summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
-rw-r--r--.gitattributes4
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
-rw-r--r--old/50530-8.txt3778
-rw-r--r--old/50530-8.zipbin51569 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/50530-h.zipbin114000 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/50530-h/50530-h.htm7119
-rw-r--r--old/50530-h/images/cover-page.jpgbin57641 -> 0 bytes
8 files changed, 17 insertions, 10897 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..d7b82bc
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,4 @@
+*.txt text eol=lf
+*.htm text eol=lf
+*.html text eol=lf
+*.md text eol=lf
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..6312041
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..6164518
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #50530 (https://www.gutenberg.org/ebooks/50530)
diff --git a/old/50530-8.txt b/old/50530-8.txt
deleted file mode 100644
index 6758c20..0000000
--- a/old/50530-8.txt
+++ /dev/null
@@ -1,3778 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Die Wupper, by Else Lasker-Schüler
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-
-
-Title: Die Wupper
-
-Author: Else Lasker-Schüler
-
-Release Date: November 22, 2015 [EBook #50530]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE WUPPER ***
-
-
-
-
-Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-
-
-
- DIE WUPPER
-
-
- SCHAUSPIEL IN 5 AUFZÜGEN
- VON ELSE LASKER-SCHÜLER
-
- OESTERHELD & CO · BERLIN 1909
-
- DER LIEBLICHEN PRINZESSIN
- HELLE v. L.
- SCHENKE ICH DIESES BUCH
-
- DAS AUFFÜHRUNGSRECHT FÜR SÄMTLICHE
- BÜHNEN IST DURCH DIE VERLAGSFIRMA
- OESTERHELD & CO., BERLIN W. 15 ZU BEZIEHEN
-
-
-
-
- PERSONEN
-
-
- FRAU CHARLOTTE SONNTAG (Fabrikbesitzerin)
- HEINRICH }
- EDUARD } ihre Kinder
- MARTA }
- DR. JUR. BRUNO VON SIMON
- GROSSVATTER WALLBRECKER
- AMANDA PIUS, seine Tochter
- CARL PIUS, sein Enkel
- MUTTER PIUS (Carls Großmutter väterlicherseits)
- DER PENDELFREDERECH }
- LANGE ANNA } Drei Herumtreiber
- DER GLÄSERNE AMADEUS }
- AUGUST PUDERBACH, Färber
- LIESCHEN, sein Schwesterchen
- GRETE STOMMS, Lieschens Freundin
- WILLEM, Zuhälter, ehemaliger Weber
- ROSA, die Riesendame
- DIE HERREN MIT DEN GRAUEN CYLINDERN
- AUGUSTE }
- BERTA } Dienstboten im Hause Sonntag
-
- Fabrikarbeiter, Fabrikarbeiterinnen, Herumtreiber, Kroatenjungen,
- Jahrmarktleute, Kinder etc.
-
- Der erste und vierte Aufzug spielen im Arbeiterviertel, der
- zweite im Garten vor einer Villa, der dritte auf dem Jahrmarkt,
- der fünfte in einer Art Gartenzimmer derselben Villa. Die
- Schlußverwandlung des fünften Aufzuges spielt im Arbeiterviertel.
-
-
-
-
- ERSTER AKT
-
-
- Arbeiterviertel einer Fabrikstadt im Wuppertale.
-
- Hintergrund bergiger Wald. Links im Tal fließt ein schmaler
- Wupperarm nach hinten in einer Biegung auslaufend. Über den Fluß
- führt eine Brücke zu einem Weg, an dem Pius zerfallenes,
- einstöckiges Häuschen liegt. Rechts hinten ein Gäßchen mit hohen,
- alten, schmutzigen Arbeitermietshäuschen. Im ersten, nur noch
- halb sichtbaren Hause, wohnen im obersten Stockwerk Puderbachs.
-
- Links von der Wupper eine Wiese -- in der Ferne sieht man
- dampfende Schornsteine von Fabriken und andere Häuser etc.
-
- Vor Pius' Häuschen steht eine Bank, neben dieser ein breiter
- Strauch. Vor einem Steg, der im Hintergrund in den Wald führt,
- brennt eine alte Laterne, die während des ersten Aufzuges langsam
- erbleicht.
-
-Großvatter Wallbrecker, Carl Pius, Frau Amanda Pius, Mutter Pius,
-Lieschen Puderbach, August Puderbach, der Pendelfrederech, Lange Anna,
-der gläserne Amadeus, zwei Helfershelfer, Kroatenjungen.
-
-Großvatter WALLBRECKER: Hör auf Dein alten Großvatter, Carl, schmeiß den
-Gelehrtenkrams beis Gerömpel. Du bist man so recht was für'n Meister,
-Gesellen müßt De unter Dein Kommando hab'n.
-
-CARL: Laß mich man erst Pastor sein, Großvatter, dann werden die
-Meisters meine Gesellen.
-
-Gr. W.: Und das Liesken drüben sollst Du doch frein.
-
-CARL (Überlegen wie zu einem Kind): Die heirat' mich um so lieber.
-
-Gr. W.: Fünfundzwanzig Jahr hab ich mit dem Liesken sein Großvatter am
-Webstuhl gesessen, und doch war das Leichentuch zu klein für uns zwei.
-(Pause). Es nimmt en Pastor schon, aber, zum gelehrten Mann gehört en
-feines Weib un zum Pastor eine Pastorin -- un der alte Großvatter gehört
-auch nicht rein in's Treibhaus!
-
-CARL: 'N en bequemen Sorgenstuhl kauf ich Dir, Großvatter, auf einem
-weichen Polster sitzt Du und tust den ganzen Tag niks andres wie
-schlafen, spazierengehen und schmöken. Was sagst De dazu, Vatter
-Wallbrecker?
-
-Gr. W.: Mit die Kaplans komm ich in Kollektion, daß Vatter Wallbreckers
-Enkelsohn Pastor is, sie haben mich schon das Haus eingelaufen wegen
-Dein Vater sein lutherschen Glaubens.
-
-CARL: An was Du alles denken tust.
-
-Gr. W.: Tum Tingelingeling, Carl, die alte Truthenne hat auch Dein Vater
-immer in die Ohren gelegen. Ein fleißiger Färber wars; (zeigt auf das
-Wasser der Wupper) da rinnt sein Blut. -- Fällt dem mit einmal ein, er
-taucht für die Arbeit nich mehr, un giftig is er geworden auf sein Herrn
-und seine Gemahlin. Aufgeblasen war se ja man mit die seidene Röck, aber
-en Hochmut darf sie ja hab'n bei so viel Geld. Am hellen Tag auf dem
-Marktplatz hat er ihren adeligen Blossen verhauen.
-
-CARL: Das hat Dir wol großen Kummer gemacht, Großvatter, weil Du es nich
-vergessen kannst.
-
-Gr. W.: Tum Tingelingeling, ein Jahr hab'n sie ihm für seine Missetat
-ins Loch gesteckt.
-
-CARL: (Beileid bezeugend).
-
-Gr. W.: Er war ja sonst ein ehrlicher Arbeiter gewesen.
-
-CARL: (Nickt).
-
-Gr. W.: Un die alte Truthenne hat ihm bald besucht. Mit ihre Quacksalben
-hat sie eine feine Madame den Brand an de Waden geschmiert. Siehst De,
-Carl, un nu meint Amanda, Dir steckt man auch mal rein wie Dein
-überdrüssiger Vatter und Deine studierte Großmutter.
-
-CARL: Die Zeiten hab'n sich geändert, Großvatter.
-
-Gr. W.: Siehst De, da hab'n wir's, bald denkst De auch an Dein alten
-Großvatter Taback nich mehr. (Kindlich schlau).
-
-CARL: Laß man gut sein.
-
-Gr. W.: Wie alt bist De nu, Jung! Puderbachs Aujust bringt schon zehn
-Taler nach Haus. Da läuft er mit seine Schwester, wie mit sein Schatz.
-
- (Man sieht beide geschwisterlich vom Wald heimwärts kommen.)
-
-CARL: Und ich werd' das Dreifache verdienen, laß mich man Zeit, bin ich
-erst Pastor, tust De alle Tage Dein Leibgericht knappern.
-
-Gr. W.: (bedenklich) Wenn es de alte Truthenne mich nich auffressen tut.
-
-CARL: Die bleibt hier an der Wupper in ihr Haus wohnen.
-
-Gr. W.: Und Du willst in de fremde Residenz predigen? Tum
-Tingelingeling, in die luthersche Lutherkirche hier mußt De von de
-Kanzel herunter auf all die reichen Muckerköppe brüllen: (kleine Pause)
-Und ich werd auch auf meine alten Tag en Ketzer werden, wenn es not tut
--- Dich zu Lieb, Carl. Ich hab das (schlägt ein Kreuz) doch verlernt
-(weinerlich), wenn man so immer dran hängen tut.
-
-CARL: Es ist schon spät, Großvatter, ich bring Dich in de Klappe.
-
-Gr. W.: Jung, Jung, Jung, wenn ich es erleben tu.
-
- (Sie schreiten ihrem kleinen Häuschen zu, im Begriff einzutreten,
- umhalst hinterrücks den Großvater Lieschen Puderbach, die ihrem
- Bruder vorangesprungen ist. Arbeiter sieht man in der Ferne
- und hört ihre rauhen Stimmen.)
-
-Gr. W.: Was willst De vom Großvatter, kleines, leckeres Dier? Seh Se
-Dich mal an, Carl, die meint es mit dem alten Großvatter gut.
-
-LIESCHEN: (vergnügt) Kriegst morgen zu Dein Geburtstag 'ne neue Piepe
-von mich, ich hab dem Aujust seine kleine im blauen Sametetui weggekläut
-un sie Herr Stomms gebracht heut. Ich kann mich für sie eine _lange_
-aussuchen wie Deine is, eine nagelneue, Großvatter, (ganz hoch zu
-sprechen) mit en Hirschkopf drauf.
-
-Gr. W.: (freut sich wie ein Kind) Die meint es gut mit dem alten
-Großvatter, Carl. (Er kitzelt Lieschen am nackten Hälschen) Ich klopf'
-ihm auch immer, wenn der junge Herr Eduard kommen tut, was Liesken?
-
-LIESCHEN: (schämt sich).
-
-Gr. W.: (Blinzelt Lieschen vertraulich an) Er fragt mir immer nach es.
-
-LIESCHEN: (altklug zu Carl) Herr Eduard sagt, ich wär seine Königsbraut.
-
-CARL: (sagt, um etwas zu erwidern) Un mich willst De also nich heiraten.
-
-Gr. W.: Tum Tingelingeling, er ist molz ein reichen Herr, was Liesken?
-
-LIESCHEN: Zwei große Bilder aus England hat er gesagt, bringt er mich
-mit hier -- siehst De! siehst De! Ich glaub, er kömmt gleich Dir
-besuchen, Carl.
-
-CARL: (schiebt das Kind ungeduldig zur Seite) Dein Bruder sucht Dich,
-Liesken.
-
-Gr. W.: Ein blaues Maul hat das Luder von'n Beerenfressen.
-
-LIESCHEN: Kuck mal seine Nas an, Großvatter!!
-
-Gr. W.: Die is man wie'n Affe seine gemalen.
-
-LIESCHEN: Aujust, Aujust, wie siehst De aus!!!!
-
-AUGUST: (blickt neidisch auf Carl) Ich bin man blos ein einfacher
-Färber, ich schäm mir nich, von Gottes Waldes Natur zu fressen; Du,
-Großvatter Wallbrecker?
-
-Gr. W.: (Schüttelt mit dem Kopf) Nä.
-
-AUGUST: Du Liesken? (Carl stellt sich an einen Seitenbalken des
-Häuschens, die Arme verschränkt).
-
-LIESCHEN: Wenn De de Mutter fragen tust, August, ob ich die Tante noch
-ein bischen waschen helfen darf, dann sag ich Dich auch, wo Deine kleine
-Piepe im blauen Sametetui is.
-
-AUGUST: Sag!!
-
-Gr. W.: (Schüttelt heftig Lieschen mit dem Kopf zu).
-
-LIESCHEN: (Lacht).
-
-AUGUST: Sag es doch, dummes Weib!!
-
-LIESCHEN: Molz! Ich weiß es doch nicht.
-
-Gr. W. und LIESCHEN: (Lachen August aus, der in komischen Wendungen im
-Begriffe ist, umzukehren, Lieschen verhindert es aber).
-
-LIESCHEN: Aujust, lieber Aujust, frag die Mutter, ja? Ich geb Dich auch
-en Dicken.
-
-AUGUST: Steck den Schmatz man in de Kiste, wenn de heiraten tust.
-
-LIESCHEN: Meine Klümken un de Stange Süßholz kannst De Dich nehmen aus
-Mutter ihre Kommode, Aujust.
-
-Frau AMANDA PIUS: (tritt ans offene Fenster, sie hat die letzten Worte
-Lieschens gehört) So en süßen Kater bist De, Aujust? Warum kömmst De
-eigentlich nich mehr beim Carl herüber?
-
- (Mutter Pius tritt hinter Amanda ans Fenster).
-
-AUGUST: Bei so'n feinen Herr, -- nä, Frau Pius?
-
-Mutter PIUS: Was soll auch unser Carl mit so einen gemeinen
-Baumwollenfärber anfangen?
-
-AUGUST: (Verzieht sich furchtbar komisch mit einem Katzenbuckel).
-
-Mutter PIUS: (zu Lieschen) Und Du müßt' schon in de Klappe liegen.
-
-LIESCHEN: (etwas schüchtern auf Frau Amanda blickend) Ich will die Tante
-noch waschen helfen, daß se morgen dem Großvatter sein Leibgericht
-kochen kann.
-
-Mutter PIUS: Und hat kein Zahn im Maul.
-
-LIESCHEN: Ich kann doch nich schlafen bei so'n Mond, der guckt so rot
-wie Pendelfrederech sein ausgelaufen Aug.
-
-Frau AMANDA: (geheimnisvoll) Hast De das schon gesehen, Liesken?
-
-LIESCHEN: Einmal hat er es mich und Gretchen Stomms gezeigt.
-
-Mutter PIUS: (zynisch) Un hast De sonst niks andres in sein Keller
-gesehn, Liesken?
-
-LIESCHEN: Ich hab immer blos in sein runden, roten Mond geguckt.
-
-Mutter PIUS: Aber en wacker Mädchen bist De geworden: Amanda guck mal,
-Brüst hat es schon, wie junge Salatköppe. (Carl tritt aus seinem Winkel
-auf den Großvater zu).
-
-Gr. W.: Carl, ich komm jetz.
-
- (Mutter Pius tritt in die Stube zurück; Lieschen klettert durchs
- Fenster, Frau Amanda ist ihr dabei behilflich. Dann schließt sie
- das Fenster. Der Großvater und Carl schlendern langsam ins Haus.)
-
-Gr. W.: Nä, wie mich das alles aufregen tut ....
-
-CARL: Was denn?
-
-Gr. W.: Mit Deine Carliäre, Carl.
-
-CARL: Schlaf man ruhig, Großvatter. (Sie treten beide ins Häuschen.
-August schleicht aus seiner Gasse, umlauert das kleine Häuschen von Pius
-und versteckt sich vorsichtig zwischen Strauch und Bank. Unterdessen
-wird das Dachkämmerchen von einem matten Öllämpchen erleuchtet, das
-kleine Fenster ist halb geöffnet. Betrunkene Arbeiter passieren den Weg,
-fluchen, lachen, etc. August gebärdet sich, da er durch den Lärm nicht
-zu hören glaubt, wie ein wütender Clown. Die Arbeiter biegen rechts in
-die Gasse ein. Man hört von oben Amandas Stimme).
-
-Frau AMANDA: Vatter ....
-
-Gr. W.: Jjo ....
-
-Frau AMANDA: So eilig hast De's ja sonst nich, wach auf!!
-
-Gr. W.: Was soll ich um Mitternacht, meine Tochter?
-
-Frau AMANDA: Was hat Carl gesagt?
-
-Gr. W.: Was?
-
-Frau AMANDA: Was er gesagt hat. Du hast doch gesprochen mit ihm.
-
-Gr. W.: Jjo, es is mich man so am Maul vorbeigeschlichen, was fürn
-schönen Posten der Aujust hat.
-
-Frau AMANDA: Un was sagt er drauf?
-
-Gr. W.: Nä, er will nich; de Pastor spuckt ihm in Kopf herum.
-
- { Drei Männer kommen langsam schweigend
- { über die Brücke, der eine murrt
- { unheimlich, es ist der Pendelfrederech,
- { sein linkes, ausgelaufenes Auge bedeckt
- Während { eine schwarze Klappe. Der zweite
- dessen { ist lange Anna, der trägt eine Handharmonika
- setzt { in einem verschossenen
- oben das { Band um die Schulter. Der dritte ist
- Gespräch { der gläserne Amadeus, der nimmt vorsichtig
- fort. { Platz auf der Stufe, die von
- { der Brücke zum Weg führt. Die
- { beiden anderen setzen sich auf das
- { Geländer der Brücke. August bückt
- { sich tiefer unter den Strauch.
-
-Frau AMANDA: Du kannst nich kallen! Ich hab auch keine Lust mehr, den
-ganz Stall zu füttern.
-
-Gr. W.: Gered' hab ich, ihr Weiber denkt wol, ihr habt allein en
-Schnabel, was? (Frau Amanda heult.) Laß das Heulen. (Sie gluckst.)
-Freuen tu ich mir doch auf Carl in Ornaments (schlau kindlich). Noch ein
-paar Jährkes, Amanda, meine liebe Tochter, dann kömmt der Lohn. Glaub
-Dein alten Vatter. (Er kräht noch einmal und schläfert.)
-
-Frau AMANDA: Die Pius hat an alles Schuld, hat se de Finger an mein Mann
-gehabt, soll se mein Jung zufrieden lassen.
-
-Gr. W.: (Aus dem Schlaf triumphierend) Er wird se auch nich einladen zu
-sich in sein Filla neben Kaiser Wilhelm Schloßkirche.
-
-Frau AMANDA: Du träumst wohl? (Sie schüttelt ihn ärgerlich, man hört das
-Bett krachen.)
-
-Gr. W.: Alles präzise Wahrheit, Amanda, diesmal hat de alte Pius gut
-spekuliert. (Kurze Pause.)
-
-Frau AMANDA: Seitdem Du nich mehr zum Heiland beten tust, is alles so
-gekommen. (Sie heult wieder.)
-
-Gr. W.: Ich bet jeden Abend, meine liebe Tochter, ich lüg lieber, als
-daß ich mir nich bedanken tu für seine große Gnade. (Leise singt die
-Türe.)
-
-Frau AMANDA: Kömm man herrein! -- Liesken will Dich gute Nacht sagen,
-Vatter, und denn kannst De schlafen meinetwegen. (Man hört die Tür roh
-ins Schloß werfen.)
-
-LIESCHEN: Großvatter, ich freu mir so auf Deine neue Piepe (ganz hoch
-sprechend) en Hirschkopf hat se!!
-
-Gr. W.: (Lacht wie ein Kind.)
-
-LIESCHEN: Klopfst De un pfeifst De mich, wenn er bei Euch kömmt?
-
-Gr. W.: (Pfeift sehr gelungen.)
-
-LIESCHEN: Dein dicken Zeh guckt ja aus de Federn heraus, Großvatter,
-warte, ich deck Dir zu wie'n Wickelkind.
-
-Gr. W.: Mach auch noch weiter das Fenster offen, ich leid an de Luft.
-
-LIESCHEN: (öffnet das kleine Fensterchen ganz.) Aujust, hier bin ich.
-
-AUGUST: (fährt erschrocken in die Höhe und winkt ab.)
-
-LIESCHEN: Ich komm jetzt runter; gute Nacht, Großvatter Wallbrecker!
-
-Gr. W.: (halb schlafend) Tum Tingelingeling, wenn ich noch se en jung
-Weib im Bett hab'n könnt.
-
- (Lieschen ist im Nu unten.)
-
-AUGUST: (tritt aus dem Versteck, Lieschen eilt zu ihm. August zu den
-Herumtreibern): N'Abend zusammen, kömmt ihr schon von de Arbeit?
-
-Lange ANNA: (hohe Weiberstimme) Wo sonst her, alter Duckmäuser?
-
-LIESCHEN: Amadeus, Du blutest ja.
-
-Lange ANNA: Laß es man bluten aus de Nasenrinnen, was fängt er auch an
-gescheit zu reden aus sein Traumbuch.
-
-AMADEUS: (legt angstvoll die Hand aufs Herz) Un en Sprung hat es
-abgekriegt, Liesken, es tröppelt immer.
-
-Lange ANNA: Laß ens lutschen ran.
-
-AMADEUS: Seid man still: es gibt noch was hinter de Düsterkeit, wart
-man, wenn es erst Licht wird.
-
-AUGUST: (steckt ein Streichholz an) Hier hast De Licht, das können wir
-auch machen. (Zu Lieschen) Versteck de Visage in Dein Schabbesdeckel,
-Lieschen, Frederech hat wieder sein Pendel raushängen. (Frederech
-murmelt grausig.)
-
-LIESCHEN: Ich hab' so 'ne Angst, Aujust, wir wollen bei Mutter gehn.
-
-Lange ANNA: Bange Hippe!
-
-AMADEUS: (mitleidig) Es ist auch Zeit, macht euch nach Haus, so'n
-kleines Blag gehört nicht mehr auf de Straße. (Oben hüstelt der
-Großvater. August und Lieschen biegen ins kleine Gäßchen ein und treten
-in ihr Haus.)
-
-AMADEUS: Ich sag euch, lang mach ich so en Leben nich mehr mit.
-Pendelfrederech, was hast De von Dein Leben?
-
-PENDELFREDERECH: (grausig murmelnd) Ich hab nicks von's Leben, aber es
-hat mir zum Zeitvertreib.
-
-Lange ANNA: (höhnisch) So en verfaultes Zeitvertreib.
-
-PENDELFREDERECH: Nix für seine feinglasierte Fingers, aber wenn es einen
-en Schabernack spielen will, dann holt es mir aus seine Kiste. (Murmelt
-böse.)
-
-Lange ANNA: (lacht) Von de Türen rannten de Kochmamsells und die Herzen
-fielen ihnen in de Buchsen. (Er klopft Pendelfrederech auf die Schulter
-und lacht noch höher auf.) Mit Dich mach ich oft so'ne Opern.
-
-AMADEUS: Und daß de Polizisten Dich nich kriegen tun, Pendelfrederech.
-
-Lange ANNA: Die lachen selber.
-
-AMADEUS: Wat hast De eigentlich von de Sauereien?
-
-Lange ANNA: Und guckst man immer so mit das eine Aug in Dein Kopf rein?
-
-PENDELFREDERECH: Rot seh ich immer, lauter Rot. (Murmelt grausig.)
-
-AMADEUS: De Mutter Pius, die hat en Mittel dafür. Aus dem
-Zuchthauskirchhof holt sie die Totenköpfe und reibt sie zu Zucker. (Sie
-lachen alle drei. Carl tritt, leise vor sich hin pfeifend, aus dem Haus
-und setzt sich auf die Bank. Amadeus spricht ohne Pause weiter, ohne
-Carl zu bemerken.) Mich kann se vielleicht auch helfen. (Er legt die
-Hand zärtlich bange aufs Herz; er bemerkt plötzlich Carl.) Nabend Carl.
-(Rührselig). Es hat en Sprung gekriegt, es klirrt nur immer so drinn.
-
-Lange ANNA: (höhnisch) Deine Großmutter will er consultieren.
-
-AMADEUS: (auf Frederech zeigend) Dem soll se auch lebendig machen; wie
-en Spezialdoktor weiß se mit de Kastemännekens Bescheid, was Carl?
-
-CARL: (hochmütig und abweisend) Sucht euch Arbeit, dann vergehen euch de
-Schrullen.
-
-PENDELFREDERECH: Ich will nich reicher werden.
-
-Lange ANNA: (zu Carl) Tu man nich so aufgeblasen.
-
- (Kroatenjungen kommen, sie heulen.)
-
-AMADEUS: Was heult ihr so spät in der Nacht, heulen könnt ihr noch
-morgen.
-
-KROATENJUNGEN: Aben verkauft nich, garnich, Meister schlägt, tut weh
-....
-
-Lange ANNA: (zu Carl) Pastor kümmer Dir um Deine Gemeinde. (Carl gibt
-sich eine abweisende Würde.)
-
-AMADEUS: Laß man (er faßt in seine Tasche. Die Kroaten gehen weiter.)
-
-Lange ANNA: (zu Carl) Was, Du alter Geizkragen, Du Kreuzverdreher, Du
-Taschendieb. (Er will in Carls Taschen fassen.) Zeig uns ens das fremde
-Portemonnai! (Carl verrenkt mit wortloser Leidenschaft den Arm des
-langen Anna. Der schreit furchtbar grell auf, Amadeus fällt zusammen,
-der Pendelfrederech nimmt ein kleines Metallpfeifchen aus der Tasche und
-pfeift. Geht dann stier, ohne den Erfolg abzuwarten, seines Weges und
-legt sich gegenüber dem Hause Puderbach am Ufer der Wupper nieder. Es
-nahen alsbald drei Helfershelfer aus der Umgegend, die glauben, da man
-lange Anna seines kreischenden Heulens und Jammerns wegen nicht
-verstehen kann, es handele sich um Amadeus und fluchen.)
-
- (Mutter Pius tritt aus dem Häuschen.)
-
-1. HELFERSHELFER: (zeigt auf Amadeus) Wegen den übergeschnappten Pitter?
-
-2. HELFERSHELFER: Pfeift uns der Stinkadores.
-
- (Mutter Pius und Carl bringen Amadeus in ihr Häuschen.)
-
-Lange ANNA: (zeigt vergebens seinen Arm und nach Carl) Ein Mörder is er!
-(Die drei Helfershelfer verstehen endlich, um was es sich handelt,
-drohen, zeigen Messer und werden sehr laut. Der Großvater Wallbrecker
-tritt oben erschreckt ans Fenster.)
-
-Gr. W.: Macht euch zum Teufel, ihr versoffene Nachteulen.
-
-Die drei HELFERSHELFER: Johannes Sohn is ein Mörder, soll sich noch mal
-sehen lassen. (Lange Anna kreischt wiederholend) Ein Mörder, ein Mörder!
-
-Gr. W.: (krähend) Amanda, ruf den Carl bei mich. (Er geht vom Fenster,
-man hört sein Bett knacksen; kräht schlaftrunken) Meine Piepe will ich
-hab'n, (in Lieschens Ton) mit dem Hirschkopf drauf!
-
- (Die Männer verziehen sich drohend, Lange Anna mit ihnen.)
-
-Gr. W.: (Leise) -- Tum tingelingeling ....
-
- (Der Vollmond steht grell am Himmel, leise öffnet sich eines der
- Dachfenster im Arbeiterhause, in dem Puderbachs wohnen. Das
- kleine Lieschen steigt leise mit geschlossenen Augen im
- Nachthemdchen aufs Dach, macht einige Schritte zur Wupper hin,
- wo Frederech liegt und steigt wieder zurück durchs Fenster.
- Pendelfrederech hebt sich bei dem Vorgang langsam auf Vieren und
- stiert gläsern nach dem Dach. Sozialdemokraten singen
- unterdessen, hoch am Wald vorüberziehend, vierstimmig ein
- sozialdemokratisches Lied, man hört die letzten Worte: Denn unsre
- Fahn' ist rot.)
-
-
-
-
- ZWEITER AKT
-
-
- Ein blühender, gepflegter Garten mit Beeten und Rosensträuchern
- und im Hintergrund ein Springbrunnen auf einer kleinen, künstlich
- hergestellten Anhöhe; im Hintergrund ein Pavillon mit bunten
- Fenstern, _den man kaum sehen kann_. Rechts ein weinumrankter
- Treppeneingang, der in die alte Villa Sonntag führt. Links im
- Vordergrund ein Zelt mit Tisch, Bank und Stühlen. Zwischen
- Gartenzaun und Nachbarmauer zieht sich eine in die Stadt
- führende, schmale Gasse. An der Nachbarmauer ist ein Blechschild
- angebracht mit üblicher Warnung, aber es ist schon alt und
- ruiniert und seine Aufschrift unleserlich.
-
-Frau Sonntag, Heinrich, Eduard, Martha, Carl Pius, Mutter Pius, Auguste
-und Berta, die drei Herumtreiber: Pendelfrederech, Lange Anna, der
-gläserne Amadeus.
-
-Mutter PIUS: Lassen Se mir ihm zwischen de eurigen sehn, das freut so'n
-altes Großmutterherz.
-
-BERTA: (gnädig und geziert) Unsere Frau ist auch so freundlich zu ihm
-und erst (respektvoll) der Herr Eduard.
-
-Mutter PIUS: Was Se sagen -- aber, is er das vielleicht nich wert? In de
-früh um fünf kömmt euer junger Herr und holt ihm aus dem Nest und frägt
-ihm hie und da wegen dem Examen.
-
-BERTA: (schnippisch) So klug ist der Carl?
-
-Mutter PIUS (überlegen): Wann er _mein_ Enkelsohn ist?
-
-BERTA (lacht vorlaut. Sie will Mutter Pius verlassen, stellt das Tablett
-mit dem Abendgeschirr auf die Bank -- die Servietten vergeßlich unter
-dem Arm haltend.)
-
-Mutter PIUS: Hab'n Se's so eilig, Berta, sonst verzählen Se sich doch so
-gern mit mich?
-
-BERTA: Ich habe keine Zeit.
-
-Mutter PIUS: Sie haben wohl den Kopf vom Schatz voll?
-
-BERTA: Wer sagt Ihnen, daß ich einen Schatz habe? (Berta pflückt sich
-eine Kamille vom Beet und läßt dabei zwei Servietten fallen.)
-
-Mutter PIUS: Wer das sagt? Raten Sie ens! -- Die Karten. (Berta stemmt
-neugierig die Hände in die Seiten. Mutter Pius hebt die zwei
-herabgefallenen Servietten auf und liest wohlgefällig den Namen auf dem
-Serviettenring.)
-
-Mutter PIUS: (zu sich) Wie en Kind im Haus ....
-
-BERTA: Na was sagen denn die Karten all, Mutter Pius? (schmeichlerisch.)
-
-Mutter PIUS: (Läßt Berta ein bißchen zappeln) Das möchten Sie wohl
-wissen, Berteken?
-
-BERTA: (Nickt geziert).
-
-Mutter PIUS: Dein Schatz wird Dich untreu, aber eine weite Reise machst
-De übern Ozean, und ein reichen Millionär lernst De kennen.
-
-BERTA: _Donnerstag!_ (verwundert) Unser Fräulein hat mir zwei Nächte
-hintereinander im Schiff gesehen.
-
-Mutter PIUS: Siehs De!!
-
-BERTA: Aber zu Auguste haben Sie am Sonntag gesagt, mein Schatz wär ein
-robuster Mann mit einem Schnauzbart.
-
-Mutter PIUS: Ich hab das gesagt? Laß mir ens besinnen .....
-
-BERTA: (geziert) Aber er ist von kleiner Statur und trägt einen hellen
-Spitzbart.
-
-Mutter PIUS: (weissagend, komisch) Un adlig is er.
-
-BERTA: _Donnerstag._ (Verwundert.)
-
-Mutter PIUS: Das dumme Weib, geärgert hat sie sich, daß der Coeurkönig
-nich bei ihm lag und es zwanzig Jahr auf einen warten muß. Un da hat es
-Dir vor Neid angeschmiert. Nä, Berteken, daß De so dumm bist!
-
-BERTA: Ich werd's der besorgen!
-
-Mutter PIUS: Laß man, es is ja en arm Dier mit sein scheeles Aug und
-seine schiefe Schultern, laß man Berteken.
-
-AUGUSTE: (steht im Seitengang, der aus der Küche in den Garten führt, zu
-Berta) Wo bleiben Se denn? (Mutter Pius gewahrend, eilt sie zu ihr.)
-
-Mutter PIUS: (zu Berta) Ich hab auch de Madame schon rufen hören. (Berta
-geht geziert ins Haus. Mutter Pius nähert sich gewandt dem Pavillon,
-bückt sich, um durch die Ritzen besser sehen zu können.)
-
-Mutter PIUS: (zu Auguste) Ich habe ihm nur durch die Ritzen gesehen, ich
-muß mir jetzt beeilen, das Liesken von Puderbach hat de Windpocken.
-
-AUGUSTE: Was Se nich alles verstehen (glotzäugig, gläubig.)
-
-Mutter PIUS: (nimmt ihr Körbchen am Arm und reicht Auguste die Hand.)
-
-AUGUSTE: Hab'n Se denn unsere Frau schon gesprochen?
-
-Mutter PIUS: Das sehen Se doch an die schmierige Spitzen. (Aufs Körbchen
-weisend.)
-
-AUGUSTE: (glotzäugig, gläubig) Was Se nich alles verstehn!
-
-Mutter PIUS: Alles muß man verstehen, das feinste und das gröbste.
-
-AUGUSTE: (schüttelt bewundernd den Kopf. Mutter Pius wendet sich
-geringschätzend und diabolisch lachend, noch einmal zu Auguste herum.)
-
-Mutter PIUS: Hab'n Se molz en flotten Kerl gefunden, trotz de Karten?
-
-AUGUSTE: Nä, leider nich, Eure Karten sind reine Teufels, Mutter Pius.
-
-Mutter PIUS: Kommen Se de doch ens wieder bei mich, vielleicht kriegen
-wir Gewalt über den Zauber, Auguste.
-
-AUGUSTE: Wenn ich mich erlauben darf. (Man hört Husten aus dem Pavillon;
-sie horchen beide erschreckt nach der Richtung.)
-
-AUGUSTE: Das is Herr Eduard nich, das is de Marta, die guckt zu lang in
-de Nacht aus' en Fenster.
-
-Mutter PIUS: (lauernd) Euer Fräulein soll ens lieber schlafen.
-
-AUGUSTE: Sie möcht auch von Euch de Karten gelegt haben.
-
-Mutter PIUS: (freudig) Eine Gräfin war bei mich.
-
-AUGUSTE: (sie anstaunend) Wenn Se's nich wieder sagen, zeig ich Euch ne
-neumodsche Photographie von de Marte -- splitternackt, wie's erste Weib
-unterm Baum. (Frau Sonntag und Heinrich treten unbemerkt aus dem Haus.)
-
-Mutter PIUS: Du hältst de Mutter Pius wohl für dumm?
-
-AUGUSTE: Ihre Freundin, das Fräulein Oberbürgermeister, hat se so
-abgenommen. --
-
-Mutter PIUS: Lauf wacker! (Auguste eilt fort durch die Seitentür, Mutter
-Pius ruft ihr nach) Ich leg Dich auch fein die Karten, Auguste ...
-
- (Mutter Pius bemerkt die Kommenden, Heinrich nähert sich dem
- Zaun, und nimmt von einer Frau die Abendzeitung entgegen, drückt
- ihr flüchtig ein Geldstück in die Hand, indessen Frau Sonntag
- zum Zelt schreitet.)
-
-Mutter PIUS: (gewandt) Verzeihen Se, Ma'm Sonntag, daß ich noch hier
-stehn tu, ich wollt mein Enkelsohn Addjüß sagen. (Frau Sonntag nickt
-freundlich herablassend und geht rechts, die Rosen betrachtend, weiter.
-Mutter Pius kommt auf Heinrich zu, klopft ihm vertraulich auf die
-Schulter.)
-
-HEINRICH: Schockschwerenot, Frau Pius, wie geht es Euch bei den
-schlechten Zeiten?
-
-Mutter PIUS: Davon wissen Sie doch nicks, Herr Heinrich.
-
-HEINRICH: Un immer jünger werden Se. (Berta tritt aus dem Haus, den
-Tisch zu decken.)
-
-Mutter PIUS: Sie Schmeichler.
-
-HEINRICH: (zynisch, gutmütig) Frau Pius, was meinen Se zu uns zwei?
-
-BERTA: (kichernd.)
-
-HEINRICH: (zu Mutter Pius) Lassen Se den Kickindewelt lachen, er weiß
-von de Liebe nicks.
-
- (Frau Sonntag nähert sich zerstreut dem Zelte.)
-
-Mutter PIUS: So en jungen reichen Herrn un ich?
-
-HEINRICH: Schockschwerenot, es is mein heiliger Ernst. Eine verständige
-Frau muß ich haben.
-
-Frau SONNTAG: Frau Pius, lass Sie sich von meinem Sohn nicht zum Besten
-halten.
-
-Mutter PIUS: Ich uz mir gern mit ihm, Ma'm Sonntag, lassen Se ihm die
-Freude.
-
-HEINRICH: Wenn Se alles innes Lächerliche träkken, liebe Frau Pius, wir
-passen doch aufs Haar zusammen.
-
-Mutter PIUS: (weiß nicht, wie sie es auffassen soll) Ein reiches
-Fräulein muß Herr Heinrich heiraten. Titichens, will de Großmama (zeigt
-auf Frau Sonntag) wieder in Arm wiegen (sie macht mit dem Arm die
-Wiegebewegung.)
-
-Frau SONNTAG: Nun lass Frau Pius zufrieden, Heinrich.
-
-Mutter PIUS: Auf de Messe aber dürfen Se mir Johanni mit die Freunde in
-meine Bude besuchen. Ich servier diesmal (nickt Heinrich heimlich
-zynisch zu) en extra feine Delikatesse --
-
-BERTA: (bescheiden zu Frau Sonntag und Heinrich) Ein Kind mit _zwei
-Köpfen_ ....
-
-Mutter PIUS: (bemerkt endlich Auguste, die schon längere Zeit erfolglos
-aus dem Seiteneingang winkt) Nabend zusammen, ich muß bei meine Leute!
-(Frau Sonntag setzt sich auf die Bank an den Tisch und Heinrich bleibt
-neben ihr stehen.)
-
-HEINRICH: Ein Unikum ist die Olle!
-
- (Mutter Pius entreißt Auguste das Bild [Kabinettgröße] und
- entfernt sich aus der Zauntür. Auguste bleibt verdutzt stehen.)
-
-Frau SONNTAG: Du ziehst sie aber auch beständig auf, Heinrich.
-
-AUGUSTE: Wie'n Wind (geht ins Haus).
-
-HEINRICH: Spaß muß sein, Mama Charlottchen.
-
-Fr. SONNTAG: Macht Dir das solch einen Spaß?
-
-HEINRICH: Du sagst das so melancholisch.
-
-Fr. SONNTAG: So, das weiß ich garnicht.
-
-HEINRICH: (kleine Pause) Dieses Jahr wird die Bilanz gut werden, Mama
-Charlottchen.
-
-Fr. SONNTAG: (lebhafter) Du belügst mich, Heinrich?
-
-HEINRICH: Bei meinem verrosteten, alten Säbel.
-
-Fr. SONNTAG: Du bist ein Junge!
-
-HEINRICH: Wir wollen ein Pulleken darauf trinken, Mama Charlottchen!
-
-Fr. SONNTAG: (schüttelt lächelnd den Kopf).
-
-HEINRICH: Schad, daß Pius Großmutter nicht mehr da ist; sitzen die noch
-immer darin? (Er zeigt auf den Pavillon.)
