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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Der sächsische Prinzenraub nach älteren und neueren Quellen - nebst einer Beschreibung des zu dessen Erinnerung - errichteten Denkmals und des zu seinem Schutz erbauten - Köhlerhauses am Fürstenberge bei Grünhain - -Author: Anonymous - -Release Date: November 22, 2015 [EBook #50529] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SÄCHSISCHE PRINZENRAUB *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by SLUB: Sächsische -Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek -Dresden at http://www.slub-dresden.de ) - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das gedruckte Buch ist in Frakturschrift gesetzt. - - Im Original gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+. - - Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so ausgezeichnet~. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des - Buches. - - - - - Der sächsische - - PRINZENRAUB - - nach älteren und neueren Quellen - - nebst - - einer Beschreibung - - DES ZU DESSEN ERINNERUNG - - errichteten - - Denkmals - - _und des zu seinem Schutze erbauten_ - - Köhlerhauses - - am Fürstenberge bei Grünhain. - - Motto: _Wer seinem Fürstenhaus mit wahrer Treue zugethan, - Der ist, -- sei er ein schlichter Köhler - auch, -- doch stets ein edler, braver Mann._ - - Mit 3 Abbildungen. - - Annaberg, 1840. - - In Commission bei Rudolph & Dieterici. - - - - -Inhaltsverzeichniß. - - - I. Der +Prinzenraub+. S. 1. - - II. Das +Denkmal+ am Fürstenberge. (Nebst Abbild.) " 59. - - III. Das +Köhlerhaus+ dazu. (Nebst Abbildung.) " 68. - - - - -I. Der Prinzenraub. - - -+Friedrich der Streitbare+, welcher den 5. Januar 1428 starb, -hinterließ vier Söhne. Namens: +Sigismund+, +Heinrich+, +Friedrich -d. Sanftmüthige+ und +Wilhelm+ III., die das vom Vater geerbte -sächs. meißnische Land gemeinschaftlich verwalteten. Nachdem aber -+Sigismund+ den geistlichen Stand erwählte, Bischof zu Würzburg wurde; -+Heinrich+ 1436 und ihr Vetter, Landgraf +Friedrich v. Thüringen+, der -+Friedfertige+ genannt, 1440 ohne Erben starb, und Thüringen daher an -Meißen kam, unternahmen +Friedrich+ und +Wilhelm+ den 10. Septbr. eine -Theilung, so daß +Wilhelm+, Thüringen und die Hälfte des +Osterlandes+, -+Friedrich+, die +Markgrafschaft+ nebst den zur +Kurwürde gehörigen -Ländern+ allein, Freiberg aber und die Bergwerke gemeinschaftlich, -durch das Loos erhielten. Allein +Wilhelm+ III. auf Anstiften seiner -vertrauten Räthe: +Busse+ zu +Dornburg+, +Bernhardt von Kochberg+ zu -+Wachsenburg+, +Friedrich von Witzleben+ zum +Wendelsteine+, +Busse+, -+Apel+ und +Bernhardt v. Vitzthum+ zu +Roßla+ und +Thanrode+, war mit -der Theilung nicht zufrieden. Ein Vergleich, welchen +Friedrich+ -mit ihm im Kloster +Neumark+ bei Halle den 10. Decbr. 1445 abschloß -(der +Hallische Machtspruch+ genannt) beruhigte ihn noch nicht und -+Friedrichs+ Verlangen seine feindseligen Räthe zu entlassen, ließ -er nicht allein unerfüllt, sondern unternahm auch einen Streifzug -gegen Roßla, einer Vitzthumischen Besitzung und verursachte so -den sogenannten +sächsischen Bruderkrieg+. Dieser Krieg hatte die -traurigsten Folgen, namentlich die Verwüstung des thüringschen Landes, -welche +Apel von Vitzthum+ verübte, weil er vom Herzoge +Wilhelm+ -III. verabschiedet und einiger Güter beraubt worden war; dann den -+sächsischen Prinzenraub+, dessen Geschichte diese wenigen Blätter -füllen soll. - -+Kunz von Kauffungen+, kurfürstlicher Schloßhauptmann und -Regimentsoberster hatte in den Diensten des Kurfürsten, +Friedrich d. -Sanftmüthigen+, in dem Streite zwischen seinem Bruder +Wilhelm+ III. -mit gefochten. Er war einer der tapfersten Ritter seiner Zeit, was -er schon im Hussitenkriege, vorzüglich durch seinen unerschrockenen -Muth bewiesen hatte.[1] -- Nun traf es sich aber, daß er, als er -zum Entsatze der Stadt +Gera+ eilen wollte, mit seinen Genossen -gefangen genommen wurde und nicht anders als gegen ein Lösegeld von -4000 Goldgülden, wieder freigegeben werden sollte. Kunz forderte -diese Summe vom Kurfürsten zurück und um so eher als dieser auch für -andere Ritter, wie für +Niklas von Pflugk+,[2] die seine Lehnsleute -waren, Lösegeld bezahlt hatte. Der Kurfürst, da Kunz v. Kauffungen -blos ein Söldner war, weigerte sich, ihm diese Summe zu ersetzen. -Hierzu kam: Kunzs Besitzungen in Thüringen waren im Laufe des -Bruderkrieges verwüstet, und der Kurfürst hatte ihm dafür einstweilen -einige Güter +Apel v. Vitzthums+ wie +Schwickershain+ (-- das heutige -Schweickershain --), +Kriebenstein+, +Ehrenburg+ u. Andere zur -Entschädigung angewiesen, doch mit der Bedingung, nach dem Kriege sie -wieder auszutauschen. +Kunz+ stellte dagegen zu +Meißen+ am Sonnabend -in der Osterwoche 1449 eine handschriftliche Versicherung aus: Den -Augenblick solche wieder ihrem rechtmäßigen Besitzer zu überlassen, -sobald ihm der Kurfürst zu den seinigen Besitzungen verholfen haben -würde.[3] -- Nachdem nun den 27. Jan. 1451 zu Kloster +Pforte+ -die Zwistigkeiten der beiden Brüder wieder ausgeglichen waren und -im Friedensvertrage ein Artikel so lautete, daß alles wie vorher -bleiben sollte, jeder das Gewonnene herausgebe, erhielt +Kunz von -Kauffungen+ +seine+ Besitzungen in Thüringen wieder, indem er nun -auch die Vitzthumschen Besitzungen wieder herausgeben sollte. Allein -zu diesem wollte er sich durchaus nicht verstehen; vorzüglich da er -+Schwickershain+ ganz ausgebaut und bewohnbar gemacht hatte, auch für -seine geleisteten Dienste Belohnung und Ersatz des Lösegeldes unbedingt -zu verlangen glaubte. +Friedrich der Sanftmüthige+ erinnerte sich -sowohl der treuen Dienste, die Kunz ihm geleistet hatte, doch konnte -er sich zu einer solchen Forderung nicht verstehen, die dem mit seinem -Bruder geschlossenen Frieden geradezu entgegen war, zumal auch Kunz, -wie bereits oben erwähnt wurde, handschriftlich Verzicht geleistet -hatte. Allein alle Vorstellungen, die ihm der Kurfürst deshalb machte, -um ihn mit Güte zur Ruhe zu bringen, konnten +Kunzen+ zur Rückgabe der -Güter nicht bewegen. - -+Apel von Vitzthum+, wie schon oben gesagt worden ist, war mit dem -Herzoge +Wilhelm+ III. ebenfalls in Feindschaft gerathen, weil seine -boshaften Anschläge gegen den Kurfürst +Friedrich+ durch den Frieden -zu Nichte gemacht worden waren. Außer der Gnade seines Herrn verlor -er auch seine schönen Schlösser.[4] Er suchte nun seinen Herzog auf -alle mögliche Art zu necken, so daß Herzog +Wilhelm+ mit Hilfe der -+Erfurter+, +Mühlhäuser+ und +Nordhäuser+ gegen +v. Vitzthum+ zu Felde -zog, schleifte das Schloß +Gleißberg+, das sich, von Vitzthum nach -dem Bruderkriege nur erst wieder aufgebaut hatte, erklärte ihn und -seine Brüder als +Landesverräther+. Vitzthum flüchtete nun nach Böhmen; -suchte dort Anhang zu gewinnen, sowohl gegen den Herzog +Wilhelm+ -III., als auch gegen den Kurfürst +Friedrich+. Gegen letzteren war -er deswegen erbittert, indem er einst so nachdrücklich auf seine -Entfernung von Herzog +Wilhelms+ Hofe gedrungen hatte.[5] -- - -An diesem glaubte +Kunz von Kauffungen+ seinen Mann zu finden, der mit -ihm gemeinschaftliche Sache machen würde. Kunz trat deshalb mit ihm in -Briefwechsel; nichts war Vitzthumen willkommner. Sogar trat Vitzthum -seine +Ansprüche auf seine meißnischen Güter ihm+ ab, um Kunzens -Forderungen mehr Nachdruck zu geben. -- Kunz drang nun heftiger auf die -Anerkennung seiner Besitznahme der Vitzthumschen Güter, die ihm der -Kurfürst aber, Kraft der schriftlichen Versicherung, die er von ihm in -den Händen hatte, standhaft verweigerte, und ihn deshalb förmlich vor -Gericht belangte, Friedrich setzte nämlich deshalb +auf den Donnerstag -nach Galle 1454 auf dem Schlosse zu Altenburg, einen Termin fest+, bei -welchem +George von Haugewitz+, Dechant zu Meißen, der Kanzler +George -von Bibenberg+ und die Ritter +Hans von Schleinitz+ und +Hans von -Miltitz+ die ganze Sache nochmals untersuchten und dahin beschieden. -Der Kurfürst sollte seine Forderungen an Kunzen und Kunz die seinigen -an den Kurfürsten aufsetzen. Der Münzmeister zu Freiberg +Nikol -Monhaupt+, der zugleich Statthalter und Landshauptmann der Provinz war, -sollte dann beide Forderungen der kurfürstlichen Kanzlei übergeben, -und was diese endlich entscheiden würde, dabei möchten beide Theile -sich beruhigen. Doch Kunz wollte sich dabei nicht beruhigen und blieb -daher bei seinem Entschlusse, und so sollte auf Befehl des Kurfürsten -ein Rechtsgutachten bei den Leipziger, Magdeburger und Freibergischen -Rechtsgelehrten eingeholt werden. Zur damaligen Zeit etwas Unerhörtes; -viele von des Ritters von Kauffungs Anhang, betrachteten daher -solches als eine Kränkung[6], die deshalb einen Fehdebrief an den -Kurfürsten schickten. Kunz, welcher den Ausgang dieses Rechtsschrittes -nicht zu seinen Gunsten auslegte, wollte sich nun durch Selbsthilfe -seine Forderungen verschaffen, kaufte durch Vermittelung +Apels von -Vitzthums+, das Schloß +Isenburg+ oder +Eisenberg+ unweit Brix[7] in -Böhmen, nicht weit von der sächsischen Grenze, um es zu dem nachherigen -Prinzenraube zu benutzen. - -Rache an dem Kurfürsten zu nehmen war nun +Kunzens+ und +Apels+ -einziger Gedanke. -- - -Theils durch Verpfändung, theils durch Gewalt und friedliche Verträge, -waren verschiedene böhmische Städte an die Markgrafen von Meißen -gekommen. Je mächtiger nun die Markgrafen von Meißen dadurch wurden, -desto scheeler sahen dazu die Könige v. Böhmen und forderten, den -deshalb geschlossenen Verträgen ohngeachtet zu verschiedenen Malen -alles wieder zurück. +Kunz v. Kauffungen+ und +Apel v. Vitzthum+ -hatten daher nichts eiligeres zu thuen, als den damaligen König -+Ladislaus+ gegen den Kurfürsten zu erbittern, so daß +Ladislaus+ 1453 -eine Forderung von 64 Städten an den Kurfürst schickte. Natürlich -wurde diese als ungegründet abgewiesen. +Ladislaus+ brach jedoch aus -Böhmen in Sachsen ein und überfiel das Städtchen +Pirna+; doch wurde er -sehr bald wieder zurückgeschlagen, so daß ihm ein dergleichen Ausfall -nicht wieder gelüstete. Indeß hatte sich doch +Kunz+ und +Apel+ an den -Kurfürsten gerächt. Sie hatten auch dadurch den König von Böhmen auf -ihre Seite, und Kunz würde seine Forderungen vielleicht +nie+ so weit -getrieben haben, wenn er in Böhmen nicht einen so mächtigen Rückenhalt -gewußt hätte. -- - -Als nun der Ausspruch der Leipziger, Magdeburger und Freibergischen[8] -Rechtsgelehrten ankam, der darauf drang: daß Kunz die Vitzthumschen -Güter herausgeben sollte, wurde der Rechtsspruch Kunzen bekannt -gemacht, allein Kunz wollte ihn durchaus nicht gelten lassen. Endlich -beschied man ihn den +Dienstag nach dem Johannistage des Abends auf -das Schloß Altenburg+, um Mittewochs darauf, den 25. Juni (7. Juli)[9] -1455 den letzten Termin mit ihm abzuhalten. Kunz kam, aber um die Güte -zu pflegen nicht, sondern, nachdem er sich die Höhe des Schlosses und -vorzüglich das Schlafgemach noch einmal[10] ordentlich besehen hatte, -ritt er ohne Abschied vom Kurfürsten zu nehmen fort, in Gedanken, wie -er dem Kurfürsten auch selbst gesagt hatte: +Er wolle sich für seinen -Schaden nicht an Land und Leuten, sondern an des Kurfürsten eignem -Fleisch und Blut rächen und erholen+, worauf der Kurfürst erwiedert -haben soll: +Mein Kunz siehe zu, daß Du mir die Fische in den Teichen -nicht verbrennest.+[11] +Kunz von Kauffungen+ ritt nun sofort auf sein -Schloß +Isenburg+, (welches er befestigt hatte lassen,) um sich mit -+Apel von Vitzthum+ über die Ausführbarkeit eines Prinzenraubes zu -besprechen. - -+Friedrich der Sanftmüthige+ mit +Margaretha von Oesterreich+ vermählt, -hatte zu dieser Zeit zwei Söhne +Ernst+ und +Albert+. Ersterer -geboren den 25. März 1441, Letzterer aber den 27. Juli 1443.[12] --- Sein ältester Sohn +Friedrich+ war schon 1421 und sein jüngster -Sohn +Alexander+ 1446 gestorben. -- Er residirte auf dem Schlosse -+Altenburg+, welches ein hohes, schönes Felsenschloß, unweit der Stadt -+Altenburg+, ist. - -Auf +Ernst+ und +Albert+ hatte Kunz sein Augenmerk gerichtet. Dieses -theuere Kleinod der kurfürstlichen Familien meinte er, als er zum -Kurfürsten gesagt hatte: +an des Kurfürsten eignem Fleisch und Blut -wollte er sich rächen+. Entführen wollte er sie und auf seinem Schlosse -+Isenburg+ so lange fest halten, bis der Kurfürst seine Forderungen -genügen würde. Zu diesem gewagten Unternehmen brauchte er natürlich -mehrere um es auszuführen. Diese fanden sich denn auch bald, denn -schon lange vorher war er von Burg zu Burg geritten, Mithelfer zu -seinem Unternehmen zu finden und fand auch durch seine gewandten Reden -Theilnehmer für sich und Haß gegen den Kurfürsten zu erwecken. - -Nur fehlte es ihm nur noch an einem Kundschafter am kurfürstlichen -Hofe, der ihm Nachricht ertheilen könnte, wenn der Raub am sichersten -auszuführen wäre. Da lernte er denn in Böhmen einen böhmischen -Küchenjungen kennen, Namens: +Hans Schwalbe+. Ein verschmizter Bube. -Dieser, glaubte Kunz, würde in seine Plane eingehen, entdeckte ihm -alles und schickte denselben mit Empfehlungsschreiben an seine guten -Freunde am altenburger Hofe, wo man ihn auch sogleich als Küchenjunge, -ohne Verdacht zu hegen, anstellte. Bald fand sich Gelegenheit, daß -+Schwalbe+ Kunzen treue Dienste leisten konnte. Folgenden Brief, wie er -sich in den +Wittenberger Originalacten+ befindet, schrieb Schwalbe an -Kunzen:[13] - - »+Mein willigen Dienst sampt alles lybs und gutes tzuvor.+ - - »+Ehebarer strenger lyber Junker!+ - - »+Als der Kurfürst vestiglich beschlossen hat vf morgen Sundages - nach der frumeß gein Lyptgk tzu wegfarten mitt den meresten - Hofelüten, och Muntag vfe Abendt der Cantzler yn engelebete in - synen Huse vsrichdten wirdet, samer mögen deheby mannichveltige - Höfelinge wesen, vndt vffs Schloß pflege daczumalen allye der - oldte Eßmus Drabandten Dynst, wellicher ast yngeschleffert wagk - werden, der Pforthyner ist lagerigkrank, kan ich Uch nicht pregin, - gelubener truwe Uch selbir gegewertiglich tzu dynen vndt Uwer - Anstaltungk gewartin. Datum Aldenburg, am Samstag nach Vnser - Frawentage. A. lv.+ - - +Hans Schwalbe.+« - - »+Dem Ehrbaren strengen Jungker Cunradt von Kawfungen vf Kalenberg. - Meinen gynstiglichen lyben Jungker tzutzustellen tzu ainegen - Handen.+« --[14] - -Dieser Brief war 9 Tage nach dem Termine, den Kunz mit dem Kurfürsten -in Altenburg gehabt hatte, geschrieben. - -Eine bessere Gelegenheit zur Ausführung seiner Plane konnte wohl -nicht kommen und Kunz hatte nichts eiligeres zu thun, als solches -seinen Verschworenen zu benachrichtigen. Die Strickleitern[15], die zu -diesem Behufe nöthig waren, wurden nicht weit von +Kahlenberg+ oder -+Callenberg+, (bei Waldenburg, gehörte seinem Bruder +Dietrich+) in -einer Scheune, die ebenfalls seinem Bruder +Dietrich von Kauffungen+ -gehörte, gefertiget. -- +Kunz+ selbst hielt sich[16] zu der Zeit im -Geheimen auf dem Schlosse +Kohren+ auf +und ging von hier aus des -Nachts vor Altenburg+[17], wo er den Prinzenraub vollführte. Das Schloß -+Kohren+ gehörte damals der Familie +von Meckau+. - -Geschichtlich merkwürdig ist noch, daß die Kurfürstin +Margaretha+ -die Nacht vorher, ehe ihr Gemahl nach Leipzig reiste, folgenden Traum -hatte: Sie sah ein großes Schwein in einem schönen Garten alles umwülen -und besonders neben den Reben die schöne junge Raute. Endlich stürzte -ein Bär darauf los und jagt das Schwein mit seiner Tatze fort. Die -Kurfürstin erzählte diesen Traum, der ihr auf eine entsetzliche Art -die ganze Nacht ängstigte, sogleich ihrem Gemahl, der jedoch, weil er -Träumen nicht glaubte, seine Reise deswegen nicht aufschob und mit -großem Gefolge den 7. Juli (d. 19. Juli) nach +Leipzig+ reiste. - -So war denn Niemand zur Aufsicht der Prinzen da, als ihr Hofmeister, -+Graf von Barby+. - -Der 8. Juli (20. Juli) war von +Kunz von Kauffungen+ dazu bestimmt -den Prinzenraub auszuführen. Die Hauptverschwornen waren mit ihren -Knechten folgende:[18] +Kunz von Kauffungen+, sein Reißiger: +Johann -Schweinitz+, sein Knecht: +Albrecht Adolph+; +Wilhelm von Schönfels+, -sein Knecht: +Geveller+; +Hans Wilhelm von Mosen+, sein Knecht: +Hensel -Herdin+; +Hans von Rußwurm+; +Dietrich von Kauffungen+; +Nikol vom -Forst+; +Bernhardt von Trebin+; +Dix von Trebin+; +Barthol von Trebin+, -beide letztere: Söhne von +Wenzel von Trebin+. Der ganze Zug bestand -aus 37 Reitern, dessen Pferden die Hufeisen verkehrt aufgeschlagen -worden waren, und 10 Fußknechte, welche also den 7. Juli (19. Juli) -+Montags vor Kiliani+ 1455 +Nachts zwischen 11 und 12 Uhr+ aus einem -dichten Walde bei Altenburg, die +Leine+ genannt, hervorbrachen. Nur -+Johann Schweinitz+, Kunzens Reißiger, wurde vorausgeschickt, um mit -Hilfe des Küchenjungen +Schwalbe+ die Strickleitern an einem hohen -Fenster, neben der Küche zu befestigen. -- +Kunz+, bekannt im Schlosse, -stieg zuerst hinauf, dann folgte +Wilhelm von Mosen+. Niemand störte -dieselben, denn in dem Schlafgemache der Prinzen schlief niemand, als -eine alte Kammerfrau und der Sohn des Hofmeisters des Prinzen, +Graf -von Barby+. Kunz entführte den ältern Prinz +Ernst+ und +Wilhelm -von Mosen+ sollte Prinz +Albrecht+ entführen, doch in der Eile fand -eine Verwechselung statt, indem er den jungen +Graf Barby+, welcher -in denselben Alter war als die Prinzen, entführte. +Kunz+, der den -Irrthum erkannte, übergab +Wilhelm von Mosen+ den Prinz +Ernst+ mit -dem Befehl immer fort zu reiten, indem er durch das Schloßthor, -welches +Schwalbe+ vorher geöffnet hatte, den jungen +Graf Barby+ -wieder zurückbrachte und dafür Prinz +Albrecht+, welcher aus Angst -sich unter das Bette versteckt hatte, nahm. So wie Kunz diesen Prinzen -über dem Schloßhofe brachte, öffnete die Kurfürstin das Fenster und -rufte: »+Lieber Kunz, thue nicht so übel an mir und meinen lieben -Herrn, verschone meine Kinder, es sollen alle Deine Sachen noch gut -werden.