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+ Die Juden im Weltkriege
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost
+no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
+under the terms of the Project Gutenberg License included with this
+eBook or online at http://www.gutenberg.org/license.
+
+
+
+Title: Die Juden Im Weltkriege
+Author: Felix A. Theilhaber
+Release Date: May 28, 2014 [EBook #45808]
+Language: German
+Character set encoding: UTF-8
+
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert Langkau, Enrico Segre, and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net.
+
+This file was produced from images generously made available by The
+Internet Archive.
+
+
+
+
+ DIE JUDEN
+ IM WELTKRIEGE
+
+
+ *Mit besonderer Berücksichtigung*
+ *der Verhältnisse für Deutschland*
+
+ Von
+
+ *_Felix A. Theilhaber_*
+
+
+
+
+ 1916
+
+
+
+ WELTVERLAG BERLIN, UNTER DEN LINDEN 56
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Inhalt.*
+
+
+ ──────────────────────────────────────────────────────────────────
+ Vorwort Seite 5
+ Einleitung 7
+
+ Der Krieg und die Juden 13
+ Die Stellung der deutschen Juden vor dem Kriege 13
+ Die Juden im Kriege 28
+ Juden im Ausland 36
+ Die Lehren des Krieges 44
+ Das Problem der Ostjuden 48
+
+ Schluß 58
+ ──────────────────────────────────────────────────────────────────
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Vorwort.*
+
+
+Die folgenden Ausführungen verdanken ihr Entstehen freien Stunden an der
+Front in Kurland, wo ich dem unendlichen Leid der Ostjuden auf Schritt
+und Tritt begegnete, einer unterdrückten Menschenmasse, die menschlich
+unser Interesse verdient, aber auch sprachlich, da sie den Deutschen
+darin noch näher steht als die Vlamen.
+
+Vor allem gilt die Schrift den Beziehungen der deutschen Juden zu ihrer
+Umgebung. Die Verhetzung, welche vor dem Krieg das Volk bald gegen
+Sozialdemokraten, Agrarier und Zentrumsanhänger trieb, fehlte nicht
+gegenüber den Juden. Aber jeder wirtschaftliche Haß, jede
+chauvinistische nationale Abneigung wirkt auf die Dauer unfruchtbar und
+schädlich.
+
+ * * *
+
+Damit die gegenseitige Achtung auch nach dem Kriege fortdauere und
+innerlich begründet wird, habe ich dargelegt, daß das Wort eines großen
+Denkers nicht zu Unrecht besteht: „Jedes Land hat die Juden, die es
+verdient“.
+
+„Wer die Luft, die ich atme, den Boden, auf dem ich stehe und in dem
+meine Eltern bestattet sind, mir nehmen will, ist mein Mörder . . .“
+
+
+So ungefähr wandte sich vor fünfzig Jahren Gabriel Rießer an seine
+Widersacher. Möge uns, wenn wir in die Heimat zurückkehren sollten,
+diese Sprache in alle Zukunft erspart bleiben.
+
+Möge mein Wort der Verständigung, der Aufklärung und dem Frieden dienen!
+
+ Herbst 1915.
+
+ *Felix A. Theilhaber.*
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Einleitung.*
+
+
+Die „Hilfe“ vom 2. September 1915 bringt einen Artikel _„Der Krieg und
+die russischen Juden“ von Paul Barth_. Seine Worte mögen meine
+Auseinandersetzung über das Problem „Judentum und Deutschtum“ einleiten.
+Paul Barth schreibt:
+
+„Was aber lauter als alles andere zum Himmel schreit, das sind die
+Massenverbrechen, die die russische Militär- und Zivilbürokratie
+tagtäglich an den „lieben Juden“ des Zaren verübt. Wohin das russische
+Heer kommt, da ist die erste kriegerische Leistung, daß die Juden
+ausgewiesen werden. Im Februar dieses Jahres erließ der „Allgemeine
+Jüdische Arbeiterbund Litauens, Polens und Rußlands“ einen Aufruf an
+„die Kulturwelt“, der einigermaßen veranschaulichte, welches Meer von
+Leiden hinter dem Worte „ausgewiesen“ steckt. Mit einer Frist von
+vierundzwanzig, oft bloß von acht Stunden, hinausgetrieben in die Nacht
+und die Kälte des russischen Winters, alle, auch Greise, Frauen und
+Kinder; ohne Ziel, ohne Schutz in ein fast feindlich gesinntes Land;
+rechtlos schon im Frieden, jetzt rechtloser denn je. Unsere Ostpreußen
+sind gewiß tief zu beklagen, aber sie zogen doch in ein freundlich
+gesinntes Land. Hunderttausend ausgewiesene Juden sammelten sich damals
+hilflos in Warschau an, sehr viele, besonders Kinder, starben auf der
+Landstraße. Wie glücklich verhältnismäßig diejenigen, die ein Kosak
+erstochen hatte! Denn das ist nach jenem Aufruf ein regelmäßiger Sport
+der Kosaken, der unbestraft bleibt. Der Römer Seneca ereiferte sich
+darüber, daß ein Mensch, der Gladiator, „zum Spiele und Scherze getötet
+wird“. Der Gladiator jedoch konnte sich wehren, er war bewaffnet, das
+Ganze war ein Kampf zweier geübter Fechter. Der arme russische Jude aber
+kann sich nicht wehren.
+
+Und ich fürchte, das ist erst der Anfang. Allerdings ein sehr großer
+Anfang. Denn Mitte Mai wurden die Gouvernements Kurland, Kowno und ein
+Teil von Suwalki von 280000, also mehr als einer Viertelmillion Juden
+„evakuiert“, wie der russische technische Ausdruck lautet. Neuerdings
+wurde eine Million Juden aus den Gouvernements Wilna, Grodno und
+Warschau vertrieben, d. h. wirtschaftlich vernichtet. Das tut die
+russische Regierung. Was wird erst geschehen, wenn die russische
+„Volksseele“, besonders die der „echt russischen Leute“, unruhig wird!
+Und sie wird aufkochen, wenn Rußland weitere Niederlagen erleidet, und
+sich in „Pogromen“ Luft machen, genau so, wie es 1905 und 1906 geschah.
+Was damals in Kertsch, Bialystok und vielen anderen Städten vorging, das
+wird sich in ganz Rußland wiederholen und wahrscheinlich mit viel
+größerer Heftigkeit. Und die Polizei wird, wie damals, teils wohlwollend
+zusehen, teils wohlwollend helfen. Damals war es schließlich die erste,
+sehr liberale Duma, unter einem viel besseren Stimmrecht als dem
+jetzigen gewählt, die den Greueln ein Ende machte. Aber die Duma, die
+jetzt zusammengetreten ist, wird für solche inneren Fragen keine Zeit
+haben.
+
+Was tun nun dabei die Juden der übrigen Welt, außerhalb Rußlands? Im
+allgemeinen nichts, — was überraschend, vielleicht auch ein
+bedauerliches Symptom ist. Wie sehr sie auch die Kultur des Landes
+angenommen haben, in dem sie wohnen, sie hegen doch alle die gleiche
+Pietät für ihre Vergangenheit, die sie als starkes Band mit ihren
+russischen Stammesgenossen vereinigt. Die deutschen Juden freilich sind
+entschuldigt, sie _können_ nichts tun. Jeder öffentliche Schritt
+ihrerseits würde den russischen Juden bloß schaden. Diese würden
+daraufhin noch mehr verdächtigt werden, über die Grenze hinaus nach dem
+Landesfeinde zu schielen. In den Ländern des Vierverbandes sehen wir nur
+eins: überall sind Juden unter den Kriegshetzern, gegen die
+Zentralmächte, also für den Zarismus. In Frankreich sind sehr viele
+Juden in den höchsten Stellen, die beständig ihre Liebe zum Zarismus
+betätigen. In England haben die Juden viel Einfluß in der höchsten
+Aristokratie, die ganz besonders in der Hoffnung auf „die Dampfwalze“
+schwelgte. Lord Rosebery, einer der einflußreichsten Aristokraten, ist
+ja Schwiegersohn des Barons Meyer Rothschild.
+
+In Italien finden wir unter den wildesten Kriegshetzern jüdische Namen.
+Herr Nathan, der Bürgermeister von Rom, hielt im Dezember 1914 als
+Freimaurer, als früherer Großmeister der Logen des Großorients, im
+Theater Constanzi in Rom eine schwungvolle Rede, in der er zum Kriege
+für den Dreiverband, also für den Zaren, aufrief. Zwei bekannte
+italienische Politiker jüdischer Herkunft, Barzilai und Luzzatti,
+trieben ebenfalls zum Kriege.
+
+Aber was tun die Juden in den neutralen Ländern? Der einzige, der sich
+auf seine Herkunft und seine Gewissenspflicht besinnt, scheint Georg
+Brandes in Kopenhagen, wie sein Briefwechsel mit Clémenceau bewies.
+Andere sind auf seiten des Vierverbandes. Die rumänische Zeitung
+„Adeverul“ (Wahrheit), die täglich gegen die Zentralmächte, also für
+Rußland agitiert, war bis vor kurzem und ist wohl noch in jüdischen
+Händen. Die übrigen tun gar nichts, nicht einmal die Sozialisten unter
+den Neutralen. Vor kurzem meldete Reuter aus Neuyork, Samuel Gompers,
+der Vorsitzende der American Federation of Labour, zweifellos jüdischer
+Herkunft, habe auf eine Einladung zu einer Versammlung, die gegen die
+amerikanische Kriegsbedarfsausfuhr protestieren wollte, durchaus
+ablehnend geantwortet. Dunkel ist zwar die Begründung seiner Ablehnung:
+„es gebe schrecklichere Dinge als den Krieg, nämlich des Geburtsrechts
+(d. h. wohl des angeborenen Rechts), der Freiheit und der Gerechtigkeit
+beraubt zu sein“. Dies alles sind ja die Leiden der russischen Juden;
+aber Gompers lehnt ab, gegen die Unterstützung ihrer Unterdrücker zu
+protestieren.
+
+Wenn nun die Juden selbst so gänzlich passiv sind, so müssen wir
+_Nichtjuden_ uns regen und sie aus ihrer Resignation aufrütteln. Ich
+möchte nochmals betonen, daß die Verfolgungen erst anfangen. Je weiter
+die verbündeten Heere vorrücken, desto größer die Gefahr neuer
+Wutausbrüche. Und schon, wie berichtet wird, sind die Juden teilweise
+konzentriert in besondere Lager — sehr bequem für die Verfolger. Das
+Volk wird einen Sündenbock suchen, auf den es die Schuld der Niederlagen
+abwälze. Es wird die Regierung schuldig finden, aber es kann wieder
+einen Minister geben, wie denjenigen, der im Oktober 1905 — nach
+jüdischen Quellen — sagte: „Wir werden die Revolution im Blute der Juden
+ersticken.“ Es folgten darauf die furchtbaren, zehn Tage dauernden
+Oktobermorde. Tausend Juden wurden erschlagen, achttausend wurden zu
+Krüppeln. Werte im Betrage von 180 Millionen Mark wurden vernichtet,
+300000 Juden flohen ins Ausland. (Vergl. „Allgemeine Zeitung des
+Judentums“, 1910, S. 577.)
+
+Die deutschen Juden können, wie gesagt, unmittelbar nichts tun, aber
+mittelbar sehr viel. Sie können die Juden der _nordamerikanischen_ Union
+aufrufen, die für russische Angelegenheiten doch sonst Interesse zeigen.
+Als der Beilisprozeß schwebte, haben diese beim russischen Gesandten in
+Petersburg dagegen protestiert und später dem zwar freigesprochenen,
+aber sehr geschädigten und gequälten Beilis eine Farm geschenkt. Jetzt
+steht mehr als ein Menschenleben auf dem Spiele. Was dem einen Beilis
+recht war, ist allen russischen Juden billig. Die amerikanischen Juden
+müßten laut und energisch ihre Stimme erheben für ihre niedergetretenen
+russischen Stammesgenossen, täglich, so oft als möglich, in den
+Zeitungen, in allgemeinen Versammlungen der Juden und der Christen. Wenn
+erst die russische Regierung weiß, daß man ihr Treiben beobachtet, wird
+sie doch vielleicht stutzig werden und das Schlimmste unterlassen, sie
+wird wenigstens nicht die Polizei zur schweigenden Duldung der Morde und
+der Diebstähle anhalten, sondern notgedrungen den Befehl zur
+Aufrechterhaltung der Ordnung geben müssen. Nordamerika ist ja der
+künftige Geldmarkt für Rußland, der einzige, wo es einst Anleihen machen
+kann. Denn alle europäischen Staaten werden nach dem Kriege selbst zu
+viel Schulden haben, um anderen leihen zu können. Die Juden der Union
+aber sind eine starke Kapitalmacht, besonders im Westen. Sie
+haben — nach W. Sombart — eine herrschende oder wenigstens wichtige
+Stellung im Getreidehandel, im Tabakhandel und im Baumwollhandel. Auf
+allen drei Gebieten können sie den Russen schaden. Vor allem aber können
+sie jede russische Anleihe erschweren, vielleicht unmöglich machen.
+Damit müßten sie drohen. Darauf wird selbst die zarische Regierung
+hören.
+
+Und wenn die Proteste und Drohungen nichts helfen, so werden sie doch
+wenigstens Zeugnis ablegen, daß in der allgemeinen sittlichen
+Verwilderung es noch Menschen gegeben hat, die die Unmenschlichkeiten
+der zarischen Regierung als solche zu brandmarken gewagt haben.
+
+Wenn aber gar nichts geschieht, dann wird ganz gewiß sich das alte
+Sprichwort bewähren: „Wenn die Menschen schweigen, so reden die Steine“,
+freilich in diesem Falle nur die Steine des Pogroms, die auf
+unschuldige, wehrlose Opfer fallen werden.“
+
+ * * *
+
+Wenn Barth sich auf die Einwirkung der amerikanischen Juden verläßt, so
+fürchte ich, gibt er uns einen Wechsel auf die Zukunft. Die
+amerikanischen Juden sind noch nicht genügend organisiert, z. T. auch
+als Vollblutyankees zu sehr auf Seiten der Entente.
+
+Ich glaube und werde es zu beweisen versuchen, daß Deutschland allen
+Grund hat, jede antisemitische Regung abzustreifen, den Juden im Inland
+die Gerechtigkeit, die ihrer treuen Staatsbürgerschaft gebührt,
+widerfahren zu lassen, den Juden in eroberten Gebieten jede Autonomie zu
+gewähren und den Auswandernden im Orient allen Vorschub für eine
+großzügige Kolonisation zu leisten.
+
+Doch damit komme ich schon zur Voraussetzung jeder Politik gegenüber den
+Juden: die Bewertung derselben als zuverlässige und fähige Staatsbürger
+gegenüber ihren Heimatsländern, und nicht zum mindesten in Deutschland!
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Der Krieg und die Juden.*
+
+
+Der große Krieg hat infolge des grandiosen Kaiserwortes „Ich kenne keine
+Parteien mehr“ den antisemitischen Angriffen und Übergriffen vorläufig
+den Grund und Boden entzogen. Trotzdem will das Judenproblem keineswegs
+von der Bildfläche verschwinden. Im Gegenteil. Der Einmarsch der
+deutschen Truppen in die polnischen und russischen Gebiete hat mit einem
+Schlage die innerpolitische Unhaltbarkeit des Schicksals, der nahezu
+sieben Millionen starken jüdischen Bevölkerung Rußlands der ganzen
+Kulturwelt aufgetan. Man wird nicht leugnen können, daß das jüdische
+Problem beim Friedensschlusse sowohl von großem internationalem Belang
+sein wird, als auch von hervorragender Bedeutung für die _deutsche
+Politik_.
+
+
+
+ *Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg.*
+
+
+Die Judenfrage ist für Deutschland praktisch so wichtig, daß es sich
+gewiß verlohnt, darauf einzugehen. Prüfen wir zunächst einmal die
+Stellung der Juden Deutschlands und ihren Einfluß in diesem Lande.
+
+Die Mitte des verflossenen Jahrhunderts hat nicht nur einen völligen
+Umsturz aller inner- und außen_politischen_ Verhältnisse Deutschlands
+bedingt; die breiten Volksmassen erschütterte ein _sozialer_ Umschwung.
+Aus einem rein agrarischen Staate wuchs in wenigen Jahrzehnten eine
+gigantische Industrie heraus, welcher bald ein weltenumspannender Handel
+die Wege bahnte. Die Technik feierte rascher ihre Triumphe, als die
+Regierungsfürsorge und die von Organisationen getragene Selbsthilfe der
+Interessengruppen sich auf die Neukonstellationen einstellen konnten.
+Dadurch gerieten die Arbeiter stellenweise in die Gefahr, materiell und
+physisch ausgenutzt zu werden. Auf dem Lande hatte sich einst ein
+ähnlicher Prozeß, wodurch sich Latifundien bildeten, im Laufe der
+Jahrhunderte entwickelt. Die industriellen und kommerziellen
+Großunternehmungen aber kamen über Nacht. Erbarmungslos rang das
+Großkapital den Stand der kleinen Leute nieder. Dieser ökonomische
+Werdegang ging nicht ohne Gewalttat, ohne Härten ab, die den Trägern den
+Haß des in seiner Existenz erschütterten dritten Standes eintragen
+mußten.
+
+Die Sozialdemokratie als die Zusammenfassung der Proletarier ist das
+naturnotwendige Produkt dieser Entwicklung. Der Antisemitismus ist die
+Konsequenz des Prozesses insofern, als sich diese Bewegung gegen die
+sichtbarsten Träger, gegen die Klasse von Menschen wandte, welche am
+geschicktesten die Macht des Kapitals auszunutzen wußten. Die erste
+Partei ist ein Versuch, der _Sache_ selbst entgegenzutreten, die
+letztere kämpft gegen _Personen_, die nebenbei in ihrer religiösen und
+rassigen Eigenart eine gute Zielscheibe boten.
+
+Uns interessiert hier nicht, wie die Auswüchse des Kapitalismus oder der
+Kapitalismus selbst zu bekämpfen ist. Wir wollen nur der Frage
+nähertreten, wie der Antisemitismus des weiteren zu erklären ist,
+welches die Bedeutung der deutschen Judenheit gewesen ist, und ob wir
+anläßlich des Krieges den Juden einen mehr oder minder günstigen Einfluß
+auf die Wirtschaftsgestaltung Deutschlands einräumen können, um dann
+später auf den Einfluß der deutschen Juden und überhaupt auf den Krieg
+eingehen zu können.
+
+Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts strömte ein gut Teil
+der jüdischen Jugend Deutschlands nach den Vereinigten Staaten von
+Amerika, Südafrika, England, Frankreich etc. Teilweise war ihnen die
+volle Gewerbefreiheit (wie z. B. in Bayern bis 1864) vorenthalten
+gewesen. Die siebziger Jahre, die berühmten Gründerzeiten, bringen eine
+Hochflut von aus den Dörfern in die Städte strömenden Juden. Die
+jüdischen jungen Leute wandern nicht mehr in die Fremde, sondern wenden
+sich dem deutschen Handel, der Industrie, den akademischen Berufen, und
+vor allem den Großstädten zu. Das seit Jahrhunderten betätigte Wohnen in
+den Städten, bedingt durch Eigenart, aber auch durch das
+mittelalterliche Gesetz, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein Geltung
+hatte, läßt sie allmählich in die größeren Städte abwandern, wo die
+Verdienstmöglichkeiten sich stetig vergrößern. Dazu trägt auch die
+antisemitische Ostmarkenpolitik bei, welche die Juden aus den Provinzen
+Posen, Ost- und Westpreußen vertreibt. Der Druck der Hakatisten, der
+wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott der evangelischen
+Deutschen den Juden im Osten gegenüber, läßt ihre Stellung zwischen
+Deutschtum und Polentum unhaltbar werden. Dazu kommen elementare
+Ausbrüche der von den Antisemiten bearbeiteten Volksschichten. Der
+„Ritualmord von Konitz“ ist eins dieser bezeichnenden Ereignisse.
+Fluchtartig verläßt der Jude diese Städte, deren Charakter durch seine
+Anwesenheit noch ein deutscher war, und überläßt den Platz den Polen.
+
+
+Die neueren Schriften über das Ostmarkenproblem geben sämtlich zu, daß
+die durch die staatliche und gesellschaftliche antisemitische Politik
+bedingte Vertreibung der Ostmarkenjuden ein bedeutsamer Mißgriff war,
+der sich nach drei Seiten bemerkbar machte:
+
+1. Für die Entwicklung dieser Städte, die durch den Verlust von
+Menschen, von Kapital und von unternehmungslustigen und fähigen
+Elementen gehemmt wurde.
+
+2. Für die deutsche Sache. Der Wegzug von ca. 150 bis 200000 Juden aus
+den bedrohten Provinzen hat die deutsche Sache um so viel Anhänger ärmer
+gemacht.
+
+3. Für den Staat. Der Jude der Ostmark (wie überhaupt in ganz
+Deutschland) war ein zuverlässiger Staatsbürger, auf den in jeder Zeit
+gerechnet werden konnte.
+
+Organisationen über Organisationen erwuchsen aus dem reichen Boden der
+Gebiete rechts der Elbe. Deutsche und polnische Kleinbauern-Genossen-
+schaften, Vereine der Gutsbesitzer und Groß-Eigentümer, die zugleich die
+Zucker- und Spiritusfabrikation besaßen, politische Organisationen
+beider Sprachengemeinschaften, alle aber mit leicht antisemitischen
+Tendenzen, die durch den in Berlin geborenen Antisemitismus erst voll
+und ganz durchtränkt werden sollten. Was dagegen der Jude an
+Organisation entgegenstellte, war kaum der Rede wert. Er organisierte
+sich nicht wirtschaftlich, sondern verzichtete darauf, sich in einen
+Kampf einzulassen, in dem außer Regierung und Verwaltung auch die breite
+Masse des Volkes gegen ihn Stellung nahm, und verschwand in die
+Großstadt, wo er untertauchen konnte.¹
+
+ ¹ Die oft zitierten jüdischen Vereine haben keinen wirtschaftlichen,
+ sondern einen humanitären Charakter.
+
+Dadurch ist die unnatürliche plötzliche Überschwemmung der Hauptstädte
+mit Juden bedingt worden. Nicht nur die Jungen und Fähigen kamen; viele,
+die sich nicht mehr anzupassen wußten, schwemmte die Flut herein. Ältere
+Menschen, die überall anstießen, weil sie in dem neuen Beruf nicht mehr
+von der Pike auf dienen konnten. Neben einer großen Menge von Begabten
+und Energischen auch „Luftmenschen“, Bassermann’sche Gestalten, labile
+Charaktere. Aber was das junge Blut anlangt, so kann man leicht zeigen,
+daß es Deutschland zum Segen gereichte. Deutschland ist der große,
+kräftige und reiche Staat in hohem Maße auch durch die Mitarbeit der
+_Juden_ geworden.
+
+Bekannt ist deren Mitwirken an der finanziellen Entwicklung. Die
+Finanzgrößen, die die deutsche _Geldwirtschaft_ und die Großbanken
+schufen, waren zum großen Teil Juden. Das Erstarken unserer finanziellen
+Kraft liegt in der glücklichen Ausgestaltung unserer Finanzinstitute.
+Die Banken sind nach Sombart eine jüdische Erfindung. Die Barone
+Oppenheim sind die Gründer der ersten, der Darmstädter Bank. Neben den
+Rothschild’s ragen als Eisenbahnkönige einige jüdische Häuser wie die in
+Bayern nobilitierten Eichthal und die später in Preußen geadelten
+Fould’s, später Dr. Strousberg und der Baron Hirsch hervor. Das Bankhaus
+Mendelsohn hat heute noch seine nahen Beziehungen zu den maßgebenden
+Stellen des Reiches, und der Chef der Firma Bleichröder ist der
+Öffentlichkeit populär geworden, weil er Bismarck zu der hohen
+französischen Kriegsentschädigung von 5 Milliarden in Gold zu bewegen
+wußte. Auch die modernen Finanzgrößen, die Leiter unserer wichtigsten
+Institute, zählen Juden an erster Stelle auf. Wir erinnern an die von
+Cohn, von Wassermann, Fürstenberg, Speyer-Ellissen, von Schwabach,
+Goldberger . . .
+
+Die Arnold, Berliner und Deutsch sind Namen, welche in der neudeutschen
+Wirtschaftsgeschichte einen guten Klang besitzen. Hagen-Köln (früher
+Levy geheißen) war wohl einer der Männer, welcher in dem Aufsichtsrat
+der größten deutschen Gesellschaften den mächtigsten Einfluß besessen
+hat.
+
+Juden haben in Hamburg die _Strumpfindustrie_, in Fürth das
+_Spiegelglas_, im posenschen die _Schnapsbrennerei_ großgemacht. Wir
+treffen sie auch als Großindustrielle in der _Seiden_fabrikation.
+
+Neben unseren vortrefflichen Geldinstituten haben uns vor allem unsere
+großzügigen Wollfirmen die Kriegführung erleichtert. Der deutsche _Woll-
+und Baumwollmarkt_ ist von Juden geschaffen und auf die Höhe gebracht
+worden, die er heute einnimmt, wie wohl kein Kenner der Verhältnisse
+bestreiten wird. Unter den vielen Tüchtigen verdienen hier die Gebrüder
+Simon namentliche Erwähnung.
+
+An den grandiosen Woll- und Baumwollhandel konnten sich die zahlreichen,
+vielfach jüdischen, Textilfabriken anlehnen. Die blühende deutsche
+_Konfektion_ ist quasi eine jüdische Domäne.
+
+Daneben erinnere ich an den Leipziger _Rauch_markt. Wer die berühmte
+Pelzmesse kennt, weiß, daß jüdischer Fleiß und Erwerbsfreudigkeit hierin
+Deutschland eine erste Stelle in der Welt schuf. Die großen
+„_Felljuden_“, welche unsere Lederindustrie mit ausbauten (z. B.
+Adler-Oppenheimer), und die _Stiefelkönige_ sind bekannt.
+
+Den Neid aller Völker, den Stolz Deutschlands bedingte unsere so rasch,
+fast über Nacht zu grandioser Größe entwickelte _Handelsflotte_, die
+auch in Kriegszeiten dem Reiche ihre Dienste leiht. Der Schaffer der
+Hamburg-Amerika-Linie aber ist der viel genannte _Ballin_. Seine
+Bedeutung für die Entwicklung Deutschlands wird einst die Geschichte zu
+würdigen haben.
+
+Der Vater der _elektrochemischen_ Industrie war der jüngst verstorbene
+Rathenau, der Schöpfer der A.E.G. Sombart behauptet, daß auch die
+Siemens und Halske-Werke erst den Wettkampf um die Vormachtstellung der
+deutschen Industrie in aller Welt aufnehmen konnten, als der jüdische
+Direktor Berliner an leitende Stellung trat. Aber nicht nur in
+friedlichen Zeiten bedang die A.E.G. Deutschlands Ruhm und Größe. In
+unserm Kriege haben sie Bedeutendes geleistet, wenn es jetzt auch noch
+nicht Zeit ist, darauf näher einzugehen.
+
+Viel geschmäht worden ist die Arbeit der Juden auf dem Gebiete der
+_Waffen-_ und _Munitionsfabriken_. Wie vereinzelte Sozialdemokraten die
+Wichtigkeit der Kruppwerke und ihre vaterländische Rolle mißverstanden
+und vor der breitesten Öffentlichkeit verunglimpften, so wußte
+seinerzeit Ahlwardt den großen _Löwe_konzern zu verdächtigen. Aber die
+„Juden“flinten, die Maschinengewehre und alle die Waffen, welche unsere
+Heeresleitung von diesen Unternehmungen beziehen konnte, waren letzten
+Endes nicht bedeutungslos. Der Nur-als-Krämer und Schacherer verschriene
+Jude hat dem Reich zu Kriegsbeginn wertvolle Stätten zur Verfügung
+stellen können: Angefangen von dem reich überfüllten Wollmarkt, von den
+Handelsschiffen, welche die Flotte stützten, bis zu den Fabriken, die
+direkt oder indirekt dem Heere alle Mittel moderner Kriegsführung
+lieferten.
+
+Wenn wir an die treue Mitarbeit jüdischer Firmen in der
+_Maschinentechnik_ anknüpfen, dann dürfen wir als deutsche
+Unternehmungen von Weltgeltung herausgreifen die _Orenstein und Koppel_
+A.G., (Kleinbahn- und Baggerfabrikanten), die Mannheimer _Ladenburgs_,
+die Nürnberger _Bings_. Selbst Erzschürfungen (Hirsch und
+Beer-Sondheimer-Kupfer) werden von ihnen inauguriert. Caesar Wollheim,
+v. Friedländer-Fould sind in ‚Kohle‘ bekannt. Neben der Wichtigkeit des
+Materials und der Arbeitsstätten ist es Geheimrat Haber, der durch die
+künstliche Gewinnung des Stickstoffes erst die ganze deutsche
+Munitionserzeugung gewährleistete, und der (nach Davis Trietschs
+Broschüre, „Juden und Deutsche: Eine Sprach- und Interessen-
+gemeinschaft“²) jüdischen Eltern entstammt. Auf solche Köpfe kann die
+deutsche _chemische_ Wissenschaft stolz sein. Wie ja überhaupt die
+chemische Industrie Deutschlands Größe in der Welt mitgeschaffen hat.
+(Es sei u. a. auch des jüdischen chemischen Industriellen _Gans_
+gedacht, dessen Sohn übrigens auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und der
+Ballontechnik Bedeutung hat.)
+
+ ² Verlag R. Löwit, Wien 1915.
+
+Auch sonst wäre noch viel aufzuführen. Wir könnten manches über andere
+Wirtschaftskomplexe hier anfügen, so vom Tabakmarkt, von dem Sombart
+behauptet, daß Juden die Tabakindustrie in Deutschland einführten.
+Ebenso wie in der modernen Zigarren- und Zigarettenfabrikation halten
+Juden den Wettbewerb als Uhren-, Sekt- und Schokolade-Fabrikanten und
+als Getreideimporteure usw. usw.
+
+Wir wollen nicht ermüden. Die Reichtümer, die einzelne Juden sich
+erwarben, waren nicht unverdient. Sie sind bedingt dadurch, daß
+Deutschlands Handel und Wandel zu der Größe geführt wurde, die den Neid
+der fremden Völker erregte, aber damit auch unserem Lande die
+Möglichkeit gab, auch auf dem wirtschaftlichen Felde den allgewaltigen
+Kampf gegen die Unmenge von Feinden so siegreich zu bestehen.
+
+Auf dem Zeitungsgebiet zeigten die _Mosse_, _Ullstein_, _Sonnemann_
+(Frankfurter Zeitung) ihre Tatkraft und schufen, trotzdem ihre Blätter
+als „verjudet“ verschrien wurden, gewaltige Betriebe. _S. Fischer_ ist
+der bedeutendste literarische Verleger, _Reinhardt_, der
+_Bühnentechniker_, welcher dem modernen Theater reiche Impulse verlieh,
+ist gleichfalls Jude. Als _Antiquitätenhändler_, _Numismatiker_, als
+_Sammler_ jeder Art haben die Juden den deutschen Ruf in der Welt
+mitbegründet.
+
+Besonders stark angefeindet wurden sie in der Wissenschaft. Um auf
+diesem Gebiete ihr Können einigermaßen zu belegen, müßten wir allein ein
+dickes Buch schreiben. Aber ein paar Beispiele dürfen wir wohl geben. So
+ist in der Medizin die Lehre der _sexuellen Krankheiten_ durch drei
+Juden — _Neisser_, _Ehrlich_, _Wassermann_ — in grandioser Weise
+gefördert worden. Neisser, der Entdecker des Gonokokkus, Wassermann, der
+feinsinnige Schaffer des luetischen Blutnachweises, und Ehrlich, welcher
+eine moderne Waffe gegen die Syphilis schmiedete. Die _Juristen_
+sprechen von den Begründern der deutschen Rechtswissenschaft, von
+_Staub_ und _Dernburg_ mit all der Hochachtung, die man diesen kaum
+vorenthalten dürfte. Die _Sprachwissenschaften_ (die _deutsche_ z. B.
+vertreten durch _Mauthner_) schätzen die jüdische Mitarbeit;
+_Statistik_, _Nationalökonomie_, _Chemie_³ sind wie _Literatur_, _Musik_
+und andere kulturelle Gebiete durch deutsche Juden befruchtet worden.
+Auf _Schachturnieren_ (Lasker, Steinitz, Zuckertort, Tarrasch), aber
+auch auf den olympischen Spielen, am Turf und auf gefahrvollen
+Expeditionen bewährten sich Juden. _Emin Pascha_ hieß einst Schnitzer,
+ein bedeutender Arabien-Forscher war _Glaser_, als einer der ersten
+wirkte in deutschen westafrikanischen Schutzgebieten und erlag dort der
+Malaria: Dr. _Kaiser_. . . .
+
+ ³ Der letzte Nobelpreis für Chemie fiel nach Deutschland. Sein
+ Träger wurde eine allgemein anerkannte chemische Autorität; der
+ Nachfolger Bayers in München, der Vorstand des dortigen
+ staatlichen Laboratoriums, Geh. Rat Professor Willstätter.
+
+
+Die antisemitische Bewegung, die vor dreißig Jahren gegen die Juden
+entstand, ist dadurch erklärlich, daß von den vielen hervorragenden
+Verdiensten deutscher Juden viel zu wenig bekannt wurde.
+
+Die politische Geschichte übergeht die Abstammung des ersten deutschen
+Reichstagspräsidenten von Simson, der seinem Könige mehrfach die
+Kaiserkrone antrug. Das damals als Musterländle gepriesene Baden hatte
+einen nicht einmal getauften Finanzminister: Ellinger.
+
+Das waren einzelne Personen, die ihr Bestes für das Werden des Reiches
+einsetzten. Schon in den 40er Jahren waren es jüdische Dichter in der
+Sturm- und Drangperiode, welche für Einheit und Fortschritt eintraten.
+Berthold Auerbach und Andere, deren Namen heute vergessen sind, mußten
+wegen ihrer Zugehörigkeit zu alldeutschen Burschenschaften hinter
+Kerkermauern dafür büßen, daß sie für ein geeintes Deutschland
+agitierten.
+
+Bedeutender zeigt sich aber die Mitwirkung jüdischer Elemente bei der
+Ausgestaltung des deutschen _politischen_ Lebens. Kein Volk der Welt hat
+ein so gut fundamentiertes Parlament, in dem so überzeugungstreue
+Parteien sitzen, die nicht nach Laune, nach persönlichen Vorteilen
+stimmen, sondern die — oft viel zu sehr — nach theoretischen
+Überlegungen und prinzipiellen Anschauungen den Fragen nähertreten. Kein
+Abgeordnetenhaus hat sozialer und menschlicher gearbeitet. An ihren
+Früchten kann man am besten nicht nur die Bäume, sondern auch die
+Parlamente erkennen. Unsere _konservative_ Partei feiert als einen ihrer
+Mitbegründer Stahl; Lasker und Bamberger schufen die _liberale_ Partei;
+Marx und Lassalle standen an der Wiege der _Sozialdemokratie_, die in
+Singer, Haase, Bernstein und Frank mit ihre besten Führer fand.
+
+Da wir noch keine Abhandlung über die jüdische Mitarbeit an der
+Entwicklung Deutschlands in der neuesten Zeit besitzen, so war es wohl
+nicht unangebracht, sie mit einigen Beispielen zu belegen. Ähnlich wie
+_Deutschland_ in der _Welt_, so machten sich die _Juden_ in
+_Deutschland_ „unliebsam bemerkbar“.
+
+Der Umwelt erschienen einst die deutschen Waren als „billig und
+schlecht“, die aufblühende deutsche Flotte war den Engländern, die als
+handeltreibendes Seevolk ein Monopol anstrebten, eine freche Konkurrenz,
+die deutsche Beteiligung in der Weltpolitik kam den Engländern als
+Aufdringlichkeit vor, selbst wenn sie noch so zurückhaltend war.
+
+Dazu kamen noch historische Vorurteile, von welchen z. B. besonders die
+Franzosen nicht loskamen. Das Geschrei der Gasse umnebelte selbst
+intelligente Engländer, Franzosen, Italiener, Amerikaner, Rumänen,
+Russen. Auch in der neutralen Welt gibt es leider tüchtige Menschen, die
+sich alle Fabeln über die Unkultur der Deutschen, über die
+Eroberungssucht des Kaisers und seines Volkes zueigen machten.
+
+Geradeso hat man oft von den Juden gesprochen. Man hat sie des Mangels
+an Kultur und an Redlichkeit geziehen und all des Schlechten, was man
+den Deutschen heute nachsagt, beschuldigt. Wollten sie beim Militär
+Karriere machen, dann hinderte man sie daran; wenn daraufhin wieder
+Manche keine sonderliche Lust am Dienste hatten, hielt man es ihnen
+wieder vor. Wurden sie reich, dann erweckte das Eifersucht; war irgendwo
+ein unbedeutender Jude, dann wurde daraus der Schluß gezogen, daß der
+Jude überhaupt unfähig ist. Es ist wirklich überraschend, wie ähnlich
+das Eintreten Deutschlands in der großen Welt, und das Emporsteigen der
+Juden in Deutschland von der Außenwelt gewertet werden.
+
+
+Wir sehen es ja in unserer Zeit, wie nichts zu plump ist, um geglaubt zu
+werden, wenn ein Volk neidisch ist. An diesen Instinkt appellierten auch
+die Antisemiten. Der Jude, der die deutsche Sozialdemokratie mitschuf,
+soll an den Auswüchsen des Kapitalismus schuld sein, bloß weil findige
+Köpfe, wie die Tietz, Wertheim, Jandorf, Israel, den Fabrikbetrieb, das
+Maschinelle auch in den Kleinverkauf einführten und das Warenhaus
+schufen.⁴ Und wie einstmals die Handweber die Fabriken stürmten und die
+Maschinen zertrümmerten, so kämpften die kleinbürgerlichen Kaufleute und
+Handwerker gegen die Riesenunternehmen, und verwechselten Person und
+Sache. Wer diese modernen Erfinder haßte, wurde Antisemit.
+
+ ⁴ Den „kleinen“ Mann haben ähnliche Entwicklungstendenzen in den
+ meisten Fällen an die Wand gedrückt. Großbäckereien,
+ Großschlächtereien, Wäschereien, Restaurationsbetriebe im großen,
+ mit und ohne Filialen sind ähnliche Erscheinungen wie das
+ Warenhaus, welche die selbständigen Handwerker und Kleinbetriebe
+ in ihrer Existenz bedrohen.
+
+Wie _Deutschland in der Welt überall auf Neider stieß, so fand auch der
+Jude in Deutschland überall mißgünstige Seelen_. Wie beschränkt diese
+waren, geht schon daraus hervor, daß sie durch den Antisemitismus alle
+sozialen Fragen und Schäden zu lösen glaubten.
+
+Die antisemitische Literatur ist zwar recht armselig, aber Deutschland
+hat das traurige Verdienst, diese „Wissenschaft“ in der Hauptsache
+geschaffen zu haben. Die anderen Länder, die sich vielfach viel länger
+und viel ungenierter in der Bedrückung ihrer lieben Juden überboten,
+bekamen leider von Deutschland neue Impulse. Die Pamphlete der Ahlwardts
+gingen in alle Welt und richteten außerhalb der schwarz-weiß-roten
+Grenzpfähle, besonders auch in Österreich, erschreckendes Unheil an.
+Noch vor kurzem hat der große Staat Rußland den Juden einen
+Ritualmordprozeß gemacht, nachdem vorher Österreich und Deutschland ihre
+Ritualmordhetze gehabt hatten. Noch schmachtet in österreichischen
+Kerkermauern ein wegen eines „Ritualmordes“, — wie alle Juristen
+beteuern, unschuldig — verurteilter armer Jude: Leopold Hilsner. Keine
+Lüge war den Antisemiten zu niedrig — man lese nur ihre Bücher — keiner
+ihrer Führer zu — bedenkenfrei. Meist waren sie recht dunkle
+Ehrenmänner. Aber das Gift, das sie verstreuten, trug dennoch eine
+reiche Saat. Ein Mann beteiligte sich dabei, dessen Schriften man nicht
+so ohne weiteres mit denen der anderen vergleichen darf: Houston Stewart
+Chamberlain. Chamberlain hat zwar neuerdings einiges Wasser in seinen
+Wein gegossen. Er hat erklärt, seine früheren Behauptungen gegenüber den
+deutschen Juden⁵ nicht aufrecht zu erhalten. Chamberlain ist ein so
+maßloser Chauvinist, daß er selbst Christus als Germanen reklamieren zu
+müssen glaubte. Er, der noch vor kurzem allen Germanen, auch den
+Engländern, Lob sang, hat nun ein Pamphlet losgelassen, für das es kaum
+ein Wort der Entschuldigung gibt. Als geborener Engländer durfte er nie
+und nimmer in der Weise das Nest beschmutzen, dem er entstammte. Es gibt
+nichts Verächtlicheres, als wenn Renegaten dem Volke, dem sie
+entstammen, in solcher Weise seine Fehler vorhalten. Wenn sie, die die
+Schwächen am besten kennen, sie zusammenstellen, übertreiben und daraus
+ein Urteil fällen. Wenn wir nach der Methode Chamberlains dozieren
+wollten, müßten wir zu dem Schlusse kommen: Alle Engländer taugen
+nichts. Der Engländer ist so und so. Also ist auch Houston Stewart
+Chamberlain . . . So ähnlich wurde nämlich nach H. St. Chamberlain über
+den semitischen Geist, über den Juden im allgemeinen und im besonderen
+geurteilt, selbst wenn er — weit mehr als Chamberlain, der die deutsche
+Kultur erst seit einiger Zeit genossen hat — seit _Jahrhunderten_ Anteil
+an allen Gütern deutschen Geisteslebens genommen hatte.
+
+ ⁵ Das erklärt er _heute_, nachdem die Rassenverhetzung den Juden das
+ Leben auf Schritt und Tritt verekelt hat, nachdem seine voreilige
+ Behauptung gegen die Juden die christliche Nächstenliebe
+ bedingungslos aus Hunderttausenden zu Gunsten des Hasses gegen
+ alle Anhänger des mosaischen Glaubens getilgt hat.
+
+Nein, „der Jude“ in Deutschland war zum Teil tüchtig und fähig, zum Teil
+faul und indolent. Er war auf der einen Seite ein stiller Mann der
+Wissenschaft, der nach dem Muster des genialen Spinoza, Marx und vieler
+anderer, die ohne nach der Anerkennung der Öffentlichkeit zu lauern, in
+stillem Kämmerlein ihre Werke schufen.⁶ Es gab aber auch Eintagsgrößen,
+die sich kaum von Charlatanen unterschieden. Maezene und Volksfreunde
+hat es unter den Juden gegeben, die ihr Vermögen dem Fortschritt
+hingaben, ohne daß es die Menge erfuhr. Keine ideale Bewegung existiert,
+die nicht an den Juden reiche Förderer hat: für Frauenrechte, für
+Kinderschutz, für die Waisen, Arbeitslosen, Blinden etc., die
+Bestrebungen für die Abstinenz, für Friedenspropaganda, für
+Vegetarismus, für alte Bühnenkünstler, für alle Künste, — der Jude hat
+seine Person, sein Ansehen und nicht zum mindesten sein Geld jederzeit
+guten und idealen Zwecken zur Verfügung gestellt.
+
+ ⁶ So hat der auf dem Felde der Ehre gefallene jugendliche Komponist,
+ Kriegsfreiwilliger Walter _Asch_, wie eine Münchener Zeitung
+ meldet, in allzu großer Bescheidenheit als seinen letzten Willen
+ hinterlassen, daß seine Werke nicht gedruckt werden dürfen.
+
+Der Jude, der so sehr für jeden sozialen Fortschritt zu haben war, der
+auf Grund alter historischer Gewohnheiten für den Ruhetag in der
+Arbeitswoche, für das Angestelltenrecht etc. eintrat, der sich stets für
+Freiheit einsetzte, wurde den Massen als Ausbeuter schlimmster Sorte,
+als soziales Hemmnis hingestellt. Vergeblich sein Eintreten für alle
+demokratischen Ideale, für individuelle Freiheit, für internationale
+Verständigung. Wie der wirtschaftliche Neid nicht nur den Blick trübt,
+sondern fast blind macht, sehen wir jetzt ja an den Engländern. Diese
+Gewaltsmacht, die so oft ganz real die Verhältnisse beurteilte, schilt
+die Deutschen Barbaren, während sie ihr Heer zusammensetzt und sich
+verbündet mit Hunderttausenden von Negern, Indiern, Zuaven,
+Tscherkessen, Kosaken, Kalmücken und allen schiffbrüchigen Existenzen
+der neuen und alten Welt. Dieses für Geld geworbene Analphabetengesindel
+soll das Vorkämpfertum der Kultur sein! Die Engländer, die am längsten
+den Sklavenhandel geduldet, nein gezüchtet hatten, die in Südafrika die
+Burenfrauen mordeten, in Ägypten die Verträge brachen und die Indier
+verhungern ließen, sind mit Recht als Heuchler an den Pranger gestellt
+worden. Bei den Franzosen gelten _alle_ Deutschen als Boches, als
+Verbrecher und als Schweine. . . . Dieser Weltkrieg, an dem 10 Millionen
+Juden beteiligt sind und schwere Opfer bringen, darf nicht vorübergehen,
+ohne daß das von Antisemiten getragene absprechende Urteil über sie in
+Acht und Bann getan wird. Ein Urteil, das ebenso unberechtigt ist wie
+das der Entente-Mächte über die Deutschen. Nicht nur, weil ein
+prächtiges Kaiserwort das gehässige Treiben der Rassen- und
+Religionsschnüffler für die Dauer des Krieges unterband, sondern weil
+Deutschland und die Welt einsehen muß, daß die Behauptung der
+Minderwertigkeit Andersgearteter allzuoft nur eine billige, überall
+gehandhabte Waffe des _Neides_ ist.
+
+
+Und so unterstreichen wir nochmals die Tatsache:
+
+
+Daß der Jude am Gemeinwohl, am Fortschritt, an der Entwicklung
+Deutschlands freudig teilgenommen hat, kann kein objektiv denkender
+Mensch bestreiten. Ob er als Bürgermeister von Posen⁷ oder als Stadtrat
+von Berlin⁸ oder Frankfurt, oder im Ehrenamt, oder als Wähler einer
+Gemeinde seine Pflicht erfüllen konnte, — als der Abkömmling einer alten
+Kulturrasse interessierte ihn alles öffentliche Leben. Die Städte, in
+denen die Juden seit langem wohnen und eine gewichtige Stimme haben,
+sind nicht schlecht damit gefahren. Das reiche Frankfurt blüht,
+Nürnberg, Fürth entwickeln sich überaus rasch, Hamburg gedeiht.
+
+Die neueste Wissenschaft hat den Juden mehr Gerechtigkeit widerfahren
+lassen. _Sombarts_ Arbeiten zeigten die Bedeutung der Juden. Es ist
+ziemlich gleichgültig, ob die Juden Handel und Wandel in die Orte
+bringen, wohin sie kommen, oder ob sie ihn mit zur Blüte bringen.
+Jedenfalls ist dort Entwicklung, wo sie unbedrückt leben können.
+
+ ⁷ Witting (Witkowski).
+
+ ⁸ z. B. Cassel.
+
+
+Außerdem hat eine ziemlich starke Verschmelzung des Adels mit der
+deutsch-jüdischen Geldaristokratie, die übrigens auch ca. 100 geadelte
+Familien zählt, stattgefunden. Ebenso ist in den besten bürgerlichen
+Kreisen vielfach eine Vermischung eingetreten. Solchen Familien
+entstammte z. B. Dernburg, der bekannte Kolonialpolitiker, Heyse, der
+Schriftsteller, der Admiral Bendemann, andere führende Männer sind mit
+Jüdinnen verheiratet.⁹
+
+ ⁹ So sind z. B. die Nachkommen der bekannten jüdischen Gelddynastien
+ Gumpert und Heine aus Hamburg mit dem deutschen und
+ internationalen Hochadel verschwägert, ebenso wie die als
+ Rennstallbesitzer geschätzten v. Oppenheimer aus Köln, v. Weinberg
+ aus Frankfurt, die Bernstein-Becker aus Königsberg, v.
+ Hirsch-Gereuth aus München. Ursprünglich jüdisch waren folgende
+ nobilitierte Familien: v. Ukro, v. Oppenfeld, v. Renard, v.
+ Moßner, v. Schwanenfeld, v. Halle, v. Löwenthal u. a.
+
+
+
+ *Die Juden im Kriege.*
+
+
+Obwohl nachweislich viele jüdische Burschenschafter für das
+schwarz-rot-goldene Band gekämpft und gelitten hatten, obwohl in der
+Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne jüdische Burschenschafter an der
+Spitze der Verbindungen standen, erklärte 50 Jahre später der
+Weidhofener Verband der deutsch-österreichischen Burschenschaften alle
+Juden insgesamt für jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die
+Satisfaktion, also auch denen, die bis kurz vorher als alte Herren dem
+Verband angehört hatten. Dieselbe Überhebung, die ein anderer großer
+studentischer Verband zeigte, als er Naumann und andere höchst
+ehrenwerte deutsche Politiker wegen ‚sozialistischer‘ Tendenzen
+ausstieß, veranlaßte geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch
+und Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt die
+Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdächtigung uns nach. Auch dem
+jüdischen Soldaten.
+
+Der Jude hat sich als Soldat bewährt. In allen Kämpfen der letzten Jahre
+haben sich Juden bewährt. Die Bulgaren und Türken haben sie im
+vorletzten Krieg vielfach gerühmt. Selbst im antisemitischen Rumänien
+ist ein jüdischer Oberst (Brociner), der sich im Krieg 1878
+auszeichnete, der Kommandeur der Leibgarde und des Königl. Schlosses. In
+Österreich sind Juden kommandierende Generale, in Italien war der
+frühere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon hatte jüdische
+Heerführer.
+
+In den deutschen Freiheitskämpfen gab es viele freiwillige jüdische
+Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch den Offiziersrang. Auch
+später konnten Juden, hauptsächlich anno 1870, Offiziere werden; aktive
+Offiziere standen nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier
+hauptsächlich Reserveoffiziere und aktive Militärärzte, ein Jude brachte
+es einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major.¹⁰
+
+ ¹⁰ In Bayern gibt es jetzt aktive jüdische Majore und Oberstabsärzte,
+ erstere etwa fünf, von letzteren, soviel bekannt wurde, sieben. In
+ Österreich haben sich Juden als Generale ausgezeichnet; aktive
+ Offiziere gibt es einige Hundert. Nach Bloch’s „Österreichische
+ Israel. Wochenschrift“ haben sehr viele während des jetzigen
+ Krieges ein glänzendes Avancement erfahren. Eine soeben
+ erschienene Broschüre Ludwig Geiger’s „Deutsche Juden und der
+ Krieg“, die mir bei der Korrektur vorliegt, bringt genauere Zahlen
+ über die Beteiligung der deutschen Juden an den Kriegen des XIX.
+ Jahrhunderts. Hardenberg anerkannte danach schon am 4. 1. 1815:
+ „Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten
+ ihrer Mitbürger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des
+ wahren Heldenmutes und der rühmlichen Verachtung der Todesgefahr
+ aufzuweisen, sowie die Einwohner Berlins, namentlich auch die
+ Frauen, in Opfern jeder Art sich den Christen angeschlossen
+ haben.“
+
+ Eine Denkschrift der Regierung Preußens vom Jahre 1847 ermittelte
+ das Verhalten der Juden als Soldaten und stellte fest, daß die
+ Juden in den Freiheitskriegen wie im Frieden den übrigen Truppen
+ nicht nachstanden.
+
+Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure auf den
+Standpunkt, den einmal der leider auf dem Felde gefallene Hauptmann von
+Treskow also präzisierte: „Wenn wir die Juden prinzipiell nicht
+befördern, dürften wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen“. Nach
+Schätzungen werden jetzt über 900 Juden als Offiziere, ungerechnet die
+Militärärzte, im Felde stehen. Viele sind wegen besonderer Tüchtigkeit
+befördert worden, das „Hamburger Israel. Familienblatt“ stellte schon
+über 20 Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse fest (z. B. der Flieger
+Frankl, der Reichstagsabgeordnete Haas), darunter waren alle
+Waffengattungen vertreten. Auch bei der Marine und in den Schutztruppen
+haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem Kriege werden die Ziffern
+insgesamt zur Verfügung stehen. Das in Breslau erscheinende „Jüdische
+Volksblatt“ hat die Namen veröffentlicht, die bestimmt dem Judentum
+angehören. Darnach haben bis zum Herbst 1915 knapp 5000 Juden (also fast
+1% der gesamten deutschen Judenheit!) das Eiserne Kreuz erhalten, von
+über 3000 Juden konnte namentlich festgestellt werden, daß sie den
+Heldentod fürs Vaterland gefunden. Leider kann diese wöchentliche
+Zusammenstellung nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Da die
+jüdische Jugend, soweit sie nicht gedient hatte, gleich zu Beginn des
+Feldzuges freiwillig in großer Zahl (— es wäre sehr interessant, wenn
+die Heeresverwaltung diese Ziffer veröffentlichen würde —) sich stellte,
+sind die Verluste sehr stark.¹¹ In allen jüdischen Jugendvereinen wird
+diese Tatsache festgestellt. So ist z. B. in der jüdischen Turnerschaft
+eine Kriegssterblichkeit, die sich in den einzelnen Untervereinen bis
+33% der Mannschaften (wie z. B. bei dem Ruderklub ‚Ivria‘) stellt. Die
+meisten Turn- und Sportvereine der jüdischen Turnerschaft mußten zu
+Beginn des Krieges ihren Betrieb aufgeben, da alle Mitglieder zu den
+Fahnen eilten.
+
+ ¹¹ Die „Leipziger Neuesten Nachrichten“ konstatierten, daß die in
+ Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher
+ Staatsangehörigkeit, in großer Zahl freiwillig zu den Fahnen
+ eilten.
+
+Die Mitglieder der jüdischen studentischen Verbindungen stellten
+gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern des K. C.
+(Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell jüdischer Verbindungen)
+rückten fast alle aus; ein Drittel davon als Kriegsfreiwillige. Sehr
+zahlreich war auch die Beteiligung freiwilliger jüdischer Ärzte. Nach
+einer Statistik beträgt die Verlustliste bei den jüdischen Ärzten schon
+über Hundert. Auch der jüdische Arzt hat an der Front und im
+Seuchenlazarett seinen Posten ausgefüllt.
+
+Der tapfere jüdische Soldat und Offizier verschwindet oft in der Menge.
+So glaubte man z. B. allgemein nicht, daß der einzige Soldat, der bei
+meinem Regiment das Eiserne Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besaß, ein
+Jude war (der später als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an
+einer jüdischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp bis zum
+Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die Tüchtigkeit des
+jüdischen Vorgesetzten und Soldaten von hohen Offizieren anerkannt
+worden. Exempla docent. Die überaus große Zahl von Beförderungen,
+Dekorationen etc., über die sich jeder, namentlich z. B. im „Hamburger
+Israelitischen Familienblatt“ informieren kann, gibt die beste Gewähr.
+Der österreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit genommen, sich
+dahin auszusprechen, daß der persönliche Mut und die Zuverlässigkeit des
+jüdischen Soldaten durch diesen Krieg aufs neue bewiesen wurden.¹²
+
+ ¹² Überall ist die Tapferkeit der Juden anerkannt worden.
+
+ Prinz Fuad, der Flügeladjutant des türkischen Sultans, hat dem
+ offiziellen ungarischen Pressevertreter folgende Erklärung
+ abgegeben (in der deutschen Presse im Jüd. Echo, München, Nr. 27,
+ 1915, wiedergegeben):
+
+ „Die jüdische Legion, welche auf den Dardanellen operiert,
+ verrichtet wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein türkischer
+ Jude, bekam den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung. In den
+ übrigen Militärteilen kämpfen die Juden mit andern zusammen
+ ausgezeichnet. Die türkischen Militärbehörden machen daher keinen
+ Unterschied zwischen jüdischen und nichtjüdischen Soldaten. Das
+ Gleiche kann hinsichtlich der jüdischen Zivilbevölkerung gesagt
+ werden, welche im jetzigen schweren Moment opferwillig dem Lande
+ hilft, soviel sie nur vermag. Die jüdischen Bestrebungen in
+ Palästina sind gut bekannt; niemand zweifelt an dem Patriotismus
+ der türkischen Juden“.
+
+ Und Gustav Hervé sagt über die viel geschmähten russischen
+ Juden — welche ein eignes Regiment gebildet hatten und in den
+ erbitterten Frühjahrskämpfen bei Arras fielen — bei Gelegenheit
+ der Veröffentlichung von Briefen gefallener Juden der jüdischen
+ Fremdenlegion:
+
+ „Held Litwak — du, dessen herrlicher Brief, geschrieben am Tag
+ deines ruhmvollen Todes bei Carency an der Seite von 2000
+ Mitjuden, ich unlängst abgedruckt habe, vergib diesen armen
+ Sergeanten, die euch monatelang als schmutzige Judenbuben und
+ ähnlich beschimpft haben — euch, die ohne dazu verpflichtet zu
+ sein, in einem Augenblick edler Begeisterung euer Blut großmütig
+ an Frankreich dahingegeben habt, das in euren Augen das Sinnbild
+ aller Freiheit und sittlichen Größe war.“ . . . Und das beste
+ Zeichen, wie sehr die Juden freiwillig für die Freiheit zu kämpfen
+ wissen, daß gerade die Anführer der polnischen Legionisten fast
+ durchwegs Juden sind: Nach dem Jüd. Echo (Nr. 31, 1914, München)
+ ist der Vorsitzende des Polnischen Nationalen Hauptkomités und der
+ Legionen ein Jude namens Mosche Scherer und ebenso eine ganze
+ Anzahl von Führern der Legion.
+
+Ebenso wie der sozialdemokratische wurde auch der jüdische Soldat
+endlich einmal von den Meisten vorurteilsfrei betrachtet und bewertet.
+Natürlich gibt es auch Fälle, wo sich Vorgesetzte noch nicht in den
+Gedanken der Gleichwertigkeit „solcher Elemente“ hineinleben konnten.
+
+Die ungeheure sozialdemokratische Begeisterung ist nicht zuletzt das
+Produkt der so oft geschmähten „inter“-nationalen Denkweise jüdischer
+Führer, mit der man früher alles Unrecht gegen Juden deckte und
+erklärte. Die Führer haben ihren Patriotismus nicht nur durch billige
+Phrasen dokumentiert, sie sind nicht wie andere Sozialistenführer à la
+Vandervelde als Wanderredner durch die Lande gefahren, um die Menschen
+aufzuwiegeln, haben à la Hervé billige blutrünstige Artikel geschrieben
+oder sich als Leutnants, wie D’Annunzio, zu Hause wichtig gemacht. Der
+Jude _Ludwig Frank_¹³, vielleicht der fähigste Kopf in der
+sozialdemokratischen Partei, trat als einfacher Soldat in Reih und Glied
+und fiel — wie er es wünschte — als ein einfaches, aber schönes Beispiel
+treuer Vaterlandsliebe.
+
+ ¹³ Der bekannte Genosse Davidsohn „nur“ zweimal verwundet, nunmehr
+ Offizierstellvertreter.
+
+Aber nun kam, was nicht kommen durfte. Man hat in vielen Zeitungen über
+den Mannheimer, über den Rechtsanwalt, über den Sozialdemokraten Frank
+geschrieben. Man hat bewiesen, daß ein Sozialdemokrat patriotisch sein
+könne. Daß er aber ein Jude war, diese Tatsache wurde nach Möglichkeit
+verschwiegen. — Nicht zum Beweis der Tapferkeit und der Vaterlandsliebe
+wollen wir Frank als Juden registrieren. Es liegt eigentlich eine
+unglaubliche Verworfenheit des Charakters vor, wenn jemand von einer
+kulturell so hochstehenden Rasse wie der jüdischen, von der Tausende im
+öffentlichen Leben wirken, welche alle Kulturstätten deutscher und
+anderer Bildung genossen haben, annehmen könnte, daß Mannesehre und
+Würde bei ihnen nicht zu finden wäre.
+
+Daß man bei allen Nachrufen aber sichtlich vergessen wollte, zu
+erwähnen, daß der erste deutsche Volksführer, welcher mit seinem Tode
+die Treue zur Heimat und zum Staate besiegelte, ein Jude war, ist keine
+erfreuliche Erscheinung.¹⁴ Ebensowenig wie die Tatsache, daß die Dichter
+des großen Krieges, die zuerst verwendet wurden und starben, Juden
+waren. Wir nennen nur _Zuckermann_, der das wundersame österreichische
+Reiterlied empfand, und _Heymann_, den jungen Königsberger Lyriker,
+sowie den Schlesier Georg _Hecht_. Man hat so oft über die billige
+Poesie, wie sie Literaten hinterm Schreibtisch gewinnsüchtig betreiben,
+gespottet. Zuckermann, Heymann, Georg Hecht. _Ich kannte die glühende
+Begeisterung, die sie mit dem Leben zahlten._
+
+ ¹⁴ Dagegen unterstreichen z. B. die deutsch völkischen Blätter
+ hämisch, daß Haase, welcher den verunglückten Aufruf veranlaßte,
+ _Jude_ sei, was man zu Kriegsbeginn, als er noch in minder
+ unsympathischem Fahrwasser segelte, sorgsam unterließ, bei ihm zu
+ erwähnen.
+
+ Eine typische Todesanzeige für einen aktiven jüdischen Offizier
+ mag hier folgen:
+
+
+
+
+ Gestern Abend um ½9 Uhr verschied in der Medizinischen Klinik des
+ Bürgerspitals zu Straßburg
+
+ *Herr Major* *Max Hollerbaum*
+
+ *Kommandeur des B. Landsturm-Infanterie-Bataillons Passau II
+ Ritter d. Eisernen Kreuzes, d. K. B. Militär-Verdienstordens usw.*
+
+ Das Bataillon steht in tiefer Trauer an der Bahre seines ersten
+ Kommandeurs.
+
+ Durch und durch Soldat, ein vornehmer, ritterlicher, zuverlässiger
+ Charakter, durch Willenskraft und warmherziges Wohlwollen
+ gleichmäßig ausgezeichnet, war er uns allen vorbildlich auch durch
+ den Heroismus, den er im Kampfe gegen ein langwieriges, schweres
+ Leiden bis zuletzt bewahrt hat. Es war ihm nicht vergönnt, wie an
+ dem Kriege um die Gründung des Reichs so an dem um seine
+ Behauptung bis zum ehrenvollen Abschluß teilzunehmen. Aber er hat
+ Treue bis zum Tode gehalten, und sein Gedächtnis wird in hohen
+ Ehren bleiben.
+
+ Am 27. September 1915.
+
+ *Für das Landsturm-Infanterie-Bataillon Passau II*
+
+ I. V.: *Hauptmann Freiherr von Pechmann.*
+
+
+
+ Anschließend mag noch bemerkt werden, daß Major Hollerbaum nicht
+ der einzige aktive jüdische Offizier in der bayerischen Armee war.
+ Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien nur
+ einige namentlich genannt: Der alte bayerische Kürassiergeneral
+ Carl Ritter v. Obermayer, Major Isidor Marx (Vater) und Major
+ Maximilian Marx (Sohn), die Majore Orfenau, Friedmann, Henle u. a.
+ Außerdem gab und gibt es viele jüdische aktive Sanitätsoffiziere,
+ Militärbeamte und auch untere Chargen.
+
+Wie aber war die Haltung der jüdischen Bevölkerung vor dem Ausbruch des
+Krieges? Die Juden haben sich in allem überaus würdig benommen. Daß sie
+als Kaufleute und Bankiers usw. nicht wie die Militärs beständig sich um
+die Militärangelegenheiten bekümmerten, ist selbstverständlich. Das
+berühmte „jüdische _internationale_ Großkapital“, von dem soviel
+gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten. Die jüdischen Bankiers und
+die jüdischen Kaufleute benahmen sich nicht anders wie die andern
+Schichten der Bevölkerung. Ruhig und ernst, wie es der Situation
+entsprach, als ihre Söhne entweder freiwillig oder als Militärpflichtige
+hinauszogen. Reiche Gaben und Spenden flossen allen Instituten von ihnen
+zu. Und was in der Heimat geleistet werden konnte, wurde getan. Männer
+wie Ballin, Rathenau, Riesser ruhten im Kriege nicht. Es ist noch nicht
+die Zeit, ihrer Verdienste für die Volksernährung, für die
+Munitionsergänzung und anderer Dinge zu gedenken.¹⁵
+
+ ¹⁵ Otto v. Gottberg, die offiziöse Feder unseres Kriegsministeriums,
+ schreibt in einem Artikel „D. K. R. A.“ über Rathenau: „Er kam
+ ohne Ruf und Amt, ein Deutscher in Sorge um das Vaterland. Wie
+ wenige ein Kenner unserer Wirtschaft, fühlte Dr. Walter Rathenau,
+ daß Deutschland einen längeren Krieg siegreich nur dann überstehen
+ könne, wenn der Staat ohne Säumen zu organisiertem Sammeln, Sparen
+ und Mehren der für die Kriegführung nötigen Stoffe schritt. Der
+ Kriegsminister sah den Mann, den er gesucht hatte. Sankt
+ Bureaukratius schlug wohl unter Protest die Hände über dem Kopf
+ zusammen, als der General den Zivilisten, Doktor und Ingenieur mit
+ höflicher Geste beim Kragen nahm und im Allerheiligsten der
+ Heeresverwaltung in einen Stuhl setzte mit dem Auftrag, die
+ Kriegs-Rohstoff-Abteilung ins Leben zu rufen.“
+
+ Die Art, wie Rathenau die Aufgabe in achtmonatlichem Wirken löste,
+ sichert ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte des
+ Wirtschaftskrieges.
+
+Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine zu geringe
+Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen Gründen oder aus Laune
+Junggesellen; die vielen Spätehen der akademischen Kreise und der
+Kaufleute bedingten einen hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die
+Kinder haben, begnügen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit,
+welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen hat, wird der
+Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er rächt die Beschränkung der
+Kinderzahl.
+
+Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwächte deutsche
+Judenheit weiß, daß dieses elementare Ereignis ihre Reihen noch mehr
+lichten wird. Alte Familien werden durch den Krieg erlöschen, die
+deutsche Judenheit wird unendlich geschwächt und in ihrer Existenz
+erschüttert aus dem Kriege hervorgehen.
+
+Die jüdische Jugend zahlte gern die Teilnahme an der deutschen
+Kulturgemeinschaft mit dem Tode.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Juden im Ausland.*
+
+
+Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien hat nur 40000,
+Frankreich 120000, England nicht ganz 300000, also alle drei Länder
+zusammen nicht viel mehr als Preußen. In der englischen Regierung saß
+vor 35 Jahren ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck
+eine Verständigung der beiden Länder herbeiführte. Heute hat im
+britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille, das des
+Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten eine Stimme hat.
+
+In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften
+italienischen Juden und einer englischen Christin. Außerdem ist in
+Italien der Finanzminister Luzzatti Jude, der sich ursprünglich gegen
+den Krieg aussprach.¹⁶ Das judenreinste Kabinett Rußlands trägt die
+Hauptverantwortung für diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am
+wenigsten zu sagen haben, hat am stärksten zum Kampf gedrängt.
+
+ ¹⁶ Die Abkunft Barzilais’ ist übrigens nicht sicher auf Juden
+ zurückzuführen.
+
+In England lag die Entscheidung ausschließlich bei wenigen Nichtjuden.
+Bedeutende englische Juden hatten sich gerade in den letzten Jahren für
+eine gegenseitige Annäherung Deutschlands und Englands bemüht, weil sie
+instinktiv die Entfremdung der Länder bemerkten.¹⁷ Als der Krieg begann,
+legten Sir Cassel und Sir Speyer ihre Würden nieder.
+
+ ¹⁷ Dafür hat Ernst Cassel Millionen gespendet, die er dem Kaiser
+ übermittelte; der einzige Engländer, der sich die Freundschaft der
+ beiden Länder etwas kosten ließ und sich ernsthaft darum bemühte.
+
+In Frankreich war das Kabinett wie in Rußland und Serbien „judenrein“.
+Die Juden an der Pariser Börse haben wahrlich keinen Krieg inszeniert.
+Als der Krieg aber ein fait accompli geworden war, haben einzelne
+frühere Deutsche resp. Elsässer in Frankreich und England aus der Angst
+für ihre Existenz unsympathische Kundgebungen erlassen. Ob sich darunter
+viele Juden befanden, weiß ich nicht. Ich konnte es nicht erfahren. Der
+berüchtigte Obermacher der Bethlehem Steel Company, _Schwab_ in Amerika,
+welcher wohl der anrüchigste Typ des Renegaten ist, stammt von
+württembergischen Eltern, ist nicht, wie deutsche antisemitische Blätter
+verleumderisch behaupten, ein Jude. Er ist vielmehr der Nachkomme eines
+Pfarrers.
+
+Wenn in einem Staate eine ziffernmäßig einflußreiche jüdische Volkschaft
+war, die sich für den Frieden hätte einsetzen können, so wäre es die
+Rußlands gewesen. An sieben Millionen Menschen, die aber in der Duma nur
+durch _einen_ Abgeordneten vertreten sind. (Auf diese Juden werden wir
+noch später zu sprechen kommen.) Sie waren vollkommen machtlos.
+
+Der Jude ist nicht, wie das alte, aber abgeschmackte Märlein der
+Antisemiten es will, der Brandzünder des Weltkrieges gewesen. Er war ein
+Freund des Friedens. Er würde als Kriegshetzer auch am allermeisten
+gegen sein Interesse handeln. Der Beamte wird im Krieg durch den Staat
+hinreichend ökonomisch geschützt, der Bauer findet nach dem Kriege immer
+seinen Grund und Boden wieder. Der Jude aber als Kaufmann hat durch die
+Unterbindung des Außenhandels enorm verloren. Bei einer großen Zahl der
+jüdischen Firmen ist mit einem Schlage der Lohn arbeitsvoller Jahre
+dahin gewesen. Und nach dem Kriege wird es auch für sie des größten
+Fleißes bedürfen, um nur annähernd das wieder zu erreichen, was man
+vorher an Wirtschaftsbeziehungen besaß.
+
+Am meisten unter allen Völkern haben die _Juden in Österreich_ gelitten.
+Die Besetzung Galiziens und der Bukowina stürzte 800000 Juden ins
+Unglück. Der ruthenische oder polnische Bauer wurde von der russischen
+Regierung mit aller Schonung behandelt. Gegen den Juden ist man jedoch
+mit aller Niedertracht verfahren, die man sich denken kann. Der Bauer
+hat sein Heim, seine Ernte, seinen Verdienst behalten. Der galizische
+Jude ist —, wenn er nicht gar nach Sibirien transportiert wurde, — zum
+armseligen Bettler geworden. Sein Haus, seine Ware, sein Geld
+vernichtet, er selbst brotlos und heimatlos. Man lese darüber das Buch
+Segels „Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen Volkes“¹⁸ — und
+man wird das Gruseln dabei lernen.
+
+ ¹⁸ Verlag Stilke, Berlin 1915.
+
+
+Eines der auch amtlich nachgewiesenen Ereignisse möchte ich hier zur
+Probe nach der Schilderung Benjamin Segels wiedergeben:
+
+„Im 16. Jahrhundert pflegten sich die Kosaken im Kampfe gegen Polen
+eines von den Tataren entlehnten Kriegsmittels zu bedienen: wenn sie
+eine Festung stürmten, trieben sie mit Lanzenstichen und Gewehrfeuer
+Gefangene vor, die Säcke voll Erde auf den Schultern trugen und unter
+dem Kugelregen ihrer eigenen belagerten Landsleute die Laufgräben um die
+Festung ausfüllen mußten, wobei sie unter der Last begraben wurden.
+Diese unmenschliche Sitte ist aus dem Kriege zwischen zivilisierten
+Völkern verschwunden. Die Japaner haben nur oftmals gegen die russische
+Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer auffingen.
+Die Russen aber haben in Galizien aufs neue den Brauch eingeführt,
+Menschen, wehrlose Menschen zu diesem Zwecke zu gebrauchen. Nicht etwa
+Gefangene, sondern Nichtkämpfer, Greise, Frauen und Kinder. Vor
+_Nadworna_ im Südosten Galiziens geschah das Furchtbare. Die Russen
+brachten _eintausendfünfhundert jüdische_ Familien zusammen und trieben
+sie vor die österreichische Front, während sie selber hinterdrein
+vorrückten.
+
+Die menschliche Sprache hat keine Worte, um das Grausame dieser Untat
+auch nur annähernd zu kennzeichnen.“ —
+
+Bekannt sind die Befehle russischer Kommandanten, von denen ich z. B.
+den des Etappenkommandeurs von Krosna, vom 10. März, wiedergebe:
+
+„Für jeden Fall, in dem die deutsche oder österreichische Regierung
+jemanden aus der nichtjüdischen Bevölkerung bestraft, sind die Juden
+verantwortlich. Zu diesem Zweck werden jüdische Geiseln mitgenommen und
+für jeden Nichtjuden wird man zwei Juden umbringen.“
+
+Das Stockholmer Blatt „Sozialdemokraten“ konstatierte: Jeder russische
+General, der eine Niederlage erleidet, schiebt die Schuld einfach
+auf — die Juden in dem Gebiete, wo er ist. Die Juden wurden zu
+Zehntausenden ausgewiesen: auf lose Angebereien wurden sie erschossen
+und erhängt.
+
+
+Und in _Rußland_? Die russischen Juden dürfen, das ist in Deutschland
+kaum bekannt, nur in den westlichen polnischen, litauischen und
+bessarabischen Provinzen Rußlands wohnen und auch hier nicht auf dem
+Lande, sondern nur in den Städten. Sie sind vom Ackerbau abgeschlossen,
+Bodenerwerb ist ihnen streng untersagt. Künstlich hat die russische
+Regierung alle modernen Bildungsbestrebungen verboten, alle
+freiheitlichen Regungen unterdrückt, die idealistische Jugend, die ihre
+Glaubensgenossen organisieren wollten, die für irgend einen Fortschritt
+kämpften, gefangen gesetzt. Tausende gerade der Fähigsten sind
+ausgewandert. Amerika nahm allein 2 Millionen dieser unfreiwilligen
+Emigranten auf. Was blieb, ist ein Torso. Die ständigen Judengesetze und
+Verordnungen treiben willkürlich die Juden in gewissen Städten zusammen.
+So hat das Jahr 1882 eine maßlose Überfüllung des Ansiedlungsrayons
+hervorgerufen. Das polnisch-jüdische Ghetto ist ein modernes
+Kunstprodukt, wofür die russische Regierung verantwortlich zeichnet. Mit
+Gewalt hält die Obrigkeit die jüdische Bevölkerung in Armut, hindert
+jede hygienische Regung und verbietet alle geistigen Bestrebungen. Es
+ist unmöglich, daß die Verhältnisse anders sind, als wir sie antreffen,
+und das antisemitisch absprechende Urteil berücksichtigt nicht, daß es
+sich um ein Volk handelt, das in allem geknebelt und entrechtet ist. Der
+Krieg, der sich im Westen Rußlands abspielt, hat naturgemäß die Juden am
+stärksten betroffen.
+
+Hunderte jüdischer Gemeinden sind zertreten. Ich habe selbst viele in
+Polen sowie nördlich der Weichsel und besonders im Gouvernement Kowno,
+sowie in Kurland gesehen.
+
+Über die Lage der Juden in Rußland informiert das Büchlein von Kurt
+_Aram_: Der Zar und seine Juden¹⁹ („Das jüdische Elend in Warschau ist
+doch noch viel gräßlicher als alles andere, was ich sah.“) Und Dr. Claus
+schreibt im Russenheft der Süddeutschen Monatshefte: „Schon in
+Friedenszeiten war das Elend unter den Juden groß; wer einmal einen
+Einblick in die Ghetti Warschaus oder einer litauischen Stadt getan hat,
+wird das Bild des Grauens so leicht nicht los.“
+
+ ¹⁹ Verlag Ullstein, Berlin.
+
+Ich will nicht eingehend über all das Grauenhafte schreiben, was selbst
+die russische Zensur in ihren Blättern bringen ließ. Einwandsfreie
+nichtjüdische Abgeordnete haben in den denkwürdigen Dumatagen des August
+das tragische Geschick des jüdischen Volkes, das von der Regierung zu
+allen Zeiten als Blitzableiter dienen mußte, gekennzeichnet. Geben wir
+der „Guerre Sociale“, dem bundesgenössischen Blatt, darüber das Wort:
+
+„Das österreichische wie das russische Polen ist von Polen und Juden
+bewohnt. Was hat man getan, um z. B. die Juden für die Sache der
+Verbündeten zu gewinnen? Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en bloc
+in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn alles das, was
+amerikanische Blätter über die den Juden seit Kriegsbeginn zuteil
+gewordene _schmachvolle Behandlung_ mitteilen, wahr ist, wie kann
+Rußland dann für sie etwas anderes sein, als ein _Land des Schreckens
+und der Schande_, wo ihre verfolgte Rasse den Becher bis zur Neige
+geleert hat.“
+
+Und nochmals die „Guerre Sociale“ (Gustav Hervé): „Mir kommt nicht zu,
+in diesem Augenblick, wo das befreundete und verbündete Rußland
+schmerzliche Stunden durchlebt, davon zu erzählen, wie es viel zu lange
+die Juden behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren
+sie im Mittelalter behandelt haben.“
+
+Und schließen wir mit den mutigen Worten des jüdischen Dumadeputierten
+_Friedmann_, den keine Angst vor Einkerkerung oder vor Sibirien abhalten
+konnte, nach allen vorliegenden Zeitungen u. a. folgendes festzustellen:
+
+„Die Zeitungen registrierten eine ungeheure Menge jüdischer
+Kriegsfreiwilliger. Diese Freiwilligen sollten ihrem Bildungsgrad nach
+Anspruch auf Offiziersrang haben, aber sie wußten ganz gut, daß sie als
+Juden den Offiziersrang nicht bekamen. Trotzdem zogen sie in den Krieg.
+
+Zahlreiche jüdische Studenten kamen aus dem Ausland und gingen an die
+Front. Die Juden zuhause bauten Lazarette, spendeten viel Geld und
+brachten verhältnismäßig _weit größere Opfer als andere Nationen_.
+
+Viele jüdische Soldaten bekamen auch das Georgskreuz. (Ich habe selbst
+verschiedene gesehen. Der Verf.) So war die Stimmung der Juden bei
+Kriegsausbruch. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß im Polenland
+jüdisches Blut in starken Strömen fließt, und zum Unglück nicht nur von
+Feindeshand. Militärbehörden und Regierung brauchten Sündenböcke für
+ihre Mißerfolge. Man benutzt zu diesem Zweck die alte Firma, das ist der
+Jude. Kaum überschritt der Feind die Grenze, so verbreiteten sich
+Gerüchte, daß jüdisches Gold auf Aeroplanen, in Särgen und Eingeweiden
+von Gänsen zu den Deutschen floß. Die Legende wuchs, sie verbreitete
+sich dank der Agitation der Regierungsagenten und nahm schließlich
+ungeheure Dimensionen an. Den Juden gegenüber wurden unerhörte Maßnahmen
+angewendet und diese Maßnahmen, die vor den Augen der ganzen Bevölkerung
+vollzogen wurden, flößten derselben und der Armee das Gefühl ein, daß
+die Juden als schlimmste Feinde außerhalb des Gesetzes stehen. Zuerst
+wurden alle Juden aus Polen und Litauen ausgewiesen. _Über eine Million_
+Menschen mußte den Bettelstab ergreifen. Verwundete jüdische Soldaten
+mit dem Georgskreuz wurden in Viehwagen und wirklich wie Vieh mit einem
+Frachtschein abtransportiert. Jüdinnen, deren Männer, Kinder und Brüder
+ihr Blut fürs Vaterland vergossen haben, wurden überall verfolgt. Eine
+andere harte Maßnahme war das Geiselnehmen. Es handelt sich hier um
+einen unerhörten Fall in der Weltgeschichte. Man nahm als Geiseln
+Staatsangehörige des eigenen Landes. Anders als eine Schmach kann man
+das nicht nennen.“
+
+Trotzdem Millionen nur Jiddisch verstehen, wurden in ganz Rußland die
+Korrespondenzen, Telefongespräche, Unterhaltungen auf der Straße in
+Jiddisch verboten und die Unglücklichen eingekerkert, die dagegen
+verstoßen mußten.