-
-Fr. SONNTAG: Man muß sich nicht gemein machen mit diesen Leuten.
-
-HEINRICH: Mittags promeniert sie vor meinem Büro vorbei, bis ich
-rauskomm.
-
-Fr. SONNTAG: Warum?
-
-HEINRICH: (im Ton der Arbeiter) Sie liebt mir --
-
-Fr. SONNTAG: Schwätz keinen Unsinn, Heinrich.
-
-HEINRICH: (lacht).
-
-Fr. SONNTAG: Laß die arme, alte Person in Frieden, ich möchte die
-Neckerei um Eduards Willen nicht. Du kennst doch seine Sympathie für
-Pius.
-
-HEINRICH: Pius kennt die alte Schrulle ganz genau.
-
- (Berta trägt Schüsseln mit kalten Speisen auf.)
-
-Fr. SONNTAG: Taisez donc!
-
-HEINRICH: Ich sag ja nichts. (Er nähert sich dem Pavillon. Marta ist
-gerade im Begriff aus der Türe zu treten -- die Geschwister stoßen sich
-fast.)
-
-MARTA: Hast Du mich erschreckt!
-
-HEINRICH: (neckisch) Ein unschuldiger Mensch erschrickt nicht, beichte!
-
-MARTA: Esel!
-
-HEINRICH: (plötzlich leise mit Erregtheit, die sich steigert bis zum
-Jähzorn) Ich will Dir mal was sagen, erfahre ich noch einmal, daß Du in
-meiner Abwesenheit im Büro gewesen bist, so bekommst Du ein paar
-Backpfeifen von mir.
-
-MARTA: (ein wenig verblüfft) Ich tu doch garnichts da.
-
-HEINRICH: Du weißt, Simon ist mein Angestellter, ich wünsche, daß er
-Respekt behält vor uns, verstehst Du! (wieder munter) Schockschwerenot!
-
-MARTA: Herr von Simon ist stets höflich zu mir.
-
- (Eduard und Pius treten in den Pavillon.)
-
-HEINRICH: Das will ich auch hoffen. (Heinrich reicht Carl Pius die
-Hand.) Hab doch wahrhaftig wieder die Marken vergessen.
-
-EDUARD: (zu Carl; Heinrich umfassend) Er schwitzt den ganzen Tag für
-uns, Carl, er ist der selbstloseste Mensch auf der Welt.
-
-HEINRICH: (tut beschämt wie ein Backfischchen, bei seinem robusten
-Äußern sehr ulkig wirkend).
-
-MARTA: (geht dem Tisch des Zeltes zu) Mama, ich habe schreckliche
-Augenschmerzen (sie öffnet sie graziös affektiert) vom Nachschlagen.
-
-Fr. SONNTAG: Ich bewundere schon lange Deine Ausdauer. (Pius geht
-ungeschickt auf Frau Sonntag zu und verbeugt sich tief vor ihr. Frau
-Sonntag reicht ihm die Hand.)
-
-MARTA: Herr Pius will vor dem Abendbrot nach Hause gehen, Mama.
-
-Fr. SONNTAG: Aber warum das, Herr Pius?
-
-CARL: Wenn ich so frei sein darf? (Marta bietet ihm den Stuhl neben sich
-an; Heinrich setzt sich links von Marta -- Eduard nimmt neben seiner
-Mutter auf der Bank Platz. Berta serviert den Tee und bedient etc.)
-
-MARTA: Findest Du nicht die Hornbrille scheußlich für Herrn Pius, Mama?
-Er sieht aus wie ein Dorfschullehrer.
-
-Fr. SONNTAG: Marta schwätz nicht soviel Unsinn.
-
-CARL: (verlegen.)
-
-Fr. SONNTAG: Ich habe noch garnicht bemerkt, daß Herr Pius eine Brille
-trägt.
-
-CARL: Seit kurzem.
-
-EDUARD: Bitte nimm sie mal ab. (Carl zögert.) Ich bin auch kurzsichtig.
-
-Fr. SONNTAG: Deine Rehaugen ....
-
-HEINRICH: (ulkig einen Backfisch imitierend) Das lass ich mir nicht mehr
-gefallen, mir macht kein Mensch den Hof.
-
-BERTA: (kichert leise auf, Frau Sonntags Blick streift sie rügend.)
-
-HEINRICH: Sie denken an Mutter Pius, Berta, was? Eine Großmutter haben
-Sie, Pius, prima!
-
-CARL: (verlegen.)
-
-HEINRICH: Ich glaube sogar, sie ist eine ganz kluge Frau?
-
-EDUARD: (zu Carl) Von köstlichem Humor.
-
-MARTA: Eduard sagt, sie versteht lateinisch.
-
-Fr. SONNTAG: Auf welchen Tag fällt Ihr Examen, Herr Pius?
-
-CARL: Am Mittwoch, einige Tage nach Johanni, Madame Sonntag.
-
-EDUARD: Du regst Dich mehr auf, wie wir beide und die ganze Prima
-zusammen.
-
-Fr. SONNTAG: Mein Sohn sagt mir, Sie machen sich Ihrer Studien wegen
-Sorge?
-
-CARL: (ist verlegen um Antwort.)
-
-EDUARD: Du wolltest Dich doch für weiteres verwenden, Mutter?
-
-Fr. SONNTAG: (nickt freundlich Eduard zu, ihr Blick fällt plötzlich auf
-Heinrich, der interessiert in der Zeitung liest.) Was interessiert Dich
-in der Zeitung -- (rügend) während des Tisches.
-
-HEINRICH: Ich bitte um gnädige Verzeihung, Mama Charlottchen.
-
-MARTA: Hältst Du Dein Versprechen, Heinrich?
-
-HEINRICH: Gerad mein Pferd muß stürzen.
-
-MARTA: Du schwindelst mir immer was vor.
-
-HEINRICH: (neckisch) Im Gegenteil, Du mußt den Verlust tragen helfen!
-
-MARTA: Esel!
-
-HEINRICH: Danke!
-
-Fr. SONNTAG: Du kannst doch das Spielen nicht lassen.
-
-HEINRICH: Es ist, mit Herrn Schiller gesagt: Mein Spaziergang.
-
-EDUARD: Er sitzt auch viel zu viel im Büro.
-
-MARTA: Und dick bist Du, wie der Wirt vom Schützengarten drüben.
-
-CARL: Warum reiten Sie nicht, Herr Sonntag?
-
-Fr. SONNTAG: Du hast doch wirklich sonntags Zeit.
-
-HEINRICH: Der Hengst scheut ja, wenn ich mich ohne Uniform drauf setz',
-Kinder.
-
-CARL: Fußtouren wären Ihnen auch zuträglich.
-
-EDUARD: In den Tiroler Alpen, was Carl?
-
-CARL: Zum Schneerössel rauf.
-
-EDUARD: Zehn Kilometer müßtest Du täglich steigen; faktisch, das tät ihm
-gut.
-
-HEINRICH: Ich werde mich gleich im Schützengarten wiegen lassen, ich
-glaub, ich habe schon durch eure guten Ratschläge abgenommen. (Zwei
-kleine Mädchen stehen, von allen unbemerkt, am Gartenzaun.)
-
-Fr. SONNTAG: Mit ihm ist kein ernstes Wort zu reden.
-
-EDUARD: Pack doch einfach seinen Koffer, Mutter.
-
- (Die kleinen Töchter vom Wirt verschwinden ungesehen wieder.)
-
-HEINRICH: Und wer soll unterdessen für die Kleinen sorgen?
-
-Fr. SONNTAG: Du hast doch einen Stellvertreter. Marta lobte ihn gestern
-noch.
-
-HEINRICH: Sie soll sich lieber um die Haushaltung bekümmern.
-
-MARTA: Esel!
-
-HEINRICH: Danke! Freuen Sie sich, Pius, daß Sie keine Schwester haben.
-
-CARL: (seltsam aufflammend, antwortet etwas schüchtern) Und ich beneide
-Sie darum.
-
-Fr. SONNTAG: (lächelnd) Hörst Du's, Heinrich?
-
-HEINRICH: (schlägt Marta zärtlich auf den Rücken.)
-
- (Pause.)
-
-Fr. SONNTAG: Ich würde ja öfters in die Fabrik gehen ...
-
-HEINRICH: (neckisch) Weißt Du eigentlich, wo sie ist, Mama Charlottchen?
-
-Fr. SONNTAG: (scherzend) Wie er mich schlecht macht.
-
-MARTA: Herr von Simon ist energischer wie Du bist mit den Arbeitern.
-
-HEINRICH: Wenn ich dabei bin.
-
- (Alle lachen, nur Marta schmollt.)
-
-HEINRICH: Den Willem, meinen fleißigsten Arbeiter, hab ich seinetwegen
-herauswerfen müssen.
-
-MARTA: Der drang betrunken ins Büro und wollte ihn dort totschlagen.
-
-HEINRICH: Die Sache ist mir auch noch nicht klar.
-
-Fr. SONNTAG: Wenn _Dir_ nur mal nichts passiert, Heinrich.
-
-EDUARD: Ihn haben sie alle gern, zu Dir haben sich öfter doch Arbeiter
-geäußert, Carl?
-
-CARL: Ich steh mit all den Leuten kaum auf Grußfuß. (Frau Sonntags Blick
-streift ihn mißtrauisch.)
-
-Fr. SONNTAG: (zerstreut) Wollen Sie wirklicher _evangelischer_
-Geistlicher werden, Herr Pius?
-
-CARL: Ja, Madame Sonntag.
-
-Fr. SONNTAG: Ihre Großmutter wünscht es wohl?
-
-CARL: So ernste Fragen pflege ich allein zu erledigen.
-
-Fr. SONNTAG: (unbewußt in herablassendem Tone) Versprechen Sie sich eine
-schnellere Carriere?
-
-CARL: (primanerhaft) Ich bin mit den Dogmen der katholischen Kirche in
-Konflikt geraten.
-
-Fr. SONNTAG: (nickt zustimmend hin zu Eduard.)
-
-EDUARD: Iwo, Mutter, er will heiraten.
-
-HEINRICH: Ich geh noch was rüber kegeln.
-
-MARTA: Die kleinen Blagen standen schon vormittags am Zaun. Sie hätten
-heute Eisbein mit Sauerkohl, ließe ihr Vater Herrn Leutnant sagen.
-
-HEINRICH: (zu Carl) Er war mein Untergebener.
-
-Fr. SONNTAG: Das sind also die Kinder vom Wirt?
-
-HEINRICH: Ich kauf den Püppkens manchmal Schokolade. (Er erhebt sich und
-macht eine lange Gähnbewegung mit Mund und Armen.)
-
-MARTA: (Schnellt vom Stuhl auf) Wollen Sie das Kissen mal sehen, was ich
-Eduard (zu Carl sich wendend) zum Examen schenke?
-
-CARL: Ich bitte darum. (Er erhebt sich freudig.)
-
-Fr. SONNTAG: Aber Marta, wie kindisch, wie können Herrn Pius Deine
-Stickereien interessieren?
-
-CARL: Ich habe sogar als Knabe mit Vorliebe weibliche Handarbeiten
-selbst ausgeführt. (Frau Sonntag verzieht ihr Gesicht ungläubig.)
-
-EDUARD: Faktisch, Mutter! Mutter Pius zeigte mir ein großes Kreuz, was
-er gestickt hat. (Heinrich schreitet, die Hände in den Taschen, dem
-Hause zu, wendet sich um.)
-
-HEINRICH: Addjüß Kinder! (Marta und Carl schlendern um eins der Beete.)
-
-MARTA: Ich habe ein Bouquet Kamillen nach der Natur darauf gestickt.
-
-PIUS: Sie sind selbst eine Kamille, (leise) man möchte Sie immer fragen
-.... Und es paßt auch viel besser für Sie, mit bunten seidenen Fäden zu
-spielen als uns zwei Kandidaten Examenarbeiten zu helfen. (Man versteht
-die letzten Worte kaum mehr, sie biegen in den Seitenweg des Gartens
-ein.)
-
-EDUARD: Mutter, warum bist Du nicht freundlicher zu Pius?
-
-Fr. SONNTAG: Aber Kind, ich gebe mir doch die erdenklichste Mühe.
-
- (Sie legt ein Tuch um seine Füße.)
-
-EDUARD: (scherzend) Wenn ich mal oben im Himmel bin, wirst Du abends
-heraufkommen und das große Sternenfenster schließen, Mütterchen.
-
-Fr. SONNTAG: Wie Du sprichst ....
-
-EDUARD: O, ich habe noch viel, viel zu erledigen.
-
- (Er legt seinen Arm lächelnd um ihre Schulter.)
-
-Fr. SONNTAG: Du solltest mehr an Dich denken, die vielen
-Nachhilfestunden, die Du wieder für Pius übernommen hast! -- Ich gebe
-ihm lieber das Geld.
-
-EDUARD: Das würde ihn beschämen; mir macht es faktisch Vergnügen; Pius
-ist zu gesund, Geduld zu üben. (Kleine Pause.) Er hat mächtige Wellen,
-Mutter, die überstürzen sich.
-
-Fr. SONNTAG: Dir tun seine Schüler leid, ich kenne Dich, Eduard.
-
-EDUARD: (lächelt) Hier waltet nur höhere Gerechtigkeit.
-
-Fr. SONNTAG: Du dichtest ihn Dir, Eduard.
-
-EDUARD: (scherzend) Wie sollte der, der den Himmel verkündet, nicht ein
-Dichter sein. (Kleine Pause.) Dich stört seine breite, ungeschickte Art.
-
-Fr. SONNTAG: Ich verlange von ihm doch keine weltmännischen Finessen.
-
-EDUARD: Seine einfache Umgebung selbst respektiert instinktiv seine
-geistige Stärke.
-
-Fr. SONNTAG: Seine geistige Stärke -- Kind, Kind, diese Leute haben nur
-Respekt vor Fäusten.
-
-EDUARD: Denke an Petrus, Jakobus ....
-
- (Marta und Carl werden sichtbar.)
-
-Fr. SONNTAG: Du glaubst nicht, wie unsympathisch es mich berührt, wenn
-ich ihn neben Marta sehe.
-
- (Eduard erhebt sich betrübt. Er hustet leicht.)
-
-Fr. SONNTAG: Willst Du zu Bette gehen, Eduard?
-
-EDUARD: (kleine Pause) Durch den Garten wollen wir wieder wandeln,
-Mutter, weltentrückt, wie durch einen duftenden Psalm.
-
-Fr. SONNTAG: Du machst mir das Herz schwer ....
-
-EDUARD: Das will ich nicht. Dein Herz ist ein Teil meines Himmels, darum
-werde ich Dir ja bleiben, Mutter.
-
- (Frau Sonntag und Eduard biegen um die Rosen ein. Pius und Marta
- treten in den Vordergrund -- sie setzen sich auf eine Bank vor
- dem Springbrunnen.)
-
-PIUS: (streng, schüttelt energisch den Kopf) Seinen Glauben respektier
-ich.
-
-MARTA: Aber Mama weint immer, er will doch in den strengsten Orden
-eintreten, barfuß geht er dann und seine schönen Locken werden ihm
-abgeschnitten.
-
-PIUS: (neidvoll) Das empfinden Sie wohl am schmerzlichsten?
-
- (Pause.)
-
-Aber Sie erzählten mir doch, die Ärzte sagen, es käme nicht dazu.
-
-MARTA: Denen kann man ja nicht glauben -- und Mama haben sie es
-verschwiegen, sie würde sterben an seinem Tod.
-
-CARL: (sarkastisch) Also der Tod wäre demnach Ihrer Frau Mutter sicher.
-
-MARTA: Bitte, spotten Sie nicht!
-
-CARL: Ich bin nicht zum Spotten aufgelegt.
-
-MARTA: (forschend) Ist er eigentlich schon katholisch geworden?
-
-CARL: Fragen Sie ihn doch selbst.
-
-MARTA: Sie sind frech!
-
-CARL: (theatralisch, primanerhaft) Darum will ich auch der Welt den
-Schoß der Mutter nehmen.
-
-MARTA: (macht eine Bewegung des Unverständnisses.)
-
-CARL: Darum will ich evangelischer Verkünder werden.
-
-MARTA: Ich glaube, Sie werden furchtbar schimpfen von der Kanzel.
-
-CARL: (sarkastisch, scherzend) Fegefeuer auf all die Sünder regnen
-lassen.
-
-MARTA: Sie stritten doch einmal mit Eduard, es gäbe keine Sünde.
-
-CARL: Im Sinne der Natur gibt's auch keine Sünde.
-
-MARTA: Warum wollen Sie dann strafen?
-
-CARL: Weil ich sie nicht genießen kann. (Er wendet sich plötzlich jäh zu
-Marta.)
-
-MARTA: (erschrickt) Und schreiben so fromme Gedichte ....
-
-CARL: Haben Sie sie übersetzen können?
-
-MARTA: Mühsam, jedes Wort schlug ich nach.
-
-CARL: Später sende ich Ihnen täglich Kamillensträuße. Schenken Sie mir
-eine aus Ihrem Gürtel, bitte.
-
-MARTA: Meinetwegen.
-
-CARL: Sie paßt zu Ihnen, wie zur Amazone die Waffe.
-
-MARTA: Und sind ebenso gefährlich.
-
-CARL: Wenn Sie die Blättchen fragen. (Man sieht Frau Sonntag und Eduard
-durch eine dichte Baumallee wandeln, der Villa zu.)
-
-MARTA: Das tu ich schon lang nicht mehr.
-
-CARL: Sie sind Ihrer Sache gewiß. (Er will ihre Hand küssen.) Sie
-spielen mit mir, Marta?
-
-MARTA: Wenn Sie noch einmal meine Hand berühren, schlage ich Sie.
-
-CARL: Tun Sie das. (Marta bricht, unwillig auflachend, ein Stöckchen vom
-Strauch ab, sie berührt damit Carls Hand.)
-
-MARTA: Wehren Sie sich doch!
-
-CARL: Wie sollte ich mich wehren, einem Fräulein gegenüber.
-
-MARTA: Sie sind feig.
-
-CARL: Allerdings.
-
-MARTA: Feigling!
-
-CARL: Sie reizen mich.
-
-MARTA: (lacht mutwillig auf; Carl berührt mit seinem Bleistift leicht
-ihre Hand; Marta lacht ihn aus, Carl schlägt.)
-
-CARL: Verzeihung -- o (er will ihre Hand küssen.)
-
-MARTA: Das war gemein. (Sie schlägt stärker zurück.)
-
-CARL: O! (wehrt ab.)
-
-MARTA: Das war gemein, hier!
-
-CARL: Ich fange gleich an zu weinen wie ein Kind.
-
-MARTA: Pfui!
-
-CARL: Sie sind herzlos.
-
-MARTA: Und Sie vielleicht nicht?
-
-CARL: Ich war hilflos.
-
-MARTA: (leichtfertig, kindlich und kokett) Und wenn ich Ihnen alle
-(greift in den Gürtel nach ihrem Kamillenstrauße) schenke?
-
-CARL: Sie legten Sie nun auf ein Grab.
-
-HEINRICH: (kehrt durch die Gartentür zurück -- er nähert sich den
-beiden.)
-
-MARTA: (erschrocken zu ihm) Wie ein Dieb.
-
-HEINRICH: Bei _den_ Füßen (zeigt sie) müßte man schon taub sein. (Er
-gähnt in verschiedenen Tönen.) Pius, kennen Sie ein Subjekt Namens
-Amadeus?
-
-CARL: (noch in Gedanken.)
-
-HEINRICH: Er kennt Sie.
-
-CARL: Der Amadeus mit dem gläsernen Herzen.
-
-MARTA: Warum kommst Du schon zurück?
-
-HEINRICH: Weil ich müd bin.
-
-MARTA: (zu Carl) Auguste kennt seinen Großvater, der war Glaser und er
-deutet Träume.
-
-HEINRICH: Er hat mir soeben den Tod prophezeit.
-
-CARL: (ironisch) Die Deutung schmutziger Gewässer.
-
-HEINRICH: Nä ... (zynisch, gutmütig) ich hab von faulen Eierschalen
-geträumt; für 10 Groschen wollte er mich auch nicht am Leben lassen.
-
-CARL: Er ist konsequent.
-
-HEINRICH: Das muß man ihm lassen.
-
-MARTA: Oft sollen gerade so Leute wahr prophezein; erzähl es nur nicht
-Mama.
-
-HEINRICH: (geht zwischen den Zähnen summend ins Haus; vorher verschließt
-er die Gartentür.)
-
-MARTA: Ich glaub, er hat doch was Angst.
-
-CARL: (lacht auf) Er hat es schon längst vergessen.
-
- (Die Katzen schreien.)
-
-MARTA: Wie kleine Kinder!
-
-CARL: (schweigt.)
-
-MARTA: Weiße Angorakatzen sind himmlisch.
-
- (Berta und Auguste schleichen um das Haus mit Briefen in der Hand
- und klettern über den Zaun.)
-
-CARL: Haben Sie Ihre Dienstboten gesehen?
-
-MARTA: Es sind doch auch Menschen.
-
-CARL: Darum müssen sie gehorchen.
-
-MARTA: Eduard sagt immer, es seien arme, weiße Sklaven.
-
-CARL: Eduard ist ein Idealist. (Die Katzen schreien wieder auf.)
-
-MARTA: Das war die alte, greise Katze!
-
-CARL: Ich werde noch tobsüchtig .....
-
-MARTA: (lacht mutwillig, kokett.)
-
-CARL: Lassen Sie das Vieh!
-
-MARTA: Wie Betrunkene -- (sie schreien wieder.)
-
-CARL: Sie lecken zuviel an den süßen bunten Kelchen.
-
-MARTA: Auf meiner Decke liegt des Morgens immer Blütenstaub.
-
-CARL: Ich schlafe nicht.
-
-MARTA: Wegen des Examens?
-
-CARL: Ich habe täglich ein schwereres zu bestehen.
-
-MARTA: Meine Mama -- -- -- (sie sehen beide gespannt zum oberen Fenster
-der Villa; Carls Arme sinken schwer herab.)
-
-MARTA: (atmet laut auf, Frau Sonntag ist wieder vom Fenster
-verschwunden, man hört murmeln außerhalb des Gartens.)
-
-CARL: Mädchen! (Er reißt Marta an sich, sie aber entwindet sich seinem
-Arm und stürzt ins Haus. Carl bleibt allein. Der gläserne Amadeus,
-Pendelfrederich, Lange Anna bleiben am Eingang der Gasse stehen.)
-
-Lange ANNA: Fises Mensch, zwei Stunden hab'n wir uns in die Winkels vor
-de Türen gedrückt, in der Zeit Du prophezeit hast, un nu gibst De uns so
-'en schäbigen Lohn?
-
-PENDELFREDERECH: Un mir kriegst De auch nich mehr mit zum Bangemachen.
-
-AMADEUS: Ich hab euch nich zu eingeladen, mit mich zu gehen; un Du,
-Frederech, vertreibst mich de Kunden mit Deine offne Bux.
-
-Lange ANNA: (schmeichlerisch zu Amadeus.) Ich bin doch immer mit Dich
-gegangen, un nun sprichst De so (stößt ihn mit der Schulter vertraulich
-an). Es hat wohl lang nicht geklirrt in Dein zimperlich Herz?
-
-AMADEUS: Na, da hast es, aber en halben Taler mußt De mich lassen.
-
-Lange ANNA: (dreht sich um und stellt sich vor die Mauer.)
-
-AMADEUS: Siehst De denn nich (zeigt auf das Schild).
-
-Lange ANNA: Ich hab überall Passe-partout. (Die beiden Mädchen kehren
-zurück, sie wollen schnell über den Zaun springen, sehen die Männer und
-schreien auf.)
-
-AMADEUS: Nu schreit man nich so toll, ihr herrschaftliche Hurweibers.
-
-Lange ANNA: (ganz hoch) Sollen wir ens?
-
-BERTA: Herr Pius!
-
-AUGUSTE: Helfen Sie uns!
-
-CARL: (beachtet ihr Hilferufen nicht.)
-
-AUGUSTE: Der eine kriegt mir an de Bein! (Die Mädchen schreien
-abwechselnd auf, sie sind endlich über den Zaun, laufen zu Carl.)
-
-BERTA: Haben Sie die drei gesehen?
-
-AUGUSTE: Ich kann nich mehr, ich kann nich mehr, nä, ich kann nich mehr!
-(Amadeus lacht.) Hat die Frau nach mich gerufen, Herr Carl?
-
-CARL: Darüber kann ich Ihnen keine Auskunft geben.
-
- (Pendelfrederech murmelt grausig, Lange Anna spielt auf seiner
- Handharmonika: O, Du lieber Augustin, alles ist hin, hin, hin
- usw. Sie gehen weiter durch die Gasse der Stadt zu.)
-
-BERTA: So hochnäsig. Sie bilden sich wohl ein, Sie sind der Herr Eduard
-selbst?
-
-AUGUSTE: (gutmütig) Lassen Sie ihm, Berta, es is ja sein Freund, was
-Herr Carl?
-
-BERTA: (plötzlich gewöhnlich) Mach, daß Du zu Haus kömmst, de Großmutter
-will das Enkelsöhnchen noch in Schlaf singen.
-
-AUGUSTE: Still, Berta, er wird schon wissen, warum er hier sitzen tut.
-
-BERTA: Aber beim Fräulein brennt doch schon de rosa Nachtampel. (Die
-Mädchen schleichen durch den Kellergang ins Haus. Die Katzen schreien
-noch mal auf, man hört in der Ferne noch Lange Anna spielen: »Alles ist
-hin, hin ....«.)
-
-
-
-
- DRITTER AKT
-
-
- Abends ½9 Uhr. Jahrmarkt. Karussell im Vordergrund links. Hinter
- dem Karussell und seitwärts rechts die verschiedenen Buden. Im
- Vordergrund die Bude der Riesendame Rosa, neben dieser die
- Schießbude, dann die Taucherbude, die Honigkuchenbude etc.
- Gegenüber links in kleiner Entfernung die schrägstehende Bude der
- Mutter Pius, die man nur ein Viertel sehen kann. Eine gemalte
- _Kindermumie mit zwei Köpfen_ ist grotesk auf der Jalousie
- gedruckt. Fabrikarbeiter, Fabrikarbeiterinnen, Kommis,
- Ladenmädchen, Dienstmädchen, Herren der Gesellschaft mit ihren
- Schätzen, Schuljungen, Gassenkinder, Herumtreiber, etc. Im
- Karussell stehen im doppelten Kreis hölzerne, groteske Tiere:
- Leopard neben Lamm, Reh neben Tiger, Löwe neben Pferd, Hirsch
- neben einer Riesengans u. s. w. In Kutschen, die auf und nieder
- schaukeln, sitzen laute Weibsbilder und an den Eisenstangen, die
- das Dach des Karussells halten, stehen Arbeiter und Schuljungen,
- um den Ring wetteifernd, der an einem Pfahl unweit des Karussells
- hängt und eine Freifahrt bedeutet. Das Karussell dreht sich noch
- langsam auf die schon fast abgelaufene Melodie »O Du lieber
- Augustin«. Die letzten Töne: »Alles ist hin, hin hin, alles ist
- hin ----« Vor dem Karussell stehen Heinrich Sonntag und Lieschen
- Puderbach. -- Sie tragen auf der Nase ein blaues Pincenez und in
- der Hand einen Gummiball. Heinrich ist etwas angeheitert. Um
- Lieschens Hals hängt ein großes Pfefferkuchenherz mit der
- Aufschrift: Ich liebe Dich. Man hört die beiden lachen zwischen
- den Klingeltönen des Karussells.
-
-Heinrich Sonntag, sein Geschäftsfreund, die Herren mit grauen Cylindern,
-Dr. v. Simon, Berta, Mutter Pius, Lieschen, August, Zuhälter Wilhelm,
-Riesendame Rosa, Kommis, Ladenmädchen, Dienstmädchen, Pendelfrederich,
-Lange Anna, der gläserne Amadeus, Arbeiter, unter ihnen Färber, Weber
-etc., Arbeiterinnen, Weibsbilder, Jahrmarktsleute, Gassenkinder.
-
-LIESCHEN: Ich fahr für mein Leben gern, (es klatscht in die Hände) ich
-setz mir auf den Leoparden und Sie auf das Lamm.
-
-HEINRICH: Das machen wir, Puppel.
-
-LIESCHEN: Wollt es ens doch endlich still stehen, Herr.
-
-HEINRICH: Du brauchst doch nicht immer Herr zu mir zu sagen.
-
-LIESCHEN: Wie soll ich Euch denn nennen?
-
-HEINRICH: Wie De Dein Schatz nennst, Puppel.
-
-LIESCHEN: Den nenn ich Herrn Eduard, er is mein Königsschatz.
-
-HEINRICH: (tut erstaunt, er ahnt den Zusammenhang nicht.)
-
-LIESCHEN: Den kennen Se nich. (Unbewußt verächtlich.)
-
-HEINRICH: Ist er grad so schön wie ich?
-
-LIESCHEN: Carl Pius sein Freund is er.
-
-HEINRICH: Aber so einen langen Schnurrbart (er streicht ihn in die Höhe)
-hat er doch nicht?
-
-LIESCHEN: Herr Eduard scheint immer aus sein Gesicht.
-
-HEINRICH: (etwas besonnen, er weiß nun, von wem das Kind spricht) Ich
-möchte so Jemanden wohl kennen lernen.
-
-LIESCHEN: Der kömmt doch hierhin nicht. (Das Karussell steht still, die
-Leute springen ab. Es steigen unter andern wüste Männer und Weibsstücke
-ein, welche toben und kreischen. Heinrich springt jäh mit Lieschen in
-einem Satz herauf. Mutter Pius steht plötzlich vor dem Karussell;
-Lieschen ist im Begriff, sich auf den Leoparden zu setzen und Heinrich
-sitzt schon auf dem Lamm.)
-
-Mutter PIUS: (zu Lieschen) Das laß ich mich gefallen mit so en artigen
-Herr, mein Herzeken.
-
-Ein Weibstück: (zu Lieschen) Laß mich ens beißen von das süße Herz.
-
-LIESCHEN: (zu Heinrich) Nä, dat kriegt der Aujust. Er guckt sich de
-Augen nach aus und schämt sich, in de Leckersläden zu gehen. (Kleine
-Pause.) Daß es noch nich anfängt!
-
- (Arbeiter treten ungeduldig mit den Füßen. Ein Geschäftsfreund
- von Heinrich im grauen Zylinder tritt mit je einem Schatz am Arm
- ans Karussell.)
-
-Der Geschäftsfreund: (zu Heinrich) Nun, Sie alter Sünder! (Das Karussell
-bewegt sich.)
-
-HEINRICH: Steigen Sie noch rauf! (Sie springen herauf.)
-
-Gassenkind: Nehmen Se mir doch auch mit, Herr! (Die Musik spielt wieder:
-»O, Du lieber Augustin etc.«.)
-
-Mutter PIUS: (zynisch zu Allen) Wünsch euch ne angenehme Hochzeitsreis!
-(Sie kehrt schleunigst an ihre Bude zurück. Es kommen die Herren mit den
-grauen Zylindern, [Bekannte von Heinrich] mit einer Anzahl Schätze und
-springen im beginnenden Tempo aufs Karussell. Arbeiter drängen die
-Weiber rücksichtslos ins Innere hinein, da sie auch den Ring greifen
-wollen. Das Karussell dreht sich wie ein Wirbelwind. Dr. v. Simon und
-Berta kommen aus der Bude der Riesendame -- sie gehen beide auf das
-Karussell zu.)
-
-BERTA: Ist das nicht der Heinrich?
-
-Dr. v. SIMON: Wo?
-
-BERTA: Warten Sie, gleich können Sie ihn wieder sehen.
-
-Dr. v. SIMON: (ein wenig erschrocken.)
-
-BERTA: Wenns nun Herr Eduard erfährt? .....
-
-Dr. v. SIMON: Der Narr ist wohl auch schon _Dein_ Beichtvater?
-
-BERTA: Und unsere Frau?
-
-Dr. v. SIMON: (blickt durch seine kleine, goldene Lorgnette -- beruhigt)
-Er kann nicht mehr gerade sitzen.
-
-BERTA: Mich kanns ja gleich sein, ich will doch nicht mehr lange für
-andere Leute arbeiten.
-
-Dr. v. SIMON: (ergreift aufatmend die Gelegenheit) Du mußt mir Dein
-Herzchen ausschütten, liebes Kätzchen. (Er will mit ihr umkehren.)
-
-BERTA: Der bleibt ja nicht lange hier, er reitet ja jetzt immer schon um
-6 Uhr früh spazieren. (Sie gehen in die Taucherbude, das Karussell
-bewegt sich etwas langsamer. Man hört im Vorbeifahren Heinrichs Stimme.)
-
-HEINRICH: Noch einmal, Puppel?
-
-LIESCHEN: Sicher, lieber Herr!
-
-Ein Weibsbild: (aus der Rutsche) Kommt ens bei mich rein!
-
-LIESCHEN: Stell Dir doch an de Stange, dann kriegst De den Ring. (Einige
-Gassenkinder schreien.)
-
-Gassenkinder: Der Schimpanse ist ausgekniffen, de große Chimpanse is
-ausgekniffen! (Es entsteht eine Panik, zu einem Knäuel strömen die
-Menschen zusammen, fast alle Fahrenden springen vom Karussell herunter,
-Lieschen will das Gleiche tun.)
-
-Gassenkind: Der große Chimpanz mit dem kleinen Schwanz is ausgekniffen,
-ausgekniffen!!!!
-
-LIESCHEN: Hörn Se denn nich, der wilde Affe is ausgekniffen, der beißt,
-ich hab Angst vor das Tier. De Lehrer sagt, an Kinder machen sich de
-großen Tiere am ersten ran. (Der Taucher läuft aus der Bude,
-gestikuliert mit dem Eisenkopf und den Eisenfäusten, was furchtbar
-komisch aussieht.)
-
-HEINRICH: (hält Lieschen fest).
-
-Mutter PIUS: (kommt ans Karussell) Bleibt man sitzen, das is ja nur eine
-geriebene Reklame von de Zirkusleute.
-
-LIESCHEN: Is es auch sicher nich wahr, liebe Mutter Pius?
-
-HEINRICH: (nickt) Nein. Haben Sie das Pulleken kaltgestellt, Mutter
-Pius?
-
-Mutter PIUS: (zynisch und wehmütig) Un mich dabei. (Die vorzeitig
-Abgestiegenen nähern sich wieder dem Karussell, zwei Weibsbilder
-schlendern Arm in Arm herbei.)
-
-Weibsbild: (zu Heinrich) Nehm mich doch, Du zerbrichst ja Dein
-Riesengespielzeug.
-
-Ein anderes Weibsbild: Er is doch de _Puppenhangri_!
-
- (Die Herren im Zylinder lachen ermuntert auf.)
-
-HEINRICH: (zu Lieschen) Was sie nich alles vom lieben Heinrich wollen,
-was Liescken? (Einer der beiden Schätze des Geschäftsfreundes sagt zu
-ihrem Begleiter.)
-
-Die erste: Zu de Riesendame wollen wir ens rin (zu ihrer Mitliebsten)
-Kuck, Minna, die hat en Bart wie en Kerl. (Das Karussell bewegt sich
-wieder, ohne zu spielen; in ihm sitzen nur noch vereinzelt Kinder
-zwischen Heinrich und Lieschen.)
-
-HEINRICH: (unsicher, da er angeheitert ist) Lieschen, spielt es denn
-nicht?
-
-LIESCHEN: Es ist schon spät in die Nacht, Mutter Pius sagt, die
-Polizisten kämen sonst.
-
-HEINRICH: Dann wollen wir auch machen, daß wir runterkommen. (Er läßt
-die Kleine vom Leoparden auf seinen Rücken steigen, springt mit ihr vom
-Karussell, juchheit, läßt Lieschen zur Erde fallen, hebt es wieder in
-die Höhe, läßt es wieder fallen, hebt es wieder in die Höhe, läßt es
-wieder fallen, fängt es auf, mit ihm springend durch die Menge, Mutter
-Pius kommt ihnen bis zur Taucherbude entgegen. Die Herren mit den grauen
-Zylindern sind vorangegangen mit den Schätzen und bleiben an der
-Schießbude stehen und schießen.)
-
-Mutter PIUS: (etwas neidisch zu Heinrich und Lieschen) Wie die Blagen.
-(Es kommen eine Menge neue Arbeiter.)
-
-LIESCHEN: Ich hab Angst, der Vater kömmt und holt mir.
-
-HEINRICH: Ich versteck Dich in meinen Mantel, Puppel.
-
-LIESCHEN: Meinen Taler nimmt er mich ab für die Sparkass.
-
-HEINRICH: Dann schenk ich Dir einen goldenen Puppel.
-
-LIESCHEN: So reich sin Se? (Mutter Pius, Heinrich, Lieschen gehen
-weiter.)
-
-Eine Frau: (erstaunt fragend) Das Kleine von Puderbachs! ... (Sie sperrt
-grinsend den Mund auf.)
-
-Mutter PIUS: Nu, un was alles! Das Kleine helft mich hier. (Sie biegen
-nach links ein.)
-
- (Dr. v. Simon und Berta treten aus der Taucherbude.)
-
-v. SIMON: Du mußt nicht immer so laut meinen Namen nennen, Kätzchen, das
-ist nicht fair.
-
-BERTA: (beleidigt) O, ich weiß mir doch zu benehmen. (Sie ahmt die
-Bewegung Martas nach.) Du willst mir wohl los sein, Bruno?
-
-v. SIMON: Bewahre. (gereizt): Aber es wäre Deine Pflicht gewesen, mich
-auf den Betrieb hier aufmerksam zu machen. Bedenke die Konsequenzen,
-falls mich einer meiner Arbeiter hier überrascht.
-
-BERTA: Unser Heinrich geht doch auch immer auf die Messe.
-
-v. SIMON: All right! Die Arbeiter wissen auch, was sie von ihm zu halten
-haben.
-
-BERTA: (mürrisch) Dann hätten wir ja überhaupt bei Dir bleiben können.
-
-v. SIMON: Das können wir ja noch nachholen. (Er kitzelt sie heimlich in
-die Taille.)
-
-BERTA: (schüttelt den Kopf. Dr. v. Simon schiebt sie langsam vorwärts am
-Karussell vorbei zum vorderen Ausgang.)
-
-v. SIMON: Wann feiern wir Hochzeit, Kätzchen?
-
-BERTA: (versöhnt) Ich dachte nach Weihnachten; so lang bleib ich auch
-noch. Die Frau hat mir durchs Fräulein fragen lassen, was ich mir
-wünsche.
-
-v. SIMON: Lass Dir mal weiche Kopfkissen schenken (sagt ihr noch etwas
-ins Ohr) mit einem _rosa_ Himmelchen darüber ....
-
-BERTA: (verschämt geziert).
-
-v. SIMON: Also vorher wird nichts?
-
-BERTA: Ich bin doch ein anständiges Mädchen (geziert), ich dürfte nicht
-mehr nach Hause kommen.
-
-v. SIMON: Auch nicht mir zu Liebe? (Er kitzelt sie wieder in die Seite.