+« Allein +Kunz+ achtete die Stimme einer liebenden Mutter -nicht, sondern setzte den Prinzen +Albrecht+ auf ein Pferd, das er -führte und sprengte, begleitet von seinem Reißiger +Johann Schweinitz+ -und seinen Knecht +Albrecht Adolph+ mit verhängten Zügeln davon. Seinen -Weg nahm er durch die +Leine+[19], wo er schon hergekommen war, und -gelangte dann durch die +Rabensteiner+[20] und nachher die damals -noch anstoßenden +Thalheimischen+ Waldungen und zwar in letzteren auf -einem von Leukersdorf aus bis Elterlein führenden +Fußsteig+, wodurch -weder die Stadt +Stollberg+, noch die Stadt +Zwönitz+ berührt wird. -Dieser Fußsteig und jetzt +Holz-+ und +Kalkfuhrweg+ kommt auf der Höhe -des +Glasberges+ bei +Elterlein+ über die +Grünhainer+ Straße[21] -nicht weit von +Elterlein+ schon in die Gegend[22] des +Grünhainer -Klosters+.[23] Dieser Weg war für sein Vorhaben der passendste, -indem die Gegend um +Grünhain+ namentlich bei +Schwarzenberg+ -und +Waschleute+ nichts als Wald war und durch den verheerenden -Hussitenkrieg, der 1427 das Kloster zu Grünhain zerstörte,[24] ganz -von Einwohnern entblößt sein mußte, indem bis 1455 die Volksmenge zur -damaligen Zeit noch nicht so gewachsen sein konnte, wie es vielleicht -in den jetzigen Zeiten geschehen dürfte. Auch war Kunz von einem -Grünhainer Mönch unterrichtet[25], so daß er schnell aus der Gegend -von +Waschleute+ nach Schwarzenberg kommen konnte, welches damals ein -böhmisches Städtchen war[26], mithin durfte ihm Niemand mehr etwas -anhaben, indem er den König von Böhmen auf seiner Seite hatte; und dann -schaffte er die Prinzen auf sein Schloß +Isenburg+, und wollte sie so -lange in Verwahrung behalten, bis er vom Kurfürsten die Versicherung -erhalten hätte, die Vitzthumschen Güter rechtmäßig behalten zu können -und vielleicht ein ansehnliches Lösegeld für ihn und seine Mitgenossen -erhalten hätte. Allein seine Plane waren wohl gut ausgedacht, aber -noch nicht vollführt. Denn der anstrengende Marsch, den er ohne -auszuruhen zurückgelegt hatte, indem er von Mitternacht bis gegen -Mittag geritten war, mußte vorzüglich den 12jährigen Prinzen bedeutend -anstrengen und so kam es denn auch, daß der Prinz vor Hunger und Durst -in der Gegend von Grünhain[27] Kunzen bat es zu erlauben vom Pferde -abzusteigen und auszuruhen.[28] Da nun die Gegend durchaus nicht -bewohnt war, so glaubte er ohne seine Sicherheit zu gefährten, es -erlauben zu dürfen. -- - -Auf dem Schlosse zu +Altenburg+ war durch die Entführung der beiden -Prinzen alles aufgeboten und dem große Belohnung versprochen worden, -welcher zur Entdeckung des Prinzenraubes behilflich sein könnte. Der -Kurfürst bekam auch sogleich einen Eilboten zugeschickt und ließ -deshalb folgendes Schreiben und Aufforderung in alle Gegenden des -Landes durch reitende Boten austheilen: - - »+Friedrich, Hertzog zu Sachsen, Churfürst! liebe getreuen, uns - ist Cuntz und seine Helffers uff hind in unser Schloß Altenburgk - gestiegen, und haben unser beyden Söhne, das Gott geklaget sey, - weggebracht -- ist es versicherlich, Sie werden mit Ihnen aus - unsere Landen nicht eylen, sondern sie etliche Tage uff den Wäldern - und Höltzern enthalten, und sie zu Fuß fueder schicken. Begehren - wir von Euch -- daß ihr mit reisiger Gezeug und Fuhren, so stark - ihr immer werden möget, uff den Walden, Höltzern und sonst, wo ihr - für das Beste erkennet, suchen und suchen lassen, und fleißiges - Aufsehen haben, uff dieselben unsre Feinde und unsre Söhne, daß - ihnen die wieder abgedrungen, und aus ihren Händen wieder zu uns - bracht werden. In dem Euch so beweisen, als wir uns alles guten zu - Euch versehen, das wollen wir in allen guten umb Euch erkennen. - Geben Altenburg, ~tertia Kyliani Anno L. quinta~.+«[29] - -In allen Orten wurden die Glocken geläutet, und so wurde es denn bald -in allen Gegenden des Landes verbreitet. In der erzgebirgischen Stadt -+Geier+, 3 Stunden von +Grünhain+ zersprang die große Glocke.[30] -- - -+Kunz+, der durch das Stürmen wohl wußte, daß es ihm galt, glaubte -dennoch sicher zu sein, da er bereits selbst bei +Waschleute+ glücklich -vorbei geritten, also dem ersten Ziele ganz nahe, nur etwa ¾ Stunde -noch von Schwarzenberg entfernt war, ließ also den jungen Prinz -+Albrecht+ absteigen, um Waldbeere pflücken zu dürfen.[31] Auch Kunz -stieg ab und suchte dem Prinzen +Albrecht+ Waldbeere, indem er sein -Pferd am Zügel hielt. Indessen Kunz immer tiefer in dem Walde Waldbeere -suchte, nährten sie sich einem Köhler, Namens +Georg Schmidt+, der mit -seinem Hunde sein Mittagsbrod theilte. - -Dieser Köhler hatte früh seinen Lehrburschen, +Urban Schmidt+, seines -Bruders Sohn, nach +Geier+[32] geschickt, um Lebensmittel zu holen, -welcher denn daselbst gehört hatte, daß auf dem +Altenburger+ Schlosse -ein großer Raub statt gefunden hätte. Köhler +Schmidt+, der nun in -jenem Walde, wo damals blos eine Köhlerstraße hindurch führte, diesen -Ritter erblickte, vermuthete deshalb, daß das der Räuber mit dem Raube -wäre, er fragte ihn daher: »Woher und wohin mit diesem Knaben?« +Kunz+ -entgegnete: »Ein böser Bube, der seinem Herrn entlaufen ist, den ich -ihm wieder zuführen muß.« -- Doch in diesem Augenblicke verwickelte -+Kunz+ sich mit seinen Sporen im dicken Dorngestrüppe und stürzte -nieder. Schnell wollte er wieder aufspringen, allein sein Panzerhemde -hinderte ihn dazu. Diese Gelegenheit benutzte der Prinz und raunte dem -Köhler ins Ohr: »+Ich bin ein Fürst von Sachsen und bin gefangen, mache -mich los, mein Vater soll dirs wohl vergelten!+« - -Dieses hörte Kunzens Reißiger, sein treuer +Schweinitz+,[33] erhob -sein Schwerdt, und wollte den Prinzen, weil dadurch alles verrathen -war, tödten. Allein der Köhler +Schmidt+ fing den Hieb durch seinen -Schürbaum auf. Seinen Hund nun hetzte er sogleich auf Schweinitzen und -er selbst lief zu Kunzen, der immer noch dalag und schlug ihn mit dem -Schürbaum, daß er ihn todtgeschlagen hätte, wenn nicht Prinz +Albrecht+ -für ihn gebeten hätte. Durch das Hundegebell und übrigen Lärm war des -Köhlers Frau, geborne +Marie Wälderin+, herzugekommen. Als sie aber -sah, daß ihr Mann sich mit Räubern herumschlug, gab sie das gewöhnliche -Waldzeichen, was bei Gefahren alle Köhler zusammenruft.[34] Dadurch -waren in einem kurzen Zeitraume viele Köhler versammelt,[35] so daß -sich bald +Kunz+ mit seinem treuen Diener +Schweinitz+ gefangen geben -mußte. - -Sein Knecht +Albrecht Adolph+ war entflohen, wurde jedoch noch -eingeholt. - -Kunz, der sich nun für verloren sah, bot dem Köhler +Schmidt+, eine -ansehnliche Belohnung, allein dem Köhler war Kunzens Gold nicht so lieb -als seine eigne Person und er mußte sein Gefangner bleiben. - -Prinz +Albrechten+ führte er in seine nahe gelegene Köhlerhütte, -stärkte ihn durch ein einfaches Mahl und gab ihm aus der Quelle, die -jetzt durch das Denkmal eingefaßt ist, zu trinken. -- - -+Kunz von Kauffungen+ mit seinem Genossen führten sie aber zu ihrer -Obrigkeit, in das ¾ Stunden davon entfernte +Cistercienser-Kloster -Grünhain+, zum damaligen Abt +Liborius+,[36] noch an dem nämlichen -Dienstage. Kunz, im Kloster angekommen, wurde in dem Gefängnisse -daselbst festgehalten, was jetzt noch steht, und den Namen +Fuchsthurm+ -führt. Es befindet sich mitten im Klostergarten, wird aber bald, -weil es nicht im baulichen Stande erhalten wird, einer Ruine ähnlich -sehen. Hier blieb Kunz nur einige Stunden,[37] indem er vom Abte -+Liborius+ unter hinreichender Bedeckung, nach +Zwickau+ zum damaligen -Amtshauptmann oder Voigt +Veit von Schönburg+, abgeliefert wurde.[38] -Dieser +Veit von Schönburg+ erstattete wahrscheinlich schon am -folgenden Tage, den 9. Juli, Bericht an den Kurfürsten, um sich -Verhaltungsbefehle zu erbitten. Der Kurfürst ließ Kunzen nicht nach -Altenburg bringen, sondern nach +Freiberg+, welches wahrscheinlich den -12. Juli geschah, wo er dem dortigen Rathe zu sicherer Verwahrung -übergeben wurde. -- Prinz +Albrecht+ wurde aber in Begleitung des -Köhlers +Schmidt+, nachdem er beim Abt +Liborius+ in der sogenannten -+Schösserwohnung+[39] im Kloster zu +Grünhain+ übernachtet hatte, mit -einer sicheren Bedeckung nach +Altenburg+ gebracht. Der Einzug ähnelte -einem Triumphzuge in Altenburg. Eine große Anzahl Bewohner Altenburgs -kam dem Zuge entgegen und begegneten dem Hauptanführer des Zugs, den -Köhler +Georg Schmidt+, mit wahrer Achtung, so daß sie sich nicht -scheuten zum Zeugen der Dankbarkeit seine schwarzen Hände zu küssen. - -Um nun auch das Schicksal des Prinzen +Ernst+ von seiner Entführung -an zu wissen, müssen wir wieder aufs Schloß +Altenburg+ zurück gehen, -wo +Kunz von Kauffungen+ den Prinzen Ernst seinen treusten Genossen -+Wilhelm von Mosen+ und +Wilhelm von Schönfels+ übergab, um mit ihm -immer die Flucht zu ergreifen, indem er selbst für den jungen Graf -Barby, den jüngern Prinzen +Albrecht+ holte. Nach einer Verabredung -mit +Mosen von Schönfels+ hatte es Kunz so bestimmt, daß sie mit -+einem+ von den beiden Prinzen einen andern Weg einschlagen sollten -und zwar gegen Franken zu nach Böhmen, wo sie ihn dann auf sein Schloß -+Isenburg+ bringen sollten; damit, wenn im Fall die eine oder die -andere Partei gefangen genommen werden sollte, die andere Partei ihren -Raub nicht eher hergeben sollte, als bis Kunzens Forderungen erfüllt -oder die Strafe für die Entführung der Prinzen erlassen wäre. Beides -wurde durch einen gegenseitigen Schwur bekräftiget. - -Allein beide Ritter kamen mit ihrem Gefolge nicht weiter, als bis in -die Gegend von Hartenstein, indem in allen Dörfern die Sturmglocke -ertönte und die Unterthanen ebenfalls ihre Untersuchungen nicht -allein auf den Fahrstraßen anstellten, sondern auch die Wälder -durchsuchten. Vierzehn gesattelte Pferde und sechs Reiter waren ihnen -schon abgenommen worden und die Gefahr sogleich ergriffen zu werden, -zwang sie daher eine Höhle, die am rechten Ufer der Mulde liegt, nicht -weit vom Schlosse +Stein+ der Burg +Eisenburg+[40] gegenüber zum -Zufluchtsort zu nehmen[41]. Allein da sie durchaus keine Lebensmittel -hatten, die dem jungen, zarten Fürstensohn behagen konnten, sie -glauben mußten, daß er sterben könnte und ihr Aufenthaltsort immer -unsicherer wurde, indem einer von ihren Knechten von einem Holzmacher -gehört hatte: »+den einen Schelm+ (Kunz von Kauffungen) +haben sie -erwischt und nach Grünhain gebracht, den andern Dieb werden sie schon -noch bekommen und beide andere ihren verdienten Lohn erhalten+,« so -fertigten sie den 11. Juli einen Boten an den Bruder des Amtshauptmanns -Veit von Schönburg in Zwickau, an +Friedrich von Schönburg+ ab, -welcher das Schloß Hartenstein besaß und dort residirte. Dem Boten -gaben sie einen Brief mit, der folgenden Inhalt hatte:[42] - - »+Es reue sie, daß sie Kunz von Kauffungen zu Willen gewesen wären, - ihrem lieben Kurfürsten und seinen Söhnen zu thun. Weil aber Herzog - Friedrich ein sanftmüthiger Kurfürst sei, so hofften sie Gnade und - thäten in diesem Vertrauen, dem Herrn von Schönburg zu wissen, - daß sie den jungen Fürsten Ernst lebendig und gesund im sichren - Gewahrsam hätten. Wolle er ihnen nur bei dem Kurfürsten Gnade und - Befreiung von aller Strafe an Leben, Ehre, Gut auswirken und ihnen - schriftlich dafür haften, so wollten sie den jungen Fürstensohn - unverletzt wieder bringen. Käme man aber, sie zu fangen, so würden - sie den Korfürstlichen Sun erstechen, sich bis aufs Aeußerste - wehren; sich endlich selbst tödten und gewiß nicht ohne großes - Blutvergießen in die Hände ihrer Feinde fallen. Die Antwort - möchte ihnen der Amtshauptmann+ (Friedrich v. Schönburgs Bruder) - +schriftlich geben+.« -- - -+Friedrich von Schönburg+[43] erkannte sogleich, nach Durchlesung -dieses Briefes, die Gefahr in welcher der Prinz schwebte, und versprach -ohne erst Genehmigung von seinem Bruder zu erholen schriftlich und bei -seiner Ehre Verzeihung, wenn sie den Prinzen lebendig und unversehrt -ausliefern würden. Hierauf eilte noch an demselben Tage v. +Mosen+ und -+v. Schönfels+ mit dem Prinzen +Ernst+ auf das Schloß +Hartenstein+, wo -der Herr +von Schönburg+ den Prinzen in Empfang nahm und die Ritter, -seinem Versprechen gemäß, wieder frei erließ. +Prinz Ernst+ aus Freude, -daß er gerettet war, schenkte +Wilhelm von Mosen+ und +Wilhelm von -Schönfels+ jedem ein Roß[44] mit den Worten: »+Nun reitet hin und kommt -in meines Vaters Land nicht wieder.+«[45] - -Denselben Tag, +Freitags den 11. Juli 1455+ wurde der Prinz +Ernst+ -nach +Chemnitz+ gebracht, wo sich sein Vater, der Kurfürst, von -+Leipzig+ und seine Mutter, die Kurfürstin, mit dem schon geretteten -Prinz +Albrecht+ von +Altenburg+ begeben hatte. Der Kurfürst bestätigte -mit Freuden des +Herrn von Schönburgs+ Verfahren, daß er +Mosen+ und -+Schönfels+ begnadigt hatte.[46] - -Die guten Eltern an der Seite ihrer geretteten Söhne hatten nun nichts -Nothwendigeres zu thun, als ihrem Gott für deren Errettung inbrünstig -zu danken. Sie reisten daher, +den 15. Juli+, nach +Ebersdorf+[47] -1½ Stunde von Chemnitz, weil sich dort ein Marienbild befand, das -im besonderen Ansehen stand, und zu welchem man häufige Wallfahrten -anstellte. Nach vollbrachter Andacht ließen sie die Kleider der -Prinzen,[48] die sie auf ihrer Flucht angehabt hatten, wie auch -den Kittel des ehrlichen Kohlenbrenners der seine Andacht auch mit -verrichtete, zum immerwährenden Andenken in der +Kirche+ zu +Ebersdorf+ -aufbewahren.[49] -- Daneben hängt ein Täfelchen mit folgenden -Reimen:[50] - - - »Kunz von Kauffungen der viel wilde Mann - In Meißner Land ist kommen an - Wohl auf das Schloß jen Altenburg - Sehr froh und kühn ohne alle Sorg - Dem Fürsten allda seine Kind - Entführet hat listig und geschwind - Des Kleider noch hier hängen seht - Ein jeder der fürüber geht - Die dazumahl bald nach der That - Der Vater hergehänget hat.« - -Der Zahn der Zeit hatte diese Andenken des Prinzenraubes nach und nach -ziemlich zerfressen und und sie würden bald ganz eingegangen sein, wenn -nicht Kurfürst +Christian+ II. 1607 aufs neue für ihre Fortdauer Sorge -getragen hätte. Er befahl nämlich, sie in weißes Wachs einzutauchen -und so vor die Verwesung etwas zu sichern. Allein es geschah nicht. -Deswegen schickte er 1608 seinen Baumeister +Maria Nosseni+ nach -+Ebersdorf+[51] der sie denn reinigen und durch Gummiwasser ziehen ließ. - -Die Kurfürstin stiftete außerdem noch auf alle +Dienstage+, -+Marienfeste+ und den nächsten Tag +nach Kiliani+ in der Kirche zu -+Ebersdorf+ Messen und Almosen für +zwei arme Leute+, besonders -Köhler.