diff options
Diffstat (limited to 'old/51360-8.txt')
| -rw-r--r-- | old/51360-8.txt | 8439 |
1 files changed, 0 insertions, 8439 deletions
diff --git a/old/51360-8.txt b/old/51360-8.txt deleted file mode 100644 index 7d7e089..0000000 --- a/old/51360-8.txt +++ /dev/null @@ -1,8439 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Französische Lyrik alter und neuer Zeit in -deutschen Versen, by Various - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen - -Author: Various - -Translator: Joseph Jaffé - -Release Date: March 5, 2016 [EBook #51360] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FRANZÖSISCHE LYRIK ALTER UND *** - - - - -Produced by Jana Srna, Alexander Bauer, Jens Sadowski, and -the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - Französische Lyrik - in deutschen Versen - - - - - Französische Lyrik - alter und neuer Zeit - in deutschen Versen - - - von - Joseph Jaffé - - Hamburg - Im Gutenberg-Verlag - Dr. Ernst Schultze - 1908 - - Alle Rechte - vom Verlag - vorbehalten - - Außer dieser Ausgabe ist von dem vorliegenden Buche noch eine - kleine Auflage als Ausgabe B auf hochweißem, sehr starkem, dabei - aber außerordentlich leichtem Dickdruckpapier hergestellt worden. - Jedes Exemplar dieser Liebhaberausgabe ist in Ganzleder gebunden - und kostet 8 Mark - - - - - Inhalts-Übersicht - - Seite - Vorbemerkung 11 - - François Villon: - Aus dem großen Testament 13 - - Clément Marot: - Lied 19 - An den König, als ich bestohlen wurde 20 - - Pierre Corneille: - Stanzen 25 - - Pierre-Jean de Béranger: - Meine Berufung 27 - Die Dachkammer 28 - Der alte Korporal 30 - Des Volkes Erinnerungen 32 - - Gérard de Nerval: - Herren und Knechte 35 - Phantasie 35 - Laß mich 36 - Goldene Verse 37 - - Alfred de Musset: - An Juana 39 - An Julie 41 - An Pepa 42 - Lilla 43 - Ballade an den Mond 44 - Dezembernacht 50 - An Frau M. 54 - Lebewohl 55 - - Victor Hugo: - Der Abend des Sämanns 56 - Abend auf dem Meere 57 - Aus den Orientalen 62 - Der Kaisermantel 64 - Die Ordnung ist wieder hergestellt 65 - Lied 67 - Lied 68 - Ein Spiel 69 - Des Kaisers Zeitvertreib 69 - Die Sühne 72 - - Théophile Gautier: - Pastell 84 - Trost 85 - Die Alten von der alten Garde 86 - - Charles Baudelaire: - Mißgeschick 91 - Das Ideal 92 - Der Vampyr 92 - Die Katze 93 - Ganz und gar 94 - Nachmittagslied 95 - Das Gespenst 97 - Die Eulen 98 - Trauriges Madrigal 99 - Der Mahner 100 - Lösegeld 101 - Der Mensch und das Meer 102 - Klage eines Icarus 103 - Heauton timoroumenos 103 - Abel und Kain 105 - Nachschrift für ein verbotenes Buch 106 - - Paul Verlaine: - An Eugen Carrière 108 - Nevermore 109 - Drei Jahre später 109 - Sentimentaler Spaziergang 110 - Herbstlied 111 - Schäferstunde 111 - Mondschein 112 - Auf dem Spaziergang 113 - Aufzug 114 - Der Faun 115 - Halblaut 115 - Sentimentales Zwiegespräch 116 - Frau und Katze 117 - Serenade 118 - Çavitri 119 - Guter Sang - I. 120 - II. 121 - III. 121 - Vergessene Weisen - I. 122 - II. 123 - Bilder aus Belgien - I. Walcourt 123 - II. Charleroi 124 - III. Brüssel 125 - IV. Schloßpark 126 - V. Karussel 126 - VI. Mecheln 127 - Aquarell von Spleen 128 - Weisheit - I. 129 - II. Caspar Hauser 130 - III. 131 - Prolog 132 - Pierrot 133 - Die Kunst des Dichters 133 - Schlaff 135 - Liebe 136 - Allegorie 137 - Hirngespinste - I. 138 - II. 139 - Der Schamlose 140 - Hände 141 - Närrischer Rat 143 - Lieder für sie - I. 145 - II. 146 - An König Ludwig den Zweiten 148 - Meine Büste 149 - - José-Maria de Hérédia: - Vergessen 150 - Pan 150 - Der Ziegenhirt 151 - Weihe 152 - Des Toten Bitte 153 - Der Sklave 153 - An der Trebia 154 - Nach der Schlacht bei Cannae 155 - Villula 156 - Tranquillus 156 - Lupercus 157 - Die Dogaressa 158 - Der alte Goldschmied 159 - Die Conquistadoren 159 - Jungbrunnen 160 - Auf eine tote Stadt 161 - Antike Medaille 161 - Bretagne 162 - Maris stella 163 - An Ernesto Rossi 164 - - Jacques Normand: - Nach dem Essen 165 - Taubenschießen 169 - Aufrichtig 171 - Um den Ruhm 172 - - Jean Richepin: - Unsere Vergnügungen 173 - Unsere Rache 175 - Mein Glas ist leer 176 - Moderne Studie nach der Antike 178 - Auf Wache 179 - Die Küste 180 - Trockene Kiesel 182 - - Jean-Arthur Rimbaud: - Mein Zigeunerleben 184 - Lebenstiefe 184 - Faunskopf 185 - Aufregung 185 - Der Schläfer im Tal 187 - Der Schrank 188 - - Jules Jouy: - Lied der Bergarbeiter 189 - Der bleiche Mann 190 - - Emile Verhaeren: - Vlämische Kunst 192 - Artevelde 195 - Die Bauern 196 - Kato 198 - Des Mönches Tod 200 - Betrachtung 202 - Die Bäume 203 - Die Tränke 204 - Der Schrei 204 - Die Nacht 205 - Die Straßen 206 - Das Idol 207 - Unkraut 208 - Gebet 209 - Das Schwert 210 - Ein Abend 211 - - Albert Giraud: - Katharina von Medici 213 - An eine vierzigjährige Frau 214 - - Henri de Régnier: - Unsichtbare Gegenwart 215 - Vor der Prägung 216 - Wechselstrophen 218 - Ein Traum von Stunden und von Jahren 220 - Ein Traum von Morgenrot und Schatten 222 - Der Raufbold 222 - Chrysilla 223 - - Fernand Gregh: - Prüfung 225 - Abend in der Großstadt 227 - Musik in der Ferne 228 - Zweifel 230 - Dämmerstunde 231 - Betrachtung 232 - - - - - Vorbemerkung. - - -In dieser Sammlung ist der Grundsatz genauer Nachbildung von Versmaß und -Reimverschlingung streng durchgeführt. Wer Übersetzungen eine Mitgift -aus eigenem geben kann, mag sich freier bewegen; der bescheidene -Dolmetsch soll die Gebärde des Kunstwerks ehren und deshalb den Vorteil -verwandter Formen selbst auf die Gefahr einer gelinden Beengung -ausnutzen. Es ist keineswegs richtig, daß Übersetzungen durchaus den -Eindruck von Originalen machen müssen, der Geruch der Muttererde darf -sich nicht verflüchtigen. Unsere Bühne kann den Trochaeus des spanischen -Dramas, den Alexandriner des französischen getrost preisgeben, ihre -Mittel leisten tausendfältigen Ersatz und ermöglichen Treue der -Stimmung; die redlichste Übertragung eines Gedichtes hat dagegen immer -noch genug Verluste zu beklagen. Gewiß wird alle Lyrik durch dieselben -Stimmungen ausgelöst, doch die Seelen der Völker und Zeiten sind so -verschieden, wie die der Sprachen. - -Der Leitsatz rechtfertigt die Verwendung des oft verketzerten -Alexandriners. Was ihn uns unbehaglich macht, ist zumeist die starre -Cäsur, die ihn im Deutschen -- viel schärfer als im Französischen -- wie -mit einem Beilschlage zerhackt; sie ist frei behandelt, wie dies ja auch -die jüngeren Franzosen belieben. - -Dem ^vers libre^ ist peinliche Gerechtigkeit widerfahren; Meister wie -Régnier und Verhaeren können dies beanspruchen, sie sind gegen den -Verdacht gespreizter Unfähigkeit geschützt, die sich nur zu oft solcher -Tracht bedient. - -Es bedarf keiner Erwähnung, daß das Büchlein weder bestimmte -Zeitabschnitte noch Schulen erschöpfen will; nicht einmal dem Reichtum -der vertretenen Dichter wird es auch nur annähernd gerecht. - -_Lugano_, im Herbst 1907 - - Joseph Jaffé - - - - - François Villon - - - geb. 1431 - - - - - Aus dem großen Testament - - - Mich reut, daß ich in jungen Tagen - Gescheut hab jede ernste Pflicht, - Das Alter naht, wer kann es sagen, - Wie bald dies wilde Herz schon bricht. - Zu Fuß enteilt die Zeit ja nicht, - Sie sitzt zu Rosse! ach, mein Glück - War immer leicht nur von Gewicht, - Mir ärmsten blieb auch nichts zurück. - - Die Jahre sind dahin gegangen, - Nichts ernstes habe ich erstrebt, - Mit Schrecken seh ich und mit Bangen, - Ich bin nicht reif, bin nur verlebt. - Eh' noch mein Sein ins Nichts entschwebt, - Hat mich der letzte Freund vergessen, - Kein Herz, das um mich zagt und bebt ...! - Ich habe nie ein Glück besessen. - - Nie hab ich schweres Geld gezahlt - Für Leckerbissen und für Wein, - Bei Frauen nie damit geprahlt, - Davon ist mein Gewissen rein. - Wer dies nicht glaubt, der läßt es sein, - Mag seinen Glauben er genießen! - Wirft einer deshalb einen Stein, - Wird er von sich auf andere schließen. - - Geliebt hab ich natürlich auch - Und liebte gerne noch viel mehr, - Doch volles Herz und leerer Bauch, - Die helfen dabei nicht zu sehr. - Wer Sorgen hat, trägt alles schwer, - Der weiß nicht viel von Feiertagen, - Mein Magen war ja meistens leer, - Musik macht nur ein voller Magen. - - Hätt ich bekämpft die wilde Sucht - Und was gelernt in jungen Jahren, - Mich fromm befleißigt guter Zucht, - Ich würde heute besser fahren. - Doch böse Buben, wie wir waren, - Die schwänzen, wenn's zur Schule geht! - Jetzt kann ich mir die Worte sparen, - Die Reue kommt ja stets zu spät. - - Geschrieben steht -- nur habe ich - Gedeutet es nach meinem Sinn -- - »Mein Sohn, freu' in der Jugend dich!« - Ja, davon hatte ich Gewinn. - Nun ist die Jugend längst dahin! - Was weiter folgt, schien mir nicht wichtig, - »Die Jugend«, heißt es dann darin, - »Und ihre Freuden, die sind nichtig.« - - »Die Tage sind mir voller Hast - Enteilt«, kann ich mit Hiob sagen, - »Schnell wie am Webstuhl ohne Rast - Das Schifflein gleitet«. Darf ich klagen? - Wer Hoffen nicht mehr kennt noch Zagen, - Erschrickt nicht, wenn das Ende droht, - Mich wird kein Mißgeschick mehr schlagen, - Denn alles schwindet mit dem Tod. - - Wo sind sie hin, die Burschen all', - Mit denen einst ich mich ergötzt, - Die hoch des freien Wortes Schall, - Noch höher kühne Tat geschätzt? - Die meisten sind zu Tod gehetzt, - Gott, der die Sünder nicht verläßt, - Schenk ihnen ewige Ruhe jetzt - Und schirme gnädiglich den Rest. - - Gar mancher hat es weit gebracht - Und kann auf stolzem Rosse reiten, - Gar mancher bettelt nackt und lacht, - Brot sieht er höchstens mal vom weiten. - Noch andere traten klug beizeiten - Ins Kloster ein und beten brav, - Ich seh sie in Sandalen schreiten, - Wie es nun grade jeden traf. - - Die großen Herren können lachen, - Sie haben immer gute Zeit, - Gott braucht sich Sorgen nicht zu machen - Um dieser Leute Fröhlichkeit. - Dem Armen, der vor Hunger schreit - Wie ich, o Herr, erweis dich gnädig, - Im Kloster kennen sie kein Leid, - Die Mönche sind der Sorgen ledig. - - Sie lieben wohlbestellten Tisch - Und trinken gerne guten Wein - Zum Braten, Kuchen und zum Fisch, - Stets muß er frisch vom Zapfen sein. - Die Arbeit macht den Brüdern Pein, - Der Tag soll sorgenfrei verfließen, - Doch schenken sie sich selber ein, - Dess' lassen sie sich nicht verdrießen. - - Des Urteils harr ich in Geduld, - Mein Fall ist einfach, klar und schlicht, - Vergebung hoff ich meiner Schuld, - Was andere taten, richt ich nicht. - Ein Sünder bin ich und ein Wicht, - Gelobt seist du, o Jesuchrist, - Du führst mich ein zum ewigen Licht! - Doch was ich schrieb, bleibt, wie es ist. - - Jetzt lassen wir die Kirche ruhn - Und reden mal von andern Dingen, - Man hat nicht gern damit zu tun, - Vergnügen kann es auch nicht bringen. - Die Menschen, die mit Sorgen ringen, - Gebrauchen Worte leicht, die kränken, - Und wenn sie schon den Mund bezwingen, - Verhindert nichts sie, hart zu denken. - - Wir, die von armen Leuten stammen, - Wir können nur von Not erzählen, - Mein Vater brachte nichts zusammen, - Und auch sein Vater mußt sich quälen. - Es tat an allem stets uns fehlen, - Und auf den Gräbern meiner Ahnen - -- Der Herr erbarm sich ihrer Seelen -- - Erblickt man weder Helm noch Fahnen. - - Ließ mir der Hunger keine Ruh, - Hat oft mein armes Herz gesagt: - Weshalb, o Menschlein, jammerst du? - Verachte, was dich quält und plagt! - Jacques Coeur[1] hat alle überragt - An Reichtum und litt niemals Not, - Wenn auch dein Los dir nicht behagt, - So lebst du doch, und er ist tot. - - Jacques Coeur hat alle überragt, - Ein Herr ...! jetzt ein erloschnes Licht. - Es gilt von ihm, was David sagt: - »Ich suchte ihn und fand ihn nicht.« - Im übrigen hat mein Gedicht - Für eine Predigt keinen Raum, - Ich leiste gern darauf Verzicht, - Nur Pfaffen schlagen solchen Schaum. - - Nie habe ich, sagt's allen Leuten, - Für einen Engel mich gehalten, - Ich wollte niemals was bedeuten, - Nie konnt ich aus dem vollen schalten. - Still in der Erde, in der kalten, - Ruht längst mein Vater, und Freund Hain - Naht schon dem Mütterlein, dem alten, - Der Sohn wird auch zu finden sein. - - Ich habe Toren, habe Weise, - Hab Priester, Laien wohl gekannt, - Hofleute, Bürger, Kinder, Greise, - Geringe, große Herrn im Land, - Und Damen auch im Prachtgewand, - Geschmückt mit Halsgeschmeid und Ring, - Jedwede Art und jeden Stand, - Dem Tode keiner noch entging. - - Der Tod fand Paris und Helenen, - Er packt uns unter Qual und Schmerz, - Wenn wir zum letzten Schlaf uns dehnen, - Steigt uns die Galle in das Herz. - Der Atem stockt, im Busen zerrt's, - Der Schweiß bricht aus, da hilft kein Beten, - O Gott, das Sterben ist kein Scherz, - Kein Bürge kann uns da vertreten. - - Der Tod macht alle bleich und gleich, - Das Auge bricht, die Sinne schwinden, - Der Hals schwillt an, das Fleisch wird weich, - Die Bänder wollen nicht mehr binden. - Die Frauen selbst, die zarten, linden, - Ihr süßer, liebenswerter Schoß, - Er wird zu Staub, ein Spiel den Winden, - Denn allen fällt das gleiche Los. - ----------- - -[Fußnote 1: Jacques Coeur, Bankier der französischen Krone unter Karl -VII. (1422-1461), der reichste Mann seiner Zeit.] - - - - - Clément Marot - - - 1495-1539 - - - - - Lied - - - Willst du dein Herz erquicken, - Mußt einen einzigen Blick - Du meiner Liebsten schicken, - Gott schenk ihr Gunst und Glück! - So hold wirst du sie finden, - Daß dir zur selben Stund - Wohl tausend Schmerzen schwinden, - Ihr Gruß macht dich gesund. - - Die Gaben meiner Schönen - Erfreuen Herz und Sinn, - Die Sehnsucht läßt mich stöhnen, - Wenn ich nicht bei ihr bin. - Ihr Liebreiz macht mich beben, - Bleich werd ich, wie der Tod, - Doch ihre Huld schenkt Leben, - Verscheucht, was mich bedroht. - - - - - An den König, als ich bestohlen wurde - - - Ein Unglück, Sire, alleine, das kommt selten! - Euch, Herr, wird dieses Wort als Wahrheit gelten; - Es kommt zu zweit, zu dritt, in ganzen Scharen, - Ihr habt es leider selber ja erfahren. - Und ich, ich bin kein Fürst, bin überhaupt - Vor Euch ein Nichts. Doch wenn Ihr es erlaubt, - Erzähle ich die schönste der Geschichten. - - Von meinem Diener will ich Euch berichten - Aus der Gascogne, ein Lügner und ein Dieb, - Er soff und fraß und wußte, wo er blieb, - Ein Lümmel, wie vom Galgen abgeschnitten, - Im übrigen bei allen wohl gelitten, - Ein Bursch, in den die Dirnen sich vernarrten, - Ein flotter Kerl bei Kegeln und bei Karten. - - Der ehrenwerte Herr bekam nun Wind - Von jener Summe, die Ihr mild gesinnt - Mir jüngst gemacht zur gnädigen Verehrung, - Von meines Beutels plötzlicher Beschwerung. - Des Nachts -- er pflegte länger sonst zu liegen -- - Ist er in meine Kammer eingestiegen - Und nahm das schöne Geld noch vor dem Morgen. - Ich glaube kaum, er wollte es nur borgen, - Denn keinem hat er was davon gesagt. - Um wenig hat er sich grad nicht geplagt, - Mein Hut, mein Wams, mein Gurt fiel ihm zum Raube, - Die Stiefel und der Mantel und die Schaube; - Das beste, was ich nur bei Hofe trug, - War diesem Kenner grade gut genug. - Ihr hättet ihn, es fehlte wohl nur wenig, - Für mich genommen, hoher Herr und König. - - Zum Schluß begab sich dann mein Seneschall - Des graden Wegs in seines Herren Stall. - Das schlechte Pferd mißfiel dem guten Jungen, - Flugs hat er auf das bessere sich geschwungen, - Den Sattel nahm er und das Terzerol - Und nichts vergaß er als das Lebewohl. - Er spürte um den Hals vielleicht ein Würgen, - Doch war der Held beritten wie Sankt Jürgen. - Den Herrn hat er nicht aus dem Schlaf geweckt, - Der war nicht gut gelaunt, als er's entdeckt. - Der Herr war ich. Ihr werdet es verstehen, - Der Morgen hat mich nicht vergnügt gesehen, - Fort waren alle meine schönen Kleider - Und auch das beste meiner Rosse leider. - - Daß auch das liebe Geld so schnell verschwand, - Begriff schon etwas eher mein Verstand, - Denn Euer Geld, vermeld ich untertänig, - Wird niemals bei mir warm, mein Herr und König. - - Doch damit ist das wenigste erzählt. - Es ist noch etwas, was mich härter quält, - Was mich bei Tag und Nacht nicht mehr verläßt - Und mir in Kürze sicher gibt den Rest, - Was in die Erde bringt mich armen Mann, - Wo ich dann lustig weiter reimen kann. - Mein armer Körper windet sich und leidet, - Mein Leib ist manchmal schier wie ausgeweidet, - Drei Monat ist der Kopf schon eingezwängt, - Die Brust ist stets beklommen und beengt, - Die Beine können kaum den Rumpf noch tragen, - Ganz ausgemergelt ist mein armer Magen. - Die Krankheit scheint mich langsam aufzuzehren, - Sie peinigt mich -- ich sag's in allen Ehren -- - Sie peinigt mich, mein König, ganz genau, - Wie den Pariser seine liebe Frau. - - Was sag ich noch! geschwunden ist der Leib - Fast ganz, und nur zu Eurem Zeitvertreib - Blieb etwas noch von meinem Geist am Leben, - Viel kann er freilich nicht zum Besten geben. - Um diesen kargen Rest, der vor Euch steht, - Bemüht sich, Herr, die halbe Fakultät, - Betastet meinen Puls, hält weisen Rat - Und kündet als gewisses Resultat, - Der Frühling heilt bestimmt mein bitteres Weh. - Sehr gut gesagt! Was ich davon versteh, - Ist dies: soll ich den Frühling nicht mehr sehn, - Werd ich im Winter schon zu Grunde gehn; - Bin ich dagegen schon im Winter tot, - Dann hab ich um den Frühling keine Not. - - So quäl ich mich neun lange Monat schon. - Verkauft ist alles, was mir der Cujon - Nicht stahl. Ich hab mich kümmerlich gepflegt, - Das ganze in Latwergen angelegt. - Doch, gnädiger Herr, deshalb dürft Ihr nicht meinen, - Daß ich mit Bitten will vor Euch erscheinen; - Verwechselt mich nicht etwa mit dem Pack, - Das ewig nur die Taschen füllen mag. - So manchen gab es, der nur immer nahm, - Dazu, mein Fürst, besitz ich zuviel Scham, - Auf Ehre, Sire, ich nehme nichts geschenkt! - Doch wenn Ihr etwas mir zu leihen denkt, - Sag ich nicht nein. Denn wie es geht, so geht's, - Ein Gläubiger macht einen Schuldner stets. - - Und wißt Ihr, Herr, wie ich die Schuld will zahlen? - Das weiß noch keiner, Sire! ich will nicht prahlen, - Ihr ahnt ja nicht, wie glücklich Ihr es trefft, - Ihr macht dabei ein glänzendes Geschäft, - Es ist wahrhaftig keine Übertreibung! - - Ich geb Euch eine sichere Verschreibung - -- Verlangt Ihr Zinsen, Herr? -- auf jene Frist, - Wo einmal alle Welt zufrieden ist, - Und wenn Ihr lieber wollt, mein Fürst, vielleicht - Auf jenen Tag, da Euer Ruhm verbleicht. - Traut Ihr Euch nicht, die Forderung so zu buchen, - Will ich mir ein paar gute Bürgen suchen, - Wenn Euch die Fürsten von Lothringen passen, - Könnt Ihr ja die im Notfall für mich fassen. - Doch weiß ich wohl, Euch kommt's nicht in den Sinn, - Daß ich nicht sicher und nicht ehrlich bin. - Indessen hat man gerne was in Händen, - Deshalb will ich den Schuldbrief daran wenden, - Der ist im Todesfall, bei meiner Ehr, - So gut, wie wenn ich, Sire, unsterblich wär. - - Falls etwas mir zu leihen Ihr geruht, - Laßt mich's in Gnaden wissen, seid so gut; - Auf meinen Gütern -- kennt Ihr sie nicht, Sire? -- - Erbaut ich jüngst ein neues Luftschloß mir, - Das muß ich jetzt bezahlen. Nur ein Tor - Sorgt nicht bei Zeiten für die Zukunft vor. - - Das wäre alles so in großen Zügen, - Ich habe weiter nichts hinzuzufügen. - Wollt ich noch eine Zeile niederschreiben, - Ich fürchte, Sire, ich könnte übertreiben. - Dann schrieb' ich: Herr und König der neun Musen, - Der alle ihre Weisheit trägt im Busen, - Du König, mehr als Mars an Ehren reich, - Du König, dem kein anderer jemals gleich, - Gott gebe Dir und Deinem stolzen Thron - Des Erdballs ganzen Umkreis noch zum Lohn, - Sowohl zum Heil der rollenden Maschine, - Wie auch, daß Dir zum Ruhme solches diene. - - - - - Pierre Corneille - - - 1606-1684 - - - - - Stanzen - - - Läßt mein Angesicht auch sehen, - Gräfin, daß die Zeit verstrich, - Euch wird es nicht besser gehen, - Seid Ihr erst so alt wie ich. - - All und jedem drückt ihr Zeichen - Auf die Zeit, eh' sie entweicht, - Eure Rosen wird sie bleichen, - Wie sie mir das Haar gebleicht. - - In denselben Bahnen gleiten - Ewig die Planeten hin, - Was Ihr seid, war ich vor Zeiten, - Und Ihr werdet, was ich bin. - - Immerhin darf kühn ich sagen, - Etwas, Gräfin, nenn ich mein, - Was vielleicht in späten Tagen - Noch wird unvergessen sein. - - Sind auch holde Reize Euer, - Wißt, ein Reiz, den Ihr jetzt haßt, - Strahlt einst noch in hellem Feuer, - Wenn der Eure längst verblaßt. - - Er nur wird den Ruhm bewahren - Euren Augen, Eurem Haar, - Er erzählt nach tausend Jahren, - Was an Euch mir teuer war. - - Bei den Bürgern jener Welten - Hat mein Wort noch guten Klang, - Werdet Ihr für schön dann gelten, - Schuldet mir Ihr dafür Dank. - - Wollet gnädigst drum bedenken: - Ist ein Graukopf keine Zier, - Muß man ihm doch Achtung schenken, - Gleicht er, schöne Gräfin, mir. - - - - - Pierre-Jean de Béranger - - - 1780-1857 - - - - - Meine Berufung - - - Ich kam auf diese Erde - Geängstigt und verzagt, - Kaum hätte aus der Herde - Ich je mich vorgewagt. - Mein Weinen und mein Klagen - Verhauchte fast im Wind, - Da hörte Gott ich sagen: - So singe doch, mein Kind! - - Der Reichtum fährt mit vieren, - Verlacht des Armen Not, - Wenn sie vorbei kutschieren, - Bespritzt uns nur der Kot. - Euch habe ich im Magen! - Doch macht der Zorn mich blind, - Dann höre Gott ich sagen: - So singe doch, mein Kind! - - Weich bin ich nicht gebettet, - Zum Einerlei verdammt, - Gefesselt und gekettet - An mein bescheiden Amt. - Muß ich zu sehr mich plagen, - Daß Brot mein Arm gewinnt, - Dann höre Gott ich sagen: - So singe doch, mein Kind! - - Manch Glück hab ich gefunden - In meines Lebens Mai, - Die Jahre sind entschwunden, - Es ist damit vorbei. - Doch will mein Herz mal fragen, - Warum das Glück zerrinnt, - Dann höre Gott ich sagen: - So singe doch, mein Kind! - - So will ich ewig singen, - Will singen bis zuletzt, - Will jedem Freude bringen, - Den mein Gesang ergötzt. - Wo frohe Herzen schlagen, - Die freundlich mir gesinnt, - Da höre Gott ich sagen: - So singe doch, mein Kind! - - - - - Die Dachkammer - - - Die Bude unterm Dach! Ich seh sie wieder, - Wo frohe Armut Lehrerin mir war, - Ich hatte meine Freunde, meine Lieder, - Mein Mädchen hatte ich und zwanzig Jahr. - Der Narren lachte keck ich und der Weisen, - Da ich des Lenzes Blütentraum genoß, - Sechs Treppen hoch durft ich mich glücklich preisen - Mit zwanzig Jahren hier im Dachgeschoß. - - Ein Bodenloch! Ich kann es nicht bestreiten; - Hier war's, wo meine harte Bettstatt stand, - Dort seh ich noch die Verse, die vor Zeiten - Mit Kohle ich gekritzelt an die Wand. - Doch ach, die Freuden, die sind längst entschwunden, - Die meine Uhr mir mitleidvoll erschloß, - So oft den Weg ins Leihamt ich gefunden, - Mit zwanzig Jahren aus dem Dachgeschoß. - - Wie gern ist Liese mit vergnügter Miene - Hier oben einst erschienen zum Besuch! - Vorm Fenster hat die Gute als Gardine - Flink aufgehängt ihr schönes neues Tuch. - Am Boden lag der Hut. Nie mocht ich fragen, - Wer ihn bezahlt hat, weil sie dies verdroß; - Wer wird sich auch um solche Fragen plagen - Mit zwanzig Jahren hier im Dachgeschoß. - - Hier haben wir begeistert und verwegen - Die ganze Nacht gesungen und gezecht, - Da bei Marengo Bonapartes Degen - Die schlug, die ihm zu trotzen sich erfrecht. - Viktoria schossen sie! Wir aber dachten, - Nie kehrt zurück in unseres Helden Schloß - Die Sippe Ludwigs, die wir stolz verlachten - Mit zwanzig Jahren hier im Dachgeschoß. - - Hinweg! hinweg! Ich könnte mich berauschen, - Wo der Erinnerung Zauber mich umschwebt .... - Ach, dürfte meiner Tage Rest ich tauschen - Für einen Monat, den ich hier gelebt, - Für Liebe, Leichtsinn, Torheit, für Sekunden, - Daraus im Traum ein Leben mir entsproß, - Für alle Hoffnung, die ich einst gefunden - Mit zwanzig Jahren hier im Dachgeschoß! - - - - - Der alte Korporal - - - Jetzt also vorwärts, Kameraden, - Die Stunde schlägt, noch einen Kuß, - Mein Pfeifchen brennt, Ihr habt geladen, - Kommt, Kinder, machen wir nun Schluß. - Die Jahre sind im Dienst geschwunden, - Den ich Euch allen beigebracht, - Doch niemals hab ich Euch geschunden! - Nun gebet Acht, - Heult nicht, gebt Acht, - Heult nicht, gebt Acht, - Nehmt Tritt, gebt Acht, - Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht! - - Ein Leutnant denkt, er darf mich kränken, - Ich wisch ihm eine aus, dem Wicht; - Es tat ihm nichts, doch sowas schenken .... - Mein Urteil sprach das Kriegsgericht. - Wer nicht so rasch ist, handelt weiser, - Am längsten hab ich's nun gemacht, - -- -- Ach was, ich diente meinem Kaiser! - Nun gebet Acht, - Heult nicht, gebt Acht, - Heult nicht, gebt Acht, - Nehmt Tritt, gebt Acht, - Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht! - - An Arm und Bein darf Euch nichts liegen, - Das Kreuz ist ein paar Knochen wert, - Das meine holt ich in den Kriegen, - Da wir die Könige ausgekehrt. - Manch Gläschen gabt Ihr mir zum besten, - Wenn ich erzählte auf der Wacht - Von Schlachtenruhm und Siegesfesten, - Nun gebet Acht, - Heult nicht, gebt Acht, - Heult nicht, gebt Acht, - Nehmt Tritt, gebt Acht, - Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht! - - Wer fängt dahinten an zu flennen? - Die Tambourswitwe, dacht mirs schon! - Hab Anno zwölf beim tollen Rennen - Die Frau gerettet sammt dem Sohn. - Der Vater liegt im Schnee begraben, - Den Jungen schleppt ich Tag und Nacht ... - Kannst beten für mich alten Knaben! - :|: Nun gebet Acht, :|: - - Die Pfeife will nicht ziehen heute ... - Jetzt hat sie Luft, was das nur war! - Da sind wir. Wollt ihr etwa, Leute, - Die Augen mir verbinden gar? - Hier an der Böschung laßt mich stehen, - Zielt nicht zu tief, hübsch mit Bedacht ... - Mögt Ihr die Heimat wieder sehen! - :|: Nun gebet Acht, :|: - - - - - Des Volkes Erinnerungen - - - Unterm Strohdach der Geringen, - In den Hütten stirbt er nicht, - Noch nach fünfzig Jahren spricht - Kaum einer dort von andern Dingen. - Abends sitzen am Kamin - Um die Alte junge Leute, - Mutter, ruft die Bäuerin, - Kannst von ihm erzählen heute! - Viele schelten jetzt den Mann, - Könnte er nur wiederkehren, - Ja, wiederkehren! - Laß uns also von ihm hören, - Großmutter, fang an! - - Kinder, hier sah ich ihn reiten, - Hier durch unser Dorf, ganz nah, - In dem Jahr, da dies geschah, - Machte ich Hochzeit ... alte Zeiten! - Könige bildeten den Zug, - Heut noch glaube ich, den grauen - Mantel, den er damals trug, - Und den kleinen Hut zu schauen. - Ich erschrak und wurde bleich. - »Guten Morgen,« rief er heiter, - Vergnügt und heiter. - »Wie, gegrüßt hat Euch der Reiter, - Ei, er sprach mit Euch?« - - Ein Jahr später ist's geschehen, - Daß ich nach Paris mal kam, - Vor der Tür von Notre Dame - Hab ich ihn wiederum gesehen. - Menschen drängten ohne Zahl - Sich in festlichem Gewimmel, - Alle meinten: »Seht einmal, - Schönes Wetter schickt der Himmel.« - Mild und gütig war sein Blick, - Grad war ihm ein Sohn geboren, - Ein Sohn geboren. - »Ei, der Tag war nicht verloren, - Mutter, das war Glück!« - - Als dann seiner Feinde Scharen - Sich ergossen übers Land, - Trotzte er mit starker Hand - Beinah alleine den Gefahren. - Einmal klopft's an meine Tür, - Eines Abends, just wie heute, - Plötzlich steht er da vor mir, - Im Gefolg nur wenig Leute. - Setzt sich auf den Sessel hier, - Niemals werd ich es vergessen, - Niemals vergessen! - »Mutter, wo hat er gesessen, - Auf dem Stuhl, sagt Ihr?« - - »Ich hab Hunger,« sprach er. Leider - Hatte ich nur Brot und Wein. - Hier am Feuer schlief er ein, - Schnell trockneten die nassen Kleider. - Beim Erwachen sagte er, - Als er schaute meine Zähren: - »Mut, noch habe ich ein Heer, - Vor Paris will ich mich wehren.« - Ich verwahre heute noch - Jenes Glas im Schrank da droben, - Im Schrank da droben. - »Wie, Ihr habt es aufgehoben? - Bitte, zeigt es doch!« - - Hier ...! dann zog er ins Verderben! - Er, den einst ein Papst gekrönt, - Mußt verlassen und verhöhnt - Auf jener öden Insel sterben! - Dran zu glauben ward uns schwer, - Alle meinten: »Er kehrt wieder, - Heimwärts eilt er übers Meer, - Schlägt den frechen Fremdling nieder.« - Als ich hörte, es sei wahr, - Bin ich fast dem Schmerz erlegen, - Dem Schmerz erlegen. - »Schütz Euch Gott auf allen Wegen, - Mutter, vor Gefahr.