-Sie biegen beide ein, man sieht sie nicht mehr. Färber, deren Hände
-durch ihren Beruf bunt angelaufen sind, -- August Puderbach ist unter
-ihnen, und Weber in gestreiften Kitteln und andere Arbeiter in blauen
-Blusen kommen über den Jahrmarkt. Mutter Pius tritt wieder in den
-Vordergrund.)
-
-AUGUST: (Zu Mutter Pius) Wo ist es?
-
-Mutter PIUS: Liesken oder meine Rarität?
-
-AUGUST: Es!
-
-Mutter PIUS: Guck ens selber.
-
-AUGUST: Deine Bude ist ja schon zugeschlossen.
-
-Mutter PIUS: Meinst De, ich laß se bis zum frühen Morgen offen stehen?
-
-AUGUST: (Springt auf's Karussell, er dreht selbst die Orgel, die noch
-die letzten Töne des Liedes O Du lieber Augustin dumpf abgibt. Er setzt
-sich dann auf den Hirsch und lutscht an einer langen Stange Süßholz;
-Herr v. Simon kehrt alleine nach Heinrich spionierend zurück, ein
-Weibsbild tritt zu ihm heran.)
-
-Weibsbild: Lassen Se mir ens schießen, ich möcht en Taschenmesser
-gewinnen.
-
-WILLEM: Das sag ich Dich, läßt de Dir mit _dem_ ein, hau ich Dich de
-Backzähn aus!
-
-v. SIMON: (ihn wiederkennend, ängstlich) Nicht gleich so heftig, ich
-werd sie Dir nicht fortschnappen.
-
-WILLEM: Du dünnet Geripp, durch wen bin ich so heruntergekommen, wenn
-nicht durch Dir (droht.)
-
-v. SIMON: (zitternd) Sind Sie nicht der Willem?
-
-WILLEM: So heiß ich.
-
-v. SIMON: Warum hat Sie denn eigentlich der Chef gehen lassen?
-
- (fixiert ihn durch die Lorgnette.)
-
-WILLEM: Tu man das Glas von de Nas runter, de Hauptsach is, daß ich Dir
-wieder kenn, miserabel Verführer!
-
-v. SIMON: (zitternd und devot) Kalt Blut, Willem.
-
-WILLEM: (Zu den Zuhörenden) Ich hab auch zu meiner Schwester gesagt,
-wenn ich den ens zwischen de Finger krieg!
-
-August PUDERBACH: (springt komisch vom Karussell) Ich wollt meine Stange
-Süßholz ens zu End lutschen.
-
-(Zu v. Simon idiotisch tückisch.) Seine Schwester haben Sie aufs
-Gewissen; nu kann sie lange warten, bis ich sie nehm, Sie fiser
-Seidenwurm.
-
-WILLEM: Meine Schwester Laura auf Dir warten? Auf son Pitter? (Er spuckt
-ihn an.)
-
-v. SIMON: (will sich aus dem Staub machen, aber die Herren im Zylinder
-halten ihn auf mit Fragen.)
-
-AUGUST: Ich heirat überhaupt nich und die abgeknutschte Laura verdek
-nich.
-
-WILLEM: (Haut August eine Backfeife herunter; die Herren im Zylinder
-kommen in den Vordergrund und und ziehen v. Simon mit sich.)
-
-v. SIMON: (zu den Herren) Es wird die höchste Zeit sich zu entfernen.
-Shoking! Shoking!
-
-Einer der Herren mit dem grauen Zylinder:
-
-Sie verstehen nicht mit den Leuten zu scherzen.
-
-v. SIMON: (verächtlich sich mit den Fingerspitzen affektiert abstäubend)
-Allerdings!
-
-DER GESCHÄFTSFREUND: Hat man Ihnen das nette Dingelchen stiebitzt?
-
-EIN ZWEITER VON DEN HERREN MIT DEM GRAUEN ZYLINDER: (auf Heinrich
-zeigend) Der Chef versteht es besser mit den Leuten. (Heinrich taumelt
-stark betrunken an der Hand Lieschens, das selbst sehr angeheitert ist,
-fiebernde Backen und Augen hat, in den Vordergrund.)
-
-HEINRICH: (zu Lieschen) Kannst mich leiden, Puppel?
-
-LIESCHEN: (nickt, schüttelt die Haare wild und wirr durcheinander.)
-
-v. SIMON: Shoking!
-
-Die Herren: (freundschaftlich) Wir wollen ihn nach Hause bringen.
-
-HEINRICH: Nach Haus? Zylinder ab!! Lieschen, hörst Du, nach Haus wollen
-sie mich transportieren.
-
-Mutter PIUS: (leise und vertraulich Heinrich ins Ohr) Mach man daß de
-wegkommst, de kleine dünne Zahnstocher (weist auf v. Simon hin) gefällt
-mich immer schon nich.
-
-HEINRICH: Wann wirst De eingesegnet, Liesken?
-
-LIESCHEN: (weinselig) Brüst hab ich wie junge Salatköppe.
-
-DIE HERREN MIT DEN GRAUEN ZYLINDERN: (drängen ernst) Sonntag, kommen Sie
-jetzt!
-
-v. SIMON: Shoking! ...
-
-HEINRICH: Was sagen Sie?
-
-v. SIMON: (zieht ihn unsanft am Arm und spricht befehlerisch) Sie folgen
-mir ohne Zaudern!
-
-HEINRICH: (in festem Ton, als ob er _nüchtern_ wäre, plötzlich)
-
-Wer ist der Herr, ich oder Sie?
-
-DER GESCHÄFTSFREUND VON HEINRICH: (zu v. Simon) Reizen Sie ihn jetzt
-nicht.
-
-v. SIMON: (dreist, sich von den Herren gedeckt glaubend) In diesem Falle
-bin ich der Herr.
-
-HEINRICH: (jähzornig taumelnd) Soldaten, Kameraden, wer is der Herr
-Leutnant, er oder ich?
-
- (Scharen von Arbeitern sammeln sich plötzlich um Heinrich, v.
- Simon ahnt eine Katastrophe, am Körper zitternd sucht er
- kleinlaut Sicherheit hinter dem großen breitschultrigen
- Geschäftsfreund von Heinrich und den anderen Herren.)
-
-Ein Arbeiter: Ein guter Leutnant war er.
-
-EIN ZWEITER: Gezecht hat er mit uns auf Kaiser sein Geburtstag wie'n
-gemeiner Soldat mit den andern.
-
-EIN DRITTER ARBEITER: Wir wollen ihn hoch leben lassen.
-
-DIE GANZE SCHAR: Unser lieber Leutnant er lebe hoch! Hurra! Hurra!
-Hurra!
-
-WILLEM: (Herrn v. Simon drohend) Kerl!
-
- (v. Simon wagt nicht den Schauplatz zu verlassen, sich überhaupt
- zu bewegen.)
-
-HEINRICH: (brüllt) Angetreten! (Die Arbeiter und und Herumtreiber
-sammeln sich in Kolonnen wie im Manöver. Die Weiber gucken neugierig zu.
-August stellt sich an die Spitze des links aufgestellten Bataillons, er
-hat sich einen Helm aus einer Zeitung angefertigt und setzt ihn auf den
-Kopf. Er empfängt seiner Ungeschicklichkeit wegen Püffe und Stöße.)
-
-HEINRICH: (Besichtigt taumelnd sein Regiment, schickt den einen zurück,
-den andern setzt er an den Anfang der Reihe etc. Ab und zu Flüche
-ausstoßend. Brüllt) Gerade gestanden! Schockschwerenot!
-
-WILLEM: De Landhasen müssen zuerst auf den Feind losstürmen. (August
-macht eine Schießbewegung, den zitternden v. Simon suchend.)
-
-LIESCHEN: (frech) Da is er ja!
-
-HEINRICH: Un de Maikäfer halten sich im Hinterhalt.
-
-WILLEM: Un de Musik machen de Bindfadenjungen, daß de Hengste nur so
-galoppieren. (Alle lachen furchtbar und die einexerzierten Arbeiter
-freuen sich mit Heinrich wie große ungeschlachte Jungen, die Soldaten
-spielen.)
-
-WILLEM: Nu man los, Herr Leutnant, ich bin Euer Unteroffizier.
-
-HEINRICH: (brüllt) Ganzes Regiment linksum, vorwärts marsch! (Lieschen
-läuft neben Heinrich her mit den Händen trommelnd und mit den Lippen den
-Rhythmus markierend. Die Arbeiter exerzieren einige Schritte vom
-Vordergrund dem Platz zu; plötzlich v. Simon bemerkend, wollen sie sich
-wie wütende Hunde auf ihn stürzen.)
-
-HEINRICH: Stillgestanden!!! den Feind hau ich allein kurz und klein.
-
-WILLEM: (Schleift ihn herbei, seine Hände mit der Lorgnettenkette
-fesselnd, wie vor seinen Feldherrn. v. Simon stöhnt vor Angst. Die
-Herren mit den grauen Zylindern kommen ihm nicht zur Hilfe, sie
-amüsieren sich, neugierig den Vorgang betrachtend.) Lassen Se sich nicht
-totschlagen mit seinen Sabel, Herr Leutnant. (Er zeigt tobend vor Lachen
-v. Simons dünnes Spazierstöckchen.)
-
-AUGUST: Nu kann es losgehen, Kinder. (Willem löst die Kette von v.
-Simons Händen.)
-
-DER GESCHÄFTSFREUND: (drängt sich durch die erregte Arbeitermenge zu
-Heinrich, der hört aber in seiner Betrunkenheit des Freundes leises
-Zusprechen nicht; Heinrich hebt ein Kalkstückchen vom Boden auf und
-zieht einen großen Kreis unterhalb seines Herzens.)
-
-HEINRICH: So Jüngsken, das Terrain darfst De nich überschreiten, sonst
-bin ich belämmert (alles lacht stürmisch, nur Lieschen umklammert Mutter
-Pius ängstlich.)
-
-LIESCHEN: (Sinnlich erweckt) Der macht den Heinrich tot. (v. Simon
-verblüfft; Heinrich wankt auf seine Freunde zu. v. Simon will die Flucht
-ergreifen, aber die Arbeiter packen ihn.)
-
-Die Riesendame: (guckt aus ihrer Bude) Kommen Se bei mich, Herrchen! (v.
-Simon befreit sich einen Augenblick, die Arbeiter hinter ihm her. August
-springt wie ein Kater auf seinen Rücken. Aber es gelingt v. Simon, ihn
-abzuwerfen und sie rasen hintereinander über den Platz dem Ausgang zu.)
-
-HEINRICH: Steckt ihn in den Aussichtsturm, meinetwegen! (Die Herren
-nehmen den völlig erschöpften Heinrich in die Mitte, um mit ihm fort zu
-gehen.)
-
-HEINRICH: (zu Lieschen und zu Mutter Pius) Schlaf süß, Marze, gute
-Nacht, Mama Charlottchen.
-
-Der Geschäftsfreund: Das müßt sie hören. (Die Menge verläuft sich, die
-Buden werden geschlossen, die alte Pius rennt in ihre Bude. Lieschen
-steht ganz allein im Vordergrund, setzt sich noch einmal auf den
-Leoparden im Karussell, streichelt ihn und springt dann ab.)
-
-Die Riesendame: (Steckt den Kopf durchs Fenster.) Wie heißt Dein
-charmanter Kavalier?
-
-LIESCHEN: Das geht Euch niks an. (Heinrich, in der Mitte der Herren,
-sieht man noch hinter dem Platz des Jahrmarktes auf einer Anhöhe
-heimwärts ziehen. Die drei Herumtreiber kommen langsam am Karussell
-vorbeigewandelt über den Jahrmarkt gehend.)
-
-PENDELFREDERECH: Wir wollen den Garten nu reinigen von de Sünde (murmelt
-böse).
-
-Lange ANNA: (Macht die Bewegung des Kehrens. Er trägt eine lange
-rauschende Papierschürze und eine Frauennachthaube aus Papier mit
-flatternden Bändern auf dem Kopf und eine dicke Warzennase.)
-
-AMADEUS: (Auf Heinrich zeigend.) Da wandelt mein Todeskandidat.
-
-Mutter PIUS: (kommt von ihrer Bude zurück, in der einen Hand einen Korb,
-in der andern die Kindermumie, ihr zweiter Kopf angefertigt aus Lumpen,
-baumelt am Rumpf herunter.)
-
-Mutter PIUS: (zu Lieschen) Ich will mir hängen lassen, wenn es nicht
-Dein Krakehler von Vater gewesen war. (Lieschen läßt vor Müdigkeit den
-Kopf hängen; schauert auf, als Mutter Pius ihm die kleine Mumie reicht.)
-
-Mutter PIUS: (zynisch) Halt ens Dein Zwilling fest; (Mutter Pius
-befestigt den Kopf wieder an dem Rumpf. Die Riesendame grinst aus dem
-Fenster.)
-
-Mutter PIUS: Nu komm man rasch, sonst pumpt mir die Rosa (Auf die
-Riesendame weisend) wieder an, und de Mutter Pius kann nicht »Nä« sagen.
-
- (Sie wollen beide eilig über den Platz gehen, als Lieschen stehen
- bleibt, jäh Mutter Pius' Schoß umfassend.)
-
-LIESCHEN: Ich dank Dir auch vielmals für alles, liebe Mutter Pius. (Sie
-eilen weiter, die Riesendame läßt die grün und gelb gestreifte Jalousie
-ihrer Bude herunter, die fällt gleichzeitig wie der erste Vorhang über
-die ganze Bühne.)
-
-
-
-
- VIERTER AKT
-
-
- (Im Arbeiterviertel wie im ersten Aufzug.)
-
- Schornsteine dampfen und pfeifen in der Ferne jenseits der
- Wupper. Die Wupper ist bewegt und dunkelrot verfärbt.
- Fabrikarbeiter und Arbeiterinnen sind auf dem Wege zur Fabrik.
- Jungen ziehen Milchkarren und Kinder laufen in die Bäckereien,
- Frühstück auszutragen. Über die Brücke geht dem Häuschen von Pius
- zu, Eduard.
-
-Eduard, Carl, Lieschen, August Puderbach, Mutter Pius, Frau Amanda Pius,
-Großvater Wallbrecker, Gretchen Stomms.
-
-EDUARD: (erblickt Lieschen, das zur Bäckerei gehen will) Lieschen!
-
-LIESCHEN: (es läuft entzückt zu ihm) Herr Eduard! Herr Eduard!
-
-EDUARD: Wohin gehst Du denn so früh?
-
-LIESCHEN: (ist noch immer zu freudig, um zu sprechen, es hält Eduards
-Hand fest und springt beständig in die Höhe.)
-
-EDUARD: Freust Du Dich denn so, mein Kind?
-
-LIESCHEN: Sicher!
-
-EDUARD: Sieh mal -- (er schwingt eine Rolle hoch in der Luft.) Komm, wir
-setzen uns hier auf die Bank. (Sie setzen sich vor Pius' Haus auf die
-Bank. Eduard öffnet die Rolle.)
-
-LIESCHEN: Is aus England, nich?
-
-EDUARD: (nickt).
-
-LIESCHEN: (bewundernd) Wie is _das_ schön gemalen!
-
-EDUARD: Welche von den Puppenmüttern gefällt Dir am besten, Lieschen?
-
-LIESCHEN: (freudig) De mittelste, die hat so große Augen, wie Sie habn.
-
-EDUARD: (streichelt ihr Haar) Das Bild mußt Du Dir an die Wand hängen,
-mein Kind.
-
-LIESCHEN: Über unser Bett kommt es zu hängen, un der alte Herr Jesus
-fliegt auf'n Oller mit seine rotgeheulte Augen.
-
-EDUARD: Aber Lieschen .........
-
-LIESCHEN: Er guckt wie der Vater, wenn er von de sündige Welt predigt.
-
-EDUARD: Es kann auch nur ein frommer Maler unsern Heiland so schön
-malen, wie er gewesen ist.
-
-LIESCHEN: (etwas dreist) Meine Mutter sagt, Sie möchten uns en goldenen
-Rahmen bei das Bild kaufen.
-
-EDUARD: Hat das Deine Mutter gesagt?
-
-LIESCHEN: (ihre Dreistigkeit fühlend, kleinlaut) Molz!
-
-EDUARD: (spricht zärtlich, gütig) Aber daß Du gestern nicht das kleine
-Christkind besucht hast, Lieschen, darüber bin ich sehr traurig.
-
-LIESCHEN: (erschrocken) Das dürfen Se nich sein; lieber bleib ich mein
-Lebenlang in de Kirche auf de Stein liegen, dreihundertundfünfundsechzig
-Tage (besinnt sich) un all die Stunden und die Minuten.
-
-EDUARD: (gerührt) Unsere liebe Mutter hat Dich auch besonders gern,
-Lieschen.
-
-LIESCHEN: Ich bin doch ens so schäbig angezogen.
-
- (Sieht auf ihr Kleid herunter, Arbeiter grüßen Eduard
- ehrerbietig.)
-
-EDUARD: Darauf sieht unsere liebe Mutter nicht; sie sagte mir, Du habest
-ein himmelblaues Herzchen, Lieschen, und sie möchte so gern, daß es
-nicht fleckig würde.
-
-LIESCHEN: En himmelblaues Herzken ... habn Sie einmal so eins gesehn?
-(Kinder rufen Lieschen an.)
-
-Erstes Kind: Lieschen!
-
-Zweites Kind: Lieschen! (Sie laufen wieder fort.)
-
-EDUARD: Nur einmal bei einem kleinen Engelchen, das trug es ganz
-vorsichtig in einem seidenen Tüchelchen in den Händen.
-
-LIESCHEN: Aber denn konnt es doch nich mehr klopfen?
-
-EDUARD: Gewiß, es pochte ganz, ganz leise, lauter Perlen.
-
-LIESCHEN: Sicher?
-
-EDUARD: Und das Engelchen konnt es immer sehn, und so mußt Du auch Dein
-Herzchen wohl behüten, verstehst Du mich, Lieschen?
-
-LIESCHEN: (verzückt und erstaunt) Ja .....
-
-Kinder: Lieschen, es is half sieben, wir sagen es wieder!! (Lieschen
-rafft sich auf.)
-
-LIESCHEN: Ich muß nu laufen, Herr Eduard. (Gretchen Stomms kommt herbei,
-nähert sich etwas dreist den Beiden und sagt Lieschen etwas ins Ohr.)
-
-LIESCHEN: Das is doch _der_ nich. (Wird schüchtern, will fortlaufen mit
-Gretchen Stomms.)
-
-EDUARD: Eine Hand darfst Du mir doch noch geben!
-
-LIESCHEN: Mir haut der Vater, wenn ich trödel'.
-
-GRETCHEN STOMMS: (altklug) Es kriegt heute seine Löhnung.
-
-EDUARD: (nickt; Wichtigkeit markierend. Lieschen verläßt ihn befangen.
-Die beiden Kinder laufen, die Arme gegenseitig über Kreuz im Rücken,
-fort.)
-
-Gr. WALLBRECKER: (er trägt altmodisch grüngestickte Pantoffeln und die
-neue Pfeife in der einen Ecke im Mund. Arbeiter kommen wieder an Eduard
-vorbei.)
-
-Einer der Arbeiter: (brutal auf Eduard zeigend) Der muß auch bald ins
-Gras beißen.
-
-Großvater: (erblickt ihn) Guck einer an, der junge Herr so früh. (Nicht
-Antwort abwartend nach dem Dachfenster sich aufstreckend) Carl, steh
-auf, Faulenzer, dicker Plumpsack, steh auf! Amanda!
-
-EDUARD: (will ihn beruhigen) Lassen Sie sie noch friedlich schlummern,
-Großvater.
-
-Großvater: Tum Tingelingeling! ..... (Er drängt Eduard, sich wieder auf
-die Bank niederzusetzen.)
-
-EDUARD: Was meinen Sie, Großvater, wenn ich mir auch ein Pfeifchen
-anzünde?
-
-Großvater: (streicht ein Schwefelhölzchen an der Wand des Häuschens an.)
-Schlecht sehn Se mal wieder aus, un es fehlt doch nicks bei Sie; wo der
-Teufel einmal drinsitzt! ... Was sag ich, der Teufel? Wallbrecker bist
-Du doch en dämlich Roß, aber was muß das für en Satans in Sie sein?
-
-EDUARD: (schelmisch) Wer den wohl erlegen könnte, Großvater?
-
-Großvater: En Heiligen sind Sie, der heilige Laurentius sind Se, un
-Kaffee müssen Se bei uns trinken, sonst beleidigen Se meine Tochter
-Amanda. (Er zeigt auf Amanda, die mit einem Tisch aus dem Häuschen
-kommt, ihn vor die Bank zu stellen.)
-
-Frau AMANDA PIUS: Son'ne Ehre, geehrter Herr Eduard! (Stellt den Tisch
-vor die Bank und reicht ihm die Hand. Zu Wallbrecker): Wo is de Carl?
-
-Großvater: Er schläft noch. Ruf Du ihm.
-
-Frau AMANDA: (geht ins Häuschen.)
-
-Großvater: Er will nu Pastor werden, nehmen Sie's ihn nich übel, lieber
-Herr Eduard. (Amanda kehrt mit Kaffeekanne, Tassen, Butterbrot etc.
-zurück. Es wird immer heller. Arbeiter und Arbeiterinnen, unter ihnen
-Färber mit grün-, rot-, oder gelb-glänzenden Händen und bleichen
-Gesichtern ziehen vorbei.)
-
-Großvater: (zu einigen Arbeitern) Guten Tag zusammen!
-
-Arbeiter: Auch schon aufgestanden?
-
-AMANDA: Wenn uns der junge Herr (Carl unterbricht sie.)
-
-CARL: Ich bin gleich unten.
-
-AMANDA: Wenn uns der junge Herr die Ehre schenken will un en Köppchen
-Kaffee mit uns trinken will?
-
-EDUARD: (gütig) Ich bin ordentlich durstig, liebe Frau Wirtin.
-
-AMANDA: Es fiel mich ja im Traum nich ein, daß de junge Herr heut kommen
-könnt, ich hätt sonst en Lot mehr gemahlen.
-
-CARL: (man hört ihn oben sprechen) Meinen Kragenknopf kann ich nich
-finden.
-
-Mutter PIUS: (guckt aus dem Dachfensterchen) Was seh ich -- (Sie tritt
-wieder vom Fenster zurück) Nu halt man still, ich kann Dir doch nich
-mehr auf en Arm nehmen un Dir antrekken.
-
- (Alle lachen unten.)
-
-Großvater: Mich is so dämlich im Kopf.
-
-AMANDA: Du bist auch schon alt, Vatter. (Mutter Pius kommt.)
-
-Mutter PIUS: (zu Eduard) Bleiben Se man sitzen, tun Se als wenn Se zu
-Hause wären.
-
-EDUARD: (hustet.)
-
-Großvater: Da meld er sich.
-
-EDUARD: (hustet stärker) Der alte Satansdrachen, was Großvater?
-
-Mutter PIUS: De alten Doktors kurieren an Sie herum, die Mutter Pius
-aber wird Herr Eduard auf de Beine bringen, jeden Morgen und Abend en
-Köppken von de junge Weizensaat müssen Sie trinken. Ich will es Ihren
-Personal sagen.
-
-EDUARD: (gütig) Das mag wohl zuträglich sein, Mutter Pius.
-
-Großvater: Un jetzt man, wo wir Vollmond haben, soll es am tauglichsten
-sein.
-
-Mutter PIUS: (herrisch und verächtlich) Misch Dir nich in mein Praxis,
-Großvatter Wallbrecker.
-
-EDUARD: (besänftigend) Das nehmen alle Mediziner übel, Großvater wir
-sind doch mal nur Laien.
-
-Großvater: (könnte aufplatzen vor Lachen) Tum Tingelingeling, tum
-tingelingeling.
-
-CARL: (frisch, markig, primanerhaft, pathetisch) Ich grüße Dich,
-Gottesmann, der Du fürlieb nimmst mit unserer Speise und Trank.
-
-EDUARD: (leuchtend schelmisch) Friede sei Deinem Haus, mein Bruder.
-
-Großvater: (spricht auf Amanda unverständlich ein, Mutter Pius versorgt
-sich mit Kaffee, streicht Carl Butterbröte.)
-
-EDUARD: (legt Amanda ein Kuvert auf ihren Schoß) Von meiner Mutter.
-
-Großvater: (neugierig) Laß ens gucken!
-
-AMANDA: (sie stößt ihren Vater mit dem Ellbogen unsanft zurück) Nä, Ihre
-Frau Mutter is engelgut. (Eine dicke Träne fließt über ihre Backe.)
-
-Großvater: (nickt dazu fortwährend Amandas Worte bestätigend.)
-
-Tum Tingelingeling, tum tingelingeling, tum, tum, tum, tum! (Carl und
-Eduard unterhalten sich leise. Aus der Seitengasse, dem Zimmer im
-obersten Stock, das Puderbachs bewohnen, dringt Lärm. Ein Haufen Kinder
-sammelt sich lauschend vor dem Haus an.)
-
-Mutter PIUS: (spricht lauter) Vielleicht trinkt Herr Eduard auch noch
-ein Köppken? (Der Lärm läßt nach.)
-
-EDUARD: (nickt Frau Amanda zu) Er ist außergewöhnlich gut gebraut, ich
-möchte das Rezept unserer Auguste sagen.
-
-Mutter PIUS: (katzenfreundlich zu Amanda) Er schmeckt aber auch gut
-heut, Amanda.
-
-AMANDA: Vatter, hol noch wacker was Zucker aus die Blas', (er steht
-langsam auf) nu eil Dir man ein bischen.
-
- (Lärm dringt wieder stärker aus der Seitengasse, man hört weinen
- und es ist, als ob Porzellan zerbricht. Arbeiter und
- Arbeiterinnen gesellen sich neugierig zu den Kindern vor der
- Gasse.)
-
-AMANDA: Geh doch ens rüber, Carl, Du verstehst Dir doch mit dem
-Scheinheiligen. Bist Dich doch eine Otoridät.
-
-CARL: (hart) Laß mich zufrieden.
-
-EDUARD: (verlegen.)
-
-AMANDA: Wat redest De rauh! (Der Lärm läßt nach. Großvater Wallbrecker
-kommt zurück, in seinem roten Taschentuch den Zucker wie in einem
-Beutelchen tragend.)
-
-AMANDA: Bist De toll, Vatter? (Carl und Eduard lachen.)
-
-Mutter PIUS: Ich sag gar niks mehr.
-
-Großvater: Wat soll ich denn? Ich schlabbere ja mit de Löffels (zu
-Amanda) ich schütt ihn doch so in 'em Reisbrei.
-
-CARL: (sich belustigend) Ich bin Zeuge! Großvatter kallt de pure
-Wahrheit.
-
-AMANDA: Glauben Se's nich, Herr Eduard, (auf Großvater zeigend) er
-träumt immer.
-
-Mutter PIUS: (großmütig heuchlerisch) Wat sagst De, Wallbrecker, ich
-nehm mich _doch_ en Löffel dovon in mein Köppken?
-
- (Eduard klopft Mutter Pius auf die Schulter.)
-
-Großvater: Ich hab mir seit von Tag nicht drin geschnäutzt. (Alle lachen
-wieder herzlich. Aber furchtbar dringt der Lärm aus dem Hause der
-Seitengasse.)
-
-AMANDA: Entweder geh Du oder ich. (Bittend.)
-
-CARL: (Unerbittlich) Wenn er sie ens tüchtig verwichsen tät.
-
-Großvater: Du willst en Pastor werden, Carl ---- ich hab gleich gesagt,
-Gesellen mußt De habn.
-
- (Der Großvater erhebt sich.)
-
-Mutter PIUS: Wegen dat schlumprige Weib drüben lassen wir uns beim
-Kaffee stören.
-
- (Der Großvater ist im Begriff herüber zu gehen.)
-
-EDUARD: Bleiben Se sitzen, Großvater, der Carl wird Ruhe schaffen. (Der
-Großvater läßt sich aber nicht aufhalten.)
-
-Mutter PIUS: (neidisch auf Großvater weisend) Das tut er mich zum Ärger.
-
-AMANDA: Nu lauf man rasch den Großvater nach, Carl!
-
-CARL: (ärgerlich) Steh Du doch Deiner Freundin bei! (Carl hält Eduard
-zurück, der sich schlicht erheben will.)
-
-CARL: Er kommt ja gleich wieder heil zurück. (Der Großvater naht Salve
-Cäsar!) Statt den Lorbeer das Käppken auf den Kopf und Lieskens Present
-in de Schnute. (Alle lachen, auch hört man keinen Lärm mehr.)
-
-Großvater: Ich hab all wieder gestillt, Kinderkes. Bleiben Se man
-sitzen, Herr Eduard. (Er bemerkt gar nicht, daß Eduard auf seinem Stuhl
-sitzt.)
-
-AMANDA: (geschwätzig) Was bloß aus dem Liesken werden soll? --
-
-EDUARD: Lassen Sie mich erst über den Berg sein.
-
-Mutter PIUS: (listig) Da lassen Se man de Finger von.
-
-CARL: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme.
-
-Mutter PIUS: (cynisch, halb zu sich zum eignen Amüsement) Herr Eduard
-ist doch kein Feinschmecker!
-
-EDUARD: Meine Schwester soll sich des Kindes annehmen.
-
-AMANDA: (devot) Ihr Fräulein Prinzessin Schwester?
-
-EDUARD: (nickt stolz) Ist sie nicht eine Prinzessin, Carl?
-
-CARL: (errötet, ist benommen.)
-
-Mutter PIUS: Dem Weib bin ich zu gut, ganz genau de Mama aus dem Gesicht
-geschnitten.
-
-Großvater: (bestätigend) Tum Tingelingeling, Tum Tingelingeling, tum,
-tum, tum.
-
- (Wieder gehen Männer vorbei. Es sind die Helfershelfer, die Lange
- Anna zu Hilfe kamen am ersten Abend.)
-
-Großvater: Nehmt man de Bein auf en Nacken.
-
-Der Herumtreiber: (höhnisch) Na, wie schmeckt es euch denn?
-
-Großvater: Carl, hast De das gehört?
-
-Mutter PIUS: (zu Carl ängstlich, er könnte sie hauen) Ärgre Dir man nich
-darüber, Carl, das sind die nich wert.
-
-CARL: (benommen) Ich hab gar niks gehört.
-
-Großvater: Daß se mich nich en gemütlichen Abend gönnen, Herr Eduard.
-Fünfundzwanzig Jahr hab ich mit dem Liesken sein Großvater am Webstuhl
-gesessen, (weinerlich) und doch war das Leichentuch zu klein für uns
-beide.
-
-CARL: Mutter gieb mir meine Kappe!
-
-EDUARD: (gütig, schelmisch zum Großvater) Wir werden noch oft zusammen
-ein Piepken schmöken, Großvatter. (Alle lachen, nur der Großvater nickt
-ernsthaft.)
-
-Großvater: Jetzt leb ich von de Gnade meiner Tochter un die (er zeigt
-auf Mutter Pius.)
-
-Mutter PIUS: Ich bin doch gewiß nobel für Dich!
-
-AMANDA: Daß er das viele Tabakschmöken nicht lassen kann.
-
-CARL: Für de Arbeit sind de Frauleut da! (Frau Amanda greift Carls Kappe
-durchs Fenster und setzt sie ihm auf.)
-
-Mutter PIUS: (lacht) Du frecher Bullenbeißer!
-
-Großvater: (zu Carl) Du bist noch jung, ich aber bin en altes, kränklich
-Roß. (Er hüstelt und spricht für sich.) Hab das Wiehern eigentlich schon
-vergessen. (Er will aufstehen und ausspeien.)
-
-AMANDA: (zum Großvater) Versteck Dir rasch, siehst Die nich? (Der
-Großvater beugt sich schnell hinter den Strauch neben dem Haus.)
-
- (Der Kaplan kommt vom Spaziergang in den Wald über die Wiese
- links; er hat einen _schwankenden_ Gang. Er bemerkt die
- Gesellschaft vor dem Häuschen nicht.)
-
-EDUARD: Warum soll sich der Großvater vor dem sanften Kaplan verstecken?
-
-Mutter PIUS: (weist auf ihn) Wien'n kleines Prozessionsboot über'n
-evangelisch Meer.
-
-EDUARD: Er ist sehr unglücklich, Deiner Abtrünnigkeit wegen, Carl.
-
-CARL: (sarkastisch) So viel Kummer hat sich noch keiner um meine Seele
-gemacht.
-
-EDUARD: Was sagen _Sie_ dazu, Mutter Pius?
-
-Mutter PIUS: Daß Se lieber wieder nach unseren Luther hören sollen, was
-wollen Se allein herumschiffen?
-
-EDUARD: (zu Carl) Die Mütter!!
-
-AMANDA: Aufstehen, Vatter, wir müssen auf die Wies'.
-
-Großvater: (seufzend zu Eduard) De Wäsch legen.
-
- (Eduard erhebt sich auch.)
-
-Mutter PIUS: (zu Eduard) Bleiben Se doch noch en bischen bei de Mutter
-Pius, Herr Eduard.
-
-EDUARD: Morgen gehts Examen los, ich muß noch mathematische Zahlen
-rechnen.
-
-Mutter PIUS: Was nich de Schulmeister all wollen, zu meiner Zeit war es
-noch nicht halb so schlimm.
-
-CARL: (sarkastisch) Deshalb bist De auch kein Pastor geworden!
-
-EDUARD: (Großvater und Amanda, die zögernd warten, die Hand reichend.
-Die beiden gehen ins Häuschen.) Wir sind alle Pflugtiere. Kommst Du mit
-mir, Carl.
-
-CARL: (nickt.)
-
-Mutter PIUS: Mit de Schluffen an de Bein, Jung?
-
-CARL: (kleinlaut) Ich wär wahrhaftig in Gedanken so gelaufen. (Zu
-Eduard) Ich hab die Stiefel beim Schuster.
-
-Mutter PIUS: (zu Eduard, wie zu einem kleinen Jungen) De Mama werd schon
-bang sein -- dafür kenn ich ihr. (Mutter Pius reicht Eduard ermahnend
-die Hand, Carl begleitet ihn bis zur Ecke. Eduard winkt noch einmal
-Mutter Pius zu.)
-
-Mutter PIUS: (ruft durchs Fenster) Gib mir meine Valentiaspitzen und
-Poingtskrägen. Se liegen in de Fase auf en Schrank, daß de Mietze nich
-damit spielt.
-
-Großvater: (Reicht die Spitzen heraus und zeigt in die Ferne, wo am Rand
-des Waldes die drei Herumtreiber: Pendelfrederech, Lange Anna und der
-gläserne Amadeus um eine Laterne gehen, deren Licht noch nicht ganz
-erblichen ist.)
-
-Großvater: (dämlich) Da gehen die drei Erzengel in de Ferne un blasen
-aus de Laterne.
-
-Mutter PIUS: Du fängst auch wohl an zu reimen, wie de Carl?
-
- (Carl kommt zurück.)
-
-Mutter PIUS: (zu Carl) Lang macht der auch nicht mehr mit.
-
-Großvater: (nickt beständig zustimmend) Tum, tum, tum, tum.
-
-CARL: Ich würd dem schon ein Stück von meiner gesunden Brust gebn.
-
-Mutter PIUS: (Pause) Sag ens, Carl, wen hast De lieber, mir oder ihm?
-(In der Richtung blickend, die Eduard eingeschlagen hat.)
-
-CARL: (lacht) Du träumst wohl, Großmutter, ich bin noch der Carl in
-Deinem Schoß.
-
-Mutter PIUS: Mir überkömmt es man so.
-
-CARL: Dich?
-
-Großvater: Tum tingelingeling!!
-
-Mutter PIUS: Meinst wohl, de Großmutter war nie wehmutsvoll gewesen?
-
-CARL: Na, was is denn los?
-
-Mutter PIUS: (sitzt eine Weile schweigend, den Kopf herabgesunken auf
-die Brust; die drei Männer verschwinden in der Ferne im Wald.)
-
-AMANDA: (ruft) Wo bist Du denn, Vatter?
-
-Großvater: Ich muß noch bei de Mutter Pius bleiben, sie hat
-Heiratsgedanken.
-
-Mutter PIUS: (auffahrend) Du alter Sünder.
-
-Großvater: Wenn ich en Sünder bin, da hätten wir uns heiraten sollen.
-
-Mutter PIUS: Dir! Du schlapper Bock!
-
-CARL: Haltet Eure Mäuler, ich muß arbeiten.
-
-Großvater: (Holt einen Ausklopfer) Wart man, ich schaff Dich Ruh!
-(Amanda zieht ihren Vater vom Fenster fort. Man hört ihn noch aus dem
-Hause reden, wichtig): Im Examen muß er steigen!
-
- (Carl nimmt Heft und Buch, Tintenfäßchen, Halter aus seiner
- Tasche und beginnt zu blättern; Mutter Pius glättet geschickt die
- Spitzen und schweigt grübelnd.)
-
-CARL: (etwas neckisch) Ich glaub en's, der Großvater hat recht
-gesprochen.
-
-Mutter PIUS: Ich altes Weib?
-
-CARL: (sie neckend) Mit Dein jung Herz!
-
-Mutter PIUS: (sich aufraffend) Temperatur hab'n alle Pius im Leib gehabt
-un Du auch, Carl, siehst De, un de Großmutter weiß das. (Sie holt
-sorgfältig Martas Bild aus ihrer Ledertasche und hält es Carl hin.)
-
-CARL: (fragend verblüfft).
-
-Mutter PIUS: Deine Flamme!
-
-CARL: (tiefrot, zittert, reißt das Bild an sich.)
-
-Mutter PIUS: Du Spitzbub, gib man rasch wieder.
-
- (Carl steckt es in seine Brieftasche. Kleine Pause.)
-
-Mutter PIUS: Sie guckt sich nach Dich die Augen aus. (Kleine Pause.)
-
-CARL: Wer sagt das?
-
-Mutter PIUS: Ich!
-
-CARL: Das is gelogen.
-
-Mutter PIUS: All de Leut sagen es in de Nachbarschaft.
-
-CARL: Weibergeklatsch. (Kleine Pause. Flehentlich erregt) Wer hat Dir
-das gegeben, Großmutter?
-
-Mutter PIUS: Weißt De nich genug, daß Du es auf Deine Haut trägst, Carl?
-
-CARL: (plötzlich glücklich) Großmutter! (Er küßt sie auf den Mund) Du
-bist eine Teufelin!!!
-
-Mutter PIUS: Kriegt de Mutter Pius ens Schimpfe für die Gabe. (Kleine
-Pause.) Du heulst ja!
-
-CARL: (unterdrückt die Erregung) Ich glaub es Dir bald!
-
-Mutter PIUS: Wat zitterst Du denn?
-
-CARL: Ich hab Angst, ich fall im Examen durch. (Plötzlich hart) Ihr
-Weiber stört mich! (Kleine Pause.)
-
-Mutter PIUS: Carl, ich muß Dich was recht Intimes sagen. Keiner darf es
-hören.
-
-CARL: Laß mich zufrieden.