+
+Rußland erklärt, daß des Zaren „liebe“ Juden Freunde der Deutschen sind,
+daß sie denen zu Liebe spionieren, ja sogar auf die russischen Truppen
+schießen. Gewiß bestehen vielfach Sympathien für die Deutschen auf
+Seiten der russischen Juden, weil viele Deutsche zwar auch Antisemiten,
+aber doch nicht so grausame Feinde der Juden sind wie die Russen. Aber
+zwischen einigen Sentiments und zwischen der Äußerung irgendwelcher
+staatsfeindlicher Gefühle ist doch noch ein sehr weiter Sprung. Selbst
+die, welche sich darüber klar sind, daß ihnen die deutsche Regierung
+wegen des geringeren antisemitischen Druckes lieber wäre, wagen
+sicherlich nicht die geringste Tat. Sie wissen, daß sie als Juden schon
+_ohne_ allen Grund als Vaterlandsverräter gebrandmarkt sind, daß man
+ihnen über Schritt und Tritt nachforscht. Und sie hüten sich ängstlich
+vor jedem Verstoß. Wer die Psyche der Ostjuden kennt, weiß, daß es,
+abgesehen vom Hindu, keine friedlichere Bevölkerung gibt. In der
+strenggläubigen Bevölkerung sprechen dabei auch religiöse Auffassungen
+mit.
+
+
+Was die russischen Juden den Deutschen so nahebringt, ist ihre Sprache
+und ihre Kultur. Wohin der deutsche Soldat in Rußland kommt, er nimmt
+sich immer den Juden vor, von dem er weiß, daß er Deutsch versteht, und
+daß er überhaupt nicht schwer von Begriff ist.
+
+Die deutsche Regierung, die Militärverwaltung hat überall gerne jüdische
+Mitarbeit gesucht und gefunden. Andererseits haben gerade die jüdischen
+Gemeinden in weitgehendster Weise die Not unter den Juden gelindert,
+sogar im armen Osten haben die jüdischen Religionsverbände ihre
+Angehörigen gestützt, und dem Staate damit seine Aufgabe erleichtert.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Die Lehren des Krieges.*
+
+
+Die Ergebnisse aus dem Kriege für das Verhältnis der deutschen Juden zum
+Reiche sind leicht zu ziehen. Wie im Frieden, so haben sich die Juden
+besonders in den schweren Zeiten der Stürme als gute Staatsbürger
+bewährt. Der Burgfriede hat es ermöglicht, daß die, welche durch lange
+Zeit als Soldaten II. Klasse und auch als mindere Staatsbürger behandelt
+worden waren, ihre Pflicht in vollem Maße taten und mehr als das. Wenn
+man die Zahl der jüdischen Kriegsfreiwilligen, die zum Heere strömten,
+zählen wird, dürfte mancher frühere Antisemit erstaunen. Soviel Liebe
+und Begeisterung für ein Vaterland, das seinen jüdischen Mitbürgern die
+Zeiten des Soldatenstands nicht zu den angenehmsten machte, kann nur bei
+einem Volke gefunden werden, das in seinem Kern ein loyales ist. Und die
+Juden waren und sind denn auch tatsächlich in England, in Frankreich, in
+Italien und Österreich, in den Vereinigten Staaten, in Holland etc.
+überall als ein unbedingt gut patriotisches Element bekannt.
+
+Wenn sich etwas aus den Lehren des Augenblicks für die Zukunft ergeben
+müßte, so ist es die Forderung der vollen Durchführung der
+Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger in Deutschland. Wie sich
+in Österreich die Ungarn bewährten, wie die Polen und Elsässer und Dänen
+in unseren Heeren zum Erfolge beitrugen, so vor allem die Juden, die nie
+auf deutschem Boden ein eigenes Territorium zu gründen suchten, die nie
+in geschlossener Organisation irgend welchen staatlichen, sprachlichen
+oder kulturellen Bestrebungen der Deutschen im Frieden wie im Kriege
+eine Gegnerschaft aufboten.
+
+Der deutsche Jude hat keine nationale und religiöse Politik, die sich
+gegen die der andern Staatsbürger wenden kann. Es gibt keinen jüdischen
+Verein, der Deutschland liberal, demokratisch oder sozialistisch regiert
+haben will. Wohl aber gibt es jüdische Redakteure bei den
+Freikonservativen, bei den Nationalliberalen, bei den Volksparteilern
+und in der Arbeiterbewegung. Eine irgendwie einheitliche jüdische
+Politik gibt es in Deutschland nicht. Auch ihre religiösen Anschauungen
+stören niemanden.
+
+Nicht um Lohn zu finden, haben die Juden Seite an Seite mit allen
+anderen Deutschen gekämpft. Sie haben aber ein Anrecht, nicht um ihre
+Freiheit verkürzt zu werden. Es muß _das_ Schauspiel des Friedens
+aufhören, daß der Jude, sobald er getauft ist, Professor, Offizier,
+Staatsanwalt usw. werden kann. Diese _Prämie auf das Renegatentum_ ist
+nicht wert, in Friedenszeiten wiederzukehren. Deutschland darf keine
+antisemitische Politik betreiben, es würde sich sonst an das
+programmatisch antisemitische Rußland anlehnen. Es kann im Gegenteil
+auch nicht dem Ehrgefühl deutscher adliger Offiziere entsprechen, mit
+Männern eng verbunden zu sein, die sich ihrer Ahnen und Herkunft
+schämen. Es kann nicht die Auffassung der Hüterin des Rechts sein, daß
+Richter vorerst ihren Glauben abgeschworen haben müssen; es kann keine
+freie Wissenschaft sein, die das christliche Bekenntnis zur
+Voraussetzung hat.
+
+Deutschland, der nunmehrige Freund des _Islam_, kann auch seine
+_jüdische_ Bevölkerung ihrer Religion nachgehen lassen, ohne dabei
+Schaden für seine christlichen Bewohner zu nehmen. Der Übertritt vom
+Judentum zum Christentum muß wieder öffentlich als das gebrandmarkt
+werden, was es in den weitaus meisten Fällen wirklich ist: als
+Streberei, Gesinnungsheuchelei, Religionsmißbrauch (alldieweil es keine
+„überzeugten“ Christen sind, die den Weg zum Taufbecken suchen und ihn
+so leicht finden.)
+
+Der Krieg hat dem elenden Religions- und Rassengezänk im Innern des
+Landes hoffentlich ein Ende bereitet, nach außen hin wird es noch genug
+Arbeit geben, um den Haß der Nationen, die Zwietracht, Rachsucht,
+Mißgunst langsam abebben zu lassen. Auf Jahrzehnte hinaus wird
+Deutschland genügend Feinde besitzen, es kann daher die Ruhe im Innern
+doppelt nötig brauchen.
+
+Soziale und biologische Probleme stellen sich in den Vordergrund. Die
+deutschen Juden haben der Großstadt und der Sucht, wirtschaftlich zu
+erstarken, bedeutende Opfer gebracht. Junggesellentum aus Vorliebe oder
+aus Not, weil die Familie ökonomisch eine bedeutsame Last ist,
+Kinderlosigkeit und Kinderarmut sind die Kennzeichen für die Entwicklung
+der heutigen deutschen Juden. Ich habe sie in den Büchern „_Der
+Untergang der deutschen Juden_“²⁰, „_Das sterile Berlin_“²¹ und in der
+_Preisschrift der Gesellschaft für Rassenhygiene_²² des näheren
+dargelegt.
+
+ ²⁰ Verlag Reinhardt, München.
+
+ ²¹ Verlag Marquardt, Groß-Lichterfelde.
+
+ ²² Verlag Louis Lamm, Berlin C.
+
+Nun reißt der Krieg weite Lücken in ihre Reihen. Während Deutschland
+wächst, verkümmert der Anteil seiner Juden. _Sombart_ hat nachgewiesen,
+wie die Bürokratisierung der Banken, der Schwerindustrie usw. den
+jüdischen Einfluß hemmt. Dazu kommt die prozentual geringer werdende
+Beteiligung. Die hervorstechende ökonomische Macht der Juden weicht
+langsam, aber sicher von selbst.
+
+Eine antisemitische Bewegung könnte höchstens wirtschaftlich wertvollen
+Kräften, die ohnedies abnehmen, Hindernisse bereiten, Unzufriedenheit in
+den jüdischen Kreisen säen und den Geist der Zwietracht verbreiten.
+Deutschland ist kein einheitlicher Staat, aufgebaut auf Grundlagen
+_einer_ Religion, _einer_ Rasse, _einer_ Staatsform. Es ist (ähnlich
+Amerika) die glückliche Synthese der verschiedensten
+Bevölkerungsschichten, die alle als deutsche Staatsbürger respektiert
+werden wollen. Glaubens- und Rassekämpfe müssen verflossenen Zeiten
+angehören. Wie traurig ist es, daß noch Millionen von Katholiken
+glauben, sich politisch vereinigen zu müssen, um entweder in ihren
+Rechten nicht geschwächt zu werden oder sich größeren Einfluß sichern zu
+können. Eine Vermischung von Religion und Politik. Sehen wir die
+Welfenpartei! Eine Gruppe, die nach fünfzig Jahren noch immer die
+Geschichte umwälzen, nochmals die staatlichen Zustände von 1866
+herbeiführen wollte. Die Negation als Grundlage einer politischen
+Betätigung!
+
+Der große Krieg muß auch im Innern eine Reform bedingen. Er muß uns
+soweit einander näher gebracht haben, daß wir die volle politische und
+bürgerliche _Gleichberechtigung_, die Freiheit des Individuums fürderhin
+nicht mehr einzelnen Klassen und Gemeinschaften rauben wollen. Neben den
+Sozialdemokraten sind es die Juden, die vornehmlich als treue
+Staatsbürger angesehen zu werden verlangen und hoffentlich es auch
+erreichen. Mag besonders die Ostmarkenpolitik, die antisemitisch bis in
+die Knochen, durch die mehr oder minder gewaltsame wirtschaftliche
+Vertreibung der jüdischen Handwerker und Kaufleute in den Städten Posens
+und der östlichen Provinzen den polnischen Mittelstand aufblühen ließ,
+ein deutliches Warnungszeichen dafür sein, wie schädlich letzten Endes
+jede Hetzpolitik ist.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Das Problem der Ostjuden.*
+
+
+Es mag leicht sein, daß ein Friedensschluß dem Deutschen Reich neue
+polnische Gebiete bringt. Kein Element wird dann so leicht für das
+Deutschtum sprachlich und staatsbürgerlich zu gewinnen sein, wie das
+jüdische, das sich durch sechs bis sieben Jahrhunderte, seit es aus den
+Rheinlanden vertrieben wurde, die deutsche Mundart — wenn auch in
+eigener Entwickelung — bewahrte. Viele der deutschen Soldaten dachten
+sich garnichts dabei, als sie in allen Städten Rußlands eine (wenn auch
+nicht ganz korrekt) deutsch sprechende Bevölkerungsschicht antrafen.
+Einzelne aber waren darüber doch erstaunt. Sie waren auch überrascht,
+eine überaus ärmliche, im Wust der Umgebung verschmutzte, aber für alle
+Entwicklung empfängliche Masse anzutreffen, die sich gerne den deutschen
+Maßnahmen fügte.
+
+Das Urteil über die polnischen Juden ist bei den Deutschen nicht immer
+sympathisch. Jedes fremde Volk hat Schwächen, die dem Fremden auffallen,
+und die leicht zu einer vollkommenen Verurteilung führen. Bei den
+russischen Juden wird zu wenig daran gedacht, daß die russische
+Regierung sie gewaltsam in modernen Ghetti zusammenpfercht. Sie dürfen
+nur im Ansiedlungsrayon wohnen, und hier wiederum nur in den Städten.
+Vor dreißig Jahren hat man sie so zusammengetrieben ohne Rücksicht
+darauf, ob die vorhandenen Wohnungs- und Lebensmöglichkeiten genügten.
+Man hat sie zwangsweise in schmutzige Löcher gestoßen. Die vielen
+hundert Verbote, die den russischen Juden treffen, rauben ihm die Lust
+und das Recht, sich Häuser zu bauen, das Heim auszugestalten. Rußland
+will den Juden vertreiben, und so ist er denn auch immer auf dem Sprung,
+wegzugehen. Millionen Juden sind bereits nach Amerika, England,
+Südafrika, Frankreich usw. ausgewandert.
+
+Der russische Jude gilt wegen seiner Sprache (Jüdisch-Deutsch oder
+„Jargon“) als Deutschfreund. Während sich vielfach Polen und Ruthenen in
+Österreichisch-Galizien bei der russischen Okkupation recht eigentümlich
+benommen haben, während in diesen Ländern, besonders aber in
+Russisch-Polen, die Landbevölkerung in reichlichstem Maße zum
+Franktireurkrieg und zu Spionage neigte, verhielten sich die Juden
+überaus loyal. Es ist unwahr, daß sie für Deutschland
+Kundschafterdienste leisteten; sie haben sich aber naturgemäß auch den
+Russen gegenüber durchaus korrekt benommen. Dabei wurden die Juden am
+schwersten durch _beide_ Parteien geschädigt. Die Russen haben aus Haß
+jüdische Städte, z. B. Szawle, angezündet, und die Deutschen verbrannten
+u. a. Tauroggen als Gegenmaßregel gegen russische Greuel in Ostpreußen.
+Tauroggen war aber vor allem eine jüdische Stadt. Kalisch, eine echte
+Judenstadt, wurde gründlichst zerstört, weil als Zivilisten verkleidete
+Soldaten aus Bürgerhäusern schossen. Dadurch wurden Tausende von Juden
+obdachlos. Viele Städte wurden durch Bombardements zerstört, wie Lowicz,
+Sochaczew etc. Von Seiten der Deutschen mußten vielfach Ausweisungen
+jüdischer Bürger erfolgen, da man natürlich keinem der feindlichen
+Staatsangehörigen trauen konnte; die Massenausweisungen der Juden aus
+Polen, Rußland, Kowno etc. übertreffen ums Dreifache die Zahl der
+seinerzeit aus Spanien vertriebenen Juden. Bereits wandern heimatlos
+eine und eine halbe Million im Innern Rußlands, und auch in Österreich
+sind es Hunderttausende, deren Heim zerstört ist. —
+
+Der deutschsprechende Jude wird, wie oben bemerkt, als Deutschenfreund
+angesehen. So wie die Verhältnisse vor dem Kriege lagen, hätte es den
+russischen Juden nichts eingetragen, sich an die Freundschaft
+Deutschlands zu wenden. Nicht einmal seine eigenen Juden schützte
+Deutschland vor Rußland. Das Zarenreich erlaubte nur ganz ausnahmsweise
+den Deutschen jüdischen Glaubens den Eintritt in sein Land. Und
+Deutschlands Politiker haben gegen diese monströse Beschränkung niemals
+remonstriert. Sie ließen die öffentliche Beschimpfung ihrer Juden zu,
+ohne durch irgendeine Gegenwehr, Gegenmaßregel oder nur ernstliche
+Vorstellung ihre Staatsbürger vor schimpflicher Behandlung zu schützen.
+Und die deutsch sprechenden sieben Millionen Juden Rußlands? Sie gelten
+zwar als Freunde Deutschlands, _nur daß Deutschland nicht ihr Freund
+ist_!
+
+Deutschland hat zu Beginn des Krieges durch seine Generale erklären
+lassen, daß es den Polen volle Gerechtigkeit widerfahren lassen wolle.
+Die Juden, deren Zahl in den Grenzländern bedeutend ist, wurden nicht
+sonderlich erwähnt.
+
+Es ist anzunehmen, daß sich Deutschland nach dem Kriege allen seinen
+Juden gegenüber liberal verhalten wird.
+
+Aber es ist doch sehr die Frage, wenn sich keine gewaltigen
+Grenzverschiebungen ergeben, ob die Judenfrage Rußlands einer Lösung
+nähergebracht wird. Schon vor dem Krieg hat die russische Regierung die
+Bedrückung der Juden systematisch inauguriert, die Pogrome des Jahres
+1905 waren bestellte Arbeit. Rußland bekennt sich zu dem Lehrsatz eines
+seiner Minister: „Ein Drittel der Juden wird vertrieben, ein Drittel muß
+verhungern und ein Drittel ist zu töten.“ (Siehe Errera „Die
+Judenfrage“.)
+
+Die Judenfrage Rußlands interessiert Deutschland aus vielen Gründen. Die
+sieben Millionen, die deutsch verstehen und sprechen, bildeten ein
+wertvolles wirtschaftliches Element, das gerne mit Deutschland
+Handelsbeziehungen unterhielt. Diese sieben Millionen sind die stärksten
+Gegner jedes Krieges mit Deutschland, das sie verehren. Wegen ihrer
+deutschen Sprache und ihrer deutschen Sympathien sind sie in grausamster
+Weise von Rußland bestraft worden. — Deutschland hat den Polen zu
+verstehen gegeben, daß es sich ihrer annehmen wird. Mit noch größerer
+Berechtigung aber können die _Juden_ erwarten, daß Deutschland sie nicht
+vergißt, wenn die Frage der unterdrückten Nationen in den
+Friedensverhandlungen aufgeworfen wird.
+
+Die Juden haben nie im politischen oder sprachlichen Kampfe mit den
+Deutschen gelegen (wie die Polen), seit Jahrhunderten sind sie zu einem
+Teile fest verwachsen mit der deutschen Erde. Die in Polen
+zurückgebliebenen Gemeinden sind bei der Teilung dieses Landes durch
+Zufall zu Rußland, Österreich oder Preußen gekommen. Die, welche
+russische Staatsbürger wurden, haben seit jener Zeit eine Geschichte des
+Leides und der Verfolgung erlebt, die ans finsterste Mittelalter
+erinnert. Leider wissen unsere deutschen Mitbürger wohl von „Greueln in
+Armenien“, wie sie die Engländer aus politischen Gründen
+aufbauschten, — die Regierungspolitik Rußlands jedoch, das sich so lange
+als der beste Freund Deutschlands gebärdete, wußte recht gut über allen
+ihren Schandtaten dichte Schleier auszubreiten.
+
+Die deutsch sprechenden Juden Rußlands sind zum Teil Zionisten. Die
+Türkei hat an ihren zionistischen Bürgern in diesem Kriege eine gute
+Unterstützung gefunden. Deutschland kann sehr wohl, im eigenen Interesse
+wie in dem seines neuen Bundesgenossen, ein Entgegenkommen der Türkei
+für eine jüdische Besiedlung der verödeten Landstriche Palästinas
+befürworten.
+
+Es kann keine Frage sein, daß sofort nach dem Friedensschluß eine
+_Massenauswanderung_ der russischen Juden beginnen wird, welche die
+gesamte Völkerwanderung numerisch in den Schatten stellt. Diese Juden,
+denen man das Letzte genommen hat, die ein volles Jahr lang gequält und
+getrieben wurden, jeden Augenblick gewärtig, erschossen oder zum
+mindesten nach Sibirien geführt zu werden, warten nur auf die
+Möglichkeit, wieder frei zu atmen.
+
+
+Soll Deutschland diese Emigration nicht zum eigenen Nutzen zu
+beeinflussen suchen? Soll der Strom der Auswanderer nach Amerika
+gehen?²³ Deutschland wünscht eine moderne Entwicklung der Türkei. Durch
+die Verluste, die der Krieg im eigenen Lande zeitigte, ist keine
+Emigration der eigenen Massen bevorstehend. Im Gegenteil.
+
+ ²³ Eine wirkliche Masseneinwanderung östlicher Juden in Deutschland
+ wird schon aus ökonomischen Gründen schwer durchführbar sein.
+ Dieselbe wäre auch vom jüdisch-nationalen Standpunkt nur eine
+ Notstandsaktion, die übrigens wegen der vielen Widerstände, die
+ nach jeder Hinsicht zu überwinden wären, keineswegs einzutreten
+ braucht.
+
+
+Wenn die Erlösung der kleinen Völker einen Rückhalt an Deutschland
+finden darf, dann kann es die gequälte jüdische Masse des Ostens nur in
+zionistischem Sinne erlösen. Auf Rußland kann Deutschland nicht
+einwirken, wie es seine Untertanen regieren soll. Eine breite Öffnung
+der eigenen Grenzen liegt nicht im Wunsch der meisten eigenen
+Staatsbürger.
+
+
+Will Deutschland das Bündnis mit der Türkei ökonomisch ausnützen, will
+es sich dort eine Masse sichern, die aus sprachlichen Motiven wie auch
+aus Dankbarkeit zu Deutschland neigt, dann wird es einer großzügigen
+zionistischen Emigration die Wege ebnen, wird „dem Lande ohne Volk das
+Volk ohne Land“ geben.
+
+
+Professor Otto _Warburg_ hat schon vor zehn Jahren darauf hingewiesen,
+daß die Besiedelung Mesopotamiens von ausschlaggebender Bedeutung für
+die wirtschaftliche Erschließung und Entwicklung Vorderasiens ist.²⁴
+
+ ²⁴ Wir könnten z. B. von daher unsere Baumwolle beziehen und so vom
+ Auslande unabhängig werden.
+
+Deutsches Kapital hat die großen Bahnbauten nach Bagdad ermöglicht. Wir
+sind alle daran interessiert, daß Deutschland daraus Nutzen zieht. Hier
+kann nur eine geeignete Einwanderung helfen, denn die ortsanwesende
+Bevölkerungsmenge ist nicht ausreichend.
+
+Da schon Massen arbeitsloser Juden in Polen den Behörden zur Last
+fallen, so wäre es gut, wenn man sich, wie für die ostpreußischen
+Flüchtlinge, so auch für das jüdische Proletariat Galiziens und Polens
+interessierte. Sobald sich die türkische Regierung entschließt,
+einwandernden jüdischen Familien Land anzuweisen, wird auch von der
+jüdischen Seite das nötige Geld zur Überführung und Ansässigmachung
+aufgebracht werden. Es ist nur nötig, daß sich _der neue Dreibund_
+darüber klar ist, _was er mit dem namenlosen Judenelend machen will_,
+wie er den vom Krieg entwurzelten Massen hilft, ohne dabei selbst
+Menschen zu verlieren. Denn Menschen sind Geld, Männer sind im
+Kriegsfalle Gewehre. Nie hat man die Bedeutung der Ziffer so erfaßt, wie
+bei diesem Krieg.
+
+Kommt aber den Juden vom neuen Dreibund keine Hilfe, dann wandern sie
+bestimmt nach Amerika aus und gehen für die deutsche Sache verloren. Mit
+ihnen aber ein großes Nationalvermögen, — auch deshalb, weil ja jeder
+Emigrant etwas Geld bei sich haben muß, was bei einer solchen
+Völkerwanderung allein schon Millionenwerte ausmacht.
+
+Die Zukunft von Deutschlands kolonisatorischer Tätigkeit liegt im
+Orient, in der Türkei. Wie kaum je wieder bietet sich eine Gelegenheit,
+die Kolonisation zu fördern. Kenner des Orients, wie Rohrbach, Auhagen,
+Paquet²⁵ u. a., sind gerade in letzter Zeit für diese Orientierung der
+deutschen Politik eingetreten. Schon früher plante übrigens der
+verstorbene Großherzog von Baden, das Interesse der Mächte für eine
+organisierte Kolonisation Palästinas durch die Juden wachzurufen.
+
+ ²⁵ Ein soeben von Alfons _Paquet_ erschienener Artikel (in Heft 40
+ Jahrg. 1915 des März) „_Juden im Osten_“ kommt zu denselben
+ Resultaten. Paquet schreibt:
+
+ „Das türkische Volk kümmert sich wenig um den Glauben anderer. Es
+ erkennt in den Juden die Orientalen, es weiß, daß jene, die aus
+ dem Westen kommen, zugleich Europäer sind, Träger eines
+ praktischen Könnens, das dem neuen türkischen Staatswesen Nutzen
+ zu bringen vermag. Und das eigentliche Palästina? Hat es nicht in
+ den Jahren, die dem Versuch der Wiederbesiedelung gewidmet waren,
+ bewiesen, daß es wirklich das Land ist, wo einmal der Wanderer
+ sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen die den Erzvätern
+ leuchteten, um auszuruhen und böse Spuren aus seinen Zügen
+ wischen?“
+
+ Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein grünes Banner. In dem
+ von Menschen erfüllten Europa werden sie das wichtigste für ihre
+ Zukunft: — den Boden — nie erhalten, eher werden sie die Träger
+ irgend eines unbestimmten Unheils sein. In allen Erdteilen, außer
+ Vorderasien, fehlen die Möglichkeiten einer Ansiedelung, die den
+ Juden erlaubt, nach ihrer höchst eigentümlichen Art zu leben und
+ von dem geistigen Gut, nach dem sie hungern, satt zu werden. Aber
+ in dem einen kleinen Lande, das schon begonnen hat, zu einem neuen
+ Dasein zu erwachen, ist Raum und Tragkraft genug, sie aufzunehmen.
+ Josua und Kaleb sind von ihrer Kundschafterreise zurückgekehrt mit
+ schweren Trauben. Es kommt jetzt darauf an die Fähigkeiten des
+ Volkes, die bisher auf die Wüstenreise verwendet wurden, zu wecken
+ und neu zu gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild der deutschen
+ Volksschulen, vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze,
+ werden dazu helfen können. Einst werden dann diese Knaben die
+ Mannschaft eines neuen morgenländischen Wesens bilden, gleichviel,
+ ob sie Ingenieure oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder
+ Gelehrte werden, gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa
+ bleiben und wie viele wirklich im Morgenland wohnen. Sie können in
+ einer neuen Heimat ein neues Volk sein — nicht im Sinne jenes
+ Nationalismus, der in Europa die Völker zerreißt und schlägt,
+ sondern in dem innerlich freien, nach außen duldsamen Sinne der
+ morgenländischen Weisen. „Der türkische Baum muß sehr grün werden
+ und auswachsen.“ „Wer in seinem Schatten wohnen will, muß aber
+ zuvor sein Gärtner sein.“ — — —
+
+ So denkt ein bekannter Orientkenner über die Judenfrage und das
+ Problem der Türkei.
+
+Statt dessen hat man den franzosenfreundlichen Jesuiten, die neben
+zahlreichen Schulen eine Universität in Beirut gründeten, den russischen
+und griechischen Missionen Raum gegeben und hat die englischen
+Machinationen unter den Arabern geduldet.
+
+Die neu-deutsche Judenpolitik darf des weiteren nicht in den Fehler
+verfallen, das jüdische Element im Osten den Polen auszuliefern. In ganz
+Galizien hat man die Juden dem Terrorismus der Polen überantwortet. Man
+denke sich, daß dort ca. 900000 Menschen ein deutsches Idiom sprechen,
+eine Sprache, die der deutschen nähersteht als die flämische Mundart.
+Gleichwohl konnte man in Österreich nicht erreichen, daß das „Jiddisch“,
+wie es genannt wird, die Rechte einer Sprache bekam. Obwohl es eine
+Unzahl von Zeitungen gibt, die täglich in diesem Dialekt geschrieben
+werden, und deren Blätter u. a. in Lemberg, Lodz, Krakau etc. erscheinen
+(Warschauer und New Yorker Blätter in Jiddisch haben Auflagen von über
+100000 Exemplaren), war diese Sprache „von Rechts wegen“ verpönt! Der
+Kaufmann sollte seine Rechnungsbücher damit nicht führen dürfen,
+Eingaben an die Regierung waren unstatthaft, während unterdessen die
+jiddische schöne Literatur in alle Sprachen übersetzt wurde, und
+Theaterstücke, ins Hochdeutsche übersetzt, Sensation in Berlin
+hervorriefen!
+
+Auch heute hat die deutsche Regierung die Bedeutung dieses Jargons noch
+nicht erfaßt. Eine Volksschicht, die in polnischen Gebieten lebt, greift
+aber, wenn sie ihre Muttersprache lassen muß, nicht zu dem dieser
+nahverwandten Deutschen, sondern zum _Polnischen_. Es liegt kein Grund
+vor, die Polen _künstlich_ zu stärken und ein Volkstum, das sich
+sprachlich ans Deutsche anlehnt, seiner Nationalität zugunsten der
+polnischen gewaltsam zu entkleiden.
+
+Sollten größere polnische Bezirke Deutschland und Österreich
+angegliedert werden, so muß das _Recht der Minorität_ geschützt werden.
+Das moderne Polentum hat sich noch nicht als maßvoller und zuverlässiger
+Charakter erwiesen. Wo sie es nur konnten, haben die Polen die Juden
+bedrückt und ausgenutzt. Die galizischen Wahlen waren wahre Schlachttage
+der Schlachta. In vielen Orten floß jüdisches Blut, weil die Juden keine
+Polen wählen wollten. Noch schlimmer erging es den Juden in
+Russisch-Polen, wo sie den _Polen und Russen_ gänzlich ausgeliefert
+waren.
+
+Wenn die Franzosen und Italiener von „unerlösten Völkern“ sprechen, dann
+haben sie kaum der armen Juden gedacht, und sicherlich nie eine Hand
+gerührt, um deren Los zu erleichtern.²⁶ Und sie hätten es doch so
+bequem. Sie brauchten bloß ihren Bundesgenossen „darauf aufmerksam zu
+machen“. — — —
+
+ ²⁶ Die 2 1/3 Millionen Juden der Vereinigten Staaten sind deshalb
+ durchweg deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der
+ Deutschamerikaner haben an ihnen eine rege Stütze gefunden.
+ Vergessen wir nicht, daß die Stimmung in Newyork, der größten
+ Stadt Amerikas, für das ganze Land bedeutsam ist, daß sich die
+ dortigen 1,2 Millionen Juden konstant für die Deutschen
+ verwandten, weil sie von ihnen eine Erlösung der russischen Juden
+ erwarten. — Eine offene Erklärung der deutschen Regierung an die
+ amerikanischen Juden würde eine namenlose Begeisterung erwecken
+ und die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe
+ Unannehmlichkeiten wegen der Haltung Rußlands versetzen. Es wäre
+ die beste Antwort gegenüber all den Enunziationen betreffs der
+ unerlösten Völker in Österreich und Deutschland. Außerdem würde
+ Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel für seine künftigen
+ Anleihen erwarten können.
+
+
+Die Lage des jüdischen Volkes in Galizien ist eine viel bessere als
+jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren. Aber was ihnen noch an
+nationaler und politischer Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen
+darlegen. Umsomehr, als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns
+zuführen müßte, die sich nicht wieder Zurücksetzungen und Schikanen
+ausgesetzt wissen wollen.
+
+Die Bedrückung an Ort und Stelle zwingt sonst zu einer ungeheuren
+Auswanderung, die auch in Deutschland zu merken sein dürfte. Dagegen
+gibt es nur ein Allheilmittel: _Lokale Rechte und Hilfe_; _ferner
+Ableitung der überschüssigen Kräfte in den Orient_ durch starkes
+Entgegenkommen der verbündeten Regierungen. Das heutige System
+entwurzelt nur die Elemente, die einigermaßen fest an der Scholle, an
+der Heimat hängen, und jagt sie ins Ungewisse.
+
+Wenn die deutsche Regierung den östlichen Juden nicht entgegenkommen
+kann, wird auch die dadurch sicherlich eintretende Entvölkerung die
+wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder bedeutend verzögern.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Schluß.*
+
+
+Der Krieg hat Deutschland bewiesen, daß der jüdische Einfluß, welcher
+sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung des Landes, an der
+Entwicklung seines Handels und seiner Industrie beigetragen hat, nicht
+umsonst war. Der vielverspottete Geist der Rothschild und Bleichröder,
+der schon 1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren
+gefolgt und hat den Siegen den nötigen Rückhalt gegeben. Börse,
+Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe, mit denen der
+Militarismus zu rechnen hat. Die deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur
+von gewissenlosen Börsenjobbern gegründet sein; denn sie, ebenso wie der
+deutsche Wollmarkt²⁷, wie das Sanitätswesen, wie die Fabriken und
+Ärzte — alles zu hohem Prozentsatz „verjudete“ Berufe — haben die
+Erwartungen nicht getäuscht. Im Innern geht der Handel weiter und erhält
+uns unsere wirtschaftliche Kraft, und gibt dem Heere das, was die große
+alte Handelsnation England mühselig sich aus Amerika zusammensuchen muß.
+
+ ²⁷ Spottet über die „Leder- und Stiefeljuden“, aber es tat
+ Deutschland gut, daß die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins
+ Ausland exportierten, für Millionen Vorräte liegen hatten, die nun
+ Heereszwecken dienen konnten.
+
+Voreingenommene Nörgler werden auch nach dem Kriege zu den alten Waffen
+des Neides greifen und die hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder
+aufleben lassen. Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann
+wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-, Rassen- und
+Religionshaß in die Rumpelkammer der Geschichte verschwinden.
+
+Wir können uns aber fürwahr in Deutschland das Leben leichter machen,
+brauchen uns nach außen nicht mehr als ein anscheinend in sich
+zerrissenes Staatsgefüge zu zeigen, auf dessen Zerfall andere Länder
+lauern. Wir nähren damit nur falsche Hoffnungen und törichte
+Berechnungen. Deutschland ist groß genug, um allen seinen Bewohnern
+Spielraum zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen
+und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen. Neben dem
+bajuwarischen Menschenschlag möchten wir den etwas differenzierten
+Rheinländer, den Märker, aber auch den Ostpreußen nicht missen. Wer
+weiß, ob zum Polen und Elsässer nicht auch noch ein flämischer Einschlag
+kommt. Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Bürgern, die er
+freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist nicht erst
+gegen den Willen der Einheimischen „neu zugezogen“.
+
+Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der Jude im Lande und hat
+sich stets allen Gesetzen des Staates willig und gern gefügt. Seine
+Religion ist seit drei Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen
+und hygienischen Maßregeln durchsetzt, daß sie heute noch Bewunderung
+erregen muß. Die Sabbatruhe, das jüdische Familienleben, die
+Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht, die sich bei allen Juden,
+auch wo der Staat diesbezüglich versagte, längst findet, sind
+Emanationen einer Kultur, die nur der Böswillige übersehen und gering
+achten kann.
+
+Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Nächsten und bedarf keiner
+Machtmittel, um dessen Lebensnerv aus Angst für sein eigenes Ich zu
+unterbinden. Wir haben in diesem Krieg die Unkultur Rußlands und des
+Slawentums bekämpft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen Maßregeln
+die brutale Gewalt des neidischen England drängte. Mag sich Frankreich
+wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig als Hüterin des Fortschritts)
+gebärden, Deutschland wird und muß nur noch geläuterter als ein wahrer
+Hort der Freiheit seiner Bürger und der neutralen Staaten und Völker aus
+dem Kriege hervorgehen.
+
+
+Von den über 14 Millionen Juden hoffen und harren die Meisten auf den
+Sieg der deutschen Waffen. Die Sympathien der amerikanischen Israeliten
+stehen auf seiten der Zentralmächte. Nicht umsonst und nicht zufällig
+ist es gerade die Türkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert
+hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte, welche sich an die
+Seite Deutschlands gestellt hat. Möge die alte Sage des Talmud, die
+Lessing populär gemacht hat, nicht nur in den Tagen der Greuel und des
+Völkermordens bei uns eine wahre Stätte der Verehrung finden: die
+Geschichte von den drei Ringen.
+
+Der muhammedanische, der christliche und der jüdische Glaube sind Formen
+der Kultur der Menschheit, die so viel der Welt gegeben, die sich so
+lange bewährt haben, daß es verbrecherisch wäre, Menschenglück und
+-hoffen um einer vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu gefährden.
+
+
+In dem Machtbereich der eigenen und der verbündeten Länder wird dann die
+deutsche Politik bedeuten: Friede auf Erden.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ *Anmerkungen zur Transkription*
+
+
+Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler:
+
+ - *S. 21, Z. 5*: (die deutsche _z, B._ vertreten durch Mauthner) —>
+ z. B.
+ - *S. 28, letzte Zeile der Fußnote*: _Sehwanenfeld_ —> Schwanenfeld
+ - *S. 30, Z. 18*: Untervereinen bis 33% der _Manschaften_ —>
+ Mannschaften
+ - *S. 32, Z. 13*: Der Jude Ludwig Frank _vielleichst_ der fähigste
+ Kopf —> vielleicht
+ - *S. 35, Fußnote*: fehlende schließende Anführungszeichen,
+ wahrscheinlich am Ende von ins Leben zu rufen. (andernfalls am Ende
+ des letzten Satzes in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.)
+ - *S. 32, Z. 5 der Fußnote*: für die Freiheit _zn_ kämpfen —> zu
+ - *S. 46, vorletzte Zeile*: _Ein_ antisemitische Bewegung —> Eine
+ - *S. 47, Z. 3 v. u.*: ein deutliches _Wahrnungszeichen_ —>
+ Warnungszeichen
+ - *S. 49, Z. 11-12*: besonders aber in _Russich-Polen_ —>
+ Russisch-Polen
+ - *S. 54, Z. 19 der Fußnote*: nach dem sie _lungern_ —> hungern
+ - *S. 54, Z. 27 der Fußnote*: _morgenlandischen_ —> morgenländischen
+
+Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefügt:
+
+ - *S. 34, letzte Zeile des Textes*: und anderer Dinge zu gedenken.
+ - *S. 36, letzte Zeile des Textes*: die Entfremdung der Länder
+ bemerkten.
+ - *S. 54, Z. 4 der Fußnote*: um den Glauben anderer.
+
+sowie fehlende Kommata:
+
+ - *S. 28, vorletzte Zeile der Fußnote*: v. Renard,
+ - *S. 59, Z. 27*: Sabbatruhe,
+
+Fußnoten, auf die im Original mit *) verwiesen wurde, wurden im e-Text
+durchnummeriert.
+
+
+
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE ***
+
+
+
+
+ *A Word from Project Gutenberg*
+
+
+We will update this book if we find any errors.
+
+This book can be found under: http://www.gutenberg.org/ebooks/45808
+
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@@ -0,0 +1,2313 @@
+ Die Juden im Weltkriege
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost
+no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
+under the terms of the Project Gutenberg License included with this
+eBook or online at http://www.gutenberg.org/license.
+
+
+
+Title: Die Juden Im Weltkriege
+Author: Felix A. Theilhaber
+Release Date: May 28, 2014 [EBook #45808]
+Language: German
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert Langkau, Enrico Segre, and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net.
+
+This file was produced from images generously made available by The
+Internet Archive.
+
+
+
+
+ DIE JUDEN
+ IM WELTKRIEGE
+
+
+ *Mit besonderer Bercksichtigung*
+ *der Verhltnisse fr Deutschland*
+
+ Von
+
+ *_Felix A. Theilhaber_*
+
+
+
+
+ 1916
+
+
+
+ WELTVERLAG BERLIN, UNTER DEN LINDEN 56
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Inhalt.*
+
+
+ ------------------------------------------------------------------
+ Vorwort Seite 5
+ Einleitung 7
+
+ Der Krieg und die Juden 13
+ Die Stellung der deutschen Juden vor dem Kriege 13
+ Die Juden im Kriege 28
+ Juden im Ausland 36
+ Die Lehren des Krieges 44
+ Das Problem der Ostjuden 48
+
+ Schlu 58
+ ------------------------------------------------------------------
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Vorwort.*
+
+
+Die folgenden Ausfhrungen verdanken ihr Entstehen freien Stunden an der
+Front in Kurland, wo ich dem unendlichen Leid der Ostjuden auf Schritt
+und Tritt begegnete, einer unterdrckten Menschenmasse, die menschlich
+unser Interesse verdient, aber auch sprachlich, da sie den Deutschen
+darin noch nher steht als die Vlamen.
+
+Vor allem gilt die Schrift den Beziehungen der deutschen Juden zu ihrer
+Umgebung. Die Verhetzung, welche vor dem Krieg das Volk bald gegen
+Sozialdemokraten, Agrarier und Zentrumsanhnger trieb, fehlte nicht
+gegenber den Juden. Aber jeder wirtschaftliche Ha, jede
+chauvinistische nationale Abneigung wirkt auf die Dauer unfruchtbar und
+schdlich.
+
+ * * *
+
+Damit die gegenseitige Achtung auch nach dem Kriege fortdauere und
+innerlich begrndet wird, habe ich dargelegt, da das Wort eines groen
+Denkers nicht zu Unrecht besteht: "Jedes Land hat die Juden, die es
+verdient".
+
+"Wer die Luft, die ich atme, den Boden, auf dem ich stehe und in dem
+meine Eltern bestattet sind, mir nehmen will, ist mein Mrder . . ."
+
+
+So ungefhr wandte sich vor fnfzig Jahren Gabriel Rieer an seine
+Widersacher. Mge uns, wenn wir in die Heimat zurckkehren sollten,
+diese Sprache in alle Zukunft erspart bleiben.
+
+Mge mein Wort der Verstndigung, der Aufklrung und dem Frieden dienen!
+
+ Herbst 1915.
+
+ *Felix A. Theilhaber.*
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Einleitung.*
+
+
+Die "Hilfe" vom 2. September 1915 bringt einen Artikel _"Der Krieg und
+die russischen Juden" von Paul Barth_. Seine Worte mgen meine
+Auseinandersetzung ber das Problem "Judentum und Deutschtum" einleiten.
+Paul Barth schreibt:
+
+"Was aber lauter als alles andere zum Himmel schreit, das sind die
+Massenverbrechen, die die russische Militr- und Zivilbrokratie
+tagtglich an den "lieben Juden" des Zaren verbt. Wohin das russische
+Heer kommt, da ist die erste kriegerische Leistung, da die Juden
+ausgewiesen werden. Im Februar dieses Jahres erlie der "Allgemeine
+Jdische Arbeiterbund Litauens, Polens und Rulands" einen Aufruf an
+"die Kulturwelt", der einigermaen veranschaulichte, welches Meer von
+Leiden hinter dem Worte "ausgewiesen" steckt. Mit einer Frist von
+vierundzwanzig, oft blo von acht Stunden, hinausgetrieben in die Nacht
+und die Klte des russischen Winters, alle, auch Greise, Frauen und
+Kinder; ohne Ziel, ohne Schutz in ein fast feindlich gesinntes Land;
+rechtlos schon im Frieden, jetzt rechtloser denn je. Unsere Ostpreuen
+sind gewi tief zu beklagen, aber sie zogen doch in ein freundlich
+gesinntes Land. Hunderttausend ausgewiesene Juden sammelten sich damals
+hilflos in Warschau an, sehr viele, besonders Kinder, starben auf der
+Landstrae. Wie glcklich verhltnismig diejenigen, die ein Kosak
+erstochen hatte! Denn das ist nach jenem Aufruf ein regelmiger Sport
+der Kosaken, der unbestraft bleibt. Der Rmer Seneca ereiferte sich
+darber, da ein Mensch, der Gladiator, "zum Spiele und Scherze gettet
+wird". Der Gladiator jedoch konnte sich wehren, er war bewaffnet, das
+Ganze war ein Kampf zweier gebter Fechter. Der arme russische Jude aber
+kann sich nicht wehren.
+
+Und ich frchte, das ist erst der Anfang. Allerdings ein sehr groer
+Anfang. Denn Mitte Mai wurden die Gouvernements Kurland, Kowno und ein
+Teil von Suwalki von 280000, also mehr als einer Viertelmillion Juden
+"evakuiert", wie der russische technische Ausdruck lautet. Neuerdings
+wurde eine Million Juden aus den Gouvernements Wilna, Grodno und
+Warschau vertrieben, d. h. wirtschaftlich vernichtet. Das tut die
+russische Regierung. Was wird erst geschehen, wenn die russische
+"Volksseele", besonders die der "echt russischen Leute", unruhig wird!
+Und sie wird aufkochen, wenn Ruland weitere Niederlagen erleidet, und
+sich in "Pogromen" Luft machen, genau so, wie es 1905 und 1906 geschah.
+Was damals in Kertsch, Bialystok und vielen anderen Stdten vorging, das
+wird sich in ganz Ruland wiederholen und wahrscheinlich mit viel
+grerer Heftigkeit. Und die Polizei wird, wie damals, teils wohlwollend
+zusehen, teils wohlwollend helfen. Damals war es schlielich die erste,
+sehr liberale Duma, unter einem viel besseren Stimmrecht als dem
+jetzigen gewhlt, die den Greueln ein Ende machte. Aber die Duma, die
+jetzt zusammengetreten ist, wird fr solche inneren Fragen keine Zeit
+haben.
+
+Was tun nun dabei die Juden der brigen Welt, auerhalb Rulands? Im
+allgemeinen nichts, -- was berraschend, vielleicht auch ein
+bedauerliches Symptom ist. Wie sehr sie auch die Kultur des Landes
+angenommen haben, in dem sie wohnen, sie hegen doch alle die gleiche
+Piett fr ihre Vergangenheit, die sie als starkes Band mit ihren
+russischen Stammesgenossen vereinigt. Die deutschen Juden freilich sind
+entschuldigt, sie _knnen_ nichts tun. Jeder ffentliche Schritt
+ihrerseits wrde den russischen Juden blo schaden. Diese wrden
+daraufhin noch mehr verdchtigt werden, ber die Grenze hinaus nach dem
+Landesfeinde zu schielen. In den Lndern des Vierverbandes sehen wir nur
+eins: berall sind Juden unter den Kriegshetzern, gegen die
+Zentralmchte, also fr den Zarismus. In Frankreich sind sehr viele
+Juden in den hchsten Stellen, die bestndig ihre Liebe zum Zarismus
+bettigen. In England haben die Juden viel Einflu in der hchsten
+Aristokratie, die ganz besonders in der Hoffnung auf "die Dampfwalze"
+schwelgte. Lord Rosebery, einer der einflureichsten Aristokraten, ist
+ja Schwiegersohn des Barons Meyer Rothschild.
+
+In Italien finden wir unter den wildesten Kriegshetzern jdische Namen.
+Herr Nathan, der Brgermeister von Rom, hielt im Dezember 1914 als
+Freimaurer, als frherer Gromeister der Logen des Groorients, im
+Theater Constanzi in Rom eine schwungvolle Rede, in der er zum Kriege
+fr den Dreiverband, also fr den Zaren, aufrief. Zwei bekannte
+italienische Politiker jdischer Herkunft, Barzilai und Luzzatti,
+trieben ebenfalls zum Kriege.
+
+Aber was tun die Juden in den neutralen Lndern? Der einzige, der sich
+auf seine Herkunft und seine Gewissenspflicht besinnt, scheint Georg
+Brandes in Kopenhagen, wie sein Briefwechsel mit Clmenceau bewies.
+Andere sind auf seiten des Vierverbandes. Die rumnische Zeitung
+"Adeverul" (Wahrheit), die tglich gegen die Zentralmchte, also fr
+Ruland agitiert, war bis vor kurzem und ist wohl noch in jdischen
+Hnden. Die brigen tun gar nichts, nicht einmal die Sozialisten unter
+den Neutralen. Vor kurzem meldete Reuter aus Neuyork, Samuel Gompers,
+der Vorsitzende der American Federation of Labour, zweifellos jdischer
+Herkunft, habe auf eine Einladung zu einer Versammlung, die gegen die
+amerikanische Kriegsbedarfsausfuhr protestieren wollte, durchaus
+ablehnend geantwortet. Dunkel ist zwar die Begrndung seiner Ablehnung:
+"es gebe schrecklichere Dinge als den Krieg, nmlich des Geburtsrechts
+(d. h. wohl des angeborenen Rechts), der Freiheit und der Gerechtigkeit
+beraubt zu sein". Dies alles sind ja die Leiden der russischen Juden;
+aber Gompers lehnt ab, gegen die Untersttzung ihrer Unterdrcker zu
+protestieren.
+
+Wenn nun die Juden selbst so gnzlich passiv sind, so mssen wir
+_Nichtjuden_ uns regen und sie aus ihrer Resignation aufrtteln. Ich
+mchte nochmals betonen, da die Verfolgungen erst anfangen. Je weiter
+die verbndeten Heere vorrcken, desto grer die Gefahr neuer
+Wutausbrche. Und schon, wie berichtet wird, sind die Juden teilweise
+konzentriert in besondere Lager -- sehr bequem fr die Verfolger. Das
+Volk wird einen Sndenbock suchen, auf den es die Schuld der Niederlagen
+abwlze. Es wird die Regierung schuldig finden, aber es kann wieder
+einen Minister geben, wie denjenigen, der im Oktober 1905 -- nach
+jdischen Quellen -- sagte: "Wir werden die Revolution im Blute der
+Juden ersticken." Es folgten darauf die furchtbaren, zehn Tage dauernden
+Oktobermorde. Tausend Juden wurden erschlagen, achttausend wurden zu
+Krppeln. Werte im Betrage von 180 Millionen Mark wurden vernichtet,
+300000 Juden flohen ins Ausland. (Vergl. "Allgemeine Zeitung des
+Judentums", 1910, S. 577.)
+
+Die deutschen Juden knnen, wie gesagt, unmittelbar nichts tun, aber
+mittelbar sehr viel. Sie knnen die Juden der _nordamerikanischen_ Union
+aufrufen, die fr russische Angelegenheiten doch sonst Interesse zeigen.
+Als der Beilisproze schwebte, haben diese beim russischen Gesandten in
+Petersburg dagegen protestiert und spter dem zwar freigesprochenen,
+aber sehr geschdigten und gequlten Beilis eine Farm geschenkt. Jetzt
+steht mehr als ein Menschenleben auf dem Spiele. Was dem einen Beilis
+recht war, ist allen russischen Juden billig. Die amerikanischen Juden
+mten laut und energisch ihre Stimme erheben fr ihre niedergetretenen
+russischen Stammesgenossen, tglich, so oft als mglich, in den
+Zeitungen, in allgemeinen Versammlungen der Juden und der Christen. Wenn
+erst die russische Regierung wei, da man ihr Treiben beobachtet, wird
+sie doch vielleicht stutzig werden und das Schlimmste unterlassen, sie
+wird wenigstens nicht die Polizei zur schweigenden Duldung der Morde und
+der Diebsthle anhalten, sondern notgedrungen den Befehl zur
+Aufrechterhaltung der Ordnung geben mssen. Nordamerika ist ja der
+knftige Geldmarkt fr Ruland, der einzige, wo es einst Anleihen machen
+kann. Denn alle europischen Staaten werden nach dem Kriege selbst zu
+viel Schulden haben, um anderen leihen zu knnen. Die Juden der Union
+aber sind eine starke Kapitalmacht, besonders im Westen. Sie
+haben -- nach W. Sombart -- eine herrschende oder wenigstens wichtige
+Stellung im Getreidehandel, im Tabakhandel und im Baumwollhandel. Auf
+allen drei Gebieten knnen sie den Russen schaden. Vor allem aber knnen
+sie jede russische Anleihe erschweren, vielleicht unmglich machen.
+Damit mten sie drohen. Darauf wird selbst die zarische Regierung
+hren.
+
+Und wenn die Proteste und Drohungen nichts helfen, so werden sie doch
+wenigstens Zeugnis ablegen, da in der allgemeinen sittlichen
+Verwilderung es noch Menschen gegeben hat, die die Unmenschlichkeiten
+der zarischen Regierung als solche zu brandmarken gewagt haben.
+
+Wenn aber gar nichts geschieht, dann wird ganz gewi sich das alte
+Sprichwort bewhren: "Wenn die Menschen schweigen, so reden die Steine",
+freilich in diesem Falle nur die Steine des Pogroms, die auf
+unschuldige, wehrlose Opfer fallen werden."
+
+ * * *
+
+Wenn Barth sich auf die Einwirkung der amerikanischen Juden verlt, so
+frchte ich, gibt er uns einen Wechsel auf die Zukunft. Die
+amerikanischen Juden sind noch nicht gengend organisiert, z. T. auch
+als Vollblutyankees zu sehr auf Seiten der Entente.
+
+Ich glaube und werde es zu beweisen versuchen, da Deutschland allen
+Grund hat, jede antisemitische Regung abzustreifen, den Juden im Inland
+die Gerechtigkeit, die ihrer treuen Staatsbrgerschaft gebhrt,
+widerfahren zu lassen, den Juden in eroberten Gebieten jede Autonomie zu
+gewhren und den Auswandernden im Orient allen Vorschub fr eine
+grozgige Kolonisation zu leisten.
+
+Doch damit komme ich schon zur Voraussetzung jeder Politik gegenber den
+Juden: die Bewertung derselben als zuverlssige und fhige Staatsbrger
+gegenber ihren Heimatslndern, und nicht zum mindesten in Deutschland!
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Der Krieg und die Juden.*
+
+
+Der groe Krieg hat infolge des grandiosen Kaiserwortes "Ich kenne keine
+Parteien mehr" den antisemitischen Angriffen und bergriffen vorlufig
+den Grund und Boden entzogen. Trotzdem will das Judenproblem keineswegs
+von der Bildflche verschwinden. Im Gegenteil. Der Einmarsch der
+deutschen Truppen in die polnischen und russischen Gebiete hat mit einem
+Schlage die innerpolitische Unhaltbarkeit des Schicksals, der nahezu
+sieben Millionen starken jdischen Bevlkerung Rulands der ganzen
+Kulturwelt aufgetan. Man wird nicht leugnen knnen, da das jdische
+Problem beim Friedensschlusse sowohl von groem internationalem Belang
+sein wird, als auch von hervorragender Bedeutung fr die _deutsche
+Politik_.
+
+
+
+ *Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg.*
+
+
+Die Judenfrage ist fr Deutschland praktisch so wichtig, da es sich
+gewi verlohnt, darauf einzugehen. Prfen wir zunchst einmal die
+Stellung der Juden Deutschlands und ihren Einflu in diesem Lande.
+
+Die Mitte des verflossenen Jahrhunderts hat nicht nur einen vlligen
+Umsturz aller inner- und auen_politischen_ Verhltnisse Deutschlands
+bedingt; die breiten Volksmassen erschtterte ein _sozialer_ Umschwung.
+Aus einem rein agrarischen Staate wuchs in wenigen Jahrzehnten eine
+gigantische Industrie heraus, welcher bald ein weltenumspannender Handel
+die Wege bahnte. Die Technik feierte rascher ihre Triumphe, als die
+Regierungsfrsorge und die von Organisationen getragene Selbsthilfe der
+Interessengruppen sich auf die Neukonstellationen einstellen konnten.
+Dadurch gerieten die Arbeiter stellenweise in die Gefahr, materiell und
+physisch ausgenutzt zu werden. Auf dem Lande hatte sich einst ein
+hnlicher Proze, wodurch sich Latifundien bildeten, im Laufe der
+Jahrhunderte entwickelt. Die industriellen und kommerziellen
+Grounternehmungen aber kamen ber Nacht. Erbarmungslos rang das
+Grokapital den Stand der kleinen Leute nieder. Dieser konomische
+Werdegang ging nicht ohne Gewalttat, ohne Hrten ab, die den Trgern den
+Ha des in seiner Existenz erschtterten dritten Standes eintragen
+muten.
+
+Die Sozialdemokratie als die Zusammenfassung der Proletarier ist das
+naturnotwendige Produkt dieser Entwicklung. Der Antisemitismus ist die
+Konsequenz des Prozesses insofern, als sich diese Bewegung gegen die
+sichtbarsten Trger, gegen die Klasse von Menschen wandte, welche am
+geschicktesten die Macht des Kapitals auszunutzen wuten. Die erste
+Partei ist ein Versuch, der _Sache_ selbst entgegenzutreten, die
+letztere kmpft gegen _Personen_, die nebenbei in ihrer religisen und
+rassigen Eigenart eine gute Zielscheibe boten.
+
+Uns interessiert hier nicht, wie die Auswchse des Kapitalismus oder der
+Kapitalismus selbst zu bekmpfen ist. Wir wollen nur der Frage
+nhertreten, wie der Antisemitismus des weiteren zu erklren ist,
+welches die Bedeutung der deutschen Judenheit gewesen ist, und ob wir
+anllich des Krieges den Juden einen mehr oder minder gnstigen Einflu
+auf die Wirtschaftsgestaltung Deutschlands einrumen knnen, um dann
+spter auf den Einflu der deutschen Juden und berhaupt auf den Krieg
+eingehen zu knnen.
+
+Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts strmte ein gut Teil
+der jdischen Jugend Deutschlands nach den Vereinigten Staaten von
+Amerika, Sdafrika, England, Frankreich etc. Teilweise war ihnen die
+volle Gewerbefreiheit (wie z. B. in Bayern bis 1864) vorenthalten
+gewesen. Die siebziger Jahre, die berhmten Grnderzeiten, bringen eine
+Hochflut von aus den Drfern in die Stdte strmenden Juden. Die
+jdischen jungen Leute wandern nicht mehr in die Fremde, sondern wenden
+sich dem deutschen Handel, der Industrie, den akademischen Berufen, und
+vor allem den Grostdten zu. Das seit Jahrhunderten bettigte Wohnen in
+den Stdten, bedingt durch Eigenart, aber auch durch das
+mittelalterliche Gesetz, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein Geltung
+hatte, lt sie allmhlich in die greren Stdte abwandern, wo die
+Verdienstmglichkeiten sich stetig vergrern. Dazu trgt auch die
+antisemitische Ostmarkenpolitik bei, welche die Juden aus den Provinzen
+Posen, Ost- und Westpreuen vertreibt. Der Druck der Hakatisten, der
+wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott der evangelischen
+Deutschen den Juden im Osten gegenber, lt ihre Stellung zwischen
+Deutschtum und Polentum unhaltbar werden. Dazu kommen elementare
+Ausbrche der von den Antisemiten bearbeiteten Volksschichten. Der
+"Ritualmord von Konitz" ist eins dieser bezeichnenden Ereignisse.
+Fluchtartig verlt der Jude diese Stdte, deren Charakter durch seine
+Anwesenheit noch ein deutscher war, und berlt den Platz den Polen.
+
+
+Die neueren Schriften ber das Ostmarkenproblem geben smtlich zu, da
+die durch die staatliche und gesellschaftliche antisemitische Politik
+bedingte Vertreibung der Ostmarkenjuden ein bedeutsamer Migriff war,
+der sich nach drei Seiten bemerkbar machte:
+
+1. Fr die Entwicklung dieser Stdte, die durch den Verlust von
+Menschen, von Kapital und von unternehmungslustigen und fhigen
+Elementen gehemmt wurde.
+
+2. Fr die deutsche Sache. Der Wegzug von ca. 150 bis 200000 Juden aus
+den bedrohten Provinzen hat die deutsche Sache um so viel Anhnger rmer
+gemacht.
+
+3. Fr den Staat. Der Jude der Ostmark (wie berhaupt in ganz
+Deutschland) war ein zuverlssiger Staatsbrger, auf den in jeder Zeit
+gerechnet werden konnte.
+
+Organisationen ber Organisationen erwuchsen aus dem reichen Boden der
+Gebiete rechts der Elbe. Deutsche und polnische Kleinbauern-Genossen-
+schaften, Vereine der Gutsbesitzer und Gro-Eigentmer, die zugleich die
+Zucker- und Spiritusfabrikation besaen, politische Organisationen
+beider Sprachengemeinschaften, alle aber mit leicht antisemitischen
+Tendenzen, die durch den in Berlin geborenen Antisemitismus erst voll
+und ganz durchtrnkt werden sollten. Was dagegen der Jude an
+Organisation entgegenstellte, war kaum der Rede wert. Er organisierte
+sich nicht wirtschaftlich, sondern verzichtete darauf, sich in einen
+Kampf einzulassen, in dem auer Regierung und Verwaltung auch die breite
+Masse des Volkes gegen ihn Stellung nahm, und verschwand in die
+Grostadt, wo er untertauchen konnte.[1]
+
+ [1] Die oft zitierten jdischen Vereine haben keinen wirtschaftlichen,
+ sondern einen humanitren Charakter.
+
+Dadurch ist die unnatrliche pltzliche berschwemmung der Hauptstdte
+mit Juden bedingt worden. Nicht nur die Jungen und Fhigen kamen; viele,
+die sich nicht mehr anzupassen wuten, schwemmte die Flut herein. ltere
+Menschen, die berall anstieen, weil sie in dem neuen Beruf nicht mehr
+von der Pike auf dienen konnten. Neben einer groen Menge von Begabten
+und Energischen auch "Luftmenschen", Bassermann'sche Gestalten, labile
+Charaktere. Aber was das junge Blut anlangt, so kann man leicht zeigen,
+da es Deutschland zum Segen gereichte. Deutschland ist der groe,
+krftige und reiche Staat in hohem Mae auch durch die Mitarbeit der
+_Juden_ geworden.
+
+Bekannt ist deren Mitwirken an der finanziellen Entwicklung. Die
+Finanzgren, die die deutsche _Geldwirtschaft_ und die Grobanken
+schufen, waren zum groen Teil Juden. Das Erstarken unserer finanziellen
+Kraft liegt in der glcklichen Ausgestaltung unserer Finanzinstitute.
+Die Banken sind nach Sombart eine jdische Erfindung. Die Barone
+Oppenheim sind die Grnder der ersten, der Darmstdter Bank. Neben den
+Rothschild's ragen als Eisenbahnknige einige jdische Huser wie die in
+Bayern nobilitierten Eichthal und die spter in Preuen geadelten
+Fould's, spter Dr. Strousberg und der Baron Hirsch hervor. Das Bankhaus
+Mendelsohn hat heute noch seine nahen Beziehungen zu den magebenden
+Stellen des Reiches, und der Chef der Firma Bleichrder ist der
+ffentlichkeit populr geworden, weil er Bismarck zu der hohen
+franzsischen Kriegsentschdigung von 5 Milliarden in Gold zu bewegen
+wute. Auch die modernen Finanzgren, die Leiter unserer wichtigsten
+Institute, zhlen Juden an erster Stelle auf. Wir erinnern an die von
+Cohn, von Wassermann, Frstenberg, Speyer-Ellissen, von Schwabach,
+Goldberger . . .
+
+Die Arnold, Berliner und Deutsch sind Namen, welche in der neudeutschen
+Wirtschaftsgeschichte einen guten Klang besitzen. Hagen-Kln (frher
+Levy geheien) war wohl einer der Mnner, welcher in dem Aufsichtsrat
+der grten deutschen Gesellschaften den mchtigsten Einflu besessen
+hat.
+
+Juden haben in Hamburg die _Strumpfindustrie_, in Frth das
+_Spiegelglas_, im posenschen die _Schnapsbrennerei_ grogemacht. Wir
+treffen sie auch als Groindustrielle in der _Seiden_fabrikation.
+
+Neben unseren vortrefflichen Geldinstituten haben uns vor allem unsere
+grozgigen Wollfirmen die Kriegfhrung erleichtert. Der deutsche _Woll-
+und Baumwollmarkt_ ist von Juden geschaffen und auf die Hhe gebracht
+worden, die er heute einnimmt, wie wohl kein Kenner der Verhltnisse
+bestreiten wird. Unter den vielen Tchtigen verdienen hier die Gebrder
+Simon namentliche Erwhnung.
+
+An den grandiosen Woll- und Baumwollhandel konnten sich die zahlreichen,
+vielfach jdischen, Textilfabriken anlehnen. Die blhende deutsche
+_Konfektion_ ist quasi eine jdische Domne.
+
+Daneben erinnere ich an den Leipziger _Rauch_markt. Wer die berhmte
+Pelzmesse kennt, wei, da jdischer Flei und Erwerbsfreudigkeit hierin
+Deutschland eine erste Stelle in der Welt schuf. Die groen
+"_Felljuden_", welche unsere Lederindustrie mit ausbauten (z. B.
+Adler-Oppenheimer), und die _Stiefelknige_ sind bekannt.
+
+Den Neid aller Vlker, den Stolz Deutschlands bedingte unsere so rasch,
+fast ber Nacht zu grandioser Gre entwickelte _Handelsflotte_, die
+auch in Kriegszeiten dem Reiche ihre Dienste leiht. Der Schaffer der
+Hamburg-Amerika-Linie aber ist der viel genannte _Ballin_. Seine
+Bedeutung fr die Entwicklung Deutschlands wird einst die Geschichte zu
+wrdigen haben.
+
+Der Vater der _elektrochemischen_ Industrie war der jngst verstorbene
+Rathenau, der Schpfer der A.E.G. Sombart behauptet, da auch die
+Siemens und Halske-Werke erst den Wettkampf um die Vormachtstellung der
+deutschen Industrie in aller Welt aufnehmen konnten, als der jdische
+Direktor Berliner an leitende Stellung trat. Aber nicht nur in
+friedlichen Zeiten bedang die A.E.G. Deutschlands Ruhm und Gre. In
+unserm Kriege haben sie Bedeutendes geleistet, wenn es jetzt auch noch
+nicht Zeit ist, darauf nher einzugehen.
+
+Viel geschmht worden ist die Arbeit der Juden auf dem Gebiete der
+_Waffen-_ und _Munitionsfabriken_. Wie vereinzelte Sozialdemokraten die
+Wichtigkeit der Kruppwerke und ihre vaterlndische Rolle miverstanden
+und vor der breitesten ffentlichkeit verunglimpften, so wute
+seinerzeit Ahlwardt den groen _Lwe_konzern zu verdchtigen. Aber die
+"Juden"flinten, die Maschinengewehre und alle die Waffen, welche unsere
+Heeresleitung von diesen Unternehmungen beziehen konnte, waren letzten
+Endes nicht bedeutungslos. Der Nur-als-Krmer und Schacherer verschriene
+Jude hat dem Reich zu Kriegsbeginn wertvolle Sttten zur Verfgung
+stellen knnen: Angefangen von dem reich berfllten Wollmarkt, von den
+Handelsschiffen, welche die Flotte sttzten, bis zu den Fabriken, die
+direkt oder indirekt dem Heere alle Mittel moderner Kriegsfhrung
+lieferten.
+
+Wenn wir an die treue Mitarbeit jdischer Firmen in der
+_Maschinentechnik_ anknpfen, dann drfen wir als deutsche
+Unternehmungen von Weltgeltung herausgreifen die _Orenstein und Koppel_
+A.G., (Kleinbahn- und Baggerfabrikanten), die Mannheimer _Ladenburgs_,
+die Nrnberger _Bings_. Selbst Erzschrfungen (Hirsch und
+Beer-Sondheimer-Kupfer) werden von ihnen inauguriert. Caesar Wollheim,
+v. Friedlnder-Fould sind in 'Kohle' bekannt. Neben der Wichtigkeit des
+Materials und der Arbeitssttten ist es Geheimrat Haber, der durch die
+knstliche Gewinnung des Stickstoffes erst die ganze deutsche
+Munitionserzeugung gewhrleistete, und der (nach Davis Trietschs
+Broschre, "Juden und Deutsche: Eine Sprach- und Interessen-
+gemeinschaft"[2]) jdischen Eltern entstammt. Auf solche Kpfe kann die
+deutsche _chemische_ Wissenschaft stolz sein. Wie ja berhaupt die
+chemische Industrie Deutschlands Gre in der Welt mitgeschaffen hat.
+(Es sei u. a. auch des jdischen chemischen Industriellen _Gans_
+gedacht, dessen Sohn brigens auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und der
+Ballontechnik Bedeutung hat.)
+
+ [2] Verlag R. Lwit, Wien 1915.
+
+Auch sonst wre noch viel aufzufhren. Wir knnten manches ber andere
+Wirtschaftskomplexe hier anfgen, so vom Tabakmarkt, von dem Sombart
+behauptet, da Juden die Tabakindustrie in Deutschland einfhrten.
+Ebenso wie in der modernen Zigarren- und Zigarettenfabrikation halten
+Juden den Wettbewerb als Uhren-, Sekt- und Schokolade-Fabrikanten und
+als Getreideimporteure usw. usw.
+
+Wir wollen nicht ermden. Die Reichtmer, die einzelne Juden sich
+erwarben, waren nicht unverdient. Sie sind bedingt dadurch, da
+Deutschlands Handel und Wandel zu der Gre gefhrt wurde, die den Neid
+der fremden Vlker erregte, aber damit auch unserem Lande die
+Mglichkeit gab, auch auf dem wirtschaftlichen Felde den allgewaltigen
+Kampf gegen die Unmenge von Feinden so siegreich zu bestehen.
+
+Auf dem Zeitungsgebiet zeigten die _Mosse_, _Ullstein_, _Sonnemann_
+(Frankfurter Zeitung) ihre Tatkraft und schufen, trotzdem ihre Bltter
+als "verjudet" verschrien wurden, gewaltige Betriebe. _S. Fischer_ ist
+der bedeutendste literarische Verleger, _Reinhardt_, der
+_Bhnentechniker_, welcher dem modernen Theater reiche Impulse verlieh,
+ist gleichfalls Jude. Als _Antiquittenhndler_, _Numismatiker_, als
+_Sammler_ jeder Art haben die Juden den deutschen Ruf in der Welt
+mitbegrndet.
+
+Besonders stark angefeindet wurden sie in der Wissenschaft. Um auf
+diesem Gebiete ihr Knnen einigermaen zu belegen, mten wir allein ein
+dickes Buch schreiben. Aber ein paar Beispiele drfen wir wohl geben. So
+ist in der Medizin die Lehre der _sexuellen Krankheiten_ durch drei
+Juden -- _Neisser_, _Ehrlich_, _Wassermann_ -- in grandioser Weise
+gefrdert worden. Neisser, der Entdecker des Gonokokkus, Wassermann, der
+feinsinnige Schaffer des luetischen Blutnachweises, und Ehrlich, welcher
+eine moderne Waffe gegen die Syphilis schmiedete. Die _Juristen_
+sprechen von den Begrndern der deutschen Rechtswissenschaft, von
+_Staub_ und _Dernburg_ mit all der Hochachtung, die man diesen kaum
+vorenthalten drfte. Die _Sprachwissenschaften_ (die _deutsche_ z. B.
+vertreten durch _Mauthner_) schtzen die jdische Mitarbeit;
+_Statistik_, _Nationalkonomie_, _Chemie_[3] sind wie _Literatur_,
+_Musik_ und andere kulturelle Gebiete durch deutsche Juden befruchtet
+worden. Auf _Schachturnieren_ (Lasker, Steinitz, Zuckertort, Tarrasch),
+aber auch auf den olympischen Spielen, am Turf und auf gefahrvollen
+Expeditionen bewhrten sich Juden. _Emin Pascha_ hie einst Schnitzer,
+ein bedeutender Arabien-Forscher war _Glaser_, als einer der ersten
+wirkte in deutschen westafrikanischen Schutzgebieten und erlag dort der
+Malaria: Dr. _Kaiser_. . . .
+
+ [3] Der letzte Nobelpreis fr Chemie fiel nach Deutschland. Sein
+ Trger wurde eine allgemein anerkannte chemische Autoritt; der
+ Nachfolger Bayers in Mnchen, der Vorstand des dortigen
+ staatlichen Laboratoriums, Geh. Rat Professor Willsttter.
+
+
+Die antisemitische Bewegung, die vor dreiig Jahren gegen die Juden
+entstand, ist dadurch erklrlich, da von den vielen hervorragenden
+Verdiensten deutscher Juden viel zu wenig bekannt wurde.
+
+Die politische Geschichte bergeht die Abstammung des ersten deutschen
+Reichstagsprsidenten von Simson, der seinem Knige mehrfach die
+Kaiserkrone antrug. Das damals als Musterlndle gepriesene Baden hatte
+einen nicht einmal getauften Finanzminister: Ellinger.
+
+Das waren einzelne Personen, die ihr Bestes fr das Werden des Reiches
+einsetzten. Schon in den 40er Jahren waren es jdische Dichter in der
+Sturm- und Drangperiode, welche fr Einheit und Fortschritt eintraten.
+Berthold Auerbach und Andere, deren Namen heute vergessen sind, muten
+wegen ihrer Zugehrigkeit zu alldeutschen Burschenschaften hinter
+Kerkermauern dafr ben, da sie fr ein geeintes Deutschland
+agitierten.
+
+Bedeutender zeigt sich aber die Mitwirkung jdischer Elemente bei der
+Ausgestaltung des deutschen _politischen_ Lebens. Kein Volk der Welt hat
+ein so gut fundamentiertes Parlament, in dem so berzeugungstreue
+Parteien sitzen, die nicht nach Laune, nach persnlichen Vorteilen
+stimmen, sondern die -- oft viel zu sehr -- nach theoretischen
+berlegungen und prinzipiellen Anschauungen den Fragen nhertreten. Kein
+Abgeordnetenhaus hat sozialer und menschlicher gearbeitet. An ihren
+Frchten kann man am besten nicht nur die Bume, sondern auch die
+Parlamente erkennen. Unsere _konservative_ Partei feiert als einen ihrer
+Mitbegrnder Stahl; Lasker und Bamberger schufen die _liberale_ Partei;
+Marx und Lassalle standen an der Wiege der _Sozialdemokratie_, die in
+Singer, Haase, Bernstein und Frank mit ihre besten Fhrer fand.
+
+Da wir noch keine Abhandlung ber die jdische Mitarbeit an der
+Entwicklung Deutschlands in der neuesten Zeit besitzen, so war es wohl
+nicht unangebracht, sie mit einigen Beispielen zu belegen. hnlich wie
+_Deutschland_ in der _Welt_, so machten sich die _Juden_ in
+_Deutschland_ "unliebsam bemerkbar".
+
+Der Umwelt erschienen einst die deutschen Waren als "billig und
+schlecht", die aufblhende deutsche Flotte war den Englndern, die als
+handeltreibendes Seevolk ein Monopol anstrebten, eine freche Konkurrenz,
+die deutsche Beteiligung in der Weltpolitik kam den Englndern als
+Aufdringlichkeit vor, selbst wenn sie noch so zurckhaltend war.
+
+Dazu kamen noch historische Vorurteile, von welchen z. B. besonders die
+Franzosen nicht loskamen. Das Geschrei der Gasse umnebelte selbst
+intelligente Englnder, Franzosen, Italiener, Amerikaner, Rumnen,
+Russen. Auch in der neutralen Welt gibt es leider tchtige Menschen, die
+sich alle Fabeln ber die Unkultur der Deutschen, ber die
+Eroberungssucht des Kaisers und seines Volkes zueigen machten.
+
+Geradeso hat man oft von den Juden gesprochen. Man hat sie des Mangels
+an Kultur und an Redlichkeit geziehen und all des Schlechten, was man
+den Deutschen heute nachsagt, beschuldigt. Wollten sie beim Militr
+Karriere machen, dann hinderte man sie daran; wenn daraufhin wieder
+Manche keine sonderliche Lust am Dienste hatten, hielt man es ihnen
+wieder vor. Wurden sie reich, dann erweckte das Eifersucht; war irgendwo
+ein unbedeutender Jude, dann wurde daraus der Schlu gezogen, da der
+Jude berhaupt unfhig ist. Es ist wirklich berraschend, wie hnlich
+das Eintreten Deutschlands in der groen Welt, und das Emporsteigen der
+Juden in Deutschland von der Auenwelt gewertet werden.
+
+
+Wir sehen es ja in unserer Zeit, wie nichts zu plump ist, um geglaubt zu
+werden, wenn ein Volk neidisch ist. An diesen Instinkt appellierten auch
+die Antisemiten. Der Jude, der die deutsche Sozialdemokratie mitschuf,
+soll an den Auswchsen des Kapitalismus schuld sein, blo weil findige
+Kpfe, wie die Tietz, Wertheim, Jandorf, Israel, den Fabrikbetrieb, das
+Maschinelle auch in den Kleinverkauf einfhrten und das Warenhaus
+schufen.[4] Und wie einstmals die Handweber die Fabriken strmten und
+die Maschinen zertrmmerten, so kmpften die kleinbrgerlichen Kaufleute
+und Handwerker gegen die Riesenunternehmen, und verwechselten Person und
+Sache. Wer diese modernen Erfinder hate, wurde Antisemit.
+
+ [4] Den "kleinen" Mann haben hnliche Entwicklungstendenzen in den
+ meisten Fllen an die Wand gedrckt. Grobckereien,
+ Groschlchtereien, Wschereien, Restaurationsbetriebe im groen,
+ mit und ohne Filialen sind hnliche Erscheinungen wie das
+ Warenhaus, welche die selbstndigen Handwerker und Kleinbetriebe
+ in ihrer Existenz bedrohen.
+
+Wie _Deutschland in der Welt berall auf Neider stie, so fand auch der
+Jude in Deutschland berall mignstige Seelen_. Wie beschrnkt diese
+waren, geht schon daraus hervor, da sie durch den Antisemitismus alle
+sozialen Fragen und Schden zu lsen glaubten.
+
+Die antisemitische Literatur ist zwar recht armselig, aber Deutschland
+hat das traurige Verdienst, diese "Wissenschaft" in der Hauptsache
+geschaffen zu haben. Die anderen Lnder, die sich vielfach viel lnger
+und viel ungenierter in der Bedrckung ihrer lieben Juden berboten,
+bekamen leider von Deutschland neue Impulse. Die Pamphlete der Ahlwardts
+gingen in alle Welt und richteten auerhalb der schwarz-wei-roten
+Grenzpfhle, besonders auch in sterreich, erschreckendes Unheil an.
+Noch vor kurzem hat der groe Staat Ruland den Juden einen
+Ritualmordproze gemacht, nachdem vorher sterreich und Deutschland ihre
+Ritualmordhetze gehabt hatten. Noch schmachtet in sterreichischen
+Kerkermauern ein wegen eines "Ritualmordes", -- wie alle Juristen
+beteuern, unschuldig -- verurteilter armer Jude: Leopold Hilsner. Keine
+Lge war den Antisemiten zu niedrig -- man lese nur ihre
+Bcher -- keiner ihrer Fhrer zu -- bedenkenfrei. Meist waren sie recht
+dunkle Ehrenmnner. Aber das Gift, das sie verstreuten, trug dennoch
+eine reiche Saat. Ein Mann beteiligte sich dabei, dessen Schriften man
+nicht so ohne weiteres mit denen der anderen vergleichen darf: Houston
+Stewart Chamberlain. Chamberlain hat zwar neuerdings einiges Wasser in
+seinen Wein gegossen. Er hat erklrt, seine frheren Behauptungen
+gegenber den deutschen Juden[5] nicht aufrecht zu erhalten. Chamberlain
+ist ein so maloser Chauvinist, da er selbst Christus als Germanen
+reklamieren zu mssen glaubte. Er, der noch vor kurzem allen Germanen,
+auch den Englndern, Lob sang, hat nun ein Pamphlet losgelassen, fr das
+es kaum ein Wort der Entschuldigung gibt. Als geborener Englnder durfte
+er nie und nimmer in der Weise das Nest beschmutzen, dem er entstammte.
+Es gibt nichts Verchtlicheres, als wenn Renegaten dem Volke, dem sie
+entstammen, in solcher Weise seine Fehler vorhalten. Wenn sie, die die
+Schwchen am besten kennen, sie zusammenstellen, bertreiben und daraus
+ein Urteil fllen. Wenn wir nach der Methode Chamberlains dozieren
+wollten, mten wir zu dem Schlusse kommen: Alle Englnder taugen
+nichts. Der Englnder ist so und so. Also ist auch Houston Stewart
+Chamberlain . . . So hnlich wurde nmlich nach H. St. Chamberlain ber
+den semitischen Geist, ber den Juden im allgemeinen und im besonderen
+geurteilt, selbst wenn er -- weit mehr als Chamberlain, der die deutsche
+Kultur erst seit einiger Zeit genossen hat -- seit _Jahrhunderten_
+Anteil an allen Gtern deutschen Geisteslebens genommen hatte.
+
+ [5] Das erklrt er _heute_, nachdem die Rassenverhetzung den Juden das
+ Leben auf Schritt und Tritt verekelt hat, nachdem seine voreilige
+ Behauptung gegen die Juden die christliche Nchstenliebe
+ bedingungslos aus Hunderttausenden zu Gunsten des Hasses gegen
+ alle Anhnger des mosaischen Glaubens getilgt hat.
+
+Nein, "der Jude" in Deutschland war zum Teil tchtig und fhig, zum Teil
+faul und indolent. Er war auf der einen Seite ein stiller Mann der
+Wissenschaft, der nach dem Muster des genialen Spinoza, Marx und vieler
+anderer, die ohne nach der Anerkennung der ffentlichkeit zu lauern, in
+stillem Kmmerlein ihre Werke schufen.[6] Es gab aber auch
+Eintagsgren, die sich kaum von Charlatanen unterschieden. Maezene und
+Volksfreunde hat es unter den Juden gegeben, die ihr Vermgen dem
+Fortschritt hingaben, ohne da es die Menge erfuhr. Keine ideale
+Bewegung existiert, die nicht an den Juden reiche Frderer hat: fr
+Frauenrechte, fr Kinderschutz, fr die Waisen, Arbeitslosen, Blinden
+etc., die Bestrebungen fr die Abstinenz, fr Friedenspropaganda, fr
+Vegetarismus, fr alte Bhnenknstler, fr alle Knste, -- der Jude hat
+seine Person, sein Ansehen und nicht zum mindesten sein Geld jederzeit
+guten und idealen Zwecken zur Verfgung gestellt.
