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-The Project Gutenberg EBook of Französische Lyrik alter und neuer Zeit in
-deutschen Versen, by Various
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
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-
-Title: Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen
-
-Author: Various
-
-Translator: Joseph Jaffé
-
-Release Date: March 5, 2016 [EBook #51360]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FRANZÖSISCHE LYRIK ALTER UND ***
-
-
-
-
-Produced by Jana Srna, Alexander Bauer, Jens Sadowski, and
-the Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
-
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-
- Französische Lyrik
- in deutschen Versen
-
-
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-
- Französische Lyrik
- alter und neuer Zeit
- in deutschen Versen
-
-
- von
- Joseph Jaffé
-
- Hamburg
- Im Gutenberg-Verlag
- Dr. Ernst Schultze
- 1908
-
- Alle Rechte
- vom Verlag
- vorbehalten
-
- Außer dieser Ausgabe ist von dem vorliegenden Buche noch eine
- kleine Auflage als Ausgabe B auf hochweißem, sehr starkem, dabei
- aber außerordentlich leichtem Dickdruckpapier hergestellt worden.
- Jedes Exemplar dieser Liebhaberausgabe ist in Ganzleder gebunden
- und kostet 8 Mark
-
-
-
-
- Inhalts-Übersicht
-
- Seite
- Vorbemerkung 11
-
- François Villon:
- Aus dem großen Testament 13
-
- Clément Marot:
- Lied 19
- An den König, als ich bestohlen wurde 20
-
- Pierre Corneille:
- Stanzen 25
-
- Pierre-Jean de Béranger:
- Meine Berufung 27
- Die Dachkammer 28
- Der alte Korporal 30
- Des Volkes Erinnerungen 32
-
- Gérard de Nerval:
- Herren und Knechte 35
- Phantasie 35
- Laß mich 36
- Goldene Verse 37
-
- Alfred de Musset:
- An Juana 39
- An Julie 41
- An Pepa 42
- Lilla 43
- Ballade an den Mond 44
- Dezembernacht 50
- An Frau M. 54
- Lebewohl 55
-
- Victor Hugo:
- Der Abend des Sämanns 56
- Abend auf dem Meere 57
- Aus den Orientalen 62
- Der Kaisermantel 64
- Die Ordnung ist wieder hergestellt 65
- Lied 67
- Lied 68
- Ein Spiel 69
- Des Kaisers Zeitvertreib 69
- Die Sühne 72
-
- Théophile Gautier:
- Pastell 84
- Trost 85
- Die Alten von der alten Garde 86
-
- Charles Baudelaire:
- Mißgeschick 91
- Das Ideal 92
- Der Vampyr 92
- Die Katze 93
- Ganz und gar 94
- Nachmittagslied 95
- Das Gespenst 97
- Die Eulen 98
- Trauriges Madrigal 99
- Der Mahner 100
- Lösegeld 101
- Der Mensch und das Meer 102
- Klage eines Icarus 103
- Heauton timoroumenos 103
- Abel und Kain 105
- Nachschrift für ein verbotenes Buch 106
-
- Paul Verlaine:
- An Eugen Carrière 108
- Nevermore 109
- Drei Jahre später 109
- Sentimentaler Spaziergang 110
- Herbstlied 111
- Schäferstunde 111
- Mondschein 112
- Auf dem Spaziergang 113
- Aufzug 114
- Der Faun 115
- Halblaut 115
- Sentimentales Zwiegespräch 116
- Frau und Katze 117
- Serenade 118
- Çavitri 119
- Guter Sang
- I. 120
- II. 121
- III. 121
- Vergessene Weisen
- I. 122
- II. 123
- Bilder aus Belgien
- I. Walcourt 123
- II. Charleroi 124
- III. Brüssel 125
- IV. Schloßpark 126
- V. Karussel 126
- VI. Mecheln 127
- Aquarell von Spleen 128
- Weisheit
- I. 129
- II. Caspar Hauser 130
- III. 131
- Prolog 132
- Pierrot 133
- Die Kunst des Dichters 133
- Schlaff 135
- Liebe 136
- Allegorie 137
- Hirngespinste
- I. 138
- II. 139
- Der Schamlose 140
- Hände 141
- Närrischer Rat 143
- Lieder für sie
- I. 145
- II. 146
- An König Ludwig den Zweiten 148
- Meine Büste 149
-
- José-Maria de Hérédia:
- Vergessen 150
- Pan 150
- Der Ziegenhirt 151
- Weihe 152
- Des Toten Bitte 153
- Der Sklave 153
- An der Trebia 154
- Nach der Schlacht bei Cannae 155
- Villula 156
- Tranquillus 156
- Lupercus 157
- Die Dogaressa 158
- Der alte Goldschmied 159
- Die Conquistadoren 159
- Jungbrunnen 160
- Auf eine tote Stadt 161
- Antike Medaille 161
- Bretagne 162
- Maris stella 163
- An Ernesto Rossi 164
-
- Jacques Normand:
- Nach dem Essen 165
- Taubenschießen 169
- Aufrichtig 171
- Um den Ruhm 172
-
- Jean Richepin:
- Unsere Vergnügungen 173
- Unsere Rache 175
- Mein Glas ist leer 176
- Moderne Studie nach der Antike 178
- Auf Wache 179
- Die Küste 180
- Trockene Kiesel 182
-
- Jean-Arthur Rimbaud:
- Mein Zigeunerleben 184
- Lebenstiefe 184
- Faunskopf 185
- Aufregung 185
- Der Schläfer im Tal 187
- Der Schrank 188
-
- Jules Jouy:
- Lied der Bergarbeiter 189
- Der bleiche Mann 190
-
- Emile Verhaeren:
- Vlämische Kunst 192
- Artevelde 195
- Die Bauern 196
- Kato 198
- Des Mönches Tod 200
- Betrachtung 202
- Die Bäume 203
- Die Tränke 204
- Der Schrei 204
- Die Nacht 205
- Die Straßen 206
- Das Idol 207
- Unkraut 208
- Gebet 209
- Das Schwert 210
- Ein Abend 211
-
- Albert Giraud:
- Katharina von Medici 213
- An eine vierzigjährige Frau 214
-
- Henri de Régnier:
- Unsichtbare Gegenwart 215
- Vor der Prägung 216
- Wechselstrophen 218
- Ein Traum von Stunden und von Jahren 220
- Ein Traum von Morgenrot und Schatten 222
- Der Raufbold 222
- Chrysilla 223
-
- Fernand Gregh:
- Prüfung 225
- Abend in der Großstadt 227
- Musik in der Ferne 228
- Zweifel 230
- Dämmerstunde 231
- Betrachtung 232
-
-
-
-
- Vorbemerkung.
-
-
-In dieser Sammlung ist der Grundsatz genauer Nachbildung von Versmaß und
-Reimverschlingung streng durchgeführt. Wer Übersetzungen eine Mitgift
-aus eigenem geben kann, mag sich freier bewegen; der bescheidene
-Dolmetsch soll die Gebärde des Kunstwerks ehren und deshalb den Vorteil
-verwandter Formen selbst auf die Gefahr einer gelinden Beengung
-ausnutzen. Es ist keineswegs richtig, daß Übersetzungen durchaus den
-Eindruck von Originalen machen müssen, der Geruch der Muttererde darf
-sich nicht verflüchtigen. Unsere Bühne kann den Trochaeus des spanischen
-Dramas, den Alexandriner des französischen getrost preisgeben, ihre
-Mittel leisten tausendfältigen Ersatz und ermöglichen Treue der
-Stimmung; die redlichste Übertragung eines Gedichtes hat dagegen immer
-noch genug Verluste zu beklagen. Gewiß wird alle Lyrik durch dieselben
-Stimmungen ausgelöst, doch die Seelen der Völker und Zeiten sind so
-verschieden, wie die der Sprachen.
-
-Der Leitsatz rechtfertigt die Verwendung des oft verketzerten
-Alexandriners. Was ihn uns unbehaglich macht, ist zumeist die starre
-Cäsur, die ihn im Deutschen -- viel schärfer als im Französischen -- wie
-mit einem Beilschlage zerhackt; sie ist frei behandelt, wie dies ja auch
-die jüngeren Franzosen belieben.
-
-Dem ^vers libre^ ist peinliche Gerechtigkeit widerfahren; Meister wie
-Régnier und Verhaeren können dies beanspruchen, sie sind gegen den
-Verdacht gespreizter Unfähigkeit geschützt, die sich nur zu oft solcher
-Tracht bedient.
-
-Es bedarf keiner Erwähnung, daß das Büchlein weder bestimmte
-Zeitabschnitte noch Schulen erschöpfen will; nicht einmal dem Reichtum
-der vertretenen Dichter wird es auch nur annähernd gerecht.
-
-_Lugano_, im Herbst 1907
-
- Joseph Jaffé
-
-
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-
- François Villon
-
-
- geb. 1431
-
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-
-
- Aus dem großen Testament
-
-
- Mich reut, daß ich in jungen Tagen
- Gescheut hab jede ernste Pflicht,
- Das Alter naht, wer kann es sagen,
- Wie bald dies wilde Herz schon bricht.
- Zu Fuß enteilt die Zeit ja nicht,
- Sie sitzt zu Rosse! ach, mein Glück
- War immer leicht nur von Gewicht,
- Mir ärmsten blieb auch nichts zurück.
-
- Die Jahre sind dahin gegangen,
- Nichts ernstes habe ich erstrebt,
- Mit Schrecken seh ich und mit Bangen,
- Ich bin nicht reif, bin nur verlebt.
- Eh' noch mein Sein ins Nichts entschwebt,
- Hat mich der letzte Freund vergessen,
- Kein Herz, das um mich zagt und bebt ...!
- Ich habe nie ein Glück besessen.
-
- Nie hab ich schweres Geld gezahlt
- Für Leckerbissen und für Wein,
- Bei Frauen nie damit geprahlt,
- Davon ist mein Gewissen rein.
- Wer dies nicht glaubt, der läßt es sein,
- Mag seinen Glauben er genießen!
- Wirft einer deshalb einen Stein,
- Wird er von sich auf andere schließen.
-
- Geliebt hab ich natürlich auch
- Und liebte gerne noch viel mehr,
- Doch volles Herz und leerer Bauch,
- Die helfen dabei nicht zu sehr.
- Wer Sorgen hat, trägt alles schwer,
- Der weiß nicht viel von Feiertagen,
- Mein Magen war ja meistens leer,
- Musik macht nur ein voller Magen.
-
- Hätt ich bekämpft die wilde Sucht
- Und was gelernt in jungen Jahren,
- Mich fromm befleißigt guter Zucht,
- Ich würde heute besser fahren.
- Doch böse Buben, wie wir waren,
- Die schwänzen, wenn's zur Schule geht!
- Jetzt kann ich mir die Worte sparen,
- Die Reue kommt ja stets zu spät.
-
- Geschrieben steht -- nur habe ich
- Gedeutet es nach meinem Sinn --
- »Mein Sohn, freu' in der Jugend dich!«
- Ja, davon hatte ich Gewinn.
- Nun ist die Jugend längst dahin!
- Was weiter folgt, schien mir nicht wichtig,
- »Die Jugend«, heißt es dann darin,
- »Und ihre Freuden, die sind nichtig.«
-
- »Die Tage sind mir voller Hast
- Enteilt«, kann ich mit Hiob sagen,
- »Schnell wie am Webstuhl ohne Rast
- Das Schifflein gleitet«. Darf ich klagen?
- Wer Hoffen nicht mehr kennt noch Zagen,
- Erschrickt nicht, wenn das Ende droht,
- Mich wird kein Mißgeschick mehr schlagen,
- Denn alles schwindet mit dem Tod.
-
- Wo sind sie hin, die Burschen all',
- Mit denen einst ich mich ergötzt,
- Die hoch des freien Wortes Schall,
- Noch höher kühne Tat geschätzt?
- Die meisten sind zu Tod gehetzt,
- Gott, der die Sünder nicht verläßt,
- Schenk ihnen ewige Ruhe jetzt
- Und schirme gnädiglich den Rest.
-
- Gar mancher hat es weit gebracht
- Und kann auf stolzem Rosse reiten,
- Gar mancher bettelt nackt und lacht,
- Brot sieht er höchstens mal vom weiten.
- Noch andere traten klug beizeiten
- Ins Kloster ein und beten brav,
- Ich seh sie in Sandalen schreiten,
- Wie es nun grade jeden traf.
-
- Die großen Herren können lachen,
- Sie haben immer gute Zeit,
- Gott braucht sich Sorgen nicht zu machen
- Um dieser Leute Fröhlichkeit.
- Dem Armen, der vor Hunger schreit
- Wie ich, o Herr, erweis dich gnädig,
- Im Kloster kennen sie kein Leid,
- Die Mönche sind der Sorgen ledig.
-
- Sie lieben wohlbestellten Tisch
- Und trinken gerne guten Wein
- Zum Braten, Kuchen und zum Fisch,
- Stets muß er frisch vom Zapfen sein.
- Die Arbeit macht den Brüdern Pein,
- Der Tag soll sorgenfrei verfließen,
- Doch schenken sie sich selber ein,
- Dess' lassen sie sich nicht verdrießen.
-
- Des Urteils harr ich in Geduld,
- Mein Fall ist einfach, klar und schlicht,
- Vergebung hoff ich meiner Schuld,
- Was andere taten, richt ich nicht.
- Ein Sünder bin ich und ein Wicht,
- Gelobt seist du, o Jesuchrist,
- Du führst mich ein zum ewigen Licht!
- Doch was ich schrieb, bleibt, wie es ist.
-
- Jetzt lassen wir die Kirche ruhn
- Und reden mal von andern Dingen,
- Man hat nicht gern damit zu tun,
- Vergnügen kann es auch nicht bringen.
- Die Menschen, die mit Sorgen ringen,
- Gebrauchen Worte leicht, die kränken,
- Und wenn sie schon den Mund bezwingen,
- Verhindert nichts sie, hart zu denken.
-
- Wir, die von armen Leuten stammen,
- Wir können nur von Not erzählen,
- Mein Vater brachte nichts zusammen,
- Und auch sein Vater mußt sich quälen.
- Es tat an allem stets uns fehlen,
- Und auf den Gräbern meiner Ahnen
- -- Der Herr erbarm sich ihrer Seelen --
- Erblickt man weder Helm noch Fahnen.
-
- Ließ mir der Hunger keine Ruh,
- Hat oft mein armes Herz gesagt:
- Weshalb, o Menschlein, jammerst du?
- Verachte, was dich quält und plagt!
- Jacques Coeur[1] hat alle überragt
- An Reichtum und litt niemals Not,
- Wenn auch dein Los dir nicht behagt,
- So lebst du doch, und er ist tot.
-
- Jacques Coeur hat alle überragt,
- Ein Herr ...! jetzt ein erloschnes Licht.
- Es gilt von ihm, was David sagt:
- »Ich suchte ihn und fand ihn nicht.«
- Im übrigen hat mein Gedicht
- Für eine Predigt keinen Raum,
- Ich leiste gern darauf Verzicht,
- Nur Pfaffen schlagen solchen Schaum.
-
- Nie habe ich, sagt's allen Leuten,
- Für einen Engel mich gehalten,
- Ich wollte niemals was bedeuten,
- Nie konnt ich aus dem vollen schalten.
- Still in der Erde, in der kalten,
- Ruht längst mein Vater, und Freund Hain
- Naht schon dem Mütterlein, dem alten,
- Der Sohn wird auch zu finden sein.
-
- Ich habe Toren, habe Weise,
- Hab Priester, Laien wohl gekannt,
- Hofleute, Bürger, Kinder, Greise,
- Geringe, große Herrn im Land,
- Und Damen auch im Prachtgewand,
- Geschmückt mit Halsgeschmeid und Ring,
- Jedwede Art und jeden Stand,
- Dem Tode keiner noch entging.
-
- Der Tod fand Paris und Helenen,
- Er packt uns unter Qual und Schmerz,
- Wenn wir zum letzten Schlaf uns dehnen,
- Steigt uns die Galle in das Herz.
- Der Atem stockt, im Busen zerrt's,
- Der Schweiß bricht aus, da hilft kein Beten,
- O Gott, das Sterben ist kein Scherz,
- Kein Bürge kann uns da vertreten.
-
- Der Tod macht alle bleich und gleich,
- Das Auge bricht, die Sinne schwinden,
- Der Hals schwillt an, das Fleisch wird weich,
- Die Bänder wollen nicht mehr binden.
- Die Frauen selbst, die zarten, linden,
- Ihr süßer, liebenswerter Schoß,
- Er wird zu Staub, ein Spiel den Winden,
- Denn allen fällt das gleiche Los.
-
-----------
-
-[Fußnote 1: Jacques Coeur, Bankier der französischen Krone unter Karl
-VII. (1422-1461), der reichste Mann seiner Zeit.]
-
-
-
-
- Clément Marot
-
-
- 1495-1539
-
-
-
-
- Lied
-
-
- Willst du dein Herz erquicken,
- Mußt einen einzigen Blick
- Du meiner Liebsten schicken,
- Gott schenk ihr Gunst und Glück!
- So hold wirst du sie finden,
- Daß dir zur selben Stund
- Wohl tausend Schmerzen schwinden,
- Ihr Gruß macht dich gesund.
-
- Die Gaben meiner Schönen
- Erfreuen Herz und Sinn,
- Die Sehnsucht läßt mich stöhnen,
- Wenn ich nicht bei ihr bin.
- Ihr Liebreiz macht mich beben,
- Bleich werd ich, wie der Tod,
- Doch ihre Huld schenkt Leben,
- Verscheucht, was mich bedroht.
-
-
-
-
- An den König, als ich bestohlen wurde
-
-
- Ein Unglück, Sire, alleine, das kommt selten!
- Euch, Herr, wird dieses Wort als Wahrheit gelten;
- Es kommt zu zweit, zu dritt, in ganzen Scharen,
- Ihr habt es leider selber ja erfahren.
- Und ich, ich bin kein Fürst, bin überhaupt
- Vor Euch ein Nichts. Doch wenn Ihr es erlaubt,
- Erzähle ich die schönste der Geschichten.
-
- Von meinem Diener will ich Euch berichten
- Aus der Gascogne, ein Lügner und ein Dieb,
- Er soff und fraß und wußte, wo er blieb,
- Ein Lümmel, wie vom Galgen abgeschnitten,
- Im übrigen bei allen wohl gelitten,
- Ein Bursch, in den die Dirnen sich vernarrten,
- Ein flotter Kerl bei Kegeln und bei Karten.
-
- Der ehrenwerte Herr bekam nun Wind
- Von jener Summe, die Ihr mild gesinnt
- Mir jüngst gemacht zur gnädigen Verehrung,
- Von meines Beutels plötzlicher Beschwerung.
- Des Nachts -- er pflegte länger sonst zu liegen --
- Ist er in meine Kammer eingestiegen
- Und nahm das schöne Geld noch vor dem Morgen.
- Ich glaube kaum, er wollte es nur borgen,
- Denn keinem hat er was davon gesagt.
- Um wenig hat er sich grad nicht geplagt,
- Mein Hut, mein Wams, mein Gurt fiel ihm zum Raube,
- Die Stiefel und der Mantel und die Schaube;
- Das beste, was ich nur bei Hofe trug,
- War diesem Kenner grade gut genug.
- Ihr hättet ihn, es fehlte wohl nur wenig,
- Für mich genommen, hoher Herr und König.
-
- Zum Schluß begab sich dann mein Seneschall
- Des graden Wegs in seines Herren Stall.
- Das schlechte Pferd mißfiel dem guten Jungen,
- Flugs hat er auf das bessere sich geschwungen,
- Den Sattel nahm er und das Terzerol
- Und nichts vergaß er als das Lebewohl.
- Er spürte um den Hals vielleicht ein Würgen,
- Doch war der Held beritten wie Sankt Jürgen.
- Den Herrn hat er nicht aus dem Schlaf geweckt,
- Der war nicht gut gelaunt, als er's entdeckt.
- Der Herr war ich. Ihr werdet es verstehen,
- Der Morgen hat mich nicht vergnügt gesehen,
- Fort waren alle meine schönen Kleider
- Und auch das beste meiner Rosse leider.
-
- Daß auch das liebe Geld so schnell verschwand,
- Begriff schon etwas eher mein Verstand,
- Denn Euer Geld, vermeld ich untertänig,
- Wird niemals bei mir warm, mein Herr und König.
-
- Doch damit ist das wenigste erzählt.
- Es ist noch etwas, was mich härter quält,
- Was mich bei Tag und Nacht nicht mehr verläßt
- Und mir in Kürze sicher gibt den Rest,
- Was in die Erde bringt mich armen Mann,
- Wo ich dann lustig weiter reimen kann.
- Mein armer Körper windet sich und leidet,
- Mein Leib ist manchmal schier wie ausgeweidet,
- Drei Monat ist der Kopf schon eingezwängt,
- Die Brust ist stets beklommen und beengt,
- Die Beine können kaum den Rumpf noch tragen,
- Ganz ausgemergelt ist mein armer Magen.
- Die Krankheit scheint mich langsam aufzuzehren,
- Sie peinigt mich -- ich sag's in allen Ehren --
- Sie peinigt mich, mein König, ganz genau,
- Wie den Pariser seine liebe Frau.
-
- Was sag ich noch! geschwunden ist der Leib
- Fast ganz, und nur zu Eurem Zeitvertreib
- Blieb etwas noch von meinem Geist am Leben,
- Viel kann er freilich nicht zum Besten geben.
- Um diesen kargen Rest, der vor Euch steht,
- Bemüht sich, Herr, die halbe Fakultät,
- Betastet meinen Puls, hält weisen Rat
- Und kündet als gewisses Resultat,
- Der Frühling heilt bestimmt mein bitteres Weh.
- Sehr gut gesagt! Was ich davon versteh,
- Ist dies: soll ich den Frühling nicht mehr sehn,
- Werd ich im Winter schon zu Grunde gehn;
- Bin ich dagegen schon im Winter tot,
- Dann hab ich um den Frühling keine Not.
-
- So quäl ich mich neun lange Monat schon.
- Verkauft ist alles, was mir der Cujon
- Nicht stahl. Ich hab mich kümmerlich gepflegt,
- Das ganze in Latwergen angelegt.
- Doch, gnädiger Herr, deshalb dürft Ihr nicht meinen,
- Daß ich mit Bitten will vor Euch erscheinen;
- Verwechselt mich nicht etwa mit dem Pack,
- Das ewig nur die Taschen füllen mag.
- So manchen gab es, der nur immer nahm,
- Dazu, mein Fürst, besitz ich zuviel Scham,
- Auf Ehre, Sire, ich nehme nichts geschenkt!
- Doch wenn Ihr etwas mir zu leihen denkt,
- Sag ich nicht nein. Denn wie es geht, so geht's,
- Ein Gläubiger macht einen Schuldner stets.
-
- Und wißt Ihr, Herr, wie ich die Schuld will zahlen?
- Das weiß noch keiner, Sire! ich will nicht prahlen,
- Ihr ahnt ja nicht, wie glücklich Ihr es trefft,
- Ihr macht dabei ein glänzendes Geschäft,
- Es ist wahrhaftig keine Übertreibung!
-
- Ich geb Euch eine sichere Verschreibung
- -- Verlangt Ihr Zinsen, Herr? -- auf jene Frist,
- Wo einmal alle Welt zufrieden ist,
- Und wenn Ihr lieber wollt, mein Fürst, vielleicht
- Auf jenen Tag, da Euer Ruhm verbleicht.
- Traut Ihr Euch nicht, die Forderung so zu buchen,
- Will ich mir ein paar gute Bürgen suchen,
- Wenn Euch die Fürsten von Lothringen passen,
- Könnt Ihr ja die im Notfall für mich fassen.
- Doch weiß ich wohl, Euch kommt's nicht in den Sinn,
- Daß ich nicht sicher und nicht ehrlich bin.
- Indessen hat man gerne was in Händen,
- Deshalb will ich den Schuldbrief daran wenden,
- Der ist im Todesfall, bei meiner Ehr,
- So gut, wie wenn ich, Sire, unsterblich wär.
-
- Falls etwas mir zu leihen Ihr geruht,
- Laßt mich's in Gnaden wissen, seid so gut;
- Auf meinen Gütern -- kennt Ihr sie nicht, Sire? --
- Erbaut ich jüngst ein neues Luftschloß mir,
- Das muß ich jetzt bezahlen. Nur ein Tor
- Sorgt nicht bei Zeiten für die Zukunft vor.
-
- Das wäre alles so in großen Zügen,
- Ich habe weiter nichts hinzuzufügen.
- Wollt ich noch eine Zeile niederschreiben,
- Ich fürchte, Sire, ich könnte übertreiben.
- Dann schrieb' ich: Herr und König der neun Musen,
- Der alle ihre Weisheit trägt im Busen,
- Du König, mehr als Mars an Ehren reich,
- Du König, dem kein anderer jemals gleich,
- Gott gebe Dir und Deinem stolzen Thron
- Des Erdballs ganzen Umkreis noch zum Lohn,
- Sowohl zum Heil der rollenden Maschine,
- Wie auch, daß Dir zum Ruhme solches diene.
-
-
-
-
- Pierre Corneille
-
-
- 1606-1684
-
-
-
-
- Stanzen
-
-
- Läßt mein Angesicht auch sehen,
- Gräfin, daß die Zeit verstrich,
- Euch wird es nicht besser gehen,
- Seid Ihr erst so alt wie ich.
-
- All und jedem drückt ihr Zeichen
- Auf die Zeit, eh' sie entweicht,
- Eure Rosen wird sie bleichen,
- Wie sie mir das Haar gebleicht.
-
- In denselben Bahnen gleiten
- Ewig die Planeten hin,
- Was Ihr seid, war ich vor Zeiten,
- Und Ihr werdet, was ich bin.
-
- Immerhin darf kühn ich sagen,
- Etwas, Gräfin, nenn ich mein,
- Was vielleicht in späten Tagen
- Noch wird unvergessen sein.
-
- Sind auch holde Reize Euer,
- Wißt, ein Reiz, den Ihr jetzt haßt,
- Strahlt einst noch in hellem Feuer,
- Wenn der Eure längst verblaßt.
-
- Er nur wird den Ruhm bewahren
- Euren Augen, Eurem Haar,
- Er erzählt nach tausend Jahren,
- Was an Euch mir teuer war.
-
- Bei den Bürgern jener Welten
- Hat mein Wort noch guten Klang,
- Werdet Ihr für schön dann gelten,
- Schuldet mir Ihr dafür Dank.
-
- Wollet gnädigst drum bedenken:
- Ist ein Graukopf keine Zier,
- Muß man ihm doch Achtung schenken,
- Gleicht er, schöne Gräfin, mir.
-
-
-
-
- Pierre-Jean de Béranger
-
-
- 1780-1857
-
-
-
-
- Meine Berufung
-
-
- Ich kam auf diese Erde
- Geängstigt und verzagt,
- Kaum hätte aus der Herde
- Ich je mich vorgewagt.
- Mein Weinen und mein Klagen
- Verhauchte fast im Wind,
- Da hörte Gott ich sagen:
- So singe doch, mein Kind!
-
- Der Reichtum fährt mit vieren,
- Verlacht des Armen Not,
- Wenn sie vorbei kutschieren,
- Bespritzt uns nur der Kot.
- Euch habe ich im Magen!
- Doch macht der Zorn mich blind,
- Dann höre Gott ich sagen:
- So singe doch, mein Kind!
-
- Weich bin ich nicht gebettet,
- Zum Einerlei verdammt,
- Gefesselt und gekettet
- An mein bescheiden Amt.
- Muß ich zu sehr mich plagen,
- Daß Brot mein Arm gewinnt,
- Dann höre Gott ich sagen:
- So singe doch, mein Kind!
-
- Manch Glück hab ich gefunden
- In meines Lebens Mai,
- Die Jahre sind entschwunden,
- Es ist damit vorbei.
- Doch will mein Herz mal fragen,
- Warum das Glück zerrinnt,
- Dann höre Gott ich sagen:
- So singe doch, mein Kind!
-
- So will ich ewig singen,
- Will singen bis zuletzt,
- Will jedem Freude bringen,
- Den mein Gesang ergötzt.
- Wo frohe Herzen schlagen,
- Die freundlich mir gesinnt,
- Da höre Gott ich sagen:
- So singe doch, mein Kind!
-
-
-
-
- Die Dachkammer
-
-
- Die Bude unterm Dach! Ich seh sie wieder,
- Wo frohe Armut Lehrerin mir war,
- Ich hatte meine Freunde, meine Lieder,
- Mein Mädchen hatte ich und zwanzig Jahr.
- Der Narren lachte keck ich und der Weisen,
- Da ich des Lenzes Blütentraum genoß,
- Sechs Treppen hoch durft ich mich glücklich preisen
- Mit zwanzig Jahren hier im Dachgeschoß.
-
- Ein Bodenloch! Ich kann es nicht bestreiten;
- Hier war's, wo meine harte Bettstatt stand,
- Dort seh ich noch die Verse, die vor Zeiten
- Mit Kohle ich gekritzelt an die Wand.
- Doch ach, die Freuden, die sind längst entschwunden,
- Die meine Uhr mir mitleidvoll erschloß,
- So oft den Weg ins Leihamt ich gefunden,
- Mit zwanzig Jahren aus dem Dachgeschoß.
-
- Wie gern ist Liese mit vergnügter Miene
- Hier oben einst erschienen zum Besuch!
- Vorm Fenster hat die Gute als Gardine
- Flink aufgehängt ihr schönes neues Tuch.
- Am Boden lag der Hut. Nie mocht ich fragen,
- Wer ihn bezahlt hat, weil sie dies verdroß;
- Wer wird sich auch um solche Fragen plagen
- Mit zwanzig Jahren hier im Dachgeschoß.
-
- Hier haben wir begeistert und verwegen
- Die ganze Nacht gesungen und gezecht,
- Da bei Marengo Bonapartes Degen
- Die schlug, die ihm zu trotzen sich erfrecht.
- Viktoria schossen sie! Wir aber dachten,
- Nie kehrt zurück in unseres Helden Schloß
- Die Sippe Ludwigs, die wir stolz verlachten
- Mit zwanzig Jahren hier im Dachgeschoß.
-
- Hinweg! hinweg! Ich könnte mich berauschen,
- Wo der Erinnerung Zauber mich umschwebt ....
- Ach, dürfte meiner Tage Rest ich tauschen
- Für einen Monat, den ich hier gelebt,
- Für Liebe, Leichtsinn, Torheit, für Sekunden,
- Daraus im Traum ein Leben mir entsproß,
- Für alle Hoffnung, die ich einst gefunden
- Mit zwanzig Jahren hier im Dachgeschoß!
-
-
-
-
- Der alte Korporal
-
-
- Jetzt also vorwärts, Kameraden,
- Die Stunde schlägt, noch einen Kuß,
- Mein Pfeifchen brennt, Ihr habt geladen,
- Kommt, Kinder, machen wir nun Schluß.
- Die Jahre sind im Dienst geschwunden,
- Den ich Euch allen beigebracht,
- Doch niemals hab ich Euch geschunden!
- Nun gebet Acht,
- Heult nicht, gebt Acht,
- Heult nicht, gebt Acht,
- Nehmt Tritt, gebt Acht,
- Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht!
-
- Ein Leutnant denkt, er darf mich kränken,
- Ich wisch ihm eine aus, dem Wicht;
- Es tat ihm nichts, doch sowas schenken ....
- Mein Urteil sprach das Kriegsgericht.
- Wer nicht so rasch ist, handelt weiser,
- Am längsten hab ich's nun gemacht,
- -- -- Ach was, ich diente meinem Kaiser!
- Nun gebet Acht,
- Heult nicht, gebt Acht,
- Heult nicht, gebt Acht,
- Nehmt Tritt, gebt Acht,
- Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht!
-
- An Arm und Bein darf Euch nichts liegen,
- Das Kreuz ist ein paar Knochen wert,
- Das meine holt ich in den Kriegen,
- Da wir die Könige ausgekehrt.
- Manch Gläschen gabt Ihr mir zum besten,
- Wenn ich erzählte auf der Wacht
- Von Schlachtenruhm und Siegesfesten,
- Nun gebet Acht,
- Heult nicht, gebt Acht,
- Heult nicht, gebt Acht,
- Nehmt Tritt, gebt Acht,
- Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht!
-
- Wer fängt dahinten an zu flennen?
- Die Tambourswitwe, dacht mirs schon!
- Hab Anno zwölf beim tollen Rennen
- Die Frau gerettet sammt dem Sohn.
- Der Vater liegt im Schnee begraben,
- Den Jungen schleppt ich Tag und Nacht ...
- Kannst beten für mich alten Knaben!
- :|: Nun gebet Acht, :|:
-
- Die Pfeife will nicht ziehen heute ...
- Jetzt hat sie Luft, was das nur war!
- Da sind wir. Wollt ihr etwa, Leute,
- Die Augen mir verbinden gar?
- Hier an der Böschung laßt mich stehen,
- Zielt nicht zu tief, hübsch mit Bedacht ...
- Mögt Ihr die Heimat wieder sehen!
- :|: Nun gebet Acht, :|:
-
-
-
-
- Des Volkes Erinnerungen
-
-
- Unterm Strohdach der Geringen,
- In den Hütten stirbt er nicht,
- Noch nach fünfzig Jahren spricht
- Kaum einer dort von andern Dingen.
- Abends sitzen am Kamin
- Um die Alte junge Leute,
- Mutter, ruft die Bäuerin,
- Kannst von ihm erzählen heute!
- Viele schelten jetzt den Mann,
- Könnte er nur wiederkehren,
- Ja, wiederkehren!
- Laß uns also von ihm hören,
- Großmutter, fang an!
-
- Kinder, hier sah ich ihn reiten,
- Hier durch unser Dorf, ganz nah,
- In dem Jahr, da dies geschah,
- Machte ich Hochzeit ... alte Zeiten!
- Könige bildeten den Zug,
- Heut noch glaube ich, den grauen
- Mantel, den er damals trug,
- Und den kleinen Hut zu schauen.
- Ich erschrak und wurde bleich.
- »Guten Morgen,« rief er heiter,
- Vergnügt und heiter.
- »Wie, gegrüßt hat Euch der Reiter,
- Ei, er sprach mit Euch?«
-
- Ein Jahr später ist's geschehen,
- Daß ich nach Paris mal kam,
- Vor der Tür von Notre Dame
- Hab ich ihn wiederum gesehen.
- Menschen drängten ohne Zahl
- Sich in festlichem Gewimmel,
- Alle meinten: »Seht einmal,
- Schönes Wetter schickt der Himmel.«
- Mild und gütig war sein Blick,
- Grad war ihm ein Sohn geboren,
- Ein Sohn geboren.
- »Ei, der Tag war nicht verloren,
- Mutter, das war Glück!«
-
- Als dann seiner Feinde Scharen
- Sich ergossen übers Land,
- Trotzte er mit starker Hand
- Beinah alleine den Gefahren.
- Einmal klopft's an meine Tür,
- Eines Abends, just wie heute,
- Plötzlich steht er da vor mir,
- Im Gefolg nur wenig Leute.
- Setzt sich auf den Sessel hier,
- Niemals werd ich es vergessen,
- Niemals vergessen!
- »Mutter, wo hat er gesessen,
- Auf dem Stuhl, sagt Ihr?«
-
- »Ich hab Hunger,« sprach er. Leider
- Hatte ich nur Brot und Wein.
- Hier am Feuer schlief er ein,
- Schnell trockneten die nassen Kleider.
- Beim Erwachen sagte er,
- Als er schaute meine Zähren:
- »Mut, noch habe ich ein Heer,
- Vor Paris will ich mich wehren.«
- Ich verwahre heute noch
- Jenes Glas im Schrank da droben,
- Im Schrank da droben.
- »Wie, Ihr habt es aufgehoben?
- Bitte, zeigt es doch!«
-
- Hier ...! dann zog er ins Verderben!
- Er, den einst ein Papst gekrönt,
- Mußt verlassen und verhöhnt
- Auf jener öden Insel sterben!
- Dran zu glauben ward uns schwer,
- Alle meinten: »Er kehrt wieder,
- Heimwärts eilt er übers Meer,
- Schlägt den frechen Fremdling nieder.«
- Als ich hörte, es sei wahr,
- Bin ich fast dem Schmerz erlegen,
- Dem Schmerz erlegen.
- »Schütz Euch Gott auf allen Wegen,
- Mutter, vor Gefahr.«
-
-
-
-
- Gérard de Nerval
-
-
- 1808-1855
-
-
-
-
- Herren und Knechte
-
-
- Wenn jene Herrn, die aus den Mären wohl bekannt,
- Mit Stieresnacken und mit erzgeprägten Mienen,
- Mit Leibern, die im Boden fest gewurzelt schienen,
- Mit grimmig hochgemutem Sinn und harter Hand,
-
- Wenn heute wieder sie auf diese Erde kämen,
- Den Erben ihrer stolzen Namen nachzuspähn,
- Die winselnd vor den Türen der Minister stehn,
- Der Sippe, die schon längst verlernt hat, sich zu schämen,
-
- Dem falschen Volk, an dem die Waden kaum noch echt,
- Dann merkten jene Ritter ohne Furcht und Tadel
- Sehr bald, daß, dank den Töchtern, ihrem guten Adel
- Verdorben ward das Blut von manch gemeinem Knecht.
-
-
-
-
- Phantasie
-
-
- Es tönt mir eine Weise stets, für die
- Ich Mozart, Weber und Rossini schenke,
- Wenn ich in ihren Klang das Ohr versenke,
- Bezaubert mich die alte Melodie.
-
- Sie singt so müd von Trauer und von Wehe,
- Ich fühle mich zweihundert Jahr verjüngt,
- Ludwig der Dreizehnte regiert, ich sehe
- Den Hügel, hinter dem die Sonne sinkt,
-
- Ein Schloß von Ziegeln, Türme in den Ecken,
- Gemalte Fenster und ein Giebeldach,
- Darum ein Park mit immergrünen Hecken,
- Durch bunte Blumen fließt ein stiller Bach.
-
- Am hohen Fenster sehe ich vom weiten
- In alter Tracht die blonde Dame stehn ....