-
-Mutter PIUS: Sprech mit Deine Schwiegermutter.
-
-CARL: Was?
-
-Mutter PIUS: Wenn Dus Examen bestanden hast.
-
-CARL: (grübelnd).
-
-Mutter PIUS: Sie weist Dir nicht ab, glaub es Mutter Pius.
-
-(Kleine Pause,) Du guckst mir an, als wenn ich Dir zum Narren halt.
-
-CARL: (gespannt).
-
-Mutter PIUS: So en wackerer Mann wie Du bist, Carl -- un de feine
-Herrschaften stärken gern man das Treibhausblut mit den natürlichen
-seines.
-
-CARL: (immer gespannt).
-
-Mutter PIUS: Liest De dann nich in de Zeitung öfters, daß de Gräfinnen
-sich mit die Lakais einlassen?
-
-CARL: (naiv) Hinter den Rücken der Mütter?
-
-Mutter PIUS: Die Olschen wissen immer davon. (Listig): Mamma Sonntag
-weiß auch von das viele Leckers un de Cigarretten, was de Marta Dich in
-de Manteltaschen stopft?
-
-CARL: (trotzig) Wer sagt Dir, daß sie es herein stopft?
-
-Mutter PIUS: Das riech ich im Dampf, Carl. Nä, wie ein kleines Gockel
-bist de noch! (Von der Seite kommen August Puderbach und andere Färber
-(mit bunten Händen) durcheinander redend, von der Fabrik zurück; sie
-bleiben vor Pius' Häuschen stehen.)
-
-AUGUST: Se streiken wieder.
-
-Mutter PIUS: (ärgerlich) Und Du?
-
-DIE ARBEITER: (durcheinanderredend) Aufhängen soll man die Krakäler.
-
-CARL: Das sag ich auch.
-
-AUGUST: Sind wir ens einmal eine Ansicht.
-
- (Amanda kommt zurück, rechts vom Hause her; sie hat die letzten
- Worte gehört.)
-
-AMANDA: Gut bist De dem Carl ens doch, August. Den Scheitel trägst De ja
-am Sonntag wie er an der Seit'.
-
-EINER DER ARBEITER: Was hab'n wir von der Streikerei?
-
-AUGUST: Drei un ein halben Taler weniger im Monat. Mich war de
-Arbeitszeit nich zu lang.
-
-Mutter PIUS: Das muß man Dich lassen, ein fleißiger Jung bist De, --
-aber was tust De auch zu Haus bei Dein mukkerigen Vater?
-
-AUGUST: (zu Carl) De Pastoren, die streiken nich, was, Carl? --
-Vielleicht sattle ich noch um.
-
-CARL: Halts Maul!
-
-EIN ANDERER ARBEITER: Was sollen wir machen, Mutter Pius, wir dürfen uns
-so nich zu Haus sehen lassen.
-
-Mutter PIUS: Kümmert Euch doch nicht um Eure Brüders.
-
-EINER DER ARBEITER: Was sollen wir machen gegen so viel
-Sozialdemokraten? Wir sind ja all Sozialdemokraten, aber darum brauchen
-wir doch keine Dummheiten machen.
-
-Mutter PIUS: Nä, wahrhaftig nich.
-
-DERSELBE ARBEITER: Wat rätst De uns Mutter Pius?
-
-AMANDA: Geht man wieder zurück zu Euren Herrn und klatscht ihm die
-Vorgänge.
-
-EIN ANDERER ARBEITER: Nä, verraten tun wir de Brüder nich.
-
-CARL: (herablassend brutal) Schlagt Euern Herrn tot, wie s'es in Rußland
-machen.
-
-DERSELBE ARBEITER: Un dann?
-
-Mutter PIUS: (lachend) Dann wirst Du der Besitzer, August.
-
-EIN ANDERER ARBEITER: Lieber bleiben wir en Arbeiter, als en Herrn
-werden über se Alle.
-
-Mutter PIUS: Ich würd schon mit ihm tauschen. Alte Schafsköppe, wo man
-Euch hintreibt, freßt Ihr!
-
-EINER DER ARBEITER: Recht hat Se man.
-
-EIN ANDERER ARBEITER: Mein Jung soll lieber in unser eigenen Schweiß (er
-zeigt auf die Wupper) versaufen, als en Färber werden.
-
-EINER DER ARBEITER: Kannst Du uns was borgen, Mutter Pius?
-
-EIN ANDERER ARBEITER: Guck ens in Dein Beutel nach ....
-
-Mutter PIUS: Ich hab von Tag nich en Kastemänneken über. De Carl muß
-doch auf de Universität ne ganze Bux am Hintersten hab'n.
-
- (Lieschen läuft, vom Brotaustragen zurückgekehrt, zu August -- er
- und die Arbeiter gehen weiter sich zu beraten etc. Der Großvater
- Wallbrecker kommt keuchend über die Wiese; er ruht sich vor
- der Brücke aus. Er trägt einen Wäschesack auf dem Rücken. Von der
- Gasse hört man Getrampel und Fluchen, eine Schar Arbeiter
- kommt auf Pius' Häuschen zu.)
-
-Mutter PIUS: (Nimmt mit einem Griff Carls Bücher und ihre Spitzen) Komm
-wacker herein, Carl, ich muß mir neutral halten un wenn Bebel selber mir
-um Rat fragen tät. -- (Der Großvater sieht Lieschen, das noch vor dem
-Haus von Pius steht.)
-
-Großvater: Lieschen!
-
-LIESCHEN: (Mit raffiniertem Einverständnis zu Mutter Pius) Soll ich heut
-wieder helfen, Mutter Pius? (Mutter Pius ist aber schon im Haus und hat
-Lieschens Frage nicht gehört. Die Arbeiter verziehen sich, Lieschen geht
-der Gasse zu.)
-
-Großvater: (Ruft; aber Lieschen will scheint's nicht hören; er pfeift
-den Pfiff, der Lieschen ein Signal geworden ist. Nun steht der Großvater
-vor dem Häuschen.)
-
-Großvater: Nä, wie sich das Blag verändert hat! Amanda, mein Puckel
-stürzt ein! (Er geht ins Haus.)
-
-
-
-
- FÜNFTER AKT
-
-
- Eine Art Gartenzimmer in der Villa der Familie Sonntag. Rechts
- führt die Tür zum Flur, von der man die Haustür deutlich sehen
- kann. Links ein breites Fenster, das den Garten spiegelt. Viele
- Schlingpflanzen und andere Blumen schmücken das Zimmer. Nahe dem
- Fenster steht ein lila Ledersofa, worauf Frau Sonntag und Eduard
- sitzen. Frau Sonntag hält zerstreut ein offenes Buch auf der
- Rückseite im Schoß. Marta ist im Begriff, den Flor von Heinrichs
- Bild abzunehmen. Die Familienmitglieder sind in Schwarz
- gekleidet, auch die Dienstboten.
-
-Frau Sonntag, Eduard, Marta, Carl Pius, Dr. von Simon, Auguste, Berta.
-
-MARTA: Immer wieder hängt ihn Auguste um das Bild.
-
-Fr. SONNTAG: Warum nimmst Du ihn ab?
-
-MARTA: Eduard will es ja.
-
-EDUARD: (liebevoll) Ich möchte, liebe Mutter, daß man ihm Lebendigeres
-brächte.
-
-MARTA: (zu Eduard) Wie gefällt Dir dieses junge Grün?
-
-EDUARD: (Nickt dankbar).
-
-Fr. SONNTAG (melancholisch) Ich traure, daß er gelebt hat. (Marta
-schmückt das Bild, setzt sich dann ans Fenster und stickt auf einem
-Rahmen in Seide Kamillen. Ihre Bewegungen sind unruhig, wartend.)
-
-EDUARD: Daß Du nur einen Augenblick an seiner Ehrenhaftigkeit zweifeln
-kannst!
-
-MARTA: Dr. v. Simon sagt aber auch, ein Unschuldiger gehe nicht dem
-Leben durch.
-
-EDUARD: Der Inspektor hat sich kein Urteil über unsern Bruder zu
-erlauben, vor allen Dingen aber vor seines Herrn Schwester nicht.
-
-Fr. SONNTAG: (Winkt Marta zu schweigen. Kleine Pause.)
-
-EDUARD: Soldat war er, wie soll der anders in diesem unaufklärbaren
-Falle handeln!
-
-Fr. SONNTAG: Ich glaubte, diese Zeit hätte er längst vergessen.
-
-EDUARD: Aber Mutter, der Soldat lag ihm im Blut wie in Achill der Sieg.
-
-Fr. SONNTAG: Wie Du ihn zu verherrlichen suchst, Eduard.
-
-MARTA: Schneidig standen ihm die Schnüren und der Galahelm.
-
-EDUARD: (Marta in die Rede fallend) Er hätte Soldat bleiben sollen,
-Mutter, auch nach Papas Tod.
-
-Fr. SONNTAG: Du sagst das so vorwurfsvoll, sollte ich mich vielleicht
-ins Bureau der Fabrik setzen?
-
-EDUARD: Mutter, Du bist nervös.
-
-Fr. SONNTAG: Er hat damals Papa versprechen müssen, die Leitung zu
-übernehmen.
-
-EDUARD: Ich hätte ihm das Versprechen nicht gegeben, wenn ich Heinrich
-gewesen wäre.
-
-Fr. SONNTAG: Du? (erstaunt) Daß ich meine Kinder so wenig kenne .... Es
-hätte sich schon ein Stellvertreter in der Verwandtschaft gefunden.
-
-MARTA: Wenn Ihr Euch jetzt immer so ernst unterhaltet -- es ist schon
-trist genug bei uns im Haus.
-
-Fr. SONNTAG: (melancholisch) Ich bin auch keine Gesellschaft für Dich.
-
-EDUARD: Bald habt Ihr mich los.
-
-Fr. SONNTAG: (Frau Sonntag und Marta sprechen fast zusammen) Ich hoffte,
-Du würdest nun bleiben, Eduard?
-
-MARTA: Bringst Du auch mal einen Mönch mit nach Hause?
-
- (Mutter und Sohn lächeln.)
-
-EDUARD: Wie denkst Du Dir das?
-
-MARTA: Ich möchte mal so jemand ganz Frommes kennen lernen.
-
-Fr. SONNTAG: (wehmütig mokant) Du bist ihr nicht fromm genug.
-
-EDUARD: Kinder und Narren -- (kleine Pause).
-
-MARTA: Mama, kann man eigentlich _rosa_ auf dem Standesamt tragen?
-
-Fr. SONNTAG: (unterbricht Marta erschrocken) Daß Du es übers Herz
-bringen kannst, Eduard.
-
-EDUARD: Wenn Du Gott liebtest, Mutter, würdest Du nicht versuchen, mich
-wankend zu machen.
-
-Fr. SONNTAG: Ich liebe Gott nicht.
-
-EDUARD: Weil Du ihn mit menschlichen Empfindungen suchst.
-
-Fr. SONNTAG: (melancholisch) Ich habe keine andern.
-
-EDUARD: (legt den Arm um sie.) Un doch leidest Du unmenschlich,
-Mütterchen. (Kleine Pause.) Ich möchte Dir, so lange ich noch bei Dir
-bin, Vater und Heinrich ersetzen. -- Warum lächelst Du so fremd?
-
-Fr. SONNTAG: Das wirst Du nie, Kind.
-
-EDUARD: Wenn ich mir nun alle Mühe geben werde?
-
-Fr. SONNTAG: Du _könntest_ es, Gott sei Dank, nicht.
-
-MARTA: Ich habe einmal zwei Mönche im Kölner Dom gesehen. Ihre Köpfe
-waren geschoren, wie bei Verbrechern und barfuß gingen sie später durch
-den Schnee.
-
-MUTTER: (seufzend) Du hältst es nicht ein Jahr im Franziskanerorden aus,
-Eduard.
-
-AUGUSTE: (öffnet behutsam die Tür des Zimmers) Herr Pius ist da un will
-die Frau ganz allein sprechen.
-
-Fr. SONNTAG: (zu Eduard) Er meint Dich gewiß, Eduard.
-
-AUGUSTE: Nä, er sagt ganz ausdrücklich, _die_ Frau.
-
-Fr. SONNTAG: (erhebt sich achselzuckend. Auguste flüstert Marta leise
-ins Ohr.)
-
-AUGUSTE: Ihr Bräutigam is auch wieder da.
-
- (Marta blickt forschend auf Eduard, der aber nichts gehört hat
- und geht leise trällernd aus dem Zimmer. Auguste deckt Eduard mit
- der Gebärde der Frau Sonntag eine Decke über die Füße.)
-
-EDUARD: Bei der Wärme, Auguste?
-
-AUGUSTE: Wenn es Herr Eduard hab'n will, leist ich ihm en bißchen
-Gesellschaft.
-
-EDUARD: (nickt gütig).
-
-AUGUSTE: Ich hör für mein Leben gern von Herrn Jesus erzählen.
-
-EDUARD: (nickt. Auguste nimmt Platz und zieht ihren breiten, blauen
-Strickstrumpf aus der Tasche.)
-
-AUGUSTE: Sie müssen nich immer auf den Heinrich gucken, er kriegt kein
-Frieden.
-
-EDUARD: Und eigentlich war ich doch an der Reihe.
-
-AUGUSTE: Das helft Alles nicks, passen Se auf, Herr Eduard. (Freudig
-verheißend) nach de Trauer folgt de Hochzeit.
-
-EDUARD: (blickt sie fragend an).
-
-AUGUSTE: Euch mein ich doch verdeck nich oder der liebe Herrgott müßt
-sich auch eine Tochter machen.
-
-EDUARD: (lächelt).
-
-AUGUSTE: De Marta mein ich.
-
-BERTA: (tritt mürrisch ins Zimmer, sie bringt auf einem Tablett eine
-Kanne Milch und ein Glas. Zu Auguste). Ihnen alles nachzutragen habe ich
-auch keine Lust mehr. (Sie verläßt das Zimmer.)
-
-AUGUSTE: Das dumme Blag tut ens so zimperlich wie'n Fräulein.
-
-EDUARD: Sie sieht seit einigen Tagen sehr unzufrieden aus.
-
-AUGUSTE: Gekündigt hat se Mamma Sonntag, sie geht nach Schlamerika.
-
-EDUARD: So?
-
-AUGUSTE: Ich glaub, de Mutter Pius hat ihr das aus de Karten prophezeit.
-
-EDUARD: Mutter Pius hält Euch nur zum Besten -- sie ist doch eine kluge
-Frau, dünkt mich?
-
-AUGUSTE: Sie gucken ja immer in den Himmel rein.
-
-EDUARD: Nein, ist sie keine kluge Frau?
-
-AUGUSTE: Wie man's beguckt; aus ihrer Schlauigkeit krauchen die
-Narrheiten.
-
-EDUARD: Das ist mir ganz neu.
-
-AUGUSTE: (Kleine Pause.) Ich könnt Euch alles beichten, Herr Eduard.
-(Sie hebt eine Masche auf, die während ihres Sprechens gefallen ist.)
-
-EDUARD: Tun Sie das, Auguste!
-
-AUGUSTE: Ich habe Mamma Sonntag vorige Woche was vorgelogen.
-
-EDUARD: (ein Lächeln unterdrückend) Was denn, Auguste?
-
-AUGUSTE: Ich hab mich gar nicht verschlafen, im Leichenhaus war ich. Ich
-wollt dem lieben Herrn Heinrich addjüß sagen.
-
-EDUARD: Das hätte Ihnen meine Mutter ja nicht verwehrt, Auguste. (Eine
-Schar Jungens mit Waldbeeren in Kannen klingeln an der Haustür und
-klopfen und surren.)
-
-AUGUSTE: (schließt die Tür) Und was denken Sie, wem seh ich da -- de
-alte Pius! De Augen standen scheel wie beim Geripp un gedreht hat se
-sich (spricht immer tiefer) um de Leichen immer rund um ohne aufzuhören,
-un gesungen hat se dabei (sie singt ganz tief, fast im Baß) O Du lieber
-Augustin Alles is hin, hin, hin.
-
-EDUARD: Was erzählen Sie da, Auguste?
-
-AUGUSTE: Regen Se sich deshalb nich auf. Carl sein Großvater der hat vor
-langer Zeit zu mich gesagt, de Mutter Pius wär das Karussell, wo wir All
-drin sitzen.
-
-Fr. SONNTAG: (Sie kommt entstellt ins Zimmer, sie sieht ganz gelb im
-Gesicht aus. Die Jungens sieht man beim Hereintreten sich vor der
-Haustür drängen. Der größte hält ein Öllämpchen in der Hand.)
-
-AUGUSTE: De Jungens machen mir ganz nervös.
-
- (Ahmt Frau Sonntag nach, erhebt sich gemächlich vom Stuhl und
- geht behutsam aus dem Zimmer.)
-
-DIE JUNGENS: Gitzhals! Gitzhals!
-
-Fr. SONNTAG: Du weißt es wohl schon? (Eduard ist noch immer erregt von
-Augustens Erzählung.)
-
-EDUARD: (Nickt fragend Nein) Du schüttelst Dich, als ob Du über ein
-gedüngertes Land gegangen bist.
-
-Fr. SONNTAG: Du weißt es wirklich nicht, Eduard?
-
-EDUARD: Setz Dich zu mir, armes, armes Mütterchen. (Pause.)
-
-Fr. SONNTAG: Pius war doch hier.
-
-EDUARD: Ach ja, was wollte er?
-
-Fr. SONNTAG: (tonlos) Marta. (Kleine Pause.)
-
-EDUARD: Ich hätte mich mehr erschrocken, wenn es der Inspektor gewesen
-wäre.
-
-Fr. SONNTAG: (verlegen) Du hättest ihn sehen müssen den schüchternen
-Jungen -- impertinent wurde er, sage ich Dir, Eduard. Er trinkt
-überdies.
-
-EDUARD: (Kleine Pause.) Ich bildete mir ein, er hätte uns so oft
-meinetwegen besucht. (Kleine Pause.) Ich bin Egoist geworden während
-meiner Krankheit.
-
-Fr. SONNTAG: Aber Eduard, er konnte sich doch glücklich schätzen, Dich
-besuchen zu dürfen.
-
-EDUARD: Wie trivial faßt Du unsere Freundschaft auf, Mutter. (Die Jungen
-werden so laut, daß man sie im geschlossenen Zimmer hört.)
-
-Fr. SONNTAG: (sehr verlegen) Auguste soll die Kinder draußen
-fortschicken. (Sie klingelt.)
-
-EDUARD: Eine junge, eherne Apostelgestalt ist Carl Pius in Versuchung.
-
-Fr. SONNTAG: Du bist ein Fanatiker.
-
-EDUARD: Und doch lehrt Krankheit weise Melodien. (Kleine Pause.) Was
-sagtest Du ihm?
-
-Fr. SONNTAG: Ich erinnerte ihn zuerst an seine Jugend.
-
-EDUARD: Und?
-
-Fr. SONNTAG: (sich erdenkend) Daß Marta dann schon ein altes Mädchen
-sein würde -- aber als er impertinent wurde -- wies ich ihm die Tür.
-
-EDUARD: (Senkt den Kopf.)
-
-AUGUSTE: (Tritt behutsam ins Zimmer, ihre roten Backen glänzen, sie läßt
-die Zimmertür halb offen stehen.) Wie zwei Turteltauben die beiden im
-Garten .... (Frau Sonntag verlegen.)
-
-EDUARD: Das wäre allerdings eine Impertinenz ....
-
- (Die Jungens betteln unaufhörlich.)
-
-AUGUSTE: Wir wollen de Jungens en Liter Waldbeeren abkaufen, dann hab'n
-se Ruh. (Sie nimmt aus Frau Sonntags Portemonnaie im Schlüsselkorb, ohne
-Antwort abzuwarten, Geld. Marta und der Inspektor werden sichtbar im
-Garten. Eduard wendet den Kopf zum Fenster hin. Frau Sonntag rafft sich
-auf.)
-
-Fr. SONNTAG: (gepreßt) Sie sollten es Dir selbst sagen, Eduard.
-
-EDUARD: (Kleine Pause.) Schamloser konntest Du Deinen Sohn Heinrich
-nicht verraten. (Kleine Pause.) Mein armer Bruder, ein flüchtender
-Soldat, ging er verzweifelt in den Tod .....
-
-Fr. SONNTAG: Damit gibst Du ja seine Schuld zu.
-
-EDUARD: Es steht Dir nicht, Mutter, mich meuchlings überführen zu
-wollen.
-
-Fr. SONNTAG: Ich verstehe nicht, was Du eigentlich gegen Dr. v. Simon
-hast.
-
-EDUARD: Dasselbe, was Du gegen ihn hast, Mutter, darum wagtest Du auch
-nicht, mir von der Katastrophe _selbst_ Mitteilung zu machen.
-
-Fr. SONNTAG: (etwas finster) Ich fürchte mich vor meinen Kindern nicht,
-selbst vor Dir nicht, Eduard.
-
-EDUARD: (Kleine Pause.) Erinnere Dich doch, welchen Verdacht Du gestern
-noch gegen ihn aussprachst.
-
-Fr. SONNTAG: (hochmütig) Ich hab ihn mir eigentlich erst heute morgen
-angesehen.
-
-EDUARD: (spöttisch) Schwärmst etwa _auch nun_ für seine schmachtenden
-Wimpern?
-
-Fr. SONNTAG: (aufweinend) Ich fühle, Eduard, ich war zu selbstlos zu
-Dir.
-
-EDUARD: Mutter, teure Mutter, aus welchem Grunde willst Du Martas
-Mädchenseele preisgeben?
-
-Fr. SONNTAG: Daß Heinrich in der letzten Zeit auf ihn erbost war, hat
-tiefere Gründe.
-
-EDUARD: Aber wir haben doch Augen und Ohren, Mutter.
-
-Fr. SONNTAG: (gezwungen) Ich wünschte sogar, wir hätten Herrn Dr. v.
-Simon veranlaßt, zeitiger in unserem Hause zu verkehren.
-
-EDUARD: Du weichst noch immer meiner Frage aus, Mutter?
-
-Fr. SONNTAG: Um Dir Einblick in die geschäftlichen Dinge zu geben, warst
-Du damals zu jung, Eduard.
-
-EDUARD: Wir lebten doch luxuriöser als heute, Papa gab eine Festlichkeit
-nach der andern.
-
-Fr. SONNTAG: Das war es ja eben. Heinrich hat oft genug sein
-Schweineglück, wie er sich ausdrückte, gepriesen, einen Mann wie Dr. v.
-Simon gefunden zu haben. (Kleine Pause.) Wir können uns glücklich
-schätzen, daß er Marta nimmt.
-
-EDUARD: Der Mann bringt wahrhaftig kein Opfer.
-
- (Auguste öffnet zögernd die Zimmertür, sie hält einen großen
- Rosenstrauß in der Hand, zwischen den Blättern liegt eine Karte.
- Sie versucht sich mit Frau Sonntag schweigend zu verständigen.)
-
-Fr. SONNTAG: Nicht wahr, Auguste, Herr Dr. v. Simon ist doch der
-richtige Mann für das Fräulein? (Auguste schlägt erstaunt die Augen auf
-und dann mit zufriedenem Lächeln.)
-
-AUGUSTE: Von das Fräulein Oberbürgermeister ....
-
- (Sie stellt den Strauß zärtlich in eine Vase.)
-
-EDUARD: (spöttisch) Du fragst doch sonst Deine Dienstboten nicht.
-
-Fr. SONNTAG: Sie können gehen.
-
-AUGUSTE: (greift in die Schürzentasche) Un das soll ich die Madame von
-dem längsten Bengel draußen geben un er wünscht ein langes Leben.
-
-Fr. SONNTAG: (Nimmt das Couvert gedankenlos hin, spielt damit, legt es
-dann schließlich auf den Tisch.)
-
-AUGUSTE: (zu Eduard) Ich glaub, dem Liesken sein Bruder war's, der Kerl
-mit der langen Nas und de grüngemalten Hände. Seine Bux hat er
-aufgekrempelt bis über de Knie. (Auguste bleibt bei der halbgeöffneten
-Zimmertür unbemerkt stehen.)
-
-EDUARD: (nimmt das Gespräch wieder auf) Das ist alles noch kein Grund,
-seine Tochter zu verkaufen.
-
-Fr. SONNTAG: Soll Marta vielleicht Ladenmädchen werden?
-
-EDUARD: (primanerhaft) Lieber als im buhlerischen Bett liegen.
-
-Fr. SONNTAG: Du übertreibst, Eduard, ich bitte Dich, schlafe eine Nacht
-darüber.
-
-EDUARD: (mit biblischer Wucht) Ich sage Dir, Weib, beflecke unser Haus
-nicht.
-
- (Mutter bricht weinend zusammen.)
-
-Fr. SONNTAG: (leise) Du bist impertinent wie Carl Pius.
-
-AUGUSTE: (behutsam durch die Tür wieder eintretend, glotzäugig,
-gutmütig, lügend) Überall schellt es --
-
-EDUARD: Die kommt Dir immer wie gerufen.
-
-AUGUSTE: Ich kann de Mama Sonntag nicht heulen sehen. (Tritt gutherzig
-näher zu ihr hin.) Ma'mm Sonntag ....
-
-EDUARD: (kämpft mit sich. Marta kommt temperamentvoll ins Zimmer, v.
-Simon verharrt unsicher, als er Eduard erblickt, vor der halboffenen
-Zimmertür.)
-
-Fr. SONNTAG: Marta, laß uns noch einen Augenblick allein. (Marta
-gehorcht schmollend, im nächsten Augenblick ihren Bräutigam graziös
-anlächelnd, verschwindet sie mit ihm wieder.)
-
-EDUARD: (zärtlich aber fest) Hast Du mir noch etwas zu sagen?
-
-AUGUSTE: (zu Frau Sonntag) Gucken Sie ihm an, Ma'mm Sonntag, er hat en
-Heiligenschein um de Locken.
-
-Fr. SONNTAG: (nickt unendlich traurig.)
-
-AUGUSTE: Er paßt gar nicht in de sündige Welt.
-
-Fr. SONNTAG: (ernst zustimmend.)
-
-AUGUSTE: (zeigt auf die Haustür) Da steht verdeck noch der große Lümmel
-von Puderbachs vor de Haustür un lauert.
-
-EDUARD: Ist das Lieschen bei ihm?
-
-Fr. SONNTAG: Aber Eduard ......
-
-AUGUSTE: Lassen Se das arme Blag man lieber links liegen, sonst kommen
-Se auch wie de Heinrich im falsches Verdacht.
-
-EDUARD: (erschöpft, er hustet stärker).
-
-AUGUSTE: (harmlos) Er hat mir selber öfters gefragt, ob Herr Eduard das
-Lieschen poussierte.
-
-EDUARD: (entgeistert, kleine Pause) Mutter, hast Du das gewußt?
-
-Fr. SONNTAG: (mitleidsvoll) Ich kenne Dich doch, Eduard. --
-
-EDUARD: (schreitet fremd und einsam aus dem Zimmer wie _über einen Berg
-herüber_. Frau Sonntag sieht ihm melancholisch nach; nimmt das Couvert
-zerstreut vom Tisch und tritt ans Fenster, vor das die Verlobten treten;
-Marta blickt erstaunt den Zaun des Gartens entlang.)
-
-MARTA: Denk mal, Mama -- (Frau S. hört kaum hin) eben ging Berta aus dem
-Haus am Zaun vorbei in _meinem_ Jackett und Hut und _ihre_ Sachen hängen
-an meinem Haken am Ständer.
-
-v. SIMON: Darf ich der verehrten Mama die Hand küssen? (Berührt die ihm
-zaudernd dargereichte Hand.)
-
-Fr. SONNTAG: (verlegen) Ich kann mich noch garnicht an den Gedanken
-gewöhnen.
-
-AUGUSTE: (wartet am äußeren Ende des Zimmers. Die Situation ist ihr
-unbegreiflich. Sie geht heraus.)
-
-MARTA: (schmollt. Sie nimmt eine Kamille aus ihrem Gürtel und befestigt
-sie über dem Herzen v. Simons.)
-
-v. SIMON: Du wirst mich ausputzen wie einen Geck, Kätzchen.
-
-Fr. SONNTAG: (öffnet apathisch das Couvert, sie nimmt Martas nackte
-Photographie hervor -- erschrickt heftig -- begreift nicht, betrachtet
-sie von allen Seiten. Sie ruft Marta ans Fenster zu sich und hält ihr
-die Kehrseite des Bildes vor Augen.)
-
-Fr. SONNTAG: Marta, kennst Du die Handschrift?
-
-MARTA: (übermütig) Das ist Pius seine dicke Tatze.
-
-AUGUSTE: (kommt geheimnisvoll ins Zimmer) Herr Eduard sitzt in seine
-Stub und beguckt sich im Spiegel.
-
-MARTA: Den hat er doch beklebt, daß er nicht eitel werde. (Frau Sonntag
-schließt das Bild in ihren Sekretär ein.)
-
-v. SIMON: (leise zu Marta) Für Dich wird es auch die höchste Zeit, hier
-herauszukommen, Kätzchen.
-
-Fr. SONNTAG: (apathisch, dann aufleuchtend zu sich redend, aber den Kopf
-zu den Beiden zum Fenster hin gewandt) Ich werde ihm eine Herzensfreude
-machen.
-
-MARTA: (etwas schnippisch) Du willst wohl mit ihm ins Kloster gehen,
-Mama? (Auguste geht mit der Gebärde, die ausdrückt um Himmelswillen
-nicht, fürsorglich hinter Frau Sonntag aus der Türe. Die Verlobten
-verschwinden im Garten.)
-
-
- II. SCENE.
-
- (Im selben Arbeiterviertel wie im ersten Aufzug.)
-
-Pendelfrederech, Lange Anna, Amadeus, Eduard, Carl, August Puderbach,
-Großvater Wallbrecker.
-
-AMADEUS: Klopfen Se man tüchtig, de alte Pius schläft doch nich in de
-Nacht, die hat mit em Satan zu konferieren.
-
-Lange ANNA: Un oben beim Wallbrecker sin de Fensterlöcher verstopft.
-
-PENDELFREDERECH: (stößt Eduard stier an) Ich hab 'ne trockene Kehl',
-Herr.
-
-Lange ANNA: Du toter Maulwurf, was weißt Du von em Durscht!
-
-PENDELFREDERECH: (zu Eduard) Wir sin ja beide auf de Himmelfahrtreis.
-(Er murmelt grausig. Eduard gibt ihm ein Geldstück.)
-
-Lange ANNA: (betrachtet es höhnisch) Davon brauchst De mich nicks
-mitgeben, Frederech!
-
-PENDELFREDERECH: Altes Ferkel!
-
-AMADEUS: Wenn Sie de Carl sprechen wollen, Herr, der is im Wirtshaus un
-säuft 'en Fusel nach dem andern (Eduard bewegt) un de Aujust sitzt bei
-ihm un frißt Zucker aus seine Tasch und säuft mit ihm in Kömpanni.
-
-EDUARD: (bewegt sich in der Richtung zum Wirtshaus.)
-
-AMADEUS: (instinktiv) Ich will ihm herausholen, bleiben Sie man lieber
-hier.
-
-PENDELFREDERECH: Hausknecht!
-
-EDUARD: (hält Amadeus zurück).
-
-Lange ANNA: (kreischt plötzlich auf, ähnlich wie am Abend, als Carl Pius
-seinen Arm verrenkte).
-
-AMADEUS: Was is Dich, Lange Anna?
-
-Lange ANNA: (Wimmert wie ein Weib).
-
-PENDELFREDERECH: (murmelt böse).
-
-AMADEUS: Wie 'n Schellenzug von de Großmutter bammelt Dein Ärmel am Leib
-herunter.
-
-Lange ANNA: (quietscht leise Frederech ins Ohr).
-
-PENDELFREDERECH: Altes Ferkel!
-
-AMADEUS: (zur langen Anna) Du hast es auch ein bißchen zu weit
-getrieben.
-
-Lange ANNA: Ich?
-
-AMADEUS: Ja, das hast De; seit de Zeit hockt er im Fusel drin.
-
-Lange ANNA: Hihihihi!
-
-AMADEUS: Dat tut mich leid, leid tut mich das, er säuft ja sonst nicks.
-(Lieschens Vater kommt nach Hause, durch die kleine Seitengasse vom
-inneren Viertel her, man sieht ihn also nicht, hört nur, wie er mit der
-Faust krachend die Haustür aufstößt.)
-
-AMADEUS: Ich merk das Poltern da. (Faßt auf sein Herz.)
-
-PENDELFREDERECH: (murmelt böse) Aus de Bibelstunde kömmt er.
-
-Lange ANNA: (stößt Eduard an die Schulter und quietscht höhnisch auf)
-Das war der Vater von es ....
-
-PENDELFREDERECH: (murmelt grausig).
-
-AMADEUS: Geheult hat es, als es in die Zwangserziehungsanstalt geholt
-wurd wie en Madame ihr Schoßpudel auf dem Weg zum Schlachthaus.
-
-EDUARD: (bewegt).
-
-Lange ANNA: Da werden se es man tüchtig durchbleuen für seine
-Liebhabereien. (Kleine Pause.) Mich hätt' Ihr Bruder lieber nehmen
-sollen.
-
-PENDELFREDERECH: Dir altes Ferkel? (Eduard bewegt.) Die Kleine versteht
-es feiner wie Du. Im Nachthemd spaziert es grad unterm Mond über die
-Dächer. Ich lag selber auf de Lauer und schnappte nach dem Glühwürmken.
-
-AMADEUS: (zu Eduard, wehmütig) Einmal hab ich es ja auch gesehen.
-
-Lange ANNA: Auf mir hat es in de Herrgottsfrüh nach der Oper (zeigt auf
-seinen Arm) unten an de Wupper gelegen.
-
-AMADEUS: Ich war dem netten Dier gut.
-
-Lange ANNA: (zeigt auf seinen Arm) Ich soll man niks de Polizisten
-erzählen von de Carl, es wär sein Schatz. Hihihihi!
-
-PENDELFREDERECH: Verlogenes Ferkel, verkrochen hast De Dir vor Carl
-seine fette Faust.
-
-Lange ANNA: Du lauerst wohl aus Dein Deckel?
-
- (Carl und August kommen schwankend Arm in Arm aus dem Wirtshaus.
- Carl sieht grenzenlos verändert aus. Seine alte Primanermütze
- trägt August umgedreht auf einen Stock gespießt. Die drei
- Herumtreiber lachen, Carl erblickt Eduard.)
-
-CARL: Nen Abend, Eduard, wie geht es mein Schatz Marzebillken? Se will
-mich doch heiraten. Ijo, ijo! (zu sich selbst sprechend im Ton seiner
-Großmutter) Carl, hast De Deine Großmutter lieb? (Kleine Pause. Im
-seligtrunkenen Ton) Ich hab Dich ja so lieb, Eduard.
-
-AUGUST: (neidisch; er schwankt ebenfalls) Laß doch den Hungerleider
-stehn, Carl, er soll sich das Haar schneiden lassen.
-
-AMADEUS: (zu August) Zeig meine beiden Kollegen molz de heilige Eva aus
-Deine Brieftäsch, Aujust. (Die Brieftasche hängt August aus der
-Hosentasche.)
-
-EDUARD: Das ist Pius' Brieftasche. (Es beginnt ein Wehen in der Luft.)
-
-AMADEUS: Ein Spruch aus lateinlich steht auf der Hinterseit'.
-
-EDUARD: (Er umfaßt Carl hinterrücks) Helfen Sie mir doch, Amadeus.
-
-AMADEUS: Ich kann ihm nich untergreifen, mein gläsern Herz bricht in
-Splittern. (Wehleidig) En Sprung hat es schon.
-
-Lange ANNA: Nehmt mir in de Mitte, versoffne Brüders. (Er stößt Eduard
-zurück, der taumelnd an Frederechs Brust fällt. Lange Anna drängt sich
-zwischen Carl und August.)
-
-PENDELFREDERECH: Sin wir beide Todenvögels vereint.
-
- (Carl, Lange Anna, August wanken über die Brücke von dort weiter.
- Der Nachtwind klagt wie ein Kind, Eduard fröstelt. Noch einmal
- klopft er leise an die Haustür von Pius' Häuschen. Der Großvater
- öffnet sein Fensterchen und kräht.)
-
-Gr. WALLBRECKER: Will se schon vertreiben de Nachtgespenster. (Er gießt
-eine Emaillekanne voll Wasser herunter.)
-
-PENDELFREDERECH: (murmelt böse) Ich leg mir schlafen unterm Busch.
-(Eduard tritt mit gesenktem Kopf den Heimweg an.)
-
- Ende
-
-
-
-
-
-
-
- Zur Kenntnis: Das Original dieses Schauspiels ist _en
- Wopperdhalerplatt_ geschrieben worden.
-
-
-
-
-
-
-
-Druckfehlerberichtigung:
-
-Seite 31, Zeile 10 von oben lies statt:
-
-Sie liebt mir -- Sie liebt _mich_. »Im Ton der Arbeiter« muß wegfallen.
-
-
-
-
-
-
-
-Von ELSE LASKER-SCHÜLER erschienen bisher:
-
- STYX. Gedichte.
- DER SIEBENTE TAG. Gedichte.
- DAS PETER HILLE-BUCH.
- DIE NÄCHTE TINO VON BAGDADS.
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Hervorhebungen wurden mit _Unterstrichen_ gekennzeichnet.
-
-Die Schreibweise und Zeichensetzung des Originales wurden weitgehend
-beibehalten. Nur offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier
-aufgeführt (vorher/nachher):
-
- [S. 12]:
- ... (Sie schreiten ihrem kleinem Häuschen zu, im ...
- ... (Sie schreiten ihrem kleinen Häuschen zu, im ...
-
- [S. 25]:
- ... Mutter PIUS: (Läßt Berta ein bischen zappeln) Das ...
- ... Mutter PIUS: (Läßt Berta ein bißchen zappeln) Das ...
-
- [S. 27]:
- ... daß Liesken von Puderbach hat de Windpocken. ...
- ... das Liesken von Puderbach hat de Windpocken. ...
-
- [S. 31]:
- ... HEINRICH: Schad, daß Pius Grossmutter nicht ...
- ... HEINRICH: Schad, daß Pius Großmutter nicht ...
-
- [S. 41]:
- ... MARTA: Warum wollen sie dann strafen? ...
- ... MARTA: Warum wollen Sie dann strafen? ...
-
- [S. 47]: (mehrfache Fälle)
- ... Eisenstangen, die das Dach des Karussels halten, ...
- ... Eisenstangen, die das Dach des Karussells halten, ...
-
- [S. 48]:
- ... Um Lieschen Hals hängt ein großes Pfefferkuchenherz ...
- ... Um Lieschens Hals hängt ein großes Pfefferkuchenherz ...
-
- [S. 51]:
- ... Menschen zusammen, fast alle fahrenden springen ...
- ... Menschen zusammen, fast alle Fahrenden springen ...
-
- [S. 58]:
- ... Ohr) Mach man das de wegkommst, de kleine ...
- ... Ohr) Mach man daß de wegkommst, de kleine ...
-
- [S. 60]:
- ... löst die Kette von v. Simons Hände.) ...