« - - - - - Gérard de Nerval - - - 1808-1855 - - - - - Herren und Knechte - - - Wenn jene Herrn, die aus den Mären wohl bekannt, - Mit Stieresnacken und mit erzgeprägten Mienen, - Mit Leibern, die im Boden fest gewurzelt schienen, - Mit grimmig hochgemutem Sinn und harter Hand, - - Wenn heute wieder sie auf diese Erde kämen, - Den Erben ihrer stolzen Namen nachzuspähn, - Die winselnd vor den Türen der Minister stehn, - Der Sippe, die schon längst verlernt hat, sich zu schämen, - - Dem falschen Volk, an dem die Waden kaum noch echt, - Dann merkten jene Ritter ohne Furcht und Tadel - Sehr bald, daß, dank den Töchtern, ihrem guten Adel - Verdorben ward das Blut von manch gemeinem Knecht. - - - - - Phantasie - - - Es tönt mir eine Weise stets, für die - Ich Mozart, Weber und Rossini schenke, - Wenn ich in ihren Klang das Ohr versenke, - Bezaubert mich die alte Melodie. - - Sie singt so müd von Trauer und von Wehe, - Ich fühle mich zweihundert Jahr verjüngt, - Ludwig der Dreizehnte regiert, ich sehe - Den Hügel, hinter dem die Sonne sinkt, - - Ein Schloß von Ziegeln, Türme in den Ecken, - Gemalte Fenster und ein Giebeldach, - Darum ein Park mit immergrünen Hecken, - Durch bunte Blumen fließt ein stiller Bach. - - Am hohen Fenster sehe ich vom weiten - In alter Tracht die blonde Dame stehn .... - Ich kenne sie. Ich habe sie vor Zeiten - In einem andern Leben schon gesehn. - - - - - Laß mich! - - - Laß ab von mir, es ist vergebens, - Du prangst im Lenze deines Lebens, - Mir kehrt er nimmermehr zurück! - Kannst du in meinem Gram nicht lesen, - Daß dieser Stirn, die jung gewesen, - Zu lächeln längst vergaß das Glück? - - Wenn durch den Winterfrost, den harten, - Die bunte Blumenpracht im Garten - Gebleicht ist und der Baum entlaubt, - Wer gibt dem toten Blatt die Farben - Zurück, die mit dem Sommer starben, - Den Duft, den ihm der Nord geraubt? - - Ach, hätte meines Schicksals Gnade - Mich kreuzen lassen deine Pfade, - Da mir noch solche Gunst getaugt, - Ich hätte trunken vor Entzücken - Dein Lächeln kühn gewagt zu pflücken - Und neue Kraft daraus gesaugt. - - Heut leuchtest du mir nur von Ferne, - Du junges Blut, dem hellen Sterne - Vergleichbar, der dem Schiffer winkt, - Dess' schwanken Kahn die List der Wogen, - Wenn schon der Sturm vorbei gezogen, - Zerbricht und mitleidlos verschlingt. - - Laß ab von mir, es ist vergebens, - Du prangst im Lenze deines Lebens, - Mir kehrt er nimmermehr zurück! - Läßt diese Stirn, die jung gewesen, - Läßt dich ihr stiller Gram nicht lesen, - Daß nichts mehr sie erhofft vom Glück? - - - - - Goldene Verse - - - Mensch, freier Denker, wähnst du, daß nur du allein - Gedankenmächtig bist in dieser Welt voll Leben? - Du bist nur Herr der Kraft, die dir zum Lehn gegeben, - Jedoch das All ist frei, dein Witz ist ihm zu klein. - - Hab Ehrfurcht! Jedes Tier nennt eigene Kräfte sein, - Der Kelch, der sich erschließt, ahnt einer Seele Beben, - Kein Stein, in dem nicht unbekannte Mächte weben, - Dies alles fühlt und dringt ins Innerste dir ein. - - Vermeide Blicke, die aus blinden Fenstern spähen, - An jegliches Atom gebunden ist das Wort, - In deinem Munde darf es Sünde nie begehen. - - Oft wohnt ein Gott versteckt an einem niedern Ort, - Das Auge wächst vom Lid bedeckt in heiliger Stille, - Es sproßt aus hartem Fels hervor ein reiner Wille. - - - - - Alfred de Musset - - - 1810-1857 - - - - - An Juana - - - Du bist's, für die ich einst entbrannte, - Die erste, welche mein ich nannte, - Der ich geweiht mein ganzes Sein! - Erinnerst du dich auch noch dessen? - Ich habe es noch nicht vergessen, - Im letzten Sommer warst du mein. - - Wie rasch entschwinden doch die Zeiten, - Die wir mit tausend Nichtigkeiten - Vergeuden, schnell sind sie entflohn. - Fast zwanzig Jahre sah ich schwinden, - Und du, Gefährtin meiner Sünden, - Hast ihrer beinah achtzehn schon. - - Scheint auch die rote Rose bleicher, - Ist ihre Pracht nur um so reicher, - Ich schmeichle nicht, schön bist du doch! - Kein liebend Weib war liebevoller, - Kein spanisch Köpfchen jemals toller, - Denkst du des letzten Sommers noch? - - Des Abends noch, da du mich kränktest - Und dann dein Halsgeschmeid mir schenktest, - Da ich ob deines Zorns geschmollt; - Drei Nächte fand ich keinen Schlummer, - In bittersüßem Liebeskummer - Hab ich geküßt das rote Gold. - - Und die verräterische Schöne! - Denkst du noch an die tolle Szene, - O Andalusiens holder Stern? - Dein Liebster wollt vor Lachen sterben, - Und Eifersucht schien zu verderben - Den Gatten fast, den alten Herrn. - - Nimm dich in acht, hör was ich sage, - Von neuem kehren jene Tage - Der Liebe bald vielleicht zurück. - Ein Herz, das dich einmal besessen, - Kann deiner nimmermehr vergessen, - Das Herz begehrt kein besser Glück. - - Ach was! ich mag den Strom nicht dämmen, - Ich kann das Rad der Zeit nicht hemmen, - Ich halte seinen Gang nicht auf; - Was kümmern uns entschwundene Freuden, - Das Lied ist aus, wir wollen scheiden, - Das ist einmal der Welten Lauf. - - Die Zeit entführt auf ihren Schwingen - Den Lenz, die Lerche und ihr Singen, - Ach, unser Dasein gleicht dem Rauch; - Karg ist die Frist uns zugemessen, - Was frommt mir, daß ich dich besessen, - Und dir, daß meiner du vergessen .... - Mein Leben schwindet, deines auch! - - - - - An Julie - - - Daß mich die Leute auf den Gassen - Nicht mal in Frieden rauchen lassen! - Mich fragt ein jeder dumme Wicht, - Woran ich seit drei Jahren schreibe, - Was ich in meinen Nächten treibe, - Denn daß ich schlafe, glaubt man nicht. - - Willst du mir deine Lippen reichen? - Die tollen Nächte, die dich bleichen, - Sie trocknen die Korallen auch. - Daß diese Wunder nicht verderben, - Mein schwarzes Lieb, mußt du sie färben - Mit deines Atems heißem Hauch. - - Mein Drucker glaubt sich längst vergessen, - Er meint, es warten seine Pressen - Auf meine! Und ein ganzer Trupp - Honetter Herren hält die Wette, - Daß mich mein Glück verlassen hätte, - Man schwatzt davon in jedem Klub. - - Hast du noch deinen Muskateller? - Wir waren gestern erst im Keller, - Vielleicht blieb noch ein Rest zurück. - Wie glüht dein Mund! Ich will geschwinde - Mal sehen, ob ich was erfinde, - Natürlich ein verrücktes Stück. - - Sie sagen, daß ich keine Lieder - Mehr pfeifen kann und daß ich wieder - Mich werfe in den vollen Strom. - Es lohnt nur nicht, sonst schickten heute - Nach Sankt Helena mich die Leute - Mit einem Magen-Karzinom. - - Wenn ich am Feuer weiter nasche, - Verbrenn ich sicher noch zu Asche, - Auch Herkules ist ja verbrannt; - Soll in den Gluten ich verderben, - Will ich bei Dejanira sterben, - Drum öffne schleunigst dein Gewand! - - - - - An Pepa - - - Pepita, wenn die Sonne scheidet, - Wenn deine Mutter schlafen geht, - Wenn bei der Lampe halb entkleidet - Du knieend sprichst dein Nachtgebet, - - Zur Stunde, wo du Frieden findest, - Wo dich erwartet süße Rast, - Wo du die Abendhaube bindest - Und unters Bett geleuchtet hast, - - Wenn all die Deinen, die Familie, - Der Schlummer hält in seinem Bann, - Pepita, meine schlanke Lilie, - Gestehe, woran denkst du dann? - - An eine Heldin aus Romanen, - Die ihr zerbrochnes Glück beweint, - An alles, was der Traum läßt ahnen - Und was die Wirklichkeit verneint, - - An Berge, die nach schwerem Kreisen - Das Leben geben einer Maus, - An Andalusiens wilde Weisen, - An einen Mann, ein Zuckerhaus, - - An Rosen, die du einmal pflanztest, - An Blicke jenes faden Wichts, - Mit dem du den Fandango tanztest, - Vielleicht an mich, vielleicht an nichts! - - - - - Lilla - - - O ließe Lilla sich bewegen, - Daß sie mir öffnete bei Nacht, - Dann braucht ich keines Pfaffen Segen! - Durchs Fenster spräng ich, nie verlegen, - Wenn ihre Frau Mama erwacht. - - Die Angst mag alte Schachteln quälen - Um das Genick! Solch dürres Kraut - Wird keiner wohl dem Teufel stehlen, - Der wartet, bis die lieben Seelen - Sich langsam ekeln aus der Haut. - - Auf einer Planke möcht ich zechen - Mit Lilla, niemals wär ich satt! - Kein Papst kann so mich selig sprechen, - Der Mann darf dreist sein Glas zerbrechen, - Der diesen Wein getrunken hat. - - - - - Ballade an den Mond - - - Hoch auf dem Turme glitzt er, - Der Mond, so gelb wie nie, - Da sitzt er, - Wie's Tüpferl auf dem I. - - Welch Elf hat auf den Faden - Dich mit geschickter Hand - Geladen, - Du naseweiser Fant? - - Du Maske der Gespenster, - Was guckt für ein Gesicht - Durchs Fenster - Herein, du blasser Wicht? - - Bist du, der Nacht Begleiter, - Nur rund geformtes Gold, - Das weiter - Sich ohne Beine trollt? - - Bist du es gar, Geselle, - Bist du es, dessen Lauf - Der Hölle - Die träge Uhr zieht auf? - - Ein Zeiger, der die Stunden - Verdammten Seelen weist, - Sekunden - Der Ewigkeit umkreist? - - Ist es ein Wurm, der witternd - Sich anzuschleichen wagt - Und zitternd - Die Sichel dir benagt? - - Wer hat dich halb geblendet? - Hat gestern dich im Traum - Geschändet, - Vielleicht ein spitzer Baum? - - Auf meines Zimmers Wände - Trägt mir dein fahler Schein - Behende - Des Gitters Netzwerk ein. - - Es hat der Sonne Gnade, - Da sie ins Meer getaucht, - Dich gerade - Ein wenig angehaucht. - - Einst wirst du ganz erkalten, - Dein Angesicht verrät - Durch Falten, - Wie schlimm es um dich steht. - - Die Göttin gib uns wieder, - Die keusch und nie besiegt - Die Glieder - An ihre Hirschkuh schmiegt, - - Die einst in der Platane - Gehege sich gefiel, - Diane - Und ihrer Meute Spiel. - - Hoch flüchtig sind gesprungen - Die Rehe, wenn voll Macht - Gedrungen - Das Hifthorn durch die Nacht, - - Wenn auf der Spur der Beute - Ringsum durch Wald und Feld - Die Meute - Zur Hetze hat gebellt. - - Als eines Abends linde - Durch ihren Hain gerauscht - Die Winde, - Hat Phoebus sie belauscht, - - Der Gott, der nächtlich schwärmend - Die Hirtin und den Hirt - Keck lärmend - Im Vogelflug umschwirrt. - - Durch jedes Abenteuer, - Dem still du beigewohnt, - Bleibst teuer - Du alle Zeit uns, Mond. - - Wem immer du begegnet, - Dem bist für ewig du - Gesegnet, - Ob ab du nimmst, ob zu. - - Du bist es jedem Schäfer, - Wenn auch zu nächtiger Stund - Dich Schläfer - Hat angebellt sein Hund. - - Du bist es jedem Schiffe, - Das hart vom Sturm bedrängt - Durch Riffe - Der Lotse sicher lenkt. - - Und jedem schönen Kinde, - Das mal in dunkler Nacht - Geschwinde - Sich aus dem Staub gemacht. - - Tief unter dir gebettet - Und wie ein wilder Bär - Gekettet - Träumt das gezähmte Meer. - - Wenn ich bei Wind und Wetter - Nicht aus der Stube kann, - Herr Vetter, - Dann schaue ich dich an, - - Seh auf dem Turm dich glitzen, - Seh dich vergnügt wie nie - Dort sitzen, - Wie's Tüpferl auf dem I. - - Wenn manches wider Hoffen - Ein Ehemann zu Haus - Getroffen, - Dann lachst du ihn noch aus. - - Und wenn der junge Gatte, - Nachdem die Mutter zach - Ihm hatte - Entriegelt das Gemach, - - In Schlafrock und Pantoffel - Die Kerze löscht im Nu, - Du Stoffel, - Dann siehst du spöttisch zu. - - Bang harrt sie mit dem Ringe - Am Finger, der sie mahnt - An Dinge, - Die sie nur zitternd ahnt. - - Der Herr Gemahl fängt Feuer, - Sie wird in ihrer Qual - Nur scheuer - Und wehret dem Gemahl. - - Er blickt mit heißen Augen - Und ruft: Mein Kind, was soll - Das taugen? - Bei Gott, du machst mich toll! - - Kaum kann er es noch tragen, - Da läßt ihn ein Gesicht - Nichts wagen, - Und er, er wagt es nicht. - - Es zittert und es zuckt ja, - Wir sind hier nicht allein, - Man guckt ja - Ins Zimmer uns herein! - - Hoch auf dem Turme blitzt er, - Der Mond, so frech wie nie, - Dort sitzt er, - Wie's Tüpferl auf dem I. - - - - - Dezembernacht - - - Als Schüler hab ich eine Nacht - In meinem Zimmer mal durchwacht, - Die Stunden wollten kaum entweichen; - Da plötzlich mir zur Seite stand - Ein Knabe, schwarz war sein Gewand, - Er glich mir, wie sich Brüder gleichen. - - Bleich war sein schönes Angesicht, - Bei meiner Lampe trautem Licht - Hat er gelesen und geschrieben; - Mild lächelnd und gedankenschwer - Und träumend blickte er umher, - Die ganze Nacht ist er geblieben. - - Grad war ich fünfzehn Jahre alt, - Und wollte einmal durch den Wald, - Quer durch die braune Haide streichen. - Da plötzlich an dem Raine stand - Ein Jüngling, schwarz war sein Gewand, - Er glich mir, wie sich Brüder gleichen. - - Ich suchte aus dem Wald nach Haus, - Der fremde Gast hielt einen Strauß - Und eine Laute in den Händen; - Er grüßte freundlich mich, doch stumm, - Dann drehte er sich halb nur um, - Des rechten Weges mich zu senden. - - Als dann mein Herz zum erstenmal - Verraten ward und sich in Qual - Gewunden unter schweren Streichen, - Da plötzlich an dem Herde stand - Ein Fremdling, schwarz war sein Gewand, - Er glich mir, wie sich Brüder gleichen. - - Stumm stand er dort, in sich gekehrt, - Die Rechte trug ein blankes Schwert, - Die Linke zeigte starr nach oben; - Als hätt er um mein Leid gewußt, - Rang sich ein Seufzer aus der Brust, - Dann ist er wie ein Traum zerstoben. - - Als ich in der Gesellen Kreis - Von edlem Weine einmal heiß - Zu kecker Rede gab das Zeichen, - Da plötzlich mir vor Augen stand - Ein Zecher, schwarz war sein Gewand, - Er glich mir, wie sich Brüder gleichen. - - Ein Purpurlappen, ganz geflickt, - Hat unterm Mantel vorgeblickt, - Die magere Hand hat ihm gezittert; - Stumm hob das Glas der fremde Mann - Und schweigend stieß er mit mir an, - Da ist mein Glas im Nu zersplittert. - - Ein Jahr darauf, die Zeit entflieht, - Hab ich an einem Bett gekniet, - Des Vaters Mund sah ich erbleichen. - Da plötzlich ihm zu Häupten stand - Ein Waisenkind, schwarz sein Gewand, - Es glich mir, wie sich Brüder gleichen. - - Ein Engel, der dem Schmerz erliegt, - Erschien er dort, vom Leid besiegt, - Gleich mir, des teuren Toten Sohne; - Die frohe Laute war umflort, - Das Herz von einem Schwert durchbohrt, - Das Haupt trug eine Dornenkrone. - - Noch oftmals hab ich ihn gesehn - An meiner Seite schweigend stehn - In meines Lebens schwersten Stunden, - Die rätselhafteste Vision! - Ist er ein Engel, ein Dämon? - Ich hab ihn überall gefunden. - - Da später, müde und verzagt, - Ich Frankreich Lebewohl gesagt, - Der bittern Qual mich zu entwinden, - Da all mein Hoffen war verdorrt, - Da ich an einem fremden Ort - Wollt sterben oder Leben finden, - - Zu Pisa und im goldnen Mainz, - Zu Cöln, im Angesicht des Rheins, - Zu Nizza unter grünen Myrten, - In den Palästen von Florenz, - Im Wintersturm, im jungen Lenz, - Hoch in den Alpen, bei den Hirten, - - Zu Genua, wo wild die See - Das Ufer peitscht, und zu Vevey, - Zu Havre an der Klippe Wänden, - Dort wo Venedig schläft und träumt, - Die Adria am Lido schäumt, - Um in Lagunen feig zu enden, - - Wo ich auch immer ohne Mut - Gewandert bin, wo mir das Blut - Geströmt aus meines Herzens Wunden, - Wohin mich meine Unrast trieb, - Wo mich durch ihr verdammtes Sieb - Gepreßt die ewig gleichen Stunden, - - Wo nur das Rätsel dieser Welt - Des Daseins Freude mir vergällt, - Wenn ich dem Durste wollt genügen, - Wo immer, was ich längst gesehn, - Ich wieder sah vorübergehn, - Den kleinen Menschen mit den Lügen, - - Wohin auf meiner Fahrt ich kam, - Wo in die Hand das Haupt ich nahm, - Um mich am Wege auszuweinen, - Wo ich durch das Gestrüpp gehetzt - Und wie ein Lamm zerzaust, zerfetzt - Dann niedersank auf kalten Steinen, - - Wo immer mir ein Leid gedroht, - Wo ich verzweiflungsvoll dem Tod, - Dem letzten Freund, die Hand wollt reichen, - Stets plötzlich mir zur Seite stand - Der Ärmste, schwarz war sein Gewand, - Er glich mir, wie sich Brüder gleichen. - - - - - An Frau M. - - - Selbst wenn die Qual, die meine Seele leidet, - In ihr entfachte noch einmal die Glut, - Selbst wenn das Schicksal, das dies Glück mir neidet, - Mir ärmsten gönnte solch ein seltenes Gut, - - Selbst wenn die Scham, die jetzt dich von mir scheidet, - Mir alles schenkte, was still in dir ruht, - Selbst dann, du Kind, von Unschuld fromm bekleidet, - Hätt ich zur Liebe weder Witz noch Mut. - - Doch wenn dereinst die müden Sinne schwinden, - Wenn diese Welt nichts mehr in dir bewegt, - Wird die Erinnerung dich mir verbinden. - - Magst du dich freuen, dich in Schmerzen winden, - In deiner Hand wirst du die meine finden, - Du hörst mein Herz, das an dem deinen schlägt. - - - - - Lebewohl! - - - Lebwohl! Gott heißt dich weiter gehen, - Nur dich, da meiner er vergißt, - Auf Erden gibt's kein Wiedersehen ... - Jetzt weiß ich, was du mir gewesen bist. - - Nur keine Tränen, keine Klagen, - Ich beuge mich, das Schicksal spricht, - Mag dich dein Schiff von dannen tragen, - Ich sehe lächelnd zu und weine nicht. - - Die Hoffnung läßt dich sorglos scheiden, - Voll Hochmut kehrst du wieder her, - Und jene, die beim Abschied bitter leiden, - Die kennst du dann gewiß nicht mehr. - - Lebwohl, zieh deinem Traum entgegen, - Da du im Rausche nach Gefahr nicht fragst, - Noch blendet dich der Stern auf deinen Wegen, - Noch lockt das Irrlicht dich, nach dem du jagst. - - Einst lernst du, magst du jetzt auch prahlen, - Welch reiches Glück ein Herz gewährt, - Das uns versteht, und welche Qualen - Wir dulden, wenn sich's von uns kehrt. - - - - - Victor Hugo - - - 1802-1885 - - - - - Der Abend des Sämanns - - - Nun will der müde Tag entweichen, - Still liegt vor mir das weite Tal; - Die Sonne sendet im Erbleichen - Hernieder einen letzten Strahl. - - Dem armen Alten dort, der schweigend - Sich durch die graue Flur bewegt - Und in die Furchen, tief sich neigend, - Der Zukunft frohe Ernten legt. - - Und wie der lange schwarze Schatten - Des alten Mannes Werk durchmißt, - Weiß der, dies Werk ging gut von statten - Am Tage, der gesegnet ist. - - So geht er säend auf und nieder, - Er schreitet durch die weite Flur, - Er kommt und geht und streuet wieder, - Stumm folgt mein Sinnen seiner Spur. - - Verschleiert ruhen alle Fernen, - Der Schatten wächst, er rauscht und schwillt, - Er reckt empor bis zu den Sternen - Des Sämanns königliches Bild. - - - - - Abend auf dem Meere - - - Komm, das Segel füllt sich wieder, - Dieser Abend ist so schön, - Steig mit mir zum Ufer nieder, - Laß dem Fischer seine Lieder, - Laß der Welle ihr Gestöhn. - - Wollen hier im Schatten sitzen, - Hinterm Segel, das sich bauscht; - Wenn die Wogen uns bespritzen, - Seh ich deine Augen blitzen, - Höre, wie die Brandung rauscht. - - Komm, wir wollen stumm verehren - Dieser Schöpfung hehre Pracht. - Sprich, mein Lieb, kannst du erklären, - Daß mein Auge stets voll Zähren, - Daß das deine immer lacht? - - Sprich, wie kommt es, daß mein Denken - Gallenbitter in mir haust, - Daß mich selbst die Augen kränken, - Die sich stets zur Erde senken, - Während du den Himmel schaust? - - Wo ich mich im finstern quäle, - Strahlt dir silbern jeder Stern, - Während ich die Schatten zähle, - Leuchten deiner frommen Seele - Tausend Welten nah und fern. - - Bis zum Ende unsres Lebens - Brüllt um uns die Flut und dräut; - Keiner lebt, der seines Strebens - Frucht stets pflückt, der nicht vergebens - Saaten in den Boden streut. - - Unbekannt mit unserm Ziele - Rudern durch die Flut wir keck, - Ach, in frevelhaftem Spiele! - Bald flieht aus dem leichten Kiele - Mut und Hoffnung, wir sind leck. - - Weh, die Ruder, sie zerschellen, - Sturmwind fegt die Segel fort, - Laute Hilferufe gellen, - Haushoch türmen sich die Wellen, - Wälzen wild sich über Bord. - - Gott hat Mühsal uns als Lehen - Überreichlich zugeteilt, - Wohin wir uns immer drehen, - Einen werden stets wir sehen, - Der in Hast vorübereilt. - - Welchen Weg? Stets den der Ehren! - Wohin du? In meine Schmach! - Du? Dem Zweifel will ich wehren! - Du? Nach Ruhm steht mein Begehren! - Du? Der Liebe lauf ich nach! - - Hastet nicht auf allen Wegen, - Hastet nicht zu jeder Frist, - Mögt Euch plagen, mühen, regen -- - Eilt ja nur dem Land entgegen, - Daraus keine Rückkehr ist. - - Jenem Land, wo alles endet, - Ob Ihr weinet, ob Ihr lacht, - Keinen Duft die Blume spendet, - Wo kein Sonnenstrahl Euch blendet, - Jenem Lande ewiger Nacht. - - Weshalb alle diese Mühen, - Dieser Neid und diese Pein? - Trinkt Euch satt, die Wasser sprühen, - Seht im Laub die Früchte glühen, - Lebt und liebt und dann schlaft ein. - - Ob Ihr emsig wie die Bienen - Nur der Arbeit wart gewohnt, - Ob Euch je ein Glück erschienen, - Ob Ihr mit zufriednen Mienen - Tag und Nacht habt schwer gefrohnt, - - Allem ist ein Maß gemessen, - Alle Blüten fallen ab, - Ihr verliert, was Ihr besessen, - Aller Dinge harrt Vergessen, - Aller Menschen harrt das Grab. - - Gott wird einst zurück uns fodern, - Fällt den Baum mit einem Streich, - Heißt der Flamme Glut verlodern, - Schiffe auf dem Grund vermodern, - Spricht zur Blume: Werde bleich! - - Spricht zum kühnen Schlachtensieger: - Mensch, das letzte Wort ist mein! - Wate nur im Blute, Tiger, - Steige höher, stolzer Krieger, - Tiefer wird dein Fall nur sein. - - Spricht zum Weib von Evas Stamme: - Schmücke dich, nutz deine Zeit, - Staub vom Staube, Schlamm vom Schlamme, - Einen Augenblick sei Flamme, - Asche dann in Ewigkeit! - - Dulden mußt du's und ertragen, - Ausgelöscht bist du im Nu; - Willst den Herren du verklagen, - Dich zu überheben wagen? - Groß ist er und klein bist du. - - Jedem ist der Kampf beschieden, - Ob er zweifelt, ob er glaubt; - Not und Elend sind hinieden, - Doch der Herr im ewigen Frieden - Schüttelt lächelnd nur das Haupt. - - Alles was wir hier erstreben, - Alles schwindet und zerstiebt. - Ach, die Schatten, sie entschweben, - Und es bleibt von deinem Leben - Nichts, wenn niemals du geliebt. - - Will das Haupt in Demut neigen, - Leise, leise, stör mich nicht! - Blicke nach der Sterne Reigen, - Während ich in tiefem Schweigen - Höre, was die Woge spricht. - - Bangend und mit bleichem Munde - Frag ich, mit gespanntem Ohr - Horch ich .... wehe, aus dem Schlunde, - Von des Meeres tiefem Grunde - Quillt nur trüber Schlamm empor. - - Nimmer folge meinen Blicken, - Sie versenken sich in Nacht, - Sollst das Auge aufwärts schicken, - An dem Sterne dich erquicken, - Der dir froh entgegenlacht. - - Sieh ihn hoch am Himmel stehen, - Wie er glänzt und strahlt und scheint, - Gottes Lächeln wirst du sehen, - Mich laß nach dem Menschen spähen, - Der in seinen Qualen weint. - - - - - Aus den Orientalen - - - I. - - Eine Bucht und grüne Hügel, - Die sich spiegeln in der Flut, - Reiter steigen in den Bügel, - Frohe Lieder, froher Mut! - Hier die Zelte, dort die Rosse; - Schlanke Männer bei dem Trosse - Schärfen Schwerter und Geschosse - In des Feuers roter Glut. - - Überall freut den Nomaden - Seiner Sonne helles Licht, - Und die Maid, zum Tanz geladen, - Weigert sich dem Krieger nicht. - Winde spielen mit dem Sande; - Solch ein Reigen auf dem Strande - Zeigt das Weib im Festgewande - Schöner als ein Traumgesicht. - - Spiegeln sich, dem Ebenholze - Gleich, im Wasser diese Fraun, - Lacht das Angesicht, das stolze, - Jauchzen sie, wenn sie sich schaun. - Melkt jetzt das Kamel, das schnelle! - Weiße Milch spritzt aus dem Quelle, - Seltsam rinnt der Strahl, der helle, - Durch der Hände tiefes Braun. - - Munter plätschern sie im klaren - Wasser, das von Salze schwer; - Sagt, wo kamen diese Scharen, - Diese fremden, gestern her? - Plötzlich kreischen schrille Becken, - Rosse wiehern, Kinder schrecken, - Wellen, die das Ufer lecken, - Stürzen sich zurück ins Meer. - - - II. - - Die Wüste .... Furcht und Schrecken, - Nur Sand und nichts als Sand, - Wie weit mag sie sich strecken, - Versengt, verdorrt, verbrannt! - Nichts Lebendes will weilen, - Die Hügel selbst zerteilen - Im Winde sich, enteilen - Wie Flugsand auf dem Strand. - - Es ziehen Karawanen - Nach Mamre und Ophir, - Frech kreuzen ihre Bahnen - Das heilige Revier. - Schwer schleppt durch heiße Dünen, - Wo keine Halme grünen, - Verwegenheit zu sühnen, - Sich keuchend Mensch und Tier. - - Der Wüste tiefes Schweigen - Hört Gott der Herr allein, - Ihm ist sie erb und eigen, - Er markt sie ohne Stein, - Läßt Dünste sich erheben, - Die dieses Meer umschweben, - Sie zittern und sie beben - Und hüllen alles ein. - - - - - Der Kaisermantel - - - Ihr, deren Werke Labsal schaffen, - Ihr, die um Beute zu erraffen - Nach flüchtigem Wohlgeruch nur strebt, - Ihr, die Ihr den Dezember fliehet, - Den Blumen ihren Duft entziehet - Und uns den süßen Honig gebt, - - Ihr, deren unbefleckte Lippen - Am reinen Tau des Morgens nippen, - Ihr, denen Keuschheit Lust und Pflicht, - Der Blüten liebliche Genossen, - Ihr Bienen, die dem Licht entsprossen, - Setzt Euch auf diesen Mantel nicht! - - Ihr hochgemuten, arbeitsfrohen, - Die Ihr noch keinen Feind geflohen, - Stürzt Euch, Ihr Bienen, auf den Mann! - Von Euer Flügel Gold getragen - Sollt Ihr den Schuft mit Pfeilen jagen, - Fragt ihn: »Wofür siehst Du uns an? - - Verräter Du, wir sind die Bienen! - Dem Frieden stiller Hütten dienen - Mit unseren Körben wir zur Zier. - Wir schwärmen durch die klaren Lüfte, - Aus Rosen saugen wir die Düfte, - Auf Platos Lippen wohnen wir. - - Zu Nero magst Du Dich gesellen, - Dich neben Karl den Neunten stellen, - Der nach des Volkes Blute lechzt. - Nicht des Hymettus Biene habe - Des Mantels Hut, sie hat der Rabe, - Der auf dem Hochgerichte krächzt.« - - Ihr sollt ihn peinigen, ihn lähmen, - Das Volk, das vor ihm bangt, beschämen, - Stecht ihm die Augen aus, dem Wicht! - Sollt mitleidlos ihn jagen, hetzen, - Wenn Menschen feige sich entsetzen, - Hält Euer Stachel das Gericht. - - - - - Die Ordnung ist wieder hergestellt - - - Die treten uns mit frechem Hohne - Und das Verbrechen trägt die Krone, - Das Recht des Volkes wird gebeugt. - An allen Grenzen unserer Lande - Ragt heut ein Denkmal unserer Schande, - Die Ehre ist erwürgt und schweigt. - - O edle Freiheit großer Ahnen, - O Republik mit deinen Fahnen, - Die einst geragt zum Himmelsblau, - Du wurdest schnöde überlistet, - Des Kaiserreiches Sünde nistet - Verräterisch im stolzen Bau. - - Die Zeiten sind vom Fluch besessen, - Mein Volk, du hast dich selbst vergessen, - Du wurdest feiler Lüge Raub. - Gesetz und Recht ward dir zu nichte, - Was kümmert dich die Weltgeschichte - Und deiner Väter heiliger Staub? - - Willkommen seid ihr meinem Herzen, - Verbannung, Armut, bittere Schmerzen, - Willkommen, tränenreiche Zier. - Es heult der Wind durch meine Hütte, - Die Trauer naht mit düsterm Schritte, - Stumm setzt sie sich zur Seite mir. - - Im Unglück finde ich euch wieder, - Gestalten meiner ersten Lieder, - Für die das Herz so heiß entbrannt. - O Freiheit, Mannesmut und Tugend, - Geliebte meiner frohen Jugend, - Auch euch hat schnöde man verbannt. - - Sei mir gegrüßt, du Wasserwüste, - Sei mir gegrüßt, o Jerseys Küste, - Wo Englands altes Banner weht! - Dem Flutgebrause will ich lauschen, - Den Wogen, die im Winde rauschen, - Der Welle, die im Sturm vergeht, - - Den Möven, die sich schaukelnd wiegen, - Die schaumbespritzt gen Himmel fliegen, - Vergoldet von der Sonne Strahl; - Wie sie sich aus der Flut erheben, - So ringt empor zu neuem Leben - Die Seele sich aus ihrer Qual. - - - - - Lied - - - Du Waldespfad mit schwanken Zweigen, - Ihr Täler, Hügel, rings umher, - Weshalb die Trauer und das Schweigen? - -- Der einstmals kam, kommt nimmermehr. - - Am Fenster keiner von den Lieben, - Verwelkt die Blumen und verdorrt, - Sprich, Haus, wo ist dein Herr geblieben? - -- Ich weiß es nicht, mein Herr ist fort. -- - - Sei wachsam, Hund! -- Wozu mich plagen? - Das Haus ist leer, du siehst es ja! -- - Mein Kind, wem gelten deine Klagen? - Und deine, Weib? -- Ihm, der nicht da. - - Wo weilt er? -- Jenseits ferner Meere. - Was seufzt ihr, Wogen, um den Stein? - Wo kommt ihr her? -- Von der Galeere. - Was bringt ihr? -- Einen Totenschrein. - - - - - Lied - - - Tot sind die kleinen Täubchen, - Das Männchen und das Weibchen, - Die Katze fing sie ein; - Zernagt sind ihre Reste, - Wer kehrt zurück zum Neste? - O arme Vögelein! - - Vom Hirten keine Kunde, - Tot sind die treuen Hunde, - Der Wolf bringt Euch Gefahr. - Es zittern Eure Leiber, - Wer scheucht den feigen Räuber? - O arme Lämmerschaar! - - Er muß im Kerker sterben, - Sie im Spital verderben, - Im Hause pfeift der Wind; - Kein Freund betritt die Stiege, - Wer schaukelt deine Wiege, - O armes, armes Kind? - - - - - Ein Spiel - - - Einst machte, laßt es Euch sagen, - Der Herrgott voller Behagen - Mit Satan eine Partie. - Jedweder hielt seine Karte, - Der setzte Bonaparte, - Der andere Mastai. - - Ein armer winziger Pfaffe, - Ein kleiner prinzlicher Laffe, - Welch jämmerliches Spiel! - Gott machte es, ohne Zweifel - Mit Absicht, daß dem Teufel - Der ganze Einsatz verfiel. - - »Dein sind sie,« rief mit Lachen - Der Herr, »was wirst du nun machen?