- Ich kenne sie. Ich habe sie vor Zeiten
- In einem andern Leben schon gesehn.
-
-
-
-
- Laß mich!
-
-
- Laß ab von mir, es ist vergebens,
- Du prangst im Lenze deines Lebens,
- Mir kehrt er nimmermehr zurück!
- Kannst du in meinem Gram nicht lesen,
- Daß dieser Stirn, die jung gewesen,
- Zu lächeln längst vergaß das Glück?
-
- Wenn durch den Winterfrost, den harten,
- Die bunte Blumenpracht im Garten
- Gebleicht ist und der Baum entlaubt,
- Wer gibt dem toten Blatt die Farben
- Zurück, die mit dem Sommer starben,
- Den Duft, den ihm der Nord geraubt?
-
- Ach, hätte meines Schicksals Gnade
- Mich kreuzen lassen deine Pfade,
- Da mir noch solche Gunst getaugt,
- Ich hätte trunken vor Entzücken
- Dein Lächeln kühn gewagt zu pflücken
- Und neue Kraft daraus gesaugt.
-
- Heut leuchtest du mir nur von Ferne,
- Du junges Blut, dem hellen Sterne
- Vergleichbar, der dem Schiffer winkt,
- Dess' schwanken Kahn die List der Wogen,
- Wenn schon der Sturm vorbei gezogen,
- Zerbricht und mitleidlos verschlingt.
-
- Laß ab von mir, es ist vergebens,
- Du prangst im Lenze deines Lebens,
- Mir kehrt er nimmermehr zurück!
- Läßt diese Stirn, die jung gewesen,
- Läßt dich ihr stiller Gram nicht lesen,
- Daß nichts mehr sie erhofft vom Glück?
-
-
-
-
- Goldene Verse
-
-
- Mensch, freier Denker, wähnst du, daß nur du allein
- Gedankenmächtig bist in dieser Welt voll Leben?
- Du bist nur Herr der Kraft, die dir zum Lehn gegeben,
- Jedoch das All ist frei, dein Witz ist ihm zu klein.
-
- Hab Ehrfurcht! Jedes Tier nennt eigene Kräfte sein,
- Der Kelch, der sich erschließt, ahnt einer Seele Beben,
- Kein Stein, in dem nicht unbekannte Mächte weben,
- Dies alles fühlt und dringt ins Innerste dir ein.
-
- Vermeide Blicke, die aus blinden Fenstern spähen,
- An jegliches Atom gebunden ist das Wort,
- In deinem Munde darf es Sünde nie begehen.
-
- Oft wohnt ein Gott versteckt an einem niedern Ort,
- Das Auge wächst vom Lid bedeckt in heiliger Stille,
- Es sproßt aus hartem Fels hervor ein reiner Wille.
-
-
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-
- Alfred de Musset
-
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- 1810-1857
-
-
-
-
- An Juana
-
-
- Du bist's, für die ich einst entbrannte,
- Die erste, welche mein ich nannte,
- Der ich geweiht mein ganzes Sein!
- Erinnerst du dich auch noch dessen?
- Ich habe es noch nicht vergessen,
- Im letzten Sommer warst du mein.
-
- Wie rasch entschwinden doch die Zeiten,
- Die wir mit tausend Nichtigkeiten
- Vergeuden, schnell sind sie entflohn.
- Fast zwanzig Jahre sah ich schwinden,
- Und du, Gefährtin meiner Sünden,
- Hast ihrer beinah achtzehn schon.
-
- Scheint auch die rote Rose bleicher,
- Ist ihre Pracht nur um so reicher,
- Ich schmeichle nicht, schön bist du doch!
- Kein liebend Weib war liebevoller,
- Kein spanisch Köpfchen jemals toller,
- Denkst du des letzten Sommers noch?
-
- Des Abends noch, da du mich kränktest
- Und dann dein Halsgeschmeid mir schenktest,
- Da ich ob deines Zorns geschmollt;
- Drei Nächte fand ich keinen Schlummer,
- In bittersüßem Liebeskummer
- Hab ich geküßt das rote Gold.
-
- Und die verräterische Schöne!
- Denkst du noch an die tolle Szene,
- O Andalusiens holder Stern?
- Dein Liebster wollt vor Lachen sterben,
- Und Eifersucht schien zu verderben
- Den Gatten fast, den alten Herrn.
-
- Nimm dich in acht, hör was ich sage,
- Von neuem kehren jene Tage
- Der Liebe bald vielleicht zurück.
- Ein Herz, das dich einmal besessen,
- Kann deiner nimmermehr vergessen,
- Das Herz begehrt kein besser Glück.
-
- Ach was! ich mag den Strom nicht dämmen,
- Ich kann das Rad der Zeit nicht hemmen,
- Ich halte seinen Gang nicht auf;
- Was kümmern uns entschwundene Freuden,
- Das Lied ist aus, wir wollen scheiden,
- Das ist einmal der Welten Lauf.
-
- Die Zeit entführt auf ihren Schwingen
- Den Lenz, die Lerche und ihr Singen,
- Ach, unser Dasein gleicht dem Rauch;
- Karg ist die Frist uns zugemessen,
- Was frommt mir, daß ich dich besessen,
- Und dir, daß meiner du vergessen ....
- Mein Leben schwindet, deines auch!
-
-
-
-
- An Julie
-
-
- Daß mich die Leute auf den Gassen
- Nicht mal in Frieden rauchen lassen!
- Mich fragt ein jeder dumme Wicht,
- Woran ich seit drei Jahren schreibe,
- Was ich in meinen Nächten treibe,
- Denn daß ich schlafe, glaubt man nicht.
-
- Willst du mir deine Lippen reichen?
- Die tollen Nächte, die dich bleichen,
- Sie trocknen die Korallen auch.
- Daß diese Wunder nicht verderben,
- Mein schwarzes Lieb, mußt du sie färben
- Mit deines Atems heißem Hauch.
-
- Mein Drucker glaubt sich längst vergessen,
- Er meint, es warten seine Pressen
- Auf meine! Und ein ganzer Trupp
- Honetter Herren hält die Wette,
- Daß mich mein Glück verlassen hätte,
- Man schwatzt davon in jedem Klub.
-
- Hast du noch deinen Muskateller?
- Wir waren gestern erst im Keller,
- Vielleicht blieb noch ein Rest zurück.
- Wie glüht dein Mund! Ich will geschwinde
- Mal sehen, ob ich was erfinde,
- Natürlich ein verrücktes Stück.
-
- Sie sagen, daß ich keine Lieder
- Mehr pfeifen kann und daß ich wieder
- Mich werfe in den vollen Strom.
- Es lohnt nur nicht, sonst schickten heute
- Nach Sankt Helena mich die Leute
- Mit einem Magen-Karzinom.
-
- Wenn ich am Feuer weiter nasche,
- Verbrenn ich sicher noch zu Asche,
- Auch Herkules ist ja verbrannt;
- Soll in den Gluten ich verderben,
- Will ich bei Dejanira sterben,
- Drum öffne schleunigst dein Gewand!
-
-
-
-
- An Pepa
-
-
- Pepita, wenn die Sonne scheidet,
- Wenn deine Mutter schlafen geht,
- Wenn bei der Lampe halb entkleidet
- Du knieend sprichst dein Nachtgebet,
-
- Zur Stunde, wo du Frieden findest,
- Wo dich erwartet süße Rast,
- Wo du die Abendhaube bindest
- Und unters Bett geleuchtet hast,
-
- Wenn all die Deinen, die Familie,
- Der Schlummer hält in seinem Bann,
- Pepita, meine schlanke Lilie,
- Gestehe, woran denkst du dann?
-
- An eine Heldin aus Romanen,
- Die ihr zerbrochnes Glück beweint,
- An alles, was der Traum läßt ahnen
- Und was die Wirklichkeit verneint,
-
- An Berge, die nach schwerem Kreisen
- Das Leben geben einer Maus,
- An Andalusiens wilde Weisen,
- An einen Mann, ein Zuckerhaus,
-
- An Rosen, die du einmal pflanztest,
- An Blicke jenes faden Wichts,
- Mit dem du den Fandango tanztest,
- Vielleicht an mich, vielleicht an nichts!
-
-
-
-
- Lilla
-
-
- O ließe Lilla sich bewegen,
- Daß sie mir öffnete bei Nacht,
- Dann braucht ich keines Pfaffen Segen!
- Durchs Fenster spräng ich, nie verlegen,
- Wenn ihre Frau Mama erwacht.
-
- Die Angst mag alte Schachteln quälen
- Um das Genick! Solch dürres Kraut
- Wird keiner wohl dem Teufel stehlen,
- Der wartet, bis die lieben Seelen
- Sich langsam ekeln aus der Haut.
-
- Auf einer Planke möcht ich zechen
- Mit Lilla, niemals wär ich satt!
- Kein Papst kann so mich selig sprechen,
- Der Mann darf dreist sein Glas zerbrechen,
- Der diesen Wein getrunken hat.
-
-
-
-
- Ballade an den Mond
-
-
- Hoch auf dem Turme glitzt er,
- Der Mond, so gelb wie nie,
- Da sitzt er,
- Wie's Tüpferl auf dem I.
-
- Welch Elf hat auf den Faden
- Dich mit geschickter Hand
- Geladen,
- Du naseweiser Fant?
-
- Du Maske der Gespenster,
- Was guckt für ein Gesicht
- Durchs Fenster
- Herein, du blasser Wicht?
-
- Bist du, der Nacht Begleiter,
- Nur rund geformtes Gold,
- Das weiter
- Sich ohne Beine trollt?
-
- Bist du es gar, Geselle,
- Bist du es, dessen Lauf
- Der Hölle
- Die träge Uhr zieht auf?
-
- Ein Zeiger, der die Stunden
- Verdammten Seelen weist,
- Sekunden
- Der Ewigkeit umkreist?
-
- Ist es ein Wurm, der witternd
- Sich anzuschleichen wagt
- Und zitternd
- Die Sichel dir benagt?
-
- Wer hat dich halb geblendet?
- Hat gestern dich im Traum
- Geschändet,
- Vielleicht ein spitzer Baum?
-
- Auf meines Zimmers Wände
- Trägt mir dein fahler Schein
- Behende
- Des Gitters Netzwerk ein.
-
- Es hat der Sonne Gnade,
- Da sie ins Meer getaucht,
- Dich gerade
- Ein wenig angehaucht.
-
- Einst wirst du ganz erkalten,
- Dein Angesicht verrät
- Durch Falten,
- Wie schlimm es um dich steht.
-
- Die Göttin gib uns wieder,
- Die keusch und nie besiegt
- Die Glieder
- An ihre Hirschkuh schmiegt,
-
- Die einst in der Platane
- Gehege sich gefiel,
- Diane
- Und ihrer Meute Spiel.
-
- Hoch flüchtig sind gesprungen
- Die Rehe, wenn voll Macht
- Gedrungen
- Das Hifthorn durch die Nacht,
-
- Wenn auf der Spur der Beute
- Ringsum durch Wald und Feld
- Die Meute
- Zur Hetze hat gebellt.
-
- Als eines Abends linde
- Durch ihren Hain gerauscht
- Die Winde,
- Hat Phoebus sie belauscht,
-
- Der Gott, der nächtlich schwärmend
- Die Hirtin und den Hirt
- Keck lärmend
- Im Vogelflug umschwirrt.
-
- Durch jedes Abenteuer,
- Dem still du beigewohnt,
- Bleibst teuer
- Du alle Zeit uns, Mond.
-
- Wem immer du begegnet,
- Dem bist für ewig du
- Gesegnet,
- Ob ab du nimmst, ob zu.
-
- Du bist es jedem Schäfer,
- Wenn auch zu nächtiger Stund
- Dich Schläfer
- Hat angebellt sein Hund.
-
- Du bist es jedem Schiffe,
- Das hart vom Sturm bedrängt
- Durch Riffe
- Der Lotse sicher lenkt.
-
- Und jedem schönen Kinde,
- Das mal in dunkler Nacht
- Geschwinde
- Sich aus dem Staub gemacht.
-
- Tief unter dir gebettet
- Und wie ein wilder Bär
- Gekettet
- Träumt das gezähmte Meer.
-
- Wenn ich bei Wind und Wetter
- Nicht aus der Stube kann,
- Herr Vetter,
- Dann schaue ich dich an,
-
- Seh auf dem Turm dich glitzen,
- Seh dich vergnügt wie nie
- Dort sitzen,
- Wie's Tüpferl auf dem I.
-
- Wenn manches wider Hoffen
- Ein Ehemann zu Haus
- Getroffen,
- Dann lachst du ihn noch aus.
-
- Und wenn der junge Gatte,
- Nachdem die Mutter zach
- Ihm hatte
- Entriegelt das Gemach,
-
- In Schlafrock und Pantoffel
- Die Kerze löscht im Nu,
- Du Stoffel,
- Dann siehst du spöttisch zu.
-
- Bang harrt sie mit dem Ringe
- Am Finger, der sie mahnt
- An Dinge,
- Die sie nur zitternd ahnt.
-
- Der Herr Gemahl fängt Feuer,
- Sie wird in ihrer Qual
- Nur scheuer
- Und wehret dem Gemahl.
-
- Er blickt mit heißen Augen
- Und ruft: Mein Kind, was soll
- Das taugen?
- Bei Gott, du machst mich toll!
-
- Kaum kann er es noch tragen,
- Da läßt ihn ein Gesicht
- Nichts wagen,
- Und er, er wagt es nicht.
-
- Es zittert und es zuckt ja,
- Wir sind hier nicht allein,
- Man guckt ja
- Ins Zimmer uns herein!
-
- Hoch auf dem Turme blitzt er,
- Der Mond, so frech wie nie,
- Dort sitzt er,
- Wie's Tüpferl auf dem I.
-
-
-
-
- Dezembernacht
-
-
- Als Schüler hab ich eine Nacht
- In meinem Zimmer mal durchwacht,
- Die Stunden wollten kaum entweichen;
- Da plötzlich mir zur Seite stand
- Ein Knabe, schwarz war sein Gewand,
- Er glich mir, wie sich Brüder gleichen.
-
- Bleich war sein schönes Angesicht,
- Bei meiner Lampe trautem Licht
- Hat er gelesen und geschrieben;
- Mild lächelnd und gedankenschwer
- Und träumend blickte er umher,
- Die ganze Nacht ist er geblieben.
-
- Grad war ich fünfzehn Jahre alt,
- Und wollte einmal durch den Wald,
- Quer durch die braune Haide streichen.
- Da plötzlich an dem Raine stand
- Ein Jüngling, schwarz war sein Gewand,
- Er glich mir, wie sich Brüder gleichen.
-
- Ich suchte aus dem Wald nach Haus,
- Der fremde Gast hielt einen Strauß
- Und eine Laute in den Händen;
- Er grüßte freundlich mich, doch stumm,
- Dann drehte er sich halb nur um,
- Des rechten Weges mich zu senden.
-
- Als dann mein Herz zum erstenmal
- Verraten ward und sich in Qual
- Gewunden unter schweren Streichen,
- Da plötzlich an dem Herde stand
- Ein Fremdling, schwarz war sein Gewand,
- Er glich mir, wie sich Brüder gleichen.
-
- Stumm stand er dort, in sich gekehrt,
- Die Rechte trug ein blankes Schwert,
- Die Linke zeigte starr nach oben;
- Als hätt er um mein Leid gewußt,
- Rang sich ein Seufzer aus der Brust,
- Dann ist er wie ein Traum zerstoben.
-
- Als ich in der Gesellen Kreis
- Von edlem Weine einmal heiß
- Zu kecker Rede gab das Zeichen,
- Da plötzlich mir vor Augen stand
- Ein Zecher, schwarz war sein Gewand,
- Er glich mir, wie sich Brüder gleichen.
-
- Ein Purpurlappen, ganz geflickt,
- Hat unterm Mantel vorgeblickt,
- Die magere Hand hat ihm gezittert;
- Stumm hob das Glas der fremde Mann
- Und schweigend stieß er mit mir an,
- Da ist mein Glas im Nu zersplittert.
-
- Ein Jahr darauf, die Zeit entflieht,
- Hab ich an einem Bett gekniet,
- Des Vaters Mund sah ich erbleichen.
- Da plötzlich ihm zu Häupten stand
- Ein Waisenkind, schwarz sein Gewand,
- Es glich mir, wie sich Brüder gleichen.
-
- Ein Engel, der dem Schmerz erliegt,
- Erschien er dort, vom Leid besiegt,
- Gleich mir, des teuren Toten Sohne;
- Die frohe Laute war umflort,
- Das Herz von einem Schwert durchbohrt,
- Das Haupt trug eine Dornenkrone.
-
- Noch oftmals hab ich ihn gesehn
- An meiner Seite schweigend stehn
- In meines Lebens schwersten Stunden,
- Die rätselhafteste Vision!
- Ist er ein Engel, ein Dämon?
- Ich hab ihn überall gefunden.
-
- Da später, müde und verzagt,
- Ich Frankreich Lebewohl gesagt,
- Der bittern Qual mich zu entwinden,
- Da all mein Hoffen war verdorrt,
- Da ich an einem fremden Ort
- Wollt sterben oder Leben finden,
-
- Zu Pisa und im goldnen Mainz,
- Zu Cöln, im Angesicht des Rheins,
- Zu Nizza unter grünen Myrten,
- In den Palästen von Florenz,
- Im Wintersturm, im jungen Lenz,
- Hoch in den Alpen, bei den Hirten,
-
- Zu Genua, wo wild die See
- Das Ufer peitscht, und zu Vevey,
- Zu Havre an der Klippe Wänden,
- Dort wo Venedig schläft und träumt,
- Die Adria am Lido schäumt,
- Um in Lagunen feig zu enden,
-
- Wo ich auch immer ohne Mut
- Gewandert bin, wo mir das Blut
- Geströmt aus meines Herzens Wunden,
- Wohin mich meine Unrast trieb,
- Wo mich durch ihr verdammtes Sieb
- Gepreßt die ewig gleichen Stunden,
-
- Wo nur das Rätsel dieser Welt
- Des Daseins Freude mir vergällt,
- Wenn ich dem Durste wollt genügen,
- Wo immer, was ich längst gesehn,
- Ich wieder sah vorübergehn,
- Den kleinen Menschen mit den Lügen,
-
- Wohin auf meiner Fahrt ich kam,
- Wo in die Hand das Haupt ich nahm,
- Um mich am Wege auszuweinen,
- Wo ich durch das Gestrüpp gehetzt
- Und wie ein Lamm zerzaust, zerfetzt
- Dann niedersank auf kalten Steinen,
-
- Wo immer mir ein Leid gedroht,
- Wo ich verzweiflungsvoll dem Tod,
- Dem letzten Freund, die Hand wollt reichen,
- Stets plötzlich mir zur Seite stand
- Der Ärmste, schwarz war sein Gewand,
- Er glich mir, wie sich Brüder gleichen.
-
-
-
-
- An Frau M.
-
-
- Selbst wenn die Qual, die meine Seele leidet,
- In ihr entfachte noch einmal die Glut,
- Selbst wenn das Schicksal, das dies Glück mir neidet,
- Mir ärmsten gönnte solch ein seltenes Gut,
-
- Selbst wenn die Scham, die jetzt dich von mir scheidet,
- Mir alles schenkte, was still in dir ruht,
- Selbst dann, du Kind, von Unschuld fromm bekleidet,
- Hätt ich zur Liebe weder Witz noch Mut.
-
- Doch wenn dereinst die müden Sinne schwinden,
- Wenn diese Welt nichts mehr in dir bewegt,
- Wird die Erinnerung dich mir verbinden.
-
- Magst du dich freuen, dich in Schmerzen winden,
- In deiner Hand wirst du die meine finden,
- Du hörst mein Herz, das an dem deinen schlägt.
-
-
-
-
- Lebewohl!
-
-
- Lebwohl! Gott heißt dich weiter gehen,
- Nur dich, da meiner er vergißt,
- Auf Erden gibt's kein Wiedersehen ...
- Jetzt weiß ich, was du mir gewesen bist.
-
- Nur keine Tränen, keine Klagen,
- Ich beuge mich, das Schicksal spricht,
- Mag dich dein Schiff von dannen tragen,
- Ich sehe lächelnd zu und weine nicht.
-
- Die Hoffnung läßt dich sorglos scheiden,
- Voll Hochmut kehrst du wieder her,
- Und jene, die beim Abschied bitter leiden,
- Die kennst du dann gewiß nicht mehr.
-
- Lebwohl, zieh deinem Traum entgegen,
- Da du im Rausche nach Gefahr nicht fragst,
- Noch blendet dich der Stern auf deinen Wegen,
- Noch lockt das Irrlicht dich, nach dem du jagst.
-
- Einst lernst du, magst du jetzt auch prahlen,
- Welch reiches Glück ein Herz gewährt,
- Das uns versteht, und welche Qualen
- Wir dulden, wenn sich's von uns kehrt.
-
-
-
-
- Victor Hugo
-
-
- 1802-1885
-
-
-
-
- Der Abend des Sämanns
-
-
- Nun will der müde Tag entweichen,
- Still liegt vor mir das weite Tal;
- Die Sonne sendet im Erbleichen
- Hernieder einen letzten Strahl.
-
- Dem armen Alten dort, der schweigend
- Sich durch die graue Flur bewegt
- Und in die Furchen, tief sich neigend,
- Der Zukunft frohe Ernten legt.
-
- Und wie der lange schwarze Schatten
- Des alten Mannes Werk durchmißt,
- Weiß der, dies Werk ging gut von statten
- Am Tage, der gesegnet ist.
-
- So geht er säend auf und nieder,
- Er schreitet durch die weite Flur,
- Er kommt und geht und streuet wieder,
- Stumm folgt mein Sinnen seiner Spur.
-
- Verschleiert ruhen alle Fernen,
- Der Schatten wächst, er rauscht und schwillt,
- Er reckt empor bis zu den Sternen
- Des Sämanns königliches Bild.
-
-
-
-
- Abend auf dem Meere
-
-
- Komm, das Segel füllt sich wieder,
- Dieser Abend ist so schön,
- Steig mit mir zum Ufer nieder,
- Laß dem Fischer seine Lieder,
- Laß der Welle ihr Gestöhn.
-
- Wollen hier im Schatten sitzen,
- Hinterm Segel, das sich bauscht;
- Wenn die Wogen uns bespritzen,
- Seh ich deine Augen blitzen,
- Höre, wie die Brandung rauscht.
-
- Komm, wir wollen stumm verehren
- Dieser Schöpfung hehre Pracht.
- Sprich, mein Lieb, kannst du erklären,
- Daß mein Auge stets voll Zähren,
- Daß das deine immer lacht?
-
- Sprich, wie kommt es, daß mein Denken
- Gallenbitter in mir haust,
- Daß mich selbst die Augen kränken,
- Die sich stets zur Erde senken,
- Während du den Himmel schaust?
-
- Wo ich mich im finstern quäle,
- Strahlt dir silbern jeder Stern,
- Während ich die Schatten zähle,
- Leuchten deiner frommen Seele
- Tausend Welten nah und fern.
-
- Bis zum Ende unsres Lebens
- Brüllt um uns die Flut und dräut;
- Keiner lebt, der seines Strebens
- Frucht stets pflückt, der nicht vergebens
- Saaten in den Boden streut.
-
- Unbekannt mit unserm Ziele
- Rudern durch die Flut wir keck,
- Ach, in frevelhaftem Spiele!
- Bald flieht aus dem leichten Kiele
- Mut und Hoffnung, wir sind leck.
-
- Weh, die Ruder, sie zerschellen,
- Sturmwind fegt die Segel fort,
- Laute Hilferufe gellen,
- Haushoch türmen sich die Wellen,
- Wälzen wild sich über Bord.
-
- Gott hat Mühsal uns als Lehen
- Überreichlich zugeteilt,
- Wohin wir uns immer drehen,
- Einen werden stets wir sehen,
- Der in Hast vorübereilt.
-
- Welchen Weg? Stets den der Ehren!
- Wohin du? In meine Schmach!
- Du? Dem Zweifel will ich wehren!
- Du? Nach Ruhm steht mein Begehren!
- Du? Der Liebe lauf ich nach!
-
- Hastet nicht auf allen Wegen,
- Hastet nicht zu jeder Frist,
- Mögt Euch plagen, mühen, regen --
- Eilt ja nur dem Land entgegen,
- Daraus keine Rückkehr ist.
-
- Jenem Land, wo alles endet,
- Ob Ihr weinet, ob Ihr lacht,
- Keinen Duft die Blume spendet,
- Wo kein Sonnenstrahl Euch blendet,
- Jenem Lande ewiger Nacht.
-
- Weshalb alle diese Mühen,
- Dieser Neid und diese Pein?
- Trinkt Euch satt, die Wasser sprühen,
- Seht im Laub die Früchte glühen,
- Lebt und liebt und dann schlaft ein.
-
- Ob Ihr emsig wie die Bienen
- Nur der Arbeit wart gewohnt,
- Ob Euch je ein Glück erschienen,
- Ob Ihr mit zufriednen Mienen
- Tag und Nacht habt schwer gefrohnt,
-
- Allem ist ein Maß gemessen,
- Alle Blüten fallen ab,
- Ihr verliert, was Ihr besessen,
- Aller Dinge harrt Vergessen,
- Aller Menschen harrt das Grab.
-
- Gott wird einst zurück uns fodern,
- Fällt den Baum mit einem Streich,
- Heißt der Flamme Glut verlodern,
- Schiffe auf dem Grund vermodern,
- Spricht zur Blume: Werde bleich!
-
- Spricht zum kühnen Schlachtensieger:
- Mensch, das letzte Wort ist mein!
- Wate nur im Blute, Tiger,
- Steige höher, stolzer Krieger,
- Tiefer wird dein Fall nur sein.
-
- Spricht zum Weib von Evas Stamme:
- Schmücke dich, nutz deine Zeit,
- Staub vom Staube, Schlamm vom Schlamme,
- Einen Augenblick sei Flamme,
- Asche dann in Ewigkeit!
-
- Dulden mußt du's und ertragen,
- Ausgelöscht bist du im Nu;
- Willst den Herren du verklagen,
- Dich zu überheben wagen?
- Groß ist er und klein bist du.
-
- Jedem ist der Kampf beschieden,
- Ob er zweifelt, ob er glaubt;
- Not und Elend sind hinieden,
- Doch der Herr im ewigen Frieden
- Schüttelt lächelnd nur das Haupt.
-
- Alles was wir hier erstreben,
- Alles schwindet und zerstiebt.
- Ach, die Schatten, sie entschweben,
- Und es bleibt von deinem Leben
- Nichts, wenn niemals du geliebt.
-
- Will das Haupt in Demut neigen,
- Leise, leise, stör mich nicht!
- Blicke nach der Sterne Reigen,
- Während ich in tiefem Schweigen
- Höre, was die Woge spricht.
-
- Bangend und mit bleichem Munde
- Frag ich, mit gespanntem Ohr
- Horch ich .... wehe, aus dem Schlunde,
- Von des Meeres tiefem Grunde
- Quillt nur trüber Schlamm empor.
-
- Nimmer folge meinen Blicken,
- Sie versenken sich in Nacht,
- Sollst das Auge aufwärts schicken,
- An dem Sterne dich erquicken,
- Der dir froh entgegenlacht.
-
- Sieh ihn hoch am Himmel stehen,
- Wie er glänzt und strahlt und scheint,
- Gottes Lächeln wirst du sehen,
- Mich laß nach dem Menschen spähen,
- Der in seinen Qualen weint.
-
-
-
-
- Aus den Orientalen
-
-
- I.
-
- Eine Bucht und grüne Hügel,
- Die sich spiegeln in der Flut,
- Reiter steigen in den Bügel,
- Frohe Lieder, froher Mut!
- Hier die Zelte, dort die Rosse;
- Schlanke Männer bei dem Trosse
- Schärfen Schwerter und Geschosse
- In des Feuers roter Glut.
-
- Überall freut den Nomaden
- Seiner Sonne helles Licht,
- Und die Maid, zum Tanz geladen,
- Weigert sich dem Krieger nicht.
- Winde spielen mit dem Sande;
- Solch ein Reigen auf dem Strande
- Zeigt das Weib im Festgewande
- Schöner als ein Traumgesicht.
-
- Spiegeln sich, dem Ebenholze
- Gleich, im Wasser diese Fraun,
- Lacht das Angesicht, das stolze,
- Jauchzen sie, wenn sie sich schaun.
- Melkt jetzt das Kamel, das schnelle!
- Weiße Milch spritzt aus dem Quelle,
- Seltsam rinnt der Strahl, der helle,
- Durch der Hände tiefes Braun.
-
- Munter plätschern sie im klaren
- Wasser, das von Salze schwer;
- Sagt, wo kamen diese Scharen,
- Diese fremden, gestern her?
- Plötzlich kreischen schrille Becken,
- Rosse wiehern, Kinder schrecken,
- Wellen, die das Ufer lecken,
- Stürzen sich zurück ins Meer.
-
-
- II.
-
- Die Wüste .... Furcht und Schrecken,
- Nur Sand und nichts als Sand,
- Wie weit mag sie sich strecken,
- Versengt, verdorrt, verbrannt!
- Nichts Lebendes will weilen,
- Die Hügel selbst zerteilen
- Im Winde sich, enteilen
- Wie Flugsand auf dem Strand.
-
- Es ziehen Karawanen
- Nach Mamre und Ophir,
- Frech kreuzen ihre Bahnen
- Das heilige Revier.
- Schwer schleppt durch heiße Dünen,
- Wo keine Halme grünen,
- Verwegenheit zu sühnen,
- Sich keuchend Mensch und Tier.
-
- Der Wüste tiefes Schweigen
- Hört Gott der Herr allein,
- Ihm ist sie erb und eigen,
- Er markt sie ohne Stein,
- Läßt Dünste sich erheben,
- Die dieses Meer umschweben,
- Sie zittern und sie beben
- Und hüllen alles ein.
-
-
-
-
- Der Kaisermantel
-
-
- Ihr, deren Werke Labsal schaffen,
- Ihr, die um Beute zu erraffen
- Nach flüchtigem Wohlgeruch nur strebt,
- Ihr, die Ihr den Dezember fliehet,
- Den Blumen ihren Duft entziehet
- Und uns den süßen Honig gebt,
-
- Ihr, deren unbefleckte Lippen
- Am reinen Tau des Morgens nippen,
- Ihr, denen Keuschheit Lust und Pflicht,
- Der Blüten liebliche Genossen,
- Ihr Bienen, die dem Licht entsprossen,
- Setzt Euch auf diesen Mantel nicht!
-
- Ihr hochgemuten, arbeitsfrohen,
- Die Ihr noch keinen Feind geflohen,
- Stürzt Euch, Ihr Bienen, auf den Mann!
- Von Euer Flügel Gold getragen
- Sollt Ihr den Schuft mit Pfeilen jagen,
- Fragt ihn: »Wofür siehst Du uns an?
-
- Verräter Du, wir sind die Bienen!
- Dem Frieden stiller Hütten dienen
- Mit unseren Körben wir zur Zier.
- Wir schwärmen durch die klaren Lüfte,
- Aus Rosen saugen wir die Düfte,
- Auf Platos Lippen wohnen wir.
-
- Zu Nero magst Du Dich gesellen,
- Dich neben Karl den Neunten stellen,
- Der nach des Volkes Blute lechzt.
- Nicht des Hymettus Biene habe
- Des Mantels Hut, sie hat der Rabe,
- Der auf dem Hochgerichte krächzt.«
-
- Ihr sollt ihn peinigen, ihn lähmen,
- Das Volk, das vor ihm bangt, beschämen,
- Stecht ihm die Augen aus, dem Wicht!
- Sollt mitleidlos ihn jagen, hetzen,
- Wenn Menschen feige sich entsetzen,
- Hält Euer Stachel das Gericht.
-
-
-
-
- Die Ordnung ist wieder hergestellt
-
-
- Die treten uns mit frechem Hohne
- Und das Verbrechen trägt die Krone,
- Das Recht des Volkes wird gebeugt.
- An allen Grenzen unserer Lande
- Ragt heut ein Denkmal unserer Schande,
- Die Ehre ist erwürgt und schweigt.
-
- O edle Freiheit großer Ahnen,
- O Republik mit deinen Fahnen,
- Die einst geragt zum Himmelsblau,
- Du wurdest schnöde überlistet,
- Des Kaiserreiches Sünde nistet
- Verräterisch im stolzen Bau.
-
- Die Zeiten sind vom Fluch besessen,
- Mein Volk, du hast dich selbst vergessen,
- Du wurdest feiler Lüge Raub.
- Gesetz und Recht ward dir zu nichte,
- Was kümmert dich die Weltgeschichte
- Und deiner Väter heiliger Staub?
-
- Willkommen seid ihr meinem Herzen,
- Verbannung, Armut, bittere Schmerzen,
- Willkommen, tränenreiche Zier.
- Es heult der Wind durch meine Hütte,
- Die Trauer naht mit düsterm Schritte,
- Stumm setzt sie sich zur Seite mir.
-
- Im Unglück finde ich euch wieder,
- Gestalten meiner ersten Lieder,
- Für die das Herz so heiß entbrannt.
- O Freiheit, Mannesmut und Tugend,
- Geliebte meiner frohen Jugend,
- Auch euch hat schnöde man verbannt.
-
- Sei mir gegrüßt, du Wasserwüste,
- Sei mir gegrüßt, o Jerseys Küste,
- Wo Englands altes Banner weht!
- Dem Flutgebrause will ich lauschen,
- Den Wogen, die im Winde rauschen,
- Der Welle, die im Sturm vergeht,
-
- Den Möven, die sich schaukelnd wiegen,
- Die schaumbespritzt gen Himmel fliegen,
- Vergoldet von der Sonne Strahl;
- Wie sie sich aus der Flut erheben,
- So ringt empor zu neuem Leben
- Die Seele sich aus ihrer Qual.
-
-
-
-
- Lied
-
-
- Du Waldespfad mit schwanken Zweigen,
- Ihr Täler, Hügel, rings umher,
- Weshalb die Trauer und das Schweigen?
- -- Der einstmals kam, kommt nimmermehr.
-
- Am Fenster keiner von den Lieben,
- Verwelkt die Blumen und verdorrt,
- Sprich, Haus, wo ist dein Herr geblieben?
- -- Ich weiß es nicht, mein Herr ist fort. --
-
- Sei wachsam, Hund! -- Wozu mich plagen?
- Das Haus ist leer, du siehst es ja! --
- Mein Kind, wem gelten deine Klagen?
- Und deine, Weib? -- Ihm, der nicht da.
-
- Wo weilt er? -- Jenseits ferner Meere.
- Was seufzt ihr, Wogen, um den Stein?
- Wo kommt ihr her? -- Von der Galeere.
- Was bringt ihr? -- Einen Totenschrein.
-
-
-
-
- Lied
-
-
- Tot sind die kleinen Täubchen,
- Das Männchen und das Weibchen,
- Die Katze fing sie ein;
- Zernagt sind ihre Reste,
- Wer kehrt zurück zum Neste?
- O arme Vögelein!
-
- Vom Hirten keine Kunde,
- Tot sind die treuen Hunde,
- Der Wolf bringt Euch Gefahr.
- Es zittern Eure Leiber,
- Wer scheucht den feigen Räuber?
- O arme Lämmerschaar!
-
- Er muß im Kerker sterben,
- Sie im Spital verderben,
- Im Hause pfeift der Wind;
- Kein Freund betritt die Stiege,
- Wer schaukelt deine Wiege,
- O armes, armes Kind?
-
-
-
-
- Ein Spiel
-
-
- Einst machte, laßt es Euch sagen,
- Der Herrgott voller Behagen
- Mit Satan eine Partie.
- Jedweder hielt seine Karte,
- Der setzte Bonaparte,
- Der andere Mastai.
-
- Ein armer winziger Pfaffe,
- Ein kleiner prinzlicher Laffe,
- Welch jämmerliches Spiel!
- Gott machte es, ohne Zweifel
- Mit Absicht, daß dem Teufel
- Der ganze Einsatz verfiel.
-
- »Dein sind sie,« rief mit Lachen
- Der Herr, »was wirst du nun machen?«
- Der Teufel blickte voll Hohn;
- Er packte die beiden Kleinen,
- Auf Petri Stuhl setzt er einen,
- Den andern auf Frankreichs Thron.
-
-
-
-
- Des Kaisers Zeitvertreib
-
-
- Dumpf tönen der Verbannten Klagen,
- Das Grab ist nah und Frankreich fern.
- Du schwelgst bei festlichen Gelagen,
- Kannst Frauen im Theater jagen,
- Das Hifthorn ruft zur Hatz den Herrn.
- Rom wird dich salben und dich krönen,
- Die Könige duzen Dich erfreut ...
- Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen,
- Morgen dräut
- Sturmgeläut!
-
- Des Schicksals Groll trifft nur die Besten,
- Nur Männerseelen das Exil.
- Du wohnst in ragenden Palästen,
- Hast Gärten, Wälder, bei den Festen
- Treibt Venus ihr verbuhltes Spiel.
- Frech rasen die bekränzten Schönen,
- Der Dienst des Bacchus wird erneut ...
- Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen,
- Morgen dräut
- Sturmgeläut!
-
- In Ketten schleppen hinter Gittern
- Gefangene keuchend Stein auf Stein.
- Hallali tönt es, Wälder zittern,
- Fanfaren schmettern, Rüden wittern,
- Die Birke glänzt im Mondenschein,
- Dort schwimmt der Hirsch! Hört Ihr ihn stöhnen?
- Die Meute folgt, der Herr gebeut ...
- Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen,
- Morgen dräut
- Sturmgeläut!
-
- Im Kerker leert des Elends Schale
- Ein Mann, vor Hunger stirbt sein Sohn.
- Der Wolf füllt Tigern die Pokale,
- Der Pfaffenkaiser zecht beim Mahle
- Aus der Monstranz. Es blickt voll Hohn
- Ein Faun auf ihre Schmach, sie frönen
- Gelüsten, die sein Ekel scheut ...
- Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen,
- Morgen dräut
- Sturmgeläut!
-
- Gespenster der Erschlagnen wimmern,
- Die Toten finden keine Ruh.
- In prächtig ausgeschmückten Zimmern
- Seh ich den Wein im Becher schimmern,
- Die Dame trinkt dem Sieger zu.