- ... löst die Kette von v. Simons Händen.) ...
-
- [S. 68]:
- ... kehrt mit Kaffekanne, Tassen, Butterbrot etc. ...
- ... kehrt mit Kaffeekanne, Tassen, Butterbrot etc. ...
-
- [S. 71]:
- ... Lärm. Ein haufen Kinder sammelt sich lauschend ...
- ... Lärm. Ein Haufen Kinder sammelt sich lauschend ...
-
- [S. 86]:
- ... Dass Du es übers Herz bringen kannst, Eduard. ...
- ... Daß Du es übers Herz bringen kannst, Eduard. ...
-
- [S. 88]:
- ... die Füsse.) ...
- ... die Füße.) ...
-
- [S. 90]:
- ... AUGUSTE: (schliesst die Tür) Und was denken ...
- ... AUGUSTE: (schließt die Tür) Und was denken ...
-
- [S. 90]:
- ... drängen. Der grösste hält ein Öllämpchen in ...
- ... drängen. Der größte hält ein Öllämpchen in ...
-
- [S. 94]:
- ... das soll ich die Madame von dem längsten ...
- ... soll ich die Madame von dem längsten ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Die Wupper, by Else Lasker-Schüler
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE WUPPER ***
-
-***** This file should be named 50530-8.txt or 50530-8.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/0/5/3/50530/
-
-Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
-States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
-specific permission. If you do not charge anything for copies of this
-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
-performances and research. They may be modified and printed and given
-away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
-not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
-trademark license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country outside the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you'll have to check the laws of the country where you
- are located before using this ebook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
-Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
-trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-
diff --git a/old/50530-8.zip b/old/50530-8.zip
deleted file mode 100644
index 1c3cee3..0000000
--- a/old/50530-8.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/50530-h.zip b/old/50530-h.zip
deleted file mode 100644
index a9a9cf9..0000000
--- a/old/50530-h.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/50530-h/50530-h.htm b/old/50530-h/50530-h.htm
deleted file mode 100644
index 43a72dd..0000000
--- a/old/50530-h/50530-h.htm
+++ /dev/null
@@ -1,7119 +0,0 @@
-<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN"
-"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
-<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de">
-<head>
-<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" />
-<title>The Project Gutenberg eBook of Die Wupper, by Else Lasker-Schüler</title>
- <link rel="coverpage" href="images/cover-page.jpg" />
- <!-- TITLE="Die Wupper" -->
- <!-- AUTHOR="Else Lasker-Schüler" -->
- <!-- LANGUAGE="de" -->
- <!-- PUBLISHER="Oesterheld & Co., Berlin" -->
- <!-- DATE="1909" -->
- <!-- COVER="images/cover-page.jpg" -->
-
-<style type='text/css'>
-
-body { margin-left:15%; margin-right:15%; }
-
-h1 { text-indent:0; text-align:center; }
-h2 { text-indent:0; text-align:center; }
-h3 { text-indent:0; text-align:center; }
-
-div.titlematter { page-break-before:always; }
-
-h1.title { margin-top:0.5em; margin-bottom:0.5em; }
-p.aut { margin:0; text-indent:0; text-align:center; font-size:1.2em;
- margin-bottom:8em; }
-p.pub { margin:0; text-indent:0; text-align:center; }
-p.ded { margin:0; text-indent:0; text-align:center; margin-top:4em;
- margin-bottom:6em; }
-p.cop { margin:0; text-indent:0; text-align:center; font-size:0.8em;
- margin-top:4em; margin-bottom:6em; }
-
-h2.chapter { margin-top:2em; margin-bottom:0.5em; page-break-before:always; }
-h3.subchap { margin-top:2em; margin-bottom:1em; }
-
-p { margin:0; text-align:justify; margin-left:2em; text-indent:-2em; }
-p.i { text-indent:0; }
-p.dir { text-indent:0; }
-p.dirc { margin:0; text-indent:0; text-align:center; }
-p.pers { margin:0; text-indent:1em; margin-bottom:1em; }
-p.center { margin:0; text-indent:0; text-align:center; }
-div.dir { margin-top:1em; margin-bottom:0.5em; padding-top:0.5em;
- border-top:4px double black; }
-div.pers { margin-top:1em; margin-bottom:2em; padding-top:0.5em;
- border-top:4px double black; }
-div.dir p { margin-left:0; text-indent:1em; }
-div.pers p { margin-left:0; text-indent:1em; }
-p.end { margin-left:0; text-indent:0; text-align:center; margin-top:2em; }
-
-/* tables */
-div.table { text-align:center; }
-table { margin-left:auto; margin-right:auto; text-align:center; }
-table.pers td { vertical-align:middle; text-align:left; }
-table.pers tr.m1 td.col2 { font-size:300%; }
-table.pers tr.m2 td.col2 { font-size:300%; }
-table.pers tr.m3 td.col2 { font-size:200%; }
-div.dir17 p { margin:0; display:table-cell; text-indent:0; vertical-align:middle; }
-div.dir17 .left { text-align:center; padding-left:2em; padding-right:1em; }
-div.dir17 .right { padding-left:1em; width:16em; border-left:1px solid black; }
-
-/* backmatter */
-div.backmatter { page-break-before:always; max-width:25em;
- margin-left:auto; margin-right:auto; }
-p.note { margin:0; text-indent:0; text-align:center;
- margin-top:4em; margin-bottom:4em; }
-p.corr { margin:0; text-indent:0; border-top:4px double black; padding-top:1em; }
-p.left { text-indent:0; margin-left:0; text-align:left; margin-top:4em;
- margin-bottom:1em; }
-p.books { text-indent:0; margin-left:0; }
-
-em { letter-spacing:.2em; margin-right:-0.2em; font-style:normal; }
-
-.underline { text-decoration: underline; }
-
-a:link { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); }
-a:visited { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); }
-a:hover { text-decoration: underline; }
-a:active { text-decoration: underline; }
-
-/* Transcriber's note */
-.trnote { font-family:sans-serif; font-size:0.8em; background-color: #ccc;
- color: #000; border: black 1px dotted; margin: 2em; padding: 1em;
- page-break-before:always; margin-top:3em; }
-.trnote p { margin:0; text-indent:0; margin-bottom:1em; }
-.trnote ul { margin-left:0; padding-left: 0; }
-.trnote li { text-align:left; margin-bottom:0.5em; margin-left:1em; }
-.trnote ul li { list-style-type:square; }
-.handheld-only { display:none; }
-
-/* page numbers */
-a[title].pagenum { position: absolute; right: 1%; }
-a[title].pagenum:after { content: attr(title); color: gray; background-color: inherit;
- letter-spacing: 0; text-indent: 0; text-align: right; font-style: normal;
- font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: x-small;
- border: 1px solid silver; padding: 1px 4px 1px 4px;
- display: inline; }
-
-@media handheld {
- body { margin-left:0; margin-right:0; }
- em { letter-spacing:0; margin-right:0; font-style:italic; }
- a.pagenum { display:none; }
- a.pagenum:after { display:none; }
- .handheld-only { display:block; }
- div.dir17 .left { display:block; vertical-align:inherit; padding:0; margin:0.5em;
- text-align:center; }
- div.dir17 .right { display:block; vertical-align:inherit; border:0; padding:0;
- margin-left:2em; text-align:justify; width:inherit; }
- div.backmatter { max-width:inherit; }
-}
-
-</style>
-</head>
-
-<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Die Wupper, by Else Lasker-Schüler
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-
-
-Title: Die Wupper
-
-Author: Else Lasker-Schüler
-
-Release Date: November 22, 2015 [EBook #50530]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE WUPPER ***
-
-
-
-
-Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-
-<div class="titlematter">
-<h1 class="title">
-DIE WUPPER
-</h1>
-
-<p class="aut">
-SCHAUSPIEL IN 5 AUFZÜGEN<br />
-VON ELSE LASKER-SCHÜLER
-</p>
-
-<p class="pub">
-OESTERHELD &amp; CO · BERLIN 1909
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="titlematter">
-<p class="ded">
-DER LIEBLICHEN PRINZESSIN<br />
-HELLE v. L.<br />
-SCHENKE ICH DIESES BUCH
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="titlematter">
-<p class="cop">
-DAS AUFFÜHRUNGSRECHT FÜR SÄMTLICHE<br />
-BÜHNEN IST DURCH DIE VERLAGSFIRMA<br />
-OESTERHELD &amp; CO., BERLIN W. 15 ZU BEZIEHEN
-</p>
-
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-1">
-<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>
-PERSONEN
-</h2>
-
-<div class="table">
-<table class="pers" summary="Table-1">
-<tbody>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">FRAU CHARLOTTE SONNTAG (Fabrikbesitzerin)</td>
- </tr>
- <tr class="m1">
- <td class="col1">HEINRICH</td>
- <td class="col2" rowspan="3" >}</td>
- <td class="col3" rowspan="3" >ihre Kinder</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1">EDUARD</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1">MARTA</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">DR. JUR. BRUNO VON SIMON</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">GROSSVATTER WALLBRECKER</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">AMANDA PIUS, seine Tochter</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">CARL PIUS, sein Enkel</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">MUTTER PIUS (Carls Großmutter väterlicherseits)</td>
- </tr>
- <tr class="m2">
- <td class="col1">DER PENDELFREDERECH</td>
- <td class="col2" rowspan="3">}</td>
- <td class="col3" rowspan="3">Drei Herumtreiber</td>
- </tr>
- <tr class="m2">
- <td class="col1">LANGE ANNA</td>
- </tr>
- <tr class="m2">
- <td class="col1">DER GLÄSERNE AMADEUS</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">AUGUST PUDERBACH, Färber</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">LIESCHEN, sein Schwesterchen</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">GRETE STOMMS, Lieschens Freundin</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">WILLEM, Zuhälter, ehemaliger Weber</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">ROSA, die Riesendame</td>
- </tr>
- <tr class="m">
- <td class="col1" colspan="3">DIE HERREN MIT DEN GRAUEN CYLINDERN</td>
- </tr>
- <tr class="m3">
- <td class="col1">AUGUSTE</td>
- <td class="col2" rowspan="2">}</td>
- <td class="col3" rowspan="2">Dienstboten im Hause Sonntag</td>
- </tr>
- <tr class="m3">
- <td class="col1">BERTA</td>
- </tr>
-</tbody>
-</table>
-</div>
-<p class="center">
-Fabrikarbeiter, Fabrikarbeiterinnen, Herumtreiber,
-Kroatenjungen, Jahrmarktleute, Kinder etc.
-</p>
-
-<div class="dir">
-<p>
-Der erste und vierte Aufzug spielen im Arbeiterviertel,
-der zweite im Garten vor einer Villa, der
-dritte auf dem Jahrmarkt, der fünfte in einer Art
-Gartenzimmer derselben Villa. Die Schlußverwandlung
-des fünften Aufzuges spielt im Arbeiterviertel.
-</p>
-
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-2">
-<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a>
-ERSTER AKT
-</h2>
-
-<div class="dir">
-<p>
-Arbeiterviertel einer Fabrikstadt im Wuppertale.
-</p>
-
-<p>
-Hintergrund bergiger Wald. Links im Tal fließt ein
-schmaler Wupperarm nach hinten in einer Biegung
-auslaufend. Über den Fluß führt eine Brücke zu
-einem Weg, an dem Pius zerfallenes, einstöckiges
-Häuschen liegt. Rechts hinten ein Gäßchen mit hohen,
-alten, schmutzigen Arbeitermietshäuschen. Im ersten,
-nur noch halb sichtbaren Hause, wohnen im obersten
-Stockwerk Puderbachs.
-</p>
-
-<p>
-Links von der Wupper eine Wiese &mdash; in der Ferne
-sieht man dampfende Schornsteine von Fabriken
-und andere Häuser etc.
-</p>
-
-<p>
-Vor Pius&rsquo; Häuschen steht eine Bank, neben dieser
-ein breiter Strauch. Vor einem Steg, der im Hintergrund
-in den Wald führt, brennt eine alte Laterne,
-die während des ersten Aufzuges langsam erbleicht.
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="pers">
-<p>
-Großvatter Wallbrecker, Carl Pius, Frau Amanda
-Pius, Mutter Pius, Lieschen Puderbach, August Puderbach,
-der Pendelfrederech, Lange Anna, der gläserne
-Amadeus, zwei Helfershelfer, Kroatenjungen.
-</p>
-
-</div>
-
-<p>
-Großvatter WALLBRECKER: Hör auf Dein alten
-Großvatter, Carl, schmeiß den Gelehrtenkrams
-beis Gerömpel. Du bist man so recht was für&rsquo;n
-Meister, Gesellen müßt De unter Dein Kommando
-hab&rsquo;n.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a>
-CARL: Laß mich man erst Pastor sein, Großvatter,
-dann werden die Meisters meine Gesellen.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Und das Liesken drüben sollst Du doch
-frein.
-</p>
-
-<p>
-CARL (Überlegen wie zu einem Kind): Die heirat&rsquo;
-mich um so lieber.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Fünfundzwanzig Jahr hab ich mit dem
-Liesken sein Großvatter am Webstuhl gesessen,
-und doch war das Leichentuch zu klein für uns
-zwei. (Pause). Es nimmt en Pastor schon, aber,
-zum gelehrten Mann gehört en feines Weib un
-zum Pastor eine Pastorin &mdash; un der alte Großvatter
-gehört auch nicht rein in&rsquo;s Treibhaus!
-</p>
-
-<p>
-CARL: &rsquo;N en bequemen Sorgenstuhl kauf ich Dir,
-Großvatter, auf einem weichen Polster sitzt Du
-und tust den ganzen Tag niks andres wie schlafen,
-spazierengehen und schmöken. Was sagst De
-dazu, Vatter Wallbrecker?
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Mit die Kaplans komm ich in Kollektion,
-daß Vatter Wallbreckers Enkelsohn Pastor is, sie
-haben mich schon das Haus eingelaufen wegen
-Dein Vater sein lutherschen Glaubens.
-</p>
-
-<p>
-CARL: An was Du alles denken tust.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Tum Tingelingeling, Carl, die alte Truthenne
-hat auch Dein Vater immer in die Ohren gelegen.
-Ein fleißiger Färber wars; (zeigt auf das Wasser
-der Wupper) da rinnt sein Blut. &mdash; Fällt dem
-mit einmal ein, er taucht für die Arbeit nich
-mehr, un giftig is er geworden auf sein Herrn
-<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
-und seine Gemahlin. Aufgeblasen war se ja
-man mit die seidene Röck, aber en Hochmut
-darf sie ja hab&rsquo;n bei so viel Geld. Am hellen
-Tag auf dem Marktplatz hat er ihren adeligen
-Blossen verhauen.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Das hat Dir wol großen Kummer gemacht,
-Großvatter, weil Du es nich vergessen kannst.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Tum Tingelingeling, ein Jahr hab&rsquo;n sie ihm
-für seine Missetat ins Loch gesteckt.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (Beileid bezeugend).
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Er war ja sonst ein ehrlicher Arbeiter
-gewesen.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (Nickt).
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Un die alte Truthenne hat ihm bald besucht.
-Mit ihre Quacksalben hat sie eine feine Madame
-den Brand an de Waden geschmiert. Siehst De,
-Carl, un nu meint Amanda, Dir steckt man auch
-mal rein wie Dein überdrüssiger Vatter und Deine
-studierte Großmutter.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Die Zeiten hab&rsquo;n sich geändert, Großvatter.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Siehst De, da hab&rsquo;n wir&rsquo;s, bald denkst
-De auch an Dein alten Großvatter Taback nich
-mehr. (Kindlich schlau).
-</p>
-
-<p>
-CARL: Laß man gut sein.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Wie alt bist De nu, Jung! Puderbachs
-Aujust bringt schon zehn Taler nach Haus. Da
-läuft er mit seine Schwester, wie mit sein Schatz.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Man sieht beide geschwisterlich vom Wald heimwärts
-kommen.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Und ich werd&rsquo; das Dreifache verdienen,
-<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a>
-laß mich man Zeit, bin ich erst Pastor, tust De
-alle Tage Dein Leibgericht knappern.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (bedenklich) Wenn es de alte Truthenne
-mich nich auffressen tut.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Die bleibt hier an der Wupper in ihr Haus
-wohnen.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Und Du willst in de fremde Residenz
-predigen? Tum Tingelingeling, in die luthersche
-Lutherkirche hier mußt De von de Kanzel herunter
-auf all die reichen Muckerköppe brüllen: (kleine
-Pause) Und ich werd auch auf meine alten Tag
-en Ketzer werden, wenn es not tut &mdash; Dich zu
-Lieb, Carl. Ich hab das (schlägt ein Kreuz) doch
-verlernt (weinerlich), wenn man so immer dran
-hängen tut.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Es ist schon spät, Großvatter, ich bring
-Dich in de Klappe.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Jung, Jung, Jung, wenn ich es erleben tu.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Sie schreiten ihrem <a id="corr-1"></a>kleinen Häuschen zu, im
-Begriff einzutreten, umhalst hinterrücks den Großvater
-Lieschen Puderbach, die ihrem Bruder vorangesprungen
-ist. Arbeiter sieht man in der Ferne
-und hört ihre rauhen Stimmen.)
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Was willst De vom Großvatter, kleines,
-leckeres Dier? Seh Se Dich mal an, Carl, die
-meint es mit dem alten Großvatter gut.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (vergnügt) Kriegst morgen zu Dein
-Geburtstag &rsquo;ne neue Piepe von mich, ich hab dem
-Aujust seine kleine im blauen Sametetui weggekläut
-un sie Herr Stomms gebracht heut. Ich
-<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
-kann mich für sie eine <em>lange</em> aussuchen wie
-Deine is, eine nagelneue, Großvatter, (ganz hoch
-zu sprechen) mit en Hirschkopf drauf.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (freut sich wie ein Kind) Die meint es gut
-mit dem alten Großvatter, Carl. (Er kitzelt
-Lieschen am nackten Hälschen) Ich klopf&rsquo; ihm
-auch immer, wenn der junge Herr Eduard kommen
-tut, was Liesken?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (schämt sich).
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (Blinzelt Lieschen vertraulich an) Er fragt
-mir immer nach es.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (altklug zu Carl) Herr Eduard sagt,
-ich wär seine Königsbraut.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (sagt, um etwas zu erwidern) Un mich
-willst De also nich heiraten.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Tum Tingelingeling, er ist molz ein reichen
-Herr, was Liesken?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Zwei große Bilder aus England hat er
-gesagt, bringt er mich mit hier &mdash; siehst De!
-siehst De! Ich glaub, er kömmt gleich Dir
-besuchen, Carl.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (schiebt das Kind ungeduldig zur Seite) Dein
-Bruder sucht Dich, Liesken.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Ein blaues Maul hat das Luder von&rsquo;n
-Beerenfressen.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Kuck mal seine Nas an, Großvatter!!
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Die is man wie&rsquo;n Affe seine gemalen.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Aujust, Aujust, wie siehst De aus!!!!
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: (blickt neidisch auf Carl) Ich bin man
-blos ein einfacher Färber, ich schäm mir nich,
-<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
-von Gottes Waldes Natur zu fressen; Du, Großvatter
-Wallbrecker?
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (Schüttelt mit dem Kopf) Nä.
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Du Liesken? (Carl stellt sich an einen
-Seitenbalken des Häuschens, die Arme verschränkt).
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Wenn De de Mutter fragen tust,
-August, ob ich die Tante noch ein bischen
-waschen helfen darf, dann sag ich Dich auch,
-wo Deine kleine Piepe im blauen Sametetui is.
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Sag!!
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (Schüttelt heftig Lieschen mit dem Kopf zu).
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (Lacht).
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Sag es doch, dummes Weib!!
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Molz! Ich weiß es doch nicht.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W. und
-LIESCHEN:
-(Lachen August aus, der in komischen
-Wendungen im Begriffe ist, umzukehren,
-Lieschen verhindert es aber).
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Aujust, lieber Aujust, frag die Mutter,
-ja? Ich geb Dich auch en Dicken.
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Steck den Schmatz man in de Kiste,
-wenn de heiraten tust.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Meine Klümken un de Stange Süßholz
-kannst De Dich nehmen aus Mutter ihre
-Kommode, Aujust.
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA PIUS: (tritt ans offene Fenster,
-sie hat die letzten Worte Lieschens gehört) So
-en süßen Kater bist De, Aujust? Warum kömmst
-De eigentlich nich mehr beim Carl herüber?
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Mutter Pius tritt hinter Amanda ans Fenster).
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
-AUGUST: Bei so&rsquo;n feinen Herr, &mdash; nä, Frau Pius?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Was soll auch unser Carl mit so
-einen gemeinen Baumwollenfärber anfangen?
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: (Verzieht sich furchtbar komisch mit
-einem Katzenbuckel).
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zu Lieschen) Und Du müßt&rsquo; schon
-in de Klappe liegen.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (etwas schüchtern auf Frau Amanda
-blickend) Ich will die Tante noch waschen helfen,
-daß se morgen dem Großvatter sein Leibgericht
-kochen kann.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Und hat kein Zahn im Maul.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Ich kann doch nich schlafen bei so&rsquo;n
-Mond, der guckt so rot wie Pendelfrederech sein
-ausgelaufen Aug.
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: (geheimnisvoll) Hast De das schon
-gesehen, Liesken?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Einmal hat er es mich und Gretchen
-Stomms gezeigt.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zynisch) Un hast De sonst niks andres
-in sein Keller gesehn, Liesken?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Ich hab immer blos in sein runden,
-roten Mond geguckt.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Aber en wacker Mädchen bist De
-geworden: Amanda guck mal, Brüst hat es schon,
-wie junge Salatköppe. (Carl tritt aus seinem
-Winkel auf den Großvater zu).
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Carl, ich komm jetz.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Mutter Pius tritt in die Stube zurück; Lieschen
-klettert durchs Fenster, Frau Amanda ist ihr dabei
-<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
-behilflich. Dann schließt sie das Fenster. Der
-Großvater und Carl schlendern langsam ins Haus.)
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Nä, wie mich das alles aufregen tut ....
-</p>
-
-<p>
-CARL: Was denn?
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Mit Deine Carliäre, Carl.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Schlaf man ruhig, Großvatter. (Sie treten
-beide ins Häuschen. August schleicht aus seiner
-Gasse, umlauert das kleine Häuschen von Pius
-und versteckt sich vorsichtig zwischen Strauch
-und Bank. Unterdessen wird das Dachkämmerchen
-von einem matten Öllämpchen erleuchtet, das
-kleine Fenster ist halb geöffnet. Betrunkene
-Arbeiter passieren den Weg, fluchen, lachen, etc.
-August gebärdet sich, da er durch den Lärm nicht
-zu hören glaubt, wie ein wütender Clown. Die
-Arbeiter biegen rechts in die Gasse ein. Man
-hört von oben Amandas Stimme).
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: Vatter ....
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Jjo ....
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: So eilig hast De&rsquo;s ja sonst nich,
-wach auf!!
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Was soll ich um Mitternacht, meine Tochter?
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: Was hat Carl gesagt?
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Was?
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: Was er gesagt hat. Du hast doch
-gesprochen mit ihm.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Jjo, es is mich man so am Maul vorbeigeschlichen,
-was fürn schönen Posten der Aujust
-hat.
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: Un was sagt er drauf?
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
-Gr. W.: Nä, er will nich; de Pastor spuckt ihm in
-Kopf herum.
-</p>
-
-<div class="dir17">
-
-<p class="left">
-Während<br />
-dessen<br />
-setzt<br />
-oben das<br />
-Gespräch<br />
-fort.
-</p>
-
-<p class="right">
-Drei Männer kommen langsam schweigend
-über die Brücke, der eine murrt
-unheimlich, es ist der Pendelfrederech,
-sein linkes, ausgelaufenes Auge bedeckt
-eine schwarze Klappe. Der zweite
-ist lange Anna, der trägt eine Handharmonika
-in einem verschossenen
-Band um die Schulter. Der dritte ist
-der gläserne Amadeus, der nimmt vorsichtig
-Platz auf der Stufe, die von
-der Brücke zum Weg führt. Die
-beiden anderen setzen sich auf das
-Geländer der Brücke. August bückt
-sich tiefer unter den Strauch.
-</p>
-
-</div>
-<p>
-Frau AMANDA: Du kannst nich kallen! Ich hab
-auch keine Lust mehr, den ganz Stall zu füttern.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Gered&rsquo; hab ich, ihr Weiber denkt wol, ihr
-habt allein en Schnabel, was? (Frau Amanda
-heult.) Laß das Heulen. (Sie gluckst.) Freuen
-tu ich mir doch auf Carl in Ornaments (schlau
-kindlich). Noch ein paar Jährkes, Amanda, meine
-liebe Tochter, dann kömmt der Lohn. Glaub
-Dein alten Vatter. (Er kräht noch einmal und
-schläfert.)
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: Die Pius hat an alles Schuld, hat
-se de Finger an mein Mann gehabt, soll se mein
-Jung zufrieden lassen.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (Aus dem Schlaf triumphierend) Er wird
-<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
-se auch nich einladen zu sich in sein Filla neben
-Kaiser Wilhelm Schloßkirche.
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: Du träumst wohl? (Sie schüttelt
-ihn ärgerlich, man hört das Bett krachen.)
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Alles präzise Wahrheit, Amanda, diesmal
-hat de alte Pius gut spekuliert. (Kurze Pause.)
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: Seitdem Du nich mehr zum Heiland
-beten tust, is alles so gekommen. (Sie heult
-wieder.)
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Ich bet jeden Abend, meine liebe Tochter,
-ich lüg lieber, als daß ich mir nich bedanken
-tu für seine große Gnade. (Leise singt die Türe.)
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: Kömm man herrein! &mdash; Liesken
-will Dich gute Nacht sagen, Vatter, und denn
-kannst De schlafen meinetwegen. (Man hört die
-Tür roh ins Schloß werfen.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Großvatter, ich freu mir so auf Deine
-neue Piepe (ganz hoch sprechend) en Hirschkopf
-hat se!!
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (Lacht wie ein Kind.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Klopfst De un pfeifst De mich, wenn
-er bei Euch kömmt?
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (Pfeift sehr gelungen.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Dein dicken Zeh guckt ja aus de
-Federn heraus, Großvatter, warte, ich deck Dir
-zu wie&rsquo;n Wickelkind.
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: Mach auch noch weiter das Fenster offen,
-ich leid an de Luft.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (öffnet das kleine Fensterchen ganz.)
-Aujust, hier bin ich.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
-AUGUST: (fährt erschrocken in die Höhe und
-winkt ab.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Ich komm jetzt runter; gute Nacht,
-Großvatter Wallbrecker!
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (halb schlafend) Tum Tingelingeling, wenn
-ich noch se en jung Weib im Bett hab&rsquo;n könnt.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Lieschen ist im Nu unten.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: (tritt aus dem Versteck, Lieschen eilt zu
-ihm. August zu den Herumtreibern): N&rsquo;Abend
-zusammen, kömmt ihr schon von de Arbeit?
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (hohe Weiberstimme) Wo sonst her,
-alter Duckmäuser?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Amadeus, Du blutest ja.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Laß es man bluten aus de Nasenrinnen,
-was fängt er auch an gescheit zu reden
-aus sein Traumbuch.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: (legt angstvoll die Hand aufs Herz)
-Un en Sprung hat es abgekriegt, Liesken, es
-tröppelt immer.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Laß ens lutschen ran.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Seid man still: es gibt noch was
-hinter de Düsterkeit, wart man, wenn es erst
-Licht wird.
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: (steckt ein Streichholz an) Hier hast De
-Licht, das können wir auch machen. (Zu Lieschen)
-Versteck de Visage in Dein Schabbesdeckel,
-Lieschen, Frederech hat wieder sein Pendel raushängen.
-(Frederech murmelt grausig.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Ich hab&rsquo; so &rsquo;ne Angst, Aujust, wir
-wollen bei Mutter gehn.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
-Lange ANNA: Bange Hippe!
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: (mitleidig) Es ist auch Zeit, macht euch
-nach Haus, so&rsquo;n kleines Blag gehört nicht mehr
-auf de Straße. (Oben hüstelt der Großvater.
-August und Lieschen biegen ins kleine Gäßchen
-ein und treten in ihr Haus.)
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Ich sag euch, lang mach ich so en
-Leben nich mehr mit. Pendelfrederech, was hast
-De von Dein Leben?
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: (grausig murmelnd) Ich hab
-nicks von&rsquo;s Leben, aber es hat mir zum Zeitvertreib.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (höhnisch) So en verfaultes Zeitvertreib.
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: Nix für seine feinglasierte
-Fingers, aber wenn es einen en Schabernack
-spielen will, dann holt es mir aus seine Kiste.
-(Murmelt böse.)
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (lacht) Von de Türen rannten de
-Kochmamsells und die Herzen fielen ihnen in de
-Buchsen. (Er klopft Pendelfrederech auf die
-Schulter und lacht noch höher auf.) Mit Dich
-mach ich oft so&rsquo;ne Opern.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Und daß de Polizisten Dich nich
-kriegen tun, Pendelfrederech.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Die lachen selber.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Wat hast De eigentlich von de
-Sauereien?
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Und guckst man immer so mit das
-eine Aug in Dein Kopf rein?
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
-PENDELFREDERECH: Rot seh ich immer, lauter
-Rot. (Murmelt grausig.)
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: De Mutter Pius, die hat en Mittel dafür.
-Aus dem Zuchthauskirchhof holt sie die
-Totenköpfe und reibt sie zu Zucker. (Sie lachen
-alle drei. Carl tritt, leise vor sich hin pfeifend,
-aus dem Haus und setzt sich auf die Bank.
-Amadeus spricht ohne Pause weiter, ohne Carl
-zu bemerken.) Mich kann se vielleicht auch
-helfen. (Er legt die Hand zärtlich bange aufs
-Herz; er bemerkt plötzlich Carl.) Nabend Carl.
-(Rührselig). Es hat en Sprung gekriegt, es klirrt
-nur immer so drinn.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (höhnisch) Deine Großmutter will er
-consultieren.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: (auf Frederech zeigend) Dem soll se
-auch lebendig machen; wie en Spezialdoktor weiß
-se mit de Kastemännekens Bescheid, was Carl?
-</p>
-
-<p>
-CARL: (hochmütig und abweisend) Sucht euch
-Arbeit, dann vergehen euch de Schrullen.
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: Ich will nich reicher werden.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (zu Carl) Tu man nich so aufgeblasen.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Kroatenjungen kommen, sie heulen.)
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Was heult ihr so spät in der Nacht,
-heulen könnt ihr noch morgen.
-</p>
-
-<p>
-KROATENJUNGEN: Aben verkauft nich, garnich,
-Meister schlägt, tut weh ....
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (zu Carl) Pastor kümmer Dir um
-Deine Gemeinde. (Carl gibt sich eine abweisende
-Würde.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
-AMADEUS: Laß man (er faßt in seine Tasche. Die
-Kroaten gehen weiter.)
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (zu Carl) Was, Du alter Geizkragen,
-Du Kreuzverdreher, Du Taschendieb. (Er will
-in Carls Taschen fassen.) Zeig uns ens das
-fremde Portemonnai! (Carl verrenkt mit wortloser
-Leidenschaft den Arm des langen Anna.
-Der schreit furchtbar grell auf, Amadeus fällt
-zusammen, der Pendelfrederech nimmt ein kleines
-Metallpfeifchen aus der Tasche und pfeift. Geht
-dann stier, ohne den Erfolg abzuwarten, seines
-Weges und legt sich gegenüber dem Hause
-Puderbach am Ufer der Wupper nieder. Es
-nahen alsbald drei Helfershelfer aus der Umgegend,
-die glauben, da man lange Anna seines
-kreischenden Heulens und Jammerns wegen nicht
-verstehen kann, es handele sich um Amadeus
-und fluchen.)
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Mutter Pius tritt aus dem Häuschen.)
-</p>
-
-<p>
-1. HELFERSHELFER: (zeigt auf Amadeus) Wegen
-den übergeschnappten Pitter?
-</p>
-
-<p>
-2. HELFERSHELFER: Pfeift uns der Stinkadores.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Mutter Pius und Carl bringen Amadeus in ihr
-Häuschen.)
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (zeigt vergebens seinen Arm und nach
-Carl) Ein Mörder is er! (Die drei Helfershelfer
-verstehen endlich, um was es sich handelt, drohen,
-zeigen Messer und werden sehr laut. Der Großvater
-Wallbrecker tritt oben erschreckt ans
-Fenster.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
-Gr. W.: Macht euch zum Teufel, ihr versoffene
-Nachteulen.
-</p>
-
-<p>
-Die drei HELFERSHELFER: Johannes Sohn is
-ein Mörder, soll sich noch mal sehen lassen.
-(Lange Anna kreischt wiederholend) Ein Mörder,
-ein Mörder!
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (krähend) Amanda, ruf den Carl bei mich.
-(Er geht vom Fenster, man hört sein Bett knacksen;
-kräht schlaftrunken) Meine Piepe will ich hab&rsquo;n,
-(in Lieschens Ton) mit dem Hirschkopf drauf!
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Die Männer verziehen sich drohend, Lange Anna
-mit ihnen.)
-</p>
-
-<p>
-Gr. W.: (Leise) &mdash; Tum tingelingeling ....
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Der Vollmond steht grell am Himmel, leise öffnet
-sich eines der Dachfenster im Arbeiterhause, in
-dem Puderbachs wohnen. Das kleine Lieschen
-steigt leise mit geschlossenen Augen im Nachthemdchen
-aufs Dach, macht einige Schritte zur
-Wupper hin, wo Frederech liegt und steigt wieder
-zurück durchs Fenster. Pendelfrederech hebt
-sich bei dem Vorgang langsam auf Vieren und
-stiert gläsern nach dem Dach. Sozialdemokraten
-singen unterdessen, hoch am Wald vorüberziehend,
-vierstimmig ein sozialdemokratisches
-Lied, man hört die letzten Worte: Denn unsre
-Fahn&rsquo; ist rot.)
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-3">
-<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a>
-ZWEITER AKT
-</h2>
-
-<div class="dir">
-<p>
-Ein blühender, gepflegter Garten mit Beeten und
-Rosensträuchern und im Hintergrund ein Springbrunnen
-auf einer kleinen, künstlich hergestellten
-Anhöhe; im Hintergrund ein Pavillon mit bunten
-Fenstern, <em>den man kaum sehen kann</em>. Rechts
-ein weinumrankter Treppeneingang, der in die alte
-Villa Sonntag führt. Links im Vordergrund ein
-Zelt mit Tisch, Bank und Stühlen. Zwischen Gartenzaun
-und Nachbarmauer zieht sich eine in die
-Stadt führende, schmale Gasse. An der Nachbarmauer
-ist ein Blechschild angebracht mit üblicher
-Warnung, aber es ist schon alt und ruiniert und
-seine Aufschrift unleserlich.
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="pers">
-<p>
-Frau Sonntag, Heinrich, Eduard, Martha, Carl
-Pius, Mutter Pius, Auguste und Berta, die drei
-Herumtreiber: Pendelfrederech, Lange Anna, der
-gläserne Amadeus.
-</p>
-
-</div>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Lassen Se mir ihm zwischen de
-eurigen sehn, das freut so&rsquo;n altes Großmutterherz.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (gnädig und geziert) Unsere Frau ist auch
-so freundlich zu ihm und erst (respektvoll) der
-Herr Eduard.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Was Se sagen &mdash; aber, is er das
-vielleicht nich wert? In de früh um fünf kömmt
-<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a>
-euer junger Herr und holt ihm aus dem
-Nest und frägt ihm hie und da wegen dem
-Examen.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (schnippisch) So klug ist der Carl?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS (überlegen): Wann er <em>mein</em> Enkelsohn
-ist?
-</p>
-
-<p>
-BERTA (lacht vorlaut. Sie will Mutter Pius verlassen,
-stellt das Tablett mit dem Abendgeschirr auf
-die Bank &mdash; die Servietten vergeßlich unter dem
-Arm haltend.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Hab&rsquo;n Se&rsquo;s so eilig, Berta, sonst verzählen
-Se sich doch so gern mit mich?
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Ich habe keine Zeit.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Sie haben wohl den Kopf vom Schatz
-voll?
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Wer sagt Ihnen, daß ich einen Schatz
-habe? (Berta pflückt sich eine Kamille vom
-Beet und läßt dabei zwei Servietten fallen.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Wer das sagt? Raten Sie ens! &mdash;
-Die Karten. (Berta stemmt neugierig die Hände
-in die Seiten. Mutter Pius hebt die zwei herabgefallenen
-Servietten auf und liest wohlgefällig
-den Namen auf dem Serviettenring.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zu sich) Wie en Kind im Haus ....
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Na was sagen denn die Karten all, Mutter
-Pius? (schmeichlerisch.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (Läßt Berta ein <a id="corr-3"></a>bißchen zappeln) Das
-möchten Sie wohl wissen, Berteken?
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (Nickt geziert).
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Dein Schatz wird Dich untreu, aber
-<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a>
-eine weite Reise machst De übern Ozean, und
-ein reichen Millionär lernst De kennen.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: <em>Donnerstag!</em> (verwundert) Unser Fräulein
-hat mir zwei Nächte hintereinander im Schiff
-gesehen.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Siehs De!!
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Aber zu Auguste haben Sie am Sonntag
-gesagt, mein Schatz wär ein robuster Mann mit
-einem Schnauzbart.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Ich hab das gesagt? Laß mir ens
-besinnen .....
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (geziert) Aber er ist von kleiner Statur
-und trägt einen hellen Spitzbart.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (weissagend, komisch) Un adlig is er.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: <em>Donnerstag.</em> (Verwundert.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Das dumme Weib, geärgert hat sie
-sich, daß der Coeurkönig nich bei ihm lag und
-es zwanzig Jahr auf einen warten muß. Un da
-hat es Dir vor Neid angeschmiert. Nä, Berteken,
-daß De so dumm bist!
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Ich werd&rsquo;s der besorgen!
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Laß man, es is ja en arm Dier mit
-sein scheeles Aug und seine schiefe Schultern,
-laß man Berteken.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (steht im Seitengang, der aus der Küche
-in den Garten führt, zu Berta) Wo bleiben Se
-denn? (Mutter Pius gewahrend, eilt sie zu ihr.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zu Berta) Ich hab auch de Madame
-schon rufen hören. (Berta geht geziert ins Haus.
-Mutter Pius nähert sich gewandt dem Pavillon,
-<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a>
-bückt sich, um durch die Ritzen besser sehen
-zu können.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zu Auguste) Ich habe ihm nur durch
-die Ritzen gesehen, ich muß mir jetzt beeilen,
-<a id="corr-4"></a>das Liesken von Puderbach hat de Windpocken.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Was Se nich alles verstehen (glotzäugig,
-gläubig.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (nimmt ihr Körbchen am Arm und
-reicht Auguste die Hand.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Hab&rsquo;n Se denn unsere Frau schon gesprochen?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Das sehen Se doch an die schmierige
-Spitzen. (Aufs Körbchen weisend.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (glotzäugig, gläubig) Was Se nich alles
-verstehn!
