ +Menschen mußte den Bettelstab ergreifen. Verwundete jüdische Soldaten +mit dem Georgskreuz wurden in Viehwagen und wirklich wie Vieh mit einem +Frachtschein abtransportiert. Jüdinnen, deren Männer, Kinder und Brüder +ihr Blut fürs Vaterland vergossen haben, wurden überall verfolgt. Eine +andere harte Maßnahme war das Geiselnehmen. Es handelt sich hier um +einen unerhörten Fall in der Weltgeschichte. Man nahm als Geiseln +Staatsangehörige des eigenen Landes. Anders als eine Schmach kann man +das nicht nennen.“ + +Trotzdem Millionen nur Jiddisch verstehen, wurden in ganz Rußland die +Korrespondenzen, Telefongespräche, Unterhaltungen auf der Straße in +Jiddisch verboten und die Unglücklichen eingekerkert, die dagegen +verstoßen mußten. + +Rußland erklärt, daß des Zaren „liebe“ Juden Freunde der Deutschen sind, +daß sie denen zu Liebe spionieren, ja sogar auf die russischen Truppen +schießen. Gewiß bestehen vielfach Sympathien für die Deutschen auf +Seiten der russischen Juden, weil viele Deutsche zwar auch Antisemiten, +aber doch nicht so grausame Feinde der Juden sind wie die Russen. Aber +zwischen einigen Sentiments und zwischen der Äußerung irgendwelcher +staatsfeindlicher Gefühle ist doch noch ein sehr weiter Sprung. Selbst +die, welche sich darüber klar sind, daß ihnen die deutsche Regierung +wegen des geringeren antisemitischen Druckes lieber wäre, wagen +sicherlich nicht die geringste Tat. Sie wissen, daß sie als Juden schon +_ohne_ allen Grund als Vaterlandsverräter gebrandmarkt sind, daß man +ihnen über Schritt und Tritt nachforscht. Und sie hüten sich ängstlich +vor jedem Verstoß. Wer die Psyche der Ostjuden kennt, weiß, daß es, +abgesehen vom Hindu, keine friedlichere Bevölkerung gibt. In der +strenggläubigen Bevölkerung sprechen dabei auch religiöse Auffassungen +mit. + + +Was die russischen Juden den Deutschen so nahebringt, ist ihre Sprache +und ihre Kultur. Wohin der deutsche Soldat in Rußland kommt, er nimmt +sich immer den Juden vor, von dem er weiß, daß er Deutsch versteht, und +daß er überhaupt nicht schwer von Begriff ist. + +Die deutsche Regierung, die Militärverwaltung hat überall gerne jüdische +Mitarbeit gesucht und gefunden. Andererseits haben gerade die jüdischen +Gemeinden in weitgehendster Weise die Not unter den Juden gelindert, +sogar im armen Osten haben die jüdischen Religionsverbände ihre +Angehörigen gestützt, und dem Staate damit seine Aufgabe erleichtert. + + + + + + + + + * Die Lehren des Krieges.* + + +Die Ergebnisse aus dem Kriege für das Verhältnis der deutschen Juden zum +Reiche sind leicht zu ziehen. Wie im Frieden, so haben sich die Juden +besonders in den schweren Zeiten der Stürme als gute Staatsbürger +bewährt. Der Burgfriede hat es ermöglicht, daß die, welche durch lange +Zeit als Soldaten II. Klasse und auch als mindere Staatsbürger behandelt +worden waren, ihre Pflicht in vollem Maße taten und mehr als das. Wenn +man die Zahl der jüdischen Kriegsfreiwilligen, die zum Heere strömten, +zählen wird, dürfte mancher frühere Antisemit erstaunen. Soviel Liebe +und Begeisterung für ein Vaterland, das seinen jüdischen Mitbürgern die +Zeiten des Soldatenstands nicht zu den angenehmsten machte, kann nur bei +einem Volke gefunden werden, das in seinem Kern ein loyales ist. Und die +Juden waren und sind denn auch tatsächlich in England, in Frankreich, in +Italien und Österreich, in den Vereinigten Staaten, in Holland etc. +überall als ein unbedingt gut patriotisches Element bekannt. + +Wenn sich etwas aus den Lehren des Augenblicks für die Zukunft ergeben +müßte, so ist es die Forderung der vollen Durchführung der +Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger in Deutschland. Wie sich +in Österreich die Ungarn bewährten, wie die Polen und Elsässer und Dänen +in unseren Heeren zum Erfolge beitrugen, so vor allem die Juden, die nie +auf deutschem Boden ein eigenes Territorium zu gründen suchten, die nie +in geschlossener Organisation irgend welchen staatlichen, sprachlichen +oder kulturellen Bestrebungen der Deutschen im Frieden wie im Kriege +eine Gegnerschaft aufboten. + +Der deutsche Jude hat keine nationale und religiöse Politik, die sich +gegen die der andern Staatsbürger wenden kann. Es gibt keinen jüdischen +Verein, der Deutschland liberal, demokratisch oder sozialistisch regiert +haben will. Wohl aber gibt es jüdische Redakteure bei den +Freikonservativen, bei den Nationalliberalen, bei den Volksparteilern +und in der Arbeiterbewegung. Eine irgendwie einheitliche jüdische +Politik gibt es in Deutschland nicht. Auch ihre religiösen Anschauungen +stören niemanden. + +Nicht um Lohn zu finden, haben die Juden Seite an Seite mit allen +anderen Deutschen gekämpft. Sie haben aber ein Anrecht, nicht um ihre +Freiheit verkürzt zu werden. Es muß _das_ Schauspiel des Friedens +aufhören, daß der Jude, sobald er getauft ist, Professor, Offizier, +Staatsanwalt usw. werden kann. Diese _Prämie auf das Renegatentum_ ist +nicht wert, in Friedenszeiten wiederzukehren. Deutschland darf keine +antisemitische Politik betreiben, es würde sich sonst an das +programmatisch antisemitische Rußland anlehnen. Es kann im Gegenteil +auch nicht dem Ehrgefühl deutscher adliger Offiziere entsprechen, mit +Männern eng verbunden zu sein, die sich ihrer Ahnen und Herkunft +schämen. Es kann nicht die Auffassung der Hüterin des Rechts sein, daß +Richter vorerst ihren Glauben abgeschworen haben müssen; es kann keine +freie Wissenschaft sein, die das christliche Bekenntnis zur +Voraussetzung hat. + +Deutschland, der nunmehrige Freund des _Islam_, kann auch seine +_jüdische_ Bevölkerung ihrer Religion nachgehen lassen, ohne dabei +Schaden für seine christlichen Bewohner zu nehmen. Der Übertritt vom +Judentum zum Christentum muß wieder öffentlich als das gebrandmarkt +werden, was es in den weitaus meisten Fällen wirklich ist: als +Streberei, Gesinnungsheuchelei, Religionsmißbrauch (alldieweil es keine +„überzeugten“ Christen sind, die den Weg zum Taufbecken suchen und ihn +so leicht finden.) + +Der Krieg hat dem elenden Religions- und Rassengezänk im Innern des +Landes hoffentlich ein Ende bereitet, nach außen hin wird es noch genug +Arbeit geben, um den Haß der Nationen, die Zwietracht, Rachsucht, +Mißgunst langsam abebben zu lassen. Auf Jahrzehnte hinaus wird +Deutschland genügend Feinde besitzen, es kann daher die Ruhe im Innern +doppelt nötig brauchen. + +Soziale und biologische Probleme stellen sich in den Vordergrund. Die +deutschen Juden haben der Großstadt und der Sucht, wirtschaftlich zu +erstarken, bedeutende Opfer gebracht. Junggesellentum aus Vorliebe oder +aus Not, weil die Familie ökonomisch eine bedeutsame Last ist, +Kinderlosigkeit und Kinderarmut sind die Kennzeichen für die Entwicklung +der heutigen deutschen Juden. Ich habe sie in den Büchern „_Der +Untergang der deutschen Juden_“²⁰, „_Das sterile Berlin_“²¹ und in der +_Preisschrift der Gesellschaft für Rassenhygiene_²² des näheren +dargelegt. + + ²⁰ Verlag Reinhardt, München. + + ²¹ Verlag Marquardt, Groß-Lichterfelde. + + ²² Verlag Louis Lamm, Berlin C. + +Nun reißt der Krieg weite Lücken in ihre Reihen. Während Deutschland +wächst, verkümmert der Anteil seiner Juden. _Sombart_ hat nachgewiesen, +wie die Bürokratisierung der Banken, der Schwerindustrie usw. den +jüdischen Einfluß hemmt. Dazu kommt die prozentual geringer werdende +Beteiligung. Die hervorstechende ökonomische Macht der Juden weicht +langsam, aber sicher von selbst. + +Eine antisemitische Bewegung könnte höchstens wirtschaftlich wertvollen +Kräften, die ohnedies abnehmen, Hindernisse bereiten, Unzufriedenheit in +den jüdischen Kreisen säen und den Geist der Zwietracht verbreiten. +Deutschland ist kein einheitlicher Staat, aufgebaut auf Grundlagen +_einer_ Religion, _einer_ Rasse, _einer_ Staatsform. Es ist (ähnlich +Amerika) die glückliche Synthese der verschiedensten +Bevölkerungsschichten, die alle als deutsche Staatsbürger respektiert +werden wollen. Glaubens- und Rassekämpfe müssen verflossenen Zeiten +angehören. Wie traurig ist es, daß noch Millionen von Katholiken +glauben, sich politisch vereinigen zu müssen, um entweder in ihren +Rechten nicht geschwächt zu werden oder sich größeren Einfluß sichern zu +können. Eine Vermischung von Religion und Politik. Sehen wir die +Welfenpartei! Eine Gruppe, die nach fünfzig Jahren noch immer die +Geschichte umwälzen, nochmals die staatlichen Zustände von 1866 +herbeiführen wollte. Die Negation als Grundlage einer politischen +Betätigung! + +Der große Krieg muß auch im Innern eine Reform bedingen. Er muß uns +soweit einander näher gebracht haben, daß wir die volle politische und +bürgerliche _Gleichberechtigung_, die Freiheit des Individuums fürderhin +nicht mehr einzelnen Klassen und Gemeinschaften rauben wollen. Neben den +Sozialdemokraten sind es die Juden, die vornehmlich als treue +Staatsbürger angesehen zu werden verlangen und hoffentlich es auch +erreichen. Mag besonders die Ostmarkenpolitik, die antisemitisch bis in +die Knochen, durch die mehr oder minder gewaltsame wirtschaftliche +Vertreibung der jüdischen Handwerker und Kaufleute in den Städten Posens +und der östlichen Provinzen den polnischen Mittelstand aufblühen ließ, +ein deutliches Warnungszeichen dafür sein, wie schädlich letzten Endes +jede Hetzpolitik ist. + + + + + + + + + * Das Problem der Ostjuden.* + + +Es mag leicht sein, daß ein Friedensschluß dem Deutschen Reich neue +polnische Gebiete bringt. Kein Element wird dann so leicht für das +Deutschtum sprachlich und staatsbürgerlich zu gewinnen sein, wie das +jüdische, das sich durch sechs bis sieben Jahrhunderte, seit es aus den +Rheinlanden vertrieben wurde, die deutsche Mundart — wenn auch in +eigener Entwickelung — bewahrte. Viele der deutschen Soldaten dachten +sich garnichts dabei, als sie in allen Städten Rußlands eine (wenn auch +nicht ganz korrekt) deutsch sprechende Bevölkerungsschicht antrafen. +Einzelne aber waren darüber doch erstaunt. Sie waren auch überrascht, +eine überaus ärmliche, im Wust der Umgebung verschmutzte, aber für alle +Entwicklung empfängliche Masse anzutreffen, die sich gerne den deutschen +Maßnahmen fügte. + +Das Urteil über die polnischen Juden ist bei den Deutschen nicht immer +sympathisch. Jedes fremde Volk hat Schwächen, die dem Fremden auffallen, +und die leicht zu einer vollkommenen Verurteilung führen. Bei den +russischen Juden wird zu wenig daran gedacht, daß die russische +Regierung sie gewaltsam in modernen Ghetti zusammenpfercht. Sie dürfen +nur im Ansiedlungsrayon wohnen, und hier wiederum nur in den Städten. +Vor dreißig Jahren hat man sie so zusammengetrieben ohne Rücksicht +darauf, ob die vorhandenen Wohnungs- und Lebensmöglichkeiten genügten. +Man hat sie zwangsweise in schmutzige Löcher gestoßen. Die vielen +hundert Verbote, die den russischen Juden treffen, rauben ihm die Lust +und das Recht, sich Häuser zu bauen, das Heim auszugestalten. Rußland +will den Juden vertreiben, und so ist er denn auch immer auf dem Sprung, +wegzugehen. Millionen Juden sind bereits nach Amerika, England, +Südafrika, Frankreich usw. ausgewandert. + +Der russische Jude gilt wegen seiner Sprache (Jüdisch-Deutsch oder +„Jargon“) als Deutschfreund. Während sich vielfach Polen und Ruthenen in +Österreichisch-Galizien bei der russischen Okkupation recht eigentümlich +benommen haben, während in diesen Ländern, besonders aber in +Russisch-Polen, die Landbevölkerung in reichlichstem Maße zum +Franktireurkrieg und zu Spionage neigte, verhielten sich die Juden +überaus loyal. Es ist unwahr, daß sie für Deutschland +Kundschafterdienste leisteten; sie haben sich aber naturgemäß auch den +Russen gegenüber durchaus korrekt benommen. Dabei wurden die Juden am +schwersten durch _beide_ Parteien geschädigt. Die Russen haben aus Haß +jüdische Städte, z. B. Szawle, angezündet, und die Deutschen verbrannten +u. a. Tauroggen als Gegenmaßregel gegen russische Greuel in Ostpreußen. +Tauroggen war aber vor allem eine jüdische Stadt. Kalisch, eine echte +Judenstadt, wurde gründlichst zerstört, weil als Zivilisten verkleidete +Soldaten aus Bürgerhäusern schossen. Dadurch wurden Tausende von Juden +obdachlos. Viele Städte wurden durch Bombardements zerstört, wie Lowicz, +Sochaczew etc. Von Seiten der Deutschen mußten vielfach Ausweisungen +jüdischer Bürger erfolgen, da man natürlich keinem der feindlichen +Staatsangehörigen trauen konnte; die Massenausweisungen der Juden aus +Polen, Rußland, Kowno etc. übertreffen ums Dreifache die Zahl der +seinerzeit aus Spanien vertriebenen Juden. Bereits wandern heimatlos +eine und eine halbe Million im Innern Rußlands, und auch in Österreich +sind es Hunderttausende, deren Heim zerstört ist. — + +Der deutschsprechende Jude wird, wie oben bemerkt, als Deutschenfreund +angesehen. So wie die Verhältnisse vor dem Kriege lagen, hätte es den +russischen Juden nichts eingetragen, sich an die Freundschaft +Deutschlands zu wenden. Nicht einmal seine eigenen Juden schützte +Deutschland vor Rußland. Das Zarenreich erlaubte nur ganz ausnahmsweise +den Deutschen jüdischen Glaubens den Eintritt in sein Land. Und +Deutschlands Politiker haben gegen diese monströse Beschränkung niemals +remonstriert. Sie ließen die öffentliche Beschimpfung ihrer Juden zu, +ohne durch irgendeine Gegenwehr, Gegenmaßregel oder nur ernstliche +Vorstellung ihre Staatsbürger vor schimpflicher Behandlung zu schützen. +Und die deutsch sprechenden sieben Millionen Juden Rußlands? Sie gelten +zwar als Freunde Deutschlands, _nur daß Deutschland nicht ihr Freund +ist_! + +Deutschland hat zu Beginn des Krieges durch seine Generale erklären +lassen, daß es den Polen volle Gerechtigkeit widerfahren lassen wolle. +Die Juden, deren Zahl in den Grenzländern bedeutend ist, wurden nicht +sonderlich erwähnt. + +Es ist anzunehmen, daß sich Deutschland nach dem Kriege allen seinen +Juden gegenüber liberal verhalten wird. + +Aber es ist doch sehr die Frage, wenn sich keine gewaltigen +Grenzverschiebungen ergeben, ob die Judenfrage Rußlands einer Lösung +nähergebracht wird. Schon vor dem Krieg hat die russische Regierung die +Bedrückung der Juden systematisch inauguriert, die Pogrome des Jahres +1905 waren bestellte Arbeit. Rußland bekennt sich zu dem Lehrsatz eines +seiner Minister: „Ein Drittel der Juden wird vertrieben, ein Drittel muß +verhungern und ein Drittel ist zu töten.“ (Siehe Errera „Die +Judenfrage“.) + +Die Judenfrage Rußlands interessiert Deutschland aus vielen Gründen. Die +sieben Millionen, die deutsch verstehen und sprechen, bildeten ein +wertvolles wirtschaftliches Element, das gerne mit Deutschland +Handelsbeziehungen unterhielt. Diese sieben Millionen sind die stärksten +Gegner jedes Krieges mit Deutschland, das sie verehren. Wegen ihrer +deutschen Sprache und ihrer deutschen Sympathien sind sie in grausamster +Weise von Rußland bestraft worden. — Deutschland hat den Polen zu +verstehen gegeben, daß es sich ihrer annehmen wird. Mit noch größerer +Berechtigung aber können die _Juden_ erwarten, daß Deutschland sie nicht +vergißt, wenn die Frage der unterdrückten Nationen in den +Friedensverhandlungen aufgeworfen wird. + +Die Juden haben nie im politischen oder sprachlichen Kampfe mit den +Deutschen gelegen (wie die Polen), seit Jahrhunderten sind sie zu einem +Teile fest verwachsen mit der deutschen Erde. Die in Polen +zurückgebliebenen Gemeinden sind bei der Teilung dieses Landes durch +Zufall zu Rußland, Österreich oder Preußen gekommen. Die, welche +russische Staatsbürger wurden, haben seit jener Zeit eine Geschichte des +Leides und der Verfolgung erlebt, die ans finsterste Mittelalter +erinnert. Leider wissen unsere deutschen Mitbürger wohl von „Greueln in +Armenien“, wie sie die Engländer aus politischen Gründen +aufbauschten, — die Regierungspolitik Rußlands jedoch, das sich so lange +als der beste Freund Deutschlands gebärdete, wußte recht gut über allen +ihren Schandtaten dichte Schleier auszubreiten. + +Die deutsch sprechenden Juden Rußlands sind zum Teil Zionisten. Die +Türkei hat an ihren zionistischen Bürgern in diesem Kriege eine gute +Unterstützung gefunden. Deutschland kann sehr wohl, im eigenen Interesse +wie in dem seines neuen Bundesgenossen, ein Entgegenkommen der Türkei +für eine jüdische Besiedlung der verödeten Landstriche Palästinas +befürworten. + +Es kann keine Frage sein, daß sofort nach dem Friedensschluß eine +_Massenauswanderung_ der russischen Juden beginnen wird, welche die +gesamte Völkerwanderung numerisch in den Schatten stellt. Diese Juden, +denen man das Letzte genommen hat, die ein volles Jahr lang gequält und +getrieben wurden, jeden Augenblick gewärtig, erschossen oder zum +mindesten nach Sibirien geführt zu werden, warten nur auf die +Möglichkeit, wieder frei zu atmen. + + +Soll Deutschland diese Emigration nicht zum eigenen Nutzen zu +beeinflussen suchen? Soll der Strom der Auswanderer nach Amerika +gehen?²³ Deutschland wünscht eine moderne Entwicklung der Türkei. Durch +die Verluste, die der Krieg im eigenen Lande zeitigte, ist keine +Emigration der eigenen Massen bevorstehend. Im Gegenteil. + + ²³ Eine wirkliche Masseneinwanderung östlicher Juden in Deutschland + wird schon aus ökonomischen Gründen schwer durchführbar sein. + Dieselbe wäre auch vom jüdisch-nationalen Standpunkt nur eine + Notstandsaktion, die übrigens wegen der vielen Widerstände, die + nach jeder Hinsicht zu überwinden wären, keineswegs einzutreten + braucht. + + +Wenn die Erlösung der kleinen Völker einen Rückhalt an Deutschland +finden darf, dann kann es die gequälte jüdische Masse des Ostens nur in +zionistischem Sinne erlösen. Auf Rußland kann Deutschland nicht +einwirken, wie es seine Untertanen regieren soll. Eine breite Öffnung +der eigenen Grenzen liegt nicht im Wunsch der meisten eigenen +Staatsbürger. + + +Will Deutschland das Bündnis mit der Türkei ökonomisch ausnützen, will +es sich dort eine Masse sichern, die aus sprachlichen Motiven wie auch +aus Dankbarkeit zu Deutschland neigt, dann wird es einer großzügigen +zionistischen Emigration die Wege ebnen, wird „dem Lande ohne Volk das +Volk ohne Land“ geben. + + +Professor Otto _Warburg_ hat schon vor zehn Jahren darauf hingewiesen, +daß die Besiedelung Mesopotamiens von ausschlaggebender Bedeutung für +die wirtschaftliche Erschließung und Entwicklung Vorderasiens ist.²⁴ + + ²⁴ Wir könnten z. B. von daher unsere Baumwolle beziehen und so vom + Auslande unabhängig werden. + +Deutsches Kapital hat die großen Bahnbauten nach Bagdad ermöglicht. Wir +sind alle daran interessiert, daß Deutschland daraus Nutzen zieht. Hier +kann nur eine geeignete Einwanderung helfen, denn die ortsanwesende +Bevölkerungsmenge ist nicht ausreichend. + +Da schon Massen arbeitsloser Juden in Polen den Behörden zur Last +fallen, so wäre es gut, wenn man sich, wie für die ostpreußischen +Flüchtlinge, so auch für das jüdische Proletariat Galiziens und Polens +interessierte. Sobald sich die türkische Regierung entschließt, +einwandernden jüdischen Familien Land anzuweisen, wird auch von der +jüdischen Seite das nötige Geld zur Überführung und Ansässigmachung +aufgebracht werden. Es ist nur nötig, daß sich _der neue Dreibund_ +darüber klar ist, _was er mit dem namenlosen Judenelend machen will_, +wie er den vom Krieg entwurzelten Massen hilft, ohne dabei selbst +Menschen zu verlieren. Denn Menschen sind Geld, Männer sind im +Kriegsfalle Gewehre. Nie hat man die Bedeutung der Ziffer so erfaßt, wie +bei diesem Krieg. + +Kommt aber den Juden vom neuen Dreibund keine Hilfe, dann wandern sie +bestimmt nach Amerika aus und gehen für die deutsche Sache verloren. Mit +ihnen aber ein großes Nationalvermögen, — auch deshalb, weil ja jeder +Emigrant etwas Geld bei sich haben muß, was bei einer solchen +Völkerwanderung allein schon Millionenwerte ausmacht. + +Die Zukunft von Deutschlands kolonisatorischer Tätigkeit liegt im +Orient, in der Türkei. Wie kaum je wieder bietet sich eine Gelegenheit, +die Kolonisation zu fördern. Kenner des Orients, wie Rohrbach, Auhagen, +Paquet²⁵ u. a., sind gerade in letzter Zeit für diese Orientierung der +deutschen Politik eingetreten. Schon früher plante übrigens der +verstorbene Großherzog von Baden, das Interesse der Mächte für eine +organisierte Kolonisation Palästinas durch die Juden wachzurufen. + + ²⁵ Ein soeben von Alfons _Paquet_ erschienener Artikel (in Heft 40 + Jahrg. 1915 des März) „_Juden im Osten_“ kommt zu denselben + Resultaten. Paquet schreibt: + + „Das türkische Volk kümmert sich wenig um den Glauben anderer. Es + erkennt in den Juden die Orientalen, es weiß, daß jene, die aus + dem Westen kommen, zugleich Europäer sind, Träger eines + praktischen Könnens, das dem neuen türkischen Staatswesen Nutzen + zu bringen vermag. Und das eigentliche Palästina? Hat es nicht in + den Jahren, die dem Versuch der Wiederbesiedelung gewidmet waren, + bewiesen, daß es wirklich das Land ist, wo einmal der Wanderer + sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen die den Erzvätern + leuchteten, um auszuruhen und böse Spuren aus seinen Zügen + wischen?“ + + Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein grünes Banner. In dem + von Menschen erfüllten Europa werden sie das wichtigste für ihre + Zukunft: — den Boden — nie erhalten, eher werden sie die Träger + irgend eines unbestimmten Unheils sein. In allen Erdteilen, außer + Vorderasien, fehlen die Möglichkeiten einer Ansiedelung, die den + Juden erlaubt, nach ihrer höchst eigentümlichen Art zu leben und + von dem geistigen Gut, nach dem sie hungern, satt zu werden. Aber + in dem einen kleinen Lande, das schon begonnen hat, zu einem neuen + Dasein zu erwachen, ist Raum und Tragkraft genug, sie aufzunehmen. + Josua und Kaleb sind von ihrer Kundschafterreise zurückgekehrt mit + schweren Trauben. Es kommt jetzt darauf an die Fähigkeiten des + Volkes, die bisher auf die Wüstenreise verwendet wurden, zu wecken + und neu zu gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild der deutschen + Volksschulen, vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze, + werden dazu helfen können. Einst werden dann diese Knaben die + Mannschaft eines neuen morgenländischen Wesens bilden, gleichviel, + ob sie Ingenieure oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder + Gelehrte werden, gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa + bleiben und wie viele wirklich im Morgenland wohnen. Sie können in + einer neuen Heimat ein neues Volk sein — nicht im Sinne jenes + Nationalismus, der in Europa die Völker zerreißt und schlägt, + sondern in dem innerlich freien, nach außen duldsamen Sinne der + morgenländischen Weisen. „Der türkische Baum muß sehr grün werden + und auswachsen.“ „Wer in seinem Schatten wohnen will, muß aber + zuvor sein Gärtner sein.“ — — — + + So denkt ein bekannter Orientkenner über die Judenfrage und das + Problem der Türkei. + +Statt dessen hat man den franzosenfreundlichen Jesuiten, die neben +zahlreichen Schulen eine Universität in Beirut gründeten, den russischen +und griechischen Missionen Raum gegeben und hat die englischen +Machinationen unter den Arabern geduldet. + +Die neu-deutsche Judenpolitik darf des weiteren nicht in den Fehler +verfallen, das jüdische Element im Osten den Polen auszuliefern. In ganz +Galizien hat man die Juden dem Terrorismus der Polen überantwortet. Man +denke sich, daß dort ca. 900000 Menschen ein deutsches Idiom sprechen, +eine Sprache, die der deutschen nähersteht als die flämische Mundart. +Gleichwohl konnte man in Österreich nicht erreichen, daß das „Jiddisch“, +wie es genannt wird, die Rechte einer Sprache bekam. Obwohl es eine +Unzahl von Zeitungen gibt, die täglich in diesem Dialekt geschrieben +werden, und deren Blätter u. a. in Lemberg, Lodz, Krakau etc. erscheinen +(Warschauer und New Yorker Blätter in Jiddisch haben Auflagen von über +100000 Exemplaren), war diese Sprache „von Rechts wegen“ verpönt! Der +Kaufmann sollte seine Rechnungsbücher damit nicht führen dürfen, +Eingaben an die Regierung waren unstatthaft, während unterdessen die +jiddische schöne Literatur in alle Sprachen übersetzt wurde, und +Theaterstücke, ins Hochdeutsche übersetzt, Sensation in Berlin +hervorriefen! + +Auch heute hat die deutsche Regierung die Bedeutung dieses Jargons noch +nicht erfaßt. Eine Volksschicht, die in polnischen Gebieten lebt, greift +aber, wenn sie ihre Muttersprache lassen muß, nicht zu dem dieser +nahverwandten Deutschen, sondern zum _Polnischen_. Es liegt kein Grund +vor, die Polen _künstlich_ zu stärken und ein Volkstum, das sich +sprachlich ans Deutsche anlehnt, seiner Nationalität zugunsten der +polnischen gewaltsam zu entkleiden. + +Sollten größere polnische Bezirke Deutschland und Österreich +angegliedert werden, so muß das _Recht der Minorität_ geschützt werden. +Das moderne Polentum hat sich noch nicht als maßvoller und zuverlässiger +Charakter erwiesen. Wo sie es nur konnten, haben die Polen die Juden +bedrückt und ausgenutzt. Die galizischen Wahlen waren wahre Schlachttage +der Schlachta. In vielen Orten floß jüdisches Blut, weil die Juden keine +Polen wählen wollten. Noch schlimmer erging es den Juden in +Russisch-Polen, wo sie den _Polen und Russen_ gänzlich ausgeliefert +waren. + +Wenn die Franzosen und Italiener von „unerlösten Völkern“ sprechen, dann +haben sie kaum der armen Juden gedacht, und sicherlich nie eine Hand +gerührt, um deren Los zu erleichtern.²⁶ Und sie hätten es doch so +bequem. Sie brauchten bloß ihren Bundesgenossen „darauf aufmerksam zu +machen“. — — — + + ²⁶ Die 2 1/3 Millionen Juden der Vereinigten Staaten sind deshalb + durchweg deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der + Deutschamerikaner haben an ihnen eine rege Stütze gefunden. + Vergessen wir nicht, daß die Stimmung in Newyork, der größten + Stadt Amerikas, für das ganze Land bedeutsam ist, daß sich die + dortigen 1,2 Millionen Juden konstant für die Deutschen + verwandten, weil sie von ihnen eine Erlösung der russischen Juden + erwarten. — Eine offene Erklärung der deutschen Regierung an die + amerikanischen Juden würde eine namenlose Begeisterung erwecken + und die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe + Unannehmlichkeiten wegen der Haltung Rußlands versetzen. Es wäre + die beste Antwort gegenüber all den Enunziationen betreffs der + unerlösten Völker in Österreich und Deutschland. Außerdem würde + Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel für seine künftigen + Anleihen erwarten können. + + +Die Lage des jüdischen Volkes in Galizien ist eine viel bessere als +jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren. Aber was ihnen noch an +nationaler und politischer Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen +darlegen. Umsomehr, als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns +zuführen müßte, die sich nicht wieder Zurücksetzungen und Schikanen +ausgesetzt wissen wollen. + +Die Bedrückung an Ort und Stelle zwingt sonst zu einer ungeheuren +Auswanderung, die auch in Deutschland zu merken sein dürfte. Dagegen +gibt es nur ein Allheilmittel: _Lokale Rechte und Hilfe_; _ferner +Ableitung der überschüssigen Kräfte in den Orient_ durch starkes +Entgegenkommen der verbündeten Regierungen. Das heutige System +entwurzelt nur die Elemente, die einigermaßen fest an der Scholle, an +der Heimat hängen, und jagt sie ins Ungewisse. + +Wenn die deutsche Regierung den östlichen Juden nicht entgegenkommen +kann, wird auch die dadurch sicherlich eintretende Entvölkerung die +wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder bedeutend verzögern. + + + + + + + + + * Schluß.* + + +Der Krieg hat Deutschland bewiesen, daß der jüdische Einfluß, welcher +sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung des Landes, an der +Entwicklung seines Handels und seiner Industrie beigetragen hat, nicht +umsonst war. Der vielverspottete Geist der Rothschild und Bleichröder, +der schon 1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren +gefolgt und hat den Siegen den nötigen Rückhalt gegeben. Börse, +Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe, mit denen der +Militarismus zu rechnen hat. Die deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur +von gewissenlosen Börsenjobbern gegründet sein; denn sie, ebenso wie der +deutsche Wollmarkt²⁷, wie das Sanitätswesen, wie die Fabriken und +Ärzte — alles zu hohem Prozentsatz „verjudete“ Berufe — haben die +Erwartungen nicht getäuscht. Im Innern geht der Handel weiter und erhält +uns unsere wirtschaftliche Kraft, und gibt dem Heere das, was die große +alte Handelsnation England mühselig sich aus Amerika zusammensuchen muß. + + ²⁷ Spottet über die „Leder- und Stiefeljuden“, aber es tat + Deutschland gut, daß die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins + Ausland exportierten, für Millionen Vorräte liegen hatten, die nun + Heereszwecken dienen konnten. + +Voreingenommene Nörgler werden auch nach dem Kriege zu den alten Waffen +des Neides greifen und die hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder +aufleben lassen. Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann +wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-, Rassen- und +Religionshaß in die Rumpelkammer der Geschichte verschwinden. + +Wir können uns aber fürwahr in Deutschland das Leben leichter machen, +brauchen uns nach außen nicht mehr als ein anscheinend in sich +zerrissenes Staatsgefüge zu zeigen, auf dessen Zerfall andere Länder +lauern. Wir nähren damit nur falsche Hoffnungen und törichte +Berechnungen. Deutschland ist groß genug, um allen seinen Bewohnern +Spielraum zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen +und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen. Neben dem +bajuwarischen Menschenschlag möchten wir den etwas differenzierten +Rheinländer, den Märker, aber auch den Ostpreußen nicht missen. Wer +weiß, ob zum Polen und Elsässer nicht auch noch ein flämischer Einschlag +kommt. Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Bürgern, die er +freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist nicht erst +gegen den Willen der Einheimischen „neu zugezogen“. + +Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der Jude im Lande und hat +sich stets allen Gesetzen des Staates willig und gern gefügt. Seine +Religion ist seit drei Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen +und hygienischen Maßregeln durchsetzt, daß sie heute noch Bewunderung +erregen muß. Die Sabbatruhe, das jüdische Familienleben, die +Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht, die sich bei allen Juden, +auch wo der Staat diesbezüglich versagte, längst findet, sind +Emanationen einer Kultur, die nur der Böswillige übersehen und gering +achten kann. + +Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Nächsten und bedarf keiner +Machtmittel, um dessen Lebensnerv aus Angst für sein eigenes Ich zu +unterbinden. Wir haben in diesem Krieg die Unkultur Rußlands und des +Slawentums bekämpft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen Maßregeln +die brutale Gewalt des neidischen England drängte. Mag sich Frankreich +wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig als Hüterin des Fortschritts) +gebärden, Deutschland wird und muß nur noch geläuterter als ein wahrer +Hort der Freiheit seiner Bürger und der neutralen Staaten und Völker aus +dem Kriege hervorgehen. + + +Von den über 14 Millionen Juden hoffen und harren die Meisten auf den +Sieg der deutschen Waffen. Die Sympathien der amerikanischen Israeliten +stehen auf seiten der Zentralmächte. Nicht umsonst und nicht zufällig +ist es gerade die Türkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert +hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte, welche sich an die +Seite Deutschlands gestellt hat. Möge die alte Sage des Talmud, die +Lessing populär gemacht hat, nicht nur in den Tagen der Greuel und des +Völkermordens bei uns eine wahre Stätte der Verehrung finden: die +Geschichte von den drei Ringen. + +Der muhammedanische, der christliche und der jüdische Glaube sind Formen +der Kultur der Menschheit, die so viel der Welt gegeben, die sich so +lange bewährt haben, daß es verbrecherisch wäre, Menschenglück und +-hoffen um einer vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu gefährden. + + +In dem Machtbereich der eigenen und der verbündeten Länder wird dann die +deutsche Politik bedeuten: Friede auf Erden. + + + + + + + + + *Anmerkungen zur Transkription* + + +Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler: + + - *S. 21, Z. 5*: (die deutsche _z, B._ vertreten durch Mauthner) —> + z. B. + - *S. 28, letzte Zeile der Fußnote*: _Sehwanenfeld_ —> Schwanenfeld + - *S. 30, Z. 18*: Untervereinen bis 33% der _Manschaften_ —> + Mannschaften + - *S. 32, Z. 13*: Der Jude Ludwig Frank _vielleichst_ der fähigste + Kopf —> vielleicht + - *S. 35, Fußnote*: fehlende schließende Anführungszeichen, + wahrscheinlich am Ende von ins Leben zu rufen. (andernfalls am Ende + des letzten Satzes in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.) + - *S. 32, Z. 5 der Fußnote*: für die Freiheit _zn_ kämpfen —> zu + - *S. 46, vorletzte Zeile*: _Ein_ antisemitische Bewegung —> Eine + - *S. 47, Z. 3 v. u.*: ein deutliches _Wahrnungszeichen_ —> + Warnungszeichen + - *S. 49, Z. 11-12*: besonders aber in _Russich-Polen_ —> + Russisch-Polen + - *S. 54, Z. 19 der Fußnote*: nach dem sie _lungern_ —> hungern + - *S. 54, Z. 27 der Fußnote*: _morgenlandischen_ —> morgenländischen + +Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefügt: + + - *S. 34, letzte Zeile des Textes*: und anderer Dinge zu gedenken. + - *S. 36, letzte Zeile des Textes*: die Entfremdung der Länder + bemerkten. + - *S. 54, Z. 4 der Fußnote*: um den Glauben anderer. + +sowie fehlende Kommata: + + - *S. 28, vorletzte Zeile der Fußnote*: v. Renard, + - *S. 59, Z. 27*: Sabbatruhe, + +Fußnoten, auf die im Original mit *) verwiesen wurde, wurden im e-Text +durchnummeriert. + + + + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE *** + + + + + *A Word from Project Gutenberg* + + +We will update this book if we find any errors. + +This book can be found under: http://www.gutenberg.org/ebooks/45808 + +Creating the works from public domain print editions means that no one +owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and +you!) can copy and distribute it in the United States without permission +and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the +General Terms of Use part of this license, apply to copying and +distributing Project Gutenberg™ electronic works to protect the Project +Gutenberg™ concept and trademark. Project Gutenberg is a registered +trademark, and may not be used if you charge for the eBooks, unless you +receive specific permission. 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You may copy it, give it away or re-use it +under the terms of the Project Gutenberg License included with this +eBook or online at http://www.gutenberg.org/license. + + + +Title: Die Juden Im Weltkriege +Author: Felix A. Theilhaber +Release Date: May 28, 2014 [EBook #45808] +Language: German +Character set encoding: ISO-8859-1 + + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE *** + + + + +Produced by Norbert Langkau, Enrico Segre, and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net. + +This file was produced from images generously made available by The +Internet Archive. + + + + + DIE JUDEN + IM WELTKRIEGE + + + *Mit besonderer Bercksichtigung* + *der Verhltnisse fr Deutschland* + + Von + + *_Felix A. Theilhaber_* + + + + + 1916 + + + + WELTVERLAG BERLIN, UNTER DEN LINDEN 56 + + + + + + + + + * Inhalt.* + + + ------------------------------------------------------------------ + Vorwort Seite 5 + Einleitung 7 + + Der Krieg und die Juden 13 + Die Stellung der deutschen Juden vor dem Kriege 13 + Die Juden im Kriege 28 + Juden im Ausland 36 + Die Lehren des Krieges 44 + Das Problem der Ostjuden 48 + + Schlu 58 + ------------------------------------------------------------------ + + + + + + + + + + * Vorwort.* + + +Die folgenden Ausfhrungen verdanken ihr Entstehen freien Stunden an der +Front in Kurland, wo ich dem unendlichen Leid der Ostjuden auf Schritt +und Tritt begegnete, einer unterdrckten Menschenmasse, die menschlich +unser Interesse verdient, aber auch sprachlich, da sie den Deutschen +darin noch nher steht als die Vlamen. + +Vor allem gilt die Schrift den Beziehungen der deutschen Juden zu ihrer +Umgebung. Die Verhetzung, welche vor dem Krieg das Volk bald gegen +Sozialdemokraten, Agrarier und Zentrumsanhnger trieb, fehlte nicht +gegenber den Juden. Aber jeder wirtschaftliche Ha, jede +chauvinistische nationale Abneigung wirkt auf die Dauer unfruchtbar und +schdlich. + + * * * + +Damit die gegenseitige Achtung auch nach dem Kriege fortdauere und +innerlich begrndet wird, habe ich dargelegt, da das Wort eines groen +Denkers nicht zu Unrecht besteht: "Jedes Land hat die Juden, die es +verdient". + +"Wer die Luft, die ich atme, den Boden, auf dem ich stehe und in dem +meine Eltern bestattet sind, mir nehmen will, ist mein Mrder . . ." + + +So ungefhr wandte sich vor fnfzig Jahren Gabriel Rieer an seine +Widersacher. Mge uns, wenn wir in die Heimat zurckkehren sollten, +diese Sprache in alle Zukunft erspart bleiben. + +Mge mein Wort der Verstndigung, der Aufklrung und dem Frieden dienen! + + Herbst 1915. + + *Felix A. Theilhaber.* + + + + + + + + + * Einleitung.* + + +Die "Hilfe" vom 2. September 1915 bringt einen Artikel _"Der Krieg und +die russischen Juden" von Paul Barth_. Seine Worte mgen meine +Auseinandersetzung ber das Problem "Judentum und Deutschtum" einleiten. +Paul Barth schreibt: + +"Was aber lauter als alles andere zum Himmel schreit, das sind die +Massenverbrechen, die die russische Militr- und Zivilbrokratie +tagtglich an den "lieben Juden" des Zaren verbt. Wohin das russische +Heer kommt, da ist die erste kriegerische Leistung, da die Juden +ausgewiesen werden. Im Februar dieses Jahres erlie der "Allgemeine +Jdische Arbeiterbund Litauens, Polens und Rulands" einen Aufruf an +"die Kulturwelt", der einigermaen veranschaulichte, welches Meer von +Leiden hinter dem Worte "ausgewiesen" steckt. Mit einer Frist von +vierundzwanzig, oft blo von acht Stunden, hinausgetrieben in die Nacht +und die Klte des russischen Winters, alle, auch Greise, Frauen und +Kinder; ohne Ziel, ohne Schutz in ein fast feindlich gesinntes Land; +rechtlos schon im Frieden, jetzt rechtloser denn je. Unsere Ostpreuen +sind gewi tief zu beklagen, aber sie zogen doch in ein freundlich +gesinntes Land. Hunderttausend ausgewiesene Juden sammelten sich damals +hilflos in Warschau an, sehr viele, besonders Kinder, starben auf der +Landstrae. Wie glcklich verhltnismig diejenigen, die ein Kosak +erstochen hatte! Denn das ist nach jenem Aufruf ein regelmiger Sport +der Kosaken, der unbestraft bleibt. Der Rmer Seneca ereiferte sich +darber, da ein Mensch, der Gladiator, "zum Spiele und Scherze gettet +wird". Der Gladiator jedoch konnte sich wehren, er war bewaffnet, das +Ganze war ein Kampf zweier gebter Fechter. Der arme russische Jude aber +kann sich nicht wehren. + +Und ich frchte, das ist erst der Anfang. Allerdings ein sehr groer +Anfang. Denn Mitte Mai wurden die Gouvernements Kurland, Kowno und ein +Teil von Suwalki von 280000, also mehr als einer Viertelmillion Juden +"evakuiert", wie der russische technische Ausdruck lautet. Neuerdings +wurde eine Million Juden aus den Gouvernements Wilna, Grodno und +Warschau vertrieben, d. h. wirtschaftlich vernichtet. Das tut die +russische Regierung. Was wird erst geschehen, wenn die russische +"Volksseele", besonders die der "echt russischen Leute", unruhig wird! +Und sie wird aufkochen, wenn Ruland weitere Niederlagen erleidet, und +sich in "Pogromen" Luft machen, genau so, wie es 1905 und 1906 geschah. +Was damals in Kertsch, Bialystok und vielen anderen Stdten vorging, das +wird sich in ganz Ruland wiederholen und wahrscheinlich mit viel +grerer Heftigkeit. Und die Polizei wird, wie damals, teils wohlwollend +zusehen, teils wohlwollend helfen. Damals war es schlielich die erste, +sehr liberale Duma, unter einem viel besseren Stimmrecht als dem +jetzigen gewhlt, die den Greueln ein Ende machte. Aber die Duma, die +jetzt zusammengetreten ist, wird fr solche inneren Fragen keine Zeit +haben. + +Was tun nun dabei die Juden der brigen Welt, auerhalb Rulands? Im +allgemeinen nichts, -- was berraschend, vielleicht auch ein +bedauerliches Symptom ist. Wie sehr sie auch die Kultur des Landes +angenommen haben, in dem sie wohnen, sie hegen doch alle die gleiche +Piett fr ihre Vergangenheit, die sie als starkes Band mit ihren +russischen Stammesgenossen vereinigt. Die deutschen Juden freilich sind +entschuldigt, sie _knnen_ nichts tun. Jeder ffentliche Schritt +ihrerseits wrde den russischen Juden blo schaden. Diese wrden +daraufhin noch mehr verdchtigt werden, ber die Grenze hinaus nach dem +Landesfeinde zu schielen. In den Lndern des Vierverbandes sehen wir nur +eins: berall sind Juden unter den Kriegshetzern, gegen die +Zentralmchte, also fr den Zarismus. In Frankreich sind sehr viele +Juden in den hchsten Stellen, die bestndig ihre Liebe zum Zarismus +bettigen. In England haben die Juden viel Einflu in der hchsten +Aristokratie, die ganz besonders in der Hoffnung auf "die Dampfwalze" +schwelgte. Lord Rosebery, einer der einflureichsten Aristokraten, ist +ja Schwiegersohn des Barons Meyer Rothschild. + +In Italien finden wir unter den wildesten Kriegshetzern jdische Namen. +Herr Nathan, der Brgermeister von Rom, hielt im Dezember 1914 als +Freimaurer, als frherer Gromeister der Logen des Groorients, im +Theater Constanzi in Rom eine schwungvolle Rede, in der er zum Kriege +fr den Dreiverband, also fr den Zaren, aufrief. Zwei bekannte +italienische Politiker jdischer Herkunft, Barzilai und Luzzatti, +trieben ebenfalls zum Kriege. + +Aber was tun die Juden in den neutralen Lndern? Der einzige, der sich +auf seine Herkunft und seine Gewissenspflicht besinnt, scheint Georg +Brandes in Kopenhagen, wie sein Briefwechsel mit Clmenceau bewies. +Andere sind auf seiten des Vierverbandes. Die rumnische Zeitung +"Adeverul" (Wahrheit), die tglich gegen die Zentralmchte, also fr +Ruland agitiert, war bis vor kurzem und ist wohl noch in jdischen +Hnden. Die brigen tun gar nichts, nicht einmal die Sozialisten unter +den Neutralen. Vor kurzem meldete Reuter aus Neuyork, Samuel Gompers, +der Vorsitzende der American Federation of Labour, zweifellos jdischer +Herkunft, habe auf eine Einladung zu einer Versammlung, die gegen die +amerikanische Kriegsbedarfsausfuhr protestieren wollte, durchaus +ablehnend geantwortet. Dunkel ist zwar die Begrndung seiner Ablehnung: +"es gebe schrecklichere Dinge als den Krieg, nmlich des Geburtsrechts +(d. h. wohl des angeborenen Rechts), der Freiheit und der Gerechtigkeit +beraubt zu sein". Dies alles sind ja die Leiden der russischen Juden; +aber Gompers lehnt ab, gegen die Untersttzung ihrer Unterdrcker zu +protestieren. + +Wenn nun die Juden selbst so gnzlich passiv sind, so mssen wir +_Nichtjuden_ uns regen und sie aus ihrer Resignation aufrtteln. Ich +mchte nochmals betonen, da die Verfolgungen erst anfangen. Je weiter +die verbndeten Heere vorrcken, desto grer die Gefahr neuer +Wutausbrche. Und schon, wie berichtet wird, sind die Juden teilweise +konzentriert in besondere Lager -- sehr bequem fr die Verfolger. Das +Volk wird einen Sndenbock suchen, auf den es die Schuld der Niederlagen +abwlze. Es wird die Regierung schuldig finden, aber es kann wieder +einen Minister geben, wie denjenigen, der im Oktober 1905 -- nach +jdischen Quellen -- sagte: "Wir werden die Revolution im Blute der +Juden ersticken." Es folgten darauf die furchtbaren, zehn Tage dauernden +Oktobermorde. Tausend Juden wurden erschlagen, achttausend wurden zu +Krppeln. Werte im Betrage von 180 Millionen Mark wurden vernichtet, +300000 Juden flohen ins Ausland. (Vergl. "Allgemeine Zeitung des +Judentums", 1910, S. 577.) + +Die deutschen Juden knnen, wie gesagt, unmittelbar nichts tun, aber +mittelbar sehr viel. Sie knnen die Juden der _nordamerikanischen_ Union +aufrufen, die fr russische Angelegenheiten doch sonst Interesse zeigen. +Als der Beilisproze schwebte, haben diese beim russischen Gesandten in +Petersburg dagegen protestiert und spter dem zwar freigesprochenen, +aber sehr geschdigten und gequlten Beilis eine Farm geschenkt. Jetzt +steht mehr als ein Menschenleben auf dem Spiele. Was dem einen Beilis +recht war, ist allen russischen Juden billig. Die amerikanischen Juden +mten laut und energisch ihre Stimme erheben fr ihre niedergetretenen +russischen Stammesgenossen, tglich, so oft als mglich, in den +Zeitungen, in allgemeinen Versammlungen der Juden und der Christen. Wenn +erst die russische Regierung wei, da man ihr Treiben beobachtet, wird +sie doch vielleicht stutzig werden und das Schlimmste unterlassen, sie +wird wenigstens nicht die Polizei zur schweigenden Duldung der Morde und +der Diebsthle anhalten, sondern notgedrungen den Befehl zur +Aufrechterhaltung der Ordnung geben mssen. Nordamerika ist ja der +knftige Geldmarkt fr Ruland, der einzige, wo es einst Anleihen machen +kann. Denn alle europischen Staaten werden nach dem Kriege selbst zu +viel Schulden haben, um anderen leihen zu knnen. Die Juden der Union +aber sind eine starke Kapitalmacht, besonders im Westen. Sie +haben -- nach W. Sombart -- eine herrschende oder wenigstens wichtige +Stellung im Getreidehandel, im Tabakhandel und im Baumwollhandel. Auf +allen drei Gebieten knnen sie den Russen schaden. Vor allem aber knnen +sie jede russische Anleihe erschweren, vielleicht unmglich machen. +Damit mten sie drohen. Darauf wird selbst die zarische Regierung +hren. + +Und wenn die Proteste und Drohungen nichts helfen, so werden sie doch +wenigstens Zeugnis ablegen, da in der allgemeinen sittlichen +Verwilderung es noch Menschen gegeben hat, die die Unmenschlichkeiten +der zarischen Regierung als solche zu brandmarken gewagt haben. + +Wenn aber gar nichts geschieht, dann wird ganz gewi sich das alte +Sprichwort bewhren: "Wenn die Menschen schweigen, so reden die Steine", +freilich in diesem Falle nur die Steine des Pogroms, die auf +unschuldige, wehrlose Opfer fallen werden." + + * * * + +Wenn Barth sich auf die Einwirkung der amerikanischen Juden verlt, so +frchte ich, gibt er uns einen Wechsel auf die Zukunft. Die +amerikanischen Juden sind noch nicht gengend organisiert, z. T. auch +als Vollblutyankees zu sehr auf Seiten der Entente. + +Ich glaube und werde es zu beweisen versuchen, da Deutschland allen +Grund hat, jede antisemitische Regung abzustreifen, den Juden im Inland +die Gerechtigkeit, die ihrer treuen Staatsbrgerschaft gebhrt, +widerfahren zu lassen, den Juden in eroberten Gebieten jede Autonomie zu +gewhren und den Auswandernden im Orient allen Vorschub fr eine +grozgige Kolonisation zu leisten. + +Doch damit komme ich schon zur Voraussetzung jeder Politik gegenber den +Juden: die Bewertung derselben als zuverlssige und fhige Staatsbrger +gegenber ihren Heimatslndern, und nicht zum mindesten in Deutschland! + + + + + + + + + * Der Krieg und die Juden.* + + +Der groe Krieg hat infolge des grandiosen Kaiserwortes "Ich kenne keine +Parteien mehr" den antisemitischen Angriffen und bergriffen vorlufig +den Grund und Boden entzogen. Trotzdem will das Judenproblem keineswegs +von der Bildflche verschwinden. Im Gegenteil. Der Einmarsch der +deutschen Truppen in die polnischen und russischen Gebiete hat mit einem +Schlage die innerpolitische Unhaltbarkeit des Schicksals, der nahezu +sieben Millionen starken jdischen Bevlkerung Rulands der ganzen +Kulturwelt aufgetan. Man wird nicht leugnen knnen, da das jdische +Problem beim Friedensschlusse sowohl von groem internationalem Belang +sein wird, als auch von hervorragender Bedeutung fr die _deutsche +Politik_. + + + + *Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg.* + + +Die Judenfrage ist fr Deutschland praktisch so wichtig, da es sich +gewi verlohnt, darauf einzugehen. Prfen wir zunchst einmal die +Stellung der Juden Deutschlands und ihren Einflu in diesem Lande. + +Die Mitte des verflossenen Jahrhunderts hat nicht nur einen vlligen +Umsturz aller inner- und auen_politischen_ Verhltnisse Deutschlands +bedingt; die breiten Volksmassen erschtterte ein _sozialer_ Umschwung. +Aus einem rein agrarischen Staate wuchs in wenigen Jahrzehnten eine +gigantische Industrie heraus, welcher bald ein weltenumspannender Handel +die Wege bahnte. Die Technik feierte rascher ihre Triumphe, als die +Regierungsfrsorge und die von Organisationen getragene Selbsthilfe der +Interessengruppen sich auf die Neukonstellationen einstellen konnten. +Dadurch gerieten die Arbeiter stellenweise in die Gefahr, materiell und +physisch ausgenutzt zu werden. Auf dem Lande hatte sich einst ein +hnlicher Proze, wodurch sich Latifundien bildeten, im Laufe der +Jahrhunderte entwickelt. Die industriellen und kommerziellen +Grounternehmungen aber kamen ber Nacht. Erbarmungslos rang das +Grokapital den Stand der kleinen Leute nieder. Dieser konomische +Werdegang ging nicht ohne Gewalttat, ohne Hrten ab, die den Trgern den +Ha des in seiner Existenz erschtterten dritten Standes eintragen +muten. + +Die Sozialdemokratie als die Zusammenfassung der Proletarier ist das +naturnotwendige Produkt dieser Entwicklung. Der Antisemitismus ist die +Konsequenz des Prozesses insofern, als sich diese Bewegung gegen die +sichtbarsten Trger, gegen die Klasse von Menschen wandte, welche am +geschicktesten die Macht des Kapitals auszunutzen wuten. Die erste +Partei ist ein Versuch, der _Sache_ selbst entgegenzutreten, die +letztere kmpft gegen _Personen_, die nebenbei in ihrer religisen und +rassigen Eigenart eine gute Zielscheibe boten. + +Uns interessiert hier nicht, wie die Auswchse des Kapitalismus oder der +Kapitalismus selbst zu bekmpfen ist. Wir wollen nur der Frage +nhertreten, wie der Antisemitismus des weiteren zu erklren ist, +welches die Bedeutung der deutschen Judenheit gewesen ist, und ob wir +anllich des Krieges den Juden einen mehr oder minder gnstigen Einflu +auf die Wirtschaftsgestaltung Deutschlands einrumen knnen, um dann +spter auf den Einflu der deutschen Juden und berhaupt auf den Krieg +eingehen zu knnen. + +Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts strmte ein gut Teil +der jdischen Jugend Deutschlands nach den Vereinigten Staaten von +Amerika, Sdafrika, England, Frankreich etc. Teilweise war ihnen die +volle Gewerbefreiheit (wie z. B. in Bayern bis 1864) vorenthalten +gewesen. Die siebziger Jahre, die berhmten Grnderzeiten, bringen eine +Hochflut von aus den Drfern in die Stdte strmenden Juden. Die +jdischen jungen Leute wandern nicht mehr in die Fremde, sondern wenden +sich dem deutschen Handel, der Industrie, den akademischen Berufen, und +vor allem den Grostdten zu. Das seit Jahrhunderten bettigte Wohnen in +den Stdten, bedingt durch Eigenart, aber auch durch das +mittelalterliche Gesetz, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein Geltung +hatte, lt sie allmhlich in die greren Stdte abwandern, wo die +Verdienstmglichkeiten sich stetig vergrern. Dazu trgt auch die +antisemitische Ostmarkenpolitik bei, welche die Juden aus den Provinzen +Posen, Ost- und Westpreuen vertreibt. Der Druck der Hakatisten, der +wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott der evangelischen +Deutschen den Juden im Osten gegenber, lt ihre Stellung zwischen +Deutschtum und Polentum unhaltbar werden. Dazu kommen elementare +Ausbrche der von den Antisemiten bearbeiteten Volksschichten. Der +"Ritualmord von Konitz" ist eins dieser bezeichnenden Ereignisse. +Fluchtartig verlt der Jude diese Stdte, deren Charakter durch seine +Anwesenheit noch ein deutscher war, und berlt den Platz den Polen. + + +Die neueren Schriften ber das Ostmarkenproblem geben smtlich zu, da +die durch die staatliche und gesellschaftliche antisemitische Politik +bedingte Vertreibung der Ostmarkenjuden ein bedeutsamer Migriff war, +der sich nach drei Seiten bemerkbar machte: + +1. Fr die Entwicklung dieser Stdte, die durch den Verlust von +Menschen, von Kapital und von unternehmungslustigen und fhigen +Elementen gehemmt wurde. + +2. Fr die deutsche Sache. Der Wegzug von ca. 150 bis 200000 Juden aus +den bedrohten Provinzen hat die deutsche Sache um so viel Anhnger rmer +gemacht. + +3. Fr den Staat. Der Jude der Ostmark (wie berhaupt in ganz +Deutschland) war ein zuverlssiger Staatsbrger, auf den in jeder Zeit +gerechnet werden konnte. + +Organisationen ber Organisationen erwuchsen aus dem reichen Boden der +Gebiete rechts der Elbe. Deutsche und polnische Kleinbauern-Genossen- +schaften, Vereine der Gutsbesitzer und Gro-Eigentmer, die zugleich die +Zucker- und Spiritusfabrikation besaen, politische Organisationen +beider Sprachengemeinschaften, alle aber mit leicht antisemitischen +Tendenzen, die durch den in Berlin geborenen Antisemitismus erst voll +und ganz durchtrnkt werden sollten. Was dagegen der Jude an +Organisation entgegenstellte, war kaum der Rede wert. Er organisierte +sich nicht wirtschaftlich, sondern verzichtete darauf, sich in einen +Kampf einzulassen, in dem auer Regierung und Verwaltung auch die breite +Masse des Volkes gegen ihn Stellung nahm, und verschwand in die +Grostadt, wo er untertauchen konnte.[1] + + [1] Die oft zitierten jdischen Vereine haben keinen wirtschaftlichen, + sondern einen humanitren Charakter. + +Dadurch ist die unnatrliche pltzliche berschwemmung der Hauptstdte +mit Juden bedingt worden. Nicht nur die Jungen und Fhigen kamen; viele, +die sich nicht mehr anzupassen wuten, schwemmte die Flut herein. ltere +Menschen, die berall anstieen, weil sie in dem neuen Beruf nicht mehr +von der Pike auf dienen konnten. Neben einer groen Menge von Begabten +und Energischen auch "Luftmenschen", Bassermann'sche Gestalten, labile +Charaktere. Aber was das junge Blut anlangt, so kann man leicht zeigen, +da es Deutschland zum Segen gereichte. Deutschland ist der groe, +krftige und reiche Staat in hohem Mae auch durch die Mitarbeit der +_Juden_ geworden. + +Bekannt ist deren Mitwirken an der finanziellen Entwicklung. Die +Finanzgren, die die deutsche _Geldwirtschaft_ und die Grobanken +schufen, waren zum groen Teil Juden. Das Erstarken unserer finanziellen +Kraft liegt in der glcklichen Ausgestaltung unserer Finanzinstitute. +Die Banken sind nach Sombart eine jdische Erfindung. Die Barone +Oppenheim sind die Grnder der ersten, der Darmstdter Bank. Neben den +Rothschild's ragen als Eisenbahnknige einige jdische Huser wie die in +Bayern nobilitierten Eichthal und die spter in Preuen geadelten +Fould's, spter Dr. Strousberg und der Baron Hirsch hervor. Das Bankhaus +Mendelsohn hat heute noch seine nahen Beziehungen zu den magebenden +Stellen des Reiches, und der Chef der Firma Bleichrder ist der +ffentlichkeit populr geworden, weil er Bismarck zu der hohen +franzsischen Kriegsentschdigung von 5 Milliarden in Gold zu bewegen +wute. Auch die modernen Finanzgren, die Leiter unserer wichtigsten +Institute, zhlen Juden an erster Stelle auf. Wir erinnern an die von +Cohn, von Wassermann, Frstenberg, Speyer-Ellissen, von Schwabach, +Goldberger . . . + +Die Arnold, Berliner und Deutsch sind Namen, welche in der neudeutschen +Wirtschaftsgeschichte einen guten Klang besitzen. Hagen-Kln (frher +Levy geheien) war wohl einer der Mnner, welcher in dem Aufsichtsrat +der grten deutschen Gesellschaften den mchtigsten Einflu besessen +hat. + +Juden haben in Hamburg die _Strumpfindustrie_, in Frth das +_Spiegelglas_, im posenschen die _Schnapsbrennerei_ grogemacht. Wir +treffen sie auch als Groindustrielle in der _Seiden_fabrikation. + +Neben unseren vortrefflichen Geldinstituten haben uns vor allem unsere +grozgigen Wollfirmen die Kriegfhrung erleichtert. Der deutsche _Woll- +und Baumwollmarkt_ ist von Juden geschaffen und auf die Hhe gebracht +worden, die er heute einnimmt, wie wohl kein Kenner der Verhltnisse +bestreiten wird. Unter den vielen Tchtigen verdienen hier die Gebrder +Simon namentliche Erwhnung. + +An den grandiosen Woll- und Baumwollhandel konnten sich die zahlreichen, +vielfach jdischen, Textilfabriken anlehnen. Die blhende deutsche +_Konfektion_ ist quasi eine jdische Domne. + +Daneben erinnere ich an den Leipziger _Rauch_markt. Wer die berhmte +Pelzmesse kennt, wei, da jdischer Flei und Erwerbsfreudigkeit hierin +Deutschland eine erste Stelle in der Welt schuf. Die groen +"_Felljuden_", welche unsere Lederindustrie mit ausbauten (z. B. +Adler-Oppenheimer), und die _Stiefelknige_ sind bekannt. + +Den Neid aller Vlker, den Stolz Deutschlands bedingte unsere so rasch, +fast ber Nacht zu grandioser Gre entwickelte _Handelsflotte_, die +auch in Kriegszeiten dem Reiche ihre Dienste leiht. Der Schaffer der +Hamburg-Amerika-Linie aber ist der viel genannte _Ballin_. Seine +Bedeutung fr die Entwicklung Deutschlands wird einst die Geschichte zu +wrdigen haben. + +Der Vater der _elektrochemischen_ Industrie war der jngst verstorbene +Rathenau, der Schpfer der A.E.G. Sombart behauptet, da auch die +Siemens und Halske-Werke erst den Wettkampf um die Vormachtstellung der +deutschen Industrie in aller Welt aufnehmen konnten, als der jdische +Direktor Berliner an leitende Stellung trat. Aber nicht nur in +friedlichen Zeiten bedang die A.E.G. Deutschlands Ruhm und Gre. In +unserm Kriege haben sie Bedeutendes geleistet, wenn es jetzt auch noch +nicht Zeit ist, darauf nher einzugehen. + +Viel geschmht worden ist die Arbeit der Juden auf dem Gebiete der +_Waffen-_ und _Munitionsfabriken_. Wie vereinzelte Sozialdemokraten die +Wichtigkeit der Kruppwerke und ihre vaterlndische Rolle miverstanden +und vor der breitesten ffentlichkeit verunglimpften, so wute +seinerzeit Ahlwardt den groen _Lwe_konzern zu verdchtigen. Aber die +"Juden"flinten, die Maschinengewehre und alle die Waffen, welche unsere +Heeresleitung von diesen Unternehmungen beziehen konnte, waren letzten +Endes nicht bedeutungslos. Der Nur-als-Krmer und Schacherer verschriene +Jude hat dem Reich zu Kriegsbeginn wertvolle Sttten zur Verfgung +stellen knnen: Angefangen von dem reich berfllten Wollmarkt, von den +Handelsschiffen, welche die Flotte sttzten, bis zu den Fabriken, die +direkt oder indirekt dem Heere alle Mittel moderner Kriegsfhrung +lieferten. + +Wenn wir an die treue Mitarbeit jdischer Firmen in der +_Maschinentechnik_ anknpfen, dann drfen wir als deutsche +Unternehmungen von Weltgeltung herausgreifen die _Orenstein und Koppel_ +A.G., (Kleinbahn- und Baggerfabrikanten), die Mannheimer _Ladenburgs_, +die Nrnberger _Bings_. Selbst Erzschrfungen (Hirsch und +Beer-Sondheimer-Kupfer) werden von ihnen inauguriert. Caesar Wollheim, +v. Friedlnder-Fould sind in 'Kohle' bekannt. Neben der Wichtigkeit des +Materials und der Arbeitssttten ist es Geheimrat Haber, der durch die +knstliche Gewinnung des Stickstoffes erst die ganze deutsche +Munitionserzeugung gewhrleistete, und der (nach Davis Trietschs +Broschre, "Juden und Deutsche: Eine Sprach- und Interessen- +gemeinschaft"[2]) jdischen Eltern entstammt. Auf solche Kpfe kann die +deutsche _chemische_ Wissenschaft stolz sein. Wie ja berhaupt die +chemische Industrie Deutschlands Gre in der Welt mitgeschaffen hat. +(Es sei u. a. auch des jdischen chemischen Industriellen _Gans_ +gedacht, dessen Sohn brigens auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und der +Ballontechnik Bedeutung hat.) + + [2] Verlag R. Lwit, Wien 1915. + +Auch sonst wre noch viel aufzufhren. Wir knnten manches ber andere +Wirtschaftskomplexe hier anfgen, so vom Tabakmarkt, von dem Sombart +behauptet, da Juden die Tabakindustrie in Deutschland einfhrten. +Ebenso wie in der modernen Zigarren- und Zigarettenfabrikation halten +Juden den Wettbewerb als Uhren-, Sekt- und Schokolade-Fabrikanten und +als Getreideimporteure usw. usw. + +Wir wollen nicht ermden. Die Reichtmer, die einzelne Juden sich +erwarben, waren nicht unverdient. Sie sind bedingt dadurch, da +Deutschlands Handel und Wandel zu der Gre gefhrt wurde, die den Neid +der fremden Vlker erregte, aber damit auch unserem Lande die +Mglichkeit gab, auch auf dem wirtschaftlichen Felde den allgewaltigen +Kampf gegen die Unmenge von Feinden so siegreich zu bestehen. + +Auf dem Zeitungsgebiet zeigten die _Mosse_, _Ullstein_, _Sonnemann_ +(Frankfurter Zeitung) ihre Tatkraft und schufen, trotzdem ihre Bltter +als "verjudet" verschrien wurden, gewaltige Betriebe. _S. Fischer_ ist +der bedeutendste literarische Verleger, _Reinhardt_, der +_Bhnentechniker_, welcher dem modernen Theater reiche Impulse verlieh, +ist gleichfalls Jude. Als _Antiquittenhndler_, _Numismatiker_, als +_Sammler_ jeder Art haben die Juden den deutschen Ruf in der Welt +mitbegrndet. + +Besonders stark angefeindet wurden sie in der Wissenschaft. Um auf +diesem Gebiete ihr Knnen einigermaen zu belegen, mten wir allein ein +dickes Buch schreiben. Aber ein paar Beispiele drfen wir wohl geben. So +ist in der Medizin die Lehre der _sexuellen Krankheiten_ durch drei +Juden -- _Neisser_, _Ehrlich_, _Wassermann_ -- in grandioser Weise +gefrdert worden. Neisser, der Entdecker des Gonokokkus, Wassermann, der +feinsinnige Schaffer des luetischen Blutnachweises, und Ehrlich, welcher +eine moderne Waffe gegen die Syphilis schmiedete. Die _Juristen_ +sprechen von den Begrndern der deutschen Rechtswissenschaft, von +_Staub_ und _Dernburg_ mit all der Hochachtung, die man diesen kaum +vorenthalten drfte. Die _Sprachwissenschaften_ (die _deutsche_ z. B. +vertreten durch _Mauthner_) schtzen die jdische Mitarbeit; +_Statistik_, _Nationalkonomie_, _Chemie_[3] sind wie _Literatur_, +_Musik_ und andere kulturelle Gebiete durch deutsche Juden befruchtet +worden. Auf _Schachturnieren_ (Lasker, Steinitz, Zuckertort, Tarrasch), +aber auch auf den olympischen Spielen, am Turf und auf gefahrvollen +Expeditionen bewhrten sich Juden. _Emin Pascha_ hie einst Schnitzer, +ein bedeutender Arabien-Forscher war _Glaser_, als einer der ersten +wirkte in deutschen westafrikanischen Schutzgebieten und erlag dort der +Malaria: Dr. _Kaiser_. . . . + + [3] Der letzte Nobelpreis fr Chemie fiel nach Deutschland. Sein + Trger wurde eine allgemein anerkannte chemische Autoritt; der + Nachfolger Bayers in Mnchen, der Vorstand des dortigen + staatlichen Laboratoriums, Geh. Rat Professor Willsttter. + + +Die antisemitische Bewegung, die vor dreiig Jahren gegen die Juden +entstand, ist dadurch erklrlich, da von den vielen hervorragenden +Verdiensten deutscher Juden viel zu wenig bekannt wurde. + +Die politische Geschichte bergeht die Abstammung des ersten deutschen +Reichstagsprsidenten von Simson, der seinem Knige mehrfach die +Kaiserkrone antrug. Das damals als Musterlndle gepriesene Baden hatte +einen nicht einmal getauften Finanzminister: Ellinger. + +Das waren einzelne Personen, die ihr Bestes fr das Werden des Reiches +einsetzten. Schon in den 40er Jahren waren es jdische Dichter in der +Sturm- und Drangperiode, welche fr Einheit und Fortschritt eintraten. +Berthold Auerbach und Andere, deren Namen heute vergessen sind, muten +wegen ihrer Zugehrigkeit zu alldeutschen Burschenschaften hinter +Kerkermauern dafr ben, da sie fr ein geeintes Deutschland +agitierten. + +Bedeutender zeigt sich aber die Mitwirkung jdischer Elemente bei der +Ausgestaltung des deutschen _politischen_ Lebens. Kein Volk der Welt hat +ein so gut fundamentiertes Parlament, in dem so berzeugungstreue +Parteien sitzen, die nicht nach Laune, nach persnlichen Vorteilen +stimmen, sondern die -- oft viel zu sehr -- nach theoretischen +berlegungen und prinzipiellen Anschauungen den Fragen nhertreten. Kein +Abgeordnetenhaus hat sozialer und menschlicher gearbeitet. An ihren +Frchten kann man am besten nicht nur die Bume, sondern auch die +Parlamente erkennen. Unsere _konservative_ Partei feiert als einen ihrer +Mitbegrnder Stahl; Lasker und Bamberger schufen die _liberale_ Partei; +Marx und Lassalle standen an der Wiege der _Sozialdemokratie_, die in +Singer, Haase, Bernstein und Frank mit ihre besten Fhrer fand. + +Da wir noch keine Abhandlung ber die jdische Mitarbeit an der +Entwicklung Deutschlands in der neuesten Zeit besitzen, so war es wohl +nicht unangebracht, sie mit einigen Beispielen zu belegen. hnlich wie +_Deutschland_ in der _Welt_, so machten sich die _Juden_ in +_Deutschland_ "unliebsam bemerkbar". + +Der Umwelt erschienen einst die deutschen Waren als "billig und +schlecht", die aufblhende deutsche Flotte war den Englndern, die als +handeltreibendes Seevolk ein Monopol anstrebten, eine freche Konkurrenz, +die deutsche Beteiligung in der Weltpolitik kam den Englndern als +Aufdringlichkeit vor, selbst wenn sie noch so zurckhaltend war. + +Dazu kamen noch historische Vorurteile, von welchen z. B. besonders die +Franzosen nicht loskamen. Das Geschrei der Gasse umnebelte selbst +intelligente Englnder, Franzosen, Italiener, Amerikaner, Rumnen, +Russen. Auch in der neutralen Welt gibt es leider tchtige Menschen, die +sich alle Fabeln ber die Unkultur der Deutschen, ber die +Eroberungssucht des Kaisers und seines Volkes zueigen machten. + +Geradeso hat man oft von den Juden gesprochen. Man hat sie des Mangels +an Kultur und an Redlichkeit geziehen und all des Schlechten, was man +den Deutschen heute nachsagt, beschuldigt. Wollten sie beim Militr +Karriere machen, dann hinderte man sie daran; wenn daraufhin wieder +Manche keine sonderliche Lust am Dienste hatten, hielt man es ihnen +wieder vor. Wurden sie reich, dann erweckte das Eifersucht; war irgendwo +ein unbedeutender Jude, dann wurde daraus der Schlu gezogen, da der +Jude berhaupt unfhig ist. Es ist wirklich berraschend, wie hnlich +das Eintreten Deutschlands in der groen Welt, und das Emporsteigen der +Juden in Deutschland von der Auenwelt gewertet werden. + + +Wir sehen es ja in unserer Zeit, wie nichts zu plump ist, um geglaubt zu +werden, wenn ein Volk neidisch ist. An diesen Instinkt appellierten auch +die Antisemiten. Der Jude, der die deutsche Sozialdemokratie mitschuf, +soll an den Auswchsen des Kapitalismus schuld sein, blo weil findige +Kpfe, wie die Tietz, Wertheim, Jandorf, Israel, den Fabrikbetrieb, das +Maschinelle auch in den Kleinverkauf einfhrten und das Warenhaus +schufen.