- Der Seele Blöße zeigt ihr Höhnen,
- Des Leibes Blöße zeigt ihr Kleid ...
- Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen,
- Morgen dräut
- Sturmgeläut!
-
- Das Fieber endet Eure Klagen,
- Gefangene, bald seid Ihr frei.
- Es schwelgt bei üppigen Gelagen
- Der Troß mit lärmendem Behagen
- Und singt und lacht und küßt dabei.
- Die edlen Ritter zu versöhnen,
- Wird wahllos Huld und Gunst verstreut ...
- Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen,
- Morgen dräut
- Sturmgeläut!
-
- Es wandelt Männer in Skelette
- Cayennes heiße Fieberglut.
- In unseres letzten Ludwig Bette
- Erwartet dich die Lagerstätte,
- Wo auch dein Oheim einst geruht.
- Du wirst dich schnell daran gewöhnen,
- Horch, wie der Pöbel hurra schreit ...
- Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen,
- Morgen dräut
- Sturmgeläut!
-
- O weint, die Freiheit ward erschlagen,
- Ein Dolchstoß hat sie umgebracht.
- Doch jetzt ist keine Zeit zum Klagen,
- Der Bräutigam steigt in den Wagen,
- Der Cäsar feiert Hochzeitsnacht.
- Singt Brautgesänge, Ihr Kamönen,
- Dem Mörder, der um Frankreich freit ....
- Laßt heut von Notre Dame die Totenglocke tönen,
- Morgen dräut
- Sturmgeläut!
-
-
-
-
- Die Sühne
-
-
- I.
-
- Entglitten waren ihm zum ersten Mal die Zügel,
- Zum ersten Male hingen seines Adlers Flügel.
- Nur graue Tage. Langsam kehrte er zurück,
- In Moskaus Flammenmeer versank des Kaisers Glück.
- Es schneite. Und soweit die Ebene sich streckte,
- Soweit verschwand sie in dem Schnee, der sie bedeckte.
- Kein Banner fliegt und kein Kommandoruf gebeut,
- Das große Heer von gestern eine Herde heut.
-
- * * * * *
-
- Im Sattel sitzen die Trompeter traumverloren,
- Der bleiche Mund ist an die Hörner angefroren,
- Granaten, Bomben und Kartätschen sind vereist,
- Die Grenadiere wissen jetzt, was zittern heißt.
- Mechanisch trotten sie des Wegs, die alten Kerle,
- Im grauen Barte glänzt des Eises kalte Perle.
- Es schneit, es pfeift der Wind. Barfuß ziehn sie einher,
- Auf Glatteis, ohne Brot, den Weg kennt keiner mehr.
- Soldaten sind es nicht, nicht Herzen, die empfinden,
- Es sind nur Träume, die sich durch den Nebel winden,
- Ein Zug von Schatten, matt, verblichen und erschlafft,
- Ringsum die Einsamkeit, unendlich, grauenhaft.
-
- * * * * *
-
- Der Kaiser sieht die Not, stumm bleibt sein bleicher Mund.
- Noch steht der Baum, doch trägt er schon des Fällers Zeichen;
- Der Riese, dessen Wipfel keiner konnt erreichen,
- Der nie den Hieb der Axt, den Beilschlag nie gekannt,
- Er fühlte des Geschicks, des Meisters schwere Hand.
- Erschauernd hörte er die dumpfen Hiebe schallen
- Und sah rings um den Stamm die Äste niederfallen,
- Sie alle sinken hin, ein jeder wird gefällt.
- Still schleichen bis zuletzt sie um des Kaisers Zelt,
- Um auf der Leinwand seinen Schatten nur zu sehen,
- Und wenn sie dort dann die Gestalt, sein Bild erspähen,
- Scheint ihnen noch sein Stern. Und all die Pein, das Leid
- Ist Majestätsbeleidigung, des Schicksals Neid.
- Doch er, den keine Kraft bis dahin übermannte,
- Er wandte sich zu Gott, dess' Zeichen er erkannte.
- Daß dieses eine Buße war, das ahnte er,
- Doch nicht wofür. Gebeugt frug er und sorgenschwer
- Vor den Legionen, die im Schnee begraben waren:
- Ist dies die Züchtigung, Gewaltiger der Scharen?
- Da hörte seinen Namen er im Dämmerschein,
- Und eine Stimme quoll aus Nacht und Dunkel: Nein!
-
-
- II.
-
- Waterloo, Waterloo! still liegst du jetzt und träumend
- Im weiten Kessel, dem die Woge überschäumend
- Mit wildem Sprung entquoll! In diesem grünen Tal
- Hielt der gefräßige Tod ein fürchterliches Mahl.
-
- * * * * *
-
- Gemetzel, ein verhängnisschwangrer Tag. Der Mann
- Erkannte, daß der Sieg ihm in der Hand zerrann.
- Noch stand als allerletzter Rückhalt seine alte
- Erprobte Garde unberührt im Hinterhalte.
- Vorwärts! rief er, zum Kampf, die ganze Garde vor!
- Wie eine Springflut bäumte es sich wild empor.
- Dragoner und Lanciers, die Helden aller Zonen,
- Die Grenadiere, tapferer als Roms Legionen,
- Der Donner und der Blitz im Rohr der Artillerie,
- Die letzten Helden von Friedland und Rivoli,
- Sie gingen in den Tod, ins sichere Verderben,
- Und jubelnd grüßten sie noch ihren Gott vorm Sterben.
- Ein einziger Ruf erscholl: Der Kaiser hoch! und dann
- Marschierten sie in festem Tritt, Musik voran,
- Die ganze Kaisergarde in den Höllenrachen,
- Der englischen Kanonen spottete ihr Lachen.
-
- * * * * *
-
- Mit einem Mal durchlief Verzweiflung alle Glieder,
- Das gräßliche Gespenst schlug Mut und Hoffnung nieder,
- Die Bataillone wichen rückwärts, bleich, entsetzt,
- Die Fahnen waren ihnen nur noch Lumpen jetzt.
- Die blasse Furcht, das Riesenweib mit schwankem Schritte,
- Hob das verzerrte Haupt empor in ihrer Mitte,
- Die Männerherzen zwang sie plötzlich in den Bann,
- Von links, von rechts ein Schrei nur: Rette sich, wer kann!
- Zurück! schallt es aus tausend Kehlen. Alle wanken,
- Kein Widerstand, kein Halt, es sinken alle Schranken,
- Besinnungslos strömt alles hin, das Herz versagt ....
- Verdorrte Blätter, die der rauhe Herbststurm jagt!
- Im Graben liegen schon die Protzen und Lafetten,
- Ein jeder rennt, ein jeder will das Leben retten.
- Sie werfen ihre Adler fort, Helm und Gewehr,
- Die Veteranen fliehn, die Preußen hinterher.
- Verbranntes Stroh im Wind, was einst ein Heer gewesen,
- Jetzt flattert es wie Spreu, gefegt von Gottes Besen.
-
- * * * * *
-
- Napoleon sah ihren Fall. Die Woge spülte
- Geschütz und Roß und Mann und Banner fort. Da fühlte
- Er des Gewissens Not, die Schande und die Schmach.
- Er beugte sich: Ich bin besiegt, mein Schwert zerbrach,
- Mein stolzes Heer entfloh wie vor dem Wolf die Schafe,
- Gib Antwort, strenger Gott, ist dieses meine Strafe?
- Da drang ein Laut wie Stahl ihm kalt durch Mark und Bein.
- Im Donner der Geschütze rief die Stimme: Nein!
-
-
- III.
-
- Er stürzte. Gott hat für Europa andere Ruten.
- Im fernen Meere liegt umwogt von wilden Fluten
- Erloschenen Vulkans ein abgesprengter Teil.
- Das Schicksal nahm den Hammer, Nägel, Eisen, Seil,
- Es packte ihn, den bleichen Räuber seiner Blitze,
- Und kettete ihn lachend an des Felsens Spitze.
- Es lockte Englands Geier an; in ekler Gier
- Zernagte ihm das Herz das widerliche Tier.
-
- Erloschen ist der Sonne märchenhafter Schimmer,
- Vom Morgen bis zur Nacht dieselbe Öde immer,
- Der Kerker und die Einsamkeit und Schmerz und Weh,
- Die Wache an der Tür, am Horizont die See,
- Der nackte Fels, das Einerlei, endlose Räume,
- Die Segel ziehn vorbei wie hoffnungslose Träume,
- Die Woge braust, es pfeift der Wind, er heult und gellt ...
- Leb wohl, mein Wappenschild, leb wohl, mein Purpurzelt,
- Leb wohl, du Roß, das stolz den Cäsar einst getragen,
- Das Diadem zerbrach und keine Trommeln schlagen!
- Kein König liegt im Staub und küßt des Mantels Saum
- Verzerrten Angesichts ..., vorbei der Kaisertraum!
-
- * * * * *
-
- Den Bildern denkt er nach, die aus dem Nebel steigen,
- O Ruhm, o Glanz, o leeres Nichts, o ewiges Schweigen!
- Der Adler kennt ihn nicht, der seine Schwingen reckt,
- Die Könige haben ihm den Kerker abgesteckt,
- Entrinnen kann er nie den Blicken seiner Späher.
- Und seine Stunde kam. Der Tod rückt immer näher,
- Er wuchs in seines Lebens tiefe Nacht hinein
- Wie in den Wintertag des bleichen Morgens Schein,
- Die Seele fröstelte schon längst auf dunkeln Wegen.
- Da eines Tages legt er auf das Bett den Degen
- Und flüstert: es ist Zeit! Still hat er sich gestreckt,
- Der Mantel von Marengo hat ihn zugedeckt,
- All seine Schlachten standen an des Kaisers Bette.
- Er aber sprach: Jetzt endlich ist gesprengt die Kette,
- Sieg, Sieg, dort fliegt mein Aar, ich sehe ihn, er steigt!
- Zum Sterben hatte er das müde Haupt geneigt,
- Da sah er durch die Schatten, die auf's Auge fielen,
- Herrn Hudson Lowe über seine Schwelle schielen.
- Laut schrie der Riese, den der Könige Fuß zertrat:
- Das Maß ist voll, mir ist vergolten, was ich tat,
- O Herr, genug des Zorns, laß ab von deinem Grimme.
- Ich habe schwer gebüßt! Noch nicht ...! rief eine Stimme.
-
-
- IV.
-
- Das schwarze Mißgeschick ist wie die Nacht entflohn,
- Im Tode stieg der Kaiser wieder auf den Thron.
-
- * * * * *
-
- Die Schlacken fielen ab, in hellem Glorienschein
- Erstrahlte jetzt sein Bild, von dunkeln Flecken rein.
- Des Ruhmes Glanz hat die Gerechtigkeit bestochen,
- Verstummt ist sie, sein Urteil hat sie nicht gesprochen,
- Arcole lebte nur und Ulm und Austerlitz.
- Wie in die Gräber alter Zeit stieß Menschenwitz
- In jener großen Jahre tiefen Schutt den Spaten.
- Die Völker jubelten, die Zeugen seiner Taten,
- So oft darin des Konsuls Marmorbild sich fand,
- So oft daraus des Cäsars Erzgestalt erstand.
-
-
- V.
-
- Es steigt der Ruhm, wenn Helden fallen!
- Er hörte in des Grabes Nacht
- Das Lied durch alle Lande schallen,
- Das ihm Unsterblichkeit gebracht.
-
- Die Erde sprach: Im Sturmeswehen
- Ist ihm der Sieg gefolgt, das Glück,
- Noch niemals sah vorübergehen
- Die Weltgeschichte solch Geschick.
-
- Auf dieses Mannes Sarg der Hügel
- Sei höher noch als je getürmt,
- Den Erdball leitete sein Zügel,
- Den Himmel hat er fast gestürmt.
-
- Bezwungen hat er diese Erde,
- Zu eng war ihm der weite Raum,
- Daß er des Schicksals Meister werde
- Verlangte seiner Seele Traum.
-
- Im Trotz hat er mit allen Sinnen
- Sich wider Gottes Schluß gebäumt,
- Wenn seinem herrischen Beginnen
- Das Ende je zu lang gesäumt.
-
- Er, der mehr als ein Mensch gewesen,
- Sprach laut zu Rom: Die Welt war dein,
- Du fällst. So hab ich es gelesen
- Im Schicksalsbuch. Das Reich ist mein.
-
- Ein Priesterkönig! zwei Idole
- In einem, Leuchtturm und Vulkan!
- Der Louvre ward zum Kapitole
- Und St. Cloud ward zum Vatikan.
-
- Als Cäsar hätte vor dem Volke
- Stolz zu Pompejus dieser Mann
- Gesagt: Siehst in der Feuerwolke
- Mein Schwert Du? trag es mir voran!
-
- In seinen wilden Phantasieen,
- In seiner Seele heißem Traum
- Sah er Nationen vor sich knieen,
- Sie küßten seines Mantels Saum.
-
- Die Räume wollte er, die Zeiten
- Im Sturme durcheinander wehn,
- Paris durch alle Welten breiten
- Und in Paris die Welten sehn.
-
- Er wollte in der Erde Mitten
- Errichten seinen hohen Thron,
- Zu einem Volk die Menschheit kitten
- Wie Cyrus einst in Babylon.
-
- Er wollte in vermeßnem Prahlen
- Auf ewig gründen seinen Ruhm,
- Jehovah sollte überstrahlen
- Des neuen Gottes Heiligtum.
-
-
- VI.
-
- Er kehrte im Triumph zurück zu Frankreichs Strande,
- Der Ozean gab seinen Sarg dem Vaterlande.
-
- Zwölf Jahre lag er dort, erreicht hat er das Ziel,
- Geheiligt durch den Tod, geheiligt durchs Exil;
- Und alle, die an seiner Gruft vorübergehen,
- Sie wähnen dort im Schatten wieder ihn zu sehen,
- Im Kaisermantel mit den goldenen Bienen, stumm,
- Im hohen Marmordom, und Schweigen rings herum,
- Ihn, jenen Mann, dem einst zu eng des Erdballs Weite,
- Das Szepter in der Hand, den Degen an der Seite,
- Zu Füßen sitzt mit halb geschlossnem Aug der Aar.
- So schläft den Todesschlaf der, welcher Cäsar war.
-
-
- VII.
-
- Des Nachts -- im Grabesschweigen herrscht ja immer Nacht --
- Ist plötzlich um die Geisterstunde er erwacht.
- Seltsame Schatten sieht er durch das Dunkel irren,
- Ein schrilles Lachen hört er durch die Halle schwirren,
- Er richtet schreckensbleich sich auf in seiner Gruft,
- O Grausen ... eine wohlbekannte Stimme ruft:
-
- Steh auf jetzt! Moskau, Waterloo und alle Leiden
- St. Helenas, und was Du fühltest, als im Scheiden
- Am Sterbebett Du Albions höhnendes Gesicht
- Erblicktest, das ist nichts. Jetzt erst naht das Gericht.
- Hart klang die Stimme, zischend, schneidend und zersetzend,
- Sarkastisch finster war der Ton, ironisch ätzend,
- Ein bitteres, scharfes Lachen, eines Halbgotts Hohn.
-
- Sire, sie schleppen Dich aus Deinem Pantheon,
- Sire, sie holen von der Säule Dich herunter,
- Blick um Dich! Räuberpack, ein widerlicher bunter
- Schwarm von Zigeunern, die am Aase sich geletzt,
- Die haben Dich, und Du bist ihr Gefangener jetzt.
- Sie winden sich um Deines Fußes Erz, die Schlangen!
- Stolz wie die Sonne bist Du unter einst gegangen,
- Napoleon der Große, in der wilden See,
- Jetzt stehst Du auf als Clown im Cirkus Beauharnais.
- Sie putzen Dich, Du bist, wenn sie die Leute locken,
- Der Große, doch ein Narr, wenn sie zusammenhocken.
- Der Degen rasselt auf dem Pflaster laut und scharf,
- Die Bande kann ihn auch verschlucken nach Bedarf.
- Sie laden alle ein, die vor der Bude stehen:
- Hereinspaziert, hier ist ein Kaiserreich zu sehen,
- Der Papst ist engagiert ..! Ihr zweifelt? es ist wahr,
- Und etwas feines noch, es tritt auch auf der Zar!
- Doch der ist ein Sergeant, der Papst ist nur ein Bonze,
- Als Extranummer haben wir den Mann von Bronze!
- Fould und Magnan sieht man beliebig sich verwandeln,
- Und Automaten, die wie ein Senat verhandeln,
- Wir sind vom großen Kaiser die berühmten Neffen ...!
- Hörst Du das Diebsgesindel schrein, hörst Du sie kläffen?
- Der Kaiseradler, der sich in die Lüfte froh
- Geschwungen einst, der ist jetzt ausgestopft mit Stroh,
- Er, der das Schlachtfeld hat geschaut mit freien Blicken,
- Sieht auf dem Jahrmarkt Deinen Thron zusammenflicken.
- Sie haben Frankreich ausgeraubt, die feige Brut,
- Du siehst ja, ihre Lumpen sind noch voller Blut,
- Im Weihekessel wäscht den Trödelkram der Pfaffe,
- Du, Löwe, folgst als Knecht, ihr Meister ist der Affe.
- Dein Name ist ihr Bett, sie nutzen ihn mit List,
- Sie düngen Austerlitz sogar mit ihrem Mist.
- Dein Ruhm, Napoleon, ist Wein für ihre Schande,
- Den grauen Mantel probt der Häuptling dieser Bande,
- Sie sammeln Bettelgroschen in dem kleinen Hut,
- Dein stolzes Banner ist zum Tischtuch grade gut.
- Und an dem Spieltisch, wo die Gauner alle lauern,
- Da säuft das Bettelpack und plündert frech die Bauern;
- Du stehst Gevatter bei dem schnöden Beutezug,
- Die Hand, die einst bei Lodi die Standarte trug,
- Die Blitz und Donner hielt, die Hand, o Bonaparte,
- Betrügt beim Würfelspiel und mischt die falsche Karte.
- Mit ihnen mußt Du zechen, und sie stoßen dann
- Dich höchst gemütlich mit dem Ellenbogen an.
- Pietri duzt Deine Majestät, der Jammerlappen,
- Herr Maupas darf vertraulich auf den Bauch Dich tappen.
- Falschmünzer, Mörder, Schufte, Räuber ... jeder denkt,
- Es wird, wie Dir, was er verbrach, ihm nicht geschenkt,
- Doch vorher hoffen sie den Becher noch zu leeren,
- Poissy trinkt auf St. Helena, um Dich zu ehren!
- Ein ewiger Sonntag, Bälle, Feste früh und spät,
- Der Pöbel stößt und drängt, der vor dem Cirkus steht.
- Du steigst auf das Gerüst, um das die bunte Menge
- Sich dreht, sie schreit und johlt im lärmenden Gedränge,
- Laut klingelt neben Dir Rouher, der Hampelmann -- --
- So endet bei Callot, was bei Homer begann,
- O welche Epopoe, o welches Schlußkapitel ...!
- Troplong, der Hanswurst im gestreiften Narrenkittel,
- Ist obenauf. Vor dieser Bude, wo ein Wicht
- Den Cäsar spielt mit schlecht gewaschenem Gesicht,
- Mit einem Schnurrbart, wie ihn die Banditen tragen,
- Mußt Du, Gespenst im Hermelin, die Pauke schlagen!
-
- Die gräßliche Vision verstummte und versank.
- Der Kaiser taumelte, ein lauter Angstschrei drang
- Aus seiner Brust, der Blick war starr. Verstohlen tauschten
- Die Siegesgöttinnen, die an der Pforte lauschten,
- Und heimlich Winke aus, da sie ihn zittern sahn.
- In blasser Furcht erhob die Hände der Titan,
- Dumpf klang sein Stöhnen in den grauen Finsternissen.
- Verzweifelnd schrie er auf: Wer bist Du, laß mich's wissen,
- Der Du mir ewig folgst, den nie geschaut mein Blick! --
- Ich ....? Dein Verbrechen bin ich, tönte es zurück.
- Ein geisterhaftes Licht war ringsum ausgebreitet,
- So klar, wie Gott, wenn er den Pfad der Rache schreitet,
- Und eine Flammenschrift hob hell sich von der Wand,
- Wie einst sie lohend vor Belsazars Auge stand,
- Er las sie. Kalt und starr fiel er zurück ins Leere,
- Geschrieben stand: Ich bin der achtzehnte Brumaire.
-
-
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-
- Théophile Gautier
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-
- 1811-1872
-
-
-
-
- Pastell
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-
- Ich liebe euch in den ovalen Rahmen,
- Vergilbte Bilder einer fernen Zeit,
- Euch, längst verblichne Rosen, und euch, Damen,
- Die ihr verwelkt seit hundert Jahren seid.
-
- Die Lilie schwand, die Rose und die Aster
- Im Wintersturm, im Regen und im Schnee,
- Der Spritzfleck ist jetzt euer Schönheitspflaster,
- Verstaubt und rissig liegt ihr auf dem Kai.
-
- Die Erde sah das Reich der Schönen schwinden,
- Die Pompadour, sie würde heute kaum
- Ergebene Sklaven, Untertanen finden,
- In ihrer Gruft schläft sie und dieser Traum.
-
- Doch ihr, vergessene Bilder mit den Blüten,
- Aus denen Leben längst und Duft entschwand,
- Ihr lächelt! Die Erinnerung wollt ihr hüten
- An alles, was einst leuchtend vor euch stand.
-
-
-
-
- Trost
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-
- Die Welt ist schlecht! Die Leute sagen,
- Du trügest an demselben Platz,
- Wo andere die Herzen tragen,
- Nur eine Uhr, mein lieber Schatz.
-
- O nein! Dein junger Busen dehnt sich,
- Schwillt wie das Meer zur Zeit der Flut,
- Dein junges Herz, es bangt und sehnt sich,
- Und feurig kreist dein junges Blut!
-
- Die Welt ist schlecht! Die Leute sagen,
- Der Blick, mit dem du mich entzückst,
- Du wüßtest ihn nur aufzuschlagen,
- Wenn du auf eine Feder drückst.
-
- O nein! in mancher bangen Stunde
- Hab ich die Träne, süße Frau,
- Dir fortgeküßt mit heißem Munde,
- In dunkeln Wimpern hing der Tau.
-
- Die Welt ist schlecht! Die Leute sagen,
- Mein Kind, dein Köpfchen wäre hohl,
- Die Verse, die ich vorgetragen,
- Die hieltest du für Sanskrit wohl.
-
- O nein! mit siegessicherer Miene
- Blickst du mich an, dein Grübchen lacht ...
- Du liebe, süße, kluge Biene,
- Wer hat nur solches Zeug erdacht?
-
- Weil du mich liebst, laß dir es sagen,
- Verfolgt dich böser Mäuler Neid,
- Brauchst mich zum Teufel nur zu jagen,
- Dann hast du Herz und bist gescheit!
-
-
-
-
- Die Alten von der alten Garde[2]
-
-
- Mich hat aus meinem warmen Zimmer
- Die Langeweile aufgescheucht,
- Es war, wie im Dezember immer,
- Im Freien neblig, kalt und feucht.
-
- Ich sah, kaum konnt ich es begreifen,
- Wie so etwas passieren mag,
- Gespenster durch die Straßen streifen,
- Gespenster hier am hellen Tag.
-
- Ist dies die Nacht ruchloser Helden,
- Wo unerlöste Seelen stumm,
- Wie dies die deutschen Märchen melden,
- In alten Türmen gehen um?
-
- Ist dies die Nacht, wo Elfen schwärmen,
- Wo sie geheimnisvoll und bleich
- Im Totentanze seltsam lärmen
- Rings um den traumverlornen Teich?
-
- Ist dies die Nacht, die schaurig helle,
- Die Er zur Heerschau ausgewählt,
- Wo Er inmitten der Marschälle
- Die Schatten der Getreuen zählt?
-
- Doch Geister auf Pariser Gassen,
- Zwei Schritt nur von den Varietés,
- Wie können die sich sehen lassen
- Im Straßenkot, im feuchten Schnee?
-
- Ein Anblick, wahrlich, ein aparter!
- Kein Zahn, nur Runzeln im Gesicht,
- So zeigt der Boulevard Montmartre
- Das tolle Volk im Mittagslicht.
-
- So etwas sang noch nie ein Barde!
- Den Tschako schwenkt die kleine Schar ...
- Die Uniform der alten Garde,
- Dazwischen schleicht auch ein Husar.
-
- Sie kommen langsam angezogen,
- Mit müden Schritten, ohne Laut,
- Ein jeder kennt die Bilderbogen,
- Worauf man diese Alten schaut.
-
- Der Tod gab sie nicht wieder heute,
- Kein Trommler hat sie aufgeschreckt,
- Es hat nur ein paar alte Leute
- Des Kaisers Heimkehr aufgeweckt.
-
- Seit sie die letzten Schlachten schlugen
- Nahm dieser zu und jener ab,
- Die Kleider, die sie damals trugen,
- Sind dem zu weit und dem zu knapp.
-
- Armseliger Trödel, heilige Fetzen,
- Ihr Lumpen mit dem roten Band,
- In keines Königs reichsten Schätzen
- Trifft man ein schöneres Gewand!
-
- Ein Haarbusch, der sich mühsam fristet,
- Ein Pallasch mit zerbeultem Griff,
- Die Motte hat sich eingenistet
- Im Loch, durch das die Kugel pfiff.
-
- Die Hosen schlagen tausend Falten,
- Die Sporen fraß beinah der Rost,
- Es schlottert mancher dieser Alten
- Erbärmlich bei dem harten Frost.
-
- Und wieder andere sieht man keuchen,
- In ihren Dolman eingezwängt,
- Mit wohlgepflegten dicken Bäuchen,
- Die Nähte werden fast gesprengt.
-
- Kein Spott! es wäre jammerschade,
- Nehmt eure Hüte in die Hand,
- Seht Helden einer Iliade,
- Wie kein Homer sie je erfand.
-
- Habt Ehrfurcht! diese Bronzefarbe
- Hat aller Zonen Hauch gebeizt,
- Die Stirn zeigt manch verharschte Narbe,
- Die vieler Jahre Furchen kreuzt.
-
- Ägyptens Wüste, heiß und trocken,
- Sie dörrte jenen schwachen Greis,
- Dem Rußlands kalte Winterflocken
- Die braunen Haare färbten weiß.
-
- Es zittern ihre müden Hände ...
- Die Beresina weiß, wovon!
- Die Füße hinken ... welch ein Ende
- Von Moskau bis nach Lissabon!
-
- Der geht gebückt ... in hundert Nächten
- Hielt ihn das Fahnentuch nur warm!
- Dem fliegt der Ärmel an der rechten ...
- Gewiß, ihm fehlt der rechte Arm!
-
- Drum keinen Spott! laßt sie nur gehen,
- Die jeder Bube heut verlacht,
- Den Morgen haben sie gesehen,
- Wir aber sehen nur die Nacht.
-
- Was ihr verlort, hier blieb's erhalten!
- Die Grenadiere, der Husar,
- Seht vor der Säule diese Alten,
- Da steht ihr Gott, ragt sein Altar.
-
- Stolz auf das Leid, das sie getragen,
- So hören Frankreichs Herz sie jetzt
- Laut unter ihren Lumpen schlagen,
- Die längst die Zeit zernagt, zerfetzt.
-
- In Tränen wandelt sich das Lachen,
- Rings wird es still mit einem Mal,
- Entschlafene Zeiten, sie erwachen,
- Das ist ein heiliger Carneval.
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- Und über diesem Maskenzuge
- Und über dieser bunten Schar,
- Da breitet noch einmal im Fluge
- Den Fittich aus der Kaiseraar.
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-[Fußnote 2: Am 15. Dezember 1840 wurde Napoleons Leiche in Paris
-beigesetzt. Seitdem zogen alljährlich an diesem Tage die Veteranen der
-großen Armee nach dem Invalidendom.]
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- Charles Baudelaire
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- 1821-1867
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- Mißgeschick
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- Zu schwer wiegt dieser Last Gewicht,
- Kaum kann ein Sisyphus sie heben,
- Die Kunst währt lang und kurz das Leben,
- Selbst wenn es nicht an Mut gebricht.
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- Nie hab an ruhmbekränzten Särgen
- Ich aufgeschluchzt, mich packt das Weh,
- Der Gram, wenn ich an Gräbern steh,
- Die namenlose Tote bergen.
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- Manch Kleinod ward in Nacht versenkt
- Und Finsternis, kein Spaten denkt
- Nach dem vergessenen Schatz zu schürfen;
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- Still haucht manch Blüte in die Luft
- Wie ein Geheimnis ihren Duft,
- Den tiefe Einsamkeiten schlürfen.
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- Das Ideal
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- O nein, sie sind es nicht, die leicht umrissnen Fratzen,
- Die tauben Früchte dieser Zeit, vermorscht, verrucht,
- Die hohlen Puppen, die geschmeidig falschen Katzen,
- Sie sind es nicht, o nein, die meine Seele sucht.
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- Ich gönne Gavarni,[3] dem Dichter der Chlorosen,
- Dies Volk und sein Gekreisch, ihm und dem Hospital,
- Nie blüht in wilder Pracht bei diesen bleichen Rosen,
- Nie blüht auf diesem Beet mein rotes Ideal.
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- Es lebt ein andres Bild auf meines Herzens Grunde,
- Der Lady Macbeth gleicht's in ihrer Schicksalsstunde,
- Dem Traum, der Aeschylus groß vor der Seele stand.
-
- Dir gleicht es, ewige Nacht, wie einst in stolzen Tagen
- Dich Michelangelo hat aus dem Stein geschlagen,
- Dir, deren düsterer Reiz Giganten zwingt und bannt.
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-[Fußnote 3: Zeichner von Karrikaturen und modernen Typen, 1804-1866.]
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- Der Vampyr
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- Die du gleich einem scharfen Stahl
- Mir in das zage Herz gedrungen,
- Die du, ein Dämon, mir zur Qual
- Hast gleißend meinen Sinn bezwungen,
- Du, die der Seele Schwung mir brach,
- Die sie entweiht zum Lotterbette,
- Die mich gefesselt an die Schmach,
- Wie den Verbrecher an die Kette,
-
- Wie Spieler an des Teufels Buch,
- Wie Säufer an die vollen Gläser,
- Wie ekle Maden an die Äser ...
- Verfluchte, dafür meinen Fluch!
-
- Ich bat das Schwert: Hilf schnell und ehrlich
- Mit einem Hieb, der offen trifft!
- Verzweifelnd heischte und begehrlich
- Erlösung ich vom feigen Gift.
-
- Umsonst! sie höhnen und versagen,
- Das schlechte Gift, das gute Schwert:
- Du sollst die Ketten ewig tragen,
- Du bist der Freiheit nicht mehr wert.
-
- Füg Feigling dich! du wirst es müssen,
- Denn brächten wir Erlösung dir,
- Erwecktest du mit deinen Küssen
- Zu neuem Leben den Vampyr.
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-
- Die Katze
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- Mein Kätzchen, zieh die scharfen Krallen ein,
- Du liebes Ding darfst mich nicht kränken,
- Ich will in deiner schönen Augen Schein,
- In Stahl mich und Achat versenken.
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- Wenn meiner Finger Spiel dich niederzwingt,
- Wenn aus dem Rücken, der sich windet,
- Ein Funken in die Hand mir überspringt,
- Den sie gleich einem Blitz empfindet,
-
- Seh ich mein Weib. Ihr Blick trifft wie ein Pfeil,
- Dem deinen ähnlich, scharf und frostig,
- Er schneidet und er spaltet wie ein Beil;
-
- Des leisen Duftes Zauber kost ich,
- Der so gefährlich ist, so sicher siegt,
- Der ihren braunen Leib umschmiegt.
-
-
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-
- Ganz und gar
-
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- Heut morgen, als die Hähne krähten,
- Hat der Versucher mich beehrt,
- Mit List ist er herangetreten,
- Zu wissen hat er schlau begehrt:
-
- »Von allen Reizen, die sie schmücken,
- Von Farben, die an ihrem Leib
- Dich so bezaubern und berücken,
- Sag mir, was ist an diesem Weib
-
- Das süßeste? Laß mich's erkennen.«
- Da sprachst du, liebe Seele mein:
- »Ich kann nicht scheiden, kann nicht trennen,
- Denn Balsam ist ihr ganzes Sein.
-
- Da alles siegt, mag ich nicht sorgen,
- Welch Zauber mich zum Sklaven macht,
- Sie leuchtet, wie der helle Morgen,
- Sie tröstet, wie die dunkle Nacht.
-
- Wie könnte ich von tausend Liedern,
- Die meines Ohres Muschel fing,
- Die Harmonieen je zergliedern?
- Mein Witz ist dafür zu gering.
-
- Ein Traum erscheint mir ihre Nähe,
- Doch welchem Sinn, ich weiß es nicht,
- Musik ist alles, was ich sehe,
- Ein Blütenhauch ist, was sie spricht.«
-
-
-
-
- Nachmittagslied
-
-
- Sonderbar ist dein Gesicht,
- Hexe mit den bösen Brauen,
- Mit den Augen, mit den schlauen,
- Einem Engel gleichst du nicht.
-
- Doch du reizest mich, Frivole,
- Schreckliche, weckst meine Gier,
- Schauernd nahe ich mich dir,
- Wie der Priester dem Idole.
-
- Balsam strömt aus deinem Haar,
- Strömt aus des Gewandes Falten,
- Deine Art, den Kopf zu halten,
- Zeigt mir, wie die Sphinx einst war.
-
- Schwülen Weihrauchduftes Wellen
- Hüllen deinen Körper ein,
- Schmeichelnd, wie im Dämmerschein
- Warme Abendlüfte schwellen.
-
- Ha! kein Liebestränklein schmeckt
- Wie der Trank aus deinen Händen,
- Künste weißt du anzuwenden,
- Deren jede Tote weckt.
-
- Liebe ist es, die dein Rücken,
- Die dein Busen wild ersehnt,
- Wenn dein Leib sich lässig dehnt,
- Lacht das Kissen vor Entzücken.
-
- Wenn dich Lüsternheit zerreißt,
- Ihre Flammen dich verzehren,
- Suchst du wütend dich zu wehren,
- Und dein Mund, er küßt und beißt.
-
- Lächelst du, dann gräbt ein Stichel,
- Senkt ein Dolch sich in mein Herz,
- Doch dein Auge heilt den Schmerz,
- Milde wie des Mondes Sichel.
-
- Meine Zukunft zwängest du,
- Meinen Genius, du süße,
- Siegreich unter deine Füße,
- Unter deinen Atlasschuh.
-
- Bin durch dich gesund geworden!
- Aus dem kalten Erdreich sproßt
- Leben, du bezwingst den Frost
- Wie die Geiser fern im Norden.
-
-
-
-
- Das Gespenst
-
-
- Ein Engel, dessen Blick erblichen,
- Komm ich in dein Gemach geschlichen,
- Geräuschlos nahe ich und sacht
- Als Schatten dir in tiefer Nacht.
-
- Mein Lieb, du wirst gewiß erschrecken,
- Wenn Küsse, kalt wie Eis, dich wecken,
- Wenn einer Schlange feuchter Glast
- Den braunen Leib umspielt, umfaßt.
-
- Naht dann des Morgens blasser Schimmer,
- Du findest deinen Liebsten nimmer,
- Der Platz bleibt bis zum Abend kalt.
-
- Was liebend andere erringen,
- Soll Furcht und Schrecken mir erzwingen,
- In meinem Reiche herrscht Gewalt.
-
-
-
-
- Die Eulen
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-
- Die Eulen sitzen stumm, versenken
- Den Blick in Nacht, ihr Auge flieht
- Des Lichtes Strahl. In Reih und Glied
- Wie Hexen hocken sie und ... denken.
-
- Bewegungslos ist ihre Rast,
- Die Augen blinzeln müd, die matten,
- Bis in der Dämmerung die Schatten
- Sich recken, bis das Licht verblaßt.
-
- Der Weisheit Vogel will uns lehren,
- Die wir uns ruhelos verzehren,
- Was unserm wilden Leben fehlt.
-
- Ein Tropfen schon kann uns berauschen,
- Wir stoßen uns, gehetzt, gequält,
- Begierig stets, den Platz zu tauschen.
-
-
-
-
- Trauriges Madrigal
-
-
- Bist du nur klug? Taugt das den Frauen?
- Sei traurig und sei schön, mein Kind!
- Die Zähren, die den Blick betauen,
- Sie schmücken, wie der Bach die Auen,
- Wie Regen, der auf Blüten rinnt.
-
- Ich hab es gern, wenn düsteres Schweigen
- Die Stirne dir umkränzt und Leid,
- Wenn plötzlich in gespenstigem Reigen
- Empor die finstern Schatten steigen,
- Die Schatten der Vergangenheit.
-
- Ich hab es gern, wenn deine Wangen
- Die Träne, warm wie Blut, verschönt,
- Wenn deine Brust, von mir umfangen,
- In Ängsten keucht, wenn voller Bangen
- Sie wie im Todeskampfe stöhnt.
-
- Ich trinke sie in vollen Zügen,
- Die Seufzer ...., Götter, welch ein Fest ....
- Mehr, mehr, ich kenne kein Genügen,
- Wie sie zum Diadem sich fügen,
- Die Perlen, die sie fallen läßt!
-
- Ich kenne es, das alte Feuer,
- Das dir noch tief im Busen flammt,
- An Manen zahlst du Zoll und Steuer,
- Den Stolz, ihn kenn ich auch, der teuer
- Nur solchen ist, die Gott verdammt!
-
- So lang dein Herz im Traum nicht fühlte
- Der ganzen Hölle heiße Last,
- So lang das Schwert darin nicht wühlte,
- Nicht Gift die Pulse dir durchspülte,
- So lang du dies erlebt nicht hast,
-
- So lang vom Albdruck, der dich quälte,
- Dich nicht erlöst ein wilder Schrei,
- So lang die Qual dein Herz nicht stählte,
- Sich nicht der Ekel ihr vermählte,
- So lange bist du noch nicht frei.
-
- So lange ist dir's nicht gegeben,
- Die du mich liebst, vor Schrecken bleich,
- Dich, Sklavin, Herrin, zu erheben,
- Zu jauchzen in verjüngtem Leben:
- Mein König du, ich bin dir gleich!