+
+ [6] So hat der auf dem Felde der Ehre gefallene jugendliche Komponist,
+ Kriegsfreiwilliger Walter _Asch_, wie eine Mnchener Zeitung
+ meldet, in allzu groer Bescheidenheit als seinen letzten Willen
+ hinterlassen, da seine Werke nicht gedruckt werden drfen.
+
+Der Jude, der so sehr fr jeden sozialen Fortschritt zu haben war, der
+auf Grund alter historischer Gewohnheiten fr den Ruhetag in der
+Arbeitswoche, fr das Angestelltenrecht etc. eintrat, der sich stets fr
+Freiheit einsetzte, wurde den Massen als Ausbeuter schlimmster Sorte,
+als soziales Hemmnis hingestellt. Vergeblich sein Eintreten fr alle
+demokratischen Ideale, fr individuelle Freiheit, fr internationale
+Verstndigung. Wie der wirtschaftliche Neid nicht nur den Blick trbt,
+sondern fast blind macht, sehen wir jetzt ja an den Englndern. Diese
+Gewaltsmacht, die so oft ganz real die Verhltnisse beurteilte, schilt
+die Deutschen Barbaren, whrend sie ihr Heer zusammensetzt und sich
+verbndet mit Hunderttausenden von Negern, Indiern, Zuaven,
+Tscherkessen, Kosaken, Kalmcken und allen schiffbrchigen Existenzen
+der neuen und alten Welt. Dieses fr Geld geworbene Analphabetengesindel
+soll das Vorkmpfertum der Kultur sein! Die Englnder, die am lngsten
+den Sklavenhandel geduldet, nein gezchtet hatten, die in Sdafrika die
+Burenfrauen mordeten, in gypten die Vertrge brachen und die Indier
+verhungern lieen, sind mit Recht als Heuchler an den Pranger gestellt
+worden. Bei den Franzosen gelten _alle_ Deutschen als Boches, als
+Verbrecher und als Schweine. . . . Dieser Weltkrieg, an dem 10 Millionen
+Juden beteiligt sind und schwere Opfer bringen, darf nicht vorbergehen,
+ohne da das von Antisemiten getragene absprechende Urteil ber sie in
+Acht und Bann getan wird. Ein Urteil, das ebenso unberechtigt ist wie
+das der Entente-Mchte ber die Deutschen. Nicht nur, weil ein
+prchtiges Kaiserwort das gehssige Treiben der Rassen- und
+Religionsschnffler fr die Dauer des Krieges unterband, sondern weil
+Deutschland und die Welt einsehen mu, da die Behauptung der
+Minderwertigkeit Andersgearteter allzuoft nur eine billige, berall
+gehandhabte Waffe des _Neides_ ist.
+
+
+Und so unterstreichen wir nochmals die Tatsache:
+
+
+Da der Jude am Gemeinwohl, am Fortschritt, an der Entwicklung
+Deutschlands freudig teilgenommen hat, kann kein objektiv denkender
+Mensch bestreiten. Ob er als Brgermeister von Posen[7] oder als
+Stadtrat von Berlin[8] oder Frankfurt, oder im Ehrenamt, oder als Whler
+einer Gemeinde seine Pflicht erfllen konnte, -- als der Abkmmling
+einer alten Kulturrasse interessierte ihn alles ffentliche Leben. Die
+Stdte, in denen die Juden seit langem wohnen und eine gewichtige Stimme
+haben, sind nicht schlecht damit gefahren. Das reiche Frankfurt blht,
+Nrnberg, Frth entwickeln sich beraus rasch, Hamburg gedeiht.
+
+Die neueste Wissenschaft hat den Juden mehr Gerechtigkeit widerfahren
+lassen. _Sombarts_ Arbeiten zeigten die Bedeutung der Juden. Es ist
+ziemlich gleichgltig, ob die Juden Handel und Wandel in die Orte
+bringen, wohin sie kommen, oder ob sie ihn mit zur Blte bringen.
+Jedenfalls ist dort Entwicklung, wo sie unbedrckt leben knnen.
+
+ [7] Witting (Witkowski).
+
+ [8] z. B. Cassel.
+
+
+Auerdem hat eine ziemlich starke Verschmelzung des Adels mit der
+deutsch-jdischen Geldaristokratie, die brigens auch ca. 100 geadelte
+Familien zhlt, stattgefunden. Ebenso ist in den besten brgerlichen
+Kreisen vielfach eine Vermischung eingetreten. Solchen Familien
+entstammte z. B. Dernburg, der bekannte Kolonialpolitiker, Heyse, der
+Schriftsteller, der Admiral Bendemann, andere fhrende Mnner sind mit
+Jdinnen verheiratet.[9]
+
+ [9] So sind z. B. die Nachkommen der bekannten jdischen Gelddynastien
+ Gumpert und Heine aus Hamburg mit dem deutschen und
+ internationalen Hochadel verschwgert, ebenso wie die als
+ Rennstallbesitzer geschtzten v. Oppenheimer aus Kln, v. Weinberg
+ aus Frankfurt, die Bernstein-Becker aus Knigsberg, v.
+ Hirsch-Gereuth aus Mnchen. Ursprnglich jdisch waren folgende
+ nobilitierte Familien: v. Ukro, v. Oppenfeld, v. Renard, v.
+ Moner, v. Schwanenfeld, v. Halle, v. Lwenthal u. a.
+
+
+
+ *Die Juden im Kriege.*
+
+
+Obwohl nachweislich viele jdische Burschenschafter fr das
+schwarz-rot-goldene Band gekmpft und gelitten hatten, obwohl in der
+Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne jdische Burschenschafter an der
+Spitze der Verbindungen standen, erklrte 50 Jahre spter der
+Weidhofener Verband der deutsch-sterreichischen Burschenschaften alle
+Juden insgesamt fr jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die
+Satisfaktion, also auch denen, die bis kurz vorher als alte Herren dem
+Verband angehrt hatten. Dieselbe berhebung, die ein anderer groer
+studentischer Verband zeigte, als er Naumann und andere hchst
+ehrenwerte deutsche Politiker wegen 'sozialistischer' Tendenzen
+ausstie, veranlate geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch
+und Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt die
+Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdchtigung uns nach. Auch dem
+jdischen Soldaten.
+
+Der Jude hat sich als Soldat bewhrt. In allen Kmpfen der letzten Jahre
+haben sich Juden bewhrt. Die Bulgaren und Trken haben sie im
+vorletzten Krieg vielfach gerhmt. Selbst im antisemitischen Rumnien
+ist ein jdischer Oberst (Brociner), der sich im Krieg 1878
+auszeichnete, der Kommandeur der Leibgarde und des Knigl. Schlosses. In
+sterreich sind Juden kommandierende Generale, in Italien war der
+frhere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon hatte jdische
+Heerfhrer.
+
+In den deutschen Freiheitskmpfen gab es viele freiwillige jdische
+Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch den Offiziersrang. Auch
+spter konnten Juden, hauptschlich anno 1870, Offiziere werden; aktive
+Offiziere standen nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier
+hauptschlich Reserveoffiziere und aktive Militrrzte, ein Jude brachte
+es einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major.[10]
+
+ [10] In Bayern gibt es jetzt aktive jdische Majore und Oberstabsrzte,
+ erstere etwa fnf, von letzteren, soviel bekannt wurde, sieben. In
+ sterreich haben sich Juden als Generale ausgezeichnet; aktive
+ Offiziere gibt es einige Hundert. Nach Bloch's "sterreichische
+ Israel. Wochenschrift" haben sehr viele whrend des jetzigen
+ Krieges ein glnzendes Avancement erfahren. Eine soeben
+ erschienene Broschre Ludwig Geiger's "Deutsche Juden und der
+ Krieg", die mir bei der Korrektur vorliegt, bringt genauere Zahlen
+ ber die Beteiligung der deutschen Juden an den Kriegen des XIX.
+ Jahrhunderts. Hardenberg anerkannte danach schon am 4. 1. 1815:
+ "Die jungen Mnner jdischen Glaubens sind die Waffengefhrten
+ ihrer Mitbrger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des
+ wahren Heldenmutes und der rhmlichen Verachtung der Todesgefahr
+ aufzuweisen, sowie die Einwohner Berlins, namentlich auch die
+ Frauen, in Opfern jeder Art sich den Christen angeschlossen
+ haben."
+
+ Eine Denkschrift der Regierung Preuens vom Jahre 1847 ermittelte
+ das Verhalten der Juden als Soldaten und stellte fest, da die
+ Juden in den Freiheitskriegen wie im Frieden den brigen Truppen
+ nicht nachstanden.
+
+Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure auf den
+Standpunkt, den einmal der leider auf dem Felde gefallene Hauptmann von
+Treskow also przisierte: "Wenn wir die Juden prinzipiell nicht
+befrdern, drften wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen". Nach
+Schtzungen werden jetzt ber 900 Juden als Offiziere, ungerechnet die
+Militrrzte, im Felde stehen. Viele sind wegen besonderer Tchtigkeit
+befrdert worden, das "Hamburger Israel. Familienblatt" stellte schon
+ber 20 Trger des Eisernen Kreuzes I. Klasse fest (z. B. der Flieger
+Frankl, der Reichstagsabgeordnete Haas), darunter waren alle
+Waffengattungen vertreten. Auch bei der Marine und in den Schutztruppen
+haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem Kriege werden die Ziffern
+insgesamt zur Verfgung stehen. Das in Breslau erscheinende "Jdische
+Volksblatt" hat die Namen verffentlicht, die bestimmt dem Judentum
+angehren. Darnach haben bis zum Herbst 1915 knapp 5000 Juden (also fast
+1% der gesamten deutschen Judenheit!) das Eiserne Kreuz erhalten, von
+ber 3000 Juden konnte namentlich festgestellt werden, da sie den
+Heldentod frs Vaterland gefunden. Leider kann diese wchentliche
+Zusammenstellung nicht den Anspruch auf Vollstndigkeit erheben. Da die
+jdische Jugend, soweit sie nicht gedient hatte, gleich zu Beginn des
+Feldzuges freiwillig in groer Zahl (-- es wre sehr interessant, wenn
+die Heeresverwaltung diese Ziffer verffentlichen wrde --) sich
+stellte, sind die Verluste sehr stark.[11] In allen jdischen
+Jugendvereinen wird diese Tatsache festgestellt. So ist z. B. in der
+jdischen Turnerschaft eine Kriegssterblichkeit, die sich in den
+einzelnen Untervereinen bis 33% der Mannschaften (wie z. B. bei dem
+Ruderklub 'Ivria') stellt. Die meisten Turn- und Sportvereine der
+jdischen Turnerschaft muten zu Beginn des Krieges ihren Betrieb
+aufgeben, da alle Mitglieder zu den Fahnen eilten.
+
+ [11] Die "Leipziger Neuesten Nachrichten" konstatierten, da die in
+ Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher
+ Staatsangehrigkeit, in groer Zahl freiwillig zu den Fahnen
+ eilten.
+
+Die Mitglieder der jdischen studentischen Verbindungen stellten
+gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern des K. C.
+(Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell jdischer Verbindungen)
+rckten fast alle aus; ein Drittel davon als Kriegsfreiwillige. Sehr
+zahlreich war auch die Beteiligung freiwilliger jdischer rzte. Nach
+einer Statistik betrgt die Verlustliste bei den jdischen rzten schon
+ber Hundert. Auch der jdische Arzt hat an der Front und im
+Seuchenlazarett seinen Posten ausgefllt.
+
+Der tapfere jdische Soldat und Offizier verschwindet oft in der Menge.
+So glaubte man z. B. allgemein nicht, da der einzige Soldat, der bei
+meinem Regiment das Eiserne Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besa, ein
+Jude war (der spter als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an
+einer jdischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp bis zum
+Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die Tchtigkeit des
+jdischen Vorgesetzten und Soldaten von hohen Offizieren anerkannt
+worden. Exempla docent. Die beraus groe Zahl von Befrderungen,
+Dekorationen etc., ber die sich jeder, namentlich z. B. im "Hamburger
+Israelitischen Familienblatt" informieren kann, gibt die beste Gewhr.
+Der sterreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit genommen, sich
+dahin auszusprechen, da der persnliche Mut und die Zuverlssigkeit des
+jdischen Soldaten durch diesen Krieg aufs neue bewiesen wurden.[12]
+
+ [12] berall ist die Tapferkeit der Juden anerkannt worden.
+
+ Prinz Fuad, der Flgeladjutant des trkischen Sultans, hat dem
+ offiziellen ungarischen Pressevertreter folgende Erklrung
+ abgegeben (in der deutschen Presse im Jd. Echo, Mnchen, Nr. 27,
+ 1915, wiedergegeben):
+
+ "Die jdische Legion, welche auf den Dardanellen operiert,
+ verrichtet wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein trkischer
+ Jude, bekam den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung. In den
+ brigen Militrteilen kmpfen die Juden mit andern zusammen
+ ausgezeichnet. Die trkischen Militrbehrden machen daher keinen
+ Unterschied zwischen jdischen und nichtjdischen Soldaten. Das
+ Gleiche kann hinsichtlich der jdischen Zivilbevlkerung gesagt
+ werden, welche im jetzigen schweren Moment opferwillig dem Lande
+ hilft, soviel sie nur vermag. Die jdischen Bestrebungen in
+ Palstina sind gut bekannt; niemand zweifelt an dem Patriotismus
+ der trkischen Juden".
+
+ Und Gustav Herv sagt ber die viel geschmhten russischen
+ Juden -- welche ein eignes Regiment gebildet hatten und in den
+ erbitterten Frhjahrskmpfen bei Arras fielen -- bei Gelegenheit
+ der Verffentlichung von Briefen gefallener Juden der jdischen
+ Fremdenlegion:
+
+ "Held Litwak -- du, dessen herrlicher Brief, geschrieben am Tag
+ deines ruhmvollen Todes bei Carency an der Seite von 2000
+ Mitjuden, ich unlngst abgedruckt habe, vergib diesen armen
+ Sergeanten, die euch monatelang als schmutzige Judenbuben und
+ hnlich beschimpft haben -- euch, die ohne dazu verpflichtet zu
+ sein, in einem Augenblick edler Begeisterung euer Blut gromtig
+ an Frankreich dahingegeben habt, das in euren Augen das Sinnbild
+ aller Freiheit und sittlichen Gre war." . . . Und das beste
+ Zeichen, wie sehr die Juden freiwillig fr die Freiheit zu kmpfen
+ wissen, da gerade die Anfhrer der polnischen Legionisten fast
+ durchwegs Juden sind: Nach dem Jd. Echo (Nr. 31, 1914, Mnchen)
+ ist der Vorsitzende des Polnischen Nationalen Hauptkomits und der
+ Legionen ein Jude namens Mosche Scherer und ebenso eine ganze
+ Anzahl von Fhrern der Legion.
+
+Ebenso wie der sozialdemokratische wurde auch der jdische Soldat
+endlich einmal von den Meisten vorurteilsfrei betrachtet und bewertet.
+Natrlich gibt es auch Flle, wo sich Vorgesetzte noch nicht in den
+Gedanken der Gleichwertigkeit "solcher Elemente" hineinleben konnten.
+
+Die ungeheure sozialdemokratische Begeisterung ist nicht zuletzt das
+Produkt der so oft geschmhten "inter"-nationalen Denkweise jdischer
+Fhrer, mit der man frher alles Unrecht gegen Juden deckte und
+erklrte. Die Fhrer haben ihren Patriotismus nicht nur durch billige
+Phrasen dokumentiert, sie sind nicht wie andere Sozialistenfhrer la
+Vandervelde als Wanderredner durch die Lande gefahren, um die Menschen
+aufzuwiegeln, haben la Herv billige blutrnstige Artikel geschrieben
+oder sich als Leutnants, wie D'Annunzio, zu Hause wichtig gemacht. Der
+Jude _Ludwig Frank_[13], vielleicht der fhigste Kopf in der
+sozialdemokratischen Partei, trat als einfacher Soldat in Reih und Glied
+und fiel -- wie er es wnschte -- als ein einfaches, aber schnes
+Beispiel treuer Vaterlandsliebe.
+
+ [13] Der bekannte Genosse Davidsohn "nur" zweimal verwundet, nunmehr
+ Offizierstellvertreter.
+
+Aber nun kam, was nicht kommen durfte. Man hat in vielen Zeitungen ber
+den Mannheimer, ber den Rechtsanwalt, ber den Sozialdemokraten Frank
+geschrieben. Man hat bewiesen, da ein Sozialdemokrat patriotisch sein
+knne. Da er aber ein Jude war, diese Tatsache wurde nach Mglichkeit
+verschwiegen. -- Nicht zum Beweis der Tapferkeit und der Vaterlandsliebe
+wollen wir Frank als Juden registrieren. Es liegt eigentlich eine
+unglaubliche Verworfenheit des Charakters vor, wenn jemand von einer
+kulturell so hochstehenden Rasse wie der jdischen, von der Tausende im
+ffentlichen Leben wirken, welche alle Kultursttten deutscher und
+anderer Bildung genossen haben, annehmen knnte, da Mannesehre und
+Wrde bei ihnen nicht zu finden wre.
+
+Da man bei allen Nachrufen aber sichtlich vergessen wollte, zu
+erwhnen, da der erste deutsche Volksfhrer, welcher mit seinem Tode
+die Treue zur Heimat und zum Staate besiegelte, ein Jude war, ist keine
+erfreuliche Erscheinung.[14] Ebensowenig wie die Tatsache, da die
+Dichter des groen Krieges, die zuerst verwendet wurden und starben,
+Juden waren. Wir nennen nur _Zuckermann_, der das wundersame
+sterreichische Reiterlied empfand, und _Heymann_, den jungen
+Knigsberger Lyriker, sowie den Schlesier Georg _Hecht_. Man hat so oft
+ber die billige Poesie, wie sie Literaten hinterm Schreibtisch
+gewinnschtig betreiben, gespottet. Zuckermann, Heymann, Georg Hecht.
+_Ich kannte die glhende Begeisterung, die sie mit dem Leben zahlten._
+
+ [14] Dagegen unterstreichen z. B. die deutsch vlkischen Bltter
+ hmisch, da Haase, welcher den verunglckten Aufruf veranlate,
+ _Jude_ sei, was man zu Kriegsbeginn, als er noch in minder
+ unsympathischem Fahrwasser segelte, sorgsam unterlie, bei ihm zu
+ erwhnen.
+
+ Eine typische Todesanzeige fr einen aktiven jdischen Offizier
+ mag hier folgen:
+
+
+
+
+ Gestern Abend um 9 Uhr verschied in der Medizinischen Klinik des
+ Brgerspitals zu Straburg
+
+ *Herr Major* *Max Hollerbaum*
+
+ *Kommandeur des B. Landsturm-Infanterie-Bataillons Passau II
+ Ritter d. Eisernen Kreuzes, d. K. B. Militr-Verdienstordens usw.*
+
+ Das Bataillon steht in tiefer Trauer an der Bahre seines ersten
+ Kommandeurs.
+
+ Durch und durch Soldat, ein vornehmer, ritterlicher, zuverlssiger
+ Charakter, durch Willenskraft und warmherziges Wohlwollen
+ gleichmig ausgezeichnet, war er uns allen vorbildlich auch durch
+ den Heroismus, den er im Kampfe gegen ein langwieriges, schweres
+ Leiden bis zuletzt bewahrt hat. Es war ihm nicht vergnnt, wie an
+ dem Kriege um die Grndung des Reichs so an dem um seine
+ Behauptung bis zum ehrenvollen Abschlu teilzunehmen. Aber er hat
+ Treue bis zum Tode gehalten, und sein Gedchtnis wird in hohen
+ Ehren bleiben.
+
+ Am 27. September 1915.
+
+ *Fr das Landsturm-Infanterie-Bataillon Passau II*
+
+ I. V.: *Hauptmann Freiherr von Pechmann.*
+
+
+
+ Anschlieend mag noch bemerkt werden, da Major Hollerbaum nicht
+ der einzige aktive jdische Offizier in der bayerischen Armee war.
+ Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien nur
+ einige namentlich genannt: Der alte bayerische Krassiergeneral
+ Carl Ritter v. Obermayer, Major Isidor Marx (Vater) und Major
+ Maximilian Marx (Sohn), die Majore Orfenau, Friedmann, Henle u. a.
+ Auerdem gab und gibt es viele jdische aktive Sanittsoffiziere,
+ Militrbeamte und auch untere Chargen.
+
+Wie aber war die Haltung der jdischen Bevlkerung vor dem Ausbruch des
+Krieges? Die Juden haben sich in allem beraus wrdig benommen. Da sie
+als Kaufleute und Bankiers usw. nicht wie die Militrs bestndig sich um
+die Militrangelegenheiten bekmmerten, ist selbstverstndlich. Das
+berhmte "jdische _internationale_ Grokapital", von dem soviel
+gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten. Die jdischen Bankiers und
+die jdischen Kaufleute benahmen sich nicht anders wie die andern
+Schichten der Bevlkerung. Ruhig und ernst, wie es der Situation
+entsprach, als ihre Shne entweder freiwillig oder als Militrpflichtige
+hinauszogen. Reiche Gaben und Spenden flossen allen Instituten von ihnen
+zu. Und was in der Heimat geleistet werden konnte, wurde getan. Mnner
+wie Ballin, Rathenau, Riesser ruhten im Kriege nicht. Es ist noch nicht
+die Zeit, ihrer Verdienste fr die Volksernhrung, fr die
+Munitionsergnzung und anderer Dinge zu gedenken.[15]
+
+ [15] Otto v. Gottberg, die offizise Feder unseres Kriegsministeriums,
+ schreibt in einem Artikel "D. K. R. A." ber Rathenau: "Er kam
+ ohne Ruf und Amt, ein Deutscher in Sorge um das Vaterland. Wie
+ wenige ein Kenner unserer Wirtschaft, fhlte Dr. Walter Rathenau,
+ da Deutschland einen lngeren Krieg siegreich nur dann berstehen
+ knne, wenn der Staat ohne Sumen zu organisiertem Sammeln, Sparen
+ und Mehren der fr die Kriegfhrung ntigen Stoffe schritt. Der
+ Kriegsminister sah den Mann, den er gesucht hatte. Sankt
+ Bureaukratius schlug wohl unter Protest die Hnde ber dem Kopf
+ zusammen, als der General den Zivilisten, Doktor und Ingenieur mit
+ hflicher Geste beim Kragen nahm und im Allerheiligsten der
+ Heeresverwaltung in einen Stuhl setzte mit dem Auftrag, die
+ Kriegs-Rohstoff-Abteilung ins Leben zu rufen."
+
+ Die Art, wie Rathenau die Aufgabe in achtmonatlichem Wirken lste,
+ sichert ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte des
+ Wirtschaftskrieges.
+
+Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine zu geringe
+Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen Grnden oder aus Laune
+Junggesellen; die vielen Sptehen der akademischen Kreise und der
+Kaufleute bedingten einen hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die
+Kinder haben, begngen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit,
+welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen hat, wird der
+Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er rcht die Beschrnkung der
+Kinderzahl.
+
+Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwchte deutsche
+Judenheit wei, da dieses elementare Ereignis ihre Reihen noch mehr
+lichten wird. Alte Familien werden durch den Krieg erlschen, die
+deutsche Judenheit wird unendlich geschwcht und in ihrer Existenz
+erschttert aus dem Kriege hervorgehen.
+
+Die jdische Jugend zahlte gern die Teilnahme an der deutschen
+Kulturgemeinschaft mit dem Tode.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Juden im Ausland.*
+
+
+Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien hat nur 40000,
+Frankreich 120000, England nicht ganz 300000, also alle drei Lnder
+zusammen nicht viel mehr als Preuen. In der englischen Regierung sa
+vor 35 Jahren ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck
+eine Verstndigung der beiden Lnder herbeifhrte. Heute hat im
+britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille, das des
+Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten eine Stimme hat.
+
+In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften
+italienischen Juden und einer englischen Christin. Auerdem ist in
+Italien der Finanzminister Luzzatti Jude, der sich ursprnglich gegen
+den Krieg aussprach.[16] Das judenreinste Kabinett Rulands trgt die
+Hauptverantwortung fr diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am
+wenigsten zu sagen haben, hat am strksten zum Kampf gedrngt.
+
+ [16] Die Abkunft Barzilais' ist brigens nicht sicher auf Juden
+ zurckzufhren.
+
+In England lag die Entscheidung ausschlielich bei wenigen Nichtjuden.
+Bedeutende englische Juden hatten sich gerade in den letzten Jahren fr
+eine gegenseitige Annherung Deutschlands und Englands bemht, weil sie
+instinktiv die Entfremdung der Lnder bemerkten.[17] Als der Krieg
+begann, legten Sir Cassel und Sir Speyer ihre Wrden nieder.
+
+ [17] Dafr hat Ernst Cassel Millionen gespendet, die er dem Kaiser
+ bermittelte; der einzige Englnder, der sich die Freundschaft der
+ beiden Lnder etwas kosten lie und sich ernsthaft darum bemhte.
+
+In Frankreich war das Kabinett wie in Ruland und Serbien "judenrein".
+Die Juden an der Pariser Brse haben wahrlich keinen Krieg inszeniert.
+Als der Krieg aber ein fait accompli geworden war, haben einzelne
+frhere Deutsche resp. Elssser in Frankreich und England aus der Angst
+fr ihre Existenz unsympathische Kundgebungen erlassen. Ob sich darunter
+viele Juden befanden, wei ich nicht. Ich konnte es nicht erfahren. Der
+berchtigte Obermacher der Bethlehem Steel Company, _Schwab_ in Amerika,
+welcher wohl der anrchigste Typ des Renegaten ist, stammt von
+wrttembergischen Eltern, ist nicht, wie deutsche antisemitische Bltter
+verleumderisch behaupten, ein Jude. Er ist vielmehr der Nachkomme eines
+Pfarrers.
+
+Wenn in einem Staate eine ziffernmig einflureiche jdische Volkschaft
+war, die sich fr den Frieden htte einsetzen knnen, so wre es die
+Rulands gewesen. An sieben Millionen Menschen, die aber in der Duma nur
+durch _einen_ Abgeordneten vertreten sind. (Auf diese Juden werden wir
+noch spter zu sprechen kommen.) Sie waren vollkommen machtlos.
+
+Der Jude ist nicht, wie das alte, aber abgeschmackte Mrlein der
+Antisemiten es will, der Brandznder des Weltkrieges gewesen. Er war ein
+Freund des Friedens. Er wrde als Kriegshetzer auch am allermeisten
+gegen sein Interesse handeln. Der Beamte wird im Krieg durch den Staat
+hinreichend konomisch geschtzt, der Bauer findet nach dem Kriege immer
+seinen Grund und Boden wieder. Der Jude aber als Kaufmann hat durch die
+Unterbindung des Auenhandels enorm verloren. Bei einer groen Zahl der
+jdischen Firmen ist mit einem Schlage der Lohn arbeitsvoller Jahre
+dahin gewesen. Und nach dem Kriege wird es auch fr sie des grten
+Fleies bedrfen, um nur annhernd das wieder zu erreichen, was man
+vorher an Wirtschaftsbeziehungen besa.
+
+Am meisten unter allen Vlkern haben die _Juden in sterreich_ gelitten.
+Die Besetzung Galiziens und der Bukowina strzte 800000 Juden ins
+Unglck. Der ruthenische oder polnische Bauer wurde von der russischen
+Regierung mit aller Schonung behandelt. Gegen den Juden ist man jedoch
+mit aller Niedertracht verfahren, die man sich denken kann. Der Bauer
+hat sein Heim, seine Ernte, seinen Verdienst behalten. Der galizische
+Jude ist --, wenn er nicht gar nach Sibirien transportiert wurde, -- zum
+armseligen Bettler geworden. Sein Haus, seine Ware, sein Geld
+vernichtet, er selbst brotlos und heimatlos. Man lese darber das Buch
+Segels "Der Weltkrieg und das Schicksal des jdischen Volkes"[18] -- und
+man wird das Gruseln dabei lernen.
+
+ [18] Verlag Stilke, Berlin 1915.
+
+
+Eines der auch amtlich nachgewiesenen Ereignisse mchte ich hier zur
+Probe nach der Schilderung Benjamin Segels wiedergeben:
+
+"Im 16. Jahrhundert pflegten sich die Kosaken im Kampfe gegen Polen
+eines von den Tataren entlehnten Kriegsmittels zu bedienen: wenn sie
+eine Festung strmten, trieben sie mit Lanzenstichen und Gewehrfeuer
+Gefangene vor, die Scke voll Erde auf den Schultern trugen und unter
+dem Kugelregen ihrer eigenen belagerten Landsleute die Laufgrben um die
+Festung ausfllen muten, wobei sie unter der Last begraben wurden.
+Diese unmenschliche Sitte ist aus dem Kriege zwischen zivilisierten
+Vlkern verschwunden. Die Japaner haben nur oftmals gegen die russische
+Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer auffingen.
+Die Russen aber haben in Galizien aufs neue den Brauch eingefhrt,
+Menschen, wehrlose Menschen zu diesem Zwecke zu gebrauchen. Nicht etwa
+Gefangene, sondern Nichtkmpfer, Greise, Frauen und Kinder. Vor
+_Nadworna_ im Sdosten Galiziens geschah das Furchtbare. Die Russen
+brachten _eintausendfnfhundert jdische_ Familien zusammen und trieben
+sie vor die sterreichische Front, whrend sie selber hinterdrein
+vorrckten.
+
+Die menschliche Sprache hat keine Worte, um das Grausame dieser Untat
+auch nur annhernd zu kennzeichnen." --
+
+Bekannt sind die Befehle russischer Kommandanten, von denen ich z. B.
+den des Etappenkommandeurs von Krosna, vom 10. Mrz, wiedergebe:
+
+"Fr jeden Fall, in dem die deutsche oder sterreichische Regierung
+jemanden aus der nichtjdischen Bevlkerung bestraft, sind die Juden
+verantwortlich. Zu diesem Zweck werden jdische Geiseln mitgenommen und
+fr jeden Nichtjuden wird man zwei Juden umbringen."
+
+Das Stockholmer Blatt "Sozialdemokraten" konstatierte: Jeder russische
+General, der eine Niederlage erleidet, schiebt die Schuld einfach
+auf -- die Juden in dem Gebiete, wo er ist. Die Juden wurden zu
+Zehntausenden ausgewiesen: auf lose Angebereien wurden sie erschossen
+und erhngt.
+
+
+Und in _Ruland_? Die russischen Juden drfen, das ist in Deutschland
+kaum bekannt, nur in den westlichen polnischen, litauischen und
+bessarabischen Provinzen Rulands wohnen und auch hier nicht auf dem
+Lande, sondern nur in den Stdten. Sie sind vom Ackerbau abgeschlossen,
+Bodenerwerb ist ihnen streng untersagt. Knstlich hat die russische
+Regierung alle modernen Bildungsbestrebungen verboten, alle
+freiheitlichen Regungen unterdrckt, die idealistische Jugend, die ihre
+Glaubensgenossen organisieren wollten, die fr irgend einen Fortschritt
+kmpften, gefangen gesetzt. Tausende gerade der Fhigsten sind
+ausgewandert. Amerika nahm allein 2 Millionen dieser unfreiwilligen
+Emigranten auf. Was blieb, ist ein Torso. Die stndigen Judengesetze und
+Verordnungen treiben willkrlich die Juden in gewissen Stdten zusammen.
+So hat das Jahr 1882 eine malose berfllung des Ansiedlungsrayons
+hervorgerufen. Das polnisch-jdische Ghetto ist ein modernes
+Kunstprodukt, wofr die russische Regierung verantwortlich zeichnet. Mit
+Gewalt hlt die Obrigkeit die jdische Bevlkerung in Armut, hindert
+jede hygienische Regung und verbietet alle geistigen Bestrebungen. Es
+ist unmglich, da die Verhltnisse anders sind, als wir sie antreffen,
+und das antisemitisch absprechende Urteil bercksichtigt nicht, da es
+sich um ein Volk handelt, das in allem geknebelt und entrechtet ist. Der
+Krieg, der sich im Westen Rulands abspielt, hat naturgem die Juden am
+strksten betroffen.
+
+Hunderte jdischer Gemeinden sind zertreten. Ich habe selbst viele in
+Polen sowie nrdlich der Weichsel und besonders im Gouvernement Kowno,
+sowie in Kurland gesehen.
+
+ber die Lage der Juden in Ruland informiert das Bchlein von Kurt
+_Aram_: Der Zar und seine Juden[19] ("Das jdische Elend in Warschau ist
+doch noch viel grlicher als alles andere, was ich sah.") Und Dr. Claus
+schreibt im Russenheft der Sddeutschen Monatshefte: "Schon in
+Friedenszeiten war das Elend unter den Juden gro; wer einmal einen
+Einblick in die Ghetti Warschaus oder einer litauischen Stadt getan hat,
+wird das Bild des Grauens so leicht nicht los."
+
+ [19] Verlag Ullstein, Berlin.
+
+Ich will nicht eingehend ber all das Grauenhafte schreiben, was selbst
+die russische Zensur in ihren Blttern bringen lie. Einwandsfreie
+nichtjdische Abgeordnete haben in den denkwrdigen Dumatagen des August
+das tragische Geschick des jdischen Volkes, das von der Regierung zu
+allen Zeiten als Blitzableiter dienen mute, gekennzeichnet. Geben wir
+der "Guerre Sociale", dem bundesgenssischen Blatt, darber das Wort:
+
+"Das sterreichische wie das russische Polen ist von Polen und Juden
+bewohnt. Was hat man getan, um z. B. die Juden fr die Sache der
+Verbndeten zu gewinnen? Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en bloc
+in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn alles das, was
+amerikanische Bltter ber die den Juden seit Kriegsbeginn zuteil
+gewordene _schmachvolle Behandlung_ mitteilen, wahr ist, wie kann
+Ruland dann fr sie etwas anderes sein, als ein _Land des Schreckens
+und der Schande_, wo ihre verfolgte Rasse den Becher bis zur Neige
+geleert hat."
+
+Und nochmals die "Guerre Sociale" (Gustav Herv): "Mir kommt nicht zu,
+in diesem Augenblick, wo das befreundete und verbndete Ruland
+schmerzliche Stunden durchlebt, davon zu erzhlen, wie es viel zu lange
+die Juden behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren
+sie im Mittelalter behandelt haben."
+
+Und schlieen wir mit den mutigen Worten des jdischen Dumadeputierten
+_Friedmann_, den keine Angst vor Einkerkerung oder vor Sibirien abhalten
+konnte, nach allen vorliegenden Zeitungen u. a. folgendes festzustellen:
+
+"Die Zeitungen registrierten eine ungeheure Menge jdischer
+Kriegsfreiwilliger. Diese Freiwilligen sollten ihrem Bildungsgrad nach
+Anspruch auf Offiziersrang haben, aber sie wuten ganz gut, da sie als
+Juden den Offiziersrang nicht bekamen. Trotzdem zogen sie in den Krieg.
+
+Zahlreiche jdische Studenten kamen aus dem Ausland und gingen an die
+Front. Die Juden zuhause bauten Lazarette, spendeten viel Geld und
+brachten verhltnismig _weit grere Opfer als andere Nationen_.
+
+Viele jdische Soldaten bekamen auch das Georgskreuz. (Ich habe selbst
+verschiedene gesehen. Der Verf.) So war die Stimmung der Juden bei
+Kriegsausbruch. Aber wir drfen nicht vergessen, da im Polenland
+jdisches Blut in starken Strmen fliet, und zum Unglck nicht nur von
+Feindeshand. Militrbehrden und Regierung brauchten Sndenbcke fr
+ihre Mierfolge. Man benutzt zu diesem Zweck die alte Firma, das ist der
+Jude. Kaum berschritt der Feind die Grenze, so verbreiteten sich
+Gerchte, da jdisches Gold auf Aeroplanen, in Srgen und Eingeweiden
+von Gnsen zu den Deutschen flo. Die Legende wuchs, sie verbreitete
+sich dank der Agitation der Regierungsagenten und nahm schlielich
+ungeheure Dimensionen an. Den Juden gegenber wurden unerhrte Manahmen
+angewendet und diese Manahmen, die vor den Augen der ganzen Bevlkerung
+vollzogen wurden, flten derselben und der Armee das Gefhl ein, da
+die Juden als schlimmste Feinde auerhalb des Gesetzes stehen. Zuerst
+wurden alle Juden aus Polen und Litauen ausgewiesen. _ber eine Million_
+Menschen mute den Bettelstab ergreifen. Verwundete jdische Soldaten
+mit dem Georgskreuz wurden in Viehwagen und wirklich wie Vieh mit einem
+Frachtschein abtransportiert. Jdinnen, deren Mnner, Kinder und Brder
+ihr Blut frs Vaterland vergossen haben, wurden berall verfolgt. Eine
+andere harte Manahme war das Geiselnehmen. Es handelt sich hier um
+einen unerhrten Fall in der Weltgeschichte. Man nahm als Geiseln
+Staatsangehrige des eigenen Landes. Anders als eine Schmach kann man
+das nicht nennen."
+
+Trotzdem Millionen nur Jiddisch verstehen, wurden in ganz Ruland die
+Korrespondenzen, Telefongesprche, Unterhaltungen auf der Strae in
+Jiddisch verboten und die Unglcklichen eingekerkert, die dagegen
+verstoen muten.
+
+Ruland erklrt, da des Zaren "liebe" Juden Freunde der Deutschen sind,
+da sie denen zu Liebe spionieren, ja sogar auf die russischen Truppen
+schieen. Gewi bestehen vielfach Sympathien fr die Deutschen auf
+Seiten der russischen Juden, weil viele Deutsche zwar auch Antisemiten,
+aber doch nicht so grausame Feinde der Juden sind wie die Russen. Aber
+zwischen einigen Sentiments und zwischen der uerung irgendwelcher
+staatsfeindlicher Gefhle ist doch noch ein sehr weiter Sprung. Selbst
+die, welche sich darber klar sind, da ihnen die deutsche Regierung
+wegen des geringeren antisemitischen Druckes lieber wre, wagen
+sicherlich nicht die geringste Tat. Sie wissen, da sie als Juden schon
+_ohne_ allen Grund als Vaterlandsverrter gebrandmarkt sind, da man
+ihnen ber Schritt und Tritt nachforscht. Und sie hten sich ngstlich
+vor jedem Versto. Wer die Psyche der Ostjuden kennt, wei, da es,
+abgesehen vom Hindu, keine friedlichere Bevlkerung gibt. In der
+strengglubigen Bevlkerung sprechen dabei auch religise Auffassungen
+mit.
+
+
+Was die russischen Juden den Deutschen so nahebringt, ist ihre Sprache
+und ihre Kultur. Wohin der deutsche Soldat in Ruland kommt, er nimmt
+sich immer den Juden vor, von dem er wei, da er Deutsch versteht, und
+da er berhaupt nicht schwer von Begriff ist.
+
+Die deutsche Regierung, die Militrverwaltung hat berall gerne jdische
+Mitarbeit gesucht und gefunden. Andererseits haben gerade die jdischen
+Gemeinden in weitgehendster Weise die Not unter den Juden gelindert,
+sogar im armen Osten haben die jdischen Religionsverbnde ihre
+Angehrigen gesttzt, und dem Staate damit seine Aufgabe erleichtert.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Die Lehren des Krieges.*
+
+
+Die Ergebnisse aus dem Kriege fr das Verhltnis der deutschen Juden zum
+Reiche sind leicht zu ziehen. Wie im Frieden, so haben sich die Juden
+besonders in den schweren Zeiten der Strme als gute Staatsbrger
+bewhrt. Der Burgfriede hat es ermglicht, da die, welche durch lange
+Zeit als Soldaten II. Klasse und auch als mindere Staatsbrger behandelt
+worden waren, ihre Pflicht in vollem Mae taten und mehr als das. Wenn
+man die Zahl der jdischen Kriegsfreiwilligen, die zum Heere strmten,
+zhlen wird, drfte mancher frhere Antisemit erstaunen. Soviel Liebe
+und Begeisterung fr ein Vaterland, das seinen jdischen Mitbrgern die
+Zeiten des Soldatenstands nicht zu den angenehmsten machte, kann nur bei
+einem Volke gefunden werden, das in seinem Kern ein loyales ist. Und die
+Juden waren und sind denn auch tatschlich in England, in Frankreich, in
+Italien und sterreich, in den Vereinigten Staaten, in Holland etc.
+berall als ein unbedingt gut patriotisches Element bekannt.
+
+Wenn sich etwas aus den Lehren des Augenblicks fr die Zukunft ergeben
+mte, so ist es die Forderung der vollen Durchfhrung der
+Gleichberechtigung der jdischen Staatsbrger in Deutschland. Wie sich
+in sterreich die Ungarn bewhrten, wie die Polen und Elssser und Dnen
+in unseren Heeren zum Erfolge beitrugen, so vor allem die Juden, die nie
+auf deutschem Boden ein eigenes Territorium zu grnden suchten, die nie
+in geschlossener Organisation irgend welchen staatlichen, sprachlichen
+oder kulturellen Bestrebungen der Deutschen im Frieden wie im Kriege
+eine Gegnerschaft aufboten.
+
+Der deutsche Jude hat keine nationale und religise Politik, die sich
+gegen die der andern Staatsbrger wenden kann. Es gibt keinen jdischen
+Verein, der Deutschland liberal, demokratisch oder sozialistisch regiert
+haben will. Wohl aber gibt es jdische Redakteure bei den
+Freikonservativen, bei den Nationalliberalen, bei den Volksparteilern
+und in der Arbeiterbewegung. Eine irgendwie einheitliche jdische
+Politik gibt es in Deutschland nicht. Auch ihre religisen Anschauungen
+stren niemanden.
+
+Nicht um Lohn zu finden, haben die Juden Seite an Seite mit allen
+anderen Deutschen gekmpft. Sie haben aber ein Anrecht, nicht um ihre
+Freiheit verkrzt zu werden. Es mu _das_ Schauspiel des Friedens
+aufhren, da der Jude, sobald er getauft ist, Professor, Offizier,
+Staatsanwalt usw. werden kann. Diese _Prmie auf das Renegatentum_ ist
+nicht wert, in Friedenszeiten wiederzukehren. Deutschland darf keine
+antisemitische Politik betreiben, es wrde sich sonst an das
+programmatisch antisemitische Ruland anlehnen. Es kann im Gegenteil
+auch nicht dem Ehrgefhl deutscher adliger Offiziere entsprechen, mit
+Mnnern eng verbunden zu sein, die sich ihrer Ahnen und Herkunft
+schmen. Es kann nicht die Auffassung der Hterin des Rechts sein, da
+Richter vorerst ihren Glauben abgeschworen haben mssen; es kann keine
+freie Wissenschaft sein, die das christliche Bekenntnis zur
+Voraussetzung hat.
+
+Deutschland, der nunmehrige Freund des _Islam_, kann auch seine
+_jdische_ Bevlkerung ihrer Religion nachgehen lassen, ohne dabei
+Schaden fr seine christlichen Bewohner zu nehmen. Der bertritt vom
+Judentum zum Christentum mu wieder ffentlich als das gebrandmarkt
+werden, was es in den weitaus meisten Fllen wirklich ist: als
+Streberei, Gesinnungsheuchelei, Religionsmibrauch (alldieweil es keine
+"berzeugten" Christen sind, die den Weg zum Taufbecken suchen und ihn
+so leicht finden.)
+
+Der Krieg hat dem elenden Religions- und Rassengeznk im Innern des
+Landes hoffentlich ein Ende bereitet, nach auen hin wird es noch genug
+Arbeit geben, um den Ha der Nationen, die Zwietracht, Rachsucht,
+Migunst langsam abebben zu lassen. Auf Jahrzehnte hinaus wird
+Deutschland gengend Feinde besitzen, es kann daher die Ruhe im Innern
+doppelt ntig brauchen.
+
+Soziale und biologische Probleme stellen sich in den Vordergrund. Die
+deutschen Juden haben der Grostadt und der Sucht, wirtschaftlich zu
+erstarken, bedeutende Opfer gebracht. Junggesellentum aus Vorliebe oder
+aus Not, weil die Familie konomisch eine bedeutsame Last ist,
+Kinderlosigkeit und Kinderarmut sind die Kennzeichen fr die Entwicklung
+der heutigen deutschen Juden. Ich habe sie in den Bchern "_Der
+Untergang der deutschen Juden_"[20], "_Das sterile Berlin_"[21] und in
+der _Preisschrift der Gesellschaft fr Rassenhygiene_[22] des nheren
+dargelegt.
+
+ [20] Verlag Reinhardt, Mnchen.
+
+ [21] Verlag Marquardt, Gro-Lichterfelde.
+
+ [22] Verlag Louis Lamm, Berlin C.
+
+Nun reit der Krieg weite Lcken in ihre Reihen. Whrend Deutschland
+wchst, verkmmert der Anteil seiner Juden. _Sombart_ hat nachgewiesen,
+wie die Brokratisierung der Banken, der Schwerindustrie usw. den
+jdischen Einflu hemmt. Dazu kommt die prozentual geringer werdende
+Beteiligung. Die hervorstechende konomische Macht der Juden weicht
+langsam, aber sicher von selbst.
+
+Eine antisemitische Bewegung knnte hchstens wirtschaftlich wertvollen
+Krften, die ohnedies abnehmen, Hindernisse bereiten, Unzufriedenheit in
+den jdischen Kreisen sen und den Geist der Zwietracht verbreiten.
+Deutschland ist kein einheitlicher Staat, aufgebaut auf Grundlagen
+_einer_ Religion, _einer_ Rasse, _einer_ Staatsform. Es ist (hnlich
+Amerika) die glckliche Synthese der verschiedensten
+Bevlkerungsschichten, die alle als deutsche Staatsbrger respektiert
+werden wollen. Glaubens- und Rassekmpfe mssen verflossenen Zeiten
+angehren. Wie traurig ist es, da noch Millionen von Katholiken
+glauben, sich politisch vereinigen zu mssen, um entweder in ihren
+Rechten nicht geschwcht zu werden oder sich greren Einflu sichern zu
+knnen. Eine Vermischung von Religion und Politik. Sehen wir die
+Welfenpartei! Eine Gruppe, die nach fnfzig Jahren noch immer die
+Geschichte umwlzen, nochmals die staatlichen Zustnde von 1866
+herbeifhren wollte. Die Negation als Grundlage einer politischen
+Bettigung!
+
+Der groe Krieg mu auch im Innern eine Reform bedingen. Er mu uns
+soweit einander nher gebracht haben, da wir die volle politische und
+brgerliche _Gleichberechtigung_, die Freiheit des Individuums frderhin
+nicht mehr einzelnen Klassen und Gemeinschaften rauben wollen. Neben den
+Sozialdemokraten sind es die Juden, die vornehmlich als treue
+Staatsbrger angesehen zu werden verlangen und hoffentlich es auch
+erreichen. Mag besonders die Ostmarkenpolitik, die antisemitisch bis in
+die Knochen, durch die mehr oder minder gewaltsame wirtschaftliche
+Vertreibung der jdischen Handwerker und Kaufleute in den Stdten Posens
+und der stlichen Provinzen den polnischen Mittelstand aufblhen lie,
+ein deutliches Warnungszeichen dafr sein, wie schdlich letzten Endes
+jede Hetzpolitik ist.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Das Problem der Ostjuden.*
+
+
+Es mag leicht sein, da ein Friedensschlu dem Deutschen Reich neue
+polnische Gebiete bringt. Kein Element wird dann so leicht fr das
+Deutschtum sprachlich und staatsbrgerlich zu gewinnen sein, wie das
+jdische, das sich durch sechs bis sieben Jahrhunderte, seit es aus den
+Rheinlanden vertrieben wurde, die deutsche Mundart -- wenn auch in
+eigener Entwickelung -- bewahrte. Viele der deutschen Soldaten dachten
+sich garnichts dabei, als sie in allen Stdten Rulands eine (wenn auch
+nicht ganz korrekt) deutsch sprechende Bevlkerungsschicht antrafen.
+Einzelne aber waren darber doch erstaunt. Sie waren auch berrascht,
+eine beraus rmliche, im Wust der Umgebung verschmutzte, aber fr alle
+Entwicklung empfngliche Masse anzutreffen, die sich gerne den deutschen
+Manahmen fgte.
+
+Das Urteil ber die polnischen Juden ist bei den Deutschen nicht immer
+sympathisch. Jedes fremde Volk hat Schwchen, die dem Fremden auffallen,
+und die leicht zu einer vollkommenen Verurteilung fhren. Bei den
+russischen Juden wird zu wenig daran gedacht, da die russische
+Regierung sie gewaltsam in modernen Ghetti zusammenpfercht. Sie drfen
+nur im Ansiedlungsrayon wohnen, und hier wiederum nur in den Stdten.
+Vor dreiig Jahren hat man sie so zusammengetrieben ohne Rcksicht
+darauf, ob die vorhandenen Wohnungs- und Lebensmglichkeiten gengten.
+Man hat sie zwangsweise in schmutzige Lcher gestoen. Die vielen
+hundert Verbote, die den russischen Juden treffen, rauben ihm die Lust
+und das Recht, sich Huser zu bauen, das Heim auszugestalten. Ruland
+will den Juden vertreiben, und so ist er denn auch immer auf dem Sprung,
+wegzugehen. Millionen Juden sind bereits nach Amerika, England,
+Sdafrika, Frankreich usw. ausgewandert.
+
+Der russische Jude gilt wegen seiner Sprache (Jdisch-Deutsch oder
+"Jargon") als Deutschfreund. Whrend sich vielfach Polen und Ruthenen in
+sterreichisch-Galizien bei der russischen Okkupation recht eigentmlich
+benommen haben, whrend in diesen Lndern, besonders aber in
+Russisch-Polen, die Landbevlkerung in reichlichstem Mae zum
+Franktireurkrieg und zu Spionage neigte, verhielten sich die Juden
+beraus loyal. Es ist unwahr, da sie fr Deutschland
+Kundschafterdienste leisteten; sie haben sich aber naturgem auch den
+Russen gegenber durchaus korrekt benommen. Dabei wurden die Juden am
+schwersten durch _beide_ Parteien geschdigt. Die Russen haben aus Ha
+jdische Stdte, z. B. Szawle, angezndet, und die Deutschen verbrannten
+u. a. Tauroggen als Gegenmaregel gegen russische Greuel in Ostpreuen.
+Tauroggen war aber vor allem eine jdische Stadt. Kalisch, eine echte
+Judenstadt, wurde grndlichst zerstrt, weil als Zivilisten verkleidete
+Soldaten aus Brgerhusern schossen. Dadurch wurden Tausende von Juden
+obdachlos. Viele Stdte wurden durch Bombardements zerstrt, wie Lowicz,
+Sochaczew etc. Von Seiten der Deutschen muten vielfach Ausweisungen
+jdischer Brger erfolgen, da man natrlich keinem der feindlichen
+Staatsangehrigen trauen konnte; die Massenausweisungen der Juden aus
+Polen, Ruland, Kowno etc. bertreffen ums Dreifache die Zahl der
+seinerzeit aus Spanien vertriebenen Juden. Bereits wandern heimatlos
+eine und eine halbe Million im Innern Rulands, und auch in sterreich
+sind es Hunderttausende, deren Heim zerstrt ist. --
+
+Der deutschsprechende Jude wird, wie oben bemerkt, als Deutschenfreund
+angesehen. So wie die Verhltnisse vor dem Kriege lagen, htte es den
+russischen Juden nichts eingetragen, sich an die Freundschaft
+Deutschlands zu wenden. Nicht einmal seine eigenen Juden schtzte
+Deutschland vor Ruland. Das Zarenreich erlaubte nur ganz ausnahmsweise
+den Deutschen jdischen Glaubens den Eintritt in sein Land. Und
+Deutschlands Politiker haben gegen diese monstrse Beschrnkung niemals
+remonstriert. Sie lieen die ffentliche Beschimpfung ihrer Juden zu,
+ohne durch irgendeine Gegenwehr, Gegenmaregel oder nur ernstliche
+Vorstellung ihre Staatsbrger vor schimpflicher Behandlung zu schtzen.
+Und die deutsch sprechenden sieben Millionen Juden Rulands? Sie gelten
+zwar als Freunde Deutschlands, _nur da Deutschland nicht ihr Freund
+ist_!
+
+Deutschland hat zu Beginn des Krieges durch seine Generale erklren
+lassen, da es den Polen volle Gerechtigkeit widerfahren lassen wolle.
+Die Juden, deren Zahl in den Grenzlndern bedeutend ist, wurden nicht
+sonderlich erwhnt.
+
+Es ist anzunehmen, da sich Deutschland nach dem Kriege allen seinen
+Juden gegenber liberal verhalten wird.
+
+Aber es ist doch sehr die Frage, wenn sich keine gewaltigen
+Grenzverschiebungen ergeben, ob die Judenfrage Rulands einer Lsung
+nhergebracht wird. Schon vor dem Krieg hat die russische Regierung die
+Bedrckung der Juden systematisch inauguriert, die Pogrome des Jahres
+1905 waren bestellte Arbeit. Ruland bekennt sich zu dem Lehrsatz eines
+seiner Minister: "Ein Drittel der Juden wird vertrieben, ein Drittel mu
+verhungern und ein Drittel ist zu tten." (Siehe Errera "Die
+Judenfrage".)
+
+Die Judenfrage Rulands interessiert Deutschland aus vielen Grnden. Die
+sieben Millionen, die deutsch verstehen und sprechen, bildeten ein
+wertvolles wirtschaftliches Element, das gerne mit Deutschland
+Handelsbeziehungen unterhielt. Diese sieben Millionen sind die strksten
+Gegner jedes Krieges mit Deutschland, das sie verehren. Wegen ihrer
+deutschen Sprache und ihrer deutschen Sympathien sind sie in grausamster
+Weise von Ruland bestraft worden. -- Deutschland hat den Polen zu
+verstehen gegeben, da es sich ihrer annehmen wird. Mit noch grerer
+Berechtigung aber knnen die _Juden_ erwarten, da Deutschland sie nicht
+vergit, wenn die Frage der unterdrckten Nationen in den
+Friedensverhandlungen aufgeworfen wird.
+
+Die Juden haben nie im politischen oder sprachlichen Kampfe mit den
+Deutschen gelegen (wie die Polen), seit Jahrhunderten sind sie zu einem
+Teile fest verwachsen mit der deutschen Erde. Die in Polen
+zurckgebliebenen Gemeinden sind bei der Teilung dieses Landes durch
+Zufall zu Ruland, sterreich oder Preuen gekommen. Die, welche
+russische Staatsbrger wurden, haben seit jener Zeit eine Geschichte des
+Leides und der Verfolgung erlebt, die ans finsterste Mittelalter
+erinnert. Leider wissen unsere deutschen Mitbrger wohl von "Greueln in
+Armenien", wie sie die Englnder aus politischen Grnden
+aufbauschten, -- die Regierungspolitik Rulands jedoch, das sich so
+lange als der beste Freund Deutschlands gebrdete, wute recht gut ber
+allen ihren Schandtaten dichte Schleier auszubreiten.
+
+Die deutsch sprechenden Juden Rulands sind zum Teil Zionisten. Die
+Trkei hat an ihren zionistischen Brgern in diesem Kriege eine gute
+Untersttzung gefunden. Deutschland kann sehr wohl, im eigenen Interesse
+wie in dem seines neuen Bundesgenossen, ein Entgegenkommen der Trkei
+fr eine jdische Besiedlung der verdeten Landstriche Palstinas
+befrworten.
+
+Es kann keine Frage sein, da sofort nach dem Friedensschlu eine
+_Massenauswanderung_ der russischen Juden beginnen wird, welche die
+gesamte Vlkerwanderung numerisch in den Schatten stellt. Diese Juden,
+denen man das Letzte genommen hat, die ein volles Jahr lang geqult und
+getrieben wurden, jeden Augenblick gewrtig, erschossen oder zum
+mindesten nach Sibirien gefhrt zu werden, warten nur auf die
+Mglichkeit, wieder frei zu atmen.
+
+
+Soll Deutschland diese Emigration nicht zum eigenen Nutzen zu
+beeinflussen suchen? Soll der Strom der Auswanderer nach Amerika
+gehen?[23] Deutschland wnscht eine moderne Entwicklung der Trkei.
+Durch die Verluste, die der Krieg im eigenen Lande zeitigte, ist keine
+Emigration der eigenen Massen bevorstehend. Im Gegenteil.
+
+ [23] Eine wirkliche Masseneinwanderung stlicher Juden in Deutschland
+ wird schon aus konomischen Grnden schwer durchfhrbar sein.
+ Dieselbe wre auch vom jdisch-nationalen Standpunkt nur eine
+ Notstandsaktion, die brigens wegen der vielen Widerstnde, die
+ nach jeder Hinsicht zu berwinden wren, keineswegs einzutreten
+ braucht.
+
+
+Wenn die Erlsung der kleinen Vlker einen Rckhalt an Deutschland
+finden darf, dann kann es die gequlte jdische Masse des Ostens nur in
+zionistischem Sinne erlsen. Auf Ruland kann Deutschland nicht
+einwirken, wie es seine Untertanen regieren soll. Eine breite ffnung
+der eigenen Grenzen liegt nicht im Wunsch der meisten eigenen
+Staatsbrger.
+
+
+Will Deutschland das Bndnis mit der Trkei konomisch ausntzen, will
+es sich dort eine Masse sichern, die aus sprachlichen Motiven wie auch
+aus Dankbarkeit zu Deutschland neigt, dann wird es einer grozgigen
+zionistischen Emigration die Wege ebnen, wird "dem Lande ohne Volk das
+Volk ohne Land" geben.
+
+
+Professor Otto _Warburg_ hat schon vor zehn Jahren darauf hingewiesen,
+da die Besiedelung Mesopotamiens von ausschlaggebender Bedeutung fr
+die wirtschaftliche Erschlieung und Entwicklung Vorderasiens ist.[24]
+
+ [24] Wir knnten z. B. von daher unsere Baumwolle beziehen und so vom
+ Auslande unabhngig werden.
+
+Deutsches Kapital hat die groen Bahnbauten nach Bagdad ermglicht. Wir
+sind alle daran interessiert, da Deutschland daraus Nutzen zieht. Hier
+kann nur eine geeignete Einwanderung helfen, denn die ortsanwesende
+Bevlkerungsmenge ist nicht ausreichend.
+
+Da schon Massen arbeitsloser Juden in Polen den Behrden zur Last
+fallen, so wre es gut, wenn man sich, wie fr die ostpreuischen
+Flchtlinge, so auch fr das jdische Proletariat Galiziens und Polens
+interessierte. Sobald sich die trkische Regierung entschliet,
+einwandernden jdischen Familien Land anzuweisen, wird auch von der
+jdischen Seite das ntige Geld zur berfhrung und Ansssigmachung
+aufgebracht werden. Es ist nur ntig, da sich _der neue Dreibund_
+darber klar ist, _was er mit dem namenlosen Judenelend machen will_,
+wie er den vom Krieg entwurzelten Massen hilft, ohne dabei selbst
+Menschen zu verlieren. Denn Menschen sind Geld, Mnner sind im
+Kriegsfalle Gewehre. Nie hat man die Bedeutung der Ziffer so erfat, wie
+bei diesem Krieg.
+
+Kommt aber den Juden vom neuen Dreibund keine Hilfe, dann wandern sie
+bestimmt nach Amerika aus und gehen fr die deutsche Sache verloren. Mit
+ihnen aber ein groes Nationalvermgen, -- auch deshalb, weil ja jeder
+Emigrant etwas Geld bei sich haben mu, was bei einer solchen
+Vlkerwanderung allein schon Millionenwerte ausmacht.
+
+Die Zukunft von Deutschlands kolonisatorischer Ttigkeit liegt im
+Orient, in der Trkei. Wie kaum je wieder bietet sich eine Gelegenheit,
+die Kolonisation zu frdern. Kenner des Orients, wie Rohrbach, Auhagen,
+Paquet[25] u. a., sind gerade in letzter Zeit fr diese Orientierung der
+deutschen Politik eingetreten. Schon frher plante brigens der
+verstorbene Groherzog von Baden, das Interesse der Mchte fr eine
+organisierte Kolonisation Palstinas durch die Juden wachzurufen.
+
+ [25] Ein soeben von Alfons _Paquet_ erschienener Artikel (in Heft 40
+ Jahrg. 1915 des Mrz) "_Juden im Osten_" kommt zu denselben
+ Resultaten. Paquet schreibt:
+
+ "Das trkische Volk kmmert sich wenig um den Glauben anderer. Es
+ erkennt in den Juden die Orientalen, es wei, da jene, die aus
+ dem Westen kommen, zugleich Europer sind, Trger eines
+ praktischen Knnens, das dem neuen trkischen Staatswesen Nutzen
+ zu bringen vermag. Und das eigentliche Palstina? Hat es nicht in
+ den Jahren, die dem Versuch der Wiederbesiedelung gewidmet waren,
+ bewiesen, da es wirklich das Land ist, wo einmal der Wanderer
+ sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen die den Erzvtern
+ leuchteten, um auszuruhen und bse Spuren aus seinen Zgen
+ wischen?"
+
+ Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein grnes Banner. In dem
+ von Menschen erfllten Europa werden sie das wichtigste fr ihre
+ Zukunft: -- den Boden -- nie erhalten, eher werden sie die Trger
+ irgend eines unbestimmten Unheils sein. In allen Erdteilen, auer
+ Vorderasien, fehlen die Mglichkeiten einer Ansiedelung, die den
+ Juden erlaubt, nach ihrer hchst eigentmlichen Art zu leben und
+ von dem geistigen Gut, nach dem sie hungern, satt zu werden. Aber
+ in dem einen kleinen Lande, das schon begonnen hat, zu einem neuen
+ Dasein zu erwachen, ist Raum und Tragkraft genug, sie aufzunehmen.
+ Josua und Kaleb sind von ihrer Kundschafterreise zurckgekehrt mit
+ schweren Trauben. Es kommt jetzt darauf an die Fhigkeiten des
+ Volkes, die bisher auf die Wstenreise verwendet wurden, zu wecken
+ und neu zu gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild der deutschen
+ Volksschulen, vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze,
+ werden dazu helfen knnen. Einst werden dann diese Knaben die
+ Mannschaft eines neuen morgenlndischen Wesens bilden, gleichviel,
+ ob sie Ingenieure oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder
+ Gelehrte werden, gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa
+ bleiben und wie viele wirklich im Morgenland wohnen. Sie knnen in
+ einer neuen Heimat ein neues Volk sein -- nicht im Sinne jenes
+ Nationalismus, der in Europa die Vlker zerreit und schlgt,
+ sondern in dem innerlich freien, nach auen duldsamen Sinne der
+ morgenlndischen Weisen. "Der trkische Baum mu sehr grn werden
+ und auswachsen." "Wer in seinem Schatten wohnen will, mu aber
+ zuvor sein Grtner sein." -- -- --
+
+ So denkt ein bekannter Orientkenner ber die Judenfrage und das
+ Problem der Trkei.
+
+Statt dessen hat man den franzosenfreundlichen Jesuiten, die neben
+zahlreichen Schulen eine Universitt in Beirut grndeten, den russischen
+und griechischen Missionen Raum gegeben und hat die englischen
+Machinationen unter den Arabern geduldet.
+
+Die neu-deutsche Judenpolitik darf des weiteren nicht in den Fehler
+verfallen, das jdische Element im Osten den Polen auszuliefern. In ganz
+Galizien hat man die Juden dem Terrorismus der Polen berantwortet. Man
+denke sich, da dort ca. 900000 Menschen ein deutsches Idiom sprechen,
+eine Sprache, die der deutschen nhersteht als die flmische Mundart.
+Gleichwohl konnte man in sterreich nicht erreichen, da das "Jiddisch",
+wie es genannt wird, die Rechte einer Sprache bekam. Obwohl es eine
+Unzahl von Zeitungen gibt, die tglich in diesem Dialekt geschrieben
+werden, und deren Bltter u. a. in Lemberg, Lodz, Krakau etc. erscheinen
+(Warschauer und New Yorker Bltter in Jiddisch haben Auflagen von ber
+100000 Exemplaren), war diese Sprache "von Rechts wegen" verpnt! Der
+Kaufmann sollte seine Rechnungsbcher damit nicht fhren drfen,
+Eingaben an die Regierung waren unstatthaft, whrend unterdessen die
+jiddische schne Literatur in alle Sprachen bersetzt wurde, und
+Theaterstcke, ins Hochdeutsche bersetzt, Sensation in Berlin
+hervorriefen!
+
+Auch heute hat die deutsche Regierung die Bedeutung dieses Jargons noch
+nicht erfat. Eine Volksschicht, die in polnischen Gebieten lebt, greift
+aber, wenn sie ihre Muttersprache lassen mu, nicht zu dem dieser
+nahverwandten Deutschen, sondern zum _Polnischen_. Es liegt kein Grund
+vor, die Polen _knstlich_ zu strken und ein Volkstum, das sich
+sprachlich ans Deutsche anlehnt, seiner Nationalitt zugunsten der
+polnischen gewaltsam zu entkleiden.
+
+Sollten grere polnische Bezirke Deutschland und sterreich
+angegliedert werden, so mu das _Recht der Minoritt_ geschtzt werden.
+Das moderne Polentum hat sich noch nicht als mavoller und zuverlssiger
+Charakter erwiesen. Wo sie es nur konnten, haben die Polen die Juden
+bedrckt und ausgenutzt. Die galizischen Wahlen waren wahre Schlachttage
+der Schlachta. In vielen Orten flo jdisches Blut, weil die Juden keine
+Polen whlen wollten. Noch schlimmer erging es den Juden in
+Russisch-Polen, wo sie den _Polen und Russen_ gnzlich ausgeliefert
+waren.
+
+Wenn die Franzosen und Italiener von "unerlsten Vlkern" sprechen, dann
+haben sie kaum der armen Juden gedacht, und sicherlich nie eine Hand
+gerhrt, um deren Los zu erleichtern.[26] Und sie htten es doch so
+bequem. Sie brauchten blo ihren Bundesgenossen "darauf aufmerksam zu
+machen". -- -- --
+
+ [26] Die 2 1/3 Millionen Juden der Vereinigten Staaten sind deshalb
+ durchweg deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der
+ Deutschamerikaner haben an ihnen eine rege Sttze gefunden.
+ Vergessen wir nicht, da die Stimmung in Newyork, der grten
+ Stadt Amerikas, fr das ganze Land bedeutsam ist, da sich die
+ dortigen 1,2 Millionen Juden konstant fr die Deutschen
+ verwandten, weil sie von ihnen eine Erlsung der russischen Juden
+ erwarten. -- Eine offene Erklrung der deutschen Regierung an die
+ amerikanischen Juden wrde eine namenlose Begeisterung erwecken
+ und die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe
+ Unannehmlichkeiten wegen der Haltung Rulands versetzen. Es wre
+ die beste Antwort gegenber all den Enunziationen betreffs der
+ unerlsten Vlker in sterreich und Deutschland. Auerdem wrde
+ Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel fr seine knftigen
+ Anleihen erwarten knnen.
+
+
+Die Lage des jdischen Volkes in Galizien ist eine viel bessere als
+jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren. Aber was ihnen noch an
+nationaler und politischer Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen
+darlegen. Umsomehr, als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns
+zufhren mte, die sich nicht wieder Zurcksetzungen und Schikanen
+ausgesetzt wissen wollen.
+
+Die Bedrckung an Ort und Stelle zwingt sonst zu einer ungeheuren
+Auswanderung, die auch in Deutschland zu merken sein drfte. Dagegen
+gibt es nur ein Allheilmittel: _Lokale Rechte und Hilfe_; _ferner
+Ableitung der berschssigen Krfte in den Orient_ durch starkes
+Entgegenkommen der verbndeten Regierungen. Das heutige System
+entwurzelt nur die Elemente, die einigermaen fest an der Scholle, an
+der Heimat hngen, und jagt sie ins Ungewisse.
+
+Wenn die deutsche Regierung den stlichen Juden nicht entgegenkommen
+kann, wird auch die dadurch sicherlich eintretende Entvlkerung die
+wirtschaftliche Entwicklung dieser Lnder bedeutend verzgern.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Schlu.*
+
+
+Der Krieg hat Deutschland bewiesen, da der jdische Einflu, welcher
+sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung des Landes, an der
+Entwicklung seines Handels und seiner Industrie beigetragen hat, nicht
+umsonst war. Der vielverspottete Geist der Rothschild und Bleichrder,
+der schon 1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren
+gefolgt und hat den Siegen den ntigen Rckhalt gegeben. Brse,
+Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe, mit denen der
+Militarismus zu rechnen hat. Die deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur
+von gewissenlosen Brsenjobbern gegrndet sein; denn sie, ebenso wie der
+deutsche Wollmarkt[27], wie das Sanittswesen, wie die Fabriken und
+rzte -- alles zu hohem Prozentsatz "verjudete" Berufe -- haben die
+Erwartungen nicht getuscht. Im Innern geht der Handel weiter und erhlt
+uns unsere wirtschaftliche Kraft, und gibt dem Heere das, was die groe
+alte Handelsnation England mhselig sich aus Amerika zusammensuchen mu.
+
+ [27] Spottet ber die "Leder- und Stiefeljuden", aber es tat
+ Deutschland gut, da die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins
+ Ausland exportierten, fr Millionen Vorrte liegen hatten, die nun
+ Heereszwecken dienen konnten.
+
+Voreingenommene Nrgler werden auch nach dem Kriege zu den alten Waffen
+des Neides greifen und die hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder
+aufleben lassen. Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann
+wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-, Rassen- und
+Religionsha in die Rumpelkammer der Geschichte verschwinden.
+
+Wir knnen uns aber frwahr in Deutschland das Leben leichter machen,
+brauchen uns nach auen nicht mehr als ein anscheinend in sich
+zerrissenes Staatsgefge zu zeigen, auf dessen Zerfall andere Lnder
+lauern. Wir nhren damit nur falsche Hoffnungen und trichte
+Berechnungen. Deutschland ist gro genug, um allen seinen Bewohnern
+Spielraum zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen
+und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen. Neben dem
+bajuwarischen Menschenschlag mchten wir den etwas differenzierten
+Rheinlnder, den Mrker, aber auch den Ostpreuen nicht missen. Wer
+wei, ob zum Polen und Elssser nicht auch noch ein flmischer Einschlag
+kommt. Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Brgern, die er
+freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist nicht erst
+gegen den Willen der Einheimischen "neu zugezogen".
+
+Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der Jude im Lande und hat
+sich stets allen Gesetzen des Staates willig und gern gefgt. Seine
+Religion ist seit drei Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen
+und hygienischen Maregeln durchsetzt, da sie heute noch Bewunderung
+erregen mu. Die Sabbatruhe, das jdische Familienleben, die
+Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht, die sich bei allen Juden,
+auch wo der Staat diesbezglich versagte, lngst findet, sind
+Emanationen einer Kultur, die nur der Bswillige bersehen und gering
+achten kann.
+
+Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Nchsten und bedarf keiner
+Machtmittel, um dessen Lebensnerv aus Angst fr sein eigenes Ich zu
+unterbinden. Wir haben in diesem Krieg die Unkultur Rulands und des
+Slawentums bekmpft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen Maregeln
+die brutale Gewalt des neidischen England drngte. Mag sich Frankreich
+wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig als Hterin des Fortschritts)
+gebrden, Deutschland wird und mu nur noch geluterter als ein wahrer
+Hort der Freiheit seiner Brger und der neutralen Staaten und Vlker aus
+dem Kriege hervorgehen.
+
+
+Von den ber 14 Millionen Juden hoffen und harren die Meisten auf den
+Sieg der deutschen Waffen. Die Sympathien der amerikanischen Israeliten
+stehen auf seiten der Zentralmchte. Nicht umsonst und nicht zufllig
+ist es gerade die Trkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert
+hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte, welche sich an die
+Seite Deutschlands gestellt hat. Mge die alte Sage des Talmud, die
+Lessing populr gemacht hat, nicht nur in den Tagen der Greuel und des
+Vlkermordens bei uns eine wahre Sttte der Verehrung finden: die
+Geschichte von den drei Ringen.
+
+Der muhammedanische, der christliche und der jdische Glaube sind Formen
+der Kultur der Menschheit, die so viel der Welt gegeben, die sich so
+lange bewhrt haben, da es verbrecherisch wre, Menschenglck und
+-hoffen um einer vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu gefhrden.
+
+
+In dem Machtbereich der eigenen und der verbndeten Lnder wird dann die
+deutsche Politik bedeuten: Friede auf Erden.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ *Anmerkungen zur Transkription*
+
+
+Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler:
+
+ - *S. 21, Z. 5*: (die deutsche _z, B._ vertreten durch Mauthner) -->
+ z. B.
+ - *S. 28, letzte Zeile der Funote*: _Sehwanenfeld_ --> Schwanenfeld
+ - *S. 30, Z. 18*: Untervereinen bis 33% der _Manschaften_ -->
+ Mannschaften
+ - *S. 32, Z. 13*: Der Jude Ludwig Frank _vielleichst_ der fhigste
+ Kopf --> vielleicht
+ - *S. 35, Funote*: fehlende schlieende Anfhrungszeichen,
+ wahrscheinlich am Ende von ins Leben zu rufen. (andernfalls am Ende
+ des letzten Satzes in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.)
+ - *S. 32, Z. 5 der Funote*: fr die Freiheit _zn_ kmpfen --> zu
+ - *S. 46, vorletzte Zeile*: _Ein_ antisemitische Bewegung --> Eine
+ - *S. 47, Z. 3 v. u.*: ein deutliches _Wahrnungszeichen_ -->
+ Warnungszeichen
+ - *S. 49, Z. 11-12*: besonders aber in _Russich-Polen_ -->
+ Russisch-Polen
+ - *S. 54, Z. 19 der Funote*: nach dem sie _lungern_ --> hungern
+ - *S. 54, Z. 27 der Funote*: _morgenlandischen_ --> morgenlndischen
+
+Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefgt:
+
+ - *S. 34, letzte Zeile des Textes*: und anderer Dinge zu gedenken.
+ - *S. 36, letzte Zeile des Textes*: die Entfremdung der Lnder
+ bemerkten.
+ - *S. 54, Z. 4 der Funote*: um den Glauben anderer.
+
+sowie fehlende Kommata:
+
+ - *S. 28, vorletzte Zeile der Funote*: v. Renard,
+ - *S. 59, Z. 27*: Sabbatruhe,
+
+Funoten, auf die im Original mit *) verwiesen wurde, wurden im e-Text
+durchnummeriert.
+
+
+
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE ***
+
+
+
+
+ *A Word from Project Gutenberg*
+
+
+We will update this book if we find any errors.
+
+This book can be found under: http://www.gutenberg.org/ebooks/45808
+
+Creating the works from public domain print editions means that no one
+owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and
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+and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the
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+
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+
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+ electronic works*
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+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
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+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all the
+terms of this agreement, you must cease using and return or destroy all
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+expense to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a
+means of obtaining a copy upon request, of the work in its original
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+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
+ to the owner of the Project Gutenberg(tm) trademark, but he has
+ agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
+ Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
+ within 60 days following each date on which you prepare (or are
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+ payments should be clearly marked as such and sent to the Project
+ Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
+ Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
+ Literary Archive Foundation."
+
+ - You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg(tm)
+ License. You must require such a user to return or destroy all
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+
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+ any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
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+ distribution of Project Gutenberg(tm) works.
+
+
+*1.E.9.* If you wish to charge a fee or distribute a Project
+Gutenberg(tm) electronic work or group of works on different terms than
+are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
+from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg(tm) trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3. below.
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+*1.F.*
+
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+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg(tm) collection.
+Despite these efforts, Project Gutenberg(tm) electronic works, and the
+medium on which they may be stored, may contain "Defects," such as, but
+not limited to, incomplete, inaccurate or corrupt data, transcription
+errors, a copyright or other intellectual property infringement, a
+defective or damaged disk or other medium, a computer virus, or computer
+codes that damage or cannot be read by your equipment.
+
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+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
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+liability to you for damages, costs and expenses, including legal fees.
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+ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE LIABLE TO YOU FOR
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+EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGE.
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+*1.F.3.* LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
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+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS,' WITH NO OTHER
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+WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
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+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+*1.F.6.* INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg(tm) electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg(tm) electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg(tm)
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg(tm) work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+ *Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg(tm)*
+
+
+Project Gutenberg(tm) is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg(tm)'s
+goals and ensuring that the Project Gutenberg(tm) collection will remain
+freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation was created to provide a secure and
+permanent future for Project Gutenberg(tm) and future generations. To
+learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and
+how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the
+Foundation web page at http://www.pglaf.org .
+
+
+ *Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+ Foundation*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state
+of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue
+Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is
+64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf . Contributions to the
+Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the
+full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr.
+S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809
+North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official page
+at http://www.pglaf.org
+
+For additional contact information:
+
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+ *Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+ Literary Archive Foundation*
+
+
+Project Gutenberg(tm) depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations where
+we have not received written confirmation of compliance. To SEND
+DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
+visit http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make any
+statements concerning tax treatment of donations received from outside
+the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways
+including checks, online payments and credit card donations. To donate,
+please visit: http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+ *Section 5. General Information About Project Gutenberg(tm) electronic
+ works.*
+
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg(tm)
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg(tm) eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg(tm) eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless
+a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks
+in compliance with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's eBook
+number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
+compressed (zipped), HTML and others.
+
+Corrected _editions_ of our eBooks replace the old file and take over
+the old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
+_Versions_ based on separate sources are treated as new eBooks receiving
+new filenames and etext numbers.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg(tm),
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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Binary files differ
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+<style type="text/css">
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+Project Gutenberg common docutils stylesheet.
+
+This stylesheet contains styles common to HTML and EPUB. Put styles
+that are specific to HTML and EPUB into their relative stylesheets.
+
+:Author: Marcello Perathoner (webmaster@gutenberg.org)
+:Copyright: This stylesheet has been placed in the public domain.
+
+This stylesheet is based on:
+
+ :Author: David Goodger (goodger@python.org)
+ :Copyright: This stylesheet has been placed in the public domain.
+
+ Default cascading style sheet for the HTML output of Docutils.