[52] - -Nun waren also beide Prinzen befreit, doch +Kunz von Kauffungen+, -welchen die beiden Ritter +Mosen+ u. +Schönfels+ in ihrem -Begnadigungsschreiben an +Friedrich von Schönburg+ ausgeschlossen -hatten, ohne dem heiligen Schwur eingedenk zu sein, welchen sie -gegenseitig geleistet hatten, war, wie oben schon gesagt worden ist, -nach +Freiberg+ gebracht worden. Hier saß nun Kunz glaubend, daß die -andere Partei mit dem älteren Prinz +Ernst+ auf sein Schloß +Isenburg+ -in Böhmen wohlbehalten angekommen wäre und ihrem Versprechen eingedenk -sein würde. Allein als er die Glocken in Freiberg läuten hörte und -nach der Ursache frug und vernahm, daß es aus Dankbarkeit für die -glückliche Errettung beider Prinzen geschehe, entfuhren ihm die Worte: -»+Das walt der Teufel, das gilt mir mein Leben.+«[53] Daraus war -natürlich zu schließen, daß er befürchtete, sein Leben einbüßen zu -müssen. Darum wandt er nun alles an, um durch seine vornehmen Freunde, -Begnadigung zu erhalten, besonders durch den Marschall +Hildebrand -von Einsiedel+ und die Ritter +Niklas von Schönberg+ und +Hugold von -Schleinitz+, die am kurfürstlichen Hofe sehr bedeutende Stimmen hatten, -doch wie man aus folgendem sehen wird, war es zu spät. - -Mehrere Schriftsteller behaupten auch Kurfürst +Friedrich+ hätte in -+Magdeburg+, +Leipzig+ und +Freiberg+ rechtliche Erkenntnisse geholt, -allein dies war der kurzen Zeit wegen unmöglich und der damaligen Zeit -nicht anpassend, daher ist es glaubwürdiger, daß der Kurfürst das -Urtheil darüber dem +Freiberger+ Rathe überlassen, indem der Rath zu -+Freiberg+ die Gerechtsame dazu hatte.[54] - -Das Urtheil entschied für die Todesstrafe.[55] +Kunz von Kauffungen -wurde daher den 14. Juli+ (26. Juli) +Montags nach Magaretha, -Nachmittags um 4 Uhr zu Freiberg auf dem Obermarkte+ öffentlich -enthauptet. Als Zeugen waren da der Köhler, +Georg Schmidt+, und einige -andere Köhler. -- Der Ort, wo die Hinrichtung geschah, ist noch durch -einen Stein bezeichnet.[56] Noch auf dem Schaffote sagte er, +daß er -seinen schimpflichen Tod an den Nürnbergern verschuldet habe+.[57] - -Seine obengenannten Freunde brachten es nach mehrfachen Bitten bei dem -Kurfürsten endlich doch so weit, daß er begnadigt wurde; allein der -reitende Bote, der die Begnadigung dem Freiberger Rathe verkündigen -sollte, kam zu spät; indem die Thore der Hinrichtung wegen schon -geschlossen waren. - -Manche Schriftsteller zweifeln an Kunzens Begnadigung, weil sein Bruder -+Dietrich von Kauffungen+, der die Strickleitern zu dem Prinzenraube in -seiner Scheuer fertigen ließ und einst gesagt haben soll: »+Das Nest -würden sie wohl finden, aber die Vögel wären ausgenommen+,« ebenfalls -zu +Altenburg+, zwischen den +20. und 26. Juli+ enthauptet wurde, der -bei weitem nicht die Schuld dabei hatte, als sein Bruder. -- - -Allgemeine Erbitterung bewirkte die schnelle Verurtheilung des -+Kunz von Kauffungen+, besonders unter der Ritterschaft, in der -er so hohe Verwandte und Freunde hatte. Sein Oheim der damalige -Bischof von Meißen, +Casper v. Schönberg+ veranstaltete sogar ein -feierliches Begräbniß desselben, ließ ihn in der +St. Petrikirche+ zu -+Freiberg+ beisetzen und sein Grab erhielt einen Leichenstein. Allein -das erregte unter den Regenten großes Mißfallen, besonders Herzog -+Wilhelm+ war dagegen; daher durfte sein Leichnam in der Kirche nicht -bleiben, sondern erhielt seine Ruhestätte dafür auf dem Kirchhofe zu -+Neukirchen+ bei Freiberg. Der Leichenstein aber blieb in einem Winkel -der St. Petrikirche stehen.[58] - -Seine übrigen Mitgenossen verloren meistentheils ihr Leben durch das -Schwerdt; ausgenommen der böhmische Küchenjunge, +Hans Schwalbe+, -der den +28. Juli zu Zwickau+ mit glühenden Zangen gezwickt und dann -geviertheilt wurde, und Kunz v. Kauffungens treuer Reißiger, +Johann -Schweinitz+, der gehangen wurde. -- - -Nach diesen harten Bestrafungen erfolgten aber auch Belohnungen, die -der Kurfürst dem Köhler, +Georg Schmidt+, zu Theil werden ließ.[59] Er -erhielt von ihm die Erlaubniß sich eine Gnade auszubitten -- und die -bescheidene Bitte des Köhlers bestand darin, die Erlaubniß zu erhalten -in dem Walde, wo er den Prinz +Albrecht+ gerettet hätte, frei Kohlen -zu brennen. Nicht allein diese Bitte erhielt er erfüllt, sondern der -Kurfürst schenkte ihm auch sogleich nach der That für sich und seine -Nachkommen ein +Gnadenkorn+, welches aus 4 Scheffel +Zwickauer+ Maaß -oder 5 Scheffel 2 Viertel und 3 Metzen +Dresdner+ Maaß besteht. Noch -+jetzt+ erhält das älteste Mitglied dieses Geschlechts in männlicher -Linie dieses Gnadenkorn aus dem +Rentamte+ zu +Zwickau+.[60] Später -erhielt er auch ein Freigut im Dorfe +Eckartsbach+[61] bei Zwickau. Die -Besitzung ist aber durch +verderbliche+ und +langwierige+ Kriege von -der Familie wieder abgekommen. - -Als +Georg Schmidt+ alt und schwach ward, nahm ihn sogar der Kurfürst -an den Hof nach +Altenburg+ und dadurch, daß er bei seiner Erzählung -des Prinzenraubes sich immer der Worte bediente: »+Herr, ich habe -den Kunzen mit meinem Schürbaum weidlich getrillert+,«[62] die er -oft wiederholen mußte, erhielt er und seine Nachkommen den Namen -+Triller+. -- - -Die übrigen Köhler, welche bei dem Rettungsacte durch den Lärm von -+Georg Schmidts+ Frau herbeigekommen waren, erhielten ebenfalls -Belohnungen, die wahrscheinlich in Gelde bestanden, doch aus Mangel an -sicheren Nachrichten hier nicht aufgeführt werden können. - -Nur so viel ist gewiß, daß als Herzog +Albrecht+ im Jahre 1480 die -Gegend des Befreiungsactes bereiste, in +Elterlein+[63] noch drei -Köhler traf, welche bei seiner Befreiung aus Kunzens Händen thätig -gewesen waren. Sie hießen +Wyland+, +Fischer+ und +Urban Schmidt+, -letzterer damals der Köhlerbursche +Georg Schmidts+, und erhielten, -nachdem sie dem Herzog +Albrecht+ den Ort seiner Errettung gewiesen -hatten, eine gute +Ritterzehrung+.[64] - -Zum ewigen Andenken der Begebenheit des Prinzenraubes ließ Kurfürst -+Friedrich+ eine Münze schlagen, die aber äußerst selten ist.[65] Auch -schreibt ~+Vulpius+ l. c.~ §. 35., wie sich in +Schreiter+ a. a. O. -~pag.~ 109. befindet: - - »Zum Andenken hat der Höchstlöbliche sanftmüthige Kurfürst, der - geraubten Prinzen Herr Vater, diese Geschichte auff vier Tafeln - künstlich abmalen lassen, so in dem Zimmer, aus welchem die - Entführung geschehen, befindlich sind. Deren die erste fürstellt, - wie Cuntz und seine Gesellen die Prinzen aus dem Schlosse zu - +Altenburg+ rauben: die andere, wie er im Walde von den Köhlern - gefangen wird.« - -Die +Gemälde+ sind noch auf dem Schlosse zu +Altenburg+ befindlich -und ~Dr.~ +Triller+ erhielt Copien davon, die er in Kupfer stechen -ließ. Diese Kupfer findet man in seinem sächs. Prinzenraube. (In -der Zueignungsschrift an den Herzog schreibt er: »die Kupfertafeln -selbst, die meine Reime zieren, sind mir von Deinem Hof gezeichnet -zugeschickt.« +Ranisch+ a. a. O. ~pag.~ 8. gedenkt dieses Umstandes -auch: »Auf der Seite der jetzt veränderten Burg sieht man in -einem Zimmer der höhern Gegend die vier vornehmsten Veränderungen -dieses Trauerspiels von +den noch vorhandenen+ vier Tafeln sauber -abgezeichnet.«) - -Diese vier Hauptgemälde stellen folgendes vor: - - 1.) Die Entführung der Prinzen +Ernst+ und +Albrecht+ aus dem - Schlosse zu +Altenburg+. - - 2.) Die Befreiung des Prinzen +Albrecht+ durch den Köhler +Georg - Schmidt+. - - 3.) Die Rückkehr des Prinzen +Albrecht+ in Begleitung des Abtes - +Liborius+ nebst Gefolge, zu seinen fürstlichen Eltern. - - 4.) Die Enthauptung des +Kunz von Kauffungen+ auf dem Marktplatze - zu +Freiberg+. - -Nach dem Urtheile Sachverständiger sind diese Bilder weit späteren -Ursprungs und ohne künstlerischen Werth. Letzteres gilt auch von einer -Tafel mit 30. Portraits der bei dem Prinzenraube betheiligt gewesenen -Personen, die ebenfalls sich im Schlosse zu Altenburg befinden.[66] - -Dagegen befinden sich in Altenburg zwei Portraits der Prinzen +Ernst+ -und +Albrecht+ in rothen Kleidern, welche weit authentischer zu sein -scheinen. Von diesen beiden letztern Gemälden befinden sich jetzt -+Copien+ im +Köhlerhause+ am +Fürstenberge+, welche +Se. Durchlaucht+ -der jetzt regierende +Herzog von Altenburg+, +Joseph+, demselben -huldreichst verehrt hat. Gemalt sind sie vom +Professor+ Friedrich -Ludwig Theodor +Döll+ zu +Altenburg+ im Jahre 1839. -- - -Nachstehendes +Gedicht+ wurde zur damaligen Zeit als beliebtes -Volkslied vorzüglich von den Bergleuten oft gesungen: - - Wir wollen ein Liedel heben an - Was sich hat angespunnen - Wies in dem Pleisnerlande gar schlecht war bestallt - Als sein Jungen Fürsten geschah groß Gewalt - Durch den Cunzen von Kauffungen, ja Kauffungen. - - Der Adler hat uf den Felß gebawt - Ein schönes Nest mit Jungen - Und wie er einst warn geflogen aus - Holete ein Geyer die jungen Vogel raus - Drauf wards Nest leer gefungen, ja gefungen. - - Wo der Geier uff dem Dache sitzt - Da trugen die Küchlein selten - Es wären mein weele ein seltsam Narrenspiel - Welcher Fürst sein Rathen getrawt soviel - Muß offt der Herrschaft entgelten, ja entgelten. - - Altenburg, du bist zwar eine feine Stadt - Dich thät er mit Untreu meinen - Da ie die waren all Hoflüt rauschend voll - Qvam Cunze mit Leytern und Buben toll - Und holte die Fürsten so kleine, ja so kleine. - - Was bloß Dich Cunz für Unlust an - Da Du yns Schloß mir steigest - Und stylst die zarten Herren raus - Als der Curförst aber war nicht zu Hauß - Die zarten Försten-Zweige, ja Försten-Zweige. - - Es war wohl als ein Wunder Ding - Wie sich das Land beweget - Was uff allen Straßen warn för Leut - Die der Reubern nachfolgeten in Zeit, - Alles wibbelt, kribbelt, sich bereget, ja bereget. - - Im Walde dort ward Cuntz ertapt - Da wollt he Beeren naschen - Were he in der Hast sacken fortgeretten - Das öhm die Köhler nit geleppischt hetten - Hett he sie kunt verpaschen, ja verpaschen. - - Aber sie wurden ihm wieder abgejagt - Und Cunz mit synen Gesellen - Uff +Grünhayn+ in unsers Herrn Abts Gewalt - Gebracht und darnoch auch uf +Zwickau+ gestalt - Und musten sich lan prellen, ja lan prellen. - - Davon fiel ab gar mancher Kopf - Und keiner der gefangen - Kam aus der Haft ganzbeinicht davon - Schwerd, Rad, Zangen und Strick, die waren ihr Lohn - Man sah die rümper hangen, ja hangen. - - So gehts, wer wider die öberkeit - Sich unbesonnen empöret - Wer es nicht meynt der schaw an Cunzen - Syn Kop thu zu +Freyberg+ noch herußen schmunzen - Und jedermann davon lehret, ja lehret.[67] - - Gott thu der frommen Curförsten alls guts - Und laß die Jungen Herren - In keines Feindes Hand mehe also komm - Geb auch der Fraw Curförstinn vel fromm - Das sie sich, in Ruhe vermehren, ja vermehren.[68] - - -Nachtrag. - -Einige Notizen über die Familien der drei Hauptpersonen des -Prinzenraubes: - - ~a.~) des Kurfürsten +Friedrich des Sanftmüthigen+. - - ~b.~) des Ritters +Kunz von Kauffungen+. - - ~c.~) des Köhlers +Georg Schmidt+, +vorzüglich nach dem - Prinzenraube+. - - -~a.~) Des Kurfürsten Friedrich des Sanftmüthigen Familie. - -+Kurfürst, Friedrich der Sanftmüthige+, Vater der beiden geraubten -Prinzen +Ernst+ und +Albrecht+ lebte nach dem Prinzenraube -noch 9. Jahre, starb den 7. Septbr. 1464 zu +Altenburg+ im 54. -Lebensjahre und wurde im Dome zu +Meißen+ beigesetzt. -- +Ernst+ und -+Albrecht+ regierten nach dem Willen des entschlafenen Vaters nun -+gemeinschaftlich+; außer, daß +Ernst+ nach dem Rechte der Erstgeburt -die Kurwürde und das mit verbundene Herzogthum +Sachsen allein+ -erhielt. Zwanzig Jahre regierten sie gemeinschaftlich und vermehrten -ihre Macht durch verschiedene neue Besitzungen, besonders aber durch -die Entdeckung der Silbergruben zu +Schneeberg+ 1471. und die Erbschaft -ihres Oheims, des Herzogs +Wilhelm+ III. von Thüringen (Bruder ihres -Vaters), welcher den 17. Septbr. 1482 ohne männliche Nachkommen starb, -indem sie dadurch Besitzer seines ganzen Landes wurden. - -Zwistigkeiten, die dadurch geschahen, daß Herzog +Albrecht+ mit einigen -Beamten[69] unzufrieden war, denen Kurfürst +Ernst+ sein ganzes -Vertrauen schenkte, traten ein; so kam denn eine gänzliche Theilung -der Länder den 26. August 1485 zu Leipzig zu Stande. Dem sächsischen -Rechte gemäß vollführte die Theilung der ältere Bruder; der jüngere -Bruder dagegen hatte die Wahl. Zum Verdruß des älteren Bruders wählte -+Albrecht+ die meißnischen Länder und +Ernsten+ blieb Thüringen. Doch -die Oberhoheit über den Bergbau blieb gemeinsam. - -So wurde das Haus Sachsen in die +ernestinische+ und +albertinische+ -Linie getheilt, wodurch sie nun die Stammväter der beiden noch jetzt -bestehenden Linien wurden. - -Allein die Kurwürde kam 62 Jahre später durch die Gefangennehmung des -unglücklichen Kurfürsten +Johann Friedrich d. Großmüthigen+ den 24. -April 1547 in der Schlacht bei +Mühlberg+ von Kaiser +Karl+ V. an die -jüngere, +albertinische+ Linie, indem er seiner Würden und Länder -gänzlich entsetzt wurde, und sein Vetter, Herzog +Moritz+, der jüngern -Linie angehörig, vom Kaiser solche erhielt. - -Bei dieser Linie blieb die Kurwürde bis zum 11. Decbr. 1806, wo der -damalige Kurfürst +Friedrich August+ III. sie mit einer Königswürde -vertauschte. - -+Kurfürst Ernst+ starb den 26. August 1486 in +Kolditz+ und wurde im -Dome zu +Meißen+ begraben. -- Vermählt war er mit der Tochter des -Herzogs +Albrecht+ II. v. Baiern und zeugte mit dieser sechs Kinder, -als vier Prinzen Namens: +Friedrich der Weise+, +Albrecht+, +Ernst+ und -+Johann der Beständige+ und zwei Prinzessinnen Namens: +Christiane+ und -+Margarethe+. - -Sein Sohn +Albrecht+ ward im Jahre 1482 zum +Erzbischof+ v. +Mainz+ -gewählt, starb zwei Jahre darauf in einem Alter von 20 Jahren; +Ernst+ -ward +Erzbischof+ von +Magdeburg+ und Bischof von +Halberstadt+; -+Friedrich+ erhielt nach dem Tode seines Vaters die Kurwürde, als -ältester Sohn; und +Johann+ folgte Friedrichen nach dessen Tode auf dem -Throne. Von den beiden Prinzessinnen wurde die älteste an den +König -Johann von Dänemark+, die jüngste an den +Herzog von Braunschweig+ -vermählt. -- +Herzog Albrecht+ indessen, der den Beinamen, der -+Beherzte+, erhielt, starb den 12. Septbr. 1500 im 58. Jahre seines -Alters zu +Emden+ und wurde ebenfalls im Dome zu +Meißen+ beigesetzt. --- Vermählt war er mit der böhmischen Prinzessin +Sidonia+, Tochter -+Georg Podiebrads+, König von Böhmen. Mit dieser zeugte er vier -Kinder, eine Prinzessin und drei Prinzen Namens: +Georg der Bärtige+, -+Heinrich der Fromme+ und +Friedrich+; von denen die beiden ersten -ihrem Vater hintereinander in der Regierung folgten; +Friedrich+ aber -zum +Hochmeister+ des deutschen Ordens gewählt, starb im Jahr 1510 zu -+Rochlitz+. - - -~b.~) des Ritters Kunz von Kauffungen Familie, - -vor und nach dem Prinzenraube. - -Das adeliche Geschlecht derer +von Kaufungen+ findet man in der -sächsischen Geschichte seit 1283[70], wo +Heinrich von Coufungen+ als -ein +Dominus+ vorkommt, dessen Söhne: +Tunzold+ und +Heinrich+, sehr -das Kloster +Buchau+ bei Leisnig plagten. - -Ihr Stammschloß war +Kauffungen+, ein Rittergut im Königreich Sachsen, -im Leipziger Kreisdirectionsbezirke im Amte +Borna+, entfernt vom -Amtsbezirke, mitten im Schönburgischen, auf der rechten Seite der -Mulde, +Wolkenburg+ gegenüber, 1½ Stunde südlich von +Penig+ entfernt -gelegen. - -+Tunzold von Coufungen+ (der Obige) ein Ritter, aber doch nur des -+Unarc von Waldenburg Castrensis+, verkaufte 1298 an jenes Kloster -+Nauenhain+ bei Geithain. - -1357 schrieben sich +Kunz+ und +Heinrich von Kauffungen+ auch Herren zu -+Waldenburg+ und mögen diese Herrschaften wohl unterpfändlich besessen -haben. -- +Dietrich von Kauffungen+ auf +Brane+ (Mittelfrohna?) war -1357 einer der vornehmsten Zeugen bei dem vom Chemnitzer Kloster -geschlossenen Kauf der Herrschaft Rabenstein; auch erscheint 1411 -+Jost von Kauffungen+ als Schiedsrichter zwischen dem Kloster +Remsa+ -und den Dynasten von Schönburg. In +Remsa+ ruhen auch noch mehrere -Kauffungen z. E. obiger +Tunzold+, der es mit 400 Fl. dotirte, wofür -es 9 Scheffel Zins vom Glauchauer Stadtrath erkaufte. 1444 stiftete, -+Erich+, +Dietrich+ und +Hanns v. Kauffungen+ eine +Vicarie+ beim -Remser Magdalene-Altar, welche der Abt +von Bürgel+ zu conferiren -bekam, die aber 1469 vom Naumburger Bischof zur +Georgenkirche+ im -Dorfe +Remse+ geschlagen wurde. 