-
-
-
-
- Der Mahner
-
-
- Wer wirklich wert ist, Mensch zu sein,
- Fühlt ewig eine Schlange nagen,
- Sie hemmt sein Hoffen und sein Wagen,
- So oft er ja sagt, sagt sie nein.
-
- Wenn Nixenaugen dich berücken,
- Wenn sie dich locken und umstricken,
- Mahnt stechend sie: Denk an die Pflicht.
-
- Sei Dichter, träume Liebesträume,
- Belebe Marmor, pflanze Bäume,
- Sie höhnt: Du siehst den Abend nicht.
-
- Beginne du nur und verlange!
- In der Minute mahnt sie dich,
- Und schaudernd fühlst du ihren Stich,
- Den Stich der widerlichen Schlange.
-
-
-
-
- Lösegeld
-
-
- Zwei Felder sind es, die nach Fug
- Und Recht, um Lösegeld zu zahlen,
- Wir düngen unter Müh und Qualen,
- Und die Vernunft ist unser Pflug.
-
- Damit nur ein paar Rosen sprießen,
- Vielleicht gar nur ein kärglich Reis,
- Muß unsere Träne, unser Schweiß
- Den Acker immerfort begießen.
-
- Es ist die Liebe und die Kunst!
- Wenn einst des jüngsten Tages Licht
- Erstrahlt, wenn einst das Weltgericht
- Beginnt, dann wird des Richters Gunst
-
- Nur dem zu Teil, der dann inmitten
- Der Scheuern reiche Ernten weist,
- Denn wenn die Frucht den Sämann preist,
- Dann werden Engel für ihn bitten.
-
-
-
-
- Der Mensch und das Meer
-
-
- O Mensch, du liebst das Meer, wie trotzig, frei und groß
- Liegt es zu Füßen dir! in seinen Wellenhügeln,
- In seinen Tälern siehst du sich die Seele spiegeln,
- Die in dir wohnt, gleich ihm unendlich, ruhelos.
-
- Du suchst in Not und Qual, o Mensch, dein eigen Bildnis,
- Du hältst es in der Hand, dein scharfes Ohr, es lauscht
- Der Flut, die in dir selber wogt und schäumt und rauscht,
- Dem ungestillten Schmerz in dieser grausen Wildnis.
-
- Was ihr nicht zeigen wollt, das ruht in guter Hut,
- Ihr seid ja alle beide finster und verschwiegen!
- Du hüllst die Schätze ein, die in der Tiefe liegen,
- Und du verbirgst, was tief dir in der Seele ruht.
-
- Trotzdem bekämpft ihr euch seit Anbeginn der Zeiten,
- Ihr, die ihr doch so ganz einander ähnlich seid,
- Gemetzel liebt ihr, Mord und grimmen Haß und Neid,
- Geschwister eines Bluts, müßt ihr denn ewig streiten?
-
-
-
-
- Klage eines Icarus
-
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- Wer klug ist, muß die Liebe kaufen,
- Dann weiß er sicher, was er hat;
- Was mich betrifft, bin ich es satt,
- Den leeren Schatten nachzulaufen.
-
- Dank wenigen Sternen hell und klar,
- Die mir das Auge einst geblendet,
- Wird heut der Blick, zurück gewendet,
- Nur Sonnen überall gewahr.
-
- Vergebens wollt empor ich dringen,
- Im Flug durchmessen Zeit und Raum,
- Ein heißes Auge streift mich kaum,
- Und schon sind mir gelähmt die Schwingen.
-
- Versengt hat mich der Schönheit Glut,
- Ihr Flammenstrahl hat mich erschlagen,
- Ach, nie wird meinen Namen tragen
- Der Abgrund, wo mein Leichnam ruht!
-
-
-
-
- Heauton timoroumenos
-
-
- Ich will dich schlagen, doch nicht hassen,
- Wie Metzger schlagen, ohne Zorn,
- Will, wie einst Moses jenen Born
- Aus Fels schlug, Wasser springen lassen,
-
- Die Flut, die deinem Aug entquillt,
- Will meine Wüsten damit tränken,
- Mein Schiff durch Tränenmeere lenken,
- Dem voller Gier das Segel schwillt,
-
- Will deinem Schluchzen jauchzend lauschen,
- Dem Stöhnen, das mit wilder Macht
- Mich lockt, wie Trommelschall zur Schlacht,
- Den Seufzern, die mein Herz berauschen.
-
- Bin ich ein schriller Mißakkord
- Im reinen Klange ewiger Sphären,
- Soll Selbstgespött den Geist verzehren?
- Die Ironie, sie wird zum Mord!
-
- Sie kreischt in mir und beißt und wiegelt,
- Sie, die mein Blut vergiftet hat,
- Der Spiegel bin ich, trüb und matt,
- In dem sich die Megäre spiegelt.
-
- Ich bin die Wunde und der Pfeil,
- Das Opfer und der Überwinder,
- Der Henker und der arme Sünder,
- Ich bin der Hals und bin das Beil.
-
- Der Vampyr bin ich meines Lebens!
- Verdammt bin ich, durch alle Zeit
- Zu lachen bis in Ewigkeit,
- Und will ich lachen, ist's vergebens.
-
-
-
-
- Abel und Kain
-
-
- Sohn Abels, du darfst essen, trinken,
- Gott schaut dir wohlgefällig zu,
-
- Brut Kains, du sollst im Schlamm versinken,
- Ersticken wirst im Kote du.
-
- Sohn Abels, Liebling deines Herrn,
- Dein Opfer duftet süß vor Gott,
-
- Brut Kains, verjährte Sünden zerren
- Dich täglich wieder aufs Schaffot.
-
- Sohn Abels, sieh die Saat gedeihen,
- Rund ist das Vieh, die Traube schwer,
-
- Brut Kains, hörst du den Hunger schreien?
- Sind deine Eingeweide leer?
-
- Sohn Abels, wärme dich am Herde,
- Füll deinen Wanst mit warmer Kost,
-
- Brut Kains, du schläfst auf kalter Erde,
- Der Schakal, horch, er heult vor Frost!
-
- Sohn Abels, du darfst dich vermehren,
- Dieweil dein Geld sich auch vermehrt,
-
- Brut Kains, bezähme dein Begehren,
- Solch Appetit ist dir verwehrt.
-
- Sohn Abels, saug dich voll an andern,
- Du Wanze, stets willkommner Gast,
-
- Brut Kains, du sollst im Staube wandern,
- Du findest nirgends Ruh noch Rast.
-
- * * * * *
-
- Sohn Abels, Mist nur auf den Saaten,
- Zerstieb zu Dung, du und dein Wahn!
-
- Brut Kains, von allen deinen Taten
- Sind erst die wenigsten getan.
-
- Sohn Abels, sieh die Schmach sich türmen,
- Vergeh in Schanden und in Spott,
-
- Brut Kains, du wirst den Himmel stürmen,
- Hinab zur Erde schleudere Gott!
-
-
-
-
- Nachschrift für ein verbotenes Buch
-
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- Mein Leser, der du voll Behagen,
- Der du naiv und nüchtern bist,
- Wirf dieses Buch voll Gram und List
- Ins Feuer, ohne viel zu fragen.
-
- Falls du, als Satan vorgetragen,
- Nicht das Kolleg gehört, ermißt
- Du nie, was hier geschrieben ist,
- Ich bin hysterisch, wirst du sagen.
-
- Doch wenn mit unbestochnem Ernst
- In meine Tiefen du kannst dringen,
- Lies mich, daß du mich lieben lernst;
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- Du Seele, die in heißem Ringen
- Ihr Paradies verzweifelnd sucht,
- Beklage mich ..., sonst sei verflucht.
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- Paul Verlaine
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- 1844-1896
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- An Eugen Carrière
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- Die alten Weisen, die wahrhaftig viel mehr wert
- Als die von heute, meinten -- noch nicht ganz geklärt
- Ist dieser Punkt -- ein jedes Menschenschicksal hätte
- Zum Leiter seinen Stern, dem es mit einer Kette
- Verbunden. Diese Ansicht hat man oft verlacht
- Und dabei, wie gewöhnlich, nicht daran gedacht,
- Daß Lachen nur beirrt, ein Merkmal stets des Toren!
- Dem Menschen, der im Zeichen des Saturn geboren,
- Ihm kündet dieser gelblich strahlende Planet,
- -- Wie es schon in der Nekromanten Büchern steht --
- Ein vollgerüttelt Maß von Unglück und von Galle.
- Die Phantasie ist seine Herrscherin, zu Falle
- Kommt die Vernunft, die sie mit Listen tötlich trifft,
- In seinen Adern wird das Blut zu heißem Gift,
- Wie Lava brennt der Strom, die Ideale stumpfen
- Sich in der Schwüle ab, bis sie zusammen schrumpfen.
- So dulden des Saturnus Kinder, bis zuletzt
- Sie sterben -- daß wir sterblich sind, vorausgesetzt. --
- Was sie erstreben, was sie hoffen und beginnen,
- Nie können ihrem bösen Sterne sie entrinnen.
-
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-
- Nevermore
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-
- Erinnerung, warum steigst du aus dunkelm Schachte ....?
- Es war im späten Herbst, die letzte Drossel machte
- Sich auf den Weg gen Süd, ein stiller Lichtstrahl brachte
- Dem Walde Trost, dess' kahl Geäst im Sturme krachte.
-
- Wir gingen ganz allein, ein traumversunken Paar,
- Mit den Gedanken flatterte im Wind das Haar,
- Da blickte sie mich an, so tief und groß und wahr:
- »Was war dein schönster Tag?« vernahm ich golden klar.
-
- Ein Laut von Engeln, die durch lichte Sphären schweben!
- Ein stilles Lächeln nur hat Antwort ihr gegeben,
- In Demut stumm hab ich geküßt die weiße Hand.
-
- O Blütenpracht, o Mai, wie ist dein Duft berauschend,
- O höchstes Glück, das je ein Menschenherz empfand,
- Das erste Ja aus dem geliebten Mund erlauschend.
-
-
-
-
- Drei Jahre später
-
-
- Und wieder bin durchs enge Pförtchen ich gegangen,
- Im kleinen Garten wandle still ich wie zuvor,
- Die Morgensonne küßt den bunten Blumenflor,
- Darin des Taus verlorene Silbertropfen hangen.
-
- Es ist noch ganz wie einst. Die weinumrankten Stangen,
- Die Laube mit dem Tisch, die Stühle drum von Rohr,
- Des Springbronns Wasser murmeln leise wie zuvor
- Die ewige Klage, die sie dazumal schon sangen.
-
- Ich kenne jede einzige Lerche, die hier fliegt,
- Die Rosen zittern immer noch, vom Wind gewiegt,
- Der durch das Geißblatt rauscht, das in die Höhe klettert;
-
- Dort hinten steht die alte Velleda sogar,
- Der Gips ist nur ein wenig mehr noch abgeblättert,
- Und die Reseden duften noch -- --, ganz wie es war.
-
-
-
-
- Sentimentaler Spaziergang
-
-
- Die allerletzten Sonnenstrahlen kosen
- Mit winddurchhauchten bleichen Wasserrosen,
- Mit großen Wasserrosen, die im Rohr
- So traurig leuchten aus dem See hervor.
-
- Allein mit meinem Schmerz will dort ich gehen,
- Wo längs des Ufers stille Weiden stehen,
- Wo hinterm Nebelvorhang riesengroß
- Gespenster schwanken, grau und hoffnungslos,
-
- Die schwerer Last erliegend qualvoll ächzen,
- Die flügelschlagend mit einander krächzen.
- Dort bei den Weiden sind wir ganz allein,
- Ich und mein Schmerz. Schon hüllt die Dämmerung ein
-
- Mit ihrem dichten Leichentuch das Kosen
- Der müden Strahlen und der Wasserrosen,
- Der großen Wasserrosen, die im Rohr
- So traurig leuchten aus dem See hervor.
-
-
-
-
- Herbstlied
-
-
- Ein Schluchzen klingt,
- Der Herbst er singt
- Seine Lieder;
- Mein Herz ist bang,
- Der müde Sang
- Drückt es nieder.
-
- Die Uhr schlägt, gleich
- Wird alles bleich,
- Farblos scheinen;
- Einst war ich jung,
- Erinnerung
- Läßt mich weinen.
-
- Aus meinem Haus
- Muß ich hinaus,
- Wind und Wetter
- Treibt mich umher,
- Mich und noch mehr
- Tote Blätter.
-
-
-
-
- Schäferstunde
-
-
- Rot glänzt der Mond, der tief am Himmel steht,
- Die Wolken ziehn dahin, im Nebelschleier
- Träumt schon das Tal, das Froschkonzert im Weiher
- Schallt aus dem Schilf, durch das ein Windhauch weht.
-
- Die Wasserblumen schließen sich, die feuchten,
- Vom Horizonte hebt sich das Profil
- Der leicht umrissnen Pappel wie ein Spiel,
- Indes die Käfer durch die Büsche leuchten.
-
- Das Käuzchen ist aus seinem Schlaf erwacht,
- Auf trägem Fittich rudert's durch das Dunkel,
- In ferner Wetter zuckendem Gefunkel
- Steigt Venus hell empor. Das ist die Nacht.
-
-
-
-
- Mondschein
-
-
- Ein seltsam Bild ist deiner Seele Grund,
- Das Spiel der Masken kann ich unterscheiden,
- Die dort den Reigen schreiten, doch wie bunt
- Das Kleid auch ist, es täuscht mich nicht, sie leiden.
-
- Zur Laute singen sie ein Lied in Moll
- Von Amors Sieg, ein Lied zu seinem Preise,
- Des frohen Glaubens scheinen sie nicht voll,
- Der Silbermondschein trinkt die zarte Weise,
-
- Der stille Mondschein, welcher im Geäst
- Die Vögel schaukelt, die dort müde träumen,
- Der schlanke Wasserstrahlen schluchzen läßt,
- Die trunken aus dem Marmorbecken schäumen.
-
-
-
-
- Auf dem Spaziergang
-
-
- Dem bleichen Himmel und den dürren Zweigen
- Sind unsere hellen Kleider nur zum Spott,
- Die mit vergnügten Mienen keck und flott
- Sich bauschen und sich leicht beflügelt zeigen.
-
- Des Windes Atem kräuselt still den Teich,
- Der Sonne zarter Strahl fällt durch die Linden,
- Die Schatten werden schwächer und sie schwinden
- Im fahlen Licht ersterbend blau und bleich.
-
- Wir losen Schönen, wir geschmeidigen Ritter,
- Mit Herzen, zärtlich zwar, doch niemals treu,
- Wir plaudern und wir scherzen ohne Scheu,
- Und unsere Liebe ist nur Tand und Flitter.
-
- Es fällt wohl auch einmal von Zeit zu Zeit
- Ein leichter Schlag zur Abwehr, darauf müssen
- Die Herren schnell den kleinen Finger küssen,
- Ganz vorn am letzten Glied. Geht man zu weit,
-
- Dann wehe! wehe! dann ist's kein Vergnügen,
- Dann zuckt ein Blick, vernichtend, scharf und kalt,
- Jedoch das kleine Mäulchen straft gar bald
- In gnadenreicher Huld das Auge Lügen.
-
-
-
-
- Ein Aufzug
-
-
- Possierlich muß und höchst galant
- Ein Affe vor der Dame schreiten,
- Ein Spitzentüchlein läßt sie gleiten
- Durch ihre wohlgepflegte Hand.
-
- Stolz trägt der Schleppe leichte Bürde
- Ein kleiner Neger, ganz in rot;
- Wo nur ein falsches Fältchen droht,
- Wehrt er mit Eifer und voll Würde.
-
- Der Affe hat sich umgedreht,
- Den weißen Hals frech anzustieren,
- Der Torso müßte Götter zieren,
- Den dieser stolze Hals verrät.
-
- Der Neger hebt die Schleppe höher,
- Als es erlaubt, schlau gibt er Acht
- Auf Dinge, die in stiller Nacht
- Der Traum ihm zeigt, der lose Späher.
-
- Die Treppe aufwärts schreitet sie,
- Es kann sie weiter nicht erregen,
- Was an Bewunderung entgegen
- Der Herrin bringt das liebe Vieh.
-
-
-
-
- Der Faun
-
-
- Ein alter Faun grinst mit Behagen
- Im Park uns an. Es prophezeit
- Ein Ende voller Traurigkeit
- Der dreiste Wicht den heitern Tagen,
-
- Die dich und mich hierher geleitet.
- Wir zweifeln in Melancholie
- Auf unserm Pilgerweg ja nie,
- Daß trotz des Lärms die Zeit entgleitet.
-
-
-
-
- Halblaut
-
-
- Tiefer Waldesschatten hält
- Jetzt im Dunkel Moos und Strauch,
- Tiefer Waldesschatten fällt
- Jetzt auf unsere Liebe auch.
-
- Und die Seele und der Sinn
- Und das Herz, es bebt und lauscht,
- Gibt sich müdem Traume hin,
- Der im Pinienwipfel rauscht.
-
- Schließe deine Augen halb,
- Hemme der Gedanken Lauf,
- Schüttle von der Brust den Alb,
- Höre ganz zu denken auf.
-
- Leise wiegt vom Wind durchhaucht
- Grüner Teppich unsern Schritt,
- Meine bange Seele taucht
- Still ins Nichts, sie wiegt sich mit.
-
- Steigt der Abendstern empor,
- Mahnt der Nachtigallen Schlag
- Mich an das, was ich verlor,
- An der Hoffnung letzten Tag.
-
-
-
-
- Sentimentales Zwiegespräch
-
-
- Der alte Park liegt schweigend da, nur zwei
- Gestalten schleichen schemenhaft vorbei
-
- Mit toten Augen, schlaffen, müden Fratzen,
- Kaum hört man, was die beiden leise schwatzen.
-
- Der alte Park liegt schweigend da, die zwei,
- Herauf beschwören sie, was längst vorbei.
-
- Besinnst du dich der Zeit voll süßer Minne?
- ... Weshalb verlangst du, daß ich mich besinne? --
-
- Schlägt noch dein treues Herz für mich allein?
- Siehst du mich noch im Traum? So sprich doch! .... Nein. --
-
- Ach, unser Glück erschien uns fast unsäglich,
- Und wie wir wild uns küßten ...! Das ist möglich. --
-
- Wie war die Hoffnung groß, der Himmel blau!
- ... Die Hoffnung ist entflohn, der Himmel grau. --
-
- Gegangen sind sie ganz wie sie gekommen,
- Die Nacht allein hat ihr Geschwätz vernommen.
-
-
-
-
- Frau und Katze
-
-
- Die Katze -- nein, die Dame drohte,
- Oft sieht man sowas, glaub ich, nicht.
- Die weiße Hand, die weiße Pfote,
- Sie neckten sich im Dämmerlicht.
-
- Die eine barg -- ha, die Verdammte,
- Verdammt sei alle Zeit ihr Witz --
- In ihres Ärmels dunkelm Samte
- Die langen Nägel scharf und spitz,
-
- Die andere wollte gern gefallen;
- Da eingezogen sie die Krallen,
- Verlor der Teufel wirklich nichts.
-
- Er lachte, denn er sah im Dunkeln,
- Wie Flackern eines fahlen Lichts,
- Vier gelbe Phosphorflecke funkeln.
-
-
-
-
- Serenade
-
-
- O Herrin, hör mein Lied! ein Toter singt,
- Längst liegt er im Grabe,
- Es krächzt die Stimme, die das Ständchen bringt,
- Wie ein heiserer Rabe.
-
- Die Seele öffne, öffne auch das Ohr,
- Lausche meiner Zither,
- Das Lied ist dein, nur dir trag ich es vor,
- Süß klingt es und bitter.
-
- Dein Auge preis ich und das Gold des Blicks,
- Seine Pracht, die klare,
- Die Lethe deines Busens und den Styx
- Deiner dunkeln Haare.
-
- O Herrin, hör mein Lied, ein Toter singt,
- Längst liegt er im Grabe,
- Es krächzt die Stimme, die das Ständchen bringt,
- Wie ein heiserer Rabe.
-
- Gesegnet sei dein Fleisch, wie sich's gebührt,
- Auch der Duft des Leibes,
- Hab schlaflos manche Nacht ihn noch gespürt,
- Diesen Duft des Weibes.
-
- Und jetzt besing ich noch zum guten Schluß
- Deine blasse Wange,
- Die heißen roten Lippen und den Kuß,
- Engel du, du Schlange.
-
- Die Seele öffne, öffne auch das Ohr,
- Lausche meiner Zither,
- Das Lied ist dein, nur dir trag ich es vor,
- Süß klingt es und bitter.
-
-
-
-
- Çavitri
-
-
- Maha-Barata.
-
- Einst schwor Çavitri, um zu retten den Gemahl,
- Daß sie drei ganze Nächte und drei ganze Tage,
- Wie es Vyaça ihr befohlen, ohne Klage
- Sich unbeweglich halten wolle wie ein Pfahl.
-
- Nicht hat Curyas sengend heiße Mittagsglut,
- Nicht hat der schlaffe Traum, der in der Nächte Mitte
- Auf Tschandras Wink erscheint mit geisterhaftem Schritte,
- Den festen Willen ihr bezwungen und den Mut.
-
- Ob uns Vergessenheit zum bittern Lose fiel,
- Ob schwarzer Neid und Mißgunst uns umtosen täglich,
- Wir harren gleich Çavitri stumm und unbeweglich,
- Steht vor der Seele uns, wie ihr, ein hohes Ziel.
-
-
-
-
- Guter Sang
-
-
- I.
-
- Ah dein letzter Funken schillernd,
- Bleicher Morgenstern, verglüht,
- Schmettern trillernd
- Tausend Lerchen schon ihr Lied.
-
- Strahle einmal noch hernieder
- Und vergiß den Sänger nicht,
- Das Gefieder
- Reckt der Fink empor zum Licht.
-
- Strahlst dem Morgenrot entgegen,
- Das die Erde bald erhellt,
- Froher Segen
- Wogt im reifen Ährenfeld.
-
- Strahle mild auf meine Sorgen,
- Mir auch lacht des Himmels Blau,
- Durch den Morgen
- Blitzt der silberhelle Tau.
-
- Noch ist aus den süßen Träumen
- Die Geliebte nicht erwacht,
- Darfst nicht säumen,
- Sieh, die goldne Sonne lacht.
-
-
- II.
-
- Silbergefunkel
- Leuchtet im Wald,
- Horch, durch das Dunkel
- Raunt es und schallt
- Rings von den Zweigen ...
- O du mein eigen.
-
- Still und bescheiden
- Schaun in den See
- Trauernde Weiden,
- Zitterndes Weh
- Rauscht durch die Bäume ...
- Stunde der Träume.
-
- Wunschloses Schweigen
- Scheint groß und sacht
- Niederzusteigen,
- Welten voll Pracht
- Messen die Runde ...
- Selige Stunde.
-
-
- III.
-
- An einem Sommertage wird's geschehn:
- Die lichte Sonne, Zeuge meiner Freude,
- Sie wird, Geliebte, dann in Samt und Seide
- Noch schöner deine holde Schönheit sehn.
-
- Des Himmels tiefes Blau ist in Bewegung,
- Ein Baldachin, leicht schwankend, faltenreich;
- Dein Antlitz und das meine werden bleich,
- Erwartungsvoll in seliger Erregung.
-
- Und wenn der Abend naht, spielt leis und lind
- Sein Hauch mit deinem Schleier, und die Sterne
- Sie lächeln gut und friedlich aus der Ferne
- Die Gatten an, die dann vereinigt sind.
-
-
-
-
- Vergessene Weisen
-
-
- I.
-
- Mir ist es oft, mein Lieb, wie wenn ich Chören
- Aus längst verklungnen Zeiten könnte lauschen,
- Dazwischen wähne ich das helle Rauschen
- Des Morgens, welcher kommen wird, zu hören.
-
- Zwei Augen sind auch meiner Seele eigen,
- Und alle Töne schwingen in den Saiten,
- Die leise oder laut vorübergleiten
- In meiner Tage unruhvollem Reigen.
-
- O stürbe ich von diesem Spiel umgaukelt!
- Du fürchtest dich, der Horen Tanz zu sehen,
- Ich aber möchte enden und vergehen,
- Wenn sich Vergangenheit und Zukunft schaukelt.
-
-
- II.
-
- Still gleiten zarte Finger durch die Tasten,
- Ein letzter Strahl vergoldet Turm und Dach,
- Die alte Weise zwingt den Tag zu rasten,
- Entschlafne Zeiten werden wieder wach,
- Verschüchtert suchen Töne im Gemach
- Nach ihres Atems Hauch, dem längst verblaßten.
-
- Was ist es nur, das mich zur Ruhe wiegt,
- Mag noch ein Glück mein armes Sein umwerben?
- Was will das Lied, das schmeichelnd mich umschmiegt,
- Die Melodie, die plötzlich mich besiegt,
- Die in den kleinen Garten, um zu sterben,
- Durch das halboffne Fenster zitternd fliegt?
-
-
-
-
- Bilder aus Belgien
-
-
- I. Walcourt
-
- Häuschen und Lauben,
- Fast wie zum Spiel,
- Für Turteltauben
- Welch ein Asyl.
-
- Ziegel und Dächer,
- Hopfen und Wein,
- Tapfere Zecher
- Stellen sich ein.
-
- Bier wird von drallen
- Dirnen geschafft,
- Ei, die gefallen!
- Alle Welt pafft.
-
- Dort bei der Bude
- Hält gleich der Zug ....
- Ewiger Jude,
- Ist dir's genug?
-
-
- II. Charleroi
-
- Kobolde schwärzlich
- Schaffen geschwind,
- Warum, o Wind,
- Stöhnst du so schmerzlich?
-
- Giftiger Hauch,
- Willst du mich beizen?
- Sollst mich nicht reizen,
- Stinkender Rauch!
-
- Löcher im Kote,
- Nirgends ein Haus,
- Welch ein Gebraus,
- Qualmende Schlote!
-
- Rollt dort ein Rad,
- Hörst du ein Fauchen,
- Siehst du es rauchen,
- Wo liegt die Stadt?
-
- Gräuliche Düfte!
- Wie es mich preßt,
- Rauscht denn die Pest
- Hier durch die Lüfte?
-
- Dunst überall,
- Schwitzende Leiber,
- Hetzende Treiber,
- Knirschend Metall.
-
- Kobolde schwärzlich
- Schaffen geschwind,
- Warum, o Wind,
- Stöhnst du so schmerzlich?
-
-
- III. Brüssel
-
- Rötlich grüne Töne mischen
- In den Hügeln sich, den fernen,
- Während trübe Gaslaternen
- Alle Formen schon verwischen.
-
- Langsam scheint das Gold der Hänge
- Tief in rotes Blut zu tauchen,
- Aus entlaubten Kronen hauchen
- Vögel schüchterne Gesänge.
-
- Trübe Bilder, sie verfliegen,
- Ach, der Herbst nur kann so malen,
- Müde will ich meine Qualen
- In den müden Lüften wiegen.
-
-
- IV. Im Schloßpark
-
- Weit, so weit ich seh,
- Streckt sich die Allee,
- Wie das Auge reicht.
- Dieser grüne Pfad
- Weiß nichts von Verrat,
- Ach, hier lebt sich's leicht.
-
- Ernste alte Herrn
- Gehn mit Kreuz und Stern
- In das Schloß hinein -- --
- Biedermeierstil!
- Geben würd' ich viel,
- Könnt' ich einer sein.
-
- Blendend weiß das Schloß,
- Hoch das Dachgeschoß,
- Frieden rings und Ruh.
- Welch ein selig Fest,
- Fänden hier ein Nest
- Einmal ich und du.
-
-
- V. Brüsseler Karussell
-
- Dreht euch, wackere Pferdchen, dreht euch schnell,
- Dreht euch hundert, tausend mal im Kreis,
- Munter, Pferdchen, dreht euch flott, mit Fleiß,
- Pfeifen quieken, Hörner schmettern grell.
-
- Plumpe Infanteristen, dralle Besen
- Sind auf eurem Rücken heut zu Hause,
- In der Kirmes fröhlichem Gebrause
- Treiben sie als Meister keck ihr Wesen.
-
- Dreht euch, Pferdchen, eurer Reiter Stolz,
- Um die Orgel, die so glorreich singt;
- Wenn ein Gaffer mit den Augen plinkt,
- Dreht euch weiter, Pferdchen ihr von Holz.
-
- Das ist eine Lust, berauschend, sündlich,
- Solch ein Karussell zum Zeitvertreibe!
- Schädelbrummen, Hochgefühl im Leibe,
- Wohl und übel macht's, und beides gründlich.
-
- Dreht euch schnell, ihr tut ja eure Pflicht
- Ungespornt, nie wird der Reiter grob,
- Ohne Hülfen sprengt ihr im Galopp
- Lustig weiter, Hafer gibt es nicht.
-
- Aber jetzt heißt's, bald den Tanz erledigen,
- Es wird Nacht, und wie ich beinah glaube,
- Will der Täuberich zu seiner Taube,
- Fern vom Jahrmarkt, fern auch von der Gnädigen.
-
- Dreht Euch flink, des Himmels Samt ist hell,
- Reich mit goldnen Sternen schon bestickt,
- Manches Pärchen hat sich längst gedrückt ...
- Trommelwirbel! Pferdchen, dreht euch schnell!
-
-
- VI. Mecheln
-
- Die Wetterfahnen lädt zum Tanze
- Der Wind -- --, an diesem stolzen Bau
- Des alten Schöffen fügt genau
- Sich jede Einzelheit ins Ganze,
- Die Ziegel rot, der Schiefer blau -- --,
-
- Dann pfeift er durch die grünen Wiesen;
- Die Eschen schaffen die Idee
- Von Horizonten, eine Fee
- Hat sie gestaffelt, diese Riesen,
- Luzerne gibt es, bunten Klee.
-
- Und durch den tiefen Frieden gleiten
- Die Züge selbst in stiller Ruh.
- Schlaf ungestört, du brave Kuh,
- Ihr Stiere, denen diese Weiten
- Gehören, macht die Augen zu!
-
- Geräuschlos rollen alle Wagen,
- Die Zeit der Reisenden verfließt,
- Man plaudert oder man genießt
- Das Bild der Landschaft mit Behagen,
- Die wie der Fenelon sich liest.
-
-
-
-
- Aquarell von Spleen
-
-
- Die Rose hältst du in den Händen,
- Es rankt sich um dich wilder Wein,
- Und scheinst du dich nur abzuwenden,
- Stürmt die Verzweiflung auf mich ein.
-
- Zu blau ist dieses Himmels Schimmer,
- Zu zärtlich fast, das Meer zu grün,
- Geliebte Frau, ich fürchte immer,
- Du könntest jählings mir entfliehn.
-
- Die dunkeln Rosen, die so glühten,
- Der Buchsbaum, längst verblaßt sind sie,
- Wie müde bin ich aller Blüten ....
- Nur deiner müde werd' ich nie!
-
-
-
-
- Weisheit
-
-
- I.
-
- Lauscht jetzt des Friedens stillem Sange!
- Ein Hauch ist er, zart und verschwiegen,
- Ein Grashalm, den die Winde wiegen,
- Er weint, doch deshalb seid nicht bange.
-
- Die Stimme war euch einmal teuer,
- Seit langer Zeit hat sie gefeiert;
- Wie eine Witwe dicht verschleiert
- Verrät sie doch noch Stolz und Feuer.
-
- Was vordem heilig ihr gewesen
- Verbirgt sich keusch. Den Schleier heben
- Die Lüfte, die vorüber schweben,
- Die klare Wahrheit könnt ihr lesen.
-
- Und solches wird euch dann verkündet:
- Das Gute nur wird ewig bleiben,
- Von allem eurem wilden Treiben
- Bleibt nichts, denn Haß und Neid entschwindet.
-
- Ein einziger Ruhm nur ist erquicklich,
- Zu kämpfen und nichts zu erstreben,
- Nehmt dankbar hin, was euch gegeben,
- Nur Frieden ohne Sieg macht glücklich.
-
- Ihr dürft Gehör der Stimme gönnen,
- Sie will nicht locken noch berücken;
- Ach, eine Seele zu beglücken
- Ist ja das beste, was wir können.
-
- Doch eilt, die Stunde währt nicht lange,
- Wir müssen leiden und nicht klagen,
- Nicht zürnen, wenn wir Schmerz ertragen,
- Lauscht jetzt der Weisheit stillem Sange.
-
-
- II.
- Kaspar Hauser singt:
-
- In Städte voller Lug und Trug,
- Zu Menschen kam ich, eine Waise
- Mit stillen Augen, scheu und leise,
- Die Männer fanden mich nicht klug.
-
- Im Frühling ließ der warme Föhn
- Des Herzens kalte Decke tauen,
- Schön fand mit einmal ich die Frauen,
- Die Frauen fanden mich nicht schön.
-
- Kein König zahlte je mir Sold,
- Kein Vaterland hat meine Wiege
- Geschirmt, trotzdem sucht ich im Kriege
- Den Tod, er hat mich nicht gewollt.
-
- Kam ich zu früh, kam ich zu spät?
- Weshalb bin ich auf dieser Erde?
- Wie drückt mich meines Seins Beschwerde ...
- Sprecht für den Kaspar ein Gebet.
-
-
- III.
-
- Lang gestreckte Hecken wogen
- Wie ein Meer in feuchter Luft,
- Voll an schwerem Blütenduft
- Hat der Nebel sich gesogen.
-
- Mühlen stehen auf dem Plan,
- Bäume, die sich aufwärts recken,
- Fohlen tummeln sich und necken
- Munter sich in freier Bahn.
-
- Sonntag! frohe Lämmer grasen,
- Schwankend wie ein zarter Hauch
- Lösen sich im Morgenrauch
- Weiße Vließe von dem Rasen.
-
- Leise kräuselt sich ein Meer
- Grüner Auen, grüner Wellen,
- Durch die Nebelschleier schwellen
- Glockenklänge ferneher.
-
-
-
-
- Prolog
-
-
- Vorwärts jetzt, verruchte Truppe!
- Habt zu lange schon geweilt,
- Was euch zukommt, ward euch, eilt,
- Die Chimäre streckt die Kruppe.
-
- Schwingt euch auf, sprengt durch den Raum,
- Durch die Zeit, verlorne Kinder,
- Dieser Renner fliegt geschwinder,
- Als das kranke Hirn im Traum.
-
- Endlich, endlich fand ein Ende
- Meines Fiebers toller Wahn,
- Tastend suchen heiße Hände
- Einem Leben neue Bahn.
-
- Doch sie segnen euch, ihr schrillen
- Schreie wilder Angst, habt Acht,
- Meiner schwarzen Sonne Grillen,
- Grillen meiner weißen Nacht.
-
- Geht jetzt! ich verstoß euch heute,
- Was auch gestern noch geschah,
- Denn mein Herz sucht andere Beute,
- Packt euch, aegri somnia!
-
-
-
-
- Pierrot
-
-
- Das ist der Mondscheinschwärmer nicht, der frech und frank
- Den Vätern durch die Tür gelacht in alten Tagen;
- Wie seine Kerze starb sein Witz, mit blödem Zagen
- Geht sein Gespenst nur schlotternd um, bleich, hager, krank.
-
- Im rauhen Wind beim Schein des Blitzes flattert bang
- Die weiße Jacke wie ein Leichentuch. Längst nagen
- Die Würmer an dem Hirn. Der welke Mund will klagen,
- Er grinst breit aufgesperrt, verzerrt von Schmerz und Zwang.
-
- Die Ärmel winken links und rechts verrückte Zeichen
- Gleich Fledermäusen, die durch's Abenddunkel streichen,
- Doch keiner nimmt Notiz von dem erfrornen Witz.
-
- Aus leeren Augenhöhlen zucken Phosphorstrahlen,
- Und gräßlich steht in dem Gesicht, dem blutlos fahlen,
- Die mehlbestaubte Totennase, starr und spitz.
-
-
-
-
- Die Kunst des Dichters
-
-
- Erst Musik, Musik vor allen Dingen!
- Dazu braucht es keine Symmetrie,
- Wie ein Lufthauch steigt die Melodie,
- Nichts darf wuchtig, nichts gekünstelt klingen.
-
- Sorge nicht, wenn auch das Wort verfehlt,
- Dem Begriff sich ängstlich anzupassen;
- Kannst du's, dann versuch dich so zu fassen,
- Daß dem Sinn das Rätsel sich vermählt.
-
- Sahst du Augen nie durch Schleier spähen,
- Nie den Mittag zittern heiß und schwer,
- Nie der Sterne unentwirrbar Heer
- Klar am lauen Herbsteshimmel stehen?
-
- Nur Nuancen, leise abgestimmt!
- Decke stets mit Tönen, die sich brechen,
- Nur Nuancen glätten so die Flächen,
- Daß die Flöte und das Horn verschwimmt.
-
- Übermaß an Geist geht in die Brüche,
- Lach nicht immer, sei nicht gar zu spitz,
- Weint der Himmel über deinen Witz,
- Ist es Knoblauch aus der Sudelküche.
-
- Schönen Worten brich nur das Genick,
- Nötig ist es auch den Reim zu zähmen,
- Deiner Führung muß er sich bequemen,
- Er geht durch, drum halte ihn am Strick.
-
- Wie wird dieser Reim gerühmt, verhimmelt!
- Welcher Nigger, welcher taube Fant
- Prägte diesen hohlen Jahrmarktstand,
- Der vergnügt wie falsches Kleingeld bimmelt?
-
- Nur Musik und davon nie genug!
- Verse tönen wie befreite Seelen,
- Die den Weg zu andern Sternen wählen,
- Die zu anderer Liebe trägt ihr Flug.
-
- Verse mußt du in den Frühwind säen,
- Auf gut Glück verstreuen, wenn er leicht
- Durch die Minze, durch den Thymian streicht,
- Sonst kann nur Literatur entstehen.
-
-
-
-
- Schlaff
-
-
- Ich bin das Römerreich, das seine Zeit vollendet,
- An blonder Nordlandvölker Heerfahrt längst gewöhnt,
- Das Verse drechselnd eitlen Nichtigkeiten fröhnt,
- Voll Pomp und Prunk, vom trüben Sonnenlicht geblendet.