« - Der Teufel blickte voll Hohn; - Er packte die beiden Kleinen, - Auf Petri Stuhl setzt er einen, - Den andern auf Frankreichs Thron. - - - - - Des Kaisers Zeitvertreib - - - Dumpf tönen der Verbannten Klagen, - Das Grab ist nah und Frankreich fern. - Du schwelgst bei festlichen Gelagen, - Kannst Frauen im Theater jagen, - Das Hifthorn ruft zur Hatz den Herrn. - Rom wird dich salben und dich krönen, - Die Könige duzen Dich erfreut ... - Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen, - Morgen dräut - Sturmgeläut! - - Des Schicksals Groll trifft nur die Besten, - Nur Männerseelen das Exil. - Du wohnst in ragenden Palästen, - Hast Gärten, Wälder, bei den Festen - Treibt Venus ihr verbuhltes Spiel. - Frech rasen die bekränzten Schönen, - Der Dienst des Bacchus wird erneut ... - Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen, - Morgen dräut - Sturmgeläut! - - In Ketten schleppen hinter Gittern - Gefangene keuchend Stein auf Stein. - Hallali tönt es, Wälder zittern, - Fanfaren schmettern, Rüden wittern, - Die Birke glänzt im Mondenschein, - Dort schwimmt der Hirsch! Hört Ihr ihn stöhnen? - Die Meute folgt, der Herr gebeut ... - Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen, - Morgen dräut - Sturmgeläut! - - Im Kerker leert des Elends Schale - Ein Mann, vor Hunger stirbt sein Sohn. - Der Wolf füllt Tigern die Pokale, - Der Pfaffenkaiser zecht beim Mahle - Aus der Monstranz. Es blickt voll Hohn - Ein Faun auf ihre Schmach, sie frönen - Gelüsten, die sein Ekel scheut ... - Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen, - Morgen dräut - Sturmgeläut! - - Gespenster der Erschlagnen wimmern, - Die Toten finden keine Ruh. - In prächtig ausgeschmückten Zimmern - Seh ich den Wein im Becher schimmern, - Die Dame trinkt dem Sieger zu. - Der Seele Blöße zeigt ihr Höhnen, - Des Leibes Blöße zeigt ihr Kleid ... - Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen, - Morgen dräut - Sturmgeläut! - - Das Fieber endet Eure Klagen, - Gefangene, bald seid Ihr frei. - Es schwelgt bei üppigen Gelagen - Der Troß mit lärmendem Behagen - Und singt und lacht und küßt dabei. - Die edlen Ritter zu versöhnen, - Wird wahllos Huld und Gunst verstreut ... - Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen, - Morgen dräut - Sturmgeläut! - - Es wandelt Männer in Skelette - Cayennes heiße Fieberglut. - In unseres letzten Ludwig Bette - Erwartet dich die Lagerstätte, - Wo auch dein Oheim einst geruht. - Du wirst dich schnell daran gewöhnen, - Horch, wie der Pöbel hurra schreit ... - Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen, - Morgen dräut - Sturmgeläut! - - O weint, die Freiheit ward erschlagen, - Ein Dolchstoß hat sie umgebracht. - Doch jetzt ist keine Zeit zum Klagen, - Der Bräutigam steigt in den Wagen, - Der Cäsar feiert Hochzeitsnacht. - Singt Brautgesänge, Ihr Kamönen, - Dem Mörder, der um Frankreich freit .... - Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen, - Morgen dräut - Sturmgeläut! - - - - - Die Sühne - - - I. - - Entglitten waren ihm zum ersten Mal die Zügel, - Zum ersten Male hingen seines Adlers Flügel. - Nur graue Tage. Langsam kehrte er zurück, - In Moskaus Flammenmeer versank des Kaisers Glück. - Es schneite. Und soweit die Ebene sich streckte, - Soweit verschwand sie in dem Schnee, der sie bedeckte. - Kein Banner fliegt und kein Kommandoruf gebeut, - Das große Heer von gestern eine Herde heut. - - * * * * * - - Im Sattel sitzen die Trompeter traumverloren, - Der bleiche Mund ist an die Hörner angefroren, - Granaten, Bomben und Kartätschen sind vereist, - Die Grenadiere wissen jetzt, was zittern heißt. - Mechanisch trotten sie des Wegs, die alten Kerle, - Im grauen Barte glänzt des Eises kalte Perle. - Es schneit, es pfeift der Wind. Barfuß ziehn sie einher, - Auf Glatteis, ohne Brot, den Weg kennt keiner mehr. - Soldaten sind es nicht, nicht Herzen, die empfinden, - Es sind nur Träume, die sich durch den Nebel winden, - Ein Zug von Schatten, matt, verblichen und erschlafft, - Ringsum die Einsamkeit, unendlich, grauenhaft. - - * * * * * - - Der Kaiser sieht die Not, stumm bleibt sein bleicher Mund. - Noch steht der Baum, doch trägt er schon des Fällers Zeichen; - Der Riese, dessen Wipfel keiner konnt erreichen, - Der nie den Hieb der Axt, den Beilschlag nie gekannt, - Er fühlte des Geschicks, des Meisters schwere Hand. - Erschauernd hörte er die dumpfen Hiebe schallen - Und sah rings um den Stamm die Äste niederfallen, - Sie alle sinken hin, ein jeder wird gefällt. - Still schleichen bis zuletzt sie um des Kaisers Zelt, - Um auf der Leinwand seinen Schatten nur zu sehen, - Und wenn sie dort dann die Gestalt, sein Bild erspähen, - Scheint ihnen noch sein Stern. Und all die Pein, das Leid - Ist Majestätsbeleidigung, des Schicksals Neid. - Doch er, den keine Kraft bis dahin übermannte, - Er wandte sich zu Gott, dess' Zeichen er erkannte. - Daß dieses eine Buße war, das ahnte er, - Doch nicht wofür. Gebeugt frug er und sorgenschwer - Vor den Legionen, die im Schnee begraben waren: - Ist dies die Züchtigung, Gewaltiger der Scharen? - Da hörte seinen Namen er im Dämmerschein, - Und eine Stimme quoll aus Nacht und Dunkel: Nein! - - - II. - - Waterloo, Waterloo! still liegst du jetzt und träumend - Im weiten Kessel, dem die Woge überschäumend - Mit wildem Sprung entquoll! In diesem grünen Tal - Hielt der gefräßige Tod ein fürchterliches Mahl. - - * * * * * - - Gemetzel, ein verhängnisschwangrer Tag. Der Mann - Erkannte, daß der Sieg ihm in der Hand zerrann. - Noch stand als allerletzter Rückhalt seine alte - Erprobte Garde unberührt im Hinterhalte. - Vorwärts! rief er, zum Kampf, die ganze Garde vor! - Wie eine Springflut bäumte es sich wild empor. - Dragoner und Lanciers, die Helden aller Zonen, - Die Grenadiere, tapferer als Roms Legionen, - Der Donner und der Blitz im Rohr der Artillerie, - Die letzten Helden von Friedland und Rivoli, - Sie gingen in den Tod, ins sichere Verderben, - Und jubelnd grüßten sie noch ihren Gott vorm Sterben. - Ein einziger Ruf erscholl: Der Kaiser hoch! und dann - Marschierten sie in festem Tritt, Musik voran, - Die ganze Kaisergarde in den Höllenrachen, - Der englischen Kanonen spottete ihr Lachen. - - * * * * * - - Mit einem Mal durchlief Verzweiflung alle Glieder, - Das gräßliche Gespenst schlug Mut und Hoffnung nieder, - Die Bataillone wichen rückwärts, bleich, entsetzt, - Die Fahnen waren ihnen nur noch Lumpen jetzt. - Die blasse Furcht, das Riesenweib mit schwankem Schritte, - Hob das verzerrte Haupt empor in ihrer Mitte, - Die Männerherzen zwang sie plötzlich in den Bann, - Von links, von rechts ein Schrei nur: Rette sich, wer kann! - Zurück! schallt es aus tausend Kehlen. Alle wanken, - Kein Widerstand, kein Halt, es sinken alle Schranken, - Besinnungslos strömt alles hin, das Herz versagt .... - Verdorrte Blätter, die der rauhe Herbststurm jagt! - Im Graben liegen schon die Protzen und Lafetten, - Ein jeder rennt, ein jeder will das Leben retten. - Sie werfen ihre Adler fort, Helm und Gewehr, - Die Veteranen fliehn, die Preußen hinterher. - Verbranntes Stroh im Wind, was einst ein Heer gewesen, - Jetzt flattert es wie Spreu, gefegt von Gottes Besen. - - * * * * * - - Napoleon sah ihren Fall. Die Woge spülte - Geschütz und Roß und Mann und Banner fort. Da fühlte - Er des Gewissens Not, die Schande und die Schmach. - Er beugte sich: Ich bin besiegt, mein Schwert zerbrach, - Mein stolzes Heer entfloh wie vor dem Wolf die Schafe, - Gib Antwort, strenger Gott, ist dieses meine Strafe? - Da drang ein Laut wie Stahl ihm kalt durch Mark und Bein. - Im Donner der Geschütze rief die Stimme: Nein! - - - III. - - Er stürzte. Gott hat für Europa andere Ruten. - Im fernen Meere liegt umwogt von wilden Fluten - Erloschenen Vulkans ein abgesprengter Teil. - Das Schicksal nahm den Hammer, Nägel, Eisen, Seil, - Es packte ihn, den bleichen Räuber seiner Blitze, - Und kettete ihn lachend an des Felsens Spitze. - Es lockte Englands Geier an; in ekler Gier - Zernagte ihm das Herz das widerliche Tier. - - Erloschen ist der Sonne märchenhafter Schimmer, - Vom Morgen bis zur Nacht dieselbe Öde immer, - Der Kerker und die Einsamkeit und Schmerz und Weh, - Die Wache an der Tür, am Horizont die See, - Der nackte Fels, das Einerlei, endlose Räume, - Die Segel ziehn vorbei wie hoffnungslose Träume, - Die Woge braust, es pfeift der Wind, er heult und gellt ... - Leb wohl, mein Wappenschild, leb wohl, mein Purpurzelt, - Leb wohl, du Roß, das stolz den Cäsar einst getragen, - Das Diadem zerbrach und keine Trommeln schlagen! - Kein König liegt im Staub und küßt des Mantels Saum - Verzerrten Angesichts ..., vorbei der Kaisertraum! - - * * * * * - - Den Bildern denkt er nach, die aus dem Nebel steigen, - O Ruhm, o Glanz, o leeres Nichts, o ewiges Schweigen! - Der Adler kennt ihn nicht, der seine Schwingen reckt, - Die Könige haben ihm den Kerker abgesteckt, - Entrinnen kann er nie den Blicken seiner Späher. - Und seine Stunde kam. Der Tod rückt immer näher, - Er wuchs in seines Lebens tiefe Nacht hinein - Wie in den Wintertag des bleichen Morgens Schein, - Die Seele fröstelte schon längst auf dunkeln Wegen. - Da eines Tages legt er auf das Bett den Degen - Und flüstert: es ist Zeit! Still hat er sich gestreckt, - Der Mantel von Marengo hat ihn zugedeckt, - All seine Schlachten standen an des Kaisers Bette. - Er aber sprach: Jetzt endlich ist gesprengt die Kette, - Sieg, Sieg, dort fliegt mein Aar, ich sehe ihn, er steigt! - Zum Sterben hatte er das müde Haupt geneigt, - Da sah er durch die Schatten, die auf's Auge fielen, - Herrn Hudson Lowe über seine Schwelle schielen. - Laut schrie der Riese, den der Könige Fuß zertrat: - Das Maß ist voll, mir ist vergolten, was ich tat, - O Herr, genug des Zorns, laß ab von deinem Grimme. - Ich habe schwer gebüßt! Noch nicht ...! rief eine Stimme. - - - IV. - - Das schwarze Mißgeschick ist wie die Nacht entflohn, - Im Tode stieg der Kaiser wieder auf den Thron. - - * * * * * - - Die Schlacken fielen ab, in hellem Glorienschein - Erstrahlte jetzt sein Bild, von dunkeln Flecken rein. - Des Ruhmes Glanz hat die Gerechtigkeit bestochen, - Verstummt ist sie, sein Urteil hat sie nicht gesprochen, - Arcole lebte nur und Ulm und Austerlitz. - Wie in die Gräber alter Zeit stieß Menschenwitz - In jener großen Jahre tiefen Schutt den Spaten. - Die Völker jubelten, die Zeugen seiner Taten, - So oft darin des Konsuls Marmorbild sich fand, - So oft daraus des Cäsars Erzgestalt erstand. - - - V. - - Es steigt der Ruhm, wenn Helden fallen! - Er hörte in des Grabes Nacht - Das Lied durch alle Lande schallen, - Das ihm Unsterblichkeit gebracht. - - Die Erde sprach: Im Sturmeswehen - Ist ihm der Sieg gefolgt, das Glück, - Noch niemals sah vorübergehen - Die Weltgeschichte solch Geschick. - - Auf dieses Mannes Sarg der Hügel - Sei höher noch als je getürmt, - Den Erdball leitete sein Zügel, - Den Himmel hat er fast gestürmt. - - Bezwungen hat er diese Erde, - Zu eng war ihm der weite Raum, - Daß er des Schicksals Meister werde - Verlangte seiner Seele Traum. - - Im Trotz hat er mit allen Sinnen - Sich wider Gottes Schluß gebäumt, - Wenn seinem herrischen Beginnen - Das Ende je zu lang gesäumt. - - Er, der mehr als ein Mensch gewesen, - Sprach laut zu Rom: Die Welt war dein, - Du fällst. So hab ich es gelesen - Im Schicksalsbuch. Das Reich ist mein. - - Ein Priesterkönig! zwei Idole - In einem, Leuchtturm und Vulkan! - Der Louvre ward zum Kapitole - Und St. Cloud ward zum Vatikan. - - Als Cäsar hätte vor dem Volke - Stolz zu Pompejus dieser Mann - Gesagt: Siehst in der Feuerwolke - Mein Schwert Du? trag es mir voran! - - In seinen wilden Phantasieen, - In seiner Seele heißem Traum - Sah er Nationen vor sich knieen, - Sie küßten seines Mantels Saum. - - Die Räume wollte er, die Zeiten - Im Sturme durcheinander wehn, - Paris durch alle Welten breiten - Und in Paris die Welten sehn. - - Er wollte in der Erde Mitten - Errichten seinen hohen Thron, - Zu einem Volk die Menschheit kitten - Wie Cyrus einst in Babylon. - - Er wollte in vermeßnem Prahlen - Auf ewig gründen seinen Ruhm, - Jehovah sollte überstrahlen - Des neuen Gottes Heiligtum. - - - VI. - - Er kehrte im Triumph zurück zu Frankreichs Strande, - Der Ozean gab seinen Sarg dem Vaterlande. - - Zwölf Jahre lag er dort, erreicht hat er das Ziel, - Geheiligt durch den Tod, geheiligt durchs Exil; - Und alle, die an seiner Gruft vorübergehen, - Sie wähnen dort im Schatten wieder ihn zu sehen, - Im Kaisermantel mit den goldenen Bienen, stumm, - Im hohen Marmordom, und Schweigen rings herum, - Ihn, jenen Mann, dem einst zu eng des Erdballs Weite, - Das Szepter in der Hand, den Degen an der Seite, - Zu Füßen sitzt mit halb geschlossnem Aug der Aar. - So schläft den Todesschlaf der, welcher Cäsar war. - - - VII. - - Des Nachts -- im Grabesschweigen herrscht ja immer Nacht -- - Ist plötzlich um die Geisterstunde er erwacht. - Seltsame Schatten sieht er durch das Dunkel irren, - Ein schrilles Lachen hört er durch die Halle schwirren, - Er richtet schreckensbleich sich auf in seiner Gruft, - O Grausen ... eine wohlbekannte Stimme ruft: - - Steh auf jetzt! Moskau, Waterloo und alle Leiden - St. Helenas, und was Du fühltest, als im Scheiden - Am Sterbebett Du Albions höhnendes Gesicht - Erblicktest, das ist nichts. Jetzt erst naht das Gericht. - Hart klang die Stimme, zischend, schneidend und zersetzend, - Sarkastisch finster war der Ton, ironisch ätzend, - Ein bitteres, scharfes Lachen, eines Halbgotts Hohn. - - Sire, sie schleppen Dich aus Deinem Pantheon, - Sire, sie holen von der Säule Dich herunter, - Blick um Dich! Räuberpack, ein widerlicher bunter - Schwarm von Zigeunern, die am Aase sich geletzt, - Die haben Dich, und Du bist ihr Gefangener jetzt. - Sie winden sich um Deines Fußes Erz, die Schlangen! - Stolz wie die Sonne bist Du unter einst gegangen, - Napoleon der Große, in der wilden See, - Jetzt stehst Du auf als Clown im Cirkus Beauharnais. - Sie putzen Dich, Du bist, wenn sie die Leute locken, - Der Große, doch ein Narr, wenn sie zusammenhocken. - Der Degen rasselt auf dem Pflaster laut und scharf, - Die Bande kann ihn auch verschlucken nach Bedarf. - Sie laden alle ein, die vor der Bude stehen: - Hereinspaziert, hier ist ein Kaiserreich zu sehen, - Der Papst ist engagiert ..! Ihr zweifelt? es ist wahr, - Und etwas feines noch, es tritt auch auf der Zar! - Doch der ist ein Sergeant, der Papst ist nur ein Bonze, - Als Extranummer haben wir den Mann von Bronze! - Fould und Magnan sieht man beliebig sich verwandeln, - Und Automaten, die wie ein Senat verhandeln, - Wir sind vom großen Kaiser die berühmten Neffen ...! - Hörst Du das Diebsgesindel schrein, hörst Du sie kläffen? - Der Kaiseradler, der sich in die Lüfte froh - Geschwungen einst, der ist jetzt ausgestopft mit Stroh, - Er, der das Schlachtfeld hat geschaut mit freien Blicken, - Sieht auf dem Jahrmarkt Deinen Thron zusammenflicken. - Sie haben Frankreich ausgeraubt, die feige Brut, - Du siehst ja, ihre Lumpen sind noch voller Blut, - Im Weihekessel wäscht den Trödelkram der Pfaffe, - Du, Löwe, folgst als Knecht, ihr Meister ist der Affe. - Dein Name ist ihr Bett, sie nutzen ihn mit List, - Sie düngen Austerlitz sogar mit ihrem Mist. - Dein Ruhm, Napoleon, ist Wein für ihre Schande, - Den grauen Mantel probt der Häuptling dieser Bande, - Sie sammeln Bettelgroschen in dem kleinen Hut, - Dein stolzes Banner ist zum Tischtuch grade gut. - Und an dem Spieltisch, wo die Gauner alle lauern, - Da säuft das Bettelpack und plündert frech die Bauern; - Du stehst Gevatter bei dem schnöden Beutezug, - Die Hand, die einst bei Lodi die Standarte trug, - Die Blitz und Donner hielt, die Hand, o Bonaparte, - Betrügt beim Würfelspiel und mischt die falsche Karte. - Mit ihnen mußt Du zechen, und sie stoßen dann - Dich höchst gemütlich mit dem Ellenbogen an. - Pietri duzt Deine Majestät, der Jammerlappen, - Herr Maupas darf vertraulich auf den Bauch Dich tappen. - Falschmünzer, Mörder, Schufte, Räuber ... jeder denkt, - Es wird, wie Dir, was er verbrach, ihm nicht geschenkt, - Doch vorher hoffen sie den Becher noch zu leeren, - Poissy trinkt auf St. Helena, um Dich zu ehren! - Ein ewiger Sonntag, Bälle, Feste früh und spät, - Der Pöbel stößt und drängt, der vor dem Cirkus steht. - Du steigst auf das Gerüst, um das die bunte Menge - Sich dreht, sie schreit und johlt im lärmenden Gedränge, - Laut klingelt neben Dir Rouher, der Hampelmann -- -- - So endet bei Callot, was bei Homer begann, - O welche Epopoe, o welches Schlußkapitel ...! - Troplong, der Hanswurst im gestreiften Narrenkittel, - Ist obenauf. Vor dieser Bude, wo ein Wicht - Den Cäsar spielt mit schlecht gewaschenem Gesicht, - Mit einem Schnurrbart, wie ihn die Banditen tragen, - Mußt Du, Gespenst im Hermelin, die Pauke schlagen! - - Die gräßliche Vision verstummte und versank. - Der Kaiser taumelte, ein lauter Angstschrei drang - Aus seiner Brust, der Blick war starr. Verstohlen tauschten - Die Siegesgöttinnen, die an der Pforte lauschten, - Und heimlich Winke aus, da sie ihn zittern sahn. - In blasser Furcht erhob die Hände der Titan, - Dumpf klang sein Stöhnen in den grauen Finsternissen. - Verzweifelnd schrie er auf: Wer bist Du, laß mich's wissen, - Der Du mir ewig folgst, den nie geschaut mein Blick! -- - Ich ....? Dein Verbrechen bin ich, tönte es zurück. - Ein geisterhaftes Licht war ringsum ausgebreitet, - So klar, wie Gott, wenn er den Pfad der Rache schreitet, - Und eine Flammenschrift hob hell sich von der Wand, - Wie einst sie lohend vor Belsazars Auge stand, - Er las sie. Kalt und starr fiel er zurück ins Leere, - Geschrieben stand: Ich bin der achtzehnte Brumaire. - - - - - Théophile Gautier - - - 1811-1872 - - - - - Pastell - - - Ich liebe euch in den ovalen Rahmen, - Vergilbte Bilder einer fernen Zeit, - Euch, längst verblichne Rosen, und euch, Damen, - Die ihr verwelkt seit hundert Jahren seid. - - Die Lilie schwand, die Rose und die Aster - Im Wintersturm, im Regen und im Schnee, - Der Spritzfleck ist jetzt euer Schönheitspflaster, - Verstaubt und rissig liegt ihr auf dem Kai. - - Die Erde sah das Reich der Schönen schwinden, - Die Pompadour, sie würde heute kaum - Ergebene Sklaven, Untertanen finden, - In ihrer Gruft schläft sie und dieser Traum. - - Doch ihr, vergessene Bilder mit den Blüten, - Aus denen Leben längst und Duft entschwand, - Ihr lächelt! Die Erinnerung wollt ihr hüten - An alles, was einst leuchtend vor euch stand. - - - - - Trost - - - Die Welt ist schlecht! Die Leute sagen, - Du trügest an demselben Platz, - Wo andere die Herzen tragen, - Nur eine Uhr, mein lieber Schatz. - - O nein! Dein junger Busen dehnt sich, - Schwillt wie das Meer zur Zeit der Flut, - Dein junges Herz, es bangt und sehnt sich, - Und feurig kreist dein junges Blut! - - Die Welt ist schlecht! Die Leute sagen, - Der Blick, mit dem du mich entzückst, - Du wüßtest ihn nur aufzuschlagen, - Wenn du auf eine Feder drückst. - - O nein! in mancher bangen Stunde - Hab ich die Träne, süße Frau, - Dir fortgeküßt mit heißem Munde, - In dunkeln Wimpern hing der Tau. - - Die Welt ist schlecht! Die Leute sagen, - Mein Kind, dein Köpfchen wäre hohl, - Die Verse, die ich vorgetragen, - Die hieltest du für Sanskrit wohl. - - O nein! mit siegessicherer Miene - Blickst du mich an, dein Grübchen lacht ... - Du liebe, süße, kluge Biene, - Wer hat nur solches Zeug erdacht? - - Weil du mich liebst, laß dir es sagen, - Verfolgt dich böser Mäuler Neid, - Brauchst mich zum Teufel nur zu jagen, - Dann hast du Herz und bist gescheit! - - - - - Die Alten von der alten Garde[2] - - - Mich hat aus meinem warmen Zimmer - Die Langeweile aufgescheucht, - Es war, wie im Dezember immer, - Im Freien neblig, kalt und feucht. - - Ich sah, kaum konnt ich es begreifen, - Wie so etwas passieren mag, - Gespenster durch die Straßen streifen, - Gespenster hier am hellen Tag. - - Ist dies die Nacht ruchloser Helden, - Wo unerlöste Seelen stumm, - Wie dies die deutschen Märchen melden, - In alten Türmen gehen um? - - Ist dies die Nacht, wo Elfen schwärmen, - Wo sie geheimnisvoll und bleich - Im Totentanze seltsam lärmen - Rings um den traumverlornen Teich? - - Ist dies die Nacht, die schaurig helle, - Die Er zur Heerschau ausgewählt, - Wo Er inmitten der Marschälle - Die Schatten der Getreuen zählt? - - Doch Geister auf Pariser Gassen, - Zwei Schritt nur von den Varietés, - Wie können die sich sehen lassen - Im Straßenkot, im feuchten Schnee? - - Ein Anblick, wahrlich, ein aparter! - Kein Zahn, nur Runzeln im Gesicht, - So zeigt der Boulevard Montmartre - Das tolle Volk im Mittagslicht. - - So etwas sang noch nie ein Barde! - Den Tschako schwenkt die kleine Schar ... - Die Uniform der alten Garde, - Dazwischen schleicht auch ein Husar. - - Sie kommen langsam angezogen, - Mit müden Schritten, ohne Laut, - Ein jeder kennt die Bilderbogen, - Worauf man diese Alten schaut. - - Der Tod gab sie nicht wieder heute, - Kein Trommler hat sie aufgeschreckt, - Es hat nur ein paar alte Leute - Des Kaisers Heimkehr aufgeweckt. - - Seit sie die letzten Schlachten schlugen - Nahm dieser zu und jener ab, - Die Kleider, die sie damals trugen, - Sind dem zu weit und dem zu knapp. - - Armseliger Trödel, heilige Fetzen, - Ihr Lumpen mit dem roten Band, - In keines Königs reichsten Schätzen - Trifft man ein schöneres Gewand! - - Ein Haarbusch, der sich mühsam fristet, - Ein Pallasch mit zerbeultem Griff, - Die Motte hat sich eingenistet - Im Loch, durch das die Kugel pfiff. - - Die Hosen schlagen tausend Falten, - Die Sporen fraß beinah der Rost, - Es schlottert mancher dieser Alten - Erbärmlich bei dem harten Frost. - - Und wieder andere sieht man keuchen, - In ihren Dolman eingezwängt, - Mit wohlgepflegten dicken Bäuchen, - Die Nähte werden fast gesprengt. - - Kein Spott! es wäre jammerschade, - Nehmt eure Hüte in die Hand, - Seht Helden einer Iliade, - Wie kein Homer sie je erfand. - - Habt Ehrfurcht! diese Bronzefarbe - Hat aller Zonen Hauch gebeizt, - Die Stirn zeigt manch verharschte Narbe, - Die vieler Jahre Furchen kreuzt. - - Ägyptens Wüste, heiß und trocken, - Sie dörrte jenen schwachen Greis, - Dem Rußlands kalte Winterflocken - Die braunen Haare färbten weiß. - - Es zittern ihre müden Hände ... - Die Beresina weiß, wovon! - Die Füße hinken ... welch ein Ende - Von Moskau bis nach Lissabon! - - Der geht gebückt ... in hundert Nächten - Hielt ihn das Fahnentuch nur warm! - Dem fliegt der Ärmel an der rechten ... - Gewiß, ihm fehlt der rechte Arm! - - Drum keinen Spott! laßt sie nur gehen, - Die jeder Bube heut verlacht, - Den Morgen haben sie gesehen, - Wir aber sehen nur die Nacht. - - Was ihr verlort, hier blieb's erhalten! - Die Grenadiere, der Husar, - Seht vor der Säule diese Alten, - Da steht ihr Gott, ragt sein Altar. - - Stolz auf das Leid, das sie getragen, - So hören Frankreichs Herz sie jetzt - Laut unter ihren Lumpen schlagen, - Die längst die Zeit zernagt, zerfetzt. - - In Tränen wandelt sich das Lachen, - Rings wird es still mit einem Mal, - Entschlafene Zeiten, sie erwachen, - Das ist ein heiliger Carneval. - - Und über diesem Maskenzuge - Und über dieser bunten Schar, - Da breitet noch einmal im Fluge - Den Fittich aus der Kaiseraar. - ----------- - -[Fußnote 2: Am 15. Dezember 1840 wurde Napoleons Leiche in Paris -beigesetzt. Seitdem zogen alljährlich an diesem Tage die Veteranen der -großen Armee nach dem Invalidendom.] - - - - - Charles Baudelaire - - - 1821-1867 - - - - - Mißgeschick - - - Zu schwer wiegt dieser Last Gewicht, - Kaum kann ein Sisyphus sie heben, - Die Kunst währt lang und kurz das Leben, - Selbst wenn es nicht an Mut gebricht. - - Nie hab an ruhmbekränzten Särgen - Ich aufgeschluchzt, mich packt das Weh, - Der Gram, wenn ich an Gräbern steh, - Die namenlose Tote bergen. - - Manch Kleinod ward in Nacht versenkt - Und Finsternis, kein Spaten denkt - Nach dem vergessenen Schatz zu schürfen; - - Still haucht manch Blüte in die Luft - Wie ein Geheimnis ihren Duft, - Den tiefe Einsamkeiten schlürfen. - - - - - Das Ideal - - - O nein, sie sind es nicht, die leicht umrissnen Fratzen, - Die tauben Früchte dieser Zeit, vermorscht, verrucht, - Die hohlen Puppen, die geschmeidig falschen Katzen, - Sie sind es nicht, o nein, die meine Seele sucht. - - Ich gönne Gavarni,[3] dem Dichter der Chlorosen, - Dies Volk und sein Gekreisch, ihm und dem Hospital, - Nie blüht in wilder Pracht bei diesen bleichen Rosen, - Nie blüht auf diesem Beet mein rotes Ideal. - - Es lebt ein andres Bild auf meines Herzens Grunde, - Der Lady Macbeth gleicht's in ihrer Schicksalsstunde, - Dem Traum, der Aeschylus groß vor der Seele stand. - - Dir gleicht es, ewige Nacht, wie einst in stolzen Tagen - Dich Michelangelo hat aus dem Stein geschlagen, - Dir, deren düsterer Reiz Giganten zwingt und bannt. - ----------- - -[Fußnote 3: Zeichner von Karrikaturen und modernen Typen, 1804-1866.] - - - - - Der Vampyr - - - Die du gleich einem scharfen Stahl - Mir in das zage Herz gedrungen, - Die du, ein Dämon, mir zur Qual - Hast gleißend meinen Sinn bezwungen, - Du, die der Seele Schwung mir brach, - Die sie entweiht zum Lotterbette, - Die mich gefesselt an die Schmach, - Wie den Verbrecher an die Kette, - - Wie Spieler an des Teufels Buch, - Wie Säufer an die vollen Gläser, - Wie ekle Maden an die Äser ... - Verfluchte, dafür meinen Fluch! - - Ich bat das Schwert: Hilf schnell und ehrlich - Mit einem Hieb, der offen trifft! - Verzweifelnd heischte und begehrlich - Erlösung ich vom feigen Gift. - - Umsonst! sie höhnen und versagen, - Das schlechte Gift, das gute Schwert: - Du sollst die Ketten ewig tragen, - Du bist der Freiheit nicht mehr wert. - - Füg Feigling dich! du wirst es müssen, - Denn brächten wir Erlösung dir, - Erwecktest du mit deinen Küssen - Zu neuem Leben den Vampyr. - - - - - Die Katze - - - Mein Kätzchen, zieh die scharfen Krallen ein, - Du liebes Ding darfst mich nicht kränken, - Ich will in deiner schönen Augen Schein, - In Stahl mich und Achat versenken. - - Wenn meiner Finger Spiel dich niederzwingt, - Wenn aus dem Rücken, der sich windet, - Ein Funken in die Hand mir überspringt, - Den sie gleich einem Blitz empfindet, - - Seh ich mein Weib. Ihr Blick trifft wie ein Pfeil, - Dem deinen ähnlich, scharf und frostig, - Er schneidet und er spaltet wie ein Beil; - - Des leisen Duftes Zauber kost ich, - Der so gefährlich ist, so sicher siegt, - Der ihren braunen Leib umschmiegt. - - - - - Ganz und gar - - - Heut morgen, als die Hähne krähten, - Hat der Versucher mich beehrt, - Mit List ist er herangetreten, - Zu wissen hat er schlau begehrt: - - »Von allen Reizen, die sie schmücken, - Von Farben, die an ihrem Leib - Dich so bezaubern und berücken, - Sag mir, was ist an diesem Weib - - Das süßeste? Laß mich's erkennen.« - Da sprachst du, liebe Seele mein: - »Ich kann nicht scheiden, kann nicht trennen, - Denn Balsam ist ihr ganzes Sein. - - Da alles siegt, mag ich nicht sorgen, - Welch Zauber mich zum Sklaven macht, - Sie leuchtet, wie der helle Morgen, - Sie tröstet, wie die dunkle Nacht. - - Wie könnte ich von tausend Liedern, - Die meines Ohres Muschel fing, - Die Harmonieen je zergliedern? - Mein Witz ist dafür zu gering. - - Ein Traum erscheint mir ihre Nähe, - Doch welchem Sinn, ich weiß es nicht, - Musik ist alles, was ich sehe, - Ein Blütenhauch ist, was sie spricht.