1493 verkaufte +Jobst von Kauffungen+ -einige Güter an die +Anna von Schönburg+. Das Geschlecht besaß auch -+Kirschbaum+ (ohne Zweifel im bair. Voigtl.) und starb nicht schon mit -dem Prinzenräuber in Sachsen aus, sondern erst 1585 mit +Haubold von -Kauffungen+ zu +Chemnitz+. Des Prinzenräubers Verwandte galten alle -für Ritter von ächtem Schrot und Korne. +Kunzens+ Gemahlin war eine -geborne +Anna von Einsiedel+, Schwester +Hildebrands von Einsiedel+, -der Hofmarschall des Kurfürsten +Friedrich d. Sanftmüthigen+ war. -Sein Bruder +Dietrich von Kauffungen+, war ein angesehener Ritter im -Osterlande, seiner Mutter Bruder war +Caspar von Schönberg+, Bischof -von Meißen. +Kunzens+ Schwester heirathete einen aus dem Geschlechte -derer +von Schleinitz+, dessen Sohn hieß +Hugold+ oder +Haubold von -Schleinitz+,[71] und die Herrn +von Schönberg+ auf +Sachsenburg -Frankenberg+ waren seine nächsten Vettern. - -Uebrigens, daß der Prinzenräuber das Rittergut +Kauffungen+ -wirklich besessen, zeigt sein Schein über den Interimsbesitz -vor +Schweikartshain+. Außerdem besaß er +Kahlenberg+, -+Kohren+, +Eisenberg+ oder Isenburg in Böhmen, und nach einigen -Geschichtsforschern die kleine Burg +Streitwald+ bei Kohren. - -Kurz vor dem Prinzenraube war er bei +Friedrich+ V. +von Schönburg+ -zu Gaste; denn unter den Zeugen von dessen Contracte mit +Elisabeth+, -Herrin +von Gitschin+ kommt auch +Kunz von Kauffungen+ auf -+~Eysemberczie~+ vor.[72] - -+Kunzens+ Söhne waren kurz vor dem Prinzenraube nach Böhmen gebracht -worden, wo sie später in den Besitz des vom Vater erkauften Schlosses -+Isenburg+ kamen.[73] - -+Kunzens+ Vetter, +Hans von Kauffungen+ und dessen Söhne: +Haubold+ -und +Jost+, wendeten sich kurze Zeit nach dem Prinzenraube ebenfalls -aus den sächsischen Landen, und es bekannte +Hans von Kauffungen+, daß -er seine Besitzungen, +Wolkenburg+ und andere sich von dem Kurfürsten -»geurlaubt« zugleich auch versprochen habe, für sich und seine Söhne -nie wider den Kurfürsten zu handeln; eben so sagte er sich von aller -Geldschuld los, die er etwa noch an den Kurfürsten zu fordern haben -könnte. Dieß Versprechen bekräftigten Vater und Söhne +Kauffungen+ -durch einen Eid, und stellten darüber eine Urkunde den 7. Novbr. 1455 -zu +Grimma+ aus, im Beisein mehrerer hohen Beamten z. +B. Hildebrands -von Einsiedel+ und anderer Räthe. Ob ein Zusammenhang hinsichtlich der -in der Urkunde berührten Thaten +Kunzens+ auch mit diesem +Kauffung+ -stattgefunden, ist zweifelhaft und eher zu verneinen; daß der Kurfürst -auch hierbei den Namen des +Sanftmüthigen+ gerechtfertigt, und ob die -Urkunde, und was sie bezeugt, so ganz das Ergebniß des freien Willens -der Aussteller war, darüber ist ein Bedenken nicht zu entfernen.[74] - -In +Schlesien+ hat die Familie +von Kauffungen+, wie ein Denkmal an der -Außenseite der Hauptkirche zu +Goldberg+[75] ausweist, noch im 17. -Jahrhundert geblüht; doch dürfte dieß ein anderes Geschlecht sein, als -das sächsische, da auch bei +Hirschberg+[76] ein (2 Stunden langes) -Dorf +Kauffungen+[77] (mit 9 Rittergütern) liegt, so wie ein Flecken -+Kaufungen+ in Kurhessen[78], woher einige Geschichtsforscher das -sächsische Geschlecht leiten wollen. - - -c.) des Köhlers Georg Schmidt Familie nach dem Prinzenraube. - -Die Nachkommenschaft des Köhlers +Georg Schmidt+ führte, was schon im -Laufe der Geschichte des Prinzenraubes auseinander gesetzt worden ist, -den Namen +Triller+. Mancher von dieser Familie gelangte zu großen -Ehren, vorzüglich +Caspar Triller+, welcher eine mühsame Genealogie -des Trillerischen Geschlechts schriftlich hinterließ, die er 1539 -angefangen und bis 1612 fortgeführt hatte. Diese Schrift führt +Triller -in seinem sächsischen Prinzenraube+ an, indem er sie selbst aus den -hinterlassenen Schriften +Caspar Trillers+ hat. Er sagt: daß er -in +Sangerhausen+, wo er in der St. Ullrichskirche begraben liegt, -ansehnliche Vermächtnisse gestiftet habe, unter andern hätte er den -+Trillerschen+ Tisch im Convict auf der Universität zu +Leipzig+ -gestiftet, auch wäre er mit seinem Bruder +Michael+ am 28. Jan. 1592 -vom Kaiser +Rudolph+ in den +Adelstand+, mit Schild und Helm versehen, -erhoben worden. - -Das +von Trillersche+ Wappen ist noch bekannt und ist mit folgenden -Insignien geschmückt: - -Ueber dem Helm zeigt sich der halbe Leib eines Köhlers, welcher mit -beiden Händen einen Schürbaum[79] hält, als wolle er mit selbigem -zuschlagen. Im Wappenschilde selbst sieht man im linken Felde einen -gelben Löwen, der in seinen Branken einen Zschörper, oder großes -Kohlenmesser hält. Im rechten Felde aber erscheint ein goldfarbner -Löwe, welcher einen doppelt gekrümmten Schürhaken[80] in seinen Branken -hat und in einem untern Felde ist ein schwarzer Bär, der auf den Traum -deutet, welchen die Kurfürstin vor dem Prinzenraube hatte.[81] - -Die Familie ist jetzt sehr ausgebreitet, sie schreiben sich sowohl -+von Triller+, als auch blos +Triller+. -- +Schreiter+ a. a. O. -erwähnt einen +Johann Samuel Triller+, Tuchmachermeister und Bürger in -+Saalfeld+, welcher im Jahre 1803, als ältestes Mitglied der Familie, -männlicher Linie, das +Gnadenkorn+ aus dem Rentamte +Zwickau+ zu -erheben hatte. Dieses Gnadenkorn bezieht gegenwärtig, wie schon oben -einmal gedacht worden ist, der Herr Pastor +Triller+ zu Nägelstädt bei -Langensalza in Thüringen. - -[Illustration: - - Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg - R. Böhme lith - W. Bischert gedr. - -Das Denkmal am Fürstenberge.] - - - - -II. Das Denkmal am Fürstenberge. - -(Dazu Abbildung ~No.~ 2.) - - -Jahrhunderte sind vergangen und nicht ein Stein, geschweige denn ein -Monument zeigte oder zierte die Stelle, wo der Stammvater unsers -allgeliebten Regentenhauses aus den Händen eines habsüchtigen Ritters -befreit wurde. Nur durch Tradition wußte man, daß an diesem Orte, -wo jetzt das Denkmal steht, Herzog +Albrecht+ seine Rettung einem -schlichten Köhler zu verdanken hatte, doch noch sehr ungewiß, ob bei -+Wiesenthal+[82] oder +Grünhain+ oder anderswo die Stelle wäre. Als -ein Geschichtsforscher, Namens +Schreiter+, Pfarrer zu Elterlein, in -seinem mit dem aufopfernsten Fleiße und sorgfältiger Mühe gearbeiteten -Werke: »die Geschichte des Prinzenraubes kritisch bearbeitet. Leipzig, -1804« uns jeden Zweifel benahm. - -Die geschichtlichen Nachforschungen +Schreiters+; indem die Herrschaft -+Crottendorf+ mit +Wiesenthal+ allererst im Jahre 1559 von dem -Kurfürsten +August+ zu Sachsen erkauft wurde,[83] also zur Zeit des -Prinzenraubes gar nicht dem Kloster in +Grünhain+ gehörte, dessen Abt -doch der nächste Beschützer des Prinzen +Albrecht+ nach dem Köhler -war und vorzüglich auch die hier bloß vorhandene +nie+ versiegende -Quelle[84] gaben Aufschluß über Alles und letzterer gebührte daher die -Ehre, daß ein Monument sie bedeckte, zierte und durch eine Einfassung -dem müden Wanderer zu seinen stillen Betrachtungen ein Ruhepunct wurde. - -Das goldne Zeitalter der Monumente war gekommen, der verheerende Krieg -war vorübergegangen und das Jahr 1822 wurde das Jahr, was nächst -dem Jahre 1455 in der Geschichte des Prinzenraubes dem Andenken nie -entzogen werden wird. - -Das Jahr 1822 war nämlich das Gründungsjahr des Monumentes am -Fürstenbrunn. - -Wir folgen nun ganz in Ermangelung anderer vielleicht ausführlicheren -Quellen, der glaubhaften Beschreibung der Gründung und Einweihung des -Monuments, wie es ~Dr.~ +Hering+ in seinem Werke: »Geschichte des -sächsischen Hochlands«, Leipzig, 1828. im 2. Theil ~pag.~ 167 u. ff. -mittheilt: - -»Am 8. Juli fand auf dem +Fürstenberge+ zwischen +Grünhain+ und -+Raschau+ eine merkwürdige Feier der hier am 8. Juli 1455 erfolgten -Rettung des von +Kunz von Kauffungen+ entführten Prinzen +Albrecht+ -statt. Es hatte nämlich bis dahin kein Denkmal den Ort ausgezeichnet, -wo dies so wichtige Ereigniß statt fand. Im Jahre 1818 hatte der Herr -Finanzprocurator +Lindner+ zu Schwarzenberg schon mehrere Freunde der -vaterländischen Geschichte für den Plan gewonnen, durch freiwillige -Beiträge den hier befindlichen +Fürstenbrunnen+ in einen steinernen -Bassin einzufassen und sein Wasser für jeden Durstigen genießbar -zu machen, daneben ein steinernes Denkmal aufzurichten und es am -Regierungsjubelfeste des Königs feierlich zu weihen. Er trug diesen -Plan dem Herrn Kreishauptmann +Freiherrn von Fischer+[85] vor, welcher -ihm die vollste Beistimmung ertheilte; nur war für die Ausführung bis -zum Jubelfeste die Zeit zu kurz. Im Jahre 1822 aber kam durch die -mächtige Unterstützung des Herrn Kreishauptmanns +Frhr. von Fischer+ -und die +lebhafteste+ Mitwirkung des Herrn Justizbeamten +Philippi+ der -schöne Plan zur Reife. Es wurden im Kreisamte +Schwarzenberg+ und Amte -+Grünhain+ über 200 Thlr. unterzeichnet. Den ansehnlichsten Geldbetrag -gab der Herr Kreishauptmann selbst, und der Herr Bergcommissionsrath -+Nitzsche+[86], Hammerherr zu Erla, ließ die, das errichtende Denkmal -zierende, eiserne Tafel mit der gelungenen Inschrift[87] unentgeldlich -auf seinem Werke gießen und vergolden, und leistete auch alle -Steinfuhren. Die Verfertigung einer am Fürstenbrunnen zu errichtenden -+Pyramide+ wurde dem Baumeister +Lohß+ in Schlettau übertragen und -diese mit Einschluß des Fußgestelles 13 Ellen hohe Pyramide[88] am +7. -Juli+ glücklich aufgerichtet. - -An der Feierlichkeit der Weihe nahm die weite Umgegend den freudigsten -Antheil. Die +Schwarzenberger Bürgergarde+ marschirte schon Vormittags -10 Uhr auf den Platz, wo sie die Wachen versah und die Piquets -ausstellte, um die Ankunft der hohen Beamten bei Zeiten zu erfahren. -Mehr als 10,000 Menschen drängten sich um die Pyramide herum, -erkletterten die Bäume, erstiegen die Dächer der erbauten Buden und -erduldeten bei drückender Hitze unerschüttert Hunger und Durst. Nun -marschirten die Schützencompagnien von +Crottendorf+ vor dem Plateau -des Brunnens auf; diesen folgten 230 Bergleute mit ihren Fahnen und -Hautboisten und bildeten einen Halbkreis um die Pyramide. Um 1 Uhr -donnerten Kanonen durchs +Oswaldsthal+, um die Ankunft hoher und -niedrer Beamten aus verschiedenen Orten zu verkündigen. Die +Offiziers+ -von +Zwickau+ und +Schneeberg+ waren mit 36 Hautboisten schon zuvor -angelangt, und wie am 8. Juli des Jahres 1455 in der Umgegend die -Sturmglocken ertönten, um alles zur Rettung des geraubten +Prinzen+ -aufzufordern, so ertönten jetzt die Glocken auf den benachbarten -Kirchen und riefen zu Dank und Freude über die glückliche Rettung des -Geraubten und Erhaltung des hohen Fürstenhauses alle Herzen auf. - -Die Feier begann mit dem Gesange eines Weiheliedes, welches der Herr -Rektor +Lange+[89] zu Schwarzenberg dazu gedichtet hatte: - - Seid uns gegrüßt der grauen Vorzeit Tage! - Euch suchet unser Blick! - Gesang ertöne! -- Zu der Vorwelt trage - Begeisternd uns zurück! - - Hier ist es, wo dem Vaterschloß entrissen - Auf +Kunzens+ Räuberflucht - Der Fürstensohn, gequält von Hungerbissen, - Des Waldes Beere sucht; - - Prinz +Albert+ hier umringt von Todesschrecken - Dem wackern Schmidt sich naht, - Und leise Worte schüchtern ihm entdecken - Die grause Frevelthat. - - Hier ists, wo dem Geraubten ach! so bange - Der Stahl des Mordes blitzt, - Und ihn mit hochgeschwungner, rußger Stange - Des Köhlers Arm beschützt. - - Die Glockenstürme -- und das Köhlerzeichen - Ruft Hilfe laut umher, - Und es erliegen unter +Trillers+ Streichen - Die Räuber bandenschwer. - - Gerettet ist der Fürstensohn -- die Quelle - Erlabt den Durstgen hier, - Sie quillt uns heut' noch unversiegt und helle, -- - Sie segnen heute wir! - - Ein Denkmal soll die große That erneuen - Den Söhnen künftger Zeit, - Und Alberts Enkel, dem +Gerechten+[90], weihen - Es wir aus Dankbarkeit. - -Der Herr Superintendent ~Dr.~ +Lommatzsch+[91] trat jetzt auf die mit -Blumen bestreuten Stufen des Brunnens und sprach Worte der Weihe.[92] -Ihm zur Rechten war die mit einem Eichenlaubkranze gezierte Büste des -Königs +Friedrich August+ aufgestellt und über ihr hingen Blumengewinde -von der Pyramide herab. Nach Beendigung der Rede folgte wieder ein -Gesang, gedichtet vom Herrn Postmeister und Gerichtsdirector +Reiche+ -zu Annaberg.[93] - - +Einer.+ - - Ein ~Gaudeamus~ soll uns heut' vereinen - In Gottes heiliger Natur; - Denn hier in dieses Waldes düstern Hainen - Fand +Albert+ einst der Gottheit Spur. - - +Chor.+ - - Als Denkmal von Sachsens Vergangenheit - Sei dieser Stein -- dem Leben geweiht! - - +Einer.+ - - Der treue Sachse blickt noch mit Entzücken - Zurück in jene graue Zeit, - Wo +Trillers+ Arm von Seines Räubers Tücken - Den hohen Sprösling hat befreit. - - +Chor.+ - - Als Denkmal der Rührung und Dankbarkeit - Sei unser Herz, o +Fürst+! +Dir+ geweiht. - - +Einer.+ - Wie heißt Dein Zweig in Seinen Silberhaaren, - Der Sachsen Vater und ihr Glück? - Ists nicht +August+, den +Seines Hauses+ Laren - Beschirmten einst ein Mißgeschick? - - +Chor.+ - - Wie heißt der König, der Glückliche schafft, - Redlichkeit übet mit Jugendkraft? - - +Einer.+ - - Nennt Ihn ja Vater unsers Vaterlandes, - Der Seinen Gott im Busen trägt! - Der, eingedenk des hohen Völker-Bandes, - Das Recht auf ächter Wage wägt! - - +Chor.+ - - Ja Treu' und Ehrfurcht dem +einzigen Mann+, - Der allen Sachsen Treue gewann! - -In dem Augenblicke, wo der Chor diese letzten Worte sang, trat der Herr -Kreishauptmann an die Stufen des Brunnens und sprach diese Worte noch -einmal feierlich allein, und wie er geendet, sprach mit entblößtem -Haupte die große Versammlung, unter dem Donner der Kanonen diese Worte -nach. Es folgte ein tiefes ehrfurchtsvolles Schweigen, welches dann in -den tausendstimmigen, von den Musikchören kräftig begleiteten Gesang -überging: - - Den König segne Gott! etc. - - - - -III. Das Köhlerhaus am Fürstenberge. - - -Schon im Jahre 1822 bei Errichtung des Monuments am Fürstenbrunn wurde -von vielen Geschichts- und Vaterlandsfreunden der Wunsch ausgesprochen, -daß unweit des Denkmals eine bewohnbare Köhlerhütte erbaut werden möge, -dessen Bewohner, einer armen Köhler- oder sonst rechtschaffnen Familie, -die Aufsicht über das Monument und der nahe gelegenen Waldpflanzungen -obliegen sollte, denn schon damals sah man es voraus, daß ein so -unbewachtes Denkmal vielen Verunstaltungen ausgesetzt sein würde. - -Allein ohngeachtet der mancherlei Gaben, die damals zur Errichtung des -Denkmals von Vaterlandsfreunden gespendet wurden, reichten sie doch -nicht hin, um die Erbauung einer Köhlerhütte möglich zu machen. So -vergingen denn volle 16 Jahre, ohne daß jemand sich der Sache unterzog, -um durch abermalige milde Beiträge es möglich zu machen; als im Anfange -des Jahres 1838 der Herr Finanzprocurator +Lindner+ zu Schwarzenberg, -der sich schon bei Errichtung des Denkmals der Sammlungen milder -Beiträge unterzogen und sehr thätig sich gezeigt hatte, eine -unterthänige Bitte an ein hohes königl. +Finanzministerium+, zu -Gewährung des nöthigen Platzes und Holzes der Köhlerhütte wagte. Diese -hohe Behörde, patriotischen Unternehmungen nicht hinderlich, genehmigte -es auch, und so wurde von dem Herrn Finanzprocurator +Lindner+ und dem -Herrn Rentamtmann +von Schleinitz+ zu Grünhain[94] eine Sammlung milder -Beiträge von Nah und Fern unternommen. - -[Illustration: - - Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg - R. Böhme. lith. - W. Bischert gedr. - -Ansicht vom Denkmale u. Köhlerhause am Fürstenberge bei Grünhain] - -Trotz der größten Bemühungen der beiden vorgenannten Herren ging die -Einsammlung sehr spärlich von statten, so daß an der völligen Erbauung -einer Köhlerhütte so leicht nicht gedacht werden konnte, als unser -allverehrtes Fürstenhaus, welches +nie+ seine milde Hand sinken läßt, -zu dem Unternehmen wahrhaft königl. beisteuerte[95], wodurch erst das -begonnene Werk lebhaft von Statten gehen konnte, und schon sollte -nun die Hütte gehoben werden, als den hiesigen Gebirgsbewohnern, -so wie allen treuen Sachsen die große Freude zu Theil wurde, ihren -allgeliebten König[96], nebst dessen hochverehrter Frau Gemahlin der -Königin[97] in ihrer Mitte sehen zu dürfen. - -Nachdem beide Majestäten den 10. Septbr. 