-
- Nur seine Seele ahnt, wie dieses Spiel sie schändet,
- Sie hört den Schlachtenlärm, der in der Ferne dröhnt;
- O Ohnmacht, die sich feig und wunschlos selbst verhöhnt,
- O Willenlosigkeit, dem Leben abgewendet!
-
- Kein Wollen, keine Kraft, zum Sterben fehlt der Mut ...
- Bathyll, der Becher ist geleert, hör auf zu lachen,
- Vorüber ist der Schmaus, jetzt heißt's ein Ende machen!
-
- Nur ab und zu ein Vers, fürs Feuer grade gut,
- Nur Lüste, die vor frechen Sklaven sich entschleiern,
- Nur Langeweile, unerklärlich, dumpf und bleiern.
-
-
-
-
- Liebe
-
-
- Jawohl, gequält bin ich, geplagt,
- Bin wie ein Wolf gehetzt, gejagt,
- Der nirgends eine Freistatt findet,
- Den schon die Meute fast umringt,
- Den seine Wunde niederzwingt,
- Daß er in Angst und Not sich windet.
-
- Die drei, der Haß, das Gold, der Neid,
- Spürhunde sind's, sie wittern weit,
- Ich bin gestellt, kann mich nicht wehren;
- Des Morgens Schreck, des Abends Qual,
- Das ist seit Jahr und Tag mein Mahl,
- Davon kann sich kein Bettler nähren.
-
- Längst grinst er mich von weitem an,
- Der widerliche Jägersmann,
- Die Krallen an den dürren Händen;
- Halb hat er mich, er höhnt und sperrt
- Die Wege mir und zieht und zerrt
- Am Herzen und will doch nicht enden.
-
- Ihr Wölfe, seht, so schleppe ich
- Zum finstern Strome blutend mich,
- Laßt, Brüder, endlich das Geläster,
- Gebt mir zu sterben freie Bahn,
- Ihr seid ja alle untertan
- Dem Weibe, meiner grimmen Schwester.
-
-
-
-
- Allegorie
-
-
- Ein alter Tempel, dessen Bau schon weicht,
- Der vormals stolz von sonniger Höhe ragte,
- Schaut wie ein König, den der Feind verjagte,
- Sein Bild im Strom, der träg vorüber schleicht.
-
- Mit einer Weidengerte züchtigt leicht
- Den Faun, der lüstern sie zu necken wagte,
- Die schläfrige Najade, die betagte,
- Er lacht des Zorns, der ihn mit Ruten streicht.
-
- Der fade Vorwurf bringt mich um die Laune.
- Welch Dichter schuf dies Werk, das ich bestaune,
- Welch düsterer Stümper dachte dich nur aus,
-
- Verblichenes, zerschlissenes Gewebe?
- Wie ein Theatervorhang blöd -- --, und kraus,
- Ach, wie das Leben, das ich ärmster lebe!
-
-
-
-
- Hirngespinste
-
-
- I.
-
- Dame Mäuschen trottet
- Schwarz in grauer Abendstund,
- Dame Mäuschen trottet
- Grau auf schwarzem Grund.
-
- Eine Glocke läutet
- Die Gefangnen in den Schlaf,
- Eine Glocke läutet,
- Schlaft und seid hübsch brav.
-
- Keine bangen Träume,
- Denket an die Liebste jetzt,
- Keine bangen Träume,
- Träumt was euch ergetzt.
-
- Strahlt der Mond vom Himmel,
- Schnarcht der müden Schläfer Schar,
- Strahlt der Mond vom Himmel,
- Ist es eben wahr.
-
- Wolken ziehn vorüber,
- Finster wird es, wie im Loch,
- Wolken ziehn vorüber,
- Und der Tag kommt doch.
-
- Dame Mäuschen trottet
- Rosig, ringsum ist es hell,
- Dame Mäuschen trottet,
- Auf, ihr Schläfer, schnell!
-
-
- II.
-
- Im Kreise trotten sie herum
- Und keiner spricht,
- Der Hof liegt stumm
- Im grellen Licht.
- Das Unkraut wuchert rings, es zaust
- Der Wind die Stirn,
- Und Unkraut haust
- In ihrem Hirn.
-
- O Simson, drehe nur den Stein!
- Was für ein Korn
- Mag das wohl sein?
- Fragst Du im Zorn.
- Die Mühle, die das Schicksal treibt,
- Mahlt nicht zum Scherz,
- Du Narr, zerreibt
- Verstand und Herz.
-
- Sie kommen! klipp, klapp, geht der Schuh,
- Er ist von Holz,
- Jetzt hast Du Ruh,
- Verdammter Stolz!
- Daß keiner seufzt und keiner zuckt,
- Ihr wißt es doch:
- Wer auch nur muckt,
- Der fliegt ins Loch.
-
- Das ist mein Zirkel, Tag für Tag
- Bin ich sein Gast,
- Auf jeden Schlag
- Schon längst gefaßt.
- Gesellschaft, hab ich Dich verletzt,
- Dich keck bedroht,
- Gibst Du mir jetzt
- Kein Zuckerbrot.
-
- Genossen, Brüder von der Zunft,
- Seid nicht erbost,
- Denn die Vernunft
- Gewährt uns Trost.
- Es ist so süß, im Sonnenbrand
- Sich auszuruhn
- Und mit Verstand
- Mal nichts zu tun.
-
-
-
-
- Der Schamlose
-
-
- Der böse Blick, des Lebens Not,
- Sie haben ihn gejagt, gehetzt,
- Und er, der herrisch einst gedroht,
- Hat eines Knechtes Seele jetzt.
-
- Ein Jettatore, einer der
- Als Bettler rettungslos verdirbt,
- Die Feinde folgen hinterher,
- Die beiden Feinde, bis er stirbt.
-
- Sein Blick schon macht die Kinder klug!
- Zertreten trotzt er noch genug,
- Ein Vieh, doch Narr auf eigne Faust.
-
- Ihr schönen Damen, schenkt kein Geld
- Dem schlechten Kerle, der hier haust,
- Schenkt ihm euch selber, wenn's gefällt.
-
-
-
-
- Hände
-
-
- Das sind nicht Prinzenhände, keines
- Prälaten Hände, wohl gepflegt,
- Und doch ist etwas zartes, feines
- In diesen Händen ausgeprägt.
-
- Auch keines Künstlers, oder ehrlich
- Auch keines Dichters. Dennoch steckt
- Etwas von Leid darin, das schwerlich
- Ein anderes Empfinden weckt.
-
- Nicht minder fühlen, nicht geringer
- Als Welten sie ihr Weh und Wohl,
- Der Daumen und der kleine Finger
- Bezeichnen dem Magnet den Pol.
-
- Und bricht das Herz im Sturme nieder,
- Und wird das Hirn vom Blitz erhellt,
- Es spiegelt alles treu sich wieder
- In dieser klugen kleinen Welt.
-
- Vom Steine sind sie nicht zerrieben,
- Nicht schwielig von des Beiles Hieb,
- Doch in den Linien steht geschrieben
- Von Arbeit, die nichts schuldig blieb.
-
- Lang sind sie, mager und von schmalen
- Gelenken, grau, die Nägel breit,
- Wie man sie in den Kathedralen
- Auf Bildern sieht aus früher Zeit.
-
- Wie man sie wohl bei Invaliden,
- Die nichts mehr aus dem Traume stört,
- Von Tagen, die längst abgeschieden,
- Von schweren Kämpfen flüstern hört.
-
- Die trocknen Hände fielen heute
- In dieses Abends düsterm Bann
- Gedankenschwerem Leid zur Beute,
- Ich seh es ihnen deutlich an.
-
- Die Sorge peinigt sie, die blasse,
- Auch ihnen bleibt sie nicht erspart,
- Der Alb drückt sie, und die Grimasse,
- Die es verrät, ist eigner Art.
-
- Ich habe Angst, ich muß mich hüten!
- Auf meinem Tische seh ich sie
- In tiefem Schweigen finster brüten,
- So furchtbar schienen sie noch nie.
-
- Rechts die, links die ..! bin ich bei Sinnen?
- Sind diese Hände wirklich mein?
- Dort auf dem Bett das weiße Linnen,
- Das muß ein Totenlaken sein!
-
- Da draußen geht der Tag zu Ende,
- Der Sturmwind heult in wilder Wut ...
- Ach, wären Traum nur diese Hände!
- Das wäre gut -- -- nein, schlecht -- -- nein, gut.
-
-
-
-
- Närrischer Rat
-
-
- Zeig Dich niemals schüchtern,
- Wenn Du klug nur bist,
- Doch die Ehe ist
- Abgeschmackt und nüchtern.
-
- Tapfer trinken lohnt!
- Guckst Du in die Flasche,
- Trägst Du in der Tasche
- Sonne bald und Mond.
-
- Blöken dumme Kälber,
- Fühle Dich geehrt,
- Unsern wahren Wert
- Kennen wir nur selber.
-
- Rotes Herzblut kreist
- Flammend durch die Adern,
- Brauchst nicht gleich zu hadern,
- Wenn ein Floh Dich beißt.
-
- Wenn die Stürme tosen,
- Nimm es in den Kauf,
- Pfeife ruhig drauf,
- Pflücke keck die Rosen.
-
- Nimm nur alles so,
- Wie es ist auf Erden,
- Besser wird's nicht werden,
- Also trag es froh.
-
- Laß die Leute sprechen,
- Ihnen macht es Spaß,
- Oben der vergaß
- Längst schon Dein Verbrechen.
-
- Deine Seele zagt,
- Doch zu neuer Blüte
- Führt sie seine Güte,
- Wenn der Morgen tagt.
-
- Wenn des Schicksals Tücke
- Schwache auch zerbricht,
- Dich zerschlägt es nicht
- Gleich in tausend Stücke.
-
- Spotte Deiner Qual,
- Zwinge Deinen Jammer,
- Wirst ja unterm Hammer
- Härter noch als Stahl,
-
- Mag der Amboß wimmern,
- Wenn er nieder saust;
- In Sankt Jürgens Faust
- Wird die Klinge schimmern.
-
- Und Sankt Michael
- Wird zum Licht Dich heben,
- Dort wirst neu Du leben
- Ohne Schuld und Fehl.
-
- Sieh, die Blumen sprießen
- Aus des Grabes Ruh,
- Lächeln sollst auch Du,
- Wenn die Tränen fließen.
-
- Sieh, aus dem Gestein
- Werden Funken sprühen,
- Bald wirst aller Mühen
- Du auch ledig sein.
-
-
-
-
- Lieder für sie
-
-
- I.
-
- Ich will nicht immer auf Dich zählen,
- Doch bin von Eifersucht ich frei,
- Wozu mit dererlei sich quälen,
- Denn glücklich wird man nicht dabei.
- Die Liebe hoch und hoch wir zwei!
-
- Du übst mit kluger Überlegung
- Praktiken von besonderer Art,
- Und Künste Deiner eignen Prägung
- Sind für den Kenner aufgespart,
- Mir bleibt noch immer was verwahrt.
-
- Laß nur die lieben Leute bellen,
- Was geht mich Dein Geburtsschein an?
- Ich sehe Deinen Busen schwellen,
- Verstrickt in Deines Auges Bann,
- Und was Dein heißer Kuß erst kann ....
-
- Sei mir so treu wie irgend möglich,
- Besonders wenn es Dir mal paßt;
- Begegne meinem Wunsch verträglich,
- Er ist ja ein bescheidener Gast,
- Auf jede Laune stets gefaßt.
-
- »Entschwunden sind die schönen Zeiten«
- Höhnt mancher törichte Gesell.
- Dank Dir und Deinen Zärtlichkeiten
- Brennt immer noch die Lampe hell,
- Wir und die Liebe! Wein her, schnell!
-
-
- II.
-
- Du meines Lebens süße Labe,
- Genossin meines armen Seins,
- Der ich mich ganz ergeben habe,
- Du allerletzte, wir sind eins.
- Komm her zu mir, ich will Dich küssen,
- Ich halte sicher Dich und fest,
- Wir lieben uns, weil wir es müssen,
- Bis zu des Bechers letztem Rest.
- Liebe mich,
- Ohne Dich
- Ist die Welt
- Mir vergällt.
-
- Du hast nur Deine beiden Hände,
- Arm bin ich wie die Kirchenmaus,
- Wir sehen auf die kahlen Wände
- Und führen kein zu großes Haus.
- Und doch sproßt immer uns das gleiche,
- Dasselbe Glück aus unserer Lust,
- Ein König bin ich, meine Reiche,
- Sie liegen tief in Deiner Brust.
- Liebe mich,
- Ohne Dich
- Ist die Welt
- Mir vergällt.
-
- Nach unsern großen Liebesnächten
- Erstrahlt mir heller stets der Tag,
- Du liebst mich mit der reichen, echten,
- Der Liebe, die nicht feilschen mag;
- Neu gießest Du in meine Säfte,
- In meine Adern Feuerwein,
- Es hauchen Deine Zauberkräfte
- Mir eines Gottes Odem ein.
- Liebe mich,
- Ohne Dich
- Ist die Welt
- Mir vergällt.
-
- Was Du einst warst, mich soll's nicht stören,
- Und was ich bin, geht keinen an,
- Dir will für immer ich gehören,
- Nur Gutes hast Du mir getan.
- Das Leid, das wir gemeinsam tragen,
- Macht uns von Schuld und Sünde frei,
- Die Welt verstößt uns! was die sagen,
- Wenn Du mich liebst, ist's einerlei.
- Liebe mich,
- Ohne Dich
- Ist die Welt
- Mir vergällt.
-
-
-
-
- An König Ludwig II. von Bayern
-
-
- Du einziger König dieser Zeit, den Purpur kleidet,
- Der Du im Sterben Deinen Genius hast gerächt
- Am Wahnsinn jener Wissenschaft, die uns beneidet,
- Die breit an unserm Herd zu sitzen sich erfrecht,
-
- Die Gott gemordet hat und hämisch dem Geschlecht
- Des Menschen Freude, Kunst und Poesie verleidet,
- Im Tode gabst Du noch den Tod, Dein Stolz war echt,
- Ich grüße Deine Majestät, die glorreich scheidet!
-
- In dem Jahrhundert, wo die Könige wie nie
- Zuvor verlernt die wirklich königliche Pose,
- Warst Du ein König, Märtyrer der Phantasie.
-
- Heil Dir und Deiner einzigen Apotheose,
- Der stolzen Seele, die befreit des Weges zieht,
- In Gold und Erz, umrauscht von Richard Wagners Lied!
-
-
-
-
- Meine Büste
-
-
- Hm ... das ist also die Gestaltung,
- In der mein Bild zur Nachwelt spricht!
- Höchst imponierend ist die Haltung,
- An Würde fehlt es wirklich nicht.
-
- Vor diesem Haupt, das jeden Morgen
- Um ein Erlebnis schwerer wiegt,
- Das dennoch seiner ewigen Sorgen
- Gewicht im bittern Kampf erliegt,
-
- Was urteilt einmal wohl die Clicque,
- Die schwatzend vor dem Marmor steht?
- »Gewiß, der harte Zug verrät,
-
- -- Man sieht es schon am finstern Blicke --
- Der Kerl war, was man böse nennt,
- Doch in der Büste steckt Talent.«
-
-
-
-
- José-Maria de Hérédia
-
-
- 1842-1905
-
-
-
-
- Vergessen
-
-
- Der Tempel auf der steilen Klippe ist zerfallen,
- Die ehernen Heroen liegen tief im Sand,
- Die Marmorgöttin, welche auf dem Altar stand,
- Ruht im Gestrüpp, verödet sind die weißen Hallen.
-
- Ein Rinderhirt läßt seine Muschelflöte schallen,
- Die Weise ist seit altersgrauer Zeit bekannt,
- Zur Tränke zieht der Stier im heißen Sonnenbrand,
- Der Geier späht nach Raub für seine scharfen Krallen.
-
- Die milde Erde, die die Götter einst gesehn,
- Schmückt stets im Frühling, um für alte Huld zu danken,
- Geborstene Kapitäle mit Akanthusranken.
-
- Der Mensch will seiner Väter Traum nicht mehr verstehn,
- In hellen Nächten hört er ohne frommen Schauer
- Des Meeres Klagelied und der Sirenen Trauer.
-
-
-
-
- Pan
-
-
- Quer durch des Waldes rätselhaftes Dickicht schweift
- Auf stillen Pfaden, die im tiefen Dunkel enden,
- Der Bocksfuß, der die Nymphen mit den frechen Händen,
- Wo sie sein heißer Blick erspäht, verlangend greift.
-
- Rings Girren und Geraun. Ein heller Lichtstrahl streift
- Das Dach, frohlockend tanzt er auf den grünen Wänden;
- Es lebt und webt im Holz, verborgene Quellen spenden
- Ihm junge Kraft, zur Höhe ist der Tag gereift.
-
- Verloren hat sich eine Nymphe. Unentschlossen
- Lauscht sie der Träne, die vom Morgentau vergossen
- Im Moose schluchzt. Das junge Herz bangt ahnungsvoll.
-
- Ein Sprung! Da hält sie schon der Gott, von Wollust trunken,
- Im Arm, sein Lachen peitscht die weiche Luft wie toll ...
- Fort ist er. Und in Schweigen liegt der Wald versunken.
-
-
-
-
- Der Ziegenhirt
-
-
- Verfolge nicht den Bock auf diesem Kletterpfad,
- Ein Fehltritt, und Du kommst zu Schaden und zu Leide!
- Am Hang des Menalos, wo wir die Sommerweide
- Beziehn, gewahrst Du kaum, wie schnell das Dunkel naht.
-
- Ich habe Wein und Obst. Wir harren, durch den Grat
- Geschützt, des Morgens hier, doch laut zu sein vermeide,
- Allgegenwärtig sind die Himmlischen, uns beide
- Hat Hekate schon längst erspäht. Deshalb mein Rat.
-
- Der Satyr, der als Herr auf diesen Höhen schaltet,
- Haust dort im tiefen Loch, wo das Gestein sich spaltet,
- Er kommt hervor, wenn jemand ihn zu schrecken wagt.
- Horch, die Schalmei! laß flink uns in den Schatten schlüpfen ...
- Sieh, wie der Mondschein sich an seine Hörner hakt,
- Zum Tanze spielt er auf, und meine Ziegen hüpfen.
-
-
-
-
- Weihe
-
-
- Dem grimmen Ares weihe ich die treuen Waffen!
- Hilf mir, ich bin zu alt. Hier vor das Gottes Bild
- Häng an den Pfeiler meinen Helm, den schweren Schild
- Und dieses schartige Schwert ..., ich kann es nicht mehr schaffen.
-
- Und auch den Bogen. Meinst Du, daß er mit der straffen
- Sehne hier hängen soll? Ich wär es gern gewillt,
- Doch meine Kraft versagt, wenn solcher Kunst es gilt,
- Das harte Holz gehorcht nicht mehr dem Arm, dem schlaffen.
-
- Nimm jetzt den Köcher. Wunderst Du Dich etwa, weil
- Er leer ist? Ja, mir scheint, Dein Auge sucht den Pfeil,
- Damit er Dir von blutigem Männerstreit erzähle!
-
- Es ist umsonst, Du findest keinen mehr davon,
- Sie schwirrten zischend durch das Feld von Marathon
- Und stecken alle in des toten Persers Kehle.
-
-
-
-
- Des Toten Bitte
-
-
- Halt, Wanderer, ein Wort! Wenn je Dein froher Mut
- Nach Kypsela Dich führt am Hebrosstrand, so frage
- Dem greisen Hyllos nach, er soll die Totenklage
- Dem Erben weihn, der nie mehr an des Herdes Glut
-
- Sich wärmen wird. Zernagt vom Wolf und seiner Brut
- Vermodert der erschlagne Leib im finstern Hage,
- Vergebens harrt, daß ihn das Boot hinüber trage,
- Am Styx der Schatten. Rache heischt vergossenes Blut.
-
- Jetzt geh. Des Abends, wenn der Sonne Strahlen bleichen,
- Siehst Du vielleicht ein Weib zu einem Denkmal schleichen,
- Der schwarze Schleier hüllt das weiße Haupt ihr ein.
-
- Daß nächtigen Spuk die Ärmste treibt, darfst Du nicht wähnen,
- Es ist mein Mütterchen. Sie beugt sich auf den Stein
- Und füllt die leere Urne nur mit ihren Tränen.
-
-
-
-
- Der Sklave
-
-
- Ein Sklave bin ich jetzt, zerlumpt, gehetzt, gejagt,
- Mein Rücken kennt den Schmerz, mein Auge kennt die Tränen,
- Geboren bin ich frei, am Strande der Sirenen,
- Dort wo die blaue Hybla froh gen Himmel ragt.
-
- Hätt ich Sicilien nie Lebewohl gesagt,
- Ach würde noch einmal erfüllt der Seele Sehnen!
- Wenn Du zur Winterszeit nach Süden folgst den Schwänen,
- O Gastfreund, geh zu ihr, nach der mein Kummer fragt.
-
- Noch einmal möchte ich die Augen schaun, die feuchten,
- Daraus der Sonne Glanz und alle Sterne leuchten,
- Und ihrer dunkeln Brauen sieggewohntes Joch.
-
- Such Cleariste auf! ich fleh Dich an, erbarme
- Dich gnädig, sage ihr, ich lebe, liebe noch,
- An ihrer tiefen Trauer kennst Du sie, die arme.
-
-
-
-
- An der Trebia
-
-
- Auf kahlen Höhen flammt des bleichen Morgens Pracht,
- Numidische Geschwader führen, um zu tränken,
- Die Rosse schnell hinab, wo sich die Ufer senken,
- Die Hörner schmettern grell, das Lager ist erwacht.
-
- Sempronius nämlich, der die Augurn keck verlacht,
- Trotzt dem geschwollnen Strom und Scipios Bedenken,
- Die seines Consulates junge Würde kränken ...
- Lictoren, hebt das Beil, Cohorten, auf zur Schlacht!
-
- Der dunkle Horizont steht rings umher in Flammen,
- Des Insubrers armselige Hütte bricht zusammen,
- Laut in Trompetentönen klagt ein Elefant.
-
- Dort unterm Brückenbogen lehnt ein Mann. Ein dumpfes
- Geräusch vom Taktschritt der Legionen naht. Gespannt
- Lauscht Hannibal mit einem Lächeln des Triumphes.
-
-
-
-
- Nach der Schlacht bei Cannae
-
-
- Der eine Consul tot, der andere verschollen,
- Der Aufidus schwillt an, es wälzt die trübe Flut
- Zum Meer die Waffen und die Leichen. Rot wie Blut
- Wölbt sich der Himmel über Rom, die Donner grollen.
-
- Vergebens fällt der Opferstier, die Götter wollen
- Nicht sprechen, keine Vogelschau schafft neuen Mut,
- Die Bücher der Sibylle schweigen. Schrecken ruht
- Und Trauer auf der Stadt, des Schicksals Würfel rollen.
-
- Am Abend steht die Menge auf dem Aquäduct,
- Die Väter und das Volk. Nur ein Gedanke zuckt
- Durch Tausende. Sie spähn hinaus in bangem Schweigen.
-
- Sie sehen schon im letzten Abendsonnenstrahl
- Auf seinem Elephanten jenen Hannibal
- Von den Sabinerbergen klirrend niedersteigen.
-
-
-
-
- Villula
-
-
- Du bist am Ort, Du brauchst nicht weiter erst zu gehen!
- Dem alten Gallus eignet dieses kleine Gut,
- Das so bescheiden an dem niedern Hange ruht,
- Und dieses Schindeldach, kaum kann man drunter stehen.
-
- Im Häuschen mag er einen Freund schon bei sich sehen;
- Ein Weinberg ist dabei, des alten Herdes Glut
- Backt reichlich Brot, und wie die Bohnensuppe tut,
- Frag ihn ...! Soll von den Göttern er noch mehr erflehen?
-
- Des Wäldchens Reisig kommt im Winter ihm zu Nutz,
- Im heißen Sommer bietet ihm das Laubdach Schutz,
- Der Herbst bescheert wohl eine Drossel, ein paar Meisen.
-
- Hier lebt er an der Stätte, die des Knaben Spiel
- Geschaut, zufrieden mit dem Lose, das ihm fiel.
- Jetzt kennst Du Gallus, Freund. Du findest einen Weisen.
-
-
-
-
- Tranquillus
-
-
- C. Plinii Secundi Epist. I. 24.
-
- Hier hat Sueton gelebt! stets führte das Verlangen
- Nach seines Tibur tiefer Ruh ihn wieder her;
- Noch steht ein Bogen von der Villa aufrecht, der
- Die Ranken stützt, die an den alten Ulmen hangen.
-
- In jedem Herbst ist er von Rom hierher gegangen,
- Aus jenem großen, glutdurchwogten Häusermeer,
- Hier leuchtete die rote Traube, reif und schwer,
- Dies Fleckchen Erde nahm ihn immer neu gefangen.
-
- Und in dem Frieden waren sie ihm alle nah,
- Des Claudius Spukgestalt, Nero, Caligula,
- Der Messalina frevelhaft verbuhltes Lieben,
-
- Das grause Spiel, das einst auf Capri ward getrieben ...
- Dies alles hat in Wachs geritzt, ganz wie's geschah,
- Sein Griffel hier, der unerbittlich wahr geblieben.
-
-
-
-
- Lupercus
-
-
- M. Val. Martialis Lib. I. Epigr. 118.
-
- Lupercus hält mich eifrig an, der Bücherjäger:
- Dein neues Epigramm ist köstlich, Meister, fein!
- Du borgst mir -- tadellos ist wirklich das Latein --
- Die ganze Rolle, morgen schick ich meinen Neger.
-
- Den der so humpelt und so keucht? Das ist ein träger
- Gesell, der schläft auf meiner steilen Treppe ein.
- Du wohnst am Palatin? bequemer kann's nicht sein,
- Im Argiletum haust Atrectus, mein Verleger.
-
- Sein Lager ist auf's reichste assortiert, ich kenn's:
- Vergil und Silius, Plinius, Phädrus und Terenz,
- Du magst nach Lebenden, Du magst nach Toten fragen.
-
- Dort steht, und nicht im letzten Fach, im Futteral
- Von Cedern, fein gefalzt, in Purpur eingeschlagen,
- -- Für fünf Denare hast Du ihn -- auch der Martial.
-
-
-
-
- Die Dogaressa
-
-
- Die Herren plaudern in den lichten Säulengängen,
- So malte sie des göttlichen Vecellio Hand;
- Noch röter leuchtet heut das rote Prachtgewand
- Im Glanz der schweren Ketten, die darüber hängen.
-
- Sie blicken in die trübe Flut, die in der engen
- Lagune, aus der weiten Adria verbannt,
- Vorüberrauscht, sie sehn den Himmel, lachend spannt
- Er sich ob buntem Volk, ob fröhlichen Gesängen.
-
- Die stolzen Nobili im purpurfarbenen Kleid,
- Mit kaltem Herrenblick und blitzendem Geschmeid
- Bewegen ernst sich auf der weißen Marmortreppe.
-
- Die Dame dehnt im Sessel lässig sich und stumm,
- Sie dreht sich langsam zu dem kleinen Neger um
- Und lächelt. Dieser Wicht trägt die brokatne Schleppe.
-
-
-
-
- Der alte Goldschmied
-
-
- Trotz manchem Namen, der ins Meisterbuch geschrieben,
- Trotz Ruiz, Becerril, Ximenez und Arphee
- Hab ich den Stein gefaßt, die Perle, die Kamee,
- Der Vase Griff gedreht, ihr Fries herausgetrieben.
-
- Den Märtyrer, der auf dem Roste treu geblieben,
- Ihn bildete ich nie, ich malte, Schmach und Weh,
- Dionysos im Rausch, den Fall der Danae
- Auf Silber und Email, statt meinen Herrn zu lieben.
-
- Ich habe mehr als eine Klinge damasziert,
- Bei diesem Teufelswerk, das frecher Stolz gebiert,
- Vergaß ich um der Seele Seeligkeit zu werben.
-
- Dem dunkeln Abend neigt sich meines Tages Glanz,
- Ich will wie Fra Juan von Segovia sterben,
- Mein letztes Werk sei eine goldene Monstranz.
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- Die Conquistadoren
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- Ein wilder Geierflug aus Horsten kahl und leer,
- Des stolzen Elends satt sind sie der Not entflohen,
- Von wüstem Traum berauscht, Banditen und Heroen,
- So stießen sie hinaus von Palos de Moguer.
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- Zipango war ihr Ziel, des roten Goldes schwer,
- Gold sah die heiße Gier im tiefen Schachte lohen;
- Die Passatwinde, welche schreckenvoll sonst drohen,
- Geleiteten sie durch das unbekannte Meer.
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- Die Tropennacht verheißt schon morgen Abenteuer,
- Ein blauer Phosphorglanz ringsum, ein Meer in Feuer,
- Durchfurcht von leichtem Kiel auf rätselhafter Bahn;
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- Sie beugen sich hinab von ihren Caravellen,
- Da steigt ein neuer Stern tief aus dem Ozean
- Zum fremden Himmel auf, die Pfade zu erhellen.
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- Jungbrunnen
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- Juan Ponce de Leon erlag des Teufels Spiel,
- Als mit den Jahren er das dichte Haar sah bleichen;
- Von alten Schriften voll und kraft geheimer Zeichen
- Lenkt nach dem Bronnen ewiger Jugend er den Kiel.
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- Er kreuzt, des Traumes Knecht, dem all sein Witz verfiel,
- Drei Jahre durch die Fluten, die sich endlos gleichen;
- Da taucht, vom Licht umrahmt, und alle Nebel weichen,
- Ein Märchen, Florida, empor. Er steht am Ziel.
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- Nun segnet er den Wahn, der ihn hierher geleitet,
- Sein Banner pflanzt er auf, die müden Hände breitet
- Er nach dem Strande aus, der ihm zum Grabe wird.
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- Beneidenswerter Greis, Dein Sehnen und Dein Streben
- Hat Dir der Tod erfüllt, und ob Du schon geirrt,
- Hat er des Ruhmes ewige Jugend Dir gegeben.
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- Auf eine tote Stadt
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- Cartagena de Indias, 1533-1585-1697.[4]
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- Verträumte Stadt, voreinst die Königin der Meere!
- Heut tummelt in der Bucht sich ungestraft der Hai,
- Die Schatten dehnen sich in ödem Einerlei
- Dort wo die Flut gewiegt Galione und Galeere.
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- Franz Drakes Eisenfaust brach Deine stolze Wehre,
- Die Mauer und den Turm schlug Englands Neid entzwei,
- Und Wunden klaffen noch, die Spur von Pointis' Blei,
- Ein düsterer Perlenkranz der Trauer und der Ehre.
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- Die Sonne kocht das Meer, das sich nur träge kräuselt,
- Die Königin, sie schläft, vom Windeshauch umsäuselt,
- Sie träumt von altem Ruhm und vom Conquistador,
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- Von ihrem jähen Fall, die Trümmer sieht sie qualmen;
- In heißen Nächten schreckt sie angsterfüllt empor ....
- Dann schläft sie wieder ein, umrauscht von schlanken Palmen.
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- Antike Medaille
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- Noch immer kocht den Purpursaft, der Theokrit
- Berauscht, der Ätna an den glühend heißen Lehnen,
- Doch spähte heut umsonst des Sängers Blick nach jenen
- Gestalten, welche einst gepriesen hat sein Lied.
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- Ach, Arethusa hat als Sklavin feig gekniet
- Vorm Grimm des Anjou, und der Lust des Sarazenen
- Hat sie gedient, das Griechenblut in ihren Venen
- Verdarb gleich dem Profil, das Götterhuld verriet.
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- Der Zahn der Zeit hat selbst den Marmor angefressen,
- Zum Schatten wurde Agrigent, und halb vergessen
- Träumt unterm Blau des milden Himmels Syrakus.
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- Das spröde Erz nur, dem sich Liebe anvertraute,
- Bewahrt den keuschen Abglanz und den letzten Gruß
- Der Mädchenschönheit, welche einst Sizilien schaute.
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-[Fußnote 4: Cartagena de las Indias, Hafenstadt in Südamerika, 1533 von
-einem Vorfahren des Dichters gegründet, 1585 von den Engländern und 1697
-von den Franzosen zerstört.]
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- Bretagne
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- Die Unrast schwindet, Deine Seele wird sich weiten,
- Wenn Dir die salzige Seeluft durch die Lungen zieht;
- Zu Arvors Klippe klimm empor! Dein Auge sieht
- Tief unter Dir den weißen Ozean sich breiten.
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- Die Erika, der Ginster blüht. In grauen Zeiten
- Sang der Druide hier dem Clan das Zauberlied
- Von Zwergen und Dämonen. Hart wie der Granit
- Sah auch der Mensch Jahrtausende vorüber schreiten.
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- So komm und schau Dich um! Zum düstern Himmel ragt
- Des Menhir altes Mal, das um die Helden klagt,
- Die unter rotem Haidekraut vergessen liegen;
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- Die ewige See, die Is und Occismor umschmiegt,
- Die sie in einem Bett von goldnen Algen wiegt,
- Wird flüsternd auch Dein Herz, das kummervolle, wiegen.
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- Maris stella
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- Von Tannenholz der Schuh, die Haube weiß wie Schnee,
- Aus Wollenstoff das Kleid, die Schürze von Perkale,
- Sie liegen auf den Knien, ach, zum wievielten Male,
- Am steilen Klippenrand, in Bangen und in Weh.
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- Die Männer, Väter, Söhne, Brüder sind auf See
- Mit denen von Paimpol, Audierne und Cancale,
- Im Norden stellen sie dem Hering nach, dem Wale,
- Hart ist des Fischers Los und hart war es von je.
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- Fromm tönet übers Meer, das sich unendlich weitet,
- Der Bittgesang zum Stern, der jeden Schiffer leitet,
- Und die bewegte See wird mählich wieder still;
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- Der Abendglocken Ruf läßt alle Häupter neigen,
- Sie schallen von Roscoff, vom Turm von Sybiril,
- Der Himmel färbt sich rot, sie schwellen an und schweigen.
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- An Ernesto Rossi
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- Nach einer Dante-Deklamation.
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- O Rossi, ich hab Dich gesehn, da Du gelassen
- Opheliens Herz zertratst wie eine Blume, Dir
- Hab zitternd ich gelauscht, da Du, ein wildes Tier,
- Desdemona erwürgt -- --, ich konnte es nicht fassen.
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- Den Macbeth habe ich bewundert und den Lear,
- Ich sah Dich letzten, der zu lieben weiß, zu hassen
- Auf Italienerart, wie Juliens Mund, den blassen,
- Du küßtest. Größer schienst Du eines Abends mir.
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- Da hab ich es erlebt, erschüttert und begeistert,
- Zum ersten Mal, wie die Terzinen Du gemeistert,
- Sie schmetterten gleich ehernem Drommetenklang.
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- Und meine Seele wähnte bebend, voller Grauen,
- Umzuckt von roter Lohe Dante selbst zu schauen,
- Leibhaftig, wie der Hohe den Inferno sang.
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- Jacques Normand
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- geb. 1848
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- Nach dem Essen
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- In dem Ledersessel friedlich,
- Höchst gemütlich,
- Sitzt der Gastfreund. Wie ein Schlauch
- Bläst er aufwärts im Verdauen
- Dichten blauen
- Leicht gewellten Tabaksrauch.
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- Nach der glänzenden Verpflegung,
- Der Erregung,
- Dem Geschwätz beim Mittagsmahl
- ^à l'anglaise^ sich zu strecken,
- Sich zu recken,
- Das ist einfach ideal.
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- Und dann sitzt man so vertraulich
- Und beschaulich
- »Unter uns«, nicht jedermann
- Will im Bilde ängstlich bleiben
- Und umschreiben,
- Was man deutlich sagen kann.
-
- Nein, wir sprechen frei! O Wunder,
- Der Burgunder
- Löst die Zunge. Manchem schon
- Hängt der Himmel voller Geigen,
- Weshalb schweigen?
- Jetzt riskiert man einen Ton.
-
- Nur nicht Politik, nicht Wahlen,
- Keine Zahlen,
- Solche Themen sind zu fein,
- Sowas darf man sich nicht leisten,
- Denn die meisten
- Schlummern dabei friedlich ein.
-
- Lieber so ein Anekdötchen,
- So ein Zötchen,
- Das die Laune nicht verdirbt,
- Das im enggeschlossnen Kreise
- Seine Reise
- Fröhlich antritt und auch stirbt.
-
- Man erfährt von Eingeweihten
- Neuigkeiten,
- Das Ballett wird durchgesiebt,
- Dankbar hört man Jagdgeschichten
- Neu berichten,
- Die der Ahnherr schon geliebt.
-
- Was nach einem guten Essen
- Angemessen,
- Wird mit Wichtigkeit erzählt,
- So gewährt des Geists Entfaltung
- Unterhaltung,
- Die das ernste Haupt nicht quält.
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- * * * * *
-
- Einsam sitzen unterdessen,
- Fast vergessen,
- Schöne Damen. Edler Stil
- Sind sie alle und Vollendung,
- Jede Wendung
- Zeigt beim Plaudern Halbprofil.
-
- Jeder kann von diesen Sternen
- Etwas lernen,
- Was ihn mit der Welt versöhnt,
- Von dem Wetter oder lieber
- Noch vom Fieber
- Und wie Baby man entwöhnt.
-
- Eine Schneiderin empfehlen
- Gute Seelen,
- Andere wissen andern Rat;
- Diesen Winter trägt man Loden,
- Nein, die Moden
- Sind abscheulich, in der Tat.
-
- Manches läßt man sich wohl bieten,
- Doch Visiten
- Nicht erwidern ist nicht fein,
- Bleibt man selber welche schuldig,
- Soll geduldig
- Immer hübsch der andere sein.
-
- Ein Roman, den jedes Wesen
- Schon gelesen
- Oder augenblicklich liest,
- Wird bewundert. Sehr erquicklich
- Und auch schicklich
- Ist es, was man da genießt.
-
- Der Tenor ... um Gottes Willen!
- Meine Pillen
- Tuen glücklich ihre Pflicht,
- Ach, die Leute .., alle Tage
- Solche Plage,
- Nein, man glaubt es wirklich nicht.