[4] Und wie einstmals die Handweber die Fabriken strmten und +die Maschinen zertrmmerten, so kmpften die kleinbrgerlichen Kaufleute +und Handwerker gegen die Riesenunternehmen, und verwechselten Person und +Sache. Wer diese modernen Erfinder hate, wurde Antisemit. + + [4] Den "kleinen" Mann haben hnliche Entwicklungstendenzen in den + meisten Fllen an die Wand gedrckt. Grobckereien, + Groschlchtereien, Wschereien, Restaurationsbetriebe im groen, + mit und ohne Filialen sind hnliche Erscheinungen wie das + Warenhaus, welche die selbstndigen Handwerker und Kleinbetriebe + in ihrer Existenz bedrohen. + +Wie _Deutschland in der Welt berall auf Neider stie, so fand auch der +Jude in Deutschland berall mignstige Seelen_. Wie beschrnkt diese +waren, geht schon daraus hervor, da sie durch den Antisemitismus alle +sozialen Fragen und Schden zu lsen glaubten. + +Die antisemitische Literatur ist zwar recht armselig, aber Deutschland +hat das traurige Verdienst, diese "Wissenschaft" in der Hauptsache +geschaffen zu haben. Die anderen Lnder, die sich vielfach viel lnger +und viel ungenierter in der Bedrckung ihrer lieben Juden berboten, +bekamen leider von Deutschland neue Impulse. Die Pamphlete der Ahlwardts +gingen in alle Welt und richteten auerhalb der schwarz-wei-roten +Grenzpfhle, besonders auch in sterreich, erschreckendes Unheil an. +Noch vor kurzem hat der groe Staat Ruland den Juden einen +Ritualmordproze gemacht, nachdem vorher sterreich und Deutschland ihre +Ritualmordhetze gehabt hatten. Noch schmachtet in sterreichischen +Kerkermauern ein wegen eines "Ritualmordes", -- wie alle Juristen +beteuern, unschuldig -- verurteilter armer Jude: Leopold Hilsner. Keine +Lge war den Antisemiten zu niedrig -- man lese nur ihre +Bcher -- keiner ihrer Fhrer zu -- bedenkenfrei. Meist waren sie recht +dunkle Ehrenmnner. Aber das Gift, das sie verstreuten, trug dennoch +eine reiche Saat. Ein Mann beteiligte sich dabei, dessen Schriften man +nicht so ohne weiteres mit denen der anderen vergleichen darf: Houston +Stewart Chamberlain. Chamberlain hat zwar neuerdings einiges Wasser in +seinen Wein gegossen. Er hat erklrt, seine frheren Behauptungen +gegenber den deutschen Juden[5] nicht aufrecht zu erhalten. Chamberlain +ist ein so maloser Chauvinist, da er selbst Christus als Germanen +reklamieren zu mssen glaubte. Er, der noch vor kurzem allen Germanen, +auch den Englndern, Lob sang, hat nun ein Pamphlet losgelassen, fr das +es kaum ein Wort der Entschuldigung gibt. Als geborener Englnder durfte +er nie und nimmer in der Weise das Nest beschmutzen, dem er entstammte. +Es gibt nichts Verchtlicheres, als wenn Renegaten dem Volke, dem sie +entstammen, in solcher Weise seine Fehler vorhalten. Wenn sie, die die +Schwchen am besten kennen, sie zusammenstellen, bertreiben und daraus +ein Urteil fllen. Wenn wir nach der Methode Chamberlains dozieren +wollten, mten wir zu dem Schlusse kommen: Alle Englnder taugen +nichts. Der Englnder ist so und so. Also ist auch Houston Stewart +Chamberlain . . . So hnlich wurde nmlich nach H. St. Chamberlain ber +den semitischen Geist, ber den Juden im allgemeinen und im besonderen +geurteilt, selbst wenn er -- weit mehr als Chamberlain, der die deutsche +Kultur erst seit einiger Zeit genossen hat -- seit _Jahrhunderten_ +Anteil an allen Gtern deutschen Geisteslebens genommen hatte. + + [5] Das erklrt er _heute_, nachdem die Rassenverhetzung den Juden das + Leben auf Schritt und Tritt verekelt hat, nachdem seine voreilige + Behauptung gegen die Juden die christliche Nchstenliebe + bedingungslos aus Hunderttausenden zu Gunsten des Hasses gegen + alle Anhnger des mosaischen Glaubens getilgt hat. + +Nein, "der Jude" in Deutschland war zum Teil tchtig und fhig, zum Teil +faul und indolent. Er war auf der einen Seite ein stiller Mann der +Wissenschaft, der nach dem Muster des genialen Spinoza, Marx und vieler +anderer, die ohne nach der Anerkennung der ffentlichkeit zu lauern, in +stillem Kmmerlein ihre Werke schufen.[6] Es gab aber auch +Eintagsgren, die sich kaum von Charlatanen unterschieden. Maezene und +Volksfreunde hat es unter den Juden gegeben, die ihr Vermgen dem +Fortschritt hingaben, ohne da es die Menge erfuhr. Keine ideale +Bewegung existiert, die nicht an den Juden reiche Frderer hat: fr +Frauenrechte, fr Kinderschutz, fr die Waisen, Arbeitslosen, Blinden +etc., die Bestrebungen fr die Abstinenz, fr Friedenspropaganda, fr +Vegetarismus, fr alte Bhnenknstler, fr alle Knste, -- der Jude hat +seine Person, sein Ansehen und nicht zum mindesten sein Geld jederzeit +guten und idealen Zwecken zur Verfgung gestellt. + + [6] So hat der auf dem Felde der Ehre gefallene jugendliche Komponist, + Kriegsfreiwilliger Walter _Asch_, wie eine Mnchener Zeitung + meldet, in allzu groer Bescheidenheit als seinen letzten Willen + hinterlassen, da seine Werke nicht gedruckt werden drfen. + +Der Jude, der so sehr fr jeden sozialen Fortschritt zu haben war, der +auf Grund alter historischer Gewohnheiten fr den Ruhetag in der +Arbeitswoche, fr das Angestelltenrecht etc. eintrat, der sich stets fr +Freiheit einsetzte, wurde den Massen als Ausbeuter schlimmster Sorte, +als soziales Hemmnis hingestellt. Vergeblich sein Eintreten fr alle +demokratischen Ideale, fr individuelle Freiheit, fr internationale +Verstndigung. Wie der wirtschaftliche Neid nicht nur den Blick trbt, +sondern fast blind macht, sehen wir jetzt ja an den Englndern. Diese +Gewaltsmacht, die so oft ganz real die Verhltnisse beurteilte, schilt +die Deutschen Barbaren, whrend sie ihr Heer zusammensetzt und sich +verbndet mit Hunderttausenden von Negern, Indiern, Zuaven, +Tscherkessen, Kosaken, Kalmcken und allen schiffbrchigen Existenzen +der neuen und alten Welt. Dieses fr Geld geworbene Analphabetengesindel +soll das Vorkmpfertum der Kultur sein! Die Englnder, die am lngsten +den Sklavenhandel geduldet, nein gezchtet hatten, die in Sdafrika die +Burenfrauen mordeten, in gypten die Vertrge brachen und die Indier +verhungern lieen, sind mit Recht als Heuchler an den Pranger gestellt +worden. Bei den Franzosen gelten _alle_ Deutschen als Boches, als +Verbrecher und als Schweine. . . . Dieser Weltkrieg, an dem 10 Millionen +Juden beteiligt sind und schwere Opfer bringen, darf nicht vorbergehen, +ohne da das von Antisemiten getragene absprechende Urteil ber sie in +Acht und Bann getan wird. Ein Urteil, das ebenso unberechtigt ist wie +das der Entente-Mchte ber die Deutschen. Nicht nur, weil ein +prchtiges Kaiserwort das gehssige Treiben der Rassen- und +Religionsschnffler fr die Dauer des Krieges unterband, sondern weil +Deutschland und die Welt einsehen mu, da die Behauptung der +Minderwertigkeit Andersgearteter allzuoft nur eine billige, berall +gehandhabte Waffe des _Neides_ ist. + + +Und so unterstreichen wir nochmals die Tatsache: + + +Da der Jude am Gemeinwohl, am Fortschritt, an der Entwicklung +Deutschlands freudig teilgenommen hat, kann kein objektiv denkender +Mensch bestreiten. Ob er als Brgermeister von Posen[7] oder als +Stadtrat von Berlin[8] oder Frankfurt, oder im Ehrenamt, oder als Whler +einer Gemeinde seine Pflicht erfllen konnte, -- als der Abkmmling +einer alten Kulturrasse interessierte ihn alles ffentliche Leben. Die +Stdte, in denen die Juden seit langem wohnen und eine gewichtige Stimme +haben, sind nicht schlecht damit gefahren. Das reiche Frankfurt blht, +Nrnberg, Frth entwickeln sich beraus rasch, Hamburg gedeiht. + +Die neueste Wissenschaft hat den Juden mehr Gerechtigkeit widerfahren +lassen. _Sombarts_ Arbeiten zeigten die Bedeutung der Juden. Es ist +ziemlich gleichgltig, ob die Juden Handel und Wandel in die Orte +bringen, wohin sie kommen, oder ob sie ihn mit zur Blte bringen. +Jedenfalls ist dort Entwicklung, wo sie unbedrckt leben knnen. + + [7] Witting (Witkowski). + + [8] z. B. Cassel. + + +Auerdem hat eine ziemlich starke Verschmelzung des Adels mit der +deutsch-jdischen Geldaristokratie, die brigens auch ca. 100 geadelte +Familien zhlt, stattgefunden. Ebenso ist in den besten brgerlichen +Kreisen vielfach eine Vermischung eingetreten. Solchen Familien +entstammte z. B. Dernburg, der bekannte Kolonialpolitiker, Heyse, der +Schriftsteller, der Admiral Bendemann, andere fhrende Mnner sind mit +Jdinnen verheiratet.[9] + + [9] So sind z. B. die Nachkommen der bekannten jdischen Gelddynastien + Gumpert und Heine aus Hamburg mit dem deutschen und + internationalen Hochadel verschwgert, ebenso wie die als + Rennstallbesitzer geschtzten v. Oppenheimer aus Kln, v. Weinberg + aus Frankfurt, die Bernstein-Becker aus Knigsberg, v. + Hirsch-Gereuth aus Mnchen. Ursprnglich jdisch waren folgende + nobilitierte Familien: v. Ukro, v. Oppenfeld, v. Renard, v. + Moner, v. Schwanenfeld, v. Halle, v. Lwenthal u. a. + + + + *Die Juden im Kriege.* + + +Obwohl nachweislich viele jdische Burschenschafter fr das +schwarz-rot-goldene Band gekmpft und gelitten hatten, obwohl in der +Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne jdische Burschenschafter an der +Spitze der Verbindungen standen, erklrte 50 Jahre spter der +Weidhofener Verband der deutsch-sterreichischen Burschenschaften alle +Juden insgesamt fr jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die +Satisfaktion, also auch denen, die bis kurz vorher als alte Herren dem +Verband angehrt hatten. Dieselbe berhebung, die ein anderer groer +studentischer Verband zeigte, als er Naumann und andere hchst +ehrenwerte deutsche Politiker wegen 'sozialistischer' Tendenzen +ausstie, veranlate geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch +und Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt die +Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdchtigung uns nach. Auch dem +jdischen Soldaten. + +Der Jude hat sich als Soldat bewhrt. In allen Kmpfen der letzten Jahre +haben sich Juden bewhrt. Die Bulgaren und Trken haben sie im +vorletzten Krieg vielfach gerhmt. Selbst im antisemitischen Rumnien +ist ein jdischer Oberst (Brociner), der sich im Krieg 1878 +auszeichnete, der Kommandeur der Leibgarde und des Knigl. Schlosses. In +sterreich sind Juden kommandierende Generale, in Italien war der +frhere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon hatte jdische +Heerfhrer. + +In den deutschen Freiheitskmpfen gab es viele freiwillige jdische +Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch den Offiziersrang. Auch +spter konnten Juden, hauptschlich anno 1870, Offiziere werden; aktive +Offiziere standen nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier +hauptschlich Reserveoffiziere und aktive Militrrzte, ein Jude brachte +es einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major.[10] + + [10] In Bayern gibt es jetzt aktive jdische Majore und Oberstabsrzte, + erstere etwa fnf, von letzteren, soviel bekannt wurde, sieben. In + sterreich haben sich Juden als Generale ausgezeichnet; aktive + Offiziere gibt es einige Hundert. Nach Bloch's "sterreichische + Israel. Wochenschrift" haben sehr viele whrend des jetzigen + Krieges ein glnzendes Avancement erfahren. Eine soeben + erschienene Broschre Ludwig Geiger's "Deutsche Juden und der + Krieg", die mir bei der Korrektur vorliegt, bringt genauere Zahlen + ber die Beteiligung der deutschen Juden an den Kriegen des XIX. + Jahrhunderts. Hardenberg anerkannte danach schon am 4. 1. 1815: + "Die jungen Mnner jdischen Glaubens sind die Waffengefhrten + ihrer Mitbrger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des + wahren Heldenmutes und der rhmlichen Verachtung der Todesgefahr + aufzuweisen, sowie die Einwohner Berlins, namentlich auch die + Frauen, in Opfern jeder Art sich den Christen angeschlossen + haben." + + Eine Denkschrift der Regierung Preuens vom Jahre 1847 ermittelte + das Verhalten der Juden als Soldaten und stellte fest, da die + Juden in den Freiheitskriegen wie im Frieden den brigen Truppen + nicht nachstanden. + +Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure auf den +Standpunkt, den einmal der leider auf dem Felde gefallene Hauptmann von +Treskow also przisierte: "Wenn wir die Juden prinzipiell nicht +befrdern, drften wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen". Nach +Schtzungen werden jetzt ber 900 Juden als Offiziere, ungerechnet die +Militrrzte, im Felde stehen. Viele sind wegen besonderer Tchtigkeit +befrdert worden, das "Hamburger Israel. Familienblatt" stellte schon +ber 20 Trger des Eisernen Kreuzes I. Klasse fest (z. B. der Flieger +Frankl, der Reichstagsabgeordnete Haas), darunter waren alle +Waffengattungen vertreten. Auch bei der Marine und in den Schutztruppen +haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem Kriege werden die Ziffern +insgesamt zur Verfgung stehen. Das in Breslau erscheinende "Jdische +Volksblatt" hat die Namen verffentlicht, die bestimmt dem Judentum +angehren. Darnach haben bis zum Herbst 1915 knapp 5000 Juden (also fast +1% der gesamten deutschen Judenheit!) das Eiserne Kreuz erhalten, von +ber 3000 Juden konnte namentlich festgestellt werden, da sie den +Heldentod frs Vaterland gefunden. Leider kann diese wchentliche +Zusammenstellung nicht den Anspruch auf Vollstndigkeit erheben. Da die +jdische Jugend, soweit sie nicht gedient hatte, gleich zu Beginn des +Feldzuges freiwillig in groer Zahl (-- es wre sehr interessant, wenn +die Heeresverwaltung diese Ziffer verffentlichen wrde --) sich +stellte, sind die Verluste sehr stark.[11] In allen jdischen +Jugendvereinen wird diese Tatsache festgestellt. So ist z. B. in der +jdischen Turnerschaft eine Kriegssterblichkeit, die sich in den +einzelnen Untervereinen bis 33% der Mannschaften (wie z. B. bei dem +Ruderklub 'Ivria') stellt. Die meisten Turn- und Sportvereine der +jdischen Turnerschaft muten zu Beginn des Krieges ihren Betrieb +aufgeben, da alle Mitglieder zu den Fahnen eilten. + + [11] Die "Leipziger Neuesten Nachrichten" konstatierten, da die in + Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher + Staatsangehrigkeit, in groer Zahl freiwillig zu den Fahnen + eilten. + +Die Mitglieder der jdischen studentischen Verbindungen stellten +gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern des K. C. +(Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell jdischer Verbindungen) +rckten fast alle aus; ein Drittel davon als Kriegsfreiwillige. Sehr +zahlreich war auch die Beteiligung freiwilliger jdischer rzte. Nach +einer Statistik betrgt die Verlustliste bei den jdischen rzten schon +ber Hundert. Auch der jdische Arzt hat an der Front und im +Seuchenlazarett seinen Posten ausgefllt. + +Der tapfere jdische Soldat und Offizier verschwindet oft in der Menge. +So glaubte man z. B. allgemein nicht, da der einzige Soldat, der bei +meinem Regiment das Eiserne Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besa, ein +Jude war (der spter als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an +einer jdischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp bis zum +Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die Tchtigkeit des +jdischen Vorgesetzten und Soldaten von hohen Offizieren anerkannt +worden. Exempla docent. Die beraus groe Zahl von Befrderungen, +Dekorationen etc., ber die sich jeder, namentlich z. B. im "Hamburger +Israelitischen Familienblatt" informieren kann, gibt die beste Gewhr. +Der sterreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit genommen, sich +dahin auszusprechen, da der persnliche Mut und die Zuverlssigkeit des +jdischen Soldaten durch diesen Krieg aufs neue bewiesen wurden.[12] + + [12] berall ist die Tapferkeit der Juden anerkannt worden. + + Prinz Fuad, der Flgeladjutant des trkischen Sultans, hat dem + offiziellen ungarischen Pressevertreter folgende Erklrung + abgegeben (in der deutschen Presse im Jd. Echo, Mnchen, Nr. 27, + 1915, wiedergegeben): + + "Die jdische Legion, welche auf den Dardanellen operiert, + verrichtet wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein trkischer + Jude, bekam den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung. In den + brigen Militrteilen kmpfen die Juden mit andern zusammen + ausgezeichnet. Die trkischen Militrbehrden machen daher keinen + Unterschied zwischen jdischen und nichtjdischen Soldaten. Das + Gleiche kann hinsichtlich der jdischen Zivilbevlkerung gesagt + werden, welche im jetzigen schweren Moment opferwillig dem Lande + hilft, soviel sie nur vermag. Die jdischen Bestrebungen in + Palstina sind gut bekannt; niemand zweifelt an dem Patriotismus + der trkischen Juden". + + Und Gustav Herv sagt ber die viel geschmhten russischen + Juden -- welche ein eignes Regiment gebildet hatten und in den + erbitterten Frhjahrskmpfen bei Arras fielen -- bei Gelegenheit + der Verffentlichung von Briefen gefallener Juden der jdischen + Fremdenlegion: + + "Held Litwak -- du, dessen herrlicher Brief, geschrieben am Tag + deines ruhmvollen Todes bei Carency an der Seite von 2000 + Mitjuden, ich unlngst abgedruckt habe, vergib diesen armen + Sergeanten, die euch monatelang als schmutzige Judenbuben und + hnlich beschimpft haben -- euch, die ohne dazu verpflichtet zu + sein, in einem Augenblick edler Begeisterung euer Blut gromtig + an Frankreich dahingegeben habt, das in euren Augen das Sinnbild + aller Freiheit und sittlichen Gre war." . . . Und das beste + Zeichen, wie sehr die Juden freiwillig fr die Freiheit zu kmpfen + wissen, da gerade die Anfhrer der polnischen Legionisten fast + durchwegs Juden sind: Nach dem Jd. Echo (Nr. 31, 1914, Mnchen) + ist der Vorsitzende des Polnischen Nationalen Hauptkomits und der + Legionen ein Jude namens Mosche Scherer und ebenso eine ganze + Anzahl von Fhrern der Legion. + +Ebenso wie der sozialdemokratische wurde auch der jdische Soldat +endlich einmal von den Meisten vorurteilsfrei betrachtet und bewertet. +Natrlich gibt es auch Flle, wo sich Vorgesetzte noch nicht in den +Gedanken der Gleichwertigkeit "solcher Elemente" hineinleben konnten. + +Die ungeheure sozialdemokratische Begeisterung ist nicht zuletzt das +Produkt der so oft geschmhten "inter"-nationalen Denkweise jdischer +Fhrer, mit der man frher alles Unrecht gegen Juden deckte und +erklrte. Die Fhrer haben ihren Patriotismus nicht nur durch billige +Phrasen dokumentiert, sie sind nicht wie andere Sozialistenfhrer la +Vandervelde als Wanderredner durch die Lande gefahren, um die Menschen +aufzuwiegeln, haben la Herv billige blutrnstige Artikel geschrieben +oder sich als Leutnants, wie D'Annunzio, zu Hause wichtig gemacht. Der +Jude _Ludwig Frank_[13], vielleicht der fhigste Kopf in der +sozialdemokratischen Partei, trat als einfacher Soldat in Reih und Glied +und fiel -- wie er es wnschte -- als ein einfaches, aber schnes +Beispiel treuer Vaterlandsliebe. + + [13] Der bekannte Genosse Davidsohn "nur" zweimal verwundet, nunmehr + Offizierstellvertreter. + +Aber nun kam, was nicht kommen durfte. Man hat in vielen Zeitungen ber +den Mannheimer, ber den Rechtsanwalt, ber den Sozialdemokraten Frank +geschrieben. Man hat bewiesen, da ein Sozialdemokrat patriotisch sein +knne. Da er aber ein Jude war, diese Tatsache wurde nach Mglichkeit +verschwiegen. -- Nicht zum Beweis der Tapferkeit und der Vaterlandsliebe +wollen wir Frank als Juden registrieren. Es liegt eigentlich eine +unglaubliche Verworfenheit des Charakters vor, wenn jemand von einer +kulturell so hochstehenden Rasse wie der jdischen, von der Tausende im +ffentlichen Leben wirken, welche alle Kultursttten deutscher und +anderer Bildung genossen haben, annehmen knnte, da Mannesehre und +Wrde bei ihnen nicht zu finden wre. + +Da man bei allen Nachrufen aber sichtlich vergessen wollte, zu +erwhnen, da der erste deutsche Volksfhrer, welcher mit seinem Tode +die Treue zur Heimat und zum Staate besiegelte, ein Jude war, ist keine +erfreuliche Erscheinung.[14] Ebensowenig wie die Tatsache, da die +Dichter des groen Krieges, die zuerst verwendet wurden und starben, +Juden waren. Wir nennen nur _Zuckermann_, der das wundersame +sterreichische Reiterlied empfand, und _Heymann_, den jungen +Knigsberger Lyriker, sowie den Schlesier Georg _Hecht_. Man hat so oft +ber die billige Poesie, wie sie Literaten hinterm Schreibtisch +gewinnschtig betreiben, gespottet. Zuckermann, Heymann, Georg Hecht. +_Ich kannte die glhende Begeisterung, die sie mit dem Leben zahlten._ + + [14] Dagegen unterstreichen z. B. die deutsch vlkischen Bltter + hmisch, da Haase, welcher den verunglckten Aufruf veranlate, + _Jude_ sei, was man zu Kriegsbeginn, als er noch in minder + unsympathischem Fahrwasser segelte, sorgsam unterlie, bei ihm zu + erwhnen. + + Eine typische Todesanzeige fr einen aktiven jdischen Offizier + mag hier folgen: + + + + + Gestern Abend um 9 Uhr verschied in der Medizinischen Klinik des + Brgerspitals zu Straburg + + *Herr Major* *Max Hollerbaum* + + *Kommandeur des B. Landsturm-Infanterie-Bataillons Passau II + Ritter d. Eisernen Kreuzes, d. K. B. Militr-Verdienstordens usw.* + + Das Bataillon steht in tiefer Trauer an der Bahre seines ersten + Kommandeurs. + + Durch und durch Soldat, ein vornehmer, ritterlicher, zuverlssiger + Charakter, durch Willenskraft und warmherziges Wohlwollen + gleichmig ausgezeichnet, war er uns allen vorbildlich auch durch + den Heroismus, den er im Kampfe gegen ein langwieriges, schweres + Leiden bis zuletzt bewahrt hat. Es war ihm nicht vergnnt, wie an + dem Kriege um die Grndung des Reichs so an dem um seine + Behauptung bis zum ehrenvollen Abschlu teilzunehmen. Aber er hat + Treue bis zum Tode gehalten, und sein Gedchtnis wird in hohen + Ehren bleiben. + + Am 27. September 1915. + + *Fr das Landsturm-Infanterie-Bataillon Passau II* + + I. V.: *Hauptmann Freiherr von Pechmann.* + + + + Anschlieend mag noch bemerkt werden, da Major Hollerbaum nicht + der einzige aktive jdische Offizier in der bayerischen Armee war. + Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien nur + einige namentlich genannt: Der alte bayerische Krassiergeneral + Carl Ritter v. Obermayer, Major Isidor Marx (Vater) und Major + Maximilian Marx (Sohn), die Majore Orfenau, Friedmann, Henle u. a. + Auerdem gab und gibt es viele jdische aktive Sanittsoffiziere, + Militrbeamte und auch untere Chargen. + +Wie aber war die Haltung der jdischen Bevlkerung vor dem Ausbruch des +Krieges? Die Juden haben sich in allem beraus wrdig benommen. Da sie +als Kaufleute und Bankiers usw. nicht wie die Militrs bestndig sich um +die Militrangelegenheiten bekmmerten, ist selbstverstndlich. Das +berhmte "jdische _internationale_ Grokapital", von dem soviel +gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten. Die jdischen Bankiers und +die jdischen Kaufleute benahmen sich nicht anders wie die andern +Schichten der Bevlkerung. Ruhig und ernst, wie es der Situation +entsprach, als ihre Shne entweder freiwillig oder als Militrpflichtige +hinauszogen. Reiche Gaben und Spenden flossen allen Instituten von ihnen +zu. Und was in der Heimat geleistet werden konnte, wurde getan. Mnner +wie Ballin, Rathenau, Riesser ruhten im Kriege nicht. Es ist noch nicht +die Zeit, ihrer Verdienste fr die Volksernhrung, fr die +Munitionsergnzung und anderer Dinge zu gedenken.[15] + + [15] Otto v. Gottberg, die offizise Feder unseres Kriegsministeriums, + schreibt in einem Artikel "D. K. R. A." ber Rathenau: "Er kam + ohne Ruf und Amt, ein Deutscher in Sorge um das Vaterland. Wie + wenige ein Kenner unserer Wirtschaft, fhlte Dr. Walter Rathenau, + da Deutschland einen lngeren Krieg siegreich nur dann berstehen + knne, wenn der Staat ohne Sumen zu organisiertem Sammeln, Sparen + und Mehren der fr die Kriegfhrung ntigen Stoffe schritt. Der + Kriegsminister sah den Mann, den er gesucht hatte. Sankt + Bureaukratius schlug wohl unter Protest die Hnde ber dem Kopf + zusammen, als der General den Zivilisten, Doktor und Ingenieur mit + hflicher Geste beim Kragen nahm und im Allerheiligsten der + Heeresverwaltung in einen Stuhl setzte mit dem Auftrag, die + Kriegs-Rohstoff-Abteilung ins Leben zu rufen." + + Die Art, wie Rathenau die Aufgabe in achtmonatlichem Wirken lste, + sichert ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte des + Wirtschaftskrieges. + +Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine zu geringe +Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen Grnden oder aus Laune +Junggesellen; die vielen Sptehen der akademischen Kreise und der +Kaufleute bedingten einen hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die +Kinder haben, begngen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit, +welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen hat, wird der +Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er rcht die Beschrnkung der +Kinderzahl. + +Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwchte deutsche +Judenheit wei, da dieses elementare Ereignis ihre Reihen noch mehr +lichten wird. Alte Familien werden durch den Krieg erlschen, die +deutsche Judenheit wird unendlich geschwcht und in ihrer Existenz +erschttert aus dem Kriege hervorgehen. + +Die jdische Jugend zahlte gern die Teilnahme an der deutschen +Kulturgemeinschaft mit dem Tode. + + + + + + + + + * Juden im Ausland.* + + +Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien hat nur 40000, +Frankreich 120000, England nicht ganz 300000, also alle drei Lnder +zusammen nicht viel mehr als Preuen. In der englischen Regierung sa +vor 35 Jahren ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck +eine Verstndigung der beiden Lnder herbeifhrte. Heute hat im +britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille, das des +Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten eine Stimme hat. + +In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften +italienischen Juden und einer englischen Christin. Auerdem ist in +Italien der Finanzminister Luzzatti Jude, der sich ursprnglich gegen +den Krieg aussprach.[16] Das judenreinste Kabinett Rulands trgt die +Hauptverantwortung fr diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am +wenigsten zu sagen haben, hat am strksten zum Kampf gedrngt. + + [16] Die Abkunft Barzilais' ist brigens nicht sicher auf Juden + zurckzufhren. + +In England lag die Entscheidung ausschlielich bei wenigen Nichtjuden. +Bedeutende englische Juden hatten sich gerade in den letzten Jahren fr +eine gegenseitige Annherung Deutschlands und Englands bemht, weil sie +instinktiv die Entfremdung der Lnder bemerkten.[17] Als der Krieg +begann, legten Sir Cassel und Sir Speyer ihre Wrden nieder. + + [17] Dafr hat Ernst Cassel Millionen gespendet, die er dem Kaiser + bermittelte; der einzige Englnder, der sich die Freundschaft der + beiden Lnder etwas kosten lie und sich ernsthaft darum bemhte. + +In Frankreich war das Kabinett wie in Ruland und Serbien "judenrein". +Die Juden an der Pariser Brse haben wahrlich keinen Krieg inszeniert. +Als der Krieg aber ein fait accompli geworden war, haben einzelne +frhere Deutsche resp. Elssser in Frankreich und England aus der Angst +fr ihre Existenz unsympathische Kundgebungen erlassen. Ob sich darunter +viele Juden befanden, wei ich nicht. Ich konnte es nicht erfahren. Der +berchtigte Obermacher der Bethlehem Steel Company, _Schwab_ in Amerika, +welcher wohl der anrchigste Typ des Renegaten ist, stammt von +wrttembergischen Eltern, ist nicht, wie deutsche antisemitische Bltter +verleumderisch behaupten, ein Jude. Er ist vielmehr der Nachkomme eines +Pfarrers. + +Wenn in einem Staate eine ziffernmig einflureiche jdische Volkschaft +war, die sich fr den Frieden htte einsetzen knnen, so wre es die +Rulands gewesen. An sieben Millionen Menschen, die aber in der Duma nur +durch _einen_ Abgeordneten vertreten sind. (Auf diese Juden werden wir +noch spter zu sprechen kommen.) Sie waren vollkommen machtlos. + +Der Jude ist nicht, wie das alte, aber abgeschmackte Mrlein der +Antisemiten es will, der Brandznder des Weltkrieges gewesen. Er war ein +Freund des Friedens. Er wrde als Kriegshetzer auch am allermeisten +gegen sein Interesse handeln. Der Beamte wird im Krieg durch den Staat +hinreichend konomisch geschtzt, der Bauer findet nach dem Kriege immer +seinen Grund und Boden wieder. Der Jude aber als Kaufmann hat durch die +Unterbindung des Auenhandels enorm verloren. Bei einer groen Zahl der +jdischen Firmen ist mit einem Schlage der Lohn arbeitsvoller Jahre +dahin gewesen. Und nach dem Kriege wird es auch fr sie des grten +Fleies bedrfen, um nur annhernd das wieder zu erreichen, was man +vorher an Wirtschaftsbeziehungen besa. + +Am meisten unter allen Vlkern haben die _Juden in sterreich_ gelitten. +Die Besetzung Galiziens und der Bukowina strzte 800000 Juden ins +Unglck. Der ruthenische oder polnische Bauer wurde von der russischen +Regierung mit aller Schonung behandelt. Gegen den Juden ist man jedoch +mit aller Niedertracht verfahren, die man sich denken kann. Der Bauer +hat sein Heim, seine Ernte, seinen Verdienst behalten. Der galizische +Jude ist --, wenn er nicht gar nach Sibirien transportiert wurde, -- zum +armseligen Bettler geworden. Sein Haus, seine Ware, sein Geld +vernichtet, er selbst brotlos und heimatlos. Man lese darber das Buch +Segels "Der Weltkrieg und das Schicksal des jdischen Volkes"[18] -- und +man wird das Gruseln dabei lernen. + + [18] Verlag Stilke, Berlin 1915. + + +Eines der auch amtlich nachgewiesenen Ereignisse mchte ich hier zur +Probe nach der Schilderung Benjamin Segels wiedergeben: + +"Im 16. Jahrhundert pflegten sich die Kosaken im Kampfe gegen Polen +eines von den Tataren entlehnten Kriegsmittels zu bedienen: wenn sie +eine Festung strmten, trieben sie mit Lanzenstichen und Gewehrfeuer +Gefangene vor, die Scke voll Erde auf den Schultern trugen und unter +dem Kugelregen ihrer eigenen belagerten Landsleute die Laufgrben um die +Festung ausfllen muten, wobei sie unter der Last begraben wurden. +Diese unmenschliche Sitte ist aus dem Kriege zwischen zivilisierten +Vlkern verschwunden. Die Japaner haben nur oftmals gegen die russische +Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer auffingen. +Die Russen aber haben in Galizien aufs neue den Brauch eingefhrt, +Menschen, wehrlose Menschen zu diesem Zwecke zu gebrauchen. Nicht etwa +Gefangene, sondern Nichtkmpfer, Greise, Frauen und Kinder. Vor +_Nadworna_ im Sdosten Galiziens geschah das Furchtbare. Die Russen +brachten _eintausendfnfhundert jdische_ Familien zusammen und trieben +sie vor die sterreichische Front, whrend sie selber hinterdrein +vorrckten. + +Die menschliche Sprache hat keine Worte, um das Grausame dieser Untat +auch nur annhernd zu kennzeichnen." -- + +Bekannt sind die Befehle russischer Kommandanten, von denen ich z. B. +den des Etappenkommandeurs von Krosna, vom 10. Mrz, wiedergebe: + +"Fr jeden Fall, in dem die deutsche oder sterreichische Regierung +jemanden aus der nichtjdischen Bevlkerung bestraft, sind die Juden +verantwortlich. Zu diesem Zweck werden jdische Geiseln mitgenommen und +fr jeden Nichtjuden wird man zwei Juden umbringen." + +Das Stockholmer Blatt "Sozialdemokraten" konstatierte: Jeder russische +General, der eine Niederlage erleidet, schiebt die Schuld einfach +auf -- die Juden in dem Gebiete, wo er ist. Die Juden wurden zu +Zehntausenden ausgewiesen: auf lose Angebereien wurden sie erschossen +und erhngt. + + +Und in _Ruland_? Die russischen Juden drfen, das ist in Deutschland +kaum bekannt, nur in den westlichen polnischen, litauischen und +bessarabischen Provinzen Rulands wohnen und auch hier nicht auf dem +Lande, sondern nur in den Stdten. Sie sind vom Ackerbau abgeschlossen, +Bodenerwerb ist ihnen streng untersagt. Knstlich hat die russische +Regierung alle modernen Bildungsbestrebungen verboten, alle +freiheitlichen Regungen unterdrckt, die idealistische Jugend, die ihre +Glaubensgenossen organisieren wollten, die fr irgend einen Fortschritt +kmpften, gefangen gesetzt. Tausende gerade der Fhigsten sind +ausgewandert. Amerika nahm allein 2 Millionen dieser unfreiwilligen +Emigranten auf. Was blieb, ist ein Torso. Die stndigen Judengesetze und +Verordnungen treiben willkrlich die Juden in gewissen Stdten zusammen. +So hat das Jahr 1882 eine malose berfllung des Ansiedlungsrayons +hervorgerufen. Das polnisch-jdische Ghetto ist ein modernes +Kunstprodukt, wofr die russische Regierung verantwortlich zeichnet. Mit +Gewalt hlt die Obrigkeit die jdische Bevlkerung in Armut, hindert +jede hygienische Regung und verbietet alle geistigen Bestrebungen. Es +ist unmglich, da die Verhltnisse anders sind, als wir sie antreffen, +und das antisemitisch absprechende Urteil bercksichtigt nicht, da es +sich um ein Volk handelt, das in allem geknebelt und entrechtet ist. Der +Krieg, der sich im Westen Rulands abspielt, hat naturgem die Juden am +strksten betroffen. + +Hunderte jdischer Gemeinden sind zertreten. Ich habe selbst viele in +Polen sowie nrdlich der Weichsel und besonders im Gouvernement Kowno, +sowie in Kurland gesehen. + +ber die Lage der Juden in Ruland informiert das Bchlein von Kurt +_Aram_: Der Zar und seine Juden[19] ("Das jdische Elend in Warschau ist +doch noch viel grlicher als alles andere, was ich sah.") Und Dr. Claus +schreibt im Russenheft der Sddeutschen Monatshefte: "Schon in +Friedenszeiten war das Elend unter den Juden gro; wer einmal einen +Einblick in die Ghetti Warschaus oder einer litauischen Stadt getan hat, +wird das Bild des Grauens so leicht nicht los." + + [19] Verlag Ullstein, Berlin. + +Ich will nicht eingehend ber all das Grauenhafte schreiben, was selbst +die russische Zensur in ihren Blttern bringen lie. Einwandsfreie +nichtjdische Abgeordnete haben in den denkwrdigen Dumatagen des August +das tragische Geschick des jdischen Volkes, das von der Regierung zu +allen Zeiten als Blitzableiter dienen mute, gekennzeichnet. Geben wir +der "Guerre Sociale", dem bundesgenssischen Blatt, darber das Wort: + +"Das sterreichische wie das russische Polen ist von Polen und Juden +bewohnt. Was hat man getan, um z. B. die Juden fr die Sache der +Verbndeten zu gewinnen? Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en bloc +in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn alles das, was +amerikanische Bltter ber die den Juden seit Kriegsbeginn zuteil +gewordene _schmachvolle Behandlung_ mitteilen, wahr ist, wie kann +Ruland dann fr sie etwas anderes sein, als ein _Land des Schreckens +und der Schande_, wo ihre verfolgte Rasse den Becher bis zur Neige +geleert hat." + +Und nochmals die "Guerre Sociale" (Gustav Herv): "Mir kommt nicht zu, +in diesem Augenblick, wo das befreundete und verbndete Ruland +schmerzliche Stunden durchlebt, davon zu erzhlen, wie es viel zu lange +die Juden behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren +sie im Mittelalter behandelt haben." + +Und schlieen wir mit den mutigen Worten des jdischen Dumadeputierten +_Friedmann_, den keine Angst vor Einkerkerung oder vor Sibirien abhalten +konnte, nach allen vorliegenden Zeitungen u. a. folgendes festzustellen: + +"Die Zeitungen registrierten eine ungeheure Menge jdischer +Kriegsfreiwilliger. Diese Freiwilligen sollten ihrem Bildungsgrad nach +Anspruch auf Offiziersrang haben, aber sie wuten ganz gut, da sie als +Juden den Offiziersrang nicht bekamen. Trotzdem zogen sie in den Krieg. + +Zahlreiche jdische Studenten kamen aus dem Ausland und gingen an die +Front. Die Juden zuhause bauten Lazarette, spendeten viel Geld und +brachten verhltnismig _weit grere Opfer als andere Nationen_. + +Viele jdische Soldaten bekamen auch das Georgskreuz. (Ich habe selbst +verschiedene gesehen. Der Verf.) So war die Stimmung der Juden bei +Kriegsausbruch. Aber wir drfen nicht vergessen, da im Polenland +jdisches Blut in starken Strmen fliet, und zum Unglck nicht nur von +Feindeshand. Militrbehrden und Regierung brauchten Sndenbcke fr +ihre Mierfolge. Man benutzt zu diesem Zweck die alte Firma, das ist der +Jude. Kaum berschritt der Feind die Grenze, so verbreiteten sich +Gerchte, da jdisches Gold auf Aeroplanen, in Srgen und Eingeweiden +von Gnsen zu den Deutschen flo. Die Legende wuchs, sie verbreitete +sich dank der Agitation der Regierungsagenten und nahm schlielich +ungeheure Dimensionen an. Den Juden gegenber wurden unerhrte Manahmen +angewendet und diese Manahmen, die vor den Augen der ganzen Bevlkerung +vollzogen wurden, flten derselben und der Armee das Gefhl ein, da +die Juden als schlimmste Feinde auerhalb des Gesetzes stehen. Zuerst +wurden alle Juden aus Polen und Litauen ausgewiesen. _ber eine Million_ +Menschen mute den Bettelstab ergreifen. Verwundete jdische Soldaten +mit dem Georgskreuz wurden in Viehwagen und wirklich wie Vieh mit einem +Frachtschein abtransportiert. Jdinnen, deren Mnner, Kinder und Brder +ihr Blut frs Vaterland vergossen haben, wurden berall verfolgt. Eine +andere harte Manahme war das Geiselnehmen. Es handelt sich hier um +einen unerhrten Fall in der Weltgeschichte. Man nahm als Geiseln +Staatsangehrige des eigenen Landes. Anders als eine Schmach kann man +das nicht nennen." + +Trotzdem Millionen nur Jiddisch verstehen, wurden in ganz Ruland die +Korrespondenzen, Telefongesprche, Unterhaltungen auf der Strae in +Jiddisch verboten und die Unglcklichen eingekerkert, die dagegen +verstoen muten. + +Ruland erklrt, da des Zaren "liebe" Juden Freunde der Deutschen sind, +da sie denen zu Liebe spionieren, ja sogar auf die russischen Truppen +schieen. Gewi bestehen vielfach Sympathien fr die Deutschen auf +Seiten der russischen Juden, weil viele Deutsche zwar auch Antisemiten, +aber doch nicht so grausame Feinde der Juden sind wie die Russen. Aber +zwischen einigen Sentiments und zwischen der uerung irgendwelcher +staatsfeindlicher Gefhle ist doch noch ein sehr weiter Sprung. Selbst +die, welche sich darber klar sind, da ihnen die deutsche Regierung +wegen des geringeren antisemitischen Druckes lieber wre, wagen +sicherlich nicht die geringste Tat. Sie wissen, da sie als Juden schon +_ohne_ allen Grund als Vaterlandsverrter gebrandmarkt sind, da man +ihnen ber Schritt und Tritt nachforscht. Und sie hten sich ngstlich +vor jedem Versto. Wer die Psyche der Ostjuden kennt, wei, da es, +abgesehen vom Hindu, keine friedlichere Bevlkerung gibt. In der +strengglubigen Bevlkerung sprechen dabei auch religise Auffassungen +mit. + + +Was die russischen Juden den Deutschen so nahebringt, ist ihre Sprache +und ihre Kultur. Wohin der deutsche Soldat in Ruland kommt, er nimmt +sich immer den Juden vor, von dem er wei, da er Deutsch versteht, und +da er berhaupt nicht schwer von Begriff ist. + +Die deutsche Regierung, die Militrverwaltung hat berall gerne jdische +Mitarbeit gesucht und gefunden. Andererseits haben gerade die jdischen +Gemeinden in weitgehendster Weise die Not unter den Juden gelindert, +sogar im armen Osten haben die jdischen Religionsverbnde ihre +Angehrigen gesttzt, und dem Staate damit seine Aufgabe erleichtert. + + + + + + + + + * Die Lehren des Krieges.* + + +Die Ergebnisse aus dem Kriege fr das Verhltnis der deutschen Juden zum +Reiche sind leicht zu ziehen. Wie im Frieden, so haben sich die Juden +besonders in den schweren Zeiten der Strme als gute Staatsbrger +bewhrt. Der Burgfriede hat es ermglicht, da die, welche durch lange +Zeit als Soldaten II. Klasse und auch als mindere Staatsbrger behandelt +worden waren, ihre Pflicht in vollem Mae taten und mehr als das. Wenn +man die Zahl der jdischen Kriegsfreiwilligen, die zum Heere strmten, +zhlen wird, drfte mancher frhere Antisemit erstaunen. Soviel Liebe +und Begeisterung fr ein Vaterland, das seinen jdischen Mitbrgern die +Zeiten des Soldatenstands nicht zu den angenehmsten machte, kann nur bei +einem Volke gefunden werden, das in seinem Kern ein loyales ist. Und die +Juden waren und sind denn auch tatschlich in England, in Frankreich, in +Italien und sterreich, in den Vereinigten Staaten, in Holland etc. +berall als ein unbedingt gut patriotisches Element bekannt. + +Wenn sich etwas aus den Lehren des Augenblicks fr die Zukunft ergeben +mte, so ist es die Forderung der vollen Durchfhrung der +Gleichberechtigung der jdischen Staatsbrger in Deutschland. Wie sich +in sterreich die Ungarn bewhrten, wie die Polen und Elssser und Dnen +in unseren Heeren zum Erfolge beitrugen, so vor allem die Juden, die nie +auf deutschem Boden ein eigenes Territorium zu grnden suchten, die nie +in geschlossener Organisation irgend welchen staatlichen, sprachlichen +oder kulturellen Bestrebungen der Deutschen im Frieden wie im Kriege +eine Gegnerschaft aufboten. + +Der deutsche Jude hat keine nationale und religise Politik, die sich +gegen die der andern Staatsbrger wenden kann. Es gibt keinen jdischen +Verein, der Deutschland liberal, demokratisch oder sozialistisch regiert +haben will. Wohl aber gibt es jdische Redakteure bei den +Freikonservativen, bei den Nationalliberalen, bei den Volksparteilern +und in der Arbeiterbewegung. Eine irgendwie einheitliche jdische +Politik gibt es in Deutschland nicht. Auch ihre religisen Anschauungen +stren niemanden. + +Nicht um Lohn zu finden, haben die Juden Seite an Seite mit allen +anderen Deutschen gekmpft. Sie haben aber ein Anrecht, nicht um ihre +Freiheit verkrzt zu werden. Es mu _das_ Schauspiel des Friedens +aufhren, da der Jude, sobald er getauft ist, Professor, Offizier, +Staatsanwalt usw. werden kann. Diese _Prmie auf das Renegatentum_ ist +nicht wert, in Friedenszeiten wiederzukehren. Deutschland darf keine +antisemitische Politik betreiben, es wrde sich sonst an das +programmatisch antisemitische Ruland anlehnen. Es kann im Gegenteil +auch nicht dem Ehrgefhl deutscher adliger Offiziere entsprechen, mit +Mnnern eng verbunden zu sein, die sich ihrer Ahnen und Herkunft +schmen. Es kann nicht die Auffassung der Hterin des Rechts sein, da +Richter vorerst ihren Glauben abgeschworen haben mssen; es kann keine +freie Wissenschaft sein, die das christliche Bekenntnis zur +Voraussetzung hat. + +Deutschland, der nunmehrige Freund des _Islam_, kann auch seine +_jdische_ Bevlkerung ihrer Religion nachgehen lassen, ohne dabei +Schaden fr seine christlichen Bewohner zu nehmen. Der bertritt vom +Judentum zum Christentum mu wieder ffentlich als das gebrandmarkt +werden, was es in den weitaus meisten Fllen wirklich ist: als +Streberei, Gesinnungsheuchelei, Religionsmibrauch (alldieweil es keine +"berzeugten" Christen sind, die den Weg zum Taufbecken suchen und ihn +so leicht finden.) + +Der Krieg hat dem elenden Religions- und Rassengeznk im Innern des +Landes hoffentlich ein Ende bereitet, nach auen hin wird es noch genug +Arbeit geben, um den Ha der Nationen, die Zwietracht, Rachsucht, +Migunst langsam abebben zu lassen. Auf Jahrzehnte hinaus wird +Deutschland gengend Feinde besitzen, es kann daher die Ruhe im Innern +doppelt ntig brauchen. + +Soziale und biologische Probleme stellen sich in den Vordergrund. Die +deutschen Juden haben der Grostadt und der Sucht, wirtschaftlich zu +erstarken, bedeutende Opfer gebracht. Junggesellentum aus Vorliebe oder +aus Not, weil die Familie konomisch eine bedeutsame Last ist, +Kinderlosigkeit und Kinderarmut sind die Kennzeichen fr die Entwicklung +der heutigen deutschen Juden. Ich habe sie in den Bchern "_Der +Untergang der deutschen Juden_"[20], "_Das sterile Berlin_"[21] und in +der _Preisschrift der Gesellschaft fr Rassenhygiene_[22] des nheren +dargelegt. + + [20] Verlag Reinhardt, Mnchen. + + [21] Verlag Marquardt, Gro-Lichterfelde. + + [22] Verlag Louis Lamm, Berlin C. + +Nun reit der Krieg weite Lcken in ihre Reihen. Whrend Deutschland +wchst, verkmmert der Anteil seiner Juden. _Sombart_ hat nachgewiesen, +wie die Brokratisierung der Banken, der Schwerindustrie usw. den +jdischen Einflu hemmt. Dazu kommt die prozentual geringer werdende +Beteiligung. Die hervorstechende konomische Macht der Juden weicht +langsam, aber sicher von selbst. + +Eine antisemitische Bewegung knnte hchstens wirtschaftlich wertvollen +Krften, die ohnedies abnehmen, Hindernisse bereiten, Unzufriedenheit in +den jdischen Kreisen sen und den Geist der Zwietracht verbreiten. +Deutschland ist kein einheitlicher Staat, aufgebaut auf Grundlagen +_einer_ Religion, _einer_ Rasse, _einer_ Staatsform. Es ist (hnlich +Amerika) die glckliche Synthese der verschiedensten +Bevlkerungsschichten, die alle als deutsche Staatsbrger respektiert +werden wollen. Glaubens- und Rassekmpfe mssen verflossenen Zeiten +angehren. Wie traurig ist es, da noch Millionen von Katholiken +glauben, sich politisch vereinigen zu mssen, um entweder in ihren +Rechten nicht geschwcht zu werden oder sich greren Einflu sichern zu +knnen. Eine Vermischung von Religion und Politik. Sehen wir die +Welfenpartei! Eine Gruppe, die nach fnfzig Jahren noch immer die +Geschichte umwlzen, nochmals die staatlichen Zustnde von 1866 +herbeifhren wollte. Die Negation als Grundlage einer politischen +Bettigung! + +Der groe Krieg mu auch im Innern eine Reform bedingen. Er mu uns +soweit einander nher gebracht haben, da wir die volle politische und +brgerliche _Gleichberechtigung_, die Freiheit des Individuums frderhin +nicht mehr einzelnen Klassen und Gemeinschaften rauben wollen. Neben den +Sozialdemokraten sind es die Juden, die vornehmlich als treue +Staatsbrger angesehen zu werden verlangen und hoffentlich es auch +erreichen. Mag besonders die Ostmarkenpolitik, die antisemitisch bis in +die Knochen, durch die mehr oder minder gewaltsame wirtschaftliche +Vertreibung der jdischen Handwerker und Kaufleute in den Stdten Posens +und der stlichen Provinzen den polnischen Mittelstand aufblhen lie, +ein deutliches Warnungszeichen dafr sein, wie schdlich letzten Endes +jede Hetzpolitik ist. + + + + + + + + + * Das Problem der Ostjuden.* + + +Es mag leicht sein, da ein Friedensschlu dem Deutschen Reich neue +polnische Gebiete bringt. Kein Element wird dann so leicht fr das +Deutschtum sprachlich und staatsbrgerlich zu gewinnen sein, wie das +jdische, das sich durch sechs bis sieben Jahrhunderte, seit es aus den +Rheinlanden vertrieben wurde, die deutsche Mundart -- wenn auch in +eigener Entwickelung -- bewahrte. Viele der deutschen Soldaten dachten +sich garnichts dabei, als sie in allen Stdten Rulands eine (wenn auch +nicht ganz korrekt) deutsch sprechende Bevlkerungsschicht antrafen. +Einzelne aber waren darber doch erstaunt. Sie waren auch berrascht, +eine beraus rmliche, im Wust der Umgebung verschmutzte, aber fr alle +Entwicklung empfngliche Masse anzutreffen, die sich gerne den deutschen +Manahmen fgte. + +Das Urteil ber die polnischen Juden ist bei den Deutschen nicht immer +sympathisch. Jedes fremde Volk hat Schwchen, die dem Fremden auffallen, +und die leicht zu einer vollkommenen Verurteilung fhren. Bei den +russischen Juden wird zu wenig daran gedacht, da die russische +Regierung sie gewaltsam in modernen Ghetti zusammenpfercht. Sie drfen +nur im Ansiedlungsrayon wohnen, und hier wiederum nur in den Stdten. +Vor dreiig Jahren hat man sie so zusammengetrieben ohne Rcksicht +darauf, ob die vorhandenen Wohnungs- und Lebensmglichkeiten gengten. +Man hat sie zwangsweise in schmutzige Lcher gestoen. Die vielen +hundert Verbote, die den russischen Juden treffen, rauben ihm die Lust +und das Recht, sich Huser zu bauen, das Heim auszugestalten. Ruland +will den Juden vertreiben, und so ist er denn auch immer auf dem Sprung, +wegzugehen. Millionen Juden sind bereits nach Amerika, England, +Sdafrika, Frankreich usw. ausgewandert. + +Der russische Jude gilt wegen seiner Sprache (Jdisch-Deutsch oder +"Jargon") als Deutschfreund. Whrend sich vielfach Polen und Ruthenen in +sterreichisch-Galizien bei der russischen Okkupation recht eigentmlich +benommen haben, whrend in diesen Lndern, besonders aber in +Russisch-Polen, die Landbevlkerung in reichlichstem Mae zum +Franktireurkrieg und zu Spionage neigte, verhielten sich die Juden +beraus loyal. Es ist unwahr, da sie fr Deutschland +Kundschafterdienste leisteten; sie haben sich aber naturgem auch den +Russen gegenber durchaus korrekt benommen. Dabei wurden die Juden am +schwersten durch _beide_ Parteien geschdigt. Die Russen haben aus Ha +jdische Stdte, z. B. Szawle, angezndet, und die Deutschen verbrannten +u. a. Tauroggen als Gegenmaregel gegen russische Greuel in Ostpreuen. +Tauroggen war aber vor allem eine jdische Stadt. Kalisch, eine echte +Judenstadt, wurde grndlichst zerstrt, weil als Zivilisten verkleidete +Soldaten aus Brgerhusern schossen. Dadurch wurden Tausende von Juden +obdachlos. Viele Stdte wurden durch Bombardements zerstrt, wie Lowicz, +Sochaczew etc. Von Seiten der Deutschen muten vielfach Ausweisungen +jdischer Brger erfolgen, da man natrlich keinem der feindlichen +Staatsangehrigen trauen konnte; die Massenausweisungen der Juden aus +Polen, Ruland, Kowno etc. bertreffen ums Dreifache die Zahl der +seinerzeit aus Spanien vertriebenen Juden. Bereits wandern heimatlos +eine und eine halbe Million im Innern Rulands, und auch in sterreich +sind es Hunderttausende, deren Heim zerstrt ist. -- + +Der deutschsprechende Jude wird, wie oben bemerkt, als Deutschenfreund +angesehen. So wie die Verhltnisse vor dem Kriege lagen, htte es den +russischen Juden nichts eingetragen, sich an die Freundschaft +Deutschlands zu wenden. Nicht einmal seine eigenen Juden schtzte +Deutschland vor Ruland. Das Zarenreich erlaubte nur ganz ausnahmsweise +den Deutschen jdischen Glaubens den Eintritt in sein Land. Und +Deutschlands Politiker haben gegen diese monstrse Beschrnkung niemals +remonstriert. Sie lieen die ffentliche Beschimpfung ihrer Juden zu, +ohne durch irgendeine Gegenwehr, Gegenmaregel oder nur ernstliche +Vorstellung ihre Staatsbrger vor schimpflicher Behandlung zu schtzen. +Und die deutsch sprechenden sieben Millionen Juden Rulands? Sie gelten +zwar als Freunde Deutschlands, _nur da Deutschland nicht ihr Freund +ist_! + +Deutschland hat zu Beginn des Krieges durch seine Generale erklren +lassen, da es den Polen volle Gerechtigkeit widerfahren lassen wolle. +Die Juden, deren Zahl in den Grenzlndern bedeutend ist, wurden nicht +sonderlich erwhnt. + +Es ist anzunehmen, da sich Deutschland nach dem Kriege allen seinen +Juden gegenber liberal verhalten wird. + +Aber es ist doch sehr die Frage, wenn sich keine gewaltigen +Grenzverschiebungen ergeben, ob die Judenfrage Rulands einer Lsung +nhergebracht wird. Schon vor dem Krieg hat die russische Regierung die +Bedrckung der Juden systematisch inauguriert, die Pogrome des Jahres +1905 waren bestellte Arbeit. Ruland bekennt sich zu dem Lehrsatz eines +seiner Minister: "Ein Drittel der Juden wird vertrieben, ein Drittel mu +verhungern und ein Drittel ist zu tten." (Siehe Errera "Die +Judenfrage".) + +Die Judenfrage Rulands interessiert Deutschland aus vielen Grnden. Die +sieben Millionen, die deutsch verstehen und sprechen, bildeten ein +wertvolles wirtschaftliches Element, das gerne mit Deutschland +Handelsbeziehungen unterhielt. Diese sieben Millionen sind die strksten +Gegner jedes Krieges mit Deutschland, das sie verehren. Wegen ihrer +deutschen Sprache und ihrer deutschen Sympathien sind sie in grausamster +Weise von Ruland bestraft worden. -- Deutschland hat den Polen zu +verstehen gegeben, da es sich ihrer annehmen wird. Mit noch grerer +Berechtigung aber knnen die _Juden_ erwarten, da Deutschland sie nicht +vergit, wenn die Frage der unterdrckten Nationen in den +Friedensverhandlungen aufgeworfen wird. + +Die Juden haben nie im politischen oder sprachlichen Kampfe mit den +Deutschen gelegen (wie die Polen), seit Jahrhunderten sind sie zu einem +Teile fest verwachsen mit der deutschen Erde. Die in Polen +zurckgebliebenen Gemeinden sind bei der Teilung dieses Landes durch +Zufall zu Ruland, sterreich oder Preuen gekommen. Die, welche +russische Staatsbrger wurden, haben seit jener Zeit eine Geschichte des +Leides und der Verfolgung erlebt, die ans finsterste Mittelalter +erinnert. Leider wissen unsere deutschen Mitbrger wohl von "Greueln in +Armenien", wie sie die Englnder aus politischen Grnden +aufbauschten, -- die Regierungspolitik Rulands jedoch, das sich so +lange als der beste Freund Deutschlands gebrdete, wute recht gut ber +allen ihren Schandtaten dichte Schleier auszubreiten. + +Die deutsch sprechenden Juden Rulands sind zum Teil Zionisten. Die +Trkei hat an ihren zionistischen Brgern in diesem Kriege eine gute +Untersttzung gefunden. Deutschland kann sehr wohl, im eigenen Interesse +wie in dem seines neuen Bundesgenossen, ein Entgegenkommen der Trkei +fr eine jdische Besiedlung der verdeten Landstriche Palstinas +befrworten. + +Es kann keine Frage sein, da sofort nach dem Friedensschlu eine +_Massenauswanderung_ der russischen Juden beginnen wird, welche die +gesamte Vlkerwanderung numerisch in den Schatten stellt. Diese Juden, +denen man das Letzte genommen hat, die ein volles Jahr lang geqult und +getrieben wurden, jeden Augenblick gewrtig, erschossen oder zum +mindesten nach Sibirien gefhrt zu werden, warten nur auf die +Mglichkeit, wieder frei zu atmen. + + +Soll Deutschland diese Emigration nicht zum eigenen Nutzen zu +beeinflussen suchen? Soll der Strom der Auswanderer nach Amerika +gehen?[23] Deutschland wnscht eine moderne Entwicklung der Trkei. +Durch die Verluste, die der Krieg im eigenen Lande zeitigte, ist keine +Emigration der eigenen Massen bevorstehend. Im Gegenteil. + + [23] Eine wirkliche Masseneinwanderung stlicher Juden in Deutschland + wird schon aus konomischen Grnden schwer durchfhrbar sein. + Dieselbe wre auch vom jdisch-nationalen Standpunkt nur eine + Notstandsaktion, die brigens wegen der vielen Widerstnde, die + nach jeder Hinsicht zu berwinden wren, keineswegs einzutreten + braucht. + + +Wenn die Erlsung der kleinen Vlker einen Rckhalt an Deutschland +finden darf, dann kann es die gequlte jdische Masse des Ostens nur in +zionistischem Sinne erlsen. Auf Ruland kann Deutschland nicht +einwirken, wie es seine Untertanen regieren soll. Eine breite ffnung +der eigenen Grenzen liegt nicht im Wunsch der meisten eigenen +Staatsbrger. + + +Will Deutschland das Bndnis mit der Trkei konomisch ausntzen, will +es sich dort eine Masse sichern, die aus sprachlichen Motiven wie auch +aus Dankbarkeit zu Deutschland neigt, dann wird es einer grozgigen +zionistischen Emigration die Wege ebnen, wird "dem Lande ohne Volk das +Volk ohne Land" geben. + + +Professor Otto _Warburg_ hat schon vor zehn Jahren darauf hingewiesen, +da die Besiedelung Mesopotamiens von ausschlaggebender Bedeutung fr +die wirtschaftliche Erschlieung und Entwicklung Vorderasiens ist.[24] + + [24] Wir knnten z. B. von daher unsere Baumwolle beziehen und so vom + Auslande unabhngig werden. + +Deutsches Kapital hat die groen Bahnbauten nach Bagdad ermglicht. Wir +sind alle daran interessiert, da Deutschland daraus Nutzen zieht. Hier +kann nur eine geeignete Einwanderung helfen, denn die ortsanwesende +Bevlkerungsmenge ist nicht ausreichend. + +Da schon Massen arbeitsloser Juden in Polen den Behrden zur Last +fallen, so wre es gut, wenn man sich, wie fr die ostpreuischen +Flchtlinge, so auch fr das jdische Proletariat Galiziens und Polens +interessierte. Sobald sich die trkische Regierung entschliet, +einwandernden jdischen Familien Land anzuweisen, wird auch von der +jdischen Seite das ntige Geld zur berfhrung und Ansssigmachung +aufgebracht werden. Es ist nur ntig, da sich _der neue Dreibund_ +darber klar ist, _was er mit dem namenlosen Judenelend machen will_, +wie er den vom Krieg entwurzelten Massen hilft, ohne dabei selbst +Menschen zu verlieren. Denn Menschen sind Geld, Mnner sind im +Kriegsfalle Gewehre. Nie hat man die Bedeutung der Ziffer so erfat, wie +bei diesem Krieg. + +Kommt aber den Juden vom neuen Dreibund keine Hilfe, dann wandern sie +bestimmt nach Amerika aus und gehen fr die deutsche Sache verloren. Mit +ihnen aber ein groes Nationalvermgen, -- auch deshalb, weil ja jeder +Emigrant etwas Geld bei sich haben mu, was bei einer solchen +Vlkerwanderung allein schon Millionenwerte ausmacht. + +Die Zukunft von Deutschlands kolonisatorischer Ttigkeit liegt im +Orient, in der Trkei. Wie kaum je wieder bietet sich eine Gelegenheit, +die Kolonisation zu frdern. Kenner des Orients, wie Rohrbach, Auhagen, +Paquet[25] u. a., sind gerade in letzter Zeit fr diese Orientierung der +deutschen Politik eingetreten. Schon frher plante brigens der +verstorbene Groherzog von Baden, das Interesse der Mchte fr eine +organisierte Kolonisation Palstinas durch die Juden wachzurufen. + + [25] Ein soeben von Alfons _Paquet_ erschienener Artikel (in Heft 40 + Jahrg. 1915 des Mrz) "_Juden im Osten_" kommt zu denselben + Resultaten. Paquet schreibt: + + "Das trkische Volk kmmert sich wenig um den Glauben anderer. Es + erkennt in den Juden die Orientalen, es wei, da jene, die aus + dem Westen kommen, zugleich Europer sind, Trger eines + praktischen Knnens, das dem neuen trkischen Staatswesen Nutzen + zu bringen vermag. Und das eigentliche Palstina? Hat es nicht in + den Jahren, die dem Versuch der Wiederbesiedelung gewidmet waren, + bewiesen, da es wirklich das Land ist, wo einmal der Wanderer + sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen die den Erzvtern + leuchteten, um auszuruhen und bse Spuren aus seinen Zgen + wischen?" + + Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein grnes Banner. In dem + von Menschen erfllten Europa werden sie das wichtigste fr ihre + Zukunft: -- den Boden -- nie erhalten, eher werden sie die Trger + irgend eines unbestimmten Unheils sein. In allen Erdteilen, auer + Vorderasien, fehlen die Mglichkeiten einer Ansiedelung, die den + Juden erlaubt, nach ihrer hchst eigentmlichen Art zu leben und + von dem geistigen Gut, nach dem sie hungern, satt zu werden. Aber + in dem einen kleinen Lande, das schon begonnen hat, zu einem neuen + Dasein zu erwachen, ist Raum und Tragkraft genug, sie aufzunehmen. + Josua und Kaleb sind von ihrer Kundschafterreise zurckgekehrt mit + schweren Trauben. Es kommt jetzt darauf an die Fhigkeiten des + Volkes, die bisher auf die Wstenreise verwendet wurden, zu wecken + und neu zu gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild der deutschen + Volksschulen, vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze, + werden dazu helfen knnen. Einst werden dann diese Knaben die + Mannschaft eines neuen morgenlndischen Wesens bilden, gleichviel, + ob sie Ingenieure oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder + Gelehrte werden, gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa + bleiben und wie viele wirklich im Morgenland wohnen. Sie knnen in + einer neuen Heimat ein neues Volk sein -- nicht im Sinne jenes + Nationalismus, der in Europa die Vlker zerreit und schlgt, + sondern in dem innerlich freien, nach auen duldsamen Sinne der + morgenlndischen Weisen. "Der trkische Baum mu sehr grn werden + und auswachsen." "Wer in seinem Schatten wohnen will, mu aber + zuvor sein Grtner sein." -- -- -- + + So denkt ein bekannter Orientkenner ber die Judenfrage und das + Problem der Trkei. + +Statt dessen hat man den franzosenfreundlichen Jesuiten, die neben +zahlreichen Schulen eine Universitt in Beirut grndeten, den russischen +und griechischen Missionen Raum gegeben und hat die englischen +Machinationen unter den Arabern geduldet. + +Die neu-deutsche Judenpolitik darf des weiteren nicht in den Fehler +verfallen, das jdische Element im Osten den Polen auszuliefern. In ganz +Galizien hat man die Juden dem Terrorismus der Polen berantwortet. Man +denke sich, da dort ca. 900000 Menschen ein deutsches Idiom sprechen, +eine Sprache, die der deutschen nhersteht als die flmische Mundart. +Gleichwohl konnte man in sterreich nicht erreichen, da das "Jiddisch", +wie es genannt wird, die Rechte einer Sprache bekam. Obwohl es eine +Unzahl von Zeitungen gibt, die tglich in diesem Dialekt geschrieben +werden, und deren Bltter u. a. in Lemberg, Lodz, Krakau etc. erscheinen +(Warschauer und New Yorker Bltter in Jiddisch haben Auflagen von ber +100000 Exemplaren), war diese Sprache "von Rechts wegen" verpnt! Der +Kaufmann sollte seine Rechnungsbcher damit nicht fhren drfen, +Eingaben an die Regierung waren unstatthaft, whrend unterdessen die +jiddische schne Literatur in alle Sprachen bersetzt wurde, und +Theaterstcke, ins Hochdeutsche bersetzt, Sensation in Berlin +hervorriefen! + +Auch heute hat die deutsche Regierung die Bedeutung dieses Jargons noch +nicht erfat. Eine Volksschicht, die in polnischen Gebieten lebt, greift +aber, wenn sie ihre Muttersprache lassen mu, nicht zu dem dieser +nahverwandten Deutschen, sondern zum _Polnischen_. Es liegt kein Grund +vor, die Polen _knstlich_ zu strken und ein Volkstum, das sich +sprachlich ans Deutsche anlehnt, seiner Nationalitt zugunsten der +polnischen gewaltsam zu entkleiden. + +Sollten grere polnische Bezirke Deutschland und sterreich +angegliedert werden, so mu das _Recht der Minoritt_ geschtzt werden. +Das moderne Polentum hat sich noch nicht als mavoller und zuverlssiger +Charakter erwiesen. Wo sie es nur konnten, haben die Polen die Juden +bedrckt und ausgenutzt. Die galizischen Wahlen waren wahre Schlachttage +der Schlachta. In vielen Orten flo jdisches Blut, weil die Juden keine +Polen whlen wollten. Noch schlimmer erging es den Juden in +Russisch-Polen, wo sie den _Polen und Russen_ gnzlich ausgeliefert +waren. + +Wenn die Franzosen und Italiener von "unerlsten Vlkern" sprechen, dann +haben sie kaum der armen Juden gedacht, und sicherlich nie eine Hand +gerhrt, um deren Los zu erleichtern.[26] Und sie htten es doch so +bequem. Sie brauchten blo ihren Bundesgenossen "darauf aufmerksam zu +machen". -- -- -- + + [26] Die 2 1/3 Millionen Juden der Vereinigten Staaten sind deshalb + durchweg deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der + Deutschamerikaner haben an ihnen eine rege Sttze gefunden. + Vergessen wir nicht, da die Stimmung in Newyork, der grten + Stadt Amerikas, fr das ganze Land bedeutsam ist, da sich die + dortigen 1,2 Millionen Juden konstant fr die Deutschen + verwandten, weil sie von ihnen eine Erlsung der russischen Juden + erwarten. -- Eine offene Erklrung der deutschen Regierung an die + amerikanischen Juden wrde eine namenlose Begeisterung erwecken + und die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe + Unannehmlichkeiten wegen der Haltung Rulands versetzen. Es wre + die beste Antwort gegenber all den Enunziationen betreffs der + unerlsten Vlker in sterreich und Deutschland. Auerdem wrde + Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel fr seine knftigen + Anleihen erwarten knnen. + + +Die Lage des jdischen Volkes in Galizien ist eine viel bessere als +jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren. Aber was ihnen noch an +nationaler und politischer Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen +darlegen. Umsomehr, als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns +zufhren mte, die sich nicht wieder Zurcksetzungen und Schikanen +ausgesetzt wissen wollen. + +Die Bedrckung an Ort und Stelle zwingt sonst zu einer ungeheuren +Auswanderung, die auch in Deutschland zu merken sein drfte. Dagegen +gibt es nur ein Allheilmittel: _Lokale Rechte und Hilfe_; _ferner +Ableitung der berschssigen Krfte in den Orient_ durch starkes +Entgegenkommen der verbndeten Regierungen. Das heutige System +entwurzelt nur die Elemente, die einigermaen fest an der Scholle, an +der Heimat hngen, und jagt sie ins Ungewisse. + +Wenn die deutsche Regierung den stlichen Juden nicht entgegenkommen +kann, wird auch die dadurch sicherlich eintretende Entvlkerung die +wirtschaftliche Entwicklung dieser Lnder bedeutend verzgern. + + + + + + + + + * Schlu.* + + +Der Krieg hat Deutschland bewiesen, da der jdische Einflu, welcher +sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung des Landes, an der +Entwicklung seines Handels und seiner Industrie beigetragen hat, nicht +umsonst war. Der vielverspottete Geist der Rothschild und Bleichrder, +der schon 1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren +gefolgt und hat den Siegen den ntigen Rckhalt gegeben. Brse, +Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe, mit denen der +Militarismus zu rechnen hat. Die deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur +von gewissenlosen Brsenjobbern gegrndet sein; denn sie, ebenso wie der +deutsche Wollmarkt[27], wie das Sanittswesen, wie die Fabriken und +rzte -- alles zu hohem Prozentsatz "verjudete" Berufe -- haben die +Erwartungen nicht getuscht. Im Innern geht der Handel weiter und erhlt +uns unsere wirtschaftliche Kraft, und gibt dem Heere das, was die groe +alte Handelsnation England mhselig sich aus Amerika zusammensuchen mu. + + [27] Spottet ber die "Leder- und Stiefeljuden", aber es tat + Deutschland gut, da die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins + Ausland exportierten, fr Millionen Vorrte liegen hatten, die nun + Heereszwecken dienen konnten. + +Voreingenommene Nrgler werden auch nach dem Kriege zu den alten Waffen +des Neides greifen und die hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder +aufleben lassen. Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann +wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-, Rassen- und +Religionsha in die Rumpelkammer der Geschichte verschwinden. + +Wir knnen uns aber frwahr in Deutschland das Leben leichter machen, +brauchen uns nach auen nicht mehr als ein anscheinend in sich +zerrissenes Staatsgefge zu zeigen, auf dessen Zerfall andere Lnder +lauern. Wir nhren damit nur falsche Hoffnungen und trichte +Berechnungen. Deutschland ist gro genug, um allen seinen Bewohnern +Spielraum zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen +und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen. Neben dem +bajuwarischen Menschenschlag mchten wir den etwas differenzierten +Rheinlnder, den Mrker, aber auch den Ostpreuen nicht missen. Wer +wei, ob zum Polen und Elssser nicht auch noch ein flmischer Einschlag +kommt. Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Brgern, die er +freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist nicht erst +gegen den Willen der Einheimischen "neu zugezogen". + +Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der Jude im Lande und hat +sich stets allen Gesetzen des Staates willig und gern gefgt. Seine +Religion ist seit drei Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen +und hygienischen Maregeln durchsetzt, da sie heute noch Bewunderung +erregen mu. Die Sabbatruhe, das jdische Familienleben, die +Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht, die sich bei allen Juden, +auch wo der Staat diesbezglich versagte, lngst findet, sind +Emanationen einer Kultur, die nur der Bswillige bersehen und gering +achten kann. + +Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Nchsten und bedarf keiner +Machtmittel, um dessen Lebensnerv aus Angst fr sein eigenes Ich zu +unterbinden. Wir haben in diesem Krieg die Unkultur Rulands und des +Slawentums bekmpft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen Maregeln +die brutale Gewalt des neidischen England drngte. Mag sich Frankreich +wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig als Hterin des Fortschritts) +gebrden, Deutschland wird und mu nur noch geluterter als ein wahrer +Hort der Freiheit seiner Brger und der neutralen Staaten und Vlker aus +dem Kriege hervorgehen. + + +Von den ber 14 Millionen Juden hoffen und harren die Meisten auf den +Sieg der deutschen Waffen. Die Sympathien der amerikanischen Israeliten +stehen auf seiten der Zentralmchte. Nicht umsonst und nicht zufllig +ist es gerade die Trkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert +hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte, welche sich an die +Seite Deutschlands gestellt hat. Mge die alte Sage des Talmud, die +Lessing populr gemacht hat, nicht nur in den Tagen der Greuel und des +Vlkermordens bei uns eine wahre Sttte der Verehrung finden: die +Geschichte von den drei Ringen. + +Der muhammedanische, der christliche und der jdische Glaube sind Formen +der Kultur der Menschheit, die so viel der Welt gegeben, die sich so +lange bewhrt haben, da es verbrecherisch wre, Menschenglck und +-hoffen um einer vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu gefhrden. + + +In dem Machtbereich der eigenen und der verbndeten Lnder wird dann die +deutsche Politik bedeuten: Friede auf Erden. + + + + + + + + + *Anmerkungen zur Transkription* + + +Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler: + + - *S. 21, Z. 5*: (die deutsche _z, B._ vertreten durch Mauthner) --> + z. B. + - *S. 28, letzte Zeile der Funote*: _Sehwanenfeld_ --> Schwanenfeld + - *S. 30, Z. 18*: Untervereinen bis 33% der _Manschaften_ --> + Mannschaften + - *S. 32, Z. 13*: Der Jude Ludwig Frank _vielleichst_ der fhigste + Kopf --> vielleicht + - *S. 35, Funote*: fehlende schlieende Anfhrungszeichen, + wahrscheinlich am Ende von ins Leben zu rufen. (andernfalls am Ende + des letzten Satzes in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.) + - *S. 32, Z. 5 der Funote*: fr die Freiheit _zn_ kmpfen --> zu + - *S. 46, vorletzte Zeile*: _Ein_ antisemitische Bewegung --> Eine + - *S. 47, Z. 3 v. u.*: ein deutliches _Wahrnungszeichen_ --> + Warnungszeichen + - *S. 49, Z. 11-12*: besonders aber in _Russich-Polen_ --> + Russisch-Polen + - *S. 54, Z. 19 der Funote*: nach dem sie _lungern_ --> hungern + - *S. 54, Z. 27 der Funote*: _morgenlandischen_ --> morgenlndischen + +Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefgt: + + - *S. 34, letzte Zeile des Textes*: und anderer Dinge zu gedenken. + - *S. 36, letzte Zeile des Textes*: die Entfremdung der Lnder + bemerkten. + - *S. 54, Z. 4 der Funote*: um den Glauben anderer. + +sowie fehlende Kommata: + + - *S. 28, vorletzte Zeile der Funote*: v. Renard, + - *S. 59, Z. 27*: Sabbatruhe, + +Funoten, auf die im Original mit *) verwiesen wurde, wurden im e-Text +durchnummeriert. + + + + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE *** + + + + + *A Word from Project Gutenberg* + + +We will update this book if we find any errors. + +This book can be found under: http://www.gutenberg.org/ebooks/45808 + +Creating the works from public domain print editions means that no one +owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and +you!) can copy and distribute it in the United States without permission +and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the +General Terms of Use part of this license, apply to copying and +distributing Project Gutenberg(tm) electronic works to protect the +Project Gutenberg(tm) concept and trademark. Project Gutenberg is a +registered trademark, and may not be used if you charge for the eBooks, +unless you receive specific permission. 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General Terms of Use & Redistributing Project Gutenberg(tm) + electronic works* + + +*1.A.* By reading or using any part of this Project Gutenberg(tm) +electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to +and accept all the terms of this license and intellectual property +(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all the +terms of this agreement, you must cease using and return or destroy all +copies of Project Gutenberg(tm) electronic works in your possession. If +you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project +Gutenberg(tm) electronic work and you do not agree to be bound by the +terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or +entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. + +*1.B.* "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be +used on or associated in any way with an electronic work by people who +agree to be bound by the terms of this agreement. 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Information about the Mission of Project Gutenberg(tm)* + + +Project Gutenberg(tm) is synonymous with the free distribution of +electronic works in formats readable by the widest variety of computers +including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg(tm)'s +goals and ensuring that the Project Gutenberg(tm) collection will remain +freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation was created to provide a secure and +permanent future for Project Gutenberg(tm) and future generations. To +learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and +how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the +Foundation web page at http://www.pglaf.org . + + + *Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive + Foundation* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state +of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue +Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is +64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf . Contributions to the +Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the +full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. +S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at 809 +North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="vorwort">Vorwort</span><span class="bold large">.</span></h2> +<p class="pfirst"><span>Die folgenden Ausführungen verdanken ihr Entstehen +freien Stunden an der Front in Kurland, wo ich dem unendlichen +Leid der Ostjuden auf Schritt und Tritt begegnete, +einer unterdrückten Menschenmasse, die menschlich unser +Interesse verdient, aber auch sprachlich, da sie den Deutschen +darin noch näher steht als die Vlamen.</span></p> +<p class="pnext"><span>Vor allem gilt die Schrift den Beziehungen der deutschen +Juden zu ihrer Umgebung. Die Verhetzung, welche +vor dem Krieg das Volk bald gegen Sozialdemokraten, Agrarier +und Zentrumsanhänger trieb, fehlte nicht gegenüber den +Juden. Aber jeder wirtschaftliche Haß, jede chauvinistische +nationale Abneigung wirkt auf die Dauer unfruchtbar und +schädlich.</span></p> +<div class="line-block outermost"> +<div class="center line"><span>* </span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span> * </span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span> *</span></div> +</div> +<p class="pfirst"><span>Damit die gegenseitige Achtung auch nach dem Kriege +fortdauere und innerlich begründet wird, habe ich dargelegt, +daß das Wort eines großen Denkers nicht zu Unrecht besteht: +„Jedes Land hat die Juden, die es verdient“. +</span><span class="pageno target" id="page-6" title="6"> </span></p> +<p class="pnext"><span>„Wer die Luft, die ich atme, den Boden, auf dem ich +stehe und in dem meine Eltern bestattet sind, mir nehmen +will, ist mein Mörder</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span>“</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>So ungefähr wandte sich vor fünfzig Jahren Gabriel +Rießer an seine Widersacher. Möge uns, wenn wir in die Heimat +zurückkehren sollten, diese Sprache in alle Zukunft erspart +bleiben.</span></p> +<p class="pnext"><span>Möge mein Wort der Verständigung, der Aufklärung +und dem Frieden dienen!</span></p> +<blockquote> +<div> +<p class="pfirst"><span>Herbst 1915.</span></p> +<p class="pnext right"><strong class="bold">Felix A. Theilhaber.</strong></p> +</div> +</blockquote> +<div class="vfill"> +</div> +<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p> +</div> +<div class="level-2 section" id="kaplino-einleitung"> +<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-7" title="7"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="einleitung">Einleitung</span><span class="bold large">.</span></h2> +<p class="pfirst"><span>Die „Hilfe“ vom 2. September 1915 bringt einen Artikel +</span><span class="gesperrt">„Der Krieg und die russischen Juden“ von +Paul Barth</span><span>. Seine Worte mögen meine Auseinandersetzung +über das Problem „Judentum und Deutschtum“ einleiten. +Paul Barth schreibt:</span></p> +<p class="pnext"><span>„Was aber lauter als alles andere zum Himmel schreit, +das sind die Massenverbrechen, die die russische Militär- +und Zivilbürokratie tagtäglich an den „lieben Juden“ des +Zaren verübt. Wohin das russische Heer kommt, da ist die +erste kriegerische Leistung, daß die Juden ausgewiesen werden. +Im Februar dieses Jahres erließ der „Allgemeine Jüdische +Arbeiterbund Litauens, Polens und Rußlands“ einen +Aufruf an „die Kulturwelt“, der einigermaßen veranschaulichte, +welches Meer von Leiden hinter dem Worte „ausgewiesen“ +steckt. Mit einer Frist von vierundzwanzig, oft +bloß von acht Stunden, hinausgetrieben in die Nacht und +die Kälte des russischen Winters, alle, auch Greise, Frauen +und Kinder; ohne Ziel, ohne Schutz in ein fast feindlich gesinntes +Land; rechtlos schon im Frieden, jetzt rechtloser +denn je. Unsere Ostpreußen sind gewiß tief zu beklagen, +aber sie zogen doch in ein freundlich gesinntes Land. Hunderttausend +ausgewiesene Juden sammelten sich damals +</span><span class="pageno target" id="page-8" title="8"> </span><span>hilflos in Warschau an, sehr viele, besonders Kinder, starben +auf der Landstraße. Wie glücklich verhältnismäßig diejenigen, +die ein Kosak erstochen hatte! Denn das ist nach +jenem Aufruf ein regelmäßiger Sport der Kosaken, der unbestraft +bleibt. Der Römer Seneca ereiferte sich darüber, +daß ein Mensch, der Gladiator, „zum Spiele und Scherze getötet +wird“. Der Gladiator jedoch konnte sich wehren, er +war bewaffnet, das Ganze war ein Kampf zweier geübter +Fechter. Der arme russische Jude aber kann sich nicht +wehren.</span></p> +<p class="pnext"><span>Und ich fürchte, das ist erst der Anfang. Allerdings +ein sehr großer Anfang. Denn Mitte Mai wurden die Gouvernements +Kurland, Kowno und ein Teil von Suwalki von +280000, also mehr als einer Viertelmillion Juden „evakuiert“, +wie der russische technische Ausdruck lautet. Neuerdings +wurde eine Million Juden aus den Gouvernements +Wilna, Grodno und Warschau vertrieben, d.</span><span> </span><span>h. wirtschaftlich +vernichtet. Das tut die russische Regierung. Was wird +erst geschehen, wenn die russische „Volksseele“, besonders +die der „echt russischen Leute“, unruhig wird! Und sie +wird aufkochen, wenn Rußland weitere Niederlagen erleidet, +und sich in „Pogromen“ Luft machen, genau so, wie es +1905 und 1906 geschah. Was damals in Kertsch, Bialystok +und vielen anderen Städten vorging, das wird sich in ganz +Rußland wiederholen und wahrscheinlich mit viel größerer +Heftigkeit. Und die Polizei wird, wie damals, teils wohlwollend +zusehen, teils wohlwollend helfen. Damals war es +schließlich die erste, sehr liberale Duma, unter einem viel +besseren Stimmrecht als dem jetzigen gewählt, die den +Greueln ein Ende machte. Aber die Duma, die jetzt zusammengetreten +ist, wird für solche inneren Fragen keine Zeit +haben.</span></p> +<p class="pnext"><span>Was tun nun dabei die Juden der übrigen Welt, außerhalb +Rußlands? Im allgemeinen nichts,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>was überraschend, +</span><span class="pageno target" id="page-9" title="9"> </span><span>vielleicht auch ein bedauerliches Symptom ist. Wie +sehr sie auch die Kultur des Landes angenommen haben, in +dem sie wohnen, sie hegen doch alle die gleiche Pietät für +ihre Vergangenheit, die sie als starkes Band mit ihren russischen +Stammesgenossen vereinigt. Die deutschen Juden +freilich sind entschuldigt, sie </span><span class="gesperrt">können</span><span> nichts tun. Jeder +öffentliche Schritt ihrerseits würde den russischen Juden bloß +schaden. Diese würden daraufhin noch mehr verdächtigt +werden, über die Grenze hinaus nach dem Landesfeinde +zu schielen. In den Ländern des Vierverbandes sehen wir +nur eins: überall sind Juden unter den Kriegshetzern, gegen +die Zentralmächte, also für den Zarismus. In Frankreich +sind sehr viele Juden in den höchsten Stellen, die beständig +ihre Liebe zum Zarismus betätigen. In England haben +die Juden viel Einfluß in der höchsten Aristokratie, die +ganz besonders in der Hoffnung auf „die Dampfwalze“ +schwelgte. Lord Rosebery, einer der einflußreichsten Aristokraten, +ist ja Schwiegersohn des Barons Meyer Rothschild.</span></p> +<p class="pnext"><span>In Italien finden wir unter den wildesten Kriegshetzern +jüdische Namen. Herr Nathan, der Bürgermeister von Rom, +hielt im Dezember 1914 als Freimaurer, als früherer Großmeister +der Logen des Großorients, im Theater Constanzi +in Rom eine schwungvolle Rede, in der er zum Kriege für +den Dreiverband, also für den Zaren, aufrief. Zwei bekannte +italienische Politiker jüdischer Herkunft, Barzilai +und Luzzatti, trieben ebenfalls zum Kriege.</span></p> +<p class="pnext"><span>Aber was tun die Juden in den neutralen Ländern? +Der einzige, der sich auf seine Herkunft und seine Gewissenspflicht +besinnt, scheint Georg Brandes in Kopenhagen, +wie sein Briefwechsel mit Clémenceau bewies. Andere sind +auf seiten des Vierverbandes. Die rumänische Zeitung „Adeverul“ +(Wahrheit), die täglich gegen die Zentralmächte, also +für Rußland agitiert, war bis vor kurzem und ist wohl noch +in jüdischen Händen. Die übrigen tun gar nichts, nicht einmal +</span><span class="pageno target" id="page-10" title="10"> </span><span>die Sozialisten unter den Neutralen. Vor kurzem meldete +Reuter aus Neuyork, Samuel Gompers, der Vorsitzende der +American Federation of Labour, zweifellos jüdischer Herkunft, +habe auf eine Einladung zu einer Versammlung, die +gegen die amerikanische Kriegsbedarfsausfuhr protestieren +wollte, durchaus ablehnend geantwortet. Dunkel ist zwar +die Begründung seiner Ablehnung: „es gebe schrecklichere +Dinge als den Krieg, nämlich des Geburtsrechts (d.</span><span> </span><span>h. wohl +des angeborenen Rechts), der Freiheit und der Gerechtigkeit +beraubt zu sein“. Dies alles sind ja die Leiden der russischen +Juden; aber Gompers lehnt ab, gegen die Unterstützung +ihrer Unterdrücker zu protestieren.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wenn nun die Juden selbst so gänzlich passiv sind, so +müssen wir </span><span class="gesperrt">Nichtjuden</span><span> uns regen und sie aus ihrer +Resignation aufrütteln. Ich möchte nochmals betonen, daß +die Verfolgungen erst anfangen. Je weiter die verbündeten +Heere vorrücken, desto größer die Gefahr neuer Wutausbrüche. +Und schon, wie berichtet wird, sind die Juden teilweise konzentriert +in besondere Lager</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>sehr bequem für die Verfolger. +Das Volk wird einen Sündenbock suchen, auf den es die +Schuld der Niederlagen abwälze. Es wird die Regierung +schuldig finden, aber es kann wieder einen Minister geben, +wie denjenigen, der im Oktober 1905</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>nach jüdischen +Quellen</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>sagte: „Wir werden die Revolution im Blute der +Juden ersticken.“ Es folgten darauf die furchtbaren, zehn +Tage dauernden Oktobermorde. Tausend Juden wurden erschlagen, +achttausend wurden zu Krüppeln. Werte im Betrage +von 180 Millionen Mark wurden vernichtet, 300000 +Juden flohen ins Ausland. (Vergl. „Allgemeine Zeitung des +Judentums“, 1910, S.</span><span> </span><span>577.)</span></p> +<p class="pnext"><span>Die deutschen Juden können, wie gesagt, unmittelbar +nichts tun, aber mittelbar sehr viel. Sie können die Juden +der </span><span class="gesperrt">nordamerikanischen</span><span> Union aufrufen, die für +russische Angelegenheiten doch sonst Interesse zeigen. Als +</span><span class="pageno target" id="page-11" title="11"> </span><span>der Beilisprozeß schwebte, haben diese beim russischen Gesandten +in Petersburg dagegen protestiert und später dem +zwar freigesprochenen, aber sehr geschädigten und gequälten +Beilis eine Farm geschenkt. Jetzt steht mehr als ein Menschenleben +auf dem Spiele. Was dem einen Beilis recht war, +ist allen russischen Juden billig. Die amerikanischen Juden +müßten laut und energisch ihre Stimme erheben für ihre +niedergetretenen russischen Stammesgenossen, täglich, so +oft als möglich, in den Zeitungen, in allgemeinen Versammlungen +der Juden und der Christen. Wenn erst die russische +Regierung weiß, daß man ihr Treiben beobachtet, +wird sie doch vielleicht stutzig werden und das Schlimmste +unterlassen, sie wird wenigstens nicht die Polizei zur schweigenden +Duldung der Morde und der Diebstähle anhalten, +sondern notgedrungen den Befehl zur Aufrechterhaltung der +Ordnung geben müssen. Nordamerika ist ja der künftige +Geldmarkt für Rußland, der einzige, wo es einst Anleihen +machen kann. Denn alle europäischen Staaten werden nach +dem Kriege selbst zu viel Schulden haben, um anderen leihen +zu können. Die Juden der Union aber sind eine starke +Kapitalmacht, besonders im Westen. Sie haben</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>nach +W. Sombart</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>eine herrschende oder wenigstens wichtige +Stellung im Getreidehandel, im Tabakhandel und im Baumwollhandel. +Auf allen drei Gebieten können sie den Russen +schaden. Vor allem aber können sie jede russische Anleihe +erschweren, vielleicht unmöglich machen. Damit müßten sie +drohen. Darauf wird selbst die zarische Regierung hören.</span></p> +<p class="pnext"><span>Und wenn die Proteste und Drohungen nichts helfen, +so werden sie doch wenigstens Zeugnis ablegen, daß in der +allgemeinen sittlichen Verwilderung es noch Menschen gegeben +hat, die die Unmenschlichkeiten der zarischen Regierung +als solche zu brandmarken gewagt haben.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wenn aber gar nichts geschieht, dann wird ganz gewiß +sich das alte Sprichwort bewähren: „Wenn die Menschen +</span><span class="pageno target" id="page-12" title="12"> </span><span>schweigen, so reden die Steine“, freilich in diesem Falle nur +die Steine des Pogroms, die auf unschuldige, wehrlose +Opfer fallen werden.“</span></p> +<div class="line-block outermost"> +<div class="center line"><span>* </span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span> * </span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span> *</span></div> +</div> +<p class="pfirst"><span>Wenn Barth sich auf die Einwirkung der amerikanischen +Juden verläßt, so fürchte ich, gibt er uns einen Wechsel +auf die Zukunft. Die amerikanischen Juden sind noch +nicht genügend organisiert, z.</span><span> </span><span>T. auch als Vollblutyankees zu +sehr auf Seiten der Entente.</span></p> +<p class="pnext"><span>Ich glaube und werde es zu beweisen versuchen, daß +Deutschland allen Grund hat, jede antisemitische Regung +abzustreifen, den Juden im Inland die Gerechtigkeit, die +ihrer treuen Staatsbürgerschaft gebührt, widerfahren zu lassen, +den Juden in eroberten Gebieten jede Autonomie zu +gewähren und den Auswandernden im Orient allen Vorschub +für eine großzügige Kolonisation zu leisten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Doch damit komme ich schon zur Voraussetzung jeder +Politik gegenüber den Juden: die Bewertung derselben als +zuverlässige und fähige Staatsbürger gegenüber ihren Heimatsländern, +und nicht zum mindesten in Deutschland!</span></p> +<div class="vfill"> +</div> +<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p> +</div> +<div class="level-2 section" id="kaplino-der-krieg-und-die-juden"> +<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-13" title="13"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="der-krieg-und-die-juden">Der Krieg und die Juden</span><span class="bold large">.</span></h2> +<p class="pfirst"><span>Der große Krieg hat infolge des grandiosen Kaiserwortes +„Ich kenne keine Parteien mehr“ den antisemitischen +Angriffen und Übergriffen vorläufig den Grund und Boden +entzogen. Trotzdem will das Judenproblem keineswegs von +der Bildfläche verschwinden. Im Gegenteil. Der Einmarsch +der deutschen Truppen in die polnischen und russischen Gebiete +hat mit einem Schlage die innerpolitische Unhaltbarkeit +des Schicksals, der nahezu sieben Millionen starken +jüdischen Bevölkerung Rußlands der ganzen Kulturwelt aufgetan. +Man wird nicht leugnen können, daß das jüdische +Problem beim Friedensschlusse sowohl von großem internationalem +Belang sein wird, als auch von hervorragender +Bedeutung für die </span><span class="gesperrt">deutsche Politik</span><span>.</span></p> +<div class="level-3 section" id="id1"> +<h3 class="center level-3 pfirst section-title title"><span class="bold large target" id="die-stellung-der-deutschen-juden-vor-dem-krieg">Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg</span><span class="bold large">.</span></h3> +<p class="pfirst"><span>Die Judenfrage ist für Deutschland praktisch so wichtig, +daß es sich gewiß verlohnt, darauf einzugehen. Prüfen +wir zunächst einmal die Stellung der Juden Deutschlands +und ihren Einfluß in diesem Lande.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die Mitte des verflossenen Jahrhunderts hat nicht nur +einen völligen Umsturz aller inner- und außen</span><span class="gesperrt">politischen</span><span> +Verhältnisse Deutschlands bedingt; die breiten +Volksmassen erschütterte ein </span><span class="gesperrt">sozialer</span><span> Umschwung. +Aus einem rein agrarischen Staate wuchs in wenigen Jahrzehnten +</span><span class="pageno target" id="page-14" title="14"> </span><span>eine gigantische Industrie heraus, welcher bald ein +weltenumspannender Handel die Wege bahnte. Die Technik +feierte rascher ihre Triumphe, als die Regierungsfürsorge +und die von Organisationen getragene Selbsthilfe der Interessengruppen +sich auf die Neukonstellationen einstellen +konnten. Dadurch gerieten die Arbeiter stellenweise in die +Gefahr, materiell und physisch ausgenutzt zu werden. Auf +dem Lande hatte sich einst ein ähnlicher Prozeß, wodurch +sich Latifundien bildeten, im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. +Die industriellen und kommerziellen Großunternehmungen +aber kamen über Nacht. Erbarmungslos rang das +Großkapital den Stand der kleinen Leute nieder. Dieser +ökonomische Werdegang ging nicht ohne Gewalttat, ohne +Härten ab, die den Trägern den Haß des in seiner Existenz +erschütterten dritten Standes eintragen mußten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die Sozialdemokratie als die Zusammenfassung der +Proletarier ist das naturnotwendige Produkt dieser Entwicklung. +Der Antisemitismus ist die Konsequenz des Prozesses +insofern, als sich diese Bewegung gegen die sichtbarsten +Träger, gegen die Klasse von Menschen wandte, +welche am geschicktesten die Macht des Kapitals auszunutzen +wußten. Die erste Partei ist ein Versuch, der </span><span class="gesperrt">Sache</span><span> +selbst entgegenzutreten, die letztere kämpft gegen </span><span class="gesperrt">Personen</span><span>, +die nebenbei in ihrer religiösen und rassigen +Eigenart eine gute Zielscheibe boten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Uns interessiert hier nicht, wie die Auswüchse des Kapitalismus +oder der Kapitalismus selbst zu bekämpfen ist. +Wir wollen nur der Frage nähertreten, wie der Antisemitismus +des weiteren zu erklären ist, welches die Bedeutung der +deutschen Judenheit gewesen ist, und ob wir anläßlich des +Krieges den Juden einen mehr oder minder günstigen Einfluß +auf die Wirtschaftsgestaltung Deutschlands einräumen +können, um dann später auf den Einfluß der deutschen Juden +und überhaupt auf den Krieg eingehen zu können. +</span><span class="pageno target" id="page-15" title="15"> </span></p> +<p class="pnext"><span>Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts +strömte ein gut Teil der jüdischen Jugend Deutschlands nach +den Vereinigten Staaten von Amerika, Südafrika, England, +Frankreich etc. Teilweise war ihnen die volle Gewerbefreiheit +(wie z.</span><span> </span><span>B. in Bayern bis 1864) vorenthalten gewesen. +Die siebziger Jahre, die berühmten Gründerzeiten, bringen +eine Hochflut von aus den Dörfern in die Städte strömenden +Juden. Die jüdischen jungen Leute wandern nicht mehr in +die Fremde, sondern wenden sich dem deutschen Handel, +der Industrie, den akademischen Berufen, und vor allem den +Großstädten zu. Das seit Jahrhunderten betätigte Wohnen +in den Städten, bedingt durch Eigenart, aber auch durch +das mittelalterliche Gesetz, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein +Geltung hatte, läßt sie allmählich in die größeren Städte +abwandern, wo die Verdienstmöglichkeiten sich stetig vergrößern. +Dazu trägt auch die antisemitische Ostmarkenpolitik +bei, welche die Juden aus den Provinzen Posen, Ost- +und Westpreußen vertreibt. Der Druck der Hakatisten, der +wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott der evangelischen +Deutschen den Juden im Osten gegenüber, läßt ihre +Stellung zwischen Deutschtum und Polentum unhaltbar +werden. Dazu kommen elementare Ausbrüche der von den +Antisemiten bearbeiteten Volksschichten. Der „Ritualmord +von Konitz“ ist eins dieser bezeichnenden Ereignisse. +Fluchtartig verläßt der Jude diese Städte, deren Charakter +durch seine Anwesenheit noch ein deutscher war, und überläßt +den Platz den Polen.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Die neueren Schriften über das Ostmarkenproblem geben +sämtlich zu, daß die durch die staatliche und gesellschaftliche +antisemitische Politik bedingte Vertreibung der +Ostmarkenjuden ein bedeutsamer Mißgriff war, der sich nach +drei Seiten bemerkbar machte:</span></p> +<p class="pnext"><span>1. Für die Entwicklung dieser Städte, die durch den +</span><span class="pageno target" id="page-16" title="16"> </span><span>Verlust von Menschen, von Kapital und von unternehmungslustigen +und fähigen Elementen gehemmt wurde.</span></p> +<p class="pnext"><span>2. Für die deutsche Sache. Der Wegzug von ca. 150 bis +200000 Juden aus den bedrohten Provinzen hat die deutsche +Sache um so viel Anhänger ärmer gemacht.</span></p> +<p class="pnext"><span>3. Für den Staat. Der Jude der Ostmark (wie überhaupt +in ganz Deutschland) war ein zuverlässiger Staatsbürger, +auf den in jeder Zeit gerechnet werden konnte.</span></p> +<p class="pnext"><span>Organisationen über Organisationen erwuchsen aus dem +reichen Boden der Gebiete rechts der Elbe. Deutsche und +polnische Kleinbauern-Genossen</span><span></span><span>schaften, Vereine der Gutsbesitzer +und Groß-Eigentümer, die zugleich die Zucker- und +Spiritusfabrikation besaßen, politische Organisationen beider +Sprachengemeinschaften, alle aber mit leicht antisemitischen +Tendenzen, die durch den in Berlin geborenen Antisemitismus +erst voll und ganz durchtränkt werden sollten. +Was dagegen der Jude an Organisation entgegenstellte, war +kaum der Rede wert. Er organisierte sich nicht wirtschaftlich, +sondern verzichtete darauf, sich in einen Kampf einzulassen, +in dem außer Regierung und Verwaltung auch die +breite Masse des Volkes gegen ihn Stellung nahm, und verschwand +in die Großstadt, wo er untertauchen konnte.</span><a class="footnote-reference" href="#id3" id="id2"><sup>1</sup></a></p> +<p class="pnext"><span>Dadurch ist die unnatürliche plötzliche Überschwemmung +der Hauptstädte mit Juden bedingt worden. Nicht nur +die Jungen und Fähigen kamen; viele, die sich nicht mehr +anzupassen wußten, schwemmte die Flut herein. Ältere Menschen, +die überall anstießen, weil sie in dem neuen +Beruf nicht mehr von der Pike auf dienen konnten. +Neben einer großen Menge von Begabten und Energischen +auch „Luftmenschen“, Bassermann'sche Gestalten, labile +Charaktere. Aber was das junge Blut anlangt, so kann +man leicht zeigen, daß es Deutschland zum Segen gereichte. +</span><span class="pageno target" id="page-17" title="17"> </span><span>Deutschland ist der große, kräftige und reiche Staat in +hohem Maße auch durch die Mitarbeit der </span><span class="gesperrt">Juden</span><span> geworden.</span></p> +<p class="pnext"><span>Bekannt ist deren Mitwirken an der finanziellen Entwicklung. +Die Finanzgrößen, die die deutsche </span><span class="gesperrt">Geldwirtschaft</span><span> +und die Großbanken schufen, waren zum großen +Teil Juden. Das Erstarken unserer finanziellen Kraft liegt in +der glücklichen Ausgestaltung unserer Finanzinstitute. Die +Banken sind nach Sombart eine jüdische Erfindung. Die +Barone Oppenheim sind die Gründer der ersten, der Darmstädter +Bank. Neben den Rothschild's ragen als Eisenbahnkönige +einige jüdische Häuser wie die in Bayern nobilitierten +Eichthal und die später in Preußen geadelten Fould's, später +Dr. Strousberg und der Baron Hirsch hervor. Das Bankhaus +Mendelsohn hat heute noch seine nahen Beziehungen zu den +maßgebenden Stellen des Reiches, und der Chef der Firma +Bleichröder ist der Öffentlichkeit populär geworden, weil er +Bismarck zu der hohen französischen Kriegsentschädigung +von 5 Milliarden in Gold zu bewegen wußte. Auch die modernen +Finanzgrößen, die Leiter unserer wichtigsten Institute, +zählen Juden an erster Stelle auf. Wir erinnern an +die von Cohn, von Wassermann, Fürstenberg, Speyer-Ellissen, +von Schwabach, Goldberger</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die Arnold, Berliner und Deutsch sind Namen, welche +in der neudeutschen Wirtschaftsgeschichte einen guten Klang +besitzen. Hagen-Köln (früher Levy geheißen) war wohl einer +der Männer, welcher in dem Aufsichtsrat der größten deutschen +Gesellschaften den mächtigsten Einfluß besessen hat.</span></p> +<p class="pnext"><span>Juden haben in Hamburg die </span><span class="gesperrt">Strumpfindustrie</span><span>, +in Fürth das </span><span class="gesperrt">Spiegelglas</span><span>, im posenschen die +</span><span class="gesperrt">Schnapsbrennerei</span><span> großgemacht. Wir treffen sie +auch als Großindustrielle in der </span><span class="gesperrt">Seiden</span><span>fabrikation.</span></p> +<p class="pnext"><span>Neben unseren vortrefflichen Geldinstituten haben uns +vor allem unsere großzügigen Wollfirmen die Kriegführung +</span><span class="pageno target" id="page-18" title="18"> </span><span>erleichtert. Der deutsche </span><span class="gesperrt">Woll- und Baumwollmarkt</span><span> +ist von Juden geschaffen und auf die Höhe gebracht +worden, die er heute einnimmt, wie wohl kein Kenner +der Verhältnisse bestreiten wird. Unter den vielen Tüchtigen +verdienen hier die Gebrüder Simon namentliche Erwähnung.</span></p> +<p class="pnext"><span>An den grandiosen Woll- und Baumwollhandel konnten +sich die zahlreichen, vielfach jüdischen, Textilfabriken anlehnen. +Die blühende deutsche </span><span class="gesperrt">Konfektion</span><span> ist quasi +eine jüdische Domäne.</span></p> +<p class="pnext"><span>Daneben erinnere ich an den Leipziger </span><span class="gesperrt">Rauch</span><span>markt. +Wer die berühmte Pelzmesse kennt, weiß, daß jüdischer Fleiß +und Erwerbsfreudigkeit hierin Deutschland eine erste Stelle +in der Welt schuf. Die großen „</span><span class="gesperrt">Felljuden</span><span>“, welche +unsere Lederindustrie mit ausbauten (z.</span><span> </span><span>B. Adler-Oppenheimer), +und die </span><span class="gesperrt">Stiefelkönige</span><span> sind bekannt.</span></p> +<p class="pnext"><span>Den Neid aller Völker, den Stolz Deutschlands bedingte +unsere so rasch, fast über Nacht zu grandioser Größe +entwickelte </span><span class="gesperrt">Handelsflotte</span><span>, die auch in Kriegszeiten +dem Reiche ihre Dienste leiht. Der Schaffer der Hamburg-Amerika-Linie +aber ist der viel genannte </span><span class="gesperrt">Ballin</span><span>. Seine Bedeutung +für die Entwicklung Deutschlands wird einst die +Geschichte zu würdigen haben.</span></p> +<p class="pnext"><span>Der Vater der </span><span class="gesperrt">elektrochemischen</span><span> Industrie war +der jüngst verstorbene Rathenau, der Schöpfer der A.E.G. +Sombart behauptet, daß auch die Siemens und Halske-Werke +erst den Wettkampf um die Vormachtstellung der deutschen +Industrie in aller Welt aufnehmen konnten, als der +jüdische Direktor Berliner an leitende Stellung trat. Aber +nicht nur in friedlichen Zeiten bedang die A.E.G. Deutschlands +Ruhm und Größe. In unserm Kriege haben sie Bedeutendes +geleistet, wenn es jetzt auch noch nicht Zeit ist, +darauf näher einzugehen.</span></p> +<p class="pnext"><span>Viel geschmäht worden ist die Arbeit der Juden auf +dem Gebiete der </span><span class="gesperrt">Waffen-</span><span> und </span><span class="gesperrt">Munitionsfabriken</span><span>. +</span><span class="pageno target" id="page-19" title="19"> </span><span>Wie vereinzelte Sozialdemokraten die Wichtigkeit der +Kruppwerke und ihre vaterländische Rolle mißverstanden +und vor der breitesten Öffentlichkeit verunglimpften, so +wußte seinerzeit Ahlwardt den großen </span><span class="gesperrt">Löwe</span><span>konzern zu +verdächtigen. Aber die „Juden“flinten, die Maschinengewehre +und alle die Waffen, welche unsere Heeresleitung von diesen +Unternehmungen beziehen konnte, waren letzten Endes +nicht bedeutungslos. Der Nur-als-Krämer und Schacherer verschriene +Jude hat dem Reich zu Kriegsbeginn wertvolle +Stätten zur Verfügung stellen können: Angefangen von dem +reich überfüllten Wollmarkt, von den Handelsschiffen, welche +die Flotte stützten, bis zu den Fabriken, die direkt oder indirekt +dem Heere alle Mittel moderner Kriegsführung lieferten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wenn wir an die treue Mitarbeit jüdischer Firmen in +der </span><span class="gesperrt">Maschinentechnik</span><span> anknüpfen, dann dürfen wir +als deutsche Unternehmungen von Weltgeltung herausgreifen +die </span><span class="gesperrt">Orenstein und Koppel</span><span> A.G., (Kleinbahn- und +Baggerfabrikanten), die Mannheimer </span><span class="gesperrt">Ladenburgs</span><span>, die +Nürnberger </span><span class="gesperrt">Bings</span><span>. Selbst Erzschürfungen (Hirsch und +Beer-Sondheimer-Kupfer) werden von ihnen inauguriert. +Caesar Wollheim, v. Friedländer-Fould sind in ‚Kohle‘ bekannt. +Neben der Wichtigkeit des Materials und der Arbeitsstätten +ist es Geheimrat Haber, der durch die künstliche Gewinnung +des Stickstoffes erst die ganze deutsche Munitionserzeugung +gewährleistete, und der (nach Davis Trietschs Broschüre, +„Juden und Deutsche: Eine Sprach- und Interessen</span><span></span><span>gemeinschaft“</span><a class="footnote-reference" href="#id5" id="id4"><sup>2</sup></a><span>) +jüdischen Eltern entstammt. Auf solche +Köpfe kann die deutsche </span><span class="gesperrt">chemische</span><span> Wissenschaft stolz +sein. Wie ja überhaupt die chemische Industrie Deutschlands +Größe in der Welt mitgeschaffen hat. (Es sei u.</span><span> </span><span>a. auch des +jüdischen chemischen Industriellen </span><span class="gesperrt">Gans</span><span> gedacht, dessen +Sohn übrigens auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und der +Ballontechnik Bedeutung hat.)</span></p> +<p class="pnext"><span class="pageno target" id="page-20" title="20"> </span><span>Auch sonst wäre noch viel aufzuführen. Wir könnten +manches über andere Wirtschaftskomplexe hier anfügen, so +vom Tabakmarkt, von dem Sombart behauptet, daß Juden +die Tabakindustrie in Deutschland einführten. Ebenso wie +in der modernen Zigarren- und Zigarettenfabrikation halten +Juden den Wettbewerb als Uhren-, Sekt- und Schokolade-Fabrikanten +und als Getreideimporteure usw. usw.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wir wollen nicht ermüden. Die Reichtümer, die einzelne +Juden sich erwarben, waren nicht unverdient. Sie sind bedingt +dadurch, daß Deutschlands Handel und Wandel zu der +Größe geführt wurde, die den Neid der fremden Völker erregte, +aber damit auch unserem Lande die Möglichkeit gab, +auch auf dem wirtschaftlichen Felde den allgewaltigen Kampf +gegen die Unmenge von Feinden so siegreich zu bestehen.</span></p> +<p class="pnext"><span>Auf dem Zeitungsgebiet zeigten die </span><span class="gesperrt">Mosse</span><span>, </span><span class="gesperrt">Ullstein</span><span>, +</span><span class="gesperrt">Sonnemann</span><span> (Frankfurter Zeitung) ihre Tatkraft +und schufen, trotzdem ihre Blätter als „verjudet“ verschrien +wurden, gewaltige Betriebe. </span><span class="gesperrt">S. Fischer</span><span> ist der bedeutendste +literarische Verleger, </span><span class="gesperrt">Reinhardt</span><span>, der </span><span class="gesperrt">Bühnentechniker</span><span>, +welcher dem modernen Theater reiche Impulse +verlieh, ist gleichfalls Jude. Als </span><span class="gesperrt">Antiquitätenhändler</span><span>, +</span><span class="gesperrt">Numismatiker</span><span>, als </span><span class="gesperrt">Sammler</span><span> jeder Art +haben die Juden den deutschen Ruf in der Welt mitbegründet.</span></p> +<p class="pnext"><span>Besonders stark angefeindet wurden sie in der Wissenschaft. +Um auf diesem Gebiete ihr Können einigermaßen zu +belegen, müßten wir allein ein dickes Buch schreiben. Aber +ein paar Beispiele dürfen wir wohl geben. So ist in der Medizin +die Lehre der </span><span class="gesperrt">sexuellen Krankheiten</span><span> durch +drei Juden</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span></span><span class="gesperrt">Neisser</span><span>, </span><span class="gesperrt">Ehrlich</span><span>, </span><span class="gesperrt">Wassermann</span><span></span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>in grandioser Weise gefördert worden. Neisser, der Entdecker +des Gonokokkus, Wassermann, der feinsinnige +Schaffer des luetischen Blutnachweises, und Ehrlich, welcher +eine moderne Waffe gegen die Syphilis schmiedete. Die </span><span class="gesperrt">Juristen</span><span> +</span><span class="pageno target" id="page-21" title="21"> </span><span>sprechen von den Begründern der deutschen +Rechtswissenschaft, von </span><span class="gesperrt">Staub</span><span> und </span><span class="gesperrt">Dernburg</span><span> mit all +der Hochachtung, die man diesen kaum vorenthalten dürfte. +Die </span><span class="gesperrt">Sprachwissenschaften</span><span> (die </span><span class="gesperrt">deutsche</span><span> +</span><span class="target" id="z-b">z. B.</span><span> vertreten durch </span><span class="gesperrt">Mauthner</span><span>) schätzen die jüdische Mitarbeit; +</span><span class="gesperrt">Statistik</span><span>, </span><span class="gesperrt">Nationalökonomie</span><span>, </span><span class="gesperrt">Chemie</span><a class="footnote-reference" href="#id7" id="id6"><sup>3</sup></a><span> +sind wie </span><span class="gesperrt">Literatur</span><span>, </span><span class="gesperrt">Musik</span><span> und andere kulturelle +Gebiete durch deutsche Juden befruchtet worden. Auf +</span><span class="gesperrt">Schachturnieren</span><span> (Lasker, Steinitz, Zuckertort, Tarrasch), +aber auch auf den olympischen Spielen, am Turf und +auf gefahrvollen Expeditionen bewährten sich Juden. </span><span class="gesperrt">Emin +Pascha</span><span> hieß einst Schnitzer, ein bedeutender Arabien-Forscher +war </span><span class="gesperrt">Glaser</span><span>, als einer der ersten wirkte in +deutschen westafrikanischen Schutzgebieten und erlag dort +der Malaria: Dr. </span><span class="gesperrt">Kaiser</span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Die antisemitische Bewegung, die vor dreißig Jahren +gegen die Juden entstand, ist dadurch erklärlich, daß von den +vielen hervorragenden Verdiensten deutscher Juden viel zu +wenig bekannt wurde.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die politische Geschichte übergeht die Abstammung des +ersten deutschen Reichstagspräsidenten von Simson, der +seinem Könige mehrfach die Kaiserkrone antrug. Das damals +als Musterländle gepriesene Baden hatte einen nicht einmal +getauften Finanzminister: Ellinger.</span></p> +<p class="pnext"><span>Das waren einzelne Personen, die ihr Bestes für das +Werden des Reiches einsetzten. Schon in den 40er Jahren +waren es jüdische Dichter in der Sturm- und Drangperiode, +welche für Einheit und Fortschritt eintraten. Berthold Auerbach +und Andere, deren Namen heute vergessen sind, mußten +wegen ihrer Zugehörigkeit zu alldeutschen Burschenschaften +</span><span class="pageno target" id="page-22" title="22"> </span><span>hinter Kerkermauern dafür büßen, daß sie für ein +geeintes Deutschland agitierten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Bedeutender zeigt sich aber die Mitwirkung jüdischer +Elemente bei der Ausgestaltung des deutschen </span><span class="gesperrt">politischen</span><span> +Lebens. Kein Volk der Welt hat ein so gut fundamentiertes +Parlament, in dem so überzeugungstreue Parteien +sitzen, die nicht nach Laune, nach persönlichen Vorteilen +stimmen, sondern die</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>oft viel zu sehr</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>nach theoretischen +Überlegungen und prinzipiellen Anschauungen den +Fragen nähertreten. Kein Abgeordnetenhaus hat sozialer +und menschlicher gearbeitet. An ihren Früchten kann man +am besten nicht nur die Bäume, sondern auch die Parlamente +erkennen. Unsere </span><span class="gesperrt">konservative</span><span> Partei feiert als +einen ihrer Mitbegründer Stahl; Lasker und Bamberger schufen +die </span><span class="gesperrt">liberale</span><span> Partei; Marx und Lassalle standen an +der Wiege der </span><span class="gesperrt">Sozialdemokratie</span><span>, die in Singer, +Haase, Bernstein und Frank mit ihre besten Führer fand.</span></p> +<p class="pnext"><span>Da wir noch keine Abhandlung über die jüdische Mitarbeit +an der Entwicklung Deutschlands in der neuesten Zeit +besitzen, so war es wohl nicht unangebracht, sie mit einigen +Beispielen zu belegen. Ähnlich wie </span><span class="gesperrt">Deutschland</span><span> in +der </span><span class="gesperrt">Welt</span><span>, so machten sich die </span><span class="gesperrt">Juden</span><span> in </span><span class="gesperrt">Deutschland</span><span> +„unliebsam bemerkbar“.</span></p> +<p class="pnext"><span>Der Umwelt erschienen einst die deutschen Waren als +„billig und schlecht“, die aufblühende deutsche Flotte war +den Engländern, die als handeltreibendes Seevolk ein Monopol +anstrebten, eine freche Konkurrenz, die deutsche Beteiligung +in der Weltpolitik kam den Engländern als Aufdringlichkeit +vor, selbst wenn sie noch so zurückhaltend war.</span></p> +<p class="pnext"><span>Dazu kamen noch historische Vorurteile, von welchen +z.</span><span> </span><span>B. besonders die Franzosen nicht loskamen. Das Geschrei +der Gasse umnebelte selbst intelligente Engländer, +Franzosen, Italiener, Amerikaner, Rumänen, Russen. Auch +in der neutralen Welt gibt es leider tüchtige Menschen, die +</span><span class="pageno target" id="page-23" title="23"> </span><span>sich alle Fabeln über die Unkultur der Deutschen, über die +Eroberungssucht des Kaisers und seines Volkes zueigen +machten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Geradeso hat man oft von den Juden gesprochen. Man +hat sie des Mangels an Kultur und an Redlichkeit geziehen +und all des Schlechten, was man den Deutschen heute nachsagt, +beschuldigt. Wollten sie beim Militär Karriere machen, +dann hinderte man sie daran; wenn daraufhin wieder Manche +keine sonderliche Lust am Dienste hatten, hielt man es ihnen +wieder vor. Wurden sie reich, dann erweckte das Eifersucht; +war irgendwo ein unbedeutender Jude, dann wurde daraus +der Schluß gezogen, daß der Jude überhaupt unfähig ist. +Es ist wirklich überraschend, wie ähnlich das Eintreten +Deutschlands in der großen Welt, und das Emporsteigen der +Juden in Deutschland von der Außenwelt gewertet werden.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Wir sehen es ja in unserer Zeit, wie nichts zu plump +ist, um geglaubt zu werden, wenn ein Volk neidisch ist. An +diesen Instinkt appellierten auch die Antisemiten. Der Jude, +der die deutsche Sozialdemokratie mitschuf, soll an den +Auswüchsen des Kapitalismus schuld sein, bloß weil findige +Köpfe, wie die Tietz, Wertheim, Jandorf, Israel, den Fabrikbetrieb, +das Maschinelle auch in den Kleinverkauf einführten +und das Warenhaus schufen.</span><a class="footnote-reference" href="#id9" id="id8"><sup>4</sup></a><span> Und wie einstmals die Handweber +die Fabriken stürmten und die Maschinen zertrümmerten, +so kämpften die kleinbürgerlichen Kaufleute und Handwerker +gegen die Riesenunternehmen, und verwechselten Person +und Sache. Wer diese modernen Erfinder haßte, wurde +Antisemit.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wie +</span><span class="pageno target" id="page-24" title="24"> </span><span class="gesperrt">Deutschland in der Welt überall auf +Neider stieß, so fand auch der Jude in +Deutschland überall mißgünstige Seelen</span><span>. +Wie beschränkt diese waren, geht schon daraus hervor, daß +sie durch den Antisemitismus alle sozialen Fragen und Schäden +zu lösen glaubten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die antisemitische Literatur ist zwar recht armselig, +aber Deutschland hat das traurige Verdienst, diese „Wissenschaft“ +in der Hauptsache geschaffen zu haben. Die anderen +Länder, die sich vielfach viel länger und viel ungenierter +in der Bedrückung ihrer lieben Juden überboten, bekamen +leider von Deutschland neue Impulse. Die Pamphlete der +Ahlwardts gingen in alle Welt und richteten außerhalb der +schwarz-weiß-roten Grenzpfähle, besonders auch in Österreich, +erschreckendes Unheil an. Noch vor kurzem hat der +große Staat Rußland den Juden einen Ritualmordprozeß +gemacht, nachdem vorher Österreich und Deutschland ihre +Ritualmordhetze gehabt hatten. Noch schmachtet in österreichischen +Kerkermauern ein wegen eines „Ritualmordes“,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>wie alle +Juristen beteuern, unschuldig</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>verurteilter armer +Jude: Leopold Hilsner. Keine Lüge war den Antisemiten zu +niedrig</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>man lese nur ihre Bücher</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>keiner ihrer Führer +zu</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>bedenkenfrei. Meist waren sie recht dunkle Ehrenmänner. +Aber das Gift, das sie verstreuten, trug dennoch +eine reiche Saat. Ein Mann beteiligte sich dabei, dessen +Schriften man nicht so ohne weiteres mit denen der anderen +vergleichen darf: Houston Stewart Chamberlain. Chamberlain +hat zwar neuerdings einiges Wasser in seinen Wein +gegossen. Er hat erklärt, seine früheren Behauptungen gegenüber +den deutschen Juden</span><a class="footnote-reference" href="#id11" id="id10"><sup>5</sup></a><span> nicht aufrecht zu erhalten. +</span><span class="pageno target" id="page-25" title="25"> </span><span>Chamberlain ist ein so maßloser Chauvinist, daß er selbst +Christus als Germanen reklamieren zu müssen glaubte. Er, +der noch vor kurzem allen Germanen, auch den Engländern, +Lob sang, hat nun ein Pamphlet losgelassen, für das es kaum +ein Wort der Entschuldigung gibt. Als geborener Engländer +durfte er nie und nimmer in der Weise das Nest beschmutzen, +dem er entstammte. Es gibt nichts Verächtlicheres, als wenn +Renegaten dem Volke, dem sie entstammen, in solcher Weise +seine Fehler vorhalten. Wenn sie, die die Schwächen am +besten kennen, sie zusammenstellen, übertreiben und daraus +ein Urteil fällen. Wenn wir nach der Methode Chamberlains +dozieren wollten, müßten wir zu dem Schlusse kommen: Alle +Engländer taugen nichts. Der Engländer ist so und so. Also +ist auch Houston Stewart Chamberlain</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> So ähnlich wurde +nämlich nach H. St. Chamberlain über den semitischen Geist, +über den Juden im allgemeinen und im besonderen geurteilt, +selbst wenn er</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>weit mehr als Chamberlain, der die deutsche +Kultur erst seit einiger Zeit genossen hat</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>seit </span><span class="gesperrt">Jahrhunderten</span><span> +Anteil an allen Gütern deutschen Geisteslebens +genommen hatte.</span></p> +<p class="pnext"><span>Nein, „der Jude“ in Deutschland war zum Teil tüchtig +und fähig, zum Teil faul und indolent. Er war auf der einen +Seite ein stiller Mann der Wissenschaft, der nach dem Muster +des genialen Spinoza, Marx und vieler anderer, die ohne nach +der Anerkennung der Öffentlichkeit zu lauern, in stillem +Kämmerlein ihre Werke schufen.</span><a class="footnote-reference" href="#id13" id="id12"><sup>6</sup></a><span> Es gab aber auch Eintagsgrößen, +die sich kaum von Charlatanen unterschieden. +Maezene und Volksfreunde hat es unter den Juden gegeben, +die ihr Vermögen dem Fortschritt hingaben, ohne daß es +die Menge erfuhr. Keine ideale Bewegung existiert, die nicht +</span><span class="pageno target" id="page-26" title="26"> </span><span>an den Juden reiche Förderer hat: für Frauenrechte, für +Kinderschutz, für die Waisen, Arbeitslosen, Blinden etc., +die Bestrebungen für die Abstinenz, für Friedenspropaganda, +für Vegetarismus, für alte Bühnenkünstler, für alle Künste,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>der +Jude hat seine Person, sein Ansehen und nicht zum +mindesten sein Geld jederzeit guten und idealen Zwecken zur +Verfügung gestellt.</span></p> +<p class="pnext"><span>Der Jude, der so sehr für jeden sozialen Fortschritt zu +haben war, der auf Grund alter historischer Gewohnheiten +für den Ruhetag in der Arbeitswoche, für das Angestelltenrecht +etc. eintrat, der sich stets für Freiheit einsetzte, wurde +den Massen als Ausbeuter schlimmster Sorte, als soziales +Hemmnis hingestellt. Vergeblich sein Eintreten für alle demokratischen +Ideale, für individuelle Freiheit, für internationale +Verständigung. Wie der wirtschaftliche Neid nicht +nur den Blick trübt, sondern fast blind macht, sehen wir jetzt +ja an den Engländern. Diese Gewaltsmacht, die so oft ganz +real die Verhältnisse beurteilte, schilt die Deutschen Barbaren, +während sie ihr Heer zusammensetzt und sich verbündet +mit Hunderttausenden von Negern, Indiern, Zuaven, +Tscherkessen, Kosaken, Kalmücken und allen schiffbrüchigen +Existenzen der neuen und alten Welt. Dieses für Geld geworbene +Analphabetengesindel soll das Vorkämpfertum der Kultur +sein! Die Engländer, die am längsten den Sklavenhandel +geduldet, nein gezüchtet hatten, die in Südafrika die Burenfrauen +mordeten, in Ägypten die Verträge brachen und die +Indier verhungern ließen, sind mit Recht als Heuchler an den +Pranger gestellt worden. Bei den Franzosen gelten </span><span class="gesperrt">alle</span><span> +Deutschen als Boches, als Verbrecher und als Schweine.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> +Dieser Weltkrieg, an dem 10 Millionen Juden beteiligt sind +und schwere Opfer bringen, darf nicht vorübergehen, ohne +daß das von Antisemiten getragene absprechende Urteil über +sie in Acht und Bann getan wird. Ein Urteil, das ebenso +unberechtigt ist wie das der Entente-Mächte über die Deutschen. +</span><span class="pageno target" id="page-27" title="27"> </span><span>Nicht nur, weil ein prächtiges Kaiserwort das gehässige +Treiben der Rassen- und Religionsschnüffler für die +Dauer des Krieges unterband, sondern weil Deutschland und +die Welt einsehen muß, daß die Behauptung der Minderwertigkeit +Andersgearteter allzuoft nur eine billige, überall +gehandhabte Waffe des </span><span class="gesperrt">Neides</span><span> ist.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Und so unterstreichen wir nochmals die Tatsache:</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Daß der Jude am Gemeinwohl, am Fortschritt, an der +Entwicklung Deutschlands freudig teilgenommen hat, kann +kein objektiv denkender Mensch bestreiten. Ob er als Bürgermeister +von Posen</span><a class="footnote-reference" href="#id16" id="id14"><sup>7</sup></a><span> oder als Stadtrat von Berlin</span><a class="footnote-reference" href="#id17" id="id15"><sup>8</sup></a><span> oder +Frankfurt, oder im Ehrenamt, oder als Wähler einer Gemeinde +seine Pflicht erfüllen konnte,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>als der Abkömmling +einer alten Kulturrasse interessierte ihn alles öffentliche +Leben. Die Städte, in denen die Juden seit langem wohnen +und eine gewichtige Stimme haben, sind nicht schlecht damit +gefahren. Das reiche Frankfurt blüht, Nürnberg, Fürth entwickeln +sich überaus rasch, Hamburg gedeiht.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die neueste Wissenschaft hat den Juden mehr Gerechtigkeit +widerfahren lassen. </span><span class="gesperrt">Sombarts</span><span> Arbeiten zeigten die +Bedeutung der Juden. Es ist ziemlich gleichgültig, ob die +Juden Handel und Wandel in die Orte bringen, wohin sie +kommen, oder ob sie ihn mit zur Blüte bringen. Jedenfalls +ist dort Entwicklung, wo sie unbedrückt leben können.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Außerdem hat eine ziemlich starke Verschmelzung des +Adels mit der deutsch-jüdischen Geldaristokratie, die übrigens +auch ca. 100 geadelte Familien zählt, stattgefunden. +Ebenso ist in den besten bürgerlichen Kreisen vielfach eine +Vermischung eingetreten. Solchen Familien entstammte z.</span><span> </span><span>B. +Dernburg, der bekannte Kolonialpolitiker, Heyse, der Schriftsteller, +</span><span class="pageno target" id="page-28" title="28"> </span><span>der Admiral Bendemann, andere führende Männer +sind mit Jüdinnen verheiratet.</span><a class="footnote-reference" href="#id19" id="id18"><sup>9</sup></a></p> +</div> +<div class="level-3 section" id="id20"> +<h3 class="center level-3 pfirst section-title title"><span class="bold large target" id="die-juden-im-kriege">Die Juden im Kriege</span><span class="bold large">.</span></h3> +<p class="pfirst"><span>Obwohl nachweislich viele jüdische Burschenschafter für +das schwarz-rot-goldene Band gekämpft und gelitten hatten, +obwohl in der Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne jüdische +Burschenschafter an der Spitze der Verbindungen standen, +erklärte 50 Jahre später der Weidhofener Verband der +deutsch-österreichischen Burschenschaften alle Juden insgesamt +für jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die +Satisfaktion, also auch denen, die bis kurz vorher als alte +Herren dem Verband angehört hatten. Dieselbe Überhebung, +die ein anderer großer studentischer Verband zeigte, als er +Naumann und andere höchst ehrenwerte deutsche Politiker +wegen ‚sozialistischer‘ Tendenzen ausstieß, veranlaßte +geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch und +Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt +die Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdächtigung uns +nach. Auch dem jüdischen Soldaten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Der Jude hat sich als Soldat bewährt. In allen Kämpfen +der letzten Jahre haben sich Juden bewährt. Die Bulgaren +und Türken haben sie im vorletzten Krieg vielfach gerühmt. +Selbst im antisemitischen Rumänien ist ein jüdischer Oberst +(Brociner), der sich im Krieg 1878 auszeichnete, der Kommandeur +der Leibgarde und des Königl. Schlosses. In Österreich +sind Juden kommandierende Generale, in Italien war +</span><span class="pageno target" id="page-29" title="29"> </span><span>der frühere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon +hatte jüdische Heerführer.</span></p> +<p class="pnext"><span>In den deutschen Freiheitskämpfen gab es viele freiwillige +jüdische Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch +den Offiziersrang. Auch später konnten Juden, hauptsächlich +anno 1870, Offiziere werden; aktive Offiziere standen +nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier hauptsächlich +Reserveoffiziere und aktive Militärärzte, ein Jude brachte es +einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major.</span><a class="footnote-reference" href="#id22" id="id21"><sup>10</sup></a></p> +<p class="pnext"><span>Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure +auf den Standpunkt, den einmal der leider auf dem +Felde gefallene Hauptmann von Treskow also präzisierte: +„Wenn wir die Juden prinzipiell nicht befördern, dürften +wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen“. Nach +Schätzungen werden jetzt über 900 Juden als Offiziere, ungerechnet +die Militärärzte, im Felde stehen. Viele sind wegen +besonderer Tüchtigkeit befördert worden, das „Hamburger +Israel. Familienblatt“ stellte schon über 20 Träger des Eisernen +Kreuzes I. Klasse fest (z.</span><span> </span><span>B. der Flieger Frankl, der +Reichstagsabgeordnete Haas), darunter waren alle Waffengattungen +vertreten. Auch bei der Marine und in den +</span><span class="pageno target" id="page-30" title="30"> </span><span>Schutztruppen haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem +Kriege werden die Ziffern insgesamt zur Verfügung stehen. +Das in Breslau erscheinende „Jüdische Volksblatt“ hat die +Namen veröffentlicht, die bestimmt dem Judentum angehören. +Darnach haben bis zum Herbst 1915 knapp 5000 Juden +(also fast 1% der gesamten deutschen Judenheit!) das +Eiserne Kreuz erhalten, von über 3000 Juden konnte namentlich +festgestellt werden, daß sie den Heldentod fürs Vaterland +gefunden. Leider kann diese wöchentliche Zusammenstellung +nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. +Da die jüdische Jugend, soweit sie nicht gedient hatte, gleich +zu Beginn des Feldzuges freiwillig in großer Zahl (</span><span>—</span><span></span><span> </span><span>es +wäre sehr interessant, wenn die Heeresverwaltung diese +Ziffer veröffentlichen würde</span><span> </span><span></span><span>—</span><span>) sich stellte, sind die Verluste +sehr stark.</span><a class="footnote-reference" href="#id24" id="id23"><sup>11</sup></a><span> In allen jüdischen Jugendvereinen wird +diese Tatsache festgestellt. So ist z.</span><span> </span><span>B. in der jüdischen Turnerschaft +eine Kriegssterblichkeit, die sich in den einzelnen +Untervereinen bis 33% der </span><span class="target" id="mannschaften">Mannschaften</span><span> (wie z.</span><span> </span><span>B. bei dem +Ruderklub ‚Ivria‘) stellt. Die meisten Turn- und Sportvereine +der jüdischen Turnerschaft mußten zu Beginn des Krieges +ihren Betrieb aufgeben, da alle Mitglieder zu den Fahnen +eilten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die Mitglieder der jüdischen studentischen Verbindungen +stellten gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern +des K. C. (Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell +jüdischer Verbindungen) rückten fast alle aus; ein Drittel +davon als Kriegsfreiwillige. Sehr zahlreich war auch die +Beteiligung freiwilliger jüdischer Ärzte. Nach einer Statistik +beträgt die Verlustliste bei den jüdischen Ärzten schon +über Hundert. Auch der jüdische Arzt hat an der Front +und im Seuchenlazarett seinen Posten ausgefüllt.</span></p> +<p class="pnext"><span class="pageno target" id="page-31" title="31"> </span><span>Der tapfere jüdische Soldat und Offizier verschwindet +oft in der Menge. So glaubte man z.</span><span> </span><span>B. allgemein nicht, +daß der einzige Soldat, der bei meinem Regiment das Eiserne +Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besaß, ein Jude war (der +später als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an +einer jüdischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp +bis zum Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die +Tüchtigkeit des jüdischen Vorgesetzten und Soldaten von +hohen Offizieren anerkannt worden. Exempla docent. Die +überaus große Zahl von Beförderungen, Dekorationen etc., +über die sich jeder, namentlich z.</span><span> </span><span>B. im „Hamburger Israelitischen +Familienblatt“ informieren kann, gibt die beste Gewähr. +Der österreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit +genommen, sich dahin auszusprechen, daß der persönliche +Mut und die Zuverlässigkeit des jüdischen Soldaten +durch diesen Krieg aufs neue bewiesen wurden.</span><a class="footnote-reference" href="#id26" id="id25"><sup>12</sup></a></p> +<p class="pnext"><span>Ebenso wie der sozialdemokratische wurde auch der +jüdische Soldat endlich einmal von den Meisten vorurteilsfrei +betrachtet und bewertet. Natürlich gibt es auch Fälle, +</span><span class="pageno target" id="page-32" title="32"> </span><span>wo sich Vorgesetzte noch nicht in den Gedanken der Gleichwertigkeit +„solcher Elemente“ hineinleben konnten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die ungeheure sozialdemokratische Begeisterung ist +nicht zuletzt das Produkt der so oft geschmähten „inter“-nationalen +Denkweise jüdischer Führer, mit der man früher +alles Unrecht gegen Juden deckte und erklärte. Die Führer +haben ihren Patriotismus nicht nur durch billige Phrasen +dokumentiert, sie sind nicht wie andere Sozialistenführer à la +Vandervelde als Wanderredner durch die Lande gefahren, um +die Menschen aufzuwiegeln, haben à la Hervé billige blutrünstige +Artikel geschrieben oder sich als Leutnants, wie +D'Annunzio, zu Hause wichtig gemacht. Der Jude </span><span class="gesperrt">Ludwig +Frank</span><a class="footnote-reference" href="#id28" id="id27"><sup>13</sup></a><span>, </span><span class="target" id="vielleicht">vielleicht</span><span> der fähigste Kopf in der sozialdemokratischen +Partei, trat als einfacher Soldat in Reih und Glied +und fiel</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>wie er es wünschte</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>als ein einfaches, aber +schönes Beispiel treuer Vaterlandsliebe.</span></p> +<p class="pnext"><span>Aber nun kam, was nicht kommen durfte. Man hat in +vielen Zeitungen über den Mannheimer, über den Rechtsanwalt, +über den Sozialdemokraten Frank geschrieben. Man hat +bewiesen, daß ein Sozialdemokrat patriotisch sein könne. +Daß er aber ein Jude war, diese Tatsache wurde nach Möglichkeit +verschwiegen.</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>Nicht zum Beweis der Tapferkeit +und der Vaterlandsliebe wollen wir Frank als Juden registrieren. +Es liegt eigentlich eine unglaubliche Verworfenheit +des Charakters vor, wenn jemand von einer kulturell so +</span><span class="pageno target" id="page-33" title="33"> </span><span>hochstehenden Rasse wie der jüdischen, von der Tausende +im öffentlichen Leben wirken, welche alle Kulturstätten deutscher +und anderer Bildung genossen haben, annehmen könnte, +daß Mannesehre und Würde bei ihnen nicht zu finden wäre.</span></p> +<p class="pnext"><span>Daß man bei allen Nachrufen aber sichtlich vergessen +wollte, zu erwähnen, daß der erste deutsche Volksführer, +welcher mit seinem Tode die Treue zur Heimat und zum +Staate besiegelte, ein Jude war, ist keine erfreuliche Erscheinung.