1838 in Annaberg übernachtet -hatten, kam Se. Majestät der König am 11. Septbr. über +Schlettau+, -+Scheibenberg+, +Elterlein+, +Zwönitz+ nach +Grünhain+ mit Gefolge -geritten, geruhte daselbst den dasigen Klostergarten in Augenschein zu -nehmen, wo noch das Gefängniß, +Fuchsthurm+ genannt, zu sehen ist, in -welchem +Kunz v. Kauffungen+ vom Abt +Liborius+ festgehalten wurde, -und ritt sodann nach +Gottesgeschick+[98], um daselbst höchstdero -Frau Gemahlin, welche von +Scheibenberg+ kommend, hier das daselbst -befindliche Bergwerk in Augenschein zu nehmen, geruht hatte, abzuholen, -um gemeinschaftlich von da auf den Fürstenbrunnen zu fahren. - -Hier hatte sich schon unter Leitung des Herrn Pastor ~M.~ +Richter+ und -der beiden Lehrer der Bürgerschule zu +Grünhain+, Herr Rektor +Hecker+ -und Herr Cantor +Günther+ die Grünhainer Schuljugend versammelt, als -auch der dasige Frauenverein, unter Leitung der damaligen Vorsteherin -desselben, der Frau Rentamtmann +von Schleinitz+ so wie viele tausend -Menschen, um das edele Regentenpaar zu empfangen. Sobald die hohen -Herrschaften, geleitet von dem Amtshauptmann des Bezirks, den Domherrn -+Freiherrn von Biedermann+ auf +Niederforchheim+, angekommen waren und -geruht hatten aus dem Wagen zu steigen, gingen 12 Grünhainer Mädchen -weiß gekleidet dem hohen Herrscherpaare voran, indem sie demselben -Blumen auf den Weg streuten und zugleich brachten die Bergleute von -den Werken +Gottesgeschick+ und +Graul+[99], welche eine ~Haie~ bis -in die Nähe des Brunnens bildeten, ein freudiges: »Glück auf!« aus. -Hierauf nahte sich Einer[100] von den +sieben Köhlern+, die sich dort -versammelt hatten, um dem hohen Regentenpaare folgendes Gedicht[101] -vorzutragen: - - Muß ich, mein König, mich nicht heute freuen, - Daß dieser Tag mir aufgegangen ist? - Ich, Einer von den Tausenden Getreuen, - Der Dich als Wächter ehrerbietig grüßt. -- - Sah' an der Quelle Jahre geh'n und kommen; - Doch meinen König hieß ich nicht willkommen. - - Laß es gescheh'n, daß ich Dir hier verkünde, - Was vor Jahrhunderten mein Auge sah' -- - Wenn ich vor Dir das rechte Wort nicht finde, - So ist wohl Deine Gnad' und Huld mir nah -- - Drum hell Dich auf, Du Dunkel grauer Zeiten, - Zu Dir will mich Erinn'rung jetzt geleiten. - - Hier an der Quell mußt ich mit seinen Händen - Prinz Albert durstig Labung suchen seh'n, - Es mußte mich, ich glaub's, in seine Nähe senden - Der fernen Mutter still vernommnes Flehn. - O, rette mich! -- sprach er -- und voll Vertrauen - Sah ich den Prinzen mir ins Auge schauen. - - Den Schürbaum hier, das war nur meine Waffe, - Vor welcher Kunz, der Räuber, furchtsam floh. - Bleib weilend hier mein Prinz, daß ich Dir Hilfe schaffe! - Sprach ich -- bald war er seiner Rettung froh; - Denn sieh'! geschlagen schon in festen Banden - Die Meinen bald den Prinzenräuber fanden. - - Seit dieser Zeit bewach' ich diese Quelle, - Die Deinen Ahnherrn Rettungshafen ward, - Des Waldes Saum ist meines Hauses Schwelle, - Das Moos, das Lager, welches meiner harrt, - Und drüber hat mein Gott ein Dach gebauet, - In das mit Lust mein Aug' am Abend schauet. - - Doch sieh! dort soll dem Greis ein Obdach werden - Und heiter schaut sein Giebel heut mich an, - Noch wärmen soll ich mich am Heerd auf Erden, - Nachdem die Blöcke längst verlangend sahn; - Dein Volk baut mir -- mein König -- diese Hütte, - Laß' es gescheh'n! -- gewähr mir diese Bitte. - - Ein guter König mußt Du sein auf Erden, - Denn es bewachet solch' Erinnerung, - Ja, glücklich soll'n wir durch Dich nur werden - Und uns're Freude bleibe immer jung. - Drum, guter König, langes, langes Leben - Mag dieser Trunk, den ich Dir biete, geben. - - Ließ jüngst, mein König, mir so reichen Hausrath senden, - Mag Gott dafür Dir reichen Seegen spenden. - -Nachdem beide Majestäten geruht hatten, dieses Gedicht anzuhören, -überreichten drei kleine Mädchen, ebenfalls grün und weiß gekleidet, -zweie[102] Sr. Majestät dem König, einen Teller mit Waldbeeren, die -dritte[103] Ihro Majestät der Königin, einen Becher mit Wasser, mit den -Worten: - - »Dir gute Königin, mög' langes, langes Leben - Der frische Trunk, den ich Dir biete geben!« - -Sodann vereinigten sich die Mitglieder des obenerwähnten Frauenvereins, -um durch die dermalige Vorsteherin die Frau Rentamtmann +von -Schleinitz+ Ihro Majestät der Königin vorgestellt zu werden, indem ein -Mädchen aus der vom Frauenverein zu +Grünhain+ errichteten Nähschule, -Ihro Majestät ein Gedicht auf einem mit Blumen bekränzten Körbchen -zu überreichen die Ehre hatte. Ihro Majestät geruhten huldvollst und -herablassend mit mehreren Mitgliedern des Frauenvereins zu sprechen. -Nachdem beide Majestäten das mit Blumen bekränzte Monument betrachtet -und auf das wohlwollendste über die Ausführung der Sache als die -Feier dieses Tages sich ausgesprochen hatten, geruhten sie in der zu -dieser Feierlichkeit erbauten mit Blumen umwundenen Bude, ein von dem -Stadtrathe von Grünhain veranstaltetes frugales Frühstück einzunehmen, -bei welchem die Beamten von Nah und Fern die Ehre hatten hinzugezogen -zu werden. - -Unter lautem Vivatruf setzte sodann das allgeliebte Regentenpaar die -weitere Reise über +Schwarzenberg+ nach +Schneeberg+ fort. - -Durch mehrere milde Beiträge[104], kam es bald hierauf soweit, daß -die Hütte gehoben werden konnte. Die Feierlichkeit dabei war in den -Leipziger Zeitungen No. 236. Dienstags den 2. Octbr. 1838 ~pag.~ 3452 -auf folgende Weise beschrieben: - - »+Vom Fürstenbrunn+, im königl. sächs. Erzgebirge, d. 27. Septbr. - (Privatmittheilung.) - - Der heutige Tag war für Viele, welche diesem Brunnen zunächst - wohnen, ein heiterer Festtag. Der Bau der Köhlerwohnung daselbst - war so weit gediehen, daß sie gehoben werden konnte, und nun - ihrer baldigen Vollendung entgegen sieht. Nicht jedes Volk ist - so glücklich, Stätten nachweisen zu können, an welche es, wie - es hier geschehen darf, der Anfang eines Jahrhunderte hindurch - fortdauernden Glückes anknüpfen kann. Sinnbildlich erinnert - uns auch die Quelle, welche seit Jahrhunderten ununterbrochen - hervorsprudelt, und deren Wächter dieses Haus erbauet wurde, - an jene Quelle, die seit dieser Zeit unserm Vaterlande Glück - und Segen strömt. Hierdurch empfing der +27. September d. J.+ - eine eigenthümliche Weihe. Das Musikcorps, aus Bergleuten von - der benachbarten Grube »Gottesgeschick« bestehend, hatte sich - freiwillig zu dieser Festlichkeit eingefunden. Es stimmte zuerst - einen feierlichen Chorgesang an, dann sprach der Baumeister zu - den zahlreich Versammelten die Empfindungen aus, mit welchen er - -- auf Geheiß des treuen Sachsenvolkes -- dieses Wächterhaus - soweit aufgerichtet habe, und nachdem er die heißen Wünsche für - das fortdauernde Wohlergehen unsrer allverehrten Königsfamilie - ausgesprochen hatte, gedachte er dankend derer, welche ihn durch - ihre Beiträge in den Stand gesetzt hatten, diese Wohnung aufführen - zu können -- er vergaß auch dessen nicht, welcher aus dem königl. - preuß. Herzogthum Sachsen, ohne Nennung seines Namens, einen - mit herzlichen Worten begleiteten Beitrag eingesendet hatte. -- - Unwillkührlich stimmten hierauf die Versammelten aus vollem Herzen - ihr »+den König segne Gott!+« an. Erst, als der Sonne letzte - Strahlen auf das in alterthümlicher Einfachheit sich erhebende - Köhlerhaus fielen, trennten sich die Anwesenden von einander, - herzliche Grüße der Liebe und Verehrung von den Bergen der - erhabenen königlichen Familie aus der Ferne zusendend. -- - - +Nachschrift.+ Gelingt es den ehrerbietig ausgesprochenen Bitten - der thätigen Leitern dieses Baues, so dürfte das Wohnzimmer des - Köhlers mit Copien von Gemälden[105] geschmückt werden, welche - einzelne Ereignisse dieser Zeit darstellen, vielleicht mit den - Copien von den Portraits des Köhlers +Schmidt+, des +Kunz von - Kauffungen+ und a. welche sich in dem Besitze eines erlauchten - Fürstenhauses befinden.« -- - -Nachstehende Rede (verfaßt von dem Herrn Pastor ~M.~ +Richter+ zu -Grünhain) wurde am 27. Septbr. 1838 bei der Hebung des Köhlerhauses -gesprochen: - - »Ein frohes Gefühl ergreift mich, daß ich als Baumeister dieses - Wächterhauses, Ihnen allen geehrte Anwesende, die gewiß meine - Freude theilen, den aufgerichteten Giebel zeigen, sein fest - zusammengefügtes Gebälk, über welches bald das schützende Dach - sich breiten wird, beschauen lassen kann. Sehen wir doch jetzt - schon im Geiste den treuen Wächter der Quellen, den Köhler, hier, - als aus seiner Wohnung aus- und eingehen, eine graue Vergangenheit - taucht vor unseren Blicken wieder auf und wir Glücklichen schauen - freudig hinein, weil mit dem Ereignisse, dessen heilige Erinnerung - hier bewacht werden soll, eine gesegnete Zeit für uns begann, den - Wohlstand unsers theuern Vaterlandes unter dem milden Scepter - aller derer, welche in +Albrecht+ ihren Ahnherrn verehren, immer - herrlicher und herrlicher erblüthe. Ja, gewiß! wie diese Quelle - hier, seit Menschen sie sahen, +nie+ versiegt ist, so fließet auch - heute noch die reiche Quelle des Segens von dem Throne, da unser - hochverehrter König, der Wächter unsers Wohlstandes ist -- und - trägt Glück und Friede in Hütten und Palläste. Ich muß es Ihnen - gestehen, wenn ich so zurichtete das Gebälk, und neben mir im - geschäftigen Fleiße die Maurer Stein auf Stein fügen sah, da nahm - der Gedanke mein ganzes Herz ein; eine große Familie will eine - schöne Erinnerung nicht untergehen lassen, ein sichtbares Zeichen - der dankbaren Liebe will sie aufrichten, welches der Nachwelt - erzählen soll, daß sie empfangene Liebe zu schätzen wußte, sie - sammelt sich, freudig dankend, um diejenigen, welche jetzt Vater - und Mutter dieser großen Familie sind und rufen Ihnen von den - Bergen zu: lebet hoch! -- - - Allen den erlauchten Verwandten dieses Vaters und dieser Mutter: - sie leben hoch! - - Derjenige, welcher jetzt unter fremden Scepter glücklich wohnend - auch mit bauen wollte die Hütte, weil sein dankbares Herz es ihm - gebot, der aus weiter Ferne seine Gaben sendete, er lebe hoch![106] - - Die als die Bauherren den Grundstein legten, sie leben hoch! - - Den künftigen Bewohnern dieser Hütte schenke Gott glückliche Tage - und nehme sie, wie diese Hütte, in seinen besondern gnädigen - Schutz!« -- - - * * * * * - -Sobald nun das Haus gehoben war, schritt der Bau bald vorwärts, durch -die Bauunternehmer,[107] so daß es noch vor dem Winter bewohnbar -hergestellt werden konnte. Der 1ste November 1838 wurde der Tag des -Einzuges einer zwar armen aber ganz rechtlichen Bergmannsfamilie[108] -aus +Raschau+, die also noch vor dem strengen anhaltenden Winter ein -sicheres Obdach erhielt. Den 9. November 1838 wurde von der hohen -Kreisdirection die +Schankconzession+, doch mit der Beschränkung nur -+anständige+ Gesellschaft dort zu dulden, ertheilt. - -So wurde denn diese Stelle ein Ort, wo man nur +gerne+ weilt und -dabei sich als ein Punkt auszeichnet, der schon von der Natur durch -das grüne +Oswaldsthal+ in dem der Oswaldsbach von Waschleute nach -Wildenau fließt, geschmückt ist, was man von dem Köhlerhause herab -sehen kann, und dem gegenüber die Säulen des Fichtelgebirges sich -majestätisch erheben, der aber auch durch die Ansicht der Berggebäude -+Gottesgeschick+ und +Graul+ so wie der Ruinen der Oswaldskirche vieles -malerische erhält. Der Fremdling wie der Einheimische wird hiervon -angezogen und danket noch immer der Vorsehung für die Erhaltung des -sächsischen Regentenhauses! -- - - * * * * * - -Das Haus nimmt einen Flächeninhalt von 5 □ Rth. ein und ist ungefähr -60 Ellen seitwärts vom Monumente entfernt. Auch ist den Bewohnern -desselben ein 224 □ Rth. großes Stück Waldboden zugewiesen worden, -wovon 189 □ Rth. als Feld und 65 □ Rth. als Wiese benutzt werden kann. -Das Feldstück liegt südöstlich von dem Köhlerhause, das Wiesenstück -aber unmittelbar unter dem Hause. - -Im Frühjahr 1839 wurde das Köhlerhaus vollends aufgebaut, daher -erfreute sich solches schon im Laufe des ganzen Sommers 1839 eines -ungetheilten Beifalls und zahlreichem Besuche, was das dort -befindliche Fremdenbuch hinlänglich bescheiniget. - -Der 8. Juli 1839, Jahrestag der Befreiung des Prinzen +Albrecht+, -wurde diesmal als der Tag der Einweihung des Köhlerhauses feierlich -begangen, was man aus dem No. 29. des Erzgebirgischen Voigtländischen -Kreisblattes vom 16. Juli 1839 ~pag.~ 216. befindlichen Aufsatze -schließen kann. Dessen Inhalt war folgender: - - »+Fürstenberg+ bei Grünhain, am 8. Juli 1839. -- Das durch - Beschädigungen sonst vielfach verunstaltete aber immer wieder - hergestellte hiesige Denkmal zur Erinnerung an die Befreiung des - Prinzen +Albrechts+ von Sachsen am 8. Juli 1455 hat endlich nun - nebst der dasselbe umgebenden Waldung einen bleibenden Schutz durch - das hier neu erbaute Köhlerhaus, in welchem dessen Wächter wohnt, - gefunden. -- - - Recht erfreulich ist es dabei, daß viele noch gegenwärtig das - Unternehmen, hier eine bewohnbare an den entschlossenen Befreier, - den Köhler +Schmidt+, nachher Triller genannt, erinnernde - Köhlerhütte herzustellen freiwillig unterstützen. So hat Herr - Buchbinder +Buchner+ in Schneeberg zum gestrigen Tage ein recht - geschmackvoll gefertigtes Fremdenbuch diesem Orte unentgeldlich - gewidmet und vorzüglich Herr Kaufmann +Gottschald+ in Scheibenberg - den neuen Wächter daselbst, dem seine erste Einrichtung manchen - wesentlichen Aufwand verursachte, der zur Zeit noch seine Mittel - übersteigen mußte, namhaft dabei unterstützt. Auch gestern, - wo ein heiterer Sommertag der ganzen, jedem Sachsen heilige - Stätte ein recht freundliches Aeußere verlieh, sind wieder - freiwillige Beiträge zu diesem Unternehmen gesteuert worden. - Die Aufforderungen, welche hierzu neuerlich in den öffentlichen - Blättern besonders durch den für alle gemeinnützige Gegenstände mit - vielem und beharrlichem Eifer erfüllten Herrn Pastor ~M.~ +Richter+ - in Grünhain[109] erfolgt sind, lassen daher wohl noch manche - weitere Unterstützung erwarten. Sollte es hierdurch mit der Zeit - gelingen, daß die im Innern des Köhlerhauses angebrachten Räume - zur geselligen Aufnahme die jetzt noch entbehrenden +Oefen+[110] - erhielten, -- eine in der hiesigen ziemlich rauhen Gegend ganz - nothwendige Zimmerausschmückung, -- so läßt es sich wohl erwarten, - daß dieser historisch reich und von der Natur sehr freundlich - ausgeschmückte Punkt dereinst zu jeder Jahreszeit von Fremden wie - Einheimischen zahlreich besucht werden wird. - - Bei dem Festmahle am gestrigen Tage zeichneten sich vorzüglich - die in dichterischer Form recht gelungen angebrachten Toaste des - Herrn Oberzollinspectors +Frege+ in Annaberg, Herrn Kammerath - +Reiche-Eisenstuck+ von dort und des Herrn Pastors +Behr+ zu - Schwarzenberg aus. Dem Schlusse des Tages war ein Concert im - Freien gewidmet und gegen Abend ein Feuerwerk, wobei zuletzt eine - Opferflamme, auf der Spitze des pyramidenförmig gebauten Denkmales - angebracht, die +allgemeine Liebe der Sachsen an ihr hochverehrtes - Regentenhaus verkündete+.« -- - - -Nähere Beschreibung des Köhlerhauses. - -(Dazu Abbildung ~No.~ 3.) - -Zuerst gelangt man (s. Abbildung ~B.~) auf 3 steinernen Stufen (~a~) -in die 13½° lange und 3½° breite mit Steinplatten gepflasterte -+Hausflur+ (~b~). Von der Hausflur rechts kommt man hiernächst in -das +große Gesellschaftszimmer+ (~c~), welches 13½° lang und 9° -breit ist. Auch befindet sich in selbigem an der Hausflurseite ein -gußeiserner Etagenofen (~d~). Verläßt man dieses Zimmer und wendet -sich in der Hausflur links, so gelangt man in die 6° lange und 5½° -breite +Wohnstube+ des Wächters (~e~) in der sich ein Plattenofen -(~f~) befindet. Von hieraus führt eine Thüre in die 6° lange und 3½° -breite +Stubenkammer+ (~g~) worin sich auf der hinteren Seite eine -+Erhöhung+ (~h~) durch den Kellerhals hervorgebracht, befindet, zu -der eine 3 Stufen hohe Treppe führt (~i~). Geht man sodann in die -Hausflur zurück, so kommt man auf der linken Seite, in die 3¾° lange -und 2½° breite +Küche+ (~k~). In derselben steht ein gemauerter Heerd -(~l~) mit eingesetzter Bratröhre (~m~). Ferner führt von der Hausflur -aus links durch eine Doppelthüre auf einer Treppe (~n~) (s. Abbildung -~A. a.~) von 11 steinern Stufen in den 9° langen und 4° breite einfach -gewölbten (s. Abbildung ~A. b.~) +Keller+ (~Ac.~) (~o~). Kommt man -wieder hinauf aus dem Keller zurück, so gelangt man durch zwei Thüren -in die Privets (~p~). In die Etage (~C.