-
- Unser Doktor ist sehr peinlich.
- Höchst wahrscheinlich
- Gehn wir diesmal an die See.
- Vom Theater wird gesprochen.
- In die Wochen
- Kommt sie wieder mal ... o weh!
-
- Unerschöpflich quillt der Segen,
- Dauerregen
- Netzt in Strömen das Gesträuch.
- Trotzdem sieht sofort der Kenner,
- Ohne Männer
- Plagt die Langeweile euch.
-
- Arme Damen, seid bedauert,
- Denn ihr lauert
- Auf das stärkere Geschlecht.
- Ach, Ihr könnt noch lange harren,
- Die Zigarren
- Fordern mitleidlos ihr Recht.
-
- * * * * *
-
- Gott sei Dank, da sind sie endlich!
- Selbstverständlich
- Duften alle nach Tabak,
- Nach dem Kraute der Havanna,
- Frisches Manna
- Hat ganz anderen Geschmack.
-
- Doch die Frauen sind ja alle
- Ohne Galle!
- Manches liebliche Duett
- Tönt sofort. Nein, was ich sage,
- Ohne Frage,
- Dieser Abend war zu nett.
-
-
-
-
- Taubenschießen
-
-
- Nachmittag ist es, lau und linde,
- Kein Sonnenschein, kein Hauch im Winde.
-
- Des Himmels Blau ist nicht recht klar,
- Wie Seide glänzt es auf ein Haar.
-
- Die weiche Luft, die schwere, satte,
- Ist wie ein dichter Bausch von Watte.
-
- Behagen, Frieden ringsherum
- Und Schweigen, alles still und stumm.
-
- Ein kurzes Rollen nur, ein matter
- Halblauter Ton, Gewehrgeknatter.
-
- Ein Taubenschießen. Drüben stehn
- Die Schützen, deutlich kann man sehn,
-
- Wie von dem Hintergrund die Gruppen
- Sich lösen gleich bewegten Puppen.
-
- Sie treten nach der Reihe an,
- Korrekt und aufrecht jedermann.
-
- Von Zeit zu Zeit auf grünen Matten
- Ein flüchtiger bewegter Schatten.
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- Der Vogel flattert auf erschreckt,
- Schon ist er von dem Blei gestreckt.
-
- Ein scharfes, abgehacktes Knallen,
- Zu Boden sieht man etwas fallen.
-
- Der Hund springt zu, er packt es fest,
- Er gibt dem armen Tier den Rest.
-
- So geht es weiter ohne Gnade,
- Kein Ende nimmt die Füsillade.
-
- Durch blaue Lüfte zuckt der Blitz,
- Ein Messerstich, kurz, scharf und spitz.
-
- Gemetzel, sinnlos, feig, empörend,
- Des Tages heiligen Frieden störend.
-
- In dieses Himmels reiner Luft
- Der Mensch allein ein Schelm, ein Schuft,
-
- Der Hekatomben, weil's ihn lüstet,
- Zum Opfer bringt und sich noch brüstet,
-
- Der rings des Todes Saaten sät,
- Damit die Stunde schnell vergeht.
-
-
-
-
- Aufrichtig
-
-
- Jüngst las ein Buch ich, das ein Symbolist geschrieben,
- Ein höchst profunder Geist, ein starker Geist, mag sein,
- Jedoch so stark und tief, dabei so zart und fein,
- Daß mir von der Lektüre Kopfschmerz nur geblieben.
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- Ich muß gestehn, ich hab Ästhetik nie getrieben,
- Für diese Welten ist mein armes Hirn zu klein,
- Solch hoheitsvolle Denker gehen mir nicht ein,
- Mit einem Wort: Ich bin ein Schaf. Ganz nach Belieben.
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- Ich bin ein Schaf. Gut. Abgemacht. Es bleibt dabei.
- Ich finde niemals, ob gezwungen oder frei,
- Die Schönheit, wo die Worte sich im Dunkeln balgen.
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- Ich bin ein Spießer, ein Philister, einerlei,
- Darauf laß ich mich hängen. Doch mein letzter Schrei
- Ist noch: Die Klarheit hoch! Jetzt schleppt mich hin zum Galgen.
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- Um den Ruhm
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- Beerdigung allerersten Ranges. In den Hallen
- Der Madeleine ist heute ganz Paris zu sehn,
- Kunst, Presse, Parlament, kaum kann man sich noch drehn.
- Das war ein Mann! Kein Apfel kann zur Erde fallen.
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- Er starb. Hat er gelebt? Er lief dem Ruhm nach, allen
- War er im Wege. Nichts ist ohne ihn geschehn,
- Da hieß mit einem Mal der Tod ihn stille stehn,
- Es war vorbei. Er packte ihn mit Geierskrallen.
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- Der greise Priester mit dem dünnen Silberhaar,
- Mit seinem schönen Kopf, mit Augen hell und wahr,
- Hebt die Monstranz. Kein Laut im weiten Heiligtume.
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- Hier dieser Lebende und dort der Tote. Zwar
- Bin ich kein Großer, doch dies eine ist mir klar:
- Ein Schritt zu Gott gilt mehr als tausend Schritt zum Ruhme.
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- Jean Richepin
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- geb. 1849
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- Unsere Vergnügungen
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- Wenn uns mal, dieweil wir jung,
- Lustig stimmt ein guter Trunk,
- Kläfft die ganze Meute.
- Ach, die Tage eilen so,
- Und nicht jeder Tag ist froh,
- Wir sind arme Leute.
-
- Narren nennt uns jedermann,
- Aber keiner denkt daran,
- Daß, um muntere Lügen
- Durchzuführen, mancher friert
- Und vor Hunger fast krepiert,
- Das ist kein Vergnügen.
-
- Kälte, Durst und Hunger sind
- Untertan dem Königskind,
- Das sie Dichter heißen.
- Armer König, oft gäb er
- Dreimal seine Krone her,
- Hätt er was zu beißen.
-
- Manchem, dem einst ferne Zeit
- Sicherlich ein Denkmal weiht,
- Blühen späte Rosen;
- Wißt ihr, was ihm besser frommt,
- Bis es einmal dazu kommt?
- Ein Paar neue Hosen.
-
- Wenn uns heller Glanz bestrahlt,
- Mord und Tod! Der ist bezahlt,
- Ist's mit Wucherzinsen.
- Und der Magen, der uns zwackt,
- Schlägt zu der Musik den Takt,
- Hört sie an mit Grinsen.
-
- Die ihr heimlich trinkt und zecht,
- Die ihr täglich regelrecht
- Dreimal findet Futter,
- Macht nicht immer gleich Skandal,
- Wenn auch unsereiner mal
- Kommt zu Brot und Butter.
-
- Wenn ihr schon ein Lied wo hört,
- Das euch die Verdauung stört,
- Nur kein Donnerwetter!
- Trockne Kehle, leerer Bauch,
- Lieben Wein und Braten auch,
- Nicht bloß Lorbeerblätter.
-
- Nehmt es drum nicht zu genau,
- Heute ist der Himmel blau,
- Also lustig heute!
- Ach, die Tage eilen so,
- Und nicht jeder Tag ist froh,
- Wir sind arme Leute.
-
-
-
-
- Unsere Rache
-
-
- Der Bourgeois nährt sich, still verdaut
- Der brave Bursche dreimal täglich,
- Und wenn er einen Dichter schaut,
- Dann lacht er, denn dem geht es kläglich.
-
- Mitunter dreht der Spieß sich um!
- Dann sieht der Dichter mit Behagen
- Vorm Schauspielhaus das Publikum
- Sich um die Eintrittskarten schlagen.
-
- Und wenn sodann das Spiel beginnt,
- Kann man sie leicht zu Tränen rühren;
- Wie selten merkt das große Kind,
- Daß wir es an der Nase führen.
-
- Doch vom Theater abgesehn,
- So haben wir noch gegen Laffen,
- Die protzig stets im Wege stehn,
- Verschiedene andere gute Waffen.
-
- Wir haben Leben, Lieder, Lust,
- Den Geist, der schweres leicht erledigt,
- Den großen Stolz in unserer Brust,
- Der uns für manches Leid entschädigt.
-
- Dann gab ein Gott uns zweierlei,
- Um dessentwegen sie uns hassen:
- Wir sind noch jung, wir sind noch frei,
- Keck dürfen wir uns sehen lassen!
-
- So'n Kerl wirft sich in Positur:
- »Oho, Ihr seid die rechten grade,
- Ihr lauft ja auf die Groschen nur,
- Mein Kind, das ist für Euch zu schade.«
-
- Wir mögen saure Früchte nicht,
- Dein Töchterlein ist dürr zum Lachen,
- Das Geld verschönert kein Gesicht,
- Es kann auch keinen Busen machen.
-
- Die Vogelscheuche! neben ihr
- Sitzt Deine Frau, Du armer Schächer;
- Ein flüchtiger Blick ..., hier sitzen wir,
- Und sie errötet hinterm Fächer.
-
- Das Mägdlein halte Dir getrost,
- Denn wir sind Kenner, unsere Zunge
- Verschmäht solch kümmerliche Kost -- --
- Wir haben Deine Frau, mein Junge!
-
-
-
-
- Mein Glas ist leer
-
-
- Einst goß ich, ein froher Zecher,
- Meinen Lieblingswein
- In den hell geschliffnen Becher
- Ohne Sorgen ein.
- Wenig konnte nie genügen,
- War der Wein auch schwer,
- Trank ich doch in vollen Zügen ....
- Dieses Glas ist leer.
-
- Wein des Ruhms, an jedem Orte
- Wirst Du hoch gelobt!
- Auch ich hätte diese Sorte,
- Ach, wie gern geprobt.
- Perlen sah ich ihn und schäumen,
- Mehr und immer mehr
- Schlürfte ich -- -- in meinen Träumen ...!
- Dieses Glas ist leer.
-
- Liebe, brr! ein saurer Krätzer,
- Dem gar mancher flucht,
- Trotzdem hab ich harter Ketzer
- Oftmals ihn versucht,
- Danach stand in jungen Tagen
- Immer mein Begehr,
- Hab auch ziemlich viel vertragen ....
- Dieses Glas ist leer.
-
- Älter ward ich und mein Sehnen,
- Einsam und allein
- Hab ich auch aus salzigen Tränen
- Schon gekeltert Wein.
- Um mein Kreuz, da standen alle,
- Mancher hob den Speer,
- Lachend trank ich bittere Galle ...
- Dieses Glas ist leer.
-
- Soll ich zürnen, soll ich hadern,
- Tut kein Wein mir gut?
- Ha, das Blut in meinen Adern
- Kreist noch, schlechtes Blut!
-
- Muß vom eignen Blute zehren,
- Bringt den Becher her,
- Laßt mich auch noch diesen leeren ...
- Dieses Glas ist leer.
-
-
-
-
- Moderne Studie nach der Antike
-
-
- Bah! Die Antike bleibt ein Bild von kalter Tugend,
- Wir respektieren sie .., ein Nachklang nur der Jugend!
- Ein Vorurteil, mein Freund, gleich andern ist auch dies;
- Nichts ist erlebt, nichts klar, nichts einfach, nichts praecis.
- Wir wollen heut Detail und keine leeren Phrasen,
- Die Alten ..., lieber Freund, da geht der Esel grasen.
-
- .... Die Hütte steht am Strand, mit Binsen leicht gedeckt,
- Aus Weiden ist die Wand. Dort liegen ausgestreckt
- Zwei Fischer auf dem Bett von Gräsern dürr und trocken.
- Daneben Fanggerät. Die Köder, welche locken,
- Die Angeln mit der Schnur, die Haken, etwas Tang,
- Die Netze, Körbe auch zu bergen ihren Fang.
- Geflochtne Reusen. Dann im Hintergrund, am Ende,
- Zwei Ruder mit den Spuren harter Schwielenhände,
- Ein wackeliges Boot auf Rollen und auf Stützen,
- Armselige Lumpen und zwei alte Fischermützen.
- Als Decken noch ein paar ganz abgenutzte Matten,
- Dies alles, wie sie's grade hingeworfen hatten,
- Ihr ganzes Hab und Gut, ein Durcheinander bunt.
- Nichts weiter, keine Tür, ja nicht einmal ein Hund.
- Wozu denn auch? es würde kaum der Mühe lohnen,
- Da beide ganz allein in dieser Öde wohnen.
- Die Hütte liegt verlassen in der Einsamkeit,
- Denn ihre Armut schützt sie vor der Menschen Neid.
-
- Jetzt, Freundchen, darfst Du die Kritik zum besten geben!
- Ist dieses Bild praecis, natürlich, hat es Leben,
- Zeigt es Dir das Detail ganz einfach, ohne Schwall?
- Sprich Dich nur offen aus, was sagst Du zu dem Fall?
-
- Die Studie findest Du, ich will den Zweifel stillen,
- Als einundzwanzigste in Theokrits Idyllen.
-
-
-
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- Auf Wache[5]
-
-
- Mein Junge, Du bist an der Reih,
- Du hast die Wache bis um drei,
- Wie willst Du Dir die Zeit vertreiben?
- Lang wird die Nacht Dir am Kompaß,
- Willst schlafen Du? ein schlechter Spaß!
- Und träumen? Junge, das laß bleiben!
-
- Horch lieber, wie die Woge braust,
- Und horche, wie der Sturmwind saust,
- Horch auf der Winde tollen Reigen;
- Vielleicht gelingt Dir ein Gedicht,
- Das wie ihr Laut zum Herzen spricht,
- Das Herzen peinigt, wie ihr Schweigen.
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-[Fußnote 5: Der Dichter war in seiner Jugend Schiffsjunge.]
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- Die Küste
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- Eine Festung, dies Gestade!
- Lang gestreckt und weiß und grade
- Liegt es da, ein fester Wall,
- Und die Wogen, die Schwadronen,
- Brechen sich in tiefem Fall
- Jählings an den Mauerkronen,
-
- Wälzen sich umsonst heran,
- Stürmen stets von neuem an,
- Um die Brüstung zu erreichen.
- Vorwärts jetzt mit frischer Kraft,
- Die Besatzung kommt ins Weichen,
- Vorwärts jetzt, die Bresche klafft!
-
- Drauf und dran, ihr wilden Koppeln,
- Müßt die Kräfte jetzt verdoppeln,
- Horch, wie toll die Trommel schlägt!
- Hört ihr nicht den Sturmwind pfeifen?
- Schnell die Böschung blank gefegt,
- Wagt nur mutig anzugreifen.
-
- Stücke Erde, groß und klein,
- Stürzen ab und Felsgestein,
- So, jetzt wanken schon die Zinnen!
- Trümmer liegen überall,
- Häufen draußen sich und drinnen,
- Abgebröckelt ist der Wall.
-
- Dringt durch die gesprengte Mauer!
- Wütend flutet kalter Schauer,
- Immer größer wird die Not.
- Heulend nahen neue Gäste,
- Reiche Ernte hält der Tod
- In der fast erlegenen Veste.
-
- Leichen häufen sich zum Turm,
- Dämmen jetzt den wilden Sturm,
- Decken rings die feuchte Erde.
- Von Verstümmelten ein Hauf
- Packt die abgehetzten Pferde,
- Hemmt der müden Rosse Lauf.
-
- Eine Festung, dies Gestade,
- Lang gestreckt und weiß und grade!
- Ohne Zagen wirft und baut
- Diese Festung ohne Gleichen,
- Daß es allen Feinden graut,
- Barrikaden auf von Leichen.
-
-
-
-
- Trockne Kiesel
-
-
- Ach, ihr enttäuscht mich, meine Lieder,
- Ihr gebt die Farbenpracht nicht wieder!
- Sind auch die Worte noch so reich,
- Sie scheinen unecht und erlogen,
- Vergleiche ich sie mit den Wogen,
- Wie sind doch meine Farben bleich!
-
- Was aus dem Herzen mir geflossen,
- Das hab ich treu hinein gegossen
- In eines Mannes redlich Werk.
- Wie fröhlich regte ich die Hände!
- Jetzt da die Arbeit ging zu Ende
- Erscheine ich mir wie ein Zwerg.
-
- Du kannst nur leere Reime schmieden,
- Dir ist ja doch kein Sieg beschieden,
- Das freie Meer bezwingst Du nie.
- Der Vers, den mühsam Du erdachtest,
- Den zu Papier mit Fleiß Du brachtest,
- Hat eine andere Melodie.
-
- Sobald die Flut zurückgetreten,
- Dann leuchtet, wie aus Blumenbeeten,
- In aller Farben frohem Schein,
- In weißem, rotem, grünem Schimmer,
- In tausendfältig buntem Flimmer
- Aus nassem Sand der Kieselstein.
-
- Umrahmt von feuchter Tropfen Kranze
- Erstrahlt der Stein im hellsten Glanze,
- Er funkelt, wie in Gold gefaßt.
- Die Sonne und die Winde kommen,
- Schnell ist die Glut verlöscht, verglommen,
- Schnell ist der Diamant verblaßt.
-
- So leuchten mir auch die Gedanken,
- Wenn meine Träume sie umranken,
- Wie Kiesel auf dem feuchten Strand;
- Doch ach, die Träume, sie verfliegen,
- Seh auf dem Tisch Papier ich liegen,
- Das nüchtern allen Glanz verbannt.
-
- Was prächtig eben noch gefunkelt,
- Das ist verblichen und verdunkelt,
- Die bunten Farben halten nicht;
- Die Phantasien, die mich locken,
- Entschwinden, grau erscheint und trocken
- Der Kieselstein und mein Gedicht.
-
-
-
-
- Jean-Arthur Rimbaud
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-
- 1854-1891
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-
-
- Mein Zigeunerleben
-
-
- Ich bummelte, die Hände in den leeren Taschen,
- Mein schöner Überzieher war längst in Verfall,
- Der Himmel schien so hoch. O Muse, Dein Vasall
- Versuchte träumend Liebesgötter zu erhaschen.
-
- In meiner einzigen Hose war ein großes Loch.
- Ich Däumling, der die Reime aus den Hülsen schälte
- Und keck den großen Bären zum Quartier erwählte,
- Vernahm das süße Rauschen meiner Sterne noch,
-
- Als ich am Straßenrand mich lauschend niedersetzte;
- Des Herbstes Abendtau, der meine Stirn benetzte,
- Hat mich wie starker Wein begeistert und erquickt.
-
- Zur Leier griff ich. Während rings die Schatten flogen,
- Hab ich den Gummi aus dem kranken Schuh gezogen
- Und flott drauf los gereimt, den Fuß ans Herz gedrückt.
-
-
-
-
- Lebenstiefe
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-
- Wenn in des Abends Blau das Ährenmeer sich wiegt,
- Streift mich der Halm, der mir sich neigt auf schmalen Pfaden,
- Die Kühle fühl ich träumend, die den Fuß umschmiegt,
- Und frei darf das entblößte Haupt im Winde baden.
-
- Das Denken schlummert ein, dem Mund entflieht kein Wort,
- Empor steigt grenzenlos die Liebe, still, allmählich;
- Wie ein Zigeuner wandere fort ich, immer fort,
- Allein mit der Natur ..., mit diesem Weibe selig.
-
-
-
-
- Faunskopf
-
-
- Im Laub, dem grünen, goldgefleckten Schrein,
- In schwanken Ästen, die ihn zitternd hüten,
- Schlief seines Mundes Kuß, der bittere, ein;
- Jetzt hebt er wieder aus gewirkten Blüten
-
- Den geilen Blick, der liebestolle Faun,
- Die großen Blumen schlingt sein offner Rachen,
- Dem Blut des alten Weines gleicht ihr Braun,
- Durch das Gebüsch hallt sein verrücktes Lachen.
-
- Schon ist er weiter wie ein Eichhorn flink,
- Nur das Gelächter hängt noch in den Zweigen;
- Den goldnen Kuß verscheucht ein frecher Fink,
- Stumm ist der Wald und überall ruht Schweigen.
-
-
-
-
- Aufregung
-
-
- Im hellen Kellerfenster ducken
- Fünf Kinderchen sich still und gucken
- In kalter Nacht
- Mit langem Hals und offnem Munde,
- Wie man das Brot, das schöne, runde,
- Da unten macht.
-
- Sie sehn den grauen Teig, es wenden
- Gesellen ihn mit flinken Händen,
- Hoch aufgestreift,
- Sie hören, wie vergnügt und lecker
- Das Brot backt, wie der dicke Bäcker
- Ein Liedchen pfeift.
-
- Des Feuers milde Flammen locken
- Wie einer Mutter Schoß; sie hocken
- Ganz still, kein Glied
- Bewegt sich, bis mit nacktem Arme
- Der Bursch das Brot heraus, das warme,
- Um ein Uhr zieht.
-
- Wenn dann zur Mitternacht, zur stillen,
- Der Brotgeruch, der Sang der Grillen
- Steigt mit dem Rauch,
- Dann spüren die zerlumpten Kleinen
- Dort oben auf den kalten Steinen
- Des Lebens Hauch.
-
- Dann merken diese Kinderseelen
- Nicht mehr, wie Frost und Kälte quälen,
- Und leise flieht
- Aus Mäulchen, die heut kaum gegessen,
- Die sie ans kalte Gitter pressen
- Ein altes Lied.
-
- Dort unten lacht zu ihren Füßen
- Der Himmel, den sie frierend grüßen,
- Es schmeckt und schmatzt
- Das kleine Volk, und alle bücken
- Sich so weit vor, daß auf dem Rücken
- Das Höschen platzt.
-
-
-
-
- Der Schläfer im Tal
-
-
- Ein grüner Winkel, wo im engen Bette munter
- Das Bächlein singt und Silberfetzen aufgeräumt
- An Gräser hängt, wo von dem stolzen Berg herunter
- Die Sonne glänzt, ein Tal, das hell im Lichte schäumt.
-
- Ein junger Krieger schläft barhaupt mit offnem Munde,
- Der Nacken badet tief im frischen blauen Kraut,
- Der bleiche Jüngling dehnt sich auf dem weichen Grunde,
- Das grüne Lager ist vom Sonnenlicht betaut.
-
- In Lilien ist der Fuß gebettet, um die Wangen
- Spielt eines kranken Kindes Lächeln, das umfangen
- Vom Traume ruht. Natur, umhüll ihn warm und gut,
-
- Denn ihm ist kalt. Die Brust trinkt nicht der Blumen Düfte,
- Er schläft im Sonnenbrand, die Hand auf seiner Hüfte,
- Darunter sickert aus dem Herzen rotes Blut.
-
-
-
-
- Der Schrank
-
-
- Ein reich geschnitzter großer Schrank in dunkel Eichen,
- Uralt, gleich alten Menschen blickt er gut und fein,
- Die Tür steht auf, die Düfte, die daraus entweichen,
- Umschmeicheln lockend Herz und Sinn wie alter Wein.
-
- Ganz vollgestopft ist er mit tausend Kinkerlitzen,
- Verblichner Wäsche, Wohlgerüchen, Weibertand,
- Verkramtem Kinderzeug, mit längst verschlissnen Spitzen,
- Mit Tüchern von der Großmama und buntem Band.
-
- Dort finden sich vergessne Medaillons und Locken,
- Weiß oder blond, Porträts, auch Blumen, welk und trocken,
- Ihr Staubgeruch und Obst in stiller Harmonie.
-
- Von ihren Vätern könntest künden Du den Söhnen,
- Du alter Schrank, Geschichten wüßtest Du ...! sowie
- Sich Deine Türen langsam öffnen, mußt Du stöhnen.
-
-
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- Jules Jouy
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- 1855-1897
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- Lied der Bergarbeiter
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- Woher kommt Ihr, sagt mir's doch!
- In der Erde schwarzem Schlunde
- Hausen wir, im finstern Loch,
- Auf verderbenschwangerm Grunde.
- Da unten strahlt die Sonne nicht,
- Im Schatten, bei der Grubenlampe Licht
- Entflieht in trübem Einerlei die Stunde.
- Das Leben jagt, des Schicksals Kugel rollt,
- Wenn es uns auch grollt,
- Ist's dem Reichen hold,
- Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold.
-
- Warum flieht Ihr, sagt mir's doch!
- Sind dem Tode grad entsprungen,
- Unten erntet er im Loch
- Und vergiftet uns die Lungen,
- Wie schwarze Vögel durch die Nacht
- Rauscht das Verderben durch den dunkeln Schacht,
- Es rafft dahin die Alten und die Jungen,
- Wir fahren täglich ein um kargen Sold.
- Wenn das Schicksal grollt,
- Ist's dem Reichen hold,
- Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold.
-
- Was verdient Ihr, sagt mir's doch,
- Wenn Ihr emsig schafft da drinne?
- Unsere Arbeit dort im Loch
- Bringt uns Elend zum Gewinne.
- Vom Morgen bis der Tag erblaßt
- Sitzt an dem Tisch der Hunger uns als Gast,
- Die Kinder gehn in Lumpen, Herz und Sinne
- Verdorren, unser Schicksal hat's gewollt!
- Wenn es uns auch grollt,
- Ist's dem Reichen hold,
- Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold.
-
-
-
-
- Der bleiche Mann
-
-
- Du bleicher Mann, kennst Du der Sonne Strahl?
- Wie alle Welt hab ich gehofft einmal,
- Er würde leuchten mir in frohen Stunden,
- Ein Los vergolden auch für mich vielleicht ...
- Des Elends Dämmerlicht hab ich gefunden,
- Das hat mein rotes Blut schon längst gebleicht.
-
- Du bleicher Mann, ist Hunger Dir bekannt?
- Wie alle Welt hofft ich am Straßenrand
- Das Brot zu finden zum bescheidnen Mahle,
- An Wein zu denken hab ich auch gewagt ...
- Geleert hab ich des Elends bittere Schale,
- Die Satten haben frech mein Brot zernagt.
-
- Du bleicher Mann, kennst Du der Liebe Macht?
- Wie alle Welt hab ich einmal gedacht,
- Auch meiner würde sie sich noch erbarmen,
- Mir würde auch ein Stückchen Glück beschert ...
- Das Elend preßte mich mit starken Armen.
- Es hat mein Hirn, es hat mein Herz geleert.
-
-
-
-
- Emile Verhaeren
-
-
- geb. 1855
-
-
-
-
- Vlämische Kunst
-
-
- I.
-
- Kunst Flanderns, Du hast sie gekannt,
- Die Dirnen waren Dein Entzücken!
- Den Busen hat, den breiten Rücken
- Verewigt Deiner Meister Hand.
-
- Ob Göttinnen der Pinsel malte,
- Ob Nymphen, die aus klarer Flut
- Emporgetaucht zur Sonnenglut,
- Zum Lichte, das sie frei umstrahlte,
-
- Ob üppige Formen er verlieh
- Der Jahreszeiten frohem Reigen,
- Wen immer uns die Bilder zeigen,
- Die Dirnen sind es, immer sie!
-
- Du schufst sie uns, die drallen Schönen,
- Ganz Sinnenlust, ein Feuer bricht
- Durch ihre Haut hervor, ein Licht
- Von ungekannten Farbentönen.
-
- Sie strahlen hell, das Auge glüht
- Wie Sternenglanz, und ohne Hülle
- Schwillt ihres runden Busens Fülle,
- Ein Strauß, der auf der Leinwand blüht.
-
- Um sie herum in frechen Schwärmen
- Des Waldes Götter, liebestoll;
- Sie wälzen sich, des Wahnsinns voll,
- Im Dickicht, wo die Vögel lärmen.
-
- Sich selbst verspottend bohren dreist
- Den heißen Blick sie durch das Dunkel,
- In seinem lüsternen Gefunkel
- Erglänzt ihr Lächeln fett und feist.
-
- So wittern in der Brunst die Hunde!
- Die Schönen sperren sich, doch bald
- Zwingt sie der eignen Lust Gewalt,
- Es ist nur Trotz der ersten Stunde,
-
- Der Trotz, der keinen Sieg gewinnt!
- Sie bäumen sich, die Hüften schwellen,
- Der Nacken, über den in Wellen
- Des Haares breiter Goldstrom rinnt,
-
- Verlockt den Feind, den Sturm zu wagen,
- Verheißt den Sieg in kurzer Frist,
- Obschon die Weibchen voller List
- Den ersten Kuß zum Schein versagen.
-
-
- II.
-
- Ihr hochgepriesenen Meister gabt
- Ein reiches Leben jenen Leibern,
- Den saft- und kraftgeschwellten Weibern,
- Die Ihr geliebt, bewundert habt.
-
- Chlorosen mochtet Ihr nicht schildern,
- Nie haben Fratzen fahl und bleich
- Wie Mondesschein im tiefen Teich
- Herumgespukt auf Euren Bildern,
-
- Mit Stirnen, düster wie die Nacht,
- Wie Klagelieder müd und traurig,
- Mit Augen, daraus flackernd, schaurig
- Das Siechtum, die Verzweiflung lacht,
-
- Die Grazien, mit erlognen, ekeln,
- Gefälschten Reizen, die geziert,
- Im Morgenkleide, parfümiert
- Und schlaff sich auf dem Sofa räkeln.
-
- Nie habt Ihr mit der Lust gespielt!
- Ihr, die Ihr keine Freude scheutet,
- Habt nie das Laster angedeutet,
- Das frech und lüstern blinzelnd schielt.
-
- Ihr zeigtet nie im Schmutz der Gasse
- Frau Venus, die spazieren geht,
- Nie habt durchs Fenster Ihr gespäht,
- Ob nacktes Fleisch sich sehen lasse.
-
- Wie Ohnmacht sich hysterisch spreizt,
- Der Schäferin verbuhlte Künste,
- Des Schlafgemaches schwere Dünste,
- Sie haben niemals Euch gereizt.
-
- Nein! Eure Frauen, die im festen,
- Im großen Schritt, im leichten Tanz
- Sich frei bewegten, die im Glanz
- Gethront, in schimmernden Palästen,
-
- Sie waren anders anzuschauen,
- Sie führten, von Gesundheit strotzend,
- Mit königlicher Miene, trotzend,
- Am Narrenseil den geilen Faun.
-
-
-
-
- Artevelde
-
-
- Der Riese Tod zieht die Register, greift die Tasten,
- Aus seiner Orgel Tiefen quillt der Ruhm hervor,
- Der Name des Ruwaert von Flandern steigt empor,
- Er wächst noch, wieviel Jahre auch vorüber hasten.
-
- Gold nur prägt hochgesinnt das Volk. Aus Feuerbränden,
- Gemetzel, Bürgerkrieg, Verzweiflung, Leidenschaft
- Hat's die Legende seines Helden aufgerafft,
- Es feiert ihn von neuem stets und will nicht enden.
-
- Von Strahlen warf er ein Geflecht mit dichter Masche
- Um Flandern. Wie den Blitz der Belfried zog die Faust
- Den Schrecken an. Und wo hernieder sie gesaust,
- Verbrannte ihre Glut die Kerker rings zu Asche.
-
- Die Könige beugten sich, vor seinem Anblick grausend,
- An seine Fersen heftete sich dicht der Schwarm
- Des Volkes, jauchzend gab es Herz ihm hin und Arm,
- Doch er war stärker noch als alle, stark wie tausend.
-
- Und seine Seele sah sich durch die Zukunft schreiten,
- Was jemals sie gedacht, ward Leuchte und ward Brand,
- Die erste Fackel! eine fieberheiße Hand
- Trug ihre Glut voran im Nebel ferner Zeiten.
-
- Er fühlte Zaubermacht in sich. Sein Wollen bäumte
- Sich auf, die Schranke brach. Nichts blieb ihm unerfüllt,
- Bis einst des Todes finstere Nacht das Haupt umhüllt,
- Wo Zorn und Wetter schweigend bei einander träumte.
-
- Und bei der Nacht verschwand er wie ein blutiger König,
- Im Brand der Stadt, im wilden Aufruhr, bei der Nacht.
-
-
-
-
- Die Bauern
-
-
- Wie Greuze Bauern einst geschildert, sind sie nicht,
- In zarten Farben hingehaucht beim Tanz im Freien,
- Schmuck angezogen und mit rosigem Gesicht,
- Ein heiteres Motiv, gleich andern Spielereien,
- Für Rokoko-Salons, sehr zierlich in Pastell.
- Grob sind sie, viehisch, plump. Die Zeichnung ist reell.
-
- In ihrem Dorfe sind sie eingepfercht. Die Leute
- Im Flecken nebenan, die sind für sie schon fremd,
- Eindringlinge, des Hasses wert, willkommene Beute,
- Die man betrügen darf und plündern bis aufs Hemd.
-
- Das Vaterland ...! o weh, soll das sie gar begeistern,
- Das ihre Söhne nimmt und zu Soldaten macht?
- Das gilt die Erde ihnen nicht, die sie bemeistern,
- Die ihre Saaten bis zur Reife treu bewacht.
-
- Das Vaterland ist ihnen garnichts oder wenig;
- In einem Eckchen ihres dumpfen Hirnes wohnt
- Der König höchstens, eine Art von Märchenkönig,
- Der mit der Krone auf dem Haupt im Purpur thront.
-
- Ein bunter Flitterkram, ein Schloß, wo Fahnen wehen,
- Mit Wappenschildern, funkelnd in dem Glanz des Lichts,
- Wo die Soldaten mit Gewehren Posten stehen,
- Das wissen sie vom Staat, vom Vaterland. Sonst nichts.
-
- Im übrigen beschwert sie keiner Weisheit Bürde,
- Denn Bücher, bis auf den Kalender, sind vervehmt.
- Der Holzschuh könnte Freiheit, Recht und Menschenwürde
- Zertreten ohne Wahl. Instinkt ist's, was sie lähmt.
-
- Wenn in der Stadt des Aufruhrs rote Blitze zucken,
- Wenn ferner Donner grollt, sie bleiben unbewegt,
- Gewohnt, in dieses Lebens Schlachten sich zu ducken,
- Weil den, der aufrecht steht, das Wetter niederschlägt.
-
-
-
-
- Kato
-
-
- Den weiten Faltenrock bis hoch ans Knie gerafft
- Hat sie das rote Maul gewaschen ihren Kühen,
- Die Streu zurecht gemacht, den Dung hinaus geschafft,
- Die Luken aufgesperrt beim ersten Morgenglühen.
-
- Jetzt darf die Kato, die grobknochige, dicke Magd,
- Sich auf den alten wackeligen Schemel setzen;
- Die Schatten drücken schwer, die Stalllaterne blakt,
- Den Nacken deckt ihr ein zerschlissenes Tuch, ein Fetzen.
-
- Im Holzschuh stecken ihre Füße nackt und bloß,
- Ein grober, harter Lederschurz bedeckt die Lenden,
- Die Beine breit gespreizt hält sie auf ihrem Schoß
- Den Eimer, und den Euter streicht mit beiden Händen
-
- Sie auf und nieder flink, ein Strahl spritzt blendend weiß
- Ins zinnerne Gefäß, und Blase perlt an Blase,
- Wie von Ranunkeln steigt der Duft berauschend heiß
- Empor, behaglich schlürft ihn Katos breite Nase.
-
- Beim ersten Dämmerschein und wenn der Tag verglimmt,
- Wenn er im Mittag steht, sitzt Kato bei den Kühen,
- Das ist ihr Amt, sie melkt. Ihr leerer Blick verschwimmt,
- Sie träumt von ihrem Schatz, die roten Wangen glühen.
-
- Der Müllerbursche ist's, ein Junge, der's versteht,
- Ein derber, großer Kerl, so einer von den dreisten,
- Er paßt ihr immer auf, wenn sie zur Mühle geht,
- Und schmatzt sie gründlich ab, sie weiß, er kann was leisten.
-
- Doch ihre Kühe halten sie zurück im Stall,
- Zehn, zwanzig, dreißig, die im Fette alle glänzen,
- Sie recken ihre breiten Kruppen, straff und prall,
- Die glatten Flanken peitschen sie mit langen Schwänzen.
-
- Sind sie gepflegt? nichts leuchtet heller, als ihr Fell!
- Und stark? an denen geht das Futter nicht verloren!
- Das Wasser peitscht im Trog ihr Hauch, wie Sturm den Quell,
- Mit ihren Hörnern können sie ein Brett durchbohren.
-
- Und jeder Bissen wird zermalmt, das Maul verschlingt
- Den Klee, die Esparsette, Rüben, Kleie, Möhren,
- Der Hals ist langgestreckt, ein lautes Schnaufen dringt
- Zufrieden aus der Brust, behaglich anzuhören.
-
- Wenn Kato mit den Schwielenhänden Rüben schabt,
- Dann stoßen sie den Korb, wie um die Magd zu necken;
- Das trockne Heu, das auf dem Boden lagert, labt
- Sie schon, wenn durch das Loch dort oben sie's entdecken.
-
- Aus Fachwerk ist der Stall. Gar seltsam drollig reckt
- Auf seinem hohen Stuhl das alte Dach die Glieder,
- Schwer sitzt es da, mit Stroh und Binsen eingedeckt,
- Tief hangen die zerzausten Flügel seitwärts nieder.
-
- Die Sonne fällt von oben durch das Bodenloch,
- Sie wärmt das Vieh im Stand mit ihren Feuerduschen,
- Die letzten Strahlen hauchen auf die Riste noch
- Den leisen Rosaton, wenn sie vorüber huschen.
-
- Doch drin im Stalle steigt ein Nebel feucht und warm
- Vom Dung und von der Streu empor und von den Raufen,
- Es qualmt der Mist, im heißen Dampfe summt ein Schwarm
- Von großen Fliegen um den hochgetürmten Haufen.
-
- Das ist das Reich, wo die vierschrötige Kato haust,
- Fern von des Bauern Zorn und von des Pfarrers Predigt,
- Wo auf dem Heu der Müllerbursch sie zwackt und zaust,
- Wo er sie herzt, nachdem das Tagewerk erledigt.
-
- Verschlafen träumt der Stall, geschlossen ist das Tor,
- Der Nacht, die schweigend sie umgibt, gebührt Vertrauen;
- Kein Laut schlägt jetzt an des verliebten Pärchens Ohr,
- Als einer wachen Kuh Geschmatz beim Wiederkauen.