</span><a class="footnote-reference" href="#id30" id="id29"><sup>14</sup></a><span> +Ebensowenig wie die Tatsache, daß die Dichter +</span><span class="pageno target" id="page-34" title="34"> </span><span>des großen Krieges, die zuerst verwendet wurden und +starben, Juden waren. Wir nennen nur </span><span class="gesperrt">Zuckermann</span><span>, +der das wundersame österreichische Reiterlied empfand, und +</span><span class="gesperrt">Heymann</span><span>, den jungen Königsberger Lyriker, sowie den +Schlesier Georg </span><span class="gesperrt">Hecht</span><span>. Man hat so oft über die billige +Poesie, wie sie Literaten hinterm Schreibtisch gewinnsüchtig +betreiben, gespottet. Zuckermann, Heymann, Georg Hecht. +</span><span class="gesperrt">Ich kannte die glühende Begeisterung, die +sie mit dem Leben zahlten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wie aber war die Haltung der jüdischen Bevölkerung +vor dem Ausbruch des Krieges? Die Juden haben sich in +allem überaus würdig benommen. Daß sie als Kaufleute und +Bankiers usw. nicht wie die Militärs beständig sich um die +Militärangelegenheiten bekümmerten, ist selbstverständlich. +Das berühmte „jüdische </span><span class="gesperrt">internationale</span><span> Großkapital“, +von dem soviel gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten. +Die jüdischen Bankiers und die jüdischen Kaufleute benahmen +sich nicht anders wie die andern Schichten der Bevölkerung. +Ruhig und ernst, wie es der Situation entsprach, als +ihre Söhne entweder freiwillig oder als Militärpflichtige hinauszogen. +Reiche Gaben und Spenden flossen allen Instituten +von ihnen zu. Und was in der Heimat geleistet werden +konnte, wurde getan. Männer wie Ballin, Rathenau, Riesser +ruhten im Kriege nicht. Es ist noch nicht die Zeit, ihrer Verdienste +für die Volksernährung, für die Munitionsergänzung +</span><span class="target" id="und-anderer-dinge-zu-gedenken">und anderer Dinge zu gedenken.</span><a class="footnote-reference" href="#id32" id="id31"><sup>15</sup></a></p> +<p class="pnext"><span>Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine +zu geringe Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen +Gründen oder aus Laune Junggesellen; die vielen Spätehen +der akademischen Kreise und der Kaufleute bedingten einen +hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die Kinder haben, +begnügen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit, +welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen +hat, wird der Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er +rächt die Beschränkung der Kinderzahl.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwächte +deutsche Judenheit weiß, daß dieses elementare +Ereignis ihre Reihen noch mehr lichten wird. Alte Familien +werden durch den Krieg erlöschen, die deutsche Judenheit +wird unendlich geschwächt und in ihrer Existenz erschüttert +aus dem Kriege hervorgehen.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die jüdische Jugend zahlte gern die Teilnahme an +der deutschen Kulturgemeinschaft mit dem Tode.</span></p> +<div class="vfill"> +</div> +<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p> +</div> +</div> +<div class="level-2 section" id="kaplino-juden-im-ausland"> +<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-36" title="36"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="juden-im-ausland">Juden im Ausland</span><span class="bold large">.</span></h2> +<p class="pfirst"><span>Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien +hat nur 40000, Frankreich 120000, England nicht ganz +300000, also alle drei Länder zusammen nicht viel mehr als +Preußen. In der englischen Regierung saß vor 35 Jahren +ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck +eine Verständigung der beiden Länder herbeiführte. Heute +hat im britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille, +das des Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten +eine Stimme hat.</span></p> +<p class="pnext"><span>In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften +italienischen Juden und einer englischen Christin. +Außerdem ist in Italien der Finanzminister Luzzatti Jude, +der sich ursprünglich gegen den Krieg aussprach.</span><a class="footnote-reference" href="#id34" id="id33"><sup>16</sup></a><span> Das +judenreinste Kabinett Rußlands trägt die Hauptverantwortung +für diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am +wenigsten zu sagen haben, hat am stärksten zum Kampf gedrängt.</span></p> +<p class="pnext"><span>In England lag die Entscheidung ausschließlich bei +wenigen Nichtjuden. Bedeutende englische Juden hatten +sich gerade in den letzten Jahren für eine gegenseitige Annäherung +Deutschlands und Englands bemüht, weil sie instinktiv +</span><span class="target" id="die-entfremdung-der-lander-bemerkten">die Entfremdung der Länder bemerkten.</span><a class="footnote-reference" href="#id36" id="id35"><sup>17</sup></a><span> Als der +</span><span class="pageno target" id="page-37" title="37"> </span><span>Krieg begann, legten Sir Cassel und Sir Speyer ihre Würden +nieder.</span></p> +<p class="pnext"><span>In Frankreich war das Kabinett wie in Rußland und +Serbien „judenrein“. Die Juden an der Pariser Börse haben +wahrlich keinen Krieg inszeniert. Als der Krieg aber ein +fait accompli geworden war, haben einzelne frühere Deutsche +resp. Elsässer in Frankreich und England aus der Angst +für ihre Existenz unsympathische Kundgebungen erlassen. +Ob sich darunter viele Juden befanden, weiß ich nicht. Ich +konnte es nicht erfahren. Der berüchtigte Obermacher der +Bethlehem Steel Company, </span><span class="gesperrt">Schwab</span><span> in Amerika, welcher +wohl der anrüchigste Typ des Renegaten ist, stammt von +württembergischen Eltern, ist nicht, wie deutsche antisemitische +Blätter verleumderisch behaupten, ein Jude. Er ist +vielmehr der Nachkomme eines Pfarrers.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wenn in einem Staate eine ziffernmäßig einflußreiche +jüdische Volkschaft war, die sich für den Frieden hätte einsetzen +können, so wäre es die Rußlands gewesen. An sieben +Millionen Menschen, die aber in der Duma nur durch </span><span class="gesperrt">einen</span><span> +Abgeordneten vertreten sind. (Auf diese Juden werden wir +noch später zu sprechen kommen.) Sie waren vollkommen +machtlos.</span></p> +<p class="pnext"><span>Der Jude ist nicht, wie das alte, aber abgeschmackte +Märlein der Antisemiten es will, der Brandzünder des Weltkrieges +gewesen. Er war ein Freund des Friedens. Er +würde als Kriegshetzer auch am allermeisten gegen sein +Interesse handeln. Der Beamte wird im Krieg durch den +Staat hinreichend ökonomisch geschützt, der Bauer findet +nach dem Kriege immer seinen Grund und Boden wieder. +Der Jude aber als Kaufmann hat durch die Unterbindung +des Außenhandels enorm verloren. Bei einer großen Zahl +der jüdischen Firmen ist mit einem Schlage der Lohn arbeitsvoller +Jahre dahin gewesen. Und nach dem Kriege wird es +auch für sie des größten Fleißes bedürfen, um nur annähernd +</span><span class="pageno target" id="page-38" title="38"> </span><span>das wieder zu erreichen, was man vorher an Wirtschaftsbeziehungen +besaß.</span></p> +<p class="pnext"><span>Am meisten unter allen Völkern haben die </span><span class="gesperrt">Juden in +Österreich</span><span> gelitten. Die Besetzung Galiziens und der +Bukowina stürzte 800000 Juden ins Unglück. Der ruthenische +oder polnische Bauer wurde von der russischen Regierung +mit aller Schonung behandelt. Gegen den Juden +ist man jedoch mit aller Niedertracht verfahren, die man +sich denken kann. Der Bauer hat sein Heim, seine Ernte, +seinen Verdienst behalten. Der galizische Jude ist</span><span> </span><span></span><span>—</span><span>, wenn +er nicht gar nach Sibirien transportiert wurde,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>zum armseligen +Bettler geworden. Sein Haus, seine Ware, sein Geld +vernichtet, er selbst brotlos und heimatlos. Man lese darüber +das Buch Segels „Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen +Volkes“</span><a class="footnote-reference" href="#id38" id="id37"><sup>18</sup></a><span></span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>und man wird das Gruseln dabei lernen.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Eines der auch amtlich nachgewiesenen Ereignisse +möchte ich hier zur Probe nach der Schilderung Benjamin +Segels wiedergeben:</span></p> +<p class="pnext"><span>„Im 16. Jahrhundert pflegten sich die Kosaken im +Kampfe gegen Polen eines von den Tataren entlehnten +Kriegsmittels zu bedienen: wenn sie eine Festung stürmten, +trieben sie mit Lanzenstichen und Gewehrfeuer Gefangene +vor, die Säcke voll Erde auf den Schultern trugen und +unter dem Kugelregen ihrer eigenen belagerten Landsleute +die Laufgräben um die Festung ausfüllen mußten, wobei sie +unter der Last begraben wurden. Diese unmenschliche Sitte +ist aus dem Kriege zwischen zivilisierten Völkern verschwunden. +Die Japaner haben nur oftmals gegen die russische +Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer +auffingen. Die Russen aber haben in Galizien aufs neue +den Brauch eingeführt, Menschen, wehrlose Menschen zu +diesem Zwecke zu gebrauchen. Nicht etwa Gefangene, sondern +</span><span class="pageno target" id="page-39" title="39"> </span><span>Nichtkämpfer, Greise, Frauen und Kinder. Vor </span><span class="gesperrt">Nadworna</span><span> +im Südosten Galiziens geschah das Furchtbare. +Die Russen brachten </span><span class="gesperrt">eintausendfünfhundert jüdische</span><span> +Familien zusammen und trieben sie vor die österreichische +Front, während sie selber hinterdrein vorrückten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die menschliche Sprache hat keine Worte, um das Grausame +dieser Untat auch nur annähernd zu kennzeichnen.“</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span></span></p> +<p class="pnext"><span>Bekannt sind die Befehle russischer Kommandanten, von +denen ich z.</span><span> </span><span>B. den des Etappenkommandeurs von Krosna, +vom 10. März, wiedergebe:</span></p> +<p class="pnext"><span>„Für jeden Fall, in dem die deutsche oder österreichische +Regierung jemanden aus der nichtjüdischen Bevölkerung bestraft, +sind die Juden verantwortlich. Zu diesem Zweck +werden jüdische Geiseln mitgenommen und für jeden Nichtjuden +wird man zwei Juden umbringen.“</span></p> +<p class="pnext"><span>Das Stockholmer Blatt „Sozialdemokraten“ konstatierte: +Jeder russische General, der eine Niederlage erleidet, schiebt +die Schuld einfach auf</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>die Juden in dem Gebiete, wo er ist. +Die Juden wurden zu Zehntausenden ausgewiesen: auf lose +Angebereien wurden sie erschossen und erhängt.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Und in </span><span class="gesperrt">Rußland</span><span>? Die russischen Juden dürfen, das +ist in Deutschland kaum bekannt, nur in den westlichen polnischen, +litauischen und bessarabischen Provinzen Rußlands +wohnen und auch hier nicht auf dem Lande, sondern nur in +den Städten. Sie sind vom Ackerbau abgeschlossen, Bodenerwerb +ist ihnen streng untersagt. Künstlich hat die russische +Regierung alle modernen Bildungsbestrebungen verboten, +alle freiheitlichen Regungen unterdrückt, die idealistische +Jugend, die ihre Glaubensgenossen organisieren +wollten, die für irgend einen Fortschritt kämpften, gefangen +gesetzt. Tausende gerade der Fähigsten sind ausgewandert. +Amerika nahm allein 2 Millionen dieser unfreiwilligen Emigranten +auf. Was blieb, ist ein Torso. Die ständigen Judengesetze +</span><span class="pageno target" id="page-40" title="40"> </span><span>und Verordnungen treiben willkürlich die Juden in +gewissen Städten zusammen. So hat das Jahr 1882 eine maßlose +Überfüllung des Ansiedlungsrayons hervorgerufen. Das +polnisch-jüdische Ghetto ist ein modernes Kunstprodukt, wofür +die russische Regierung verantwortlich zeichnet. Mit +Gewalt hält die Obrigkeit die jüdische Bevölkerung in Armut, +hindert jede hygienische Regung und verbietet alle +geistigen Bestrebungen. Es ist unmöglich, daß die Verhältnisse +anders sind, als wir sie antreffen, und das antisemitisch +absprechende Urteil berücksichtigt nicht, daß es sich um +ein Volk handelt, das in allem geknebelt und entrechtet ist. +Der Krieg, der sich im Westen Rußlands abspielt, hat naturgemäß +die Juden am stärksten betroffen.</span></p> +<p class="pnext"><span>Hunderte jüdischer Gemeinden sind zertreten. Ich habe +selbst viele in Polen sowie nördlich der Weichsel und besonders +im Gouvernement Kowno, sowie in Kurland gesehen.</span></p> +<p class="pnext"><span>Über die Lage der Juden in Rußland informiert das +Büchlein von Kurt </span><span class="gesperrt">Aram</span><span>: Der Zar und seine Juden</span><a class="footnote-reference" href="#id40" id="id39"><sup>19</sup></a><span> +(„Das jüdische Elend in Warschau ist doch noch +viel gräßlicher als alles andere, was ich sah.“) Und +Dr. Claus schreibt im Russenheft der Süddeutschen Monatshefte: +„Schon in Friedenszeiten war das Elend unter den +Juden groß; wer einmal einen Einblick in die Ghetti Warschaus +oder einer litauischen Stadt getan hat, wird das Bild +des Grauens so leicht nicht los.“</span></p> +<p class="pnext"><span>Ich will nicht eingehend über all das Grauenhafte schreiben, +was selbst die russische Zensur in ihren Blättern bringen +ließ. Einwandsfreie nichtjüdische Abgeordnete haben +in den denkwürdigen Dumatagen des August das tragische +Geschick des jüdischen Volkes, das von der Regierung zu +allen Zeiten als Blitzableiter dienen mußte, gekennzeichnet. +</span><span class="pageno target" id="page-41" title="41"> </span><span>Geben wir der „Guerre Sociale“, dem bundesgenössischen +Blatt, darüber das Wort:</span></p> +<p class="pnext"><span>„Das österreichische wie das russische Polen ist von +Polen und Juden bewohnt. Was hat man getan, um z.</span><span> </span><span>B. +die Juden für die Sache der Verbündeten zu gewinnen? +Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en bloc +in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn +alles das, was amerikanische Blätter über die den +Juden seit Kriegsbeginn zuteil gewordene </span><span class="gesperrt">schmachvolle +Behandlung</span><span> mitteilen, wahr ist, wie kann Rußland +dann für sie etwas anderes sein, als ein </span><span class="gesperrt">Land des +Schreckens und der Schande</span><span>, wo ihre verfolgte +Rasse den Becher bis zur Neige geleert hat.“</span></p> +<p class="pnext"><span>Und nochmals die „Guerre Sociale“ (Gustav Hervé): +„Mir kommt nicht zu, in diesem Augenblick, wo das befreundete +und verbündete Rußland schmerzliche Stunden +durchlebt, davon zu erzählen, wie es viel zu lange die Juden +behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren +sie im Mittelalter behandelt haben.“</span></p> +<p class="pnext"><span>Und schließen wir mit den mutigen Worten des jüdischen +Dumadeputierten </span><span class="gesperrt">Friedmann</span><span>, den keine Angst +vor Einkerkerung oder vor Sibirien abhalten konnte, nach +allen vorliegenden Zeitungen u.</span><span> </span><span>a. folgendes festzustellen:</span></p> +<p class="pnext"><span>„Die Zeitungen registrierten eine ungeheure Menge jüdischer +Kriegsfreiwilliger. Diese Freiwilligen sollten ihrem +Bildungsgrad nach Anspruch auf Offiziersrang haben, aber +sie wußten ganz gut, daß sie als Juden den Offiziersrang +nicht bekamen. Trotzdem zogen sie in den Krieg.</span></p> +<p class="pnext"><span>Zahlreiche jüdische Studenten kamen aus dem Ausland +und gingen an die Front. Die Juden zuhause bauten Lazarette, +spendeten viel Geld und brachten verhältnismäßig +</span><span class="gesperrt">weit größere Opfer als andere Nationen</span><span>.</span></p> +<p class="pnext"><span>Viele jüdische Soldaten bekamen auch das Georgskreuz. +(Ich habe selbst verschiedene gesehen. Der Verf.) So war +</span><span class="pageno target" id="page-42" title="42"> </span><span>die Stimmung der Juden bei Kriegsausbruch. Aber wir dürfen +nicht vergessen, daß im Polenland jüdisches Blut in +starken Strömen fließt, und zum Unglück nicht nur von +Feindeshand. Militärbehörden und Regierung brauchten +Sündenböcke für ihre Mißerfolge. Man benutzt zu diesem +Zweck die alte Firma, das ist der Jude. Kaum überschritt +der Feind die Grenze, so verbreiteten sich Gerüchte, daß +jüdisches Gold auf Aeroplanen, in Särgen und Eingeweiden +von Gänsen zu den Deutschen floß. Die Legende wuchs, +sie verbreitete sich dank der Agitation der Regierungsagenten +und nahm schließlich ungeheure Dimensionen an. +Den Juden gegenüber wurden unerhörte Maßnahmen angewendet +und diese Maßnahmen, die vor den Augen der ganzen +Bevölkerung vollzogen wurden, flößten derselben und +der Armee das Gefühl ein, daß die Juden als schlimmste +Feinde außerhalb des Gesetzes stehen. Zuerst wurden alle +Juden aus Polen und Litauen ausgewiesen. </span><span class="gesperrt">Über eine +Million</span><span> Menschen mußte den Bettelstab ergreifen. Verwundete +jüdische Soldaten mit dem Georgskreuz wurden in +Viehwagen und wirklich wie Vieh mit einem Frachtschein +abtransportiert. Jüdinnen, deren Männer, Kinder und Brüder +ihr Blut fürs Vaterland vergossen haben, wurden überall verfolgt. +Eine andere harte Maßnahme war das Geiselnehmen. +Es handelt sich hier um einen unerhörten Fall in der Weltgeschichte. +Man nahm als Geiseln Staatsangehörige des +eigenen Landes. Anders als eine Schmach kann man das +nicht nennen.“</span></p> +<p class="pnext"><span>Trotzdem Millionen nur Jiddisch verstehen, wurden in +ganz Rußland die Korrespondenzen, Telefongespräche, Unterhaltungen +auf der Straße in Jiddisch verboten und die +Unglücklichen eingekerkert, die dagegen verstoßen mußten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Rußland erklärt, daß des Zaren „liebe“ Juden Freunde +der Deutschen sind, daß sie denen zu Liebe spionieren, ja +sogar auf die russischen Truppen schießen. Gewiß bestehen +</span><span class="pageno target" id="page-43" title="43"> </span><span>vielfach Sympathien für die Deutschen auf Seiten der russischen +Juden, weil viele Deutsche zwar auch Antisemiten, +aber doch nicht so grausame Feinde der Juden sind wie die +Russen. Aber zwischen einigen Sentiments und zwischen +der Äußerung irgendwelcher staatsfeindlicher Gefühle ist +doch noch ein sehr weiter Sprung. Selbst die, welche sich +darüber klar sind, daß ihnen die deutsche Regierung wegen +des geringeren antisemitischen Druckes lieber wäre, wagen +sicherlich nicht die geringste Tat. Sie wissen, daß sie als +Juden schon </span><span class="gesperrt">ohne</span><span> allen Grund als Vaterlandsverräter gebrandmarkt +sind, daß man ihnen über Schritt und Tritt nachforscht. +Und sie hüten sich ängstlich vor jedem Verstoß. +Wer die Psyche der Ostjuden kennt, weiß, daß es, abgesehen +vom Hindu, keine friedlichere Bevölkerung gibt. In der +strenggläubigen Bevölkerung sprechen dabei auch religiöse +Auffassungen mit.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Was die russischen Juden den Deutschen so nahebringt, +ist ihre Sprache und ihre Kultur. Wohin der deutsche Soldat +in Rußland kommt, er nimmt sich immer den Juden vor, +von dem er weiß, daß er Deutsch versteht, und daß er überhaupt +nicht schwer von Begriff ist.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die deutsche Regierung, die Militärverwaltung hat überall +gerne jüdische Mitarbeit gesucht und gefunden. Andererseits +haben gerade die jüdischen Gemeinden in weitgehendster +Weise die Not unter den Juden gelindert, sogar im +armen Osten haben die jüdischen Religionsverbände ihre +Angehörigen gestützt, und dem Staate damit seine Aufgabe +erleichtert.</span></p> +<div class="vfill"> +</div> +<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p> +</div> +<div class="level-2 section" id="kaplino-die-lehren-des-krieges"> +<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-44" title="44"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="die-lehren-des-krieges">Die Lehren des Krieges</span><span class="bold large">.</span></h2> +<p class="pfirst"><span>Die Ergebnisse aus dem Kriege für das Verhältnis der +deutschen Juden zum Reiche sind leicht zu ziehen. Wie im +Frieden, so haben sich die Juden besonders in den schweren +Zeiten der Stürme als gute Staatsbürger bewährt. Der Burgfriede +hat es ermöglicht, daß die, welche durch lange Zeit +als Soldaten II. Klasse und auch als mindere Staatsbürger +behandelt worden waren, ihre Pflicht in vollem Maße taten +und mehr als das. Wenn man die Zahl der jüdischen Kriegsfreiwilligen, +die zum Heere strömten, zählen wird, dürfte +mancher frühere Antisemit erstaunen. Soviel Liebe und Begeisterung +für ein Vaterland, das seinen jüdischen Mitbürgern +die Zeiten des Soldatenstands nicht zu den angenehmsten +machte, kann nur bei einem Volke gefunden werden, +das in seinem Kern ein loyales ist. Und die Juden waren +und sind denn auch tatsächlich in England, in Frankreich, in +Italien und Österreich, in den Vereinigten Staaten, in Holland +etc. überall als ein unbedingt gut patriotisches Element +bekannt.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wenn sich etwas aus den Lehren des Augenblicks für +die Zukunft ergeben müßte, so ist es die Forderung der +vollen Durchführung der Gleichberechtigung der jüdischen +Staatsbürger in Deutschland. Wie sich in Österreich die +Ungarn bewährten, wie die Polen und Elsässer und Dänen +in unseren Heeren zum Erfolge beitrugen, so vor allem die +Juden, die nie auf deutschem Boden ein eigenes Territorium +</span><span class="pageno target" id="page-45" title="45"> </span><span>zu gründen suchten, die nie in geschlossener Organisation +irgend welchen staatlichen, sprachlichen oder kulturellen +Bestrebungen der Deutschen im Frieden wie im Kriege eine +Gegnerschaft aufboten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Der deutsche Jude hat keine nationale und religiöse +Politik, die sich gegen die der andern Staatsbürger wenden +kann. Es gibt keinen jüdischen Verein, der Deutschland +liberal, demokratisch oder sozialistisch regiert haben will. +Wohl aber gibt es jüdische Redakteure bei den Freikonservativen, +bei den Nationalliberalen, bei den Volksparteilern +und in der Arbeiterbewegung. Eine irgendwie einheitliche +jüdische Politik gibt es in Deutschland nicht. Auch ihre +religiösen Anschauungen stören niemanden.</span></p> +<p class="pnext"><span>Nicht um Lohn zu finden, haben die Juden Seite an +Seite mit allen anderen Deutschen gekämpft. Sie haben aber +ein Anrecht, nicht um ihre Freiheit verkürzt zu werden. Es +muß </span><span class="gesperrt">das</span><span> Schauspiel des Friedens aufhören, daß der Jude, +sobald er getauft ist, Professor, Offizier, Staatsanwalt usw. +werden kann. Diese </span><span class="gesperrt">Prämie auf das Renegatentum</span><span> +ist nicht wert, in Friedenszeiten wiederzukehren. +Deutschland darf keine antisemitische Politik betreiben, es +würde sich sonst an das programmatisch antisemitische Rußland +anlehnen. Es kann im Gegenteil auch nicht dem Ehrgefühl +deutscher adliger Offiziere entsprechen, mit Männern +eng verbunden zu sein, die sich ihrer Ahnen und Herkunft +schämen. Es kann nicht die Auffassung der Hüterin des +Rechts sein, daß Richter vorerst ihren Glauben abgeschworen +haben müssen; es kann keine freie Wissenschaft sein, +die das christliche Bekenntnis zur Voraussetzung hat.</span></p> +<p class="pnext"><span>Deutschland, der nunmehrige Freund des </span><span class="gesperrt">Islam</span><span>, +kann auch seine </span><span class="gesperrt">jüdische</span><span> Bevölkerung ihrer Religion +nachgehen lassen, ohne dabei Schaden für seine christlichen +Bewohner zu nehmen. Der Übertritt vom Judentum zum +Christentum muß wieder öffentlich als das gebrandmarkt +</span><span class="pageno target" id="page-46" title="46"> </span><span>werden, was es in den weitaus meisten Fällen wirklich ist: +als Streberei, Gesinnungsheuchelei, Religionsmißbrauch (alldieweil +es keine „überzeugten“ Christen sind, die den Weg +zum Taufbecken suchen und ihn so leicht finden.)</span></p> +<p class="pnext"><span>Der Krieg hat dem elenden Religions- und Rassengezänk +im Innern des Landes hoffentlich ein Ende bereitet, +nach außen hin wird es noch genug Arbeit geben, um den +Haß der Nationen, die Zwietracht, Rachsucht, Mißgunst +langsam abebben zu lassen. Auf Jahrzehnte hinaus wird +Deutschland genügend Feinde besitzen, es kann daher die +Ruhe im Innern doppelt nötig brauchen.</span></p> +<p class="pnext"><span>Soziale und biologische Probleme stellen sich in den +Vordergrund. Die deutschen Juden haben der Großstadt +und der Sucht, wirtschaftlich zu erstarken, bedeutende Opfer +gebracht. Junggesellentum aus Vorliebe oder aus Not, +weil die Familie ökonomisch eine bedeutsame Last ist, +Kinderlosigkeit und Kinderarmut sind die Kennzeichen für +die Entwicklung der heutigen deutschen Juden. Ich habe +sie in den Büchern „</span><span class="gesperrt">Der Untergang der deutschen +Juden</span><span>“</span><a class="footnote-reference" href="#id44" id="id41"><sup>20</sup></a><span>, „</span><span class="gesperrt">Das sterile Berlin</span><span>“</span><a class="footnote-reference" href="#id45" id="id42"><sup>21</sup></a><span> und +in der </span><span class="gesperrt">Preisschrift der Gesellschaft für +Rassenhygiene</span><a class="footnote-reference" href="#id46" id="id43"><sup>22</sup></a><span> des näheren dargelegt.</span></p> +<p class="pnext"><span>Nun reißt der Krieg weite Lücken in ihre Reihen. Während +Deutschland wächst, verkümmert der Anteil seiner +Juden. </span><span class="gesperrt">Sombart</span><span> hat nachgewiesen, wie die Bürokratisierung +der Banken, der Schwerindustrie usw. den jüdischen +Einfluß hemmt. Dazu kommt die prozentual geringer werdende +Beteiligung. Die hervorstechende ökonomische Macht +der Juden weicht langsam, aber sicher von selbst.</span></p> +<p class="pnext"><span class="target" id="eine">Eine</span><span> antisemitische Bewegung könnte höchstens wirtschaftlich +wertvollen Kräften, die ohnedies abnehmen, Hindernisse +</span><span class="pageno target" id="page-47" title="47"> </span><span>bereiten, Unzufriedenheit in den jüdischen Kreisen +säen und den Geist der Zwietracht verbreiten. Deutschland +ist kein einheitlicher Staat, aufgebaut auf Grundlagen +</span><span class="gesperrt">einer</span><span> Religion, </span><span class="gesperrt">einer</span><span> Rasse, </span><span class="gesperrt">einer</span><span> Staatsform. Es +ist (ähnlich Amerika) die glückliche Synthese der verschiedensten +Bevölkerungsschichten, die alle als deutsche Staatsbürger +respektiert werden wollen. Glaubens- und Rassekämpfe +müssen verflossenen Zeiten angehören. Wie traurig +ist es, daß noch Millionen von Katholiken glauben, sich +politisch vereinigen zu müssen, um entweder in ihren Rechten +nicht geschwächt zu werden oder sich größeren Einfluß +sichern zu können. Eine Vermischung von Religion und +Politik. Sehen wir die Welfenpartei! Eine Gruppe, die nach +fünfzig Jahren noch immer die Geschichte umwälzen, nochmals +die staatlichen Zustände von 1866 herbeiführen wollte. +Die Negation als Grundlage einer politischen Betätigung!</span></p> +<p class="pnext"><span>Der große Krieg muß auch im Innern eine Reform bedingen. +Er muß uns soweit einander näher gebracht haben, +daß wir die volle politische und bürgerliche </span><span class="gesperrt">Gleichberechtigung</span><span>, +die Freiheit des Individuums fürderhin +nicht mehr einzelnen Klassen und Gemeinschaften rauben +wollen. Neben den Sozialdemokraten sind es die Juden, die +vornehmlich als treue Staatsbürger angesehen zu werden +verlangen und hoffentlich es auch erreichen. Mag besonders +die Ostmarkenpolitik, die antisemitisch bis in die Knochen, +durch die mehr oder minder gewaltsame wirtschaftliche +Vertreibung der jüdischen Handwerker und Kaufleute in +den Städten Posens und der östlichen Provinzen den polnischen +Mittelstand aufblühen ließ, ein deutliches </span><span class="target" id="warnungszeichen">Warnungszeichen</span><span> +dafür sein, wie schädlich letzten Endes jede +Hetzpolitik ist.</span></p> +<div class="vfill"> +</div> +<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p> +</div> +<div class="level-2 section" id="kaplino-das-problem-der-ostjuden"> +<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-48" title="48"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="das-problem-der-ostjuden">Das Problem der Ostjuden</span><span class="bold large">.</span></h2> +<p class="pfirst"><span>Es mag leicht sein, daß ein Friedensschluß dem Deutschen +Reich neue polnische Gebiete bringt. Kein Element +wird dann so leicht für das Deutschtum sprachlich und +staatsbürgerlich zu gewinnen sein, wie das jüdische, das +sich durch sechs bis sieben Jahrhunderte, seit es aus den +Rheinlanden vertrieben wurde, die deutsche Mundart</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>wenn auch in eigener Entwickelung</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>bewahrte. Viele der +deutschen Soldaten dachten sich garnichts dabei, als sie +in allen Städten Rußlands eine (wenn auch nicht ganz korrekt) +deutsch sprechende Bevölkerungsschicht antrafen. +Einzelne aber waren darüber doch erstaunt. Sie waren auch +überrascht, eine überaus ärmliche, im Wust der Umgebung +verschmutzte, aber für alle Entwicklung empfängliche Masse +anzutreffen, die sich gerne den deutschen Maßnahmen +fügte.</span></p> +<p class="pnext"><span>Das Urteil über die polnischen Juden ist bei den Deutschen +nicht immer sympathisch. Jedes fremde Volk hat +Schwächen, die dem Fremden auffallen, und die leicht zu +einer vollkommenen Verurteilung führen. Bei den russischen +Juden wird zu wenig daran gedacht, daß die russische Regierung +sie gewaltsam in modernen Ghetti zusammenpfercht. +Sie dürfen nur im Ansiedlungsrayon wohnen, und hier +wiederum nur in den Städten. Vor dreißig Jahren hat man +sie so zusammengetrieben ohne Rücksicht darauf, ob die +vorhandenen Wohnungs- und Lebensmöglichkeiten genügten. +Man hat sie zwangsweise in schmutzige Löcher gestoßen. +</span><span class="pageno target" id="page-49" title="49"> </span><span>Die vielen hundert Verbote, die den russischen Juden treffen, +rauben ihm die Lust und das Recht, sich Häuser zu +bauen, das Heim auszugestalten. Rußland will den Juden +vertreiben, und so ist er denn auch immer auf dem Sprung, +wegzugehen. Millionen Juden sind bereits nach Amerika, +England, Südafrika, Frankreich usw. ausgewandert.</span></p> +<p class="pnext"><span>Der russische Jude gilt wegen seiner Sprache (Jüdisch-Deutsch +oder „Jargon“) als Deutschfreund. Während sich +vielfach Polen und Ruthenen in Österreichisch-Galizien bei +der russischen Okkupation recht eigentümlich benommen +haben, während in diesen Ländern, besonders aber in </span><span class="target" id="russisch-polen">Russisch-Polen</span><span>, +die Landbevölkerung in reichlichstem Maße zum +Franktireurkrieg und zu Spionage neigte, verhielten sich die +Juden überaus loyal. Es ist unwahr, daß sie für Deutschland +Kundschafterdienste leisteten; sie haben sich aber naturgemäß +auch den Russen gegenüber durchaus korrekt benommen. +Dabei wurden die Juden am schwersten durch </span><span class="gesperrt">beide</span><span> +Parteien geschädigt. Die Russen haben aus Haß jüdische +Städte, z.</span><span> </span><span>B. Szawle, angezündet, und die Deutschen verbrannten +u.</span><span> </span><span>a. Tauroggen als Gegenmaßregel gegen russische +Greuel in Ostpreußen. Tauroggen war aber vor allem +eine jüdische Stadt. Kalisch, eine echte Judenstadt, wurde +gründlichst zerstört, weil als Zivilisten verkleidete Soldaten +aus Bürgerhäusern schossen. Dadurch wurden Tausende von +Juden obdachlos. Viele Städte wurden durch Bombardements +zerstört, wie Lowicz, Sochaczew etc. Von Seiten der +Deutschen mußten vielfach Ausweisungen jüdischer Bürger +erfolgen, da man natürlich keinem der feindlichen Staatsangehörigen +trauen konnte; die Massenausweisungen der +Juden aus Polen, Rußland, Kowno etc. übertreffen ums +Dreifache die Zahl der seinerzeit aus Spanien vertriebenen +Juden. Bereits wandern heimatlos eine und eine halbe Million +im Innern Rußlands, und auch in Österreich sind es +Hunderttausende, deren Heim zerstört ist.</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span></span><span class="pageno target" id="page-50" title="50"> </span></p> +<p class="pnext"><span>Der deutschsprechende Jude wird, wie oben bemerkt, +als Deutschenfreund angesehen. So wie die Verhältnisse vor +dem Kriege lagen, hätte es den russischen Juden nichts eingetragen, +sich an die Freundschaft Deutschlands zu wenden. Nicht +einmal seine eigenen Juden schützte Deutschland vor +Rußland. Das Zarenreich erlaubte nur ganz ausnahmsweise +den Deutschen jüdischen Glaubens den Eintritt in +sein Land. Und Deutschlands Politiker haben gegen diese +monströse Beschränkung niemals remonstriert. Sie ließen die +öffentliche Beschimpfung ihrer Juden zu, ohne durch irgendeine +Gegenwehr, Gegenmaßregel oder nur ernstliche Vorstellung +ihre Staatsbürger vor schimpflicher Behandlung zu +schützen. Und die deutsch sprechenden sieben Millionen +Juden Rußlands? Sie gelten zwar als Freunde Deutschlands, +</span><span class="gesperrt">nur daß Deutschland nicht ihr Freund ist</span><span>!</span></p> +<p class="pnext"><span>Deutschland hat zu Beginn des Krieges durch seine +Generale erklären lassen, daß es den Polen volle Gerechtigkeit +widerfahren lassen wolle. Die Juden, deren Zahl in den +Grenzländern bedeutend ist, wurden nicht sonderlich erwähnt.</span></p> +<p class="pnext"><span>Es ist anzunehmen, daß sich Deutschland nach dem +Kriege allen seinen Juden gegenüber liberal verhalten wird.</span></p> +<p class="pnext"><span>Aber es ist doch sehr die Frage, wenn sich keine gewaltigen +Grenzverschiebungen ergeben, ob die Judenfrage +Rußlands einer Lösung nähergebracht wird. Schon vor dem +Krieg hat die russische Regierung die Bedrückung der Juden +systematisch inauguriert, die Pogrome des Jahres 1905 waren +bestellte Arbeit. Rußland bekennt sich zu dem Lehrsatz +eines seiner Minister: „Ein Drittel der Juden wird vertrieben, +ein Drittel muß verhungern und ein Drittel ist zu töten.“ +(Siehe Errera „Die Judenfrage“.)</span></p> +<p class="pnext"><span>Die Judenfrage Rußlands interessiert Deutschland aus +vielen Gründen. Die sieben Millionen, die deutsch verstehen +</span><span class="pageno target" id="page-51" title="51"> </span><span>und sprechen, bildeten ein wertvolles wirtschaftliches Element, +das gerne mit Deutschland Handelsbeziehungen unterhielt. +Diese sieben Millionen sind die stärksten Gegner jedes +Krieges mit Deutschland, das sie verehren. Wegen ihrer +deutschen Sprache und ihrer deutschen Sympathien sind sie in +grausamster Weise von Rußland bestraft worden.</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>Deutschland +hat den Polen zu verstehen gegeben, daß es sich ihrer +annehmen wird. Mit noch größerer Berechtigung aber können +die </span><span class="gesperrt">Juden</span><span> erwarten, daß Deutschland sie nicht vergißt, +wenn die Frage der unterdrückten Nationen in den Friedensverhandlungen +aufgeworfen wird.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die Juden haben nie im politischen oder sprachlichen +Kampfe mit den Deutschen gelegen (wie die Polen), seit +Jahrhunderten sind sie zu einem Teile fest verwachsen mit +der deutschen Erde. Die in Polen zurückgebliebenen Gemeinden +sind bei der Teilung dieses Landes durch Zufall zu +Rußland, Österreich oder Preußen gekommen. Die, welche +russische Staatsbürger wurden, haben seit jener Zeit eine +Geschichte des Leides und der Verfolgung erlebt, die ans +finsterste Mittelalter erinnert. Leider wissen unsere deutschen +Mitbürger wohl von „Greueln in Armenien“, wie sie +die Engländer aus politischen Gründen aufbauschten,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>die +Regierungspolitik Rußlands jedoch, das sich so lange als +der beste Freund Deutschlands gebärdete, wußte recht gut +über allen ihren Schandtaten dichte Schleier auszubreiten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die deutsch sprechenden Juden Rußlands sind zum +Teil Zionisten. Die Türkei hat an ihren zionistischen Bürgern +in diesem Kriege eine gute Unterstützung gefunden. +Deutschland kann sehr wohl, im eigenen Interesse wie in +dem seines neuen Bundesgenossen, ein Entgegenkommen der +Türkei für eine jüdische Besiedlung der verödeten Landstriche +Palästinas befürworten.</span></p> +<p class="pnext"><span>Es kann keine Frage sein, daß sofort nach dem Friedensschluß +eine </span><span class="gesperrt">Massenauswanderung</span><span> der russischen +</span><span class="pageno target" id="page-52" title="52"> </span><span>Juden beginnen wird, welche die gesamte Völkerwanderung +numerisch in den Schatten stellt. Diese Juden, denen +man das Letzte genommen hat, die ein volles Jahr lang gequält +und getrieben wurden, jeden Augenblick gewärtig, erschossen +oder zum mindesten nach Sibirien geführt zu werden, +warten nur auf die Möglichkeit, wieder frei zu atmen.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Soll Deutschland diese Emigration nicht zum eigenen +Nutzen zu beeinflussen suchen? Soll der Strom der Auswanderer +nach Amerika gehen?</span><a class="footnote-reference" href="#id48" id="id47"><sup>23</sup></a><span> Deutschland wünscht +eine moderne Entwicklung der Türkei. Durch die Verluste, +die der Krieg im eigenen Lande zeitigte, ist keine Emigration +der eigenen Massen bevorstehend. Im Gegenteil.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Wenn die Erlösung der kleinen Völker einen Rückhalt +an Deutschland finden darf, dann kann es die gequälte jüdische +Masse des Ostens nur in zionistischem Sinne erlösen. +Auf Rußland kann Deutschland nicht einwirken, wie es +seine Untertanen regieren soll. Eine breite Öffnung der +eigenen Grenzen liegt nicht im Wunsch der meisten eigenen +Staatsbürger.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Will Deutschland das Bündnis mit der Türkei ökonomisch +ausnützen, will es sich dort eine Masse sichern, die +aus sprachlichen Motiven wie auch aus Dankbarkeit zu +Deutschland neigt, dann wird es einer großzügigen zionistischen +Emigration die Wege ebnen, wird „dem Lande ohne +Volk das Volk ohne Land“ geben.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Professor Otto </span><span class="gesperrt">Warburg</span><span> hat schon vor zehn Jahren +darauf hingewiesen, daß die Besiedelung Mesopotamiens von +</span><span class="pageno target" id="page-53" title="53"> </span><span>ausschlaggebender Bedeutung für die wirtschaftliche Erschließung +und Entwicklung Vorderasiens ist.</span><a class="footnote-reference" href="#id50" id="id49"><sup>24</sup></a></p> +<p class="pnext"><span>Deutsches Kapital hat die großen Bahnbauten nach +Bagdad ermöglicht. Wir sind alle daran interessiert, daß +Deutschland daraus Nutzen zieht. Hier kann nur eine geeignete +Einwanderung helfen, denn die ortsanwesende Bevölkerungsmenge +ist nicht ausreichend.</span></p> +<p class="pnext"><span>Da schon Massen arbeitsloser Juden in Polen den Behörden +zur Last fallen, so wäre es gut, wenn man sich, wie für +die ostpreußischen Flüchtlinge, so auch für das jüdische +Proletariat Galiziens und Polens interessierte. Sobald sich +die türkische Regierung entschließt, einwandernden jüdischen +Familien Land anzuweisen, wird auch von der jüdischen +Seite das nötige Geld zur Überführung und Ansässigmachung +aufgebracht werden. Es ist nur nötig, daß +sich </span><span class="gesperrt">der neue Dreibund</span><span> darüber klar ist, </span><span class="gesperrt">was er +mit dem namenlosen Judenelend machen +will</span><span>, wie er den vom Krieg entwurzelten Massen hilft, +ohne dabei selbst Menschen zu verlieren. Denn Menschen +sind Geld, Männer sind im Kriegsfalle Gewehre. Nie hat +man die Bedeutung der Ziffer so erfaßt, wie bei diesem +Krieg.</span></p> +<p class="pnext"><span>Kommt aber den Juden vom neuen Dreibund keine +Hilfe, dann wandern sie bestimmt nach Amerika aus und +gehen für die deutsche Sache verloren. Mit ihnen aber ein +großes Nationalvermögen,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>auch deshalb, weil ja jeder +Emigrant etwas Geld bei sich haben muß, was bei einer solchen +Völkerwanderung allein schon Millionenwerte ausmacht.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die Zukunft von Deutschlands kolonisatorischer Tätigkeit +liegt im Orient, in der Türkei. Wie kaum je wieder bietet +sich eine Gelegenheit, die Kolonisation zu fördern. +</span><span class="pageno target" id="page-54" title="54"> </span><span>Kenner des Orients, wie Rohrbach, Auhagen, Paquet</span><a class="footnote-reference" href="#id52" id="id51"><sup>25</sup></a><span> u.</span><span> </span><span>a., +sind gerade in letzter Zeit für diese Orientierung der deutschen +</span><span class="pageno target" id="page-55" title="55"> </span><span>Politik eingetreten. Schon früher plante übrigens der +verstorbene Großherzog von Baden, das Interesse der Mächte +für eine organisierte Kolonisation Palästinas durch die +Juden wachzurufen.</span></p> +<p class="pnext"><span>Statt dessen hat man den franzosenfreundlichen Jesuiten, +die neben zahlreichen Schulen eine Universität in Beirut +gründeten, den russischen und griechischen Missionen +Raum gegeben und hat die englischen Machinationen unter +den Arabern geduldet.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die neu-deutsche Judenpolitik darf des weiteren nicht +in den Fehler verfallen, das jüdische Element im Osten den +Polen auszuliefern. In ganz Galizien hat man die Juden +dem Terrorismus der Polen überantwortet. Man denke sich, +daß dort ca. 900000 Menschen ein deutsches Idiom sprechen, +eine Sprache, die der deutschen nähersteht als die flämische +Mundart. Gleichwohl konnte man in Österreich nicht erreichen, +daß das „Jiddisch“, wie es genannt wird, die Rechte +einer Sprache bekam. Obwohl es eine Unzahl von Zeitungen +gibt, die täglich in diesem Dialekt geschrieben werden, +und deren Blätter u.</span><span> </span><span>a. in Lemberg, Lodz, Krakau etc. erscheinen +(Warschauer und New Yorker Blätter in Jiddisch +haben Auflagen von über 100000 Exemplaren), war diese +Sprache „von Rechts wegen“ verpönt! Der Kaufmann sollte +seine Rechnungsbücher damit nicht führen dürfen, Eingaben +an die Regierung waren unstatthaft, während unterdessen +die jiddische schöne Literatur in alle Sprachen übersetzt +wurde, und Theaterstücke, ins Hochdeutsche übersetzt, Sensation +in Berlin hervorriefen!</span></p> +<p class="pnext"><span>Auch heute hat die deutsche Regierung die Bedeutung +dieses Jargons noch nicht erfaßt. Eine Volksschicht, die in +polnischen Gebieten lebt, greift aber, wenn sie ihre Muttersprache +lassen muß, nicht zu dem dieser nahverwandten +Deutschen, sondern zum </span><span class="gesperrt">Polnischen</span><span>. Es liegt kein +Grund vor, die Polen </span><span class="gesperrt">künstlich</span><span> zu stärken und ein +</span><span class="pageno target" id="page-56" title="56"> </span><span>Volkstum, das sich sprachlich ans Deutsche anlehnt, seiner +Nationalität zugunsten der polnischen gewaltsam zu entkleiden.</span></p> +<p class="pnext"><span>Sollten größere polnische Bezirke Deutschland und +Österreich angegliedert werden, so muß das </span><span class="gesperrt">Recht der +Minorität</span><span> geschützt werden. Das moderne Polentum +hat sich noch nicht als maßvoller und zuverlässiger Charakter +erwiesen. Wo sie es nur konnten, haben die Polen die +Juden bedrückt und ausgenutzt. Die galizischen Wahlen +waren wahre Schlachttage der Schlachta. In vielen Orten +floß jüdisches Blut, weil die Juden keine Polen wählen +wollten. Noch schlimmer erging es den Juden in Russisch-Polen, +wo sie den </span><span class="gesperrt">Polen und Russen</span><span> gänzlich ausgeliefert +waren.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wenn die Franzosen und Italiener von „unerlösten +Völkern“ sprechen, dann haben sie kaum der armen Juden +gedacht, und sicherlich nie eine Hand gerührt, um deren +Los zu erleichtern.</span><a class="footnote-reference" href="#id54" id="id53"><sup>26</sup></a><span> Und sie hätten es doch so bequem. +Sie brauchten bloß ihren Bundesgenossen „darauf aufmerksam +zu machen“.</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span></p> +<!-- kein unitame Ersatzung für 1/3 --> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Die Lage des jüdischen Volkes in Galizien ist eine viel +bessere als jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren. +</span><span class="pageno target" id="page-57" title="57"> </span><span>Aber was ihnen noch an nationaler und politischer +Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen darlegen. Umsomehr, +als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns zuführen +müßte, die sich nicht wieder Zurücksetzungen und +Schikanen ausgesetzt wissen wollen.</span></p> +<p class="pnext"><span>Die Bedrückung an Ort und Stelle zwingt sonst zu +einer ungeheuren Auswanderung, die auch in Deutschland +zu merken sein dürfte. Dagegen gibt es nur ein Allheilmittel: +</span><span class="gesperrt">Lokale Rechte und Hilfe</span><span>; </span><span class="gesperrt">ferner Ableitung +der überschüssigen Kräfte in den +Orient</span><span> durch starkes Entgegenkommen der verbündeten +Regierungen. Das heutige System entwurzelt nur die Elemente, +die einigermaßen fest an der Scholle, an der Heimat +hängen, und jagt sie ins Ungewisse.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wenn die deutsche Regierung den östlichen Juden nicht +entgegenkommen kann, wird auch die dadurch sicherlich +eintretende Entvölkerung die wirtschaftliche Entwicklung +dieser Länder bedeutend verzögern.</span></p> +<div class="vfill"> +</div> +<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p> +</div> +<div class="level-2 section" id="kaplino-schlusz"> +<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-58" title="58"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="schlusz">Schluß</span><span class="bold large">.</span></h2> +<p class="pfirst"><span>Der Krieg hat Deutschland bewiesen, daß der jüdische +Einfluß, welcher sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung +des Landes, an der Entwicklung seines Handels und +seiner Industrie beigetragen hat, nicht umsonst war. Der vielverspottete +Geist der Rothschild und Bleichröder, der schon +1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren +gefolgt und hat den Siegen den nötigen Rückhalt gegeben. +Börse, Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe, +mit denen der Militarismus zu rechnen hat. Die +deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur von gewissenlosen +Börsenjobbern gegründet sein; denn sie, ebenso wie der +deutsche Wollmarkt</span><a class="footnote-reference" href="#id56" id="id55"><sup>27</sup></a><span>, wie das Sanitätswesen, wie die Fabriken +und Ärzte</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>alles zu hohem Prozentsatz „verjudete“ +Berufe</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>haben die Erwartungen nicht getäuscht. Im Innern +geht der Handel weiter und erhält uns unsere wirtschaftliche +Kraft, und gibt dem Heere das, was die große alte +Handelsnation England mühselig sich aus Amerika zusammensuchen +muß.</span></p> +<p class="pnext"><span>Voreingenommene Nörgler werden auch nach dem +Kriege zu den alten Waffen des Neides greifen und die +hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder aufleben lassen. +</span><span class="pageno target" id="page-59" title="59"> </span><span>Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann +wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-, +Rassen- und Religionshaß in die Rumpelkammer der Geschichte +verschwinden.</span></p> +<p class="pnext"><span>Wir können uns aber fürwahr in Deutschland das Leben +leichter machen, brauchen uns nach außen nicht mehr als ein +anscheinend in sich zerrissenes Staatsgefüge zu zeigen, auf +dessen Zerfall andere Länder lauern. Wir nähren damit nur +falsche Hoffnungen und törichte Berechnungen. Deutschland +ist groß genug, um allen seinen Bewohnern Spielraum +zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen +und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen. +Neben dem bajuwarischen Menschenschlag möchten wir den +etwas differenzierten Rheinländer, den Märker, aber auch +den Ostpreußen nicht missen. Wer weiß, ob zum Polen und +Elsässer nicht auch noch ein flämischer Einschlag kommt. +Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Bürgern, die +er freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist +nicht erst gegen den Willen der Einheimischen „neu zugezogen“.</span></p> +<p class="pnext"><span>Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der +Jude im Lande und hat sich stets allen Gesetzen des Staates +willig und gern gefügt. Seine Religion ist seit drei +Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen und hygienischen +Maßregeln durchsetzt, daß sie heute noch Bewunderung +erregen muß. Die </span><span class="target" id="sabbatruhe">Sabbatruhe,</span><span> das jüdische Familienleben, +die Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht, +die sich bei allen Juden, auch wo der Staat diesbezüglich +versagte, längst findet, sind Emanationen einer Kultur, die +nur der Böswillige übersehen und gering achten kann.</span></p> +<p class="pnext"><span>Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Nächsten +und bedarf keiner Machtmittel, um dessen Lebensnerv +aus Angst für sein eigenes Ich zu unterbinden. Wir haben +in diesem Krieg die Unkultur Rußlands und des Slawentums +</span><span class="pageno target" id="page-60" title="60"> </span><span>bekämpft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen Maßregeln +die brutale Gewalt des neidischen England drängte. +Mag sich Frankreich wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig +als Hüterin des Fortschritts) gebärden, Deutschland wird +und muß nur noch geläuterter als ein wahrer Hort der Freiheit +seiner Bürger und der neutralen Staaten und Völker +aus dem Kriege hervorgehen.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>Von den über 14 Millionen Juden hoffen und harren +die Meisten auf den Sieg der deutschen Waffen. Die +Sympathien der amerikanischen Israeliten stehen auf seiten +der Zentralmächte. Nicht umsonst und nicht zufällig ist es +gerade die Türkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert +hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte, +welche sich an die Seite Deutschlands gestellt hat. Möge die +alte Sage des Talmud, die Lessing populär gemacht hat, +nicht nur in den Tagen der Greuel und des Völkermordens +bei uns eine wahre Stätte der Verehrung finden: die Geschichte +von den drei Ringen.</span></p> +<p class="pnext"><span>Der muhammedanische, der christliche und der jüdische +Glaube sind Formen der Kultur der Menschheit, die so viel +der Welt gegeben, die sich so lange bewährt haben, daß es +verbrecherisch wäre, Menschenglück und -hoffen um einer +vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu gefährden.</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="pfirst"><span>In dem Machtbereich der eigenen und der verbündeten +Länder wird dann die deutsche Politik bedeuten: Friede +auf Erden.</span></p> +<div class="vfill"> +</div> +<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p> +<div class="level-3 section" id="id57"> +<h3 class="center level-3 pfirst section-title title"><span class="bold large">Fußnoten</span></h3> +<div class="container footnotes"> +<div class="footnote-group"> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id3" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id2">[<span class="small">1</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Die oft zitierten jüdischen Vereine haben keinen wirtschaftlichen, +sondern einen humanitären Charakter.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id5" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id4">[<span class="small">2</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag R. Löwit, Wien 1915.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id7" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id6">[<span class="small">3</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Der letzte Nobelpreis für Chemie fiel nach Deutschland. Sein +Träger wurde eine allgemein anerkannte chemische Autorität; der Nachfolger +Bayers in München, der Vorstand des dortigen staatlichen +Laboratoriums, Geh. Rat Professor Willstätter.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id9" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id8">[<span class="small">4</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Den „kleinen“ Mann haben ähnliche Entwicklungstendenzen in den +meisten Fällen an die Wand gedrückt. Großbäckereien, Großschlächtereien, +Wäschereien, Restaurationsbetriebe im großen, mit und ohne Filialen sind +ähnliche Erscheinungen wie das Warenhaus, welche die selbständigen Handwerker +und Kleinbetriebe in ihrer Existenz bedrohen.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id11" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id10">[<span class="small">5</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Das erklärt er </span><span class="gesperrt small">heute</span><span class="small">, nachdem die Rassenverhetzung den Juden das +Leben auf Schritt und Tritt verekelt hat, nachdem seine voreilige Behauptung +gegen die Juden die christliche Nächstenliebe bedingungslos aus +Hunderttausenden zu Gunsten des Hasses gegen alle Anhänger des +mosaischen Glaubens getilgt hat.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id13" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id12">[<span class="small">6</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">So hat der auf dem Felde der Ehre gefallene jugendliche Komponist, +Kriegsfreiwilliger Walter </span><span class="gesperrt small">Asch</span><span class="small">, wie eine Münchener Zeitung meldet, in +allzu großer Bescheidenheit als seinen letzten Willen hinterlassen, daß +seine Werke nicht gedruckt werden dürfen.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id16" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id14">[<span class="small">7</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Witting (Witkowski).</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id17" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id15">[<span class="small">8</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">z.</span><span class="small"> </span><span class="small">B. Cassel.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id19" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id18">[<span class="small">9</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">So sind z.</span><span class="small"> </span><span class="small">B. die Nachkommen der bekannten jüdischen Gelddynastien +Gumpert und Heine aus Hamburg mit dem deutschen und internationalen +Hochadel verschwägert, ebenso wie die als Rennstallbesitzer geschätzten +v. Oppenheimer aus Köln, v. Weinberg aus Frankfurt, die Bernstein-Becker +aus Königsberg, v. Hirsch-Gereuth aus München. Ursprünglich jüdisch +waren folgende nobilitierte Familien: v. Ukro, v. Oppenfeld, </span><span class="small target" id="v-renard">v. Renard,</span><span class="small"> +v. Moßner, v. </span><span class="small target" id="schwanenfeld">Schwanenfeld</span><span class="small">, v. Halle, v. Löwenthal u.</span><span class="small"> </span><span class="small">a.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id22" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id21">[<span class="small">10</span>]</a></td><td><p class="first pfirst"><span class="small">In Bayern gibt es jetzt aktive jüdische Majore und Oberstabsärzte, +erstere etwa fünf, von letzteren, soviel bekannt wurde, sieben. In Österreich +haben sich Juden als Generale ausgezeichnet; aktive Offiziere gibt +es einige Hundert. Nach Bloch's „Österreichische Israel. Wochenschrift“ +haben sehr viele während des jetzigen Krieges ein glänzendes Avancement +erfahren. Eine soeben erschienene Broschüre Ludwig Geiger's „Deutsche +Juden und der Krieg“, die mir bei der Korrektur vorliegt, bringt genauere +Zahlen über die Beteiligung der deutschen Juden an den Kriegen des +XIX. Jahrhunderts. Hardenberg anerkannte danach schon am 4. 1. 1815: +„Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer +Mitbürger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes +und der rühmlichen Verachtung der Todesgefahr aufzuweisen, sowie +die Einwohner Berlins, namentlich auch die Frauen, in Opfern jeder Art +sich den Christen angeschlossen haben.“</span></p> +<p class="last pnext"><span class="small">Eine Denkschrift der Regierung Preußens vom Jahre 1847 ermittelte +das Verhalten der Juden als Soldaten und stellte fest, daß die Juden in den +Freiheitskriegen wie im Frieden den übrigen Truppen nicht nachstanden.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id24" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id23">[<span class="small">11</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Die „Leipziger Neuesten Nachrichten“ konstatierten, daß die in +Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher Staatsangehörigkeit, in +großer Zahl freiwillig zu den Fahnen eilten.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id26" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id25">[<span class="small">12</span>]</a></td><td><p class="first pfirst"><span class="small">Überall ist die Tapferkeit der Juden anerkannt worden.</span></p> +<p class="pnext"><span class="small">Prinz Fuad, der Flügeladjutant des türkischen Sultans, hat dem +offiziellen ungarischen Pressevertreter folgende Erklärung abgegeben (in +der deutschen Presse im Jüd. Echo, München, Nr. 27, 1915, wiedergegeben):</span></p> +<p class="pnext"><span class="small">„Die jüdische Legion, welche auf den Dardanellen operiert, verrichtet +wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein türkischer Jude, bekam +den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung. In den übrigen Militärteilen +kämpfen die Juden mit andern zusammen ausgezeichnet. Die türkischen +Militärbehörden machen daher keinen Unterschied zwischen jüdischen und +nichtjüdischen Soldaten. Das Gleiche kann hinsichtlich der jüdischen Zivilbevölkerung +gesagt werden, welche im jetzigen schweren Moment opferwillig +dem Lande hilft, soviel sie nur vermag. Die jüdischen Bestrebungen +in Palästina sind gut bekannt; niemand zweifelt an dem Patriotismus +der türkischen Juden“.</span></p> +<p class="pnext"><span class="small">Und Gustav Hervé sagt über die viel geschmähten russischen Juden</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">welche ein eignes Regiment gebildet hatten und in den erbitterten +Frühjahrskämpfen bei Arras fielen</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">bei Gelegenheit der Veröffentlichung +von Briefen gefallener Juden der jüdischen Fremdenlegion:</span></p> +<p class="last pnext"><span class="small">„Held Litwak</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">du, dessen herrlicher Brief, geschrieben am Tag +deines ruhmvollen Todes bei Carency an der Seite von 2000 Mitjuden, ich +unlängst abgedruckt habe, vergib diesen armen Sergeanten, die euch +monatelang als schmutzige Judenbuben und ähnlich beschimpft haben</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">euch, die ohne dazu verpflichtet zu sein, in einem Augenblick edler +Begeisterung euer Blut großmütig an Frankreich dahingegeben habt, das +in euren Augen das Sinnbild aller Freiheit und sittlichen Größe war.“</span><span class="small"> </span><span class="small">.</span><span class="small"> </span><span class="small">.</span><span class="small"> </span><span class="small">.</span><span class="small"> +Und das beste Zeichen, wie sehr die Juden freiwillig für die Freiheit </span><span class="small target" id="zu">zu</span><span class="small"> +kämpfen wissen, daß gerade die Anführer der polnischen Legionisten fast +durchwegs Juden sind: Nach dem Jüd. Echo (Nr. 31, 1914, München) ist +der Vorsitzende des Polnischen Nationalen Hauptkomités und der Legionen +ein Jude namens Mosche Scherer und ebenso eine ganze Anzahl von Führern +der Legion.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id28" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id27">[<span class="small">13</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Der bekannte Genosse Davidsohn „nur“ zweimal verwundet, nunmehr +Offizierstellvertreter.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id30" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id29">[<span class="small">14</span>]</a></td><td><p class="first pfirst"><span class="small">Dagegen unterstreichen z.</span><span class="small"> </span><span class="small">B. die deutsch völkischen Blätter hämisch, +daß Haase, welcher den verunglückten Aufruf veranlaßte, </span><span class="gesperrt small">Jude</span><span class="small"> sei, was +man zu Kriegsbeginn, als er noch in minder unsympathischem Fahrwasser +segelte, sorgsam unterließ, bei ihm zu erwähnen.</span></p> +<p class="pnext"><span class="small">Eine typische Todesanzeige für einen aktiven jüdischen Offizier mag +hier folgen:</span></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="center pfirst"><img class="align-middle inline small" style="width: 38%; height: 1em" alt="_________________" src="images/bar.png" /><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small"></span><img class="align-middle inline small" style="width: 10%" alt="[Verdienstkreuz]" src="images/kreuz.png" /><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small"></span><img class="align-middle inline small" style="width: 38%; height: 1em" alt="_________________" src="images/bar.png" /></p> +<p class="pnext"><span class="small">Gestern Abend um ½9 Uhr verschied in der Medizinischen +Klinik des Bürgerspitals zu Straßburg</span></p> +<p class="pnext"><span class="bold small x-large">Herr Major</span><span class="small"> </span><span class="bold small xx-large">Max Hollerbaum</span></p> +<p class="pnext"><span class="bold small">Kommandeur des B. Landsturm-Infanterie-Bataillons Passau II +Ritter d. Eisernen Kreuzes, d. K. B. Militär-Verdienstordens usw.</span></p> +<p class="pnext"><span class="small">Das Bataillon steht in tiefer Trauer an der Bahre seines +ersten Kommandeurs.</span></p> +<p class="pnext"><span class="small">Durch und durch Soldat, ein vornehmer, ritterlicher, zuverlässiger +Charakter, durch Willenskraft und warmherziges Wohlwollen gleichmäßig +ausgezeichnet, war er uns allen vorbildlich auch durch den +Heroismus, den er im Kampfe gegen ein langwieriges, schweres Leiden +bis zuletzt bewahrt hat. Es war ihm nicht vergönnt, wie an dem +Kriege um die Gründung des Reichs so an dem um seine Behauptung +bis zum ehrenvollen Abschluß teilzunehmen. Aber er hat Treue bis zum +Tode gehalten, und sein Gedächtnis wird in hohen Ehren bleiben.</span></p> +<p class="pnext"><span class="small">Am 27. September 1915.</span></p> +<p class="pnext"><span class="bold large small">Für das Landsturm-Infanterie-Bataillon Passau II</span></p> +<blockquote> +<div> +<div class="line-block outermost"> +<div class="line"><span class="small">I. V.: </span><strong class="bold small">Hauptmann Freiherr von Pechmann.</strong></div> +</div> +</div> +</blockquote> +<p class="center pfirst"><img class="align-middle inline small" style="width: 100%; height: 1em" alt="___________________________________________" src="images/bar.png" /></p> +<div class="vspace" style="height: 2em"> +</div> +<p class="last pfirst"><span class="small">Anschließend mag noch bemerkt werden, daß Major Hollerbaum +nicht der einzige aktive jüdische Offizier in der bayerischen Armee war. +Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien nur einige +namentlich genannt: Der alte bayerische Kürassiergeneral Carl Ritter +v. Obermayer, Major Isidor Marx (Vater) und Major Maximilian Marx (Sohn), +die Majore Orfenau, Friedmann, Henle u.</span><span class="small"> </span><span class="small">a. Außerdem gab und gibt es viele +jüdische aktive Sanitätsoffiziere, Militärbeamte und auch untere Chargen.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id32" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id31">[<span class="small">15</span>]</a></td><td><p class="first pfirst"><span class="small">Otto v. Gottberg, die offiziöse Feder unseres Kriegsministeriums, +schreibt in einem Artikel „D. K. R. A.“ über Rathenau: „Er kam ohne +Ruf und Amt, ein Deutscher in Sorge um das Vaterland. Wie wenige +ein Kenner unserer Wirtschaft, fühlte Dr. Walter Rathenau, daß Deutschland +einen längeren Krieg siegreich nur dann überstehen könne, wenn der +Staat ohne Säumen zu organisiertem Sammeln, Sparen und Mehren der für +die Kriegführung nötigen Stoffe schritt. Der Kriegsminister sah den Mann, +den er gesucht hatte. Sankt Bureaukratius schlug wohl unter Protest +die Hände über dem Kopf zusammen, als der General den Zivilisten, Doktor +und Ingenieur mit höflicher Geste beim Kragen nahm und im Allerheiligsten +der Heeresverwaltung in einen Stuhl setzte mit dem Auftrag, +die Kriegs-Rohstoff-Abteilung </span><span class="small target" id="ins-leben-zu-rufen">ins Leben zu rufen.</span><span class="small">“</span></p> +<p class="last pnext"><span class="small">Die Art, wie Rathenau die Aufgabe in achtmonatlichem Wirken löste, +sichert ihm einen Ehrenplatz </span><span class="small target" id="in-der-geschichte-des-wirtschaftskrieges">in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.