« - - - - - Nachmittagslied - - - Sonderbar ist dein Gesicht, - Hexe mit den bösen Brauen, - Mit den Augen, mit den schlauen, - Einem Engel gleichst du nicht. - - Doch du reizest mich, Frivole, - Schreckliche, weckst meine Gier, - Schauernd nahe ich mich dir, - Wie der Priester dem Idole. - - Balsam strömt aus deinem Haar, - Strömt aus des Gewandes Falten, - Deine Art, den Kopf zu halten, - Zeigt mir, wie die Sphinx einst war. - - Schwülen Weihrauchduftes Wellen - Hüllen deinen Körper ein, - Schmeichelnd, wie im Dämmerschein - Warme Abendlüfte schwellen. - - Ha! kein Liebestränklein schmeckt - Wie der Trank aus deinen Händen, - Künste weißt du anzuwenden, - Deren jede Tote weckt. - - Liebe ist es, die dein Rücken, - Die dein Busen wild ersehnt, - Wenn dein Leib sich lässig dehnt, - Lacht das Kissen vor Entzücken. - - Wenn dich Lüsternheit zerreißt, - Ihre Flammen dich verzehren, - Suchst du wütend dich zu wehren, - Und dein Mund, er küßt und beißt. - - Lächelst du, dann gräbt ein Stichel, - Senkt ein Dolch sich in mein Herz, - Doch dein Auge heilt den Schmerz, - Milde wie des Mondes Sichel. - - Meine Zukunft zwängest du, - Meinen Genius, du süße, - Siegreich unter deine Füße, - Unter deinen Atlasschuh. - - Bin durch dich gesund geworden! - Aus dem kalten Erdreich sproßt - Leben, du bezwingst den Frost - Wie die Geiser fern im Norden. - - - - - Das Gespenst - - - Ein Engel, dessen Blick erblichen, - Komm ich in dein Gemach geschlichen, - Geräuschlos nahe ich und sacht - Als Schatten dir in tiefer Nacht. - - Mein Lieb, du wirst gewiß erschrecken, - Wenn Küsse, kalt wie Eis, dich wecken, - Wenn einer Schlange feuchter Glast - Den braunen Leib umspielt, umfaßt. - - Naht dann des Morgens blasser Schimmer, - Du findest deinen Liebsten nimmer, - Der Platz bleibt bis zum Abend kalt. - - Was liebend andere erringen, - Soll Furcht und Schrecken mir erzwingen, - In meinem Reiche herrscht Gewalt. - - - - - Die Eulen - - - Die Eulen sitzen stumm, versenken - Den Blick in Nacht, ihr Auge flieht - Des Lichtes Strahl. In Reih und Glied - Wie Hexen hocken sie und ... denken. - - Bewegungslos ist ihre Rast, - Die Augen blinzeln müd, die matten, - Bis in der Dämmerung die Schatten - Sich recken, bis das Licht verblaßt. - - Der Weisheit Vogel will uns lehren, - Die wir uns ruhelos verzehren, - Was unserm wilden Leben fehlt. - - Ein Tropfen schon kann uns berauschen, - Wir stoßen uns, gehetzt, gequält, - Begierig stets, den Platz zu tauschen. - - - - - Trauriges Madrigal - - - Bist du nur klug? Taugt das den Frauen? - Sei traurig und sei schön, mein Kind! - Die Zähren, die den Blick betauen, - Sie schmücken, wie der Bach die Auen, - Wie Regen, der auf Blüten rinnt. - - Ich hab es gern, wenn düsteres Schweigen - Die Stirne dir umkränzt und Leid, - Wenn plötzlich in gespenstigem Reigen - Empor die finstern Schatten steigen, - Die Schatten der Vergangenheit. - - Ich hab es gern, wenn deine Wangen - Die Träne, warm wie Blut, verschönt, - Wenn deine Brust, von mir umfangen, - In Ängsten keucht, wenn voller Bangen - Sie wie im Todeskampfe stöhnt. - - Ich trinke sie in vollen Zügen, - Die Seufzer ...., Götter, welch ein Fest .... - Mehr, mehr, ich kenne kein Genügen, - Wie sie zum Diadem sich fügen, - Die Perlen, die sie fallen läßt! - - Ich kenne es, das alte Feuer, - Das dir noch tief im Busen flammt, - An Manen zahlst du Zoll und Steuer, - Den Stolz, ihn kenn ich auch, der teuer - Nur solchen ist, die Gott verdammt! - - So lang dein Herz im Traum nicht fühlte - Der ganzen Hölle heiße Last, - So lang das Schwert darin nicht wühlte, - Nicht Gift die Pulse dir durchspülte, - So lang du dies erlebt nicht hast, - - So lang vom Albdruck, der dich quälte, - Dich nicht erlöst ein wilder Schrei, - So lang die Qual dein Herz nicht stählte, - Sich nicht der Ekel ihr vermählte, - So lange bist du noch nicht frei. - - So lange ist dir's nicht gegeben, - Die du mich liebst, vor Schrecken bleich, - Dich, Sklavin, Herrin, zu erheben, - Zu jauchzen in verjüngtem Leben: - Mein König du, ich bin dir gleich! - - - - - Der Mahner - - - Wer wirklich wert ist, Mensch zu sein, - Fühlt ewig eine Schlange nagen, - Sie hemmt sein Hoffen und sein Wagen, - So oft er ja sagt, sagt sie nein. - - Wenn Nixenaugen dich berücken, - Wenn sie dich locken und umstricken, - Mahnt stechend sie: Denk an die Pflicht. - - Sei Dichter, träume Liebesträume, - Belebe Marmor, pflanze Bäume, - Sie höhnt: Du siehst den Abend nicht. - - Beginne du nur und verlange! - In der Minute mahnt sie dich, - Und schaudernd fühlst du ihren Stich, - Den Stich der widerlichen Schlange. - - - - - Lösegeld - - - Zwei Felder sind es, die nach Fug - Und Recht, um Lösegeld zu zahlen, - Wir düngen unter Müh und Qualen, - Und die Vernunft ist unser Pflug. - - Damit nur ein paar Rosen sprießen, - Vielleicht gar nur ein kärglich Reis, - Muß unsere Träne, unser Schweiß - Den Acker immerfort begießen. - - Es ist die Liebe und die Kunst! - Wenn einst des jüngsten Tages Licht - Erstrahlt, wenn einst das Weltgericht - Beginnt, dann wird des Richters Gunst - - Nur dem zu Teil, der dann inmitten - Der Scheuern reiche Ernten weist, - Denn wenn die Frucht den Sämann preist, - Dann werden Engel für ihn bitten. - - - - - Der Mensch und das Meer - - - O Mensch, du liebst das Meer, wie trotzig, frei und groß - Liegt es zu Füßen dir! in seinen Wellenhügeln, - In seinen Tälern siehst du sich die Seele spiegeln, - Die in dir wohnt, gleich ihm unendlich, ruhelos. - - Du suchst in Not und Qual, o Mensch, dein eigen Bildnis, - Du hältst es in der Hand, dein scharfes Ohr, es lauscht - Der Flut, die in dir selber wogt und schäumt und rauscht, - Dem ungestillten Schmerz in dieser grausen Wildnis. - - Was ihr nicht zeigen wollt, das ruht in guter Hut, - Ihr seid ja alle beide finster und verschwiegen! - Du hüllst die Schätze ein, die in der Tiefe liegen, - Und du verbirgst, was tief dir in der Seele ruht. - - Trotzdem bekämpft ihr euch seit Anbeginn der Zeiten, - Ihr, die ihr doch so ganz einander ähnlich seid, - Gemetzel liebt ihr, Mord und grimmen Haß und Neid, - Geschwister eines Bluts, müßt ihr denn ewig streiten? - - - - - Klage eines Icarus - - - Wer klug ist, muß die Liebe kaufen, - Dann weiß er sicher, was er hat; - Was mich betrifft, bin ich es satt, - Den leeren Schatten nachzulaufen. - - Dank wenigen Sternen hell und klar, - Die mir das Auge einst geblendet, - Wird heut der Blick, zurück gewendet, - Nur Sonnen überall gewahr. - - Vergebens wollt empor ich dringen, - Im Flug durchmessen Zeit und Raum, - Ein heißes Auge streift mich kaum, - Und schon sind mir gelähmt die Schwingen. - - Versengt hat mich der Schönheit Glut, - Ihr Flammenstrahl hat mich erschlagen, - Ach, nie wird meinen Namen tragen - Der Abgrund, wo mein Leichnam ruht! - - - - - Heauton timoroumenos - - - Ich will dich schlagen, doch nicht hassen, - Wie Metzger schlagen, ohne Zorn, - Will, wie einst Moses jenen Born - Aus Fels schlug, Wasser springen lassen, - - Die Flut, die deinem Aug entquillt, - Will meine Wüsten damit tränken, - Mein Schiff durch Tränenmeere lenken, - Dem voller Gier das Segel schwillt, - - Will deinem Schluchzen jauchzend lauschen, - Dem Stöhnen, das mit wilder Macht - Mich lockt, wie Trommelschall zur Schlacht, - Den Seufzern, die mein Herz berauschen. - - Bin ich ein schriller Mißakkord - Im reinen Klange ewiger Sphären, - Soll Selbstgespött den Geist verzehren? - Die Ironie, sie wird zum Mord! - - Sie kreischt in mir und beißt und wiegelt, - Sie, die mein Blut vergiftet hat, - Der Spiegel bin ich, trüb und matt, - In dem sich die Megäre spiegelt. - - Ich bin die Wunde und der Pfeil, - Das Opfer und der Überwinder, - Der Henker und der arme Sünder, - Ich bin der Hals und bin das Beil. - - Der Vampyr bin ich meines Lebens! - Verdammt bin ich, durch alle Zeit - Zu lachen bis in Ewigkeit, - Und will ich lachen, ist's vergebens. - - - - - Abel und Kain - - - Sohn Abels, du darfst essen, trinken, - Gott schaut dir wohlgefällig zu, - - Brut Kains, du sollst im Schlamm versinken, - Ersticken wirst im Kote du. - - Sohn Abels, Liebling deines Herrn, - Dein Opfer duftet süß vor Gott, - - Brut Kains, verjährte Sünden zerren - Dich täglich wieder aufs Schaffot. - - Sohn Abels, sieh die Saat gedeihen, - Rund ist das Vieh, die Traube schwer, - - Brut Kains, hörst du den Hunger schreien? - Sind deine Eingeweide leer? - - Sohn Abels, wärme dich am Herde, - Füll deinen Wanst mit warmer Kost, - - Brut Kains, du schläfst auf kalter Erde, - Der Schakal, horch, er heult vor Frost! - - Sohn Abels, du darfst dich vermehren, - Dieweil dein Geld sich auch vermehrt, - - Brut Kains, bezähme dein Begehren, - Solch Appetit ist dir verwehrt. - - Sohn Abels, saug dich voll an andern, - Du Wanze, stets willkommner Gast, - - Brut Kains, du sollst im Staube wandern, - Du findest nirgends Ruh noch Rast. - - * * * * * - - Sohn Abels, Mist nur auf den Saaten, - Zerstieb zu Dung, du und dein Wahn! - - Brut Kains, von allen deinen Taten - Sind erst die wenigsten getan. - - Sohn Abels, sieh die Schmach sich türmen, - Vergeh in Schanden und in Spott, - - Brut Kains, du wirst den Himmel stürmen, - Hinab zur Erde schleudere Gott! - - - - - Nachschrift für ein verbotenes Buch - - - Mein Leser, der du voll Behagen, - Der du naiv und nüchtern bist, - Wirf dieses Buch voll Gram und List - Ins Feuer, ohne viel zu fragen. - - Falls du, als Satan vorgetragen, - Nicht das Kolleg gehört, ermißt - Du nie, was hier geschrieben ist, - Ich bin hysterisch, wirst du sagen. - - Doch wenn mit unbestochnem Ernst - In meine Tiefen du kannst dringen, - Lies mich, daß du mich lieben lernst; - - Du Seele, die in heißem Ringen - Ihr Paradies verzweifelnd sucht, - Beklage mich ..., sonst sei verflucht. - - - - - Paul Verlaine - - - 1844-1896 - - - - - An Eugen Carrière - - - Die alten Weisen, die wahrhaftig viel mehr wert - Als die von heute, meinten -- noch nicht ganz geklärt - Ist dieser Punkt -- ein jedes Menschenschicksal hätte - Zum Leiter seinen Stern, dem es mit einer Kette - Verbunden. Diese Ansicht hat man oft verlacht - Und dabei, wie gewöhnlich, nicht daran gedacht, - Daß Lachen nur beirrt, ein Merkmal stets des Toren! - Dem Menschen, der im Zeichen des Saturn geboren, - Ihm kündet dieser gelblich strahlende Planet, - -- Wie es schon in der Nekromanten Büchern steht -- - Ein vollgerüttelt Maß von Unglück und von Galle. - Die Phantasie ist seine Herrscherin, zu Falle - Kommt die Vernunft, die sie mit Listen tötlich trifft, - In seinen Adern wird das Blut zu heißem Gift, - Wie Lava brennt der Strom, die Ideale stumpfen - Sich in der Schwüle ab, bis sie zusammen schrumpfen. - So dulden des Saturnus Kinder, bis zuletzt - Sie sterben -- daß wir sterblich sind, vorausgesetzt. -- - Was sie erstreben, was sie hoffen und beginnen, - Nie können ihrem bösen Sterne sie entrinnen. - - - - - Nevermore - - - Erinnerung, warum steigst du aus dunkelm Schachte ....? - Es war im späten Herbst, die letzte Drossel machte - Sich auf den Weg gen Süd, ein stiller Lichtstrahl brachte - Dem Walde Trost, dess' kahl Geäst im Sturme krachte. - - Wir gingen ganz allein, ein traumversunken Paar, - Mit den Gedanken flatterte im Wind das Haar, - Da blickte sie mich an, so tief und groß und wahr: - »Was war dein schönster Tag?« vernahm ich golden klar. - - Ein Laut von Engeln, die durch lichte Sphären schweben! - Ein stilles Lächeln nur hat Antwort ihr gegeben, - In Demut stumm hab ich geküßt die weiße Hand. - - O Blütenpracht, o Mai, wie ist dein Duft berauschend, - O höchstes Glück, das je ein Menschenherz empfand, - Das erste Ja aus dem geliebten Mund erlauschend. - - - - - Drei Jahre später - - - Und wieder bin durchs enge Pförtchen ich gegangen, - Im kleinen Garten wandle still ich wie zuvor, - Die Morgensonne küßt den bunten Blumenflor, - Darin des Taus verlorene Silbertropfen hangen. - - Es ist noch ganz wie einst. Die weinumrankten Stangen, - Die Laube mit dem Tisch, die Stühle drum von Rohr, - Des Springbronns Wasser murmeln leise wie zuvor - Die ewige Klage, die sie dazumal schon sangen. - - Ich kenne jede einzige Lerche, die hier fliegt, - Die Rosen zittern immer noch, vom Wind gewiegt, - Der durch das Geißblatt rauscht, das in die Höhe klettert; - - Dort hinten steht die alte Velleda sogar, - Der Gips ist nur ein wenig mehr noch abgeblättert, - Und die Reseden duften noch -- --, ganz wie es war. - - - - - Sentimentaler Spaziergang - - - Die allerletzten Sonnenstrahlen kosen - Mit winddurchhauchten bleichen Wasserrosen, - Mit großen Wasserrosen, die im Rohr - So traurig leuchten aus dem See hervor. - - Allein mit meinem Schmerz will dort ich gehen, - Wo längs des Ufers stille Weiden stehen, - Wo hinterm Nebelvorhang riesengroß - Gespenster schwanken, grau und hoffnungslos, - - Die schwerer Last erliegend qualvoll ächzen, - Die flügelschlagend mit einander krächzen. - Dort bei den Weiden sind wir ganz allein, - Ich und mein Schmerz. Schon hüllt die Dämmerung ein - - Mit ihrem dichten Leichentuch das Kosen - Der müden Strahlen und der Wasserrosen, - Der großen Wasserrosen, die im Rohr - So traurig leuchten aus dem See hervor. - - - - - Herbstlied - - - Ein Schluchzen klingt, - Der Herbst er singt - Seine Lieder; - Mein Herz ist bang, - Der müde Sang - Drückt es nieder. - - Die Uhr schlägt, gleich - Wird alles bleich, - Farblos scheinen; - Einst war ich jung, - Erinnerung - Läßt mich weinen. - - Aus meinem Haus - Muß ich hinaus, - Wind und Wetter - Treibt mich umher, - Mich und noch mehr - Tote Blätter. - - - - - Schäferstunde - - - Rot glänzt der Mond, der tief am Himmel steht, - Die Wolken ziehn dahin, im Nebelschleier - Träumt schon das Tal, das Froschkonzert im Weiher - Schallt aus dem Schilf, durch das ein Windhauch weht. - - Die Wasserblumen schließen sich, die feuchten, - Vom Horizonte hebt sich das Profil - Der leicht umrissnen Pappel wie ein Spiel, - Indes die Käfer durch die Büsche leuchten. - - Das Käuzchen ist aus seinem Schlaf erwacht, - Auf trägem Fittich rudert's durch das Dunkel, - In ferner Wetter zuckendem Gefunkel - Steigt Venus hell empor. Das ist die Nacht. - - - - - Mondschein - - - Ein seltsam Bild ist deiner Seele Grund, - Das Spiel der Masken kann ich unterscheiden, - Die dort den Reigen schreiten, doch wie bunt - Das Kleid auch ist, es täuscht mich nicht, sie leiden. - - Zur Laute singen sie ein Lied in Moll - Von Amors Sieg, ein Lied zu seinem Preise, - Des frohen Glaubens scheinen sie nicht voll, - Der Silbermondschein trinkt die zarte Weise, - - Der stille Mondschein, welcher im Geäst - Die Vögel schaukelt, die dort müde träumen, - Der schlanke Wasserstrahlen schluchzen läßt, - Die trunken aus dem Marmorbecken schäumen. - - - - - Auf dem Spaziergang - - - Dem bleichen Himmel und den dürren Zweigen - Sind unsere hellen Kleider nur zum Spott, - Die mit vergnügten Mienen keck und flott - Sich bauschen und sich leicht beflügelt zeigen. - - Des Windes Atem kräuselt still den Teich, - Der Sonne zarter Strahl fällt durch die Linden, - Die Schatten werden schwächer und sie schwinden - Im fahlen Licht ersterbend blau und bleich. - - Wir losen Schönen, wir geschmeidigen Ritter, - Mit Herzen, zärtlich zwar, doch niemals treu, - Wir plaudern und wir scherzen ohne Scheu, - Und unsere Liebe ist nur Tand und Flitter. - - Es fällt wohl auch einmal von Zeit zu Zeit - Ein leichter Schlag zur Abwehr, darauf müssen - Die Herren schnell den kleinen Finger küssen, - Ganz vorn am letzten Glied. Geht man zu weit, - - Dann wehe! wehe! dann ist's kein Vergnügen, - Dann zuckt ein Blick, vernichtend, scharf und kalt, - Jedoch das kleine Mäulchen straft gar bald - In gnadenreicher Huld das Auge Lügen. - - - - - Ein Aufzug - - - Possierlich muß und höchst galant - Ein Affe vor der Dame schreiten, - Ein Spitzentüchlein läßt sie gleiten - Durch ihre wohlgepflegte Hand. - - Stolz trägt der Schleppe leichte Bürde - Ein kleiner Neger, ganz in rot; - Wo nur ein falsches Fältchen droht, - Wehrt er mit Eifer und voll Würde. - - Der Affe hat sich umgedreht, - Den weißen Hals frech anzustieren, - Der Torso müßte Götter zieren, - Den dieser stolze Hals verrät. - - Der Neger hebt die Schleppe höher, - Als es erlaubt, schlau gibt er Acht - Auf Dinge, die in stiller Nacht - Der Traum ihm zeigt, der lose Späher. - - Die Treppe aufwärts schreitet sie, - Es kann sie weiter nicht erregen, - Was an Bewunderung entgegen - Der Herrin bringt das liebe Vieh. - - - - - Der Faun - - - Ein alter Faun grinst mit Behagen - Im Park uns an. Es prophezeit - Ein Ende voller Traurigkeit - Der dreiste Wicht den heitern Tagen, - - Die dich und mich hierher geleitet. - Wir zweifeln in Melancholie - Auf unserm Pilgerweg ja nie, - Daß trotz des Lärms die Zeit entgleitet. - - - - - Halblaut - - - Tiefer Waldesschatten hält - Jetzt im Dunkel Moos und Strauch, - Tiefer Waldesschatten fällt - Jetzt auf unsere Liebe auch. - - Und die Seele und der Sinn - Und das Herz, es bebt und lauscht, - Gibt sich müdem Traume hin, - Der im Pinienwipfel rauscht. - - Schließe deine Augen halb, - Hemme der Gedanken Lauf, - Schüttle von der Brust den Alb, - Höre ganz zu denken auf. - - Leise wiegt vom Wind durchhaucht - Grüner Teppich unsern Schritt, - Meine bange Seele taucht - Still ins Nichts, sie wiegt sich mit. - - Steigt der Abendstern empor, - Mahnt der Nachtigallen Schlag - Mich an das, was ich verlor, - An der Hoffnung letzten Tag. - - - - - Sentimentales Zwiegespräch - - - Der alte Park liegt schweigend da, nur zwei - Gestalten schleichen schemenhaft vorbei - - Mit toten Augen, schlaffen, müden Fratzen, - Kaum hört man, was die beiden leise schwatzen. - - Der alte Park liegt schweigend da, die zwei, - Herauf beschwören sie, was längst vorbei. - - Besinnst du dich der Zeit voll süßer Minne? - ... Weshalb verlangst du, daß ich mich besinne? -- - - Schlägt noch dein treues Herz für mich allein? - Siehst du mich noch im Traum? So sprich doch! .... Nein. -- - - Ach, unser Glück erschien uns fast unsäglich, - Und wie wir wild uns küßten ...! Das ist möglich. -- - - Wie war die Hoffnung groß, der Himmel blau! - ... Die Hoffnung ist entflohn, der Himmel grau. -- - - Gegangen sind sie ganz wie sie gekommen, - Die Nacht allein hat ihr Geschwätz vernommen. - - - - - Frau und Katze - - - Die Katze -- nein, die Dame drohte, - Oft sieht man sowas, glaub ich, nicht. - Die weiße Hand, die weiße Pfote, - Sie neckten sich im Dämmerlicht. - - Die eine barg -- ha, die Verdammte, - Verdammt sei alle Zeit ihr Witz -- - In ihres Ärmels dunkelm Samte - Die langen Nägel scharf und spitz, - - Die andere wollte gern gefallen; - Da eingezogen sie die Krallen, - Verlor der Teufel wirklich nichts. - - Er lachte, denn er sah im Dunkeln, - Wie Flackern eines fahlen Lichts, - Vier gelbe Phosphorflecke funkeln. - - - - - Serenade - - - O Herrin, hör mein Lied! ein Toter singt, - Längst liegt er im Grabe, - Es krächzt die Stimme, die das Ständchen bringt, - Wie ein heiserer Rabe. - - Die Seele öffne, öffne auch das Ohr, - Lausche meiner Zither, - Das Lied ist dein, nur dir trag ich es vor, - Süß klingt es und bitter. - - Dein Auge preis ich und das Gold des Blicks, - Seine Pracht, die klare, - Die Lethe deines Busens und den Styx - Deiner dunkeln Haare. - - O Herrin, hör mein Lied, ein Toter singt, - Längst liegt er im Grabe, - Es krächzt die Stimme, die das Ständchen bringt, - Wie ein heiserer Rabe. - - Gesegnet sei dein Fleisch, wie sich's gebührt, - Auch der Duft des Leibes, - Hab schlaflos manche Nacht ihn noch gespürt, - Diesen Duft des Weibes. - - Und jetzt besing ich noch zum guten Schluß - Deine blasse Wange, - Die heißen roten Lippen und den Kuß, - Engel du, du Schlange. - - Die Seele öffne, öffne auch das Ohr, - Lausche meiner Zither, - Das Lied ist dein, nur dir trag ich es vor, - Süß klingt es und bitter. - - - - - Çavitri - - - Maha-Barata. - - Einst schwor Çavitri, um zu retten den Gemahl, - Daß sie drei ganze Nächte und drei ganze Tage, - Wie es Vyaça ihr befohlen, ohne Klage - Sich unbeweglich halten wolle wie ein Pfahl. - - Nicht hat Curyas sengend heiße Mittagsglut, - Nicht hat der schlaffe Traum, der in der Nächte Mitte - Auf Tschandras Wink erscheint mit geisterhaftem Schritte, - Den festen Willen ihr bezwungen und den Mut. - - Ob uns Vergessenheit zum bittern Lose fiel, - Ob schwarzer Neid und Mißgunst uns umtosen täglich, - Wir harren gleich Çavitri stumm und unbeweglich, - Steht vor der Seele uns, wie ihr, ein hohes Ziel. - - - - - Guter Sang - - - I. - - Ah dein letzter Funken schillernd, - Bleicher Morgenstern, verglüht, - Schmettern trillernd - Tausend Lerchen schon ihr Lied. - - Strahle einmal noch hernieder - Und vergiß den Sänger nicht, - Das Gefieder - Reckt der Fink empor zum Licht. - - Strahlst dem Morgenrot entgegen, - Das die Erde bald erhellt, - Froher Segen - Wogt im reifen Ährenfeld. - - Strahle mild auf meine Sorgen, - Mir auch lacht des Himmels Blau, - Durch den Morgen - Blitzt der silberhelle Tau. - - Noch ist aus den süßen Träumen - Die Geliebte nicht erwacht, - Darfst nicht säumen, - Sieh, die goldne Sonne lacht. - - - II. - - Silbergefunkel - Leuchtet im Wald, - Horch, durch das Dunkel - Raunt es und schallt - Rings von den Zweigen ... - O du mein eigen. - - Still und bescheiden - Schaun in den See - Trauernde Weiden, - Zitterndes Weh - Rauscht durch die Bäume ... - Stunde der Träume. - - Wunschloses Schweigen - Scheint groß und sacht - Niederzusteigen, - Welten voll Pracht - Messen die Runde ... - Selige Stunde. - - - III. - - An einem Sommertage wird's geschehn: - Die lichte Sonne, Zeuge meiner Freude, - Sie wird, Geliebte, dann in Samt und Seide - Noch schöner deine holde Schönheit sehn. - - Des Himmels tiefes Blau ist in Bewegung, - Ein Baldachin, leicht schwankend, faltenreich; - Dein Antlitz und das meine werden bleich, - Erwartungsvoll in seliger Erregung. - - Und wenn der Abend naht, spielt leis und lind - Sein Hauch mit deinem Schleier, und die Sterne - Sie lächeln gut und friedlich aus der Ferne - Die Gatten an, die dann vereinigt sind. - - - - - Vergessene Weisen - - - I. - - Mir ist es oft, mein Lieb, wie wenn ich Chören - Aus längst verklungnen Zeiten könnte lauschen, - Dazwischen wähne ich das helle Rauschen - Des Morgens, welcher kommen wird, zu hören. - - Zwei Augen sind auch meiner Seele eigen, - Und alle Töne schwingen in den Saiten, - Die leise oder laut vorübergleiten - In meiner Tage unruhvollem Reigen. - - O stürbe ich von diesem Spiel umgaukelt! - Du fürchtest dich, der Horen Tanz zu sehen, - Ich aber möchte enden und vergehen, - Wenn sich Vergangenheit und Zukunft schaukelt. - - - II. - - Still gleiten zarte Finger durch die Tasten, - Ein letzter Strahl vergoldet Turm und Dach, - Die alte Weise zwingt den Tag zu rasten, - Entschlafne Zeiten werden wieder wach, - Verschüchtert suchen Töne im Gemach - Nach ihres Atems Hauch, dem längst verblaßten. - - Was ist es nur, das mich zur Ruhe wiegt, - Mag noch ein Glück mein armes Sein umwerben? - Was will das Lied, das schmeichelnd mich umschmiegt, - Die Melodie, die plötzlich mich besiegt, - Die in den kleinen Garten, um zu sterben, - Durch das halboffne Fenster zitternd fliegt? - - - - - Bilder aus Belgien - - - I. Walcourt - - Häuschen und Lauben, - Fast wie zum Spiel, - Für Turteltauben - Welch ein Asyl. - - Ziegel und Dächer, - Hopfen und Wein, - Tapfere Zecher - Stellen sich ein. - - Bier wird von drallen - Dirnen geschafft, - Ei, die gefallen! - Alle Welt pafft. - - Dort bei der Bude - Hält gleich der Zug .... - Ewiger Jude, - Ist dir's genug? - - - II. Charleroi - - Kobolde schwärzlich - Schaffen geschwind, - Warum, o Wind, - Stöhnst du so schmerzlich? - - Giftiger Hauch, - Willst du mich beizen? - Sollst mich nicht reizen, - Stinkender Rauch! - - Löcher im Kote, - Nirgends ein Haus, - Welch ein Gebraus, - Qualmende Schlote! - - Rollt dort ein Rad, - Hörst du ein Fauchen, - Siehst du es rauchen, - Wo liegt die Stadt? - - Gräuliche Düfte! - Wie es mich preßt, - Rauscht denn die Pest - Hier durch die Lüfte? - - Dunst überall, - Schwitzende Leiber, - Hetzende Treiber, - Knirschend Metall. - - Kobolde schwärzlich - Schaffen geschwind, - Warum, o Wind, - Stöhnst du so schmerzlich? - - - III. Brüssel - - Rötlich grüne Töne mischen - In den Hügeln sich, den fernen, - Während trübe Gaslaternen - Alle Formen schon verwischen. - - Langsam scheint das Gold der Hänge - Tief in rotes Blut zu tauchen, - Aus entlaubten Kronen hauchen - Vögel schüchterne Gesänge. - - Trübe Bilder, sie verfliegen, - Ach, der Herbst nur kann so malen, - Müde will ich meine Qualen - In den müden Lüften wiegen. - - - IV. Im Schloßpark - - Weit, so weit ich seh, - Streckt sich die Allee, - Wie das Auge reicht. - Dieser grüne Pfad - Weiß nichts von Verrat, - Ach, hier lebt sich's leicht. - - Ernste alte Herrn - Gehn mit Kreuz und Stern - In das Schloß hinein -- -- - Biedermeierstil! - Geben würd' ich viel, - Könnt' ich einer sein. - - Blendend weiß das Schloß, - Hoch das Dachgeschoß, - Frieden rings und Ruh. - Welch ein selig Fest, - Fänden hier ein Nest - Einmal ich und du. - - - V. Brüsseler Karussell - - Dreht euch, wackere Pferdchen, dreht euch schnell, - Dreht euch hundert, tausend mal im Kreis, - Munter, Pferdchen, dreht euch flott, mit Fleiß, - Pfeifen quieken, Hörner schmettern grell. - - Plumpe Infanteristen, dralle Besen - Sind auf eurem Rücken heut zu Hause, - In der Kirmes fröhlichem Gebrause - Treiben sie als Meister keck ihr Wesen. - - Dreht euch, Pferdchen, eurer Reiter Stolz, - Um die Orgel, die so glorreich singt; - Wenn ein Gaffer mit den Augen plinkt, - Dreht euch weiter, Pferdchen ihr von Holz. - - Das ist eine Lust, berauschend, sündlich, - Solch ein Karussell zum Zeitvertreibe! - Schädelbrummen, Hochgefühl im Leibe, - Wohl und übel macht's, und beides gründlich. - - Dreht euch schnell, ihr tut ja eure Pflicht - Ungespornt, nie wird der Reiter grob, - Ohne Hülfen sprengt ihr im Galopp - Lustig weiter, Hafer gibt es nicht. - - Aber jetzt heißt's, bald den Tanz erledigen, - Es wird Nacht, und wie ich beinah glaube, - Will der Täuberich zu seiner Taube, - Fern vom Jahrmarkt, fern auch von der Gnädigen. - - Dreht Euch flink, des Himmels Samt ist hell, - Reich mit goldnen Sternen schon bestickt, - Manches Pärchen hat sich längst gedrückt ... - Trommelwirbel! Pferdchen, dreht euch schnell! - - - VI. Mecheln - - Die Wetterfahnen lädt zum Tanze - Der Wind -- --, an diesem stolzen Bau - Des alten Schöffen fügt genau - Sich jede Einzelheit ins Ganze, - Die Ziegel rot, der Schiefer blau -- --, - - Dann pfeift er durch die grünen Wiesen; - Die Eschen schaffen die Idee - Von Horizonten, eine Fee - Hat sie gestaffelt, diese Riesen, - Luzerne gibt es, bunten Klee. - - Und durch den tiefen Frieden gleiten - Die Züge selbst in stiller Ruh. - Schlaf ungestört, du brave Kuh, - Ihr Stiere, denen diese Weiten - Gehören, macht die Augen zu! - - Geräuschlos rollen alle Wagen, - Die Zeit der Reisenden verfließt, - Man plaudert oder man genießt - Das Bild der Landschaft mit Behagen, - Die wie der Fenelon sich liest. - - - - - Aquarell von Spleen - - - Die Rose hältst du in den Händen, - Es rankt sich um dich wilder Wein, - Und scheinst du dich nur abzuwenden, - Stürmt die Verzweiflung auf mich ein. - - Zu blau ist dieses Himmels Schimmer, - Zu zärtlich fast, das Meer zu grün, - Geliebte Frau, ich fürchte immer, - Du könntest jählings mir entfliehn. - - Die dunkeln Rosen, die so glühten, - Der Buchsbaum, längst verblaßt sind sie, - Wie müde bin ich aller Blüten .... - Nur deiner müde werd' ich nie! - - - - - Weisheit - - - I. - - Lauscht jetzt des Friedens stillem Sange! - Ein Hauch ist er, zart und verschwiegen, - Ein Grashalm, den die Winde wiegen, - Er weint, doch deshalb seid nicht bange. - - Die Stimme war euch einmal teuer, - Seit langer Zeit hat sie gefeiert; - Wie eine Witwe dicht verschleiert - Verrät sie doch noch Stolz und Feuer. - - Was vordem heilig ihr gewesen - Verbirgt sich keusch. Den Schleier heben - Die Lüfte, die vorüber schweben, - Die klare Wahrheit könnt ihr lesen. - - Und solches wird euch dann verkündet: - Das Gute nur wird ewig bleiben, - Von allem eurem wilden Treiben - Bleibt nichts, denn Haß und Neid entschwindet. - - Ein einziger Ruhm nur ist erquicklich, - Zu kämpfen und nichts zu erstreben, - Nehmt dankbar hin, was euch gegeben, - Nur Frieden ohne Sieg macht glücklich. - - Ihr dürft Gehör der Stimme gönnen, - Sie will nicht locken noch berücken; - Ach, eine Seele zu beglücken - Ist ja das beste, was wir können. - - Doch eilt, die Stunde währt nicht lange, - Wir müssen leiden und nicht klagen, - Nicht zürnen, wenn wir Schmerz ertragen, - Lauscht jetzt der Weisheit stillem Sange. - - - II. - Kaspar Hauser singt: - - In Städte voller Lug und Trug, - Zu Menschen kam ich, eine Waise - Mit stillen Augen, scheu und leise, - Die Männer fanden mich nicht klug. - - Im Frühling ließ der warme Föhn - Des Herzens kalte Decke tauen, - Schön fand mit einmal ich die Frauen, - Die Frauen fanden mich nicht schön. - - Kein König zahlte je mir Sold, - Kein Vaterland hat meine Wiege - Geschirmt, trotzdem sucht ich im Kriege - Den Tod, er hat mich nicht gewollt. - - Kam ich zu früh, kam ich zu spät? - Weshalb bin ich auf dieser Erde? - Wie drückt mich meines Seins Beschwerde ... - Sprecht für den Kaspar ein Gebet. - - - III. - - Lang gestreckte Hecken wogen - Wie ein Meer in feuchter Luft, - Voll an schwerem Blütenduft - Hat der Nebel sich gesogen. - - Mühlen stehen auf dem Plan, - Bäume, die sich aufwärts recken, - Fohlen tummeln sich und necken - Munter sich in freier Bahn. - - Sonntag! frohe Lämmer grasen, - Schwankend wie ein zarter Hauch - Lösen sich im Morgenrauch - Weiße Vließe von dem Rasen. - - Leise kräuselt sich ein Meer - Grüner Auen, grüner Wellen, - Durch die Nebelschleier schwellen - Glockenklänge ferneher. - - - - - Prolog - - - Vorwärts jetzt, verruchte Truppe! - Habt zu lange schon geweilt, - Was euch zukommt, ward euch, eilt, - Die Chimäre streckt die Kruppe. - - Schwingt euch auf, sprengt durch den Raum, - Durch die Zeit, verlorne Kinder, - Dieser Renner fliegt geschwinder, - Als das kranke Hirn im Traum. - - Endlich, endlich fand ein Ende - Meines Fiebers toller Wahn, - Tastend suchen heiße Hände - Einem Leben neue Bahn. - - Doch sie segnen euch, ihr schrillen - Schreie wilder Angst, habt Acht, - Meiner schwarzen Sonne Grillen, - Grillen meiner weißen Nacht. - - Geht jetzt! ich verstoß euch heute, - Was auch gestern noch geschah, - Denn mein Herz sucht andere Beute, - Packt euch, aegri somnia! - - - - - Pierrot - - - Das ist der Mondscheinschwärmer nicht, der frech und frank - Den Vätern durch die Tür gelacht in alten Tagen; - Wie seine Kerze starb sein Witz, mit blödem Zagen - Geht sein Gespenst nur schlotternd um, bleich, hager, krank. - - Im rauhen Wind beim Schein des Blitzes flattert bang - Die weiße Jacke wie ein Leichentuch. Längst nagen - Die Würmer an dem Hirn. Der welke Mund will klagen, - Er grinst breit aufgesperrt, verzerrt von Schmerz und Zwang. - - Die Ärmel winken links und rechts verrückte Zeichen - Gleich Fledermäusen, die durch's Abenddunkel streichen, - Doch keiner nimmt Notiz von dem erfrornen Witz. - - Aus leeren Augenhöhlen zucken Phosphorstrahlen, - Und gräßlich steht in dem Gesicht, dem blutlos fahlen, - Die mehlbestaubte Totennase, starr und spitz. - - - - - Die Kunst des Dichters - - - Erst Musik, Musik vor allen Dingen! - Dazu braucht es keine Symmetrie, - Wie ein Lufthauch steigt die Melodie, - Nichts darf wuchtig, nichts gekünstelt klingen. - - Sorge nicht, wenn auch das Wort verfehlt, - Dem Begriff sich ängstlich anzupassen; - Kannst du's, dann versuch dich so zu fassen, - Daß dem Sinn das Rätsel sich vermählt. - - Sahst du Augen nie durch Schleier spähen, - Nie den Mittag zittern heiß und schwer, - Nie der Sterne unentwirrbar Heer - Klar am lauen Herbsteshimmel stehen? - - Nur Nuancen, leise abgestimmt! - Decke stets mit Tönen, die sich brechen, - Nur Nuancen glätten so die Flächen, - Daß die Flöte und das Horn verschwimmt. - - Übermaß an Geist geht in die Brüche, - Lach nicht immer, sei nicht gar zu spitz, - Weint der Himmel über deinen Witz, - Ist es Knoblauch aus der Sudelküche. - - Schönen Worten brich nur das Genick, - Nötig ist es auch den Reim zu zähmen, - Deiner Führung muß er sich bequemen, - Er geht durch, drum halte ihn am Strick. - - Wie wird dieser Reim gerühmt, verhimmelt! - Welcher Nigger, welcher taube Fant - Prägte diesen hohlen Jahrmarktstand, - Der vergnügt wie falsches Kleingeld bimmelt? - - Nur Musik und davon nie genug! - Verse tönen wie befreite Seelen, - Die den Weg zu andern Sternen wählen, - Die zu anderer Liebe trägt ihr Flug. - - Verse mußt du in den Frühwind säen, - Auf gut Glück verstreuen, wenn er leicht - Durch die Minze, durch den Thymian streicht, - Sonst kann nur Literatur entstehen. - - - - - Schlaff - - - Ich bin das Römerreich, das seine Zeit vollendet, - An blonder Nordlandvölker Heerfahrt längst gewöhnt, - Das Verse drechselnd eitlen Nichtigkeiten fröhnt, - Voll Pomp und Prunk, vom trüben Sonnenlicht geblendet. - - Nur seine Seele ahnt, wie dieses Spiel sie schändet, - Sie hört den Schlachtenlärm, der in der Ferne dröhnt; - O Ohnmacht, die sich feig und wunschlos selbst verhöhnt, - O Willenlosigkeit, dem Leben abgewendet! - - Kein Wollen, keine Kraft, zum Sterben fehlt der Mut ... - Bathyll, der Becher ist geleert, hör auf zu lachen, - Vorüber ist der Schmaus, jetzt heißt's ein Ende machen! - - Nur ab und zu ein Vers, fürs Feuer grade gut, - Nur Lüste, die vor frechen Sklaven sich entschleiern, - Nur