+
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+
+/* ADE 1.7.2 chokes on !important and throws all css out. */
+
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+<p class="noindent pfirst"><span>This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the </span><a class="reference internal" href="#project-gutenberg-license">Project Gutenberg License</a><span>
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+<p class="noindent pfirst"><span>Title: Die Juden Im Weltkriege
+<br />
+<br />Author: Felix A. Theilhaber
+<br />
+<br />Release Date: May 28, 2014 [EBook #45808]
+<br />
+<br />Language: German
+<br />
+<br />Character set encoding: UTF-8</span></p>
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+<p class="noindent pfirst" id="pg-produced-by"><span>Produced by Norbert Langkau, Enrico Segre, and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net.</span></p>
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+</div>
+<div class="line-block outermost">
+<div class="center line"><strong class="bold">Mit besonderer Berücksichtigung</strong></div>
+<div class="center line"><strong class="bold">der Verhältnisse für Deutschland</strong></div>
+</div>
+<div class="line-block outermost">
+<div class="center line"> </div>
+<div class="center line"><span class="small">Von</span></div>
+</div>
+<div class="line-block outermost">
+<div class="center line"><span class="bold gesperrt large">Felix A. Theilhaber</span></div>
+</div>
+<div class="vfill">
+</div>
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+</div>
+<div class="line-block outermost">
+<div class="center line"><span class="large">1916</span></div>
+<div class="center line"> </div>
+<div class="center line"><img class="align-bottom inline large" style="width: 100%" alt="====================================" src="images/titellin.png" /></div>
+<div class="center line"> </div>
+<div class="center line"><span class="large">WELTVERLAG </span><img class="align-bottom inline large" style="width: 0.6em; height: 0.6em" alt="*" src="images/l.png" /><span class="large"> BERLIN, UNTER DEN LINDEN 56</span></div>
+</div>
+</div>
+<div class="clearpage">
+</div>
+<p class="pfirst"><span class="invisible pageno target" id="page-2" title="2"> </span><span class="pageno target" id="page-3" title="3"> </span></p>
+<div class="level-2 section" id="kaplino-inhalt">
+<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> Inhalt.</span></h2>
+<table class="align-center table" style="width: 100%" id="table-10" summary="no summary">
+<colgroup>
+<col width="87%" />
+<col width="9%" />
+<col width="4%" />
+</colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr class="first"><td style="vertical-align: top"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#vorwort">Vorwort</a></p>
+</td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"><p class="first last pfirst"><span>Seite</span></p>
+</td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#page-5">5</a></p>
+</td>
+</tr>
+<tr><td style="vertical-align: top"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#einleitung">Einleitung</a></p>
+</td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#page-7">7</a></p>
+</td>
+</tr>
+<tr><td style="vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"> </td>
+</tr>
+<tr><td style="vertical-align: top"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#der-krieg-und-die-juden">Der Krieg und die Juden</a></p>
+</td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#page-13">13</a></p>
+</td>
+</tr>
+<tr><td style="vertical-align: top"><p class="first last pfirst"><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span> </span><a class="reference internal" href="#die-stellung-der-deutschen-juden-vor-dem-krieg">Die Stellung der deutschen Juden vor
+dem Kriege</a></p>
+</td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#page-13">13</a></p>
+</td>
+</tr>
+<tr><td style="vertical-align: top"><p class="first last pfirst"><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span> </span><a class="reference internal" href="#die-juden-im-kriege">Die Juden im Kriege</a></p>
+</td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#page-28">28</a></p>
+</td>
+</tr>
+<tr><td style="vertical-align: top"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#juden-im-ausland">Juden im Ausland</a></p>
+</td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#page-36">36</a></p>
+</td>
+</tr>
+<tr><td style="vertical-align: top"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#die-lehren-des-krieges">Die Lehren des Krieges</a></p>
+</td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#page-44">44</a></p>
+</td>
+</tr>
+<tr><td style="vertical-align: top"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#das-problem-der-ostjuden">Das Problem der Ostjuden</a></p>
+</td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#page-48">48</a></p>
+</td>
+</tr>
+<tr><td style="vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"> </td>
+</tr>
+<tr class="last"><td style="vertical-align: top"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#schlusz">Schluß</a></p>
+</td>
+<td style="text-align: center; vertical-align: top"> </td>
+<td style="text-align: right; vertical-align: bottom"><p class="first last pfirst"><a class="reference internal" href="#page-58">58</a></p>
+</td>
+</tr>
+</tbody>
+</table>
+<blockquote>
+<div>
+<div class="vfill">
+</div>
+</div>
+</blockquote>
+<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p>
+<!-- clearpage -->
+<p class="pnext"><span class="invisible pageno target" id="page-4" title="4"> </span><span class="pageno target" id="page-5" title="5"> </span></p>
+</div>
+<div class="level-2 section" id="kaplino-vorwort">
+<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="vorwort">Vorwort</span><span class="bold large">.</span></h2>
+<p class="pfirst"><span>Die folgenden Ausführungen verdanken ihr Entstehen
+freien Stunden an der Front in Kurland, wo ich dem unendlichen
+Leid der Ostjuden auf Schritt und Tritt begegnete,
+einer unterdrückten Menschenmasse, die menschlich unser
+Interesse verdient, aber auch sprachlich, da sie den Deutschen
+darin noch näher steht als die Vlamen.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Vor allem gilt die Schrift den Beziehungen der deutschen
+Juden zu ihrer Umgebung. Die Verhetzung, welche
+vor dem Krieg das Volk bald gegen Sozialdemokraten, Agrarier
+und Zentrumsanhänger trieb, fehlte nicht gegenüber den
+Juden. Aber jeder wirtschaftliche Haß, jede chauvinistische
+nationale Abneigung wirkt auf die Dauer unfruchtbar und
+schädlich.</span></p>
+<div class="line-block outermost">
+<div class="center line"><span>* </span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span> * </span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span> *</span></div>
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Damit die gegenseitige Achtung auch nach dem Kriege
+fortdauere und innerlich begründet wird, habe ich dargelegt,
+daß das Wort eines großen Denkers nicht zu Unrecht besteht:
+„Jedes Land hat die Juden, die es verdient“.
+</span><span class="pageno target" id="page-6" title="6"> </span></p>
+<p class="pnext"><span>„Wer die Luft, die ich atme, den Boden, auf dem ich
+stehe und in dem meine Eltern bestattet sind, mir nehmen
+will, ist mein Mörder</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span>“</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>So ungefähr wandte sich vor fünfzig Jahren Gabriel
+Rießer an seine Widersacher. Möge uns, wenn wir in die Heimat
+zurückkehren sollten, diese Sprache in alle Zukunft erspart
+bleiben.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Möge mein Wort der Verständigung, der Aufklärung
+und dem Frieden dienen!</span></p>
+<blockquote>
+<div>
+<p class="pfirst"><span>Herbst 1915.</span></p>
+<p class="pnext right"><strong class="bold">Felix A. Theilhaber.</strong></p>
+</div>
+</blockquote>
+<div class="vfill">
+</div>
+<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p>
+</div>
+<div class="level-2 section" id="kaplino-einleitung">
+<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-7" title="7"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="einleitung">Einleitung</span><span class="bold large">.</span></h2>
+<p class="pfirst"><span>Die „Hilfe“ vom 2. September 1915 bringt einen Artikel
+</span><span class="gesperrt">„Der Krieg und die russischen Juden“ von
+Paul Barth</span><span>. Seine Worte mögen meine Auseinandersetzung
+über das Problem „Judentum und Deutschtum“ einleiten.
+Paul Barth schreibt:</span></p>
+<p class="pnext"><span>„Was aber lauter als alles andere zum Himmel schreit,
+das sind die Massenverbrechen, die die russische Militär-
+und Zivilbürokratie tagtäglich an den „lieben Juden“ des
+Zaren verübt. Wohin das russische Heer kommt, da ist die
+erste kriegerische Leistung, daß die Juden ausgewiesen werden.
+Im Februar dieses Jahres erließ der „Allgemeine Jüdische
+Arbeiterbund Litauens, Polens und Rußlands“ einen
+Aufruf an „die Kulturwelt“, der einigermaßen veranschaulichte,
+welches Meer von Leiden hinter dem Worte „ausgewiesen“
+steckt. Mit einer Frist von vierundzwanzig, oft
+bloß von acht Stunden, hinausgetrieben in die Nacht und
+die Kälte des russischen Winters, alle, auch Greise, Frauen
+und Kinder; ohne Ziel, ohne Schutz in ein fast feindlich gesinntes
+Land; rechtlos schon im Frieden, jetzt rechtloser
+denn je. Unsere Ostpreußen sind gewiß tief zu beklagen,
+aber sie zogen doch in ein freundlich gesinntes Land. Hunderttausend
+ausgewiesene Juden sammelten sich damals
+</span><span class="pageno target" id="page-8" title="8"> </span><span>hilflos in Warschau an, sehr viele, besonders Kinder, starben
+auf der Landstraße. Wie glücklich verhältnismäßig diejenigen,
+die ein Kosak erstochen hatte! Denn das ist nach
+jenem Aufruf ein regelmäßiger Sport der Kosaken, der unbestraft
+bleibt. Der Römer Seneca ereiferte sich darüber,
+daß ein Mensch, der Gladiator, „zum Spiele und Scherze getötet
+wird“. Der Gladiator jedoch konnte sich wehren, er
+war bewaffnet, das Ganze war ein Kampf zweier geübter
+Fechter. Der arme russische Jude aber kann sich nicht
+wehren.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Und ich fürchte, das ist erst der Anfang. Allerdings
+ein sehr großer Anfang. Denn Mitte Mai wurden die Gouvernements
+Kurland, Kowno und ein Teil von Suwalki von
+280000, also mehr als einer Viertelmillion Juden „evakuiert“,
+wie der russische technische Ausdruck lautet. Neuerdings
+wurde eine Million Juden aus den Gouvernements
+Wilna, Grodno und Warschau vertrieben, d.</span><span> </span><span>h. wirtschaftlich
+vernichtet. Das tut die russische Regierung. Was wird
+erst geschehen, wenn die russische „Volksseele“, besonders
+die der „echt russischen Leute“, unruhig wird! Und sie
+wird aufkochen, wenn Rußland weitere Niederlagen erleidet,
+und sich in „Pogromen“ Luft machen, genau so, wie es
+1905 und 1906 geschah. Was damals in Kertsch, Bialystok
+und vielen anderen Städten vorging, das wird sich in ganz
+Rußland wiederholen und wahrscheinlich mit viel größerer
+Heftigkeit. Und die Polizei wird, wie damals, teils wohlwollend
+zusehen, teils wohlwollend helfen. Damals war es
+schließlich die erste, sehr liberale Duma, unter einem viel
+besseren Stimmrecht als dem jetzigen gewählt, die den
+Greueln ein Ende machte. Aber die Duma, die jetzt zusammengetreten
+ist, wird für solche inneren Fragen keine Zeit
+haben.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Was tun nun dabei die Juden der übrigen Welt, außerhalb
+Rußlands? Im allgemeinen nichts,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>was überraschend,
+</span><span class="pageno target" id="page-9" title="9"> </span><span>vielleicht auch ein bedauerliches Symptom ist. Wie
+sehr sie auch die Kultur des Landes angenommen haben, in
+dem sie wohnen, sie hegen doch alle die gleiche Pietät für
+ihre Vergangenheit, die sie als starkes Band mit ihren russischen
+Stammesgenossen vereinigt. Die deutschen Juden
+freilich sind entschuldigt, sie </span><span class="gesperrt">können</span><span> nichts tun. Jeder
+öffentliche Schritt ihrerseits würde den russischen Juden bloß
+schaden. Diese würden daraufhin noch mehr verdächtigt
+werden, über die Grenze hinaus nach dem Landesfeinde
+zu schielen. In den Ländern des Vierverbandes sehen wir
+nur eins: überall sind Juden unter den Kriegshetzern, gegen
+die Zentralmächte, also für den Zarismus. In Frankreich
+sind sehr viele Juden in den höchsten Stellen, die beständig
+ihre Liebe zum Zarismus betätigen. In England haben
+die Juden viel Einfluß in der höchsten Aristokratie, die
+ganz besonders in der Hoffnung auf „die Dampfwalze“
+schwelgte. Lord Rosebery, einer der einflußreichsten Aristokraten,
+ist ja Schwiegersohn des Barons Meyer Rothschild.</span></p>
+<p class="pnext"><span>In Italien finden wir unter den wildesten Kriegshetzern
+jüdische Namen. Herr Nathan, der Bürgermeister von Rom,
+hielt im Dezember 1914 als Freimaurer, als früherer Großmeister
+der Logen des Großorients, im Theater Constanzi
+in Rom eine schwungvolle Rede, in der er zum Kriege für
+den Dreiverband, also für den Zaren, aufrief. Zwei bekannte
+italienische Politiker jüdischer Herkunft, Barzilai
+und Luzzatti, trieben ebenfalls zum Kriege.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Aber was tun die Juden in den neutralen Ländern?
+Der einzige, der sich auf seine Herkunft und seine Gewissenspflicht
+besinnt, scheint Georg Brandes in Kopenhagen,
+wie sein Briefwechsel mit Clémenceau bewies. Andere sind
+auf seiten des Vierverbandes. Die rumänische Zeitung „Adeverul“
+(Wahrheit), die täglich gegen die Zentralmächte, also
+für Rußland agitiert, war bis vor kurzem und ist wohl noch
+in jüdischen Händen. Die übrigen tun gar nichts, nicht einmal
+</span><span class="pageno target" id="page-10" title="10"> </span><span>die Sozialisten unter den Neutralen. Vor kurzem meldete
+Reuter aus Neuyork, Samuel Gompers, der Vorsitzende der
+American Federation of Labour, zweifellos jüdischer Herkunft,
+habe auf eine Einladung zu einer Versammlung, die
+gegen die amerikanische Kriegsbedarfsausfuhr protestieren
+wollte, durchaus ablehnend geantwortet. Dunkel ist zwar
+die Begründung seiner Ablehnung: „es gebe schrecklichere
+Dinge als den Krieg, nämlich des Geburtsrechts (d.</span><span> </span><span>h. wohl
+des angeborenen Rechts), der Freiheit und der Gerechtigkeit
+beraubt zu sein“. Dies alles sind ja die Leiden der russischen
+Juden; aber Gompers lehnt ab, gegen die Unterstützung
+ihrer Unterdrücker zu protestieren.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wenn nun die Juden selbst so gänzlich passiv sind, so
+müssen wir </span><span class="gesperrt">Nichtjuden</span><span> uns regen und sie aus ihrer
+Resignation aufrütteln. Ich möchte nochmals betonen, daß
+die Verfolgungen erst anfangen. Je weiter die verbündeten
+Heere vorrücken, desto größer die Gefahr neuer Wutausbrüche.
+Und schon, wie berichtet wird, sind die Juden teilweise konzentriert
+in besondere Lager</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>sehr bequem für die Verfolger.
+Das Volk wird einen Sündenbock suchen, auf den es die
+Schuld der Niederlagen abwälze. Es wird die Regierung
+schuldig finden, aber es kann wieder einen Minister geben,
+wie denjenigen, der im Oktober 1905</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>nach jüdischen
+Quellen</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>sagte: „Wir werden die Revolution im Blute der
+Juden ersticken.“ Es folgten darauf die furchtbaren, zehn
+Tage dauernden Oktobermorde. Tausend Juden wurden erschlagen,
+achttausend wurden zu Krüppeln. Werte im Betrage
+von 180 Millionen Mark wurden vernichtet, 300000
+Juden flohen ins Ausland. (Vergl. „Allgemeine Zeitung des
+Judentums“, 1910, S.</span><span> </span><span>577.)</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die deutschen Juden können, wie gesagt, unmittelbar
+nichts tun, aber mittelbar sehr viel. Sie können die Juden
+der </span><span class="gesperrt">nordamerikanischen</span><span> Union aufrufen, die für
+russische Angelegenheiten doch sonst Interesse zeigen. Als
+</span><span class="pageno target" id="page-11" title="11"> </span><span>der Beilisprozeß schwebte, haben diese beim russischen Gesandten
+in Petersburg dagegen protestiert und später dem
+zwar freigesprochenen, aber sehr geschädigten und gequälten
+Beilis eine Farm geschenkt. Jetzt steht mehr als ein Menschenleben
+auf dem Spiele. Was dem einen Beilis recht war,
+ist allen russischen Juden billig. Die amerikanischen Juden
+müßten laut und energisch ihre Stimme erheben für ihre
+niedergetretenen russischen Stammesgenossen, täglich, so
+oft als möglich, in den Zeitungen, in allgemeinen Versammlungen
+der Juden und der Christen. Wenn erst die russische
+Regierung weiß, daß man ihr Treiben beobachtet,
+wird sie doch vielleicht stutzig werden und das Schlimmste
+unterlassen, sie wird wenigstens nicht die Polizei zur schweigenden
+Duldung der Morde und der Diebstähle anhalten,
+sondern notgedrungen den Befehl zur Aufrechterhaltung der
+Ordnung geben müssen. Nordamerika ist ja der künftige
+Geldmarkt für Rußland, der einzige, wo es einst Anleihen
+machen kann. Denn alle europäischen Staaten werden nach
+dem Kriege selbst zu viel Schulden haben, um anderen leihen
+zu können. Die Juden der Union aber sind eine starke
+Kapitalmacht, besonders im Westen. Sie haben</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>nach
+W. Sombart</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>eine herrschende oder wenigstens wichtige
+Stellung im Getreidehandel, im Tabakhandel und im Baumwollhandel.
+Auf allen drei Gebieten können sie den Russen
+schaden. Vor allem aber können sie jede russische Anleihe
+erschweren, vielleicht unmöglich machen. Damit müßten sie
+drohen. Darauf wird selbst die zarische Regierung hören.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Und wenn die Proteste und Drohungen nichts helfen,
+so werden sie doch wenigstens Zeugnis ablegen, daß in der
+allgemeinen sittlichen Verwilderung es noch Menschen gegeben
+hat, die die Unmenschlichkeiten der zarischen Regierung
+als solche zu brandmarken gewagt haben.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wenn aber gar nichts geschieht, dann wird ganz gewiß
+sich das alte Sprichwort bewähren: „Wenn die Menschen
+</span><span class="pageno target" id="page-12" title="12"> </span><span>schweigen, so reden die Steine“, freilich in diesem Falle nur
+die Steine des Pogroms, die auf unschuldige, wehrlose
+Opfer fallen werden.“</span></p>
+<div class="line-block outermost">
+<div class="center line"><span>* </span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span> * </span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span></span><span> </span><span> *</span></div>
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Wenn Barth sich auf die Einwirkung der amerikanischen
+Juden verläßt, so fürchte ich, gibt er uns einen Wechsel
+auf die Zukunft. Die amerikanischen Juden sind noch
+nicht genügend organisiert, z.</span><span> </span><span>T. auch als Vollblutyankees zu
+sehr auf Seiten der Entente.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Ich glaube und werde es zu beweisen versuchen, daß
+Deutschland allen Grund hat, jede antisemitische Regung
+abzustreifen, den Juden im Inland die Gerechtigkeit, die
+ihrer treuen Staatsbürgerschaft gebührt, widerfahren zu lassen,
+den Juden in eroberten Gebieten jede Autonomie zu
+gewähren und den Auswandernden im Orient allen Vorschub
+für eine großzügige Kolonisation zu leisten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Doch damit komme ich schon zur Voraussetzung jeder
+Politik gegenüber den Juden: die Bewertung derselben als
+zuverlässige und fähige Staatsbürger gegenüber ihren Heimatsländern,
+und nicht zum mindesten in Deutschland!</span></p>
+<div class="vfill">
+</div>
+<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p>
+</div>
+<div class="level-2 section" id="kaplino-der-krieg-und-die-juden">
+<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-13" title="13"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="der-krieg-und-die-juden">Der Krieg und die Juden</span><span class="bold large">.</span></h2>
+<p class="pfirst"><span>Der große Krieg hat infolge des grandiosen Kaiserwortes
+„Ich kenne keine Parteien mehr“ den antisemitischen
+Angriffen und Übergriffen vorläufig den Grund und Boden
+entzogen. Trotzdem will das Judenproblem keineswegs von
+der Bildfläche verschwinden. Im Gegenteil. Der Einmarsch
+der deutschen Truppen in die polnischen und russischen Gebiete
+hat mit einem Schlage die innerpolitische Unhaltbarkeit
+des Schicksals, der nahezu sieben Millionen starken
+jüdischen Bevölkerung Rußlands der ganzen Kulturwelt aufgetan.
+Man wird nicht leugnen können, daß das jüdische
+Problem beim Friedensschlusse sowohl von großem internationalem
+Belang sein wird, als auch von hervorragender
+Bedeutung für die </span><span class="gesperrt">deutsche Politik</span><span>.</span></p>
+<div class="level-3 section" id="id1">
+<h3 class="center level-3 pfirst section-title title"><span class="bold large target" id="die-stellung-der-deutschen-juden-vor-dem-krieg">Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg</span><span class="bold large">.</span></h3>
+<p class="pfirst"><span>Die Judenfrage ist für Deutschland praktisch so wichtig,
+daß es sich gewiß verlohnt, darauf einzugehen. Prüfen
+wir zunächst einmal die Stellung der Juden Deutschlands
+und ihren Einfluß in diesem Lande.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die Mitte des verflossenen Jahrhunderts hat nicht nur
+einen völligen Umsturz aller inner- und außen</span><span class="gesperrt">politischen</span><span>
+Verhältnisse Deutschlands bedingt; die breiten
+Volksmassen erschütterte ein </span><span class="gesperrt">sozialer</span><span> Umschwung.
+Aus einem rein agrarischen Staate wuchs in wenigen Jahrzehnten
+</span><span class="pageno target" id="page-14" title="14"> </span><span>eine gigantische Industrie heraus, welcher bald ein
+weltenumspannender Handel die Wege bahnte. Die Technik
+feierte rascher ihre Triumphe, als die Regierungsfürsorge
+und die von Organisationen getragene Selbsthilfe der Interessengruppen
+sich auf die Neukonstellationen einstellen
+konnten. Dadurch gerieten die Arbeiter stellenweise in die
+Gefahr, materiell und physisch ausgenutzt zu werden. Auf
+dem Lande hatte sich einst ein ähnlicher Prozeß, wodurch
+sich Latifundien bildeten, im Laufe der Jahrhunderte entwickelt.
+Die industriellen und kommerziellen Großunternehmungen
+aber kamen über Nacht. Erbarmungslos rang das
+Großkapital den Stand der kleinen Leute nieder. Dieser
+ökonomische Werdegang ging nicht ohne Gewalttat, ohne
+Härten ab, die den Trägern den Haß des in seiner Existenz
+erschütterten dritten Standes eintragen mußten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die Sozialdemokratie als die Zusammenfassung der
+Proletarier ist das naturnotwendige Produkt dieser Entwicklung.
+Der Antisemitismus ist die Konsequenz des Prozesses
+insofern, als sich diese Bewegung gegen die sichtbarsten
+Träger, gegen die Klasse von Menschen wandte,
+welche am geschicktesten die Macht des Kapitals auszunutzen
+wußten. Die erste Partei ist ein Versuch, der </span><span class="gesperrt">Sache</span><span>
+selbst entgegenzutreten, die letztere kämpft gegen </span><span class="gesperrt">Personen</span><span>,
+die nebenbei in ihrer religiösen und rassigen
+Eigenart eine gute Zielscheibe boten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Uns interessiert hier nicht, wie die Auswüchse des Kapitalismus
+oder der Kapitalismus selbst zu bekämpfen ist.
+Wir wollen nur der Frage nähertreten, wie der Antisemitismus
+des weiteren zu erklären ist, welches die Bedeutung der
+deutschen Judenheit gewesen ist, und ob wir anläßlich des
+Krieges den Juden einen mehr oder minder günstigen Einfluß
+auf die Wirtschaftsgestaltung Deutschlands einräumen
+können, um dann später auf den Einfluß der deutschen Juden
+und überhaupt auf den Krieg eingehen zu können.
+</span><span class="pageno target" id="page-15" title="15"> </span></p>
+<p class="pnext"><span>Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
+strömte ein gut Teil der jüdischen Jugend Deutschlands nach
+den Vereinigten Staaten von Amerika, Südafrika, England,
+Frankreich etc. Teilweise war ihnen die volle Gewerbefreiheit
+(wie z.</span><span> </span><span>B. in Bayern bis 1864) vorenthalten gewesen.
+Die siebziger Jahre, die berühmten Gründerzeiten, bringen
+eine Hochflut von aus den Dörfern in die Städte strömenden
+Juden. Die jüdischen jungen Leute wandern nicht mehr in
+die Fremde, sondern wenden sich dem deutschen Handel,
+der Industrie, den akademischen Berufen, und vor allem den
+Großstädten zu. Das seit Jahrhunderten betätigte Wohnen
+in den Städten, bedingt durch Eigenart, aber auch durch
+das mittelalterliche Gesetz, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein
+Geltung hatte, läßt sie allmählich in die größeren Städte
+abwandern, wo die Verdienstmöglichkeiten sich stetig vergrößern.
+Dazu trägt auch die antisemitische Ostmarkenpolitik
+bei, welche die Juden aus den Provinzen Posen, Ost-
+und Westpreußen vertreibt. Der Druck der Hakatisten, der
+wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott der evangelischen
+Deutschen den Juden im Osten gegenüber, läßt ihre
+Stellung zwischen Deutschtum und Polentum unhaltbar
+werden. Dazu kommen elementare Ausbrüche der von den
+Antisemiten bearbeiteten Volksschichten. Der „Ritualmord
+von Konitz“ ist eins dieser bezeichnenden Ereignisse.
+Fluchtartig verläßt der Jude diese Städte, deren Charakter
+durch seine Anwesenheit noch ein deutscher war, und überläßt
+den Platz den Polen.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Die neueren Schriften über das Ostmarkenproblem geben
+sämtlich zu, daß die durch die staatliche und gesellschaftliche
+antisemitische Politik bedingte Vertreibung der
+Ostmarkenjuden ein bedeutsamer Mißgriff war, der sich nach
+drei Seiten bemerkbar machte:</span></p>
+<p class="pnext"><span>1. Für die Entwicklung dieser Städte, die durch den
+</span><span class="pageno target" id="page-16" title="16"> </span><span>Verlust von Menschen, von Kapital und von unternehmungslustigen
+und fähigen Elementen gehemmt wurde.</span></p>
+<p class="pnext"><span>2. Für die deutsche Sache. Der Wegzug von ca. 150 bis
+200000 Juden aus den bedrohten Provinzen hat die deutsche
+Sache um so viel Anhänger ärmer gemacht.</span></p>
+<p class="pnext"><span>3. Für den Staat. Der Jude der Ostmark (wie überhaupt
+in ganz Deutschland) war ein zuverlässiger Staatsbürger,
+auf den in jeder Zeit gerechnet werden konnte.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Organisationen über Organisationen erwuchsen aus dem
+reichen Boden der Gebiete rechts der Elbe. Deutsche und
+polnische Kleinbauern-Genossen</span><span>­</span><span>schaften, Vereine der Gutsbesitzer
+und Groß-Eigentümer, die zugleich die Zucker- und
+Spiritusfabrikation besaßen, politische Organisationen beider
+Sprachengemeinschaften, alle aber mit leicht antisemitischen
+Tendenzen, die durch den in Berlin geborenen Antisemitismus
+erst voll und ganz durchtränkt werden sollten.
+Was dagegen der Jude an Organisation entgegenstellte, war
+kaum der Rede wert. Er organisierte sich nicht wirtschaftlich,
+sondern verzichtete darauf, sich in einen Kampf einzulassen,
+in dem außer Regierung und Verwaltung auch die
+breite Masse des Volkes gegen ihn Stellung nahm, und verschwand
+in die Großstadt, wo er untertauchen konnte.</span><a class="footnote-reference" href="#id3" id="id2"><sup>1</sup></a></p>
+<p class="pnext"><span>Dadurch ist die unnatürliche plötzliche Überschwemmung
+der Hauptstädte mit Juden bedingt worden. Nicht nur
+die Jungen und Fähigen kamen; viele, die sich nicht mehr
+anzupassen wußten, schwemmte die Flut herein. Ältere Menschen,
+die überall anstießen, weil sie in dem neuen
+Beruf nicht mehr von der Pike auf dienen konnten.
+Neben einer großen Menge von Begabten und Energischen
+auch „Luftmenschen“, Bassermann'sche Gestalten, labile
+Charaktere. Aber was das junge Blut anlangt, so kann
+man leicht zeigen, daß es Deutschland zum Segen gereichte.
+</span><span class="pageno target" id="page-17" title="17"> </span><span>Deutschland ist der große, kräftige und reiche Staat in
+hohem Maße auch durch die Mitarbeit der </span><span class="gesperrt">Juden</span><span> geworden.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Bekannt ist deren Mitwirken an der finanziellen Entwicklung.
+Die Finanzgrößen, die die deutsche </span><span class="gesperrt">Geldwirtschaft</span><span>
+und die Großbanken schufen, waren zum großen
+Teil Juden. Das Erstarken unserer finanziellen Kraft liegt in
+der glücklichen Ausgestaltung unserer Finanzinstitute. Die
+Banken sind nach Sombart eine jüdische Erfindung. Die
+Barone Oppenheim sind die Gründer der ersten, der Darmstädter
+Bank. Neben den Rothschild's ragen als Eisenbahnkönige
+einige jüdische Häuser wie die in Bayern nobilitierten
+Eichthal und die später in Preußen geadelten Fould's, später
+Dr. Strousberg und der Baron Hirsch hervor. Das Bankhaus
+Mendelsohn hat heute noch seine nahen Beziehungen zu den
+maßgebenden Stellen des Reiches, und der Chef der Firma
+Bleichröder ist der Öffentlichkeit populär geworden, weil er
+Bismarck zu der hohen französischen Kriegsentschädigung
+von 5 Milliarden in Gold zu bewegen wußte. Auch die modernen
+Finanzgrößen, die Leiter unserer wichtigsten Institute,
+zählen Juden an erster Stelle auf. Wir erinnern an
+die von Cohn, von Wassermann, Fürstenberg, Speyer-Ellissen,
+von Schwabach, Goldberger</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die Arnold, Berliner und Deutsch sind Namen, welche
+in der neudeutschen Wirtschaftsgeschichte einen guten Klang
+besitzen. Hagen-Köln (früher Levy geheißen) war wohl einer
+der Männer, welcher in dem Aufsichtsrat der größten deutschen
+Gesellschaften den mächtigsten Einfluß besessen hat.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Juden haben in Hamburg die </span><span class="gesperrt">Strumpfindustrie</span><span>,
+in Fürth das </span><span class="gesperrt">Spiegelglas</span><span>, im posenschen die
+</span><span class="gesperrt">Schnapsbrennerei</span><span> großgemacht. Wir treffen sie
+auch als Großindustrielle in der </span><span class="gesperrt">Seiden</span><span>fabrikation.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Neben unseren vortrefflichen Geldinstituten haben uns
+vor allem unsere großzügigen Wollfirmen die Kriegführung
+</span><span class="pageno target" id="page-18" title="18"> </span><span>erleichtert. Der deutsche </span><span class="gesperrt">Woll- und Baumwollmarkt</span><span>
+ist von Juden geschaffen und auf die Höhe gebracht
+worden, die er heute einnimmt, wie wohl kein Kenner
+der Verhältnisse bestreiten wird. Unter den vielen Tüchtigen
+verdienen hier die Gebrüder Simon namentliche Erwähnung.</span></p>
+<p class="pnext"><span>An den grandiosen Woll- und Baumwollhandel konnten
+sich die zahlreichen, vielfach jüdischen, Textilfabriken anlehnen.
+Die blühende deutsche </span><span class="gesperrt">Konfektion</span><span> ist quasi
+eine jüdische Domäne.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Daneben erinnere ich an den Leipziger </span><span class="gesperrt">Rauch</span><span>markt.
+Wer die berühmte Pelzmesse kennt, weiß, daß jüdischer Fleiß
+und Erwerbsfreudigkeit hierin Deutschland eine erste Stelle
+in der Welt schuf. Die großen „</span><span class="gesperrt">Felljuden</span><span>“, welche
+unsere Lederindustrie mit ausbauten (z.</span><span> </span><span>B. Adler-Oppenheimer),
+und die </span><span class="gesperrt">Stiefelkönige</span><span> sind bekannt.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Den Neid aller Völker, den Stolz Deutschlands bedingte
+unsere so rasch, fast über Nacht zu grandioser Größe
+entwickelte </span><span class="gesperrt">Handelsflotte</span><span>, die auch in Kriegszeiten
+dem Reiche ihre Dienste leiht. Der Schaffer der Hamburg-Amerika-Linie
+aber ist der viel genannte </span><span class="gesperrt">Ballin</span><span>. Seine Bedeutung
+für die Entwicklung Deutschlands wird einst die
+Geschichte zu würdigen haben.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der Vater der </span><span class="gesperrt">elektrochemischen</span><span> Industrie war
+der jüngst verstorbene Rathenau, der Schöpfer der A.E.G.
+Sombart behauptet, daß auch die Siemens und Halske-Werke
+erst den Wettkampf um die Vormachtstellung der deutschen
+Industrie in aller Welt aufnehmen konnten, als der
+jüdische Direktor Berliner an leitende Stellung trat. Aber
+nicht nur in friedlichen Zeiten bedang die A.E.G. Deutschlands
+Ruhm und Größe. In unserm Kriege haben sie Bedeutendes
+geleistet, wenn es jetzt auch noch nicht Zeit ist,
+darauf näher einzugehen.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Viel geschmäht worden ist die Arbeit der Juden auf
+dem Gebiete der </span><span class="gesperrt">Waffen-</span><span> und </span><span class="gesperrt">Munitionsfabriken</span><span>.
+</span><span class="pageno target" id="page-19" title="19"> </span><span>Wie vereinzelte Sozialdemokraten die Wichtigkeit der
+Kruppwerke und ihre vaterländische Rolle mißverstanden
+und vor der breitesten Öffentlichkeit verunglimpften, so
+wußte seinerzeit Ahlwardt den großen </span><span class="gesperrt">Löwe</span><span>konzern zu
+verdächtigen. Aber die „Juden“flinten, die Maschinengewehre
+und alle die Waffen, welche unsere Heeresleitung von diesen
+Unternehmungen beziehen konnte, waren letzten Endes
+nicht bedeutungslos. Der Nur-als-Krämer und Schacherer verschriene
+Jude hat dem Reich zu Kriegsbeginn wertvolle
+Stätten zur Verfügung stellen können: Angefangen von dem
+reich überfüllten Wollmarkt, von den Handelsschiffen, welche
+die Flotte stützten, bis zu den Fabriken, die direkt oder indirekt
+dem Heere alle Mittel moderner Kriegsführung lieferten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wenn wir an die treue Mitarbeit jüdischer Firmen in
+der </span><span class="gesperrt">Maschinentechnik</span><span> anknüpfen, dann dürfen wir
+als deutsche Unternehmungen von Weltgeltung herausgreifen
+die </span><span class="gesperrt">Orenstein und Koppel</span><span> A.G., (Kleinbahn- und
+Baggerfabrikanten), die Mannheimer </span><span class="gesperrt">Ladenburgs</span><span>, die
+Nürnberger </span><span class="gesperrt">Bings</span><span>. Selbst Erzschürfungen (Hirsch und
+Beer-Sondheimer-Kupfer) werden von ihnen inauguriert.
+Caesar Wollheim, v. Friedländer-Fould sind in ‚Kohle‘ bekannt.
+Neben der Wichtigkeit des Materials und der Arbeitsstätten
+ist es Geheimrat Haber, der durch die künstliche Gewinnung
+des Stickstoffes erst die ganze deutsche Munitionserzeugung
+gewährleistete, und der (nach Davis Trietschs Broschüre,
+„Juden und Deutsche: Eine Sprach- und Interessen</span><span>­</span><span>gemeinschaft“</span><a class="footnote-reference" href="#id5" id="id4"><sup>2</sup></a><span>)
+jüdischen Eltern entstammt. Auf solche
+Köpfe kann die deutsche </span><span class="gesperrt">chemische</span><span> Wissenschaft stolz
+sein. Wie ja überhaupt die chemische Industrie Deutschlands
+Größe in der Welt mitgeschaffen hat. (Es sei u.</span><span> </span><span>a. auch des
+jüdischen chemischen Industriellen </span><span class="gesperrt">Gans</span><span> gedacht, dessen
+Sohn übrigens auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und der
+Ballontechnik Bedeutung hat.)</span></p>
+<p class="pnext"><span class="pageno target" id="page-20" title="20"> </span><span>Auch sonst wäre noch viel aufzuführen. Wir könnten
+manches über andere Wirtschaftskomplexe hier anfügen, so
+vom Tabakmarkt, von dem Sombart behauptet, daß Juden
+die Tabakindustrie in Deutschland einführten. Ebenso wie
+in der modernen Zigarren- und Zigarettenfabrikation halten
+Juden den Wettbewerb als Uhren-, Sekt- und Schokolade-Fabrikanten
+und als Getreideimporteure usw. usw.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wir wollen nicht ermüden. Die Reichtümer, die einzelne
+Juden sich erwarben, waren nicht unverdient. Sie sind bedingt
+dadurch, daß Deutschlands Handel und Wandel zu der
+Größe geführt wurde, die den Neid der fremden Völker erregte,
+aber damit auch unserem Lande die Möglichkeit gab,
+auch auf dem wirtschaftlichen Felde den allgewaltigen Kampf
+gegen die Unmenge von Feinden so siegreich zu bestehen.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Auf dem Zeitungsgebiet zeigten die </span><span class="gesperrt">Mosse</span><span>, </span><span class="gesperrt">Ullstein</span><span>,
+</span><span class="gesperrt">Sonnemann</span><span> (Frankfurter Zeitung) ihre Tatkraft
+und schufen, trotzdem ihre Blätter als „verjudet“ verschrien
+wurden, gewaltige Betriebe. </span><span class="gesperrt">S. Fischer</span><span> ist der bedeutendste
+literarische Verleger, </span><span class="gesperrt">Reinhardt</span><span>, der </span><span class="gesperrt">Bühnentechniker</span><span>,
+welcher dem modernen Theater reiche Impulse
+verlieh, ist gleichfalls Jude. Als </span><span class="gesperrt">Antiquitätenhändler</span><span>,
+</span><span class="gesperrt">Numismatiker</span><span>, als </span><span class="gesperrt">Sammler</span><span> jeder Art
+haben die Juden den deutschen Ruf in der Welt mitbegründet.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Besonders stark angefeindet wurden sie in der Wissenschaft.
+Um auf diesem Gebiete ihr Können einigermaßen zu
+belegen, müßten wir allein ein dickes Buch schreiben. Aber
+ein paar Beispiele dürfen wir wohl geben. So ist in der Medizin
+die Lehre der </span><span class="gesperrt">sexuellen Krankheiten</span><span> durch
+drei Juden</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span></span><span class="gesperrt">Neisser</span><span>, </span><span class="gesperrt">Ehrlich</span><span>, </span><span class="gesperrt">Wassermann</span><span></span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>in grandioser Weise gefördert worden. Neisser, der Entdecker
+des Gonokokkus, Wassermann, der feinsinnige
+Schaffer des luetischen Blutnachweises, und Ehrlich, welcher
+eine moderne Waffe gegen die Syphilis schmiedete. Die </span><span class="gesperrt">Juristen</span><span>
+</span><span class="pageno target" id="page-21" title="21"> </span><span>sprechen von den Begründern der deutschen
+Rechtswissenschaft, von </span><span class="gesperrt">Staub</span><span> und </span><span class="gesperrt">Dernburg</span><span> mit all
+der Hochachtung, die man diesen kaum vorenthalten dürfte.
+Die </span><span class="gesperrt">Sprachwissenschaften</span><span> (die </span><span class="gesperrt">deutsche</span><span>
+</span><span class="target" id="z-b">z. B.</span><span> vertreten durch </span><span class="gesperrt">Mauthner</span><span>) schätzen die jüdische Mitarbeit;
+</span><span class="gesperrt">Statistik</span><span>, </span><span class="gesperrt">Nationalökonomie</span><span>, </span><span class="gesperrt">Chemie</span><a class="footnote-reference" href="#id7" id="id6"><sup>3</sup></a><span>
+sind wie </span><span class="gesperrt">Literatur</span><span>, </span><span class="gesperrt">Musik</span><span> und andere kulturelle
+Gebiete durch deutsche Juden befruchtet worden. Auf
+</span><span class="gesperrt">Schachturnieren</span><span> (Lasker, Steinitz, Zuckertort, Tarrasch),
+aber auch auf den olympischen Spielen, am Turf und
+auf gefahrvollen Expeditionen bewährten sich Juden. </span><span class="gesperrt">Emin
+Pascha</span><span> hieß einst Schnitzer, ein bedeutender Arabien-Forscher
+war </span><span class="gesperrt">Glaser</span><span>, als einer der ersten wirkte in
+deutschen westafrikanischen Schutzgebieten und erlag dort
+der Malaria: Dr. </span><span class="gesperrt">Kaiser</span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Die antisemitische Bewegung, die vor dreißig Jahren
+gegen die Juden entstand, ist dadurch erklärlich, daß von den
+vielen hervorragenden Verdiensten deutscher Juden viel zu
+wenig bekannt wurde.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die politische Geschichte übergeht die Abstammung des
+ersten deutschen Reichstagspräsidenten von Simson, der
+seinem Könige mehrfach die Kaiserkrone antrug. Das damals
+als Musterländle gepriesene Baden hatte einen nicht einmal
+getauften Finanzminister: Ellinger.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Das waren einzelne Personen, die ihr Bestes für das
+Werden des Reiches einsetzten. Schon in den 40er Jahren
+waren es jüdische Dichter in der Sturm- und Drangperiode,
+welche für Einheit und Fortschritt eintraten. Berthold Auerbach
+und Andere, deren Namen heute vergessen sind, mußten
+wegen ihrer Zugehörigkeit zu alldeutschen Burschenschaften
+</span><span class="pageno target" id="page-22" title="22"> </span><span>hinter Kerkermauern dafür büßen, daß sie für ein
+geeintes Deutschland agitierten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Bedeutender zeigt sich aber die Mitwirkung jüdischer
+Elemente bei der Ausgestaltung des deutschen </span><span class="gesperrt">politischen</span><span>
+Lebens. Kein Volk der Welt hat ein so gut fundamentiertes
+Parlament, in dem so überzeugungstreue Parteien
+sitzen, die nicht nach Laune, nach persönlichen Vorteilen
+stimmen, sondern die</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>oft viel zu sehr</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>nach theoretischen
+Überlegungen und prinzipiellen Anschauungen den
+Fragen nähertreten. Kein Abgeordnetenhaus hat sozialer
+und menschlicher gearbeitet. An ihren Früchten kann man
+am besten nicht nur die Bäume, sondern auch die Parlamente
+erkennen. Unsere </span><span class="gesperrt">konservative</span><span> Partei feiert als
+einen ihrer Mitbegründer Stahl; Lasker und Bamberger schufen
+die </span><span class="gesperrt">liberale</span><span> Partei; Marx und Lassalle standen an
+der Wiege der </span><span class="gesperrt">Sozialdemokratie</span><span>, die in Singer,
+Haase, Bernstein und Frank mit ihre besten Führer fand.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Da wir noch keine Abhandlung über die jüdische Mitarbeit
+an der Entwicklung Deutschlands in der neuesten Zeit
+besitzen, so war es wohl nicht unangebracht, sie mit einigen
+Beispielen zu belegen. Ähnlich wie </span><span class="gesperrt">Deutschland</span><span> in
+der </span><span class="gesperrt">Welt</span><span>, so machten sich die </span><span class="gesperrt">Juden</span><span> in </span><span class="gesperrt">Deutschland</span><span>
+„unliebsam bemerkbar“.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der Umwelt erschienen einst die deutschen Waren als
+„billig und schlecht“, die aufblühende deutsche Flotte war
+den Engländern, die als handeltreibendes Seevolk ein Monopol
+anstrebten, eine freche Konkurrenz, die deutsche Beteiligung
+in der Weltpolitik kam den Engländern als Aufdringlichkeit
+vor, selbst wenn sie noch so zurückhaltend war.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Dazu kamen noch historische Vorurteile, von welchen
+z.</span><span> </span><span>B. besonders die Franzosen nicht loskamen. Das Geschrei
+der Gasse umnebelte selbst intelligente Engländer,
+Franzosen, Italiener, Amerikaner, Rumänen, Russen. Auch
+in der neutralen Welt gibt es leider tüchtige Menschen, die
+</span><span class="pageno target" id="page-23" title="23"> </span><span>sich alle Fabeln über die Unkultur der Deutschen, über die
+Eroberungssucht des Kaisers und seines Volkes zueigen
+machten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Geradeso hat man oft von den Juden gesprochen. Man
+hat sie des Mangels an Kultur und an Redlichkeit geziehen
+und all des Schlechten, was man den Deutschen heute nachsagt,
+beschuldigt. Wollten sie beim Militär Karriere machen,
+dann hinderte man sie daran; wenn daraufhin wieder Manche
+keine sonderliche Lust am Dienste hatten, hielt man es ihnen
+wieder vor. Wurden sie reich, dann erweckte das Eifersucht;
+war irgendwo ein unbedeutender Jude, dann wurde daraus
+der Schluß gezogen, daß der Jude überhaupt unfähig ist.
+Es ist wirklich überraschend, wie ähnlich das Eintreten
+Deutschlands in der großen Welt, und das Emporsteigen der
+Juden in Deutschland von der Außenwelt gewertet werden.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Wir sehen es ja in unserer Zeit, wie nichts zu plump
+ist, um geglaubt zu werden, wenn ein Volk neidisch ist. An
+diesen Instinkt appellierten auch die Antisemiten. Der Jude,
+der die deutsche Sozialdemokratie mitschuf, soll an den
+Auswüchsen des Kapitalismus schuld sein, bloß weil findige
+Köpfe, wie die Tietz, Wertheim, Jandorf, Israel, den Fabrikbetrieb,
+das Maschinelle auch in den Kleinverkauf einführten
+und das Warenhaus schufen.</span><a class="footnote-reference" href="#id9" id="id8"><sup>4</sup></a><span> Und wie einstmals die Handweber
+die Fabriken stürmten und die Maschinen zertrümmerten,
+so kämpften die kleinbürgerlichen Kaufleute und Handwerker
+gegen die Riesenunternehmen, und verwechselten Person
+und Sache. Wer diese modernen Erfinder haßte, wurde
+Antisemit.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wie
+</span><span class="pageno target" id="page-24" title="24"> </span><span class="gesperrt">Deutschland in der Welt überall auf
+Neider stieß, so fand auch der Jude in
+Deutschland überall mißgünstige Seelen</span><span>.
+Wie beschränkt diese waren, geht schon daraus hervor, daß
+sie durch den Antisemitismus alle sozialen Fragen und Schäden
+zu lösen glaubten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die antisemitische Literatur ist zwar recht armselig,
+aber Deutschland hat das traurige Verdienst, diese „Wissenschaft“
+in der Hauptsache geschaffen zu haben. Die anderen
+Länder, die sich vielfach viel länger und viel ungenierter
+in der Bedrückung ihrer lieben Juden überboten, bekamen
+leider von Deutschland neue Impulse. Die Pamphlete der
+Ahlwardts gingen in alle Welt und richteten außerhalb der
+schwarz-weiß-roten Grenzpfähle, besonders auch in Österreich,
+erschreckendes Unheil an. Noch vor kurzem hat der
+große Staat Rußland den Juden einen Ritualmordprozeß
+gemacht, nachdem vorher Österreich und Deutschland ihre
+Ritualmordhetze gehabt hatten. Noch schmachtet in österreichischen
+Kerkermauern ein wegen eines „Ritualmordes“,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>wie alle
+Juristen beteuern, unschuldig</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>verurteilter armer
+Jude: Leopold Hilsner. Keine Lüge war den Antisemiten zu
+niedrig</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>man lese nur ihre Bücher</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>keiner ihrer Führer
+zu</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>bedenkenfrei. Meist waren sie recht dunkle Ehrenmänner.
+Aber das Gift, das sie verstreuten, trug dennoch
+eine reiche Saat. Ein Mann beteiligte sich dabei, dessen
+Schriften man nicht so ohne weiteres mit denen der anderen
+vergleichen darf: Houston Stewart Chamberlain. Chamberlain
+hat zwar neuerdings einiges Wasser in seinen Wein
+gegossen. Er hat erklärt, seine früheren Behauptungen gegenüber
+den deutschen Juden</span><a class="footnote-reference" href="#id11" id="id10"><sup>5</sup></a><span> nicht aufrecht zu erhalten.
+</span><span class="pageno target" id="page-25" title="25"> </span><span>Chamberlain ist ein so maßloser Chauvinist, daß er selbst
+Christus als Germanen reklamieren zu müssen glaubte. Er,
+der noch vor kurzem allen Germanen, auch den Engländern,
+Lob sang, hat nun ein Pamphlet losgelassen, für das es kaum
+ein Wort der Entschuldigung gibt. Als geborener Engländer
+durfte er nie und nimmer in der Weise das Nest beschmutzen,
+dem er entstammte. Es gibt nichts Verächtlicheres, als wenn
+Renegaten dem Volke, dem sie entstammen, in solcher Weise
+seine Fehler vorhalten. Wenn sie, die die Schwächen am
+besten kennen, sie zusammenstellen, übertreiben und daraus
+ein Urteil fällen. Wenn wir nach der Methode Chamberlains
+dozieren wollten, müßten wir zu dem Schlusse kommen: Alle
+Engländer taugen nichts. Der Engländer ist so und so. Also
+ist auch Houston Stewart Chamberlain</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> So ähnlich wurde
+nämlich nach H. St. Chamberlain über den semitischen Geist,
+über den Juden im allgemeinen und im besonderen geurteilt,
+selbst wenn er</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>weit mehr als Chamberlain, der die deutsche
+Kultur erst seit einiger Zeit genossen hat</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>seit </span><span class="gesperrt">Jahrhunderten</span><span>
+Anteil an allen Gütern deutschen Geisteslebens
+genommen hatte.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Nein, „der Jude“ in Deutschland war zum Teil tüchtig
+und fähig, zum Teil faul und indolent. Er war auf der einen
+Seite ein stiller Mann der Wissenschaft, der nach dem Muster
+des genialen Spinoza, Marx und vieler anderer, die ohne nach
+der Anerkennung der Öffentlichkeit zu lauern, in stillem
+Kämmerlein ihre Werke schufen.</span><a class="footnote-reference" href="#id13" id="id12"><sup>6</sup></a><span> Es gab aber auch Eintagsgrößen,
+die sich kaum von Charlatanen unterschieden.
+Maezene und Volksfreunde hat es unter den Juden gegeben,
+die ihr Vermögen dem Fortschritt hingaben, ohne daß es
+die Menge erfuhr. Keine ideale Bewegung existiert, die nicht
+</span><span class="pageno target" id="page-26" title="26"> </span><span>an den Juden reiche Förderer hat: für Frauenrechte, für
+Kinderschutz, für die Waisen, Arbeitslosen, Blinden etc.,
+die Bestrebungen für die Abstinenz, für Friedenspropaganda,
+für Vegetarismus, für alte Bühnenkünstler, für alle Künste,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>der
+Jude hat seine Person, sein Ansehen und nicht zum
+mindesten sein Geld jederzeit guten und idealen Zwecken zur
+Verfügung gestellt.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der Jude, der so sehr für jeden sozialen Fortschritt zu
+haben war, der auf Grund alter historischer Gewohnheiten
+für den Ruhetag in der Arbeitswoche, für das Angestelltenrecht
+etc. eintrat, der sich stets für Freiheit einsetzte, wurde
+den Massen als Ausbeuter schlimmster Sorte, als soziales
+Hemmnis hingestellt. Vergeblich sein Eintreten für alle demokratischen
+Ideale, für individuelle Freiheit, für internationale
+Verständigung. Wie der wirtschaftliche Neid nicht
+nur den Blick trübt, sondern fast blind macht, sehen wir jetzt
+ja an den Engländern. Diese Gewaltsmacht, die so oft ganz
+real die Verhältnisse beurteilte, schilt die Deutschen Barbaren,
+während sie ihr Heer zusammensetzt und sich verbündet
+mit Hunderttausenden von Negern, Indiern, Zuaven,
+Tscherkessen, Kosaken, Kalmücken und allen schiffbrüchigen
+Existenzen der neuen und alten Welt. Dieses für Geld geworbene
+Analphabetengesindel soll das Vorkämpfertum der Kultur
+sein! Die Engländer, die am längsten den Sklavenhandel
+geduldet, nein gezüchtet hatten, die in Südafrika die Burenfrauen
+mordeten, in Ägypten die Verträge brachen und die
+Indier verhungern ließen, sind mit Recht als Heuchler an den
+Pranger gestellt worden. Bei den Franzosen gelten </span><span class="gesperrt">alle</span><span>
+Deutschen als Boches, als Verbrecher und als Schweine.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span> </span><span>.</span><span>
+Dieser Weltkrieg, an dem 10 Millionen Juden beteiligt sind
+und schwere Opfer bringen, darf nicht vorübergehen, ohne
+daß das von Antisemiten getragene absprechende Urteil über
+sie in Acht und Bann getan wird. Ein Urteil, das ebenso
+unberechtigt ist wie das der Entente-Mächte über die Deutschen.
+</span><span class="pageno target" id="page-27" title="27"> </span><span>Nicht nur, weil ein prächtiges Kaiserwort das gehässige
+Treiben der Rassen- und Religionsschnüffler für die
+Dauer des Krieges unterband, sondern weil Deutschland und
+die Welt einsehen muß, daß die Behauptung der Minderwertigkeit
+Andersgearteter allzuoft nur eine billige, überall
+gehandhabte Waffe des </span><span class="gesperrt">Neides</span><span> ist.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Und so unterstreichen wir nochmals die Tatsache:</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Daß der Jude am Gemeinwohl, am Fortschritt, an der
+Entwicklung Deutschlands freudig teilgenommen hat, kann
+kein objektiv denkender Mensch bestreiten. Ob er als Bürgermeister
+von Posen</span><a class="footnote-reference" href="#id16" id="id14"><sup>7</sup></a><span> oder als Stadtrat von Berlin</span><a class="footnote-reference" href="#id17" id="id15"><sup>8</sup></a><span> oder
+Frankfurt, oder im Ehrenamt, oder als Wähler einer Gemeinde
+seine Pflicht erfüllen konnte,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>als der Abkömmling
+einer alten Kulturrasse interessierte ihn alles öffentliche
+Leben. Die Städte, in denen die Juden seit langem wohnen
+und eine gewichtige Stimme haben, sind nicht schlecht damit
+gefahren. Das reiche Frankfurt blüht, Nürnberg, Fürth entwickeln
+sich überaus rasch, Hamburg gedeiht.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die neueste Wissenschaft hat den Juden mehr Gerechtigkeit
+widerfahren lassen. </span><span class="gesperrt">Sombarts</span><span> Arbeiten zeigten die
+Bedeutung der Juden. Es ist ziemlich gleichgültig, ob die
+Juden Handel und Wandel in die Orte bringen, wohin sie
+kommen, oder ob sie ihn mit zur Blüte bringen. Jedenfalls
+ist dort Entwicklung, wo sie unbedrückt leben können.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Außerdem hat eine ziemlich starke Verschmelzung des
+Adels mit der deutsch-jüdischen Geldaristokratie, die übrigens
+auch ca. 100 geadelte Familien zählt, stattgefunden.
+Ebenso ist in den besten bürgerlichen Kreisen vielfach eine
+Vermischung eingetreten. Solchen Familien entstammte z.</span><span> </span><span>B.
+Dernburg, der bekannte Kolonialpolitiker, Heyse, der Schriftsteller,
+</span><span class="pageno target" id="page-28" title="28"> </span><span>der Admiral Bendemann, andere führende Männer
+sind mit Jüdinnen verheiratet.</span><a class="footnote-reference" href="#id19" id="id18"><sup>9</sup></a></p>
+</div>
+<div class="level-3 section" id="id20">
+<h3 class="center level-3 pfirst section-title title"><span class="bold large target" id="die-juden-im-kriege">Die Juden im Kriege</span><span class="bold large">.</span></h3>
+<p class="pfirst"><span>Obwohl nachweislich viele jüdische Burschenschafter für
+das schwarz-rot-goldene Band gekämpft und gelitten hatten,
+obwohl in der Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne jüdische
+Burschenschafter an der Spitze der Verbindungen standen,
+erklärte 50 Jahre später der Weidhofener Verband der
+deutsch-österreichischen Burschenschaften alle Juden insgesamt
+für jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die
+Satisfaktion, also auch denen, die bis kurz vorher als alte
+Herren dem Verband angehört hatten. Dieselbe Überhebung,
+die ein anderer großer studentischer Verband zeigte, als er
+Naumann und andere höchst ehrenwerte deutsche Politiker
+wegen ‚sozialistischer‘ Tendenzen ausstieß, veranlaßte
+geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch und
+Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt
+die Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdächtigung uns
+nach. Auch dem jüdischen Soldaten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der Jude hat sich als Soldat bewährt. In allen Kämpfen
+der letzten Jahre haben sich Juden bewährt. Die Bulgaren
+und Türken haben sie im vorletzten Krieg vielfach gerühmt.
+Selbst im antisemitischen Rumänien ist ein jüdischer Oberst
+(Brociner), der sich im Krieg 1878 auszeichnete, der Kommandeur
+der Leibgarde und des Königl. Schlosses. In Österreich
+sind Juden kommandierende Generale, in Italien war
+</span><span class="pageno target" id="page-29" title="29"> </span><span>der frühere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon
+hatte jüdische Heerführer.</span></p>
+<p class="pnext"><span>In den deutschen Freiheitskämpfen gab es viele freiwillige
+jüdische Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch
+den Offiziersrang. Auch später konnten Juden, hauptsächlich
+anno 1870, Offiziere werden; aktive Offiziere standen
+nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier hauptsächlich
+Reserveoffiziere und aktive Militärärzte, ein Jude brachte es
+einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major.</span><a class="footnote-reference" href="#id22" id="id21"><sup>10</sup></a></p>
+<p class="pnext"><span>Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure
+auf den Standpunkt, den einmal der leider auf dem
+Felde gefallene Hauptmann von Treskow also präzisierte:
+„Wenn wir die Juden prinzipiell nicht befördern, dürften
+wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen“. Nach
+Schätzungen werden jetzt über 900 Juden als Offiziere, ungerechnet
+die Militärärzte, im Felde stehen. Viele sind wegen
+besonderer Tüchtigkeit befördert worden, das „Hamburger
+Israel. Familienblatt“ stellte schon über 20 Träger des Eisernen
+Kreuzes I. Klasse fest (z.</span><span> </span><span>B. der Flieger Frankl, der
+Reichstagsabgeordnete Haas), darunter waren alle Waffengattungen
+vertreten. Auch bei der Marine und in den
+</span><span class="pageno target" id="page-30" title="30"> </span><span>Schutztruppen haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem
+Kriege werden die Ziffern insgesamt zur Verfügung stehen.
+Das in Breslau erscheinende „Jüdische Volksblatt“ hat die
+Namen veröffentlicht, die bestimmt dem Judentum angehören.
+Darnach haben bis zum Herbst 1915 knapp 5000 Juden
+(also fast 1% der gesamten deutschen Judenheit!) das
+Eiserne Kreuz erhalten, von über 3000 Juden konnte namentlich
+festgestellt werden, daß sie den Heldentod fürs Vaterland
+gefunden. Leider kann diese wöchentliche Zusammenstellung
+nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
+Da die jüdische Jugend, soweit sie nicht gedient hatte, gleich
+zu Beginn des Feldzuges freiwillig in großer Zahl (</span><span>—</span><span></span><span> </span><span>es
+wäre sehr interessant, wenn die Heeresverwaltung diese
+Ziffer veröffentlichen würde</span><span> </span><span></span><span>—</span><span>) sich stellte, sind die Verluste
+sehr stark.</span><a class="footnote-reference" href="#id24" id="id23"><sup>11</sup></a><span> In allen jüdischen Jugendvereinen wird
+diese Tatsache festgestellt. So ist z.</span><span> </span><span>B. in der jüdischen Turnerschaft
+eine Kriegssterblichkeit, die sich in den einzelnen
+Untervereinen bis 33% der </span><span class="target" id="mannschaften">Mannschaften</span><span> (wie z.</span><span> </span><span>B. bei dem
+Ruderklub ‚Ivria‘) stellt. Die meisten Turn- und Sportvereine
+der jüdischen Turnerschaft mußten zu Beginn des Krieges
+ihren Betrieb aufgeben, da alle Mitglieder zu den Fahnen
+eilten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die Mitglieder der jüdischen studentischen Verbindungen
+stellten gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern
+des K. C. (Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell
+jüdischer Verbindungen) rückten fast alle aus; ein Drittel
+davon als Kriegsfreiwillige. Sehr zahlreich war auch die
+Beteiligung freiwilliger jüdischer Ärzte. Nach einer Statistik
+beträgt die Verlustliste bei den jüdischen Ärzten schon
+über Hundert. Auch der jüdische Arzt hat an der Front
+und im Seuchenlazarett seinen Posten ausgefüllt.</span></p>
+<p class="pnext"><span class="pageno target" id="page-31" title="31"> </span><span>Der tapfere jüdische Soldat und Offizier verschwindet
+oft in der Menge. So glaubte man z.</span><span> </span><span>B. allgemein nicht,
+daß der einzige Soldat, der bei meinem Regiment das Eiserne
+Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besaß, ein Jude war (der
+später als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an
+einer jüdischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp
+bis zum Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die
+Tüchtigkeit des jüdischen Vorgesetzten und Soldaten von
+hohen Offizieren anerkannt worden. Exempla docent. Die
+überaus große Zahl von Beförderungen, Dekorationen etc.,
+über die sich jeder, namentlich z.</span><span> </span><span>B. im „Hamburger Israelitischen
+Familienblatt“ informieren kann, gibt die beste Gewähr.
+Der österreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit
+genommen, sich dahin auszusprechen, daß der persönliche
+Mut und die Zuverlässigkeit des jüdischen Soldaten
+durch diesen Krieg aufs neue bewiesen wurden.</span><a class="footnote-reference" href="#id26" id="id25"><sup>12</sup></a></p>
+<p class="pnext"><span>Ebenso wie der sozialdemokratische wurde auch der
+jüdische Soldat endlich einmal von den Meisten vorurteilsfrei
+betrachtet und bewertet. Natürlich gibt es auch Fälle,
+</span><span class="pageno target" id="page-32" title="32"> </span><span>wo sich Vorgesetzte noch nicht in den Gedanken der Gleichwertigkeit
+„solcher Elemente“ hineinleben konnten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die ungeheure sozialdemokratische Begeisterung ist
+nicht zuletzt das Produkt der so oft geschmähten „inter“-nationalen
+Denkweise jüdischer Führer, mit der man früher
+alles Unrecht gegen Juden deckte und erklärte. Die Führer
+haben ihren Patriotismus nicht nur durch billige Phrasen
+dokumentiert, sie sind nicht wie andere Sozialistenführer à la
+Vandervelde als Wanderredner durch die Lande gefahren, um
+die Menschen aufzuwiegeln, haben à la Hervé billige blutrünstige
+Artikel geschrieben oder sich als Leutnants, wie
+D'Annunzio, zu Hause wichtig gemacht. Der Jude </span><span class="gesperrt">Ludwig
+Frank</span><a class="footnote-reference" href="#id28" id="id27"><sup>13</sup></a><span>, </span><span class="target" id="vielleicht">vielleicht</span><span> der fähigste Kopf in der sozialdemokratischen
+Partei, trat als einfacher Soldat in Reih und Glied
+und fiel</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>wie er es wünschte</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>als ein einfaches, aber
+schönes Beispiel treuer Vaterlandsliebe.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Aber nun kam, was nicht kommen durfte. Man hat in
+vielen Zeitungen über den Mannheimer, über den Rechtsanwalt,
+über den Sozialdemokraten Frank geschrieben. Man hat
+bewiesen, daß ein Sozialdemokrat patriotisch sein könne.
+Daß er aber ein Jude war, diese Tatsache wurde nach Möglichkeit
+verschwiegen.</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>Nicht zum Beweis der Tapferkeit
+und der Vaterlandsliebe wollen wir Frank als Juden registrieren.
+Es liegt eigentlich eine unglaubliche Verworfenheit
+des Charakters vor, wenn jemand von einer kulturell so
+</span><span class="pageno target" id="page-33" title="33"> </span><span>hochstehenden Rasse wie der jüdischen, von der Tausende
+im öffentlichen Leben wirken, welche alle Kulturstätten deutscher
+und anderer Bildung genossen haben, annehmen könnte,
+daß Mannesehre und Würde bei ihnen nicht zu finden wäre.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Daß man bei allen Nachrufen aber sichtlich vergessen
+wollte, zu erwähnen, daß der erste deutsche Volksführer,
+welcher mit seinem Tode die Treue zur Heimat und zum
+Staate besiegelte, ein Jude war, ist keine erfreuliche Erscheinung.</span><a class="footnote-reference" href="#id30" id="id29"><sup>14</sup></a><span>
+Ebensowenig wie die Tatsache, daß die Dichter
+</span><span class="pageno target" id="page-34" title="34"> </span><span>des großen Krieges, die zuerst verwendet wurden und
+starben, Juden waren. Wir nennen nur </span><span class="gesperrt">Zuckermann</span><span>,
+der das wundersame österreichische Reiterlied empfand, und
+</span><span class="gesperrt">Heymann</span><span>, den jungen Königsberger Lyriker, sowie den
+Schlesier Georg </span><span class="gesperrt">Hecht</span><span>. Man hat so oft über die billige
+Poesie, wie sie Literaten hinterm Schreibtisch gewinnsüchtig
+betreiben, gespottet. Zuckermann, Heymann, Georg Hecht.
+</span><span class="gesperrt">Ich kannte die glühende Begeisterung, die
+sie mit dem Leben zahlten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wie aber war die Haltung der jüdischen Bevölkerung
+vor dem Ausbruch des Krieges? Die Juden haben sich in
+allem überaus würdig benommen. Daß sie als Kaufleute und
+Bankiers usw. nicht wie die Militärs beständig sich um die
+Militärangelegenheiten bekümmerten, ist selbstverständlich.
+Das berühmte „jüdische </span><span class="gesperrt">internationale</span><span> Großkapital“,
+von dem soviel gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten.
+Die jüdischen Bankiers und die jüdischen Kaufleute benahmen
+sich nicht anders wie die andern Schichten der Bevölkerung.
+Ruhig und ernst, wie es der Situation entsprach, als
+ihre Söhne entweder freiwillig oder als Militärpflichtige hinauszogen.
+Reiche Gaben und Spenden flossen allen Instituten
+von ihnen zu. Und was in der Heimat geleistet werden
+konnte, wurde getan. Männer wie Ballin, Rathenau, Riesser
+ruhten im Kriege nicht. Es ist noch nicht die Zeit, ihrer Verdienste
+für die Volksernährung, für die Munitionsergänzung
+</span><span class="target" id="und-anderer-dinge-zu-gedenken">und anderer Dinge zu gedenken.</span><a class="footnote-reference" href="#id32" id="id31"><sup>15</sup></a></p>
+<p class="pnext"><span>Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine
+zu geringe Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen
+Gründen oder aus Laune Junggesellen; die vielen Spätehen
+der akademischen Kreise und der Kaufleute bedingten einen
+hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die Kinder haben,
+begnügen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit,
+welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen
+hat, wird der Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er
+rächt die Beschränkung der Kinderzahl.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwächte
+deutsche Judenheit weiß, daß dieses elementare
+Ereignis ihre Reihen noch mehr lichten wird. Alte Familien
+werden durch den Krieg erlöschen, die deutsche Judenheit
+wird unendlich geschwächt und in ihrer Existenz erschüttert
+aus dem Kriege hervorgehen.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die jüdische Jugend zahlte gern die Teilnahme an
+der deutschen Kulturgemeinschaft mit dem Tode.</span></p>
+<div class="vfill">
+</div>
+<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p>
+</div>
+</div>
+<div class="level-2 section" id="kaplino-juden-im-ausland">
+<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-36" title="36"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="juden-im-ausland">Juden im Ausland</span><span class="bold large">.</span></h2>
+<p class="pfirst"><span>Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien
+hat nur 40000, Frankreich 120000, England nicht ganz
+300000, also alle drei Länder zusammen nicht viel mehr als
+Preußen. In der englischen Regierung saß vor 35 Jahren
+ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck
+eine Verständigung der beiden Länder herbeiführte. Heute
+hat im britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille,
+das des Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten
+eine Stimme hat.</span></p>
+<p class="pnext"><span>In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften
+italienischen Juden und einer englischen Christin.
+Außerdem ist in Italien der Finanzminister Luzzatti Jude,
+der sich ursprünglich gegen den Krieg aussprach.</span><a class="footnote-reference" href="#id34" id="id33"><sup>16</sup></a><span> Das
+judenreinste Kabinett Rußlands trägt die Hauptverantwortung
+für diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am
+wenigsten zu sagen haben, hat am stärksten zum Kampf gedrängt.</span></p>
+<p class="pnext"><span>In England lag die Entscheidung ausschließlich bei
+wenigen Nichtjuden. Bedeutende englische Juden hatten
+sich gerade in den letzten Jahren für eine gegenseitige Annäherung
+Deutschlands und Englands bemüht, weil sie instinktiv
+</span><span class="target" id="die-entfremdung-der-lander-bemerkten">die Entfremdung der Länder bemerkten.</span><a class="footnote-reference" href="#id36" id="id35"><sup>17</sup></a><span> Als der
+</span><span class="pageno target" id="page-37" title="37"> </span><span>Krieg begann, legten Sir Cassel und Sir Speyer ihre Würden
+nieder.</span></p>
+<p class="pnext"><span>In Frankreich war das Kabinett wie in Rußland und
+Serbien „judenrein“. Die Juden an der Pariser Börse haben
+wahrlich keinen Krieg inszeniert. Als der Krieg aber ein
+fait accompli geworden war, haben einzelne frühere Deutsche
+resp. Elsässer in Frankreich und England aus der Angst
+für ihre Existenz unsympathische Kundgebungen erlassen.
+Ob sich darunter viele Juden befanden, weiß ich nicht. Ich
+konnte es nicht erfahren. Der berüchtigte Obermacher der
+Bethlehem Steel Company, </span><span class="gesperrt">Schwab</span><span> in Amerika, welcher
+wohl der anrüchigste Typ des Renegaten ist, stammt von
+württembergischen Eltern, ist nicht, wie deutsche antisemitische
+Blätter verleumderisch behaupten, ein Jude. Er ist
+vielmehr der Nachkomme eines Pfarrers.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wenn in einem Staate eine ziffernmäßig einflußreiche
+jüdische Volkschaft war, die sich für den Frieden hätte einsetzen
+können, so wäre es die Rußlands gewesen. An sieben
+Millionen Menschen, die aber in der Duma nur durch </span><span class="gesperrt">einen</span><span>
+Abgeordneten vertreten sind. (Auf diese Juden werden wir
+noch später zu sprechen kommen.) Sie waren vollkommen
+machtlos.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der Jude ist nicht, wie das alte, aber abgeschmackte
+Märlein der Antisemiten es will, der Brandzünder des Weltkrieges
+gewesen. Er war ein Freund des Friedens. Er
+würde als Kriegshetzer auch am allermeisten gegen sein
+Interesse handeln. Der Beamte wird im Krieg durch den
+Staat hinreichend ökonomisch geschützt, der Bauer findet
+nach dem Kriege immer seinen Grund und Boden wieder.
+Der Jude aber als Kaufmann hat durch die Unterbindung
+des Außenhandels enorm verloren. Bei einer großen Zahl
+der jüdischen Firmen ist mit einem Schlage der Lohn arbeitsvoller
+Jahre dahin gewesen. Und nach dem Kriege wird es
+auch für sie des größten Fleißes bedürfen, um nur annähernd
+</span><span class="pageno target" id="page-38" title="38"> </span><span>das wieder zu erreichen, was man vorher an Wirtschaftsbeziehungen
+besaß.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Am meisten unter allen Völkern haben die </span><span class="gesperrt">Juden in
+Österreich</span><span> gelitten. Die Besetzung Galiziens und der
+Bukowina stürzte 800000 Juden ins Unglück. Der ruthenische
+oder polnische Bauer wurde von der russischen Regierung
+mit aller Schonung behandelt. Gegen den Juden
+ist man jedoch mit aller Niedertracht verfahren, die man
+sich denken kann. Der Bauer hat sein Heim, seine Ernte,
+seinen Verdienst behalten. Der galizische Jude ist</span><span> </span><span></span><span>—</span><span>, wenn
+er nicht gar nach Sibirien transportiert wurde,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>zum armseligen
+Bettler geworden. Sein Haus, seine Ware, sein Geld
+vernichtet, er selbst brotlos und heimatlos. Man lese darüber
+das Buch Segels „Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen
+Volkes“</span><a class="footnote-reference" href="#id38" id="id37"><sup>18</sup></a><span></span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>und man wird das Gruseln dabei lernen.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Eines der auch amtlich nachgewiesenen Ereignisse
+möchte ich hier zur Probe nach der Schilderung Benjamin
+Segels wiedergeben:</span></p>
+<p class="pnext"><span>„Im 16. Jahrhundert pflegten sich die Kosaken im
+Kampfe gegen Polen eines von den Tataren entlehnten
+Kriegsmittels zu bedienen: wenn sie eine Festung stürmten,
+trieben sie mit Lanzenstichen und Gewehrfeuer Gefangene
+vor, die Säcke voll Erde auf den Schultern trugen und
+unter dem Kugelregen ihrer eigenen belagerten Landsleute
+die Laufgräben um die Festung ausfüllen mußten, wobei sie
+unter der Last begraben wurden. Diese unmenschliche Sitte
+ist aus dem Kriege zwischen zivilisierten Völkern verschwunden.
+Die Japaner haben nur oftmals gegen die russische
+Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer
+auffingen. Die Russen aber haben in Galizien aufs neue
+den Brauch eingeführt, Menschen, wehrlose Menschen zu
+diesem Zwecke zu gebrauchen. Nicht etwa Gefangene, sondern
+</span><span class="pageno target" id="page-39" title="39"> </span><span>Nichtkämpfer, Greise, Frauen und Kinder. Vor </span><span class="gesperrt">Nadworna</span><span>
+im Südosten Galiziens geschah das Furchtbare.
+Die Russen brachten </span><span class="gesperrt">eintausendfünfhundert jüdische</span><span>
+Familien zusammen und trieben sie vor die österreichische
+Front, während sie selber hinterdrein vorrückten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die menschliche Sprache hat keine Worte, um das Grausame
+dieser Untat auch nur annähernd zu kennzeichnen.“</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span></span></p>
+<p class="pnext"><span>Bekannt sind die Befehle russischer Kommandanten, von
+denen ich z.</span><span> </span><span>B. den des Etappenkommandeurs von Krosna,
+vom 10. März, wiedergebe:</span></p>
+<p class="pnext"><span>„Für jeden Fall, in dem die deutsche oder österreichische
+Regierung jemanden aus der nichtjüdischen Bevölkerung bestraft,
+sind die Juden verantwortlich. Zu diesem Zweck
+werden jüdische Geiseln mitgenommen und für jeden Nichtjuden
+wird man zwei Juden umbringen.“</span></p>
+<p class="pnext"><span>Das Stockholmer Blatt „Sozialdemokraten“ konstatierte:
+Jeder russische General, der eine Niederlage erleidet, schiebt
+die Schuld einfach auf</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>die Juden in dem Gebiete, wo er ist.
+Die Juden wurden zu Zehntausenden ausgewiesen: auf lose
+Angebereien wurden sie erschossen und erhängt.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Und in </span><span class="gesperrt">Rußland</span><span>? Die russischen Juden dürfen, das
+ist in Deutschland kaum bekannt, nur in den westlichen polnischen,
+litauischen und bessarabischen Provinzen Rußlands
+wohnen und auch hier nicht auf dem Lande, sondern nur in
+den Städten. Sie sind vom Ackerbau abgeschlossen, Bodenerwerb
+ist ihnen streng untersagt. Künstlich hat die russische
+Regierung alle modernen Bildungsbestrebungen verboten,
+alle freiheitlichen Regungen unterdrückt, die idealistische
+Jugend, die ihre Glaubensgenossen organisieren
+wollten, die für irgend einen Fortschritt kämpften, gefangen
+gesetzt. Tausende gerade der Fähigsten sind ausgewandert.
+Amerika nahm allein 2 Millionen dieser unfreiwilligen Emigranten
+auf. Was blieb, ist ein Torso. Die ständigen Judengesetze
+</span><span class="pageno target" id="page-40" title="40"> </span><span>und Verordnungen treiben willkürlich die Juden in
+gewissen Städten zusammen. So hat das Jahr 1882 eine maßlose
+Überfüllung des Ansiedlungsrayons hervorgerufen. Das
+polnisch-jüdische Ghetto ist ein modernes Kunstprodukt, wofür
+die russische Regierung verantwortlich zeichnet. Mit
+Gewalt hält die Obrigkeit die jüdische Bevölkerung in Armut,
+hindert jede hygienische Regung und verbietet alle
+geistigen Bestrebungen. Es ist unmöglich, daß die Verhältnisse
+anders sind, als wir sie antreffen, und das antisemitisch
+absprechende Urteil berücksichtigt nicht, daß es sich um
+ein Volk handelt, das in allem geknebelt und entrechtet ist.
+Der Krieg, der sich im Westen Rußlands abspielt, hat naturgemäß
+die Juden am stärksten betroffen.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Hunderte jüdischer Gemeinden sind zertreten. Ich habe
+selbst viele in Polen sowie nördlich der Weichsel und besonders
+im Gouvernement Kowno, sowie in Kurland gesehen.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Über die Lage der Juden in Rußland informiert das
+Büchlein von Kurt </span><span class="gesperrt">Aram</span><span>: Der Zar und seine Juden</span><a class="footnote-reference" href="#id40" id="id39"><sup>19</sup></a><span>
+(„Das jüdische Elend in Warschau ist doch noch
+viel gräßlicher als alles andere, was ich sah.“) Und
+Dr. Claus schreibt im Russenheft der Süddeutschen Monatshefte:
+„Schon in Friedenszeiten war das Elend unter den
+Juden groß; wer einmal einen Einblick in die Ghetti Warschaus
+oder einer litauischen Stadt getan hat, wird das Bild
+des Grauens so leicht nicht los.“</span></p>
+<p class="pnext"><span>Ich will nicht eingehend über all das Grauenhafte schreiben,
+was selbst die russische Zensur in ihren Blättern bringen
+ließ. Einwandsfreie nichtjüdische Abgeordnete haben
+in den denkwürdigen Dumatagen des August das tragische
+Geschick des jüdischen Volkes, das von der Regierung zu
+allen Zeiten als Blitzableiter dienen mußte, gekennzeichnet.
+</span><span class="pageno target" id="page-41" title="41"> </span><span>Geben wir der „Guerre Sociale“, dem bundesgenössischen
+Blatt, darüber das Wort:</span></p>
+<p class="pnext"><span>„Das österreichische wie das russische Polen ist von
+Polen und Juden bewohnt. Was hat man getan, um z.</span><span> </span><span>B.
+die Juden für die Sache der Verbündeten zu gewinnen?
+Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en bloc
+in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn
+alles das, was amerikanische Blätter über die den
+Juden seit Kriegsbeginn zuteil gewordene </span><span class="gesperrt">schmachvolle
+Behandlung</span><span> mitteilen, wahr ist, wie kann Rußland
+dann für sie etwas anderes sein, als ein </span><span class="gesperrt">Land des
+Schreckens und der Schande</span><span>, wo ihre verfolgte
+Rasse den Becher bis zur Neige geleert hat.“</span></p>
+<p class="pnext"><span>Und nochmals die „Guerre Sociale“ (Gustav Hervé):
+„Mir kommt nicht zu, in diesem Augenblick, wo das befreundete
+und verbündete Rußland schmerzliche Stunden
+durchlebt, davon zu erzählen, wie es viel zu lange die Juden
+behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren
+sie im Mittelalter behandelt haben.“</span></p>
+<p class="pnext"><span>Und schließen wir mit den mutigen Worten des jüdischen
+Dumadeputierten </span><span class="gesperrt">Friedmann</span><span>, den keine Angst
+vor Einkerkerung oder vor Sibirien abhalten konnte, nach
+allen vorliegenden Zeitungen u.</span><span> </span><span>a. folgendes festzustellen:</span></p>
+<p class="pnext"><span>„Die Zeitungen registrierten eine ungeheure Menge jüdischer
+Kriegsfreiwilliger. Diese Freiwilligen sollten ihrem
+Bildungsgrad nach Anspruch auf Offiziersrang haben, aber
+sie wußten ganz gut, daß sie als Juden den Offiziersrang
+nicht bekamen. Trotzdem zogen sie in den Krieg.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Zahlreiche jüdische Studenten kamen aus dem Ausland
+und gingen an die Front. Die Juden zuhause bauten Lazarette,
+spendeten viel Geld und brachten verhältnismäßig
+</span><span class="gesperrt">weit größere Opfer als andere Nationen</span><span>.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Viele jüdische Soldaten bekamen auch das Georgskreuz.
+(Ich habe selbst verschiedene gesehen. Der Verf.) So war
+</span><span class="pageno target" id="page-42" title="42"> </span><span>die Stimmung der Juden bei Kriegsausbruch. Aber wir dürfen
+nicht vergessen, daß im Polenland jüdisches Blut in
+starken Strömen fließt, und zum Unglück nicht nur von
+Feindeshand. Militärbehörden und Regierung brauchten
+Sündenböcke für ihre Mißerfolge. Man benutzt zu diesem
+Zweck die alte Firma, das ist der Jude. Kaum überschritt
+der Feind die Grenze, so verbreiteten sich Gerüchte, daß
+jüdisches Gold auf Aeroplanen, in Särgen und Eingeweiden
+von Gänsen zu den Deutschen floß. Die Legende wuchs,
+sie verbreitete sich dank der Agitation der Regierungsagenten
+und nahm schließlich ungeheure Dimensionen an.
+Den Juden gegenüber wurden unerhörte Maßnahmen angewendet
+und diese Maßnahmen, die vor den Augen der ganzen
+Bevölkerung vollzogen wurden, flößten derselben und
+der Armee das Gefühl ein, daß die Juden als schlimmste
+Feinde außerhalb des Gesetzes stehen. Zuerst wurden alle
+Juden aus Polen und Litauen ausgewiesen. </span><span class="gesperrt">Über eine
+Million</span><span> Menschen mußte den Bettelstab ergreifen. Verwundete
+jüdische Soldaten mit dem Georgskreuz wurden in
+Viehwagen und wirklich wie Vieh mit einem Frachtschein
+abtransportiert. Jüdinnen, deren Männer, Kinder und Brüder
+ihr Blut fürs Vaterland vergossen haben, wurden überall verfolgt.