~) gelangt man durch eine mit -Geländern versehene 13 Stufen hohe hölzerne Treppe (~q~). Durch die -Treppe (s. Abbild. ~C.~) (~a~) kommt man auf einen kleinen Vorboden -(~b~). Auf diesem befindet sich ein Dachfenster (~c~). Dem gegenüber -in das 8¾° lange und 5½° breite +kleine Gesellschaftszimmer+ (~d~), -in welchem ein kleiner gußeiserner sogenannter Kanonenofen (~e~) -sich befindet. Verläßt man dieses Zimmer so kommt man rechts von -obengenannten Vorboden in die +Schlafkammer+ des Wächters (~f~), sie -ist 16° lang und 6½° breit, auch geht hier die Esse (~g~) zum Dache -hinaus. Dieser Kammer gegenüber, mithin links des Vorbodens ist eine -+zweite+ ebenfalls so lange und breite +Kammer+ (~i~) als die Vorige. -Von dieser Kammer aus führt eine hölzerne 9 Stufen hohe Treppe (~k~) -auf den +Oberboden+.[111] - -Der +Stall+ (s. Abbild. ~A. d.~) befindet sich im Erdgeschoß und ist -12° lang und 9° breit. Uebrigens ist er zu 8 Pferden, mit 3 Standbäumen -(~e. f. g.~) und einer Krippe (~i~) versehen. Am östlichen Ende -befindet sich ein Kuhstand. (~h~) -- - - * * * * * - -Die Kosten des Baues betrugen, alles gerechnet, über 1000 Thlr. -Baumeister waren der Zimmermeister +Friedrich Rau+ in Schwarzenberg und -der Mauermeister +Karl Hübschmann+ in +Grünstädtel+. --[112] - -So wurde ein Werk, welches im Anfang so schwierig zu gedeihen schien, -doch durch den unermüdeten Eifer des Herrn Rentamtmann +von Schleinitz+ -und des Herrn Finanzprocurator +Lindner+ zur Zufriedenheit Aller -vollendet. -- - - - - -Anhang. - - -Als Anhang möge eine +Charade+ noch Platz finden, die durch ihren -Inhalt zum 1. Theile passend ist:[113] - - Heller Himmel, blau und golden, - Lerchenschlag, Pirolensang, - Lockten mich mit meiner Holden - Nach umbuschten Bergeshang. - - Wie berauscht vom Wonnemorgen, - Plaudernd bald, und singend bald, - Streiften wir ganz ohne Sorgen - Immer tiefer in den Wald. - - Und schon trieb die muntere Heerde - Blasend ein der ferne Hirt, - Da -- macht' Etwas uns Beschwerde; - Denkt! wir hatten uns verirrt. - - Alles war so lau und luftig, - Gleich dem Sammte schien das Gras, - Maien wehten, ach! so duftig -- - Doch, zu hungern, ist kein Spaß! - - »Laß an +Drei+ und +Vier+ uns halten;« - Sprach ich -- »der steht Felsenfest - An ein unbekanntes Walten, - Schützend selbst des Sperlings Nest.« - - »»Magst mir's, wenn ich satt bin, sagen;« -- - Meinte, schlecht erbaut, mein Kind! -- - »Doch, sieh' dort den Meiler ragen; - Laß zu ihm uns gehn geschwind.«« - - Ob wir gleich den Lauf begannen, - Eifrig suchten kreuz und quer, - Sah'n wir, ob der hohen Tanne, - Doch nun selbst den Rauch nicht mehr. - - Bald -- wie einst der schwarz Rabe - Fütternd zum Propheten kam, - Bot von +Eins+ und +Zwei+ ein Knabe; - +Erdbeer'+ uns und Brod und Rahm. - - Von der treuen +Ersten+ Hütte - Wählten wir den Speisesaal; - Milch und Brod in ihrer Mitte - Mahnt' uns an ein fröhlich Mahl.[114] - - Doppelt schien der Wald nun luftig, - Noch einmal so grün der Grund, - Auch die Tanne weht' uns duftig, - Glas an Glas und Mund an Mund! - - »Siehst Du, Kind!« -- so rief ich fröhlich -- - »Daß der +Letzte+ nicht verläßt; - Woll'n an ihm, -- dann sind wir seelig -- - Gleich, der +Ersten+, halten fest!« -- - - F. K. - - -Auflösung. - - Den Schlüssel hier zur Schraube - Giebt zwar -- der +Köhlerglaube+, -- - Doch nimm ihn nicht sogleich als baare Münze hin, - Prüf' lieber erst genau, bis Du erspähst den Sinn! - Dann schlage +hier+ noch nach, triffts +hier+ auch glücklich ein? - So war die Freude groß und -- nirgends leerer Schein! -- - - - - - So prüf' gefälligst auch die Prosa dieser Schrift - Und sprich nicht gleich zuvor die schrieb gewiß kein Swift! -- - Ist dir dann manches neu, doch der Geschichte treu gewesen, - Dann bitte, nimm es an, als Deiner Nachsicht werth zum Lesen. -- - - - Annaberg, - gedruckt bei +Eduard Hasper+. - - - - -Berichtigungen. - - - Seite 2 Zeile 22 v. o. nach: traf ist einzuschalten: +es+. - - " 3 " 3 " " statt: Plugk lies: +Pflugk+. - - " 3 " 10 " " nach: Schwickershain fehlt: (-- +das - heutige Schweickershain+ --). - - " 4 " 3 " u. statt: Türingen lies: +Thüringen+. - - " 5 " 2 " o. statt: ihm lies: +ihn+. - - " 5 " 8 " " statt: vom lies: +von+. - - " 5 " 13 " " " im lies: +in+. - - " 5 " 15 " " " meißnische lies: +meißnischen+. - - " 5 " 9 " u. " dem lies: +den+. - - " 6 " 2 " o. " dem lies: +den+. - - " 7 " 12 " " " wären lies: +waren+. - - " 7 " 17 " " " Verträge lies: +Verträgen+. - - " 8 " 12 " u. " ihm lies: +ihn+. - - " 8 " 10 " " fällt nach Dienstag das +Komma+ - hinweg. - - " 10 " 5 " o. fällt nach Isenburg das +Komma+ - hinweg. - - " 10 " 6 " " statt: seine lies: +seinen+. - - " 10 " 5 " u. " folgender lies: +folgenden+. - - " 11 " 1 " " " Hanse lies: +Hause+. - - " 12 " 6 " o. nach: als ist einzuschalten: +solches+. - - " 15 " 10 " " statt: seinen lies: +seinem+. - - " 16 " 15 " " " Monument lies: +Monumente+. - - " 16 " 5 " u. " auch lies: +auf+. - - " 18 " 13 " " " solte lies: +sollte+. - - " 23 " 2 " o. " Prinz lies: +Prinze+. - - " 28 " 4 " u. " exestirte lies: +existirte+. - - " 30 " 1 " o. nach: zunehmen ist einzuschalten: [40] - - " 30 " 2 " " statt: den lies: +dem+. - - " 30 " 19 " " " wär lies: +wäre+. - - " 33 " 3 " u. laß die erste 1 weg. - - " 40 " 2 " o. statt: mehrfaches lies: +mehrfachen+. - - " 40 " 4 v. o. statt: den lies: +dem+. - - " 40 " 9 " " " Prinzenraub lies: +Prinzenraube+. - - " 40 " 14 " " " weiten lies: +weitem+. - - " 42 " 14 " u. " Pachter lies: +Pastor+. - - " 44 " 1 " o. " Hände lies: +Händen+. - - " 44 " 10 " " " Vulpius lies: +~Vulpius~+. - - " 47 " 19 " " " mit lies: +nit+. - - " 48 " 11 " " " der Familie lies: +die Familien+. - - " 48 " 3 " u. " deusche lies: +deutsche+. - - " 51 " 11 " " nach: vier Kinder schalte ein: +eine - Prinzessin und+. - - " 52 " 2 " o. statt: Turzold lies: +Tunzold+. - - " 54 " 5 " " fällt das Wort: +der+ hinweg. - - " 57 " 11 " " statt: den lies: +dem+. - - " 58 " 1 " " " welcher lies: +welchen+. - - " 58 " 3 " u. " Pachter lies: +Pastor+. - - " 60 " 5 " " " Pachter lies: +Pastor+. - - " 69 " 6 " o. " hinterlich lies: +hinderlich+. - - " 70 " 6 " " " ihre lies: +ihrer+. - - " 71 " 7 " " " den beiden Lehrern lies: +der - beiden Lehrer+. - - " 75 " 5 " o. " welchen lies: +welche+. - - " 75 " 8 " " " konnten lies: +konnte+. - - " 75 " 16 " " " jener lies: +jene+. - - " 76 " 1 " u. " ~p.~ 64 lies: ~p.~ 46. - - " 81 " 4 " " " Abgemeinen lies: +Allgemeinen+. - - " 82 " 9 " " setze: (~d~) unmittelbar hinter dem - Worte: +Etagenofen+. - - " 82 " 1 " " setze: (~i~) unmittelbar hinter dem - Worte: +führt+. - - " 83 " 3 " o. setze: (~k~) unmittelbar hinter dem - Worte: +Küche+. - - " 83 " 4 " " setze: (~m~) unmittelbar hinter dem - Worte: +Bratröhre+. - - " 83 " 11 " " setze: (~p~) unmittelbar hinter dem - Worte: +Privets+. - - " 83 " 11 " u. statt: Kanonofen lies: +Kanonenofen+. - - " 83 " 10 " " nach: kommt schalte ein: +man+. - - " 83 " 5 " " statt: lang lies: +lange+. - - " 84 " 3 " " " speciel lies: +speciell+. - -[Illustration: Die innere Ansicht des Köhlerhauses am Fürstenberge.] - - - - -Fußnoten - - -[1] s. ~Aen. Sylvius de statu Europae c. 24. ap. Frkhr. T. II. pag. -221. (edit. Struv. Argentor 1717.) »Conradus Rauses (de Kauffungen) -nobili loco apud Saxones natus, bellicae rei peritus, manu promptus, et -animo imperterritus etc.«~ -- - -[2] ~Albinus~ Landchronik der Meißn. Lande. ~pag.~ 265. - -[3] s. Kunzens Revers wegen des ~ad interim~ ihm eingeräumten Gutes -+Schwickershain+ und Zugehörungen unter den Beilagen zu den gleich -anzuführenden +Churfürstl. Manifeste+ in +Wecks+ Dresdner Chronik, -~pag.~ 170. -- - -[4] sowohl die Koburgsche Pflege, als auch alle Schlösser und Güter in -Thüringen. ~+Kammermeisteri+ Annal. Erfurt, ap. Menken. T. III, pag. -1180--1215.~ - -[5] +Müllers+ sächs. ~Annal. pag. 29, Chron. terrae Misn. pag. 360. -Kammermeisteri, l. c. T. III. p. 1210~. - -[6] Der +Landfriede+ wurde zuerst durch eine Verordnung der geistlichen -Synode zu +Elne+ in Rousilon den 16. Mai 1027. als eine Zeit, wo keine -Fehden bei Vermeidung des Bannes eintreten sollten, ausgesprochen. Es -durfte hierdurch namentl. kein Krieg statt finden, wenn Gottesdienst -gehalten wurde. In Deutschland trat dieser Landfrieden später jedoch -allgemeiner ein im Jahre 1495. und das Reichskammergericht entstand nun -zugleich als Behörde, welche darüber zu richten hatte und bei welcher -alle deutschen Fürsten verklagt werden konnten. Mithin fehlte es zur -Zeit des Prinzenraubes noch an einer Gerichtsbehörde, sogar in Sachsen -selbst wurden das Oberhofgericht zu Leipzig und die Landesregierung zu -Dresden erst im Jahre 1483 u. 1486 errichtet, s. v. +Römers+ sächs. -Staatsrecht Th. 2. ~pag.~ 104. §. 12. -- +Kretschmanns+ Geschichte -des Oberhofgerichts zu Leipzig, seit seiner Entstehung. Leipzig 1804. -8. -- Früher wurde der Landfrieden in Thüringen als im Meißnischen -und überhaupt in Deutschland eingeführt durch das auf dem Landtage -zu Weisensee beschlossene Gericht vom J. 1446. s. +Weißens+ sächs. -Geschichte Band 2. ~pag.~ 377. - -[7] Daß +Kunz Eisenberg vor+ dem Prinzenraube besessen hat, ersieht -man aus einer Montags nach Ostern 1455. ausgestellten Urkunde. -(~Schoettgenii opuscula minora per Godofr. Imman. Grandig.~ 337) worin -+Kunz+ sich als Zeuge auf folgende Weise unterschrieben hat: +Kunyz -Kauffungka snd in ein na Eysenberczia.+ - -d. i. Kunz von Kauffungen gesessen zu Eisenberg. -- +Eisenberg+ ist -noch +jetzt+ der Name des Schlosses. - -[8] +Schreiters+ Geschichte des Prinzenraubes ~pag.~ 1 da 167 u. f. - -[9] Nach dem julianischen Kalender der 25. Juni, nach unserm -verbesserten Kalender der 7. Juli. - -[10] Indem Kunz von Kauffungen als früherer Schloßhauptmann im ganzen -Altenburger Schlosse bekannt war. - -[11] s. +Albinus+ a. a. O. ~pag.~ 266. -- - -[12] s. +Müller+ a. a. O. ~Tab.~ 2 u. ~Tab.~ 16. - -[13] Dieser Brief befindet sich auch in ~Vulpii Plagio Kauffung~. -Weißenfeld 1704. 4. ~pag.~ 8. -- - -[14] +Im verständlicheren Deutsch+: - -Meinen willigen Dienst, samt alles Liebes und Gutes zuvor. - -Ehrbarer, strenger lieber Junker! - -Da der Kurfürst gewiß beschlossen hat, morgen Sonntags nach der -Frühmesse nach Leipzig zu fahren mit den meisten Hofleuten, auch auf -den Montag Abend der Kanzler ein Gastmahl in seinem Hause ausrichten -wird, wobei denn viele Hofleute sein mögen, da nun auch auf dem -Schlosse um diese Zeit der alte Asmus allein den Trabantendienst hat, -der zuerst eingeschläfert werden muß, da endlich auch der Pförtner -bettlägerig ist, so kann ich Euch dies alles nicht bergen, und meiner -angelobten Treue gemäß Euch zu dienen, und nun Euern Veranstaltungen -gewärtig zu sein. Darnach Ihr Euch zu richten habt. Datum Altenburg am -Sonnabend nach Mariä Heimsuchung. Anno 1455. - -+Hans Schwalbe.+ - - -[15] s. +Brauns+ monatl. Auszug der Gesch. v. Sachsen. Th. IV. ~pag.~ -486. Die Leiter hatte Schwalbe befestiget, doch waren es nicht -eigentliche Strickleitern, wie die noch jetzt zu Freiberg befindlichen -Stücke davon zeigen. Man sehe auch das Manifest bei +Weck+ a. a. O. - -[16] Nach einer Handschrift, welche ~M.~ +Joh. Tauchnitz+ 1633, der als -Pfarrer in +Morstab+ bei Altenburg starb, hinterlassen hat. - -[17] s. +Albinus+ a. a. O. ~pag.~ 267 und die +sächs. -Provinzialblätter+ 1801, im Januar Stück 82. - -[18] Die Namen derselben befinden sich, in einer Beilage zu dem -Manifest. Bei +Weck+ a. a. O. ~pag.~ 172. - -[19] +Dieser Wald+ ist jetzt noch 2 Stunden lang und 1 Stunde breit. - -[20] Ehe er dorthin kam mußte er die Mulde passiren, allenfalls bei -einem Furt durch die Mulde setzen, welches bei mittelmäßigem Wasser -angeht, wäre aber dieß damals nicht möglich gewesen, so mußte er -die +Wolkenburger+ Brücke passiren. Nun besaß er aber das nahe bei -Wolkenburg über der Mulde gelegene Schloß und Rittergut +Kauffung+, -sein Stammhaus, wo er sich bisweilen um die Zeit seiner Streitigkeiten -mit dem Kurfürsten muß aufgehalten haben, weil er seinen Revers an den -Kurfürsten mit folgenden Worten anfängt: - -+Ich Kunz von Kauffungen zu Kauffungen gesessen.+ - -[21] s. +Schreiter+, a. a. O. ~pag.~ 256. ff. - -[22] Nämlich am +Fürstenberg+, ein Berg im Zwickauer -Kreisdirektionsbezirk, im Amte Grünhain ¾ Stunde von +Grünhain+ und -¾ Stunde von +Raschau+, im Schneeberger Bergamtsrevier gelegen. -Diesen Namen führt er erst seit dem Prinzenraube, indem er früher -»+Schmiedewald+« hieß. Man findet hier sehr viele alte Meilerstätten, -vorzügl. rechts bei dem jetzt errichteten +Monumente hin+, auch -oberhalb des Denkmals bei dem Marmor- und Kalkbruche, die mit Moos -und Erde schon überzogen sind, wozu Jahrhunderte gehören. -- Nach -+Schumanns+ Staats-, Post- und Zeitungslexikon. Band 15. ~pag.~ 976. -käme der Name Fürstenberg, nicht von der Befreiung des Prinzen her, -sondern von +First+ (+Hochberg+) allein blos der untere Theil des -Berges heißt hier Fürstenberg, nicht auch die höchste Spitze desselben -oben in der Nähe bei Grünhain, die +Spiegelwald+ genannt wird. Er -verwechselt daher offenbar diesen Berg mit dem bei Schneeberg, und es -ist +erwiesen+, daß dieser erstere früher +Schmiedewald+ hieß. (s. -Anmerkg. 32.) - -Am Fürstenberge befinden sich mehrere Bergwerksgruben, so rechts von -der Quelle die +Fürstenberger Fundgrube+, welche auf Eisenstein baut. -Ferner links von der Quelle nach dem Dorfe +Haide+ zu +Himmlisch Heer+ -und dann der +Frischglückstolln+. Nach +Gottesgeschick+ zu auf der -Wiese liegt der +Mohrenstolln+. Der schon oben erwähnte +Marmorbruch+ -befindet sich über dem Denkmale, auf der Spitze des Fürstenberges. -Besitzer ist dermalen der Herr Erbrichter +Stölzel+ zu +Oberscheibe+. -Dieser Marmor zeichnet sich vorzüglich wegen seiner Festigkeit und -Weiße aus. Da man aber immer nicht den gehörigen Gebrauch davon -gemacht hat, so ist er jetzt sehr schwer zu gewinnen, und wird zu Kalk -verbrannt. Nicht weit davon ist +Kieselshoffnung+, wo man Kupferkies -gewinnt. - -[23] s. +Spangenbergs+ Mansfelder Chronik 559. - -+Albinus+ a. a. O. 269. - -~Fabric. Origg. Saxon. liber.~ 7. - -[24] s. +Oesfelds+ Landchronik. 2. Th. 65. - -[25] In Adam Daniel +Richters+ Annaberger Chronik. 1746. 1. Th. 1. -St. ~pag.~ 6. steht folgendes geschrieben: »+Es ist ein geschickter, -kunstreicher Mann gewesen, mit Namens, Peter Rosenkrantz, in das -Kloster Grünhain gehörig, welcher noch am Leben gewesen, als der -Schneeberg (1471.) aufkommen. Dieser Rosenkrantz und Kuntz von -Kauffungen sind stets beisammen gewesen, und als Kuntz von Kauffungen -die jungen Fürsten von dem Schlosse Altenburg wollen wegstehlen, hat -ihn Rosenkrantz sehr gewehret, er sollte es nicht thun, es würde ihm -Leib und Leben kosten. Welches auch hernach geschehen ist.+« -- - -[26] Kam erst 1459 zu Sachsen, indem +Georg Podiebrad+, König von -Böhmen, seiner Tochter +Sidonia+ die Herrschaft +Schwarzenberg+ als -+Morgengabe+ bei ihrer Vermählung mit dem Herzog +Albrecht+ (derselbe, -den Kunz von Kauffungen geraubt hatte) mitgab. Schwarzenberg wurde -damals Schwarzenburg genannt. s. +Lunigs+ deutsches Reichsarchiv. -~Part. spec. cont. I.~ B. 6. Der ersten ~Contin.~ 1. Forsetz. ~pag.~ -232. s. a. +Richter+ a. a. O. ~pag.~ 28. -- - -[27] +Grünhain+ ist eine kleine Bergstadt im Königreich Sachsen im -Kreisdirektionsbezirk Zwickau, im Amte Grünhain, an der Chaussée nach -Chemnitz gelegen. Sie ist offen, amtsässig und der Sitz des Amtes -Grünhain. 153 Häuser mit 1389 Einwohner (1839) enthaltend. Die Stadt -liegt untern 30° 28′ der Länge und 50° 34½′ bis 35′ der Breite. 1⅛ -St. NNOlich von Schwarzenberg, 1 St. von Elterlein und 3 St. von -Annaberg; östlich 2¼ Stunde von Scheibenberg, 2 St. von Schlettau und -3 St. von Geier; 1 St. südlich von Zwönitz; 1½ St. SOlich von Lößnitz; -1½ St. von Aue und 3 St. von Schneeberg OSOlich, gegen 2000 par. Fuß -über dem Meere. -- Wo dermalen das Amthaus mit seinem sogenannten -+Klostergarten+ steht, stand früher ein Cistercienser Kloster, welches -1142 (nach +Weinarts+ weiter unten angeführten Schrift: um das Jahr -1170, indem es in diesem Jahre mit Cistercienser Mönchen, aus dem -Kloster +Sittichenbach+, und dieses 1141 aus dem Kloster Walkenreden -besetzet worden sei), nach Andern 1236 gegründet und 1536 wieder -aufgehoben wurde. Von den Aebten des Grünhainer Klosters sind nur -noch folgende bekannt: Abt +Nicolaus+ 1443, +Liborius+ 1456, +Johann -Funk+ (+Johannes+) 1475, +Paul Morgenstern+ von Zwickau, +Gregorius -Küttner+ 1517, +Johannes+ (+Göpfert+) der letzte Abt 1533, wurde dann -1536 lutherisch, heirathete und zog nach +Schlettau+. s. +Oesfeld+ -historische Beschreibung von Lößnitz (1777) II. ~pag.