Langeweile, unerklärlich, dumpf und bleiern. - - - - - Liebe - - - Jawohl, gequält bin ich, geplagt, - Bin wie ein Wolf gehetzt, gejagt, - Der nirgends eine Freistatt findet, - Den schon die Meute fast umringt, - Den seine Wunde niederzwingt, - Daß er in Angst und Not sich windet. - - Die drei, der Haß, das Gold, der Neid, - Spürhunde sind's, sie wittern weit, - Ich bin gestellt, kann mich nicht wehren; - Des Morgens Schreck, des Abends Qual, - Das ist seit Jahr und Tag mein Mahl, - Davon kann sich kein Bettler nähren. - - Längst grinst er mich von weitem an, - Der widerliche Jägersmann, - Die Krallen an den dürren Händen; - Halb hat er mich, er höhnt und sperrt - Die Wege mir und zieht und zerrt - Am Herzen und will doch nicht enden. - - Ihr Wölfe, seht, so schleppe ich - Zum finstern Strome blutend mich, - Laßt, Brüder, endlich das Geläster, - Gebt mir zu sterben freie Bahn, - Ihr seid ja alle untertan - Dem Weibe, meiner grimmen Schwester. - - - - - Allegorie - - - Ein alter Tempel, dessen Bau schon weicht, - Der vormals stolz von sonniger Höhe ragte, - Schaut wie ein König, den der Feind verjagte, - Sein Bild im Strom, der träg vorüber schleicht. - - Mit einer Weidengerte züchtigt leicht - Den Faun, der lüstern sie zu necken wagte, - Die schläfrige Najade, die betagte, - Er lacht des Zorns, der ihn mit Ruten streicht. - - Der fade Vorwurf bringt mich um die Laune. - Welch Dichter schuf dies Werk, das ich bestaune, - Welch düsterer Stümper dachte dich nur aus, - - Verblichenes, zerschlissenes Gewebe? - Wie ein Theatervorhang blöd -- --, und kraus, - Ach, wie das Leben, das ich ärmster lebe! - - - - - Hirngespinste - - - I. - - Dame Mäuschen trottet - Schwarz in grauer Abendstund, - Dame Mäuschen trottet - Grau auf schwarzem Grund. - - Eine Glocke läutet - Die Gefangnen in den Schlaf, - Eine Glocke läutet, - Schlaft und seid hübsch brav. - - Keine bangen Träume, - Denket an die Liebste jetzt, - Keine bangen Träume, - Träumt was euch ergetzt. - - Strahlt der Mond vom Himmel, - Schnarcht der müden Schläfer Schar, - Strahlt der Mond vom Himmel, - Ist es eben wahr. - - Wolken ziehn vorüber, - Finster wird es, wie im Loch, - Wolken ziehn vorüber, - Und der Tag kommt doch. - - Dame Mäuschen trottet - Rosig, ringsum ist es hell, - Dame Mäuschen trottet, - Auf, ihr Schläfer, schnell! - - - II. - - Im Kreise trotten sie herum - Und keiner spricht, - Der Hof liegt stumm - Im grellen Licht. - Das Unkraut wuchert rings, es zaust - Der Wind die Stirn, - Und Unkraut haust - In ihrem Hirn. - - O Simson, drehe nur den Stein! - Was für ein Korn - Mag das wohl sein? - Fragst Du im Zorn. - Die Mühle, die das Schicksal treibt, - Mahlt nicht zum Scherz, - Du Narr, zerreibt - Verstand und Herz. - - Sie kommen! klipp, klapp, geht der Schuh, - Er ist von Holz, - Jetzt hast Du Ruh, - Verdammter Stolz! - Daß keiner seufzt und keiner zuckt, - Ihr wißt es doch: - Wer auch nur muckt, - Der fliegt ins Loch. - - Das ist mein Zirkel, Tag für Tag - Bin ich sein Gast, - Auf jeden Schlag - Schon längst gefaßt. - Gesellschaft, hab ich Dich verletzt, - Dich keck bedroht, - Gibst Du mir jetzt - Kein Zuckerbrot. - - Genossen, Brüder von der Zunft, - Seid nicht erbost, - Denn die Vernunft - Gewährt uns Trost. - Es ist so süß, im Sonnenbrand - Sich auszuruhn - Und mit Verstand - Mal nichts zu tun. - - - - - Der Schamlose - - - Der böse Blick, des Lebens Not, - Sie haben ihn gejagt, gehetzt, - Und er, der herrisch einst gedroht, - Hat eines Knechtes Seele jetzt. - - Ein Jettatore, einer der - Als Bettler rettungslos verdirbt, - Die Feinde folgen hinterher, - Die beiden Feinde, bis er stirbt. - - Sein Blick schon macht die Kinder klug! - Zertreten trotzt er noch genug, - Ein Vieh, doch Narr auf eigne Faust. - - Ihr schönen Damen, schenkt kein Geld - Dem schlechten Kerle, der hier haust, - Schenkt ihm euch selber, wenn's gefällt. - - - - - Hände - - - Das sind nicht Prinzenhände, keines - Prälaten Hände, wohl gepflegt, - Und doch ist etwas zartes, feines - In diesen Händen ausgeprägt. - - Auch keines Künstlers, oder ehrlich - Auch keines Dichters. Dennoch steckt - Etwas von Leid darin, das schwerlich - Ein anderes Empfinden weckt. - - Nicht minder fühlen, nicht geringer - Als Welten sie ihr Weh und Wohl, - Der Daumen und der kleine Finger - Bezeichnen dem Magnet den Pol. - - Und bricht das Herz im Sturme nieder, - Und wird das Hirn vom Blitz erhellt, - Es spiegelt alles treu sich wieder - In dieser klugen kleinen Welt. - - Vom Steine sind sie nicht zerrieben, - Nicht schwielig von des Beiles Hieb, - Doch in den Linien steht geschrieben - Von Arbeit, die nichts schuldig blieb. - - Lang sind sie, mager und von schmalen - Gelenken, grau, die Nägel breit, - Wie man sie in den Kathedralen - Auf Bildern sieht aus früher Zeit. - - Wie man sie wohl bei Invaliden, - Die nichts mehr aus dem Traume stört, - Von Tagen, die längst abgeschieden, - Von schweren Kämpfen flüstern hört. - - Die trocknen Hände fielen heute - In dieses Abends düsterm Bann - Gedankenschwerem Leid zur Beute, - Ich seh es ihnen deutlich an. - - Die Sorge peinigt sie, die blasse, - Auch ihnen bleibt sie nicht erspart, - Der Alb drückt sie, und die Grimasse, - Die es verrät, ist eigner Art. - - Ich habe Angst, ich muß mich hüten! - Auf meinem Tische seh ich sie - In tiefem Schweigen finster brüten, - So furchtbar schienen sie noch nie. - - Rechts die, links die ..! bin ich bei Sinnen? - Sind diese Hände wirklich mein? - Dort auf dem Bett das weiße Linnen, - Das muß ein Totenlaken sein! - - Da draußen geht der Tag zu Ende, - Der Sturmwind heult in wilder Wut ... - Ach, wären Traum nur diese Hände! - Das wäre gut -- -- nein, schlecht -- -- nein, gut. - - - - - Närrischer Rat - - - Zeig Dich niemals schüchtern, - Wenn Du klug nur bist, - Doch die Ehe ist - Abgeschmackt und nüchtern. - - Tapfer trinken lohnt! - Guckst Du in die Flasche, - Trägst Du in der Tasche - Sonne bald und Mond. - - Blöken dumme Kälber, - Fühle Dich geehrt, - Unsern wahren Wert - Kennen wir nur selber. - - Rotes Herzblut kreist - Flammend durch die Adern, - Brauchst nicht gleich zu hadern, - Wenn ein Floh Dich beißt. - - Wenn die Stürme tosen, - Nimm es in den Kauf, - Pfeife ruhig drauf, - Pflücke keck die Rosen. - - Nimm nur alles so, - Wie es ist auf Erden, - Besser wird's nicht werden, - Also trag es froh. - - Laß die Leute sprechen, - Ihnen macht es Spaß, - Oben der vergaß - Längst schon Dein Verbrechen. - - Deine Seele zagt, - Doch zu neuer Blüte - Führt sie seine Güte, - Wenn der Morgen tagt. - - Wenn des Schicksals Tücke - Schwache auch zerbricht, - Dich zerschlägt es nicht - Gleich in tausend Stücke. - - Spotte Deiner Qual, - Zwinge Deinen Jammer, - Wirst ja unterm Hammer - Härter noch als Stahl, - - Mag der Amboß wimmern, - Wenn er nieder saust; - In Sankt Jürgens Faust - Wird die Klinge schimmern. - - Und Sankt Michael - Wird zum Licht Dich heben, - Dort wirst neu Du leben - Ohne Schuld und Fehl. - - Sieh, die Blumen sprießen - Aus des Grabes Ruh, - Lächeln sollst auch Du, - Wenn die Tränen fließen. - - Sieh, aus dem Gestein - Werden Funken sprühen, - Bald wirst aller Mühen - Du auch ledig sein. - - - - - Lieder für sie - - - I. - - Ich will nicht immer auf Dich zählen, - Doch bin von Eifersucht ich frei, - Wozu mit dererlei sich quälen, - Denn glücklich wird man nicht dabei. - Die Liebe hoch und hoch wir zwei! - - Du übst mit kluger Überlegung - Praktiken von besonderer Art, - Und Künste Deiner eignen Prägung - Sind für den Kenner aufgespart, - Mir bleibt noch immer was verwahrt. - - Laß nur die lieben Leute bellen, - Was geht mich Dein Geburtsschein an? - Ich sehe Deinen Busen schwellen, - Verstrickt in Deines Auges Bann, - Und was Dein heißer Kuß erst kann .... - - Sei mir so treu wie irgend möglich, - Besonders wenn es Dir mal paßt; - Begegne meinem Wunsch verträglich, - Er ist ja ein bescheidener Gast, - Auf jede Laune stets gefaßt. - - »Entschwunden sind die schönen Zeiten« - Höhnt mancher törichte Gesell. - Dank Dir und Deinen Zärtlichkeiten - Brennt immer noch die Lampe hell, - Wir und die Liebe! Wein her, schnell! - - - II. - - Du meines Lebens süße Labe, - Genossin meines armen Seins, - Der ich mich ganz ergeben habe, - Du allerletzte, wir sind eins. - Komm her zu mir, ich will Dich küssen, - Ich halte sicher Dich und fest, - Wir lieben uns, weil wir es müssen, - Bis zu des Bechers letztem Rest. - Liebe mich, - Ohne Dich - Ist die Welt - Mir vergällt. - - Du hast nur Deine beiden Hände, - Arm bin ich wie die Kirchenmaus, - Wir sehen auf die kahlen Wände - Und führen kein zu großes Haus. - Und doch sproßt immer uns das gleiche, - Dasselbe Glück aus unserer Lust, - Ein König bin ich, meine Reiche, - Sie liegen tief in Deiner Brust. - Liebe mich, - Ohne Dich - Ist die Welt - Mir vergällt. - - Nach unsern großen Liebesnächten - Erstrahlt mir heller stets der Tag, - Du liebst mich mit der reichen, echten, - Der Liebe, die nicht feilschen mag; - Neu gießest Du in meine Säfte, - In meine Adern Feuerwein, - Es hauchen Deine Zauberkräfte - Mir eines Gottes Odem ein. - Liebe mich, - Ohne Dich - Ist die Welt - Mir vergällt. - - Was Du einst warst, mich soll's nicht stören, - Und was ich bin, geht keinen an, - Dir will für immer ich gehören, - Nur Gutes hast Du mir getan. - Das Leid, das wir gemeinsam tragen, - Macht uns von Schuld und Sünde frei, - Die Welt verstößt uns! was die sagen, - Wenn Du mich liebst, ist's einerlei. - Liebe mich, - Ohne Dich - Ist die Welt - Mir vergällt. - - - - - An König Ludwig II. von Bayern - - - Du einziger König dieser Zeit, den Purpur kleidet, - Der Du im Sterben Deinen Genius hast gerächt - Am Wahnsinn jener Wissenschaft, die uns beneidet, - Die breit an unserm Herd zu sitzen sich erfrecht, - - Die Gott gemordet hat und hämisch dem Geschlecht - Des Menschen Freude, Kunst und Poesie verleidet, - Im Tode gabst Du noch den Tod, Dein Stolz war echt, - Ich grüße Deine Majestät, die glorreich scheidet! - - In dem Jahrhundert, wo die Könige wie nie - Zuvor verlernt die wirklich königliche Pose, - Warst Du ein König, Märtyrer der Phantasie. - - Heil Dir und Deiner einzigen Apotheose, - Der stolzen Seele, die befreit des Weges zieht, - In Gold und Erz, umrauscht von Richard Wagners Lied! - - - - - Meine Büste - - - Hm ... das ist also die Gestaltung, - In der mein Bild zur Nachwelt spricht! - Höchst imponierend ist die Haltung, - An Würde fehlt es wirklich nicht. - - Vor diesem Haupt, das jeden Morgen - Um ein Erlebnis schwerer wiegt, - Das dennoch seiner ewigen Sorgen - Gewicht im bittern Kampf erliegt, - - Was urteilt einmal wohl die Clicque, - Die schwatzend vor dem Marmor steht? - »Gewiß, der harte Zug verrät, - - -- Man sieht es schon am finstern Blicke -- - Der Kerl war, was man böse nennt, - Doch in der Büste steckt Talent.« - - - - - José-Maria de Hérédia - - - 1842-1905 - - - - - Vergessen - - - Der Tempel auf der steilen Klippe ist zerfallen, - Die ehernen Heroen liegen tief im Sand, - Die Marmorgöttin, welche auf dem Altar stand, - Ruht im Gestrüpp, verödet sind die weißen Hallen. - - Ein Rinderhirt läßt seine Muschelflöte schallen, - Die Weise ist seit altersgrauer Zeit bekannt, - Zur Tränke zieht der Stier im heißen Sonnenbrand, - Der Geier späht nach Raub für seine scharfen Krallen. - - Die milde Erde, die die Götter einst gesehn, - Schmückt stets im Frühling, um für alte Huld zu danken, - Geborstene Kapitäle mit Akanthusranken. - - Der Mensch will seiner Väter Traum nicht mehr verstehn, - In hellen Nächten hört er ohne frommen Schauer - Des Meeres Klagelied und der Sirenen Trauer. - - - - - Pan - - - Quer durch des Waldes rätselhaftes Dickicht schweift - Auf stillen Pfaden, die im tiefen Dunkel enden, - Der Bocksfuß, der die Nymphen mit den frechen Händen, - Wo sie sein heißer Blick erspäht, verlangend greift. - - Rings Girren und Geraun. Ein heller Lichtstrahl streift - Das Dach, frohlockend tanzt er auf den grünen Wänden; - Es lebt und webt im Holz, verborgene Quellen spenden - Ihm junge Kraft, zur Höhe ist der Tag gereift. - - Verloren hat sich eine Nymphe. Unentschlossen - Lauscht sie der Träne, die vom Morgentau vergossen - Im Moose schluchzt. Das junge Herz bangt ahnungsvoll. - - Ein Sprung! Da hält sie schon der Gott, von Wollust trunken, - Im Arm, sein Lachen peitscht die weiche Luft wie toll ... - Fort ist er. Und in Schweigen liegt der Wald versunken. - - - - - Der Ziegenhirt - - - Verfolge nicht den Bock auf diesem Kletterpfad, - Ein Fehltritt, und Du kommst zu Schaden und zu Leide! - Am Hang des Menalos, wo wir die Sommerweide - Beziehn, gewahrst Du kaum, wie schnell das Dunkel naht. - - Ich habe Wein und Obst. Wir harren, durch den Grat - Geschützt, des Morgens hier, doch laut zu sein vermeide, - Allgegenwärtig sind die Himmlischen, uns beide - Hat Hekate schon längst erspäht. Deshalb mein Rat. - - Der Satyr, der als Herr auf diesen Höhen schaltet, - Haust dort im tiefen Loch, wo das Gestein sich spaltet, - Er kommt hervor, wenn jemand ihn zu schrecken wagt. - Horch, die Schalmei! laß flink uns in den Schatten schlüpfen ... - Sieh, wie der Mondschein sich an seine Hörner hakt, - Zum Tanze spielt er auf, und meine Ziegen hüpfen. - - - - - Weihe - - - Dem grimmen Ares weihe ich die treuen Waffen! - Hilf mir, ich bin zu alt. Hier vor das Gottes Bild - Häng an den Pfeiler meinen Helm, den schweren Schild - Und dieses schartige Schwert ..., ich kann es nicht mehr schaffen. - - Und auch den Bogen. Meinst Du, daß er mit der straffen - Sehne hier hängen soll? Ich wär es gern gewillt, - Doch meine Kraft versagt, wenn solcher Kunst es gilt, - Das harte Holz gehorcht nicht mehr dem Arm, dem schlaffen. - - Nimm jetzt den Köcher. Wunderst Du Dich etwa, weil - Er leer ist? Ja, mir scheint, Dein Auge sucht den Pfeil, - Damit er Dir von blutigem Männerstreit erzähle! - - Es ist umsonst, Du findest keinen mehr davon, - Sie schwirrten zischend durch das Feld von Marathon - Und stecken alle in des toten Persers Kehle. - - - - - Des Toten Bitte - - - Halt, Wanderer, ein Wort! Wenn je Dein froher Mut - Nach Kypsela Dich führt am Hebrosstrand, so frage - Dem greisen Hyllos nach, er soll die Totenklage - Dem Erben weihn, der nie mehr an des Herdes Glut - - Sich wärmen wird. Zernagt vom Wolf und seiner Brut - Vermodert der erschlagne Leib im finstern Hage, - Vergebens harrt, daß ihn das Boot hinüber trage, - Am Styx der Schatten. Rache heischt vergossenes Blut. - - Jetzt geh. Des Abends, wenn der Sonne Strahlen bleichen, - Siehst Du vielleicht ein Weib zu einem Denkmal schleichen, - Der schwarze Schleier hüllt das weiße Haupt ihr ein. - - Daß nächtigen Spuk die Ärmste treibt, darfst Du nicht wähnen, - Es ist mein Mütterchen. Sie beugt sich auf den Stein - Und füllt die leere Urne nur mit ihren Tränen. - - - - - Der Sklave - - - Ein Sklave bin ich jetzt, zerlumpt, gehetzt, gejagt, - Mein Rücken kennt den Schmerz, mein Auge kennt die Tränen, - Geboren bin ich frei, am Strande der Sirenen, - Dort wo die blaue Hybla froh gen Himmel ragt. - - Hätt ich Sicilien nie Lebewohl gesagt, - Ach würde noch einmal erfüllt der Seele Sehnen! - Wenn Du zur Winterszeit nach Süden folgst den Schwänen, - O Gastfreund, geh zu ihr, nach der mein Kummer fragt. - - Noch einmal möchte ich die Augen schaun, die feuchten, - Daraus der Sonne Glanz und alle Sterne leuchten, - Und ihrer dunkeln Brauen sieggewohntes Joch. - - Such Cleariste auf! ich fleh Dich an, erbarme - Dich gnädig, sage ihr, ich lebe, liebe noch, - An ihrer tiefen Trauer kennst Du sie, die arme. - - - - - An der Trebia - - - Auf kahlen Höhen flammt des bleichen Morgens Pracht, - Numidische Geschwader führen, um zu tränken, - Die Rosse schnell hinab, wo sich die Ufer senken, - Die Hörner schmettern grell, das Lager ist erwacht. - - Sempronius nämlich, der die Augurn keck verlacht, - Trotzt dem geschwollnen Strom und Scipios Bedenken, - Die seines Consulates junge Würde kränken ... - Lictoren, hebt das Beil, Cohorten, auf zur Schlacht! - - Der dunkle Horizont steht rings umher in Flammen, - Des Insubrers armselige Hütte bricht zusammen, - Laut in Trompetentönen klagt ein Elefant. - - Dort unterm Brückenbogen lehnt ein Mann. Ein dumpfes - Geräusch vom Taktschritt der Legionen naht. Gespannt - Lauscht Hannibal mit einem Lächeln des Triumphes. - - - - - Nach der Schlacht bei Cannae - - - Der eine Consul tot, der andere verschollen, - Der Aufidus schwillt an, es wälzt die trübe Flut - Zum Meer die Waffen und die Leichen. Rot wie Blut - Wölbt sich der Himmel über Rom, die Donner grollen. - - Vergebens fällt der Opferstier, die Götter wollen - Nicht sprechen, keine Vogelschau schafft neuen Mut, - Die Bücher der Sibylle schweigen. Schrecken ruht - Und Trauer auf der Stadt, des Schicksals Würfel rollen. - - Am Abend steht die Menge auf dem Aquäduct, - Die Väter und das Volk. Nur ein Gedanke zuckt - Durch Tausende. Sie spähn hinaus in bangem Schweigen. - - Sie sehen schon im letzten Abendsonnenstrahl - Auf seinem Elephanten jenen Hannibal - Von den Sabinerbergen klirrend niedersteigen. - - - - - Villula - - - Du bist am Ort, Du brauchst nicht weiter erst zu gehen! - Dem alten Gallus eignet dieses kleine Gut, - Das so bescheiden an dem niedern Hange ruht, - Und dieses Schindeldach, kaum kann man drunter stehen. - - Im Häuschen mag er einen Freund schon bei sich sehen; - Ein Weinberg ist dabei, des alten Herdes Glut - Backt reichlich Brot, und wie die Bohnensuppe tut, - Frag ihn ...! Soll von den Göttern er noch mehr erflehen? - - Des Wäldchens Reisig kommt im Winter ihm zu Nutz, - Im heißen Sommer bietet ihm das Laubdach Schutz, - Der Herbst bescheert wohl eine Drossel, ein paar Meisen. - - Hier lebt er an der Stätte, die des Knaben Spiel - Geschaut, zufrieden mit dem Lose, das ihm fiel. - Jetzt kennst Du Gallus, Freund. Du findest einen Weisen. - - - - - Tranquillus - - - C. Plinii Secundi Epist. I. 24. - - Hier hat Sueton gelebt! stets führte das Verlangen - Nach seines Tibur tiefer Ruh ihn wieder her; - Noch steht ein Bogen von der Villa aufrecht, der - Die Ranken stützt, die an den alten Ulmen hangen. - - In jedem Herbst ist er von Rom hierher gegangen, - Aus jenem großen, glutdurchwogten Häusermeer, - Hier leuchtete die rote Traube, reif und schwer, - Dies Fleckchen Erde nahm ihn immer neu gefangen. - - Und in dem Frieden waren sie ihm alle nah, - Des Claudius Spukgestalt, Nero, Caligula, - Der Messalina frevelhaft verbuhltes Lieben, - - Das grause Spiel, das einst auf Capri ward getrieben ... - Dies alles hat in Wachs geritzt, ganz wie's geschah, - Sein Griffel hier, der unerbittlich wahr geblieben. - - - - - Lupercus - - - M. Val. Martialis Lib. I. Epigr. 118. - - Lupercus hält mich eifrig an, der Bücherjäger: - Dein neues Epigramm ist köstlich, Meister, fein! - Du borgst mir -- tadellos ist wirklich das Latein -- - Die ganze Rolle, morgen schick ich meinen Neger. - - Den der so humpelt und so keucht? Das ist ein träger - Gesell, der schläft auf meiner steilen Treppe ein. - Du wohnst am Palatin? bequemer kann's nicht sein, - Im Argiletum haust Atrectus, mein Verleger. - - Sein Lager ist auf's reichste assortiert, ich kenn's: - Vergil und Silius, Plinius, Phädrus und Terenz, - Du magst nach Lebenden, Du magst nach Toten fragen. - - Dort steht, und nicht im letzten Fach, im Futteral - Von Cedern, fein gefalzt, in Purpur eingeschlagen, - -- Für fünf Denare hast Du ihn -- auch der Martial. - - - - - Die Dogaressa - - - Die Herren plaudern in den lichten Säulengängen, - So malte sie des göttlichen Vecellio Hand; - Noch röter leuchtet heut das rote Prachtgewand - Im Glanz der schweren Ketten, die darüber hängen. - - Sie blicken in die trübe Flut, die in der engen - Lagune, aus der weiten Adria verbannt, - Vorüberrauscht, sie sehn den Himmel, lachend spannt - Er sich ob buntem Volk, ob fröhlichen Gesängen. - - Die stolzen Nobili im purpurfarbenen Kleid, - Mit kaltem Herrenblick und blitzendem Geschmeid - Bewegen ernst sich auf der weißen Marmortreppe. - - Die Dame dehnt im Sessel lässig sich und stumm, - Sie dreht sich langsam zu dem kleinen Neger um - Und lächelt. Dieser Wicht trägt die brokatne Schleppe. - - - - - Der alte Goldschmied - - - Trotz manchem Namen, der ins Meisterbuch geschrieben, - Trotz Ruiz, Becerril, Ximenez und Arphee - Hab ich den Stein gefaßt, die Perle, die Kamee, - Der Vase Griff gedreht, ihr Fries herausgetrieben. - - Den Märtyrer, der auf dem Roste treu geblieben, - Ihn bildete ich nie, ich malte, Schmach und Weh, - Dionysos im Rausch, den Fall der Danae - Auf Silber und Email, statt meinen Herrn zu lieben. - - Ich habe mehr als eine Klinge damasziert, - Bei diesem Teufelswerk, das frecher Stolz gebiert, - Vergaß ich um der Seele Seeligkeit zu werben. - - Dem dunkeln Abend neigt sich meines Tages Glanz, - Ich will wie Fra Juan von Segovia sterben, - Mein letztes Werk sei eine goldene Monstranz. - - - - - Die Conquistadoren - - - Ein wilder Geierflug aus Horsten kahl und leer, - Des stolzen Elends satt sind sie der Not entflohen, - Von wüstem Traum berauscht, Banditen und Heroen, - So stießen sie hinaus von Palos de Moguer. - - Zipango war ihr Ziel, des roten Goldes schwer, - Gold sah die heiße Gier im tiefen Schachte lohen; - Die Passatwinde, welche schreckenvoll sonst drohen, - Geleiteten sie durch das unbekannte Meer. - - Die Tropennacht verheißt schon morgen Abenteuer, - Ein blauer Phosphorglanz ringsum, ein Meer in Feuer, - Durchfurcht von leichtem Kiel auf rätselhafter Bahn; - - Sie beugen sich hinab von ihren Caravellen, - Da steigt ein neuer Stern tief aus dem Ozean - Zum fremden Himmel auf, die Pfade zu erhellen. - - - - - Jungbrunnen - - - Juan Ponce de Leon erlag des Teufels Spiel, - Als mit den Jahren er das dichte Haar sah bleichen; - Von alten Schriften voll und kraft geheimer Zeichen - Lenkt nach dem Bronnen ewiger Jugend er den Kiel. - - Er kreuzt, des Traumes Knecht, dem all sein Witz verfiel, - Drei Jahre durch die Fluten, die sich endlos gleichen; - Da taucht, vom Licht umrahmt, und alle Nebel weichen, - Ein Märchen, Florida, empor. Er steht am Ziel. - - Nun segnet er den Wahn, der ihn hierher geleitet, - Sein Banner pflanzt er auf, die müden Hände breitet - Er nach dem Strande aus, der ihm zum Grabe wird. - - Beneidenswerter Greis, Dein Sehnen und Dein Streben - Hat Dir der Tod erfüllt, und ob Du schon geirrt, - Hat er des Ruhmes ewige Jugend Dir gegeben. - - - - - Auf eine tote Stadt - - - Cartagena de Indias, 1533-1585-1697.[4] - - Verträumte Stadt, voreinst die Königin der Meere! - Heut tummelt in der Bucht sich ungestraft der Hai, - Die Schatten dehnen sich in ödem Einerlei - Dort wo die Flut gewiegt Galione und Galeere. - - Franz Drakes Eisenfaust brach Deine stolze Wehre, - Die Mauer und den Turm schlug Englands Neid entzwei, - Und Wunden klaffen noch, die Spur von Pointis' Blei, - Ein düsterer Perlenkranz der Trauer und der Ehre. - - Die Sonne kocht das Meer, das sich nur träge kräuselt, - Die Königin, sie schläft, vom Windeshauch umsäuselt, - Sie träumt von altem Ruhm und vom Conquistador, - - Von ihrem jähen Fall, die Trümmer sieht sie qualmen; - In heißen Nächten schreckt sie angsterfüllt empor .... - Dann schläft sie wieder ein, umrauscht von schlanken Palmen. - - - - - Antike Medaille - - - Noch immer kocht den Purpursaft, der Theokrit - Berauscht, der Ätna an den glühend heißen Lehnen, - Doch spähte heut umsonst des Sängers Blick nach jenen - Gestalten, welche einst gepriesen hat sein Lied. - - Ach, Arethusa hat als Sklavin feig gekniet - Vorm Grimm des Anjou, und der Lust des Sarazenen - Hat sie gedient, das Griechenblut in ihren Venen - Verdarb gleich dem Profil, das Götterhuld verriet. - - Der Zahn der Zeit hat selbst den Marmor angefressen, - Zum Schatten wurde Agrigent, und halb vergessen - Träumt unterm Blau des milden Himmels Syrakus. - - Das spröde Erz nur, dem sich Liebe anvertraute, - Bewahrt den keuschen Abglanz und den letzten Gruß - Der Mädchenschönheit, welche einst Sizilien schaute. - ----------- - -[Fußnote 4: Cartagena de las Indias, Hafenstadt in Südamerika, 1533 von -einem Vorfahren des Dichters gegründet, 1585 von den Engländern und 1697 -von den Franzosen zerstört.] - - - - - Bretagne - - - Die Unrast schwindet, Deine Seele wird sich weiten, - Wenn Dir die salzige Seeluft durch die Lungen zieht; - Zu Arvors Klippe klimm empor! Dein Auge sieht - Tief unter Dir den weißen Ozean sich breiten. - - Die Erika, der Ginster blüht. In grauen Zeiten - Sang der Druide hier dem Clan das Zauberlied - Von Zwergen und Dämonen. Hart wie der Granit - Sah auch der Mensch Jahrtausende vorüber schreiten. - - So komm und schau Dich um! Zum düstern Himmel ragt - Des Menhir altes Mal, das um die Helden klagt, - Die unter rotem Haidekraut vergessen liegen; - - Die ewige See, die Is und Occismor umschmiegt, - Die sie in einem Bett von goldnen Algen wiegt, - Wird flüsternd auch Dein Herz, das kummervolle, wiegen. - - - - - Maris stella - - - Von Tannenholz der Schuh, die Haube weiß wie Schnee, - Aus Wollenstoff das Kleid, die Schürze von Perkale, - Sie liegen auf den Knien, ach, zum wievielten Male, - Am steilen Klippenrand, in Bangen und in Weh. - - Die Männer, Väter, Söhne, Brüder sind auf See - Mit denen von Paimpol, Audierne und Cancale, - Im Norden stellen sie dem Hering nach, dem Wale, - Hart ist des Fischers Los und hart war es von je. - - Fromm tönet übers Meer, das sich unendlich weitet, - Der Bittgesang zum Stern, der jeden Schiffer leitet, - Und die bewegte See wird mählich wieder still; - - Der Abendglocken Ruf läßt alle Häupter neigen, - Sie schallen von Roscoff, vom Turm von Sybiril, - Der Himmel färbt sich rot, sie schwellen an und schweigen. - - - - - An Ernesto Rossi - - - Nach einer Dante-Deklamation. - - O Rossi, ich hab Dich gesehn, da Du gelassen - Opheliens Herz zertratst wie eine Blume, Dir - Hab zitternd ich gelauscht, da Du, ein wildes Tier, - Desdemona erwürgt -- --, ich konnte es nicht fassen. - - Den Macbeth habe ich bewundert und den Lear, - Ich sah Dich letzten, der zu lieben weiß, zu hassen - Auf Italienerart, wie Juliens Mund, den blassen, - Du küßtest. Größer schienst Du eines Abends mir. - - Da hab ich es erlebt, erschüttert und begeistert, - Zum ersten Mal, wie die Terzinen Du gemeistert, - Sie schmetterten gleich ehernem Drommetenklang. - - Und meine Seele wähnte bebend, voller Grauen, - Umzuckt von roter Lohe Dante selbst zu schauen, - Leibhaftig, wie der Hohe den Inferno sang. - - - - - Jacques Normand - - - geb. 1848 - - - - - Nach dem Essen - - - In dem Ledersessel friedlich, - Höchst gemütlich, - Sitzt der Gastfreund. Wie ein Schlauch - Bläst er aufwärts im Verdauen - Dichten blauen - Leicht gewellten Tabaksrauch. - - Nach der glänzenden Verpflegung, - Der Erregung, - Dem Geschwätz beim Mittagsmahl - ^à l'anglaise^ sich zu strecken, - Sich zu recken, - Das ist einfach ideal. - - Und dann sitzt man so vertraulich - Und beschaulich - »Unter uns«, nicht jedermann - Will im Bilde ängstlich bleiben - Und umschreiben, - Was man deutlich sagen kann. - - Nein, wir sprechen frei! O Wunder, - Der Burgunder - Löst die Zunge. Manchem schon - Hängt der Himmel voller Geigen, - Weshalb schweigen? - Jetzt riskiert man einen Ton. - - Nur nicht Politik, nicht Wahlen, - Keine Zahlen, - Solche Themen sind zu fein, - Sowas darf man sich nicht leisten, - Denn die meisten - Schlummern dabei friedlich ein. - - Lieber so ein Anekdötchen, - So ein Zötchen, - Das die Laune nicht verdirbt, - Das im enggeschlossnen Kreise - Seine Reise - Fröhlich antritt und auch stirbt. - - Man erfährt von Eingeweihten - Neuigkeiten, - Das Ballett wird durchgesiebt, - Dankbar hört man Jagdgeschichten - Neu berichten, - Die der Ahnherr schon geliebt. - - Was nach einem guten Essen - Angemessen, - Wird mit Wichtigkeit erzählt, - So gewährt des Geists Entfaltung - Unterhaltung, - Die das ernste Haupt nicht quält. - - * * * * * - - Einsam sitzen unterdessen, - Fast vergessen, - Schöne Damen. Edler Stil - Sind sie alle und Vollendung, - Jede Wendung - Zeigt beim Plaudern Halbprofil. - - Jeder kann von diesen Sternen - Etwas lernen, - Was ihn mit der Welt versöhnt, - Von dem Wetter oder lieber - Noch vom Fieber - Und wie Baby man entwöhnt. - - Eine Schneiderin empfehlen - Gute Seelen, - Andere wissen andern Rat; - Diesen Winter trägt man Loden, - Nein, die Moden - Sind abscheulich, in der Tat. - - Manches läßt man sich wohl bieten, - Doch Visiten - Nicht erwidern ist nicht fein, - Bleibt man selber welche schuldig, - Soll geduldig - Immer hübsch der andere sein. - - Ein Roman, den jedes Wesen - Schon gelesen - Oder augenblicklich liest, - Wird bewundert. Sehr erquicklich - Und auch schicklich - Ist es, was man da genießt. - - Der Tenor ... um Gottes Willen! - Meine Pillen - Tuen glücklich ihre Pflicht, - Ach, die Leute .., alle Tage - Solche Plage, - Nein, man glaubt es wirklich nicht. - - Unser Doktor ist sehr peinlich. - Höchst wahrscheinlich - Gehn wir diesmal an die See. - Vom Theater wird gesprochen. - In die Wochen - Kommt sie wieder mal ... o weh! - - Unerschöpflich quillt der Segen, - Dauerregen - Netzt in Strömen das Gesträuch. - Trotzdem sieht sofort der Kenner, - Ohne Männer - Plagt die Langeweile euch. - - Arme Damen, seid bedauert, - Denn ihr lauert - Auf das stärkere Geschlecht. - Ach, Ihr könnt noch lange harren, - Die Zigarren - Fordern mitleidlos ihr Recht. - - * * * * * - - Gott sei