-
-
-
-
- Des Mönches Tod
-
-
- Des alten Mönches Stündlein schlägt. O Herr, erbarm
- Dich seiner Seele, nimm sie gnädig in den Arm,
-
- Wenn Mühsal endlich ihn erkennen läßt und ahnen,
- Daß er nicht länger sich den steilen Pfad kann bahnen;
-
- Wenn starr und gläsern schon sein mattes Auge blickt,
- Ein letztes Lebewohl dem Sternenhimmel schickt;
-
- Wenn seine bleichen Lippen, die im Fieber brennen,
- Noch einmal Deinen heiligen Namen leise nennen;
-
- Wenn kalter Schauer Not das schwache Fleisch ergreift
- Im Augenblicke, da der Todeshauch es streift;
-
- Wenn schwere Finsternis schon auf dem Geiste lastet
- Und zitternd noch einmal die Hand zum Kreuze tastet;
-
- Wenn man ihm, da des letzten Kampfes Schrecken dräut,
- Die Arme kreuzt und Asche auf die Stirne streut;
-
- Wenn sie zum Abschied Deinen Leib dem Müden reichen
- Als Zehrung für den Weg und der Erlösung Zeichen;
-
- Wenn bitterer Todesschweiß, der aus den Poren bricht,
- Das blasse Antlitz wäscht beim Kerzenflackerlicht;
-
- Wenn sich die Brüder betend zu der Leiche bücken,
- Für alle Ewigkeit die Augen zuzudrücken;
-
- Wenn dieser abgezehrte Leib, im Tod erstarrt,
- Den Keim des Wurmes trägt, der seines Mahles harrt;
-
- Wenn er, bevor die Sonne noch zur Rüste schreitet,
- Zur Ruhe bei den andern draußen wird geleitet;
-
- Wenn gleich darauf sein Grab Vergessenheit verschließt,
- Ein Schloß auf einem Buch, das keiner kennt noch liest;
-
- O Herr, empfange Deinen Diener dann in Gnaden,
- Laß seine Seele sich in Deinem Lichte baden.
-
-
-
-
- Betrachtung
-
-
- Beglückt, o Herr, wer ruhig in Dir wohnt und still!
- Des Tages Qual wird niemals ihm den Frieden rauben,
- Der Tod erschreckt ihn nicht, nie frißt an seinem Glauben
- Der finstere Wahn der Zeit, die Dich nicht kennen will.
-
- Der Ruhm ist eitel, Menschenwerk zählt nur nach Tagen,
- Was ward aus jenen Spöttern, die sich frech gebläht?
- Ihr alle, die Ihr an der Gruft vorüber geht,
- Fragt nur die Würmer, die an ihrem Fleische nagen.
-
- Die Tage folgen sich in ruheloser Hast,
- Kurz währt die Freude nur, ob Ihr auch klagt und jammert;
- Dieweil Ihr Euch an Euer Glück, das hohle, klammert,
- Fühlt Eure Hand den Moder nicht, den sie umfaßt.
-
- Kein Wissen, das den Zweifel nicht im Innern trüge
- Gleich einer Frucht, erstorben schon im Mutterschoß!
- Zieht Eures Weges nur und dünkt Euch frei und groß,
- An dieser Schranke enden Eures Geistes Flüge.
-
- Das Fleisch vergeht, ach, seine Stunde naht gar schnell,
- Von Anbeginn setzt sich der Fluch auf seine Fährte,
- Zerrissen ward noch jede Brust, die Hochmut nährte -- --
- Denkt an die Hunde jener stolzen Jezebel!
-
-
-
-
- Die Bäume
-
-
- Des Abends, wenn im Herbst die Sonne rosig zart
- Im Untergehen färbt das bleichende Gelände,
- Sieht man vom Kreuzweg aus in Fernen ohne Ende
- Die Bäume alle wandern auf der Pilgerfahrt.
-
- Die Pilger brechen auf, in stiller Trauer wallen
- Sie durch den Abend fromm, gedankentief einher.
- Die Riesenpilger ziehn die Straße, langsam, schwer,
- Verdüstert lassen sie des Laubes Träne fallen.
-
- Die Pilger schreiten fort im langen Doppelglied,
- Seit wieviel Jahren schon? kein Ruhen und kein Rasten
- Verzögert ihren Gang nach dem schon längst verblaßten,
- Verwelkten Ruhm, der sie zum Horizonte zieht.
-
- Die Pilger gehn des Wegs, im Dämmerlicht verlängert
- Der Mantel sich, er schleppt von goldnem Glanz getränkt,
- Den ihm die Sonne in die dunkeln Falten hängt,
- Die Straße ist von Staub und Weihrauchdunst geschwängert.
-
- Die Pilger steigen an, wo es zur Höhe geht,
- Stumm blicken auf den Zug entlang der ganzen Strecke
- Verzückte Dörfer, glut- und inbrunstvolle Flecke,
- Sie fallen auf die Knie und harren im Gebet.
-
-
-
-
- Die Tränke
-
-
- In einer tiefen Falte der gewellten Erde
- Dehnt stille träumend sich des Teichs Melancholie,
- Als Schwemme dient der Ort dem bunt gefleckten Vieh,
- Im Wasser bis zum halben Leibe steht die Herde.
-
- Da sind sie, wo der Weg zur Tränke niedersteigt,
- Die Kühe schreiten schwer, die muntern Rosse laufen,
- Die Ochsen schwarz und rot, die stets in dichten Haufen
- Den Hals zur Sonne blökend strecken, die sich neigt.
-
- Nun sinkt das All ins Nichts, mit jedem Tage sterben
- Den längst gewohnten Tod die Dinge, es entfärben
- Sich Licht und junger Trieb und Glanz und Blütenduft;
-
- Ein Leichentuch legt auf die Saat sich feuchte Luft,
- Endlos versinkt der Weg in Wolken grauen Dampfes,
- Die Rinder röcheln wie im Schmerz des Todeskampfes.
-
-
-
-
- Der Schrei
-
-
- Still liegt der Weiher, braune Wasser träumen träge,
- Im schwanken Schilfe hängt der Abendsonne Strahl,
- Ein schriller Vogelschrei hallt durch das müde Tal,
- Er kündet traurig eines Herzens letzte Schläge.
-
- Wie schwach und schüchtern er aus tiefer Ferne taucht,
- Wie er verzweiflungsvoll und jammernd näher schreitet,
- Wie er sich dehnt, wie er im Flug sich streckt und weitet,
- Wie er am Horizont verschwindet und verhaucht!
-
- Sein Röcheln mißt die Zeit im Gleichmaß der Sekunden,
- Ein kleiner, dünner Ton, der klagend weiter schwingt;
- Der matte Widerhall, der durch die Lüfte hinkt,
- Erzählt verzagt vom Schmerze trüber Dämmerstunden.
-
- Kein Netz fängt diesen Schall, der träg vorüber zieht,
- Dies unermüdliche, gedehnte Abschiedsläuten!
- Wer ihn auch immer hört, weiß diesen Klang zu deuten,
- Der einer Seele gilt, die aus dem Leben schied.
-
- Ist es die Rose, sind es bunte Schmetterlinge,
- Ist's weißer Blütenduft, ein Käfer, ein Insekt,
- Ein ferner Flug, der kühn zur Sonne sich gereckt,
- Und jetzt im Moose ausruht mit gebrochner Schwinge?
-
-
-
-
- Die Nacht
-
-
- Die weite Ebene schläft, der müde Tag ergraut,
- Der Schatten wälzt den Stein, er schlägt ihn und er hämmert,
- Die Mauer wächst empor, und durch den Abend dämmert
- Ein Escurial, aus schwarzem Silber aufgebaut.
-
- Tief wölbt aus Ebenholz und Gold sich dieser Himmel,
- Die Pinie reckt sich hoch von Zaubermacht belebt,
- Dem schlanken Pfeiler gleich, der nach der Kuppel strebt,
- Die Sterne flammen auf, von Augen ein Gewimmel.
-
- Wie Leichentücher, die die Fackel grell erhellt,
- Erglänzen stille Seen, vom Mondschein übergossen,
- Die Äcker, durch das Licht umrissen und umschlossen,
- Sind ein gewaltiges, verträumtes Gräberfeld.
-
- Jetzt baut das Schloß, darinnen Furcht und Schrecken lauert,
- Geheimnisvoll die Nacht mit rätselhafter Hast,
- Für einen unbekannten Kaiser den Palast,
- Der irgendwo in tiefen Finsternissen trauert.
-
-
-
-
- Die Straßen
-
-
- An Flämmchen, die durch endlos lange Gassen irren,
- Entzünden die Laternen sich beim Straßenbord,
- Jetzt die und dann die nächste, und so immerfort
- Den Schatten nach, die leise durch den Abend schwirren.
-
- Gradaus streckt sich die Straße, traurig eingefaßt
- Von Häusern, die in ödem Einerlei sich gleichen,
- Um draußen tief im Sand ihr Ende zu erreichen,
- Ein abgebrochner Stumpf. Dahinter ein Morast.
-
- Die dicken Nebel drücken nieder, sie benützen
- Des Daches First, dort hakt das Leichentuch sich ein,
- Durch dunkle Wolken bricht des Mondes bleicher Schein,
- Er spiegelt zitternd sich in fäulnisschwangern Pfützen.
-
- Ein Karren schwankt hinaus, der Rosse Atem dampft,
- Der Wagen ächzt und kreischt, selbzweit mit steifen Beinen
- Keucht müde das Gespann auf abgetretenen Steinen,
- Die seiner Hufe abgetretenes Eisen stampft.
-
- Im grauen Dunst erwacht das Firmenschild am Laden,
- Das jetzt ein heller Strahl der Gaslaterne trifft,
- Wie Tränen glänzt der Riesenlettern goldne Schrift,
- Die Scheiben bluten rot, die Herzen der Fassaden.
-
- An Flämmchen, die durch endlos lange Gassen irren,
- Entzünden die Laternen sich beim Straßenbord,
- Jetzt die und dann die nächste, und so immerfort
- Den Schatten nach, die leise durch den Abend schwirren.
-
-
-
-
- Das Idol
-
-
- Von Efeu eng umspannt und schwer bedrückt von Pinien
- Hebt von des Horizontes fahlem Dämmerschein
- Der Berg sich, einem schwarzen Riesenbild von Stein
- Vergleichbar sind die großen, feierlichen Linien.
-
- Die Sonne, die sich neigt, umkränzt mit Strahlenpracht
- Die Stirn, ein Feuer loht von Bronze und Karfunkel,
- Und dieses goldene Geschmeide, das im Dunkel
- Den reichen Glanz verschwendet, lockt aus tiefem Schacht
-
- Die Schatten grauser, rätselhafter Göttersage,
- Erinnerung versunkner Zeiten, die erstarrt
- Auf ungeheurer Genien Werden einst geharrt,
- Aus deren Blick Äonen ihrer Schöpfungstage
-
- Ins Leere schaun. Der Berg beherrscht den Raum, die Last
- Ruht wuchtig auf dem Wald, bedrückt das Blachgefilde;
- Das Haupt hebt sich vom Platz, nach seinem Spiegelbilde
- Umzuckt vom Wetterstrahl zu spähen im Morast.
-
- Und wenn die Täler, wenn des Waldes Wipfel schwinden,
- Wenn mit dem Nebel dieses Abends Klagelied
- Nach oben trauernd steigt, erwacht der Traum und sieht
- Das Opfer sich im Qualm der roten Flamme winden.
-
-
-
-
- Unkraut
-
-
- Der Aberwitz sproßt wie das Kraut der tauben Nessel
- Aus unseres Herzens Grund, aus Seele und Gehirn,
- Kein Heiland mehr steht auf, kein Held mit freier Stirn
- Und wir verkommen in des Köhlerglaubens Fessel.
-
- Zum Stumpfsinn führt mein Weg, zur Sonne, die das Feld
- Bleich wie der Mond am Tag bestrahlt, zu seinem tollen,
- Verrückten Widerhall, das Echo hör ich rollen
- Und auch den roten Hund, wie er da unten bellt.
-
- Vom Schnee umrahmt ein See in tiefer Abendröte,
- Ein Vogel, der vom Sturm gewiegt zu nisten wagt,
- Im Dunkel gähnen Höhlen, unbeweglich nagt
- Davor an einem Stückchen Grün die goldne Kröte.
-
- Um nichts sperrt sich des Reihers Schnabel auf, es loht
- Ein Strahl, die Fliege sitzt erstarrt im warmen Kreise,
- Frohsinn, der längst sich selbst vergaß, tickt müd und leise ...
- Ich weiß es wohl, das ist des Narren stiller Tod.
-
-
-
-
- Gebet
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-
- Du Mond von Frost in goldner Grotten tiefer Stille,
- Silberne Schwerter, Klingen ihr von Erz und Stahl,
- Du Mitternacht, die du geheimnisvoll im Tal
- Emporsteigst wie ein stummer, zielgewisser Wille,
-
- Es harrt mein Herz des Dolchs, den ihm dein Schweigen wetzte,
- Der letzten Hülle harrt, des Grabes harrt die Gier,
- O helle Mitternacht, der Fackel weih ich hier
- Des Lebens großen Traum, den Speer und Spieß zerfetzte.
-
- Mein heißes Auge späht in deine tiefen Schauer,
- Es ringt die leere Hand, die zitternd allerwärts
- Gesucht, getastet hat, nach deines Rates Erz,
- O Mitternacht, wie kalt fällst du auf meine Trauer!
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- So manch erstorbner Blick, so manches Auge graute
- Vor deinem Angesicht, verzweiflungsvoll gespannt,
- Vom Sonnenuntergang gefesselt und gebannt
- Dort, wo der Winter seine Leichenkammer baute.
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- Nichts wird von dem was meine Klage war beharren,
- Denn alles Menschenwerk, es ist umsonst getan;
- O stille Mitternacht, laß meines Herzens Wahn,
- Das Leid, das Lied und auch die Angst zu Eis erstarren.
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- Das Schwert
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- Einst hat mir einer, der ein blankes Schwert getragen,
- Voll Hohn ob meines dürren Stolzes prophezeit:
- Nichts wirst Du sein! in Deiner Zukunft leeren Tagen
- Harrt Deiner Reue nur um die Vergangenheit.
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- Der Ahnen reines Blut wird in Dir schal und trocken,
- Dein schwacher, träger Leib bricht unter jeder Last,
- Gekrümmt vom Fieber wirst Du an dem Fenster hocken,
- Dieweil vorüber wogt des goldnen Lebens Hast.
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- Verdorrte Nerven ziehen Deinem Willen Schranken,
- Die Nägel werden weich und schlaff an Deiner Faust,
- Zum Grabe wird die Stirn ohnmächtigen Gedanken,
- Sie schreckt Dich, wenn des Nachts Du in den Spiegel schaust.
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- Flieh vor Dir, wenn Du kannst. Es wird Dir nicht gelingen,
- Dir selbst und allen Menschen Knecht bist Du nicht frei,
- Dein Rücken ist gebeugt, Dein Fuß verstrickt in Schlingen,
- Längst ward Dein Haupt entthront, längst füllt die Adern Blei.
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- Da draußen wogt der Kampf, dort wird die Schlacht gewonnen,
- Es hat Dein bleicher Mund das Banner nie geküßt,
- Dein Herz ist welk, in alte Texte eingesponnen,
- Die blöder Witz wie Tuch zerschneidet und vermißt.
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- Du bleibst allein. Zurück zur Jugend spähn die Sterne
- Des Auges, doch vergebens lockt sie der Magnet,
- Verzweifelnd lauschst und einsam Du, wenn in der Ferne
- Der Siege frohes Wetter donnernd niedergeht.
-
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- Ein Abend
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- Auf Sümpfe, die verfault in Haß und Wut,
- Tropft hoch vom Himmel der zerfetzten Sterne Blut.
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- Der Himmel schwarz und schwarz der Wald,
- Verzagte Wolken, naß und kalt,
- Die voll Verzweiflung weiter streichen,
- Von Nord nach Süd im Flug entweichen.
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- Du Land der niedern Hütten, fern am blauen Strand,
- Du meiner Augen fromm ersehntes Land,
- Wo sie besiegt und ohne Waffen
- Jetzt meinen Träumen Obdach schaffen.
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- Du Land von Blei, verdammtes Brack,
- In Tümpeln ekler Nachgeschmack,
- Wo trübe, widerliche Pfützen
- Des Denkens Leichen dreist bespritzen.
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- Du Land, wo sie Erinnerung mit Kot umhüllen,
- Wo sie den Haß in Fässer füllen,
- Wo Aussatz das Gesicht enthäutet,
- Wo frech der Tod zur Vesper läutet.
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- Die heisern Glocken zieht der Tod,
- Der dort im Hafen finster droht,
- Im Nebel schwingt er seine Hippe
- Am Glockenturme, ein Gerippe.
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- Du Land, von meinem Blut benetzt,
- Mein Herz ist wund, zerfleischt, zerfetzt,
- Verfault in Haß, verfault in Wut ....
- Auch dieser Stern verspritzt sein Blut.
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- Albert Giraud
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- geb. 1860
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- Catharina von Medici
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- Bleich, mit gesenktem Haupt, zerbrochen und zerspaltet
- Von Siechtum, das des Arztes spottet, matt und schwach,
- Saß Karl der Neunte träumend in dem Prunkgemach,
- Die welken Hände über einem Buch gefaltet.
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- Die Mutter trat herein, die greise Medici,
- Mit kaltem Habichtsblick, sie küßt ihn auf die Wangen:
- »Wacht auf, mein Sohn, wacht auf, der Mörder ist gefangen,
- Gelobt sei Gott, ich habe den Montgomery,
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- Der Euren Vater, König Heinrich, hat erschlagen!«
- Der müde Valois aber, ohne nur zu fragen,
- Bat: »Gönne mir den Schlaf, laß mich, o Mutter, laß!«
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- Die Tränen zwang sie stolz, es zuckten nur die Lippen,
- Sie wandte schweigend sich zu den erlauchten Sippen,
- Sie dachte: »Weh, er stirbt, er kennt nicht mehr den Haß!«
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- An eine vierzigjährige Frau
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- In Deinen großen Augen träumen tief und heiß
- Geheime Schmerzen, die das Leben Dir verraten;
- Längst schürfte meine Lust mit nimmer sattem Spaten
- Nach letzter Wissenschaft, von der sie noch nichts weiß.
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- Der reifen Früchte Duft berauscht. Ein Zauberkreis
- Umschließt mit hartem Zwang mein Fleisch. Mir sind die Saaten
- Nicht ausgereift. Im Staub vergangener Tage waten
- Gedanken ..., und sie sehn ein unberührtes Reis.
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- Wie oft schon blickte ich mit neidischem Begehren
- Den Schiffen nach, die müd zum Hafen wiederkehren,
- Des Abends glitten feierlich sie durch den Schaum.
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- Auf ihren Masten schien ein hoher Stolz zu wohnen,
- Und ihrem Kiele folgte wie ein schwerer Traum
- Der heiße Atem ferner, unbekannter Zonen.
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- Henri de Régnier
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- geb. 1864
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- Unsichtbare Gegenwart
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- Schnell flieht die Zeit, unsichtbar schreitet
- Sie neben uns im tiefen Sande,
- Du hörst, wie sie durch Nesseln gleitet,
- Behend, im fliegenden Gewande.
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- Wir ahnen sie an jeder Stelle,
- Gehorchen ihr, was sie auch heische,
- Es zeigt uns ihren Hauch die Welle,
- Es mahnt an sie der Wurm im Fleische.
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- Ein leises Knistern in den Wänden,
- Schon ist der harte Stein zersprungen,
- Ein leichter Druck von frechen Händen,
- Schon ist die Fäulnis eingedrungen.
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- Wir brauchen nicht bei Wind und Wetter
- In alle Tiefen erst zu reisen,
- Wir brauchen keine Zifferblätter,
- Darum die schnellen Zeiger kreisen.
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- Und keine Glocke braucht zu schlagen,
- Die unerbittlich uns verkündet
- An hellen und an dunkeln Tagen,
- Daß ewig sie enteilt und schwindet.
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- Sie wandelt stumm auf Deinem Pfade,
- Doch nie wird sie Dein Blick erreichen,
- Wenn neben Dir sie am Gestade
- Den Mondschein pflückt aus stillen Teichen.
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- Vor der Prägung
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- Wo sich die Wege kreuzen im Walde, bei der Nacht,
- Im Sturm mit meinem Schatten, bei der Nacht,
- Der Asche meiner Jahre müd und meiner Herde
- Hab dessen was das Schicksal bringen werde
- Ich nachgedacht.
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- Das sind die Wege, die mir offen stehn
- Zum Tage. Wenn ich will, kann ich noch immer jetzt
- Weiter gehn
- Zum Land, zum fernen Meer, nach meinem Traume spähn
- Und Sonnen sehn,
- Bis dann des Todes weiche, geduldige Hand zuletzt
- Mein Auge schließt und still darauf seines Friedens Siegel setzt.
-
- Du Weg der Einsamkeit in hohen Eichenhainen,
- Den Müden peinigst Du mit spitzen Steinen,
- Wo er auch schreitet, wo er ruht,
- Benetzt versunkene Zeit den Pfad mit ihrem Blut.
- Der Schritt wird schwer,
- Im Sturme höre ich die stolzen Wipfel weinen
- Und kann nicht mehr.
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- Du Weg der Birken, wo die trocknen Blätter wehen,
- Durch Bäume führst Du, bleich wie deiner Pilger Schande,
- Die keuchend durch den zähen Schlamm, durch Pfützen
- Zusammen gehen
- Und schmerzgebeugt sich vor den Blicken des Gefährten schützen.
- Du Weg, der durch den Kot sich windet,
- Durch Laub, darin der Wind flüsternd verschwindet;
- Im grauen Dämmerlicht staut sich an deinem Ende
- Aus Mondenschein und Frost der silberne Morast,
- Stumm reicht das Einerlei die Hände
- Dem trüben Gast.
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- Du trauter Weg der Eschen gehst durch leichten Sand,
- Die Spur verweht der Wind, ach, er verwischt jeden Strebens
- Erinnerung, er huscht von Baum zu Baum mit dem Wanderer,
- Die Honigblüte zeigt des Sandes goldne Farbe.
- Auf dem gewundenen Pfad sucht der Blick das Ziel vergebens.
- Die gute Stadt, sie ist dem Fremden wohl bekannt,
- Am Tore wäre süß die Schwelle meinem Schritte,
- Doch weilte er zu lang auf Bahnen anderen Lebens
- Wo weinend Hoffnung wacht in bleicher Schatten Mitte.
-
- Ich gehe nicht durch die Eichen,
- Euch Birken und Euch Eschen will ich ausweichen,
- Ich wandere nicht zur Stadt, zum Meer, zum Sonnenball,
- O Wege!
- Schon höre ich das Blut vergangner Zeiten rinnen,
- Längst wähnte ich sie tot, doch kehren stets sie wieder,
- Sie eilen mir voraus in Eurem Widerhall,
- O Wege!
- Du leichter Pfad, Du Pfad, wo Schmach, Du Pfad, wo Ehre schreitet,
- Überall
- Hör ich den Wind, der stets mich irrgeleitet,
- Der stöhnend durch die Eichen gleitet.
-
- O Seele, diese Nacht klagt um den Tag, der ging,
- O Seele, diese Nacht bangt um den Tag, der kommt,
- O Seele, diese Nacht, Dir selbst wird sie Verhängnis.
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-
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- Wechselstrophen
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- Ein kleiner Garten nur ist mein,
- Vier Mauern drum, der Efeu bindet
- Und sprengt den morschen, grauen Stein,
- Um den er sich im Klettern windet.
-
- Am Borde winziger Beete sprießt
- Der Buchsbaum, regelrecht geschnitten,
- Die schmalen Wege sind bekiest,
- Sie kreuzen sich nach wenig Schritten.
-
- Die Bäume strecken ihren Ast
- Nach Dir in täppischem Verlangen,
- Bald wird zum Scherz die Hand gefaßt,
- Bald kratzen sie Dir grob die Wangen.
-
- Kein klarer Wasserstrahl wagt kühn
- Im Sprunge hoch empor zu steigen,
- In herber Schönheit, schwarz und grün,
- Ruht auf dem Garten ernstes Schweigen.
-
- Aus keinem stillen Teiche quillt
- Der blaue Himmel Dir entgegen,
- Und keines Vogels Spiegelbild
- Siehst Du die Schwingen dort bewegen.
-
- Nie ist beim frohen Honigraub
- Ein Schwarm von Bienen zu entdecken,
- Es leuchtet wie Metall das Laub,
- Die scharfe Speise will nicht schmecken.
-
- Der schwere Duft macht müd und matt,
- Nur Buchsbaum, Myrten und Cypressen,
- Hier findest Du kein totes Blatt,
- Doch auch die Blüten sind vergessen.
-
- * * * * *
-
- Ich habe hinter meinem Haus
- Ein Winkelchen. Der Sand, der gelbe,
- Sieht heller bald, bald dunkler aus,
- Das Einerlei bleibt stets dasselbe.
-
- Ein einziger Baum steht dort, er kann
- Mich mit dem Schatten grade decken,
- Ich liebe es, mich dann und wann
- Behaglich drunter auszustrecken.
-
- Das grüne Laubdach ist so leicht,
- So luftig das Gebälk, die Streben,
- Wenn kaum der Wind darüber streicht,
- Läßt er die Blätter alle beben.
-
- Mir däucht, des kleinsten Vogels Lied
- Muß diesem Baume Freude wecken,
- Sobald ich grade stehe, sieht
- Das Auge über dichte Hecken.
-
- Da draußen zittert heiße Luft,
- Doch meines Herzens Unrast schwindet,
- Denn einer einzigen Rose Duft
- Verrät ihm, daß es Liebe findet.
-
-
-
-
- Ein Traum von Stunden und von Jahren
-
-
- Vergessene Stunden sehe ich vorüber wallen.
- Francis Vielé-Griffin.
-
- Die Schatten schmückte ich mit kalten
- Und blassen Blüten, mit den Falten
- Versäumter Tage meine Wand.
- Erstorbnen Abenden war ihre Farbe gleich,
- Und meiner Träume Land
- Erschien in dem Gewebe, schattenhaft und bleich,
- Die goldne Blume zitterte in reiner Hand.
-
- Und die Erinnerung irrt durch das stumme Haus im Dämmerlicht
- Von Stund zu Stund, von Raum zu Raume,
- Sie weint, sie lacht im Traume,
- Sie ist's mit ihrem alt vertrauten Angesicht.
- Doch die Sandale
- Schwebt still dahin, sie stört ja nie den Schlaf.
- Ein goldner Strahl aus ihrer Silberlampe traf
- Hellblitzend die getreue Wächterin, die Hand, die fahle,
- Die schirmend ihr Gewicht
- Auf die vergessne Zeit legt, die im Aschenkleide,
- Geschlossnen Auges und mit funkelndem Geschmeide
- Auf reichgeschnitztem Sessel ruht im weiten Saale.
-
- Und dieser düstere Raum ist meiner Seele Zelt,
- Wo von der Decke auf die Fließen
- Die Falte an den Wänden fällt.
- Versäumter Tag, erstorbner Abend mahnt mich dort,
- Die Fenster, ach, sie schauen alle gegen Nord,
- Am Horizont sind Himmel, Straßen und das Meer.
-
- Ihr Träume, tragt mich doch noch einmal fort,
- Wie einst, zur Welt,
- Auf fernen Straßen bis ans Meer,
- Ihr Träume, führt mich wieder fort,
- In Eurer Hand die goldne Blume weiß den Ort.
-
-
-
-
- Ein Traum von Morgenrot und Schatten
-
-
- Die Zeit ist ewig, nur die Stunden, sie verfließen!
- Gar lieblich rinnt der Strom zum Meere, hell und klar,
- Noch steht die Pforte auf, doch schnell wird sie sich schließen,
- Schon heut kann Asche sein, was gestern Leben war.
-
- Der Herbst zeigt mir die Frucht in seiner Gärten Schatten
- Im Augenblick, da sie des Daseins Höhe mißt,
- Geschwellt im Saft erscheint sie mir, dem Übersatten,
- Wie bald, und sie fällt ab ...! noch eine kleine Frist.
-
- Mein Leben, Klinge in der Scheide, ruhmlos träumend!
- Heiß glüht der goldne Griff in meiner zagen Hand,
- Die mit der Waffe spielt, die Stunde feig versäumend ...
- Und doch -- --, vielleicht ist dieses Abends blutiger Brand
-
- Das Bild des Tages, den das Schicksal morgen sendet!
- Geweint hab ich, da gestern freundlich mir's gelacht,
- Weh mir, weh, wenn es weint, dem Strom abgewendet,
- Der meinen Tag hinabschwemmt in die ewige Nacht!
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-
-
-
- Der Raufbold
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- Mit stolz erhobnem Blick, gebräunt, keck und verwegen,
- Das Seidenwamms geschlitzt, hält breit gespreizt und fest
- Er vor dem Lager Wacht, dem Teufel und der Pest
- Tritt ohne lang zu fragen trotzig er entgegen.
-
- Mit Feuer und mit Schwert spricht er den Erntesegen,
- Vom Appenin zum Alpenrand, von Ost nach West
- Schweift plündernd er, um frech bis auf den letzten Rest
- Die Lombardei, die Marken Mailands auszufegen.
-
- Den Fluch im Mund, den Zorn im Blick lechzt er nach Krieg,
- Ihm ist es gleich, ob Marignano ihm den Sieg,
- Gleich, ob Pavia ihm den Ruhm nur hat gegeben.
-
- Er lacht des Schicksals, das am Wege lauernd droht,
- Die offnen Nüstern saugen aus dem vollen Leben
- Den Bluthauch künftiger Schlacht, sie wittern schon den Tod.
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-
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-
- Chrysilla
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- Ist einst der Becher voll, o Göttin reich an Gnaden,
- Erspar es mir die Zeit, die zögernde, zu sehn,
- Sie soll nicht tränenlos an meinem Lager stehn,
- Sie kürzt mir viel zu spät des Lebens langen Faden.
-
- Schick Eros aus! er hat mit Haß mich stets beladen,
- Ich weiß es nur zu gut, könnt es nach ihm geschehn,
- Im Sterben würde ich der Qual noch nicht entgehn,
- In meinem Herzblut müßte sich die Erde baden.
-
- Doch nein! ruf abends, wenn die frohe Sonne scheidet,
- Die Jugend an mein Bett, stumm, schön und unbekleidet,
- Wie sie den Reif auf bleiche Rosenblüten haucht.
-
- Die Quelle weint ein Lebewohl, die Stunden neigen
- Das Haupt vor ihr, die weder Pfeil noch Sichel braucht,
- Gern will ich dann zum finstern Hades niedersteigen.
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-
-
- Fernand Gregh
-
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- geb. 1873
-
-
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-
- Prüfung
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-
- Zu Boden ward ich fast geschlagen,
- Ward heimgesucht und hart gequält,
- Doch meine Seele ward gestählt,
- In Leid verjüngt, ich darf nicht klagen.
-
- Ich hab ihn Tag und Nacht geschaut,
- Des Menschenlebens tiefen Jammer,
- Gefühlt hab ich des Schicksals Hammer,
- Jetzt ist mir erst der Schmerz vertraut.
-
- Nicht nur der Schmerz, der in den Wunden
- Der Seele haust, gern gönnt er ja
- Dem armen Leibe hier und da
- Ein Glück von spärlichen Sekunden.
-
- Nein! jener Schmerz, der dumm, brutal
- Den Körper schlägt, an dessen Plage
- Ich zu erinnern nie mich wage,
- Des Tieres ganz gemeine Qual,
-
- Die Pein, die unsere Tage stündlich
- Zur gräßlichen Tragödie macht,
- Die höhnisch aller Bitten lacht,
- Die tief uns packt und unergründlich.
-
- Gesundheit freut sich ihres Seins
- Und schert sich nicht um fremde Leiden,
- Kaum kann sie Güte unterscheiden
- Von Schwäche, beides scheint ihr eins.
-
- Wir pflücken gierig alle Trauben,
- Wir folgen stürmisch unserer Lust,
- Schlecht sind wir, wir sind's unbewußt,
- Solang wir an das Leben glauben.
-
- Der trotzig lebensfrohe Sinn
- Ist Klippe meinem Sein gewesen,
- Nun da im Buche ich gelesen
- Des Schmerzes, sank mein Stolz dahin.
-
- Des Nächsten Trauer beugt mich nieder,
- Ich friere mit dem nackten Kind,
- Mich schüttelt jeder leise Wind
- Und jedes Leid hallt in mir wieder.
-
- Ich denke an den bleichen Mann,
- Der in des Kerkers kalten Schauern
- Den Frühling jenseits hoher Mauern
- Nur ahnt und ihn nicht sehen kann.
-
- Der Kranken denke ich, sie liegen
- Still auf dem Rücken, stumm, in Schweiß,
- Indeß die Augen fieberheiß
- Durch der Tapete Muster fliegen.
-
- Ich denke des Rekruten, den
- Des Abends spät aus der Kaserne
- Das Heimweh trägt in weite Ferne,
- Dort wo im Dorf die Linden stehn.
-
- Ja selbst der Tiere muß ich denken,
- Der Rosse, die die Peitsche treibt,
- Die das Geschirr zerdrückt, zerreibt,
- Die müde ihre Köpfe senken.
-
- So lastet auf mir jede Not;
- Daß fremde Schmerzen mich zerreißen,
- Mag Klugheit immer Schwäche heißen.
- Doch täglich läßt mich so der Tod
-
- Des eignen Lebens Tiefen sehen;
- Ich weiß, daß ich mir Erbe bin
- Und daß ich wirklich bin, mein Sinn
- Beginnt den Weltgeist zu verstehen.
-
-
-
-
- Abend in der Großstadt
-
-
- Halboffen saugt mein Mund den Lenz aus frischem Winde,
- Die Dämmerung senkt sich auf das Giebeldach herab,
- Die Kinder spielen froh im Schatten jener Linde,
- Des Frühlings Frieden löst den starren Winter ab.
-
- Das Volk der Vorstadt strömt nach Haus in hellen Haufen,
- Mein Kummer gleicht ihm ganz, verzweiflungsvoll, doch mild;
- Von harter Arbeit will's ein wenig nur verschnaufen,
- Manch Rotkopf eilt vorbei, des Heilands Ebenbild.
-
- Wie fremd erscheinen mir all diese Dinge heute!
- Ein Schwindel packt mich, seltsam kommt mir alles vor,
- Des Abends Stille, dieses Licht, die armen Leute,
- Das Rauschen der Unendlichkeit schlägt an mein Ohr.
-
- Von Träumen ist mein Herz bedrückt, die Leid nur bringen,
- Ich irre ohne Ziel verzagt umher und blaß,
- Das Herz, der arme Narr, vor Liebe will's zerspringen,
- Mir scheint, ich weine gar noch über alles das ....
-
-
-
-
- Musik in der Ferne
-
-
- Im Dunkel plätschert kalter Regen
- Wie Kummer, der nicht sprechen will,
- Auf graue Bäume stumm und still,
- Der Sturmwind wird sie trocken fegen.
-
- Dort unten in der finstern Nacht
- Erklingt ein Instrument vom weiten,
- Krächzt eine Weise, die vor Zeiten
- Vergnügten Leuten Spaß gemacht.
-
- Es stöhnt und weint mit heiserer Kehle
- Das arme Instrument im Wind,
- Naiv und harmlos wie ein Kind,
- Wie eine Musikantenseele.
-
- Ein jeder Ton ist falsch, o Gott!
- Und solch ein Ding, das Harmonien
- Wie die zeugt, die vorüber ziehen,
- Nennt sich Harmonika -- --, zum Spott.
-
- Es wimmert, wie die Kinder wimmern,
- Wenn Strafe ihnen ward als Lohn;
- Im Wind zerflatternd lockt sein Ton
- Die Träume, die im Dunkel flimmern.
-
- Wie kläglich dünn ist die Musik!
- Und dennoch rührt mich fast zu Tränen
- Der jämmerliche Klang, mein Sehnen
- Weckt armer Hände Ungeschick.
-
- Das zage Herz zieht sich in Trauer
- Zusammen, müde, leer und hohl,
- Du Eckchen Himmel, lebe wohl!
- Es regnet, mich durchrieseln Schauer.
-
- Dort aus dem grauen Dunkel tönt
- Der Singsang, dürftig und bescheiden,
- Ein Lied des Lebens, das in Leiden,
- Die niemals enden wollen, stöhnt.
-
- In diesem Schluchzen weint die Klage
- Der ganzen Menschheit still und leis,
- Des ungelösten Rätsels Frage,
- Des blütenlosen Herbstes Tage,
- Der Schmerz, der nichts von Schönheit weiß.
-
-
-
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- Zweifel
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-
- Die müde Sonne geht zur Neige,
- Noch einmal streut sie im Verglühn
- Ihr Märchengold durch alle Zweige
- Des Waldes, auf sein Rot und Grün.
-
- Des Abends Farben, sie ermatten,
- Des Himmels warme Pracht erbleicht,
- Schnell huscht wie eines Blitzes Schatten
- Der Vogel, der vorüber streicht.
-
- Ein Zauber quillt in tiefem Strome
- Aus allen Dingen, leise rinnt
- Er durch das Leben, dess' Atome
- Beseligt, glücklich, göttlich sind.
-
- Aus weiter Ferne hallt begehrlich
- Der dumpfe Lärm der großen Stadt ...
- Woher der Schreck, der unerklärlich
- Die Seele mir benommen hat?
-
- O Gott, wie uns die Weisheit blendet,
- Wenn stumm wir vor den Dingen stehn,
- Den Bettlern wird ein Mahl gespendet,
- Die staunend diese Tafel sehn!
-
- Die wir in Einfalt nach Dir streben,
- Wir finden Dich zu jeder Frist,
- O Gott, in diesem reichen Leben,
- Der Du vielleicht nicht einmal bist.
-
-
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-
- Dämmerstunde
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- Der Horizont wird grau, schon ist die Nacht erschienen,
- Du hörst das Schweigen, wie es durch die Zimmer schleicht,
- Still stirbt der matte Bernsteinton in den Gardinen
- Mit all dem Lärm, der aus dem alten Hause weicht,
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- Und unterbrochen scheint des Lebens wildes Hasten
- Für einen Augenblick, dem nie ein morgen naht,
- Tief Atem schöpfend hält es auf dem ewigen Pfad,
- Wie Pilger, welche müde auf der Höhe rasten.