~ 65--76. -- -+Erb-+ und +Lehnbrief Ottocari+, Königs von Böhmen, an das Kloster -Grünhain v. Jahre 1261 (in den unschuldigen Nachrichten, 1725, ~pag.~ -529.) -- +Summarischer Extract+ eines diplomatischen Manuscripts vom -Kloster Grünhain (s. +Horn's+ Handbibliothek II. ~pag.~ 304--19.) -- -+Beschreibung+ von +Grünhain+ vom Pastor +Schreiter+ in Elterlein (s. -Erzgebirg. Boten. 1808. ~pag.~ 218--24.) -- ~M.~ +Freibergs+ gelehrte -Grünhain. Dresden 1737. 4. 2. Bogen. -- Altes aus allen Theilen der -Geschichte ~C. I.~ ~pag.~ 415. -- ~+Schoettgen+ et +Kreyssig+ diplomat. -II.~ ~No.~ 17. -- Tobias +Schmied+ in ~Chron. Cygnea Part. I.~ ~Cap.~ -4. ~pag.~ 18 u. 19. -- ~+Ecksterm.+ in Chron. Walkenred.~ ~pag.~ 48. --- ~+Schmied+ dict. Chron. Part. poster. in Annal.~ 1429. ~pag.~ 189. -+Weinarts+ Rechte u. Gewohnheiten der beiden Markgrafthümer Ober- und -Niederlausitz. Leipzig; 1793. 1. Th. ~pag.~ 512. -- +Richter+ a. a. O. -1. Th. 1. Stück 1746. ~pag.~ 6. u. dessen 2. Th. 1. Stück. 1748. ~pag.~ -33. -- +Schumann+ a. a. O. 3. Band. ~pag.~ 602--610. u. 16. Band, -~pag.~ 561--575. -- - -[28] Nach +Albinus+ a. a. O.; +Groschupf+ (~Oratio degentis -Trillerianae ortu, progressu et insignibus~) und nach ~Dr.~ Daniel -Wilhelm +Trillers+, sächsischer Prinzenraub, hat Prinz +Albrecht sich -gestellt+ als habe er einen so heftigen Hunger und Durst, daß er erst -selbigen stillen müsse, ehe er weiter reiten könne. - -[29] s. +Tenzels+ curieuse Bibliothek. 2. ~Repositor.~ 744. -- -+Richters+, Chemnitzer Chronik. 2. Th. 1. Stück ~pag.~ 34. -- - -[30] Der Kurfürst ließ sie auf seine Kosten umgießen und die ganze -Darstellung des Prinzenraubes nebst des Köhlers Bildniß darauf -prägen. Allein sie sprang 1530 abermals und wurde 9 Jahre nachher -eingeschmolzen. -- - -[31] Nach Albinus a. a. O. war es nur ein Vorwand, indem der Prinz -schon die Köhler von weiten gesehen hätte. -- - -[32] Wahrscheinlich sagt +Schreiter+ a. a. O.: brannten sie die Kohlen -für die Schmiede in Geier und wurden von ihnen mit Brod ausgelohnt. -Auf diese Vermuthung bringt mich +Oesfeld+, welcher im Schömburgischen -Kalender vom Jahre 1798 schreibt: »Zur Auflösung dieses Zweifels -verhilft mir ein Kaufbrief über den der hiesigen Kirche und Hospital -zu Lößnitz gehörenden +Grünwald+, daß derselbe an den +Schmiedewald+ -grenze. Der Name des Schmiedewaldes rührt von den Geierschen Schmieden -her, welche das Holz darauf gekauft und zu Kohlen haben brennen -lassen. Da Geier eine alte Bergstadt ist, (erbaut im Jahre 1395. -Richters Annaberger Chronik. Th. 1. ~pag.~ 8.) welche eher als die -umliegenden Orte gestanden hat: so muß auch das Handwerk der Schmiede -dort zahlreich und wohlhabend gewesen sein, dazu die Bergschmiede -anbei viel müssen beigetragen haben. Da sie nun auf dem Schmiedewalde -in einer Entfernung von 3 Stunden haben kohlen lassen; so ist es -wahrscheinlich, daß sie auch solches auf dem Fürstenberge haben thun -lassen können. (Der Fürstenberg hieß früher Schmiedewald.) Nimmt man -nun an, daß dieses geschehen sei, so läßet es sich erklären, daß sie -auch die Köhler mit Brod versorgt haben, folglich der +Bruderssohn+ des -+Georg Schmidts+ in +Geier+ und nicht in Grünhain das Brod hat holen -lassen.« -- - -Wenn nun die Herrn +von Schönburg+ den Schmieden zu Geier Erlaubniß -ertheilten, im Schmiedewald Kohlen zu brennen, so ist +Oesfelds+ -Vermuthung ganz richtig, daß sie ihnen auch am Fürstenberge auf -demjenigen Hartensteinischen Theil, der ihnen damals noch gehörte, -diese Erlaubniß ertheilen konnten. -- s. ~Vulpius l. c. §.~ 24. -- - -Die Hartensteiner und des Grünhainer Klosters Besitzungen lagen nämlich -damals sehr untermengt untereinander. - -[33] +Schweinitz+ soll wirklich nach Albrecht einen +Schwerdtstreich+ -geführt haben. s. +Albinus+ a. a. O. ~pag.~ 270. -- - -[34] Man schlägt nämlich mit einem Messer, das bei den Bergleuten und -Köhlern +Zschörper+ heißt, auf das Eisen einer Holzaxt und der Schall -davon ist sogleich allen Köhlern ein Zeichen, daß Gefahr vorhanden -sei. -- - -[35] ~D.~ +Triller+ a. a. O. 77. ~sub lit. R.~ und ~Fabricius in Origg. -Sax. lib. VII~. - -[36] Daß +Liborius+, Abt zu Grünhain im Jahre 1455 gewesen ist, sieht -man daraus, indem +Horn+ in seiner Handbibliothek ~pag.~ 316 einen -Auszug aus einer Urkunde, die Abt +Liborius+ in demselben Jahre -ausgestellt hat, liefert. -- Die ganze Urkunde aber findet man in -~Historia diplomatica Abbatiae Grunhaynensis~. §. 55., welches Werk in -~Schoetgenii et Kreysigii scriptoribus Hist. Germ. med. aevi. Tom. II.~ -526.--569. eingerückt ist. -- Eine andere Urkunde dieses Abtes von 1456 -enthält +Wellers+ Altes aus allen Theilen der Geschichte. 4tes Stück -417. -- - -[37] Mehrere Geschichtsforscher wollen behaupten, daß er in +Grünhain+ -übernachtet hätte. -- - -[38] In +Schmiedts Zwickauer Chronik+, ~pag.~ 444 wird deswegen -die Ablieferung nach Zwickau behauptet, weil er als Hauptmann -(Amtshauptmann) zugleich Klostervoigt zu Grünhain, und der Klosterhof -zu Zwickau, die Klostervoigtei gewesen sei und die Markgrafen zu -Meißen, nachher Kurfürsten zu Sachsen, hätten durch ihre Hauptleute zu -Zwickau immer die Voigteigerechtigkeit verwalten lassen. - -[39] Diese wurde erst im Jahre 1821. eingerissen und das jetzige -+Amthaus+ dafür erbaut. Bis dahin existirte aber noch die -+Fürstenstube+ oder der +Fürstensaal+ in dieser Schösserwohnung, in -welcher, der Sage nach, Prinz +Albrecht+ geschlafen hat. - -[40] +Eisenburg+ ist eine ehemalige Burg im Zwickauer -Kreisdirectionsbezirk, in der schönburgischen Herrschaft +Stein+, im -Amte Lößnitz, ½ Stunde südl. von Hartenstein auf dem linken Ufer der -Mulde, im Steinschen Walde gelegen. Es sind von derselben nur einige -Ruinen übrig, und unter dem Namen des +Raubschlosses+ bekannt. Der -Eisenburg gegenüber führt durch die Mulde der sogenannte Eisenfurt -und nicht weit davon befindet sich die Eisenbrücke, beide von den -Eisenfuhren so genannt, die sonst häufig zwischen Lößnitz und -Schneeberg verkehrten. Man vergleiche +C. G. Grundigs+ Nachrichten von -dem in der Herrschaft Stein ehemals gelegenen Schlosse Eisenburg. (in -Kreißigs Beitr. II. ~pag.~ 378--391.) In +Schumann+ a. a. O. Band 15. -~pag.~ 569. steht geschrieben: »Es unterliegt wohl keinem Zweifel, -daß +Mosen+ den Kurprinzen +Ernst+ hierherbringen wollte, vielleicht -gar aus Mißverständniß, da Kaufungen ihn vielmehr nach +Eisenberg+ in -Böhmen geschafft wissen wollte; denn wie sollte Mosen außerdem in die -Gegend der sogenannten Prinzenhöhle gerathen sein? Nach der Volkssage -war damals die Mulde so angelaufen, daß Mosen sich nicht hinüber -wagte, und sich lieber in den erwähnten Stollen (Höhle!) verbarg. -- -Nach Grundigs Meinung wäre die Eisenburg ums Jahr 1060 erbaut, und von -jeher ein Zubehör oder eine Vorpost vom nahegelegenen Schlosse +Stein+ -gewesen.« -- - -[41] Die +Höhle+ hieß früher die sogenannte +Teufelskluft+, die aber -seitdem +Prinzenhöhle+ genannt wird. - -Nach +Engelhardts+ Denkwürdigkeiten der sächs. Geschichte, Theil 1. -~pag.~ 83. befindet sie sich: »am rechten Ufer der Mulde, der auf -dem jenseitigen Berge liegenden +Eisenburg+ gegenüber (jetzt sieht -man nur einige Ueberreste), ist von zweien oben zusammen gewachsenen -Felsen gebildet, hat eine dreieckige Oeffnung und ist 36 Ellen lang -und 4 Ellen breit. Unten am Fuße des Berges ging die fränkische und -Nürnberger Straße vorbei. Man sieht noch in der Mulde Ueberbleibsel -von steinernen Pfeilern einer ehemaligen Brücke bei seichtem Wasser -und auch die alte Furt. Die Höhle war ganz mit Bäumen und Sträuchern -verwachsen und ihrer erhabenen Lage wegen besonders bequem, den -geraubten Prinzen zu verbergen. Man konnte auf die Landstraße sehen, -unbemerkt jeden Angriff beobachten und sich dann auch mit leichter -Mühe vertheidigen, weil der Aufgang zu der Höhle sehr steil ist.« --- In einer Anmerkung sagt derselbe Schriftsteller auch: »Man hatte -sie längst vergessen und Niemand wußte sie zu zeigen. Im Jahre 1779. -aber wurde sie bei der Vermählung einer +Gräfin von Hochberg+ mit dem -+Grafen von Schönburg+ den 19. August wieder aufgesucht, gesäubert, -mit einer Inschrift versehen und zu verschiedenen Feierlichkeiten -gebraucht.« - -+Schreiter+ a. a. O. sagt von dieser Höhle: Die Höhle war ganz -verwachsen bis 1779. bei der Vermählung der Comtesse in Hartenstein, -+Sophie Friederike Erden+ mit dem Herrn +Grafen v. Hochberg+ in -Schlesien, wo sie wieder vom Buschwerk befreit und zugänglich gemacht, -auch inwendig auf einer aufgehangenen Tafel die Feierlichkeit eines -dabei gehaltenen ländlichen Mahls aufgezeichnet wurde. Seit 1796 aber -hat der damalige Eigenthumsherr der Herrschaft +Hartenstein+ mit -+Stein+, +Fürst von Schönburg+, einen geräumigen Weg im Zickzack mit -Ruhebänken anlegen und oben an dem schauerlichen Absturz ein Geländer -machen lassen. -- - -[42] s. +Engelhardt.+ a. a. O. Th. 1. ~pag.~ 84. -- - -[43] Daß +v. Mosen+ und +v. Schönfels+ den Prinzen an +Friedrich+ und -+nicht+ an +Veit von Schönburg+ ablieferten. s. +Schreiter+ a. a. O. -~pag.~ 246. ff. -- - -[44] +Triller+ a. a. O. ~pag.~ 100. - -[45] s. +Engelhardt+ a. a. O. Th. 1. ~pag.~ 86. Die deshalb -gewechselten Schreiben s. beim ~Vulpius l. c. pag.~ 26. Auch findet man -eine spätere Urkunde ohne Datum, wodurch die beiden Verbrecher, die -ungeachtet jener Zusicherung, das Land meiden mußten, von dem Kurfürst -+Ernst+ und seinem Bruder völlig begnadigt wurden, beim +Tentzel+ a. a. -O. ~pag.~ 787. - -[46] Dieses versichert +Richter+, in seiner Chronik von Chemnitz, 2. -Theil. 1 Stück 39., der es aus einem Fragmente einer Urkunde beweisen -will. -- - -[47] +Ebersdorf+ liegt im Zwickauer Kreisdirectionsbezirk, im Amte -Augustusburg, 1½ Stunde nordöstlich von Chemnitz bei Lichtewalde am -Angerbache. -- - -[48] +Engelhardt+ a. a. O. Th. 1. ~pag.~ 88. beschreibt die Kleider -so: »das eine Röckchen ist von rothem, grünen u. aschfarbigem, das -andere von rothem, schwarzen u. weißem Landtuche. Sie sind mit Eisen -ausgehackt und überall durchschnitten, wie man sie damals über -Harnische zu tragen pflegte. Jedes ist 1⁹/₁₆ Elle lang, u. am Halse -sehr weit ausgeschnitten. Die beiden schwäbischen Westerhemdchen haben -um und um Falten und bunt genähte Borten. Des Köhlers Anzug besteht -aus: einer grünen Tuchmütze, einem Rocke, Hemde und Kappe. -- - -[49] s. ~Vulp. Plag. Kauff.~ §. 27. +Ranisch+, verhinderten Raub der -sächsischen Prinzen ~pag.~ 8. Ueber die Aechtheit der prinzlichen -Kleider lese man die Schrift: ~Progr. de vestibus nunquam mutatis sed -adhuc antiquis Princ. Ernesti atque Alberti Ebersdorf conservatis; ed. -I. G. Hager, 4. Chemn. 1746~. - -[50] s. +Engelhardt+ a. a. O. Th. 1. ~pag.~ 89. - -[51] ~Hageri programma de vestibus nunquam mutatis, sed adhuc antiquis -1749.~ +Haschers+ Magazin 1784. 67. Mehrere Nachrichten von diesem -+Nosseni+ findet man im 1. Band von +Grundigs+ Nachrichten zu der -Geschichte von Obersachsen. -- Die Kosten der Reinigung der Kleider -durch +Nosseni+ betrugen: 31. fl. 15 gr. 11 pf. - -[52] Die Messe wurde vom Pabst +Calixt+ III. 1456 bestätigt siehe die -Urkunde beim +Teetzel+ a. a. O. ~pag.~ III. -- - -[53] ~Schoettgenius l. c.~ ~pag.~ 338. -- - -[54] +Schreiter+ a. a. O. ~pag.~ 183. sagt: - -Schon Markgraf +Friedrich der Gebissene+ von Meißen ertheilte im J. -1294 dem Rathe zu Freiberg ein solches Privilegium, welches folgenden -merkwürdigen Inhalt hat: - -»Wir Marcgreve Friedrich von Meisen, pfalicggreve von sachsen etc. -bekenne an diesem brive, daß wir uns mit unsern liben burgeren von -Vriberc underredet haben, alshi nach geschriben stet. Unser gesworen -sullen gewaldic sin unser recht czu rungnen unde czusecren alliz daz -+uns unsir stat+ und +unsern bercwerke+ nuzce ist, unde was wir mit -im +überkumen+, daz sal nimand wider reden. Wenn sie uns dazc gelobt -haben, so gelobe wir in daz wider, daz sie irs liebes, irs gutes nummer -ane varn sule vor uns sin +Vorwirket sich ymand yen uns, das wollen -wir eugen unde teidiegen nach irme rate+. Daz wir diz gancz und stete -halden. Das geb mir in diesen Brief besigelt mit unserem Insigeln. -Unde der ist gegeben nach Gotes geburt, Tusend jar, zweihundert jar, -in dem vir unde neucegistene jare, an denen tage der ufart unsers -herrengotes.« -- - -(Dieses Privilegium befindet sich im ~Theatr. Freiberg.~ 169.; in -+Klotzschens+ Ursprung der Bergwerke in Sachsen 283. -- - -Eigentlich war dies nur ein Bestätigungsbrief eines Privilegiums, das -schon +Heinrich der Erlauchte+ dem Rathe zu Freiberg gegeben hatte, -welches auch +Klotzsch+ in der jetzt genannten Schrift. ~pag.~ 281. hat -abdrucken lassen, wo es unter andern heißt: - -~volumus, ut siquid in Vriberc vel inmontibus judicandum sit vel -tractandum, quod hoc fiat coram Advocato et illis viginti quatuor -burgensibus nostris de Vriberc.~ -- - -Friedrich erweiterte aber nachher dies Privilegium und verstattete dem -Rath zu Freiberg zu richten, nicht blos was dem Bergwerk, sondern auch -+Ihm+ und der +Stadt+ zum Nutzen gereichen würde.) - -[55] Nach der damaligen Strafe für den Menschenraub. s. +Freiberger+ -Stadtrecht, ~Cap.~ 5 und 22. - -+Sachsenspiegel.+ Band 2. ~Art.~ 13. - -+Sächs. Weichbildrecht.+ ~Art.~ 112. - -jedoch wahrscheinlich ohne Haltung von Acten hierüber, mithin auch ohne -eine vorher stattgefundene Defension. - -s. +Schreiter+ a. a. O. ~pag.~ 176. ~ff.~ - -[56] Die Hauptquelle dieser Begebenheit ist das Kurfürstliche, -schon angeführte +Manifest+. -- Zu den ältern von +Häberlein+ in -seiner Reichshistorie. Th. 6. ~pag.~ 333. ~not. f.~ angeführten -Geschichtsschreiber sind: - -~Kammermeister l. c. Adpend. ad Annales Vet. Cell. ap. Mencken. Th. 2. -pag. 428.~ und ~Ursinus in Chron. Thuring. pag. 1332.~ - -(der aber verschiedene Irrthümer enthält) beizufügen. Manches Einzelne -der Erzählung findet man erst in spätern Geschichtsschreibern, -besonders beim +Albinus+ a. a. O. ~pag.~ 267. ~ff.~ - -[57] +Engelhardt+ a. a. O. 1 Bd. ~pag.~ 31. schreibt davon folgendes: -Als +Kunz von Kauffungen+ Oberster bei den Nürnbergern war, waren -dieselben 1449 mit dem Markgrafen von Brandenburg +Albrecht+ III., -in offene Fehde gerathen. Kunz erwarb sich dabei viel Ruhm, und es -war Schade, daß er ihn durch eine unedle Handlung herabwürdigte. Am -St. Gregorius Abend in der Fasten kam es zwischen den Nürnbergern und -dem Markgrafen in einem Walde zu einem hitzigen Gefecht. Kunz von -Kauffungen kämpfte mit fünfzig reißigen Schützen, die er anführte, so -wacker, daß er den Markgrafen selbst gefangen bekam. Behielt er ihn, -wie es seine Pflicht als Kriegsoberster der Nürnberger forderte, so -hatte die Fehde gleich ein Ende und dem Blutvergießen war auf beiden -Seiten gesteuert. Allein der gewinnsüchtige Kunz ließ ihn gegen ein -tüchtiges Lösegeld +heimlich+ wieder los und so wurde denn die Fehde -mit Erbitterung fortgesetzt. -- - -+Diese That+ meinte er in seiner letzten Stunde auf dem Schaffote. -- -s. auch ~Christ. Schoett.~ -- ~gen. l. c. pag. 334.~ -- - -[58] +Albinus+ a. a. O. ~pag.~ 373. - -Wegen des Dorfes findet sich Verschiedenheit der Angabe. s. ~Schoettgen -praetermissa pag. 14~. - -[59] s. ~Vulpius l. c.~, welcher die Belohnungen und Wohlthaten -ausführlich beschreibt. - -[60] Gegenwärtig beziehet dieses Gnadenkorn der Herr Pastor +Triller+ -in +Negelstädt+, 1. Stunde von Langensalza an der Unstrut und mithin -im thüringer Kreise des königlich preußisch gewordenen Antheiles von -Sachsen gelegen. Früher bezog dieses Deputat der Tuchmacher +Johann -Samuel Triller+ in +Saalfeld+. s. +Schreiter+ a. a. O. ~pag.~ 95. - -[61] +Eckardsbach+, +Eckersbach+ ist ein unmittelbares Amtsdorf im Amte -Zwickau, ¼ Stunde nordöstlich von Zwickau. Es besteht aus 15. Häusern -und über 100 Einwohnern, welche nach Zwickau in die St. Moritzkirche -eingepfarrt sind. Das Freigut in Eckardtsbach haben viele mit dem -Kretzscham zu Rothensehma verwechselt, allein +Schreiter+ a. a. O. -~pag.