Dank, da sind sie endlich! - Selbstverständlich - Duften alle nach Tabak, - Nach dem Kraute der Havanna, - Frisches Manna - Hat ganz anderen Geschmack. - - Doch die Frauen sind ja alle - Ohne Galle! - Manches liebliche Duett - Tönt sofort. Nein, was ich sage, - Ohne Frage, - Dieser Abend war zu nett. - - - - - Taubenschießen - - - Nachmittag ist es, lau und linde, - Kein Sonnenschein, kein Hauch im Winde. - - Des Himmels Blau ist nicht recht klar, - Wie Seide glänzt es auf ein Haar. - - Die weiche Luft, die schwere, satte, - Ist wie ein dichter Bausch von Watte. - - Behagen, Frieden ringsherum - Und Schweigen, alles still und stumm. - - Ein kurzes Rollen nur, ein matter - Halblauter Ton, Gewehrgeknatter. - - Ein Taubenschießen. Drüben stehn - Die Schützen, deutlich kann man sehn, - - Wie von dem Hintergrund die Gruppen - Sich lösen gleich bewegten Puppen. - - Sie treten nach der Reihe an, - Korrekt und aufrecht jedermann. - - Von Zeit zu Zeit auf grünen Matten - Ein flüchtiger bewegter Schatten. - - Der Vogel flattert auf erschreckt, - Schon ist er von dem Blei gestreckt. - - Ein scharfes, abgehacktes Knallen, - Zu Boden sieht man etwas fallen. - - Der Hund springt zu, er packt es fest, - Er gibt dem armen Tier den Rest. - - So geht es weiter ohne Gnade, - Kein Ende nimmt die Füsillade. - - Durch blaue Lüfte zuckt der Blitz, - Ein Messerstich, kurz, scharf und spitz. - - Gemetzel, sinnlos, feig, empörend, - Des Tages heiligen Frieden störend. - - In dieses Himmels reiner Luft - Der Mensch allein ein Schelm, ein Schuft, - - Der Hekatomben, weil's ihn lüstet, - Zum Opfer bringt und sich noch brüstet, - - Der rings des Todes Saaten sät, - Damit die Stunde schnell vergeht. - - - - - Aufrichtig - - - Jüngst las ein Buch ich, das ein Symbolist geschrieben, - Ein höchst profunder Geist, ein starker Geist, mag sein, - Jedoch so stark und tief, dabei so zart und fein, - Daß mir von der Lektüre Kopfschmerz nur geblieben. - - Ich muß gestehn, ich hab Ästhetik nie getrieben, - Für diese Welten ist mein armes Hirn zu klein, - Solch hoheitsvolle Denker gehen mir nicht ein, - Mit einem Wort: Ich bin ein Schaf. Ganz nach Belieben. - - Ich bin ein Schaf. Gut. Abgemacht. Es bleibt dabei. - Ich finde niemals, ob gezwungen oder frei, - Die Schönheit, wo die Worte sich im Dunkeln balgen. - - Ich bin ein Spießer, ein Philister, einerlei, - Darauf laß ich mich hängen. Doch mein letzter Schrei - Ist noch: Die Klarheit hoch! Jetzt schleppt mich hin zum Galgen. - - - - - Um den Ruhm - - - Beerdigung allerersten Ranges. In den Hallen - Der Madeleine ist heute ganz Paris zu sehn, - Kunst, Presse, Parlament, kaum kann man sich noch drehn. - Das war ein Mann! Kein Apfel kann zur Erde fallen. - - Er starb. Hat er gelebt? Er lief dem Ruhm nach, allen - War er im Wege. Nichts ist ohne ihn geschehn, - Da hieß mit einem Mal der Tod ihn stille stehn, - Es war vorbei. Er packte ihn mit Geierskrallen. - - Der greise Priester mit dem dünnen Silberhaar, - Mit seinem schönen Kopf, mit Augen hell und wahr, - Hebt die Monstranz. Kein Laut im weiten Heiligtume. - - Hier dieser Lebende und dort der Tote. Zwar - Bin ich kein Großer, doch dies eine ist mir klar: - Ein Schritt zu Gott gilt mehr als tausend Schritt zum Ruhme. - - - - - Jean Richepin - - - geb. 1849 - - - - - Unsere Vergnügungen - - - Wenn uns mal, dieweil wir jung, - Lustig stimmt ein guter Trunk, - Kläfft die ganze Meute. - Ach, die Tage eilen so, - Und nicht jeder Tag ist froh, - Wir sind arme Leute. - - Narren nennt uns jedermann, - Aber keiner denkt daran, - Daß, um muntere Lügen - Durchzuführen, mancher friert - Und vor Hunger fast krepiert, - Das ist kein Vergnügen. - - Kälte, Durst und Hunger sind - Untertan dem Königskind, - Das sie Dichter heißen. - Armer König, oft gäb er - Dreimal seine Krone her, - Hätt er was zu beißen. - - Manchem, dem einst ferne Zeit - Sicherlich ein Denkmal weiht, - Blühen späte Rosen; - Wißt ihr, was ihm besser frommt, - Bis es einmal dazu kommt? - Ein Paar neue Hosen. - - Wenn uns heller Glanz bestrahlt, - Mord und Tod! Der ist bezahlt, - Ist's mit Wucherzinsen. - Und der Magen, der uns zwackt, - Schlägt zu der Musik den Takt, - Hört sie an mit Grinsen. - - Die ihr heimlich trinkt und zecht, - Die ihr täglich regelrecht - Dreimal findet Futter, - Macht nicht immer gleich Skandal, - Wenn auch unsereiner mal - Kommt zu Brot und Butter. - - Wenn ihr schon ein Lied wo hört, - Das euch die Verdauung stört, - Nur kein Donnerwetter! - Trockne Kehle, leerer Bauch, - Lieben Wein und Braten auch, - Nicht bloß Lorbeerblätter. - - Nehmt es drum nicht zu genau, - Heute ist der Himmel blau, - Also lustig heute! - Ach, die Tage eilen so, - Und nicht jeder Tag ist froh, - Wir sind arme Leute. - - - - - Unsere Rache - - - Der Bourgeois nährt sich, still verdaut - Der brave Bursche dreimal täglich, - Und wenn er einen Dichter schaut, - Dann lacht er, denn dem geht es kläglich. - - Mitunter dreht der Spieß sich um! - Dann sieht der Dichter mit Behagen - Vorm Schauspielhaus das Publikum - Sich um die Eintrittskarten schlagen. - - Und wenn sodann das Spiel beginnt, - Kann man sie leicht zu Tränen rühren; - Wie selten merkt das große Kind, - Daß wir es an der Nase führen. - - Doch vom Theater abgesehn, - So haben wir noch gegen Laffen, - Die protzig stets im Wege stehn, - Verschiedene andere gute Waffen. - - Wir haben Leben, Lieder, Lust, - Den Geist, der schweres leicht erledigt, - Den großen Stolz in unserer Brust, - Der uns für manches Leid entschädigt. - - Dann gab ein Gott uns zweierlei, - Um dessentwegen sie uns hassen: - Wir sind noch jung, wir sind noch frei, - Keck dürfen wir uns sehen lassen! - - So'n Kerl wirft sich in Positur: - »Oho, Ihr seid die rechten grade, - Ihr lauft ja auf die Groschen nur, - Mein Kind, das ist für Euch zu schade.« - - Wir mögen saure Früchte nicht, - Dein Töchterlein ist dürr zum Lachen, - Das Geld verschönert kein Gesicht, - Es kann auch keinen Busen machen. - - Die Vogelscheuche! neben ihr - Sitzt Deine Frau, Du armer Schächer; - Ein flüchtiger Blick ..., hier sitzen wir, - Und sie errötet hinterm Fächer. - - Das Mägdlein halte Dir getrost, - Denn wir sind Kenner, unsere Zunge - Verschmäht solch kümmerliche Kost -- -- - Wir haben Deine Frau, mein Junge! - - - - - Mein Glas ist leer - - - Einst goß ich, ein froher Zecher, - Meinen Lieblingswein - In den hell geschliffnen Becher - Ohne Sorgen ein. - Wenig konnte nie genügen, - War der Wein auch schwer, - Trank ich doch in vollen Zügen .... - Dieses Glas ist leer. - - Wein des Ruhms, an jedem Orte - Wirst Du hoch gelobt! - Auch ich hätte diese Sorte, - Ach, wie gern geprobt. - Perlen sah ich ihn und schäumen, - Mehr und immer mehr - Schlürfte ich -- -- in meinen Träumen ...! - Dieses Glas ist leer. - - Liebe, brr! ein saurer Krätzer, - Dem gar mancher flucht, - Trotzdem hab ich harter Ketzer - Oftmals ihn versucht, - Danach stand in jungen Tagen - Immer mein Begehr, - Hab auch ziemlich viel vertragen .... - Dieses Glas ist leer. - - Älter ward ich und mein Sehnen, - Einsam und allein - Hab ich auch aus salzigen Tränen - Schon gekeltert Wein. - Um mein Kreuz, da standen alle, - Mancher hob den Speer, - Lachend trank ich bittere Galle ... - Dieses Glas ist leer. - - Soll ich zürnen, soll ich hadern, - Tut kein Wein mir gut? - Ha, das Blut in meinen Adern - Kreist noch, schlechtes Blut! - - Muß vom eignen Blute zehren, - Bringt den Becher her, - Laßt mich auch noch diesen leeren ... - Dieses Glas ist leer. - - - - - Moderne Studie nach der Antike - - - Bah! Die Antike bleibt ein Bild von kalter Tugend, - Wir respektieren sie .., ein Nachklang nur der Jugend! - Ein Vorurteil, mein Freund, gleich andern ist auch dies; - Nichts ist erlebt, nichts klar, nichts einfach, nichts praecis. - Wir wollen heut Detail und keine leeren Phrasen, - Die Alten ..., lieber Freund, da geht der Esel grasen. - - .... Die Hütte steht am Strand, mit Binsen leicht gedeckt, - Aus Weiden ist die Wand. Dort liegen ausgestreckt - Zwei Fischer auf dem Bett von Gräsern dürr und trocken. - Daneben Fanggerät. Die Köder, welche locken, - Die Angeln mit der Schnur, die Haken, etwas Tang, - Die Netze, Körbe auch zu bergen ihren Fang. - Geflochtne Reusen. Dann im Hintergrund, am Ende, - Zwei Ruder mit den Spuren harter Schwielenhände, - Ein wackeliges Boot auf Rollen und auf Stützen, - Armselige Lumpen und zwei alte Fischermützen. - Als Decken noch ein paar ganz abgenutzte Matten, - Dies alles, wie sie's grade hingeworfen hatten, - Ihr ganzes Hab und Gut, ein Durcheinander bunt. - Nichts weiter, keine Tür, ja nicht einmal ein Hund. - Wozu denn auch? es würde kaum der Mühe lohnen, - Da beide ganz allein in dieser Öde wohnen. - Die Hütte liegt verlassen in der Einsamkeit, - Denn ihre Armut schützt sie vor der Menschen Neid. - - Jetzt, Freundchen, darfst Du die Kritik zum besten geben! - Ist dieses Bild praecis, natürlich, hat es Leben, - Zeigt es Dir das Detail ganz einfach, ohne Schwall? - Sprich Dich nur offen aus, was sagst Du zu dem Fall? - - Die Studie findest Du, ich will den Zweifel stillen, - Als einundzwanzigste in Theokrits Idyllen. - - - - - Auf Wache[5] - - - Mein Junge, Du bist an der Reih, - Du hast die Wache bis um drei, - Wie willst Du Dir die Zeit vertreiben? - Lang wird die Nacht Dir am Kompaß, - Willst schlafen Du? ein schlechter Spaß! - Und träumen? Junge, das laß bleiben! - - Horch lieber, wie die Woge braust, - Und horche, wie der Sturmwind saust, - Horch auf der Winde tollen Reigen; - Vielleicht gelingt Dir ein Gedicht, - Das wie ihr Laut zum Herzen spricht, - Das Herzen peinigt, wie ihr Schweigen. - ----------- - -[Fußnote 5: Der Dichter war in seiner Jugend Schiffsjunge.] - - - - - Die Küste - - - Eine Festung, dies Gestade! - Lang gestreckt und weiß und grade - Liegt es da, ein fester Wall, - Und die Wogen, die Schwadronen, - Brechen sich in tiefem Fall - Jählings an den Mauerkronen, - - Wälzen sich umsonst heran, - Stürmen stets von neuem an, - Um die Brüstung zu erreichen. - Vorwärts jetzt mit frischer Kraft, - Die Besatzung kommt ins Weichen, - Vorwärts jetzt, die Bresche klafft! - - Drauf und dran, ihr wilden Koppeln, - Müßt die Kräfte jetzt verdoppeln, - Horch, wie toll die Trommel schlägt! - Hört ihr nicht den Sturmwind pfeifen? - Schnell die Böschung blank gefegt, - Wagt nur mutig anzugreifen. - - Stücke Erde, groß und klein, - Stürzen ab und Felsgestein, - So, jetzt wanken schon die Zinnen! - Trümmer liegen überall, - Häufen draußen sich und drinnen, - Abgebröckelt ist der Wall. - - Dringt durch die gesprengte Mauer! - Wütend flutet kalter Schauer, - Immer größer wird die Not. - Heulend nahen neue Gäste, - Reiche Ernte hält der Tod - In der fast erlegenen Veste. - - Leichen häufen sich zum Turm, - Dämmen jetzt den wilden Sturm, - Decken rings die feuchte Erde. - Von Verstümmelten ein Hauf - Packt die abgehetzten Pferde, - Hemmt der müden Rosse Lauf. - - Eine Festung, dies Gestade, - Lang gestreckt und weiß und grade! - Ohne Zagen wirft und baut - Diese Festung ohne Gleichen, - Daß es allen Feinden graut, - Barrikaden auf von Leichen. - - - - - Trockne Kiesel - - - Ach, ihr enttäuscht mich, meine Lieder, - Ihr gebt die Farbenpracht nicht wieder! - Sind auch die Worte noch so reich, - Sie scheinen unecht und erlogen, - Vergleiche ich sie mit den Wogen, - Wie sind doch meine Farben bleich! - - Was aus dem Herzen mir geflossen, - Das hab ich treu hinein gegossen - In eines Mannes redlich Werk. - Wie fröhlich regte ich die Hände! - Jetzt da die Arbeit ging zu Ende - Erscheine ich mir wie ein Zwerg. - - Du kannst nur leere Reime schmieden, - Dir ist ja doch kein Sieg beschieden, - Das freie Meer bezwingst Du nie. - Der Vers, den mühsam Du erdachtest, - Den zu Papier mit Fleiß Du brachtest, - Hat eine andere Melodie. - - Sobald die Flut zurückgetreten, - Dann leuchtet, wie aus Blumenbeeten, - In aller Farben frohem Schein, - In weißem, rotem, grünem Schimmer, - In tausendfältig buntem Flimmer - Aus nassem Sand der Kieselstein. - - Umrahmt von feuchter Tropfen Kranze - Erstrahlt der Stein im hellsten Glanze, - Er funkelt, wie in Gold gefaßt. - Die Sonne und die Winde kommen, - Schnell ist die Glut verlöscht, verglommen, - Schnell ist der Diamant verblaßt. - - So leuchten mir auch die Gedanken, - Wenn meine Träume sie umranken, - Wie Kiesel auf dem feuchten Strand; - Doch ach, die Träume, sie verfliegen, - Seh auf dem Tisch Papier ich liegen, - Das nüchtern allen Glanz verbannt. - - Was prächtig eben noch gefunkelt, - Das ist verblichen und verdunkelt, - Die bunten Farben halten nicht; - Die Phantasien, die mich locken, - Entschwinden, grau erscheint und trocken - Der Kieselstein und mein Gedicht. - - - - - Jean-Arthur Rimbaud - - - 1854-1891 - - - - - Mein Zigeunerleben - - - Ich bummelte, die Hände in den leeren Taschen, - Mein schöner Überzieher war längst in Verfall, - Der Himmel schien so hoch. O Muse, Dein Vasall - Versuchte träumend Liebesgötter zu erhaschen. - - In meiner einzigen Hose war ein großes Loch. - Ich Däumling, der die Reime aus den Hülsen schälte - Und keck den großen Bären zum Quartier erwählte, - Vernahm das süße Rauschen meiner Sterne noch, - - Als ich am Straßenrand mich lauschend niedersetzte; - Des Herbstes Abendtau, der meine Stirn benetzte, - Hat mich wie starker Wein begeistert und erquickt. - - Zur Leier griff ich. Während rings die Schatten flogen, - Hab ich den Gummi aus dem kranken Schuh gezogen - Und flott drauf los gereimt, den Fuß ans Herz gedrückt. - - - - - Lebenstiefe - - - Wenn in des Abends Blau das Ährenmeer sich wiegt, - Streift mich der Halm, der mir sich neigt auf schmalen Pfaden, - Die Kühle fühl ich träumend, die den Fuß umschmiegt, - Und frei darf das entblößte Haupt im Winde baden. - - Das Denken schlummert ein, dem Mund entflieht kein Wort, - Empor steigt grenzenlos die Liebe, still, allmählich; - Wie ein Zigeuner wandere fort ich, immer fort, - Allein mit der Natur ..., mit diesem Weibe selig. - - - - - Faunskopf - - - Im Laub, dem grünen, goldgefleckten Schrein, - In schwanken Ästen, die ihn zitternd hüten, - Schlief seines Mundes Kuß, der bittere, ein; - Jetzt hebt er wieder aus gewirkten Blüten - - Den geilen Blick, der liebestolle Faun, - Die großen Blumen schlingt sein offner Rachen, - Dem Blut des alten Weines gleicht ihr Braun, - Durch das Gebüsch hallt sein verrücktes Lachen. - - Schon ist er weiter wie ein Eichhorn flink, - Nur das Gelächter hängt noch in den Zweigen; - Den goldnen Kuß verscheucht ein frecher Fink, - Stumm ist der Wald und überall ruht Schweigen. - - - - - Aufregung - - - Im hellen Kellerfenster ducken - Fünf Kinderchen sich still und gucken - In kalter Nacht - Mit langem Hals und offnem Munde, - Wie man das Brot, das schöne, runde, - Da unten macht. - - Sie sehn den grauen Teig, es wenden - Gesellen ihn mit flinken Händen, - Hoch aufgestreift, - Sie hören, wie vergnügt und lecker - Das Brot backt, wie der dicke Bäcker - Ein Liedchen pfeift. - - Des Feuers milde Flammen locken - Wie einer Mutter Schoß; sie hocken - Ganz still, kein Glied - Bewegt sich, bis mit nacktem Arme - Der Bursch das Brot heraus, das warme, - Um ein Uhr zieht. - - Wenn dann zur Mitternacht, zur stillen, - Der Brotgeruch, der Sang der Grillen - Steigt mit dem Rauch, - Dann spüren die zerlumpten Kleinen - Dort oben auf den kalten Steinen - Des Lebens Hauch. - - Dann merken diese Kinderseelen - Nicht mehr, wie Frost und Kälte quälen, - Und leise flieht - Aus Mäulchen, die heut kaum gegessen, - Die sie ans kalte Gitter pressen - Ein altes Lied. - - Dort unten lacht zu ihren Füßen - Der Himmel, den sie frierend grüßen, - Es schmeckt und schmatzt - Das kleine Volk, und alle bücken - Sich so weit vor, daß auf dem Rücken - Das Höschen platzt. - - - - - Der Schläfer im Tal - - - Ein grüner Winkel, wo im engen Bette munter - Das Bächlein singt und Silberfetzen aufgeräumt - An Gräser hängt, wo von dem stolzen Berg herunter - Die Sonne glänzt, ein Tal, das hell im Lichte schäumt. - - Ein junger Krieger schläft barhaupt mit offnem Munde, - Der Nacken badet tief im frischen blauen Kraut, - Der bleiche Jüngling dehnt sich auf dem weichen Grunde, - Das grüne Lager ist vom Sonnenlicht betaut. - - In Lilien ist der Fuß gebettet, um die Wangen - Spielt eines kranken Kindes Lächeln, das umfangen - Vom Traume ruht. Natur, umhüll ihn warm und gut, - - Denn ihm ist kalt. Die Brust trinkt nicht der Blumen Düfte, - Er schläft im Sonnenbrand, die Hand auf seiner Hüfte, - Darunter sickert aus dem Herzen rotes Blut. - - - - - Der Schrank - - - Ein reich geschnitzter großer Schrank in dunkel Eichen, - Uralt, gleich alten Menschen blickt er gut und fein, - Die Tür steht auf, die Düfte, die daraus entweichen, - Umschmeicheln lockend Herz und Sinn wie alter Wein. - - Ganz vollgestopft ist er mit tausend Kinkerlitzen, - Verblichner Wäsche, Wohlgerüchen, Weibertand, - Verkramtem Kinderzeug, mit längst verschlissnen Spitzen, - Mit Tüchern von der Großmama und buntem Band. - - Dort finden sich vergessne Medaillons und Locken, - Weiß oder blond, Porträts, auch Blumen, welk und trocken, - Ihr Staubgeruch und Obst in stiller Harmonie. - - Von ihren Vätern könntest künden Du den Söhnen, - Du alter Schrank, Geschichten wüßtest Du ...! sowie - Sich Deine Türen langsam öffnen, mußt Du stöhnen. - - - - - Jules Jouy - - - 1855-1897 - - - - - Lied der Bergarbeiter - - - Woher kommt Ihr, sagt mir's doch! - In der Erde schwarzem Schlunde - Hausen wir, im finstern Loch, - Auf verderbenschwangerm Grunde. - Da unten strahlt die Sonne nicht, - Im Schatten, bei der Grubenlampe Licht - Entflieht in trübem Einerlei die Stunde. - Das Leben jagt, des Schicksals Kugel rollt, - Wenn es uns auch grollt, - Ist's dem Reichen hold, - Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold. - - Warum flieht Ihr, sagt mir's doch! - Sind dem Tode grad entsprungen, - Unten erntet er im Loch - Und vergiftet uns die Lungen, - Wie schwarze Vögel durch die Nacht - Rauscht das Verderben durch den dunkeln Schacht, - Es rafft dahin die Alten und die Jungen, - Wir fahren täglich ein um kargen Sold. - Wenn das Schicksal grollt, - Ist's dem Reichen hold, - Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold. - - Was verdient Ihr, sagt mir's doch, - Wenn Ihr emsig schafft da drinne? - Unsere Arbeit dort im Loch - Bringt uns Elend zum Gewinne. - Vom Morgen bis der Tag erblaßt - Sitzt an dem Tisch der Hunger uns als Gast, - Die Kinder gehn in Lumpen, Herz und Sinne - Verdorren, unser Schicksal hat's gewollt! - Wenn es uns auch grollt, - Ist's dem Reichen hold, - Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold. - - - - - Der bleiche Mann - - - Du bleicher Mann, kennst Du der Sonne Strahl? - Wie alle Welt hab ich gehofft einmal, - Er würde leuchten mir in frohen Stunden, - Ein Los vergolden auch für mich vielleicht ... - Des Elends Dämmerlicht hab ich gefunden, - Das hat mein rotes Blut schon längst gebleicht. - - Du bleicher Mann, ist Hunger Dir bekannt? - Wie alle Welt hofft ich am Straßenrand - Das Brot zu finden zum bescheidnen Mahle, - An Wein zu denken hab ich auch gewagt ... - Geleert hab ich des Elends bittere Schale, - Die Satten haben frech mein Brot zernagt. - - Du bleicher Mann, kennst Du der Liebe Macht? - Wie alle Welt hab ich einmal gedacht, - Auch meiner würde sie sich noch erbarmen, - Mir würde auch ein Stückchen Glück beschert ... - Das Elend preßte mich mit starken Armen. - Es hat mein Hirn, es hat mein Herz geleert. - - - - - Emile Verhaeren - - - geb. 1855 - - - - - Vlämische Kunst - - - I. - - Kunst Flanderns, Du hast sie gekannt, - Die Dirnen waren Dein Entzücken! - Den Busen hat, den breiten Rücken - Verewigt Deiner Meister Hand. - - Ob Göttinnen der Pinsel malte, - Ob Nymphen, die aus klarer Flut - Emporgetaucht zur Sonnenglut, - Zum Lichte, das sie frei umstrahlte, - - Ob üppige Formen er verlieh - Der Jahreszeiten frohem Reigen, - Wen immer uns die Bilder zeigen, - Die Dirnen sind es, immer sie! - - Du schufst sie uns, die drallen Schönen, - Ganz Sinnenlust, ein Feuer bricht - Durch ihre Haut hervor, ein Licht - Von ungekannten Farbentönen. - - Sie strahlen hell, das Auge glüht - Wie Sternenglanz, und ohne Hülle - Schwillt ihres runden Busens Fülle, - Ein Strauß, der auf der Leinwand blüht. - - Um sie herum in frechen Schwärmen - Des Waldes Götter, liebestoll; - Sie wälzen sich, des Wahnsinns voll, - Im Dickicht, wo die Vögel lärmen. - - Sich selbst verspottend bohren dreist - Den heißen Blick sie durch das Dunkel, - In seinem lüsternen Gefunkel - Erglänzt ihr Lächeln fett und feist. - - So wittern in der Brunst die Hunde! - Die Schönen sperren sich, doch bald - Zwingt sie der eignen Lust Gewalt, - Es ist nur Trotz der ersten Stunde, - - Der Trotz, der keinen Sieg gewinnt! - Sie bäumen sich, die Hüften schwellen, - Der Nacken, über den in Wellen - Des Haares breiter Goldstrom rinnt, - - Verlockt den Feind, den Sturm zu wagen, - Verheißt den Sieg in kurzer Frist, - Obschon die Weibchen voller List - Den ersten Kuß zum Schein versagen. - - - II. - - Ihr hochgepriesenen Meister gabt - Ein reiches Leben jenen Leibern, - Den saft- und kraftgeschwellten Weibern, - Die Ihr geliebt, bewundert habt. - - Chlorosen mochtet Ihr nicht schildern, - Nie haben Fratzen fahl und bleich - Wie Mondesschein im tiefen Teich - Herumgespukt auf Euren Bildern, - - Mit Stirnen, düster wie die Nacht, - Wie Klagelieder müd und traurig, - Mit Augen, daraus flackernd, schaurig - Das Siechtum, die Verzweiflung lacht, - - Die Grazien, mit erlognen, ekeln, - Gefälschten Reizen, die geziert, - Im Morgenkleide, parfümiert - Und schlaff sich auf dem Sofa räkeln. - - Nie habt Ihr mit der Lust gespielt! - Ihr, die Ihr keine Freude scheutet, - Habt nie das Laster angedeutet, - Das frech und lüstern blinzelnd schielt. - - Ihr zeigtet nie im Schmutz der Gasse - Frau Venus, die spazieren geht, - Nie habt durchs Fenster Ihr gespäht, - Ob nacktes Fleisch sich sehen lasse. - - Wie Ohnmacht sich hysterisch spreizt, - Der Schäferin verbuhlte Künste, - Des Schlafgemaches schwere Dünste, - Sie haben niemals Euch gereizt. - - Nein! Eure Frauen, die im festen, - Im großen Schritt, im leichten Tanz - Sich frei bewegten, die im Glanz - Gethront, in schimmernden Palästen, - - Sie waren anders anzuschauen, - Sie führten, von Gesundheit strotzend, - Mit königlicher Miene, trotzend, - Am Narrenseil den geilen Faun. - - - - - Artevelde - - - Der Riese Tod zieht die Register, greift die Tasten, - Aus seiner Orgel Tiefen quillt der Ruhm hervor, - Der Name des Ruwaert von Flandern steigt empor, - Er wächst noch, wieviel Jahre auch vorüber hasten. - - Gold nur prägt hochgesinnt das Volk. Aus Feuerbränden, - Gemetzel, Bürgerkrieg, Verzweiflung, Leidenschaft - Hat's die Legende seines Helden aufgerafft, - Es feiert ihn von neuem stets und will nicht enden. - - Von Strahlen warf er ein Geflecht mit dichter Masche - Um Flandern. Wie den Blitz der Belfried zog die Faust - Den Schrecken an. Und wo hernieder sie gesaust, - Verbrannte ihre Glut die Kerker rings zu Asche. - - Die Könige beugten sich, vor seinem Anblick grausend, - An seine Fersen heftete sich dicht der Schwarm - Des Volkes, jauchzend gab es Herz ihm hin und Arm, - Doch er war stärker noch als alle, stark wie tausend. - - Und seine Seele sah sich durch die Zukunft schreiten, - Was jemals sie gedacht, ward Leuchte und ward Brand, - Die erste Fackel! eine fieberheiße Hand - Trug ihre Glut voran im Nebel ferner Zeiten. - - Er fühlte Zaubermacht in sich. Sein Wollen bäumte - Sich auf, die Schranke brach. Nichts blieb ihm unerfüllt, - Bis einst des Todes finstere Nacht das Haupt umhüllt, - Wo Zorn und Wetter schweigend bei einander träumte. - - Und bei der Nacht verschwand er wie ein blutiger König, - Im Brand der Stadt, im wilden Aufruhr, bei der Nacht. - - - - - Die Bauern - - - Wie Greuze Bauern einst geschildert, sind sie nicht, - In zarten Farben hingehaucht beim Tanz im Freien, - Schmuck angezogen und mit rosigem Gesicht, - Ein heiteres Motiv, gleich andern Spielereien, - Für Rokoko-Salons, sehr zierlich in Pastell. - Grob sind sie, viehisch, plump. Die Zeichnung ist reell. - - In ihrem Dorfe sind sie eingepfercht. Die Leute - Im Flecken nebenan, die sind für sie schon fremd, - Eindringlinge, des Hasses wert, willkommene Beute, - Die man betrügen darf und plündern bis aufs Hemd. - - Das Vaterland ...! o weh, soll das sie gar begeistern, - Das ihre Söhne nimmt und zu Soldaten macht? - Das gilt die Erde ihnen nicht, die sie bemeistern, - Die ihre Saaten bis zur Reife treu bewacht. - - Das Vaterland ist ihnen garnichts oder wenig; - In einem Eckchen ihres dumpfen Hirnes wohnt - Der König höchstens, eine Art von Märchenkönig, - Der mit der Krone auf dem Haupt im Purpur thront. - - Ein bunter Flitterkram, ein Schloß, wo Fahnen wehen, - Mit Wappenschildern, funkelnd in dem Glanz des Lichts, - Wo die Soldaten mit Gewehren Posten stehen, - Das wissen sie vom Staat, vom Vaterland. Sonst nichts. - - Im übrigen beschwert sie keiner Weisheit Bürde, - Denn Bücher, bis auf den Kalender, sind vervehmt. - Der Holzschuh könnte Freiheit, Recht und Menschenwürde - Zertreten ohne Wahl. Instinkt ist's, was sie lähmt. - - Wenn in der Stadt des Aufruhrs rote Blitze zucken, - Wenn ferner Donner grollt, sie bleiben unbewegt, - Gewohnt, in dieses Lebens Schlachten sich zu ducken, - Weil den, der aufrecht steht, das Wetter niederschlägt. - - - - - Kato - - - Den weiten Faltenrock bis hoch ans Knie gerafft - Hat sie das rote Maul gewaschen ihren Kühen, - Die Streu zurecht gemacht, den Dung hinaus geschafft, - Die Luken aufgesperrt beim ersten Morgenglühen. - - Jetzt darf die Kato, die grobknochige, dicke Magd, - Sich auf den alten wackeligen Schemel setzen; - Die Schatten drücken schwer, die Stalllaterne blakt, - Den Nacken deckt ihr ein zerschlissenes Tuch, ein Fetzen. - - Im Holzschuh stecken ihre Füße nackt und bloß, - Ein grober, harter Lederschurz bedeckt die Lenden, - Die Beine breit gespreizt hält sie auf ihrem Schoß - Den Eimer, und den Euter streicht mit beiden Händen - - Sie auf und nieder flink, ein Strahl spritzt blendend weiß - Ins zinnerne Gefäß, und Blase perlt an Blase, - Wie von Ranunkeln steigt der Duft berauschend heiß - Empor, behaglich schlürft ihn Katos breite Nase. - - Beim ersten Dämmerschein und wenn der Tag verglimmt, - Wenn er im Mittag steht, sitzt Kato bei den Kühen, - Das ist ihr Amt, sie melkt. Ihr leerer Blick verschwimmt, - Sie träumt von ihrem Schatz, die roten Wangen glühen. - - Der Müllerbursche ist's, ein Junge, der's versteht, - Ein derber, großer Kerl, so einer von den dreisten, - Er paßt ihr immer auf, wenn sie zur Mühle geht, - Und schmatzt sie gründlich ab, sie weiß, er kann was leisten. - - Doch ihre Kühe halten sie zurück im Stall, - Zehn, zwanzig, dreißig, die im Fette alle glänzen, - Sie recken ihre breiten Kruppen, straff und prall, - Die glatten Flanken peitschen sie mit langen Schwänzen. - - Sind sie gepflegt? nichts leuchtet heller, als ihr Fell! - Und stark? an denen geht das Futter nicht verloren! - Das Wasser peitscht im Trog ihr Hauch, wie Sturm den Quell, - Mit ihren Hörnern können sie ein Brett durchbohren. - - Und jeder Bissen wird zermalmt, das Maul verschlingt - Den Klee, die Esparsette, Rüben, Kleie, Möhren, - Der Hals ist langgestreckt, ein lautes Schnaufen dringt - Zufrieden aus der Brust, behaglich anzuhören. - - Wenn Kato mit den Schwielenhänden Rüben schabt, - Dann stoßen sie den Korb, wie um die Magd zu necken; - Das trockne Heu, das auf dem Boden lagert, labt - Sie schon, wenn durch das Loch dort oben sie's entdecken. - - Aus Fachwerk ist der Stall. Gar seltsam drollig reckt - Auf seinem hohen Stuhl das alte Dach die Glieder, - Schwer sitzt es da, mit Stroh und Binsen eingedeckt, - Tief hangen die zerzausten Flügel seitwärts nieder. - - Die Sonne fällt von oben durch das Bodenloch, - Sie wärmt das Vieh im Stand mit ihren Feuerduschen, - Die letzten Strahlen hauchen auf die Riste noch - Den leisen Rosaton, wenn sie vorüber huschen. - - Doch drin im Stalle steigt ein Nebel feucht und warm - Vom Dung und von der Streu empor und von den Raufen, - Es qualmt der Mist, im heißen Dampfe summt ein Schwarm - Von großen Fliegen um den hochgetürmten Haufen. - - Das ist das Reich, wo die vierschrötige Kato haust, - Fern von des Bauern Zorn und von des Pfarrers Predigt, - Wo auf dem Heu der Müllerbursch sie zwackt und zaust, - Wo er sie herzt, nachdem das Tagewerk erledigt. - - Verschlafen träumt der Stall, geschlossen ist das Tor, - Der Nacht, die schweigend sie umgibt, gebührt Vertrauen; - Kein Laut schlägt jetzt an des verliebten Pärchens Ohr, - Als einer wachen Kuh Geschmatz beim Wiederkauen. - - - - - Des Mönches Tod - - - Des alten Mönches Stündlein schlägt. O Herr, erbarm - Dich seiner Seele, nimm sie gnädig in den Arm, - - Wenn Mühsal endlich ihn erkennen läßt und ahnen, - Daß er nicht länger sich den steilen Pfad kann bahnen; - - Wenn starr und gläsern schon sein mattes Auge blickt, - Ein letztes Lebewohl dem Sternenhimmel schickt; - - Wenn seine bleichen Lippen, die im Fieber brennen, - Noch einmal Deinen heiligen Namen leise nennen; - - Wenn kalter Schauer Not das schwache Fleisch ergreift - Im Augenblicke, da der Todeshauch es streift; - - Wenn schwere Finsternis schon auf dem Geiste lastet - Und zitternd noch einmal die Hand zum Kreuze tastet; - - Wenn man ihm, da