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- Im Kelchglas schlafen die verträumten Blumen ein,
- Sie hauchen ihrer Seele Balsam in den Schatten,
- Und auf den Spiegel streut das Zwielicht, auf den matten,
- Wie feuchter Augen Schimmer seinen Widerschein.
-
- Nur nebenan die Wanduhr in der finstern Kammer
- Tickt unablässig ruhelos denselben Schlag,
- Die bleichen Schatten peinigt sie mit ihrem Hammer,
- Die Stunde nagelt sie an den versunkenen Tag.
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- Ein letzter Strahl dringt durch das Fenster, durch die Falten
- Des halbgeschlossenen Vorhangs in den Saal, es scheint
- Hier drinnen alles zu ersterben, zu erkalten,
- Der Abend schweigt, und dennoch hör ich ihn: er weint.
-
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-
- Betrachtung
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- Ich sah, ein ernstes, zartes Kind, im Traum ein Land,
- Wo goldene Morgen ich gelebt und einst gelacht;
- In meinen großen Augen starb die Märchenpracht
- Wie Maiensonnenschein, der von dem Spiegel schwand.
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- Die Sehnsucht hab ich und die Hoffnung wohl gekannt,
- Des Mittags schon gewiß, da kaum ich noch erwacht;
- Das Paradies verblich, ach, eh' ich es gedacht,
- Ich hab ja nicht geahnt, daß ich mich dort befand.
-
- Der Traum entfloh, die Hoffnung ist zu Gram verblaßt,
- Der heiße Drang nach Glück, das trotzige Verlangen
- Versank, ich harrte noch verdüstert und befangen
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- Und wartete gequält. Da stand als einziger Gast
- Die Reue eines Abends zwischen kahlen Wänden -- --
- Vorbei, vorbei ...! ach, wie so bald muß alles enden.
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-
-
- Gutenberg-Verlag, Gesellschaft
- mit beschränkter Haftung, in
- Hamburg-Großborstel.
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-
- Sämtliche Bücher in hervorragend schöner _Ausstattung_ (holzfreies
- Papier, schöner Druck, solider u. geschmackvoller Einband).
-
- Von fast allen deutschen Ministerien warm empfohlen!
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- Kunst-Wanderbücher
- von Oskar Schwindrazheim.
-
-
- Eine Anleitung zu Kunststudien im Spazierengehen. Mit zahlreichen
- Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers.
-
- 1. Bändchen: Unsere Vaterstadt. 126 Seiten Text und 12 Tafeln mit
- Abbildungen. Preis geheftet M. 1.20, in biegsamem Einband M.
- 1.80.
-
- 2. Bändchen: Stadt und Dorf. 111 Seiten Text und 12 Tafeln mit
- Abbildungen. Preis geheftet M. 1.20, in biegsamem Einband M.
- 1.80.
-
- 3. Bändchen: In der freien Natur. 71 Seiten Text und 12 Tafeln
- mit Abbildungen. Preis geheftet M. 1.20, in biegsamem Einband M.
- 1.80.
-
- 4. Bändchen: Wandern u. Skizzieren. 96 Seiten. Mit zahlreichen
- Abbildungen nach eigenen Skizzen des Verfassers. Preis geheftet
- M. 1.60, in biegsamem Einband M. 2.40.
-
- 5. Bändchen: Von alter zu neuer Heimatkunst. 84 Seiten Text und
- 32 Tafeln mit Abbildungen. Preis geheftet M. 2.--, in biegsamem
- Einband M. 3.--.
-
- Zur Erläuterung und als Beispiele zum Text sind jedem Bändchen
- künstlerische Landschafts- und Städtebilder nach eigenen
- Aufnahmen oder Skizzen des Verfassers, besonders auf
- Kunstdruckpapier gedruckt, beigegeben.
-
- _Vorzugs-Ausgabe_ auf sehr starkem, aber federleichtem hochweißem
- Elfenpapier in feinem biegsamem Ledereinband; die ersten 3 Bände
- zusammen in einen Band gebunden 10 M., Band 4 M. 4.50, Band 5 M.
- 6.--.
-
-
- Inhalt der ersten vier Bändchen:
-
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- 1. Bändchen: _Unsere Vaterstadt._
-
- Unsere Stadt und Kunst? Der Grundriß unserer Stadt.
- Gesamtansichten. Stadteingänge: Ältere Formen des Stadteinganges;
- Stadttor und Mauer; Neuere Stadteingänge. Unsere Straßen: Straßen
- der Altstadt; Straßen des 18. Jahrhunderts; Moderne Straßen.
- Unsere Plätze. Straßen und Plätze bei besonderen Gelegenheiten.
- Unsere Bürgerhäuser: Alte Hausbauweise; Hausgrundrisse;
- Historische Stilarten im Bürgerhaus; Hausinneres; Unsere Kritik
- des Gesehenen; Türen, Fenster; Der Laden, Ladenschild;
- Hauszeichen u. dgl. Öffentliche Gebäude. Denkmäler. Brunnen.
- Gärten. Friedhof. Wagen. Trachten.
-
-
- 2. Bändchen: _Stadt und Dorf._
-
- Vom Studium der Vaterstadt zum Studium der Fremde. Führer durch
- fremde Orte. Selbständig Sehen. Der fremde Ort im allgemeinen.
- Hilfsmittel beim Studium des fremden Ortes. Kunstgebilde in
- freier Landschaft. Eigenart in den neuen Straßen. Plätze. Alte
- Befestigungen. Hausstudien im Dorf: Das alte Bauernhaus,
- Einzelheiten am alten Bauernhause; Der »Stil« des Bauernhauses;
- das alte Bauernhaus und die Jetztzeit; Nebengebäude des
- Bauernhauses, Öffentliche Gebäude des Dorfes; Dorfkirche und
- Friedhof. Erster Anblick eines fremden Ortes. Eintritt in den
- fremden Ort. Im Ort. Der Grundriß. Straßenstudien in der
- Altstadt: Eigenart in der alten Straße; Das Neue in der Altstadt.
- Straßenstudien in der Neustadt; Hausstudien in der alten Stadt:
- Das alte Bürgerhaus, Der »Stil« des alten Bürgerhauses;
- Hauseinzelheiten; Die Kirche; Das Rathaus, Andere öffentliche
- Gebäude. Hausstudien in der Neustadt. Studien in den Häusern.
- Wagen, Schiffe u. dgl. Die Menschen im fremden Ort.
-
-
- 3. Bändchen: _In der freien Natur._
-
- Zwecke der Kunststudien im Freien. Perspektive. Spiegelung. Hell
- und dunkel. Unser Sehen. Vom Gedankenmittelpunkt. Die Linien der
- Landschaft. Licht und Schatten. Die Farbe. Einfluß der Farbe auf
- unser Gefallen. Von der Eigenart des Künstlers und auch anderer
- Leute. Wahl des Standpunktes u. a. Menschen, Tiere u. dgl.
- Maltechnik. In ihren Mitteln beschränkte Techniken. Einfluß des
- Zweckes einer Landschaftsdarstellung. Naturstudien des
- Plastikers. Naturstudien des Kunstgewerblers. Naturstudien des
- Laien.
-
-
- 4. Bändchen: _Wandern und Skizzieren._
-
- Vorwort. Wandern und Skizzieren. Skizzen: Ortsbilder,
- Ortsgrundrisse, Straßen, Hausgrundrisse, Bauernhäuser, Stadthäuser,
- Hauseinzelheiten, Haus und Grün, Rathäuser, Türme u. dgl.,
- Kirchen, Friedhöfe u. dgl., In Dorf und Feld, Gerät und Möbel,
- Wappen, Monogramme u. dgl.
-
-
- 5. Bändchen: _Von alter zu neuer Heimatkunst._
-
- Die Entdeckung der alten Heimatkunst. Wie unsere alte Heimatkunst
- entstand und unterging. Heimat und Bauernhaus. Heimat und
- Bürgerhaus, Kirche usw. Heimat und Hausinneres. Wie unsere alte
- Heimatkunst unterging. Reformgedanken der letzten Jahrzehnte. Der
- Gedanke der neuen Heimatkunst. Der Heimatkunstgedanke und die
- anderen Reformgedanken. Kann der Heimatkunstgedanke eine
- Modelaune sein? Der Weg zu neuer Heimatkunst. Ist neue
- Heimatkunst denkbar? Wie gehen wir den Weg zu neuer Heimatkunst?
- Heimatschutz. Unserer Väter Werke als Vorbilder. Wie lernen wir
- von alter Heimatkunst? Studium der heimatlichen Natur. Studium im
- heimatlichen Volkstum. Was ist zu erwarten und was ist schon
- geschehen? Bemerkungen zu den 73 Abbildungen.
-
- Die Gegenwart, Berlin:
-
- Als »Anleitung zu Kunststudien beim Spazierengehen« habe ich ein
- trefflicheres Werk noch nicht kennen gelernt, da keines so
- _durchsichtig in Aufbau und Methode_, keines so
- _leichtverständlich_ und _wahrhaft unterhaltend_ und doch so
- _umfassend_ zugleich war. Ich möchte das handliche kleine
- Werkchen in keinem deutschen Hause missen. Besonders Lehrer und
- Volksbildner, wie alle, die irgendwo und wie einmal dazu kommen
- könnten, in Gemeinde und Staat über Fragen der Baukunst und
- Heimatkunst mitzureden, zu raten und zu bestimmen, sollten das
- Lesen dieses Bändchens und das dringendste Weiterempfehlen nicht
- versäumen; sie werden viel Segen damit stiften und sich um die
- Heimatschönheit verdient machen.
-
- Die Grenzboten, Leipzig:
-
- Die »Kunstwanderbücher« haben für unsere Bestrebungen auf dem
- Gebiete der Heimatkunde und Heimatkunst einen _ganz besonderen
- Wert_, weil sie ohne jede Vorbereitung von jedem einzelnen auf
- ihre Richtigkeit geprüft werden können. Man braucht nur auf die
- Straße oder vor die Stadt zu gehen, dies oder jenes Kapitel
- durchzulesen und dann selbst zu beobachten und die Augen richtig
- aufzumachen. Auf Schritt und Tritt stoßen wir auf Gegenstände,
- seien es Bauten oder Naturgebilde, die wir nach den
- Schwindrazheimschen Bemerkungen ganz anders zu beurteilen
- vermögen wie vielleicht bisher. Und darin liegt eben der große
- Gewinn und die Freudigkeit, etwas selbst zu sehen und zu
- entdecken, was man früher nicht beobachtet hat.
-
- Tägliche Rundschau, Berlin:
-
- _Der besten einer_, die für die Achtung vor unserer heimischen
- Kunst auch in ihren unscheinbarsten Äußerungen eintreten, ist
- Oskar Schwindrazheim. Nun will er in einer Folge von
- »Kunstwanderbüchern« eine Anleitung geben »zu Kunststudien im
- Spazierengehen«. Wer in Deutschland reisen will, sollte sich von
- einem Cicerone wie Schwindrazheim zuvor sagen lassen, was es da
- alles zu sehen gibt.
-
- Die Lehrerin in Schule und Haus, Leipzig:
-
- Man weiß nicht recht, wem man's am meisten ans Herz legen soll;
- dem Vater, der seinen Kindern Sonntags die Vaterstadt zeigt, um
- sie ihnen lieb und wert zu machen? dem Lehrer, der in Heimatkunde
- unterrichten soll? den Vätern der Stadt, die berufen sind, ihre
- alte Schönheit zu schützen und neue Schönheit zu schaffen? oder
- dem jungen Menschenkinde, das gern auf eigene Faust
- Entdeckungsreisen macht? oder dem alternden Junggesellen, der
- einsamen alten Jungfer, um ein freundliches Licht in ihre Seele
- zu werfen? Ihnen allen, und all denen auch, die ich nicht
- genannt, möchte ich das Büchlein ans Herz legen.
-
- Wandern und Reisen, Freiburg i. Br.:
-
- Mit einer Fülle neuer Anregung und geschärfter Genußfähigkeit
- treten wir den Heimweg an und sind den drei Bändchen, die uns so
- sehr bereichert, _von Herzen dankbar_. Wir wünschen recht vielen
- unserer Leser ein gleiches und deshalb empfehlen wir ihnen warm
- den Ankauf derselben.
-
-
-
-
- Goethes Faust.
- Erster Teil.
-
-
- Mit Bildern und reichem Buchschmuck
- von
- Ernst Liebermann.
-
- Gebunden in Geschenk-Einband M. 6.--
- Vorzugs-Ausgabe auf Büttenpapier M. 12.--
- Luxus-Ausgabe in Pergament-Band M. 20.--
-
- Die »Kölnische Zeitung« schrieb über die Ernst Liebermannsche
- Faust-Ausgabe:
-
- »In Papier und Druck vollendet vornehm ausgestattet, erhält diese
- Ausgabe einen ganz besonderen Wert durch die Bilder und den
- Buchschmuck von Ernst Liebermann. Sinnvoll und von einfacher
- Klarheit in den symbolischen Darstellungen und den altdeutschen
- Charakter in den realistischen Szenen mit kräftigem Griffel
- kennzeichnend, sind diese Bildwerke ein glänzender Beweis für den
- außerordentlichen Fortschritt der modernen graphischen Kunst. Im
- Vergleich mit anderen Faustdarstellungen, wie etwa denjenigen
- Kaulbachs oder Krelings, geben sie sowohl in ihrer rein
- künstlerischen Kraft des Ausdrucks, wie namentlich auch in der
- Tiefe der künstlerischen Phantasie, die dem Dichter bildend
- nachgeht, ein höchst bemerkenswertes und überaus lehrreiches Bild
- einer völlig verwandelten Kunstkultur.«
-
- Die »Neue Freie Presse«, Wien, schrieb:
-
- »Der >Faust< hat in dieser Ausgabe schon äußerlich etwas
- Feierliches, Ernstes und Würdiges. Er erscheint wie ein Brevier,
- wie eine literarische Hausbibel, der ein besonderer Platz im
- Bücherkasten angewiesen und die mit einer gewissen Andacht
- hervorgeholt wird. Diesem Charakter des Buches entsprechen auch
- die Bilder und Verzierungen, die der Münchener Maler Ernst
- Liebermann gezeichnet hat und die durch ihre kräftige
- Holzschnittmanier dem großen, starken Frakturdruck entsprechen.
- Zu der äußeren Ausstattung stimmt auch der Leineneinband, der
- sehr einfach ist, aber dem Buche auch das Aussehen eines
- wertvollen Kodex gibt.«
-
-
-
-
- Bibliothek wertvoller Memoiren.
-
-
- Lebensdokumente hervorragender
- Menschen aller Zeiten und Völker.
-
- Herausgegeben in Verbindung mit
-
- Prof. Dr. Carl Brockelmann, Leipzig Hofrat Prof. Dr. August
- Fournier, Wien -- Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Karl Theodor
- von Heigel, München -- Geh. Hofrat Prof. Dr. Karl Lamprecht,
- Leipzig -- Prof. Dr. Karl Wenck, Marburg i./H.
-
- von Dr. _Ernst Schultze_, Hamburg.
-
- Der allgemeine Wert guter Memoiren ist von keiner Zeit deutlicher
- empfunden worden als der unsrigen. Für die Mehrzahl aller
- Gebildeten gilt heute mehr als je, was _Goethe_ von sich über die
- starke Anziehungskraft berichtete, die »alles wahrhaft
- Biographische« auf ihn ausübte.
-
- Um so sonderbarer mag es anmuten, daß in keinem Lande der Welt
- seither der Versuch unternommen wurde, die _wertvollsten Memoiren
- aller Zeiten und Völker_ in einem Sammelwerke zu vereinigen. Wohl
- gibt es Memoiren-Sammlungen verschiedener Art, aber eine
- umfassende Sammlung aus der ganzen Weltliteratur existiert noch
- nicht. Sie ist nicht leicht herzustellen -- und je geringeren
- Umfang sie haben soll, desto schwerer. Aber sie kann von
- allergrößtem Interesse für jeden sein, für den die lebendige
- Schilderung von Vorgängen aus Geschichte und Kulturgeschichte
- Reiz besitzt.
-
- _Welche Schätze in diesen vergessenen Memoiren schlummern_, das
- zeigen schon einige der ersten Bände dieser Sammlung. Hoffentlich
- erregen sie das gewünschte Interesse und erfüllen damit ihren
- Zweck: die Neigung für die Beschäftigung mit Geschichte und
- Kulturgeschichte zu stärken und Hunderten Wissensdurstiger
- Stunden interessanter Belehrung zu verschaffen.
-
-
-
-
- Von der
- Bibliothek wertvoller Memoiren
- erschienen bis jetzt folgende Bände:
-
-
- Band 1: Reisen des Venezianers Marco Polo im 13. Jahrhundert.
- Bearbeitet von Dr. Hans Lemke, Berlin. 543 Seiten. 3.-5. Tausend.
-
- Band 2: Deutsches Bürgertum und deutscher Adel im 16.
- Jahrhundert. Erinnerungen des Stralsunder Bürgermeisters
- Bartholomäus Sastrow und des schlesischen Ritters Hans von
- Schweinichen. Bearbeitet von Dr. Max Goos, Hamburg. 324 Seiten.
-
- Band 3: Aus der Dekabristenzeit. Erinnerungen hoher russischer
- Offiziere von der Militär-Revolution des Jahres 1825 (Jakuschkin,
- Obolenski, Wolkonski). Bearbeitet von A. Goldschmidt, Berlin. 382
- Seiten.
-
- Band 4: Die Eroberung von Mexico. Drei eigenhändige Berichte von
- Ferdinand Cortez an Kaiser Karl V. Bearbeitet von Dr. Ernst
- Schultze. Mit Bildern und Plänen. 645 Seiten.
-
- Band 5: Die Erinnerungen des Grafen Paul Philipp von Ségur,
- Adjutanten Napoleons I. Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen,
- Genf. Mit Kartenskizzen im Text. 472 Seiten.
-
- Band 6: Erinnerungen aus dem indischen Aufstand 1857/58. Von Lady
- Inglis und Sergeant Forbes-Mitchell. Bearbeitet von Elisabeth
- Braunholtz, Cambridge. Mit Bildern und Plänen. 376 Seiten.
-
- Band 7: Memoiren aus dem spanischen Freiheitskampfe 1808/11.
- Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen, Genf. 506 Seiten.
-
- Band 8: Am Rande der Kulturwelt. Briefe und Tagebuchblätter des
- Generals Charles Gordon of Khartum. Ausgewählt und übersetzt
- von Dr. Max Goos, Hamburg. 455 Seiten.
-
- Band 9: Die Memoiren Garibaldis. Ein Auszug aus seinen
- Tagebüchern. Bearbeitet vom Kgl. Archivdirektor Prof. Dr. Walter
- Friedensburg, Stettin. 452 Seiten. Mit Porträt Garibaldis.
-
- Band 10: Feldzugserinnerungen aus dem Kriegsjahre 1809.
- Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen, Genf. 387 Seiten.
-
- Band 11: Der Tiroler Volksaufstand des Jahres 1809. Erinnerungen
- des Priesters Joseph Daney. Bearbeitet von Joseph Steiner,
- Innsbruck. 400 Seit.
-
- Preis und Vorzugspreis
- siehe die nächstfolgende Seite.
-
-
-
-
- Bibliothek denkwürdiger Reisen
-
-
- Erzählungen über berühmte Reisen
- aus der Feder von Teilnehmern.
-
- Herausgegeben in Verbindung mit
-
- Wirkl. Geheimrat M. v. Brandt, Exzellenz, Weimar -- Prof. Dr.
- Siegmund Günther, München -- Prof. Dr. Eugen Oberhummer, Wien
- -- Prof. Dr. Siegfried Passarge, Hamburg -- Hofrat Prof. Dr.
- Franz Ritter von Wieser, Innsbruck
-
- von Dr. _Ernst Schultze_, Hamburg.
-
- Es ist eine auffallende Erscheinung, daß trotz des großen
- Interesses, welches das deutsche Volk von jeher allen Reisen und
- Entdeckungen in fremden Ländern und Weltteilen entgegengebracht
- hat, dennoch im ganzen Laufe des 19. Jahrhunderts keine einzige
- großzügige Sammlung berühmter Reisen in Deutschland erschienen
- ist, während im 18. Jahrhundert mehrere solche Sammlungen einen
- großen und eifrigen Leserkreis fanden.
-
- Diesem Mangel in unserer Literatur soll nun durch die »Bibliothek
- denkwürdiger Reisen« abgeholfen werden. Eine _Anzahl der
- hervorragendsten Fachgelehrten_ hat dem Herausgeber der Sammlung
- ihre Unterstützung geliehen. Es ist daher wohl zu erwarten, daß
- sie ihren wichtigen _Zweck_ erfüllen wird: das Interesse für
- denkwürdige Reisebeschreibungen anzuregen und die
- hervorragendsten Großtaten auf geographischem Gebiete in den
- Schilderungen der Teilnehmer selbst der Gegenwart lebendig vor
- Augen zu führen.
-
-
-
-
- In der
- Bibliothek denkwürdiger Reisen
- erschienen bisher folgende Bände:
-
-
- Band 1: Die Weltumseglungsfahrten des Kapitäns James Cook. Auszug
- aus seinen Tagebüchern. 554 Seiten mit 8 Bildern und einer Karte.
- Bearbeitet von Dr. Edwin Hennig, Berlin.
-
- Band 2: Die Erschließung Japans. Erinnerungen des Admirals Perry
- von der Fahrt der amerikanischen Flotte 1853/54. Bearbeitet von
- Privatdozent Dr. A. Wirth, München und Dr. Adolf Dirr, Tiflis.
- 376 Seiten. Mit 6 Bildern.
-
- Band 3: Aus dem Lande der lebenden Buddhas. Die Erzählungen von
- der Mission George Bogle's nach Tibet und Thomas Mannings
- Reise nach Lhasa (1774 und 1812). 480 Seit. Mit 4 Bildern und 1
- Karte. Übersetzt und mit einer Einleitung und mit Anmerkungen
- versehen von M. von Brandt, Exzellenz, Weimar.
-
- Band 4: Auf der Suche nach dem Goldlande. Erzählungen deutscher
- Südamerikafahrer des 16. Jahrhunderts (Nicolaus Federmann,
- Philipp von Hutten, Ulrich Schmiedel, Hans Staden). Bearbeitet
- von Dr. Ernst Schultze, Hamburg. Mit Bildern. Erscheint 1911.
-
- Band 5: Die Reise des Arabers Ibn Batuta durch Indien und China.
- (14. Jahrhundert.) Bearbeitet von Dr. Hans von Mzik, Wien.
- Erscheint im Herbst 1910.
-
- Der Preis jedes Bandes der »Bibliothek denkwürdiger Reisen«
- sowohl wie der »Bibliothek wertvoller Memoiren« ist einheitlich
- auf M. 6.-- geheftet u. M. 7.-- gebunden festgesetzt.
-
- Vorzugspreis: Wer sich zur Abnahme von 4 Bänden verpflichtet,
- also ein Abonnement auf 4 Bände nimmt (die völlig frei aus den
- schon erschienenen oder noch erscheinenden Bänden einer der
- beiden Sammlungen, auch gemischt, ausgewählt werden können),
- erhält einen besonderen Vorzugspreis.
-
- Es kosten dann pränumerando:
-
- 4 Bände gebunden nur M. 22.-- statt M. 28.--
- 4 geheftet 20.-- 24.--
-
- In der Regel sollen die neuen Bände jeder der beiden Sammlungen
- in Abständen von etwa 4 Monaten erscheinen. Allen Abonnenten wird
- von dem Erscheinen eines neuen Bandes 14 Tage vorher Mitteilung
- gemacht; auch werden ihnen regelmäßig Zuschickungen über die neu
- in Aussicht genommenen Bände zugehen.
-
- Über die Luxus-Ausgaben einzelner Bände befinden sich nähere
- Angaben in dem illustrierten Sonder-Prospekt über die »Bibliothek
- wertvoller Memoiren« und »Bibliothek denkwürdiger Reisen«, der
- auch ausführliche Auszüge aus Besprechungen enthält und auf
- Wunsch gern kostenlos zugesandt wird.
-
-
-
-
- Schöne Literatur.
-
-
- _Aeckerle_, H.: _Stille Wasser._ Novellen. 170 Seiten. Preis
- geheftet 2 M., geb. 3 M.
-
- _Aeckerle_, H.: _Prismen._ Weihnachtl. Geschichten. 220 Seiten.
- Preis geheftet 3 M., geb. 4 M.
-
- _Korolenko_, Wladimir: _Im fremden Lande._ Auswanderer-Roman.
- Deutsch von Adda Goldschmidt und H. Aeckerle. 239 Seiten. Preis
- geheftet 2 M., geb. 3 M.
-
- _Loewenberg_, J.: _Stille Helden._ Novellen. 223 Seiten. Preis
- geheftet 2 M., geb. 3 M.
-
- [Illustration: Einbandzeichnung zu: Waltharilied. Der arme
- Heinrich. Lieder der alten Edda.]
-
- _Maurer_, Amalie: _Gedichte einer Mutter._ Mit Bildern von
- Ernst Liebermann. Pr. gb. 3 M.
-
- _Rosen_, Erwin: _Der König der Vagabunden._ Lustige
- Geschichten von amerikanischem Gelichter. 192 S. Pr. geh. 3
- M., geb. 4 M.
-
- _Scharlau_, Willy: _Hauptmann Althaus._ Roman eines Offiziers.
- 360 S. Preis geheftet 4 M., geb. 5 M.
-
- [Illustration: Einbandzeichnung zu: Venezianische Novellen von
- Adolf Stern.]
-
- _Stern_, Adolf: _Venezianische Novellen_. Mit Einbandzeichnung
- von Richard Lipps, München. 245 S. Preis geheftet 2 M., geb.
- 3 M.
-
- _Stern_, Adolf: _Die Sängerin von Santa Maria dell'Orto_ und
- andere Novellen. 346 Seiten. Preis geh. 3 M., geb. 4 M.
-
- Als Einzeldruck aus diesem Bande:
-
- _Stern_, Adolf: _Maria vom Schiffchen._ Römische Novelle. Mit
- Einbandzeichnung von Richard Lipps, München. 74 Seiten. Preis
- geheftet 1 M., geb. 1.50 M.
-
- _Waltharilied. Der arme Heinrich. Lieder der alten Edda._
- Übersetzt von den Brüdern _Grimm_. Mit Buchschmuck von Ernst
- Liebermann. 180 S. gr. 8°. Preis gebunden 5 M. Luxus-Ausgabe
- in Pergament-Band 20 M.
-
- _Weiß_, Hedwig: _Weihnachtsbuch_. Illustriert. Jedes Exemplar von
- der Künstlerin selbst durchgesehen. Preis geb. 5 M.
-
- _Wilda_, Johannes: _Kriegsflagge und Fischersegel_. Novellen aus
- dem Seeleben. Band 1: Kadetten- und Kapitäns-Abenteuer. 184
- Seiten. Band 2: Boots- und Bord-Novellen. 188 Seiten. Jeder
- Band geheftet 2.50 M., gebunden 3.50 M.
-
- _Wister_, Owen: _Novellen aus dem Abenteurerleben des Wilden
- Westens_. Ins Deutsche übertragen von Adda Goldschmidt. 240
- Seiten. Geheftet 2 M., gebunden 3 M.
-
-
-
-
- Plattdeutsches.
-
-
- _Garbe_, Robert: _Görnriek_. Gedichten för Jungs un Deerns.
- Biller von Oskar Schwindrazheim. Preis geheftet 0.80 M., geb. 1
- M.
-
- _Meier_, Heinrich: _De rechte Schaul_. Erzählung. Preis geheftet
- 1.50 M., geb. 2.50 M.
-
- _Poeck_, Wilhelm: _De Herr Innehmer Barkenbusch_ und andere
- Geschichten von der Waterkant. Mit Buchschmuck von O.
- Schwindrazheim, Hamburg. 186 S. Preis geheftet 2 M., geb. 3 M.
-
- _Poeck_, Wilhelm: _In de Ellernbucht_. En Geschicht von de
- Hamborger Waterkant. 448 Seiten. Preis geheftet 4 M., gebunden 5
- M.
-
- _Stavenhagen_, Fritz: _Grau und Golden_. Hamburger Geschichten
- und Skizzen. Mit Buchschmuck. 178 Seiten. Preis geheftet 2 M.,
- geb. 3 M.
-
- _Stavenhagen_, Fritz: _Mudder Mews_. Niederdeutsches Drama in 5
- Akten. 121 Seiten. Preis geheftet 2 M., geb. 3 M.
-
- _Stavenhagen_, Fritz: _Jürgen Piepers_. Niederdeutsches
- Volksstück in 5 Akten. Mit Buchschmuck. 165 Seiten. Preis
- geheftet 3 M., geb. 4 M.
-
- _Stavenhagen_, Fritz: _Der Lotse_. Hamburger Drama in 1 Akt. 50
- Seiten. Preis geheftet 1 M., geb. 2 M.
-
- _Stavenhagen_, Fritz: _De dütsche Michel_. Niederdeutsche
- Bauernkomödie in 5 Akten. Mit Buchschmuck v. Oskar
- Schwindrazheim, Hamburg. 154 Seiten. gr. 8°. Preis geheftet 3 M.,
- gebunden 4 M.
-
- _Stavenhagen_, Fritz: _De ruge Hoff_. Niederdeutsche
- Bauernkomödie in 5 Akten. 144 Seiten. Preis geheftet 2.50 M.,
- geb. 3.50 M.
-
-
-
-
- Allgemeinverständliche wissenschaftliche Literatur.
-
-
- _Classen_, W. F.: _Großstadtheimat_. Beobachtungen zur
- Naturgeschichte des Großstadtvolkes. Mit Einbandzeichnung von O.
- Schwindrazheim, Hamburg. 244 Seiten. Preis geheftet 3 M., geb. 4
- M.
-
- _Classen_, W. F.: _Vom Lehrjungen zum Staatsbürger_. Zur
- Naturgeschichte unserer heranwachsenden Jugend. 114 Seiten.
- Geheftet 1.60 M., geb. 2.25 M.
-
- _Grimm_, Jakob: _Auswahl aus den Kleinen Schriften_.
- Herausgegeben und mit Einleitung versehen von Dr. Ernst Schultze.
- Mit Bildnis Grimms. 286 Seiten. Preis geh. 2 M., geb. 3 M.
-
- Als Einzeldruck aus diesem Bande:
-
- _Grimm_, Jakob: _Rede auf Schiller_. Mit Bildnis Schillers von
- Gerhard von Kügelgen. 32 Seiten. Preis geheftet 50 Pf., geb. 1 M.
-
- _Hennig_, Dr. Richard: _Wunder und Wissenschaft_. Eine Kritik und
- Erklärung der okkulten Phänomene. 247 Seiten. Preis geheftet 3
- M., geb. 4 M.
-
- _Hennig_, Dr. Richard: _Der moderne Spuk- und Geisterglaube_.
- Eine Kritik und Erklärung der spiritistischen Phänomene. 2. Teil
- des Werkes »Wunder und Wissenschaft«. 367 Seiten. Preis
- geheftet 4 M., geb. 5 M.
-
- _Loewenberg_, Dr. J.: _Deutsche Dichter-Abende_. Eine Sammlung
- von Vorträgen über neuere deutsche Literatur. Mit Bildnis
- Liliencrons. 200 Seiten. Preis geheftet 2 M., geb. 3 M.
-
- Als Einzeldruck aus diesem Bande:
-
- _Loewenberg_, Dr. J.: _Detlev von Liliencron_. Mit Bildnis
- Liliencrons. 32 Seiten. Preis geheftet 50 Pf., geb. 1 M.
-
- _Schultze_, Dr. Ernst: _Aus dem Werden und Wachsen der
- Vereinigten Staaten_. (Kulturgeschichtliche Streifzüge, Band 1.)
- 224 Seiten. Preis geheftet 2 M., gebunden 3 M.
-
- Aus einer längeren Besprechung in der »Deutschen
- Literaturzeitung«:
-
- »Die Arbeit des Verfassers hat in einer der ersten, wenn nicht
- der besten amerikanischen Wochenschrift, dem »Outlook«, eine sehr
- günstige Beurteilung gefunden, und der Kritiker empfiehlt sogar
- eine möglichst baldige Übersetzung des Buches ins Englische, da
- es eine besonders interessante Übersicht jetzt bestehender
- Zustände gibt. Dies Lob ist verdient.«
-
- »In ihren einfachen, allen Übertreibungen fernbleibenden
- Schilderungen tatsächlicher Verhältnisse müssen diese Skizzen zu
- dem Besten gezählt werden, was über die Vereinigten Staaten in
- den letzten Jahren veröffentlicht worden ist.«
-
- _Weimar._
-
- M. v. _Brandt_, Kaiserl. Gesandter a. D.
-
-
-
-
- Bücher über Pädagogik und Volksbildung.
-
-
- _Archiv für das Volksbildungswesen aller Kulturvölker._
- Herausgegeben von Dr. Ernst Schultze und Prof. G. Hamdorff. Band
- 1. 352 Seiten. Preis geheftet 5 M., geb. 6 M.
-
- _Bilder aus dem Kinderleben des Pestalozzi-Fröbelhauses zu
- Berlin._ Reich illustriert. 95 Seiten. Preis geheftet 1 M.
-
- _Lieder und Bewegungsspiele._ Für das Pestalozzi-Fröbelhaus zu
- Berlin gesammelt, bearbeitet und herausgegeben von Else Fromm.
- Mit Noten. 215 Seiten. 3. Auflage. Preis gebunden 2.50 M.
-
- _Loewenberg_, Dr. J.: _Geheime Miterzieher_. Studien und
- Plaudereien für Eltern und Erzieher. 5. Auflage. Preis geheftet
- 1.50 M., geb. 2.50 M.
-
- _Schultze_, Dr. Ernst: _Freie öffentliche Bibliotheken_
- (Volksbibliotheken und Lesehallen). Illustriert. 362 Seiten.
- Preis geh. 6 M., geb. 7 M.
-
- _Schultze_, Dr. Ernst. _Die Volksbildung im alten und im neuen
- Jahrhundert_. 28 Seiten. Preis geheftet 0.50 M.
-
- _Schultze_, Dr. Ernst: _Volksbildung und Kneipenleben_. 16
- Seiten. Preis geheftet 0.20 M.
-
- _Schultze_, Dr. Ernst: _Volksbildung und Volkswohlstand_. Eine
- Untersuchung ihrer Beziehungen. 84 Seiten. Preis geheftet 2 M.,
- geb. 3 M.
-
- Ausführliche illustrierte Prospekte mit Auszügen aus
- Besprechungen versendet der Verlag gern unberechnet und
- portofrei. Ebenso benachrichtigt er Interessenten mit Vergnügen
- fortlaufend über sämtliche Neuerscheinungen.
-
- HAMBURG-GROSSBORSTEL.
-
- GUTENBERG-VERLAG
- Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
-
- Im Gutenberg-Verlag, Gesellschaft mit beschr.
- Haftung, Hamburg-Großborstel, erschien:
-
-
-
-
- Die deutsche Landschaft.
-
-
- Deutsche Charakter-Landschaften in farbigen Bildern
- von
- Prof. Ernst Liebermann
-
- Inhalt:
-
- Lieferung I. Blatt 1: In den Vorbergen der bayerischen Alpen. 2:
- Alpenvorland. 3: Rheinlandschaft. 4: Eifellandschaft. 5:
- Burgruine im Mosellande.
-
- Lieferung II. Blatt 6: Buchenwald. 7: Thüringer Landschaft. 8:
- Felder. 9: Landstraße. 10: Saalelandschaft.
-
- Lieferung III. Blatt 11: Felsenpartie im Elbsandsteingebirge. 12:
- Riesengebirgslandschaft (Schneekoppe). 13: Ein Tannenwald. 14:
- Aus dem fränkischen Jura; Motiv: Obereichstätt. 15:
- Donaulandschaft; Motiv: Bei Kelheim.
-
- Preis der Lieferung (enthaltend 5 Blätter):
- M. 5.--. Preis des Einzelblattes: M. 1.25.
- Bildgröße 15:20 cm. Kartongröße 25:30 cm.
-
- In unseren Wechselrahmen bilden die Liebermannschen Landschaften
- den schönsten Zimmerschmuck.
-
- Die Wechselrahmen, die in zwei verschiedenen Ausführungen zu haben
- sind, ermöglichen es, in _wechselnder Folge_ heute dies, morgen
- jenes Blatt vor sich zu sehen, so daß der Beschauer sich je nach
- Laune und Stimmung heute an das rebenumkränzte Ufer des Rheins
- oder auf schneebedeckte Bergeshöhen, morgen in das liebliche
- Thüringen oder die ernste Eifel versetzen kann.
-
- Urteile der Presse: »Diese klaren und doch weichen Vierfarbendrucke
- gehören zu den vollkommensten Leistungen der in Deutschland
- hochentwickelten Reproduktionskunst. Man kann erwarten, daß die
- Bilderserien »Die deutsche Landschaft« allgemein lebhaften
- Beifall finden werden«.
-
- Beilage der Münchner Neuesten Nachrichten.
-
- »Technisch ungemein gewandt, sicher und echt fühlend ...,
- Großzügig .... packende Farbigkeit.«
-
- Der Türmer.
-
- Wechselrahmen mit Rückwand und Federverschluß (für Hoch-
- und Querformate zu benutzen):
-
- Mahagonileiste mit Goldeinlage, Preis einschließlich Glas M.
- 2.50. Weiße gerippte Leiste, Preis einschließlich Glas M.
- 2.--. Verpackung für jedes Blatt 50 Pf.
-
- Feste Rahmung in prächtiger Altgoldleiste,
- Preis _mit_ Bild, einschließlich Glas, M. 2.--.
-
- Verpackung für jedes Bild 25 Pf. -- Die Lieferung selbst erfolgt
- portofrei.
-
- Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Bei Voreinsendung des
- Betrages oder gegen Nachnahme liefern wie portofrei.
-
- Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Französische Lyrik alter und neuer
-Zeit in deutschen Versen, by Various
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FRANZÖSISCHE LYRIK ALTER UND ***
-
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-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
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-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
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-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
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-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
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-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
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-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
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