+Eine andere harte Maßnahme war das Geiselnehmen.
+Es handelt sich hier um einen unerhörten Fall in der Weltgeschichte.
+Man nahm als Geiseln Staatsangehörige des
+eigenen Landes. Anders als eine Schmach kann man das
+nicht nennen.“</span></p>
+<p class="pnext"><span>Trotzdem Millionen nur Jiddisch verstehen, wurden in
+ganz Rußland die Korrespondenzen, Telefongespräche, Unterhaltungen
+auf der Straße in Jiddisch verboten und die
+Unglücklichen eingekerkert, die dagegen verstoßen mußten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Rußland erklärt, daß des Zaren „liebe“ Juden Freunde
+der Deutschen sind, daß sie denen zu Liebe spionieren, ja
+sogar auf die russischen Truppen schießen. Gewiß bestehen
+</span><span class="pageno target" id="page-43" title="43"> </span><span>vielfach Sympathien für die Deutschen auf Seiten der russischen
+Juden, weil viele Deutsche zwar auch Antisemiten,
+aber doch nicht so grausame Feinde der Juden sind wie die
+Russen. Aber zwischen einigen Sentiments und zwischen
+der Äußerung irgendwelcher staatsfeindlicher Gefühle ist
+doch noch ein sehr weiter Sprung. Selbst die, welche sich
+darüber klar sind, daß ihnen die deutsche Regierung wegen
+des geringeren antisemitischen Druckes lieber wäre, wagen
+sicherlich nicht die geringste Tat. Sie wissen, daß sie als
+Juden schon </span><span class="gesperrt">ohne</span><span> allen Grund als Vaterlandsverräter gebrandmarkt
+sind, daß man ihnen über Schritt und Tritt nachforscht.
+Und sie hüten sich ängstlich vor jedem Verstoß.
+Wer die Psyche der Ostjuden kennt, weiß, daß es, abgesehen
+vom Hindu, keine friedlichere Bevölkerung gibt. In der
+strenggläubigen Bevölkerung sprechen dabei auch religiöse
+Auffassungen mit.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Was die russischen Juden den Deutschen so nahebringt,
+ist ihre Sprache und ihre Kultur. Wohin der deutsche Soldat
+in Rußland kommt, er nimmt sich immer den Juden vor,
+von dem er weiß, daß er Deutsch versteht, und daß er überhaupt
+nicht schwer von Begriff ist.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die deutsche Regierung, die Militärverwaltung hat überall
+gerne jüdische Mitarbeit gesucht und gefunden. Andererseits
+haben gerade die jüdischen Gemeinden in weitgehendster
+Weise die Not unter den Juden gelindert, sogar im
+armen Osten haben die jüdischen Religionsverbände ihre
+Angehörigen gestützt, und dem Staate damit seine Aufgabe
+erleichtert.</span></p>
+<div class="vfill">
+</div>
+<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p>
+</div>
+<div class="level-2 section" id="kaplino-die-lehren-des-krieges">
+<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-44" title="44"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="die-lehren-des-krieges">Die Lehren des Krieges</span><span class="bold large">.</span></h2>
+<p class="pfirst"><span>Die Ergebnisse aus dem Kriege für das Verhältnis der
+deutschen Juden zum Reiche sind leicht zu ziehen. Wie im
+Frieden, so haben sich die Juden besonders in den schweren
+Zeiten der Stürme als gute Staatsbürger bewährt. Der Burgfriede
+hat es ermöglicht, daß die, welche durch lange Zeit
+als Soldaten II. Klasse und auch als mindere Staatsbürger
+behandelt worden waren, ihre Pflicht in vollem Maße taten
+und mehr als das. Wenn man die Zahl der jüdischen Kriegsfreiwilligen,
+die zum Heere strömten, zählen wird, dürfte
+mancher frühere Antisemit erstaunen. Soviel Liebe und Begeisterung
+für ein Vaterland, das seinen jüdischen Mitbürgern
+die Zeiten des Soldatenstands nicht zu den angenehmsten
+machte, kann nur bei einem Volke gefunden werden,
+das in seinem Kern ein loyales ist. Und die Juden waren
+und sind denn auch tatsächlich in England, in Frankreich, in
+Italien und Österreich, in den Vereinigten Staaten, in Holland
+etc. überall als ein unbedingt gut patriotisches Element
+bekannt.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wenn sich etwas aus den Lehren des Augenblicks für
+die Zukunft ergeben müßte, so ist es die Forderung der
+vollen Durchführung der Gleichberechtigung der jüdischen
+Staatsbürger in Deutschland. Wie sich in Österreich die
+Ungarn bewährten, wie die Polen und Elsässer und Dänen
+in unseren Heeren zum Erfolge beitrugen, so vor allem die
+Juden, die nie auf deutschem Boden ein eigenes Territorium
+</span><span class="pageno target" id="page-45" title="45"> </span><span>zu gründen suchten, die nie in geschlossener Organisation
+irgend welchen staatlichen, sprachlichen oder kulturellen
+Bestrebungen der Deutschen im Frieden wie im Kriege eine
+Gegnerschaft aufboten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der deutsche Jude hat keine nationale und religiöse
+Politik, die sich gegen die der andern Staatsbürger wenden
+kann. Es gibt keinen jüdischen Verein, der Deutschland
+liberal, demokratisch oder sozialistisch regiert haben will.
+Wohl aber gibt es jüdische Redakteure bei den Freikonservativen,
+bei den Nationalliberalen, bei den Volksparteilern
+und in der Arbeiterbewegung. Eine irgendwie einheitliche
+jüdische Politik gibt es in Deutschland nicht. Auch ihre
+religiösen Anschauungen stören niemanden.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Nicht um Lohn zu finden, haben die Juden Seite an
+Seite mit allen anderen Deutschen gekämpft. Sie haben aber
+ein Anrecht, nicht um ihre Freiheit verkürzt zu werden. Es
+muß </span><span class="gesperrt">das</span><span> Schauspiel des Friedens aufhören, daß der Jude,
+sobald er getauft ist, Professor, Offizier, Staatsanwalt usw.
+werden kann. Diese </span><span class="gesperrt">Prämie auf das Renegatentum</span><span>
+ist nicht wert, in Friedenszeiten wiederzukehren.
+Deutschland darf keine antisemitische Politik betreiben, es
+würde sich sonst an das programmatisch antisemitische Rußland
+anlehnen. Es kann im Gegenteil auch nicht dem Ehrgefühl
+deutscher adliger Offiziere entsprechen, mit Männern
+eng verbunden zu sein, die sich ihrer Ahnen und Herkunft
+schämen. Es kann nicht die Auffassung der Hüterin des
+Rechts sein, daß Richter vorerst ihren Glauben abgeschworen
+haben müssen; es kann keine freie Wissenschaft sein,
+die das christliche Bekenntnis zur Voraussetzung hat.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Deutschland, der nunmehrige Freund des </span><span class="gesperrt">Islam</span><span>,
+kann auch seine </span><span class="gesperrt">jüdische</span><span> Bevölkerung ihrer Religion
+nachgehen lassen, ohne dabei Schaden für seine christlichen
+Bewohner zu nehmen. Der Übertritt vom Judentum zum
+Christentum muß wieder öffentlich als das gebrandmarkt
+</span><span class="pageno target" id="page-46" title="46"> </span><span>werden, was es in den weitaus meisten Fällen wirklich ist:
+als Streberei, Gesinnungsheuchelei, Religionsmißbrauch (alldieweil
+es keine „überzeugten“ Christen sind, die den Weg
+zum Taufbecken suchen und ihn so leicht finden.)</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der Krieg hat dem elenden Religions- und Rassengezänk
+im Innern des Landes hoffentlich ein Ende bereitet,
+nach außen hin wird es noch genug Arbeit geben, um den
+Haß der Nationen, die Zwietracht, Rachsucht, Mißgunst
+langsam abebben zu lassen. Auf Jahrzehnte hinaus wird
+Deutschland genügend Feinde besitzen, es kann daher die
+Ruhe im Innern doppelt nötig brauchen.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Soziale und biologische Probleme stellen sich in den
+Vordergrund. Die deutschen Juden haben der Großstadt
+und der Sucht, wirtschaftlich zu erstarken, bedeutende Opfer
+gebracht. Junggesellentum aus Vorliebe oder aus Not,
+weil die Familie ökonomisch eine bedeutsame Last ist,
+Kinderlosigkeit und Kinderarmut sind die Kennzeichen für
+die Entwicklung der heutigen deutschen Juden. Ich habe
+sie in den Büchern „</span><span class="gesperrt">Der Untergang der deutschen
+Juden</span><span>“</span><a class="footnote-reference" href="#id44" id="id41"><sup>20</sup></a><span>, „</span><span class="gesperrt">Das sterile Berlin</span><span>“</span><a class="footnote-reference" href="#id45" id="id42"><sup>21</sup></a><span> und
+in der </span><span class="gesperrt">Preisschrift der Gesellschaft für
+Rassenhygiene</span><a class="footnote-reference" href="#id46" id="id43"><sup>22</sup></a><span> des näheren dargelegt.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Nun reißt der Krieg weite Lücken in ihre Reihen. Während
+Deutschland wächst, verkümmert der Anteil seiner
+Juden. </span><span class="gesperrt">Sombart</span><span> hat nachgewiesen, wie die Bürokratisierung
+der Banken, der Schwerindustrie usw. den jüdischen
+Einfluß hemmt. Dazu kommt die prozentual geringer werdende
+Beteiligung. Die hervorstechende ökonomische Macht
+der Juden weicht langsam, aber sicher von selbst.</span></p>
+<p class="pnext"><span class="target" id="eine">Eine</span><span> antisemitische Bewegung könnte höchstens wirtschaftlich
+wertvollen Kräften, die ohnedies abnehmen, Hindernisse
+</span><span class="pageno target" id="page-47" title="47"> </span><span>bereiten, Unzufriedenheit in den jüdischen Kreisen
+säen und den Geist der Zwietracht verbreiten. Deutschland
+ist kein einheitlicher Staat, aufgebaut auf Grundlagen
+</span><span class="gesperrt">einer</span><span> Religion, </span><span class="gesperrt">einer</span><span> Rasse, </span><span class="gesperrt">einer</span><span> Staatsform. Es
+ist (ähnlich Amerika) die glückliche Synthese der verschiedensten
+Bevölkerungsschichten, die alle als deutsche Staatsbürger
+respektiert werden wollen. Glaubens- und Rassekämpfe
+müssen verflossenen Zeiten angehören. Wie traurig
+ist es, daß noch Millionen von Katholiken glauben, sich
+politisch vereinigen zu müssen, um entweder in ihren Rechten
+nicht geschwächt zu werden oder sich größeren Einfluß
+sichern zu können. Eine Vermischung von Religion und
+Politik. Sehen wir die Welfenpartei! Eine Gruppe, die nach
+fünfzig Jahren noch immer die Geschichte umwälzen, nochmals
+die staatlichen Zustände von 1866 herbeiführen wollte.
+Die Negation als Grundlage einer politischen Betätigung!</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der große Krieg muß auch im Innern eine Reform bedingen.
+Er muß uns soweit einander näher gebracht haben,
+daß wir die volle politische und bürgerliche </span><span class="gesperrt">Gleichberechtigung</span><span>,
+die Freiheit des Individuums fürderhin
+nicht mehr einzelnen Klassen und Gemeinschaften rauben
+wollen. Neben den Sozialdemokraten sind es die Juden, die
+vornehmlich als treue Staatsbürger angesehen zu werden
+verlangen und hoffentlich es auch erreichen. Mag besonders
+die Ostmarkenpolitik, die antisemitisch bis in die Knochen,
+durch die mehr oder minder gewaltsame wirtschaftliche
+Vertreibung der jüdischen Handwerker und Kaufleute in
+den Städten Posens und der östlichen Provinzen den polnischen
+Mittelstand aufblühen ließ, ein deutliches </span><span class="target" id="warnungszeichen">Warnungszeichen</span><span>
+dafür sein, wie schädlich letzten Endes jede
+Hetzpolitik ist.</span></p>
+<div class="vfill">
+</div>
+<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p>
+</div>
+<div class="level-2 section" id="kaplino-das-problem-der-ostjuden">
+<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-48" title="48"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="das-problem-der-ostjuden">Das Problem der Ostjuden</span><span class="bold large">.</span></h2>
+<p class="pfirst"><span>Es mag leicht sein, daß ein Friedensschluß dem Deutschen
+Reich neue polnische Gebiete bringt. Kein Element
+wird dann so leicht für das Deutschtum sprachlich und
+staatsbürgerlich zu gewinnen sein, wie das jüdische, das
+sich durch sechs bis sieben Jahrhunderte, seit es aus den
+Rheinlanden vertrieben wurde, die deutsche Mundart</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>wenn auch in eigener Entwickelung</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>bewahrte. Viele der
+deutschen Soldaten dachten sich garnichts dabei, als sie
+in allen Städten Rußlands eine (wenn auch nicht ganz korrekt)
+deutsch sprechende Bevölkerungsschicht antrafen.
+Einzelne aber waren darüber doch erstaunt. Sie waren auch
+überrascht, eine überaus ärmliche, im Wust der Umgebung
+verschmutzte, aber für alle Entwicklung empfängliche Masse
+anzutreffen, die sich gerne den deutschen Maßnahmen
+fügte.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Das Urteil über die polnischen Juden ist bei den Deutschen
+nicht immer sympathisch. Jedes fremde Volk hat
+Schwächen, die dem Fremden auffallen, und die leicht zu
+einer vollkommenen Verurteilung führen. Bei den russischen
+Juden wird zu wenig daran gedacht, daß die russische Regierung
+sie gewaltsam in modernen Ghetti zusammenpfercht.
+Sie dürfen nur im Ansiedlungsrayon wohnen, und hier
+wiederum nur in den Städten. Vor dreißig Jahren hat man
+sie so zusammengetrieben ohne Rücksicht darauf, ob die
+vorhandenen Wohnungs- und Lebensmöglichkeiten genügten.
+Man hat sie zwangsweise in schmutzige Löcher gestoßen.
+</span><span class="pageno target" id="page-49" title="49"> </span><span>Die vielen hundert Verbote, die den russischen Juden treffen,
+rauben ihm die Lust und das Recht, sich Häuser zu
+bauen, das Heim auszugestalten. Rußland will den Juden
+vertreiben, und so ist er denn auch immer auf dem Sprung,
+wegzugehen. Millionen Juden sind bereits nach Amerika,
+England, Südafrika, Frankreich usw. ausgewandert.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der russische Jude gilt wegen seiner Sprache (Jüdisch-Deutsch
+oder „Jargon“) als Deutschfreund. Während sich
+vielfach Polen und Ruthenen in Österreichisch-Galizien bei
+der russischen Okkupation recht eigentümlich benommen
+haben, während in diesen Ländern, besonders aber in </span><span class="target" id="russisch-polen">Russisch-Polen</span><span>,
+die Landbevölkerung in reichlichstem Maße zum
+Franktireurkrieg und zu Spionage neigte, verhielten sich die
+Juden überaus loyal. Es ist unwahr, daß sie für Deutschland
+Kundschafterdienste leisteten; sie haben sich aber naturgemäß
+auch den Russen gegenüber durchaus korrekt benommen.
+Dabei wurden die Juden am schwersten durch </span><span class="gesperrt">beide</span><span>
+Parteien geschädigt. Die Russen haben aus Haß jüdische
+Städte, z.</span><span> </span><span>B. Szawle, angezündet, und die Deutschen verbrannten
+u.</span><span> </span><span>a. Tauroggen als Gegenmaßregel gegen russische
+Greuel in Ostpreußen. Tauroggen war aber vor allem
+eine jüdische Stadt. Kalisch, eine echte Judenstadt, wurde
+gründlichst zerstört, weil als Zivilisten verkleidete Soldaten
+aus Bürgerhäusern schossen. Dadurch wurden Tausende von
+Juden obdachlos. Viele Städte wurden durch Bombardements
+zerstört, wie Lowicz, Sochaczew etc. Von Seiten der
+Deutschen mußten vielfach Ausweisungen jüdischer Bürger
+erfolgen, da man natürlich keinem der feindlichen Staatsangehörigen
+trauen konnte; die Massenausweisungen der
+Juden aus Polen, Rußland, Kowno etc. übertreffen ums
+Dreifache die Zahl der seinerzeit aus Spanien vertriebenen
+Juden. Bereits wandern heimatlos eine und eine halbe Million
+im Innern Rußlands, und auch in Österreich sind es
+Hunderttausende, deren Heim zerstört ist.</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span></span><span class="pageno target" id="page-50" title="50"> </span></p>
+<p class="pnext"><span>Der deutschsprechende Jude wird, wie oben bemerkt,
+als Deutschenfreund angesehen. So wie die Verhältnisse vor
+dem Kriege lagen, hätte es den russischen Juden nichts eingetragen,
+sich an die Freundschaft Deutschlands zu wenden. Nicht
+einmal seine eigenen Juden schützte Deutschland vor
+Rußland. Das Zarenreich erlaubte nur ganz ausnahmsweise
+den Deutschen jüdischen Glaubens den Eintritt in
+sein Land. Und Deutschlands Politiker haben gegen diese
+monströse Beschränkung niemals remonstriert. Sie ließen die
+öffentliche Beschimpfung ihrer Juden zu, ohne durch irgendeine
+Gegenwehr, Gegenmaßregel oder nur ernstliche Vorstellung
+ihre Staatsbürger vor schimpflicher Behandlung zu
+schützen. Und die deutsch sprechenden sieben Millionen
+Juden Rußlands? Sie gelten zwar als Freunde Deutschlands,
+</span><span class="gesperrt">nur daß Deutschland nicht ihr Freund ist</span><span>!</span></p>
+<p class="pnext"><span>Deutschland hat zu Beginn des Krieges durch seine
+Generale erklären lassen, daß es den Polen volle Gerechtigkeit
+widerfahren lassen wolle. Die Juden, deren Zahl in den
+Grenzländern bedeutend ist, wurden nicht sonderlich erwähnt.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Es ist anzunehmen, daß sich Deutschland nach dem
+Kriege allen seinen Juden gegenüber liberal verhalten wird.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Aber es ist doch sehr die Frage, wenn sich keine gewaltigen
+Grenzverschiebungen ergeben, ob die Judenfrage
+Rußlands einer Lösung nähergebracht wird. Schon vor dem
+Krieg hat die russische Regierung die Bedrückung der Juden
+systematisch inauguriert, die Pogrome des Jahres 1905 waren
+bestellte Arbeit. Rußland bekennt sich zu dem Lehrsatz
+eines seiner Minister: „Ein Drittel der Juden wird vertrieben,
+ein Drittel muß verhungern und ein Drittel ist zu töten.“
+(Siehe Errera „Die Judenfrage“.)</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die Judenfrage Rußlands interessiert Deutschland aus
+vielen Gründen. Die sieben Millionen, die deutsch verstehen
+</span><span class="pageno target" id="page-51" title="51"> </span><span>und sprechen, bildeten ein wertvolles wirtschaftliches Element,
+das gerne mit Deutschland Handelsbeziehungen unterhielt.
+Diese sieben Millionen sind die stärksten Gegner jedes
+Krieges mit Deutschland, das sie verehren. Wegen ihrer
+deutschen Sprache und ihrer deutschen Sympathien sind sie in
+grausamster Weise von Rußland bestraft worden.</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>Deutschland
+hat den Polen zu verstehen gegeben, daß es sich ihrer
+annehmen wird. Mit noch größerer Berechtigung aber können
+die </span><span class="gesperrt">Juden</span><span> erwarten, daß Deutschland sie nicht vergißt,
+wenn die Frage der unterdrückten Nationen in den Friedensverhandlungen
+aufgeworfen wird.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die Juden haben nie im politischen oder sprachlichen
+Kampfe mit den Deutschen gelegen (wie die Polen), seit
+Jahrhunderten sind sie zu einem Teile fest verwachsen mit
+der deutschen Erde. Die in Polen zurückgebliebenen Gemeinden
+sind bei der Teilung dieses Landes durch Zufall zu
+Rußland, Österreich oder Preußen gekommen. Die, welche
+russische Staatsbürger wurden, haben seit jener Zeit eine
+Geschichte des Leides und der Verfolgung erlebt, die ans
+finsterste Mittelalter erinnert. Leider wissen unsere deutschen
+Mitbürger wohl von „Greueln in Armenien“, wie sie
+die Engländer aus politischen Gründen aufbauschten,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>die
+Regierungspolitik Rußlands jedoch, das sich so lange als
+der beste Freund Deutschlands gebärdete, wußte recht gut
+über allen ihren Schandtaten dichte Schleier auszubreiten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die deutsch sprechenden Juden Rußlands sind zum
+Teil Zionisten. Die Türkei hat an ihren zionistischen Bürgern
+in diesem Kriege eine gute Unterstützung gefunden.
+Deutschland kann sehr wohl, im eigenen Interesse wie in
+dem seines neuen Bundesgenossen, ein Entgegenkommen der
+Türkei für eine jüdische Besiedlung der verödeten Landstriche
+Palästinas befürworten.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Es kann keine Frage sein, daß sofort nach dem Friedensschluß
+eine </span><span class="gesperrt">Massenauswanderung</span><span> der russischen
+</span><span class="pageno target" id="page-52" title="52"> </span><span>Juden beginnen wird, welche die gesamte Völkerwanderung
+numerisch in den Schatten stellt. Diese Juden, denen
+man das Letzte genommen hat, die ein volles Jahr lang gequält
+und getrieben wurden, jeden Augenblick gewärtig, erschossen
+oder zum mindesten nach Sibirien geführt zu werden,
+warten nur auf die Möglichkeit, wieder frei zu atmen.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Soll Deutschland diese Emigration nicht zum eigenen
+Nutzen zu beeinflussen suchen? Soll der Strom der Auswanderer
+nach Amerika gehen?</span><a class="footnote-reference" href="#id48" id="id47"><sup>23</sup></a><span> Deutschland wünscht
+eine moderne Entwicklung der Türkei. Durch die Verluste,
+die der Krieg im eigenen Lande zeitigte, ist keine Emigration
+der eigenen Massen bevorstehend. Im Gegenteil.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Wenn die Erlösung der kleinen Völker einen Rückhalt
+an Deutschland finden darf, dann kann es die gequälte jüdische
+Masse des Ostens nur in zionistischem Sinne erlösen.
+Auf Rußland kann Deutschland nicht einwirken, wie es
+seine Untertanen regieren soll. Eine breite Öffnung der
+eigenen Grenzen liegt nicht im Wunsch der meisten eigenen
+Staatsbürger.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Will Deutschland das Bündnis mit der Türkei ökonomisch
+ausnützen, will es sich dort eine Masse sichern, die
+aus sprachlichen Motiven wie auch aus Dankbarkeit zu
+Deutschland neigt, dann wird es einer großzügigen zionistischen
+Emigration die Wege ebnen, wird „dem Lande ohne
+Volk das Volk ohne Land“ geben.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Professor Otto </span><span class="gesperrt">Warburg</span><span> hat schon vor zehn Jahren
+darauf hingewiesen, daß die Besiedelung Mesopotamiens von
+</span><span class="pageno target" id="page-53" title="53"> </span><span>ausschlaggebender Bedeutung für die wirtschaftliche Erschließung
+und Entwicklung Vorderasiens ist.</span><a class="footnote-reference" href="#id50" id="id49"><sup>24</sup></a></p>
+<p class="pnext"><span>Deutsches Kapital hat die großen Bahnbauten nach
+Bagdad ermöglicht. Wir sind alle daran interessiert, daß
+Deutschland daraus Nutzen zieht. Hier kann nur eine geeignete
+Einwanderung helfen, denn die ortsanwesende Bevölkerungsmenge
+ist nicht ausreichend.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Da schon Massen arbeitsloser Juden in Polen den Behörden
+zur Last fallen, so wäre es gut, wenn man sich, wie für
+die ostpreußischen Flüchtlinge, so auch für das jüdische
+Proletariat Galiziens und Polens interessierte. Sobald sich
+die türkische Regierung entschließt, einwandernden jüdischen
+Familien Land anzuweisen, wird auch von der jüdischen
+Seite das nötige Geld zur Überführung und Ansässigmachung
+aufgebracht werden. Es ist nur nötig, daß
+sich </span><span class="gesperrt">der neue Dreibund</span><span> darüber klar ist, </span><span class="gesperrt">was er
+mit dem namenlosen Judenelend machen
+will</span><span>, wie er den vom Krieg entwurzelten Massen hilft,
+ohne dabei selbst Menschen zu verlieren. Denn Menschen
+sind Geld, Männer sind im Kriegsfalle Gewehre. Nie hat
+man die Bedeutung der Ziffer so erfaßt, wie bei diesem
+Krieg.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Kommt aber den Juden vom neuen Dreibund keine
+Hilfe, dann wandern sie bestimmt nach Amerika aus und
+gehen für die deutsche Sache verloren. Mit ihnen aber ein
+großes Nationalvermögen,</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>auch deshalb, weil ja jeder
+Emigrant etwas Geld bei sich haben muß, was bei einer solchen
+Völkerwanderung allein schon Millionenwerte ausmacht.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die Zukunft von Deutschlands kolonisatorischer Tätigkeit
+liegt im Orient, in der Türkei. Wie kaum je wieder bietet
+sich eine Gelegenheit, die Kolonisation zu fördern.
+</span><span class="pageno target" id="page-54" title="54"> </span><span>Kenner des Orients, wie Rohrbach, Auhagen, Paquet</span><a class="footnote-reference" href="#id52" id="id51"><sup>25</sup></a><span> u.</span><span> </span><span>a.,
+sind gerade in letzter Zeit für diese Orientierung der deutschen
+</span><span class="pageno target" id="page-55" title="55"> </span><span>Politik eingetreten. Schon früher plante übrigens der
+verstorbene Großherzog von Baden, das Interesse der Mächte
+für eine organisierte Kolonisation Palästinas durch die
+Juden wachzurufen.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Statt dessen hat man den franzosenfreundlichen Jesuiten,
+die neben zahlreichen Schulen eine Universität in Beirut
+gründeten, den russischen und griechischen Missionen
+Raum gegeben und hat die englischen Machinationen unter
+den Arabern geduldet.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die neu-deutsche Judenpolitik darf des weiteren nicht
+in den Fehler verfallen, das jüdische Element im Osten den
+Polen auszuliefern. In ganz Galizien hat man die Juden
+dem Terrorismus der Polen überantwortet. Man denke sich,
+daß dort ca. 900000 Menschen ein deutsches Idiom sprechen,
+eine Sprache, die der deutschen nähersteht als die flämische
+Mundart. Gleichwohl konnte man in Österreich nicht erreichen,
+daß das „Jiddisch“, wie es genannt wird, die Rechte
+einer Sprache bekam. Obwohl es eine Unzahl von Zeitungen
+gibt, die täglich in diesem Dialekt geschrieben werden,
+und deren Blätter u.</span><span> </span><span>a. in Lemberg, Lodz, Krakau etc. erscheinen
+(Warschauer und New Yorker Blätter in Jiddisch
+haben Auflagen von über 100000 Exemplaren), war diese
+Sprache „von Rechts wegen“ verpönt! Der Kaufmann sollte
+seine Rechnungsbücher damit nicht führen dürfen, Eingaben
+an die Regierung waren unstatthaft, während unterdessen
+die jiddische schöne Literatur in alle Sprachen übersetzt
+wurde, und Theaterstücke, ins Hochdeutsche übersetzt, Sensation
+in Berlin hervorriefen!</span></p>
+<p class="pnext"><span>Auch heute hat die deutsche Regierung die Bedeutung
+dieses Jargons noch nicht erfaßt. Eine Volksschicht, die in
+polnischen Gebieten lebt, greift aber, wenn sie ihre Muttersprache
+lassen muß, nicht zu dem dieser nahverwandten
+Deutschen, sondern zum </span><span class="gesperrt">Polnischen</span><span>. Es liegt kein
+Grund vor, die Polen </span><span class="gesperrt">künstlich</span><span> zu stärken und ein
+</span><span class="pageno target" id="page-56" title="56"> </span><span>Volkstum, das sich sprachlich ans Deutsche anlehnt, seiner
+Nationalität zugunsten der polnischen gewaltsam zu entkleiden.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Sollten größere polnische Bezirke Deutschland und
+Österreich angegliedert werden, so muß das </span><span class="gesperrt">Recht der
+Minorität</span><span> geschützt werden. Das moderne Polentum
+hat sich noch nicht als maßvoller und zuverlässiger Charakter
+erwiesen. Wo sie es nur konnten, haben die Polen die
+Juden bedrückt und ausgenutzt. Die galizischen Wahlen
+waren wahre Schlachttage der Schlachta. In vielen Orten
+floß jüdisches Blut, weil die Juden keine Polen wählen
+wollten. Noch schlimmer erging es den Juden in Russisch-Polen,
+wo sie den </span><span class="gesperrt">Polen und Russen</span><span> gänzlich ausgeliefert
+waren.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wenn die Franzosen und Italiener von „unerlösten
+Völkern“ sprechen, dann haben sie kaum der armen Juden
+gedacht, und sicherlich nie eine Hand gerührt, um deren
+Los zu erleichtern.</span><a class="footnote-reference" href="#id54" id="id53"><sup>26</sup></a><span> Und sie hätten es doch so bequem.
+Sie brauchten bloß ihren Bundesgenossen „darauf aufmerksam
+zu machen“.</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span></p>
+<!-- kein unitame Ersatzung für 1/3 -->
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Die Lage des jüdischen Volkes in Galizien ist eine viel
+bessere als jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren.
+</span><span class="pageno target" id="page-57" title="57"> </span><span>Aber was ihnen noch an nationaler und politischer
+Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen darlegen. Umsomehr,
+als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns zuführen
+müßte, die sich nicht wieder Zurücksetzungen und
+Schikanen ausgesetzt wissen wollen.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Die Bedrückung an Ort und Stelle zwingt sonst zu
+einer ungeheuren Auswanderung, die auch in Deutschland
+zu merken sein dürfte. Dagegen gibt es nur ein Allheilmittel:
+</span><span class="gesperrt">Lokale Rechte und Hilfe</span><span>; </span><span class="gesperrt">ferner Ableitung
+der überschüssigen Kräfte in den
+Orient</span><span> durch starkes Entgegenkommen der verbündeten
+Regierungen. Das heutige System entwurzelt nur die Elemente,
+die einigermaßen fest an der Scholle, an der Heimat
+hängen, und jagt sie ins Ungewisse.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wenn die deutsche Regierung den östlichen Juden nicht
+entgegenkommen kann, wird auch die dadurch sicherlich
+eintretende Entvölkerung die wirtschaftliche Entwicklung
+dieser Länder bedeutend verzögern.</span></p>
+<div class="vfill">
+</div>
+<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p>
+</div>
+<div class="level-2 section" id="kaplino-schlusz">
+<h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large pageno target" id="page-58" title="58"> </span><img class="align-top bold inline large" style="width: 100%; height: 1ex" alt=" " src="images/kapitell.png" /><span class="bold large"> </span><span class="bold large target" id="schlusz">Schluß</span><span class="bold large">.</span></h2>
+<p class="pfirst"><span>Der Krieg hat Deutschland bewiesen, daß der jüdische
+Einfluß, welcher sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung
+des Landes, an der Entwicklung seines Handels und
+seiner Industrie beigetragen hat, nicht umsonst war. Der vielverspottete
+Geist der Rothschild und Bleichröder, der schon
+1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren
+gefolgt und hat den Siegen den nötigen Rückhalt gegeben.
+Börse, Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe,
+mit denen der Militarismus zu rechnen hat. Die
+deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur von gewissenlosen
+Börsenjobbern gegründet sein; denn sie, ebenso wie der
+deutsche Wollmarkt</span><a class="footnote-reference" href="#id56" id="id55"><sup>27</sup></a><span>, wie das Sanitätswesen, wie die Fabriken
+und Ärzte</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>alles zu hohem Prozentsatz „verjudete“
+Berufe</span><span> </span><span></span><span>—</span><span></span><span> </span><span>haben die Erwartungen nicht getäuscht. Im Innern
+geht der Handel weiter und erhält uns unsere wirtschaftliche
+Kraft, und gibt dem Heere das, was die große alte
+Handelsnation England mühselig sich aus Amerika zusammensuchen
+muß.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Voreingenommene Nörgler werden auch nach dem
+Kriege zu den alten Waffen des Neides greifen und die
+hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder aufleben lassen.
+</span><span class="pageno target" id="page-59" title="59"> </span><span>Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann
+wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-,
+Rassen- und Religionshaß in die Rumpelkammer der Geschichte
+verschwinden.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Wir können uns aber fürwahr in Deutschland das Leben
+leichter machen, brauchen uns nach außen nicht mehr als ein
+anscheinend in sich zerrissenes Staatsgefüge zu zeigen, auf
+dessen Zerfall andere Länder lauern. Wir nähren damit nur
+falsche Hoffnungen und törichte Berechnungen. Deutschland
+ist groß genug, um allen seinen Bewohnern Spielraum
+zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen
+und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen.
+Neben dem bajuwarischen Menschenschlag möchten wir den
+etwas differenzierten Rheinländer, den Märker, aber auch
+den Ostpreußen nicht missen. Wer weiß, ob zum Polen und
+Elsässer nicht auch noch ein flämischer Einschlag kommt.
+Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Bürgern, die
+er freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist
+nicht erst gegen den Willen der Einheimischen „neu zugezogen“.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der
+Jude im Lande und hat sich stets allen Gesetzen des Staates
+willig und gern gefügt. Seine Religion ist seit drei
+Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen und hygienischen
+Maßregeln durchsetzt, daß sie heute noch Bewunderung
+erregen muß. Die </span><span class="target" id="sabbatruhe">Sabbatruhe,</span><span> das jüdische Familienleben,
+die Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht,
+die sich bei allen Juden, auch wo der Staat diesbezüglich
+versagte, längst findet, sind Emanationen einer Kultur, die
+nur der Böswillige übersehen und gering achten kann.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Nächsten
+und bedarf keiner Machtmittel, um dessen Lebensnerv
+aus Angst für sein eigenes Ich zu unterbinden. Wir haben
+in diesem Krieg die Unkultur Rußlands und des Slawentums
+</span><span class="pageno target" id="page-60" title="60"> </span><span>bekämpft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen Maßregeln
+die brutale Gewalt des neidischen England drängte.
+Mag sich Frankreich wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig
+als Hüterin des Fortschritts) gebärden, Deutschland wird
+und muß nur noch geläuterter als ein wahrer Hort der Freiheit
+seiner Bürger und der neutralen Staaten und Völker
+aus dem Kriege hervorgehen.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>Von den über 14 Millionen Juden hoffen und harren
+die Meisten auf den Sieg der deutschen Waffen. Die
+Sympathien der amerikanischen Israeliten stehen auf seiten
+der Zentralmächte. Nicht umsonst und nicht zufällig ist es
+gerade die Türkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert
+hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte,
+welche sich an die Seite Deutschlands gestellt hat. Möge die
+alte Sage des Talmud, die Lessing populär gemacht hat,
+nicht nur in den Tagen der Greuel und des Völkermordens
+bei uns eine wahre Stätte der Verehrung finden: die Geschichte
+von den drei Ringen.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Der muhammedanische, der christliche und der jüdische
+Glaube sind Formen der Kultur der Menschheit, die so viel
+der Welt gegeben, die sich so lange bewährt haben, daß es
+verbrecherisch wäre, Menschenglück und -hoffen um einer
+vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu gefährden.</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="pfirst"><span>In dem Machtbereich der eigenen und der verbündeten
+Länder wird dann die deutsche Politik bedeuten: Friede
+auf Erden.</span></p>
+<div class="vfill">
+</div>
+<p class="center noindent pfirst"><img class="align-top inline" style="width: 100%; height: 1ex" alt="===================================" src="images/kapitell.png" /></p>
+<div class="level-3 section" id="id57">
+<h3 class="center level-3 pfirst section-title title"><span class="bold large">Fußnoten</span></h3>
+<div class="container footnotes">
+<div class="footnote-group">
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id3" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id2">[<span class="small">1</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Die oft zitierten jüdischen Vereine haben keinen wirtschaftlichen,
+sondern einen humanitären Charakter.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id5" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id4">[<span class="small">2</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag R. Löwit, Wien 1915.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id7" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id6">[<span class="small">3</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Der letzte Nobelpreis für Chemie fiel nach Deutschland. Sein
+Träger wurde eine allgemein anerkannte chemische Autorität; der Nachfolger
+Bayers in München, der Vorstand des dortigen staatlichen
+Laboratoriums, Geh. Rat Professor Willstätter.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id9" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id8">[<span class="small">4</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Den „kleinen“ Mann haben ähnliche Entwicklungstendenzen in den
+meisten Fällen an die Wand gedrückt. Großbäckereien, Großschlächtereien,
+Wäschereien, Restaurationsbetriebe im großen, mit und ohne Filialen sind
+ähnliche Erscheinungen wie das Warenhaus, welche die selbständigen Handwerker
+und Kleinbetriebe in ihrer Existenz bedrohen.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id11" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id10">[<span class="small">5</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Das erklärt er </span><span class="gesperrt small">heute</span><span class="small">, nachdem die Rassenverhetzung den Juden das
+Leben auf Schritt und Tritt verekelt hat, nachdem seine voreilige Behauptung
+gegen die Juden die christliche Nächstenliebe bedingungslos aus
+Hunderttausenden zu Gunsten des Hasses gegen alle Anhänger des
+mosaischen Glaubens getilgt hat.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id13" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id12">[<span class="small">6</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">So hat der auf dem Felde der Ehre gefallene jugendliche Komponist,
+Kriegsfreiwilliger Walter </span><span class="gesperrt small">Asch</span><span class="small">, wie eine Münchener Zeitung meldet, in
+allzu großer Bescheidenheit als seinen letzten Willen hinterlassen, daß
+seine Werke nicht gedruckt werden dürfen.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id16" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id14">[<span class="small">7</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Witting (Witkowski).</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id17" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id15">[<span class="small">8</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">z.</span><span class="small"> </span><span class="small">B. Cassel.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id19" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id18">[<span class="small">9</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">So sind z.</span><span class="small"> </span><span class="small">B. die Nachkommen der bekannten jüdischen Gelddynastien
+Gumpert und Heine aus Hamburg mit dem deutschen und internationalen
+Hochadel verschwägert, ebenso wie die als Rennstallbesitzer geschätzten
+v. Oppenheimer aus Köln, v. Weinberg aus Frankfurt, die Bernstein-Becker
+aus Königsberg, v. Hirsch-Gereuth aus München. Ursprünglich jüdisch
+waren folgende nobilitierte Familien: v. Ukro, v. Oppenfeld, </span><span class="small target" id="v-renard">v. Renard,</span><span class="small">
+v. Moßner, v. </span><span class="small target" id="schwanenfeld">Schwanenfeld</span><span class="small">, v. Halle, v. Löwenthal u.</span><span class="small"> </span><span class="small">a.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id22" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id21">[<span class="small">10</span>]</a></td><td><p class="first pfirst"><span class="small">In Bayern gibt es jetzt aktive jüdische Majore und Oberstabsärzte,
+erstere etwa fünf, von letzteren, soviel bekannt wurde, sieben. In Österreich
+haben sich Juden als Generale ausgezeichnet; aktive Offiziere gibt
+es einige Hundert. Nach Bloch's „Österreichische Israel. Wochenschrift“
+haben sehr viele während des jetzigen Krieges ein glänzendes Avancement
+erfahren. Eine soeben erschienene Broschüre Ludwig Geiger's „Deutsche
+Juden und der Krieg“, die mir bei der Korrektur vorliegt, bringt genauere
+Zahlen über die Beteiligung der deutschen Juden an den Kriegen des
+XIX. Jahrhunderts. Hardenberg anerkannte danach schon am 4. 1. 1815:
+„Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer
+Mitbürger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes
+und der rühmlichen Verachtung der Todesgefahr aufzuweisen, sowie
+die Einwohner Berlins, namentlich auch die Frauen, in Opfern jeder Art
+sich den Christen angeschlossen haben.“</span></p>
+<p class="last pnext"><span class="small">Eine Denkschrift der Regierung Preußens vom Jahre 1847 ermittelte
+das Verhalten der Juden als Soldaten und stellte fest, daß die Juden in den
+Freiheitskriegen wie im Frieden den übrigen Truppen nicht nachstanden.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id24" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id23">[<span class="small">11</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Die „Leipziger Neuesten Nachrichten“ konstatierten, daß die in
+Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher Staatsangehörigkeit, in
+großer Zahl freiwillig zu den Fahnen eilten.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id26" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id25">[<span class="small">12</span>]</a></td><td><p class="first pfirst"><span class="small">Überall ist die Tapferkeit der Juden anerkannt worden.</span></p>
+<p class="pnext"><span class="small">Prinz Fuad, der Flügeladjutant des türkischen Sultans, hat dem
+offiziellen ungarischen Pressevertreter folgende Erklärung abgegeben (in
+der deutschen Presse im Jüd. Echo, München, Nr. 27, 1915, wiedergegeben):</span></p>
+<p class="pnext"><span class="small">„Die jüdische Legion, welche auf den Dardanellen operiert, verrichtet
+wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein türkischer Jude, bekam
+den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung. In den übrigen Militärteilen
+kämpfen die Juden mit andern zusammen ausgezeichnet. Die türkischen
+Militärbehörden machen daher keinen Unterschied zwischen jüdischen und
+nichtjüdischen Soldaten. Das Gleiche kann hinsichtlich der jüdischen Zivilbevölkerung
+gesagt werden, welche im jetzigen schweren Moment opferwillig
+dem Lande hilft, soviel sie nur vermag. Die jüdischen Bestrebungen
+in Palästina sind gut bekannt; niemand zweifelt an dem Patriotismus
+der türkischen Juden“.</span></p>
+<p class="pnext"><span class="small">Und Gustav Hervé sagt über die viel geschmähten russischen Juden</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">welche ein eignes Regiment gebildet hatten und in den erbitterten
+Frühjahrskämpfen bei Arras fielen</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">bei Gelegenheit der Veröffentlichung
+von Briefen gefallener Juden der jüdischen Fremdenlegion:</span></p>
+<p class="last pnext"><span class="small">„Held Litwak</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">du, dessen herrlicher Brief, geschrieben am Tag
+deines ruhmvollen Todes bei Carency an der Seite von 2000 Mitjuden, ich
+unlängst abgedruckt habe, vergib diesen armen Sergeanten, die euch
+monatelang als schmutzige Judenbuben und ähnlich beschimpft haben</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">euch, die ohne dazu verpflichtet zu sein, in einem Augenblick edler
+Begeisterung euer Blut großmütig an Frankreich dahingegeben habt, das
+in euren Augen das Sinnbild aller Freiheit und sittlichen Größe war.“</span><span class="small"> </span><span class="small">.</span><span class="small"> </span><span class="small">.</span><span class="small"> </span><span class="small">.</span><span class="small">
+Und das beste Zeichen, wie sehr die Juden freiwillig für die Freiheit </span><span class="small target" id="zu">zu</span><span class="small">
+kämpfen wissen, daß gerade die Anführer der polnischen Legionisten fast
+durchwegs Juden sind: Nach dem Jüd. Echo (Nr. 31, 1914, München) ist
+der Vorsitzende des Polnischen Nationalen Hauptkomités und der Legionen
+ein Jude namens Mosche Scherer und ebenso eine ganze Anzahl von Führern
+der Legion.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id28" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id27">[<span class="small">13</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Der bekannte Genosse Davidsohn „nur“ zweimal verwundet, nunmehr
+Offizierstellvertreter.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id30" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id29">[<span class="small">14</span>]</a></td><td><p class="first pfirst"><span class="small">Dagegen unterstreichen z.</span><span class="small"> </span><span class="small">B. die deutsch völkischen Blätter hämisch,
+daß Haase, welcher den verunglückten Aufruf veranlaßte, </span><span class="gesperrt small">Jude</span><span class="small"> sei, was
+man zu Kriegsbeginn, als er noch in minder unsympathischem Fahrwasser
+segelte, sorgsam unterließ, bei ihm zu erwähnen.</span></p>
+<p class="pnext"><span class="small">Eine typische Todesanzeige für einen aktiven jüdischen Offizier mag
+hier folgen:</span></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="center pfirst"><img class="align-middle inline small" style="width: 38%; height: 1em" alt="_________________" src="images/bar.png" /><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small"></span><img class="align-middle inline small" style="width: 10%" alt="[Verdienstkreuz]" src="images/kreuz.png" /><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small"></span><img class="align-middle inline small" style="width: 38%; height: 1em" alt="_________________" src="images/bar.png" /></p>
+<p class="pnext"><span class="small">Gestern Abend um ½9 Uhr verschied in der Medizinischen
+Klinik des Bürgerspitals zu Straßburg</span></p>
+<p class="pnext"><span class="bold small x-large">Herr Major</span><span class="small"> </span><span class="bold small xx-large">Max Hollerbaum</span></p>
+<p class="pnext"><span class="bold small">Kommandeur des B. Landsturm-Infanterie-Bataillons Passau II
+Ritter d. Eisernen Kreuzes, d. K. B. Militär-Verdienstordens usw.</span></p>
+<p class="pnext"><span class="small">Das Bataillon steht in tiefer Trauer an der Bahre seines
+ersten Kommandeurs.</span></p>
+<p class="pnext"><span class="small">Durch und durch Soldat, ein vornehmer, ritterlicher, zuverlässiger
+Charakter, durch Willenskraft und warmherziges Wohlwollen gleichmäßig
+ausgezeichnet, war er uns allen vorbildlich auch durch den
+Heroismus, den er im Kampfe gegen ein langwieriges, schweres Leiden
+bis zuletzt bewahrt hat. Es war ihm nicht vergönnt, wie an dem
+Kriege um die Gründung des Reichs so an dem um seine Behauptung
+bis zum ehrenvollen Abschluß teilzunehmen. Aber er hat Treue bis zum
+Tode gehalten, und sein Gedächtnis wird in hohen Ehren bleiben.</span></p>
+<p class="pnext"><span class="small">Am 27. September 1915.</span></p>
+<p class="pnext"><span class="bold large small">Für das Landsturm-Infanterie-Bataillon Passau II</span></p>
+<blockquote>
+<div>
+<div class="line-block outermost">
+<div class="line"><span class="small">I. V.: </span><strong class="bold small">Hauptmann Freiherr von Pechmann.</strong></div>
+</div>
+</div>
+</blockquote>
+<p class="center pfirst"><img class="align-middle inline small" style="width: 100%; height: 1em" alt="___________________________________________" src="images/bar.png" /></p>
+<div class="vspace" style="height: 2em">
+</div>
+<p class="last pfirst"><span class="small">Anschließend mag noch bemerkt werden, daß Major Hollerbaum
+nicht der einzige aktive jüdische Offizier in der bayerischen Armee war.
+Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien nur einige
+namentlich genannt: Der alte bayerische Kürassiergeneral Carl Ritter
+v. Obermayer, Major Isidor Marx (Vater) und Major Maximilian Marx (Sohn),
+die Majore Orfenau, Friedmann, Henle u.</span><span class="small"> </span><span class="small">a. Außerdem gab und gibt es viele
+jüdische aktive Sanitätsoffiziere, Militärbeamte und auch untere Chargen.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id32" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id31">[<span class="small">15</span>]</a></td><td><p class="first pfirst"><span class="small">Otto v. Gottberg, die offiziöse Feder unseres Kriegsministeriums,
+schreibt in einem Artikel „D. K. R. A.“ über Rathenau: „Er kam ohne
+Ruf und Amt, ein Deutscher in Sorge um das Vaterland. Wie wenige
+ein Kenner unserer Wirtschaft, fühlte Dr. Walter Rathenau, daß Deutschland
+einen längeren Krieg siegreich nur dann überstehen könne, wenn der
+Staat ohne Säumen zu organisiertem Sammeln, Sparen und Mehren der für
+die Kriegführung nötigen Stoffe schritt. Der Kriegsminister sah den Mann,
+den er gesucht hatte. Sankt Bureaukratius schlug wohl unter Protest
+die Hände über dem Kopf zusammen, als der General den Zivilisten, Doktor
+und Ingenieur mit höflicher Geste beim Kragen nahm und im Allerheiligsten
+der Heeresverwaltung in einen Stuhl setzte mit dem Auftrag,
+die Kriegs-Rohstoff-Abteilung </span><span class="small target" id="ins-leben-zu-rufen">ins Leben zu rufen.</span><span class="small">“</span></p>
+<p class="last pnext"><span class="small">Die Art, wie Rathenau die Aufgabe in achtmonatlichem Wirken löste,
+sichert ihm einen Ehrenplatz </span><span class="small target" id="in-der-geschichte-des-wirtschaftskrieges">in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.</span><span class="small">
+</span><span class="pageno small target" id="page-35" title="35"> </span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id34" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id33">[<span class="small">16</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Die Abkunft Barzilais' ist übrigens nicht sicher auf Juden zurückzuführen.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id36" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id35">[<span class="small">17</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Dafür hat Ernst Cassel Millionen gespendet, die er dem Kaiser
+übermittelte; der einzige Engländer, der sich die Freundschaft der beiden
+Länder etwas kosten ließ und sich ernsthaft darum bemühte.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id38" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id37">[<span class="small">18</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag Stilke, Berlin 1915.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id40" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id39">[<span class="small">19</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag Ullstein, Berlin.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id44" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id41">[<span class="small">20</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag Reinhardt, München.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id45" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id42">[<span class="small">21</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag Marquardt, Groß-Lichterfelde.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id46" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id43">[<span class="small">22</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Verlag Louis Lamm, Berlin C.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id48" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id47">[<span class="small">23</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Eine wirkliche Masseneinwanderung östlicher Juden in Deutschland
+wird schon aus ökonomischen Gründen schwer durchführbar sein. Dieselbe
+wäre auch vom jüdisch-nationalen Standpunkt nur eine Notstandsaktion,
+die übrigens wegen der vielen Widerstände, die nach jeder Hinsicht zu
+überwinden wären, keineswegs einzutreten braucht.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id50" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id49">[<span class="small">24</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Wir könnten z.</span><span class="small"> </span><span class="small">B. von daher unsere Baumwolle beziehen und so
+vom Auslande unabhängig werden.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id52" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id51">[<span class="small">25</span>]</a></td><td><p class="first pfirst"><span class="small">Ein soeben von Alfons </span><span class="gesperrt small">Paquet</span><span class="small"> erschienener Artikel (in Heft 40
+Jahrg. 1915 des März) „</span><span class="gesperrt small">Juden im Osten</span><span class="small">“ kommt zu denselben
+Resultaten. Paquet schreibt:</span></p>
+<p class="pnext"><span class="small">„Das türkische Volk kümmert sich wenig </span><span class="small target" id="um-den-glauben-anderer">um den Glauben anderer.</span><span class="small">
+Es erkennt in den Juden die Orientalen, es weiß, daß jene, die aus dem
+Westen kommen, zugleich Europäer sind, Träger eines praktischen Könnens,
+das dem neuen türkischen Staatswesen Nutzen zu bringen vermag. Und das
+eigentliche Palästina? Hat es nicht in den Jahren, die dem Versuch der
+Wiederbesiedelung gewidmet waren, bewiesen, daß es wirklich das Land
+ist, wo einmal der Wanderer sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen
+die den Erzvätern leuchteten, um auszuruhen und böse Spuren aus seinen
+Zügen wischen?“</span></p>
+<p class="pnext"><span class="small">Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein grünes Banner. In dem
+von Menschen erfüllten Europa werden sie das wichtigste für ihre
+Zukunft:</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">den Boden</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">nie erhalten, eher werden sie
+die Träger irgend eines
+unbestimmten Unheils sein. In allen Erdteilen, außer Vorderasien, fehlen
+die Möglichkeiten einer Ansiedelung, die den Juden erlaubt, nach ihrer
+höchst eigentümlichen Art zu leben und von dem geistigen Gut, nach dem
+sie </span><span class="small target" id="hungern">hungern</span><span class="small">, satt zu werden. Aber in dem einen kleinen Lande, das schon
+begonnen hat, zu einem neuen Dasein zu erwachen, ist Raum und Tragkraft
+genug, sie aufzunehmen. Josua und Kaleb sind von ihrer Kundschafterreise
+zurückgekehrt mit schweren Trauben. Es kommt jetzt darauf an
+die Fähigkeiten des Volkes, die bisher auf die Wüstenreise verwendet
+wurden, zu wecken und neu zu gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild
+der deutschen Volksschulen, vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze,
+werden dazu helfen können. Einst werden dann diese Knaben die Mannschaft
+eines neuen </span><span class="small target" id="morgenlandischen">morgenländischen</span><span class="small"> Wesens bilden, gleichviel, ob sie
+Ingenieure oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder Gelehrte werden,
+gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa bleiben und wie viele wirklich
+im Morgenland wohnen. Sie können in einer neuen Heimat ein neues
+Volk sein</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">nicht im Sinne jenes Nationalismus, der in Europa die Völker
+zerreißt und schlägt, sondern in dem innerlich freien, nach außen duldsamen
+Sinne der morgenländischen Weisen. „Der türkische Baum muß
+sehr grün werden und auswachsen.“ „Wer in seinem Schatten wohnen
+will, muß aber zuvor sein Gärtner sein.“</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span></p>
+<p class="last pnext"><span class="small">So denkt ein bekannter Orientkenner über die Judenfrage und das
+Problem der Türkei.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id54" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id53">[<span class="small">26</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Die 2</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><sup class="small superscript">1</sup><span class="small">/</span><sub class="small subscript">3</sub><span class="small"> Millionen Juden der
+Vereinigten Staaten sind deshalb durchweg
+deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der Deutschamerikaner haben
+an ihnen eine rege Stütze gefunden. Vergessen wir nicht, daß die
+Stimmung in Newyork, der größten Stadt Amerikas, für das ganze Land
+bedeutsam ist, daß sich die dortigen 1,2 Millionen Juden konstant für die
+Deutschen verwandten, weil sie von ihnen eine Erlösung der russischen
+Juden erwarten.</span><span class="small"> </span><span class="small"></span><span class="small">—</span><span class="small"></span><span class="small"> </span><span class="small">Eine offene Erklärung der deutschen Regierung an die
+amerikanischen Juden würde eine namenlose Begeisterung erwecken und
+die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe Unannehmlichkeiten
+wegen der Haltung Rußlands versetzen. Es wäre die beste Antwort gegenüber
+all den Enunziationen betreffs der unerlösten Völker in Österreich
+und Deutschland. Außerdem würde Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel
+für seine künftigen Anleihen erwarten können.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+<table class="docutils footnote" frame="void" id="id56" rules="none">
+<colgroup><col class="label" /><col /></colgroup>
+<tbody valign="top">
+<tr><td class="label"><a class="fn-backref" href="#id55">[<span class="small">27</span>]</a></td><td><p class="first last pfirst"><span class="small">Spottet über die „Leder- und Stiefeljuden“, aber es tat Deutschland
+gut, daß die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins Ausland exportierten,
+für Millionen Vorräte liegen hatten, die nun Heereszwecken dienen konnten.</span></p>
+</td></tr>
+</tbody>
+</table>
+</div>
+</div>
+</div>
+<div class="clearpage">
+</div>
+<div class="topic">
+<p class="center centerleft level-2 pfirst title topic-title topic-title first"><span class="bold large">Anmerkungen zur Transkription</span></p>
+<!-- there is a non-breaking space here! -->
+<p class="pfirst"><span>Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler:</span></p>
+<ul class="simple">
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 21, Z. 5</strong><span>: (die deutsche </span><cite class="italics">z, B.</cite><span> vertreten durch Mauthner) </span><span>—</span><span>&gt;</span><span>
+</span><a class="reference internal" href="#z-b">z. B.</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 28, letzte Zeile der Fußnote</strong><span>: </span><cite class="italics">Sehwanenfeld</cite><span> </span><span>—</span><span>&gt;</span><span> </span><a class="reference internal" href="#schwanenfeld">Schwanenfeld</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 30, Z. 18</strong><span>: Untervereinen bis 33% der </span><cite class="italics">Manschaften</cite><span> </span><span>—</span><span>&gt;</span><span>
+</span><a class="reference internal" href="#mannschaften">Mannschaften</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 32, Z. 13</strong><span>: Der Jude Ludwig Frank </span><cite class="italics">vielleichst</cite><span> der fähigste
+Kopf </span><span>—</span><span>&gt;</span><span> </span><a class="reference internal" href="#vielleicht">vielleicht</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 35, Fußnote</strong><span>: fehlende schließende Anführungszeichen,
+wahrscheinlich am Ende von </span><a class="reference internal" href="#ins-leben-zu-rufen">ins Leben zu rufen.</a><span> (andernfalls
+am Ende des letzten Satzes </span><a class="reference internal" href="#in-der-geschichte-des-wirtschaftskrieges">in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.</a><span>)</span></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 32, Z. 5 der Fußnote</strong><span>: für die Freiheit </span><cite class="italics">zn</cite><span> kämpfen </span><span>—</span><span>&gt;</span><span> </span><a class="reference internal" href="#zu">zu</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 46, vorletzte Zeile</strong><span>: </span><cite class="italics">Ein</cite><span> antisemitische Bewegung </span><span>—</span><span>&gt;</span><span> </span><a class="reference internal" href="#eine">Eine</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 47, Z. 3 v. u.</strong><span>: ein deutliches </span><cite class="italics">Wahrnungszeichen</cite><span> </span><span>—</span><span>&gt;</span><span>
+</span><a class="reference internal" href="#warnungszeichen">Warnungszeichen</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 49, Z. 11-12</strong><span>: besonders aber in </span><cite class="italics">Russich-Polen</cite><span> </span><span>—</span><span>&gt;</span><span>
+</span><a class="reference internal" href="#russisch-polen">Russisch-Polen</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 54, Z. 19 der Fußnote</strong><span>: nach dem sie </span><cite class="italics">lungern</cite><span> </span><span>—</span><span>&gt;</span><span> </span><a class="reference internal" href="#hungern">hungern</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 54, Z. 27 der Fußnote</strong><span>: </span><cite class="italics">morgenlandischen</cite><span> </span><span>—</span><span>&gt;</span><span> </span><a class="reference internal" href="#morgenlandischen">morgenländischen</a></p>
+</li>
+</ul>
+<p class="pfirst"><span>Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefügt:</span></p>
+<ul class="simple">
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 34, letzte Zeile des Textes</strong><span>: </span><a class="reference internal" href="#und-anderer-dinge-zu-gedenken">und anderer Dinge zu gedenken.</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 36, letzte Zeile des Textes</strong><span>:
+</span><a class="reference internal" href="#die-entfremdung-der-lander-bemerkten">die Entfremdung der Länder bemerkten.</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 54, Z. 4 der Fußnote</strong><span>: </span><a class="reference internal" href="#um-den-glauben-anderer">um den Glauben anderer.</a></p>
+</li>
+</ul>
+<p class="pfirst"><span>sowie fehlende Kommata:</span></p>
+<ul class="simple">
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 28, vorletzte Zeile der Fußnote</strong><span>: </span><a class="reference internal" href="#v-renard">v. Renard,</a></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><strong class="bold">S. 59, Z. 27</strong><span>: </span><a class="reference internal" href="#sabbatruhe">Sabbatruhe,</a></p>
+</li>
+</ul>
+<p class="pfirst"><span>Fußnoten, auf die im Original mit *) verwiesen wurde, wurden im e-Text
+durchnummeriert.</span></p>
+</div>
+<!-- -*- encoding: utf-8 -*- -->
+<div class="backmatter">
+</div>
+<p class="pfirst" id="pg-end-line"><span>*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK </span><span>DIE JUDEN IM WELTKRIEGE</span><span> ***</span></p>
+<div class="cleardoublepage">
+</div>
+</div>
+<div class="language-en level-2 pgfooter section" id="a-word-from-project-gutenberg" xml:lang="en" lang="en">
+<span id="pg-footer"></span><h2 class="center level-2 pfirst section-title title"><span class="bold large">A Word from Project Gutenberg</span></h2>
+<p class="pfirst"><span>We will update this book if we find any errors.</span></p>
+<p class="pnext"><span>This book can be found under: </span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org/ebooks/45808"><span>http://www.gutenberg.org/ebooks/45808</span></a></p>
+<p class="pnext"><span>Creating the works from public domain print editions means that no one
+owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and
+you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules, set
+forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+protect the Project Gutenberg™ concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you charge
+for the eBooks, unless you receive specific permission. If you do not
+charge anything for copies of this eBook, complying with the rules is
+very easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as
+creation of derivative works, reports, performances and research.
+They may be modified and printed and given away – you may do
+practically </span><em class="italics">anything</em><span> with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.</span></p>
+<div class="level-3 section" id="the-full-project-gutenberg-license">
+<span id="project-gutenberg-license"></span><h3 class="center level-3 pfirst section-title title"><span class="bold large">The Full Project Gutenberg License</span></h3>
+<p class="pfirst"><em class="italics">Please read this before you distribute or use this work.</em></p>
+<p class="pnext"><span>To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase “Project
+Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full
+Project Gutenberg™ License available with this file or online at
+</span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org/license">http://www.gutenberg.org/license</a><span>.</span></p>
+<div class="level-4 section" id="section-1-general-terms-of-use-redistributing-project-gutenberg-electronic-works">
+<h4 class="center level-4 pfirst section-title title"><span class="bold large">Section 1. General Terms of Use &amp; Redistributing Project Gutenberg™ electronic works</span></h4>
+<p class="pfirst"><strong class="bold">1.A.</strong><span> By reading or using any part of this Project Gutenberg™
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or
+destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your
+possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
+Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound by
+the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person
+or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.B.</strong><span> “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg™ electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg™ electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg™ electronic
+works. See paragraph 1.E below.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.C.</strong><span> The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the
+Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
+of Project Gutenberg™ electronic works. Nearly all the individual
+works in the collection are in the public domain in the United
+States. If an individual work is in the public domain in the United
+States and you are located in the United States, we do not claim a
+right to prevent you from copying, distributing, performing,
+displaying or creating derivative works based on the work as long as
+all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
+that you will support the Project Gutenberg™ mission of promoting free
+access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg™ works
+in compliance with the terms of this agreement for keeping the Project
+Gutenberg™ name associated with the work. You can easily comply with
+the terms of this agreement by keeping this work in the same format
+with its attached full Project Gutenberg™ License when you share it
+without charge with others.</span></p>
+<p class="pnext"></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.D.</strong><span> The copyright laws of the place where you are located also
+govern what you can do with this work. Copyright laws in most
+countries are in a constant state of change. If you are outside the
+United States, check the laws of your country in addition to the terms
+of this agreement before downloading, copying, displaying, performing,
+distributing or creating derivative works based on this work or any
+other Project Gutenberg™ work. The Foundation makes no
+representations concerning the copyright status of any work in any
+country outside the United States.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.</strong><span> Unless you have removed all references to Project Gutenberg:</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.1.</strong><span> The following sentence, with active links to, or other
+immediate access to, the full Project Gutenberg™ License must appear
+prominently whenever any copy of a Project Gutenberg™ work (any work
+on which the phrase “Project Gutenberg” appears, or with which the
+phrase “Project Gutenberg” is associated) is accessed, displayed,
+performed, viewed, copied or distributed:</span></p>
+<blockquote>
+<div>
+<p class="pfirst"><span>This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at </span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org">http://www.gutenberg.org</a></p>
+</div>
+</blockquote>
+<p class="pfirst"><strong class="bold">1.E.2.</strong><span> If an individual Project Gutenberg™ electronic work is
+derived from the public domain (does not contain a notice indicating
+that it is posted with permission of the copyright holder), the work
+can be copied and distributed to anyone in the United States without
+paying any fees or charges. If you are redistributing or providing
+access to a work with the phrase “Project Gutenberg” associated with
+or appearing on the work, you must comply either with the requirements
+of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or obtain permission for the use of
+the work and the Project Gutenberg™ trademark as set forth in
+paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.3.</strong><span> If an individual Project Gutenberg™ electronic work is
+posted with the permission of the copyright holder, your use and
+distribution must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and
+any additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
+will be linked to the Project Gutenberg™ License for all works posted
+with the permission of the copyright holder found at the beginning of
+this work.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.4.</strong><span> Do not unlink or detach or remove the full Project
+Gutenberg™ License terms from this work, or any files containing a
+part of this work or any other work associated with Project
+Gutenberg™.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.5.</strong><span> Do not copy, display, perform, distribute or redistribute
+this electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg™ License.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.6.</strong><span> You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
+any word processing or hypertext form. However, if you provide access
+to or distribute copies of a Project Gutenberg™ work in a format other
+than “Plain Vanilla ASCII” or other format used in the official
+version posted on the official Project Gutenberg™ web site
+(</span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org">http://www.gutenberg.org</a><span>), you must, at no additional cost, fee or
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+means of obtaining a copy upon request, of the work in its original
+“Plain Vanilla ASCII” or other form. Any alternate format must include
+the full Project Gutenberg™ License as specified in paragraph 1.E.1.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.7.</strong><span> Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg™ works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.E.8.</strong><span> You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg™ electronic works provided
+that</span></p>
+<ul class="open">
+<li><p class="first pfirst"><span>You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+the use of Project Gutenberg™ works calculated using the method you
+already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed to
+the owner of the Project Gutenberg™ trademark, but he has agreed to
+donate royalties under this paragraph to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid within 60
+days following each date on which you prepare (or are legally
+required to prepare) your periodic tax returns. Royalty payments
+should be clearly marked as such and sent to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation at the address specified in Section 4,
+“Information about donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation.”</span></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><span>You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+does not agree to the terms of the full Project Gutenberg™
+License. You must require such a user to return or destroy all
+copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
+all use of and all access to other copies of Project Gutenberg™
+works.</span></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><span>You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
+any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
+receipt of the work.</span></p>
+</li>
+<li><p class="first pfirst"><span>You comply with all other terms of this agreement for free
+distribution of Project Gutenberg™ works.</span></p>
+</li>
+</ul>
+<p class="pfirst"><strong class="bold">1.E.9.</strong><span> If you wish to charge a fee or distribute a Project
+Gutenberg™ electronic work or group of works on different terms than
+are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
+from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and
+Michael Hart, the owner of the Project Gutenberg™ trademark. Contact
+the Foundation as set forth in Section 3. below.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.</strong></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.1.</strong><span> Project Gutenberg volunteers and employees expend
+considerable effort to identify, do copyright research on, transcribe
+and proofread public domain works in creating the Project Gutenberg™
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg™ electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+“Defects,” such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.2.</strong><span> LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES – Except for the
+“Right of Replacement or Refund” described in paragraph 1.F.3, the
+Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the
+Project Gutenberg™ trademark, and any other party distributing a
+Project Gutenberg™ electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.3.</strong><span> LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND – If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium
+with your written explanation. The person or entity that provided you
+with the defective work may elect to provide a replacement copy in
+lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
+or entity providing it to you may choose to give you a second
+opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
+the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
+without further opportunities to fix the problem.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.4.</strong><span> Except for the limited right of replacement or refund set
+forth in paragraph 1.F.3, this work is provided to you ‘AS-IS,’ WITH
+NO OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.5.</strong><span> Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of
+damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
+violates the law of the state applicable to this agreement, the
+agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
+limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
+unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
+remaining provisions.</span></p>
+<p class="pnext"><strong class="bold">1.F.6.</strong><span> INDEMNITY – You agree to indemnify and hold the Foundation,
+the trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the
+production, promotion and distribution of Project Gutenberg™
+electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
+including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
+the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
+or any Project Gutenberg™ work, (b) alteration, modification, or
+additions or deletions to any Project Gutenberg™ work, and (c) any
+Defect you cause.</span></p>
+</div>
+<div class="level-4 section" id="section-2-information-about-the-mission-of-project-gutenberg">
+<h4 class="center level-4 pfirst section-title title"><span class="bold large">Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg™</span></h4>
+<p class="pfirst"><span>Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of
+computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
+exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
+from people in all walks of life.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg™'s
+goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will remain
+freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg™ and future generations. To
+learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and
+how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the
+Foundation web page at </span><a class="reference external" href="http://www.pglaf.org">http://www.pglaf.org</a><span> .</span></p>
+</div>
+<div class="level-4 section" id="section-3-information-about-the-project-gutenberg-literary-archive-foundation">
+<h4 class="center level-4 pfirst section-title title"><span class="bold large">Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation</span></h4>
+<p class="pfirst"><span>The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+</span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf">http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf</a><span> . Contributions to the
+Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to
+the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.</span></p>
+<p class="pnext"><span>The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr.
+S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are
+scattered throughout numerous locations. Its business office is
+located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801)
+596-1887, email </span><a class="reference external" href="mailto:business@pglaf.org">business@pglaf.org</a><span>. Email contact links and up to date
+contact information can be found at the Foundation's web site and
+official page at </span><a class="reference external" href="http://www.pglaf.org">http://www.pglaf.org</a></p>
+<p class="pnext"><span>For additional contact information:</span></p>
+<blockquote>
+<div>
+<div class="line-block outermost">
+<div class="line"><span>Dr. Gregory B. Newby</span></div>
+<div class="line"><span>Chief Executive and Director</span></div>
+<div class="line"><a class="reference external" href="mailto:gbnewby@pglaf.org">gbnewby@pglaf.org</a></div>
+</div>
+</div>
+</blockquote>
+</div>
+<div class="level-4 section" id="section-4-information-about-donations-to-the-project-gutenberg-literary-archive-foundation">
+<h4 class="center level-4 pfirst section-title title"><span class="bold large">Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation</span></h4>
+<p class="pfirst"><span>Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without wide spread
+public support and donations to carry out its mission of increasing
+the number of public domain and licensed works that can be freely
+distributed in machine readable form accessible by the widest array of
+equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to
+$5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status
+with the IRS.</span></p>
+<p class="pnext"><span>The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
+DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
+state visit </span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org/fundraising/donate">http://www.gutenberg.org/fundraising/donate</a></p>
+<p class="pnext"><span>While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.</span></p>
+<p class="pnext"><span>International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations. To
+donate, please visit: </span><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org/fundraising/donate">http://www.gutenberg.org/fundraising/donate</a></p>
+</div>
+<div class="level-4 section" id="section-5-general-information-about-project-gutenberg-electronic-works">
+<h4 class="center level-4 pfirst section-title title"><span class="bold large">Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works.</span></h4>
+<p class="pfirst"><span>Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg™
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg™ eBooks with only a loose network of volunteer support.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the
+U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
+necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
+edition.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's
+eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
+compressed (zipped), HTML and others.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Corrected </span><em class="italics">editions</em><span> of our eBooks replace the old file and take over
+the old filename and etext number. The replaced older file is
+renamed. </span><em class="italics">Versions</em><span> based on separate sources are treated as new
+eBooks receiving new filenames and etext numbers.</span></p>
+<p class="pnext"><span>Most people start at our Web site which has the main PG search
+facility:</span></p>
+<blockquote>
+<div>
+<p class="pfirst"><a class="reference external" href="http://www.gutenberg.org">http://www.gutenberg.org</a></p>
+</div>
+</blockquote>
+<p class="pfirst"><span>This Web site includes information about Project Gutenberg™, including
+how to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to subscribe
+to our email newsletter to hear about new eBooks.</span></p>
+</div>
+</div>
+</div>
+</div>
+</body>
+</html>
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+ .. class:: large center
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+ | 1916
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+ | |TitLin|
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+ | WELTVERLAG |logo| BERLIN, UNTER DEN LINDEN 56
+
+ .. |logo| image:: images/l.png
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+ :align: bottom
+ :alt: *
+
+[pg!2]
+
+.. clearpage::
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+[pg 3]
+
+
+
+|KapLinO| Inhalt.
+=================
+
+.. table::
+ :hrules: none
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+ :vertical-aligns: top top bottom
+
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Vorwort`_ | Seite | [pg 5]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Einleitung`_ | | [pg 7]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Der Krieg und die Juden`_ | | [pg 13]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | |nbs4| `Die Stellung der deutschen Juden vor | | |
+ | dem Kriege`_ | | [pg 13]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | |nbs4| `Die Juden im Kriege`_ | | [pg 28]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Juden im Ausland`_ | | [pg 36]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Die Lehren des Krieges`_ | | [pg 44]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Das Problem der Ostjuden`_ | | [pg 48]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+ | `Schluß`_ | | [pg 58]_ |
+ +------------------------------------------------+-------+----------+
+
+
+.. _`Die Stellung der deutschen Juden vor dem Kriege` :
+ `Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg`_
+
+ .. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg!4]
+
+.. clearpage
+
+[pg 5]
+
+|KapLinO| _`Vorwort`.
+=====================
+
+Die folgenden Ausführungen verdanken ihr Entstehen
+freien Stunden an der Front in Kurland, wo ich dem unendlichen
+Leid der Ostjuden auf Schritt und Tritt begegnete,
+einer unterdrückten Menschenmasse, die menschlich unser
+Interesse verdient, aber auch sprachlich, da sie den Deutschen
+darin noch näher steht als die Vlamen.
+
+Vor allem gilt die Schrift den Beziehungen der deutschen
+Juden zu ihrer Umgebung. Die Verhetzung, welche
+vor dem Krieg das Volk bald gegen Sozialdemokraten, Agrarier
+und Zentrumsanhänger trieb, fehlte nicht gegenüber den
+Juden. Aber jeder wirtschaftliche Haß, jede chauvinistische
+nationale Abneigung wirkt auf die Dauer unfruchtbar und
+schädlich.
+
+.. class:: center
+
+| |sterne|
+
+Damit die gegenseitige Achtung auch nach dem Kriege
+fortdauere und innerlich begründet wird, habe ich dargelegt,
+daß das Wort eines großen Denkers nicht zu Unrecht besteht:
+„Jedes Land hat die Juden, die es verdient“.
+[pg 6]
+
+„Wer die Luft, die ich atme, den Boden, auf dem ich
+stehe und in dem meine Eltern bestattet sind, mir nehmen
+will, ist mein Mörder\ |dots|\ “
+
+.. vspace:: 2
+
+So ungefähr wandte sich vor fünfzig Jahren Gabriel
+Rießer an seine Widersacher. Möge uns, wenn wir in die Heimat
+zurückkehren sollten, diese Sprache in alle Zukunft erspart
+bleiben.
+
+Möge mein Wort der Verständigung, der Aufklärung
+und dem Frieden dienen!
+
+ Herbst 1915.
+
+ .. class:: right
+
+ **Felix A. Theilhaber.**
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 7]
+
+
+|KapLinO| _`Einleitung`.
+========================
+
+
+Die „Hilfe“ vom 2. September 1915 bringt einen Artikel
+:gesperrt:`„Der Krieg und die russischen Juden“ von
+Paul Barth`. Seine Worte mögen meine Auseinandersetzung
+über das Problem „Judentum und Deutschtum“ einleiten.
+Paul Barth schreibt:
+
+„Was aber lauter als alles andere zum Himmel schreit,
+das sind die Massenverbrechen, die die russische Militär-
+und Zivilbürokratie tagtäglich an den „lieben Juden“ des
+Zaren verübt. Wohin das russische Heer kommt, da ist die
+erste kriegerische Leistung, daß die Juden ausgewiesen werden.
+Im Februar dieses Jahres erließ der „Allgemeine Jüdische
+Arbeiterbund Litauens, Polens und Rußlands“ einen
+Aufruf an „die Kulturwelt“, der einigermaßen veranschaulichte,
+welches Meer von Leiden hinter dem Worte „ausgewiesen“
+steckt. Mit einer Frist von vierundzwanzig, oft
+bloß von acht Stunden, hinausgetrieben in die Nacht und
+die Kälte des russischen Winters, alle, auch Greise, Frauen
+und Kinder; ohne Ziel, ohne Schutz in ein fast feindlich gesinntes
+Land; rechtlos schon im Frieden, jetzt rechtloser
+denn je. Unsere Ostpreußen sind gewiß tief zu beklagen,
+aber sie zogen doch in ein freundlich gesinntes Land. Hunderttausend
+ausgewiesene Juden sammelten sich damals
+[pg 8]
+hilflos in Warschau an, sehr viele, besonders Kinder, starben
+auf der Landstraße. Wie glücklich verhältnismäßig diejenigen,
+die ein Kosak erstochen hatte! Denn das ist nach
+jenem Aufruf ein regelmäßiger Sport der Kosaken, der unbestraft
+bleibt. Der Römer Seneca ereiferte sich darüber,
+daß ein Mensch, der Gladiator, „zum Spiele und Scherze getötet
+wird“. Der Gladiator jedoch konnte sich wehren, er
+war bewaffnet, das Ganze war ein Kampf zweier geübter
+Fechter. Der arme russische Jude aber kann sich nicht
+wehren.
+
+Und ich fürchte, das ist erst der Anfang. Allerdings
+ein sehr großer Anfang. Denn Mitte Mai wurden die Gouvernements
+Kurland, Kowno und ein Teil von Suwalki von
+280000, also mehr als einer Viertelmillion Juden „evakuiert“,
+wie der russische technische Ausdruck lautet. Neuerdings
+wurde eine Million Juden aus den Gouvernements
+Wilna, Grodno und Warschau vertrieben, d. |nbs| h. wirtschaftlich
+vernichtet. Das tut die russische Regierung. Was wird
+erst geschehen, wenn die russische „Volksseele“, besonders
+die der „echt russischen Leute“, unruhig wird! Und sie
+wird aufkochen, wenn Rußland weitere Niederlagen erleidet,
+und sich in „Pogromen“ Luft machen, genau so, wie es
+1905 und 1906 geschah. Was damals in Kertsch, Bialystok
+und vielen anderen Städten vorging, das wird sich in ganz
+Rußland wiederholen und wahrscheinlich mit viel größerer
+Heftigkeit. Und die Polizei wird, wie damals, teils wohlwollend
+zusehen, teils wohlwollend helfen. Damals war es
+schließlich die erste, sehr liberale Duma, unter einem viel
+besseren Stimmrecht als dem jetzigen gewählt, die den
+Greueln ein Ende machte. Aber die Duma, die jetzt zusammengetreten
+ist, wird für solche inneren Fragen keine Zeit
+haben.
+
+Was tun nun dabei die Juden der übrigen Welt, außerhalb
+Rußlands? Im allgemeinen nichts,\ |_--_|\was überraschend,
+[pg 9]
+vielleicht auch ein bedauerliches Symptom ist. Wie
+sehr sie auch die Kultur des Landes angenommen haben, in
+dem sie wohnen, sie hegen doch alle die gleiche Pietät für
+ihre Vergangenheit, die sie als starkes Band mit ihren russischen
+Stammesgenossen vereinigt. Die deutschen Juden
+freilich sind entschuldigt, sie :gesperrt:`können` nichts tun. Jeder
+öffentliche Schritt ihrerseits würde den russischen Juden bloß
+schaden. Diese würden daraufhin noch mehr verdächtigt
+werden, über die Grenze hinaus nach dem Landesfeinde
+zu schielen. In den Ländern des Vierverbandes sehen wir
+nur eins: überall sind Juden unter den Kriegshetzern, gegen
+die Zentralmächte, also für den Zarismus. In Frankreich
+sind sehr viele Juden in den höchsten Stellen, die beständig
+ihre Liebe zum Zarismus betätigen. In England haben
+die Juden viel Einfluß in der höchsten Aristokratie, die
+ganz besonders in der Hoffnung auf „die Dampfwalze“
+schwelgte. Lord Rosebery, einer der einflußreichsten Aristokraten,
+ist ja Schwiegersohn des Barons Meyer Rothschild.
+
+In Italien finden wir unter den wildesten Kriegshetzern
+jüdische Namen. Herr Nathan, der Bürgermeister von Rom,
+hielt im Dezember 1914 als Freimaurer, als früherer Großmeister
+der Logen des Großorients, im Theater Constanzi
+in Rom eine schwungvolle Rede, in der er zum Kriege für
+den Dreiverband, also für den Zaren, aufrief. Zwei bekannte
+italienische Politiker jüdischer Herkunft, Barzilai
+und Luzzatti, trieben ebenfalls zum Kriege.
+
+Aber was tun die Juden in den neutralen Ländern?
+Der einzige, der sich auf seine Herkunft und seine Gewissenspflicht
+besinnt, scheint Georg Brandes in Kopenhagen,
+wie sein Briefwechsel mit Clémenceau bewies. Andere sind
+auf seiten des Vierverbandes. Die rumänische Zeitung „Adeverul“
+(Wahrheit), die täglich gegen die Zentralmächte, also
+für Rußland agitiert, war bis vor kurzem und ist wohl noch
+in jüdischen Händen. Die übrigen tun gar nichts, nicht einmal
+[pg 10]
+die Sozialisten unter den Neutralen. Vor kurzem meldete
+Reuter aus Neuyork, Samuel Gompers, der Vorsitzende der
+American Federation of Labour, zweifellos jüdischer Herkunft,
+habe auf eine Einladung zu einer Versammlung, die
+gegen die amerikanische Kriegsbedarfsausfuhr protestieren
+wollte, durchaus ablehnend geantwortet. Dunkel ist zwar
+die Begründung seiner Ablehnung: „es gebe schrecklichere
+Dinge als den Krieg, nämlich des Geburtsrechts (d. |nbs| h. wohl
+des angeborenen Rechts), der Freiheit und der Gerechtigkeit
+beraubt zu sein“. Dies alles sind ja die Leiden der russischen
+Juden; aber Gompers lehnt ab, gegen die Unterstützung
+ihrer Unterdrücker zu protestieren.
+
+Wenn nun die Juden selbst so gänzlich passiv sind, so
+müssen wir :gesperrt:`Nichtjuden` uns regen und sie aus ihrer
+Resignation aufrütteln. Ich möchte nochmals betonen, daß
+die Verfolgungen erst anfangen. Je weiter die verbündeten
+Heere vorrücken, desto größer die Gefahr neuer Wutausbrüche.
+Und schon, wie berichtet wird, sind die Juden teilweise konzentriert
+in besondere Lager\ |_--_|\ sehr bequem für die Verfolger.
+Das Volk wird einen Sündenbock suchen, auf den es die
+Schuld der Niederlagen abwälze. Es wird die Regierung
+schuldig finden, aber es kann wieder einen Minister geben,
+wie denjenigen, der im Oktober 1905\ |_--_|\ nach jüdischen
+Quellen\ |_--_|\ sagte: „Wir werden die Revolution im Blute der
+Juden ersticken.“ Es folgten darauf die furchtbaren, zehn
+Tage dauernden Oktobermorde. Tausend Juden wurden erschlagen,
+achttausend wurden zu Krüppeln. Werte im Betrage
+von 180 Millionen Mark wurden vernichtet, 300000
+Juden flohen ins Ausland. (Vergl. „Allgemeine Zeitung des
+Judentums“, 1910, S. |nbs| 577.)
+
+Die deutschen Juden können, wie gesagt, unmittelbar
+nichts tun, aber mittelbar sehr viel. Sie können die Juden
+der :gesperrt:`nordamerikanischen` Union aufrufen, die für
+russische Angelegenheiten doch sonst Interesse zeigen. Als
+[pg 11]
+der Beilisprozeß schwebte, haben diese beim russischen Gesandten
+in Petersburg dagegen protestiert und später dem
+zwar freigesprochenen, aber sehr geschädigten und gequälten
+Beilis eine Farm geschenkt. Jetzt steht mehr als ein Menschenleben
+auf dem Spiele. Was dem einen Beilis recht war,
+ist allen russischen Juden billig. Die amerikanischen Juden
+müßten laut und energisch ihre Stimme erheben für ihre
+niedergetretenen russischen Stammesgenossen, täglich, so
+oft als möglich, in den Zeitungen, in allgemeinen Versammlungen
+der Juden und der Christen. Wenn erst die russische
+Regierung weiß, daß man ihr Treiben beobachtet,
+wird sie doch vielleicht stutzig werden und das Schlimmste
+unterlassen, sie wird wenigstens nicht die Polizei zur schweigenden
+Duldung der Morde und der Diebstähle anhalten,
+sondern notgedrungen den Befehl zur Aufrechterhaltung der
+Ordnung geben müssen. Nordamerika ist ja der künftige
+Geldmarkt für Rußland, der einzige, wo es einst Anleihen
+machen kann. Denn alle europäischen Staaten werden nach
+dem Kriege selbst zu viel Schulden haben, um anderen leihen
+zu können. Die Juden der Union aber sind eine starke
+Kapitalmacht, besonders im Westen. Sie haben\ |_--_|\ nach
+W. Sombart\ |_--_|\ eine herrschende oder wenigstens wichtige
+Stellung im Getreidehandel, im Tabakhandel und im Baumwollhandel.
+Auf allen drei Gebieten können sie den Russen
+schaden. Vor allem aber können sie jede russische Anleihe
+erschweren, vielleicht unmöglich machen. Damit müßten sie
+drohen. Darauf wird selbst die zarische Regierung hören.
+
+Und wenn die Proteste und Drohungen nichts helfen,
+so werden sie doch wenigstens Zeugnis ablegen, daß in der
+allgemeinen sittlichen Verwilderung es noch Menschen gegeben
+hat, die die Unmenschlichkeiten der zarischen Regierung
+als solche zu brandmarken gewagt haben.
+
+Wenn aber gar nichts geschieht, dann wird ganz gewiß
+sich das alte Sprichwort bewähren: „Wenn die Menschen
+[pg 12]
+schweigen, so reden die Steine“, freilich in diesem Falle nur
+die Steine des Pogroms, die auf unschuldige, wehrlose
+Opfer fallen werden.“
+
+.. class:: center
+
+| |sterne|
+
+Wenn Barth sich auf die Einwirkung der amerikanischen
+Juden verläßt, so fürchte ich, gibt er uns einen Wechsel
+auf die Zukunft. Die amerikanischen Juden sind noch
+nicht genügend organisiert, z. |nbs| T. auch als Vollblutyankees zu
+sehr auf Seiten der Entente.
+
+Ich glaube und werde es zu beweisen versuchen, daß
+Deutschland allen Grund hat, jede antisemitische Regung
+abzustreifen, den Juden im Inland die Gerechtigkeit, die
+ihrer treuen Staatsbürgerschaft gebührt, widerfahren zu lassen,
+den Juden in eroberten Gebieten jede Autonomie zu
+gewähren und den Auswandernden im Orient allen Vorschub
+für eine großzügige Kolonisation zu leisten.
+
+Doch damit komme ich schon zur Voraussetzung jeder
+Politik gegenüber den Juden: die Bewertung derselben als
+zuverlässige und fähige Staatsbürger gegenüber ihren Heimatsländern,
+und nicht zum mindesten in Deutschland!
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 13]
+
+
+|KapLinO| _`Der Krieg und die Juden`.
+=====================================
+
+Der große Krieg hat infolge des grandiosen Kaiserwortes
+„Ich kenne keine Parteien mehr“ den antisemitischen
+Angriffen und Übergriffen vorläufig den Grund und Boden
+entzogen. Trotzdem will das Judenproblem keineswegs von
+der Bildfläche verschwinden. Im Gegenteil. Der Einmarsch
+der deutschen Truppen in die polnischen und russischen Gebiete
+hat mit einem Schlage die innerpolitische Unhaltbarkeit
+des Schicksals, der nahezu sieben Millionen starken
+jüdischen Bevölkerung Rußlands der ganzen Kulturwelt aufgetan.
+Man wird nicht leugnen können, daß das jüdische
+Problem beim Friedensschlusse sowohl von großem internationalem
+Belang sein wird, als auch von hervorragender
+Bedeutung für die :gesperrt:`deutsche Politik`.
+
+_`Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg`.
+--------------------------------------------------
+
+Die Judenfrage ist für Deutschland praktisch so wichtig,
+daß es sich gewiß verlohnt, darauf einzugehen. Prüfen
+wir zunächst einmal die Stellung der Juden Deutschlands
+und ihren Einfluß in diesem Lande.
+
+Die Mitte des verflossenen Jahrhunderts hat nicht nur
+einen völligen Umsturz aller inner- und außen\ :gesperrt:`politischen`
+Verhältnisse Deutschlands bedingt; die breiten
+Volksmassen erschütterte ein :gesperrt:`sozialer` Umschwung.
+Aus einem rein agrarischen Staate wuchs in wenigen Jahrzehnten
+[pg 14]
+eine gigantische Industrie heraus, welcher bald ein
+weltenumspannender Handel die Wege bahnte. Die Technik
+feierte rascher ihre Triumphe, als die Regierungsfürsorge
+und die von Organisationen getragene Selbsthilfe der Interessengruppen
+sich auf die Neukonstellationen einstellen
+konnten. Dadurch gerieten die Arbeiter stellenweise in die
+Gefahr, materiell und physisch ausgenutzt zu werden. Auf
+dem Lande hatte sich einst ein ähnlicher Prozeß, wodurch
+sich Latifundien bildeten, im Laufe der Jahrhunderte entwickelt.
+Die industriellen und kommerziellen Großunternehmungen
+aber kamen über Nacht. Erbarmungslos rang das
+Großkapital den Stand der kleinen Leute nieder. Dieser
+ökonomische Werdegang ging nicht ohne Gewalttat, ohne
+Härten ab, die den Trägern den Haß des in seiner Existenz
+erschütterten dritten Standes eintragen mußten.
+
+Die Sozialdemokratie als die Zusammenfassung der
+Proletarier ist das naturnotwendige Produkt dieser Entwicklung.
+Der Antisemitismus ist die Konsequenz des Prozesses
+insofern, als sich diese Bewegung gegen die sichtbarsten
+Träger, gegen die Klasse von Menschen wandte,
+welche am geschicktesten die Macht des Kapitals auszunutzen
+wußten. Die erste Partei ist ein Versuch, der :gesperrt:`Sache`
+selbst entgegenzutreten, die letztere kämpft gegen :gesperrt:`Personen`,
+die nebenbei in ihrer religiösen und rassigen
+Eigenart eine gute Zielscheibe boten.
+
+Uns interessiert hier nicht, wie die Auswüchse des Kapitalismus
+oder der Kapitalismus selbst zu bekämpfen ist.
+Wir wollen nur der Frage nähertreten, wie der Antisemitismus
+des weiteren zu erklären ist, welches die Bedeutung der
+deutschen Judenheit gewesen ist, und ob wir anläßlich des
+Krieges den Juden einen mehr oder minder günstigen Einfluß
+auf die Wirtschaftsgestaltung Deutschlands einräumen
+können, um dann später auf den Einfluß der deutschen Juden
+und überhaupt auf den Krieg eingehen zu können.
+[pg 15]
+
+Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
+strömte ein gut Teil der jüdischen Jugend Deutschlands nach
+den Vereinigten Staaten von Amerika, Südafrika, England,
+Frankreich etc. Teilweise war ihnen die volle Gewerbefreiheit
+(wie z. |nbs| B. in Bayern bis 1864) vorenthalten gewesen.
+Die siebziger Jahre, die berühmten Gründerzeiten, bringen
+eine Hochflut von aus den Dörfern in die Städte strömenden
+Juden. Die jüdischen jungen Leute wandern nicht mehr in
+die Fremde, sondern wenden sich dem deutschen Handel,
+der Industrie, den akademischen Berufen, und vor allem den
+Großstädten zu. Das seit Jahrhunderten betätigte Wohnen
+in den Städten, bedingt durch Eigenart, aber auch durch
+das mittelalterliche Gesetz, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein
+Geltung hatte, läßt sie allmählich in die größeren Städte
+abwandern, wo die Verdienstmöglichkeiten sich stetig vergrößern.
+Dazu trägt auch die antisemitische Ostmarkenpolitik
+bei, welche die Juden aus den Provinzen Posen, Ost-
+und Westpreußen vertreibt. Der Druck der Hakatisten, der
+wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott der evangelischen
+Deutschen den Juden im Osten gegenüber, läßt ihre
+Stellung zwischen Deutschtum und Polentum unhaltbar
+werden. Dazu kommen elementare Ausbrüche der von den
+Antisemiten bearbeiteten Volksschichten. Der „Ritualmord
+von Konitz“ ist eins dieser bezeichnenden Ereignisse.
+Fluchtartig verläßt der Jude diese Städte, deren Charakter
+durch seine Anwesenheit noch ein deutscher war, und überläßt
+den Platz den Polen.
+
+.. vspace:: 2
+
+Die neueren Schriften über das Ostmarkenproblem geben
+sämtlich zu, daß die durch die staatliche und gesellschaftliche
+antisemitische Politik bedingte Vertreibung der
+Ostmarkenjuden ein bedeutsamer Mißgriff war, der sich nach
+drei Seiten bemerkbar machte:
+
+1. Für die Entwicklung dieser Städte, die durch den
+[pg 16]
+Verlust von Menschen, von Kapital und von unternehmungslustigen
+und fähigen Elementen gehemmt wurde.
+
+2. Für die deutsche Sache. Der Wegzug von ca. 150 bis
+200000 Juden aus den bedrohten Provinzen hat die deutsche
+Sache um so viel Anhänger ärmer gemacht.
+
+3. Für den Staat. Der Jude der Ostmark (wie überhaupt
+in ganz Deutschland) war ein zuverlässiger Staatsbürger,
+auf den in jeder Zeit gerechnet werden konnte.
+
+Organisationen über Organisationen erwuchsen aus dem
+reichen Boden der Gebiete rechts der Elbe. Deutsche und
+polnische Kleinbauern-Genossen\ |_|\schaften, Vereine der Gutsbesitzer
+und Groß-Eigentümer, die zugleich die Zucker- und
+Spiritusfabrikation besaßen, politische Organisationen beider
+Sprachengemeinschaften, alle aber mit leicht antisemitischen
+Tendenzen, die durch den in Berlin geborenen Antisemitismus
+erst voll und ganz durchtränkt werden sollten.
+Was dagegen der Jude an Organisation entgegenstellte, war
+kaum der Rede wert. Er organisierte sich nicht wirtschaftlich,
+sondern verzichtete darauf, sich in einen Kampf einzulassen,
+in dem außer Regierung und Verwaltung auch die
+breite Masse des Volkes gegen ihn Stellung nahm, und verschwand
+in die Großstadt, wo er untertauchen konnte. [#]_
+
+.. [#] Die oft zitierten jüdischen Vereine haben keinen wirtschaftlichen,
+ sondern einen humanitären Charakter.
+
+Dadurch ist die unnatürliche plötzliche Überschwemmung
+der Hauptstädte mit Juden bedingt worden. Nicht nur
+die Jungen und Fähigen kamen; viele, die sich nicht mehr
+anzupassen wußten, schwemmte die Flut herein. Ältere Menschen,
+die überall anstießen, weil sie in dem neuen
+Beruf nicht mehr von der Pike auf dienen konnten.
+Neben einer großen Menge von Begabten und Energischen
+auch „Luftmenschen“, Bassermann'sche Gestalten, labile
+Charaktere. Aber was das junge Blut anlangt, so kann
+man leicht zeigen, daß es Deutschland zum Segen gereichte.
+[pg 17]
+Deutschland ist der große, kräftige und reiche Staat in
+hohem Maße auch durch die Mitarbeit der :gesperrt:`Juden` geworden.
+
+Bekannt ist deren Mitwirken an der finanziellen Entwicklung.
+Die Finanzgrößen, die die deutsche :gesperrt:`Geldwirtschaft`
+und die Großbanken schufen, waren zum großen
+Teil Juden. Das Erstarken unserer finanziellen Kraft liegt in
+der glücklichen Ausgestaltung unserer Finanzinstitute. Die
+Banken sind nach Sombart eine jüdische Erfindung. Die
+Barone Oppenheim sind die Gründer der ersten, der Darmstädter
+Bank. Neben den Rothschild's ragen als Eisenbahnkönige
+einige jüdische Häuser wie die in Bayern nobilitierten
+Eichthal und die später in Preußen geadelten Fould's, später
+Dr. Strousberg und der Baron Hirsch hervor. Das Bankhaus
+Mendelsohn hat heute noch seine nahen Beziehungen zu den
+maßgebenden Stellen des Reiches, und der Chef der Firma
+Bleichröder ist der Öffentlichkeit populär geworden, weil er
+Bismarck zu der hohen französischen Kriegsentschädigung
+von 5 Milliarden in Gold zu bewegen wußte. Auch die modernen
+Finanzgrößen, die Leiter unserer wichtigsten Institute,
+zählen Juden an erster Stelle auf. Wir erinnern an
+die von Cohn, von Wassermann, Fürstenberg, Speyer-Ellissen,
+von Schwabach, Goldberger\ |dots|
+
+Die Arnold, Berliner und Deutsch sind Namen, welche
+in der neudeutschen Wirtschaftsgeschichte einen guten Klang
+besitzen. Hagen-Köln (früher Levy geheißen) war wohl einer
+der Männer, welcher in dem Aufsichtsrat der größten deutschen
+Gesellschaften den mächtigsten Einfluß besessen hat.
+
+Juden haben in Hamburg die :gesperrt:`Strumpfindustrie`,
+in Fürth das :gesperrt:`Spiegelglas`, im posenschen die
+:gesperrt:`Schnapsbrennerei` großgemacht. Wir treffen sie
+auch als Großindustrielle in der :gesperrt:`Seiden`\ fabrikation.
+
+Neben unseren vortrefflichen Geldinstituten haben uns
+vor allem unsere großzügigen Wollfirmen die Kriegführung
+[pg 18]
+erleichtert. Der deutsche :gesperrt:`Woll- und Baumwollmarkt`
+ist von Juden geschaffen und auf die Höhe gebracht
+worden, die er heute einnimmt, wie wohl kein Kenner
+der Verhältnisse bestreiten wird. Unter den vielen Tüchtigen
+verdienen hier die Gebrüder Simon namentliche Erwähnung.
+
+An den grandiosen Woll- und Baumwollhandel konnten
+sich die zahlreichen, vielfach jüdischen, Textilfabriken anlehnen.
+Die blühende deutsche :gesperrt:`Konfektion` ist quasi
+eine jüdische Domäne.
+
+Daneben erinnere ich an den Leipziger :gesperrt:`Rauch`\ markt.
+Wer die berühmte Pelzmesse kennt, weiß, daß jüdischer Fleiß
+und Erwerbsfreudigkeit hierin Deutschland eine erste Stelle
+in der Welt schuf. Die großen „\ :gesperrt:`Felljuden`\ “, welche
+unsere Lederindustrie mit ausbauten (z. |nbs| B. Adler-Oppenheimer),
+und die :gesperrt:`Stiefelkönige` sind bekannt.
+
+Den Neid aller Völker, den Stolz Deutschlands bedingte
+unsere so rasch, fast über Nacht zu grandioser Größe
+entwickelte :gesperrt:`Handelsflotte`, die auch in Kriegszeiten
+dem Reiche ihre Dienste leiht. Der Schaffer der Hamburg-Amerika-Linie
+aber ist der viel genannte :gesperrt:`Ballin`. Seine Bedeutung
+für die Entwicklung Deutschlands wird einst die
+Geschichte zu würdigen haben.
+
+Der Vater der :gesperrt:`elektrochemischen` Industrie war
+der jüngst verstorbene Rathenau, der Schöpfer der A.E.G.
+Sombart behauptet, daß auch die Siemens und Halske-Werke
+erst den Wettkampf um die Vormachtstellung der deutschen
+Industrie in aller Welt aufnehmen konnten, als der
+jüdische Direktor Berliner an leitende Stellung trat. Aber
+nicht nur in friedlichen Zeiten bedang die A.E.G. Deutschlands
+Ruhm und Größe. In unserm Kriege haben sie Bedeutendes
+geleistet, wenn es jetzt auch noch nicht Zeit ist,
+darauf näher einzugehen.
+
+Viel geschmäht worden ist die Arbeit der Juden auf
+dem Gebiete der :gesperrt:`Waffen-` und :gesperrt:`Munitionsfabriken`.
+[pg 19]
+Wie vereinzelte Sozialdemokraten die Wichtigkeit der
+Kruppwerke und ihre vaterländische Rolle mißverstanden
+und vor der breitesten Öffentlichkeit verunglimpften, so
+wußte seinerzeit Ahlwardt den großen :gesperrt:`Löwe`\ konzern zu
+verdächtigen. Aber die „Juden“flinten, die Maschinengewehre
+und alle die Waffen, welche unsere Heeresleitung von diesen
+Unternehmungen beziehen konnte, waren letzten Endes
+nicht bedeutungslos. Der Nur-als-Krämer und Schacherer verschriene
+Jude hat dem Reich zu Kriegsbeginn wertvolle
+Stätten zur Verfügung stellen können: Angefangen von dem
+reich überfüllten Wollmarkt, von den Handelsschiffen, welche
+die Flotte stützten, bis zu den Fabriken, die direkt oder indirekt
+dem Heere alle Mittel moderner Kriegsführung lieferten.
+
+Wenn wir an die treue Mitarbeit jüdischer Firmen in
+der :gesperrt:`Maschinentechnik` anknüpfen, dann dürfen wir
+als deutsche Unternehmungen von Weltgeltung herausgreifen
+die :gesperrt:`Orenstein und Koppel` A.G., (Kleinbahn- und
+Baggerfabrikanten), die Mannheimer :gesperrt:`Ladenburgs`, die
+Nürnberger :gesperrt:`Bings`. Selbst Erzschürfungen (Hirsch und
+Beer-Sondheimer-Kupfer) werden von ihnen inauguriert.
+Caesar Wollheim, v. Friedländer-Fould sind in ‚Kohle‘ bekannt.
+Neben der Wichtigkeit des Materials und der Arbeitsstätten
+ist es Geheimrat Haber, der durch die künstliche Gewinnung
+des Stickstoffes erst die ganze deutsche Munitionserzeugung
+gewährleistete, und der (nach Davis Trietschs Broschüre,
+„Juden und Deutsche: Eine Sprach- und Interessen\ |_|\gemeinschaft“ [#]_)
+jüdischen Eltern entstammt. Auf solche
+Köpfe kann die deutsche :gesperrt:`chemische` Wissenschaft stolz
+sein. Wie ja überhaupt die chemische Industrie Deutschlands
+Größe in der Welt mitgeschaffen hat. (Es sei u. |nbs| a. auch des
+jüdischen chemischen Industriellen :gesperrt:`Gans` gedacht, dessen
+Sohn übrigens auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und der
+Ballontechnik Bedeutung hat.)
+
+.. [#] Verlag R. Löwit, Wien 1915.
+
+[pg 20]
+
+Auch sonst wäre noch viel aufzuführen. Wir könnten
+manches über andere Wirtschaftskomplexe hier anfügen, so
+vom Tabakmarkt, von dem Sombart behauptet, daß Juden
+die Tabakindustrie in Deutschland einführten. Ebenso wie
+in der modernen Zigarren- und Zigarettenfabrikation halten
+Juden den Wettbewerb als Uhren-, Sekt- und Schokolade-Fabrikanten
+und als Getreideimporteure usw. usw.
+
+Wir wollen nicht ermüden. Die Reichtümer, die einzelne
+Juden sich erwarben, waren nicht unverdient. Sie sind bedingt
+dadurch, daß Deutschlands Handel und Wandel zu der
+Größe geführt wurde, die den Neid der fremden Völker erregte,
+aber damit auch unserem Lande die Möglichkeit gab,
+auch auf dem wirtschaftlichen Felde den allgewaltigen Kampf
+gegen die Unmenge von Feinden so siegreich zu bestehen.
+
+Auf dem Zeitungsgebiet zeigten die :gesperrt:`Mosse`, :gesperrt:`Ullstein`,
+:gesperrt:`Sonnemann` (Frankfurter Zeitung) ihre Tatkraft
+und schufen, trotzdem ihre Blätter als „verjudet“ verschrien
+wurden, gewaltige Betriebe. :gesperrt:`S. Fischer` ist der bedeutendste
+literarische Verleger, :gesperrt:`Reinhardt`, der :gesperrt:`Bühnentechniker`,
+welcher dem modernen Theater reiche Impulse
+verlieh, ist gleichfalls Jude. Als :gesperrt:`Antiquitätenhändler`,
+:gesperrt:`Numismatiker`, als :gesperrt:`Sammler` jeder Art
+haben die Juden den deutschen Ruf in der Welt mitbegründet.
+
+Besonders stark angefeindet wurden sie in der Wissenschaft.
+Um auf diesem Gebiete ihr Können einigermaßen zu
+belegen, müßten wir allein ein dickes Buch schreiben. Aber
+ein paar Beispiele dürfen wir wohl geben. So ist in der Medizin
+die Lehre der :gesperrt:`sexuellen Krankheiten` durch
+drei Juden\ |_--_|\ :gesperrt:`Neisser`, :gesperrt:`Ehrlich`, :gesperrt:`Wassermann`\ |_--_|\
+in grandioser Weise gefördert worden. Neisser, der Entdecker
+des Gonokokkus, Wassermann, der feinsinnige
+Schaffer des luetischen Blutnachweises, und Ehrlich, welcher
+eine moderne Waffe gegen die Syphilis schmiedete. Die :gesperrt:`Juristen`
+[pg 21]
+sprechen von den Begründern der deutschen
+Rechtswissenschaft, von :gesperrt:`Staub` und :gesperrt:`Dernburg` mit all
+der Hochachtung, die man diesen kaum vorenthalten dürfte.
+Die :gesperrt:`Sprachwissenschaften` (die :gesperrt:`deutsche`
+_`z. B.` vertreten durch :gesperrt:`Mauthner`) schätzen die jüdische Mitarbeit;
+:gesperrt:`Statistik`, :gesperrt:`Nationalökonomie`, :gesperrt:`Chemie` [#]_
+sind wie :gesperrt:`Literatur`, :gesperrt:`Musik` und andere kulturelle
+Gebiete durch deutsche Juden befruchtet worden. Auf
+:gesperrt:`Schachturnieren` (Lasker, Steinitz, Zuckertort, Tarrasch),
+aber auch auf den olympischen Spielen, am Turf und
+auf gefahrvollen Expeditionen bewährten sich Juden. :gesperrt:`Emin
+Pascha` hieß einst Schnitzer, ein bedeutender Arabien-Forscher
+war :gesperrt:`Glaser`, als einer der ersten wirkte in
+deutschen westafrikanischen Schutzgebieten und erlag dort
+der Malaria: Dr. :gesperrt:`Kaiser`.\ |dots|
+
+
+.. [#] Der letzte Nobelpreis für Chemie fiel nach Deutschland. Sein
+ Träger wurde eine allgemein anerkannte chemische Autorität; der Nachfolger
+ Bayers in München, der Vorstand des dortigen staatlichen
+ Laboratoriums, Geh. Rat Professor Willstätter.
+
+.. vspace:: 2
+
+Die antisemitische Bewegung, die vor dreißig Jahren
+gegen die Juden entstand, ist dadurch erklärlich, daß von den
+vielen hervorragenden Verdiensten deutscher Juden viel zu
+wenig bekannt wurde.
+
+Die politische Geschichte übergeht die Abstammung des
+ersten deutschen Reichstagspräsidenten von Simson, der
+seinem Könige mehrfach die Kaiserkrone antrug. Das damals
+als Musterländle gepriesene Baden hatte einen nicht einmal
+getauften Finanzminister: Ellinger.
+
+Das waren einzelne Personen, die ihr Bestes für das
+Werden des Reiches einsetzten. Schon in den 40er Jahren
+waren es jüdische Dichter in der Sturm- und Drangperiode,
+welche für Einheit und Fortschritt eintraten. Berthold Auerbach
+und Andere, deren Namen heute vergessen sind, mußten
+wegen ihrer Zugehörigkeit zu alldeutschen Burschenschaften
+[pg 22]
+hinter Kerkermauern dafür büßen, daß sie für ein
+geeintes Deutschland agitierten.
+
+Bedeutender zeigt sich aber die Mitwirkung jüdischer
+Elemente bei der Ausgestaltung des deutschen :gesperrt:`politischen`
+Lebens. Kein Volk der Welt hat ein so gut fundamentiertes
+Parlament, in dem so überzeugungstreue Parteien
+sitzen, die nicht nach Laune, nach persönlichen Vorteilen
+stimmen, sondern die\ |_--_|\ oft viel zu sehr\ |_--_|\ nach theoretischen
+Überlegungen und prinzipiellen Anschauungen den
+Fragen nähertreten. Kein Abgeordnetenhaus hat sozialer
+und menschlicher gearbeitet. An ihren Früchten kann man
+am besten nicht nur die Bäume, sondern auch die Parlamente
+erkennen. Unsere :gesperrt:`konservative` Partei feiert als
+einen ihrer Mitbegründer Stahl; Lasker und Bamberger schufen
+die :gesperrt:`liberale` Partei; Marx und Lassalle standen an
+der Wiege der :gesperrt:`Sozialdemokratie`, die in Singer,
+Haase, Bernstein und Frank mit ihre besten Führer fand.
+
+Da wir noch keine Abhandlung über die jüdische Mitarbeit
+an der Entwicklung Deutschlands in der neuesten Zeit
+besitzen, so war es wohl nicht unangebracht, sie mit einigen
+Beispielen zu belegen. Ähnlich wie :gesperrt:`Deutschland` in
+der :gesperrt:`Welt`, so machten sich die :gesperrt:`Juden` in :gesperrt:`Deutschland`
+„unliebsam bemerkbar“.
+
+Der Umwelt erschienen einst die deutschen Waren als
+„billig und schlecht“, die aufblühende deutsche Flotte war
+den Engländern, die als handeltreibendes Seevolk ein Monopol
+anstrebten, eine freche Konkurrenz, die deutsche Beteiligung
+in der Weltpolitik kam den Engländern als Aufdringlichkeit
+vor, selbst wenn sie noch so zurückhaltend war.
+
+Dazu kamen noch historische Vorurteile, von welchen
+z. |nbs| B. besonders die Franzosen nicht loskamen. Das Geschrei
+der Gasse umnebelte selbst intelligente Engländer,
+Franzosen, Italiener, Amerikaner, Rumänen, Russen. Auch
+in der neutralen Welt gibt es leider tüchtige Menschen, die
+[pg 23]
+sich alle Fabeln über die Unkultur der Deutschen, über die
+Eroberungssucht des Kaisers und seines Volkes zueigen
+machten.
+
+Geradeso hat man oft von den Juden gesprochen. Man
+hat sie des Mangels an Kultur und an Redlichkeit geziehen
+und all des Schlechten, was man den Deutschen heute nachsagt,
+beschuldigt. Wollten sie beim Militär Karriere machen,
+dann hinderte man sie daran; wenn daraufhin wieder Manche
+keine sonderliche Lust am Dienste hatten, hielt man es ihnen
+wieder vor. Wurden sie reich, dann erweckte das Eifersucht;
+war irgendwo ein unbedeutender Jude, dann wurde daraus
+der Schluß gezogen, daß der Jude überhaupt unfähig ist.
+Es ist wirklich überraschend, wie ähnlich das Eintreten
+Deutschlands in der großen Welt, und das Emporsteigen der
+Juden in Deutschland von der Außenwelt gewertet werden.
+
+.. vspace:: 2
+
+Wir sehen es ja in unserer Zeit, wie nichts zu plump
+ist, um geglaubt zu werden, wenn ein Volk neidisch ist. An
+diesen Instinkt appellierten auch die Antisemiten. Der Jude,
+der die deutsche Sozialdemokratie mitschuf, soll an den
+Auswüchsen des Kapitalismus schuld sein, bloß weil findige
+Köpfe, wie die Tietz, Wertheim, Jandorf, Israel, den Fabrikbetrieb,
+das Maschinelle auch in den Kleinverkauf einführten
+und das Warenhaus schufen. [#]_ Und wie einstmals die Handweber
+die Fabriken stürmten und die Maschinen zertrümmerten,
+so kämpften die kleinbürgerlichen Kaufleute und Handwerker
+gegen die Riesenunternehmen, und verwechselten Person
+und Sache. Wer diese modernen Erfinder haßte, wurde
+Antisemit.
+
+.. [#] Den „kleinen“ Mann haben ähnliche Entwicklungstendenzen in den
+ meisten Fällen an die Wand gedrückt. Großbäckereien, Großschlächtereien,
+ Wäschereien, Restaurationsbetriebe im großen, mit und ohne Filialen sind
+ ähnliche Erscheinungen wie das Warenhaus, welche die selbständigen Handwerker
+ und Kleinbetriebe in ihrer Existenz bedrohen.
+
+Wie
+[pg 24]
+:gesperrt:`Deutschland in der Welt überall auf
+Neider stieß, so fand auch der Jude in
+Deutschland überall mißgünstige Seelen`.
+Wie beschränkt diese waren, geht schon daraus hervor, daß
+sie durch den Antisemitismus alle sozialen Fragen und Schäden
+zu lösen glaubten.
+
+Die antisemitische Literatur ist zwar recht armselig,
+aber Deutschland hat das traurige Verdienst, diese „Wissenschaft“
+in der Hauptsache geschaffen zu haben. Die anderen
+Länder, die sich vielfach viel länger und viel ungenierter
+in der Bedrückung ihrer lieben Juden überboten, bekamen
+leider von Deutschland neue Impulse. Die Pamphlete der
+Ahlwardts gingen in alle Welt und richteten außerhalb der
+schwarz-weiß-roten Grenzpfähle, besonders auch in Österreich,
+erschreckendes Unheil an. Noch vor kurzem hat der
+große Staat Rußland den Juden einen Ritualmordprozeß
+gemacht, nachdem vorher Österreich und Deutschland ihre
+Ritualmordhetze gehabt hatten. Noch schmachtet in österreichischen
+Kerkermauern ein wegen eines „Ritualmordes“,\ |_--_|\ wie alle
+Juristen beteuern, unschuldig\ |_--_|\ verurteilter armer
+Jude: Leopold Hilsner. Keine Lüge war den Antisemiten zu
+niedrig\ |_--_|\ man lese nur ihre Bücher\ |_--_|\ keiner ihrer Führer
+zu\ |_--_|\ bedenkenfrei. Meist waren sie recht dunkle Ehrenmänner.
+Aber das Gift, das sie verstreuten, trug dennoch
+eine reiche Saat. Ein Mann beteiligte sich dabei, dessen
+Schriften man nicht so ohne weiteres mit denen der anderen
+vergleichen darf: Houston Stewart Chamberlain. Chamberlain
+hat zwar neuerdings einiges Wasser in seinen Wein
+gegossen. Er hat erklärt, seine früheren Behauptungen gegenüber
+den deutschen Juden [#]_ nicht aufrecht zu erhalten.
+[pg 25]
+Chamberlain ist ein so maßloser Chauvinist, daß er selbst
+Christus als Germanen reklamieren zu müssen glaubte. Er,
+der noch vor kurzem allen Germanen, auch den Engländern,
+Lob sang, hat nun ein Pamphlet losgelassen, für das es kaum
+ein Wort der Entschuldigung gibt. Als geborener Engländer
+durfte er nie und nimmer in der Weise das Nest beschmutzen,
+dem er entstammte. Es gibt nichts Verächtlicheres, als wenn
+Renegaten dem Volke, dem sie entstammen, in solcher Weise
+seine Fehler vorhalten. Wenn sie, die die Schwächen am
+besten kennen, sie zusammenstellen, übertreiben und daraus
+ein Urteil fällen. Wenn wir nach der Methode Chamberlains
+dozieren wollten, müßten wir zu dem Schlusse kommen: Alle
+Engländer taugen nichts. Der Engländer ist so und so. Also
+ist auch Houston Stewart Chamberlain\ |dots| So ähnlich wurde
+nämlich nach H. St. Chamberlain über den semitischen Geist,
+über den Juden im allgemeinen und im besonderen geurteilt,
+selbst wenn er\ |_--_|\ weit mehr als Chamberlain, der die deutsche
+Kultur erst seit einiger Zeit genossen hat\ |_--_|\ seit :gesperrt:`Jahrhunderten`
+Anteil an allen Gütern deutschen Geisteslebens
+genommen hatte.
+
+.. [#] Das erklärt er :gesperrt:`heute`, nachdem die Rassenverhetzung den Juden das
+ Leben auf Schritt und Tritt verekelt hat, nachdem seine voreilige Behauptung
+ gegen die Juden die christliche Nächstenliebe bedingungslos aus
+ Hunderttausenden zu Gunsten des Hasses gegen alle Anhänger des
+ mosaischen Glaubens getilgt hat.
+
+Nein, „der Jude“ in Deutschland war zum Teil tüchtig
+und fähig, zum Teil faul und indolent. Er war auf der einen
+Seite ein stiller Mann der Wissenschaft, der nach dem Muster
+des genialen Spinoza, Marx und vieler anderer, die ohne nach
+der Anerkennung der Öffentlichkeit zu lauern, in stillem
+Kämmerlein ihre Werke schufen. [#]_ Es gab aber auch Eintagsgrößen,
+die sich kaum von Charlatanen unterschieden.
+Maezene und Volksfreunde hat es unter den Juden gegeben,
+die ihr Vermögen dem Fortschritt hingaben, ohne daß es
+die Menge erfuhr. Keine ideale Bewegung existiert, die nicht
+[pg 26]
+an den Juden reiche Förderer hat: für Frauenrechte, für
+Kinderschutz, für die Waisen, Arbeitslosen, Blinden etc.,
+die Bestrebungen für die Abstinenz, für Friedenspropaganda,
+für Vegetarismus, für alte Bühnenkünstler, für alle Künste,\ |_--_|\ der
+Jude hat seine Person, sein Ansehen und nicht zum
+mindesten sein Geld jederzeit guten und idealen Zwecken zur
+Verfügung gestellt.
+
+.. [#] So hat der auf dem Felde der Ehre gefallene jugendliche Komponist,
+ Kriegsfreiwilliger Walter :gesperrt:`Asch`, wie eine Münchener Zeitung meldet, in
+ allzu großer Bescheidenheit als seinen letzten Willen hinterlassen, daß
+ seine Werke nicht gedruckt werden dürfen.
+
+Der Jude, der so sehr für jeden sozialen Fortschritt zu
+haben war, der auf Grund alter historischer Gewohnheiten
+für den Ruhetag in der Arbeitswoche, für das Angestelltenrecht
+etc. eintrat, der sich stets für Freiheit einsetzte, wurde
+den Massen als Ausbeuter schlimmster Sorte, als soziales
+Hemmnis hingestellt. Vergeblich sein Eintreten für alle demokratischen
+Ideale, für individuelle Freiheit, für internationale
+Verständigung. Wie der wirtschaftliche Neid nicht
+nur den Blick trübt, sondern fast blind macht, sehen wir jetzt
+ja an den Engländern. Diese Gewaltsmacht, die so oft ganz
+real die Verhältnisse beurteilte, schilt die Deutschen Barbaren,
+während sie ihr Heer zusammensetzt und sich verbündet
+mit Hunderttausenden von Negern, Indiern, Zuaven,
+Tscherkessen, Kosaken, Kalmücken und allen schiffbrüchigen
+Existenzen der neuen und alten Welt. Dieses für Geld geworbene
+Analphabetengesindel soll das Vorkämpfertum der Kultur
+sein! Die Engländer, die am längsten den Sklavenhandel
+geduldet, nein gezüchtet hatten, die in Südafrika die Burenfrauen
+mordeten, in Ägypten die Verträge brachen und die
+Indier verhungern ließen, sind mit Recht als Heuchler an den
+Pranger gestellt worden. Bei den Franzosen gelten :gesperrt:`alle`
+Deutschen als Boches, als Verbrecher und als Schweine.\ |dots|
+Dieser Weltkrieg, an dem 10 Millionen Juden beteiligt sind
+und schwere Opfer bringen, darf nicht vorübergehen, ohne
+daß das von Antisemiten getragene absprechende Urteil über
+sie in Acht und Bann getan wird. Ein Urteil, das ebenso
+unberechtigt ist wie das der Entente-Mächte über die Deutschen.
+[pg 27]
+Nicht nur, weil ein prächtiges Kaiserwort das gehässige
+Treiben der Rassen- und Religionsschnüffler für die
+Dauer des Krieges unterband, sondern weil Deutschland und
+die Welt einsehen muß, daß die Behauptung der Minderwertigkeit
+Andersgearteter allzuoft nur eine billige, überall
+gehandhabte Waffe des :gesperrt:`Neides` ist.
+
+.. vspace:: 2
+
+Und so unterstreichen wir nochmals die Tatsache:
+
+.. vspace:: 2
+
+Daß der Jude am Gemeinwohl, am Fortschritt, an der
+Entwicklung Deutschlands freudig teilgenommen hat, kann
+kein objektiv denkender Mensch bestreiten. Ob er als Bürgermeister
+von Posen [#]_ oder als Stadtrat von Berlin [#]_ oder
+Frankfurt, oder im Ehrenamt, oder als Wähler einer Gemeinde
+seine Pflicht erfüllen konnte,\ |_--_|\ als der Abkömmling
+einer alten Kulturrasse interessierte ihn alles öffentliche
+Leben. Die Städte, in denen die Juden seit langem wohnen
+und eine gewichtige Stimme haben, sind nicht schlecht damit
+gefahren. Das reiche Frankfurt blüht, Nürnberg, Fürth entwickeln
+sich überaus rasch, Hamburg gedeiht.
+
+Die neueste Wissenschaft hat den Juden mehr Gerechtigkeit
+widerfahren lassen. :gesperrt:`Sombarts` Arbeiten zeigten die
+Bedeutung der Juden. Es ist ziemlich gleichgültig, ob die
+Juden Handel und Wandel in die Orte bringen, wohin sie
+kommen, oder ob sie ihn mit zur Blüte bringen. Jedenfalls
+ist dort Entwicklung, wo sie unbedrückt leben können.
+
+.. [#] Witting (Witkowski).
+
+.. [#] \z. |nbs| B. Cassel.
+
+.. vspace:: 2
+
+Außerdem hat eine ziemlich starke Verschmelzung des
+Adels mit der deutsch-jüdischen Geldaristokratie, die übrigens
+auch ca. 100 geadelte Familien zählt, stattgefunden.
+Ebenso ist in den besten bürgerlichen Kreisen vielfach eine
+Vermischung eingetreten. Solchen Familien entstammte z. |nbs| B.
+Dernburg, der bekannte Kolonialpolitiker, Heyse, der Schriftsteller,
+[pg 28]
+der Admiral Bendemann, andere führende Männer
+sind mit Jüdinnen verheiratet. [#]_
+
+.. [#] So sind z. |nbs| B. die Nachkommen der bekannten jüdischen Gelddynastien
+ Gumpert und Heine aus Hamburg mit dem deutschen und internationalen
+ Hochadel verschwägert, ebenso wie die als Rennstallbesitzer geschätzten
+ v. Oppenheimer aus Köln, v. Weinberg aus Frankfurt, die Bernstein-Becker
+ aus Königsberg, v. Hirsch-Gereuth aus München. Ursprünglich jüdisch
+ waren folgende nobilitierte Familien: v. Ukro, v. Oppenfeld, _`v. Renard,`
+ v. Moßner, v. _`Schwanenfeld`, v. Halle, v. Löwenthal u. |nbs| a.
+
+_`Die Juden im Kriege`.
+-----------------------
+
+Obwohl nachweislich viele jüdische Burschenschafter für
+das schwarz-rot-goldene Band gekämpft und gelitten hatten,
+obwohl in der Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne jüdische
+Burschenschafter an der Spitze der Verbindungen standen,
+erklärte 50 Jahre später der Weidhofener Verband der
+deutsch-österreichischen Burschenschaften alle Juden insgesamt
+für jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die
+Satisfaktion, also auch denen, die bis kurz vorher als alte
+Herren dem Verband angehört hatten. Dieselbe Überhebung,
+die ein anderer großer studentischer Verband zeigte, als er
+Naumann und andere höchst ehrenwerte deutsche Politiker
+wegen ‚sozialistischer‘ Tendenzen ausstieß, veranlaßte
+geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch und
+Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt
+die Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdächtigung uns
+nach. Auch dem jüdischen Soldaten.
+
+Der Jude hat sich als Soldat bewährt. In allen Kämpfen
+der letzten Jahre haben sich Juden bewährt. Die Bulgaren
+und Türken haben sie im vorletzten Krieg vielfach gerühmt.
+Selbst im antisemitischen Rumänien ist ein jüdischer Oberst
+(Brociner), der sich im Krieg 1878 auszeichnete, der Kommandeur
+der Leibgarde und des Königl. Schlosses. In Österreich
+sind Juden kommandierende Generale, in Italien war
+[pg 29]
+der frühere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon
+hatte jüdische Heerführer.
+
+In den deutschen Freiheitskämpfen gab es viele freiwillige
+jüdische Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch
+den Offiziersrang. Auch später konnten Juden, hauptsächlich
+anno 1870, Offiziere werden; aktive Offiziere standen
+nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier hauptsächlich
+Reserveoffiziere und aktive Militärärzte, ein Jude brachte es
+einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major. [#]_
+
+.. [#] In Bayern gibt es jetzt aktive jüdische Majore und Oberstabsärzte,
+ erstere etwa fünf, von letzteren, soviel bekannt wurde, sieben. In Österreich
+ haben sich Juden als Generale ausgezeichnet; aktive Offiziere gibt
+ es einige Hundert. Nach Bloch's „Österreichische Israel. Wochenschrift“
+ haben sehr viele während des jetzigen Krieges ein glänzendes Avancement
+ erfahren. Eine soeben erschienene Broschüre Ludwig Geiger's „Deutsche
+ Juden und der Krieg“, die mir bei der Korrektur vorliegt, bringt genauere
+ Zahlen über die Beteiligung der deutschen Juden an den Kriegen des
+ XIX. Jahrhunderts. Hardenberg anerkannte danach schon am 4. 1. 1815:
+ „Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer
+ Mitbürger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes
+ und der rühmlichen Verachtung der Todesgefahr aufzuweisen, sowie
+ die Einwohner Berlins, namentlich auch die Frauen, in Opfern jeder Art
+ sich den Christen angeschlossen haben.“
+
+ Eine Denkschrift der Regierung Preußens vom Jahre 1847 ermittelte
+ das Verhalten der Juden als Soldaten und stellte fest, daß die Juden in den
+ Freiheitskriegen wie im Frieden den übrigen Truppen nicht nachstanden.
+
+Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure
+auf den Standpunkt, den einmal der leider auf dem
+Felde gefallene Hauptmann von Treskow also präzisierte:
+„Wenn wir die Juden prinzipiell nicht befördern, dürften
+wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen“. Nach
+Schätzungen werden jetzt über 900 Juden als Offiziere, ungerechnet
+die Militärärzte, im Felde stehen. Viele sind wegen
+besonderer Tüchtigkeit befördert worden, das „Hamburger
+Israel. Familienblatt“ stellte schon über 20 Träger des Eisernen
+Kreuzes I. Klasse fest (z. |nbs| B. der Flieger Frankl, der
+Reichstagsabgeordnete Haas), darunter waren alle Waffengattungen
+vertreten. Auch bei der Marine und in den
+[pg 30]
+Schutztruppen haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem
+Kriege werden die Ziffern insgesamt zur Verfügung stehen.
+Das in Breslau erscheinende „Jüdische Volksblatt“ hat die
+Namen veröffentlicht, die bestimmt dem Judentum angehören.
+Darnach haben bis zum Herbst 1915 knapp 5000 Juden
+(also fast 1% der gesamten deutschen Judenheit!) das
+Eiserne Kreuz erhalten, von über 3000 Juden konnte namentlich
+festgestellt werden, daß sie den Heldentod fürs Vaterland
+gefunden. Leider kann diese wöchentliche Zusammenstellung
+nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
+Da die jüdische Jugend, soweit sie nicht gedient hatte, gleich
+zu Beginn des Feldzuges freiwillig in großer Zahl (|--| |nbs| es
+wäre sehr interessant, wenn die Heeresverwaltung diese
+Ziffer veröffentlichen würde |nbs| |--|) sich stellte, sind die Verluste
+sehr stark. [#]_ In allen jüdischen Jugendvereinen wird
+diese Tatsache festgestellt. So ist z. |nbs| B. in der jüdischen Turnerschaft
+eine Kriegssterblichkeit, die sich in den einzelnen
+Untervereinen bis 33% der _`Mannschaften` (wie z. |nbs| B. bei dem
+Ruderklub ‚Ivria‘) stellt. Die meisten Turn- und Sportvereine
+der jüdischen Turnerschaft mußten zu Beginn des Krieges
+ihren Betrieb aufgeben, da alle Mitglieder zu den Fahnen
+eilten.
+
+.. [#] Die „Leipziger Neuesten Nachrichten“ konstatierten, daß die in
+ Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher Staatsangehörigkeit, in
+ großer Zahl freiwillig zu den Fahnen eilten.
+
+Die Mitglieder der jüdischen studentischen Verbindungen
+stellten gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern
+des K. C. (Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell
+jüdischer Verbindungen) rückten fast alle aus; ein Drittel
+davon als Kriegsfreiwillige. Sehr zahlreich war auch die
+Beteiligung freiwilliger jüdischer Ärzte. Nach einer Statistik
+beträgt die Verlustliste bei den jüdischen Ärzten schon
+über Hundert. Auch der jüdische Arzt hat an der Front
+und im Seuchenlazarett seinen Posten ausgefüllt.
+
+[pg 31]
+
+Der tapfere jüdische Soldat und Offizier verschwindet
+oft in der Menge. So glaubte man z. |nbs| B. allgemein nicht,
+daß der einzige Soldat, der bei meinem Regiment das Eiserne
+Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besaß, ein Jude war (der
+später als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an
+einer jüdischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp
+bis zum Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die
+Tüchtigkeit des jüdischen Vorgesetzten und Soldaten von
+hohen Offizieren anerkannt worden. Exempla docent. Die
+überaus große Zahl von Beförderungen, Dekorationen etc.,
+über die sich jeder, namentlich z. |nbs| B. im „Hamburger Israelitischen
+Familienblatt“ informieren kann, gibt die beste Gewähr.
+Der österreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit
+genommen, sich dahin auszusprechen, daß der persönliche
+Mut und die Zuverlässigkeit des jüdischen Soldaten
+durch diesen Krieg aufs neue bewiesen wurden. [#]_
+
+.. [#] Überall ist die Tapferkeit der Juden anerkannt worden.
+
+ Prinz Fuad, der Flügeladjutant des türkischen Sultans, hat dem
+ offiziellen ungarischen Pressevertreter folgende Erklärung abgegeben (in
+ der deutschen Presse im Jüd. Echo, München, Nr. 27, 1915, wiedergegeben):
+
+ „Die jüdische Legion, welche auf den Dardanellen operiert, verrichtet
+ wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein türkischer Jude, bekam
+ den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung. In den übrigen Militärteilen
+ kämpfen die Juden mit andern zusammen ausgezeichnet. Die türkischen
+ Militärbehörden machen daher keinen Unterschied zwischen jüdischen und
+ nichtjüdischen Soldaten. Das Gleiche kann hinsichtlich der jüdischen Zivilbevölkerung
+ gesagt werden, welche im jetzigen schweren Moment opferwillig
+ dem Lande hilft, soviel sie nur vermag. Die jüdischen Bestrebungen
+ in Palästina sind gut bekannt; niemand zweifelt an dem Patriotismus
+ der türkischen Juden“.
+
+ Und Gustav Hervé sagt über die viel geschmähten russischen Juden\ |_--_|\
+ welche ein eignes Regiment gebildet hatten und in den erbitterten
+ Frühjahrskämpfen bei Arras fielen\ |_--_|\ bei Gelegenheit der Veröffentlichung
+ von Briefen gefallener Juden der jüdischen Fremdenlegion:
+
+ „Held Litwak\ |_--_|\ du, dessen herrlicher Brief, geschrieben am Tag
+ deines ruhmvollen Todes bei Carency an der Seite von 2000 Mitjuden, ich
+ unlängst abgedruckt habe, vergib diesen armen Sergeanten, die euch
+ monatelang als schmutzige Judenbuben und ähnlich beschimpft haben\ |_--_|\
+ euch, die ohne dazu verpflichtet zu sein, in einem Augenblick edler
+ Begeisterung euer Blut großmütig an Frankreich dahingegeben habt, das
+ in euren Augen das Sinnbild aller Freiheit und sittlichen Größe war.“\ |dots|
+ Und das beste Zeichen, wie sehr die Juden freiwillig für die Freiheit _`zu`
+ kämpfen wissen, daß gerade die Anführer der polnischen Legionisten fast
+ durchwegs Juden sind: Nach dem Jüd. Echo (Nr. 31, 1914, München) ist
+ der Vorsitzende des Polnischen Nationalen Hauptkomités und der Legionen
+ ein Jude namens Mosche Scherer und ebenso eine ganze Anzahl von Führern
+ der Legion.
+
+Ebenso wie der sozialdemokratische wurde auch der
+jüdische Soldat endlich einmal von den Meisten vorurteilsfrei
+betrachtet und bewertet. Natürlich gibt es auch Fälle,
+[pg 32]
+wo sich Vorgesetzte noch nicht in den Gedanken der Gleichwertigkeit
+„solcher Elemente“ hineinleben konnten.
+
+Die ungeheure sozialdemokratische Begeisterung ist
+nicht zuletzt das Produkt der so oft geschmähten „inter“-nationalen
+Denkweise jüdischer Führer, mit der man früher
+alles Unrecht gegen Juden deckte und erklärte. Die Führer
+haben ihren Patriotismus nicht nur durch billige Phrasen
+dokumentiert, sie sind nicht wie andere Sozialistenführer à la
+Vandervelde als Wanderredner durch die Lande gefahren, um
+die Menschen aufzuwiegeln, haben à la Hervé billige blutrünstige
+Artikel geschrieben oder sich als Leutnants, wie
+D'Annunzio, zu Hause wichtig gemacht. Der Jude :gesperrt:`Ludwig
+Frank` [#]_, _`vielleicht` der fähigste Kopf in der sozialdemokratischen
+Partei, trat als einfacher Soldat in Reih und Glied
+und fiel\ |_--_|\ wie er es wünschte\ |_--_|\ als ein einfaches, aber
+schönes Beispiel treuer Vaterlandsliebe.
+
+.. [#] Der bekannte Genosse Davidsohn „nur“ zweimal verwundet, nunmehr
+ Offizierstellvertreter.
+
+Aber nun kam, was nicht kommen durfte. Man hat in
+vielen Zeitungen über den Mannheimer, über den Rechtsanwalt,
+über den Sozialdemokraten Frank geschrieben. Man hat
+bewiesen, daß ein Sozialdemokrat patriotisch sein könne.
+Daß er aber ein Jude war, diese Tatsache wurde nach Möglichkeit
+verschwiegen.\ |_--_|\ Nicht zum Beweis der Tapferkeit
+und der Vaterlandsliebe wollen wir Frank als Juden registrieren.
+Es liegt eigentlich eine unglaubliche Verworfenheit
+des Charakters vor, wenn jemand von einer kulturell so
+[pg 33]
+hochstehenden Rasse wie der jüdischen, von der Tausende
+im öffentlichen Leben wirken, welche alle Kulturstätten deutscher
+und anderer Bildung genossen haben, annehmen könnte,
+daß Mannesehre und Würde bei ihnen nicht zu finden wäre.
+
+Daß man bei allen Nachrufen aber sichtlich vergessen
+wollte, zu erwähnen, daß der erste deutsche Volksführer,
+welcher mit seinem Tode die Treue zur Heimat und zum
+Staate besiegelte, ein Jude war, ist keine erfreuliche Erscheinung. [#]_
+Ebensowenig wie die Tatsache, daß die Dichter
+[pg 34]
+des großen Krieges, die zuerst verwendet wurden und
+starben, Juden waren. Wir nennen nur :gesperrt:`Zuckermann`,
+der das wundersame österreichische Reiterlied empfand, und
+:gesperrt:`Heymann`, den jungen Königsberger Lyriker, sowie den
+Schlesier Georg :gesperrt:`Hecht`. Man hat so oft über die billige
+Poesie, wie sie Literaten hinterm Schreibtisch gewinnsüchtig
+betreiben, gespottet. Zuckermann, Heymann, Georg Hecht.
+:gesperrt:`Ich kannte die glühende Begeisterung, die
+sie mit dem Leben zahlten.`
+
+.. |Rahmen| image:: images/bar.png
+ :align: middle
+ :width: 100%
+ :height: 1em
+ :alt: ___________________________________________
+
+.. |Rahmen1| image:: images/bar.png
+ :align: middle
+ :height: 1em
+ :width: 38%
+ :alt: _________________
+
+.. |Verdienstkreuz| image:: images/kreuz.png
+ :align: middle
+ :width: 10%
+ :alt: [Verdienstkreuz]
+
+.. [#] Dagegen unterstreichen z. |nbs| B. die deutsch völkischen Blätter hämisch,
+ daß Haase, welcher den verunglückten Aufruf veranlaßte, :gesperrt:`Jude` sei, was
+ man zu Kriegsbeginn, als er noch in minder unsympathischem Fahrwasser
+ segelte, sorgsam unterließ, bei ihm zu erwähnen.
+
+ Eine typische Todesanzeige für einen aktiven jüdischen Offizier mag
+ hier folgen:
+
+ .. vspace:: 2
+
+ .. class:: center
+
+ |Rahmen1| |nbs| |Verdienstkreuz| |nbs| |Rahmen1|
+
+ Gestern Abend um ½9 Uhr verschied in der Medizinischen
+ Klinik des Bürgerspitals zu Straßburg
+
+ .. role:: gross
+ :class: large bold
+
+ .. role:: grosser
+ :class: x-large bold
+
+ .. role:: amgrossten
+ :class: xx-large bold
+
+ :grosser:`Herr Major` \ \ :amgrossten:`Max Hollerbaum`
+
+ .. class:: bold
+
+ Kommandeur des B. Landsturm-Infanterie-Bataillons Passau II
+ Ritter d. Eisernen Kreuzes, d. K. B. Militär-Verdienstordens usw.
+
+ Das Bataillon steht in tiefer Trauer an der Bahre seines
+ ersten Kommandeurs.
+
+ Durch und durch Soldat, ein vornehmer, ritterlicher, zuverlässiger
+ Charakter, durch Willenskraft und warmherziges Wohlwollen gleichmäßig
+ ausgezeichnet, war er uns allen vorbildlich auch durch den
+ Heroismus, den er im Kampfe gegen ein langwieriges, schweres Leiden
+ bis zuletzt bewahrt hat. Es war ihm nicht vergönnt, wie an dem
+ Kriege um die Gründung des Reichs so an dem um seine Behauptung
+ bis zum ehrenvollen Abschluß teilzunehmen. Aber er hat Treue bis zum
+ Tode gehalten, und sein Gedächtnis wird in hohen Ehren bleiben.
+
+ Am 27. September 1915.
+
+ :gross:`Für das Landsturm-Infanterie-Bataillon Passau II`
+
+ | I. V.: **Hauptmann Freiherr von Pechmann.**
+
+ .. class:: center
+
+ |Rahmen|
+
+ .. vspace:: 2
+
+ Anschließend mag noch bemerkt werden, daß Major Hollerbaum
+ nicht der einzige aktive jüdische Offizier in der bayerischen Armee war.
+ Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien nur einige
+ namentlich genannt: Der alte bayerische Kürassiergeneral Carl Ritter
+ \v. Obermayer, Major Isidor Marx (Vater) und Major Maximilian Marx (Sohn),
+ die Majore Orfenau, Friedmann, Henle u. |nbs| a. Außerdem gab und gibt es viele
+ jüdische aktive Sanitätsoffiziere, Militärbeamte und auch untere Chargen.
+
+Wie aber war die Haltung der jüdischen Bevölkerung
+vor dem Ausbruch des Krieges? Die Juden haben sich in
+allem überaus würdig benommen. Daß sie als Kaufleute und
+Bankiers usw. nicht wie die Militärs beständig sich um die
+Militärangelegenheiten bekümmerten, ist selbstverständlich.
+Das berühmte „jüdische :gesperrt:`internationale` Großkapital“,
+von dem soviel gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten.
+Die jüdischen Bankiers und die jüdischen Kaufleute benahmen
+sich nicht anders wie die andern Schichten der Bevölkerung.
+Ruhig und ernst, wie es der Situation entsprach, als
+ihre Söhne entweder freiwillig oder als Militärpflichtige hinauszogen.
+Reiche Gaben und Spenden flossen allen Instituten
+von ihnen zu. Und was in der Heimat geleistet werden
+konnte, wurde getan. Männer wie Ballin, Rathenau, Riesser
+ruhten im Kriege nicht. Es ist noch nicht die Zeit, ihrer Verdienste
+für die Volksernährung, für die Munitionsergänzung
+_`und anderer Dinge zu gedenken.` [#]_
+
+.. [#] Otto v. Gottberg, die offiziöse Feder unseres Kriegsministeriums,
+ schreibt in einem Artikel „D. K. R. A.“ über Rathenau: „Er kam ohne
+ Ruf und Amt, ein Deutscher in Sorge um das Vaterland. Wie wenige
+ ein Kenner unserer Wirtschaft, fühlte Dr. Walter Rathenau, daß Deutschland
+ einen längeren Krieg siegreich nur dann überstehen könne, wenn der
+ Staat ohne Säumen zu organisiertem Sammeln, Sparen und Mehren der für
+ die Kriegführung nötigen Stoffe schritt. Der Kriegsminister sah den Mann,
+ den er gesucht hatte. Sankt Bureaukratius schlug wohl unter Protest
+ die Hände über dem Kopf zusammen, als der General den Zivilisten, Doktor
+ und Ingenieur mit höflicher Geste beim Kragen nahm und im Allerheiligsten
+ der Heeresverwaltung in einen Stuhl setzte mit dem Auftrag,
+ die Kriegs-Rohstoff-Abteilung _`ins Leben zu rufen.`\ “
+
+ Die Art, wie Rathenau die Aufgabe in achtmonatlichem Wirken löste,
+ sichert ihm einen Ehrenplatz _`in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.`
+ [pg 35]
+
+
+Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine
+zu geringe Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen
+Gründen oder aus Laune Junggesellen; die vielen Spätehen
+der akademischen Kreise und der Kaufleute bedingten einen
+hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die Kinder haben,
+begnügen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit,
+welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen
+hat, wird der Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er
+rächt die Beschränkung der Kinderzahl.
+
+Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwächte
+deutsche Judenheit weiß, daß dieses elementare
+Ereignis ihre Reihen noch mehr lichten wird. Alte Familien
+werden durch den Krieg erlöschen, die deutsche Judenheit
+wird unendlich geschwächt und in ihrer Existenz erschüttert
+aus dem Kriege hervorgehen.
+
+Die jüdische Jugend zahlte gern die Teilnahme an
+der deutschen Kulturgemeinschaft mit dem Tode.
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 36]
+
+|KapLinO| _`Juden im Ausland`.
+==============================
+
+
+Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien
+hat nur 40000, Frankreich 120000, England nicht ganz
+300000, also alle drei Länder zusammen nicht viel mehr als
+Preußen. In der englischen Regierung saß vor 35 Jahren
+ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck
+eine Verständigung der beiden Länder herbeiführte. Heute
+hat im britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille,
+das des Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten
+eine Stimme hat.
+
+In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften
+italienischen Juden und einer englischen Christin.
+Außerdem ist in Italien der Finanzminister Luzzatti Jude,
+der sich ursprünglich gegen den Krieg aussprach. [#]_ Das
+judenreinste Kabinett Rußlands trägt die Hauptverantwortung
+für diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am
+wenigsten zu sagen haben, hat am stärksten zum Kampf gedrängt.
+
+.. [#] Die Abkunft Barzilais' ist übrigens nicht sicher auf Juden zurückzuführen.
+
+In England lag die Entscheidung ausschließlich bei
+wenigen Nichtjuden. Bedeutende englische Juden hatten
+sich gerade in den letzten Jahren für eine gegenseitige Annäherung
+Deutschlands und Englands bemüht, weil sie instinktiv
+_`die Entfremdung der Länder bemerkten.` [#]_ Als der
+[pg 37]
+Krieg begann, legten Sir Cassel und Sir Speyer ihre Würden
+nieder.
+
+.. [#] Dafür hat Ernst Cassel Millionen gespendet, die er dem Kaiser
+ übermittelte; der einzige Engländer, der sich die Freundschaft der beiden
+ Länder etwas kosten ließ und sich ernsthaft darum bemühte.
+
+In Frankreich war das Kabinett wie in Rußland und
+Serbien „judenrein“. Die Juden an der Pariser Börse haben
+wahrlich keinen Krieg inszeniert. Als der Krieg aber ein
+fait accompli geworden war, haben einzelne frühere Deutsche
+resp. Elsässer in Frankreich und England aus der Angst
+für ihre Existenz unsympathische Kundgebungen erlassen.
+Ob sich darunter viele Juden befanden, weiß ich nicht. Ich
+konnte es nicht erfahren. Der berüchtigte Obermacher der
+Bethlehem Steel Company, :gesperrt:`Schwab` in Amerika, welcher
+wohl der anrüchigste Typ des Renegaten ist, stammt von
+württembergischen Eltern, ist nicht, wie deutsche antisemitische
+Blätter verleumderisch behaupten, ein Jude. Er ist
+vielmehr der Nachkomme eines Pfarrers.
+
+Wenn in einem Staate eine ziffernmäßig einflußreiche
+jüdische Volkschaft war, die sich für den Frieden hätte einsetzen
+können, so wäre es die Rußlands gewesen. An sieben
+Millionen Menschen, die aber in der Duma nur durch :gesperrt:`einen`
+Abgeordneten vertreten sind. (Auf diese Juden werden wir
+noch später zu sprechen kommen.) Sie waren vollkommen
+machtlos.
+
+Der Jude ist nicht, wie das alte, aber abgeschmackte
+Märlein der Antisemiten es will, der Brandzünder des Weltkrieges
+gewesen. Er war ein Freund des Friedens. Er
+würde als Kriegshetzer auch am allermeisten gegen sein
+Interesse handeln. Der Beamte wird im Krieg durch den
+Staat hinreichend ökonomisch geschützt, der Bauer findet
+nach dem Kriege immer seinen Grund und Boden wieder.
+Der Jude aber als Kaufmann hat durch die Unterbindung
+des Außenhandels enorm verloren. Bei einer großen Zahl
+der jüdischen Firmen ist mit einem Schlage der Lohn arbeitsvoller
+Jahre dahin gewesen. Und nach dem Kriege wird es
+auch für sie des größten Fleißes bedürfen, um nur annähernd
+[pg 38]
+das wieder zu erreichen, was man vorher an Wirtschaftsbeziehungen
+besaß.
+
+Am meisten unter allen Völkern haben die :gesperrt:`Juden in
+Österreich` gelitten. Die Besetzung Galiziens und der
+Bukowina stürzte 800000 Juden ins Unglück. Der ruthenische
+oder polnische Bauer wurde von der russischen Regierung
+mit aller Schonung behandelt. Gegen den Juden
+ist man jedoch mit aller Niedertracht verfahren, die man
+sich denken kann. Der Bauer hat sein Heim, seine Ernte,
+seinen Verdienst behalten. Der galizische Jude ist |nbs| |--|, wenn
+er nicht gar nach Sibirien transportiert wurde,\ |_--_|\ zum armseligen
+Bettler geworden. Sein Haus, seine Ware, sein Geld
+vernichtet, er selbst brotlos und heimatlos. Man lese darüber
+das Buch Segels „Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen
+Volkes“ [#]_\ |_--_|\ und man wird das Gruseln dabei lernen.
+
+.. [#] Verlag Stilke, Berlin 1915.
+
+.. vspace:: 2
+
+Eines der auch amtlich nachgewiesenen Ereignisse
+möchte ich hier zur Probe nach der Schilderung Benjamin
+Segels wiedergeben:
+
+„Im 16. Jahrhundert pflegten sich die Kosaken im
+Kampfe gegen Polen eines von den Tataren entlehnten
+Kriegsmittels zu bedienen: wenn sie eine Festung stürmten,
+trieben sie mit Lanzenstichen und Gewehrfeuer Gefangene
+vor, die Säcke voll Erde auf den Schultern trugen und
+unter dem Kugelregen ihrer eigenen belagerten Landsleute
+die Laufgräben um die Festung ausfüllen mußten, wobei sie
+unter der Last begraben wurden. Diese unmenschliche Sitte
+ist aus dem Kriege zwischen zivilisierten Völkern verschwunden.
+Die Japaner haben nur oftmals gegen die russische
+Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer
+auffingen. Die Russen aber haben in Galizien aufs neue
+den Brauch eingeführt, Menschen, wehrlose Menschen zu
+diesem Zwecke zu gebrauchen. Nicht etwa Gefangene, sondern
+[pg 39]
+Nichtkämpfer, Greise, Frauen und Kinder. Vor :gesperrt:`Nadworna`
+im Südosten Galiziens geschah das Furchtbare.
+Die Russen brachten :gesperrt:`eintausendfünfhundert jüdische`
+Familien zusammen und trieben sie vor die österreichische
+Front, während sie selber hinterdrein vorrückten.
+
+Die menschliche Sprache hat keine Worte, um das Grausame
+dieser Untat auch nur annähernd zu kennzeichnen.“\ |_--_|\
+
+Bekannt sind die Befehle russischer Kommandanten, von
+denen ich z. |nbs| B. den des Etappenkommandeurs von Krosna,
+vom 10. März, wiedergebe:
+
+„Für jeden Fall, in dem die deutsche oder österreichische
+Regierung jemanden aus der nichtjüdischen Bevölkerung bestraft,
+sind die Juden verantwortlich. Zu diesem Zweck
+werden jüdische Geiseln mitgenommen und für jeden Nichtjuden
+wird man zwei Juden umbringen.“
+
+Das Stockholmer Blatt „Sozialdemokraten“ konstatierte:
+Jeder russische General, der eine Niederlage erleidet, schiebt
+die Schuld einfach auf\ |_--_|\ die Juden in dem Gebiete, wo er ist.
+Die Juden wurden zu Zehntausenden ausgewiesen: auf lose
+Angebereien wurden sie erschossen und erhängt.
+
+.. vspace:: 2
+
+Und in :gesperrt:`Rußland`? Die russischen Juden dürfen, das
+ist in Deutschland kaum bekannt, nur in den westlichen polnischen,
+litauischen und bessarabischen Provinzen Rußlands
+wohnen und auch hier nicht auf dem Lande, sondern nur in
+den Städten. Sie sind vom Ackerbau abgeschlossen, Bodenerwerb
+ist ihnen streng untersagt. Künstlich hat die russische
+Regierung alle modernen Bildungsbestrebungen verboten,
+alle freiheitlichen Regungen unterdrückt, die idealistische
+Jugend, die ihre Glaubensgenossen organisieren
+wollten, die für irgend einen Fortschritt kämpften, gefangen
+gesetzt. Tausende gerade der Fähigsten sind ausgewandert.
+Amerika nahm allein 2 Millionen dieser unfreiwilligen Emigranten
+auf. Was blieb, ist ein Torso. Die ständigen Judengesetze
+[pg 40]
+und Verordnungen treiben willkürlich die Juden in
+gewissen Städten zusammen. So hat das Jahr 1882 eine maßlose
+Überfüllung des Ansiedlungsrayons hervorgerufen. Das
+polnisch-jüdische Ghetto ist ein modernes Kunstprodukt, wofür
+die russische Regierung verantwortlich zeichnet. Mit
+Gewalt hält die Obrigkeit die jüdische Bevölkerung in Armut,
+hindert jede hygienische Regung und verbietet alle
+geistigen Bestrebungen. Es ist unmöglich, daß die Verhältnisse
+anders sind, als wir sie antreffen, und das antisemitisch
+absprechende Urteil berücksichtigt nicht, daß es sich um
+ein Volk handelt, das in allem geknebelt und entrechtet ist.
+Der Krieg, der sich im Westen Rußlands abspielt, hat naturgemäß
+die Juden am stärksten betroffen.
+
+Hunderte jüdischer Gemeinden sind zertreten. Ich habe
+selbst viele in Polen sowie nördlich der Weichsel und besonders
+im Gouvernement Kowno, sowie in Kurland gesehen.
+
+Über die Lage der Juden in Rußland informiert das
+Büchlein von Kurt :gesperrt:`Aram`: Der Zar und seine Juden [#]_
+(„Das jüdische Elend in Warschau ist doch noch
+viel gräßlicher als alles andere, was ich sah.“) Und
+Dr. Claus schreibt im Russenheft der Süddeutschen Monatshefte:
+„Schon in Friedenszeiten war das Elend unter den
+Juden groß; wer einmal einen Einblick in die Ghetti Warschaus
+oder einer litauischen Stadt getan hat, wird das Bild
+des Grauens so leicht nicht los.“
+
+.. [#] Verlag Ullstein, Berlin.
+
+Ich will nicht eingehend über all das Grauenhafte schreiben,
+was selbst die russische Zensur in ihren Blättern bringen
+ließ. Einwandsfreie nichtjüdische Abgeordnete haben
+in den denkwürdigen Dumatagen des August das tragische
+Geschick des jüdischen Volkes, das von der Regierung zu
+allen Zeiten als Blitzableiter dienen mußte, gekennzeichnet.
+[pg 41]
+Geben wir der „Guerre Sociale“, dem bundesgenössischen
+Blatt, darüber das Wort:
+
+„Das österreichische wie das russische Polen ist von
+Polen und Juden bewohnt. Was hat man getan, um z. |nbs| B.
+die Juden für die Sache der Verbündeten zu gewinnen?
+Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en bloc
+in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn
+alles das, was amerikanische Blätter über die den
+Juden seit Kriegsbeginn zuteil gewordene :gesperrt:`schmachvolle
+Behandlung` mitteilen, wahr ist, wie kann Rußland
+dann für sie etwas anderes sein, als ein :gesperrt:`Land des
+Schreckens und der Schande`, wo ihre verfolgte
+Rasse den Becher bis zur Neige geleert hat.“
+
+Und nochmals die „Guerre Sociale“ (Gustav Hervé):
+„Mir kommt nicht zu, in diesem Augenblick, wo das befreundete
+und verbündete Rußland schmerzliche Stunden
+durchlebt, davon zu erzählen, wie es viel zu lange die Juden
+behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren
+sie im Mittelalter behandelt haben.“
+
+Und schließen wir mit den mutigen Worten des jüdischen
+Dumadeputierten :gesperrt:`Friedmann`, den keine Angst
+vor Einkerkerung oder vor Sibirien abhalten konnte, nach
+allen vorliegenden Zeitungen u. |nbs| a. folgendes festzustellen:
+
+„Die Zeitungen registrierten eine ungeheure Menge jüdischer
+Kriegsfreiwilliger. Diese Freiwilligen sollten ihrem
+Bildungsgrad nach Anspruch auf Offiziersrang haben, aber
+sie wußten ganz gut, daß sie als Juden den Offiziersrang
+nicht bekamen. Trotzdem zogen sie in den Krieg.
+
+Zahlreiche jüdische Studenten kamen aus dem Ausland
+und gingen an die Front. Die Juden zuhause bauten Lazarette,
+spendeten viel Geld und brachten verhältnismäßig
+:gesperrt:`weit größere Opfer als andere Nationen`.
+
+Viele jüdische Soldaten bekamen auch das Georgskreuz.
+(Ich habe selbst verschiedene gesehen. Der Verf.) So war
+[pg 42]
+die Stimmung der Juden bei Kriegsausbruch. Aber wir dürfen
+nicht vergessen, daß im Polenland jüdisches Blut in
+starken Strömen fließt, und zum Unglück nicht nur von
+Feindeshand. Militärbehörden und Regierung brauchten
+Sündenböcke für ihre Mißerfolge. Man benutzt zu diesem
+Zweck die alte Firma, das ist der Jude. Kaum überschritt
+der Feind die Grenze, so verbreiteten sich Gerüchte, daß
+jüdisches Gold auf Aeroplanen, in Särgen und Eingeweiden
+von Gänsen zu den Deutschen floß. Die Legende wuchs,
+sie verbreitete sich dank der Agitation der Regierungsagenten
+und nahm schließlich ungeheure Dimensionen an.
+Den Juden gegenüber wurden unerhörte Maßnahmen angewendet
+und diese Maßnahmen, die vor den Augen der ganzen
+Bevölkerung vollzogen wurden, flößten derselben und
+der Armee das Gefühl ein, daß die Juden als schlimmste
+Feinde außerhalb des Gesetzes stehen. Zuerst wurden alle
+Juden aus Polen und Litauen ausgewiesen. :gesperrt:`Über eine
+Million` Menschen mußte den Bettelstab ergreifen. Verwundete
+jüdische Soldaten mit dem Georgskreuz wurden in
+Viehwagen und wirklich wie Vieh mit einem Frachtschein
+abtransportiert. Jüdinnen, deren Männer, Kinder und Brüder
+ihr Blut fürs Vaterland vergossen haben, wurden überall verfolgt.
+Eine andere harte Maßnahme war das Geiselnehmen.
+Es handelt sich hier um einen unerhörten Fall in der Weltgeschichte.
+Man nahm als Geiseln Staatsangehörige des
+eigenen Landes. Anders als eine Schmach kann man das
+nicht nennen.“
+
+Trotzdem Millionen nur Jiddisch verstehen, wurden in
+ganz Rußland die Korrespondenzen, Telefongespräche, Unterhaltungen
+auf der Straße in Jiddisch verboten und die
+Unglücklichen eingekerkert, die dagegen verstoßen mußten.
+
+Rußland erklärt, daß des Zaren „liebe“ Juden Freunde
+der Deutschen sind, daß sie denen zu Liebe spionieren, ja
+sogar auf die russischen Truppen schießen. Gewiß bestehen
+[pg 43]
+vielfach Sympathien für die Deutschen auf Seiten der russischen
+Juden, weil viele Deutsche zwar auch Antisemiten,
+aber doch nicht so grausame Feinde der Juden sind wie die
+Russen. Aber zwischen einigen Sentiments und zwischen
+der Äußerung irgendwelcher staatsfeindlicher Gefühle ist
+doch noch ein sehr weiter Sprung. Selbst die, welche sich
+darüber klar sind, daß ihnen die deutsche Regierung wegen
+des geringeren antisemitischen Druckes lieber wäre, wagen
+sicherlich nicht die geringste Tat. Sie wissen, daß sie als
+Juden schon :gesperrt:`ohne` allen Grund als Vaterlandsverräter gebrandmarkt
+sind, daß man ihnen über Schritt und Tritt nachforscht.
+Und sie hüten sich ängstlich vor jedem Verstoß.
+Wer die Psyche der Ostjuden kennt, weiß, daß es, abgesehen
+vom Hindu, keine friedlichere Bevölkerung gibt. In der
+strenggläubigen Bevölkerung sprechen dabei auch religiöse
+Auffassungen mit.
+
+.. vspace:: 2
+
+Was die russischen Juden den Deutschen so nahebringt,
+ist ihre Sprache und ihre Kultur. Wohin der deutsche Soldat
+in Rußland kommt, er nimmt sich immer den Juden vor,
+von dem er weiß, daß er Deutsch versteht, und daß er überhaupt
+nicht schwer von Begriff ist.
+
+Die deutsche Regierung, die Militärverwaltung hat überall
+gerne jüdische Mitarbeit gesucht und gefunden. Andererseits
+haben gerade die jüdischen Gemeinden in weitgehendster
+Weise die Not unter den Juden gelindert, sogar im
+armen Osten haben die jüdischen Religionsverbände ihre
+Angehörigen gestützt, und dem Staate damit seine Aufgabe
+erleichtert.
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 44]
+
+|KapLinO| _`Die Lehren des Krieges`.
+====================================
+
+Die Ergebnisse aus dem Kriege für das Verhältnis der
+deutschen Juden zum Reiche sind leicht zu ziehen. Wie im
+Frieden, so haben sich die Juden besonders in den schweren
+Zeiten der Stürme als gute Staatsbürger bewährt. Der Burgfriede
+hat es ermöglicht, daß die, welche durch lange Zeit
+als Soldaten II. Klasse und auch als mindere Staatsbürger
+behandelt worden waren, ihre Pflicht in vollem Maße taten
+und mehr als das. Wenn man die Zahl der jüdischen Kriegsfreiwilligen,
+die zum Heere strömten, zählen wird, dürfte
+mancher frühere Antisemit erstaunen. Soviel Liebe und Begeisterung
+für ein Vaterland, das seinen jüdischen Mitbürgern
+die Zeiten des Soldatenstands nicht zu den angenehmsten
+machte, kann nur bei einem Volke gefunden werden,
+das in seinem Kern ein loyales ist. Und die Juden waren
+und sind denn auch tatsächlich in England, in Frankreich, in
+Italien und Österreich, in den Vereinigten Staaten, in Holland
+etc. überall als ein unbedingt gut patriotisches Element
+bekannt.
+
+Wenn sich etwas aus den Lehren des Augenblicks für
+die Zukunft ergeben müßte, so ist es die Forderung der
+vollen Durchführung der Gleichberechtigung der jüdischen
+Staatsbürger in Deutschland. Wie sich in Österreich die
+Ungarn bewährten, wie die Polen und Elsässer und Dänen
+in unseren Heeren zum Erfolge beitrugen, so vor allem die
+Juden, die nie auf deutschem Boden ein eigenes Territorium
+[pg 45]
+zu gründen suchten, die nie in geschlossener Organisation
+irgend welchen staatlichen, sprachlichen oder kulturellen
+Bestrebungen der Deutschen im Frieden wie im Kriege eine
+Gegnerschaft aufboten.