</span><span class="small"> +</span><span class="pageno small target" id="page-35" title="35"> </span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id34" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id33">[<span class="small">16</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Die Abkunft Barzilais' ist übrigens nicht sicher auf Juden zurückzuführen.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id36" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id35">[<span class="small">17</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Dafür hat Ernst Cassel Millionen gespendet, die er dem Kaiser +übermittelte; der einzige Engländer, der sich die Freundschaft der beiden +Länder etwas kosten ließ und sich ernsthaft darum bemühte.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id38" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id37">[<span class="small">18</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag Stilke, Berlin 1915.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id40" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id39">[<span class="small">19</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag Ullstein, Berlin.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id44" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id41">[<span class="small">20</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag Reinhardt, München.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id45" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id42">[<span class="small">21</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag Marquardt, Groß-Lichterfelde.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id46" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id43">[<span class="small">22</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag Louis Lamm, Berlin C.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id48" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id47">[<span class="small">23</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Eine wirkliche Masseneinwanderung östlicher Juden in Deutschland +wird schon aus ökonomischen Gründen schwer durchführbar sein. Dieselbe +wäre auch vom jüdisch-nationalen Standpunkt nur eine Notstandsaktion, +die übrigens wegen der vielen Widerstände, die nach jeder Hinsicht zu +überwinden wären, keineswegs einzutreten braucht.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id50" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id49">[<span class="small">24</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Wir könnten z.</span><span class="small"> </span><span class="small">B. von daher unsere Baumwolle beziehen und so +vom Auslande unabhängig werden.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id52" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id51">[<span class="small">25</span>]</a></td><td><p class="first pfirst"><span class="small">Ein soeben von Alfons </span><span class="gesperrt small">Paquet</span><span class="small"> erschienener Artikel (in Heft 40 +Jahrg. 1915 des März) „</span><span class="gesperrt small">Juden im Osten</span><span class="small">“ kommt zu denselben +Resultaten. Paquet schreibt:</span></p> +<p class="pnext"><span class="small">„Das türkische Volk kümmert sich wenig </span><span class="small target" id="um-den-glauben-anderer">um den Glauben anderer.</span><span class="small"> +Es erkennt in den Juden die Orientalen, es weiß, daß jene, die aus dem +Westen kommen, zugleich Europäer sind, Träger eines praktischen Könnens, +das dem neuen türkischen Staatswesen Nutzen zu bringen vermag. Und das +eigentliche Palästina? Hat es nicht in den Jahren, die dem Versuch der +Wiederbesiedelung gewidmet waren, bewiesen, daß es wirklich das Land +ist, wo einmal der Wanderer sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen +die den Erzvätern leuchteten, um auszuruhen und böse Spuren aus seinen +Zügen wischen?“</span></p> +<p class="pnext"><span class="small">Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein grünes Banner. In dem +von Menschen erfüllten Europa werden sie das wichtigste für ihre +Zukunft:</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">den Boden</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">nie erhalten, eher werden sie +die Träger irgend eines +unbestimmten Unheils sein. In allen Erdteilen, außer Vorderasien, fehlen +die Möglichkeiten einer Ansiedelung, die den Juden erlaubt, nach ihrer +höchst eigentümlichen Art zu leben und von dem geistigen Gut, nach dem +sie </span><span class="small target" id="hungern">hungern</span><span class="small">, satt zu werden. Aber in dem einen kleinen Lande, das schon +begonnen hat, zu einem neuen Dasein zu erwachen, ist Raum und Tragkraft +genug, sie aufzunehmen. Josua und Kaleb sind von ihrer Kundschafterreise +zurückgekehrt mit schweren Trauben. Es kommt jetzt darauf an +die Fähigkeiten des Volkes, die bisher auf die Wüstenreise verwendet +wurden, zu wecken und neu zu gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild +der deutschen Volksschulen, vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze, +werden dazu helfen können. Einst werden dann diese Knaben die Mannschaft +eines neuen </span><span class="small target" id="morgenlandischen">morgenländischen</span><span class="small"> Wesens bilden, gleichviel, ob sie +Ingenieure oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder Gelehrte werden, +gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa bleiben und wie viele wirklich +im Morgenland wohnen. Sie können in einer neuen Heimat ein neues +Volk sein</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">nicht im Sinne jenes Nationalismus, der in Europa die Völker +zerreißt und schlägt, sondern in dem innerlich freien, nach außen duldsamen +Sinne der morgenländischen Weisen. „Der türkische Baum muß +sehr grün werden und auswachsen.“ „Wer in seinem Schatten wohnen +will, muß aber zuvor sein Gärtner sein.“</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span></p> +<p class="last pnext"><span class="small">So denkt ein bekannter Orientkenner über die Judenfrage und das +Problem der Türkei.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id54" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id53">[<span class="small">26</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Die 2</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><sup class="small superscript">1</sup><span class="small">/</span><sub class="small subscript">3</sub><span class="small"> Millionen Juden der +Vereinigten Staaten sind deshalb durchweg +deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der Deutschamerikaner haben +an ihnen eine rege Stütze gefunden. Vergessen wir nicht, daß die +Stimmung in Newyork, der größten Stadt Amerikas, für das ganze Land +bedeutsam ist, daß sich die dortigen 1,2 Millionen Juden konstant für die +Deutschen verwandten, weil sie von ihnen eine Erlösung der russischen +Juden erwarten.</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">Eine offene Erklärung der deutschen Regierung an die +amerikanischen Juden würde eine namenlose Begeisterung erwecken und +die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe Unannehmlichkeiten +wegen der Haltung Rußlands versetzen. Es wäre die beste Antwort gegenüber +all den Enunziationen betreffs der unerlösten Völker in Österreich +und Deutschland. Außerdem würde Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel +für seine künftigen Anleihen erwarten können.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +<table class="docutils footnote" frame="void" id="id56" rules="none"> +<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup> +<tbody valign="top"> +<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id55">[<span class="small">27</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Spottet über die „Leder- und Stiefeljuden“, aber es tat Deutschland +gut, daß die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins Ausland exportierten, +für Millionen Vorräte liegen hatten, die nun Heereszwecken dienen konnten.</span></p> +</td></tr> +</tbody> +</table> +</div> +</div> +</div> +<div class="clearpage"> +</div> +<div class="topic"> +<p class="center centerleft level-2 pfirst title topic-title topic-title first"><span class="bold large">Anmerkungen zur Transkription</span></p> +<!-- there is a non-breaking space here! --> +<p class="pfirst"><span>Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler:</span></p> +<ul class="simple"> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 21, Z. 5</strong><span>: (die deutsche </span><cite class="italics">z, B.</cite><span> vertreten durch Mauthner) </span><span>—</span><span>></span><span> +</span><a class="reference internal" href="#z-b">z. B.</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 28, letzte Zeile der Fußnote</strong><span>: </span><cite class="italics">Sehwanenfeld</cite><span> </span><span>—</span><span>></span><span> </span><a class="reference internal" href="#schwanenfeld">Schwanenfeld</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 30, Z. 18</strong><span>: Untervereinen bis 33% der </span><cite class="italics">Manschaften</cite><span> </span><span>—</span><span>></span><span> +</span><a class="reference internal" href="#mannschaften">Mannschaften</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 32, Z. 13</strong><span>: Der Jude Ludwig Frank </span><cite class="italics">vielleichst</cite><span> der fähigste +Kopf </span><span>—</span><span>></span><span> </span><a class="reference internal" href="#vielleicht">vielleicht</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 35, Fußnote</strong><span>: fehlende schließende Anführungszeichen, +wahrscheinlich am Ende von </span><a class="reference internal" href="#ins-leben-zu-rufen">ins Leben zu rufen.</a><span> (andernfalls +am Ende des letzten Satzes </span><a class="reference internal" href="#in-der-geschichte-des-wirtschaftskrieges">in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.</a><span>)</span></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 32, Z. 5 der Fußnote</strong><span>: für die Freiheit </span><cite class="italics">zn</cite><span> kämpfen </span><span>—</span><span>></span><span> </span><a class="reference internal" href="#zu">zu</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 46, vorletzte Zeile</strong><span>: </span><cite class="italics">Ein</cite><span> antisemitische Bewegung </span><span>—</span><span>></span><span> </span><a class="reference internal" href="#eine">Eine</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 47, Z. 3 v. u.</strong><span>: ein deutliches </span><cite class="italics">Wahrnungszeichen</cite><span> </span><span>—</span><span>></span><span> +</span><a class="reference internal" href="#warnungszeichen">Warnungszeichen</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 49, Z. 11-12</strong><span>: besonders aber in </span><cite class="italics">Russich-Polen</cite><span> </span><span>—</span><span>></span><span> +</span><a class="reference internal" href="#russisch-polen">Russisch-Polen</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 54, Z. 19 der Fußnote</strong><span>: nach dem sie </span><cite class="italics">lungern</cite><span> </span><span>—</span><span>></span><span> </span><a class="reference internal" href="#hungern">hungern</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 54, Z. 27 der Fußnote</strong><span>: </span><cite class="italics">morgenlandischen</cite><span> </span><span>—</span><span>></span><span> </span><a class="reference internal" href="#morgenlandischen">morgenländischen</a></p> +</li> +</ul> +<p class="pfirst"><span>Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefügt:</span></p> +<ul class="simple"> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 34, letzte Zeile des Textes</strong><span>: </span><a class="reference internal" href="#und-anderer-dinge-zu-gedenken">und anderer Dinge zu gedenken.</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 36, letzte Zeile des Textes</strong><span>: +</span><a class="reference internal" href="#die-entfremdung-der-lander-bemerkten">die Entfremdung der Länder bemerkten.</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 54, Z. 4 der Fußnote</strong><span>: </span><a class="reference internal" href="#um-den-glauben-anderer">um den Glauben anderer.</a></p> +</li> +</ul> +<p class="pfirst"><span>sowie fehlende Kommata:</span></p> +<ul class="simple"> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 28, vorletzte Zeile der Fußnote</strong><span>: </span><a class="reference internal" href="#v-renard">v. Renard,</a></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 59, Z. 27</strong><span>: </span><a class="reference internal" href="#sabbatruhe">Sabbatruhe,</a></p> +</li> +</ul> +<p class="pfirst"><span>Fußnoten, auf die im Original mit *) verwiesen wurde, wurden im e-Text +durchnummeriert.</span></p> +</div> +<!-- -*- encoding: utf-8 -*- --> +<div class="backmatter"> +</div> +<p class="pfirst" id="pg-end-line"><span>*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK </span><span>DIE JUDEN IM WELTKRIEGE</span><span> ***</span></p> +<div class="cleardoublepage"> +</div> +</div> +<div class="language-en level-2 pgfooter section" id="a-word-from-project-gutenberg" xml:lang="en" lang="en"> +<span id="pg-footer"></span><h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large">A Word from Project Gutenberg</span></h2> +<p class="pfirst"><span>We will update this book if we find any errors.</span></p> +<p class="pnext"><span>This book can be found under: </span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org/ebooks/45808"><span>http://www.gutenberg.org/ebooks/45808</span></a></p> +<p class="pnext"><span>Creating the works from public domain print editions means that no one +owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and +you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, set +forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg™ electronic works to +protect the Project Gutenberg™ concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you charge +for the eBooks, unless you receive specific permission. If you do not +charge anything for copies of this eBook, complying with the rules is +very easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as +creation of derivative works, reports, performances and research. +They may be modified and printed and given away – you may do +practically </span><em class="italics">anything</em><span> with public domain eBooks. Redistribution is +subject to the trademark license, especially commercial +redistribution.</span></p> +<div class="level-3 section" id="the-full-project-gutenberg-license"> +<span id="project-gutenberg-license"></span><h3 class="center level-3 pfirst section-title title"><span class="bold large">The Full Project Gutenberg License</span></h3> +<p class="pfirst"><em class="italics">Please read this before you distribute or use this work.</em></p> +<p class="pnext"><span>To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free +distribution of electronic works, by using or distributing this work +(or any other work associated in any way with the phrase “Project +Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full +Project Gutenberg™ License available with this file or online at +</span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org/license">http://www.gutenberg.org/license</a><span>.</span></p> +<div class="level-4 section" id="section-1-general-terms-of-use-redistributing-project-gutenberg-electronic-works"> +<h4 class="center level-4 pfirst section-title title"><span class="bold large">Section 1. General Terms of Use & Redistributing Project Gutenberg™ electronic works</span></h4> +<p class="pfirst"><strong class="bold">1.A.</strong><span> By reading or using any part of this Project Gutenberg™ +electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to +and accept all the terms of this license and intellectual property +(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all +the terms of this agreement, you must cease using and return or +destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your +possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a +Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound by +the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person +or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.B.</strong><span> “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be +used on or associated in any way with an electronic work by people who +agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few +things that you can do with most Project Gutenberg™ electronic works +even without complying with the full terms of this agreement. See +paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project +Gutenberg™ electronic works if you follow the terms of this agreement +and help preserve free future access to Project Gutenberg™ electronic +works. See paragraph 1.E below.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.C.</strong><span> The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the +Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection +of Project Gutenberg™ electronic works. Nearly all the individual +works in the collection are in the public domain in the United +States. If an individual work is in the public domain in the United +States and you are located in the United States, we do not claim a +right to prevent you from copying, distributing, performing, +displaying or creating derivative works based on the work as long as +all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope +that you will support the Project Gutenberg™ mission of promoting free +access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg™ works +in compliance with the terms of this agreement for keeping the Project +Gutenberg™ name associated with the work. You can easily comply with +the terms of this agreement by keeping this work in the same format +with its attached full Project Gutenberg™ License when you share it +without charge with others.</span></p> +<p class="pnext"></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.D.</strong><span> The copyright laws of the place where you are located also +govern what you can do with this work. Copyright laws in most +countries are in a constant state of change. If you are outside the +United States, check the laws of your country in addition to the terms +of this agreement before downloading, copying, displaying, performing, +distributing or creating derivative works based on this work or any +other Project Gutenberg™ work. The Foundation makes no +representations concerning the copyright status of any work in any +country outside the United States.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.</strong><span> Unless you have removed all references to Project Gutenberg:</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.1.</strong><span> The following sentence, with active links to, or other +immediate access to, the full Project Gutenberg™ License must appear +prominently whenever any copy of a Project Gutenberg™ work (any work +on which the phrase “Project Gutenberg” appears, or with which the +phrase “Project Gutenberg” is associated) is accessed, displayed, +performed, viewed, copied or distributed:</span></p> +<blockquote> +<div> +<p class="pfirst"><span>This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at </span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org">http://www.gutenberg.org</a></p> +</div> +</blockquote> +<p class="pfirst"><strong class="bold">1.E.2.</strong><span> If an individual Project Gutenberg™ electronic work is +derived from the public domain (does not contain a notice indicating +that it is posted with permission of the copyright holder), the work +can be copied and distributed to anyone in the United States without +paying any fees or charges. If you are redistributing or providing +access to a work with the phrase “Project Gutenberg” associated with +or appearing on the work, you must comply either with the requirements +of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or obtain permission for the use of +the work and the Project Gutenberg™ trademark as set forth in +paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.3.</strong><span> If an individual Project Gutenberg™ electronic work is +posted with the permission of the copyright holder, your use and +distribution must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and +any additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms +will be linked to the Project Gutenberg™ License for all works posted +with the permission of the copyright holder found at the beginning of +this work.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.4.</strong><span> Do not unlink or detach or remove the full Project +Gutenberg™ License terms from this work, or any files containing a +part of this work or any other work associated with Project +Gutenberg™.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.5.</strong><span> Do not copy, display, perform, distribute or redistribute +this electronic work, or any part of this electronic work, without +prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with +active links or immediate access to the full terms of the Project +Gutenberg™ License.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.6.</strong><span> You may convert to and distribute this work in any binary, +compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including +any word processing or hypertext form. However, if you provide access +to or distribute copies of a Project Gutenberg™ work in a format other +than “Plain Vanilla ASCII” or other format used in the official +version posted on the official Project Gutenberg™ web site +(</span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org">http://www.gutenberg.org</a><span>), you must, at no additional cost, fee or +expense to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a +means of obtaining a copy upon request, of the work in its original +“Plain Vanilla ASCII” or other form. Any alternate format must include +the full Project Gutenberg™ License as specified in paragraph 1.E.1.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.7.</strong><span> Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, +performing, copying or distributing any Project Gutenberg™ works +unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.8.</strong><span> You may charge a reasonable fee for copies of or providing +access to or distributing Project Gutenberg™ electronic works provided +that</span></p> +<ul class="open"> +<li><p class="first pfirst"><span>You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from +the use of Project Gutenberg™ works calculated using the method you +already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed to +the owner of the Project Gutenberg™ trademark, but he has agreed to +donate royalties under this paragraph to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid within 60 +days following each date on which you prepare (or are legally +required to prepare) your periodic tax returns. Royalty payments +should be clearly marked as such and sent to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation at the address specified in Section 4, +“Information about donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation.”</span></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><span>You provide a full refund of any money paid by a user who notifies +you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he +does not agree to the terms of the full Project Gutenberg™ +License. You must require such a user to return or destroy all +copies of the works possessed in a physical medium and discontinue +all use of and all access to other copies of Project Gutenberg™ +works.</span></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><span>You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of +any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the +electronic work is discovered and reported to you within 90 days of +receipt of the work.</span></p> +</li> +<li><p class="first pfirst"><span>You comply with all other terms of this agreement for free +distribution of Project Gutenberg™ works.</span></p> +</li> +</ul> +<p class="pfirst"><strong class="bold">1.E.9.</strong><span> If you wish to charge a fee or distribute a Project +Gutenberg™ electronic work or group of works on different terms than +are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing +from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and +Michael Hart, the owner of the Project Gutenberg™ trademark. Contact +the Foundation as set forth in Section 3. below.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.</strong></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.1.</strong><span> Project Gutenberg volunteers and employees expend +considerable effort to identify, do copyright research on, transcribe +and proofread public domain works in creating the Project Gutenberg™ +collection. Despite these efforts, Project Gutenberg™ electronic +works, and the medium on which they may be stored, may contain +“Defects,” such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual +property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a +computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by +your equipment.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.2.</strong><span> LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES – Except for the +“Right of Replacement or Refund” described in paragraph 1.F.3, the +Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the +Project Gutenberg™ trademark, and any other party distributing a +Project Gutenberg™ electronic work under this agreement, disclaim all +liability to you for damages, costs and expenses, including legal +fees. 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If any disclaimer or limitation set forth in this agreement +violates the law of the state applicable to this agreement, the +agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or +limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or +unenforceability of any provision of this agreement shall not void the +remaining provisions.</span></p> +<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.6.</strong><span> INDEMNITY – You agree to indemnify and hold the Foundation, +the trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone +providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in accordance +with this agreement, and any volunteers associated with the +production, promotion and distribution of Project Gutenberg™ +electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, +including legal fees, that arise directly or indirectly from any of +the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this +or any Project Gutenberg™ work, (b) alteration, modification, or +additions or deletions to any Project Gutenberg™ work, and (c) any +Defect you cause.</span></p> +</div> +<div class="level-4 section" id="section-2-information-about-the-mission-of-project-gutenberg"> +<h4 class="center level-4 pfirst section-title title"><span class="bold large">Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg™</span></h4> +<p class="pfirst"><span>Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of +electronic works in formats readable by the widest variety of +computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It +exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations +from people in all walks of life.</span></p> +<p class="pnext"><span>Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg™'s +goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will remain +freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg™ and future generations. To +learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and +how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the +Foundation web page at </span><a class="reference external" href="http://www.pglaf.org">http://www.pglaf.org</a><span> .</span></p> +</div> +<div class="level-4 section" id="section-3-information-about-the-project-gutenberg-literary-archive-foundation"> +<h4 class="center level-4 pfirst section-title title"><span class="bold large">Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation</span></h4> +<p class="pfirst"><span>The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +</span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf">http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf</a><span> . Contributions to the +Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to +the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.</span></p> +<p class="pnext"><span>The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. +S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are +scattered throughout numerous locations. Its business office is +located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) +596-1887, email </span><a class="reference external" href="mailto:business@pglaf.org">business@pglaf.org</a><span>. Email contact links and up to date +contact information can be found at the Foundation's web site and +official page at </span><a class="reference external" href="http://www.pglaf.org">http://www.pglaf.org</a></p> +<p class="pnext"><span>For additional contact information:</span></p> +<blockquote> +<div> +<div class="line-block outermost"> +<div class="line"><span>Dr. Gregory B. Newby</span></div> +<div class="line"><span>Chief Executive and Director</span></div> +<div class="line"><a class="reference external" href="mailto:gbnewby@pglaf.org">gbnewby@pglaf.org</a></div> +</div> +</div> +</blockquote> +</div> +<div class="level-4 section" id="section-4-information-about-donations-to-the-project-gutenberg-literary-archive-foundation"> +<h4 class="center level-4 pfirst section-title title"><span class="bold large">Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation</span></h4> +<p class="pfirst"><span>Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without wide spread +public support and donations to carry out its mission of increasing +the number of public domain and licensed works that can be freely +distributed in machine readable form accessible by the widest array of +equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to +$5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status +with the IRS.</span></p> +<p class="pnext"><span>The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. 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To +donate, please visit: </span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org/fundraising/donate">http://www.gutenberg.org/fundraising/donate</a></p> +</div> +<div class="level-4 section" id="section-5-general-information-about-project-gutenberg-electronic-works"> +<h4 class="center level-4 pfirst section-title title"><span class="bold large">Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works.</span></h4> +<p class="pfirst"><span>Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg™ +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg™ eBooks with only a loose network of volunteer support.</span></p> +<p class="pnext"><span>Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the +U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not +necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper +edition.</span></p> +<p class="pnext"><span>Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's +eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII, +compressed (zipped), HTML and others.</span></p> +<p class="pnext"><span>Corrected </span><em class="italics">editions</em><span> of our eBooks replace the old file and take over +the old filename and etext number. 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+Die Juden im Weltkriege
+=======================
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+ | :autor:`Felix A. Theilhaber`
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+|KapLinO| Inhalt.
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+
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Vorwort`_ | Seite | [pg 5]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Einleitung`_ | | [pg 7]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Der Krieg und die Juden`_ | | [pg 13]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | |nbs4| `Die Stellung der deutschen Juden vor | | |
+ | dem Kriege`_ | | [pg 13]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | |nbs4| `Die Juden im Kriege`_ | | [pg 28]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Juden im Ausland`_ | | [pg 36]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Die Lehren des Krieges`_ | | [pg 44]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Das Problem der Ostjuden`_ | | [pg 48]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Schluß`_ | | [pg 58]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+
+
+.. _`Die Stellung der deutschen Juden vor dem Kriege` :
+ `Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg`_
+
+ .. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg!4]
+
+.. clearpage
+
+[pg 5]
+
+|KapLinO| _`Vorwort`.
+=====================
+
+Die folgenden Ausführungen verdanken ihr Entstehen
+freien Stunden an der Front in Kurland, wo ich dem unendlichen
+Leid der Ostjuden auf Schritt und Tritt begegnete,
+einer unterdrückten Menschenmasse, die menschlich unser
+Interesse verdient, aber auch sprachlich, da sie den Deutschen
+darin noch näher steht als die Vlamen.
+
+Vor allem gilt die Schrift den Beziehungen der deutschen
+Juden zu ihrer Umgebung. Die Verhetzung, welche
+vor dem Krieg das Volk bald gegen Sozialdemokraten, Agrarier
+und Zentrumsanhänger trieb, fehlte nicht gegenüber den
+Juden. Aber jeder wirtschaftliche Haß, jede chauvinistische
+nationale Abneigung wirkt auf die Dauer unfruchtbar und
+schädlich.
+
+.. class:: center
+
+| |sterne|
+
+Damit die gegenseitige Achtung auch nach dem Kriege
+fortdauere und innerlich begründet wird, habe ich dargelegt,
+daß das Wort eines großen Denkers nicht zu Unrecht besteht:
+„Jedes Land hat die Juden, die es verdient“.
+[pg 6]
+
+„Wer die Luft, die ich atme, den Boden, auf dem ich
+stehe und in dem meine Eltern bestattet sind, mir nehmen
+will, ist mein Mörder\ |dots|\ “
+
+.. vspace:: 2
+
+So ungefähr wandte sich vor fünfzig Jahren Gabriel
+Rießer an seine Widersacher. Möge uns, wenn wir in die Heimat
+zurückkehren sollten, diese Sprache in alle Zukunft erspart
+bleiben.
+
+Möge mein Wort der Verständigung, der Aufklärung
+und dem Frieden dienen!
+
+ Herbst 1915.
+
+ .. class:: right
+
+ **Felix A. Theilhaber.**
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 7]
+
+
+|KapLinO| _`Einleitung`.
+========================
+
+
+Die „Hilfe“ vom 2. September 1915 bringt einen Artikel
+:gesperrt:`„Der Krieg und die russischen Juden“ von
+Paul Barth`. Seine Worte mögen meine Auseinandersetzung
+über das Problem „Judentum und Deutschtum“ einleiten.
+Paul Barth schreibt:
+
+„Was aber lauter als alles andere zum Himmel schreit,
+das sind die Massenverbrechen, die die russische Militär-
+und Zivilbürokratie tagtäglich an den „lieben Juden“ des
+Zaren verübt. Wohin das russische Heer kommt, da ist die
+erste kriegerische Leistung, daß die Juden ausgewiesen werden.
+Im Februar dieses Jahres erließ der „Allgemeine Jüdische
+Arbeiterbund Litauens, Polens und Rußlands“ einen
+Aufruf an „die Kulturwelt“, der einigermaßen veranschaulichte,
+welches Meer von Leiden hinter dem Worte „ausgewiesen“
+steckt. Mit einer Frist von vierundzwanzig, oft
+bloß von acht Stunden, hinausgetrieben in die Nacht und
+die Kälte des russischen Winters, alle, auch Greise, Frauen
+und Kinder; ohne Ziel, ohne Schutz in ein fast feindlich gesinntes
+Land; rechtlos schon im Frieden, jetzt rechtloser
+denn je. Unsere Ostpreußen sind gewiß tief zu beklagen,
+aber sie zogen doch in ein freundlich gesinntes Land. Hunderttausend
+ausgewiesene Juden sammelten sich damals
+[pg 8]
+hilflos in Warschau an, sehr viele, besonders Kinder, starben
+auf der Landstraße. Wie glücklich verhältnismäßig diejenigen,
+die ein Kosak erstochen hatte! Denn das ist nach
+jenem Aufruf ein regelmäßiger Sport der Kosaken, der unbestraft
+bleibt. Der Römer Seneca ereiferte sich darüber,
+daß ein Mensch, der Gladiator, „zum Spiele und Scherze getötet
+wird“. Der Gladiator jedoch konnte sich wehren, er
+war bewaffnet, das Ganze war ein Kampf zweier geübter
+Fechter. Der arme russische Jude aber kann sich nicht
+wehren.
+
+Und ich fürchte, das ist erst der Anfang. Allerdings
+ein sehr großer Anfang. Denn Mitte Mai wurden die Gouvernements
+Kurland, Kowno und ein Teil von Suwalki von
+280000, also mehr als einer Viertelmillion Juden „evakuiert“,
+wie der russische technische Ausdruck lautet. Neuerdings
+wurde eine Million Juden aus den Gouvernements
+Wilna, Grodno und Warschau vertrieben, d. |nbs| h. wirtschaftlich
+vernichtet. Das tut die russische Regierung. Was wird
+erst geschehen, wenn die russische „Volksseele“, besonders
+die der „echt russischen Leute“, unruhig wird! Und sie
+wird aufkochen, wenn Rußland weitere Niederlagen erleidet,
+und sich in „Pogromen“ Luft machen, genau so, wie es
+1905 und 1906 geschah. Was damals in Kertsch, Bialystok
+und vielen anderen Städten vorging, das wird sich in ganz
+Rußland wiederholen und wahrscheinlich mit viel größerer
+Heftigkeit. Und die Polizei wird, wie damals, teils wohlwollend
+zusehen, teils wohlwollend helfen. Damals war es
+schließlich die erste, sehr liberale Duma, unter einem viel
+besseren Stimmrecht als dem jetzigen gewählt, die den
+Greueln ein Ende machte. Aber die Duma, die jetzt zusammengetreten
+ist, wird für solche inneren Fragen keine Zeit
+haben.
+
+Was tun nun dabei die Juden der übrigen Welt, außerhalb
+Rußlands? Im allgemeinen nichts,\ |_--_|\was überraschend,
+[pg 9]
+vielleicht auch ein bedauerliches Symptom ist. Wie
+sehr sie auch die Kultur des Landes angenommen haben, in
+dem sie wohnen, sie hegen doch alle die gleiche Pietät für
+ihre Vergangenheit, die sie als starkes Band mit ihren russischen
+Stammesgenossen vereinigt. Die deutschen Juden
+freilich sind entschuldigt, sie :gesperrt:`können` nichts tun. Jeder
+öffentliche Schritt ihrerseits würde den russischen Juden bloß
+schaden. Diese würden daraufhin noch mehr verdächtigt
+werden, über die Grenze hinaus nach dem Landesfeinde
+zu schielen. In den Ländern des Vierverbandes sehen wir
+nur eins: überall sind Juden unter den Kriegshetzern, gegen
+die Zentralmächte, also für den Zarismus. In Frankreich
+sind sehr viele Juden in den höchsten Stellen, die beständig
+ihre Liebe zum Zarismus betätigen. In England haben
+die Juden viel Einfluß in der höchsten Aristokratie, die
+ganz besonders in der Hoffnung auf „die Dampfwalze“
+schwelgte. Lord Rosebery, einer der einflußreichsten Aristokraten,
+ist ja Schwiegersohn des Barons Meyer Rothschild.
+
+In Italien finden wir unter den wildesten Kriegshetzern
+jüdische Namen. Herr Nathan, der Bürgermeister von Rom,
+hielt im Dezember 1914 als Freimaurer, als früherer Großmeister
+der Logen des Großorients, im Theater Constanzi
+in Rom eine schwungvolle Rede, in der er zum Kriege für
+den Dreiverband, also für den Zaren, aufrief. Zwei bekannte
+italienische Politiker jüdischer Herkunft, Barzilai
+und Luzzatti, trieben ebenfalls zum Kriege.
+
+Aber was tun die Juden in den neutralen Ländern?
+Der einzige, der sich auf seine Herkunft und seine Gewissenspflicht
+besinnt, scheint Georg Brandes in Kopenhagen,
+wie sein Briefwechsel mit Clémenceau bewies. Andere sind
+auf seiten des Vierverbandes. Die rumänische Zeitung „Adeverul“
+(Wahrheit), die täglich gegen die Zentralmächte, also
+für Rußland agitiert, war bis vor kurzem und ist wohl noch
+in jüdischen Händen. Die übrigen tun gar nichts, nicht einmal
+[pg 10]
+die Sozialisten unter den Neutralen. Vor kurzem meldete
+Reuter aus Neuyork, Samuel Gompers, der Vorsitzende der
+American Federation of Labour, zweifellos jüdischer Herkunft,
+habe auf eine Einladung zu einer Versammlung, die
+gegen die amerikanische Kriegsbedarfsausfuhr protestieren
+wollte, durchaus ablehnend geantwortet. Dunkel ist zwar
+die Begründung seiner Ablehnung: „es gebe schrecklichere
+Dinge als den Krieg, nämlich des Geburtsrechts (d. |nbs| h. wohl
+des angeborenen Rechts), der Freiheit und der Gerechtigkeit
+beraubt zu sein“. Dies alles sind ja die Leiden der russischen
+Juden; aber Gompers lehnt ab, gegen die Unterstützung
+ihrer Unterdrücker zu protestieren.
+
+Wenn nun die Juden selbst so gänzlich passiv sind, so
+müssen wir :gesperrt:`Nichtjuden` uns regen und sie aus ihrer
+Resignation aufrütteln. Ich möchte nochmals betonen, daß
+die Verfolgungen erst anfangen. Je weiter die verbündeten
+Heere vorrücken, desto größer die Gefahr neuer Wutausbrüche.
+Und schon, wie berichtet wird, sind die Juden teilweise konzentriert
+in besondere Lager\ |_--_|\ sehr bequem für die Verfolger.
+Das Volk wird einen Sündenbock suchen, auf den es die
+Schuld der Niederlagen abwälze. Es wird die Regierung
+schuldig finden, aber es kann wieder einen Minister geben,
+wie denjenigen, der im Oktober 1905\ |_--_|\ nach jüdischen
+Quellen\ |_--_|\ sagte: „Wir werden die Revolution im Blute der
+Juden ersticken.“ Es folgten darauf die furchtbaren, zehn
+Tage dauernden Oktobermorde. Tausend Juden wurden erschlagen,
+achttausend wurden zu Krüppeln. Werte im Betrage
+von 180 Millionen Mark wurden vernichtet, 300000
+Juden flohen ins Ausland. (Vergl. „Allgemeine Zeitung des
+Judentums“, 1910, S. |nbs| 577.)
+
+Die deutschen Juden können, wie gesagt, unmittelbar
+nichts tun, aber mittelbar sehr viel. Sie können die Juden
+der :gesperrt:`nordamerikanischen` Union aufrufen, die für
+russische Angelegenheiten doch sonst Interesse zeigen. Als
+[pg 11]
+der Beilisprozeß schwebte, haben diese beim russischen Gesandten
+in Petersburg dagegen protestiert und später dem
+zwar freigesprochenen, aber sehr geschädigten und gequälten
+Beilis eine Farm geschenkt. Jetzt steht mehr als ein Menschenleben
+auf dem Spiele. Was dem einen Beilis recht war,
+ist allen russischen Juden billig. Die amerikanischen Juden
+müßten laut und energisch ihre Stimme erheben für ihre
+niedergetretenen russischen Stammesgenossen, täglich, so
+oft als möglich, in den Zeitungen, in allgemeinen Versammlungen
+der Juden und der Christen. Wenn erst die russische
+Regierung weiß, daß man ihr Treiben beobachtet,
+wird sie doch vielleicht stutzig werden und das Schlimmste
+unterlassen, sie wird wenigstens nicht die Polizei zur schweigenden
+Duldung der Morde und der Diebstähle anhalten,
+sondern notgedrungen den Befehl zur Aufrechterhaltung der
+Ordnung geben müssen. Nordamerika ist ja der künftige
+Geldmarkt für Rußland, der einzige, wo es einst Anleihen
+machen kann. Denn alle europäischen Staaten werden nach
+dem Kriege selbst zu viel Schulden haben, um anderen leihen
+zu können. Die Juden der Union aber sind eine starke
+Kapitalmacht, besonders im Westen. Sie haben\ |_--_|\ nach
+W. Sombart\ |_--_|\ eine herrschende oder wenigstens wichtige
+Stellung im Getreidehandel, im Tabakhandel und im Baumwollhandel.
+Auf allen drei Gebieten können sie den Russen
+schaden. Vor allem aber können sie jede russische Anleihe
+erschweren, vielleicht unmöglich machen. Damit müßten sie
+drohen. Darauf wird selbst die zarische Regierung hören.
+
+Und wenn die Proteste und Drohungen nichts helfen,
+so werden sie doch wenigstens Zeugnis ablegen, daß in der
+allgemeinen sittlichen Verwilderung es noch Menschen gegeben
+hat, die die Unmenschlichkeiten der zarischen Regierung
+als solche zu brandmarken gewagt haben.
+
+Wenn aber gar nichts geschieht, dann wird ganz gewiß
+sich das alte Sprichwort bewähren: „Wenn die Menschen
+[pg 12]
+schweigen, so reden die Steine“, freilich in diesem Falle nur
+die Steine des Pogroms, die auf unschuldige, wehrlose
+Opfer fallen werden.“
+
+.. class:: center
+
+| |sterne|
+
+Wenn Barth sich auf die Einwirkung der amerikanischen
+Juden verläßt, so fürchte ich, gibt er uns einen Wechsel
+auf die Zukunft. Die amerikanischen Juden sind noch
+nicht genügend organisiert, z. |nbs| T. auch als Vollblutyankees zu
+sehr auf Seiten der Entente.
+
+Ich glaube und werde es zu beweisen versuchen, daß
+Deutschland allen Grund hat, jede antisemitische Regung
+abzustreifen, den Juden im Inland die Gerechtigkeit, die
+ihrer treuen Staatsbürgerschaft gebührt, widerfahren zu lassen,
+den Juden in eroberten Gebieten jede Autonomie zu
+gewähren und den Auswandernden im Orient allen Vorschub
+für eine großzügige Kolonisation zu leisten.
+
+Doch damit komme ich schon zur Voraussetzung jeder
+Politik gegenüber den Juden: die Bewertung derselben als
+zuverlässige und fähige Staatsbürger gegenüber ihren Heimatsländern,
+und nicht zum mindesten in Deutschland!
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 13]
+
+
+|KapLinO| _`Der Krieg und die Juden`.
+=====================================
+
+Der große Krieg hat infolge des grandiosen Kaiserwortes
+„Ich kenne keine Parteien mehr“ den antisemitischen
+Angriffen und Übergriffen vorläufig den Grund und Boden
+entzogen. Trotzdem will das Judenproblem keineswegs von
+der Bildfläche verschwinden. Im Gegenteil. Der Einmarsch
+der deutschen Truppen in die polnischen und russischen Gebiete
+hat mit einem Schlage die innerpolitische Unhaltbarkeit
+des Schicksals, der nahezu sieben Millionen starken
+jüdischen Bevölkerung Rußlands der ganzen Kulturwelt aufgetan.
+Man wird nicht leugnen können, daß das jüdische
+Problem beim Friedensschlusse sowohl von großem internationalem
+Belang sein wird, als auch von hervorragender
+Bedeutung für die :gesperrt:`deutsche Politik`.
+
+_`Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg`.
+--------------------------------------------------
+
+Die Judenfrage ist für Deutschland praktisch so wichtig,
+daß es sich gewiß verlohnt, darauf einzugehen. Prüfen
+wir zunächst einmal die Stellung der Juden Deutschlands
+und ihren Einfluß in diesem Lande.
+
+Die Mitte des verflossenen Jahrhunderts hat nicht nur
+einen völligen Umsturz aller inner- und außen\ :gesperrt:`politischen`
+Verhältnisse Deutschlands bedingt; die breiten
+Volksmassen erschütterte ein :gesperrt:`sozialer` Umschwung.
+Aus einem rein agrarischen Staate wuchs in wenigen Jahrzehnten
+[pg 14]
+eine gigantische Industrie heraus, welcher bald ein
+weltenumspannender Handel die Wege bahnte. Die Technik
+feierte rascher ihre Triumphe, als die Regierungsfürsorge
+und die von Organisationen getragene Selbsthilfe der Interessengruppen
+sich auf die Neukonstellationen einstellen
+konnten. Dadurch gerieten die Arbeiter stellenweise in die
+Gefahr, materiell und physisch ausgenutzt zu werden. Auf
+dem Lande hatte sich einst ein ähnlicher Prozeß, wodurch
+sich Latifundien bildeten, im Laufe der Jahrhunderte entwickelt.
+Die industriellen und kommerziellen Großunternehmungen
+aber kamen über Nacht. Erbarmungslos rang das
+Großkapital den Stand der kleinen Leute nieder. Dieser
+ökonomische Werdegang ging nicht ohne Gewalttat, ohne
+Härten ab, die den Trägern den Haß des in seiner Existenz
+erschütterten dritten Standes eintragen mußten.
+
+Die Sozialdemokratie als die Zusammenfassung der
+Proletarier ist das naturnotwendige Produkt dieser Entwicklung.
+Der Antisemitismus ist die Konsequenz des Prozesses
+insofern, als sich diese Bewegung gegen die sichtbarsten
+Träger, gegen die Klasse von Menschen wandte,
+welche am geschicktesten die Macht des Kapitals auszunutzen
+wußten. Die erste Partei ist ein Versuch, der :gesperrt:`Sache`
+selbst entgegenzutreten, die letztere kämpft gegen :gesperrt:`Personen`,
+die nebenbei in ihrer religiösen und rassigen
+Eigenart eine gute Zielscheibe boten.
+
+Uns interessiert hier nicht, wie die Auswüchse des Kapitalismus
+oder der Kapitalismus selbst zu bekämpfen ist.
+Wir wollen nur der Frage nähertreten, wie der Antisemitismus
+des weiteren zu erklären ist, welches die Bedeutung der
+deutschen Judenheit gewesen ist, und ob wir anläßlich des
+Krieges den Juden einen mehr oder minder günstigen Einfluß
+auf die Wirtschaftsgestaltung Deutschlands einräumen
+können, um dann später auf den Einfluß der deutschen Juden
+und überhaupt auf den Krieg eingehen zu können.
+[pg 15]
+
+Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
+strömte ein gut Teil der jüdischen Jugend Deutschlands nach
+den Vereinigten Staaten von Amerika, Südafrika, England,
+Frankreich etc. Teilweise war ihnen die volle Gewerbefreiheit
+(wie z. |nbs| B. in Bayern bis 1864) vorenthalten gewesen.
+Die siebziger Jahre, die berühmten Gründerzeiten, bringen
+eine Hochflut von aus den Dörfern in die Städte strömenden
+Juden. Die jüdischen jungen Leute wandern nicht mehr in
+die Fremde, sondern wenden sich dem deutschen Handel,
+der Industrie, den akademischen Berufen, und vor allem den
+Großstädten zu. Das seit Jahrhunderten betätigte Wohnen
+in den Städten, bedingt durch Eigenart, aber auch durch
+das mittelalterliche Gesetz, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein
+Geltung hatte, läßt sie allmählich in die größeren Städte
+abwandern, wo die Verdienstmöglichkeiten sich stetig vergrößern.
+Dazu trägt auch die antisemitische Ostmarkenpolitik
+bei, welche die Juden aus den Provinzen Posen, Ost-
+und Westpreußen vertreibt. Der Druck der Hakatisten, der
+wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott der evangelischen
+Deutschen den Juden im Osten gegenüber, läßt ihre
+Stellung zwischen Deutschtum und Polentum unhaltbar
+werden. Dazu kommen elementare Ausbrüche der von den
+Antisemiten bearbeiteten Volksschichten. Der „Ritualmord
+von Konitz“ ist eins dieser bezeichnenden Ereignisse.
+Fluchtartig verläßt der Jude diese Städte, deren Charakter
+durch seine Anwesenheit noch ein deutscher war, und überläßt
+den Platz den Polen.
+
+.. vspace:: 2
+
+Die neueren Schriften über das Ostmarkenproblem geben
+sämtlich zu, daß die durch die staatliche und gesellschaftliche
+antisemitische Politik bedingte Vertreibung der
+Ostmarkenjuden ein bedeutsamer Mißgriff war, der sich nach
+drei Seiten bemerkbar machte:
+
+1. Für die Entwicklung dieser Städte, die durch den
+[pg 16]
+Verlust von Menschen, von Kapital und von unternehmungslustigen
+und fähigen Elementen gehemmt wurde.
+
+2. Für die deutsche Sache. Der Wegzug von ca. 150 bis
+200000 Juden aus den bedrohten Provinzen hat die deutsche
+Sache um so viel Anhänger ärmer gemacht.
+
+3. Für den Staat. Der Jude der Ostmark (wie überhaupt
+in ganz Deutschland) war ein zuverlässiger Staatsbürger,
+auf den in jeder Zeit gerechnet werden konnte.
+
+Organisationen über Organisationen erwuchsen aus dem
+reichen Boden der Gebiete rechts der Elbe. Deutsche und
+polnische Kleinbauern-Genossen\ |_|\schaften, Vereine der Gutsbesitzer
+und Groß-Eigentümer, die zugleich die Zucker- und
+Spiritusfabrikation besaßen, politische Organisationen beider
+Sprachengemeinschaften, alle aber mit leicht antisemitischen
+Tendenzen, die durch den in Berlin geborenen Antisemitismus
+erst voll und ganz durchtränkt werden sollten.
+Was dagegen der Jude an Organisation entgegenstellte, war
+kaum der Rede wert. Er organisierte sich nicht wirtschaftlich,
+sondern verzichtete darauf, sich in einen Kampf einzulassen,
+in dem außer Regierung und Verwaltung auch die
+breite Masse des Volkes gegen ihn Stellung nahm, und verschwand
+in die Großstadt, wo er untertauchen konnte. [#]_
+
+.. [#] Die oft zitierten jüdischen Vereine haben keinen wirtschaftlichen,
+ sondern einen humanitären Charakter.
+
+Dadurch ist die unnatürliche plötzliche Überschwemmung
+der Hauptstädte mit Juden bedingt worden. Nicht nur
+die Jungen und Fähigen kamen; viele, die sich nicht mehr
+anzupassen wußten, schwemmte die Flut herein. Ältere Menschen,
+die überall anstießen, weil sie in dem neuen
+Beruf nicht mehr von der Pike auf dienen konnten.
+Neben einer großen Menge von Begabten und Energischen
+auch „Luftmenschen“, Bassermann'sche Gestalten, labile
+Charaktere. Aber was das junge Blut anlangt, so kann
+man leicht zeigen, daß es Deutschland zum Segen gereichte.
+[pg 17]
+Deutschland ist der große, kräftige und reiche Staat in
+hohem Maße auch durch die Mitarbeit der :gesperrt:`Juden` geworden.
+
+Bekannt ist deren Mitwirken an der finanziellen Entwicklung.
+Die Finanzgrößen, die die deutsche :gesperrt:`Geldwirtschaft`
+und die Großbanken schufen, waren zum großen
+Teil Juden. Das Erstarken unserer finanziellen Kraft liegt in
+der glücklichen Ausgestaltung unserer Finanzinstitute. Die
+Banken sind nach Sombart eine jüdische Erfindung. Die
+Barone Oppenheim sind die Gründer der ersten, der Darmstädter
+Bank. Neben den Rothschild's ragen als Eisenbahnkönige
+einige jüdische Häuser wie die in Bayern nobilitierten
+Eichthal und die später in Preußen geadelten Fould's, später
+Dr. Strousberg und der Baron Hirsch hervor. Das Bankhaus
+Mendelsohn hat heute noch seine nahen Beziehungen zu den
+maßgebenden Stellen des Reiches, und der Chef der Firma
+Bleichröder ist der Öffentlichkeit populär geworden, weil er
+Bismarck zu der hohen französischen Kriegsentschädigung
+von 5 Milliarden in Gold zu bewegen wußte. Auch die modernen
+Finanzgrößen, die Leiter unserer wichtigsten Institute,
+zählen Juden an erster Stelle auf. Wir erinnern an
+die von Cohn, von Wassermann, Fürstenberg, Speyer-Ellissen,
+von Schwabach, Goldberger\ |dots|
+
+Die Arnold, Berliner und Deutsch sind Namen, welche
+in der neudeutschen Wirtschaftsgeschichte einen guten Klang
+besitzen. Hagen-Köln (früher Levy geheißen) war wohl einer
+der Männer, welcher in dem Aufsichtsrat der größten deutschen
+Gesellschaften den mächtigsten Einfluß besessen hat.
+
+Juden haben in Hamburg die :gesperrt:`Strumpfindustrie`,
+in Fürth das :gesperrt:`Spiegelglas`, im posenschen die
+:gesperrt:`Schnapsbrennerei` großgemacht. Wir treffen sie
+auch als Großindustrielle in der :gesperrt:`Seiden`\ fabrikation.
+
+Neben unseren vortrefflichen Geldinstituten haben uns
+vor allem unsere großzügigen Wollfirmen die Kriegführung
+[pg 18]
+erleichtert. Der deutsche :gesperrt:`Woll- und Baumwollmarkt`
+ist von Juden geschaffen und auf die Höhe gebracht
+worden, die er heute einnimmt, wie wohl kein Kenner
+der Verhältnisse bestreiten wird. Unter den vielen Tüchtigen
+verdienen hier die Gebrüder Simon namentliche Erwähnung.
+
+An den grandiosen Woll- und Baumwollhandel konnten
+sich die zahlreichen, vielfach jüdischen, Textilfabriken anlehnen.
+Die blühende deutsche :gesperrt:`Konfektion` ist quasi
+eine jüdische Domäne.
+
+Daneben erinnere ich an den Leipziger :gesperrt:`Rauch`\ markt.
+Wer die berühmte Pelzmesse kennt, weiß, daß jüdischer Fleiß
+und Erwerbsfreudigkeit hierin Deutschland eine erste Stelle
+in der Welt schuf. Die großen „\ :gesperrt:`Felljuden`\ “, welche
+unsere Lederindustrie mit ausbauten (z. |nbs| B. Adler-Oppenheimer),
+und die :gesperrt:`Stiefelkönige` sind bekannt.
+
+Den Neid aller Völker, den Stolz Deutschlands bedingte
+unsere so rasch, fast über Nacht zu grandioser Größe
+entwickelte :gesperrt:`Handelsflotte`, die auch in Kriegszeiten
+dem Reiche ihre Dienste leiht. Der Schaffer der Hamburg-Amerika-Linie
+aber ist der viel genannte :gesperrt:`Ballin`. Seine Bedeutung
+für die Entwicklung Deutschlands wird einst die
+Geschichte zu würdigen haben.
+
+Der Vater der :gesperrt:`elektrochemischen` Industrie war
+der jüngst verstorbene Rathenau, der Schöpfer der A.E.G.
+Sombart behauptet, daß auch die Siemens und Halske-Werke
+erst den Wettkampf um die Vormachtstellung der deutschen
+Industrie in aller Welt aufnehmen konnten, als der
+jüdische Direktor Berliner an leitende Stellung trat. Aber
+nicht nur in friedlichen Zeiten bedang die A.E.G. Deutschlands
+Ruhm und Größe. In unserm Kriege haben sie Bedeutendes
+geleistet, wenn es jetzt auch noch nicht Zeit ist,
+darauf näher einzugehen.
+
+Viel geschmäht worden ist die Arbeit der Juden auf
+dem Gebiete der :gesperrt:`Waffen-` und :gesperrt:`Munitionsfabriken`.
+[pg 19]
+Wie vereinzelte Sozialdemokraten die Wichtigkeit der
+Kruppwerke und ihre vaterländische Rolle mißverstanden
+und vor der breitesten Öffentlichkeit verunglimpften, so
+wußte seinerzeit Ahlwardt den großen :gesperrt:`Löwe`\ konzern zu
+verdächtigen. Aber die „Juden“flinten, die Maschinengewehre
+und alle die Waffen, welche unsere Heeresleitung von diesen
+Unternehmungen beziehen konnte, waren letzten Endes
+nicht bedeutungslos. Der Nur-als-Krämer und Schacherer verschriene
+Jude hat dem Reich zu Kriegsbeginn wertvolle
+Stätten zur Verfügung stellen können: Angefangen von dem
+reich überfüllten Wollmarkt, von den Handelsschiffen, welche
+die Flotte stützten, bis zu den Fabriken, die direkt oder indirekt
+dem Heere alle Mittel moderner Kriegsführung lieferten.
+
+Wenn wir an die treue Mitarbeit jüdischer Firmen in
+der :gesperrt:`Maschinentechnik` anknüpfen, dann dürfen wir
+als deutsche Unternehmungen von Weltgeltung herausgreifen
+die :gesperrt:`Orenstein und Koppel` A.G., (Kleinbahn- und
+Baggerfabrikanten), die Mannheimer :gesperrt:`Ladenburgs`, die
+Nürnberger :gesperrt:`Bings`. Selbst Erzschürfungen (Hirsch und
+Beer-Sondheimer-Kupfer) werden von ihnen inauguriert.
+Caesar Wollheim, v. Friedländer-Fould sind in ‚Kohle‘ bekannt.
+Neben der Wichtigkeit des Materials und der Arbeitsstätten
+ist es Geheimrat Haber, der durch die künstliche Gewinnung
+des Stickstoffes erst die ganze deutsche Munitionserzeugung
+gewährleistete, und der (nach Davis Trietschs Broschüre,
+„Juden und Deutsche: Eine Sprach- und Interessen\ |_|\gemeinschaft“ [#]_)
+jüdischen Eltern entstammt. Auf solche
+Köpfe kann die deutsche :gesperrt:`chemische` Wissenschaft stolz
+sein. Wie ja überhaupt die chemische Industrie Deutschlands
+Größe in der Welt mitgeschaffen hat. (Es sei u. |nbs| a. auch des
+jüdischen chemischen Industriellen :gesperrt:`Gans` gedacht, dessen
+Sohn übrigens auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und der
+Ballontechnik Bedeutung hat.)
+
+.. [#] Verlag R. Löwit, Wien 1915.
+
+[pg 20]
+
+Auch sonst wäre noch viel aufzuführen. Wir könnten
+manches über andere Wirtschaftskomplexe hier anfügen, so
+vom Tabakmarkt, von dem Sombart behauptet, daß Juden
+die Tabakindustrie in Deutschland einführten. Ebenso wie
+in der modernen Zigarren- und Zigarettenfabrikation halten
+Juden den Wettbewerb als Uhren-, Sekt- und Schokolade-Fabrikanten
+und als Getreideimporteure usw. usw.
+
+Wir wollen nicht ermüden. Die Reichtümer, die einzelne
+Juden sich erwarben, waren nicht unverdient. Sie sind bedingt
+dadurch, daß Deutschlands Handel und Wandel zu der
+Größe geführt wurde, die den Neid der fremden Völker erregte,
+aber damit auch unserem Lande die Möglichkeit gab,
+auch auf dem wirtschaftlichen Felde den allgewaltigen Kampf
+gegen die Unmenge von Feinden so siegreich zu bestehen.
+
+Auf dem Zeitungsgebiet zeigten die :gesperrt:`Mosse`, :gesperrt:`Ullstein`,
+:gesperrt:`Sonnemann` (Frankfurter Zeitung) ihre Tatkraft
+und schufen, trotzdem ihre Blätter als „verjudet“ verschrien
+wurden, gewaltige Betriebe. :gesperrt:`S. Fischer` ist der bedeutendste
+literarische Verleger, :gesperrt:`Reinhardt`, der :gesperrt:`Bühnentechniker`,
+welcher dem modernen Theater reiche Impulse
+verlieh, ist gleichfalls Jude. Als :gesperrt:`Antiquitätenhändler`,
+:gesperrt:`Numismatiker`, als :gesperrt:`Sammler` jeder Art
+haben die Juden den deutschen Ruf in der Welt mitbegründet.
+
+Besonders stark angefeindet wurden sie in der Wissenschaft.
+Um auf diesem Gebiete ihr Können einigermaßen zu
+belegen, müßten wir allein ein dickes Buch schreiben. Aber
+ein paar Beispiele dürfen wir wohl geben. So ist in der Medizin
+die Lehre der :gesperrt:`sexuellen Krankheiten` durch
+drei Juden\ |_--_|\ :gesperrt:`Neisser`, :gesperrt:`Ehrlich`, :gesperrt:`Wassermann`\ |_--_|\
+in grandioser Weise gefördert worden. Neisser, der Entdecker
+des Gonokokkus, Wassermann, der feinsinnige
+Schaffer des luetischen Blutnachweises, und Ehrlich, welcher
+eine moderne Waffe gegen die Syphilis schmiedete. Die :gesperrt:`Juristen`
+[pg 21]
+sprechen von den Begründern der deutschen
+Rechtswissenschaft, von :gesperrt:`Staub` und :gesperrt:`Dernburg` mit all
+der Hochachtung, die man diesen kaum vorenthalten dürfte.
+Die :gesperrt:`Sprachwissenschaften` (die :gesperrt:`deutsche`
+_`z. B.` vertreten durch :gesperrt:`Mauthner`) schätzen die jüdische Mitarbeit;
+:gesperrt:`Statistik`, :gesperrt:`Nationalökonomie`, :gesperrt:`Chemie` [#]_
+sind wie :gesperrt:`Literatur`, :gesperrt:`Musik` und andere kulturelle
+Gebiete durch deutsche Juden befruchtet worden. Auf
+:gesperrt:`Schachturnieren` (Lasker, Steinitz, Zuckertort, Tarrasch),
+aber auch auf den olympischen Spielen, am Turf und
+auf gefahrvollen Expeditionen bewährten sich Juden. :gesperrt:`Emin
+Pascha` hieß einst Schnitzer, ein bedeutender Arabien-Forscher
+war :gesperrt:`Glaser`, als einer der ersten wirkte in
+deutschen westafrikanischen Schutzgebieten und erlag dort
+der Malaria: Dr. :gesperrt:`Kaiser`.\ |dots|
+
+
+.. [#] Der letzte Nobelpreis für Chemie fiel nach Deutschland. Sein
+ Träger wurde eine allgemein anerkannte chemische Autorität; der Nachfolger
+ Bayers in München, der Vorstand des dortigen staatlichen
+ Laboratoriums, Geh. Rat Professor Willstätter.
+
+.. vspace:: 2
+
+Die antisemitische Bewegung, die vor dreißig Jahren
+gegen die Juden entstand, ist dadurch erklärlich, daß von den
+vielen hervorragenden Verdiensten deutscher Juden viel zu
+wenig bekannt wurde.
+
+Die politische Geschichte übergeht die Abstammung des
+ersten deutschen Reichstagspräsidenten von Simson, der
+seinem Könige mehrfach die Kaiserkrone antrug. Das damals
+als Musterländle gepriesene Baden hatte einen nicht einmal
+getauften Finanzminister: Ellinger.
+
+Das waren einzelne Personen, die ihr Bestes für das
+Werden des Reiches einsetzten. Schon in den 40er Jahren
+waren es jüdische Dichter in der Sturm- und Drangperiode,
+welche für Einheit und Fortschritt eintraten. Berthold Auerbach
+und Andere, deren Namen heute vergessen sind, mußten
+wegen ihrer Zugehörigkeit zu alldeutschen Burschenschaften
+[pg 22]
+hinter Kerkermauern dafür büßen, daß sie für ein
+geeintes Deutschland agitierten.
+
+Bedeutender zeigt sich aber die Mitwirkung jüdischer
+Elemente bei der Ausgestaltung des deutschen :gesperrt:`politischen`
+Lebens. Kein Volk der Welt hat ein so gut fundamentiertes
+Parlament, in dem so überzeugungstreue Parteien
+sitzen, die nicht nach Laune, nach persönlichen Vorteilen
+stimmen, sondern die\ |_--_|\ oft viel zu sehr\ |_--_|\ nach theoretischen
+Überlegungen und prinzipiellen Anschauungen den
+Fragen nähertreten. Kein Abgeordnetenhaus hat sozialer
+und menschlicher gearbeitet. An ihren Früchten kann man
+am besten nicht nur die Bäume, sondern auch die Parlamente
+erkennen. Unsere :gesperrt:`konservative` Partei feiert als
+einen ihrer Mitbegründer Stahl; Lasker und Bamberger schufen
+die :gesperrt:`liberale` Partei; Marx und Lassalle standen an
+der Wiege der :gesperrt:`Sozialdemokratie`, die in Singer,
+Haase, Bernstein und Frank mit ihre besten Führer fand.
+
+Da wir noch keine Abhandlung über die jüdische Mitarbeit
+an der Entwicklung Deutschlands in der neuesten Zeit
+besitzen, so war es wohl nicht unangebracht, sie mit einigen
+Beispielen zu belegen. Ähnlich wie :gesperrt:`Deutschland` in
+der :gesperrt:`Welt`, so machten sich die :gesperrt:`Juden` in :gesperrt:`Deutschland`
+„unliebsam bemerkbar“.
+
+Der Umwelt erschienen einst die deutschen Waren als
+„billig und schlecht“, die aufblühende deutsche Flotte war
+den Engländern, die als handeltreibendes Seevolk ein Monopol
+anstrebten, eine freche Konkurrenz, die deutsche Beteiligung
+in der Weltpolitik kam den Engländern als Aufdringlichkeit
+vor, selbst wenn sie noch so zurückhaltend war.
+
+Dazu kamen noch historische Vorurteile, von welchen
+z. |nbs| B. besonders die Franzosen nicht loskamen. Das Geschrei
+der Gasse umnebelte selbst intelligente Engländer,
+Franzosen, Italiener, Amerikaner, Rumänen, Russen. Auch
+in der neutralen Welt gibt es leider tüchtige Menschen, die
+[pg 23]
+sich alle Fabeln über die Unkultur der Deutschen, über die
+Eroberungssucht des Kaisers und seines Volkes zueigen
+machten.
+
+Geradeso hat man oft von den Juden gesprochen. Man
+hat sie des Mangels an Kultur und an Redlichkeit geziehen
+und all des Schlechten, was man den Deutschen heute nachsagt,
+beschuldigt. Wollten sie beim Militär Karriere machen,
+dann hinderte man sie daran; wenn daraufhin wieder Manche
+keine sonderliche Lust am Dienste hatten, hielt man es ihnen
+wieder vor. Wurden sie reich, dann erweckte das Eifersucht;
+war irgendwo ein unbedeutender Jude, dann wurde daraus
+der Schluß gezogen, daß der Jude überhaupt unfähig ist.
+Es ist wirklich überraschend, wie ähnlich das Eintreten
+Deutschlands in der großen Welt, und das Emporsteigen der
+Juden in Deutschland von der Außenwelt gewertet werden.
+
+.. vspace:: 2
+
+Wir sehen es ja in unserer Zeit, wie nichts zu plump
+ist, um geglaubt zu werden, wenn ein Volk neidisch ist. An
+diesen Instinkt appellierten auch die Antisemiten. Der Jude,
+der die deutsche Sozialdemokratie mitschuf, soll an den
+Auswüchsen des Kapitalismus schuld sein, bloß weil findige
+Köpfe, wie die Tietz, Wertheim, Jandorf, Israel, den Fabrikbetrieb,
+das Maschinelle auch in den Kleinverkauf einführten
+und das Warenhaus schufen. [#]_ Und wie einstmals die Handweber
+die Fabriken stürmten und die Maschinen zertrümmerten,
+so kämpften die kleinbürgerlichen Kaufleute und Handwerker
+gegen die Riesenunternehmen, und verwechselten Person
+und Sache. Wer diese modernen Erfinder haßte, wurde
+Antisemit.