des letzten Kampfes Schrecken dräut, - Die Arme kreuzt und Asche auf die Stirne streut; - - Wenn sie zum Abschied Deinen Leib dem Müden reichen - Als Zehrung für den Weg und der Erlösung Zeichen; - - Wenn bitterer Todesschweiß, der aus den Poren bricht, - Das blasse Antlitz wäscht beim Kerzenflackerlicht; - - Wenn sich die Brüder betend zu der Leiche bücken, - Für alle Ewigkeit die Augen zuzudrücken; - - Wenn dieser abgezehrte Leib, im Tod erstarrt, - Den Keim des Wurmes trägt, der seines Mahles harrt; - - Wenn er, bevor die Sonne noch zur Rüste schreitet, - Zur Ruhe bei den andern draußen wird geleitet; - - Wenn gleich darauf sein Grab Vergessenheit verschließt, - Ein Schloß auf einem Buch, das keiner kennt noch liest; - - O Herr, empfange Deinen Diener dann in Gnaden, - Laß seine Seele sich in Deinem Lichte baden. - - - - - Betrachtung - - - Beglückt, o Herr, wer ruhig in Dir wohnt und still! - Des Tages Qual wird niemals ihm den Frieden rauben, - Der Tod erschreckt ihn nicht, nie frißt an seinem Glauben - Der finstere Wahn der Zeit, die Dich nicht kennen will. - - Der Ruhm ist eitel, Menschenwerk zählt nur nach Tagen, - Was ward aus jenen Spöttern, die sich frech gebläht? - Ihr alle, die Ihr an der Gruft vorüber geht, - Fragt nur die Würmer, die an ihrem Fleische nagen. - - Die Tage folgen sich in ruheloser Hast, - Kurz währt die Freude nur, ob Ihr auch klagt und jammert; - Dieweil Ihr Euch an Euer Glück, das hohle, klammert, - Fühlt Eure Hand den Moder nicht, den sie umfaßt. - - Kein Wissen, das den Zweifel nicht im Innern trüge - Gleich einer Frucht, erstorben schon im Mutterschoß! - Zieht Eures Weges nur und dünkt Euch frei und groß, - An dieser Schranke enden Eures Geistes Flüge. - - Das Fleisch vergeht, ach, seine Stunde naht gar schnell, - Von Anbeginn setzt sich der Fluch auf seine Fährte, - Zerrissen ward noch jede Brust, die Hochmut nährte -- -- - Denkt an die Hunde jener stolzen Jezebel! - - - - - Die Bäume - - - Des Abends, wenn im Herbst die Sonne rosig zart - Im Untergehen färbt das bleichende Gelände, - Sieht man vom Kreuzweg aus in Fernen ohne Ende - Die Bäume alle wandern auf der Pilgerfahrt. - - Die Pilger brechen auf, in stiller Trauer wallen - Sie durch den Abend fromm, gedankentief einher. - Die Riesenpilger ziehn die Straße, langsam, schwer, - Verdüstert lassen sie des Laubes Träne fallen. - - Die Pilger schreiten fort im langen Doppelglied, - Seit wieviel Jahren schon? kein Ruhen und kein Rasten - Verzögert ihren Gang nach dem schon längst verblaßten, - Verwelkten Ruhm, der sie zum Horizonte zieht. - - Die Pilger gehn des Wegs, im Dämmerlicht verlängert - Der Mantel sich, er schleppt von goldnem Glanz getränkt, - Den ihm die Sonne in die dunkeln Falten hängt, - Die Straße ist von Staub und Weihrauchdunst geschwängert. - - Die Pilger steigen an, wo es zur Höhe geht, - Stumm blicken auf den Zug entlang der ganzen Strecke - Verzückte Dörfer, glut- und inbrunstvolle Flecke, - Sie fallen auf die Knie und harren im Gebet. - - - - - Die Tränke - - - In einer tiefen Falte der gewellten Erde - Dehnt stille träumend sich des Teichs Melancholie, - Als Schwemme dient der Ort dem bunt gefleckten Vieh, - Im Wasser bis zum halben Leibe steht die Herde. - - Da sind sie, wo der Weg zur Tränke niedersteigt, - Die Kühe schreiten schwer, die muntern Rosse laufen, - Die Ochsen schwarz und rot, die stets in dichten Haufen - Den Hals zur Sonne blökend strecken, die sich neigt. - - Nun sinkt das All ins Nichts, mit jedem Tage sterben - Den längst gewohnten Tod die Dinge, es entfärben - Sich Licht und junger Trieb und Glanz und Blütenduft; - - Ein Leichentuch legt auf die Saat sich feuchte Luft, - Endlos versinkt der Weg in Wolken grauen Dampfes, - Die Rinder röcheln wie im Schmerz des Todeskampfes. - - - - - Der Schrei - - - Still liegt der Weiher, braune Wasser träumen träge, - Im schwanken Schilfe hängt der Abendsonne Strahl, - Ein schriller Vogelschrei hallt durch das müde Tal, - Er kündet traurig eines Herzens letzte Schläge. - - Wie schwach und schüchtern er aus tiefer Ferne taucht, - Wie er verzweiflungsvoll und jammernd näher schreitet, - Wie er sich dehnt, wie er im Flug sich streckt und weitet, - Wie er am Horizont verschwindet und verhaucht! - - Sein Röcheln mißt die Zeit im Gleichmaß der Sekunden, - Ein kleiner, dünner Ton, der klagend weiter schwingt; - Der matte Widerhall, der durch die Lüfte hinkt, - Erzählt verzagt vom Schmerze trüber Dämmerstunden. - - Kein Netz fängt diesen Schall, der träg vorüber zieht, - Dies unermüdliche, gedehnte Abschiedsläuten! - Wer ihn auch immer hört, weiß diesen Klang zu deuten, - Der einer Seele gilt, die aus dem Leben schied. - - Ist es die Rose, sind es bunte Schmetterlinge, - Ist's weißer Blütenduft, ein Käfer, ein Insekt, - Ein ferner Flug, der kühn zur Sonne sich gereckt, - Und jetzt im Moose ausruht mit gebrochner Schwinge? - - - - - Die Nacht - - - Die weite Ebene schläft, der müde Tag ergraut, - Der Schatten wälzt den Stein, er schlägt ihn und er hämmert, - Die Mauer wächst empor, und durch den Abend dämmert - Ein Escurial, aus schwarzem Silber aufgebaut. - - Tief wölbt aus Ebenholz und Gold sich dieser Himmel, - Die Pinie reckt sich hoch von Zaubermacht belebt, - Dem schlanken Pfeiler gleich, der nach der Kuppel strebt, - Die Sterne flammen auf, von Augen ein Gewimmel. - - Wie Leichentücher, die die Fackel grell erhellt, - Erglänzen stille Seen, vom Mondschein übergossen, - Die Äcker, durch das Licht umrissen und umschlossen, - Sind ein gewaltiges, verträumtes Gräberfeld. - - Jetzt baut das Schloß, darinnen Furcht und Schrecken lauert, - Geheimnisvoll die Nacht mit rätselhafter Hast, - Für einen unbekannten Kaiser den Palast, - Der irgendwo in tiefen Finsternissen trauert. - - - - - Die Straßen - - - An Flämmchen, die durch endlos lange Gassen irren, - Entzünden die Laternen sich beim Straßenbord, - Jetzt die und dann die nächste, und so immerfort - Den Schatten nach, die leise durch den Abend schwirren. - - Gradaus streckt sich die Straße, traurig eingefaßt - Von Häusern, die in ödem Einerlei sich gleichen, - Um draußen tief im Sand ihr Ende zu erreichen, - Ein abgebrochner Stumpf. Dahinter ein Morast. - - Die dicken Nebel drücken nieder, sie benützen - Des Daches First, dort hakt das Leichentuch sich ein, - Durch dunkle Wolken bricht des Mondes bleicher Schein, - Er spiegelt zitternd sich in fäulnisschwangern Pfützen. - - Ein Karren schwankt hinaus, der Rosse Atem dampft, - Der Wagen ächzt und kreischt, selbzweit mit steifen Beinen - Keucht müde das Gespann auf abgetretenen Steinen, - Die seiner Hufe abgetretenes Eisen stampft. - - Im grauen Dunst erwacht das Firmenschild am Laden, - Das jetzt ein heller Strahl der Gaslaterne trifft, - Wie Tränen glänzt der Riesenlettern goldne Schrift, - Die Scheiben bluten rot, die Herzen der Fassaden. - - An Flämmchen, die durch endlos lange Gassen irren, - Entzünden die Laternen sich beim Straßenbord, - Jetzt die und dann die nächste, und so immerfort - Den Schatten nach, die leise durch den Abend schwirren. - - - - - Das Idol - - - Von Efeu eng umspannt und schwer bedrückt von Pinien - Hebt von des Horizontes fahlem Dämmerschein - Der Berg sich, einem schwarzen Riesenbild von Stein - Vergleichbar sind die großen, feierlichen Linien. - - Die Sonne, die sich neigt, umkränzt mit Strahlenpracht - Die Stirn, ein Feuer loht von Bronze und Karfunkel, - Und dieses goldene Geschmeide, das im Dunkel - Den reichen Glanz verschwendet, lockt aus tiefem Schacht - - Die Schatten grauser, rätselhafter Göttersage, - Erinnerung versunkner Zeiten, die erstarrt - Auf ungeheurer Genien Werden einst geharrt, - Aus deren Blick Äonen ihrer Schöpfungstage - - Ins Leere schaun. Der Berg beherrscht den Raum, die Last - Ruht wuchtig auf dem Wald, bedrückt das Blachgefilde; - Das Haupt hebt sich vom Platz, nach seinem Spiegelbilde - Umzuckt vom Wetterstrahl zu spähen im Morast. - - Und wenn die Täler, wenn des Waldes Wipfel schwinden, - Wenn mit dem Nebel dieses Abends Klagelied - Nach oben trauernd steigt, erwacht der Traum und sieht - Das Opfer sich im Qualm der roten Flamme winden. - - - - - Unkraut - - - Der Aberwitz sproßt wie das Kraut der tauben Nessel - Aus unseres Herzens Grund, aus Seele und Gehirn, - Kein Heiland mehr steht auf, kein Held mit freier Stirn - Und wir verkommen in des Köhlerglaubens Fessel. - - Zum Stumpfsinn führt mein Weg, zur Sonne, die das Feld - Bleich wie der Mond am Tag bestrahlt, zu seinem tollen, - Verrückten Widerhall, das Echo hör ich rollen - Und auch den roten Hund, wie er da unten bellt. - - Vom Schnee umrahmt ein See in tiefer Abendröte, - Ein Vogel, der vom Sturm gewiegt zu nisten wagt, - Im Dunkel gähnen Höhlen, unbeweglich nagt - Davor an einem Stückchen Grün die goldne Kröte. - - Um nichts sperrt sich des Reihers Schnabel auf, es loht - Ein Strahl, die Fliege sitzt erstarrt im warmen Kreise, - Frohsinn, der längst sich selbst vergaß, tickt müd und leise ... - Ich weiß es wohl, das ist des Narren stiller Tod. - - - - - Gebet - - - Du Mond von Frost in goldner Grotten tiefer Stille, - Silberne Schwerter, Klingen ihr von Erz und Stahl, - Du Mitternacht, die du geheimnisvoll im Tal - Emporsteigst wie ein stummer, zielgewisser Wille, - - Es harrt mein Herz des Dolchs, den ihm dein Schweigen wetzte, - Der letzten Hülle harrt, des Grabes harrt die Gier, - O helle Mitternacht, der Fackel weih ich hier - Des Lebens großen Traum, den Speer und Spieß zerfetzte. - - Mein heißes Auge späht in deine tiefen Schauer, - Es ringt die leere Hand, die zitternd allerwärts - Gesucht, getastet hat, nach deines Rates Erz, - O Mitternacht, wie kalt fällst du auf meine Trauer! - - So manch erstorbner Blick, so manches Auge graute - Vor deinem Angesicht, verzweiflungsvoll gespannt, - Vom Sonnenuntergang gefesselt und gebannt - Dort, wo der Winter seine Leichenkammer baute. - - Nichts wird von dem was meine Klage war beharren, - Denn alles Menschenwerk, es ist umsonst getan; - O stille Mitternacht, laß meines Herzens Wahn, - Das Leid, das Lied und auch die Angst zu Eis erstarren. - - - - - Das Schwert - - - Einst hat mir einer, der ein blankes Schwert getragen, - Voll Hohn ob meines dürren Stolzes prophezeit: - Nichts wirst Du sein! in Deiner Zukunft leeren Tagen - Harrt Deiner Reue nur um die Vergangenheit. - - Der Ahnen reines Blut wird in Dir schal und trocken, - Dein schwacher, träger Leib bricht unter jeder Last, - Gekrümmt vom Fieber wirst Du an dem Fenster hocken, - Dieweil vorüber wogt des goldnen Lebens Hast. - - Verdorrte Nerven ziehen Deinem Willen Schranken, - Die Nägel werden weich und schlaff an Deiner Faust, - Zum Grabe wird die Stirn ohnmächtigen Gedanken, - Sie schreckt Dich, wenn des Nachts Du in den Spiegel schaust. - - Flieh vor Dir, wenn Du kannst. Es wird Dir nicht gelingen, - Dir selbst und allen Menschen Knecht bist Du nicht frei, - Dein Rücken ist gebeugt, Dein Fuß verstrickt in Schlingen, - Längst ward Dein Haupt entthront, längst füllt die Adern Blei. - - Da draußen wogt der Kampf, dort wird die Schlacht gewonnen, - Es hat Dein bleicher Mund das Banner nie geküßt, - Dein Herz ist welk, in alte Texte eingesponnen, - Die blöder Witz wie Tuch zerschneidet und vermißt. - - Du bleibst allein. Zurück zur Jugend spähn die Sterne - Des Auges, doch vergebens lockt sie der Magnet, - Verzweifelnd lauschst und einsam Du, wenn in der Ferne - Der Siege frohes Wetter donnernd niedergeht. - - - - - Ein Abend - - - Auf Sümpfe, die verfault in Haß und Wut, - Tropft hoch vom Himmel der zerfetzten Sterne Blut. - - Der Himmel schwarz und schwarz der Wald, - Verzagte Wolken, naß und kalt, - Die voll Verzweiflung weiter streichen, - Von Nord nach Süd im Flug entweichen. - - Du Land der niedern Hütten, fern am blauen Strand, - Du meiner Augen fromm ersehntes Land, - Wo sie besiegt und ohne Waffen - Jetzt meinen Träumen Obdach schaffen. - - Du Land von Blei, verdammtes Brack, - In Tümpeln ekler Nachgeschmack, - Wo trübe, widerliche Pfützen - Des Denkens Leichen dreist bespritzen. - - Du Land, wo sie Erinnerung mit Kot umhüllen, - Wo sie den Haß in Fässer füllen, - Wo Aussatz das Gesicht enthäutet, - Wo frech der Tod zur Vesper läutet. - - Die heisern Glocken zieht der Tod, - Der dort im Hafen finster droht, - Im Nebel schwingt er seine Hippe - Am Glockenturme, ein Gerippe. - - Du Land, von meinem Blut benetzt, - Mein Herz ist wund, zerfleischt, zerfetzt, - Verfault in Haß, verfault in Wut .... - Auch dieser Stern verspritzt sein Blut. - - - - - Albert Giraud - - - geb. 1860 - - - - - Catharina von Medici - - - Bleich, mit gesenktem Haupt, zerbrochen und zerspaltet - Von Siechtum, das des Arztes spottet, matt und schwach, - Saß Karl der Neunte träumend in dem Prunkgemach, - Die welken Hände über einem Buch gefaltet. - - Die Mutter trat herein, die greise Medici, - Mit kaltem Habichtsblick, sie küßt ihn auf die Wangen: - »Wacht auf, mein Sohn, wacht auf, der Mörder ist gefangen, - Gelobt sei Gott, ich habe den Montgomery, - - Der Euren Vater, König Heinrich, hat erschlagen!« - Der müde Valois aber, ohne nur zu fragen, - Bat: »Gönne mir den Schlaf, laß mich, o Mutter, laß!« - - Die Tränen zwang sie stolz, es zuckten nur die Lippen, - Sie wandte schweigend sich zu den erlauchten Sippen, - Sie dachte: »Weh, er stirbt, er kennt nicht mehr den Haß!« - - - - - An eine vierzigjährige Frau - - - In Deinen großen Augen träumen tief und heiß - Geheime Schmerzen, die das Leben Dir verraten; - Längst schürfte meine Lust mit nimmer sattem Spaten - Nach letzter Wissenschaft, von der sie noch nichts weiß. - - Der reifen Früchte Duft berauscht. Ein Zauberkreis - Umschließt mit hartem Zwang mein Fleisch. Mir sind die Saaten - Nicht ausgereift. Im Staub vergangener Tage waten - Gedanken ..., und sie sehn ein unberührtes Reis. - - Wie oft schon blickte ich mit neidischem Begehren - Den Schiffen nach, die müd zum Hafen wiederkehren, - Des Abends glitten feierlich sie durch den Schaum. - - Auf ihren Masten schien ein hoher Stolz zu wohnen, - Und ihrem Kiele folgte wie ein schwerer Traum - Der heiße Atem ferner, unbekannter Zonen. - - - - - Henri de Régnier - - - geb. 1864 - - - - - Unsichtbare Gegenwart - - - Schnell flieht die Zeit, unsichtbar schreitet - Sie neben uns im tiefen Sande, - Du hörst, wie sie durch Nesseln gleitet, - Behend, im fliegenden Gewande. - - Wir ahnen sie an jeder Stelle, - Gehorchen ihr, was sie auch heische, - Es zeigt uns ihren Hauch die Welle, - Es mahnt an sie der Wurm im Fleische. - - Ein leises Knistern in den Wänden, - Schon ist der harte Stein zersprungen, - Ein leichter Druck von frechen Händen, - Schon ist die Fäulnis eingedrungen. - - Wir brauchen nicht bei Wind und Wetter - In alle Tiefen erst zu reisen, - Wir brauchen keine Zifferblätter, - Darum die schnellen Zeiger kreisen. - - Und keine Glocke braucht zu schlagen, - Die unerbittlich uns verkündet - An hellen und an dunkeln Tagen, - Daß ewig sie enteilt und schwindet. - - Sie wandelt stumm auf Deinem Pfade, - Doch nie wird sie Dein Blick erreichen, - Wenn neben Dir sie am Gestade - Den Mondschein pflückt aus stillen Teichen. - - - - - Vor der Prägung - - - Wo sich die Wege kreuzen im Walde, bei der Nacht, - Im Sturm mit meinem Schatten, bei der Nacht, - Der Asche meiner Jahre müd und meiner Herde - Hab dessen was das Schicksal bringen werde - Ich nachgedacht. - - Das sind die Wege, die mir offen stehn - Zum Tage. Wenn ich will, kann ich noch immer jetzt - Weiter gehn - Zum Land, zum fernen Meer, nach meinem Traume spähn - Und Sonnen sehn, - Bis dann des Todes weiche, geduldige Hand zuletzt - Mein Auge schließt und still darauf seines Friedens Siegel setzt. - - Du Weg der Einsamkeit in hohen Eichenhainen, - Den Müden peinigst Du mit spitzen Steinen, - Wo er auch schreitet, wo er ruht, - Benetzt versunkene Zeit den Pfad mit ihrem Blut. - Der Schritt wird schwer, - Im Sturme höre ich die stolzen Wipfel weinen - Und kann nicht mehr. - - Du Weg der Birken, wo die trocknen Blätter wehen, - Durch Bäume führst Du, bleich wie deiner Pilger Schande, - Die keuchend durch den zähen Schlamm, durch Pfützen - Zusammen gehen - Und schmerzgebeugt sich vor den Blicken des Gefährten schützen. - Du Weg, der durch den Kot sich windet, - Durch Laub, darin der Wind flüsternd verschwindet; - Im grauen Dämmerlicht staut sich an deinem Ende - Aus Mondenschein und Frost der silberne Morast, - Stumm reicht das Einerlei die Hände - Dem trüben Gast. - - Du trauter Weg der Eschen gehst durch leichten Sand, - Die Spur verweht der Wind, ach, er verwischt jeden Strebens - Erinnerung, er huscht von Baum zu Baum mit dem Wanderer, - Die Honigblüte zeigt des Sandes goldne Farbe. - Auf dem gewundenen Pfad sucht der Blick das Ziel vergebens. - Die gute Stadt, sie ist dem Fremden wohl bekannt, - Am Tore wäre süß die Schwelle meinem Schritte, - Doch weilte er zu lang auf Bahnen anderen Lebens - Wo weinend Hoffnung wacht in bleicher Schatten Mitte. - - Ich gehe nicht durch die Eichen, - Euch Birken und Euch Eschen will ich ausweichen, - Ich wandere nicht zur Stadt, zum Meer, zum Sonnenball, - O Wege! - Schon höre ich das Blut vergangner Zeiten rinnen, - Längst wähnte ich sie tot, doch kehren stets sie wieder, - Sie eilen mir voraus in Eurem Widerhall, - O Wege! - Du leichter Pfad, Du Pfad, wo Schmach, Du Pfad, wo Ehre schreitet, - Überall - Hör ich den Wind, der stets mich irrgeleitet, - Der stöhnend durch die Eichen gleitet. - - O Seele, diese Nacht klagt um den Tag, der ging, - O Seele, diese Nacht bangt um den Tag, der kommt, - O Seele, diese Nacht, Dir selbst wird sie Verhängnis. - - - - - Wechselstrophen - - - Ein kleiner Garten nur ist mein, - Vier Mauern drum, der Efeu bindet - Und sprengt den morschen, grauen Stein, - Um den er sich im Klettern windet. - - Am Borde winziger Beete sprießt - Der Buchsbaum, regelrecht geschnitten, - Die schmalen Wege sind bekiest, - Sie kreuzen sich nach wenig Schritten. - - Die Bäume strecken ihren Ast - Nach Dir in täppischem Verlangen, - Bald wird zum Scherz die Hand gefaßt, - Bald kratzen sie Dir grob die Wangen. - - Kein klarer Wasserstrahl wagt kühn - Im Sprunge hoch empor zu steigen, - In herber Schönheit, schwarz und grün, - Ruht auf dem Garten ernstes Schweigen. - - Aus keinem stillen Teiche quillt - Der blaue Himmel Dir entgegen, - Und keines Vogels Spiegelbild - Siehst Du die Schwingen dort bewegen. - - Nie ist beim frohen Honigraub - Ein Schwarm von Bienen zu entdecken, - Es leuchtet wie Metall das Laub, - Die scharfe Speise will nicht schmecken. - - Der schwere Duft macht müd und matt, - Nur Buchsbaum, Myrten und Cypressen, - Hier findest Du kein totes Blatt, - Doch auch die Blüten sind vergessen. - - * * * * * - - Ich habe hinter meinem Haus - Ein Winkelchen. Der Sand, der gelbe, - Sieht heller bald, bald dunkler aus, - Das Einerlei bleibt stets dasselbe. - - Ein einziger Baum steht dort, er kann - Mich mit dem Schatten grade decken, - Ich liebe es, mich dann und wann - Behaglich drunter auszustrecken. - - Das grüne Laubdach ist so leicht, - So luftig das Gebälk, die Streben, - Wenn kaum der Wind darüber streicht, - Läßt er die Blätter alle beben. - - Mir däucht, des kleinsten Vogels Lied - Muß diesem Baume Freude wecken, - Sobald ich grade stehe, sieht - Das Auge über dichte Hecken. - - Da draußen zittert heiße Luft, - Doch meines Herzens Unrast schwindet, - Denn einer einzigen Rose Duft - Verrät ihm, daß es Liebe findet. - - - - - Ein Traum von Stunden und von Jahren - - - Vergessene Stunden sehe ich vorüber wallen. - Francis Vielé-Griffin. - - Die Schatten schmückte ich mit kalten - Und blassen Blüten, mit den Falten - Versäumter Tage meine Wand. - Erstorbnen Abenden war ihre Farbe gleich, - Und meiner Träume Land - Erschien in dem Gewebe, schattenhaft und bleich, - Die goldne Blume zitterte in reiner Hand. - - Und die Erinnerung irrt durch das stumme Haus im Dämmerlicht - Von Stund zu Stund, von Raum zu Raume, - Sie weint, sie lacht im Traume, - Sie ist's mit ihrem alt vertrauten Angesicht. - Doch die Sandale - Schwebt still dahin, sie stört ja nie den Schlaf. - Ein goldner Strahl aus ihrer Silberlampe traf - Hellblitzend die getreue Wächterin, die Hand, die fahle, - Die schirmend ihr Gewicht - Auf die vergessne Zeit legt, die im Aschenkleide, - Geschlossnen Auges und mit funkelndem Geschmeide - Auf reichgeschnitztem Sessel ruht im weiten Saale. - - Und dieser düstere Raum ist meiner Seele Zelt, - Wo von der Decke auf die Fließen - Die Falte an den Wänden fällt. - Versäumter Tag, erstorbner Abend mahnt mich dort, - Die Fenster, ach, sie schauen alle gegen Nord, - Am Horizont sind Himmel, Straßen und das Meer. - - Ihr Träume, tragt mich doch noch einmal fort, - Wie einst, zur Welt, - Auf fernen Straßen bis ans Meer, - Ihr Träume, führt mich wieder fort, - In Eurer Hand die goldne Blume weiß den Ort. - - - - - Ein Traum von Morgenrot und Schatten - - - Die Zeit ist ewig, nur die Stunden, sie verfließen! - Gar lieblich rinnt der Strom zum Meere, hell und klar, - Noch steht die Pforte auf, doch schnell wird sie sich schließen, - Schon heut kann Asche sein, was gestern Leben war. - - Der Herbst zeigt mir die Frucht in seiner Gärten Schatten - Im Augenblick, da sie des Daseins Höhe mißt, - Geschwellt im Saft erscheint sie mir, dem Übersatten, - Wie bald, und sie fällt ab ...! noch eine kleine Frist. - - Mein Leben, Klinge in der Scheide, ruhmlos träumend! - Heiß glüht der goldne Griff in meiner zagen Hand, - Die mit der Waffe spielt, die Stunde feig versäumend ... - Und doch -- --, vielleicht ist dieses Abends blutiger Brand - - Das Bild des Tages, den das Schicksal morgen sendet! - Geweint hab ich, da gestern freundlich mir's gelacht, - Weh mir, weh, wenn es weint, dem Strom abgewendet, - Der meinen Tag hinabschwemmt in die ewige Nacht! - - - - - Der Raufbold - - - Mit stolz erhobnem Blick, gebräunt, keck und verwegen, - Das Seidenwamms geschlitzt, hält breit gespreizt und fest - Er vor dem Lager Wacht, dem Teufel und der Pest - Tritt ohne lang zu fragen trotzig er entgegen. - - Mit Feuer und mit Schwert spricht er den Erntesegen, - Vom Appenin zum Alpenrand, von Ost nach West - Schweift plündernd er, um frech bis auf den letzten Rest - Die Lombardei, die Marken Mailands auszufegen. - - Den Fluch im Mund, den Zorn im Blick lechzt er nach Krieg, - Ihm ist es gleich, ob Marignano ihm den Sieg, - Gleich, ob Pavia ihm den Ruhm nur hat gegeben. - - Er lacht des Schicksals, das am Wege lauernd droht, - Die offnen Nüstern saugen aus dem vollen Leben - Den Bluthauch künftiger Schlacht, sie wittern schon den Tod. - - - - - Chrysilla - - - Ist einst der Becher voll, o Göttin reich an Gnaden, - Erspar es mir die Zeit, die zögernde, zu sehn, - Sie soll nicht tränenlos an meinem Lager stehn, - Sie kürzt mir viel zu spät des Lebens langen Faden. - - Schick Eros aus! er hat mit Haß mich stets beladen, - Ich weiß es nur zu gut, könnt es nach ihm geschehn, - Im Sterben würde ich der Qual noch nicht entgehn, - In meinem Herzblut müßte sich die Erde baden. - - Doch nein! ruf abends, wenn die frohe Sonne scheidet, - Die Jugend an mein Bett, stumm, schön und unbekleidet, - Wie sie den Reif auf bleiche Rosenblüten haucht. - - Die Quelle weint ein Lebewohl, die Stunden neigen - Das Haupt vor ihr, die weder Pfeil noch Sichel braucht, - Gern will ich dann zum finstern Hades niedersteigen. - - - - - Fernand Gregh - - - geb. 1873 - - - - - Prüfung - - - Zu Boden ward ich fast geschlagen, - Ward heimgesucht und hart gequält, - Doch meine Seele ward gestählt, - In Leid verjüngt, ich darf nicht klagen. - - Ich hab ihn Tag und Nacht geschaut, - Des Menschenlebens tiefen Jammer, - Gefühlt hab ich des Schicksals Hammer, - Jetzt ist mir erst der Schmerz vertraut. - - Nicht nur der Schmerz, der in den Wunden - Der Seele haust, gern gönnt er ja - Dem armen Leibe hier und da - Ein Glück von spärlichen Sekunden. - - Nein! jener Schmerz, der dumm, brutal - Den Körper schlägt, an dessen Plage - Ich zu erinnern nie mich wage, - Des Tieres ganz gemeine Qual, - - Die Pein, die unsere Tage stündlich - Zur gräßlichen Tragödie macht, - Die höhnisch aller Bitten lacht, - Die tief uns packt und unergründlich. - - Gesundheit freut sich ihres Seins - Und schert sich nicht um fremde Leiden, - Kaum kann sie Güte unterscheiden - Von Schwäche, beides scheint ihr eins. - - Wir pflücken gierig alle Trauben, - Wir folgen stürmisch unserer Lust, - Schlecht sind wir, wir sind's unbewußt, - Solang wir an das Leben glauben. - - Der trotzig lebensfrohe Sinn - Ist Klippe meinem Sein gewesen, - Nun da im Buche ich gelesen - Des Schmerzes, sank mein Stolz dahin. - - Des Nächsten Trauer beugt mich nieder, - Ich friere mit dem nackten Kind, - Mich schüttelt jeder leise Wind - Und jedes Leid hallt in mir wieder. - - Ich denke an den bleichen Mann, - Der in des Kerkers kalten Schauern - Den Frühling jenseits hoher Mauern - Nur ahnt und ihn nicht sehen kann. - - Der Kranken denke ich, sie liegen - Still auf dem Rücken, stumm, in Schweiß, - Indeß die Augen fieberheiß - Durch der Tapete Muster fliegen. - - Ich denke des Rekruten, den - Des Abends spät aus der Kaserne - Das Heimweh trägt in weite Ferne, - Dort wo im Dorf die Linden stehn. - - Ja selbst der Tiere muß ich denken, - Der Rosse, die die Peitsche treibt, - Die das Geschirr zerdrückt, zerreibt, - Die müde ihre Köpfe senken. - - So lastet auf mir jede Not; - Daß fremde Schmerzen mich zerreißen, - Mag Klugheit immer Schwäche heißen. - Doch täglich läßt mich so der Tod - - Des eignen Lebens Tiefen sehen; - Ich weiß, daß ich mir Erbe bin - Und daß ich wirklich bin, mein Sinn - Beginnt den Weltgeist zu verstehen. - - - - - Abend in der Großstadt - - - Halboffen saugt mein Mund den Lenz aus frischem Winde, - Die Dämmerung senkt sich auf das Giebeldach herab, - Die Kinder spielen froh im Schatten jener Linde, - Des Frühlings Frieden löst den starren Winter ab. - - Das Volk der Vorstadt strömt nach Haus in hellen Haufen, - Mein Kummer gleicht ihm ganz, verzweiflungsvoll, doch mild; - Von harter Arbeit will's ein wenig nur verschnaufen, - Manch Rotkopf eilt vorbei, des Heilands Ebenbild. - - Wie fremd erscheinen mir all diese Dinge heute! - Ein Schwindel packt mich, seltsam kommt mir alles vor, - Des Abends Stille, dieses Licht, die armen Leute, - Das Rauschen der Unendlichkeit schlägt an mein Ohr. - - Von Träumen ist mein Herz bedrückt, die Leid nur bringen, - Ich irre ohne Ziel verzagt umher und blaß, - Das Herz, der arme Narr, vor Liebe will's zerspringen, - Mir scheint, ich weine gar noch über alles das .... - - - - - Musik in der Ferne - - - Im Dunkel plätschert kalter Regen - Wie Kummer, der nicht sprechen will, - Auf graue Bäume stumm und still, - Der Sturmwind wird sie trocken fegen. - - Dort unten in der finstern Nacht - Erklingt ein Instrument vom weiten, - Krächzt eine Weise, die vor Zeiten - Vergnügten Leuten Spaß gemacht. - - Es stöhnt und weint mit heiserer Kehle - Das arme Instrument im Wind, - Naiv und harmlos wie ein Kind, - Wie eine Musikantenseele. - - Ein jeder Ton ist falsch, o Gott! - Und solch ein Ding, das Harmonien - Wie die zeugt, die vorüber ziehen, - Nennt sich Harmonika -- --, zum Spott. - - Es wimmert, wie die Kinder wimmern, - Wenn Strafe ihnen ward als Lohn; - Im Wind zerflatternd lockt sein Ton - Die Träume, die im Dunkel flimmern. - - Wie kläglich dünn ist die Musik! - Und dennoch rührt mich fast zu Tränen - Der jämmerliche Klang, mein Sehnen - Weckt armer Hände Ungeschick. - - Das zage Herz zieht sich in Trauer - Zusammen, müde, leer und hohl, - Du Eckchen Himmel, lebe wohl! - Es regnet, mich durchrieseln Schauer. - - Dort aus dem grauen Dunkel tönt - Der Singsang, dürftig und bescheiden, - Ein Lied des Lebens, das in Leiden, - Die niemals enden wollen, stöhnt. - - In diesem Schluchzen weint die Klage - Der ganzen Menschheit still und leis, - Des ungelösten Rätsels Frage, - Des blütenlosen Herbstes Tage, - Der Schmerz, der nichts von Schönheit weiß. - - - - - Zweifel - - - Die müde Sonne geht zur Neige, - Noch einmal streut sie im Verglühn - Ihr Märchengold durch alle Zweige - Des Waldes, auf sein Rot und Grün. - - Des Abends Farben, sie ermatten, - Des Himmels warme Pracht erbleicht, - Schnell huscht wie eines Blitzes Schatten - Der Vogel, der vorüber streicht. - - Ein Zauber quillt in tiefem Strome - Aus allen Dingen, leise rinnt - Er durch das Leben, dess' Atome - Beseligt, glücklich, göttlich sind. - - Aus weiter Ferne hallt begehrlich - Der dumpfe Lärm der großen Stadt ... - Woher der Schreck, der unerklärlich - Die Seele mir benommen hat? - - O Gott, wie uns die Weisheit blendet, - Wenn stumm wir vor den Dingen stehn, - Den Bettlern wird ein Mahl gespendet, - Die staunend diese Tafel sehn! - - Die wir in Einfalt nach Dir streben, - Wir finden Dich zu jeder Frist, - O Gott, in diesem reichen Leben, - Der Du vielleicht nicht einmal bist. - - - - - Dämmerstunde - - - Der Horizont wird grau, schon ist die Nacht erschienen, - Du hörst das Schweigen, wie es durch die Zimmer schleicht, - Still stirbt der matte Bernsteinton in den Gardinen - Mit all dem Lärm, der aus dem alten Hause weicht, - - Und unterbrochen scheint des Lebens wildes Hasten - Für einen Augenblick, dem nie ein morgen naht, - Tief Atem schöpfend hält es auf dem ewigen Pfad, - Wie Pilger, welche müde auf der Höhe rasten. - - Im Kelchglas schlafen die verträumten Blumen ein, - Sie hauchen ihrer Seele Balsam in den Schatten, - Und auf den Spiegel streut das Zwielicht, auf den matten, - Wie feuchter Augen Schimmer seinen Widerschein. - - Nur nebenan die Wanduhr in der finstern Kammer - Tickt unablässig ruhelos denselben Schlag, - Die bleichen Schatten peinigt sie mit ihrem Hammer, - Die Stunde nagelt sie an den versunkenen Tag. - - Ein letzter Strahl dringt durch das Fenster, durch die Falten - Des halbgeschlossenen Vorhangs in den Saal, es scheint - Hier drinnen alles zu ersterben, zu erkalten, - Der Abend schweigt, und dennoch hör ich ihn: er weint. - - - - - Betrachtung - - - Ich sah, ein ernstes, zartes Kind, im Traum ein Land, - Wo goldene Morgen ich gelebt und einst gelacht; - In meinen großen Augen starb die Märchenpracht - Wie Maiensonnenschein, der von dem Spiegel schwand. - - Die Sehnsucht hab ich und die Hoffnung wohl gekannt, - Des Mittags schon gewiß, da kaum ich noch erwacht; - Das Paradies verblich, ach, eh' ich es gedacht, - Ich hab ja nicht geahnt, daß ich mich dort befand. - - Der Traum entfloh, die Hoffnung ist zu Gram verblaßt, - Der heiße Drang nach Glück, das trotzige Verlangen - Versank, ich harrte noch verdüstert und befangen - - Und wartete gequält. Da stand als einziger Gast - Die Reue eines Abends zwischen kahlen Wänden -- -- - Vorbei, vorbei ...! ach, wie so bald muß alles enden. - - - - - Gutenberg-Verlag, Gesellschaft - mit beschränkter Haftung, in - Hamburg-Großborstel. - - - Sämtliche Bücher in hervorragend schöner _Ausstattung_ (holzfreies - Papier, schöner Druck, solider u. geschmackvoller Einband). - - Von fast allen deutschen Ministerien warm empfohlen! - - - - - Kunst-Wanderbücher - von Oskar Schwindrazheim. - - - Eine Anleitung zu Kunststudien im Spazierengehen. Mit zahlreichen - Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers. - - 1. Bändchen: Unsere Vaterstadt. 