+
+Der deutsche Jude hat keine nationale und religiöse
+Politik, die sich gegen die der andern Staatsbürger wenden
+kann. Es gibt keinen jüdischen Verein, der Deutschland
+liberal, demokratisch oder sozialistisch regiert haben will.
+Wohl aber gibt es jüdische Redakteure bei den Freikonservativen,
+bei den Nationalliberalen, bei den Volksparteilern
+und in der Arbeiterbewegung. Eine irgendwie einheitliche
+jüdische Politik gibt es in Deutschland nicht. Auch ihre
+religiösen Anschauungen stören niemanden.
+
+Nicht um Lohn zu finden, haben die Juden Seite an
+Seite mit allen anderen Deutschen gekämpft. Sie haben aber
+ein Anrecht, nicht um ihre Freiheit verkürzt zu werden. Es
+muß :gesperrt:`das` Schauspiel des Friedens aufhören, daß der Jude,
+sobald er getauft ist, Professor, Offizier, Staatsanwalt usw.
+werden kann. Diese :gesperrt:`Prämie auf das Renegatentum`
+ist nicht wert, in Friedenszeiten wiederzukehren.
+Deutschland darf keine antisemitische Politik betreiben, es
+würde sich sonst an das programmatisch antisemitische Rußland
+anlehnen. Es kann im Gegenteil auch nicht dem Ehrgefühl
+deutscher adliger Offiziere entsprechen, mit Männern
+eng verbunden zu sein, die sich ihrer Ahnen und Herkunft
+schämen. Es kann nicht die Auffassung der Hüterin des
+Rechts sein, daß Richter vorerst ihren Glauben abgeschworen
+haben müssen; es kann keine freie Wissenschaft sein,
+die das christliche Bekenntnis zur Voraussetzung hat.
+
+Deutschland, der nunmehrige Freund des :gesperrt:`Islam`,
+kann auch seine :gesperrt:`jüdische` Bevölkerung ihrer Religion
+nachgehen lassen, ohne dabei Schaden für seine christlichen
+Bewohner zu nehmen. Der Übertritt vom Judentum zum
+Christentum muß wieder öffentlich als das gebrandmarkt
+[pg 46]
+werden, was es in den weitaus meisten Fällen wirklich ist:
+als Streberei, Gesinnungsheuchelei, Religionsmißbrauch (alldieweil
+es keine „überzeugten“ Christen sind, die den Weg
+zum Taufbecken suchen und ihn so leicht finden.)
+
+Der Krieg hat dem elenden Religions- und Rassengezänk
+im Innern des Landes hoffentlich ein Ende bereitet,
+nach außen hin wird es noch genug Arbeit geben, um den
+Haß der Nationen, die Zwietracht, Rachsucht, Mißgunst
+langsam abebben zu lassen. Auf Jahrzehnte hinaus wird
+Deutschland genügend Feinde besitzen, es kann daher die
+Ruhe im Innern doppelt nötig brauchen.
+
+Soziale und biologische Probleme stellen sich in den
+Vordergrund. Die deutschen Juden haben der Großstadt
+und der Sucht, wirtschaftlich zu erstarken, bedeutende Opfer
+gebracht. Junggesellentum aus Vorliebe oder aus Not,
+weil die Familie ökonomisch eine bedeutsame Last ist,
+Kinderlosigkeit und Kinderarmut sind die Kennzeichen für
+die Entwicklung der heutigen deutschen Juden. Ich habe
+sie in den Büchern „\ :gesperrt:`Der Untergang der deutschen
+Juden`\ “ [#]_, \ „\ :gesperrt:`Das sterile Berlin`\ “ [#]_ und
+in der :gesperrt:`Preisschrift\ der Gesellschaft für
+Rassenhygiene` [#]_ des näheren dargelegt.
+
+.. [#] Verlag Reinhardt, München.
+
+.. [#] Verlag Marquardt, Groß-Lichterfelde.
+
+.. [#] Verlag Louis Lamm, Berlin C.
+
+Nun reißt der Krieg weite Lücken in ihre Reihen. Während
+Deutschland wächst, verkümmert der Anteil seiner
+Juden. :gesperrt:`Sombart` hat nachgewiesen, wie die Bürokratisierung
+der Banken, der Schwerindustrie usw. den jüdischen
+Einfluß hemmt. Dazu kommt die prozentual geringer werdende
+Beteiligung. Die hervorstechende ökonomische Macht
+der Juden weicht langsam, aber sicher von selbst.
+
+_`Eine` antisemitische Bewegung könnte höchstens wirtschaftlich
+wertvollen Kräften, die ohnedies abnehmen, Hindernisse
+[pg 47]
+bereiten, Unzufriedenheit in den jüdischen Kreisen
+säen und den Geist der Zwietracht verbreiten. Deutschland
+ist kein einheitlicher Staat, aufgebaut auf Grundlagen
+:gesperrt:`einer` Religion, :gesperrt:`einer` Rasse, :gesperrt:`einer` Staatsform. Es
+ist (ähnlich Amerika) die glückliche Synthese der verschiedensten
+Bevölkerungsschichten, die alle als deutsche Staatsbürger
+respektiert werden wollen. Glaubens- und Rassekämpfe
+müssen verflossenen Zeiten angehören. Wie traurig
+ist es, daß noch Millionen von Katholiken glauben, sich
+politisch vereinigen zu müssen, um entweder in ihren Rechten
+nicht geschwächt zu werden oder sich größeren Einfluß
+sichern zu können. Eine Vermischung von Religion und
+Politik. Sehen wir die Welfenpartei! Eine Gruppe, die nach
+fünfzig Jahren noch immer die Geschichte umwälzen, nochmals
+die staatlichen Zustände von 1866 herbeiführen wollte.
+Die Negation als Grundlage einer politischen Betätigung!
+
+Der große Krieg muß auch im Innern eine Reform bedingen.
+Er muß uns soweit einander näher gebracht haben,
+daß wir die volle politische und bürgerliche :gesperrt:`Gleichberechtigung`,
+die Freiheit des Individuums fürderhin
+nicht mehr einzelnen Klassen und Gemeinschaften rauben
+wollen. Neben den Sozialdemokraten sind es die Juden, die
+vornehmlich als treue Staatsbürger angesehen zu werden
+verlangen und hoffentlich es auch erreichen. Mag besonders
+die Ostmarkenpolitik, die antisemitisch bis in die Knochen,
+durch die mehr oder minder gewaltsame wirtschaftliche
+Vertreibung der jüdischen Handwerker und Kaufleute in
+den Städten Posens und der östlichen Provinzen den polnischen
+Mittelstand aufblühen ließ, ein deutliches _`Warnungszeichen`
+dafür sein, wie schädlich letzten Endes jede
+Hetzpolitik ist.
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 48]
+
+|KapLinO| _`Das Problem der Ostjuden`.
+======================================
+
+
+Es mag leicht sein, daß ein Friedensschluß dem Deutschen
+Reich neue polnische Gebiete bringt. Kein Element
+wird dann so leicht für das Deutschtum sprachlich und
+staatsbürgerlich zu gewinnen sein, wie das jüdische, das
+sich durch sechs bis sieben Jahrhunderte, seit es aus den
+Rheinlanden vertrieben wurde, die deutsche Mundart\ |_--_|\
+wenn auch in eigener Entwickelung\ |_--_|\ bewahrte. Viele der
+deutschen Soldaten dachten sich garnichts dabei, als sie
+in allen Städten Rußlands eine (wenn auch nicht ganz korrekt)
+deutsch sprechende Bevölkerungsschicht antrafen.
+Einzelne aber waren darüber doch erstaunt. Sie waren auch
+überrascht, eine überaus ärmliche, im Wust der Umgebung
+verschmutzte, aber für alle Entwicklung empfängliche Masse
+anzutreffen, die sich gerne den deutschen Maßnahmen
+fügte.
+
+Das Urteil über die polnischen Juden ist bei den Deutschen
+nicht immer sympathisch. Jedes fremde Volk hat
+Schwächen, die dem Fremden auffallen, und die leicht zu
+einer vollkommenen Verurteilung führen. Bei den russischen
+Juden wird zu wenig daran gedacht, daß die russische Regierung
+sie gewaltsam in modernen Ghetti zusammenpfercht.
+Sie dürfen nur im Ansiedlungsrayon wohnen, und hier
+wiederum nur in den Städten. Vor dreißig Jahren hat man
+sie so zusammengetrieben ohne Rücksicht darauf, ob die
+vorhandenen Wohnungs- und Lebensmöglichkeiten genügten.
+Man hat sie zwangsweise in schmutzige Löcher gestoßen.
+[pg 49]
+Die vielen hundert Verbote, die den russischen Juden treffen,
+rauben ihm die Lust und das Recht, sich Häuser zu
+bauen, das Heim auszugestalten. Rußland will den Juden
+vertreiben, und so ist er denn auch immer auf dem Sprung,
+wegzugehen. Millionen Juden sind bereits nach Amerika,
+England, Südafrika, Frankreich usw. ausgewandert.
+
+Der russische Jude gilt wegen seiner Sprache (Jüdisch-Deutsch
+oder „Jargon“) als Deutschfreund. Während sich
+vielfach Polen und Ruthenen in Österreichisch-Galizien bei
+der russischen Okkupation recht eigentümlich benommen
+haben, während in diesen Ländern, besonders aber in _`Russisch-Polen`,
+die Landbevölkerung in reichlichstem Maße zum
+Franktireurkrieg und zu Spionage neigte, verhielten sich die
+Juden überaus loyal. Es ist unwahr, daß sie für Deutschland
+Kundschafterdienste leisteten; sie haben sich aber naturgemäß
+auch den Russen gegenüber durchaus korrekt benommen.
+Dabei wurden die Juden am schwersten durch :gesperrt:`beide`
+Parteien geschädigt. Die Russen haben aus Haß jüdische
+Städte, z. |nbs| B. Szawle, angezündet, und die Deutschen verbrannten
+u. |nbs| a. Tauroggen als Gegenmaßregel gegen russische
+Greuel in Ostpreußen. Tauroggen war aber vor allem
+eine jüdische Stadt. Kalisch, eine echte Judenstadt, wurde
+gründlichst zerstört, weil als Zivilisten verkleidete Soldaten
+aus Bürgerhäusern schossen. Dadurch wurden Tausende von
+Juden obdachlos. Viele Städte wurden durch Bombardements
+zerstört, wie Lowicz, Sochaczew etc. Von Seiten der
+Deutschen mußten vielfach Ausweisungen jüdischer Bürger
+erfolgen, da man natürlich keinem der feindlichen Staatsangehörigen
+trauen konnte; die Massenausweisungen der
+Juden aus Polen, Rußland, Kowno etc. übertreffen ums
+Dreifache die Zahl der seinerzeit aus Spanien vertriebenen
+Juden. Bereits wandern heimatlos eine und eine halbe Million
+im Innern Rußlands, und auch in Österreich sind es
+Hunderttausende, deren Heim zerstört ist.\ |_--_|\
+[pg 50]
+
+Der deutschsprechende Jude wird, wie oben bemerkt,
+als Deutschenfreund angesehen. So wie die Verhältnisse vor
+dem Kriege lagen, hätte es den russischen Juden nichts eingetragen,
+sich an die Freundschaft Deutschlands zu wenden. Nicht
+einmal seine eigenen Juden schützte Deutschland vor
+Rußland. Das Zarenreich erlaubte nur ganz ausnahmsweise
+den Deutschen jüdischen Glaubens den Eintritt in
+sein Land. Und Deutschlands Politiker haben gegen diese
+monströse Beschränkung niemals remonstriert. Sie ließen die
+öffentliche Beschimpfung ihrer Juden zu, ohne durch irgendeine
+Gegenwehr, Gegenmaßregel oder nur ernstliche Vorstellung
+ihre Staatsbürger vor schimpflicher Behandlung zu
+schützen. Und die deutsch sprechenden sieben Millionen
+Juden Rußlands? Sie gelten zwar als Freunde Deutschlands,
+:gesperrt:`nur daß Deutschland nicht ihr Freund ist`!
+
+Deutschland hat zu Beginn des Krieges durch seine
+Generale erklären lassen, daß es den Polen volle Gerechtigkeit
+widerfahren lassen wolle. Die Juden, deren Zahl in den
+Grenzländern bedeutend ist, wurden nicht sonderlich erwähnt.
+
+Es ist anzunehmen, daß sich Deutschland nach dem
+Kriege allen seinen Juden gegenüber liberal verhalten wird.
+
+Aber es ist doch sehr die Frage, wenn sich keine gewaltigen
+Grenzverschiebungen ergeben, ob die Judenfrage
+Rußlands einer Lösung nähergebracht wird. Schon vor dem
+Krieg hat die russische Regierung die Bedrückung der Juden
+systematisch inauguriert, die Pogrome des Jahres 1905 waren
+bestellte Arbeit. Rußland bekennt sich zu dem Lehrsatz
+eines seiner Minister: „Ein Drittel der Juden wird vertrieben,
+ein Drittel muß verhungern und ein Drittel ist zu töten.“
+(Siehe Errera „Die Judenfrage“.)
+
+Die Judenfrage Rußlands interessiert Deutschland aus
+vielen Gründen. Die sieben Millionen, die deutsch verstehen
+[pg 51]
+und sprechen, bildeten ein wertvolles wirtschaftliches Element,
+das gerne mit Deutschland Handelsbeziehungen unterhielt.
+Diese sieben Millionen sind die stärksten Gegner jedes
+Krieges mit Deutschland, das sie verehren. Wegen ihrer
+deutschen Sprache und ihrer deutschen Sympathien sind sie in
+grausamster Weise von Rußland bestraft worden.\ |_--_|\ Deutschland
+hat den Polen zu verstehen gegeben, daß es sich ihrer
+annehmen wird. Mit noch größerer Berechtigung aber können
+die :gesperrt:`Juden` erwarten, daß Deutschland sie nicht vergißt,
+wenn die Frage der unterdrückten Nationen in den Friedensverhandlungen
+aufgeworfen wird.
+
+Die Juden haben nie im politischen oder sprachlichen
+Kampfe mit den Deutschen gelegen (wie die Polen), seit
+Jahrhunderten sind sie zu einem Teile fest verwachsen mit
+der deutschen Erde. Die in Polen zurückgebliebenen Gemeinden
+sind bei der Teilung dieses Landes durch Zufall zu
+Rußland, Österreich oder Preußen gekommen. Die, welche
+russische Staatsbürger wurden, haben seit jener Zeit eine
+Geschichte des Leides und der Verfolgung erlebt, die ans
+finsterste Mittelalter erinnert. Leider wissen unsere deutschen
+Mitbürger wohl von „Greueln in Armenien“, wie sie
+die Engländer aus politischen Gründen aufbauschten,\ |_--_|\ die
+Regierungspolitik Rußlands jedoch, das sich so lange als
+der beste Freund Deutschlands gebärdete, wußte recht gut
+über allen ihren Schandtaten dichte Schleier auszubreiten.
+
+Die deutsch sprechenden Juden Rußlands sind zum
+Teil Zionisten. Die Türkei hat an ihren zionistischen Bürgern
+in diesem Kriege eine gute Unterstützung gefunden.
+Deutschland kann sehr wohl, im eigenen Interesse wie in
+dem seines neuen Bundesgenossen, ein Entgegenkommen der
+Türkei für eine jüdische Besiedlung der verödeten Landstriche
+Palästinas befürworten.
+
+Es kann keine Frage sein, daß sofort nach dem Friedensschluß
+eine :gesperrt:`Massenauswanderung` der russischen
+[pg 52]
+Juden beginnen wird, welche die gesamte Völkerwanderung
+numerisch in den Schatten stellt. Diese Juden, denen
+man das Letzte genommen hat, die ein volles Jahr lang gequält
+und getrieben wurden, jeden Augenblick gewärtig, erschossen
+oder zum mindesten nach Sibirien geführt zu werden,
+warten nur auf die Möglichkeit, wieder frei zu atmen.
+
+.. vspace:: 2
+
+Soll Deutschland diese Emigration nicht zum eigenen
+Nutzen zu beeinflussen suchen? Soll der Strom der Auswanderer
+nach Amerika gehen? [#]_ Deutschland wünscht
+eine moderne Entwicklung der Türkei. Durch die Verluste,
+die der Krieg im eigenen Lande zeitigte, ist keine Emigration
+der eigenen Massen bevorstehend. Im Gegenteil.
+
+.. [#] Eine wirkliche Masseneinwanderung östlicher Juden in Deutschland
+ wird schon aus ökonomischen Gründen schwer durchführbar sein. Dieselbe
+ wäre auch vom jüdisch-nationalen Standpunkt nur eine Notstandsaktion,
+ die übrigens wegen der vielen Widerstände, die nach jeder Hinsicht zu
+ überwinden wären, keineswegs einzutreten braucht.
+
+.. vspace:: 2
+
+Wenn die Erlösung der kleinen Völker einen Rückhalt
+an Deutschland finden darf, dann kann es die gequälte jüdische
+Masse des Ostens nur in zionistischem Sinne erlösen.
+Auf Rußland kann Deutschland nicht einwirken, wie es
+seine Untertanen regieren soll. Eine breite Öffnung der
+eigenen Grenzen liegt nicht im Wunsch der meisten eigenen
+Staatsbürger.
+
+.. vspace:: 2
+
+Will Deutschland das Bündnis mit der Türkei ökonomisch
+ausnützen, will es sich dort eine Masse sichern, die
+aus sprachlichen Motiven wie auch aus Dankbarkeit zu
+Deutschland neigt, dann wird es einer großzügigen zionistischen
+Emigration die Wege ebnen, wird „dem Lande ohne
+Volk das Volk ohne Land“ geben.
+
+.. vspace:: 2
+
+Professor Otto :gesperrt:`Warburg` hat schon vor zehn Jahren
+darauf hingewiesen, daß die Besiedelung Mesopotamiens von
+[pg 53]
+ausschlaggebender Bedeutung für die wirtschaftliche Erschließung
+und Entwicklung Vorderasiens ist. [#]_
+
+.. [#] Wir könnten z. |nbs| B. von daher unsere Baumwolle beziehen und so
+ vom Auslande unabhängig werden.
+
+Deutsches Kapital hat die großen Bahnbauten nach
+Bagdad ermöglicht. Wir sind alle daran interessiert, daß
+Deutschland daraus Nutzen zieht. Hier kann nur eine geeignete
+Einwanderung helfen, denn die ortsanwesende Bevölkerungsmenge
+ist nicht ausreichend.
+
+Da schon Massen arbeitsloser Juden in Polen den Behörden
+zur Last fallen, so wäre es gut, wenn man sich, wie für
+die ostpreußischen Flüchtlinge, so auch für das jüdische
+Proletariat Galiziens und Polens interessierte. Sobald sich
+die türkische Regierung entschließt, einwandernden jüdischen
+Familien Land anzuweisen, wird auch von der jüdischen
+Seite das nötige Geld zur Überführung und Ansässigmachung
+aufgebracht werden. Es ist nur nötig, daß
+sich :gesperrt:`der neue Dreibund` darüber klar ist, :gesperrt:`was er
+mit dem namenlosen Judenelend machen
+will`, wie er den vom Krieg entwurzelten Massen hilft,
+ohne dabei selbst Menschen zu verlieren. Denn Menschen
+sind Geld, Männer sind im Kriegsfalle Gewehre. Nie hat
+man die Bedeutung der Ziffer so erfaßt, wie bei diesem
+Krieg.
+
+Kommt aber den Juden vom neuen Dreibund keine
+Hilfe, dann wandern sie bestimmt nach Amerika aus und
+gehen für die deutsche Sache verloren. Mit ihnen aber ein
+großes Nationalvermögen,\ |_--_|\ auch deshalb, weil ja jeder
+Emigrant etwas Geld bei sich haben muß, was bei einer solchen
+Völkerwanderung allein schon Millionenwerte ausmacht.
+
+Die Zukunft von Deutschlands kolonisatorischer Tätigkeit
+liegt im Orient, in der Türkei. Wie kaum je wieder bietet
+sich eine Gelegenheit, die Kolonisation zu fördern.
+[pg 54]
+Kenner des Orients, wie Rohrbach, Auhagen, Paquet [#]_ u. |nbs| a.,
+sind gerade in letzter Zeit für diese Orientierung der deutschen
+[pg 55]
+Politik eingetreten. Schon früher plante übrigens der
+verstorbene Großherzog von Baden, das Interesse der Mächte
+für eine organisierte Kolonisation Palästinas durch die
+Juden wachzurufen.
+
+.. [#] Ein soeben von Alfons :gesperrt:`Paquet` erschienener Artikel (in Heft 40
+ Jahrg. 1915 des März) „\ :gesperrt:`Juden im Osten`\ “ kommt zu denselben
+ Resultaten. Paquet schreibt:
+
+ „Das türkische Volk kümmert sich wenig _`um den Glauben anderer.`
+ Es erkennt in den Juden die Orientalen, es weiß, daß jene, die aus dem
+ Westen kommen, zugleich Europäer sind, Träger eines praktischen Könnens,
+ das dem neuen türkischen Staatswesen Nutzen zu bringen vermag. Und das
+ eigentliche Palästina? Hat es nicht in den Jahren, die dem Versuch der
+ Wiederbesiedelung gewidmet waren, bewiesen, daß es wirklich das Land
+ ist, wo einmal der Wanderer sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen
+ die den Erzvätern leuchteten, um auszuruhen und böse Spuren aus seinen
+ Zügen wischen?“
+
+ Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein grünes Banner. In dem
+ von Menschen erfüllten Europa werden sie das wichtigste für ihre
+ Zukunft:\ |_--_|\ den Boden\ |_--_|\ nie erhalten, eher werden sie
+ die Träger irgend eines
+ unbestimmten Unheils sein. In allen Erdteilen, außer Vorderasien, fehlen
+ die Möglichkeiten einer Ansiedelung, die den Juden erlaubt, nach ihrer
+ höchst eigentümlichen Art zu leben und von dem geistigen Gut, nach dem
+ sie _`hungern`, satt zu werden. Aber in dem einen kleinen Lande, das schon
+ begonnen hat, zu einem neuen Dasein zu erwachen, ist Raum und Tragkraft
+ genug, sie aufzunehmen. Josua und Kaleb sind von ihrer Kundschafterreise
+ zurückgekehrt mit schweren Trauben. Es kommt jetzt darauf an
+ die Fähigkeiten des Volkes, die bisher auf die Wüstenreise verwendet
+ wurden, zu wecken und neu zu gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild
+ der deutschen Volksschulen, vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze,
+ werden dazu helfen können. Einst werden dann diese Knaben die Mannschaft
+ eines neuen _`morgenländischen` Wesens bilden, gleichviel, ob sie
+ Ingenieure oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder Gelehrte werden,
+ gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa bleiben und wie viele wirklich
+ im Morgenland wohnen. Sie können in einer neuen Heimat ein neues
+ Volk sein\ |_--_|\ nicht im Sinne jenes Nationalismus, der in Europa die Völker
+ zerreißt und schlägt, sondern in dem innerlich freien, nach außen duldsamen
+ Sinne der morgenländischen Weisen. „Der türkische Baum muß
+ sehr grün werden und auswachsen.“ „Wer in seinem Schatten wohnen
+ will, muß aber zuvor sein Gärtner sein.“\ |_--_|\ |--| |_--_|
+
+ So denkt ein bekannter Orientkenner über die Judenfrage und das
+ Problem der Türkei.
+
+Statt dessen hat man den franzosenfreundlichen Jesuiten,
+die neben zahlreichen Schulen eine Universität in Beirut
+gründeten, den russischen und griechischen Missionen
+Raum gegeben und hat die englischen Machinationen unter
+den Arabern geduldet.
+
+Die neu-deutsche Judenpolitik darf des weiteren nicht
+in den Fehler verfallen, das jüdische Element im Osten den
+Polen auszuliefern. In ganz Galizien hat man die Juden
+dem Terrorismus der Polen überantwortet. Man denke sich,
+daß dort ca. 900000 Menschen ein deutsches Idiom sprechen,
+eine Sprache, die der deutschen nähersteht als die flämische
+Mundart. Gleichwohl konnte man in Österreich nicht erreichen,
+daß das „Jiddisch“, wie es genannt wird, die Rechte
+einer Sprache bekam. Obwohl es eine Unzahl von Zeitungen
+gibt, die täglich in diesem Dialekt geschrieben werden,
+und deren Blätter u. |nbs| a. in Lemberg, Lodz, Krakau etc. erscheinen
+(Warschauer und New Yorker Blätter in Jiddisch
+haben Auflagen von über 100000 Exemplaren), war diese
+Sprache „von Rechts wegen“ verpönt! Der Kaufmann sollte
+seine Rechnungsbücher damit nicht führen dürfen, Eingaben
+an die Regierung waren unstatthaft, während unterdessen
+die jiddische schöne Literatur in alle Sprachen übersetzt
+wurde, und Theaterstücke, ins Hochdeutsche übersetzt, Sensation
+in Berlin hervorriefen!
+
+Auch heute hat die deutsche Regierung die Bedeutung
+dieses Jargons noch nicht erfaßt. Eine Volksschicht, die in
+polnischen Gebieten lebt, greift aber, wenn sie ihre Muttersprache
+lassen muß, nicht zu dem dieser nahverwandten
+Deutschen, sondern zum :gesperrt:`Polnischen`. Es liegt kein
+Grund vor, die Polen :gesperrt:`künstlich` zu stärken und ein
+[pg 56]
+Volkstum, das sich sprachlich ans Deutsche anlehnt, seiner
+Nationalität zugunsten der polnischen gewaltsam zu entkleiden.
+
+Sollten größere polnische Bezirke Deutschland und
+Österreich angegliedert werden, so muß das :gesperrt:`Recht der
+Minorität` geschützt werden. Das moderne Polentum
+hat sich noch nicht als maßvoller und zuverlässiger Charakter
+erwiesen. Wo sie es nur konnten, haben die Polen die
+Juden bedrückt und ausgenutzt. Die galizischen Wahlen
+waren wahre Schlachttage der Schlachta. In vielen Orten
+floß jüdisches Blut, weil die Juden keine Polen wählen
+wollten. Noch schlimmer erging es den Juden in Russisch-Polen,
+wo sie den :gesperrt:`Polen und Russen` gänzlich ausgeliefert
+waren.
+
+Wenn die Franzosen und Italiener von „unerlösten
+Völkern“ sprechen, dann haben sie kaum der armen Juden
+gedacht, und sicherlich nie eine Hand gerührt, um deren
+Los zu erleichtern. [#]_ Und sie hätten es doch so bequem.
+Sie brauchten bloß ihren Bundesgenossen „darauf aufmerksam
+zu machen“.\ |_--_| |--| |_--_|
+
+.. kein unitame Ersatzung für 1/3
+
+.. [#] Die 2 |nbs| :superscript:`1`/:sub:`3` Millionen Juden der
+ Vereinigten Staaten sind deshalb durchweg
+ deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der Deutschamerikaner haben
+ an ihnen eine rege Stütze gefunden. Vergessen wir nicht, daß die
+ Stimmung in Newyork, der größten Stadt Amerikas, für das ganze Land
+ bedeutsam ist, daß sich die dortigen 1,2 Millionen Juden konstant für die
+ Deutschen verwandten, weil sie von ihnen eine Erlösung der russischen
+ Juden erwarten.\ |_--_|\ Eine offene Erklärung der deutschen Regierung an die
+ amerikanischen Juden würde eine namenlose Begeisterung erwecken und
+ die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe Unannehmlichkeiten
+ wegen der Haltung Rußlands versetzen. Es wäre die beste Antwort gegenüber
+ all den Enunziationen betreffs der unerlösten Völker in Österreich
+ und Deutschland. Außerdem würde Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel
+ für seine künftigen Anleihen erwarten können.
+
+.. vspace:: 2
+
+Die Lage des jüdischen Volkes in Galizien ist eine viel
+bessere als jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren.
+[pg 57]
+Aber was ihnen noch an nationaler und politischer
+Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen darlegen. Umsomehr,
+als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns zuführen
+müßte, die sich nicht wieder Zurücksetzungen und
+Schikanen ausgesetzt wissen wollen.
+
+Die Bedrückung an Ort und Stelle zwingt sonst zu
+einer ungeheuren Auswanderung, die auch in Deutschland
+zu merken sein dürfte. Dagegen gibt es nur ein Allheilmittel:
+:gesperrt:`Lokale Rechte und Hilfe`; :gesperrt:`ferner Ableitung
+der überschüssigen Kräfte in den
+Orient` durch starkes Entgegenkommen der verbündeten
+Regierungen. Das heutige System entwurzelt nur die Elemente,
+die einigermaßen fest an der Scholle, an der Heimat
+hängen, und jagt sie ins Ungewisse.
+
+Wenn die deutsche Regierung den östlichen Juden nicht
+entgegenkommen kann, wird auch die dadurch sicherlich
+eintretende Entvölkerung die wirtschaftliche Entwicklung
+dieser Länder bedeutend verzögern.
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+[pg 58]
+
+|KapLinO| _`Schluß`.
+====================
+
+Der Krieg hat Deutschland bewiesen, daß der jüdische
+Einfluß, welcher sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung
+des Landes, an der Entwicklung seines Handels und
+seiner Industrie beigetragen hat, nicht umsonst war. Der vielverspottete
+Geist der Rothschild und Bleichröder, der schon
+1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren
+gefolgt und hat den Siegen den nötigen Rückhalt gegeben.
+Börse, Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe,
+mit denen der Militarismus zu rechnen hat. Die
+deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur von gewissenlosen
+Börsenjobbern gegründet sein; denn sie, ebenso wie der
+deutsche Wollmarkt [#]_, wie das Sanitätswesen, wie die Fabriken
+und Ärzte\ |_--_|\ alles zu hohem Prozentsatz „verjudete“
+Berufe\ |_--_|\ haben die Erwartungen nicht getäuscht. Im Innern
+geht der Handel weiter und erhält uns unsere wirtschaftliche
+Kraft, und gibt dem Heere das, was die große alte
+Handelsnation England mühselig sich aus Amerika zusammensuchen
+muß.
+
+.. [#] Spottet über die „Leder- und Stiefeljuden“, aber es tat Deutschland
+ gut, daß die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins Ausland exportierten,
+ für Millionen Vorräte liegen hatten, die nun Heereszwecken dienen konnten.
+
+Voreingenommene Nörgler werden auch nach dem
+Kriege zu den alten Waffen des Neides greifen und die
+hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder aufleben lassen.
+[pg 59]
+Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann
+wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-,
+Rassen- und Religionshaß in die Rumpelkammer der Geschichte
+verschwinden.
+
+Wir können uns aber fürwahr in Deutschland das Leben
+leichter machen, brauchen uns nach außen nicht mehr als ein
+anscheinend in sich zerrissenes Staatsgefüge zu zeigen, auf
+dessen Zerfall andere Länder lauern. Wir nähren damit nur
+falsche Hoffnungen und törichte Berechnungen. Deutschland
+ist groß genug, um allen seinen Bewohnern Spielraum
+zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen
+und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen.
+Neben dem bajuwarischen Menschenschlag möchten wir den
+etwas differenzierten Rheinländer, den Märker, aber auch
+den Ostpreußen nicht missen. Wer weiß, ob zum Polen und
+Elsässer nicht auch noch ein flämischer Einschlag kommt.
+Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Bürgern, die
+er freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist
+nicht erst gegen den Willen der Einheimischen „neu zugezogen“.
+
+Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der
+Jude im Lande und hat sich stets allen Gesetzen des Staates
+willig und gern gefügt. Seine Religion ist seit drei
+Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen und hygienischen
+Maßregeln durchsetzt, daß sie heute noch Bewunderung
+erregen muß. Die _`Sabbatruhe,` das jüdische Familienleben,
+die Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht,
+die sich bei allen Juden, auch wo der Staat diesbezüglich
+versagte, längst findet, sind Emanationen einer Kultur, die
+nur der Böswillige übersehen und gering achten kann.
+
+Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Nächsten
+und bedarf keiner Machtmittel, um dessen Lebensnerv
+aus Angst für sein eigenes Ich zu unterbinden. Wir haben
+in diesem Krieg die Unkultur Rußlands und des Slawentums
+[pg 60]
+bekämpft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen Maßregeln
+die brutale Gewalt des neidischen England drängte.
+Mag sich Frankreich wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig
+als Hüterin des Fortschritts) gebärden, Deutschland wird
+und muß nur noch geläuterter als ein wahrer Hort der Freiheit
+seiner Bürger und der neutralen Staaten und Völker
+aus dem Kriege hervorgehen.
+
+.. vspace:: 2
+
+Von den über 14 Millionen Juden hoffen und harren
+die Meisten auf den Sieg der deutschen Waffen. Die
+Sympathien der amerikanischen Israeliten stehen auf seiten
+der Zentralmächte. Nicht umsonst und nicht zufällig ist es
+gerade die Türkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert
+hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte,
+welche sich an die Seite Deutschlands gestellt hat. Möge die
+alte Sage des Talmud, die Lessing populär gemacht hat,
+nicht nur in den Tagen der Greuel und des Völkermordens
+bei uns eine wahre Stätte der Verehrung finden: die Geschichte
+von den drei Ringen.
+
+Der muhammedanische, der christliche und der jüdische
+Glaube sind Formen der Kultur der Menschheit, die so viel
+der Welt gegeben, die sich so lange bewährt haben, daß es
+verbrecherisch wäre, Menschenglück und -hoffen um einer
+vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu gefährden.
+
+.. vspace:: 2
+
+In dem Machtbereich der eigenen und der verbündeten
+Länder wird dann die deutsche Politik bedeuten: Friede
+auf Erden.
+
+
+.. vfill::
+
+.. class:: center noindent
+
+|KapLin|
+
+.. footnotes:: Fußnoten
+ :class: small
+
+.. clearpage::
+
+.. topic:: Anmerkungen zur Transkription
+
+ .. |-->| unicode:: U+02014 >
+
+ .. there is a non-breaking space here!
+ .. |zb| replace:: z. B.
+ .. _zb: `z. B.`_
+
+ Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler:
+
+ - **S. 21, Z. 5**: (die deutsche `z, B.` vertreten durch Mauthner) |-->|
+ |zb|_
+ - **S. 28, letzte Zeile der Fußnote**: `Sehwanenfeld` |-->| `Schwanenfeld`_
+ - **S. 30, Z. 18**: Untervereinen bis 33% der `Manschaften` |-->|
+ `Mannschaften`_
+ - **S. 32, Z. 13**: Der Jude Ludwig Frank `vielleichst` der fähigste
+ Kopf |-->| `vielleicht`_
+ - **S. 35, Fußnote**: fehlende schließende Anführungszeichen,
+ wahrscheinlich am Ende von `ins Leben zu rufen.`_ (andernfalls
+ am Ende des letzten Satzes `in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.`_)
+ - **S. 32, Z. 5 der Fußnote**: für die Freiheit `zn` kämpfen |-->| `zu`_
+ - **S. 46, vorletzte Zeile**: `Ein` antisemitische Bewegung |-->| `Eine`_
+ - **S. 47, Z. 3 v. u.**: ein deutliches `Wahrnungszeichen` |-->|
+ `Warnungszeichen`_
+ - **S. 49, Z. 11-12**: besonders aber in `Russich-Polen` |-->|
+ `Russisch-Polen`_
+ - **S. 54, Z. 19 der Fußnote**: nach dem sie `lungern` |-->| `hungern`_
+ - **S. 54, Z. 27 der Fußnote**: `morgenlandischen` |-->| `morgenländischen`_
+
+ Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefügt:
+
+ - **S. 34, letzte Zeile des Textes**: `und anderer Dinge zu gedenken.`_
+ - **S. 36, letzte Zeile des Textes**:
+ `die Entfremdung der Länder bemerkten.`_
+ - **S. 54, Z. 4 der Fußnote**: `um den Glauben anderer.`_
+
+ sowie fehlende Kommata:
+
+ - **S. 28, vorletzte Zeile der Fußnote**: `v. Renard,`_
+ - **S. 59, Z. 27**: `Sabbatruhe,`_
+
+ Fußnoten, auf die im Original mit \*) verwiesen wurde, wurden im e-Text
+ durchnummeriert.
+
+
+.. pgfooter::
+
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@@ -0,0 +1,2334 @@
+ Die Juden im Weltkriege
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost
+no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
+under the terms of the Project Gutenberg License included with this
+eBook or online at http://www.gutenberg.org/license.
+
+
+
+Title: Die Juden Im Weltkriege
+Author: Felix A. Theilhaber
+Release Date: May 28, 2014 [EBook #45808]
+Language: German
+Character set encoding: US-ASCII
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE ***
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+Produced by Norbert Langkau, Enrico Segre, and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net.
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+Internet Archive.
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+ DIE JUDEN
+ IM WELTKRIEGE
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+ *Mit besonderer Beruecksichtigung*
+ *der Verhaeltnisse fuer Deutschland*
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+ Von
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+ *_Felix A. Theilhaber_*
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+ 1916
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+ WELTVERLAG BERLIN, UNTER DEN LINDEN 56
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+ * Inhalt.*
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+ Vorwort Seite 5
+ Einleitung 7
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+ Der Krieg und die Juden 13
+ Die Stellung der deutschen Juden vor dem Kriege 13
+ Die Juden im Kriege 28
+ Juden im Ausland 36
+ Die Lehren des Krieges 44
+ Das Problem der Ostjuden 48
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+ Schluss 58
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+ * Vorwort.*
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+Die folgenden Ausfuehrungen verdanken ihr Entstehen freien Stunden an
+der Front in Kurland, wo ich dem unendlichen Leid der Ostjuden auf
+Schritt und Tritt begegnete, einer unterdrueckten Menschenmasse, die
+menschlich unser Interesse verdient, aber auch sprachlich, da sie den
+Deutschen darin noch naeher steht als die Vlamen.
+
+Vor allem gilt die Schrift den Beziehungen der deutschen Juden zu ihrer
+Umgebung. Die Verhetzung, welche vor dem Krieg das Volk bald gegen
+Sozialdemokraten, Agrarier und Zentrumsanhaenger trieb, fehlte nicht
+gegenueber den Juden. Aber jeder wirtschaftliche Hass, jede
+chauvinistische nationale Abneigung wirkt auf die Dauer unfruchtbar und
+schaedlich.
+
+ * * *
+
+Damit die gegenseitige Achtung auch nach dem Kriege fortdauere und
+innerlich begruendet wird, habe ich dargelegt, dass das Wort eines
+grossen Denkers nicht zu Unrecht besteht: "Jedes Land hat die Juden, die
+es verdient".
+
+"Wer die Luft, die ich atme, den Boden, auf dem ich stehe und in dem
+meine Eltern bestattet sind, mir nehmen will, ist mein Moerder . . ."
+
+
+So ungefaehr wandte sich vor fuenfzig Jahren Gabriel Riesser an seine
+Widersacher. Moege uns, wenn wir in die Heimat zurueckkehren sollten,
+diese Sprache in alle Zukunft erspart bleiben.
+
+Moege mein Wort der Verstaendigung, der Aufklaerung und dem Frieden
+dienen!
+
+ Herbst 1915.
+
+ *Felix A. Theilhaber.*
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+ * Einleitung.*
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+Die "Hilfe" vom 2. September 1915 bringt einen Artikel _"Der Krieg und
+die russischen Juden" von Paul Barth_. Seine Worte moegen meine
+Auseinandersetzung ueber das Problem "Judentum und Deutschtum"
+einleiten. Paul Barth schreibt:
+
+"Was aber lauter als alles andere zum Himmel schreit, das sind die
+Massenverbrechen, die die russische Militaer- und Zivilbuerokratie
+tagtaeglich an den "lieben Juden" des Zaren veruebt. Wohin das russische
+Heer kommt, da ist die erste kriegerische Leistung, dass die Juden
+ausgewiesen werden. Im Februar dieses Jahres erliess der "Allgemeine
+Juedische Arbeiterbund Litauens, Polens und Russlands" einen Aufruf an
+"die Kulturwelt", der einigermassen veranschaulichte, welches Meer von
+Leiden hinter dem Worte "ausgewiesen" steckt. Mit einer Frist von
+vierundzwanzig, oft bloss von acht Stunden, hinausgetrieben in die Nacht
+und die Kaelte des russischen Winters, alle, auch Greise, Frauen und
+Kinder; ohne Ziel, ohne Schutz in ein fast feindlich gesinntes Land;
+rechtlos schon im Frieden, jetzt rechtloser denn je. Unsere Ostpreussen
+sind gewiss tief zu beklagen, aber sie zogen doch in ein freundlich
+gesinntes Land. Hunderttausend ausgewiesene Juden sammelten sich damals
+hilflos in Warschau an, sehr viele, besonders Kinder, starben auf der
+Landstrasse. Wie gluecklich verhaeltnismaessig diejenigen, die ein Kosak
+erstochen hatte! Denn das ist nach jenem Aufruf ein regelmaessiger Sport
+der Kosaken, der unbestraft bleibt. Der Roemer Seneca ereiferte sich
+darueber, dass ein Mensch, der Gladiator, "zum Spiele und Scherze
+getoetet wird". Der Gladiator jedoch konnte sich wehren, er war
+bewaffnet, das Ganze war ein Kampf zweier geuebter Fechter. Der arme
+russische Jude aber kann sich nicht wehren.
+
+Und ich fuerchte, das ist erst der Anfang. Allerdings ein sehr grosser
+Anfang. Denn Mitte Mai wurden die Gouvernements Kurland, Kowno und ein
+Teil von Suwalki von 280000, also mehr als einer Viertelmillion Juden
+"evakuiert", wie der russische technische Ausdruck lautet. Neuerdings
+wurde eine Million Juden aus den Gouvernements Wilna, Grodno und
+Warschau vertrieben, d. h. wirtschaftlich vernichtet. Das tut die
+russische Regierung. Was wird erst geschehen, wenn die russische
+"Volksseele", besonders die der "echt russischen Leute", unruhig wird!
+Und sie wird aufkochen, wenn Russland weitere Niederlagen erleidet, und
+sich in "Pogromen" Luft machen, genau so, wie es 1905 und 1906 geschah.
+Was damals in Kertsch, Bialystok und vielen anderen Staedten vorging,
+das wird sich in ganz Russland wiederholen und wahrscheinlich mit viel
+groesserer Heftigkeit. Und die Polizei wird, wie damals, teils
+wohlwollend zusehen, teils wohlwollend helfen. Damals war es
+schliesslich die erste, sehr liberale Duma, unter einem viel besseren
+Stimmrecht als dem jetzigen gewaehlt, die den Greueln ein Ende machte.
+Aber die Duma, die jetzt zusammengetreten ist, wird fuer solche inneren
+Fragen keine Zeit haben.
+
+Was tun nun dabei die Juden der uebrigen Welt, ausserhalb Russlands? Im
+allgemeinen nichts, -- was ueberraschend, vielleicht auch ein
+bedauerliches Symptom ist. Wie sehr sie auch die Kultur des Landes
+angenommen haben, in dem sie wohnen, sie hegen doch alle die gleiche
+Pietaet fuer ihre Vergangenheit, die sie als starkes Band mit ihren
+russischen Stammesgenossen vereinigt. Die deutschen Juden freilich sind
+entschuldigt, sie _koennen_ nichts tun. Jeder oeffentliche Schritt
+ihrerseits wuerde den russischen Juden bloss schaden. Diese wuerden
+daraufhin noch mehr verdaechtigt werden, ueber die Grenze hinaus nach
+dem Landesfeinde zu schielen. In den Laendern des Vierverbandes sehen
+wir nur eins: ueberall sind Juden unter den Kriegshetzern, gegen die
+Zentralmaechte, also fuer den Zarismus. In Frankreich sind sehr viele
+Juden in den hoechsten Stellen, die bestaendig ihre Liebe zum Zarismus
+betaetigen. In England haben die Juden viel Einfluss in der hoechsten
+Aristokratie, die ganz besonders in der Hoffnung auf "die Dampfwalze"
+schwelgte. Lord Rosebery, einer der einflussreichsten Aristokraten, ist
+ja Schwiegersohn des Barons Meyer Rothschild.
+
+In Italien finden wir unter den wildesten Kriegshetzern juedische Namen.
+Herr Nathan, der Buergermeister von Rom, hielt im Dezember 1914 als
+Freimaurer, als frueherer Grossmeister der Logen des Grossorients, im
+Theater Constanzi in Rom eine schwungvolle Rede, in der er zum Kriege
+fuer den Dreiverband, also fuer den Zaren, aufrief. Zwei bekannte
+italienische Politiker juedischer Herkunft, Barzilai und Luzzatti,
+trieben ebenfalls zum Kriege.
+
+Aber was tun die Juden in den neutralen Laendern? Der einzige, der sich
+auf seine Herkunft und seine Gewissenspflicht besinnt, scheint Georg
+Brandes in Kopenhagen, wie sein Briefwechsel mit Clemenceau bewies.
+Andere sind auf seiten des Vierverbandes. Die rumaenische Zeitung
+"Adeverul" (Wahrheit), die taeglich gegen die Zentralmaechte, also fuer
+Russland agitiert, war bis vor kurzem und ist wohl noch in juedischen
+Haenden. Die uebrigen tun gar nichts, nicht einmal die Sozialisten unter
+den Neutralen. Vor kurzem meldete Reuter aus Neuyork, Samuel Gompers,
+der Vorsitzende der American Federation of Labour, zweifellos juedischer
+Herkunft, habe auf eine Einladung zu einer Versammlung, die gegen die
+amerikanische Kriegsbedarfsausfuhr protestieren wollte, durchaus
+ablehnend geantwortet. Dunkel ist zwar die Begruendung seiner Ablehnung:
+"es gebe schrecklichere Dinge als den Krieg, naemlich des Geburtsrechts
+(d. h. wohl des angeborenen Rechts), der Freiheit und der Gerechtigkeit
+beraubt zu sein". Dies alles sind ja die Leiden der russischen Juden;
+aber Gompers lehnt ab, gegen die Unterstuetzung ihrer Unterdruecker zu
+protestieren.
+
+Wenn nun die Juden selbst so gaenzlich passiv sind, so muessen wir
+_Nichtjuden_ uns regen und sie aus ihrer Resignation aufruetteln. Ich
+moechte nochmals betonen, dass die Verfolgungen erst anfangen. Je weiter
+die verbuendeten Heere vorruecken, desto groesser die Gefahr neuer
+Wutausbrueche. Und schon, wie berichtet wird, sind die Juden teilweise
+konzentriert in besondere Lager -- sehr bequem fuer die Verfolger. Das
+Volk wird einen Suendenbock suchen, auf den es die Schuld der
+Niederlagen abwaelze. Es wird die Regierung schuldig finden, aber es
+kann wieder einen Minister geben, wie denjenigen, der im Oktober
+1905 -- nach juedischen Quellen -- sagte: "Wir werden die Revolution im
+Blute der Juden ersticken." Es folgten darauf die furchtbaren, zehn Tage
+dauernden Oktobermorde. Tausend Juden wurden erschlagen, achttausend
+wurden zu Krueppeln. Werte im Betrage von 180 Millionen Mark wurden
+vernichtet, 300000 Juden flohen ins Ausland. (Vergl. "Allgemeine Zeitung
+des Judentums", 1910, S. 577.)
+
+Die deutschen Juden koennen, wie gesagt, unmittelbar nichts tun, aber
+mittelbar sehr viel. Sie koennen die Juden der _nordamerikanischen_
+Union aufrufen, die fuer russische Angelegenheiten doch sonst Interesse
+zeigen. Als der Beilisprozess schwebte, haben diese beim russischen
+Gesandten in Petersburg dagegen protestiert und spaeter dem zwar
+freigesprochenen, aber sehr geschaedigten und gequaelten Beilis eine
+Farm geschenkt. Jetzt steht mehr als ein Menschenleben auf dem Spiele.
+Was dem einen Beilis recht war, ist allen russischen Juden billig. Die
+amerikanischen Juden muessten laut und energisch ihre Stimme erheben
+fuer ihre niedergetretenen russischen Stammesgenossen, taeglich, so oft
+als moeglich, in den Zeitungen, in allgemeinen Versammlungen der Juden
+und der Christen. Wenn erst die russische Regierung weiss, dass man ihr
+Treiben beobachtet, wird sie doch vielleicht stutzig werden und das
+Schlimmste unterlassen, sie wird wenigstens nicht die Polizei zur
+schweigenden Duldung der Morde und der Diebstaehle anhalten, sondern
+notgedrungen den Befehl zur Aufrechterhaltung der Ordnung geben muessen.
+Nordamerika ist ja der kuenftige Geldmarkt fuer Russland, der einzige,
+wo es einst Anleihen machen kann. Denn alle europaeischen Staaten werden
+nach dem Kriege selbst zu viel Schulden haben, um anderen leihen zu
+koennen. Die Juden der Union aber sind eine starke Kapitalmacht,
+besonders im Westen. Sie haben -- nach W. Sombart -- eine herrschende
+oder wenigstens wichtige Stellung im Getreidehandel, im Tabakhandel und
+im Baumwollhandel. Auf allen drei Gebieten koennen sie den Russen
+schaden. Vor allem aber koennen sie jede russische Anleihe erschweren,
+vielleicht unmoeglich machen. Damit muessten sie drohen. Darauf wird
+selbst die zarische Regierung hoeren.
+
+Und wenn die Proteste und Drohungen nichts helfen, so werden sie doch
+wenigstens Zeugnis ablegen, dass in der allgemeinen sittlichen
+Verwilderung es noch Menschen gegeben hat, die die Unmenschlichkeiten
+der zarischen Regierung als solche zu brandmarken gewagt haben.
+
+Wenn aber gar nichts geschieht, dann wird ganz gewiss sich das alte
+Sprichwort bewaehren: "Wenn die Menschen schweigen, so reden die
+Steine", freilich in diesem Falle nur die Steine des Pogroms, die auf
+unschuldige, wehrlose Opfer fallen werden."
+
+ * * *
+
+Wenn Barth sich auf die Einwirkung der amerikanischen Juden verlaesst,
+so fuerchte ich, gibt er uns einen Wechsel auf die Zukunft. Die
+amerikanischen Juden sind noch nicht genuegend organisiert, z. T. auch
+als Vollblutyankees zu sehr auf Seiten der Entente.
+
+Ich glaube und werde es zu beweisen versuchen, dass Deutschland allen
+Grund hat, jede antisemitische Regung abzustreifen, den Juden im Inland
+die Gerechtigkeit, die ihrer treuen Staatsbuergerschaft gebuehrt,
+widerfahren zu lassen, den Juden in eroberten Gebieten jede Autonomie zu
+gewaehren und den Auswandernden im Orient allen Vorschub fuer eine
+grosszuegige Kolonisation zu leisten.
+
+Doch damit komme ich schon zur Voraussetzung jeder Politik gegenueber
+den Juden: die Bewertung derselben als zuverlaessige und faehige
+Staatsbuerger gegenueber ihren Heimatslaendern, und nicht zum mindesten
+in Deutschland!
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+ * Der Krieg und die Juden.*
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+Der grosse Krieg hat infolge des grandiosen Kaiserwortes "Ich kenne
+keine Parteien mehr" den antisemitischen Angriffen und Uebergriffen
+vorlaeufig den Grund und Boden entzogen. Trotzdem will das Judenproblem
+keineswegs von der Bildflaeche verschwinden. Im Gegenteil. Der Einmarsch
+der deutschen Truppen in die polnischen und russischen Gebiete hat mit
+einem Schlage die innerpolitische Unhaltbarkeit des Schicksals, der
+nahezu sieben Millionen starken juedischen Bevoelkerung Russlands der
+ganzen Kulturwelt aufgetan. Man wird nicht leugnen koennen, dass das
+juedische Problem beim Friedensschlusse sowohl von grossem
+internationalem Belang sein wird, als auch von hervorragender Bedeutung
+fuer die _deutsche Politik_.
+
+
+
+ *Die Stellung der deutschen Juden vor dem Krieg.*
+
+
+Die Judenfrage ist fuer Deutschland praktisch so wichtig, dass es sich
+gewiss verlohnt, darauf einzugehen. Pruefen wir zunaechst einmal die
+Stellung der Juden Deutschlands und ihren Einfluss in diesem Lande.
+
+Die Mitte des verflossenen Jahrhunderts hat nicht nur einen voelligen
+Umsturz aller inner- und aussen_politischen_ Verhaeltnisse Deutschlands
+bedingt; die breiten Volksmassen erschuetterte ein _sozialer_ Umschwung.
+Aus einem rein agrarischen Staate wuchs in wenigen Jahrzehnten eine
+gigantische Industrie heraus, welcher bald ein weltenumspannender Handel
+die Wege bahnte. Die Technik feierte rascher ihre Triumphe, als die
+Regierungsfuersorge und die von Organisationen getragene Selbsthilfe der
+Interessengruppen sich auf die Neukonstellationen einstellen konnten.
+Dadurch gerieten die Arbeiter stellenweise in die Gefahr, materiell und
+physisch ausgenutzt zu werden. Auf dem Lande hatte sich einst ein
+aehnlicher Prozess, wodurch sich Latifundien bildeten, im Laufe der
+Jahrhunderte entwickelt. Die industriellen und kommerziellen
+Grossunternehmungen aber kamen ueber Nacht. Erbarmungslos rang das
+Grosskapital den Stand der kleinen Leute nieder. Dieser oekonomische
+Werdegang ging nicht ohne Gewalttat, ohne Haerten ab, die den Traegern
+den Hass des in seiner Existenz erschuetterten dritten Standes eintragen
+mussten.
+
+Die Sozialdemokratie als die Zusammenfassung der Proletarier ist das
+naturnotwendige Produkt dieser Entwicklung. Der Antisemitismus ist die
+Konsequenz des Prozesses insofern, als sich diese Bewegung gegen die
+sichtbarsten Traeger, gegen die Klasse von Menschen wandte, welche am
+geschicktesten die Macht des Kapitals auszunutzen wussten. Die erste
+Partei ist ein Versuch, der _Sache_ selbst entgegenzutreten, die
+letztere kaempft gegen _Personen_, die nebenbei in ihrer religioesen und
+rassigen Eigenart eine gute Zielscheibe boten.
+
+Uns interessiert hier nicht, wie die Auswuechse des Kapitalismus oder
+der Kapitalismus selbst zu bekaempfen ist. Wir wollen nur der Frage
+naehertreten, wie der Antisemitismus des weiteren zu erklaeren ist,
+welches die Bedeutung der deutschen Judenheit gewesen ist, und ob wir
+anlaesslich des Krieges den Juden einen mehr oder minder guenstigen
+Einfluss auf die Wirtschaftsgestaltung Deutschlands einraeumen koennen,
+um dann spaeter auf den Einfluss der deutschen Juden und ueberhaupt auf
+den Krieg eingehen zu koennen.
+
+Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts stroemte ein gut
+Teil der juedischen Jugend Deutschlands nach den Vereinigten Staaten von
+Amerika, Suedafrika, England, Frankreich etc. Teilweise war ihnen die
+volle Gewerbefreiheit (wie z. B. in Bayern bis 1864) vorenthalten
+gewesen. Die siebziger Jahre, die beruehmten Gruenderzeiten, bringen
+eine Hochflut von aus den Doerfern in die Staedte stroemenden Juden. Die
+juedischen jungen Leute wandern nicht mehr in die Fremde, sondern wenden
+sich dem deutschen Handel, der Industrie, den akademischen Berufen, und
+vor allem den Grossstaedten zu. Das seit Jahrhunderten betaetigte Wohnen
+in den Staedten, bedingt durch Eigenart, aber auch durch das
+mittelalterliche Gesetz, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein Geltung
+hatte, laesst sie allmaehlich in die groesseren Staedte abwandern, wo
+die Verdienstmoeglichkeiten sich stetig vergroessern. Dazu traegt auch
+die antisemitische Ostmarkenpolitik bei, welche die Juden aus den
+Provinzen Posen, Ost- und Westpreussen vertreibt. Der Druck der
+Hakatisten, der wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott der
+evangelischen Deutschen den Juden im Osten gegenueber, laesst ihre
+Stellung zwischen Deutschtum und Polentum unhaltbar werden. Dazu kommen
+elementare Ausbrueche der von den Antisemiten bearbeiteten
+Volksschichten. Der "Ritualmord von Konitz" ist eins dieser
+bezeichnenden Ereignisse. Fluchtartig verlaesst der Jude diese Staedte,
+deren Charakter durch seine Anwesenheit noch ein deutscher war, und
+ueberlaesst den Platz den Polen.
+
+
+Die neueren Schriften ueber das Ostmarkenproblem geben saemtlich zu,
+dass die durch die staatliche und gesellschaftliche antisemitische
+Politik bedingte Vertreibung der Ostmarkenjuden ein bedeutsamer
+Missgriff war, der sich nach drei Seiten bemerkbar machte:
+
+1. Fuer die Entwicklung dieser Staedte, die durch den Verlust von
+Menschen, von Kapital und von unternehmungslustigen und faehigen
+Elementen gehemmt wurde.
+
+2. Fuer die deutsche Sache. Der Wegzug von ca. 150 bis 200000 Juden aus
+den bedrohten Provinzen hat die deutsche Sache um so viel Anhaenger
+aermer gemacht.
+
+3. Fuer den Staat. Der Jude der Ostmark (wie ueberhaupt in ganz
+Deutschland) war ein zuverlaessiger Staatsbuerger, auf den in jeder Zeit
+gerechnet werden konnte.
+
+Organisationen ueber Organisationen erwuchsen aus dem reichen Boden der
+Gebiete rechts der Elbe. Deutsche und polnische Kleinbauern-Genossen-
+schaften, Vereine der Gutsbesitzer und Gross-Eigentuemer, die zugleich
+die Zucker- und Spiritusfabrikation besassen, politische Organisationen
+beider Sprachengemeinschaften, alle aber mit leicht antisemitischen
+Tendenzen, die durch den in Berlin geborenen Antisemitismus erst voll
+und ganz durchtraenkt werden sollten. Was dagegen der Jude an
+Organisation entgegenstellte, war kaum der Rede wert. Er organisierte
+sich nicht wirtschaftlich, sondern verzichtete darauf, sich in einen
+Kampf einzulassen, in dem ausser Regierung und Verwaltung auch die
+breite Masse des Volkes gegen ihn Stellung nahm, und verschwand in die
+Grossstadt, wo er untertauchen konnte.[1]
+
+ [1] Die oft zitierten juedischen Vereine haben keinen
+ wirtschaftlichen, sondern einen humanitaeren Charakter.
+
+Dadurch ist die unnatuerliche ploetzliche Ueberschwemmung der
+Hauptstaedte mit Juden bedingt worden. Nicht nur die Jungen und Faehigen
+kamen; viele, die sich nicht mehr anzupassen wussten, schwemmte die Flut
+herein. Aeltere Menschen, die ueberall anstiessen, weil sie in dem neuen
+Beruf nicht mehr von der Pike auf dienen konnten. Neben einer grossen
+Menge von Begabten und Energischen auch "Luftmenschen", Bassermann'sche
+Gestalten, labile Charaktere. Aber was das junge Blut anlangt, so kann
+man leicht zeigen, dass es Deutschland zum Segen gereichte. Deutschland
+ist der grosse, kraeftige und reiche Staat in hohem Masse auch durch die
+Mitarbeit der _Juden_ geworden.
+
+Bekannt ist deren Mitwirken an der finanziellen Entwicklung. Die
+Finanzgroessen, die die deutsche _Geldwirtschaft_ und die Grossbanken
+schufen, waren zum grossen Teil Juden. Das Erstarken unserer
+finanziellen Kraft liegt in der gluecklichen Ausgestaltung unserer
+Finanzinstitute. Die Banken sind nach Sombart eine juedische Erfindung.
+Die Barone Oppenheim sind die Gruender der ersten, der Darmstaedter
+Bank. Neben den Rothschild's ragen als Eisenbahnkoenige einige juedische
+Haeuser wie die in Bayern nobilitierten Eichthal und die spaeter in
+Preussen geadelten Fould's, spaeter Dr. Strousberg und der Baron Hirsch
+hervor. Das Bankhaus Mendelsohn hat heute noch seine nahen Beziehungen
+zu den massgebenden Stellen des Reiches, und der Chef der Firma
+Bleichroeder ist der Oeffentlichkeit populaer geworden, weil er Bismarck
+zu der hohen franzoesischen Kriegsentschaedigung von 5 Milliarden in
+Gold zu bewegen wusste. Auch die modernen Finanzgroessen, die Leiter
+unserer wichtigsten Institute, zaehlen Juden an erster Stelle auf. Wir
+erinnern an die von Cohn, von Wassermann, Fuerstenberg, Speyer-Ellissen,
+von Schwabach, Goldberger . . .
+
+Die Arnold, Berliner und Deutsch sind Namen, welche in der neudeutschen
+Wirtschaftsgeschichte einen guten Klang besitzen. Hagen-Koeln (frueher
+Levy geheissen) war wohl einer der Maenner, welcher in dem Aufsichtsrat
+der groessten deutschen Gesellschaften den maechtigsten Einfluss
+besessen hat.
+
+Juden haben in Hamburg die _Strumpfindustrie_, in Fuerth das
+_Spiegelglas_, im posenschen die _Schnapsbrennerei_ grossgemacht. Wir
+treffen sie auch als Grossindustrielle in der _Seiden_fabrikation.
+
+Neben unseren vortrefflichen Geldinstituten haben uns vor allem unsere
+grosszuegigen Wollfirmen die Kriegfuehrung erleichtert. Der deutsche
+_Woll- und Baumwollmarkt_ ist von Juden geschaffen und auf die Hoehe
+gebracht worden, die er heute einnimmt, wie wohl kein Kenner der
+Verhaeltnisse bestreiten wird. Unter den vielen Tuechtigen verdienen
+hier die Gebrueder Simon namentliche Erwaehnung.
+
+An den grandiosen Woll- und Baumwollhandel konnten sich die zahlreichen,
+vielfach juedischen, Textilfabriken anlehnen. Die bluehende deutsche
+_Konfektion_ ist quasi eine juedische Domaene.
+
+Daneben erinnere ich an den Leipziger _Rauch_markt. Wer die beruehmte
+Pelzmesse kennt, weiss, dass juedischer Fleiss und Erwerbsfreudigkeit
+hierin Deutschland eine erste Stelle in der Welt schuf. Die grossen
+"_Felljuden_", welche unsere Lederindustrie mit ausbauten (z. B.
+Adler-Oppenheimer), und die _Stiefelkoenige_ sind bekannt.
+
+Den Neid aller Voelker, den Stolz Deutschlands bedingte unsere so rasch,
+fast ueber Nacht zu grandioser Groesse entwickelte _Handelsflotte_, die
+auch in Kriegszeiten dem Reiche ihre Dienste leiht. Der Schaffer der
+Hamburg-Amerika-Linie aber ist der viel genannte _Ballin_. Seine
+Bedeutung fuer die Entwicklung Deutschlands wird einst die Geschichte zu
+wuerdigen haben.
+
+Der Vater der _elektrochemischen_ Industrie war der juengst verstorbene
+Rathenau, der Schoepfer der A.E.G. Sombart behauptet, dass auch die
+Siemens und Halske-Werke erst den Wettkampf um die Vormachtstellung der
+deutschen Industrie in aller Welt aufnehmen konnten, als der juedische
+Direktor Berliner an leitende Stellung trat. Aber nicht nur in
+friedlichen Zeiten bedang die A.E.G. Deutschlands Ruhm und Groesse. In
+unserm Kriege haben sie Bedeutendes geleistet, wenn es jetzt auch noch
+nicht Zeit ist, darauf naeher einzugehen.
+
+Viel geschmaeht worden ist die Arbeit der Juden auf dem Gebiete der
+_Waffen-_ und _Munitionsfabriken_. Wie vereinzelte Sozialdemokraten die
+Wichtigkeit der Kruppwerke und ihre vaterlaendische Rolle missverstanden
+und vor der breitesten Oeffentlichkeit verunglimpften, so wusste
+seinerzeit Ahlwardt den grossen _Loewe_konzern zu verdaechtigen. Aber
+die "Juden"flinten, die Maschinengewehre und alle die Waffen, welche
+unsere Heeresleitung von diesen Unternehmungen beziehen konnte, waren
+letzten Endes nicht bedeutungslos. Der Nur-als-Kraemer und Schacherer
+verschriene Jude hat dem Reich zu Kriegsbeginn wertvolle Staetten zur
+Verfuegung stellen koennen: Angefangen von dem reich ueberfuellten
+Wollmarkt, von den Handelsschiffen, welche die Flotte stuetzten, bis zu
+den Fabriken, die direkt oder indirekt dem Heere alle Mittel moderner
+Kriegsfuehrung lieferten.
+
+Wenn wir an die treue Mitarbeit juedischer Firmen in der
+_Maschinentechnik_ anknuepfen, dann duerfen wir als deutsche
+Unternehmungen von Weltgeltung herausgreifen die _Orenstein und Koppel_
+A.G., (Kleinbahn- und Baggerfabrikanten), die Mannheimer _Ladenburgs_,
+die Nuernberger _Bings_. Selbst Erzschuerfungen (Hirsch und
+Beer-Sondheimer-Kupfer) werden von ihnen inauguriert. Caesar Wollheim,
+v. Friedlaender-Fould sind in 'Kohle' bekannt. Neben der Wichtigkeit des
+Materials und der Arbeitsstaetten ist es Geheimrat Haber, der durch die
+kuenstliche Gewinnung des Stickstoffes erst die ganze deutsche
+Munitionserzeugung gewaehrleistete, und der (nach Davis Trietschs
+Broschuere, "Juden und Deutsche: Eine Sprach- und Interessen-
+gemeinschaft"[2]) juedischen Eltern entstammt. Auf solche Koepfe kann
+die deutsche _chemische_ Wissenschaft stolz sein. Wie ja ueberhaupt die
+chemische Industrie Deutschlands Groesse in der Welt mitgeschaffen hat.
+(Es sei u. a. auch des juedischen chemischen Industriellen _Gans_
+gedacht, dessen Sohn uebrigens auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und
+der Ballontechnik Bedeutung hat.)
+
+ [2] Verlag R. Loewit, Wien 1915.
+
+Auch sonst waere noch viel aufzufuehren. Wir koennten manches ueber
+andere Wirtschaftskomplexe hier anfuegen, so vom Tabakmarkt, von dem
+Sombart behauptet, dass Juden die Tabakindustrie in Deutschland
+einfuehrten. Ebenso wie in der modernen Zigarren- und
+Zigarettenfabrikation halten Juden den Wettbewerb als Uhren-, Sekt- und
+Schokolade-Fabrikanten und als Getreideimporteure usw. usw.
+
+Wir wollen nicht ermueden. Die Reichtuemer, die einzelne Juden sich
+erwarben, waren nicht unverdient. Sie sind bedingt dadurch, dass
+Deutschlands Handel und Wandel zu der Groesse gefuehrt wurde, die den
+Neid der fremden Voelker erregte, aber damit auch unserem Lande die
+Moeglichkeit gab, auch auf dem wirtschaftlichen Felde den allgewaltigen
+Kampf gegen die Unmenge von Feinden so siegreich zu bestehen.
+
+Auf dem Zeitungsgebiet zeigten die _Mosse_, _Ullstein_, _Sonnemann_
+(Frankfurter Zeitung) ihre Tatkraft und schufen, trotzdem ihre Blaetter
+als "verjudet" verschrien wurden, gewaltige Betriebe. _S. Fischer_ ist
+der bedeutendste literarische Verleger, _Reinhardt_, der
+_Buehnentechniker_, welcher dem modernen Theater reiche Impulse verlieh,
+ist gleichfalls Jude. Als _Antiquitaetenhaendler_, _Numismatiker_, als
+_Sammler_ jeder Art haben die Juden den deutschen Ruf in der Welt
+mitbegruendet.
+
+Besonders stark angefeindet wurden sie in der Wissenschaft. Um auf
+diesem Gebiete ihr Koennen einigermassen zu belegen, muessten wir allein
+ein dickes Buch schreiben. Aber ein paar Beispiele duerfen wir wohl
+geben. So ist in der Medizin die Lehre der _sexuellen Krankheiten_ durch
+drei Juden -- _Neisser_, _Ehrlich_, _Wassermann_ -- in grandioser Weise
+gefoerdert worden. Neisser, der Entdecker des Gonokokkus, Wassermann,
+der feinsinnige Schaffer des luetischen Blutnachweises, und Ehrlich,
+welcher eine moderne Waffe gegen die Syphilis schmiedete. Die _Juristen_
+sprechen von den Begruendern der deutschen Rechtswissenschaft, von
+_Staub_ und _Dernburg_ mit all der Hochachtung, die man diesen kaum
+vorenthalten duerfte. Die _Sprachwissenschaften_ (die _deutsche_ z. B.
+vertreten durch _Mauthner_) schaetzen die juedische Mitarbeit;
+_Statistik_, _Nationaloekonomie_, _Chemie_[3] sind wie _Literatur_,
+_Musik_ und andere kulturelle Gebiete durch deutsche Juden befruchtet
+worden. Auf _Schachturnieren_ (Lasker, Steinitz, Zuckertort, Tarrasch),
+aber auch auf den olympischen Spielen, am Turf und auf gefahrvollen
+Expeditionen bewaehrten sich Juden. _Emin Pascha_ hiess einst Schnitzer,
+ein bedeutender Arabien-Forscher war _Glaser_, als einer der ersten
+wirkte in deutschen westafrikanischen Schutzgebieten und erlag dort der
+Malaria: Dr. _Kaiser_. . . .
+
+ [3] Der letzte Nobelpreis fuer Chemie fiel nach Deutschland. Sein
+ Traeger wurde eine allgemein anerkannte chemische Autoritaet; der
+ Nachfolger Bayers in Muenchen, der Vorstand des dortigen
+ staatlichen Laboratoriums, Geh. Rat Professor Willstaetter.
+
+
+Die antisemitische Bewegung, die vor dreissig Jahren gegen die Juden
+entstand, ist dadurch erklaerlich, dass von den vielen hervorragenden
+Verdiensten deutscher Juden viel zu wenig bekannt wurde.
+
+Die politische Geschichte uebergeht die Abstammung des ersten deutschen
+Reichstagspraesidenten von Simson, der seinem Koenige mehrfach die
+Kaiserkrone antrug. Das damals als Musterlaendle gepriesene Baden hatte
+einen nicht einmal getauften Finanzminister: Ellinger.
+
+Das waren einzelne Personen, die ihr Bestes fuer das Werden des Reiches
+einsetzten. Schon in den 40er Jahren waren es juedische Dichter in der
+Sturm- und Drangperiode, welche fuer Einheit und Fortschritt eintraten.
+Berthold Auerbach und Andere, deren Namen heute vergessen sind, mussten
+wegen ihrer Zugehoerigkeit zu alldeutschen Burschenschaften hinter
+Kerkermauern dafuer buessen, dass sie fuer ein geeintes Deutschland
+agitierten.
+
+Bedeutender zeigt sich aber die Mitwirkung juedischer Elemente bei der
+Ausgestaltung des deutschen _politischen_ Lebens. Kein Volk der Welt hat
+ein so gut fundamentiertes Parlament, in dem so ueberzeugungstreue
+Parteien sitzen, die nicht nach Laune, nach persoenlichen Vorteilen
+stimmen, sondern die -- oft viel zu sehr -- nach theoretischen
+Ueberlegungen und prinzipiellen Anschauungen den Fragen naehertreten.
+Kein Abgeordnetenhaus hat sozialer und menschlicher gearbeitet. An ihren
+Fruechten kann man am besten nicht nur die Baeume, sondern auch die
+Parlamente erkennen. Unsere _konservative_ Partei feiert als einen ihrer
+Mitbegruender Stahl; Lasker und Bamberger schufen die _liberale_ Partei;
+Marx und Lassalle standen an der Wiege der _Sozialdemokratie_, die in
+Singer, Haase, Bernstein und Frank mit ihre besten Fuehrer fand.
+
+Da wir noch keine Abhandlung ueber die juedische Mitarbeit an der
+Entwicklung Deutschlands in der neuesten Zeit besitzen, so war es wohl
+nicht unangebracht, sie mit einigen Beispielen zu belegen. Aehnlich wie
+_Deutschland_ in der _Welt_, so machten sich die _Juden_ in
+_Deutschland_ "unliebsam bemerkbar".
+
+Der Umwelt erschienen einst die deutschen Waren als "billig und
+schlecht", die aufbluehende deutsche Flotte war den Englaendern, die als
+handeltreibendes Seevolk ein Monopol anstrebten, eine freche Konkurrenz,
+die deutsche Beteiligung in der Weltpolitik kam den Englaendern als
+Aufdringlichkeit vor, selbst wenn sie noch so zurueckhaltend war.
+
+Dazu kamen noch historische Vorurteile, von welchen z. B. besonders die
+Franzosen nicht loskamen. Das Geschrei der Gasse umnebelte selbst
+intelligente Englaender, Franzosen, Italiener, Amerikaner, Rumaenen,
+Russen. Auch in der neutralen Welt gibt es leider tuechtige Menschen,
+die sich alle Fabeln ueber die Unkultur der Deutschen, ueber die
+Eroberungssucht des Kaisers und seines Volkes zueigen machten.
+
+Geradeso hat man oft von den Juden gesprochen. Man hat sie des Mangels
+an Kultur und an Redlichkeit geziehen und all des Schlechten, was man
+den Deutschen heute nachsagt, beschuldigt. Wollten sie beim Militaer
+Karriere machen, dann hinderte man sie daran; wenn daraufhin wieder
+Manche keine sonderliche Lust am Dienste hatten, hielt man es ihnen
+wieder vor. Wurden sie reich, dann erweckte das Eifersucht; war irgendwo
+ein unbedeutender Jude, dann wurde daraus der Schluss gezogen, dass der
+Jude ueberhaupt unfaehig ist. Es ist wirklich ueberraschend, wie
+aehnlich das Eintreten Deutschlands in der grossen Welt, und das
+Emporsteigen der Juden in Deutschland von der Aussenwelt gewertet
+werden.
+
+
+Wir sehen es ja in unserer Zeit, wie nichts zu plump ist, um geglaubt zu
+werden, wenn ein Volk neidisch ist. An diesen Instinkt appellierten auch
+die Antisemiten. Der Jude, der die deutsche Sozialdemokratie mitschuf,
+soll an den Auswuechsen des Kapitalismus schuld sein, bloss weil findige
+Koepfe, wie die Tietz, Wertheim, Jandorf, Israel, den Fabrikbetrieb, das
+Maschinelle auch in den Kleinverkauf einfuehrten und das Warenhaus
+schufen.[4] Und wie einstmals die Handweber die Fabriken stuermten und
+die Maschinen zertruemmerten, so kaempften die kleinbuergerlichen
+Kaufleute und Handwerker gegen die Riesenunternehmen, und verwechselten
+Person und Sache. Wer diese modernen Erfinder hasste, wurde Antisemit.
+
+ [4] Den "kleinen" Mann haben aehnliche Entwicklungstendenzen in den
+ meisten Faellen an die Wand gedrueckt. Grossbaeckereien,
+ Grossschlaechtereien, Waeschereien, Restaurationsbetriebe im
+ grossen, mit und ohne Filialen sind aehnliche Erscheinungen wie
+ das Warenhaus, welche die selbstaendigen Handwerker und
+ Kleinbetriebe in ihrer Existenz bedrohen.
+
+Wie _Deutschland in der Welt ueberall auf Neider stiess, so fand auch
+der Jude in Deutschland ueberall missguenstige Seelen_. Wie beschraenkt
+diese waren, geht schon daraus hervor, dass sie durch den Antisemitismus
+alle sozialen Fragen und Schaeden zu loesen glaubten.
+
+Die antisemitische Literatur ist zwar recht armselig, aber Deutschland
+hat das traurige Verdienst, diese "Wissenschaft" in der Hauptsache
+geschaffen zu haben. Die anderen Laender, die sich vielfach viel laenger
+und viel ungenierter in der Bedrueckung ihrer lieben Juden ueberboten,
+bekamen leider von Deutschland neue Impulse. Die Pamphlete der Ahlwardts
+gingen in alle Welt und richteten ausserhalb der schwarz-weiss-roten
+Grenzpfaehle, besonders auch in Oesterreich, erschreckendes Unheil an.
+Noch vor kurzem hat der grosse Staat Russland den Juden einen
+Ritualmordprozess gemacht, nachdem vorher Oesterreich und Deutschland
+ihre Ritualmordhetze gehabt hatten. Noch schmachtet in oesterreichischen
+Kerkermauern ein wegen eines "Ritualmordes", -- wie alle Juristen
+beteuern, unschuldig -- verurteilter armer Jude: Leopold Hilsner. Keine
+Luege war den Antisemiten zu niedrig -- man lese nur ihre
+Buecher -- keiner ihrer Fuehrer zu -- bedenkenfrei. Meist waren sie
+recht dunkle Ehrenmaenner. Aber das Gift, das sie verstreuten, trug
+dennoch eine reiche Saat. Ein Mann beteiligte sich dabei, dessen
+Schriften man nicht so ohne weiteres mit denen der anderen vergleichen
+darf: Houston Stewart Chamberlain. Chamberlain hat zwar neuerdings
+einiges Wasser in seinen Wein gegossen. Er hat erklaert, seine frueheren
+Behauptungen gegenueber den deutschen Juden[5] nicht aufrecht zu
+erhalten. Chamberlain ist ein so massloser Chauvinist, dass er selbst
+Christus als Germanen reklamieren zu muessen glaubte. Er, der noch vor
+kurzem allen Germanen, auch den Englaendern, Lob sang, hat nun ein
+Pamphlet losgelassen, fuer das es kaum ein Wort der Entschuldigung gibt.
+Als geborener Englaender durfte er nie und nimmer in der Weise das Nest
+beschmutzen, dem er entstammte. Es gibt nichts Veraechtlicheres, als
+wenn Renegaten dem Volke, dem sie entstammen, in solcher Weise seine
+Fehler vorhalten. Wenn sie, die die Schwaechen am besten kennen, sie
+zusammenstellen, uebertreiben und daraus ein Urteil faellen. Wenn wir
+nach der Methode Chamberlains dozieren wollten, muessten wir zu dem
+Schlusse kommen: Alle Englaender taugen nichts. Der Englaender ist so
+und so. Also ist auch Houston Stewart Chamberlain . . . So aehnlich
+wurde naemlich nach H. St. Chamberlain ueber den semitischen Geist,
+ueber den Juden im allgemeinen und im besonderen geurteilt, selbst wenn
+er -- weit mehr als Chamberlain, der die deutsche Kultur erst seit
+einiger Zeit genossen hat -- seit _Jahrhunderten_ Anteil an allen
+Guetern deutschen Geisteslebens genommen hatte.
+
+ [5] Das erklaert er _heute_, nachdem die Rassenverhetzung den Juden
+ das Leben auf Schritt und Tritt verekelt hat, nachdem seine
+ voreilige Behauptung gegen die Juden die christliche
+ Naechstenliebe bedingungslos aus Hunderttausenden zu Gunsten des
+ Hasses gegen alle Anhaenger des mosaischen Glaubens getilgt hat.
+
+Nein, "der Jude" in Deutschland war zum Teil tuechtig und faehig, zum
+Teil faul und indolent. Er war auf der einen Seite ein stiller Mann der
+Wissenschaft, der nach dem Muster des genialen Spinoza, Marx und vieler
+anderer, die ohne nach der Anerkennung der Oeffentlichkeit zu lauern, in
+stillem Kaemmerlein ihre Werke schufen.[6] Es gab aber auch
+Eintagsgroessen, die sich kaum von Charlatanen unterschieden. Maezene
+und Volksfreunde hat es unter den Juden gegeben, die ihr Vermoegen dem
+Fortschritt hingaben, ohne dass es die Menge erfuhr. Keine ideale
+Bewegung existiert, die nicht an den Juden reiche Foerderer hat: fuer
+Frauenrechte, fuer Kinderschutz, fuer die Waisen, Arbeitslosen, Blinden
+etc., die Bestrebungen fuer die Abstinenz, fuer Friedenspropaganda, fuer
+Vegetarismus, fuer alte Buehnenkuenstler, fuer alle Kuenste, -- der Jude
+hat seine Person, sein Ansehen und nicht zum mindesten sein Geld
+jederzeit guten und idealen Zwecken zur Verfuegung gestellt.
+
+ [6] So hat der auf dem Felde der Ehre gefallene jugendliche Komponist,
+ Kriegsfreiwilliger Walter _Asch_, wie eine Muenchener Zeitung
+ meldet, in allzu grosser Bescheidenheit als seinen letzten Willen
+ hinterlassen, dass seine Werke nicht gedruckt werden duerfen.