+
+.. [#] Den „kleinen“ Mann haben ähnliche Entwicklungstendenzen in den
+ meisten Fällen an die Wand gedrückt. Großbäckereien, Großschlächtereien,
+ Wäschereien, Restaurationsbetriebe im großen, mit und ohne Filialen sind
+ ähnliche Erscheinungen wie das Warenhaus, welche die selbständigen Handwerker
+ und Kleinbetriebe in ihrer Existenz bedrohen.
+
+Wie
+[pg 24]
+:gesperrt:`Deutschland in der Welt überall auf
+Neider stieß, so fand auch der Jude in
+Deutschland überall mißgünstige Seelen`.
+Wie beschränkt diese waren, geht schon daraus hervor, daß
+sie durch den Antisemitismus alle sozialen Fragen und Schäden
+zu lösen glaubten.
+
+Die antisemitische Literatur ist zwar recht armselig,
+aber Deutschland hat das traurige Verdienst, diese „Wissenschaft“
+in der Hauptsache geschaffen zu haben. Die anderen
+Länder, die sich vielfach viel länger und viel ungenierter
+in der Bedrückung ihrer lieben Juden überboten, bekamen
+leider von Deutschland neue Impulse. Die Pamphlete der
+Ahlwardts gingen in alle Welt und richteten außerhalb der
+schwarz-weiß-roten Grenzpfähle, besonders auch in Österreich,
+erschreckendes Unheil an. Noch vor kurzem hat der
+große Staat Rußland den Juden einen Ritualmordprozeß
+gemacht, nachdem vorher Österreich und Deutschland ihre
+Ritualmordhetze gehabt hatten. Noch schmachtet in österreichischen
+Kerkermauern ein wegen eines „Ritualmordes“,\ |_--_|\ wie alle
+Juristen beteuern, unschuldig\ |_--_|\ verurteilter armer
+Jude: Leopold Hilsner. Keine Lüge war den Antisemiten zu
+niedrig\ |_--_|\ man lese nur ihre Bücher\ |_--_|\ keiner ihrer Führer
+zu\ |_--_|\ bedenkenfrei. Meist waren sie recht dunkle Ehrenmänner.
+Aber das Gift, das sie verstreuten, trug dennoch
+eine reiche Saat. Ein Mann beteiligte sich dabei, dessen
+Schriften man nicht so ohne weiteres mit denen der anderen
+vergleichen darf: Houston Stewart Chamberlain. Chamberlain
+hat zwar neuerdings einiges Wasser in seinen Wein
+gegossen. Er hat erklärt, seine früheren Behauptungen gegenüber
+den deutschen Juden [#]_ nicht aufrecht zu erhalten.
+[pg 25]
+Chamberlain ist ein so maßloser Chauvinist, daß er selbst
+Christus als Germanen reklamieren zu müssen glaubte. Er,
+der noch vor kurzem allen Germanen, auch den Engländern,
+Lob sang, hat nun ein Pamphlet losgelassen, für das es kaum
+ein Wort der Entschuldigung gibt. Als geborener Engländer
+durfte er nie und nimmer in der Weise das Nest beschmutzen,
+dem er entstammte. Es gibt nichts Verächtlicheres, als wenn
+Renegaten dem Volke, dem sie entstammen, in solcher Weise
+seine Fehler vorhalten. Wenn sie, die die Schwächen am
+besten kennen, sie zusammenstellen, übertreiben und daraus
+ein Urteil fällen. Wenn wir nach der Methode Chamberlains
+dozieren wollten, müßten wir zu dem Schlusse kommen: Alle
+Engländer taugen nichts. Der Engländer ist so und so. Also
+ist auch Houston Stewart Chamberlain\ |dots| So ähnlich wurde
+nämlich nach H. St. Chamberlain über den semitischen Geist,
+über den Juden im allgemeinen und im besonderen geurteilt,
+selbst wenn er\ |_--_|\ weit mehr als Chamberlain, der die deutsche
+Kultur erst seit einiger Zeit genossen hat\ |_--_|\ seit :gesperrt:`Jahrhunderten`
+Anteil an allen Gütern deutschen Geisteslebens
+genommen hatte.
+
+.. [#] Das erklärt er :gesperrt:`heute`, nachdem die Rassenverhetzung den Juden das
+ Leben auf Schritt und Tritt verekelt hat, nachdem seine voreilige Behauptung
+ gegen die Juden die christliche Nächstenliebe bedingungslos aus
+ Hunderttausenden zu Gunsten des Hasses gegen alle Anhänger des
+ mosaischen Glaubens getilgt hat.
+
+Nein, „der Jude“ in Deutschland war zum Teil tüchtig
+und fähig, zum Teil faul und indolent. Er war auf der einen
+Seite ein stiller Mann der Wissenschaft, der nach dem Muster
+des genialen Spinoza, Marx und vieler anderer, die ohne nach
+der Anerkennung der Öffentlichkeit zu lauern, in stillem
+Kämmerlein ihre Werke schufen. [#]_ Es gab aber auch Eintagsgrößen,
+die sich kaum von Charlatanen unterschieden.
+Maezene und Volksfreunde hat es unter den Juden gegeben,
+die ihr Vermögen dem Fortschritt hingaben, ohne daß es
+die Menge erfuhr. Keine ideale Bewegung existiert, die nicht
+[pg 26]
+an den Juden reiche Förderer hat: für Frauenrechte, für
+Kinderschutz, für die Waisen, Arbeitslosen, Blinden etc.,
+die Bestrebungen für die Abstinenz, für Friedenspropaganda,
+für Vegetarismus, für alte Bühnenkünstler, für alle Künste,\ |_--_|\ der
+Jude hat seine Person, sein Ansehen und nicht zum
+mindesten sein Geld jederzeit guten und idealen Zwecken zur
+Verfügung gestellt.
+
+.. [#] So hat der auf dem Felde der Ehre gefallene jugendliche Komponist,
+ Kriegsfreiwilliger Walter :gesperrt:`Asch`, wie eine Münchener Zeitung meldet, in
+ allzu großer Bescheidenheit als seinen letzten Willen hinterlassen, daß
+ seine Werke nicht gedruckt werden dürfen.
+
+Der Jude, der so sehr für jeden sozialen Fortschritt zu
+haben war, der auf Grund alter historischer Gewohnheiten
+für den Ruhetag in der Arbeitswoche, für das Angestelltenrecht
+etc. eintrat, der sich stets für Freiheit einsetzte, wurde
+den Massen als Ausbeuter schlimmster Sorte, als soziales
+Hemmnis hingestellt. Vergeblich sein Eintreten für alle demokratischen
+Ideale, für individuelle Freiheit, für internationale
+Verständigung. Wie der wirtschaftliche Neid nicht
+nur den Blick trübt, sondern fast blind macht, sehen wir jetzt
+ja an den Engländern. Diese Gewaltsmacht, die so oft ganz
+real die Verhältnisse beurteilte, schilt die Deutschen Barbaren,
+während sie ihr Heer zusammensetzt und sich verbündet
+mit Hunderttausenden von Negern, Indiern, Zuaven,
+Tscherkessen, Kosaken, Kalmücken und allen schiffbrüchigen
+Existenzen der neuen und alten Welt. Dieses für Geld geworbene
+Analphabetengesindel soll das Vorkämpfertum der Kultur
+sein! Die Engländer, die am längsten den Sklavenhandel
+geduldet, nein gezüchtet hatten, die in Südafrika die Burenfrauen
+mordeten, in Ägypten die Verträge brachen und die
+Indier verhungern ließen, sind mit Recht als Heuchler an den
+Pranger gestellt worden. Bei den Franzosen gelten :gesperrt:`alle`
+Deutschen als Boches, als Verbrecher und als Schweine.\ |dots|
+Dieser Weltkrieg, an dem 10 Millionen Juden beteiligt sind
+und schwere Opfer bringen, darf nicht vorübergehen, ohne
+daß das von Antisemiten getragene absprechende Urteil über
+sie in Acht und Bann getan wird. Ein Urteil, das ebenso
+unberechtigt ist wie das der Entente-Mächte über die Deutschen.
+[pg 27]
+Nicht nur, weil ein prächtiges Kaiserwort das gehässige
+Treiben der Rassen- und Religionsschnüffler für die
+Dauer des Krieges unterband, sondern weil Deutschland und
+die Welt einsehen muß, daß die Behauptung der Minderwertigkeit
+Andersgearteter allzuoft nur eine billige, überall
+gehandhabte Waffe des :gesperrt:`Neides` ist.
+
+.. vspace:: 2
+
+Und so unterstreichen wir nochmals die Tatsache:
+
+.. vspace:: 2
+
+Daß der Jude am Gemeinwohl, am Fortschritt, an der
+Entwicklung Deutschlands freudig teilgenommen hat, kann
+kein objektiv denkender Mensch bestreiten. Ob er als Bürgermeister
+von Posen [#]_ oder als Stadtrat von Berlin [#]_ oder
+Frankfurt, oder im Ehrenamt, oder als Wähler einer Gemeinde
+seine Pflicht erfüllen konnte,\ |_--_|\ als der Abkömmling
+einer alten Kulturrasse interessierte ihn alles öffentliche
+Leben. Die Städte, in denen die Juden seit langem wohnen
+und eine gewichtige Stimme haben, sind nicht schlecht damit
+gefahren. Das reiche Frankfurt blüht, Nürnberg, Fürth entwickeln
+sich überaus rasch, Hamburg gedeiht.
+
+Die neueste Wissenschaft hat den Juden mehr Gerechtigkeit
+widerfahren lassen. :gesperrt:`Sombarts` Arbeiten zeigten die
+Bedeutung der Juden. Es ist ziemlich gleichgültig, ob die
+Juden Handel und Wandel in die Orte bringen, wohin sie
+kommen, oder ob sie ihn mit zur Blüte bringen. Jedenfalls
+ist dort Entwicklung, wo sie unbedrückt leben können.
+
+.. [#] Witting (Witkowski).
+
+.. [#] \z. |nbs| B. Cassel.
+
+.. vspace:: 2
+
+Außerdem hat eine ziemlich starke Verschmelzung des
+Adels mit der deutsch-jüdischen Geldaristokratie, die übrigens
+auch ca. 100 geadelte Familien zählt, stattgefunden.
+Ebenso ist in den besten bürgerlichen Kreisen vielfach eine
+Vermischung eingetreten. Solchen Familien entstammte z. |nbs| B.
+Dernburg, der bekannte Kolonialpolitiker, Heyse, der Schriftsteller,
+[pg 28]
+der Admiral Bendemann, andere führende Männer
+sind mit Jüdinnen verheiratet. [#]_
+
+.. [#] So sind z. |nbs| B. die Nachkommen der bekannten jüdischen Gelddynastien
+ Gumpert und Heine aus Hamburg mit dem deutschen und internationalen
+ Hochadel verschwägert, ebenso wie die als Rennstallbesitzer geschätzten
+ v. Oppenheimer aus Köln, v. Weinberg aus Frankfurt, die Bernstein-Becker
+ aus Königsberg, v. Hirsch-Gereuth aus München. Ursprünglich jüdisch
+ waren folgende nobilitierte Familien: v. Ukro, v. Oppenfeld, _`v. Renard,`
+ v. Moßner, v. _`Schwanenfeld`, v. Halle, v. Löwenthal u. |nbs| a.
+
+_`Die Juden im Kriege`.
+-----------------------
+
+Obwohl nachweislich viele jüdische Burschenschafter für
+das schwarz-rot-goldene Band gekämpft und gelitten hatten,
+obwohl in der Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne jüdische
+Burschenschafter an der Spitze der Verbindungen standen,
+erklärte 50 Jahre später der Weidhofener Verband der
+deutsch-österreichischen Burschenschaften alle Juden insgesamt
+für jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die
+Satisfaktion, also auch denen, die bis kurz vorher als alte
+Herren dem Verband angehört hatten. Dieselbe Überhebung,
+die ein anderer großer studentischer Verband zeigte, als er
+Naumann und andere höchst ehrenwerte deutsche Politiker
+wegen ‚sozialistischer‘ Tendenzen ausstieß, veranlaßte
+geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch und
+Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt
+die Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdächtigung uns
+nach. Auch dem jüdischen Soldaten.
+
+Der Jude hat sich als Soldat bewährt. In allen Kämpfen
+der letzten Jahre haben sich Juden bewährt. Die Bulgaren
+und Türken haben sie im vorletzten Krieg vielfach gerühmt.
+Selbst im antisemitischen Rumänien ist ein jüdischer Oberst
+(Brociner), der sich im Krieg 1878 auszeichnete, der Kommandeur
+der Leibgarde und des Königl. Schlosses. In Österreich
+sind Juden kommandierende Generale, in Italien war
+[pg 29]
+der frühere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon
+hatte jüdische Heerführer.
+
+In den deutschen Freiheitskämpfen gab es viele freiwillige
+jüdische Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch
+den Offiziersrang. Auch später konnten Juden, hauptsächlich
+anno 1870, Offiziere werden; aktive Offiziere standen
+nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier hauptsächlich
+Reserveoffiziere und aktive Militärärzte, ein Jude brachte es
+einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major. [#]_
+
+.. [#] In Bayern gibt es jetzt aktive jüdische Majore und Oberstabsärzte,
+ erstere etwa fünf, von letzteren, soviel bekannt wurde, sieben. In Österreich
+ haben sich Juden als Generale ausgezeichnet; aktive Offiziere gibt
+ es einige Hundert. Nach Bloch's „Österreichische Israel. Wochenschrift“
+ haben sehr viele während des jetzigen Krieges ein glänzendes Avancement
+ erfahren. Eine soeben erschienene Broschüre Ludwig Geiger's „Deutsche
+ Juden und der Krieg“, die mir bei der Korrektur vorliegt, bringt genauere
+ Zahlen über die Beteiligung der deutschen Juden an den Kriegen des
+ XIX. Jahrhunderts. Hardenberg anerkannte danach schon am 4. 1. 1815:
+ „Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer
+ Mitbürger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes
+ und der rühmlichen Verachtung der Todesgefahr aufzuweisen, sowie
+ die Einwohner Berlins, namentlich auch die Frauen, in Opfern jeder Art
+ sich den Christen angeschlossen haben.“
+
+ Eine Denkschrift der Regierung Preußens vom Jahre 1847 ermittelte
+ das Verhalten der Juden als Soldaten und stellte fest, daß die Juden in den
+ Freiheitskriegen wie im Frieden den übrigen Truppen nicht nachstanden.
+
+Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure
+auf den Standpunkt, den einmal der leider auf dem
+Felde gefallene Hauptmann von Treskow also präzisierte:
+„Wenn wir die Juden prinzipiell nicht befördern, dürften
+wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen“. Nach
+Schätzungen werden jetzt über 900 Juden als Offiziere, ungerechnet
+die Militärärzte, im Felde stehen. Viele sind wegen
+besonderer Tüchtigkeit befördert worden, das „Hamburger
+Israel. Familienblatt“ stellte schon über 20 Träger des Eisernen
+Kreuzes I. Klasse fest (z. |nbs| B. der Flieger Frankl, der
+Reichstagsabgeordnete Haas), darunter waren alle Waffengattungen
+vertreten. Auch bei der Marine und in den
+[pg 30]
+Schutztruppen haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem
+Kriege werden die Ziffern insgesamt zur Verfügung stehen.
+Das in Breslau erscheinende „Jüdische Volksblatt“ hat die
+Namen veröffentlicht, die bestimmt dem Judentum angehören.
+Darnach haben bis zum Herbst 1915 knapp 5000 Juden
+(also fast 1% der gesamten deutschen Judenheit!) das
+Eiserne Kreuz erhalten, von über 3000 Juden konnte namentlich
+festgestellt werden, daß sie den Heldentod fürs Vaterland
+gefunden. Leider kann diese wöchentliche Zusammenstellung
+nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
+Da die jüdische Jugend, soweit sie nicht gedient hatte, gleich
+zu Beginn des Feldzuges freiwillig in großer Zahl (|--| |nbs| es
+wäre sehr interessant, wenn die Heeresverwaltung diese
+Ziffer veröffentlichen würde |nbs| |--|) sich stellte, sind die Verluste
+sehr stark. [#]_ In allen jüdischen Jugendvereinen wird
+diese Tatsache festgestellt. So ist z. |nbs| B. in der jüdischen Turnerschaft
+eine Kriegssterblichkeit, die sich in den einzelnen
+Untervereinen bis 33% der _`Mannschaften` (wie z. |nbs| B. bei dem
+Ruderklub ‚Ivria‘) stellt. Die meisten Turn- und Sportvereine
+der jüdischen Turnerschaft mußten zu Beginn des Krieges
+ihren Betrieb aufgeben, da alle Mitglieder zu den Fahnen
+eilten.
+
+.. [#] Die „Leipziger Neuesten Nachrichten“ konstatierten, daß die in
+ Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher Staatsangehörigkeit, in
+ großer Zahl freiwillig zu den Fahnen eilten.
+
+Die Mitglieder der jüdischen studentischen Verbindungen
+stellten gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern
+des K. C. (Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell
+jüdischer Verbindungen) rückten fast alle aus; ein Drittel
+davon als Kriegsfreiwillige. Sehr zahlreich war auch die
+Beteiligung freiwilliger jüdischer Ärzte. Nach einer Statistik
+beträgt die Verlustliste bei den jüdischen Ärzten schon
+über Hundert. Auch der jüdische Arzt hat an der Front
+und im Seuchenlazarett seinen Posten ausgefüllt.
+
+[pg 31]
+
+Der tapfere jüdische Soldat und Offizier verschwindet
+oft in der Menge. So glaubte man z. |nbs| B. allgemein nicht,
+daß der einzige Soldat, der bei meinem Regiment das Eiserne
+Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besaß, ein Jude war (der
+später als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an
+einer jüdischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp
+bis zum Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die
+Tüchtigkeit des jüdischen Vorgesetzten und Soldaten von
+hohen Offizieren anerkannt worden. Exempla docent. Die
+überaus große Zahl von Beförderungen, Dekorationen etc.,
+über die sich jeder, namentlich z. |nbs| B. im „Hamburger Israelitischen
+Familienblatt“ informieren kann, gibt die beste Gewähr.
+Der österreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit
+genommen, sich dahin auszusprechen, daß der persönliche
+Mut und die Zuverlässigkeit des jüdischen Soldaten
+durch diesen Krieg aufs neue bewiesen wurden. [#]_
+
+.. [#] Überall ist die Tapferkeit der Juden anerkannt worden.
+
+ Prinz Fuad, der Flügeladjutant des türkischen Sultans, hat dem
+ offiziellen ungarischen Pressevertreter folgende Erklärung abgegeben (in
+ der deutschen Presse im Jüd. Echo, München, Nr. 27, 1915, wiedergegeben):
+
+ „Die jüdische Legion, welche auf den Dardanellen operiert, verrichtet
+ wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein türkischer Jude, bekam
+ den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung. In den übrigen Militärteilen
+ kämpfen die Juden mit andern zusammen ausgezeichnet. Die türkischen
+ Militärbehörden machen daher keinen Unterschied zwischen jüdischen und
+ nichtjüdischen Soldaten. Das Gleiche kann hinsichtlich der jüdischen Zivilbevölkerung
+ gesagt werden, welche im jetzigen schweren Moment opferwillig
+ dem Lande hilft, soviel sie nur vermag. Die jüdischen Bestrebungen
+ in Palästina sind gut bekannt; niemand zweifelt an dem Patriotismus
+ der türkischen Juden“.
+
+ Und Gustav Hervé sagt über die viel geschmähten russischen Juden\ |_--_|\
+ welche ein eignes Regiment gebildet hatten und in den erbitterten
+ Frühjahrskämpfen bei Arras fielen\ |_--_|\ bei Gelegenheit der Veröffentlichung
+ von Briefen gefallener Juden der jüdischen Fremdenlegion:
+
+ „Held Litwak\ |_--_|\ du, dessen herrlicher Brief, geschrieben am Tag
+ deines ruhmvollen Todes bei Carency an der Seite von 2000 Mitjuden, ich
+ unlängst abgedruckt habe, vergib diesen armen Sergeanten, die euch
+ monatelang als schmutzige Judenbuben und ähnlich beschimpft haben\ |_--_|\
+ euch, die ohne dazu verpflichtet zu sein, in einem Augenblick edler
+ Begeisterung euer Blut großmütig an Frankreich dahingegeben habt, das
+ in euren Augen das Sinnbild aller Freiheit und sittlichen Größe war.“\ |dots|
+ Und das beste Zeichen, wie sehr die Juden freiwillig für die Freiheit _`zu`
+ kämpfen wissen, daß gerade die Anführer der polnischen Legionisten fast
+ durchwegs Juden sind: Nach dem Jüd. Echo (Nr. 31, 1914, München) ist
+ der Vorsitzende des Polnischen Nationalen Hauptkomités und der Legionen
+ ein Jude namens Mosche Scherer und ebenso eine ganze Anzahl von Führern
+ der Legion.
+
+Ebenso wie der sozialdemokratische wurde auch der
+jüdische Soldat endlich einmal von den Meisten vorurteilsfrei
+betrachtet und bewertet. Natürlich gibt es auch Fälle,
+[pg 32]
+wo sich Vorgesetzte noch nicht in den Gedanken der Gleichwertigkeit
+„solcher Elemente“ hineinleben konnten.
+
+Die ungeheure sozialdemokratische Begeisterung ist
+nicht zuletzt das Produkt der so oft geschmähten „inter“-nationalen
+Denkweise jüdischer Führer, mit der man früher
+alles Unrecht gegen Juden deckte und erklärte. Die Führer
+haben ihren Patriotismus nicht nur durch billige Phrasen
+dokumentiert, sie sind nicht wie andere Sozialistenführer à la
+Vandervelde als Wanderredner durch die Lande gefahren, um
+die Menschen aufzuwiegeln, haben à la Hervé billige blutrünstige
+Artikel geschrieben oder sich als Leutnants, wie
+D'Annunzio, zu Hause wichtig gemacht. Der Jude :gesperrt:`Ludwig
+Frank` [#]_, _`vielleicht` der fähigste Kopf in der sozialdemokratischen
+Partei, trat als einfacher Soldat in Reih und Glied
+und fiel\ |_--_|\ wie er es wünschte\ |_--_|\ als ein einfaches, aber
+schönes Beispiel treuer Vaterlandsliebe.
+
+.. [#] Der bekannte Genosse Davidsohn „nur“ zweimal verwundet, nunmehr
+ Offizierstellvertreter.
+
+Aber nun kam, was nicht kommen durfte. Man hat in
+vielen Zeitungen über den Mannheimer, über den Rechtsanwalt,
+über den Sozialdemokraten Frank geschrieben. Man hat
+bewiesen, daß ein Sozialdemokrat patriotisch sein könne.
+Daß er aber ein Jude war, diese Tatsache wurde nach Möglichkeit
+verschwiegen.\ |_--_|\ Nicht zum Beweis der Tapferkeit
+und der Vaterlandsliebe wollen wir Frank als Juden registrieren.
+Es liegt eigentlich eine unglaubliche Verworfenheit
+des Charakters vor, wenn jemand von einer kulturell so
+[pg 33]
+hochstehenden Rasse wie der jüdischen, von der Tausende
+im öffentlichen Leben wirken, welche alle Kulturstätten deutscher
+und anderer Bildung genossen haben, annehmen könnte,
+daß Mannesehre und Würde bei ihnen nicht zu finden wäre.
+
+Daß man bei allen Nachrufen aber sichtlich vergessen
+wollte, zu erwähnen, daß der erste deutsche Volksführer,
+welcher mit seinem Tode die Treue zur Heimat und zum
+Staate besiegelte, ein Jude war, ist keine erfreuliche Erscheinung. [#]_
+Ebensowenig wie die Tatsache, daß die Dichter
+[pg 34]
+des großen Krieges, die zuerst verwendet wurden und
+starben, Juden waren. Wir nennen nur :gesperrt:`Zuckermann`,
+der das wundersame österreichische Reiterlied empfand, und
+:gesperrt:`Heymann`, den jungen Königsberger Lyriker, sowie den
+Schlesier Georg :gesperrt:`Hecht`. Man hat so oft über die billige
+Poesie, wie sie Literaten hinterm Schreibtisch gewinnsüchtig
+betreiben, gespottet. Zuckermann, Heymann, Georg Hecht.
+:gesperrt:`Ich kannte die glühende Begeisterung, die
+sie mit dem Leben zahlten.`
+
+.. |Rahmen| image:: images/bar.png
+ :align: middle
+ :width: 100%
+ :height: 1em
+ :alt: ___________________________________________
+
+.. |Rahmen1| image:: images/bar.png
+ :align: middle
+ :height: 1em
+ :width: 38%
+ :alt: _________________
+
+.. |Verdienstkreuz| image:: images/kreuz.png
+ :align: middle
+ :width: 10%
+ :alt: [Verdienstkreuz]
+
+.. [#] Dagegen unterstreichen z. |nbs| B. die deutsch völkischen Blätter hämisch,
+ daß Haase, welcher den verunglückten Aufruf veranlaßte, :gesperrt:`Jude` sei, was
+ man zu Kriegsbeginn, als er noch in minder unsympathischem Fahrwasser
+ segelte, sorgsam unterließ, bei ihm zu erwähnen.
+
+ Eine typische Todesanzeige für einen aktiven jüdischen Offizier mag
+ hier folgen:
+
+ .. vspace:: 2
+
+ .. class:: center
+
+ |Rahmen1| |nbs| |Verdienstkreuz| |nbs| |Rahmen1|
+
+ Gestern Abend um ½9 Uhr verschied in der Medizinischen
+ Klinik des Bürgerspitals zu Straßburg
+
+ .. role:: gross
+ :class: large bold
+
+ .. role:: grosser
+ :class: x-large bold
+
+ .. role:: amgrossten
+ :class: xx-large bold
+
+ :grosser:`Herr Major` \ \ :amgrossten:`Max Hollerbaum`
+
+ .. class:: bold
+
+ Kommandeur des B. Landsturm-Infanterie-Bataillons Passau II
+ Ritter d. Eisernen Kreuzes, d. K. B. Militär-Verdienstordens usw.
+
+ Das Bataillon steht in tiefer Trauer an der Bahre seines
+ ersten Kommandeurs.
+
+ Durch und durch Soldat, ein vornehmer, ritterlicher, zuverlässiger
+ Charakter, durch Willenskraft und warmherziges Wohlwollen gleichmäßig
+ ausgezeichnet, war er uns allen vorbildlich auch durch den
+ Heroismus, den er im Kampfe gegen ein langwieriges, schweres Leiden
+ bis zuletzt bewahrt hat. Es war ihm nicht vergönnt, wie an dem
+ Kriege um die Gründung des Reichs so an dem um seine Behauptung
+ bis zum ehrenvollen Abschluß teilzunehmen. Aber er hat Treue bis zum
+ Tode gehalten, und sein Gedächtnis wird in hohen Ehren bleiben.
+
+ Am 27. September 1915.
+
+ :gross:`Für das Landsturm-Infanterie-Bataillon Passau II`
+
+ | I. V.: **Hauptmann Freiherr von Pechmann.**
+
+ .. class:: center
+
+ |Rahmen|
+
+ .. vspace:: 2
+
+ Anschließend mag noch bemerkt werden, daß Major Hollerbaum
+ nicht der einzige aktive jüdische Offizier in der bayerischen Armee war.
+ Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien nur einige
+ namentlich genannt: Der alte bayerische Kürassiergeneral Carl Ritter
+ \v. Obermayer, Major Isidor Marx (Vater) und Major Maximilian Marx (Sohn),
+ die Majore Orfenau, Friedmann, Henle u. |nbs| a. Außerdem gab und gibt es viele
+ jüdische aktive Sanitätsoffiziere, Militärbeamte und auch untere Chargen.
+
+Wie aber war die Haltung der jüdischen Bevölkerung
+vor dem Ausbruch des Krieges? Die Juden haben sich in
+allem überaus würdig benommen. Daß sie als Kaufleute und
+Bankiers usw. nicht wie die Militärs beständig sich um die
+Militärangelegenheiten bekümmerten, ist selbstverständlich.
+Das berühmte „jüdische :gesperrt:`internationale` Großkapital“,
+von dem soviel gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten.
+Die jüdischen Bankiers und die jüdischen Kaufleute benahmen
+sich nicht anders wie die andern Schichten der Bevölkerung.
+Ruhig und ernst, wie es der Situation entsprach, als
+ihre Söhne entweder freiwillig oder als Militärpflichtige hinauszogen.
+Reiche Gaben und Spenden flossen allen Instituten
+von ihnen zu. Und was in der Heimat geleistet werden
+konnte, wurde getan. Männer wie Ballin, Rathenau, Riesser
+ruhten im Kriege nicht. Es ist noch nicht die Zeit, ihrer Verdienste
+für die Volksernährung, für die Munitionsergänzung
+_`und anderer Dinge zu gedenken.` [#]_
+
+.. [#] Otto v. Gottberg, die offiziöse Feder unseres Kriegsministeriums,
+ schreibt in einem Artikel „D. K. R. A.“ über Rathenau: „Er kam ohne
+ Ruf und Amt, ein Deutscher in Sorge um das Vaterland. Wie wenige
+ ein Kenner unserer Wirtschaft, fühlte Dr. Walter Rathenau, daß Deutschland
+ einen längeren Krieg siegreich nur dann überstehen könne, wenn der
+ Staat ohne Säumen zu organisiertem Sammeln, Sparen und Mehren der für
+ die Kriegführung nötigen Stoffe schritt. Der Kriegsminister sah den Mann,
+ den er gesucht hatte. Sankt Bureaukratius schlug wohl unter Protest
+ die Hände über dem Kopf zusammen, als der General den Zivilisten, Doktor
+ und Ingenieur mit höflicher Geste beim Kragen nahm und im Allerheiligsten
+ der Heeresverwaltung in einen Stuhl setzte mit dem Auftrag,
+ die Kriegs-Rohstoff-Abteilung _`ins Leben zu rufen.`\ “
+
+ Die Art, wie Rathenau die Aufgabe in achtmonatlichem Wirken löste,
+ sichert ihm einen Ehrenplatz _`in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.`
+ [pg 35]
+
+
+Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine
+zu geringe Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen
+Gründen oder aus Laune Junggesellen; die vielen Spätehen
+der akademischen Kreise und der Kaufleute bedingten einen
+hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die Kinder haben,
+begnügen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit,
+welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen
+hat, wird der Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er
+rächt die Beschränkung der Kinderzahl.
+
+Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwächte
+deutsche Judenheit weiß, daß dieses elementare
+Ereignis ihre Reihen noch mehr lichten wird. Alte Familien
+werden durch den Krieg erlöschen, die deutsche Judenheit
+wird unendlich geschwächt und in ihrer Existenz erschüttert
+aus dem Kriege hervorgehen.
+
+Die jüdische Jugend zahlte gern die Teilnahme an
+der deutschen Kulturgemeinschaft mit dem Tode.
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 36]
+
+|KapLinO| _`Juden im Ausland`.
+==============================
+
+
+Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien
+hat nur 40000, Frankreich 120000, England nicht ganz
+300000, also alle drei Länder zusammen nicht viel mehr als
+Preußen. In der englischen Regierung saß vor 35 Jahren
+ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck
+eine Verständigung der beiden Länder herbeiführte. Heute
+hat im britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille,
+das des Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten
+eine Stimme hat.
+
+In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften
+italienischen Juden und einer englischen Christin.
+Außerdem ist in Italien der Finanzminister Luzzatti Jude,
+der sich ursprünglich gegen den Krieg aussprach. [#]_ Das
+judenreinste Kabinett Rußlands trägt die Hauptverantwortung
+für diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am
+wenigsten zu sagen haben, hat am stärksten zum Kampf gedrängt.
+
+.. [#] Die Abkunft Barzilais' ist übrigens nicht sicher auf Juden zurückzuführen.
+
+In England lag die Entscheidung ausschließlich bei
+wenigen Nichtjuden. Bedeutende englische Juden hatten
+sich gerade in den letzten Jahren für eine gegenseitige Annäherung
+Deutschlands und Englands bemüht, weil sie instinktiv
+_`die Entfremdung der Länder bemerkten.` [#]_ Als der
+[pg 37]
+Krieg begann, legten Sir Cassel und Sir Speyer ihre Würden
+nieder.
+
+.. [#] Dafür hat Ernst Cassel Millionen gespendet, die er dem Kaiser
+ übermittelte; der einzige Engländer, der sich die Freundschaft der beiden
+ Länder etwas kosten ließ und sich ernsthaft darum bemühte.
+
+In Frankreich war das Kabinett wie in Rußland und
+Serbien „judenrein“. Die Juden an der Pariser Börse haben
+wahrlich keinen Krieg inszeniert. Als der Krieg aber ein
+fait accompli geworden war, haben einzelne frühere Deutsche
+resp. Elsässer in Frankreich und England aus der Angst
+für ihre Existenz unsympathische Kundgebungen erlassen.
+Ob sich darunter viele Juden befanden, weiß ich nicht. Ich
+konnte es nicht erfahren. Der berüchtigte Obermacher der
+Bethlehem Steel Company, :gesperrt:`Schwab` in Amerika, welcher
+wohl der anrüchigste Typ des Renegaten ist, stammt von
+württembergischen Eltern, ist nicht, wie deutsche antisemitische
+Blätter verleumderisch behaupten, ein Jude. Er ist
+vielmehr der Nachkomme eines Pfarrers.
+
+Wenn in einem Staate eine ziffernmäßig einflußreiche
+jüdische Volkschaft war, die sich für den Frieden hätte einsetzen
+können, so wäre es die Rußlands gewesen. An sieben
+Millionen Menschen, die aber in der Duma nur durch :gesperrt:`einen`
+Abgeordneten vertreten sind. (Auf diese Juden werden wir
+noch später zu sprechen kommen.) Sie waren vollkommen
+machtlos.
+
+Der Jude ist nicht, wie das alte, aber abgeschmackte
+Märlein der Antisemiten es will, der Brandzünder des Weltkrieges
+gewesen. Er war ein Freund des Friedens. Er
+würde als Kriegshetzer auch am allermeisten gegen sein
+Interesse handeln. Der Beamte wird im Krieg durch den
+Staat hinreichend ökonomisch geschützt, der Bauer findet
+nach dem Kriege immer seinen Grund und Boden wieder.
+Der Jude aber als Kaufmann hat durch die Unterbindung
+des Außenhandels enorm verloren. Bei einer großen Zahl
+der jüdischen Firmen ist mit einem Schlage der Lohn arbeitsvoller
+Jahre dahin gewesen. Und nach dem Kriege wird es
+auch für sie des größten Fleißes bedürfen, um nur annähernd
+[pg 38]
+das wieder zu erreichen, was man vorher an Wirtschaftsbeziehungen
+besaß.
+
+Am meisten unter allen Völkern haben die :gesperrt:`Juden in
+Österreich` gelitten. Die Besetzung Galiziens und der
+Bukowina stürzte 800000 Juden ins Unglück. Der ruthenische
+oder polnische Bauer wurde von der russischen Regierung
+mit aller Schonung behandelt. Gegen den Juden
+ist man jedoch mit aller Niedertracht verfahren, die man
+sich denken kann. Der Bauer hat sein Heim, seine Ernte,
+seinen Verdienst behalten. Der galizische Jude ist |nbs| |--|, wenn
+er nicht gar nach Sibirien transportiert wurde,\ |_--_|\ zum armseligen
+Bettler geworden. Sein Haus, seine Ware, sein Geld
+vernichtet, er selbst brotlos und heimatlos. Man lese darüber
+das Buch Segels „Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen
+Volkes“ [#]_\ |_--_|\ und man wird das Gruseln dabei lernen.
+
+.. [#] Verlag Stilke, Berlin 1915.
+
+.. vspace:: 2
+
+Eines der auch amtlich nachgewiesenen Ereignisse
+möchte ich hier zur Probe nach der Schilderung Benjamin
+Segels wiedergeben:
+
+„Im 16. Jahrhundert pflegten sich die Kosaken im
+Kampfe gegen Polen eines von den Tataren entlehnten
+Kriegsmittels zu bedienen: wenn sie eine Festung stürmten,
+trieben sie mit Lanzenstichen und Gewehrfeuer Gefangene
+vor, die Säcke voll Erde auf den Schultern trugen und
+unter dem Kugelregen ihrer eigenen belagerten Landsleute
+die Laufgräben um die Festung ausfüllen mußten, wobei sie
+unter der Last begraben wurden. Diese unmenschliche Sitte
+ist aus dem Kriege zwischen zivilisierten Völkern verschwunden.
+Die Japaner haben nur oftmals gegen die russische
+Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer
+auffingen. Die Russen aber haben in Galizien aufs neue
+den Brauch eingeführt, Menschen, wehrlose Menschen zu
+diesem Zwecke zu gebrauchen. Nicht etwa Gefangene, sondern
+[pg 39]
+Nichtkämpfer, Greise, Frauen und Kinder. Vor :gesperrt:`Nadworna`
+im Südosten Galiziens geschah das Furchtbare.
+Die Russen brachten :gesperrt:`eintausendfünfhundert jüdische`
+Familien zusammen und trieben sie vor die österreichische
+Front, während sie selber hinterdrein vorrückten.
+
+Die menschliche Sprache hat keine Worte, um das Grausame
+dieser Untat auch nur annähernd zu kennzeichnen.“\ |_--_|\
+
+Bekannt sind die Befehle russischer Kommandanten, von
+denen ich z. |nbs| B. den des Etappenkommandeurs von Krosna,
+vom 10. März, wiedergebe:
+
+„Für jeden Fall, in dem die deutsche oder österreichische
+Regierung jemanden aus der nichtjüdischen Bevölkerung bestraft,
+sind die Juden verantwortlich. Zu diesem Zweck
+werden jüdische Geiseln mitgenommen und für jeden Nichtjuden
+wird man zwei Juden umbringen.“
+
+Das Stockholmer Blatt „Sozialdemokraten“ konstatierte:
+Jeder russische General, der eine Niederlage erleidet, schiebt
+die Schuld einfach auf\ |_--_|\ die Juden in dem Gebiete, wo er ist.
+Die Juden wurden zu Zehntausenden ausgewiesen: auf lose
+Angebereien wurden sie erschossen und erhängt.
+
+.. vspace:: 2
+
+Und in :gesperrt:`Rußland`? Die russischen Juden dürfen, das
+ist in Deutschland kaum bekannt, nur in den westlichen polnischen,
+litauischen und bessarabischen Provinzen Rußlands
+wohnen und auch hier nicht auf dem Lande, sondern nur in
+den Städten. Sie sind vom Ackerbau abgeschlossen, Bodenerwerb
+ist ihnen streng untersagt. Künstlich hat die russische
+Regierung alle modernen Bildungsbestrebungen verboten,
+alle freiheitlichen Regungen unterdrückt, die idealistische
+Jugend, die ihre Glaubensgenossen organisieren
+wollten, die für irgend einen Fortschritt kämpften, gefangen
+gesetzt. Tausende gerade der Fähigsten sind ausgewandert.
+Amerika nahm allein 2 Millionen dieser unfreiwilligen Emigranten
+auf. Was blieb, ist ein Torso. Die ständigen Judengesetze
+[pg 40]
+und Verordnungen treiben willkürlich die Juden in
+gewissen Städten zusammen. So hat das Jahr 1882 eine maßlose
+Überfüllung des Ansiedlungsrayons hervorgerufen. Das
+polnisch-jüdische Ghetto ist ein modernes Kunstprodukt, wofür
+die russische Regierung verantwortlich zeichnet. Mit
+Gewalt hält die Obrigkeit die jüdische Bevölkerung in Armut,
+hindert jede hygienische Regung und verbietet alle
+geistigen Bestrebungen. Es ist unmöglich, daß die Verhältnisse
+anders sind, als wir sie antreffen, und das antisemitisch
+absprechende Urteil berücksichtigt nicht, daß es sich um
+ein Volk handelt, das in allem geknebelt und entrechtet ist.
+Der Krieg, der sich im Westen Rußlands abspielt, hat naturgemäß
+die Juden am stärksten betroffen.
+
+Hunderte jüdischer Gemeinden sind zertreten. Ich habe
+selbst viele in Polen sowie nördlich der Weichsel und besonders
+im Gouvernement Kowno, sowie in Kurland gesehen.
+
+Über die Lage der Juden in Rußland informiert das
+Büchlein von Kurt :gesperrt:`Aram`: Der Zar und seine Juden [#]_
+(„Das jüdische Elend in Warschau ist doch noch
+viel gräßlicher als alles andere, was ich sah.“) Und
+Dr. Claus schreibt im Russenheft der Süddeutschen Monatshefte:
+„Schon in Friedenszeiten war das Elend unter den
+Juden groß; wer einmal einen Einblick in die Ghetti Warschaus
+oder einer litauischen Stadt getan hat, wird das Bild
+des Grauens so leicht nicht los.“
+
+.. [#] Verlag Ullstein, Berlin.
+
+Ich will nicht eingehend über all das Grauenhafte schreiben,
+was selbst die russische Zensur in ihren Blättern bringen
+ließ. Einwandsfreie nichtjüdische Abgeordnete haben
+in den denkwürdigen Dumatagen des August das tragische
+Geschick des jüdischen Volkes, das von der Regierung zu
+allen Zeiten als Blitzableiter dienen mußte, gekennzeichnet.
+[pg 41]
+Geben wir der „Guerre Sociale“, dem bundesgenössischen
+Blatt, darüber das Wort:
+
+„Das österreichische wie das russische Polen ist von
+Polen und Juden bewohnt. Was hat man getan, um z. |nbs| B.
+die Juden für die Sache der Verbündeten zu gewinnen?
+Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en bloc
+in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn
+alles das, was amerikanische Blätter über die den
+Juden seit Kriegsbeginn zuteil gewordene :gesperrt:`schmachvolle
+Behandlung` mitteilen, wahr ist, wie kann Rußland
+dann für sie etwas anderes sein, als ein :gesperrt:`Land des
+Schreckens und der Schande`, wo ihre verfolgte
+Rasse den Becher bis zur Neige geleert hat.“
+
+Und nochmals die „Guerre Sociale“ (Gustav Hervé):
+„Mir kommt nicht zu, in diesem Augenblick, wo das befreundete
+und verbündete Rußland schmerzliche Stunden
+durchlebt, davon zu erzählen, wie es viel zu lange die Juden
+behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren
+sie im Mittelalter behandelt haben.“
+
+Und schließen wir mit den mutigen Worten des jüdischen
+Dumadeputierten :gesperrt:`Friedmann`, den keine Angst
+vor Einkerkerung oder vor Sibirien abhalten konnte, nach
+allen vorliegenden Zeitungen u. |nbs| a. folgendes festzustellen:
+
+„Die Zeitungen registrierten eine ungeheure Menge jüdischer
+Kriegsfreiwilliger. Diese Freiwilligen sollten ihrem
+Bildungsgrad nach Anspruch auf Offiziersrang haben, aber
+sie wußten ganz gut, daß sie als Juden den Offiziersrang
+nicht bekamen. Trotzdem zogen sie in den Krieg.
+
+Zahlreiche jüdische Studenten kamen aus dem Ausland
+und gingen an die Front. Die Juden zuhause bauten Lazarette,
+spendeten viel Geld und brachten verhältnismäßig
+:gesperrt:`weit größere Opfer als andere Nationen`.
+
+Viele jüdische Soldaten bekamen auch das Georgskreuz.
+(Ich habe selbst verschiedene gesehen. Der Verf.) So war
+[pg 42]
+die Stimmung der Juden bei Kriegsausbruch. Aber wir dürfen
+nicht vergessen, daß im Polenland jüdisches Blut in
+starken Strömen fließt, und zum Unglück nicht nur von
+Feindeshand. Militärbehörden und Regierung brauchten
+Sündenböcke für ihre Mißerfolge. Man benutzt zu diesem
+Zweck die alte Firma, das ist der Jude. Kaum überschritt
+der Feind die Grenze, so verbreiteten sich Gerüchte, daß
+jüdisches Gold auf Aeroplanen, in Särgen und Eingeweiden
+von Gänsen zu den Deutschen floß. Die Legende wuchs,
+sie verbreitete sich dank der Agitation der Regierungsagenten
+und nahm schließlich ungeheure Dimensionen an.
+Den Juden gegenüber wurden unerhörte Maßnahmen angewendet
+und diese Maßnahmen, die vor den Augen der ganzen
+Bevölkerung vollzogen wurden, flößten derselben und
+der Armee das Gefühl ein, daß die Juden als schlimmste
+Feinde außerhalb des Gesetzes stehen. Zuerst wurden alle
+Juden aus Polen und Litauen ausgewiesen. :gesperrt:`Über eine
+Million` Menschen mußte den Bettelstab ergreifen. Verwundete
+jüdische Soldaten mit dem Georgskreuz wurden in
+Viehwagen und wirklich wie Vieh mit einem Frachtschein
+abtransportiert. Jüdinnen, deren Männer, Kinder und Brüder
+ihr Blut fürs Vaterland vergossen haben, wurden überall verfolgt.
+Eine andere harte Maßnahme war das Geiselnehmen.
+Es handelt sich hier um einen unerhörten Fall in der Weltgeschichte.
+Man nahm als Geiseln Staatsangehörige des
+eigenen Landes. Anders als eine Schmach kann man das
+nicht nennen.“
+
+Trotzdem Millionen nur Jiddisch verstehen, wurden in
+ganz Rußland die Korrespondenzen, Telefongespräche, Unterhaltungen
+auf der Straße in Jiddisch verboten und die
+Unglücklichen eingekerkert, die dagegen verstoßen mußten.
+
+Rußland erklärt, daß des Zaren „liebe“ Juden Freunde
+der Deutschen sind, daß sie denen zu Liebe spionieren, ja
+sogar auf die russischen Truppen schießen. Gewiß bestehen
+[pg 43]
+vielfach Sympathien für die Deutschen auf Seiten der russischen
+Juden, weil viele Deutsche zwar auch Antisemiten,
+aber doch nicht so grausame Feinde der Juden sind wie die
+Russen. Aber zwischen einigen Sentiments und zwischen
+der Äußerung irgendwelcher staatsfeindlicher Gefühle ist
+doch noch ein sehr weiter Sprung. Selbst die, welche sich
+darüber klar sind, daß ihnen die deutsche Regierung wegen
+des geringeren antisemitischen Druckes lieber wäre, wagen
+sicherlich nicht die geringste Tat. Sie wissen, daß sie als
+Juden schon :gesperrt:`ohne` allen Grund als Vaterlandsverräter gebrandmarkt
+sind, daß man ihnen über Schritt und Tritt nachforscht.
+Und sie hüten sich ängstlich vor jedem Verstoß.
+Wer die Psyche der Ostjuden kennt, weiß, daß es, abgesehen
+vom Hindu, keine friedlichere Bevölkerung gibt. In der
+strenggläubigen Bevölkerung sprechen dabei auch religiöse
+Auffassungen mit.
+
+.. vspace:: 2
+
+Was die russischen Juden den Deutschen so nahebringt,
+ist ihre Sprache und ihre Kultur. Wohin der deutsche Soldat
+in Rußland kommt, er nimmt sich immer den Juden vor,
+von dem er weiß, daß er Deutsch versteht, und daß er überhaupt
+nicht schwer von Begriff ist.
+
+Die deutsche Regierung, die Militärverwaltung hat überall
+gerne jüdische Mitarbeit gesucht und gefunden. Andererseits
+haben gerade die jüdischen Gemeinden in weitgehendster
+Weise die Not unter den Juden gelindert, sogar im
+armen Osten haben die jüdischen Religionsverbände ihre
+Angehörigen gestützt, und dem Staate damit seine Aufgabe
+erleichtert.
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 44]
+
+|KapLinO| _`Die Lehren des Krieges`.
+====================================
+
+Die Ergebnisse aus dem Kriege für das Verhältnis der
+deutschen Juden zum Reiche sind leicht zu ziehen. Wie im
+Frieden, so haben sich die Juden besonders in den schweren
+Zeiten der Stürme als gute Staatsbürger bewährt. Der Burgfriede
+hat es ermöglicht, daß die, welche durch lange Zeit
+als Soldaten II. Klasse und auch als mindere Staatsbürger
+behandelt worden waren, ihre Pflicht in vollem Maße taten
+und mehr als das. Wenn man die Zahl der jüdischen Kriegsfreiwilligen,
+die zum Heere strömten, zählen wird, dürfte
+mancher frühere Antisemit erstaunen. Soviel Liebe und Begeisterung
+für ein Vaterland, das seinen jüdischen Mitbürgern
+die Zeiten des Soldatenstands nicht zu den angenehmsten
+machte, kann nur bei einem Volke gefunden werden,
+das in seinem Kern ein loyales ist. Und die Juden waren
+und sind denn auch tatsächlich in England, in Frankreich, in
+Italien und Österreich, in den Vereinigten Staaten, in Holland
+etc. überall als ein unbedingt gut patriotisches Element
+bekannt.
+
+Wenn sich etwas aus den Lehren des Augenblicks für
+die Zukunft ergeben müßte, so ist es die Forderung der
+vollen Durchführung der Gleichberechtigung der jüdischen
+Staatsbürger in Deutschland. Wie sich in Österreich die
+Ungarn bewährten, wie die Polen und Elsässer und Dänen
+in unseren Heeren zum Erfolge beitrugen, so vor allem die
+Juden, die nie auf deutschem Boden ein eigenes Territorium
+[pg 45]
+zu gründen suchten, die nie in geschlossener Organisation
+irgend welchen staatlichen, sprachlichen oder kulturellen
+Bestrebungen der Deutschen im Frieden wie im Kriege eine
+Gegnerschaft aufboten.
+
+Der deutsche Jude hat keine nationale und religiöse
+Politik, die sich gegen die der andern Staatsbürger wenden
+kann. Es gibt keinen jüdischen Verein, der Deutschland
+liberal, demokratisch oder sozialistisch regiert haben will.
+Wohl aber gibt es jüdische Redakteure bei den Freikonservativen,
+bei den Nationalliberalen, bei den Volksparteilern
+und in der Arbeiterbewegung. Eine irgendwie einheitliche
+jüdische Politik gibt es in Deutschland nicht. Auch ihre
+religiösen Anschauungen stören niemanden.
+
+Nicht um Lohn zu finden, haben die Juden Seite an
+Seite mit allen anderen Deutschen gekämpft. Sie haben aber
+ein Anrecht, nicht um ihre Freiheit verkürzt zu werden. Es
+muß :gesperrt:`das` Schauspiel des Friedens aufhören, daß der Jude,
+sobald er getauft ist, Professor, Offizier, Staatsanwalt usw.
+werden kann. Diese :gesperrt:`Prämie auf das Renegatentum`
+ist nicht wert, in Friedenszeiten wiederzukehren.
+Deutschland darf keine antisemitische Politik betreiben, es
+würde sich sonst an das programmatisch antisemitische Rußland
+anlehnen. Es kann im Gegenteil auch nicht dem Ehrgefühl
+deutscher adliger Offiziere entsprechen, mit Männern
+eng verbunden zu sein, die sich ihrer Ahnen und Herkunft
+schämen. Es kann nicht die Auffassung der Hüterin des
+Rechts sein, daß Richter vorerst ihren Glauben abgeschworen
+haben müssen; es kann keine freie Wissenschaft sein,
+die das christliche Bekenntnis zur Voraussetzung hat.
+
+Deutschland, der nunmehrige Freund des :gesperrt:`Islam`,
+kann auch seine :gesperrt:`jüdische` Bevölkerung ihrer Religion
+nachgehen lassen, ohne dabei Schaden für seine christlichen
+Bewohner zu nehmen. Der Übertritt vom Judentum zum
+Christentum muß wieder öffentlich als das gebrandmarkt
+[pg 46]
+werden, was es in den weitaus meisten Fällen wirklich ist:
+als Streberei, Gesinnungsheuchelei, Religionsmißbrauch (alldieweil
+es keine „überzeugten“ Christen sind, die den Weg
+zum Taufbecken suchen und ihn so leicht finden.)
+
+Der Krieg hat dem elenden Religions- und Rassengezänk
+im Innern des Landes hoffentlich ein Ende bereitet,
+nach außen hin wird es noch genug Arbeit geben, um den
+Haß der Nationen, die Zwietracht, Rachsucht, Mißgunst
+langsam abebben zu lassen. Auf Jahrzehnte hinaus wird
+Deutschland genügend Feinde besitzen, es kann daher die
+Ruhe im Innern doppelt nötig brauchen.
+
+Soziale und biologische Probleme stellen sich in den
+Vordergrund. Die deutschen Juden haben der Großstadt
+und der Sucht, wirtschaftlich zu erstarken, bedeutende Opfer
+gebracht. Junggesellentum aus Vorliebe oder aus Not,
+weil die Familie ökonomisch eine bedeutsame Last ist,
+Kinderlosigkeit und Kinderarmut sind die Kennzeichen für
+die Entwicklung der heutigen deutschen Juden. Ich habe
+sie in den Büchern „\ :gesperrt:`Der Untergang der deutschen
+Juden`\ “ [#]_, \ „\ :gesperrt:`Das sterile Berlin`\ “ [#]_ und
+in der :gesperrt:`Preisschrift\ der Gesellschaft für
+Rassenhygiene` [#]_ des näheren dargelegt.
+
+.. [#] Verlag Reinhardt, München.
+
+.. [#] Verlag Marquardt, Groß-Lichterfelde.
+
+.. [#] Verlag Louis Lamm, Berlin C.
+
+Nun reißt der Krieg weite Lücken in ihre Reihen. Während
+Deutschland wächst, verkümmert der Anteil seiner
+Juden. :gesperrt:`Sombart` hat nachgewiesen, wie die Bürokratisierung
+der Banken, der Schwerindustrie usw. den jüdischen
+Einfluß hemmt. Dazu kommt die prozentual geringer werdende
+Beteiligung. Die hervorstechende ökonomische Macht
+der Juden weicht langsam, aber sicher von selbst.
+
+_`Eine` antisemitische Bewegung könnte höchstens wirtschaftlich
+wertvollen Kräften, die ohnedies abnehmen, Hindernisse
+[pg 47]
+bereiten, Unzufriedenheit in den jüdischen Kreisen
+säen und den Geist der Zwietracht verbreiten. Deutschland
+ist kein einheitlicher Staat, aufgebaut auf Grundlagen
+:gesperrt:`einer` Religion, :gesperrt:`einer` Rasse, :gesperrt:`einer` Staatsform. Es
+ist (ähnlich Amerika) die glückliche Synthese der verschiedensten
+Bevölkerungsschichten, die alle als deutsche Staatsbürger
+respektiert werden wollen. Glaubens- und Rassekämpfe
+müssen verflossenen Zeiten angehören. Wie traurig
+ist es, daß noch Millionen von Katholiken glauben, sich
+politisch vereinigen zu müssen, um entweder in ihren Rechten
+nicht geschwächt zu werden oder sich größeren Einfluß
+sichern zu können. Eine Vermischung von Religion und
+Politik. Sehen wir die Welfenpartei! Eine Gruppe, die nach
+fünfzig Jahren noch immer die Geschichte umwälzen, nochmals
+die staatlichen Zustände von 1866 herbeiführen wollte.
+Die Negation als Grundlage einer politischen Betätigung!
+
+Der große Krieg muß auch im Innern eine Reform bedingen.
+Er muß uns soweit einander näher gebracht haben,
+daß wir die volle politische und bürgerliche :gesperrt:`Gleichberechtigung`,
+die Freiheit des Individuums fürderhin
+nicht mehr einzelnen Klassen und Gemeinschaften rauben
+wollen. Neben den Sozialdemokraten sind es die Juden, die
+vornehmlich als treue Staatsbürger angesehen zu werden
+verlangen und hoffentlich es auch erreichen. Mag besonders
+die Ostmarkenpolitik, die antisemitisch bis in die Knochen,
+durch die mehr oder minder gewaltsame wirtschaftliche
+Vertreibung der jüdischen Handwerker und Kaufleute in
+den Städten Posens und der östlichen Provinzen den polnischen
+Mittelstand aufblühen ließ, ein deutliches _`Warnungszeichen`
+dafür sein, wie schädlich letzten Endes jede
+Hetzpolitik ist.
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 48]
+
+|KapLinO| _`Das Problem der Ostjuden`.
+======================================
+
+
+Es mag leicht sein, daß ein Friedensschluß dem Deutschen
+Reich neue polnische Gebiete bringt. Kein Element
+wird dann so leicht für das Deutschtum sprachlich und
+staatsbürgerlich zu gewinnen sein, wie das jüdische, das
+sich durch sechs bis sieben Jahrhunderte, seit es aus den
+Rheinlanden vertrieben wurde, die deutsche Mundart\ |_--_|\
+wenn auch in eigener Entwickelung\ |_--_|\ bewahrte. Viele der
+deutschen Soldaten dachten sich garnichts dabei, als sie
+in allen Städten Rußlands eine (wenn auch nicht ganz korrekt)
+deutsch sprechende Bevölkerungsschicht antrafen.
+Einzelne aber waren darüber doch erstaunt. Sie waren auch
+überrascht, eine überaus ärmliche, im Wust der Umgebung
+verschmutzte, aber für alle Entwicklung empfängliche Masse
+anzutreffen, die sich gerne den deutschen Maßnahmen
+fügte.
+
+Das Urteil über die polnischen Juden ist bei den Deutschen
+nicht immer sympathisch. Jedes fremde Volk hat
+Schwächen, die dem Fremden auffallen, und die leicht zu
+einer vollkommenen Verurteilung führen. Bei den russischen
+Juden wird zu wenig daran gedacht, daß die russische Regierung
+sie gewaltsam in modernen Ghetti zusammenpfercht.
+Sie dürfen nur im Ansiedlungsrayon wohnen, und hier
+wiederum nur in den Städten. Vor dreißig Jahren hat man
+sie so zusammengetrieben ohne Rücksicht darauf, ob die
+vorhandenen Wohnungs- und Lebensmöglichkeiten genügten.
+Man hat sie zwangsweise in schmutzige Löcher gestoßen.
+[pg 49]
+Die vielen hundert Verbote, die den russischen Juden treffen,
+rauben ihm die Lust und das Recht, sich Häuser zu
+bauen, das Heim auszugestalten. Rußland will den Juden
+vertreiben, und so ist er denn auch immer auf dem Sprung,
+wegzugehen. Millionen Juden sind bereits nach Amerika,
+England, Südafrika, Frankreich usw. ausgewandert.
+
+Der russische Jude gilt wegen seiner Sprache (Jüdisch-Deutsch
+oder „Jargon“) als Deutschfreund. Während sich
+vielfach Polen und Ruthenen in Österreichisch-Galizien bei
+der russischen Okkupation recht eigentümlich benommen
+haben, während in diesen Ländern, besonders aber in _`Russisch-Polen`,
+die Landbevölkerung in reichlichstem Maße zum
+Franktireurkrieg und zu Spionage neigte, verhielten sich die
+Juden überaus loyal. Es ist unwahr, daß sie für Deutschland
+Kundschafterdienste leisteten; sie haben sich aber naturgemäß
+auch den Russen gegenüber durchaus korrekt benommen.
+Dabei wurden die Juden am schwersten durch :gesperrt:`beide`
+Parteien geschädigt. Die Russen haben aus Haß jüdische
+Städte, z. |nbs| B. Szawle, angezündet, und die Deutschen verbrannten
+u. |nbs| a. Tauroggen als Gegenmaßregel gegen russische
+Greuel in Ostpreußen. Tauroggen war aber vor allem
+eine jüdische Stadt. Kalisch, eine echte Judenstadt, wurde
+gründlichst zerstört, weil als Zivilisten verkleidete Soldaten
+aus Bürgerhäusern schossen. Dadurch wurden Tausende von
+Juden obdachlos. Viele Städte wurden durch Bombardements
+zerstört, wie Lowicz, Sochaczew etc. Von Seiten der
+Deutschen mußten vielfach Ausweisungen jüdischer Bürger
+erfolgen, da man natürlich keinem der feindlichen Staatsangehörigen
+trauen konnte; die Massenausweisungen der
+Juden aus Polen, Rußland, Kowno etc. übertreffen ums
+Dreifache die Zahl der seinerzeit aus Spanien vertriebenen
+Juden. Bereits wandern heimatlos eine und eine halbe Million
+im Innern Rußlands, und auch in Österreich sind es
+Hunderttausende, deren Heim zerstört ist.\ |_--_|\
+[pg 50]
+
+Der deutschsprechende Jude wird, wie oben bemerkt,
+als Deutschenfreund angesehen. So wie die Verhältnisse vor
+dem Kriege lagen, hätte es den russischen Juden nichts eingetragen,
+sich an die Freundschaft Deutschlands zu wenden. Nicht
+einmal seine eigenen Juden schützte Deutschland vor
+Rußland. Das Zarenreich erlaubte nur ganz ausnahmsweise
+den Deutschen jüdischen Glaubens den Eintritt in
+sein Land. Und Deutschlands Politiker haben gegen diese
+monströse Beschränkung niemals remonstriert. Sie ließen die
+öffentliche Beschimpfung ihrer Juden zu, ohne durch irgendeine
+Gegenwehr, Gegenmaßregel oder nur ernstliche Vorstellung
+ihre Staatsbürger vor schimpflicher Behandlung zu
+schützen. Und die deutsch sprechenden sieben Millionen
+Juden Rußlands? Sie gelten zwar als Freunde Deutschlands,
+:gesperrt:`nur daß Deutschland nicht ihr Freund ist`!
+
+Deutschland hat zu Beginn des Krieges durch seine
+Generale erklären lassen, daß es den Polen volle Gerechtigkeit
+widerfahren lassen wolle. Die Juden, deren Zahl in den
+Grenzländern bedeutend ist, wurden nicht sonderlich erwähnt.
+
+Es ist anzunehmen, daß sich Deutschland nach dem
+Kriege allen seinen Juden gegenüber liberal verhalten wird.
+
+Aber es ist doch sehr die Frage, wenn sich keine gewaltigen
+Grenzverschiebungen ergeben, ob die Judenfrage
+Rußlands einer Lösung nähergebracht wird. Schon vor dem
+Krieg hat die russische Regierung die Bedrückung der Juden
+systematisch inauguriert, die Pogrome des Jahres 1905 waren
+bestellte Arbeit. Rußland bekennt sich zu dem Lehrsatz
+eines seiner Minister: „Ein Drittel der Juden wird vertrieben,
+ein Drittel muß verhungern und ein Drittel ist zu töten.“
+(Siehe Errera „Die Judenfrage“.)
+
+Die Judenfrage Rußlands interessiert Deutschland aus
+vielen Gründen. Die sieben Millionen, die deutsch verstehen
+[pg 51]
+und sprechen, bildeten ein wertvolles wirtschaftliches Element,
+das gerne mit Deutschland Handelsbeziehungen unterhielt.
+Diese sieben Millionen sind die stärksten Gegner jedes
+Krieges mit Deutschland, das sie verehren. Wegen ihrer
+deutschen Sprache und ihrer deutschen Sympathien sind sie in
+grausamster Weise von Rußland bestraft worden.\ |_--_|\ Deutschland
+hat den Polen zu verstehen gegeben, daß es sich ihrer
+annehmen wird. Mit noch größerer Berechtigung aber können
+die :gesperrt:`Juden` erwarten, daß Deutschland sie nicht vergißt,
+wenn die Frage der unterdrückten Nationen in den Friedensverhandlungen
+aufgeworfen wird.
+
+Die Juden haben nie im politischen oder sprachlichen
+Kampfe mit den Deutschen gelegen (wie die Polen), seit
+Jahrhunderten sind sie zu einem Teile fest verwachsen mit
+der deutschen Erde. Die in Polen zurückgebliebenen Gemeinden
+sind bei der Teilung dieses Landes durch Zufall zu
+Rußland, Österreich oder Preußen gekommen. Die, welche
+russische Staatsbürger wurden, haben seit jener Zeit eine
+Geschichte des Leides und der Verfolgung erlebt, die ans
+finsterste Mittelalter erinnert. Leider wissen unsere deutschen
+Mitbürger wohl von „Greueln in Armenien“, wie sie
+die Engländer aus politischen Gründen aufbauschten,\ |_--_|\ die
+Regierungspolitik Rußlands jedoch, das sich so lange als
+der beste Freund Deutschlands gebärdete, wußte recht gut
+über allen ihren Schandtaten dichte Schleier auszubreiten.
+
+Die deutsch sprechenden Juden Rußlands sind zum
+Teil Zionisten. Die Türkei hat an ihren zionistischen Bürgern
+in diesem Kriege eine gute Unterstützung gefunden.
+Deutschland kann sehr wohl, im eigenen Interesse wie in
+dem seines neuen Bundesgenossen, ein Entgegenkommen der
+Türkei für eine jüdische Besiedlung der verödeten Landstriche
+Palästinas befürworten.
+
+Es kann keine Frage sein, daß sofort nach dem Friedensschluß
+eine :gesperrt:`Massenauswanderung` der russischen
+[pg 52]
+Juden beginnen wird, welche die gesamte Völkerwanderung
+numerisch in den Schatten stellt. Diese Juden, denen
+man das Letzte genommen hat, die ein volles Jahr lang gequält
+und getrieben wurden, jeden Augenblick gewärtig, erschossen
+oder zum mindesten nach Sibirien geführt zu werden,
+warten nur auf die Möglichkeit, wieder frei zu atmen.
+
+.. vspace:: 2
+
+Soll Deutschland diese Emigration nicht zum eigenen
+Nutzen zu beeinflussen suchen? Soll der Strom der Auswanderer
+nach Amerika gehen? [#]_ Deutschland wünscht
+eine moderne Entwicklung der Türkei. Durch die Verluste,
+die der Krieg im eigenen Lande zeitigte, ist keine Emigration
+der eigenen Massen bevorstehend. Im Gegenteil.
+
+.. [#] Eine wirkliche Masseneinwanderung östlicher Juden in Deutschland
+ wird schon aus ökonomischen Gründen schwer durchführbar sein. Dieselbe
+ wäre auch vom jüdisch-nationalen Standpunkt nur eine Notstandsaktion,
+ die übrigens wegen der vielen Widerstände, die nach jeder Hinsicht zu
+ überwinden wären, keineswegs einzutreten braucht.
+
+.. vspace:: 2
+
+Wenn die Erlösung der kleinen Völker einen Rückhalt
+an Deutschland finden darf, dann kann es die gequälte jüdische
+Masse des Ostens nur in zionistischem Sinne erlösen.
+Auf Rußland kann Deutschland nicht einwirken, wie es
+seine Untertanen regieren soll. Eine breite Öffnung der
+eigenen Grenzen liegt nicht im Wunsch der meisten eigenen
+Staatsbürger.
+
+.. vspace:: 2
+
+Will Deutschland das Bündnis mit der Türkei ökonomisch
+ausnützen, will es sich dort eine Masse sichern, die
+aus sprachlichen Motiven wie auch aus Dankbarkeit zu
+Deutschland neigt, dann wird es einer großzügigen zionistischen
+Emigration die Wege ebnen, wird „dem Lande ohne
+Volk das Volk ohne Land“ geben.
+
+.. vspace:: 2
+
+Professor Otto :gesperrt:`Warburg` hat schon vor zehn Jahren
+darauf hingewiesen, daß die Besiedelung Mesopotamiens von
+[pg 53]
+ausschlaggebender Bedeutung für die wirtschaftliche Erschließung
+und Entwicklung Vorderasiens ist. [#]_
+
+.. [#] Wir könnten z. |nbs| B. von daher unsere Baumwolle beziehen und so
+ vom Auslande unabhängig werden.