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Alles muß man verstehen, das feinste
-und das gröbste.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (schüttelt bewundernd den Kopf. Mutter
-Pius wendet sich geringschätzend und diabolisch
-lachend, noch einmal zu Auguste herum.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Hab&rsquo;n Se molz en flotten Kerl gefunden,
-trotz de Karten?
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Nä, leider nich, Eure Karten sind reine
-Teufels, Mutter Pius.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Kommen Se de doch ens wieder bei
-mich, vielleicht kriegen wir Gewalt über den
-Zauber, Auguste.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Wenn ich mich erlauben darf. (Man
-hört Husten aus dem Pavillon; sie horchen beide
-erschreckt nach der Richtung.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a>
-AUGUSTE: Das is Herr Eduard nich, das is de Marta,
-die guckt zu lang in de Nacht aus&rsquo; en Fenster.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (lauernd) Euer Fräulein soll ens lieber
-schlafen.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Sie möcht auch von Euch de Karten
-gelegt haben.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (freudig) Eine Gräfin war bei mich.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (sie anstaunend) Wenn Se&rsquo;s nich wieder
-sagen, zeig ich Euch ne neumodsche Photographie
-von de Marte &mdash; splitternackt, wie&rsquo;s erste Weib
-unterm Baum. (Frau Sonntag und Heinrich treten
-unbemerkt aus dem Haus.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Du hältst de Mutter Pius wohl für
-dumm?
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Ihre Freundin, das Fräulein Oberbürgermeister,
-hat se so abgenommen. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Lauf wacker! (Auguste eilt fort
-durch die Seitentür, Mutter Pius ruft ihr nach)
-Ich leg Dich auch fein die Karten, Auguste ...
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Mutter Pius bemerkt die Kommenden, Heinrich
-nähert sich dem Zaun, und nimmt von einer Frau
-die Abendzeitung entgegen, drückt ihr flüchtig
-ein Geldstück in die Hand, indessen Frau Sonntag
-zum Zelt schreitet.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (gewandt) Verzeihen Se, Ma&rsquo;m Sonntag,
-daß ich noch hier stehn tu, ich wollt mein
-Enkelsohn Addjüß sagen. (Frau Sonntag nickt
-freundlich herablassend und geht rechts, die Rosen
-betrachtend, weiter. Mutter Pius kommt auf
-Heinrich zu, klopft ihm vertraulich auf die Schulter.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
-HEINRICH: Schockschwerenot, Frau Pius, wie geht
-es Euch bei den schlechten Zeiten?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Davon wissen Sie doch nicks, Herr
-Heinrich.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Un immer jünger werden Se. (Berta
-tritt aus dem Haus, den Tisch zu decken.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Sie Schmeichler.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (zynisch, gutmütig) Frau Pius, was
-meinen Se zu uns zwei?
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (kichernd.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (zu Mutter Pius) Lassen Se den Kickindewelt
-lachen, er weiß von de Liebe nicks.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Frau Sonntag nähert sich zerstreut dem Zelte.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: So en jungen reichen Herrn un ich?
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Schockschwerenot, es is mein heiliger
-Ernst. Eine verständige Frau muß ich haben.
-</p>
-
-<p>
-Frau SONNTAG: Frau Pius, lass Sie sich von
-meinem Sohn nicht zum Besten halten.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Ich uz mir gern mit ihm, Ma&rsquo;m Sonntag,
-lassen Se ihm die Freude.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Wenn Se alles innes Lächerliche träkken,
-liebe Frau Pius, wir passen doch aufs Haar zusammen.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (weiß nicht, wie sie es auffassen soll)
-Ein reiches Fräulein muß Herr Heinrich heiraten.
-Titichens, will de Großmama (zeigt auf Frau
-Sonntag) wieder in Arm wiegen (sie macht mit
-dem Arm die Wiegebewegung.)
-</p>
-
-<p>
-Frau SONNTAG: Nun lass Frau Pius zufrieden,
-Heinrich.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a>
-Mutter PIUS: Auf de Messe aber dürfen Se mir
-Johanni mit die Freunde in meine Bude besuchen.
-Ich servier diesmal (nickt Heinrich
-heimlich zynisch zu) en extra feine Delikatesse &mdash;
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (bescheiden zu Frau Sonntag und Heinrich)
-Ein Kind mit <em>zwei Köpfen</em> ....
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (bemerkt endlich Auguste, die schon
-längere Zeit erfolglos aus dem Seiteneingang
-winkt) Nabend zusammen, ich muß bei meine
-Leute! (Frau Sonntag setzt sich auf die Bank an
-den Tisch und Heinrich bleibt neben ihr stehen.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Ein Unikum ist die Olle!
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Mutter Pius entreißt Auguste das Bild [Kabinettgröße]
-und entfernt sich aus der Zauntür. Auguste
-bleibt verdutzt stehen.)
-</p>
-
-<p>
-Frau SONNTAG: Du ziehst sie aber auch beständig
-auf, Heinrich.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Wie&rsquo;n Wind (geht ins Haus).
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Spaß muß sein, Mama Charlottchen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Macht Dir das solch einen Spaß?
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Du sagst das so melancholisch.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: So, das weiß ich garnicht.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (kleine Pause) Dieses Jahr wird die
-Bilanz gut werden, Mama Charlottchen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (lebhafter) Du belügst mich,
-Heinrich?
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Bei meinem verrosteten, alten Säbel.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du bist ein Junge!
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Wir wollen ein Pulleken darauf trinken,
-Mama Charlottchen!
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
-Fr. SONNTAG: (schüttelt lächelnd den Kopf).
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Schad, daß Pius <a id="corr-5"></a>Großmutter nicht
-mehr da ist; sitzen die noch immer darin? (Er
-zeigt auf den Pavillon.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Man muß sich nicht gemein machen
-mit diesen Leuten.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Mittags promeniert sie vor meinem
-Büro vorbei, bis ich rauskomm.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Warum?
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (im Ton der Arbeiter) Sie liebt mir &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Schwätz keinen Unsinn, Heinrich.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (lacht).
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Laß die arme, alte Person in
-Frieden, ich möchte die Neckerei um Eduards
-Willen nicht. Du kennst doch seine Sympathie
-für Pius.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Pius kennt die alte Schrulle ganz genau.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Berta trägt Schüsseln mit kalten Speisen auf.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Taisez donc!
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Ich sag ja nichts. (Er nähert sich dem
-Pavillon. Marta ist gerade im Begriff aus der
-Türe zu treten &mdash; die Geschwister stoßen sich
-fast.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Hast Du mich erschreckt!
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (neckisch) Ein unschuldiger Mensch
-erschrickt nicht, beichte!
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Esel!
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (plötzlich leise mit Erregtheit, die sich
-steigert bis zum Jähzorn) Ich will Dir mal was
-sagen, erfahre ich noch einmal, daß Du in meiner
-<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a>
-Abwesenheit im Büro gewesen bist, so bekommst
-Du ein paar Backpfeifen von mir.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (ein wenig verblüfft) Ich tu doch garnichts
-da.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Du weißt, Simon ist mein Angestellter,
-ich wünsche, daß er Respekt behält vor uns,
-verstehst Du! (wieder munter) Schockschwerenot!
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Herr von Simon ist stets höflich zu mir.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Eduard und Pius treten in den Pavillon.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Das will ich auch hoffen. (Heinrich
-reicht Carl Pius die Hand.) Hab doch wahrhaftig
-wieder die Marken vergessen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (zu Carl; Heinrich umfassend) Er schwitzt
-den ganzen Tag für uns, Carl, er ist der selbstloseste
-Mensch auf der Welt.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (tut beschämt wie ein Backfischchen,
-bei seinem robusten Äußern sehr ulkig wirkend).
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (geht dem Tisch des Zeltes zu) Mama,
-ich habe schreckliche Augenschmerzen (sie öffnet
-sie graziös affektiert) vom Nachschlagen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Ich bewundere schon lange Deine
-Ausdauer. (Pius geht ungeschickt auf Frau Sonntag
-zu und verbeugt sich tief vor ihr. Frau
-Sonntag reicht ihm die Hand.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Herr Pius will vor dem Abendbrot nach
-Hause gehen, Mama.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Aber warum das, Herr Pius?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Wenn ich so frei sein darf? (Marta bietet
-ihm den Stuhl neben sich an; Heinrich setzt sich
-links von Marta &mdash; Eduard nimmt neben seiner
-<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a>
-Mutter auf der Bank Platz. Berta serviert den
-Tee und bedient etc.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Findest Du nicht die Hornbrille scheußlich
-für Herrn Pius, Mama? Er sieht aus wie
-ein Dorfschullehrer.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Marta schwätz nicht soviel Unsinn.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (verlegen.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Ich habe noch garnicht bemerkt,
-daß Herr Pius eine Brille trägt.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Seit kurzem.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Bitte nimm sie mal ab. (Carl zögert.)
-Ich bin auch kurzsichtig.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Deine Rehaugen ....
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (ulkig einen Backfisch imitierend) Das
-lass ich mir nicht mehr gefallen, mir macht kein
-Mensch den Hof.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (kichert leise auf, Frau Sonntags Blick
-streift sie rügend.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Sie denken an Mutter Pius, Berta,
-was? Eine Großmutter haben Sie, Pius, prima!
-</p>
-
-<p>
-CARL: (verlegen.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Ich glaube sogar, sie ist eine ganz
-kluge Frau?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (zu Carl) Von köstlichem Humor.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Eduard sagt, sie versteht lateinisch.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Auf welchen Tag fällt Ihr Examen,
-Herr Pius?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Am Mittwoch, einige Tage nach Johanni,
-Madame Sonntag.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
-EDUARD: Du regst Dich mehr auf, wie wir beide
-und die ganze Prima zusammen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Mein Sohn sagt mir, Sie machen
-sich Ihrer Studien wegen Sorge?
-</p>
-
-<p>
-CARL: (ist verlegen um Antwort.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Du wolltest Dich doch für weiteres verwenden,
-Mutter?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (nickt freundlich Eduard zu, ihr
-Blick fällt plötzlich auf Heinrich, der interessiert
-in der Zeitung liest.) Was interessiert Dich in
-der Zeitung &mdash; (rügend) während des Tisches.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Ich bitte um gnädige Verzeihung, Mama
-Charlottchen.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Hältst Du Dein Versprechen, Heinrich?
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Gerad mein Pferd muß stürzen.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Du schwindelst mir immer was vor.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (neckisch) Im Gegenteil, Du mußt den
-Verlust tragen helfen!
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Esel!
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Danke!
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du kannst doch das Spielen nicht
-lassen.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Es ist, mit Herrn Schiller gesagt: Mein
-Spaziergang.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Er sitzt auch viel zu viel im Büro.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Und dick bist Du, wie der Wirt vom
-Schützengarten drüben.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Warum reiten Sie nicht, Herr Sonntag?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du hast doch wirklich sonntags
-Zeit.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a>
-HEINRICH: Der Hengst scheut ja, wenn ich mich
-ohne Uniform drauf setz&rsquo;, Kinder.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Fußtouren wären Ihnen auch zuträglich.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: In den Tiroler Alpen, was Carl?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Zum Schneerössel rauf.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Zehn Kilometer müßtest Du täglich
-steigen; faktisch, das tät ihm gut.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Ich werde mich gleich im Schützengarten
-wiegen lassen, ich glaub, ich habe schon
-durch eure guten Ratschläge abgenommen. (Zwei
-kleine Mädchen stehen, von allen unbemerkt, am
-Gartenzaun.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Mit ihm ist kein ernstes Wort zu reden.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Pack doch einfach seinen Koffer, Mutter.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Die kleinen Töchter vom Wirt verschwinden
-ungesehen wieder.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Und wer soll unterdessen für die Kleinen
-sorgen?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du hast doch einen Stellvertreter.
-Marta lobte ihn gestern noch.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Sie soll sich lieber um die Haushaltung
-bekümmern.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Esel!
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Danke! Freuen Sie sich, Pius, daß Sie
-keine Schwester haben.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (seltsam aufflammend, antwortet etwas
-schüchtern) Und ich beneide Sie darum.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (lächelnd) Hörst Du&rsquo;s, Heinrich?
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (schlägt Marta zärtlich auf den Rücken.)
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Pause.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a>
-Fr. SONNTAG: Ich würde ja öfters in die Fabrik
-gehen ...
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (neckisch) Weißt Du eigentlich, wo sie
-ist, Mama Charlottchen?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (scherzend) Wie er mich schlecht
-macht.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Herr von Simon ist energischer wie Du
-bist mit den Arbeitern.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Wenn ich dabei bin.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Alle lachen, nur Marta schmollt.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Den Willem, meinen fleißigsten Arbeiter,
-hab ich seinetwegen herauswerfen müssen.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Der drang betrunken ins Büro und wollte
-ihn dort totschlagen.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Die Sache ist mir auch noch nicht klar.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Wenn <em>Dir</em> nur mal nichts passiert,
-Heinrich.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Ihn haben sie alle gern, zu Dir haben
-sich öfter doch Arbeiter geäußert, Carl?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich steh mit all den Leuten kaum auf
-Grußfuß. (Frau Sonntags Blick streift ihn mißtrauisch.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (zerstreut) Wollen Sie wirklicher
-<em>evangelischer</em> Geistlicher werden, Herr Pius?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ja, Madame Sonntag.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Ihre Großmutter wünscht es wohl?
-</p>
-
-<p>
-CARL: So ernste Fragen pflege ich allein zu erledigen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (unbewußt in herablassendem Tone)
-Versprechen Sie sich eine schnellere Carriere?
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a>
-CARL: (primanerhaft) Ich bin mit den Dogmen der
-katholischen Kirche in Konflikt geraten.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (nickt zustimmend hin zu Eduard.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Iwo, Mutter, er will heiraten.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Ich geh noch was rüber kegeln.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Die kleinen Blagen standen schon vormittags
-am Zaun. Sie hätten heute Eisbein mit
-Sauerkohl, ließe ihr Vater Herrn Leutnant sagen.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (zu Carl) Er war mein Untergebener.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Das sind also die Kinder vom Wirt?
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Ich kauf den Püppkens manchmal
-Schokolade. (Er erhebt sich und macht eine
-lange Gähnbewegung mit Mund und Armen.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (Schnellt vom Stuhl auf) Wollen Sie das
-Kissen mal sehen, was ich Eduard (zu Carl sich
-wendend) zum Examen schenke?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich bitte darum. (Er erhebt sich freudig.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Aber Marta, wie kindisch, wie
-können Herrn Pius Deine Stickereien interessieren?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich habe sogar als Knabe mit Vorliebe
-weibliche Handarbeiten selbst ausgeführt. (Frau
-Sonntag verzieht ihr Gesicht ungläubig.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Faktisch, Mutter! Mutter Pius zeigte mir
-ein großes Kreuz, was er gestickt hat. (Heinrich
-schreitet, die Hände in den Taschen, dem Hause
-zu, wendet sich um.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Addjüß Kinder! (Marta und Carl
-schlendern um eins der Beete.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Ich habe ein Bouquet Kamillen nach der
-Natur darauf gestickt.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a>
-PIUS: Sie sind selbst eine Kamille, (leise) man
-möchte Sie immer fragen .... Und es paßt auch
-viel besser für Sie, mit bunten seidenen Fäden
-zu spielen als uns zwei Kandidaten Examenarbeiten
-zu helfen. (Man versteht die letzten
-Worte kaum mehr, sie biegen in den Seitenweg
-des Gartens ein.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Mutter, warum bist Du nicht freundlicher
-zu Pius?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Aber Kind, ich gebe mir doch die
-erdenklichste Mühe.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Sie legt ein Tuch um seine Füße.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (scherzend) Wenn ich mal oben im
-Himmel bin, wirst Du abends heraufkommen und
-das große Sternenfenster schließen, Mütterchen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Wie Du sprichst ....
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: O, ich habe noch viel, viel zu erledigen.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Er legt seinen Arm lächelnd um ihre Schulter.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du solltest mehr an Dich denken,
-die vielen Nachhilfestunden, die Du wieder für
-Pius übernommen hast! &mdash; Ich gebe ihm lieber
-das Geld.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Das würde ihn beschämen; mir macht
-es faktisch Vergnügen; Pius ist zu gesund, Geduld
-zu üben. (Kleine Pause.) Er hat mächtige Wellen,
-Mutter, die überstürzen sich.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Dir tun seine Schüler leid, ich
-kenne Dich, Eduard.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (lächelt) Hier waltet nur höhere Gerechtigkeit.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
-Fr. SONNTAG: Du dichtest ihn Dir, Eduard.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (scherzend) Wie sollte der, der den
-Himmel verkündet, nicht ein Dichter sein. (Kleine
-Pause.) Dich stört seine breite, ungeschickte Art.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Ich verlange von ihm doch keine
-weltmännischen Finessen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Seine einfache Umgebung selbst respektiert
-instinktiv seine geistige Stärke.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Seine geistige Stärke &mdash; Kind,
-Kind, diese Leute haben nur Respekt vor Fäusten.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Denke an Petrus, Jakobus ....
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Marta und Carl werden sichtbar.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du glaubst nicht, wie unsympathisch
-es mich berührt, wenn ich ihn neben Marta sehe.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Eduard erhebt sich betrübt. Er hustet leicht.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Willst Du zu Bette gehen, Eduard?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (kleine Pause) Durch den Garten wollen
-wir wieder wandeln, Mutter, weltentrückt, wie
-durch einen duftenden Psalm.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du machst mir das Herz schwer ....
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Das will ich nicht. Dein Herz ist ein
-Teil meines Himmels, darum werde ich Dir ja
-bleiben, Mutter.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Frau Sonntag und Eduard biegen um die Rosen
-ein. Pius und Marta treten in den Vordergrund
-&mdash; sie setzen sich auf eine Bank vor dem Springbrunnen.)
-</p>
-
-<p>
-PIUS: (streng, schüttelt energisch den Kopf) Seinen
-Glauben respektier ich.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Aber Mama weint immer, er will doch
-<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a>
-in den strengsten Orden eintreten, barfuß geht
-er dann und seine schönen Locken werden ihm
-abgeschnitten.
-</p>
-
-<p>
-PIUS: (neidvoll) Das empfinden Sie wohl am
-schmerzlichsten?
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Pause.)
-</p>
-
-<p class="i">
-Aber Sie erzählten mir doch, die Ärzte sagen,
-es käme nicht dazu.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Denen kann man ja nicht glauben &mdash; und
-Mama haben sie es verschwiegen, sie würde
-sterben an seinem Tod.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (sarkastisch) Also der Tod wäre demnach
-Ihrer Frau Mutter sicher.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Bitte, spotten Sie nicht!
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich bin nicht zum Spotten aufgelegt.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (forschend) Ist er eigentlich schon katholisch
-geworden?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Fragen Sie ihn doch selbst.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Sie sind frech!
-</p>
-
-<p>
-CARL: (theatralisch, primanerhaft) Darum will
-ich auch der Welt den Schoß der Mutter
-nehmen.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (macht eine Bewegung des Unverständnisses.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Darum will ich evangelischer Verkünder
-werden.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Ich glaube, Sie werden furchtbar schimpfen
-von der Kanzel.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (sarkastisch, scherzend) Fegefeuer auf all
-die Sünder regnen lassen.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a>
-MARTA: Sie stritten doch einmal mit Eduard, es
-gäbe keine Sünde.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Im Sinne der Natur gibt&rsquo;s auch keine Sünde.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Warum wollen <a id="corr-6"></a>Sie dann strafen?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Weil ich sie nicht genießen kann. (Er
-wendet sich plötzlich jäh zu Marta.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (erschrickt) Und schreiben so fromme
-Gedichte ....
-</p>
-
-<p>
-CARL: Haben Sie sie übersetzen können?
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Mühsam, jedes Wort schlug ich nach.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Später sende ich Ihnen täglich Kamillensträuße.
-Schenken Sie mir eine aus Ihrem Gürtel,
-bitte.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Meinetwegen.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Sie paßt zu Ihnen, wie zur Amazone die Waffe.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Und sind ebenso gefährlich.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Wenn Sie die Blättchen fragen. (Man sieht
-Frau Sonntag und Eduard durch eine dichte
-Baumallee wandeln, der Villa zu.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Das tu ich schon lang nicht mehr.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Sie sind Ihrer Sache gewiß. (Er will ihre
-Hand küssen.) Sie spielen mit mir, Marta?
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Wenn Sie noch einmal meine Hand
-berühren, schlage ich Sie.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Tun Sie das. (Marta bricht, unwillig auflachend,
-ein Stöckchen vom Strauch ab, sie
-berührt damit Carls Hand.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Wehren Sie sich doch!
-</p>
-
-<p>
-CARL: Wie sollte ich mich wehren, einem Fräulein
-gegenüber.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a>
-MARTA: Sie sind feig.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Allerdings.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Feigling!
-</p>
-
-<p>
-CARL: Sie reizen mich.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (lacht mutwillig auf; Carl berührt mit
-seinem Bleistift leicht ihre Hand; Marta lacht ihn
-aus, Carl schlägt.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Verzeihung &mdash; o (er will ihre Hand küssen.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Das war gemein. (Sie schlägt stärker
-zurück.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: O! (wehrt ab.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Das war gemein, hier!
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich fange gleich an zu weinen wie ein Kind.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Pfui!
-</p>
-
-<p>
-CARL: Sie sind herzlos.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Und Sie vielleicht nicht?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich war hilflos.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (leichtfertig, kindlich und kokett) Und
-wenn ich Ihnen alle (greift in den Gürtel nach
-ihrem Kamillenstrauße) schenke?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Sie legten Sie nun auf ein Grab.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (kehrt durch die Gartentür zurück &mdash;
-er nähert sich den beiden.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (erschrocken zu ihm) Wie ein Dieb.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Bei <em>den</em> Füßen (zeigt sie) müßte man
-schon taub sein. (Er gähnt in verschiedenen
-Tönen.) Pius, kennen Sie ein Subjekt Namens
-Amadeus?
-</p>
-
-<p>
-CARL: (noch in Gedanken.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Er kennt Sie.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a>
-CARL: Der Amadeus mit dem gläsernen Herzen.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Warum kommst Du schon zurück?
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Weil ich müd bin.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (zu Carl) Auguste kennt seinen Großvater,
-der war Glaser und er deutet Träume.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Er hat mir soeben den Tod prophezeit.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (ironisch) Die Deutung schmutziger Gewässer.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Nä ... (zynisch, gutmütig) ich hab von
-faulen Eierschalen geträumt; für 10 Groschen
-wollte er mich auch nicht am Leben lassen.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Er ist konsequent.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Das muß man ihm lassen.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Oft sollen gerade so Leute wahr prophezein;
-erzähl es nur nicht Mama.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (geht zwischen den Zähnen summend
-ins Haus; vorher verschließt er die Gartentür.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Ich glaub, er hat doch was Angst.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (lacht auf) Er hat es schon längst vergessen.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Die Katzen schreien.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Wie kleine Kinder!
-</p>
-
-<p>
-CARL: (schweigt.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Weiße Angorakatzen sind himmlisch.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Berta und Auguste schleichen um das Haus
-mit Briefen in der Hand und klettern über den
-Zaun.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Haben Sie Ihre Dienstboten gesehen?
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Es sind doch auch Menschen.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Darum müssen sie gehorchen.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Eduard sagt immer, es seien arme, weiße
-Sklaven.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a>
-CARL: Eduard ist ein Idealist. (Die Katzen schreien
-wieder auf.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Das war die alte, greise Katze!
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich werde noch tobsüchtig .....
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (lacht mutwillig, kokett.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Lassen Sie das Vieh!
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Wie Betrunkene &mdash; (sie schreien wieder.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Sie lecken zuviel an den süßen bunten
-Kelchen.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Auf meiner Decke liegt des Morgens
-immer Blütenstaub.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich schlafe nicht.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Wegen des Examens?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich habe täglich ein schwereres zu bestehen.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Meine Mama &mdash; &mdash; &mdash; (sie sehen beide
-gespannt zum oberen Fenster der Villa; Carls
-Arme sinken schwer herab.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (atmet laut auf, Frau Sonntag ist wieder
-vom Fenster verschwunden, man hört murmeln
-außerhalb des Gartens.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Mädchen! (Er reißt Marta an sich, sie
-aber entwindet sich seinem Arm und stürzt ins
-Haus. Carl bleibt allein. Der gläserne Amadeus,
-Pendelfrederich, Lange Anna bleiben am Eingang
-der Gasse stehen.)
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Fises Mensch, zwei Stunden hab&rsquo;n
-wir uns in die Winkels vor de Türen gedrückt,
-in der Zeit Du prophezeit hast, un nu gibst De
-uns so &rsquo;en schäbigen Lohn?
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a>
-PENDELFREDERECH: Un mir kriegst De auch
-nich mehr mit zum Bangemachen.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Ich hab euch nich zu eingeladen, mit
-mich zu gehen; un Du, Frederech, vertreibst
-mich de Kunden mit Deine offne Bux.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (schmeichlerisch zu Amadeus.) Ich
-bin doch immer mit Dich gegangen, un nun
-sprichst De so (stößt ihn mit der Schulter vertraulich
-an). Es hat wohl lang nicht geklirrt in
-Dein zimperlich Herz?
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Na, da hast es, aber en halben Taler
-mußt De mich lassen.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (dreht sich um und stellt sich vor
-die Mauer.)
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Siehst De denn nich (zeigt auf das
-Schild).
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Ich hab überall Passe-partout. (Die
-beiden Mädchen kehren zurück, sie wollen schnell
-über den Zaun springen, sehen die Männer und
-schreien auf.)
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Nu schreit man nich so toll, ihr herrschaftliche
-Hurweibers.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (ganz hoch) Sollen wir ens?
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Herr Pius!
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Helfen Sie uns!
-</p>
-
-<p>
-CARL: (beachtet ihr Hilferufen nicht.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Der eine kriegt mir an de Bein! (Die
-Mädchen schreien abwechselnd auf, sie sind
-endlich über den Zaun, laufen zu Carl.)
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Haben Sie die drei gesehen?
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a>
-AUGUSTE: Ich kann nich mehr, ich kann nich
-mehr, nä, ich kann nich mehr! (Amadeus lacht.)
-Hat die Frau nach mich gerufen, Herr Carl?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Darüber kann ich Ihnen keine Auskunft
-geben.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Pendelfrederech murmelt grausig, Lange Anna
-spielt auf seiner Handharmonika: O, Du lieber
-Augustin, alles ist hin, hin, hin usw. Sie gehen
-weiter durch die Gasse der Stadt zu.)
-</p>
-
-<p>
-BERTA: So hochnäsig. Sie bilden sich wohl ein,
-Sie sind der Herr Eduard selbst?
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (gutmütig) Lassen Sie ihm, Berta, es
-is ja sein Freund, was Herr Carl?
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (plötzlich gewöhnlich) Mach, daß Du zu
-Haus kömmst, de Großmutter will das Enkelsöhnchen
-noch in Schlaf singen.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Still, Berta, er wird schon wissen,
-warum er hier sitzen tut.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Aber beim Fräulein brennt doch schon
-de rosa Nachtampel. (Die Mädchen schleichen
-durch den Kellergang ins Haus. Die Katzen
-schreien noch mal auf, man hört in der Ferne
-noch Lange Anna spielen: &bdquo;Alles ist hin, hin ....&ldquo;.)
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-4">
-<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a>
-DRITTER AKT
-</h2>
-
-<div class="dir">
-<p>
-Abends ½9 Uhr. Jahrmarkt. Karussell im
-Vordergrund links. Hinter dem Karussell und seitwärts
-rechts die verschiedenen Buden. Im Vordergrund
-die Bude der Riesendame Rosa, neben dieser
-die Schießbude, dann die Taucherbude, die Honigkuchenbude
-etc. Gegenüber links in kleiner
-Entfernung die schrägstehende Bude der Mutter
-Pius, die man nur ein Viertel sehen kann. Eine
-gemalte <em>Kindermumie mit zwei Köpfen</em> ist
-grotesk auf der Jalousie gedruckt. Fabrikarbeiter,
-Fabrikarbeiterinnen, Kommis, Ladenmädchen, Dienstmädchen,
-Herren der Gesellschaft mit ihren Schätzen,
-Schuljungen, Gassenkinder, Herumtreiber, etc. Im
-Karussell stehen im doppelten Kreis hölzerne, groteske
-Tiere: Leopard neben Lamm, Reh neben Tiger,
-Löwe neben Pferd, Hirsch neben einer Riesengans
-u. s. w. In Kutschen, die auf und nieder
-schaukeln, sitzen laute Weibsbilder und an den
-Eisenstangen, die das Dach des <a id="corr-7"></a>Karussells halten,
-stehen Arbeiter und Schuljungen, um den Ring
-wetteifernd, der an einem Pfahl unweit des Karussells
-hängt und eine Freifahrt bedeutet. Das
-Karussell dreht sich noch langsam auf die schon
-fast abgelaufene Melodie &bdquo;O Du lieber Augustin&ldquo;.
-Die letzten Töne: &bdquo;Alles ist hin, hin hin, alles ist
-hin &mdash;&mdash;&ldquo; Vor dem Karussell stehen Heinrich
-Sonntag und Lieschen Puderbach. &mdash; Sie tragen
-auf der Nase ein blaues Pincenez und in der Hand
-<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a>
-einen Gummiball. Heinrich ist etwas angeheitert.
-Um <a id="corr-8"></a>Lieschens Hals hängt ein großes Pfefferkuchenherz
-mit der Aufschrift: Ich liebe Dich. Man hört
-die beiden lachen zwischen den Klingeltönen des
-Karussells.
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="pers">
-<p>
-Heinrich Sonntag, sein Geschäftsfreund, die
-Herren mit grauen Cylindern, Dr. v. Simon, Berta,
-Mutter Pius, Lieschen, August, Zuhälter Wilhelm,
-Riesendame Rosa, Kommis, Ladenmädchen, Dienstmädchen,
-Pendelfrederich, Lange Anna, der gläserne
-Amadeus, Arbeiter, unter ihnen Färber, Weber etc.,
-Arbeiterinnen, Weibsbilder, Jahrmarktsleute, Gassenkinder.
-</p>
-
-</div>
-
-<p>
-LIESCHEN: Ich fahr für mein Leben gern, (es
-klatscht in die Hände) ich setz mir auf den Leoparden
-und Sie auf das Lamm.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Das machen wir, Puppel.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Wollt es ens doch endlich still stehen,
-Herr.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Du brauchst doch nicht immer Herr
-zu mir zu sagen.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Wie soll ich Euch denn nennen?
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Wie De Dein Schatz nennst, Puppel.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Den nenn ich Herrn Eduard, er is
-mein Königsschatz.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (tut erstaunt, er ahnt den Zusammenhang
-nicht.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a>
-LIESCHEN: Den kennen Se nich. (Unbewußt verächtlich.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Ist er grad so schön wie ich?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Carl Pius sein Freund is er.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Aber so einen langen Schnurrbart (er
-streicht ihn in die Höhe) hat er doch nicht?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Herr Eduard scheint immer aus sein
-Gesicht.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (etwas besonnen, er weiß nun, von
-wem das Kind spricht) Ich möchte so Jemanden
-wohl kennen lernen.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Der kömmt doch hierhin nicht. (Das
-Karussell steht still, die Leute springen ab. Es
-steigen unter andern wüste Männer und Weibsstücke
-ein, welche toben und kreischen. Heinrich
-springt jäh mit Lieschen in einem Satz
-herauf. Mutter Pius steht plötzlich vor dem
-Karussell; Lieschen ist im Begriff, sich auf den
-Leoparden zu setzen und Heinrich sitzt schon
-auf dem Lamm.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zu Lieschen) Das laß ich mich gefallen
-mit so en artigen Herr, mein Herzeken.
-</p>
-
-<p>
-Ein Weibstück: (zu Lieschen) Laß mich ens beißen
-von das süße Herz.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (zu Heinrich) Nä, dat kriegt der Aujust.
-Er guckt sich de Augen nach aus und schämt
-sich, in de Leckersläden zu gehen. (Kleine
-Pause.) Daß es noch nich anfängt!
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Arbeiter treten ungeduldig mit den Füßen.
-Ein Geschäftsfreund von Heinrich im grauen
-<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a>
-Zylinder tritt mit je einem Schatz am Arm ans
-Karussell.)
-</p>
-
-<p>
-Der Geschäftsfreund: (zu Heinrich) Nun, Sie alter
-Sünder! (Das Karussell bewegt sich.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Steigen Sie noch rauf! (Sie springen
-herauf.)
-</p>
-
-<p>
-Gassenkind: Nehmen Se mir doch auch mit,
-Herr! (Die Musik spielt wieder: &bdquo;O, Du lieber
-Augustin etc.&ldquo;.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zynisch zu Allen) Wünsch euch ne
-angenehme Hochzeitsreis! (Sie kehrt schleunigst
-an ihre Bude zurück. Es kommen die Herren
-mit den grauen Zylindern, [Bekannte von Heinrich]
-mit einer Anzahl Schätze und springen im beginnenden
-Tempo aufs Karussell. Arbeiter
-drängen die Weiber rücksichtslos ins Innere
-hinein, da sie auch den Ring greifen wollen.
-Das Karussell dreht sich wie ein Wirbelwind.
-Dr. v. Simon und Berta kommen aus der Bude
-der Riesendame &mdash; sie gehen beide auf das
-Karussell zu.)
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Ist das nicht der Heinrich?
-</p>
-
-<p>
-Dr. v. SIMON: Wo?
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Warten Sie, gleich können Sie ihn wieder
-sehen.
-</p>
-
-<p>
-Dr. v. SIMON: (ein wenig erschrocken.)
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Wenns nun Herr Eduard erfährt? .....
-</p>
-
-<p>
-Dr. v. SIMON: Der Narr ist wohl auch schon <em>Dein</em>
-Beichtvater?
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Und unsere Frau?
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a>
-Dr. v. SIMON: (blickt durch seine kleine, goldene
-Lorgnette &mdash; beruhigt) Er kann nicht mehr gerade
-sitzen.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Mich kanns ja gleich sein, ich will doch
-nicht mehr lange für andere Leute arbeiten.
-</p>
-
-<p>
-Dr. v. SIMON: (ergreift aufatmend die Gelegenheit)
-Du mußt mir Dein Herzchen ausschütten, liebes
-Kätzchen. (Er will mit ihr umkehren.)
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Der bleibt ja nicht lange hier, er reitet ja
-jetzt immer schon um 6 Uhr früh spazieren. (Sie
-gehen in die Taucherbude, das Karussell bewegt
-sich etwas langsamer. Man hört im Vorbeifahren
-Heinrichs Stimme.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Noch einmal, Puppel?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Sicher, lieber Herr!
-</p>
-
-<p>
-Ein Weibsbild: (aus der Rutsche) Kommt ens bei
-mich rein!
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Stell Dir doch an de Stange, dann
-kriegst De den Ring. (Einige Gassenkinder
-schreien.)
-</p>
-
-<p>
-Gassenkinder: Der Schimpanse ist ausgekniffen, de
-große Chimpanse is ausgekniffen! (Es entsteht
-eine Panik, zu einem Knäuel strömen die
-Menschen zusammen, fast alle <a id="corr-9"></a>Fahrenden springen
-vom Karussell herunter, Lieschen will das Gleiche
-tun.)
-</p>
-
-<p>
-Gassenkind: Der große Chimpanz mit dem kleinen
-Schwanz is ausgekniffen, ausgekniffen!!!!
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Hörn Se denn nich, der wilde Affe is
-ausgekniffen, der beißt, ich hab Angst vor das
-<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a>
-Tier. De Lehrer sagt, an Kinder machen sich
-de großen Tiere am ersten ran. (Der Taucher
-läuft aus der Bude, gestikuliert mit dem Eisenkopf
-und den Eisenfäusten, was furchtbar komisch
-aussieht.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (hält Lieschen fest).
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (kommt ans Karussell) Bleibt man
-sitzen, das is ja nur eine geriebene Reklame von
-de Zirkusleute.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Is es auch sicher nich wahr, liebe
-Mutter Pius?
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (nickt) Nein. Haben Sie das Pulleken
-kaltgestellt, Mutter Pius?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zynisch und wehmütig) Un mich
-dabei. (Die vorzeitig Abgestiegenen nähern sich
-wieder dem Karussell, zwei Weibsbilder schlendern
-Arm in Arm herbei.)
-</p>
-
-<p>
-Weibsbild: (zu Heinrich) Nehm mich doch, Du zerbrichst
-ja Dein Riesengespielzeug.
-</p>
-
-<p>
-Ein anderes Weibsbild: Er is doch de <em>Puppenhangri</em>!
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Die Herren im Zylinder lachen ermuntert auf.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (zu Lieschen) Was sie nich alles vom
-lieben Heinrich wollen, was Liescken? (Einer der
-beiden Schätze des Geschäftsfreundes sagt zu
-ihrem Begleiter.)
-</p>
-
-<p>
-Die erste: Zu de Riesendame wollen wir ens rin
-(zu ihrer Mitliebsten) Kuck, Minna, die hat en
-Bart wie en Kerl. (Das Karussell bewegt sich
-wieder, ohne zu spielen; in ihm sitzen nur
-<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a>
-noch vereinzelt Kinder zwischen Heinrich und
-Lieschen.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (unsicher, da er angeheitert ist) Lieschen,
-spielt es denn nicht?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Es ist schon spät in die Nacht, Mutter
-Pius sagt, die Polizisten kämen sonst.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Dann wollen wir auch machen, daß
-wir runterkommen. (Er läßt die Kleine vom
-Leoparden auf seinen Rücken steigen, springt
-mit ihr vom Karussell, juchheit, läßt Lieschen zur
-Erde fallen, hebt es wieder in die Höhe, läßt es
-wieder fallen, hebt es wieder in die Höhe, läßt
-es wieder fallen, fängt es auf, mit ihm springend
-durch die Menge, Mutter Pius kommt ihnen bis
-zur Taucherbude entgegen. Die Herren mit den
-grauen Zylindern sind vorangegangen mit den
-Schätzen und bleiben an der Schießbude stehen
-und schießen.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (etwas neidisch zu Heinrich und
-Lieschen) Wie die Blagen. (Es kommen eine Menge
-neue Arbeiter.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Ich hab Angst, der Vater kömmt und
-holt mir.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Ich versteck Dich in meinen Mantel,
-Puppel.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Meinen Taler nimmt er mich ab für
-die Sparkass.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Dann schenk ich Dir einen goldenen Puppel.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: So reich sin Se? (Mutter Pius, Heinrich,
-Lieschen gehen weiter.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a>
-Eine Frau: (erstaunt fragend) Das Kleine von Puderbachs! ...
-(Sie sperrt grinsend den Mund auf.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Nu, un was alles! Das Kleine helft
-mich hier. (Sie biegen nach links ein.)
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Dr. v. Simon und Berta treten aus der Taucherbude.)
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Du mußt nicht immer so laut meinen
-Namen nennen, Kätzchen, das ist nicht fair.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (beleidigt) O, ich weiß mir doch zu benehmen.
-(Sie ahmt die Bewegung Martas nach.)
-Du willst mir wohl los sein, Bruno?