+
+Der Jude, der so sehr fuer jeden sozialen Fortschritt zu haben war, der
+auf Grund alter historischer Gewohnheiten fuer den Ruhetag in der
+Arbeitswoche, fuer das Angestelltenrecht etc. eintrat, der sich stets
+fuer Freiheit einsetzte, wurde den Massen als Ausbeuter schlimmster
+Sorte, als soziales Hemmnis hingestellt. Vergeblich sein Eintreten fuer
+alle demokratischen Ideale, fuer individuelle Freiheit, fuer
+internationale Verstaendigung. Wie der wirtschaftliche Neid nicht nur
+den Blick truebt, sondern fast blind macht, sehen wir jetzt ja an den
+Englaendern. Diese Gewaltsmacht, die so oft ganz real die Verhaeltnisse
+beurteilte, schilt die Deutschen Barbaren, waehrend sie ihr Heer
+zusammensetzt und sich verbuendet mit Hunderttausenden von Negern,
+Indiern, Zuaven, Tscherkessen, Kosaken, Kalmuecken und allen
+schiffbruechigen Existenzen der neuen und alten Welt. Dieses fuer Geld
+geworbene Analphabetengesindel soll das Vorkaempfertum der Kultur sein!
+Die Englaender, die am laengsten den Sklavenhandel geduldet, nein
+gezuechtet hatten, die in Suedafrika die Burenfrauen mordeten, in
+Aegypten die Vertraege brachen und die Indier verhungern liessen, sind
+mit Recht als Heuchler an den Pranger gestellt worden. Bei den Franzosen
+gelten _alle_ Deutschen als Boches, als Verbrecher und als
+Schweine. . . . Dieser Weltkrieg, an dem 10 Millionen Juden beteiligt
+sind und schwere Opfer bringen, darf nicht voruebergehen, ohne dass das
+von Antisemiten getragene absprechende Urteil ueber sie in Acht und Bann
+getan wird. Ein Urteil, das ebenso unberechtigt ist wie das der
+Entente-Maechte ueber die Deutschen. Nicht nur, weil ein praechtiges
+Kaiserwort das gehaessige Treiben der Rassen- und Religionsschnueffler
+fuer die Dauer des Krieges unterband, sondern weil Deutschland und die
+Welt einsehen muss, dass die Behauptung der Minderwertigkeit
+Andersgearteter allzuoft nur eine billige, ueberall gehandhabte Waffe
+des _Neides_ ist.
+
+
+Und so unterstreichen wir nochmals die Tatsache:
+
+
+Dass der Jude am Gemeinwohl, am Fortschritt, an der Entwicklung
+Deutschlands freudig teilgenommen hat, kann kein objektiv denkender
+Mensch bestreiten. Ob er als Buergermeister von Posen[7] oder als
+Stadtrat von Berlin[8] oder Frankfurt, oder im Ehrenamt, oder als
+Waehler einer Gemeinde seine Pflicht erfuellen konnte, -- als der
+Abkoemmling einer alten Kulturrasse interessierte ihn alles oeffentliche
+Leben. Die Staedte, in denen die Juden seit langem wohnen und eine
+gewichtige Stimme haben, sind nicht schlecht damit gefahren. Das reiche
+Frankfurt blueht, Nuernberg, Fuerth entwickeln sich ueberaus rasch,
+Hamburg gedeiht.
+
+Die neueste Wissenschaft hat den Juden mehr Gerechtigkeit widerfahren
+lassen. _Sombarts_ Arbeiten zeigten die Bedeutung der Juden. Es ist
+ziemlich gleichgueltig, ob die Juden Handel und Wandel in die Orte
+bringen, wohin sie kommen, oder ob sie ihn mit zur Bluete bringen.
+Jedenfalls ist dort Entwicklung, wo sie unbedrueckt leben koennen.
+
+ [7] Witting (Witkowski).
+
+ [8] z. B. Cassel.
+
+
+Ausserdem hat eine ziemlich starke Verschmelzung des Adels mit der
+deutsch-juedischen Geldaristokratie, die uebrigens auch ca. 100 geadelte
+Familien zaehlt, stattgefunden. Ebenso ist in den besten buergerlichen
+Kreisen vielfach eine Vermischung eingetreten. Solchen Familien
+entstammte z. B. Dernburg, der bekannte Kolonialpolitiker, Heyse, der
+Schriftsteller, der Admiral Bendemann, andere fuehrende Maenner sind mit
+Juedinnen verheiratet.[9]
+
+ [9] So sind z. B. die Nachkommen der bekannten juedischen
+ Gelddynastien Gumpert und Heine aus Hamburg mit dem deutschen und
+ internationalen Hochadel verschwaegert, ebenso wie die als
+ Rennstallbesitzer geschaetzten v. Oppenheimer aus Koeln, v.
+ Weinberg aus Frankfurt, die Bernstein-Becker aus Koenigsberg, v.
+ Hirsch-Gereuth aus Muenchen. Urspruenglich juedisch waren folgende
+ nobilitierte Familien: v. Ukro, v. Oppenfeld, v. Renard, v.
+ Mossner, v. Schwanenfeld, v. Halle, v. Loewenthal u. a.
+
+
+
+ *Die Juden im Kriege.*
+
+
+Obwohl nachweislich viele juedische Burschenschafter fuer das
+schwarz-rot-goldene Band gekaempft und gelitten hatten, obwohl in der
+Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne juedische Burschenschafter an der
+Spitze der Verbindungen standen, erklaerte 50 Jahre spaeter der
+Weidhofener Verband der deutsch-oesterreichischen Burschenschaften alle
+Juden insgesamt fuer jeder Ehre bar und verweigerte jedem Juden die
+Satisfaktion, also auch denen, die bis kurz vorher als alte Herren dem
+Verband angehoert hatten. Dieselbe Ueberhebung, die ein anderer grosser
+studentischer Verband zeigte, als er Naumann und andere hoechst
+ehrenwerte deutsche Politiker wegen 'sozialistischer' Tendenzen
+ausstiess, veranlasste geistesverwandte junge Leute, die Juden in Bausch
+und Bogen zu verdammen. Semper aliquid haeret. Noch hinkt die
+Verleumdung, die Beschmutzung, die Verdaechtigung uns nach. Auch dem
+juedischen Soldaten.
+
+Der Jude hat sich als Soldat bewaehrt. In allen Kaempfen der letzten
+Jahre haben sich Juden bewaehrt. Die Bulgaren und Tuerken haben sie im
+vorletzten Krieg vielfach geruehmt. Selbst im antisemitischen Rumaenien
+ist ein juedischer Oberst (Brociner), der sich im Krieg 1878
+auszeichnete, der Kommandeur der Leibgarde und des Koenigl. Schlosses.
+In Oesterreich sind Juden kommandierende Generale, in Italien war der
+fruehere Kriegsminister Ottolenghi Jude und schon Napoleon hatte
+juedische Heerfuehrer.
+
+In den deutschen Freiheitskaempfen gab es viele freiwillige juedische
+Vaterlandsverteidiger, einige erhielten auch den Offiziersrang. Auch
+spaeter konnten Juden, hauptsaechlich anno 1870, Offiziere werden;
+aktive Offiziere standen nur in Bayern, ungetaufte Juden waren hier
+hauptsaechlich Reserveoffiziere und aktive Militaeraerzte, ein Jude
+brachte es einige Jahre vor dem Kriege bis zum Major.[10]
+
+ [10] In Bayern gibt es jetzt aktive juedische Majore und
+ Oberstabsaerzte, erstere etwa fuenf, von letzteren, soviel bekannt
+ wurde, sieben. In Oesterreich haben sich Juden als Generale
+ ausgezeichnet; aktive Offiziere gibt es einige Hundert. Nach
+ Bloch's "Oesterreichische Israel. Wochenschrift" haben sehr viele
+ waehrend des jetzigen Krieges ein glaenzendes Avancement erfahren.
+ Eine soeben erschienene Broschuere Ludwig Geiger's "Deutsche Juden
+ und der Krieg", die mir bei der Korrektur vorliegt, bringt
+ genauere Zahlen ueber die Beteiligung der deutschen Juden an den
+ Kriegen des XIX. Jahrhunderts. Hardenberg anerkannte danach schon
+ am 4. 1. 1815: "Die jungen Maenner juedischen Glaubens sind die
+ Waffengefaehrten ihrer Mitbuerger gewesen, und wir haben unter
+ ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes und der ruehmlichen
+ Verachtung der Todesgefahr aufzuweisen, sowie die Einwohner
+ Berlins, namentlich auch die Frauen, in Opfern jeder Art sich den
+ Christen angeschlossen haben."
+
+ Eine Denkschrift der Regierung Preussens vom Jahre 1847 ermittelte
+ das Verhalten der Juden als Soldaten und stellte fest, dass die
+ Juden in den Freiheitskriegen wie im Frieden den uebrigen Truppen
+ nicht nachstanden.
+
+Im Kriege stellten sich nun erfreulicherweise viele Kommandeure auf den
+Standpunkt, den einmal der leider auf dem Felde gefallene Hauptmann von
+Treskow also praezisierte: "Wenn wir die Juden prinzipiell nicht
+befoerdern, duerften wir ihre Dienste auch nicht in Anspruch nehmen".
+Nach Schaetzungen werden jetzt ueber 900 Juden als Offiziere,
+ungerechnet die Militaeraerzte, im Felde stehen. Viele sind wegen
+besonderer Tuechtigkeit befoerdert worden, das "Hamburger Israel.
+Familienblatt" stellte schon ueber 20 Traeger des Eisernen Kreuzes I.
+Klasse fest (z. B. der Flieger Frankl, der Reichstagsabgeordnete Haas),
+darunter waren alle Waffengattungen vertreten. Auch bei der Marine und
+in den Schutztruppen haben sie sich ausgezeichnet. Nach dem Kriege
+werden die Ziffern insgesamt zur Verfuegung stehen. Das in Breslau
+erscheinende "Juedische Volksblatt" hat die Namen veroeffentlicht, die
+bestimmt dem Judentum angehoeren. Darnach haben bis zum Herbst 1915
+knapp 5000 Juden (also fast 1% der gesamten deutschen Judenheit!) das
+Eiserne Kreuz erhalten, von ueber 3000 Juden konnte namentlich
+festgestellt werden, dass sie den Heldentod fuers Vaterland gefunden.
+Leider kann diese woechentliche Zusammenstellung nicht den Anspruch auf
+Vollstaendigkeit erheben. Da die juedische Jugend, soweit sie nicht
+gedient hatte, gleich zu Beginn des Feldzuges freiwillig in grosser Zahl
+(-- es waere sehr interessant, wenn die Heeresverwaltung diese Ziffer
+veroeffentlichen wuerde --) sich stellte, sind die Verluste sehr
+stark.[11] In allen juedischen Jugendvereinen wird diese Tatsache
+festgestellt. So ist z. B. in der juedischen Turnerschaft eine
+Kriegssterblichkeit, die sich in den einzelnen Untervereinen bis 33% der
+Mannschaften (wie z. B. bei dem Ruderklub 'Ivria') stellt. Die meisten
+Turn- und Sportvereine der juedischen Turnerschaft mussten zu Beginn des
+Krieges ihren Betrieb aufgeben, da alle Mitglieder zu den Fahnen eilten.
+
+ [11] Die "Leipziger Neuesten Nachrichten" konstatierten, dass die in
+ Deutschland lebenden Juden, gleichviel welcher
+ Staatsangehoerigkeit, in grosser Zahl freiwillig zu den Fahnen
+ eilten.
+
+Die Mitglieder der juedischen studentischen Verbindungen stellten
+gleichfalls viele Freiwillige. Von den 2000 Mitgliedern des K. C.
+(Kartellkonvent) und des K. J. V. (Kartell juedischer Verbindungen)
+rueckten fast alle aus; ein Drittel davon als Kriegsfreiwillige. Sehr
+zahlreich war auch die Beteiligung freiwilliger juedischer Aerzte. Nach
+einer Statistik betraegt die Verlustliste bei den juedischen Aerzten
+schon ueber Hundert. Auch der juedische Arzt hat an der Front und im
+Seuchenlazarett seinen Posten ausgefuellt.
+
+Der tapfere juedische Soldat und Offizier verschwindet oft in der Menge.
+So glaubte man z. B. allgemein nicht, dass der einzige Soldat, der bei
+meinem Regiment das Eiserne Kreuz I. Klasse im Jahre 1914 besass, ein
+Jude war (der spaeter als Leutnant gefallene Gottfried Sender, Lehrer an
+einer juedischen Mittelschule, welcher es im Frieden knapp bis zum
+Gefreiten bringen konnte). Vielfach ist aber die Tuechtigkeit des
+juedischen Vorgesetzten und Soldaten von hohen Offizieren anerkannt
+worden. Exempla docent. Die ueberaus grosse Zahl von Befoerderungen,
+Dekorationen etc., ueber die sich jeder, namentlich z. B. im "Hamburger
+Israelitischen Familienblatt" informieren kann, gibt die beste Gewaehr.
+Der oesterreichische Thronfolger hat oftmals Gelegenheit genommen, sich
+dahin auszusprechen, dass der persoenliche Mut und die Zuverlaessigkeit
+des juedischen Soldaten durch diesen Krieg aufs neue bewiesen
+wurden.[12]
+
+ [12] Ueberall ist die Tapferkeit der Juden anerkannt worden.
+
+ Prinz Fuad, der Fluegeladjutant des tuerkischen Sultans, hat dem
+ offiziellen ungarischen Pressevertreter folgende Erklaerung
+ abgegeben (in der deutschen Presse im Jued. Echo, Muenchen, Nr.
+ 27, 1915, wiedergegeben):
+
+ "Die juedische Legion, welche auf den Dardanellen operiert,
+ verrichtet wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein
+ tuerkischer Jude, bekam den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung.
+ In den uebrigen Militaerteilen kaempfen die Juden mit andern
+ zusammen ausgezeichnet. Die tuerkischen Militaerbehoerden machen
+ daher keinen Unterschied zwischen juedischen und nichtjuedischen
+ Soldaten. Das Gleiche kann hinsichtlich der juedischen
+ Zivilbevoelkerung gesagt werden, welche im jetzigen schweren
+ Moment opferwillig dem Lande hilft, soviel sie nur vermag. Die
+ juedischen Bestrebungen in Palaestina sind gut bekannt; niemand
+ zweifelt an dem Patriotismus der tuerkischen Juden".
+
+ Und Gustav Herve sagt ueber die viel geschmaehten russischen
+ Juden -- welche ein eignes Regiment gebildet hatten und in den
+ erbitterten Fruehjahrskaempfen bei Arras fielen -- bei Gelegenheit
+ der Veroeffentlichung von Briefen gefallener Juden der juedischen
+ Fremdenlegion:
+
+ "Held Litwak -- du, dessen herrlicher Brief, geschrieben am Tag
+ deines ruhmvollen Todes bei Carency an der Seite von 2000
+ Mitjuden, ich unlaengst abgedruckt habe, vergib diesen armen
+ Sergeanten, die euch monatelang als schmutzige Judenbuben und
+ aehnlich beschimpft haben -- euch, die ohne dazu verpflichtet zu
+ sein, in einem Augenblick edler Begeisterung euer Blut grossmuetig
+ an Frankreich dahingegeben habt, das in euren Augen das Sinnbild
+ aller Freiheit und sittlichen Groesse war." . . . Und das beste
+ Zeichen, wie sehr die Juden freiwillig fuer die Freiheit zu
+ kaempfen wissen, dass gerade die Anfuehrer der polnischen
+ Legionisten fast durchwegs Juden sind: Nach dem Jued. Echo (Nr.
+ 31, 1914, Muenchen) ist der Vorsitzende des Polnischen Nationalen
+ Hauptkomites und der Legionen ein Jude namens Mosche Scherer und
+ ebenso eine ganze Anzahl von Fuehrern der Legion.
+
+Ebenso wie der sozialdemokratische wurde auch der juedische Soldat
+endlich einmal von den Meisten vorurteilsfrei betrachtet und bewertet.
+Natuerlich gibt es auch Faelle, wo sich Vorgesetzte noch nicht in den
+Gedanken der Gleichwertigkeit "solcher Elemente" hineinleben konnten.
+
+Die ungeheure sozialdemokratische Begeisterung ist nicht zuletzt das
+Produkt der so oft geschmaehten "inter"-nationalen Denkweise juedischer
+Fuehrer, mit der man frueher alles Unrecht gegen Juden deckte und
+erklaerte. Die Fuehrer haben ihren Patriotismus nicht nur durch billige
+Phrasen dokumentiert, sie sind nicht wie andere Sozialistenfuehrer a la
+Vandervelde als Wanderredner durch die Lande gefahren, um die Menschen
+aufzuwiegeln, haben a la Herve billige blutruenstige Artikel geschrieben
+oder sich als Leutnants, wie D'Annunzio, zu Hause wichtig gemacht. Der
+Jude _Ludwig Frank_[13], vielleicht der faehigste Kopf in der
+sozialdemokratischen Partei, trat als einfacher Soldat in Reih und Glied
+und fiel -- wie er es wuenschte -- als ein einfaches, aber schoenes
+Beispiel treuer Vaterlandsliebe.
+
+ [13] Der bekannte Genosse Davidsohn "nur" zweimal verwundet, nunmehr
+ Offizierstellvertreter.
+
+Aber nun kam, was nicht kommen durfte. Man hat in vielen Zeitungen ueber
+den Mannheimer, ueber den Rechtsanwalt, ueber den Sozialdemokraten Frank
+geschrieben. Man hat bewiesen, dass ein Sozialdemokrat patriotisch sein
+koenne. Dass er aber ein Jude war, diese Tatsache wurde nach
+Moeglichkeit verschwiegen. -- Nicht zum Beweis der Tapferkeit und der
+Vaterlandsliebe wollen wir Frank als Juden registrieren. Es liegt
+eigentlich eine unglaubliche Verworfenheit des Charakters vor, wenn
+jemand von einer kulturell so hochstehenden Rasse wie der juedischen,
+von der Tausende im oeffentlichen Leben wirken, welche alle
+Kulturstaetten deutscher und anderer Bildung genossen haben, annehmen
+koennte, dass Mannesehre und Wuerde bei ihnen nicht zu finden waere.
+
+Dass man bei allen Nachrufen aber sichtlich vergessen wollte, zu
+erwaehnen, dass der erste deutsche Volksfuehrer, welcher mit seinem Tode
+die Treue zur Heimat und zum Staate besiegelte, ein Jude war, ist keine
+erfreuliche Erscheinung.[14] Ebensowenig wie die Tatsache, dass die
+Dichter des grossen Krieges, die zuerst verwendet wurden und starben,
+Juden waren. Wir nennen nur _Zuckermann_, der das wundersame
+oesterreichische Reiterlied empfand, und _Heymann_, den jungen
+Koenigsberger Lyriker, sowie den Schlesier Georg _Hecht_. Man hat so oft
+ueber die billige Poesie, wie sie Literaten hinterm Schreibtisch
+gewinnsuechtig betreiben, gespottet. Zuckermann, Heymann, Georg Hecht.
+_Ich kannte die gluehende Begeisterung, die sie mit dem Leben zahlten._
+
+ [14] Dagegen unterstreichen z. B. die deutsch voelkischen Blaetter
+ haemisch, dass Haase, welcher den verunglueckten Aufruf
+ veranlasste, _Jude_ sei, was man zu Kriegsbeginn, als er noch in
+ minder unsympathischem Fahrwasser segelte, sorgsam unterliess, bei
+ ihm zu erwaehnen.
+
+ Eine typische Todesanzeige fuer einen aktiven juedischen Offizier
+ mag hier folgen:
+
+
+
+
+ Gestern Abend um 1/29 Uhr verschied in der Medizinischen Klinik
+ des Buergerspitals zu Strassburg
+
+ *Herr Major* *Max Hollerbaum*
+
+ *Kommandeur des B. Landsturm-Infanterie-Bataillons Passau II
+ Ritter d. Eisernen Kreuzes, d. K. B. Militaer-Verdienstordens
+ usw.*
+
+ Das Bataillon steht in tiefer Trauer an der Bahre seines ersten
+ Kommandeurs.
+
+ Durch und durch Soldat, ein vornehmer, ritterlicher,
+ zuverlaessiger Charakter, durch Willenskraft und warmherziges
+ Wohlwollen gleichmaessig ausgezeichnet, war er uns allen
+ vorbildlich auch durch den Heroismus, den er im Kampfe gegen ein
+ langwieriges, schweres Leiden bis zuletzt bewahrt hat. Es war ihm
+ nicht vergoennt, wie an dem Kriege um die Gruendung des Reichs so
+ an dem um seine Behauptung bis zum ehrenvollen Abschluss
+ teilzunehmen. Aber er hat Treue bis zum Tode gehalten, und sein
+ Gedaechtnis wird in hohen Ehren bleiben.
+
+ Am 27. September 1915.
+
+ *Fuer das Landsturm-Infanterie-Bataillon Passau II*
+
+ I. V.: *Hauptmann Freiherr von Pechmann.*
+
+
+
+ Anschliessend mag noch bemerkt werden, dass Major Hollerbaum nicht
+ der einzige aktive juedische Offizier in der bayerischen Armee
+ war. Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien
+ nur einige namentlich genannt: Der alte bayerische
+ Kuerassiergeneral Carl Ritter v. Obermayer, Major Isidor Marx
+ (Vater) und Major Maximilian Marx (Sohn), die Majore Orfenau,
+ Friedmann, Henle u. a. Ausserdem gab und gibt es viele juedische
+ aktive Sanitaetsoffiziere, Militaerbeamte und auch untere Chargen.
+
+Wie aber war die Haltung der juedischen Bevoelkerung vor dem Ausbruch
+des Krieges? Die Juden haben sich in allem ueberaus wuerdig benommen.
+Dass sie als Kaufleute und Bankiers usw. nicht wie die Militaers
+bestaendig sich um die Militaerangelegenheiten bekuemmerten, ist
+selbstverstaendlich. Das beruehmte "juedische _internationale_
+Grosskapital", von dem soviel gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten.
+Die juedischen Bankiers und die juedischen Kaufleute benahmen sich nicht
+anders wie die andern Schichten der Bevoelkerung. Ruhig und ernst, wie
+es der Situation entsprach, als ihre Soehne entweder freiwillig oder als
+Militaerpflichtige hinauszogen. Reiche Gaben und Spenden flossen allen
+Instituten von ihnen zu. Und was in der Heimat geleistet werden konnte,
+wurde getan. Maenner wie Ballin, Rathenau, Riesser ruhten im Kriege
+nicht. Es ist noch nicht die Zeit, ihrer Verdienste fuer die
+Volksernaehrung, fuer die Munitionsergaenzung und anderer Dinge zu
+gedenken.[15]
+
+ [15] Otto v. Gottberg, die offizioese Feder unseres Kriegsministeriums,
+ schreibt in einem Artikel "D. K. R. A." ueber Rathenau: "Er kam
+ ohne Ruf und Amt, ein Deutscher in Sorge um das Vaterland. Wie
+ wenige ein Kenner unserer Wirtschaft, fuehlte Dr. Walter Rathenau,
+ dass Deutschland einen laengeren Krieg siegreich nur dann
+ ueberstehen koenne, wenn der Staat ohne Saeumen zu organisiertem
+ Sammeln, Sparen und Mehren der fuer die Kriegfuehrung noetigen
+ Stoffe schritt. Der Kriegsminister sah den Mann, den er gesucht
+ hatte. Sankt Bureaukratius schlug wohl unter Protest die Haende
+ ueber dem Kopf zusammen, als der General den Zivilisten, Doktor
+ und Ingenieur mit hoeflicher Geste beim Kragen nahm und im
+ Allerheiligsten der Heeresverwaltung in einen Stuhl setzte mit dem
+ Auftrag, die Kriegs-Rohstoff-Abteilung ins Leben zu rufen."
+
+ Die Art, wie Rathenau die Aufgabe in achtmonatlichem Wirken
+ loeste, sichert ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte des
+ Wirtschaftskrieges.
+
+Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine zu geringe
+Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen Gruenden oder aus
+Laune Junggesellen; die vielen Spaetehen der akademischen Kreise und der
+Kaufleute bedingten einen hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die
+Kinder haben, begnuegen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit,
+welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen hat, wird der
+Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er raecht die Beschraenkung der
+Kinderzahl.
+
+Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwaechte deutsche
+Judenheit weiss, dass dieses elementare Ereignis ihre Reihen noch mehr
+lichten wird. Alte Familien werden durch den Krieg erloeschen, die
+deutsche Judenheit wird unendlich geschwaecht und in ihrer Existenz
+erschuettert aus dem Kriege hervorgehen.
+
+Die juedische Jugend zahlte gern die Teilnahme an der deutschen
+Kulturgemeinschaft mit dem Tode.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Juden im Ausland.*
+
+
+Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien hat nur 40000,
+Frankreich 120000, England nicht ganz 300000, also alle drei Laender
+zusammen nicht viel mehr als Preussen. In der englischen Regierung sass
+vor 35 Jahren ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck
+eine Verstaendigung der beiden Laender herbeifuehrte. Heute hat im
+britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille, das des
+Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten eine Stimme hat.
+
+In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften
+italienischen Juden und einer englischen Christin. Ausserdem ist in
+Italien der Finanzminister Luzzatti Jude, der sich urspruenglich gegen
+den Krieg aussprach.[16] Das judenreinste Kabinett Russlands traegt die
+Hauptverantwortung fuer diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am
+wenigsten zu sagen haben, hat am staerksten zum Kampf gedraengt.
+
+ [16] Die Abkunft Barzilais' ist uebrigens nicht sicher auf Juden
+ zurueckzufuehren.
+
+In England lag die Entscheidung ausschliesslich bei wenigen Nichtjuden.
+Bedeutende englische Juden hatten sich gerade in den letzten Jahren fuer
+eine gegenseitige Annaeherung Deutschlands und Englands bemueht, weil
+sie instinktiv die Entfremdung der Laender bemerkten.[17] Als der Krieg
+begann, legten Sir Cassel und Sir Speyer ihre Wuerden nieder.
+
+ [17] Dafuer hat Ernst Cassel Millionen gespendet, die er dem Kaiser
+ uebermittelte; der einzige Englaender, der sich die Freundschaft
+ der beiden Laender etwas kosten liess und sich ernsthaft darum
+ bemuehte.
+
+In Frankreich war das Kabinett wie in Russland und Serbien "judenrein".
+Die Juden an der Pariser Boerse haben wahrlich keinen Krieg inszeniert.
+Als der Krieg aber ein fait accompli geworden war, haben einzelne
+fruehere Deutsche resp. Elsaesser in Frankreich und England aus der
+Angst fuer ihre Existenz unsympathische Kundgebungen erlassen. Ob sich
+darunter viele Juden befanden, weiss ich nicht. Ich konnte es nicht
+erfahren. Der beruechtigte Obermacher der Bethlehem Steel Company,
+_Schwab_ in Amerika, welcher wohl der anruechigste Typ des Renegaten
+ist, stammt von wuerttembergischen Eltern, ist nicht, wie deutsche
+antisemitische Blaetter verleumderisch behaupten, ein Jude. Er ist
+vielmehr der Nachkomme eines Pfarrers.
+
+Wenn in einem Staate eine ziffernmaessig einflussreiche juedische
+Volkschaft war, die sich fuer den Frieden haette einsetzen koennen, so
+waere es die Russlands gewesen. An sieben Millionen Menschen, die aber
+in der Duma nur durch _einen_ Abgeordneten vertreten sind. (Auf diese
+Juden werden wir noch spaeter zu sprechen kommen.) Sie waren vollkommen
+machtlos.
+
+Der Jude ist nicht, wie das alte, aber abgeschmackte Maerlein der
+Antisemiten es will, der Brandzuender des Weltkrieges gewesen. Er war
+ein Freund des Friedens. Er wuerde als Kriegshetzer auch am allermeisten
+gegen sein Interesse handeln. Der Beamte wird im Krieg durch den Staat
+hinreichend oekonomisch geschuetzt, der Bauer findet nach dem Kriege
+immer seinen Grund und Boden wieder. Der Jude aber als Kaufmann hat
+durch die Unterbindung des Aussenhandels enorm verloren. Bei einer
+grossen Zahl der juedischen Firmen ist mit einem Schlage der Lohn
+arbeitsvoller Jahre dahin gewesen. Und nach dem Kriege wird es auch fuer
+sie des groessten Fleisses beduerfen, um nur annaehernd das wieder zu
+erreichen, was man vorher an Wirtschaftsbeziehungen besass.
+
+Am meisten unter allen Voelkern haben die _Juden in Oesterreich_
+gelitten. Die Besetzung Galiziens und der Bukowina stuerzte 800000 Juden
+ins Unglueck. Der ruthenische oder polnische Bauer wurde von der
+russischen Regierung mit aller Schonung behandelt. Gegen den Juden ist
+man jedoch mit aller Niedertracht verfahren, die man sich denken kann.
+Der Bauer hat sein Heim, seine Ernte, seinen Verdienst behalten. Der
+galizische Jude ist --, wenn er nicht gar nach Sibirien transportiert
+wurde, -- zum armseligen Bettler geworden. Sein Haus, seine Ware, sein
+Geld vernichtet, er selbst brotlos und heimatlos. Man lese darueber das
+Buch Segels "Der Weltkrieg und das Schicksal des juedischen
+Volkes"[18] -- und man wird das Gruseln dabei lernen.
+
+ [18] Verlag Stilke, Berlin 1915.
+
+
+Eines der auch amtlich nachgewiesenen Ereignisse moechte ich hier zur
+Probe nach der Schilderung Benjamin Segels wiedergeben:
+
+"Im 16. Jahrhundert pflegten sich die Kosaken im Kampfe gegen Polen
+eines von den Tataren entlehnten Kriegsmittels zu bedienen: wenn sie
+eine Festung stuermten, trieben sie mit Lanzenstichen und Gewehrfeuer
+Gefangene vor, die Saecke voll Erde auf den Schultern trugen und unter
+dem Kugelregen ihrer eigenen belagerten Landsleute die Laufgraeben um
+die Festung ausfuellen mussten, wobei sie unter der Last begraben
+wurden. Diese unmenschliche Sitte ist aus dem Kriege zwischen
+zivilisierten Voelkern verschwunden. Die Japaner haben nur oftmals gegen
+die russische Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer
+auffingen. Die Russen aber haben in Galizien aufs neue den Brauch
+eingefuehrt, Menschen, wehrlose Menschen zu diesem Zwecke zu gebrauchen.
+Nicht etwa Gefangene, sondern Nichtkaempfer, Greise, Frauen und Kinder.
+Vor _Nadworna_ im Suedosten Galiziens geschah das Furchtbare. Die Russen
+brachten _eintausendfuenfhundert juedische_ Familien zusammen und
+trieben sie vor die oesterreichische Front, waehrend sie selber
+hinterdrein vorrueckten.
+
+Die menschliche Sprache hat keine Worte, um das Grausame dieser Untat
+auch nur annaehernd zu kennzeichnen." --
+
+Bekannt sind die Befehle russischer Kommandanten, von denen ich z. B.
+den des Etappenkommandeurs von Krosna, vom 10. Maerz, wiedergebe:
+
+"Fuer jeden Fall, in dem die deutsche oder oesterreichische Regierung
+jemanden aus der nichtjuedischen Bevoelkerung bestraft, sind die Juden
+verantwortlich. Zu diesem Zweck werden juedische Geiseln mitgenommen und
+fuer jeden Nichtjuden wird man zwei Juden umbringen."
+
+Das Stockholmer Blatt "Sozialdemokraten" konstatierte: Jeder russische
+General, der eine Niederlage erleidet, schiebt die Schuld einfach
+auf -- die Juden in dem Gebiete, wo er ist. Die Juden wurden zu
+Zehntausenden ausgewiesen: auf lose Angebereien wurden sie erschossen
+und erhaengt.
+
+
+Und in _Russland_? Die russischen Juden duerfen, das ist in Deutschland
+kaum bekannt, nur in den westlichen polnischen, litauischen und
+bessarabischen Provinzen Russlands wohnen und auch hier nicht auf dem
+Lande, sondern nur in den Staedten. Sie sind vom Ackerbau abgeschlossen,
+Bodenerwerb ist ihnen streng untersagt. Kuenstlich hat die russische
+Regierung alle modernen Bildungsbestrebungen verboten, alle
+freiheitlichen Regungen unterdrueckt, die idealistische Jugend, die ihre
+Glaubensgenossen organisieren wollten, die fuer irgend einen Fortschritt
+kaempften, gefangen gesetzt. Tausende gerade der Faehigsten sind
+ausgewandert. Amerika nahm allein 2 Millionen dieser unfreiwilligen
+Emigranten auf. Was blieb, ist ein Torso. Die staendigen Judengesetze
+und Verordnungen treiben willkuerlich die Juden in gewissen Staedten
+zusammen. So hat das Jahr 1882 eine masslose Ueberfuellung des
+Ansiedlungsrayons hervorgerufen. Das polnisch-juedische Ghetto ist ein
+modernes Kunstprodukt, wofuer die russische Regierung verantwortlich
+zeichnet. Mit Gewalt haelt die Obrigkeit die juedische Bevoelkerung in
+Armut, hindert jede hygienische Regung und verbietet alle geistigen
+Bestrebungen. Es ist unmoeglich, dass die Verhaeltnisse anders sind, als
+wir sie antreffen, und das antisemitisch absprechende Urteil
+beruecksichtigt nicht, dass es sich um ein Volk handelt, das in allem
+geknebelt und entrechtet ist. Der Krieg, der sich im Westen Russlands
+abspielt, hat naturgemaess die Juden am staerksten betroffen.
+
+Hunderte juedischer Gemeinden sind zertreten. Ich habe selbst viele in
+Polen sowie noerdlich der Weichsel und besonders im Gouvernement Kowno,
+sowie in Kurland gesehen.
+
+Ueber die Lage der Juden in Russland informiert das Buechlein von Kurt
+_Aram_: Der Zar und seine Juden[19] ("Das juedische Elend in Warschau
+ist doch noch viel graesslicher als alles andere, was ich sah.") Und Dr.
+Claus schreibt im Russenheft der Sueddeutschen Monatshefte: "Schon in
+Friedenszeiten war das Elend unter den Juden gross; wer einmal einen
+Einblick in die Ghetti Warschaus oder einer litauischen Stadt getan hat,
+wird das Bild des Grauens so leicht nicht los."
+
+ [19] Verlag Ullstein, Berlin.
+
+Ich will nicht eingehend ueber all das Grauenhafte schreiben, was selbst
+die russische Zensur in ihren Blaettern bringen liess. Einwandsfreie
+nichtjuedische Abgeordnete haben in den denkwuerdigen Dumatagen des
+August das tragische Geschick des juedischen Volkes, das von der
+Regierung zu allen Zeiten als Blitzableiter dienen musste,
+gekennzeichnet. Geben wir der "Guerre Sociale", dem bundesgenoessischen
+Blatt, darueber das Wort:
+
+"Das oesterreichische wie das russische Polen ist von Polen und Juden
+bewohnt. Was hat man getan, um z. B. die Juden fuer die Sache der
+Verbuendeten zu gewinnen? Hat man nicht vielmehr alles getan, sie en
+bloc in das Lager unserer Feinde zu treiben? Wenn alles das, was
+amerikanische Blaetter ueber die den Juden seit Kriegsbeginn zuteil
+gewordene _schmachvolle Behandlung_ mitteilen, wahr ist, wie kann
+Russland dann fuer sie etwas anderes sein, als ein _Land des Schreckens
+und der Schande_, wo ihre verfolgte Rasse den Becher bis zur Neige
+geleert hat."
+
+Und nochmals die "Guerre Sociale" (Gustav Herve): "Mir kommt nicht zu,
+in diesem Augenblick, wo das befreundete und verbuendete Russland
+schmerzliche Stunden durchlebt, davon zu erzaehlen, wie es viel zu lange
+die Juden behandelt hat. Es hat sie aber behandelt, wie unsere Vorfahren
+sie im Mittelalter behandelt haben."
+
+Und schliessen wir mit den mutigen Worten des juedischen Dumadeputierten
+_Friedmann_, den keine Angst vor Einkerkerung oder vor Sibirien abhalten
+konnte, nach allen vorliegenden Zeitungen u. a. folgendes festzustellen:
+
+"Die Zeitungen registrierten eine ungeheure Menge juedischer
+Kriegsfreiwilliger. Diese Freiwilligen sollten ihrem Bildungsgrad nach
+Anspruch auf Offiziersrang haben, aber sie wussten ganz gut, dass sie
+als Juden den Offiziersrang nicht bekamen. Trotzdem zogen sie in den
+Krieg.
+
+Zahlreiche juedische Studenten kamen aus dem Ausland und gingen an die
+Front. Die Juden zuhause bauten Lazarette, spendeten viel Geld und
+brachten verhaeltnismaessig _weit groessere Opfer als andere Nationen_.
+
+Viele juedische Soldaten bekamen auch das Georgskreuz. (Ich habe selbst
+verschiedene gesehen. Der Verf.) So war die Stimmung der Juden bei
+Kriegsausbruch. Aber wir duerfen nicht vergessen, dass im Polenland
+juedisches Blut in starken Stroemen fliesst, und zum Unglueck nicht nur
+von Feindeshand. Militaerbehoerden und Regierung brauchten Suendenboecke
+fuer ihre Misserfolge. Man benutzt zu diesem Zweck die alte Firma, das
+ist der Jude. Kaum ueberschritt der Feind die Grenze, so verbreiteten
+sich Geruechte, dass juedisches Gold auf Aeroplanen, in Saergen und
+Eingeweiden von Gaensen zu den Deutschen floss. Die Legende wuchs, sie
+verbreitete sich dank der Agitation der Regierungsagenten und nahm
+schliesslich ungeheure Dimensionen an. Den Juden gegenueber wurden
+unerhoerte Massnahmen angewendet und diese Massnahmen, die vor den Augen
+der ganzen Bevoelkerung vollzogen wurden, floessten derselben und der
+Armee das Gefuehl ein, dass die Juden als schlimmste Feinde ausserhalb
+des Gesetzes stehen. Zuerst wurden alle Juden aus Polen und Litauen
+ausgewiesen. _Ueber eine Million_ Menschen musste den Bettelstab
+ergreifen. Verwundete juedische Soldaten mit dem Georgskreuz wurden in
+Viehwagen und wirklich wie Vieh mit einem Frachtschein abtransportiert.
+Juedinnen, deren Maenner, Kinder und Brueder ihr Blut fuers Vaterland
+vergossen haben, wurden ueberall verfolgt. Eine andere harte Massnahme
+war das Geiselnehmen. Es handelt sich hier um einen unerhoerten Fall in
+der Weltgeschichte. Man nahm als Geiseln Staatsangehoerige des eigenen
+Landes. Anders als eine Schmach kann man das nicht nennen."
+
+Trotzdem Millionen nur Jiddisch verstehen, wurden in ganz Russland die
+Korrespondenzen, Telefongespraeche, Unterhaltungen auf der Strasse in
+Jiddisch verboten und die Ungluecklichen eingekerkert, die dagegen
+verstossen mussten.
+
+Russland erklaert, dass des Zaren "liebe" Juden Freunde der Deutschen
+sind, dass sie denen zu Liebe spionieren, ja sogar auf die russischen
+Truppen schiessen. Gewiss bestehen vielfach Sympathien fuer die
+Deutschen auf Seiten der russischen Juden, weil viele Deutsche zwar auch
+Antisemiten, aber doch nicht so grausame Feinde der Juden sind wie die
+Russen. Aber zwischen einigen Sentiments und zwischen der Aeusserung
+irgendwelcher staatsfeindlicher Gefuehle ist doch noch ein sehr weiter
+Sprung. Selbst die, welche sich darueber klar sind, dass ihnen die
+deutsche Regierung wegen des geringeren antisemitischen Druckes lieber
+waere, wagen sicherlich nicht die geringste Tat. Sie wissen, dass sie
+als Juden schon _ohne_ allen Grund als Vaterlandsverraeter gebrandmarkt
+sind, dass man ihnen ueber Schritt und Tritt nachforscht. Und sie hueten
+sich aengstlich vor jedem Verstoss. Wer die Psyche der Ostjuden kennt,
+weiss, dass es, abgesehen vom Hindu, keine friedlichere Bevoelkerung
+gibt. In der strengglaeubigen Bevoelkerung sprechen dabei auch
+religioese Auffassungen mit.
+
+
+Was die russischen Juden den Deutschen so nahebringt, ist ihre Sprache
+und ihre Kultur. Wohin der deutsche Soldat in Russland kommt, er nimmt
+sich immer den Juden vor, von dem er weiss, dass er Deutsch versteht,
+und dass er ueberhaupt nicht schwer von Begriff ist.
+
+Die deutsche Regierung, die Militaerverwaltung hat ueberall gerne
+juedische Mitarbeit gesucht und gefunden. Andererseits haben gerade die
+juedischen Gemeinden in weitgehendster Weise die Not unter den Juden
+gelindert, sogar im armen Osten haben die juedischen Religionsverbaende
+ihre Angehoerigen gestuetzt, und dem Staate damit seine Aufgabe
+erleichtert.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Die Lehren des Krieges.*
+
+
+Die Ergebnisse aus dem Kriege fuer das Verhaeltnis der deutschen Juden
+zum Reiche sind leicht zu ziehen. Wie im Frieden, so haben sich die
+Juden besonders in den schweren Zeiten der Stuerme als gute
+Staatsbuerger bewaehrt. Der Burgfriede hat es ermoeglicht, dass die,
+welche durch lange Zeit als Soldaten II. Klasse und auch als mindere
+Staatsbuerger behandelt worden waren, ihre Pflicht in vollem Masse taten
+und mehr als das. Wenn man die Zahl der juedischen Kriegsfreiwilligen,
+die zum Heere stroemten, zaehlen wird, duerfte mancher fruehere
+Antisemit erstaunen. Soviel Liebe und Begeisterung fuer ein Vaterland,
+das seinen juedischen Mitbuergern die Zeiten des Soldatenstands nicht zu
+den angenehmsten machte, kann nur bei einem Volke gefunden werden, das
+in seinem Kern ein loyales ist. Und die Juden waren und sind denn auch
+tatsaechlich in England, in Frankreich, in Italien und Oesterreich, in
+den Vereinigten Staaten, in Holland etc. ueberall als ein unbedingt gut
+patriotisches Element bekannt.
+
+Wenn sich etwas aus den Lehren des Augenblicks fuer die Zukunft ergeben
+muesste, so ist es die Forderung der vollen Durchfuehrung der
+Gleichberechtigung der juedischen Staatsbuerger in Deutschland. Wie sich
+in Oesterreich die Ungarn bewaehrten, wie die Polen und Elsaesser und
+Daenen in unseren Heeren zum Erfolge beitrugen, so vor allem die Juden,
+die nie auf deutschem Boden ein eigenes Territorium zu gruenden suchten,
+die nie in geschlossener Organisation irgend welchen staatlichen,
+sprachlichen oder kulturellen Bestrebungen der Deutschen im Frieden wie
+im Kriege eine Gegnerschaft aufboten.
+
+Der deutsche Jude hat keine nationale und religioese Politik, die sich
+gegen die der andern Staatsbuerger wenden kann. Es gibt keinen
+juedischen Verein, der Deutschland liberal, demokratisch oder
+sozialistisch regiert haben will. Wohl aber gibt es juedische Redakteure
+bei den Freikonservativen, bei den Nationalliberalen, bei den
+Volksparteilern und in der Arbeiterbewegung. Eine irgendwie einheitliche
+juedische Politik gibt es in Deutschland nicht. Auch ihre religioesen
+Anschauungen stoeren niemanden.
+
+Nicht um Lohn zu finden, haben die Juden Seite an Seite mit allen
+anderen Deutschen gekaempft. Sie haben aber ein Anrecht, nicht um ihre
+Freiheit verkuerzt zu werden. Es muss _das_ Schauspiel des Friedens
+aufhoeren, dass der Jude, sobald er getauft ist, Professor, Offizier,
+Staatsanwalt usw. werden kann. Diese _Praemie auf das Renegatentum_ ist
+nicht wert, in Friedenszeiten wiederzukehren. Deutschland darf keine
+antisemitische Politik betreiben, es wuerde sich sonst an das
+programmatisch antisemitische Russland anlehnen. Es kann im Gegenteil
+auch nicht dem Ehrgefuehl deutscher adliger Offiziere entsprechen, mit
+Maennern eng verbunden zu sein, die sich ihrer Ahnen und Herkunft
+schaemen. Es kann nicht die Auffassung der Hueterin des Rechts sein,
+dass Richter vorerst ihren Glauben abgeschworen haben muessen; es kann
+keine freie Wissenschaft sein, die das christliche Bekenntnis zur
+Voraussetzung hat.
+
+Deutschland, der nunmehrige Freund des _Islam_, kann auch seine
+_juedische_ Bevoelkerung ihrer Religion nachgehen lassen, ohne dabei
+Schaden fuer seine christlichen Bewohner zu nehmen. Der Uebertritt vom
+Judentum zum Christentum muss wieder oeffentlich als das gebrandmarkt
+werden, was es in den weitaus meisten Faellen wirklich ist: als
+Streberei, Gesinnungsheuchelei, Religionsmissbrauch (alldieweil es keine
+"ueberzeugten" Christen sind, die den Weg zum Taufbecken suchen und ihn
+so leicht finden.)
+
+Der Krieg hat dem elenden Religions- und Rassengezaenk im Innern des
+Landes hoffentlich ein Ende bereitet, nach aussen hin wird es noch genug
+Arbeit geben, um den Hass der Nationen, die Zwietracht, Rachsucht,
+Missgunst langsam abebben zu lassen. Auf Jahrzehnte hinaus wird
+Deutschland genuegend Feinde besitzen, es kann daher die Ruhe im Innern
+doppelt noetig brauchen.
+
+Soziale und biologische Probleme stellen sich in den Vordergrund. Die
+deutschen Juden haben der Grossstadt und der Sucht, wirtschaftlich zu
+erstarken, bedeutende Opfer gebracht. Junggesellentum aus Vorliebe oder
+aus Not, weil die Familie oekonomisch eine bedeutsame Last ist,
+Kinderlosigkeit und Kinderarmut sind die Kennzeichen fuer die
+Entwicklung der heutigen deutschen Juden. Ich habe sie in den Buechern
+"_Der Untergang der deutschen Juden_"[20], "_Das sterile Berlin_"[21]
+und in der _Preisschrift der Gesellschaft fuer Rassenhygiene_[22] des
+naeheren dargelegt.
+
+ [20] Verlag Reinhardt, Muenchen.
+
+ [21] Verlag Marquardt, Gross-Lichterfelde.
+
+ [22] Verlag Louis Lamm, Berlin C.
+
+Nun reisst der Krieg weite Luecken in ihre Reihen. Waehrend Deutschland
+waechst, verkuemmert der Anteil seiner Juden. _Sombart_ hat
+nachgewiesen, wie die Buerokratisierung der Banken, der Schwerindustrie
+usw. den juedischen Einfluss hemmt. Dazu kommt die prozentual geringer
+werdende Beteiligung. Die hervorstechende oekonomische Macht der Juden
+weicht langsam, aber sicher von selbst.
+
+Eine antisemitische Bewegung koennte hoechstens wirtschaftlich
+wertvollen Kraeften, die ohnedies abnehmen, Hindernisse bereiten,
+Unzufriedenheit in den juedischen Kreisen saeen und den Geist der
+Zwietracht verbreiten. Deutschland ist kein einheitlicher Staat,
+aufgebaut auf Grundlagen _einer_ Religion, _einer_ Rasse, _einer_
+Staatsform. Es ist (aehnlich Amerika) die glueckliche Synthese der
+verschiedensten Bevoelkerungsschichten, die alle als deutsche
+Staatsbuerger respektiert werden wollen. Glaubens- und Rassekaempfe
+muessen verflossenen Zeiten angehoeren. Wie traurig ist es, dass noch
+Millionen von Katholiken glauben, sich politisch vereinigen zu muessen,
+um entweder in ihren Rechten nicht geschwaecht zu werden oder sich
+groesseren Einfluss sichern zu koennen. Eine Vermischung von Religion
+und Politik. Sehen wir die Welfenpartei! Eine Gruppe, die nach fuenfzig
+Jahren noch immer die Geschichte umwaelzen, nochmals die staatlichen
+Zustaende von 1866 herbeifuehren wollte. Die Negation als Grundlage
+einer politischen Betaetigung!
+
+Der grosse Krieg muss auch im Innern eine Reform bedingen. Er muss uns
+soweit einander naeher gebracht haben, dass wir die volle politische und
+buergerliche _Gleichberechtigung_, die Freiheit des Individuums
+fuerderhin nicht mehr einzelnen Klassen und Gemeinschaften rauben
+wollen. Neben den Sozialdemokraten sind es die Juden, die vornehmlich
+als treue Staatsbuerger angesehen zu werden verlangen und hoffentlich es
+auch erreichen. Mag besonders die Ostmarkenpolitik, die antisemitisch
+bis in die Knochen, durch die mehr oder minder gewaltsame
+wirtschaftliche Vertreibung der juedischen Handwerker und Kaufleute in
+den Staedten Posens und der oestlichen Provinzen den polnischen
+Mittelstand aufbluehen liess, ein deutliches Warnungszeichen dafuer
+sein, wie schaedlich letzten Endes jede Hetzpolitik ist.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Das Problem der Ostjuden.*
+
+
+Es mag leicht sein, dass ein Friedensschluss dem Deutschen Reich neue
+polnische Gebiete bringt. Kein Element wird dann so leicht fuer das
+Deutschtum sprachlich und staatsbuergerlich zu gewinnen sein, wie das
+juedische, das sich durch sechs bis sieben Jahrhunderte, seit es aus den
+Rheinlanden vertrieben wurde, die deutsche Mundart -- wenn auch in
+eigener Entwickelung -- bewahrte. Viele der deutschen Soldaten dachten
+sich garnichts dabei, als sie in allen Staedten Russlands eine (wenn
+auch nicht ganz korrekt) deutsch sprechende Bevoelkerungsschicht
+antrafen. Einzelne aber waren darueber doch erstaunt. Sie waren auch
+ueberrascht, eine ueberaus aermliche, im Wust der Umgebung verschmutzte,
+aber fuer alle Entwicklung empfaengliche Masse anzutreffen, die sich
+gerne den deutschen Massnahmen fuegte.
+
+Das Urteil ueber die polnischen Juden ist bei den Deutschen nicht immer
+sympathisch. Jedes fremde Volk hat Schwaechen, die dem Fremden
+auffallen, und die leicht zu einer vollkommenen Verurteilung fuehren.
+Bei den russischen Juden wird zu wenig daran gedacht, dass die russische
+Regierung sie gewaltsam in modernen Ghetti zusammenpfercht. Sie duerfen
+nur im Ansiedlungsrayon wohnen, und hier wiederum nur in den Staedten.
+Vor dreissig Jahren hat man sie so zusammengetrieben ohne Ruecksicht
+darauf, ob die vorhandenen Wohnungs- und Lebensmoeglichkeiten genuegten.
+Man hat sie zwangsweise in schmutzige Loecher gestossen. Die vielen
+hundert Verbote, die den russischen Juden treffen, rauben ihm die Lust
+und das Recht, sich Haeuser zu bauen, das Heim auszugestalten. Russland
+will den Juden vertreiben, und so ist er denn auch immer auf dem Sprung,
+wegzugehen. Millionen Juden sind bereits nach Amerika, England,
+Suedafrika, Frankreich usw. ausgewandert.
+
+Der russische Jude gilt wegen seiner Sprache (Juedisch-Deutsch oder
+"Jargon") als Deutschfreund. Waehrend sich vielfach Polen und Ruthenen
+in Oesterreichisch-Galizien bei der russischen Okkupation recht
+eigentuemlich benommen haben, waehrend in diesen Laendern, besonders
+aber in Russisch-Polen, die Landbevoelkerung in reichlichstem Masse zum
+Franktireurkrieg und zu Spionage neigte, verhielten sich die Juden
+ueberaus loyal. Es ist unwahr, dass sie fuer Deutschland
+Kundschafterdienste leisteten; sie haben sich aber naturgemaess auch den
+Russen gegenueber durchaus korrekt benommen. Dabei wurden die Juden am
+schwersten durch _beide_ Parteien geschaedigt. Die Russen haben aus Hass
+juedische Staedte, z. B. Szawle, angezuendet, und die Deutschen
+verbrannten u. a. Tauroggen als Gegenmassregel gegen russische Greuel in
+Ostpreussen. Tauroggen war aber vor allem eine juedische Stadt. Kalisch,
+eine echte Judenstadt, wurde gruendlichst zerstoert, weil als Zivilisten
+verkleidete Soldaten aus Buergerhaeusern schossen. Dadurch wurden
+Tausende von Juden obdachlos. Viele Staedte wurden durch Bombardements
+zerstoert, wie Lowicz, Sochaczew etc. Von Seiten der Deutschen mussten
+vielfach Ausweisungen juedischer Buerger erfolgen, da man natuerlich
+keinem der feindlichen Staatsangehoerigen trauen konnte; die
+Massenausweisungen der Juden aus Polen, Russland, Kowno etc.
+uebertreffen ums Dreifache die Zahl der seinerzeit aus Spanien
+vertriebenen Juden. Bereits wandern heimatlos eine und eine halbe
+Million im Innern Russlands, und auch in Oesterreich sind es
+Hunderttausende, deren Heim zerstoert ist. --
+
+Der deutschsprechende Jude wird, wie oben bemerkt, als Deutschenfreund
+angesehen. So wie die Verhaeltnisse vor dem Kriege lagen, haette es den
+russischen Juden nichts eingetragen, sich an die Freundschaft
+Deutschlands zu wenden. Nicht einmal seine eigenen Juden schuetzte
+Deutschland vor Russland. Das Zarenreich erlaubte nur ganz ausnahmsweise
+den Deutschen juedischen Glaubens den Eintritt in sein Land. Und
+Deutschlands Politiker haben gegen diese monstroese Beschraenkung
+niemals remonstriert. Sie liessen die oeffentliche Beschimpfung ihrer
+Juden zu, ohne durch irgendeine Gegenwehr, Gegenmassregel oder nur
+ernstliche Vorstellung ihre Staatsbuerger vor schimpflicher Behandlung
+zu schuetzen. Und die deutsch sprechenden sieben Millionen Juden
+Russlands? Sie gelten zwar als Freunde Deutschlands, _nur dass
+Deutschland nicht ihr Freund ist_!
+
+Deutschland hat zu Beginn des Krieges durch seine Generale erklaeren
+lassen, dass es den Polen volle Gerechtigkeit widerfahren lassen wolle.
+Die Juden, deren Zahl in den Grenzlaendern bedeutend ist, wurden nicht
+sonderlich erwaehnt.
+
+Es ist anzunehmen, dass sich Deutschland nach dem Kriege allen seinen
+Juden gegenueber liberal verhalten wird.
+
+Aber es ist doch sehr die Frage, wenn sich keine gewaltigen
+Grenzverschiebungen ergeben, ob die Judenfrage Russlands einer Loesung
+naehergebracht wird. Schon vor dem Krieg hat die russische Regierung die
+Bedrueckung der Juden systematisch inauguriert, die Pogrome des Jahres
+1905 waren bestellte Arbeit. Russland bekennt sich zu dem Lehrsatz eines
+seiner Minister: "Ein Drittel der Juden wird vertrieben, ein Drittel
+muss verhungern und ein Drittel ist zu toeten." (Siehe Errera "Die
+Judenfrage".)
+
+Die Judenfrage Russlands interessiert Deutschland aus vielen Gruenden.
+Die sieben Millionen, die deutsch verstehen und sprechen, bildeten ein
+wertvolles wirtschaftliches Element, das gerne mit Deutschland
+Handelsbeziehungen unterhielt. Diese sieben Millionen sind die
+staerksten Gegner jedes Krieges mit Deutschland, das sie verehren. Wegen
+ihrer deutschen Sprache und ihrer deutschen Sympathien sind sie in
+grausamster Weise von Russland bestraft worden. -- Deutschland hat den
+Polen zu verstehen gegeben, dass es sich ihrer annehmen wird. Mit noch
+groesserer Berechtigung aber koennen die _Juden_ erwarten, dass
+Deutschland sie nicht vergisst, wenn die Frage der unterdrueckten
+Nationen in den Friedensverhandlungen aufgeworfen wird.
+
+Die Juden haben nie im politischen oder sprachlichen Kampfe mit den
+Deutschen gelegen (wie die Polen), seit Jahrhunderten sind sie zu einem
+Teile fest verwachsen mit der deutschen Erde. Die in Polen
+zurueckgebliebenen Gemeinden sind bei der Teilung dieses Landes durch
+Zufall zu Russland, Oesterreich oder Preussen gekommen. Die, welche
+russische Staatsbuerger wurden, haben seit jener Zeit eine Geschichte
+des Leides und der Verfolgung erlebt, die ans finsterste Mittelalter
+erinnert. Leider wissen unsere deutschen Mitbuerger wohl von "Greueln in
+Armenien", wie sie die Englaender aus politischen Gruenden
+aufbauschten, -- die Regierungspolitik Russlands jedoch, das sich so
+lange als der beste Freund Deutschlands gebaerdete, wusste recht gut
+ueber allen ihren Schandtaten dichte Schleier auszubreiten.
+
+Die deutsch sprechenden Juden Russlands sind zum Teil Zionisten. Die
+Tuerkei hat an ihren zionistischen Buergern in diesem Kriege eine gute
+Unterstuetzung gefunden. Deutschland kann sehr wohl, im eigenen
+Interesse wie in dem seines neuen Bundesgenossen, ein Entgegenkommen der
+Tuerkei fuer eine juedische Besiedlung der veroedeten Landstriche
+Palaestinas befuerworten.
+
+Es kann keine Frage sein, dass sofort nach dem Friedensschluss eine
+_Massenauswanderung_ der russischen Juden beginnen wird, welche die
+gesamte Voelkerwanderung numerisch in den Schatten stellt. Diese Juden,
+denen man das Letzte genommen hat, die ein volles Jahr lang gequaelt und
+getrieben wurden, jeden Augenblick gewaertig, erschossen oder zum
+mindesten nach Sibirien gefuehrt zu werden, warten nur auf die
+Moeglichkeit, wieder frei zu atmen.
+
+
+Soll Deutschland diese Emigration nicht zum eigenen Nutzen zu
+beeinflussen suchen? Soll der Strom der Auswanderer nach Amerika
+gehen?[23] Deutschland wuenscht eine moderne Entwicklung der Tuerkei.
+Durch die Verluste, die der Krieg im eigenen Lande zeitigte, ist keine
+Emigration der eigenen Massen bevorstehend. Im Gegenteil.
+
+ [23] Eine wirkliche Masseneinwanderung oestlicher Juden in Deutschland
+ wird schon aus oekonomischen Gruenden schwer durchfuehrbar sein.
+ Dieselbe waere auch vom juedisch-nationalen Standpunkt nur eine
+ Notstandsaktion, die uebrigens wegen der vielen Widerstaende, die
+ nach jeder Hinsicht zu ueberwinden waeren, keineswegs einzutreten
+ braucht.
+
+
+Wenn die Erloesung der kleinen Voelker einen Rueckhalt an Deutschland
+finden darf, dann kann es die gequaelte juedische Masse des Ostens nur
+in zionistischem Sinne erloesen. Auf Russland kann Deutschland nicht
+einwirken, wie es seine Untertanen regieren soll. Eine breite Oeffnung
+der eigenen Grenzen liegt nicht im Wunsch der meisten eigenen
+Staatsbuerger.
+
+
+Will Deutschland das Buendnis mit der Tuerkei oekonomisch ausnuetzen,
+will es sich dort eine Masse sichern, die aus sprachlichen Motiven wie
+auch aus Dankbarkeit zu Deutschland neigt, dann wird es einer
+grosszuegigen zionistischen Emigration die Wege ebnen, wird "dem Lande
+ohne Volk das Volk ohne Land" geben.
+
+
+Professor Otto _Warburg_ hat schon vor zehn Jahren darauf hingewiesen,
+dass die Besiedelung Mesopotamiens von ausschlaggebender Bedeutung fuer
+die wirtschaftliche Erschliessung und Entwicklung Vorderasiens ist.[24]
+
+ [24] Wir koennten z. B. von daher unsere Baumwolle beziehen und so vom
+ Auslande unabhaengig werden.
+
+Deutsches Kapital hat die grossen Bahnbauten nach Bagdad ermoeglicht.
+Wir sind alle daran interessiert, dass Deutschland daraus Nutzen zieht.
+Hier kann nur eine geeignete Einwanderung helfen, denn die ortsanwesende
+Bevoelkerungsmenge ist nicht ausreichend.
+
+Da schon Massen arbeitsloser Juden in Polen den Behoerden zur Last
+fallen, so waere es gut, wenn man sich, wie fuer die ostpreussischen
+Fluechtlinge, so auch fuer das juedische Proletariat Galiziens und
+Polens interessierte. Sobald sich die tuerkische Regierung entschliesst,
+einwandernden juedischen Familien Land anzuweisen, wird auch von der
+juedischen Seite das noetige Geld zur Ueberfuehrung und Ansaessigmachung
+aufgebracht werden. Es ist nur noetig, dass sich _der neue Dreibund_
+darueber klar ist, _was er mit dem namenlosen Judenelend machen will_,
+wie er den vom Krieg entwurzelten Massen hilft, ohne dabei selbst
+Menschen zu verlieren. Denn Menschen sind Geld, Maenner sind im
+Kriegsfalle Gewehre. Nie hat man die Bedeutung der Ziffer so erfasst,
+wie bei diesem Krieg.
+
+Kommt aber den Juden vom neuen Dreibund keine Hilfe, dann wandern sie
+bestimmt nach Amerika aus und gehen fuer die deutsche Sache verloren.
+Mit ihnen aber ein grosses Nationalvermoegen, -- auch deshalb, weil ja
+jeder Emigrant etwas Geld bei sich haben muss, was bei einer solchen
+Voelkerwanderung allein schon Millionenwerte ausmacht.
+
+Die Zukunft von Deutschlands kolonisatorischer Taetigkeit liegt im
+Orient, in der Tuerkei. Wie kaum je wieder bietet sich eine Gelegenheit,
+die Kolonisation zu foerdern. Kenner des Orients, wie Rohrbach, Auhagen,
+Paquet[25] u. a., sind gerade in letzter Zeit fuer diese Orientierung
+der deutschen Politik eingetreten. Schon frueher plante uebrigens der
+verstorbene Grossherzog von Baden, das Interesse der Maechte fuer eine
+organisierte Kolonisation Palaestinas durch die Juden wachzurufen.
+
+ [25] Ein soeben von Alfons _Paquet_ erschienener Artikel (in Heft 40
+ Jahrg. 1915 des Maerz) "_Juden im Osten_" kommt zu denselben
+ Resultaten. Paquet schreibt:
+
+ "Das tuerkische Volk kuemmert sich wenig um den Glauben anderer.
+ Es erkennt in den Juden die Orientalen, es weiss, dass jene, die
+ aus dem Westen kommen, zugleich Europaeer sind, Traeger eines
+ praktischen Koennens, das dem neuen tuerkischen Staatswesen Nutzen
+ zu bringen vermag. Und das eigentliche Palaestina? Hat es nicht in
+ den Jahren, die dem Versuch der Wiederbesiedelung gewidmet waren,
+ bewiesen, dass es wirklich das Land ist, wo einmal der Wanderer
+ sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen die den Erzvaetern
+ leuchteten, um auszuruhen und boese Spuren aus seinen Zuegen
+ wischen?"
+
+ Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein gruenes Banner. In
+ dem von Menschen erfuellten Europa werden sie das wichtigste fuer
+ ihre Zukunft: -- den Boden -- nie erhalten, eher werden sie die
+ Traeger irgend eines unbestimmten Unheils sein. In allen
+ Erdteilen, ausser Vorderasien, fehlen die Moeglichkeiten einer
+ Ansiedelung, die den Juden erlaubt, nach ihrer hoechst
+ eigentuemlichen Art zu leben und von dem geistigen Gut, nach dem
+ sie hungern, satt zu werden. Aber in dem einen kleinen Lande, das
+ schon begonnen hat, zu einem neuen Dasein zu erwachen, ist Raum
+ und Tragkraft genug, sie aufzunehmen. Josua und Kaleb sind von
+ ihrer Kundschafterreise zurueckgekehrt mit schweren Trauben. Es
+ kommt jetzt darauf an die Faehigkeiten des Volkes, die bisher auf
+ die Wuestenreise verwendet wurden, zu wecken und neu zu
+ gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild der deutschen Volksschulen,
+ vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze, werden dazu helfen
+ koennen. Einst werden dann diese Knaben die Mannschaft eines neuen
+ morgenlaendischen Wesens bilden, gleichviel, ob sie Ingenieure
+ oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder Gelehrte werden,
+ gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa bleiben und wie
+ viele wirklich im Morgenland wohnen. Sie koennen in einer neuen
+ Heimat ein neues Volk sein -- nicht im Sinne jenes Nationalismus,
+ der in Europa die Voelker zerreisst und schlaegt, sondern in dem
+ innerlich freien, nach aussen duldsamen Sinne der
+ morgenlaendischen Weisen. "Der tuerkische Baum muss sehr gruen
+ werden und auswachsen." "Wer in seinem Schatten wohnen will, muss
+ aber zuvor sein Gaertner sein." -- -- --
+
+ So denkt ein bekannter Orientkenner ueber die Judenfrage und das
+ Problem der Tuerkei.
+
+Statt dessen hat man den franzosenfreundlichen Jesuiten, die neben
+zahlreichen Schulen eine Universitaet in Beirut gruendeten, den
+russischen und griechischen Missionen Raum gegeben und hat die
+englischen Machinationen unter den Arabern geduldet.
+
+Die neu-deutsche Judenpolitik darf des weiteren nicht in den Fehler
+verfallen, das juedische Element im Osten den Polen auszuliefern. In
+ganz Galizien hat man die Juden dem Terrorismus der Polen
+ueberantwortet. Man denke sich, dass dort ca. 900000 Menschen ein
+deutsches Idiom sprechen, eine Sprache, die der deutschen naehersteht
+als die flaemische Mundart. Gleichwohl konnte man in Oesterreich nicht
+erreichen, dass das "Jiddisch", wie es genannt wird, die Rechte einer
+Sprache bekam. Obwohl es eine Unzahl von Zeitungen gibt, die taeglich in
+diesem Dialekt geschrieben werden, und deren Blaetter u. a. in Lemberg,
+Lodz, Krakau etc. erscheinen (Warschauer und New Yorker Blaetter in
+Jiddisch haben Auflagen von ueber 100000 Exemplaren), war diese Sprache
+"von Rechts wegen" verpoent! Der Kaufmann sollte seine Rechnungsbuecher
+damit nicht fuehren duerfen, Eingaben an die Regierung waren
+unstatthaft, waehrend unterdessen die jiddische schoene Literatur in
+alle Sprachen uebersetzt wurde, und Theaterstuecke, ins Hochdeutsche
+uebersetzt, Sensation in Berlin hervorriefen!
+
+Auch heute hat die deutsche Regierung die Bedeutung dieses Jargons noch
+nicht erfasst. Eine Volksschicht, die in polnischen Gebieten lebt,
+greift aber, wenn sie ihre Muttersprache lassen muss, nicht zu dem
+dieser nahverwandten Deutschen, sondern zum _Polnischen_. Es liegt kein
+Grund vor, die Polen _kuenstlich_ zu staerken und ein Volkstum, das sich
+sprachlich ans Deutsche anlehnt, seiner Nationalitaet zugunsten der
+polnischen gewaltsam zu entkleiden.
+
+Sollten groessere polnische Bezirke Deutschland und Oesterreich
+angegliedert werden, so muss das _Recht der Minoritaet_ geschuetzt
+werden. Das moderne Polentum hat sich noch nicht als massvoller und
+zuverlaessiger Charakter erwiesen. Wo sie es nur konnten, haben die
+Polen die Juden bedrueckt und ausgenutzt. Die galizischen Wahlen waren
+wahre Schlachttage der Schlachta. In vielen Orten floss juedisches Blut,
+weil die Juden keine Polen waehlen wollten. Noch schlimmer erging es den
+Juden in Russisch-Polen, wo sie den _Polen und Russen_ gaenzlich
+ausgeliefert waren.
+
+Wenn die Franzosen und Italiener von "unerloesten Voelkern" sprechen,
+dann haben sie kaum der armen Juden gedacht, und sicherlich nie eine
+Hand geruehrt, um deren Los zu erleichtern.[26] Und sie haetten es doch
+so bequem. Sie brauchten bloss ihren Bundesgenossen "darauf aufmerksam
+zu machen". -- -- --
+
+ [26] Die 2 1/3 Millionen Juden der Vereinigten Staaten sind deshalb
+ durchweg deutschfreundlich. Alle Bestrebungen der
+ Deutschamerikaner haben an ihnen eine rege Stuetze gefunden.
+ Vergessen wir nicht, dass die Stimmung in Newyork, der groessten
+ Stadt Amerikas, fuer das ganze Land bedeutsam ist, dass sich die
+ dortigen 1,2 Millionen Juden konstant fuer die Deutschen
+ verwandten, weil sie von ihnen eine Erloesung der russischen Juden
+ erwarten. -- Eine offene Erklaerung der deutschen Regierung an die
+ amerikanischen Juden wuerde eine namenlose Begeisterung erwecken
+ und die Kabinette des Dreiverbandes in nicht geringe
+ Unannehmlichkeiten wegen der Haltung Russlands versetzen. Es waere
+ die beste Antwort gegenueber all den Enunziationen betreffs der
+ unerloesten Voelker in Oesterreich und Deutschland. Ausserdem
+ wuerde Deutschland dadurch erhebliche Geldmittel fuer seine
+ kuenftigen Anleihen erwarten koennen.
+
+
+Die Lage des juedischen Volkes in Galizien ist eine viel bessere als
+jenseits der Grenze im Reiche des Friedenszaren. Aber was ihnen noch an
+nationaler und politischer Freiheit fehlt, wollen wir ruhig und offen
+darlegen. Umsomehr, als jede Einverleibung neue Hunderttausende uns
+zufuehren muesste, die sich nicht wieder Zuruecksetzungen und Schikanen
+ausgesetzt wissen wollen.
+
+Die Bedrueckung an Ort und Stelle zwingt sonst zu einer ungeheuren
+Auswanderung, die auch in Deutschland zu merken sein duerfte. Dagegen
+gibt es nur ein Allheilmittel: _Lokale Rechte und Hilfe_; _ferner
+Ableitung der ueberschuessigen Kraefte in den Orient_ durch starkes
+Entgegenkommen der verbuendeten Regierungen. Das heutige System
+entwurzelt nur die Elemente, die einigermassen fest an der Scholle, an
+der Heimat haengen, und jagt sie ins Ungewisse.
+
+Wenn die deutsche Regierung den oestlichen Juden nicht entgegenkommen
+kann, wird auch die dadurch sicherlich eintretende Entvoelkerung die
+wirtschaftliche Entwicklung dieser Laender bedeutend verzoegern.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ * Schluss.*
+
+
+Der Krieg hat Deutschland bewiesen, dass der juedische Einfluss, welcher
+sein gut Teil an der finanziellen Erstarkung des Landes, an der
+Entwicklung seines Handels und seiner Industrie beigetragen hat, nicht
+umsonst war. Der vielverspottete Geist der Rothschild und Bleichroeder,
+der schon 1870/71 eine Rolle gespielt hat, ist auch diesmal den Heeren
+gefolgt und hat den Siegen den noetigen Rueckhalt gegeben. Boerse,
+Konfektion, Chemie, Getreidehandel sind lauter Begriffe, mit denen der
+Militarismus zu rechnen hat. Die deutsche Geldwirtschaft kann nicht nur
+von gewissenlosen Boersenjobbern gegruendet sein; denn sie, ebenso wie
+der deutsche Wollmarkt[27], wie das Sanitaetswesen, wie die Fabriken und
+Aerzte -- alles zu hohem Prozentsatz "verjudete" Berufe -- haben die
+Erwartungen nicht getaeuscht. Im Innern geht der Handel weiter und
+erhaelt uns unsere wirtschaftliche Kraft, und gibt dem Heere das, was
+die grosse alte Handelsnation England muehselig sich aus Amerika
+zusammensuchen muss.
+
+ [27] Spottet ueber die "Leder- und Stiefeljuden", aber es tat
+ Deutschland gut, dass die unternehmenden Kaufleute, die sonst ins
+ Ausland exportierten, fuer Millionen Vorraete liegen hatten, die
+ nun Heereszwecken dienen konnten.
+
+Voreingenommene Noergler werden auch nach dem Kriege zu den alten Waffen
+des Neides greifen und die hetzerische Taktik des Antisemitismus wieder
+aufleben lassen. Wenn aber die Zeitgeschichte etwas gelehrt hat, dann
+wird hoffentlich nach dem Kriege der unselige Klassen-, Rassen- und
+Religionshass in die Rumpelkammer der Geschichte verschwinden.
+
+Wir koennen uns aber fuerwahr in Deutschland das Leben leichter machen,
+brauchen uns nach aussen nicht mehr als ein anscheinend in sich
+zerrissenes Staatsgefuege zu zeigen, auf dessen Zerfall andere Laender
+lauern. Wir naehren damit nur falsche Hoffnungen und toerichte
+Berechnungen. Deutschland ist gross genug, um allen seinen Bewohnern
+Spielraum zu lassen, es ist stark genug, um als Synthese der Religionen
+und der verschiedenen Volkschaften eine Eigenart zu zeigen. Neben dem
+bajuwarischen Menschenschlag moechten wir den etwas differenzierten
+Rheinlaender, den Maerker, aber auch den Ostpreussen nicht missen. Wer
+weiss, ob zum Polen und Elsaesser nicht auch noch ein flaemischer
+Einschlag kommt. Der Staat kann keine Helotenklasse unter den Buergern,
+die er freiwillig einverleibte, errichten. Der deutsche Jude ist nicht
+erst gegen den Willen der Einheimischen "neu zugezogen".
+
+Seit mehr als einem Jahrtausend vielmehr weilt der Jude im Lande und hat
+sich stets allen Gesetzen des Staates willig und gern gefuegt. Seine
+Religion ist seit drei Jahrtausenden so von fortschrittlichen, sozialen
+und hygienischen Massregeln durchsetzt, dass sie heute noch Bewunderung
+erregen muss. Die Sabbatruhe, das juedische Familienleben, die
+Fleischbeschau, die allgemeine Schulpflicht, die sich bei allen Juden,
+auch wo der Staat diesbezueglich versagte, laengst findet, sind
+Emanationen einer Kultur, die nur der Boeswillige uebersehen und gering
+achten kann.
+
+Der Starke hat Achtung vor der Eigenart des Naechsten und bedarf keiner
+Machtmittel, um dessen Lebensnerv aus Angst fuer sein eigenes Ich zu
+unterbinden. Wir haben in diesem Krieg die Unkultur Russlands und des
+Slawentums bekaempft, wir haben gesehen, zu welch verwerflichen
+Massregeln die brutale Gewalt des neidischen England draengte. Mag sich
+Frankreich wie wahnsinnig (und dabei gleichzeitig als Hueterin des
+Fortschritts) gebaerden, Deutschland wird und muss nur noch gelaeuterter
+als ein wahrer Hort der Freiheit seiner Buerger und der neutralen
+Staaten und Voelker aus dem Kriege hervorgehen.
+
+
+Von den ueber 14 Millionen Juden hoffen und harren die Meisten auf den
+Sieg der deutschen Waffen. Die Sympathien der amerikanischen Israeliten
+stehen auf seiten der Zentralmaechte. Nicht umsonst und nicht zufaellig
+ist es gerade die Tuerkei, die von jeher am meisten die Juden toleriert
+hat und die nie antisemitische Pogrome inszenierte, welche sich an die
+Seite Deutschlands gestellt hat. Moege die alte Sage des Talmud, die
+Lessing populaer gemacht hat, nicht nur in den Tagen der Greuel und des
+Voelkermordens bei uns eine wahre Staette der Verehrung finden: die
+Geschichte von den drei Ringen.
+
+Der muhammedanische, der christliche und der juedische Glaube sind
+Formen der Kultur der Menschheit, die so viel der Welt gegeben, die sich
+so lange bewaehrt haben, dass es verbrecherisch waere, Menschenglueck
+und -hoffen um einer vergeblichen, nutzlosen Intoleranz willen zu
+gefaehrden.
+
+
+In dem Machtbereich der eigenen und der verbuendeten Laender wird dann
+die deutsche Politik bedeuten: Friede auf Erden.
+
+
+
+
+
+
+
+
+ *Anmerkungen zur Transkription*
+
+
+Liste der im e-Text korrigierten Druckfehler:
+
+ - *S. 21, Z. 5*: (die deutsche _z, B._ vertreten durch Mauthner) -->
+ z. B.
+ - *S. 28, letzte Zeile der Fussnote*: _Sehwanenfeld_ --> Schwanenfeld
+ - *S. 30, Z. 18*: Untervereinen bis 33% der _Manschaften_ -->
+ Mannschaften
+ - *S. 32, Z. 13*: Der Jude Ludwig Frank _vielleichst_ der faehigste
+ Kopf --> vielleicht
+ - *S. 35, Fussnote*: fehlende schliessende Anfuehrungszeichen,
+ wahrscheinlich am Ende von ins Leben zu rufen. (andernfalls am Ende
+ des letzten Satzes in der Geschichte des Wirtschaftskrieges.)
+ - *S. 32, Z. 5 der Fussnote*: fuer die Freiheit _zn_ kaempfen --> zu
+ - *S. 46, vorletzte Zeile*: _Ein_ antisemitische Bewegung --> Eine
+ - *S. 47, Z. 3 v. u.*: ein deutliches _Wahrnungszeichen_ -->
+ Warnungszeichen
+ - *S. 49, Z. 11-12*: besonders aber in _Russich-Polen_ -->
+ Russisch-Polen
+ - *S. 54, Z. 19 der Fussnote*: nach dem sie _lungern_ --> hungern
+ - *S. 54, Z. 27 der Fussnote*: _morgenlandischen_ -->
+ morgenlaendischen
+
+Im Weiteren wurden fehlende Punkte am Satzende hinzugefuegt:
+
+ - *S. 34, letzte Zeile des Textes*: und anderer Dinge zu gedenken.
+ - *S. 36, letzte Zeile des Textes*: die Entfremdung der Laender
+ bemerkten.
+ - *S. 54, Z. 4 der Fussnote*: um den Glauben anderer.
+
+sowie fehlende Kommata:
+
+ - *S. 28, vorletzte Zeile der Fussnote*: v. Renard,
+ - *S. 59, Z. 27*: Sabbatruhe,
+
+Fussnoten, auf die im Original mit *) verwiesen wurde, wurden im e-Text
+durchnummeriert.
+
+
+
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JUDEN IM WELTKRIEGE ***
+
+
+
+
+ *A Word from Project Gutenberg*
+
+
+We will update this book if we find any errors.
+
+This book can be found under: http://www.gutenberg.org/ebooks/45808
+
+Creating the works from public domain print editions means that no one
+owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and
+you!) can copy and distribute it in the United States without permission
+and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the
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+ - You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg(tm)
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+are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
+from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg(tm) trademark. Contact the
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+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg(tm)
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg(tm) work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+ *Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg(tm)*
+
+
+Project Gutenberg(tm) is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg(tm)'s
+goals and ensuring that the Project Gutenberg(tm) collection will remain
+freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation was created to provide a secure and
+permanent future for Project Gutenberg(tm) and future generations. To
+learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and
+how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the
+Foundation web page at http://www.pglaf.org .
+
+
+ *Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+ Foundation*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state
+of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue
+Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is
+64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf . Contributions to the
+Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the
+full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr.
+S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809
+North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official page
+at http://www.pglaf.org
+
+For additional contact information:
+
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+ *Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+ Literary Archive Foundation*
+
+
+Project Gutenberg(tm) depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations where
+we have not received written confirmation of compliance. To SEND
+DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
+visit http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make any
+statements concerning tax treatment of donations received from outside
+the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways
+including checks, online payments and credit card donations. To donate,
+please visit: http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+ *Section 5. General Information About Project Gutenberg(tm) electronic
+ works.*
+
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg(tm)
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg(tm) eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg(tm) eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless
+a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks
+in compliance with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's eBook
+number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
+compressed (zipped), HTML and others.
+
+Corrected _editions_ of our eBooks replace the old file and take over
+the old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
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+
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