~ 74 ff. hat solches sehr gründlich widerlegt. - -[62] +Triller+ ist ein altdeutsches Wort und heißt so viel als: plagen, -ängstigen, zerschlagen. s. übrigens +Triller+ a. a. Orte. ~pag.~ 123. -- - -[63] +Elterlein+ ist eine kleine Bergstadt, 1 Stunde von Grünhain -und 1¼ Stunde vom Fürstenberge, 1909 Einwohner und über 180 Häuser -enthaltend. s. übrigens mehr davon in ~M.~ +Freibergs+ Abhandlung von -gelehrten Elterleinern. 4. Dresd. 1739. Natürliche Seltenheiten um die -Gegend Elterleins, s. in +Grundigs+ Natur- und Kunstgeschichte II., -~pag.~ 97. u. 108. -- +Richters+ Annaberger Chronik 2. Th. 1 Stück -~pag.~ 30. -- +Schumann+ a. a. O. 2. Band ~pag.~ 432--35. u. 15. Band. -~pag.~ 628--33. -- +Ziehnerts+ kleine Kirchen- und Schulchronik der -Ephorie Annaberg u. Grünstädtel. Annaberg 1839. ~pag.~ 173 ff. -- -+Schreiter+ a. a. O. ~pag.~ 49. -- - -[64] s. +Schreiter+ a. a. O. ~pag.~ 66. u. +Gast+, Geschichte des -sächs. Prinzenraubes, Zwickau 1823 4. ~pag.~ 29. (es enthält diese -Schrift zugleich eine Zusammenstellung der Schriften über jene -Begebenheiten und die Portraits der bei ihr betheiligten Personen.) -- - -[65] s. +Engelhardt+ a. a. O. Band 1. ~pag.~ 90. -- - -[66] Diese 1--4 genannten Gemälde in größerem Formate, ingleichen -die letzterwähnten 30 Portraits in kleinerm Formate befinden sich in -einem Werke, welches beim Buchhändler +Weber+ in Ronneburg erschienen -ist. -- Nachbildungen dieser Gemälde giebt +Gast+ a. a. O. -- Im -+Staatsarchive+ zu +Dresden+ befinden sich ebenfalls Handzeichnungen, -welche mit jenen Bildern übereinstimmen; ob sie die ersten Entwürfe -sind, kann man nicht behaupten. -- - -[67] Am Erker des Rathhauses zu +Freiberg+ ist ein steinerner Kopf -mit einem gräßlichen Gesichte, großen Knebelbarte und Sturmhaube -ausgehauen, den man immer, wie wohl +fälschlich+, für Kunzens Kopf -hielt. -- - -[68] s. +Engelhardt+ a. a. O. Band 1. ~pag.~ 101. ff. Dieser Gesang u. -andere s. in +Herders+ Stimmen der Völker, auch in +Wagners+ deutsche -Geschichte aus dem Munde deutscher Dichter, Darmstadt 1831. 1. Band -~pag.~ 205. -- - -[69] vorzüglich mit dem Obermarschall +Hugold von Schleinitz+. s. ~Dr.~ -+von Langenns+ Werk über Herzog Albrecht d. Beherzten. 1838. ~pag.~ -141. 146. ff. u. 176. - -[70] s. ~Christ. Schoettgen. Praetermissa quaedam de Conrado (Kunz) -Cauffungo ejusque familia in ejusdem Opusc. cura Grundiii pag. 325~. - -[71] +Haubold von Schleinitz+ nachmals Kurfürst +Ernsts+ und Herzog -+Albrechts+ Gebrüdern von Sachsen, Oberhofmarschall (s. Anmerkung 69), -welcher +Skassa+ bei Großenhain in Gnadenlehn erhielt, war von der -+rothen+ Linie derer +von Schleinitz+, vermählt mit einer +Edlen von -Plato+. - -[72] +Schumann+ a. a. O. unter +Kauffungen+. +Engelhardt+ a. a. O. Band -1. ~pag.~ 29. -- - -[73] Später nahm +Podiebrad+, König von Böhmen den Besitz von dem -Schlosse Isenburg, wovon ~+Fabricius+ in origg. Saxon. liber VII. p. m. -773~ die Ursache davon angiebt. - -[74] so schreibt ~Dr.~ +von Lagenn+ a. a. O. ~pag.~ 29. Die Urkunde -befindet sich ebenfalls in diesem Werke ~pag.~ 513. - -[75] Ist im Königreich Preußen, Provinz Schlesien, Regierungsbezirk -Liegnitz, an der +Katzbach+ gelegen. - -[76] ebendaselbst gelegen, doch nicht an der Katzbach sondern am -+Zacken+ und Bober. - -[77] +Kauffung+ berühmt durch seine Marmorbrüche. - -[78] Daselbst führt auch ein sehr bedeutender Wald den Namen: -+Kauffunger+-Wald. - -[79] Der +Schürbaum+, der die Gestalt einer Keule hatte, wird jetzt bei -dem Köhler selten mehr gebräuchlich sein. Statt dessen bedienen sie -sich des sogenannten +Garschlägels+, welcher eine Aehnlichkeit mit dem -Stockschlägel der Holzmacher hat. - -[80] Dieser +Schürhaken+ wird jetzt +Spreißhaken+ genannt und ist -gemeiniglich nicht mehr doppelt, sondern nur einfach gekrümmt. -- - -[81] Dieses Wappen findet man in ~Vulpius l. c.~ - -[82] Diesen Namen führen 4 verschiedene Orte, nämlich das -Bergstädtchen +Böhmisch-Wiesenthal+, am rechten Ufer der Pöhla, am -linken herunter hingegen +Oberwiesenthal+, +Unterwiesenthal+ und -+Hammerunterwiesenthal+ liegen, alle 4 Orte haben Stadtgerechtigkeit, -nur daß die beiden letztern keinen Rath haben, sondern nach Art der -Amtsdörfer dem Justiziariate +Oberwiesenthal+ unterliegen. -- Hier ist -das Städtchen +Oberwiesenthal+ gemeint, welches damals zur Grafschaft -+Hartenstein+ gehörte. - -[83] +Lünig+ a. a. O. ~Tom. XI. pag.~ 271. ff. - -[84] s. +Schreiter+ a. a. O. ~pag.~ 103, daselbst er angiebt, daß er -sie den 18. Octbr. 1797 und am 8. Septbr. 1800 wo wegen großer Dürre -alle Brunnen in hiesiger Gegend vertrocknet waren, besucht und doch -wasserreich gefunden habe. - -[85] dermalen Obersteuerdirector und seit 1833 +Comthur+ des königl. -sächs. Civilverdienstordens. - -[86] gestorben 1833. - -[87] Die +Inschrift+, mit lateinischen Lettern geschrieben, lautet: - -+Fürstenbrunn. Hier wurde Prinz Albrecht, Anherr des königl. -sächsischen Fürstenhauses, am 8. Juli 1455 durch den Köhler Georg -Schmidt, hernach Triller genannt, aus Kunzens von Kauffungen Räuberhand -gerettet.+ - -[88] s. die +Abbildung+ ~No.~ 2. Die +Pyramide+, das Denkmal bildend, -steht auf einem Piedestal von in Jaspis übergehenden braunrothen -Thoneisenstein, an 5 Ellen hoch, hat an der Basis 4½ Ellen ins Gevierte -und wurde 8 Ellen hoch aus Granit bei Schwarzenberg gehauen, welche -13 Stufen bilden. Dasselbe ist mit einer steinernen Mauer, an der -Ruhebänke sich befinden und die in der Mitte das Denkmal mit dem in -dessen Piedestal entspringenden +Fürstenbrunnen+ einfaßt, umgeben. -- -Die Kosten dieses Baues betrugen: 509 Thlr. 10 gr. 11 pf. - -[89] gestorben 1835. - -[90] +~Friedrich August~ der ~Gerechte~+, König von Sachsen, geb. d. -23. Decbr. 1750, regierte vom 16. Septbr. 1768 an bis d. 5. Mai 1827, -wo er sein Erdenleben vollendete. - -[91] geb. zu +Kindelbrück+ 1772. - -gest. zu +Annaberg+ 1834. - -[92] Die +Rede+ ist in Druck erschienen, betitelt: Rede zur Einweihung -des am +Fürstenberge+ bei Grünhain errichteten patriot. Denkmales, -gehalten am 8. Juli 1822. Annaberg bei Ed. Hasper. 8. - -[93] der jetzige Kammerrath +Reiche-Eisenstuck+ auf Schönfeld. - -[94] Dieser hatte sich schon früher für das Denkmal interessirt -und bereits am 28. März 1836 nach erfolgtem Einverständniß mit dem -Justizamte zu Grünhain dort eine Verbotstafel aufrichten lassen, allein -leider! die Erfahrung machen müssen, daß auch eine solche Warnung den -Verunstaltungen nicht Einhalt zu thun vermochte. - -[95] - - 100 Thlr. von Sr. Majestät dem +Könige+ und Ihro Majestät der - +Königin+. - 25 " Se. königl. Hoheit dem Prinzen +Johann+. - 20 " Ihro königl. Hoheit dessen +Frau Gemahlin+. - 20 " Ihro königl. Hoheit der Prinzessin +Auguste+. - 20 " Ihro königl. Hoheit der Prinzessin +Marie Amalie+. - -Diese Beiträge wurden durch den Herrn Minister des königl. Hauses und -Generalleutnant +von Watzdorf+, Excellenz, dem Herrn Rentamtmann von -Schleinitz, der die gütige Verwendung desselben angegangen hatte, -übersendet. - -[96] +Friedrich August+ II., König von Sachsen geb. d. Mai 1797, folgte -den 6. Juni 1836 seinem Oheim, dem König Anton, in der Regierung. - -[97] +Marie+, Prinzessin von Baiern, Tochter König Maximilian's, geb. -d. 27. Januar 1805, vermählt mit Sr. Majestät, den König von Sachsen -den 24. April 1833. - -[98] +Gottesgeschick+ heißt eine gegenüberliegende Bergwerksgrube mit -einem sehr stattlichen Berggebäude, unweit des Giftwerks »+Graul+«. -Gebaut wird auf Silber. - -[99] Ein +Vitriol-+ und +Arsenikwerk+ zwischen dem Schwarzbache und -dem Oswaldsbache, nächst bei Langenberg und Heide, dem Fürstenberge -SOwärts gegenüber, ½ Stunde nördlich von Raschau. -- Dieses Werk gehört -dermalen Herrn +Friedrich Fröhlich Köhler+ zu Beierfeld. s. mehr davon -+Schumann+ a. a. O. Band 16. ~pag.~ 330. ff. - -[100] Der Herr Kreisamtscopist +Karl Süß+ zu Schwarzenberg, welcher -sich als Köhler verkleidet hatte. - -[101] Der Verfasser des Gedichtes ist Herr Pastor ~M.~ +Richter+ zu -Grünhain. - -[102] +Pauline Stiehler+ aus Grünhain, Tochter des Herrn Apotheker -daselbst, und +Rosalie Grimm+, Tochter des Herrn Kaufmann +Grimm+ -daselbst. - -[103] +Melanie Philippi+ aus Grünhain, Tochter des Herrn Justizbeamten -daselbst. - -[104] vorzüglich ist da zu bemerken: 20 Thlr. von Sr. Durchlaucht +Otto -Victor von Schönburg-Waldenburg+ und 10 Thlr. von Sr. Durchlaucht Fürst -+Alfred Friedrich von Schönburg-Hartenstein+. - -[105] s. ~pag.~ 46. -- - -[106] ~C. C.~ aus +Herzberg+, im königl. preuß. Herzogthume Sachsen. - -[107] Herr Rentamtmann von +Schleinitz+ und Herr Finanzprocurator -+Lindner+. - -[108] Es wohnt darin +Franz Anton Richter+ aus Raschau geb. d. 7. Juli -1808 mit seiner Frau und seinen Kindern. Er ist zugleich Bergarbeiter -in der gegenüberliegenden Grube »+Gottesgeschick+«. -- - -[109] s. No. 164. der Leipziger Allgemeinen Zeitung, Donnerstags d. 13. -Juni 1839. ~pag.~ 1912. -- - -[110] sind bereits im Jahre 1839 im Monat December angeschafft worden. - -[111] s. in Abbild. ~C.~ bedeutet das Dach. - -[112] Die Geldbeiträge, welche zum Aufbaue des Köhlerhauses von edlen -Gebern gespendet wurden, findet man speciell verzeichnet in der ersten -Beilage der Leipziger Zeitungen No. 101. 1839 ~pag.~ 1491 ff. unter dem -Artikel: »Dank und Bitte.« -- - -[113] s. +Hebe+. Eine poetisch-musicalische Toilettenausgabe mit -novellistischen und dramatischen Beiträgen, Gedichten, Räthseln etc. -von Fr. Kind etc. Dresden und Pirna 1833 ~pag.~ 155. -- - -[114] Den 8. Juli 1455. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Die Längeneinheit ° auf S. 82 ff. bezeichnet vermutlich Klafter - (ca. 1,7 Meter). - - Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend - korrigiert. - - Unterschiedliche Schreibweisen wurden, sofern nicht unten - dokumentiert, beibehalten. - - Die Korrekturen von S. 89/90 wurden eingearbeitet und sind unten - ebenfalls aufgelistet. - - Korrekturen (das korrigierte Wort ist in {} eingeschlossen): - - S. 2: Plugk → Pflugk - Niklas von {Pflugk} - - S. 2: es eingefügt - Nun traf {es} sich aber - - S. 3: ergänzt: - {(-- das heutige Schweickershain --)} - - S. 3: handschriftche → handschriftliche - eine {handschriftliche} Versicherung aus - - S. 5: ihm → ihn - erklärte {ihn} und seine Brüder als +Landesverräther+ - - S. 5: vom → von - nachdrücklich auf seine Entfernung {von} Herzog - - S. 5: im → in - Kunz trat deshalb mit ihm {in} Briefwechsel - - S. 5: meißnische → meißnischen - auf seine {meißnischen} Güter - - S. 5: dem → dem - auf {den} Donnerstag nach Galle - - S. 7: nehmrn → nehmen - Rache an dem Kurfürsten zu {nehmen} - - S. 7: wären → waren - {waren} verschiedene böhmische Städte - - S. 7: Verträge → Verträgen - den deshalb geschlossenen {Verträgen} - - S. 8: ihm → ihn - Kunz wollte {ihn} durchaus nicht gelten lassen - - S. 9: Augenwerk → Augenmerk - hatte Kunz sein {Augenmerk} gerichtet - - S. 10: Folgender → Folgenden - {Folgenden} Brief, wie er sich in den - - S. 12: solches ergänzt - als {solches} seinen Verschworenen - - S. 15: seinen → seinem - begleitet von {seinem} Reißiger - - S. 21: Entfühung → Entführung - die {Entführung} der beiden Prinzen alles aufgeboten - - S. 23: Prinz → Prinzen - und suchte dem {Prinzen} +Albrecht+ Waldbeere - - S. 23: Fußnotenanker korrigiert - - S. 30: zunehmen → zu nehmen, Fußnotenanker [41] ergänzt. - gegenüber zum Zufluchtsort {zu nehmen[41]} - - S. 30: den → dem - die {dem} jungen, zarten Fürstensohn - - S. 40: mehrfaches → mehrfachen - brachten es nach {mehrfachen} Bitten - - S. 40: den → dem - die Begnadigung {dem} Freiberger Rathe - - S. 40: Prinzenraub → Prinzenraube - die Strickleitern zu dem {Prinzenraube} - - S. 40: weiten → weitem - der bei {weitem} nicht die Schuld dabei hatte - - S. 41: Kauffungs → Kauffungens - und Kunz v. {Kauffungens} treuer Reißiger - - S. 43: Hände → Händen - Befreiung aus Kunzens {Händen} - - S. 45: des → der - Die Entführung {der} Prinzen - - S. 47: mit → nit - Das öhm die Köhler {nit} geleppischt hetten - - S. 48: der Familie → die Familien - Einige Notizen über {die Familien} - - S. 51: Sepbt. → Septbr. - starb den 12. {Septbr.} 1500 - - S. 51: ergänzt: - {eine Prinzessin und} - - S. 52: Turzold → Tunzold - dessen Söhne: +{Tunzold}+ und +Heinrich+ - - S. 54: der den → den - zeigt sein Schein über {den} Interimsbesitz - - S. 55: uud → und - {und} es bekannte +Hans von Kauffungen+ - - S. 55: Sanfmüthigen → Sanftmüthigen - den Namen des +{Sanftmüthigen}+ gerechtfertigt - - S. 55: Aussenseite → Außenseite - wie ein Denkmal an der {Außenseite} der - - S. 57: den → dem - Ueber {dem} Helm zeigt sich - - S. 58: welcher → welchen - {welchen} die Kurfürstin vor dem Prinzenraube hatte - - S. 58: Pachter → Pastor - der Herr {Pastor} +Triller+ zu Nägelstädt - - S. 65: Superinteudent → Superintendent - Der Herr {Superintendent} ~Dr.~ +Lommatzsch+ - - S. 69: hinterlich → hinderlich - patriotischen Unternehmungen nicht {hinderlich} - - S. 70: ihre → ihrer - in {ihrer} Mitte sehen zu dürfen - - S. 71: den beiden Lehrern → der beiden Lehrer - und {der beiden Lehrer} der Bürgerschule - - S. 74: einen → einem - auf {einem} mit Blumen bekränzten Körbchen - - S. 75: welchen → welche - {welche} diesem Brunnen zunächst wohnen - - S. 75: konnten → konnte - daß sie gehoben werden {konnte} - - S. 75: jener → jene - Haus erbauet wurde, an {jene} Quelle - - S. 77: Anherrn → Ahnherrn - ihren {Ahnherrn} verehren - - S. 79: Oswaldtsthal → Oswaldsthal - durch das grüne +{Oswaldsthal}+ - - S. 81: nach → noch, Untestützung → Unterstützung - {noch} manche weitere {Unterstützung} erwarten - - S. 82: Vor → Von - {Von} der Hausflur rechts kommt - - S. 83 Kanonofen → Kanonenofen - kleiner gußeiserner sogenannter {Kanonenofen} - - S. 83: man ergänzt - so kommt {man} rechts von - - S. 83: lang → lange - ebenfalls so {lange} und breite +Kammer+ - - S. 84: k → h - befindet sich ein Kuhstand. (~{h}~) - - S. 85: uus → uns - und +Vier+ {uns} halten - - Fußnote 4: Türingen → Thüringen - auch alle Schlösser und Güter in {Thüringen} - - Fußnote 6: deutsche → deutschen - bei welcher alle {deutschen} Fürsten - - Fußnote 8: da unklar (nicht korrigiert) - ~pag.~ 1 {da} 167 - - Fußnote 14: Hanse → Hause - Gastmahl in seinem {Hause} ausrichten - - Fußnote 22: Monument → Monumente - dem jetzt errichteten +{Monumente} hin+ - - Fußnote 22: Zeitungslexion → Zeitungslexikon - Post- und {Zeitungslexikon} - - Fußnote 22: auch → auf - welche {auf} Eisenstein baut - - Fußnote 25: solte → sollte - er {sollte} es nicht thun - - Fußnote 39: exestirte → existirte - Bis dahin {existirte} aber noch die +Fürstenstube+ - - Fußnote 39: Schlösserwohnung → Schösserwohnung - in dieser {Schösserwohnung}, in welcher - - Fußnote 40: wär → wäre - Nach Grundigs Meinung {wäre} die Eisenburg - - Fußnote 41: nnd → und - vom Buschwerk befreit {und} zugänglich gemacht - - Fußnote 45: 1. → s. - {s.} +Engelhardt+ a. a. O. Th. 1. - - Fußnote 53: Schaettgenius → Schoettgenius - ~{Schoettgenius} l. c.~ - - Fußnote 60: Pachter → Pastor - Gnadenkorn der Herr {Pastor} +Triller+ - - Fußnote 66: im → in - Gemälde {in} größerem Formate - - Fußnote 68: deusche → deutsche - +Wagners+ {deutsche} Geschichte - - Fußnote 88: Elle → Ellen - an der Basis 4½ {Ellen} ins Gevierte - - Fußnote 95: Exellenz → Excellenz - {Excellenz}, dem Herrn Rentamtmann von - - Fußnote 104: Alferd → Alfred - +{Alfred} Friedrich von Schönburg-Hartenstein+ - - Fußnote 105: 64 → 46 - s. ~pag.~ {46} - - Fußnote 109: Abgemeinen → Allgemeinen - No. 164. der Leipziger {Allgemeinen} Zeitung - - Fußnote 112: speciel → speciell - findet man {speciell} verzeichnet - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der sächsische Prinzenraub nac - älteren und neueren Quellen, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SÄCHSISCHE PRINZENRAUB *** - -***** This file should be named 50529-0.txt or 50529-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/5/2/50529/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by SLUB: Sächsische -Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek -Dresden at http://www.slub-dresden.de ) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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