+
+Deutsches Kapital hat die großen Bahnbauten nach
+Bagdad ermöglicht. Wir sind alle daran interessiert, daß
+Deutschland daraus Nutzen zieht. Hier kann nur eine geeignete
+Einwanderung helfen, denn die ortsanwesende Bevölkerungsmenge
+ist nicht ausreichend.
+
+Da schon Massen arbeitsloser Juden in Polen den Behörden
+zur Last fallen, so wäre es gut, wenn man sich, wie für
+die ostpreußischen Flüchtlinge, so auch für das jüdische
+Proletariat Galiziens und Polens interessierte. Sobald sich
+die türkische Regierung entschließt, einwandernden jüdischen
+Familien Land anzuweisen, wird auch von der jüdischen
+Seite das nötige Geld zur Überführung und Ansässigmachung
+aufgebracht werden. Es ist nur nötig, daß
+sich :gesperrt:`der neue Dreibund` darüber klar ist, :gesperrt:`was er
+mit dem namenlosen Judenelend machen
+will`, wie er den vom Krieg entwurzelten Massen hilft,
+ohne dabei selbst Menschen zu verlieren. Denn Menschen
+sind Geld, Männer sind im Kriegsfalle Gewehre. Nie hat
+man die Bedeutung der Ziffer so erfaßt, wie bei diesem
+Krieg.
+
+Kommt aber den Juden vom neuen Dreibund keine
+Hilfe, dann wandern sie bestimmt nach Amerika aus und
+gehen für die deutsche Sache verloren. Mit ihnen aber ein
+großes Nationalvermögen,\ |_--_|\ auch deshalb, weil ja jeder
+Emigrant etwas Geld bei sich haben muß, was bei einer solchen
+Völkerwanderung allein schon Millionenwerte ausmacht.
+
+Die Zukunft von Deutschlands kolonisatorischer Tätigkeit
+liegt im Orient, in der Türkei. Wie kaum je wieder bietet
+sich eine Gelegenheit, die Kolonisation zu fördern.
+[pg 54]
+Kenner des Orients, wie Rohrbach, Auhagen, Paquet [#]_ u. |nbs| a.,
+sind gerade in letzter Zeit für diese Orientierung der deutschen
+[pg 55]
+Politik eingetreten. Schon früher plante übrigens der
+verstorbene Großherzog von Baden, das Interesse der Mächte
+für eine organisierte Kolonisation Palästinas durch die
+Juden wachzurufen.
+
+.. [#] Ein soeben von Alfons :gesperrt:`Paquet` erschienener Artikel (in Heft 40
+ Jahrg. 1915 des März) „\ :gesperrt:`Juden im Osten`\ “ kommt zu denselben
+ Resultaten. Paquet schreibt:
+
+ „Das türkische Volk kümmert sich wenig _`um den Glauben anderer.`
+ Es erkennt in den Juden die Orientalen, es weiß, daß jene, die aus dem
+ Westen kommen, zugleich Europäer sind, Träger eines praktischen Könnens,
+ das dem neuen türkischen Staatswesen Nutzen zu bringen vermag. Und das
+ eigentliche Palästina? Hat es nicht in den Jahren, die dem Versuch der
+ Wiederbesiedelung gewidmet waren, bewiesen, daß es wirklich das Land
+ ist, wo einmal der Wanderer sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen
+ die den Erzvätern leuchteten, um auszuruhen und böse Spuren aus seinen
+ Zügen wischen?“
+
+ Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein grünes Banner. In dem
+ von Menschen erfüllten Europa werden sie das wichtigste für ihre
+ Zukunft:\ |_--_|\ den Boden\ |_--_|\ nie erhalten, eher werden sie
+ die Träger irgend eines
+ unbestimmten Unheils sein. In allen Erdteilen, außer Vorderasien, fehlen
+ die Möglichkeiten einer Ansiedelung, die den Juden erlaubt, nach ihrer
+ höchst eigentümlichen Art zu leben und von dem geistigen Gut, nach dem
+ sie _`hungern`, satt zu werden. Aber in dem einen kleinen Lande, das schon
+ begonnen hat, zu einem neuen Dasein zu erwachen, ist Raum und Tragkraft
+ genug, sie aufzunehmen. Josua und Kaleb sind von ihrer Kundschafterreise
+ zurückgekehrt mit schweren Trauben. Es kommt jetzt darauf an
+ die Fähigkeiten des Volkes, die bisher auf die Wüstenreise verwendet
+ wurden, zu wecken und neu zu gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild
+ der deutschen Volksschulen, vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze,
+ werden dazu helfen können. Einst werden dann diese Knaben die Mannschaft
+ eines neuen _`morgenländischen` Wesens bilden, gleichviel, ob sie
+ Ingenieure oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder Gelehrte werden,
+ gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa bleiben und wie viele wirklich
+ im Morgenland wohnen. Sie können in einer neuen Heimat ein neues
+ Volk sein\ |_--_|\ nicht im Sinne jenes Nationalismus, der in Europa die Völker
+ zerreißt und schlägt, sondern in dem innerlich freien, nach außen duldsamen
+ Sinne der morgenländischen Weisen. „Der türkische Baum muß
+ sehr grün werden und auswachsen.“ „Wer in seinem Schatten wohnen
+ will, muß aber zuvor sein Gärtner sein.“\ |_--_|\ |--| |_--_|
+
+ So denkt ein bekannter Orientkenner über die Judenfrage und das
+ Problem der Türkei.
+
+Statt dessen hat man den franzosenfreundlichen Jesuiten,
+die neben zahlreichen Schulen eine Universität in Beirut
+gründeten, den russischen und griechischen Missionen
+Raum gegeben und hat die englischen Machinationen unter
+den Arabern geduldet.
+
+Die neu-deutsche Judenpolitik darf des weiteren nicht
+in den Fehler verfallen, das jüdische Element im Osten den
+Polen auszuliefern. In ganz Galizien hat man die Juden
+dem Terrorismus der Polen überantwortet. Man denke sich,
+daß dort ca. 900000 Menschen ein deutsches Idiom sprechen,
+eine Sprache, die der deutschen nähersteht als die flämische
+Mundart. Gleichwohl konnte man in Österreich nicht erreichen,
+daß das „Jiddisch“, wie es genannt wird, die Rechte
+einer Sprache bekam. Obwohl es eine Unzahl von Zeitungen
+gibt, die täglich in diesem Dialekt geschrieben werden,
+und deren Blätter u. |nbs| a. in Lemberg, Lodz, Krakau etc. erscheinen
+(Warschauer und New Yorker Blätter in Jiddisch
+haben Auflagen von über 100000 Exemplaren), war diese
+Sprache „von Rechts wegen“ verpönt! Der Kaufmann sollte
+seine Rechnungsbücher damit nicht führen dürfen, Eingaben
+an die Regierung waren unstatthaft, während unterdessen
+die jiddische schöne Literatur in alle Sprachen übersetzt
+wurde, und Theaterstücke, ins Hochdeutsche übersetzt, Sensation
+in Berlin hervorriefen!
+
+Auch heute hat die deutsche Regierung die Bedeutung
+dieses Jargons noch nicht erfaßt. Eine Volksschicht, die in
+polnischen Gebieten lebt, greift aber, wenn sie ihre Muttersprache
+lassen muß, nicht zu dem dieser nahverwandten
+Deutschen, sondern zum :gesperrt:`Polnischen`. Es liegt kein
+Grund vor, die Polen :gesperrt:`künstlich` zu stärken und ein
+[pg 56]
+Volkstum, das sich sprachlich ans Deutsche anlehnt, seiner
+Nationalität zugunsten der polnischen gewaltsam zu entkleiden.
+
+Sollten größere polnische Bezirke Deutschland und
+Österreich angegliedert werden, so muß das :gesperrt:`Recht der
+Minorität` geschützt werden. Das moderne Polentum
+hat sich noch nicht als maßvoller und zuverlässiger Charakter
+erwiesen. Wo sie es nur konnten, haben die Polen die
+Juden bedrückt und ausgenutzt. Die galizischen Wahlen
+waren wahre Schlachttage der Schlachta. In vielen Orten
+floß jüdisches Blut, weil die Juden keine Polen wählen
+wollten. Noch schlimmer erging es den Juden in Russisch-Polen,
+wo sie den :gesperrt:`Polen und Russen` gänzlich ausgeliefert
+waren.
+
+Wenn die Franzosen und Italiener von „unerlösten
+Völkern“ sprechen, dann haben sie kaum der armen Juden
+gedacht, und sicherlich nie eine Hand gerührt, um deren
+Los zu erleichtern. [#]_ Und sie hätten es doch so bequem.
+Sie brauchten bloß ihren Bundesgenossen „darauf aufmerksam
+zu machen“.\ |_--_| |--| |_--_|
+
+.. kein unitame Ersatzung für 1/3
+
+.. [#] Die 2 |nbs| :superscript:`1`/:sub:`3` Millionen Juden der
+ Vereinigten Staaten sind deshalb durchweg
+ deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der Deutschamerikaner haben
+ an ihnen eine rege Stütze gefunden. Vergessen wir nicht, daß die
+ Stimmung in Newyork, der größten Stadt Amerikas, für das ganze Land
+ bedeutsam ist, daß sich die dortigen 1,2 Millionen Juden konstant für die
+ Deutschen verwandten, weil sie von ihnen eine Erlösung der russischen
+ Juden erwarten.\ |_--_|\ Eine offene Erklärung der deutschen Regierung an die
+ amerikanischen Juden würde eine namenlose Begeisterung erwecken und
+ die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe Unannehmlichkeiten
+ wegen der Haltung Rußlands versetzen. Es wäre die beste Antwort gegenüber
+ all den Enunziationen betreffs der unerlösten Völker in Österreich
+ und Deutschland. Außerdem würde Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel
+ für seine künftigen Anleihen erwarten können.
+
+.. vspace:: 2
+
+Die Lage des jüdischen Volkes in Galizien ist eine viel
+bessere als jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren.
+[pg 57]
+Aber was ihnen noch an nationaler und politischer
+Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen darlegen. Umsomehr,
+als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns zuführen
+müßte, die sich nicht wieder Zurücksetzungen und
+Schikanen ausgesetzt wissen wollen.
+
+Die Bedrückung an Ort und Stelle zwingt sonst zu
+einer ungeheuren Auswanderung, die auch in Deutschland
+zu merken sein dürfte. Dagegen gibt es nur ein Allheilmittel:
+:gesperrt:`Lokale Rechte und Hilfe`; :gesperrt:`ferner Ableitung
+der überschüssigen Kräfte in den
+Orient` durch starkes Entgegenkommen der verbündeten
+Regierungen. Das heutige System entwurzelt nur die Elemente,
+die einigermaßen fest an der Scholle, an der Heimat
+hängen, und jagt sie ins Ungewisse.
+
+Wenn die deutsche Regierung den östlichen Juden nicht
+entgegenkommen kann, wird auch die dadurch sicherlich
+eintretende Entvölkerung die wirtschaftliche Entwicklung
+dieser Länder bedeutend verzögern.
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 58]
+
+|KapLinO| _`Schluß`.
+====================
+
+Der Krieg hat Deutschland bewiesen, daß der jüdische
+Einfluß, welcher sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung
+des Landes, an der Entwicklung seines Handels und
+seiner Industrie beigetragen hat, nicht umsonst war. Der vielverspottete
+Geist der Rothschild und Bleichröder, der schon
+1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren
+gefolgt und hat den Siegen den nötigen Rückhalt gegeben.
+Börse, Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe,
+mit denen der Militarismus zu rechnen hat. Die
+deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur von gewissenlosen
+Börsenjobbern gegründet sein; denn sie, ebenso wie der
+deutsche Wollmarkt [#]_, wie das Sanitätswesen, wie die Fabriken
+und Ärzte\ |_--_|\ alles zu hohem Prozentsatz „verjudete“
+Berufe\ |_--_|\ haben die Erwartungen nicht getäuscht. Im Innern
+geht der Handel weiter und erhält uns unsere wirtschaftliche
+Kraft, und gibt dem Heere das, was die große alte
+Handelsnation England mühselig sich aus Amerika zusammensuchen
+muß.
+
+.. [#] Spottet über die „Leder- und Stiefeljuden“, aber es tat Deutschland
+ gut, daß die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins Ausland exportierten,
+ für Millionen Vorräte liegen hatten, die nun Heereszwecken dienen konnten.
+
+Voreingenommene Nörgler werden auch nach dem
+Kriege zu den alten Waffen des Neides greifen und die
+hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder aufleben lassen.
+[pg 59]
+Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann
+wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-,
+Rassen- und Religionshaß in die Rumpelkammer der Geschichte
+verschwinden.
+
+Wir können uns aber fürwahr in Deutschland das Leben
+leichter machen, brauchen uns nach außen nicht mehr als ein
+anscheinend in sich zerrissenes Staatsgefüge zu zeigen, auf
+dessen Zerfall andere Länder lauern. Wir nähren damit nur
+falsche Hoffnungen und törichte Berechnungen. Deutschland
+ist groß genug, um allen seinen Bewohnern Spielraum
+zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen
+und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen.
+Neben dem bajuwarischen Menschenschlag möchten wir den
+etwas differenzierten Rheinländer, den Märker, aber auch
+den Ostpreußen nicht missen. Wer weiß, ob zum Polen und
+Elsässer nicht auch noch ein flämischer Einschlag kommt.
+Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Bürgern, die
+er freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist
+nicht erst gegen den Willen der Einheimischen „neu zugezogen“.
+
+Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der
+Jude im Lande und hat sich stets allen Gesetzen des Staates
+willig und gern gefügt. Seine Religion ist seit drei
+Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen und hygienischen
+Maßregeln durchsetzt, daß sie heute noch Bewunderung
+erregen muß. Die _`Sabbatruhe,` das jüdische Familienleben,
+die Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht,
+die sich bei allen Juden, auch wo der Staat diesbezüglich
+versagte, längst findet, sind Emanationen einer Kultur, die
+nur der Böswillige übersehen und gering achten kann.
+
+Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Nächsten
+und bedarf keiner Machtmittel, um dessen Lebensnerv
+aus Angst für sein eigenes Ich zu unterbinden. Wir haben
+in diesem Krieg die Unkultur Rußlands und des Slawentums
+[pg 60]
+bekämpft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen Maßregeln
+die brutale Gewalt des neidischen England drängte.
+Mag sich Frankreich wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig
+als Hüterin des Fortschritts) gebärden, Deutschland wird
+und muß nur noch geläuterter als ein wahrer Hort der Freiheit
+seiner Bürger und der neutralen Staaten und Völker
+aus dem Kriege hervorgehen.
+
+.. vspace:: 2
+
+Von den über 14 Millionen Juden hoffen und harren
+die Meisten auf den Sieg der deutschen Waffen. Die
+Sympathien der amerikanischen Israeliten stehen auf seiten
+der Zentralmächte. Nicht umsonst und nicht zufällig ist es
+gerade die Türkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert
+hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte,
+welche sich an die Seite Deutschlands gestellt hat. Möge die
+alte Sage des Talmud, die Lessing populär gemacht hat,
+nicht nur in den Tagen der Greuel und des Völkermordens
+bei uns eine wahre Stätte der Verehrung finden: die Geschichte
+von den drei Ringen.
+
+Der muhammedanische, der christliche und der jüdische
+Glaube sind Formen der Kultur der Menschheit, die so viel
+der Welt gegeben, die sich so lange bewährt haben, daß es
+verbrecherisch wäre, Menschenglück und -hoffen um einer
+vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu gefährden.
+
+.. vspace:: 2
+
+In dem Machtbereich der eigenen und der verbündeten
+Länder wird dann die deutsche Politik bedeuten: Friede
+auf Erden.
+
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+.. footnotes:: Fußnoten
+ :class: small
+
+.. clearpage::
+
+.. topic:: Anmerkungen zur Transkription
+
+ .. |-->| unicode:: U+02014 >
+
+ .. there is a non-breaking space here!
+ .. |zb| replace:: z. B.
+ .. _zb: `z. B.`_
+
+ Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler:
+
+ - **S. 21, Z. 5**: (die deutsche `z, B.` vertreten durch Mauthner) |-->|
+ |zb|_
+ - **S. 28, letzte Zeile der Fußnote**: `Sehwanenfeld` |-->| `Schwanenfeld`_
+ - **S. 30, Z. 18**: Untervereinen bis 33% der `Manschaften` |-->|
+ `Mannschaften`_
+ - **S. 32, Z. 13**: Der Jude Ludwig Frank `vielleichst` der fähigste
+ Kopf |-->| `vielleicht`_
+ - **S. 35, Fußnote**: fehlende schließende Anführungszeichen,
+ wahrscheinlich am Ende von `ins Leben zu rufen.`_ (andernfalls
+ am Ende des letzten Satzes `in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.`_)
+ - **S. 32, Z. 5 der Fußnote**: für die Freiheit `zn` kämpfen |-->| `zu`_
+ - **S. 46, vorletzte Zeile**: `Ein` antisemitische Bewegung |-->| `Eine`_
+ - **S. 47, Z. 3 v. u.**: ein deutliches `Wahrnungszeichen` |-->|
+ `Warnungszeichen`_
+ - **S. 49, Z. 11-12**: besonders aber in `Russich-Polen` |-->|
+ `Russisch-Polen`_
+ - **S. 54, Z. 19 der Fußnote**: nach dem sie `lungern` |-->| `hungern`_
+ - **S. 54, Z. 27 der Fußnote**: `morgenlandischen` |-->| `morgenländischen`_
+
+ Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefügt:
+
+ - **S. 34, letzte Zeile des Textes**: `und anderer Dinge zu gedenken.`_
+ - **S. 36, letzte Zeile des Textes**:
+ `die Entfremdung der Länder bemerkten.`_
+ - **S. 54, Z. 4 der Fußnote**: `um den Glauben anderer.`_
+
+ sowie fehlende Kommata:
+
+ - **S. 28, vorletzte Zeile der Fußnote**: `v. Renard,`_
+ - **S. 59, Z. 27**: `Sabbatruhe,`_
+
+ Fußnoten, auf die im Original mit \*) verwiesen wurde, wurden im e-Text
+ durchnummeriert.
+
+
+.. pgfooter::
+
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You may copy it, give it away or re-use it +under the terms of the Project Gutenberg License included with this +eBook or online at http://www.gutenberg.org/license. + + + +Title: Die Juden Im Weltkriege +Author: Felix A. Theilhaber +Release Date: May 28, 2014 [EBook #45808] +Language: German +Character set encoding: US-ASCII + + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE *** + + + + +Produced by Norbert Langkau, Enrico Segre, and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net. + +This file was produced from images generously made available by The +Internet Archive. + + + + + DIE JUDEN + IM WELTKRIEGE + + + *Mit besonderer Beruecksichtigung* + *der Verhaeltnisse fuer Deutschland* + + Von + + *_Felix A. Theilhaber_* + + + + + 1916 + + + + WELTVERLAG BERLIN, UNTER DEN LINDEN 56 + + + + + + + + + * Inhalt.* + + + ------------------------------------------------------------------ + Vorwort Seite 5 + Einleitung 7 + + Der Krieg und die Juden 13 + Die Stellung der deutschen Juden vor dem Kriege 13 + Die Juden im Kriege 28 + Juden im Ausland 36 + Die Lehren des Krieges 44 + Das Problem der Ostjuden 48 + + Schluss 58 + ------------------------------------------------------------------ + + + + + + + + + + * Vorwort.* + + +Die folgenden Ausfuehrungen verdanken ihr Entstehen freien Stunden an +der Front in Kurland, wo ich dem unendlichen Leid der Ostjuden auf +Schritt und Tritt begegnete, einer unterdrueckten Menschenmasse, die +menschlich unser Interesse verdient, aber auch sprachlich, da sie den +Deutschen darin noch naeher steht als die Vlamen. + +Vor allem gilt die Schrift den Beziehungen der deutschen Juden zu ihrer +Umgebung. Die Verhetzung, welche vor dem Krieg das Volk bald gegen +Sozialdemokraten, Agrarier und Zentrumsanhaenger trieb, fehlte nicht +gegenueber den Juden. Aber jeder wirtschaftliche Hass, jede +chauvinistische nationale Abneigung wirkt auf die Dauer unfruchtbar und +schaedlich. + + * * * + +Damit die gegenseitige Achtung auch nach dem Kriege fortdauere und +innerlich begruendet wird, habe ich dargelegt, dass das Wort eines +grossen Denkers nicht zu Unrecht besteht: "Jedes Land hat die Juden, die +es verdient". + +"Wer die Luft, die ich atme, den Boden, auf dem ich stehe und in dem +meine Eltern bestattet sind, mir nehmen will, ist mein Moerder . . ." + + +So ungefaehr wandte sich vor fuenfzig Jahren Gabriel Riesser an seine +Widersacher. Moege uns, wenn wir in die Heimat zurueckkehren sollten, +diese Sprache in alle Zukunft erspart bleiben. + +Moege mein Wort der Verstaendigung, der Aufklaerung und dem Frieden +dienen! + + Herbst 1915. + + *Felix A. Theilhaber.* + + + + + + + + + * Einleitung.* + + +Die "Hilfe" vom 2. September 1915 bringt einen Artikel _"Der Krieg und +die russischen Juden" von Paul Barth_. Seine Worte moegen meine +Auseinandersetzung ueber das Problem "Judentum und Deutschtum" +einleiten. Paul Barth schreibt: + +"Was aber lauter als alles andere zum Himmel schreit, das sind die +Massenverbrechen, die die russische Militaer- und Zivilbuerokratie +tagtaeglich an den "lieben Juden" des Zaren veruebt. Wohin das russische +Heer kommt, da ist die erste kriegerische Leistung, dass die Juden +ausgewiesen werden. Im Februar dieses Jahres erliess der "Allgemeine +Juedische Arbeiterbund Litauens, Polens und Russlands" einen Aufruf an +"die Kulturwelt", der einigermassen veranschaulichte, welches Meer von +Leiden hinter dem Worte "ausgewiesen" steckt. Mit einer Frist von +vierundzwanzig, oft bloss von acht Stunden, hinausgetrieben in die Nacht +und die Kaelte des russischen Winters, alle, auch Greise, Frauen und +Kinder; ohne Ziel, ohne Schutz in ein fast feindlich gesinntes Land; +rechtlos schon im Frieden, jetzt rechtloser denn je. Unsere Ostpreussen +sind gewiss tief zu beklagen, aber sie zogen doch in ein freundlich +gesinntes Land. Hunderttausend ausgewiesene Juden sammelten sich damals +hilflos in Warschau an, sehr viele, besonders Kinder, starben auf der +Landstrasse. Wie gluecklich verhaeltnismaessig diejenigen, die ein Kosak +erstochen hatte! Denn das ist nach jenem Aufruf ein regelmaessiger Sport +der Kosaken, der unbestraft bleibt. Der Roemer Seneca ereiferte sich +darueber, dass ein Mensch, der Gladiator, "zum Spiele und Scherze +getoetet wird". Der Gladiator jedoch konnte sich wehren, er war +bewaffnet, das Ganze war ein Kampf zweier geuebter Fechter. Der arme +russische Jude aber kann sich nicht wehren. + +Und ich fuerchte, das ist erst der Anfang. Allerdings ein sehr grosser +Anfang. Denn Mitte Mai wurden die Gouvernements Kurland, Kowno und ein +Teil von Suwalki von 280000, also mehr als einer Viertelmillion Juden +"evakuiert", wie der russische technische Ausdruck lautet. Neuerdings +wurde eine Million Juden aus den Gouvernements Wilna, Grodno und +Warschau vertrieben, d. h. wirtschaftlich vernichtet. Das tut die +russische Regierung. Was wird erst geschehen, wenn die russische +"Volksseele", besonders die der "echt russischen Leute", unruhig wird! +Und sie wird aufkochen, wenn Russland weitere Niederlagen erleidet, und +sich in "Pogromen" Luft machen, genau so, wie es 1905 und 1906 geschah. +Was damals in Kertsch, Bialystok und vielen anderen Staedten vorging, +das wird sich in ganz Russland wiederholen und wahrscheinlich mit viel +groesserer Heftigkeit. Und die Polizei wird, wie damals, teils +wohlwollend zusehen, teils wohlwollend helfen. Damals war es +schliesslich die erste, sehr liberale Duma, unter einem viel besseren +Stimmrecht als dem jetzigen gewaehlt, die den Greueln ein Ende machte. +Aber die Duma, die jetzt zusammengetreten ist, wird fuer solche inneren +Fragen keine Zeit haben. + +Was tun nun dabei die Juden der uebrigen Welt, ausserhalb Russlands? Im +allgemeinen nichts, -- was ueberraschend, vielleicht auch ein +bedauerliches Symptom ist. Wie sehr sie auch die Kultur des Landes +angenommen haben, in dem sie wohnen, sie hegen doch alle die gleiche +Pietaet fuer ihre Vergangenheit, die sie als starkes Band mit ihren +russischen Stammesgenossen vereinigt. Die deutschen Juden freilich sind +entschuldigt, sie _koennen_ nichts tun. Jeder oeffentliche Schritt +ihrerseits wuerde den russischen Juden bloss schaden. Diese wuerden +daraufhin noch mehr verdaechtigt werden, ueber die Grenze hinaus nach +dem Landesfeinde zu schielen. In den Laendern des Vierverbandes sehen +wir nur eins: ueberall sind Juden unter den Kriegshetzern, gegen die +Zentralmaechte, also fuer den Zarismus. In Frankreich sind sehr viele +Juden in den hoechsten Stellen, die bestaendig ihre Liebe zum Zarismus +betaetigen. In England haben die Juden viel Einfluss in der hoechsten +Aristokratie, die ganz besonders in der Hoffnung auf "die Dampfwalze" +schwelgte. Lord Rosebery, einer der einflussreichsten Aristokraten, ist +ja Schwiegersohn des Barons Meyer Rothschild. + +In Italien finden wir unter den wildesten Kriegshetzern juedische Namen. +Herr Nathan, der Buergermeister von Rom, hielt im Dezember 1914 als +Freimaurer, als frueherer Grossmeister der Logen des Grossorients, im +Theater Constanzi in Rom eine schwungvolle Rede, in der er zum Kriege +fuer den Dreiverband, also fuer den Zaren, aufrief. Zwei bekannte +italienische Politiker juedischer Herkunft, Barzilai und Luzzatti, +trieben ebenfalls zum Kriege. + +Aber was tun die Juden in den neutralen Laendern? Der einzige, der sich +auf seine Herkunft und seine Gewissenspflicht besinnt, scheint Georg +Brandes in Kopenhagen, wie sein Briefwechsel mit Clemenceau bewies. +Andere sind auf seiten des Vierverbandes. Die rumaenische Zeitung +"Adeverul" (Wahrheit), die taeglich gegen die Zentralmaechte, also fuer +Russland agitiert, war bis vor kurzem und ist wohl noch in juedischen +Haenden. Die uebrigen tun gar nichts, nicht einmal die Sozialisten unter +den Neutralen. Vor kurzem meldete Reuter aus Neuyork, Samuel Gompers, +der Vorsitzende der American Federation of Labour, zweifellos juedischer +Herkunft, habe auf eine Einladung zu einer Versammlung, die gegen die +amerikanische Kriegsbedarfsausfuhr protestieren wollte, durchaus +ablehnend geantwortet. Dunkel ist zwar die Begruendung seiner Ablehnung: +"es gebe schrecklichere Dinge als den Krieg, naemlich des Geburtsrechts +(d. h. wohl des angeborenen Rechts), der Freiheit und der Gerechtigkeit +beraubt zu sein". Dies alles sind ja die Leiden der russischen Juden; +aber Gompers lehnt ab, gegen die Unterstuetzung ihrer Unterdruecker zu +protestieren. + +Wenn nun die Juden selbst so gaenzlich passiv sind, so muessen wir +_Nichtjuden_ uns regen und sie aus ihrer Resignation aufruetteln. Ich +moechte nochmals betonen, dass die Verfolgungen erst anfangen. Je weiter +die verbuendeten Heere vorruecken, desto groesser die Gefahr neuer +Wutausbrueche. Und schon, wie berichtet wird, sind die Juden teilweise +konzentriert in besondere Lager -- sehr bequem fuer die Verfolger. Das +Volk wird einen Suendenbock suchen, auf den es die Schuld der +Niederlagen abwaelze. Es wird die Regierung schuldig finden, aber es +kann wieder einen Minister geben, wie denjenigen, der im Oktober +1905 -- nach juedischen Quellen -- sagte: "Wir werden die Revolution im +Blute der Juden ersticken." Es folgten darauf die furchtbaren, zehn Tage +dauernden Oktobermorde. Tausend Juden wurden erschlagen, achttausend +wurden zu Krueppeln. Werte im Betrage von 180 Millionen Mark wurden +vernichtet, 300000 Juden flohen ins Ausland. (Vergl. "Allgemeine Zeitung +des Judentums", 1910, S. 577.) + +Die deutschen Juden koennen, wie gesagt, unmittelbar nichts tun, aber +mittelbar sehr viel. Sie koennen die Juden der _nordamerikanischen_ +Union aufrufen, die fuer russische Angelegenheiten doch sonst Interesse +zeigen. Als der Beilisprozess schwebte, haben diese beim russischen +Gesandten in Petersburg dagegen protestiert und spaeter dem zwar +freigesprochenen, aber sehr geschaedigten und gequaelten Beilis eine +Farm geschenkt. Jetzt steht mehr als ein Menschenleben auf dem Spiele. +Was dem einen Beilis recht war, ist allen russischen Juden billig. Die +amerikanischen Juden muessten laut und energisch ihre Stimme erheben +fuer ihre niedergetretenen russischen Stammesgenossen, taeglich, so oft +als moeglich, in den Zeitungen, in allgemeinen Versammlungen der Juden +und der Christen. Wenn erst die russische Regierung weiss, dass man ihr +Treiben beobachtet, wird sie doch vielleicht stutzig werden und das +Schlimmste unterlassen, sie wird wenigstens nicht die Polizei zur +schweigenden Duldung der Morde und der Diebstaehle anhalten, sondern +notgedrungen den Befehl zur Aufrechterhaltung der Ordnung geben muessen. +Nordamerika ist ja der kuenftige Geldmarkt fuer Russland, der einzige, +wo es einst Anleihen machen kann. Denn alle europaeischen Staaten werden +nach dem Kriege selbst zu viel Schulden haben, um anderen leihen zu +koennen. Die Juden der Union aber sind eine starke Kapitalmacht, +besonders im Westen. Sie haben -- nach W. Sombart -- eine herrschende +oder wenigstens wichtige Stellung im Getreidehandel, im Tabakhandel und +im Baumwollhandel. Auf allen drei Gebieten koennen sie den Russen +schaden. Vor allem aber koennen sie jede russische Anleihe erschweren, +vielleicht unmoeglich machen. Damit muessten sie drohen. Darauf wird +selbst die zarische Regierung hoeren. + +Und wenn die Proteste und Drohungen nichts helfen, so werden sie doch +wenigstens Zeugnis ablegen, dass in der allgemeinen sittlichen +Verwilderung es noch Menschen gegeben hat, die die Unmenschlichkeiten +der zarischen Regierung als solche zu brandmarken gewagt haben. + +Wenn aber gar nichts geschieht, dann wird ganz gewiss sich das alte +Sprichwort bewaehren: "Wenn die Menschen schweigen, so reden die +Steine", freilich in diesem Falle nur die Steine des Pogroms, die auf +unschuldige, wehrlose Opfer fallen werden." + + * * * + +Wenn Barth sich auf die Einwirkung der amerikanischen Juden verlaesst, +so fuerchte ich, gibt er uns einen Wechsel auf die Zukunft. Die +amerikanischen Juden sind noch nicht genuegend organisiert, z. T. auch +als Vollblutyankees zu sehr auf Seiten der Entente. + +Ich glaube und werde es zu beweisen versuchen, dass Deutschland allen +Grund hat, jede antisemitische Regung abzustreifen, den Juden im Inland +die Gerechtigkeit, die ihrer treuen Staatsbuergerschaft gebuehrt, +widerfahren zu lassen, den Juden in eroberten Gebieten jede Autonomie zu +gewaehren und den Auswandernden im Orient allen Vorschub fuer eine +grosszuegige Kolonisation zu leisten. + +Doch damit komme ich schon zur Voraussetzung jeder Politik gegenueber +den Juden: die Bewertung derselben als zuverlaessige und faehige +Staatsbuerger gegenueber ihren Heimatslaendern, und nicht zum mindesten +in Deutschland! + + + + + + + + + * Der Krieg und die Juden.* + + +Der grosse Krieg hat infolge des grandiosen Kaiserwortes "Ich kenne +keine Parteien mehr" den antisemitischen Angriffen und Uebergriffen +vorlaeufig den Grund und Boden entzogen. Trotzdem will das Judenproblem +keineswegs von der Bildflaeche verschwinden. Im Gegenteil. Der Einmarsch +der deutschen Truppen in die polnischen und russischen Gebiete hat mit +einem Schlage die innerpolitische Unhaltbarkeit des Schicksals, der +nahezu sieben Millionen starken juedischen Bevoelkerung Russlands der +ganzen Kulturwelt aufgetan. Man wird nicht leugnen koennen, dass das +juedische Problem beim Friedensschlusse sowohl von grossem +internationalem Belang sein wird, als auch von hervorragender Bedeutung +fuer die _deutsche Politik_. + + + + *Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg.* + + +Die Judenfrage ist fuer Deutschland praktisch so wichtig, dass es sich +gewiss verlohnt, darauf einzugehen. Pruefen wir zunaechst einmal die +Stellung der Juden Deutschlands und ihren Einfluss in diesem Lande. + +Die Mitte des verflossenen Jahrhunderts hat nicht nur einen voelligen +Umsturz aller inner- und aussen_politischen_ Verhaeltnisse Deutschlands +bedingt; die breiten Volksmassen erschuetterte ein _sozialer_ Umschwung. +Aus einem rein agrarischen Staate wuchs in wenigen Jahrzehnten eine +gigantische Industrie heraus, welcher bald ein weltenumspannender Handel +die Wege bahnte. Die Technik feierte rascher ihre Triumphe, als die +Regierungsfuersorge und die von Organisationen getragene Selbsthilfe der +Interessengruppen sich auf die Neukonstellationen einstellen konnten. +Dadurch gerieten die Arbeiter stellenweise in die Gefahr, materiell und +physisch ausgenutzt zu werden. Auf dem Lande hatte sich einst ein +aehnlicher Prozess, wodurch sich Latifundien bildeten, im Laufe der +Jahrhunderte entwickelt. Die industriellen und kommerziellen +Grossunternehmungen aber kamen ueber Nacht. Erbarmungslos rang das +Grosskapital den Stand der kleinen Leute nieder. Dieser oekonomische +Werdegang ging nicht ohne Gewalttat, ohne Haerten ab, die den Traegern +den Hass des in seiner Existenz erschuetterten dritten Standes eintragen +mussten. + +Die Sozialdemokratie als die Zusammenfassung der Proletarier ist das +naturnotwendige Produkt dieser Entwicklung. Der Antisemitismus ist die +Konsequenz des Prozesses insofern, als sich diese Bewegung gegen die +sichtbarsten Traeger, gegen die Klasse von Menschen wandte, welche am +geschicktesten die Macht des Kapitals auszunutzen wussten. Die erste +Partei ist ein Versuch, der _Sache_ selbst entgegenzutreten, die +letztere kaempft gegen _Personen_, die nebenbei in ihrer religioesen und +rassigen Eigenart eine gute Zielscheibe boten. + +Uns interessiert hier nicht, wie die Auswuechse des Kapitalismus oder +der Kapitalismus selbst zu bekaempfen ist. Wir wollen nur der Frage +naehertreten, wie der Antisemitismus des weiteren zu erklaeren ist, +welches die Bedeutung der deutschen Judenheit gewesen ist, und ob wir +anlaesslich des Krieges den Juden einen mehr oder minder guenstigen +Einfluss auf die Wirtschaftsgestaltung Deutschlands einraeumen koennen, +um dann spaeter auf den Einfluss der deutschen Juden und ueberhaupt auf +den Krieg eingehen zu koennen. + +Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts stroemte ein gut +Teil der juedischen Jugend Deutschlands nach den Vereinigten Staaten von +Amerika, Suedafrika, England, Frankreich etc. Teilweise war ihnen die +volle Gewerbefreiheit (wie z. B. in Bayern bis 1864) vorenthalten +gewesen. Die siebziger Jahre, die beruehmten Gruenderzeiten, bringen +eine Hochflut von aus den Doerfern in die Staedte stroemenden Juden. Die +juedischen jungen Leute wandern nicht mehr in die Fremde, sondern wenden +sich dem deutschen Handel, der Industrie, den akademischen Berufen, und +vor allem den Grossstaedten zu. Das seit Jahrhunderten betaetigte Wohnen +in den Staedten, bedingt durch Eigenart, aber auch durch das +mittelalterliche Gesetz, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein Geltung +hatte, laesst sie allmaehlich in die groesseren Staedte abwandern, wo +die Verdienstmoeglichkeiten sich stetig vergroessern. Dazu traegt auch +die antisemitische Ostmarkenpolitik bei, welche die Juden aus den +Provinzen Posen, Ost- und Westpreussen vertreibt. Der Druck der +Hakatisten, der wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott der +evangelischen Deutschen den Juden im Osten gegenueber, laesst ihre +Stellung zwischen Deutschtum und Polentum unhaltbar werden. Dazu kommen +elementare Ausbrueche der von den Antisemiten bearbeiteten +Volksschichten. Der "Ritualmord von Konitz" ist eins dieser +bezeichnenden Ereignisse. Fluchtartig verlaesst der Jude diese Staedte, +deren Charakter durch seine Anwesenheit noch ein deutscher war, und +ueberlaesst den Platz den Polen. + + +Die neueren Schriften ueber das Ostmarkenproblem geben saemtlich zu, +dass die durch die staatliche und gesellschaftliche antisemitische +Politik bedingte Vertreibung der Ostmarkenjuden ein bedeutsamer +Missgriff war, der sich nach drei Seiten bemerkbar machte: + +1. Fuer die Entwicklung dieser Staedte, die durch den Verlust von +Menschen, von Kapital und von unternehmungslustigen und faehigen +Elementen gehemmt wurde. + +2. Fuer die deutsche Sache. Der Wegzug von ca. 150 bis 200000 Juden aus +den bedrohten Provinzen hat die deutsche Sache um so viel Anhaenger +aermer gemacht. + +3. Fuer den Staat. Der Jude der Ostmark (wie ueberhaupt in ganz +Deutschland) war ein zuverlaessiger Staatsbuerger, auf den in jeder Zeit +gerechnet werden konnte. + +Organisationen ueber Organisationen erwuchsen aus dem reichen Boden der +Gebiete rechts der Elbe. Deutsche und polnische Kleinbauern-Genossen- +schaften, Vereine der Gutsbesitzer und Gross-Eigentuemer, die zugleich +die Zucker- und Spiritusfabrikation besassen, politische Organisationen +beider Sprachengemeinschaften, alle aber mit leicht antisemitischen +Tendenzen, die durch den in Berlin geborenen Antisemitismus erst voll +und ganz durchtraenkt werden sollten. Was dagegen der Jude an +Organisation entgegenstellte, war kaum der Rede wert. Er organisierte +sich nicht wirtschaftlich, sondern verzichtete darauf, sich in einen +Kampf einzulassen, in dem ausser Regierung und Verwaltung auch die +breite Masse des Volkes gegen ihn Stellung nahm, und verschwand in die +Grossstadt, wo er untertauchen konnte.[1] + + [1] Die oft zitierten juedischen Vereine haben keinen + wirtschaftlichen, sondern einen humanitaeren Charakter. + +Dadurch ist die unnatuerliche ploetzliche Ueberschwemmung der +Hauptstaedte mit Juden bedingt worden. Nicht nur die Jungen und Faehigen +kamen; viele, die sich nicht mehr anzupassen wussten, schwemmte die Flut +herein. Aeltere Menschen, die ueberall anstiessen, weil sie in dem neuen +Beruf nicht mehr von der Pike auf dienen konnten. Neben einer grossen +Menge von Begabten und Energischen auch "Luftmenschen", Bassermann'sche +Gestalten, labile Charaktere. Aber was das junge Blut anlangt, so kann +man leicht zeigen, dass es Deutschland zum Segen gereichte. Deutschland +ist der grosse, kraeftige und reiche Staat in hohem Masse auch durch die +Mitarbeit der _Juden_ geworden. + +Bekannt ist deren Mitwirken an der finanziellen Entwicklung. Die +Finanzgroessen, die die deutsche _Geldwirtschaft_ und die Grossbanken +schufen, waren zum grossen Teil Juden. Das Erstarken unserer +finanziellen Kraft liegt in der gluecklichen Ausgestaltung unserer +Finanzinstitute. Die Banken sind nach Sombart eine juedische Erfindung. +Die Barone Oppenheim sind die Gruender der ersten, der Darmstaedter +Bank. Neben den Rothschild's ragen als Eisenbahnkoenige einige juedische +Haeuser wie die in Bayern nobilitierten Eichthal und die spaeter in +Preussen geadelten Fould's, spaeter Dr. Strousberg und der Baron Hirsch +hervor. Das Bankhaus Mendelsohn hat heute noch seine nahen Beziehungen +zu den massgebenden Stellen des Reiches, und der Chef der Firma +Bleichroeder ist der Oeffentlichkeit populaer geworden, weil er Bismarck +zu der hohen franzoesischen Kriegsentschaedigung von 5 Milliarden in +Gold zu bewegen wusste. Auch die modernen Finanzgroessen, die Leiter +unserer wichtigsten Institute, zaehlen Juden an erster Stelle auf. Wir +erinnern an die von Cohn, von Wassermann, Fuerstenberg, Speyer-Ellissen, +von Schwabach, Goldberger . . . + +Die Arnold, Berliner und Deutsch sind Namen, welche in der neudeutschen +Wirtschaftsgeschichte einen guten Klang besitzen. Hagen-Koeln (frueher +Levy geheissen) war wohl einer der Maenner, welcher in dem Aufsichtsrat +der groessten deutschen Gesellschaften den maechtigsten Einfluss +besessen hat. + +Juden haben in Hamburg die _Strumpfindustrie_, in Fuerth das +_Spiegelglas_, im posenschen die _Schnapsbrennerei_ grossgemacht. Wir +treffen sie auch als Grossindustrielle in der _Seiden_fabrikation. + +Neben unseren vortrefflichen Geldinstituten haben uns vor allem unsere +grosszuegigen Wollfirmen die Kriegfuehrung erleichtert. Der deutsche +_Woll- und Baumwollmarkt_ ist von Juden geschaffen und auf die Hoehe +gebracht worden, die er heute einnimmt, wie wohl kein Kenner der +Verhaeltnisse bestreiten wird. Unter den vielen Tuechtigen verdienen +hier die Gebrueder Simon namentliche Erwaehnung. + +An den grandiosen Woll- und Baumwollhandel konnten sich die zahlreichen, +vielfach juedischen, Textilfabriken anlehnen. Die bluehende deutsche +_Konfektion_ ist quasi eine juedische Domaene. + +Daneben erinnere ich an den Leipziger _Rauch_markt. Wer die beruehmte +Pelzmesse kennt, weiss, dass juedischer Fleiss und Erwerbsfreudigkeit +hierin Deutschland eine erste Stelle in der Welt schuf. Die grossen +"_Felljuden_", welche unsere Lederindustrie mit ausbauten (z. B. +Adler-Oppenheimer), und die _Stiefelkoenige_ sind bekannt. + +Den Neid aller Voelker, den Stolz Deutschlands bedingte unsere so rasch, +fast ueber Nacht zu grandioser Groesse entwickelte _Handelsflotte_, die +auch in Kriegszeiten dem Reiche ihre Dienste leiht. Der Schaffer der +Hamburg-Amerika-Linie aber ist der viel genannte _Ballin_. Seine +Bedeutung fuer die Entwicklung Deutschlands wird einst die Geschichte zu +wuerdigen haben. + +Der Vater der _elektrochemischen_ Industrie war der juengst verstorbene +Rathenau, der Schoepfer der A.E.G. Sombart behauptet, dass auch die +Siemens und Halske-Werke erst den Wettkampf um die Vormachtstellung der +deutschen Industrie in aller Welt aufnehmen konnten, als der juedische +Direktor Berliner an leitende Stellung trat. Aber nicht nur in +friedlichen Zeiten bedang die A.E.G. Deutschlands Ruhm und Groesse. In +unserm Kriege haben sie Bedeutendes geleistet, wenn es jetzt auch noch +nicht Zeit ist, darauf naeher einzugehen. + +Viel geschmaeht worden ist die Arbeit der Juden auf dem Gebiete der +_Waffen-_ und _Munitionsfabriken_. Wie vereinzelte Sozialdemokraten die +Wichtigkeit der Kruppwerke und ihre vaterlaendische Rolle missverstanden +und vor der breitesten Oeffentlichkeit verunglimpften, so wusste +seinerzeit Ahlwardt den grossen _Loewe_konzern zu verdaechtigen. Aber +die "Juden"flinten, die Maschinengewehre und alle die Waffen, welche +unsere Heeresleitung von diesen Unternehmungen beziehen konnte, waren +letzten Endes nicht bedeutungslos. Der Nur-als-Kraemer und Schacherer +verschriene Jude hat dem Reich zu Kriegsbeginn wertvolle Staetten zur +Verfuegung stellen koennen: Angefangen von dem reich ueberfuellten +Wollmarkt, von den Handelsschiffen, welche die Flotte stuetzten, bis zu +den Fabriken, die direkt oder indirekt dem Heere alle Mittel moderner +Kriegsfuehrung lieferten. + +Wenn wir an die treue Mitarbeit juedischer Firmen in der +_Maschinentechnik_ anknuepfen, dann duerfen wir als deutsche +Unternehmungen von Weltgeltung herausgreifen die _Orenstein und Koppel_ +A.G., (Kleinbahn- und Baggerfabrikanten), die Mannheimer _Ladenburgs_, +die Nuernberger _Bings_. Selbst Erzschuerfungen (Hirsch und +Beer-Sondheimer-Kupfer) werden von ihnen inauguriert. Caesar Wollheim, +v. Friedlaender-Fould sind in 'Kohle' bekannt. Neben der Wichtigkeit des +Materials und der Arbeitsstaetten ist es Geheimrat Haber, der durch die +kuenstliche Gewinnung des Stickstoffes erst die ganze deutsche +Munitionserzeugung gewaehrleistete, und der (nach Davis Trietschs +Broschuere, "Juden und Deutsche: Eine Sprach- und Interessen- +gemeinschaft"[2]) juedischen Eltern entstammt. Auf solche Koepfe kann +die deutsche _chemische_ Wissenschaft stolz sein. Wie ja ueberhaupt die +chemische Industrie Deutschlands Groesse in der Welt mitgeschaffen hat. +(Es sei u. a. auch des juedischen chemischen Industriellen _Gans_ +gedacht, dessen Sohn uebrigens auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und +der Ballontechnik Bedeutung hat.) + + [2] Verlag R. Loewit, Wien 1915. + +Auch sonst waere noch viel aufzufuehren. Wir koennten manches ueber +andere Wirtschaftskomplexe hier anfuegen, so vom Tabakmarkt, von dem +Sombart behauptet, dass Juden die Tabakindustrie in Deutschland +einfuehrten. Ebenso wie in der modernen Zigarren- und +Zigarettenfabrikation halten Juden den Wettbewerb als Uhren-, Sekt- und +Schokolade-Fabrikanten und als Getreideimporteure usw. usw. + +Wir wollen nicht ermueden. Die Reichtuemer, die einzelne Juden sich +erwarben, waren nicht unverdient. Sie sind bedingt dadurch, dass +Deutschlands Handel und Wandel zu der Groesse gefuehrt wurde, die den +Neid der fremden Voelker erregte, aber damit auch unserem Lande die +Moeglichkeit gab, auch auf dem wirtschaftlichen Felde den allgewaltigen +Kampf gegen die Unmenge von Feinden so siegreich zu bestehen. + +Auf dem Zeitungsgebiet zeigten die _Mosse_, _Ullstein_, _Sonnemann_ +(Frankfurter Zeitung) ihre Tatkraft und schufen, trotzdem ihre Blaetter +als "verjudet" verschrien wurden, gewaltige Betriebe. _S. Fischer_ ist +der bedeutendste literarische Verleger, _Reinhardt_, der +_Buehnentechniker_, welcher dem modernen Theater reiche Impulse verlieh, +ist gleichfalls Jude. Als _Antiquitaetenhaendler_, _Numismatiker_, als +_Sammler_ jeder Art haben die Juden den deutschen Ruf in der Welt +mitbegruendet. + +Besonders stark angefeindet wurden sie in der Wissenschaft. Um auf +diesem Gebiete ihr Koennen einigermassen zu belegen, muessten wir allein +ein dickes Buch schreiben. Aber ein paar Beispiele duerfen wir wohl +geben. So ist in der Medizin die Lehre der _sexuellen Krankheiten_ durch +drei Juden -- _Neisser_, _Ehrlich_, _Wassermann_ -- in grandioser Weise +gefoerdert worden. Neisser, der Entdecker des Gonokokkus, Wassermann, +der feinsinnige Schaffer des luetischen Blutnachweises, und Ehrlich, +welcher eine moderne Waffe gegen die Syphilis schmiedete. Die _Juristen_ +sprechen von den Begruendern der deutschen Rechtswissenschaft, von +_Staub_ und _Dernburg_ mit all der Hochachtung, die man diesen kaum +vorenthalten duerfte. Die _Sprachwissenschaften_ (die _deutsche_ z. B. +vertreten durch _Mauthner_) schaetzen die juedische Mitarbeit; +_Statistik_, _Nationaloekonomie_, _Chemie_[3] sind wie _Literatur_, +_Musik_ und andere kulturelle Gebiete durch deutsche Juden befruchtet +worden. Auf _Schachturnieren_ (Lasker, Steinitz, Zuckertort, Tarrasch), +aber auch auf den olympischen Spielen, am Turf und auf gefahrvollen +Expeditionen bewaehrten sich Juden. _Emin Pascha_ hiess einst Schnitzer, +ein bedeutender Arabien-Forscher war _Glaser_, als einer der ersten +wirkte in deutschen westafrikanischen Schutzgebieten und erlag dort der +Malaria: Dr. _Kaiser_. . . . + + [3] Der letzte Nobelpreis fuer Chemie fiel nach Deutschland. Sein + Traeger wurde eine allgemein anerkannte chemische Autoritaet; der + Nachfolger Bayers in Muenchen, der Vorstand des dortigen + staatlichen Laboratoriums, Geh. Rat Professor Willstaetter. + + +Die antisemitische Bewegung, die vor dreissig Jahren gegen die Juden +entstand, ist dadurch erklaerlich, dass von den vielen hervorragenden +Verdiensten deutscher Juden viel zu wenig bekannt wurde. + +Die politische Geschichte uebergeht die Abstammung des ersten deutschen +Reichstagspraesidenten von Simson, der seinem Koenige mehrfach die +Kaiserkrone antrug. Das damals als Musterlaendle gepriesene Baden hatte +einen nicht einmal getauften Finanzminister: Ellinger. + +Das waren einzelne Personen, die ihr Bestes fuer das Werden des Reiches +einsetzten. Schon in den 40er Jahren waren es juedische Dichter in der +Sturm- und Drangperiode, welche fuer Einheit und Fortschritt eintraten. +Berthold Auerbach und Andere, deren Namen heute vergessen sind, mussten +wegen ihrer Zugehoerigkeit zu alldeutschen Burschenschaften hinter +Kerkermauern dafuer buessen, dass sie fuer ein geeintes Deutschland +agitierten. + +Bedeutender zeigt sich aber die Mitwirkung juedischer Elemente bei der +Ausgestaltung des deutschen _politischen_ Lebens. Kein Volk der Welt hat +ein so gut fundamentiertes Parlament, in dem so ueberzeugungstreue +Parteien sitzen, die nicht nach Laune, nach persoenlichen Vorteilen +stimmen, sondern die -- oft viel zu sehr -- nach theoretischen +Ueberlegungen und prinzipiellen Anschauungen den Fragen naehertreten. +Kein Abgeordnetenhaus hat sozialer und menschlicher gearbeitet. An ihren +Fruechten kann man am besten nicht nur die Baeume, sondern auch die +Parlamente erkennen. Unsere _konservative_ Partei feiert als einen ihrer +Mitbegruender Stahl; Lasker und Bamberger schufen die _liberale_ Partei; +Marx und Lassalle standen an der Wiege der _Sozialdemokratie_, die in +Singer, Haase, Bernstein und Frank mit ihre besten Fuehrer fand. + +Da wir noch keine Abhandlung ueber die juedische Mitarbeit an der +Entwicklung Deutschlands in der neuesten Zeit besitzen, so war es wohl +nicht unangebracht, sie mit einigen Beispielen zu belegen. Aehnlich wie +_Deutschland_ in der _Welt_, so machten sich die _Juden_ in +_Deutschland_ "unliebsam bemerkbar". + +Der Umwelt erschienen einst die deutschen Waren als "billig und +schlecht", die aufbluehende deutsche Flotte war den Englaendern, die als +handeltreibendes Seevolk ein Monopol anstrebten, eine freche Konkurrenz, +die deutsche Beteiligung in der Weltpolitik kam den Englaendern als +Aufdringlichkeit vor, selbst wenn sie noch so zurueckhaltend war. + +Dazu kamen noch historische Vorurteile, von welchen z. B. besonders die +Franzosen nicht loskamen. Das Geschrei der Gasse umnebelte selbst +intelligente Englaender, Franzosen, Italiener, Amerikaner, Rumaenen, +Russen. Auch in der neutralen Welt gibt es leider tuechtige Menschen, +die sich alle Fabeln ueber die Unkultur der Deutschen, ueber die +Eroberungssucht des Kaisers und seines Volkes zueigen machten. + +Geradeso hat man oft von den Juden gesprochen. Man hat sie des Mangels +an Kultur und an Redlichkeit geziehen und all des Schlechten, was man +den Deutschen heute nachsagt, beschuldigt. Wollten sie beim Militaer +Karriere machen, dann hinderte man sie daran; wenn daraufhin wieder +Manche keine sonderliche Lust am Dienste hatten, hielt man es ihnen +wieder vor. Wurden sie reich, dann erweckte das Eifersucht; war irgendwo +ein unbedeutender Jude, dann wurde daraus der Schluss gezogen, dass der +Jude ueberhaupt unfaehig ist. Es ist wirklich ueberraschend, wie +aehnlich das Eintreten Deutschlands in der grossen Welt, und das +Emporsteigen der Juden in Deutschland von der Aussenwelt gewertet +werden. + + +Wir sehen es ja in unserer Zeit, wie nichts zu plump ist, um geglaubt zu +werden, wenn ein Volk neidisch ist. An diesen Instinkt appellierten auch +die Antisemiten. Der Jude, der die deutsche Sozialdemokratie mitschuf, +soll an den Auswuechsen des Kapitalismus schuld sein, bloss weil findige +Koepfe, wie die Tietz, Wertheim, Jandorf, Israel, den Fabrikbetrieb, das +Maschinelle auch in den Kleinverkauf einfuehrten und das Warenhaus +schufen.[4] Und wie einstmals die Handweber die Fabriken stuermten und +die Maschinen zertruemmerten, so kaempften die kleinbuergerlichen +Kaufleute und Handwerker gegen die Riesenunternehmen, und verwechselten +Person und Sache. Wer diese modernen Erfinder hasste, wurde Antisemit. + + [4] Den "kleinen" Mann haben aehnliche Entwicklungstendenzen in den + meisten Faellen an die Wand gedrueckt. Grossbaeckereien, + Grossschlaechtereien, Waeschereien, Restaurationsbetriebe im + grossen, mit und ohne Filialen sind aehnliche Erscheinungen wie + das Warenhaus, welche die selbstaendigen Handwerker und + Kleinbetriebe in ihrer Existenz bedrohen. + +Wie _Deutschland in der Welt ueberall auf Neider stiess, so fand auch +der Jude in Deutschland ueberall missguenstige Seelen_. Wie beschraenkt +diese waren, geht schon daraus hervor, dass sie durch den Antisemitismus +alle sozialen Fragen und Schaeden zu loesen glaubten. + +Die antisemitische Literatur ist zwar recht armselig, aber Deutschland +hat das traurige Verdienst, diese "Wissenschaft" in der Hauptsache +geschaffen zu haben. Die anderen Laender, die sich vielfach viel laenger +und viel ungenierter in der Bedrueckung ihrer lieben Juden ueberboten, +bekamen leider von Deutschland neue Impulse. Die Pamphlete der Ahlwardts +gingen in alle Welt und richteten ausserhalb der schwarz-weiss-roten +Grenzpfaehle, besonders auch in Oesterreich, erschreckendes Unheil an. +Noch vor kurzem hat der grosse Staat Russland den Juden einen +Ritualmordprozess gemacht, nachdem vorher Oesterreich und Deutschland +ihre Ritualmordhetze gehabt hatten. Noch schmachtet in oesterreichischen +Kerkermauern ein wegen eines "Ritualmordes", -- wie alle Juristen +beteuern, unschuldig -- verurteilter armer Jude: Leopold Hilsner. Keine +Luege war den Antisemiten zu niedrig -- man lese nur ihre +Buecher -- keiner ihrer Fuehrer zu -- bedenkenfrei. Meist waren sie +recht dunkle Ehrenmaenner. Aber das Gift, das sie verstreuten, trug +dennoch eine reiche Saat. Ein Mann beteiligte sich dabei, dessen +Schriften man nicht so ohne weiteres mit denen der anderen vergleichen +darf: Houston Stewart Chamberlain. Chamberlain hat zwar neuerdings +einiges Wasser in seinen Wein gegossen. Er hat erklaert, seine frueheren +Behauptungen gegenueber den deutschen Juden[5] nicht aufrecht zu +erhalten. Chamberlain ist ein so massloser Chauvinist, dass er selbst +Christus als Germanen reklamieren zu muessen glaubte. Er, der noch vor +kurzem allen Germanen, auch den Englaendern, Lob sang, hat nun ein +Pamphlet losgelassen, fuer das es kaum ein Wort der Entschuldigung gibt. +Als geborener Englaender durfte er nie und nimmer in der Weise das Nest +beschmutzen, dem er entstammte. Es gibt nichts Veraechtlicheres, als +wenn Renegaten dem Volke, dem sie entstammen, in solcher Weise seine +Fehler vorhalten. Wenn sie, die die Schwaechen am besten kennen, sie +zusammenstellen, uebertreiben und daraus ein Urteil faellen. Wenn wir +nach der Methode Chamberlains dozieren wollten, muessten wir zu dem +Schlusse kommen: Alle Englaender taugen nichts. Der Englaender ist so +und so. Also ist auch Houston Stewart Chamberlain . . . So aehnlich +wurde naemlich nach H. St. Chamberlain ueber den semitischen Geist, +ueber den Juden im allgemeinen und im besonderen geurteilt, selbst wenn +er -- weit mehr als Chamberlain, der die deutsche Kultur erst seit +einiger Zeit genossen hat -- seit _Jahrhunderten_ Anteil an allen +Guetern deutschen Geisteslebens genommen hatte. + + [5] Das erklaert er _heute_, nachdem die Rassenverhetzung den Juden + das Leben auf Schritt und Tritt verekelt hat, nachdem seine + voreilige Behauptung gegen die Juden die christliche + Naechstenliebe bedingungslos aus Hunderttausenden zu Gunsten des + Hasses gegen alle Anhaenger des mosaischen Glaubens getilgt hat. + +Nein, "der Jude" in Deutschland war zum Teil tuechtig und faehig, zum +Teil faul und indolent. Er war auf der einen Seite ein stiller Mann der +Wissenschaft, der nach dem Muster des genialen Spinoza, Marx und vieler +anderer, die ohne nach der Anerkennung der Oeffentlichkeit zu lauern, in +stillem Kaemmerlein ihre Werke schufen.[6] Es gab aber auch +Eintagsgroessen, die sich kaum von Charlatanen unterschieden. Maezene +und Volksfreunde hat es unter den Juden gegeben, die ihr Vermoegen dem +Fortschritt hingaben, ohne dass es die Menge erfuhr. Keine ideale +Bewegung existiert, die nicht an den Juden reiche Foerderer hat: fuer +Frauenrechte, fuer Kinderschutz, fuer die Waisen, Arbeitslosen, Blinden +etc., die Bestrebungen fuer die Abstinenz, fuer Friedenspropaganda, fuer +Vegetarismus, fuer alte Buehnenkuenstler, fuer alle Kuenste, -- der Jude +hat seine Person, sein Ansehen und nicht zum mindesten sein Geld +jederzeit guten und idealen Zwecken zur Verfuegung gestellt. + + [6] So hat der auf dem Felde der Ehre gefallene jugendliche Komponist, + Kriegsfreiwilliger Walter _Asch_, wie eine Muenchener Zeitung + meldet, in allzu grosser Bescheidenheit als seinen letzten Willen + hinterlassen, dass seine Werke nicht gedruckt werden duerfen. + +Der Jude, der so sehr fuer jeden sozialen Fortschritt zu haben war, der +auf Grund alter historischer Gewohnheiten fuer den Ruhetag in der +Arbeitswoche, fuer das Angestelltenrecht etc. eintrat, der sich stets +fuer Freiheit einsetzte, wurde den Massen als Ausbeuter schlimmster +Sorte, als soziales Hemmnis hingestellt. Vergeblich sein Eintreten fuer +alle demokratischen Ideale, fuer individuelle Freiheit, fuer +internationale Verstaendigung. Wie der wirtschaftliche Neid nicht nur +den Blick truebt, sondern fast blind macht, sehen wir jetzt ja an den +Englaendern. Diese Gewaltsmacht, die so oft ganz real die Verhaeltnisse +beurteilte, schilt die Deutschen Barbaren, waehrend sie ihr Heer +zusammensetzt und sich verbuendet mit Hunderttausenden von Negern, +Indiern, Zuaven, Tscherkessen, Kosaken, Kalmuecken und allen +schiffbruechigen Existenzen der neuen und alten Welt. Dieses fuer Geld +geworbene Analphabetengesindel soll das Vorkaempfertum der Kultur sein! +Die Englaender, die am laengsten den Sklavenhandel geduldet, nein +gezuechtet hatten, die in Suedafrika die Burenfrauen mordeten, in +Aegypten die Vertraege brachen und die Indier verhungern liessen, sind +mit Recht als Heuchler an den Pranger gestellt worden. Bei den Franzosen +gelten _alle_ Deutschen als Boches, als Verbrecher und als +Schweine. . . . Dieser Weltkrieg, an dem 10 Millionen Juden beteiligt +sind und schwere Opfer bringen, darf nicht voruebergehen, ohne dass das +von Antisemiten getragene absprechende Urteil ueber sie in Acht und Bann +getan wird. Ein Urteil, das ebenso unberechtigt ist wie das der +Entente-Maechte ueber die Deutschen. Nicht nur, weil ein praechtiges +Kaiserwort das gehaessige Treiben der Rassen- und Religionsschnueffler +fuer die Dauer des Krieges unterband, sondern weil Deutschland und die +Welt einsehen muss, dass die Behauptung der Minderwertigkeit +Andersgearteter allzuoft nur eine billige, ueberall gehandhabte Waffe +des _Neides_ ist. + + +Und so unterstreichen wir nochmals die Tatsache: + + +Dass der Jude am Gemeinwohl, am Fortschritt, an der Entwicklung +Deutschlands freudig teilgenommen hat, kann kein objektiv denkender +Mensch bestreiten. Ob er als Buergermeister von Posen[7] oder als +Stadtrat von Berlin[8] oder Frankfurt, oder im Ehrenamt, oder als +Waehler einer Gemeinde seine Pflicht erfuellen konnte, -- als der +Abkoemmling einer alten Kulturrasse interessierte ihn alles oeffentliche +Leben. Die Staedte, in denen die Juden seit langem wohnen und eine +gewichtige Stimme haben, sind nicht schlecht damit gefahren. Das reiche +Frankfurt blueht, Nuernberg, Fuerth entwickeln sich ueberaus rasch, +Hamburg gedeiht. + +Die neueste Wissenschaft hat den Juden mehr Gerechtigkeit widerfahren +lassen. _Sombarts_ Arbeiten zeigten die Bedeutung der Juden. Es ist +ziemlich gleichgueltig, ob die Juden Handel und Wandel in die Orte +bringen, wohin sie kommen, oder ob sie ihn mit zur Bluete bringen. +Jedenfalls ist dort Entwicklung, wo sie unbedrueckt leben koennen. + + [7] Witting (Witkowski). + + [8] z. B. Cassel. + + +Ausserdem hat eine ziemlich starke Verschmelzung des Adels mit der +deutsch-juedischen Geldaristokratie, die uebrigens auch ca. 100 geadelte +Familien zaehlt, stattgefunden. Ebenso ist in den besten buergerlichen +Kreisen vielfach eine Vermischung eingetreten. Solchen Familien +entstammte z. B. Dernburg, der bekannte Kolonialpolitiker, Heyse, der +Schriftsteller, der Admiral Bendemann, andere fuehrende Maenner sind mit +Juedinnen verheiratet.[9] + + [9] So sind z. B. die Nachkommen der bekannten juedischen + Gelddynastien Gumpert und Heine aus Hamburg mit dem deutschen und + internationalen Hochadel verschwaegert, ebenso wie die als + Rennstallbesitzer geschaetzten v. Oppenheimer aus Koeln, v. + Weinberg aus Frankfurt, die Bernstein-Becker aus Koenigsberg, v. + Hirsch-Gereuth aus Muenchen. Urspruenglich juedisch waren folgende + nobilitierte Familien: v. Ukro, v. Oppenfeld, v. Renard, v. + Mossner, v. Schwanenfeld, v. Halle, v. Loewenthal u. a. + + + + *Die Juden im Kriege.* + + +Obwohl nachweislich viele juedische Burschenschafter fuer das +schwarz-rot-goldene Band gekaempft und gelitten hatten, obwohl in der +Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne juedische Burschenschafter an der +Spitze der Verbindungen standen, erklaerte 50 Jahre spaeter der +Weidhofener Verband der deutsch-oesterreichischen Burschenschaften alle +Juden insgesamt fuer jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die +Satisfaktion, also auch denen, die bis kurz vorher als alte Herren dem +Verband angehoert hatten. Dieselbe Ueberhebung, die ein anderer grosser +studentischer Verband zeigte, als er Naumann und andere hoechst +ehrenwerte deutsche Politiker wegen 'sozialistischer' Tendenzen +ausstiess, veranlasste geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch +und Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt die +Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdaechtigung uns nach. Auch dem +juedischen Soldaten. + +Der Jude hat sich als Soldat bewaehrt. In allen Kaempfen der letzten +Jahre haben sich Juden bewaehrt. Die Bulgaren und Tuerken haben sie im +vorletzten Krieg vielfach geruehmt. Selbst im antisemitischen Rumaenien +ist ein juedischer Oberst (Brociner), der sich im Krieg 1878 +auszeichnete, der Kommandeur der Leibgarde und des Koenigl. Schlosses. +In Oesterreich sind Juden kommandierende Generale, in Italien war der +fruehere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon hatte +juedische Heerfuehrer. + +In den deutschen Freiheitskaempfen gab es viele freiwillige juedische +Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch den Offiziersrang. Auch +spaeter konnten Juden, hauptsaechlich anno 1870, Offiziere werden; +aktive Offiziere standen nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier +hauptsaechlich Reserveoffiziere und aktive Militaeraerzte, ein Jude +brachte es einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major.[10] + + [10] In Bayern gibt es jetzt aktive juedische Majore und + Oberstabsaerzte, erstere etwa fuenf, von letzteren, soviel bekannt + wurde, sieben. In Oesterreich haben sich Juden als Generale + ausgezeichnet; aktive Offiziere gibt es einige Hundert. Nach + Bloch's "Oesterreichische Israel. Wochenschrift" haben sehr viele + waehrend des jetzigen Krieges ein glaenzendes Avancement erfahren. + Eine soeben erschienene Broschuere Ludwig Geiger's "Deutsche Juden + und der Krieg", die mir bei der Korrektur vorliegt, bringt + genauere Zahlen ueber die Beteiligung der deutschen Juden an den + Kriegen des XIX. Jahrhunderts. Hardenberg anerkannte danach schon + am 4. 1. 1815: "Die jungen Maenner juedischen Glaubens sind die + Waffengefaehrten ihrer Mitbuerger gewesen, und wir haben unter + ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes und der ruehmlichen + Verachtung der Todesgefahr aufzuweisen, sowie die Einwohner + Berlins, namentlich auch die Frauen, in Opfern jeder Art sich den + Christen angeschlossen haben." + + Eine Denkschrift der Regierung Preussens vom Jahre 1847 ermittelte + das Verhalten der Juden als Soldaten und stellte fest, dass die + Juden in den Freiheitskriegen wie im Frieden den uebrigen Truppen + nicht nachstanden. + +Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure auf den +Standpunkt, den einmal der leider auf dem Felde gefallene Hauptmann von +Treskow also praezisierte: "Wenn wir die Juden prinzipiell nicht +befoerdern, duerften wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen". +Nach Schaetzungen werden jetzt ueber 900 Juden als Offiziere, +ungerechnet die Militaeraerzte, im Felde stehen. Viele sind wegen +besonderer Tuechtigkeit befoerdert worden, das "Hamburger Israel. +Familienblatt" stellte schon ueber 20 Traeger des Eisernen Kreuzes I. +Klasse fest (z. B. der Flieger Frankl, der Reichstagsabgeordnete Haas), +darunter waren alle Waffengattungen vertreten. Auch bei der Marine und +in den Schutztruppen haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem Kriege +werden die Ziffern insgesamt zur Verfuegung stehen. Das in Breslau +erscheinende "Juedische Volksblatt" hat die Namen veroeffentlicht, die +bestimmt dem Judentum angehoeren. Darnach haben bis zum Herbst 1915 +knapp 5000 Juden (also fast 1% der gesamten deutschen Judenheit!) das +Eiserne Kreuz erhalten, von ueber 3000 Juden konnte namentlich +festgestellt werden, dass sie den Heldentod fuers Vaterland gefunden. +Leider kann diese woechentliche Zusammenstellung nicht den Anspruch auf +Vollstaendigkeit erheben. Da die juedische Jugend, soweit sie nicht +gedient hatte, gleich zu Beginn des Feldzuges freiwillig in grosser Zahl +(-- es waere sehr interessant, wenn die Heeresverwaltung diese Ziffer +veroeffentlichen wuerde --) sich stellte, sind die Verluste sehr +stark.[11] In allen juedischen Jugendvereinen wird diese Tatsache +festgestellt. So ist z. B. in der juedischen Turnerschaft eine +Kriegssterblichkeit, die sich in den einzelnen Untervereinen bis 33% der +Mannschaften (wie z. B. bei dem Ruderklub 'Ivria') stellt. Die meisten +Turn- und Sportvereine der juedischen Turnerschaft mussten zu Beginn des +Krieges ihren Betrieb aufgeben, da alle Mitglieder zu den Fahnen eilten. + + [11] Die "Leipziger Neuesten Nachrichten" konstatierten, dass die in + Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher + Staatsangehoerigkeit, in grosser Zahl freiwillig zu den Fahnen + eilten. + +Die Mitglieder der juedischen studentischen Verbindungen stellten +gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern des K. C. +(Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell juedischer Verbindungen) +rueckten fast alle aus; ein Drittel davon als Kriegsfreiwillige. Sehr +zahlreich war auch die Beteiligung freiwilliger juedischer Aerzte. Nach +einer Statistik betraegt die Verlustliste bei den juedischen Aerzten +schon ueber Hundert. Auch der juedische Arzt hat an der Front und im +Seuchenlazarett seinen Posten ausgefuellt. + +Der tapfere juedische Soldat und Offizier verschwindet oft in der Menge. +So glaubte man z. B. allgemein nicht, dass der einzige Soldat, der bei +meinem Regiment das Eiserne Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besass, ein +Jude war (der spaeter als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an +einer juedischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp bis zum +Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die Tuechtigkeit des +juedischen Vorgesetzten und Soldaten von hohen Offizieren anerkannt +worden. Exempla docent. Die ueberaus grosse Zahl von Befoerderungen, +Dekorationen etc., ueber die sich jeder, namentlich z. B. im "Hamburger +Israelitischen Familienblatt" informieren kann, gibt die beste Gewaehr. +Der oesterreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit genommen, sich +dahin auszusprechen, dass der persoenliche Mut und die Zuverlaessigkeit +des juedischen Soldaten durch diesen Krieg aufs neue bewiesen +wurden.[12] + + [12] Ueberall ist die Tapferkeit der Juden anerkannt worden. + + Prinz Fuad, der Fluegeladjutant des tuerkischen Sultans, hat dem + offiziellen ungarischen Pressevertreter folgende Erklaerung + abgegeben (in der deutschen Presse im Jued. Echo, Muenchen, Nr. + 27, 1915, wiedergegeben): + + "Die juedische Legion, welche auf den Dardanellen operiert, + verrichtet wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein + tuerkischer Jude, bekam den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung. + In den uebrigen Militaerteilen kaempfen die Juden mit andern + zusammen ausgezeichnet. Die tuerkischen Militaerbehoerden machen + daher keinen Unterschied zwischen juedischen und nichtjuedischen + Soldaten. Das Gleiche kann hinsichtlich der juedischen + Zivilbevoelkerung gesagt werden, welche im jetzigen schweren + Moment opferwillig dem Lande hilft, soviel sie nur vermag. Die + juedischen Bestrebungen in Palaestina sind gut bekannt; niemand + zweifelt an dem Patriotismus der tuerkischen Juden". + + Und Gustav Herve sagt ueber die viel geschmaehten russischen + Juden -- welche ein eignes Regiment gebildet hatten und in den + erbitterten Fruehjahrskaempfen bei Arras fielen -- bei Gelegenheit + der Veroeffentlichung von Briefen gefallener Juden der juedischen + Fremdenlegion: + + "Held Litwak -- du, dessen herrlicher Brief, geschrieben am Tag + deines ruhmvollen Todes bei Carency an der Seite von 2000 + Mitjuden, ich unlaengst abgedruckt habe, vergib diesen armen + Sergeanten, die euch monatelang als schmutzige Judenbuben und + aehnlich beschimpft haben -- euch, die ohne dazu verpflichtet zu + sein, in einem Augenblick edler Begeisterung euer Blut grossmuetig + an Frankreich dahingegeben habt, das in euren Augen das Sinnbild + aller Freiheit und sittlichen Groesse war." . . . Und das beste + Zeichen, wie sehr die Juden freiwillig fuer die Freiheit zu + kaempfen wissen, dass gerade die Anfuehrer der polnischen + Legionisten fast durchwegs Juden sind: Nach dem Jued. Echo (Nr. + 31, 1914, Muenchen) ist der Vorsitzende des Polnischen Nationalen + Hauptkomites und der Legionen ein Jude namens Mosche Scherer und + ebenso eine ganze Anzahl von Fuehrern der Legion. + +Ebenso wie der sozialdemokratische wurde auch der juedische Soldat +endlich einmal von den Meisten vorurteilsfrei betrachtet und bewertet. +Natuerlich gibt es auch Faelle, wo sich Vorgesetzte noch nicht in den +Gedanken der Gleichwertigkeit "solcher Elemente" hineinleben konnten. + +Die ungeheure sozialdemokratische Begeisterung ist nicht zuletzt das +Produkt der so oft geschmaehten "inter"-nationalen Denkweise juedischer +Fuehrer, mit der man frueher alles Unrecht gegen Juden deckte und +erklaerte. Die Fuehrer haben ihren Patriotismus nicht nur durch billige +Phrasen dokumentiert, sie sind nicht wie andere Sozialistenfuehrer a la +Vandervelde als Wanderredner durch die Lande gefahren, um die Menschen +aufzuwiegeln, haben a la Herve billige blutruenstige Artikel geschrieben +oder sich als Leutnants, wie D'Annunzio, zu Hause wichtig gemacht. Der +Jude _Ludwig Frank_[13], vielleicht der faehigste Kopf in der +sozialdemokratischen Partei, trat als einfacher Soldat in Reih und Glied +und fiel -- wie er es wuenschte -- als ein einfaches, aber schoenes +Beispiel treuer Vaterlandsliebe. + + [13] Der bekannte Genosse Davidsohn "nur" zweimal verwundet, nunmehr + Offizierstellvertreter. + +Aber nun kam, was nicht kommen durfte. Man hat in vielen Zeitungen ueber +den Mannheimer, ueber den Rechtsanwalt, ueber den Sozialdemokraten Frank +geschrieben. Man hat bewiesen, dass ein Sozialdemokrat patriotisch sein +koenne. Dass er aber ein Jude war, diese Tatsache wurde nach +Moeglichkeit verschwiegen. -- Nicht zum Beweis der Tapferkeit und der +Vaterlandsliebe wollen wir Frank als Juden registrieren. Es liegt +eigentlich eine unglaubliche Verworfenheit des Charakters vor, wenn +jemand von einer kulturell so hochstehenden Rasse wie der juedischen, +von der Tausende im oeffentlichen Leben wirken, welche alle +Kulturstaetten deutscher und anderer Bildung genossen haben, annehmen +koennte, dass Mannesehre und Wuerde bei ihnen nicht zu finden waere. + +Dass man bei allen Nachrufen aber sichtlich vergessen wollte, zu +erwaehnen, dass der erste deutsche Volksfuehrer, welcher mit seinem Tode +die Treue zur Heimat und zum Staate besiegelte, ein Jude war, ist keine +erfreuliche Erscheinung.[14] Ebensowenig wie die Tatsache, dass die +Dichter des grossen Krieges, die zuerst verwendet wurden und starben, +Juden waren. Wir nennen nur _Zuckermann_, der das wundersame +oesterreichische Reiterlied empfand, und _Heymann_, den jungen +Koenigsberger Lyriker, sowie den Schlesier Georg _Hecht_. Man hat so oft +ueber die billige Poesie, wie sie Literaten hinterm Schreibtisch +gewinnsuechtig betreiben, gespottet. Zuckermann, Heymann, Georg Hecht. +_Ich kannte die gluehende Begeisterung, die sie mit dem Leben zahlten._ + + [14] Dagegen unterstreichen z. B. die deutsch voelkischen Blaetter + haemisch, dass Haase, welcher den verunglueckten Aufruf + veranlasste, _Jude_ sei, was man zu Kriegsbeginn, als er noch in + minder unsympathischem Fahrwasser segelte, sorgsam unterliess, bei + ihm zu erwaehnen. + + Eine typische Todesanzeige fuer einen aktiven juedischen Offizier + mag hier folgen: + + + + + Gestern Abend um 1/29 Uhr verschied in der Medizinischen Klinik + des Buergerspitals zu Strassburg + + *Herr Major* *Max Hollerbaum* + + *Kommandeur des B. Landsturm-Infanterie-Bataillons Passau II + Ritter d. Eisernen Kreuzes, d. K. B. Militaer-Verdienstordens + usw.* + + Das Bataillon steht in tiefer Trauer an der Bahre seines ersten + Kommandeurs. + + Durch und durch Soldat, ein vornehmer, ritterlicher, + zuverlaessiger Charakter, durch Willenskraft und warmherziges + Wohlwollen gleichmaessig ausgezeichnet, war er uns allen + vorbildlich auch durch den Heroismus, den er im Kampfe gegen ein + langwieriges, schweres Leiden bis zuletzt bewahrt hat. Es war ihm + nicht vergoennt, wie an dem Kriege um die Gruendung des Reichs so + an dem um seine Behauptung bis zum ehrenvollen Abschluss + teilzunehmen. Aber er hat Treue bis zum Tode gehalten, und sein + Gedaechtnis wird in hohen Ehren bleiben. + + Am 27. September 1915. + + *Fuer das Landsturm-Infanterie-Bataillon Passau II* + + I. V.: *Hauptmann Freiherr von Pechmann.* + + + + Anschliessend mag noch bemerkt werden, dass Major Hollerbaum nicht + der einzige aktive juedische Offizier in der bayerischen Armee + war. Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien + nur einige namentlich genannt: Der alte bayerische + Kuerassiergeneral Carl Ritter v. Obermayer, Major Isidor Marx + (Vater) und Major Maximilian Marx (Sohn), die Majore Orfenau, + Friedmann, Henle u. a. Ausserdem gab und gibt es viele juedische + aktive Sanitaetsoffiziere, Militaerbeamte und auch untere Chargen. + +Wie aber war die Haltung der juedischen Bevoelkerung vor dem Ausbruch +des Krieges? Die Juden haben sich in allem ueberaus wuerdig benommen. +Dass sie als Kaufleute und Bankiers usw. nicht wie die Militaers +bestaendig sich um die Militaerangelegenheiten bekuemmerten, ist +selbstverstaendlich. Das beruehmte "juedische _internationale_ +Grosskapital", von dem soviel gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten. +Die juedischen Bankiers und die juedischen Kaufleute benahmen sich nicht +anders wie die andern Schichten der Bevoelkerung. Ruhig und ernst, wie +es der Situation entsprach, als ihre Soehne entweder freiwillig oder als +Militaerpflichtige hinauszogen. Reiche Gaben und Spenden flossen allen +Instituten von ihnen zu. Und was in der Heimat geleistet werden konnte, +wurde getan. Maenner wie Ballin, Rathenau, Riesser ruhten im Kriege +nicht. Es ist noch nicht die Zeit, ihrer Verdienste fuer die +Volksernaehrung, fuer die Munitionsergaenzung und anderer Dinge zu +gedenken.[15] + + [15] Otto v. Gottberg, die offizioese Feder unseres Kriegsministeriums, + schreibt in einem Artikel "D. K. R. A." ueber Rathenau: "Er kam + ohne Ruf und Amt, ein Deutscher in Sorge um das Vaterland. Wie + wenige ein Kenner unserer Wirtschaft, fuehlte Dr. Walter Rathenau, + dass Deutschland einen laengeren Krieg siegreich nur dann + ueberstehen koenne, wenn der Staat ohne Saeumen zu organisiertem + Sammeln, Sparen und Mehren der fuer die Kriegfuehrung noetigen + Stoffe schritt. Der Kriegsminister sah den Mann, den er gesucht + hatte. Sankt Bureaukratius schlug wohl unter Protest die Haende + ueber dem Kopf zusammen, als der General den Zivilisten, Doktor + und Ingenieur mit hoeflicher Geste beim Kragen nahm und im + Allerheiligsten der Heeresverwaltung in einen Stuhl setzte mit dem + Auftrag, die Kriegs-Rohstoff-Abteilung ins Leben zu rufen." + + Die Art, wie Rathenau die Aufgabe in achtmonatlichem Wirken + loeste, sichert ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte des + Wirtschaftskrieges. + +Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine zu geringe +Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen Gruenden oder aus +Laune Junggesellen; die vielen Spaetehen der akademischen Kreise und der +Kaufleute bedingten einen hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die +Kinder haben, begnuegen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit, +welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen hat, wird der +Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er raecht die Beschraenkung der +Kinderzahl. + +Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwaechte deutsche +Judenheit weiss, dass dieses elementare Ereignis ihre Reihen noch mehr +lichten wird. Alte Familien werden durch den Krieg erloeschen, die +deutsche Judenheit wird unendlich geschwaecht und in ihrer Existenz +erschuettert aus dem Kriege hervorgehen. + +Die juedische Jugend zahlte gern die Teilnahme an der deutschen +Kulturgemeinschaft mit dem Tode. + + + + + + + + + * Juden im Ausland.* + + +Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien hat nur 40000, +Frankreich 120000, England nicht ganz 300000, also alle drei Laender +zusammen nicht viel mehr als Preussen. In der englischen Regierung sass +vor 35 Jahren ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck +eine Verstaendigung der beiden Laender herbeifuehrte. Heute hat im +britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille, das des +Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten eine Stimme hat. + +In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften +italienischen Juden und einer englischen Christin. Ausserdem ist in +Italien der Finanzminister Luzzatti Jude, der sich urspruenglich gegen +den Krieg aussprach.[16] Das judenreinste Kabinett Russlands traegt die +Hauptverantwortung fuer diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am +wenigsten zu sagen haben, hat am staerksten zum Kampf gedraengt. + + [16] Die Abkunft Barzilais' ist uebrigens nicht sicher auf Juden + zurueckzufuehren. + +In England lag die Entscheidung ausschliesslich bei wenigen Nichtjuden. +Bedeutende englische Juden hatten sich gerade in den letzten Jahren fuer +eine gegenseitige Annaeherung Deutschlands und Englands bemueht, weil +sie instinktiv die Entfremdung der Laender bemerkten.[17] Als der Krieg +begann, legten Sir Cassel und Sir Speyer ihre Wuerden nieder. + + [17] Dafuer hat Ernst Cassel Millionen gespendet, die er dem Kaiser + uebermittelte; der einzige Englaender, der sich die Freundschaft + der beiden Laender etwas kosten liess und sich ernsthaft darum + bemuehte. + +In Frankreich war das Kabinett wie in Russland und Serbien "judenrein". +Die Juden an der Pariser Boerse haben wahrlich keinen Krieg inszeniert. +Als der Krieg aber ein fait accompli geworden war, haben einzelne +fruehere Deutsche resp. Elsaesser in Frankreich und England aus der +Angst fuer ihre Existenz unsympathische Kundgebungen erlassen. Ob sich +darunter viele Juden befanden, weiss ich nicht. Ich konnte es nicht +erfahren. Der beruechtigte Obermacher der Bethlehem Steel Company, +_Schwab_ in Amerika, welcher wohl der anruechigste Typ des Renegaten +ist, stammt von wuerttembergischen Eltern, ist nicht, wie deutsche +antisemitische Blaetter verleumderisch behaupten, ein Jude. Er ist +vielmehr der Nachkomme eines Pfarrers. + +Wenn in einem Staate eine ziffernmaessig einflussreiche juedische +Volkschaft war, die sich fuer den Frieden haette einsetzen koennen, so +waere es die Russlands gewesen. An sieben Millionen Menschen, die aber +in der Duma nur durch _einen_ Abgeordneten vertreten sind. (Auf diese +Juden werden wir noch spaeter zu sprechen kommen.) Sie waren vollkommen +machtlos. + +Der Jude ist nicht, wie das alte, aber abgeschmackte Maerlein der +Antisemiten es will, der Brandzuender des Weltkrieges gewesen. Er war +ein Freund des Friedens. Er wuerde als Kriegshetzer auch am allermeisten +gegen sein Interesse handeln. Der Beamte wird im Krieg durch den Staat +hinreichend oekonomisch geschuetzt, der Bauer findet nach dem Kriege +immer seinen Grund und Boden wieder. Der Jude aber als Kaufmann hat +durch die Unterbindung des Aussenhandels enorm verloren. Bei einer +grossen Zahl der juedischen Firmen ist mit einem Schlage der Lohn +arbeitsvoller Jahre dahin gewesen. Und nach dem Kriege wird es auch fuer +sie des groessten Fleisses beduerfen, um nur annaehernd das wieder zu +erreichen, was man vorher an Wirtschaftsbeziehungen besass. + +Am meisten unter allen Voelkern haben die _Juden in Oesterreich_ +gelitten. Die Besetzung Galiziens und der Bukowina stuerzte 800000 Juden +ins Unglueck. Der ruthenische oder polnische Bauer wurde von der +russischen Regierung mit aller Schonung behandelt. Gegen den Juden ist +man jedoch mit aller Niedertracht verfahren, die man sich denken kann. +Der Bauer hat sein Heim, seine Ernte, seinen Verdienst behalten. Der +galizische Jude ist --, wenn er nicht gar nach Sibirien transportiert +wurde, -- zum armseligen Bettler geworden. Sein Haus, seine Ware, sein +Geld vernichtet, er selbst brotlos und heimatlos. Man lese darueber das +Buch Segels "Der Weltkrieg und das Schicksal des juedischen +Volkes"[18] -- und man wird das Gruseln dabei lernen. + + [18] Verlag Stilke, Berlin 1915. + + +Eines der auch amtlich nachgewiesenen Ereignisse moechte ich hier zur +Probe nach der Schilderung Benjamin Segels wiedergeben: + +"Im 16. Jahrhundert pflegten sich die Kosaken im Kampfe gegen Polen +eines von den Tataren entlehnten Kriegsmittels zu bedienen: wenn sie +eine Festung stuermten, trieben sie mit Lanzenstichen und Gewehrfeuer +Gefangene vor, die Saecke voll Erde auf den Schultern trugen und unter +dem Kugelregen ihrer eigenen belagerten Landsleute die Laufgraeben um +die Festung ausfuellen mussten, wobei sie unter der Last begraben +wurden. Diese unmenschliche Sitte ist aus dem Kriege zwischen +zivilisierten Voelkern verschwunden. Die Japaner haben nur oftmals gegen +die russische Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer +auffingen. Die Russen aber haben in Galizien aufs neue den Brauch +eingefuehrt, Menschen, wehrlose Menschen zu diesem Zwecke zu gebrauchen. +Nicht etwa Gefangene, sondern Nichtkaempfer, Greise, Frauen und Kinder. +Vor _Nadworna_ im Suedosten Galiziens geschah das Furchtbare. Die Russen +brachten _eintausendfuenfhundert juedische_ Familien zusammen und +trieben sie vor die oesterreichische Front, waehrend sie selber +hinterdrein vorrueckten. + +Die menschliche Sprache hat keine Worte, um das Grausame dieser Untat +auch nur annaehernd zu kennzeichnen." -- + +Bekannt sind die Befehle russischer Kommandanten, von denen ich z. B. +den des Etappenkommandeurs von Krosna, vom 10. Maerz, wiedergebe: + +"Fuer jeden Fall, in dem die deutsche oder oesterreichische Regierung +jemanden aus der nichtjuedischen Bevoelkerung bestraft, sind die Juden +verantwortlich. Zu diesem Zweck werden juedische Geiseln mitgenommen und +fuer jeden Nichtjuden wird man zwei Juden umbringen." + +Das Stockholmer Blatt "Sozialdemokraten" konstatierte: Jeder russische +General, der eine Niederlage erleidet, schiebt die Schuld einfach +auf -- die Juden in dem Gebiete, wo er ist. Die Juden wurden zu +Zehntausenden ausgewiesen: auf lose Angebereien wurden sie erschossen +und erhaengt. + + +Und in _Russland_? Die russischen Juden duerfen, das ist in Deutschland +kaum bekannt, nur in den westlichen polnischen, litauischen und +bessarabischen Provinzen Russlands wohnen und auch hier nicht auf dem +Lande, sondern nur in den Staedten. Sie sind vom Ackerbau abgeschlossen, +Bodenerwerb ist ihnen streng untersagt. Kuenstlich hat die russische +Regierung alle modernen Bildungsbestrebungen verboten, alle +freiheitlichen Regungen unterdrueckt, die idealistische Jugend, die ihre +Glaubensgenossen organisieren wollten, die fuer irgend einen Fortschritt +kaempften, gefangen gesetzt. Tausende gerade der Faehigsten sind +ausgewandert. Amerika nahm allein 2 Millionen dieser unfreiwilligen +Emigranten auf. Was blieb, ist ein Torso. Die staendigen Judengesetze +und Verordnungen treiben willkuerlich die Juden in gewissen Staedten +zusammen. So hat das Jahr 1882 eine masslose Ueberfuellung des +Ansiedlungsrayons hervorgerufen. Das polnisch-juedische Ghetto ist ein +modernes Kunstprodukt, wofuer die russische Regierung verantwortlich +zeichnet. Mit Gewalt haelt die Obrigkeit die juedische Bevoelkerung in +Armut, hindert jede hygienische Regung und verbietet alle geistigen +Bestrebungen. Es ist unmoeglich, dass die Verhaeltnisse anders sind, als +wir sie antreffen, und das antisemitisch absprechende Urteil +beruecksichtigt nicht, dass es sich um ein Volk handelt, das in allem +geknebelt und entrechtet ist. Der Krieg, der sich im Westen Russlands +abspielt, hat naturgemaess die Juden am staerksten betroffen. + +Hunderte juedischer Gemeinden sind zertreten. Ich habe selbst viele in +Polen sowie noerdlich der Weichsel und besonders im Gouvernement Kowno, +sowie in Kurland gesehen. + +Ueber die Lage der Juden in Russland informiert das Buechlein von Kurt +_Aram_: Der Zar und seine Juden[19] ("Das juedische Elend in Warschau +ist doch noch viel graesslicher als alles andere, was ich sah.") Und Dr. +Claus schreibt im Russenheft der Sueddeutschen Monatshefte: "Schon in +Friedenszeiten war das Elend unter den Juden gross; wer einmal einen +Einblick in die Ghetti Warschaus oder einer litauischen Stadt getan hat, +wird das Bild des Grauens so leicht nicht los." + + [19] Verlag Ullstein, Berlin. + +Ich will nicht eingehend ueber all das Grauenhafte schreiben, was selbst +die russische Zensur in ihren Blaettern bringen liess. Einwandsfreie +nichtjuedische Abgeordnete haben in den denkwuerdigen Dumatagen des +August das tragische Geschick des juedischen Volkes, das von der +Regierung zu allen Zeiten als Blitzableiter dienen musste, +gekennzeichnet. Geben wir der "Guerre Sociale", dem bundesgenoessischen +Blatt, darueber das Wort: + +"Das oesterreichische wie das russische Polen ist von Polen und Juden +bewohnt. Was hat man getan, um z. B. die Juden fuer die Sache der +Verbuendeten zu gewinnen? Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en +bloc in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn alles das, was +amerikanische Blaetter ueber die den Juden seit Kriegsbeginn zuteil +gewordene _schmachvolle Behandlung_ mitteilen, wahr ist, wie kann +Russland dann fuer sie etwas anderes sein, als ein _Land des Schreckens +und der Schande_, wo ihre verfolgte Rasse den Becher bis zur Neige +geleert hat." + +Und nochmals die "Guerre Sociale" (Gustav Herve): "Mir kommt nicht zu, +in diesem Augenblick, wo das befreundete und verbuendete Russland +schmerzliche Stunden durchlebt, davon zu erzaehlen, wie es viel zu lange +die Juden behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren +sie im Mittelalter behandelt haben." + +Und schliessen wir mit den mutigen Worten des juedischen Dumadeputierten +_Friedmann_, den keine Angst vor Einkerkerung oder vor Sibirien abhalten +konnte, nach allen vorliegenden Zeitungen u. a. folgendes festzustellen: + +"Die Zeitungen registrierten eine ungeheure Menge juedischer +Kriegsfreiwilliger. Diese Freiwilligen sollten ihrem Bildungsgrad nach +Anspruch auf Offiziersrang haben, aber sie wussten ganz gut, dass sie +als Juden den Offiziersrang nicht bekamen. Trotzdem zogen sie in den +Krieg. + +Zahlreiche juedische Studenten kamen aus dem Ausland und gingen an die +Front. Die Juden zuhause bauten Lazarette, spendeten viel Geld und +brachten verhaeltnismaessig _weit groessere Opfer als andere Nationen_. + +Viele juedische Soldaten bekamen auch das Georgskreuz. (Ich habe selbst +verschiedene gesehen. Der Verf.) So war die Stimmung der Juden bei +Kriegsausbruch. Aber wir duerfen nicht vergessen, dass im Polenland +juedisches Blut in starken Stroemen fliesst, und zum Unglueck nicht nur +von Feindeshand. Militaerbehoerden und Regierung brauchten Suendenboecke +fuer ihre Misserfolge. Man benutzt zu diesem Zweck die alte Firma, das +ist der Jude. Kaum ueberschritt der Feind die Grenze, so verbreiteten +sich Geruechte, dass juedisches Gold auf Aeroplanen, in Saergen und +Eingeweiden von Gaensen zu den Deutschen floss. Die Legende wuchs, sie +verbreitete sich dank der Agitation der Regierungsagenten und nahm +schliesslich ungeheure Dimensionen an. Den Juden gegenueber wurden +unerhoerte Massnahmen angewendet und diese Massnahmen, die vor den Augen +der ganzen Bevoelkerung vollzogen wurden, floessten derselben und der +Armee das Gefuehl ein, dass die Juden als schlimmste Feinde ausserhalb +des Gesetzes stehen. Zuerst wurden alle Juden aus Polen und Litauen +ausgewiesen. _Ueber eine Million_ Menschen musste den Bettelstab +ergreifen. Verwundete juedische Soldaten mit dem Georgskreuz wurden in +Viehwagen und wirklich wie Vieh mit einem Frachtschein abtransportiert. +Juedinnen, deren Maenner, Kinder und Brueder ihr Blut fuers Vaterland +vergossen haben, wurden ueberall verfolgt. Eine andere harte Massnahme +war das Geiselnehmen. Es handelt sich hier um einen unerhoerten Fall in +der Weltgeschichte. Man nahm als Geiseln Staatsangehoerige des eigenen +Landes. Anders als eine Schmach kann man das nicht nennen." + +Trotzdem Millionen nur Jiddisch verstehen, wurden in ganz Russland die +Korrespondenzen, Telefongespraeche, Unterhaltungen auf der Strasse in +Jiddisch verboten und die Ungluecklichen eingekerkert, die dagegen +verstossen mussten. + +Russland erklaert, dass des Zaren "liebe" Juden Freunde der Deutschen +sind, dass sie denen zu Liebe spionieren, ja sogar auf die russischen +Truppen schiessen. Gewiss bestehen vielfach Sympathien fuer die +Deutschen auf Seiten der russischen Juden, weil viele Deutsche zwar auch +Antisemiten, aber doch nicht so grausame Feinde der Juden sind wie die +Russen. Aber zwischen einigen Sentiments und zwischen der Aeusserung +irgendwelcher staatsfeindlicher Gefuehle ist doch noch ein sehr weiter +Sprung. Selbst die, welche sich darueber klar sind, dass ihnen die +deutsche Regierung wegen des geringeren antisemitischen Druckes lieber +waere, wagen sicherlich nicht die geringste Tat. Sie wissen, dass sie +als Juden schon _ohne_ allen Grund als Vaterlandsverraeter gebrandmarkt +sind, dass man ihnen ueber Schritt und Tritt nachforscht. Und sie hueten +sich aengstlich vor jedem Verstoss. Wer die Psyche der Ostjuden kennt, +weiss, dass es, abgesehen vom Hindu, keine friedlichere Bevoelkerung +gibt. In der strengglaeubigen Bevoelkerung sprechen dabei auch +religioese Auffassungen mit. + + +Was die russischen Juden den Deutschen so nahebringt, ist ihre Sprache +und ihre Kultur. Wohin der deutsche Soldat in Russland kommt, er nimmt +sich immer den Juden vor, von dem er weiss, dass er Deutsch versteht, +und dass er ueberhaupt nicht schwer von Begriff ist. + +Die deutsche Regierung, die Militaerverwaltung hat ueberall gerne +juedische Mitarbeit gesucht und gefunden. Andererseits haben gerade die +juedischen Gemeinden in weitgehendster Weise die Not unter den Juden +gelindert, sogar im armen Osten haben die juedischen Religionsverbaende +ihre Angehoerigen gestuetzt, und dem Staate damit seine Aufgabe +erleichtert. + + + + + + + + + * Die Lehren des Krieges.* + + +Die Ergebnisse aus dem Kriege fuer das Verhaeltnis der deutschen Juden +zum Reiche sind leicht zu ziehen. Wie im Frieden, so haben sich die +Juden besonders in den schweren Zeiten der Stuerme als gute +Staatsbuerger bewaehrt. Der Burgfriede hat es ermoeglicht, dass die, +welche durch lange Zeit als Soldaten II. Klasse und auch als mindere +Staatsbuerger behandelt worden waren, ihre Pflicht in vollem Masse taten +und mehr als das. Wenn man die Zahl der juedischen Kriegsfreiwilligen, +die zum Heere stroemten, zaehlen wird, duerfte mancher fruehere +Antisemit erstaunen. Soviel Liebe und Begeisterung fuer ein Vaterland, +das seinen juedischen Mitbuergern die Zeiten des Soldatenstands nicht zu +den angenehmsten machte, kann nur bei einem Volke gefunden werden, das +in seinem Kern ein loyales ist. Und die Juden waren und sind denn auch +tatsaechlich in England, in Frankreich, in Italien und Oesterreich, in +den Vereinigten Staaten, in Holland etc. ueberall als ein unbedingt gut +patriotisches Element bekannt. + +Wenn sich etwas aus den Lehren des Augenblicks fuer die Zukunft ergeben +muesste, so ist es die Forderung der vollen Durchfuehrung der +Gleichberechtigung der juedischen Staatsbuerger in Deutschland. Wie sich +in Oesterreich die Ungarn bewaehrten, wie die Polen und Elsaesser und +Daenen in unseren Heeren zum Erfolge beitrugen, so vor allem die Juden, +die nie auf deutschem Boden ein eigenes Territorium zu gruenden suchten, +die nie in geschlossener Organisation irgend welchen staatlichen, +sprachlichen oder kulturellen Bestrebungen der Deutschen im Frieden wie +im Kriege eine Gegnerschaft aufboten. + +Der deutsche Jude hat keine nationale und religioese Politik, die sich +gegen die der andern Staatsbuerger wenden kann. Es gibt keinen +juedischen Verein, der Deutschland liberal, demokratisch oder +sozialistisch regiert haben will. Wohl aber gibt es juedische Redakteure +bei den Freikonservativen, bei den Nationalliberalen, bei den +Volksparteilern und in der Arbeiterbewegung. Eine irgendwie einheitliche +juedische Politik gibt es in Deutschland nicht. Auch ihre religioesen +Anschauungen stoeren niemanden. + +Nicht um Lohn zu finden, haben die Juden Seite an Seite mit allen +anderen Deutschen gekaempft. Sie haben aber ein Anrecht, nicht um ihre +Freiheit verkuerzt zu werden. Es muss _das_ Schauspiel des Friedens +aufhoeren, dass der Jude, sobald er getauft ist, Professor, Offizier, +Staatsanwalt usw. werden kann. Diese _Praemie auf das Renegatentum_ ist +nicht wert, in Friedenszeiten wiederzukehren. Deutschland darf keine +antisemitische Politik betreiben, es wuerde sich sonst an das +programmatisch antisemitische Russland anlehnen. Es kann im Gegenteil +auch nicht dem Ehrgefuehl deutscher adliger Offiziere entsprechen, mit +Maennern eng verbunden zu sein, die sich ihrer Ahnen und Herkunft +schaemen. Es kann nicht die Auffassung der Hueterin des Rechts sein, +dass Richter vorerst ihren Glauben abgeschworen haben muessen; es kann +keine freie Wissenschaft sein, die das christliche Bekenntnis zur +Voraussetzung hat. + +Deutschland, der nunmehrige Freund des _Islam_, kann auch seine +_juedische_ Bevoelkerung ihrer Religion nachgehen lassen, ohne dabei +Schaden fuer seine christlichen Bewohner zu nehmen. Der Uebertritt vom +Judentum zum Christentum muss wieder oeffentlich als das gebrandmarkt +werden, was es in den weitaus meisten Faellen wirklich ist: als +Streberei, Gesinnungsheuchelei, Religionsmissbrauch (alldieweil es keine +"ueberzeugten" Christen sind, die den Weg zum Taufbecken suchen und ihn +so leicht finden.) + +Der Krieg hat dem elenden Religions- und Rassengezaenk im Innern des +Landes hoffentlich ein Ende bereitet, nach aussen hin wird es noch genug +Arbeit geben, um den Hass der Nationen, die Zwietracht, Rachsucht, +Missgunst langsam abebben zu lassen. Auf Jahrzehnte hinaus wird +Deutschland genuegend Feinde besitzen, es kann daher die Ruhe im Innern +doppelt noetig brauchen. + +Soziale und biologische Probleme stellen sich in den Vordergrund. Die +deutschen Juden haben der Grossstadt und der Sucht, wirtschaftlich zu +erstarken, bedeutende Opfer gebracht. Junggesellentum aus Vorliebe oder +aus Not, weil die Familie oekonomisch eine bedeutsame Last ist, +Kinderlosigkeit und Kinderarmut sind die Kennzeichen fuer die +Entwicklung der heutigen deutschen Juden. Ich habe sie in den Buechern +"_Der Untergang der deutschen Juden_"[20], "_Das sterile Berlin_"[21] +und in der _Preisschrift der Gesellschaft fuer Rassenhygiene_[22] des +naeheren dargelegt. + + [20] Verlag Reinhardt, Muenchen. + + [21] Verlag Marquardt, Gross-Lichterfelde. + + [22] Verlag Louis Lamm, Berlin C. + +Nun reisst der Krieg weite Luecken in ihre Reihen. Waehrend Deutschland +waechst, verkuemmert der Anteil seiner Juden. _Sombart_ hat +nachgewiesen, wie die Buerokratisierung der Banken, der Schwerindustrie +usw. den juedischen Einfluss hemmt. Dazu kommt die prozentual geringer +werdende Beteiligung. Die hervorstechende oekonomische Macht der Juden +weicht langsam, aber sicher von selbst. + +Eine antisemitische Bewegung koennte hoechstens wirtschaftlich +wertvollen Kraeften, die ohnedies abnehmen, Hindernisse bereiten, +Unzufriedenheit in den juedischen Kreisen saeen und den Geist der +Zwietracht verbreiten. Deutschland ist kein einheitlicher Staat, +aufgebaut auf Grundlagen _einer_ Religion, _einer_ Rasse, _einer_ +Staatsform. Es ist (aehnlich Amerika) die glueckliche Synthese der +verschiedensten Bevoelkerungsschichten, die alle als deutsche +Staatsbuerger respektiert werden wollen. Glaubens- und Rassekaempfe +muessen verflossenen Zeiten angehoeren. Wie traurig ist es, dass noch +Millionen von Katholiken glauben, sich politisch vereinigen zu muessen, +um entweder in ihren Rechten nicht geschwaecht zu werden oder sich +groesseren Einfluss sichern zu koennen. Eine Vermischung von Religion +und Politik. Sehen wir die Welfenpartei! Eine Gruppe, die nach fuenfzig +Jahren noch immer die Geschichte umwaelzen, nochmals die staatlichen +Zustaende von 1866 herbeifuehren wollte. Die Negation als Grundlage +einer politischen Betaetigung! + +Der grosse Krieg muss auch im Innern eine Reform bedingen. Er muss uns +soweit einander naeher gebracht haben, dass wir die volle politische und +buergerliche _Gleichberechtigung_, die Freiheit des Individuums +fuerderhin nicht mehr einzelnen Klassen und Gemeinschaften rauben +wollen. Neben den Sozialdemokraten sind es die Juden, die vornehmlich +als treue Staatsbuerger angesehen zu werden verlangen und hoffentlich es +auch erreichen. Mag besonders die Ostmarkenpolitik, die antisemitisch +bis in die Knochen, durch die mehr oder minder gewaltsame +wirtschaftliche Vertreibung der juedischen Handwerker und Kaufleute in +den Staedten Posens und der oestlichen Provinzen den polnischen +Mittelstand aufbluehen liess, ein deutliches Warnungszeichen dafuer +sein, wie schaedlich letzten Endes jede Hetzpolitik ist. + + + + + + + + + * Das Problem der Ostjuden.* + + +Es mag leicht sein, dass ein Friedensschluss dem Deutschen Reich neue +polnische Gebiete bringt. Kein Element wird dann so leicht fuer das +Deutschtum sprachlich und staatsbuergerlich zu gewinnen sein, wie das +juedische, das sich durch sechs bis sieben Jahrhunderte, seit es aus den +Rheinlanden vertrieben wurde, die deutsche Mundart -- wenn auch in +eigener Entwickelung -- bewahrte. Viele der deutschen Soldaten dachten +sich garnichts dabei, als sie in allen Staedten Russlands eine (wenn +auch nicht ganz korrekt) deutsch sprechende Bevoelkerungsschicht +antrafen. Einzelne aber waren darueber doch erstaunt. Sie waren auch +ueberrascht, eine ueberaus aermliche, im Wust der Umgebung verschmutzte, +aber fuer alle Entwicklung empfaengliche Masse anzutreffen, die sich +gerne den deutschen Massnahmen fuegte. + +Das Urteil ueber die polnischen Juden ist bei den Deutschen nicht immer +sympathisch. Jedes fremde Volk hat Schwaechen, die dem Fremden +auffallen, und die leicht zu einer vollkommenen Verurteilung fuehren. +Bei den russischen Juden wird zu wenig daran gedacht, dass die russische +Regierung sie gewaltsam in modernen Ghetti zusammenpfercht. Sie duerfen +nur im Ansiedlungsrayon wohnen, und hier wiederum nur in den Staedten. +Vor dreissig Jahren hat man sie so zusammengetrieben ohne Ruecksicht +darauf, ob die vorhandenen Wohnungs- und Lebensmoeglichkeiten genuegten. +Man hat sie zwangsweise in schmutzige Loecher gestossen. Die vielen +hundert Verbote, die den russischen Juden treffen, rauben ihm die Lust +und das Recht, sich Haeuser zu bauen, das Heim auszugestalten. Russland +will den Juden vertreiben, und so ist er denn auch immer auf dem Sprung, +wegzugehen. Millionen Juden sind bereits nach Amerika, England, +Suedafrika, Frankreich usw. ausgewandert. + +Der russische Jude gilt wegen seiner Sprache (Juedisch-Deutsch oder +"Jargon") als Deutschfreund. Waehrend sich vielfach Polen und Ruthenen +in Oesterreichisch-Galizien bei der russischen Okkupation recht +eigentuemlich benommen haben, waehrend in diesen Laendern, besonders +aber in Russisch-Polen, die Landbevoelkerung in reichlichstem Masse zum +Franktireurkrieg und zu Spionage neigte, verhielten sich die Juden +ueberaus loyal. Es ist unwahr, dass sie fuer Deutschland +Kundschafterdienste leisteten; sie haben sich aber naturgemaess auch den +Russen gegenueber durchaus korrekt benommen. Dabei wurden die Juden am +schwersten durch _beide_ Parteien geschaedigt. Die Russen haben aus Hass +juedische Staedte, z. B. Szawle, angezuendet, und die Deutschen +verbrannten u. a. Tauroggen als Gegenmassregel gegen russische Greuel in +Ostpreussen. Tauroggen war aber vor allem eine juedische Stadt. Kalisch, +eine echte Judenstadt, wurde gruendlichst zerstoert, weil als Zivilisten +verkleidete Soldaten aus Buergerhaeusern schossen. Dadurch wurden +Tausende von Juden obdachlos. Viele Staedte wurden durch Bombardements +zerstoert, wie Lowicz, Sochaczew etc. Von Seiten der Deutschen mussten +vielfach Ausweisungen juedischer Buerger erfolgen, da man natuerlich +keinem der feindlichen Staatsangehoerigen trauen konnte; die +Massenausweisungen der Juden aus Polen, Russland, Kowno etc. +uebertreffen ums Dreifache die Zahl der seinerzeit aus Spanien +vertriebenen Juden. Bereits wandern heimatlos eine und eine halbe +Million im Innern Russlands, und auch in Oesterreich sind es +Hunderttausende, deren Heim zerstoert ist. -- + +Der deutschsprechende Jude wird, wie oben bemerkt, als Deutschenfreund +angesehen. So wie die Verhaeltnisse vor dem Kriege lagen, haette es den +russischen Juden nichts eingetragen, sich an die Freundschaft +Deutschlands zu wenden. Nicht einmal seine eigenen Juden schuetzte +Deutschland vor Russland. Das Zarenreich erlaubte nur ganz ausnahmsweise +den Deutschen juedischen Glaubens den Eintritt in sein Land. Und +Deutschlands Politiker haben gegen diese monstroese Beschraenkung +niemals remonstriert. Sie liessen die oeffentliche Beschimpfung ihrer +Juden zu, ohne durch irgendeine Gegenwehr, Gegenmassregel oder nur +ernstliche Vorstellung ihre Staatsbuerger vor schimpflicher Behandlung +zu schuetzen. Und die deutsch sprechenden sieben Millionen Juden +Russlands? Sie gelten zwar als Freunde Deutschlands, _nur dass +Deutschland nicht ihr Freund ist_! + +Deutschland hat zu Beginn des Krieges durch seine Generale erklaeren +lassen, dass es den Polen volle Gerechtigkeit widerfahren lassen wolle. +Die Juden, deren Zahl in den Grenzlaendern bedeutend ist, wurden nicht +sonderlich erwaehnt. + +Es ist anzunehmen, dass sich Deutschland nach dem Kriege allen seinen +Juden gegenueber liberal verhalten wird. + +Aber es ist doch sehr die Frage, wenn sich keine gewaltigen +Grenzverschiebungen ergeben, ob die Judenfrage Russlands einer Loesung +naehergebracht wird. Schon vor dem Krieg hat die russische Regierung die +Bedrueckung der Juden systematisch inauguriert, die Pogrome des Jahres +1905 waren bestellte Arbeit. Russland bekennt sich zu dem Lehrsatz eines +seiner Minister: "Ein Drittel der Juden wird vertrieben, ein Drittel +muss verhungern und ein Drittel ist zu toeten." (Siehe Errera "Die +Judenfrage".) + +Die Judenfrage Russlands interessiert Deutschland aus vielen Gruenden. +Die sieben Millionen, die deutsch verstehen und sprechen, bildeten ein +wertvolles wirtschaftliches Element, das gerne mit Deutschland +Handelsbeziehungen unterhielt. Diese sieben Millionen sind die +staerksten Gegner jedes Krieges mit Deutschland, das sie verehren. Wegen +ihrer deutschen Sprache und ihrer deutschen Sympathien sind sie in +grausamster Weise von Russland bestraft worden. -- Deutschland hat den +Polen zu verstehen gegeben, dass es sich ihrer annehmen wird. Mit noch +groesserer Berechtigung aber koennen die _Juden_ erwarten, dass +Deutschland sie nicht vergisst, wenn die Frage der unterdrueckten +Nationen in den Friedensverhandlungen aufgeworfen wird. + +Die Juden haben nie im politischen oder sprachlichen Kampfe mit den +Deutschen gelegen (wie die Polen), seit Jahrhunderten sind sie zu einem +Teile fest verwachsen mit der deutschen Erde. Die in Polen +zurueckgebliebenen Gemeinden sind bei der Teilung dieses Landes durch +Zufall zu Russland, Oesterreich oder Preussen gekommen. Die, welche +russische Staatsbuerger wurden, haben seit jener Zeit eine Geschichte +des Leides und der Verfolgung erlebt, die ans finsterste Mittelalter +erinnert. Leider wissen unsere deutschen Mitbuerger wohl von "Greueln in +Armenien", wie sie die Englaender aus politischen Gruenden +aufbauschten, -- die Regierungspolitik Russlands jedoch, das sich so +lange als der beste Freund Deutschlands gebaerdete, wusste recht gut +ueber allen ihren Schandtaten dichte Schleier auszubreiten. + +Die deutsch sprechenden Juden Russlands sind zum Teil Zionisten. Die +Tuerkei hat an ihren zionistischen Buergern in diesem Kriege eine gute +Unterstuetzung gefunden. Deutschland kann sehr wohl, im eigenen +Interesse wie in dem seines neuen Bundesgenossen, ein Entgegenkommen der +Tuerkei fuer eine juedische Besiedlung der veroedeten Landstriche +Palaestinas befuerworten. + +Es kann keine Frage sein, dass sofort nach dem Friedensschluss eine +_Massenauswanderung_ der russischen Juden beginnen wird, welche die +gesamte Voelkerwanderung numerisch in den Schatten stellt. Diese Juden, +denen man das Letzte genommen hat, die ein volles Jahr lang gequaelt und +getrieben wurden, jeden Augenblick gewaertig, erschossen oder zum +mindesten nach Sibirien gefuehrt zu werden, warten nur auf die +Moeglichkeit, wieder frei zu atmen. + + +Soll Deutschland diese Emigration nicht zum eigenen Nutzen zu +beeinflussen suchen? Soll der Strom der Auswanderer nach Amerika +gehen?[23] Deutschland wuenscht eine moderne Entwicklung der Tuerkei. +Durch die Verluste, die der Krieg im eigenen Lande zeitigte, ist keine +Emigration der eigenen Massen bevorstehend. Im Gegenteil. + + [23] Eine wirkliche Masseneinwanderung oestlicher Juden in Deutschland + wird schon aus oekonomischen Gruenden schwer durchfuehrbar sein. + Dieselbe waere auch vom juedisch-nationalen Standpunkt nur eine + Notstandsaktion, die uebrigens wegen der vielen Widerstaende, die + nach jeder Hinsicht zu ueberwinden waeren, keineswegs einzutreten + braucht. + + +Wenn die Erloesung der kleinen Voelker einen Rueckhalt an Deutschland +finden darf, dann kann es die gequaelte juedische Masse des Ostens nur +in zionistischem Sinne erloesen. Auf Russland kann Deutschland nicht +einwirken, wie es seine Untertanen regieren soll. Eine breite Oeffnung +der eigenen Grenzen liegt nicht im Wunsch der meisten eigenen +Staatsbuerger. + + +Will Deutschland das Buendnis mit der Tuerkei oekonomisch ausnuetzen, +will es sich dort eine Masse sichern, die aus sprachlichen Motiven wie +auch aus Dankbarkeit zu Deutschland neigt, dann wird es einer +grosszuegigen zionistischen Emigration die Wege ebnen, wird "dem Lande +ohne Volk das Volk ohne Land" geben. + + +Professor Otto _Warburg_ hat schon vor zehn Jahren darauf hingewiesen, +dass die Besiedelung Mesopotamiens von ausschlaggebender Bedeutung fuer +die wirtschaftliche Erschliessung und Entwicklung Vorderasiens ist.[24] + + [24] Wir koennten z. B. von daher unsere Baumwolle beziehen und so vom + Auslande unabhaengig werden. + +Deutsches Kapital hat die grossen Bahnbauten nach Bagdad ermoeglicht. +Wir sind alle daran interessiert, dass Deutschland daraus Nutzen zieht. +Hier kann nur eine geeignete Einwanderung helfen, denn die ortsanwesende +Bevoelkerungsmenge ist nicht ausreichend. + +Da schon Massen arbeitsloser Juden in Polen den Behoerden zur Last +fallen, so waere es gut, wenn man sich, wie fuer die ostpreussischen +Fluechtlinge, so auch fuer das juedische Proletariat Galiziens und +Polens interessierte. Sobald sich die tuerkische Regierung entschliesst, +einwandernden juedischen Familien Land anzuweisen, wird auch von der +juedischen Seite das noetige Geld zur Ueberfuehrung und Ansaessigmachung +aufgebracht werden. Es ist nur noetig, dass sich _der neue Dreibund_ +darueber klar ist, _was er mit dem namenlosen Judenelend machen will_, +wie er den vom Krieg entwurzelten Massen hilft, ohne dabei selbst +Menschen zu verlieren. Denn Menschen sind Geld, Maenner sind im +Kriegsfalle Gewehre. Nie hat man die Bedeutung der Ziffer so erfasst, +wie bei diesem Krieg. + +Kommt aber den Juden vom neuen Dreibund keine Hilfe, dann wandern sie +bestimmt nach Amerika aus und gehen fuer die deutsche Sache verloren. +Mit ihnen aber ein grosses Nationalvermoegen, -- auch deshalb, weil ja +jeder Emigrant etwas Geld bei sich haben muss, was bei einer solchen +Voelkerwanderung allein schon Millionenwerte ausmacht. + +Die Zukunft von Deutschlands kolonisatorischer Taetigkeit liegt im +Orient, in der Tuerkei. Wie kaum je wieder bietet sich eine Gelegenheit, +die Kolonisation zu foerdern. Kenner des Orients, wie Rohrbach, Auhagen, +Paquet[25] u. a., sind gerade in letzter Zeit fuer diese Orientierung +der deutschen Politik eingetreten. Schon frueher plante uebrigens der +verstorbene Grossherzog von Baden, das Interesse der Maechte fuer eine +organisierte Kolonisation Palaestinas durch die Juden wachzurufen. + + [25] Ein soeben von Alfons _Paquet_ erschienener Artikel (in Heft 40 + Jahrg. 1915 des Maerz) "_Juden im Osten_" kommt zu denselben + Resultaten. Paquet schreibt: + + "Das tuerkische Volk kuemmert sich wenig um den Glauben anderer. + Es erkennt in den Juden die Orientalen, es weiss, dass jene, die + aus dem Westen kommen, zugleich Europaeer sind, Traeger eines + praktischen Koennens, das dem neuen tuerkischen Staatswesen Nutzen + zu bringen vermag. Und das eigentliche Palaestina? Hat es nicht in + den Jahren, die dem Versuch der Wiederbesiedelung gewidmet waren, + bewiesen, dass es wirklich das Land ist, wo einmal der Wanderer + sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen die den Erzvaetern + leuchteten, um auszuruhen und boese Spuren aus seinen Zuegen + wischen?" + + Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein gruenes Banner. In + dem von Menschen erfuellten Europa werden sie das wichtigste fuer + ihre Zukunft: -- den Boden -- nie erhalten, eher werden sie die + Traeger irgend eines unbestimmten Unheils sein. In allen + Erdteilen, ausser Vorderasien, fehlen die Moeglichkeiten einer + Ansiedelung, die den Juden erlaubt, nach ihrer hoechst + eigentuemlichen Art zu leben und von dem geistigen Gut, nach dem + sie hungern, satt zu werden. Aber in dem einen kleinen Lande, das + schon begonnen hat, zu einem neuen Dasein zu erwachen, ist Raum + und Tragkraft genug, sie aufzunehmen. Josua und Kaleb sind von + ihrer Kundschafterreise zurueckgekehrt mit schweren Trauben. Es + kommt jetzt darauf an die Faehigkeiten des Volkes, die bisher auf + die Wuestenreise verwendet wurden, zu wecken und neu zu + gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild der deutschen Volksschulen, + vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze, werden dazu helfen + koennen. Einst werden dann diese Knaben die Mannschaft eines neuen + morgenlaendischen Wesens bilden, gleichviel, ob sie Ingenieure + oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder Gelehrte werden, + gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa bleiben und wie + viele wirklich im Morgenland wohnen. Sie koennen in einer neuen + Heimat ein neues Volk sein -- nicht im Sinne jenes Nationalismus, + der in Europa die Voelker zerreisst und schlaegt, sondern in dem + innerlich freien, nach aussen duldsamen Sinne der + morgenlaendischen Weisen. "Der tuerkische Baum muss sehr gruen + werden und auswachsen." "Wer in seinem Schatten wohnen will, muss + aber zuvor sein Gaertner sein." -- -- -- + + So denkt ein bekannter Orientkenner ueber die Judenfrage und das + Problem der Tuerkei. + +Statt dessen hat man den franzosenfreundlichen Jesuiten, die neben +zahlreichen Schulen eine Universitaet in Beirut gruendeten, den +russischen und griechischen Missionen Raum gegeben und hat die +englischen Machinationen unter den Arabern geduldet. + +Die neu-deutsche Judenpolitik darf des weiteren nicht in den Fehler +verfallen, das juedische Element im Osten den Polen auszuliefern. In +ganz Galizien hat man die Juden dem Terrorismus der Polen +ueberantwortet. Man denke sich, dass dort ca. 900000 Menschen ein +deutsches Idiom sprechen, eine Sprache, die der deutschen naehersteht +als die flaemische Mundart. Gleichwohl konnte man in Oesterreich nicht +erreichen, dass das "Jiddisch", wie es genannt wird, die Rechte einer +Sprache bekam. Obwohl es eine Unzahl von Zeitungen gibt, die taeglich in +diesem Dialekt geschrieben werden, und deren Blaetter u. a. in Lemberg, +Lodz, Krakau etc. erscheinen (Warschauer und New Yorker Blaetter in +Jiddisch haben Auflagen von ueber 100000 Exemplaren), war diese Sprache +"von Rechts wegen" verpoent! Der Kaufmann sollte seine Rechnungsbuecher +damit nicht fuehren duerfen, Eingaben an die Regierung waren +unstatthaft, waehrend unterdessen die jiddische schoene Literatur in +alle Sprachen uebersetzt wurde, und Theaterstuecke, ins Hochdeutsche +uebersetzt, Sensation in Berlin hervorriefen! + +Auch heute hat die deutsche Regierung die Bedeutung dieses Jargons noch +nicht erfasst. Eine Volksschicht, die in polnischen Gebieten lebt, +greift aber, wenn sie ihre Muttersprache lassen muss, nicht zu dem +dieser nahverwandten Deutschen, sondern zum _Polnischen_. Es liegt kein +Grund vor, die Polen _kuenstlich_ zu staerken und ein Volkstum, das sich +sprachlich ans Deutsche anlehnt, seiner Nationalitaet zugunsten der +polnischen gewaltsam zu entkleiden. + +Sollten groessere polnische Bezirke Deutschland und Oesterreich +angegliedert werden, so muss das _Recht der Minoritaet_ geschuetzt +werden. Das moderne Polentum hat sich noch nicht als massvoller und +zuverlaessiger Charakter erwiesen. Wo sie es nur konnten, haben die +Polen die Juden bedrueckt und ausgenutzt. Die galizischen Wahlen waren +wahre Schlachttage der Schlachta. In vielen Orten floss juedisches Blut, +weil die Juden keine Polen waehlen wollten. Noch schlimmer erging es den +Juden in Russisch-Polen, wo sie den _Polen und Russen_ gaenzlich +ausgeliefert waren. + +Wenn die Franzosen und Italiener von "unerloesten Voelkern" sprechen, +dann haben sie kaum der armen Juden gedacht, und sicherlich nie eine +Hand geruehrt, um deren Los zu erleichtern.[26] Und sie haetten es doch +so bequem. Sie brauchten bloss ihren Bundesgenossen "darauf aufmerksam +zu machen". -- -- -- + + [26] Die 2 1/3 Millionen Juden der Vereinigten Staaten sind deshalb + durchweg deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der + Deutschamerikaner haben an ihnen eine rege Stuetze gefunden. + Vergessen wir nicht, dass die Stimmung in Newyork, der groessten + Stadt Amerikas, fuer das ganze Land bedeutsam ist, dass sich die + dortigen 1,2 Millionen Juden konstant fuer die Deutschen + verwandten, weil sie von ihnen eine Erloesung der russischen Juden + erwarten. -- Eine offene Erklaerung der deutschen Regierung an die + amerikanischen Juden wuerde eine namenlose Begeisterung erwecken + und die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe + Unannehmlichkeiten wegen der Haltung Russlands versetzen. Es waere + die beste Antwort gegenueber all den Enunziationen betreffs der + unerloesten Voelker in Oesterreich und Deutschland. Ausserdem + wuerde Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel fuer seine + kuenftigen Anleihen erwarten koennen. + + +Die Lage des juedischen Volkes in Galizien ist eine viel bessere als +jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren. Aber was ihnen noch an +nationaler und politischer Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen +darlegen. Umsomehr, als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns +zufuehren muesste, die sich nicht wieder Zuruecksetzungen und Schikanen +ausgesetzt wissen wollen. + +Die Bedrueckung an Ort und Stelle zwingt sonst zu einer ungeheuren +Auswanderung, die auch in Deutschland zu merken sein duerfte. Dagegen +gibt es nur ein Allheilmittel: _Lokale Rechte und Hilfe_; _ferner +Ableitung der ueberschuessigen Kraefte in den Orient_ durch starkes +Entgegenkommen der verbuendeten Regierungen. Das heutige System +entwurzelt nur die Elemente, die einigermassen fest an der Scholle, an +der Heimat haengen, und jagt sie ins Ungewisse. + +Wenn die deutsche Regierung den oestlichen Juden nicht entgegenkommen +kann, wird auch die dadurch sicherlich eintretende Entvoelkerung die +wirtschaftliche Entwicklung dieser Laender bedeutend verzoegern. + + + + + + + + + * Schluss.* + + +Der Krieg hat Deutschland bewiesen, dass der juedische Einfluss, welcher +sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung des Landes, an der +Entwicklung seines Handels und seiner Industrie beigetragen hat, nicht +umsonst war. Der vielverspottete Geist der Rothschild und Bleichroeder, +der schon 1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren +gefolgt und hat den Siegen den noetigen Rueckhalt gegeben. Boerse, +Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe, mit denen der +Militarismus zu rechnen hat. Die deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur +von gewissenlosen Boersenjobbern gegruendet sein; denn sie, ebenso wie +der deutsche Wollmarkt[27], wie das Sanitaetswesen, wie die Fabriken und +Aerzte -- alles zu hohem Prozentsatz "verjudete" Berufe -- haben die +Erwartungen nicht getaeuscht. Im Innern geht der Handel weiter und +erhaelt uns unsere wirtschaftliche Kraft, und gibt dem Heere das, was +die grosse alte Handelsnation England muehselig sich aus Amerika +zusammensuchen muss. + + [27] Spottet ueber die "Leder- und Stiefeljuden", aber es tat + Deutschland gut, dass die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins + Ausland exportierten, fuer Millionen Vorraete liegen hatten, die + nun Heereszwecken dienen konnten. + +Voreingenommene Noergler werden auch nach dem Kriege zu den alten Waffen +des Neides greifen und die hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder +aufleben lassen. Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann +wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-, Rassen- und +Religionshass in die Rumpelkammer der Geschichte verschwinden. + +Wir koennen uns aber fuerwahr in Deutschland das Leben leichter machen, +brauchen uns nach aussen nicht mehr als ein anscheinend in sich +zerrissenes Staatsgefuege zu zeigen, auf dessen Zerfall andere Laender +lauern. Wir naehren damit nur falsche Hoffnungen und toerichte +Berechnungen. Deutschland ist gross genug, um allen seinen Bewohnern +Spielraum zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen +und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen. Neben dem +bajuwarischen Menschenschlag moechten wir den etwas differenzierten +Rheinlaender, den Maerker, aber auch den Ostpreussen nicht missen. Wer +weiss, ob zum Polen und Elsaesser nicht auch noch ein flaemischer +Einschlag kommt. Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Buergern, +die er freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist nicht +erst gegen den Willen der Einheimischen "neu zugezogen". + +Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der Jude im Lande und hat +sich stets allen Gesetzen des Staates willig und gern gefuegt. Seine +Religion ist seit drei Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen +und hygienischen Massregeln durchsetzt, dass sie heute noch Bewunderung +erregen muss. Die Sabbatruhe, das juedische Familienleben, die +Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht, die sich bei allen Juden, +auch wo der Staat diesbezueglich versagte, laengst findet, sind +Emanationen einer Kultur, die nur der Boeswillige uebersehen und gering +achten kann. + +Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Naechsten und bedarf keiner +Machtmittel, um dessen Lebensnerv aus Angst fuer sein eigenes Ich zu +unterbinden. Wir haben in diesem Krieg die Unkultur Russlands und des +Slawentums bekaempft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen +Massregeln die brutale Gewalt des neidischen England draengte. Mag sich +Frankreich wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig als Hueterin des +Fortschritts) gebaerden, Deutschland wird und muss nur noch gelaeuterter +als ein wahrer Hort der Freiheit seiner Buerger und der neutralen +Staaten und Voelker aus dem Kriege hervorgehen. + + +Von den ueber 14 Millionen Juden hoffen und harren die Meisten auf den +Sieg der deutschen Waffen. Die Sympathien der amerikanischen Israeliten +stehen auf seiten der Zentralmaechte. Nicht umsonst und nicht zufaellig +ist es gerade die Tuerkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert +hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte, welche sich an die +Seite Deutschlands gestellt hat. Moege die alte Sage des Talmud, die +Lessing populaer gemacht hat, nicht nur in den Tagen der Greuel und des +Voelkermordens bei uns eine wahre Staette der Verehrung finden: die +Geschichte von den drei Ringen. + +Der muhammedanische, der christliche und der juedische Glaube sind +Formen der Kultur der Menschheit, die so viel der Welt gegeben, die sich +so lange bewaehrt haben, dass es verbrecherisch waere, Menschenglueck +und -hoffen um einer vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu +gefaehrden. + + +In dem Machtbereich der eigenen und der verbuendeten Laender wird dann +die deutsche Politik bedeuten: Friede auf Erden. + + + + + + + + + *Anmerkungen zur Transkription* + + +Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler: + + - *S. 21, Z. 5*: (die deutsche _z, B._ vertreten durch Mauthner) --> + z. B. + - *S. 28, letzte Zeile der Fussnote*: _Sehwanenfeld_ --> Schwanenfeld + - *S. 30, Z. 18*: Untervereinen bis 33% der _Manschaften_ --> + Mannschaften + - *S. 32, Z. 13*: Der Jude Ludwig Frank _vielleichst_ der faehigste + Kopf --> vielleicht + - *S. 35, Fussnote*: fehlende schliessende Anfuehrungszeichen, + wahrscheinlich am Ende von ins Leben zu rufen. (andernfalls am Ende + des letzten Satzes in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.) + - *S. 32, Z. 5 der Fussnote*: fuer die Freiheit _zn_ kaempfen --> zu + - *S. 46, vorletzte Zeile*: _Ein_ antisemitische Bewegung --> Eine + - *S. 47, Z. 3 v. u.*: ein deutliches _Wahrnungszeichen_ --> + Warnungszeichen + - *S. 49, Z. 11-12*: besonders aber in _Russich-Polen_ --> + Russisch-Polen + - *S. 54, Z. 19 der Fussnote*: nach dem sie _lungern_ --> hungern + - *S. 54, Z. 27 der Fussnote*: _morgenlandischen_ --> + morgenlaendischen + +Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefuegt: + + - *S. 34, letzte Zeile des Textes*: und anderer Dinge zu gedenken. + - *S. 36, letzte Zeile des Textes*: die Entfremdung der Laender + bemerkten. + - *S. 54, Z. 4 der Fussnote*: um den Glauben anderer. + +sowie fehlende Kommata: + + - *S. 28, vorletzte Zeile der Fussnote*: v. Renard, + - *S. 59, Z. 27*: Sabbatruhe, + +Fussnoten, auf die im Original mit *) verwiesen wurde, wurden im e-Text +durchnummeriert. + + + + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE *** + + + + + *A Word from Project Gutenberg* + + +We will update this book if we find any errors. + +This book can be found under: http://www.gutenberg.org/ebooks/45808 + +Creating the works from public domain print editions means that no one +owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and +you!) can copy and distribute it in the United States without permission +and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the +General Terms of Use part of this license, apply to copying and +distributing Project Gutenberg(tm) electronic works to protect the +Project Gutenberg(tm) concept and trademark. Project Gutenberg is a +registered trademark, and may not be used if you charge for the eBooks, +unless you receive specific permission. 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Information about the Mission of Project Gutenberg(tm)* + + +Project Gutenberg(tm) is synonymous with the free distribution of +electronic works in formats readable by the widest variety of computers +including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg(tm)'s +goals and ensuring that the Project Gutenberg(tm) collection will remain +freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation was created to provide a secure and +permanent future for Project Gutenberg(tm) and future generations. To +learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and +how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the +Foundation web page at http://www.pglaf.org . + + + *Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive + Foundation* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state +of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue +Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is +64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf . Contributions to the +Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the +full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. +S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at 809 +North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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