126 Seiten Text und 12 Tafeln mit - Abbildungen. Preis geheftet M. 1.20, in biegsamem Einband M. - 1.80. - - 2. Bändchen: Stadt und Dorf. 111 Seiten Text und 12 Tafeln mit - Abbildungen. Preis geheftet M. 1.20, in biegsamem Einband M. - 1.80. - - 3. Bändchen: In der freien Natur. 71 Seiten Text und 12 Tafeln - mit Abbildungen. Preis geheftet M. 1.20, in biegsamem Einband M. - 1.80. - - 4. Bändchen: Wandern u. Skizzieren. 96 Seiten. Mit zahlreichen - Abbildungen nach eigenen Skizzen des Verfassers. Preis geheftet - M. 1.60, in biegsamem Einband M. 2.40. - - 5. Bändchen: Von alter zu neuer Heimatkunst. 84 Seiten Text und - 32 Tafeln mit Abbildungen. Preis geheftet M. 2.--, in biegsamem - Einband M. 3.--. - - Zur Erläuterung und als Beispiele zum Text sind jedem Bändchen - künstlerische Landschafts- und Städtebilder nach eigenen - Aufnahmen oder Skizzen des Verfassers, besonders auf - Kunstdruckpapier gedruckt, beigegeben. - - _Vorzugs-Ausgabe_ auf sehr starkem, aber federleichtem hochweißem - Elfenpapier in feinem biegsamem Ledereinband; die ersten 3 Bände - zusammen in einen Band gebunden 10 M., Band 4 M. 4.50, Band 5 M. - 6.--. - - - Inhalt der ersten vier Bändchen: - - - 1. Bändchen: _Unsere Vaterstadt._ - - Unsere Stadt und Kunst? Der Grundriß unserer Stadt. - Gesamtansichten. Stadteingänge: Ältere Formen des Stadteinganges; - Stadttor und Mauer; Neuere Stadteingänge. Unsere Straßen: Straßen - der Altstadt; Straßen des 18. Jahrhunderts; Moderne Straßen. - Unsere Plätze. Straßen und Plätze bei besonderen Gelegenheiten. - Unsere Bürgerhäuser: Alte Hausbauweise; Hausgrundrisse; - Historische Stilarten im Bürgerhaus; Hausinneres; Unsere Kritik - des Gesehenen; Türen, Fenster; Der Laden, Ladenschild; - Hauszeichen u. dgl. Öffentliche Gebäude. Denkmäler. Brunnen. - Gärten. Friedhof. Wagen. Trachten. - - - 2. Bändchen: _Stadt und Dorf._ - - Vom Studium der Vaterstadt zum Studium der Fremde. Führer durch - fremde Orte. Selbständig Sehen. Der fremde Ort im allgemeinen. - Hilfsmittel beim Studium des fremden Ortes. Kunstgebilde in - freier Landschaft. Eigenart in den neuen Straßen. Plätze. Alte - Befestigungen. Hausstudien im Dorf: Das alte Bauernhaus, - Einzelheiten am alten Bauernhause; Der »Stil« des Bauernhauses; - das alte Bauernhaus und die Jetztzeit; Nebengebäude des - Bauernhauses, Öffentliche Gebäude des Dorfes; Dorfkirche und - Friedhof. Erster Anblick eines fremden Ortes. Eintritt in den - fremden Ort. Im Ort. Der Grundriß. Straßenstudien in der - Altstadt: Eigenart in der alten Straße; Das Neue in der Altstadt. - Straßenstudien in der Neustadt; Hausstudien in der alten Stadt: - Das alte Bürgerhaus, Der »Stil« des alten Bürgerhauses; - Hauseinzelheiten; Die Kirche; Das Rathaus, Andere öffentliche - Gebäude. Hausstudien in der Neustadt. Studien in den Häusern. - Wagen, Schiffe u. dgl. Die Menschen im fremden Ort. - - - 3. Bändchen: _In der freien Natur._ - - Zwecke der Kunststudien im Freien. Perspektive. Spiegelung. Hell - und dunkel. Unser Sehen. Vom Gedankenmittelpunkt. Die Linien der - Landschaft. Licht und Schatten. Die Farbe. Einfluß der Farbe auf - unser Gefallen. Von der Eigenart des Künstlers und auch anderer - Leute. Wahl des Standpunktes u. a. Menschen, Tiere u. dgl. - Maltechnik. In ihren Mitteln beschränkte Techniken. Einfluß des - Zweckes einer Landschaftsdarstellung. Naturstudien des - Plastikers. Naturstudien des Kunstgewerblers. Naturstudien des - Laien. - - - 4. Bändchen: _Wandern und Skizzieren._ - - Vorwort. Wandern und Skizzieren. Skizzen: Ortsbilder, - Ortsgrundrisse, Straßen, Hausgrundrisse, Bauernhäuser, Stadthäuser, - Hauseinzelheiten, Haus und Grün, Rathäuser, Türme u. dgl., - Kirchen, Friedhöfe u. dgl., In Dorf und Feld, Gerät und Möbel, - Wappen, Monogramme u. dgl. - - - 5. Bändchen: _Von alter zu neuer Heimatkunst._ - - Die Entdeckung der alten Heimatkunst. Wie unsere alte Heimatkunst - entstand und unterging. Heimat und Bauernhaus. Heimat und - Bürgerhaus, Kirche usw. Heimat und Hausinneres. Wie unsere alte - Heimatkunst unterging. Reformgedanken der letzten Jahrzehnte. Der - Gedanke der neuen Heimatkunst. Der Heimatkunstgedanke und die - anderen Reformgedanken. Kann der Heimatkunstgedanke eine - Modelaune sein? Der Weg zu neuer Heimatkunst. Ist neue - Heimatkunst denkbar? Wie gehen wir den Weg zu neuer Heimatkunst? - Heimatschutz. Unserer Väter Werke als Vorbilder. Wie lernen wir - von alter Heimatkunst? Studium der heimatlichen Natur. Studium im - heimatlichen Volkstum. Was ist zu erwarten und was ist schon - geschehen? Bemerkungen zu den 73 Abbildungen. - - Die Gegenwart, Berlin: - - Als »Anleitung zu Kunststudien beim Spazierengehen« habe ich ein - trefflicheres Werk noch nicht kennen gelernt, da keines so - _durchsichtig in Aufbau und Methode_, keines so - _leichtverständlich_ und _wahrhaft unterhaltend_ und doch so - _umfassend_ zugleich war. Ich möchte das handliche kleine - Werkchen in keinem deutschen Hause missen. Besonders Lehrer und - Volksbildner, wie alle, die irgendwo und wie einmal dazu kommen - könnten, in Gemeinde und Staat über Fragen der Baukunst und - Heimatkunst mitzureden, zu raten und zu bestimmen, sollten das - Lesen dieses Bändchens und das dringendste Weiterempfehlen nicht - versäumen; sie werden viel Segen damit stiften und sich um die - Heimatschönheit verdient machen. - - Die Grenzboten, Leipzig: - - Die »Kunstwanderbücher« haben für unsere Bestrebungen auf dem - Gebiete der Heimatkunde und Heimatkunst einen _ganz besonderen - Wert_, weil sie ohne jede Vorbereitung von jedem einzelnen auf - ihre Richtigkeit geprüft werden können. Man braucht nur auf die - Straße oder vor die Stadt zu gehen, dies oder jenes Kapitel - durchzulesen und dann selbst zu beobachten und die Augen richtig - aufzumachen. Auf Schritt und Tritt stoßen wir auf Gegenstände, - seien es Bauten oder Naturgebilde, die wir nach den - Schwindrazheimschen Bemerkungen ganz anders zu beurteilen - vermögen wie vielleicht bisher. Und darin liegt eben der große - Gewinn und die Freudigkeit, etwas selbst zu sehen und zu - entdecken, was man früher nicht beobachtet hat. - - Tägliche Rundschau, Berlin: - - _Der besten einer_, die für die Achtung vor unserer heimischen - Kunst auch in ihren unscheinbarsten Äußerungen eintreten, ist - Oskar Schwindrazheim. Nun will er in einer Folge von - »Kunstwanderbüchern« eine Anleitung geben »zu Kunststudien im - Spazierengehen«. Wer in Deutschland reisen will, sollte sich von - einem Cicerone wie Schwindrazheim zuvor sagen lassen, was es da - alles zu sehen gibt. - - Die Lehrerin in Schule und Haus, Leipzig: - - Man weiß nicht recht, wem man's am meisten ans Herz legen soll; - dem Vater, der seinen Kindern Sonntags die Vaterstadt zeigt, um - sie ihnen lieb und wert zu machen? dem Lehrer, der in Heimatkunde - unterrichten soll? den Vätern der Stadt, die berufen sind, ihre - alte Schönheit zu schützen und neue Schönheit zu schaffen? oder - dem jungen Menschenkinde, das gern auf eigene Faust - Entdeckungsreisen macht? oder dem alternden Junggesellen, der - einsamen alten Jungfer, um ein freundliches Licht in ihre Seele - zu werfen? Ihnen allen, und all denen auch, die ich nicht - genannt, möchte ich das Büchlein ans Herz legen. - - Wandern und Reisen, Freiburg i. Br.: - - Mit einer Fülle neuer Anregung und geschärfter Genußfähigkeit - treten wir den Heimweg an und sind den drei Bändchen, die uns so - sehr bereichert, _von Herzen dankbar_. Wir wünschen recht vielen - unserer Leser ein gleiches und deshalb empfehlen wir ihnen warm - den Ankauf derselben. - - - - - Goethes Faust. - Erster Teil. - - - Mit Bildern und reichem Buchschmuck - von - Ernst Liebermann. - - Gebunden in Geschenk-Einband M. 6.-- - Vorzugs-Ausgabe auf Büttenpapier M. 12.-- - Luxus-Ausgabe in Pergament-Band M. 20.-- - - Die »Kölnische Zeitung« schrieb über die Ernst Liebermannsche - Faust-Ausgabe: - - »In Papier und Druck vollendet vornehm ausgestattet, erhält diese - Ausgabe einen ganz besonderen Wert durch die Bilder und den - Buchschmuck von Ernst Liebermann. Sinnvoll und von einfacher - Klarheit in den symbolischen Darstellungen und den altdeutschen - Charakter in den realistischen Szenen mit kräftigem Griffel - kennzeichnend, sind diese Bildwerke ein glänzender Beweis für den - außerordentlichen Fortschritt der modernen graphischen Kunst. Im - Vergleich mit anderen Faustdarstellungen, wie etwa denjenigen - Kaulbachs oder Krelings, geben sie sowohl in ihrer rein - künstlerischen Kraft des Ausdrucks, wie namentlich auch in der - Tiefe der künstlerischen Phantasie, die dem Dichter bildend - nachgeht, ein höchst bemerkenswertes und überaus lehrreiches Bild - einer völlig verwandelten Kunstkultur.« - - Die »Neue Freie Presse«, Wien, schrieb: - - »Der >Faust< hat in dieser Ausgabe schon äußerlich etwas - Feierliches, Ernstes und Würdiges. Er erscheint wie ein Brevier, - wie eine literarische Hausbibel, der ein besonderer Platz im - Bücherkasten angewiesen und die mit einer gewissen Andacht - hervorgeholt wird. Diesem Charakter des Buches entsprechen auch - die Bilder und Verzierungen, die der Münchener Maler Ernst - Liebermann gezeichnet hat und die durch ihre kräftige - Holzschnittmanier dem großen, starken Frakturdruck entsprechen. - Zu der äußeren Ausstattung stimmt auch der Leineneinband, der - sehr einfach ist, aber dem Buche auch das Aussehen eines - wertvollen Kodex gibt.« - - - - - Bibliothek wertvoller Memoiren. - - - Lebensdokumente hervorragender - Menschen aller Zeiten und Völker. - - Herausgegeben in Verbindung mit - - Prof. Dr. Carl Brockelmann, Leipzig Hofrat Prof. Dr. August - Fournier, Wien -- Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Karl Theodor - von Heigel, München -- Geh. Hofrat Prof. Dr. Karl Lamprecht, - Leipzig -- Prof. Dr. Karl Wenck, Marburg i./H. - - von Dr. _Ernst Schultze_, Hamburg. - - Der allgemeine Wert guter Memoiren ist von keiner Zeit deutlicher - empfunden worden als der unsrigen. Für die Mehrzahl aller - Gebildeten gilt heute mehr als je, was _Goethe_ von sich über die - starke Anziehungskraft berichtete, die »alles wahrhaft - Biographische« auf ihn ausübte. - - Um so sonderbarer mag es anmuten, daß in keinem Lande der Welt - seither der Versuch unternommen wurde, die _wertvollsten Memoiren - aller Zeiten und Völker_ in einem Sammelwerke zu vereinigen. Wohl - gibt es Memoiren-Sammlungen verschiedener Art, aber eine - umfassende Sammlung aus der ganzen Weltliteratur existiert noch - nicht. Sie ist nicht leicht herzustellen -- und je geringeren - Umfang sie haben soll, desto schwerer. Aber sie kann von - allergrößtem Interesse für jeden sein, für den die lebendige - Schilderung von Vorgängen aus Geschichte und Kulturgeschichte - Reiz besitzt. - - _Welche Schätze in diesen vergessenen Memoiren schlummern_, das - zeigen schon einige der ersten Bände dieser Sammlung. Hoffentlich - erregen sie das gewünschte Interesse und erfüllen damit ihren - Zweck: die Neigung für die Beschäftigung mit Geschichte und - Kulturgeschichte zu stärken und Hunderten Wissensdurstiger - Stunden interessanter Belehrung zu verschaffen. - - - - - Von der - Bibliothek wertvoller Memoiren - erschienen bis jetzt folgende Bände: - - - Band 1: Reisen des Venezianers Marco Polo im 13. Jahrhundert. - Bearbeitet von Dr. Hans Lemke, Berlin. 543 Seiten. 3.-5. Tausend. - - Band 2: Deutsches Bürgertum und deutscher Adel im 16. - Jahrhundert. Erinnerungen des Stralsunder Bürgermeisters - Bartholomäus Sastrow und des schlesischen Ritters Hans von - Schweinichen. Bearbeitet von Dr. Max Goos, Hamburg. 324 Seiten. - - Band 3: Aus der Dekabristenzeit. Erinnerungen hoher russischer - Offiziere von der Militär-Revolution des Jahres 1825 (Jakuschkin, - Obolenski, Wolkonski). Bearbeitet von A. Goldschmidt, Berlin. 382 - Seiten. - - Band 4: Die Eroberung von Mexico. Drei eigenhändige Berichte von - Ferdinand Cortez an Kaiser Karl V. Bearbeitet von Dr. Ernst - Schultze. Mit Bildern und Plänen. 645 Seiten. - - Band 5: Die Erinnerungen des Grafen Paul Philipp von Ségur, - Adjutanten Napoleons I. Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen, - Genf. Mit Kartenskizzen im Text. 472 Seiten. - - Band 6: Erinnerungen aus dem indischen Aufstand 1857/58. Von Lady - Inglis und Sergeant Forbes-Mitchell. Bearbeitet von Elisabeth - Braunholtz, Cambridge. Mit Bildern und Plänen. 376 Seiten. - - Band 7: Memoiren aus dem spanischen Freiheitskampfe 1808/11. - Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen, Genf. 506 Seiten. - - Band 8: Am Rande der Kulturwelt. Briefe und Tagebuchblätter des - Generals Charles Gordon of Khartum. Ausgewählt und übersetzt - von Dr. Max Goos, Hamburg. 455 Seiten. - - Band 9: Die Memoiren Garibaldis. Ein Auszug aus seinen - Tagebüchern. Bearbeitet vom Kgl. Archivdirektor Prof. Dr. Walter - Friedensburg, Stettin. 452 Seiten. Mit Porträt Garibaldis. - - Band 10: Feldzugserinnerungen aus dem Kriegsjahre 1809. - Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen, Genf. 387 Seiten. - - Band 11: Der Tiroler Volksaufstand des Jahres 1809. Erinnerungen - des Priesters Joseph Daney. Bearbeitet von Joseph Steiner, - Innsbruck. 400 Seit. - - Preis und Vorzugspreis - siehe die nächstfolgende Seite. - - - - - Bibliothek denkwürdiger Reisen - - - Erzählungen über berühmte Reisen - aus der Feder von Teilnehmern. - - Herausgegeben in Verbindung mit - - Wirkl. Geheimrat M. v. Brandt, Exzellenz, Weimar -- Prof. Dr. - Siegmund Günther, München -- Prof. Dr. Eugen Oberhummer, Wien - -- Prof. Dr. Siegfried Passarge, Hamburg -- Hofrat Prof. Dr. - Franz Ritter von Wieser, Innsbruck - - von Dr. _Ernst Schultze_, Hamburg. - - Es ist eine auffallende Erscheinung, daß trotz des großen - Interesses, welches das deutsche Volk von jeher allen Reisen und - Entdeckungen in fremden Ländern und Weltteilen entgegengebracht - hat, dennoch im ganzen Laufe des 19. Jahrhunderts keine einzige - großzügige Sammlung berühmter Reisen in Deutschland erschienen - ist, während im 18. Jahrhundert mehrere solche Sammlungen einen - großen und eifrigen Leserkreis fanden. - - Diesem Mangel in unserer Literatur soll nun durch die »Bibliothek - denkwürdiger Reisen« abgeholfen werden. Eine _Anzahl der - hervorragendsten Fachgelehrten_ hat dem Herausgeber der Sammlung - ihre Unterstützung geliehen. Es ist daher wohl zu erwarten, daß - sie ihren wichtigen _Zweck_ erfüllen wird: das Interesse für - denkwürdige Reisebeschreibungen anzuregen und die - hervorragendsten Großtaten auf geographischem Gebiete in den - Schilderungen der Teilnehmer selbst der Gegenwart lebendig vor - Augen zu führen. - - - - - In der - Bibliothek denkwürdiger Reisen - erschienen bisher folgende Bände: - - - Band 1: Die Weltumseglungsfahrten des Kapitäns James Cook. Auszug - aus seinen Tagebüchern. 554 Seiten mit 8 Bildern und einer Karte. - Bearbeitet von Dr. Edwin Hennig, Berlin. - - Band 2: Die Erschließung Japans. Erinnerungen des Admirals Perry - von der Fahrt der amerikanischen Flotte 1853/54. Bearbeitet von - Privatdozent Dr. A. Wirth, München und Dr. Adolf Dirr, Tiflis. - 376 Seiten. Mit 6 Bildern. - - Band 3: Aus dem Lande der lebenden Buddhas. Die Erzählungen von - der Mission George Bogle's nach Tibet und Thomas Mannings - Reise nach Lhasa (1774 und 1812). 480 Seit. Mit 4 Bildern und 1 - Karte. Übersetzt und mit einer Einleitung und mit Anmerkungen - versehen von M. von Brandt, Exzellenz, Weimar. - - Band 4: Auf der Suche nach dem Goldlande. Erzählungen deutscher - Südamerikafahrer des 16. Jahrhunderts (Nicolaus Federmann, - Philipp von Hutten, Ulrich Schmiedel, Hans Staden). Bearbeitet - von Dr. Ernst Schultze, Hamburg. Mit Bildern. Erscheint 1911. - - Band 5: Die Reise des Arabers Ibn Batuta durch Indien und China. - (14. Jahrhundert.) Bearbeitet von Dr. Hans von Mzik, Wien. - Erscheint im Herbst 1910. - - Der Preis jedes Bandes der »Bibliothek denkwürdiger Reisen« - sowohl wie der »Bibliothek wertvoller Memoiren« ist einheitlich - auf M. 6.-- geheftet u. M. 7.-- gebunden festgesetzt. - - Vorzugspreis: Wer sich zur Abnahme von 4 Bänden verpflichtet, - also ein Abonnement auf 4 Bände nimmt (die völlig frei aus den - schon erschienenen oder noch erscheinenden Bänden einer der - beiden Sammlungen, auch gemischt, ausgewählt werden können), - erhält einen besonderen Vorzugspreis. - - Es kosten dann pränumerando: - - 4 Bände gebunden nur M. 22.-- statt M. 28.-- - 4 geheftet 20.-- 24.-- - - In der Regel sollen die neuen Bände jeder der beiden Sammlungen - in Abständen von etwa 4 Monaten erscheinen. Allen Abonnenten wird - von dem Erscheinen eines neuen Bandes 14 Tage vorher Mitteilung - gemacht; auch werden ihnen regelmäßig Zuschickungen über die neu - in Aussicht genommenen Bände zugehen. - - Über die Luxus-Ausgaben einzelner Bände befinden sich nähere - Angaben in dem illustrierten Sonder-Prospekt über die »Bibliothek - wertvoller Memoiren« und »Bibliothek denkwürdiger Reisen«, der - auch ausführliche Auszüge aus Besprechungen enthält und auf - Wunsch gern kostenlos zugesandt wird. - - - - - Schöne Literatur. - - - _Aeckerle_, H.: _Stille Wasser._ Novellen. 170 Seiten. Preis - geheftet 2 M., geb. 3 M. - - _Aeckerle_, H.: _Prismen._ Weihnachtl. Geschichten. 220 Seiten. - Preis geheftet 3 M., geb. 4 M. - - _Korolenko_, Wladimir: _Im fremden Lande._ Auswanderer-Roman. - Deutsch von Adda Goldschmidt und H. Aeckerle. 239 Seiten. Preis - geheftet 2 M., geb. 3 M. - - _Loewenberg_, J.: _Stille Helden._ Novellen. 223 Seiten. Preis - geheftet 2 M., geb. 3 M. - - [Illustration: Einbandzeichnung zu: Waltharilied. Der arme - Heinrich. Lieder der alten Edda.] - - _Maurer_, Amalie: _Gedichte einer Mutter._ Mit Bildern von - Ernst Liebermann. Pr. gb. 3 M. - - _Rosen_, Erwin: _Der König der Vagabunden._ Lustige - Geschichten von amerikanischem Gelichter. 192 S. Pr. geh. 3 - M., geb. 4 M. - - _Scharlau_, Willy: _Hauptmann Althaus._ Roman eines Offiziers. - 360 S. Preis geheftet 4 M., geb. 5 M. - - [Illustration: Einbandzeichnung zu: Venezianische Novellen von - Adolf Stern.] - - _Stern_, Adolf: _Venezianische Novellen_. Mit Einbandzeichnung - von Richard Lipps, München. 245 S. Preis geheftet 2 M., geb. - 3 M. - - _Stern_, Adolf: _Die Sängerin von Santa Maria dell'Orto_ und - andere Novellen. 346 Seiten. Preis geh. 3 M., geb. 4 M. - - Als Einzeldruck aus diesem Bande: - - _Stern_, Adolf: _Maria vom Schiffchen._ Römische Novelle. Mit - Einbandzeichnung von Richard Lipps, München. 74 Seiten. Preis - geheftet 1 M., geb. 1.50 M. - - _Waltharilied. Der arme Heinrich. Lieder der alten Edda._ - Übersetzt von den Brüdern _Grimm_. Mit Buchschmuck von Ernst - Liebermann. 180 S. gr. 8°. Preis gebunden 5 M. Luxus-Ausgabe - in Pergament-Band 20 M. - - _Weiß_, Hedwig: _Weihnachtsbuch_. Illustriert. Jedes Exemplar von - der Künstlerin selbst durchgesehen. Preis geb. 5 M. - - _Wilda_, Johannes: _Kriegsflagge und Fischersegel_. Novellen aus - dem Seeleben. Band 1: Kadetten- und Kapitäns-Abenteuer. 184 - Seiten. Band 2: Boots- und Bord-Novellen. 188 Seiten. Jeder - Band geheftet 2.50 M., gebunden 3.50 M. - - _Wister_, Owen: _Novellen aus dem Abenteurerleben des Wilden - Westens_. Ins Deutsche übertragen von Adda Goldschmidt. 240 - Seiten. Geheftet 2 M., gebunden 3 M. - - - - - Plattdeutsches. - - - _Garbe_, Robert: _Görnriek_. Gedichten för Jungs un Deerns. - Biller von Oskar Schwindrazheim. Preis geheftet 0.80 M., geb. 1 - M. - - _Meier_, Heinrich: _De rechte Schaul_. Erzählung. Preis geheftet - 1.50 M., geb. 2.50 M. - - _Poeck_, Wilhelm: _De Herr Innehmer Barkenbusch_ und andere - Geschichten von der Waterkant. Mit Buchschmuck von O. - Schwindrazheim, Hamburg. 186 S. Preis geheftet 2 M., geb. 3 M. - - _Poeck_, Wilhelm: _In de Ellernbucht_. En Geschicht von de - Hamborger Waterkant. 448 Seiten. Preis geheftet 4 M., gebunden 5 - M. - - _Stavenhagen_, Fritz: _Grau und Golden_. Hamburger Geschichten - und Skizzen. Mit Buchschmuck. 178 Seiten. Preis geheftet 2 M., - geb. 3 M. - - _Stavenhagen_, Fritz: _Mudder Mews_. Niederdeutsches Drama in 5 - Akten. 121 Seiten. Preis geheftet 2 M., geb. 3 M. - - _Stavenhagen_, Fritz: _Jürgen Piepers_. Niederdeutsches - Volksstück in 5 Akten. Mit Buchschmuck. 165 Seiten. Preis - geheftet 3 M., geb. 4 M. - - _Stavenhagen_, Fritz: _Der Lotse_. Hamburger Drama in 1 Akt. 50 - Seiten. Preis geheftet 1 M., geb. 2 M. - - _Stavenhagen_, Fritz: _De dütsche Michel_. Niederdeutsche - Bauernkomödie in 5 Akten. Mit Buchschmuck v. Oskar - Schwindrazheim, Hamburg. 154 Seiten. gr. 8°. Preis geheftet 3 M., - gebunden 4 M. - - _Stavenhagen_, Fritz: _De ruge Hoff_. Niederdeutsche - Bauernkomödie in 5 Akten. 144 Seiten. Preis geheftet 2.50 M., - geb. 3.50 M. - - - - - Allgemeinverständliche wissenschaftliche Literatur. - - - _Classen_, W. F.: _Großstadtheimat_. Beobachtungen zur - Naturgeschichte des Großstadtvolkes. Mit Einbandzeichnung von O. - Schwindrazheim, Hamburg. 244 Seiten. Preis geheftet 3 M., geb. 4 - M. - - _Classen_, W. F.: _Vom Lehrjungen zum Staatsbürger_. Zur - Naturgeschichte unserer heranwachsenden Jugend. 114 Seiten. - Geheftet 1.60 M., geb. 2.25 M. - - _Grimm_, Jakob: _Auswahl aus den Kleinen Schriften_. - Herausgegeben und mit Einleitung versehen von Dr. Ernst Schultze. - Mit Bildnis Grimms. 286 Seiten. Preis geh. 2 M., geb. 3 M. - - Als Einzeldruck aus diesem Bande: - - _Grimm_, Jakob: _Rede auf Schiller_. Mit Bildnis Schillers von - Gerhard von Kügelgen. 32 Seiten. Preis geheftet 50 Pf., geb. 1 M. - - _Hennig_, Dr. Richard: _Wunder und Wissenschaft_. Eine Kritik und - Erklärung der okkulten Phänomene. 247 Seiten. Preis geheftet 3 - M., geb. 4 M. - - _Hennig_, Dr. Richard: _Der moderne Spuk- und Geisterglaube_. - Eine Kritik und Erklärung der spiritistischen Phänomene. 2. Teil - des Werkes »Wunder und Wissenschaft«. 367 Seiten. Preis - geheftet 4 M., geb. 5 M. - - _Loewenberg_, Dr. J.: _Deutsche Dichter-Abende_. Eine Sammlung - von Vorträgen über neuere deutsche Literatur. Mit Bildnis - Liliencrons. 200 Seiten. Preis geheftet 2 M., geb. 3 M. - - Als Einzeldruck aus diesem Bande: - - _Loewenberg_, Dr. J.: _Detlev von Liliencron_. Mit Bildnis - Liliencrons. 32 Seiten. Preis geheftet 50 Pf., geb. 1 M. - - _Schultze_, Dr. Ernst: _Aus dem Werden und Wachsen der - Vereinigten Staaten_. (Kulturgeschichtliche Streifzüge, Band 1.) - 224 Seiten. Preis geheftet 2 M., gebunden 3 M. - - Aus einer längeren Besprechung in der »Deutschen - Literaturzeitung«: - - »Die Arbeit des Verfassers hat in einer der ersten, wenn nicht - der besten amerikanischen Wochenschrift, dem »Outlook«, eine sehr - günstige Beurteilung gefunden, und der Kritiker empfiehlt sogar - eine möglichst baldige Übersetzung des Buches ins Englische, da - es eine besonders interessante Übersicht jetzt bestehender - Zustände gibt. Dies Lob ist verdient.« - - »In ihren einfachen, allen Übertreibungen fernbleibenden - Schilderungen tatsächlicher Verhältnisse müssen diese Skizzen zu - dem Besten gezählt werden, was über die Vereinigten Staaten in - den letzten Jahren veröffentlicht worden ist.« - - _Weimar._ - - M. v. _Brandt_, Kaiserl. Gesandter a. D. - - - - - Bücher über Pädagogik und Volksbildung. - - - _Archiv für das Volksbildungswesen aller Kulturvölker._ - Herausgegeben von Dr. Ernst Schultze und Prof. G. Hamdorff. Band - 1. 352 Seiten. Preis geheftet 5 M., geb. 6 M. - - _Bilder aus dem Kinderleben des Pestalozzi-Fröbelhauses zu - Berlin._ Reich illustriert. 95 Seiten. Preis geheftet 1 M. - - _Lieder und Bewegungsspiele._ Für das Pestalozzi-Fröbelhaus zu - Berlin gesammelt, bearbeitet und herausgegeben von Else Fromm. - Mit Noten. 215 Seiten. 3. Auflage. Preis gebunden 2.50 M. - - _Loewenberg_, Dr. J.: _Geheime Miterzieher_. Studien und - Plaudereien für Eltern und Erzieher. 5. Auflage. Preis geheftet - 1.50 M., geb. 2.50 M. - - _Schultze_, Dr. Ernst: _Freie öffentliche Bibliotheken_ - (Volksbibliotheken und Lesehallen). Illustriert. 362 Seiten. - Preis geh. 6 M., geb. 7 M. - - _Schultze_, Dr. Ernst. _Die Volksbildung im alten und im neuen - Jahrhundert_. 28 Seiten. Preis geheftet 0.50 M. - - _Schultze_, Dr. Ernst: _Volksbildung und Kneipenleben_. 16 - Seiten. Preis geheftet 0.20 M. - - _Schultze_, Dr. Ernst: _Volksbildung und Volkswohlstand_. Eine - Untersuchung ihrer Beziehungen. 84 Seiten. Preis geheftet 2 M., - geb. 3 M. - - Ausführliche illustrierte Prospekte mit Auszügen aus - Besprechungen versendet der Verlag gern unberechnet und - portofrei. Ebenso benachrichtigt er Interessenten mit Vergnügen - fortlaufend über sämtliche Neuerscheinungen. - - HAMBURG-GROSSBORSTEL. - - GUTENBERG-VERLAG - Gesellschaft mit beschränkter Haftung. - - Im Gutenberg-Verlag, Gesellschaft mit beschr. - Haftung, Hamburg-Großborstel, erschien: - - - - - Die deutsche Landschaft. - - - Deutsche Charakter-Landschaften in farbigen Bildern - von - Prof. Ernst Liebermann - - Inhalt: - - Lieferung I. Blatt 1: In den Vorbergen der bayerischen Alpen. 2: - Alpenvorland. 3: Rheinlandschaft. 4: Eifellandschaft. 5: - Burgruine im Mosellande. - - Lieferung II. Blatt 6: Buchenwald. 7: Thüringer Landschaft. 8: - Felder. 9: Landstraße. 10: Saalelandschaft. - - Lieferung III. Blatt 11: Felsenpartie im Elbsandsteingebirge. 12: - Riesengebirgslandschaft (Schneekoppe). 13: Ein Tannenwald. 14: - Aus dem fränkischen Jura; Motiv: Obereichstätt. 15: - Donaulandschaft; Motiv: Bei Kelheim. - - Preis der Lieferung (enthaltend 5 Blätter): - M. 5.--. Preis des Einzelblattes: M. 1.25. - Bildgröße 15:20 cm. Kartongröße 25:30 cm. - - In unseren Wechselrahmen bilden die Liebermannschen Landschaften - den schönsten Zimmerschmuck. - - Die Wechselrahmen, die in zwei verschiedenen Ausführungen zu haben - sind, ermöglichen es, in _wechselnder Folge_ heute dies, morgen - jenes Blatt vor sich zu sehen, so daß der Beschauer sich je nach - Laune und Stimmung heute an das rebenumkränzte Ufer des Rheins - oder auf schneebedeckte Bergeshöhen, morgen in das liebliche - Thüringen oder die ernste Eifel versetzen kann. - - Urteile der Presse: »Diese klaren und doch weichen Vierfarbendrucke - gehören zu den vollkommensten Leistungen der in Deutschland - hochentwickelten Reproduktionskunst. Man kann erwarten, daß die - Bilderserien »Die deutsche Landschaft« allgemein lebhaften - Beifall finden werden«. - - Beilage der Münchner Neuesten Nachrichten. - - »Technisch ungemein gewandt, sicher und echt fühlend ..., - Großzügig .... packende Farbigkeit.« - - Der Türmer. - - Wechselrahmen mit Rückwand und Federverschluß (für Hoch- - und Querformate zu benutzen): - - Mahagonileiste mit Goldeinlage, Preis einschließlich Glas M. - 2.50. Weiße gerippte Leiste, Preis einschließlich Glas M. - 2.--. Verpackung für jedes Blatt 50 Pf. - - Feste Rahmung in prächtiger Altgoldleiste, - Preis _mit_ Bild, einschließlich Glas, M. 2.--. - - Verpackung für jedes Bild 25 Pf. -- Die Lieferung selbst erfolgt - portofrei. - - Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Bei Voreinsendung des - Betrages oder gegen Nachnahme liefern wie portofrei. - - Druck von Grimme & Trömel in Leipzig. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Französische Lyrik alter und neuer -Zeit in deutschen Versen, by Various - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FRANZÖSISCHE LYRIK ALTER UND *** - -***** This file should be named 51360-8.txt or 51360-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/1/3/6/51360/ - -Produced by Jana Srna, Alexander Bauer, Jens Sadowski, and -the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - |