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Bewahre. (gereizt): Aber es wäre
-Deine Pflicht gewesen, mich auf den Betrieb hier
-aufmerksam zu machen. Bedenke die Konsequenzen,
-falls mich einer meiner Arbeiter hier
-überrascht.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Unser Heinrich geht doch auch immer auf
-die Messe.
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: All right! Die Arbeiter wissen auch,
-was sie von ihm zu halten haben.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (mürrisch) Dann hätten wir ja überhaupt
-bei Dir bleiben können.
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Das können wir ja noch nachholen.
-(Er kitzelt sie heimlich in die Taille.)
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (schüttelt den Kopf. Dr. v. Simon schiebt
-sie langsam vorwärts am Karussell vorbei zum
-vorderen Ausgang.)
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Wann feiern wir Hochzeit, Kätzchen?
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (versöhnt) Ich dachte nach Weihnachten;
-so lang bleib ich auch noch. Die Frau hat mir
-<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a>
-durchs Fräulein fragen lassen, was ich mir
-wünsche.
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Lass Dir mal weiche Kopfkissen
-schenken (sagt ihr noch etwas ins Ohr) mit einem
-<em>rosa</em> Himmelchen darüber ....
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (verschämt geziert).
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Also vorher wird nichts?
-</p>
-
-<p>
-BERTA: Ich bin doch ein anständiges Mädchen
-(geziert), ich dürfte nicht mehr nach Hause
-kommen.
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Auch nicht mir zu Liebe? (Er kitzelt
-sie wieder in die Seite. Sie biegen beide ein,
-man sieht sie nicht mehr. Färber, deren Hände
-durch ihren Beruf bunt angelaufen sind, &mdash; August
-Puderbach ist unter ihnen, und Weber in gestreiften
-Kitteln und andere Arbeiter in blauen
-Blusen kommen über den Jahrmarkt. Mutter
-Pius tritt wieder in den Vordergrund.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: (Zu Mutter Pius) Wo ist es?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Liesken oder meine Rarität?
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Es!
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Guck ens selber.
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Deine Bude ist ja schon zugeschlossen.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Meinst De, ich laß se bis zum frühen
-Morgen offen stehen?
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: (Springt auf&rsquo;s Karussell, er dreht selbst
-die Orgel, die noch die letzten Töne des Liedes
-O Du lieber Augustin dumpf abgibt. Er setzt
-sich dann auf den Hirsch und lutscht an einer
-langen Stange Süßholz; Herr v. Simon kehrt
-<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a>
-alleine nach Heinrich spionierend zurück, ein
-Weibsbild tritt zu ihm heran.)
-</p>
-
-<p>
-Weibsbild: Lassen Se mir ens schießen, ich möcht
-en Taschenmesser gewinnen.
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: Das sag ich Dich, läßt de Dir mit <em>dem</em>
-ein, hau ich Dich de Backzähn aus!
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: (ihn wiederkennend, ängstlich) Nicht
-gleich so heftig, ich werd sie Dir nicht fortschnappen.
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: Du dünnet Geripp, durch wen bin ich
-so heruntergekommen, wenn nicht durch Dir
-(droht.)
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: (zitternd) Sind Sie nicht der Willem?
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: So heiß ich.
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Warum hat Sie denn eigentlich der
-Chef gehen lassen?
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(fixiert ihn durch die Lorgnette.)
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: Tu man das Glas von de Nas runter,
-de Hauptsach is, daß ich Dir wieder kenn,
-miserabel Verführer!
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: (zitternd und devot) Kalt Blut, Willem.
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: (Zu den Zuhörenden) Ich hab auch zu
-meiner Schwester gesagt, wenn ich den ens
-zwischen de Finger krieg!
-</p>
-
-<p>
-August PUDERBACH: (springt komisch vom Karussell)
-Ich wollt meine Stange Süßholz ens zu End
-lutschen.
-</p>
-
-<p class="i">
-(Zu v. Simon idiotisch tückisch.) Seine Schwester
-haben Sie aufs Gewissen; nu kann sie lange
-warten, bis ich sie nehm, Sie fiser Seidenwurm.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a>
-WILLEM: Meine Schwester Laura auf Dir warten?
-Auf son Pitter? (Er spuckt ihn an.)
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: (will sich aus dem Staub machen, aber
-die Herren im Zylinder halten ihn auf mit Fragen.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Ich heirat überhaupt nich und die abgeknutschte
-Laura verdek nich.
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: (Haut August eine Backfeife herunter;
-die Herren im Zylinder kommen in den Vordergrund
-und und ziehen v. Simon mit sich.)
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: (zu den Herren) Es wird die höchste
-Zeit sich zu entfernen. Shoking! Shoking!
-</p>
-
-<p>
-Einer der Herren mit dem grauen Zylinder:
-</p>
-
-<p class="i">
-Sie verstehen nicht mit den Leuten zu scherzen.
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: (verächtlich sich mit den Fingerspitzen
-affektiert abstäubend) Allerdings!
-</p>
-
-<p>
-DER GESCHÄFTSFREUND: Hat man Ihnen das
-nette Dingelchen stiebitzt?
-</p>
-
-<p>
-EIN ZWEITER VON DEN HERREN MIT DEM
-GRAUEN ZYLINDER: (auf Heinrich zeigend) Der
-Chef versteht es besser mit den Leuten. (Heinrich
-taumelt stark betrunken an der Hand Lieschens,
-das selbst sehr angeheitert ist, fiebernde Backen
-und Augen hat, in den Vordergrund.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (zu Lieschen) Kannst mich leiden,
-Puppel?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (nickt, schüttelt die Haare wild und
-wirr durcheinander.)
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Shoking!
-</p>
-
-<p>
-Die Herren: (freundschaftlich) Wir wollen ihn nach
-Hause bringen.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a>
-HEINRICH: Nach Haus? Zylinder ab!! Lieschen,
-hörst Du, nach Haus wollen sie mich transportieren.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (leise und vertraulich Heinrich ins
-Ohr) Mach man <a id="corr-16"></a>daß de wegkommst, de kleine
-dünne Zahnstocher (weist auf v. Simon hin) gefällt
-mich immer schon nich.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Wann wirst De eingesegnet, Liesken?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (weinselig) Brüst hab ich wie junge
-Salatköppe.
-</p>
-
-<p>
-DIE HERREN MIT DEN GRAUEN ZYLINDERN:
-(drängen ernst) Sonntag, kommen Sie jetzt!
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Shoking! ...
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Was sagen Sie?
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: (zieht ihn unsanft am Arm und spricht
-befehlerisch) Sie folgen mir ohne Zaudern!
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (in festem Ton, als ob er <em>nüchtern</em>
-wäre, plötzlich)
-</p>
-
-<p class="i">
-Wer ist der Herr, ich oder Sie?
-</p>
-
-<p>
-DER GESCHÄFTSFREUND VON HEINRICH: (zu
-v. Simon) Reizen Sie ihn jetzt nicht.
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: (dreist, sich von den Herren gedeckt
-glaubend) In diesem Falle bin ich der Herr.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (jähzornig taumelnd) Soldaten, Kameraden,
-wer is der Herr Leutnant, er oder ich?
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Scharen von Arbeitern sammeln sich plötzlich
-um Heinrich, v. Simon ahnt eine Katastrophe,
-am Körper zitternd sucht er kleinlaut Sicherheit
-hinter dem großen breitschultrigen Geschäftsfreund
-von Heinrich und den anderen Herren.)
-</p>
-
-<p>
-Ein Arbeiter: Ein guter Leutnant war er.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a>
-EIN ZWEITER: Gezecht hat er mit uns auf Kaiser
-sein Geburtstag wie&rsquo;n gemeiner Soldat mit den
-andern.
-</p>
-
-<p>
-EIN DRITTER ARBEITER: Wir wollen ihn hoch
-leben lassen.
-</p>
-
-<p>
-DIE GANZE SCHAR: Unser lieber Leutnant er
-lebe hoch! Hurra! Hurra! Hurra!
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: (Herrn v. Simon drohend) Kerl!
-</p>
-
-<p class="dir">
-(v. Simon wagt nicht den Schauplatz zu verlassen,
-sich überhaupt zu bewegen.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (brüllt) Angetreten! (Die Arbeiter und
-und Herumtreiber sammeln sich in Kolonnen wie
-im Manöver. Die Weiber gucken neugierig zu.
-August stellt sich an die Spitze des links aufgestellten
-Bataillons, er hat sich einen Helm aus
-einer Zeitung angefertigt und setzt ihn auf den
-Kopf. Er empfängt seiner Ungeschicklichkeit
-wegen Püffe und Stöße.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (Besichtigt taumelnd sein Regiment,
-schickt den einen zurück, den andern setzt er
-an den Anfang der Reihe etc. Ab und zu
-Flüche ausstoßend. Brüllt) Gerade gestanden!
-Schockschwerenot!
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: De Landhasen müssen zuerst auf den
-Feind losstürmen. (August macht eine Schießbewegung,
-den zitternden v. Simon suchend.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (frech) Da is er ja!
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Un de Maikäfer halten sich im Hinterhalt.
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: Un de Musik machen de Bindfadenjungen,
-<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a>
-daß de Hengste nur so galoppieren. (Alle
-lachen furchtbar und die einexerzierten Arbeiter
-freuen sich mit Heinrich wie große ungeschlachte
-Jungen, die Soldaten spielen.)
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: Nu man los, Herr Leutnant, ich bin
-Euer Unteroffizier.
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (brüllt) Ganzes Regiment linksum, vorwärts
-marsch! (Lieschen läuft neben Heinrich
-her mit den Händen trommelnd und mit den
-Lippen den Rhythmus markierend. Die Arbeiter
-exerzieren einige Schritte vom Vordergrund dem
-Platz zu; plötzlich v. Simon bemerkend, wollen
-sie sich wie wütende Hunde auf ihn stürzen.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Stillgestanden!!! den Feind hau ich
-allein kurz und klein.
-</p>
-
-<p>
-WILLEM: (Schleift ihn herbei, seine Hände mit der
-Lorgnettenkette fesselnd, wie vor seinen Feldherrn.
-v. Simon stöhnt vor Angst. Die Herren
-mit den grauen Zylindern kommen ihm nicht zur
-Hilfe, sie amüsieren sich, neugierig den Vorgang
-betrachtend.) Lassen Se sich nicht totschlagen
-mit seinen Sabel, Herr Leutnant. (Er zeigt
-tobend vor Lachen v. Simons dünnes Spazierstöckchen.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Nu kann es losgehen, Kinder. (Willem
-löst die Kette von v. Simons <a id="corr-17"></a>Händen.)
-</p>
-
-<p>
-DER GESCHÄFTSFREUND: (drängt sich durch die
-erregte Arbeitermenge zu Heinrich, der hört aber
-in seiner Betrunkenheit des Freundes leises Zusprechen
-nicht; Heinrich hebt ein Kalkstückchen
-<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a>
-vom Boden auf und zieht einen großen Kreis
-unterhalb seines Herzens.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: So Jüngsken, das Terrain darfst De
-nich überschreiten, sonst bin ich belämmert
-(alles lacht stürmisch, nur Lieschen umklammert
-Mutter Pius ängstlich.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (Sinnlich erweckt) Der macht den
-Heinrich tot. (v. Simon verblüfft; Heinrich
-wankt auf seine Freunde zu. v. Simon will die
-Flucht ergreifen, aber die Arbeiter packen ihn.)
-</p>
-
-<p>
-Die Riesendame: (guckt aus ihrer Bude) Kommen
-Se bei mich, Herrchen! (v. Simon befreit sich
-einen Augenblick, die Arbeiter hinter ihm her.
-August springt wie ein Kater auf seinen Rücken.
-Aber es gelingt v. Simon, ihn abzuwerfen und
-sie rasen hintereinander über den Platz dem
-Ausgang zu.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: Steckt ihn in den Aussichtsturm,
-meinetwegen! (Die Herren nehmen den völlig
-erschöpften Heinrich in die Mitte, um mit ihm
-fort zu gehen.)
-</p>
-
-<p>
-HEINRICH: (zu Lieschen und zu Mutter Pius)
-Schlaf süß, Marze, gute Nacht, Mama Charlottchen.
-</p>
-
-<p>
-Der Geschäftsfreund: Das müßt sie hören. (Die
-Menge verläuft sich, die Buden werden geschlossen,
-die alte Pius rennt in ihre Bude.
-Lieschen steht ganz allein im Vordergrund, setzt
-sich noch einmal auf den Leoparden im Karussell,
-streichelt ihn und springt dann ab.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a>
-Die Riesendame: (Steckt den Kopf durchs Fenster.)
-Wie heißt Dein charmanter Kavalier?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Das geht Euch niks an. (Heinrich, in
-der Mitte der Herren, sieht man noch hinter dem
-Platz des Jahrmarktes auf einer Anhöhe heimwärts
-ziehen. Die drei Herumtreiber kommen
-langsam am Karussell vorbeigewandelt über den
-Jahrmarkt gehend.)
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: Wir wollen den Garten nu
-reinigen von de Sünde (murmelt böse).
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (Macht die Bewegung des Kehrens.
-Er trägt eine lange rauschende Papierschürze und
-eine Frauennachthaube aus Papier mit flatternden
-Bändern auf dem Kopf und eine dicke Warzennase.)
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: (Auf Heinrich zeigend.) Da wandelt
-mein Todeskandidat.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (kommt von ihrer Bude zurück, in
-der einen Hand einen Korb, in der andern die
-Kindermumie, ihr zweiter Kopf angefertigt aus
-Lumpen, baumelt am Rumpf herunter.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zu Lieschen) Ich will mir hängen
-lassen, wenn es nicht Dein Krakehler von Vater
-gewesen war. (Lieschen läßt vor Müdigkeit den
-Kopf hängen; schauert auf, als Mutter Pius ihm
-die kleine Mumie reicht.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zynisch) Halt ens Dein Zwilling fest;
-(Mutter Pius befestigt den Kopf wieder an
-dem Rumpf. Die Riesendame grinst aus dem
-Fenster.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a>
-Mutter PIUS: Nu komm man rasch, sonst pumpt
-mir die Rosa (Auf die Riesendame weisend) wieder
-an, und de Mutter Pius kann nicht &bdquo;Nä&ldquo; sagen.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Sie wollen beide eilig über den Platz gehen, als
-Lieschen stehen bleibt, jäh Mutter Pius&rsquo; Schoß
-umfassend.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Ich dank Dir auch vielmals für alles,
-liebe Mutter Pius. (Sie eilen weiter, die Riesendame
-läßt die grün und gelb gestreifte Jalousie
-ihrer Bude herunter, die fällt gleichzeitig wie der
-erste Vorhang über die ganze Bühne.)
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-5">
-<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a>
-VIERTER AKT
-</h2>
-
-<div class="dir">
-<p class="dirc">
-(Im Arbeiterviertel wie im ersten Aufzug.)
-</p>
-
-<p>
-Schornsteine dampfen und pfeifen in der Ferne
-jenseits der Wupper. Die Wupper ist bewegt und
-dunkelrot verfärbt. Fabrikarbeiter und Arbeiterinnen
-sind auf dem Wege zur Fabrik. Jungen ziehen
-Milchkarren und Kinder laufen in die Bäckereien,
-Frühstück auszutragen. Über die Brücke geht dem
-Häuschen von Pius zu, Eduard.
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="pers">
-<p>
-Eduard, Carl, Lieschen, August Puderbach, Mutter
-Pius, Frau Amanda Pius, Großvater Wallbrecker,
-Gretchen Stomms.
-</p>
-
-</div>
-
-<p>
-EDUARD: (erblickt Lieschen, das zur Bäckerei
-gehen will) Lieschen!
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (es läuft entzückt zu ihm) Herr Eduard!
-Herr Eduard!
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Wohin gehst Du denn so früh?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (ist noch immer zu freudig, um zu
-sprechen, es hält Eduards Hand fest und springt
-beständig in die Höhe.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Freust Du Dich denn so, mein Kind?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Sicher!
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Sieh mal &mdash; (er schwingt eine Rolle
-hoch in der Luft.) Komm, wir setzen uns hier
-auf die Bank. (Sie setzen sich vor Pius&rsquo; Haus
-auf die Bank. Eduard öffnet die Rolle.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a>
-LIESCHEN: Is aus England, nich?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (nickt).
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (bewundernd) Wie is <em>das</em> schön gemalen!
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Welche von den Puppenmüttern gefällt
-Dir am besten, Lieschen?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (freudig) De mittelste, die hat so große
-Augen, wie Sie habn.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (streichelt ihr Haar) Das Bild mußt Du
-Dir an die Wand hängen, mein Kind.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Über unser Bett kommt es zu hängen,
-un der alte Herr Jesus fliegt auf&rsquo;n Oller mit seine
-rotgeheulte Augen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Aber Lieschen .........
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Er guckt wie der Vater, wenn er von
-de sündige Welt predigt.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Es kann auch nur ein frommer Maler
-unsern Heiland so schön malen, wie er gewesen ist.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (etwas dreist) Meine Mutter sagt, Sie
-möchten uns en goldenen Rahmen bei das Bild
-kaufen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Hat das Deine Mutter gesagt?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (ihre Dreistigkeit fühlend, kleinlaut)
-Molz!
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (spricht zärtlich, gütig) Aber daß Du
-gestern nicht das kleine Christkind besucht hast,
-Lieschen, darüber bin ich sehr traurig.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (erschrocken) Das dürfen Se nich sein;
-lieber bleib ich mein Lebenlang in de Kirche
-auf de Stein liegen, dreihundertundfünfundsechzig
-<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a>
-Tage (besinnt sich) un all die Stunden und die
-Minuten.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (gerührt) Unsere liebe Mutter hat Dich
-auch besonders gern, Lieschen.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Ich bin doch ens so schäbig angezogen.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Sieht auf ihr Kleid herunter, Arbeiter grüßen
-Eduard ehrerbietig.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Darauf sieht unsere liebe Mutter nicht;
-sie sagte mir, Du habest ein himmelblaues
-Herzchen, Lieschen, und sie möchte so gern,
-daß es nicht fleckig würde.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: En himmelblaues Herzken ... habn Sie
-einmal so eins gesehn? (Kinder rufen Lieschen an.)
-</p>
-
-<p>
-Erstes Kind: Lieschen!
-</p>
-
-<p>
-Zweites Kind: Lieschen! (Sie laufen wieder fort.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Nur einmal bei einem kleinen Engelchen,
-das trug es ganz vorsichtig in einem seidenen
-Tüchelchen in den Händen.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Aber denn konnt es doch nich mehr
-klopfen?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Gewiß, es pochte ganz, ganz leise, lauter
-Perlen.
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Sicher?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Und das Engelchen konnt es immer
-sehn, und so mußt Du auch Dein Herzchen wohl
-behüten, verstehst Du mich, Lieschen?
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: (verzückt und erstaunt) Ja .....
-</p>
-
-<p>
-Kinder: Lieschen, es is half sieben, wir sagen es
-wieder!! (Lieschen rafft sich auf.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Ich muß nu laufen, Herr Eduard. (Gretchen
-<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a>
-Stomms kommt herbei, nähert sich etwas
-dreist den Beiden und sagt Lieschen etwas ins Ohr.)
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Das is doch <em>der</em> nich. (Wird schüchtern,
-will fortlaufen mit Gretchen Stomms.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Eine Hand darfst Du mir doch noch
-geben!
-</p>
-
-<p>
-LIESCHEN: Mir haut der Vater, wenn ich trödel&rsquo;.
-</p>
-
-<p>
-GRETCHEN STOMMS: (altklug) Es kriegt heute
-seine Löhnung.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (nickt; Wichtigkeit markierend. Lieschen
-verläßt ihn befangen. Die beiden Kinder laufen,
-die Arme gegenseitig über Kreuz im Rücken, fort.)
-</p>
-
-<p>
-Gr. WALLBRECKER: (er trägt altmodisch grüngestickte
-Pantoffeln und die neue Pfeife in der
-einen Ecke im Mund. Arbeiter kommen wieder
-an Eduard vorbei.)
-</p>
-
-<p>
-Einer der Arbeiter: (brutal auf Eduard zeigend)
-Der muß auch bald ins Gras beißen.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (erblickt ihn) Guck einer an, der junge
-Herr so früh. (Nicht Antwort abwartend nach
-dem Dachfenster sich aufstreckend) Carl, steh
-auf, Faulenzer, dicker Plumpsack, steh auf!
-Amanda!
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (will ihn beruhigen) Lassen Sie sie noch
-friedlich schlummern, Großvater.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Tum Tingelingeling! ..... (Er drängt
-Eduard, sich wieder auf die Bank niederzusetzen.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Was meinen Sie, Großvater, wenn ich
-mir auch ein Pfeifchen anzünde?
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (streicht ein Schwefelhölzchen an der
-<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a>
-Wand des Häuschens an.) Schlecht sehn Se mal
-wieder aus, un es fehlt doch nicks bei Sie; wo
-der Teufel einmal drinsitzt! ... Was sag ich, der
-Teufel? Wallbrecker bist Du doch en dämlich
-Roß, aber was muß das für en Satans in Sie
-sein?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (schelmisch) Wer den wohl erlegen
-könnte, Großvater?
-</p>
-
-<p>
-Großvater: En Heiligen sind Sie, der heilige Laurentius
-sind Se, un Kaffee müssen Se bei uns
-trinken, sonst beleidigen Se meine Tochter
-Amanda. (Er zeigt auf Amanda, die mit einem
-Tisch aus dem Häuschen kommt, ihn vor die
-Bank zu stellen.)
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA PIUS: Son&rsquo;ne Ehre, geehrter Herr
-Eduard! (Stellt den Tisch vor die Bank und
-reicht ihm die Hand. Zu Wallbrecker): Wo is
-de Carl?
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Er schläft noch. Ruf Du ihm.
-</p>
-
-<p>
-Frau AMANDA: (geht ins Häuschen.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Er will nu Pastor werden, nehmen Sie&rsquo;s
-ihn nich übel, lieber Herr Eduard. (Amanda
-kehrt mit <a id="corr-22"></a>Kaffeekanne, Tassen, Butterbrot etc.
-zurück. Es wird immer heller. Arbeiter und
-Arbeiterinnen, unter ihnen Färber mit grün-,
-rot-, oder gelb-glänzenden Händen und bleichen
-Gesichtern ziehen vorbei.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (zu einigen Arbeitern) Guten Tag zusammen!
-</p>
-
-<p>
-Arbeiter: Auch schon aufgestanden?
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a>
-AMANDA: Wenn uns der junge Herr (Carl unterbricht
-sie.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich bin gleich unten.
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Wenn uns der junge Herr die Ehre
-schenken will un en Köppchen Kaffee mit uns
-trinken will?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (gütig) Ich bin ordentlich durstig, liebe
-Frau Wirtin.
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Es fiel mich ja im Traum nich ein, daß
-de junge Herr heut kommen könnt, ich hätt
-sonst en Lot mehr gemahlen.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (man hört ihn oben sprechen) Meinen
-Kragenknopf kann ich nich finden.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (guckt aus dem Dachfensterchen) Was
-seh ich &mdash; (Sie tritt wieder vom Fenster zurück)
-Nu halt man still, ich kann Dir doch nich mehr
-auf en Arm nehmen un Dir antrekken.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Alle lachen unten.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Mich is so dämlich im Kopf.
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Du bist auch schon alt, Vatter. (Mutter
-Pius kommt.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zu Eduard) Bleiben Se man sitzen,
-tun Se als wenn Se zu Hause wären.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (hustet.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Da meld er sich.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (hustet stärker) Der alte Satansdrachen,
-was Großvater?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: De alten Doktors kurieren an Sie
-herum, die Mutter Pius aber wird Herr Eduard
-auf de Beine bringen, jeden Morgen und Abend
-<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a>
-en Köppken von de junge Weizensaat müssen
-Sie trinken. Ich will es Ihren Personal sagen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (gütig) Das mag wohl zuträglich sein,
-Mutter Pius.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Un jetzt man, wo wir Vollmond haben,
-soll es am tauglichsten sein.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (herrisch und verächtlich) Misch Dir
-nich in mein Praxis, Großvatter Wallbrecker.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (besänftigend) Das nehmen alle Mediziner
-übel, Großvater wir sind doch mal nur Laien.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (könnte aufplatzen vor Lachen) Tum
-Tingelingeling, tum tingelingeling.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (frisch, markig, primanerhaft, pathetisch) Ich
-grüße Dich, Gottesmann, der Du fürlieb nimmst
-mit unserer Speise und Trank.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (leuchtend schelmisch) Friede sei Deinem
-Haus, mein Bruder.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (spricht auf Amanda unverständlich ein,
-Mutter Pius versorgt sich mit Kaffee, streicht
-Carl Butterbröte.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (legt Amanda ein Kuvert auf ihren
-Schoß) Von meiner Mutter.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (neugierig) Laß ens gucken!
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: (sie stößt ihren Vater mit dem Ellbogen
-unsanft zurück) Nä, Ihre Frau Mutter is engelgut.
-(Eine dicke Träne fließt über ihre Backe.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (nickt dazu fortwährend Amandas Worte
-bestätigend.)
-</p>
-
-<p class="i">
-Tum Tingelingeling, tum tingelingeling, tum, tum,
-tum, tum! (Carl und Eduard unterhalten sich
-<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a>
-leise. Aus der Seitengasse, dem Zimmer im
-obersten Stock, das Puderbachs bewohnen, dringt
-Lärm. Ein <a id="corr-24"></a>Haufen Kinder sammelt sich lauschend
-vor dem Haus an.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (spricht lauter) Vielleicht trinkt Herr
-Eduard auch noch ein Köppken? (Der Lärm
-läßt nach.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (nickt Frau Amanda zu) Er ist außergewöhnlich
-gut gebraut, ich möchte das Rezept
-unserer Auguste sagen.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (katzenfreundlich zu Amanda) Er
-schmeckt aber auch gut heut, Amanda.
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Vatter, hol noch wacker was Zucker
-aus die Blas&rsquo;, (er steht langsam auf) nu eil Dir
-man ein bischen.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Lärm dringt wieder stärker aus der Seitengasse,
-man hört weinen und es ist, als ob Porzellan
-zerbricht. Arbeiter und Arbeiterinnen gesellen
-sich neugierig zu den Kindern vor der Gasse.)
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Geh doch ens rüber, Carl, Du verstehst
-Dir doch mit dem Scheinheiligen. Bist Dich doch
-eine Otoridät.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (hart) Laß mich zufrieden.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (verlegen.)
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Wat redest De rauh! (Der Lärm läßt
-nach. Großvater Wallbrecker kommt zurück, in
-seinem roten Taschentuch den Zucker wie in
-einem Beutelchen tragend.)
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Bist De toll, Vatter? (Carl und Eduard
-lachen.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a>
-Mutter PIUS: Ich sag gar niks mehr.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Wat soll ich denn? Ich schlabbere ja
-mit de Löffels (zu Amanda) ich schütt ihn doch
-so in &rsquo;em Reisbrei.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (sich belustigend) Ich bin Zeuge! Großvatter
-kallt de pure Wahrheit.
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Glauben Se&rsquo;s nich, Herr Eduard, (auf
-Großvater zeigend) er träumt immer.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (großmütig heuchlerisch) Wat sagst
-De, Wallbrecker, ich nehm mich <em>doch</em> en Löffel
-dovon in mein Köppken?
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Eduard klopft Mutter Pius auf die Schulter.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Ich hab mir seit von Tag nicht drin
-geschnäutzt. (Alle lachen wieder herzlich. Aber
-furchtbar dringt der Lärm aus dem Hause der
-Seitengasse.)
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Entweder geh Du oder ich. (Bittend.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: (Unerbittlich) Wenn er sie ens tüchtig verwichsen
-tät.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Du willst en Pastor werden, Carl &mdash;&mdash;
-ich hab gleich gesagt, Gesellen mußt De habn.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Der Großvater erhebt sich.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Wegen dat schlumprige Weib drüben
-lassen wir uns beim Kaffee stören.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Der Großvater ist im Begriff herüber zu gehen.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Bleiben Se sitzen, Großvater, der Carl
-wird Ruhe schaffen. (Der Großvater läßt sich
-aber nicht aufhalten.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (neidisch auf Großvater weisend) Das
-tut er mich zum Ärger.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a>
-AMANDA: Nu lauf man rasch den Großvater
-nach, Carl!
-</p>
-
-<p>
-CARL: (ärgerlich) Steh Du doch Deiner Freundin
-bei! (Carl hält Eduard zurück, der sich schlicht
-erheben will.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Er kommt ja gleich wieder heil zurück.
-(Der Großvater naht Salve Cäsar!) Statt den
-Lorbeer das Käppken auf den Kopf und Lieskens
-Present in de Schnute. (Alle lachen, auch hört
-man keinen Lärm mehr.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Ich hab all wieder gestillt, Kinderkes.
-Bleiben Se man sitzen, Herr Eduard. (Er bemerkt
-gar nicht, daß Eduard auf seinem Stuhl
-sitzt.)
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: (geschwätzig) Was bloß aus dem Liesken
-werden soll? &mdash;
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Lassen Sie mich erst über den Berg sein.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (listig) Da lassen Se man de Finger von.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (cynisch, halb zu sich zum eignen
-Amüsement) Herr Eduard ist doch kein Feinschmecker!
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Meine Schwester soll sich des Kindes
-annehmen.
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: (devot) Ihr Fräulein Prinzessin Schwester?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (nickt stolz) Ist sie nicht eine Prinzessin,
-Carl?
-</p>
-
-<p>
-CARL: (errötet, ist benommen.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Dem Weib bin ich zu gut, ganz
-genau de Mama aus dem Gesicht geschnitten.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a>
-Großvater: (bestätigend) Tum Tingelingeling, Tum
-Tingelingeling, tum, tum, tum.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Wieder gehen Männer vorbei. Es sind die
-Helfershelfer, die Lange Anna zu Hilfe kamen
-am ersten Abend.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Nehmt man de Bein auf en Nacken.
-</p>
-
-<p>
-Der Herumtreiber: (höhnisch) Na, wie schmeckt es
-euch denn?
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Carl, hast De das gehört?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zu Carl ängstlich, er könnte sie
-hauen) Ärgre Dir man nich darüber, Carl, das
-sind die nich wert.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (benommen) Ich hab gar niks gehört.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Daß se mich nich en gemütlichen Abend
-gönnen, Herr Eduard. Fünfundzwanzig Jahr hab
-ich mit dem Liesken sein Großvater am Webstuhl
-gesessen, (weinerlich) und doch war das
-Leichentuch zu klein für uns beide.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Mutter gieb mir meine Kappe!
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (gütig, schelmisch zum Großvater) Wir
-werden noch oft zusammen ein Piepken schmöken,
-Großvatter. (Alle lachen, nur der Großvater
-nickt ernsthaft.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Jetzt leb ich von de Gnade meiner
-Tochter un die (er zeigt auf Mutter Pius.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Ich bin doch gewiß nobel für
-Dich!
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Daß er das viele Tabakschmöken nicht
-lassen kann.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Für de Arbeit sind de Frauleut da! (Frau
-<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a>
-Amanda greift Carls Kappe durchs Fenster und
-setzt sie ihm auf.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (lacht) Du frecher Bullenbeißer!
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (zu Carl) Du bist noch jung, ich aber
-bin en altes, kränklich Roß. (Er hüstelt und spricht
-für sich.) Hab das Wiehern eigentlich schon
-vergessen. (Er will aufstehen und ausspeien.)
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: (zum Großvater) Versteck Dir rasch,
-siehst Die nich? (Der Großvater beugt sich
-schnell hinter den Strauch neben dem Haus.)
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Der Kaplan kommt vom Spaziergang in den Wald
-über die Wiese links; er hat einen <em>schwankenden</em>
-Gang. Er bemerkt die Gesellschaft vor dem
-Häuschen nicht.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Warum soll sich der Großvater vor dem
-sanften Kaplan verstecken?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (weist auf ihn) Wien&rsquo;n kleines Prozessionsboot
-über&rsquo;n evangelisch Meer.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Er ist sehr unglücklich, Deiner Abtrünnigkeit
-wegen, Carl.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (sarkastisch) So viel Kummer hat sich noch
-keiner um meine Seele gemacht.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Was sagen <em>Sie</em> dazu, Mutter Pius?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Daß Se lieber wieder nach unseren
-Luther hören sollen, was wollen Se allein herumschiffen?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (zu Carl) Die Mütter!!
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Aufstehen, Vatter, wir müssen auf die Wies&rsquo;.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (seufzend zu Eduard) De Wäsch legen.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Eduard erhebt sich auch.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a>
-Mutter PIUS: (zu Eduard) Bleiben Se doch noch
-en bischen bei de Mutter Pius, Herr Eduard.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Morgen gehts Examen los, ich muß noch
-mathematische Zahlen rechnen.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Was nich de Schulmeister all wollen,
-zu meiner Zeit war es noch nicht halb so schlimm.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (sarkastisch) Deshalb bist De auch kein
-Pastor geworden!
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (Großvater und Amanda, die zögernd
-warten, die Hand reichend. Die beiden gehen
-ins Häuschen.) Wir sind alle Pflugtiere. Kommst
-Du mit mir, Carl.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (nickt.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Mit de Schluffen an de Bein, Jung?
-</p>
-
-<p>
-CARL: (kleinlaut) Ich wär wahrhaftig in Gedanken
-so gelaufen. (Zu Eduard) Ich hab die Stiefel
-beim Schuster.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zu Eduard, wie zu einem kleinen
-Jungen) De Mama werd schon bang sein &mdash;
-dafür kenn ich ihr. (Mutter Pius reicht Eduard
-ermahnend die Hand, Carl begleitet ihn bis
-zur Ecke. Eduard winkt noch einmal Mutter
-Pius zu.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (ruft durchs Fenster) Gib mir meine
-Valentiaspitzen und Poingtskrägen. Se liegen in
-de Fase auf en Schrank, daß de Mietze nich
-damit spielt.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (Reicht die Spitzen heraus und zeigt in
-die Ferne, wo am Rand des Waldes die drei
-Herumtreiber: Pendelfrederech, Lange Anna und
-<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a>
-der gläserne Amadeus um eine Laterne gehen,
-deren Licht noch nicht ganz erblichen ist.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (dämlich) Da gehen die drei Erzengel
-in de Ferne un blasen aus de Laterne.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Du fängst auch wohl an zu reimen,
-wie de Carl?
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Carl kommt zurück.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (zu Carl) Lang macht der auch nicht
-mehr mit.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (nickt beständig zustimmend) Tum, tum,
-tum, tum.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich würd dem schon ein Stück von meiner
-gesunden Brust gebn.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (Pause) Sag ens, Carl, wen hast De
-lieber, mir oder ihm? (In der Richtung blickend,
-die Eduard eingeschlagen hat.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: (lacht) Du träumst wohl, Großmutter, ich
-bin noch der Carl in Deinem Schoß.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Mir überkömmt es man so.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Dich?
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Tum tingelingeling!!
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Meinst wohl, de Großmutter war nie
-wehmutsvoll gewesen?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Na, was is denn los?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (sitzt eine Weile schweigend, den Kopf
-herabgesunken auf die Brust; die drei Männer
-verschwinden in der Ferne im Wald.)
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: (ruft) Wo bist Du denn, Vatter?
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Ich muß noch bei de Mutter Pius bleiben,
-sie hat Heiratsgedanken.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a>
-Mutter PIUS: (auffahrend) Du alter Sünder.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Wenn ich en Sünder bin, da hätten wir
-uns heiraten sollen.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Dir! Du schlapper Bock!
-</p>
-
-<p>
-CARL: Haltet Eure Mäuler, ich muß arbeiten.
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (Holt einen Ausklopfer) Wart man, ich
-schaff Dich Ruh! (Amanda zieht ihren Vater
-vom Fenster fort. Man hört ihn noch aus dem
-Hause reden, wichtig): Im Examen muß er steigen!
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Carl nimmt Heft und Buch, Tintenfäßchen, Halter
-aus seiner Tasche und beginnt zu blättern; Mutter
-Pius glättet geschickt die Spitzen und schweigt
-grübelnd.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: (etwas neckisch) Ich glaub en&rsquo;s, der Großvater
-hat recht gesprochen.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Ich altes Weib?
-</p>
-
-<p>
-CARL: (sie neckend) Mit Dein jung Herz!
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (sich aufraffend) Temperatur hab&rsquo;n
-alle Pius im Leib gehabt un Du auch, Carl, siehst
-De, un de Großmutter weiß das. (Sie holt sorgfältig
-Martas Bild aus ihrer Ledertasche und hält
-es Carl hin.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: (fragend verblüfft).
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Deine Flamme!
-</p>
-
-<p>
-CARL: (tiefrot, zittert, reißt das Bild an sich.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Du Spitzbub, gib man rasch wieder.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Carl steckt es in seine Brieftasche. Kleine Pause.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Sie guckt sich nach Dich die Augen
-aus. (Kleine Pause.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Wer sagt das?
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-79" class="pagenum" title="79"></a>
-Mutter PIUS: Ich!
-</p>
-
-<p>
-CARL: Das is gelogen.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: All de Leut sagen es in de Nachbarschaft.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Weibergeklatsch. (Kleine Pause. Flehentlich
-erregt) Wer hat Dir das gegeben, Großmutter?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Weißt De nich genug, daß Du es auf
-Deine Haut trägst, Carl?
-</p>
-
-<p>
-CARL: (plötzlich glücklich) Großmutter! (Er küßt
-sie auf den Mund) Du bist eine Teufelin!!!
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Kriegt de Mutter Pius ens Schimpfe
-für die Gabe. (Kleine Pause.) Du heulst ja!
-</p>
-
-<p>
-CARL: (unterdrückt die Erregung) Ich glaub es
-Dir bald!
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Wat zitterst Du denn?
-</p>
-
-<p>
-CARL: Ich hab Angst, ich fall im Examen durch.
-(Plötzlich hart) Ihr Weiber stört mich! (Kleine
-Pause.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Carl, ich muß Dich was recht Intimes
-sagen. Keiner darf es hören.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Laß mich zufrieden.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Sprech mit Deine Schwiegermutter.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Was?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Wenn Dus Examen bestanden hast.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (grübelnd).
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Sie weist Dir nicht ab, glaub es
-Mutter Pius.
-</p>
-
-<p class="i">
-(Kleine Pause,) Du guckst mir an, als wenn ich
-Dir zum Narren halt.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (gespannt).
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-80" class="pagenum" title="80"></a>
-Mutter PIUS: So en wackerer Mann wie Du bist,
-Carl &mdash; un de feine Herrschaften stärken gern
-man das Treibhausblut mit den natürlichen seines.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (immer gespannt).
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Liest De dann nich in de Zeitung
-öfters, daß de Gräfinnen sich mit die Lakais
-einlassen?
-</p>
-
-<p>
-CARL: (naiv) Hinter den Rücken der Mütter?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Die Olschen wissen immer davon.
-(Listig): Mamma Sonntag weiß auch von das
-viele Leckers un de Cigarretten, was de Marta
-Dich in de Manteltaschen stopft?
-</p>
-
-<p>
-CARL: (trotzig) Wer sagt Dir, daß sie es herein stopft?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Das riech ich im Dampf, Carl. Nä,
-wie ein kleines Gockel bist de noch! (Von der
-Seite kommen August Puderbach und andere
-Färber (mit bunten Händen) durcheinander redend,
-von der Fabrik zurück; sie bleiben vor Pius&rsquo;
-Häuschen stehen.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Se streiken wieder.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (ärgerlich) Und Du?
-</p>
-
-<p>
-DIE ARBEITER: (durcheinanderredend) Aufhängen
-soll man die Krakäler.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Das sag ich auch.
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Sind wir ens einmal eine Ansicht.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Amanda kommt zurück, rechts vom Hause her;
-sie hat die letzten Worte gehört.)
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Gut bist De dem Carl ens doch, August.
-Den Scheitel trägst De ja am Sonntag wie er an
-der Seit&rsquo;.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-81" class="pagenum" title="81"></a>
-EINER DER ARBEITER: Was hab&rsquo;n wir von der
-Streikerei?
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: Drei un ein halben Taler weniger im
-Monat. Mich war de Arbeitszeit nich zu lang.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Das muß man Dich lassen, ein
-fleißiger Jung bist De, &mdash; aber was tust De auch
-zu Haus bei Dein mukkerigen Vater?
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: (zu Carl) De Pastoren, die streiken nich,
-was, Carl? &mdash; Vielleicht sattle ich noch um.
-</p>
-
-<p>
-CARL: Halts Maul!
-</p>
-
-<p>
-EIN ANDERER ARBEITER: Was sollen wir machen,
-Mutter Pius, wir dürfen uns so nich zu Haus
-sehen lassen.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Kümmert Euch doch nicht um Eure
-Brüders.
-</p>
-
-<p>
-EINER DER ARBEITER: Was sollen wir machen
-gegen so viel Sozialdemokraten? Wir sind ja
-all Sozialdemokraten, aber darum brauchen wir
-doch keine Dummheiten machen.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Nä, wahrhaftig nich.
-</p>
-
-<p>
-DERSELBE ARBEITER: Wat rätst De uns Mutter Pius?
-</p>
-
-<p>
-AMANDA: Geht man wieder zurück zu Euren
-Herrn und klatscht ihm die Vorgänge.
-</p>
-
-<p>
-EIN ANDERER ARBEITER: Nä, verraten tun wir
-de Brüder nich.
-</p>
-
-<p>
-CARL: (herablassend brutal) Schlagt Euern Herrn
-tot, wie s&rsquo;es in Rußland machen.
-</p>
-
-<p>
-DERSELBE ARBEITER: Un dann?
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (lachend) Dann wirst Du der Besitzer,
-August.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-82" class="pagenum" title="82"></a>
-EIN ANDERER ARBEITER: Lieber bleiben wir en
-Arbeiter, als en Herrn werden über se Alle.
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Ich würd schon mit ihm tauschen.
-Alte Schafsköppe, wo man Euch hintreibt, freßt
-Ihr!
-</p>
-
-<p>
-EINER DER ARBEITER: Recht hat Se man.
-</p>
-
-<p>
-EIN ANDERER ARBEITER: Mein Jung soll lieber
-in unser eigenen Schweiß (er zeigt auf die Wupper)
-versaufen, als en Färber werden.
-</p>
-
-<p>
-EINER DER ARBEITER: Kannst Du uns was borgen,
-Mutter Pius?
-</p>
-
-<p>
-EIN ANDERER ARBEITER: Guck ens in Dein
-Beutel nach ....
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: Ich hab von Tag nich en Kastemänneken
-über. De Carl muß doch auf de
-Universität ne ganze Bux am Hintersten hab&rsquo;n.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Lieschen läuft, vom Brotaustragen zurückgekehrt,
-zu August &mdash; er und die Arbeiter gehen weiter
-sich zu beraten etc. Der Großvater Wallbrecker
-kommt keuchend über die Wiese; er ruht sich
-vor der Brücke aus. Er trägt einen Wäschesack
-auf dem Rücken. Von der Gasse hört man
-Getrampel und Fluchen, eine Schar Arbeiter
-kommt auf Pius&rsquo; Häuschen zu.)
-</p>
-
-<p>
-Mutter PIUS: (Nimmt mit einem Griff Carls Bücher
-und ihre Spitzen) Komm wacker herein, Carl, ich
-muß mir neutral halten un wenn Bebel selber
-mir um Rat fragen tät. &mdash; (Der Großvater sieht
-Lieschen, das noch vor dem Haus von Pius steht.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Lieschen!
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-83" class="pagenum" title="83"></a>
-LIESCHEN: (Mit raffiniertem Einverständnis zu
-Mutter Pius) Soll ich heut wieder helfen, Mutter
-Pius? (Mutter Pius ist aber schon im Haus und
-hat Lieschens Frage nicht gehört. Die Arbeiter
-verziehen sich, Lieschen geht der Gasse zu.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: (Ruft; aber Lieschen will scheint&rsquo;s nicht
-hören; er pfeift den Pfiff, der Lieschen ein Signal
-geworden ist. Nun steht der Großvater vor dem
-Häuschen.)
-</p>
-
-<p>
-Großvater: Nä, wie sich das Blag verändert hat!
-Amanda, mein Puckel stürzt ein! (Er geht ins
-Haus.)
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-6">
-<a id="page-84" class="pagenum" title="84"></a>
-FÜNFTER AKT
-</h2>
-
-<div class="dir">
-<p>
-Eine Art Gartenzimmer in der Villa der Familie
-Sonntag. Rechts führt die Tür zum Flur, von der
-man die Haustür deutlich sehen kann. Links ein
-breites Fenster, das den Garten spiegelt. Viele
-Schlingpflanzen und andere Blumen schmücken das
-Zimmer. Nahe dem Fenster steht ein lila Ledersofa,
-worauf Frau Sonntag und Eduard sitzen. Frau
-Sonntag hält zerstreut ein offenes Buch auf der
-Rückseite im Schoß. Marta ist im Begriff, den Flor
-von Heinrichs Bild abzunehmen. Die Familienmitglieder
-sind in Schwarz gekleidet, auch die
-Dienstboten.
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="pers">
-<p>
-Frau Sonntag, Eduard, Marta, Carl Pius, Dr. von
-Simon, Auguste, Berta.
-</p>
-
-</div>
-
-<p>
-MARTA: Immer wieder hängt ihn Auguste um das
-Bild.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Warum nimmst Du ihn ab?
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Eduard will es ja.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (liebevoll) Ich möchte, liebe Mutter, daß
-man ihm Lebendigeres brächte.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (zu Eduard) Wie gefällt Dir dieses junge
-Grün?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (Nickt dankbar).
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG (melancholisch) Ich traure, daß er
-gelebt hat. (Marta schmückt das Bild, setzt sich
-<a id="page-85" class="pagenum" title="85"></a>
-dann ans Fenster und stickt auf einem Rahmen
-in Seide Kamillen. Ihre Bewegungen sind unruhig,
-wartend.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Daß Du nur einen Augenblick an seiner
-Ehrenhaftigkeit zweifeln kannst!
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Dr. v. Simon sagt aber auch, ein Unschuldiger
-gehe nicht dem Leben durch.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Der Inspektor hat sich kein Urteil über
-unsern Bruder zu erlauben, vor allen Dingen
-aber vor seines Herrn Schwester nicht.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (Winkt Marta zu schweigen. Kleine
-Pause.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Soldat war er, wie soll der anders in
-diesem unaufklärbaren Falle handeln!
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Ich glaubte, diese Zeit hätte er
-längst vergessen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Aber Mutter, der Soldat lag ihm im
-Blut wie in Achill der Sieg.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Wie Du ihn zu verherrlichen suchst,
-Eduard.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Schneidig standen ihm die Schnüren und
-der Galahelm.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (Marta in die Rede fallend) Er hätte
-Soldat bleiben sollen, Mutter, auch nach Papas
-Tod.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du sagst das so vorwurfsvoll, sollte
-ich mich vielleicht ins Bureau der Fabrik setzen?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Mutter, Du bist nervös.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Er hat damals Papa versprechen
-müssen, die Leitung zu übernehmen.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-86" class="pagenum" title="86"></a>
-EDUARD: Ich hätte ihm das Versprechen nicht
-gegeben, wenn ich Heinrich gewesen wäre.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du? (erstaunt) Daß ich meine
-Kinder so wenig kenne .... Es hätte sich schon
-ein Stellvertreter in der Verwandtschaft gefunden.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Wenn Ihr Euch jetzt immer so ernst
-unterhaltet &mdash; es ist schon trist genug bei uns
-im Haus.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (melancholisch) Ich bin auch keine
-Gesellschaft für Dich.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Bald habt Ihr mich los.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (Frau Sonntag und Marta sprechen
-fast zusammen) Ich hoffte, Du würdest nun
-bleiben, Eduard?
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Bringst Du auch mal einen Mönch mit
-nach Hause?
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Mutter und Sohn lächeln.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Wie denkst Du Dir das?
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Ich möchte mal so jemand ganz Frommes
-kennen lernen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (wehmütig mokant) Du bist ihr
-nicht fromm genug.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Kinder und Narren &mdash; (kleine Pause).
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Mama, kann man eigentlich <em>rosa</em> auf dem
-Standesamt tragen?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (unterbricht Marta erschrocken)
-<a id="corr-28"></a>Daß Du es übers Herz bringen kannst, Eduard.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Wenn Du Gott liebtest, Mutter, würdest
-Du nicht versuchen, mich wankend zu machen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Ich liebe Gott nicht.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-87" class="pagenum" title="87"></a>
-EDUARD: Weil Du ihn mit menschlichen Empfindungen
-suchst.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (melancholisch) Ich habe keine
-andern.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (legt den Arm um sie.) Un doch leidest
-Du unmenschlich, Mütterchen. (Kleine Pause.)
-Ich möchte Dir, so lange ich noch bei Dir bin,
-Vater und Heinrich ersetzen. &mdash; Warum lächelst
-Du so fremd?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Das wirst Du nie, Kind.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Wenn ich mir nun alle Mühe geben werde?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du <em>könntest</em> es, Gott sei Dank,
-nicht.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Ich habe einmal zwei Mönche im Kölner
-Dom gesehen. Ihre Köpfe waren geschoren, wie
-bei Verbrechern und barfuß gingen sie später
-durch den Schnee.
-</p>
-
-<p>
-MUTTER: (seufzend) Du hältst es nicht ein Jahr
-im Franziskanerorden aus, Eduard.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (öffnet behutsam die Tür des Zimmers)
-Herr Pius ist da un will die Frau ganz allein
-sprechen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (zu Eduard) Er meint Dich gewiß,
-Eduard.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Nä, er sagt ganz ausdrücklich, <em>die</em>
-Frau.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (erhebt sich achselzuckend. Auguste
-flüstert Marta leise ins Ohr.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Ihr Bräutigam is auch wieder da.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Marta blickt forschend auf Eduard, der aber
-<a id="page-88" class="pagenum" title="88"></a>
-nichts gehört hat und geht leise trällernd
-aus dem Zimmer. Auguste deckt Eduard mit
-der Gebärde der Frau Sonntag eine Decke über
-die <a id="corr-29"></a>Füße.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Bei der Wärme, Auguste?
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Wenn es Herr Eduard hab&rsquo;n will, leist
-ich ihm en bißchen Gesellschaft.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (nickt gütig).
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Ich hör für mein Leben gern von Herrn
-Jesus erzählen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (nickt. Auguste nimmt Platz und zieht
-ihren breiten, blauen Strickstrumpf aus der Tasche.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Sie müssen nich immer auf den Heinrich
-gucken, er kriegt kein Frieden.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Und eigentlich war ich doch an der Reihe.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Das helft Alles nicks, passen Se auf,
-Herr Eduard. (Freudig verheißend) nach de
-Trauer folgt de Hochzeit.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (blickt sie fragend an).
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Euch mein ich doch verdeck nich oder
-der liebe Herrgott müßt sich auch eine Tochter
-machen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (lächelt).
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: De Marta mein ich.
-</p>
-
-<p>
-BERTA: (tritt mürrisch ins Zimmer, sie bringt auf
-einem Tablett eine Kanne Milch und ein Glas.
-Zu Auguste). Ihnen alles nachzutragen habe ich
-auch keine Lust mehr. (Sie verläßt das Zimmer.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Das dumme Blag tut ens so zimperlich
-wie&rsquo;n Fräulein.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-89" class="pagenum" title="89"></a>
-EDUARD: Sie sieht seit einigen Tagen sehr unzufrieden
-aus.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Gekündigt hat se Mamma Sonntag, sie
-geht nach Schlamerika.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: So?
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Ich glaub, de Mutter Pius hat ihr das
-aus de Karten prophezeit.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Mutter Pius hält Euch nur zum Besten
-&mdash; sie ist doch eine kluge Frau, dünkt mich?
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Sie gucken ja immer in den Himmel
-rein.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Nein, ist sie keine kluge Frau?
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Wie man&rsquo;s beguckt; aus ihrer Schlauigkeit
-krauchen die Narrheiten.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Das ist mir ganz neu.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (Kleine Pause.) Ich könnt Euch alles
-beichten, Herr Eduard. (Sie hebt eine Masche
-auf, die während ihres Sprechens gefallen ist.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Tun Sie das, Auguste!
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Ich habe Mamma Sonntag vorige Woche
-was vorgelogen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (ein Lächeln unterdrückend) Was denn,
-Auguste?
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Ich hab mich gar nicht verschlafen, im
-Leichenhaus war ich. Ich wollt dem lieben Herrn
-Heinrich addjüß sagen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Das hätte Ihnen meine Mutter ja nicht
-verwehrt, Auguste. (Eine Schar Jungens mit
-Waldbeeren in Kannen klingeln an der Haustür
-und klopfen und surren.)
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-90" class="pagenum" title="90"></a>
-AUGUSTE: (<a id="corr-31"></a>schließt die Tür) Und was denken
-Sie, wem seh ich da &mdash; de alte Pius! De Augen
-standen scheel wie beim Geripp un gedreht hat
-se sich (spricht immer tiefer) um de Leichen
-immer rund um ohne aufzuhören, un gesungen
-hat se dabei (sie singt ganz tief, fast im Baß)
-O Du lieber Augustin Alles is hin, hin, hin.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Was erzählen Sie da, Auguste?
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Regen Se sich deshalb nich auf. Carl
-sein Großvater der hat vor langer Zeit zu mich
-gesagt, de Mutter Pius wär das Karussell, wo
-wir All drin sitzen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (Sie kommt entstellt ins Zimmer,
-sie sieht ganz gelb im Gesicht aus. Die Jungens
-sieht man beim Hereintreten sich vor der Haustür
-drängen. Der <a id="corr-32"></a>größte hält ein Öllämpchen in
-der Hand.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: De Jungens machen mir ganz nervös.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Ahmt Frau Sonntag nach, erhebt sich gemächlich
-vom Stuhl und geht behutsam aus dem Zimmer.)
-</p>
-
-<p>
-DIE JUNGENS: Gitzhals! Gitzhals!
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du weißt es wohl schon? (Eduard
-ist noch immer erregt von Augustens Erzählung.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (Nickt fragend Nein) Du schüttelst Dich,
-als ob Du über ein gedüngertes Land gegangen
-bist.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du weißt es wirklich nicht, Eduard?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Setz Dich zu mir, armes, armes
-Mütterchen. (Pause.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Pius war doch hier.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-91" class="pagenum" title="91"></a>
-EDUARD: Ach ja, was wollte er?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (tonlos) Marta. (Kleine Pause.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Ich hätte mich mehr erschrocken, wenn
-es der Inspektor gewesen wäre.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (verlegen) Du hättest ihn sehen
-müssen den schüchternen Jungen &mdash; impertinent
-wurde er, sage ich Dir, Eduard. Er trinkt überdies.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (Kleine Pause.) Ich bildete mir ein, er
-hätte uns so oft meinetwegen besucht. (Kleine
-Pause.) Ich bin Egoist geworden während meiner
-Krankheit.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Aber Eduard, er konnte sich doch
-glücklich schätzen, Dich besuchen zu dürfen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Wie trivial faßt Du unsere Freundschaft
-auf, Mutter. (Die Jungen werden so laut, daß
-man sie im geschlossenen Zimmer hört.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (sehr verlegen) Auguste soll die
-Kinder draußen fortschicken. (Sie klingelt.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Eine junge, eherne Apostelgestalt ist
-Carl Pius in Versuchung.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du bist ein Fanatiker.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Und doch lehrt Krankheit weise Melodien.
-(Kleine Pause.) Was sagtest Du ihm?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Ich erinnerte ihn zuerst an seine
-Jugend.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Und?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (sich erdenkend) Daß Marta dann
-schon ein altes Mädchen sein würde &mdash; aber als
-er impertinent wurde &mdash; wies ich ihm die Tür.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-92" class="pagenum" title="92"></a>
-EDUARD: (Senkt den Kopf.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (Tritt behutsam ins Zimmer, ihre roten
-Backen glänzen, sie läßt die Zimmertür halb offen
-stehen.) Wie zwei Turteltauben die beiden im
-Garten .... (Frau Sonntag verlegen.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Das wäre allerdings eine Impertinenz ....
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Die Jungens betteln unaufhörlich.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Wir wollen de Jungens en Liter Waldbeeren
-abkaufen, dann hab&rsquo;n se Ruh. (Sie nimmt
-aus Frau Sonntags Portemonnaie im Schlüsselkorb,
-ohne Antwort abzuwarten, Geld. Marta
-und der Inspektor werden sichtbar im Garten.
-Eduard wendet den Kopf zum Fenster hin. Frau
-Sonntag rafft sich auf.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (gepreßt) Sie sollten es Dir selbst
-sagen, Eduard.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (Kleine Pause.) Schamloser konntest
-Du Deinen Sohn Heinrich nicht verraten. (Kleine
-Pause.) Mein armer Bruder, ein flüchtender
-Soldat, ging er verzweifelt in den Tod .....
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Damit gibst Du ja seine Schuld zu.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Es steht Dir nicht, Mutter, mich meuchlings
-überführen zu wollen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Ich verstehe nicht, was Du eigentlich
-gegen Dr. v. Simon hast.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Dasselbe, was Du gegen ihn hast, Mutter,
-darum wagtest Du auch nicht, mir von der Katastrophe
-<em>selbst</em> Mitteilung zu machen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (etwas finster) Ich fürchte mich vor
-meinen Kindern nicht, selbst vor Dir nicht, Eduard.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-93" class="pagenum" title="93"></a>
-EDUARD: (Kleine Pause.) Erinnere Dich doch,
-welchen Verdacht Du gestern noch gegen ihn
-aussprachst.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (hochmütig) Ich hab ihn mir eigentlich
-erst heute morgen angesehen.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (spöttisch) Schwärmst etwa <em>auch nun</em>
-für seine schmachtenden Wimpern?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (aufweinend) Ich fühle, Eduard, ich
-war zu selbstlos zu Dir.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Mutter, teure Mutter, aus welchem
-Grunde willst Du Martas Mädchenseele preisgeben?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Daß Heinrich in der letzten Zeit
-auf ihn erbost war, hat tiefere Gründe.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Aber wir haben doch Augen und Ohren,
-Mutter.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (gezwungen) Ich wünschte sogar,
-wir hätten Herrn Dr. v. Simon veranlaßt, zeitiger
-in unserem Hause zu verkehren.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Du weichst noch immer meiner Frage
-aus, Mutter?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Um Dir Einblick in die geschäftlichen
-Dinge zu geben, warst Du damals zu jung,
-Eduard.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Wir lebten doch luxuriöser als heute,
-Papa gab eine Festlichkeit nach der andern.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Das war es ja eben. Heinrich hat
-oft genug sein Schweineglück, wie er sich ausdrückte,
-gepriesen, einen Mann wie Dr. v. Simon
-gefunden zu haben. (Kleine Pause.) Wir können
-uns glücklich schätzen, daß er Marta nimmt.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-94" class="pagenum" title="94"></a>
-EDUARD: Der Mann bringt wahrhaftig kein Opfer.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Auguste öffnet zögernd die Zimmertür, sie hält
-einen großen Rosenstrauß in der Hand, zwischen
-den Blättern liegt eine Karte. Sie versucht sich
-mit Frau Sonntag schweigend zu verständigen.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Nicht wahr, Auguste, Herr
-Dr. v. Simon ist doch der richtige Mann für das
-Fräulein? (Auguste schlägt erstaunt die Augen
-auf und dann mit zufriedenem Lächeln.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Von das Fräulein Oberbürgermeister ....
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Sie stellt den Strauß zärtlich in eine Vase.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (spöttisch) Du fragst doch sonst Deine
-Dienstboten nicht.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Sie können gehen.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (greift in die Schürzentasche) Un das
-<a id="corr-34"></a>soll ich die Madame von dem längsten
-Bengel draußen geben un er wünscht ein langes
-Leben.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (Nimmt das Couvert gedankenlos
-hin, spielt damit, legt es dann schließlich auf
-den Tisch.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (zu Eduard) Ich glaub, dem Liesken
-sein Bruder war&rsquo;s, der Kerl mit der langen Nas
-und de grüngemalten Hände. Seine Bux hat er
-aufgekrempelt bis über de Knie. (Auguste bleibt
-bei der halbgeöffneten Zimmertür unbemerkt
-stehen.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (nimmt das Gespräch wieder auf) Das
-ist alles noch kein Grund, seine Tochter zu verkaufen.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-95" class="pagenum" title="95"></a>
-Fr. SONNTAG: Soll Marta vielleicht Ladenmädchen
-werden?
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (primanerhaft) Lieber als im buhlerischen
-Bett liegen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Du übertreibst, Eduard, ich bitte
-Dich, schlafe eine Nacht darüber.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (mit biblischer Wucht) Ich sage Dir,
-Weib, beflecke unser Haus nicht.
-</p>
-
-<p class="dirc">
-(Mutter bricht weinend zusammen.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (leise) Du bist impertinent wie
-Carl Pius.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (behutsam durch die Tür wieder eintretend,
-glotzäugig, gutmütig, lügend) Überall
-schellt es &mdash;
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Die kommt Dir immer wie gerufen.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Ich kann de Mama Sonntag nicht
-heulen sehen. (Tritt gutherzig näher zu ihr hin.)
-Ma&rsquo;mm Sonntag ....
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (kämpft mit sich. Marta kommt temperamentvoll
-ins Zimmer, v. Simon verharrt unsicher,
-als er Eduard erblickt, vor der halboffenen
-Zimmertür.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Marta, laß uns noch einen
-Augenblick allein. (Marta gehorcht schmollend,
-im nächsten Augenblick ihren Bräutigam
-graziös anlächelnd, verschwindet sie mit ihm
-wieder.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (zärtlich aber fest) Hast Du mir noch
-etwas zu sagen?
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (zu Frau Sonntag) Gucken Sie ihm an,
-<a id="page-96" class="pagenum" title="96"></a>
-Ma&rsquo;mm Sonntag, er hat en Heiligenschein um de
-Locken.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (nickt unendlich traurig.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Er paßt gar nicht in de sündige Welt.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (ernst zustimmend.)
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (zeigt auf die Haustür) Da steht verdeck
-noch der große Lümmel von Puderbachs
-vor de Haustür un lauert.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Ist das Lieschen bei ihm?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Aber Eduard ......
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: Lassen Se das arme Blag man lieber
-links liegen, sonst kommen Se auch wie de Heinrich
-im falsches Verdacht.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (erschöpft, er hustet stärker).
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (harmlos) Er hat mir selber öfters
-gefragt, ob Herr Eduard das Lieschen poussierte.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (entgeistert, kleine Pause) Mutter, hast
-Du das gewußt?
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (mitleidsvoll) Ich kenne Dich doch,
-Eduard. &mdash;
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (schreitet fremd und einsam aus dem
-Zimmer wie <em>über einen Berg herüber</em>. Frau
-Sonntag sieht ihm melancholisch nach; nimmt das
-Couvert zerstreut vom Tisch und tritt ans Fenster,
-vor das die Verlobten treten; Marta blickt erstaunt
-den Zaun des Gartens entlang.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Denk mal, Mama &mdash; (Frau S. hört kaum
-hin) eben ging Berta aus dem Haus am Zaun
-vorbei in <em>meinem</em> Jackett und Hut und <em>ihre</em>
-Sachen hängen an meinem Haken am Ständer.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-97" class="pagenum" title="97"></a>
-v. SIMON: Darf ich der verehrten Mama die Hand
-küssen? (Berührt die ihm zaudernd dargereichte
-Hand.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (verlegen) Ich kann mich noch
-garnicht an den Gedanken gewöhnen.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (wartet am äußeren Ende des Zimmers.
-Die Situation ist ihr unbegreiflich. Sie geht
-heraus.)
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (schmollt. Sie nimmt eine Kamille aus
-ihrem Gürtel und befestigt sie über dem Herzen
-v. Simons.)
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: Du wirst mich ausputzen wie einen
-Geck, Kätzchen.
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: (öffnet apathisch das Couvert, sie
-nimmt Martas nackte Photographie hervor &mdash;
-erschrickt heftig &mdash; begreift nicht, betrachtet sie
-von allen Seiten. Sie ruft Marta ans Fenster
-zu sich und hält ihr die Kehrseite des Bildes
-vor Augen.)
-</p>
-
-<p>
-Fr. SONNTAG: Marta, kennst Du die Handschrift?
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (übermütig) Das ist Pius seine dicke
-Tatze.
-</p>
-
-<p>
-AUGUSTE: (kommt geheimnisvoll ins Zimmer) Herr
-Eduard sitzt in seine Stub und beguckt sich im
-Spiegel.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: Den hat er doch beklebt, daß er nicht
-eitel werde. (Frau Sonntag schließt das Bild in
-ihren Sekretär ein.)
-</p>
-
-<p>
-v. SIMON: (leise zu Marta) Für Dich wird es auch
-die höchste Zeit, hier herauszukommen, Kätzchen.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-98" class="pagenum" title="98"></a>
-Fr. SONNTAG: (apathisch, dann aufleuchtend zu
-sich redend, aber den Kopf zu den Beiden zum
-Fenster hin gewandt) Ich werde ihm eine Herzensfreude
-machen.
-</p>
-
-<p>
-MARTA: (etwas schnippisch) Du willst wohl mit
-ihm ins Kloster gehen, Mama? (Auguste geht
-mit der Gebärde, die ausdrückt um Himmelswillen
-nicht, fürsorglich hinter Frau Sonntag aus
-der Türe. Die Verlobten verschwinden im Garten.)
-</p>
-
-<h3 class="subchap" id="subchap-0-6-1">
-II. SCENE.
-</h3>
-
-<p class="dirc">
-(Im selben Arbeiterviertel wie im ersten Aufzug.)
-</p>
-
-<p class="pers">
-Pendelfrederech, Lange Anna, Amadeus, Eduard,
-Carl, August Puderbach, Großvater Wallbrecker.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Klopfen Se man tüchtig, de alte Pius
-schläft doch nich in de Nacht, die hat mit em
-Satan zu konferieren.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Un oben beim Wallbrecker sin de
-Fensterlöcher verstopft.
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: (stößt Eduard stier an) Ich
-hab &rsquo;ne trockene Kehl&rsquo;, Herr.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Du toter Maulwurf, was weißt Du
-von em Durscht!
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: (zu Eduard) Wir sin ja
-beide auf de Himmelfahrtreis. (Er murmelt
-grausig. Eduard gibt ihm ein Geldstück.)
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (betrachtet es höhnisch) Davon
-brauchst De mich nicks mitgeben, Frederech!
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: Altes Ferkel!
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-99" class="pagenum" title="99"></a>
-AMADEUS: Wenn Sie de Carl sprechen wollen,
-Herr, der is im Wirtshaus un säuft &rsquo;en Fusel
-nach dem andern (Eduard bewegt) un de Aujust
-sitzt bei ihm un frißt Zucker aus seine Tasch
-und säuft mit ihm in Kömpanni.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (bewegt sich in der Richtung zum Wirtshaus.)
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: (instinktiv) Ich will ihm herausholen,
-bleiben Sie man lieber hier.
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: Hausknecht!
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (hält Amadeus zurück).
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (kreischt plötzlich auf, ähnlich wie
-am Abend, als Carl Pius seinen Arm verrenkte).
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Was is Dich, Lange Anna?
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (Wimmert wie ein Weib).
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: (murmelt böse).
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Wie &rsquo;n Schellenzug von de Großmutter
-bammelt Dein Ärmel am Leib herunter.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (quietscht leise Frederech ins Ohr).
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: Altes Ferkel!
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: (zur langen Anna) Du hast es auch
-ein bißchen zu weit getrieben.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Ich?
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Ja, das hast De; seit de Zeit hockt
-er im Fusel drin.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Hihihihi!
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Dat tut mich leid, leid tut mich das,
-er säuft ja sonst nicks. (Lieschens Vater kommt
-nach Hause, durch die kleine Seitengasse vom
-inneren Viertel her, man sieht ihn also nicht,
-<a id="page-100" class="pagenum" title="100"></a>
-hört nur, wie er mit der Faust krachend die
-Haustür aufstößt.)
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Ich merk das Poltern da. (Faßt auf
-sein Herz.)
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: (murmelt böse) Aus de
-Bibelstunde kömmt er.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (stößt Eduard an die Schulter und
-quietscht höhnisch auf) Das war der Vater von
-es ....
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: (murmelt grausig).
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Geheult hat es, als es in die Zwangserziehungsanstalt
-geholt wurd wie en Madame
-ihr Schoßpudel auf dem Weg zum Schlachthaus.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (bewegt).
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Da werden se es man tüchtig durchbleuen
-für seine Liebhabereien. (Kleine Pause.)
-Mich hätt&rsquo; Ihr Bruder lieber nehmen sollen.
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: Dir altes Ferkel? (Eduard
-bewegt.) Die Kleine versteht es feiner wie Du.
-Im Nachthemd spaziert es grad unterm Mond
-über die Dächer. Ich lag selber auf de Lauer
-und schnappte nach dem Glühwürmken.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: (zu Eduard, wehmütig) Einmal hab ich
-es ja auch gesehen.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Auf mir hat es in de Herrgottsfrüh
-nach der Oper (zeigt auf seinen Arm) unten an
-de Wupper gelegen.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Ich war dem netten Dier gut.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: (zeigt auf seinen Arm) Ich soll
-<a id="page-101" class="pagenum" title="101"></a>
-man niks de Polizisten erzählen von de Carl, es
-wär sein Schatz. Hihihihi!
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: Verlogenes Ferkel, verkrochen
-hast De Dir vor Carl seine fette Faust.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Du lauerst wohl aus Dein Deckel?
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Carl und August kommen schwankend Arm in
-Arm aus dem Wirtshaus. Carl sieht grenzenlos
-verändert aus. Seine alte Primanermütze trägt
-August umgedreht auf einen Stock gespießt. Die
-drei Herumtreiber lachen, Carl erblickt Eduard.)
-</p>
-
-<p>
-CARL: Nen Abend, Eduard, wie geht es mein
-Schatz Marzebillken? Se will mich doch heiraten.
-Ijo, ijo! (zu sich selbst sprechend im Ton seiner
-Großmutter) Carl, hast De Deine Großmutter
-lieb? (Kleine Pause. Im seligtrunkenen Ton) Ich
-hab Dich ja so lieb, Eduard.
-</p>
-
-<p>
-AUGUST: (neidisch; er schwankt ebenfalls) Laß
-doch den Hungerleider stehn, Carl, er soll sich
-das Haar schneiden lassen.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: (zu August) Zeig meine beiden Kollegen
-molz de heilige Eva aus Deine Brieftäsch,
-Aujust. (Die Brieftasche hängt August aus der
-Hosentasche.)
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: Das ist Pius&rsquo; Brieftasche. (Es beginnt
-ein Wehen in der Luft.)
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Ein Spruch aus lateinlich steht auf der
-Hinterseit&rsquo;.
-</p>
-
-<p>
-EDUARD: (Er umfaßt Carl hinterrücks) Helfen Sie
-mir doch, Amadeus.
-</p>
-
-<p>
-AMADEUS: Ich kann ihm nich untergreifen, mein
-<a id="page-102" class="pagenum" title="102"></a>
-gläsern Herz bricht in Splittern. (Wehleidig) En
-Sprung hat es schon.
-</p>
-
-<p>
-Lange ANNA: Nehmt mir in de Mitte, versoffne
-Brüders. (Er stößt Eduard zurück, der taumelnd
-an Frederechs Brust fällt. Lange Anna drängt
-sich zwischen Carl und August.)
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: Sin wir beide Todenvögels
-vereint.
-</p>
-
-<p class="dir">
-(Carl, Lange Anna, August wanken über die
-Brücke von dort weiter. Der Nachtwind klagt
-wie ein Kind, Eduard fröstelt. Noch einmal
-klopft er leise an die Haustür von Pius&rsquo; Häuschen.
-Der Großvater öffnet sein Fensterchen und kräht.)
-</p>
-
-<p>
-Gr. WALLBRECKER: Will se schon vertreiben de
-Nachtgespenster. (Er gießt eine Emaillekanne
-voll Wasser herunter.)
-</p>
-
-<p>
-PENDELFREDERECH: (murmelt böse) Ich leg mir
-schlafen unterm Busch. (Eduard tritt mit gesenktem
-Kopf den Heimweg an.)
-</p>
-
-<p class="end">
-Ende
-</p>
-
-<div class="backmatter">
-<p class="note">
-<a id="page-103" class="pagenum" title="103"></a>
-Zur Kenntnis: Das Original dieses Schauspiels ist
-<em>en Wopperdhalerplatt</em> geschrieben worden.
-</p>
-
-<p class="corr">
-Druckfehlerberichtigung:
-</p>
-
-<p class="i">
-Seite 31, Zeile 10 von oben lies statt:
-</p>
-
-<p>
-Sie liebt mir &mdash; Sie liebt <em>mich</em>. &bdquo;Im Ton der
-Arbeiter&ldquo; muß wegfallen.
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="backmatter">
-<p class="left">
-<a id="page-104" class="pagenum" title="104"></a>
-Von ELSE LASKER-SCHÜLER erschienen bisher:
-</p>
-
-<p class="books">
-STYX. Gedichte.<br />
-DER SIEBENTE TAG. Gedichte.<br />
-DAS PETER HILLE-BUCH.<br />
-DIE NÄCHTE TINO VON BAGDADS.
-</p>
-
-</div>
-
-
-<div class="trnote">
-<p id="trnote" class="chapter"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p class="handheld-only">Hervorhebungen, die im Original
-g&nbsp;e&nbsp;s&nbsp;p&nbsp;e&nbsp;r&nbsp;r&nbsp;t
-sind, wurden mit <em>einem anderen Schriftstil</em> gekennzeichnet.
-</p>
-
-<p>
-Die Schreibweise und Zeichensetzung des Originales wurden weitgehend
-beibehalten. Nur offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt
-(vorher/nachher):
-</p>
-
-
-<ul>
-
-<li>
-... (Sie schreiten ihrem <span class="underline">kleinem</span> Häuschen zu, im ...<br />
-... (Sie schreiten ihrem <a href="#corr-1"><span class="underline">kleinen</span></a> Häuschen zu, im ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... Mutter PIUS: (Läßt Berta ein <span class="underline">bischen</span> zappeln) Das ...<br />
-... Mutter PIUS: (Läßt Berta ein <a href="#corr-3"><span class="underline">bißchen</span></a> zappeln) Das ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... <span class="underline">daß</span> Liesken von Puderbach hat de Windpocken. ...<br />
-... <a href="#corr-4"><span class="underline">das</span></a> Liesken von Puderbach hat de Windpocken. ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... HEINRICH: Schad, daß Pius <span class="underline">Grossmutter</span> nicht ...<br />
-... HEINRICH: Schad, daß Pius <a href="#corr-5"><span class="underline">Großmutter</span></a> nicht ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... MARTA: Warum wollen <span class="underline">sie</span> dann strafen? ...<br />
-... MARTA: Warum wollen <a href="#corr-6"><span class="underline">Sie</span></a> dann strafen? ...<br />
-</li>
-
-<li>
- (mehrfache Fälle)<br />
-... Eisenstangen, die das Dach des <span class="underline">Karussels</span> halten, ...<br />
-... Eisenstangen, die das Dach des <a href="#corr-7"><span class="underline">Karussells</span></a> halten, ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... Um <span class="underline">Lieschen</span> Hals hängt ein großes Pfefferkuchenherz ...<br />
-... Um <a href="#corr-8"><span class="underline">Lieschens</span></a> Hals hängt ein großes Pfefferkuchenherz ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... Menschen zusammen, fast alle <span class="underline">fahrenden</span> springen ...<br />
-... Menschen zusammen, fast alle <a href="#corr-9"><span class="underline">Fahrenden</span></a> springen ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... Ohr) Mach man <span class="underline">das</span> de wegkommst, de kleine ...<br />
-... Ohr) Mach man <a href="#corr-16"><span class="underline">daß</span></a> de wegkommst, de kleine ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... löst die Kette von v. Simons <span class="underline">Hände</span>.) ...<br />
-... löst die Kette von v. Simons <a href="#corr-17"><span class="underline">Händen</span></a>.) ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... kehrt mit <span class="underline">Kaffekanne</span>, Tassen, Butterbrot etc. ...<br />
-... kehrt mit <a href="#corr-22"><span class="underline">Kaffeekanne</span></a>, Tassen, Butterbrot etc. ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... Lärm. Ein <span class="underline">haufen</span> Kinder sammelt sich lauschend ...<br />
-... Lärm. Ein <a href="#corr-24"><span class="underline">Haufen</span></a> Kinder sammelt sich lauschend ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... <span class="underline">Dass</span> Du es übers Herz bringen kannst, Eduard. ...<br />
-... <a href="#corr-28"><span class="underline">Daß</span></a> Du es übers Herz bringen kannst, Eduard. ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... die <span class="underline">Füsse</span>.) ...<br />
-... die <a href="#corr-29"><span class="underline">Füße</span></a>.) ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... AUGUSTE: (<span class="underline">schliesst</span> die Tür) Und was denken ...<br />
-... AUGUSTE: (<a href="#corr-31"><span class="underline">schließt</span></a> die Tür) Und was denken ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... drängen. Der <span class="underline">grösste</span> hält ein Öllämpchen in ...<br />
-... drängen. Der <a href="#corr-32"><span class="underline">größte</span></a> hält ein Öllämpchen in ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... <span class="underline">das </span>soll ich die Madame von dem längsten ...<br />
-... <a href="#corr-34"></a>soll ich die Madame von dem längsten ...<br />
-</li>
-</ul>
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Die Wupper, by Else Lasker-Schüler
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE WUPPER ***
-
-***** This file should be named 50530-h.htm or 50530-h.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/0/5/3/50530/
-
-Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
-States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
-specific permission. If you do not charge anything for copies of this
-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
-performances and research. They may be modified and printed and given
-away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
-not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
-trademark license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country outside the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you'll have to check the laws of the country where you
- are located before using this ebook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
-Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
-trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-
-
-
-</pre>
-
-</body>
-</html>
diff --git a/old/50530-h/images/cover-page.jpg b/old/50530-h/images/cover-page.jpg
deleted file mode 100644
index a0de8f4..0000000
--- a/old/50530-h/images/cover-page.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